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No. 1/2014 Januar/Februar 4. Jahrgang

Das einzige Schweizer Gratis-Magazin f端r musikalische Lebenskultur

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BIRDY DIE KRUPPS SKUNK ANASIE AXEL RUDI PELL RUNNING WILD CHINA LACSON BABY JAIL ROCK MEETS CLASSIC BARONESS ATLANTEAN KODEX VAN CANTO PINK JELLY BEAN * SPAN * AMON AMARTH QUEENSRYCHE * SEETHER * PENTAGRAM

Samu Haber The Voice of Finland

SUNRISE AVE


Mit ihrem Frontmann Samu Haber haben die Finnen den absoluten Goldesel. Seine Stimme und sein Charme machen Frauen jeglicher Altersklasse schwach und sorgen auch bei Männern für beste Laune. Er schreibt allerfeinste Popsongs und ist in den internationalen Medien omnipräsent. Jetzt kommen die Normannen ins Hallenstadion.

DIE KRUPPS

Inhalt

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SUNRISE AVE.

FEATURES / INTERVIEWS: - BIRDY

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Traurig-schöne Geschichten

- ROCK MEETS CLASSIC 22 Zwischen den Welten

- SKUNK ANANSIE

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Auf Akustik-Tournee

- BARONESS

Zu Beginn der 80er schafften die Maschinen-Musiker wegweisende Alben. Nach Jahren der Trennung haben sie die Quintessenz all ihrer Experimente auf den Punkt gebracht: Jetzt sind Jürgen Engler und Die Krupps mit ihrem neuen Album «The Machinists Of Joy» auf ihrer absoluten Höhe.

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Stillstand ist der grösste Feind

- ATLANTEAN KODEX

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Bayrischer Underground

- VAN CANTO

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Metal acapella

- RUNNING WILD

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Rock›n›Rolf im Interview

AXEL RUDI PELL

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Der Ruhrpott-Gitarrist ist ein absolutes Phänomen in der deutschen Metal-Szene. Seit Auflösung seiner ersten Band STEELER klettert Pell unaufhörlich die Erfolgsleiter hinauf - und das seit nunmehr 25 Jahren. Dabei legt er stets Wert darauf, sich mit internationalen Top-Musikern zu umgeben und musikalisch nur beste Qualität abzuliefern. Zum Release seines neuen Albums sprachen wir mit dem Blackmore-Verehrer.

Schweizer Szene: - CHINA

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Höhenflug

- HOUSE OF SOUND - PINK JELLY BEAN

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RockaRolla Ticinese

- LACSON

für dich zur Mitnahme bereit Editorial Gratis - alle 2 Monate neu

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Vorgestellt

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Raph Krauss ist angekommen

- BABY JAIL

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Die Rückkehr der Kult-Band

LIVE REVIEWS: - SPAN - SEETHER - PENTAGRAM - QUEENSRYCHE - BARONESS - AMON AMARTH

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www.tracks-magazin.ch CD

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Mainstream/Indie/Alternative Bad Religion, Hawkwind, Mia, Max Herre, Dionna, Milky Chance, The BossHoss, Spindrift, Shantel, The Temperance Movement, Darkhaus ...

- 29

- 52

DVD/BluRay Black Sabbath, Bryan Adams, Deep Purple, Def Leppard, Rolling Stones...

- 54 Re-Releases The Beatles, The Boomtown Rats, The Who, Humble Pie, Nick Drake, Frank Sinatra...

Swiss Admiral James T, Becky Lee, Cloudride, Guz, Crystal Ball, Manolo Panic, Pilomotor, Tinta Leal, Lacson, Franky Silence, Stefania Kaye ...

Americana/Country/Southern Blackberry Smoke, Lindi Ortega, Ron Block, The Band Of Heathens, Alabama & Friends...

Hard/Heavy/Metal Axel Rudi Pell, Betzefer, Avatarium, Lita Ford, Hail Of Bullets, Death Angel, Motörhead, Onslaught, Satyricon, Skindred, Spiralarms, Trouble...

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Konzertkalender Wettbewerb / Impressum

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There's Beauty in Sadness

Sie ist eine kleine Sensation. Vor zwei Jahren kam mit ihrer Version des Bon Iver Songs „Skinny Love“ einer der rührendsten Songs an die Oberfläche des weiten Musikozeans. Die damals 15jährige englische Elfe mit der Zahnspange verzauberte jeden einzelnen Hörer mit ihrer filigranen Stimme und dem zarten Klavierspiel.

ip. Was Birdy vor zwei Jahren auf ihrem selbstbetitelten Debut erschaffen hatte, war pure Magie. Dass sie mit 15 Jahren auch noch unglaublich jung war (und jetzt mit 17 immer noch ist), war zwar ein zusätzliches Spektakel, ging aber in Anbetracht der Qualität der Interpretationen beinahe schon wieder unter. Wie alt Birdy war oder ist, spielt schlichtweg überhaupt keine Rolle, denn sie ist als Musikerin in so einem Masse erstaunlich, dass nur das zählt. Wenn man überhaupt irgendwelche Vergleiche mit ihrem Alter versucht zu ziehen, dann endet man schnell in einer Sackgasse. Wo Verzweiflung die einen durch ganze Castingshowstaffeln treibt, andere den Sinn ihres Lebens in Handtaschen und Lidschattenfarbcodes suchen und wieder andere die typische Jugenddisziplin Garagenpunkrock auf lobenswert echten Instrumenten durchleben, sitzt Birdy mit ihrem Klavier auf einem weit entfernten anderen Ast und schreibt Songs für Lauscher. Hören ist nämlich das, was Hörer tun, und hören tut man alles. Lauschen können nur diejenigen, die Zeit, Musse und offene Ohren haben. Das offene Ohr hat Jasmine Van den Bogaerde, so Birdys amtlicher Name, von ihren Eltern geerbt. Ihre Mutter Sophie, eine professionelle Konzertpianistin, konnte ihrer Tochter das Klavierspielen schon früh nahebringen. Mit sieben lernte Birdy dann richtig zu spielen und fing mit acht Jahren an, ihre eigenen Songs zu schreiben. Auch ihre vier Geschwister sind musikalisch unterwegs, der älteste von ihnen spielt Schlagzeug in einer folkigen Alternativeband namens Native Roses, in der Birdy auch ab und an für Gastgesang auftaucht. Überhaupt scheint das Familienleben bei den Bogaerdes eine sehr wichtige Rolle zu spielen. Ein Elternteil begleitet sie immer auf Tourneen und die Tatsache, dass sich Eltern und Kinder sehr nahe stehen, trägt dazu bei, dass Birdy ihre Konzertreisen immer entspannt angehen kann. Ausserdem sind ihre Eltern ein wichtiger Gradmesser für neue Kompositionen, denn sie sind jeweils die ersten, denen Birdy ihr frisch geschriebenes Material vorspielt. Sie zählt auf die Ehrlichkeit, mit der sie die Werke ihrer Tochter bewerten.

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Ehrlichkeit ist eine Menge wert in diesem Geschäft, auch das hat sie mit Sicherheit von ihren Eltern mitbekommen. Als sie mit zwölf zum ersten Mal im Internet auftaucht, sind die User so fasziniert von ihr, dass sie innerhalb kürzester Zeit in mehrstellige Klickbereiche auf Youtube kommt. Ihr Talent ist so offensichtlich, dass Produzenten sich darum reissen, ihr erstes Album aufnehmen zu dürfen. Das Rennen machen schliesslich Rich Costey (u.a. Muse), James Ford (u.a. Arctic Monkeys) und Jim Abbiss (u.a. Adele). Sie verhelfen Birdy zu einem einschlagenden Album, obwohl dies bis auf die Eigenkomposition „Without A Word“ nur aus geliehenen Covers besteht. Unter anderem finden sich die Nummern „1901“ von den Franzosen Phoenix darauf, das bereits genannte „Skinny Love“ der amerikanischen Indiefolker Bon Iver oder die Red Nose Day Hymne „People Help The People“, die normalerweise im Repertoire der Briten Cherry Ghost zu finden ist. Die Auswahl dieser Songs dreht sich in der Hauptsache um das Thema „Indie“ in allen Schattierungen, denn die meisten der gecoverten Bands finden sich in der folkig-rockigen Alternativecke. Eine Ausnahme macht da der Song „Shelter“, ein Song der Londoner Dreampop-Formation The xx. Birdy macht aus der (pardon) im Original eher öden Nummer eine unglaublich berührende und feine Ballade, die mit ihrer Stimme und dem Klavier zu einem komplett neuen und lebendigen Stück wird. Überhaupt möchte man eigentlich nur noch die BirdyVersionen dieser Songs hören. Soviel Charme und Reduktion auf das Wesentliche, inklusive dem auf den Aufnahmen hörbaren Klavierpedal oder den Zahnspangen-Lisplern, die diese eigentlich erwachsenen Texte in eine Unschuldigkeit zurückholen, in der nichts mehr von ihrer Selbstüberschätzung übrig bleibt, darf eigentlich schon als frech bezeichnet werden. Allein für diese Lektion in interpretatorischer Demut muss man Birdy Respekt zollen. Sie ist sich, als CoverversionSpezialistin, allerdings auch sehr klar darüber, dass es Songs gibt, die in der

Es bleibt eine leichte Angst, dass man ihr in Zukunft vielleicht etwas zu sehr ins Arrangement hineinredet und sie zu einem Chartbreaker machen will

Übernahme nicht funktionieren. „Manchmal ist es einfach nicht der richtige Song. Wenn es klappt, dann geht es darum, das gewisse Etwas in dem Lied zu finden. Das, was heraussticht, dir etwas bedeutet und das du ausbaust, bis der Song nach deinem eigenen klingt. Es geht darum, etwas von dir in dem Song zu finden.“ Auch für das erste Album wurden einige Lieder wieder verworfen, die einfach nicht klappen wollten, „egal, wie lange ich daran gesessen und gefeilt habe.“ Nun, manchmal liegt die Kunst eben auch im Weglassen. Ihr neues Album „Fire Within“, das ausschliesslich aus ihren eigenen Songs besteht, lässt man allerdings besser nicht weg. „Fire Within“ ist nicht mehr ganz so schlicht. Die Kompositionen sind grösser, voller und vielleicht auch ein bisschen mehr Mainstream. Es sind Birdys Songs, aber es bleibt eine leichte Angst, dass man ihr in Zukunft vielleicht etwas zu sehr ins Arrangement hineinredet und sie zu einem Chartbreaker machen will, der sie gar nicht ist und nicht sein kann. Und vor allem nicht sein muss. Vorläufig ist diese Angst noch nicht allzu begründet. Birdy präsentiert sich in einem anderen Kontext und freut sich darüber, dass sie mit „Fire Within“ endlich ihre eigenen Songs herauslassen darf. Insofern kann man das Album als eigentliches Debut betrachten, was auch Birdy selbst so beschreibt. Die erste Single „Wings“ jedoch löst offenbar auch ein wenig Unsicherheit in ihr aus. Im Kern hört man diesem Lied die melancholische Verspieltheit des Debuts an, aber wenn der Refrain und vor allem das letzte Drittel eine ansteigende Dramatik und grosses Stadionfeeling aufkommen lässt, dann bricht eindeutig der Einfluss des CoWriters Ryan Tedder von OneRepublic hervor. Daran muss man sich als Birdy-Lauscher erstmal gewöhnen, und auch für sie selbst war es eine Überraschung, wie viel Drive letzendlich in den Song floss. In einem Interview sagt die Britin dazu: „Die anderen Songschreiber, mit denen ich

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zusammengearbeitet habe, brachten ihren eigenen Dreh in die Songs. Aber natürlich ist immer noch sehr viel Persönliches von mir darin. Die Erfahrung, mit anderen Musikern zusammen zu komponieren, war erst komisch. Ich musste mich Leuten gegenüber öffnen, denen ich nie zuvor begegnet war. Aber ich habe schnell gemerkt, dass ich es liebe. Es ist erstaunlich, wie man auf neue Ideen kommt, wenn jemand anderes einen in die richtige Richtung lenkt.“ Darum wurde „Fire Within“ nicht nur ihr eigentliches Debut, sondern auch ihre Lehrbefähigung zum erweiterten Songwriting. Wo sie vorher alleine mit ihrem Klavier war, teilte sie für das neue Album ihre Ideen mit anderen Musikern und öffnet ihren Horizont in alle Richtungen. Neben Ryan Tedder ist auch Tom Hull alias Kid Harpoon als Co-Writer aufgeführt, der neben seiner eigenen Karriere auch schon für Bands wie Florence & The Machine komponiert hat (und zwar u.a. den Track „Shake it Out“, der 2013 für einen Grammy nominiert war). Ausserdem ist Sia in der Liste der Mitautoren zu finden, die zusammen mit David Guetta den Überhit „Titanium“ geschrieben und mit ihrer Stimme vergoldet hat. Sie hat nun mit Birdy das sehr düstertraurige „Strange Birds“ verfasst, das von einem perfekten Spannungsbogen lebt. Einer der Songs auf „Fire Within“, der sehr Birdy-typisch anfängt, „Standing In The Way Of Light“, wurde von Fraser T Smith in die richtige Form geknautscht. Smith ist einer der wichtigsten zeitgenössischen englischen Produzenten/Engineers, mit der Erfahrung eines Gitarristen ausgestattet und mitverantwortlich für grosse Songs wie Adeles „ Set Fire To The Rain“ oder „Broken Strings“ von James Morrison und hat ebenfalls mit Acts wie Cee Lo Green oder Taio Cruz gearbeitet. Aber Birdys Lieblingsmitkomponist ist Ben Lovett. „Es war äusserst ungewöhnlich, mit Ben zu schreiben“, begründet Birdy diese Wahl. „Er nahm unbekannte Gedichte und fing an, um sie herum einen Song zu

komponieren. Danach haben wir die Worte mit unseren eigenen Lyrics ausgetauscht. Ich habe noch nie so etwas ausprobiert. Das war sehr ungewöhnlich, aber ich fand das sehr interessant.“ Aus dieser Arbeitsweise heraus entstand „No Angel“, eine ruhige Ballade, die kaum an Lovetts eigentliche Band Mumford & Sons erinnert. Im Gegenteil: Das Lied macht den Anschein, als hätte Lovett die Essenz der kleinen Künstlerin herausgefiltert und in Töne umgesetzt. Das weiss auch Birdy: „Dieser Song ist wahrscheinlich derjenige, der am meisten nach meinem ersten Album klingt. Er ist einer meiner Favoriten auf „Fire Within“.“ Wenn Birdy alleine schreibt, tut sie das am liebsten an einem ruhigen Ort, bevorzugt in ihrem Zimmer zuhause. Durch das viele Unterwegssein konnte sie allerdings auch ihren Erfahrungsschatz vergrössern und so ist ein Teil ihres neuen Albums auch von den Geschichten inspiriert, die sie an fremden Orten erlebt hat. Dass ihre Musik mehrheitlich melancholisch ausfällt, ist gewollt. „Da ist so viel Schönheit in Traurigkeit. Ich bin mit sehr viel klassischer Musik aufgewachsen, die oft sehr melancholisch ist. Das habe ich schon immer geliebt. Die Gefühle sind in mir einfach am stärksten, wenn ich solche Lieder singe. Da ist sehr viel Kraft drin.“ Gut aufgehoben hat sie sich im Studio gefühlt, weil sie mit Leuten zusammenarbeiten konnte, die sie auch schon während der Aufnahmen zum ersten Album begleitet hatten. „Das war sehr beruhigend und ich wusste auch schon, wie alles abläuft. Deshalb konnte ich auch mit mehr Selbstvertrauen aufnehmen. Ich wusste genau, wie das neue Album klingen sollte und was ich wollte, das hat geholfen.“ Birdy ist eine Künstlerin, die am grössten klingt, wenn sie mit ihrem Klavier eins wird. Das Klavier wird wohl auch für immer die Verbindung zu


ihrer Mutter darstellen. Denn obwohl sie gerade erst Gitarre spielen gelernt hat und dies auch auf der Bühne einsetzt, würde sie ihr Piano nie eintauschen wollen. Manchmal nimmt sie zwischen den zahlreichen Auftritten und Engagements bei ihrer Mutter Klavierstunden. Das geht nicht immer reibungslos vonstatten, denn als Lehrerin achtet ihre Mutter akribisch auf Details und wird auch schon mal ungehalten über Nachlässigkeiten, die sich Birdy auf Tour angewöhnt hat. Die stabile Beziehung hält das aber aus, denn es geht nicht darum, dass eine Mutter ihre Tochter zum Erfolg drillen will. Die kleinen Zurechtweisungen erden den jungen Star und lässt vor allem den Ehrgeiz auf einem hohen Level verharren. Obwohl der Begriff „Ehrgeiz“ relativ ist. Denn wer mit so viel Talent unterwegs ist, braucht weniger Biss, dafür aber viele offene Kanäle, um seinen Inspirationen Raum geben zu können. „Fire Within“ ist ein Beweis dafür, dass Birdy ihre Kanäle nutzt und sich so viel Inspiration holt, wie sie bekommen kann. Der Lernprozess in dieser Richtung hat gerade erst begonnen. Lernen will sie ebenfalls, ihr Lampenfieber in den Griff zu bekommen. „Ich habe Angst, dass den Leuten meine eigenen Lieder nicht so gut gefallen könnten, oder dass ich irgendwelche Fehler mache“, sagt sie. Die Befürchtung, dass dem Publikum Birdys Lieder nicht gefallen könnten, ist ein absurder Gedanke. Dieser Sorge könnte sie sich deshalb direkt entledigen. Das Lampenfieber wird sich wohl mit der Zeit und der dazugewonnenen Erfahrung legen, und daran arbeitet die Engländerin seit zwei Jahren auf Hochtouren. Sie war seit Erscheinen ihres ersten Albums kaum zuhause und in der ganzen Welt unterwegs. Nachdem sie vor zwei Jahren noch hauptsächlich in ihrem Heimatland und Frankreich unterwegs war, kamen dann die Staaten mit Auftritten bei Ellen DeGeneres und Conan O'Brien und Australien als nächste Haltestellen hinzu. Speziell für ihre australischen Fans hat sie den John Butler Trio Song „What You Want“ aufgenommen, um sich bei ihnen für den grossen Support zu bedanken. John Butler, der in Kalifornien als Sohn eines Australiers geboren wurde und später dorthin umzog, schrieb den Song vor knapp zehn Jahren und seitdem erfreut sich der Track grosser Popularität down under. Was für einen Song sie uns Schweizern schenken würde, und ob sie das überhaupt tut, könnte sich vielleicht nach ihren Konzerten im Februar in Zürich und Lausanne zeigen. Andererseits ist es aber schwer vorstellbar, wie unser kratziger Dialekt in einen zarten Birdy-Song passen sollte. Darum lassen wir das lieber, denn Songs zum Schenken hat Birdy mehr als genug, und lauschen der Schmetterlingsflügelstimme, die mit ihrem Klavier traurigschöne Geschichten singt.

Ich musste mich Leuten gegenüber öffnen, denen ich nie zuvor begegnet war. Aber ich habe schnell gemerkt, dass ich es liebe.

BIRDY Fire Within Warner 1. Wings 2. Heart Of Gold 3. Light Me Up 4. Words As Weapons 5. All You Never Say 6. Strange Birds 7. Maybe 8. No Angel 9. All About You 10. Standing In The Way Of The Light 11. Shine 12. The Same 13. Dream 14. Older

LIVE 19. Februar 2014 Zürich, X-Tra


CD Mainstream/Indie/Alternative MILKY CHANCE Sadnecessary Lichtdicht/Pias

SKUNK ANANSIE Live in London Edel/Phonag hh. Freunde des Retro-Rocks dürfen sich freuen. Das britische Quintett legt nach ihrer EP (2012) nun den ersten regulären Longplayer vor und qualitätsmässig gleich noch eine satte Schippe drauf. War die EP schon im Vergleich zu den mittlerweile unübersichtlichen Retroband-Releases (leider wird hier mal wieder eine attraktive musikalische Sparte durch zu viele minderwertige Produkte gnadenlos aus- und abgeschlachtet) eine durchaus erfreuliche Angelegenheit, glänzt die schottisch/englische Vereinigung hier mit einem klasse Album. 12 Songs zwischen herausragend und gut, wobei die herausragenden deutlich in der Mehrzahl sind, pendeln musikalisch zwischen The Black Crowes, Frankie Miller und (viel) Free – also bester 70er Rock englischer Prägung. Mit Sänger Phil Campbell (nicht zu verwechseln mit Lemmy's Sideman bei Motörhead) hat die Truppe einen starken Frontmann, der mit seiner kraftvollen, rauen Stimme den Sound prägt. Zudem hat er ein hervorragendes Gespür für catchy Melodien und beweist in den folkigen Balladen viel Seele und Gefühl. Die Band spielt ebenfalls äusserst songdienlich und dynamisch und hat mit den beiden Gitarristen die für diesen Sound perfekten Musiker an Bord. Ihr reduziertes Spiel ist in erster Linie darauf ausgelegt zusammen mit Bass und Drums einen groovenden Teppich zu legen, auf dem Campbell sich stimmlich bestens entfalten kann. Dass weniger mehr sein kann, wird hier eindrücklichst und

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überwiegend meisterlich vorgeführt. Die Band rockt sich amtlich und mit viel Drive durch das Repertoire und die berührenden Balladen sind völlig frei von jeglichem Kitsch und dem Schielen auf Radio-Playlists. Auf der Insel haben Medien und Fans das grosse Potential der Band bereits erkannt, wurden sie doch im November 2013 als „beste neue Band“ mit einem Classic Rock Award ausgezeichnet. Damit stiegen sie als Newcomer direkt in die SpitzenLiga auf, denn zu den anderen Award-Gewinnern zählten Grössen wie Black Sabbath, Led Zeppelin, Fleetwood Mac, Rolling Stones – um nur einige zu nennen. Und nach Hören dieses Albums kann man nur sagen: Glückwunsch – Temperance Movement haben es voll und ganz verdient. Handgemachter Classic Rock auf einem bluesigen Unterbau, unaufgeregt und mit viel Tiefgang interpretiert. Die Produktion passt sich dem tollen musikalischen Vortrag der Band ohne Abstriche an, ist transparent, drückt da wo es sein muss und nimmt sich zurück, um die ruhigen Momente atmen zu lassen. Ein herausragendes Debüt, das trotzdem noch Luft nach oben lässt. In der Hoffnung, dass sich die junge Truppe ihre Roots und Unbefangenheit bewahrt, freuen wir uns jetzt schon auf eine Fortsetzung.

hug. Das ist gut eine gute Idee: Vor dem Hintergrund von Pop und Jazzschule dehnt das Duo aus Kassel auf seinem Debüt die Songstrukturen so weit auseinander, dass ein Song eher wie ein loses Gebilde klingt denn wie ein logisch zusammengesetztes Puzzle. In ihren besseren Momenten erinnern sie dabei an Gotyes «Somebody That I Used To Know», und mit dem eher lakonischen Gesang von Clemens Rehbein ergibt das eine ganz ansprechende Mischung. Aber am Ende fehlt den Songs etwas, was sie zusammenhält, etwas Zwingendes in diesen losen Gebilden. Das könnte bildlich gesprochen ein flüssiger Kern sein. Oder ein treibender Beat. Oder eine coole Hookline. Was genau das ist, muss die Band selber herausfinden, denn musikalisch machen sie nichts falsch. Es hat etwas mit der grundsätzlichen Herangehensweise an die eigene Musik zu tun, mehr ein Gefühl denn ein handwerklicher Aspekt. Und wenn Milky Chance das begriffen hat, wird ihre Musik toll klingen.

M.I.A. Matangi Interscope/Universal

hug. Mit einem ganzen Jahr Verspätung erscheint endlich das vierte Album der srilankesischen Engländerin, die mit ihrem Debüt «Arular« 2005 als widerspenstige Rebellin einschlug wie eine Bombe. Grund für die Verzögerung war ihr Plattenlabel Interscope, dem die erste Version des Albums irgendwie nicht gefallen hat. Nun also «Matangi» im CDPlayer, und der erste Eindruck ist

der: Die Zeiten der Schlachtrufe ist vorbei, definitiv. M.I.A. singt und rappt vergleichsweise geradezu entspannt, geht einzelne Tracks sogar geradlinig und linear an, das sind wir von ihr nicht gewohnt. Natürlich erodieren immer wieder SamplingEskapaden über fette stehende Beats, übereinandergetürmte Soundschnipsel und Satzfetzen, und dann wird die Musik von Mathangi Arulpragasam richtig spannend. Aber eben: Das Widerspenstige, die grossen Gesten sind verlorengegangen. Vielleicht hat die Plattenfirma das so gewollt. Das wäre dann aber kein guter Entscheid gewesen. Und einer M.I.A. würde es nicht gut anstehen, sich von der Plattenfirma die Musik diktieren zu lassen. Fest steht: «Matangi» ist solide mit zwei, drei Highlights, aber unter dem Strich fehlt die Sprengkraft.

MAX HERRE MTV Unplugged / KAHEDI Radio Show Nesola /Universal

ip. Max Herre sitzt bei „The Voice Of Germany“ auf Xavier Naidoos freigegebenem Stuhl. In der Welt ausserhalb der Castingshow sitzt Herre auf seinem eigenen Stuhl, ist Kopf der Band Freundeskreis, die in den 90er Jahren mit „A-N-N-A“ die Hitparade aufrollte, und arbeitet als Produzent und A&R beim Fanta4-Label Four Music. Ausserdem verfolgt er seit Jahren seine eigene Solokarriere, die er jetzt mit einem butterweichen Album krönt. Die vorliegende MTV Session ist ein Querschnitt aus sämtlichen Hits seiner Geschichte, die er mit illustrer Unterstützung als laidback-Album aufgenommen hat. Die Mischung aus Hip-Hop, Jazz, Reggae und Worldmusic lebt von den zahlreichen Gastauftritten und stellt sich fast wie eine Zirkus- oder Varietéshow dar, so abwechslungsreich und klanglich bunt ist sie geworden. Allen voran glänzt Seidenstimme Joy Denalane, Herres Ex- und wieder Frau, in Titeln wie „Esperanto“ oder „1ste Liebe“ an seiner Seite und sorgt


Mainstream/Indie/Alternative CD für den warmen, samtigen Soulpart des Albums. Afrob und Samy Deluxe schrauben das Tempo auf „Rap ist“ oder „Einstürzen Neubauen“ etwas höher und weitere sprechgesangliche Unterstützung tritt in Form von Gentleman und Sékou auf, die Freundeskreis-Nummer „Tabula Rasa“ interpretieren. Mit Ausnahmemusikerin Sophie Hunger ist auch eine Schweizerin zu Gast, die auf „Fremde“ und „Berlin / Tel Aviv“ aushilft. Weiterhin teilen auch der junge Singer-Songwriter Philipp Poisel, US-Soulstimme Gregory Porter und Rapper Megaloh die Bühne mit Herre. Alle 42 Tracks aufzulisten sprengt hier den Rahmen. Soviel aber sei gesagt: Unter diesen 42 Nummern ist kein einziger Ausfall. Max Herre und seine Freunde präsentieren sich in Höchstform und liefern eine wirklich grossartige, smoothe Leistung ab. „KAHEDI Radio Show“ ist ein immer-wieder-hören Album, auf dem man jedes Mal Neues entdecken kann. Die intime Produktion erlaubt es dem Hörer, mitten auf der Bühne auf einem weichen Teppich zu liegen und das Doppelalbum restlos zu geniessen.

THE BOSSHOSS Flames Of Fame Universal

hug. Man mag den Berlinern den Erfolg ja von Herzen gönnen: ein eigenes Bier auf dem Markt, zum dritten Mal Jury bei Voice of Germany und auf Anhieb Platz zwei in den deutschen Billboard-Charts, übrigens exakt zwischen Helene Fischer und Andrea Berg. Kein Zweifel: The BossHoss sind so erfolgreich wie noch nie. Und zum ersten Mal sind auf einem BossHoss-Album keine Coverversionen zu hören (ausser in gewisser Weise die Single «Do It», die schon fast wie das umarrangierte «Superstition» von Stevie Wonder klingt), dafür haben sie ihr musikalisches Spektrum von witziger Cowboy-Parodie zur souveränen... sagen wir mal: Countryorientierten Partymusik mit vielen Bläsereinsätzen und Funk-Einschlag erweitert. Das

machen sie sehr routiniert, erfahren und dicht, da gibt es nichts zu moppeln – und genau hier verdrücken die BossHoss-Fans alter Tage eine kleine Krokodilsträne: Songs wie «What If» und «A Little More More More» sind gewieft galant und geschmeidig, aber absolut risikofrei. Aber das ist wie gesagt ein kleiner Einwand. Denn die Jungs sind clever und gut genug, ihre Erfahrung, die Charts und Spielfreude unter einen Hut zu bringen. Zum Beispiel mit «Backdoor Man» und «Do It».

TWELVE FOOT NINJAS Silent Machine Volkanik

ip. Der erste Song „Coming For You“ fängt als Nu-Metal Kracher an, wechselt dann ohne Voankündigung in eine LatinoAkkustik-Zupfe und wird dann zu einem angejazzten Backstreet Boys-Verschnitt, um letztendlich in einem Melodic Death Metal Part zu verschwinden. Der zweite Track „Kingdom“ klingt, als hätte PacMan King's X gefrühstückt. Auf „Vanguard“ und „Deluge“ gibt es Reggae und Killswitch Engage und später kommt noch Dub und Elektro dazu. Die Rede ist hier von den Australiern Twelve Foot Ninjas, die ein wirklich buntes Buffet an Zutaten auftischen und das unter dem Motto Progressive/Alternative abgefeiert wird. „Silent Machine“, ihr erstes Album, wird nun auch in Europa veröffentlicht und zeigt eine spielfreudige, kreative und experimentierfreudige Band, die soviel an Originalität besitzt, dass sie damit noch mindestens fünf andere Bands ausstatten könnte. Getourt sind die Jungs bereits mit Grössen wie Periphery oder Fear Factory und haben Festivals mit Meshuggah, The Ocean und Textures bestritten. Vor kurzem haben die Australier um Sänger Kin Etik den Weltrekord im Crowdfunding gebrochen und insgesamt über 50'000 Dollar für ein Video gebrochen. Da darf man sich schon drauf freuen, denn langweilig sind die Twelve Foot Ninjas nicht! Wer auf Vertracktes, Verrücktes und Unerwartetes steht, dem wird „Silent Machine“ definitiv gefallen.

DIONNA Avenue X Music Avenue

ip. Ist eine CD automatisch gut, wenn Marky Ramone für drei Songs am Schlagzeug sitzt? Oder die Sängerin erst 18 Jahre alt ist? Oder sie die Tochter eines drogenabhängigen Ex-Pornostars ist? Oder sie in den letzten neun Jahren eine, laut bandeigener Bio, beispiellose Musikkarriere verfolgt hat, die unter anderem das Gewinnen einer Talentshow und Songwriting mit Brad Roberts von den Crash Test Dummies beinhaltet? Oder sie ihre Freundschaft mit Taylor Swift gekündigt und eine Karriere als Disney-Prinzessin ausgeschlagen hat? Richtig: Nein. Ein Album ist nicht automatisch gut, wenn man wie ein Punk aussieht und ein paar Mal „Fuck“ auf einer Platte sagt. Oder ist es Punk, wenn

man dem einen Kommerz den Rücken zudreht, aber dann einem anderen zuwinkt? Nein. Für Punk ist das alles zu stylish, was auf „Avenue X“ an Bildern und Musik drauf ist. Dionna kann Songs schreiben, und die wäre sogar noch besser, wenn sie nicht krampfhaft an dem Rotzlöffelimage festhalten würde. Auf „Avenue X“ sind ein paar ganz gute Songs wie „Aliens“, „Crazy“ oder „You Mean Everything To Me“ drauf. Das gewollt Abgewetzte in Form einer halbgaren Produktion und Dionnas angestrengt rotziger Stimme sorgt eher für Kopfschütteln und Desinteresse. In der Sängerin steckt eine ganze Menge mehr, das hört man in jedem Ton. Aber sie ist ja noch jung und offenbar geniesst sie es jetzt, die sprichwörtliche Sau rauszulassen. Die Hoffnung besteht, dass sie älter wird und möglichst viele Leute an ihrem Talent als Songwriterin und Sängerin teilhaben lässt, indem sie sich ihrer Stärken bewusst wird. Solange ist „Avenue X“ nur zweitrangig.


CD Mainstream/Indie/Alternative DARKHAUS HUG’s Kurze THE ANNA THOMPSONS The Anna Thompsons RAR/Motor Kein Frauenbonus für der vier Mädels aus Berlin, denn ihr Debüt klingt wie B52's für ganz Arme. Gut gemeint, aber am Ende stehlen sie ihren Hörern bloss die Zeit. VIVIAN VAN DER SPREE Zurück in Berlin SnoWhite Die Berlinerin hat erst Klassik gespielt, dann Punk und Rock auf Englisch gesungen, bis ihr klar wurde, dass ihr deutsche Texte näher liegen. Das erste Ergebnis heisst liegt nun vor: Intelligenter Pop mit intelligenten Texten und heiteren Jazz-Einschlägen. Für Fans von Clueso, Tom Gaebel und Götz Alsmann. Ein ganz okayer Anfang, könnte allerdings besser produziert sein. ALEX PRICE Juice Muve/Musikvertrieb Natürlich wird Price wie jeder neue DJ als neues grosses Ding angepriesen. In Zürich lebender Berner und 28 Jahre alt, hat Price schon in den meisten Zürcher In-Clubs aufgelegt und präsentiert nun sein Debüt inklusive Airplay-Track «Young Love». Wer Remady und so mag, wird hier gut bedient. Für alle anderen ist «Juice» ideenlose Post-post-post-House-Tanzmusik. ANE BRUN Rarities Balloon Ranger/Lautstark Wir mögen die norwegische Singer/Songwriterin mit der irritierend hellen Stimme wegen ihrer schönen, einfühlsamen Lieder. Zum 10-Jahre-Bühnenjubiläum erschien im Frühling eine Best-of, jetzt folgt eine Sammlung unveröffentlichter Songs, BSeiten und Compilation-Beiträge auf zwei CDs. Das sind natürlich alles schöne, einfühlsame Lieder. SAMPLER Bock uf Rock Vol. 6 Bluemoon Musix Productions Teil sechs der Serie, die Bands aus Graubünden oder mit Bezug zu Graubünden oder so vorstellt, was dann naturgemäss nicht rockig, sondern mischmaschig wird: Shakra und Famara feat. Lengualerta sind ja schon verschieden genug, aber was haben Knackeboul feat. Polo Hofer in diesem Konzept zu suchen? Fazit: Unnötig. POKER ALICE 3 Men & 11 Songs iTunes Sorry, jetzt wird's hart: Erstens klingen die Amirocklieder extrem altbacken. Zweitens dürfte das Englisch besser sein. Und drittens: Warum ist niemandem aufgefallen, dass die Produktions sch....lecht ist? Das klingt, als hätte das Mikrophon während der Aufnahmen im Nebenraum unter einer Decke gelegen. So geht das nicht! SAMPLER Café Latino A Jewish Celebration Acoustic Christmas Putumayo/Disques Office Ja, man kann lästern, dass die Putumayo-Serie bloss Weltmusik für Weicheier sei. Das stimmt sogar. Denn diese Serie hat sich nie anders verstanden denn als Tür in andere Musikwelten für Einsteiger, Zögerliche und Nur-Radio-Hörer. Aber wenn die Zusammenstellungen genau das erreichen, haben sie was Gutes getan. Diesmal eine Auswahl chilliger Latino-Tracks, eine Auswahl von grenzüberschreitendem Klezmer und saisonbedingt eine Sammlung internationaler Weihnachtslieder. SLEGEST Løyndom Karisma Wenig innovativer Midtempo- bis Doom-angehauchter Bikerrock als Hommage an Black Sabbath vom ehemaligen Vreid-Gitarrero. Und das, was zwischendurch kratzt wie eine vom Bus angefahrene Krähe, ist ein komplett untalentierter Sänger. Das nervt.

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My Only Shelter SPV/Musikvertrieb

em. Die deutsche Formation Darkhaus schafft musikalisch das, was viele versuchen, aber nicht hinkriegen: einen interessanten Spannungsbogen zwischen sehr elektronischen Klängen und harten Gitarren. Die kreativen Köpfe hinter Darkhaus sind Rupert Keplinger (mehrfach Edelmetall dekorierter Musiker und Songwriter aus Hamburg) und Gary Meskil, Gründer der legendären und hochangesehenen Hardcore-Institution ProPain. «My Only Shelter» besticht mit eingängigen Melodien und einem Haufen rockiger Gitarren. Der Groove zieht sich wie ein roter Faden durch das Album. Für Abwechslung sorgen die oben erwähnten Stilmixturen, aber auch die diversen Stimmungen, die erzeugt werden. Mal wirken die Songs emotional, dann wieder episch oder rotzig und auch balladeske Momente wie bei «Apostle» fehlen nicht. Die verschiedenen Geschwindigkeiten der Kompositionen tragen ebenfalls dazu bei, dass «My Only Shelter» kurzweilig rüberkommt. Einzig die Überraschungsmomente fehlen und einen Hauch mehr Eigenständigkeit würde Darkhaus gut zu Gesicht stehen. Erwähnenswert ist aber an dieser Stelle noch der Spassfaktor dieser Scheibe, der die Wermutstropfen durchaus aufzuwiegen vermag (zum Bespiel bei «Break Down The Walls» und «Breaking The Silence» oder auch «Drive»). Ihre Livequalitäten können die Herren übrigens im April als Supportact von Subway To Sally unter Beweis stellen.

SHANTEL Anarchy + Romance Essay/Musikvertrieb hug. Herrje, was ist denn bloss mit Shantel passiert? Der Miterfinder und (man kann das ruhig so sagen) Grossmeister des Balkanbeat hat sich in den vier Jahren seit seinem letzten Album zum Schlagerfuzzi verwandelt. Wir erinnern uns: Die «Bucovina Club»-Alben: eine grandiose Balkan-

Tanzfreude, neu, erheiternd. Dann «Disko Partizani»: Immer noch frisch und feuchtfröhlich. Rückblickend könnte man sagen, dass sich ein Album wie «Anarchy + Romance» mit dem Vorgänger «Planet Paprika» 2009 ganz sachte angekündigt hat, weil da die Frische und das Quirlige stellenweise schon einer geplanten Kühlheit beziehungsweise einer relativen Uninspiriertheit gewichen sind. Aber dass Stefan Hantel nun klingt, als hätte James Last Istanbul erobert und die ganze Stadt in eine lähmende Lethargie getunkt, das kommt dann doch überraschend. «Slow Down» möchte klingen wie ein SkaFeger, erinnert aber eher an Nena

auf irgendwelchen Drogen, und «The Masterplan» erinnert schon fast beschämend an «Der Nippel» von Mike Krüger. Sowas hat Shantels tanzende Fangemeinde nicht verdient.

BAD RELIGION Christmas Songs Epitaph/Phonag

hug. Darüber gesprochen haben sie schon lange, religiöse Lieder zu covern ist für sie nicht neu. Jetzt haben Bad Religion ihr Versprechen wahr gemacht und acht Weihnachts-Klassiker in ihrem typischen Punkstil eingespielt, als neunten Song gibt's eine Neuversion ihres eigenen Songs «American Jesus» – letzteres vielleicht als Wink mit dem Zaunpfahl, dass in diesem Album wie immer sehr viel Ironie drinsteckt (nichts ist bekanntlich schwieriger zu verstehen als Ironie). Und wenn man weiss, dass sich Bad Religion schon immer gegen Kirche und Religion eingesetzt haben (siehe Bandname), ist die Ironie klar. Völlig unironisch ist,


Mainstream/Indie/Alternative CD dass 20 Prozent der Einnahmen an die Organisation SNAP gehen, eine amerikanische Vereinigung von Menschen, die von Priestern missbraucht wurden – womit wohl einer der zentralen Beweggründe, dieses ungewöhnliche Album zu machen, offengelegt ist. Wir wünschen auf alle Fälle nachträglich schöne Weihnachten.

ANTLERED MAN This Devil Is Them New Heavy Sounds Records

auf die Playlist setzt, wird auf der Stelle gefeuert. Wen kümmerts, Antlered Man machen nicht Musik für die Masse. Wahnsinn mit Methode scheint ihr musikalisches Ziel zu sein. «This Devil Is Them» fegt über den Hörer hinweg, reisst ihn mit, wie schon «Giftes 1&2». Irritation aber auch Faszination bleibt zurück. Keine Band für romantische, kuschelige Stunden.

BEN LEE

zu treffen oder in die Zukunft blicken zu können. Ayahuasca wird aber auch zur Heilung eingesetzt. «Aya-huasca: Welcome To The Work» setzt sich zusammen aus leisen, behutsamen und sphärischen Indiepopsongs und entrückten, nachdenklichen teils aufbrechenden Instrumentalnummern. «Ayahuasca: Welcome To The World» ist ein gewagter aber gelungener Richtungswechsel.

JONATHAN WILSON

Ayahuasca: Welcome To The Work

Fanfare

Lojinx Records

Bella Union / MV

Lennon oder Bob Dylan haben Einlass in die Songs von «Fanfare» gefunden. Bei «Illumination» darf es zudem eine Prise Neil Young und Crazy Horse sein. Daneben sind selbstredend auch die vom Debüt bekannten Gesangsharmonie im Stile von Crosby, Stills und Nash zu vernehmen. Wilson integriert diese Einflüsse sehr sorgsam und umsichtig. Oftmals faltet er sie langsam und gemächlich aus. Was «Fanfare» zu einem Werk macht, das Zeit und Muse braucht. Aber auch zu einem weiteren Meilenstein von Jonathan Wilson.

MYSTICAL COMMUNICATION SERVICE Gypsy Spirit Karl/Broken Silence

rp. Ihr Debütalbum «Giftes 1&2» brachte den Londoner Experimental-Indierockern Antlered Man viel Freund und Ehr. In Musikmagazinen wurden sie mit Lobeshymnen überhäuft. An den diesjährigen «Progressive Music Awards» erhielten sie die Auszeichnung «Best New Band». Und für ihre Liveshow wurde die Band um Sänger Damo Ezekiel für den «Best Live Act» nominiert. So neben bei kam auch noch ein Plattenfirmenwechsel. Der ganze Rummel hat dem Quartett aber nicht geschadet, zumindest nicht musikalisch. Ihr zweites Werk «This Devil Is Them» ist gewohnt kompromisslos. Der Auftakt, das gewaltige «The Ballad Of Hamhock Fullsleeve» überrollt den geneigten Hörer erst mal mit einer langen instrumentalen Monsterwelle. Keine Chance zu entkommen. Nach geschlagenen 3 Minuten und 25 Sekunden setzt die Stimme von Ezekiel ein, theatralisch, fiebrig, praktisch und irgendwo zwischen Mike Patton (Faith No More) und Serj Tankian (System Of A Down). Jeder Musikredaktor, der besagten Song

rp. «Ayahuasca: Welcome To The World» ist eine Abkehr von Ben Lees bisherigen acht SingerSongwriter- und Indierock-Alben. Die zehn Songs, zusammen mit der argentinisch-australischen Schauspielerin und Musikerin Jessica Chapnik-Kahn aufgenommen, überraschen mit atmosphärischen Momenten, Ambient-Einflüssen und Experimentierfreude. Der mehrfache Gewinner des ARIA Awards der Australian Recording Industry Association geht damit sicherlich ein Risiko ein. Die zehn Songs sind fernab von seinem australischen Nummer 1 Indiepop-Hit «Catch My Disease». Geprägt wurde diese Atmosphäre durch Ben Lee's Auseinandersetzung mit dem sagenumwobenen Getränk Ayahuasca, das aus der gleichnamigen Liane gebraut wird. Bei Amazonas-Indianern wird Ayahuasca in rituellen und religiösen Zeremonien in Form eines Getränks zu sich genommen, um beispielsweise Geister

rp. «Gentle Spirit», das letzte Werk von Jonathan Wilson darf getrost in die Kategorie grandios eingereiht werden. Seine Besinnung auf den US West-CoastSound und Siebzigerjahre SingerSongwriter à la Crosby, Stills & Nash, Jimmie Spheeris, Eagles, America oder Jackson Browne war schlichtwegs ergreifend und unwiderstehlich. Für sein neues Werk «Fanfare» hat er einen Teil seiner Bezugspunkte gleich ins Studio geholt. Neben anderen sind Graham Nash, David Crosby und Jackson Browne vertreten. Was die vierzehn Songs sicherlich auch adelt. Herausgekommen ist ein Werk, das sich noch mehr öffnet. Offensichtlich ist die Anlehnung an Denis Wilson (Beach Boys) einziges offizielles Album «Pacific Ocean Blue» von 1977. Die Komplexität aber auch die Zerrissenheit dringen in Songs wie dem Titeltrack, «Dear Friends» oder «Her Hair Is Growing Long» durch. Aber auch Elemente von Pink Floyd, John

hug. Die Retro- und Psychedelic-Rock-Welle im Metalbereich ist das eine. Diese sechsköpfige Band aus Berlin mit dem eigenartigen Namen geht aber wesentlich weiter und präsentiert hier 5 Tracks in 25 Minuten, die zur besten Zeit der Hippie-Bewegung entstanden sein könnten und auch im Sound so klingen. Lange Intros, langsame Steigerung, scheinbar zielloses Mäandern (aber eben nur scheinbar). Bemerkenswert ist der eine Gitarrist, der offensichtlich ganz viele Jazzgitarristen wie John Abercrombie gehört hat und (ebenfalls scheinbar) ganz für sich alleine im Hintergrund ein bisschen mitspielt. Das ist spannend und klingt echt, davon hätten wir gerne mehr!


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Sunnyboys aus

Winterland

Finnland ist das Land der tausend Seen und das Paradies für Mücken. Und, von den kurzen Sommern abgesehen, ist es ziemlich dunkel da oben. Kein Wunder, dass aus dieser Gegend eher Musiker und Bands kommen, die dem gothischen SchwarzkittelLager oder brachialem Metal zugetan sind. Umso mehr erstaunte es, als vor knapp zehn Jahren plötzlich leichte, harmonische RockpopSounds exportiert wurden, die man eher aus New Jersey stammenden Poppern zugerechnet hätte.

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hh. Der Vergleich mit Bon Jovi kommt nicht von ungefähr. Samu Haber, Vorstand des Finnen-Vierers Sunrise Ave. ist seit Teenie-Zeiten eingefleischter Verehrer der amerikanischen Popstars. Was gleichzeitig bedeutet, dass Bon Jovi erstaunlicherweise auch Fans haben, die nicht nur aus dem Lager der alleinerziehenden Mütter, Hausfrauen und Nagelstudiobesitzerinnen ab 40 aufwärts kommen. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel und Samu ist im Vergleich zu seinem Idol ja auch noch jung an Jahren. Musikalisch sind da jedoch einige Parallelen auszumachen. Auch Sunrise Ave. setzen auf unbeschwerte rockige Popsongs, die das „Sunrise“ im Bandnamen trefflich widerspiegeln und sich auf Anhieb in den Ohrmuscheln festsetzen. Allerdings geht Haber in seinen Texten nicht immer so oberflächlich ans Werk und wagt hin und wieder auch mal einen Abstecher von der bewährten musikalischen Schiene, auf der Sunrise Ave. nun schon ungebremst seit einigen Jahren von Megaerfolg zu Megaerfolg rattern. Dabei sah anfangs nicht so rosig aus. Zwar war die Band in ihrer Heimat schon einige Zeit in Clubs unterwegs, hatte sich auch bereits eine kleine Fangemeinde aufgebaut, mit einem Plattenvertrag haperte es allerdings noch mächtig. Egal wohin sie ihre Demos schickten, alle Labels winkten ab. Doch bevor die Truppe in Frustration zu versinken drohte, kam ein gewisser Jukka Backlund daher. Der Mann roch das grosse Potential der Band, war zudem ein Hardcore-Fan von Habers Combo und verkaufte kurzerhand sein Haus, um mit dem Geld eine Produktionsfirma zu gründen, die Sunrise Ave. aus den Startlöchern half und schlussendlich zu einem Deal mit einer grossen Plattenfirma führte. Backlund

Heute gehören die Finnen zu den erfolgreichsten und omnipräsenten europäischen Musikern. Zahllose Edelmetall-Auszeichnungen und Awards jeglicher Couleur zeugen von der ungeheuren Beliebtheit der Truppe. Dass das letzte Album „Unholy Ground“ bei vielen Kritikern nicht besonders euphorisch abgehandelt wurde, darauf pellen sich Haber und seine Mitstreiter in aller Ruhe ein Ei. Die zwiespältigen Meinungen hatten sie ohnehin erwartet, denn sie sind schon mit dem Vorsatz an das Verfassen neuer Songs gegangen, sich nicht zu wiederholen und auch kein zweites „Hollywood Hills“ zu fabrizieren. Recht machen kann man es ohnehin nicht allen und die persönliche Weiterentwicklung, wie auch die Umsetzung neuer Ideen hatte bei „Unholy Ground“ klare Priorität. Anderseits ist das Album aber auch nicht so Sunrise-untypisch, dass sie sich damit ihre Fans vergrällten. Und den Mut, sich nicht immer selbst zu wiederholen, können sich die Finnen heute ja auch problemlos leisten. Ein eindrücklicher Beweis für die nicht kleiner werdende Fantreue ist, dass ihr angekündigtes Konzert in der Zürcher Maag-Halle innert kürzester Zeit ausverkauft war. Deshalb wurde kurzerhand in das Hallenstadion umgebucht (wo Sunrise Ave. auch als Gast beim diesjährigen Swiss Music Award auftreten werden). Erstaunlich, denn die Finnen gehören seit Jahr und Tag zu den Dauergästen in Helvetia, man kann sie bei uns praktisch mindestens einmal pro Jahr irgendwo live erleben. Ein weiterer Grund für die immense Popularität war sicherlich auch Samu Habers Sitz in der Jury der letzten Staffel von „The Voice Of Germany“, wo er sich als echter Charmebolzen entpuppte und mit seiner

Dass das letzte Album „Unholy Ground“ bei vielen Kritikern nicht besonders euphorisch abgehandelt wurde, darauf pellen sich Haber und seine Mitstreiter in aller Ruhe ein Ei. hat sein Geld inzwischen zurückbekommen, sich davon wahrscheinlich ein viel grösseres, schöneres Haus gekauft und ist heute Partner in der Sunrise Avenue Company. Zwischenzeitlich fungierte er auch als Keyboarder bei Haber & Co. Der Song „Lifesaver“ vom aktuellen Album „Unholy Ground“ ist dem Sunrise Ave. Mäzen der Anfangstage gewidmet.

sympathischen Art neben den Boss Hoss Cowboys zum grossen Publikumsmagneten avancierte. Dass er dabei noch seinen Ruf als DER Womanizer vor dem Herrn unterstrich wird dafür sorgen, dass im Februar Schweizer Mädchen- und inzwischen auch Frauenherzen für eine wahre Kernschmelze sorgen werden. So gesehen hat Samu Haber sein Idol Jon Bongiovi schon eingeholt und für die musikalische Überrundung in Europa bleibt ihm ja noch Zeit – obwohl, im Überrunden der Konkurrenz sind die Finnen ja eh berühmt, und so hat (bildlich gesprochen) Landsmann Mika Häkkinen hat schon mal am Steuer Platz genommen!

Foto: SAT1/PRO7

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The Voice Of GermanyJury 2013

SUNRISE AVENUE LIVE 12. Februar 2014 Zürich, Hallenstadion


Mainstream/Indie/Alternative CD HAWKWIND Spacehawks Eastworld leh. Okay, Hawkwind sind zweifelsohne die Könige des Spacerock, kultig und glaubwürdig und für viele Fans über alle Zweifel erhaben. Dennoch sei hier die Frage erlaubt, was Dave Brock mit seinem mittlerweile 29. Album eigentlich genau will. Stolze 16 Songs hat er auf «Spacehawks» gepackt, doch auch nach mehrmaligem Hören wird man das Gefühl nicht los, dass es die Hälfte auch getan hätte. Denn das neue Werk ist ein seltsamer, unausgewogener Mischling aus Remix-Album, Bestof-Zusammenstellung und regulärer Platte. So finden sich auf «Spacehawks» neu eingespielte Versionen von wundervollen Klassikern wie «Assault & Battery», «Golden Void» und «Demented Man» von «Warrior On The Edge Of Time», neue Remixes bekannter Nummern wie «Sentinel» oder «Seasons» sowie ein paar ganz neue Songs. Diese fallen im direkten Vergleich mit den Remixes oder den neu aufgenommenen Versionen alter Nummern jedoch ab, wirken teilweise wie bemüht modern sein wollende Verschmelzungsversuche von psychedelischem Retro-Rock und Techno. Klar, diese Gratwanderung gehen Brock und Co. schon länger, manchmal

mit besseren, manchmal mit eher durchzogenen Resultaten. Aber der neue Song «Sacrosanct» beispielsweise kommt doch arg esoteromässig plätschernd daher. Und wo sich Hawkwind mit neuen Nummern auf ihre Stärken besinnen, auf hypnotischen, treibenden Spacerock wie etwa auf «It's all Lies», kopieren sie sich mittlerweile nur noch selbst. Nachdem bereits das letzte reguläre Album «Onward» trotz einiger sehr guter Momente unentschlossen und bemüht wirkte, kommt somit auch «Spacehawks» alles andere als kompakt daher. Diehard-Fans werden auch auf dieses Werk schwören. Alle Normalsterblichen können aber getrost darauf verzichten und lieber die Originale aus den frühen Siebzigern auflegen.

THE MAGIC THEATRE The Long Way Home Elefant Records rp. Irgendwo in einem verwunschenen Märchenwald oder in einem orientalischen Königreich in 1001 Nacht. Gerade die richtige Umgebung für die Musik des englischen Duo's The Magic Theatre. Dan Popplewell und Sophia Churney (beide ehemals Ooberman) servieren auf ihrem zweiten Werk «The Long Way Home» märchenhaften Soft-

und Indiepop nicht nur für Träumer. Musik zu Märchen, die noch nicht geschrieben sind. Musik, die verspielte, geheimnisvolle, farbenfrohe Bilder in den Köpfen erzeugt. Die poetische, gehauchte Stimme von Sophia Churney erzählt zauberhafte Geschichten, die in eine andere Welt fernab der Realität entführen, wo der Fantasie keine Grenzen gesetzt sind. Für einen Moment den Alltag hinter sich lassen. Bezaubernd. «I Wanna Die By Your Side», singt Churney im gleichnamigen Song. Wahre, selbstlose und grenzenlose Liebe, wie sie halt nur in Märchen vorkommt. Dieses Bewusstsein macht «The Long Way Home» noch bezaubernder. Für einen Moment der Realität entfliehen, wo alles möglich ist. Wer möchte das nicht?

TIN SPIRITS Wired To Earth Vibrola Records/Cherry Red rp. Wenn eine Band Genesis covert, gibt es mindestens zwei Beweggründe (wahrscheinlich auch mehr) dafür: Entweder sie haben sich einen Song der progrockigen Frühphase mit Peter Gabriel vorgenommen, weil sie stilmässig selber in diese Richtung tendieren oder haben sich einen Song der poppigen Spätphase ausgesucht. Dann darf man eine eher poppige Ausrichtung

erwarten. Tin Spirits, die englische Band mit Dave Gregory (ehemals XTC), haben sich «Back In Nyc» aus dem Album «The Lamb Lies Down On Broadway» von 1974 ausgesucht. «Wired To Earth» ist jetzt trotzdem nicht nur progressiv ausgerichtet. Die fünf nicht wirklich überlangen Songs (nicht alles Progrock oder was?) verraten eine Vielzahl von Einflüssen, was ihnen, so nebenbei erwähnt, gut bekommt. Der Auftakt «......And Go» beginnt mit klaren, hellen Gitarrenläufen. Instrumentale Entspannung macht sich breit. Song Nummer zwei ist eine vertrackte Popnummer mit Anleihen an die späten XTC, Neal Morse und Squeeze, das mindestens zu Beginn. Nach fast vier Minuten gibt es einen Richtungswechsel hin zu einer vertrackten, rockigen Instrumentalpassage, an denen auch die späten King Crimson ihre Freude hätten. Nach fast sieben Minuten finden Tin Spirits wieder zur anfänglichen Poppigkeit zurück. Die Interpretation des Genesis-Songs fügt dem Original, abgesehen von Gregory's superber Gitarrenarbeit, nichts Wesentliches hinzu. In «Broken» sind es einmal mehr seine Gitarrenläufe, zwischen filigran fliessend und prog-rockig changierend, die für Wohlklang aber auch Spannung sorgen. Der zu Beginn einmal mehr ziemlich konventionelle Abschluss «Breathe Shallow» gefällt vor allem mit feinen Gesangsharmonien und natürlich, erneut, mit der herausragenden Gitarrenarbeit von Dave Gregory, die aber erst gegen Schluss, jazzig angehaucht, zum Zug kommt.


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Weil Die Krupps immer für Experimente gut waren, schafften die MaschinenMusiker in der Zeit des Crossover zwischen den Stilen wegweisende Alben. Nach Jahren der Trennung und einer Phase der Aufarbeitung haben Jürgen Engler und seine Freunde die Quintessenz all ihrer Experimente auf den Punkt gebracht: Jetzt sind Die Krupps mit «The Machinists Of Joy» auf ihrer absoluten Höhe.


hug. «Du möchtest mein Gesicht lieber nicht sehen», sagt Label Cleopatra Records angestellt als Chef am Mischpult Jürgen Engler in seiner guten Stube in Austin, Texas, und und produziert unter anderem für renommierte Bands blockiert in der Skype-Leitung die Videokamera. Oh, doch, Auftrags-Remixes. natürlich würden wir gerne sehen, was 35 Jahre MaschinenTrotzdem liess ihm das Projekt Die Krupps keine Ruhe. Engler musik aus einem Gesicht machen, aber «gestern ist es wieder und die zweite treibende Krupps-Kraft Ralf Dörper wurden mal sehr spät geworden», deshalb ist am Computer nur wieder Freunde und der Gitarrist und Keyboarder Marcel Zürcher drittes Mitglied der neuformierten Krupps. Nach Jürgens Stimme zu hören. einem Remix des Krupps-Superklassikers «Wahre Arbeit, Bei unserem letzten Interview 1994 sah er jedenfalls topfit wahrer Lohn» 2005 erschienen 2007 die Alben «Too Much aus. Damals war gerade «The Final Remixes» erschienen, eine History» Volume 1 und 2: «Wir haben unsere ganze BandSammlung von 16 Neuaufbereitungen ihrer körperbetonten geschichte aufgearbeitet, Songs geremixt oder neu eingeelektronischen Musik, die von Metalbands wie Clawfinger, spielt und sie auf den Stand der heutigen Zeit gebracht.» Das Paradise Lost, Carcass und Waltari produziert wurden. Es war war aus zwei Gründen nötig: Einerseits will man ja als Band die Zeit, als Heavy Metal und elektronische Musik zueinander relevant sein. Aber dafür mussten die Krupps anderseits nach fanden, weil man gerade entdeckt hatte, dass aus der Verder Trennungsphase zuerst ihre Geschichte aufarbeiten, damit mischung der beiden Genres etwas Neues, etwas Aufregenalle drei Musiker auf dem gleichen Stand waren. Erst nach des entstehen konnte. Und die Krupps waren eine der ersten «Too Much History» waren die neuen Krupps bereit, ein Bands überhaupt, die das begriffen hatten, indem sie bereits Projekt wie «The Machinists Of Joy» in Angriff zu nehmen. zwei Jahre vor «The Final Remixes» die EP «A Tribute To Und siehe da: «The Machinists Of Joy» (Untertitel «Die Metallica» veröffentlicht hatten, auf der sie fünf MetallicaMaschinisten der Freude») bringt das, was einst Electronic Tracks ins Elektronische übersetzten. (Ja, liebe Kinder: Body Music war, hochpräzise auf den Punkt: hart, geradlinig, Remixe sind nicht die Erfindung von Techno-DJs, das haben in den Achtzigern Maschinenwuchtig, tanzbar. Sehr tüftler wie Front 242, A Split deutsch. Die Krupps suchen Second und Skinny Puppy nicht den vielbeschworenen DIE KRUPPS erfunden, die ihren Sound zu Geist in der Maschine, The Machinists Of Joy dieser Zeit noch Electronic sondern interessieren sich SPV/Musikvertrieb Body Music nannten). ausschliesslich für deren hug. «Schritt für Schritt Ein Remix bedeutete damals Mechanik, für das unermüdkehren wir zurück», shoutet vor allem die Verweigerung, lich ratternde Räderwerk. Man Sänger und Krupps-Mastereinen Song als etwas Endkann ohne Übertreibung mind Jürgen Engler in «Ein gültiges zu betrachten. Dank sagen: Ein Meisterwerk. Blick zurück im Zorn», dem Sequenzern, Samplern und (Albumbesprechung siehe Opener des ersten reguläRhythmusmaschinen gab es Box) in diesem Verständnis keine ren vollwertigen Studio-Albums mit neuen Songs seit Jürgen Engler ist mit diesem definitive Form eines Songs, «Paradise Now» aus dem Jahr 1997. Es folgen Sätze wie Album so glücklich wie noch sondern nur Zwischen«Der Maschinist schaut nicht zurück, keine Zeit in der nie. «Es ist die Quintessenz stationen der Entwicklung Maschinenfabrik» auf «Schmutzfabrik» und «Nach vorne der Krupps.» Er erklärt das so: einer Idee, deren Ausformuohne Kompromiss, auch wenn die Zukunft ungewiss» auf «Die Geschichte der Krupps lierung sich ständig verändert «Risikofaktor». Die Songzeilen passen perfekt zu unbeirrist eine Aneinanderreihung – im Gegensatz zum Beispiel ten harten Beats und Samplings: Die Krupps 2013 brettern von Experimenten. Unser zu einem gemalten Bild. Wir gnadenlos vorwärts mit der Sturheit von Maschinen. Keine Debüt „Stahlwerksinfonie“ diskutierten damals über den Schnörkel, keine Umwege. Mit der stählernen Härte von 1981 war eine Lärm-Orgie nächstlogischen Schritt, ein Heavy Metal und der schwarzledernen Geschmeidigkeit der noch vor dem Debüt der Album aufzunehmen, dieses Electronic Body Music, was letztere in Reinform in unsere Einstürzenden Neubauten, remixen zu lassen und nur die Zeit hinüberrettet. Dass dabei die typischen EBM-Sounds, „Wahre Arbeit, wahrer Lohn“ Remixes zu veröffentlichen, die durchaus etwas Warmes im Klang haben, genügend im selben Jahr war irgendohne dass die Originale je auf Platz finden, macht «The Machinists Of Joy» umso glaubetwas zwischen Punk, Neuer Platte oder CD gepresst würdiger. Mehr gibts dazu nicht zu sagen: Das sind Die Deutscher Welle und Elektro, werden. Krupps in ihrer absoluten Reinform. es folgten die Electronic-Body«Die Idee war gut», sagt Music-Phase, die RemixJürgen Engler heute, «aber Phase und die Metal-Phase. Wir hatten unsere Nase immer zuvorderst im Wind, und das letztlich wäre das dann doch zu viel Wagemut für eine Band war aufregend, aber vor lauter Experimenten wurde kaum je gewesen, den Fans die eigenen Tracks vorzuenthalten. Und definiert, was die Krupps im Kern waren. Genau das haben wir abgesehen davon ging die Entwicklung damals so schnell nun geschafft: Die Quintessenz all dessen, was die Krupps voran, dass wir mit anderen Projekten beschäftigt waren.» Das ausmacht.» Engler vergleicht das mit Treppenstufen: «Man sah stimmt: Metal und Electronic Body Music fanden immer immer nur einzelne Stufen – mit „The Machinists Of Joy“ ist leichter zueinander. Hip-Hop-Bands wie Run DMC hatten endlich die ganze Treppe sichtbar.» bereits erste Versuche des Crossovers zwischen Rap und Um diesen Kern in Musik zu verwandeln, nahmen Die Krupps Metal unternommen und streckten ihre Fühler auch in die ihre alten Maschinen aus dem Schrank. «Ich habe lange genug elektronische Musik aus. Derweil sich aus der elektronischen nur mit Computern gearbeitet, bis mir klar wurde, dass ich mit Musik Stilrichtungen wie Jungle und Techno entwickelten, die echten Sequenzern und Rhythmusmaschinen besser klardann wiederum ein neues Versuchsfeld diverser Verschmelkomme. Ich brauche Knöpfe und Tasten und Regler, aber keine zungen boten. Maus.» Das hört man den neuen Tracks an: Sie klingen wieder Die Krupps aber blieben dem Metal treu: Es folgten die Alben so voll und warm wie der Motor einer perfekt geölten Dampf«III – Odyssey Of The Mind» und «Paradise Now», in denen lokomotive. harte Gitarren zunehmend mehr Platz erhielten, die BandIst das Retro? «Wenn man will, kann man dem so sagen, mitglieder sich aber aus den Augen verloren (unter anderem obwohl ich nicht dieser Ansicht bin. Denn einerseits ist die auch, weil Jürgen 1995 nach Austin zog). Entsprechend Essenz zeitlos, und man kann das Rad heute nicht mehr neu gehören diese Alben zwar zu den gut gemeinten, aber nicht erfinden. Anderseits sind die Tracks ja in der heutigen Zeit mehr wegweisenden Alben: Es kam zu Personalwechseln, geschrieben worden, sie sind modern aufgebaut und umgeStreitereien und schliesslich 1997 zur Trennung. Adieu Krupps, setzt. Das Album ist voll von Bezugspunkten zu unserer danke für den Einsatz und eure guten Ideen. Geschichte, das geht sogar bis zur Hommage an Lou Reed auf «Heute haben Remixes kaum mehr Bedeutung», analysiert dem Cover.» Jürgen Engler, «sie werden zu Singles so selbstverständlich Lou Reed und die Krupps? «Ja, denn ohne ihn hätte es die mitgeliefert wie das Original und sind nur in den seltensten Krupps nie gegeben: Sein Album „Metal Machine Music“ von Fällen wirklich innovativ.» Was ihn selber nie davon 1975 inspirierte mich, vom Punk zum Maschinentüftler zu abgehalten hat, weiter zu remixen. Seit 5 Jahren ist er beim

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good news


werden, die „Stahlwerksinfonie“ war eine direkte Folge dieser Inspiration. Aber erst 1991 traute ich mich mit der gleichnamigen Maxi und in Zusammenarbeit mit der Metal-Band Accuser, Lou Reeds Werk zu huldigen.» Alles perfekt also. Die Krupps happy – die Fans happy – und Neueinsteiger können was lernen. Wie gehts jetzt weiter? Kommt jetzt eine Phase neuer Experimente? Der Meister muss überlegen. «Das kann ich zu diesem Zeitpunkt gar nicht richtig sagen. Also zuerst... nein... hmmm... Also zuerst gehen wir jetzt auf Tournee und setzen unser neues Album für die Bühne um. Und dann schauen wir weiter. Wir müssen „The Machinists Of Joy“ erst richtig abschliessen, also mit Live-Konzerten und Tour und eventuellen Album-Auskopplungen. Erst dann habe ich den Kopf frei, um neue Ideen reinzulassen.» Das klingt plausibel. Und sehr entspannt für einen Mann, der 30 Jahre lang Experimente gemacht hat und diese nun zu ihrer Quintessenz zusammengefasst hat. Zum Ende unseres Gesprächs wird Jürgen doch noch gwundrig. «Jetzt will ich dich sehen», sagt er und schaltet im Skype-Programm die Bildkamera zu. Hallo! So mitgenommen, wie er eingangs erwähnt hat, sieht er nun auch wieder nicht aus. Im Gegenteil: Übermüdet zwar, aber voller Energie. Die Krupps sind wieder da!

DIE KRUPPS LIVE 21. Februar 2014 Pratteln, Z7

Die wegweisenden KRUPPS Alben «Stahlwerksinfonie» 1981: Jürgen Engler hat sich von der Düsseldorfer Punkband Male verabschiedet und sattelt, inspiriert von Lou Reeds «Metal Machine Music», auf elektronische Musik um. Das Debüt ist eine tosende Lärm-Veranstaltung und stellt sich damit neben die LärmMeister Einstürzende Neubauten.

«Wahre Arbeit, wahrer Lohn» 1981: Im selben Jahr erscheint das Album mit dem Titelsong, der heute als Klassiker der Neuen Deutschen Welle gilt – lange, bevor Nena mit ««99 Luftballons» aus der Garagenbewegung eine Popströmung gemacht hat.

«Entering The Arena» 1985: Synthesizer und Sequenzer dringen in die Punkszene ein, daraus entsteht unter dem Namen Electronic Body Music (EBM) eine ausschliesslich elektronische Tanzmusik. Die Krupps helfen mit diesem Album, das neue Genre zu definieren.

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«A Tribute To Metallica» 1992: Als eine der ersten elektronisch arbeitenden Bands covern Die Krupps eine Heavy-Metal-Band: Fünf Metallica-Tracks für die Tanzfläche.

«The Final Remixes» 1994: Die Umkehrung des Metallica-Tribute: Heavy-Metal- und EBM-Bands remixen insgesamt 16 KruppsTracks. Das war damals ziemlich neu und in dieser geballten Form einzigartig.

«The Machinists Of Joy» 2013: Nach Reunion und Aufarbeitung mit «Too Much History» Volume 1 und 2 im Jahr 2007 bringen Engler, Dörper und Zürcher die Quintessenz der Krupps auf den Punkt und definieren gleichzeitig EBM für unsere Zeit neu.


Mainstream/Indie/Alternative CD

Kolumne Hugs Wegweiser durch die Populär-Galaxie von Christian Hug

Oh, Gülsha! Unser regionaler Televisions-Anbieter hat letzthin einige neue Sender aufgeschaltet, weshalb ich selbige neu ordnen musste, und beim Kanal Nummer 19 erschien Joiz. Das ist doch dieser Jugendsender, dachte ich, dieses MTV für die Schweiz, von dem das Bundesgericht entschied, dass er einen «besonderen Beitrag zur nationalen Medienlandschaft» leiste. Deshalb gönnte ich mir ein paar Minuten der Betrachtung. Eine junge Frau und ein junger Mann sassen auf Stühlen, machten den Mund auf und zu und gaben Geräusche von sich. Das klang ungefähr so: brabbelbrabbelbrabbelsogeilbrabbelbrabbelvollme gabrabbel und so weiter. Dann kam «de heissischti Scheiss vom Tag», so sagt man dem jetzt, wenn man kompetent wirken will, präsentiert von Gülsha Adilji, und da fiel mir wieder ein, dass ich von ebendieser Gülsha gelesen hatte, sie sei der neue Superstar des moderierten Fernsehens. Gülsha also mit dem heissesten Scheiss des Tages, «megahammerbrabbelbrabbel», flankiert von CoModerator Julian. Sie werden mir das kaum glauben, aber ich zitiere diese Passage wörtlich: Julian: «Tommy Vercetti und Dezmond Dez hönd

zämegschpannt, und zäme sind sie jetz Glanton Gang. Und Glanton Gang hesch du röscherschiert, was das isch.» (wendet sich an Gülsha) Gülsha: «Im Fall ich bi nöd ganz genau druus cho, Glanton Gang isch eigentlich so e Gang wo nöd so toll isch. Sie hend so während, äh, 1800 schiessmichtod hend sie nöd so cooli Sache gmacht und so.» (Wobei nicht ganz klar war, ob sie «scheiss mich tot» oder «schiess mich tot» brabbelte.) Julian: «Mexikaner skalpiert.» Gülsha: «Ja, irgendwie so.» Ich dachte zuerst, der neue Superstar des moderierten Fernsehens mache Witze. Aber Gülsha meinte das todernst. Diese grauenhaft hirnlose Dummheits-Offenbarung nannten die beiden dann auch noch Recherche. Wir werden zwar überschwemmt mit Dummbatzen-Sendungen vom Bachelor über das Dschungelcamp bis zum ledigen Bauer, aber darf man sich als Moderatorin eines «besonderen Beitrags zur nationalen Medienlandschaft» ungestraft als dermassen dummes Geschöpf outen? O Herr, schmeiss Hirn vom Himmel! Ich hab mich dann im Netz schlau gemacht, und es dauerte keine fünf Minuten, bis ich über John Glanton und den Vigilantismus informiert war. Darum, liebe Gülsha: Wenn du deinen Beruf ernst nehmen willst, solltest du wissen, dass Recherche wichtiger ist als rote Lippen und treudoofer Blick. Auch wenn die Recherche fünf Minuten deiner Arbeitszeit in Anspruch nimmt. Und an dich, lieber Julian: Tommy Vercetti und Dezmond Dez nennen nicht sich selber Glanton Gang, so heisst ihr neues Album! Also, ihr lieben beiden: Ich werde euch weder todschiessen noch todscheissen. Ich habe ganz einfach in den Einstellungen «diesen Sender überspringen» markiert. Im Übrigen bin ich der Ansicht, dass Bono Vox verboten werden sollte.


Die Produktion um das Symphonieorchester und ausgewählte, hochkarätige Rockstimmen feiert 2014 sein fünftes Jubiläum. Die Idee, grosse Rocksongs mit einem Orchester und einer Rockband darzubieten und sie von den Originalstimmen singen zu lassen, hat sich in den letzten Jahren etabliert und ist zu einem Erfolg geworden.

ip. Der Ursprung dieses Vorhabens liegt im Jahr 1992. Damals rief Manfred Hertlein das „Rock meets Classic“-Konzept ins Leben und schickte das Orchester samt den Gaststars Bobby Kimball (Toto), Gary Brooker (Procul Harum), Henry Spinetti (Studiomusiker bei u.a. Eric Clapton, Bob Dylan, Paul McCartney oder Pete Townshend) und einigen weiteren 1993 auf eine ausgedehnte Tour durch Deutschland. Danach fiel das Projekt in einen Dornröschenschlaf und wurde erst zehn Jahr später wieder aufgeweckt. Die Reise wurde dann nach Österreich ausgedehnt und hatte Asse wie Soulstimme Percy Sledge, Nazareths Dan McCafferty oder den „Eloise“-Interpreten Barry Ryan im Ärmel. Aber auch nach dieser Tournee sollte sich noch keine Konstanz einschleichen. Es dauerte wiederum acht Jahre, bis Mat Sinner das Konzept 2010 aus der Schublade holte und zusammen mit seiner eigenen Band und dem Bohemian Symphony Orchestra eine Neuauflage gestaltete. In den letzten fünf Jahren gab sich eine illustre Gesellschaft das Mikrofon in die Hand: Von Lou Gramm (Foreigner) und Ian Gillan (Deep Purple) über Les Holroyd (Barclay James Harvest) und Steve Lukather (Toto) zu Chris Thompson (Manfred Mann's Earth Band) und Robin Beck war die erste Garde des Classic Rock auf der Bühne zu sehen. Im letzten Jahr begleiteten Paul Rodgers, der hauptberuflich einst bei Free und nun Bad Company singt, Eric Bazilian von den angefolkten Rockern The Hooters und Steve Augeri (Journey) den Tross. Als Special Guest war Bonnie Tyler mit von der Partie, die neben ihren Hits „Total Eclipse Of The Heart“ und „Holding Out For A Hero“ auch ihre Version von „Simply The Best“ interpretierte. Ihre Kollegen hatten das Publikum vor ihr bereits mit Klassikern wie „Davy's On The Road Again“, „You're The Voice“, „Wheel In The Sky“ und „Johnny B“ beeindruckt und Paul Rodgers beschloss den Abend mit „Wishing Well“, „All Right Now“ und „Rock'n'Roll Fantasy“. Wenn man sich diese Stimmen und Songs nun im Ambiente einer grossen Halle, dem beeindruckenden Orchester und einer druckvollen Metalband vorstellt, dann kann das als einzigartige Gänsehautgarantie beschrieben werden. Dieses Jahr, zum fünften Jubiläum, macht „Rock meets Classic“ auch in Zürich Halt. Die Gäste sind wiederum erstklassig und versprechen ein musikalisches Erlebnis auf höchstem Niveau. Das mit drei Stunden Laufzeit veranschlagte Programm wartet mit internationalen Stars auf und hat zusätzlich, vor allem für Freunde des Shock Rocks, eine Weltpremiere zu bieten.

MARC STORACE

Foto: Ian Keates

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ALICE COOPER

Foto: Ian Keates

Headliner des diesjährigen „Rock meets Classic“ ist nämlich kein anderer als der Vater der Bühnenshow, der Wegbereiter des musikalischen Gruseltheaters: Alice Cooper. Zum ersten Mal in seiner Karriere, die mittlerweile stolze 40 Jahre auf erstaunlichem Level anhält, wird er von einem Orchester begleitet live zu sehen sein. Wer Alice Cooper kennt, und wer tut das nicht, dem sind seine Chartbreaker wohl im Ohr. Mit „School's Out“ sicherte er sich 1972 die obersten Plätze in allen wichtigen Hitparaden. Zwei Jahre zuvor hatte sich die Alice Cooper Group, die seit 1964 existierte, bereits die charakteristische Horrorshow ausgedacht, die den Frontmann im bekannten schwarz-weissen Make Up und diversen Folterinstrumenten auf der Bühne zeigte. Dem ersten Riesenhit, der bis heute diverse Schulabgänger in die Freiheit begleitet, folgten ein Jahr später „Billion Dollar Babies“ und 1975 „Welcome To My Nightmare“, das allerdings schon unter Coopers Solokarriere fällt. Einige Jahre lang feierte Cooper immer noch beachtliche, wenn auch vergleichsweise etwas bescheidenere Erfolge, knüpfte aber 1989 mit dem Album „Trash“ wieder an seine ersten Hits an. Grund dafür war der Überhit „Poison“, den Cooper in Kollaboration mit Hitschmied Desmond Child schrieb und der sich wochenlang in den obersten Chartpositionen fand. Ähnlich erfolgreich war der Nachfolger „Hey Stoopid“, dessen Single mit Slash an der Leadgitarre ebenfalls fast ein halbes Jahr lang die Hitparade belegte. 50 Millionen Platten hat Alice Cooper mittlerweile verkauft und spielt nicht nur leidenschaftlich Golf mit Handicap 2, sondern auch ab und zu in diversen Kinofilmen wie dem Rock'nRoll-Klassiker „Wayne's World“ oder der nicht


minder kultigen „Nightmare On Elm Street“-Reihe mit. Als weitere Grössen finden sich Mick Box und Bernie Shaw von Uriah Heep auf der Gästeliste. Mit über 40 Jahren und einem ansehnlichen Besetzungsindex haben die britischen Progrocker bis dato 30 Millionen verkaufte Alben auf dem Zähler. „Lady In Black“ vom 1971er Werk „Salisbury“ war ihr erster grosser Hit, der aufgrund diverser Wiederveröffentlichungen mit Unterbrüchen bis 1977 immer wieder in den Charts auftauchte. Ein Klassiker ist das 72er Album „Demons And Wizards“, das mit dem flockigen „Easy Livin'“ einen weiteren Gassenhauer enthielt. Insgesamt sechs Sänger wechselten sich bei Uriah Heep zwischen 1969 und 1986 ab. Bernie Shaw ersetzte dann den nicht bewertbaren Kurzeinsatz Steff Fontaine und ist bis heute die Stimme der

BERNIE SHAW / MICK BOX

erfolgreichen Truppe um das letzte verbliebene Gründungsmitglied Mick Box. Nach Robin Beck und Bonnie Tyler ist 2014 auch wieder eine Frau mit an Bord. Kim Wilde, die Poprock-Ikone der 80er Jahre, landete zu Beginn ihrer Karriere mit „Kids In America“ einen Smash Hit. Die vielen Stimmen, die die sexy Blondine ins Reich der One Hit Wonders verbannen wollten, mussten wohl oder übel schon mit Wildes nächster Platte „Select“ einsehen, dass aus diesem Wunschgedanken nichts wurde. „View From A Bridge“ und „Cambodia“ wurden nämlich ebenfalls Erfolge, die von „Love Blonde“, dem Supremes Song „You Keep Me Hangin' On“ oder „You Came“ sogar noch getoppt wurden. Kim Wilde hält den Rekord als britische Sängerin mit den meisten Hits der 80er Jahre, die sich auf sage und schreibe 17 Top 40 Hits aufsummieren. Nachdem sie

KIM WILDE

sich längere Zeit als Gärtnerin im englischen Fernsehen von ihrer Gesangskarriere fern hielt, belebte sie diese zu Beginn des neuen Jahrtausends wieder. Und das mit Erfolg: Nach einem Duett mit Nena veröffentlichte sie bis heute weitere vier Alben, wovon ihr letztes „Wilde Winter Songbook“ noch warm in den Regalen steht, denn es ist ihre erste Weihnachtskompilation . Und wer übrigens auf MIDGE URE Youtube gesehen hat, wie sie leicht angeschickert, aber unglaublich charmant „Rockin' Around The Christmas Tree“ in der Londoner U-Bahn zum besten gegeben hat, der weiss, dass die sympathische Britin nicht nur in jeder Lage bombig singt, sondern auch wunderbar allürenlos ist und Spass an der Sache hat. Weiter sorgt Midge Ure, seinerzeit und wieder Kopf der Briten Ultravox, für offene Ohren. Riesenhit der Band war und ist „Dancing With Tears In My Eyes“, der nicht nur bis heute im Original rauf und runter gespielt, sondern von unzähligen Bands gecovert wird und jüngst einen Platz im Refrain von Adel Tawils „Lieder“ bekommen hat. Midge Ure hat neben dem Komponieren von Klassikern wie „Vienna“ oder „If I Was“ noch andere Tätigkeitsfelder. Für sein soziales Engagement wurde der Schotte unter anderem mit einem Ehrendoktortitel und dem Verdienstorden OBE („Officer of the British Empire“) ausgezeichnet. JOE LYNN Joe Lynn Turner kann auf Karrieren mit Bands wie TURNER Rainbow und Deep Purple zurückblicken, aber auch auf eine respektable als Solokünstler. „Since You Been Gone“ und „I Surrender“ aus seiner Zeit bei Rainbow gehören zu seinen grössten Erfolgen. Daneben lieh er aber auch Yngwie J. Malmsteen für das 88er Album „Odysee“ seine Stimme, machte den Song „Rising Force“ so zu einem Klassiker und gründete 2002 zusammen mit Glenn Hughes das Hughes Turner Project. Mit Marc Storace ist ein bestens bekannter Vokalartist aus der Schweizer Musikszene präsent. Der Leadsänger unseres international erfolgreichsten Exports Krokus verfügt ebenfalls über eine dekadenlange Erfahrung und es ist bestens dokumentiert, was er in der Zeit alles erlebt hat. Dass er als gebürtiger Malteser schon längstens von den Eidgenossen adoptiert wurde, beweist sein andauernder Erfolg und die Sympathie, die er von allen Fans, nicht nur den einheimischen, bekommt. Damit wäre die Besetzung der fünften Ausgabe des „Rock meets Classic“-Projektes vollständig. Mat Sinner hat sich für die neue Umsetzung dieser Produktion wieder eine Handvoll erlesener Stimmen geholt, die das Konzept begeisternd umsetzen werden. Es ist sehr davon auszugehen, dass der eine oder andere hier genannte Hit in der Setlist auftaucht und für ein schönes, nostalgisches Feeling sorgt. Hauptsache sind allerdings auf jeden Fall die Stimmen, die für viel Abwechslung im Programm stehen. Wer sich für den Abend in Zürich eine Karte sichern möchte, sollte damit nicht zu lange warten. Die dreistündige Show wird garantiert ein Erlebnis, das man so schnell nicht vergisst!

LIVE Foto: Ian Keates

23. März 2014 Zürich, Hallenstadion

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Foto: Ian Keates

Unverzerrt

Skunk Anansie müsste übersetzt eigentlich „Ecken und Kanten“ heissen. Denn die Briten sorgten in den Neunzigern mit einem auf links gebürsteten Image, Randalesongs und einer schwarzen, glatzköpfigen Sirene für mächtig Wind in der härteren Musikszene. Leider flaute aber auch bei ihnen die steife Brise ab und hinterliess 2001 eine schaukelnde, leere Nussschale in vergessener See. ip. Anansi ist tatsächlich allerdings der afrikanische Gott des Schabernacks, aber auch der Erschaffer von Sonne und Mond, der auf der Suche nach Weisheit war. Er ging mit einer Kalebasse um die Welt und füllte sie mit dem Wissen, das die Menschen mit ihm teilten. In dem Glauben, nun der klügste von allen zu sein, wollte er seine Kalebasse verstecken, was ihm jedoch nicht gelang. Sein kleiner Sohn hatte eine Lösung und Anansi musste einsehen, dass er das ganze Wissen umsonst gesammelt hatte und es sinnlos wäre, es zu verstecken. Deshalb schüttete er das ganze Wissen in einem weiten Bogen über der Welt aus. Skunk Anansies Weg der Erleuchtung ist der Geschichte ihres Namensgebers gar nicht so unähnlich. Die ungestüme Band, als die sie 1994 auf der Bildfläche erschien, hatte sich ebenfalls zum Ziel gesetzt, die Welt zu erobern. Der erhoffte, ganz grosse Erfolg blieb nach einigen Hitsingles wie „Selling Jesus“, „Hedonism“ oder „Charlie Big Potato“ jedoch aus und die Pfade der vier Briten trennten sich in alle Himmelsrichtungen. Jeder verfolgte in den Jahren bis zur Reunion 2009 seine Solokarriere, oder tourte mit anderen Musikern um die Welt. 2010 veröffentlichten Skunk Anansie das Album „Wonderlustre“, dem 2012 das von Chris Sheldon (Foo Fighters, Biffy Clyro) produzierte „Black Traffic“ folgte. Den Schritt zurück in die kleinen Kinderschuhe machten Skunk Anansie nun allerdings mit ihrem Acoustic Set. Sie zogen sich komplett aus der Lautstärke und der Wut, die ihnen bisher Gehör verschafft hatte, zurück und schauten ihre Songs mit den gleichen staunenden Augen an, wie Anansis Sohn seinen Vater bei seinem anstrengenden Unterfangen. Gitarrist Ace dazu: „Es war eine grosse Herausforderung. Wir mussten uns durch die Songs arbeiten und sehen, ob sie überhaupt akustisch funktionieren würden. Einige taten das ganz und gar nicht, weil sie um grosse Riffs herum konzipiert sind. Wir mussten alles neu anordnen, strichen Dinge, holten Streicher, schrieben um. Das liessen wir grösstenteils von Wil Malone (Massive Attack, Depeche Mode) erledigen.“ Die Idee, dieses Acoustic Set überhaupt auf die Beine zu stellen, kam übrigens hier in der Schweiz zustande. Skin war

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2012 als DJane beim Zermatt Unplugged, dem einzigen akustischen Festival Europas, beschäftigt und wurde von den Organisatoren angefragt, ob sie mit ihrer Band auch bei diesem Festival auftreten wolle. Die Band wollte, ein Gedanke führte zum nächsten und letztendlich entschied man sich ursprünglich für zwei Auftritte, einen in der Londoner Cadogan Hall und einen am Zermatt Unplugged. Das ursprünglich als VIP-Konzert geplante Konzert in London wurde auf Drängen der vier Musiker öffentlich gemacht und die 900 Tickets waren binnen weniger Stunden ausverkauft. Dieser beeindruckende Abend wurde visuell mitgeschnitten und präsentiert Skunk Anansie in einem komplett neuen Licht, denn was früher berechtigt und mitreissend unter einer Schicht aus Lautstärke und Aggression brodelte, kommt durch Wil Malones Arrangementänderungen als zerbrechlicher innerer Kern der Songs ans Tageslicht. Der gesamte Auftritt gleicht einem Seidenfaden; straff und stabil gespannt, aber fragil anzusehen. Und genau dieses eigentliche Gefälle zwischen der Erwartung auf das „GROOAARR!!“ und dem überraschenden, kleinen „pling“, zwischen laut und leise und der Frage, was da noch kommen mag, ob der Faden hält oder reisst und ob Skunk Anansie ihre eigene Ruhe wirklich selbst aushalten, macht dieses Konzert zu einem akustischen Vollkontakterlebnis mit einer Menge Spannung. Verraten wird hier dazu nichts. Das Geheimnis liegt im Konzert selbst. Es ist schön, Skin für einmal nicht als Hassbatzen, sondern als elegante Sängerin zu sehen, die ihre Stärken innerhalb der reduzierten Musik voll ausspielen kann. Es ist erstaunlich, was aus Skunk Anansies Hits wird, wenn man sie komplett nackt auszieht. Und es ist schlicht grossartig, was die vier mit ihrer Acoustic Show bieten.

LIVE 17. März 2014 Zürich, Volkshaus


Durch den Sturm nach Süd-Timbuktu

ms. Axel Rudi Pell ist einmal mehr fleissig gewesen und hat den Nachfolger zum erfolgreichen „Circle Of The Oath“ Album (Chartplatzierungen in Deutschland Platz 16, in der Schweiz Platz 30) nach nur etwas mehr als einem Jahr bereits wieder geschrieben, aufgenommen und zur Veröffentlichung bereit. In dieser kurzen Zeit hat der Ausnahmegitarrist nicht nur die neue bereits 15. Platte im Alleingang geschrieben sondern auch eine Tour gespielt, den Drummer ausgewechselt und eine Live Doppel-CD/DVD veröffentlicht. Der überaus bescheidene und sympathische Gitarrist stand TRACKS im Aufnahmestudio in Hannover geduldig Rede und Antwort und liess uns auch das neue Album bereits vorab hören (siehe Review).

Axel, während die meisten anderen Bands meist drei oder noch mehr Jahre auf ein neues Album warten lassen, verwöhnst Du Deine Fans fast wie in den 70ern oder frühen 80ern sozusagen jedes Jahr mit einem neuen Release. Fällt Dir das einfach oder ist das eine Last auf Deinen Schultern? Das fällt mir überhaupt nicht schwer, da ich eigentlich pausenlos neue Ideen für Songs habe. Mit meinem Smartphone kann ich auch immer gleich Melodien oder Ideen aufnehmen, egal wo ich gerade bin. Bevor es dann ans definitive Songwriting für ein neues Album geht habe ich meistens so an die 150 oder mehr Ideen aufgenommen und aus diesen Bruchstücken schreibe ich dann die Songs, welche ich auch selber als Demo aufnehme (Gitarre, Drumcomputer, Keyboards und etwas Gesang von mir). Aus diesen Demos formen wir dann als Band die definitiven Aufnahmen für ein neues Album. Sind die vielen Gitarrensoli auch immer schon vor dem Studiotermin vorbereitet oder entstehen die auch mal spontan während der Aufnahmen? Das ist unterschiedlich. Teile davon sind oft schon vorbereitet, aber meist nicht das komplette Solo. Die Details arbeite ich immer erst im Studio aus. Wenn man sich das neue Artwork und den Titel „Into The Storm“ anschaut, stellt sich sofort die Frage, ob es in den neuen Texten diesmal um Piraten geht? Nein, es sind wie immer pure Fantasy Texte. Ich schreibe alle Texte im Fantasy Bereich, schaue aber auch, dass es eine Aussage dahinter hat. Das Texten liegt mir eigentlich nicht so sehr, ich hasse es manchmal sogar, aber irgendwie kriege ich immer wieder die Texte zusammen. Die Musik ist mir definitiv wichtiger, allerdings will ich auch keine belanglose Texte haben, sondern halt schon zur Musik passende Fantasy-Sachen. Das Artwork zu „Into The Storm“ ist eine wahre Augenweide für Fantasy-Fans und setzt die Tradition Deiner überaus gelungenen Fantasy-Artworks fort. Wer liefert die Ideen dazu und wieviel Einfluss hast Du? Ja, die Ideen sind immer alle von mir und ich suche mir auch die Künstler aus. Bei den letzten Scheiben, wie auch bei der Neuen arbeitete ich mit dem Engländer Martin McKenna zusammen. Ich wollte diesmal ein Segelschiff

mit einem Skull vorne am Bug, dazu natürlich ein Sturm und ein paar Seeungeheuer. Das erste Ergebnis sah dann fast schon so aus wie nun das Endresultat. Allerdings war es total in dunkelblau gehalten, was zwar super aussah, allerdings zu sehr meinen letzten Artworks glich. Also musste er noch die Farben neu machen und das Endresultat ist nun wirklich richtig toll geworden und scheint allen super zu gefallen, was mich natürlich sehr freut. Wird es auch wieder ein Boxset geben mit Vinyl passend zu dem schönen Artwork? Viele Fans fragen ja auch immer wieder nach Vinyl-Releases von Deinen älteren Sachen, welche nie auf Vinyl erschienen sind (z.B. „Black Moon Pyramid“ oder „Oceans Of Time“). Ja, es ist definitiv ein Vinyl Release und ein Boxset vorgesehen zum neuen Album. Was die älteren Sachen angeht, so sind diese Vinyl-Reissues ebenfalls geplant. Allerdings kenne ich noch keine Details wann was veröffentlicht werden wird. Wie schwer ist es für dich, dich nicht selbst zu kopieren? Du hast ja schon eine unglaublich lange Diskografie im Rücken. Hörst Du Dir Deine alten Sachen noch an? Nein, also wenn ich komponiere, höre mir gar keine Musik an. Weder von anderen Bands noch von mir selber. Es ist allerdings auch schon vorgekommen, dass ich dann bei einem fertigen Song dachte „das gibt es doch schon irgendwo“ und ich stellte dann fest, dass es von einem alten Axel Rudi Pell Song war. Ich hatte also auch tatsächlich schon mal zweimal den gleichen Chorus geschrieben. Dann musste ich den Song natürlich in die Tonne werfen, aber das kommt eigentlich nicht allzu oft vor. Auf dem neuen Album gibt es einen Song namens „Burning Chains“, der mich sehr an Deep Purple erinnert, ist das bewusst so komponiert worden? Ja klar, ich bin natürlich ein riesiger Purple Fan und das darf man auch hören. Das Anfangsriff klingt etwas nach „Burn“, aber ansonsten ist der Song schon ein purer Pell Song, halt mit deutlichen Purple-Einflüssen. Jeder weiss ja, dass ich ein grosser Blackmore-Fan bin, das ist kein Geheimnis…

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Was versprichst Du Dir vom neuen Album ? Eine Platin-Auszeichnung in Süd-Timbuktu (lacht). Nein im Ernst, ich hoffe schon, dass wir noch mehr Fans anziehen können mit jeder Platte. Beim letzten Album sind wir in den Charts schon ziemlich weit nach vorne gekommen. Wenn wir diesmal eine Top 10 in Deutschland und Top 20 in der Schweiz schaffen würden, wäre das echt cool. Hast Du Ambitionen, den US-Markt zu knacken, jetzt wo Du mit Deinem neuen Drummer Bobby Rondinelli und Sänger Johnny Gioeli ja bereits zwei Amerikaner in der Band hast? Ich hatte mich natürlich schon früher immer mit Johnny darüber unterhalten und er, wie auch jetzt Bobby haben mir immer wieder davon abgeraten. Diese Musik ist da drüben einfach zu wenig angesagt und es würde ganz sicher in einem finanziellen Debakel enden. Vermutlich würden wir da dann vor 150 Leuten in New York und vor 80 Leuten in Los Angeles spielen, damit würden wir niemals die Kosten reinkriegen für so eine Tour. Also lassen wir es halt lieber sein und touren dafür in Europa regelmässig. Was macht Axel Rudi Pell in seiner Freizeit ?

Hast Du im heutigen Reunion-Wahn auch schon Angebote erhalten für eine Steeler Wiedervereinigung? Wir werden nächstes Jahr eine Axel Rudi Pell-Jubiläumsshow machen am Bang Your Head-Festival (25 Jahre ARP und 30 Jahre Steeler). Dort, und nur dort werden wir im Rahmen dieses dreieinhalbstündigen Programms eine halbe Stunde lang Steeler-Songs spielen. Ansonsten ist das aber kein Thema und es wird von den Fans auch nur noch sehr selten verlangt. Gibt es Musiker, mit welchen Du wahnsinnig gerne mal zusammen arbeiten möchtest? Die sind alle leider schon tot. Jon Lord zum Beispiel. Das wäre auch fast was geworden, wir hatten schon darüber gesprochen, bevor dann der Krebs dazwischenkam. Das gleiche bei Dio. Wir hatten ja eine Tour gespielt im Vorprogramm von Heaven And Hell und da konnte ich mich einige Mal gut mit Dio unterhalten. Ich wollte dann ein Coveralbum machen mit diversen Gastsängern, unter anderem eben mit Dio. Das hat leider nicht mehr geklappt. Viele Bands spielen ja zur Zeit bei „Album-Jubiläen“ ein

Ich spiele sehr viel Mafia Wars auf Facebook (lacht). Also abgesehen vom Gitarrespielen habe ich natürlich auch sonst viel für die Band zu tun. Es gibt immer wieder viele E-Mails zu beantworten, unzählige Interview-Termine etc. Und eben, wenn ich abschalten will, dann zocke ich via Facebook Mafia Wars…

komplettes Album am Stück live. Bei Dir wäre „Between The Walls“ nächstes Jahr 20 Jahre alt. Wirst Du auch mal sowas machen und ein Album am Stück live bringen? Nein, das will und kann ich nicht machen, denn dann müsste ich ja sehr viele Klassiker dafür weglassen. Es gibt halt einfach sehr viele Songs, die unsere Fans einfach immer Jeder weiss ja, dass ich ein grosser Blackmore-Fan bin, hören wollen, wie zum Beispiel „Casbah“ und „Masquerade das ist kein Geheimnis Ball“. Deshalb werden wir immer ein Best-Of Programm spielen plus so 4 oder 5 neue Songs. Es ist so schon immer Welches ist Deine Axel Rudi Pell Lieblingsscheibe? unglaublich schwierig, die Songs für ein Set auszuwählen. An Natürlich das neue Album „Into The Storm“ ! Aber das sagt der Jubiläumsshow in Balingen werden wir aber dann sehr jeder Musiker zur neuen Platte (lacht). Ansonsten habe ich viele ganz alte Sachen spielen und auch alle ehemaligen Axel eigentlich keine Lieblingsscheibe und finde sehr viele Alben Rudi Pell-Sänger auf der Bühne haben. von mir immer noch sehr gut. „The Crest“, „Circle Of The Oath“, “Oceans Of Time“ und „Masquerade Ball“ mag ich immer noch sehr gerne. Hingegen einige Sachen auf den ganz alten Scheiben wie „Eternal Prisoner“ würde ich heute auf keinen LIVE Fall mehr machen. Aber das war halt damals auch der 12. Februar 2014 amerikanische Einfluss von unserem Sänger Jeff Scott Soto.

Pratteln, Z7

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Hard/Heavy/Metal CD TUXEDO Flowerfield Melodies Massacre/Musikvertrieb

hug. Da preist die Plattenfirma das Debüt einer Band aus Österreich. Und verspricht uns Alpencore und Heimat-Metal und Hudigäggeler-Crossover. Und wir freuen uns schon auf eine spektakuläre Kollision von österreichischem Ländler mit internationalem Metal, eine Fusion also ähnlich, wie das Global Kryner mit Handorgeln veranstalten oder Attwenger mit Schlagzeug. Und das Cover ist (Mädels jetzt weghören, wenn ihr es nicht leiden mögt) überaus ansprechend. Und dann eröffnet das Album mit dem abgehackten Zillertaler Hochzeitsmarsch, dem dann übergangslos astreiner Metalcore folgt, und wir denken uns «aber hallo, das haben Accept auf «Fast As A Shark» schon 1982 zehnmal besser hingekriegt». (Heiidiii-Heiiidiiiiichrchrchrchr-AAAAAAAA!!!) Also CD weglegen, darüber schlafen, einen neuen Versuch starten und sich damit abfinden, dass hier keine Fusion stattfindet, dass hier nicht mal der Versuch einer Fusion stattfindet. Jedenfalls nicht musikalisch. Weitergehende Recherchen ergeben dann aber,

dass Tuxedo immerhin in Krachlederhosen und kariertem Hemd mit Hut und Gamsbart auftreten, und wenn man die im Netz so auf der Bühne rocken sieht, denkt man sich: Hat was! Ist lustig! Funktioniert aber nur live. In der eigenen guten Stube ist «Flowerfield Melodies» (schöner Titel) nur ein Metalcore-Album, aber immerhin ein sauberes Metalcore-Album mit ordentlichen Shouts und bretternden Instrumenten, ganz okay also. Und wir werden uns die Band sicher anschauen gehen, wenn die mal live in der

POTENTIAL THREAT SF Civilization Under Threat Old School Metal

hug. Potential Threat gabs ja schon mal zu Anfangszeiten des Bay-Area-Thrash in den Achtzigern, dann zogen die Brüder Noble nach Deutschland, kehrten nach San Francisco

zurück und reformierten die Band mit dem Zusatz SF. Das zweite nun vorliegende Album ist genau das, wie ihr Label heisst, nämlich Oldschool Metal beziehungsweise richtig guter, aufgepowerter Thrash der alten Schule – nur der modernen Technik entsprechend besser produziert als früher und mit weniger Gefrickel als bei den alten ThrashBands. Dafür mit dem Neunminüter «Behold The End», das Kenner wohl als Thrash-Ballade bezeichnen würden. Macht Spass, das Teil!


CD Hard/Heavy/Metal mv. Auch wenn sich der Albumtitel The Bitch Is Back... Live eigentlich auf den SPV / Musikvertrieb Opener dieser CD, das Elton John-Cover "The Bitch Is Back" bezieht, die einstige L.A. Ikone Lita Ford hat sich durch ihre PromiBeziehungen mit nicht gerade wenigen „Bad Asses“ der Szene (Nikki Sixx von Mötley Crüe, Chris Holmes von W.A.S.P. oder zuletzt Jim Gillette von Nitro) wahrlich auch den Ruf einer Bitch geholt. Nun, die Trennungen und Scheidungen sind durch und die Zeit für ein richtiges Comeback war 2012 endlich reif. Nach dem wirklich guten Album dazu namens „Living Like A Runaway“ gibt's nun ein Live Album, um die Rückkehr von Lita in der Szene zu festigen. Und „The Bitch Is Back… Live“ begeistert die Fans in vielen Belangen. Aufgenommen im Herbst 2012 in einem Club in Kalifornien bietet das Album viel Charme, authentische Club-Atmosphäre und Nostalgie-Feeling par excellence. Klassiker wie „Hungry“, „Can't Catch Me“, „Out For Blood“, „Back To The Cave“ oder “Dancing On The Edge” wechseln sich ab mit einigen unvermeidbaren neuen Tracks (u.a. das hart rockende “Relentless” und das sehr geile “Living Like A Runaway”). Das die gute Lita trotz ihrer mittlerweilen stolzen 55 Jahre noch nichts an Coolness, Sinnlichkeit und Power verloren hat zeigen dann die Highlights „Close My Eyes Forever“ und „Kiss Me Deadly“. Die Stimme ist noch voll da und das Feuer brennt noch, weshalb dieses Album trotz des Fehlens einiger eigentlich unverzichtbaren Hits („Larger Than Life“, „Playing With Fire“, „Gotta Let Go“ und „Shot Of Poison“) den Fans an Herz gelegt werden kann. The bitch is definitely back!

LITA FORD

AXEL RUDI PELL Into The Storm SPV / Musikvertrieb mv. Das Jahr 2014 hat soeben erst begonnen und schon liegt eins der definitiv ganz grossen Highlights im Bereich Melodic Metal/Hard Rock vor. Axel Rudi Pell ist nicht nur ein Workaholic sondergleichen, welcher seine Fans in sehr regelmässigen Abständen mit neuen Platten beglückt, er lieferte in seiner langen Karriere niemals auch nur ein schwaches Album ab. Das neue Werk „Into The Storm“ setzt diese Tradition nicht nur fort sondern ist ohne wenn und aber eins der grossen Glanzlichter in der riesigen Diskografie des deutschen Ausnahmegitarristen geworden. „Into The Storm“ besitzt wunderbare Melodien, knackige Riffs, grosse Refrains, herrliche Epik und einfach alles, was man an Axel Rudi Pell so liebt. Der Opener „Tower Of Lies“ ist eine Uptempo-Nummer, welche auch auf „Between The Walls“ oder „Black Moon Pyramid“ hätte stehen können. Treibende Heavy Metal Riffs verbunden mit einem eingängigen Refrain, grandioser Gesang von Johnny Gioeli und ein filigranes blitzschnelles Gitarrensolo. Da blüht das Metalherz auf. Mit „Long Way To Go“ folgt danach eine besonders melodische Nummer mit grossem Hitpotential. Erinnert etwas an den Pell-Hit „Carousel“ und bietet Melodic Metal in Perfektion. „Burning Chains“ ist eine Art Hommage an Deep Purple, jedenfalls beginnt der Song mit einem Purple-Gedächtnisriff, bevor auch aus diesem Song eine typische Pell-Nummer wird. „When Truth Hurts“ ist dann die obligatorische Ballade. Müssig zu erwähnen, dass Pell ein Meister im

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Fach Balladen ist. „Changing Times“ wird von einem galoppierenden Iron Maiden-mässigen Riff getragen und bietet einmal mehr grossartigen Gesang und fantastische Melodien. Hier zeigt sich auch deutlich, dass der neue Drummer Bobby Rondinelli (exRainbow, ex-Black Sabbath) ein absoluter Glücksgriff war. Auch epische Momente dürfen natürlich nicht fehlen, dazu sind das packende „Touching Heaven“ sowie der an alte Rainbow erinnernde über 10 Minuten lange Titeltrack da. Und mit „High Above“ gibt's ziemlich weit hinten im Album versteckt noch einen richtigen Megahit. Der Chorus hat einen dermassen geilen Hook, dass er einen noch tagelang verfolgt. Bleibt noch zu erwähnen, dass Axel Rudi Pell mit dem Neil Young-Cover „Hey Hey My My“ ein grosser Coup gelungen ist, denn der Song erzeugt eine meterdicke Gänsehaut und lässt das Original ziemlich alt aussehen. Der Sound des Albums ist sehr transparent und druckvoll, das Artwork wie immer ein Meisterwerk und als Bonus gibt's auf der Limited Edition noch zwei weitere geniale Tracks (ein Instrumental sowie das kongeniale Blackmore's Night-Cover „Way To Mandalay“). Somit ist „Into The Storm“ ein Album geworden, an dem einfach alles stimmt. Ganz grosses Ohrenkino!

TROUBLE

lg. Wie es mit der seit 1979

The Distortion Field aktiven Doom-Metal

Institution Trouble aus Chicago nach dem Ausstieg des charismatischen Sängers Eric Wagner im Jahre 2008 weitergehen sollte, war einige Zeit unklar. Zwar wurden Konzerte mit Kory Clarke (Warrior Soul) am Gesang gegeben, doch albumtechnisch war erstmals Schicht. Das letzte Album "Simple Mind Condition", das die seit "Plastic Green Head" (1995) bestehende Stille unterbrochen hat, stammt aus dem Jahr 2007. Im letzten Jahr konnten die beiden verbliebenden Gründungsmitglieder Bruce Franklin und Rick Wartell, welche das kongeniale Gitarrenduo von Trouble bilden, Kyle Thomas (ex-Exhorder, Floodgate und Alabama Thunderpussy) für den Sängerposten gewinnen, der nun auch auf "The Distortion Field" zu hören ist. Der sehr abwsechslungsreiche Opener "When The Sky Comes Down" haut schon in typischer Trouble-Manier rein – langsames Riff zu Beginn, dann schön im Midtempo mit dem unvergleichlichen Gitarrenduo Franklin/Wartell – und stellt eines der Albumhighlights dar. Kyle Thomas kann zudem von der ersten Note an voll überzeugen – er singt nicht nur, sondern macht das mit einer richtigen Leidenschaft. Der folgende Song "Paranoia Conspiracy" ist ein flotter Doom-Rocker geworden. Das nächste Highlight ist das schwere "One Life", das mit der

Frw Music


Hard/Heavy/Metal CD Zeit aber fast etwas in die Stoner-Ecke driftet. Cool kommt auch "Hunters Of Doom" daher, auf welchem sich die Gitarristen richtig austoben und jedem Rhythmusgitarrenduo zeigen, wer hier der Boss ist. Alles in allem ist "The Distortion Field" doch mehr rockig als doomig ausgefallen, doch überrascht das niemanden, der Trouble verfolgt hat. "The Distortion Field" ist ein gelungenes Album, das sich nahtlos an die letzten beiden Trouble-Alben anreiht, doch nur selten den beiden besten Werken der Band, "Psalm 9" (1984) und "Trouble" (1990), das Wasser reichen kann. Kyle Thomas macht seine Sache am Gesang mehr als gut, doch kann er in Sachen Gesangslinien nicht ganz an den legendären und unverwechselbaren Eric Wagner anknüpfen. Für "The Distortion Field" kann an dieser Stelle eine ganz klare Kaufempfehlung ausgesprochen werden – interessante

Scheibe. Jetzt muss nur noch ein Konzertdatum für die Schweiz her.

SPIRALARMS Freedom SPV/Musikvertrieb ip. Man kann schon ein bisschen ins Schleudern kommen, wenn man die Geschichte der Bay Area Thrasher Forbidden, den daraus hervorgegangenen Manmade God und Spiralarms verfolgt. Stand der Dinge scheint momentan zu sein, dass es Forbidden nicht mehr gibt, und das ist definitiv mehr als schade, und Manmade God zeitweise zu Spiralarms morphen. Craig Locicero und Steve Jacobs, beide ehemals bei den Veteranen Forbidden, bilden Spiralarms Rückgrat in den beiden wichtigsten Punkten der grungigen Stoner-Metal-Band:

Des Songwritings und des mörderischen Grooves, für den vor allem Drummer Jacobs verantwortlich ist (und dem man dafür gerne einen Orden verleihen dürfte). Alleine der Opener „Dropping Like Flies“ sorgt für einen herunterklappenden Unterkiefer, der mit den Nachfolgern „Hold Me To The Sky“, „Exit 63“ und dem psychedelisch angehauchten Melodiemonster „Blackmoon Morning“ auch nicht so schnell wieder zuklappt. Tim Narducci ist ein grossartiger Sänger mit grosser stimmlicher Reichweite und Charisma und die an sich untypischen Klavier-Einsätze sind so sparsam und klug platziert, dass sie für die perfekte Menge an dramatischer Untermalung sorgen. Die Songs pendeln zwischen tonnenschwer („Dealer“), treibend (“Drugs & Alcohol“) und auch mal traurig („Lovers Leap“), haben mit „Tomorrow's Dream“ einen Black Sabbath-Song zu Gast

und hinterlassen mit dem letzten Track „I Lay Low“ sogar einen hippiesken Monster Magnet-Touch. „Freedom“ ist ein grosses Bombenalbum vollgepackt mit Groove und Melodie, dass allen Fans von den beiden letztgenannten Bands, aber auch Liebhabern von Soundgarden oder Spiritual Beggars gefallen wird. Dringende Empfehlung!

SKINDRED Kill The Power Napalm/Universal lg. "Kill The Power" ist das fünfte Album des Kollektivs aus Wales, das sich in den Bereichen Nu Metal, Hip-Hop, Reggea und auch Punk bewegt. 1998 wurde die Band von drei ehemaligen Dub War Mitgliedern gegründet. "Kill The Power" kommt sehr variable daher, obschon die

Mit dem neuen Line-Up existieren noch keine Aufnahmen. Auch auf der Live EP "Live At Maida Vale" vom Frühjahr 2013 sind Aufnahmen im alten Line-Up zu finden. "Ich freue mich sehr, mit dem neuen Line-Up ins Studio zu gehen. Ideen für Songs existieren bereits" so John. Und angesprochen auf die bisherigen Albumtitel hält John fest: "Das neue Album wird nicht nach einer Farbe benannt sein. Auch in Sachen Labels werden wir sehen, wie es weitergeht".

lg. Die 2003 in Savannah/Georgia gegründete US-Band Baroness gilt derzeit als ganz heisses Eisen. Obschon erst drei Alben von Baroness veröffentlicht worden sind ("Red Album" im 2007, "Blue Records" im 2009 und das monumentale Doppelalbum "Yellow & Green im 2012), konnten sich Baroness zunächst als TopSludge Band etablieren und sich danach in progressiven und psychedelischen Gefilden ausbreiten. Jedes Mal wurden Baroness abgefeiert. John Baizley, der Sänger, Gitarrist und Frontmann gibt zu diesen Veränderungen zu Protokoll: "Stillstand ist der grösste Feind von Baroness. Ich möchte die Band musikalisch stets weiterentwickeln und mit ihr zu neuen Ufern aufbrechen. Es gibt auch diejenigen Bands, die konsequent ihren Stil pflegen, wie zum Beispiel AC/DC oder Judas Priest, was OK ist, doch das ist nicht das Ding von Baroness". Angesprochen auf den schweren Busunfall im August 2012, bei welchem der Tourbus in Bath, England, von einer nassen Strasse abkam und 15 Meter eine Brücke hinunterstürzte, meint John: "Klar, die Narben bleiben als äusserlich sichtbare Zeichen aber das Ganze war auch eine Art Neuanfang für die Band. Es hat eine gewisse Zeit beansprucht, wieder auf die Beine zu kommen, doch jetzt haben wir mit dem Einstieg von Nick Jost am Bass und Sebastian Thomson am Schlagzeug das beste Baroness Line-Up aller Zeiten beisammen." Es sei hier angemerkt, dass die beiden ausgestiegenen Bandmitglieder Frakturen der Wirbelsäule erlitten.

Die Musik ist nur ein Teilbereich im kreativen Kosmos von John, der sich als begnadeter und gefragter Coverkünstler auszeichnet. Neben allen Covers von Baroness hat er Artworks von Bands wie Kylesa, Kvelertak oder auch Black Tusk in seinem typischen Stil entworfen. "Letzthin durfte ich sogar für Metallica ein Motiv entwerfen, was sehr cool ist. Ich versuche, für mich eine Balance von etwa 50:50 zwischen der Malerei/Zeichnerei und der Musik zu halten, was zuhause meistens auch gelingt". Bei Baroness ist es denkbar, dass sie einen ähnlichen Weg wie Mastodon gehen werden, die ja auch mit einem bahnbrechenden Album auf Relapse ("Leviathan" aus dem Jahre ) und vielen attraktiven Support-Slots (u.a. für Metallica) die Erfolgsleiter erklommen haben. Baroness wäre dies zu wünschen, denn John Baizley hat mit seinen Visionen und seiner kompromisslosen Art alle Voraussetzungen geschaffen, dies seiner Band zu ermöglichen.

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CD Hard/Heavy/Metal Samples und DJ-Effekte die Band etwas gar in die Linkin Park Ecke schieben. Allerdings können die beiden Bands kaum miteinander verglichen werden, denn Skindred bieten hier das volle Brett und können keinesfalls als Pop kategorisiert werden. Für den aufgeschlossenen Musikfan bietet "Kill The Power" einiges, alle Traditionalisten oder Schubladendenker sollen die Finger von "Kill The Power" lassen. Anspieltipp: das dubmässige "Playing With The Devil", der Titelsong sowie das heftige "Ninja".

HAIL OF BULLETS III: The Rommel Chronicles Metal Blade/Sony lg. Die holländische Death Metal Supergroup um Schreihals Martin van Drunen (Asphyx, ex-Pestilence, ex-Bolt Thrower) und den Mitstreitern Ed Warby (dr., Gorefest), Paul Baayens (git., Asphyx), Theo Van Ekelen (bs.) und Stephen Gebedi (git., beide Thanatos) meldet sich wieder in albumtechnischer Hinsicht und liefert mit III: The Rommel Chronicles ihre dritte Abhandlung zum zweiten Weltkrieg vor. Diesmal sind der Afrikafeldzug unter dem deutschen Feldmarschall Rommel sowie die Niederlage der Deutschen in El-Alamein an der Reihe. Gewohnt meist schleppend und ultrabrutal kommt der klassisch und schnörkellos dargebotene Death Metal daher und kann Genre-Fans nur ans Herz gelegt werden. Wo Hail Of Bullets drauf steht ist auch Hail of Bullets drin und das ist gut so. Und solange die Death Metal Könige von Bolt Thrower kein neues Album veröffentlichen bieten Hail Of Bullets eine willkommene Alternative.

MOTÖRHEAD Aftershock UDR Records / Warner lg. Sage und schreibe 22 Studioalben hat Ian "Lemmy" Kilmister in der nunmehr 38-jährigen Karriere von Motörhead mit wechselnden Line-Ups veröffentlicht (seit 1992 mit Mikkey Dee am

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Schlagzeug und Phil Campbell an der Gitarre). Satte 68 Lenze trägt Lemmy nunmehr auf dem Buckel und wegen seiner angeschlagenen Gesundheit wurde die Europa-Tour zu Aftershock auf den Frühling 2014 verschoben. Immerhin liegt jetzt mit dem ziemlich heftigen "Aftershock" ein neues Album vor. Und "Aftershock" macht durchaus richtig Spass. Offenbar scheinen Motörhead die doch eher schwache zehnjährige Phase seit Mitte der 90er Jahre definitiv überwunden zu haben und liefern seit "Kiss Of Death" (2006) ausnahmslos sehr solide Alben ab. Auch "Aftershock" kann in die Kategorie der soliden Alben eingereiht werden. Der coole Opener "Heartbreaker" kommt schön schnell daher und ist ein typischer Motörhead-Song. Nur der Gesang von Lemmy wirkt – wie auf dem ganzen Album – etwas gedrückt und leicht schwächelnd (aber nach wie vor gut geölt). Aber man weiss, ein Lemmy gibt nicht auf. Auch Songs wie "Coup De Grace", "End Of Time", "Going To Mexico" oder der High-Speed Rausschmeisser "Paralyzed" gehen gut ab und sind echte Kracher geworden. Doch Lemmy und Konsorten zeigen sich auch von ihrer ruhigeren Seite: Der dritte Song "Lost Woman Blue" ist ein relaxter Blues-Rocker geworden, der sich mit zunehmender Songdauer steigert. "Dust And Glass", die Ballade auf "Aftershock", lebt von der verrauchten und Jack Daniels getränkten Stimme von Lemmy. Abgerundet wird das Album von ein paar coolen Rock'n'Roll Nummern, die Lemmys grosse Liebe für die Musik der 50er und 60er Jahre aufleben lassen ("Crying Shame", "Do You Believe") sowie einigen groovenden Midtemposongs, welche teilweise etwas unspektakulärer daherkommen. Wiedermal haben Motörhead einen tollen Mix aus Metal, Rock'n'Roll und Blues hingelegt und mit "Aftershock" ein tolles und abwechslungsreiches Album hingelegt, was angesichts von Lemmy's Gesundheitszustand nicht unbedingt zu erwarten war. Play it loud! In diesem Sinn gehen unsere besten Wünsche an Lemmy mit der Hoffnung, dass bald wieder ein MotörheadKonzert in der Schweiz stattfinden wird.

DEATH ANGEL The Dream Calls For Blood Nuclear Blast / Warner

lg. Die in den 90er Jahren stillgelegte und 2004 reformierte Bay-Area Thrash Metal Legende Death Angel hat seit der Reunion recht Fahrt aufgenommen und liefert mit "The Dream Calls For Blood" bereits das vierte Album seither (und insgesamt das siebte) ab. Drei Jahre und viel unermüdliches Touren sind seit "Relentless Retribution" vergangen. "The Dream Calls For Blood" ist dunkler, düsterer und brutaler als der Vorgänger geworden. Die ersten vier Songs ("Left For Dead", "Son Of The Morning", "Fallen" und der Titeltrack) können als wahrliche Highlights in der Geschichte der Band, bei welcher vom Original-Line-Up nur noch Sänger Mark Osegueda sowie Gitarrist Rob Cavestany dabei sind, eingestuft werden. Sie sind thrashig, sehr variabel, strotzen nur von guten Riffts und vor allem: Sie bleiben einem nach wenigen Hördurchläufen im Gedächtnis hängen. Anschliessend folgen ein paar Songs, welche dieses Niveau nicht ganz halten doch nach wie vor als gut durchgehen. Ein Album, das Spass macht, aber halt nicht ganz gegen die unübertreffbaren Klassiker "The Ultra-Violence" (1987) sowie "Act III" (1990) anstinken kann.

BETZEFER The Devil Went Down To The Holy Land SPV/Musikvertrieb em. Wer schon einmal selbst in Israels pulsierende r Stadt Tel Aviv war weiss um die Atmosphäre, die einen da umgibt. Die Dynamik und Vielfalt der Kunst- und Kulturszene dieses Ortes ist atemberaubend. Es ist also nicht weiter verwunderlich, dass eine Hardcore-Band aus dieser von politischen Konflikten geprägten Region, äusserst positiv auf sich aufmerksam macht. Mit «The Devil Went Down To The Holy Land» haben die vier Herren von Betzefer wahrlich einen Volltreffer gelandet. Bereits das Vorgängeralbum «Freedom To The Slave Makers» war sehr gelungen, aber was die Jungs mit ihrem

neusten Werk präsentieren ist meisterhaft! Nach einem fast einminütigen Intro folgt der gleichnamige Titeltrack und überzeugt von der ersten Sekunde an. Als Hörer wird man förmlich überrumpelt und gleichzeitig in den Bann Betzefers gezogen. Die hardcorelastigen Sounds gehen mit einer ordentlichen Portion Rock'n'Roll und Heavy Metal einher. Die Texte der Songs sind neben den Lobeshymnen auf die Musik Betzefers ebenfalls hervorzuheben. Frontmann Avital Tamir schreit sich beim Vortragen dieser Worte voller Energie und Wut gekonnt die Seele aus dem Leib. Man könnte hier jeden einzelnen Track auflisten und über dessen Faszination philosophieren. Das ist schlicht unnötig, denn das hohe Niveau der ersten Nummer können die Israeli während der ganzen Laufzeit dieses kurzweiligen Longplayers halten. Einzig ein paar weitere Perlen oder Anspieltipps sind zu erwähnen: «Copkiller», «The Medic», «Suicide Hotline Pt. 1» oder auch das Schlusslicht «Can You Hear Me Now?» Betzefer haben sich weiterentwickelt, zu sich selbst gefunden und sind sich ihrer Stärken bewusst geworden. Neben den 14 grandiosen Kompositionen sind die hörbare Spielfreude, die vertonten Emotionen und der treibende Charakter dieser Scheibe weitere Attribute, die «The Devil Went Down To The Holy Land» zu einer so grandiosen und abwechslungsreichen Veröffentlichung machen. Etwas vom Spannendsten, das 2013 auf musikalischer Ebene zu bieten hatte. Wer Betzefer bis dato nicht kennt, sollte das schleunigst ändern. Es lohnt sich!

ATLANTEAN KODEX The White Goddess Cruz Del Sur / Musikvertrieb lg. Mit ihrem zweiten Album "The White Goddess" zieht der bajuwarische Fünfer Atlantean Kodex in die Schlacht um den Heavy Metal Thron und legt ein Album vor, das als ganz grosses Highlight zu bezeichnen ist. Das Album besteht aus fünf sehr langen Songs mit einer jeweiligen Spielzeit zwischen knapp 8 und gut 11 Minuten sowie drei sehr atmosphärischen


Hard/Heavy/Metal CD

Intros bzw. Zwischenspielen. "The White Goddess" vereint in atmosphärischer Hinsicht "Awaken The Guardian" von Fates Warning, die wichtigen Frühwerke von Manowar ("Into Glory Ride", "Hail To England") sowie die epischen Alben von Bathory ("Blood Fire Death", "Hammerheart" und "Twilight Of The Gods"). Doch nun zur Musik: Das recht flotte "Sol Invictus", der erste richtige Song auf "The White Goddess", packt den Hörer sofort und ist trotz seiner epischen Länge fast schon eingängig und sehr kurzweilig. Der doppelte Gesang verleiht generell den Kompositionen Tiefe und eine rechte Note Eigenständigkeit. Weiter taucht man in die Welt von Altantean Kodex mit dem Überfliegersong "Heresiarch", der zunächst wie alte Manowar tönt (der Bass ist nicht ganz so laut) und in einen packenden, epischen Doom-Song übergeht. Der Schlusspart von "Heresiarch" ist dann nur noch erhaben. Spätestens jetzt sollte jeder qualitätsbewusste Musikfan diesem Wahnsinnsepos verfallen sein. Mit "Twelve Stars and Azure Gown" geht es zunächst etwas ruhiger weiter, bevor der Song zu einem tollen Midtempo EpicDoomer avanciert. "Enthroned in Clouds And Fire" ist nicht nur vom Songtitel her der Bathory-Tribute Song des Albums (die Zitate auf bayerisch tun ihr Übriges dazu). Das abschliessende "White Goddess Unveiled" beginnt mit heroischen Gitarrensoli und wird zu einem packenden Metalsong, das von einem melancholischen und bittersüssen Klavieroutro beendet wird. "The White Goddess" erhebt den Anspruch auf den Titel Album des Jahres! Diese Perle muss man ganz klar auf Vinyl besitzen, denn da kommen Artwork und Sound noch besser zur Geltung und man kriegt ein 24-seitiges Booklet mitgeliefert. Grandios, wie Atlantean Kodex uns die reine Lehre einschenken und ein Stern am Metalfirmament erschaffen haben, der derzeit heller leuchtet als alle anderen! Bitte mehr davon, denn: The Epic War Never Ends!!!

AVATARIUM AVATARIUM

lg. Zwar ist Avatarium Nuclear Blast / Warner eine neue Band, doch mit Ausnahme von Sängerin Jennie-Ann Smith sind die Protagonisten bekannt: Mastermind ist niemand anderes als Leif Edling (bs., Candlemass und Krux), der mit Marcus Jidell (git., Evergrey), Lars Sköld (dr., Tiamat) und Carl Westholm (keys) erfahrene Musiker um sich geschart hat. Bekanntlich werden Candlemass kein weiteres Album aufnehmen, weshalb Leif nun Zeit für andere Projekte hat. Avatarium ist, obwohl durchaus im Doom-Metal verwurzelt, stilistisch viel weiter gefasst und weist Einflüsse aus den 60er und 70er Jahren auf (Jethro Tull, Blue Öyster Cult, Rainbow und natürlich Leifs Lieblingsband Black Sabbath). Die Stimme von Jennie-Ann tut dieser Art von Musik sehr gut, verleiht sie doch der Musik eine eigene Note (und kommt nicht so schrill daher wie all diese auswechselbaren Okkult-Rock-Stimmen). Schon der Opener "Moonhorse" begeistert durch das Wechselspiel von fetten Riffs und ruhigen Teilen, in welchen der Gesang vollends zur Geltung kommt. Die folgenden "Pandora's Egg" und "Avatarium" sind nach einem ähnlichen Muster aufgebaut. Die vorab ausgekoppelte Single "Boneflower" kommt um einiges poppiger daher und fällt deshalb etwas aus dem Rahmen (ausser den betörenden langsamen Parts). Auch die weiteren Tracks auf "Avatarium"

Alles hat ein Ende,

auch diese Welt

Gitarrist und Bandkopf Manuel Trümmer bringt TRACKS seine Band Atlantean Kodex sowie das neue Album "The White Goddess" näher. lg. Die Band aus der Region Regensburg (Ostbayern) trägt mit Atlantean Kodex einen etwas speziellen Namen. "Dies soll eine Anspielung auf verbotene/fiktionale Bücher wie das Necronomikon oder das Pnakotische Manuspript sein (Anm: beide nehmen beim Autor H.P. Lovecraft einen wesentlichen Platz ein). Zudem soll der Bandname geheimnisvoll wirken und auch eine etwas melancholische Ausstrahlung haben" führt Manuel aus. Schon mit dem Vorgänger und ersten vollständigen Album "The Golden Bough" konnte die Band einige Aufmerksamkeit erwecken und gewann viele neue Fans. "Von der letzten Scheibe haben wir schätzungsweise 7000 bis 8000 Exemplare innert drei Jahren verkauft, was ganz gut für eine Underground-Band ist". Mit The White Goddess sind nun Atlantean Kodex einen Schritt weitergegangen: "Das Album ist düsterer geworden und hat im Vergleich zum Vorgänger keine schnelleren Songs. Musikalisch standen alte Manowar – mit Songs wie "Dark Avenger", und "Hatred" - , die schwedische Band Bathory in ihrer epischen Phase sowie in Sachen Gesang Fates Warning Pate. Meine beiden Favoriten sind die sehr schweren und melancholischen Songs wie "Heresiarch" und "White Goddess Unveiled"" so Manuel, der Hauptsongwriter und Ideenlieferant für Atlantean Kodex. "Allerdings geht unser persönlicher Musikspektrum viel weiter: neben Metal auch 60s/70s Querbeet sowie traditionelle Musik wie Folk". Es lohnt sich auch, auf die inhaltliche Seite des Albums einzugehen: "Der rote Faden des Albums ist Tod und Wiedergeburt, Niedergang und Wiederauferstehung. In diesem Zusammenhang spielt auch die derzeitige Situation Europas eine ganz grosse Rolle" so der Kulturwissenschaftler Manuel. "Ich lese sehr viel und beschäftigte mich sehr stark mit solchen Themen. Es geht auch darum, den Hörer hier einzubeziehen". Auch lokale Aspekte von Themen wie Prophezeiungen werden verarbeitet. "Der bayerische Nostradamus, eine Person namens Mühlhiasl aus dem 18. Jahrhundert, hat auch Eingang gefunden. Am Ende des Songs „Enthroned In Clouds And Fire“ werden Zitate von ihm wiedergegeben wie "Alles hat ein Ende, auch diese Welt, was mir in Anbetracht des derzeitigen Weltgeschehens als sehr passend schien". Auch in Sachen Aufmachung muss sich "The White Goddess" nicht hinter Musik und Texte verstecken. Während das Frontcover ein Gemälde von Caspar David Friedrich ziert, klärt uns Manuel auf, wer denn die Texte im Stile eines sehr alten Buches abgeschrieben hat: "Ein Tattookünstler aus Köln, Benjamin Harff, hat sich der mittelalterlichen Buchschreiberei gewidmet. Er ist ein Fan von uns und hat uns seine Mitarbeit angeboten. Ich denke, das Ergebnis spricht für sich". In der Tat ist "The White Goddess" als Gesamtkunstwerk zu betrachten, welches in der sehr edel aufgemachten (unlimitierten) Vinyl-Version auf Van Records am besten zur Geltung kommt. Dass sich "The White Goddess" in der Release-Woche auf Platz 65 der deutschen Charts platziert hat, kommt für Manuel sehr überraschend: " Wir sind als Band sehr stolz darauf, doch wir bleiben natürlich nach wie vor eine Underground-Band. Generell stimmen uns die durchs Band guten bis sehr guten Review vollends zufrieden". Für die Zukunft sind einige ausgewählte Konzertauftritte (unter anderem Ende April 2014 am wohl legendärsten Underground Metal Festival „Keep It True“ in Süddeutschland) sowie eine EP geplant. Also haltet Ausschau nach dieser Ausnahmeband! Und befolgt den im Booklet zu "The White Goddess" aufgeführten Spruch: „No mosh, no trend, no core. Keep your metal tidy!“.

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CD Hard/Heavy/Metal sind gelungen, insbesondere der balladeske und ruhige Rausschmeisser "Lady In The Lamp". Fazit: Ein interessantes Album, das einen etwas an Leif's Side-Projekt Abstract Algebra aus den 90er Jahren erinnert, aber stilistisch weitergefasst ist.

SATAN'S SATYR Wild Beyond Belief! Bad Omen Records lg. Das ist HorrorSchweinedoo m und rockt wie die Hölle. Satan's Satyr aus Virginia sind mit ihrem ersten Album am Start konnten aber bereits mit diversen sehr limitierten Veröffentlichungen sowie zwei Auftritt am renommierten Roadburn Festival in diesem Jahr grössere Aufmerksamkeit einheimsen. "Wild Beyond Belief!" wird – nach limitierten Releases im Jahr 2012 – erstmals richtig und flächendeckend veröffentlicht. Die Gitarren haben sehr viel fuzz und braten ordentlich, der Gesang tönt ordentlich krank und die Musik ist meist im Midtempo gehalten und vereint sowohl Elemente von Black Sabbath und Electric Wizard wie auch MC 5 und generell Stoner Rock. Zu erwähnen ist, dass Sänger und Bassist Claythanas auf vorliegendem Album alle Instrumente eingespielt hat und live von zwei weiteren Musikern unterstützt wird. Nicht schlecht, aber auf Dauer fehlt etwas der Wiedererkennungswert.

ARTILLERY Legions Metal Blade/Sony lg. Die dänischen Thrash -Metal Veteranen um die Gebrüder Stützer an den beiden Gitarren schiessen ihr nunmehr siebtes Geschoss in den hungrigen Moshpit! Die Geschichte von Artillery ist etwas ähnlich wie diejenige der UK-Thrasher von Onslaught (Auflösung Anfangs 90er, Reunion und nunmehr drittes Album seither), mit dem einigen Unterschied, dass es Artillery 1999 mit "B.A.C.K." zwischendurch mal versucht haben. Trotz Sängerwechsel und dem Abgang von Originalschlagwerker Carsten Nielsen tönen Artillery nach wie vor wunderbar

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old-schoolig und begeistern durch variablen und komplexen Thrash-Metal mit tollem Gesang und coolen Soli. Auch wenn das Album etwas lang geraten ist: Langweilig wird es nie! Anspieltipp: "Chill My Bones". Dennoch bleibt der Klassiker "By Inheritance" (1990) unübertroffen.

ASOMVEL Knuckle Duster Bad Omen Records lg. Dieses englische Assi-Rock Trio irgendwo in der Schnittmenge zwischen alten Motörhead, Tank und Venom legt mit "Knuckle Duster" ihr zweites Album vor – und das nach zwanzig Jahren Bandgeschichte. 1993 gegründet, haben Asomvel im 2002 ein Demo veröffentlicht, im 2007 eine 10'' auf die Menschheit losgelassen und anschliessend im 2009 ihr Debüt "Kamikaze" released. Im 2010 erteilte Asomvel ein schwerer Schicksalsschlag, als Frontmann Jay-Jay Winter bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. Doch bereits ein Jahr später wurde mit Conan der neue Frontmann gefunden, und somit konnten Asomvel wieder Fahrt aufnehmen. "Knuckle Duster" ist ein richtig rotziges Rock'n'Roll-Album geworden, bei welchem man den Dreck unter den Fingernägeln förmlich riecht, und stellt somit eine echte Alternative zur guten neuen Motörhead-Scheibe "Aftershock". Ein tolles Album, das einem förmlich den Hintern wegrockt.

ONSLAUGHT VI AFM /Musikvertrieb lg. Onslaught aus Bristol/ UK,1983 gegründet, sind eine der dienstältesten ThrashMetal-Bands und haben soeben "erst" ihr sechstes Album veröffentlicht. In den 80er Jahren waren sie mit Xentrix, Slammer, Acid Reign sowie Toranaga an der Spitze der englischen Thrash-Metal-Bewegung, die allerdings weit weniger inspirierter als die Kollegen aus den USA agierte. Dennoch konnten Onslaught mit "Power From Hell" (1985), "The Force" (1986) und auch dem Metallica-lastigen "In Search of Sanity" (1989) punkten. Nach der Auflösung 1991 ging es

im Zuge des Thrash-Metal-Revivals mit dem Sänger Sy Keeler (auch auf "The Force" zu hören) ab 2004 weiter (auch mit dem Gründungsgitarrist Nige Rockett). "VI" ist nun das dritte Post-Reunion-Album und haut gut rein. Man hört den gestandenen Herren deren reifes Alter nicht an, denn sie gehen ab wie Jungspunde. Musikalisch tönen Onslaught etwa wie die neueren Destruction (auch in gesanglicher Hinsicht) und variieren gut zwischen schnellen Passagen und Midtempo-Parts. Alles ist immer schön old-schoolig gemacht und spricht somit ThrashMetal-Fans an, welche mit den Ursprüngen des Sounds schon etwas anfangen konnten. Einzelne Songs hervorzuheben erübrigt sich, denn alle Tracks sind auf hohem Niveau anzusiedeln. Die sehr gute Produktion von Jacob Hansen verleiht den neun Granaten die nötige Durchschlagskraft. Auf Vinyl und dem limitierten CD-Digipack findet sich ein Remake des Klassikers "Shellshock".

WIZARD Trail Of Death Massacre Rec. mv. Die deutschen Wizard existieren nun auch schon eine halbe Ewigkeit und begeistern seit über 20 Jahren kontinuierlich mit kraftvollem, heldenhaften Teutonen-True Metal. "Trail Of Death" ist dann auch bereits das zehnte Album der Band und ein richtiger Volltreffer geworden. Das sehr druckvoll produzierte Scheibchen begeistert mit einer Mischung aus brettharten Doublebass-Nummern und melodiös wie epischen Hymnen. Vor allem aber wird Abwechslung gross geschrieben, so gibt es von fast thrashigem Material bis hin zu sehr melodiösem Stoff mit vielen Keyboards alles geboten. Highlights sind der Opener "Creeping Death" (melodiöse Mitsing-Hymne mit knackigen, ideenreichen Gitarren), die epische, geile Halbballade "Angel Of The Dark", das heftige "War Butcher" (so muss echter True Metal klingen), das im Gegensatz dazu fast schon poppige, total eingängige "Death Cannot Embrace Me" (unterlegt mit vielen Keyboards, erinnert tatsächlich etwas an HIM, auch wenn das Wizard sicher nicht gerne hören werden) sowie der Kracher "Electrocution"

(Heavy Metal in Reinkultur). Bei "Black Death", "Angel Of Death" und "We Won't Die For Metal" wird dann in typischer Wizard Tradition wieder den alten Helden Manowar gehuldigt, wobei dies hier mit einer Frische und Power geschieht, dass die Vorbilder ziemlich alt aussehen lässt. Interessant auch der Track "Machinery Of Death", welcher wie ein Stadion-Rocker von den Scorpions beginnt und dann plötzlich in eine typische Wizard Double Bass-Nummer umschlägt. Wizard beweisen Mut zur Frische und bewegen sich innerhalb des True Metal so weit es nur geht. Die Band hat mit "Trail Of Death" alles richtig gemacht und das wird hoffentlich von den Fans auch belohnt werden.

SATYRICON Satyricon Roadrunner/Warner lg. Die norwegisch en BlackMetal Pioniere aus den frühen Neunziger Jahren mit den einzigen Mitgliedern Satyr (v., git.) und Frost (dr.) waren bis 1996 stilprägend und haben mit den Alben "Dark Medieval Times", "The Shadowthrone" und vor allem "Nemesis Divina" zahlreiche Jünger beeinflusst. Danach kann ein relativ krasser Stilbruch, und das infernale Duo hat sich mehr und mehr von dessen Wurzeln entfernt und düsteren Heavy Metal mit fiesem Gesang (neuerdings auch mit cleanen Vocals, man höre da "Phoenix" von aktuellen Album) gemacht. Der Erfolgt gab Satyricon zwar recht und so konnte sich die Band in einer eigenen Nische etablieren und zumindest in Skandinavien hohe Chartplatzierungen einfahren. Auf dem vorliegenden Album – insgesamt der achte Longplayer – kranken die Songs etwas daran, dass sie, obwohl sauber arrangiert und produziert, etwas einfallslos klingen und teilweise langatmig daherkommen. Somit ist "Satyricon" ein etwas schwieriges Album geworden. Anspieltipp: das schnelle und variable "Walker Upon The Wind".


Hero Metal A Capella

ip. Van Canto sind eine sechsköpfige „Band“, die ausser dem Schlagzeug sämtliche anderen Instrumente a capella, also stimmlich, wiedergibt. Das ist auf den ersten Blick nichts furchtbar Neues, denn Ähnliches kennt man bestens in Form von einem kleinen grünen Kaktus, dem Platters-Dauerbrenner „Only You“ oder aber den Leipziger Prinzen, die dieses Genre in den Neunzigern generalüberholt und modernisiert hatten. Van Canto allerdings setzen den A Capella-Joker in einer bisher davon völlig unberührten Sparte ein: Dem Heavy Metal. Und das funktioniert sogar, denn stilistisch befinden sich Van Canto zwischen Nightwish (was vor allem an Inga Scharfs Gesang liegt) und Blind Guardian. Was die Geschwindigkeit angeht, darf man das deutsche Sextett in die Power Melodic Metal-Schublade stecken, obwohl auch auf ihrem neuesten Album „Dawn Of The Brave“ der eine oder andere temporeduzierte Song zu finden ist. Streng technisch gesehen handelt es sich bei Van Canto eigentlich um ein Vokal-Ensemble und nicht um eine A Capella Truppe. Den Unterschied macht Drummer Basti Emig, der mit dem einzigen band- aber nicht körperinternen Instrument die nötige Härte in die Songs trommelt. Metal ohne Schlagzeug ist nun mal auch kaum denkbar, zumindest nicht in „nur“ vokaler Umsetzung. Samt und sonders alle übrigen musikalischen Apparaturen, die im Heavy Metal zuhause sind, wie stromunterstützte Gitarren, Bass oder Keyboards, werden von vier Sängern und einer Sängerin ersetzt. Das erfordert nicht nur eine Menge Puste seitens der Band, sondern verlangt den allerhöchsten Respekt des Hörers, denn wer sich nur eine einzige Komposition Van Cantos angehört hat, der mag erahnen, wie viel Sauerstoff ein komplettes Konzert kostet. So eine sportliche Leistung kann man mit geschicktem Arrangement natürlich passend auf fünf Stimmen verteilen, aber in diesem Fall sind Stefan Schmidt, Ingo Sterzinger und Ross Thompson als Saitenvertreter dauerbeschäftigt. Und könnten vermutlich auch als Apnoetaucher Wettbewerbe gewinnen. Im Gründungsjahr 2006 sind Van Canto quasi mit der Tür ins Haus gefallen: Erstes Album „A Storm to Come“ veröffentlicht und einige Monate später auf namhaften Festivals gespielt, konnte die Band kurz darauf bereits in Brasilien und beim

Wacken Open Air auftreten. Zahlreiche Auftritte mit Grössen wie Nightwish oder Manowar, sowie Kollaborationen mit u.a. Musikern von Grave Digger, Rage oder Blind Guardian folgten und die Idee, Metal a capella umzusetzen, fand innerhalb kürzester Zeit unzählige Fans. Mit „Dawn Of The Brave“ liegt das fünfte Studioalbum der Vokalakrobaten vor. Der Vorgänger „Break The Silence“ stieg vor zwei Jahren auf Platz 23 in die deutschen Charts ein und man kann davon ausgehen, dass auch „Dawn Of The Brave“ eine Leuchtspur in den Albumcharts hinterlassen dürfte. Van Canto bleiben sich treu, was die Songauswahl angeht, denn neben den neun Eigenkompositionen sind auch dieses Mal vier Coverversionen vorhanden. „The Final Countdown“ von Europe, „Paranoid“ von Black Sabbath, „Holding Out For A Hero“ von Bonnie Tyler und „Into The West“, Annie Lennox' Beitrag zum Lord of the Rings Soundtrack, sorgen für eine leichte Reduktion des hohen Tempos, das Van Canto auf ihrem neuen Album fahren. Die Songs aus eigener Feder drücken mächtig aufs Gaspedal und schon die drei ersten Nummern mit dem Titeltrack, „Fight For Your Life“ und „To The Mountains“ lassen keine Zweifel daran aufkommen, dass es Van Canto meisterlich schaffen, Schnelligkeit und Melodie in stadionreife Ohrwürmer zu verpacken. „Steel Breaker“ ist ein grooviger Ausreisser in Richtung Hardrock und „Badaboom“ ein kleiner Favorit. Aber einen Song definitiv als Gewinner auszulosen, ist nicht möglich. Das Album ist mächtig produziert, Charlie Bauerfeind und Ronald Prent haben ganze Arbeit dabei geleistet, fünf Stimmen wie eine regulär instrumentierte Metalband klingen zu lassen. Da gibt's nichts: „Dawn Of The Brave“ ist ein ordentlicher Brecher mit symphonischer Eingängigkeit (ja, das ist ein Paradoxon, aber hier stimmt es), auf den die Band stolz sein kann und den die Fans lieben werden. Live sollte es Van Canto voraussichtlich im Februar bei uns geben und selbst, wenn man in dieser Metalsparte nicht unbedingt zuhause ist, sollte man sich das Ensemble ansehen; sei es auch nur aus technischer Neugier. Die Atmosphäre, die Van Canto von der Bühne aus ins Publikum ausstrahlen, ist, genau wie ihre Musik, nämlich einzigartig.

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Rock'n'Rolf ist mit Running Wild bereits ein Jahr nach dem Comeback Album „Shadowmaker“ wieder mit einem neuen Album namens „Resilient“ am Start. Das Album ist definitiv viel mehr Metal als sein Vorgänger und bietet vom Anfang bis Schluss alles, was das Running Wild Herz begehrt. Damit sollten auch die noch nicht von der Reunion überzeugten Fans wieder an Bord geholt werden können. TRACKS sprach mit dem Kapitän des fast untergegangen Piratenschiffs und erhielt viele offene und ehrliche Einblicke ins Running Wild Universum.

Das neue Album klingt eigentlich so, wie sich viele das Reunion Album erhofft hatten. Viele Songs darauf erinnern an Alben wie „Pile Of Skulls“ oder „The Rivalry“ und bieten sehr klassischen Running Wild Stoff. Hat sich das einfach so ergeben oder hast Du die alten Scheiben wieder vermehrt gehört während des Songwritings? Sowas darf und kann man natürlich nicht planen, das würde sofort in die Hose gehen. Die Ideen sprudeln einfach aus mir heraus und ich mache dann Demos, wo ich alles festhalte. Die meisten neuen Songs waren wieder sehr schnell geschrieben, es fiel mir leicht und das ist immer gut für ein Album. So wie damals z.B. unseren von den Fans so geliebten Hit „Under Jolly Roger“, den hatte ich auch in einer halben Stunde geschrieben. Die besten Songs sind meist sehr spontan entstanden. Und man muss auch sagen, dass ohne das „Shadowmaker“ Album die neue Platte so gar nicht möglich gewesen wäre. Der grandiose Opener "Soldiers Of Fortune" könnte auf sozusagen jedem Running Wild Album zwischen "Blazon Stone" und "The Rivalry" stehen, erinnert an den alten Hit "The Privateer" und wäre früher die perfekte Single für das Album gewesen. Singles macht man heute im Metal-Bereich nicht mehr, was schade ist, wenn ich an die alten Running Wild Singles wie „Lead Or Gold“ oder eben „The Privateer“ denke? Ja, sowas lohnt sich leider heute nicht mehr und wird höchstens noch für Sammler gemacht. Aber als Promotion für eine neue Platte ist dieses Medium überhaupt nicht mehr geeignet. Anfang der 90er war das noch anders und unsere Singles wie „Little Big Horn“ waren richtig erfolgreich und gute Promotion. Man muss da halt mit der Zeit gehen und sich anpassen. „The Drift“ besticht durch mehrstimmigen Gesang im Chorus. Die Fans werden diese klassische Running Wild Hymne lieben. War mehrstimmiger Gesang von Anfang die Intention oder ergibt sich das erst im Studio während der Aufnahmen? Normalerweise mache ich die Demos immer instrumental und der Gesang wird erst im Studio erarbeitet. Beim neuen Album habe ich zum ersten Mal schon in der Demophase mit Gesang gearbeitet und somit auch Chöre und Gesangsmelodien geschrieben. Dies hat sich sehr positiv auf die Gesangsparts ausgewirkt. Der Höhepunkt der Scheibe ist klar der Abschluss-Track " Bloody Island", welcher als Fortsetzung des alten Running Wild Klassikers "Treasure Island" (von „Pile Of Skulls“) durchgehen kann und selber das Zeug zum zukünftigen Klassiker hat. War es Deine Absicht, wieder so einen epischen Song in der Tradition von „Treasure Island“ oder „Genesis“ zu schreiben? Nein, wie gesagt plane ich niemals beim Songwriting. Ich hatte für diesen Song einfach sehr viele Ideen gesammelt und beim Arrangieren und Ausarbeiten hat sich dann gezeigt, dass es ein Song in diesem Stil geben wird. Das Artwork ist ebenfalls klassisch für Running Wild. Eine

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Mischung aus dem Artwork eurer "Bad To The Bone" Single und "Ride The Lightning" von Metallica. Wer hatte die Idee dazu und welchen Input oder welche Vorgabe gibt die Plattenfirma in dieser Hinsicht? Die Ideen zu den Artworks stammen immer von mir selber, die Plattenfirma hat da nichts mitzureden. Es muss natürlich immer ein Zusammenhang geben mit der textlichen Ausrichtung der Platte. Das Album heisst „Resilient“, auf Deutsch „unverwüstlich“ und wenn etwas bei Running Wild unverwüstlich ist, dann ist das ja wohl unser Maskottchen „Adrian“. Deshalb wird er auf dem neuen Album in den Vordergrund gestellt und geht auf dem Cover und dem Backcover durch jeden Sturm. Die Texte liegen mir ja leider noch nicht vor. In der Vergangenheit hattest Du im Gegensatz zu vielen anderen Bands immer auch sehr interessante Themen auf Lager. Neben dem etablierten Piratenthema ging es da oft auch um die Manipulation der Bevölkerung durch die Mächtigen dieser Welt, um die Schattenregierungen und üblen Machenschaften hinter den Kulissen. Gibt es auch auf dem neuen Album wieder solche Texte? Ich beschäftige mich schon seit einer Ewigkeit mit diesen Themen. Angefangen hat es damals mit den Büchern von Erich von Däniken, welcher ja sehr früh schon Millionen Leute mit seinen Theorien aufgeweckt und fasziniert hatte. Umso mehr man dann in die Materie eintaucht und sich intensiv damit beschäftigt, umso klarer werden die ganzen Zusammenhänge im Weltgeschehen. Ich predige aber in meinen Lyrics niemals, ich schreibe nur was mich beschäftigt und jeder muss sich dann selber einen Kopf darüber machen. Aber wie Du schon bemerkt hast, wenn man sich zum Beispiel das Cover und die Lyrics der „Masquerade“-Platte anschaut, ist das ja heute aktueller denn je. Auch auf der neuen Platte habe ich wieder aktuelle Themen aufgegriffen und verarbeitet. Bei „Crystal Gold“ zum Beispiel geht es um die grossen Konzerne, welche nun versuchen, mit der Privatisierung der Trinkwasserversorgung das grosse Geld und viel Macht zu erlangen. Teilweise verstecke ich meine Botschaften auch etwas, wie beispielsweise bei „Bloody Island“, wo es vordergründig um Piraten geht. Aber wenn man etwas genauer hinschaut, dann geht es bei dem Text darum, was Gier aus Menschen machen kann. Warum stellst Du keine richtige Band mehr zusammen? So gibt es immer wieder Kritik, Running Wild seien nur ein


Soloprojekt von Dir. Wenn man es genau anschaut, so sind Running Wild seit Minimum 20 Jahren schon ein Soloprojekt von mir. Ich schrieb in dieser Zeit schon immer alle Songs alleine, die Band kam oft nur für die Fotosessions zusammen und dann für die jeweilige Tour. Der Rest lief immer alles über mich. Ich bin heute einfach wohl in dieser Situation und arbeite gerne so. Viele Fans müssen halt etwas von diesen Idealen wegkommen, dass eine Band immer nur aus einem Haufen Kumpels bestehen kann, welche zusammen jeden Abend im Proberaum abhängen um Bier zu trinken und Musik zu machen. Wie sieht es mit Live Konzerten aus zu dieser Platte? Nach „Shadowmaker“ gab es ja leider überhaupt keine Konzerte und an Angeboten wird es ja sicher nicht fehlen? Zuerst waren natürlich auch Shows angedacht gewesen, aber meine Aktivitäten mit Giant X kamen dazwischen. Und dann machte ich mich sofort wieder an die Arbeit zu diesem Album. Dieses Mal habe ich wirklich tonnenweise Angebote von sozusagen allen relevanten Festivals. Nach den Promoaktivitäten werde ich das alles sondieren und dann die Konzerte für 2014 planen. Es wird dieses mal ganz sicher Live-Shows geben. Was hälst Du heute vom Debut Album "Gates To Purgatory", welches für mich eines der besten Heavy Metal aller Zeiten darstellt und locker mit den Klassikern von Judas Priest oder Saxon aus dieser Zeit mithalten kann? Zu den Texten stehe ich natürlich nicht mehr, aber die Musik hat sicher den Test Of Time bestanden und wir spielen auch immer noch Songs davon live. Wenn man bedenkt, dass wir fast ohne Geld das Album in einem 16 Spur Studio aufgenommen haben, spricht das Resultat sicher für sich. Das Artwork hatte sicher auch grossen Einfluss zum Erfolg. Dazu gibt es eine lustige Story: eigentlich war eine Fotosession mit der Band geplant gewesen und das Artwork sollte ein Bandfoto zieren. Dann wurde aber bei der Firma, wo wir die Fotos machen sollten eingebrochen und der Tresor war geknackt worden. Da dieser nun eh ruiniert war und entsorgt werden musste, bot man uns an, an diesem Tresor mit Schweissgeräten zu hantieren und so absolut „metallische“ Fotos fürs Cover zu machen. So entstand dann wirklich per Zufall dieses geile kultige Artwork zu unserem Debutalbum. Viele Bands spielen heute zu einem Album- oder Bandjubiläum einen alten Klassiker am Stück live. Wird es sowas von Running Wild auch mal geben? Im 2013 jährt sich "Gates to Purgatory zum 30. Mal… Nein das ist nicht mein Ding. Zudem haben wir viel zu viele Klassiker von den anderen Platten, die wir immer spielen müssen und in Kombination mit dem neuen Material bleibt da einfach keine Zeit für sowas. Wie gehst Du eigentlich mit der Kritik um, welche immer wieder auf Running Wild und Dich persönlich einprasselt. Angefangen hat es damals ja bereits in den 80ern beim Release von „Under Jolly Roger“, wobei die Fans damals die Kritiker straften und das Album trotzdem sehr erfolgreich machten. Aber auch die letzten Alben sowie speziell „Shadowmaker“ wurden ja nicht gerade abgefeiert in den Medien. Ist das nicht sehr frustrierend? Das prallt völlig an mir ab und das meiste bekomme ich da eh überhaupt nicht mit. Du wirst es nicht glauben, aber ich habe persönlich gar keinen Computer und kein Internet zuhause. Somit geht das meiste an mir vorbei. Kritik interessiert mich nur dann, wenn sie von Freunden kommt und ehrlich gemeint ist. Man kann es nie allen Recht machen und ich muss vor allem selber zufrieden und glücklich sein mit meinem Material und meinen Entscheidungen. Wie ist der Stand bei Deinen Nebenprojekten Toxic Taste und Giant X? Wird es auch da wieder neue Alben geben?

Wenn man es genau anschaut, so sind Running Wild seit Minimum 20 Jahren schon ein Soloprojekt von mir Also für Toxic Taste bleibt mir leider null Zeit mehr, weil mit Running Wild und Giant X wären das dann schon drei Sachen gleichzeitig, was wirklich zu viel ist. Die Band war eh nur purer Spass. Mit Giant X wird es eventuell wieder weitergehen, wir haben gerade kürzlich darüber gesprochen, im Moment hat aber klar Running Wild Priorität. Kennst du eigentlich die diversen Tribute Alben von Running Wild? Was hälst Du davon? Ja, die habe ich natürlich alle mit Interesse verfolgt und auch gehört. Persönlich gefallen mir vor allem die Bands, welche meine Songs auf völlig neue eigenständige Art interpretieren. Und Künstler, welche eigentlich nicht aus dem Heavy Metal Genre kommen und trotzdem Running Wild als Einfluss angeben wie z.B. die Punkband The Donots. Das ist schon erstaunlich und toll zu hören. Wie geht es jetzt weiter? Welche Träume hast Du noch mit der Band nach über 30 Jahren? Was Träume anbelangt, ich bin da relativ zufrieden mit dem was ich bereits erreicht habe. Solange ich noch Ideen habe, werde ich mit der Band auch gerne weitermachen. Ob das jetzt in diesem Tempo weitergeht, kann ich aber noch nicht sagen. Das hängt auch immer davon ab, ob ich wieder noch andere Projekte dazwischen schiebe und wie es mit Live Konzerten aussehen wird. Ich kann sagen, dass ich schon wieder einige neue Ideen habe, welche ich bald aufnehmen muss, damit ich diese nicht wieder vergesse. Es kommt also auf jeden Fall noch was in Sachen Running Wild!

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Glanzvoller Höhepunkt

hh. Vor über einem Jahr begannen China mit dem Songwriting für ein neues Album. Claudio Matteo und Sänger Eric St. Michaels, die bereits seit Jahren zusammen bestens harmonieren, arbeiteten neue Songideen aus und nahmen vier Titel in Demoversionen auf. „Dann ist der Tommy Henriksen ins Spiel gekommen“,blickt Claudio zurück. „Der lebt seit einiger Zeit in der Schweiz und hat ja auch die letzte Alice Cooper Scheibe mitproduziert. Wir haben ihm die Songs vorgespielt und er fand die Titel cool.“ Claudio fragte den Cooper-Gitarristen, ob er

Eine hochkarätige, edelmetallverzierte Songwriter-Gilde, die sich auf dem neuen China Opus eingefunden hat. eventuell auch noch ein paar Songs auf Lager hätte, die China für das neue Album übernehmen dürften. „ Und dann kommt der mit einer Palette voller Songs an, wo uns nur noch der Kiefer runtergeklappt ist. Eric und ich schreiben seit dreissig Jahren Songs und wir sind eigentlich davon überzeugt, dass wir ein gutes Team sind und wissen, wie man sowas macht. Wir haben zwar nie einen Hit gelandet, aber Eric und ich haben das Gefühl, dass wir im Grunde coole Songwriter sind. Und dann kommt da plötzlich ein ganz anderes Kaliber daher, wo wir nur noch staunen

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Knappe vier Jahre nach dem „Comeback“Album „Light Up The Dark“ meldet sich eine der erfolgreichsten 80er Jahre Bands mit dem neuen Album „We Are The Stars“ zurück. Die prominente Unterstützung durch Alice Cooper's Gitarrist Tommy Henriksen auf dem Produzentensessel und als mehrheitlicher Autor der zehn neuen Songs erwies sich dabei als Glücksgriff. „We Are The Stars“ darf zweifellos als bestes China-Album der gesamten Karriere bewertet werden. TRACKS sprach mit Gründungsmitglied und Gitarrist Claudio Matteo.

konnten und uns das Wasser im Mund zusammengelaufen ist. Ich habe mich fast nicht getraut, Henriksen zu fragen, ob wir ein paar dieser Songs haben dürfen. Aber er lachte nur und sagte: Go ahead, wollt ihr alle Songs? Das hat uns echt umgehauen, aber soweit wollten wir nun doch nicht gehen, das liess irgendwie unser Stolz nicht zu und China sollte ja auch China bleiben.“ So wurden aus der Henriksen-Zauberkiste sechs Titel ausgewählt, die nun auf „We Are The Stars“ verewigt sind. „Eigentlich wollten wir nur drei Songs nehmen, denn wir hatten ja auch selbst einige neue Titel am Start. Aber schlussendlich konnten wir nicht widerstehen.“ Die Option, einfach mehr als die auf dem Album enthaltenen zehn Titel aufzunehmen, stellte sich nicht, denn China standen mit der Produktion unter Zeitdruck. Dass unter den HenriksenSongs auch Titel waren, die der Produzent mit anderen Cracks geschrieben hatte, entdeckte Matteo erst, als die Credits für das CD-Booklet zusammengestellt wurden. Umso grösser die Überraschung für China, dass Corey Hart (Stone Sour/Slipknot) der Mitautor der ausgekoppelten Single „Everywhere You Are“ ist. Ein weiterer prominenter Name unter den Co-Autoren ist Joey Balin (Warlock, Doro, Nazareth uvm.), der „That's A Lot Of Love“ co-verfasst hat und schon in den 80ern mit China in Verbindung stand, wie auch Bobby Huff (Papa Roach, Meatloaf, Three Doors Down uvm.), Jess Cates (Backstreet Boys, LeeAnn Rimes uvm.) und Claude Kelly (Michael Jackson, Britney Spears, Jason


Derulo, Christina Aguilera, Bruno Mars, Olly Murs uvm.). Eine hochkarätige, edelmetallverzierte Songwriter-Gilde, die sich auf dem neuen China Opus eingefunden hat. Die Zusammenarbeit von Tommy Henriksen mit diesen Cracks kommt aber auch nicht von ungefähr, denn neben seinem derzeitigen Job als Gitarrist und Co-Produzent von Alice Cooper hat sich Henriksen in der Vergangenheit bereits einen grossen Namen durch seinen Zusammenarbeit mit Lady Gaga, Meat Loaf, Lou Reed, Halestorm, Ke$ha, und Daughtry – um nur einige zu nennen – gemacht. Um als Schweizer Band ohne bahnbrechende internationale Erfolge mit einem Crack wie Tommy Henriksen zusammen zu arbeiten, bedarf es eine grosse Portion Glück und Connections. Die Connection hatte Eric St. Michaels, der mit Henriksen in den frühen 80ern zusammen in einer Band spielte. Das Glück kam dazu, indem Henriksen sich in ein Schweizer Mädchen verliebte, sie heiratete und seitdem in unserem Land lebt. Claudio Matteos Bedenken, sich diesen Mann finanziell als China-Produzenten nicht leisten zu können, waren letzlich grundlos, denn Henriksen signalisierte sein grosses Interesse, mit den Schweizer Rockern zusammen arbeiten zu wollen. Dass er dabei als Autor von sechs Songs involviert ist, dürfte dabei auch aus finanzieller Sicht eine Rolle gespielt haben. Apropos Finanzen. Auch für China sind die goldenen Zeiten der 80er, als die Plattenfirmen noch mit grosser Kelle anrührten und Geld praktisch keine Rolle spielte, lange vorbei. „Bis auf den Vertrieb machen wir heute alles in Eigenregie und übernehmen auch die Vorkosten für Produktion und das ganze Drumrum. Wenn wir die Produktion fertig haben, schauen wir, ob wir damit einen Vertriebsdeal ergattern können. Die Zeiten haben sich halt geändert, darauf muss man sich einstellen“, schätzt der ChinaGitarrist die Lage realistisch ein, „deshalb haben wir natürlich auch keine Möglichkeit mehr für endlose Studiozeiten. Wir müssen unser Budget schon immer im Auge behalten. Trotzdem kann es passieren, dass wir wie bei der letzten Platte “Light Up The Dark“ über unser veranschlagtes Budget hinausschiessen. Aber das war uns damals scheissegal. Letztendlich haben wir bislang alle Kosten aber wieder einspielen können.“ Dank der heutigen Studiotechnik und moderner Arbeitsweise ist

es aber möglich, selbst mit einem überschaubaren Budget eine Produktion zu machen, die ohne Abstriche internationalen Ansprüchen genügt. Der beste Beweis dafür ist das neue Album, das natürlich dank der grossen Erfahrung und dem Können von Tommy Henriksen keinerlei Einschränkungen erkennen lässt und nur die Hälfte von dem kostete, was das Vorgänger-Album verschlang. Im Gegenteil, China klangen noch nie so „teuer“ und auf solch hohem amerikanischen Niveau produziert. Zusammen mit den herausragenden Songs, die ebenfalls zu den besten der gesamten China-Karriere gerechnet werden dürfen, ist die grosse Zufriedenheit der Band voll und ganz nachzuvollziehen. Die Songs sind, wie von China auch nicht anders zu erwarten, durchweg im melodiösen Rock angesiedelt. Mitunter schlägt das Pendel kräftig in Richtung Pop aus, um jedoch gleich darauf wieder in die härteren Regionen zu schwenken. „We Are The Stars“ gibt somit allen langjährigen China-Fans genau das, was sie an ihren Lieblingen schätzen und lieben – und noch eine ExtraPortion mehr! Zudem eignet sich das Album bestens, um auch jüngere Liebhaber rockiger Popsounds zu rekrutieren, denen China bislang mehr oder weniger unbekannt war. Denn China 2014 klingen frisch und modern ohne ihre Wurzeln zu verleugnen. Bleibt zu hoffen, dass der Band der verdiente Erfolg zuteil wird. Im Fall von China ist der schon oft strapazierte Spruch „wie Cognac, der mit dem Alter immer besser wird“ mehr als angebracht.

Claudio Matteo


HOUSE OF SOUND hh. Seit fünfzehn Jahren gibt es in Basel das House Of Sound. Anfangs als Spezial-Shop für DJ-Equipemt, hat sich der Shop stetig weiterentwickelt und bietet heute in zwei vis-a-vis gelegenen Lokalen eine immense Auswahl an Instrumenten und Anlagen. Gegründet wurde die Firma von Roland Isenring und seinem Schulkollegen Levi Demirel. Beide waren in der DJ-Szene aktiv und da es seinerzeit praktisch keinen derart spezialisierten Laden in Basel gab, bot es sich an, direkt nach dem Schulabschluss einen kleinen Shop zu eröffnen, in dem sich DJs mit ihrem erforderlichen Equipment eindecken konnten. Die Idee funktionierte und nach und nach wurde das Angebot im House Of Sound immer grösser. Das bedeutete allerdings auch, dass die beiden Inhaber mit ihrer Firma bis heute vier Mal umziehen mussten, da jeweils nach relativ kurzer Zeit das Platzangebot nicht mehr ausreichte. Heute befinden sich die beiden Geschäftslokale in Basel an der Nauenstrasse in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs. Vor nicht allzu langer Zeit kam neben dem ursprünglich Geschäft, in dem vorwiegend elektronisches Equipment angeboten wird ein grosser Gitarrenshop im Erdgeschoss des gegenüberliegenden Postgebäudes dazu, der mit einer beeindruckend grossen Auswahl aller gängigen Markengitarren und Verstärkern aufwartet und Top-Preise offeriert. „Speziell bei Fender Gitarren sind wir ganz vorn mit dabei“, versichert Isenring. Daneben hat das House Of Sound auch ein grosses Studio- und Live-Equipment im Angebot. Nun ist es heutzutage speziell als Schweizer Firma doch sehr schwierig, sich gegen die internationale Konkurrenz aus dem Internet zu behaupten. Dazu Roland: „Wir versuchen, jedem Musiker das anzubieten was er braucht, und das zu Preisen, die konkurrenzfähig zum Ausland sind. Manchmal ist das schwierig, aber generell bieten wir sehr gute Preise an. Unsere Angebote stehen auch im Internet, sind transparent und wir machen dadurch auch einen grossen

BASEL

Versandhandel schweizweit.“ Isenegger legt zudem Wert darauf, dass alle Kunden gleich behandelt werden und somit spezielle Promi-Rabatte kein Thema sind, schon allein, weil die Preise generell hart kalkuliert sind. Was das House Of Sound ausserdem von den meisten Mitbewerbern unterscheidet ist, dass der Kunde hier auf die gekaufte Ware eine dreijährige, statt der normalen zweijährigen Garantie erhält. Auf die Frage, ob sie auch mit der Gepflogenheit der Kunden zu kämpfen haben, dass die sich im Fachgeschäft eingehend beraten lassen und dann übers Internet irgendwo das günstigste Angebot bestellen, meint Roland: „Jein. Das Internet ist Fluch und Segen gleichzeitig. Aber man kommt dadurch an sehr viele Kunden heran und wir machen ja auch viel Umsatz durch das Netz. Für uns ist es eher ein Vorteil. Klar gibt es auch Leute, die in den Laden kommen, sich alles anschauen und die wir dann nie wieder sehen. Aber das ist wohl überall so. Doch es gibt eine Kundschaft in der Schweiz, die sagt, ich will in der Schweiz kaufen, auch wenn ich dann etwas mehr zahlen muss.“

HOUSE OF SOUND Demirel & Isenring www.houseofsound.ch Nauenstrasse 63

4052 Basel

061 281 10 20

info@houseofsound.ch


Vor knapp drei Jahren gründeten Schlagzeuger Andreas « Andy » Arnold, Bassist Cesare « Cece » Bianchi, die beiden Gitarristen Mattia « Mr. H » Tagliaferri und Giuliano « Stütz » Stutz sowie Sänger Matteo « Teo » Magistra die Band. Wie unschwer an den Namen der Musiker zu erkennen ist, kommen Pink Jelly Bean aus dem Tessin, genauer aus der Region Locarno. Einige der Jungs hatten bereits schon vorher zusammen gespielt, da hiess die Richtung aber noch Metal. Nach einem Treffen mit Gitarrist und Studiobesitzer Many Maurer (exKrokus, ex-Ain't Dead Yet) überdachten die Tessiner ihre musikalische Situation und beschlossen mit neuen Musikern auch ihre musikalische Ausrichtung neu zu definieren. Fortan stand riffbetonter Hardrock in Anlehnung an AC/DC, Rhino Bucket, Cinderella und Konsorten auf dem Programm. Im Herbst letzten Jahres enterten die rosa Gelee-Bohnen Many Maurers Luzerner Soundtraxx-Studio und nahmen drei Songs auf, die nun in Form der EP „Down Down“ vorliegen. Geboten wird vorerwähnter krachender Riffrock, der sich durch gutes Songwriting auszeichnet und von Many Maurer satt und druckvoll in Szene gesetzt wurde. Speziell Sänger Teo Magistra zeichnet sich durch echte Schreihals-Qualitäten aus, die denen von Georg Dolivo (Rhino Bucket) sehr nahe kommen. Die Band rockt frisch, tight und dynamisch auf hohem Energielevel. Erhältlich die EP über die Pink Jelly Bean Website www.pinkjellybean.ch. Momentan erledigt die Band noch alle Arbeiten in Eigenregie, wie auch das zum Song „Take A Ride“ fabrizierte Video, dass man sich auf der Homepage reinziehen kann. Auf die Frage, weshalb nur 3 Songs auf der EP sind, antwortet Drummer Andy: „Wir haben die EP in erster Linie gemacht, um auf die Band aufmerksam zu machen und so hoffentlich an Konzerte heranzukommen. Dafür sollten erst mal drei Songs ausreichen. Im Tessin sind die Auftrittsmöglichkeiten sehr überschaubar, deshalb möchten wir jetzt gern mehr nördlich der Alpen spielen. Wir hoffen, dass uns die Aufnahmen dabei helfen.“ Das ist in der Tat zu hoffen, denn das Tessiner Quintett ist mit „Down Down“ auf Anhieb ins obere Drittel der Schweizer Hardrock-Liga gestürmt. Momentan ist die Truppe bereits wieder mit intensivem Songschreiben beschäftigt, denn in diesem Jahr soll eine zweite EP nachgeschoben werden.

CRYSTAL BALL Dawnbreaker Massacre Records

mv. Die Schweizer Crystal Ball hatten viele vermutlich bereits abgeschrieben. Satte sechs Jahre ist es her seit der letzten Scheibe und nach dem Ausstieg von Sänger Marc Sweeney sah es lange so aus, als wäre die so erfolgreich gestar-

tete Band nun erledigt. Doch mit „Dawnbreaker“ sind Crystal Ball überraschend zurück und präsentieren mit dem Wuppertaler Steven Mageney einen neuen kompetenten Mann am Mikrofon. Einen Stilbruch gibt es trotz neuer Besetzung glücklicherweise nicht zu vermelden, auch die neue Scheibe bietet wieder einen schönen Mix aus klassischem Hard Rock und Melodic Metal und dürfte vor allem Fans von Pretty Maids, Axxis, Mad Max oder Pink Cream 69 gefallen. Gerade an Letztere fühlt man sich sehr oft erinnert, da Neusänger Mageney von der Stimme her mehr als einmal wie ein kleiner Bruder von Andi Deris (Helloween, ex-Pink Cream 69) klingt. Abgesehen von der etwas gar kitschigen Ballade „Eternal

Flame“ (mit welcher sich Crystal Ball übrigens beim Schweizer Vorausscheid des Eurovision Songcontest durchsetzen wollen) wird auf „Dawnbreaker“ meist kräftig gerockt. Songs wie „Power Pack“, „Walls Fall Down“ oder „Break Of Dawn“ machen Spass und dürften auf der Bühne super abgehen. Was dem Album aber definitiv fehlt sind ein paar ganz grosse Momente oder Überraschungen. Songs welche aus der breiten Masse der unzähligen Veröffentlichungen in dieser Stilart meilenweit herausragen und immer wieder gehört werden wollen. „Dawnbreaker“ ist mitnichten ein schlechtes Album, aber man wird den Verdacht nicht los, dass da noch etwas mehr drin gewesen wäre. Trotzdem natürlich erst mal schön, dass Crystal Ball wieder im Spiel

sind und hoffentlich auch live bald wieder kräftig Gas geben werden

TINTA LEAL Dog Eat Dog BandCamp, Amazon, iTunes

lg. Schon wenige Monate nach dem gelungenen Debüt "Take Control!" legen Tinta Leal ein

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neues Brikett ins Feuer und was für eins. 6 schnelle Kracher, wiederum in V.O. Pulvers Little Creek Studio aufgenommen, hauen voll rein und sind im Vergleich zum Erstling rüder und old-schooliger ausgefallen. Und der Gesang von Frontmann Ralf wirkt noch hardcore-lastiger. Neu wird die Gitarre von José Venegas (ex-Excruciation) bedient, der als alter Hase bestens zum erfahrenen Line-Up passt. Coole EP und nach wie vor voll Do It Yourself.

ip. Becky Lee hat eine ganz fantastische Stimme, samtig weich und weiblich. Das passt eigentlich so gar nicht in ihr Genre,

ADMIRAL JAMES T. 8341735 Dala Produkte/Irascible

hug. Elf Alben hat Admiral James T. bisher veröffentlicht, und wenn man die vorangegangenen sechs Tapes mitrechnet, wird klar, wie unglaublich lange dieser Einzelkämpfer schon unterwegs ist. Allein schon dafür lieben wir ihn! Eben noch hat der Winterthurer mit Verena von Horsten ein Duett-Album veröffentlicht, jetzt ist er für sein zwölftes Album in sich gegangen und kehrt seine Innenwelt nach aussen beziehungsweise macht daraus 16 neue Perlen. Sind wir von ihm bisher meist Pop-Songs im Stil der Sechziger mit regelmässigem Rockabilly-Einschlag gewohnt, so verzichtet er diesmal auf jeglichen Rock' n'Roll und fokussiert sich auf sehr persönliche, ruhige Poplieder. Dank seiner jahrzehntelangen Erfahrung weiss er natürlich mit schlafwandlerischer Sicherheit, wie solche Songs funktionieren. Und so überrascht es nicht, dass die Songs sehr dicht sind, geschmeidig fliessen und gleichzeitig vor schönen Melodien strotzen – alles wie immer auf der Basis der Sechziger. Und wenn nicht sämtliche Radios den Song «Empty Purse. Broken Heart» rauf und runter spielen, dann läuft irgend etwas falsch in den Redaktionen. Der seltsame Albumtitel bezieht sich übrigens auf die Telefonnummer, die man angeblich im Cover von «Magical Mistery Tour» von den Beatles sieht, wenn man es im Spiegelbild betrachtet, und hat laut dem Admiral «ansonsten nichts mit dem Album zu tun»...

BECKY LEE & DRUNKFOOT One Take Session Voodoo Rhythm Records

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aber da passt sie sowieso nicht hin, und das ist klasse. Der Name Becky Lee & Drunkfoot führt einen nämlich ein bisschen in die Irre, denn Becky Lee ist eine One-WoMan-Band, die sie selber aber als No-Man-Band bezeichnet. Sie spielt Arizona Riot Girl Blues in der rohesten Form und mit Hilfe einer Gitarre, einer Kickdrum, eines Hi-Hats und eines Toms, dass sie mit ihrer Schlaghand während des Gitarrespielens bedient. Das macht sie zu einer Ausnahmeerscheinung, die nicht nur beeindruckt, sondern auch im Gedächtnis bleibt. Lediglich zwei Monate nachdem sie gelernt hatte Gitarre zu spielen, nahm sie „One Take Sessions“ auf. Das war bereits im Jahr 2008, aber die Aufnahmen wurden erst jetzt veröffentlicht und zeigen Becky Lees Talent. Aufgenommen hat die acht Songs Oli Bösch (Züri West, Lovebugs, Ray Wilco), und dabei hat er ihnen genau den Charme gelassen, die sie ausstrahlen. Songs wie „Old Fashioned Man“, „Sturdy The Dam“ oder „Take Me Out“ sind lupenreine Bluesnummern, die nicht mehr als einen gegebenen Rhythmus und eine simple Gitarrenline brauchen, denn sie leben von Becky Lees formidabler Stimme. „One Take Sessions“ ist eine extrem charmante Bluesplatte, die wirklich und wahrhaftig Blues ist. Aber mit einem schmunzelnden, zwinkernden Katzenauge.

Musik beim Hören so lange Fäden zieht, dass man tatsächlich befürchtet, sie würden nie mehr reissen. Seit ihrem letzten Album „Overlook“ sind satte sieben Jahre vergangen. Die Zwischenzeit hat das Postrock-Quintett genutzt, um an den Songs zu feilen, die nun auf „In The Long Run...“ gelandet sind. Das Album ist schroff geworden, sperrig, aber trotzdem nachvollziehbar und mit melodiösen, gefühlsechten Inseln. Ein Favorit ist das hypnotische „Rider“, das diese erwähnten Fäden zieht, die einen nicht mehr loslassen wollen. Dagegen ist das nachfolgende „Leave... Alone“ schon fast blumig, mit erahnenswerten Dur-Akkorden und wehmütigen Vocals. Cloudride waren 2007 mit den legendären Amplifier auf Europatournee und das hat klitzekleine Spuren hinterlassen, zum Beispiel in „Wolf“, einer kargen Winterlandschaft von Song. Es ist wirklich nicht einfach, bei Cloudride auf den Punkt zu kommen, aber in der Summe sind sie eine hypnotische Band, die man nicht auf ausschliesslich melancholische Stimmung reduzieren kann. Dazu ist „In The Long Run...“ zu vielschichtig, es gibt bei jedem Durchgang etwas zu entdecken. Man sollte dieser Platte definitiv mehr als eine Chance geben, denn wenn sie beim ersten Mal noch nicht gezündet hat, hat man etwas überhört. Und übrigens ist einer der besten Songs das Schlusslicht „Ugly (Now Who's The Winner)“, für das man die anderen Songs vorher gehört haben muss. Tolles, schwebendes Album mit knorrigen Ästen dazwischen!

FRANKY SILENCE & GHOST ORCHESTRA Fallen Lautstark/Irascible

CLOUDRIDE In The Long Run We Are All Dead PlusPlus Records

ip. Hinter dem pessimistisch angehauchten Albumtitel verbirgt sich eine Band aus Basel, deren

hug. Zwei Jahre nach seinem überraschend hinreissenden Debüt schiebt das Luzerner Kleinorchester seinen Zweitling nach. Damals waren wir einerseits entzückt über den fantastischen Einsatz von Marimba, Xylophon, Handorgel und Triangel in ihren Zunderobsi-Kabinettstückchen, die ganz im Geiste vom Übervater Tom Waits, den Dead Brothers und den Tiger Lillies bis zu Evelyn Evelyn zelebriert wurden. Anderseits waren wir

erstaunt, dass die Live-Umsetzung der Songs damals nur sehr zaghaft und unvollständig gelang. Letzteres hat sich hoffentlich inzwischen von alleine, sprich konzertierenderweise erübrigt. Ersteres bleibt natürlich die einzige Richtlinie des neuen Albums. Dass sich letzteres ergeben hat, lässt sich auch daraus ableiten, dass ersteres auf «Fallen» konziser, flüssiger, stringenter und durchaus auch selbstsicherer passiert. Schöne Klappermelancholie, die bis zur Albumgestaltung durchgezogen ist. Kaufen, geniessen, Konzert besuchen!

MANOLO PANIC Helpless & Strange Deepdive Records

ip. Manolo Panic kommen aus dem Grossraum Zürich und legen mit „Helpless & Strange“ ihr Debüt vor. Die Indie-Poprockband schreibt Songs mit melancholischem Grundtenor und erdigem Rhythmus, aber auch schwebenden Melodien. Ihre „Wegweiser“, wie die Band sie selbst bezeichnet, sind Death Cab For Cutie, Adam Green und die Strokes, und die hört man auch alle hier und da heraus. Allerdings müsste man von den erstgenannten die Balladenaffinität wegrechnen, von Greens Songwriting die Folknote und von den Strokes den Punk, um Manolo Panic näher zu kommen. Genau genommen tendieren grosse Teile von „Helpless & Strange“ in die Richtung von Placebo, die ihrerseits mit dem letzten Album eher poppiger und eingängiger geworden sind. Das trifft auch auf Manolo Panic zu, denn ihre teilweise mit Elektonik durchsetzten Nummern leben von einer ähnlichen Mischung aus Eingängig- und Tanzbarkeit, aber sind gleichzeitig kratzbürstig genug, um den Indiecharakter zu erhalten. Gute Beispiele dafür sind die Tracks „Social Butterfly“ und „Merry Go Round“. Willkommene Ausreisser sind „Tiny Robots“, der einen flockigen AmericanaBeat mit einem Ohrwurmrefrain transportiert, und das bluesige „Down By The Water“, ein heimliches Highlight auf „Helpless & Strange“. Wer in der Hauptsache auf erdige, rockorientierte Indiemusik mit


Melodie steht, der kommt mit dem gut gemachten Debut der Zürcher auf jeden Fall auf seine Rechnung und darf hier gerne

PILOMOTOR Imaginary Friend Sonic Revolution / MV

ip. Pilomotor sind eine weitere Band aus Luzern, die mit einem neuen Album Staub aufwirbeln dürfte. Im weitesten Sinne spielen Pilomotor Poprock, der mit schwebenden Melodien und eingängigen Vocals ziemliche Ohrwurmgarantie verspricht. In der Schweizer Musikszene sind die Luzerner keine Unbekannten, allerdings könnte es sein, dass Fans des Quartetts eine leichte Richtungskorrektur hin zu mehr Pop bemerken. „Imaginary Friend“ ist ihr drittes Album und wurde von Andreas Ahlenius, der bereits Dada Ante Portas und Saybia klanglich veredelt hat, produziert. Der Produzent mit einem Händchen für geschmeidige und erfolgreiche Arrangements hat auch Pilomotor nun zu einem Album verholfen, das sich hinter keinem internationalen Act verstecken muss. „Imaginary Friend“ klingt zwar durchwegs mainstreamig, behält sich aber einige subtile Ecken und Kanten vor, die der Band einen eigenen Charakter gibt. Das sind kleine Gadgets wie perkussive Einlagen bei „I Was Afraid“ oder Samples bei „Somehow Great“, aber auch die Gitarrenarbeit, die manchmal nach The Edge von U2 erinnert und die ganz selten auch mal passend dissonant sein darf („Chemicals“). „On And On And On“ unterbricht den Schwebeflug mit einem erdigen Drumbeat und sorgt damit für kluge Abwechslung im Songwriting. Anspieltip nach dem treibenden Opener „Surrender“ ist „Night Train“ mit grossartigem Refrain und „Keeps On Raining“. „Everything“ ist vordergründig eine schöne Herbstkuschelballade, die aber bei genauem Hinhören beeindruckende Harmonien miteinander kombiniert; wunderbarer Song! Einziger Schwachpunkt, wenn man denn einen suchen will, ist das vielleicht etwas zu Indiemässig geratene „Eileen“, das im Gesamtbild etwas aus dem Rahmen fällt. Aber auch mit

diesem Song ist „Imaginary Friend“ ein sehr gutes Album geworden, das Pilomotor zu gesteigerter Popularität verhelfen wird.

SCUTTLEBUTT Saguaro www.scuttlebutt.ch

hug. Oldschool-Stoner mit psychedelischem Einschlag ist wieder in, siehe Graveyard, Kadavar, Redfang, Truckfighters – umso schöner ist es zu wissen, dass auch die Schweiz mit ein paar wenigen Bands im Rennen ist, allen voran Scuttlebutt aus Baden, die hier nach einem Demo ihren ersten Silberling in Form einer 6-Track-EP veröffentlichen. Die klingt, wie Stoner klingen muss: schwer, schleifend, schön. Natürlich kann Stoner nie schwer genug sein, deshalb ist diesbezüglich in den sechs Songs noch Potential auszumachen, aber fürs Erste erfreut «Saguaro» die Herzen der Stonerfreunde. Einziges wirkliches Manko: Die Soundqualität. Warum klingt das alles so dumpf?

STEFANIA KAYE Pioneer Soundservice

ip. Stefania Kaye ist ein musikalisches Multitalent: Mit fünf lernte sie Klavier zu spielen, das Saxophon sollte es mit zwölf sein und mindestens Gitarre spielt sie auch noch. Ausserdem singt sie natürlich und verleiht ihren sanften Countrypopsongs damit eine ganz eigene Note. Die nötigen Sporen hat sich die Schweizerin als Strassenmusikerin in Südfrankreich und mit ihrer damaligen Rockabilly-Kombo The Babies verdient und unter anderem mit den Stereobabies und den Sparklettes gearbeitet hat. Ihr neues Soloalbum ist nun eine Sammlung von Singer-Songwriterperlen, von denen bis auf

eine aus Kayes eigener Feder stammen und mit dem Opener „My Lucky Day“ direkt für gute Laune sorgen. Mit „Out Of My Head“ ist als drittem Song eine flotte Countrynummer vorhanden, die in die Beine geht und teilweise, wie auf „Goodbye My Love“ schimmert eine Portion Sheryl Crow durch. Eine wunderschöne Ballade ist „You Are Everything To Me“ und der Nachfolger „Perfect Day“ dürfte, wie eigentlich die komplette Platte, ein Radiodauerbrenner werden. „I Don't Match“ ist ein lüpfiger Rockabillytrack mit Upright-Bass und als zweitletzter Song vor dem getragenen „I Will Wave“ interessant platziert. „Pioneer“ ist ein schönes Album voller Melodie, das trotz sehnsüchtiger Momente mit einem Lächeln und Sonne im Gesicht Geschichten erzählt, die Zeit haben dürfen.

ST. KITTS ROYAL ORCHESTRA

Opener „Punch A Clown“ wird „ADA“ zwar etwas weniger schräg, aber bleibt cool. In der Mitte der Platte wird das Songwriting mit „24/7“ ambienter und transparenter, um dann wenig später mit „Saint Kitts Royal Orchestera“ wieder staubtrocken und jazzig weiterzufahren. Der letzte Song „The Navigator/Shipwreck“ ist der vermutlich geradeste und eingängigste Song auf „ADA“. Das nach der Mathematikerin Ada Lovelace (1815-1852) benannte Album ist insofern ein klangliches Wollknäuel, dass sich mit jedem Lied weiter auflöst und am Ende als übersichtlicher, aufgerollter Ball erscheint. Vielleicht hätte man die Verwirrung mit etwas mehr Tempowechseln und mehr Mut zum Schrägsein noch cooler gestalten können. Dann gäbe es ganz sicher und überhaupt keine einzige Band, die so klingt wie das St. Kitts Royal Orchestra.

ADA

INVIVO

Fontastix

Arise Unsung/Gordeon

ELKEE Jellyfish Dress Disques Office

ip. Die Band mit dem coolsten Namen dieser Ausgabe macht genauso coole Musik. „Cool“ wird hier als Synonym für „verwirrend“ gebraucht und steht sinngemäss für den Moment, in dem man einen schrägen Vogel beim SchrägerVogel-Sein beobachtet und das überraschenderweise nicht albern, sondern verwirrenderweise eben cool findet. Und wenn man diesen Moment nicht kennt, sollte man sich ganz dringend „ADA“ anhören. Da passiert nämlich bereits beim ersten Song, der bezeichnenderweise „Punch A Clown“ heisst, eine intergalaktische, auditive Kollossalverwirrung. Der Opener klingt, als ob man ein Haus aus den verkehrten Bauklötzen gebaut hätte, in allen Farben, und es steht trotzdem. Es muss hier wirklich mal gesagt werden, dass die Schweizer Musikszene dermassen kreativ ist, dass weder gängige Rezensionsphrasen, noch irgendwelche Vergleiche herangezogen werden können. St. Kitts Royal Orchestra mischt Psychedelic mit Postrock und Electronic, nimmt alle drei (und vermutlich noch mehr) auseinander und setzt sie neu, nach keinem gültigen Muster, zusammen. Nach dem

hug. Good News aus Udine, Italien: Das Trio Invivo überzeugt mit seinem zweiten Album (plus zwei EPs) restlos mit vorwärtstreibendem Artrock, der in jedem Song alles ist: wuchtig und sanft, emotional und kaltblütig, mit echten Instrumenten und mit Computern gespielt, unberechenbar und melodiös, verspielt und straight. Kurz: Wer A Perfect Circle und Tool, Muse und Kyasma mag, der ist hier bestens bedient. In die gleiche Bresche schlagen die fünf Neuenburger von Elkee, die mit «Jellyfish Dress» ihr drittes Album vorlegen. Auch bei ihren Songs weiss man zu Anfang nie, wo man am Ende angelangt sein wird. Bei ihnen spielen Melodie und Gesang allerdings eine wesentlich dominierendere Rolle als bei Invivo, was Elkee vergleichsweise eingängig macht, aber nicht weniger gewieft und professionell. Im Vergleich der beiden Alben muss man leider feststellen, das «Arise» von Invivo deutlich besser, offener und wuchtiger produziert ist als «Jellyfish Dress» von Elkee. Wir empfehlen Elkee deshalb, für ihr nächstes Album ebenfalls Fabio Trentino an die Regler zu holen.

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Ungebrochene Leidenschaft

LACSON hh. Raph Krauss hat sich mit Herz und Seele der Musik verschrieben. Seit dem Teenie-Alter ist er mit seiner Gitarre unterwegs, als Strassenmusiker, in New Yorker Clubs, auf grossen Schweizer Bühnen. Dabei musste er Tiefschläge einstecken und Enttäuschungen hinnehmen, verlor aber nie sein Ziel aus den Augen. Jetzt scheint er angekommen zu sein. Mit seiner Band Lacson, in der Guano Apes Drummer Dennis Poschwatta die Sticks und als Produzent die Peitsche schwingt, bringt er im Februar das erste Album „1234567Days“ heraus. TRACKS traf Raph Krauss zusammen mit seinem Freund und Bassisten Beat Diesel und erhielt spannende Einblicke in das Leben eines besessenen Musikers.

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Woher kommt der Name Lacson? Ganz einfach, das ist der Mädchenname meiner Schwiegermutter. Als ich auf der Suche nach einem Bandnamen war, hatte ich zuerst den Namen meiner Mutter im Sinn. Aber der wäre etwas zu kompliziert gewesen und dann hatte meine Frau die Idee mit dem Namen ihrer Mutter. Lacson – fand ich super! Hast du einen Ödipus-Komplex? Die meisten Männer wären ja wahrscheinlich froh, wenn für sie nicht nur der Name ihrer Schwiegermutter unbekannt wäre. (Herzhaftes Gelächter) Nein, nein – alles ok. Ich habe keine Probleme mit meiner Schwiegermutter. Deine Biographie liest sich sehr spannend. Darin steht, dass du aus einer Künstlerfamilie stammst. Was kann man sich darunter vorstellen? Mein Vater ist Kunstmaler und Schriftsteller, meine Mutter Sängerin. Das ist so orientalischer Gesang, denn sie stammt aus Israel. Bei uns wurde immer im Familienkries viel gesungen. Das kennt man zwar in der Schweiz nicht so, aber in Israel ist das ganz normal. Wie ja auch in anderen Ländern, Italien zum Beispiel. Da sitzt man zusammen und singt Volkslieder. Du bist ja schon als 16-jähriger mit deiner Gitarre unterwegs gewesen und hast Strassenmusik gemacht. Konntest du dich damit über Wasser halten? Ich hatte den Entschluss gefasst, als mir mein Vater sagte: Es wär gut, wenn du einen Berufsabschluss machen würdest. Aber du musst selbst entscheiden. Und wenn du Musik machen willst, dann mach das! Ich habe dann mit meiner Gitarre vor dem Bahnhof gespielt bis ich genug Geld zusammen hatte. Dann habe ich mir ein Zugticket gekauft, bin irgendwo hingefahren, ausgestiegen, gespielt, wieder ein Ticket gekauft usw. Mit Übernachten war das kein Problem, man lernt auf der Strasse immer viele Leute kennen, die wissen, wo man unterkommen kann. Und so habe ich es bis nach Marseille geschafft. Insgesamt war ich sieben Monate unterwegs. Hast du da schon eigene Songs gespielt?

Mach es dreisprachig, Mundart –das ist wichtig-, französisch und dann kannst du ja auch noch was in Englisch machen. Ich habe zwar gesagt, ich bin doch nicht Stephan Eicher, so funktioniert das bei mir nicht, aber ich habe es dann trotzdem gemacht, bin damit auch auf eine relativ grosse Tour gegangen. Aber glücklich warst du damit nicht? Nein, überhaupt nicht! Das war ja das grosse Dilemma. Du stehst auf grossen Bühnen, spielst diese Songs von deiner Platte und weisst in deinem Inneren: Das will ich eigentlich gar nicht! Ich wäre lieber in einem kleinen Club und würde meine Songs vor dreissig Leuten spielen und diese dreissig Leute finden das dann geil. Aber wo machst du denn bei dir diesen fundamentalen Unterschied zwischen Mundart und Englisch? Letztendlich sind es ja deine Songs und deine Texte, egal in welcher Sprache. Nein, das ist schon ein grosser Unterschied. Allein durch die Rhythmik beim Singen bringst du den Song anders rüber. Ich will nicht sagen, das eine ist richtig und das andere ist falsch. Aber ich bin ja nicht in der Schweiz mit diesen Schweizer Liedern und dem grossen Nationalstolz aufgewachsen. Klar, finde ich es schön hier, sonst würde ich ja nicht hier leben. Aber ich bin halt anders aufgewachsen. Und Mundart zu singen, gibt

Beat Diesel und Raph Krauss

Teils, teils. Wenn du Songs spielst, die die Leute kennen, dann bleiben sie auch stehen und geben etwas. Ich habe dann meine eigenen Songs auch mit hineingenommen. So konnte ich gleich testen, welche Songs gut ankamen und welche nicht. Hat dir diese Zeit für deine jetzige Karriere etwas gebracht? Unbedingt! Diese Erfahrungen prägen wirklich.

«Wenn du drei Songs schaffst, bekommst du einen Hamburger und ein Bier.» 1997 hast du einen Song in der Schweizer Radiohitparade gehabt. Du bekamst zwar einen Plattenvertrag mit einer Schweizer Major Company, warst aber nicht glücklich damit. Ja, das stimmt. Die wollten sagen, wo es lang geht und nicht den Künstler das machen lassen, weshalb sie ihn ja ursprünglich unter Vertrag genommen hatten. Ich bin dreisprachig aufgewachsen und für mich war Mundart nie ein Thema. Aber die Firma hat gesagt: Du machst Mundart! Damit war ich nicht glücklich, das wollte ich eigentlich nicht. Aber ich muss im Nachhinein trotzdem sagen, es hat mir viele Türen geöffnet und ich habe dadurch eine Menge gelernt. Danach kam dann noch eine andere Plattenfirma, auch ein Major, die sagten: Uns ist das egal in welcher Sprache du singst.

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mir zu wenig. Es ist ok, wenn man keine andere Sprache beherrscht. Aber ich bin ja mit Englisch aufgewachsen und die Musik, mit der ich gross geworden bin, ist englischsprachige Musik gewesen. Dann bist du in die USA gegangen. Ja, genau. Am 1. April 2000 war die letzte Show der MundartTournee. Die war zusammen mit Polo Hofer und Gölä. Mein Backliner hat danach die Gitarren eingepackt uns sagte: bis nächste Woche dann! Ich erwiderte: Nein, gib mir meine Gitarre, ich bin jetzt weg. Ein paar Tage danach habe ich mir ein OneWay-Ticket nach New York gekauft und habe mich endlich frei gefühlt. Ich kannte in New York jemanden, bei dem ich erst mal wohnen konnte, und meine Schwester hatte mir noch etwas Geld mitgegeben. Und das war dann die harte Schule, alles andere vorher waren Peanuts! Du musst dir das so vorstellen, so wie hier in einer Strasse Laden an Laden ist, ist dort in der bekannten Lafayette Street Club an Club und jeder Bar gibt es eine Bühne. Und du stehst dann dort in einer langen Schlange mit anderen Musikern, die von überall herkommen und die unterschiedlichste Instrumente spielen. Du kannst drei Songs spielen und musst schauen, dass du über den ersten Song rüberkommst. Wenn du drei Songs schaffst, bekommst du einen Hamburger und ein Bier. Mein erster Gedanke war da: Geld


werde ich hier nicht verdienen! Und in den ersten paar Shows bin ich nicht über den ersten Song hinausgekommen. Da fangen die Zuschauer dann an zu Pfeifen und schreien: Der Nächste! Da hinterfragst du dich, weshalb schaffst du das nicht. Am Akzent kann es nicht liegen, denn da war zum Beispiel auch ein Franzose mit einem massiven Akzent, der hat

«Du stehst auf grossen Bühnen, spielst diese Songs von deiner Platte und weisst in deinem Inneren: Das will ich eigentlich gar nicht!» das geschafft. Ich habe dann meine Songs gewechselt, an den Texten gearbeitet und nach ein paar weiteren Versuchen, hatte ich es dann auch gepackt drei Songs zu überstehen. Daneben habe ich auch weiter Strassenmusik gemacht um zu überleben. Insgesamt knapp sieben Monate bin ich dort geblieben. Dann zurück in die Schweiz? Ja. Ich hatte eine Menge Songs, habe wieder einen Plattenvertrag bekommen und ein Album aufgenommen. Das ist eigentlich ganz gut gelaufen, ein Song hat es sogar nach Spanien geschafft und ist dort im Radio rauf und runter gelaufen. Ich habe dann meiner Plattenfirma gesagt, da müssen wir jetzt voll an den Start. Aber die haben abgewinkt und gemeint, wir sind hier in der Schweiz und Spanien ist weit weg. Wir machen jetzt erst mal ein zweites Album und schauen dann weiter. Und als ich dann im Studio war, kamen die von der Plattenfirma und meinten, ich solle doch mal so singen wie der von Plüsch. Und da wusste ich schon, dass es wieder darauf hinausläuft mich zu verbiegen, mich in eine Schublade zu pressen, in die ich nicht will. Ich verstehe es nicht. Sie nehmen dich unter Vertrag, weil ihnen das was du machst gefällt und dann wollen sie dich plötzlich in eine andere Richtung drängen. Da muss man doch überhaupt erst gar keinen Deal mit einem Künstler machen. Das war also auch wieder eine Enttäuschung, und den Scheiss wollte ich nicht noch einmal durchziehen. Das Album ist zwar rausgekommen, denn ich hatte einen Vertrag zu erfüllen. Meine Band und ich sind dann wieder auf Tour durch Europa gegangen. Kommen wir zu deinem aktuellen Projekt Lacson. Produziert hat der Guano Apes Drummer Dennis Poschwatta. Wie bist du an den herangekommen? Wir haben auf einem grossen Open Air in Littauen gespielt. Einige Zeit vorher hatte ich den Drum-Techniker von Poschwatta in einem Studio, wo wir ein Demo aufgenommen hatten, kennengelernt. Und in Littauen haben die Guano Apes auch gespielt und dort hat uns der Drum-Tech dann miteinander bekannt gemacht. Dennis meinte dann, er würde seinem DrumTech zuliebe in mein Demo reinhören und wir könnten uns dann später in der Schweiz treffen, da die Guanos dort auf dem Open

...auf akustischen Gitarren und mit der Bierflasche als Drum-Ersatz. Wenn das nicht klingt, dann machen wir gar nicht weiter Dennis Poschwatta Air Gampel spielen würden. Ich hatte mir davon zwar nicht viel versprochen, bin dann aber trotzdem nach Gampel gefahren. Mike, der Drum-Tech, hatte dann Backstage-Pässe für uns bereit und nach dem Guano-Auftritt kam Dennis dann zu mir und sagte: Mir gefällt das was du machst nicht. Ich finde das Scheisse! Aber irgendetwas hast du in deiner Stimme und deinem Songwriting. Aber so, wie du das auf dem Demo gemacht hast, ist das nichts. Viel zu glatt, zu überproduziert. Da sind keine Ecken und Kanten. Dann machte er mir den Vorschlag, für eine Testwoche in sein eigenes Studio zu kommen. Einige Zeit danach sind wir dann mitten in einer DeutschlandTour zum Dennis ins Studio gegangen. Am ersten Abend haben wir mit Dennis zusammengesessen und ich habe ihn gefragt, warum er eigentlich nie auf unsere Songs reagiert hätte. „ Weisst du warum?“, hat er mich gefragt,

„weil alles Scheisse ist!“ Ich dachte sofort, jetzt geht die alte Geschichte wieder von vorn los. Aber er meinte, von den fünf Songs auf dem Demo sind drei Scheisse, zwei gehen vielleicht. Nehmt euch mal eure Akustik-Gitarren und der Drummer die Bierflasche da als Trommel-Ersatz und spielt jetzt mal die Songs. Dann kam Dennis mit ein paar Ideen, sagte ändere doch den Akkord da und dort und mach mal dies und das. Und plötzlich ist eine richtige Energie entstanden. (Beat Diesel schaltet sich in das Gespräch ein): Als er sagte, wir sollten spielen, wollte ich unsere Anlage aus dem Bus holen. Aber Dennis meinte: Nee, nee – auf akustischen Gitarren und mit der Bierflasche als Drum-Ersatz. Wenn das nicht klingt, dann machen wir erst gar nicht weiter. Ich gebe euch Zeit bis Mitternacht, dann gehe ich nach Hause. Wir haben also gespielt und plötzlich war es morgens halb vier und Dennis war immer noch da! Dann ist er aufgestanden, hat die Liste, auf der er sich Notizen zu unseren Songs gemacht hatte und auf der oft „Scheisse“ stand, zerrissen und gemeint: „Ok, Jungs – morgen fangen wir an.“ Das war echt krass, eine sehr spezielle Situation. Aber durch seine provokante, kompromisslose Art spornt er dich an, holt Sachen aus dir heraus, an die du vorher noch nicht mal gedacht hast. Aber man muss sich erst mal an diese Art gewöhnen. Inzwischen ist sehr schön, mit Dennis zu arbeiten. Aber die erste Woche war echt hart, er kann sehr brüskierend sein. Er ist sicher kein Wohlfühl-Produzent. Und jetzt ist er fest in eurer Band als Drummer? Raph: Wir haben bei den Aufnahmen gemerkt, dass uns unser Drummer bremst. Und ich arbeite nicht zwanzig Jahre an diesem Ziel, um dann ausgebremst zu werden. Er war zwei Jahre lang unser Drummer, aber bei den Aufnahmen im Studio habe ich gemerkt, dass irgendwas mit ihm passiert ist. Und vor der nächsten Probe, als wir wieder zuhause waren, hat er uns gesagt, dass er ausstiegen will. Als wir dann wieder bei Dennis im Studio waren, hat er sich hinter die Drums gesetzt und plötzlich kam da ein enormer Schub. Wir haben ihn dann gefragt, ob er die Drums einspielen will und er meinte: Ja, klar! Aber es war klar, dass Dennis nur das Album einspielen wird und das war's. Danach hätten wir uns einen neuen Drummer suchen müssen. Im Laufe der Aufnahmen sind wir uns menschlich sehr nahe gekommen und es hat sich eine echte Freundschaft entwickelt. Und da auch Dennis Spass an der Band hat, ist er dann fest bei uns eingestiegen. Natürlich haben die Guano Apes Priorität, aber wir schauen, dass wir terminlich aneinander vorbeikommen. Euer Gitarrist Godi Hildmann kommt auch aus dem Guano Apes Umfeld? Ja, er war der Sideman bei den Guanos und als Techniker mit uns im Studio. Das hat sich mit Godi dann im Verlauf der Aufnahmen ähnlich entwickelt wie mit Dennis. Und jetzt macht er das Quartett voll. Im Februar erscheint also euer erstes Album. Wie seid ihr da aufgestellt? Habt ihr ein Management und eine Booking Agentur? Wir haben Extratours eine sehr gute Booking Agentur, die schon eine Promotour mit zehn Gigs zusammengestellt hat. Dann haben wir verschiedene Promoagenturen in Deutschland für Radio, Print und Tournee. In der Schweiz haben wir eine Agnetur, die alles abdeckt und das Management bleibt bei uns selbst. Das klingt alles mächtig teuer. Wie finanziert ihr das? Beat: Durch Schuldenmachen! Raph: Wir alle, inklusive Dennis und Godi, glauben an das Album und die Single „Hold Me“. Es ist ein echtes HerzblutAlbum und deshalb nehmen wir auch in Kauf, Schulden zu machen um die Platte und die Band nach vorn zu bringen. Wir haben da auch die volle Unterstützung unserer Familien. Wir sind ja auch schon etwas älter, haben Kinder. Aber unsere Familien sagen: „Das ist euer Ding, das müsst ihr machen. Wir gehen den Weg mit euch.“

LIVE -Plattentaufe19. April 2014 Solothurn, Kofmehl

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Grüsse aus dem Grab

BABY JAIL

Die Mitteilung kam überraschend. Zwanzig Jahre nach dem Ende der Zürcher Kult-Band Baby Jail, die mit tollen Songs wie „Zum Glück“ oder „Tubel Trophy“ nicht nur für

beste Unterhaltung sondern auch für Chartsplatzierungen sorgte, gibt es eine Wiederauferstehung. „Grüsse aus dem Grab“ heisst das Comeback-Album, dass am 31. Januar in die Läden kommt. Grund genug, um sich bei Bandgründer Boni Koller nach dem Stand der Dinge zu erkundigen.

Warum habt ihr euch 1994 aufgelöst? Das war zwei Jahre nach unserem Charts-Erfolg mit „Tubel Trophy“. Da waren wir schon acht Jahre zusammen und es gab Ermüdungserscheinungen. Ein weiterer Grund war, dass Bice und ich ja ein Paar waren, wir haben zwei Kinder zusammen, und wir uns zu diesem Zeitpunkt getrennt haben. Da wurde es damals schwierig, weiter zusammen in der gleichen Band zu spielen. Aber jetzt spielt ihr ja wieder zusammen. Ja, klar – das geht gut jetzt. Aber damals war die Trennung doch schmerzhaft. Vor zwei Jahren hat sich Baby Jail wieder vereinigt. Was haben Bice und du in der Zwischenzeit gemacht? Wir hatten beide immer musikalische Sachen am Laufen. Nach der Auflösung von Baby Jail war Bice bei Girlgroup, hat mit Admiral James T gespielt und mit Guz & The Averells. Jetzt spielt sie mit unserem Drummer Aad Hollander auch noch in der Band Trio From Hell. Die machen Blues und Rock, sehr amerikanisch – die spielen jeden Sonntag hier in Zürich im Helsinki Klub. Da ist dann immer die Hütte voll und das hält natürlich auch fit, wenn man jeden Sonntag auftritt. Ich habe kurz nach der Trennung Schtärneföifi gemacht. Da hatten wir ein halbes Jahr nach der Baby Jail Trennung schon einen Hit mit „Heicho“, das war so ein Betrag zu einem Kinder-Sampler. Dann ging damals auch zusammen mit Bubi Rufener die Allschwil Posse los, die gibt es heute immer noch. Wir spielen so ca. 5 Gigs pro Jahr – das macht Spass, denn wir haben eine treue Fangemeinde. Weshalb haben sich Baby Jail nun reformiert? Wir hatten eigentlich immer KonzertAngebote, haben das aber immer abgelehnt. Aber über die Jahre sind die Anfragen nie weniger geworden sondern immer lauter. Und irgendwann mussten wir uns entscheiden: machen wir das nie mehr oder vielleicht doch einmal. Und wenn wir das machen wollen, dann müssen wir das jetzt machen, solange wir

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noch selbst auf die Bühne gehen können. Aber die Original-Besetzung ist das ja heute nicht mehr. Das stimmt. Aber es gab früher in den acht Jahren Baby Jail insgesamt neun verschiedene Bandmitglieder. Vor Bice hatten wir auch eine andere Bassistin. Die hatte aber nur vier Konzerte mitgemacht, denn die konnte wirklich gar nicht spielen und hatte auch keine Fortschritte beim Lernen gemacht. Unser erster Drummer ist damals nach China ausgewandert, der ist jetzt aber wieder zurück in der Schweiz. Der hat uns den chinesischen Text zum Lied

„Jede Tag“ vom neuen Album ermöglicht (ist in der chinesischen Version unter dem Titel „Mei Tian“ als Bonustrack auf der CD – Anm. der Redaktion). Insgesamt hatten wir damals vier Schlagzeuger, zwei Saxophonistinnen und auch noch einen Gitarristen. Wir haben uns aber jetzt entschieden, keine Nostalgie-Band, die spielt so gut es geht, zu sein, sondern mit Leuten zu spielen, die musikalische Erfahrung haben und besser spielen können als wir früher. Woher kommen die neuen Leute? Aad Hollander, unser Drummer, hat früher bei einer holländischen Band gespielt, ist

durch Europa getourt, in Zürich hängen geblieben und schon lange mit uns befreundet. Nico Feer hat auch bei Admiral James T gespielt, ist ein lieber Kerl und spielt ordentlich Gitarre. Ich selbst kann ja die Lieder wohl auf der Gitarre begleiten und für live passt das schon, wenn ich da mitschrummel, aber es braucht schon einen richtigen Gitarristen. Kommen wir zum neuen Album „Grüsse aus dem Grab“. Auffallend ist der muntere Mix aus Mundart und Schriftdeutsch. Warum nicht nur in Schweizerdeutsch? Das war ja schon immer so. Wir hatten immer schon einen Mix aus Schweizer-, Hochdeutsch und Englisch. Wir hatten sicher noch nie so viele Mundart-Lieder auf einer Platte wie auf der neuen. Mir gefällt Mundart eigentlich nicht so sehr, mir fallen auch nicht genügend MundartTexte ein. Obwohl es für mich sicher einfacher wäre, einen Mundart-Text zu schreiben, weil es ja meine Muttersprache ist. Aber ich glaube, ich verstehe genügend Hochdeutsch, um einen vertretbaren Text zu machen. Oder ist der Hintergrund, dass du Baby Jail auch in Deutschland verkaufen willst? Wenn das geht, ist das gut. Aber ich zu alt, um mir jetzt noch in Deutschland die Hacken abzuspielen. Ich habe das früher mit Baby Jail gemacht, mindestens zehn Konzert pro Jahr überwiegend in Süddeutschland. Da haben wir auch Gage bekommen, weil die Leute unsere Songs von DRS3 her kannten. Wir haben auch im Norden gespielt, das war zwar immer sehr lustig, aber verdient hat man da nichts. Und Platten haben war da auch nicht wirklich verkauft. Das war einfach eine gute Erfahrung, nach grösseren Schweizer Konzerten auch wieder in kleinen Kneipen zu spielen. Aber ich bilde mir nicht, heute noch den deutschen Markt zu erobern. Sollte das was passieren, wäre das schön und ein toller Nebeneffekt, aber ich setze da nicht drauf. Ein neues Lied heisst „Schwamedinge“. Aber du wohnst ja nicht dort. Aus welchem Grund hast du den Song gemacht, er ist ja irgendwie auch eine Liebeserklärung an den Zürcher Stadtteil? Ja, gut – aber es ist ja eine ironische Liebeserklärung. Die Dinge, die im Text als positiv beschrieben werden, die sind ja auch für jeden anderen Ort gültig. Man kann überall singen, wenn das Radio kaputt ist oder Blumen mit nach Hause bringen. Und doch ist dieses Quartier total schlecht beleumundet, da will man


wirklich zu allerletzt wohnen. Es gibt Fluglärm, das Quartier ist von der Autobahn zweigeteilt – aber es hat natürlich auch schöne Ecken dort. Es wird wahrscheinlich zu einem neuen TrendQuartier. Ich bin überzeugt, so in zehn Jahren wird das ein begehrter Wohnort sein. Ich wollte einfach eine Liebeserklärung an ein Quartier machen, das einen total schlechten Ruf hat. Mit „Muss bezahlen“ hast du ja auch einen echten Randale-Text verfasst. Bist du privat auch so drauf? Nein, überhaupt nicht. Das ist ja auch ironisch gemeint. Ich ärgere mich ja auch, wenn ich am früher Morgen mit dem Fahhrad durch die Langstrasse fahre und da liegen noch überall die Scherben von der letzten Nacht und ich mal wieder einen Plattfuss habe. Ich hoffe aber, dass die Ironie rüberkommt. Die Kloschüssel oder die Telefonzelle zerschlagen, das soll eigentlich ein Witz sein. Aber dieser Hassgesang wird ja auch durch den fröhlichen Refrain entschärft. Mit „Schwein“ habt ihr ein Cover der deutschen Band Ideal auf dem Album. Bist du Neue Deutsche Welle Fan? Also ich fand Ideal früher etwas vom Besten, das aus dieser Welle rausgekommen ist. Ich habe damals immer aufmerksam Musik gehört und anfangs der 80er hat mich auch die NDW sehr interessiert. Ich war zwar eher beim Punk, habe aber auch alles andere gehört. Und Ideal fand ich besonders gut, die finde ich auch heute noch gut. Die hatten lustige Texte, eine eigene Attitüde. Wir spielen das Lied etwas punkiger als im Original. Hörst du heute noch viel NDW Musik? Teils, teils – ich kann ja kein Radio hier in der Schweiz mehr hören. In Winterthur gibt es noch einen Sender, der sich zu hören lohnt, aber da wohne ich ja nicht. Wenn ich das schreibe, hast du mit dem neuen Album schlechte Karten auf SF3 gespielt zu werden. Ja, gut – aber ich mache da nichts vor. Die haben ihr Feigenblatt „CH Special“ und ansonsten betonen sie immer, wenn sie DJ Bobo oder Baschi spielen, dass das Schweizer Musik ist. Da hat ja eigentlich niemand was davon. Bist du Befürworter einer Quotenregelung im Schweizer Radio? Nein, überhaupt nicht. Das Problem muss irgendwie anders angegangen werden. Es geht ja nicht darum, dass jetzt Schweizer oder deutschsprachiges Zeugs gespielt wird. Ich möchte, dass viel verschiedenes Zeug gespielt wird und nicht nur kommerzielles, auf Erfolg getrimmtes. Ich habe zwar viele Freunde, die solch eine Regelung befürworten und ich verstehe auch die Argumente, aber ich selbst bin kein Befürworter einer Quotenregelung. Am 31. Januar erscheint das neue Album. Was geht dann bei Baby Jail ab? Wir haben schon ein paar Konzerte im Februar und da kommen dann noch weitere dazu. Wir werden wohl so um die 15 Konzerte in diesem Jahr machen. Gibt es weiterreichende Pläne für die Band? Ja, nun – es heisst ja „Grüsse aus dem Grab“. Ich weiss nicht, wie man das noch steigern kann. Vielleicht mit „Briefe aus dem Nirvana“ (lacht). Die neue Platte ist das erste Album seit 1994, von der „Best Of“ (2003) abgesehen. Wir lassen jetzt mal auf uns zukommen, was da passiert. Wenn es jemanden interessiert, dann wird es Baby Jail wohl wieder länger geben. Aber ich möchte auf keinen Fall, dass es eine Nostalgie-Show wird.

LACSON 1234567Days Monster Artists/SPV

warmen und transparenten Produktion auf ganzer Linie überzeugt. Einen Link zu seiner „ungeliebten“ Vergangenheit als Mundart-Sänger konnte sich Raph Krauss trotzdem nicht verkneifen, aus welchem Grund auch immer. Der Titeltrack kommt zum Schluss des Albums noch einmal in einer Mundart-Version. Sollte ausgerechnet diese Version einen Hit ergeben, würde Krauss in einem echten Dilemma stecken.

GUZ Der Beste Freund des Menschen Rookie/Cargo hh. Nach diversen MundartAbenteuern, die sogar für ChartsNotierungen und Stammplätze in den Schweizer Radio-Playlists sorgten, kommt Raph Krauss nun mit seinem neuen Project Lacson an den Start. Der Vollblutmusiker hat sich seine Songs, die im alternativen Singer/Songwriter Genre zuhause sind, von einer amtlichen Band ver(rock)edeln lassen. Besonders das Mitwirken von Guano Apes Drummer Dennis Poschwatta als Produzent und Drummer, der inzwischen auch Bandmiglied bei Lacson ist, erweist sich dabei als Glücksgriff. Mit Fingerspitzengefühl und dem Sachverstand des Musikers baut Poschwatta ein stimmiges Klanggerüst um die Krauss Songs, gibt Härte und Aggressivität hinzu, wenn es der Song verlangt und reduziert an anderen Stellen, um den Liedern Raum zum Atmen zu geben. Dass er als Drummer zudem sehr song- und banddienlich arbeitet, verhilft dem ganzen Werk zu einem hervorragenden Groove. Auch Gitarrist Godi Hildmann und Bassist Beat Diesel tragen einen wichtigen und stimmigen Teil zum harmonierenden Gesamtsound bei. Dass die beiden zudem herausragende Musiker sind, ist in jedem Song bestens nachzuhören. Krauss selbst hat zwar bei aller Klasse als Sänger nicht unbedingt eine Stimme mit maximalem Wiedererkennungswert, versteht es aber, seinen Liedern grosse Persönlichkeit zu injizieren. Und die Songs dieses Albums haben durchweg hohe Qualität, Ausfälle sind so gut wie keine zu verzeichnen. Egal ob Rocker oder Balladen, die Kompositionen haben Hand und Fuss, weisen gesunde Dynamik und internationales Format auf und es findet sich sogar die eine oder andere Hymne darunter. Im Grunde gibt es hier alternatives Radiofutter en masse ohne Anbiederungen an den Mainstream. Besonders der Track „Hurt“ hat echtes Hitpotential – ist aber nur einer von einer Handvoll Titeln, denen man diese Qualität anheften darf. Lacson haben mit ihrem Debüt-Album eine klasse Leistung vorgelegt, die mit tollen Songs und einer hervorragenden

hug. Man muss keine Ahnung haben, wer GUZ ist und was GUZ so tut, wenn er tut, was er immer tut. Aber wenn man auf dem volldoofen Cover den Albumtitel liest und den Sänger von einem Plastikwarzenschwein angegriffen sieht, ahnt man auch ohne Vorkenntnisse, dass hier ein Humorist am Werk ist. Und wenn man auf der Rückseite den Titel des ersten Songs liest, weiss man: Das muss ein lustiger Humorist sein! Der Song heisst «General GUZ befreit Pyongyang», und er klingt genau so, wie er heisst: Heiter trabt das Pferd, dramatisch erklingen die Posaunen, hier kommt der Held – John Wayne hätte das bei der Überquerung des Rio Grande nicht besser hingekriegt. Der Instrumentaltrack hat denn auch mit knapp zweieinhalb Minuten Spielzeit die perfekte Länge, und als Scherz richtig zu funktionieren. Unverblümt und singend geht's weiter mit dem schräg pumpenden Tanzlied «lektrizität» (kein Tippfehler), und schon kommt eine von GUZs berühmt-charmanten Jugenderinnerungs-Liedern. Die weiteren Tracks tragen Namen wie «Drogen nehmen und rumfahren» (mit der goldrichtigen Songzeile «wir brauchen keine Gratiszeitungen») und «Beobachten und auswerten», werden dann in der zweiten Hälfte des Albums aber ungewohnt ruhig und für GUZ-Verhältnisse geradezu besinnlich. Und am Ende, wenn wir das Digipack wieder umkehren, gelangen wir zur Erkenntnis: Der beste Freund des Menschen... ist GUZ! Im Übrigen warten wir schon eine Ewigkeit auf die Wiederveröffentlichung der alten Freds-Freunde-Kassetten auf CD.

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CD Americana/Roots/Country ALABAMA & FRIENDS Alabama & Friends Hump Head Records mey. Unter dem Titel „Alabama & Friends“ erschien diesen Sommer ein

BLACKBERRY SMOKE The Whippoorwill Southern Ground Artists/ Nonstop hh. Endlich wird diese herausragende Band auch bei uns regulär veröffentlicht. Blackberry Smoke gehören in den USA bereits zu den festen Grössen im Southern-/Country Rock Genre und haben bereits mit „Bad Luck Ain't No Crime“ (2004) und „Little Piece Of Dixie“ (2009) zwei tolle Alben im Gepäck. Auch „The Whippoormill“ hat bereits einige Zeit auf dem Buckel, kam das Album in den Staaten doch schon im August 2012 heraus. Egal, für uns ist es neu und da es ohnehin die bislang beste Platte des aus Georgia stammenden Quintetts ist, freuen wir uns umso mehr. Das Langhaar-Kollektiv um Sänger/Gitarrist Charlie Starr bringen hier 13 Songs aus vorerwähnter musikalischer Schnittmenge, die besonders durch die herausragenden Gesangsmelodien faszinieren. Irgendwie haben das die Jungs aus Georgia drauf, auch Dan Baird (ex-Georgia Satellites) gehört beispielsweise dazu, diese tollen und speziellen Vocal-Lines mit Leichtigkeit aus dem Ärmel zu schütteln. Kommt dazu, dass Starr eine sehr markante Stimme mit hohem Wiedererkennungswert hat. Seine Mitstreiter liefern gleichfalls hohes musikalisches Niveau, satt klingende Gitarren, Honky-Tonk-Piano und Hammond in bestem SouthernGroove mit diesem speziellen Laid-Back-Touch, den eben nur diese Truppen aus dem Süden der Staaten drauf haben. Aber auch in den ruhigen Momenten wird hier viel Gefühl abseits jeglichen Kitschs transportiert, die intensiven Balladen mit

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Folk-Anleihen gehen unter die Haut und treffen direkt ins Herz. Zudem zeichnet Blackberry Smoke eine begeisternde Dynamik aus, die von der tollen, warmen und transparenten Produktion noch hervorragend unterstützt wird. Sicher, es gibt eine Menge Bands, die in diesen Gewässern fischen, aber nur sehr wenige haben die Klasse von Blackberry Smoke und vor allem diesen Tiefgang, der den Hörer je öfter er das Album hört je mehr gefangen nimmt. Ein Grund dafür dürfte sein, dass Charlie Starr aus einer sehr musikalischen Familie stammt, in der abends am Küchentisch gemeinsam amerikanisches Folksliedergut gesungen und gespielt wurde. Diese Wurzeln sind in seinen Songs allgegenwärtig, sorgen für diese Originalität, an der man die Truppe auf Anhieb immer wiedererkennt und machen „The Whippoorwill“ zu einem absolut wertvollen und tatsächlich herausragenden Album für alle Fans besagter musikalischer Richtung. Bleibt zu hoffen, dass auch die Vorgänger-Platten des Georgia-Fünfers nun bald einmal regulär bei uns zugänglich gemacht werden, denn auch die haben es wirklich in sich. Tolle Band, tolles Album – in jeder Beziehung uneingeschränkt zu empfehlen.

Tribute Album mit 11 Songs der Südstaaten Country Legenden um Randy Owen und Teddy Gentry. Der Stellenwert dieser Country Supergruppe der ersten Stunde lässt sich nicht in Worte fassen. Zeugnis für ihre immense Faszination und Popularität sind immer noch die hohen Verkäufe aller ihrer Tonträger und auch die Präsenz der Songs in den Radiostationen. Kaum eine neue Countryband wird nicht mit den Liedern von Alabama konfrontiert. Die Country Stars Jason Aldean, Luke Bryan, Kenny Chesney, Toby Keith, Jamey Johnson, Trisha Yearwood als einzige weibliche Sängerin sowie die Bands Rascal Flatts, Eli Young Band, Florida Georgia Line geben den elf Alabama Songs einen neuen Groove, doch weichen sie nie zu stark von der Original Vorgabe ab. Mit „Tennessee River“ eröffnet Jason Aldean das Album. Abwechslungsweise singt er mit Randy Owen die Lead Vocals. Knackige Gitarrenriffs geben dem Song einen modernen Anstrich und der Abschluss mit dem schnellen Fiddle- und Gitarrenduell krönen einen starken Opener. Luke Bryan mit „Love In The First Degree“ überzeugt stimmlich in diesem Song. Das Vocal Duell zwischen Gary LeVox und Randy Owen in „Old Flame“ erzeugt Hühnerhaut. Ein charakteristischer Alabama Song mit viel Tiefgang überzeugend interpertiert von Rascal Flatts. Ein stimmiges Album mit elf Hammersongs auf hohem Niveau. Zum Abschluss die wunderschöne Version von „My Home's In Alabama“. Was wäre nicht besser geeignet für diesen Song als die Südstaaten Wunderstimme von Jamey Johnson.

SPINDRIFT Ghost Of The West Tee Pee hug. Auf die Idee muss man ja erst mal kommen: Spindrift, ein 1992 gegründetes Psychedelic-Rock-Projekt aus Newark, USA, um den Tausendsassa Kirpatrick Thomas, hat eine Tournee durch

Amerika unternommen, auf der sie ausschliesslich Geisterstädte aus der Western-Zeit besuchten und ergo ohne Publikum spielten. Dafür wurden sie begleitet vom Regisseur Burke Roberts, der aus der Tournee einen Film gedreht hat. Adäquat zu diesem Unterfangen haben sich Spindrift auf die Tradition der singenden Cowboys besinnt und präsentieren auf dem Album, das gleichzeitig der Soundtrack zum Film ist, 15 Coverversionen von Countrysongs aus der Zeit von 1934 bis heute, darunter «Ghost Riders In The Sky» mit Pferdegewieher, «Navajo Trail» und «Blood On The Saddle», immer mit einem leichten Scheppern und gebührendem Ernst, aber trotzdem very very country. Klingt gut. Der Trailer zum gleichnamigen Film ist auf Youtube zu sehen, der Film selber soll 2014 in die Kinos kommen.

LINDI ORTEGA Tin Star Last Gang Records/Limmat hug. Ein Tin Star, ein blecherner Stern als Symbol für die kleinen Leute in Amerika und als Zeichen ihres harten Überlebenskampfs in einer Welt, in der sich sehr reich und sehr arm gegenüberstehen – und irgendwo sie selber auf der Suche nach ihrer Position in diesem Spiel: Das Thema zieht sich durch das dritte Album der Sängerin aus Kanada, die eine irische Mutter und einen mexikanischen Vater hat und für ihr zweites Album nach Nashville, Tennessee, umgezogen ist. Auf ebendiesem, «Cigarettes & Truckstops» mit Namen, leierte sie etwas ziellos zwischen Gesangs-Vibrato und Country-Geklimper, was nach ihrem heiter- erfrischenden, Mexicana-angehauchten Debüt «Little Red Boots» eher eine Enttäuschung war. Nun aber hat sich die Sängerin erfreulicherweise wieder gefangen: Das Vibrato ist weitgehend verschwunden, ihre Stimme und ihr Auftreten sind sicherer und druckvoller geworden und ihre Country/ Mexicana-Songs vielfältiger. Tracks wie «Voodoo Mama» und «All These Cats» bringen jede Party in Fahrt, zwischendurch erklingen langsame Countrysülzelieder und immer wieder grundsolide Songs, die eher Country-angehaucht denn Country sind. Lindi vermag alle elf neuen Lieder recht gut mit ihrer klaren,


Americana/Roots/Country CD eindringlichen Stimme zu tragen, und immer schwebt über den Liedern eine Atmosphäre, als würde sich Dolly Parton gerade in Ironie üben. Am Ende ein solides Album für CountryFans, die sich für mehr als Trucks und Stetsons interessieren.

RECKLESS KELLY Long Night Moon Blue Rose Records mey. Das neunte Album „Long Night Moon“ reiht sich nahtlos in die Reihe der letzten Perlen von Reckless Kelly ein: ein schnörkelloses Country-/Roots Rock Album. Nach der Grammy Nominierung im vergangenen Jahr liessen sich die Brüder Willy und Cody Braun nicht von ihrem Weg abbringen und verfielen nicht den Verlockungen von Nashville's Business Giganten. Ihre Musik bleibt eigenständig mit Ecken und Kanten und mit deutlich weniger dichter Instrumentierung. Aber was Bandleader Willy Braun immer wieder für kleine musikalische Meisterwerke aus dem Ärmel schüttelt verdient höchsten Respekt. Zwölf Songs plus ein Bonus Track befinden sich auf „Long Night Moon“. Die Stimmung dieses Albums ändert laufend von herzzerreissend über easy listening bis rockig stampfend. Der Titeltack eröffnet als sensible Ballade mit dichter Atmosphäre dieses Album, das zum Träumen einlädt. Die schöne Instrumentierung zeichnet die Arbeit von Reckless Kelly aus. „Real Cool Hand“ rockt gemächlich daher. Passend dazu die emotionsgeladene Stimme von Willy Braun, der es versteht, jedem Song seinen eigenen Stempel aufzudrücken. „Irish Goodbye“ ist ein trauriger, fast schon quälender Song mit wunderschönen Pedal Steel Guitar und Fiddle Passagen. Für den Fan der leichten rollenden Roadsongs gilt „The Last Goodbye“ oder der Bonus Track „Any Direction From Her“ hervorzuheben. Reckless Kelly gelingt mit „Long Night Moon“ wieder ein ganz tolles Album, gespickt mit einzigartigen Alternative Country oder Roots Rock Songs und einem toll gearbeiteten Album Cover mit Poster Inlay.

UNIFOUR Get It On office4music mey. Ein beachtliches Debüt Made in Switzerland. Die New Country Band veröffentlicht mit

„Get It On“ eine Scheibe mit zwölf mehrheitlich eigenen Songs. Neben den gestandenen Countrygrössen Bodo Neumeister (Gitarren, Banjo, Background Vocals) Nik Ilic (Bass, Background Vocals) Renato Roncaglioni (Drums) verfügt unifour mit Heather Hoy über eine tolle Sängerin und Frontfrau. Die Gitarre von Bodo Neumeister dominiert alle Songs und der filigrane Techniker zeichnet sich immer wieder mit tollen Soli aus. Nach mehrmaligem Anhören dieser Scheibe vermag sich aber keine richtige Stimmung breitmachen. Dafür sind die Songs zu glatt und zu steril. Schade für den AC/DC Song „Whole Lotta Rosie“, der ohne Ecken und Kanten keinen Groove erzeugen kann. „Jolene“ kommt in der besten Dolly Parton Manier daher, hier fühlt sich Heather Hoy richtig wohl. Es erfordert ein grosses Stück musikalische Erfahrung und auch Mut ein Album mit mehrheitlich eigenen Songs in dieser Stilrichtung in der Schweiz zu produzieren, deshalb darf man dieses Album als vielversprechenden Anfang deklarieren. Mit Bodo Neumeister und Heather Hoy verfügt unifour über zwei musikalische Talente, die weit über dem gewohnten Schweizer Durchschnitt liegen. Das ist der Vorteil dieser Band. Live werden diese Songs sicherlich eine Ecke kantiger tönen. Anspieltipp: „5:00“ und das originelle „You Said“ mit seinen verspielten Stilfacetten.

THE BAND OF HEATHENS Sunday Morning Record Blue Rose Records mey. Das vierte Studio Album „Sunday Morning Record“ von The Band Of Heathens überrascht vom ersten Song an. Auch hier wieder eine tolle Band aus der der Region Austin/Texas, ein unerschöpfliches Reservoir aus hervorragenden Americana/Country Musikern. Traditionelle Country Einflüsse, gewagte neue Americana Trendrichtungen und poppig rockige Elemente vermischen sich bei The Band Of Heathens zu einem interessanten Stilmix. Überraschende Wechsel, das leichte Spiel mit Rhythmus und Melodie, und die immer bleibende starke Grundstruktur der Songs mit schönen, teils nachdenklichen Texten machen

dieses Album zum Highlight ihres bisherigen Schaffens. Bei einem Album, das durchweg auf hohem musikalischem Niveau angesiedelt ist, fällt es schwer einen Top Song oder allenfalls einen leichten Ausfall zu suchen. „Miss My Life“, der leicht easy Country angehauchte Song, sowie das an John Lennon erinnernde „Shake the Foundation“ sind meine persönlichen Favoriten. „Sunday Morning Record“ ist ein tolles Album. Eingängige Songs und faszinierende Melodien. Dieses Album passt in jede Americana Sammlung – weil es ein wirklich spezieller Geniestreich der Jungs von The Band Of Heathens ist.

THE RESENTMENTS Ghost Ship Blue Rose Records mey. Mit dem Album „Ghost Ship“ beginnt wohl für The Resentments eine neue Ära. Nach dem Tod ihres früheren Leadsänger und Gitarristen Stephen Bruton wurde mit dem Live Album „Welcome To Our Living Room“ eine Epoche abgeschlossen. Das neuste Werk der mehrheitlich aus Austin/Texas stammenden Formation kommt immer noch sehr natürlich und akustisch daher, doch musikalische Anleihen bei den Beatles und Tom Petty tragen die Band ein wenig weg von der traditionellen Alternative Country Szene hinüber auf die Welle des Folk/Americana Trends. Die Verstärkung der Band durch die beiden Gitarristen Miles Zuniga und Jeff Plankenhorn bringt frischen Wind und lässt das Ganze spannender klingen. Rockige und härtere Einflüsse bleiben fast gänzlich auf der Strecke, mystische Songteile wechseln sich mit süffigen Parts ab und verleihen den Liedern einen leicht melancholischen Touch. Der Song „Nothin I Can Do“ eröffnet das Album. Groovig zeigt sich die Band in diesem Song aus der Feder von Bruce Hughes. „Space Between“ von Jud Newcomb und „Love Ain't Thru With You“, ein Song von Miles Zuniga, zeigen, dass The Resentment auch von der musikalischen Idee wieder eine Einheit sind. Sehr schöne Gitarrenarbeit und abwechslungsreicher Lead- und Harmoniegesang sind die Stärken der Texaner. „Perfect As A Photograph“, eine tolle swingende Nummer mit einem Solo nach dem Vorbild von Chet Atkins machen diesen Song zum kleinen Glanzlicht. Den Abschluss

des gelungenen Albums bildet „Time Won't Heal Me“. Anleihen bei den Beatles oder Joe Cocker sind auch bei diesem Song nicht ganz zu überhören…..aber vorzüglich interpretiert.

RON BLOCK Walking Song Rounder Records mey. Eine Kurzzusammenfassung zur Person von Ron Block ist unmöglich. So viel für Nichtkenner: Ron Block zeichnet sich als Banjo Player, Gitarrist und Sänger von Alison Krauss Union Station aus. Doch mehr noch, Ron Block ist ein vorzüglicher Songwriter und ein gefühlvoller Leadsänger. Für den Soundtrack zum Film „O Brother, Where Art Thou“ mit George Clooney gewann er einen Grammy Award. „Walking Song“ ist sein drittes Soloalbum. Nun fragt man sich, warum ein Musiker mit einem derart grossen Potential erst sein drittes Album auf den Markt bringt. Da spielt sicherlich die immense Arbeit mit anderen Künstlern eine grosse Rolle. Ron Block gehört zu einem der gefragtesten Musiker der Country, Bluegrass und Folkmusic Szene. Und natürlich die Zugehörigkeit zur Band von Alison Krauss. „Walking Song“ beinhaltet alles was ein schönes leicht spirituelles Akustikalbum haben muss. Tolle Songs mit schönen Geschichten, die vom Bluegrass, Folksong bis zum spirituellen Blues alles beinhalten. Zusammen mit Rebecca Reynolds, die für die Texte verantwortlich ist, bildet Ron Block ein kompositorisches Dreamteam. Der Titelsong „Walking Song“ zeigt schon mal die allgemeine Richtung vor. Getragene mehrstimmige Gesangsmelodien, gepaart mit blitzsauberer Begleitung an den Instrumenten wie Gitarre, Mandoline und Fiddle. Das Instrumental „Devil In The Strowstack“ ist ein Leckerbissen für alle Bluegrass- und Irish Music Fans. Seine Bandkollegen von Union Station: Barry Bales, Stuart Duncan, Dan Tyminski, Jerry Douglas und Alison Krauss unterstützen auf einigen Songs ihren Bandkollegen. „Ivy“ und „Nickel Tree Line“ erinnern deshalb immer ein wenig an seine Stammband. „Walking Song“ ist Musik zum Entspannen und Geniessen. Ein schönes Album für gemütliche Stunden, das auf gleich hohem Level einzustufen ist wie Union Station.

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DVD/BluRay hh. Die Live Dokumentationen der « greatest rock'n'roll band on earth » füllen ganze Regale. Hide Park Live Weshalb also jetzt auch noch Eagle Vision /MV diesen Mitschnitt? Weil es einfach absolut geil ist, diese Band 44 Jahre nach ihrem letzten Hyde Park Auftritt am gleichen Ort wieder zusehen und zusammen mit über 100'000 Fans die Stones-Klassiker zu feiern. Auch wenn die Herren Jagger, Richards, Watts und Wood bereits jenseits der Rentengrenze sind, das Rock'n'Roll-Feuer lodert nach wie vor hell und heiss in den Herzen der Stones, von altersbedingter Müdigkeit keine Spur und auch wenn das Quartett die hier enthaltenen Songs bereits zum gefühlten 500.000. mal zum Besten geben, sie machen das mit einer unglaublichen Energie und Spielfreude, als wenn es das erste Mal wäre. Getragen wird die Band von einem riesigen Enthusiasmus der Fans, die ihre Lieblinge feiern, als gäbe es kein Morgen mehr und untereinander eine riesige Party feiern. Die Kameraführung (wie auch der Sound) dieser ohne Abstriche beeindruckenden Show ist exzellent, besonders die Aufnahmen der Musiker belegen, wie tight und groovig die Band zusammen spielt. Und denjenigen, die immer noch meinen, sie müssten an den musikalisch technischen Qualitäten der Stones rummeckern, sei gesagt: Genauso sind die Stones, genauso müssen sie sein und genau deshalb haben sie praktisch jede andere Band überlebt und ziehen noch heute 100'000 Leute an ihre Show. Und diese Gründe sind hier allerbestens nachzuvollziehen – oder, um es auf den Punkt zu bringen: Die Stones sind einzigartig, mit eingebautem Kopierschutz. Und somit, von der hervorragenden Darbietung mal abgesehen, rechtfertigt das allemal, sich diese DVD zuzulegen – auch wenn man schon diverse andere Live-Bildkonserven der Truppe hat. Mick Jagger und Co sind immer noch die „greatest rock'n'roll band on earth“ – der Beweis ist mit „Sweet Summer Sun“ ein weiteres Mal erbracht.

THE ROLLING STONES Sweet Summer Sun

BLACK SABBATH Gathered In Their Masses (Deluxe Box) Universal lg. Wenn eine so grosse Band wie Black Sabbath nach gut dreissig Jahren wieder mal ein Album mit Originalsänger Ozzy Osbourne aufnimmt und anschliessend auf grosse Rundreise geht ist klar, dass dies anschliessend auch veröffentlichungstechnisch ausgeschlachtet wird. "Gathered In Their Masses" heisst der entsprechende Release und zeigt die Rockgötter und Urväter des Doom Metals Ozzy Osbourne (voc.), Tony Iommi (git.) und Geezer Butler (bs.) – unterstützt von den Musikern Tommy Clufetos (dr.) und Adam Wakeman (keys./git. und Sohn des YesKeyboardes Rick Wakeman) aus Ozzys Soloband – in voller Aktion. Gefilmt wurden zwei Shows im australischen Melbourne (29. April und 1. Mai 2013). Die Setlist auf der DVD 1 besteht aus den grössten Hits der Ozzy-Ära von Black Sabbath, sprich aus den 70er Jahren sowie einigen Songs des überraschend starken Comeback Album „13“, welche gut zu den alten Knüllern passen. Kern der Setlist bilden die beiden ersten Alben „Black Sabbath“ und „Paranoid“, die mit drei („Black Sabbath“, „Behind The Wall Of Sleep“ mit Basssolo von Geezer und „N.I.B.“) bzw. vier Songs (der Opener „War Pigs“, „Iron Man“, „Fairies Wear Boots“ und der Überhit „Paranoid“) repräsentiert sind. Die vier nachfolgenden Alben kommen mit mindestens einem Song zum Zug. Songs wie „Symptom Of The Universe“ inklusive coolem Schlagzeugsolo, „Snowblind“, „Children Of The Grave“ oder auch „Sabbath Bloody Sabbath“ dürfen natürlich nicht fehlen. Alles ist astrein und höchst professionell instrumentiert – allen voran natürlich mit dem brillanten Tony Iommi an der Gitarre, der trotz seiner angeschlagenen Gesundheit einen ziemlich fitten Eindruck macht. Auch Aktivposten

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Ozzy ist stimmlich gut beieinander, obschon er immer wieder die Hilfe des Publikums in Anspruch nimmt. Sein Stageacting beschränkt sich auf sein typisches Rumgehüpfe, was nun auch wieder kultig ist, doch er kommt sehr vital herüber und scheint die Show sichtlich zu geniessen. Der Schnitt der DVD ist angenehm und nicht zu hektisch ausgefallen und bringt sowohl Musiker (sogar Tonys Fingerprothesen kann man gut sehen), die Show (schöne Lichteffekte) und das Publikum gut zur Geltung. Die zweite DVD beinhaltet drei weitere sehenswerte Songs aus den 70er Jahren, nämlich „Under The Sun“, „Dirty Woman“ (vom unterschätzten Album „Technical Ecstasy“ von 1976) sowie „Electric Funeral“. Abgerundet wird dieses Package durch Bonusmaterial in Form eines sehr informativen Bandinterviews sowie Impressionen der beiden Showtage. In vorliegender Super Deluxe Ausgabe finden sich neben einer Blu-Ray Disc, welche die beiden DVDs beinhaltet, und einer CD mit einer 10 Song Zusammenstellung von DVD 1 ein zwölfseitiges Booklet im A5Format sowie diverse Memorabilia wie Plektren von Tony und Geezer, die Setlist, eine Replika des Eintrittstickets und ein Poster. Diese Box ist für Fans von Black Sabbath essentiell! Live werden die Herren dann am 20. Juni 2013 mit Soundgarden im Vorprogramm (was für ein Package!) im Hallenstadion in Zürich zu bestaunen sein, was nichts anderes als ein Pflichttermin ist.

DEEP PURPLE

hh. Als sich Deep Purple 1984 in der

Perfect Strangers Live klassischen Besetzung (MkII: Ritchie

Blackmore, Jon Lord, Ian Gillan, Roger Glover, Ian Paice) reformierten und das gefeierte „Perfect Strangers“ Album ablieferten, folgte zur Veröffentlichung natürlich auch eine Welttournee. Nun liegt von dieser Tour erstmals ein offizieller Live-Mitschnitt eines Konzerts vom australischen Tourauftakt vor. Die Band präsentiert sich in allerbester Stimmung, untereinander sind (noch) alle bei bester Laune, was sich auch in der musikalischen Leistung hör- und sichtbar niederschlägt. Gillan ist noch voll im Saft, seine späteren Stimmprobleme sind nur am Rande spürbar („Child In Time“), Jon Lord ist bzw. war ohnehin der allzeit beste HammondSpieler im Rock und das tighte und massiv groovende RhythmusGespann Roger Glover und Ian Paice treiben den Purple-Kreuzer gnadenlos durch diesen Hardrock-Hurricane. Und der Troublemaker Blackmore beweist hier eindrücklichst, dass er derjenige ist, der der Truppe den von vielen Fans heute so schmerzlich vermissten Dreck und die musikalische Brutalität verpasst. Bei ihm paart sich Virtuosität mit Attacke und es wird einmal mehr deutlich, dass er der einzig wahre Purple Gitarrist war und auch auf alle Zeiten bleiben wird. Neben den Klassikern bringt die Band fünf Songs aus ihrem Comeback Album („Nobody's Home“, „A Gypsy's Kiss“, „Under The Gun“, „Knocking At Your Back Door“ und natürlich den Titeltrack „Perfect Strangers“). Neben den alten Gassenhauern wirken die neuen Songs noch etwas verhalten und brav, insgesamt aber zeigen die Briten hier eine erstklassige Performance und rocken hart und kompromisslos. Bild und Ton sind OK, mehr aber auch nicht. Der Gesamtsound ist zwar satt, das Mischverhältnis der Instrumente lässt jedoch Wünsche offen. So ist Blackmore's Gitarre zu oft überdominant, speziell in den Soli deckt er alles zu. Auch der Gesang wäre an heutigen Massstäben gemessen überarbeitungswürdig, die Effekte (Hall) Eagle Vision/MV


DVD/BluRay stehen oft in schlechtem Verhältnis, soll heissen: viel zu laut. Die Kameraführung bzw. die Regie scheint nicht gerade Liveaufnahmen-Erfahrung zu haben. Bis der Regisseur beispielsweise merkt, dass das Gitarrensolo nicht vom Bassisten gespielt wird, dauert es schon eine ganze Weile. Aber trotz dieser Abstriche sind wir froh und dankbar, dass wir nun an dieser Reunion auch live teilnehmen dürfen. Denn hier standen noch einmal die einzig wahren Purple zusammen in bester Spielfreude auf der Bühne. Für Fans unverzichtbar.

BRYAN ADAMS The Bare Bones Tour Live At Sydney Opera House Universal hh. Im Vorspann erzählt Bryan Adams, dass er bei seinem ersten AustralienTrip das Opera House gesehen hat und sich wünschte, hier einmal zu spielen. Nun denn, es hat geklappt - im vollen Opera House lässt die kanadische Raspelstimme die 30jährige Karriere Revue passieren. Und zwar solo, akustisch, nur der Chef selbst, seine Akustik-Gitarre, um den Hals eine Mundharmonika (Bob Dylan lässt grüssen), ein Flügel nebst Pianist und natürlich diese unvergleichliche Stimme. Als Adams die Bühne betritt und „Run To You“ anstimmt, brandet frenetischer Applaus auf. Adams ist sichtlich berührt, gibt sich im Laufe des Konzerts betont locker, kommuniziert mit dem Publikum und geht auch auf Zwischenrufe ein. Zwischen den Songs gibt er kleine Anekdoten zum besten. Der ganze optisch unspektakuläre Auftritt lebt vom Charme des Hauptdarstellers und davon hat er eine ganze Menge. Seine überaus sympathische Ausstrahlung wird dabei vom Publikum mit Begeisterung goutiert.Aber es sind in erster Linie natürlich diese Songs, die auch in diesen abgespeckten und aufs Minimum reduzierten Versionen voll und ganz funktionieren, nichts von ihrer Faszination verlieren! Ein Beweis für die grosse Klasse von Bryan Adams Liedern. In dieser akustischen Version erhalten sogar die Schmusehits, die in der Normalversion doch häufig sehr schmalzig und kitschig anmuten, eine neue, grössere Bedeutung. Der Kanadier ist prächtig bei Stimme, es ist erstaunlich wie auch unplugged dermassen kraftvoll jeder Song intoniert wird. Obwohl das Konzert keinerlei optische Schmankerln bietet, überzeugt Adams auf ganzer Linie und lässt nie Langeweile aufkommen. Ein erhabenes Konzerterlebnis.

DEF LEPPARD Viva! Hysteria Frontiers/Musikvertrieb mv. Im März dieses Jahres gab es für Hard Rockund Def Leppard-Fans ein ganz grosses Highlight zu bestaunen. Die einstigen Multi-Platin Rocker Def Leppard spielten zum 25 Jahre Jubiläum ihres Megasellers „Hysteria“ eben dieses Album live in voller Länge. Stattgefunden hat dieses Ereignis nicht etwa in ihrem Heimatland sondern in Las Vegas im Hard Rock Hotel, was natürlich nicht unpassend ist für eine grosse Show, die Fans im Rest der Welt aber leer ausgehen liess. Dafür gibt es jetzt dieses grandiose DVD/2-CD Package, wo jeder zuhause nun auch daran teilhaben kann. Klar, die Jungs um Frontmann Joe Elliott sehen nicht mehr ganz so frisch aus wie anno 1987, dafür sind die Songs des legendären „Hysteria“ Albums absolut zeitlos geblieben und zeigen auch im 2013 klar, warum dieses Album damals Massstäbe setzte. Unfassbare sieben Hit-Singles wurden aus dem Album ausgekoppelt, was sich in 20 Millionen verkaufter Einheiten niederschlug. Somit ist auch dieses Album hier natürlich gespickt mit den Superhits wie „Animal“, „Love Bites“, „Rocket“, „Women“, „Armageddon It“, „Hysteria“ oder „Pour Some Sugar On Me“. Der Sound ist fantastisch, die optische Umsetzung richtig gut und Langweile bleibt bis zum Schluss ein Fremdwort. Als ganz besonderes Schmankerl erweist sich dann aber überraschenderweise das umfangreiche Bonus Material. Zuerst klickt man etwas ratlos auf die beiden Beiträge namens „Ded Flatbird“, findet dann aber schnell heraus, dass Def Leppard mit typisch britischem Humor unter diesem Namen jeweils als ihre eigene Vorband auftraten. Und dabei die Fans erst noch mit selten gespielten, meist sehr alten Songs verwöhnten, u.a. „On Through The Night“, „Wasted“, „Let It Go“, „Good Morning Freedom“, Another Hit And Run“, „Switch 625“, „Stagefright“ oder „High'n'Dry“ (beide Ded FlatbirdSets zusammen kommen immerhin auf stolze 15 Tracks). Dass die Band dabei extrem viel Spielfreude zeigt und den Fans wirklich viel fürs Geld geboten wurde, macht dieses Package umso wertvoller und für Leppard-Fans zum Pflichtkauf.

PORTNOY, SHEEHAN, MACALPINE, SHERINIAN

BLACK LABEL SOCIETY

Live In Tokyo

Eagle Vision/MV

hh. An alle Prog-/ Jazz-Rockfans: THIS IS THE REAL STUFF!!! Und dabei natürlich wieder Mike Portnoy, der einmal mehr auch diesem Projekt seinen einzigartigen Stempel aufdrückt. Geboten werden Songs aus den musikalischen Vergangenheiten der beteiligten Musiker, alles instrumental vorgetragen bis auf den Schlusssong „Shy Boy“, bei dem Billy Sheehan den Gesang übernimmt. Die Band kommt mit einer ungeheuren Wucht daher, von der man ob der unglaublichen Performance der Musiker selbst im heimischen Sessel fast erschlagen wird. Wahnsinnige Hochgeschwindigkeitsduelle zwischen Gitarre und Keyboards, bei denen ein ums andere Mal auch Bassist Billy Sheehan munter mitmischt. Die technische Leistung aller Musiker ist über weite Strecken geradezu überirdisch, das ist Prog- bzw. Jazz-Rock auf allerhöchstem Niveau – einfach grossartig! Dabei bleibt trotz kompliziertesten Arrangements und Songstrukturen das kompakte Bandfeeling erhalten – das Ding groovt wie Hölle. Und Portnoy ist mal wieder unbeschreiblich – ein wahrer DrumGott. Mit welch spielerischen Leichtigkeit der Mann die wahnsinnigsten und schwierigsten Frickel-Parts spielt, das ist einfach nicht von dieser Welt. Musik für Experten und Musiker. Aber egal, welchem musikalischen Lager sich der Zuschauer ansonsten zugehörig fühlt, dieser Performance kann man sich nicht verschliessen – sofern man aussergewöhnliche Leistung auf allerhöchsten Level zu goutieren weiss. Allein die Hammerversion des Billy Cobham Klassikers „Stratus“ vom 73er Album „Spectrum“ ist Jazzrock at it's best und steht aufr gleicher Qualitätsstufe wie das Original. Speziell bei dieser DVD kommen die Vorteile des Heimkinos voll zum Tragen, man sieht den Musikern bei allerbestem Sound un d Bild direkt auf die Finger – was gerade bei diesen Protagonisten äusserst faszinierend und mitreissend ist. Zudem kann man sich auf Knopfdruck das Ganze zig Mal wieder reinziehen, etwas das bei dieser unglaublichen Darbietung sicher geschehen wird. Als Bonus gibt es das übliche „Behind The Scenes“ mit Kommentaren der einzelnen Musiker. Ein Must Have!

hh. Im Nokia Club, Los Angeles präsentieren Zakk Wylde und seine Mannen ihren Heavy Southern Rock sitzend. Sitzend? Genau! Weshalb und warum bleibt schleierhaft, denn unplugged bzw. akustisch, wo sich normalerweise die Künstler entspannt auf Stühlen zeigen, ist das hier beileibe nicht. Hier gibt es Black Label Society wie man sie kennt, brachiale Sounds aus den Südstaaten mit allem, was dazugehört: lange Matten, Bärte, Tattoos und echter Männergesang. Im Vergleich zu typischen Southern Rock Vertretern wie Lynyrd Skynyrd oder Molly Hatchet sind BLS allerdings einen massiven Zacken heavier, zudem integriert Zakk Wylde noch eine satte Portion Metal und „moderne“ Spices à la Audioslave. Dominiert wird der Sound von den zwei herausragenden Gitarristen (neben Wylde Nick Catanese). Für den fetten Teppich sorgen Bassist John Deservio und Drummer Chad Szeliga und für eine akustische Auflockerung ist der ehemalige Dream Theater/Black Country Communion Tastenvirtuose Derek Sherinian mit an Bord. Der Sound ist mächtig, eine massive Wand! Band-Chef Wylde zeigt hier eindrücklich, dass er neben seiner typischen Gitarren-Shredderei (mitunter durchbricht er die Schallmauer) auch jede Menge Gefühl mit Härte verbinden kann, speziell nachzuhören in „Machine Gun Man“. Der SüdstaatenPathos mit seinen grossen musikalischen Gesten kommt natürlich nicht zu kurz, besonders wenn Wylde ans Piano wechselt („Sweet Jesus“, „In This River“). Alles in allem ein zwar optisch relativ unspektakulärer Vortrag, aber durchweg ein geiles Konzert für Fans besagter Musikrichtung. Wer die Allman Brothers gern einmal in brachialem Heavy-Format sehen würde, der besorgt sich diese DVD.

Unblackened

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ReReleases, Best Of, Tributes

THE WHO Tommy Deluxe Edition (2 CD) Super Deluxe Box Set (4 CDs) Universal

THE BEATLES

HUMBLE PIE

On Air – Live At The BBC Volume 2 (2 CD)

Performance – Rockin' The Fillmore The Complete Recordings

Universal

Universal

lg. Nachdem 1994 "Live At The BBC" veröffentlich worden ist folgt nun 19 Jahre danach eine weitere Zusammenstellung von Radioauftritten aus der Zeit von 1962 und 1965 der Pilzköpfe aus Liverpool, sprich aus der ersten Hälfte des zehnjährigen Bandbestehens (The Beatles existierten ja nur von 1960 bis 1970). Die vorliegende Zusammenstellung umfasst 37 unveröffentlichte Songaufnahmen plus 23 unveröffentlichte Studioansagen und Unterhaltungen der Band und/oder der BBC-Moderatoren. Es ist zu bemerken, dass The Beatles ihre Karriere auch zu einem grossen Teil dem Radio-Airplay zu verdanken haben, war das doch damals für die Jungen eines der wenigen Wege, um an Musik zu gelangen. Und BBC hatte in diesem Zusammenhang eine Pionierstellung inne – mit dem "Saturday Club" konnten Bands, wie vor allem The Beatles ihre unglaubliche Erfolgsgeschichte richtig lancieren und ausbauen. Von den Fab Four wurden via BBC 275 (!) Performances ausgestrahlt, was die Bandmitglieder als hart arbeitende Musiker auszeichnete. Nicht nur eigene Songs - Rares und Bekanntes – sind auf "On Air – Live At The BBC Volume 2" zu finden, sondern auch Coverversionen von Little Richard, Chuck Berry, Ray Charles, Chan Romero und Carl Perkins. Man spürt förmlich den Rock'n' Roll der späten 50er und frühen 60er Jahre, ohne den die gesamte spätere Rockmusik in allen Variationen wohl anders ausgesehen hätte. Absolut essentiell! Mit der Veröffentlichung von "On Air – Live At The BBC Volume 2" wurde "Live At The BBC" nochmals neu gemastert aufgelegt. Diese Doppel-CD ist auch sehr empfehlenswert.

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lg. Dieses nunmehr 44 Jahre alte Wahnsinnswerk und die erste Rockoper in der Musikgeschichte – "Tommy" – wird für das Weihnachtsgeschäft neu aufgelegt. Schon die Doppel-CD ist wirklich super aufgemacht und besticht durch den Inhalt: Einerseits auf der CD 1 "Tommy", das mehrheitlich von Gitarrist Pete Townshend geschriebene Monumentalwerk in remasterter Fassung, und auf CD 2 "Tommy (Live Bootleg Ottawa"), das eine damalige Livemässige Aufführung zum Gegenstand hat, welche lange als verschollen galt und sehr authentisch daher kommt. Auch die Liner Notes sind interessant zu lesen. „Tommy“ ist die Geschichte des Tommy Walker, der während seiner Kindheit taub, stumm und blind wird, als er mitansieht, wie der aus dem Krieg zurückgekehrte Vater den Geliebten seiner Mutter umbringt. Tommy zieht sich in seine Welt zurück und entdeckt sein Talent am Flipperkasten – er wird sogar Weltmeister. Er wird schliesslich geheilt – nach dem Zerbrechen seines Spiegelbildes. Musikalisch hört man auf

hh. Gegründet 1969 war Humble Pie eine der ersten sogenannten Supergroups der Rockszene. Bestehend aus den ex-Mitgliedern der damals erfolgreichen britischen Bands Small Faces (Steve Mariott), The Herd (Peter Frampton) und Spooky Tooth (Greg Ridley) sowie Newcomer Jerry Shirley als Drummer gehörten sie speziell in den USA zu den erfolgreichsten Bands der Zeit. Leider war der Truppe nur ein verhältnismässig kurzes Leben beschert, Mitte der 70er war Feierabend. Die folgenden Reunions hatten zwar durchaus ihren Reiz, konnten jedoch nie an die früheren Grosserfolge anknüpfen.Mit dem Live-Doppelalbum „Rockin' The Fillmore“ schaffte das Quartett den in den USA den Durchbruch auf breiter Front. Bis heute gilt das Album als eines der allzeit besten RockLive-Platten überhaupt. Die unglaublich rohe Energie gepaart mit dem hammerharten Classic-Hardrock auf Basis von Soul und Blues ist bis heute in dieser Art unerreicht und wird es auch wohl auf alle Zeiten bleiben. Nun gibt es in dieser 4 CD-Box alle vier Konzerte aus dem New Yorker Kult-Club Fillmore East. Die Shows fanden an zwei aufeinander folgenden Tagen statt, das heisst: 2 Shows pro Tag. Unvorstellbar eigentlich, wenn man hier nachvollzieht, mit welcher Power und Energie die Band jedes einzelne Konzert bis zur Erschöpfung absolvierte – die meisten heutigen Bands würden wahrscheinlich noch nicht einmal ein einziges Konzert mit dieser geballten Wucht durchstehen. Allen voran Steve Marriott (19471991), der mit seiner einzigartigen Stimme seine Körpergrösse (ungefähr so hoch wie eine Teppichkante) um ein Vielfaches über-

Tommy die Enge des damaligen Englands und die entsprechenden Ausbruchversuche der Jugend, welche als Nachkriegsgeneration noch sehr stark von den Geschehnissen des Zweiten Weltkriegs beeinflusst war. The Who verstehen es auf diesem Album perfekt, Stimmungen zu transportieren und dies in wirklich geniale Rock-Songs zu spinnen. Man höre nur "It's A Boy", "1921", "The Acid Queen", "Pinball Wizard", "I'm Free" und die genialen "Overture" und "Underture". Tommy gilt als ein absoluter Höhepunkt der Rockgeschichte und ist neben dem späteren "Quadrophenia" der Meilenstein in der Diskographie von The Who. Muss man haben. Das edel aufgemachte Super Deluxe Box Set bietet 4 CDs inkl. einer BluRay des Original-Albums in Dolby Surround Sound, fast alle Townshend-Demos und einige Studio-Outtakes. Die Live-CD beinhaltet die komplette Tommy-Live-Version des Jahres 1969/1970. Komplettiert wird das Box Set mit einem 80-seitigen Buch mit zahlreichen Fotos sowie einem Essay von Richard Barnes und einem Poster.

ragte und bissig wie Kampfterrier die Band gnadenlos nach vorn peitschte. Marriott war der Frontmann überhaupt: ausgestattet mit einem herausragenden dreckigen Charme konnte er problemlos eine zigtausendköpfige Menge unterhalten, mit urwüchsigem, trockenem britischen Humor und einer wahnsinnig powervollen, explosiven Bühnenpräsenz. Die ist auf den hier enthaltenen vier CDs bestens nachzuempfinden. Die Set-List der vier Shows unterscheidet sich nur rudimentär, die Humble Pie Klassiker „Four Day Creep“, „I'm Ready“, „Walk On Gilded Splinters“ „Hallelujah I Love Her So“ und „I Don't Need No Doctor“ sind somit auf jeder CD enthalten, in, wie seinerzeit üblich, massiv ausgedehnten Versionen. In die jeweils zweite Show des Tages wurde zusätzlich noch der Song „Rollin' Stone“ aufgenommen. Es macht Spass, die verschiedenen Nuancen in den Vorträgen zu entdecken und die Publikumsreaktionen zu spüren. Der Sound, von den beiden noch lebenden Pie-Mitgliedern Jerry Shirley und Peter Frampton hervorragend remastert, ist perfekt: Mit vollem Druck und hoher Transparenz donnert der Sound durch die Boxen – livehaftiger geht's kaum. „Rockin' The Fillmore“ ist das Paradebeispiel einer ungehobelten und gleichzeitig virtousen Rockshow auf höchstem Energielevel und steht gleichbedeutend neben Live-Klassikern wie „The Who – Live At Leeds“ und „Deep Purple – Live In Japan“. Ein Meisterwerk des 70er Classic Rocks!

THE BOOMTOWN RATS Classic Album Selection Universal

hh. Zwischen 1977 und 1984 veröffentlichten die Boomtown Rats sechs reguläre Studio-LPs ("The Boomtown Rats", "A Tonic For The Troops", "The Fine Art Of Surfacing", "Mondo Bongo", "V Deep" "In The Long Grass"), die in


ReReleases, Best Of, Tributes dieser Box als CDs wieder veröffentlicht werden. Für diejenigen, die die Boomtown Rats nicht (mehr) kennen und damit die Last der späten Geburt tragen müssen: das ist die Band, mit der „Live Aid-Macher“ Sir Bob Geldof ins musikalische Rampenlicht trat – damals allerdings noch ohne „Sir“ im Namen. Der grösste Hit der irischen New Wave Rocker, die seinerzeit noch unter „Punk“ kategorisiert wurden, dürfte allerdings auch heute noch jedem bekannt sein: „I Don't Like Mondays“ (1979) – ein Evergreen par excellence! Auch der Reggae-Rocker „Banana Republic“ (1980) hat sich bis heute in den Play Lists der Radiostationen gehalten. 1986 löste sich die Originalbesetzung der Band auf, kam jedoch 2013 wieder zusammen, spielten im Juni das Isle Of Wight Festival und supporteten die Toten Hosen ein paar Wochen später auf dem Seenland-Festival. Bis auf die zwei neuen Songs „The Boomtown Rats“ und „Back To Boomtown“, die man aber getrost vergessen kann, sind hier alle Songs des irischen Sextetts enthalten plus diverse BonusTracks. Wer bislang nur die verschiedenen Singles der Band kannte, ist gut bedient, sich diese Box zuzulegen. Denn nicht nur der attraktive Preis (ca. CHF 6.- per CD je nach Anbieter), sondern auch die grosse Anzahl (88 sind insgesamt enthalten) an tollen Songs, die nur auf den Original-Alben zu entdecken waren und bis heute nichts von ihrer Attraktivität und Gültigkeit verloren haben, wie beispielsweise „Lookin' After No. 1“, „Never Bite The Hand That Feeds“, „Like Clockwork“, „(I Never Loved) Eva Braun“, „Someone's Looking At You“ – um nur einige Perlen aus dem Rats-Katalog zu nennen – machen die Box zu einem MUST HAVE für jeden Fan britischer Rockmusik, für Sammler und Musikhistoriker sowieso.

NICK DRAKE Tuck Box (5 CD) Universal hh. Gerade mal 26 Jahre alt wurde der 1974 verstorbene britische Singer/ Songwriter. Er litt an schweren Depressionen und als Todesursache wurde eine Überdosis Antidepressiva festgestellt. Im Laufe seiner musikalischen Karriere nahm Drake drei reguläre Studioalben auf, die alle auf der Liste der „500 besten Alben aller Zeiten“ des Rolling Stone Magazins stehen. Zu Lebzeiten wurde ihm allerdings der grosse Erfolg nicht zuteil, lediglich Folk- und Singer/SongwriterFans verehrten den melancholischen Musiker zutiefst. Künstler wie Elton John, Norah Jones oder R.E.M. bezeichnen sein Schaffen als bedeutend und einflussreich für ihre eigenen Arbeiten. In dieser Box sind alle drei Studioalben enthalten, plus das 2004 veröffentlichte Compilation-Album „Made To Love Magic“ mit Studio-Outtakes, Remixed-Versionen und fünf Songs, die Drake eigentlich für sein viertes Album vorgesehen hatte. Die fünfte CD enthält 28 Songs, die vor Drake's erstem Studioalbum aufgenommen wurden. Jedes Album ist im Original-Cover enthalten, mit Booklet und dem dazugehörigen damaligen Verkaufsposter. „Tuck Box“ ist eine liebevoll aufgemachte Reminiszenz an einen dramatisch unterbewerteten Songwriter, dessen herausragende Klasse erst viel zu spät angemessen gewürdigt wurde. Für Liebhaber sparsamer, melancholischer und stiller Musik.

ERIC CLAPTON Give Me Strength The 74/75 Recordings Universal Diese beeindruckende Sammlung enthält nicht weniger als 29 Bonustracks – darunter 12 bisher unveröffentlichte Aufnahmen – aus der prägenden Phase zwischen April 1974 und Juni 1975, in der Eric Clapton seinen Platz als einer der legendärsten Gitarristen und Songwriter der Rockszene zurückeroberte und sogar noch ausbaute. «Give Me Strength» enthält erweiterte und neu gemasterte Versionen der beiden in dieser Zeit entstandenen und äußerst erfolgreichen Studioalben «461 Ocean Boulevard» und «There’s One In Every Crowd», sowie das folgende Livealbum «E. C. Was Here» (neu abgemischt und auf eine Doppel-CD aufgestockt) und eine CD mit der kompletten, sagenumwobenen «Freddie King Criteria Studios Session». Auf der sechsten Scheibe im Set, einer BluRay Disc, ist der 5.1 Surround Sound Mix von «46"1 und der original quadrofonische Mix beider Studioalben und des Livealbums. Dazu gibt es ein 60-seitiges Hardcover-Buch mit ausführlichen Liner-Notes und vielen raren Fotos. hh. Mit den All-Star-Alben „Duets” (11/1993) und „Duets II“ (11/1994) verabschiedete sich Duets – 20th Anniversary (2 CD) der große Frank Sinatra im Alter von 79 Universal Jahren recording Artist von seinem Publikum. Die Aufnahmen zu beiden Werken fanden von August bis September 1993 unter der Aufsicht des im März 2013 verstorbenen Produzenten Phil Ramone (Ray Charles, Paul Simon, Paul McCartney, Billy Joel, Bob Dylan, Elton John) statt und vereinen mehr als zwei Dutzend Duette mit Künstlerkollegen aus den verschiedensten Genres (u.a. Bono, Gloria Estefan, Luther Vandross, Barbra Streisand, Stevie Wonder, Willie Nelson, Chrissie Hynde, Neil Diamond, Liza Minelli, Linda Ronstadt, Julio Iglesias, Aretha Franklin, Luciano Pavarotti). Obwohl die Stimmen Sinatras und seiner Gäste getrennt voneinander aufgenommen und später zusammengemischt wurden (die Duett-Partner haben sich zu den Aufnahmen nicht getroffen!), galten die Duette als das „Event des Jahrzehnts“ mit Verkäufen von über vier Millionen allein in den USA. Nachdem die beiden „Duets“-Longplayer schon einmal zum 90. Geburtstag Sinatras als Sammlerausgabe neu auf den Markt gebracht wurden, geschieht dies nun noch einmal zu Ehren des 20. Jahrestags der Erstveröffentlichung. Dazu wurden die Alben in einem Digipak zusammengefasst, um fünf Bonus Tracks erweitertet und mit einem 32-seitigen Booklet ausgestattet. Auch erhältlich ist eine Super Luxus Ausgabe, die das Digipak um eine weitere CD mit „Classic Duets“, eine DVD mit Interviews sowie die Originalalben als 180-Gramm-VinylVersionen ergänzt. Unverzichtbar in jeder Sinatra-Sammlung.

SINATRA


LIVE REVIEWS SPAN Pratteln, Galery

20.9.13

Fotos: Rockpearl & Bluesdrop

bereits um einiges überschritten hatte. Rock'n'Roll war das jedenfalls nur noch im Ansatz. Der Grund für die neue Frische heisst Mätthu Nydegger und hat vor ein paar Jahren das OriginalMitglied Matti Kohli hinter den Drums abgelöst. Das SpanNesthäkchen hat den alten Recken einen gehörigen Tritt in den gründelnden Arsch verpasst und plötzlich klingt die ganze Band wieder energisch, kraftvoll und sprüht vor Spielfreude. Vergessen die Zeiten, als Span sich nur noch wie eine müde und uninspirierte Karikatur ihrer selbst präsentierte, angetrieben oder besser gesagt ausgebremst von einem Drummer, der auf dem langen Weg schon längst sein Feuer verloren hatte. Rausschmeissen konnte man ihn ja nicht, schliesslich war er Gründungsmitglied und zugleich Bruder von Bassist/Sänger Christoph Kohli. Sein Ausstieg war also absolut kein Verlust, sondern Befreiungsschlag und Frischzellenkur für die drei verbliebenen Musketiere. Der wiederentdeckte Spass an der Arbeit war der Band in jedem Song deutlich anzusehen und anzuhören. Selbst die alten Span-Klassiker strahlten in neuem Licht. Es macht wieder Spass, die Berner Truppe auf der Bühne zu erleben und in dieser Form hält das Quartett problemlos den Vergleich mit Mundart-Bands der jüngeren Generationen statt. Auf dem Vorteil, im Vergleich zu ihren jüngeren Mitbewerbern einfach viel mehr Hits und sogar Volksliedgut („Louenesee“) im Gepäck zu haben, müssen sich Span heute nicht mehr ausruhen. Sie haben wieder etwas zu sagen, und das sagen sie laut, direkt und mit Nachdruck.

hh. Konzerte der Berner Mundart-Rock'n'Roller in der Nordwestschweiz sind ungefähr so häufig wie ein 6er im Lotto. Wobei Gitarrist Schöre Müller anmerkt, dass seine Band im Laufe der mittlerweile knapp 40-jährigen Karriere auch noch nie in Basel gespielt hat. Berner Mundart scheint am Rheinknie nicht angesagt zu sein. So erklärt sich auch der überschaubare Publikumsaufmarsch in Pratteln. Span gastierten dort, um nebst ihren bekannten Hits Songs aus dem neuen Album „Rock'n'Roll Härz“ vorzustellen. Und so wurde denn auch die Mehrzahl der neuen Songs gleich im ersten Set (von 2) präsentiert. Auffallend dabei war, dass (für Span) moderne Ingredienzien wie Drum-Samples zwar erstaunten, jedoch keineswegs aufgesetzt klangen. Wie überhaupt auffiel, dass die Band plötzlich nach all den Jahren punktgenau und straight abrockte und selbst die bekannten Balladen erdig und mit einem gesunden Härtegrad daher kommen. Das ist etwas, was der Band über all die Jahre schmerzlich abging. Klar, Span haben jede Menge Fans und Klasse-Songs im Gepäck, live jedoch kamen sie immer sehr zahm, um nicht zu sagen zahnlos (jedenfalls die letzten Jahre) daher und man konnte den Eindruck gewinnen, dass die Truppe ihre Haltbarkeitsfrist

SEETHER

Zürich, Plaza

12.11.13

Text und Fotos: Mario Hug

Dienstagabend, es ist Mitte November und saukalt. Immerhin hat der Ceaser-Salad (nicht zu verwechseln mit dem SeetherSalad) im Hooters gemundet. Das ist aber nicht der Grund für den Ausflug nach Zürich. Seether laden nämlich heute zu einem „Intimate Evening“ im Plaza. Eigentlich gibt es jetzt nur zwei Möglichkeiten, entweder es wird ein „intimer Abend“ im kleinen Rahmen, da das Plaza nur 500 Leute fasst, oder aber es wird ein Akustik-Set von Seether sein. Ich bete für ersteres. Wohl aber zum falschen Gott. (Ronny James Dio, wieso tust du mir das an?) Als der Guitar-Tech mit der Akustik-Gitarre über die Bühne huscht, da merkt die Meute im ausverkauften Plaza, was in den nächsten Minuten wohl auf sie zukommt. Seether sind grossartig, auch akustisch. Aber ich hätte mir gerne eine richtige Show mit allem Drum und Dran gewünscht. Soweit meine Gedanken vor der Show. Ca. 90 Minuten vorgespult hören sich meine Gedanken in etwa so an: Meine Fresse, war das geil! Shaun Morgan (neuerdings mit kurzen Haaren) und seine beiden Mitstreiter Dale Stewart am Bass und John Humphrey an den Drums servierten einen Mix an Songs aus ihrer 11-jährigen Karriere. (Quasi einen Seether-Salad... muahaha!)

56

Ganz klar, beim Song „Broken“, dem bislang kommerziell erfolgreichsten Song der Band sah mal deutlich am meisten Displays auf die Bühne gerichtet. An dieser Stelle sei mal kurz gesagt: Leute, lasst doch den Scheiss. Erstens sehe ich vor lauter Displays kaum noch die Band und zweitens, solche Aufnahmen werden doch immer schlecht. Und anschauen tut man sich das doch auch höchsten keinmal. Also macht euch und mir doch einen Gefallen und geniesst einfach die Show! Die akustische Version von „Fake It“ wurde sensationell performt, im Refrain wo bei der Album-Version jeweils fast gebrüllt wird, gab es heute sanfte Töne. Weitere Highlights waren die Songs „Rise Above This“ und „Tonight“. Die Drei brachten hier so viel Druck und Energie über die Boxen, dass ich zwischendurch völlig vergass, dass ich an einer AkustikShow bin. Wirklich ganz grosses Kino. Als Shaun Morgan dann noch den Nirvana-Song „Polly“ zum Besten gab, hätte man glatt meinen können Mr. Cobain würde da singen, fast erschreckend diese Ähnlichkeit. Ein wirklich gelungener Abend auch wenn ich gerne noch die akustische Version von „Seether“ gehört hätte. Hoffentlich nächstes Mal, vielleicht ist es dann kein „Intimate Evening with Seether“ mehr, und wenn doch, dann soll mir das noch so recht sein.


PENTAGRAM

Pratteln, Z7

5.10.13

Text und Fotos: Marko Lehtinen

leh. Es ist gar nicht so lange her, da war man froh, wenn Bobby Liebling überhaupt auf einer Bühne erschien und dann nicht gleich nach dem ersten Song umkippte. Vor wenigen Jahren war er noch schwer heroinabhängig. Die Fans kennen diese Geschichte spätestens seit dem bekannten Dokumentarfilm «Last Days Here». Aber die Fans wissen auch, dass diese Zeiten vorbei sind. Seit der Frontmann von Pentagram clean ist, kann man an angekündigten Konzerten fest mit seiner Präsenz rechnen. So auch am ersten «Up In Smoke»-Festival in Pratteln, wo Pentagram nach einem zwölfstündigen Stoner-Marathon nach Mitternacht als Hauptact die Bühne betraten. Als Liebling und seine Band im zum Opener «Treat Me Right» ansetzten, war das zahlreiche Publikum zwar nicht müde, aber nach dem ganztägigen Stonergedöns doch etwas matt. Dennoch vermochte der Derwisch aus Virginia sein Publikum zu packen. Wie es seine Fans von ihm erwarten, zog Liebling vom ersten Moment an seine schräge Bühnenshow durch. Er rollte die Augen, tänzelte zweideutig um den Gitarristen und quittierte seine wirren, zum Teil anzüglichen Ansagen mit schelmischem Kichern. Viel wichtiger aber: Bobby Liebling war auch musikalisch präsent. Er erwies sich als konzentriert und stimmlich auf der Höhe. So legten das Doom-Urgestein, sein Bassist Greg Turley, der Schlagzeuger Sean Saley und der neue Gitarrist Matt Goldborough an diesem Abend in Pratteln ein sehr solides Set hin. Besonders auf Goldborough blickte das Publikum dabei mit Argusaugen, hat er doch erst kürzlich den langjährigen Immer-wieder-Gitarristen Victor Griffin ersetzt. Doch der neue Mann an den Saiten machte seinen Job sehr gut. Er spielte nicht allzu auffällig, aber erdig und groovig – was Griffin für einen Moment durchaus vergessen machte. Zwölf Songs und zwei Zugaben umfasste das Konzert. Dabei zeigten Pentagram einen Querschnitt ihres über 40-jährigen Schaffens - mit Schwergewicht auf dem ersten Album «Pentagram», besser bekannt unter dem Wiederveröffentlichungs-titel «Relentless». Fast die Hälfte des Sets bestand aus Nummern des legendären Debüts, besonders druckvoll wirkten «Sign Of The Wolf» und «All Your Sins». Daneben waren vor allem das 94er-Album «Be Forewarned» mit «Ask No More», «Petrified» und dem Titelsong sowie das schwache neuste Studiowerk «Last Rites» von 2011 mit ebenfalls drei Songs gut vertreten. Ganz ausgeblendet wurden im Repertoire dagegen die Nullerjahre. Weder von «Show 'em How» noch von «Sub-Basement» spielte das Quartett auch nur eine einzige Nummer - was vor allem im Bezug auf das hervorragende, von Joe Hasselvander geprägte «SubBasement» von 2001 mehr als schade war. Insgesamt stimmte an diesem Abend aber der Spannungsbogen - und Bobby Liebling stand auch bei der zweiten Zugabe nach rund anderthalb Stunden noch immer wacker auf der Bühne. Das Publikum bedankte sich bei seinem Helden nach der letzten Zugabe «20 Buck Spin» zu vorgerückter Stunde mit der gebührenden Hingabe... zu Recht!


LIVE REVIEWS QUEENSRYCHE Aarburg, Moonwalker

Foto: Sonja Vaucher

29.10.13

mv. Die einstige Stadionband Queensryche spielte ihr Schweizer Konzert dieser Tour im kleinen Moonwalker Club in Aarburg, wer hätte das vor 20 Jahren für möglich gehalten ? Der Club ist so klein, dass es weder einen Fotograben noch eine Absperrung vor der Bühne gibt und auch ein Backdrop oder eine anständige Light-Show mussten ausfallen. Dass Queensryche mittlerweilen ihre Jahrhundertklassiker so darbieten müssen, hat natürlich einige Gründe. Angefangen bei den vielen mittelmässigen bis richtig schlechten Alben seit „Promised Land“ bis hin zum Split mit Sänger Geoff Tate, welcher nun vor Gericht noch um den Bandnamen kämpfen wird (und selber auch noch eine QueensrycheAllstar Band am Start hat), die meisten Fans hatten die Band längst abgeschrieben. Nun sind aber Queensryche, die Band um Michael Wilton (g), Eddie Jackson (b), Scott Rockenfield (d), Parker Lundgren (g) sowie Sänger Todd La Torre (ex-Crimson Glory) mit einem tollen Album und einer „Klassiker“-Tour zurück und wollen viel Boden wieder gut machen. Und so konnte man Ende Oktober in Aarburg diese grandiose Band in Club-Atmosphäre mit einer unfassbar geilen Setlist in vollen Zügen geniessen. Das Moonwalker war brechend voll und die Menge erstmal erstaunt, dass zu früher Stunde direkt Queensryche loslegten und keine Support-Band anwesend war. Bei einem Opener wie dem Überklassiker „Queen Of The Reich“ ist aber der Ärger darüber in Sekunden verflogen. Und Todd machte gleich von Anfang an klar, dass er auch die schwierigsten Songs der Band locker drauf hatte. Die nachfolgenden „Speak“, „Walk In The Shadows“ und „The Whisper“ zeigten überdeutlich, dass ein denkwürdiger Abend bevorstand und niemand heute Geoff Tate vermissen würde. Es war eine ähnliche Situation wie damals bei den ersten Konzerten von Judas Priest mit Ripper Owens am Gesang, wo man ebenfalls einen Klassiker um den anderen mit perfektem Gesang und viel Leidenschaft dargeboten bekam. Nur, dass hier im Gegensatz zu Judas

Priest die letzten essentiellen Alben und Konzerte eine Ewigkeit her sind und deshalb die Begeisterung ob der vielen Klassiker einfach nur riesig war. Es war herrlich, dass man musikalische Grosstaten wie „En Force“, „Child Of Fire“, „Warning“, „NM 156“ oder „Take Hold Of The Flame“ einmal live geniessen durfte, und dies nur ein paar Meter von den Musikern entfernt. Und diese, allen voran die legendären Scott Rockenfield und Michael Wilton, begeisterten mit herrlicher Spielfreude und atemberaubendem Können. Drei neue Songs hatten es ebenfalls auf die Setlist geschafft („Where Dreams Go To Die“, „A World Without“ und “Fallout”) und machten nicht mal eine allzu schlechte Figur, aber das Publikum wollte natürlich lieber weitere Klassiker hören und wurde mit Hook-Monstern wie „Eyes Of A Stranger“, „Jet City Woman“ oder „Empire“ entsprechend zur Verzückung gebracht. Absoluter Höhepunkt des Gigs und war klar das epische, extrem atmosphärische Monumentalwerk „Roads To Madness“. Da flossen doch einige Freudentränen. Alles in allem ein perfekter Siegeszug der klar besseren Queensryche-Variante, welche ganz sicher keinen Fan enttäuscht nach Hause schickte. Jetzt fehlt nur noch das entsprechende Gerichtsurteil, den Namen offiziell und alleine benützen zu dürfen sowie ein nächstes Studioalbum, welches sich tatsächlich mit den ersten 5 Alben messen kann. Das Potential ist klar vorhanden, wir warten mal gespannt der Dinge, die da noch kommen werden.

BARONESS, ROYAL THUNDER Aarau, Kiff

16.10. 2013

Fotos: Laurent Giovanoli

lg. An diesem Mittwochabend strömen die Fans zahlreich ins Kiff, denn es handelt sich bei diesem Gig um den einzigen Auftritt in der Schweiz der derzeit recht angesagten Baroness, welche mit dem Doppel-Album "Yellow & Green" ein grosses Ausrufezeichnen setzen konnten. Nach dem schlimmen Busunfall im Sommer 2012 und Besetzungswechseln sowohl an Bass und Schlagzeug war die Spannung gross, wie weit John Baizley (v., git.) und Peter Adams (git.) wieder genesen sind und wie sich die neuen Mitglieder integrieren. Doch nun alles der Reihe nach: Eröffnet wurde der Abend von Royal Thunder, welche mit Sängerin MLny Parsonz (auch Bass) ihr Aushängeschild hat. Es wurden Songs des bisher einzigen Albums „CVI“ (2012) sowie der selbstbetitelten EP (2010) gespielt, welche zwar progressiv und interessant aufgebaut sind, doch mit der Zeit etwas gleichförmig daherkommen. Aber Royal Thunder wurden wohlwollend aufgenommen, was auch an der passionierten Darbietung der Band gelegen haben wird. Mit dem packenden letzten Song konnte die Band zudem einen guten Schlusspunkt setzen. Nach einer kurzen Pause legen John, Peter mit ihren neuen Mitstreitern Nick Jost (bs.) und Sebastian Thomson (dr.) los und das Publikum geht sofort gut mit. In Sachen Farbenspektrum geben Baroness vor allem Songs der aktuellen Scheibe "Yellow & Green" (wie "March To The Sea","Take My Bones Away", "Cocaimium", "Green Theme" oder "Board Up The House") sowie des Zweitlings "Blue Records" (wie "The Sweetest Curse" oder "Jake Leg") zum Besten. Die Songauswahl ist sehr geschickt getroffen: schnelle Songs wechseln sich mit ruhigeren Tracks ab, auch die Abwechslung zwischen Songs mit einem guten Flow und sehr progressiven Stücken wird geschickt

58

BARONESS umgesetzt. Das kultige "Red Album" kommt allerdings nur mit dem abschliessenden und siebzehnten Song "Isak" zum Zug. John Baizley scheint es sichtlich zu geniessen wieder auf den Bühnen dieser Welt zu stehen und die schwierige Zeit seit dem Busunfall gut überstanden zu haben. Er tobt sich während der gesamten Show auch entsprechend aus und wird vom sehr starken Line-Up auch grandios unterstützt. Diese Show zeigt klar und deutlich, dass Baroness all die Lorbeeren verdient erhalten haben. Im Fazit kann von einen spannenden, abwechslungsreichen und energiegeladenen Konzertabend im wunderschönen Kiff in Aarau gesprochen werden.

ROYAL THUNDER


LIVE REVIEWS AMON AMARTH, CARCASS, HELL mv. Ein absolutes Killer-Package wurde für diesen Abend in Zürich ge-schnürt, denn mit Carcass als Vertreter der alten Death/Grind-Schule und Amon Amarth als Könige der aktuellen Death Metal Szene verban-den die Veranstalter absolut perfekt alt und neu. Die NWoBHM-Recken von Hell waren als Bonusbombe noch dazu eingeladen worden, wur-den aber leider aufgrund des Freitagabend-Verkehrschaos zwischen Bern und Zürich vom TRACKSJournalisten verpasst. Carcass feierten kürzlich mit dem zu Recht hochgelobten „Surgical Steel“-Album eine fulminante Rückkehr in die Metal-Szene. Dass die Band auch live von vielen Fans zurück ersehnt wurde, zeigte sich heute Abend sehr deutlich. Der Auftritt der Briten wurde zu einem wahren Triumphzug. Mit dem riesigen Coverartwork des aktuellen Albums im Rücken legten die Jungs um Frontmann und Chefpathologe Jeff Walker mit „Buried Dreams“ los wie die Feuerwehr. Bretthart aber trotzdem immer melo-disch und vor allem technisch hochstehend wurden Klassiker-Grana-ten wie „Incarnated Solvent Abuse“, „Corporal Jigsore Quandary“ oder „Genital Grinder/Exhume To Consume“ sowie die „Heartwork“-Gross-taten „This Mortal Coil“ und „Heartwork“ ins dankbare Publikum ge-schmettert. Die Matten flogen und die Begeisterung liess auch bei den paar einstreuten Songs vom erwähnten Comeback-Album nicht nach, was doch sehr für die Band und ihre Reunion spricht. Alles in allem war der Auftritt leider viel zu kurz und die meisten anwesenden Headbanger hofften, dass es bald eine würdige Headliner-Tour von Carcass geben wird. Amon Amarth sind einer der wenigen Acts, die es in die Oberliga der aktuellen Metal-

Aarburg, Moonwalker

Foto: Ian Keates

Szene geschafft haben. Die Band hat sich diesen Status aber auch mehr als verdient, schliesslich sind die Nord-männer seit Jahren konstant auf ausgedehnten Tourneen unterwegs und haben zudem ein Hammeralbum nach dem anderen veröffentlicht. Deshalb mag man es der Band auch gönnen, dass das Komplex heute ausverkauft ist und die Fans trotz grandioser Vorband jetzt erst recht die Halle in ein Tollhaus verwandeln. Als Amon Amarth mit „Father Of The Wolf“, „Deceiver Of The Gods“ und dem Megahit „Death In Fire“ losbret-tern steigt in Zürich jedenfalls die Death Metal-

29.10.13 Party des Jahres. Der Sound ist ultra fett, die Bühne wird entweder in komplett blaues, rotes oder grünes Licht getaucht und Trockeneis-Salven lassen Fronthühne Johan Hegg und seine Mannschaft noch mächtiger aussehen. Das neue „As Loke Falls“ wird genauso abgefeiert wird der Hit „Runes To My Memory”, bei dem stimmungsvolle, leuchtende Runensteine auf die Bühne gestellt werden. Beim eingängigen “Guardians Of Asgaard“ steht die Halle dann endgültig Kopf. Das Publikum singt und grölt bis in die letzte Reihe kräftig mit, wie man es in der Schweiz echt selten an Konzerten erlebt. Wikinger-Häuptling Johan kriegt dann folgerichtig auch das Grinsen kaum aus dem Gesicht, obwohl er immer wieder versucht, den Lyrics und Songs entsprechend grimmig dreinzuschauen. Seine tolle Interaktion mit dem Publikum und die teils deutschen Ansagen wirken dann auch extrem sympathisch. Die Band agiert mit unglaublicher Wucht und die Songs knallen von der Bühne ins Publikum wie eine unaufhaltsame Dampfwalze. “Destroyer Of The Universe” und “Cry Of The Black Birds” sind weitere Highlights und lassen die Zeit bis zum Showende nur so verfliegen. Es fehlen doch noch so viele geile Songs, allen voran das epische Meisterwerk „Embrace Of The Endless Ocean“ welches doch sehr vermisst wird. Zum Glück gibt es im Zugabenteil mit der melodischen MetalHymne "Twilight Of The Thunder God" sowie dem wohl grössten Amon Amarth Hit „The Pursuit Of Vikings“ (DAS Death Metal Riff schlechthin) doch noch zweimal kollektives Rübe schütteln und Ausrasten, bevor sich die Band nach 90 Minuten völlig verschwitzt vom glücklichen und einmal mehr extrem lauten Publikum verabschiedet.


KONZERTKALENDER

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ADRIAN STERN

BOMBINO

15.3. Luzern, Schüür

10.1. Luzern, Schüür

16.2. Aarau, Kiff

16.3. Solothurn, Kofmehl

18.1. Pratteln, Z7

BOOTSY COLLINS

19.3. Zürich, Kaufleuten

24.1. Zürich, Härterei

22.2. Zürich, Kaufleuten

20.3. Baden, Nordportal

31.1. Solothurn, Kofmehl

BÜNE HUBER

21.3. Nyon, Usine a Gaz

7.2. Herisau, Kasino

14.2. Luzern, Schüür

22.3. Rubigen, Mühle Hunziken

8.2. Chur, Marsöl

BULLET

25.4. Wohlen, Chappelehof

28.2. Schaffhausen, Kammgarn

29.1. Pratteln, Z7

26.4. Winterthur, Albani

1.3. Brugg, Salzhaus

BULLET FOR MY VALENTINE

22.5. Dübendorf, Obere Mühle

ALBI DONELLIs SUPERCHARGE

12.2. Zürich, Komplex 457

23.5. Thun, Konzepthalle 6

24.1. Zug, Chollerhalle

CHIMAIRA

24.5. Meilen, Musig am Zürisee

ANGELIQUE KIDJO

10.3. Luzern, Schüür

6.6. Gysenstein, Chäsi

4.3. Zürich, Volkshaus

CLIFF RICHARD

HOWIE GELB

7.3. Solothurn, Kofmehl

19.5. Zürich, Hallenstadion

18.2. St. Gallen, Grabenhalle

ARCHITECTS

CRYSTAL ANTLERS

24.2. Zürich, El Lokal

13.4. Solothurn, Kofmehl

21.2. Fri-Son, Fribourg

INA MÜLLER & BAND

BABY JAIL

DEPECHE MODE

8.2. Zürich, Volkshaus

1.2. Basel, Kaserne

14.+15.2. Zürich, Hallenstadion

IRA MAY

7.2. Luzern, Schüür

DEVIL DRIVER

8.2. Rubigen, Mühle Hunziken

8.2. Zürich, Bogen F

28.3. Fribourg, Fri-Son

JAMES ARTHUR

14.2. St. Gallen, Grabenhalle

29.3. Aarau. Kiff

11.2. Zürich, Kaufleuten

28.2. Zofingen, Alass

DREAM THEATER

JAMES BLUNT

1.3. Rubigen, Mühle Hunziken

27.1. Zürich, Volkshaus

17.3. Zürich, Hallenstadion

BACKSTREET BOYS

EMP PERSISTANCE TOUR 2014:

JAMES BROWN TRIBUTE SHOW

19.3. Zürich, Hallenstadion

SUICIDAL TENDENCIES, TERROR,

4.1. Zug, Chollerhalle

BARCLAY JAMES HARVEST

EVERGREEN TERRACE, STRIFE

JASON DERULO

1.4. Solothurn, Kofmehl

22.1. Solothurn, Kofmehl

9.3. Zürich, X-Tra

BASTIAN BAKER

ERIC BURDON & THE ANIMALS

JOE BONAMASSA

16.3. Luzern, Schüür

24.4. Zürich, Volkshaus

5.3. Basel, Musical Theater

BATTLEFIELD BAND

FETTES BROT

JOHN MAYALL

15.1. Schaffhausen, Kammgarn

26.1. Zürich, Komplex 457

11.3. Solothurn, Kofmehl

BEN HARPER

FIVE FINGER DEATH PUNCH

12.3. Zürich, Volkshaus

7.5. Luzern, KKL

19.3. Zürich, Komplex 457

JUSTIN TIMBERLAKE

BLACK REBEL MOTORCYCLE CLUB

FOX

14.4. Zürich, Hallenstadion

27.2. Zürich, Komplex 457

17.1. Zug, Chollerhalle

KASHMIR

BLACK SABBATH

GAVIN DeGRAW

10.1. Winterthur, Salzhaus

20.6. Zürich, Hallenstadion

15.3. Zürich, Kaufleuten

11.1. Aarau, Kiff

BLIGG

GEORG RINGSGWANDL

KODALINE

21.02. Zofingen, Mehrzweckhalle

12.4. Rubigen, Mühle Hunziken

19.+20.1. Zürich, Komplex 457

22.02. Frauenfeld, Rüegerholz

24.1. Zürich, Kaufleuten

KONSTANTIN WECKER

28.02. Basel, St. Jakobshalle

GLORIA

25.+26.3. Zürich, Volkshaus

01.03. Bern, BernExpo - Festhalle

21.3. Zürich, Kaufleuten

LAIBACH

5.-8.03. Zürich, Volkshaus

HEATHER NOVA

6.3. Luzern, Schüür

13.03. St. Gallen, Messe

9.3. Solothurn, Kofmehl

LAMB OF GOD

14.03. Chur, Stadthalle

14.3. Luzern, Schüür

8.1. Zürich, Komplex 457

15.03. Luzern, Messe - Halle 2

HEAVENS BASEMENT

LAURA PAUSINI

21.03. Brig, Simplonhalle

20.4. Luzern, Schüür

6.2. Zürich, Hallenstadion

22.03. Huttwil, Sportzenter

HEIDI HAPPY

LINDI ORTEGA

BOMBAY BYCICLE CLUB

13.3. Lyss, Kufa

25.2. Zürich, Kaufleuten

19.2. Zürich, Mascotte

14.3. Zug, Chollerhalle

LISA STANSFIELD 8.5. Zürich, Volkshaus

60


KONZERTKALENDER LISSIE

RHINO BUCKET

SPORTFREUNDE STILLER

29.3. Zürich, Härterei

1.3. Solothurn, Kofmehl

23.1. Luzern, Schüür

LOS VAN VAN

RITSCHI

STEEL PANTHER

29.5. Zürich, Kaufleuten

23.3. Murten, Hotel Murten

4.3. Zürich, Komplex 457

MARIA MENA

28.3. Baden, Nordportal

STEPHEN MALKMUS & THE JIGS

1.2. Zürich, Volkshaus

25.4. Solothuern, Kofmehl

25.1. Fri-Son, Fribourg

MARIUS MÜLLER-WESTERNHAGEN

26.4. Pratteln, Z7

STEVE HACKETT

12.4. Zürich, Volkshaus

2.5. Luzern, Schüür

13.5. Basel, Eventhalle

METALLICA

10.5. Rubigen, Mühle Hunziken

SUICIDAL TENDENCIES uvm

4.7. Basel, St.Jakob

ROBERT CRAY BAND

22.1. Zürich, Komplex 457

MICHAEL BUBLE

31.5. Zürich, Kaufleuten

THE BASEBALLS

15.1. Zürich, Hallenstadion

RUFUS WAINWRIGHT

23.4. Zürich, Kaufleuten

MILEY CYRUS

31.3. Zürich, Volkshaus

29.4. Bern, Bierhübeli

7.6. Zürich, Hallenstadion

SAVOY BROWN

30.4. Lausanne, Les Docks

MISS MAY I

2.5. Aarburg, Moonwalker

THE BEACH BOYS

19.2. Solothurn, Kofmehl

3.5. Rubigen, Mühle Hunziken

27.6. Zürich, Kongresshaus

MONSTER MAGNET

7 DOLLAR TAXI

THE DEEP DARK WOODS

3.2. Zürich, Komplex 457

1.2. Luzern, Schüür

20.2. Zürich, Komplex Club

MOTÖRHEAD

SIDO

THE DREADNOUGHTS

27.6. Wetzikon, Eishalle

2.4. Zürich, Volkshaus

16.1. Zürich, Komplex Club

MY HEART BELONGS TO CECILIA

SIMPLE MINDS

THE KARIBU

WINTER, THE BIANCA STORY

26.2. Bern, Expo-Halle 4

28.2. Bern, Mahagony

24.1. Schaffhausen, Kammgarn

SKUNK ANANSIE ACOUSTIC

8.3. Basel, Kaserne

MYRON

17.3. Zürich, Volkshaus

28.3. Stäfa, Rössli

30.1. Solothurn, Kofmehl

SLAM & HOWIE

12.4. Gams, S-Event

1.2. Rubigen, Mühle Hunziken

17.01. Winterthur, Gaswerk

THE TREATMENT

6.2. Zürich, Escher Wyss

24.01. Biel/Bienne, Eldorado

23.2. Luzern, Schüür

13.2. Schaffhausen, Kammgarn

25.01. Olten, Coq d'Or

THE WEYERS

22.2. Zug, Chollerhalle

31.01. Basel, Alte Schmitte

23.1. Baden, Nordportal

21.3. Magden, Rocknight

01.02. Bern, Dead End

TRANS SIBERIAN ORCHESTRA

10.4. Lyss, Kufa

07.02. Baden, Nordportal

29.1. Zürich, Hallenstadion

NAVEL

14.02. Gstaad, Jam (Saanen Pub)

TREEKILLAZ

21.2. Bern, Gaskessel

15.02. Altdorf, Vogelsang

25.1. ollbrück, Rocknacht

NINE INCH NAILS

21.02. Luzern, Tschuppis Wonder

TWIN FORKS

4.6. Zürich, Hallenstadion

01.03. Zug, Galvanik

1.4. Zürich, Papiersaal

OF MONTREAL

06.03. Pontresina, Pitschna Scen

WALLIS BIRD

26.2. Fri-Son, Fribourg

07.03. Altnau, S-KA

13.5. Zürich, Ziegel Au Lac

ONE REPUBLIC

14.03. Bern, Wohnzimmer

WOLFMAN WASHINGTON

19.2. Bern, Expo-Halle

15.03. Oberentfelden, Böröm

5.4. Zürich, Kaufleuten

PAT METHENY UNITY GROUP

21.03. Entlebuch, Due

WISHBONE ASH

25.5. Zürich, Kongresshaus

22.03. Ins, Schüxenhaus

20.2. Burgdorf, Casino Theater

PILOMOTOR

28.03. Brig, Perron1

21.2. Zug, Chollerhalle

31.1. Zug, Rathauskeller

29.03. Winistorf, Estrich

22.2. Rubigen, Mühle Hunziken

POLO HOFER & DIE BAND

25.04. Rubigen, Mühle Hunziken

WITHIN TEMPTATION

23+24.5. Rubigen Mühle Hunziken

26.04. Lausanne, Tacos

16.3. Zürich, Club Hallenstadion

PRONG

SPAN

YES

9.4. Aarau, Kiff

16.1. Solothurn, Kofmehl

14.5. Zürich, Volkshaus

REA GARVEY

17.1. Lenzburg, Baronessa

2RAUMWOHNUNG

24.3. Zürich, Kaufleuten

24.1. Münchenbuchsee, Bäre

12.3. Solothurn, Kofmehl

25.1. Hasliberg, Wetterhorn

präsentiert

27.1. Zürich, Volkshaus

3.2. Zürich, Komplex 457

12.2. Zürich, Hallenstadion

SKUNK ANANSIE 17.3. Zürich, Volkshaus

23.3. Zürich, Hallenstadion

23.4. Zürich, Kaufleuten 29.4. Bern, Bierhübeli 30.4. Lausanne, Les Docks 61


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BABY JAIL «Grüsse Aus Dem Grab» CD

CHINA «We Are The Stars»

CD

KONZERT-TICKETS: je 2 x 2 Tickets für

SUNRISE AVE. 12.Februar 2014 Zürich, Hallenstadion

SKUNK ANANSIE ACOUSTIC 17. März 2014 Zürich, Volkshaus

ROCK MEETS CLASSIC 23. März 2014 Zürich, Hallenstadion

ERIC CLAPTON «Give Me Strength The 74/75 Recordings» Box Set (5 CDs + 1 BluRay + Buch)

Wunschartikel auf eine Postkarte schreiben und einsenden an: TRACKS -Wettbewerb-, Postfach 108, 4323 Wallbach oder eine E-Mail an: Info@tracks-magazin.ch Die Gewinner werden ausgelost

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Redaktionsanschrift: TRACKS Magazin Postfach 108 CH- 4323 Wallbach T +41 61 861 03 73 info@tracks-magazin.ch www.tracks-magazin.ch Erscheinungsweise: 2-monatlich (6 Ausgaben/Jahr) Inserate:

66

Beatrix Schmocker beatrix@tracks-magazin.ch T +41 (0)79 797 35 81

Mitarbeiter Redaktion: Daniel Strub (ds) Cristina Vega (cv) Erika Moser (em) Inga Pulver (ip) Marion Gross (mg) Martin Eyer (mey) Michael Greilinger (mg) Regina Kühni (rk) Christian Hug (hug) Michael Vaucher (mv) Robert Pally (rp) Laurent Giovanoli (lg) Nadine Lehtinen (nl) Marko Lehtinen (leh) Ian Keates (Foto) Rockpearl&Bluesdrop (Foto)

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TRACKS 1 14 (Januar/Februar)  

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