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Inhalt 40

RAMS

Mit den Bucks schrieb er helvetische Musikgeschichte und lieferte den Soundtrack zu den damaligen Opernhauskrawallen. Jetzt gibt es einen Film über das Leben des Punkrockers. Rams im Interview.

FEATURES / INTERVIEWS: - LYNYRD SKYNYRD/ MOLLY HATCHET

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Southern Rock Dinos

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MOON & STARS

Das einzigartige Tessiner Open Air vor malerischer Kulisse wartet auch in diesem Jahr mit einem Programm der Superlative auf.

- EUROPE - BLINK 182

11 13

- PETER MAFFAY

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Am Summersound Sursee

SONISPHERE

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Metal am See! Mit den Headlinern METALLICA, SLAYER und MOTÖRHEAD kommt das Festival dieses Jahr nach Yverdon.

- CHARLOTTE GAINSBOURG

18

- MÖTLEY CRÜE / SLASH

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- EARSHAKER DAY - OPEN AIR WAVEJAM / OPEN QUER ZELL - GODSMACK - GUNS ‘N’ ROSES

24

- AXEL RUDI PELL

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25 36 38

Das deutsche Metal-Phänomen

- HUGH LAURIE

Hier liegt

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Dr. House hat den Blues

SWISS SOUNDS:

für dich zur Mitnahme bereit Editorial Gratis - alle 2 Monate neu

- DISGROOVE

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- STEFANIE HEINZMANN

49

- alle MEDIA MÄRKTE - alle SATURN MÄRKTE - alle POLO Shops - Musikhäuser - CD-Shops - div. Ticket-VVK-Stellen - Szenetreffpunkte (Restaurants, Beizen, Live-Clubs) - einfach überall da, wo die Musik spielt

Walliser Power

- LOVEBUGS

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im Interview

Du möchtest auch gern in deinem Lokal auflegen? Kein Problem! Schick einfach eine Mail an: info@tracks-magazin.ch oder per Telefon: 061 861 03 73 Wir liefern frei Haus

LIVE REVIEWS: - STEEL PANTHER 58 CORROSION OF CONFORMITY - PAUL McCARTNEY 59

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www.tracks-magazin.ch CD

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Mainstream/Indie/Alternative

44 Swiss

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Züri West, Stefanie Heinzmann, Rita Hey, Moro, 69 Chambers, Disgroove, Famara, Gloria Volt, Neckless, Kummerbuben, Min King, Wilde, Lovebugs, Es Brennt Was Tun, Boys On Pills ...

Rebecca Ferguson, Katie Melua, Jethro Tull, The Cult,Madonna,Paul Weller, Unheilig, Tenecious D, Birdy, Goodbye Fairbanks ... -

28 Hard/Heavy/Metal Moonspell, Europe, Ministry, Unisonic, Soulfly, Running Wild, Jeff Scott Soto, Before The Dawn, Axel Rudi Pell, Overkill, Angel Witch, Mencea ...

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52 Blues / Soul Jimmy Bowskill, Rob Tognoni, Eric Bell, John Mayall, Stevie Cochran,Walter Trout, Giles Robson, Travers & Appice...

- 56 DVD Joe Bonamassa, Queen, Santana, Styx, Iron Maiden, The Doors, Golden Earring, Sunrise Ave, B.B. King

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Konzertkalender Wettbewerb / Impressum

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CD Mainstream/Indie/Alternative KISS KISS BANG BANG Kaboom! Bad Reputation/Nonstop

A Star is born

REBECCA FERGUSON Heaven Sony hh. Die letztjährige Finalistin der britischen Casting-Show „X-Factor“ begeisterte die britischen Musikliebhaber eindrücklich. Zwar erreichte sie „nur“ den zweiten Platz, aber ihre Karriere dürfte mit diesem Album die vom XFactor-Gewinner Matt Cardle bei weitem übertreffen. Denn Ferguson hat weitaus mehr zu bieten als der normale Gewinner einer derartigen CastingShow, nämlich musikalische Eigenständigkeit, eine Stimme mit hohem Wiedererkennungswert und Charisma ohne Ende. Zudem zeichnet sich die Sängerin auch als hervorragende Songwriterin aus, an allen hier enthaltenen Songs ist sie als Autorin beteiligt. Eine wichtige Voraussetzung, um die eigene Musik glaubhaft und authentisch zu präsentieren. Ferguson ist im Soul und R&B zu Hause, und selbst wenn es in den 70s-Disco-Bereich geht („Diamond To Stone“), orientiert sie sich nicht an europäischer Giorgio Moroder Plastikware, sondern lotet eindrücklich die Tiefen der Motown- und Stax-Grooves aus. Bei den

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meisten Songs ist als CoWriter Eg White aufgeführt, der schon für Grosstaten von Adele und Duffy verantwortlich zeichnete. Schwachstellen gibt es hier praktisch keine, jeder Song hat Klasse und fasziniert durch Ferguson's ausdrucksstarke Stimme und die grosse Portion Soul, die sie in jede Note legt. Auch wenn „Heaven“ durch und durch eigenständig ist, beackert Ferguson damit erfolgreich das verwaiste Amy Winehouse Feld und wird von den Fans der verstorbenen Sängerin mit offenen Armen empfangen werden. Rebecca Ferguson beweist mit diesem Album eindrücklich, dass sie die Klasse und auch die Ambitionen hat, zu den ganz Grossen aufzusteigen. Und speziell in den USA sollten ihr dafür alle Türen weit offen stehen, denn sie klingt durchaus wie eine moderne und junge Version von Diana Ross. Und das ohne Anbiederung oder zu kopieren. Mehr gibts nicht zu sagen. Klasse Album einer Klasse Sängerin am Anfang zu Superstar-Ruhm!

pc. Eine Mischung aus Punk, Surfrock und Gangster-Sound à la Pulp Fiction servieren uns fünf Damen und Herren. Schon der Opener „Desperate Teenage Living Nightmare“ sagt, wo's langgeht. Nicht immer ganz exakt im Tempo, aber immer sehr packend und immer sehr authentisch. Auf übermässige Effekte oder Overdubs wird verzichtet. Da ist eigentlich nur die Band um Sängerin (und Fotomodell) Devon Dunsmoor and that's it. Und das genügt auch vollends. Denn es ist gerade der sehr live klingende Sound, originelle kurze Gitarrenriffs und die jaulende Farfisa (eine elektronische Orgel aus Italien), die Kiss Kiss Bang Bang den Stempel aufdrücken. Auch dann, wenn es nicht ganz so schnell zu und hergeht, wie in „Kaboom“, kesseln oder krachen tut's eigentlich meistens irgendwo in mindestens einem Abschnitt der Songs. Oder dann klingt eines der Elemente herrlich billig, wie die Orgel in „Sleep Lightly“. Etwas aus der Reihe tanzt in einem guten Sinn „My Fix“, wo akustische Gitarren und ein relativ zurückhaltender Beat im Vordergrund stehen. Das bleibt allerdings nur ein kurzes Intermezzo, nachdem Kiss Kiss Bang Band wieder zu ihrem Garagenrock und ihrer Partylaune zurückkehren.

geheime Sinfonie. Und diese lässt sie auch aufspielen. Untermalt von Streichern, akustischen Gitarren oder Harfenklängen singt Katie Melua neues eigenes Material, sowie Coverversionen, wie der Opener „Gold In Them Hills“ (im Original von Ron Sexsmith). Das Album dreht sich um Liebe. Fast kommt es daher wie der Soundtrack zu einem Liebesfilm und versprüht viel Romantik. „Secret Symphony“ entstand in Zusammenarbeit mit Mike Batt. Dieser hatte Katie Melua vor 10 Jahren entdeckt und unter Vertrag genommen. Böse Zungen würden behaupten, dass es Katie Melua an jeglichen Überraschungsmomenten fehlen lässt. Das ist zwar richtig, und in der Tat ist das Tempo in fast allen Songs gemächlich bis langsam. Aber alles andere wäre Fehl am Platz. Zudem geht es doch da und dort einigermassen „peppig“ wäre übertrieben beschwingt zu und her, wie in „Moonshine“, das ein bisschen an Eric Claptons „Layla“ erinnert, das allerdings aus der Feder von Travis Frontmann Fran Healy stammt. Die schlichten Arrangements ziehen sich wie ein roter Faden durch das Album. Auch wenn hier und da Bass und dezentes Schlagzeug ran dürfen, bleiben Streicher im Vordergrund. Nur in „Nobody Knows You When You're Down And Out“, dürfen auch Bläser ein paar Zwischentöne einstreuen, um der Nummer einen jazzigen Anstrich zu verleihen. Sie stammt im Original von Jimmie Cox und war dessen grösster Hit in der Zeit der grossen Depression in den Vereinigten Staaten 1929.

PAUL WELLER Sonik Kicks Island Records

KATIE MELUA Secret Symphony Dramatico

pc. Die gebürtige Georgierin ist zurück und verspricht uns auf ihrem neuen Album eine

pc. Es ist fast unmöglich, den Sound von Paul Weller zu verordnen. Denn der mittlerweile bald 54-jährige Engländer kann alles, ist alles und hat alles. Elektro-Gezwitscher, Soundcollagen, E-Gitarren, Country, Rock und Pop. Das macht das vorliegende Album zwar spannend, aber auch verwirrend und bisweilen anstrengend. Wellers Songs sind


Mainstream/Indie/Alternative CD in Sachen Melodie und Sounds äusserst sorgfältig ausgetüftelt, manchmal ein bisschen schräg und kakophonisch. Weller klingt dabei schon im Opener „Green“ wie ein Getriebener auf der Jagd nach dem nächsten originellen Einfall. Wenn er Songs im traditionelleren Sinne anstimmt mit klarer Melodie und typischer Rockinstrumentation, dann sind diese oft schnell und klingen auch etwas wütend, wie „Kling | Klang“, „Dragonfly“ oder „Around The Lake“. Im Grunde ist dieses von starken Elektro-Einflüssen geprägte und abwechslungsreiche Album nicht verwunderlich, denn Weller hat buchstäblich schon alles einmal gemacht: Zum einen war er als einstiger Frontmann von The Jam ein Wegbereiter des Britpop und zum anderen gilt er als scharfer Kritiker des britischen Establishments. Daneben arbeitet er als Modedesigner. Unter anderem hat er eine Kollektion für Pretty Green entworfen, das Modelabel von Ex-Oasis-Sänger Liam Gallagher. Diese Vielseitigkeit schlägt auch voll auf die Songs in „Sonik Kicks“ durch. Da und dort gibt es Anflüge von Optimismus, so wie in den Elektro-Gitarresquen Songs „That Dangerous Age“ und im Country angehauchten „When Your Garden's Overgrown“, die vielleicht auch bei einem Mainstream-Radiosender ihren Platz finden würden. Unter dem Strich bleibt die Scheibe aber ein Experiment, auf das man sich als Hörer einlassen muss. Paul Weller einfach nur so im Hintergrund laufen zu lassen, wäre Perlen vor die Säue zu werfen.

UNHEILIG Lichter der Stadt Universal hug. Seit «Grosse Freiheit» sind der Graf und seine Aachener Stadtmusikanten sehr berühmt im deutschsprachigen Raum, und obwohl die Depro-Szene bereits Kitsch-Verdacht schöpfte, waren sogar die Schwarzkittel gespannt auf den Nachfolger von «Grosse Freiheit». Die Befürchtung hat sich nun mehr als bewahrheitet: «Lichter der Stadt» trieft vor dummbatzig inszenierter Gefühlsduselei. Der Graf singt Peinlichkeiten wie «Das sind uns're besten Jahre und uns're beste Zeit» das ist selbstgerechte Sentimentalität inklusive Deutschfehler und nicht mehr als ein misslungener Schlager, mit dem Unheilig problemlos im Muskantenstadel auftreten könnten. Als Zugabe gäbe es dann die zu stumpfem Beat und wimmernden Synthies

vorgetragene Textzeile «So wie wir waren, so will ich sein, uns're Träume sind noch gleich» was nichts anderes als totalen Stillstand signalisiert. Bezeichnend für «Lichter der Stadt» (und für den Erfolg von Unheilig als Spiegel unserer Zeit) ist auch die galoppierende Casting-Show-Egomanie: Sogar in einem Liebeslied singt der

COUNTING CROWS Graf: «Mit dir will ich unsterblich sein.» So etwas wie Wir-Gefühl ist dem Grafen sogar in einer Zweierbeziehung ein Fremdwort. Auch wenn das Album ziemlich sicher hoch oben in den Charts einsteigen wird: Das ist unerträgliche Armseligkeit.

VCMG Ssss Mute/Musikvertrieb

hug. VCMG sind Vince Clark und Martin Gore, und das ist eine lange Geschichte: Die beiden waren Gründungsmitglieder von Depeche Mode, Clark verliess die Band nach deren Debüt «Speak & Spell» 1981 und gründete erst Yazoo (immer noch ein gutes Album: «Upstairs At Eric's») und später Erasure (letztes Jahr klang «Tomorrow's World» recht frisch), während Depeche Mode eben Depeche Mode wurden (Music for the masses). Dreissig Jahre nach «Speak & Spell», so wird nun kolportiert, soll Clark aus dem Nichts heraus eine Email an Gore geschrieben haben: Lust, ein Dance-Album aufzunehmen? Gore hatte. So einfach ist das. Und so beglückend für uns, dass die beiden wieder gemeinsam kreativ sind: «Ssss» ist ein grossartiges, auf Minimal

Underwater Sunshine (Or What We Did On Our Summer Vacation) Cooking Vinyl pc. Vier Jahre ist es her, seit dem letzten Counting Crows Studio Album. Wobei sich die Californier geschickterweise im letzten Sommer uns allen in Erinnerung gerufen haben mit dem gelungenen Live Album „August and Everything After Live at Town Hall“. Da wird sich also manch einer denken: „Counting Crows... da war doch was?“ In der Tat war da was, mit Songs wie „Mr. Jones“ oder „Rain King“ hatten die Mannen um Frontsänger Adam Duritz in den frühen 90ern die Musikszene begeistert. Und mit den fünfzehn neuen Songs beweisen die Counting Crows, dass sie ihr Handwerk noch immer beherrschen; allerdings haben die Musiker auf bewährtes, also bereits existierendes Songmaterial zurückgegriffen: Auf Songs von Bands wie „Big Star“, „Gram Parsons“, „Tender Mercies“ oder „Kasey Anderson“. Dass diese Namen nicht mehr allen von uns geläufig sind, hat in erster Linie damit zu tun, dass sie teilweise bis in die 60er zurückgehen und damit schon einige Jährchen auf dem Buckel haben. Allerdings tauchen auch bekannte Namen auf, wie „Travis“ oder „Bob Dylan“. Eines ist den Songs gemeinsam. Es ist Musik, die gerade so gut aus der Feder

der Counting Crows hätten stammen können und die den Musikern ans Herz gewachsen sind. Das ist schon im Opener „Untitles (Love Song)“ zu hören. Die Counting Crows pendeln geschickt zwischen sich selbst, Tom Petty, einer Prise Country. Während einzelne Nummern etwas schmalzig geraten sind, wie „Start Again“ (im Original von Teenage Fanclub), sind die meisten Interpretationen der Songs geradlinig und vorwärtstreibend, wie „Coming Around“ (im Original von Travis). Einer der absoluten Höhepunkte ist der Song „Ooh La La“, im Original von The Faces. Hier vertrauen die Counting Crows vor allem auf mehrstimmige Gesänge, akustische Gitarren und ein leicht verstimmtes Klavier. Das lässt richtige WesternSaloon-Atmosphäre aufkommen. Gerade dass sich die Counting Crows für Songs entschieden haben, die dem Durchschnittshörer in der Regel noch nie zu Ohren gekommen sind, ist die grosse Stärke des Albums. Es sind ganz einfach gute Songs. Songs von denen die Band hofft, dass sie jetzt ganz einfach von noch mehr Menschen gehört werden.

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CD Mainstream/Indie/Alternative angelegtes InstrumentalElectronica-Album der Extraklasse: Permanent zickeln die Tracks vorwärts, sie sind getrieben von einer nervösen, wuchtigen Unruhe und stets formidabel mit Bass ausgebaut wie ein alter Wein im Fass. Die Töne sind sorgfältig moduliert. Hier wird wieder einmal klar, was den Unterschied ausmacht von einem langweiligen und als stumpf empfundenen Electronica-Album und einem quietschlebendigen, meisterhaften Werk desselben Genres.

THE LAST TYCOONS The Porn Trauma Years Tonetoaster Records

pc. Schon die ersten Takte der Last Tycoons zaubern einem ein Grinsen ins Gesicht. Die Art und Weise, wie sie ihre nicht übermässig verzerrten Gitarren beackern, hat irgendetwas von den Beatles und den Stones. Kombiniert wird das mit einer Art Pub-Rock'n'Roll. Schnell, geradlinig und vielleicht ein bisschen schnoddrig. Allerdings haben die Jungs aus Dublin ihre Instrumente bestens im Griff und lassen das auch mit schnellen Riffs und Licks immer wieder durchschimmern. Der Opener „Sunrise“ hatte es immerhin schon in die irischen Charts geschafft. Die besondere Note der Last Tycoons ist es, auf eine geniale Art und Weise... nennen wir es beschwipst... zu klingen. So gerät der „Casanove Blues“ zur trunkenhaften PubSchunkelnummer, während Leadsänger Steve Fanning textlich mit einem ungeliebten Nebenbuhler abrechnen. Überhaupt sind die Vocals immer wieder das Salz in der Suppe. Tiefgesungene Einleitungen (wie in „Loving Arms“), Outros oder Zwischenteile drücken dem Sound ihren typischen Stempel auf. Zudem beweisen die Last Tycoons in „Feeling Lonely (Part II)“, dass sie auch auf der Bluesklaviatur ausgezeichnet spielen können.

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EMELI SANDÉ Our Version Of The Events EMI

hug. Die 24-jährige Engländerin wurde für ihre Debütsingle «Heaven» mit dem Kritikerpreis der Brit Awards ausgezeichnet, und natürlich haut uns die Plattenfirma jetzt solange um die Ohren, dass hier der neue Superstar geboren wurde, bis wir das auch glauben. Wir bleiben trotzdem vorsichtig. In der Tat hat EmelieSandé eine grossartige Stimme, sie ist kräftig und wild. Genau dieser Umstand steigert den Schwierigkeitsgrad der Aufgabe, diese Stimme in Pop einzubinden: Entweder man entfesselt sie und gibt ihr unbeschränkt Raum, oder man bändigt sie und schleift sie ein in feste Formen. Mit ihrem Debüt schaffen alle, die daran mitgeholfen haben, aber weder das eine noch das andere, sondern suchen einen Mittelweg: nie zu heftig, aber bitte immer wild genug. Man will ja ein möglichst grosses Publikum ansprechen und möglichst wenig polarisieren. Aber das funktioniert leider so gut wie nie, nicht bei einer Stimme wie dieser. Naja: Wir warten mal Emelis nächsten Versuch ab.

SKRILLEX Bangarang Warner

hug. Skrillex überall: Der Supernerd gilt als der Knöpfchendreher der Stunde. Was Rang und Namen hat, reisst sich um einen Remix von ihm. Er gilt als Dubstep-Gott. Als Blaupause des neuen Musikverständnisses (wie superschnellsurfen im Internet).

Ein Held. Sein neues Werk will der 24-jährige Kalifornier nicht als Album verstanden wissen (das soll in den nächsten Monaten erscheinen), sondern lediglich als weitere EP, seine Vierte. Artig zerschlägt Skrillex Songstrukturen, zerhackstückt Dance-Tracks, pfeffert Samplings rein wie mit der Maschinenpistole, wechselt nach Belieben und übergangslos von berstenden Klangtürmen zu freistehenden Beats, streut Sprechfetzen rein. Kurz: Eine gewaltige Bastelarbeit. Skrillex strapaziert die Tanzbarkeit der neuen Tanzmusik bis aufs Äusserste so konsequent, dass man sich zuweilen des Eindrucks nicht erwehren kann, dass Skrillex selbst die Übersicht verloren hat. Ein Dekunstruktivist um des Dekonstruierens willen. Wem das zuviel ist, dem sei zum Beispiel der Song «GetUp» von Korn empfohlen, wo Skrillex absolut grossartig bestehende Strukturen gleichermassen intensiviert und bricht. Dass Skrillex mächtig was drauf hat, steht ausser Frage. Wir warten gespannt auf das volle Album.

des Albums sind die wiederum schnellen „Dance The Night Away“ und „Wheels Keep Turning“, die wenigstens in den Strophen mit feinen aber schnellen Gitarrenrhythmen etwas neue Klänge anschlagen. Denn die klangliche Vielfalt ist vielleicht noch etwas die Schwäche von Alpha Academy. So gut das Album handwerklich gemacht ist, man muss sich als Hörer etwas lange gedulden, bis man wirklich einmal mit etwas Abwechslung in Sachen Sound serviert bekommt. Dieses Momentum hat die Ballade „Seconds, (der neunte Song) wo man fast etwas froh ist, dass die Band mal etwas Tempo rausnimmt. Ein zweites solches Überraschungsmoment bringt der Bonus Track, der etwas moderner und elektronischer arrangiert wurde. Hier geben sich Echo-Effekte auf den Gitarren und AutotuningSpielereien auf den Leadgesängen die Hand. Geht doch.

BRAD BROOKS Harmony Of Passing Light Mouth Magic Music

ALPHA ACADEMY Impossible:Possible Steamhammer/BMG

So muss Rock sein. Die Gitarren tiefgestimmt, der Bass brettert und das Schlagzeug treibt voran. Alpha Academy reihen sich ein in die Rockschule, wie sie von Sum 41, Young Guns oder Bush zelebriert werden. Die Riffs sind hart, aber die Refrains relativ eingängig und in vielen Nummern mit diesen „Wohoooo“-Chören dekoriert, wie wir sie noch aus den 80ern kennen. Bon Jovi lassen da grüssen. Ansonsten sind Alpha Academy aus dem deutschen Göttingen in erster Linie bestrebt, es tüchtig krachen lassen. Wenn auch die Strophe mal etwas sanfter ist, wie in „Long Way Home“, im Refrain muss es laut sein. Erst im vierten Song „Falling Down“ drehen Dominik Dubik, Michael Wenski, Sebastian Hunger und Nikolas Tsagarakis die Lautstärke etwas herunter nicht aber das Tempo. Ein Highlight

rp. Waren bereits die ersten beiden Alben von Brad Brooks, «Sanctified Into Astroglide» (2000) und «Spill collateral love» (2007) herausfordernd, überraschend und unberechenbar offen so geht sein neues Album «Harmony Of Passing Light» noch einen Schritt weiter. Der aus der Bay Area stammende Brooks hat sich darauf noch weiter geöffnet, ist aber auch kontrastreicher geworden. Gelöst hat er sich etwas vom Verwurzelt sein im Power-Pop. Neu ist die Hinwendung zum Blue-Eyed-Soul im Stile eines Southside Johnny oder von Hall & Oates im Auftakt «Calling Everyone». Brad Brooks hat den Soul für sich entdeckt. Oder die Annäherung an Bruce Springsteen und Tonio K im Song «Will It Be Enough». Und zu guter Letzt die Hinwendung zur Offenheit von Wilco in «Night Fades» (ELO-Chöre und Banjo), im rockig kratzigen


CD Mainstream/Indie/Alternative «Spinner & The Spun», dem psychedelisch angehauchten «Exemplary Girl» (speerige Geige), und im mechanischen klingenden «Hope Is That I Got You». Von der Kargheit des Covers zur Weite der Songs.

BALKAN BEAT BOX Give Crammed/Musikvertrieb

hug. Die New Yorker SchrägBand Balkan Beat Box ist mit einem neuen Album am Start, das freut uns sehr. Wir erinnern uns: Zwei New Yorker, beide in Tel Aviv aufgewachsen, gründeten im Big Apple eine Band, die auf der Basis ihrer ethnischen Herkunft nach allen Seiten offen ist für WorldmusicEinflüsse, und überraschen 2005 mit dem groovigen, von SynthieBeats getragenen gleichnamigen Debüt: Es passte perfekt in den Balkanbeat-Trend, war aber eigenartig stoisch und verdreht humoresk, eine Art Balkanbeat für Grossstädter. Inzwischen hat sich das Phänomen Balkan Beat Box natürlich eingespielt, «Give» ist ihr viertes Studioalbum, der Überraschungseffekt ist längst verflogen. Aber ihr turbulentes Balkan-Tanzspektakel erheitert noch immer unsere Gemüter und regt die Tanzbeine an. Im Vergleich zum letzten Album «Blue Eyed Black Boy» ist «Give» weniger von geschmeidigen DancehallReggae-Einflüssen geprägt, sondern von grossstädtischer Hibbeligkeit und Cluborientierter Nervosität.

THE DOUGHBOYS Rock n'Raw - Live Ram Records

rp «Rock n'Raw -Live» besteht aus einem optischen und einem

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akustischen Teil, sprich aus einer Live-DVD und einer LiveCD, aufgenommen in New York City in 2010. Die DVD enthält zusätzlich einen chronologischen Abriss der Bandgeschichte. The Doughboys, die Mitte Sechziger ins Leben gerufen wurden, beweisen gerade mit der LiveCD wo ihre Qualitäten liegen. Ihre noch nicht weit zurückliegenden Studioalben waren vergleichsweise eine durchzogene Angelegenheit. Die Kraft, Intensität, Energie fehlte irgendwie. Die zwanzig Songs auf der Live-CD, trotz der fehlenden Live- Ambiance, vermitteln genau dies. Songs wie «Black Sheep», «Turn Your Love On Me», «Early Warning Wake Up», «Why Can't She See Me?» (bester Song) oder «I'm That Kind Of Man» strotzen vor Energie und Spielfreude. Die Band um Sänger Myke Scavone hat sich ihren «Hunger» und die Liebe zur Musik bewahrt. Das spürt und fühlt man. Die LiveDVD, die den visuellen Aspekt hinzufügt, verstärkt diesen Eindruck noch.

THE CULT Choice Of Weapon Cooking Vinyl/Phonag

(ex-Exodus, -Tempesta, -White Zombie) und Bassist Chris Wyse (ex-Ozzy Osbourne, Owl) haben sich The Cult eine perfekt eingespielte RhythmusMaschine ins Boot geholt, die schon auf der letzten Tour begeisterte. „Choice Of Weapon“ gehört in der Cult-Discographie sicher zu den besseren Outputs, ist auf jeden Fall eine Steigerung zum letzten Werk „Born Into This“, kann aber an die wirklich grossen Alben „Electric“ und „Sonic Temple“ nicht heranreichen. Aber dass die glorreichen Zeiten definitiv vorbei sind, damit hat der CultFan im Laufe der Jahre gelernt zu leben. Heutzutage ist er froh, wenn die Truppe wenigstens gute statt wie einst herausragende Platten rausbringt. Und „Choice Of Weapon“ ist im gesamten Überblick ein gutes Album geworden. Dicke Stricke wird es nicht zerreissen, und ob damit neue Fans erobert werden können, bleibt zu bezweifeln aber die Cult-Fan-Gemeinde dürfte sich zufrieden zeigen. Billy Duffy's Einschätzung über „Choice Of Weapon: „Dies ist vielleicht unser bestes Album“, ist allerdings wohl eher zweckdienlich anzusehen.

Hörer psychedelische Elemente, orientalisch angehaucht, mit der Wucht des Wahnsinns entgegen geschleudert. «Surronded By White Men» vereint die Unberechenbarkeit von Mr. Bungle (Mike Patton) mit dem knarzigen Sound der Queens Of The Stone Age. Und in «Platoono Of Uno» duellieren sich Victims Family mit Jello Biafra und Napoleon XIV. MathCore und Punk trifft auf Novelty. Aberwitzig, schräg, schrill. Wie sang schon Napoleon XIV: «They're Coming To Take Me Away, Ha-Haaa!». Nicht, dass die vier Herren gleich ins Irrenhaus ein geliefert werden müssten. Einen Hauch von Wahnsinn versprühen ihre Songs aber schon. Mit Methode faszinierend in Szene gesetzt.

BUTCH WALKER AND THE BLACK WIDOWS The Spade Lojinx Records

ANTLERED MAN Giftes Parts 1 And 2 Noisolution Records

hh. Fünf Jahre hat es gedauert bis sich die einstmals als grösste Hardrock-Hoffnung bezeichnete Band wieder ins Studio begab. 10 neue Songs sind dabei herausgekommen, die von Chris Goss (Masters Of Reality) und Bob Rock produktionstechnisch überwacht wurden. Die Hinzunahme dieser beiden TopProduzenten hat sich gelohnt, das Album kommt in fettem und druckvollem Sound daher. Auffallend ist, dass die beiden Cult-Chefs Ian Astbury (voc) und Billy Duffy (gtr) wieder vermehrt ihre Gothic-Wurzeln aus den Anfangstagen in den straighten Rock integrieren („The Wolf“, „Life > Death“) und auch die reduzierten, trockenen Riffs aus ihrem Überfliegeralbum „Electric“ wieder aufpolieren („Amnesia“). Mit Drummer John Tempesta

rp Die englischen Antlered Man wurden 2009 ins Leben gerufen. Ihre Sporen abverdient hat sich die Band um Sänger Damo Ezekiel Holmes in diversen Rock- und Punkbands. Ob der Sound von Antlered Man jetzt die Essenz aus diesen Erfahrungen ist, kann zu einer philosophischen Frage werden. Hat dieser Sound immer schon in der Band gesteckt oder hat erst die Erfahrungen mit ihren früheren Bands dazu geführt? Dann müssten diese, ihre alten Bands, aber eine grosse Palette an Einflüssen gehabt haben und vor nichts zurückgeschreckt sein. Die Debüt-CD des Quartettes, eine Sammlung von Singles, ist nämlich nach vielen Seiten offen und unberechenbar, sprunghaft und faszinierend. Im Auftakt werden dem geneigten

rp «The Spade» ist nach «I Liked It Better When You Had No Heart» (2010) das zweite Album von Butch Walker mit den «schwarzen Witwen». Walker, der früher dem amerikanischen Power-Pop-Trio Marvelous 3 vorstand, zeigt darauf seine fast traumwandlerische Sicherheit in Sachen eingängiger Power-Popund Rocksongs. Ohrenfällig ist vor allem sein untrügliches Gespür für die Inszenierung von tollen Gesangsharmonien. Bei der Verfeinerung hat ihm, neben seinem Talent, sicher auch die Zusammenarbeit mit anderen Musikern wie Avril Lavigne, Hot Hot Heat, Weezer, Panic! At The Disco, Pink, u.a. geholfen. Walker hat ja auch massgeschneiderte Songs für Künstler wie Avril Lavigne, Sevendust, The Donnas, Hot Hot Heat, American Hi-Fi, Pete Yorn, Fall Out Boy, All-American Rejects, SR-71, Weezer, Dashboard Confessional und andere verfasst. «The Spade» ist eine abwechslungsreiche Angelegenheit geworden. Neben tollen Rockern wie «Every Single Body Else» oder «Day Drunk», gemässigteren Nummern wie «Synthesizers» oder «Closest Thing To You I'm Gonna Find»


Spass inne Backen

Es ist schwierig, die drei Kalifornier an die richtige Stelle zu setzen. Für einen echten Punk sind sie Schiessbudenfiguren. Für Pop ist zuviel Gitarre und Schlagzeug drin. Für eine Boyband haben sie zuviele Tattoos. Für Alternative sind sie zu lustig. Ja, was denn nun? ip. Die drei Jungs kommen aus SoCal, Southern California, wo man das alles nicht so eng sieht. Befreundete Bands wie Pennywise, NOFX oder Bad Religion, die offiziell dem Skatepunk oder Melodycore zugerechnet werden, sind auch in Hardcore-Kreisen hoch angesehen. Das kann man von Blink 182 nicht unbedingt behaupten, denn sie sind den anderen Weg gegangen: Ins grosse Business. Damit haben sie zwar ihre Credibility abgegeben, aber eine Menge Fans gefunden. Vor genau 20 Jahren gründeten Tom DeLonge (guit, voc), Mark Hoppus (bass, voc) und Scott Raynor (drum) die Band Blink. Nach ihrem Debut kam die Zahl 182 in den Namen, die nach Aussage der Band zufällig und nach Klang ausgewählt worden war und mit keinerlei Verschwörungstheorien zu tun hatte. Bereits von ihrem zweiten Album "Dude Ranch" verkaufte das Trio über eine Million Einheiten. Raynor, der eigentlich eher im Metal zuhause war, verliess die Band und Travis Barker stieg ein. Barker tourte damals mit seiner Band Aquabats im Vorprogramm von Blink 182 und ersetzte Raynor, der die Band während dieser Tour von jetzt auf gleich verliess. Barker konnte das komplette Set mit 20 Songs innerhalb von 90 Minuten auf den Punkt spielen und sagte zu, solange auszuhelfen, bis Raynor zur Band zurückkehren würde. Das tat Raynor jedoch nicht und der Rest ist Geschichte. Überhaupt muss man für den Ausnahmedrummer Travis Barker hier mal einen Werbeblock schalten: Im Alter von vier bekam er sein erstes Kit, lernte mit einem Jazzlehrer und spielte in der Marching Band seiner Schule. Er trommelte die Promo-Tour seiner Zweitband +44 mit einem Bruch im Unterarm und spielte die anschliessenden Shows mit nur dem gesunden Arm. Er überlebte einen Flugzeugabsturz. Mit seinem sympatisch unspektakulären Kit und dem präzisen und kreativen Drumming ist er das Herzstück von Blink 182 und man möchte ihm darum den Löwenanteil am Erfolg der Band gutschreiben. Alleine seine Liveperformance ist es wert, Blink 182 live zu sehen. Das 1999er Album "Enema Of The State" markierte den endgültigen Durchbruch und nicht nur in Videos wie "All The Small Things", ihrem kommerziell erfolgreichsten Song, zeigte sich der spezielle Humor der drei Jungs. Der kommt bei Blink

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182 sowieso nicht zu kurz und ist mitunter reichlich deftig, wenn sie beispielsweise nackig durch Kleinstädte rennen, wie sie das im Skandalvideo zu "What's My Age Again?" taten. In Amerika erregt das genau die Menge an Aufmerksamkeit, die man zum Plattenverkaufen braucht. Irgendwann war allerdings der Humor verbraucht und Tom DeLonge wollte die Band verlassen, um mehr bei seiner Familie sein zu können. Damit waren die anderen nicht einverstanden und Blink 182 trennten sich im Streit. Offiziell handelte es sich um eine Auszeit, die 2005 ausgesprochen wurde. Der Flugzeugabsturz, bei dem Barker schwer verletzt wurde, war es schliesslich, der die Band wieder zusammenbrachte. Im letzten Jahr veröffentlichte das Trio das Album "Neighborhoods", zu dem Blink 182 ab Mai in den Staaten und Europa unterwegs sein wird. Die drei Jungs aus SoCal haben sich ihre eigene Credibility erarbeitet und führen ihr Genre unbestritten an. Ausserdem sind die drei exzellente Musiker mit viel Erfahrung und an ihren Shows gibt es immer wieder gute Lacher. Am 5. Juli geben Barker, DeLonge und Hoppus im Hallenstadion eine Kostprobe ihres Könnens und ihres Humors, die man nicht verpassen sollte. Für diesen Abend liegt SoCal mitten in der Schweiz!

LIVE 5. Juli 2012 Zürich, Hallenstadion


Mainstream/Indie/Alternative CD finden sich auch AmericanaSongs wie «Dublin Crow». Dabei bewegt Walker sich im Umfeld von Bands wie Weezer, Georgia Satellites und zuweilen T-Rex. Im bereits erwähnten «Synthesizers» nimmt er sogar Mass an Dexy And The Midnight Runners, im speziellen ihrem Hit «Come On Eileen». Nicht nur das hat Charme.

EVERLAST Songs Of The Ungrateful Living Long Branch Records / SPV

Missstände beim Namen. Allerdings kommen auf „Songs Of The Ungrateful Living“ nicht ausschliesslich akustische Töne zum Zug. „I Get By“ zum Beispiel erinnert stark an House Of Pain und „Moneymaker“ geht locker als Parodie auf ‚dicke-Popos-undGoldketten-Hiphop' durch. Mit „The Crown“ ist sogar eine ungewohnt schnelle Nummer mit Cowboyhut vertreten, die ordentlich Laune macht. Der grösste Teil des mit 15 Songs vollgepackten Albums fährt allerdings durch die wunderbar ruhige, allerdings auch melancholische Landschaft des Whitey Ford. „Songs Of The Ungrateful Living“ ist der rebellische, dunkle und pessimistische Bruder von Kid Rocks „Born Free“, der für die Schattenseiten des Moments steht. Grossartiges Album!

MY BEST FIEND In Ghostlike Fading Warp ip. Erik Schrody aka Everlast hat mittlerweile über 20 Jahre Erfahrung im Musikbusiness. Angefangen bei Ice T's Rhyme Syndicate, dann mit House Of Pain und der Supergroup neueren Datums La Coka Nostra bis zu seinen Soloalben hat er seine Position als einer der ersten anerkannten weissen Rapper ausgebaut. Daher rührt auch sein zweites Pseudonym Whitey Ford mit dessen 1998er Album „Whitey Ford Sings The Blues“ er mehrfaches Platin einsammeln konnte. Immer gesellschaftskritisch im Ton und erdig im Sound bereichert Everlast seitdem die Rapszene. Sein Mix aus Singer/Songwriter kam nicht immer gleich gut bei Kritikern und Fans an, aber genau genommen hat er alles richtig gemacht. Kollaborationen mit Madonna, Korn oder Santana, ein Grammy und auch das neue Album beweisen dies. Mit der Neuerscheinung „Songs Of The Ungrateful Living“ zeigt Everlast ein weiteres Mal seine Qualitäten als CrossoverRapper. Nach wie vor bleibt er den Traditionen seines Genres treu, legt sparsame Beats als dicken Teppich unter dicke Bass-Sneakers, holt aber auch seine Akustikgitarre aus dem Koffer. Damit rückt er überwiegend sehr nah an die letzte Veröffentlichung von Kid Rock und traut sich, countryesk zu klingen; eigentlich ein Unding in der Szene. Zusätzlich stellt er wiederum den grossen Pranger vor Regierungsgebäude und Rathäuser und nennt

The Shores Of The Infinite“ spielen sie noch einmal ihren grossen Trumpf: Die Fähigkeit, den Songs die nötige Wirkung und breite zu verleihen, die sie verdienen.

FRANCOIS AND THE ATLAS MOUNTAINS E Volo Love Domino

pc. Vermeintlich zwischen Chansons und Easy Listening kurvt der gebürtige Franzose François Marry, auf dem Opener „Les Plus Beaux“. Doch dieser Eindruck täuscht. Hatte François Marry doch seine Band im Jahr 2005 im Englischen Bristol gegründet, in der Blütezeit also der Arctic Monkeys oder von Franz Ferdinand. Diese Einflüsse kann das Quartett, das ursprünglich als eine Art offenes Kollektiv begonnen hatte, nicht so ganz verheimlichen. Im Song

pc. Nein, die Band hat nicht das „R“ im Wort „Fiend“ vergessen, im Gegenteil. Denn ohne das „R“ wird aus dem Freund ein Feind, und der Bandname ist die Anlehnung an den Dokumentarfilm „Mein Liebster Feind“ über Klaus Kinski. Ein kitschiges Elektropiano, gepaart mit psychedelischen E-Gitarren und garniert mit einer zünftigen Portion Hall so dringt der Opener „Higher Palms“ durch die Boxen. Das Quintett aus Brooklyn klingt dabei ein wenig wie die Cowboy Junkies. Es ist Musik für den Trip. „Sweet little girl thinks the drugs will behave“, heisst es da im Text von „Jesus Christ“, also: Das kleine Mädchen denk, die Drogen werden sich benehmen. Dabei breiten sich My Best Fiend gerne aus, minutenlange Intros sind keine Seltenheit, die Refrains dürfen opulent und die Strophen dafür fein und zartbesaitet sein, wie in „Odvip“. Dort wie auch in anderen Songs lassen es sich My Best Fiend nicht nehmen, sich genüsslich instrumental auszubreiten. Die Gitarre zupft im Mittelteil des Songs ruhig den Dreiviertel-Takt, dazu spielt ein Piano ein paar simple Tupfer. Es braucht kein eigentliches Solo, damit der Song wirkt. Hinter dem psychedelischen Element klingt auch immer etwas Orchestrales. So wie im Titeltrack „In Ghostlike Fading“, wo eine Orgel für ein voluminöses Klangbild sorgt, während sich der Gesang konsequent zurückhält. Nach einer kleinen Prise Country im Song „Cool Doves“, schlagen My Best Fiend gegen Ende ihrer Scheibe fast durchwegs langsame Töne an. Im Closer „On

„Muddy Heart“ wechselt der Gesang auf Englisch, Rhythmus drängt sich in den Vordergrund, gepaart von Gitarren und Piano Sounds und das Tempo zieht merklich an. Die Musik bleibt dabei aber relativ klar abgegrenzt von britischem Gitarrenrock, wie man ihn sich typischerweise vorstellen würde. Vielmehr geniessen die Gesänge und auch Arrangements immer eine gewisse Sanftheit, auch wenn das Schlagzeug ein schnelleres Tempo anschlägt, wie in „City Kiss“. Dazu gibt es Solos von Bläsern und Streichern. Wo die Texte wieder auf Französisch umstellen, oder sich mit Englischem Gesang vermischen, hat man das Gefühl, die Songs seien noch eine Spur zurückhaltender („Azrou Time“). Zwischen bluesigen oder souligen Retro-Klängen („Buried Treasures“ und auch „Slow Love“), blitzen immer wieder Chansons auf, wie „Cherchant Des Ponts“ oder „Piscine“. Letzterer übrigens kombiniert mit diskreten Perkussions- und Elektro-Effekten, die sich zu einer Art Dance-Musik in Light-Version entwickeln, einfach ohne stampfenden Beat. Und wo wir schon beim Thema Dance sind, fragt der letzte Song „Do You Want To Dance“, wiederum untermalt von einem nur ganz sanften Rhythmus. Dem Konzept der sanften Klänge bleiben Fànçois And The Atlas Mountain bis zum Schluss treu.


CD Mainstream/Indie/Alternative WALLIS BIRD Wallis Bird Bird Records

pc. In sanften Tönen, aber mit deutlichen Worten „You Don't Know Shit...“ pirscht sich Wallis Bird an unsere Hörgänge an. Der Opener „Dress My Skin And Become What I'm Supposed To“ ist vermeintlich ungeschminkt und akustisch, doch wird er immer wieder unterbrochen von kurzen Effekten, z.B. einem Hall, der eingesetzt wird, um eine Art rhythmischen Punkt zu setzen. Doch hinter dem dritten Album der 30jährigen Irin verbirgt sich vom zweiten Song an treibender Upbeat-Pop, in dem die akustischen Gitarren den klaren Rhythmus anschlagen und die ausgefeilten Elektro-Drums für

einen knackigen Beat sorgen („I Am So Tired Of That Line“). Der Sound von Wallis Bird mäandert zu Beginn des Albums geschickt produzierten Effektspielereien und natürlichen Klängen, die an ihre Heimat Irland erinnern. Sinnigerweise geschieht das beispielsweise im Song „Take Me Home“, in dem zu Klavier und akustischen Klängen auch ein Bodhran, eine irische Trommel, erklingt. Überhaupt gerät das Album zur Mitte hin langsamer und nachdenklicher. Trotz einer gewissen Schwere und Langsamkeit offenbaren die Songs alle jeweils einen sehr energiegeladenen und füllig instrumentierten Abschnitt, der sich teilweise mit dem Sound von Enya vergleichen lässt, z.B. in „In Dictum“. In der zweiten Hälfte des Albums gönnt sich Wallis Bird noch einmal einen etwas schnelleren Abschnitt. In „Heartbeating Cry“, wird etwas 60s Retro-Soul-Ambiente versprüht, und „Who's Listening Now?“ ist eine tempogeladene Poprock-Nummern à la Pink. Es sind jedoch die ruhigeren und akustischen Klänge, die das Album beschliessen, wieder mit einem Schuss Opulenz (in „Polarised“), so wie man sich das

nach den vorangegangenen Songs nun fast schon gewohnt ist. Eine etwas kakophonische SoundCollage gibt's als Hiddentrack sozusagen als Rausschmeisser.

TRIBES We Were Children E.P. Island

pc. Es erinnert an die Arctic Monkeys oder Kaiser Chiefs, was uns die Jungs von Tribes aus dem Londoner Stadtteil Camden servieren: Kesselndes Schlagzeug, laute Gitarren und der typische britische Akzent. So beginnen die Tribes ihre EP „We Were Children“. In der Heimat England wurde die Scheibe bereits vor einem Jahr veröffentlicht und hat den vier Jungs immerhin eine Nominierung in der Kategorie

Best New Band beim renommierten Magazin New Music Express eingebracht. Wer auf Britpop steht, für den sind Tribes in der Tat ein heisser Tip. Der Opener „We Were Children“ und auch der Song „Girlfriend“ sind handwerklich gut gemacht und es sind auch gut komponierte Nummern, die sich relativ leicht ins Gedächtnis einprägen. Dass sie auch feinere Klänge beherrschen, beweist das Quartett mit der sanften Nummer „Coming Of Age“, in der die Stimme von Leadsänger Johnny Lloyd schön zur Geltung kommt. Zum Schluss gibt es den Titelsong „We Were Children“ noch einmal als akustisches Demo, allerdings sind die Leadstimmen in etwa gleich verzerrt wie in der originalen und elektronisch verstärkten Version. Zudem wurden teile der EGitarren Parts im SongArrangement. Das alles mag nicht so recht zu den akustischen Gitarren passen. Und so deuten Tribes zwar ihr musikalisches Potential an, doch gerät die EP letztlich zu kurz, um wirklich ein abschliessendes Urteil fällen zu können.


PETER MAFFAY und BRYAN ADAMS Die Headliner am SUMMER SOUND’12 in Sursee Mit einem Programm der Superlative geht das Summer Sound Festival auch in diesem Jahr wieder an den Start. Die herausragende Infrastruktur des Festivals gehört sicher zu den attraktivsten und zuschauerfreundlichsten Open Airs überhaupt: riesige Sitzplatztribühne, zahllose Getränke- und Verpflegungsstände mit verschiedensten kulinarischen Angeboten und vor allem grosszügige Sitzplatzangebote im Gastrobereich sorgen auch abseits des Hauptgeschehens vor der grossen Festivalbühne für beste Stimmung.

Mit PETER MAFFAY konnte für Donnerstag, 5. Juli 2012 ein ganz dicker „Fisch“ an Land gezogen werden, der schon seit viel zu langer Zeit nicht mehr in der Schweiz zu erleben war. Mit insgesamt 45 Millionen verkaufter Platten, davon 41 Alben in den Charts und 15 auf Platz 1, sowie zahllose Single-Hits, gehört der Poprocker zu den allzeit erfolgreichsten Künstlern Deutschlands. Nach seinen Anfangserfolgen in den frühen 70ern, die eher im Popbereich angesiedelt waren, brachte Maffay im Laufe seiner Karriere verstärkt seine Liebe zum Rock'n'Roll ein und bis heute zählt er neben Udo Lindenberg als wichtigster und erfolgreichster Deutschrocker und zugleich als bester Sänger und Live-Act der deutschsprachigen Musik-Szene. Beständigkeit zeigt er auch in der Auswahl seiner hervorragenden Musiker, die bereits seit Jahr(zehnt)en in gleichem Line-Up einen massgeblichen Anteil an Maffays Erfolg haben. Peter Maffay und Band ist sozusagen eine familiäre Angelegenheit! Dass der gebürtige Rumäne sich zudem seit langer Zeit intensiv für diverse humanitäre Hilfsprojekte engagiert und einen grossen Teil seines Vermögens dafür einsetzt ohne das an die grosse Glocke zu hängen soll nicht unerwähnt bleiben. Das Rahmenprogramm bestreiten zwei weitere grosse Namen. Mit FLORIAN AST und der österreichischen ERSTEN ALLGEMEINEN VERUNSICHERUNG werden in Sursee zwei weitere Acts auf der Bühne stehen, die ebenfalls zu den erfolgreichsten Vertretern in ihrem musikalischen Metier gehören. So ist ein Abend mit grossen Melodien und Spass garantiert.

Am Samstag, 7. Juli kommt der Kanadier BRYAN ADAMS ein weiteres Mal in die Schweiz. Fast könnte man unser Land als seine zweite Heimat bezeichnen, so macht denn auch der sympathische Sänger/Gitarrist keinen Hehl aus seiner Liebe zur Schweiz. Adams hat sich im Laufe seiner Karriere, die einige der allzeit grössten weltweiten Hits der Rock- und Popgeschichte beinhaltet, ein treues Publikum erarbeitet, die sich keines seiner Live-Konzerte entgehen lassen. Mit dem Schweizer Shooting Star BASTIAN BAKER und den Bielern PEGASUS sind zudem zwei heimische Top-Acts angesagt, die bestens auf Adam's Hits wie „Summer of 69“, „Cuts Like A Knife“, „Heaven“ oder „Run To You“ um nur einige wenige zu nennen - einstimmen werden.

Foto: Ian Keates

Weitere Informationen unter www.summersound.ch


CD Mainstream/Indie/Alternative

CHARLOTTE GAINSBOURG 2009 war ein fantastisches Jahr für Charlotte Gainsbourg, der gemeinsamen Tochter von Serge Gainsbourg und Jane Birkin: Für ihre wilde Performance in Lars von Triers „Antichrist“ wurde sie beim Film Festival von Cannes zur besten Schauspielerin gekürt, und sowohl Kritiker als auch Fans lobten ihr drittes Album “IRM” in höchsten Tönen. Doch die größte Überraschung überhaupt war, dass sie sich erstmals auf eine Welttournee begab. Ihre Reise durch diverse Zeitzonen (von New York über Coachella, Paris, London, Berlin und Benicassim bis nach Tokio) machte Charlotte Gainsbourg zu jener einzigartigen Sängerin, die sie heute ist. Wer die bezaubernde Künstlerin schon einmal auf der Bühne erleben durfte, wird wissen, dass da sehr viel mehr auf einen zukommt als einfach nur eine weitere Live-Show einer singenden Schauspielerin. Die Magie ihrer mal fragilen, mal energetischen Stimme stößt live in neue Dimensionen der Intensität vor, die einem nicht selten eine Gänsehaut auf den Rücken zaubern.

LIVE 25. Mai 2012 Zürich, Kaufleuten

CHARLOTTE GAINSBOURG Stage Whisper 1. IRM -live Warner

1. Terrible Angels 2. Set Yourself On Fire - live 2. Paradisco 3. Jamais - live 3. All The Rain 4. White Telephone 4. Heaven Can Wait - live 5. Go To Let Go 5. In The End - live 6. AF 607 105 - live 6. Out Of Touch 7. Just Like A Woman - live 7. Memoir 8. The Operations - live 9. Trick Pony - live 10. The Songs That We Sing - live 11. Voyage - live

WINO & CONNY OCHS Heavy Kingdom Exile On Mainstream Records

lg. Während der umtriebige Scott "Wino" Weinrich den meisten durch seine langjährigen Aktivitäten mit Saint Vitus, The Obsessed, The Hidden Hand, Shrinebuilder etc. zumindest im Doom/Stoner-Bereich bekannt sein dürfte, ist der deutsche Conny Ochs diesbezüglich noch

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ein unbeschriebenes Blatt. Conny Ochs hat laut eigenen Angaben nichts Vernünftiges gelernt und tingelt als Künstler und Songwriter durch die Welt. Wino & Conny Ochs haben vor kurzem mit "Heavy Kingdom" eine tolle akustische Platte veröffentlicht, welche 11 stark vom amerikanischen Folk beeinflusste Perlen umfasst. Die Songs leben von der Intensität und Unterschiedlichkeit der beiden Protagonisten am Gesang und der Gitarre. Die entspannten Songs ziehen den Hörer sofort in ihren Bann. "Somewhere Nowhere", "Heavy Kingdom", "Vultures By The Vines", "Dark Ravine" und "Labour of Love", so die Namen der Highlights, und auch alle weiteren Songs auf "Heavy Kingdom" eignen sich als Soundtrack für einen entspannten Abend. Pate für "Heavy Kingdom" stand offensichtlich das

Ihr neues Album “Stage Whisper (Live And Unreleased)” dokumentiert ihre musikalische Arbeit auf der Bühne und umreißt zudem mit einigen bislang unveröffentlichten Tracks einige neue Horizonte ihres Schaffens.Der erste Teil des Doppelalbums ist eine DVD-Dokumentation zur 2010er Tour und eine Reihe von Live-Tracks, die die besten Momente ihrer ersten beiden Alben 5.55, das sie zusammen mit Air erschuf, und IRM, für das sie mit Beck kooperierte vereinen. Der zweite Teil ist ein unverfälschtes Minialbum von sieben Tracks, auf dem Gainsbourg in eine völlig neue Klanglandschaft vordringt: “Terrible Angels”, geschrieben von Beck, ist ein geradliniger Electro-Hit. Auf “Paradisco” zieht sie auf den Dancefloor eines Nachtclubs, der von New Order geleitet wird, und “All The Rain” und “White Telephone” klingen so, als wäre ein Gebet beantwortet oder ein Zauberspruch ausgesprochen worden. Danach wird es Zeit, Beck zu verlassen und sich stattdessen mit Charlie Fink von Noah & The Whale für “Got To Let Go” sowie mit dem jungen Musikwunder Conor J. O'Brien (aka Villagers) zu verbünden, dessen ergreifender Folksong “Memoir” einen majestätischen Schlusspunkt für dieses MiniEpos bietet.

gleichwertige, erste Akkustikalbum von Wino ("Adrift" aus dem Jahre 2009). Hier kann nur eine grosse Empfehlung ausgesprochen werden. Aber Achtung: es ist kein Doom oder Stoner drauf!

BIRDY Birdy East West Records / Warner

ip. Birdy ist Mitte März 16 Jahre alt geworden, kommt aus dem Süden

Englands und verzaubert Ohren. Ihre Coverversion von Bon Ivers „Skinny Love“ hat auf Youtube fast 20 Millionen Klicks und eine Chartplatzierung in den Top 20 der englischen Singlecharts. Entdeckt wurde sie bei dem englischen Open Mic UK Wettbewerb unter 10'000 Mitbewerbern, da war sie gerade 12. Dass jemand einen Gesangswettbewerb gewinnt, heisst normalerweise ja noch lange nichts. Im Falle von Birdy muss man allerdings eine Ausnahme machen. Ihre Stimme hat Charakter und Tiefe und ihre Interpretationen, eigene wie auch Coverversionen, hinterlassen Gänsehaut. Sie begleitet sich selber auf dem Piano, das sie seit fast zehn Jahren ebenfalls äusserst überzeugend spielt, und zeichnet mit ihrem Gesang zarte, aber auch bestimmte Bilder. Sie lebt jeden Song aus und eines der besten Beispiele dafür ist


Mainstream/Indie/Alternative CD „Shelter“, im Original von The XX, den sie mit so viel Gefühl singt, als wäre es ihr eigener. Nicht umsonst sind ihre Versionen im Soundtrack von The Vampire Diaries zu finden und es ist schwierig, ihre Musik gültig zu beschreiben. Ihr Debut ist melancholische Romantik, im Ansatz die kleine Schwester von Tori Amos, und voller jugendlicher Echtheit, inklusive Zahnspange. Aber da kann man reden, was man will, erklären kann man Birdy nicht. Birdy muss man hören. Und ich möchte wetten, dass ihre Karriere gerade erst angefangen hat.

MADONNA MDNA Universal

hug. Endlich, endlich endlich ist es da! Das neue Madonna-Album!

Um gleich auf den Punkt zu kommen: Es ist durchzogen. Einerseits sind zu viele Tracks belanglos: In früheren Jahren verlangte Madonna resolut die absolute Aufmerksamkeit, das machte den Kern der MadonnaMusik aus und bestimmte ihre magische, grosse Aura. Die nichtfordernde Haltung machte ihr ganzes letztes Album «Hard Candy» langweilig. Und auf «MDNA» sind Songs wie «Girl Gone Wild», «Turn Up The Radio» und «Some Girls» genau deshalb belanglos, weil Madonna darin nichts mehr verlangt. Sie bestimmt nicht, sie besingt bloss. Deshalb verkommen ihre Songs zu konturlosen DancefloorHüpfern, ja sie muss sich sogar den Vorwurf gefallen lassen, sich an die französische Schule und an Dubstep anzubiedern. Wäre Madonna fordernd geblieben, hätten Dubstep und französische Schule einen ganz anderen Stellenwert in ihrer Musik, dann würde sie diese Stile beherrschen statt kopieren, so wie früher. Und ja: Der Song «Superstar», den Madonna mit ihrer Tochter Lourdes bestreitet, ist peinliches Teenie-Gehopse und einer Madonna höchst unwürdig. Ebenso wie der stumpfsinnige «Give Me All Your Luvin'»-Party-

Remix von LMFAO auf der Bonus-CD der Deluxe-Version. Trotzdem machen es sich all die Madonna-lächerlich-Macher zu einfach. Madonna-Basing ist nicht akzeptabel. Denn anderseits findet Madonna zu ihrer alten Stärke zurück, wenn sie fordert, wenn sie unbeirrt und ohne vorausschauende Vorsicht Selbstsicherheit demonstriert: «Give Me All Your Luvin'» und «Don't Give A» (beide mit den Gästen M.I.A. und Nicki Minaj), «I'm A Sinner» und die Ballade «Masterpiece» sind dicht und ausdrucksstark. So bleiben die Songs eben Songs mit einem berührend technoiden Touch und gleiten nicht wie die anderen in die Belanglosigkeit des Dancefloor-Stampfers ab. Kurz: Die tollen Lieder klingen wie zu Madonnas bester Zeit, als sie zeitlose Meisterwerke wie «Ray Of Light», «Music» und «American Life» einspielte. Wenn sie diese Art von Musik schafft, dann erübrigen sich nebenbei all diese Diskussionen über ihr Alter und das Girlie-Getue und überhaupt. Dann ist Madonna nur eines: Madonna. Und dann fällt plötzlich wieder auf, dass Madonna eine unglaublich grossartige Stimme hat. Und dass sie die Königin bleibt. Denn

who the fuck ist diese Lady Gaga mit ihrem hirnlosen Kostümklamauk?

TENACIOUS D Rize Of The Fenix Sony Music

ip. Igitt! „Rise Of The Fenix“, der neueste Tenacious D Output, startet mit dem Opener „To Be The Best“, der sich original nach dem Verbrechen aus den 80ern „When The Rain Begins To Fall“ von Jermaine Jackson und Pia Zadora anhört. Aber: Wer darf das? Jack Black darf das. Jack Black darf fast alles, weil Jack Black ein Komiker der Extraklasse ist, der uns schon mit dem Film „School Of Rock“ oder seinen beiden Alben „Tenacious D“ (2001) und „Pick Of Destiny“ (2006, passend


CD Mainstream/Indie/Alternative

JETHRO TULL Thick As A Brick 2 EMI hug. Hat sich der gute Ian Anderson doch noch überreden lassen, das legendäre Album «Thick As A Brick» aus dem Jahr 1972 fortzusetzen. Einerseits wurden Jethro Tull mit diesem Album zusammen mit Yes, Genesis, Emerson Lake and Palmer etc. zu den Miterfindern des Progressive Rock und nahmen ihn gleichzeitig auf die Schippe. Anderseits parodierten Jethro Tull damals die Idee des Konzeptalbums, weil das Vorgängerwerk «Aqualung» entgegen der Absicht von Ian Anderson oft als solches bezeichnet worden war. «Thick As A Brick» erzählte vom zehnjährigen, strebsamen Gerald Bostock, der seine wenig aufregende, very britische Welt in Gedichten beschreibt, und von der Ungeheuerlichkeit, dass Jethro Tull diese TeeniePoesie klauen und zu Songs vertonen. Das Album gilt heute als Meilenstein der Musikgeschichte. 40 Jahre nach «Thick As A Brick» und 13 Jahre nach dem letzten Jethro-TullAlbum «J-Tull DotCom» sieht Jethro-TullMastermind Ian Anderson seine Intelligenz beleidigt durch das langweilige Mainstream-RadiomusikGehopse und also die Zeit gekommen, dieser Tendenz etwas entgegenzusetzen: intelligente, durchdachte, anspruchsvolle Musik,

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deren Texte richtige Geschichten erzählen. Er bedient sich deshalb erneut der Idee des Konzeptalbums (allerdings ohne ParodieAnspruch) und der Form des Progressive-Rock (oder besser: Progressive-Pop). Er entwirft verschiedene Szenarien, wie sich der Teenager von einst bis heute hätte entwickeln können angesichts des aktuellen Weltgeschehens. Auch in der Umsetzung der Lieder bleibt Anderson wie immer konsequent: Die Band benützt dasselbe Instrumentarium wie 1972 und fast dieselbe Aufnahmetechnik, die Songs wurden live und direkt im Studio eingespielt. Die fiktive Zeitung auf dem Cover des Originals ersetzt er in der Fortsetzung durch eine ebenso fiktive, ebenso amateurhaft wirkende Internetseite. «Thick As A Brick 2» ist reinste Jethro-Tull-Essenz: Der Fokus liegt bei den Songs und dem Songwriting, das Weglassen jeglicher technischer Firlefanzen verstärkt diesen Fokus zusätzlich, die Lieder sind so gescheit wie eingänglich, und Ian Andersons Stimme hat nach wie vor etwas Magisches an sich. Wir verneigen uns und bedanken und für diese angenehme Lektion.

zum nachfolgenden Film) beschenkt hat. Jack Black und Sidekick Kyle Gass bleiben auch auf dem neuen Album bei der bewährten Mischung aus schmissigen Rocknummern und wenigen gesprochenen ComedyEinlagen und sind, wie immer, grossartig. Dem sensationellen Debut hechelte das Folgealbum „Pick Of Destiny“ etwas hinterher, aber „Rize Of The Fenix“ zieht wieder alle Asse aus dem Ärmel. Und es ist für jeden was dabei: „Low Hanging Fruit“ oder der Titeltrack gehören, wie der Grossteil des Albums, zu den Abgeh-Rockern, „Senorita“ versrüht mexikanischen Charme und „Roadie“ ist ein halbakkustisches Dankeschön an die Männer im Hintergrund, natürlich mit entsprechend derbem Humor formuliert und mit epischem Schluss. „Deth Starr“ hat schon fast Musicalcharakter und „The Ballad Of Hollywood Jack & The Rage Kage“ klingt, als ob Frodo und Sam zur See fahren. Unterstützt werden Black und Gass (wie auf allen Alben) von Dave Grohl am Schlagzeug, der, wie gewohnt, natürlich auch keine Zweifel aufkommen lässt. Es ist seit über zehn Jahren immer noch erstaunlich, was für qualitativ hochstehende Musik die beiden Spassvögel schreiben, wenn man bedenkt, dass Musik machen nicht ihr Hauptberuf ist. Mit dem Track „Rock Is Dead“ liefern die Jungs zwar ein Statement, widerlegen es aber gleichzeitig damit, dass Tenacious D eigentlich zu einer der erstaunlichsten Rockbands überhaupt gelten. Sie wissen, wie man gute Songs schreibt und wie man ein Publikum unterhält. Alleine das sind zwei Eigenschaften, die sich nur in den ganz grossen Bands vereinigen. Vielleicht ist ihr Humor nicht ganz jedermanns Sache, aber sie haben ihre Hausaufgaben gemacht und: They know how to rock!

Psychedelic Rock, auf dieser Scheibe überwiegt das elektrtronische Element jedoch deutlich. Immer wieder dröhnt und rattert es, zum Beispiel in "Bucky" oder auch in "Wasti Time/

Castlefield". Dazwischen wird das Experimentieren auch durch Songs unterbrochen, bei denen das akustische Element mehr in den Vordergrund gerückt wird. So kann man denn auch Nummern wie "President Clavoline" oder "Del Paso Heights" auch als ungeübter Seventeen EvergreenHörer recht gut folgen. Dagegen brennen sich die SynthesizerSounds in "Flourescent Kid" unerbittlich ihren Weg, und in „Dancespider“ wird man von leicht verstimmten Gitarrensounds befeuert. Den Schlusspunkt markiert das melodiöse und relativ dezent arrangierte "Burn The Fruit (Pegasus)". Wer Experimente mag, ist bei Seventeen Evergreen richtig.

FAITHLESS Passing The Baton Nates Tunes/Irascible

SEVENTEEN EVERGREEN Steady on, Scientist! Lucky Number Music pc. Das Elektro-Duo aus San Francisco versteht es vorzüglich, vermeintlichen Lärm in eigentliche Instrumente umzuwandeln und liefert eine regelrechte Elektropop-Schlacht. Da schrammeln Billig-Sounds aus dem Heim-Keyboard um die Wette mit ausgefeilten Triphopbeats. Caleb Pate und Nephi Evans stellen sich zwar teilweise in die Ecke des

hug. Das Abschiedskonzert der Dancefloor-Götter vom 8. April 2011 wurde live weltweit in Kinos übertragen. Jetzt gibt's «Passing The Batton» auch als CD und DVD, und natürlich sind hier glasklar abgemischt und in stimmiger Atmosphäre noch einmal alle Hits zuhören: «Insomnia», «GodIs A DJ», «Mass Destruction» usw. Wetweakournipples. Danke und adieu, es war immer schön mit euch.


Mainstream/Indie/Alternative CD AMANDA ROGERS Hope From The Forgotten Woods Starkult

hug. Was würden wir sagen, wenn wir einen zufällig ausgewählten Titel aus «Hope From The Forgotten Woods» von Amanda Rogers im Radio hören würden? Wir würden wahrscheinlich Sätze sagen wie «Ist schon Zeit zum Schlafengehen?» oder «Sorry, das hab ich jetzt gar nicht richtig mitgekriegt». Der Moderator (oder die Moderatorin, wir wollen schliesslich niemanden diskriminieren, nicht wahr) würde sagen: «Amanda ist eine New Yorkerin, Veganerin, PetaUnterstützerin, Singer/ Songwriterin, Pianospielerin,

und der Song eben war aus ihrem neuen Album, ihrem Siebten.» Wer schon mal was von Amanda Rogers gehört hat, vielleicht an einer PetaKundgebung, wo aber nicht anzunehmen wäre, dass Amanda halbnackt demonstrieren würde, der (oder die) würde dann vielleicht sagen: «Hach, schon das Siebte?» Aber wahrscheinlich werden die Songs von Amanda Rogers eh nicht im Radio gespielt. Weil es im Gegensatz zu Rogers auch Singer/Songwriter gibt auf dieser Welt, aus deren Liedern eine Handschrift und ein persönliches Profil zu erkennen ist. Und warum ist zum Booklet eine Absinth-Werbung beigelegt? Hat das eine mit dem anderen etwas zu tun? Wir vermuten: Nein. Aber warum ist die dann drin?

THE USED Vulnerable Hopeless Records rk. Die amerikanische Truppe rund um Sänger Bert McCracken brachte ihre letzte hervorragende Scheibe 2009 auf den Markt. Eine perfekte Mischung von Power, Melodie und Liedern, die man selbst

heute nicht mehr aus den Gehörgängen bringt. Nach einer Auszeit mit Hochzeit und Baby ist es ihnen nun gelungen, dieses mit ihrem neusten Werk „Vulnerable“ noch einmal zu überbieten. Mit John Feldmann als Produzent ging man wieder zurück zu den Wurzeln. Unverkennbares Markenzeichen der Band ist die Eigenständigkeit von Berts Stimme. So also nicht weiter verwunderlich, dass man bereits zu Beginn sofort hört, von wem die Songs kommen. Dies kann man durchaus negativ sehen und von einer stehengebliebenen Emotruppe sprechen, aber auch so sehen, dass die Jungs ihren Stil gefunden haben. Ebenso kann man die Ähnlichkeit zu Panic! At The Disco oder ihren damaligen Zöglingen von My Chemical Romance als negativen Punkt sehen. Sind doch The Used eine dieser Emobands wie aus Bilderbuch. Warum aber zwangsläufig ändern was sich so lange bewährt hat? The Used gelingt die Wanderung zwischen Post-Hardcore Elementen, gutem Alternative, einigen elektronischen Einflüssen und emotionalen Gesangsmelodien unumstritten gut. Und obschon

sich die Titel klar nach ihnen anhören sind sie doch eigenständig und bringen neue Elemente mit. Der Unterschied liegt hier eher im feinen Detail, wie beispielsweise im Beat oder dem neuen Groove, wie er auch im HipHop zu finden ist. Wer The Used liebt, wird auch an diesem Album genauso viel Freude haben wie an den Vorgängern. Sie zeigen die nötige Abwechslung und variieren von ruhigeren Songs wie „Getting Over You“ zu dem sehr druckvollen „Now That You're Dead“ ohne jedoch den Faden durch die komplette Scheibe zu verlieren. Obschon Berts Flair für gute und melodiöse Gesangslinien sich wieder entfalten konnte, wummern einem die nötigen Gitarrenwände entgegen und bringen für jeden Geschmack etwas mit. Sei es das beinahe schnulzige „Together Burning Bright“, welches von der Stimme getragen wird und zum Träumen anregt, das frische „Hands And Faces“ oder „Put Me Out“, das wiederum zum Tanz bittet. Kurz gesagt: simpel, gut und Freude verbreitend. Ein Muss für Genreliebhaber und alle, die einfach nur Spass an Musik haben wollen.


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LIVE 21. Juni 2012 - 18h Basel, St. Jakobshalle

Für Fans der harten Klängen wird es im Juni ein wahres Freudenfest geben. Mötley Crüe, die Bad Boys des L.A. Rocks geben eine ihrer raren Schweizer Shows und stimmen damit auf einen heissen Sommer ein. Und damit es auch ordentlich kracht, bringen sie den Mann mit dem Zylinder mit, der mit seiner neuen Truppe The Conspirators inkl. Alter Bridge-Sänger Myles Kennedy zum Besten gehört, was derzeit im HardrockSektor zu erleben ist.

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"Kunterbunter Haufen", so die Übersetzung des Bandnamens Mötley Crüe (Slang von Motley Crew). Passender hätte sich die Band damals 1981 nicht benennen können. Ein Aushängeschild gibt es nicht bei Mötley Crüe. Bassist Nikki Sixx, Drummer Tommy Lee, Gitarrist Mick Mars und Sänger Vince Neil sind längst individuell weltbekannte Promis und machten alle für sich schon Tausende Schlagzeilen in der Boulevard Presse. Zusammen sind sie die explosivste Mischung der Rockszene, DIE Definition von Sex, Drugs & Rock'n'Roll. Das wurde nicht erst mit der Veröffentlichung ihrer Biografie "The Dirt" klar dokumentiert, schon ihre Ehen mit ehemaligen Playmates und Baywatch-Nixen, berühmte Homevideos oder die vielen bekannten Drogenexzesse und Gefängnisaufenthalte sind legendär. Aber neben all den Exzessen und wilden Geschichten sind die Jungs vor allem auch musikalisch stilprägend und wichtig für die gesamte Hardrock Szene gewesen. Mit ihren Klassiker-Alben "Too Fast For Love"

(1981), "Shout At The Devil" (1983), "Theatre Of Pain" (1985),"Girls, Girls, Girls" (1987) und "Dr. Feelgood" (1989) prägten sie die Hard Rock- und vor allem Glam/Hair Metal Szene der 80er massgebend und verkauften bis heute über 80 Millionen Alben. Dass sie aber nicht nur in 80er Jahren cool waren, bewiesen sie mit ihrem Comeback-Album "Saints Of Los Angeles" im 2008, welches zum alten Stil zurückging und in der Szene wie in den Charts voll einschlug. Live standen die Jungs immer nur für eins, und darauf können wir uns auch für das Konzert in Basel freuen: eine fette Ami-Show und Party bis zum Umfallen. Dazu die endlose Liste der Bandklassiker, welche die St. Jakobshalle garantiert zum Kochen bringen werden. Angeheizt wird ebenfalls legendär: Slash, der Mann mit dem Zylinderhut, welcher mit Guns'n'Roses die Welt im Sturm nahm,


spielt im Vorprogramm, was einer kleinen Sensation nahekommt. Nachdem Slash 1996 bei den Gunners ausstieg, machte er zuerst mit der Band Slash's Snakepit auf sich aufmerksam. Viel mehr Aufsehen erregte er aber danach mit der Band Velvet Revolver, welche er zusammen mit den ex-Gunners Duff McKagan und Matt Sorum sowie dem Stone Temple Pilots Sänger Scott Weiland gründete und damit vor allem in den USA riesige Erfolge feierte. Im Jahr 2010 veröffentlichte Slash dann sein erstes Soloalbum, auf welchem er mit vielen Rockgrössen zusammenarbeitete (u.a. Ozzy Osbourne, Kid Rock, Myles Kennedy, Iggy Pop und Dave Grohl). Das Album wurde ein grosser Erfolg und jetzt kommt mit "Apocalyptic Love" ein neues Album im gleichen Stil. Zusammen mit Myles Kennedy and The Conspirators wird Slash nun auch in die Schweiz kommen und uns mit seiner coolen Les Paul Gitarre kräftig einheizen. Eins ist jedenfalls klar: die perfekte Kombination dieser beiden Legenden wird zu einem grossen Fest für Rockfans werden !


EARSHAKER DAY

23. Juni 2012 ab 14.30h Basel, St. Jakob Halle

hh. Für den Metal- und Hardcore Fan gibts in der Basler St. Jakob Halle richtig auf die Ohren. Auf drei Bühnen rockt das Who is Who der internationalen „Beton-Szene“ am 23. Juni ab 14.30h die Nordwestschweizer Metropole, das Line-Up der teilnehmenden Bands lässt dabei kaum Wünsche offen. Und weil das Fest in einer Halle stattfindet, und dazu noch mitten in der Stadt Basel, wird es keine Probleme mit schlechtem Wetter geben und die auswärtigen Fans sind in kürzester Zeit bequem vom Bahnhof aus am Ort der Metal-Schlacht. Weitere Infos zum Earshaker Day sind unter www.earshakerdays.com zu erfahren.

plus UNEARTH AUGUST BURNS RED UGLY KID JOE VALE TUDO SKELETONWITCH CANCER BATS YOUR DEMISE I KILLED THE PROM QUEEN and many more to come...

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WAVEJAM Balzers 11.-12. Mai 2012 Sportanlage Rheinau, Balzers Das Liechtensteinische Open Air gibt regionalen Bands Auftrittsmöglichkeiten vor grossem Publikum. Dieses Hauptanliegen der Veranstalter hat sich in der Vergangenheit bew��hrt und das Festival zu einem beliebten Grossanlass im Fürstentum und der Ostschweiz gemacht. Neben den lokalen Bands stehen aber auch attraktive nationale und internationale Acts auf dem Programm. So rockten in der Vergangenheit Acts wie 69 Chambers, Emil Bulls, The Sorrow, Point Blank, The Beauty Of Gemina, um nur einige zu nennen, Auch in diesem Jahr kommen mit den Amerikanern BOUNCING SOULS, den Briten SKINDRED und den Schweizer Hip Hoppern LIRICAS ANALAS wieder ein paar Hochkaräter nach Balzers, die zusammen mit den regionalen Truppen für beste Festival Stimmung sorgen werden. Freitag 11.5. 19:00 - 19:40 The Menzingers 20:00 - 20:40 Skeet 21:10 - 22:00 Experience 22:30 - 23:30 Plasma 00:00 - 01:00 Bouncing Souls 01:00 - .... DJ Bobby

SKINDRED

Samstag 12.5. 19:00 - 19:40 Painful Hate 20:15 - 20:55 Ilja 21:25 - 21:55 Mouthbeats 22:15 - 23:15 Liricas Analas 23:45 - 01:00 Skindred 01:00 - .... DJ Em

Einlass 18.00 / Beginn 19.00 Tagespass 20.-/2-Tagespass 30.Zeltplatz steht Gratis zur Verfügung direkt neben dem Festivalgelände. Parkplätze sind Gratis

Weitere Infos unter:

www.wavejam.li

6.-8. Juli 2012

THE BOUNCING SOULS

Zell LU

Mit OOMPH! steht am Samstag, 7. Juli, ein schwerer Brocken auf der Hauptbühne des Innerschweizer Festivals. Bereits seit 1989 ist das Trio eine der markantesten Bands Deutschlands. Mit ihrem brachialen Rock, der sich wegen der musikalischen Vielfältigkeit nur schwer einordnen lässt, gilt die Band als Rammstein-Inspiration/-Vorläufer, woran auch ihr bislang grösster Erfolg „Augen Auf“ keinen Zweifel lässt. Im Mai erscheint das neue Album „Des Wahnsinns Fette Beute“ , das zweifellos wie seine Vorgänger wieder für Spitzenpostionen in den Charts sorgen wird. Oomph! live ist ein massives Feuerwerk für Auge und Ohr. Mit SUBWAY TO SALLY steht am Freitag, 6. Juli, ein nicht minder attraktiver Headliner auf dem Programm. Wie auch Oomph! konnten die Sallys bereits den von Stefan Raab lancierten Bundesvision Song Contest gewinnen. Im Bereich Pagan-/Mittelalter-Rock-/-Metal gehört die Band zu den führenden Live-Acts im deutschsprachigen Raum. Mit FIDDLER'S GREEN kommt zudem einer der erfolgreichsten Newcomer-Acts. Mit punkigem, irischem Folkrock, ganz in der Tradition von The Pogues, sind sie ebenfalls ein Garant für höchste LivePower. Den Abschluss am Sonntag, 8. Juli, macht dann ein Familienprogramm inkl. SCHMETTERBAND & Gäste. Als Band eine Institution in der Schweizer Musikszene mit über 1000 Konzerten, 14 Alben und vielen weiteren eindrücklichen Facts lädt die Band zum Tanz mit vielen Gästen. So werden es sich Polo Hofer, Fabienne Louves, Sandee und Luke Gasser nicht nehmen lassen in Zell ihr Stelldichein zu geben und Hits wie „Giggerig“ oder „Hemmigslos liebe“ darzubieten. Das komplette Programm mit allen Live-Acts und weitere Infos unter:

www.openquer.ch

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lg. Schon zum dritten Mal findet nun das Sonisphere Festival in der Schweiz statt. Diesmal werden ein paar grosse Namen im Rahmen des in bandmässiger Hinsicht massiv redimensionierten Sonisphere das ehemalige Expo.02-Gelände in Yverdon-lesBains an den Ufern des schönen Neuenburgersees am 30. Mai in Schutt und Asche legen. Ein gewisse Spannung ist da, wie erfolgreich die Ausgabe 2012 des Sonisphere sein wird, denn letztes Jahr ist mithin ein Grund für den Konkurs des damaligen Veranstalters Free & Virgin der schwache Umsatz beim Sonisphere 2011 in Basel (mit Iron Maiden als Headliner und ca. weiteren 40 Bands) gewesen. Da allerdings mit

Mittwoch, 3 Yverdon-l Parc des Ri

20 30 Jahre sind sie soeben geworden, die MetalVeteranen um James Hetfield und Lars Ulrich. Dieses Ereignis ist mit vier rauschenden ClubGigs im Fillmore in San Francisco im Dezember 2011 mit allen noch lebenden ExMitgliedern (u.a. Dave Mustaine, Jason Newsted) und zahlreichen weiteren Stars wie Ozzy Osbourne, Rob Halford etc. ausgiebig gefeiert worden. 1981 in L.A. gegründet, dann nach SF disloziert, haben Metallica in den 80ern einige absolute Thrash-Metal-Klassiker wie "Kill'em All", "Ride The Lightning" oder natürlich "Master Of Puppets" hervorgebracht. Mit weiteren Erfolgen ("….And Justice For All", "Black Album") haben Metallica dann den Metal-Thron endgültig bestiegen. Trotz späterer teilweise schwacher Alben haben Metallica an Popularität kaum eingebüsst und gelten live nach wie vor als absolut sicherer Wert. Deshalb kann man gespannt auf den Gig am Sonisphere sein, wo die Four Horsemen ihr gesamtes "Black Album" am Stück spielen werden - und hoffentlich ein paar alte und selten gespielte Perlen draufpacken. Bang that head that doesn't bang (legendärer Spruch auf dem Backcover von "Kill'em All")!

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Motörhead sind eine Institution und dies, weil der stramm auf die 70 zugehende Frontmann Lemmy die noch grössere Institution ist. Obwohl die ganz grossen Klassiker von Motörhead auch eine gewisse Zeit zurückliegen (zum Beispiel "Bomber", "Ace Of Spades", "Overkill", "Another Perfect Day", "Orgasmatron", "1916") mäht das Trio nach wie vor alles nieder. Das letzte Album "The Wörld Is Yours" war sehr solid, Lemmy scheint es gutzugehen und Konzertbesuche von Motörhead machen nach wie vor Spass. Wenn Lemmy seine weissen Cowboystiefel anzieht und mit einer kauzigen Ansage einen Gig lanciert, gibt es kein Halten mehr. So wird es auch dieses Jahr in Yverdon-les-Bains sein. Allerdings wird man manchmal bei Motörhead das Gefühl nicht los, ein Museumsstück vor sich stehen zu haben, doch das soll auch so sein, denn wer will hier moderne Einflüsse oder dergleichen hören? Es geht immer noch um Rock 'n' Roll mit einem Schuss Metal, Punk, Blues und Boogie. Und wer mehr über Lemmy und sein Leben erfahren möchte, dem sei die tolle Biographie "White Line Fever" (nach einem Song von Motörhead und einem [früheren?] Hobby von Lemmy) wärmstens empfohlen.


30. Mai 2012 les-Bains ives du Lac

METALLICA als Headliner eine der grössten Metal-Bands aller Zeiten verpflichtet werden konnten, scheint sich für dieses Jahr wieder alles zum Guten zu wenden. Die in den 80ern wegweisenden Kalifornier werden ihr gesamtes "Black Album" zocken und somit ihre letzte "gute" Scheibe spielen. Daneben treten Slayer, Motörhead (beide neben Metallica auch schon am legendären Schlammsonisphere 2010 auch dabei), Mastodon, Gojira und die Eidgenossen von Eluveitie auf. Vorausgesetzt das Wetter wird eingermassen vernünftig und die Fans stehen nicht im See, steht einem tollen Festival eigentlich nichts mehr im Wege. Live Fotos: Ian Keates

012 Auch eine der Big-Four Bands des Thrash-Metal (neben Metallica, Megadeth und Anthrax) sind Slayer aus Los Angeles. Seit Anfang der 80er Jahre brettern sich Tom Araya (v., bs.) , Kerry King (git.), Jeff Hannemann (git.) und Dave Lombardo (dr.) durch ihre zahlreichen Hits und gelten als grosser Einfluss nicht nur des Thrash-Metals sondern aller Spielarten des extremen Metals. Ihr teuflisches Image zu Beginn ihrer Karriere tat ihr Übriges hierzu. War "Show No Mercy" aus dem Jahre 1983 noch stark von klassischem Heavy-Metal beeinflusst, haben sich Slayer insbesondere mit "Hell Awaits" (ihrem düstersten Werk) und mit dem von Rick Rubin produzierten Meilenstein "Reign In Blood" nach oben katapultiert. Auch die weiteren Scheiben "South Of Heaven" (1988) und "Seasons In The Abyss" (1990) sind absolute Klassiker. Dann haben Slayer ihre Erbe geschickt verwaltet, indem sie ausnahmslos gute Alben veröffentlicht und den Fans auf Konzerten immer eine tolle Show geboten haben. Dieses Jahr ist zum Glück der nach einem Spinnenbiss zeitweise am Arm gelähmte Jeff Hannemann wieder dabei (er wurde für Gigs von Garry Holt/Exodus oder Pat O'Brien/Cannibal Corpse ersetzt) und ein neues Album ist in der Mache.

Abgerundet wird das Billing durch die Franzosen von GOJIRA (am ehesten dem Death Metal zuzuordnen) und die Deutschschweizer ELUVEITIE (sagenhafter Pagan Metal / s. Review zum aktuellen Knaller "Helvetios" in der letzten Ausgabe von TRACKS).

Früher als Math-Core oder was auch immer verschrien, sind auch Mastodon im Kreise der festen Grössen im harten Rockbereich angekommen. Zahlreiche Tourneen, sowohl als Hauptact oder auch als Support für Grössen wie Metallica, Slayer, Iron Maiden, Black Sabbath oder Tool, haben der Band den nötigen Schliff gegeben und mit dem letztjährigen Album "The Hunter" (dem fünften insgesamt) in eine songdienlichere Richtung driften lassen. Auch Mastodon sind sehr zu empfehlen, doch man wird sehen, wie das bei Tageslicht funktionieren wird.

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CD Hard/Heavy/Metal

OVERKILL The Electric Age Nuclear Blast / Warner

AXEL RUDI PELL Circle Of The Oath Steamhammer/SPV mv. Auf Axel Rudi Pell ist immer Verlass. In einer Musikwelt voller Schnelllebigkeit, Trendanbiederungen und Reunions ohne Ende gibt es neben AC/DC, Iron Maiden und Motörhead nur ein paar wenige echte Konstante, die seit einer Ewigkeit am Ball sind und immer noch regelmässig geile Alben veröffentlichen. Axel Rudi Pell muss hier mit Ausrufezeichen dazu gezählt werden. "Circle Of The Oath" ist dabei das bereits 14. Studioalbum in 23 Jahren Bandgeschichte des ehemaligen Steeler Gitarristen (dazu kommen noch vier Ballads Alben, eine Coverscheibe und diverser Live- und Best Of Scheiben). Ich ziehe meinen Hut vor solcher einer Leistung. In gewohnter Qualität bietet auch "Circle Of The Oath" wieder alles, was man sich als Pell-Fan nur wünschen kann. Diverse Hard Rock Highlights des noch jungen Jahres wie der schnelle Double-Bass Opener "Ghost In The Black", eingängige

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sehr melodiöse Hymnen wie "Run With The Wind" oder "Hold On To Your Dreams", das an Black Sabbath zu "Headless Cross" Zeiten erinnernde und sehr epische "Bridges To Nowhere" oder die obligatorische Ballade "Lived Our Lives Before". Beim Titeltrack gibt's dann sogar noch eine kleine Überraschung. Der fast 10 Minuten lange Song klingt zu Beginn stark nach Led Zeppelin, schlägt dann aber in einen typischen Pell Longtrack um und erinnert etwas an das grandiose "Cashbah" vom 1994 Album "Between The Walls". Dazu gibt's eine glasklare, fette Produktion und ein stimmungsvolles, düsteres, einfach perfektes Artwork, welches vor allem auf der Vinyl-Version prächtig zur Geltung kommen wird (es wird neben der normalen 2LP auch noch ein Boxset mit verschiedenen Gimmicks veröffentlicht werden). Ich bin einmal mehr total begeistert, Hard Rock- und Melodic Metal-Fans müssen ohne wenn und aber zuschlagen !

lg. Mit dem letzten Album „Ironbound“ haben die EastCoast Thrasher von Overkill massiv zurückgeschlagen und die etwas schwächeren Vorgängerscheiben vergessen gemacht. Bobby „Blitz“ Ellsworth, D.D. Verni & Co sind nun mit „The Electric Age“ schon wieder zurück und legen ein Album vor, das durch tolle Melodien, aggressive Riffs sowie den bei Overkill üblichen PunkSpirit glänzt. Auch in Sachen Tempo wird Abwechslung gross geschrieben (sehr cool der epische Rausschmeisser „Good Night“). Im Vergleich zum wirklich überragenden Vorgängerwerk zieht „The Electric Age“ zwar knapp den Kürzeren, doch Songs wie „Come And Get It“, „Wish You Were Dead“ oder „All Over But The Shouting“ machen klar, dass Overkill nach wie vor (auf ihrem nunmehr 17. regulären Album) keine Gefangenen machen. An die vier ganz grossen Bandklassiker („Feel The Fire“, „Taking Over“, „Under The Influence“ und „The Years Of Decay“) werden die New Yorker wohl nie mehr herankommen, doch kann „The Electric Age“ schon jetzt als frühes Thrash-Metal Highlight des Jahres 2012 ausgemacht werden. Daumen hoch für die sympathischen und niemals aufgebenden Jungs von Overkill. Livehaftig hoffentlich bald in der Nähe zu erleben!

Auflösung von Running Wild damals mehr als traurig war, sich dafür jetzt über die überraschend schnelle Rückkehr umso mehr gefreut hat. Ich konnte es kaum erwarten, die Scheibe zu hören und die Erwartungen waren nach einigen Statements in der Presse von Captain Rock'n'Rolf riesig. Nun, nach wirklich vielen Durchläufen bin ich mir immer noch nicht sicher, ob ich jetzt enttäuscht sein soll oder nicht. "Shadowmaker" ist ein gutes Running Wild Album geworden, vor allem besser produziert als die letzte Scheibe, bietet es einige Highlights wie "Piece Of The Action" (typischer Running Wild Stampfer, erinnert etwas an W.A.S.P.), "I Am Who I Am" (herrlich melodiöser Ohrwurm mit tollen Chören und textlich ein klares Statement von Rock'n'Rolf an all seine Kritiker), "Dracula" (epischer Longtrack mit ungewöhnlichen Riffs und sehr düsterer Atmosphäre) oder "Into The Black" (mitreissender Earcatcher, der abermals etwas an W.A.S.P. erinnert). Allerdings sind auch einige Songs auf dem Album, die einfach etwas gar simpel aufgebaut sind und auch ein wenig zu sehr nach der alten Formel gestrickt sind. Gerade im Gitarrenbereich vermisse ich teilweise etwas die zündenden Ideen. Vermutlich waren die Erwartungen einfach etwas zu hoch geschraubt und die Messlatte der vielen BandKlassiker ist einfach auch erschreckend hoch. Alles in allem aber immer noch eine Scheibe, die viel Spass macht und vor allem gesanglich einen frischen, neu motivierten Rock'n'Rolf bietet. Erfreuen wir uns also einfach am Comeback und dass es überhaupt noch mal ein neues Album gibt.

HUNTRESS Spell Eater Napalm Records/MV

RUNNING WILD Shadowmaker Steamhammer/SPV

mv. Running Wild sind zurück! Ich bin sicher nicht der einzige grosse Fan der Band, der über die

mv. Mit Huntress betritt ein sehr interessanter und vielversprechender Newcomer aus Kalifornien die Metal Szene. Huntress stehen für puren brettharten Heavy Metal im Stile von Bands wie Cage oder aktuellen Agent Steel und Helstar. Der Unterschied ist, dass


hier mit dem optischen Blickfang Jill Janus eine ehemalige OpernSängerin mit einem Stimmumfang von vier Oktaven am Werk ist. Wer jetzt aber "Nightwish"-Gesang erwartet wird mächtig überrascht sein. Miss Janus schreit, singt, faucht, brüllt und kreischt in allen Lagen das es eine wahre Freude ist. Die Songs dazu sind alle knallhart, oft angereichert mit BlastspeedParts und vielen verschiedenen Stimmungen. So dachte ich beim Hören manchmal innerhalb eines einzigen Songs zuerst an Chastain oder Hellion, nur um Sekunden später kräftige King Diamond Anleihen wahrzunehmen, welche dann in fast schon Black Metal Sphären übergehen. Sehr abwechslungsreich also das Ganze und trotzdem immer krachender Heavy Metal, versehen mit einer sauberen, richtig guten Produktion und einem old schooligen okkulten Artwork. Die Band legt einen tollen Start hin und ist auf jeden Fall nicht so austauschbar wie viele andere Newcomer. Jetzt fehlen nur noch Auftritte am Keep It True und ähnlichen Festivals hier in Europa. Von Huntress werden wir hoffentlich noch viel hören.

Kevin Heybourne (v., git. / mit exCarcass Mitglied Bill Steer an der zweiten Gitarre verstärkt) mit "As Above, So Below" eine der grössten Überraschungen der letzten Monate abgeliefert. „As Above, So Below“, so der Titel des neuen Albums, besteht aus acht Songs auf hohem Niveau, welche gewöhnt düster und doomig daherkommen, aber immer noch die Essenz der NWOBHM in sich tragen. Highlights sind für mich die brandneuen „Geburah“ und der epische Longtrack „The Horla“ sowie der alte Song „Witching Hour“ (ursprünglich von 1983). Das „Into The Dark“ und „Guillotine“ aus den späten 70ern stammen, hört man den Songs an, doch tönen diese beiden Songs zu keiner Zeit verstaubt. Was für ein Album von der Legende. Nur am Debut, das für immer und ewig in der Heavy Metal Hall of Fame sein wird, kommt “As Above, So Below” nicht vorbei.

JEFF SCOTT SOTO Damage Control Frontiers/MV

ANGEL WITCH As Above, So Below Rise Above / Irascible

lg. Dieser Tage erscheint das fünfte reguläre Studioalbum der New Wave Of British Heavy Metal (NWOBHM) Legende Angel Witch, welche mit ihrem Debüt 1980 Metalgeschichte geschrieben hat und in dieser Zeit auf einer Stufe mit Iron Maiden, Saxon, Samson, Praying Mantis und vielen weiteren Bands stand. Mag das Album musikalisch eines der Topscheiben der NWOBHM sein, haben vor allem auch das okkulte Konzept und der latente DoomEinschlag Angel Witch zu langandauerndem Ruhm verholfen. Das Debut von Angel Witch gilt als massiver Einfluss für die aktuellen Retro-Bands wie Ghost, The Devil's Blood etc. Nach der bewegten Karriere von Angel Witch mit gefühlten tausend Line-up Wechseln haben Angel Witch um Mastermind

mv. Der umtriebige Wundersänger Jeff Scott Soto meldet sich zur Abwechslung mal wieder mit einem Soloalbum zurück. Nachdem Jeff in der Vergangenheit schon die Alben von Künstlern und Bands wie Yngwie Malmsteen, Axel Rudi Pell, Talisman, Journey, W.E.T. oder zuletzt Trans-Siberian Orchestra (eine komplette Liste seiner Engagements würde das Review gleich füllen) mit seiner grandiosen Stimme veredelt hatte, zeigt er mit "Damage Control" dass er auch als Solokünstler nach wie vor voll überzeugen kann. AOR- und Hard Rock Fans werden bei diesem sehr abwechslungsreichen tollen Album mit kraftvollen Rocksongs ("Give A Little More", "Damage Control", "AfterWorld"), wunderschönen Balladen ("If I Never Let Her Go", "BonaFide", "NeverEnding War") und melodiösen Ohrwürmern ("Tears That I Cry", "Die A Little" und "How To Love" wären in den 80er Jahren allesamt Hitsingles gewesen) von vorne bis hinten

verwöhnt. Dazu ist das Album mit einer glasklaren und sehr druckvollen Produktion ausgestattet, was auch nicht mehr eine Selbstveständlichkeit ist in der heutigen Zeit. Alles in allem ein fantastisches, sehr empfehlenswertes Album eines aussergewöhnlichen Musikers.

NEW EDEN Solving For X Pure Steel Records

lg. Wo auch immer der talentierte Gitarrist Horacio Colmenares dabei ist (Axehammer, Steel Prophet), springt qualitativ hochstehender US-Power/Progressive-Metal heraus. Das ist nicht anders bei seiner Hauptband New Eden. Das vierte Album "Solving For X" das erste von New Eden seit 2003 (auch bedingt durch zahlreiche Line-up Wechsel) lässt auch hier keinerlei Wünsche offen. Abwechslungsreiche Vocals, geile Gitarrrenriffs, tolle Solis sowie vertrackte, aber immer treibende und mit vielen Tempowechseln versehene Rhythmen lassen das Herz des Genrekenners höher schlagen. Dennoch sind die Songs genügend eingängig und melodiös, dass sie nach ein paar Durchläufen von "Solving For X" hängen bleiben. Schon der Opener "Anthem Of Hate" ist ein Knaller geworden. Sehr cool sind auch Songs wie "Brainless", "The Not Self", das schnelle "Unsolved Aggression" oder das Albumhighlight "Life Not Death". Stilmässig kann man New Eden in der Schnittmenge zwischen neueren Steel Prophet (Melodie) und Helstar/Destiny's End einordnen. "Solving For X" ist ein Album, das Spass macht, allerdings erst nach mehreren Durchläufen richtig zündet.

SUNSTORM Emotional Fire Frontiers/MV mv. Joe Lynn Turner braucht sicher keinem Rockfan mehr vorgestellt zu werden. Seine Stimme veredelte schon Alben von Rainbow, Deep Purple oder Yngwie Malmsteen's Rising Force und auch als Solokünstler ist Turner längst etabliert. Nun gibt es mal wieder ein neues

Hard/Heavy/Metal CD Album von Sunstorm, seinem Hardrock-Projekt bei Frontiers Records zusammen mit Produzent und Bassist Dennis Ward (Pink Cream 69). "Emotional Fire", das bereits dritte Sunstorm Album, bringt neben einigen neuen Nummern von ausgewählten Songwritern (Highlight dabei ist der flotte Opener "Never Give Up") auch Neuaufnahmen von Cher- und Michael Bolton-Songs, bei denen Turner in den 80ern als Background-Sänger beteiligt war. So wähnt man sich beim Hören der Songs "Gina", "You Wouldn't Know Love" oder dem Titelsong (geschrieben von Bolton, Diane Warren und der lebenden Hitfabrik Desmond Child) wie mit Zeitmaschine in die 80er zurückversetzt. Dank der knackigen, tollen Produktion von Dennis Ward klingt das Album aber trotzdem überhaupt nicht altbacken. So gibt's hier für AOR- und Melodic Rock-Fans eine Hammerscheibe, die vor

Hits nur so strotzt und Frühlingsgefühle weckt. DER Soundtrack für die nächste längere Autofahrt der Sonne entgegen…

URIAH HEEP Logical Revelations The Store For Music

mv. Uriah Heep müssen sicher niemandem mehr vorgestellt werden. Über 40 Jahre lang ist die Band schon aktiv, die Anzahl an Alben und Hitsingles ist beinahe unzählbar geworden. Das hier vorliegende Album ist leider nicht bereits der Nachfolger des tollen "Into The Wild" Albums von 2011. Der wird noch etwas mehr Zeit benötigen, obwohl Uriah Heep in den 70ern tatsächlich so produktiv waren

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CD Hard/Heavy/Metal

BEFORE THE DAWN Rise Of The Phoenix Nuclear Blast/Warner em. Die Finnen um den umtriebigen Bandgründer und Mastermind Tuomas Saukkonen bescherten ihren Anhängern voriges Jahr mit „Deathstar Rising“ ein grandioses Album, welches durch viel Melancholie und harte Riffs glänzte. Das neue Werk lässt Before The Dawn tatsächlich wie Phönix aus der Asche der Schwermut steigen. „Rise Of The Phoenix“ wird vom sanften „Exordium“ eingeleitet. „Pitch-Black Universe“ zeigt dann gleich die Marschrichtung dieser neuen Veröffentlichung an. Before The Dawn haben deutlich einen Zahn zugelegt. Hart, wild, schnell und düster ist der Sound, wobei die Gitarren im Hintergrund immer hell, klar und sehr melodiös figurieren. Frontmann Tuomas Saukkonen growlt tadellos und die hämmernden Gitarrenwände harmonieren wunderbar mit den filigranen Tonfolgen. Im dritten Stück „Phoenix Rising“ wird das Tempo in den Strophen dann noch mal gesteigert. Der Refrain besticht hier erneut durch diese gelungene Mixtur aus eingängigen Gitarrenmelodien und brachialer Stimmgewalt, die ihre Wirkung nicht verfehlt. Tuomas ist einer jener Künstler, dem es immer wieder gelingt destruktive Klänge mit Anmut und viel Melodie anzureichern ohne, dass es

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jemals nach Versuch klingen würde. „Throne Of Ice“ ist dafür ein geeignetes Beispiel und Anspieltipp. Hier entfaltet sich das begnadete Können des Komponisten auf eindrückliche Weise. Das Intro ist bezaubernd, beherrscht durch eine hinreissende Gitarrenmelodie und weicht dann einem knallharten Death-Metal-Gewitter, welches in MidtempoPassagen übergeht. Und wieder ist es die exzellente Gitarrenarbeit, die sofort auffällt. Dieses Rezept zeichnet alle neun Tracks dieser fabelhaften Scheibe aus, die keinerlei Schwachstellen hat. Zum Vergleich: Before The Dawn sind nicht ganz so genreübergreifend wie Tuomas' Projekt Black Sun Aeon, bei dem noch cleane und warme Stimmen den variablen, zum Teil progressiven Sound ergänzen. Bei Before The Dawn, respektive ihrem Output „Rise Of The Phoenix“ dominieren klar Tempo, Härte und der dunkle Gesang. Vom Intro mal abgesehen gibt es nur ganz zum Schluss ein Song, bei dem die Blastbeats im Hintergrund zu hören sind, während sanfte Töne und balladeske Gitarren die Führung übernehmen. Ein Meisterwerk schlechthin!

und mehrmals zwei Alben pro Jahr veröffentlichten. In der heutigen Zeit kaum noch vorstellbar, dafür werden heute oft zwischen den regulären Alben entweder Live Alben, DVD's oder Compilations veröffentlicht. Womit wir bei "Logical Revelations" angekommen wären, einer Compilation welche nur die drei 90er Jahre Alben "Sea Of Light" (1995), "Spellbinder" (1996, Live-Album) und "Sonic Origami" (1998) abdeckt. Besitzer dieser 3 Alben können also trotz des tollen Artworks sicher gut auf diese Digipak-CD verzichten. Wer allerdings während der Grunge Welle damals die echt starken Outputs von Uriah Heep verpasst haben sollte, kann hier bedenkenlos zuschlagen und sich anhand von Hammersongs wie "Against The Odds", "Between Two Worlds", "Universal Wheels", "Logical Progression" oder "Words In The Distance" ein gutes Bild dieser Phase der Band verschaffen. Dazu gibt's noch fünf absolute Live Klassiker ("Lady In Black", „The Wizard“ oder „Easy Livin'“ dürfen natürlich auf keiner Uriah Heep Compilation CD fehlen), welche allerdings sicher jeder Rockfan schon mehrfach irgendwo auf Tonträger hat. Trotzdem, diese CD enthält nur beste und edle Hard Rock Musik (oder Classic Rock wie das heute oft genannt wird) und ist somit für Neueinsteiger auf jeden Fall ihr Geld wert.

(zum Beispiel „Frontline“ oder „Numb“) genau so anschlagen wie die gefühlvollen („Feel Afraid“). Seine Mitstreiter liefern ebenfalls eine sehr solide Leistung ab. Der Sound von Engel variiert von enorm eingängigen sehr melodiösen Passagen bis hin zu derben und brachialen Parts. Kraftvolle Riffs und harmonische Momente fehlen ebenso wenig wie fidele Gitarrenklänge („Cash King“). Gespickt ist das ganze mit elektronischen und sehr modernen Elementen wie etwa in „Drama Queen“ oder „Darkness“. Unter dem Strich ist „Blood Of Saints“ ein sehr gutes Album geworden. Es fehlt den Jungs von Engel aber noch etwas an Eigenständigkeit und innovativen Ideen, die sie von der breiten Masse abheben könnten. Sie stehen leider (noch) zu sehr im Schatten der Grossen dieses Genres wie In Flames, Soilwork oder den erwähnten Dark Tranquillity und kommen so über ein gutes Mittelmass nicht hinaus. Das Potenzial und Können von Engel steht jedoch ausser Frage. Vielleicht klappt es beim nächsten Output etwas besser.

INVERLOCH Dusk… Subside (EP) Relapse/Nonstop

ENGEL Blood Of Saints Seasons Of Mist/Irascible

em. Die Flut an Melodic Death Metal aus Skandinavien reisst nicht ab. Engel aus Schweden präsentieren ihren dritten Longplayer „Blood Of Saints“. Der namhafte Produzent hinter dem Produkt ist Tue Madsen (The Haunted, Hatesphere, Dark Tranquillity) und der hat seine Arbeit ganz anständig hinbekommen. „Blood Of Saints“ klingt abwechslungsreich und gelungen. Sänger Magnus Klavborn kann aggressive Töne

nl. Die 22 Minuten Musik auf dieser EP, von der schleppenden Langsamkeit bis hin zu den immer wieder aufbrechenden, rasanten Haudrauf-Passagen, sind von einer Brutalität und konsequenten Kompromisslosigkeit geprägt, die ihresgleichen suchen. Der erste der drei Songs beginnt fast lautlos, wird dann einlullendbedrohlich, doch kurz bevor der Hörer richtig darin versinken kann, geht es urplötzlich mit einem Death-Crust-Gewitter und abgrundtiefen Growls los, die sich alsbald in schleppende Riffs mit lang gezogenen Gitarrensoli verlieren, bevor von Neuem das Gaspedal durchgedrückt wird nur um bald darauf wieder in düsteren Drones zu landen.An zweiter Stelle folgt ein FuneralDoom-Song par excellence, der


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CD Hard/Heavy/Metal vor allem von der Atmosphärische der sparsam eingesetzten Synthesizern und von den abgrundtiefen Growls lebt, die gelegentlich auch in höhere (schwarzmetallischere) Lagen vordringen und dann für willkommene Abwechslung sorgen. Auch der dritte Song zeigt nochmals auf, was die Australier ausmacht: Viele andere Bands sollten besser die Finger von solch abrupten Tempowechseln lassen doch INVERLOCH, wie bereits ihre Landsmänner diSEMBOWELMENT (von denen auf «Dusk… subside» zwei ehemalige Mitglieder am Start sind) meistern diesen Spagat mühelos und klingen auch und gerade deswegen keine Sekunde langweilig. Trotz aller Düsternis und Bedrohlichkeit gibt es auf dieser EP viel versteckte Schönheit zu entdecken, die sich Zart-Besaiteten jedoch kaum erschliesst. Eine Hymne an die Dunkelheit der Extreme auch auf Vinyl erhältlich!

MOONSPELL Alpha Noir Napalm Records/MV em. Die portugiesischen Moonspell sind endlich wieder da und präsentieren ihr neustes Dark-MetalWerk „Alpha Noir“, welches mit seinen neun Kompositionen von Anfang an überzeugt. Moonspell klingen frisch, energiegeladen, herrlich kühl und fest entschlossen. Der Opener „Axis Mundi“ besticht bereits mit hervorragender Gitarrenarbeit und einem gelungenen Mix aus Thrash-Elementen, BlackMetal-Anleihen und sphärischen Parts. Sänger Fernando Ribeiro holt aus seiner variablen Stimme alles heraus. Die nächste Nummer „Lickanthrope“ steht der vorherigen in Nichts nach. Die Gitarrenriffs krallen sich im Gedächtnis fest. Wild und eingängig sind die Tracks auf „Alpha Noir“. Die gut platzierten Tempo- und Rhythmuswechsel sorgen zusätzlich für Abwechslung und Überraschungsmomente. Der dritte Track „Versus“ klingt etwas rockiger und auch hier sind es die fidelen Gitarren, die einem nicht loslassen. Dieser Song ist enorm treibend, genreübergreifend und macht einfach wahnsinnig Spass. Es folgt das gleichnamige „Alpha Noir. Diese Nummer brettert zu Anfang ziemlich, bevor es dann wieder in reduzierter Geschwindigkeit weitergeht, um dann im Refrain wieder brachiale

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VINUM SABBATUM Songs From The Convent Klänge zu entfalten. Ruhige und gemächliche Passagen wurden ebenfalls eingewoben, ohne verloren oder deplaziert zu wirken. Ein recht komplexes Stück, welches eines der grössten Highlights auf diesem Album bildet. „Em Nome Do Medo“ ist in Portugiesisch gesungen und ist wie die anderen Beiträge sehr kurzweilig, bedingt durch die erwähnten Attribute. So zieht sich die Kreativität und Vielfalt wie ein roter Faden durch „Alpha Noir“. Das Schlusslicht bildet das instrumentale „Sine Missione“. Das Intro ist klassisch durch Violinenklänge und düsteren orchestralen Sound gestaltet. Es geht über in spannungsgeladene, präzise und stampfende Gitarrenwände, welche durch elektronische, sehr atmosphärische Komponente angereichert sind. Diese Scheibe ist in der Tat phänomenal. Sie flacht nicht ab und reisst den Hörer mit. Moonspell haben sich damit nicht nur ein Denkmal gesetzt, sondern auch selbst übertroffen.

Eyes Like Snow

leh.Eines steht fest: Vinum Sabbatum sind eine der konsequentesten Retrobands der Stunde. Ihre Riffs sind derart unverblümt bei den frühen Hardrock-Bands geklaut, dass es eine Wonne ist. Die sparsam eingesetzten Gitarrensoli erinnern dabei an Ritchie Blackmore von Deep Purple, die überaus dominante HammondOrgel an seinen Bandkollegen Jon Lord. Vermengt ist dieser Retrosound mit urchigem Krautrock im Stile von Jane und einigen Doom-Einflüssen aus der Sabbath-Ecke. Zwischendruch lassen sich auch Uriah Heep heraushören, was nicht wundert, spielte Organist Tomi Korpela doch einst in einer HeepCoverband. «Songs From The Convent» ist somit eine absolut sympathische, auf die Dauer jedoch auch etwas harmlose Hommage an die frühen Siebziger - wobei das vorliegende Werk eigentlich bloss eine Wiederveröffentlichung der

ersten Mini-CD aus dem Jahr 2010 ist, ergänzt durch zwei Songs einer Split-CD. Man darf also gespannt sein, ob das Quintett aus Finnland auf seinem ersten abendfüllenden Album Fortschritte machen wird. Angesetzt ist die Veröffentlichung bereits auf diesen Sommer.

CANNIBAL CORPSE Torture Metal Blade / MV

lg. „Torture“ besteht aus zwölf fiesen Hassgranaten, welche wieder mal klar und deutlich zeigen, dass Cannibal Corpse die Könige des US Death-Metals sind. Einstmals mit „Eaten Back To Life“ im Jahre 1990 der Region Buffalo im Bundesstaat New York entsprungen, haben sich Cannibal Corpse im Laufe der Jahre durch ausdauerndes Touren als feste Grösse etabliert und haben trotz einiger Line-Up Wechseln in ihrer Geschichte ausnahmslos starke Alben vorgelegt. Das sehr variable „Torture“ kann sich sogar einen Platz in der oberen Hälfte der Diskographie von Cannibal Corpse krallen. Es wird nicht durchgehend drauflosgebolzt, sondern groovige Riffs geben der strapazierten Nackenmuskulatur immer wieder mal die nötige Entspannung, bevor George „Corpsegrinder“ Fisher, Alex Webster und Jungs zur nächsten Attacke ausholen. Die beiden ersten Songs („Demented Aggression“ und „Sarcophagic Frenzy“) sind schon Highlights. Richtig killen die Kannibalen dann auf dem alles zermalmenden „Scourge Of Light“ ein alles vernichtender Midtempohammer. „Crucifier Avenged“ schlägt in die gleiche Kerbe, während die beiden letzten Songs vornehmlich im Geschwindigkeitsrausch alles niederwalzen. So ist schön. Und die wunderbaren Songtitel wie „Encased In Concrete“ oder „Followed Home Then Killed“ tun ihr Übriges. Kaufen… or be killed!


Hard/Heavy/Metal CD CARACH ANGREN

SPAWN OF POSSESSION

Where The Corpses Sink Forever -Season Of Mist-

Incurso

em. Was für ein Meisterwerk des Komponierens! Die holländische Formation Carach Angren präsentiert ihr drittes Album „Where The Corpses Sink Forever“. Wie der Titel schon erahnen lässt, werden keine Gefangenen gemacht. Das fast zweiminütige obligate liebliche Intro ist natürlich nur die Ruhe vor dem morbiden musikalischen Sturm. Seregor, Ardek und Namtar bieten brachialen Black Metal, den sie aber mit höchst theatralischen Elmenten anreichern. Orchestrale Parts, stimmungsvolle Chöre und eine enorm facettenreiche Stimme des Sängers Seregor tragen dazu bei, dass diese Scheibe, mit ihren neun Tracks, wunderbar abwechslungsreich und kurzweilig geraten ist. Man kann die wahrscheinlich filmreife schauspielerische Leistung der Herren beim Produzieren dieses Rundlings geradezu hören. Zwischen den rasendschnellen Passagen finden immer wieder mal schleppende Momente Platz. Von opulenten und majestätischen Klängen wird ohne Scheu zu ruhigen und schaurigen Momenten gewechselt. Der Sound klingt mal kühl und düster, dann wieder beklemmend bis hin zu anmutig und sanft, ja fast verspielt. Der Spagat zwischen Black Metal und der hohen Kunst der klassischen Musik gelingt wie selbstverständlich und fesselt den Hörer von Anfang an. „Where The Corpses Sink Forever“ klingt wie ein Hörbuch oder eine Black-MetalOper inklusive der dazugehörenden emotionalen Achterbahnfahrten. Anspieltipps sind nicht von Nöten, denn hier ist jeder einzelne Track ein kreatives Kunstwerk. Das Album weist keinerlei Schwachstellen auf, ist mehr als nur gelungen und stellt eine wahre Freude dar. Einfach nur Sensationell!

Relapse/Nonstop

leh. Sie gehören seit fast zehn Jahren schon zur Elite des anspruchsvollen Death Metal, sechs Jahre sind seit ihrem letzten Album vergangen. Das schraubt die Erwartungen an das neue Werk von Spawn Of Possession natürlich in die Höhe. Dazu kommt, dass der Virtuose Christian Müenzner von Obscura beim schwedischen Quintett die Leadgitarre übernommen hat. Er ist an seinem Instrument nichts weniger als ein Überflieger. Und so geht es auf dem neuen Album bereits von der ersten Sekunde an mit ultrakomplizierten Riffs los: Schon das Intro klingt nach Zappa auf Speed. Danach vergehen kaum zehn Sekunden ohne Fills, bei denen einem schwindlig wird. Die Gitarrenläufe sind quirlig, der Sänger growlt bedrohlich, das Tempo ist horrend. Ständig passiert etwas, keine Atempause wird einem gegönnt - und die 4/4-Rhythmen werden im Sekundentakt von ungeraden

STEAMING SATELLITES bietet nämlich viel Jam-Potenzial, besonders durch die deutlich zu spürende Liebe für 70erbeeinflusste Space-RockElemente. Eingängige Klanglandschaften zum Abdriften in andere Sphären, gute Arrangements sowie eine markante Stimme, die ein wenig an Robert Harvey von The Music erinnert man höre sich beispielsweise «How Dare You? STEAMING SATELLITES » oder «The Sea» an, um sich The Mustache Mozart Affaire vom sehr durchdachten Instrument Village Songwriting der Band zu überzeugen.

Momenten unterbrochen. Das ist Math-Prog-Death-Metal erster Güte, gespielt von hochkarätigen Musikern. Hut ab! Auf die Dauer macht die manische Reizüberflutung bei Spawn of Possession jedoch auch müde. Und so bleibt 52 Minuten nach dem ersten schrägen Ton das Fazit: Weniger wäre auf diesem Album aller Virtuosität zum Trotz wohl doch mehr gewesen.

RITUALS OF THE OAK Come Taste The Doom Eyes Like Snow/Nonstop

nl. Durch die geschickte Verpackung von RetroElementen in ein modernes Gewand ist «The Mustache Mozart Affaire» ein sehr zeitloses Album geworden, das sich von der grossen Masse an Alternative- und Indie-RockBands abzuheben vermag, auch wenn den ?sterreichern mit ihrem Deb?t noch nicht der ganz grosse Wurf gelungen ist. Doch Potenzial ist durchaus vorhanden: Auf Platte manchmal etwas gar harmlos, wird die Band live sicherlich einiges mehr an Energie verspr?hen: Die Musik von

nl. Gegründet im Jahr 2008, liegt drei Jahre später bereits das zweite Album der Australier vor, das es wie schon das Debüt auch auf Vinyl geben wird (später im 2012). Wiederum laden sie während fünf Songs bzw. 43 Minuten zu einer epischmelancholischen Reise in den klassischen Doom ein. Der angenehm natürliche Gesang von Frontfrau Sabine Hamad, die sich seit dem ersten Album ganz


CD Hard/Heavy/Metal klar verbessert hat, schwebt federleicht über dieser nebligen Landschaft der dunklen, schweren Riffs. RITUALS OF THE OAK fürchten sich auch nicht vor dem Einsatz von akustischen Gitarren und Melodien, die sich manchmal gefährlich nahe am Abgrund zum Kitsch bewegen. Die Produktion klingt roh und nach alter Schule: Black Sabbath und die Siebziger lassen grüssen. Freunde von Solitude Aeturnus, Jex Thoth oder The Wandering Midget, die klarem, aber unangestrengtem Frauengesang nicht abgeneigt sind, sollten das Quartett aus Sydney unbedingt antesten.

EUROPE Bag Of Bones

DE LIRIUM'S ORDER

Earmusic/Phonag hh. Die Schweden sind irgendwie ein Phänomen. Seit über 30 Jahren rocken Europe den Planeten und zeigen, sieht man von der längeren Pause in den 90ern ab, keinerlei Ermüdungserscheinungen. Auch beim Songwriting geben sich Joey Tempest & Co keine Blössen, wie das neue Album „Bag Of Bones“ auf eindrücklichste Art und Weise demonstriert. Die Transparenz und der druckvolle Sound des Albums gehen auf das Konto von Produzent Kevin Shirley, der es wie derzeit kein anderer versteht, den klassischen Hardrock der 70er ins Hier und Jetzt zu transportieren. Bekannt durch seine Arbeit mit u.a. Iron Maiden, Black Stone Cherry, Journey steht er vor allem hinter dem Erfolg von Black Country Communion und seinem speziellen Schützling Joe Bonamassa. Der BluesrockGitarrengott liess es sich denn auch nicht nehmen, seinem Kumpel Shirley in die Stockholmer Atlantis Studios zu folgen und zum Titeltrack „Bag Of Bones“ ein paar Gitarrenlicks beizusteuern. Shirley hat gemäss Joey Tempest aus der Band das Maximum herausgeholt und so ist das Album das Beste in der Europe-Discographie geworden. Aber allein mit dem Sound ist es nicht getan, die Kompositionen, die Arrangements und die hervorragende Arbeit der einzelnen Musiker (besonders John Norums Gitarrenarbeit) sind vom allerfeinsten und übertreffen das hochgelobte letzte Studioalbum „Last Look At

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Veniversum

Niveau sind, aber daran dürften vor allem Gitarristen und andere Musiker ihre Freude haben. Für den normalen Death-MetalDurchschnittskonsumenten könnte das auf die Dauer schnell langweilig wirken, denn auch die Stimme ist nicht mehr als gängiges Gegrowle ohne jegliche Ausflüge in die Welt der Vielfalt, ausgenommen von den erwähnten Abweichungen in zwei Kompositionen. De Lirium's Order bewegen sich auf einem schmalen Grat, obwohl sie ihre Instrumente hörbar perfekt beherrschen.

THE WOUNDED KINGS Embrace Of The Narrow House (re-mastered version) I Hate

Inverse Records Eden“. Auch Tempest selbst zeigt sich gesanglich in Topform und steuert beste Hooklines und geilste Refrains bei. Musikalisch steckt das Album knietief in den 70ern, weist durchweg eine bluesige Basis auf, auf der wuchtige Song-Trips durch die Rockgeschichte, die von Acts wie Led Zeppelin, Deep Purple und frühen Whitesnake vorgegeben wurden, aufgebaut werden. Spätestens mit diesem Album sollten Europe endlich den Status, eine der besten Hardrock-Truppen weltweit zu sein, wiedererlangt haben, den sie bei den Rock-Fans durch ihre seinerzeit in der Teeniepostille BRAVO abgefeierte Final-CountdownPoprock-Phase verloren. „Bag OF Bones“ ist von A-Z ein Hammeralbum mit erstklassigen Hardrock-Songs, von denen man keinen besonders herausheben kann, denn die Songs sind ausnahmslos von hoher Qualität und weisen eine grosse Nachhaltigkeit auf. Allen echten Hardrock-Fans, die Europe (verständlicherweise)seit „Final Countdown“ meiden wie der Teufel das Weihwasser, sei dringendst angeraten, sich sofort mit diesem Album zu beschäftigen. Insbesondere die vom letzten Whitesnake-Output Enttäuschten bekommen hier ihren Seelen-Honig. Und, das als weitere dringende Empfehlung, danach zurück in den Plattenladen und das Vorgänger-Album „Last Look At Eden“ der Schweden gekauft, denn das steht der Klasse von „Bag Of Bones“ nur unwesentlich nach.

em. De Lirium's Order aus Finnland liefern mit „Veniversum“ ein technisch mehr als nur ausgezeichnetes Death-Metal-Album ab, welches aber auch seine Schattenseiten aufweist. Schnell, unglaublich präzis, messerscharf und gut produziert ist es auf jeden Fall. Die Leistung an den Gitarren (und auch am Schlagzeug) ist bemerkenswert und zeichnet dieses Werk ganz klar aus. Aber reicht das? So filigran und fehlerlos das alles auch klingen mag, es fehlt an Überraschungsmomenten und Abwechslung. Lediglich Im Song „.44“ ist in einer Mid-TempoPassage cleaner Gesang zu hören, der dem Sound unglaublich gut tut. Auch im letzten Stück „The Aftermath“ gelingt es den Nordländern mit Einsatz von cleanem Gesang und guten Rhythmuswechsel die Monotonie zu durchbrechen. Ansonsten gibt es auf „Veniversum“ nur hie und da schleppende Elemente, die das Ganze etwas auflockern, aber nicht nachhaltig sind. Es wird zwar krampfhaft versucht auch mal durch kurze sphärische Momente Spannung zu erzeugen, aber diese verfehlen ihre Wirkung meist. Kurzum, es sind da einfach acht Stücke, die zwar unglaublich reinhauen, weil sie technisch auf allerhöchstem

nl. Es ist erstaunlich, welche Entwicklung die verwundeten Könige in ihrer jungen Existenz bereits durchgemacht haben: Ursprünglich als Studioprojekt von Steve Mills und George Birch gegründet, wurde das Line-Up nach ihrem Zweitling «The Shadow Over Atlantis» vervollständigt, und die Engländer haben inzwischen schon zahlreiche Gigs gespielt (Birch hat die Band mittlerweile verlassen). Die Umsetzung der literarischen Einflüsse von E.A. Poe, Dante Alighieri oder John Milton gelingt ihnen auf «Embrace Of The Narrow House» absolut stimmungsvoll und sehr faszinierend. Der düstere Okkultismus sowie die Mystik wirkt auf keinste Weise lächerlich oder übertrieben, sondern abgründig, schwer und ozeanisch. Die grösstenteils monotonen, minimalistischen Riffs sowie der melodiöse, irgendwo im Hall schwebende Gesang von George Birch bilden eine melancholische, erhabene Atmosphäre, die perfekt zum Bandnamen passt. Eine gezielt eingesetzte Orgel sowie Chöre, die teilweise gar an Alice In Chains erinnern, runden das eindrückliche Debütalbum ab. Eine Mischung aus neueren Electric Wizard und Fall Of The Idols mit viel Retro-Einfluss Okkult-Doom vom Feinsten und eine meiner spannendsten Entdeckungen in den letzten


Hard/Heavy/Metal CD Jahren! Nach einer Split mit Cough liegt hiermit eine neu gemasterte Version des Debütalbums vor, die zusätzlich mit einem Bonus-Track (rehearsal version) aufwartet. Ein Kauf lohnt sich für diejenigen, die noch nicht im Besitz des Originals aus dem Jahr 2008 sind ich persönlich bevorzuge meine Vinyl-Version! Anspieltipp: «The Private Labyrinth».

MENCEA Pyrophoric Indie Recordings

em. Die Griechen von Mencea bewegen sich mit ihrem zweiten Album „Pyrophoric“ deutlich im Fahrwasser von Acts wie Gojira. Ihr progressiver Death Metal kommt von Anfang an gut rüber.

Mit ihrem ersten Stück „Phosphorus“ beweisen die Jungs bereits, dass sie ihre Instrumente hervorragend beherrschen. Sänger Vlasis Ziouvas growlt ordentlich tief und kraftvoll, aber variabel ist seine Stimme eher nicht. Der zweite Track „CCC“ dürfte ein Highlight auf dieser Scheibe sein, denn hier zeigt sich die musikalische Vielfalt als am interessantesten. Die Darbietung weist viel Tempowechsel und Rhythmuswechsel auf und ist in sich geschlossen relativ komplex. Auch das folgende „Elders“, welches tendenziell durch Härte besticht ist gespickt mit progressiven Elementen, die sehr gut in die brachialen Grundstrukturen eingewoben wurden. Dieses Rezept zieht sich durch „Pyrophoric“ mit seinen acht Kompositionen, wie ein roter Faden. Mencea sind ohne Zweifel hervorragende Musiker, die mit diesem Werk eine solide und tolle Arbeit abliefern. Und trotzdem ist da noch dieser Wermutstropfen: Bei aller technischen Finesse und hörbarer Spielfreude hat „Pyrophoric“ zu wenig Nachhaltigkeit. Die

Überraschungsmomente zünden beim ersten Hördurchgang, aber verblassen leider zu schnell wieder, weil die zum Teil spannenden Ideen irgendwie nicht weitergezogen werden. Mencea sind ganz klar auf einem guten Weg und es gilt sie im Auge zu behalten. Aber da ist gegen oben hin noch Luft. Es bleibt zu hoffen, dass sich diese Band noch zu steigern vermag, denn sonst verschwinden sie in der breiten Masse des Durchschnitts, was bei diesen technischen Fähigkeiten jammerschade wäre.

MINISTRY Relapse AFM/MV hug. Erstaunt es angesichts der inflationären Comebacks überhaupt noch jemanden, dass sogar eine Band wie die Industrial-Götter Ministry ihren 2007 mit «The Last Sucker» gross angekündigten Abschied nicht einhalten? Herr Jourgensen, zwischenzeitlich als Cover-, Remix und ReremixUnterhalter unterwegs, hat als Buck Satan letztes Jahr sein lange angekündigtes Country-

Zertrümmerungs-Album endlich rausgebracht und legt nun auch gleich noch ein neues Ministry-Album nach. Es scheint ihm prächtig zu gehen. Das freut uns natürlich. Und

wir wollen an dieser Stelle aufhören, an nach grossem Abschied wiederkehrenden Bands zu nörgeln (ausser an Polo Hofer. Der hätte nicht extra einen Aschiedsfilm machen müssen).Nun denn: «Relapse» ist Ministry, wie wir sie immer geliebt haben und ewig lieben werden: schnell, elektronisch, hart. Ohne Gnade. Quadratisch, faktisch, Wut.Wobei Letztere natürlich nicht ewig anhalten kann, zumal jeder vernünftige Mensch irgendwann in seinem Leben erkennen sollte,


Jahres amtliche eigene Werke wie „Americana“ oder auch den gefeierten Vorgänger „Moon Is The New Earth“. Oft werden sie mit Led Zeppelin verglichen und dem möchte ich nicht grundlegend widersprechen. Allerdings haben Rose Hill Drive den Sex von Plant und Co durch „meh Dräck“ ersetzt und klingen eher noch wie der freche, kleine Bruder von Wolfmother. Da werden Drumsamples mit eingebaut, Effekte auf den Gesang gelegt und überhaupt eine Menge neumodische Spielereien eingefügt, die aber nicht im Geringsten stören. Im Gegenteil, diese leise und einzeln verstreu-

hh. Obwohl es bei der Veröffentlichung 1998 nur Platz 22 der US-Charts erreichte, wurde das Debut-Album der Amerikaner bis heute mit 4 x Platin ausgezeichnet und die drei letzten Scheiben kletterten jeweils auf Platz 1 der Charts. Inzwischen gingen über 19 Millionen GodsmackAlben über die Ladentheken und zusammen mit 4 Grammy-Nominierungen zählt das aus Boston stammenden Quartett zu den erfolgreichsten USRockbands. Der Godsmack-Sound umfasst diverse Spielarten der härteren Klänge, von Post-Grunge bis Metal plus eine gehörige Portion Kommerzialität, die sich besonders im Gesang von Frontmann Sully Erna niederschlägt. Dadurch geraten viele Songs in die Nähe von Acts wie Nickelback, man könnte Godsmack tatsächlich als eine AlternativVersion der kanadischen Megaseller bezeichnen allerdings mit deutlich mehr Dreck unter den Fingernägeln. 2010 erschien das bislang letzte Studioalbum „The Oracle“ und kürzlich schob die Band mit „Live & Inspired“ eine in Detroit aufgenommene Show als Tonkonserve hinterher. In diesem Sommer steht im Rahmen einer umfangreichen Welttournee auch wieder Europa auf dem Tourplan und auch die Schweiz darf sich auf eines der raren Godsmack Konzerte in unseren Breitengraden freuen.

LIVE 26. Juni 2012 Zürich, Komplex 457

dass Wut alleine nur im Anfangsstadium gute Musik macht. Die Kunst, mit Wut-Musik in Glaubwürdigkeit älter zu werden, liegt darin, die Wut in Wucht umzuwandeln. Slayer sind diesbezüglich ein Paradebeispiel. Biohazard das Gegenstück. Ministry kriegen das auch ganz gut hin. Dann also los: Kopfschütteln bis der Nacken bricht!

BLACK RAINBOWS Supermothafuzzalicious!! Longfellow Deeds Records

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ip. Die Black Rainbows sind drei Italiener, die absolut astreinen Stoner/Psych-Rock'n'Roll spielen! Schon der erste Song ihres neuen Albums mit dem Titelanwärter des Jahres geht in die Hüfte und treibt einem Tränen darüber in die Augen, dass es noch Bands gibt, die ihre Platten mit Charme statt Technik aufnehmen. Black Rainbows vermischen Hawkwind und Monster Magnet mit Blue Cheer und Nebula und fügen dem noch einen ordentlichen Schuss Rock'n'Roll für den Spass hinzu. „Behind The Line“, der zweite Track, überzeugt mit einem coolen Bluesriff und „Mastermind“ packt dann zum ersten Mal die Psychedelic-Breitseite aus. Das Trio versteht sich auf einen grandiosen Mix aus flockigen Mitgeh-Nummern und hypnotischen SpacerockAusflügen und verpackt das ganze in eine stilechte sympathischauthentische Produktion. Hier ist der Phaser noch Phaser und ein

Riff bekommt so viel Platz, wie es haben will. Man hat ein bisschen das Gefühl, dass nicht die Band die Songs schreibt, sondern sich die Songs die Band ausgesucht haben, um gespielt zu werden. Ein Highlight ist das knapp siebenminütige „Lady“, das mit allem trumpft, was trumpfen kann: Catchy Riffs, lange Stonerparts, die trotzdem rockigerdig sind, eingestreuselte SpaceEffekte und super Soli! Grossartig! Kaufen! Jetzt!

ROSE HILL DRIVE Americana Soulfood ip. Die Brüder Daniel und Jacob Sprout verpackten ihre Liebe zum 70ies Rock Anfang des neuen Jahrtausends in ein eigenes Geschenk und nannten es Rose Hill Drive. An ihren Neujahrsshows führen sie gerne Led Zeppelin II oder The Who's „Next“ in voller Länge auf, schreiben aber während des

ten Gimmicks machen aus „Americana“ eine unverwechselbare Platte mit äusserst sympathischen Blasphemie-Momenten, die Traditionalisten als „nicht original“ bezeichnen könnten. Und das beste ist, dass Rose Hill Drive auch noch einen persönlichen Schrulligkeitsfaktor besitzen, ähnlich den Queens Of The Stone Age, der aus ihren Songs wirklich eigenständiges Material macht, das man extrem gerne immer wieder hören mag. Denn leider ist „Americana“ nach 40 Minuten schon zu Ende, und das ist der einzige Schwachpunkt. Sehr zu empfehlender Anspieltip ist „Your Mother's Jam“, ein höchst abwechslungsreicher Track, dessen Hauptriff ganz schwer wieder aus dem Ohr zu kriegen ist. Mit „Birds Against The Glass“ ist, neben den ganzen Rockern, auch ein ruhigeres Stück vertreten, das sehr hippie-esk und ein wenig nach einer aufpolierten Arlo Guthrie-Nummer klingt und die Bandbreite von Rose Hill Drive nochmal verdoppelt. Ganz zu schweigen vom Abschlusstrack „Birthdays and Breakups“, der mit über acht Minuten zu Buche schlägt und ganz viel Beatles hat. Klasse Album zum Gernehören!


Hard/Heavy/Metal CD SOULFLY Enslaved Roadrunner

„American Steel“, „Redemption Of Man By God“ mit Gast Dez Fafara (DevilDriver), der Thrasher „Treachery“ oder das anfangs schwer groovende „Chains“. Lobenswert auch die Produktion, die, wie eigentlich immer bei SOULFLY, die Songs ideal in Szene setzt. Wer SOULFLY gerne etwas brachialer, extremer als auf den letzten Alben erleben möchte, der sollte hier zugreifen.

UNISONIC Unisonic sp. SOULFLY Album Nummer 8 und gleich zu Beginn wird mit der „World Scum“ deutlich, SOULFLY drücken auf „Enslaved“ ordentlich aufs Gaspedal. Hier wird geprügelt wie zu besten „Beneath The Remains“ Tagen. Nur schade, dass das Album als Ganzes nicht mit der Qualität alter Sepultura Glanzstücke mithalten kann. Leider mag SOULFLY (auch) mit „Enslaved“ nicht an frühere Grosstaten anknüpfen. Natürlich haben die Mannen um Frontzottel Max Cavalera dennoch Qualität und bieten auch auf der neuen Scheibe coole Songs, wie etwa der genannte Opener, dem abwechslungsreichen

Phonag

mv. Zusammen mit dem neuen Running Wild Album ist das Debut Album von Unisonic sicher das mit am meisten Spannung erwartete Album dieses Jahres. Schliesslich handelt es sich um eine echte

Supergroup, bei welcher vor allem die Zusammenarbeit der beiden Ex-Helloween Members Kai Hansen und Michael Kiske grosse Wellen schlug. Aber auch der Rest der Band ist mit Mandy Meyer (ex-Krokus, ex-Gotthard), Dennis Ward (ex-Pink Cream 69) und Kosta Zafiriou (ex-Pink Cream 69) hochkarätig besetzt. Die Erwartungen sind entsprechend hoch, wobei Kiske und Hansen im Vorfeld bereits andeuteten, dass Unisonic nicht im Stil der alten Helloween ausfallen würde. Wer dies trotzdem erhoffte, wird sicher enttäuscht sein. Dazu gibt es allerdings keinen Grund, den "Unisonic" bietet superproduzierte, fantastische Rockmusik in allen Facetten mit einigen Metal Anleihen. Vor allem das Eröffnungsdoppel "Unisonic" und "Souls Alive" wird die Helloween- und Gamma RayFans glücklich machen und knallt schön metallisch durch die Boxen. Ebenfalls in diese Kategorie geht "We Rise", welches definitiv auch auf einem Album wie "Pink Bubbles Go Ape" hätte stehen können. Songs wie "Renegade", "My Sanctuary" oder "Never Too Late" sind dann eher im Stil von Kiskes Projekt Place Vendome

und bieten grandiosen erwachsenen Rock mit schönen Refrains. "Star Rider" und "King For A Die" sind epische Hymnen und definitiv Highlights des Albums. Atmosphärisch und schon fast in die QueensrycheEcke geht "I've Tried", während "No One Ever Sees Me" eine wunderschöne Ballade geworden ist, die aber niemals kitschig klingt - grosses Kino! Fehlt nur was im Stil von „Dr. Stein“, und auch das gibts mit "Never Change Me", welcher so poppig ausgefallen ist, dass er auch auf einem Roxette Album stehen könnte. Somit bietet Unisonic wirklich eine enorme Vielfalt und trotzdem klingt irgendwie alles wie aus einem Guss. Über allem thront immer die grandiose Stimme von Kiske, welche keinen Millimeter an Ausdruck verloren hat in den letzten bald 20 Jahren seit seinem Ausstieg bei Helloween. Gebt dem Album also ein paar Durchläufe Zeit und ihr werdet begeistert sein. Bleibt nur die Hoffnung auf eine baldige Tour und ein Konzert in der Schweiz. Bis dahin "Unisonic" hören und die gute Laune, welche durch das Album immer wieder entsteht, geniessen.


ip. Guns N'Roses noch Guns N'Roses zu nennen, ist genau genommen Unfug. Zumindest für diejenigen, die nostalgisch an die Anfangstage der Band zurückdenken. Von den einstigen beiden Namensgebern ist nur noch einer dabei, der zweite (Tracii Guns, u.a. L.A. Guns) hatte sich bereits kurz nach der Gründung abgesetzt. Ersetzt wurde er durch Slash, einen der charismatischsten Gitarristen im Hardrock, der mit seinem unverwechselbaren Stil die Band massgeblich geprägt hatte und zusammen mit Izzy Stradlin eine der grossartigsten Gitarrencombos der Geschichte bildete. Mit dem Eintritt von Duff McKagan und Steven Adler 1986 war die Band komplett, die aus Glamrockern Kakerlaken machte, die den Haarsprayrock mit Punk, Drogen und Filzläusen zu Sleazerock modifizierte. Und, mit Verlaub, war das ein Fest! „Appetite For Destruction“ wurde nicht nur das bestverkaufte Debutalbum einer Band bis heute (28 Mio. verkaufte Einheiten, 18fach Platin), sondern stand Pate für all diejenigen, denen der Punk zu hässlich und der Hardrock zu brav war. Axl Rose wurde das HollywoodHinterhof-Sexsymbol, ein unzähmbarer Schreihals, der kollektiven Samaritereffekt bei Frauen wachrief und der trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, gefühlvolle Liebeslieder als Dankeschön schrieb. „Sweet Child O' Mine“ ist bis heute die einzige Single der Band, die es auf Platz eins der Billboard Charts geschafft hat. Bei 100 Mio. verkauften Alben in der Karriere ist das aber eher eine Fussnote. Merkwürdigerweise waren es tatsächlich in erster Linie ausgerechnet Balladen, die Guns N' Roses zu einer immens erfolgreichen Band machten: „Patience“ vom Debütnachfolger „GN'R Lies“, oder „Don't Cry“ und „November Rain“ von „Use Your Illusion I“ und das unverwüstliche „Knockin' On Heavens

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Diese Band, oder vielmehr in erster Linie ihr Sänger, hat es einem nie leicht gemacht. Aber wer sagt denn, dass man das als Rock'n'Roller muss?

LIVE 27. Juni 2012 Basel, St. Jakobshalle Door“ von „Use Your Illusion II“, dem Guns N' Roses zu neuem Glanz verhalfen. Aber trotz allem ist es die Hymne „Paradise City“, die zu ihrem Trademark wurde und „Welcome To The Jungle“, die Ode an ihr schäbiges Leben in Hollywood, die einem als Erstes einfallen, wenn man an die Band denkt. An zweiter Stelle stehen dann die diversen Ausfälle und Anekdoten, die Guns N' Roses den Namen „Gefährlichste Band der Welt“ einbrachten. Schlägereien mit Fans oder Security und konsequente Verspätung waren oder sind Alltag und müssen von Promotern und Veranstaltern in Kauf genommen werden. Stellvertretend dazu sagt Melvin Benn, Organisator des Reading und Leeds Festivals (auf dem GN'R 2010 mit viel Verspätung für viel Tumult sorgten): „Guns N' Roses würde ich nur noch in der Originalbesetzung buchen. Jeder von ihnen kriegt dann von uns eine Uhr und lernt zuerst, sie zu lesen.“ An einsamer Spitze der „Zu spät“-Liste steht aber unbestritten ihr letztes Album „Chinese

Democracy“, das mit 14 Jahren Produktionszeit und 14 Mio. Dollar Kosten nicht nur das teuerste seiner Art ist, sondern auch fast dazu geführt hat, dass Axl Rose und seine Band als Lachnummer in der Versenkung verschwanden. Die fünf Haudegen, die den Punk n Roll zurück in die käufliche Musik brachten, haben sich in alle Windrichtungen verteilt. Mit dem Erfolg kamen die Sattheit, die Entzüge und die Anwälte. Izzy Stradlin, Slashs ruhiger Sidekick, war mit elf Soloalben bisher der Produktivste, Slash dank seines Talents und seines Hutes der Erfolgreichste der Abtrünnigen. Duff McKagan stand 2010 sogar wieder für einige einzelne Auftritte mit den heutigen Guns N' Roses auf der Bühne und hat mit seiner eigenen Band Loaded das Trauma von Velvet Revolver überwunden. Guns N' Roses hat seit der Trennung von diesen Musikern eine ganze Armee von Schlagzeugern und Gitarristen nacheinander beschäftigt. Neben Axl Rose ist es nun Dizzy Reed, der als dienstältestes Mitglied seit 1990 an den Keyboards sitzt. Er wird von Chris Pitman unterstützt, der ebenfalls Keyboards, aber auch Bass spielt und zusammen mit Tommy Stinson (Bass) seit 1998 in der Band ist. Bumblefoot, Richard Fortus und DJ Ashba haben die Gitarren übernommen und Frank Ferrer sitzt seit 2007 am Schlagzeug. Aus dem ehemaligen Quintett ist mittlerweile also ein halbes Orchester geworden. Das zeigt auf, dass Axl Rose nicht nur die manisch-verspätete Diva ist, sondern ein Songwriter, der seine Visionen umsetzt. Verspätungen, Diventum und Allüren hin oder her; Guns N' Roses zählen für das renommierte Q Magazine zu den 50 Bands, die man gesehen haben muss, bevor man stirbt. Dazu gibt es am 27. Juni im St. Jakob eine gute Gelegenheit. Und sei es nur, um zu gucken, ob sie pünktlich sind, im Land der Uhren!


Axel Rudi Pell ist ein Phänomen. Von 1984 bis 1987 veröffentlichte er mit seiner ersten Band Steeler vier tolle Hard Rock Alben, bevor er dann 1989 eine äussert erfolgreiche Solokarriere startete. Seither sind 23 Jahre vergangen und Meister Pell nutzte die Zeit wie kaum ein anderer in dieser Branche.

mv. Kontinuierlich veröffentlicht der sympathische Bochumer Album für Album und bringt es bis heute auf unfassbare 22 Releases in 23 Jahren (dazu kommen noch 3 DVDs). Klar sind dabei auch einige Balladen, Live- und Compilation-Alben enthalten, aber auch diese wurden fast immer mit diversen neuen unveröffentlichten Songs als Bonus geschmückt, so dass man ab der schier unendlichen Kreativität und Fleissigkeit des Gitarristen nur staunen kann. "Ich habe sozusagen zu jeder Zeit ein kleines Aufnahmegerät bei mir, wo ich dann jede auch nur kleinste Idee sofort festhalte, so dass ich vor der Produktion eines neuen Albums eigentlich nur noch die Ideen sortieren und dann die Songs daraus formen kann" meint Pell bescheiden. Motivationsprobleme oder Schreibblockade kennt er nicht, er muss sich meist noch zügeln, weil ihm die Ideen wie von selbst zufliegen. Das neue Album "Circle Of The Oath" bietet dann auch wieder einmal mehr klassischen Hardrock mit vielen tollen Melodien und weicht keinen Millimeter vom typischen Axel Rudi Pell-Stil ab. Die Fans bekommen was sie verlangen und lieben. "Experimente mit z.B. runtergestimmten Gitarren oder Grunge/Alternative oder sonstigen neumodischen Sounds wird es bei mir niemals geben" macht Pell deutlich klar. Vom Songwriting über die Produktion bis zum Artwork hat Pell alles 100% unter seiner Kontrolle und lässt sich weder von Management noch von der Plattenfirma etwas vorgeben. Die Fans sind glücklich damit, der Erfolg spricht für sich und gibt ihm mehr als recht (weltweit mehr als über eine Million Fans konnte sich Pell mittlerweilen erspielen, seine Alben sind regelmässig in den Charts, so stieg das letzte „Ballads“ Album auf Platz 29 der deutschen Charts ein). Seit längerer Zeit schon kann sich Pell im Studio auch auf seine kongeniale Mannschaft verlassen. Johnny Gioeli singt wie ein junger Gott, Mike

Terrana bietet technisch hochstehende SchlagzeugKunst, welche durch Volker Krawczak am Bass auf dem Boden gehalten wird, während Ferdy Doernberg mit phantastischen Keyboards glänzt (und sich herrlich mit Pell duellieren darf). Dazu die erneut druckvolle Produktion in Zusammenarbeit mit Charlie Bauerfeind und ein gewohnt stimmungsvolles grandioses Artwork. "Die Ideen zu meinen Artworks stammen ebenfalls immer von mir und ich arbeite da sehr eng mit den Künstlern zusammen". Das erklärt auch, weshalb alle Axel Rudi Pell

Artworks eine klare Linie haben und Fantasy- wie Metalfans restlos begeistern. Seit kurzem gibt es die neuen Axel Rudi Pell Releases nun endlich auch auf Vinyl. Sein Sound ist einfach prädestiniert für Vinyl und es ist sehr schade, dass es die ganzen ARP Klassiker bis heute nur auf CD gibt. "Bis jetzt ist keine Wiederveröffentlichung der alten Scheiben auf Vinyl geplant, das entscheidet aber eh die Plattenfirma" zerschlägt er vorerst die Träume von VinylFans. Dafür gibt es zum neuen Album diesmal ein fettes Boxset mit 2-LP, Digipack-CD, Poster, Sticker, Postcard und weiteren Gimmicks, eine schöne

Entschädigung und geniale Sache für echte Pell Fans. Die Soli und Melodien auf dem neuen Album sind einmal mehr absolute Königs-Klasse und sehr gefühlvoll gespielt. Auf die Frage, wie er seine Soli komponiert, erklärt Pell, dass er gar keine Noten lese könne und nie auf dem Papier komponiere. "Die meisten Soli entstehen sehr spontan, indem ich einfach drauflos spiele". Als kleine Überraschung gibt es beim Titeltrack des neuen Albums klare Led Zeppelin Anleihen zu hören. Ein gelungene Abwechslung, "obwohl mir das erst im Nachhinein bewusst wurde, als mich die Leute darauf ansprachen. Dies war überhaupt nicht geplant gewesen". Beim Song "Bridges To Nowhere" geht es von der Stimmung her dann etwas in die epische Black Sabbath Richtung („Headless Cross“ / „Tyr“). Auch da meint Pell etwas überrascht, dass ihm das selber überhaupt nicht aufgefallen sei. Mit "Run With the Wind", „Before I Die“ oder "Hold On To Your Dreams" hat's natürlich auch wieder einige knackige Ohrwürmer auf dem neuen Album, die sicher live voll abgehen werden. Es muss unglaublich schwierig sein, nach 14 Studioalben eine Setlist zusammen zu stellen. "Ja das ist wirklich jedes Mal eine Herausforderung! Wir haben mittlerweile doch einige Klassiker, die die Fans unbedingt hören wollen. Dazu will man als Künstler natürlich vor allem auch immer einige neue Songs spielen. Wir werden auf jeden Fall versuchen, ein spannendes und abwechslungsreiches Set zusammenzustellen, das alte wie neue Fans zufriedenstellt". Axel Rudi Pell Konzerte atmen den Spirit der alten Schule (Rainbow, Deep Purple etc.), wirken aber aufgrund der agilen Band überhaupt nicht verstaubt oder altbacken. Auf die Frage nach seinen noch vorhandenen Träumen und Zielen , meint er mit einem Grinsen nur noch "In jedem Land dieser Erde Doppelplatin mit dem neuen Album zu kriegen. Das wär's dann eigentlich auch schon…“. Verdient hätte er es allemal !

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Was bedeutet dir die Tatsache, dass es jetzt einen Film über dich gibt? Fühlst du dich geehrt oder nervt dich das? Rams: Beides! Ich hatte mich sehr geehrt gefühlt, als die Anfrage von Peter Frei kam, denn es geht ja um meine musikalische Geschichte. Und Peter kommt ja ursprünglich auch aus dem Musikbusiness, er hatte eine Plattenfirma und kennt die Geschichte der Schweizer Musikszene gut. Das hat mich schon geehrt, dass er mich dann ausgewählt hat. Aber der Gedanke, dass der Film dann nicht nur meine musikalische Geschichte, sondern auch meinen persönlichen Lebenslauf zeigen würde, fand ich nicht so geil. Auf der anderen Seite fand ich die Gelegenheit reizvoll, hier meine Meinung sagen zu können. Obwohl, jedes Mal wenn ich vor der Kamera ein Statement abgegeben hatte, dachte ich auf der Rückfahrt nach Hause: Oh, shit das und das wollte ich ja eigentlich auch noch sagen. Hast du den Film schon gesehen? Ich habe bislang zwei Versionen gesehen. Mit der ersten Version war ich nicht zufrieden, da war zuviel Gespräch drin. Ich bin Musiker und für meinen Geschmack war da einfach zu wenig Musik. Aber die Kritik konnte ich anbringen und jetzt sind mehr Musiksequenzen drin. Das sagt ja auch viel mehr aus, als wenn ich da die ganze Zeit rumsitze und irgendwas erzähle. Die erste Version war mir einfach zu langweilig, zuviel bla bla bla. In einer Szene des Films sagst du, dass dich Dinge, über die du dich vor dreissig Jahren aufgeregt hast, heute immer noch genauso zornig machen und sich da nichts abgeschwächt hat. Wie kommst du heute mit diesem innerlichen Zorn klar? Schwierige Frage! Die meisten Leute, die sich früher als Punks bezeichneten, sind heute ganz normal drauf, sind Bankangestellte oder sowas. Für die fällt ihre Vergangenheit unter Jugendsünden oder sowas. Nun, ich war damals auch an den Demos, bin da im Tränengasnebel rumgerannt, habe aber auf dem Heimweg, nur weil es lustig gewesen wäre, keine Container angezündet. Es hat mich aber auch nicht gestört, dass das gemacht wurde, das war völlig in Ordnung. Warum ich das nicht auch gemacht hatte, weiss ich gar nicht. Ich hab's halt einfach nicht gemacht. Aber die Wut über die ganzen Ungerechtigkeiten, die trage ich bis heute mit mir rum. Aber damals wie heute kanalisiere ich

Es ist schon brutal zu akzeptieren, nie wieder Gigs mit den Bucks zu spielen. das über die Musik. Wenn du richtig abrockst, auch im Übungsraum, hat das den gleichen Effekt, als wenn du da drüben bei der Post die Scheiben einschlägst. In dem Moment hast du auch das Gefühl: Jetzt zeig ich's dir! Ich habe ja auch zwei Kinder, und wenn ich sehe, mit welchem Druck und welchen Schwierigkeiten die heute klarkommen müssen, dann erinnert mich das an meine eigene Jugend. Da gibt es viele Parallelen. Und da musst du versuchen, deine Wut in Unterstützung für deine Kinder umzuwandeln. Machen deine Kinder Musik? Mein Sohn Leroy spielt sehr gut Gitarre, hat aber keine Band. Er spielt zu Hause, Songs von Green Day und so was. Aber hört auch viel Schwarze Musik, Hip Hop und gerade hat er eine Jimi

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Hendrix Phase. Aber sein Ding ist der Fussball, er geht aufs Sportgymnasium. Du hast dein Leben lang bei den Bucks gespielt. Hat es dich nie gereizt, auch mal in anderen Bands andere Musik zu machen? Bist du ein Gefangener deiner eigenen Ideologie? (Rams lacht) Kann sein. Aber ich wurde eigentlich kaum angefragt, mal woanders mitzuspielen. Unsere Gitarristen wurden laufend gefragt, ich aber nicht. Vielleicht dachten auch alle: Rams musst du gar nicht erst fragen, der kommt sowieso nicht. Also ich war da nie versucht und Gotthard hat mich auch nicht angefragt, zum Glück! Das hätte ich ja auch nicht gebraucht (lacht). Es ist schon so, dass ich immer meine Musik gemacht habe und das ist bis heute so geblieben. Wenn ich die Bucks heute höre, verbinde ich das nicht unbedingt mehr mit einer Punkband. Für mich sind die Bucks einfach eine geile Rock'n'Roll Band. Hat das damit zu tun, dass ihr heute technisch besser spielt als früher? Auf jeden Fall! Also, ohne überheblich zu sein, waren wir auch schon damals als Musiker besser als die meisten anderen Punkbands. Ich hatte ja schon, bevor es Punk gab, in verschiedenen Bands gespielt. Aber Punk war

Die Wut über die ganzen Ungerechtigkeiten, die trage ich bis heute mit mir rum. ja auch eine vielschichtige Angelegenheit. Ich fand Bands geil wie die Ramones und besonders Richard Hell, die hatten einen super Gitarristen. Aber mir hat es auch gefallen, dass sich im Zürcher „Hey“-Club Typen mit einer Gitarre auf die Bühne stellen durften obwohl sie nicht spielen konnten, die noch nicht mal wussten, wie man das Ding richtig hält, und ihre Gedichte und Geschichten vortrugen und die Leute akzeptierten das. Ich weiss auch nicht genau, weshalb wir uns als Punkband definieren. Man kann uns nicht in die Hardrock-Schublade stecken, Jazz ist's auch nicht. Es hatte schon was mit der politischen Einstellung und zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort zu sein, zu tun. Wenn wir heutzutage z.B. im Kiff in Aarau spielen, dann steht da auf dem Plakat „The Bucks Punk“. Das zieht dann junge Leute an, die denken: Punk!, da gehe ich hin. Aber die kennen die Bucks gar nicht. Und dann habe ich schon etwas ein schlechtes Gewissen, denn was wir machen, ist nicht Exploited oder so was. Aber die jungen Punks reagieren sehr gut auf unseren jetzigen Sound. Päde ist zusammen mit dir Gründungsmitglied der Bucks. Im Film sagst du, dass es ohne Päde auch keine Bucks mehr gibt. Nun hat Päde aus gesundheitlichen Gründen seinen Ausstieg erklärt. Sind die Bucks damit gestorben? Ja, das ist so. Die Bucks gibt es nicht mehr. Päde ist ein guter Freund, ich habe ihn kürzlich getroffen und es geht ihm wieder ziemlich gut. Aber bei den Bucks zu drummen ist Hochleistungssport, dazu sieht sich Päde nicht mehr in der Lage. Mich hat das sehr getroffen, denn die Bucks waren mein Leben. Es ist schon brutal zu akzeptieren, nie


RAMS „We didn’t make it, but we've done it“

hh. Rams ist der Gottvater des Schweizer Punks. Seit über dreissig Jahren rockt er mit seiner Band The Bucks die Bühnen und geniesst als Musiker wie auch als Mensch höchsten Respekt nicht nur in der Punkszene. Rams ist nach wie vor ein unbequemer Zeitgenosse, jemand, der seinen Idealen treu geblieben ist und niemandem nach dem Mund redet - kantig, geradlinig, energisch und immer noch eine der charismatischsten Figuren der Schweizer Musiklandschaft. Jetzt gibt es „RAMS - Life“, ein Film über sein Leben und seine Musik, eine dokumentarische Ehrung der musikalischen Galionsfigur des helvetischen Undergrounds. Eine willkommene Gelegenheit für ein Gespräch mit dem Bucks-Chef.

Päde und Rams - 30 Jahre Bucks und eine Freundschaft für’s Leben

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CORINE MAUCH (Stadtpräsidentin Zürich, Ex-Bassistin TRUGSCHLUSS): “Rams hat eine Riesenpower. Ich finde die Musik ganz toll, die die Bucks machen!”

KUNO LAUENER (Züri West): “Rams war ein Riesenvorbild für mich!”

wieder Gigs mit den Bucks zu spielen. Wie lange gab es die Bucks? Päde und ich haben erst bei den Nasal Boys und danach bei Expo gespielt . Als Expo auseinander brach, sind Päde und ich übrig geblieben. Das war 1978. Wir haben dann zwei Jahre geprobt und 1980 ging es mit den Bucks los. Dann habe ich mal eine Zeit lang mit Päde als Rams & Band gespielt, was sich übrigens besser verkauft hatte als die Bucks, wohl, weil wir da auch langsamere Nummern im Programm hatten. Als dann unser damaliger Keyboarder ausstieg, waren wir wieder ein Trio und haben uns wieder in The Bucks umbenannt, weil ich mich von der Rams-Geschichte abgrenzen wollte. Das war allerdings etwas schwierig, denn als Rams waren wir doch relativ erfolgreich. Wir hatten einen Song, der morgens, mittags und abends im Radio lief, spielten viele Festivals und hatten ein breiteres Publikum. Du hast dein Leben nach dem Rock'n'Roll ausgerichtet. Wenn du heute Mitmenschen siehst, die einen fetten Job, ein grosses Haus und Geld wie Heu haben und keine Probleme mit ihrer Rente oder Altersvorsorge kennen, bereust du manchmal, finanziell gesehen, deinen Lebensweg? Ich hatte mal einen Gitarristen, der hat mich nach einer Probe, als wir zusammen in der Kneipe ein Bier tranken, plötzlich gefragt: „Hey Rams, wie machst du das mit der dritten Säule?“ Ich dachte, wo bin ich hier? Können wir vielleicht über die Probe und die Songs, die wir gerade gespielt haben, reden? Ich habe das immer ausgeblendet. Ich komme

Ich habe ein intaktes Umfeld, eine gute Frau und eine gute Familie, dafür bin ich sehr dankbar. RAMS Life -DVDPraesens Film Zürich

Laufzeit: 52 Min. Format: 16:9, HDV Ab 11.5. Im Handel erhältlich Der Filmemacher Peter Frei kennt Rams seit den frühen Achtzigerjahren und hat seine musikalische Entwicklung berufsbedingt aus nächster Nähe mitverfolgt. Rams' Geradlinigkeit und seine hohen Ideale, die in massivem Kontrast zum Image eines wilden PunkRockers im Wertbild des Bürgertums stehen, haben ihn schon damals beeindruckt. Es reizte ihn deshalb, die Etikettierungen der Gesellschaft zu hinterfragen.

Der Film ist ein Porträt des Punkrock-Musikers Rams. Rams wurde in den frühen Achtzigerjahren zu einem „Aushängeschild“ der Zürcher Bewegung, weil seine Band „The Bucks“ zu vielen Events der Bewegung quasi den „Soundtrack“ lieferte. Seine Musik drückte den Zeitgeist der damaligen Jugend auf der Strasse aus. „Rams life“ ist die Geschichte der Bucks und ihres Leaders Rams. Das filmische Gerüst liefern drei lange Interviewsitzungen, aufgenommen im zeitlichen Abstand von jeweils einem Jahr, die erste 2008. Die erste Interviewaufnahme fand in einem professionellen Tonstudio, die zweite im Übungskeller der Band und die dritte im „Heimstudio“ bei Rams zuhause statt. Im Laufe der Drehzeit erlitt der Schlagzeuger „Päde“ Scherrer einen Hirnschlag, was nicht ohne Auswirkung auf das ursprüngliche Filmkonzept blieb. Dadurch war es nicht mehr möglich, ein weiteres Konzert zu filmen. Zehn Monate nach diesem Vorfall trafen sich die Bandmitglieder zu einer Aussprache über die Zukunft der Band, was im Film dokumentiert wird. Auch die Kündigung und Räumung des langjährigen Übungskellers fiel in die Drehzeit des Films.

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vielleicht auf die Welt, wenn's soweit ist. Aber du kannst nicht so denken und reden wie ich, und dann nach Hause gehen und überlegen, ob ich auch gegen und für alles und jedes abgesichert bin. Ich habe ein intaktes Umfeld, eine gute Frau und eine gute Familie, dafür bin ich sehr dankbar. Ich bin überzeugt, jeder Mensch hat in seinem Leben eine einzige Idee, die ihn erfüllt und die ihm den persönlichen Kick gibt. Der eine verkauft erfolgreich irgendwelche Produkte, der andere macht vielleicht eine Plattenfirma wie Richard Branson mit Virgin und ich mach Musik. Ich habe kleine und grosse Bühnen gespielt, jetzt spielen wir wieder in Clubs. Damit fühle ich mich wohl, vor allem live, wenn man richtig abdrücken kann. Wenn die Leute das gut finden, dann erfüllt mich das. Das ist meine Bratwurst mit Rösti! Das ist laut und vielleicht keine schöne Musik. Aber schöne Musik gibt es ja genug, das muss ich nicht auch noch machen. Wie siehst du heutige Punkbands wie beispielsweise Green Day, Blink 182 oder Offspring? Als die aufkamen, hat mich das extrem gefreut. Es gab ja vorher eine Durststrecke, wo es Punk gar nicht mehr gab. Das war so veraltet, das durfte man gar nicht mehr ausprechen. Die Toten Hosen waren die Einzigen, die das durchgezogen haben und immer sagten: Wir sind eine Punktruppe! Es gab sicher auch noch andere, vor allem aus Deutschland. Aber aus dem englischsprachigen Bereich kam da gar nichts mehr. Da war Grunge mit Nirvana das höchste der Gefühle. Und als dann diese jungen Kalifornier wie Green Day oder Rancid kamen und ihre Musik Punk nannten, hat mich das sehr gefreut. Das wurde dann sehr schnell erfolgreich, Offspring wurden schnell zur Popband. Wobei, wenn Pop so klingt, dann gefällt mir Pop auch. Viele junge Punks fanden das aber nicht so gut, die fanden Green Day ist Kommerzscheiss. Aber ich fand die trotzdem gut, vor allem live. Du bist ja inzwischen auch ein paar Tage älter geworden. Kann man dich heute als zufriedenen Menschen bezeichnen? Ja, auf jeden Fall. Ich habe ein zufriedenes Umfeld und mache immer noch Musik. Dass ich mein Ding durchgezogen habe und was ich in dieser Zeit gelernt habe, das ist wertvoll für mich. Und wenn nach einem Konzert Fans zu mir kommen und aus tiefstem Herzen Danke sagen, das gibt mir eine grosse Zufriedenheit.


Di Mi Do Fr Sa

16. Oktober 2012 | BERN – Kursaal 17. Oktober 2012 | BERN – Kursaal 18. Oktober 2012 | NÄFELS – Linth Arena 19. Oktober 2012 | FRAUENFELD – Rüegerholz 20. Oktober 2012 | SURSEE – Stadthalle

www.taifunmusic.ch INFOS UND TICKETS : www.taifunmusic.ch, 0900 220 220 (CHF 1.19/Min., Festnetztarif), alle Ticketcorner-Vorverkaufsstellen


ZÜRI WEST Göteborg SoundService

spricht korrektes Englisch. Das alles ergibt unbeschwerten, heiteren Pop, der sauber daherkommt und nie vorgibt, mehr zu sein, als er ist. Stefanie zieht ihr Ding durch (das ist ihr drittes Album). Respekt. Einzig an der schwierigsten aller PopAnforderungen muss Stefanie noch ein bisschen arbeiten: Nämlich eine Eigenständigkeit zu entwickeln, die ihre Songs schon nach zwei Takten von allen anderen Pop-Anbieterinnen unterscheidet.

ES BRENNT - WAS TUN?

Vom Feinsten NECKLESS Perfusion Nation hh. Die junge Ostschweizer Truppe legt mit „Perfusion“ ihr zweites Album vor und, um es vorwegzusagen, das hat's wirklich in sich. Grossartige Songs und eine hervorragende Produktion, stilvoll verpackt. Es ist absolut erstaunlich, welche Entwicklung die Band seit dem ersten Album erfahren hat, was Neckless hier an den Start bringt, hat überhaupt nichts mit dem alten ausgeleierten Spruch „für Schweizer recht gut“ am Hut im Gegenteil: „Perfusion“ ist grosser Sound, der sich vor keinem internationalen Act verstecken muss. Das Songwriting ist in dieser Qualität äusserst rar im Lande, die Songarrangements zeugen von hoher Musikalität, sind durchdacht und interessant. Die Nachhaltigkeit ist gross, man kann sich die Platte immer wieder anhören und entdeckt jedes Mal Neues. Im Info zur Platte wird zwar die musikalische Nähe zu Muse erwähnt (was durchaus stimmt), wir sehen jedoch viel mehr Parallelen beim jungen David Bowie und einigen anderen britischen Acts, die in der Vergangenheit für wahrlich grosse Songs verantwortlich waren. Neckless verarbeiten zwar diese Einflüsse geschickt, kopieren aber nicht und machen ihr ganz eigenes Ding daraus. Und da kennen sie keine Angst vor grossen Namen, denn wann hat es

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schon mal eine CH-Band gegeben, die sich an Queen herangetraut hätte? Wohl keine aus gutem Grund. Neckless kratzt das nicht, sie gehen im Song „The Machine“ skrupellos und frisch ans Eingemachte der „königlichen Briten“, reproduzieren sogar den typischen Brian May Gitarrensound, packen mächtige Chöre und Keyboard-Türme rein und, was bei den meisten anderen Bands eher peinlich wirken würde bei Neckless funktioniert es hervorragend. Kommt dazu, dass die sehr gute Band mit Marcel Sprenger einen aussergewöhnlich guten Sänger im Line-Up hat. Mit kräftiger, klarer Stimme dominiert er die Songs und liefert feinste Melodien, die aus den Tracks echte Juwelen machen. Bleibt zu hoffen, dass die Radiostationen auf dieses Album anspringen und die Songs auf die Playlisten nehmen. Denn ausser der ersten Single-Auskopplung „Salad Days“ gibt es noch einige Perlen mehr mit hoher Radiotauglichkeit. Ein wirklich grossartiges Album einer tollen (und sogar gut aussehenden) Band, dem sich die Mehrheit der Schweizer Poprock-Releases (und wir schliessen hier ausdrücklich auch mit Edelmetall ausgezeichnete Produktionen ein) unterzuordnen hat. Grosser Respekt ein überaus gelungenes Gesamtpaket.

hug. Da kann die Band in unserem Land noch so berühmt sein: Wenn das neue MadonnaAlbum zeitgleich mit dem neuen Werk von Züri West erscheint, geht die Neuerscheinung aus Bern naturgemäss unter. Was aber total ungerechtfertigt ist! Denn erstens handelt es sich hier um Züri West, und zweitens haben wir seit «Haubi Songs» vier Jahre auf «Göteborg gewartet. Und drittens erfordert die Analyse hier nicht so viel Platz wie bei Madonna: Züri West waren immer eine gute Band. Sie sind es auch jetzt noch. Mehr sogar: «Göteborg» zeigt Sänger Kuno Lauener auf der Höhe der nicht-gereimten und nichtrhythmischen Sprechgesangskunst und die Band in einer unglaublichen Entspanntheit. Zwölf neue Lieder und Geschichten über die Unscheinbarkeiten des Alltags und die Unmöglichkeiten zwischenmenschlicher Angelegenheiten, präzise beobachtet, berührend erzählt. Sehr schön. Bravo! Kaufen!

STEFANIE HEINZMANN Stefanie Heinzmann Universal

hug. Stefanie ist grossartig: Sie ist frisch, aufrichtig, geradlinig und von froher Natur. Wir mögen sogar das Blech in ihrem Gesicht. Und sie kann singen. Sie hat eine kräftige, klare Stimme und kann diese mühelos in alle erforderlichen Höhen und Tiefen führen. Sie kann ihre Stimme auch sehr präzise dosieren von ganz leise zu ganz heftig. Sie

Auf den ersten Blick N-Gage/MV

rp. Auf den ersten Blick ist nicht ganz klar, was hier der Bandname und was der Albumtitel ist. Dies natürlich nur, wenn man die Band Es brennt was tun? aus Basel nicht kennt. Was auf meine Wenigkeit und wahrscheinlich noch einige andere zutrifft. Diese Verwirrung trifft indes nicht auf den Sound der Basler Band zu. «Auf den ersten Blick» enthält auch auf den zweiten Blick keine musikalischen Experimente. Die neun Songs bieten doch eher unspektakulären, meist deutsch gesungen Pop und Rock (Einzige Ausnahme ist «Breath In Breath Out»). Wieso soll Mann und Frau sich dann «Auf den ersten Blick» anhören? Das Spezielle am Quartett ist die Stimme von Sängerin Ramona Lisser. Ihr angenehm poppiges Organ offeriert immer wieder feine Gesangsharmonien. Popsongs mit dem gewissen Etwas. Damit erinnert Es brennt was tun? nicht wenige Male an Wir sind Helden, Silbermond und ein bisschen an die NDW-Band Ideal. Vielleicht waren besagte Bands auch Teil des Repertoires der ehemaligen Coverband, die noch vor zwei Jahren unter dem Namen Mood fungierte? Gut zugehört haben Es brennt was tun? auf jeden Fall. Und: Im Titeltrack singt Ramona Lisser «Ich glaubte niemals, dass es sie gibt, die Liebe auf den aller ersten Blick.» Beim Hören von «Auf den ersten Blick» wird es einem schon ein wenig warm ums Herz.


WILDE Stand And Stare Fontastix

rp. Ein grosser Name an den Reglern garantiert nicht immer ein grossartiges Album. Das Basler Trio Wilde ist diesbezüglich aber ein durchwegs positives Beispiel. Abgemischt wurde ihr zweites Werk «Stand And Stare» nämlich von keinem geringeren als Hugh Padgham, der in der Vergangenheit mit Bands wie Police, XTC, Peter Gabriel, Phil Collins, Sting, Split Enz, Paul McCartney oder David Bowie gearbeitet hat. Der angenehm wohlklingende Sound hat das Trio um Matthias Wilde (ehemaliger DRS3 Moderator und heutiger Leiter der Online Plattform Fontastix), Andreas Hidber und Remo Leupin also

besagtem Herren zu verdanken. Für die Songs sind die drei Herren natürlich selber verantwortlich. Diese sind zwar keineswegs «Wilde» eher zahm, aber toller Pop mit einem Schuss Art-Pop soll ja nicht unbedingt wie Metallica klingen, oder? Die neun Songs sind durchdrungen von Emotionalität, Pathos und sind zuweilen mit der grossen Kehle angerührt, was ihnen keineswegs schadet. Die dezent theatralische Stimme von Matthias Wilde gibt dem Ganzen die nötige Würze. Wenn grosse Chöre erklingen, rhythmische Eleganz aus den Lautsprechern dringt, über Liebe als Antwort und Sex als Heilung gesungen wird und zum Finale alle Geschütze aufgefahren werden, hört man es gerne.

DISGROOVE Best Redressed N-Gage/MV hug. Das Trio Disgroove aus Basel, entstanden aus der ThrashmetalBand Gurd und verwandt mit No Religion, bedient uns schon drei Alben lang mit Grungeorientiertem Rock von feiner Güteklasse, ihr Album «Gasoline» aus dem Jahr 2008 braucht den Vergleich mit AOR-Grössen wie Staind, Alter Bridge und Alice in

Chains keineswegs zu fürchten (naja: «klingt wie Nirvana» trauen wir uns nicht zu sagen, aber Kurt Cobain kommt einem da schon hin und wieder in den Sinn). Kein Wunder also, kommen auch die nun vorliegenden UnpluggedVersionen ihrer Songs astrein daher: Grandiose Song-Dynamik ersetzt den fehlenden Strom

ebenbürtig, hier wird klar, dass Disgroove-Songs so oder so Klasse haben. Sehr gut gemacht.

MORO Amore, Spaghetti E Revoluzione Prolog/Nation hug. Nun ja: Italienischen Cantautori war es noch nie ein Anliegen, die Musik neu zu erfinden. Ein paar wenige ergründen innere Tiefen, die

meisten begnügen sich mit im besten Fall angenehmer Unterhaltung. Wir erwarten

deshalb auch von Moro nicht, dass er mit seinem ersten SoloAlbum als Cantautori die Welt neu erfindet: Wir hören hier 10 sauber eingespielte, unaufgeregte, unterhaltsame Lieder immer wieder an irgendwelche Stars aus Italien erinnern. Aber das ist okay. Viel mehr erstaunt, dass Moro eigentlich der Sänger von Fusion Square Garden ist, einer Mundart-Reggae-Band aus Bern, die sich seit Jahren mit korrektem Reggae Mühe gibt, aus dem Schatten von Schweizer Grössen wie Famara und den Scrucialists herauszutreten und dass sein Solo-Album nun gänzlich Reggae-frei ist. Der


Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass «Amore, Spaghetti E Revoluzione» als Soundtrack geschrieben wurde, der Film dann aber nie gedreht wurde.

GLORIA VOLT Gloria Volt EP Subversive Records

hh. Die Winterthurer Hardrocker geben mit ihrer 5-Track-EP ein gelungenes Debüt. Schweisstreibender Rock im Gefolge von AC/DC oder The Cult zu „Electric“-Zeiten, heisst also rauer Gesang, knochentrockene Gitarrenriffs, pumpender Bass und treibende Drums. Sänger Fredi Volvo präsentiert sich als versierter Rock-Shouter mit einem ausgeprägten Gespür für echte Stadion-Mitgröhl-Refrains. Die Band rockt routiniert (alle Bandmiglieder haben bereits jede Menge Live-Erfahrung mit ihren jeweiligen früheren Truppen gesammelt) im Up-Tempo-Bereich und zeigt jede Menge Spielfreude. Und da spielt es überhaupt keine Rolle, dass der hier verewigte Sound durchweg traditioneller Riff-Rock ist und schon von anderen Strategen 1000x in ähnlicher Form in die Ohren der Rockfans gedrückt wurde. Gloria Volt machen ihren Job hervorragend, sorgen für jede Menge Spass und sind der passende Sound für jede Rockparty.

erhält. Und natürlich auch daran, wie sehr sich jemand mit der jeweiligen Kultur auseinander setzt. In beiderlei Hinsicht kann der Basler Reggae- und Worldmusiker Famara (eigentlich Thomas Nikles) einiges vorweisen. Anlässlich eines erfolgreichen Auftrittes am Festival zur Unabhängigkeit Gambias vor 15000 Zuhörern wurde in einer lokalen Zeitung folgendes geschrieben: «Swiss Reggae Star in Town». Es folgten Touren in Mali und Senegal. Am Anfang seiner musikalischen Karriere besuchte Famara einen Perkussions-Workshop, der ihn das erste Mal in Berührung mit afrikanischen Rhythmen brachte. Weitere Erfahrungen sammelte er in Afro- und Latinbands. Und darüber hinaus hat er bereits die Bühne geteilt mit Seed, Gentlemen, Ziggy Marley, Youssu N'Dour, Alpha Blondy und Tiken Jah Fakoly. Diese Erfahrungen geben seinem neuen, nunmehr siebten Werk (ohne die Zusammenstellung «The Sound Of Famara» von 2010) die nötige Authentizität, man könnte fast sagen, die höheren Weihen. Und natürlich kann Famara Songs schreiben, die das Lebensgefühl dieser Musik wiedergeben. Also Musik, die in Beine geht.

KUMMERBUBEN Weidwund Kubu Records

N-Gage

rp. Die Qualität einer für schweizerische Verhältnisse untypischen Musik kann daran gemessen werden, welche Resonanz der jeweilige Musiker im Heimatland dieser Musik

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Hörvergnügen. In „Pickin And Pluckin“ fühle ich mich in einen alten Club versetzt und höre Luther Perkins an der Gitarre. Ein hervorragend gespielter Song, der toll in die Songwahl passt. Auf „White And Clear“ ist Träumen angesagt. Schöner Gesang und ein toll arrangierter Song, der wieder durch seine Schlichtheit besticht. Bei

„Daydreamin Man“ fehlt mir nun wirklich der Gesang von Johnny Cash. Ein schönes Americana / Folk Album, das für Schweizer Verhältnisse seinesgleichen sucht. Hoffentlich finden Rita Hey ein breites Publikum und können Rita und Tiziano mit Band auch live so überzeugen, wie auf diesem Album.

STILLTONE Daydream Downfall Starwood Records

RITA HEY In The End You Will Find That We Are Right Fontastix

FAMARA The Cosmopolitan

Vordergrund, manchmal bewusst etwas schräg. Und dazu jaulen die Klarinetten und schmettern die Bläser, umschmiegt von elektrischen Gitarrenklängen. Während die ersten Songs noch dazu auffordern, das Tanzbein zu schwingen, werden die Songs zunehmend düsterer. Zu einer Art Militärmarsch-Schlagzeug erzählt der Song Mondfisch von einer alten Sage aus dem Mittelmeerraum, wonach der Mond jeden Morgen ins Meer falle und sich in einen Fisch verwandle. Doch auch wenn die Nachdenklichkeit weicht und die Songs wieder Fahrt aufnehmen wie in „Schwalbe“ oder in „D Hoffnig si di Truurige“, die Sehnsucht oder eine Prise Melancholie ist ein ständiger Begleiter auf diesem Album. Und trotzdem ist es eine äusserst vergnügliche Sache, den Kummerbuben bei ihrer Arbeit zuzuhören. Immer wieder huscht einem ein Lächeln übers Gesicht, zum Beispiel beim Dixieland angehauchten „Chalb“, das so daherkommt, als würde es aus einem uralten Radio oder Plattenspieler erklingen. Den Schlusspunkt setzt „Afrika“, ein von vielen Instrumentalteilen geprägter Song, in dem sich die Zugvögel auf den Weg in den Süden machen, und die Schlepperschiffe in die umgekehrte Richtung von Afrika nach Lampedusa. Eine aktuelle Anspielung auf die Situation vieler Flüchtlinge, die aus Afrika kommen, um in Europa ein besseres Leben zu finden.

pc. Alte Volkslieder, frisch aufgepeppt im rockigen Kleid, mit diesem Rezept sind die Kummerbuben gross pardon bekannt geworden. Dem dritten Album „Weidwund“ haftet zwar noch immer dieses Rumpelartige oder Zigeunerhafte an, doch stammen die Songs nun aus der eigenen Feder. Und die Texte sind obskur, verzerrt und märchenhaft: „Für ne giftgrüene Momänt hani vergässe wäri bi“, singt Frontmann Simon Jäggi im Opener „Absinth“. Und in „Wild im Härz“ bringen die Kummerbuben auf den Punkt, worum es ihnen im Wesentlichen geht: Um Sehnsucht, Liebe und Fernweh. Zwischen den Melodien drängen sich Riffs in den

mey. Das zweite Album des Schweizer Duos „Rita Hey“ lässt sich am ehesten in die Stilrichtung von traditioneller Singer / Songwriter Vorbilder, sowie Einflüssen von Americana und Folk Künstlern einordnen. Rita Peter, Gesang und Gitarre und Tiziano Marinello an den Gitarren sind „Rita Hey“. Melancholische Liebeslieder und bewegte Lebensgeschichten vereinen sich zu einem schlichten Album, das zum Zuhören einlädt. Rita Hey bewegen sich immer zwischen Johnny Cash und Songwritern wie Bob Dylan. Der erste Song auf dem Album „In My Chest“ groovt in Cash-Manier ab. Weiter geht es auf der ruhigeren Spur in „Rest Your Mind“. Die Schlichtheit der einzelnen Songs und die schöne Stimme von Rita Peter machen die Lieder zum

hh. In der Romandie konnte das Quartett mit „When I Look In The Mirror“ und „The Game“ aus dem Debütalbum „13 States Of Mind“ zwei Radiohits landen. Das ist nun bereits vier Jahre her und auf ihrem neuen Longplayer setzt die Gruppe ihren Weg schlüssig fort. Allerdings ist „Daydream Downfall“ bei aller Entspanntheit um einiges rockiger und direkter geraten. Geblieben sind die schönen Popmelodien , die hier und da eine gesunde Portion Pathos aufweisen. Mit Sänger Don Generale, der auch die Keyboards bedient, hat die Band einen charismatischen Vocalisten im Line-Up, der den Songs durch eingängige Melodien Glanz verleiht. Die Stärken der Band liegen eindeutig in zurückhaltenden und unaufdringlichen Liedern,


Mit dem neuen Album „Best Redressed“ schlagen die Basler Indie-Rocker neue Töne an. Aufgestockt mit drei Gastmusikern geht es jetzt unplugged zur Sache. Kein Bock mehr auf harten Sound? TRACKS erkundigte sich bei Sänger und Gitarrist Philippe. hh. Seit über zehn Jahren sind die beiden ehemaligen GURDMusiker Philippe und Tobi (dr) mit wechselnden Bassisten (seit 2006 bedient Franky den Viersaiter) als Disgroove unterwegs. „Das 10-jährige Bandjubiläum haben wir leider verpasst,“ lacht Philippe, „aber wir haben immer noch eine Menge Spass zusammen und ich bin stolz, dass es die Band noch gibt.“ Der Spass und die Liebe zur Musik sind denn auch die Hauptantriebsfedern, denn wie die meisten Schweizer Bands können auch Disgroove nicht von der Musik leben. Trotz jeweils sehr guten Kritiken auf ihre Platten und Auslands-Tourneen. Die Realität sieht indes allerdings so aus: „Da spielst du als Support-Act vor jeweils 1500 begeisterten Leuten und wenn du dann kurze Zeit später allein zurückkommst, kommen keine Leute mehr an die Gigs.“ Frustration machte sich deshalb aber nicht beim Trio breit, denn das Abenteuer hat sich dennoch gelohnt. Es konnten eine Menge Erfahrungen gesammelt, viele Gigs am Streifen gespielt werden und schlussendlich hat es ja auch Spass gemacht. Finanziell sprang allerdings nichts heraus, im Gegenteil. Die Tourerei hat gekostet, denn auch Disgroove mussten sich dem unsäglichen, aber inzwischen alltäglichen „pay to play“-Diktat des Headliners beugen. Diese weit verbreitete Unsitte sieht Philippe aber entspannt: „Andere gehen halt golfen das kostet auch 'ne Menge.“ Wenden wir uns aktuellen Dingen zu. Und das heisst, ein neues Album mit alten Songs in neuem Soundgewand. Was steckt hinter der nicht so

die die ausgeprägte melancholische Seite von Stilltone am besten transportieren. Wenn die Jungs einen Gang höher schalten, kommen durchaus gute Songs zustande, die allerdings nicht die Qualität der Balladen erreichen und im Vergleich mit

Grenzen durchbrechen

neuen Idee, bewährten Disgroove-Titeln den Stecker zu ziehen und sie in Unplugged-Versionen neu zu veröffentlichen? Keine Ideen für neue Songs? „Ja!“ lacht Philippe und ergänzt „nee, Quatsch sind ja auch drei neue Songs drauf. Aber die alten Songs sind ja nicht einfach so übernommen worden, dabei haben wir uns schon was überlegt. Zusätzliche Instrumentierungen wie Cellos, Keyboards und Percussion. Wir wollten einfach mal was Anderes machen, unser Spektrum erweitern. Dass wir nicht nur in dunklen Rockkellern spielen können, sondern auch mal die Möglichkeit haben, in anderen Locations aufzutreten. Und, was für uns sehr wichtig war, auch mal mit anderen Leuten zusammen Musik zu machen. Das ist schon cool.“ Dass die

internationaler Konkurrenz nicht über das Mittelmass hinausreichen. Trotzdem bleibt unter dem Strich eine gute Platte, die besonders Liebhaber zeitgenössischer britischer Popmusik (um mal die Brit-PopSchublade wegzulassen) ansprechen wird.

Disgroove-Songs auch in der neuen Version bestens funktionieren, teilweise sogar noch besser, ist denn auch bestens auf dem neuen Longplayer nachzuhören. Wobei der bekannteste DisgrooveSong „Down On Myself“ vom Debutalbum nicht enthalten ist. „Der hat einfach nicht unplugged funktioniert,“ gibt Philippe zu, „da haben wir uns dann auch nicht den Arsch abgearbeitet, nur damit der auf die Platte kommt. Wir haben es probiert, aber er hat nicht funktioniert. Irgendwann mussten wir das einsehen.“ Damit bildet dieser Song allerdings die Ausnahme, denn der Rest funktioniert hervorragend. Wie es zukünftig bei den Baslern in dieser Form weitergeht, lässt Philippe offen: „Es ist durchaus möglich, dass die nächste Platte wieder ein Trio-Rock-Album wird, wahrscheinlich sogar. Aber

vielleicht haben wir dann Lust, noch Keyboards draufzupacken. Aber das weiss jetzt noch niemand, ich möchte mich da auch nicht einschränken lassen.“ Wie die alten Fans auf die neue, softere Disgroove-Version reagieren, bleibt abzuwarten. Zum Zeitpunkt des Interviews stand „Best Redressed“ gerade mal einen Tag in den Shops. Aber gemäss Philippe hat die Band das Album auch nicht in erster Linie für Disgroove-Fans gemacht, sondern für Leute, die das Trio bislang noch nicht kennen. „Als Rockband bewegst du dich in relativ engen Grenzen und die wollten wir durchbrechen und auch Leute erreichen, die nicht unbedingt nur Rock hören. Mit dem Hintergedanken, dass wenn sie dieses Album gut finden, sie sich dann auch vielleicht mit unseren Rockplatten beschäftigen.“

BOYS ON PILLS

gescheiter Rapper, der andere ein überaus versierter Electronica-Produzent und Rapper. Die beiden stehen für dezidiert im Tempo runtergefahrenen Hip Hop mit schnoddrigen Texten auf der Basis von Minimal-Techno. Das klingt auch auf ihrem

Nacht Sound Service hug. Boys on Pills sind nicht das Gegenstück zu Chicks on Speed, sondern Baze (aka Dr. Broccoli) und Jonny Bunko (aka Elwont) aus Bern, der eine ein überaus

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mittlerweile dritten Album immer noch neu und ungewöhnlich und zieht unsere Aufmerksamkeit auf sich auch wenn «Nacht» fast unverändert auf der Linie der beiden Vorgängeralben bleibt. Diesmal gibt's als Bonus eine CD mit Remixen der 20 Tracks.

MIN KING Am Bluemeweg Irascible

wahrsten Sinn des Wortes ein Höchstmass an Seele in jeder Zeile eines jeden Songs. Zudem versteht er bestens, die MundartTexte flüssig und gefühlvoll in die Songs zu integrieren. Wir können nur zu 100% dem CDBeipackzettel zustimmen, wo es heisst: So hätte Otis Redding geklungen, wäre er in Schaffhausen aufgewachsen. Eine ganz starke Leistung!

69 CHAMBERS Torque Massare Records

LOVEBUGS Life is Today Gadget pc. Schon mit dem ersten Ton fühlt man sich etwas an den früheren Song "Back To Life" erinnert. Thomas Rechnergers Gitarre setzt die Akzente im Opener, einer temporeichen und optimistischen Nummer und Adrian Sieber singt im Refrain "Oh my beautiful one / you bring out the good in me"... Du holst das Gute aus mir heraus. Und genau das tun die Lovebugs auf ihrem neuen Album auch. Sie vereinigen die Qualitäten ihrer letzten beiden Studioalben. Zum einen ist es die Instrumentierung aus dem Album "In Every Waking Moment", diese setzte vor allem auf vertraute Klänge wie E-Gitarren oder Pianosounds. Und so ist das auch auf dem neusten Album ("Cry Your Heart Out" oder "Truth Is"), wodurch die Musik sehr zugänglich wird. Zum anderen sind es aber auch die Refrains, wie sie auf dem 2009er Album "The Heighest Heights" zelebriert wurden: Immer wieder langezogene wo-ho's, die den Songs einen Touch von Achtzigerjahre verleihen und natürlich zum Mitsingen animieren. Anschaulich hierfür "Faint Afterglow" oder "Who Needs Sleep Tonight". Überhaupt ist das Songwriting überaus eingängig, ohne ins Plumpe abzudriften. Mit zwei Ausnahmen, aber dazu später. Wer die Lovebugs genau verfolgt hat, wird feststellen, dass auch ältere Songideen auf dem Album einfliessen. So gab es den Song "Little Boy" schon auf dem Soundrack des Filmes Stationspiraten (veröffentlicht unter dem Namen Adrian Sieber, aber eingespielt von allen Lovebugs-Mitgliedern). Für die

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neue Version hat „Little Boy“ einen nahezu bluesigen Anstrich erhalten, vor allem aber glänzt der Leadsänger der dänischen Band Saybia, Søren Huss, mit einem Gastauftritt. Doch das absolute "ÜberFeaturing" hat Sarah Bettens, Frontfrau von K's Choice (eine der ganz heißen Indie-Bands aus Belgien in den 90ern). Würden wir nicht in Zeiten von mp3-Downloads leben, könnte man sagen, alleine das Duett "The Letting Go" wäre den Kauf des Albums wert. Der Song ist eine schlicht instrumentierte und traurige Ballade, die sich auf eine gute Art von früheren langsamen Lovebugs-Nummern unterscheidet. Um ein paar Schwächen des Albums kommen wir nicht herum: Es sind eigentlich zwei Songs, die nicht überzeugen: "45 RPM (The Story Of My Life)" ist der Versuch, folkige Klänge anzustimmen. Das gelingt zwar, doch zieht sich das Akkordmuster durch den ganzen Song hindurch. Das wird nach einer Minute langweilig. Der zweite suboptimale Song ist "Shaking The Tree". Auch hier sind die Melodien nur mässig. Doch viel störender ist der Leadsound, der das Thema in diesem Song setzen soll. Eine Art quietschende Flöte, die aber aus dem Synthesizer kommt. Das nervt. Gleichzeitig ist es ein Zeichen dafür, wie hoch das Niveau auf diesem Album ist. Denn die Songs überzeugen ansonsten von A-Z, laden ein zum Tanzen oder Träumen und gehören zum Besten, was die Lovebugs bis dahin produziert haben.

hh. Min King sind aus der Band Plenty Enuff hervorgegangen, die mit ihrem Reggae-/Ska-Sound über einige Jahre zweifellos eine Bereicherung in der heimischen Musikszene darstellten. Inzwischen hat die Band das Zeitliche gesegnet bzw. haben sich vier ex-Plenty Enuff-Musiker drei neue Mitspieler ins Boot geholt und Namen und Sound gewechselt. Min King orientieren sich extrem eng am Soul der 60er und dort gleich am Chef persönlich: Otis Redding! Was bei den meisten Nachahmern des Soul-Papsts aufgrund fehlender „schwarzer Seele“ schon von vornherein zum Scheitern verurteilt ist, bei den Schaffhausern funktioniert es perfekt, und das sogar in Mundart. Die Band spielt authentisch, klingt authentisch hat die wahre Essenz des Soul (die nichts mit dem, was überwiegend heutzutage unter diesem Begriff von irgendwelchen Popsternchen auf die Menschheit losgelassen wird) gleich literweise getrunken und beweist in ihrer Spielweise hohen Respekt vor den wahren SoulGrössen wie Otis Redding,Wilson Pickett, Joe Tex oder Sam&Dave. Einfühlungsvermögen, grosses Können und vor allem seelenvoller Groove mit feinsten Bläsersätzen und warmen Hammond-Sounds machen das Album von A-Z zu einem Freudenfest für Ohr und Tanzbein. Den Hauptanteil an diesem herausragenden Debütalbum darf sich trotz der hohen Bandleistung Sänger Philipp Albrecht an die Backe tackern. Sein Vortrag ist ausnahmslos über jegliche Kritik erhaben, er hat die perfekte „schwarze“ Stimme und setzt sie auch perfekt in Szene, geht in der Musik voll auf und beweist im

sp. Nach etlichen Line-up Wechseln seit dem Debüt war ich sehr gesannt auf den Zweitling der Zürcher um Frontmuse Nina Vetterli-Tremel. Dies da mit Gatte Tommy Vetterli (Coroner) der Gitarren-Promi-Faktor beachtlich nach oben geschraubt wurde, aber auch weil die Produktionen aus dem Hause Vetterli (das Album wurde in Tommy's eigenen New Sound Studio eingehämmert) in der Schweiz gerne kontrovers diskutiert werden. Daher auch vorneweg: Produktionstechnisch bewegt sich auch auf diesem zweiten Album alles im grünen Bereich; es knüppelt, wie man sich dies von einer modernen Metalproduktion erhofft, wenn auch mir persönlich dies gerne einen Tick zu klinisch ist. Musikalisch unterscheidet sich "Torque" dann aber deutlich vom Debüt. Tommy's Coroner Hintergrund ist allgegenwärtig. Hochstehendes Riffing mit schweren Grooves und technischen Spielereien bereichern 69 CHAMBERS mit einer netten Portion progressiven Elementen. Schade nur, dass sich dabei Nina's doch eher zarte und durchaus spannende Stimme nur selten zu entfalten vermag. So ist ein Album entstanden, das zwar über weite Strecken zu überzeugen vermag, aber einen doch nur selten innig berührt. Anspieltipps: das schwere „Naughty Naughty Naughty“, die Düsterballade „Burn Some Gasoline“ und der Knaller „And Then There Was Silence“. Wer Bock auf fetten, abwechslungs-reichen Metal mit weiblichen Vocals hat, sollte unbedingt reinhören.


LOVEBUGS

«Etwas Bleibendes schaffen»

pc. Die Lovebugs haben bewegte und ereignisreiche Monate hinter sich. Die Band trat mit dem Basler Symphonie-Orchester auf, produzierte den Soundtrack zum Film „Stationspiraten“, stand Pate für das Buch „Coffee And Cigarrettes“ und so ganz nebenbei entstand auch das Neue Album: „Life is Today“. TRACKS hat sich mit Leadsänger Adrian Sieber und Schlagzeuger Simon Ramseier über die neuen Songs, das neue Buch und über die Gastauftritte von zwei ihrer musikalischen Idole unterhalten.

Im Video zu eurer ersten Single „Truth Is“ seid Ihr alle in sehr ungemütlichen Situationen. So ist Adrian zum Beispiel auf einen Stuhl gefesselt, unter dem eine Bombe tickt. Und am Ende wird die Welt von einem Meteoriten getroffen und alles fliegt in die Luft. Was wollt ihr uns damit sagen?

Adrian: Jeder trägt seinen Teil zum Sound bei. Würde zum Beispiel Simon als Schlagzeuger ausgewechselt, dann wären wir eine andere Band. Was wir machen, muss man nicht umgestalten. Und so sollte das auch auf die Platte. Wenn das nicht berührt, dann war es einfach Pech.

Simon: Aber es hört ja nicht damit auf, sondern aus der Explosion erscheint ja der Albumtitel „Life Is Today“. Und für mich sagt es, lebe dein Leben jetzt, wie wenn es dein letzter Tag wäre. Aber das mit dem Meteoriten war so etwas wie mein persönlicher Gag. Ausserdem wollte ich die Leute zum Nachdenken provozieren. Jeder kann sich seine eigene Geschichte daraus basteln.

Die vielen Synthesizer und die Gesänge in den Refrains erinnern ein bisschen an die 80er Jahre. Das war auch jene Zeit, in der ihr aufgewachsen seid. War das Absicht?

In der Zeit der Albumaufnahmen habt ihr einen Filmsoundtrack produziert und seid mit dem Basler Symphonie-Orchester aufgetreten. War es schwierig, den roten Faden für die Album-Aufnahmen im Auge zu behalten? Adrian: Überhaupt nicht. Es war sogar eher ein Vorteil, dass wir uns aus dem Produktionsprozess ausklinken konnten. Das Orchesterprojekt hatte uns drei Monate in Beschlag genommen. Wieder zurück im Proberaum konnten wir unsere Demos quasi mit „frischen Ohren“ noch einmal anhören. Diese Chance hatten wir bei vorangehenden Produktionen noch nie. Hattet ihr vor Aufnahmebeginn eine genaue Vorstellung, wie das Album klingen sollte? Adrian: Wir hatten uns darauf geeinigt, dass wir so lange an diesem Album arbeiten, bis wir alle fünf zu hundert Prozent zufrieden sind. Wir hatten das nämlich schon anders erlebt, als wir unter Zeitdruck arbeiten mussten. Einzelne fühlten sich dann nicht wohl. Simon: Es war immer klar, dass das Album nach Band klingen muss. Man sollte hören, dass es handgemacht und nicht nach einem Genre, bei dem man ins Programmieren geht. Wir hatten im Studio die Hauptspuren auch alle zusammen eingespielt. Und meistens war es dann der erste oder zweite Take, der am Besten war.

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Adrian: Das hat sich einfach so ergeben. Wir würden uns nie als 80ies Band bezeichnen. Wir sind eine Popband, die gerne Lärm macht. Simon: Von der Grundidee her führt das Album jenen Sound weiter, den wir auf dem vorletzten Album „In Every Waking Moment“ aufgegriffen hatten. Wieviel Persönliches steckt in diesem Album. Genauer gefragt, was heisst es, wenn Adrian in einer Refrain-Zeile singt „The worst year of my life has come to and end“? Adrian: Es geht weniger um eine persönliche Story. Sondern eher um dieses Gefühl, das jeder kennt: Man hat alles versucht und trotzdem klappt es nicht. Das gab es bei uns auch schon. Zeiten, in denen wir einfach Pech hatten und am Anschlag waren. Und dann kann es eigentlich nur besser werden. Das ist für uns eine Art Grundeinstellung. Wie reagiert die Band, wenn Adrian Songs zum ersten Mal im Bandraum vorspielt? Adrian: Da gibt es schon Feedback. Früher habe ich das nicht zugelassen. Wenn ich früher einen Song geschrieben hatte, durfte niemand daran rütteln. Jetzt habe ich versucht, mich diesbezüglich etwas zu öffnen und auch andere Ideen zuzulassen. Das Resultat eines Reifungsprozess?


Adrian: Im Grunde schon. Man lernt loszulassen. Wenn man etwas so sehr für sich behält, hat das auch mit der Angst zu tun, dass ein Song durch Kritik abgewertet werden könnte. Ich habe versucht, diese Inputs als Chance zu nutzen. Und Sachen auch zu ändern, wenn es für mich Sinn machte. Das bin ich auch der Band schuldig, weil sie ja meine Songs sehr leidenschaftlich umsetzt. Wie kam es zu den beiden Gastauftritten von Søren Huss (Saybia) und Sarah Bettens (K's Choice)? Adrian: Das sind alte Kontakte. Es hat sich als Vorteil erwiesen, dass wir uns fürs Album so lange Zeit gelassen hatten. Für Sarah und für Søren war recht schnell klar, dass sie das machen wollten. Sie haben aus meiner Sicht eine etwas ähnliche Geschichte wie die Lovebugs, haben sich auf eine ähnliche Art entwickelt. Ich erinnere mich noch an K's Choice in den 90ern mit ihrem „I'm Not An Addict“, und dann hast Du plötzlich diese Stimme auf deinem Song. Das ist magisch. Bei Søren Huss genau gleich: Wir waren dermassen Fan von Saybia, fanden ihr Album sensationell und dann sitzt man im Aufnahmeraum und der Leadsänder dieser Band steht gegenüber Studio. Über Euch gibt es jetzt auch ein Buch „Coffee And Cigarrettes“. Wie kam es dazu? Simon: Wir haben mit Fotografin Tabea Hüberli zusammengearbeitet, sie hat die letzten zwei Jahre dokumentiert, von Konzerten über Business-Meetings bis hin zu den Aufnahmen. Irgendwann hatten wir so viele tolle Fotos, dass wir uns sagten: „Wir müssen etwas damit machen.“ Zuerst waren es einfache Ideen, wie ein OnlineAlbum oder ein Fotobuch. Das war uns aber bald zuwenig, und wir dachten, es wäre schön, auch Text zu haben. So haben wir uns an Marc Krebs, einen Basler Journalisten gewandt. Er hat sich irgendwann voll eingeklinkt und fand, dass da weit mehr drin liegt als nur ein Fotobuch. Er hat das Werk sozusagen vollendet. Aber im Zeitalter von Facebook und Online war es offenbar nicht von Anfang an selbstverständlich, wirklich ein Buch herauszugeben? Simon: Für uns war es wichtig etwas Bleibendes zu schaffen. Tabea ist wirklich eine Wahnsinns-Fotografin, was Rock'n'Roll angeht. Auf ihren Fotos kannst Du das so erleben, wie wir es selbst erleben. Das Buch muss sich nicht hunderttausendmal verkaufen, sondern es geht darum, den Leuten etwas zurückzugeben. Das kann man ins Bücherregal stellen und hat es dann einfach die nächsten zehn oder zwanzig Jahre.

Adrian: Gerade in der heutigen Zeit ist es wichtig, so etwas zu haben. Und man darf nicht vergessen, es ist nicht ein Buch von, sondern über uns. Das ist eine Ehre. Mit Buch und Album seid ihr quasi gut gerüstet für die nächste Tournee. Spürt ihr eine Art Druck, dass die Lovebugs Alben produzieren und Konzerte geben müssen? Ihr lebt ja von der Musik. Adrian: Klar ist das ein Thema. In den guten Zeiten muss man etwas Geld zur Seite legen, denn wir haben ja auch keine Ahnung, wie gut das Album laufen wird. Trotzdem ist unsere Sicht eine völlig andere: Wir geben Alben heraus, weil wir das wollen. Hätten wir dieses Bedürfnis nicht mehr, würden wir auch keine Konzerte mehr geben. So ein Ding, wie es Status Quo machen, die vierzig Jahre lang touren und die gleichen Songs spielen… das könnte ich nicht - ohne, dass ich das verurteilen würde. Aber für mich ist es wichtig, immer wieder etwas Neues zu machen. Überlegt ihr Euch, wo ihr in fünf Jahren stehen wollt? Simon: Nein. Der neue Albumtitel sagt's: „Live Is Today“ Adrian: Wir geben Konzerte, spielen Festivals und hoffen, dass das Album gut läuft und auch in anderen Ländern erscheint. Aber das weiss man nicht. Sogar in der Phase des Album-Releases gibt es viele Ungewissheiten. Du gibst einen Song heraus, musst schauen, wie er ankommt. Dann musst Du darauf reagieren und die nächste Single entsprechend abstimmen. Das Gute ist, dass wir eine sehr treue Fanbasis haben. Wir wissen, dass soundsoviele tausend Leute das Album ziemlich sicher kaufen werden. Da müssten wir schon einen ziemlichen Mist bauen. Die Ballade mit Sarah Bettens „The Letting Go“ habt ihr schon einigen Wochen auf Eurer Homepage zum Streamen angeboten. Mit Internet & Co. scheint ihr keine Berührungsängste zu haben. Adrian: Für mich persönlich konnte nichts Besseres passieren. Es gibt so viele Möglichkeiten. Wir hatten zum Beispiel „The Letting Go“ an einem Sonntagmorgen um die Welt geschickt und eine Woche später hatten wir 20'000 Plays, die Hälfte davon aus den USA oder Kanada, dann gab's Konzertanfragen aus aller Welt. Für ein kleines Land wie die Schweiz ist das toll. Wir haben jetzt die gleichen Möglichkeiten wie irgendeiner aus Los Angeles. Das gab es früher nicht. Es war unmöglich, über die Schweiz raus zu kommen. Und hinzu kommt, dass du dich als Band so präsentieren kannst, wie du dich selber siehst.

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CD Blues/Soul

WALTER TROUT Blues For The Modern Daze Provogue/MV

THE JIMMY BOWSKILL BAND Back Number RUF hh. Bereits als 12-jähriger brachte der Kanadier Jimmy Bowskill sein erstes Album heraus und zwei Jahre später wurde er für den Juno Award nominiert. Jetzt ist er 21 und präsentiert sein inzwischen 5. Album. Dafür hat er seine Begleitmannschaft ausgewechselt, was für eine wesentlich härtere Gangart sorgt. Ian McKeown (bs) und Daniel Reiff (dr) rocken kräftig, direkt und schnörkellos immer auf den Punkt. Bowskill zeigt sich hier in blendender Verfassung, gesanglich wie auf den Saiten. Als Gitarrist gehört er eh schon zu den Besten, hat aber hier noch eine Schippe draufgepackt. Musikalisch steckt das Trio bis Oberkante Unterlippe in den frühen 70ern, praktisch über jedem Song schwebt der Geist von Free. Und das kann ja nichts Schlechtes sein, bleiben Free doch eine der besten Bluesrockbands aller Zeiten. Bowskill zitiert zusätzlich noch eine weitere Reihe von 70er-Rockgrössen und mit dem gefühlvollen Titel „Spirit Of The Town“ gibt es sogar mit Bläsern verstärkten Soul (inkl. einem wunderschönen Slide-Solo). Der junge Mann zeigt auf diesem Album auch zum ersten Mal in beeindruckender Weise, dass er jetzt auch als Songwriter zur Topliga im BluesrockBereich gehört. Bis auf zwei Ron Sexsmith Nummern („Little Bird“, „Least Of My Worries“) und dem Mark Farner/Grand Funk Cover

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„Sin's A Good Man's Brother“ stammen alle Tracks aus Bowskills Feder und alle Songs haben Klasse und Tiefgang. Hört man diese Songs, scheint es fast unglaublich, dass der Mann gerade mal den TeenieSchuhen entwachsen ist. Wohl jeder Titel würde beispielsweise bei allen Black Crowes Fans auf grösste Begeisterung stossen. Das Album wurde überwiegend live im Studio eingespielt, ein Verfahren, das sich gerade im Bluesrock-Bereich immer mehr durchsetzt. So wird die Kraft und Intensität einer gut harmonierenden Band am Besten in die Konserve gepresst, vorausgesetzt die Musiker bringen ihre Vorträge fehlerfrei über die Runden. Das allerdings scheint bei dieser Formation kein Problem zu sein, das Trio rockt wie aus einem Guss. Der Sound hat mächtig Druck und kommt sehr transparent durch die Boxen. „Back Number“ ist eine der besten BluesrockScheiben, die man derzeit bekommen kann und richtet sich in erster Linie an alle Fans des frühen Classic-Rocks und speziell an die, die mit vorerwähnten 70er-Truppen wie Free und Grand Funk sowie Blue Cheer etwas anfangen können und sich von neuzeitlicheren Acts wie Black Crowes, Philip Sayce oder Joe Bonamassa (in seinen härteren Momenten) begeistern lassen. Grosse Klasse!

hh. Zwar hat der amerikanische Gitarrero bereits die 60 überschritten, das heisst jedoch nicht, dass er es langsamer oder geruhsamer angehen lässt. Im Gegenteil, sein neues Album strotzt vor Kraft und Vitalität, wie man es sowieso von ihm seit Jahren gewöhnt ist. So gesehen bietet sein „Blues für moderne Tage“ auch keine grossen Überraschungen, sondern handfesten Bluesrock mit herausragender Gitarrenarbeit in fettem Stratocaster-Sound. Das Trout zudem noch einer der besseren Sänger in diesem Bereich ist, wertet das ganze Werk umso mehr auf. 15 neue Songs hat Trout auf sein neues Album gepackt, allesamt Originale. Da wird gerockt und geslidet, dass es eine wahre Freude ist, in ruhigeren Momenten erinnert er hörbar an Gary Moore und Peter Green, während er in den rockigen Titeln, die hier überwiegen, zu den härtesten Protagonisten seiner Zunft zählt. Damit begeistert er sicher auch jede Menge Hardrock-/Classic-Fans, die dem Blues ansonsten nicht allzuviel abgewinnen können. Ausfälle sind unter den Songs nicht auszumachen. Ein weiteres geiles Album von einem der besten Bluesrock-Gitarristen, der offenbar immer besser wird. Je oller je doller! Auf der KalorienSkala gibts ein dickes VOLLFETT!

TRAVERS & APPICE

70er/80er Jahre. Während Drummer Appice besonders durch seine Band Vanilla Fudge, Beck Bogert Appice, Cactus Musikgeschichte schrieb und als Session Drummer mit solchen Acts wie Ozzy Osbourne, Jimmy Page, Def Leppard, Kid Rock, Ted Nugent oder Pink Floyd um nur einige wenige zu nennen- sein Geld verdiente, war der kanadische Bluesrock-Gitarrist Pat Travers unter eigenem Namen erfolgreich und füllte in den 80ern die grössten Stadien der USA. Inzwischen ist viel Wasser den Rhein runtergelaufen und beide Musiker backen heute erheblich kleinere Brötchen. Während Travers mit seiner Pat Travers Band durch mittlere und kleine Clubs tingelt, verdingt sich Appice (sein jüngerer Bruder trommelte übrigens u.a. bei Black Sabbath, Dio und Heaven&Hell) weiterhin als Session-Drummer. Der grosse Erfolg ist den Beiden auch mit ihrem Travers/Appice Projekt verwehrt geblieben, was angesichts der hier vorliegenden Live-Aufnahme auch nicht erstaunt. Zusammen mit „ich spiel mit jedem, der mich bezahlt“-Bassist T.M. Stevens rödeln sich die beiden ex-Names zwar routiniert, aber relativ inspirations- und lustlos durch ein Set, dass neben neueren Travers/Appice-Songs den BluesStandard „Evil“, Rod Stewart's „Do Ya Think I'm Sexy“ und das Beck/Bogert/Appice-Remake „Living Alone“ enthält. Auch T.M.Stevens durfte mit „Turn Me On“ einen eigenen Song beisteuern. Mit „Boom Boom“ und „Crash & Burn“ sind zudem zwei Songs aus Travers' erfolgreicheren Zeiten dabei. Auch wenn die drei Musiker nach wie vor zweifellos zu den Könnern gezählt werden müssen, bleibt unter dem Strich mit dieser Performance ausser Langeweile nichts. Selbst eingeschworene Fans werden sich schwertun, hier etwas Mitreissendes zu entdecken.

Boom Boom At The House Of Blues - CD+DVD

STEVIE COCHRAN

Music Avenue

Blues Boulevard

hh. Pat Travers und Carmine Appice gehören zu den grossen Namen im US-Rock/Blues der

Changes hh. Das New Yorker Schwergewicht bringt bereits seit über 30 Jahren seinen Bluesrock unter die Leute und ist dabei im Laufe der Jahre ein gern gesehener Stammgast beim Montreux Jazzfestival, wie auch nur wenige Schweizer Bluesclubs bislang noch keinen Cochran-Gig auf ihren Programmseiten verzeichnen konnten. Cochran gehört zu den amerikanischen Bluesrockern, die sich in der Jugend intensiv


Blues/Soul CD mit der „British Blues Invasion“ auseinandergesetzt haben. Die Einflüsse von Clapton und Green sind bis heute unüberhörbar. Auf „Changes“ präsentiert sich Cochran in gewohnt guter Spiellaune und zeigt, dass er zu den besseren Saitenakrobaten im dicht besiedelten Bluesfeld gehört. Zwölf durchweg gute bis sehr gute eigene Songs haben es auf das Album geschafft und unterstützt wird er dabei von Brian und Chris Carroll an Bass und Drums, die einen sehr guten Job machen und den Songs zu einem ordentlichen und handfesten Groove und Swing verhelfen. Im Vergleich zu seinem ebenfalls gut beleibten „Stadtrivalen“ Popa Chubby ist

Cochran zwar nicht so rockig, gitarrentechnisch muss er sich aber keinesfalls hinter Chubby verstecken, im Gegenteil Cochran geht mit wesentlich mehr Seele zur Sache und überzeugt mit flüssigem Spiel. „Changes“ wird sicherlich keine dicken Stricke zerreissen, ist aber auf jeden Fall eine grosse Empfehlung für jeden Freund des rockigen Blues. Unbedingt antesten!

JOE LOUIS WALKER Hellfire Alligator Records

hh. Seit den 80ern bringt der Gitarrist/Sänger regelmässig neue Platten unter die Bluesgemeinde. „Hellfire“ ist dabei sein Erstes auf dem renommierten Chicagoer Alligator Records Label. Und auch sein bislang Rockigstes. Walker ist nicht nur ein herausragender Gitarrist, sondern ebenfalls ein begnadeter Sänger, wohl seiner Gospel-Vergangenheit geschuldet. Und die Stimme ist es in erster Linie, die Walker

aus der Masse an schwarzen Bluesern heraushebt und die nicht vorhandenen Berührungsängste vor verschiedenen Musikstilen, die er problemlos zu vereinen versteht. So gibts neben SlowBluesern, gospelangelehntem Soul auch recht kräftige Rocker, wie das den Stones in ihrer 70erPhase gut zu Gesicht gestandene „Ride All Night“ oder das an Hendrix erinnernde feedbackende Solo in „What's It Worth“. Walker spielt auf seinem neuen Album all seine Trümpfe aus, erworben in unzähligen Konzerten. Und das sind eine routinierte, flüssige und dabei sehr gefühlvolle Fingerfertigkeit auf dem Griffbrett und die Fähigkeit instrumental und gesanglich die richtigen Akzente an den richtigen Stellen zu setzen. Es gibt songtechnisch Höhen und wenig Mittelmass, Tiefen sind praktisch nicht vorhanden, „Hellfire“ liefert durchweg gehobene Qualität. Der von Drummer Tom Hambridge (Buddy Guy, Susan Tedeschi) produzierte Longplayer besticht durch einen modernen, kräftigen und transparenten Sound, der Walker allen nötigen Raum zugesteht. Ein überaus gelungenes Debut für Joe Louis Walkers neue Plattenfirma.

Songs inkl. seine beiden vorerwähnten Lizzy-Hits und bezeichnenderweise gerade mal eine Eigenkomposition sind enthalten und verbreiten

ERIC BELL

Blues Boulevard

gepflegte Langeweile, denn es fehlen trotz relativ gutem spielerischen Gesamtvortrag doch die Ecken und Kanten und vor allem das Feuer. Von der Genialität, Kraft und Leidenschaft eines Rory Gallaghers, dem Bell dieses Album widmet, ist er leider meilenweit entfernt. Als BonusTracks gibts vier Studioaufnahmen, von denen gleich drei wieder alte Bluesstandards sind und nur das akustische, melancholische „Belfast Blues“ aus Bells Feder stammt. Fazit: Ein weiteres mittelmässiges Blues-Album nicht mehr und nicht weniger!

Boulevard eingespielten Alben aus den Jahren 2008-2011. Es wurde eine gute Auswahl getroffen, denn die Songs weisen durchweg hohe Klasse auf, da wird gerockt dass die Schwarte kracht. Dass der Australier immer noch nicht den breiten Erfolg hat, der ihm auf Grund seiner Klasse eigentlich schon seit Jahren zusteht, ist unverständlich. So spielt er beispielsweise den erfolgreicheren New Yorker Popa Chubby im Schlafen an die Wand und das in jeder Beziehung und nicht erst seit heute! Tognoni schreibt geilste Songs, ist ein verdammt guter Sänger und liefert packenden Sound auf höchstem Energielevel. Freunde des bluesbased Gitarrenrocks MÜSSEN sich dieses Album reinziehen, hier geht die Post ab. Und als Empfehlung: Wenn irgendwo ein TognoniKonzert angesagt ist, unbedingt hingehen es gibt nicht viel Besseres für Auge und Ohr. Tognoni ist Chefsache. Hammergeil!!!

GILES ROBSON & THE DIRTY ACES Crooked Heart Of Mine Blues Boulevard

ROB TOGNONI Boogie Like You Never Did

Belfast Blues In A Jar Blues Boulevard hh. Eric Bell (ex-Them) war zusammen mit Phil Lynott und Brian Downey Gründungsmitglied von Thin Lizzy anno 1969 und veröffentlichte mit den irischen Rockern die drei ersten LPs und somit frühe Hits wie „Whiskey In The Jar“ und „The Rocker“. 1973 wurde Bell aufgrund seiner Weigerung, den zunehmend härteren und kommerzielleren Kurs der Band mitzugestalten, sowie heftiger Alkoholprobleme gefeuert und durch Gary Moore ersetzt. Bell, der bereits vorher in Bluesbands aktiv war, widmete sich daraufhin mit überschaubarem Erfolg seiner Liebe zu den Granden des Blues und tingelt seither mit deren Standard-Songs durch die europäischen Clubs. Dass ihm der dabei der Durchbruch auf breiterer Front verwehrt blieb, lag hauptsächlich an mangelndem Charisma, das sich auch in seiner Spielweise ausdrückt. Sicher ist Bell ein guter Saitenartist, aber solche wie ihn gibt es viele. Auch als Sänger ragt er nicht aus dem Mittelmass heraus. Das alles ist auf dem hier vorliegenden LiveMitschnitt nachzuvollziehen. 10

hh. Eine weitere Veröffentlichung vom belgischen Blues Boulevard Label. Und die hat es in sich. Wo beispielsweise Eric Bell mit dem Namen Rory Gallagher kokettiert ohne auch annähernd in den Dunstkreis des irischen Gitarristen zu gelangen, schafft es der Australier mit dem italienischen Namen auf faszinierende Weise, das Erbe von Gallagher zu verwalten ohne ihn zu kopieren. Tognoni verbindet den Geist von Rory mit fettem, krachendem Rock, dem des öfteren die Einflüsse seiner Landsleute AC/DC anzuhören sind. Dass er bei aller Härte nicht die Wurzeln des Blues vernachlässigt, wertet seine musikalische Arbeit umsomehr auf. Das vorliegende Album beinhaltet Tracks aus seinen drei für das Blues

hh. Mit diesem Album setzt sich der junge britische Harpist Giles Robson auf Anhieb bestens in Szene und unterstreicht seinen Ruf, einer der besten neuen HarpSpieler überhaupt zu sein. In seiner Heimat fährt Giles durch seine Live-Konzerte bereits seit einiger Zeit höchstes Kritiker-Lob ein. Nun legt er sein erstes Album vor und bietet darauf 13 Songs in bester Chicago-/60s-British-BluesTradition, unterstützt von einer prächtig harmonierenden und groovenden Band um den herausragenden Gitarristen Filip Kozlowski, der zusammen mit Robson alle Songs verfasst hat. Auf die internationale Bluesszene ausgerichtet, kann man zweifellos sagen: A Star Is Born! Robson wird hier seinem guten Ruf in jeder Hinsicht gerecht, ein aussergewöhnlich talentierter und gefühlvoller Harpist zu sein, der am Anfang einer grossen Karriere steht. Das Album wurde live im Studio aufgenommen, also keine Overdubs oder nachträgliche Korrekturen alles aus einem Guss.

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hh. Hugh Laurie zählt zu den beliebtesten und erfolgreichsten TV-Darstellern der Gegenwart. Diverse Emmy-Nominationen und der Golden Globe Award stehen für seine Rolle als tablettensüchtiger, menschenverachtender und zynischer Dr. House in seinem Trophäenschrank. Auch als Sportler war der Sohn des britischen Ruder-Olympiasiegers Ran Laurie (1948) erfolgreich, in bester Familientradition als Ruderer, wo er 1977 britischer Juniorenmeister wurde und auch Mitglied des berühmten Cambridge-Achters war. Als Schriftsteller schaffte er es 1996 mit seinem Buch „The Gun Seller“ (im deutschsprachigen Raum unter „Der Waffenhändler“ erschienen) in die Bestsellerlisten. Momentan arbeitet Laurie an seinem zweiten Roman „The Paper Soldier“. In der gleichnamigen TV-Serie hängt sich Dr. House gern mal eine StratocasterGitarre um den Hals. Im wahren Leben zieht er allerdings das Klavier vor und spielt zusammen mit den SchauspielerkollegInnen Teri Hatcher, Jesse Spencer und James Denton in der Rockgruppe Band From TV, deren Erlöse wohltätigen Zwecken zugutekommen. Persönlich frönt seiner grossen Liebe zum New Orleans Blues. Im letzten Jahr erschien sein erstes Album „Let Them Talk“, auf dem er mit prominenter Unterstützung von Soul-Queen Irma Thomas, Dr. John, Allen Toussaint und Tom Jones klassische „Big Easy“-Standards aus Jazz, Blues und Gospel interpretiert. Seine hohe Qualität als Musiker stellt er nun auch live im Rahmen einer Europa-Tournee unter Beweis, die ihn auch nach Zürich bringt.

CD Blues/Soul Der Sound überzeugt auf ganzer Linie, direkt, kräftig und transparent. Tolles Album, ist jedem Bluesfan dringend ans Herz gelegt. Die Dirty Aces gehen zwar nicht so dreckig wie die legendären Red Devils zur Sache, aber wer seinerzeit auf diese wahnsinnigen „roten Teufel“ abgefahren ist, sollte hier unbedingt zugreifen.

JOHN MAYALL Big Man Blues Blues Boulevard

hh. Dieses Album wurde 1983 auf dem britischen DJM-Label unter

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Dr. House hat den Blues

HUGH LAURIE

dem Titel „Road Show Blues“ erstveröffentlicht und seitdem unter verschiedenen Titeln mehrfach neu auf den Markt gebracht. So werden es die eingefleischten Mayall-Fans bereits in der einen oder anderen Form im Regal haben. Wer diese Scheibe vom Gottvater des weissen Blues allerdings bislang noch nicht kennt, sollte hier unbedingt ein Ohr riskieren. Auch nach knapp dreissig Jahren kommen die Songs spritzig und in gutem Sound durch die Boxen. Auch die Band (James Quill Smith gtr-, Kevin McCormick bs-, Soko Richardson dr-, Christiaan Mostert sax- und Mayalls Gattin Maggie Parker voc, perc-) präsentiert sich in bester Spiellaune und groovt, gestählt durch Hunderte Live-Gigs, souverän und auf hohem technischen Niveau durch die neun Songs, zwei davon sind Live-Aufnahmen. Sicher hat der Brite, in dessen Bands Superstars wie Eric Clapton, Jimmy Page, Peter Green, Jack Bruce um nur einige wenige zu nennen, aktiv waren, bessere

Seinen grössten Erfolg feiert der Brite Hugh Laurie als Arzt Dr. House in der gleichnamigen TV-Serie. Aber das ist nur ein kleiner Teil seiner beeindruckenden Laufbahn. Laurie ist ausserdem als Sportler, Schriftsteller und Komiker aktiv und erfolgreich. Seine grosse Liebe gehört allerdings der Musik. Im letzten Jahr brachte der passionierte Pianist und Sänger sein erstes Album auf den Markt und jetzt ist er mit seiner Band auf Tournee.

HUGH LAURIE Let Them Talk Warner

LIVE 21. Juli 2012 Zürich, Kongresshaus

Alben veröffentlicht aber auch wesentlich schlechtere. „Big Man Blues“ ist ein typisches MayallAlbum mit allem was bei ihm dazugehört: sein kehlig/näselnder Gesang, die spitze Harmonika und seine typische, spezielle Gitarrenarbeit. Für Blues-Fans und Historiker auf jeden Fall zu empfehlen.

MICHAEL MESSER National Avenue Blues Boulevard

hh. Der Brite Michael Messer gehört seit Jahrzehnten zu den herausragenden und von Kritikern mit höchstem Lob bedachten Slidegitarristen. Zu

1. Saint James Infirmary 2. You Don't Know My Mind 3. Buddy Bolden's Blues 4. The Whale Has Swallowed Me 5. John Henry 6. They're Red Hot 7. Six Cold Feet In The Ground 8. The Battle Of Jericho 9. After You've Gone 10. Swanee River 11. Police Dog Blues 12. Tipitina 13. Whinin' Boy Blues 14. Baby, Please Make A Change 15. Let Them Talk

recht, muss man sagen und es ist sicher nicht übertrieben, ihn in eine Reihe mit GenreGrössen wie Ry Cooder oder Duane Allman zu stellen. Das hier vorliegende Album aus der reichhaltigen MesserDiscographie erschien ursprünglich unter gleichem Titel bereits 1996 im Vereinigten Königreich, wurde jedoch nur in einer Kleinauflage von 300 Stück gefertigt. Somit dürften wohl nur britische Die-Hard-Fans sich ein Exemplar davon ergattert haben, der Rest der Welt ging leer aus. Und das war mehr als schade, denn „National Avenue“ ist ein überaus gutes Album und zeigt Messer's SlideFähigkeiten auf eindrucksvolle Weise. Ausserdem enthält das Album eine Reihe tolle Songs, die jeden Fan von akustischem Slide-Blues entzücken dürften. Mit dem Re-Release dieses Albums hat das Blues Boulevard ein verschollenes Juwel wieder entdeckt.


DVD QUEEN Days Of Our Lives Universal hh. Die über 2stündige Dokumentatio n gibt einen umfassenden Einblick in das Schaffen einer der grössten Rockbands aller Zeiten. Brian May und Roger Taylor erzählen und kommentieren die Karriere der Band von den frühen Anfängen mit der Band Smile, die schon 1970 mit starken queen-likeChören glänzte, jedoch erfolglos blieb bis in die Gegenwart. Die DVD ist eine in Bilder gepackte Biografie, die von May und Taylor immer wieder mit humorvollen Anekdoten angereichert wird. Es gibt jede Menge rare Filmsequenzen mit Freddy Mercury und auch sein exzessiver Lebensstil wird dabei nicht beschönigt, aber auch nicht sensationslüstern

JOE BONAMASSA Beacon Theatre Provogue/MV

hh. Langsam wird es ein Overkill mit Bonamassa Veröffentlichungen. Nicht nur, dass der gute Joe nach der „Rockpalast“- und „Royal Albert Hall“-DVD jetzt schon wieder ein weiteres Konzert filmen liess, sondern mit seiner heavyrockenden Nebentruppe Black Country Communion kam ja vor nicht allzulanger Zeit auch ein gefilmtes Live-Dokument heraus. Zudem ist er als Gast auf inzwischen fast unüberschaubar vielen CDProduktionen dabei (zuletzt auf der neuen Europe „Bag Of Bones“) und tourt in eigener Regie unablässig. Ein wahrer Workaholic, bleibt zu hoffen,

ausgeschlachtet. Die DVD geht respektvoll und informativ mit der Geschichte dieser einzigartigen Band um, die sich in ihrer musikalischen Entwicklung keinerlei Grenzen auferlegte und sowohl im harten Rockbereich wie auch in der Disco-/Pop-Szene Megaerfolge feiern konnte. Viele Wegbegleiter wie ex-Manager John Reid oder Produzent Reinhold Mack erinnern sich an grosse Zeiten, aber auch an ihre dunklen Seiten. Was nach Aussen glänzte, war hinter den Kulissen oft genug ein harter Kampf ums Überleben. Wie so viele andere grosse Bands aus den 70ern war auch Queen zu einem Zeitpunkt, als sich ihre Platten bereits in Millionenauflagen verkauften und permanentes Touren zur Tagesordnung gehörten, komplett pleite und wären es wahrscheinlich auch geblieben, wenn der Elton John-Manager John Reid sie nicht aus den Knebelverträgen mit der damaligen QueenProduktionsfirma rausgeboxt hätte. Eine von Brian May erzählte

dass der Mann seinen Motor gut geölt hat und dass es nicht plötzlich heisst: Flasche leer. Davon ist auf dieser DVD absolut keine Spur. Im ehrwürdigen Beacon Theatre, wo auch die Stones ihren Konzertfilm „Shine A Light „ mitschneiden liessen, gab der King des Bluesrock einmal mehr ein absolut begeisterndes Konzert, unterstützt von einer der besten Bands in seiner Karriere. Zweifellos ein Verdienst des neuen Drummers Tal Bergmann (Billy Idol, Rod Stewart, LL Cool J), der sich sich hervorragend ergänzt mit Ausnahme-Bassist Carmine Rojas, der wie Keyboarder Rick Melick bereits seit einigen Jahren für den BonamassaGroove sorgt. Der Meister selbst zeigt sich einmal mehr in Topform. Dass Bonamassa das Mass aller Dinge im heutigen Bluesbereich ist, ist seit Jahren eine Tatsache. Dass er seine Vorbilder und Lehrmeister schon lange überholt hat, ist ebenfalls eine Tatsache. Und dass er sich trotzdem immer noch weiter steigert, erscheint ob seiner grandiosen Arbeit in der Vergangenheit unglaublich ist aber eine weitere Tatsache. Für den Mann scheint es keine Grenzen zu geben. Und so ist die vorliegende DVD, die ihn

Anekdote informiert, dass die ehemaligen Queen-Manager in ihren Rolls Royces durch die Gegend kutschierten, jedoch Roger Taylor wissen liessen, dass nicht genug Geld für neue DrumSticks da wäre und er gefälligst vorsichtiger spielen sollte. Die Doku ist durchweg sehr unterhaltsam und selbst eingefleischte Queen-Fans bekommen hier noch die eine oder andere nicht bekannte Information. Dass natürlich auch traurige Momente im Zusammenhang mit Freddy Mercurys Erkrankung und seinem viel zu frühen Tod nicht ausgeschlossen werden, liegt auf der Hand. Aber auch dieser Abschnitt wird souverän und respektvoll behandelt, sicher ganz im Sinne des QueenFrontmanns. „Days Of Our Lives“ ist eine tolle Dokumentation nicht nur für Queen-Fans, sondern für alle, die sich mit der Rockgeschichte befassen. Sehr empfehlenswert.

auch als herausragenden Sänger zeigt, ein weiterer Meilenstein in seiner Karriere. 19 Songs, darunter Bonamassa-Interpretationen von Rory Gallagher's „Cradle Rock“ , Gary Moore's „Midnight Blues“, Leonard Cohen's „Bird On A Wire“ und Gastauftritte von Beth Hart (mit der er im letzten Jahr das sensationelle

Foto: Inga Pulver

Album „Don't Explain“ herausgebracht hat), John Hiatt und Paul Rodgers (mit zwei Free-Klassikern „Walk In My Shadow“, „Fire & Water“) machen diesen Mittschnitt zu einem Fest für Auge und Ohr. Das Sahnehäubchen findet sich auf der Bonus-Scheibe, wo

STYX Live The Grand Illusion Pieces Of Eight Eagle Vision/MV hh. Styx gehörten in den 70/80ern zu den erfolgreichsten amerikanischen Bands und kassierten Gold- und Platin-Auszeichnungen am Laufmeter. Mit ihrem 7. Album „The Grand Illusion“ gelang der Chicagoer Gruppe 1977 der grosse Durchbruch und beinhaltete den Hit „Come Sail Away“. Der Nachfolger „Pieces Of Eight“ stand dem nicht nach und die daraus ausgekoppelten Hits „Blue Collar Man“ und „Renegade“ liessen die Kassen in grossem Stil klingeln. Im November 2010 führten Styx im Orpheum Theatre, Memphis beide Alben in voller

Bonamassa im Warren Haynes Song „If Heartaches Were Nickels“ die Seele seiner Gitarre freilegt und sie buchstäblich zum Schreien und Weinen bringt. Die anschliessende Solo-Einlage auf der Akustik-Gitarre lohnt allein schon den Kauf der DVD: Wer bislang noch nicht von der Einmaligkeit des Saitenhexers überzeugt war, hier ist der ultimative Beweis. Das Publikum belohnt die Darbietungen immer wieder mit stehenden Ovationen. In der Bonus-Abteilung taucht dann auch noch David Crosby auf, der Bonamassa ein paar Tricks des Open-Tunings veranschaulicht. Ausserdem gibts noch eine Bildergalerie. Für den sehr guten Live-Sound ist einmal mehr Partner in Crime Kevin Shirley besorgt, der nun bereits seit Jahren Bonamassas Klänge veredelt. „Beacon Theatre“ ist nicht so hart rockend wie die „Rockpalast“-DVD, aber qualitativ um einiges besser als „Royal Albert Hall“. Unverzichtbar für jeden Bluesrock-Fan und auch für jeden Rock-Gitarristen als Anschauungsmaterial bzw. Lehrfilm (Achtung: Grosse Frustrations-Gefahr). Ein weiteres Meisterwerk vom Gitarren-Gott!

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DVD Länge und der ursprünglichen Songreihenfolge auf und filmten die Show, die hier nun vorliegt. Von den Gründungsmitgliedern ist nur noch Gitarrist James Young dabei, allerdings auch der 1975 zur Band gestossene und an allen Megasellern beteiligte Tommy Shaw. Original-Bassist Chuck Panozzo gehört aufgrund seiner AIDS-Erkrankung nicht mehr zum heutigen Line-Up, kommt jedoch bei diesem Konzert für den Song „Fooling Yourself“ auf die Bühne. Die Band präsentiert sich bester Spiellaune, das musikalische Material, obwohl inzwischen über 30 Jahre alt, wirkt keinesfalls angestaubt. Ein Verdienst der agilen Band, die es immer noch versteht mit Feuer und Energie ihre alten Klassiker darzubieten. Der anspruchsvolle Mix aus Progund kommerziellem, melodiösem Hardrock bietet hohe musikalische Qualität, die durch den typischen StyxKitsch hin und wieder etwas arg verzuckert wird. Aber das war nun mal das Markenzeichen der Band und wer sich zu den Fans dieser Truppe zählt, bekommt mit dieser DVD einen ausgezeichneten Gegenwert für den Anschaffungspreis.

IRON MAIDEN En Vivo EMI mv. Nach dem enorm erfolgreichen letzten Album "The Final Frontier" (2010) und der dazugehörigen riesigen Welttournee gibt's von Iron Maiden nun wieder ein neues Live-Dokument, dass alle Fans total begeistern wird. Erscheinen wird "En Vivo" als Doppel-DVD, Blu-Ray und Doppel-CD/LP (Soundtrack). Wie von Iron Maiden gewohnt, bietet auch dieser neueste Release nur allerhöchste Qualität. So zeigt die erste DVD eine komplette zweistündige Live-Show, welche vor fast 60'000 total enthusiastischen Fans in Santiago, Chile, mitgeschnitten wurde. Gefilmt wurde mit 22 HDKameras sowie speziellen Kameras aus der Luft, was zu Hause am Bildschirm zusammen mit dem exzellenten Ton (Stereo und 5.1 Audio) echte LiveAtmosphäre aufkommen lässt. Die Band spielt sich durch ein sehr abwechslungsreiches Set bestehend aus vielen Klassikern und diversen Songs der letzten vier Studioalben. Highlights zu erwähnen spare ich mir, jeder Song, egal ob alt oder neu, ist einfach mitreissend und wird entsprechend laut mitgesungen und abgefeiert. Dazu natürlich wie gewohnt ein unglaubliches Stage-Set (diesmal eine Raumstation), viele tolle Backdrops, ein riesiger Eddie und vor allem eine Band, die trotz ihres Alters auf der Bühne vitaler und energischer ist als die meisten jungen Bands heutzutage. Als wäre das nicht schon genug zur Freude gibt's

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SUNRISE AVE. Out Of Style Live Edition dann auf DVD 2 noch einen fast 90 Minuten langen Doku-Film namens "Behind The Beast", wo die ganze Produktion der unfassbar aufwendigen Tournee bis ins Detail erklärt und aufgezeigt wird. Der Fan wird sozusagen für kurze Zeit Mitglied der Crew und staunt ohne Ende, was an Organisation und Aufwand notwenig ist, um die Band inklusiv Crew und tonnenweise Material mit dem Band-Boeing 757 "Ed Force One" zweimal rund um die Welt zu bringen. Interviews mit allen Beteiligten und der Band selber natürlich inklusive. Als Bonus ist dann noch der aktuelle Videoclip zu "The Final Frontier" inklusive Making-Off dabei (der Videoclip ist ein kleines Science-Fiction Movie mit viel Humor, wirklich sehenswert). Value for money ! Wer sich dieses hochwertige Package als Maiden- resp. MetalFan entgehen lässt ist selber schuld und es wird sicher noch lange dauern, bis es auf Blu-Ray was Besseres im Metal-Sektor zu sehen geben wird. As always Up The Irons !

EMI

hh. In der brechend vollen Columbia Halle, Berlin gaben die finnischen Hitgaranten ein von überwiegend jungen bis sehr jungen weiblichen Fans enthusiastisch gefeiertes Konzert. Die im letzten Oktober mitgeschnittene Show erstreckt sich auf der DVD über eine Laufzeit von 73 Minuten und beinhaltet die grossen Erfolge der Finnen. Der Auftritt der Band ist dezent bis zurückhaltend, auf spektakuläre Showeinlagen wird gänzlich verzichtet. Es gibt eine kleine Lauframpe und ein paar Podeste, das wars schon. Aber das ist ohnehin nicht das Ding der Gruppe, Sunrise Ave

überzeugen durch eine banddienliche Geschlossenheit und durchweg gute Poprock-Songs mit hohem Ohrwurmcharakter. Mit Samu Haber hat die Band zudem einen hervorragenden Sänger mit jeder Menge Charisma, der speziell bei den weiblichen Fans für massive HormonSchübe sorgt. Textsicher bis in die letzte Zeile wird jeder Song mitgesungen, die FischerChöre sind nichts dagegen. Die Band ist bestens eingespielt und gibt sich keine Blössen. Im Vergleich zu den Studio-Platten gehen Sunrise Ave live einen Zacken energischer zu Werke, ein Verdienst von Drummer Sami Osala, der 2005 Teijo Sämsä ersetzte. Osala spielt perfekt auf den Punkt, treibt die Band mit seinem knochentrockenen Beat an und verhindert dadurch bei den Balladen das Abrutschen in zu seichte Gefilde. Generell ist zu sagen, dass der Finnen-Fünfer aber weit mehr ist, als ein musikalischer KleineMädchen-Wet-Dream. Seit Jahr und Tag liefert die Band allerbeste Poprock-Songs auf hoher Qualität, die sie auch live ohne Abstriche reproduziert. Somit macht ein Sunrise Ave Konzert auch durchaus denjenigen Jungs Spass, die ihre Freundin trotz anderer musikalischen Vorlieben begleiten. Denn die Finnen rocken ordentlich. Die DVD zeigt somit ein wirklich gutes Konzert einer guten Band mit jeder Menge guten Songs ohne Schnickschnack, live und ungeschminkt. Die beiliegende CD bietet ebenfalls 13 Songs, differiert jedoch mit den beiden Titeln „Angels On A Rampage“ und „Out Of Tune“, die bei einem Wiener Konzert mitgeschnitten wurden, von der DVD Trackliste. Beste Unterhaltung.

GOLDEN EARRING Radar Love/Live At Rockpalast EagleVision/MV hh. Mittlerwei le sind die Holländer die am längsten in der gleichen Besetzung aktive Rockband des Planeten und werden nicht nur in ihrer Heimat nach wie vor in höchstem Mass verehrt.


DVD 1982 waren sie Gast im deutschen Rockpalast, das Konzert liegt nun in Form einer DVD vor. Zu dem Zeitpunkt konnten sie nach ihrem Mega-Hit „Radar Love“ (1973) mit „Twilight Zone“ wieder einen Song in den Top Ten der USA-Charts platzieren. Golden Earring war übrigens die erste grosse europäische Rockband, die schon 1969 auf Headliner-Tour in den USA unterwegs war und durch ihre damaligen extrovertierten und wilden Bühnenshows geniessen sie bis heute einen legendären Ruf jenseits des Atlantiks. Der hier dokumentierte Rockpalast-Gig zeigt die Gruppe nach einer längeren Schaffenskrise wieder in TopForm. Knapp 100 Minuten rockt sich das Quartett um Gitarrist George Kooymans und Sänger Barry Hay durch eine mit Hits gespickte Setlist. Alle grossen Earring-Songs wie „Candy's Going Bad“, „No For An Answer“, „Vanilla Queen“, „The Devil Made Me Do It“, „Buddy Joe“, „Back Home“ und „Just Like Vince Taylor“ sind dabei und die MegaSeller „Radar Love“ und „Twilight Zone“ bilden dabei die Höhepunkte. Einzig das Fehlen des legendären 20-minütigen Byrds-Remakes „Eight Miles High“ aus dem Jahr 1969 dürfte dem Hardcore-Fan eine Wehmuts-Träne aus dem Auge drücken, dafür ist das ebenso legendäre Bass-Solo von Rinus Gerritsen in für diesen Gig verkürzter Form enthalten und auch Ausnahme-Drummer Cesar Zuiderwijk, der in den 70ern in den USA und Europa in den PopPolls der Musikpresse regelmässig unter den Top 3 der besten Drummer zu finden war, zeigt sich im Solo als Kessel-Chef der Top-Liga. Fans der Holländer werden sich freuen, dieses Konzert endlich auf DVD erwerben zu können und allen anderen sei es als sehr empfehlenswertes musikalisches Konzertdokument einer der erfolgreichsten europäischen Hardrock-Bands empfohlen.

SANTANA Greatest Hits Live In Montreux 2011 Eagle Vision hh. Im Rock- und Popbusiness gehört Carlos Santana seit 40 Jahren zu den stabilen Werten mit einer endlosen Reihe an Hits, von denen ein grosser Teil zum Live-Standard-Repertoire des nimmermüden Gitarristen gehören. Die vorliegende DoppelDVD dürfte dabei den Fan in Entzücken verstzen, denn hier

wird ein umfassender Bogen über die grossen Songs von den Anfängen mit „Jingo“ und „Oye Como Va“ bis hin zu seinem 2010er Album „Guitar Heaven“. Natürlich fehlen ebenfalls seine Latin-Rock-Evergreens „Evil Ways“, „Samba Pa Ti“ und „Soul Sacrifice“ genauso wenig wie „Maria Maria“, oder „Black Magic Woman“, wie auch ein paar im typischen Santana-Stil vorgetragene Covers von AC/DC („Back In Black“) oder Cream („Sunshine Of Your Love“). Insgesamt 23 Songs mit einer über 3-stündigen Laufzeit zeigen den Meister in bestechender Form, begleitet von einer herausragenden Band. In der Reihe der vielen SantanaVideos nimmt dieses Werk punkto musikalische und Aufnahme-Qualität, sowie Songauswahl einen Spitzenplatz ein bzw. ist wohl die bis anhin beste Live-DVD-Veröffentlichung von Santana. Bandtechnisch sind keine Abnutzungserscheinungen auszumachen, alle Musiker vermitteln den Eindruck, mit Spass und Leidenschaft bei der Sache zu sein. Mit Derek Trucks und seiner Gattin Susan Tedeschi präsentiert Carlos zudem zwei hochkarätige Gäste und auch die hochklassige ehemalige Lenny Kravitz-Drummerin und jetzige Santana-Ehegattin Cindy Blackman-Santana gibt sich die Ehre. „Live In Montreux 2011“ ist ein überdurchschnittlich gutes Live-Dokument, das auch soundund bildtechnisch kaum Wünsche offen lässt. Santana in Top-Form!

THE DOORS Mr. Mojo Risin' The Story Of L.A. Woman Eagle Vision/MV hh. 2011 jährte sich zum vierzigsten Mal die Veröffentlich ung von „L.A. Woman“, das letzte Album mit Jim Morrison, der einige Monate nach dem Release in Paris verstarb. Da Morrison bei einem Konzert in Miami einmal mehr mit der Staatsgewalt in Konflikt geraten war und kurzzeitig in den Knast

wanderte, mussten die Doors ihre laufende Tournee abbrechen und gingen stattdessen ins Studio, um ein neues Album aufzunehmen. Ohne neue Songs im Gepäck kamen die Arbeiten im Sunset Studio, Los Angeles nur sehr schleppend bis gar nicht voran und Produzent Paul Rothchild, der bis dahin alle Doors-Alben produzierte, warf mitten in den Sessions entnervt das Handtuch. Obwohl die Band dadurch ziemlich geschockt war, beschlossen sie zusammen mit Toningenieur Bruce Botnik in Eigenregie weiterzumachen. Um das Gruppenfeeling wieder zu beleben, verfrachtete Botnik Band und Equipment in den Doors-Proberaum und plötzlich kamen Ideen und der spezielle Doors-Groove zurück, was schlussendlich im besten Album der Band resultierte. Spontan und frisch drückte die Truppe ab und verfasste in nur vier Tagen Aufnahmezeit einige der grössten Hits wie „L.A. Woman“, „Riders On The Storm“ und „Love Her Madly“. Für Morrison war dieses Album ein Abschiedsgeschenk an seine Kollegen, denn schon während der Aufnahmen informierte er sie über seinen Ausstieg und den DomizilWechsel nach Paris. Die DVD beleuchtet alle wichtigen Phasen zur Produktion dieses Albums, von der Vorgeschichte bis zur Fertigstellung. Dabei kommen in neuen Interviews die DoorsMitglieder Ray Manzarek, Robbie Krieger und John Densmore zu Wort, wie auch Elektra Records Chef Jack Holzman, der damalige Manager Bill Siddons und CoProduzent Bruce Botnik. Die DVD umfasst Archivaufnahmen der Doors auf der Bühne und im Studio, zudem Fotoklassiker.. In der Bonusabteilung gibt es noch zusätzliche Interviews. Auch für eingefleischte Doors-Fans dürfte die DVD attraktiv sein, denn wie in der Eagle-Visions-Reihe „Classic Albums“ üblich, gibt es interessante StudioInformationen, bei denen einzelne Spuren der Aufnahmebänder vorgeführt werden und wie sie dann in den Endmix eingebettet wurden.

B.B. KING Live At The Royal Albert Hall 2011 -CD + DVDUniversal 87 Jahre alt ist der BluesAltmeister inzwischen und immer noch auf Achse. Damit ist er der einzige noch lebende Vertreter der drei Grossen: Muddy Waters, Howlin’ Wolf, B.B. King, die massgeblich die

musikalische Richtung von unzähligen Blues- und Rockacts vorgegeben haben. Speziell B.B. wird von praktisch allen zeitgenössischen Musikern, egal welchem Lager sie angehören, verehrt und höchst respektiert. So erstaunt es nicht, dass neben bekannten King-Verehrern wie Ronnie Wood und Familie Tedeschi-Trucks auch Slash als Gast in der Royal Albert Hall dabei ist. In bestem Masters-OfCeremony-Stil, den man von James Brown kennt, wird auch Kinhg angekündigt und mit setehenden Ovationen vom Publikum begrüsst. B.B. Freut sich mächtig und verteilt Gitarren-Plektren. Seine “Butler” begleiten ihn zu einem Stuhl, B.B. schnallt sich seine “Lucille” um und los gehts mit einer entspannten Blues-Jam, bei der King als humorvoller Entertainer und gegenüber Susan Tedeschi

als stilvoller Charmeur auftritt. Stimmlich ist er noch kräftig bei der Sache, spielerisch hält er sich im Grossen und Ganzen jedoch zurück, lässt hier und da ein paar typische Licks einfliessen, beschränkt seine Soli jedoch auf einige wenige Songs. Seine gepflegt groovende Band reagiert aufmerksam auf die Vorgaben des Chefs u7nd hält sich ansonsten dezent im Hintergrund. King selbst erfreut sich bestens an den musikalischen Darbietungen seiner Gäste Susan Tedeschi, Derek Trucks, Ronnie Wood, Slash und Mick Hucknall. Besonders Derek Trucks’ Sliding hat es ihm angetan, davon kann er gar nicht genug bekommen und spornt ihn unablässig mit “Go ahead” an. Am Auffälligsten jedoch ist Slash, der hier als seelenvoller Blueser zeigt, dass er auch neben seiner harten Seite zu den besten Saitenartisten gehört. Lediglich Simply Red’s Hucknall kommt mit seinen Gesangseinlagen etwas zu kurz, was man aber durchaus verschmerzen kann. Zum Schluss gibts wieder stehende Ovationen, B.B. freut sich, verteilt Plektren und wird von der Bühne geleitet. Schön war’s.

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LIVE REVIEWS STEEL PANTHER Zürich, Komplex 457 24.3.2012 mv. Bereit für die Reise mit der Zeitmaschine mitten in die 80er Jahre des Sunset Strip ? Bands wie Van Halen, Bon Jovi, Ratt oder Mötley Crüe regieren, dazu Tonnen von Hairspray, LeopardenSpandexhosen und Typen, die besser aussehen als ihre Freundinnen. Wer dieser Zeit nachtrauert, hat heute die Chance, das nochmal zu erleben: Steel Panther, die neuen Könige des Hair Metal, kommen für eine Headliner Show ins ausverkaufte Zürcher Komplex 457! Nach dem Spoken Intro „In The Future“ brettert die Band mit dem Eröffnungsdoppel „Supersonic Sex Machine“ und „Tomorrow Night“ los als gäbe es kein Morgen. Alles ist super tight gespielt und das Stageacting perfekt inszeniert und ausgearbeitet. Zwischen den Songs gibt es Spinal Tap mässige Comedy, welche zum Teil echt zum Brüllen komisch ist. Mit „Fat Girl“ und „Asian Hooker“ gehts weiter. Die Stimmung im Publikum ist bereits am Siedepunkt, was für eine unfassbare Partystimmung! Als sich Sänger Michael Starr eine Tiger Woods Maske Fotos: Ian Keates

CORROSION OF CONFOMITY, BLACK COBRA, ZOROASTER Luzern, Schüür 4.4.2012 ip. Die ursprüngliche Hardcore-Band COC aus Raleigh, North Carolina, ist seit fast zwei Jahren inoffiziell ohne ihr prominentes Zugpferd Pepper Keenan unterwegs, der mittlerweile hauptberuflich bei Down seine sechs Saiten bedient. Mit Keenan gingen auch der Southern Rock und die treibenden Riffs, die der Band zu beachtlichem Erfolg verholfen hatten. Zurück blieben die drei Urgesteine Weatherman, Mullin und Reed und der Hardcore der Anfangstage. Und damit, sowie mit dem neuen Album, sind COC aktuell unterwegs. Mit im Tourensemble sind Zoroaster, die den Abend doom-psychedelisch eröffnen. Ihr letztes sehr gutes Album haben sie zwar vergleichsweise leicht über ihren Verhältnissen eingespielt, aber nichtsdestotrotz hat das Sludge-Trio aus Atlanta eine Menge Charme auf der Bühne und nehmen das Publikum für sich ein. Die Kalifornier Black Cobra schliessen sich stilistisch an den Opening Act an, stammen besetzungsmässig aber eher aus dem Kuriositätenkabinett. Lediglich als Duo mit Gitarre und Drums konzipiert sind die ersten Songs etwas gewöhnungsbedürftig, aber die zwei Musiker gehen ab wie eine Rakete und unterhalten auf ihre Weise ausgezeichnet. COC rollen das Feld allerdings von hinten auf. Die Setlist beinhaltet nicht nur einen ausgewogenen Querschnitt aus der PräPepper Ära und dem neuen selbstbetitelten Album, sondern punktet auch mit dem Kracher "Deliverance". Trotz leider sparsamer Besucheranzahl ziehen die drei Musiker sämtliche Register, rocken was das Zeug hält und zeigen Spielfreude galore.

Foto: Inga Pulver

Leider hat der Spass nach einer guten Stunde schon ein Ende, aber der Gig hat definitiv Lust auf mehr gemacht und die Hoffnung bleibt, dass der flotte Dreier bald wieder in der Schweiz Halt macht. Und, als Randnotiz: selten war ein Abend so fanfreundlich! Schmale 35.- für drei Bands, 20.- für Shirts/CDs, 30.für Kapuzenpullis und Spass für umsonst; das nenne ich mal ein ordentliches Osterei!

PAUL McCARTNEY Zürich, Hallenstadion 26.3.2012 rk. Sie waren eigentlich die erste Boygroup überhaupt, Vorreiter und Idole vieler späterer Rockbands und kommerziell die wohl erfolgreichste Band der Musikgeschichte The Beatles. Was kann man also erwarten, wenn eines der damaligen Mitglieder ein Konzert ankündigt? Zumal dieses erst kürzlich noch ein weiteres, eigenes Album auf den Markt brachte und schon seit Ewigkeiten als Solokünstler unterwegs ist. Nur seine eigenen, neuen Lieder? Das Hallenstadion war zwar nicht ausverkauft, aber mit 10'000 Besuchern sehr gut gefüllt. Nicht nur ältere Fans waren vertreten, das Publikum zog sich durch sämtliche Alterskategorien. Das eher ältere Publikum lies sich dann erst während der Show bei den ruhigeren Kompositionen ausfindig machen, denn hier wurden keine Telefondisplays, sondern noch Feuerzeuge geschwenkt. Rund 20 Minuten verspätet betraten Paul McCartney und seine Band die Bühne und das Publikum begrüsste sie bereits mit grossem Applaus und einer Standing Ovation. Im schwarzen Anzug trat er vor sein Mikrofon und eröffnete mit seinem 70er Jahre Song „Juniors Farm“. Danach kam mit „All My Loving“ bereits der erste Beatles Hit und die Zuhörer dankten es schon bei den ersten Tönen mit freudigem Jubel. Auf gigantischen Screens flimmerten alte Videos und Fotos, ansonsten war


LIVE REVIEWS

umbindet ist klar, was als nächstes kommt. Der Single Hit vom neuen Album „Just Like Tiger Woods“ lässt die Halle kochen und mit „Gold Digging Whore“ gehts energisch weiter, bevor Gitarrist Satchel mit seinem genialen Solo brillieren darf (mit der Ankündigung, er sei schneller als Eddie Van Halen... im Sprinten, und „dünner“ als Yngwie Malmsteen). Das Solo besteht aus genialen Klassiker-Zitaten, wobei Satchel gleichzeitig auch noch hinter dem Drum steht und mit dem Fusspedal etwas Rhythmus dazu gibt. Das Publikum ist begeistert und vor der Bühne wird das eine oder andere T-Shirt gelüftet. Mit „It Won't Suck Itself“ geht's mit voller Power wieder los, bevor mit „Community Property“ vom Debüt der wohl grösste Hit der Band zum Zug kommt und aus tausenden Kehlen kräftig mitgesungen wird. Es folgt Hit auf Hit und nach genau 95 extrem unterhaltsamen Minuten machen Steel Panther den Sack zu. Dies war definitiv DIE Party des Jahres und ich denke nicht, dass das in diesem Bereich 2012 noch getoppt werden kann.

das Bühnenbild sehr einfach gehalten und rückte die Musiker in den Vordergrund. Wie von einem Charmeur alter Schule nicht anders zu erwarten, versuchte Paul sich zwischendurch in Schweizerdeutsch, grinste ins Publikum an gab kecke Sprüche oder alte Erzählungen zum Besten. Spätestens als er seine Jacke auszog und ein Pfeifkonzert durch die Halle schallte, wurde klar, dass der Herr im weissen Hemd mit schwarzen Hosenträgern noch genau weiss, wie man Aufmerksamkeit gewinnt. Die Setliste konnte sich sehen lassen, nebst diversen Solosongs fehlten auch die erfolgreichsten Beatles Hits wie „Let It Be“, „Hey Jude“, „Back In The U.S.S.R“, „Obla Di Obla Da“ und „Yesterday“ nicht. Den Titel

Fotos: Ian Keates

„Paperback Writer“ widmete er Jimi Hendrix und eines seiner neusten Werke („My Valentine“) seiner Frau. Für seinen alten Freund John Lennon spielte er an diesem Abend dessen Tribute Song „Here Today“. So lässt sich die Aufzählung noch ewig erweitern, denn keines der sagenhaften 35 Lieder war zuviel. Beinahe drei Stunden riss der nun doch schon 70-jährige Brite seine Zuhörer in den Bann. Wider Erwarten überraschte die muntere Truppe gegen Schluss auch noch mit einer grossartigen Pyroshow. Egal ob jung oder alt, eine umwerfende Vorstellung, die 10'000 glückliche Gesichter mit tosendem Applaus und Standing Ovation dankten. Don't let it be, Paul.


KONZERTKALENDER DELI LAHS

GOGOL BORDELLO

LEE RITENOUR ACOUSTIC BAND

11.5. Brugg, Dampfschiff

18.7. Zürich, Komplex 457

12.5. Zürich, Tonhalle

ALPHA BLONDY

26.5. Zug, Galvanik

GOTTHARD

15.5. Basel, Stadtcasino

11.5. Zürich, Volkshaus

27.5. Engelberg, H alt Auf Verlang.

7.7. Locarno, Piazza

LEMONHEADS

AMON DÜÜL II

DEATH CAB FOR CUTIE

GUNS N' ROSES

16.5. Zürich, Abart

25.5. Zug, Chollerhalle

5.6. Zürich, Komplex 457

27.6. Basel, St. Jakobhalle

LENNY KRAVITZ

ANNAKIN

DIE ÄRZTE

HANDSOME HANK

11.7. Locarno, Piazza

5.5. Bern, La Capella

11.6. Zürich, Hallen stadion

19.5. Zürich, Helsinki

LI GABUE

AYO

DIE APOKALY PTISCHEN REITER

24.5. Basel, Goldenes Fass

5.7. Locarno, Piazza

19.6. Zürich, Kaufleuten

6.5. Zürich, Komplex 457

HARDCORE BLUESBAND

LI NA BUTTON

BABY JAIL

DISGROOVE

1.5. Solothurn, Kofmehl

9.5. Heerbrugg, Madlen

4.9. Solothurn, Kofmehl

4.5. Brugg, Dampfschiff

5.5. Aegerten, Rockcafé

LI ONEL RICHIE

BETWEEN THE BURIED & ME

23.6. Liestal, Air

23.6. Gonten, Biker Treffen

6.11. Zürich, Hallenstadion

28.10. Zürich, Dynamo

DJ BOBO

27.7. Etziken, Open Air

LI SA HANNIGAN

BLACK DALIAH MURDER

20.5. Zürich, Hallen stadion

11.8. Nennigkofen, Maishotel

10.5. Zürich, Abart

8.8. Zürich, Dynamo

EAGLES OF DEATH METAL

31.8. Emmental

LI VE WI RE

BLINK 182

21.6. Solothurn, Kofmehl

24.11. Pratteln, Galery

1.6. Widen, Burkerts matt

5.7. Zürich, Hallenstadion

ELTON JOHN & BAND

HERBERT G RÖNEMEYER

16.6. Monte Carasso, OpenAir

BLOOD RED SHOES

12.7. Locarno, Piazza

13.7. Locarno, Piazza

9.+10.11. P ratteln, Z7

30.5. Zürich, Plaza

ELUVEI TIE

HUG H LAURI E

LMFAO

BLUMENTOPF

20.96. Solothurn, Kofmehl

21.7. Zürich, Kongresshaus

16.5. Bern, Festhalle

30.5. Zürich, Abart

ELUVEI TIE, 6 9 CHAMBERS,

JAMES MORRISON

LOST PROPHETS

BRUCE SPRINGSTEEN

FINNTROLL, RED SHAMROCK

2.6. Aarberg, Stadtplatz

14.5. Zürich, Komplex 457

9.7. Zürich, Letzigrund

29.12. Winterthur, Eu lachhalle

JAMES TAYLOR

LOVEBUG S

CARROUSSEL

ELVIS COSTELLO

13.5. Zürich, Kongresshaus

2.5. Zürich, Exile

12.5. Saanen, Rock The Village

4.6. Zürich, Kongresshaus

JARRETT-PEACOCK-DeJOHNETTE

4.5. Laus anne, Rouge City

25.5. Solothurn, Kulturm

ERIKA & THE BITTERLINS

13.7. Zürich, Kongresshaus

5.5. St. Gallen, Grabenhalle

CELTIC WOMAN

31.5.,1+2 .6. Solothurn Kofmeh l

JETHRO TULL

LY NYRD SKYNYRD

9.6. Zürich, Hallenstadion

EVANESCENCE

18.5. Zürich, volkshaus

12.6. Winterthur, Eulachhalle

C.H.

11.6. Zürich, Maag Halle

JOHN HIATT & THE COMBO

MACY GRAY

19.5. WitrachBE, Swiss Mus ic N ight

EVERY TIM E I DIE, CANCER BATS,

13.7. Zürich, Kaufleuten

2.7. Zürich, Kaufleuten

30.6. Weinfelden, Rock on Top

SET YOUR GOALS, MAKE DO AND

JOHN K. SAMSON

MADONNA

6.7. Weggls, Rosenfest

4.5. Zürich, Dynamo

22.5. Zürich, Abart

18.8. Zürich, Letzigrund

22.7. Klewenalp, Open Air

FAMARA

JONATHAN WILSON

ME.MAN.MACHINE

1.8. Rüschlikon, Park im Grüne

2.6. Bischoffszell, Open Air

2.7. Zürich, Kaufleuten

16.5. Zürich, Exile

CHARLOTTE GAINSBOURG

16.6. Oberwil, Open Air

JUDAS PRI EST / THI N LIZZY

MICH AEL SCHENKER

25.5. Zürich, Kaufleuten

6.7. Frauenfeld, Open Air

12.5. Fribourg, Forum

7.5. Zürich, Plaza

CHI COLTRANE

18.8. Gampel, Open Air

KI NG CHARLES

MICH EL CAMILO TRIO

4.5. Murten, Hotel Murten

15.12. Brugg, Art Bar

24.5. Zürich, Eldorado

23.5. Luzern, KKL

5.5. Brugg, Salzhaus

FANKHAU SER

KI SH A

MÖTLEY CRÜE - SLASH

CHRISTINA PERRI

4.5. Heimberg, Aula

30.6. Weinfelden, Stelzenhof

21.6. Basel, St. Jakobhalle

10.7. Zürich, Kaufleuten

5.5. Kirchberg SG, Eintracht

5.7. Weggis, Pavillon am See

MORNI NG PARADE

COLDPLAY

19.5. Buochs , Iheimisch

KUMMERBUBEN

11.5. Vernier sur Rock

26.5. Zürich, Letzigrund

25.5. Burgdorf, Casino Theater

25.5. Steffisburg, Art Container

MORTEN HARKET

COMBICHRIST

1.6. Aarberg, Stars Of Sounds

LADY G AG A

2.5. Zürich, Volkshaus

8.7. Zürich, Plaza

FRITTENBUD E

26.9. Zürich, Hallenstadion

NEW KIDS ON THE BLOCK /

DIANA KRALL

4.5. Zürich, Abart

LADYSMI TH BLACK MAMBAZO

BACKSTREET BOYS

20.11. Zürich, Kongresshaus

FUNNY VAN DAN NEN

9.5. Zürich, Kaufleuten

3.5. Genf, Arena

DANNY BRYANT'S REDEYE BAND

5.10. Zürich, Härterei

LAURA PAUSINI

NICKELBACK

19.5. Dietikon, Sounddock 14

GODSM ACK

14.7. Locarno, Piazza

28.9. Zürich, Hallenstadion

60

26.6. Züricuh, Komplex 457


KONZERTKALENDER OF MICE AND MEN

Afro-Pfingsten, Winterthur 24. - 27. Mai 2012 AVO Session Basel 21. Oktober - 13. November 2012 Bad Bonn Kilbi, Düdingen 31. Mai - 02. Juni 2012 Blue Balls Festival, Luzern 20. - 28. Juli 2012 Bodmerfest, Visperterminen 08. - 10. Juli 2011 das festival, Schaffhausen 08. - 12. August 2012 FestiNeuch, Neuchatel 31. Mai - 03. Juni 2012 Greenfield, Interlaken 15. - 17. Juni 2012 Gurtenfestival, Bern 12. - 15. Juli 2012 Heitere Open Air, Zofingen 10. bis 12. August 2012 Live At Sunset, Zürich 11. - 22. Juli 2012 Montreux Jazz Festival 29. Juni - 14. Juli 2012 Moon and Stars, Locarno 06. - 15. Juli 2012 Musikfestwochen, Winterthur 15. - 26. August 2012

20.5. Zürich, Dynamo PARADISE LOST 23.5. Solothurn, Kofmehl PI NO DANIELE 16.5. Zürich, Kongresshaus 22.5. Genf, Theatre du Leman PLÜSCH 4.5. Zug, Chollerhalle 5.5. Mels, Altes Kino 1.6. Thunersee, MS Berner Oberl. 2.6. Aarberg, Stars Of Sounds 14.7. Bern, Gurten 12.8. Zofingen, Heitere 25.8. Arbon, Summer Days PUDDLE OF MUD 6.6. Solothurn, Kofmehl RED 26.4. Zürich, Abart RED HOT CHILI PEPPERS 3.7. Bern, Stade de Suisse RON POPE 17.5. Zürich, Kaufleu ten RUBEN BLADES 11.7. Zürich, Volkshaus SAXON

Open Air Frauenfeld 06. - 08. Juli 2012 Open Air Gampel 16. - 19. August 2012 Open Air Gränichen 03. - 04. August 2012 Open Air Lumnezia, Vella 20. - 21. Juli 2012 Open Air St. Gallen 28. Juni - 01. Juli 2012 Open Quer Zell 6. - 8. Juli 2012 Paléo Festival Nyon 17. - 22. Juli 2012 Reeds Festival, Pfäffikon ZH 20. - 22. Juli 2012 Rock Oz Arènes, Avenches 02. - 04. August 2012 Stars Of Sounds, Aarberg 01. - 02. Juni 2012 Summer Sound, Sursee 05. - 08. Juli 2012 Summer Stage Basel 23. - 25. August 2012 Touch The Air, Wohlen 21. - 24. Juni 2012 Wavejam, Balzers 11. - 12. Mai 2012

4.8. Sursee, Magic Night of Rock SEEED 19.11. Zürich, Hallenstadion

12.8. Zofingen, Heitere

THE HOMESTORIES

19.5. Basel, Kaserne

SETH LAKEMAN

24.8. Baden, Stadtfest

11.5. Winterthur, Salzhaus

25.5. Jona, Kreuzsaal

5.5. Zug, Chollerhalle

SMOKIE

THE RASMUS

1.6. Aarberg, Stars Of Sounds

SHABANI

15.6. Dietikon, Sounddock 14

15.5. Zürich, Abart

9.6. Hasle-Rüegsau, Blaser Areal

21.6. Hergiswil, Lakeside

SÖHNE MANNHEIMS

THE TING TINGS

14.6. Luzern, B-Sides

SHARON JONES

8.10. Zürich, Volkshaus

8.6. Zürich, Komplex 457

29.6. St. Gallen, Open Air

22.5. Zürich, Kaufleu ten

STATUS QUO - BI LLY I DOL

THE WORD ALIVE

7.7. Muri, Klosterhof

SILBERM OND

6.7. Locarno, Piazza

23.5. Zürich, Dynamo

13.7. Bern, Gurten

19.12. Zürich, Hallenstadion

STILLER HAS

TIZIANO FERRO

20.7. Zürich, Live at Sunset

SLÄDU & FRIENDS

10.5. Reinach BL, Palais Noir

23.5. Zürich, Hallenstadion

27.7. Etziken, Open Air

23.6. Langen thal, Das Zelt

11.5. Murten, Hotel Murten

TOTO

11.8. Zofingen, Heitere

13.7. Lenzerheide, Das Zelt

16.5. Wäckerschwend, Sonne

4.8. Sursee, Magic Night of Rock

13.9. Interlaken, Das Zelt

31.5. Schaffhausen, K ammgarn

TREEKILLAZ

6.10. Winterthur, Das Zelt

TANGERINE DREAM

12.5. Einsiedeln, Ziegelei

13.10. Aarau, Das Zelt

7.5. Zürich, Kongresshaus

29.6. Biel, Barberie

2.11. Horgen, Das Zelt

THE BI ANCA STORY

UNHEILIG

17.11. Luzern, Das Zelt

5.5. Laufen, Biomill

15.7. Locarno, Piazza

31.12. Bern, Das Zelt

10.5. Lyss, KU FA

ZÜRI WEST

SLAM & H OWIE

12.5. Langenthal, Chrämerhus

3.5. Zürich, Volkshaus

5.5. Horw, Zwischenbühne

THE BRIAN JONESTOWN MASSACRE

4.5. Winterthur, Salzhaus

6.5. Düben dorf, Loveride

18.6. Zürich, Abart

10.5. Fribourg, Fri Son

15.6. Monte Carasso, Open Air

THE CRANBERRI ES

11.5. Zug, Chollerhalle

27.7. Mannried, Chiubi

7.11. Zürich, Hallenstadion

17.+18.5. Thun, Bärensaal

Die Schweizer Status Quo Tribute Band www.piledriver.ch


KONZERT-TICKETS: je 2 x 2 Tickets für

SONISPHERE 2012 Metallica, Slayer, Mötörhead etc. 30. Mai 2012 Yverdon-Les-Bains

LYNYRD SKYNYRD 12. Juni 2012 Winterthur, Eulachhalle

AXEL RUDI PELL “Circle Of The Oath” 1 x Mausmatte 3 x CD

MÖTLEY CRÜE / SLASH 21. Juni 2012 Basel, St. Jakobhalle

GODSMACK 26. Juni 2012 Zürich, Komplex 457

3 signierte RAMS “Life” DVDs

GUNS ‘N’ ROSES

IRON MAIDEN “En Vivo” 1 x DVD 1 x Limited Edition DVD Steelbook Deluxe 1 x Blue Ray

27. Juni 2012 Basel, St. Jakobhalle

PETER MAFFAY 5. Juli 2012 Sursee, Summersound

BRYAN ADAMS 7. Juli 2012 Sursee, Summersound

3 x signierte DISGROOVE “Best Redressed” CD

3 x signierte ES BRENNT - WAS TUN “Auf den ersten Blick” CD

Wunschartikel auf eine Postkarte schreiben und einsenden an: TRACKS -Wettbewerb-, Postfach 108, 4323 Wallbach oder eine E-Mail an: Info@tracks-magazin.ch

3 x signierte STEFANIE HEINZMANN Limited Deluxe Edition CD + DVD

Die Gewinner werden ausgelost

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Redaktionsanschrift: TRACKS Magazin Postfach 108 CH- 4323 Wallbach T +41 61 861 03 73 info@tracks-magazin.ch www.tracks-magazin.ch Erscheinungsweise: 2-monatlich (6 Ausgaben/Jahr) Auflage: 40'000 Verlag:

62

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presents:

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17   Mai 2012 Eishalle Wetzikon & supporting act: TICKETS UND INFOS: www.ticketcorner.ch - Tel. 0900 800 800 (CHF 1.19/Min., Festnetztarif), SBB, Die Schweizerische Post, Manor, Coop City



TRACKS Magazin 3 12 (Mai/Juni 2012)