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TONKUNStLER MAGAZIN

SEptEmbER ’13 ― JäNNER ’14

Plugged-In: The real Group Gedankenspiele: Georg Breinschmid C(H)ŒUrs im Festspielhaus st. Pölten

DOPPELTE

FREUDE

Andrés Orozco-Estrada und Rudolf Buchbinder eröffnen die Saison 13-14 ü Tonk

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NEUJAHR 2014

Sonntag, 5. Jänner 2014, 16 Uhr

MUSIKVEREIN WIEN

NeujahrskoNzert

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Begrüßen Sie das Neue Jahr mit dem Tonkünstler-Orchester im Großen Saal des Wiener Musikvereins!

Informationen und Buchung unter T: +43 (0)1 586 83 83 | tickets@tonkuenstler.at


Liebe Musikfreunde!

Andrés orozco-estrada

IN DIESER AUSGABE 2 6 8 10 11 12 14 16 18 20

In guten Händen Mehr als Virtuosen Pariser Luft C(H)œURS

Pauls Reise Den Sternen so nah Feste Feiern Plugged-In: Jazzige Eskapaden Tastenzauber Gedankenspiel

Kalendarium in der heftmitte

Ich heiße sie zur konzertsaison 13-14 herzlich willkommen! Das tonkünstler-orchester und ich dürfen auf schöne erfolge im diesjährigen Grafenegg Festival zurückblicken – was aber natürlich kein Grund ist, sich auszuruhen. Im Gegenteil: angespornt durch den zuspruch machen wir uns jetzt daran, unsere kreativen kräfte wieder zu bündeln und Ihnen in Wien, st. Pölten und Grafenegg interessante konzerte zu präsentieren. In der Ihnen vorliegenden ausgabe unseres Magazins erfahren sie mehr über die kommenden Monate im Musikleben des tonkünstler-orchesters: Besonders hervorheben möchte ich die saisoneröffnung, wir sehen dabei der zusammenarbeit mit rudolf Buchbinder mit Freude entgegen! Wie sie wissen, liegt mir die zeitgenössische Musik sehr am herzen, was sich durch das jährliche auftragswerk am saisonbeginn ausdrückt: heuer konnten wir kurt schwertsik für diese arbeit gewinnen, einen der großen österreichischen komponisten. Vor Weihnachten erarbeite ich mit den tonkünstlern noch ein Mozart- und Mahler-Programm, mit dem wir in der stillen zeit des jahres einen kontemplativen akzent setzen möchten. selbstverständlich haben wir wieder großartige Gastdirigenten und internationale solisten zu uns eingeladen, die Ihnen außergewöhnliche Musikerlebnisse bereiten. stellvertretend möchte ich die Geiger Isabelle van keulen und Benjamin schmid, den Pianisten simon trpčeski und unter den Gastdirigenten den japaner kazuki Yamada sowie hans Graf und hugh Wolff nennen, die unsere highlights in der kommenden zeit mitgestalten. Viel Freude beim Lesen und viele anregende konzerte wünschen Ihnen,

andrés orozco-estrada und das tonkünstler-orchester Niederösterreich

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IN GuteN

hÄNDeN

Die Konzertsaison 13-14 eröffnet mit einem bewährten Tonkünstler-Rezept, und doch ist alles neu: Erstmals ist Rudolf Buchbinder, künstlerischer Leiter von Grafenegg, in einem Abonnementkonzert zu Gast. Unter der Leitung von Chefdirigent Andrés Orozco-Estrada stehen in der großen Saisoneröffnung eine Uraufführung von Kurt Schwertsik, Rachmaninows «Paganini-Variationen» und «Ein Heldenleben» von Richard Strauss auf dem Programm.

Andrés orozco-estrada, rudolf Buchbinder

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udolf Buchbinder und andrés orozco- estrada und rudolf Buchbinder blättern seite estrada beim gemeinsamen Lesen einer für seite um und tauschen sich über bePartitur zuzuschauen, ist eine Freude. stimmte stellen aus, sie scheinen die Welt um Vor den beiden Musikern aufgesich herum zu vergessen. ür mich ist schlagen liegen rachmaninows In sachen rachmaninow «Paganini-Variationen», das letzte Rachmaninow der sind sich die beiden Werk für klavier und orchester ideale Pianist. Es gibt künstler einig: «rachmades großen russischen Pianisten keinen, der mit einer ninow schöpft immer und komponisten. Die Variatio- solchen Noblesse den großen orchesternen stehen auf dem Programm gespielt hat. apparat aus, um einen Rudolf Buchbinder romantischen klang zu des ersten abonnementkonzerts 13-14 und versprechen auch dank erreichen.», sagt andrés ihrer perlenden Virtuosität und ihrem fast orozco-estrada. Nach seiner emigration in verschwenderischen Glanz einer der höhe- die usa erfuhr der russische komponist eine punkte der saison zu werden. art von Verehrung, die ihm nicht nur guttat. rachmaninow mit großen attributen quasi er wurde von zeitgenossen als stiller Mensch wegzuloben wäre aber grundfalsch, das weiß beschrieben, der zurückgezogen lebte – den auch rudolf Buchbinder: «er hat seine eigenen luxuriösen Lebensstil gönnte er sich freilich Werke immer unterspielt, aristokratisch und gern. Möglich gemacht hatten ihm das seine zurückgezogen.» Chefdirigent andrés orozco- fürstlichen Gagen, die er für seine auftritte

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als Pianist bekam. Die amerikaner liebten den exzentrischen russen und sahen in ihm jemanden, der er im Grunde nie war. eine berühmt gewordene Filmszene aus «Das verflixte 7. jahr» mit Marilyn Monroe und tom ewell ist, bei allen cineastischen Freuden, nur ein prominentes Beispiel für dieses Missverständnis.

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achmaninow als komponist – für das europäische und amerikanische Publikum seiner zeit ein unbekannter. Mit der ausreise aus dem revolutionsgebeutelten zarenreich war sein schaffen praktisch zum erliegen gekommen. rachmaninow gab viele konzerte und fand keine rechte Muße für größere Werke. erst in der schweiz, wo er 1930 am Vierwaldstätter see ein Grundstück erwarb und sich niederließ, begannen seine kompositorischen kräfte wieder zu sprießen.


Die «Paganini-Variationen» sind ein Produkt dieser schweizer jahre. Über thema, Form und umfang des Werkes musste er sich wohl schon länger im klaren gewesen sein. Denn während sich sergej rachmaninow einer neuen kompositionsidee gewöhnlich nur zögernd näherte, vollendete er die rhapsodie op. 43 im Frühsommer 1934 innerhalb weniger Wochen. Das ergebnis zählt zu den brillantesten Werken für klavier und orchester und hat längst einzug in das gängige repertoire gehalten. umso wichtiger ist es, sich mit der Interpretation genau auseinander zu setzen. rudolf Buchbinder: «Für mich ist rachmaninow der ideale Pianist. es gibt keinen, der mit einer solchen Noblesse und ohne jemals aufdringlich zu sein, gespielt hat. er forciert niemals.» Das unforcierte, Natürliche in dieser Musik zu sehen, mag angesichts der vielen schleier an klischees schwierig sein, doch gibt es bestechende Qualitäten, die nicht zu übersehen sind. andrés orozco-estrada: «rachmaninow geht es niemals um effekte. Beim genauen Blick in die Partitur findet man dort alles, was ein Interpret wissen muss. Weitere hilfen braucht rachmaninow nicht, um zur Geltung zu kommen.»

Andrés orozco-estrada

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nd mit noch einem Missverständnis räumen Buchbinder und orozco-estrada auf. «Im zweiten klavierkonzert», sagt Buchbinder, «glaubt alle Welt Filmmusik zu hören und denkt sofort an die usa. Dabei kannte rachmaninow amerika damals noch gar nicht. Das Werk entstand 1901 und wenn es an irgendetwas erinnert, dann an russische Volksmusik!». Der Chefdirigent legt nach: «rachmaninows Musik ist für mich sehr ergreifend. er hat einen ganz persönlichen stil entwickelt: Die russische seele, seine herkunft, sein umfeld und seine Lebenserfahrungen setzt er in eigene töne mit einer ganz besonderen emotionalen Farbe um.»

rudolf Buchbinder

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rudolf Buchbinder, Andrés orozco-estrada

ein heldenleben In der zweiten hälfte der saisoneröffnung gehört das Podium dem tonkünstler-orchester und seinem Chefdirigenten ganz allein. auf dem Programm steht «ein heldenleben» von richard strauss, mit dem der damals 34-jährige komponist eine seiner letzten großen tondichtungen schuf. Nur die sinfonia domestica und die «alpensinfonie» entstanden später. anhand einer nicht näher genannten heldenfigur – nicht ganz unbegründet wurde strauss vorgeworfen, er habe sich mit seinem stück ein autobiografisches Denkmal komponiert – verfolgt das «heldenleben» den Weg eines kämpferischen Geistes, der sich Gefahren entgegenstellt und schließlich der Welt entsagt. schon das weit ausschwingende hauptthema zu Beginn lässt keinen zweifel

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an strauss’ absicht, uns in eine weite Welt zu entführen, in der schier alles möglich ist. Die hörbar kleinkarierten Widersacher, denen der zweite satz gewidmet ist, müssen sich mit einem bedeutend kleineren tonraum begnügen als unser held. Im Folgenden lässt strauss uns teilhaben an einer magischen Wandlung vom irdisch beschwerten Menschen hin zum entrückten Dasein in einer anderen, einer besseren Welt. ein so weit gefasstes und herrlich auskomponiertes Programm ist wie geschaffen für die Begrüßung einer neuen konzertsaison. Dass richard strauss nicht nur seinen willkommenen Platz in den ohren des tonkünstler-Publikums hat, sondern darüber hinaus auch eine besondere Funktion für das orchester, erklärt andrés orozco-estrada: «strauss zwingt ein orchester dazu, besonders

intensiv aufeinander zu hören. Denn viele seiner kompositionen hat er für sehr große, kompakte orchester geschrieben mit einem komplexen klang. Wir Interpreten stehen vor der herausforderung, jede einzelne Linie wie bei Mozart hörbar zu machen und transparenz zu erzeugen.»

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usik von richard strauss haben die tonkünstler in den vergangenen saisonen mehrfach gespielt. Das oboenkonzert mit François Leleux sowie «tod und Verklärung» standen schon auf Programmen unter der Leitung von andrés orozcoestrada. ob man sich weiterhin auf strauss freuen darf, bejaht der Chefdirigent ausdrücklich. aber wann und wo genau, sei an dieser stelle noch nicht verraten …


kurt schwertsik

Die eröffnung: «Leicht flüchtig»

immer alle leben lassen. außerdem – Dass eine neue saison des tonkünstler- was gibt es zu diskutieren, wenn man orchesters mit einer uraufführung beginnt, seinen Weg gefunden hat? Ich wollte ja gehört tatsächlich seit dem amtsantritt von nicht andere um jeden Preis von mir andrés orozco-estrada zu den selbstverständ- überzeugen, ich wollte einfach meine Musik lichkeiten des konzertlebens. «ohne Neue schreiben.» kurt schwertsiks ausführungen Musik gibt es irgendwann nur sind verständlich und nachir geht es um die noch ‹alte› Musik, und das wäre vollziehbar; er lächelt viel schrecklich für die kunst», so Heiterkeit in der und strahlt Gelassenheit die Überzeugung des Chef- Musik – um eine aus. In einem Punkt ist der dirigenten. seit 2009 schreibt Grundhaltung komponist entschieden: Kurt Schwertsik «Ich bin nicht quicklebenalljährlich ein österreichischer komponist den tonkünstlern dig, ich habe mich immer ein eröffnungsstück auf den Leib. Nach als eher melancholisch empfunden. auch der Christian Muthspiel, Gerald resch, Iván eröd Witz, der mir immer nachgesagt wird, ist aus und Friedrich Cerha ging die einladung für meiner sicht ein Missverständnis. Witzchen das eröffnungsstück 2013 an den gebürtigen sind gar nicht meines. Mir geht es um die Wiener kurt schwertsik. Weit über Öster- heiterkeit in der Musik – um eine Grundreichs Grenzen hinaus bekannt und hoch haltung. es wird sowieso ein jeder irgendwann geschätzt für den heiteren Grundton seiner im Leben von der ernsthaftigkeit heimgeMusik, zählt schwertsik zu den «liebenswer- sucht. Da ist es doch wichtig, dieser schwerten sonderlingen» der heimischen komponis- kraft durch Lachen zu begegnen, eine protenszene. seine abkehr von den hart erfoch- phylaktische Verteidigung!» tenen Grundwahrheiten der Darmstädter schule anfang der 1960er jahre war ein ie einladung des tonkünstlermutiger schritt: hatte man die alten regeln orchesters für das neue Werk war der tonkunst mühsam abgestreift, stand nun einmal mehr anlass, in seinen sich ein begabter komponist da, der wieder die ständig ansammelnden Ideen und skizzen zu tonalität als Maxime seines musikalischen blättern. schwertsik: «Ich schreibe immer wieempfindens heranzog. Gab es in Folge schwie- der etwas, ohne besonderen Grund. und wenn rigkeiten? «Nein, die gab es nicht», sagt kurt dann eine anfrage kommt, nehme ich mir die schwertsik ruhig. «Warum auch? schauen sie, Ideen her und schaue, wofür sich die Dinge ich bin ein umgänglicher Mensch und hab’ eignen.» und so entstand das opus 110 mit niemandem etwas getan. Wir haben einander dem treffenden titel «Leicht flüchtig». auf

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einer seite hat der komponist handschriftlich seine Gedanken zu dem stück festgehalten. Dort steht unter anderem: «Die Form bildet sich erst im Bewusstsein des hörers. hoffentlich hört er gut zu!», und etwas weiter: «Was im einzelnen zwischen den tönen geschieht, ist mit Worten nicht nacherzählbar. Doch hab ich mich bemüht, die Vorgänge nachvollziehbar zu fassen, so dass Verständnis allein aus der Bewegung der töne entsteht.» ein anspruch, dem schwertsik schon in der Vergangenheit mehrfach gerecht wurde. so kann sich auch das tonkünstler-Publikum im rahmen der eröffnung 13-14 davon überzeugen, dass «Leicht flüchtig» in Wirklichkeit ein grundsolider auftakt ist. ALEXANDER MOORE

Der Autor ist Dramaturg und Redakteur des Tonkünstler-Orchesters Niederösterreich und des Grafenegg Festivals.

Samstag, 28. 9., 19.30 Uhr Festspielhaus St. Pölten Sonntag, 29. 9., 16 Uhr Musikverein Wien Montag, 30. 9., 19.30 Uhr Festspielhaus St. Pölten Dienstag, 1. 10., 19.30 Uhr Musikverein Wien

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Mehr aLs

VIrtuoseN

Im Herbst 2013 konzertieren gleich zwei Weltklassegeiger mit dem Tonkünstler-Orchester: der Österreicher Benjamin Schmid und die Holländerin Isabelle van Keulen. Die beiden so unterschiedlichen Künstler haben vor allem eines gemeinsam: das klassische Klischeebild des Violinvirtuosen ist für sie entschieden zu eng. Die beiden Konzertreihen bieten die Möglichkeit, zwei hoch interessante Solisten einer Generation miteinander zu vergleichen.

betraf, nämlich einerseits klassische Musik auf dem höchsten Niveau spielen zu wollen und auf der anderen seite die Improvisation als ursprünglichste Inspiration des Musikmachens weiterzupflegen (wobei er die beiden musikalischen Welten meist sehr deutlich von einander trennt) verkürzte er um der klaren unterscheidung willen als jazzmusiker auch seinen Vornamen von Benjamin auf Beni.

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b 19. oktober sind die tonkünstler unter hans Graf mit einem speziellen Programm zu erleben: tschaikowskis fünfte symphonie, Inbegriff der hochromantik, wird hier den impressionistischen klangwelten von Claude Debussy und karol szymanowski gegenübergestellt. Dessen weitgehend unbekanntes Violinkonzert op. 35, ein regelrechtes Wonnebad in den schillerndsten klangfarben, stellt allerhöchste ansprüche an den solisten und bietet so eine ideale spielwiese für den vielseitigen Geiger Benjamin schmid. Der 1968 in Wien geborene Virtuose wurde schon früh von zwei großen Geigerpersönlichkeiten geprägt: 1985 gewann der damals 17jährige beim Concours International Yehudi Menuhin nämlich nicht nur den zweiten Preis, sondern auch mehrere sonderpreise, darunter den für Improvisation und jazz, den ihm stéphane Grapelli höchstpersönlich verlieh. so wurden Menuhin (bei dem Benjamin schmid auch gelegentlich unterricht hatte) und Grapelli zu seinen Mentoren. Vor allem, was die Idee von seiner künftigen Laufbahn

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einen internationalen Durchbruch erlebte schmid 1992, als er beim renommierten Carl Flesch-Wettbewerb den Mozart-, den Beethoven- und den Publikumspreis gleichzeitig mit nach hause nahm. seither ist er beruflich auf den wichtigsten konzertpodien der Welt und an der seite vieler namhafter orchester zu hause, und neben den über vierzig CD-aufnahmen, die er im Laufe der jahre aufgenommen hat, stehen heute auch viele Preise (vom Preis der deutschen schallplattenkritik bis zum eCho klassik) in seinem regal. Benjamin schmids Duopartnerin am klavier ist seine ehefrau ariane haering. Mit ihr und den vier kindern lebt er in salzburg, wo er auch eine Professur am Mozarteum innehat. und haerings einziger Grund zur eifersucht ist «Lady jeanne», die stradivari aus dem jahr 1731, mit der ihr Mann seit jahren auf das Innigste verwachsen ist. Samstag, 19. 10., 18.30 Uhr Grafenegg Sonntag, 20. 10., 16 Uhr Musikverein Wien Montag, 21. 10., 19.30 Uhr Festspielhaus St. Pölten Dienstag, 22. 10., 19.30 Uhr Musikverein Wien


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in weiteres großes Violinkonzert steht ab 8. November auf dem tonkünstler-Programm: unter der Leitung von hugh Wolff wird Isabelle van keulen das konzert op. 19 von sergej Prokofjew spielen. Das für Prokofjews Verhältnisse ungewöhnlich lyrisch-märchenhafte Werk bildet in diesem Programm gemeinsam mit György Ligetis «Concert românesc» das Gegengewicht zu hector Berlioz überbordender «romeo und julia»-symphonie. Isabelle van keulen, in den späten 1960er jahren geboren, gelang ihr internationaler Durchbruch 1984, als sie BBC Young Musician of the Year wurde. seither entwickelte sich die Liste der orchester und Dirigenten, mit denen sie zusammenarbeitet, zu einem regelrechten «Who is who» der klassischen Musik.

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as Besondere an Isabelle van keulen ist, dass sie als eine der ganz wenigen ihrer zunft ihre solotätigkeit praktisch gleichwertig zwischen Violine und Bratsche aufteilt. sie genießt es nach eigenen angaben ebenso, mit der sprichwörtlichen «ersten Geige» zu singen als auch mit der Bratsche zwischen hoch und tief zu vermitteln und die ureigene klangfarbe dieses Instruments einzubringen, und das vor allem in der kammermusik, die in ihrer karriere eine absolute hauptrolle spielt. In ihrer heimat Delft gründete sie ein internationales kammermusikfestival und musiziert seit über zwanzig jahren höchst erfolgreich im Duo mit dem Pianisten ronald Brautigam.Von 2009 bis 2012 war sie künstlerische Leiterin des scottish Chamber orchestra, und um ihre Liebe zu den tangos von astor Piazzolla ans Publikum weiterzugeben, gründete sie das Isabelle van keulen ensemble. seit 2012 ist sie auch Professorin an der hochschule für Musik in Luzern.

Isabelle van keulen

auffällig ist der Blick auf Isabelle van keulens repertoire- und einspielungsliste: Nicht spätromantische Virtuosität steht hier im Mittelpunkt, sondern das 18., das 20. und das 21. jahrhundert. Isabelle van keulen spielt eine seltene Meistergeige aus den 1730er jahren, eine Guarnieri del Gesù, die ihrem lebendigen, intelligenten Musizierstil zwischen zartheit und Fülle ideal entgegenkommt. ULLA PILZ

Die Autorin gestaltet und moderiert Musiksendungen auf Ö1 und lebt als freie Sängerin und Musikvermittlerin in Wien.

Freitag, 8. 11., 19.30 Uhr Casino Baden Samstag, 9. 11., 19.30 Uhr Wiener Neustadt Sonntag, 10. 11., 16 Uhr Musikverein Wien Montag, 11. 11., 19.30 Uhr Festspielhaus St. Pölten Dienstag, 12. 11., 19.30 Uhr Musikverein Wien

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Paris, Panorama

ParIser «Wo kommen Ihnen musikalische Einfälle? – Nun, manchmal im Badezimmer.» (Igor Strawinski, 1957) Eine missglückte Rasur als geistiger Ursprung des skandalösen Frühlingsopfers? «Petruschka», populäres Produkt des Streits dreier Badeenten? Natürlich dürfen solche Aussagen nicht ernst genommen werden. Igor Strawinski wusste um die Macht der Öffentlichkeitsarbeit. So spielte in Strawinskis sonst präzisen Aussagen oft ein Quäntchen Ironie mit.

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Wer gestern nach der Mode schrieb, musste nvergessen waren die goldenen zeiten in Paris. Damals, in der fran- sich morgen von all den guten Freunden anzösischen hauptstadt, in der stadt hören, er komponiere zu sehr wie rossini, der Cafés, der gebildeten salons, der Wirk- gar wie Mozart oder – parbleu! – wie richard stätte von renoir, Monet, toulouse-Lautrec, Wagner. Die kunstwelt durchlebte einen stellPicasso, im zentrum der ausklingenden Belle vertreterkampf der politischen Niederlagen, Époque, und natürlich mit den Ballets russes Preußens sieg über Napoleon erweckte ein begründete strawinski seinen ruf als neoklas- ungeahntes Nationalbewusstsein. sischer Innovator der Musikwelt. Während seiner Pariser zeit bis 1939 war die stadt krieg als «Vater aller Dinge»? selbst eine riesige Inspirationsquelle. Paris Was sich nach einem wenig pazifistischen schien jenen esprit auszuschütten, den klischeespruch anhört, enthält einigen Wahrintellektuelle Vordenker und künstlerische heitsgehalt: Dort, wo das französische herz 1871 beinahe zu schlagen aufFreigeister benötigten. Mozart hörte, begannen innovative Woher kam die ungeheure Ideen Gestalt anzunehmen. energie, die es zu einem Bal- oder – parbleu! – lungszentrum für geistige, wie Richard Wagner. zum Beispiel Camille saintsaëns’ erstes Cello-konzert also auch für musikalische Neuerungen machte? Gerade künstler hatten op. 33: doch was musste dieser komponist in es nie einfach in der seine-Metropole, hier der heimat über sich ergehen lassen ... hatte er zuvor als soldat die Belagerung huldigten alle dem Prinzip «jeder gegen jeden». Die ars gallica, die französische Mu- von Paris durch den deutschen Feind mitersikgeschichte, war aufgerieben zwischen lebt, gründete er nun mit der société deutschen Lied- wie orchestertraditionen und Nationale de Musique jene patriotische Gesellschaft, die sich für die Förderung der Vormacht der italienischen oper.

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Julian steckel

junger französischer Musik stark machte. Der in der schönen tradition der kalt-warmen Dank der Grand Nation fiel unüblich harsch Wechselbäder der Publikumsgunst, die aus. kritik und kollegen zerrissen seine spannungen trieben zu immer neuen höchstorchesterwerke, allzu gerne rückte man ihn leistungen an. etwa seine «Valses nobles et sentimentales» – nicht zufällig wählte ravel in richtung der Germanophilie. ein Detail am rande: Während seine opern für seine tiefgründigen skizzen den titel mit in Frankreich nicht einmal ignoriert wurden, einem Blick auf schuberts Biedermeier-tänze. feierte er – so mit «samson und Dalila» – in hebt aktuell der japanische ausnahmedirigent kazuki Yamada den Deutschland große erfolge. Menge taktstock zur etwas persiflierensein opus 33 wurde trotz den reminiszenz auf den Dreikritik und häme eines der be- Proteste, und viertelreigen, dürfen wir nicht liebtesten solokonzerte für damit gleichzeivergessen, dass es sich um ein Cellisten. heute lässt sich kein tig eine ordentlimusikalisches rätsel handelt. Virtuose die Gelegenheit zur che Portion Denn als solches war die kette Interpretation entgehen, auch Publicity. aus Walzern von ravel komponicht der deutsche jungstar julian steckel, ein experte für die französi- niert worden. er schrieb sie für ein Quizkonzert, wo sie neben anderen uraufführungen sche Musik. ohne Nennung der urheber erklangen. Die reaktion des Publikums war typisch für in zeitsprung ins jahr 1911: frei nach Goethes Faust regierte in Paris noch Paris: prophylaktisch brachte das ravel jede immer die kraft, die Böses will und Menge Proteste, und damit gleichzeitig eine Gutes schafft. Das von dergestalt «konstruk- ordentliche Portion Publicity. Der kreis zum anderen kenner der tiver kritik» aufgeheizte arbeitsklima war der stadt erhalten geblieben. Maurice ravel lebte öffentlichkeitswirksamen taten schließt sich,

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zum ravel-Intimus Igor strawinski. Mit dem Märchen von der unansehnlichen jahrmarktpuppe «Petruschka» gelang ihm 1911 ein neuer Meisterstreich. Die bei den tonkünstlern erklingende konzertfassung des Balletts, die er 1947 in den usa fertigte, gibt die ungeheure kraft der Partitur besonders wieder. treffend schrieb Claude Debussy: «es hat darin eine klingende Magie, eine geheimnisvolle Verwandlung mechanischer seelen in menschliche durch einen zauber, den bisher offenbar nur sie entdeckt haben.» DANIEL WAGNER

Der Autor ist Musikredakteur beim Wiener Klassiksender Radio Stephansdom und freier Mitarbeiter beim Feuilleton der Wiener Zeitung.

Sonntag, 1. 12., 16 Uhr Musikverein Wien Montag, 2. 12., 19.30 Uhr Festspielhaus St. Pölten Dienstag, 3. 12., 19.30 Uhr Musikverein Wien

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C(h)Œurs herzeN uND ChÖre

Richard Wagner und Giuseppe Verdi, beide engagierten sich in den revolutionären Bewegungen ihrer Zeit – im Vormärz und im Risorgimento. Heute denkt man an den arabischen Frühling, die Occupy-Bewegung, den Stuttgarter Wutbürger, den Istanbuler occupgezi, und letztes Jahr in Madrid – zur Premiere eines scheinbaren Potpourris der berühmten Chorwerke dieser beiden Zweihundertjährigen –, da war das Wort «indignado» in aller Munde, die Schmähung des spanischen Bürgers durch eine Politik, die sich augenscheinlich allein den Banken gegenüber verantwortlich fühlte.

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s ging hoch her in Madrid, dem ort der uraufführung von «C(h)Œurs». Die Bürger im königlichen opernhaus, dem teatro real, kamen wegen der «schönsten Chöre» von richard Wagner und Giuseppe Verdi, viele erwarteten Wohlfühl-Nostalgie. Die Mehrheit verstand dann aber doch, dass musikalisch weder Wagner noch Verdi ein haar gekrümmt werden würde, im Gegenzug aber ein historischer kurzschluss sehr wohl aufs Parkett gehört. Denn wenn schon berühmte Chöre wie Verdis zorndunkles «Dies irae» gleich zu Beginn und der kaum zum Mitschunkeln komponierte Gefangenenchor aus «Nabucco» aus achzig kehlen erschallt – dann wäre es in der aktuellen rezession wohl eher unpassend, so etwas in ein nur strahlendes Monumentalgemälde klassizistischen Protzes zu rahmen. Dass es wirklich so aktuell und tatsächlich aufregend werden würde, dafür hat alain Platel gesorgt, der 54-jährige flämische Choreograf, der mit seinem Landsmann Gérard Mortier, dem Intendanten in Madrid, gemeinsame

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les ballets C de la B

europäische sache machte. Platel, der bereits früher einige Chöre inszenierte, hat festgestellt: «Menschen singen aus sehr verschiedenen Gründen in ihrer Gemeinschaft, die in derselben region lebt, die schwul ist oder sich gegen eine ungerechtigkeit auflehnt».

den Mut, dieses gewaltige demokratische statement gleich in ihre erste spielzeit einzuladen. Dabei geht es nicht nur um harmonische eintracht und ein entschlossenes zusammenstehen der Gutbürger: Die Brüche, die Platel als regisseur aus den aufständen des 19. jahrhunderts herausarbeitet, reichen tief in die mmer aber singen sie nur in ihrer Ge- heutige zeit – da skandieren unvermittelt meinde. Darum habe ich versucht, ganze Fußballfans, skandalisiert der Chor hinter den verschiedene Chöre zutüren zum Parkett, wie dies enschen singen auch sonst aufgebrachte sammenzubringen, um sie in ihrer Vielfalt zu vereinigen.» aus sehr verschiezuschauer so gern tun. Ihnen um unterschiedliche Interessen denen Gründen. antworten die Meistersinger Alain Platel mit «Wach auf!», worauf zehn gemeinsam zu artikulieren. Denn nur das ist sinn und Vortänzer Fliegeralarm schlagen aussetzung für Demokratie. und sich zum Chor als eine schutzmacht aufDarum also geht es in «C(h)Œurs», einem schwingen. Wortspiel aus herzen und Chöre, das einem ARND WESEMANN Monumentalwerk nichts schuldig bleibt und Der Autor ist Redakteur der Zeitschrift «tanz» das unvereinbare von Wagner und Verdi mit Sitz in Berlin. miteinander versöhnt: angeführt von zehn virtuosen tänzern der legendären belgischen Samstag, 12. 10., 19.30 Uhr kompanie les ballets C de la B hat die neue InFestspielhaus St. Pölten tendantin des Festspielhauses, Brigitte Fürle,

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PauLs

reIse Ein klingendes Weihnachts-Märchen: Unser Tonkünstler-Geschenktipp!

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er kleine Paul liegt wach und lauscht Dieses klingende Weihnachtsmärchen ist in die Dunkelheit. er kann die Dun- das bislang ehrgeizigste Projekt der tonspiele, kelheit hören. er kann auch Dinge, das erfolgreiche Musikvermittlungsprogramm Farben und Gerüche hören. Für Paul klingt der tonkünstler. stefan slupetzkys eigens für alles wie Musik. die tonspiele liebevoll erzählte Geschichte In dieser Nacht kann Paul wurde für die dem Buch beiliegende ür Paul nicht schlafen, weil er daran CD von tristan schulze vertont und denkt, wie seine schwester klingt alles vom tonkünstler-orchester unter klingt: die schwester, die ge- wie Musik … der Leitung von johannes Wildner rade im Bauch der Mutter uraufgeführt. In diesem hörspiel wächst. obwohl der Doktor sagt, dass es erzählt sunnyi Melles die zauberhafte Geein Bruder wird, ist sich Paul sicher: wer so schichte von Pauls musikalischer reise, die klingt, muss eine schwester sein! und so be- auch eine einführung in das hören und die gibt sich Paul auf eine spannende reise, um klassische Musik ist. ein ganz besonderen Geschenk für seine Pauls reise ist ein ideales musikalisches schwester zu suchen. er durchwandert die Weihnachtsgeschenk zum Vorlesen und selbst jahreszeiten, findet neue Freunde und erlebt eintauchen in die Welt der klassischen Musik. ungewöhnliche abenteuer. Immer begleitet ChRISTINA hIRSCh von einer sanften Melodie.

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TIPP

Das Buch inklusive der Hör-CD ist zum Preis von € 18 ab sofort in den Kartenbüros in Wien und in Grafenegg erhältlich. Auch online zu Bestellen unter www.tonkuenstler.at/shop

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sterNeN so Nah Mozarts d-moll-Klavierkonzert und Mahlers Symphonie Nr. 5: Zwei besonders dramatische, packende musikalische Erzählungen, die sich aus der Nacht hin zum Licht entwickeln. In der Interpretation durch den Pianisten Nikolai Lugansky, die Tonkünstler und Andrés OrozcoEstrada nehmen sie im Dezember bei Konzerten in Wien und St. Pölten plastische Gestalt an.

Übermenschliches leisten. «Per aspera ad astra», lautete das konzept auf eine ebenso griffige wie in zweitausend jahren abendländischer kulturgeschichte oft zitierte und abgewandelte Formel gebracht: Durchs raue muss sich kämpfen, wer zu den sternen vordringen möchte. ein Gedanke, der sich auch zum überaus tragfähigen musikalischen Prinzip entwickelte – und in Beethovens Fünfter eine seiner berühmtesten ausformungen erlebte.

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nikolai lugansky

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on est ad astra mollis e terris via», dichtete einst der Philosoph seneca im ersten nachchristlichen jahrhundert: «es gibt keinen weichen Weg von der erde zu den sternen». soll heißen: Wer als sterblicher die ehre empfangen will, von den Göttern an den Nachthimmel versetzt zu werden, der darf sich nicht auf die faule haut legen, sondern muss zumindest sich auszeichnen,

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olfgang amadeus Mozarts klavierkonzert d-moll kV 466, komponiert 1785 in Wien und das erste von nur zwei Werken der Gattung in Moll aus seiner Feder. rastlose synkopen und düstere schleiferfiguren der streicher schaffen im stirnsatz eine atmosphäre von ängstlicher Getriebenheit, auf die bald unerbittlich herbe Gesten des ganzen orchesters antworten – ein genuin dramatischer konflikt in der tonart des «Don Giovanni», den das klavier als poetischer akteur in diesem Drama vorerst keineswegs auflösen, sondern nur beschwichtigen kann. Die romanze wirkt sodann wie ein zartes Idyll, auf das freilich im Mittelteil auch finstere schatten fallen, bevor das Finale zunächst erneut wildes aufbegehren durchzuckt, bis sich endlich hellere, freundlichere Wendungen ausbreiten: Festlich strahlendes D-Dur besiegelt den guten ausgang. Dergleichen symphonischdramatische töne hatte es im klavierkonzert bislang nicht gegeben: kein Wunder, dass Beethoven das Werk geliebt hat und es fünfzehn jahre später zum Modell seines dritten klavierkonzerts machte.


Andrés orozco-estrada

D-Dur «wirft Feuer in die herzen», es sei der «ton des triumphes, des hallelujas …», heißt es in theoretischen schriften aus Mozarts zeit. Gustav Mahler hat für das Finale seiner symphonie Nr. 5 dieselbe tonart gewählt: überraschend, weil er sich damit nicht auf das cis-moll des Werkbeginns bezieht und so das konzept einer dem ganzen Werk zugrundeliegenden tonart aufgibt – und doch logisch, weil er mit ihr einen zutiefst menschlichen sieg feiert: den triumph der Liebe. Doch der reihe nach: ein mit großer Geste sich in die höhe reckendes trompetensignal eröffnet den an erster stelle stehenden trauermarsch, der mit dem folgenden stürmischvehementen zweiten satz thematisch eng verknüpft ist. Im Gestus des gequälten aufschreis, wie er hier in vielerlei Gestalt immer wieder zu hören ist, lassen sich die Vorboten der gro-

ßen katastrophen des 20. jahrhunderts vernehmen. es folgt ein riesenhaftes scherzo, ein hier freundlich-schwungvoller, dort schaurig-düsterer tanz zwischen Ländler, Fugato, Walzer und Lied: Bei aller vom solohorn angeführten Fröhlichkeit ist der Friedhof stets nur einen einzigen schritt entfernt. Doch wie dieser quälenden Dämmerung entfliehen, wie aus der Nacht endlich zum Licht gelangen?

zumindest missverstehen: er ist dazu da, das Volksfest des letzten satzes überhaupt erst zu ermöglichen – und zwar durch die Liebe. Die Fünfte war Mahlers erste wieder rein instrumentale symphonie, mit ihr schlug er ein neues kapitel in seiner entwicklung auf. Im adagietto aber, diesem Lied ohne Worte, wirkt der «Wunderhorn»-themenkreis der vorangegangenen Werke noch nach: Der satz entstand in Mahlers erstem sommer mit alma und sei eine klingende Liebeserklärung: «Wie ich dich liebe, Du meine sonne, ich kann mit Worten Dir’s nicht sagen Nur meine sehnsucht kann ich Dir klagen und meine Liebe Meine Wonne!» Vor diesem hintergrund wird die vielgestaltige jubelstimmung des Finales verständlich und nachvollziehbar – als subjektives erleben jungen, vielleicht gar nicht mehr erwarteten Glücks. Dass dieses Glück in einem fast religiösen taumel beim dritten anlauf nun wirklich mit einem Choral gefeiert wird, wirkt nur folgerichtig: Nach tiefer Verzweiflung sind endlich die strahlenden sterne zum Greifen nah. WALTER WEIDRINGER

Der Autor ist Musikwissenschaftler, Musikkritiker der Tageszeitung Die Presse, Mitarbeiter des Musikverlags

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ine selbständig anmutende einleitung ebnet den Weg zum Finale: jenes adagietto, das separat, nicht zuletzt durch die Verwendung in Luchino Viscontis thomasMann-Verfilmung von «tod in Venedig», zur wohl berühmtesten komposition Mahlers geworden ist. Diesen lyrisch-emphatischen ruhepunkt aus dem zusammenhang zu reißen, heißt ihn jedoch missbrauchen,

Doblinger und lebt als freier Musikpublizist in Wien.

Sonntag, 15. 12., 16 Uhr Musikverein Wien Montag, 16. 12., 19.30 Uhr Festspielhaus St. Pölten Dienstag, 17. 12., 19.30 Uhr Musikverein Wien

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Feste FeIerN Zu den Festtagen im Dezember und Jänner gibt es zahlreiche stimmungs- und schwungvolle Konzerte. Vor Weihnachten sind Andrea Marcon und Franziska Gottwald mit Mozart-Symphonien und Händels «Ariodante» zu erleben. Zum Jahreswechsel konzertiert Alfred Eschwé mit den Tonkünstlern und einem unterhaltsamen Programm, das viel Abwechslung bringt.

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Advent in Grafenegg

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iele kennen ihn schon lange, andere haben schon viel Gutes gehört und zahllose versetzt er jahr für jahr aufs Neue in entzücken: Der Grafenegger advent eröffnet auch 2013 die allerschönste zeit des jahres. kunsthandwerk, regionale köstlichkeiten und weihnachtliche traditionen aller art bilden den rahmen für das winterliche Vergnügen. Das tonkünstlerorchester Niederösterreich feiert den advent am 7. und 8. Dezember mit einem besonders feierlichen Programm. unter andrea Marcon und mit Franziska Gottwald als solistin präsentiert man Mozarts symphonie a-Dur kV 201, arien aus händels «ariodante» sowie Mozarts ouvertüre zu «Lucio silla» und seine

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symphonie es-Dur. Das konzert bringt somit Barockklänge mit einem experten für alte Musik am Pult, der weltweit für seine Interpretationen barocker opern anerkannt ist. Marcon wurde als Gründer des Venice Baroque orchestra berühmt, ist aber auch als Dirigent klassischer und frühromantischer Werke gefragt. als solistin in jenem teil des konzerts, der arien aus «ariodante» bringt, fungiert Franziska Gottwald, die diese rolle bereits am theater Basel verkörperte, auch in zahlreichen anderen Partien des Barockrepertoires war und zu erleben, sie arbeitete unter anderen mit Fabio Luisi, ton koopman, alessandro de Marchi und eben mit andrea Marcon.

in szenenwechsel nach Weihnachten: «Die Wiener Philharmoniker machen ihre show und ich meine – unser konzert ist kein müder abklatsch, mein anspruch ist ein anderer.» alfred eschwé leitet um den jahreswechsel 13-14 wieder die silvester- und Neujahrskonzerte und hat wie stets ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt, das diesmal von der «Wildschütz»ouver türe über den «Walkürenritt» als «besonderes schmankerl» bis zu «Leichtes Blut» reicht. «Ich suche die stücke nicht danach aus, ob sie zu silvester passen, sondern danach, ob wir sie noch nie oder fast nie gespielt haben. Dabei sollen sie schwungvoll sein und zur positiven Laune des jahresabschlusses beziehungsweise jahresauftaktes passen, wobei ich gerne kontrapunkte setze», sagt alfred eschwé im Gespräch. Facettenreich wird eschwés Gestaltung der konzerte auch besonders durch seine Moderationen, die den entertainer im Dirigenten hervorkehren. «Dabei habe ich keinen roten Faden, die Übergänge sind manchmal auch bewusst krasser gesetzt, damit eben die abwechslung gewährleistet ist. Ich vermittle kein lexikalisches Wissen, bei mir ist noch nie eine jahreszahl vorgekommen – dafür aber schüttelreime als einleitung der Bauernpolka oder auch tagesaktuelles. Ich erkläre den Leuten auch nicht, was sie heraushören sollen,


samstag ber 7. Dezem r 18.30 Uh g g e Grafen hts Weihnac

konzert

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Tonkünstler-orchester niederösterreich

sondern ich versuche zu unterhalten», sagt eschwé. «Ich passe die Länge an die stimmung der zuhörer an und es kann auch passieren, dass ich aus reaktionen aus dem Publikum Bonmots forme. Ich möchte jedenfalls einen lockeren stil treffen.» Man darf gespannt sein, was ihm wohl zur «sportpolka» und zu «ohne sorgen» einfallen wird ...

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ssoziationen können ihn nicht nur von einem stück zum nächsten leiten, sondern auch in seiner Programmwahl beeinflussen. entscheidend ist auch die solistin, in diesem Fall in den meisten konzerten Birgid steinberger, die aus Volksoper und staatsoper bekannt ist und die sich neben auftritten in opern wie «Der Freischütz» und «Der Liebestrank» sowie operetten wie «Der Vogelhändler» und «Die Fledermaus» auch als Liedinterpretin einen Namen gemacht hat. so wollte steinberger gerne die arie der Baronin aus dem «Wildschütz» von albert Lortzing singen. «In dieser kommt ein schuss vor, da dachte ich, im anschluss würde die Polka ‹auf der jagd› gut passen, weil hier auch geschossen wird» , sagt eschwé. auch die arie der angèle aus «Der Graf von Luxemburg» und «komm, komm, held meiner träume» aus «Der tapfere soldat» wird die solistin zum Besten geben.

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as Programm, das heuer auch die «Coppélia suite», «Letzte rose» aus «Martha» von Flotow und «Im krapfenwaldl» sowie «an der schönen, blauen Donau» beinhaltet und im ersten teil mehr oper und im zweiten teil operette sowie Walzer und Polkas der strauß-Dynastie und von Lehar, suppé und Co bringt, soll jedenfalls «attraktive kompositionen umfassen, die nicht nur schnell sein müssen, es dürfen auch sentimentale Nummern vorkommen. Mein ehrgeiz liegt darin, mich nicht zu wiederholen, selbst, wenn das Publikum auch mit den immer gleichen Nummern zufrieden ist. Ich möchte verschiedene Musikcharaktere präsentieren – und mir und den Musikern macht es so mehr spaß.» Das konzert findet am 31. Dezember in Grafenegg statt und in der Folge wie schon im Vorjahr am 1. jänner im Festspielhaus st. Pölten als offizielles Neujahrskonzert Niederösterreichs. eines ist 2014 aber neu: erstmalig sind die tonkünstler mit dem Neujahrskonzert auch im Wiener Musikverein zu hören, am 5. jänner verbreitet das orchester auch hier musikalische Wonnen.

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Dienstag 31. Dezember 18.30 Uhr Grafenegg Silvesterkonzert

Mittwoch 1. Jänner 18 Uhr Festspielh aus St. Pölten

sonntag 5. Jänner 16 Uhr Wien usikverein

Neujahrs konzert

konzert Neujahrs

Montag 6. Jänner 11 und 16 Uhr Festspielhaus St. Pölten

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Neujahrskonzert

ThERESA STEININGER

Die Autorin ist Kulturpublizistin und lebt in Wien.

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PLuGGeD-IN:

jazzIGe eskaPaDeN Die Tonkünstler wagen sich erneut in klassikferne Regionen – und können auf kompetente Unterstützung zählen: Mit The Real Group und Theo Bleckmann als Stargäste stehen zwei facettenreiche Plugged-In-Programme bevor.

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ünf Musiker aus schweden, die den Weltmarkt erobern – nein, das hat natürlich nichts mit aBBa zu tun. Die waren bekanntlich zu viert. und da wäre noch ein gravierender unterschied: Die fünf herrschaften von the real Group benutzen keine Instrumente, sondern lediglich ihre stimmen. klingt puristisch, beschert aber Vielfalt. Denn das repertoire reicht von Mozart bis Michael jackson, vom swing bis zur schwedischen Folklore und selbst komponierten Liedern. Im rahmen der Plugged-In-serie treffen die wandelnden jukeboxen nun auf das tonkünstler-orchester: am 23. November kommt es im Musikverein unter der Leitung von Niklas Willén zum joint Venture, tags davor schon im Festspielhaus st. Pölten. ebendort verströmt the real Group ihren kristallklaren sound auch für teenager im rahmen der tonspiele am 25. und 26. November.

The real Group

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Die Gruppe selbst steht mittlerweile seit 1984 im Bann des a-Cappella-Gesangs. «Wir begannen an der königlichen Musikakademie in stockholm und mussten ein ensemble bilden, irgendeines», erzählt Bass anders jalkeus. erst wollte man eine Band gründen – doch dafür fehlte der schlagzeuger. schließlich wurden dann alle Instrumente verbannt: «Wir waren sehr interessiert am singen und arrangieren, also bildeten wir ein Vokalensemble.» Wobei jalkeus eigentlich lieber von einer «vokalen Band» spricht. Weil Instrumentenklänge schon auch zur real Group gehören. Nur eben: penibel nachgeahmte. «Wenn jemand eine trompete imitiert, überlegen wir zuerst, wie das ein trompeter wirklich spielen würde, wie das klänge.»

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ie Band, deren Name auf die berühmten Notenbücher voller jazzstandards zurückgeht (das so genannte real Book), versteht sich auch auf komödiantik: Da kann es schon vorkommen, dass sich der hippe «Gangnam style» des Quintetts bemächtigt – oder dass jalkeus eine Persiflage auf einen geltungssüchtigen operntenor liefert. und da kann man es doch auch mit aBBa zu tun bekommen. schon 1993 hat das Quintett bewiesen, dass es auch diesbezüglich firm ist. und zwar für eine royale hörerin: Gemeinsam mit dem ex-aBBa-star Frida sang man der schwedischen königin ein Geburtstagsständchen zum Fünfziger – und stimmte ausgerechnet «Dancing Queen» an.


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laubt man bösen zungen, ist ein spezialist jemand, der alles über fast gar nichts weiß. eo Bleckmann hat diesen spruch zwar nicht erfunden, würde ihn aber wohl unterschreiben: kaum einer lebt Vielfalt so demonstrativ vor wie der 47jährige jazzsänger aus Deutschland. Mal seufzt seine klare stimme kurt Weills «surabaya johnny», mal säuselt sie zu einem stück Neuer Musik, mal stellt sie sich in den Dienst von Charles Ives. «Ich neige nicht dazu, stücke oder komponisten nach Genre zu unterscheiden» , sagt er, «sondern danach, ob ich etwas zu dieser Musik beitragen kann.» Dass ihm dies auch bei swing-oldies gelingt, erfährt das Publikum der tonkünstler in Bälde: Bleckmann widmet sich als Gaststar des orchesters einer Blütenlese auf dem Feld der Musical-evergreens. am 31. jänner erklingen teile seiner «Las Vegas rhapsody» im Festspielhaus st. Pölten, einen tag später im Wiener Musikverein. Wie herausfordernd Dialoge unter Musiker sein können, wusste er schon als teenager: Bleckmanns jazzliebe begann ausgerechnet mit dem herben Freejazz der 60er jahre. erst später erweiterte er die musikalische Landkarte in richtung anderer spielarten. und eigentlich ließ dieser Forschungseifer nie nach. auch als Bleckmann schon in New York weilte. Die jazzsängerin sheila jordan, kennengelernt bei einem Workshop in Graz, hatte ihn eingeladen. Nicht lange, und der Deutsche landete in der Downtown-szene – jenem kreativen humus, auf dem so ziemlich alles abseits des Mainstreams gedieh. und wo auch gern mit soundlandschaften experimentiert wurde. Man meint, diese jahre noch heute nachschwingen zu hören, wenn sich Bleck-

Theo Bleckmann

mann «God is a Dj» von Pink vorknöpft – und kurz: tonkünstler-Freunden steht ein abend den Pophit mit obertongesängen und Loop- der gehobenen unterhaltung ins haus – mit effekten überhöht. zwei Charakterköpfen als Gütesiegel.

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ie «Las Vegas rhapsody», 2006 auf dem Prestigelabel Winter & Winter erschienen (und nun abermals von Bernd ruf dirigiert), muss indes niemanden schrecken. Da agiert Bleckmann auf dem konventionellen terrain des jazzsängers. Dennoch findet er zu delikaten Nuancen, die ebenso bestechen wie die arrangements. sie stammen aus der feinen Feder des japaners Fumio Yasuda, begnadet als Barpianist, doch kaum weniger als seriöser komponist. Bei den tonkünstler-konzerten wird er ebenso am Flügel zugange sein wie auf dem betörenden album, das unter anderem Cole Porters «true Love» mit Debussy-schleiern umschmiegt oder «My Favorite ings» in prägnante Polyrhythmik packt.

ChRISTOPh IRRGEhER

Der Autor betreut als Kulturredakteur der Wiener Zeitung vornehmlich die Themengebiete Klassik und Jazz.

ThE REAL GROUP Freitag, 22. 11., 19.30 Uhr, Festspielhaus St. Pölten Samstag, 23. 11., 20 Uhr, Musikverein Wien

LAS VEGAS RhAPSODY Freitag, 31. 1., 19.30 Uhr, Festspielhaus St. Pölten Samstag, 1. 2., 20 Uhr, Musikverein Wien

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tasteN

zauBer Er ist einer der großen Pianisten des 21. Jahrhunderts: Simon Trpčeski. Mit dem Tonkünstler-Orchester begibt er sich auf die virtuose Reise durch die fantastische Welt von Tschaikowskis berühmt-berüchtigtem b-moll-Klavierkonzert. Fachkundige Unterstützung erfährt er dabei durch Michail Jurowski, der seine enge Beziehung zur Musik Dmitri Schostakowitschs demonstriert, wenn er dessen düster-tragische 8. Symphonie zum Leben erweckt.

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simon Trpčeski


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ianisten fallen für gewöhnlich nicht dass dieses stück mit seinen berühmten ervom himmel. Der Weg auf die großen öffnungstakten samt dem vollgriffigen, über Bühnen der konzerthäuser ist ein die ganze klaviatur ausgebreiteten klaviersatz steiniger. Dazu braucht es freilich nicht nur einst zu den berühmtesten konzerten der viel Durchhaltevermögen, gute Lehrer und gesamten Musikliteratur zählen würde. Fleiß. Ganz oben steht das talent, die Wenn anthony tommasini in der New York musikalischen Fähigkeiten, gepaart mit times schreibt, trpčeski «preschte mit halsgrößtmöglicher manueller Wendigkeit. all das brecherischer Geschwindigkeit und ohne jegbringt der aus Mazedonien liche anstrengung durch die mit Doppeloktav- ausbrüche. und stammende simon trpčeski halsbrecherischer in zärtlichlyrischen Momenten als selbstverständliches Geschwindigkeit handwerks-zeug mit, wenn umschmeichelte er die Phrasen und ohne jegliche und spielte mit Natürlichkeit, er die großen konzerte von Anstrengung … rachmaninow, Chopin und ohne je zu übertreiben», so trifft tschaikowski interpretiert. er damit auch den Nerv von am anfang seines Musikerlebens jedoch stand tschaikowskis klavierkonzert. Die schwierigeine andere, große Liebe: das akkordeon. keiten, die einst den großen Pianisten und Das Instrument seiner kindheit und jugend Pädagogen Nikolaj rubinstein zur ablehnung ist dem in skopje lebenden und aufgewachse- des Werks bewogen – sie galten schon am nen Pianisten ans herz gewachsen. Damit ende des 19. jahrhunderts nicht nur als überlernte er nicht nur das reiche musikalische windbar, sondern gar als krönung eines Generbe seines heimatlandes kennen und lieben, res. Für simon trpčeski ist tschaikowskis sondern auch den natürlichen umgang mit konzert eine geliebte selbstverständlichkeit. rhythmus, mit Melodie, mit Musik im umfassendsten sinn. Daher rührt trpčeskis selbstverständlicher zugang zu jeder Musik, sei sie nun von der Volksmusik des jeweiligen entstehungslandes inspiriert oder nicht.

…preschte

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as akkordeon lässt simon trpčeski heute allerdings eher eingepackt, zu sehr fasziniert ihn seine neue Liebe: Wenn er heute im privaten rahmen die Lieder und tänze seiner heimat spielt, so tut er es für gewöhnlich am klavier. hat man ihn in seinen ersten jahren vor allem als Pianisten für das repertoire des späten 19. jahrhunderts wahrgenommen, so konnte er seinen musikalischen horizont mittlerweile in beide richtungen erweitern. 2002 erschien sein Debüt-recital mit Musik von skrjabin, strawinski, Prokofjew und tschaikowski – und Pjotr Iljitsch tschaikowski ist es auch, mit dem er im abonnementkonzert mit dem tonkünstler-orchester rhythmische Verve, Virtuosität und seinen sinn für singende Melodik demonstrieren wird. tschaikowski hätte sich zur zeit der komposition seines ersten klavierkonzerts nicht vorstellen können,

Michail Jurowski

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schaikowskis Musik war nicht politisch. schostakowitsch hingegen blieb nichts anderes übrig, als politisch zu sein: er wurde zum Instrument und spielball der unerbittlichen stalinistischen Diktatur. eines der großen Werke, die er im eindruck des zweiten Weltkriegs geschaffen hat, ist die symphonie Nr. 8 c-moll op. 65. Innerhalb von nur vierzig tagen war das denkwürdige Werk zu Papier gebracht, ende 1943 wurde es uraufgeführt, ganz im zeichen der schrecken des krieges, die schostakowitsch hier auch verarbeitete. Michail jurowski hat schostakowitsch noch persönlich kennengelernt und hat daduruch zu dieser Musik einen sehr persönlichen zugang. Nicht zuletzt folgendes erlebnis mag verdeutlichen, warum er die Musik schostakowitschs vielleicht besser versteht, als viele jüngere kollegen: «Ich bin 1945 geboren, und es gehört zu meinen kindheitserinnerungen», erzählt er der journalistin Ingrid Wanja im Interview, «dass nachts niemand an schlaf dachte, sondern alle angstvoll auf die schritte hörten, die die treppen heraufstapften. alle hielten den atem an und fragten sich, vor welcher tür sie wohl diesmal anhalten würden … Noch heute fühle ich manchmal diese nur vom tropfen des defekten Wasserhahns unterbrochene stille dieser schlaflosen Nächte.» MARKUS hENNERFEIND

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in anderer Großer steht am Pult, wenn im konzert des tonkünstlerorchesters nach tschaikowski sein Landsmann Dmitri schostakowitsch im Mittelpunkt steht. Freilich liegen zwischen dem tod des einen und der Geburt des anderen keine Welten, doch ist auch in diesen dreizehn jahren genug passiert, um einen deutlichen Bruch zwischen der Musik tschaikowskis und der schostakowitschs wahrzunehmen.

Der Autor ist Musikwissenschaftler, arbeitet als Grafiker im Musikverlag Doblinger und ist freier Mitarbeiter des Tonkünstler-Orchesters Niederösterreich und des Grafenegg Festivals.

Samstag, 18. 1., 19.30 Uhr, Musikverein Wien Sonntag, 19. 1., 16 Uhr, Musikverein Wien Montag, 20. 1., 19.30 Uhr, Festspielhaus St.Pölten

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Georg Breinschmid

GeDaNkeNsPIeL Georg Breinschmid Von den tonkünstlern angefragt, ob ich einen text für diese seite beisteuern kann, möchte ich diesem Wunsch sehr gern nachkommen – es hat mich schon immer interessiert und gereizt, mich neben der Musik auch in Wort und schrift auszudrücken. Das bedeutet in diesem Fall, den text zwischendurch zu schreiben – zwischen zwei aufnahmetagen mit meinem trio Brein’s Café (übrigens im tonstudio von tonkünstler-kontrabassist Franz schaden in Mitterretzbach), einem konzert mit ebendiesem trio in südtirol, einem Projekt beim Festival allegro Vivo (übrigens mit tonkünstler-konzertmeister Vahid khadem-Missagh), und daran anschließend zwei Probentage mit einer neuen triobesetzung in sofia/Bulgarien, für eine usa-tour im oktober. Flexibilität ergibt sich da schon von selbst, als zwingende Voraussetzung für all diese aktivitäten. Nicht nur ist eine Planung wie die vorliegende für sich schon recht intensiv, man soll und muss natürlich auch für ungeplantes offen sein, zum Beispiel kurzfristig auftretende reisetechnische Probleme betreffend, oder bei einer neuen komposition, die man gerade geschrieben hat und die überraschenderweise einmal live gehört ganz anders funktioniert, als man sie sich vorgestellt hat. expect the unexpected. Ich will all das natürlich auch keineswegs nur auf das Musiker- oder künstler-Dasein beschränken, Flexibilität, offenheit, Wandlungsfähigkeit ist heute für jeden von uns gefragter und aktueller denn je zuvor, die köpfe und Geister öffnen sich, immer mehr, und vielleicht rückt die Welt auch wirklich immer ein kleines stückchen mehr zusammen. und – vielleicht ist all das auch einfach das Wesen der Welt, die unglaubliche, nie zu fassende Vielfalt unseres Lebens, und auf einer anderen ebene auch all das ungenützte

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kreative Potenzial, das in allen von uns schlummert und nur darauf wartet, mit etwas Flexibilität zum Leben erweckt und wachgeküsst zu werden. so, weit ausgeholt … Mein erstes «fixes» engagement als orchestermusiker hatte ich Mitte der 1990er jahre beim tonkünstler-orchester Niederösterreich; ich habe dort als kontrabassist viele großartige Werke der orchesterliteratur gespielt und kennengelernt, in meinem kopf bleiben unauslöschliche eindrücke wie die Fünfte von Bruckner, hindemiths «Mathis der Maler», oder auch eine suite namens «Drei komödianten» von Marcel rubin zurück. Von dort zog ich zu den Wiener Philharmonikern weiter, wo ich abermals eine fantastische zeit verbrachte, hängte meinen orchesterberuf aber nach wenigen jahren an den Nagel, um dem sehr starken und deutlichen inneren ruf nach Improvisation, jazz, nach eigenem zu folgen. Das ist es, was ich seither tue – natürlich auch ständig mit Änderungen, neuen Wegen, künstlerischen Neuorientierungen, vom Instrumentalisten mich irgendwann auch zum komponisten weiterentwickelnd, ensembles formierend, über die jahre immer wieder umbesetzend. Nicht zuletzt auch immer mehr Projekte mit meiner Musik plus symphonieorchester realisierend, so auch schon zweimal im Plugged-In-Format mit den tonkünstlern. und, vielleicht am wichtigsten, dabei immer versuchend, frisch zu bleiben, auf hoffentlich ganz natürliche Weise weitergehend, zur nächsten herausforderung, zum nächsten neu zu schreibenden stück – oder auch zur nächsten autobahnausfahrt oder zum nächsten abflug-Gate, wo ich dann vielleicht schnell zwischendurch einen text wie diesen hier schreibe.


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SO 20. APRIL 2014

BRUCKNER «Locus iste» | Messe für achtstimmigen gemischten Chor und Blasorchester Nr. 2 · SCHUBERT Symphonie Nr. 7 Informationen und Tickets | T: +43 (0)2735 5500 | grafenegg.com

IMPRESSUM

Medieninhaber (Verleger): Niederösterreichische Tonkünstler Betriebsgesellschaft m.b.h., Kulturbezirk 2, 3100 St.Pölten; herausgeber: Verein Tonkünstler-Orchester Niederösterreich; Für den Inhalt verantwortlich: DI Paul A. Gessl; Redaktion: Mag. Alexander Moore; Koordination: Sandra Langschwert; Mitarbeit: Mag.a (Fh) Julia Flunger-Schulz, Julia Ornetsmüller, Jana Demcisin, Djeiran Malek, MAS; Visuelle Gestaltung: Fuhrer, Wien; Produktion: Walla Druck, Wien | Bildnachweis: Lukas Beck (Cover), Bernhard Angerer, Tina Axelsson, Marco Borggreve, Carsten Bunnemann, Damir Cudic & Evelin Elmest/gettyimages, Exceptional Pictures, Jörg Grosse Geldermann, Susi Knoll, Werner Kmetitsch, PhotoWerk, Superbox, Gregor Semrad, Simon Trpčesky, Julia Wesely, Laurent Ziegler, alle anderen unbennant. Redaktionsschluss: 28.8.2013; Termin-, Programm- und Besetzungsänderungen bleiben vorbehalten. Für etwaige Druckfehler wir keine haftung übernommen.


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aBo Schöne, schräge Töne – authentisch, pur und unverfälscht: Plugged-In ist der tonkünstlerische Beitrag zur World Music, ein klingender Freudengesang auf die Vielfalt der Musik – hautnah und live im Musikverein Wien und Festspielhaus St. Pölten.

PLuGGeD-IN THe reAl GroUP Freitag, 22. 11., 19.30 Uhr, Festspielhaus St. Pölten Samstag, 23. 11., 20 Uhr, Musikverein Wien lAs VeGAs rHAPsoDY Freitag, 31. 1., 19.30 Uhr, Festspielhaus St. Pölten Samstag, 1. 2., 20 Uhr, Musikverein Wien MnoZIl BrAss Freitag, 28.3., 20 Uhr, Musikverein Wien Samstag, 29.3., 19.30 Uhr, Festspielhaus St. Pölten

T: +43 (0)1 586 83 83 | tickets@tonkuenstler.at

Ausgabe 24/2013, Tonkünstler-Orchester Niederösterreich, Österreichische Post AG / Sponsoring.Post, Vertragsnummer: GZ 02Z034306

TONKUNSTLER


PLU GG E D-I N - A B O ..….. stk. Plugged-In-Abo in der kategorie € 109 (kat. 1)

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Kartenbüro Tonkünstler und Grafenegg MuseumsQuartier Wien Museumsplatz 1/e-1.5 1070 Wien ÖSTERREICH

Bitte kuvertieren und ausreichend frankieren oder einfach per Fax an: +43 (0)1 587 64 92

BESTELLUNG € 81 (kat. 4)

E I NZ E L K A RT E N 7.12. Weihnachtskonzert 18.30 Uhr Auditorium Grafenegg

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18.30 Uhr Musikverein Wien

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18.30 Uhr Auditorium Grafenegg

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31.12. Silvesterkonzert 5. 1. Neujahrskonzert 20. 5. Osterkonzert

Musikverein Wien

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DU E T T Ihre Freundschaftskarte für Grafenegg & Tonkünstler (gültig bis 9. 9. 2014) DUeTT-Freundschaftskarte € 54 – 10 % Ermäßigung für 2 Karten pro Konzert – 20 % Ermäßigung für 2 Karten im Abonnement DUeTT-Freundschaftskarte Jugend (bis 26 Jahre) € 25 …..….. …..….. …..…..…

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G U T S C H E I NE Gültig für alle eigenveranstaltungen des Tonkünstler-orchesters und alle eigenveranstaltungen der Grafenegg kulturbetriebsgesellschaft in Wien

am Konzerttag im Kartenbüro Grafenegg

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Tonkünstler-Magazin Nummer 27  

September 13 bis Jänner 14

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