Issuu on Google+

Serendipity—der glückliche Fehler »Es irrt der Mensch, solang er 10 EURO

Se– ren– di– pity

strebt.« —Johann Wolfgang von Goethe nce favors the prepared mind.« —Louis steur¶ »All things are ready if our minds —William Shakespeare¶ »Wenn wir keine machen, heißt das, dass wir nicht genug neue probieren.« —Phil Night (Nike-Gründer) ¶ lück ist Scharfsinn elegenheiten und die Fähigkeit, sie nutzen.« —Samuel Goldwyn ¶ »Man muss vom Weg abkommen, icht auf der Strecke zu bleiben.« —Hans Zaugg¶ »Hüten wir uns davor, s Schaden dumm zu werden.« —Karl Kraus# 

Ser · en · dip · i · ty — The gift of making delightful discoveries by accident. —Webster Dictionary 

»We don’t make mistakes. We just have happy accidents.« —Bob Ross


TOR

Serendip i t y — d e r g l ü c k l i c h e Fe h l e r


EDI Editorial — 3

M

it der WHO_07, unserer ersten Ausgabe und dem mit dem renommierten red dot Designpreis ausgezeichneten letzten Magazin, der WHO_08, dokumentieren wir mit dem Leistungsspektrum der zukünftigen Designer, mit Interviews, Berichten und vielem mehr sowie mit einem Rundgang durch unser Haus, das aktuelle Schaffen an unserer Fakultät. Natürlich könnten wir auch hier vielfältig Aktuelles aus unserer Fakultät berichten – doch mit der WHO_10 von Timo Hoyer wird ein Thema bearbeitet, welches die Vielfalt der Rolle des Fehlers und glücklichen Zufalls betrachtet. Aus Fehlern lernen wir mehr als aus Erfolgen, denn wer systematisch aus ihnen lernt, ist kreativer, innovativer und erfolgreicher. Dass Fehler demzufolge nützlich sein können, wird die WHO hier empirisch zum Ausdruck bringen. Natürlich können Fehler katastrophale Auswirkungen hervorrufen — dies ist aber hier nicht unser Thema — es geht uns um

den schöpferischen Aspekt, um die Frage, inwiefern Fehler innerhalb eines Prozesses, einer Entwicklung, wertvoll sein können, um die Kreativität zu aktivieren und auch unser Denkvermögen zu bilden. Serendipity bezieht sich nicht auf Fehler, Glück oder Zufälligkeit allgemein, sondern geht davon aus, dass diesbezüglich nur durch intensives wissenschaftliches und künstlerisches Arbeiten, mit Intuition, Fantasie und nicht zuletzt Begeisterung, Erkenntnisse gewonnen werden, die zu innovativen und erfolgreichen Produkten führen. Die WHO_10 bedient sich der Augmented-Reality-Technik. Ihnen bietet sich eine »erweiterte Realität« indem Sie Multimedia-Inhalte abrufen können, sobald Sie die gedruckten AR-Marker in die Webcam halten.

Ihre WHO


INHALT¬ S E R E ENTDECKUNG VIAGR A CO PØS†-IT BRIEFMARKE PENICILL1N  RÖN†GEN  TV—STE IDEENFINDUNG INDE× I .....18



.....24

.....36



...

.....74 


Inhaltsverzeichnis — 5

R E N DI P I T Y AMERIKAS C O C A- C 0 L A LSD KEN IKEA TEFLON ENSTRAHLUNG TERNSTUNDE G ANWENDUNG IMPRESSUM

.....10 ...14

.....20 ...26

.....28

6



.....34

.......40 ...44

.......48

...50

...62

.....76


a r t w o r k : »h a u n t e d 3« b y Ca g r ı A k y u r t


Augmented Reality

Dieses rote Piktogramm signalisiert Ihnen, es sind AR-Inhalte verfügbar

Sie halten gerade die AugmentedReality-Ausgabe der WHO in den Händen. Beim Durchlesen der Artikel werden Ihnen Marker auffallen – schwarze Quadrate die ähnlich wie Strichcodes versteckte Informationen enthalten. Um die AR-Inhalte zu erleben, aktivieren Sie Ihre Webcam, gehen Sie auf http://who10. ohmdesign.de, klicken Sie auf »zulassen« und halten Sie den jeweiligen Marker vor Ihre Webcam. Unter Augmented Reality (AR) versteht man die computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung.


Legende — 9

1. Webcam aktivieren 2. Auf http://who10.ohmdesign.de 3. Zeitschrift in die Webcam halten

klicken


10 — Serendipity

»We nn w i r ke i ne Fehl e r m a che n , heißt d a s , d a ss w i r ni cht ge nug neue D i nge aus p robi e re n .« 

—Phi l K night ( Ni ke - G r ünd e r)


Serendipity Eine Sache haben Christopher Kolumbus, Alexander Fleming und Wilhelm Röntgen gemeinsam, auch wenn alle drei unterschiedliche Tätigkeiten ausübten, zu unterschiedlicher Zeit lebten und sich nicht einmal ähnlich sahen: TE X T : b e a t e k e r n

A

lle drei machten Fehler, zufällige Entdeckungen, als sie eigentlich etwas ganz anderes erforschen wollten. Statt Indien entdeckte Kolumbus Amerika, bei der Untersuchung von Bakterienkulturen fand Fleming das Penicillin und Röntgen entdeckte bei Kathodenstrahlversuchen die nach ihm benannten Röntgenstrahlen.

Natürlich faszinieren diese Glücksfunde und dies sogar so sehr, dass es eigens ein Wort für dieses Phänomen gibt: Serendipity. Serendipity bedeutet, dass auf der Suche nach einer ganz anderen Sache per Zufall eine neue Entdeckung gemacht wird. Ursprünglich stammt der Begriff von dem englischen Autor Horace Walpole, weshalb das Wort vor allem im englischen Sprachraum geläufig ist. In einem seiner Briefe an Horace Mann prägt er die Bezeichnung für das beschriebene Phänomen. Das Wort leitet sich dabei von »Serendip«, einem alten Namen für Sri Lanka, ab. Dieser taucht in einem überlieferten persischen Märchen von Amir Khusrau – »Die drei Prinzen von Serendip« – auf. Das Märchen beschreibt die Reise der drei klugen Prinzen, die auf ihrem Weg durch Zufall verschiedene Spuren bemerken und die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Dadurch können sie dem vorbeikommenden Kameltreiber genau sagen, welche

Eigenschaften sein entlaufenes Kamel, das die Spuren hinterlassen hat, besitzt und werden deshalb prompt verdächtigt, es gestohlen zu haben. Auch hier also Entdeckungen und Erkenntnisse, nach denen gar nicht geforscht wurde. Übrigens kann man das englische »serendipity« zusätzlich als Wortspiel aus »serene« (heiter) und »pity« (Pech) aufzufassen: Man hat zwar Pech, nicht das zu finden, was man suchte, wird aber durch eine noch bessere Entdeckung belohnt. Übrigens wurde die Legende im Folgenden immer wieder aufgegriffen. So geschehen zum Beispiel bei Michele Tramezzino (1557) oder in Voltaires Zadig (1748). Aber auch wenn sicherlich viele wichtige Entdeckungen auf diese Weise gemacht wurden, reicht dennoch das Warten auf den Zufall nicht aus. Vielmehr ist es nötig, sich für Neues zu öffnen, einen gewissen Forschergeist und Entdeckerfreude zu entwickeln. So sieht zum Beispiel Umberto Eco die Fähigkeit, die ≥


12 — Serendipity ¤ ¤ ¤ ¤ ¤ ¤ ¤ ¤ ¤ ¤ ¤ ¤ ¤ ¤ ¤ ¤ ¤ ¤ ¤ ¤ 12 — Serendipity ¤ ¤ ¤ ¤ ¤ ¤ ¤ ¤ ¤ ¤ ¤ ¤ ¤ ¤ ¤ ¤ ¤ ¤ ¤ ¤

A r t w o r k : J o n s at r o m


»

Irren ist menschlich. Irrsinn auch. Wer nichts versucht, wird auch nicht klug.« 

—Wolf Lotter

verschiedenen Zeichen, die einem der Zufall beschert, in ein harmonisches Ganzes zu fügen, quasi wie einen zusammenhängenden Text zu lesen, als entscheidend an: Ohne die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen, hätte es etwa Fleming nicht viel geholfen, seine vom Schimmel verunreinigten und eigentlich unbrauchbaren toten Bakterienkulturen zu betrachten. Vor allem in der Wissenschaft und zur Rechtfertigung von nicht anwendungsbezogener Grundlagenforschung wird das Prinzip der Serendipity oft herangezogen. Aber nicht nur hier: Auch im Management-Vokabular taucht der Begriff z.B. in Verbindung mit Brainstorming auf. Und eine wichtige Rolle spielt er auch im Zusammenhang mit dem Internet. Wie häufig sucht man hier nach etwas bestimmten und entdeckt eine Menge ganz anderer viel interessanterer Dinge, indem man der relativ unsystematischen Hyperlinkstruktur folgt. Serendipity wird von dieser Art der

Informationsaufarbeitung also geradezu gefordert. Allerdings kann allgemein der Einsatz des Computers Möglichkeiten, die menschliche Fähigkeit zur Serendipity zum Tragen zu bringen, einschränken. Je mehr automatisch berechnet wird, desto weniger hat man die Gelegenheit rechts und links des strikt vorgegebenen Lösungswegs neue, unerwartete Entdeckungen zu machen. Im Englischen hat sich »serendipity« durch seine Faszination der neuen Erkenntnis fast schon zu einem Modewort gemausert: Restaurants, Hochzeitsausstatter, Anbieter für Abenteuerurlaub, Buchhandel oder Versandunternehmen für Geschenkkörbe haben sich diesen Begriff als Namen zugelegt. Und vor ein paar Jahren gab es sogar einen Film, in dem sich ein Paar durch Zufall findet und dessen Titel »Serendipity« lautete.

×


»Kolumbus hatte vor, den Seeweg nach Indien auf dem Westkurs zu finden. Mit drei Schiffen stach er am 3. August 1492 in See und erreichte am 12. Oktober 1492 die Bahamas. Bis zu seinem Tod erkannte er nicht, dass er nicht an die Ostküste Asiens gelangt war, sondern einen neuen Kontinent entdeckt hatte, Amerika.«

Die Portugiesen suchten bereits seit Anfang des 15. Jahrhunderts nach einem Seeweg nach Indien um Afrika herum. 1488 hatte der portugiesische Entdecker Bartolomeu Diaz das Kap der Guten Hoffnung umfahren. Die spanische Krone hoffte, den Vorsprung der Portugiesen im Gewürzhandel mit Indien durch eine kürzere Route nach Westen wettmachen zu können.

Kolumbus stach mit seinen drei Schiffen Santa María, Pinta und Niña am 3. August 1492 von Palos de la Frontera (Andalusien) Richtung Kanarische Inseln in See, um einen kurzen Handelsweg nach Indien zu erkunden. Grundlage für diesen Versuch war seine zu geringe Berechnung des Erdumfangs, die ein Erreichen des asiatischen Kontinents mit den damaligen Möglichkeiten der Seefahrt denkbar erscheinen ließ. Auf den Kanaren angekommen, ließ Kolumbus seine Schiffe überholen und Proviant

aufnehmen. Am 6. September ließ man die Inseln westwärts hinter sich, um angeblich Indien zu erreichen. Der Wind war ideal für die Seefahrt und sie kamen schneller als vorhergesehen voran. Nach etwa 10 Tagen wurden Tangkraut und einige Vogelschwärme entdeckt und man dachte, dass das Land nicht mehr weit entfernt sein könnte. Es wurde aber nach ≥


1492 AMERIKA— INDIEN¶

Die Entdeckung Amerikas — 15

Grundlage für den Fehlversuch war eine zu geringe Berechnung des Erdumfangs.


16 — Die Entdeckung Amerikas

einiEs wurde aber nach einigen Tagen klar, dass die Seefahrer falsch lagen, zudem drehte sich der Wind noch, so dass in den Gefährten des Kolumbus der Wunsch nach Rückkehr immer größer wurde. Des Weiteren glaubte der Kommandant der Pinta, Land zu sehen, dies war aber wiederum ein Irrtum; es war nur eine tief hängende Wolkenbank. Die Mannschaften wurden immer unruhiger. Eine Meuterei war kaum noch abzuwenden, als Christoph Kolumbus am 7. Oktober eine unvorgesehene Kursänderung nach Südwesten vornahm. Dies stellte sich als eine glückliche Entscheidung heraus. Der 10. Oktober war ein sehr kritischer Tag, an dem die Meuterei der Besatzung kaum noch von Kolumbus zu verhindern war. Schon über ein Monat war seit der Abfahrt von den Kanaren verstrichen und keiner der Anwesenden hatte je eine längere Seereise hinter sich gebracht, bei der ununterbrochen kein Land zu sehen war. Kolumbus munterte die Mannschaften auf und versuchte, die Seefahrer von den Vorteilen zu überzeugen, die sie auf dem Land erwarten würden. Außerdem seien Klagen nutzlos, weil es nun mal beschlossen war, nach Indien zu gelangen, um einen kürzeren Handelsweg zu finden. Kolumbus rief seine maßgebenden Begleiter

Keiner der Anwesenden hatte je eine längere Seereise hinter sich gebracht, bei der ununterbrochen kein Land zu sehen zusammen, um noch war. eine letzte Frist von drei Tagen herauszuholen, was ihm auch gelang. Am 11. Oktober kam schwere See auf, die Blütenzweige und einen bearbeiteten Stab an den Schiffen vorbeischwemmte. Des Weiteren sahen die Mannschaften schon Schilfrohr, und das Verlangen umzukehren wich erwartungsvoller Spannung und Freude auf das Land. Kolumbus hielt eine Rede und befahl seinen Leuten, die Nachtwachen ernst zu nehmen. Er versprach demjenigen, der zuerst Land sehen würde, eine besondere Prämie. Um zwei Uhr am Morgen des 12. Oktobers 1492 sichtete der Matrose Rodrigo de Triana vor dem Bug der Pinta Land. Eine Kanone wurde abgefeuert, um alle Seeleute aufzuwecken und ihnen die frohe Botschaft zu überbringen. Das gesichtete Land gehörte zur Gruppe der Bahamas, die von Tainos bevölkert waren. Kolumbus gab der von den Ureinwohnern Guanahani genannten Insel den Namen San Salvador (deutsch: »Heiliger Erlöser«). Amerika ist nach dem Entdecker der Amazonasmündung, Amerigo Vespucci benannt. Und das deshalb, weil dem Kollegen des Kartographen ein Fehler unterlaufen war. Er dachte, dass Vespucci der Entdecker Amerikas war und so wurde es auf der Landkarte

Die Namensgebung »Amerika« entstand ebenso durch einen Fehler

auch festgehalten. Zwar wollte der Kartograph, Martin Waldseemüller, diesen Fehler noch korrigieren, doch die Karte verbreitete sich so schnell, dass es ihm nicht mehr möglich war. Seine Idee war es, das Land Papageienland oder Brasilien zu nennen. Aber der Name »Amerika« wurde schnell so beliebt, dass es für einen anderen Namen keine Chance gab. Nach Christoph Kolumbus, dem Entdecker Amerikas, ist lediglich der Staat Kolumbien benannt. ×


TE X T : J ö r g A u f d e m H ö v e l

E

in Meilenstein medizinischen Fortschritts. Die Geschichte der Potenzmittel auf Basis der Hemmung des Enzyms PDE-5 und damit die Geschichte Viagras begann bereits 1985 – aufgrund eines glücklichen Fehlers. In den Pfizer-Forschungslabors im britischen Sandwich war man auf der Suche nach einem neuen Wirkstoff für die Behandlung von Brust-Engegefühl (Angina Pectoris) und der damit zusammenhängenden Herz-Durchblutungsstörung.

Nach vielen Versuchen synthetisierte man eine Substanz, die sehr zielgerichtet PDE-5 blockierte, und nannte sie Sildenafil. Die Halbwertzeit im menschlichen Körper war mit vier Stunden allerdings zu gering, um als Mittel gegen Angina Pectoris eingesetzt zu werden, zudem waren die durchblutungsfördernden Eigenschaften nicht so ausgeprägt wie erhofft. Einige der Testpersonen berichteten allerdings von einer starken Nebenwirkung: Sie hatten schon nach geringfügigen erotischen Reizen eine Erektion bekommen. Weitere Analysen ergaben, dass PDE-5 vor allem im Penisschwellkörper des Mannes vorkommt und Sildenafil daher in erster Linie dort wirkt. Die Marketingabteilung schlug den Namen »Viagra« vor, das Potenzmittel des 21. Jahrhunderts war gefunden. Bis dahin beruhte die Behandlung der organischen Impotenz auf umstrittenen Naturmitteln oder dem Einsatz von Implantaten und Vakuumpumpen. Jack Nicholson soll einmal gesagt haben: »Viagra? Das nehme ich nur, wenn ich mit mehr als einer Frau zusammen bin.« Dieser ein wenig zynisch klingende Satz beschreibt die Vor- und Nachteile der Potenzpille recht gut, denn Männern mit Erektionsstörungen hilft sie dabei, den Schwellkörper zu aktivieren – Männer ohne solche Probleme beschreiben das Phänomen des nicht nachlassenden Dauerhochs dagegen als eher lästig. Vor zehn Jahren kam Viagra auf den Markt. Und löste eine pharmakologisch-sexuelle Revolution aus, wie es sie seit der empfängnisverhütenden »Pille« Anfang der 60er-Jahre nicht mehr gegeben hatte. Die Angst vor Impotenz, die

E Männer seit Jahrtausenden um den Schlaf bringt, schien durch Viagra mit einem Mal beseitigt zu sein. Das zeigt auch der Verkaufserfolg. Im April 1998 kam das Mittel in den USA auf den Markt, innerhalb der nächsten vier Wochen unterschrieben Ärzte mehr als 300.000 Viagra-Rezepte. Schnell entwickelte sich die Arznei zum sogenannten »Blockbuster«, einem jener wenigen Medikamente, die mehr als eine Milliarde Dollar im Jahr umsetzen. In den zehn Jahren seit der Einführung haben sich mehr als 30 Millionen Männer in 120 Ländern Viagra verschreiben lassen.


Viagra — 19

Einige der Testpersonen berichteten von einer starken Nebenwirkung …

EREKTILE DYSFUNK— TION


8,45 MG KOKAI 20 — Coca-Cola

a r t w o r k : jo r g e ca n o


G IN

Mit Kokablatt und Kolanuss gegen Kopfschmerzen

E

rfunden wurde Coca-Cola von John Stith Pemberton. Der Kriegsveteran und Pharmazeut aus Atlanta braute mit Wein, Kolanüssen, Damiana und einem Extrakt aus den Blättern der Cocapflanze einen Sirup als Mittel gegen Müdigkeit, Kopfschmerzen und Depressionen, das er Pemberton’s French Wine Coca nannte. Vorbild hierfür war der beliebte Vin Mariani. Sein Ziel war es, durch das enthaltene Kokain einen Ersatz für das damals beliebte, aber mit Nebenwirkungen behaftete Morphin zu finden. Nachdem am 25. November 1885 Atlanta und Fulton County beschlossen hatten, die Prohibition am 1. Juli 1886 versuchsweise für zwei Jahre einzuführen, war Pemberton gezwungen, den Wein aus dem Getränk zu nehmen, und erfand so Coca-Cola. Den Namen leitete er aus den Zutaten Kokablatt (coca leaves) und Kolanuss (cola nut) ab.

Laut Frank M. Robinsons Rezept, enthielt ein Glas 8,45 mg Kokain, wobei die heutzutage typischerweise geschnupfte Dosis bei 20–30 mg liegt und oral eingenommenes Kokain schwächer wirkt. Ein Glas allein wird also keinen Rausch ausgelöst haben. Trotzdem streitet die Coca-Cola Company heute offiziell immer noch ab, dass ihr Getränk jemals Kokain enthalten habe. »Du kannst vor dem Fernseher sitzen und siehst Coca-Cola, und du weißt, dass der Präsident Coke trinkt, Liz Taylor Coke trinkt – und dann denkst du, dass auch du Coke trinken kannst. Eine Coke ist eine Coke, und kein Geld der Welt kann dir eine bessere Coke kaufen als die, die der Penner an der Ecke gerade trinkt. Alle Cokes sind gleich, und alle Cokes sind gut. Liz Taylor weiß es, der Präsident weiß es, der Penner weiß es, und du weißt es.«  —Andy Warhol ≥


IMG:\\100520_coca-cola_page22.tif error 0x0000007B no such file


Coca-Cola — 23

Konsequente Inkonsequenz? Veränderung als Marketingstrategie. Alle Werbeslogans (Claims) der Coca-Cola-Company von 1886 bis heute in der Übersicht: 1886 — Drink Coca-Cola. 1887 — Delicious! Refreshing! Invigorating! Exhilarating! 1891 — The Ideal Brain Tonic/The Delightful Summer-Winter beverage. 1904 — Delicious and refreshing. 1905 — Coca-Cola revives and sustains. 1906 — The great national temperance beverage. 1908 — Good til the last drop 1917 — Three million a day. 1922 — Thirst knows no season. 1923 — Enjoy life. 1924 — Refresh yourself. 1925 — Six million a day. 1926 — It had to be good to get where it is. 1927 — Pure as Sunlight 1927 — Around the corner from anywhere. 1928 — Coca-Cola … pure drink of natural flavors. 1929 — The pause that refreshes.

1932 — Ice-cold sunshine. 1937 — America’s favorite moment. 1938 — The best friend thirst ever had. 1938 — Thirst asks nothing more. 1939 — Coca-Cola goes along. 1941 — Coca-Cola is Coke! 1942 — The only thing like Coca Cola is Coca-Cola itself. 1944 — How about a Coke? 1945 — Coke means Coca-Cola. 1945 — Passport to refreshment. 1947 — Coke knows no season. 1948 — Where there’s Coke there’s hospitality. 1949 — Coca-Cola … along the highway to anywhere. 1952 — What you want is a Coke. 1954 — For people on the go. 1956 — Coca-Cola ... makes good things taste better. 1957 — The sign of good taste. 1958 — The Cold, Crisp Taste of Coke 1959 — Be really refreshed.

1963 — Things go better with Coke. 1966 — Coke … after Coke … after Coke. 1969 — It’s the real thing. 1971 — I’d like to buy the world a Coke. 1974 — Look for the real things. 1976 — Coke adds life. 1979 — Have a Coke and a smile. 1982 — Coke is it! 1985 — America’s Real Choice 1986 — Red White & You (for Coca-Cola Classic) 1986 — Catch the Wave (for New Coke) 1989 — Can’t Beat the Feeling. 1993 — Always Coca-Cola. 2000 — Enjoy. 2001 — Life tastes good. 2003 — Real. 2005 — Make It Real. 2006 — The Coke Side of Life 2007 — Live on the Coke Side of Life × 2010 — Mach dir Freude auf.

Wasser, Zucker, Kohlensäure, Lebensmittelfarbstoff E 150d (Zuckerkulör), Säuerungsmittel: E 338 (Phosphorsäure), Aroma, Aroma-Koffein

Wenn man als Grafiker vergisst die Schrift einzubetten, ersetzt der Computer sie mit dem Standard-Font: Courier.


AUF 76 × 76 M Da s G e ni a l e i st , d a ss je m a nd e rk a n nte wofür m a n e i ne n Supe rkl ebe r – d e r gar ni cht a n st ä ndig kl ebt – geb rau che n k a n n .


Post-It — 25

 MM Die US-Zeitschrift »Fortune« erklärte die Post-It zu einer der wichtigsten Erfindungen des 20. Jahrhunderts – zusammen mit dem Kühlschrank, der Boeing 707 und der CD. Wer kennt sie nicht, die knallgelben, lila- oder orange-farbenen Zettelchen, mit denen wir Seiten in einem Buch markieren oder unseren Freunden und Kollegen eine Nachricht hinterlassen. Die Klebezettel sind aus den Büros in aller Welt trotz aller Technik nicht mehr wegzudenken. Ein Erfindungs-Flop hat uns diese Helfer beschert. Vor 40 Jahren sang der US-amerikanische Chemie-Ingenieur Arthur Fry im Kirchenchor seiner Gemeinde. Und wieder einmal fielen ihm die Lesezeichen aus seinem Gesangbuch. Das brachte ihn auf eine glorreiche Idee: Er erinnerte sich, dass

sein Kollege Spencer Silver in der Klebstoffabteilung seiner Firma »Minnesota Mining and Manufacturing Company« (3M) nach monatelanger Entwicklung statt eines Superklebers einen nicht dauerhaften Kleber produziert hatte. Arthur Fry bastelte aus diesem Super-Flop einen Super-Verkaufsschlager: den Post-It-Kleber. Im Nachhinein sagte Spencer Silver: »Wenn ich darüber nachgedacht hätte, hätte ich den Versuch nicht gemacht. Die Literatur war voller Beispiele, die zeigten, daß ich das nicht schaffen kann.« Der für Post-Its verwendete Kleber ist ein Kunststoff und

besteht aus winzig kleinen Kügelchen mit feinen Härchen, die wie Tentakeln fungieren und halten somit das Post-It-Papier und die Buchseite aneinander. Reißen diese Härchen nicht ab oder werden durch Staub verdreckt, kann ein solches Post-It viele Male wiederverwendet werden. In einem Prozess wegen Untreue gegen einen ehemaligen Mitarbeiter der Firma Siemens 2008 sagte dessen Vorgesetzter aus, dass er Unterschriften für Auszahlungsbelege jahrelang auf Post-It geleistet habe, um im Falle einer möglichen Prüfung Verantwortlichkeiten verschleiern zu können.


N

5

CH 3

N H

N H LSD

iso-

H 3C

H 3C

stimmt zwar, N dass ich O LSD zufällig H »Es 3C

entdeckt habe, allerdings war es das Ergebnis bewusst durchgeführter Experimente innerhalb 8 chemischer Forschungspharmazeutischer und untersuchungen. Man könnte es deshalb besser [Base] als Serendipity bezeichnen.« H  —Albert Hofmann

5

DN

N

er Chemiker Albert Hofmann stellte am 16. November 1938 erstmals im Rahmen seiner Forschung zum Mutterkorn Lysergsäurediethylamid her. Sein Ziel war die Entwicklung eines Kreislaufstimulans. Nachdem diese erhoffte Wirkung von LSD im Tierversuch nicht eintrat, verlor Hofmann zunächst das Interesse und archivierte seine Forschungsergebnisse.

H

L-LSD

H 3C

N

CH3

Am 16. April 1943 entschied sich Hofmann, mögliche Wirkungen von LSD erneut zu prüfen; er vermutete, bei den ersten Versuchen etwas übersehen zu haben. Bei seinen Arbeiten mit LSD bemerkte Hofmann an sich selbst eine halluzinogene Wirkung, die er zunächst nicht erklären konnte. So vermutete er, LSD sei durch unsauberes Arbeiten durch die Haut von seinem Körper aufgenommen worden.

Er wiederholte dieses Erlebnis am 19. April 1943 durch die Einnahme von 250 Mikrogramm LSD. Verglichen mit der Wirksamkeit der damals bekannten Mutterkornalkaloide, entsprach das der kleinsten Menge, bei der man noch eine Wirkung hätte erwarten können. Es stellte sich jedoch heraus, dass diese Menge bereits dem zehnfachen der normal wirksamen Dosis (ungefähr 20 µg) von Lysergsäurediethylamid

N H

L-iso


N

5

CH 3

Lysergsäurediethylamid (LSD)

iso-LSD

C N

O 8

H 5

N

CH3

entsprach. Dieses Datum gilt heute als Zeitpunkt der Entdeckung der psychoaktiven Eigenschaften des LSD. Der Jahrestag wird von popkulturellen LSD-Anhängern als »Fahrradtag« (Bicycle Day) gefeiert, da Hofmann am Beginn seines bewusst induzierten Rauscherlebnisses mit dem Fahrrad nach Hause fuhr. LSD wurde unter dem Handelsnamen Delysid vom

L-iso-LSD

Pharmakonzern Sandoz zur psychiatrischen Behandlung und zu Forschungszwecken bereitgestellt. Das LSD-Präparat Lysergamid wurde vom tschechoslowakischen Konzern Spofa hergestellt und vor allem in die Ostblockstaaten, einschließlich der DDR, exportiert. Beispielsweise wies der Beipackzettel von Delysid auf diese Möglichkeit der Anwendung hin. Textauszug Indikation: »(a) In der analytischen Psychotherapie zur Förderung seelischer Entspannung durch Freisetzung verdrängten Materials. (b) Experimentelle Studien über das Wesen der Psychose: Indem der Psychiater selbst Delysid einnimmt, wird er in die Lage versetzt, eine Einsicht in die Welt der Ideen und Wahrnehmungen psychiatrischer Patienten zu gewinnen.« Zu den Wissenschaftlern, die mit LSD experimentiert haben, gehören John C. Lilly, Stanislav Grof und Timothy Leary. In den 1970er Jahren wurde Lysergsäurediethylamid als nicht verkehrsfähiger Stoff eingestuft und die Forschung damit oder dessen therapeutische Nutzung (etwa in der Psychotherapie) nahezu komplett verboten.

LSD — 27


ehlers

Fehldruck (oben) mit einem Wert von $300.000 und korrekter Druck (unten) mit einem Wert von 24 Cents.


29 — Inverted Jenny

Wertvoller Fehldruck

Die Inverted Jenny, manchmal auch Jenny Invert, ist der Name eines berühmten Fehldruckes einer US-amerikanischen Briefmarke aus dem Jahr 1918. Der Fehldruck unterscheidet sich von der Originalmarke darin, dass das Flugzeug, eine Curtiss Jenny, im Zentrum des Briefmarkenmotives verkehrtherum gedruckt wurde. Dies war möglich, da die Briefmarke in zwei verschiedenen Farben und Druckgängen hergestellt wurde. Das Flugzeug wurde in blauer, der Rand in roter Farbe gedruckt. Dieser Fehldruck zählt zu den größten Raritäten der Philatelie. Es sind nur 100 Exemplare dieser Briefmarke bekannt. Ihr Wert liegt um die 120.000 €. Bei der Originalmarke handelt es sich um die erste Flugpostmarke der USA. Sie konnte ab 15. Mai 1918 zur Bezahlung der Flugpostgebühren verwendet werden. Zur damaligen Zeit bestanden

Die »Inverted Jenny« zählt zu den größten Raritäten der Philatelie aufgrund ihres Fehler

Flugpostverbindungen zwischen Washington D.C., Philadelphia und New York City. Zuvor wurden bereits mehrere Versuche der US-amerikanischen Post mit einer möglichen Postbeförderung per Flugzeug unternommen. Der Postwert der Briefmarke, der sich mit den Flugpostgebühren deckte, war mit 24 Cents relativ hoch angesetzt. Mit dem Druck der Flugpostmarken wurde erst am 10. Mai 1918 begonnen. Zuvor war man seit 4. Mai mit dem Gravieren der Druckplatten beschäftigt. Die Auslieferung der Briefmarken erfolgte jedoch bereits am 13. Mai. Der Druck der Briefmarken musste also in großer Eile erfolgen. Eine Entstehung von Fehldrucken war somit sehr wahrscheinlich. Am 14. Mai 1918, dem Erstausgabetag der Flugpostmarke, entdeckte der Philatelist W. T. Robey einen Bogen zu 100 Briefmarken der Inverted Jenny (»my heart stood still«). Er kaufte diesen

und überzeugte sich, dass dieser der einzige Bogen mit Fehldrucken des Postamtes war. Er konnte den Bogen, aus dem alle heutigen bekannten Stücke stammen, für 15.000 $ an den bekannten Briefmarkenhändler Eugene Klein verkaufen. Dieser verkaufte diesen sofort für 20.000 $ an den Sammler Edward H. R. Green weiter. Dieser zertrennte auf Anraten Eugene Kleins den Bogen und begann mit dem Verkauf mehrerer Paare und Einzelstücke, die sich heute in den verschiedensten Briefmarkensammlungen der Welt wiederfinden. Momentan hat eine Marke einen geschätzten Wert von $300.000.


30 — Blaue Mauritius

Der Druckfehler macht die Briefmarke zu einem Unikat, da sie so nicht mehr eine unter vielen ist – ihr Wert steigt um das Millionenfache.

Mittlerweile gibt es nur no ungestempelte Exemplare Mauritius. Ausgestellt ist s Blue Penny Museum in de Waterfront in Port Louis. Minuten pro Stunde ist sie hinter dickem Panzerglas


noch vier re der Blauen t sie im der Caudan is. FĂźr ein paar sie Ăśffentlich as zu besichtigen.


32 — Blaue Mauritius

Von 3 Cent auf 3 Mio. Dollar TE X T : M a r k u s z m ij a

D

iese Briefmarke ist mit Sicherheit die berühmteste Briefmarke der Welt. Ihre Seltenheit und ihr Millionenwert machten sie zum Mythos. Sie ist weitaus bekannter als der kleine Inselstaat selbst, doch auf diese Weise trägt sie auch zu seiner Popularität und somit zum Überleben der Insel bei. Die beiden abgebildeten Briefmarken wurden 1847 von dem Gouverneur der britischen Kolonie Mauritius für Einladungen zu seinem Amtsantritt in Auftrag gegeben. Von jedem Exemplar orderte er 500 Stück. Der Markengraveur merkte sich jedoch nicht genau den mündlichen Text des Auftrages und versah die Marken mit der falschen Inschrift. Anstelle der richtigen Angabe »Post Paid« (Entgelt bezahlt), versah er die Marken mit der Inschrift »Post Office« (Poststelle). Als der Irrtum in Sammlerkreisen bemerkt wurde, begann die Suche nach diesen Briefmarken.

Viele Eigentümer der Mauritius-Marken wollen aus naheliegenden Gründen ihren Namen nicht öffentlich preisgeben.

Es sind die Legenden, die sich um ihre Entstehung ranken, die märchenhaften Geschichten ihrer Entdeckung und die berühmten Namen der größten Sammler der Welt, die sie besessen haben. Sie haben den Mythos Mauritius begründet. Heute sind noch 24 Marken vorhanden. Von der blauen 2-Penny-Marke gibt es noch 12 Stück, von denen sechs postfrisch sind und

sechs gestempelt, wie auf obigen Brief. Ihr Preis geht in die Millionen und sie halten sich vorwiegend in den dunklen Kammern von Safes auf. Wenn dann doch einmal wieder eine Blaue Mauritius zum Verkauf steht, ist der Auktion ein großes öffentliches Interesse und ein erlesener Bieterkreis sicher. Eine der spektakulärsten Mauritius-Versteigerungen fand am 3. November 1993 in Zürich statt.

Dort kamen fünf dieser seltenen Sammlerstücke unter den Hammer, die aus der in 40 Jahren zusammengetragenen Sammlung des japanischen Industriellen Hiroyuki Kanai stammten. Der Wert der blauen Marke wird auf drei Millionen Dollar geschätzt. Beide zusammen wurden für vier Millionen Dollar verkauft.

PO


POST OFFI


1951 erschien der erste IKEA-Katalog, zwei Jahre später folgte der erste »Showroom« für Möbel. Dort konnten sich die Kundinnen und Kunden davon überzeugen, dass tiefe Preise und gute Qualität kein Widerspruch sind. Als die Konkurrenz Ingvar Kamprads Lieferanten zwang, IKEA zu boykottieren, reagierte der Jungunternehmer rasch und begann, seine Möbel selber herzustellen. Das heute berühmte, damals aber revolutionäre Verpackungskonzept mit den Möbeln zum Zusammenbauen entstand 1955 durch einen Fehler: Ein Produktdesigner von IKEA, Gillis Lundgren, hatte die Maße seines Autos nicht ausgemessen — der von ihm konstruierte Tisch passte nicht hinein. Um ihn trotzdem transportieren zu können, brach er die Beine einfach ab und schraubte sie zu Hause wieder an. Die Idee, eben erstandene Möbel sofort mit nach Hause nehmen zu können, stellte Lundgren anschließend seinen Arbeitskollegen bei IKEA vor. Das sollte die Möbelbranche auf den Kopf stellen.

Das Flat-Pack-System, auch Ready-ToAssemble genannt, ist vor allem bei Kunden beliebt, die Geld sparen möchten indem sie die Möbel selbst zusammenbauen.


FLAT— PACK

IKEA Verpackungskonzept — 35


Begonnen mit einer verschimmelten Bakterienkultur, ist Penicillin die Voraussetzung f端r heutige Antibiotika.

Zum Segen der Menschheit


Penicillin — 37

Alexander Fleming, der sich am St. Mary's Hospital in London mit Staphylokokken beschäftigte, hatte 1928 vor den Sommerferien eine Agarplatte mit Staphylokokken beimpft und dann beiseite gestellt. Bei seiner Rückkehr entdeckte er, dass auf dem Nährboden ein Schimmelpilz (Penicillium notatum) gewachsen war und dass sich in der Nachbarschaft des Pilzes die Bakterien nicht vermehrt hatten.

Fleming nannte den bakterientötenden Stoff, der aus dem Nährmedium gewonnen werden konnte, Penicillin und beschrieb ihn für die Öffentlichkeit erstmals 1929 im British Journal of Experimental Pathology. Er untersuchte die Wirkung des Penicillins auf unterschiedliche Bakterienarten und tierische Zellen; dabei stellte er fest, dass Penicillin nur grampositive Bakterien wie

Staphylokokken, Streptokokken oder Pneumokokken abtötete, nicht aber gramnegative Bakterien wie beispielsweise Salmonellen. Auch für weiße Blutkörperchen, für menschliche Zellen oder für Kaninchen erwies es sich als ungiftig. Fleming kam trotz dieser Kenntnis offenbar nicht auf die Idee, Penicillin als Medikament einzusetzen. ≥


Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs war den Alliierten daran gelegen, für ihre verwundeten Soldaten ein wirksames Medikament zu entwickeln. Die Antibiotika-Forschung verlagerte sich in die USA und nahm dort einen rasanten Verlauf. Man fand heraus, dass es günstiger ist, den Pilz in geeigneten flüssigen Nährmedien zu kultivieren. Außerdem züchtete man neue Stämme

von Penicillium chrysogenum, die mehr Penicillin produzieren. Damit stand der Stoff als Medikament in der notwendigen Menge zur Verfügung. 1945 erhielten Fleming, Chain und Florey für ihre Entdeckung, die einen Wendepunkt in der Geschichte der Medizin markiert, gemeinsam den Nobelpreis. Der Wirkstoff beendete das seit der Antike bestehende

Der Wirkstoff wurde auch nach dem Krieg noch als Wundermedizin angesehen.

medizinische Problem, dass chirurgische Verletzungen aufgrund einfacher Wundinfektionen auch lange nach den Kriegshandlungen zum Tod der Betroffenen führen können und wurde deshalb auch nach dem Krieg noch in der Bevölkerung als Wundermedizin angesehen. ×


Penicillin — 39

Eurotium herbariorum im Lichtmikroskop bei 400-facher Vergrößerung / Quelle: enius.de


Teflon — 41

»

Die missglückte Entwick— lung von Käl— temitteln für Kühl— schränk

Es existieren nahezu keine Materialien, die an Teflon haften bleiben, da die Oberflächenspannung extrem niedrig ist. Der Kontaktwinkel mit Wasser beträgt 126°.«


42 — Teflon

A

ls der Chemiker Roy Plunkett in den dreißiger Jahren für seine Firma DuPont nach einem neuen Kältemittel für Kühlschränke suchte, erfand er dabei zufällig Teflon. Fluorverbindungen wie das Gas Tetrafluorethylen schienen als Ausgangssubstanz für ein Kältemittel viel versprechend zu sein, da sie ungiftig und nicht brennbar waren. Plunkett bewahrte die Gasflaschen normalerweise im Kühlschrank auf. Eine allerdings hatte er seit mehreren Tagen auf dem Labortisch stehen lassen. Statt eines Gases fand sich am Tag darauf eine feste Masse in der Flasche: Das Gas war polymerisiert, zu »Polytetrafluorethylen« geworden – Teflon, wie es später genannt wurde. Die Substanz war chemisch nahezu inert, sie reagierte also mit keiner anderen Substanz. Für Chemiker ist das sehr unerfreulich, da man nichts mit ihr anfangen kann. So verschwand das Pulver für Jahre im Firmenarchiv. Roy Plunkett ahnte

nicht, dass gerade diese Eigenschaft den späteren Erfolg des Kunststoffes begründen sollte. Die Väter der Atombombe fanden in Teflon den Stoff, mit dem sich ihre Behälter vor den hoch korrosiven Uranverbindungen schützen ließen, die für die Kernspaltungsexperimente gebraucht wurden. Ende der fünfziger Jahre entdeckten dann auch die Weltraumingenieure die Substanz und verwendeten sie als Kabelisolierung, Hitzeschutzkachel oder als Schutzschicht auf den Raumanzügen. Die Teflonpfanne war damals übrigens schon seit einigen Jahren auf dem Markt. Als der Jungunternehmer Bob Gore den Kunststoff dann streckte, um bei der Herstellung von Dichtungen Material zu sparen, erhielt er eine hauchdünne Teflonmembran. Wie sich zeigte, war sie wasserdicht, ließ aber Wasserdampf passieren. Gore-Tex verhilft seither zu trockener Haut.

Vielen Menschen steckt das Material sogar unter der Haut. Ihre besonderen Eigenschaften machten Teflonmembranen zum idealen Material für Implantate. Künstliche Gelenke oder Herzklappen werden aus Gore-Tex gefertigt, aber auch Inlets für verkalkte Arterien oder komplette Bauchschlagadern.


In der Medizin wird Teflon unter anderem für Implantate wie beispielsweise Gefäßprothesen verwendet.

f o t o : H a n a Z e w d ie


44 — Röntgenstrahlung

ER¶ LEUCHTET

»Entgegen der weitläufigen Meinung kann das menschliche Auge Röntgenstrahlung teilweise wahrnehmen.«

Erste Röntgen-Aufnahme »Hand mit Ringen«(1895)


Co nr ad

ng ku n ec le td rah En t e -S Di r X de

W ilh el m

Rö nt

ge n

Ka st th r a od hl e rö n– hr en t Ar .« ue en ne hl e a in Str re n be vo »Ü


Röntgenstrahlung — 47

»Fluoreszenzfähige Gegenstände begannen trotz einer Abdeckung hell zu leuchten.« Die erste Beobachtung von Röntgenstrahlung durch Wilhelm Conrad Röntgen erfolgte am Physikalischen Institut der Julius-Maximilians-Universität Würzburg am späten Freitagabend des 8. November 1895 als – wie er es selbst beschrieb – »sich keine dienstbaren Geister mehr im Hause befanden«. Bereits sieben Wochen später, am 28. Dezember 1895, reichte er eine Arbeit zur Veröffentlichung ein unter dem Titel: »Über eine neue Art von Strahlen.«

g

Röntgen gilt als Entdecker der heute nach ihm benannten Strahlen, obwohl feststeht, dass schon andere vor ihm Röntgenstrahlung erzeugt haben. In den von Johann Hittorf und William Crookes entwickelten Kathodenstrahlröhren, die auch Röntgen für seine Experimente verwendete, entsteht Röntgenstrahlung, die in Experimenten von Crookes und ab 1892 von Heinrich Hertz und seinem Schüler Philipp Lenard durch Schwärzung von

Röntgen hatte eine ganz andere

fotografischen Platten nachgewie- Absicht, doch der Fehler war viel sen wurde, ohne sich aber offenbar wertvoller über die Bedeutung der Entdeckung im Klaren zu sein. Auch Nikola Tesla experimentierte ab 1887 mit Kathodenstrahlröhren und die Röntgenaufnahme einer Hand seiner Frau beigetragen, die er in erzeugte dabei Röntgenstrahlung, seiner ersten Veröffentlichung zur veröffentlichte seine Ergebnisse Röntgenstrahlung abbildete (S. 45). aber nicht. Es wird auch behaupDiese Berühmtheit trug ihm tet, dass die X-Strahlen von einem 1901 den ersten Nobelpreis für österreichischen WissenschaftPhysik ein, wobei das Nobelpreisler ukrainischer Herkunft namens komitee die praktische Bedeutung Johann Puluj schon im Jahr 1881 der Entdeckung hervorhob. Röntentdeckt wurden. gen nannte seine Entdeckung Da die genannten WissenX-Strahlen. schaftler ihre Kenntnisse nicht Die Benennung Röntgenstrahbekanntgaben, wusste auch Röntlen geht auf den Anatomen Albert gen nichts davon. Bei einem von Kölliker zurück, der dies am Experiment mit einer Kathoden23. Januar 1896 vorschlug. Anlass strahlröhre, die mit schwarzem war der erste öffentliche Vortrag Papier umhüllt war, leuchtete in Röntgens über seine Entdeckung, der Nähe des Experimentierfelder auf Einladung der Physikades liegendes Lumineszenz-Papier lisch-medizinischen Gesellschaft auf. Röntgens Verdienst ist es, die zu Würzburg erfolgte, deren GrünBedeutung der neuentdeckten der Kölliker war. In manchen Strahlen früh erkannt und diese Sprachräumen blieb es beim von als erster wissenschaftlich unterRöntgen selbst eingeführten Namen sucht zu haben. Zu Röntgens X-Strahlen (vgl. engl. X-Rays). Berühmtheit hat sicherlich auch


Ein Drama in 45 Minuten. In den Nebenrollen: Toni Schumacher, Uli Potofski, Andi Mรถller, Gerd Niebaum, Jupp Heynckes


»Das erste Tor fiel in der nullten Minute.«  —Günther Jauch

TV-Sternstunde — 49

»Noch nie hätte einem Spiel ein frühes Tor so gut getan.«  —Marcel Reif

E 

  ine Sternstunde der  deut-

  schen Live-Kommentierung: 1. April 1998: Sechs Millionen Fans warten vor den Bildschirmen auf den Anpfiff des Champions League Halbfinals zwischen Real Madrid und Borussia Dortmund. Die Spieler stehen auf dem Platz, der Schiedsrichter führt seine Trillerpfeife zum Mund, doch dann geschieht das Unerwartete: Ein Tor knickt ein. Kaputt. Aus. Hektik kommt auf. Ein Ersatztor muss her. Die Spieler werden in die Kabinen geschickt, und die beiden RTLFernsehkommentatoren Günther Jauch und Marcel Reif betreten das Spielfeld. Virtuos spielen sie einander mit blindem Verständnis Steilpässe zu, um aus der Tiefe des Raumes vorstoßend ein ums andere Mal mit Direktabnahmen verbal zu scoren. Dieses brillante Stegreifkabarett zweier Kommentatoren stellt für die Geschichte des Rundfunks nach der Abschaffung des Testbildes einen weiteren Meilenstein dar. Diese Zeit wurde von Jauch und Marcel Reif so gelungen und kurzweilig überbrückt, dass die Einschaltquoten höher blieben als beim nachfolgenden Spiel, welches mit einem 2:0-Sieg für die Madrilenen endete. Einige Sprüche erhielten danach Kultcharakter, etwa die Aussage Jauchs: »Für alle Zuschauer, die erst jetzt eingeschaltet haben, das erste Tor ist schon gefallen.« Jauch und Reif wurden für die Sendung mit dem AdolfGrimme-Preis ausgezeichnet.

Champions League der Live-Kommentierung


ERENDI— ITY M

»Jeder Forscher muss bereit sein, die Fingerzeige auf dem Weg des Entdeckens zu erkennen.« o Eco, die den linearen Denkwegen die Verschlungenheit der Ws entgegen hält. Nicht selten


REATI— ITÆTS ¬ ROZESS

Ideenfindung — 51

TE X T : B e a t M a z e n a u e r

Der Wissenschaftssoziologe Robert K. Merton prägte 1949 den Begriff des »Serendipity Pattern« (Serendipitätsmuster) für »unvorhergesehene, anomale und strategische« Entdeckungen, die zu einer neuen Theorie drängen. Spätestens seit dieser Begriffsklärung durch Merton ist Serendipity zum anerkannten Begriff avanciert. Gary Fine und James Deegan definieren ihn im programmatisch betitelten Aufsatz »Three Principles of Serendip« als »Kern der Philosophie von qualitativer Forschung«. In ihrer Konklusion schreiben sie: »Ein Forscher, der bereit ist, Fehler zu produzieren, unbekannte Wege zu gehen und dem Zufall zu vertrauen, riskiert seinen Ruf als Wissenschaftler. Dieser Ruf ist noch immer verbunden mit der Vorstellung des ›hervorragenden Genius‹. Dabei wird außer Acht gelassen, dass diese Vorstellung in der wissenschaftlichen Community nicht mehr wirklich geglaubt, sondern bloß vorgespielt wird. (…) Jeder Forscher muss bereit sein, die Fingerzeige auf dem Weg des Entdeckens zu erkennen. Wir müssen die ganze Fülle

der Serendipity-Zeichen in Betracht ziehen, genau so wie es die alten Prinzen von Serendip taten.« Wissenschaft und Vernunftglaube beruhen auf logischer Durchdringung und auf objektiven Wahrheiten. Der Begriff »Serendipity« weicht diese harte Gesetzgebung auf, er bestimmt das Suchen und Finden als einen Prozess, der vom Zufall einerseits und von der persönlichen Kreativität andererseits wesentlich mitgesteuert wird. Das »Element der Willkür (…) hat einen bedeutenden Einfluss auf die wissenschaftliche Entwicklung«, schrieb der Wissenschaftsphilosoph Thomas S. Kuhn. Um dieses Element aber effektiv zu nutzen, muss ein Interpret die scheinbar willkürlichen Zeichen als »eine kohärente Sequenz, als einen Text« zusammenlesen, ergänzt Umberto Eco. Wenn wir die Welt nicht mehr verstehen, versuchen wir sie uns zu erzählen und auf diesem Weg überhaupt begreiflich zu machen. Dabei verlassen wir die Wege der gestrengen Logik und geraten in eine »unendliche Abdrift des ≥


Sinnes«, so Eco, die den linearen Denkwegen die Verschlungenheit der Welterkenntnis entgegen hält. Nicht selten treffen wir exakt hierbei auf den Kern der Sache, hauen wir den gordischen Knoten durch. Ich suche nicht, ich finde, soll Picasso gesagt haben. Was einesteils nach altmodischem Geniekult klingt, kann unter serendipitöser Perspektive das Wirken des Zufalls bezeugen. Dabei kommt es allerdings auf die Disposition des Findenden an, denn, so ein Wort von Aldous Huxley: »Erfahrung ist nicht, was einem geschieht, Erfahrung ist, was wir damit machen, was uns geschieht«. Wissenschaftliche Ordnungen neigen dazu, sich gegen außen geheimbündlerisch abzuschließen und den eigenen Erkenntnisweg absolut zu setzen. Damit werden sie unfrei, mit dem Effekt: What you get is what you expect or you hope. Wie sehr dieser Mechanismus in die Irre führen kann, demonstrierte vor ein paar Jahren der gut dokumentierte Fall des umjubelten Physikergenies Jan Hendrik Schön.

Einem Fachkollegen war – zufälligerweise – aufgefallen, dass sich in Schöns Forschungsarbeiten mehrfach auffallend ähnliche Diagramme wiederfanden, mit denen er seine sensationellen empirischen Erkenntnisse bildhaft untermauerte. Was zuerst nur ähnlich wirkte, erwies sich bald als Identität. Schön hatte in unterschiedlichsten Kontexten dieselben, lediglich im Achsenwert leicht variierten Diagramme eingesetzt. Die Entdeckung war ein Skandal, erzielte Schön doch mit seinen Arbeiten exakt jene Resultate, die sich die Forschung so dringlich und sehnlich herbeiwünschte. Nach der Entdeckung des Betrugs schlug die Freude sogleich in enttäuschtes Entsetzen um, ohne dass man sich in der Forschergemeinde weiter mit den tiefern Ursachen des


Ideenfindung — 53

»

Se re ndi pi t y l ocke r t di e ¬ Ve r nunf t und l ä sst d a s G lü ck i n di e Method e e i n .«

¬

o Eco,ydie den earen Dengwegen die Veungenheit der Welterkehjält. Nicht selten ARTWORK : RAFFAEL ZIEGLER

Betrugs auseinandergesetzt hätte. Still und heimlich verschwand der Betrüger von der Bildfläche, aller Titel und Ehren enthoben. Deshalb bleibt nach wie vor ungeklärt, ob Schön überhaupt betrogen hat, oder ob er nicht vielleicht von der Muse Serendipity geküsst worden ist. Wenn es sich so verhalten hätte, wäre dieses Genie daran gescheitert, dass er seine sagenhaften Erkenntnisse gegenüber den kleingeistigen Berufskollegen auf herkömmliche Weise beglaubigen wollte, damit sie ihn verstehen. Das Genie als Opfer empirischer Engstirnigkeit? Louis Pasteurs Diktum: »Auf dem Feld der Beobachtung begünstigt das Glück nur den bereiten Geist«, ist leichter gesagt als umgesetzt. Auch dies ist ein Kennzeichen von Serendipity. Wer immer in serendipitöser Art vorgeht, wird zuerst auf Zweifel stoßen, denn die instrumentelle Vernunft ist stärker, weil sie eine festgefügte Ordnung verspricht, die nie leichtfertig preisgegeben wird. Im Stück Leben des

Galilei stellt Brecht diesen Sachverhalt trefflich dar. Galilei möchte den Abgesandten der Universität seine Erkenntnisse beweisen, indem er sie einen Blick durchs Fernrohr tun lässt. Diese aber lassen sich nicht auf den Augenschein ein. Das Weltbild des Aristoteles »ist ein Gebäude von solcher Ordnung und Schönheit, daß wir wohl zögern sollten, diese Harmonie zu stören«, wenden sie ein. Das schöne Bild, die tradierte Erzählung: also der ptolemäische Kosmos mit seinen komplizierten Bewegungsgesetzen, dies alles durfte nicht zerstört werden. Serendipity lockert die Vernunft und lässt den Zufall, das Glück, die Imagination in die positivistische Methode ein. Dermaßen gleicht Serendipity eher der Kunst als der strengen Wissenschaft. Entsprechend spielen künstlerische Strategien gerne mit serendipitösen Zufällen und Abdriften, beispielsweise der »Encyclopaedizer«, eine Lexikonmaschine im Internet, die

automatisch Erkenntnisse zwischen Dada und Genialität erzeugt. Leicht ließe sich daraus ein Argumentarium entwickeln, das in der heutigen Bildungspolitik eher verdrängt wird: Die Förderung von Fantasie und Imagination bringt das naturwissenschaftliche Verständnis womöglich besser voran als die Vermittlung von normativem Wissen, das lediglich die Vergangenheit in die Zukunft projiziert. Zufall und Scharfsinn, das heißt auch Kreativität und Lust an der Erkenntnis rufen neues Wissen hervor, das nicht nur technischen und ökonomischen Kriterien genügt. Doch Politik und Wirtschaft setzen sich weiterhin vordringlich dafür ein, dass die instrumentelle Vernunft in der Bildungspolitik den Primat über die kreative Vernunft behält. Welcher Zufall, welche glückliche Fügung wird uns davon erlösen? ×


Endlich verklickt TE X T : E m i l i e si e b e r t

Inzidentelles Lernen oder auch synonym »open learning« genannt, ist ein beiläufiges Lernen, bei dem neben den einzuprägenden Inhalten auch noch andere Informationen aufgefasst und behalten werden, ohne dass zuvor eine Lerninstruktion stattgefunden hat. Diese Form des Lernens soll außerhalb der Bildungsinstitutionen 70 Prozent aller menschlichen Lernprozesse ausmachen. Das Studium erfolgt nicht zielgerichtet, sondern ungeplant. Oft erinnert man sich an irrelevante Informationen oder man stolpert über einen Hinweis, der für die eigentliche Aufgabe nicht von Bedeutung ist. Allerdings wird durch diesen neu entdeckten Inhalt das Interesse des Suchenden dermaßen geweckt, dass er sein ursprüngliches Ziel vergisst. Diesen Effekt bezeichnet man als Serendipity-Effekt. Besonders häufig tritt diese Lernmethodik in Verbindung mit Hypermedien auf. Durch das

zunächst zielgerichtete Browsen im Hypermedium des World Wide Web, stößt man häufig auch auf Daten, deren Charakter sowohl mit der ursprünglichen Suchintension korrespondieren als auch konträr zu dieser sein kann. Wird der Benutzer jedoch von einer Information getriggert, welche völlig irrelevant für das anfängliche Ziel ist, kann es ebenfalls zu diesem Serendipity-Effekt führen. Wieder wird der User so stark von dem neuen Inhalt vereinnahmt, dass er sein Primärziel aus den Augen verliert. Wörtlich übersetzt bedeutet »Browsing« das Grasen von Kühen auf der Weide, meint aber das Navigieren innerhalb eines Hypertext-Systems. Diese Kollation der Entdeckungsreise in der »globalen Bibliothek« des World Wide Web beschreibt den Serendipity-Effekt ziemlich deutlich. Auch Kühe bewegen sich beim Weiden nicht geradlinig von einem Punkt der Koppel zum anderen, ≥


Ideenfindung — 55

W e b T r e n d M a p v o n iA ( I n f o r m a t i o n A r c h i t e c t s) h t t p : // i n f o r m a t i o n a r c h i t e c t s . j p/ p r o j e c t s / w t m 4 /


56 — Ideenfindung

1

2

ARTWORK : RAFFAEL ZIEGLER

3


sondern decken eine größere Fläche ab. Es ist nicht zweckmäßig auf dem kürzesten Weg zu einem bestimmten Zielpunkt zu gelangen. Ziel ist es unterwegs möglichst viel Gras »einzusammeln«. Dieser Aspekt ist es, der bei der übertragenen Bedeutung des Wortes »Browsing« im Vordergrund steht: Es kommt darauf an, während der Navigation möglichst viele Informationen mitzunehmen, und zwar auch solche, nach denen man eigentlich gar nicht gesucht hat. Es kommt zu neuen Entdeckungen, und es wird, wie beim Abgrasen einer Weide, ein breiteres Feld abgedeckt. Eine zielgerichtete Suchmethode ermöglicht zwar eine effizientere Navigation und damit eine Informationsbeschaffung ohne

Umwege, allerdings hat sie den Nachteil, dass keine Chance besteht, zufällig auf andere interessante Aspekte zu stoßen. Die Unabhängigkeit während einer Web-Odyssee ermöglicht es dem User nicht nur seine kognitive Landkarte zu erweitern, sondern sie kann auch gleichzeitig zu einer Art Hochgefühl gipfeln. Dieses Treiben-Lassen im Internet kann als »Webfloweffekt« definiert werden. Handlung und Verstand verschmelzen miteinander. Der Lernende geht völlig in seiner Aktivität auf. lpunkt zu gn. erwegs möglichst vil Gras »einzusammeln«. kt ist es, der bei dr übertragenen serendipity who.

» I c h f i n d e e s s c h ö n u n d s y mp a t h i s c h ,

ma c o s 8.5

w ie in d e m s t r e n g l o g is c h e n S y s t e m d e r

1 — p r o b l e m: i C Q

R e c h e n ma s c h in e n d a s C h a o s a u c h s e in e n

2 — p r o b l e m: f i n d e r

S p i e l r a u m b e k o mm t …«

3 — p r o b l e m: ci n e m a 4 d



—R a f f a e l z ie g l e r

×


»I NEVER S PROOFS SO LT OF TI THERE WERE MISTAKES, FLAT-OUT MIS†AKES, PEOPLE WØU


SAW O A IMES RE JUST ,

Ideenfindung — 59

David Carsons Fehler FILM: h e l v e t ic a —t h e m o v i e

David Carson, ein US-amerikanischer Typograf, Designer und Lehrer, revolutionierte mit seinem unkonventionellen und rauen Stil das Grafik-Design der Neunziger Jahre mit dem Magazin Ray-Gun. Die Musikfachzeitschrift sollte nicht nur unvorhersehbar sein, sondern man sollte sie auch nicht kopieren können. Dieses Prinzip, jeder Ausgabe ein komplett neues, innovatives und teilweise fehlerhaftes Design zu verleihen, machte Ray-Gun zu einem Meilenstein.

Im Dokumentarfilm Helvetica spricht Carson über seine lockere Art Fehler gar nicht als solche wahrzunehmen, sondern in ihnen seinen Stil sogar zu begründen. Im März 2007 wurde der Film zum 50jährigen Jubiläum der gleichnamigen Schrift auf dem South by Southwest Filmfestival uraufgeführt. Regisseur ist der unabhängige Filmemacher Gary Hustwit, die Produktionsfirma ist Swiss Dots aus London.

, THAT ØULD


60 — Idefindung

Bildhauerei Absichtlich Fehler generieren: Im Internet gibt es einen GlitchGenerator, der einem ein Bild nach Wahl zerstören kann. Corrupt™ – Data Corruption Software 2.0 liest den binären Code des Jpegs oder Gifs aus und überlagert dann die einzelnen Bytes nach dem Zufallsprinzip neu übereinander. Der generierte Wert bewegt sich zwischen 1 und 20. Anschließend wird es als neue Datei gespeichert. Wer selbst einmal Fehlerteufel spielen will kann sich auf www.recyclism.com/corruption austoben.


»Wenn ich mein Leben noch einmal zu leben hätte, würde ich die gleichen Fehler machen, nur früher.« —T. Bankhead, Schauspielerin  Ser · en · dip · i · ty — The gift of making delightful discoveries by accident. —Webster Dictionary  »Wenn ich mein Leben noch einmal zu leben hätte, würde ich die gleichen Fehler machen, nur früher.« —T. Bankhead, Schauspielerin  Ser · en · dip · i · ty — The gift of making delightful discoveries by accident. —Webster Dictionary 


Fehler als Gestaltungsmittel — 63

Serendipi in Werb Film & D Serendipi in Werb Film & D


pity rbung, Design pity rbung, Design


Fehler als Gestaltungsmittel — 65


Der Filmvorspann fasst den gesamten Plot verdichtet zusammen.


Fehler als Gestaltungsmittel — 67

SE7EN Titeldesign

Der Vorspann begründet durch seine einzigartige Fehler-Ästhetik den Anfang des Grunge-Titeldesign-Trends. TE X T : F l o r i a n H a u s b e r g e r

A

nfang der 90er Jahre erfährt die digitale Revolution durch die Entwicklung von Desktop-Tools eine wesentliche Fortführung und wird für eine breitere Masse an Designern interessant. Besonders die Einführung von Adobe After Effects 1993 eröffnet ungeahnte Möglichkeiten mit starken Auswirkungen auf das Titeldesign. Der Durchbruch zur Revitalisierung des Titeldesigns gelingt dem Designer Kyle Cooper mit der Titelsequenz zu Sieben (1995) (Abb. links und AR-Video oben). Dieser Vorspann begründet durch seine spezifische Ästhetik den oft kopierten Trend des Grunge-Titeldesigns. Durch bewusst eingesetzte Fehler, insbesondere in Bezug auf die Typografie, erzeugt der Designer den Effekt, sich in das Denken und Handeln des Serienmörders hineinzuversetzen. Seine wirren und grausamen Gedanken werden durch das Verzerren der Schrift, durch Kratzer auf der Filmrolle

und durch kurze Einblendungen von Fehlerbildern visualisiert. Der eigentlich zu vermeidende Fehler, dass der Endframe »End of Picture« zu sehen ist oder dass die Buchstaben zerbrochen und zerkratzt sind, ist ein bewusst eingesetztes Stilmittel um eine spannende Atmosphäre für den Psychothriller aufzubauen. Neben der visuellen Gestaltung lässt sich laut Copper die enorme Aufmerksamkeit, die diese Titelsequenz hervorruft, hauptsächlich auf ihre gelungene diegetische Umsetzung zurückführen. »[...] I think the reason it got everybody’s attention was less about the graphical language and more about the idea. That sequence is only good because it is the film, because it came out of the film. I wanted to get across the idea of the killer, to make something that he would have made. That’s how you want it tobe. The form should be born out of the content (form follows funtion).« —Kyle Cooper ≥


Viele Titelsequenzen sind innovativer als der eigentliche Film.

Durch Sieben wird Kyle Cooper zur Leitfigur des Titeldesigns und erlangt in der Folge großen Einfluss auf die Filmindustrie. Cooper führt als einer der ersten Designer Trends aus dem Printbereich, der Werbung und der Musikindustrie in die konservative Filmindustrie über und trägt so erheblich zum Ansehen des Titeldesign als eigene Kunstform bei.Titelsequenzen entwickeln sich gemeinsam mit Werbeclips und Musikvideos zum führenden Indikator des zeitgenössischen visuellen Stils. In zahlreichen Fällen sind Titelsequenzen sowohl technologisch als auch ästhetisch sogar innovativer als der eigentliche Film. Das Titeldesign rückt näher an den Film. Dem Regisseur, Editor und Titeldesigner steht nun eine gemeinsame Sprache zur Verfügung, die eine Zusammenarbeit durch den einfacheren Austausch von Ideen erheblich erleichtert. ×


Fehler als Gestaltungsmittel — 69


adidas Y-3

Kurz vor Anfang Herbst steht alljährlich die neue Kollektion aller bekannten Modemarken in den Startlöchern. So auch für adidas und deren Y-3 Sparte. Die letzte Kampagne stand schon unter dem Motto »Überwachungskameras«, im Herbst 2009 hieß das Thema »Satellit«. Die Artdirektion war fast dieselbe: Auch diesmal kann sich die Ausführung der Website für dieses Konzept wieder sehen lassen, vor allem bedingt durch das perfekte einsetzen von »Glitch«Elementen*. Verantwortlich zeichnet Sid Lee, Amsterdam. *Als Glitch wird in der Fernseh- und Videotechnik eine kurzzeitige Falschausgabe von Bild- oder Toninhalten bezeichnet. Diese Fehler treten häufig beim Spulen innerhalb eines Filmes bzw. beim Wiedereinsetzen des Filmes nach einem Spulvorgang auf, wenn die benötigten Daten nicht schnell genug zwischengespeichert und wiedergegeben werden können. Im Bild wirkt sich das durch vermehrte Artefaktbildung oder gar andersfarbige Klötzchenbildung aus. Beim Ton kann es zu störenden Verzerrungen der Frequenz oder zu Nebengeräuschen kommen.


Fehler als Gestaltungsmittel — 71

Volkswagen »Besser Volkswagen Service. Damit Ihr Volkswagen ein Volkswagen bleibt.«. Printanzeige von DDB, Berlin.

Kanye West Der Regisseur Nabil Elderkin benutzte 2009 für das Video zu Kanye Wests »Welcome to Heartbreak« die Fehler-Ästhetik des – wie er es nennt – Datamoshing. Die verpixelten und verschobenen Farbflächen sollen nach seinen Angaben die Grundstimmung des Songs transportieren. Fraglich bleibt trotzdem der inhaltliche Zusammenhang von dieser Technik zum Lied und Künstler.


%!PS-Adobe-3.1%ADO_DSC_Encoding: MacOS Roman%%Title: 100423_Diplom_LY01.indd%%Creator: Adobe InDesign CS4 (6.0)%%For: timohoyer%% 595.2756 785.1969%%LanguageLevel: 3%%DocumentNeededResources: (atend)%%DocumentSuppliedResources: (atend)%%DocumentNeededFeatures (atend)%%DocumentSuppliedFeatures: (atend)%%DocumentData: Binary%%PageOrder: Ascend%%Pages: (atend)%%DocumentProcessColors: (aten %%DocumentCustomColors: (atend)%%EndComments%%BeginDefaults%%ViewingOrientation: 1 0 0 1%%EndDefaults%%BeginProlog%%BeginResource Reserved.systemdict/setpacking known{currentpackingtrue setpacking}ifuserdict/Adobe_AGM_Utils 75 dict dup begin put/bdf{bind def} exch dup where{pop pop pop}{xdf}ifelse}def/cdndf{exch dup currentdict exch known{pop pop}{exch def}ifelse}def/gx{get exec}bdf/ps_ ps_version{version cvr}stopped{-1}ifdef/set_gvm{currentglobal exch setglobal}bdf/reset_gvm{setglobal}bdf/makereadonlyarray{/packe map_reserved_ink_name{dup type/stringtype eq{dup/Red eq{pop(_Red_)}{dup/Green eq{pop(_Green_)}{dup/Blue eq{pop(_Blue_)}{dup()cvn def/get_gstate{AGMUTIL_GSTATE begin/AGMUTIL_GSTATE_clr_spc currentcolorspace def/AGMUTIL_GSTATE_clr_indx 0 def/AGMUTIL_GSTATE_clr GSTATE_clr_comps AGMUTIL_GSTATE_clr_indx 3 -1 roll put/AGMUTIL_GSTATE_clr_indx AGMUTIL_GSTATE_clr_indx 1 add def}repeat pop/AGMUT AGMUTIL_GSTATE_lc currentlinecap def/AGMUTIL_GSTATE_lj currentlinejoin def/AGMUTIL_GSTATE_ml currentmiterlimit defcurrentdash/AGM currentstrokeadjust def/AGMUTIL_GSTATE_clr_rnd currentcolorrendering def/AGMUTIL_GSTATE_op currentoverprint def/AGMUTIL_GSTATE_bg currentundercolorremoval cvlit defcurrentcolortransfer cvlit/AGMUTIL_GSTATE_gy_xfer xdf cvlit/AGMUTIL_GSTATE_b_xfer xdfcvlit/AGMU xfer xdf/AGMUTIL_GSTATE_ht currenthalftone def/AGMUTIL_GSTATE_flt currentflat defend}def/set_gstate{AGMUTIL_GSTATE beginAGMUTIL_GST clr_comps AGMUTIL_GSTATE_clr_indx 1 sub get/AGMUTIL_GSTATE_clr_indx AGMUTIL_GSTATE_clr_indx 1 sub def}repeat setcolorAGMUTIL_GSTA GSTATE_lc setlinecapAGMUTIL_GSTATE_lj setlinejoinAGMUTIL_GSTATE_ml setmiterlimitAGMUTIL_GSTATE_da AGMUTIL_GSTATE_do setdashAGMUTI setstrokeadjustAGMUTIL_GSTATE_clr_rnd setcolorrenderingAGMUTIL_GSTATE_op setoverprintAGMUTIL_GSTATE_bg cvx setblackgenerationAGMU GSTATE_r_xfer cvx AGMUTIL_GSTATE_g_xfer cvx AGMUTIL_GSTATE_b_xfer cvxAGMUTIL_GSTATE_gy_xfer cvx setcolortransferAGMUTIL_GSTATE_ht HalftoneType get AGMUTIL_GSTATE_ht/HalftoneType get ne{ mark AGMUTIL_GSTATE_ht{sethalftone}stopped cleartomark}if}{AGMUTIL_GSTATE gstate_and_matrix{AGMUTIL_GSTATE begin/AGMUTIL_GSTATE_ctm matrix currentmatrix defendget_gstate}def/set_gstate_and_matrix{set_gst AGMUTIL_str256 256 string def/AGMUTIL_src256 256 string def/AGMUTIL_dst64 64 string def/AGMUTIL_srcLen nd/AGMUTIL_ndx nd/AGMUTIL_ def/thold_halftone{level3{sethalftone currenthalftone}{dup/HalftoneType get 3 eq{sethalftone currenthalftone}{beginWidth Height m repeatendcurrenthalftone}ifelse}ifelse}def /rdcmntline{currentfile AGMUTIL_str256 readline pop(%)anchorsearch{pop}if}bdf/filter_cmy filter}{exch pop}ifelse[exch{AGMUTIL_src256 readstring popdup length/AGMUTIL_srcLen exch def/AGMUTIL_ndx 0 defAGMCORE_plate_ndx 4 roll put/AGMUTIL_ndx AGMUTIL_ndx 1 add def}forpopAGMUTIL_dst64 0 AGMUTIL_ndx getinterval}bind/exec cvx]cvx}bdf/filter_indexed_devn devn{4 dict begin/srcStr xdf/dstStr xdfdup type/filetype ne{0()/SubFileDecode filter}if[exch[/devicen_colorspace_dict/AGMCORE_gget length cvx 0/gt cvx[Adobe_AGM_Utils/AGMUTIL_ndx 0/ddf cvxnames_index Names length currentdict/srcStr get length 1 sub{1/index cvx cvx/put cvxAdobe_AGM_Utils/AGMUTIL_ndx/AGMUTIL_ndx/load cvx 1/add cvx/ddf cvx}forcurrentdict/dstStr get 0/AGMUTIL_ndx/load cvx/ge AGMUTIL_imagefile nd/read_image_file{AGMUTIL_imagefile 0 setfileposition10 dict begin/imageDict xdf/imbufLen Width BitsPerComponent m imageDict/DataSource get def/origMultipleDataSources imageDict/MultipleDataSources get def/origDecode imageDict/Decode get def/ds defimageDict/MultipleDataSources known{MultipleDataSources}{false}ifelse{/imbufCnt imageDict/DataSource get length def/imbufs imbu imbufLen string putimageDict/DataSource get imbufIdx[AGMUTIL_imagefile imbufs imbufIdx get/readstring cvx/pop cvx]cvx put}forDevic cvx]cvx def/MultipleDataSources false def/Decode[0 1]defend}if}{/imbuf imbufLen string defIndexed_DeviceN level3 not and DeviceN_ MultipleDataSources known{MultipleDataSources{DataSource length}{1}ifelse}{1}ifelse{Width Decode length 2 div mul cvi string}repe BitsPerComponent false 1/filter_indexed_devn load dstDataStr srcDataStrs devn_alt_datasource/exec cvx]cvx def/Decode[0 1]defend}{i 2 idiv string/readstring cvx/pop cvx names_index/get cvx/put cvx]cvx putimageDict/Decode[0 1]put}ifelse}ifelseimageDict exchload MultipleDataSources origMultipleDataSources putimageDict/Decode origDecode putend}bdf/write_image_file{begin{(AGMUTIL_imagefile)(w+ defMultipleDataSources{DataSource 0 get}{DataSource}ifelse type/filetype eq{/imbuf imbufLen string def}if1 1 Height MultipleDataSo eq{pop DataSource exch gx}{/filetype eq{DataSource exch get imbuf readstring pop}{DataSource exch get}ifelse}ifelseAGMUTIL_imagefil pop}{DataSource}ifelse}ifelseAGMUTIL_imagefile exch writestring}ifelse}forendtrue}ifelseend}bdf/close_image_file{AGMUTIL_imagefile c statusdict/product get defpstr(HP LaserJet 2200)eq pstr(HP LaserJet 4000 Series)eq orpstr(HP LaserJet 4050 Series )eq orpstr(HP L Series)eq orpstr(HP LaserJet 5100 Series)eq orpstr(HP Color LaserJet 4500)eq orpstr(HP Color LaserJet 4600)eq orpstr(HP LaserJet userdict/AGMP_current_show/show load putuserdict/show{ currentcolorspace 0 get /Pattern eq {false charpath f} {AGMP_current_show} not{/MultipleDataSources false def}ifMultipleDataSources{DataSource 0 get typedup/filetype eq{1 dict begin/flushbuffer Width cvi st ifdup/arraytype eq exch/packedarraytype eq or DataSource 0 get xcheck and{Width Height mul cvi{0 1 DataSource length 1 sub{dup Da dup/filetype eq{1 dict begin/flushbuffer Width Decode length 2 idiv mul cvi string def1 1 Height{pop DataSource flushbuffer readstri BitsPerComponent mul 8 BitsPerComponent sub add 8 idiv Decode put}forallexch{cvx}if}bdf/clonedict{dup length dictbegin{dup type/d gputfalse}{true}ifelse}{true}ifelse}{true}ifelse}bdf/base_colorspace_type{dup type/arraytype eq{0 get}if}bdf/currentdistillerpara pdfmark_5{pdfmark}bind def}ifelse/ReadBypdfmark_5{currentfile exch 0 exch/SubFileDecode filter/currentdistillerparams where {pop cu ReadBypdfmark_5_string{2 dict begin/makerString exch def string/tmpString exch def{currentfile tmpString readline not{pop exit}ifm xpdfm{{dup 0 get/Label eq{aload length[exch 1 add 1 roll/PAGELABEL}{aload pop[{ThisPage}<<5 -2 roll>>/PUT}ifelsepdfmark_5}forall} sub mul exch pop add exch pop}bdf/ds{Adobe_AGM_Utils begin}bdf/dt{currentdict Adobe_AGM_Utils eq{end}if}bdfsystemdict/_ndx nd/AGM AGMCORE_composite_job nd/AGMCORE_producing_seps nd/AGMCORE_ps_level -1 def/AGMCORE_ps_version -1 def/AGMCORE_environ_ok nd/AGMCOR sep_special nd/AGMCORE_err_strings 4 dict def/AGMCORE_cur_err nd/AGMCORE_current_spot_alias false def/AGMCORE_inverting false def AGMCORE_Default_CTM matrix def/AGMCORE_Default_PageSize nd/AGMCORE_Default_flatness nd/AGMCORE_currentbg nd/AGMCORE_currentucr nd/ Category findresource dup length dict copy/Category defineresource pop}forallsetglobal /AGMCORE_key_known{where{/Adobe_AGM_Core_Id readbuffer{readline}stopped{cleartomark mark}{not{pop exit}ifCompareBuffer eq{exit}if}ifelse}loopcleartomarkendrestore}bdf/getspo AGMCORE_screen exch pop exch pop dup type/dicttype eq{ dup/HalftoneType get 1 eq{ /SpotFunction get }{ dup/HalftoneType get 2 eq{ /GraySpotFunction get }{ pop { abs exch abs 2 copy add 1 gt{ 1 sub dup mul exch 1 sub dup mul add 1 sub }{ dup mul exch dup mul add 1 exch sub }ifelse }bind }ifelse }ifelse }if }def /np {newpath}bdf /clp_npth {clip np}def /eoclp_npth


imohoyer%%CreationDate: 23.04.2010, 11:36 Uhr%%BoundingBox: 0 0 596 786%%HiResBoundingBox: 0 0 595.2756 785.1969%%CropBox: 0 0 edFeatures: ors: (atend) inResource:procset Adobe_AGM_Utils 1.0 0%%Version: 1.0 0%%Copyright: Copyright(C)2000-2006 Adobe Systems, Inc. All Rights {bind def}bind def/nd{null def}bdf/xdf{exch def}bdf/ldf {load def}bdf/ddf{put}bdf/xddf{3 -1 roll put}bdf/xpt{exch put}bdf/ndf{ ec}bdf/ps_level/languagelevel where{pop systemdict/languagelevel gx}{1}ifelsedef/level2 ps_level 2 gedef/level3 ps_level 3 gedef/ ray{/packedarray where{pop packedarray}{array astore readonly}ifelse}bdf/ {dup()cvn eq{pop(Process)}if}ifelse}ifelse}ifelse}if}bdf/ AGMUTIL_GSTATE 22 dict GSTATE_clr_comps 12 array defmark currentcolor counttomark{AGMUTIL_ pop/AGMUTIL_GSTATE_fnt rootfont def/AGMUTIL_GSTATE_lw currentlinewidth def/ ntdash/AGMUTIL_GSTATE_do xdf/AGMUTIL_GSTATE_da xdf/ AGMUTIL_GSTATE_sa _GSTATE_bg currentblackgeneration cvlit def/AGMUTIL_ GSTATE_ucr cvlit/AGMUTIL_GSTATE_g_xfer xdf cvlit/AGMUTIL_GSTATE_r_ indx{AGMUTIL_GSTATE_ GMUTIL_GSTATE_clr_spc setcolorspaceAGMUTIL_GSTATE_clr_ MUTIL_GSTATE_fnt setfontAGMUTIL_GSTATE_lw setlinewidthAGMUTIL_ dashAGMUTIL_GSTATE_sa rationAGMUTIL_GSTATE_ucr cvx setundercolorremovalAGMUTIL_ _GSTATE_ht/HalftoneType get dup 9 eq exch 100 eq or{currenthalftone/ TIL_GSTATE_ht sethalftone}ifelseAGMUTIL_GSTATE_flt setflatend}def/get_ ix{set_gstateAGMUTIL_GSTATE beginAGMUTIL_GSTATE_ctm setmatrixend}def/ d/AGMUTIL_cpd nd/capture_cpd{//Adobe_AGM_Utils/AGMUTIL_cpd currentpagedevice ddf} h Height mul{Thresholds read{pop} if} /filter_cmyk{dup type/filetype ne{exch()/SubFileDecode dst64 AGMUTIL_ndx 3 -1 ate_ndx 4 AGMUTIL_srcLen 1 sub{1 index exch getAGMUTIL_ dexed_devn{cvi Names length mul names_index add Lookup exch get}bdf/filter_ CORE_gget cvx/begin cvxcurrentdict/srcStr get/readstring cvx/pop cvx/dup cvx/ /index cvx/exch cvx/get cvxcurrentdict/dstStr get/AGMUTIL_ ndx/load cvx 3 -1/roll oad cvx/getinterval cvx]cvx/if cvx/end cvx]cvxbind/exec cvx]cvxend}bdf / omponent mul 7 add 8 idiv def/imbufIdx 0 def/ origDataSource get def/dstDataStr imageDict/Width get colorSpaceElemCnt mul string mbufs imbufCnt array def0 1 imbufCnt 1 sub{/imbufIdx xdfimbufs imbufIdx t}forDeviceN_PS2{imageDict begin /DataSource[DataSource/ devn_sep_datasource d DeviceN_NoneName or{/srcDataStrs[imageDict begincurrentdict/ tring}repeatend]defimageDict begin /DataSource[AGMUTIL_ imagefile Decode ]defend}{imageDict/DataSource[1 string dup 0 AGMUTIL_ imagefile Decode length exchload execimageDict/DataSource origDataSource putimageDict/ agefile)(w+)file}stopped{false}{Adobe_AGM_Utils/AGMUTIL_imagefile xddf 2 dict begin/imbufLen Width BitsPerComponent mul 7 add 8 idiv ipleDataSources not{Decode length 2 idiv mul}if{popMultipleDataSources{ 0 1 DataSource length 1 sub{DataSource type dup/arraytype IL_imagefile exch writestring}for}{DataSource type dup/arraytype eq{pop DataSource exec}{/filetype eq{DataSource imbuf readstring imagefile closefile(AGMUTIL_imagefile)deletefile}defstatusdict/product known userdict/AGMP_current_show known not and{/pstr rpstr(HP LaserJet 8000 Series)eq orpstr(HP LaserJet 8100 Series)eq orpstr(HP LaserJet 8150 Series)eq orpstr(HP LaserJet 5000 LaserJet 5Si)eq orpstr(HP LaserJet 1200 Series)eq orpstr(HP LaserJet 1300 Series)eq orpstr(HP LaserJet 4100 Series)eq or { rent_show}ifelse}put}ifcurrentdict/pstr undef}if/consumeimagedata{beginAGMIMG_init_commoncurrentdict/MultipleDataSources known dth cvi string def1 1 Height cvi{pop0 1 DataSource length 1 sub{DataSource exch getflushbuffer readstring pop pop}for}forend} sub{dup DataSource exch gx length exch 0 ne{pop}if}fordup 0 eq{pop exit}ifsub dup 0 le{exit}if}looppop}if}{/DataSource load type r readstring pop pop}forend}ifdup/arraytype eq exch/packedarraytype eq or/DataSource load xcheck and{Height Width dup type/dicttype eq{clonedict}if{dup 0 get/DeviceN eq level3 not and AGMCORE_in_rip_sep and{/currentcolorspace exch AGMCORE_ tillerparams where{pop currentdistillerparams/CoreDistVersion get 5000 lt}{true}ifelse{/pdfmark_5{cleartomark}bind def}{/ re {pop currentdistillerparams/CoreDistVersion get 5000 lt}{true}ifelse{flushfile cleartomark}{/PUT pdfmark}ifelse }bdf/ p exit}ifmakerString anchorsearch{pop pop cleartomark exit}{3 copy/PUT pdfmark_5 pop 2 copy(\n)/PUT pdfmark_5}ifelse}loopend}bdf/ _5}forall}bdf/lmt{dup 2 index le{exch}if pop dup 2 index ge{exch}if pop}bdf/int{dup 2 index sub 3 index 5 index sub div 6 -2 roll ndx nd/AGMCORE_get_ink_data nd/AGMCORE_is_cmyk_sep nd/AGMCORE_host_sep nd/AGMCORE_avoid_L2_sep_space nd/AGMCORE_distilling nd/ nd/AGMCORE_CSD_cache 0 dict def/AGMCORE_currentoverprint false def/AGMCORE_deltaX nd/AGMCORE_deltaY nd/AGMCORE_name nd/AGMCORE_ false def/AGMCORE_feature_dictCount nd/AGMCORE_feature_opCount nd/AGMCORE_feature_ctm nd/AGMCORE_ConvertToProcess false def/ entucr nd/AGMCORE_pattern_paint_type 0 def/knockout_unitsq ndcurrentglobal true setglobal[/CSA/Gradient/Procedure]{/Generic/ M_Core_Id known}{false}ifelse}ndf/flushinput{save2 dict begin/CompareBuffer 3 -1 roll def/readbuffer 256 string defmark{currentfile bdf/getspotfunction {

Versprecher â&#x20AC;&#x201D; 73


IN — DDEEXX 74 — Index

S. 6 Serendipity — Bild: Cagri Akyurt

URL: http://www.cagriakyurt.com/, http://www.flickr.

com/photos/xspunkx/4083483637/in/set-

72157622623005937/

S. 10 Serendipity — Autor: Beate Kern

URL: http://www.ceryx.de/extra/serendipitaet.htm

S. 12 Serendipity — Bild: Jon Satrom

URL:, http://jonsatrom.com/, http://www.flickr.com/

photos/jonsatrom/4500826968/ — Jon Satrom ist

Künstler, Dozent und Designer aus Chicago, USA

S. 14 Entdeckung Amerikas — Seite »Entdeckung Amerikas

1492«. In: Wikipedia,

URL: http://de.wikipedia.org/w/index.

php?title=Entdeckung_Amerikas_1492&oldid=73896140

S. 17 Fotograf: Pete Souza, The Obama-Biden Transition Project S. 18 Viagra — Autor: Jörg Auf dem Hövel

URL: http://www.welt.de/wissenschaft/article1833836/

Viagra_zehn_Jahre_potenzierte_Manneskraft.html

S. 20 Coca-Cola — Seite »Coca-Cola«. In: Wikipedia,

URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Coca-

Cola&oldid=73981937

Bild: Jorge Cano

URL: http://www.flickr.com/photos/jorge_

cano/3991572690

S. 23 Bild: est_default

URL: http://www.flickr.com/photos/42179328@

N06/3888540096/

S. 24 Post-It — Autor: BASF

URL: http://www.simplyscience.ch/desktopdefault.aspx/

tabid-7/41_read-4104/

S. 26 LSD — Seite »LSD«. In: Wikipedia, URL: http://

de.wikipedia.org/w/index.php?title=LSD&oldid=73834307

S. 33 Foto: URL: http://www.forgeries.to/Raeriaeten.html

S. 38 Penicillin — Seite »Penicillin«. In: Wikipedia,

URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Pe

nicillin&oldid=73771896


— XX## S. 39 Penicillin — Foto: URL: http://www.schimmel-

schimmelpilze.de/images/eurotium-herbariorum-2.jpg

— www.enius.de

S. 40 Teflon — Seite »Polytetrafluorethylen«. In: Wikipedia,

URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Polytetraf

luorethylen&oldid=73472470

S. 44 Röntgenstrahlung — Seite »Röntgenstrahlung«. In:

Wikipedia, URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title

=R%C3%B6ntgenstrahlung&oldid=73939481

S. 48 TV-Sternstunde — URL: http://www.amazon.de/Das-

erste-gefallen-Drama-Minuten/dp/3036912312

S. 50 Ideenfindung — Autor: Beat Mazenauer

URL: http://www.freitag.de/2008/01/08011901.php

Beat Mazenauer, geboren 1958, lebt als Literaturkritiker,

freier Autor, Konzepter und Netzwerker in Luzern. Er ist

Generalsekretär des Schweizer Kulturministers (www.

kulturministerium. ch) und gehört zu den Initiatoren der

Virtuellen Bibliothek (www.readme. cc.)

S. 58 Ideenfindung — Film: Helvetica The Movie,

Regie: Gary Hustwit, Produktion: Swiss Dots Ltd.,

Gary Hustwit URL: http://helveticafilm.com

S. 68 SE7EN Titeldesign — Autor: Florian Hausberger,

URL: http://www.florian.hausberger.eu URL: theses.fh-

hagenberg.at/system/files/pdf/Hausberger06.pdf


VIELEN DANK FÜR DIE UNTERSTÜT ZUNG

Motor für Marken


Impressum — 77

I MPRE SSUM

_ Idee, Konzept, Design Timo Hoyer, Georg-Simon-OhmHochschule Nürnberg _ Herausgeber Prof. Peter Krüll _ Betreuung Prof. Peter Krüll Prof. Burkard Vetter

_ Programmierung, Animation Peter Riedel www.quattropolisdesign.de _ Lektorat Gabi Hoyer

_ Papier IGEPA Profibulk 1.3 115 g/m²

_ Druck Osterchrist Druck und Medien GmbH _ Vertrieb Onkel & Onkel, Volker Oppmann, Oranienstraße 195, 10999 Berlin

H e i n t s c h e l G mb H c o r p o r a t e & p a c k a g i n g b r a n d i n g / E c h i n g

www.heintschel.de S c h u l t z e .Wa l t h e r . Z a h e l W e r b e a g e n t u r G mb H / N ü r n b e r g

www.swz.de

_ Schrift Stempel Garamond, Inakkurat Mono, Akkurat

B l o o m P r o j e c t G mb H / N ü r n b e r g

www.bloomproject.de _ Auflage: 800 Stück

P u b l i c i s P r o K o mm u n i k a t i o n s a g e n t u r / E r l a n g e n

www.publicis.de _ ISBN-Nummer: 978-3-940029-80-5

V 8 -W e r b e a g e n t u r / N ü r n b e r g

www.v8-werbeagentur.de _ Preis: 10 Euro

M a s t e r c l a s s e .v. / M ü n c h e n

www.mcad-school.de G o o d Me n G r o u p G mb H & C o . K G / M ü n c h e n

Alle Rechte vorbehalten.

www.goodmengroup.de

Die Reproduktion oder Übernahme des

Danke auch an: Matthias Rauber, Gerald Schembs, Eva Seifert, Malte Müller

Gesamtangebots oder von

M ü l l e r Me d i e n G mb H & C o . K G / N ü r n b e r g

Teilen daraus, st nur in

www.mueller-medien.de

Absprache mit der GeorgSimon-Ohm-Hochschule Nürnberg erlaubt.

© 2010 Dipl.-Des. Timo Hoyer hello@timohoyer.de www.timohoyer.de

Gil l it z e r We r b e a ge n t u r Gb R / N ü r n b e r g

www.gillitzer.net

who10.ohmdesign.de


a n z e ig e


+

who.ohmdesign.de

jetzt bestellen auf www.onkelundonkel.de/shop


a n z e ig e

Osterchrist Druck und Medien GmbH Lübener Straße 6 90471 Nürnberg Tel. 0911 - 980 75-0 Fax 0911 - 80 39 00 info@osterchrist.de www.osterchrist.de


a n z e ig e

www.freie-typografische-partei.de


S g l

»Chanc Past be so.« —W Fehler ma Dinge auspr — »Glü für Gel zunu Viagra, die Entdeckung Amerikas, die Blaue Mauritius und vieles mehr: Aus Fehlern entwickelt sich riesiger Erfolg. Dieses Magazin um nic enthüllt das Phänomen »Serendipity« auf Papier — und am Computer mit Augmented Reality. aus S


WHO_10 »Serendipity—der glückliche Fehler«