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Gegenwartskunst in Österreich – Auf Shoppingtour Drake / Netz-Parteipolitik / Atlas Sound 121 Magazin für Glamour und Diskurs. MONATLICH. VERLAGSPOSTAMT 1040 WIEN, P.B.B. GZ 05Z036212 M, Nº 121, NOVEMBER 2011

Zanshin. Batman Arkham City. Ico & Shadow Of The Colossus. Makossa & Megablast. Rustie. A Dangerous Method. VSA: Rae Spoon. Stefan Diez. 23. This Human World. Feist.   Im Wortwechsel: Politiker brauchen das Netz. Braucht das Netz die Politik? 

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Die Stadt gehört Dir.


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► L E I TA RT I K E L ►Von Thomas Weber

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Die Geschichte des Umgangs der Politik mit IT ist in Österreich eine Geschichte voll des Missverstehens und der Versäumnisse. Piratenpartei braucht es dennoch keine. Viel wichtiger: ein offenes Bekenntnis zur Technologie. an würde diesem Mann zwar keinen gebrauchten Gendarmerie-Golf abkaufen. Aber eines kann man Ernst Strasser keinesfalls vorwerfen: dass er nicht technologisch interessiert und auch selbst aktiver Eigennutzer gewesen wäre. Als ehemaliger Innenminister verantwortet er nicht nur die (hinterfragenswürdige) Vergabe des Blaulichtfunks. Als Regierungsmitglied war er berüchtigt für seinen eifrigen E-Mail-Verkehr zugunsten von Parteifreunden – und das zu einer Zeit, als sich sein Kanzler Schüssel noch auf kollektivem Kollisionskurs mit der »Internet-Generation« glaubte. Auch war Ernst Strasser bekannt für seinen Notebook-Verschleiß. So manche davon soll der Gadget-Liebhaber, in Rage geraten, auf ihre aerodynamischen Eigenschaften hin geprüft haben. Ein richtiger Heavy User halt, mit dem Hang zum ultimativen mobilen Endgerät. Skandalös ist aber nicht nur, dass der moralisch defekte Spitzenpolitiker immer noch Mitglied einer christlich-sozialen Volkspartei ist. Wir erinnern uns: Der Kerl war unverschämt und gleichzeitig dämlich genug, sich als EU-Abgeordneter von britischen Undercover-Journalisten als käuflicher »Lobbyist« in eigener Sache zu produzieren und dabei aufzeichnen zu lassen. Skandalös ist auch – und da trifft Strasser selbst keinerlei Schuld – dass er bis dato immer noch der einzige Spitzenpolitiker ist, der sich hierzulande öffentlich als Technologienutzer gezeigt hat. Ein Blackberry, ein, zwei Handys tragen sie mittlerweile fast alle mit sich herum und auch Stefan Petzner kann offensichtlich mehr als bloß sein Solarium einschalten. Zumindest twittern. Aber ein ernstzunehmender Spitzenpolitiker mit demonstrativer technologischer Alltagsnutzung und glaubhaftem Verständnis für Netzpolitik ist weit und breit keiner in Sicht. Dabei wäre diese Rolle nicht nur frei, sondern auch eine dankbare. Nämlich dann, wenn diese nicht von Parteimitarbeitern oder Praktikanten gefüllt wird, sondern Entscheidungsprozesse transparent, nachvollziehbar und kommentierbar macht. Natürlich gibt es auf regionaler Ebene, vor allem bei den Grünen, seit Langem ein paar brave Anwender (Christoph Chorherr etwa), engagierte und besorgte Datenschützer. Doch mindestens so groß ist in ihren Reihen die Zahl derer, die sich vor Handymasten fürchten und am liebsten gleich auch auf den Festnetzanschluss verzichten würden. Eines der unrühmlichen Kapitel in der jüngeren Geschichte der Grünen ist nicht zufällig das Versagen bei den öffentlichen Vorwahlen im Vor-

feld der Landtagswahlen in Wien 2010. Darin manifestiert: die Unfähigkeit mit Öffnung und Partizipation 2.0 umzugehen. Doch mit Klaus Werner-Lobo hat ihnen selbige immerhin einen Aktivisten mit nennenswerter Netzpräsenz beschert, der zu genannte Themen zumindest eine Meinung hat.

Gekaufte Wahrheit vs. Transparenz

Nichtsdestotrotz: Wie sollen solche Parteien kompetent auf globale Entwicklungen und Notwendigkeiten wie Open Data und Government, Transparenz und Überwachung reagieren oder sich glaubhaft in Sachen Digital Literacy engagieren können, wenn es sich bei ihren Mitgliedern mehrheitlich um digitale Analphabeten handelt? Wenn sich ein Bundeskanzler offensichtlich davor fürchtet, den Kommunikationskanal Twitter zu öffnen und sich lieber auf die gekaufte Wahrheit geschönter Selbstdarstellung in Boulevardblättern verlässt? Nicht wenige unter den digitalen Vordenkern meinen deshalb, es müsse – wie in Deutschland – dringend eine Piratenpartei her. Doch sie übersehen dabei, dass diese Partei auch in Österreich längst existiert. Dass es dieser aber nicht nur an Schlagkraft, sondern auch an Wähler- und Mobilisierungsbasis fehlt. Bislang beschränkt sich der Erfolg der Piraten nämlich auch in Deutschland auf Berlin – eine Stadt mit dreieinhalb Millionen Einwohnern. Ohne urbane Ballungsräume aber, und die sind in Österreich bekanntlich überschaubar, scheint eine digitale Bewusstseinsbildungsbewegung chancenlos. Weitaus vielversprechender könnte es da sein, die Grünen ihren Statuten als partizipative Bürgerbewegung gemäß als Open-Source-Baukasten zu nutzen. Die Strukturen sind da, sie ließen sich für brennende Themen instrumentalisieren. In einem »friendly takeover« wäre es möglich, die Partei noch stärker für Transparenz und Datenpolitik zu öffnen. Und irgendwann, das haben die Umweltthemen gezeigt, werden sich dann auch schwarze Minister und rote Stadträtinnen bemühen als »grün« durchzugehen. Denn er ist dringend fällig: der rasche Marsch einer Idee durch die – parteiübergreifenden – Institutionen. ¶

Thomas Weber, Herausgeber weber@thegap.at @th_weber

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netzpolitik

Mit der Eröffnung des 21er-Hauses, Ausstellungen des Kunsthistorischen Museums, der Neubesetzung des MAK und einem Possenspiel um die Kunsthalle Wien werden die Sammler- und Ausstellertätigkeiten im Bereich von Gegenwartskunst endgültig unübersichtlich. Jonas Vogt versucht, den Überblick zu bewahren.

Satte 8,9 % der Wähler konnten sich bei der Berlin-Wahl im September 2011 auf die deutsche Piratenpartei einigen. In Österreich werden Netzthemen dagegen am Rande des politischen Geschehens diskutiert. Doch wie sehen die netzpolitischen Positionen der heimischen Parteien wirklich aus?

Magazin 020 gegenwartskunst in österreich Das Angebot

an Gegenwartskunst ist breit wie noch nie, die Aufgabenbereiche der einzelnen Häuser sind allerdings schwammig. Jonas Vogt streift durch die heimischen Kunst-Institutionen. 026 Golden Frame: Didier Marcel»Red Harvest« führt Elemente der Land Art mit raumgreifenden Skulpturen zusammen. Der rote Acker spielt zudem mit verschobenen Materialitäten. 028 drake Das zweite Album von Drake verbindet Burial mit Lil’ Wayne und produziert Schamesröte, für die sich niemand schämen muss. 030 Rae Spoon Rae Spoon macht Brokeback Mountain Folktronica und covert schon mal Beyoncés »If I Were A Boy«. 031 this human world »Tahrir 2011« wird nun wenige Monate nach dem Umsturz in Ägypten als undistanziertes Zeitdokument präsentiert. Ko-Produzent Asiem El Difraoui kommt anlässlich des This Human World-Festivals nach Wien.

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Aktuelle Raiffeisen Club­Eventtipps: GASOMETER

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032 makossa & megabl ast Zum zweiten Album sprach

The Gap über G-Stone, über Spiritualität und Politik in der Musik, das Remix-Business und die große Tante FM4. 033 ico & shadow of the colossus Die beiden Games von Fumito Ueda gelten unter Spielern als Klassiker und Beispiele für kulturell wertvolle Titel. Sony feiert sie mit einem HD-Re-Release. 034 netzpolitik Auch österreichische Parteien müssen sich ab und an mit Netzpolitik auseinandersetzen, um vor Wählern Position zu beziehen. Ein Vergleich des Angebots. 036 youki: skatefilme Artemis Linhart nimmt den YoukiFestivalfilm »Tilva Roš« aus Serbien zum Anlass, den Skatefilm mit der lokalen Welser Skateszene zu vergleichen. 038 stefan diez Stefan Diez wurde mit 36 Professor für Industrial Design in Karlsruhe. Damit gilt er gerade noch als Jungdesigner. Wir haben ihn interviewt.

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WIENER STADTHALLE

DIE FANTASTISCHEN

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20.12.2011

GASOMETER

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08+09.12.2011


Editorial b i l d d e r au s ga b e Lucie Stahls »Cheese Explosion« war lange unser November-Cover. Der Print verdeutlichte zwar sehr anschaulich die Verschränkung von junger Kunst, Werbung und der Logik des Marktes, sah aber für manche von uns einfach nur aus wie eine hässliche Anzeige. Bis dann Clemens Wolf seine kaputten Einkaufswägen hereinrollen ließ.

Rubriken 005 006 007 008 011 012 013 014 040

Leitart i k e l Inhalt Editoria l Porträt / I m p r ess u m Fondue Fabul a R a sa Unbezah lt e r A n z e i g e r Splitte r Wortwec h s e l : P o l i t i k e r b r au c h e n da s Ne t z . Brauch t da s Ne t z d i e P o l i t i k ? 042 Prosa: St efa n Sc h m i t z e r 044 Workstat i o n : K at h a r i n a R oSSb ot h 054 Garmz / lo o k k : B u r n r at e / B u r n o u t 057 Reviews 066 Introdu c i n g : He n ry J o o st u n d A r i e l S c h u l m a n 074 Termine 

Wir sind jetzt die 99 %, in Deutschland sind die Piraten 9 %, Anonymous ist 0 % und irgendwie auch 99 %. 99 % Staatsschulden müsste auch Griechenland bedienen, während sich Spanien mit 21 % Arbeitslosigkeit begnügen muss und Gaddafi durch einen Mob stirbt, Steve Jobs an Krebs und eine Dreijährige an einer Homöopathie-Therapie. Da fällt es schwer, weiterhin über – hast du schon gehört? – diese neue, ach so sympathische Jungsband, diesen affengeilen neuen Club im ersten Bezirk mit einer abgefahrenen Function One-Anlage oder den zehnten Geburtstag von Rammsteins »Mutter« zu texten. Nun sind wir aber überzeugt, dass genau diese größeren Zusammenhänge tiefe Spuren in ihrer Kultur hinterlassen und dass diese auf jene wiederum reagiert und reflektiert. Die Gesellschaft, die Gegenwart und die Kultur, das alles soll und muss in The Gap beschrieben, analysiert und vorangetrieben werden. Dabei sind diese Überthemen natürlich nicht erst über Nacht explodiert, aber nicht immer ganz leicht im Stützkorsett eines Magazins für Glamour und Diskurs unterzubringen. So geschehen bei unserer Story zu den netzpolitischen Positionen der österreichischen Parteien (s.34) oder dem Wortwechsel zur Frage, ob das Netz die Politik braucht (s.40), aber auch der aktuelle Golden Frame lässt sich mit etwas Mühe in diese Richtung interpretieren (s.26), das Filmfestival für Menschenrechte »This Human World« sowieso (s.31). Ab sofort wird bei The Gap also besetzt, zumindest mal das Thema.  ¶

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Kolumnen 018 Zahlen, b i t t e 082 K now Not h i n g

Stefan Niederwieser niederwieser@thegap.at

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DIE ÄRZTE

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Gefährliches Halbwissen

Artemis Linhart schaut meistens geheimnisvoll drein. Und auch darüber Bescheid zu wissen, was sie bisher in ihrem Leben gemacht hat und was sie mag, macht die Sache nicht unbedingt klarer. Als sie vergangenes Jahr zum ersten Mal zu The Gap kam und sich der knochenharten Vorstellrunde stellte, stand danach wenig fest, außer dass sie über Filme schreiben wollte. Was sie auch tut und was auch nicht weiter verwunderlich ist, wenn man seit 2005 Film- und Theaterwissenschaft studiert, wenn man ein Praktikum beim Filmfestival »This Human World« gemacht oder bei mindestens drei Filmkonferenzen mitgearbeitet hat (2007: »Film im Sozialismus – die DEFA«, 2008: »Exil – Glaube und Kultur«, 2010: »Digital Formalism / Dziga Vertov«). Auch gar nicht so verwunderlich ist, was Artemis so mag: Eskapismus, Fiktion!, Slacken, Riot Grrrl, das Internet, Sci-Fi, Trash, auch Sci-Fi-Trash, Hedonismus vs. Awareness, Konzerte und Katzen. Das passt wie Metropolis- und Alphaville-Plakate ins Wohnzimmer oder bunte Space Invader-Figuren ins Regal. Letztere verkauft Artemis auch in einem kleinen Online-Shop, in dem sich noch zahlreiche weitere bunte und vegane Seifen tummeln. Für The Gap schreibt Artemis über queere Countrysänger, Skater oder interviewt Lieblings-Schwiegersohn Jason Bateman. Auch das ist nicht weiter verwunderlich, aber irgendwie beschleicht einen dabei immer das Gefühl, dass das nicht alles sein kann, sondern dass hinter diesen Augen noch wunderliche Geheimnisse schlummern. Erfahren Sie dann mehr in »Artemis und der Aufstand der veganen Weltraum-Killer-Katzen«! ¶

Jonas Vogt stapelt gerne tief und macht wenig Wind um seinen Einsatz, der manchmal fast an Selbstaufgabe grenzt. So ist es erstaunlich, mit welcher Gelassenheit er mehrere Tonnen Essen, Geräte und Dinge durch die Gegend schippern kann, ohne zu maulen und zu raunzen. Wobei ihm dann doch ein lapidares Mail aus den Fingern rutschen kann: »Ich will euch nicht mit Details langweilen, aber die Alte von [Name der Redaktion bekannt] ist eine ziemliche Fut.« Jaja, so reden wir, wenn es sein muss und gerade keine Kamera in der Nähe ist, bitte abregen, und eigentlich war das von Jonas Vogt wohl sogar auch noch irgendwie nett gemeint. Es ist aber auch erstaunlich, in welcher Geschwindigkeit er Texte über ihm bis dahin völlig unbekannte Bands rausfurzen kann, die aber allesamt zumindest sehr ok sind, die ein paar wenige Infos sinnvoll bündeln und noch dazu cirka keine Tippfehler haben. Über seine Zeit bei der taz hat er wenig Gutes zu sagen, dafür aber über seine Zeit bei Vox, obwohl das damals noch kein Tittensender war, die Leute vom Vice Magazine stanken zu viel und so kam er schließlich zu uns, wo er jetzt – seiner Expertise entsprechend – fast alles macht und – wie er selbst sagt – ständig Klugscheißen und – sagen wir – sein Halbwissen in gefährliche Sprachgeschoße verwandeln kann. Er mag Holzfällerhemden, Tanzmusik aller Art und Geschichten, die sich per Mail abwickeln lassen. Reggae weniger, HipHop mehr, Street Art auch. Weswegen wir den stillen, aber wortgewaltigen Brummer gleich einmal mit einer Coverstory über ein eigentlich unüberschaubares Thema versorgten: Gegenwartskunst in Österreich. Brummte lapidar und hat es gemacht. ¶

TEXT stefan niederwieser

TEXT stefan niederwieser

Weltraum-Killer-Katzen

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Impressum

ARTEMIS LINHART

JONAS VOGT

HERAUSgeber Thomas Weber chefredaktION Martin Mühl, Stefan Niederwieser Redaktion Katharina Abpurg, Gregor Almassy, Michael Aniser, Matthias Balgavy, Claire Benedikt, Josef Berner, Sandra Bernhofer, David Bogner, Klaus Buchholz, Johannes Busching, Ivo Brodnik, Stephan Bruckner, Ann Cotten, Lisa Dittlbacher, Margit Emesz, Juliane Fischer, Holger Fleischmann, Daniel Garcia, Lisa Gotthard, Manfred Gram, Dominique Gromes, Benedikt Guschlbauer, Jan Hestmann, Christoph Hofer, Sebastian Hofer, Lukas Hoffmann, Peter Hoffmann, Konstantin Jakabb, Reiner Kapeller, Iris Kern, Markus Keuschnigg, Hubert Kickinger, Michael Kirchdorfer, Stefan Kluger, Michaela Knapp, Katrin Kneissl, Markus Köhle, Christian Köllerer, Michael Bela Kurz, Philipp L’Heritier, Gunnar Landsgesell, Artemis Linhart, Johannes Luxner, Christiane Murer, Nuri Nurbachsch, Florian Obkicher, Michael Ortner, Ritchie Pettauer, Stefan Pichler, Johannes Piller, Stefanie Platzgummer, Karoline Podolecka, Christian Prenger, Teresa Reiter, Werner Reiter, Georg Russegger, Joachim Schätz, Barbara Schellner, Lukas Schmid, Bernhard Schmidt, Johann Scholz, Werner Schröttner, Richard Schwarz, Katharina Seidler, Wolfgang Smejkal, Cornelia Stastny, Gerald C. Stocker, Johanna Stögmüller, Peter Stuiber, Asha Taruvinga, Martin Tschiderer, Hanna Thiele, Horst Thiele, Raphaela Valentini, Jonas Vogt, Ursula Winterauer, Imre Withalm, Maximilian Zeller, Martin Zellhofer, Barbara Zeman PRAKTIKUM Andreea Dosa, Philippa Grob, Nicole Nestler termine Stefan Niederwieser AUTOREN Georg Cracked, Michaela Knapp, Michael Lanner, Moriz Piffl-Percevic, Stefan Tasch, Jürgen Wallner, Martin G. Wanko fotografie Florian Auer, Lukas Beck, Stephan Doleschal, Andreas Jakwerth, Georg Molterer, Ingo Pertramer, Karin Wasner, Michael Winkelmann Illbilly-illustration Jakob Kirchmayr COVERBILD Werk: Clemens Wolf, Bild: Lukas Gansterer, Courtesy Galerie Steinek Vienna / Galerie Nikolaus Ruzicska Salzburg WORKSTATION-FOTOstrecke Katharina Roßboth DESIGN Monopol, Super-Fi Lektorat Wolfgang Smejkal, Adalbert Gratzer web Super-Fi, Codeon, m-otion anzeigen Herwig Bauer, Thomas Heher, Micky Klemsch, David Kreytenberg, Martin Mühl, Christoph Ullmann, Thomas Weber (Leitung) Distribution Martin Mühl druck Ferdinand Berger & Söhne GmbH, Pulverturmgasse 3, 1090 Wien geschäftsFÜHRung Bernhard Schmidt PRODuktion & MedieninhabERin Monopol GmbH, Favoritenstraße 4–6/III, 1040 Wien kontakt The Gap c/o Monopol GmbH, Favoritenstraße 4–6/III, 1040 Wien; Tel. +43 1 9076766-41; wien@thegap.at, www.thegap.at, www.monopol.at, office@thegap.at bankverbindung Monopol GmbH, easybank, Kontonummer 20010710457, BLZ 14200 abonnement 10 Ausgaben; Inland EUR 15, Europa EUR 35, Rest der Welt EUR 42; HEFTPREIS EUR 2.00 erscheinungsweise 10 Ausgaben pro Jahr; Erscheinungsort Wien; Verlagspostamt 1040 Wien Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers wieder. Für den Inhalt von Inseraten haftet ausschließlich der Inserent. Für unaufgefordert zugesandtes Bild- und Textmaterial wird keine Haftung übernommen. Jegliche Reproduktion nur mit schriftlicher Genehmigung der Geschäftsführung.

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THANK YOU! »I DIDN’T SEE A SINGLE BAND THAT WASN’T AT LEAST VERY GOOD – THAT’S FRUSTRATING, HOW DID YOU DO THAT?« MARIJE BROUWER (EUROSONIC BOOKING, GRÖNINGEN, NL) »I HONESTLY BELIEVE YOU PUT THE BASE FOR A GREAT FESTIVAL WITH A FIRM DATE IN THE EUROPEAN CONFERENCE AND FESTIVAL CALENDAR.« JARO SLAVIK (MINISTRY OF CULTURE OF THE SLOVAK REPUBLIK, BRATISLAVA, SK) »THE FESTIVAL WAS EXCELLENT AND ENTERTAINING, THE MUSIC GREAT AND THE CITY MAGNIFICENT. […] A TRULY INTERNATIONAL SLANT TO THE FESTIVAL WITH THE AUSTRIAN BANDS ACQUITTING THEMSELVES WELL.« ARNI MATTHIASSON (MURGUNBLADID, REYKJAVIK, IS) »WAVES OPENED MY EYES A LITTLE MORE TO POSSIBLE WAYS OF NOT ONLY COLLABORATING WITH LOCAL MUSIC VENTURES BUT REALLY HELPING AS A GATEWAY IN AND OUT OF THE UK FOR AUSTRIAN/ VIENNESE MUSIC BUSINESSES.« IAN SMITH (FRUSION, LONDON, GB)

»WAVES VIENNA IS PROOF POSITIVE THAT KICK-ASS ROCK ’N’ ROLL EXISTS WELL BEYOND THE INDUSTRY’S ANGLO-AMERICAN FOCUS. HOMETOWN HEROES JOIN FORCES WITH ONES-TO-WATCH FROM ALL CORNERS OF EUROPE – IF THE FIRST YEAR CAN ATTRACT A LINE-UP THIS GOOD (AND AN ATMOSPHERE THIS POSITIVE) THEN YOU’VE GOTTA BE EXCITED BY HOW MUCH BETTER WAVES IS INEVITABLY GONNA BECOME.« WILL FITZPATRICK (THE FLY, LONDON, GB) »THIS PUTS VIENNA ON THE INTERNATIONAL MUSIC MAP. IT’S GREAT AND WORTH TO COME.« MAARTEN DECOCK (GLIMPS FESTIVAL, GHENT, BE) »ANYONE WHO THINKS THAT AUSTRIA’S CAPITAL ISN’T A ROCK ’N’ ROLL TOWN SHOULD VISIT WAVES NEXT YEAR. VENUES ON BOATS WITH A GREAT VIEW OF THE CUTTING-EDGE NEW VIENNA SKYLINE, IMPRESSIVE LOCAL TALENT THAT NONE OF US FOREIGNERS PREVIOUSLY KNEW ANYTHING ABOUT, PLUS A WELLCRAFTED BILL OF BIG NAMES AND NEWCOMERS FROM AS FAR AFIELD AS MONTREAL, BRATISLAVA AND BRIGHTON. GREAT CITY. GREAT FESTIVAL.« SI HAWKINS (CLASH MAGAZINE, LONDON, GB)

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Fondue.

Zusendungen an fondue

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thegap.at

Hast auch du einen Blick für das Bemerkenswerte da draußen? Dann halte deine Handycam stets im Anschlag, fang die Stil­blüten und optischen Querschläger ein, und schick sie uns per MMS oder E-Mail an fondue@thegap.at

Wenn man jetzt wissen will, warum zum Teufel man dort Brot einwerfen sollte: Gilt das als Wunsch, als Anregung oder als Beschwerde?

Was hier nach einem netten Hinweis ausschaut, Das sind die Momente, wo man anrufen und ist in Wahrheit ein perfider Plan, nur Hochdeutsch »Wie sieht sie denn aus?« fragen will. sprechende Menschen zu verletzen.  

Für Salatliebhaber, die den Hals nicht voll genug bekommen können. Was gibt’s als Salatbeilage?

Aber auch bitte wirklich jedes Mal rausgehen! Ohne Ausnahme.

Kein Tipp für die Vegetarier unter euch. Hat trotzdem seinen Reiz.

Have a look: Weitere Höhe- und Tiefstpunkte sowie upload-Möglichkeiten für neue Fotofundstücke, gefischt aus dem eintopf des Alltags — www.thegap.at inserat_nite_25_10:Layout 1

19.10.2011

14:40

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MAK NITE Dienstag, 22.11.2011 / 20.00 Uhr ©

Die Arbeit zeichnet assoziativ und poetisch die Suche nach der Bedeutung des Blickes auf den Salzburger Untersberg nach.

ROADMOVIE Videoinstallation, 2011 MAK-Säulenhalle, Stubenring 5, Wien 1 Di MAK NITE © 10.00 – 24.00 Uhr, Mi – So 10.00 – 18.00 Uhr

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Foto © Nathalie Koger

Nathalie Koger / Barbara Schwertführer


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KOLUMNE GEORG CR ACKED

Neue Standards in Sachen vertretbarem Kulturpessimismus. »Es ist wahr, dass uns der Tod nahe ist und dass das ganze Treiben hier Torheit ist. Ich muss Dir aufrichtig sagen: Ich lege ja auf meine Pläne und auf meine Arbeit einen hohen Wert, aber wenn man’s ernsthaft überlegt, so ist doch diese unsere ganze Menschenwelt nur so eine Art Schimmelüberzug, der sich auf einem kleinwinzigen Planeten gebildet hat. Und da bilden wir uns ein, es könne bei uns etwas Großes geben, große Pläne, große Taten! All das sind nur Sandkörnchen.« — »Brüderchen, diese Erkenntnis ist so alt wie die Welt.«  (Leo Tolstoi)

Vom RegisseuR Von A HISTORY OF VIOLENCE und TÖDLICHE VERSPRECHEN

Die wahre Geschichte einer BeGeGnunG, Die alles veränDern sollte

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THE GAP LÄDT ZUR PREMIERE VON „EINE DUNKLE BEGIERDE“ Filmstart: 11. November 2011 Das Kino-Melodram wurde vom Meisterdirigenten abgründiger Gefühle David Cronenberg („A History Of Violence“, „Naked Lunch“, „eXistenZ“) großteils in Wien gedreht und fährt einen internationalen Star-Cast auf (Keira Knightley, Viggo Mortensen, Michael Fassbender, Vincent Cassel, Sarah Gadon), die eine Geschichte tief schlummernder Leidenschaften im Umkreis der Wiener Psychoanalyse des frühen 20. Jahrhunderts erzählt. The Gap lädt zur Premiere: Schick ein Mail an gewinnen@thegap.at mit dem Betreff „Begierde“ um 1 × 2 Tickets für die Premiere zu bekommen. Solange der Vorrat reicht.

UCI MILLENNIUM CITY, WIEN 8. NOVEMBER 2011, 20:00 UHR www.einedunklebegierde.at

Nirgendwo zwischen dem Größten und dem Kleinsten ist noch ein sicheres Versteck vor dieser bestimmten Art an Schwachsinn, die daraus entsteht, dass sich keiner mehr Zeit nimmt, keiner Zeit hat und schließlich alle es auch nicht mehr wichtig finden, sich Zeit zu nehmen oder zu haben, weil das Leben in der Jetzt-Zeit zwischen den StatusUpdates hunderter Freunde und dem Mikromanagement überbordender Minimal-Antworten die Dimension Zeit aus dem Fokus des Menschseins verdrängt hat. ResponseTicks wandeln sich in akute »I-Like«-Psychosen und eine allgemeine Verblödung diffundiert langsam in den gesamten Mainstream der Gesellschaft. Beispiele gefällig: Das Kreuzworträtsel fragt nach »Englisch: Team« - die Antwort lautet »Crew«. Die gleichen Frauenzeitschriften, die jahrelang Powerfrauen verherrlicht haben, die Kind, Karriere und Liebhaber perfekt managen konnten, beklagen nun, dass das aktuelle Frauenbild Frauen so hohen Druck und Stress macht. Bei der Premiere des letzten Teils von »Twilight« marschiert ein Pattison-Fanclub aus erwachsenen Frauen auf, die Plakate mit der Aufschrift »MILF’s love Robert« tragen. Die Politik diskutiert über die gut funktionierende Praxis der indirekten Mediensubvention über Inserate und installiert eine Transparenz-Datenbank, um zu erfahren, wer wo inseriert; dabei gibt es diese Daten am freien Markt erhältlich von Medienbeobachtungs-Instituten. Auf einer griechischen Insel beziehen mehr als die Hälfte der Bevölkerung eine staatliche Subvention für Blinde. Das Internet mit all seinen Servern und Serverfarmen belastet die globale CO2-Bilanz stärker als der Flug- und Schifffahrtsverkehr zusammen. In einem Blog verteidigt sich entrüstet die kritisierte Autorin mit dem Argument, es sei ohnehin nur ein Blog, das sollte man lesen und gleich wieder vergessen. Warum hat sie es dann überhaupt geschrieben? Und das Bedeutendste, das ich in der vergangenen Woche im Internet gesehen habe, ist eine Band aus Achtjährigen, die perfekt »Enter Sandman« rocken. Genug Beispiele. Und was tun wir jetzt? Ich hab’ da ein paar Tipps für Euch. Die werden zwar die Lage nicht sofort umkehren, aber mittelfristig zum Besseren führen. Fangen wir an: Man muss nicht immer alles kommentieren. Lest lieber Marcel Proust statt sinnlose Blogs. Und schlussendlich: Für jede Stunde im Internet gönnt euch selber zumindest zwei Stunden mit echten Menschen oder eine halbe Stunde entweder spazierend oder zu Hause mit geschlossenen Augen den eigenen Gedanken nachhängend. ¶ cracked69@hotmail.com ► 0 1 0 / AU S GA B E 1 2 1


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Unbezahlter Anzeiger

Alle Waren und Dienstleistungen dieser Welt sind gleich gut. Die scheinbaren Unterschiede werden nur im Kopf der Konsumentinnen erzeugt, u.a. bzw. v.a. mit Werbung, d.h. z.B. mit bezahlten Anzeigen. Auch in diesem Heft gibt es davon welche, und nur die bewusste Verknappung vermag dem Impact noch ein zusätzliches Momentum zu verleihen. Um einer drohenden Branchenmonopolisierung eine angemessene Blockade entgegenzustellen, finden sich an dieser Stelle einige unbezahlte Anzeigen – Segnungen des Konsumiversuns.

HOLY SMOKE

Auch begeisterte Jäger, Sportschützen und Profikiller scheiden einmal dahin. Wenn dieser Tag gekommen ist, kann man sich selbst und seinen Angehörigen eine großkalibrige Freude machen. Die amerikanische Firma »Holy Smoke« stellt Patronen mit der Asche von Verstorbenen her. Auch nach dem eigenen Tod kann man sich so noch an der lustigen Entenjagd beteiligen oder sein eigener Salutschuss sein. »Holy Smoke« benötigt für sein Produkt ungefähr ein halbes Kilo Asche. Der Kunde kann aus einer breiten Palette von Kalibern wählen, auf Wunsch auch für Shotguns. Bei Fragen am besten rechtzeitig kontaktieren. www.myholysmoke.com ▪▪

www.viennaartweek.at

PREGGIE POPS

Schwangere aufgepasst: Gegen Morgen- und andere Übelkeit ist ein Kraut gewachsen. Eine Münchner Firma hat dieses jetzt in praktische Lolli-Form gepresst. Die »Preggie Pops« sind speziell für Schwangere hergestellte Lutscher, mit denen die Launen der Natur effektiv bekämpft werden können. Sie kommen in sieben Geschmacksrichtungen, die diverse Wunderdinge – von Belebung bis Beruhigung – vollbringen können. Noch dazu können die »Preggie Pops« auch noch problemlos im Kreissaal gelutscht werden, wenn Essiggurke auf Schokobett bereits vom Speiseplan gestrichen ist. In den USA sind die Schwangerschaftslollis bereits der Renner. www.preggiepops.de ▪▪

APPGUN

Wir alle spielen gerne auf unseren Bobo-Telefonen. Aber Farmville, Doodle Jump etc. sind wirklich von gestern. Wer sein teures Smartphone heute sinnvoll nutzen will, braucht dringend ein Plastikgewehr mit iPhone-Halterung. Damit lässt sich nicht nur lässig herumfuchteln, sondern die mitgelieferten Spiele funktionieren auch noch nach dem Prinzip der Augmented Reality. Das heißt, die zu erledigenden Aliens springen plötzlich hinter der Couch hervor, auf der man selbst liegt. Die Technologie tranferiert die Bewegungen des Gewehrlaufs direkt auf das iPhone. Der Sonntag kann kommen. www.sowaswillichauch.de/iphone-pistole  ▪▪


Andreea Dósa (Praktikantin The Gap)

TOP 10

ABENDLEKTURE

01 Duiliu Zamfirescu – La Vie Á La Campagne 02 Albert Camus – Die Pest 03 Dante Alighieri – Inferno 04 Norman Manea – Die Rückkehr des Hooligan 05 Audrey Niffenegger – Her Fearful Symmetry 06 Aldous Huxley – Eiland 07 Konrad Paul Liessmann – Theorie der Unbildung 08 Lois Lowry – Number The Stars 09 Tom Rob Smith – Child 44 10 Giorgio Bassani – Der Garten der Finzi Contini

Die TEDx Vienna zum Thema »The Domino Effect«

TOP 5

The Gap unter Leuten

01 Robyn 02 Feist 03 Sia 04 Emiliana Torrini 05 Skye Edwards

The Gap hat im Oktober so manch Konferenz und Festival besucht. Hier ein ausgewählter Rückblick.

frauenstimmen

AUCH NICHT SCHLECHT: HUH. Magazine (UK)

TEDX Salzburg

Die TEDx Salzburg hat nun schon zum zweiten Mal stattgefunden und auch dieses Jahr wieder mit einer Vielzahl von spannenden nationalen und internationalen Sprechern aufgewartet: Von Martin Essl (Baumax), über Gerhard Zoubek (Biohof Adamah), bis hin zu Siavash Mahdavi (Complex Matters). Obwohl nicht alle Talks den mitreißenden Charakter ihrer amerikanischen Vorbilder hatten, war die schiere Dichte von 20 Talks in zehn Stunden ein spannendes Erlebnis. Die Vielzahl an Themen, von Entrepreneurship über Kirchen-Privilegien bis hin zur Genetik und das gelungene Rahmenprogramm machten die TEDx Salzburg zu genau dem, was sie sein sollte. 

Text Harald Eckmüller

Startup Week 2011 in Wien

Erwin Uhrmann (Sammlung Essl / The Gap)

TOP 10

EPISODEN DER SERIE »SUPERNATURAL«

01 Dead In The Water (S01E03) 02 Asylum (S01E10) 03 Dark Side Of The Moon (S05E16) 04 Roadkill (S02E16) 05 Monster Movie (S04E05) 06 The Monster At The End Of This Book (S04E18) 07 Changing Channels (S05E08) 08 Scarecrow (S01E11) 09 Swan Song (S05E22) 10 Frontierland (S06E18)

TOP 5

WEBSEITEN FÜR SPACE EXLORER 01 Mars Society 02 Search for Extraterrestrial Intelligence 03 Jet Propulsion Laboratory 04 Raumfahrer Net 05 Exopolitik

auch nicht schlecht:

»Die Schrecken des Eises und der Finsternis« von Christoph Ransmayr

► 0 1 4 / AUSGABE 121

Die erste  Startup Week 2011 in Wien glänzte mit 70 internationalen Rednern der  Tech-Branche, unzähligen Side-Events und einigen Top-Investoren Europas.  Wien hat ihr erstes europäisches Startup-Festival mit Fokus auf Mittel- und Osteuropäische Länder gut über die Bühne gebracht. In den ersten zwei Tagen der Startup Week 2011 kamen hauptsächlich die teilnehmenden Startups zum Zug und übten in unzähligen Pitch Trainings verschiedene Techniken um den richtigen Investor für ihr Produkt zu bekommen. Die nächsten Diskussionsrunden bis Freitag waren trotz der teilweise hochkarätigen Besetzung teilweise etwas träge und wiederholten sich im Inhalt. Im Allgemein hinterließ die Startup Week 2011 in Wien einen klar positiven Eindruck, obwohl man den Gefühl bekommen konnte, dass die »Investoren-Szene« und die »Startup-Szene« doch nicht so ganz auf der selben Welle surfen. 

TEXT Lukas Hoffmann

TEDx Vienna 2011

Die TEDx Vienna Konferenz 2011 endete nach 20 neuen TEDxTalks, einer Tanz- und einer Gitarrenperformance – zumindest in Zahlen. Unter dem Motto »The Domino Effect« traten die Sprecher mit Ideen über notwendige Emotionalität künstlicher Intelligenzen, dem Fortpflanzen religionskritischer Inhalte, anwendbarer GemeinwohlMatritzen und demokratischer Banken oder dem Aufruf zur Änderung europäischer Grenzpolitik an. Als lokaler, autonom organisierter und kuratierter Sprössling der Mutterkonferenz TED, strebt auch das TEDx Vienna danach positive Anstöße für die Zukunft der Menschheit zu geben. Über 300 Besucher wohnten der ganztägigen Veranstaltung bei, die auch via Simulcast verfügbar gemacht wurde. Es mangelte nur an Steckdosen für die vielen Gadgets der Besucher, nicht am guten Willen. Die nächste TEDx Vienna findet 2012 statt, Informationen gibt es auf www.tedxvienna.at. 

Mehr und ausführlichere Event-Berichte auf www.thegap.at

Text Nuri Nurbachsch


Oben: Rudolf Giffinger. Unten: Koffein.

Twenty.twenty: The City – Networking _ With Things

BILD florian auer

Am 19.10. luden A1 und The Gap zum sechsten twenty.twenty-Abend. Vor vollem Haus wurde im Wiener HUB über Smart Cities diskutiert – in der vollen Breite des Themas. Rudolf Giffinger, Stadtentwicklungsexperte an der TU Wien, hielt die Keynote im Rahmen des sechsten twenty.twenty-Events. Er sprach sich dafür aus, bei Smart Cities nicht nur an Technologie zu denken, sondern soziale, kulturelle und wirtschaftliche Aspekte mit einzubeziehen. Er öffnete damit ein breites Themenfeld, das vom Podium gerne angenommen wurde. Und so einigte man sich im Laufe des Abends zwar darauf, dass Städte – und noch besser smarte Städte – derzeit wohl tatsächlich das Erstrebenswerteste im Sinne des Allgemeinwohls sind, dies aber umgekehrt nicht bedeutet, dass man auf alle Fragen eine letztgültige Antwort hätte. Theresia Vogel, Geschäftsführerin des Klima- und Energiefonds, berichtete von Programmen und Impulsen, die der Fonds unterstützt, betonte aber auch, dass vieles wohl nur als Versuch und Impuls zu Veränderungen gesehen werden könne. Johannes Grenzfurthner, ein technologiebegeisterter Künstler (monochrom) formulierte dies ähnlich indem er anmerkte, dass viele Ideen und Programme derzeit eher der Schadensbegrenzung dienen würden. Er plädierte für mehr Eigenverantwortung. Klar wurde in diesem Zusammenhang, dass Smart Cities beinahe immer mit Ideen wie Open Data zusammengeführt werden müssen, damit Initiativen Einzelner oder Weniger möglich gemacht werden. Der Philosoph Christian Köllerer kam trotz einiger Kritikpunkte in Sachen Stadtentwicklung zum Punkt: »Wer die Natur mag, sollte in die Stadt ziehen.« ¶ www.twentytwenty.at

Strukt gestaltet digitale mediale Erlebnisse Das Wiener Designstudio Strukt ist in den Bereichen Interaktionsdesign, generative Gestaltung, Animation und Grafikdesign tätig. An unserem Standort Wien haben wir ab sofort zwei Stellen zu vergeben. Gestalter/Gestalterin Vollzeit Grafikdesign, Screendesign, Interaktionsdesign, Motiondesign, Generatives Design Projektmanager/Projektmanagerin Vollzeit Planung, Ressourcen- und Zeitmanagement, Kommunikation, Koordination, Kundenbetreuung strukt.com/jobs strukt.com


01

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Deborah Sengl (Künstlerin)

TOP 10

THERAPIEFORMEN FÜR UNGEDULDIGE 01 Supermarktkassen an Adventsamstagen 02 Servicehotline-Warteschleifen 03 Handwerker 04 »Siegfried« von Richard Wagner 05 Diaabende über Weltreisen 06 Mehrstündige Ausdruckstanz-Soloperformances 07 Südosttangente 08 Postämter 09 Sicherheitskontrollen aller Art 10 Cricket-Übertragungen

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TOP 5

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FÜR GARANTIERTE HYPOCHONDERPANIK 01 Dr. Google 02 Selbstdiagnose 03 Dritte Meinungen 04 Pathologie-Studium 05 Krankenhausserien

AUCH NICHT SCHLECHT:

www.thegap.at / gewinnen

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wären etwas mehr Geduld und weniger Panik.

»Uncharted 3 - Drake’s Deception 01

»Uncharted 3« wird der Action-Blockbuster dieser Saison. Francis Drake macht sich diesmal auf die Spuren von Lawrence von Arabien und die Suche nach der versunkenen Stadt Iram. Wir verlosen 1 Paket bestehend aus »Uncharted 3 Explorer Edition« und Give-Aways. Betreff: 121 Abenteuer mit Drake in der Wüste

Essl Museum Lesebuch 02

Severin Rogl (Zapateria)

TOP 10

gRAUENHAFTESTE MUSIKRICHTUNGEN

01 Musical 02 Sakral Techno 03 Crossover 04 Gothic Rock 05 Boygroup Pop 06 Euro Dance 07 Jumpstyle – Krocha 08 Hair Metal 09 R’n’B 10 Christian Black Metal

TOP 5

TUMBLR FOTO BLOGS 01 coverkidz.tumblr.com 02 kimjongillookingatthings.tumblr.com 03 teenagemutantninjanoses.tumblr.com 04 chickswithstevebuscemeyes.tumblr.com 05 womenlookingdissatisfiedinbed.tumblr.com

auch nicht schlecht:

Die letzte »Curb Your Enthusiasm«-Staffel.

► 0 1 6 / AUSGABE 121

Künstlerische Positionen, die sich mit existenziellen Fragestellungen beschäftigen, stehen im Zentrum der Ausstellung »Schönheit und Vergänglichkeit« im Essl Museum. Begleitend wurden 17 Autoren gebeten, über Schönheit und Vergänglichkeit und die Werke der Ausstellung zu reflektieren. Entstanden ist ein Kunst-Lesebuch, von dem wir 3 Exemplare verlosen. Betreff: 121 Stunden für Kunst, Schönheit und Vergänglichkeit

Sonic Generations 03

Sonic wird diesen Herbst 20 Jahre alt. Sega spendiert dem blauen Igel zur Feier unter anderem »Sonic Generations«, das die besten aller Sonic-Level richtig aufgemotzt (3D et al, …) in einem Spiel vereint. Wir verlosen 3 Pakete bestehend aus »Sonic Generations« für Xbox 360 und einer abgefahrenen Sonic-Mütze. Betreff: 121 Goldringe für den schnellsten blauen Igel

Oak Oakheart 04

Bacardi schickt zur Einführung des Spiced Rum Oakheart die Spieler in eine Challenge (Segway fahren, …). Die nächsten Möglichkeiten mitzumachen sind am 6.11. Nähe Salzburg Stadt und am 20.11. am Schwarzlsee. Oder einfach bei uns eine von 3 Flaschen gewinnen. Betreff: 121 Schluck Bernstein-Farbe

Wir sind was wir sind 05

Ein ungewöhnlicher Horrorfilm aus Mexiko: Als der Vater stirbt, muss sich die Familie selbst um die Aufrechterhaltung ihrer kannibalischen Ernährungsweise kümmern. Schon bald kommt es zu Konflikten in der Sippe. Wir verlosen 3 DVDs. Betreff: 121 mal Menschenfleisch am Mittagstisch

Blitz 06

Jason Statham in einem Cop-Thriller: In London geht ein Polizisten-Mörder um, der die Jäger zu Gejagten macht. Wir verlosen 2 DVDs und 1 BluRay. Betreff: 121 Gesetzesübertretungen gegen und von Jason ¶


WIEN NORD

Veranstaltungsreihe zur Praxis von digitalen Spielen jeden Donnerstag im MuseumsQuartier quartier21 / Raum D, 1070 Wien subotron.com/pro-games Diese wöchentliche Veranstaltungsreihe hat zum Ziel, durch die Vernetzung von Wirtschaft, Wissenschaft und Community die Weiterentwicklung und Etablierung der österreichischen Games-Szene zu unterstützen und zu begleiten. Im Raum D des quartier21 im Wiener MuseumsQuartier präsentieren SpieleentwicklerInnen die Geschäftsmodelle, Finanzierung, Projekte, Vermarktung und Vernetzung ihrer Firmen, Ausbildungsstätten geben Einblick in Voraussetzungen, Lehrpläne, Schwerpunkte und Ziele ihrer Lehrgänge, die verschiedenen Berufe in der Gamesbranche werden erklärt und jeden letzten Donnerstag im Monat trifft sich die Games-Szene zum networking.

Do. 03.11.

Schooling – Codeveloping innovating European ecospheres in the field of game design and development Prof. Jeroen van Mastrigt, Utrecht School of the Arts / Dutch Game Garden

Do. 10.11.

Spieleentwickler stellen sich vor : Broken Rules: Bohatsch, Hackl, Pichlmair, Scott, Vorlaufer

Do. 17.11.

Ausbildungsstätten stellen sich vor : Universität Wien – Research Group Entertainment Computing : Ao. Univ.-Prof. Dr. Helmut Hlavacs

Do. 24.11.

„Gamers Gathering“ – Branchenmeeting

Do. 22.12.

„Gamers Gathering“ – Branchenmeeting Powered by www.creativespace.at – Die Kreativplattform der Wirtschaftskammer Wien

Medienpartner


►KOLU M N E / Za hlen, bitte ! ►Von Thomas Edlinger

2.210.000

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lvis war eine Frau. Oder was soll es sonst bedeuten, wenn the living Hüftschwung seine Gitarre vorzugsweise nicht zwischen seinen Beinen baumeln ließ, sondern lieber hinter seinem Rücken versteckte? Wenn aber Elvis schon irgendwie eine Frau war, was war dann die RockabillySängerin Janis Martin, auch bekannt als the female Elvis?

Diskurs-Resonanzraum

In seinem CD- und Buch-Projekt »Lookalikes« dreht und wendet Thomas Meinecke wieder einmal die Identitäten, bis nichts mehr übrig bleibt als die Lust am Text. Seine Lookalikes üben sich im Hakenschlagen gegen eine verbohrte Wirklichkeit, der man am liebsten mit dem Comedy-Format der Intellektuellen – der Performance – den Stinkefinger zeigt. Der Autor und FSK-Musiker steigert diesmal die Verwirrung dessen, was einmal Geschlechter, Rassen oder Ethnien hieß, noch, indem er – gleichnamige! – Doppelgänger-Models von Josephine Baker, Shakira oder Elvis Presley in Kosmetikabteilungen und Filmfirmen arbeiten und sie sich dort über Schein und Sein den Kopf zerbrechen lässt. Fasziniert wird über den postsexuellen Status des Totengotts der afrobrasilianischen Religion Candomblé nachgedacht, der einen erigierten Schwanz hat, aber trotzdem auch mal seine / ihre Brüste in den Händen wiegen kann. Männer und Frauen haben in diesem mit afroaatlantischen Beats in Schwing versetzten Diskursresonanzraum längst ausgedient. Das Gattungswesen Frau bekommt hier nur unter dem Begleitschutz einer Kursivsetzung einen kurzen, milde belächelten Cameo-Auftritt.

Ich, das sogenannte

Interessant allerdings, dass Meinecke nicht den umgekehrten Weg geht – nämlich den Verweis auf altertümliche Gewissheiten wie Mann oder Frau unter die Quarantäne der Anführungszeichen zu stellen. Sein Buch wimmelt zwar vor Schrägstellungen, aber die Gänsefüßchen scheinen ausgestorben. Dabei überwuchern diese Banner der Distanznahme ansonsten wie Efeu die inhaltlich ähnlich wie Meineckes Meta-Antiromane gelagerten Abhandlungen über Literatur, Geschichte und Politik. Auch die Neger und Weiber von Schiller und Mark Twain will man heute nicht mehr einfach so im Raum stehen lassen. Ein tauber Zuhörer könnte die gewunkenen Gänsefüßchen dahingehend interpretieren, dass sich der Sprecher von sich als Person distanzieren möchte: Ich, das sogenannte.

»...«

griff der europäischen Eroberer für jene interpretiert werden, die vor ihnen da waren. »Israel« ist eine Konstruktion, die jene ausschließt, die lieber Palästina zu ihrer Heimat sagen wollen. Wenn eine Hand mit dem Halten eines Getränks beschäftigt ist, machen Redner vor kontaminierten Begriffen eine kurze Pause. »Ich begrüße besonders unsere … ausländischen Gäste.« Die Anderen sind so anders wie die Anführungszeichen, in denen sie stehen. Kein Kulturwissenschaftler und keiner der Look- und Thinkalikes Meineckes würde es heute mehr wagen, von »der« Wirklichkeit zu sprechen. Weiß doch jeder, dass diese bloß ein Effekt der sie konstruierenden Diskurse ist! »Gefühle«, schnaubt die Wissenschaft, die Atemluft stoßartig durch die Nase blasend, »sind doch nur Effekte einer Rhetorik der Leidenschaften«. »Streng genommen kann man nicht sagen, dass die ›Frau‹ existiert«, souffliert die Literaturwissenschaftlerin Julia Kristeva. Und die Philosophin Judith Butler sieht in der »wirklichen Frau« eine zwanghafte gesellschaftliche Fiktion. Roman Polanski versucht in seinem neuen, viel beklatschten Film »Der Gott des Gemetzels« genau diese wirkliche Frau (und den wirklichen Mann) dort zu zeigen, wo sie und ihn keine Anführungszeichen mehr vor seinem Innersten beschützen. Pikant wird seine Abrechnung mit der Political Correctness bzw. dem, was er wohl als die Bigotterie der Gutmenschen bezeichnen würde, auch durch seine Biografie. Der HolocaustÜberlebende Polanski darf wegen einer Vergewaltigungsanklage seit 1977 nicht mehr in die USA einreisen, wurde 2009 in der Schweiz kurzerhand inhaftiert und mit einem Auslieferungsantrag in die USA konfrontiert. Sein Kammerspiel zwischen PC-Moral und Yuppie-Amoral endet unentschieden. »I do whatever I want« sagt der skrupellose Anwalt Alan Cowan, dem zum sensiblen Thema kultureller Respekt für Afrika die mordenden Kindersoldaten im Kongo einfallen. Mit so einem Zyniker und seiner zickigen Frau hat es das liberale Konsensstifterpaar Penelope und Michael Longstreet wirklich schwer. Mal sind es für einen Augenblick die Frauen, die sich im feministischen Wunsch nach autonomer Alkoholvergiftung solidarisieren, mal sind es die zigarrenphallischen Männerfantasien, die in der rührenden Sorge um das Wohl des Handys zusammenfinden. Sekunden später sind wieder die jeweils anderen Ehepaare die »Bitches« und »Assholes«. Der Einzige, der in Roman Polanskis hate speech-Komödie tatsächlich mit sich im Reinen ist, ist das Ekelpaket Alan. Er ist von Anfang an ein Arschloch und weiß es auch. Er ist in diesem Sinn autonom – ein Ekel ohne Anführungszeichen. Der Preis dafür ist der Verzicht auf die Anerkennung der anderen.  ¶

Neben uns heute schon als Klassiker vorkommenden Be- Die Qual der Zahl – 9 wie »Revolution Nr. 9« oder 99 wie in griffen wie Dritte Welt, Ostblock und Behinderte sind es auch »99 Luftballons«? Schreibt uns eure Vorschläge, um welche hierzulande bislang unbelastete Begriffe, über die eine seman- Zahl zwischen 0 und unendlich es nächstes Mal gehen soll. tische Käseglocke gestülpt wird: »Amerika« kann als Über- zahlenbitte@thegap.at

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bild Ingo Pertramer

Zwei Millionen und zweihundertzehntausend Netzeinträge zum Thema Anführungszeichen können nicht irren. Die GänsefüSSchen sagen: Alles, was wir sagen, müssen wir anders sagen. Zum Beispiel alles über Elvis, Shakira, Thomas Meinecke und Roman Polanski.


rs a t S l l A g a L t e J Ra d i o S h ow

DIE Y T R A P

b ember 2011, a v o N . 5 2 , g a it > Fre

19.30 Uhr

acht rs durch die N ta S ll A g La 40 Wien t Mit den Je nstraße 24, 10 te re a rg a M , o in Schikaneder-K hr lm um 19.30 U sfi g n u h sc a rr e 21.00 Uhr Üb g All Stars ab La t Je n e d it m DJ Line Eintritt frei!

»Jet Lag All Stars Radio Show – Die Sendung«, Freitag, 25. November 2011, 23.03 Uhr, Ö1 und im Kinosaal des Schikaneder.

oe1.orf.at


Die Arbeit »Deforestoffences« von Clemens Wolf war 2011 bei der Vienna Art Fair, aber auch bei der Eröffnung des »Art Space« in der Pratersauna zu sehen. Pechschwarze Einkaufswägen versinken im Boden und bilden eine in sich geschlossene Konsumzone – So ähnlich wie die österreichische Kunstszene.

bild Lukas Gansterer, Courtesy Galerie Steinek Vienna / Galerie Nikolaus Ruzicska Salzburg


G egenwarts kun st in Österrei ch Jäger und Sammler auf Shoppingtour

Von der Kunst, im Heute anzukommen

TEXT JONAS VOGT

Nach Jahrzehnten der Rückwärtsgewandheit hat die Gegenwartskunst in Österreich Hochkonjunktur. Kaum ein Museum kann es sich leisten, auf zeitgenössische Ausstellungen zu verzichten. Alteingesessene und Neueinsteiger ringen um ihr Stück vom Kuchen, Kunstfunktionäre widmen sich hingebungsvoll Verteilungskämpfen. Österreichs Kunstszene sucht den Anschluss an die Gegenwart. Das wurde auch langsam Zeit.

enn das 21er Haus Mitte November seine Pfor- Man könnte sagen, dass die großen Museen die zentrale Wichten öffnet, um dort Kunst nach 1945 auszustel- tigkeit der Gegenwartskunst erkannt haben. Oder dass sie auf len, werden alle wichtigen Menschen der Szene die vermeintliche Nummer Sicher gehen. Sogar im KHM will die vor Ort sein. Sie werden sich gegenseitig auf die neue Direktorin Sabine Haag ab 2012 Gegenwartskunst ausstelSchulter klopfen und in Mikrophone und Blöcke len. Innerhalb der Szene werden diese Pläne, die klar außerhalb diktieren, dass die österreichische Kunstszene der Kernkompetenz des KHM liegen, eher als »Gehversuche« unüberschaubar, professionell und spannend ist. Es werden Par- belächelt. Vor allem für die Auswahl – mit Ed Ruscha, Lucian allelen zur Phase des Jugendstils gezogen und der Weltrang der Freud und Joseph Cornell gleich drei männliche US-Amerikaner hiesigen Bildenden Kunst betont werden. Zuerst die guten Nach- hintereinander – hagelte es Spott. Das seien Konzepte aus den richten: Sie werden damit gar nicht mal so unrecht haben. Auch 60er Jahren. wenn die alten Hasen im Geschäft darauf verweisen, dass nicht erst seit gestern zeitgenössisch ausgestellt wird und dass auch Despotie und Alltag die Kunst gewissen Moden und konjunkturellen Schwankungen In jedem Fall ein Auslaufmodell scheint der Typus des egounterliegt, scheint im Moment tatsächlich eine gute Zeit für Ge- zentrischen Museumsherrschers. Als einer der letzten seiner genwartskunst zu sein. Und um die soll es hier gehen: Bildende Art steht mit Gerald Matt gerade der Direktor der Kunsthalle unter schwerem Beschuss. Ihm werden verschiedene Vergehen Kunst der Gegenwart. Dort, wohin sich jetzt das Belvedere mit dem 21er Haus wen- vorgeworfen, darunter eher kosmetische wie ein despotischer det, herrscht bereits ein ziemliches Gedränge. Allein in Wien Führungsstil, aber auch handfeste Veruntreuung, weil er seine buhlen im Bereich der Gegenwartskunst das Mumok (Museum Privatwohnung auf Kosten der Kunsthalle Wien renoviert hätte. für moderne Kunst), das Museum Leopold, die Kunsthalle Wien, Peter Noever vom MAK hat ein ähnliches Gebaren bereits den die Albertina, das MAK (Museum für Angewandte Kunst) und Posten gekostet. bald auch die Kunstkammer im KHM (Kunsthistorisches MuseSolch selbstgefälliger – männlicher – Geniekult schürt die um) um Aufmerksamkeit. Und das sind nur die großen Häuser. Vorbehalte der Öffentlichkeit. Wobei das Klima ohnehin nicht Dazu kommen noch etliche mittelgroße Ausstellungsräume und immer so freundlich war wie jetzt, auch wenn man sich von Offspaces. Irgendwo in Wien wird mittlerweile sowieso immer den feinsinnigen Stilbauten am Wiener Ring oder am Salzburein Warhol gezeigt. ger Mozartplatz täuschen lassen könnte. Hinter der schmucken Dass alle großen Museen verstärkt auf Gegenwartskunst set- Fassade war Österreich jahrzehntelang ein zutiefst intellekt- und zen, hat seine Gründe. »In den letzten zehn, fünfzehn Jahren ist kunstfeindliches Land, in dem die Gegenwart wenig zählte. André die Popularität von zeitgenössischer Kunst international enorm Heller hat noch 2003 den scharfsinnigen Verdacht geäußert, Ösgestiegen«, erklärt Agnes Husslein-Arco, Direktorin des Belve- terreich würde von einer B-Garnitur regiert, die ohne die Vertreidere und damit auch Direktorin des 21er Hauses. Wie immer gibt bung der intellektuellen, bürgerlichen Elite während des Zweiten es hierfür eine freundliche und eine weniger freundliche Lesart. Weltkriegs niemals die Positionen erreicht hätte, die sie heute AU S GA B E 1 2 1 / 0 2 1 ◄


besetzt. Jahrelang war Wien ein »Museum bürgerlicher Selbstgefälligkeit«, wie es die Welt erst heuer nannte. Stellvertretend dafür ist das Kunstverständnis der FPÖ, die sich vergangenes Jahr erblödete, gegen die Förderung einer Swinger-Club-Installation in der Secession zu wettern. Rudelbumsen sei ja schließlich keine Kunst. Erst in den letzten 20 Jahren habe sich, so der Galerist Ernst Hilger, eine Schicht gebildet, die nicht nur Auto und Wohnung, sondern auch Gegenwartskunst schätzt und sich sogar ein, zwei Zeichnungen gönnt. Diese klimatische Veränderung schlägt sich auch in Zahlen nieder. Allein in Wien gibt es heute ungefähr 15 Mal mehr Galerien als noch in den 70er Jahren. Neben der traditionellen Konzentration auf die Innenstadt haben sich mit der Gumpendorfer Straße, der Schleifmühlgasse und dem Zweiten Bezirk mehrere künstlerische Zentren etabliert. Auch die Kunstmesse Vienna Fair wächst. Im siebten Jahr überzeugte sie heuer auch viele ehemalige Kritiker. International ausgerichtet, um Wien als Kunstmarkt zu etablieren, ist das vor drei Jahren von der Förderagentur Departure unter dem nunmehrigen MAK-Direktor Christoph Thun-Hohenstein initiierte Gastkuratoren- und Galerienprojekt »Curated By«. Daneben gibt es überall im Land Offspaces und eine junge und lebendige Szene. Elsy Lahner, Mitbegründerin des Ausstellungsraums Das Weisse Haus: »Die Offspaces müssen meist mit extrem knappem Budget auskommen, machen aber dennoch oft ein sehr umfangreiches und intensives Jahresprogramm.« Und auch abseits des gewohnt zentrierten Blicks auf Wien wird großartige Arbeit geleistet. Als Beispiel seien hier die Kunsthalle Krems oder die Galerienszene in Salzburg genannt. Auch die Landesmuseen haben weitgehend nichts von der Provinzialität ihrer Landesfürsten.

Vom Ostblock hin zur Augenhöhe

Bild oben / unten: »Ferdinand 3TR RS« von Johannes Langeder und »Kunst = Kapital« von Joseph Beuys werden bei der Ausstellung / dem Kunstmarkt Metamart zu sehen sein. Bild Mitte: Eine Outdoor-Ausstellung 2006 in der Istanbul Contemporary vergleicht die Entwicklung des Kunstmarkts mit den Finanzmärkten.

Wenn man nach Gründen für diese positiven Entwicklungen sucht, wird immer wieder die Ostöffnung als entscheidender Bruch genannt. Kaum etwas hat die österreichische Kunstszene so beeinflusst wie der Fall des Eisernen Vorhangs. Plötzlich tat sich ein riesiges neues Reservoire an Künstlern auf, aus dem man schöpfen konnte. Viele Kunstakademie-Abgänger von heute wurden damals im ehemaligen Ostblock geboren. Es herrschte auch im Kunstbereich Goldgräberstimmung. Galeristen und Sammler schwärmten in den ehemaligen Ostblock aus, um sich ihren Teil der Beute zu sichern. Dabei half es, mit den örtlichen Kunstexperten zu kooperieren. Allerdings dauerte es oft Jahre, bis daraus ein Austausch auf Augenhöhe wurde. Auch bei der Vienna Fair wurden osteuropäische Galerien anfangs in den hinteren Kojen versteckt. Heute ist man stolz auf seinen Schwerpunkt mit ganzen 47 Ost-Ausstellern. Aber auch andere Grenzen fielen: Der freie Warenverkehr in der EU macht es Sammlern möglich, jederzeit nach Madrid, Amsterdam oder Basel zu fliegen um sich die »Flachware« (Kunstwerke, die man unterm Arm tragen kann) persönlich mitzunehmen. Niemand bleibt auf den lokalen Dealer angewiesen. Dadurch wurde die Kunstszene zu einer enormen Professionalisierung gezwungen. Neben dem Gespür für die Kunst ist längst auch Business-Geschick unerlässlich. Geschäftspartner aus den USA erwarten häufig, dass Mails innerhalb von Stunden beantwortet werden und kümmern sich dabei nicht um die Zeitverschiebung. Kooperationen mit Marken und Unternehmen begannen bereits in den 80er Jahren – häufig begleitet von Anfeindungen aus der Szene. Auch das Bild des Künstlers als Lumpen-Bohemien wurde zumindest ein Stück weit durch konzentrierte Arbeit und Selbstvermarktung verdrängt. An den Akademien muss heute eine Diplomarbeit abgegeben werden, und jeder Absolvent sein Werk auch theoretisch beschreiben können.

Bild Metamart / Langeder – Metamart / Sammlung Philipp Konzett, Wien und VG-Bild-Kunst, Bonn 2011

Literatur und Landesmuseen


Professionalisiert Euch!

Eine Galerie vermarktet dabei ihre Künstler, organisiert Ausstellungen und vermittelt deren Werke an Gönner, Mäzene, Investoren und Hedgefonds. Wohin verkauft wird, kommt auf den Künstler und die Galerie an. Manche haben gute Kontakte zu Unternehmen, andere konzentrieren sich auf Museums- oder Privatsammlungen. Dafür streift die Galerie im Normalfall 50 Prozent des Verkaufswerts ein. Ihrem Selbstverständnis nach entdecken Galerien ihre Künstler, bauen sie auf und bilden den Humus, auf dem dann die Erfolge der großen Museen erst möglich sind. Die tatsächliche Bedeutung der österreichischen Galerien ist allerdings schwer einzuschätzen. Auf die Frage, wie viele Galerien von Weltrang es in Österreich gebe, werden verschiedenste Zahlen genannt. Mal sind es 20, mal nur eine. Wie auch sonst so in der Kulturindustrie gibt es dabei große Brummer und kleine Fische – mal sind es große Namen, große Portfolios, anonyme Vermittlung, Business nach Zahlen oder eben mehr Feinkostläden und hoch spezialisierte Häuser. Man trifft auch hier

Auf die Frage, wie viele Galerien von Weltrang es in Österreich gebe, werden verschiedenste Zahlen genannt. Mal sind es 20, mal nur eine.

auf alte Seilschaften, üble Nachrede und Galeristen, die nicht im selben Artikel wie bestimmte Kollegen zitiert werden möchten. Neueinsteigern in dem Geschäft soll schon einmal gedroht werden, sie gemeinsam fertig zu machen. In Gesprächen kristallisieren sich vor allem zwei Typen heraus: Manche Galeristen arbeiten eher im Stillen, andere versuchen durch Präsenz und bekannte Namen auch Käuferschichten über das normale KunstPublikum hinaus anzusprechen. Wenig überraschend haben beide nicht viel Gutes über einander zu sagen. Aber auch unter den großen staatlichen Häusern, die eigentlich einmal einen relativ klar umrissenen Aufgabenbereich verpasst bekommen hatten, soll die Gesprächsbasis nicht immer die Beste sein.

Die Österreichischen Bundesmuseen

▼▼▼ /// Insgesamt zeigt sich die Dienstherrin mit ihren Häusern durchaus zufrieden. »Die Bundesmuseen erfüllen Ihre Aufgaben und sind dabei sehr erfolgreich«, erklärt Ministerin Schmied auf Anfrage. »Insbesondere das wachsende Interesse der Besucherund Besucherinnen bestätigt die Arbeit unserer Bundesmuseen.« Allerdings schwand die Trennschärfe zwischen den großen österreichischen Museen zusehens, so dass im Jahr 2009 eine neue Museumsordnung mit expliziten Kernkompetenzen und Aufgaben verabschiedet wurde: Die Albertina (Grafik und Papierarbeiten) konzentriert seine Ankaufspolitik auf internationale Gegenwartskunst und zentrale Werke der österreichischen Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Das MAK (Angewandte Kunst an der Schnittstelle zu Design, Architektur und Gegenwartskunst) pendelt zwischen Kunst und Design und versucht dabei, die Sphären Bildende Kunst und Wirtschaft zu verbinden. Die Sammlung zeigt unter allem kunstgewerbliche Schauobjekte seit dem Mittelalter. Das Belvedere (Österreichische Kunst) mit dem 21er Haus, das am 15. November eröffnet wird, ist die österreichische Galerie mit einer großen Sammlung österreichischer Jugendstilmaler und der bedeutendsten Sammlung von Werken Gustav Klimts. Das Mumok (internationale Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts) hat seinen Sammlungsschwerpunkt im Bereich Pop-Art und Fotorealismus, seit einigen Jahren aber auch im Bereich Neue Medien mit zahlreichen Foto-, Video- und Filmarbeiten. Im KHM (Bildende Kunst bis zum Ende des 19. Jahrhunderts) sind schließlich bedeutende historische Sammlungen aus den Bereichen Antike, Münzen, Renaissance ausgestellt. Unter anderem ist dort die größte Bruegel-Sammlung der Welt zu sehen.

Bild Belvedere, Wien / Ian Ehm

Kunst und Wettbewerb – ein Widerspruch?

Die großen Museen werben derweil mit den größtmöglichen Namen. Allein die Roy-Lichtenstein-Ausstellung Anfang des Jahres lockte knapp 180.000 Besucher in die Albertina. Gegenwartskunst zieht Menschen an. Im Fall des GuggenheimMuseums in Bilbao wertete es sogar eine ganze Region auf, das Hundertwasserhaus immerhin einen Bezirk. Sammlungen und Ausstellungen zeitgenössischer Kunst gehören heute zur Standortpolitik. Nicht zufällig gerät Berthold Ecker, Referatsleiter Bildende Kunst im Wiener Magistrat, ins Schwärmen, wenn man ihn nach Gegenwartskunst fragt. »Davon profitieren alle. Nicht zuletzt die Stadt als sozialer Körper.« Blockbuster-Kunst und Eventisierung sind die Begleitphänomene. Doch dabei hat der Zwang zur Quote seinen Ursprung im Jahr 1988. Da wurden die Bundesmuseen in eine Teilrechtsfähigkeit entlassen, seit 1998 sogar schrittweise in die Vollrechtsfähigkeit überführt. Das bedeutet unter anderem: Die Finanzierung von staatlicher Seite hält mit der Entwicklung der Preise im Kunstsektor nicht mit und nimmt damit im Budget einen immer kleineren Teil ein. Die Museen sind schlicht auf die Einnahmen an den Besucherkassen angewiesen und müssen das durch Fundraising und Sponsoring zusätzlich abfedern. Die Teil- bzw. Vollrechtsfähigkeit hat den Wettbewerb der Museen erst wirklich entfacht. Ein Museum ist heute ein Unternehmen und muss eine Marke mit entsprechender Corporate Identity sein.

Das 20er Haus heißt jetzt 21er Haus. Es wurde von Karl Schwanzer für die Weltausstellung 1958 in Brüssel entworfen. Im November 2011 wird es wiedereröffnet und soll österreichische Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts im internationalen Kontext zeigen. AU S GA B E 1 2 1 / 0 2 3 ◄


Das beantwortet allerdings eine weitere Frage nicht: Gibt es überhaupt genug Publikum für soviel Gegenwartskunst? Offiziell will das Problem keiner zugeben. Inoffiziell sind sich die Museen aber durchaus bewusst, dass die Gefahr der Kannibalisierung besteht. Es wollen immer mehr Akteure ein Stück von einem Kuchen, der im Verhältnis zur Ausstellungswut nicht schnell genug wächst. »Abgrenzungsgespräche« sollen dafür sorgen, dass die Museen verstärkt ihrer spezifischen Aufgabe nachkommen und wieder unterscheidbar werden. Das wird auch im zuständigen Ministerium begrüßt. »Die inhaltlichen Schwerpunkte der Bundesmuseen sind 2009 in den neuen Museumsordnungen durch die Festlegung von Kern- und ergänzenden Kompetenzen erfolgt«, so Ministerin Claudia Schmied. »Auch die Abstimmung unter den Kunstmuseen unter Einbindung der Direktorenkonferenz ist in den Museumsordnungen vorgesehen und wird von mir sehr positiv gesehen.« Das lässt Raum für viel Interpretation, einigen Streit, Weiterwursteln und dann irgendwann natürlich eine strahlende Zukunft. Roy Lichtenstein-Ausstellungen mögen Pop-Art im doppelten Sinne sein – als Genre wie als Herangehensweise. Doch letztlich profitieren alle davon, wenn sich Kunst in der Gesellschaft verbreitet – nicht zuletzt die Gesellschaft. Ach ja, und was bislang zu kurz kam: In Österreich gibt es exzellente Künstler, ob bekannt oder unbekannt. Die Türen der nächsten Galerie, des nächsten Museums oder Offspace stehen offen. Durchgehen muss man aber selbst. ¶

Das 21er Haus eröffnet am 15. November mit der Ausstellung »Schöne Aussicht«. Das MAK erforscht seine Zukunft mit dem zweistufigen MAP-Programm (Memory And Progress). Die Albertina hat für Mai 2012 eine Schau zu Damien Hirst angekündigt. Das KHM zeigt 2012 Gegenwartskunst. Und das Mumok macht auch unter seiner neuen Direktorin Karola Kraus weiter wie bisher. Die Landesmuseen Musa und Kunstraum Niederösterreich zeigen regelmäßig neue Schauen.

Beide Werke sind zurzeit in Wien zu sehen. »Male Beauty« von Marlene Dumas noch bis Mitte November in der »Albertina Contempory«, Die Installation »Lumpenprole« von Mike Kelley im »Museum der Wünsche« im Mumok.

In Vorarlberg wird das Landesmuseum gerade neu gebaut. Sezession, Kunsthalle Wien, Project Space, Kunst im öffentlichen Raum bereichern in der Bundeshauptstadt das Angebot. Daneben gibt es laufend Galerienrundgänge, Kunstwochen, Auktionen, Messen, Off Spaces, Bierdosen-Events und natürlich reichlich Galerien und Gegenwartskunst in den Bundesländern.

Mike Kelley, Lumpenprole, 1991, Installation, Leihgabe der Österreichischen Ludwig Stiftung / on loan from the Austrian Ludwig Foundation Foto: mumok © Mike Kelley

Kannibalismus, Kompetenzen und die Pop-Art

Bild Marlene Dumas, Male Beauty, 2002, Aquarell, Albertina, Wien - Dauerleihgabe der Österreichischen Ludwig-Stiftung für Kunst und Wissenschaft © VBK, Wien 2011

Einen entscheidenden Nachteil hat der Zwang zur Vermarktung allerdings: Für die Sammlungen selbst bleibt immer weniger Geld übrig. Das Budget für Werkankäufe ist im Vergleich zum Marketingbudget meist lächerlich gering. Außer bei den Landesmuseen, die Werke mit lokalem Bezug ankaufen müssen, ist die Ankaufspolitik sehr schwierig zu durchschauen. Der Versuch, die Regeln zu erfragen oder zu verstehen, nach denen Kunst angeschafft wird, die Kriterien, warum dieser Künstler an dem einen Haus oder dieselbe Künstlerin an drei Häusern vertreten ist, scheitert zumindest für Außenstehende. »Das ist die berühmte Frage nach der ›guten Kunst‹«, erklärt Susanne Neuburger, Kuratorin am Mumok. »Gibt es sie per se oder messen wir sie an Kontexten und Bezugssystemen?« Dieses Vermarktungsdilemma ist nicht ausweglos. Kluge Kuratoren kombinieren beispielsweise »Blockbuster« mit Ausstellungen, die normalerweise keine Massen ins Museum locken und werden so ihrem Vermittlungsauftrag gerecht.


Open Society Award

CALL FOR ENTRIES!

A1 sucht im Rahmen des A1 Open Society Awards österreichische Projekte, die das Internet für Diskussion und Partizipation nutzen und damit die Zivilgesellschaft stärken.

Weitere Infos und Anmeldung unter: www.A1.net/open-society-award


TE X T erwin uhrmann BILD Didier marcel

»Red Harvest« gießt die Überreste eine Maisfeldes in rotes Kunstharz. Von öden Marslandschaften und Land-ArtErweiterungen über eine blutende Erde und Raubbau daran werden diverse Themenkomplexe gestreift.


► Gold en F rame ► Didier Marcel – Red Harvest

Wüstes Land Mit »Red Harvest« hat Didier Marcel eine schroffe und vielschichtige Skulptur geschaffen, die mit Elementen der Land Art spielt. ie Landschaft bewegt sich in der zeitgenössischen Kunst innerhalb eines breit gefächerten Spektrums von der Landschaftsmalerei und -zeichung über die Landschaftsfotografie bis hin zur 1960 in den USA entstandenen Land Art. Der französische Künstler Didier Marcel orientiert sich in seinem Werk wenig an diesen bekannten künstlerischen Medien und schafft damit einen ästhetisch interessanten Umgang mit der Landschaft, der gerade die Charakteristika von schroffer Natur stark betont. Die Arbeit »Red Harvest« ist ein in rot gehaltener Abguss eines abgeernteten Maisfelds. Der Boden wirkt verbrannt, die Wurzeln der Pflanzen liegen großteils frei und stecken wie Finger im Boden. Der Mensch ist in dieser Arbeit nur peripher ein Thema. Er ist entweder schon weg, was bei einem Maisfeld nahe liegt, oder noch gar nicht da. Man ist erinnert an eine Marslandschaft, einen lebensfeindlichen Ort, wo dennoch die Vermutung des Lebens klar im Raum steht. Marcels Landschaften sind auch Skulpturen. Im eigentlichen Sinn sind es Landschaftsfragmente, die am ehesten die Attribute schroff, roh und herb verdienen. In seinen Arbeiten benutzt er mitunter gewaltige Steine und spannt sie zwischen zwei Balken auf eine Art Wäscheleine. Das Rätselhafte dieser Arbeit ist die Anspielung auf das Thema Mythos. Man ist erinnert an Stonehenge oder ähnliche Kultstätten, deren Entstehung nicht geklärt ist. Die landschaftliche Ödnis, die erst wieder durch den Betrachter aufgeladen wird und damit an Schönheit gewinnt, benötigt den Menschen zur Ästhetisierung. Ebenso ist es mit der Skulptur. Der Skulpturbegriff, den zahlreiche zeitgenössische Künstler immer wieder neu für sich zu definieren versuchen, wird von Marcel zurückgeführt in die Landschaft. Der Künstler arbeitet sich ab, das Material ist ebenso wichtig wie die Idee. Einerseits übersetzt der Künstler Landschaftsfragmente in das System Kunst, andererseits überführt er die Skulptur in die Landschaft. Marcels Landschaftsteile verändern den Raum, sie sind architektonische Konstrukte, die eine Reihe von Konnotationen zulassen. Didier Marcel wurde 1961 in Besancon in Frankreich geboren. Der Künstler studierte in Besancon und Paris und wird heute von den Galerien Michel Rein in Paris und Blancpain Art Contemporain in Genf vertreten, seine Werke sind in zahlreichen Sammlungen auch international präsent. ▪  Bis 20. November zeigt der Kunstraum Dornbirn die Ausstellung »Red Harvest«, für die der Künstler Didier Marcel eine in-situ Arbeit anfertigte. AU S GA B E 1 2 1 / 0 2 7 ◄


► drake ► R&B-Rap mit Schamesröte statt Fremdschämen

Im Video zu »Marvins Room« (Reihe Eins und Zwei) trinkt Drake wie ein Böser und prallt an den Frauen ab. Das Licht ist schummrig, so wie der Track selbst. Drake singt von Schamgefühl ohne dass man sich dafür schämen muss. Reihe Zwei: Ausschnitte aus dem nur unwesentlich glamouröseren »Headlines«.

Drake schöpft aus einem Schmalztopf literweise R’n’B und spült HipHop seither mit Songs weich, die den Mainstream sexy, nebulös und tiefgründig machten. Der polternde Lil’ Wayne und die sphärischen The XX sind hier kein Gegensatz mehr, sondern ein feuchter Traum namens Pop.

ie Silhouette eines Unterwäschemodels setzt sich auf ein dunkles Ledersofa und säuselt. Er sitzt an der Bar, schüttet Drinks in sich hinein, prallt an den Frauen um ihn herum ab und fühlt sich schwer. Das Licht im glamourösen Club ist schummrig, die nächtlichen Szenen verschwimmen in Nebelschwaden. Sie telefonieren miteinander. Er erklärt sich im Rausch – wie schwer es ihm fällt, sich an den Ruhm zu gewöhnen. Er schwafelt von Reichtum, Sex und Schuldgefühlen, bis er schließlich ins Telefon seufzt: »I’m lucky that you picked up / Lucky that you stayed on / I need someone to put this weight on«. Sie ist die Frau, die er trotz alledem nicht haben kann. Wir befinden uns mitten in »Marvin’s Room«, einer der neuen Balladen des kanadischen R’n’B-Rappers Drake, die sein zweites offizielles Album »Take Care« veredeln werden. Aufgenommen wurde dieser Song im gleichnamigen Studio, das in den 70ern von Marvin Gaye in Los Angeles eingerichtet wurde. Bei dem 25-jährigen Kanadier wird eben nichts dem Zufall überlassen, schon gar nicht, was die Ästhetik des Sounds betrifft. Produzent Noah Shebib alias 40 hat auch in diesem Fall wieder eine Klangwolke geschaffen, die perfekt zu den entschleunigten, schwebenden Raps seines langjährigen Freunds Drake passen. Wattierte Drums pochen, aus dem Hintergrund hauchen Synthesizer-Sirenen, Wortfetzen, elektronische Partikel und vielleicht ein Piano; der Bass drückt sanft, aber bestimmt. Ähnlich klingen die hypnotischen Sphären bei »Dreams Money Can Buy«, einem weiteren neuen Song von Drake, den er wie viele andere zuvor frei im Internet veröffentlicht hat. Hier griff Produzent 40 auf den Blog-Hit »BTSU« des Briten Jai Paul von XL Recordings zurück. Der gurgelnde Electro-Funk wurde zu einem sanften Dunst verflüchtigt, konterkariert von Lyrics, die mit überbordendem Reichtum prahlen. »Don’t fuck with me« flötet immer wieder das Sample einer Frauenstimme.

Epizentrum Mainstream

Für einen Moment kommt der Knister-Dubstep von Burial in den Sinn, plötzlich erscheinen vor den geistigen Augen zu diesen Beats auch die Stimmen von James Blake, Jamie Woon, J Davey, D’Angelo oder The XX. Der Schein trügt, so will es das Konzept. Der Referenzrahmen, in dem sich Drake bewegt, verschiebt sich weg von hier und beschreibt ein eigenes Kapitel zeitgenössischer Popmusik. Dort oben im glitzernden Mainstream, wo die Him-

text KLAUS BUCHHOLZ BILD universal

herrenwitz mit feingefühl


melspforten von schillernden Schlüsselfiguren wie Kanye West oder Missy Elliott bereits aufgestoßen wurden. Dort, wo es ums Geld geht aber auch nicht alles Gold ist, was glänzt. Dort, wo »Swag« zum guten Ton gehört, wo schlüpfriger Straßen-Rap die Grenzen zur Selbsttherapie einer verträumten Bohème verwischt – »I’ve always liked my women book and street smart / Long as they got a little class like half days / And the confidence to overlook my past ways« (»Fancy« feat. T.I. & Swizz Beatz). Seit 2001 lässt Aubrey Graham alias Drake die Mädchenherzen höher schlagen. Mit 14 begann er seine Schauspielkarriere in der kanadischen Teenager-Serie »Degrassi: The Next Generation«. Dort verkörperte er über sieben Staffeln den Athleten Jimmy Brooks, der zum Rollstuhlfahrer und schließlich zum Rapper wird. Heute erklärt Drake in Interviews, dass ihn das frühe Rampenlicht eher zum Mann gemacht habe, so ziehe er es auch vor, sich mit älteren Frauen einzulassen. Der Mittzwanziger betont Erfahrungswerte, Gelassenheit und Nabelschau-Diskurse, statt Hüftschüsse oder voreiliges Brunftgeschrei. Mann hat Manieren und eine bildungsbürgerliche Erziehung. Dieser Haltung passen sich das reduzierte Tempo und die schummrige Atmosphäre seiner Songs zunehmend an.

There’s no business like show business

Prahlend streift Drake zwar auch heute noch über HipHop-Allgemeinplätze, gleichzeitig überraschte Drake damals aber mit einer neuartigen melancholischen Selbstreflexion, die keinen Hehl aus der konstruierten Künstleridentität machte und stattdessen begann, deren Verfallserscheinungen zu beleuchten. Seither lässt Drake durch seine Selbstinszenierungen als Dandy wohl dosierte, intelligente Brüche schimmern, die vom fragilen Sound-Teppich seiner Produzenten (hier besonders 40 und Boi-1da) aufgefangen werden. Sein R’n’B-Rap schwört nostalgischen Soul-Kitsch ebenso herauf wie unterkühlten Synth-Pop oder marschierenden Südstaaten-HipHop, um pulsierende Hymnen zu schaffen, zu denen geseufzt werden darf. »Thank Me Later«, das Debütalbum mit dem überheblichen Titel und einem furchtbaren Cover, brachte 2010 den Brückenschlag zwischen glaubwürdigen Blockjungen und beflissenem Crooner auf den Punkt: sich chic und nachdenklich geben, statt peinlich und polternd. Den eigenen Materialismus und Machismo auch mal in Frage stellen – vielleicht ist man am Ende ja selber die größte »Bitch«? Dazu das große Ganze im Blick haben, auch Nischen der Popkultur wie Wonky, Chillwave, Dream Pop, Trip Hop oder Post-Dubstep. So weit kamen frühere Ikonen Kanye West oder Jay-Z bei all ihrer Affinität zu Kunst und Mode bisher noch nicht. Zudem kann Drake seine Balladen sexy singen, ohne mit Autotune-Effekten Höhepunkte vortäuschen zu müssen. Effektvoll und verdientermaßen posiert er heute als NeoSoul-Gentleman, der seine übermütigen Herrenwitze mit Stil und Feingefühl erzählt. So verspricht sein neues Album »Take Care« noch weniger Rap-Kompromisse und noch mehr R’n‘B -Essenz. Dafür sprechen Kollaborateure wie Stevie Wonder, Jamie XX oder der ihm nahe stehende The Weeknd, welcher seinen konzeptuellen Slow-Jam- R’n’B noch düsterer und experimentierfreudiger schimmern lässt. Drake ist oben angekommen und in bester Gesellschaft. Von diesem Standpunkt aus bringt er genug kreatives Potenzial mit sich, um uns auch in Zukunft mit Schmachtgesängen einzuölen, die von Größenwahn, Fleischeslust, Versagensängsten und der immer währenden Vergänglichkeit der Kunst handeln. R’n’B till the death of me. ¶

Darüber hinaus ist Drake – dessen Vater Songs für Al Green schrieb und dessen Onkel für Prince den Bass bediente – auch eines der erfolgreichsten Aushängeschilder einer InternetGegenwart, die Ruhm und Reichtum ganz ohne physische Tonträger erlebt. Erst nach drei erfolgreichen offiziellen Mixtapes ließ er sich dauerhaft mit der Musikindustrie ein; nachdem ihn der US-Superstar Lil’ Wayne zu sich holte, ihn mit auf Tour nahm und mit ihm 2009 die EP »So Far Gone« veröffentlichte. Das gleichnamige Mixtape gab es zuvor schon gratis über Drakes Blog. Mit den beiden Hit-Singles »Successful« und »Best I Ever Had« empfahl sich Drake nun nicht bloß mit geschäftstüchtiger Promotion, sondern vor allem auch mit einem außergewöhnlichen und eigenständigen Sound-Konzept, das von der breiten Masse und eingeschworenen Indie-Medien (siehe Pitchfork) gleichermaßen gefeiert wurde. »So Far Gone« streifte frühere Vorbilder wie Kanye West oder Lil’ Wayne ab und markierte »Take Care« erscheint am 14. November via Universal. einen Meilenstein: Der schlüpfrige R’n’B-Rap war erwachsener Nähere Informationen und Downloads unter: www.octobersveryown.blogspot.com und www.the-weeknd.com und eigenständiger geworden.

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► RAE S P O O N ► Transgender Electronica-Country

von jägern und gejagten 980 in der kanadischen Einöde als Mädchen geboren, zieht Rae Spoon seit seinen frühen 20ern als queerer Countrysänger durch die Lande. Über die Jahre wechseln die Instrumente vom Banjo zur Akustik- und schließlich zur E-Gitarre, der musikalische Einschlag geht vom Cowboy-Folk mit Punk-Einschlag in Richtung moderner Folktronica. Persönliche Geschichten vom Aufwachsen in Alberta als Transgender in einer erz-christlichen Familie durchziehen die Songs ebenso wie eine melancholische Schwere, die die kanadische Prärie ihren Bewohnern dann wohl einhaucht. Seine Balladen voll Wortwitz und Existenzialismen trägt Rae Spoon mit zerbrechlicher Stimme vor und räumt darin Gefühlswallungen unter der Discokugel, Hoffnung und der eigenen Identität mit all ihren Widersprüchlichkeiten den nötigen Platz ein. Vor allem Letzteres ist ein wichtiges Thema für den Musiker. Das machen auch diverse mit Akustik-Gitarre instrumentierte LoFiCover-Versionen deutlich, die Rae Spoon auf seinem YoutubeChannel versammelt hat, etwa die von Beyoncés »If I Were A Boy«, das die verletzliche Position der Frau im Heute weiterdenkt und aus Spoons Warte zum Manifest für Transgender-Personen und sexuell alternativ Orientierte wird. Dieses Thema ist auch auf dem zuletzt erschienenen Album »Love Is A Hunter« zentral. Was die Instrumentierung betrifft, beschreitet Rae Spoon aber neue Wege und macht sich – geprägt durch einen längeren Aufenthalt in Berlin – zunehmend mit Electronica und Pop vertraut. Ein ungewöhnlicher, aber interessanter Mix aus Beichtstuhl-Lyrics und tanzbarem Elektro-Pop ist das Resultat. Die einfach gehaltenen Songstrukturen spiegeln zwar immer noch Rae Spoons Background als gitarrenzupfender Folkie wider, Songs wie »You Can Dance« und »dangerdangerdanger« vermengen aber Retro-Pop-Melodien mit tanzbaren Grooves, die nur darauf warten, vom richtigen DJ auf den Plattenteller gepackt zu werden.

aufwuchs. Angefangen, mich wirklich für Musik zu begeistern, habe ich aber wahrscheinlich erst, als ich begann, meine eigenen Songs zu schreiben. In der High School wusste ich dann, dass ich später von Musik leben wollen würde. Dein neues Album deutet ja einen Umschwung von den traditionellen Folktönen deiner Heimat zu elektronisch Beeinflusstem an. Wie kam es dazu? In welchem Musikgenre fühlst du dich mehr zuhause? Ich bin vom Folk zur elektronischen Musik gekommen, als ich in Berlin gelebt habe. Dort war ich einfach ständig mit diesem Genre konfrontiert und das hat mich dann dazu inspiriert, selbst zu lernen, wie man einen Computer zum Instrument macht. Heute fühle ich mich in beiden Genres gleichermaßen wohl. Bei der Internet-Recherche bin ich immer wieder auf Artikel gestoßen, die thematisieren, dass du Transgender bist. Findest du, dass die geschlechtliche Orientierung eines Musikers zerpflückt werden sollte oder ist das etwas, das nur vom eigentlichen Schaffen ablenkt? Ich denke, dass das Geschlecht eines Künstlers für das Publikum sehr wohl gewisse Dinge in einen Kontext stellt. Ich für meinen Teil finde es besser, wenn die Leute wissen, dass ich Transgender bin. Viele meiner Texte basieren auf dieser Erfahrung und ohne dieses Wissen würden sie weniger Sinn ergeben.  ¶

Der Titel deines letzten Albums lautet »Love Is A Hunter«. Was meinst du damit? Ist Liebe nicht eigentlich etwas, dem viel zu oft nachgejagt wird? Ich habe das Album so genannt, weil ich das Thema Liebe als etwas erforschen wollte, das sich manchmal schwer vermeiden lässt. Da spielt klarerweise auch das Thema des Nach-LiebeSuchens hinein und vielleicht auch jenes des Gejagt-Werdens, wenn man queer ist. Und natürlich die Spannungen zwischen diesen beiden Themen, die die Art von Liebe, nach der man sucht, zu etwas Gefährlichem machen. Anderes Thema: Wie hast du dich eigentlich in die Musik ver- Rae Spoon tourt Ende November durch Österreich und macht vor liebt? Würdest du das Ganze mehr als Affäre sehen, oder als et- seinem Auftritt beim Blue Bird Festival der Wiener Songwriting Association (VSA) im Wiener Porgy & Bess (26.11.) auch Station was, das darüber hinaus geht? Ich habe angefangen Musik zu machen, als ich noch sehr in den Bundesländern: 23.11. Kufstein / Kufa, 24.11. St. Pölten / jung war. Das war immer Teil der Kirchengemeinde, in der ich Cinema Paradiso, 25.11. Salzburg / ARGEkultur

text Sandra Bernhofer BILD JJ Levine

Warum Rae Spoon auf »Love Is A Hunter« sein heißgeliebtes Banjo an den Nagel hing und was es mit Gender im Pop auf sich hat, haben wir aus dem kanadischen Singer / Songwriter im Interview herausgekitzelt.


► T hi s Human World : T hi s Human R iot an d R e volution ► A siem El Difraoui über »Tahrir 2011«

history in the making Das diesjährige This Human World-Festival zeigt im Programmschwerpunkt »Riot And Revolution« den Dokumentarfilm »Tahrir 2011«. Ko-Produzent Asiem El Difraoui über das extrem zeitnah fertig gestellte Werk dreier ägyptischer Aktivisten und Filmemacher.

INTERVIEW MARTIN MÜHL BILD THIS HUMAN WORLD

enige Monate, nachdem in Ägypten Diktator Husni Mubarak gestürzt worden war, präsentierten die Filmemacher Tamer Ezzat, Ayten Amin und Amr Salama ihren Blick auf die Ereignisse. Das erste Kapitel »The Good« lässt die Helden des Aufstands zu Wort kommen und zeigt spektakuläre Aufnahmen aus den Tagen des Widerstands. Im zweiten Kapitel »The Bad« versucht Ayten Amin zu ergründen, wie die verhasste Polizei ihre Gewalttaten rechtfertigt. Sie interviewte Beamte – unentschlossen zwischen Gehorsam und Sympathien für die Protestierenden. Im letzten Teil »The Politician« widmet sich Amr Salama dem Diktator selbst – im ironischen Selbsthilfeprogramm »Wie werde ich ein Diktator in 10 Schritten«. »Tahrir 2011« entstand sehr zeitnah zu den Veränderungen in Ägypten. War das Konzept und was bedeutet dies für den Film? Das waren in erster Linie auch die französischen und ägyptischen Koproduzenten, die sich sehr rasch dazu entschieden, die Ägyptischen Filmemacher – alle drei Regisseure waren selbst Teil des Umsturzes – zu dem Film zu ermutigen. Ich hatte dann fen und produzieren. Wenn diese eine gewisse Masse erreicht Kontakt mit Sendern wie dem WDR, der ungewöhnlich schnell haben, sind sie nicht mehr zu kontrollieren. zusagte. Wir konnten sehr spontan einen Film umsetzen, ohne Der Film wäre ohne Technik vielleicht ähnlich geworden, aber vorher seitenlange Exposés verfassen zu müssen. Auch die Festi- sicher nicht genau so. Konkret wäre er ohne den Einsatz von vals haben äußerst positiv reagiert und den Film ins Programm Handys nicht möglich gewesen, etwa der erste Teil des Films, der aufgenommen, nachdem sie nur Teile des Films oder einen Roh- mittels von Aktivisten aufgenommenen Videos die Ereignisse schnitt gesehen haben. Untertitelt wurde der Film einen Tag vor am Tahrir-Platz dokumentiert. Das sind seltene Alltagsausnahden Festspielen von Venedig und er wurde dort ohne Musik im men, aber auch schockierende Bilder, die einen großen Einfluss Vorspann gezeigt. auf die ägyptische Bevölkerung hatten. Die zeitliche Nähe sorgt für eine Distanzlosigkeit und einma- Was bringt ein Preis wie der Unesco Preis? lige Authentizität, trotz kleiner formaler Schwächen. Wir haben Preise wie der Unesco-Preis oder die Auszeichnung in Oslo uns dafür entschieden diese zu übernehmen – etwa auch eine sind sehr wichtig. Sie machen stolz, ermöglichen aber auch weieigensinnige ägyptische Bildsprache. Der Film funktioniert wie tere Filme, weil sie zeigen, dass junge ägyptische Filmemacher ein Zeitzeuge, der sehr nahe und unreflektiert berichtet. Einzel- etwas erreichen können. Ein Teil der Revolution waren ja auch ne Elemente wären auch später gar nicht mehr möglich gewesen, junge Medienmacher, die in einem veralteten System keinen wie etwa im zweiten Teil die Interviews mit den Polizisten. Diese Platz bekommen haben. Ermutigend sind diese Preise auch für wären nie wieder so offen in ihren Antworten gewesen. junge arabische Filmemacher anderer Länder. Die aktuellen Umstürze werden mit technologischen Entwick- In Berlin konnte die Piratenpartei im September beinahe 9 Prolungen in Zusammenhang gebracht. Wie sehen sie diesen Zu- zent erreichen. Gibt es auch in Europa eine Chance auf Verändesammenhang und wäre der Film ohne moderne Technik möglich rungen die durch Netzkultur vorangetrieben werden? gewesen? Bisher habe ich das in Europa noch nicht erlebt – vielleicht Technik ist grundsätzlich immer neutral. Aber ohne moderne mit der Ausnahme von Stuttgart 21. Es bleibt aber auch erst abKommunikationsmittel wären die Umstürze so nicht möglich zuwarten, ob das Netz bei arabischen Wahlen, die nun langsam gewesen. Das sagt auch ein junger Moslem im Film, der meint: stattfinden, eine Rolle spielen wird. ¶ »Anfangs waren nur 80 Leute bei den Kundgebungen. Wenn es nicht mehr geworden wären, hätte ich begonnen Facebook zu boykottieren.« Natürlich kann Technik auch zur Unterdrückung verwendet werden. Entscheidend war aber, dass es dank Asiem El Difraoui wird bei This Human World zu Gast sein, um Technik neue Protagonisten gibt – so genannte Prosumenten. den Film »Tahrir 11« vorzustellen. Leute, die nicht nur konsumieren, sondern auch selbst eingrei- —www.thishumanworld.com AU S GA B E 1 2 1 / 0 3 1 ◄


► mako ssa & megab la st ► Mit neuem Album zurück

album der woche he Gap traff Marcus Wagner-Lapierre (Makossa) und Sascha Weisz (Megablast) im Tonstudio und plauderte mit ihnen über ihren aktuellen Sound, die Trennung von G-Stone und Makossas heikle Rolle als Musiker und FM4-Musikchef.

makossa: Ja, das ist der große Unterschied zum ersten Album. Jetzt haben wir bei fast jeder Nummer live Percussions einspielen lassen. Ebenso hatten wir einen Bassisten und einen Gitarristen dabei. megablast: Ich spiel auch die Synthesizer mittlerweile alle selbst ein. Wie schaut die Arbeitsteilung bei Makossa & Megablast aus? megablast: Ich arbeite meistens ein wenig vor und entwerfe die Basis. Wenn Marcus kommt, hat er noch frische Ohren, weil er das nicht schon seit Stunden hört. Danach überlegen wir gemeinsam weiter. Marcus, wie gehst du als FM4-Musikchef beim Sender mit eurem Album um? makossa: Mir ist vollkommen bewusst, welche Gratwanderung ich da vollziehe. Einerseits als Artist, andererseits als Musikchef. Ich handhabe es so, dass mir niemand eine Bevorteilung nachsagen kann. Das hat zur Folge, dass ich meine Sachen On Air mehr zurücknehme. Wenn das Album von einem anderen Künstler käme, wäre es vermutlich Album der Woche bei FM4. So ist es das nicht. Diese Regelung haben wir für alle Musiker bei FM4 getroffen und ich achte sehr penibel darauf. Wie sieht euer aktuelles Live-Setup aus? makossa: Die Vocals reduzierten wir oder wir spielen instrumentale Playbacks von CD oder Laptop und effektieren intern. Sonst machen wir noch gar nicht so viel auf der Bühne. (lacht) Der Fokus liegt eher auf Live-Percussions und Vokalisten. Wir arbeiten daran, das nächstes Jahr mit Ableton umzusetzen, damit wir mehr eingreifen können. Wir unterscheiden uns durch drei Vokalisten und ein bis zwei Percussionisten auf der Bühne von anderen Live-Acts. ¶

Wie kam es zu der Trennung von Kruder & Dorfmeister und ihrem Label G-Stone? makossa: Erstens wurden wir uns einfach nicht mehr vertragseinig. Wir waren nicht mehr bereit, wie beim ersten Album die Verlagsrechte abzugeben, was in Zeiten wie diesen von Künstlerseite auch sehr verständlich ist. Der zweite Grund für die Trennung war die Haltung von Peter (Kruder) und Richard (Dorfmeister) gegenüber ihrem Label. Für sie ist das einfach nur ein großes Hobby. megablast: Durch die Tatsache, dass bei Kruder & Dorfmeister Kritik gar nicht gerne gesehen wurde, kam eine gewisse Missstimmung auf. Wir kritisierten zum Beispiel, dass im Rahmen der 16 Jahre G-Stone-Compilation zwar Tracks von allen Künstlern eingesammelt wurden, aber K&D alleine auf Live-Tour gingen. Das familiäre Business, das immer gepredigt wurde, fand nicht statt. Neben eurem eigenen Label Luv Lite habt ihr auch auf Gigolo veröffentlicht. Wie kam es zur Verbindung mit DJ Hell und zu den Remixen von Luciano und DJ Koze? makossa: »Soy Como Soy« ist dort als Single erschienen. Wir haben uns mit dem Track gar nicht so großen Erfolg erwartet, weil es ja nur eine Nummer unter 40 war. Gigolo hat dann als Compilation-Auskopplung eine Splitmaxi mit Wolfram aka Diskokaine und uns gemacht. Die Maxi hat dann die Runde gemacht und Luciano hat die Nummer viel gespielt. Das hat eine unglaubliche Welle ausgelöst - andere namhaften DJs haben ebenfalls begonnen, »Soy Como Soy« zu spielen. Der DJ Koze-Remix wurde dann von DJ Hell initiert und Luciano als Remixer war offensichtlich, weil er den Track von Beginn an supportete. Vom Klangbild her klingt vieles auf dem Album sehr analog und »Soy Como Soy« von Makossa & Megablast erscheint am 21.10. via Luv Lite Recordings. selbst eingespielt.

text Johannes Piller, Maximilian Zeller BILD Niko Havranek

Die Wiener DJs und Produzenten Makossa & Megablast schießen nach dem Ibiza-Hit »Soy Como Soy« ihr zweites Album nach. Die eigenständige Fusion aus afrikanischer Musik und europäischen Disco-Beats wird schlüssig weitergeführt.


► I co & Sh ad ow Of T h e Colo ss us ► Zwei Klassiker der Spielgeschichte als Re-Release

wertvolle unsicherheit Fumito Ueda zwingt mit gezielter Reduktion zum Mitfühlen. Mit den – gerade wiederveröffentlichten – »Ico« und »Shadow Of The Colossus« schuf er zwei Musterbeispiele zum Thema Spieltiefe. lar würde jeder Bub, egal ob vor oder nach dem Stress – und das nicht nur aus Angst, beim letzten Safepoint neu Stimmbruch, gerne einmal ein Mädchen aus der starten zu müssen, sondern auch aus Sorge um Yorda. Auch in Gefangenschaft des Bösen retten. Kann er auch. »Shadow Of The Colossus« wird ein ziemlich Unbekannter geNicht erst seit »Super Mario« und »Prince Of steuert. Diesmal ein junger Mann namens Wanda, der ein totes Persia« lässt sich das virtuell bewerkstelligen. Mädchen in einen Tempel bringt, in der Hoffnung es von einem Das Gefühl beim Untergang Bowsers (Marios magischen Wesen wiedererwecken zu lassen. Als Gegenleistung Widersacher) trifft allerdings nur bedingt die Erwartungen aus muss er 16 Kolosse töten, die das sonst leere Land bevölkern. eben diesem Bubentraum. Dabei versuchen Spiele schon sehr Doch schon die ersten der majestätischen Riesen erwecken nicht lange – also seit kurz nach dem ersten Ballwechsel in »Pong« – den Eindruck, ihren Tod verdient zu haben. Und mit jeder memöglichst emotionale Geschichten zu erzählen: Teils höchst lancholischen Siegesszene eines langsam in sich zusammenfalkomplex, teils grundstupide. Und da wie dort blieb die Handlung lenden Giganten mehren sich die Zweifel, hier im Auftrag des fast ausnahmslos Nebensache; ein willkommenes Füllelement Guten zu handeln. für kurze Videosequenzen und die Verpackungsrückseite.

text Harald Koberg BILD sony

Viel zitierte Klassiker

Und dann purzelte 2001 ein unbekannter Junge mit Hörnern aus einem Gefäß, in das er gesperrt worden war; in einem Schloss, das er nicht kannte. Sein Name war nur dem Spieltitel zu entnehmen: »Ico«. Wer das Mädchen war, das er kurz darauf aus einem Käfig befreite, blieb noch Stunden unklar. Die Kritiker waren begeistert, doch die zahlende Masse schien am reduzierten Gameplay und der unklar märchenhaften Geschichte keinen Gefallen zu finden. Der erhoffte finanzielle Erfolg blieb aus und trotzdem wurden »Ico« und der 2006 erschienene Nachfolger desselben Teams, »Shadow Of The Colossus«, zu viel zitierten Klassikern. Die Geschichte von »Ico« wiederholte sich: Obwohl von manchen als bestes PS2-Spiel überhaupt ausgezeichnet, wurde auch dieser Titel kein Kassenerfolg. Diesen Herbst erschien eine überarbeitete Neuauflage der beiden Titel für die PS3 – als Vorbereitung auf den angekündigten dritten Titel des Entwicklerteams um Fumito Ueda: »The Last Guardian«.

Sorge um Yorda

Eine fremde Welt

Beide Spiele machen ihre Handlung zum zentralen Element des Spielerlebnisses – und das vor allem durch Reduktion. Es gibt nicht wirklich etwas zu sammeln, keine Sidequests und keine Charakterstufen. Es gibt keine Einführung und ein Gutteil der Handlung bleibt im Unklaren. Also stolpert der Spieler, ganz so wie sein Avatar, durch eine fremde Welt und stößt auf zu wenig Gewohntes, um auf stereotype Abläufe vertrauen zu können. Ständig wird gegrübelt, ob die eigenen Aktionen nun gut und richtig sind und die Narration mit all ihren Leerstellen und Emotionen setzt sich im Kopf des Spielers fest. Damit allein ist die vorhandene Spieltiefe aber noch nicht erklärt. Chefentwickler Ueda beweist ein eindrucksvolles Händchen für wertvolle Details, die nicht nach technischen Höchstleistungen verlangen: Wie der Knopf, der in »Ico« gedrückt bleiben muss, um die Hand des Mädchens zu halten. Oder die Art und Weise, wie Yorda unsicher hinter dem Jungen her stolpert. Oder der ungestüme Galopp von Wandas Pferd, das selbst in wilden Kämpfen immer wieder heranprescht. Derlei Einzelheiten und zwei herausragende Soundtracks helfen den eindrucksvollen Bildern, die Virtualität für Augenblicke vergessen zu machen – Momente, die den entscheidenden Unterschied machen. ¶

Wenn Ico – das Mädchen Yorda ungestüm hinter sich her zerrend – zwischen den Mauern des Schlosses den Weg nach draußen sucht, passiert genau das, was andere Spiele nicht schaffen: Die Emotionalität der Handlung überträgt sich auf den Spieler. Und wenn die geisterhaften schwarzen Wesen versuchen, das »Ico & Shadow Of The Colossus« (Sony) sind bereits Mädchen mit sich in den Abgrund zu reißen, dann steigt der als Classics HD gemeinsam für PS3 erschienen.

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► internet und demokratie ► Netzpolitische Positionen der österreichischen Parteien

nischenveranstaltung netzpolitik? ie EU hat mit Neelie Kroes bereits eine eigene ÖVP: »Internet darf nicht zum Kommissarin für die Digitale Agenda. Deren rechtsfreien Raum werden« Ein solches Positionspapier gibt es bei der ÖVP nicht. AusSchwerpunkt liegt zwar nach wie vor im Bereich der Infrastruktur (Stichwort Breitband- kunft gibt deren Innovations- und TelekommunikationsAusbau), sie widmet sich aber auch schon an- sprecherin Karin Hakl. Die Vorratsdatenspeicherung, in der deren netzpolitischen Themen. In Österreich viele einen Schritt in Richtung Überwachungsstaat sehen, bebewegt sich Netzpolitik langsam aus der Nische. Das über- fürwortet sie mit der Begründung, dass das Internet nicht zum raschend gute Abschneiden der Piratenpartei bei den Berliner rechtsfreien Raum werden dürfe. Sie gehe aber auch nicht daWahlen zeigt, dass die Thematik bei immer mehr Menschen auf von aus, dass deswegen Aufklärungsraten extrem in die Höhe Interesse stößt. Kein Wunder, gewinnt doch das Internet einen schnellen. Man befände sich auf einer Grenzwanderung zwiimmer größeren Stellenwert im Leben der Menschen und damit schen Datenschutz und dem Rechtsschutzbedürfnis der Bevölauch für die Teilhabe an politischen und gesellschaftlichen Ent- kerung. Beides nehme sie ernst. Hakl spricht sich grundsätzlich wicklungen. Politiker und politische Parteien werden in Zukunft gegen Netzsperren aus. Eine Ausnahme macht sie beim Thema stärker daran gemessen werden, wie sie mit dem Netz umgehen. Kinderpornografie. Daher auch das OK der Bundesregierung zur EU-Initiative für Internet-Sperren gegen Kinderpornografie. IhSPÖ: »Blogger aller Länder …« rem Selbstverständnis als Wirtschaftspartei entsprechend unDie Sozialdemokraten haben neben der Piratenpartei als ein- terstützt die ÖVP besonders den Ausbau der Breitbandinfrazige österreichische Partei ein kompaktes Papier zur Netzpoli- struktur. Der ist auch Hakls Argument in der Debatte um die tik. Anfang des Jahres wurde ein »Positionspapier für eine pro- Netzneutralität. Die kann nur dann gewährleistet sein, wenn gressive Netzpolitik« vorgestellt. Darin wird sogar vorsichtig genug Bandbreite für alle da ist. Fazit: Ein Positionsmix, der priangedeutet, dass Internetzugang mittel- bis langfristig Men- mär aus wirtschaftlichen Überlegungen gespeist wird. schenrechts-Status bekommen soll. Demokratische Grundrechte sollen in Richtung Netzfreiheit weiterentwickelt werden. Die Grünen: GlAEserner Staat Das Dokument enthält eine Reihe von Überschriften, denen statt glAEserner Mensch Die Grünen galten lange als die Vorreiter in Sachen Netzpoder Begriff »Open« vorangestellt ist: Von Access über Data und Government bis Source. Auch eine Anpassung der Urhe- litik. Und auch heute gibt es keine österreichische Partei mit ber- und Leistungsschutzrechte ist angedacht. Stoßrichtung ist mehr bloggenden und twitternden Mitgliedern. Dennoch stodie Stärkung der Einkommenssituation der Kreativen und nicht ßen ihre Ideen in der Netzcommunity nicht auf vorbehaltlose die der Industrie. Als mögliches Modell wird die Einführung ei- Zustimmung. Für ihren Vorstoß in Richtung Cultural Flat Rate ner »Fair-Use«-Schranke genannt. Fazit: Eine Steilvorlage, die mussten sie viel Kritik einstecken. Bei anderen Themen wie vielen Netzexperten gefallen dürfte. Frage ist, was davon Eingang Open Data oder ihrem Widerstand gegen die Vorratsdatenhalin die Realpolitik findet. tung punkten die Grünen nach wie vor. Justizsprecher Albert Steinhauser hat Änderungswünsche direkt bei Kommissarin

text Jan Hestmann und Werner Reiter

Das Internet ist seit Langem Hort des Politischen. Langsam rückt es auch in das Interesse der Politiker.


Reding deponiert: »Bekanntlich plant die EU-Kommission eine Überarbeitung, umso wichtiger ist es, sich dort einzubringen«. Ebenso klar ist die grüne Position zu Netzsperren (»Löschen statt Sperren«) und Netzneutralität. Sie haben im Nationalrat bereits einen Entschließungsantrag vorgelegt, der die neutrale Übermittlung aller Datenpakete festschreiben soll. Fazit: Punkto Netzpolitik sind die Grünen prinzipientreu. Ihre Slogans sind catchy, die Umsetzbarkeit ist eine andere Geschichte.

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FPÖ: »Tatort Internet«

HC Strache ist der österreichische Politiker mit der erfolgreichsten Facebook-Präsenz: Seine Seite hat mehr als 100.000 Fans. Bei einer Google-Suche auf www.fpoe.at kommt der Begriff »Internet« deutlich öfter vor als etwa »Umwelt« oder »Verkehr«. Im Parteiprogramm und im »Handbuch F-Politik« ist allerdings wenig Netzpolitik zu finden. Die FPÖ bekennt sich zu einer »Gesamtinfrastrukturstrategie, die der Bedeutung von Informations- und Kommunikationstechnologien gerecht wird« und deutet an, dass das »Urheberrecht den Vorgaben des digitalen Zeitalters folgen muss«, bleibt aber damit im Gegensatz zu vielen anderen Punkten unkonkret. Am deutlichsten wird sie im Handbuch für freiheitliche Funktionäre. Im Kapitel »Tatort Internet« (dem einzigen zum Thema) werden international tätige Sadisten-Netzwerke beschrieben, die »mit Hilfe des Internets ihren Geschäften nachgehen.« Fazit: Netzpolitik ist kein Schwerpunkt bei den Freiheitlichen. Als Anwender sind sie aber top.

Das BZÖ auf Oppositionskurs

Das BZÖ fährt in Sachen Netzpolitik vor allem auf Oppositionskurs. Beispiel Vorratsdaten: Im April forderte Ewald Stadler die rot-schwarze Bundesregierung auf, die Richtlinie der EU zu boykottieren. Und das, obwohl BZÖ-Justizministerin Karin Gastinger den Beschluss auf EU-Ebene mitgetragen hat. Zweites Beispiel: Das BZÖ tritt für Internet-Volksbegehren ein, die für oppositionelle Themen instrumentalisiert werden können. Größere Aufmerksamkeit hat im Vorjahr ein Vorstoß von General Christian Ebner erhalten: Er hat angeregt, die systematische Erfassung von Daten wie sie etwa Google Street-View macht, gesetzlich verbieten zu lassen. Wo ein derartiges Gesetz festgeschrieben werden soll, sei nur eine Detailfrage. Laut Pressesprecher Heimo Lepuschitz werde derzeit an einem orangen Grundsatzpapier gearbeitet. Fazit: Die BZÖ-Positionen zum Thema Netz sind etwas erratisch. Man darf gespannt sein, was das Positionspapier bringt.

Netzpolitik wahlentscheidend?

Die nächste Wahl zum Nationalrat findet mit ziemlicher Sicherheit erst 2013 statt. Bis dahin sind noch mehr Menschen, die mit dem Internet aufgewachsen sind, im wahlfähigen Alter. Für sie gewinnt das Netz zunehmend an Bedeutung für direkte Auseinandersetzung mit politischen Themen, während tradierte Formen der repräsentativen Demokratie an Bedeutung verlieren. Die Forderung nach einer transparenteren Politik und mehr direkten Mitsprachemöglichkeiten werden immer lauter. Eine zeitgemäße Politik tut gut daran, darauf zu hören. Und zwar in einem sehr substanziellen Sinn und nicht nur über Dialog-Angebote auf Facebook-Pages. Manche Fragestellungen der Netzpolitik reichen ins Mark demokratischer Grundrechte. Für viele werden die Antworten wahlentscheidend sein. ¶

Die groSSen Themen der Netzpolitik

▼▼▼ /// Infrastruktur und Internetzugang Die UN haben in einem Bericht festgestellt, dass Versuche, Bürger von der Nutzung des Internet abzuschneiden, gegen die Menschrechte verstoßen. Netzneutralität Dieses Prinzip besagt, dass Internet-Service-Provider alle Datenpakete gleich behandeln sollen. Informationsfreiheit In Großbritannien und den USA garantiert ein Freedom of Information Act den Bürgern umfassende Rechte, auf Informationen der öffentlichen Verwaltung zuzugreifen. Das ist die Grundlage für Open Data-Anwendungen. Privacy vs. Verbrechensbekämpfung Die Politik muss Antworten finden, ob die Privatsphäre des einzelnen höher zu bewerten ist als die technischen Möglichkeiten, die für die Verbrechensbekämpfung eingesetzt werden können. Urheberrecht und Leistungsschutz Das aktuelle Urheberrecht beruht auf Ideen des 18. und 19. Jahrhunderts. Im digitalen Zeitalter muss es grundlegend überdacht werden.

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► Skatefilme ► Skate-Kultur beim Youki Medien Festival In »Tilva Roš« skatet und stuntet sich Kolos durch die serbische Bergwerksstadt Bor.

deck–erinnerungen ugend braucht Probierräume und erzeugt sie ständig. Ob real – in Form von Jugendzentren, Baumhäusern oder Jugendzimmern – oder virtuell und medial, Probierräume sind elementare Entwicklungs- und Schaffenssphären. Hier ist Platz zum Anprobieren von Selbstentwürfen und auch für das Scheitern im positivsten Sinne. Youki selbst dient gleichermaßen als Probierraum, seit das Festival 1999 zum ersten Mal stattfand: Während junge Filmschaffende von 10 bis 26 Jahren dazu angehalten sind, ihre Werke einzureichen, bietet das Programm Workshops mit Fokus auf unterschiedliche visuelle und filmbezogene Bereiche. Unter dem Motto des Peter Alexander-Lieds »Ein Schloss auf dem Mond« werden beim Festival verschiedene Probierräume diskutiert und vorgestellt. Dabei gibt es auch die Gelegenheit, Nikola Ležaićs erstaunliches Debüt-Drama »Tilva Roš« zu sehen. Ležaić folgt darin dem Skate-Team Kolos, dessen Figuren und Lebenswelten in der ehemaligen Bergwerksstadt Bor zum Großteil auf realen Personen basiert. Der Regisseur wurde auf die beiden Teenager Stefan Đorđević und Marko »Toda« Todorović durch deren einstündige DIY-Doku »Crap – Pain Is Empty« aufmerksam und entwickelte darüber die Geschichte zu »Tilva Roš«. Die Leidenschaft der beiden sind selbstverletzerische Stunts im Stil von Formaten wie »Jackass« oder »Dirty Sanchez«. Ihre selbstgedrehten Videos sind wesentlicher Bestandteil des Films und werden wiederkehrend in die sonst geradlinige Indie-Ästhetik eingebettet. Begleitend zur Vorführung werden junge Welser Skateboarder ihre eigenen Erfahrungen mit dem Erobern von Probierräumen diskutieren. Während die Kids in »Tilva Roš« sich von Politik weitestgehend fern halten, stellte nämlich die Welser SkateSzene, die sich um 2001 herauskristallisierte, Forderungen an die Stadt. Stilistisch sehr stark abweichend von früheren Ansätzen einer Skater-Kultur in den 80ern, begann die Subkul► 0 3 6 / AUSGABE 121

tur, den öffentlichen Raum für sich neu zu erschließen. Statt Unterstützung brachte die Stadtverwaltung der Bewegung allerdings Missbilligung und Barrieren entgegen. Zehn Jahre später kann von einem Sieg gesprochen werden, die Stadt Wels ist heute im Begriff, den Bau einer Skatehalle umzusetzen. Von der Straße werden die Skater damit aber nicht zu verbannen sein, denn die Stadt als Bühne bietet ihre eigenen Reize. Diesen Kampf um Anerkennung vor Ort dokumentiert auch das Video »Deckerinnerungen«, das bei der Youki-Gala Mitte Oktober präsentiert wurde. Die Doku belegt schon in ihrer Form den Stellenwert, den Gemeinschaftsgefühl in der Skate-Kultur hat: Die Erzählungen aus dem Off werden kaum bestimmten Gesichtern zugeordnet, sondern beliebig zusammengeschnitten, was den Eindruck der Szene als Zusammenschmelzen zur Gemeinschaftsidentität verstärkt. Ähnliches Zusammengehörigkeitsgefühl vor dem heimeligen Hintergrund einer Landjugend zeigt auch »Tilva Roš«. Das Skate-Team Kolos in Bor definiert sich ebenfalls über eine enge Gruppenstruktur. Wer aufgenommen werden will, muss zuerst um die Gunst der Protagonisten werben. Dass Frauen bzw. Mädchen in dieser Sphäre offenbar keinen Platz haben, wird in »Deckerinnerungen« klar ausgesprochen, will jedoch unhinterfragt bleiben. Auch für »Tilva Roš« wurde das einzige Mädchen der Gruppe von außerhalb geholt und war die einzige unter den Jugendlichen, die als Schauspielerin gecastet wurde. Die Gestaltung ihrer Rolle fällt leider sehr platt aus und erschöpft sich in der Darstellung des Objekts der Begierde, das gleichsam einen Keil in die Bubenfreundschaft treibt. Das 13. Youki Festival stellt jedenfalls mit »Tilva Roš« eine treffsichere Verknüpfung aus internationalem Abräumer und regionalem Zeitgeschehen her. ¶ Das Internationale Jugend Medien Festival Youki findet von 22. bis 26. November in Wels statt.

text artemis linhart BILD youki

Das Jugend Medien Festival Youki in Wels sucht in seiner 13. Ausgabe »Probierräume«. Der Coming-of-Age-Schnappschuss »Tilva Roš« findet solche unter Skatern in der serbischen Peripherie. Über Raumkämpfe wissen auch die Welser Skater zu berichten.


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► stefan diez ► Werdegänge und Designer-Realitäten

So stellt sich Diez cooles Reisen vor: mit der Tasche »Kuvert« von Authentics.

Der gelernte Schreiner Diez legt selbst gern Hand an: Hier bei einem Gemeinschaftsprojekt mit dem Bildhauer Tobias Rehberger für das KaDeWe in Berlin.

Nicht mehr jung-jung — aber erfolgreich Du wirst oft als einer der wichtigsten deutschen Jungdesigner Büro, die Arbeitsmittel sind nicht mehr gratis wie an der Schubezeichnet. Wie lang ist man denn Jungdesigner? le, die Modellbaukosten muss man tragen. Und dann ist es ganz stef a n diez : Mit 40 Jahren ist man natürlich nicht mehr jungschnell vorbei mit dem lockeren Experimentieren. jung. Wenn man mit 40 schon seit 20 Jahren sein Büro hat, dann Die Medien sind fixiert auf »Jungdesigner«, man will immer wird man wohl nicht mehr als Jungdesigner bezeichnet werden. neuere, experimentellere Sachen sehen. Kann das nicht dazu Aber in meinem Fall gibt’s das Büro seit acht Jahren, da kann führen, dass man schnell die Bodenhaftung verliert? man das vielleicht noch durchgehen lassen. Der Begriff wird ja Es wird heute viel mehr über Design berichtet, was ja prinzibesonders in den Medien dann verwendet, wenn es etwas Uner- piell positiv ist. Der Bedarf an neuen Geschichten ist allerdings wartetes, nicht-Vorgefertigtes zu entdecken gibt. riesig und man ist nicht mehr ganz so kritisch, sondern nimmt Was kann ein Jungdesigner, was ein älterer Designer nicht kann? das Projekt, das gut fotografiert ist und bei dem die Idee mögEr kann viel unvorsichtiger mit Kontakten umgehen und er lichst verrückt ist. Nur das hat mit dem »richtigen« Leben wenig kann und soll sich viel mehr Frechheiten erlauben. Während zu tun. Deshalb sollte man als Junger unbedingt nüchtern bleimeines Studiums habe ich zum Beispiel eine Orangenpresse als ben, wenn etwas veröffentlicht wird. Das heißt noch lange nicht, Semesterprojekt entworfen und WMF (Anmerkung: eine der dass man den Durchbruch geschafft hat. großen deutschen Marken in Sachen Tischkultur) wollte die Wie war das in deinem Fall? tatsächlich produzieren, jedoch mit einfachen Materialien, woDer Anstoß war 2002 der Gewinn der Design Report Awards gegen ich mich solange gewehrt habe, bis das Projekt geplatzt ist. gemeinsam mit Christophe de la Fontaine, der uns im Design Danach habe ich einen richtig grantigen Brief an den damaligen Report eine Coverstory mit unglaublichen acht Seiten eingebracht Designchef geschrieben. Das würde ich heute nicht mehr machen. hat. Nur kommt man dann drauf, dass man diese Seiten nicht Aber braucht man nicht gerade diese Dickköpfigkeit, um später nur mit Bildern füllen kann, sondern man muss sich intellektuüberhaupt Erfolg haben zu können? ell mit dem auseinandersetzen, was man gemacht hat. Dabei hat Ja, sicher. Ich habe dabei mehr gelernt, als wenn die Orangen- mir natürlich auch meine Arbeit im Büro von Konstantin Grcic presse auf den Markt gekommen wäre. Und ich habe mich unab- geholfen, wo ich gelernt habe, dass es nicht nur darum geht, eine hängig gefühlt. Das war gut, denn es passiert ja sehr schnell, dass Antwort auf ein Problem zu finden, die schon hunderttausend nach dem Studium das Leben anfängt, richtig teuer zu werden. Mal abgeliefert worden ist. Der Design Report-Award war jedenDann muss man Krankenversicherung zahlen, man braucht ein falls der Startschuss, danach durfte ich etwas für Rosenthal ma-

text peter stuiber BILD Florian Böhm, Robert Fischer, Studio Diez

Stefan Diez zählt zu Deutschlands Top-Designern, für den Nachwuchs ist er ein Role Model. Das stört ihn gar nicht. Denn er hat auch gleich ein paar gute Ratschläge für die Jungen.


Achtung, wichtig sind nicht die Haare, sondern das Detail am Ärmel: Stifthalter aus Edelstahl, ebenfalls von Authentics.

Wünscht sich freche Studenten, die einer Sache ernsthaft nachgehen: Jung-Uni-Prof. Stefan Diez

chen, dann für Authentics, zwei traditionelle deutsche Marken, Unternehmen. Da bekamen wir die Aufgabe, aus einem Stück die ein Verständnis dafür haben, dass Designer auch Geld brau- Eisenbahnschiene eine kleine Lokomotive anzufertigen. Das chen. Im Unterschied zu den italienischen Firmen. Die bezahlen heißt, aus einem Stück Stahl einen Zylinder, die Räder usw. zu ja ihre Designer nicht, sondern lassen sie arbeiten und beteiligen machen, mit einfachen Werkzeugen wie Feile, Säge und Winkelsie erst später am Verkauf. messer. Ich wollte mich schon aufregen über diese Scheißarbeit, Du unterrichtest seit einigen Jahren an der Hochschule für Ge- ich dachte, das dauert drei Monate. Doch Gott sei Dank habe ich staltung in Karlsruhe. Wenn sich jemand bei dir bewirbt, worauf meinen Mund gehalten und zwei Tage später war das Ding fertig achtest du dann? und hat toll ausgesehen. Wenn sich jemand ernsthaft mit einem Thema auseinander- In Wien spielt Handwerk eine große Rolle, doch es gibt Leute wie setzt, ist das das Beste, was passieren kann. Wir erwarten uns Hartmut Esslinger, der hier an der Uni unterrichtet und meint, eben nicht, dass jemand sein ganzes Ausdrucksrepertoire zeigt, das Beste wäre es, wenn die Absolventen nach China oder Indien wie toll man nackte Frauen mit Speckfalten malen kann, Du gehen, damit sie die globale Designrealität von heute kennenweißt schon, die üblichen Dinge, die man in Kursen belegt, wenn lernen. man sich an einer Akademie bewirbt. Leute mit einer gewissen Ich glaube schon, dass das Handwerk für die augenblickliche Schlüssigkeit tun sich im Studium viel leichter, sie wissen auch, Situation in Europa Antworten bringt. Denn der Markt hier ist was sie vom Studium selbst fordern. Die sind dann als Studenten gesättigt und wenn ich mir etwas Neues für den Haushalt kaufe, dann muss sich das unterscheiden von dem industriell Gezwar nicht immer sehr bequem, aber das ist ja völlig okay. Für viele junge Designer bist du Role Model. Wie geht man damit fertigten, das ich bereits besitze. Das Handwerk ist nicht ausum, wenn man kopiert wird? tauschbar, es existiert eine Verbindung zwischen dem Designer Studenten dürfen natürlich jemandem nacheifern, der erfolg- und dem produzierenden Betrieb, es gibt also einen roten Faden reich ist und seinen Weg gefunden hat. Aber ich würde das nicht zwischen zwei Punkten und somit den Anfang einer Geschichte. als kopieren bezeichnen. Ich habe ja selber bei Richard Sapper Und das Produkt ist lokal begrenzt. Jemand, der Wien besucht, studiert, der mein ganz großes Idol war. kann hier Lobmeyr-Gläser kaufen, in Shanghai oder in Hongkong Designer haben heute alltäglich mit High Tech-Materialien zu geht das nicht. Außerdem kann der Designer einen längeren Teil tun. Du hast selbst vor deinem Studium eine Schreiner-Lehre der Wertschöpfungskette mitgestalten. Er ist dann nicht nur der gemacht. Was bringt das? Dienstleister, der irgendeine Skizze abgibt.  ¶ Ich würde ein Handwerk aus vielen Gründen empfehlen, weil man dabei eine Dimension mitbekommt, die anderen Leuten fehlt, nämlich das Gespür für das Material und wie man es bearbeitet. Das ist ja eine Komponente von gutem Design, dass es Stefan Diez wurde 1971 in Freising bei München geboren und vielschichtig ist, dass es nicht nur eine Qualität besitzt, son- absolvierte eine Schreinerlehre, ehe er in Stuttgart Industrial dern ganz viele Rezeptoren hat. Und man lernt etwas, das sich Design studierte. Danach arbeitete er bei Konstantin Grcic, jetzt vielleicht doof anhört: nämlich um halbsechs in der Früh 2003 gründete er sein eigenes Büro. Zu seinen Kunden zählen aufzustehen und in die Arbeit zu gehen und das drei Jahre lang Authentics, Moroso, Thonet, Rosenthal, Bree, e15 und Established durchzuziehen. Ich kann noch eine Anekdote erzählen: Ich habe & Sons. Diez räumte etliche Preise ab, zuletzt dieses Jahr zwei nicht nur eine Lehre gemacht, sondern war auch kurze Zeit »Red Dot Best of the Best Awards«. Seit 2007 ist er Professor für bei einem bekannten Münchner Waffen- und Maschinenbau- Industrial Design in Karlsruhe. AU S GA B E 1 2 1 / 0 3 9 ◄


► netzpolitik ► Welche Rahmenbedingungen muss die Politik für das Internet schaffen?

politiker brauchen das netz. braucht das netz die politik?

www.thegap.at/wortwechsel

Politiker können heutzutage nicht mehr am Internet vorbei. Alle suchen mehr oder weniger erfolgreich nach Wegen, ihre Wähler im Netz zu erreichen und Politik im Netz zu machen. Doch wie muss eine Politik für das Netz aussehen? Wie kann die Offenheit des Internets gesichert werden?

dokumentation jan hestmann, werner reiter BILD Florian Böhm, Robert Fischer, Studio Diez

pätestens seit Barack Obamas Wahlkampf ist es Common Sense, dass Wahlbewegungen künftig stärker auf das Internet setzen müssen. Auch hierzulande sorgt der von langer Hand vorbereitete Social Media-Auftritt von Bundeskanzler Faymann für intensive Diskussionen. Das Netz wird mehr und mehr zur modernen Agora, in der politische und gesellschaftliche Themen verhandelt werden. Die etablierten politischen Player sind gerade erst dabei, sich als Anwender im Netz einzurichten. Dabei braucht diese Agora sie längst als Gestalter. Die EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung wird vielfach als Sündenfall der Politik beschrieben. Im Jahr 2006 wurde beschlossen, dass Telekommunikationsanbieter Verbindungsdaten ihrer Kunden speichern müssen, damit diese zur Verbrechensbekämpfung verwendet werden können. Kritiker sehen darin die Freiheit des Einzelnen in unverhältnismäßiger Weise eingeschränkt und den Überwachungsstaat heraufdämmern. Manche meinen, in der Richtlinie die Handschrift der Content-Industrie erkennen zu können, die bei der Verfolgung von Filesharern von den Vorratsdaten profitieren könnte. Netzpolitik war bislang ein Nischenthema. Sie muss sich langsam aber sicher zu einem zentralen Bestandteil politischer Programme entwickeln. Einerseits, weil das Internet immer tiefer in der Gesellschaft verankert ist und andererseits, weil Wählerinnen und Wähler zunehmend an Netzpolitik interessiert sind. Letzteres zeigt auch der Erfolg der Piratenpartei bei den Berliner Wahlen. Dabei ist Netzpolitik nur zu einem sehr geringen Teil Regionalpolitik. Die transnationale Struktur des Internet und der Services erfordert auch eine transnationale Politik. Die Themen sind breit gefächert: Sie beginnen beim Infrastruktur-Ausbau und der Schaffung fairer Zugangsbedingungen und gehen über Bildung und Media-Literacy bis zu Privacy und Informationsfreiheit. Viel zu tun für die Politik. ¶

»Voraussetzungen für multimediale Teilhabe aller schaffen!« Das Internet verbindet uns über Schrift, Bild und Ton mit der Welt. Jeder von uns möchte via Smartphone und über den PC an diesem Wissensuniversum teilhaben. Damit das möglich ist, muss ausreichend Bandbreite zur Verfügung stehen. Durch die Vergabe der Digitalen Dividende und anderer Frequenzbänder im kommenden Jahr werden mobile Datenhighways für alle Österreicher und Österreicherinnen erst möglich. Und ich fordere, dass aus den Einnahmen der Versteigerungen mindestens 250 Mio. Euro für den Breitbandausbau  in dünn besiedelten Gebieten zur Verfügung stehen! Denn nur, wenn genug Bandbreite für alle da ist, kann Netzneutralität gewährleistet werden: Inhalte und Dienste dürfen nicht gesperrt werden, weil sie zu viel Bandbreite verbrauchen.  Nur so kann der Einzelne Herr über sein Surfverhalten und das Internet frei für alle bleiben.  ¶ Mag. Karin Hakl, 43, ist Abgeordnete zum Nationalrat und ÖVP-Sprecherin für Forschung, Innovation und Technologie.


Netz vs. Politik oder Netzpolitik?

Zunächst: Politiker brauchen das Netz nicht. Römische Senatoren vor 2.000 Jahren brauchten kein Internet. Im Gegenteil: Politiker fürchten das Netz. Bestes Beispiel dafür ist die internationale Bewegung der Piratenparteien, die ohne Netz nicht entstanden wäre. Derzeit sägt das Internet an der repräsentativen parlamentarischen Demokratie, wie wir sie heute kennen. Der Trend geht eindeutig in Richtung direkte Demokratie. Die moderne Informationstechnik fördert und beschleunigt zwar diese Entwicklung zu Liquid Democracy, wird jedoch nicht zwingend dafür benötigt, wie z.B. die libysche Jamahiriya schon seit 1977 beweist. Das Netz wird sogar noch einen viel größeren Einfluss auf »in Stein gemeißelte« Paradigmen haben und diese noch mehr aufbrechen, als es die Erfindung des Buchdrucks im 15. Jahrhundert getan hatte, der die Grundlagen für die heutige Wissensgesellschaft legte. Das Netz braucht aber auch die Politik nicht unbedingt. Jedoch müsste die Politik reagieren, um bestehende Gesetze zu modernisieren. Beispiel Urheberrecht. Es kann nicht sein, dass Jugendliche kriminalisiert werden, die ein paar Alben Mainstream-Popmusik runterladen. Es kann aber auch nicht sein, dass Künstler am Hungertuch nagen müssen, weil die User die Werke gratis aus p2p-Netzen beziehen. Hier wäre die Politik in die Pflicht zu nehmen, diese Schieflage zu korrigieren. Da es jedoch die Analogparteien verabsäumt haben, Entwicklungen dieser Art zu berücksichtigen und zu einem für alle vertretbaren Konsens zu führen, gibt es nun die Piratenparteien. Meinungs- und Redefreiheit sind Grundrechte, die auch im Netz zu gelten haben. Die Politik muss sich dafür einsetzen, diese Grundrechte zu schützen. Leider ist das Gegenteil der Fall. Im Hintergrund des Terrorismuswahns wird versucht, diese Grundrechte einzuschränken.  ¶

Politik im, durch, über und für das Netz – über die Rolle der Politik für die Zukunft des Internets wird heute unter dem Stichwort Netzpolitik nachgedacht. Der Begriff umfasst zum einen politische Aktivitäten, die über Online-Kommunikation neue Strukturen erhalten. Globale Proteste wie im Rahmen von Occupy Wallstreet gehören ebenso dazu wie die als »Revolution 2.0« bezeichneten Bewegungen im arabischen oder europäischen Raum. Zum anderen geht es dabei um eine Philosophie des Internets rund um Schlagworte wie Netzfreiheit, Netzneutralität, Open Government, Open Data oder Open Access. Gemeinsam ist ihnen die Forderung nach einer bestimmten Umgangsweise mit Informationen sowie die Grundidee eines »freien Internets«. Dass Netzpolitik eine Kulturfrage ist, erklärt den »cultural gap«, der sich in der öffentlichen Auseinandersetzung oft auftut – wenn beispielsweise der englische Premierminister Cameron im Zuge der Londoner Unruhen die Einschränkung sozialer Netzwerke überlegt oder der deutsche Innenminister nach den Anschlägen in Norwegen ein Ende der Anonymität im Netz fordert. Beispiele für »wtf-Momente« wie diese gibt es viele. Vielleicht werden sie aber heute von einer breiteren Masse so empfunden. Denn die Internet-Gemeinde hat sich längst aus ihrer Nischenposition gehoben. Damit wird eine entsprechende Kultur- und Wertehaltung transportiert (»Vernerdung« der Gesellschaft). Netzpolitik sollte daher zukünftig nicht mehr als Special-InterestThema gesehen werden, sondern muss in die breite öffentliche Wahrnehmung gelangen. Manifeste wie die »Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace« können dies unterstützen. Sie kommen aber nicht von oben, sondern von Bürgerrechtsbewegungen wie der Blue Ribbon Campaign von John Perry Barlow. Darin heißt es in Bezug auf Regierungshoheiten: »Eure Welt ist anders«. Zwei Welten zeigen sich auch in der Auseinandersetzung mit Gruppierungen, die den freien Informationszugang schützen wollen: So wird das Hacktivismus-Kollektiv Anonymous meist mehr im Kontext operativer Ziele (Lahmlegen von Webservern) als einer Grundmission (Schutz des Lebensraums Internet) beschrieben (vgl. monitor, Oktober 2011). Es ist eine politische Frage, welche digitalen Informationskulturen unterstützt oder überhaupt zugelassen werden. Die Politik täte gut daran, hier nicht gegen etablierte Netzkulturen zu arbeiten.  ¶

Mag. Christoph Trunk, 34, studierte Wirtschaftsinformatik an der TU Wien und ist seit einem Jahr Landesvorstand der Piratenpartei Wien. Er war Spitzenkandidat bei der Wien-Wahl 2010 und ist seit Kurzem auch Pressesprecher der Bundespartei.

Mag. Judith Schoßböck, 30, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für E-Governance der DonauUniversität Krems und Mitglied der Interdisziplinären Internetforschungsgruppe an der Universität Wien.

»Politiker fürchten das Netz«

»Innovatoren an der Grenze des Netzes berücksichtigen« Das Thema Netzneutralität umfasst viele Dimensionen. Zum einen sind die Themen Netzneutralität und Investitionen in die Netze der nächsten Generation auseinander zu halten; der europäische Rechtsrahmen und die Empfehlung der EU-Kommission geben den Regulierungsbehörden entsprechende Regulative an die Hand, um Investitionsanreize unabhängig von der Diskussion um die Netzneutralität zu setzen. Zum anderen wollen Netzbetreiber angesichts ihrer hohen Investitionen in den Ausbau der Infrastruktur und angesichts des Konkurrenzdrucks von Innovationen aus der Netzperipherie (Skype, Google, Apple, Amazon etc.) zusätzliche Einnahmequellen erschließen. Diese Diskussion ist kompliziert, hat eine Reihe von Risiken und lässt sich auch nicht unabhängig von anderen Entwicklungen, wie der zunehmenden Bedeutung von over the top playern wie Google oder den Entwicklungen rund um Apple und dessen Exklusivitätsverträgen, mit einzelnen Betreibern führen. Aus Sicht der Regulierungsbehörde wird es vor allem darauf ankommen, die Endkunden in die Lage zu versetzen, auf Entwicklungen des Marktes adäquat zu reagieren und Innovatoren an der Grenze des Netzes entsprechend zu berücksichtigen, da von ihnen nicht nur die Wettbewerbsdynamik im Bereich der elektronischen Kommunikation beeinflusst wird, sondern erhebliche Impulse auf die Gesamtwirtschaft ausgehen.  ¶ Dr. Georg Serentschy, 62, ist Geschäftsführer Telekommunikation und Post der Rundfunk & Telekom Regulierungs-GmbH (RTR) und stellvertretender Vorsitzender des BEREC (Body of European Regulators for Electronic Communications), dessen Vorsitz er 2012 übernimmt.

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► PROSA ► S tefan Schmitzer

Poesie der Wut Mit irrem Sprachgefühl und viel Zorn zerlegt Stefan Schmitzer die Gegenwart. Einblick in eine Welt, in der Worte wüten und mit hartem Witz zum Untergang das Tanzbein schwingen.

kleines trinklied, lolita-style

»über den prozess der zivilisation«

new wave of british heavy metal: arbeitswelt

so ist das: ge tragene lieder & unter leibsglättungen gleich zeitig schwebend

ihr kennt die atemlosigkeit, ihr kennt das geschwätz der ausgeklinkten in den städten, abends, gegens geräusch von regenwasser auf pavillons/flachdächer/backstein,

erschöpfung nach acht stunden arbeit erst mal als symptom einer krankheit zu deuten

so ist das: der raum den dein atemzug absteckt im gehen auch dass da hinterm häuser zeilenhorizont noch lichter wären & solche oder solche eruptionen

ihr kennt die stille über dem land, allen ländern, die schichtung der stille über die erdkruste, in abwesenheit von mensch und tier, manchmal selbst, wenn doch welche zu sehen sind, beschäftigt mit liebesakt / algebra / sterben,

so ist das: ge tragene lieder & glattere unterleiber: dem zu

das kennt ihr, und das wechselstromding dazwischen, so zorn / glut / bewegungslatenz,

griff wie feuchter granit & das schritt maß wird unklar so ist das: so

alles menschliche und manches darüber hinaus, das kennt ihr, das kennt euer fleisch, dann noch die schnelleren, halbautonomen prozesse, party / job / geschiebe in eingangsbereichen von bussen,

schwebt was & wenn du ver schwindest, lass ¡die türen offen! bleibt zu hoff en niemand war da zu besoffen …

und sage mir keiner, ihr wisst nicht, welchen unterschied das alles macht, wenn wir einander betrachten, glatt, neonweiß / klar / magisch, zwischen uns und den tieren, die wir waren, oder gewesen sein werden.

rauchen bis das herz rast mit gier danach in brustwarzen zu beißen von tief aus den träumen der letzten nacht … … sodass die new wave of british heavy metal hier gerade mal meditativ wirkt, mit zusätzlich zirpenden vögeln von jenseits der fenster, und der peristaltik der dinge, die dich umgeben, und der peristaltik der dinge, die dir innewohnen, und dann … … aufrichten, sommer, sommer, fenster auf, rollladen runter, t-shirt und hose, raus und atmen, die peristaltik der straßen und gehwege, und dann erinnern, dass die mucke weiterwummert, dann, und dann zur arbeit …


AD PERSONAM

▼▼▼ /// Wütend im Vortrag. Vehement mit Nachdruck und einer ordentlich Präsenz – so rezitiert der Grazer Autor, Kulturarbeiter und Organisator Stefan Schmitzer seine Gedichte. Das passt – denn der 32-Jährige produziert harte, aber niemals abgebrühte Lyrik. Inhaltlich und auch formell. »scheiß sozialer frieden« (Literaturverlag Droschl) heißt sein aktueller Gedichtband, in dem Schmitzer seine Leser fordert, zwickt und beißt. Die wird aber für dieses Sich-Einlassen auf seine sprachrhythmischen Feststellungen reichlich entlohnt. Mit Erkenntnis, popkulturellen Querverweisen, musikalisch anmutenden Sequenzen und einem tiefer gehenden Witz, angesiedelt zwischen subtiler Parodie, Lust an verbaler Provokation und dunkelsten Sarkasmen. Und: Schmitzer scheint (für sich) auch erkannt zu haben, dass selbst sardonisches Verlachen des vorgegebenen Koordinatensystems ein Ventil zum Zornabbau sein kann. Oder, um Clemens Setz’ Satz über Schmitzers Verse aus dem Nachwort zu zitieren: »Sie sind ernsthaft und können doch nicht anders, als sich und ihren Sprecher innerlich auszulachen.« Distanz, die Nähe schafft – ein Kunststück.  text manfred gram

prog rock: arschlöcher träumen

telekom 1: zauberkreis

telekom 2: suchbegriffe

weniges ist eindeutig: man lebt, man isst, man giert nach körpern.

dann hölzern gegen die fresse von au.en und innen und

lagergespräch um die lieb gewonnenen haare ums kinder gesicht der hermetik

bezahlt zu werden für kennerschaft in sachen prog rock bleibt unwahrscheinlich.

so viel licht gegen die stille, paradiesstädte eine wie die andere, und gleißend

sprich zu mir kind der falschen zeit wenn es um die dämmerung geht

es ist nicht ausgeschlossen, dass die arschlöcher recht haben, die dir die bedingungen nennen,

über den hängen, im nichts, ziehen unsere stimmen kreise von liebe und telefonie und

denen die märkte und die träume und die märkte für die träume

sich das vorstellen, das mal in den schädel hämmern, wie ich hier und dort

und rund um sie rum dunkel blau die erinnerung an die riots also salzburg und prag oder berlin love parade natürlich scheiße riot grrrl und noch zwanzig andere

unterliegen, bevor sie – langsam – in ihre schlafkammern gehen, zu träumen von märkten,

du und zweihundert km land zwischen uns ruhig und sanft und fremd und nicht mehr so als würde es auf uns warten

für die anderes gilt als das, was sie dir sagen, bis sie, erwachend, fast menschliche züge tragen, einen langsamen wimpernschlag lang; du hingegen bleibst wach, lebst, isst, gierst nach körpern, geld für kennerschaft in sachen prog-rock steht aus.

mit der entscheidung, ob nun krieg oder frieden zwischen uns und ihm, dem land, besteht.

körper der revolte körper rund um die dämmerung ge legt und mit schuützenden gesten ich liebe dich körper der revolte bondage tits und noch andere such begriffe dunkel die welt um die bildschirme rum die abende atmen ich lade mir ginsberg und pound hoch und crowley auf vinden.nl und die revolte ist anders als eure hermetischen körper in bondage er innern

»it has always been the prerogative of children and half-wits to point out that the emperor has no clothes. although the emperor remains an emperor, and the half-wit remains a half-wit.« AU S GA B E 1 2 1 / 0 4 3 ◄


► workstation ► Menschen am Arbeitsplatz


Dipl.Ing. Felicitas Schneider, 38, wissenschaftliche Mitarbeiterin

Nein. Das ist nicht die Ghettoversion des beliebten Müllbasketballspiels, sondern auf dem Bild sieht man Felicitas Schneider bei der Arbeit. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität für Bodenkultur beschäftigt sie sich mit Abfallwirtschaft. Bei der Sortieranalyse wird die Zusammensetzung von Abfall bestimmt und nützliche Informationen daraus gezogen. Seit rund zehn Jahren untersucht sie mit ihren Kollegen und Studenten die Lebensmittel im Abfall hinsichtlich ihrer Vermeidbarkeit. Dabei gibt es zwischen fetten Maden und abgetrennten Fuchsköpfen auch leckere Funde wie eine Schachtel randvoll mit kleinen Schaumrollen. Dass es dabei zu olfaktorischen Herausforderungen kommen kann, versteht sich fast von selbst: Parfums oder Chemikalien setzen Felicitas Schneider schon mal zu und Katzenstreu und Erwachsenenwindeln gemeinsam in einem Behälter im Sommer (bei bis zu vier Wochen Entleerintervall) sind wohl die unangefochtene Schwergewichtsweltmeister der Geruchskombinationen. Für nachhaltige Entwicklungen in unserer Gesellschaft benötigen wir Forscherinnen, die selbst vor dem schwersten Bukett nicht die Nase verziehen.

doku johannes piller bild Katharina RoSSboth

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Charlotte Balzereit-Zell, 31, Solo-Harfenistin der Wiener Philharmoniker und an der Wiener Staatsoper

Bereits mit sieben Jahren bekam Charlotte Balzereit-Zell ihren ersten Harfenunterricht bei ihrer Tante Jutta Kerber. Sie sah sie bei einem Konzert mit Allgäuer Volksmusik, bei dem ihre Verwandte Harfe spielte. Das faszinierte sie als Kind so sehr, dass sie dieses Instrument unbedingt selbst spielen wollte. Schon mit 13 Jahren war sie Jungstudentin und mit 16 nahm Charlotte das Studium an der Hochschule für Musik und Theater München in der Klasse von Professor Helga Storck auf. 1999 erhielt sie ihr künstlerisches Diplom mit Auszeichnung. Dem noch nicht genug besuchte die ausgebildete Harfenistin die Meisterklasse und studierte ein Jahr in Paris am Conservatoire supérieur bei Professor Isabelle Moretti. Neben ihrer Ausbildung erhielt Charlotte mit 18 Jahren eine Anstellung bei der Münchner Staatsoper und mit 21 ein Engagement an der Wiener Staatsoper und bei den Wiener Philharmonikern, wo sie bis heute tätig ist. Auf dem Bild ist ihr Platz im Orchestergraben der Wiener Staatsoper zu sehen. Ihr anderer Arbeitsplatz ist der Musikverein und alle großen Konzertsäle der Welt, wo sie ihr 47-saitiges Instrument zum Erklingen bringt.


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„Mein Arbeitsplatz ist ein green job, weil durch meine Arbeit die österreichischen Gewässer auch weiterhin saubere, artenreiche Lebensräume bleiben.“


DI Doris Eberstaller-Fleischanderl GEWÄSSERÖKOLOGIN


„Mein Arbeitsplatz ist ein green job, weil ich dafür sorge, dass aus Wind umweltfreundlicher Strom wird.“

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JOHANNA SCHARINGER WINDKRAFTTECHNIKERIN


„Mein Ziel ist klar: Mehr Frauen in green jobs! Vor allem wenn es sich um qualifizierte und gut bezahlte Berufe handelt. Ich will Frauen ermutigen, vermehrt in technische Berufe zu gehen.“ Niki Berlakovich, Umweltminister

Karriere mit green jobs

Die Ökologisierung der Wirtschaft ist nicht nur eine notwendige Voraussetzung zur Bewältigung der Auswirkungen des Klimawandels, sondern auch ein wichtiger Jobmotor, der trotz Krise für Aufschwung sorgt. green jobs im Umweltsektor boomen: sie sind zukunftssicher, sorgen für Wirtschaftswachstum und leisten einen wesentlichen Beitrag für eine saubere Umwelt. Die globalen Herausforderungen im Umweltbereich und die notwendige Umstellung unseres Energiesystems wird einen weitreichenden strukturellen Wandel am Arbeitsmarkt nach sich ziehen. green jobs bieten besonders jungen Menschen ein dynamisches und innovatives Aufgabengebiet mit Zukunftsperspektive. Frauen in green jobs: Mit derzeit rund 200.000 Beschäftigten und plus 3,7 % green jobs ist die Umweltbranche einer unserer größten Wachstumsmärkte. Tendenz: steigend! Frauen können von dieser Entwicklung besonders profitieren: Technische Ausbildungen in Verbindung mit Fremdsprachen und sozialen Kompetenzen werden verstärkt gesucht. Immer mehr Frauen arbeiten in green jobs etwa als Umwelttechnikerin, Solarwärme-Installateurin, oder Windkrafttechnikerin. Hier sind anwendungsbezogenes Denken in Sachen Technik, neue Herangehensweisen an Problemstellungen und kreative, innovative Lösungsansätze gefragt. Frauen denken in Sachen Technik stark anwendungsbezogen und sorgen so für neue Herangehensweisen an Problemstellungen und kreative, innovative Lösungsansätze. green jobs gibt es nicht nur im technischen Bereich: Berufsbilder wie Umweltberaterin, Gartenund Grünflächengestalterin, Agrarpädagogin, Nationalpark-Rangerin oder Energiemanagerin zählen ebenso zu den umweltfreundlichen green jobs. Masterplan green jobs: Der vom Lebensministerium erarbeitete „Masterplan green jobs“ gibt konsequente Maßnahmen vor, die bis 2020 zusätzliche 100.000 green jobs schaffen sollen: durch Investitionen in thermische Sanierung und Heizungsumstellung, durch den Ausbau der erneuerbaren Energien und eine Steigerung der Exportquote in der Umwelttechnik, durch den Ausbau von Ökotourismus, eine verstärkte Nutzung von Biomasse und eine generelle Erweiterung der Umweltdienstleistungen. www.green-jobs.at: Dieses einschlägige Karriereportal bietet allen Jobsuchenden einen umfassenden Einblick in die Umweltwirtschaft und listet offenen Stellen. Neben Jobprofilen und Unternehmensporträts präsentiert sich hier die österreichische Umweltbranche.


Advertorial — powered by impulse

_ Holz zum Aufsetzen Alles beginnt im Jahr 2007 in einer kleinen Gemeinde im Keller. Mit einfachsten Mitteln und ohne jegliche Kreditchancen bei den Banken basteln vier junge Tiroler an Brillenfassungen aus reinem Holz. Dann, ein erster kleiner Erfolg: Dem kreativen Team gelingt es, aus einem Wohnzimmertisch einen Prototypen herzustellen – mithilfe einer Melkmaschine. Dann folgen monatelange Forschungsarbeiten und Erkenntnisse, die schließlich Grundlage des heutigen Erfolgs wurden. »Den ersten großen internationalen Preis konnten wir schon acht Stunden nach der ersten verkauften Brille verbuchen – danach ging’s Schlag auf Schlag. Mittlerweile haben wir die wichtigsten Preise in unserer Branche gewinnen können. Erst letzte Woche wurden wir mit dem ›Grand Prix – Eyewear Of The Year‹ in Tokio ausgezeichnet«, erzählt Geschäftsführer Roland Wolf von der Erfolgsgeschichte des Tiroler Unternehmens. Und mit dem Erfolg ist schließlich auch das Team gewachsen: »Mittlerweile sind rund 20 Personen bei Rolf beschäftigt, je nach Auftragslage und Forschungsschwerpunkten. Da wir alles hausintern produzieren, ist vom IT-Spezialisten bis hin zum Qualitätsprüfer alles anzutreffen.« Entstanden ist die Idee zur Brille ohne Schrauben, Kunststoff oder Metall aus der Erkenntnis, dass man wohl Außergewöhnliches braucht, um sich von großen Unternehmen abheben zu können.  www.rolf-spectacles.com

»Mit viel Mut und Ehrgeiz haben wir es geschafft, das Holz in die gewünschte Form zu zwingen und zum Glück macht heute das Holz, was wir wollen und nicht umgekehrt!« (Roland Wolf)

Fotos: Runimation Pictures

Das Tiroler Unternehmen Rolf Spectacles erzeugt Brillenfassungen aus Holz. Nur aus Holz – also ohne Schrauben oder anderen Metallen. Stylisch und ökologisch vertretbar sind sie außerdem.


Die Macher von Rolf Spectacles verstehen nicht nur das Material, sondern es gelingt auch, sich ansprechend zu inszenieren.

roland wolf über impulse Durch die Unterstützung von Förderstellen wie die aws mit deren Förderprogramm impulse XL haben wir beste Voraussetzungen, den Optikermarkt weiterhin mit neuen Innovationen zu bereichern und somit die Firma ROLF am Markt zu etablieren. Mit Unterstützung von impulse XL wird an einer Brille aus Büffelhorn gearbeitet. Wie diese aussehen wird, verraten wir noch nicht.

Was ist das Besondere an Euren Brillen? Holzbrillen gibt es schon lange – das Neue an unseren Brillenfassungen sind die geschlossene und homogene Brillenfront, das neu entwickelte Gelenk, die Verglasungstechnik und die Möglichkeit, die Brille mit Büffelhornbügelenden auszustatten. Mit unserer Materialauswahl greifen wir auf einen sehr leichten Rohstoff zurück. Dadurch entsteht für den Endverbraucher ein hoher Tragekomfort. ROLF Brillen kommen ohne Schrauben und Lötstellen aus, was sich in einer hohen Benutzerfreundlichkeit widerspiegelt. Wie geht ihr da bei der Preisgestaltung vor? Unsere Kollektion bietet aufgrund der Holz- und Formenvielfalt eine Auswahl von rund 110 Brillenfassungen, die für 576 bis 2.391 Euro bei ausgewählten Fachoptikern erhältlich sind. Welche Rolle spielt eure Heimat Tirol? »Leben mit unserer Tiroler Region, um global zu beeindrucken und neue Trends zu schaffen«, das ist das Leitbild von ROLF. Mit Hingabe zum Detail und Mut zu neuen Techniken und Materialien machen wir aus jeder ROLF-Fassung ein Unikat.

betriebswirtschaftlichen Voraussetzungen einer Firmengründung. Mittlerweile lassen wir nicht mehr so viel an uns heran, wie es noch vor zwei Jahren war und die Prioritäten werden aufgrund laufend wachsender Erfahrungen anders gesetzt. Es ist natürlich schwierig, bei einer jungen und etwas verrückten Firma die Aufgabengebiete klar zu definieren und die Zahlen im Überblick zu behalten. Aber gerade dieses Spontane und etwas Unkoordinierte macht es möglich, schnell Neues auszuprobieren. Eine große Herausforderung der nächsten Jahre wird, dieses spontane und verrückte Arbeiten beizubehalten und mit wirtschaftlichen Aspekten zu verbinden. Mit welchen Produkten darf man noch rechnen? Wir haben gerade letzte Woche eine neue Brille mit einer Steinholzkombination vorgestellt, die es so noch nie gegeben hat und hatten sehr großen Erfolg damit.

Das Förderprogramm impulse der aws unterstützt Rolf Spectacles im Rahmen von impulse XL. www.impulse-awsg.at

Wie wichtig sind Nachhaltigkeit und Ökologie? Aufgrund der globalen wirtschaftlichen Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten ist ein Umdenken unumgänglich und ein Arbeiten und (Er-)Forschen von nachhaltigen Produkten von essentieller Bedeutung. Doch nicht nur die Wahl des Werkstoffes ist ein nachhaltiger Gedanke der Firma Rolf. Auch die hausinterne Produktion trägt wesentlich zu einem nachhaltigen Produkt bei. Gab es in eurer Erfolgsgeschichte auch Rückschläge? Rückschläge gab es natürlich viele. Nicht nur wegen des Materials und der Produktion, sondern auch aufgrund der vielen

kreativwirtschaft in österreich by


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►Grün d erserie Vol . 2 ►Garmz / Lookk #17: In 6 Schritten zum Burnout

TEXT Andreas Klinger

BILD Garmz.com / lookk.com

von burnrate bis burnout Andreas Klinger, Co-Gründer von LOOKK, über ein Thema, über das man nicht so gerne spricht: »Wie lange geht’s noch?« tartups sind ein wenig speziell, wenn es um Arbeitsleistung geht. Durch den eigenen Ehrgeiz getrieben, peitscht man sich selbst und hat früher oder später die Verantwortung über seine Mitarbeiter, diese nicht zuviel oder am besten gar nicht zu peitschen, während zeitgleich das Business durch die Decke oder den Boden geht. Der eigene Ehrgeiz bringt viele Leute dazu, das nur auf die harte Tour zu lernen – hier ein Crashkurs, wie man in 6 Schritten zum Burnout kommt.

Schritt 5

So wie eine Company hat auch eine Person eine Halbwertszeit, bis die eigene Begeisterung als endloser Strom von Energie erlischt. Die ersten Symptome können ohnmachtsähnliche Wochenenden sein, in denen man außer Fernsehen eigentlich nichts mehr macht und nach denen man genauso fertig ist wie davor. Das paart sich dann mit Tunnelblick vorm Laptop und der Tatsache, dass man sich nur noch am Computer subjektiv effizient fühlt. Permanente Entscheidungsschwäche bei allem, was nicht beruflich ist. Schnellstmögliche Überforderung durch Schritt 1 kleinste Dinge. Das Privatleben, welches eine Balance geben Die eigene Begeisterung steckt nicht nur Co-Founder, Mitarbei- sollte, kommt solange zu kurz, bis es fast nicht mehr existiert ter, Familienmitglieder und Investoren an, sondern funktioniert und private Krisen kommen nun noch hinzu. Die Freundin weg auch als scheinbar unerschöpfliche Energiequelle. Man will kla- – zu Recht. rerweise die eigenen und externen Erwartungen erfüllen und sitzt nun als Workaholic wochenlang früh bis spät am Schreib- Schritt 6 tisch, Wochenende für Wochenende. Wenn man dann mal ein längeres Wochenende zum Ausschlafen hat und zurückblickt und sich klar wird, wie zombieähnlich Schritt 2 man eigentlich die letzten Wochen unterwegs war und wie weAlltagsprobleme wie UserBugs, Steuerprobleme oder Com- nig trotzdem vorangeht, wenn man nicht selbst wie irre dahinmunity-Betreuung kommen hinzu, die Begeisterung hält, ist ter bleibt. Man merkt auf einmal, wie wenig die eigene Arbeit aber gefangen in Tätigkeiten, die erledigt werden müssen. Man eigentlich am Gesamtschicksal verändert und dann geht es auf schaukelt sich von einem Hoch durch das nächste Tief und rauf einmal ziippp und man verliert den Sinn im Ganzen. Ziippp. zum nächsten Hoch. Der nächste Kunde, der nächste Deal, der Und es ist black. Lustlos und egal. nächste Release. Man merkt, wie das Konto das Geld verliert als wäre es undicht und das erwartete nachkommende Geld Burnout ist nicht schwarz / weiß und definitiv kann es noch schlimmer kommen als beschrieben, aber ich bin mir sicher, bleibt dennoch aus. der eine oder andere Gründer findet sich in einzelnen dieser Schritt 3 Schritte wieder. Falls ja sollte man die Notbremse ziehen. Man fokussiert wie verrückt auf Details, verliert das größere Bild, erkennt Prioritäten nicht mehr und blockiert trotzdem alle Schritt 0 anderen. Auf einmal hat man für nichts mehr Zeit, ist perma- So kompliziert oder speziell wie man glaubt, ist dass eigene nent eingespannt und kann vor lauter Tunnelblick sich nicht Projekt gar nicht, und niemand macht einem soviel Stress oder mal mehr um Dinge kümmern, die die eigene Arbeit erleichtern Druck wie der eigene Ehrgeiz. Erfolg misst sich nicht in Aroder effizienter machen würden. beitszeit, sondern in Arbeitsleistung. Und gute Arbeitsleistung kommt nur durch klaren Kopf, Arbeitsbalance im Team und FoSchritt 4 kus. Alle Startups, mit denen ich gesprochen habe, haben späteDadurch, dass man nicht mehr die Nerven hat, klar zu kom- stens im dritten Jahr von Dauersprint auf Marathon gewechselt munizieren, weil sich alles sowieso ständig ändert, arbeiten und alle haben bemerkt, dass sie nicht langsamer geworden auch andere ineffizient und verlieren ihre Energie. Arbeit an- sind.  ¶ derer bleibt liegen und man fängt an, diese auch noch zu erledigen. Auf einmal macht man ein Dutzend Dinge zusätzlich, die nichts mit der eigenen Aufgabe zu tun haben. Man über-  nimmt gerne, schließlich kann man die Tätigkeiten ja »am LOOKK.com ist ein österreichisches Startup, das auf der internationalen schnellsten« erledigen, obwohl man in Wirklichkeit sowenig Bühne die Modewelt verändern will. Andreas Klinger schreibt monatlich Zeit hat, dass nun alles noch länger dauert. über Lessons Learned, Erfolge und andere schmerzhafte Erfahrungen.


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Zurück in die Zukunft

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Bradford Cox ist beflügelt vom stetigen Streben nach räumlichen, zeitlichen und historischen Alternativen. Sein dritter Wurf katapultiert ihn tatsächlich in ein selbst geschaffenes Science-Fiction-Genre. Atlas Sound Parallax (4AD)

Mit »Parallax« hat sich das Deerhunter-Mastermind hörbar von der Realität abgekapselt und sein bisher homogenstes Werk abgeliefert. Atlas Sound, sowohl Kreativpool für Deerhunter als auch Rückzugsnetz, fungiert bereits seit seinen Kindheitstagen als eigenbrötlerischer Skizzenentwurf, als intimer Selbstfindungstrip eines Besessenen mit massivem Back-Katalog im Gedächtnis und DIY-Produktionsethos in den Fingerspitzen. Dokumentiert in unzähligen 4-Track-TapeSessions hat das Atlas Sound-Oeuvre mittlerweile unüberschaubare Dimensionen angenommen, nachzuhören in der vierteiligen Bedroom Databank Recordings-Serie. Dabei reichen sich stets nostalgische Referenzspielereien und Zukunftsvisionen in Richtung Pop-Erneuerung die Klinke. Manifestiert in den zwölf Tracks bietet auch »Parallax« diese anziehende Unentschlossenheit. Von Ambient über 60s Pop bis hin zu Shoegaze und Techno, ein bisschen hiervon, ein bisschen davon, mal ausgefranst und kaum zu fassen, mal in drei Minuten auf den Punkt gebracht. Wie bereits beim Aufnahmeprozess zum Vorgänger »Logos« wurde für »Parallax« das Studio zum Cox’schen Schlafzimmer umgezimmert, um ein weiteres Mal unter der Leitung von Nicholas Fernhes (u. a. Animal Collective, Fisherspooner) die dem Atlas Sound-Projekt zugrundeliegende Homerecording-Ästhetik nachzubasteln, was sich teils in überraschend opulenten Arrangements niederschlägt, vor allem hör- und spürbar im Spiel mit Reduktion und Raum, was im verträumten Dreampopper »Doledrums« sehr gut zur Geltung kommt. So wird zum Beispiel das Ambientlastige »Te Amo« von einem verhallten Disharmonica-Loop und plötzlich verpuffenden Synthmuster getragen, »Mona Lisa« präsentiert sich als eingängiger Twee Pop während die Abschlussnummer »Nightworks« als Hommage an die Goldkehlchen der Everly Brothers verstanden werden kann. »Parallax« ist der durchwegs gelungene Versuch eines besessenen Tüftlers, dem handelsüblichen Spiel mit Referenzen eine neues System und dem Umgang mit schier unüberschaubaren Outputs eine neue Ordnung zu geben. ¶ 8/10 Philipp Lampert

AU S GA B E 1 2 1 / 0 5 7 ◄


Abt. Musik

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a. 121/ Rezen s ionen

23 23

Ursula Bogner Sonne = Blackbox

( S ony )

( Faitiche)

Verschenktes Potenzial

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Es hätte so klingen sollen wie »Watch The Throne« von Kanye West und Jay-Z. Doch die einstigen Pioniere Sido und Bushido geben sich mit bloßer Abwatschware zufrieden. Zwei Dinge vorweg: Bushido ist immer noch ein lahmer Rapper mit schlampigem Flow und ermüdendem, vernachlässigbarem Inhalt (Kostproben wie »Hier kommt der Banger, du Hänger bleibst auf ewig Penner« gehen nicht nur einmal auf die Nerven). Die Nummer »Erwachsen sein« mit Rock-Schlagersänger Peter Maffay ist selbstverständlich eine einzige Katastrophe, wahrscheinlich die größte auf diesem Album, aber leider kein Einzelfall bei dieser großen Enttäuschung namens »23«. Erinnern wir uns kurz an die Anfänge, an die Debütalben »Vom Bordstein bis zur Skyline« (2003) von Bushido und »Maske« (2004) von Sido. Während Bushido ein überzeugendes und originär deutsches Bild von deutschem Gangsta-Rap skizzierte, das Diskussionen in Talk-Shows und Nachahmungstäter hervorrief, lenkte Sido mit Provokationen und missverstandener Ironie die Aufmerksamkeit des gesamten deutschsprachigen Raums auf soziale Brennpunkte wie das Märkische Viertel in Berlin. Nebenbei halfen die beiden mit dem Label Aggro Berlin zwischen 2001 und 2009 eine neue Ära für deutschen HipHop zu etablieren. Anstößiger Rap von den Straßen Deutschlands wurde erstmals massentauglich, Pop auf breiter Basis und bis heute zum Dauerbrenner in den Charts. Sido und Bushido zerstritten sich, wurden jeweils solo zu Entertainment-Stars. Als das schnelle Geld der Musikindustrie schnell von einigen wenigen abgeschöpft war und die Anzahl an Nacheiferern inflationär wurde, ging deutscher HipHop in die Tiefe. Der Vergleich mit der Szene in Österreich liegt nahe, wo auf sehr hohem Niveau stagniert wird – wenn weder große Erfolge, noch breite Aufmerksamkeit in Aussicht stehen, wird intensiv an der Kunst gearbeitet. 2011 ist HipHop in Deutschland zugleich anspruchsvolle Subkultur und abnickbarer Mainstream geworden, so pluralistisch und aufregend wie noch nie. Rapper werden endlich als ernstzunehmende Musiker wahrgenommen, die einschlägigen Genre-Medien sehnen bereits französische Verhältnisse herbei. Zu dieser neuen großen Ära haben Sido und Bushido mit »23« aber nur unoriginelles Mittelmaß beizutragen. Ein deutsches »Watch The Throne« hätte es werden sollen. Funktionierende Konzepte, wie bei der guten Single »So mach ich es«, fehlen leider überall. Stattdessen gibt es zu viel Bauchpinselei und Pathos-Krämpfe. Da können die Beats noch so wuchtig sein, Jay-Z und Kanye West würden zu diesem Kitsch nicht mal die Augenbrauen heben. 4/10 klaus buchholz

► 0 5 8 / AUSGABE 121

Die Einsamkeit eines Genies _ Die Geschichte der einsamen Elektronikpionierin Ursula Bogner klingt zu wundersam um wahr zu sein. Genau wie ihre Musik. Der Produzent Jan Jelinek erzählt die Geschichte von Ursula Bogner so: Auf einer Flugreise ist er mit einem Mann ins Gespräch gekommen, dessen Mutter untertags als wissenschaftliche Mitarbeitern eines Pharmakonzerns gearbeitet und des nachts ihren exzentrischen Hobbys gefrönt hat. Im Heimstudio habe Ursula Bogner seltsame elektronische Klänge produziert. Begonnen hat sie damit in den späten 60ern, nachdem sie Seminare bei Herbert Eimert, dem Gründer des Kölner Studios für elektronische Musik, besucht hat. Bis zu ihrem Tod im Jahr 1994 produzierte sie eine Unmenge an Material, das sie auf einer Vierspur-Bandmaschine aufgenommen hat und von dem manche Teile fehlen. Jan Jelinek hat sich der Hinterlassenschaft angenommen und sie für die Veröffentlichung aufbereitet. Einiges davon musste er rekonstruieren und neu arrangieren. »Sonne + Blackbox« ist das zweite Album mit diesen herrlich verschrobenen Sounds, die sich nicht entscheiden können, ob sie Musique Concrète oder Soundtrack zu einem alten Sci-Fi-Film sein wollen. Bogner entwickelte ihre Musik fernab von allen Szenen und trat nie öffentlich auf. Ihre minimalistischen Kompositionen sind voll gelassener Heiterkeit. Im Gegensatz zur ersten Veröffentlichung »Recordings 1969-1988« sind hier auch verfremdete oder geloopte Stimmen zu hören, die sich in das Blubbern und die mäandernden Synthesizersounds mischen. Bogner war Anhängerin von Wilhelm Reichs Vorstellung einer spezifisch biologischen Energie namens Orgon. Mag sein, dass ihre musikalischen Phantastereien die musikalische Entsprechung von Reichs Ideen sind. Im Übrigen hat Albert Einstein widerlegt, dass es diese Energie gibt. Manche wollen widerlegen, dass es Ursula Bogner wirklich gab. Tatsache ist jedenfalls, dass das Universum um ein paar ausgesprochen schräge Soundspielereien ärmer wäre, hätte Jan Jelinek nicht die Geschichte dieser Frau erzählt bekommen. Hoffentlich gibt es noch ein paar Stücke aus der Klangwerkstätte, die Frau Bogner im Einfamilienhaus am Stadtrand betrieben hat. 8/10 werner reiter


Trackspotting

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12-Inch, Singles und Kleinformatiges für große Aufmerksamkeitsspanner TEXT Florian Obkircher

Unglaublich eigentlich, wie sehr der Staat seine Kinder zu hassen scheint. Hat man in Wien nach langen Diskussionen nun endlich die 6-Uhr-Sperrstunde durchgebracht, zeichnet sich in Berlin gerade ein neuer Eklat im ewigen Streit zwischen Politik und Party-Kultur ab. Vor Kurzem fanden prominente Spree-Clubs wie Berghain, Cookies und Weekend Post vom Finanzamt im Briefkasten. Die Forderung: Betroffene Clubs müssen Eintrittsgelder mit 19% statt der bisherigen 7% versteuern – von 2005 an rückwirkend! Für kleinere Clubs könnten die Nachforderungen den Ruin bedeuten. Der Hintergrund ist dabei so absurd wie schockierend: Wer in Deutschland Partys veranstaltet, muss dem Staat 19% der Kassaeinnahmen abführen, Konzertveranstalter nur 7%. 2005 urteilte der deutsche Bundesfinanzhof, dass eine TechnoVeranstaltung auch als Konzert gilt, schließlich verwendet der DJ die Plattenspieler wie ein Instrument. An diese Reglung haben sich genannte Clubs gehalten – bis ein Berliner Bezirks-Finanzamt offenbar Mitarbeiter ins Berghain eingeschleust hat und diese feststellten, dass die Clubbesucher nicht permanent zum DJ schauen. Da herrsche keine Konzertatmosphäre, so das Urteil des Amts. Damit wird eine Berghain-Nacht mit einer Flirt-Party mit Flatrate-Saufen gleichgesetzt – zumindest steuerlich. In einer Stadt wie Berlin, die international mit ihrem grandiosen Nachtleben Werbung macht. Eigentlich echt unglaublich.

e gap h t × 0 1 : r e h ic s t is soviel mit etwas glück: 14 × pink Floyd

Ken Hayakawa feat. Herb Piper – Japanese Rose (S chönbrunner P erlen)

Aber Schluss mit den Jammereien, schließlich gibt’s diesen Monat auch genug zu feiern: zum Beispiel die Labelgründung der Schönbrunner Techno Bande, Wiens potentester wie präsentester DJ-Crew. Anführer Ken Hayakawa liefert gleich zum Einstand den leicht verspäteten Sommerhit des Jahres. »Japanese Rose« ist ein graziles Stück Piano-House mit perlenden Synths und Oldschool-Streichern. Eine Afterhour-Hymne als akustische Verbeugung vor 90er-Helden wie Bizzare Inc., die Hayakawa mit seiner feinen SoundKlinge in ein luftiges Kleidchen verwandelt. Grandios auch das Video mit dem Produzenten als schnauzbärtigen Eisverkäufer. So schmeckt der Sommer.

Massive Attack vs Burial – Four Walls / Paradise Circus (T he V inyl Factory )

Unerwartete Freude bereitet uns auch dieses Stück limitiertes Vinyl: Dubstep-Poet Burial zollt seinen Mentoren Massive Attack mit zwei Remixes Tribut. Zwei mal zwölf magische Minuten Musik aus der Zwischenwelt, Hauntology deluxe. Burial löst sich von allem Ballast und versetzt »Paradise Circus« mit zarten, ätherischen Flächen und warm knisternden Sounds in einen Schwebezustand, der sich gängigen Kategorisierungsschemata von Popmusik entzieht. Selten Tracks gehört, die in sich so stimmig war – die Remix-Platte des Jahres wäre damit wohl gefunden.

Najem Sworb – Severance (Metis )

Seit seinem superben Debüt »Hydrocarbon EP« 2007 ist’s etwas still um den französische Produzenten geworden, jetzt kehrt Najem Sworb mit zwei Stücken zurück, die das Qi des Techno freilegen. Marschierende ArpeggioSpielereien werden auf »Severance« von sanften Synth-Wellen umspült, 69 scheint bei diesem Slow-Burner Pate gestanden zu haben. Liquid-Techno wäre wohl die passende Beschreibung für dieses schwarze Juwel, das dem Dancefloor zur Primetime einen wohltuenden Platzregen beschert.

Azealia Banks – 212

Sie sei die neue Nicki Minaj, jubelt die Blogosphäre. Wohl weil sich die 19-jährige Rapperin aus Harlem kein Blatt vor den Mund nimmt und selbstbewusst Obszönitäten wie »I’mma ruin your cunt!« ins Mikrofon rotzt. Aber auch abgesehen von den Lyrics ist »212« so ein kurzlebiges wie kratziges Meisterstück Hip-House, von dem man auch auf breiter Ebene bald viel hören wird. Zumindest, wenn Banks den Copyright-Streit mit dem belgischen Produzenten Lazy Jay klären kann, über dessen Tracks sie ohne Genehmigung gerappt hat – und der es sich offenbar zur Aufgabe gemacht hat, das Stück aus dem Netz zu verbannen. Wär eine Schande, denn »212« ist genau das, was Popmusik 2012 braucht.

The Gap haut dir Pink Floyd um die Ohren. Die britische Band ist nämlich vollkommen zu Unrecht als Musik für deine Großeltern verschrieen. In den Sechzigern haben sie angefangen die psychedelische Revolution einzuleiten, haben Rock ein riesiges Experimentierfeld eröffnet. Sie sind der Grund warum Popmusik heute nicht nur Musik für Boxer und Proleten ist, Pink Floyd haben vollkommen neue Skalen und Geräusche in den Pop gebracht. Ihr Cover zu »Dark Side Of The Moon« ist legendär. Wir verlosen ein Monster-14-Alben-Paket unter allen Neu-Abonnenten. the gap im jahresabo um € 16,50. unter allen neuabonnenten verlosen wir alle 14 studioalben von pink Floyd! www.monomarkt.at

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Abt. Musik

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a. 121/ Rezen s ionen

Cubenx On Your Own Again

Feist Metals

( I nfin é )

( Polydor / U niversal)

Trans Atlanticism

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»On Your Own Again« ist nicht ganz das enorme Techno-Songwriter-Album geworden, dass es hätte sein können. Beeindruckend klingt es aber allemal, und ja, auch supranational.

Herbsttage

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Lieder über die Unmöglichkeit der Liebe: Nach Jahren der Stille melden sich Feist mit einem Album zurück, das zurückgezogener nicht ein könnte.

Cubenx veröffentlicht erst seit vier Jahren Musik und hat sich in kürzester Zeit ein erschreckendes Arsenal an Skills antrainiert. An keiner Stelle von Cubenx’ Artist-Debüt – »The Cold Swells« war 2008 noch eine Singles-Compilation – hat man das Gefühl, das klingt jetzt nicht genau so wie es soll. Die Elemente, Stimmen und Spuren passen mikroskopisch genau ineinander, jeder kleine Übergang ist exakt abgemischt, jeder Sound wirkt wochenlang geprüft, geschärft und geschliffen. Was über all der Präzision etwas vergessen wurde, das sind die Songs selbst. Dabei ist es nicht etwa so, dass ein einziger schlechter Titel dabei wäre, für manche Hörer dürfte das Album nur zu wenig offensichtliche Anker und Angriffspunkte bieten. »Adrift At Sea« könnte so ein Fast-Hit sein, bei dem jedes Mal jemand zur DJ-Box kommt und nach dem Namen des Tracks fragt. »Sun Dried« ist eine Spur zu in sich gekehrt, um als echte Single durchzugehen, auch wenn sich die Melodie gefährlich tief ins Bewusstsein dreht. Sollte César Urbina allerdings demnächst eine Spur Aggressivität für sich entdecken, könnte das mit den großen Festivalbühnen tatsächlich etwas werden. Und oft landet Cubenx tatsächlich bei Songs, obwohl er ja eigentlich Minimal Techno gelernt hat. Er geht den umgekehrten Weg, macht keine Indie-Dance-Platte, sondern entdeckt von kühlen Sound-Architekturen ausgehend den Song und Gitarren wieder. Das erinnert dann immer wieder erstaunlich stark an eine Reihe von großen Verschränkern von Track und Song, sei das nun The Field, Walls, Dntel, Gui Boratto, M83, Pantha Du Prince, Emeralds oder Ada. Im Unterschied zu bloß tanzbarem Rock oder Techno mit Stimme geht es um gleichzeitige Repetition und Progression sowie eine Soundästhetik, die diese beiden Welten verbindet. Wer dabei an schnöden Crossover denkt, hat es offenbar geschafft, am letzten Album von Caribou vorbeigekommen zu sein. Cubenx fasst so ganz disparate Ansätze zusammen – drahtige, britische New WaveBässe treffen auf die digitale Soundwelten von Ghostly, Berliner Minimal, Hamburger Hafenhouse, schwedischen Dream Pop, kalifornische Sonne, kanadische Wolken, brasilianischen Regen, texanische Gitarren und globalisierten Pop. Cubenx gelingt so etwas wie supranationale elektronische Musik zu machen. Was für sich ja schon erstaunlich genug wäre.

Gleich vorweg: »Metals« ist eine Kummerplatte ohne Hitsingle. Wer hofft, auf Leslie Feists musikgewordenem Seelenstrip ein zweites »1234« vorzufinden, wird von dem Album maßlos enttäuscht werden. Kein einziges Lied versprüht jene Art von radiotauglichem Mitsing-Lala-KonsensCharme, dem die Band ihre internationalen Chart-Erfolge zu verdanken hat. Und das ist auch gut so – denn so eindringlich und intensiv hat Feist bisher noch nie geklungen. Die vierjährige Kreativpause, die den Megasellern »The Reminder« und »Let It Die« folgte, hat die früher so gar nicht scheue Musikerin am liebsten mit sich selbst verbracht. Die Zeit des post-kommerziellen Durchbruchs kulminierte im künstlerischen und persönlichen Rückzug. Und genau so klingt »Metals«: introvertiert, detailversessen und auf eine charmante Art einsam. Wo zuvor noch Pathos und Pomp das Klangbild beherrschten, ist auf Songs wie »The Circle Married The Line«, »Bittersweet Melodies« oder »Anti-Pioneer« elegische Stille eingekehrt. Aufgenommen im kalifornischen Big Sur, scheint in den Melodien die kalte Weite des Ozeans mitzuschwingen. »Metals« gibt sich verhalten, eindrücklich, spärlich. »When a good man and a good woman can’t find the good in each other, then a good man and a good woman will bring out the worst in each other«, singt Leslie Feist im Album-Opener »The Bad In Each Other«. Es ist ein Song über das Ende einer Beziehung, die eigentlich ein Leben überdauern hätte sollen. Während in der bittersüßen Soul-PopNummer »How Come You Never Go There« die Liebe verletzt, aber noch nicht tot ist (»You carry on as if I don’t love you«), sind die Liebenden spätestens in »Comfort« an ihren Gefühlen gescheitert: »When you comfort me, it doesn’t bring me comfort actually«. Die leicht verdauliche Popmusik früherer Tage ist hier einer rauen, traurigen Gebrochenheit gewichen, die der Band allerdings überraschend gut steht. »Metals« ist eine Platte für graue Herbsttage, ist dabei mehr Indie als Pop, mehr Melancholie als Euphorie. Es ist ein Album, das Kritiker lieben werden, das aber aufgrund seiner Unaufdringlichkeit im Makrokosmos der formattreuen 3-Minuten Pop-Dauerrotation-Medienmaschinerie wohl ziemlich untergehen wird.

7/10 stefan niederwieser

7/10 Michael Kirchdorfer

► 0 6 0 / AUSGABE 121


Abt. Musik

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a. 121/ Rezens ionen

Rustie Glass Swords

Zanshin Rain Are In Clouds

(Warp )

( Affine)

Rostet und rastet nicht

_ Durch die Wolken in das Licht _

Der schottische Jungspund lässt auf seinem Debüt wenig anbrennen und verbasst (sic!) dabei dem britischen Untergrund einen poppigen Anstrich. Ein halbes Dutzend EPs liegen hinter dem recht flott als Wunderkind abgestempeltem Russel Whyte, den Bassjüngern wohl eher als Rustie bekannt. Nun kommt doch noch, was kommen musste: sein Debütalbum »Glass Swords« auf dem Kultlabel Warp. Der junge Schotte wurde gemeinsam mit u.a. seinem Freund und Beat-Padawan-Kollegen Hudson Mowhawke in den letzten Jahren für einen vielschichtigen, an HipHop und Sci-Fi-Elektronik geschulten Stilmix bekannt, in dem metallische Snares, funky Bässe, breite Synths, Sample-Pitching-Cut-Ups und ein unruhiges Bassdrum-Fundament auf eine ziemlich einmalige Weise aufeinander trafen – und sorgte schnell für großes Aufsehen in den einschlägigen Kreisen. Remember Aqua-Crunk? Glitch Hop? Post Dilla Action? Wonky? Ah ja, der Begriff »wonky« verschwand dann bald wieder aus dem Feuilleton. Aber nicht aus der Welt. Dort wurde eifrig weiterentwickelt. Das Debüt zündet – um dann alsbald die ersten Durchhänger zu erzeugen. Diese Durchhänger begegnen einem dann des Öfteren – doch keine Sorge, an jenen Stellen, wo man an Weiterzappen denkt, zaubert Rustie die nächste Keyboard-Collage an die Wand und wirft einem die nächste Bassline-Salve um die Ohren. Man möchte fast glauben, dass er diese »Durchhänger« ausschließlich als Stilelemente verwendet, um eben jeden einzelnen Song so immer wieder auf neue Umlaufbahnen lenken zu können. Gerade dieser Effekt ist es, der »Glass Swords« so spannend macht. Stop-Motion. Stop. Motion: Der Drumcomputer und das Keyboard werden aufs Äußerste ausgereizt; der Groove des ganzen Albums sucht heutzutage seinesgleichen. Keine Frage, am Anfang wirkt »Glass Swords« maßlos überladen, zu rund und schlichtweg zu cheesy, der Hauptgrund für Letzteres sind nicht zuletzt die zersampleten Vocoder-Wortfetzen, doch insgesamt schenkt einem Rustie hier wahrlich einige Perlen der verschiedensten Schulen der sogenannten »danceable UK bass music«, ein Genremix der so weit gefächert ist, dass manch Pfau eifersüchtig würden könnte. So wie auch auf »Glass Swords«. 8/10 Kevin Reiterer / Stefan Niederwieser

Affine Records hat einen neuen Boliden im Stall. Ogris Debris-Hälfte Gregor Ladenhauf lässt auf seinem Solo-Debüt als Zanshin seiner Liebe für Broken BeatElectronica mit konzeptuellem Überbau freien Lauf. Eine Platte, die keine Kompromisse eingeht und begeistert. Für den Multi-Künstler Gregor Ladenhauf dürfte Freizeit wohl kein Thema sein. Nicht nur, dass er als Hälfte des Duos Ogris Debris als einer der spannendsten Elektronik-Acts Österreichs gehandelt wird, er ist nebenher auch Teil der audiovisuellen Künstlergruppe Depart und wandelt neuerdings unter dem Alias Zanshin auf musikalischen Solo-Pfaden. Dass Zanshin auf Affine Records gesignt wurde, liegt zwar irgendwie auf der Hand, dass gerade er das erste Künstleralbum dort stellen würde, kommt etwas überraschend. Zanshins Musik schert weit aus dem vom Label gewohnten Sound aus. Statt HipHop-infizierten Broken Beats mit Hang zu verspielter Virtuosität gibt es von Gregor Ladenhauf kunstgeschwängerte, teilweise sogar düstere Electronica, die sich an Sounddesign, Dubstep, HipHop, Techno und Field Recordings reibt. Die Tracks strahlen eine angenehme Weite aus. Nicht nur was die Hallräume angeht, in die der Musiker seine Sounds teilweise schickt, auch die Ästhetik der Stücke wirkt leicht distanziert. Hier will einen kein schöngeistiger Chord oder eine platte Hook einlullen – Gregor Ladenhaufs Sound ist vielschichtig und kompromisslos. Der Hörer bekommt es auf »Rain Are In Clouds« mit komplexen Harmonien, Beatgewittern, analog peitschenden Beats, aufgebrochenen Flächen und avantgardistischen Sounds zu tun. Trotz diesem ambitionierten Soundkonzept und den unterschiedlichsten Bausteinen, aus denen die Musik besteht, schafft es Zanshin, homogene Stücke und ein ebensolches Album zu zimmern. Was Melodien, Titelnamen und Artwork betrifft, wagt sich Zanshin sogar an eine Art von verdrehter Poetik heran, ohne affektiert zu wirken. Der konzeptuelle Überbau der Platte wirkt nicht gekünstelt, sondern ist logischer Bestandteil dieses Albums. Das Schöne an der Musik von Zanshin ist, dass sie sich nicht irgendwelchen Hörgewohnheiten von Broken Beat-Hipstern unterordnet, sondern sich mit viel Selbstbewusstsein einen Sound zutraut, den selbst Autechre mit Burial im Schlepptau kaum treffender hinbekommen hätten. 7/10 maximilian zeller

AU S GA B E 1 2 1 / 0 6 1 ◄


Abt. Twitter-Reviews Die Welt auf Scheibe – erklärt in 140 Zeichen zum Angeben in der Disco. Ausführlicheres auf www.thegap.at

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Ryan Adams Ashes & Fire sony Der amerikanische Singer/Songwriter besinnt sich seiner Folkwurzeln. Das Ergebnis war aber schon mal ▪ origineller. 5/10 gerald c. stocker Apparat The Devil’s Walk mute Melancholie und Pop. Akustik und Elektronik. Wer oben zu viel reinsteckt, bekommt unten wenig raus. 4/10 werner reiter ▪ Big Deal Lights Out mute / good to go Fuzz-Gitarren und Akustik-Poesie zwischen EndzwanzigerMelancholie und Teenage Angst. Dringliche Musik für romantische Träumer. 7/10 michael kirchdorfer ▪ Björk Biophilia one little indian / polydor Wie klingt Björk, wenn sie innovativ sein will? Die Antwort ist: Wie immer – allerdings auf bestechend hohem ▪ Niveau. 7/10 michael kirchdorfer

Dark Captain Dead Legs & Alibis loaf Das zweite Studioalbum von Dark Captain liefert Wärme und eine bedrückende Atmosphäre zu▪ gleich. 6/10 kirin kohlhauser Marcel Dettmann Conducted music man Dettmann ist ein Klasse für sich. Roh wie ein Schmiedehammer und elegant wie eine Primaballerina liefert er eine exzellente Auswahl an Technotracks. 7/10 johannes piller ▪ Dntel Life Is Full of Possibilities sub pop Dream like it’s 2001: Wieder gänsehautgeplagt im elektronischen Ambient-Flokati versinken – ein Re-Release aus dem Hause Sub Pop macht’s ▪ möglich. 8/10 sandra bernhofer Jan Driver Amatilda boys noize records Boys Noize’ neuestes Ziehkind möchte es scheinbar alten Hasen und jungen Banger-Kids recht machen. ▪ Leider doppelte Fehlanzeige. 3/10 kevin reiterer

The Black Seeds Specials: Remixes And Versions From Solid Ground easy star records / bbe Soul, Dub, Funk aus NZL – wie von einer erstklassigen Coverband, die weder zu gewöhnlich noch zu innovativ für eine Falter-, PoWi- oder Grünen-Feier ▪ ist. 6/10 stefan niederwieser Blitzen Trapper American Goldwing sub pop Amerika lässt grüßen: Souveräne Countrymusik mit wenig überraschenden Momenten. 5/10 kirin kohlhauser ▪ Boy Mutual Friends grönland records Boy sind zwei deutsche Mädchen, die Melancholie und Fröhlichkeit in liebenswürdigen und unbeschwerten Songwriter-Songs aneinanderdocken. 8/10 juliane fischer ▪ Peter Broderick Music For Contemporary Dance erased tapes / indigo Tanzmusik mal anders: Minimal-Klavier-Kompositionen tauchen in elektronische Sphären. Das Ergebnis ist virtuose Konzeptkunst, die als Album nur bedingt funktioniert. 5/10 michael kirchdorfer ▪

DRC Music Kinshasa One Two warp Ein Projekt zwischen Tür und Angel. Reichen fünf Tage, um den Geist afrikanischer Musik mit westlichem Pop▪ Appeal zu verbinden? 5/10 reiner kapeller The Dø Both Ways Open Jaws naive Ein Album gleich einem Springbrunnen an Ideen. Wo andere Bands im Fahrwasser ihrer Ideen unterzugehen drohen, schwimmt dieses Duo ▪ obenauf. 7/10 reiner kapeller Elektro Willi und Sohn Sauna Suit EP modul8 music Technofieber, Discokram und Waschmaschinen. Eine Reise in die nicht ganz ernst zu nehmenden Regionen der elektronischen Musik. 7/10 kevin reiterer ▪ Emika Emika ninja tune Emika setzt in dem Übergenre Bass neue musikalische Maßstäbe. Düstere ▪ Harmonie in Perfektion. 8/10 johannes piller

Ane Brun It all starts with one balloon ranger recordings Wenn es draußen kalt und der Himmel grau ist, die Blätter fallen und das Herz schmerzt, dann wärmt uns diese Singer/Songwriter-Platte. 6/10 martin zellhofer ▪ Bush The Sea Of Memories earmusic Gute Erinnerungen sollte man ruhen lassen. Vor allem, wenn eine Reunion nicht hält was sie verspricht. 4/10 kirin kohlhauser ▪ Ry Cooder Pull Some Dust And Sit Down nonesuch Der Großmeister der weltmusikalischen Brauchtumspflege kommt zu Hause an. Und ist ▪ dabei zu spät. 5/10 werner reiter Cuckoo Chaos Woman lefse Diese Surfin Safari aus San Diego hat vergessen, dem Vorbild – Vampire Weekend – etwas hinzuzufügen. Übrig bleiben sieben liebliche, subtropische Notizen. 4/10 stefan niederwieser ▪

Esmerine La Lechuza constellation / trost Sterben lernen mit Kunstmusik: Ein Konzeptalbum über den Tod, das trotz Affinität zu ThanatosMeditationen voll lebensbejahender Schönheit ist. 8/10 michael kirchdorfer ▪ Forest Fire Staring At The X fatcat NYC Underground Coolness trifft auf Retrogitarren, verrauscht existentialistische Heroinpoesie und Lou Reeds Stimme. Endlich ist es wieder hip, richtig fertig zu ▪ sein. 6/10 michael kirchdorfer Wolfgang Frisch Watering The Land monoscope productions Mit fünf Sängern aus der Singer/Songwriter-Szene schafft der Sofa Surfer ein stilistisch (mitunter zu) facettenreiches Album. 6/10 martin zellhofer ▪ Hello Gravity Wunderkind dienje Klassischer, großformatiger Indiepop auf der New Wave und im Taumel gesunden Größenwahns. 7/10 juliane fischer ▪

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NEUE LUST AM SELBERMACHEN Twittern als Protest: Ein Nachrichtenagent des Widerstands im Porträt Schokocreme zum Frühstück: Womit wir den Tag am besten beginnen Modestrecke: Alt + alt = neu Herausforderung Hühnerhaltung: Selbstversorgung und dreckige Hände Street-Talk: Machst du’s gerne selber?

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Abt. Twitter-Reviews

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a. 113/ R ezens ionen

The Jimi Hendrix Experience Winterland sony music Grandiose Konzertmitschnitte von 1968 mit dem schalen Geschmack von Back-KatalogAusverkauf. Nur essentiell für Fans, die noch nicht ▪ alles haben. 7/10 michael kirchdorfer Werner Kitzmüller Evasion valeot Da schart ein ganz Einzelner einen Haufen Ausgedings um sich und quetscht gequälte, geduckte Songs für die Bildungsnische aus einer klammen Seele. 6/10 stefan niederwieser ▪ Kmet Shoot Me konkord Popgeschichten im Geiste von Beck, ausgefranst in Richtung Tom Waits. 7/10 werner reiter ▪ Maison Neuve Joan rough trade Traditionsbewusster Indie/Songwriter-Pop aus Frankreich, irgendwo zwischen Konsens-Gitarrenpop und großer, melodieseliger Sehnsucht. 5/10 michael kirchdorfer ▪

Nneka Soul Is Heavy four music Black-Consciousness-Musik statt R’n’B-Flittchen. 6/10 juliane fischer ▪ Nurses Dracula dead oceans Wassermusik / Witch Wave Pt. 17: Du möchtest wissen, wie ein magentafarbener Klabauter jault, während er durch tote ▪ Ozeane surft? 6/10 stefan niederwieser Opeth Heritage warner Auch dunkler Metal besinnt sich auf die 70er Jahre und seine eigenen Stammbaum. Hör mal ran: Satan hörte früher Prog ▪ Rock. 6/10 stefan niederwieser Peggy Sue Acrobats wichita Englisches Schrammel-Rock Trio, das gerne PJ Harvey hört. 5/10 emanuel lerch ▪

Tammar Visits suicide squeeze records / trost Shoegaze ist die schönste Musik der Welt. Wer diesen Glauben teilt, wird mit der Band Tammar wunderbare ▪ Stunden verbringen. 8/10 michael kirchdorfer Various Artists The Wurst Music Ever wurst music New York ist Wien. Wurst ist Wurst. Zumindest, wenn man nach diesem Sampler geht, ist Dance Music an den beiden Enden des Wurstäqua▪ tors derzeit dieselbe. 6/10 stefan niederwieser Various Artists Heartbeats supplement facts Labelschau von Guy Gerbers Supplement Facts. Netter Überblick von guten Tracks aus den Beatport Charts. So bitte nicht. 4/10 johannes piller ▪ Various Artists Fac. Dance – Factory Records 12¨ Mixes & Rarities 1980–1987 strut Das legendäre Indie-Label Factory Records aus Manchester lässt grüßen. Bei musikalischen Raritäten von historischer Tragweite kommt man ▪ voll auf seine Kosten. 7/10 kirin kohlhauser

Manic Street Preachers National Treasures – The Complete Singles columbia Die Waliser Indie-Rock-Formation ist, war und wird immer eine der wichtigsten Bands ihrer Generation bleiben. 10/10 gerald c. stocker ▪ Jasmina Maschina Alphabet Dream Noise staubgold Vom Abtasten des Musikalphabets zwischen Ambient, Folk, Noise und Z...mismus und wie man mit Hang zur Gelassenheit gekonnt Sätze ▪ daraus komponiert. 5/10 ursula winterauer Mastodon The Hunter reprise Die Entschlackungskur wirkt: Befreit vom ganzen Bombast spielt sich eine der derzeit wohl interessantesten Metal Combos in gänzlich neue Höhen. 9/10 rainer kapeller ▪ Maur Due & Lichter Another Day las vegas Dieses Produzenten-Gesangs-Duo versteht es bestens, Pop, Minimal-House und Akustikballaden mit▪ einander zu kombinieren. 7/10 gerald c. stocker

Peter Wolf Crier Garden Of Arms jagjaguwar / trost Trotz aller künstlerischen Mühe und selbst auferlegtem Schmerz: Noch ein Album, das wie eine schlechte Bright-Eyes-Coverband klingt, braucht die ▪ Welt wirklich nicht. 3/10 michael kirchdorfer Porn To Hula Sailing Around God’s Balls trost Glamrock-Rampensauereien unter besonderer Berücksichtigung der 90er Jahre. 6/10 werner reiter ▪ Karin Rabhansl Mogst schmusn, mia wad’s wurscht parvenue Bayerischer Blues mit exzellenter Stimme, viel Humor und jugendlicher ▪ Sehnsucht vorgetragen. 6/10 gerald c. stocker Tonia Reeh Boykiller clouds hill record Man hat PJ Harvey ans Klavier gesetzt, ihr Rachmaninow vorgelegt und sie Tonia Reeh getauft. 5/10 juliane fischer ▪

Various Artists Live & Remastered mixed by Larry Levan, David Morales, Todd Terry, Kenny Carpenter & Justin Berkmann – Ministry Of Sound 20th Anniversary Boxset ministry of sound Wenn man diese Wühlkiste früher Housemusik zu lange öffnet, könnte man plötzlich knödelige Frauenstimmen und synkopisierte Pianos ▪ gut finden. 7/10 stefan niederwieser Various Artists Early Rappers: Hipper Than Hop – The Ancestors Of Rap trikont Der Signifyin’ Monkey ist eine Hauptfigur des Rapping. Als solcher geistert verbale Prahlerei und Trickserei schon seit der Sklaverei durch die Musik. 7/10 stefan niederwieser ▪ Laura Veirs Tumble Bee bella union / cooperative music Damit man seinen Techno-hörenden Teenie nicht später ins Heim stecken muss, programmiert man ihn schon im frühkindlichen Stadium auf gute ▪ Musik. Folk in dem Fall. 5/10 sandra bernhofer

Memoryhouse The Years EP sub pop Die Liste der Vorlagen für dieses kanadische Dream PopDuo ist lang und schwer zu überbieten. Kein Wunder, dass Memoryhouse daran scheitern. 4/10 stefan niederwieser ▪ Hudson Mohawke Pleasure Principle pleasure principle Mit Pleasure Principle hat Hudson Mohawke ein Label gegründet, um R’n’B-Hits mit seinem Sound aufzufrischen. Der Junge aus Glas▪ gow weiß, warum. 7/10 klaus buchholz Raleigh Moncrief Watered Lawn anticon Mit komplexem Sound-/Rhythmusgewirr, das ausgeklügelt zwischen Gold Panda und Panda Bear oszilliert, wird hier der Eskapismus zelebriert. 8/10 ursula winterauer ▪ Der Nino aus Wien Schwunder problembär /  hoanzl Das Liedgut von Wiens kauzigstem Weirdo hält manche Perle parat. Wer aber auf feine, ironische Untertöne hofft, könnte Opfer der eigenen Erwar▪ tungshaltung werden. 6/10 michael kirchdorfer

Rubin Steiner & Ira Lee We Are The Future platinum records Schon nervenstrapazierend, wenn auf der Fahrt nach HipHop-Ville das Gaspedal hängenbleibt. Ein Blick auf die vorbeiflirrende Landschaft lohnt sich aber. 7/10 sandra bernhofer ▪ Standard Fare Out Of Sight, Out Of Town melodic / thee spc Das Zweitalbum des UK-Trios fährt durchgehend auf einer pulsierenden PowerPop-Schiene und dabei sogar durch tiefgründige ▪ Themenlandschaften. 7/10 gerald c. stocker Maria Stern Jasmijn no label Schlagartig bekannt wurde Maria Stern mit ihrem launigen (Fiona)-Swarovski-Song via Online-Community. Die Humortupfen vermisst man auf ihrem Debüt nicht. 6/10 gerald c. stocker ▪ Warren Suicide World Warren III shitkatapult Weltkrieg am Mischpult – Für ehemalige Punks, die über den Folk-Hype bei ravenden Knöpfchendrehern gelandet sind. Und noch nicht genug haben. 7/10 kevin reiterer ▪

Wolfgang Voigt Kafkatrax kompakt So viel Konzept – Techno aus großem Bummbumm und neurotischen Stimmfragmentschichten – funktioniert am besten ungehört und in der Originalver▪ packung. 7/10 stefan niederwieser The Walkabouts Travels in the Dustlands glitterhouse Diese Band scheint schon immer da gewesen zu sein, hat sich aber trotz ihres oft unterschätzten Songbooks bei uns nie in die ganz vorderste ▪ Front spielen können. 7/10 gerald c. stocker The Wichita 5 Great Love Songs lindo AustroLo-Fi-Country-Folk mit Augenzwinkern wendet sich im Venus-Jahr der immergrünen Sparte ▪ »Liebeslied« zu. 6/10 gerald c. stocker Steven Wilson Grace For Drowning scope music Ein prog-rockiges Konzeptalbum als Gesamtkunstwerk, das einem Inhalt als Leere, und Leere als Kunstform verkaufen möchte. Musik zum Ertrinken ▪ ohne Grazie. 5/10 michael kirchdorfer

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Abt. Film

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a. 121/ Rezen s ionen

American Passages

(von Ruth Beckermann) Von New York nach Las Vegas geht dieses Road-Essay der österreichischen Dokumentarfilmerin Ruth Beckermann, was im Koordinatensystem des Films auch heißt: von der Euphorie der Straßenfeste zu Obamas Wahlsieg in die Glitzerstadt, wo Arme von in Spielautomaten vergessenen Münzen leben. Die Schönheit des Films liegt im Dazwischen, in der gleitenden Bewegung, mit der die Montage quer durch die USA diverse Räume, Milieus, Situationen erfährt. Im Nebeneinander aus Flagge-Hissen, glücklichen schwulen Daddys und Therapie im Frauengefängnis entsteht kein Urteil, aber das Vexierbild einer Nation, die nach wie vor entschlossen ist, an ihre eigenen Rituale zu glauben. 8/10 Joachim Schätz

Der Prozess

Kafka 2011: Gerald Igor Hauzenbergers neue Dokumentation über den »Monsterprozess« gegen 13 Tierrechtsaktivisten führt die Machtlosigkeit des Individuums gegen das Establishment vor Augen. Nachdem die willkürlich gewählten Personen zwei Jahre lang polizeilich überwacht wurden, dauerte der Prozess über ein Jahr. Zwar endete dieser mit einem Freispruch, jedoch stehen die Betroffenen nun vor dem finanziellen Ruin und die Staatsanwaltschaft hat bereits Berufung gegen das Urteil angemeldet. Umso wichtiger ist dieser Film, denn der Anteilnahme der Öffentlichkeit ist es zu verdanken, dass die Anklage letztlich nicht haltbar war. Die Doku verdeutlicht, dass der »Mafiaparagraph« § 278a bedenklich ist, zumal er ohne Weiteres auf NGOs angewandt werden kann. Sie will nicht zum Vegetarismus oder Aktivismus bekehren, sondern demonstriert vielmehr die groteske Justizfarce und die Bedrohlichkeit des Kleingeists. 8/10 Artemis Linhart

Eine dunkle Begierde

(von David Cronenberg; mit Michael Fassbender, Keira Knightley, Viggo Mortensen)

Die totale Therapie

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David Cronenberg inszeniert die Gründungsphase der Psychoanalyse mit feinen Rissen auf einer neurotisch glattgeputzten Oberfläche.

(von Roman Polanski; mit Jodie Foster, Kate Winslet, Christoph Waltz, John C. Reilley) Nach der Vorlage eines Theaterstücks von Yasmina Reza zeigt »Der Gott des Gemetzels« zwei Ehepaare, die durch eine Schlägerei ihrer Söhne aneinandergeraten. Ein Kammerspiel, in dem die Figuren zuerst in ZweierTeams kämpfen, schlussendlich aber allein für sich stehen. Roman Polanskis Adaption besticht durch ihre ausgeklügelte Situationskomik. Allen voran erfreut Christoph Waltz, der wieder den überheblichen Typus mit breitem Grinsen gibt. Die Bildgebung ist bewusst theatral, was aber nicht konsequent durchgesetzt wird und so gezwungen und einfallslos wirkt. »Der Gott des Gemetzels« ist Theater mit beeindruckender Hollywood-Besetzung, jedoch keine wirkliche herausragende Regieleistung des großen Filmemachers Polanski.

Es ist in den ersten Minuten schwer zu sagen, ob Keira Knightley in »A Dangerous Method« (so der Originaltitel) toll ist oder den gröbsten Unfug ihrer Karriere zusammenspielt: Unter spastischen Zuckungen und Windungen wird ihre Sabina Spielrein anno 1904 in ein Sanatorium bei Zürich hineingetragen. Noch in den ersten Therapiesitzungen mit Doktor Carl Gustav Jung (Michael Fassbender) wirkt Knightleys Performance krude überproportioniert: Während Fassbenders zugeknöpfter Jung maximal mit der Wimper zuckt und sich räuspert, schiebt ihre Hysterikerin das Kinn nach vorne und knickt die Handgelenke zurück, als würde ein Exorzistenfilm gecastet. Im Rückblick erweist sich aber genau dieses Ausagieren bis zum Anschlag als raffinierter Kniff, der den gesamten Film über nachhallt. »A Dangerous Method« erzählt nämlich mit der Affäre zwischen Jung und seiner Patientin – und späteren Kollegin – Spielrein nicht bloß eine gut belegte Geschichte aus der Gründungsperiode der Psychoanalyse, in der Autoritätsfigur Sigmund Freud (Viggo Mortensen) die dritte große Hauptrolle spielt. Der Film, wie ihn der frühere Körperhorrorvirtuose David Cronenberg inszeniert hat, stellt die melodramatischen Aufwallungen der Figuren als seine eigenen Symptome aus: Er geriert sich durchwegs wie eine dieser feinsäuberlichen, analfixierten Historienproduktionen der Merchant/ Ivory-Tradition mit ihren hyperkontrollierten Kamerabewegungen und neurotisch glattgeputzten Oberflächen. (Vom Kies des Belvedereparks – einem von einer Handvoll Wiener Originalschauplätzen – meint man essen zu können.) Aber an diesem makellosen Akademismus lassen sich umso leichter die feinen Risse verfolgen, die Cronenberg und das Ensemble nach einem Skript von Christopher Hampton setzen, wenn Familienvater Jung seine moralischen Begrifflichkeiten vom eigenen Forscherdrang in Frage gestellt sieht. Alle Worte und Gesten sind so präzise in Wachs gegossen, dass jedes Stammeln, jeder Milchbart, jeder Schlucker und Versprecher sich als Symptom zu lesen gibt: ein psychoanalytisches Melodram eben. Ähnlich paradox strahlt »A Dangerous Method« gerade in seiner bemerkenswerten (nicht unkomischen) Trockenheit einen unbedingten Sinn fürs Abenteuer zu, den »Tim und Struppi« nicht einmal erahnen lässt: Cronenbergs Therapeut/innen überschreiten moralische Grenzen, weil sie sich tatsächlich auf Neuland befinden.

7/10 Lena Nitsch

9/10 joachim schätz

Der Gott des Gemetzels

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Abt. Film

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065 JONAS-PHILIPP DALLMANN Notschek

geb., 12.8*20.8 cm, 295 Seiten ISBN 978-3-902373-92-2 € 21.40[D], € 22.00[A], sfr 32.50

Die Höhle der vergessenen Träume (von Werner Herzog)

Herzog’sches Höhlengleichnis in 3D

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Über 30.000 Jahre alte Höhlenmalereien befinden sich in der ChauvetHöhle im Süden Frankreichs. Bilder, die bisher nur ein kleiner Kreis an Wissenschaftlern bestaunen konnte, bringt Werner Herzog nun imposant aufbereitet in die Kinosäle – in 3D. Über 400 Wandbilder, bis zu 35.000 Jahre alt, durch einen Felssturz konserviert und lange Zeit im Verborgenen geblieben – die Chauvet-Höhle im Süden Frankreichs, erst 1994 entdeckt, hat wohl so manchen Archäologen zum Korkenknallen animiert. Keine mindere Sensation, dass dieses Kulturerbe, bisher nur einigen wenigen Wissenschaftlern zugänglich, nun für ein breites Publikum sichtbar wird. Werner Herzog sei Dank, der exklusiven Zutritt bekommen hat, um darüber einen Dokumentarfilm zu machen. Trotz erschwerter Drehbedingungen nahm er diese Chance zum Anlass, selbst erstmals mit 3D zu experimentieren und führt damit in Zeiten halbherziger BlockbusterNachbearbeitungen bildgewaltig vor Augen, wofür diese Technologie eigentlich gedacht sein sollte und was sie kann. Herzog tastet die Wände mit akribischer Sorgfalt ab. Langsame Kamerafahrten (ausgeführt von Stammkameramann Peter Zeitlinger) bringen die abgebildeten Bären, Pferde und Höhlenlöwen scheinbar in Bewegung. Kinosaal und Höhle fusionieren zu einem Raum. Seinen OffKommentar nutzt Herzog dabei nicht nur, um Hard Facts synchron zu den Bildern zu liefern. Er lässt sich dazu hinreißen, über die Menschheit zu sinnieren, fragt sich anhand der Malereien, was unsere Urahnen geträumt und gefühlt haben könnten, was unvermeidbar zur großen Frage führt: Was macht den Menschen zum Menschen? Zugegeben, das kann einem bald zuviel der philosophischen Überschläge werden. Oder eben nicht. Herzog-Fans werden wohl ihre Freude am Off-Text des gebürtigen Bayern haben, dessen starke Akzentuierung allein schon Unterhaltungswert verspricht. Außerhalb der Höhle geht die Entdeckungsreise weiter. Wir lernen skurrile Charaktere wie den Parfümmeister Maurice Maurin kennen, der versteckte Höhlen zu erschnuppern weiß. Am Ende landen wir vor einem Becken mit zwei Albino-Alligatoren: In ihre Spiegelungen verloren, wirft Herzog fast salopp ein Gleichnis in den Raum, das uns Menschen schließlich in einem nicht allzu schmeichelhaften Licht dastehen lässt. Soweit muss es wohl kommen, wenn man den Gedankengängen Werner Herzogs folgt.

Ich fessle dich. Gefesselt bist du frei. Das scheinbar harmlose Kammerspiel um den schrulligen Wichtigtuer Notschek und dessen grüblerischen Beobachter entpuppt sich als kafkaesk-orwellsche Gesellschaftsvision, in der die politischen Utopien und Wahnideen des 20. Jahrhunderts bruchstückhaft aufscheinen.

7/10 Jan Hestmann

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Introducing

_ Abt. DVD

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a. 121/ Rezen s ionen

Mission Iris ( M FA )

von Yang Yoon-Ho, Kim Kyoo-Tae; mit Lee Byeong-Heon, Kim Tae-Hee

Dass die »Bourne«-Reihe mit Matt Damon hier Ziehvater der Drehbücher war, macht nicht nur die schwindelerregende Kameraführung nach wenigen Minuten deutlich. Aus der eigentlichen Fernsehserie »Mission Iris« wurde ein geballter zweistündiger Action-Thriller geschneidert, dessen TV-Herkunft dank des etwas groben Bilds, der überdeutlichen Beleuchtung und der beinahe schmissigen Montage nicht zu leugnen ist. Dabei ist der Ausgangspunkt der Story aufgrund der realpolitischen Umstände schon an sich sehr spannend: Drahtige Spione sind zwischen Nordkorea und Südkorea die Zungen an der weltpolitischen Waage, bei der es um nichts weniger als nukleare Bedrohung geht. Die Umsetzung ist zwar den besagten Konventionen und Allgemeinplätzen des Genres treu, schafft aber dennoch eine sehr abendfüllende und höchst dynamische Unterhaltung. 7/10 klaus buchholz

text Joachim Schätz

Echt jetzt? In den neuen Useralltag mit Social Media und allgegenwärtigen Kleinkameras findet sich Hollywood nur mühsam ein. Anwerbungen wie Henry Joost und Ariel Schulman sollen das ändern. Bei öffentlichen Auftritten haben Ariel Schulman und Henry Joost meist ihre Minikameras mit dabei. Schon zum Selbstschutz: Als ihr erster Langfilm »Catfish« 2010 in den Kinos anlief, wurde eifrig spekuliert, wie viel Inszenierung an dieser angeblichen Dokumentation dran sei. Mit Minikameras verfolgen die beiden die Facebook-Romanze zwischen Ariels Bruder Nev in New York und der schönen Megan aus Michigan. Dass Joost und Schulman anscheinend keinen einzigen entscheidenden Moment dieser Romanze verpasst haben, stimmte misstrauisch. Außerdem nimmt der Film in der Mitte, als Nev Zweifel an der Ehrlichkeit seiner unbekannten Geliebten kommen, eine Wendung, die vielen zu spektakulär wirkte, um nicht geschrieben zu sein. Dabei ist das gerade der Punkt an »Catfish«: Der Film fängt die zeitgenössische Narzissmuskultur zwischen Selbstaufzeichnung und sozialem Dauernetzwerken nicht bloß ein, in seiner reißerischen, opportunistischen Dramaturgie verkörpert er sie selbst. Damit rannte das Kreativduo, das vorher in New York von Auftragsfilmen gelebt hatte, in Hollywood offene Türen ein. Um die DIY-Doku »Catfish« nahm sich Blockbuster-Klotzer Brett Ratner (»Rush Hour 1–3«) an, wohl auch, weil der Einsatz von Social Media im Film – als dramaturgisches Element wie als Marketinginstrument – nach wie vor eine Baustelle ist. Studio Paramount überließ den beiden frisch gebackenen Langfilmdebütanten gar die Hausschlüssel der aktuell lukrativsten HorrorFranchise: Den dritten Teil von »Paranormal Activity« drehten Joost und Schulman im patentierten fake-dokumentarischen Heimkameralook dieser Dämonengruselreihe und mit viel Improvisation am Set statt eines fertigen Drehbuchs. (Diese Regeln hat der Erfinder der Reihe Oren Peli vorgegeben, der mit dem ersten Teil eine ähnlich spektakuläre »Entdeckung« erlebt hatte.) Viel besser als in diesem Karrieresprung von der »Thriller«-Doku zum »Doku«-Horror lässt sich die aktuelle Konvergenz von Dokumentarismus und Show im Zeichen von Youtube und Reality-Soaps nicht fassen. »Paranormal Activity 3« läuft am 4. November an, »Catfish« ist auf DVD erhältlich.

► 0 6 6 / AUSGABE 121

Shaw Brothers (Koch Media)

auf DVD

»Bittet noch um Gnade, bevor ich euch die Arme aus dem Körper reiße!« Sätze wie diese gehören bei den Filmen der legendären Hongkonger Produktionsfirma Shaw Brothers ebenso zum Repertoire wie tödliche Klingen, die an den Enden von Haarzöpfen befestigt sind. Diese und andere Martial-Arts-Köstlichkeiten vereint eine neue DVD-Box, die mit fünf unzensierten Filmen aus den 60ern, 70ern und 80ern einen guten Einblick in die unzähligen Klassiker dieses Studios bietet. Auf der Suche nach dem wahren und ehrenhaften Kung Fu werden hier aufwendigste Choreografien zelebriert, mit überzogener Slapstick garniert und in spektakulären Montage so direkt in die Gesichter eines staunenden Publikums gepeitscht, dass das Kunstblut nur so über die Leinwand spritzt. Zusammen mit den aufgeregten Soundtracks und dem schadenfohen Humor, der sich konsequent durch diese knallbunten Filme schlängelt, wird der hauseigenen DVD-Player umgehend zum Zauberkasten einer sehr kreativen Ära asiatischer Kinogeschichte. 10/10 klaus buchholz

The Walking Dead ( A B C / W VG )

von Frank Darabont; mit Andrew Lincoln, Sarah Wayne Callies, Jon Bernthal auf DVD und BluRay

Frank Darabont, Regisseur von »The Green Mile« und »Die Verurteilten« und Drehbuchautor, brachte Robert Kirkmans Graphic Novel als Serie ins TV. Die Geschichte erinnert nicht von ungefähr an den Roman »I Am Legend« von Richard Matheson, der unter gleichem Namen mit Will Smith verfilmt wurde oder als »28 Weeks Later« von Danny Boyle. Auch in »The Walking Dead« wacht ein Einzelner in einem Krankenhaus auf und wird in eine verlassene Welt geworfen. In dieser bewegen sich hauptsächlich Zombies – die nun erstmals eine TV-Serie bekommen haben. Seine Spannung bezieht »The Walking Dead« aber weniger aus der Auseinandersetzung zwischen Zombies und einem Rest Menschen. Stattdessen bringt die Bedrohung von außen die Menschen einander nicht näher, sondern ihre Schwächen (Rassismus, Gewalt gegen Frauen, …) treten noch offener zu Tage. Dies ist durchaus reizvoll und bietet natürlich genug Gelegenheit, Parallelen zu aktuellen Entwicklungen zu ziehen. Leider wird dazu dann eben ziemlich auf Spannung verzichtet und die Konflikte werden recht oberflächlich und klischeehaft durchgespielt. Trotzdem bleibt »The Walking Dead« ein TV-Erlebnis mit gelungen aufwendiger Ausstattung und tatsächlich grauslichen und realistisch dargestellten Zombies. Immer noch Weltklasse. 8/10 martin mühl

Wir sind was wir sind ( Alamode)

von Jorge Michel Grau; mit Franciso Barreiro, Adrian Aguirre, Miriam Balderas auf DVD und Blu-Ray

Jorge Michel Grau hat sich für sein Langfilm-Debüt einen besonderen Stoff ausgesucht: »Wir sind was wir sind« ist ein Horrorfilm, der keiner sein will. Ähnlich wie der schwedische »So finster die Nacht« dreht Grau in seinem Drehbuch übliche Settings einfach um. In einem heruntergekommen Stadtteil einer mexikanischen Stadt steht eine Familie vor neuen Aufgaben, nachdem der Vater überraschend stirbt. Eine seiner Aufgaben war es, die Familie mit Menschenfleisch zu versorgen. Die Bilder in diesem Film sind so trist wie die sozialen Verhältnisse. Die Konflikte des Films entstehen innerhalb der Familie, die eine neue Rollenverteilung vornehmen muss. An Blut und Fleischwunden wird dabei nicht gespart – sie sind aber nicht die Spannungsträger der Films. »Wir sind was wir sind« ist deswegen sehenswert und ungewöhnlich, schafft es aber umgekehrt nicht, einen Plot zu entwickeln oder den Figuren tatsächlich Tiefe zu geben. Dem Debüt nach zu urteilen, sind von Grau aber durchaus noch interessante Filme zu erwarten. 7/10 martin mühl


Abt. Sachbuch Julia Reinecke Street Art. Eine Subkultur  zwischen Kunst und Kommerz.

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a. 121/ Rezens ionen

01

(transcript ) Das Medium Straße. Die Kulturwis-

senschaftlerin Julia Reinecke versucht erstmals, Street Art wissenschaftlich zu erfassen. Nach vierjähriger Recherche will sie die Frage beantworten, inwieweit sich Street Art zwischen Straße, Kunst und Kommerz befindet. Im ersten Teil des Buches spannt sie einen historischen Bogen von der GraffitiBewegung der 70er Jahre – den Wurzeln von Street Art – bis heute, wo Straßenkunst mitunter zu Marketing-Zwecken eingesetzt wird. Sie setzt sich mit dem Begriffsdschungel »Urban Art«, »Post-Graffiti«) auseinander und zeigt die Multidimensionalität von Street Art: Aufkleber, Poster und Cut-Outs. Wichtige Künstler wie D*Face, Invader und Shepard Fairey (»Obey«) kommen zu Wort oder werden anhand ihrer Werke beschrieben. Das Buch beleuchtet außerdem gesellschaftliche, politische und kommunikative Aspekte von Street Art. Im zweiten, eher wissenschaftlichen Teil des Buches erklärt sie Street Art anhand Pierre Bourdieus Feldtheorie. Das Buch beschreibt immer wieder das Spannungsfeld zwischen Straßenkunst und kommerzieller Vermarktung, wenn Künstler wie Solo One für Bekleidungsfirmen arbeiten und damit Geld verdienen. Das Buch gibt einen schönen Überblick über die noch junge Street Art-Szene, bleibt aber eher ein deskriptives Nachschlagewerk.

6/10 Michael Ortner

Anneliese Rohrer Ende des Gehorsams

02

(B raum üller ) Anneliese Rohrer wird landauf und landab als Kennerin der österreichischen Innenpolitik gelobt. Seit einiger Zeit genügt es ihr aber nicht mehr, die politischen Vorgänge im Land mit scharfer Zunge und spitzen Formulierungen zu sezieren. Sie dreht den Spieß um und thematisiert nicht mehr die Rolle der Politiker, sondern die des Volkes. Dessen Verhältnis zu Politik und Politikern ist geprägt von Passivität – einmal in Form von Abscheu, ein anderes Mal in Form eines Ohnmachtsgefühls oder stumpfer Obrigkeitshörigkeit. Während etwa in Deutschland schon von der Metamorphose der Wutbürger in Mutbürger gesprochen wird, herrscht in Österreich nahezu vollkommener Stillstand, der in einem »Multiorganversagen der Demokratie« zu enden droht. Dagegen schreibt Rohrer mit großer Leidenschaft und ebenso viel Fachwissen an. Das macht den Text durchaus lesenswert. Dabei will Rohrer gar keine Revolution. Sie will nur, dass die Menschen in diesem Land von ihrem Recht zur Mitsprache Gebrauch machen, die dafür vorgesehenen Instrumente nutzen und die hart erkämpften Errungenschaften der Demokratie verteidigen. Der Ausweg aus der »Politik der Politiklosigkeit« ist das Ende des Gehorsams. An sich ist das ja nicht viel. Schade, dass es in Österreich Bücher wie dieses braucht. 7/10 Werner Reiter

Carsten Wartmann Das Blender-Buch

03

(dpun kt ) Im Kino sitzt man vor explodierenden Städten und staunt vielleicht noch ein wenig über diese Effekte. Zu Hause sitzt man vor dem PC öffnet die Software Blender und ein Beispielprojekt und staunt ein wenig mehr – darüber, dass man erahnt, wie der ganze Actionzauber entsteht. Die 3D-Software Blender hat Vergangenheit. Mitte der 90er startete ein niederländischer Animationsfilm deren Entwicklung, um Aufträge mit dem eigenen Werkzeug zu übernehmen. Leider ließen diese auf sich warten, was zum Konkurs führte, doch Blender fiel nicht der Masseverwaltung zum Opfer. Der Programmcode ging online, da seine Entwickler für 100.000 Euro seine Freiheit erkauften, die durch

Stefan Oláh Österreichische Architektur der Fünfziger Jahre ( Pustet Verlag)

Eine Zeitreise in Bildern

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Das neueste Fotobuch von Stefan Oláh rückt die österreichische Architektur der Nachkriegszeit in ein neues Licht und ruft zur Rehabilitierung einer Epoche auf. Das allmähliche Verschwinden der 50er-Jahre-Architektur aus dem heutigen Stadtbild hat Stefan Oláh dazu bewogen, genauer hinzuschauen und die eigene Wahrnehmung zu schärfen. Seine Bilder geduldigen Hinschauens und intensiver Analyse wecken das Interesse, mehr Wert auf Details zu legen und sich die Gebäude genauer anzuschauen. Auch wenn die Architektur der Nachkriegsmoderne aus heutiger Sicht nicht ausschließlich als gelungen bezeichnet werden kann, meistert es der Wiener Fotograf, beeindruckende architektonische Qualitäten zum Vorschein zu bringen. Im Bildband »Österreichische Architektur der Fünfziger Jahre« sammelt Oláh Beispiele, die er ansprechend dokumentiert sind: Essays von Andrea Bina, Lorenz Potocnik, Wojciech Czaja, Martina Griesser-Stermscheg, Sebastian Hackenschmidt, Gabriele Kaiser und Helmut Lackner ergänzen die Fotografien. Von Kulturbauten, Industriebauten bis hin zu kleinen privaten Geschäften ist alles dabei: Südbahnhof und Gartenbaukino, ein winziger Schneidersalon in Graz und das Strandbad Gänsehäufel, das Hotel Prinz Eugen mit seiner Originalbar und das Kraftwerk Imst. Die Nahaufnahmen lösen einzelne Teilstücke aus ihrem Zusammenhang, fragmentieren die Gebäude, und machen bauplastische Einzelheiten sichtbar: Kachelmosaike und Stiegengeländer, Türschnallen und Heizkörper. Wie schon in seiner früheren Publikationen gibt sich Oláh nicht der Nostalgie hin, sondern fragt mit seinen Bildern unter anderem nach der Bedeutung des Wortes modern, indem er Dinge, die vor mehr als fünf Jahrzehnten so bezeichnet wurden, einer neuen Betrachtung unterzieht. Das Buch präsentiert sich als eine Aufforderung zur Rehabilitierung einer Epoche und symbolreichen Beitrag zur österreichischen Kulturgeschichte. 8/10 andrea dosa

Spenden einer Community von 3D-Animateuren 2001 aufgebracht wurden. Seitdem schrauben und schreiben viele Leute an einem Programm, das sich zu einem verblüffend leistungsfähigen 3D-Tool entwickelte. Der Autor des Blender-Buchs war einer der Beteiligten, was sich in so manchen Anekdoten und Erklärungen, warum was geht, oder warum was nicht geht, zeigt. Dass nun diese unkomplizierte Softwarelektüre in ihrer vierten Neuauflage erscheint, fällt zusammen mit einer grundlegenden Überarbeitung von Blender, die das Programm in seiner Version 2.5 mit aktueller Hardware kompatibel macht. Der Zeitpunkt für die Beschäftigung mit Blender ist also nicht ungünstig und das Buch ein brauchbarer Begleiter bei ersten Schritten. Neulinge werden beim Durchblättern interessante Bilder (im 3D-Jargon »Renderings« genannt) entdecken und dadurch Inspirationen und Einblicke über die Möglichkeiten der 3D-Software erhalten. Schmökern ist einfach für den Start besser geeignet, als per Google nach Funktionen zu suchen, die man nicht benennen kann. Geeks, die sich angeregt über den neuen Funktionsumfang der Leertaste unterhalten können, sind vielleicht in Foren besser aufgehoben.

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8/10 Richard Schwarz

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Abt. Buch Friedrich Achleitner iwahaubbd

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( Z solnay) Damals, als nach dem Zweiten Welt-

krieg Wien in Trümmern lag und es an den Aufbau einer neuen, besseren Welt heranging, versuchte eine später als Wiener Gruppe in die Annalen eingegangene Schicksalsgemeinschaft dasselbe mit der Dichtung und der Sprache an sich. Unter der Losung der »konkreten Poesie« wurde die Sprache und die Dichtung Ausdrucksmaterial und Referenzschema ihrer selbst und von tradierten Formen befreit. Gleichzeitig wurden tradierte dichterische Formen benutzt, um neuartige poetische Sinnformen zu stiften. Die Wiener H. C. Artmann und Gerhard Rühm stellten das klassische Dialektgedicht in einen neuen poetischen Raum, was für den Innviertler Friedrich Achleitner Initialzündung war, dasselbe mit dem Material des Innviertler Dialekt(gedichts) zu versuchen. Der vorliegende Band versammelt Achleitners Poesie von 1955 bis zum aktuellen Datum, und zeichnet sehr schön nach, wie der Autor von experimentelleren Formen der lautmalerischen bis visuellen Poesie sich über die Jahre hinweg mit denen des Gstanzls und des Schnaderhüpferls versöhnt, ohne sich ihnen zu unterwerfen, vielmehr in seinem eigenen Ausdruckswillen unverkennbar zu bleiben. Wer damals, unter den grauenvollen Bedingungen, unter denen der Art Club lange Zeit um Anerkennung kämpfen musste, unbeugsam war, bleibt es eben für alle Zeit, die da noch folgen mag.

7/10 Philip Hautmann

Joachim Lottmann 100 Tage Alkohol

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( Czernin Verlag ) Auf der Flucht vor einer insze-

nierten Sex-Kampagne flüchtet der leicht nervöse Autor von Deutschland über die Schweiz nach Österreich und erfährt bei uns die Wiener Bohème, wie sie leibt und lebt. Das Café Anzengruber wird zu einem Fixpunkt, die darin residierenden Künstler gute Anspielpunkte und der hochrangige, blaublütige Beamte Freimuth von Bölling so etwas wie ein väterlicher Freund. Natürlich überzeichnet der Text etwas, fast schon wie in Thomas Bernhards besten Tagen: Den Bundespräsidenten über den Kanzler zu stellen scheint übertrieben und auch einen Kulturfunktionär als absolutistischen Entscheidungsträger über das Schicksal der österreichischen Literatur zu stellen, ist eher fragwürdig. Trotzdem, Lottmann rollt sich wie eine schrullige Mozartkugel durch Wien, erspürt den Nachhall der Geschichte und bleibt rein sprachlich gesehen immer flott unterwegs, alles hübsch in einem Guss sozusagen. Sogar bei der Besichtigung der geheimen Gemächer in der Hofburg aus der Maria-Theresianischen Epoche macht er eine gute Figur. Da capo, wir geben uns mit Lottmann das letzte Öl!

8/10 Martin Wanko

Joachim Lottmann Unter Ärzten

Thomas Melle Sickster ( Rowohlt)

Sick of it all

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Aus der westlichen Gesellschaft der 30-Jährigen schnitt Thomas Melle mit chirurgischem Scharfblick und Sprachmesser die gültige Analyse der Zehnerjahre. Thirtysomethings: auf Dauer gestellte hyperaktive Teenager, globalisiert bis zum letzten Quantum des Energy-Drinks und Koks-Tütchens; irgendwie auf Ökonomie, Nachtgespensterdasein, Sex. Identität war noch greifbarer, als man am Bonner Gymnasium eine Clique war, so Magnus Taue, der in dieser an Silvester stets noch abhängt. Die einen sind erfolgreich geworden und filmen sich beim Poolsex, die anderen wie er pendeln zwischen Projekten und verwesenden Ambitionen. Alt68er wie seine depressive Mutter oder gesellschaftliche Direktiven wie Hartz IV durchsetzende Politiker finanzieren trotzdem kein Drehbuch, also tritt sich Magnus selbst in den Hintern in Richtung RADIKAL. Im 21. Jahrhundert heißt aber bloß ein Mineralölkonzern so, dem er fortan als von ihm so genannte PR-Worthure dient. Und dort trifft er auf Thorsten Kühnemund, 37, Manager der Tankstellenshops, wie er ein Absolvent des Bonner Elitegymnasiums. Einst älterer Held, nun Vorgesetzter, rast Thorsten durchs Hamsterrad des Leistungsprinzips; angetrieben von Umsatzzahlen, ob diese in Konzerndaten, eingenommenen Drogen oder Sex außerhalb der Beziehung messbar sind. Aufmerksamkeit ist auch das Kapital, nach dem Thorstens Freundin Laura hechelt. Sie aber, wesentlich jüngere Jus-Doktorandin, sucht es über Schnitte in die eigene Hand. Borderliner sind sie alle drei, Grenzgänger zwischen der offenen Welt des Internet und der Enge an Handlungsfreiheit, in die sie selbst sich einzwängten. Und so landen sie wie andere manisch, depressiv oder psychotisch gewordene Wohlstandsverwahrloste in der Nervenklinik, die sie auf Unauffälligkeit umzupolen versucht, wo sie sich aber Tricks aneignen, um aus vermeintlicher Erfolglosigkeit mediales Kapital zu schlagen. Melle, 1975 in Bonn geboren, arbeitete nach seinem thematisch vielschichtigen wie stilistisch vielseitigen Erzählband »Raumforderung« (2007) vorwiegend für das Theater. Seine dort erprobte Szenengenauigkeit findet man nun auch in Romanform wieder, ebenso den Furor, mit dem er in diversen Blogs agierte. Gesellschaft sezierend und selbstreflexiv wie Rainald Goetz hält uns Melle einen Spiegel hin, in dem nach Ich-Authentizität gefragt wird. »Freiheit macht arm«, wie Diederichsen es bereits 1993 postulierte? Mitnichten. Riskieren wir, aber unser originäres Selbst. 10/10 Roland Steiner

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( Kiepenheuer & W itsch ) Ein junger, neuro-

tischer, Schriftsteller folgt dem Rat seiner Freundin, sich einmal beim Psychiater durchchecken zu lassen, da er sein Leben immer wieder vollkommen bewusst in den Abgrund treibt. Aber wie es heute halt so ist, reicht nicht ein Psychiater, also wechselt der Autor die Therapeuten in einem Tempo, als würde er durchs Internet surfen. Abenteuerliche Herren kommen hier ins Spiel, von der Analytikerin im Gemeindebau über den hartgesottenen Klaus Kinski-Verschnitt bis zu selbsternannte Gurus. Der Autor lässt viel über sich ergehen, die Suche nach dem passenden Therapeuten artet zur Odyssee aus, vor allem, wenn das Leben rasant weitergeht und in den Jahren die persönlichen Probleme immer mehr

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MEHR REVIEWS WWW.THEGAP.AT GROSSES ARCHIV


www.americanpassages.at Narben hinterlassen. Ein kräftiger Roman, sprachlich sehr homogen, der Einblick in die schräge Szene der Psychoanalytiker ist erfrischend. Joachim Lottmann geht auf dem Zahnfleisch spazieren und kredenzt seine Probleme auf einem fein polierten Tablett eines Wiener Kaffeehauses. 7/10 Martin Wanko

Michela Murgia Camilla im Callcenterland

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( Wagenbach ) Prostitution ist ein vielgesichtiges Geschäft – eines trägt die schalmeiende Fratze eines Staubsaugerverkäufers. Und wahrlich grenzt es an einen Faustschlag ins Gewissen, den vermeintlich NASA-patentierten, höllisch lauten Kirby um 3.000 Euro an eine naive Hausfrau zu verkaufen. Doch am anderen Ende der Nahrungskette sitzt die Callcenter-Telefonistin Michela Murgia, die bei fünf Verkaufsterminen am Zwölfstundentag monatlich auf ein Viertel kommt. Murgia, seit ihrem Roman »Accabadora« gefeierte Literatin, tippte ihre Erlebnisse in einen Blog, der nun als Buch erschien. Ohne bezahlten Krankenstand und Urlaub, dafür mit reichlichen Abgaben und der Aussicht auf einen Schmelzkäse als Prämie, unterwerfen sich die Telespam-Damen dem Boss Bill Gaits und Cheftelefonistin Hermann, die das Haushaltsmonster als Religion aufzwingen – kein Wunder, dass Nervenzusammenbrüche und Fluktuation auf der Tagesordnung stehen. Tristesse? Nur teilweise. Dieses Buch ist derart espritreich und witzig geschrieben, dass man erst am Ende merkt, womit man es zu tun hatte: einer knalligen Abrechnung mit perfidem Konsumdruck und Marketing. 8/10 Roland Steiner

Benedict Wells Fast Genial

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( D iogenes Verlag ) Das Leben ist ein Roulettespiel. Francis setzt al-

les und verliert meistens. Mit einer depressiven Mutter und ohne Vater in einem Trailerpark aufgewachsen, wurschtelt er sich durchs Leben. Während Francis selbst Geld für sich und seine Mutter verdienen muss, schmieden seine wohlbehüteten Schulfreunde fröhlich Pläne für eine goldene Zukunft. Als Francis’ Mutter versucht sich umzubringen, erfährt dieser die Wahrheit über seine Herkunft. Die damit verwickelte Retortenthematik bringt einen Hauch von »Blade Runner«-mäßiger Science-Fiction ins Spiel. Sein plötzliches Dasein als Retortenkind wirft Francis zwar ordentlich aus der Bahn, gleichzeitig könnte dies jedoch die Chance seines Lebens sein. Zusammen mit seinem besten Freund Groover, einem klassischen Informatiknerd inklusive geschmackloser Spruch-T-Shirts, und der verführerischen, psychisch labilen Anne-May begibt er sich auf die Suche. Was anfangs an »Fänger im Roggen« erinnert, entwickelt sich zu einem Roadtrip quer durch die USA und endet ähnlich wie Nick Hornby’s »Slam«. Das haben diese Teenie-Schwangerschaftsgeschichten ja so an sich: Filme wie »Juno« oder »Precious« zählen zu dem traurigen Genre Feel-Good-Movie. Das Pendant in Buchform dazu findet man in Hornby’s »Slam« oder eben auch ansatzweise im dritten Roman von Benedict Wells. In diesem Fall könnte man von »Wohlfühlliteratur« sprechen, was nichts anderes bedeutet als eine aufgezuckerte Milieustudie, die bezwecken soll, dass sich der Leser gut fühlt. Könnte man, wohlgemerkt. Denn »Fast genial« ist auch ein spannender Hochseilakt. Hier kommen trotz der Misere wenig gute Gefühle auf. Der junge Wells hat es ein modernes Sozialdrama für ein junges Publikum geschaffen und die Hürde, die reine Schwarzmalerei trivial zu bringen, umspielt. Um nicht den Anschein zu erwecken, Wohlfühlliteratur wäre etwas Schlechtes: das einzige, was man in dem Subgenre falsch machen kann, ist die Aussparung Tiefgang und Humor. Und das wäre so ziemlich das Gegenteil zu »Fast Genial«.

10/10 Juliane Fischer

Daniel Wisser Standby

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( Klever ) Er träumt vom Tod, von Kriegen und Naturkatastrophen. Er will Waffen, Medikamente, Treibstoff und Nahrung besorgen und eine Festung finden, um gemeinsam mit der Traumfrau den anstehenden Weltuntergang zu überleben. Es sind große Pläne, die der namenlose Protagonist theoretisch vorantreibt. In den vier geschilderten und mit Rückblicken ergänzten Tagen merkt man allerdings rasch, dass ihm außer dieser fixen Idee und der Flucht in seine Arbeit im Callcenter wenig bleibt vom Leben. Denn der über 40-jährige komische Kauz ist ein zwanghafter, mit Macken beladener, durchs Leben strauchelnder Neurotiker. Drei Dinge machen diesen Roman recht interessant: Zum einen die fast konsequente Verwendung der passiven Erzählform, zum anderen die beim Lesen stets präsente Erwartungshaltung, dass da doch endlich etwas passieren müsse. Und drittens das Beim-Namen-Nennen von Dingen, die man sonst besser für sich behält. Es wäre der Story allerdings gut angestanden, die eine oder andere Länge auszusparen. 6/10 Martin Zellhofer

Ein Film von

Ruth Beckermann Ein vielschichtiger Blick auf die Widersprüche der USA (Der Standard)

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Abt. Comic Nine Antico Coney Island Baby

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( E dition Moderne ) Die französische Zeichnerin Nine Antico lässt in »Coney Island Baby« Hugh Hefner die Geschichte zweier sehr verschiedener Frauen erzählen: Bettie Page und Linda Lovelace. Bettie Page als Proto-Pin-Up-Girl steht am Beginn der Entstehung einer neuen Unterhaltungsindustrie. Bettie ist intelligent, reflektiert, auffallend attraktiv und träumt davon, Schauspielerin zu werden. Als dieses Unterfangen immer aussichtsloser wird, setzt sie pragmatisch auf eine Pin-Up-FotoKarriere, die sie weltberühmt machen sollte. Nach einem Gerichtsskandal wegen einiger BondageFotos zieht sie sich in die Ehe, dann in die Religion zurück. Ein paar Jahrzehnte später ist bereits alles etwas grober und vulgärer: Die unscheinbare Linda trifft Chuck, der anscheinend früh an eine pornografische Verwertung ihrer Talente denkt. »Deep Throat« macht Pornografiegeschichte und lässt Linda in Hugh Hefners intimen Freundeskreis aufsteigen. Filme werden gedreht, Dinge geschehen, Träume platzen. Linda wird (angeblich) von Feministinnen radikalisiert und rechnet mit der Industrie ab. Viele glauben ihr nicht. Fazit: Nichts macht weniger Lust auf Pornografie als Hugh Hefners Hobbys kennenzulernen. »Coney Island Baby« erzählt vor allem Lindas Geschichte etwas deskriptiv, so dass die Spannungen zwischen Wahrheit und Lüge, befreiter Sexualität und Ausbeutung, Naivität und Berechnung nicht wirklich zum Tragen kommen. Vermissen kann man hier auch den intensiven und spannenden feministischen Diskurs zu Pornografie. Dennoch gelingt Antico zumindest die Wiederholung der pornografischen Provokation – was macht Pornografie eigentlich mit Männern und Frauen vor und hinter den Kameras? 6/10 Alexander Kesselring

Grant Morrison, Rags Morales, Rick Bryant Action Comics #1

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( D C Comics ) Im April 1938 kam Superman in di-

ese Welt, auf dem Cover von »Action Comics« #1. Jerry Siegel und Joe Shuster ahnten damals nicht, dass sie einen ewigen Archetypen für das 20. Jahrhundert wiedergeboren hatten. Nach 73 Jahren Eskalation, in der aus dem einstigen Platzhalter für die Rechtschaffenheit des Jedermanns eine metadimensionale Gottheit wurde, ist es Zeit für einen ernsthaften Neustart. Grant Morrison zieht Superman Jeans und T-Shirt an. Keine Unterhosen über Leggings. Kein Kryptonit. Dies ist der beste Superman, den wir uns im beginnenden 21. Jahrhundert wünschen können. Hier ist der Vertreter für Gerechtigkeit, den die Zeiten von OccupyWallStreet, vergessener Dauerkriege, politischer Ohnmacht und fallender Nationalstaaten verlangt. Inklusive aller links-faschistoiden Fallen, die das mit sich bringt. Näher an Siegel und Shusters Vision als je zuvor: Grant Morrisons Superman blutet und wird von der Polizei gejagt. Ein fulminanter Neustart für ein unsterbliches Symbol.

Craig Thompson Habibi ( Pantheon Books)

Mystik der Liebe

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Craig Thompson schreibt und zeichnet ein Gedicht über und für die Liebe als höheres Prinzip. Ein würdiger Nachfolger zu »Blankets«. In der Wüste liegt ein Schiff, gestrandet mitten im unbefahrbaren Meer aus Sand. Hier liegt der Anker der Liebe von Dodola und Cham versteckt unter den Dünen. So wie die beiden werden wir dieses Schiff finden, bewohnen und wieder verlassen, es aber nie vergessen. Dodola wird auf dem Altar des Überlebens geopfert, als sie neun Jahre alt ist: Ihr Vater verkauft sie an ihren künftigen Ehemann, um mit dem Geld seine Familie ernähren zu können. Später wird sie sich die Scham und Erniedrigung vergeben, auch ihrem Vater und dem Mann, der ihre Jungfräulichkeit, nicht aber ihre kindliche Unschuld nimmt. Cham ist der Sohn einer dunkelhäutigen Sklavin, vielleicht in Gefangenschaft geboren, zweifellos immer unfrei, bis er Dodola wiederfindet. Sie, die ihm auf dem geheimen Wüstenschiff Mutter und Schwester war und aufgezogen hat, für ihn – zugleich auch für ihre nicht endend wollende Sühne – Opfer brachte. »Habibi« ist die klassischste aller Liebesgeschichten. In ästhetischen Wirbeln an Wort und Bild führt sie uns in die Beziehung zweier Menschen, die sich zum Leben brauchen. Zeitlos, nein, eher zeitfremd umfasst die Erzählung Vergangenheit und Gegenwart eines fiktiven arabischen Raums. Poetisch vereinen sich islamische Tradition, Bibelgeschichte, Alchemie, Sufismus, Okkultes und Esoterisches unter der Feder von Thompson. Tausendundeine Nacht nebst Koran, zentriert um ein verbindendes Element, um das sich auch die Leben der Protagonisten dreht: Liebe. Thompsons Linien sind üppig, lustvoll. Seine Kompositionen bestehen aus sinnlichen Flüssen an Form und Fantasie, für »Habibi« mit den überwältigenden Details arabischer Kalligraphie und Arabesken bereichert. So wie die Sätze in »Habibi« in mehreren Verständniswelten existieren, so eröffnen auch die Bilder verschiedenen Ebenen der An- und Einsicht. Dabei ist aber nie etwas zu tief vergraben oder zu sehr verborgen. Das Liebesgedicht ist erfassbar, nicht nur für Eingeweihte. Craig Thompsons Kindheit in einer fundamentalistisch christlichen Umgebung übt auch auf »Habibi« starken Einfluss aus. Zwar hat er sich scheinbar von tradierter christlicher Doktrin befreit, was auch schon in »Blankets« bemerkbar war, aber in »Habibi«, wo er direkt aus Islam und Sufismus entlehnt, ist Thompsons persönlicher Glaube autonomer. Die Existenz (eines) Gottes setzt er dennoch voraus, diese Überzeugung dominiert. Schlussendlich ist »Habibi« zwar eine unfassbar rührende und anmutige Ode an die Liebe – aber wohl nicht zwischen Menschen, sondern zu Gott. Der Mythos der Mystik der Sufis, von der Liebe zu Gott, die uns zu den bestmöglichen Menschen und unsere Beziehungen zu den reinsten machen kann, dirigiert »Habibi«. Davon kann man nun halten was man will, letzten Endes ist »Habibi« wunderschön und übersteigt sämtliche Erwartungen, die man an Craig Thompson stellen konnte. 10/10 Nuri Nurbachsch

10/10 Nuri Nurbachsch

Matthew Thurber 1-800-MICE

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( Picturebox ) Manchmal glaubt man sich an einen

Traum zu erinnern, der auf unzusammenhängende Art und Weise doch irgendwie Sinn ergibt. Dann erkennt man, dass es nicht nur ein Traum, sondern die Früchte mehrerer Nächte waren, die sich zu einem kohärenten Ganzen zusammenfügten. »1-800-MICE« ist das Traumjournal solcher Träume. Matthew Thurber gibt vor einem Strang zu folgen, dieser muss aber vom Leser beschwört werden um zu existieren. An jeder Stelle von Thurbers krakeliger Kunst – surrealistischem Automatismus, Art Brut und Kinderzeichnungen verwandt – kann man

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sich der Symbolik zu- bzw. von der erzählerischen Norm abwenden. Dort endet die Kontinuität und es beginnen die Skizzen der Träume aus wilden Nächten voller Schweiss und Wunder. In einer Sequenz wird eine modrige, kaputte VHS-Kassette in einen Baum geschoben, um den darauf enthaltenen Film über eine Gruppe zu sehen, für die Stil über Realität obsiegt. Besser kann man das Verhältnis zwischen Leser und »1-800-MICE« nicht beschreiben. 8/10 Nuri Nurbachsch

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Abt. Games

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Batman Arkham City (Warner Interactive) ; Xbox 3 6 0 getestet, P S 3 , P C ; www. batmanarkhamcity. com

In Your Face

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Rocksteady lässt den Spieler auch in ihrem zweiten Batman-Spiel nicht zur Ruhe kommen und ein höchst intensives Action-Abenteuer erleben. Eine Großtat!

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Schon der Vorgänger »Batman Arkham Asylum« war ein großartiges Spiel – nun öffnet Entwickler Rocksteady dem Spieler einen ganzen Stadtteil. Zwei Jahre sind seit dem Vorgänger vergangen und die Stadtregierung von Gotham City ist dazu übergegangen, im Zentrum ihrer Stadt »Arkham City« zu eröffnen, einen abgeriegelten Stadtteil, in den alle Verbrecher und Abnormen gesperrt werden. Wenig überraschend verschlägt es Batman genau da hinein und der dunkle Ritter muss nach dem Rechten sehen. Dabei begegnet ihm eine Vielzahl alter Feinde und Bekannter. Das Hauptaugenmerk des Spiels liegt auf einer selten erlebten Direktheit und Intensität, die sich nicht nur, aber gerade auch in den vielen Kämpfen zeigt. Es geht hier wirklich zu Sache und die Ellbogen und Fäuste, die auf diverse Körperteile treffen, verfehlen ihre Wirkung keineswegs. Die Action wird durch die offene Stadt verbunden, in der Batman nun auch auf Gebäude klettern oder schwingen kann und von dort geräuschlos durch die Nacht segeln. Getrieben wird der Spieler von einer vergleichsweise gut funktionierenden Story und dem gelungenen Batman-Feeling: der Spieler spürt die Möglichkeiten, die Macht, aber auch die Grenzen der Figur. Und freut sich jederzeit auf die nächste Auseinandersetzung. Das Paket »Arkham City« ist darüber hinaus noch weiter prall gefüllt: Nebenmissionen, Ausrüstungsverbesserungen, Riddler-Aufgaben, Cat-Woman-Missionen (die allerdings nur einmal pro Kauf downloadbar sind) bis hin zu Mehrspieler-Prügelduellen bieten viele Stunden Spielspaß. Technisch ist der Titel – basierend auf der Unreal Engine – in jeder Hinsicht gelungen und die Spielbarkeit in 3D eine der bisher besten. »Arkham City« hat zwar einige Eigenheiten, ist nicht immer nur einfach zu meistern und eine Stadt, die nicht ganz so frei erkundbar ist wie in anderen Spielen – das Spiel ist aber trotzdem zu jedem Zeitpunkt ein absolutes Highlight! 9/10 martin mühl

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Abt. Games The Cursed Crusade

( Kylotonn / dtp ); X box 360 getestet,  P S 3 , P C; www. thecursedcrusade .com

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Action von der Stange in einer verdächtigen Story und in tendenziell nicht zu aufwendiger Inszenierung. Das dämonische Mittelalter halt. 5/10 Martin Mühl

El Shaddai – Ascension Of The Metatron

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( U T V Ignition ); X box 360 getestet, PS3; www. elshaddaigame . com

Extrem ungewöhnliches Spieldesign, das im Gameplay auf bekannte Mechanismen setzt, diese aber variiert und in ein knallbuntes und streng esoterisches Setting steckt. 8/10 Martin Mühl

FIFA 12

( E lectronic A rts); X box 360  ( getestet ), PS3, W ii , PC, 3DS, PSP, P S 2 ; www. ea. com /de /fifa

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Beinahe tadellose Fußball-Referenz, die wenig Neues bietet, das Altbewährte aber bis zur Perfektion schmieden will. Vor allem die packenden OnlineDuelle versprechen monatelangen Spielspaß. 9/10 Stefan Kluger

Forza Motorsport 4

( T urn 10 / M icosoft ); X box 360;  www.forzamotorsport.net

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Microsofts Vorzeige-Racer ist die neue SimulationsReferenz: einsteigerfreundlich, Experten verwöhnend und umfangreichst in Sachen Features. 8/10 Martin Mühl

Gears Of War 3

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( E pic / M icrosoft ); X box 360;  www.gearsofwar . com

Dritter Teil des Action-Blockbusters zwischen Traditionsbewahrung und sanften Neuerungen. Immer noch ein kompromissloser Kracher. 8/10 Martin Mühl

Gemini Rue ( Daedalic E ntertainment ); PC, www.faceboo k.com /geminirue



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Düster-kniffliges Point-and-Click-Adventure im Retro-Look: Pixelige Film-Noir-Science-Fiction mit starken Anleihen bei »Blade Runner«. 8/10 Harald Koberg

God of War Collection Volume 2

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( R eady at Dawn); PS3; www.godofwar. com

Aufwendig überarbeitete PS3-Versionen der beiden

( Ubisoft) ; Kinect f ü r Xbox 3 6 0 ; www.ubisoft. de

7/10 Harald Koberg

Harveys neue Augen

(Daedalic E ntertainment) ;  PC, www. harveysneueaugen.de



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»PowerUp Heroes« ist ein Beat ’em up für Kinect, in dem der Spieler mittels Bewegungen Angriffe triggert. Kurzweilig – mit Abstrichen.

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6/10 Martin Mühl

Mit »Edna bricht aus« ist Daedalic Entertainment Rage 11 2008 ein herausragendes Point-and-Click-Adven(id / Bethesda) ; Xbox 3 6 0 getestet,  ture voll bösem Humor und wunderbaren Rätseln P S 3 , P C ; www.rage. com gelungen. Jetzt ist der Nachfolger »Harveys neue Die Geschichte von id wurde oft erzählt. Vor einiger Augen« im Handel und amüsiert ebenfalls köstZeit ließ sich das Studio von ZeniMax kaufen, der lich. Diesmal dreht sich alles um Lilli, das bravste Konzernmutter von Bethesda. Das UnternehMädchen der Klosterschule, die nicht nur allen men hat mit Serien wie »Fallout« oder alles recht machen will, sondern auch »Elder Scrolls« große Erfolge gefeiert, Realitätsverweigerung auf höchstem id selbst seit »Quake« keine neue Niveau betreibt, wenn das mal nicht Marke mehr kreiert. Entsprechend so klappt. Ganz ohne einen Funhoch waren die Erwartungen an ken Einsicht in die Folgen ihres MEHR REVIEWS »Rage«. Herausgekommen ist ein Handelns macht sich also dieses WWW.THEGAP.AT Endzeit-Shooter mit mindestens Mädchen auf den Weg, um ihre ebenso knackiger Renn-Action Freundin Edna – ja, das ist die aus GROSSES ARCHIV und mittelmäßig offener Spielwelt. dem ersten Teil – vor dem Bösen Viele Details sind hier überaus geKinderpsychologen Dr. Marcel zu lungen und die Grafik sicher unter beschützen. Ganz wie der Vorgänger den besten – gleichzeitig hat »Rage« besticht »Harveys neue Augen« durch aber auch Schwächen. Storys ware noch geniale Pointen, erfreulichen Sarkasmus nie die Stärke von id Games, das Endzeit-Setting und amüsante Rätsel. Der eine oder andere (Wir erwachen nach einem Meteoriten-Einschlag auf leichte Durchhänger der Geschichte wird da gerne einer von Mutanten besiedelten Erde, …) haben wir verziehen oder ohnehin durch die nächste Schrägin den letzten Monaten doch häufig gespielt (»Borheit wieder wettgemacht. 9/10 Harald Koberg derlands« oder eben »Fallout«, …)und so manche Design-Entscheidung, wie mühsam gesetzte CheckNBA 2K12 09 points, bleibt unnachvollziehbar. Die Action selbst (2K S ports ); PS 3 (getestet) ,  ist angenehm hart, wie man das von id gewöhnt ist Xbox 360; www.2ksports.com/games/nba2k12 und macht »Rage« zu einem überdurchschnittlichen Wer auf der Suche nach einer ernstzunehmenden Spiel. Ein Instant-Klassiker ist das Spiel aber nicht. 7/10 Martin Mühl Basketball-Simulation war, hatte bis 2009 die Qual der Wahl: »NBA2K« (2K) oder »NBA Live« (EA). Seit The Secret Of Monkey 12 letztem Jahr gibt es diese Auswahl nicht mehr, wurIsland – Special Edition  de doch EA’s Nachfolger »NBA Elite« überraschend ( Lucas Arts / Activision) ; Xbox3 6 0 ; gecancelt. 2K Sports ließ hingegen voriges Jahr ein www. activision.de dermaßen gutes Basketballspiel auf die Gamer los, So schön kann Nostalgie sein: Die klassische »Mondass kaum Wünsche offen blieben. Anstatt die wekey Island«-Adventure-Saga (Teil 1 und 2) präsennigen Schwächen auszubügeln, wurden die Stärken tiert sich für die neue Generation im HD-Gewand. des Vorgängers in »NBA 2K12« weiter poliert: Es 8/10 Michael Kirchdorfer sieht noch hübscher aus und kommt einer TV-Übertragung erstaunlich nahe, spielt sich dabei einen Starfox 64 3D 13 Hauch raffinierter und bietet noch mehr Herausfor( Nintendo) , 3 D S ,  derungen. Nur die langen Ladezeiten und das immer www.starfox6 4 3d. nintendo.com noch etwas übertrieben exakte Abwehrverhalten Behutsam restaurierter N64-Klassiker, der etwas der KI-Gegner nerven. Und dass Einsteiger sehr lanan Glanz verloren hat. Das Abenteuer ist schnell voge kein Land sehen und sich etwas zäh einarbeiten rüber, lockt Highscore-Jäger aber immer wieder vor müssen. Wer eine Basketball-Simulation spielen den Bildschirm, um alle Geheimnisse freizuspielen. will, kommt an »NBA 2K12« nicht vorbei. 8/10 Stefan Kluger

7/10 Stefan Kluger

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PowerUp Heroes

PSP-Teile der Serie. Lohnend für Fans, aber natürlich eigentlich nichts Neues.

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Termine Musik

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Porgy & Bess | Riemergasse 11 | 1010 Wien

elliott sharp special

15.11. Di | 20:00 : All that Jazz : Elliott Sharp + Ultra Modern Jazz Quartet

elliott Sharp Gitarre, Tenorsaxophon Peter Herbert Kontrabass reinhold Friedl Klavier Maurice de Martin Schlagzeug Das brandneue Projekt des New Yorker Jazz-Visionärs 18:45 | Meet the artist: Ute Pinter im Gespräch mit den Künstlern

18.11.

Fr | 20:00 : Fast Forward 20:21 :

Elliott Sharp + Koehne Quartett

elliott Sharp 8-saitige Bassgitarre Koehne Quartett Streichquartett Sharps Kompositionen für Streichquartett u. a.

19.11.

Sa | 20:00 : Jazz & beyond :

Elliott Sharp + Studio Dan

elliott Sharp 8-saitige Bassgitarre, Sopransaxophon, Leitung Studio Dan Daniel riegler Posaune, Leitung Uraufführung des neuen Projekts »In the Pelagic Zone« Auftragswerk von Studio Dan mit freundlicher Förderung der Ernst von Siemens Musikstiftung

nice price! eur 10,– | 18,–* drei-tage-pass eur 18,– | 34,–*

Dieser Mann hat die Hamburger Schule mit erfunden. Seine Gitarre killt Faschisten.

The Gap Release Kristof Schreuf live

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Neue Ausgabe! Und das wird am 11. November mit Kristof Schreuf gefeiert. Dieser ist ein vielseitiges Multitalent: Seit einigen Jahren schreibt er etwa für taz, Spex und Junge Welt, war Texter und Sänger bei Kolossale Jugend (und damit Vorreiter der sogenannten Hamburger Schule), gründete dann die Band Brüllen und arbeitet nun solo an eigenen Platten. »Bourgeois With Guitar« war 2010 in der Spex fünftbestes Album des Jahres. Danach wird Melissa Logan von den Chicks On Speed den Abend komplettieren. 11. November Wien, Brut

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saison

2011|12

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Mit seiner magischen Brille kann Florian Puschmann besonders deepe Beats orten. Nachzuhören beim kommenden JACK.

Jack by The Gap presents Hausboot Night

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Graz hatte jahrelang Wien den Rang als Nummer Eins für elektronische Musik abgelaufen. Neben dem Elevate und dem Spring Festival hat die Mur-Stadt auch eine seit Jahren beachtliche DJ- und Produzentenriege aufgebaut. Rund um das Kulturzentrum Niesenberger hat sich ein Kollektiv weit über die städtischen Grenzen hinweg einen Namen gemacht: Hausboot lautet der Name und zwei ihrer Aushängeschilder sind Gast beim verflixten siebenten Jack: Bitz und Puschmann werden neben Resident Laminat eine Sinnflut an Deepness heraufbeschwören. Als Arche Noah fungiert wie immer der uns ans Herz gewachsene Morisson Club. Leinen los! 25. November Wien, Morisson Club

bild Marco Rossi

Willi Landl Band


Scott Matthew

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Wenn Scott Matthew seine melancholischen Songs zum Besten gibt, ist das ein Moment, der einem lange in Erinnerung bleibt. Der traurige Ausdruck in seinen Augen, Texte über Schwere und Klage, all das macht den Sound von Matthew aus. 15. November Graz, PPC 30. November Innsbruck, Weekender Club 01. Dezember Linz, Posthof 02. Dezember Salzburg, Arge Kultur

Sade

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Nach 28 trostlosen Jahren gibt die englische Sängerin Sade endlich wieder ein Konzert in Österreich. Genauer genommen, wird es der 25. November 2011 sein, den sich alle Soul-Begeisterten rot in den Kalender eintragen sollen. Zu Recht, wohl gemerkt, denn das erste und bisher letzte Konzert im U4 ist mittlerweile legendär. 25. November Wien, Stadthalle

The Horrors

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Ihre Musik ist düster, kracht aber trotzdem und klingt ein bisschen verwickelt und wirr. Ähnlichkeiten mit Bands wie Jesus & Mary Chain kommen nicht von ungefähr. Mit »Skying« gab es nach den Jahren als anorexische Goth-Vogelscheuchen heuer den Durchbruch in oberste UK-Charts-Regionen. 17. November Salzburg, Rockhouse 19. November Wien, Flex

Erland & The Carnival_ Für seinen Gig am Bluebird Festival hat sich Erland Cooper niemand Geringeren als den Multiinstrumentalisten Simon Tong ins Boot geholt. Die Mixtur aus Drums, Gitarrenriffs und Synthie-Sound, gekrönt mit der sanften Stimme Coopers, ergibt das Gesamtbild Erland & The Carnival. 24. November Wien, Porgy & Bess

The TV Buddhas

Die musikalischen Vorbilder der israelischen Band sind kaum zu überhören: The Ramones, Velvet Underground oder Iggy & The Stooges zählen dazu. Mittlerweile lebt das Trio in Berlin und geht von dort auf Europatour. Am 12. November erscheint das neue Album »Dying At The Party«. 29. November Linz, STWST 01. Dezember Salzburg, Rockhouse 02. Dezember Wien, Chelsea

Deus Flotation Toy Warning

Bluebird Festival

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Das Line-up des heurigen Bluebird Festivals ist abwechslungsreicher und internationaler denn je. Neben Flotation Toy Warning, die bei ihrem Gig ihr neues Album vorstellen werden, gibt es auch von Acts wie Rykarda Parasol und L/O/N/G einiges sanft auf die Ohren. Eine absolute Premiere feiert die britische Band Tunng. Stattfinden wird das Songwriter-Spektakel wie immer im Porgy & Bess im ersten Wiener Bezirk. 24.–26. November Wien, Porgy & Bess

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Der vielseitige Stil der belgischen Alternative-Heroes begeistert schon seit Jahren die Massen. Ein Mix aus Jazz, Heavy Metal-, Punk-, Indie- und Alternative-Einflüssen macht den sowohl eigenwilligen als auch unverwechselbaren Deus-Sound aus. 04. Dezember Wien, Arena

Red Hot Chili Peppers _ Während sich die Tracks vom aktuellen Longplayer »I’m With You« großer Beliebtheit erfreuen, kämpfen eingefleischte Fans momentan um die letzten Tickets für das ausverkaufte Konzert in der Wiener Stadthalle. Wer eines ergattern konnte, darf sich auf eine 360-Grad-Ganzkörper-Show freuen. 07. Dezember Wien, Stadthalle


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Termine Festivals

3 Fragen an

Johannes Wegenstein This Human World

30. November–10. Dezember Wien, diverse Kinos ► www.thishumanworld.com

Bunt, vielfältig und alles andere als leise zeigt sich die Wiener Kreativszene beim Fesch’Markt.

Fesch’Markt

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Zum dritten Mal wird die Ottakringer Brauerei zum urbanen Marktplatz umfunktioniert, um der freien Kreativszene eine Plattform als Verkaufsausstellung an zwei Tagen zu bieten. Im Vordergrund stehen die Ideen und die Köpfe, denen sie entspringen und diese Vielfalt widerspiegeln. Am 26. und 27. November verwandeln Jungdesigner die Alte Technik und Galerie zum vorweihnachtlichen Shoppingerlebnis. In den Kategorien Mode, Schmuck, Accessoires, Grafik, Kunst, Bücher und Produktdesign lässt sich so manches entdecken, niedrige Standmieten machen überraschende Neuentdeckungen, funkelnde Einzelstücke und ein breites Angebot möglich. Das Credo der Macher: Handarbeit ist etwas für Großmütter, aber eben nicht nur, junge Kunst ist leistbar und unikate Stücke können auch leistbar sein. Gefeiert wird erstmals in der feschen Dependance im Ragnarhof: Mit der Vernissage der Fotokünstler Klaus Pichler und Martin Stöbich sowie einem stimmigen Line-up aus Wiener Techno- und House-DJs rundet der Fesch’Markt sein Programm mehr als geschickt ab. 26.–27. November Wien, diverse Locations

bild elsa okazaki, H. Anna

Menschenrechte sind ein grenzenloses Thema. Ab wann kommt ein Film für euch nicht mehr in Frage? Ein grenzenloses Thema, das sich grenzenlosen Einsatz verdient. Auch in Form eines Filmfestivals – nicht zuletzt auch, um dem Einsatz zahlloser mutiger Filmemacher ein Forum in Österreich zu bieten. Das diesjährige Filmfestival begrenzt das Thema mit fünf Schwerpunkten. Schlechte Filme zeigen wir nicht. Plant ihr in den kommenden Jahren auch Retrospektiven? Ja! 2009 hatten wir die Retrospektive zu 20 Jahre Mauerfall, 2010 stand eine Retrospektive zu Claude Lanzmann auf dem Programm. In diesem Jahr haben wir uns bewusst gegen eine Retrospektive entschieden, um die ganze Aufmerksamkeit auf die ausgewählten aktuellen Themen zu lenken. Für die kommenden Jahren werden Retrospektiven zu speziellen Themen oder Persönlichkeiten sicher wieder Teil des Programms sein. Ihr habt heuer sieben Dokus aus Österreich im Programm: Wie stark ist das Genre derzeit? Gerade die letzte Jurysitzung des Filmfonds Wien zeigt, wie sehr das Genre in Österreich geschätzt wird (fünf von 13 geförderten Filmen sind Dokumentarfilme). In keinem anderen Land werden im Verhältnis so viele Dokus produziert. Doch auch das Publikum ist dafür vorhanden, das sieht man an Besucherzahlen von Erfolgsdokumentationen wie »We Feed The World«, »Plastic Planet«, aber auch bei weniger kommerziellen wie »Little Alien«, oder die »Frauenkarawane«. Fast alle Filmfestivals haben heute einen wachsenden Anteil an Dokumentarfilmen, siehe auch aktuell die Viennale.


Euro sind jeweils Konzept und Umsetzung eines Kunstprojekts wert, die bei der Ausstellung »Metamart. Kunst und Kapital« im Wiener Künstlerhaus ab 16. November angeboten werden. Alle Kunstwerke auf diesem singulären und gedeckelten Kunstmarkt haben einen von zwei Einheitspreisen. Der andere beträgt 100 Euro pro Einheit. Aber der ist doch etwas zu schnöde.

So sehen Frauen in St. Georgen in Rumänien aus. Und Fotos als Abbild von Wirklichkeit waren eh immer schon problematisch. Vielmehr liefern Fotos und Kunst Modelle. Darum geht es in der Ausstellung »Reflecting Reality«.

Vienna Art Week

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Kunst gibt es in Wien ja dauernd und sowieso. Weil aber auch Schleifmühlgassen-Eröffnungen, Curated By in 21 Wiener Galerien, Vienna Art Fair, Fruits Flowers and Clouds, Dauer-, Spezialausstellungen von nationalen, internationalen, lokalen und privaten Initiatoren, Art Marts und Off Spaces noch nicht genug sind, gibt es die Vienna Art Week. Diese nistet sich etwa im Liechtenstein und Leopold Museum, im Quartier 21, im Naturhistorischen, im Angewandten, im Freud, im modernen oder im kunsthistorischen Museum ein, aber auch das Weisse Haus oder eine Reihe von Galerien lassen ihre Specials auf Mitte November fallen. Zentrales Element dabei ist sicher die Sammel-Ausstellung »Reflecting Reality« mit beigestelltem Interview-Marathon (Eintritt frei). 14.–20. November Wien, diverse Locations

Linzer Kleinkunstfestival

01

Zum 27. Mal treffen sich für ein ganzes Monat die Damen und Herren Schmähführer und Wuchteldrucker. Darunter: Düringer, Maschek, Science Busters, Steinhauer uvm. 02. November–01. Dezember Linz, Posthof

Voice Mania

02

Europas größtes A-cappella-Festival gastiert für über einen Monat in Wien. An 17 Abenden werden 40 Solisten und Gruppen aus 15 Ländern alleine mit ihren Stimmen für Stimmung sorgen. 04. November–04. Dezember Wien, diverse Locations

Jüdisches Filmfestival Derartige Bilder sind nicht nur Wintertourismusmultiplikatoren, sondern der ganz natürliche Funpark für Freeskier.

bild Renée Del Missier

Freeski Filmfestival

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Schifahren im meterhohen Pulverschnee ist durch die Werbung in der Wintersportindustrie zum gängigen Bild mutiert. In der Realität verspricht ein Schiurlaub dann eher lange Menschenschlangen an den Liften und abgefahrene, matschige Pisten. Beim Freeriding verhält es nicht so. Weil dieser Sport alleine durchs Zusehen beim Betrachter Adrenalinausschüttungen auslöst, boomt ebenso die Freeski-Filmindustrie. Grund genug also. ein eigenes Filmfestival für diesen Bereich des Extremwintersports zu veranstalten: »Freeski Fimfestival Vienna« findet am 11. November im Wiener WUK statt. Fünf Filme zeigen unterschiedliche Gebiete von Kashmir über St. Anton bis nach Argentinien. Dass die Sicherheit bei derartigen sportlichen Aktivitäten nicht zu kurz kommen darf, zeigt der Film »Check Your Risk«. 11. November Wien, WUK

03

Historische und gegenwärtige Momente sowie menschliche Schicksale aus den Bereichen Kurz-, Spiel- und Dokumentarfilme sowie zwei Themenschwerpunkte runden das Festival ab. 24. November–12. Dezember Wien, Votivkino / De France

Tanzkosmos

04

Das Festival lädt Choreografen aus vier österreichischen Bundesländern zu Kunst und Kommunikation ein. Dort präsentieren diese ihr vielfältiges Können und ihre Unterschiedlichkeiten. 22.–26. November Wien, Kosmos Theater


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Termine Kultur

das weisse haus: 15 Minutes

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Im Rahmen der Vienna Art Week hat Das Weisse Haus 30 Protagonisten der Wiener Kunstszene eingeladen, in 15 Minuten ihre Projekte zu präsentieren. Wie die Zeitspanne genutzt wird, bleibt dabei jedem Einzelnen überlassen. Ob es einen Einblick in Portfolios gegeben wird, eine Performance oder Lecture wird der experimentelle Rahmen vor Ort ausspucken. Samstag, 19. November.2011, 14.00 Uhr Dauer: 14.00 bis 24.00 Uhr Wien, Geigergasse 5–9; www.dasweissehaus.at


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Termine Kultur

Red Bull Flying Bach

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Bach und Breakdance passen zusammen. Breakdance-Weltmeister Flying Steps und Christoph Hagel beweisen, wie wunderbar sich Barock, Beats und Breakdance ergänzen können. Die Performance ist eine Begegnung zwischen den Flying Steps und der klassischen Tänzerin Yui Kawaguchi auf J.S.Bachs Wohltemperiertem Klavier. Burgtheater, 5. November–13. November, 19.00 Uhr Wien, Dr.-Karl-Lueger-Ring 2; www.redbull.at

Albertina: René Magritte Geburtstagsparty

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René Magritte, einer der bekanntesten und beliebtesten Künstler des 20. Jahrhunderts, wird von der Albertina umfassend gewürdigt mit einer Ausstellung und einer Feier zum 113. Geburtstag. Ein Hoch auf die internationale Kreativität! 19. November Wien, Albertinaplatz 1; www.albertina.at

Kunstraum NÖ: Ask Yo Mama

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Kuratorin Ina Wudtke stellt zusammen mit sieben internationalen Künstlerinnen Ausdrucksformen für kulturelle Identitäten und Ethnien vor, mittels Installationen, Collagen, Performances und DJ-Acts. »Ask Yo Mama« bezieht sich auf eine Sprache, die wir sprechen und die in der Tradition der afroatlantischen Diaspora ihren Anfang nahm. Ausstellung: 30. September–10. Dezember Wien, Kunstraum Niederösterreich, Herrengasse 13; www.kunstraum.net

KUB Valie Export / Archiv

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Die Ausstellung im Kunsthaus Bregenz konzentriert sich ganz auf das Archiv von Valie Export und präsentiert bisher noch nie gezeigte Schätze der Künstlerin. Seit Beginn ihrer Karriere hat die Künstlerin Bierdeckel, Zigarettenpackungen, Zeitungsartikel und andere Memorabilien gesammelt, auf denen das Wort »Export« zu lesen ist. Eröffnung: 28. Oktober 2011, 19.00 Uhr Ausstellung: 29. Oktober 2011–22. Januar 2012 Bregenz, Karl-Tizian-Platz 1; www.kunsthaus-bregenz.at

Angela Richter: Berghain Boogie Woogie

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Für den legendären Berliner Techno-Club Berghain bedeutet Nachtleben Musik, Sex und Drogen. Der berüchtigte Club hat es jetzt auch auf die Theaterbühne geschafft. Regisseurin Angela Richter hat aus Interviews mit Berghain-Partygängern die Story vom »Berghain Boogie Woogie« gestrickt. 9. November–11. November, 20.00 Uhr Wien, brut im Künstlerhaus, Karlsplatz 5; www.brut-wien.at

Europäische Theaternacht

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Obwohl es verdächtig nach dem inflationären Programm der langen Nächte klingt, verspricht die Europäische Theaternacht, das nicht zu sein. Das Erfolgsprojekt aus Kroatien, Noć Kazališta, findet zum ersten Mal in Österrreich statt. Insgesamt machen 37 Teilnehmer mit, darunter Theater der freien Szene, freie Künstler und Gruppen, sowie Kulturinitiativen. 19. November, 19.30 Uhr ganz Österreich; www.europaeische-theaternacht.at


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Die NDU ist eine Studieninitiative des WIFI und der Wirtschafskammer NÖ.


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Termine Galerien REDAktion Stefan Tasch

HIGHLIGHTS

NOVEMBER / DEZEMBER MI. 09.11. 20:00 | LITERATURSALO

N

ANDREJ KURKOW: DER WAHRHAFTIGE VOLKSKONTROLLEUR DO. 10.11. 20:00 | INDIE-POP

DER NINO AUS WIEN / MOB / STRINGULATUR

»Gurken«, 2011, Bronze, permanente Ausstellung »Cut-up 6«, 2011, Acryl auf Aluminium, PE-Rohr, Furtwänglerpark Salzburg, Courtesy Galerie Elisa- 220,7 × 210,3 × 13 cm, Courtesy Galerie nächst St. beth & Klaus Thoman, Foto: Lienbacher Stephan Rosemarie Schwarzwälder, Foto: Ivo Faber

Imi Knoebel Erwin Wurm Erwin Wurm versucht den elitären und mitunter begrenzten Raum der zeitgenössischen Kunstrezeption zu durchbrechen und zu erweitern. Ende der 1980er Jahre entstanden die ersten Staubskulpturen, die Wurm mit minimalen Mitteln kreierte. Diese Arbeiten beschäftigen sich mit dem Abwesenden, sie zeigen lediglich die Umrisse einer Form. Auf Podesten, in Vitrinen oder auf dem Boden, dort, wo der Betrachter für gewöhnlich etwas zu sehen bekommt, ist lediglich eine vom Staub ausgesparte Fläche. Der Besucher muss die fehlenden, aber als dazugehörig empfundenen Gegenstände selbst imaginieren. In seiner aktuellen Ausstellung »New Sculptures« zeigt Wurm neue Bronze-, Alu- und Gipsskulpturen. Der Künstler vollzieht gesellschaftliche und zivilisatorische Entwicklungen nach und stellt dabei den gängigen Skulpturenbegriff immer wieder in Frage. Galerie Elisabeth & Klaus Thoman Maria-Theresien-Straße 34, 6020 Innsbruck 05. November bis 14. Jänner

Der 1940 in Dessau geborene Künstler Imi Knoebel zeigt in seiner aktuellen Ausstellung drei neuen Werkgruppen. »Anima Mundi«, »Kartoffelbilder« und »Cut-up«. Die hier abgebildete Arbeit, bezieht sich auf jene Technik der Dekonstruktion, die in der Avantgarde des 20. Jahrhunderts angewendet wurde um die konventionellen Vorstellungen über den Zusammenhang zwischen Bild und Inhalt zu torpedieren. Die übereinander geschichteten Aluminiumstreifen wirken wie die dynamische Neuausrichtung eines narrativen und konventionellen Bildinhaltes, der keiner spezifischen Erzähllogik zu folgen scheint. Imi Knoebel orientierte sich zu Beginn seiner Laufbahn stark an den russischen Konstruktivisten des frühen 20. Jahrhunderts, insbesondere an Kasimir Malewitsch. Der Ideenwelt der gegenstandslosen und konstruktivistischen Malerei ist er bis heute verpflichtet. Form, Struktur und Farbe, deren Verhältnis er häufig in seriellen Arbeiten untersucht, stehen im Zentrum seines Schaffens.

DO. 10.11. 20:00 | KABARETT

SEBASTIAN KRÄMER: AKADEMIE DER SEHNSUCHT SA. 12.11. 20:00 | ELECTRONICS

DANUBE RAVE 2011

DO. 17.11. 20:00 | HIPHOP

K.I.Z.: URLAUB FÜRS GEHIRN TOUR DO.17.11. – FR.18.11. 20:00 | KABA

RETT

MASCHEK: 101010 – EIN REVOLUTIONÄRER FERNSEHTAG

Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder Grünangergasse 1/2, 1010 Wien 14. November bis 21. Jänner FR. 18.11. 20:00 | KABARETT

MICHAEL EHNERT: DAS TIER IN MIR

WIEN CHARIM GALERIE Dorotheergasse 12/1, 1010 Wien 14. November bis 31. Dezember Edgar Honetschläger

niederösterreich GALERIE JÜNGER Pfarrgasse 1, 2500 Baden 13. November bis 11. Februar, Rudolf Goessl Rudolf Goessl

KERSTIN ENGHOLM GALERIE Schleifmühlgasse 3, 1040 Wien 17. November bis 10. Jänner Eva Grubinger. decoy

Oberösterreich GALERIE 422 MARGUND LÖSSL An der Traunbrücke 9–11, 4810 Gmunden 26. November bis 09. Jänner Arnulf Rainer

LABRASSBANDA

Salzburg GALERIE THADDAEUS ROPAC Mirabellplatz 2, 5020 Salzburg Bis 26. November Gerwald Rockenschaub

12. ÖSTERREICHISCHE THEATERSPORT-MEISTERSCHAFTEN

Tirol GALERIE JOHANN WIDAUER Erlerstrasse 13, 6020 Innsbruck Bis 31. Jänner Peter Kogler

SCOTT MATTHEW / WOODPIGEON

GEORG KARGL FINE ARTS Schleifmühlgasse 5, 1040 Wien 17. November bis 14. Jänner Liddy Scheffknecht, Mathias Pöschl, Manuel Knapp. This is happening II. KNOLL GALERIE Gumpendorfer StraSSe 18, 1060 Wien 09. November bis 07. Jänner Ákos Birkás GALERIE KROBATH Eschenbachgasse 9, 1010 Wien Bis 20. Dezember Otto Zitko GALERIE EMANUEL LAYR An der Hülben 2, 1010 Wien Bis 12. November Franz Amann. Die Farbe ändert nichts an der Funktion GALERIE MEZZANIN Getreidemarkt 14/Eschenbachgasse, 1010 Wien 09. November bis 07. Jänner Lucie Stahl, Gerald Domenig, Michael Callies/Tobias Rehberger u.a. kuratiert von Thomas Bayrle GABRIELE SENN GALERIE Schleifmühlgasse 1A, 1040 Wien 15. November bis 23. Dezember Michael Riedel

Vorarlberg GALERIE FEURSTEIN Johannitergasse 6, 6800 Feldkirch 24. November bis 15. Jänner Thierry Feuz, Willi Kopf, Dirk Salz Steiermark GALERIE EUGEN LENDL Bürgergasse 4/1, 8010 Graz 08. November bis 08. Dezember Gunter Damisch Kärnten GALERIE 3 Alter Platz 25 / 2. Stock, 9020 Klagenfurt 19. November bis 23. Dezember Udo Rabensteiner, Wolfgang Seierl

MI. 23.11. 20:00 | KLEINKUNST

ERWIN STEINHAUER & SEINE LIEBEN: FEIER.ABEND FR. 25.11. 20:00 | BAYERN-BRASS

-POP

MI. 30.11. – SA. 03.12. 20:00 | IMPR

O

DO. 01.12. 20:00 | POP

FR. 02.12. 20:00 | POP / ROCK

PORTUGAL. THE MAN / STEAMING SATELLITES

Das komplette Programm gibt’s auf www.posthof.at POSTHOF – Zeitkultur am Hafen, Posthofstr. 43, A-4020 Linz Info + Tickets: Fon: 0732 / 78 18 00 www.posthof.at


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► KOLU M N E  /  know- noth ing -gesell s c h aft ► Von Illbilly The K.I.T.T.

s hat sich eingebürgert, dass ich einmal jährlich an dieser Stelle Auszüge aus meinem Tagebuch präsentiere. Wobei, um gleich vorab erschütternd ehrlich zu sein, »eingebürgert« ist nicht das richtige Wort. Bis dato habe ich derart persönliche Notizen nämlich erst einmal und zwar im Vorjahr öffentlich gemacht. Aber es spricht meines Erachtens nichts dagegen, eine Tradition daraus zu machen. Obwohl, dass muss jetzt schon auch gesagt werden und das kreide ich mir auch an, richtig innovativ ist es nicht, einmal im Jahr einen alten Schmäh aufzuwärmen. Das ist wie »Ghostbusters 2« oder »Fletch der Troublemaker 2«, oder überhaupt fast jede Fortsetzung. Außer »Eis am Stiel«. Da wird erst Teil vier richtig mies. 01. Oktober — Bin, wie jeden Ersten des Monats, Geburtstagslisten durchgegangen. So etwas hilft ja mitunter bei Themenfindungen. Treffer! Gerti Senger wird 69. Das beste Alter für eine Sexkolumnistin. Möchte gerne Blumen schicken, glaube aber, dass es ihr mehr Freude bereitet, wenn ich ihr neues Buch kaufe – sie kennt mich ja nicht. 02. Oktober — Bambus-Grapefruit-Duschgel ist gefährlich. Macht bei mir rote Flecken überall. Schlucke Antihistamine und überlege mir dann neue Zotter-Schokoladesorten. Sauerkraut-Vulkanstein, Sanddorn-Red Bull, Matjes-Benzin. 03. Oktober — Aufgeschnappt von zwei ÖBB-Security-Typen: A: »Wie heißt der in Italien noch mal, weißt eh, der mit den Bongo-Bongo-Partys?« — B: »Ja, ach, Mussolini, oder?« 05. Oktober — Steve Jobs ist tot. Ärgerlich, habe zehn Euro verloren, weil ich mit S. gewettet habe, dass er in der zweiten Oktoberhälfte stirbt. Mir kommt vor, dass ich den ganzen Tag verhältnismäßig viele schwarze Rollkragenpullis gesehen habe. Fuck the subjektive Wahrnehmung. Ziehe mir abends zum Wohnungsputzen dann auch noch meine alten New Balance-Laufschuhe an. Schaut irgendwie gacke aus. 07. Oktober — Gerti Senger fertig quer gelesen. »Der Penis ist die Antenne des Herzens«. Ein Satz, der vieles entschädigt und in jedes gute Stammbuch gehört. 09. Oktober: Mit einem Kürbis experimentiert. Allerdings nicht wie für meinen schon seit Jahren geplanten Artikel »Gemüse im Sextest«. Ich verkochte das Ding zu Auflauf, Suppe und Muffins. Schmeckte unterm Strich alles doch recht fad. Kürbis eben. Zornig ließ ich mich zu einer Hasstirade auf dieses Gemüse hinreißen. Lebensabschnittsdingsbums nannte mich daraufhin »Lord of Gayness«. 12. Oktober — Mir wächst auf der Stirn ein Riesenpickel. Schaut aus, als ob ich ein Horn kriege. Wenn man ganz genau hinschaut, sieht man sogar das Blut pulsieren. Bin deswegen innerlich unruhig. Immer wieder verwirrend, wie sehr mich Äußerlichkeiten aus der Bahn werfen.

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13. Oktober — Alte Stehsätze auf ihre Richtigkeit überprüft und wirklich, alles ist relativ und eine Frage der Perspektive, denn wie man es auch dreht und wendet, eine Palatschinke ist auch nur ein riesiger Fritatt. 16. Oktober — Fühle mich sehr unpässlich und gönne mir nach Wochen ein Vollbad. Immer nur duschen erträgt ja kein Mensch auf Dauer. Um kein Warmwasser verschwendendes Anti-Nachhaltigkeitsarschloch zu sein, lass ich die Wanne mit dem Wasser sparenden Duschkopf voll laufen. Tja, ich hab’s verstanden. Danach driften meine Gedanken weg und ich denke wieder einmal über Zeitreisen nach. 17. Oktober — Ausgezeichnet geschlafen und – unglaublich – von einer Zeitreise geträumt. Allerdings reiste ich darin nur vier Tage in die Zukunft. 2020 hätte ich mir schon erwartet. Bin aber schon gespannt, ob das Wetter am 21. Oktober warm und trocken ist. 18. Oktober — Beim Frühstück noch eine ausgezeichnete, aber fiese Idee gehabt. Werde ein Bild von meinem Kind morphen lassen, auf dem er 14-jährig zu sehen ist. Das lass ich groß ausdrucken, einrahmen und hänge es an die Wand. Wenn er alt genug ist und von selbst draufkommt, dass er es ist, der darauf zu sehen ist, rede ich ihm ein, dass er ein Zeitreisender ist. Lebensabschnittsdingsbums nicht sonderlich von der Idee begeistert. Sie hat wohl recht, es wird schön langsam pathologisch. 20. Oktober — Musste mich in der Straßenbahn zusammennehmen. Ein Pärchen spricht miteinander Englisch. Sie aus Wien, im Besitz eines feuchtfröhlichen Lutschgesichtes, das durchaus nach Stimmbandbesamung schreit. Er ein junger Amerikaner, der ein wenig wie ein Mormone auf Abwegen wirkt. Das Problem: Ihr fällt das Wort für Rauchfangkehrer nicht ein. Nun ja: »Black man with the long Bürste« ist jedenfalls nicht die korrekte Umschreibung. 21. Oktober — Der Tag ist trocken, aber leider nicht warm. Muss die Maschine nachjustieren. 23. Oktober — Chefredakteur Martin Mühl versehentlich beleidigt. Er verschaffte mir ein paar Stunden Extra-Abgabezeit. Freudig schrieb ich: »Danke, du bist super. Wenn ich eine Frau wäre und du ein Mann, würde ich dir glatt einen blasen.« Tja, das Gegenteil von gut ist gut gemeint. 26. Oktober— Mir fällt ein, dass ich zu einer Alice-imWunderland-Hochzeit eingeladen bin. Hutmacher, Hasen, Grinsekatzen werden dort sicher zuhauf anzutreffen sein. Erzähle in einem unbedachten Moment, dass man mich in der Schule manchmal Humpty Dumpty nannte. Lachen, verräterische Blicke auf meine Stirnglatze und das fast verheilte Horn. Super Idee: Verkleide mich als Lewis Carroll. 29. Oktober — Dieses Monat ist wie die Bundeslade. Am besten nicht hinschauen.  ¶

ILLUSTRATION JAKOB KIRCHMAYR

roter oktober


In Wien geht was weiter.

Offene, frei zugängliche Daten für eine offene, freie Gesellschaft: Das ist Open Data. Die Stadt Wien macht damit öffentliche Daten zur weiteren Verwendung den Bürgerinnen und Bürgern frei zugänglich. Zum Beispiel Statistiken oder Standortdaten. Daraus werden Anwendungen – wie etwa die „Vienna Events“-App – für

Gratis-Abo-Tipp: „Forschen & Entdecken“ – Das Magazin für kluge Köpfe. www.forschen-entdecken.at

internetfähige Mobiltelefone entwickelt. Davon haben alle etwas. Wien wurde dafür mit dem 1. Preis für „Innovativstes E-Government-Projekt“ ausgezeichnet. Infos zu Open Data und den neuen Apps gibt es im Internet: data.wien.gv.at


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The Gap 121