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• Fortschritt am Bau • Immobilien der Zukunft • Nachhaltige Standortentwicklung


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IMMOBILIEN INNOVATION_10/2021

Inhalt 4 –7 Nachrichten 8 «Zuckerguss-Architektur in 3D» 12 Vom Labor auf die Baustelle Neues aus der Welt der Baurobotik 16 «Ohne BIM kein Auftrag» Zeitgemässe Projektentwicklung 20 Fortschritt ist, im Kreis zu denken Neue zirkuläre Baustoffe 26 Thermokameras und Ionisatoren Pandemiesichere Gebäude 32 Interview: Marcel Stoffel, SCSP 34 Tankstellen der Zukunft 36 Noch Handlungsbedarf RICS-Investorenumfrage zu ESG 42 Flaggschiff der Innovation BaseLink-Areal wächst weiter 46 Tech Cluster Zug Innovative Standortentwicklung 50 «Wir können uns sehen lassen» Umfrage bei Swiss Circle Members 54 «Bis 2023 klimaneutral» Neues vom Siemens Campus Zug 57 Nachrichten Impressum 58 Zeit der Pioniere Grusswort der Herausgeber

Editorial 3

Editorial Liebe Leserinnen, liebe Leser Immer die Besten, die Kreativsten, die Innovativsten, man könnte meinen, dass man das auf Dauer gar nicht durchhalten kann. Und doch, man kann. Bereits seit zehn Jahren führt die Schweiz die Rangliste des Global Innovation Index an. Starke Innovationskraft wird auch der Schweizer Immobilienwelt attestiert – wer sonst käme schon auf die Idee, in einem 500 Jahre alten, winzigen Bergdorf eines der innovativsten Gebäude der Welt zu errichten? Ein Bauwerk, das nicht gebaut, sondern gedruckt wird. Im kommenden Jahr wird in Mulegns ein Roboter mit dem 3D-Druck des 30 Meter hohen «Weissen Turms» beginnen, der als Kulturstätte den fast ausgestorbenen Ort wieder beleben soll. Es ist eine Gemeinschaftsarbeit: Architekten, Materialforscher, Bauingenieure, Maschinenbauer und Geomatiker haben interdis­ ziplinär und im Fall von Mulegns auch eng mit Kulturschaffenden zusammengearbeitet, um dieses aussergewöhnliche Projekt zu realisieren. Es ist der Auftakt zu einer neuen Ära, in der viele Talente in allen Bereichen und nicht zuletzt auch Investoren ge­ fordert sind, Antworten auf die drängendsten Fragen zu Nach­ haltigkeit, Klimaschutz, Ressourcenschonung, bezahlbarem Wohnraum, pandemiesicheren Gebäuden, Kreislaufwirtschaft oder innovativen Baustoffen zu finden. Pardon, einige Antworten auf diese Fragen gibt es bereits. So ist seit diesem Frühjahr der erste CO2-speichernde Beton auf Schweizer Baustellen im Einsatz, der als zirkulärer Baustoff nichts von den statischen Fähigkeiten eines Primärbetons einbüsst. Theoretisch könnte durch diese Erfindung die Bauwirtschaft in der Schweiz jährlich 7,5 Millionen Tonnen Abfall beseitigen und über 42 Millionen Kilogramm CO2 im Beton speichern. Mehr dazu und zu weiteren innovativen Entwicklungen erfahren Sie auf den folgenden Seiten – sowie auch in den Vorträgen und Diskussionsrunden des diesjährigen Swiss Real Estate Innovation Day. Er findet am 2. November im Kunsthaus Zürich statt – schauen Sie gerne vorbei, es dürfte sich lohnen! Mit den besten Grüssen Susanne Osadnik Redaktorin


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cker. Die einzelne Elemente sind hohl, brauchen 70 Prozent weniger Material und 90 Prozent weniger Stahl als bei herkömmlicher Bauweise. Für die Brücke kombinierte die Block Research Group an der ETH Zürich altbewährte Bautechniken mit modernster 3D-Technik der Zaha Hadid Architects Computation and Design Group; die österreichische Incremental3D erstellte die Fertigelemente, Holcim die Flüssigbetonmischung – quasi als «Tinte» für den Drucker. (bw)

«Gemeinsame Vision» Bau AG in Bern-Rubigen machen daher den ersten zirkulären Beton national verfügbar. Die beiden ersten Lizenznehmer sind gleichzeitig auch Inhaber der neu gegründeten Zirkulit AG. Im Oktober 2020 lancierte Eberhard den ersten zirkulären Beton der Schweiz, den ­ zirkulit®-Beton, der sich durch maximale Zirkularität und einen kleineren CO2-Fussabdruck als Primärbeton bei gleichen statischen Eigenschaften auszeichnet. Gemeinsam mit der Kästli Bau AG wurde nun der Grundstein gelegt für den schweizweiten Vertrieb von zirkulit®-Beton. Dank eines Lizenzsystems wird der innovative Baustoff in den kommenden Monaten national verfügbar gemacht. Die Partnerschaft der beiden Unternehmen unter dem Dach der Zirkulit AG baut gemäss Aussage der Partner «auf der gemeinsamen Vision des zirkulären Bauens auf». (bw) © hansuelischaerer.ch

Zirkuläres Bauen gewinnt in der ganzen Schweiz an Bedeutung; die Nachfrage nach ressourcenschonenden Baustoffen steigt deutlich an. Die Eberhard Unternehmungen in Kloten und die Kästli

Daniel Kästli, VR-Präsident Kästli Bau AG / Bernhard Hirschi, Geschäftsführer Frischbeton AG Rubigen / Patrick Eberhard, Geschäftsführer Zirkulit AG

Ein aktuelles Projekt von ETH-Studenten und Studentinnen zeigt, was zukünftig mit digitaler Fabrikation, gepaart mit natürlich wachsendem Material, im Bauwesen alles möglich sein könnte. Mit digitaler Technologie entwarfen und bauten sie einen Bambus-Pavillon. Als Baustoff ist Bambus vergleichbar mit Harthölzern, aber durch die Hohlräume in seinem Innern extrem leicht und elastisch. Die Studierenden griffen auf den in Asien altbewährten Baustoff zurück , um einen nur 200 Kilogramm schweDMLS-Technologie ren Pavillon zu ermacht’s möglich: Die Verbindung aus schaffen, der sich Bambus und Stahl in drei Richtungen über eine Fläche von mehr als 40 Quadratmetern ausbreitet und dabei nur minimal gestützt wird. Gelungen ist dieses Kunststück dank neuster Technologie. Für den Entwurf der ultraleichten Struktur wurden eigens dafür kreierte digitale Design-Werkzeuge genutzt. Verbindende Elemente der über 900 Bambusrohre sind 379 Knotenpunkte: ­digital entworfene und im 3D-Drucker millimetergenau aus hochfestem Nylon und Edelstahl hergestellte Verbindungen. Dank der digitalen Fabrika­ tion konnten alle Teile automatisch generiert und so entwickelt werden, dass sie alle mechanischen Anforderungen erfüllen. Auch die Verschattungselemente aus recycelbarem, UV-beständigem und formbarem Kunststoff auf einem leichten LycraTextil wurden im 3D-Druck hergestellt. Der 3D-Drucker versteift und formt das Gewebe zu flexiblen, massgeschneiderten Paneelen. (bw)

© ETH; Marirena Kladeftira

Nach der Fusion der Schweizer Holcim und der französischen Lafarge firmiert der Zementhersteller seit diesem Sommer nur noch als Holcim – und möchte gemäss Konzernchef Jan Jenisch nun «der nachhaltigste Baustoffkonzern der Welt» werden. Ein Symbol für die «neue» Holcim wurde jüngst auf der Architekturbiennale in Vendig präsentiert – die 16 mal 12 Meter messende Fussgängerbrücke «Striatus», bestehend aus 53 am Computer konstruierten Betonelementen, die mittels Fliessverfahren hergestellt wurden – sprich mit dem 3D-Dru-

Bambus digital in Szene gesetzt

©naaro

Brückenschlag in Venedig

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«Green Wall» am Flughafen Ramseier & Associates Ltd. hat für die Flughafen Zürich AG eine 6 m hohe und 600 qm umfassende «Green Wall» entwickelt, die den Ankunftsbereich des Flughafen optisch und ökologisch aufwertet sowie auch ein «Branding Konzept» umfasst, welches die Hauptmieter des neuen «Circle» aufzeigen soll. Als lebendiges Element vor der GlasMetall-Fassade des Circle-Gebäudes ergänzt inzwischen mit 430 vertikal bepflanzten Quadratmetern ein sattgrüner Streifen mit circa 15.000 Pflanzen unterschiedlicher Art die Architektur (1. Etappe). Damit das Konzept ökologisch funktioniert, galt es, eine Monokultur zu vermeiden. Als Schutz vor unterschiedlichen Witterungen und Schädlingen entwickelte die Firma Hydroplant eine Pflanzenmatrix mit neun lokalen Immergrün. Die Begrünung und die Unterkonstruktion sind nicht direkt an der Betonwand angebracht, sondern mit einem Abstand versehen; so können u.a. Inspektionen über einen 80 cm breiten Gang erfolgen. Als Grundbeleuchtung dient über die gesamte Länge der «Green Wall» ein LED-Lichtband; für die Beleuchtung der «Brand-Logos» (u.a. Edelweiss, Microsoft, SAP), wurden speziell von R&A entwickelte Einzelleuchten angebracht. Seit diesem Frühjahr ist die erste Etappe der Begrünung der Betonstützmauer bei der Glatttalbahn Haltestelle Flughafen abgeschlossen; die Bepflanzung der zweiten Etappe soll im Sommer 2023 folgen. (bw)

Der global tätige Bau- und Energiekonzern Vinci hat die Lumineo Group SA, Porrentruy JU, beauftragt, einen Teil der repräsentativen Eingangshalle seines neuen Pariser Konzernsitzes mit lichtdurchlässigem Beton zu gestalten. Lumineo errichtete eine 80 Quadratmeter grosse Wand mit «Lumistone», einer Eigenentwicklung des Unternehmens, die es ermöglicht, mittels LEDs Bilder durch die Wand zu projizieren. Der Weg zur erfolgreichen Entwicklung von Lumistone war nach Angaben von Aurelie Pezzota Mussa, CEO von Lumineo, «so hart wie Beton»: «Versuch und Irrtum, immer und immer wieder.» Unzählige Schichten von Glasfasern mussten in den Beton gegossen werden, bevor das Rezept gefunden wurde. Den Auftrag von Vinci sieht Pezzota Mussa als gros-

sen Vorteil, da am Hauptsitz des weltweit fünftgrössten Baukonzerns, «viele Architekten und Projektmanager vorbeikommen» und dieser ein grossartiges Schaufenster für den von von Lumineo entwickelten transluzenten Beton biete. (bw)

© Lumineo Group SA

Immergrüner Empfang am Flughafen Zürich

Magischer Beton

Lumistone, ein transluzenter Beton, erlaubt es, die Wand für Animationen zu nutzen.

Intelligentes Glas Glasfassaden sind elegant, haben aber, energetisch betrachtet, einige Nachteile – insbesondere erfordern sie einen dynamischen Umgang mit Tageslicht und Hitze sowie ein Steuertungssystem, was sich auf die Gesamtkosten der Investition und der Wartung auswirkt. Einen neuen Ansatz verfolgt das zur St.-Gobain-Gruppe zählende Unternehmen SageGlass: Es setzt auf «intelligentes», sprich elektrochromes Glas, dessen Tönung sich automatisch je nach Wetterbedingungen verändert und vor

Hitze und Blendeffekten schützt. Die Sicht nach draussen in die Umgebung ist frei, da selbst bei starker Tönung das Glas transparent bleibt. SageGlass funktioniert mit Sensoren und ist mit dem Gebäudemanagementsystem verbunden. Es können somit verschiedene Aspekte miteinander synchronisiert werden, wie die Tönung des Glases, die Raumreservierung oder die Deaktivierung der passiven Solarenergienutzung. Dies wiederum reduziert den Bedarf an Klimaanlagen und künstlichen Beleuchtungssystemen – womit die Verglasung zur Reduktion der Energie­ kosten beiträgt. Unter anderem kam die intelligente Glaslösung LightZone® von SageGlass jüngst bei der Renovierung des Haupt­ sitzes von Nestlé in Vevey zum Einsatz. (bw) © SageGlass, Gottreux Architectes SA

© Ramseier & Associates Ltd.

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Renovierter Nesté-Hauptsitz in Vevey mit elektrochromer Glasfassade


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© B_VR_Switzerland_GmbH

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Auf Holz gebaut Mit der Überbauung Waldacker im Lachenquartier der Stadt St. Gallen realisert die Renggli International AG als Generalplaner derzeit zwei mehrgeschossige Bauten mit 110 Wohnungen und einem Gemeinschaftsraum. Das Besondere an dem Projekt der Previs Vorsorge: Die Gebäude werden fast komplett in Holz realisiert, inklusive der Liftschächte. Ausser zertifiziertem Holz kommt Recyclingbeton zum Einsatz, womit Kriterien des Standards für nachhaltiges Bauen Schweiz (SNBS) entsprochen wird. Alle Wohnungen verfügen über ein Smart-Home-System, auf welchem der eigene Energie­

Die Überbauung Waldacker in St. Gallen

verbrauch in Echtzeit ablesbar ist. Die Überbauung entspricht der MinergieBauweise. Der auf dem Flachdach produzierte Solarstrom wird direkt im Haus verbraucht. Alle Wohnungen werden mittels Fernwärme aus 75 Prozent erneuerbarer Energie beheizt. Von der Planung bis zur Ausführung kommt die BIM-Methode zum Einsatz. Dank vorgefertigter Bauteile verkürzt sich die Bauzeit: Bezugstermin soll im Herbst 2021 respektive Anfang 2022 sein. (bw)

Buche statt Beton siven Covid-19-Einschränkungen und der etwas langsameren Marktentwicklung wurden in der zweiten Jahreshälfte 2020 die ersten Stabbucheprodukte ausgeliefert. Der Vorteil von Holz von Laubbäumen: Man kann damit filigraner bauen und höhere Holzbauten errichten, da es zwei- bis dreimal stärker ist als Nadelholz; man kann damit filigrane Konstruktionen, ausgedehnte Spannweiten und schlanke Stützen in einer faszinierenden Vielfalt realisieren. Das Fagus-Bauholz sei derart stabil und wirtschaftlich, dass es Beton und Stahl ersetzen könne; zudem speichere es zusätzlich CO2, so das Unternehmen. Die Bauherrschaft profitiere von einer verbesserten Klima­ bilanz der Gebäude, die heimische Wirtschaft von einer höheren Wert­schöpfung. Seit Anfang Jahr beobachtet Fagus eine rasante Entwicklung im Holzbau, was die Nachfrage nach Laubholzprodukten befeuert. So geht die Gesellschaft davon aus, den Break-even auf Stufe EBITDA im kommenden Jahr und 2023 auch auf Basis EBIT erreichen zu können.(bw) © Fagus Suisse

Im jurassischen Les Breuleux hat die Fagus Suisse AG im vergangenen Jahr das erste Schweizer Laubholzwerk eröffnet. Zusammen mit der Berner Fachhochschule hat das Jungunternehmen eine Technologie entwickelt, um das schwierig zu verarbeitende Buchen- und anderes Laubholz zu Konstruk­tionsholz zu machen – mit Erfolg: Trotz der mas-

Das Tragwerk der neuen Eventhalle im Campus Sursee ist aus Fagus Stabbuche gefertigt.

Auszeichnungen Stadt Zürich

Preis für nachhaltige Grünflächen Die Stadt Zürich hat 451 von maximal 500 Punkten erreicht und wurde dafür im August als erste Stadt der Schweiz mit dem Label «Grünstadt Schweiz» ausgezeichnet – in der höchsten Kategorie «Gold». Der Stadtrat hat Grün Stadt Zürich 2019 beauftragt, die Stadt Zürich mit dem Grünstadt-Schweiz-Label (GSS) zertifizieren zu lassen. Das Label wird nach einheitlichen Zertifizierungskri­ terien von der Vereinigung Schweizerischer Stadtgärtnereien und Gartenbauämter (VSSG) vergeben und im Rahmen eines Audits überprüft. Ziel des Labels ist es, die Nachhaltigkeit der Grünräume in Städten und Gemeinden zu fördern. Für die Zertifizierung werden 40 Massnahmen entlang eines prozessorientierten Massnahmenkataloges geprüft und bewertet. Dabei werden nicht nur die Kernprozesse wie Planung und Bau, Pflege und Unterhalt sowie Produktion beurteilt, sondern auch Führungs- und Unterstützungsprozesse wie beispielsweise Grundlagen, Kommunikation, Personal, Beschaffung und vieles mehr. Insgesamt können maximal 500 Punkte erzielt werden und je nach Punktzahl und Gemeindegrösse wird das Label in Bronze, Silber oder Gold ausgestellt. Bei dem Expertenteam, das Zürich unter die Lupe genommen hatte, konnte die Stadt vor allem mit ihrer «sehr guten und langfristigen Planungsgrundlage» punkten, «in der nachhaltige Themen und Biodiversität einen hohen Stellenwert einnehmen». Gelobt wurde auch, dass eine verbindliche Grundlage für die naturnahe Pflege und Bewirtschaftung städtischer Grün- und Freiflächen vorliege und dass die Grünräume dank der Fachplanung «Hitzeminderung» in die Klimaanpassungsstrategie der Stadt eingebunden werden. Stadtrat Richard Wolff (AL), der die Auszeichnung für die Stadt Zürich entgegennahm, sieht das Label als «Anerkennung und Ansporn» – denn das Grün sei insbesondere für ein gutes Stadtklima enorm wichtig: «Dafür müssen wir noch weitere Anstrengungen unternehmen.» (bw)


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Anfang September wurde in Feldbach (ZH) das schweizweit einzigartige KREIS-Haus eröffnet – das Akronym KREIS steht für klima- und ressourceneffizientes Suffizienz-Haus. Das Pionierhaus, ein Projekt des ZHAW-Instituts

Marloes Fischer, Madaster; Markus Bächle, Allco

Voraus in den Baukreislauf Falle der Umnutzung oder des Rückbaus einer Liegenschaft. Gleichzeitig wird so die zukünftige Wiederverwendung dieser Materialien ermöglicht – weil digitalisierte Daten aus der Planungsphase in den folgenden Lebenszyklusphasen eines Gebäudes übernommen, aufbereitet und transparent gemacht werden. «Für uns ist klar, dass Madaster ein wichtiger Bestandteil einer systematischen und stets transparenten Nachhaltigkeitsplanung über den Lebenszyklus eines Gebäudes ist», sagt Allco-Geschäftsführer Urs Meier. Unter anderem nutzt Allco Madaster bei der Sanierung der Liegenschaft Müllerstrasse 16/20 in Zürich für den Eigentümer Swiss Prime Site zu Katalogisierung und Management von wiederverwendbarem Material. (bw)

Neuer Forschungscampus für Empa und Eawag Knapp vier Monate nach dem ersten Spatenstich wurde Anfang September 2021 in Dübendorf der Grundstein zum Forschungscampus «co-operate» der Empa und Eawag gelegt. Gemäss Empa-Direktor Gian-Luca Bona soll der neue Forschungscampus zu einem Ort vielfältiger Zusammenarbeit mit Empa-Partnern werden und die Institutionen des ETHBereichs noch stärker miteinander vernetzen. «Bei Bau und Betrieb des neuen Campus haben wir stets das Ziel ‹Netto

© EMPA

Die Generalunternehmer Allco AG und Madaster Schweiz haben eine Partnerschaft gestartet, um gemeinsam den Zugang zu Gebäudepässen zu ermöglichen und zu fördern. Gebäudepässe enthalten Daten über die in einem Gebäude verwendeten Elemente und Materialien für die zukünftige Wiederverwendung. Das Madaster-Partnerprogramm bietet Unternehmen die Vernetzung von Wissen und Expertise über zirkuläres Bauen sowie die gemeinsame Entwicklung zukunftsfähiger Lösungen für Zirkularität im Bau- und Immobiliensektor. Die Erfassung von mehr Informationen über die Zusammensetzung und die technischen Eigenschaften von Bauelementen während der Entwurfsphase geben Aufschluss über deren Wert und Risiko im

für Umwelt und natürliche Ressourcen, stellt der Forschung Raum zur Verfügung, um neue kreislauffähige Technologien und Materialien in der Praxis auszuprobieren sowie diese der Öffentlichkeit in Form eines Prototyps vorzustellen. Das Besondere: Interessierte können das KREIS-Haus nicht nur besichtigen, sondern auch darin übernachten. Dadurch erfahren sie zum einen direkt, wie es sich in einem kreislaufwirtschaftlichen Gebäude lebt, zum andern werden sie damit gleichzeitig auch Teil des ZHAW-Forschungsprojekts, das untersucht, wie Das KREIS-Haus sich das KREIS-Haus in Feldbach im Alltag bewährt. In Interaktion mit den Nutzerinnen und Nutzern können die Anwendungen getestet und verbessert werden. Initiiert und konzipiert wurde das Projekt von Devi Bühler, ZHAW-Umweltingenieurin sowie Präsidentin des Vereins Synergy Village. (bw) © ZHAW

© Allco

ZHAW eröffnet «Praxislabor»

Null› vor Augen, etwa indem wir eine hochgradig effiziente Energieversorgung einplanen und CO2-neutrale Technologien nicht nur erforschen, sondern auch einsetzen», so Bona. So wird etwa ein neuartiges Erdsondenfeld Sommerwärme fürs Heizen und Warmwasser im Winter «zwischenspeichern»; beim Bau kommt die Methode des «Building Information Modeling» zum Einsatz: Bevor die Umsetzung auf der Baustelle beginnt, wird ein digitaler Zwilling erzeugt,

André Ingold, Stadtpräsident Dübendorf; Empa-Direktor Gian-Luca Bona, Präsident des ETH-Rates; Michael Hengartner und Eawag-Direktorin Janet Hering (von links).

durch den Planungs- und Realisierungsfehler reduziert werden; die erhaltenen Daten werden zudem später im Betrieb genutzt. (bw)


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«ZuckergussArchitektur in 3D» Bauwirtschaft – In einem kleinen Passdorf in Graubünden wird BautechnikGeschichte geschrieben. Mulegns soll einen Turm bekommen, in dem künftig Kunst­ installationen, Hörspieltouren und Theateraufführungen stattfinden können. Herkömmlich gebaut wird das Gebäude jedoch nicht: Es wird komplett gedruckt. Und zwar direkt vor Ort. Von Susanne Osadnik – Fotos: ETH Zürich

Einst war es eine Ortschaft von fundamentaler Bedeutung: Mulegns in der Region Albula in Graubünden. In der Talenge am Zusammenfluss des Fallerbachs und der Julia auf knapp 1500 Metern gelegen, zählte das Dorf in Postkutschenzeiten rund 150 Einwohner. Genauso viele Pferde konnten damals noch in den Stallungen untergebracht werden. Neben Churwalden und Tiefencastel war Mulegns die dritte wichtige Anlaufstation für Pferdegespanne und Dreh- und Angelpunkt für «Das ist nicht Reisende. Das Gästebuch des legendä­ ren Posthotels Löwe liest sich wie das der letzte Schrei Who’s who des 19. Jahrhunderts. Illus­tre eines ausgeflippten Gäste wie Katharina Dolgorukaja, die Kreativen. Es ist das zweite Ehefrau des russischen Zaren Aufmucken einer Alexander II., oder die spätere Königin Baustofftechnologie, von England, Mary, damals noch Duchess of York, haben hier genächtigt. die ihren Weg in die Ebenso der amerikanische Präsident Welt noch schneller Stephen Grover Cliveland, als er 1896 antreten wird, als mehrere Wochen in der Schweiz vermancher es heute brachte. Wer ins noble Engadin wollte, musste durch Mulegns. erahnt.» Dies änderte sich radikal mit der EröffMario Cavigelli, nung der Albula-Bahnlinie im Jahr 1903, Regierungspräsident die den meisten Anwohnern des Ortes Graubünden an der Furkapassstrasse die Lebensgrundlage entzog. Im Laufe der Jahrzehnte verliessen immer mehr Menschen ihre Heimat. Heutzutage zählt Mulegns nicht einmal mehr 20 Einwohner. Ein sterbendes Dorf in den

Bergen. Vor exakt 500 Jahren erstmals urkundlich erwähnt, wird es wohl keine Zukunft mehr haben. Oder vielleicht doch? Einer, der den Untergang historischer Dörfer nicht hinnehmen will und schon andernorts mit aussergewöhnlichen Ideen dahinsiechenden Orten wieder Leben eingehaucht hat, ist Giovanni Netzer, Theologe, Philosoph, Theaterintendant und Gründer des Theaterfestivals Origen. Das jährliche Kulturereignis Origen ist seit 2005 stetig gewachsen und mit seinen zahlreichen Veranstaltungen mittlerweile das grösste Klassikfestival Graubündens. Ein Highlight für Mulegns Auch Mulegns soll dank vielfältiger Kulturveranstaltungen wieder aufblühen. Immerhin ist das im nahe gelegenen Riom im Oberhalbstein auch schon gelungen: Die 2006 vom Churer Architekten Marcel Liesch für 1,3 Millionen Franken zu einem Theater mit 220 Plätzen umgebaute Burg Riom zieht jedes Jahr Tausende Musik- und Theaterliebhaber an. Daneben gibt es eine Theaterscheune und den Roten Theaterturm. Rundherum sind kleine professionelle Theaterwerkstätten entstanden, die Kostüme, Bühnenbilder und Masken herstellen. In Mulegns könnte es ein bisschen anders laufen. Denn hier soll im kommenden Jahr ein Gebäude entstehen, das allein aufgrund seines Entwicklungs- und Bauprozesses Touristen und Immobilienfachleute von überall her wird anreisen lassen, sind seine Schöpfer sicher. Der «Weisse Turm» von Mulegns wird ein vollständig digital gedrucktes Bauwerk sein, das späteren Kunstinstallationen, Hörspieltouren und Theateraufführungen dienen soll. Optisch wird es sich an das grosse handwerkliche Können der Bündner Baumeister und Stuckateure aus dem Barock anlehnen. Das Modell, das vor einigen Wochen der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, erinnert in der Tat stark an eine mehrstöckige Zuckergusstorte – eine Remines-


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Mit dem Weissen Turm will Mulegns Baugeschichte schreiben.

zenz an die Geschichte der Bündner Zuckerbäcker, die einst das Dorf verliessen, ihr Handwerk sehr erfolgreich im Ausland ausübten und wohlhabend wieder nach Mulegns zurückkehrten. So etwa wie der Zuckerbäcker Jean Jegher, der einst, von Heimweh geplagt, Mitte des 19. Jahr­ hunderts von Bordeaux nach Mulegns zurück­ kehrte und sich dort mit einer schneeweissen dreistöckigen Villa selbst ein Denkmal setzte. Heutzutage gibt es das Gebäude immer noch. Es steht unter Denkmalschutz. Dennoch musste es weichen – wenn auch nur um ein paar Meter. In einer einzigartigen Aktion wurde das Gebäude im vergangenen August versetzt, damit der Stras­ senverkehr besser laufen kann. Denn in der ext­ rem engen Gasse wurde die Villa immer wieder durch Fahrzeuge beschädigt. Allein diese Mass­ nahme kostete 5,6 Millionen Franken. Der Bau des Turms wird laut Giovanni Netzer rund 3,5 Millionen Franken kosten. Dafür entsteht eine der höchsten Bauten, die je im 3D-Verfahren von Robotern gedruckt wurden. Auf einem Sockel ste­ hend, kommt das Bauwerk insgesamt auf 23 Me­

ter Höhe; der Durchmesser des Turms wird unten, an seiner breitesten Stelle, neun Meter betragen. Konstruiert wird das Ganze aus vorgefertigten 3D-gedruckten Elementen, die insgesamt aus mehr als 4.000 Druckschichten beste­ hen – wobei jede Druckschicht 5 Milli­ «Wenn wir davon meter hoch und 20 Millimeter breit ist. ausgehen, dass wir Läuft alles nach Plan, wird im April 2022 bis 2050 eine Vereine öffentliche Baustelle eingerichtet. «Nicht das Werk von ausgeflippten Kreativen»

doppelung des Wohnungsbaus verzeichnen werden, ist der 3D-Druck die Chance, dem zu begegnen.»

Jedermann soll dabei zusehen können, wie ein Roboter den weissen Beton Schicht für Schicht aufträgt. Für eine drei Meter hohe Säule benötigt er gera­ de einmal zwei Stunden. Fünf Jahre nach Prof. Benjamin Dillen­ Fertigstellung soll der Turm zerlegt und burger, ETH Zürich an anderer Stelle aufgebaut werden. Ein ausgefeilter und durchdachter Plan, der jedoch die Vorstellungskraft vieler Menschen sprengt. Wie das Ganze im kommenden Jahr tatsächlich mittels eines druckenden Roboters Wirklichkeit


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werden soll, beschäftigte auch den Bundespräsidenten anlässlich der Projektvorstellung. «Ich muss zugeben, ich kann mir noch nicht vorstellen, wie der Turm im nächsten Jahr in Originalgrösse gedruckt werden soll», sagte Guy Parmelin. Doch sei er sicher, dass die geplante Konstruktion in 3D grosse Chancen beinhalte und das Bauen auf der ganzen Welt komplett verändern werde. Davon ist

Blick in das Treppenhaus und auf die Bühne im Weissen Turm

auch der Bündner Regierungspräsident Mario Cavigelli überzeugt, der sehr eindrückliche Worte fand: «Das ist nicht der letzte Schrei eines ausgeflippten Kreativen. Es ist das Aufmucken einer Baustofftechnologie, die ihren Weg in die Welt noch schneller antreten wird, als mancher es heute erahnt.» Tatsächlich sorgt eine interdisziplinäre Gruppe von Professoren der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich mit ihren Forschungsergebnissen zu neuen Formen und Materialien für Immobilien dafür, dass dieser Turm entstehen kann. Alles, was Architekten, Materialforscher, Bauingenieure, Maschinenbauer und Geomatiker zusammengetragen haben, soll der Turm beispielhaft zeigen und zugleich den Weg weisen, wie nachhaltige, materialsparende und kreislauffähige Bauweise zukünftig aussehen könnte. Denn tatsächlich ermöglicht es die Bauweise mittels 3D-Druck, komplexe Geometrien herzustellen und den Beton genau dort einzusetzen, wo er für die Tragstruktur auch benötigt wird. Weil zudem die Schalung entfällt, kommt der Weisse Turm von Mulegns insgesamt mit weniger Rohmaterialien aus. Und durch die Fertigung vor Ort reduziert sich der Transportaufwand auf ein Minimum.


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ETH als Schrittmacher Entworfen und geplant wurde der Turm von Benjamin Dillenberger, Professor an der ETH Zürich, und Michael Hansmeyer von der Forschungsgruppe Digitale Bautechnologien in Zusammenarbeit mit der Stiftung Fundaziun Origen, die Giovanni Netzer 2007 gegründet hat. Neben Dillenburger und Hansmeyer gibt es noch weitere ETH-Professoren, die fundamentale Arbeit geleistet haben, um das aussergewöhnliche Projekt Wirklichkeit werden zu lassen: Mit Robert Flatt, Walter Kaufmann und Andreas Wieser sind drei weitere ETHProfessoren des Nationalen Forschungsschwerpunkts Digitale Fabrikation beteiligt. Walter Kaufmann arbeitet an der Tragstruktur und den Verbindungen der gedruckten Betonelemente, Andreas Wieser an der Vermessung und Formkontrolle und Robert Flatt an der Betonmischung, sozusagen der «Tinte» für den 3D-Drucker. Bei der Präsentation des Projekts im Juni schilderte der Professor für Physikalische Chemie von Baustoffen an der ETH Zürich sehr plastisch, was es mit dieser «Tinte» auf sich hat. «Als man mich vor Jahren ansprach mit der Bitte, einen Beton zu entwickeln, der keine Schalung benötigt, war das so, als ob Sie mich gefragt hätten: Können Sie aus

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Bauwirtschaft 11 diesem schalen Bier einen guten Wein machen?» Doch Flatt nahm die Herausforderung an und fand einen Weg, aus normalem Beton digitalen Beton zu machen. «Das Wichtigste ist, dass der Beton nicht zu früh aushärten darf. Er muss vielmehr so flüssig bleiben, dass er ge- «Das Wichtigste ist, pumpt werden kann», so Flatt. «Härtet dass der Beton nicht er zu schnell, bindet er auch die nächsten zu früh aushärten Schichten beim Druck nicht.» Die Erfahrungen, die die ETH und ihre darf. Er muss vielWissenschaftler beim Druck des Turms mehr so flüssig sammeln können, werden wertvoll für bleiben, dass er künftige Projekte sein und dazu beitragepumpt werden gen, die Probleme von heute und morgen in den Griff zu bekommen, ist Benjamin kann.» Dillenburger überzeugt. «Gut 30 Prozent Prof. Robert Flatt, allen verbrauchten Materials weltweit ETH Zürich sind Baumaterialien. Allein die Zement­ herstellung ist weltweit für fünf Prozent der CO2Produktion verantwortlich», sagt der Professor für digitale Bautechnologien. «Wenn wir davon ausgehen, dass wir bis 2050 eine Verdoppelung des Wohnungsbaus verzeichnen werden, ist der 3D-Druck die Chance, dem zu begegnen.» Der Baustart für den Weissen Turm in Mulegns ist für April 2022 vorgesehen. •


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Aus dem Labor auf die Baustelle Bauwirtschaft – Wer Bauroboter sehen will, muss nicht zwingend nach Fernost blicken. Im internationalen Vergleich hat auch die Schweiz die Nase weit vorn – dank ihrer renommierten Forschungseinrichtungen. Wie sich die Robotik in der Praxis bewährt, beschäftigt die Baubranche derzeit intensiv. Von Anja Hall

Wer durch eine japanische Grossstadt schlendert und die unzähligen Baustellen betrachtet, dem fällt auf: Dort arbeiten sehr viele Maschinen, aber nur sehr wenige Menschen. In der Tat erlebt die Bauwirtschaft in Japan eine wahre Automatisie­ rungswelle. Laut einem Bericht der «Japan Times» stehen die grossen Baufirmen des Lan­ des vor einem massiven Problem: Sie werden bis zum Jahr 2025 weit über eine Million Bau­ arbeiter weniger haben als noch 2014; 81 Prozent der Um- Hauptgrund ist die alternde Bevölke­ rung. frageteilnehmer der Das Fehlen der Arbeitskräfte wollen die ABB-Studie wollen in Firmen wettmachen, indem sie die Pro­ den kommenden duktivität steigern –mit technischer Hil­ zehn Jahren Roboter fe. Der Baukonzern Kajima etwa setzt einführen. auf seinen Baustellen unbemannte, au­ tomatisierte Muldenkipper, Planier­ raupen und Vibrationswalzen ein, die ein Bauarbeiter mithilfe eines Tablets steuert. Sein Wettbewerber Shimizu hat einen armförmi­ gen Roboter entwickelt, der Bewehrungsstangen anhebt und so die Arbeitskraft von drei Personen einspart. Baurobotik: In der Schweiz schon weit verbreitet Dass Fachkräfte fehlen, ist indes kein typisch ja­ panisches Phänomen; es betrifft viele andere Län­ der. Der Technikkonzern ABB liess zwischen Ap­ ril und Mai dieses Jahres eine weltweite Umfrage unter 1.900 Unternehmen der Baubranche durch­ führen. Ergebnis: Neun von zehn der befragten Firmen erwarten bis zum Jahr 2030 einen Fach­ kräftemangel. Um dem drohenden Engpass zu begegnen, setzen auch sie auf Automatisierung und Robotik: 81 Prozent der Umfrageteilnehmer kündigten an, dass sie in den kommenden zehn Jahren Roboter einführen wollen.

Wie die Studie weiter ergab, nutzen bislang nur 55 Prozent der befragten Unternehmen diese neuen Technologien. Anders in der Schweiz: Laut der ABB-Studie set­ zen 88 Prozent der 200 befragten Unternehmen hierzulande Roboter und Automatisierungstech­ nologie ein, das ist der höchste Wert aller Länder in der Befragung. In den USA nutzen nur 30 Pro­ zent der Unternehmen die Möglichkeiten der Ro­ botik, in den Nachbarländern Italien (59%), Frank­ reich (45%) und Österreich (53%) ist die Lage kaum besser; in Deutschland sind es bereits 75 Prozent. Vom Einsatz von Robotern und Automatisierungs­ technologien versprechen sich die Unternehmen eine ganze Reihe von Vorteilen – insbesondere eine Verbesserung von Gesundheit und Sicherheit ihrer Mitarbeitenden, die Gewährleistung einer gleichbleibenden Qualität, mehr Möglichkeiten für die Gebäudeplanung, weniger Materialverschwen­ dung – und nicht zuletzt eine bessere Arbeitspro­ duktivität sowie höhere Gewinnmargen. Die hohe Zahl von 88 Prozent macht zunächst stut­ zig, aber Zafer Bakir, Leiter Digitalisierung beim Schweizerischen Baumeisterverband, hält sie nicht für abwegig: «Man sollte sich nicht vorstel­ len, dass auf Schweizer Baustellen schon huma­ noide Roboter unterwegs sind», sagt er im Ge­ spräch mit dem INNOVATION Magazin. «Auch ein ganz normaler, menschenhandgesteuerter Bau­ bagger gehört per definitionem zu den sogenann­ ten teleoperierten Baurobotern – und davon ste­ hen viele auf den Baustellen hierzulande.» Auch im Modulbau finde man immer häufiger Au­ tomatisierungstechnologien. Hier ist Bakir zufol­ ge eine Standardisierung und Automatisierung besonders gut möglich. Und je mehr modular ­gebaut werde, desto mehr setze sich auch die ­Robotik durch. Der Digitalisierungsexperte beob­ achtet, dass viele Mitgliedsunternehmen des Bau­ meisterverbands derzeit den Einsatz von Bauro­ botern testen und geeignete Anwendungsfelder suchen. ETH-Forscher treiben Entwicklung voran Dass die Baurobotik schon so weit verbreitet ist, liegt nicht zuletzt an der Eidgenössischen Tech­ nischen Hochschule (ETH) Zürich, die in diesem Bereich als führend in der Forschung und Ent­


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© Hilti

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wicklung gilt. Schon 2017 haben Forscher und Forscherinnen der ETH gemeinsam mit Partnern aus der Wirtschaft das dreigeschossige DFAB House auf einer der Plattformen des NEST-Gebäudes der Empa und Eawag in Dübendorf gebaut. Es war nach Angaben der Hochschule das weltweit erste Haus, das weitgehend mit digitalen Prozessen entworfen, geplant und gebaut wurde. Mehrere innovative Bauverfahren wurden dabei einem Praxistest unterzogen, darunter die MeshMould-Technologie, wobei der an der ETH entwickelte, zwei Meter grosse Bauroboter «In situ Fabricator» ein Stahldrahtgitter fertigte, das sowohl als Schalung als auch als Bewehrung für den Beton diente. Für die Fassade des Basisgeschosses wurde ein automatisiertes robotisches Gleitschalungsverfahren erprobt, das massgeschneiderte Fassadenpfosten aus Beton fabrizierte. Und die beiden oberen Stockwerke mit Einzelzimmern wurden von kollaborierenden Robotern als Holzbau vorgefertigt. Kleinroboter auf dem Vormarsch Derzeit regen mobile Kleinroboter die Phantasie vieler Bauunternehmen an: Der vierbeinige «ANYmal» beispielsweise, den die ETH-Ausgründung ANYbotics entwickelt hat, hat die Grösse eines kleinen Hundes. Er kann laufen, Treppen steigen und in schwierigem Terrain klettern, zudem haben die Erfinder ihn mit Sensoren wie Wärmekameras

Der «Jaibot» des Werkzeugherstellers Hilti im Einsatz

und 3D-Scannern ausgestattet. Er soll künftig etwa Industrieanlagen oder Kanalisationen inspizieren und überwachen sowie gefährliche Wartungsaufgaben übernehmen. Im Rahmen eines Testprojekts hat er bereits eigenständig in der Kanalisation Zürichs gearbeitet; «Roboter sollen doch kooperiert ANYbotics auch bereits den Menschen mit Unternehmen aus der Baubranche nicht ersetzen, und der Energiebranche, wie Péter Fankhauser, Mitgründer und CEO von ANY- sondern ihm dabei botics, mitteilt (s. hierzu auch Nachricht ­helfen, repetitive, S. x). monotone und «Ein solcher Rover könnte etwa bei der auch gesundheitsBauüberwachung eingesetzt werden», sagt Bakir. Der Kleinroboter könne etwa schädliche Aufgaben einen Abgleich vornehmen zwischen zu erledigen.» dem Ist-Zustand auf der Baustelle und dem BIM-Modell – und allfällige Abweichungen melden. Weitere Einsatzbereiche wären etwa Qualitäts- und Sicherheitskontrollen. Bis die Rover jedoch zum Standard auf den Baustellen werden, dürften einige Jahre ins Land ziehen. «Die Kleinroboter kosten derzeit noch sehr viel Geld, es braucht daher eine bestimmte Unternehmensgrösse und ein bestimmtes Geschäftsmodell, damit sich eine so hohe Investition für ein Unternehmen lohnt», sagt Bakir. Anwendungsfälle sieht der Digitalisierungsexperte derzeit vor allem bei grossen Projekten im Infrastrukturbau, aber auch beim Bauen am Hang oder am


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© Gramazio Kohler, Research ETH Zürich

Bauwirtschaft 14

Der «In situ Fabricator» baut eine Wand mithilfe der Mesh-MouldTechnologie.

Berg, also in potenziell gefährlichen Umgebungen. Je weiter die Technologie voranschreite, desto mehr Einsatz dürften die Rover finden, ist Bakir überzeugt. Entlastung für die Bau-Teams Einen Roboter, den man dagegen schon in naher Zukunft häufiger auf den Baustellen antreffen könnte, ist der « Hilti Jaibot» des Werk«Branchenfremde zeugherstellers Hilti. Der semi-autonoPlayer werden neue me, mobile Baustellenroboter wurde im Robotikansätze Oktober 2020 erstmals der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Er wurde spezieinbringen.» ell für Deckenbohrungen konstruiert und soll vor allem Installationsarbeiten, unter anderem im Heizungs-, Klima- und Lüftungsbau, bei grossen Bauten wie Bürogebäuden oder Krankenhäusern erleichtern. Der Bohrroboter arbeitet auf Basis von BIM-Daten (Building Information Modeling) und kann sich in Innenräumen akkurat ausrichten, Löcher bohren und diese für die verschiedenen Gewerke markieren. Navigiert wird «Jaibot» per Fernsteuerung. Bei der Entwicklung des Roboters habe man einen Ansatz gewählt, der auch in der Softwareentwick«ANYmal» von lung zur Anwendung komme, berichtet Rüdiger ANYbotics kann sich Wagner, Head of Open Technology Innovation and auf vier Beinen auch in schwierigem Robotics bei Hilti. «Wir haben zuerst nur eine Terrain autonom Funktion, die unsere Kunden gut gebrauchen könbewegen.

nen, zügig auf den Markt gebracht. Im zweiten Schritt entwickeln wir das Produkt gemeinsam mit den Kunden weiter.» Dabei sollen vor allem Erfahrungen aus dem Praxiseinsatz auf der Baustelle einfliessen. «Denn man kann sich am Schreibtisch viel ausdenken, die Realität sieht immer anders aus», sagt Wagner. Arbeiten, die über Kopf ausgeführt werden müssen, gelten als besonders belastend und anstrengend, daher ist bei Hilti die Wahl auf eine Anwendung gefallen, welche die Arbeitskräfte genau davon entlastet. «Roboter sollen den Menschen nicht ersetzen, sondern ihm dabei helfen, repetitive, monotone und auch gesundheitsschädliche Aufgaben zu erledigen», sagt Wagner. Er ist überzeugt, dass es in den nächsten Jahren zu einer «signifikanten Zunahme» der Robotik auf der Bauwirtschaft kommen wird. Auch Zafer Bakir, der Digitalisierungsexperte des Schweizerischen Baumeisterverbandes, ist sicher, dass die Bauroboter in einigen Jahren nicht mehr wegzudenken sein werden von den Baustellen: «Wir werden sehen, dass die Maschinen, die es heute schon auf den Baustellen gibt – also etwa Bagger – immer intelligenter werden. In einem nächsten Schub dürften Rover und andere Kleinroboter häufiger eingesetzt werden.» Das könnten etwa auch Drohnen sein, die über Baustellen fliegen und Daten sammeln. Parallel dazu werde das modulare Bauen zunehmen, und damit auch die Automatisierungstechnologie.

© ANYbotics

Neue Robotikansätze Langfristig erwartet Bakir, dass branchenfremde Player neue Robotikansätze in die Branche bringen werden. «Zugegeben, das ist sehr weit in die Zukunft gedacht. Aber wenn wir sehen, in welchen Bereichen Risikokapitalgeber investieren und was etwa beim NEST in Dübendorf geforscht und entwickelt wird, dann ist das die Richtung, in die es gehen wird.» ∙


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Projektentwicklung 16

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«Ohne BIM keinen Auftrag» Projektentwicklung – Building Information Modeling revolutioniert Planungs- und Bauprozesse. Doch fordert die neue Bau­ methode auch von allen Beteiligten ein konsequentes Umdenken, solidarisches Miteinander und kontinuierliches Lernen. Eine Herkulesaufgabe für Bauherren, ­Projektentwickler und Architekten. Von Susanne Osadnik – Fotos: zVg

Für die Schweiz war es ein Pilotprojekt – ein wegweisendes, wie sich bald herausstellen sollte. Ohne die deutlichen Worte von Jean Luc Perrin wäre seine Realisierung vermutlich aber gar nicht möglich gewesen wäre. Denn als Mitglied der Spitaldirektion fand Perrin von Anfang an deutliche Worte, als es um den Neubau des Felix-PlatterSpitals in Basel und die Ausschreibung des Wettbewerbs für diesen Grossauftrag ging. Die schlichte und eindrückliche Botschaft «Man setzt vor des Diplom-Ingenieurs, der als interner allem während des Projektleiter verantwortlich für das Bauvorhaben zeichnete, lautete: «Ohne BIM ­Planungsprozesses keinen Auftrag.»

auf das Know-how aus Vergleichsprojekten und auf enge Zusammenarbeit der Beteiligten.»

Gelungenes Pilotprojekt

Das Kürzel BIM steht für Building Information Modeling, eine Arbeitsmethode für vernetzte Planung sowie Bau und Bewirtschaftung von Gebäuden mithilfe Tamara Bott, Drees & von Software – und der inzwischen verSommer Schweiz storbene Spitalmanager war überzeugt, dass man mit dieser Vorgehensweise Kosten und Zeit bei Bau und Planung sparen und später auch den Gebäudebetrieb besser steuern kann. Jean Luc Perrin sollte recht behalten: Denn BIM erlaubt nicht nur die Integration und Nutzung aller notwendigen Daten über alle Projektphasen hinweg – die Informationen können nach der Fertigstellung auch ins Facility Management überführt und kontinuierlich abgeglichen und fortgeschrieben werden. Der Entwurf, der dafür den besten Ansatz lieferte, war bezeichnenderweise das «Hand in Hand»Projekt der Architekturbüros Wörner Traxler Richter Planungsgesellschaft mbH aus Frankfurt am

Main und Holzer Kobler Architekturen aus Zürich, die im Dezember 2014 den Auftrag für den Bau des neuen Spitals erhielten. Damals war das Votum des Beurteilungsgremiums einstimmig: «Das Projekt überzeugt mit einer subtilen städtebaulichen Haltung sowie der geforderten Wirtschaftlichkeit in der Erstellung wie auch im Betrieb. Es weist das beste Preis-Leistungs-Verhältnis auf.» Inzwischen sind immer mehr Spitäler dem Beispiel von Felix Platter gefolgt. Denn der Kostenund der Wettbewerbsdruck sind erheblich und setzen das Gesundheitswesen sowie die Kliniken unter Sparzwang. Gleichzeitig steigen die Ansprüche an Bauökologie, Ästhetik und Architektur. Alle Projektbeteiligten sind gefordert Besser, schöner, nachhaltiger und trotzdem kostengünstiger? Um der Quadratur des Kreises gerecht zu werden, bedarf es immer häufiger der Fachleute, die sich nicht nur mit traditionellen Bauprozessen auskennen, sondern auch mit zeitgemässen Techniken und Technologien. Am Universitätsspital Basel (USB), das zurzeit mehrere Neubau- und Ausbauprojekte plant, kommt daher auch BIM zum Einsatz. Die Entwicklung des Areals gilt zurzeit als wichtigstes Infrastrukturvorhaben des USB – vor allem deshalb, weil es die Vernetzung der benachbarten Areale Schällenmätteli und Universität mit dem Campus entsprechend dem Masterplan Campus Gesundheit vorsieht. Das übergeordnete Ziel: Forschung, Lehre und medizinische Dienstleistung besser miteinander zu verbinden. «Um das zu gewährleisten, setzt man vor allem während des Planungsprozesses auf das Know-how aus Vergleichs­projekten und auf enge Zusammenarbeit der Beteiligten», erklärt Tamara Bott, Projektmanagerin bei Drees & Sommer Schweiz. Das international aufgestellte Beratungsunternehmen im Bau- und Immobiliensektor begleitet derzeit mehrere Spitalprojekte in Zürich, Basel und Bern. Jedoch sei jedes Bauprojekt ein individuelles Unterfangen, sagt Bott: «Man kann die Erkenntnisse und Erfahrungen aus einem Projekt nicht eins zu eins auf neue Bauvorhaben übertragen», so Bott.


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BIM ist keine Schablone, die sich einfach überstülpen lässt. Vielmehr ist es eine Methode, die Planungsabläufe im Baugewerbe komplett verändert – und damit auch alle Beteiligten auf nie gekannte Art zur Zusammenarbeit fordert. Alle Arbeitsabläufe von Architekten, Tragwerksplanern oder Fachplanern müssen neu koordiniert werden. Dank BIM kann ein Projekt vollständig virtuell durchgeplant werden, was nicht zuletzt Kosten spart. Denn Schwierigkeiten, die sich vielleicht sonst erst auf der Baustelle ergeben, können im Vorfeld erkannt und bereits im Planungsprozess behoben werden. Ein weiterer Pluspunkt: Wenn in der Projektierung bereits konkrete Vorgaben aus dem Informationsbedarf des Betriebs einfliessen, können diese nach Fertigstellung direkt in die Systeme des Facility Managements übernommen werden. Damit das klappt, müssen alle Verantwortlichen vollständig umdenken und sich von ihren bisherigen Herangehensweisen verabschieden. Das passiert nicht von heute auf morgen, weiss auch Patrick Pick aus langjähriger Erfahrung. «Es ist ein stetiger Prozess, der auf kontinuierlichem Lernen basiert», so der Projektmanager von Drees & Sommer. «Wenn man allen Beteiligten die Sorge nimmt, Fehler zu machen und stattdessen eine offene und ehrliche Fehlerkultur praktiziert, aus der man lernen kann, ist das schon der erste Schritt zu mehr Miteinander.»

Bei den Neubau- und Ausbauprojekten des Basler Universitätsspitals kommt BIM zum Einsatz.

Projektentwicklung 17 Flexible Denkweisen müssten genauso reifen wie neue Formen der Kommunikation, die die Grundvoraussetzung für das Gelingen von BIM sind. Auch das Bewusstsein, dass alle gemeinsam bis zur Fertigstellung eines Bauvorhabens in einem Boot sitzen, sei enorm wichtig. «Häufig sind den Projektbeteiligten ihre Rollen «Durch BIM wurde noch nicht bewusst», sagt Pick. «Wir auch die Tür für machen im Rahmen unserer Arbeit daweitere digitale her immer wieder darauf aufmerksam, Prozesse geöffnet, dass alle Projektbeteiligten gleichermassen aktiv an Planungsprozessen dadurch konnten teilnehmen müssen und ein wichtiger sich wiederholende, Teil des gesamten Ablaufes sind.» zeitintensive Pro­ Je mehr im Vorfeld geklärt werde, desto zesse erheblich besser könne man auch die Bauherren von ihrem Engagement überzeugen, ist ver ­bessert werden.» Tamara Bott überzeugt: «Man muss den Jochen Köhler, Sinn und Zweck bestimmter Prozesse Implenia AG genau erklären und darlegen, welche Informationen zu welchem Zeitpunkt geliefert werden müssen. Dann erspart man allen Beteiligten später langwierige Diskussionen.» Unabdingbar: eine exakte Zieldefinition Mit ein Grund, warum BIM in der Praxis noch nicht so flächendeckend zum Einsatz kommt, ist aber gerade die frühe Festlegung und auch Offenlegung aller Informationen und Ideen. Kann ich später noch etwas ändern? Oder schränke ich mich


Projektentwicklung 18

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Das Universitätsspital Basel soll Forschung, Lehre und medizinische Dienstleistung optimal verbinden.

durch frühzeitige Planungen nicht ein? Das sind neben rechtlichen Fragen die grössten Vorbehalte gegenüber der neuen Methodik. Aber auch Eigentumsaspekte sind noch nicht hinreichend geklärt und werden häufig diskutiert: Wem gehören die digitalen Bauwerksmodelle? Dem Ingenieur, dem Architekten oder dem Auftraggeber? Da BIM-Modelle aus Daten bestehen, die aufgrund fehlender Körperlichkeit nicht als Sache gelten, gehen die Meinungen, ob überhaupt Eigentumsrechte an Daten zu erheben «Es ist ein sind, auseinander. Dennoch sollten sich alle Beteiligten vor Projektstart darüber stetiger Prozess, verständigen, rät Huber, Leiter des Insder auf kontinuier­ tituts Digitales Bauen an der Fachhochlichem Lernen schule Nordwestschweiz FHNW, in ei­basiert.» nem Fachartikel: «Es empfiehlt sich, soweit wie möglich schon bei ProjektbePatrick Pick, ginn konkret zu definieren, zu welchem Drees & Sommer Zweck digitale Bauwerksmodelle genutzt werden sollten und welche Ziele damit zu erreichen sind. Building Information Modeling als Zweck zu nennen reicht nicht. Vielmehr führt eine fehlende Zieldefinition dazu, dass die digitalen Bauwerksmodelle den gewünschten Nutzen nicht ermöglichen.» Deutlicher Wettbewerbsvorteil Wer indes rechtzeitig die wichtigsten Fragen klärt, über professionelle Mitarbeiter verfügt und auf Projekterfahrungen zurückgreifen kann, hat nach Ansicht von Fachleuten bereits heute einen Wettbewerbsvorteil. Denn immer mehr Unternehmen freunden sich mit der BIM-Methode an. Das sieht man auch bei Implenia so. Der multinational agierende Baudienstleister profitiert bereits vom digitalen Wandel und von Trends in der Bau-

industrie, indem er Raum schafft für neue Ideen und Lösungsansätze: Nach eigenen Angaben wurde schon 2019 gruppenweites Vorgehen definiert, dessen Ziel es ist, einen einheitlichen digitalen BIM-basierten Prozess über die ganze Wertschöpfungskette hinweg zu etablieren. Ein globales BIMTeam habe Anwendungsfälle weiterentwickelt, die zum Teil divisionsübergreifend erprobt würden. Lokale BIM-Experten unterstützten die Projektteams in der Anwendung. Darüber hinaus hätten die Divisionen Buildings, Development und Civil Engineering jeweils ein eigenes BIM-Core-Team etabliert. Durch die geplante Kombination von BIM und Lean Construction sei Implenia in der Lage, Prozesse und Daten effizient miteinander zu verknüpfen und Informationen über den kompletten Lebenszyklus eines Bauwerks zu verwalten. Dass BIM die Wettbewerbsfähigkeit von Implenia stärke, werde bereits über Aufträge wie die Entwicklung des Stadtviertels Lokstadt in Winterthur oder den Varbergtunnel in Schweden deutlich. Nun gehe es zunehmend darum, alle Prozesse flächendeckend zu digitalisieren. BIM verbessere nicht nur die Effizienz und die Qualität der Projekte, sondern fördere auch die Kollaboration unter den Kollegen. «In der Division Buildings und Civil Engineering haben wir bereits neue Ideen umsetzen können. Und auch der Kontakt zum Kunden hat sich verändert: Wir arbeiten intensiver und vertrauensvoller zusammen», heisst es im Geschäftsbericht 2019. Beispiel Varbergtunnel: «Die Kollaboration und Planungskoordination wurde durch den Einsatz von BIM erheblich vereinfacht. Bei Varberg arbeiten sehr viele verschiedene Fachplaner an einem Grossprojekt zusammen. Das ist nur durch BIM möglich», erläutert Jochen Köhler, Global Head BIM bei Implenia. «Durch BIM wurde auch die Tür für weitere digitale Prozesse geöffnet, dadurch konnten sich wiederholende, zeitintensive Prozesse erheblich verbessert werden. Varberg ist ein Beispiel, dass die Digitalisierung funktioniert und im Bauwesen immer mehr kommen wird.» Auch beim nächsten anstehenden Projekt, dem Bau des Tunnels Lyon-Turin, könnten Planungskoordination und Kollaboration ähnlich angewendet werden, ist Köhler sicher: «Einige Prozesse, etwa der Bewehrungseinbau aus Varberg, sind auch schon in anderen Projekten im Einsatz.» Und auch die «papierlose Baustelle», mit der man beim Varbergtunnel gute Erfahrungen gemacht habe, lasse sich gut auf andere Projekte übertragen. ∙


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Innovationen bei Bouygues Energies & Services Bei Bouygues Energies & Services ist die Innovationskultur ein integraler Teil der Unternehmens-DNA. Getreu ihres Claims «Shared Innovation» entwickelt die global tätige Unternehmensgruppe gemeinsam mit Mitarbeitenden, Partnern und Kunden intelligente Lösungen, die Mehrwerte schaffen und schon heute Antworten auf die Zukunftsfragen bieten. Von zentraler Bedeutung ist dabei die interne Forschungsund Entwicklungsorganisation, welche als Impulsgeber wirkt und den internationalen Austausch von Know-how zwischen der Gruppe garantiert. Neue Methoden, Tools und Services werden im Rahmen von regelmässig stattfindenden Workshops mit den Konzernschwestern geteilt und kollaborativ weiterentwickelt. Diese interdisziplinäre Vernetzung über Landesgrenzen hinweg schafft Synergien sowie neue Perspektiven. Eine strategische Achse für die kommenden Jahre liegt insbesondere auf den Bereichen Smart Building

und Smart City. Auf Grundlage unserer Kernkompetenzen in den Bereichen Security, Automation und ICT beschäftigen wir uns mit der Konvergenz zwischen konventioneller Automation und ICT-Lösungen. Dafür entwickeln wir Prototypen von Building Operating Systems (BOS), welche unter Einbindung unterschiedlichster Systeme und auch des «Internet der Dinge» (IoT) entstehen. Über die Verknüpfung und den Abgleich von Daten, Sensoren und Prozessen wird eine erhebliche Verringerung des Ressourcenverbrauchs bei gleichzeitiger Verbesserung des menschlichen Komforts, bzw. der Wirtschaftlichkeit im Unterhalt ermöglicht. Unabhängig davon, ob der Energieverbrauch nachhaltig gesenkt, die Sicherheit erhöht, der Komfort verbessert oder eine bessere Auslastung ihrer Immobilien angestrebt werden soll: Bouygues Energies & Services ist stets darauf bedacht, innovative, zukunftsfähige und wertsteigernde Lösungen zu entwickeln und ihren Kunden zugänglich zu machen.

Gelebte Innovation am Beispiel der IAA Die Internationale Arbeitsamt (IAA) in Genf residiert in einem der grössten Gebäude der Schweiz. Gearbeitet wird täglich rund um die Uhr. «Während der Renovation des Gebäudes haben wir die Elektroinstallationen und die Automatisie­ rung für die 1500 Arbeitsplätze vorgenommen. Für die Wartung in den Büros (Heizung, Klima­ anlage, Jalousien, Beleuchtung etc.) bleibt nur wenig Zeit. Dank unserer Technikauswahl sind wir Marktführer und können eine Lösung anbieten, bei der nicht mehr jedes Büro einzeln verwaltet wird, sondern jede Etage über eine zentralisierte

intelligente Verwaltung verfügt. Dank dieser innovativen Herangehensweise konnte Bouygues Energies & Services die Zahl der erforderlichen Geräte zur Steuerung der Anlagen erheblich reduzieren. Um den Auftrag zu erhalten, haben wir Produkte aus der Industrie in die Gebäude­ verwaltung eingeführt. Jetzt gehen alle Alarme des Gebäudes, also von rund 300 000 Über­ wachungspunkten, in einem zentralen Hypervisor ein», erläutert Jean-Marie Zimmer, Leiter der Abteilung Sicherheit & Automatisierung in Prilly.

Das Gebäude des internationalen Arbeitsamts der Vereinten Nationen in Genf.

Die Büros werden nicht einzeln verwaltet sondern über eine zentralisierte intelligente Steuerung.

bouygues-es.ch


Projektentwicklung 20

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Fortschritt ist, im Kreis zu denken Kreislaufwirtschaft – Immer mehr Schweizer Städte feilen an Konzepten für die Vermeidung von Abfall, mit mehr oder weniger Erfolg. Die Bauindustrie ist schon einen grossen Schritt vorangekommen. Im Herbst geht ein erstes Aufbereitungszentrum für Bauabfälle in Betrieb – und der erste CO2speichernde Beton ist bereits seit diesem Frühjahr im Einsatz. Von Susanne Osadnik – Fotos: zVg

In der Schweiz legt man viel Wert auf Sauberkeit und Ordnung und ist stolz auf seine intakte Natur. Leider passen die jüngsten Zahlen der OECD zur weltweiten Abfallproduktion so ganz und gar nicht zu diesem Image: Vielmehr war das Land 2019 der viertgrösste Abfallproduzent Europas – mit mehr als 707 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Den Löwenanteil daran machen die Einwegverpackungen aus Kunststoff oder anderen Materialien aus. Grosses Verbesserungspotenzial Alle Städte in der Schweiz haben mit wachsenden Müllbergen zu tun und müssen neben der Entsorgung von Haushaltsabfällen auch die zunehmenden Abfälle im Take-away-Bereich «Die Städte sollten in bewältigen. Gleichzeitig sind sie gefordert, Konzepte für Abfallvermeidung zu ihrem Einflussbe- entwickeln und dazu beizutragen, den reich Einwegverpa- Einsatz von Mehrwegsystemen in ihrem ckungen zur Ausnah- Einflussbereich zu fördern. me und Mehrweg zur Wie gut oder schlecht das klappt, hat Greenpeace Schweiz kürzlich unterRegel machen.» sucht: Im Rahmen einer VergleichsstuFlorian Kasser, die wurden die bisherigen Massnahmen Greenpeace Schweiz der 15 bevölkerungsreichsten Kantonshauptstädte zur Förderung von Mehrweglösungen untersucht – insbesondere bei Veranstaltungen, in der Gastronomie und in der Bevölkerung. Das Ergebnis: Basel und Bern führen in vielen Bereichen das Ranking an. Fribourg und St. Gallen sind auf gutem Weg, während Zug, Chur, Frauenfeld, Schaffhausen und Zürich beispiels-

weise bei der Nutzung von Mehrweggeschirr bisher keine nennenswerten Anstrengungen unternommen hätten. Greenpeace Schweiz fordert daher die Städte auf, eine umfassende Strategie zu entwickeln, um sicherzustellen, dass alle Aktivitäten im öffentlichen Raum nur mit wiederverwendbaren Materialien durchgeführt werden, ohne auf falsche Lösungen wie Ersatzmaterialien (Papier, Karton, Bioplastik) zurückzugreifen. Um die Umwelt und das Klima zu schonen, sei es dringend notwendig, alle Formen von Einweg durch Mehrweg zu ersetzen. «Die Städte sollten in ihrem Einflussbereich Einwegverpackungen zur Ausnahme und Mehrweg zur Regel machen», sagt Florian Kasser, Zero-WasteExperte von Greenpeace Schweiz. Offenbart die Studie grundsätzlich grosses Verbesserungspotenzial, sehen die Umweltaktivisten vor allem die Stadt Zürich in der Pflicht, ihre schlechte Bilanz beim Thema Mehrweg zu verbessern. Denn bislang sei eine stadtweite Umweltstrategie erst in Erarbeitung, ebenso eine Kreislaufwirtschaftsstrategie, die auch explizit das Thema Mehrweg beinhalten soll. Bei Veranstaltern werde das Thema zwar angesprochen; es existierten jedoch weder verbindliche Vorgaben noch städtische Angebote, die die Nutzung von Mehrweggeschirr und -bechern bei Veranstaltungen erleichtern, so Greenpeace. In städtischen Personalrestaurants und Cafeterias, aber auch bei Take-aways und Strassencafés sowie bei Pachtverträgen für Kiosk- und Take-away-Betriebe in städtischen Liegenschaften gebe es in Zürich ebenfalls keine verbindlichen Vorgaben für Mehrweglösungen. Überzeugungsarbeit statt Verbote Die wird es auch künftig nicht geben. Denn in Zürich hält man nicht viel von Geboten oder Verboten. Man setzt auf Überzeugungsarbeit, um Bürger, Unternehmen und Institutionen zum freiwilligen Mitmachen zu bewegen. Dazu wurde Anfang des


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ERZ-Pilotprojekt zur Kunststoffsammlung in Höngg und Schwamendingen

Jahres bei der Dienstabteilung Entsorgung und Recyling Zürich (ERZ) die «Gruppe Kreislaufwirtschaft» ins Leben gerufen, die sich künftig umfassend mit Abfallvermeidung und -verminderung beschäftigen soll. Mehr Angebote zum Wiederverwenden Einen der Schwerpunkte stellt dabei der Versuch dar, mehr Stoffkreisläufe zu schliessen. Etwa durch Recycling. «Viele Kunststoffe sind nicht recycelbar, weil sie aus miteinander verbundenen Kunststoffsorten bestehen oder aber stark verschmutzt sind», erklärt Andreas Lindau, Leiter der Gruppe Kreislaufwirtschaft. «Diese Hälfte nicht recycelbaren Kunststoffabfalls soll weiterhin im Kehrichheizkraftwerk Hagenholz verbrannt werden und Fernwärme liefern. Recyelbare Kunststoffe sollen aber wieder zu neuem Kunststoff werden können.» Mit dem Pilotprojekt zur Kunststoffsammlung im vergangenen Jahr habe die ERZ wertvolle Erkenntnisse gewonnen, berichtet Lindau: «Darauf müssen wir jetzt auf­ bauen.» Von Juni bis Dezember konnten die Anwohner und Anwohnerinnen in Höngg und Schwamendingen an mehr als einem Dutzend Standorten neben Glas und Kleinmetall auch Kunststoff entsorgen. Und sie nutzten das Angebot äusserst fleissig: Allein bis Anfang November konnten rund 60 Tonnen Kunststoff eingesammelt werden – gut 20 Prozent dessen, was sonst durchschnittlich als Abfall angefallen wäre.

Eigentlich eine gute Nachricht – wäre da nicht die besondere Herausforderung des enormen Volumens des Kunststoffs gewesen: Denn das ERZ musste die Anzahl der Sammelbehälter bereits kurz nach dem Teststart mehr als verdoppeln und den Kunststoff bis zu dreimal täglich abholen. «Um stadtweit eine geordnete Sammlung und Abholung gewährleisten zu «Wir wollen das können, müsste der Kunststoffabfall an jeder der 165 Wertstoffsammelstellen Bewusstsein förgesammelt und eventuell vor Ort ge- dern, dass man nicht presst, der ERZ-Fahrzeugpark erwei- alles wegwerfen tert, zusätzliches Personal angestellt muss, wenn es und die Wertstoffsammelstellen mit gedefekt ist, sondern eigneten Behältern ausgerüstet werden», sagt Lindau. «Ein enormer logis- vieles auch repariert tischer und finanzieller Aufwand.» Man oder geliehen werprüfe nun, ob die Sammlung von Kunst- den kann» stoffabfall in bestehende Logistikketten, Andreas Lindau, etwa des Detailhandels, integriert werEntsorgung und Recyling den könne, um Mehrkosten zu reduzieZürich (ERZ) ren und zusätzliche Fahrten im Stadtgebiet zu vermeiden. Dass es natürlich weitaus besser wäre, erst gar nicht so viel Abfall zu produzieren, weiss man auch in der ERZ. Daher sind Abfallvermeidung und die Förderung von Mehrwegsystemen ein wichtiger Schwerpunkt der Arbeit von Andreas Lindau und seinen Mitarbeitern. «Wir wollen das Bewusstsein fördern, dass man nicht alles wegwerfen muss, wenn es defekt ist, sondern vieles auch repariert


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oder geliehen werden kann», so Lindau. «Deshalb wollen wir Angebote zum Wiederverwenden oder zum Reparieren schaffen, etwa für Schuhe oder Möbel.» Dabei soll Zürich keine städtische Parallelindustrie werden, sondern mithilfe von Startups Ideen sammeln, Plattformen einrichten, über Angebote informieren und somit auch kleine Gewerbetreibende unterstützen, die entsprechende Dienstleistungen anbieten. Auch Gastronomie, Grossveranstalter und FoodAnbieter sollen mitmachen und möglichst nur noch Mehrweggebinde anbieten. Dafür könnten beispielsweise Unternehmer auch in einem Verzeichnis aufgeführt werden, in dem sich Verbraucher informieren können, wer bei der Müllvermeidung mitmacht. Aus Sicht von Andreas Lindau könnte dies für Unternehmen einen zusätzlichen Imagegewinn bedeuten. Eine weitere Idee: «Ich kann mir auch öffentliche Rückgabeautomaten vorstellen, in der die gebrauchte Plastiksalatschüssel landet, wieder gewaschen und weiterverwendet wird», so der Abfallspezialist. «Am Zürcher Bahnhof hat ein Unternehmen kürzlich einen Versuch mit einem Automaten für Coffee-to-go-Becher geMaterial ist startet. Wir sind gespannt, wie das von der Bevölkerung angenommen wird.»

«Jedes für sich wertvoll, aber im Gemisch ist es problematisch.»

Sortenreine Sekundärrohstoffe

Was in Zürich innerstädtisch im Kleinen Patrick van der Haegen, angedacht wird, ist in Oberglatt schon Eberhard Unternehmungen seit Längerem im Grossen in der Umsetzung. Mit dem Aufbereitungszentrum für Bauabfälle EbiMIK (Eberhard – Materialien im Kreislauf) hat die Bauindustrie den Wendepunkt von der reinen Recycling- zu einer echten Kreislaufwirtschaft geschafft. Im September wird das neue Zentrum mit einer Grundfläche von rund 20.000 Quadratmetern seinen Betrieb aufnehmen. Mit von der Partie: sechs «intelligente» Roboter, das Herzstück der Aufbereitungsanlage für Mischabbruch. «Mischabbruch ist ein Gemisch aus Beton, Backstein, Ziegeln, Gips, Holz, Glas, Metall oder Plastik. Jedes Material ist für sich wertvoll, aber im Gemisch ist es problematisch», erklärt Patrick van der Haegen, Leiter Entwicklung bei Eberhard Unternehmungen, die sich seit Jahrzehnten als Pioniere im Baubereich engagieren. «Die bisherige Aufbereitung erlaubt nur die Verwendung in Beton mit geringen Anforderungen. Die Materialien werden nicht gleichwertig verwendet. Das ist Downcycling.» Das neue EbiMIK hingegen sei komplett für Mischabbruch ausgelegt und setzte dazu auf eine neue Verfahrenstechnik: Zuerst wird sortiert, dann zerkleinert, danach befreien zwei Roboterlinien mit

je drei Greifarmen die mineralischen Stoffe von Fremdstoffen wie Plastik, Gips, Holz oder Leichtmetallen. Die künstliche Intelligenz der Roboter erkennt dabei die Materialien über Sensorboxen. Auf diese Weise könnten hochwertige, sortenreine Sekundärrohstoffe gewonnen und das Downcycling – sprich eine minderwertige Wiederverwendung – vermieden werden. Nicht nur aus Sicht des Familienunternehmens in dritter Generation ist das auch dringend nötig: Allein beim Rückbau von Gebäuden fallen in der Schweiz pro Jahr rund 7,5 Millionen Tonnen Bauabfälle an. Gemäss der Statistik des Bundesamts für Umwelt (Bafu) wurden im Jahr 2018 von insgesamt 17,5 Millionen Tonnen Rückbaumateria­lien knapp 12 Millionen Tonnen wiederverwertet. Ein grosser Teil der Materialien ist demnach noch nicht in einen Kreislauf einbezogen. Das gilt vor allem für den sogenannten Mischabbruch. Die Abfälle aus dem Rückbau von Gebäuden setzen sich gemäss Eberhard Unternehmungen aus zwei Dritteln Betonabbruch, aus einem Viertel Mischabbruch sowie ferner aus Bausperrgut zusammen. Mischabbruch werde heutzutage in aller Regel mittels Downcycling deponiert oder minderwertig wiederverwendet. Dank EbiMIK könne Mischabbruch nun zu neuen Wertstoffen aufbereitet und im Rohstofflager könnten bis zu 60.000 Tonnen dieser Sekundärrohstoffe gelagert werden, heisst es aus dem Unternehmen, das in diesem Jahr schon mit weiteren Innovationen für Schlagzeilen sorgte (s. auch Seite 4). zirkulit®-Beton statt Sand und Kies Bereits im Mai setzte das Traditionsunternehmen mit Sitz in Kloten neue Massstäbe mit der Lieferung des ersten Kubikmeters zirkulit®-Beton – dem ersten zirkulären Beton, der beim Bau von drei Mehrfamilienhäusern zu Einsatz kam. Dank einer von Eberhard entwickelten speziellen Rezeptur kann der Beton CO2 speichern und trägt so zur Nachhaltigkeit bei, büsst aber nichts von den statischen Fähigkeiten eines Primärbetons ein und kann für das ganze Haus verwendet werden. Dadurch können auch endliche Ressourcen von Sand und Kies geschont werden. Mit dem Einsatz von 1850 Kubikmeter zirkulit®-Beton könne die Bauherrin der Mehrfamilienhäuser rund 3.200 Tonnen Primärrohstoffe sparen. Zudem reduziere sich der CO2-Fussabdruck des Bauprojekts um 18.500 Kilogramm, sagt Patrick Eberhard, Bereichsleiter Baustoffe der Eberhard Unternehmungen. «Das Potenzial von zirkulit®-Beton ist gross. Theoretisch könnte die Bauwirtschaft in der Schweiz jährlich 7,5 Millionen Tonnen Abfall beseitigen und gleichzeitig über 42 Millionen Kilogramm CO2 im Beton speichern.»∙


Das Schweizer Immobilien-Portal

SCHWEIZER IMMOBILIENGESPRÄCHE

LOCATION :

KUNSTHA US ZÜRICH 84. Schweizer Immobiliengespräch

Innovative Stadtentwicklung: Wie Quartiere und Innenstädte lebendig erhalten werden Dienstag, 2. November 2021, 17.30 Uhr, Kunsthaus Zürich Sinkende Umsätze im Einzelhandel lassen die Mieten sinken und machen Neuvermietungen immer schwieriger. Einzelhandelsformate verändern sich, Anbieter steigen auf Multichannel-Strategien um und benötigen dadurch immer weniger physische Flächen. Abnehmende Fussgängerfrequenzen in den Innenstädten machen erfolgreiches Wirtschaften auch für andere Mieter schwieriger. Immer mehr stellt sich die Frage, wie Quartiere und Innenstädte lebendig gehalten werden können. Sollen diese für die Gemeinschaft wichtigen Treffpunkte nicht mittelfristig verwaisen, sind neue Ideen gefragt. Experten zeigen Ihnen · · · · ·

Wie sich Frequenzen, Mieten und Konzepte in Innenstädten entwickeln Welche neuen Konzepte sich entwickeln Welcher Nutzungsmix in Zukunft gefragt sein könnte Wie Quartiere und Innenstädte aktiv bespielt werden können Welche Rolle dabei Investoren, Nutzern und Behörden zukommen

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Kongresspartner

Der Innovation Day findet am Dienstag, 2. November 2021 von 09.00 bis 16.00 Uhr im Kunsthaus Zürich statt. Tagestickets sind für CHF 490 auf innovation-day.ch erhältlich. Member von Swiss Circle, SwissPropTech, alaCasa.ch sowie Abonnenten von Immobilien Business profitieren von ermässigten Preisen. Ein Kongress von Swiss Circle und Immobilien Business.


Inspirierendes Kongressprogramm Unser Kongress präsentiert innovative Best Practice Cases aus der Immobilienpraxis, wirft einen Blick in die Immobilienzukunft und bietet eine Plattform für den Erfahrungsaustausch: Begrüssung und Einführung

Maria Victoria Haas, Moderation

Innovation als Geschäftsmodell

Claudia Pletscher, Digital Advisor

Innovation Case: Hilti

Ruedi Wagner, Hilti

Innovation Case: Schindler

Florian Trösch, Schindler

Restart mit neuem Wohnkonzept

Johannes Peter, Tomodomo

Neue Wege in der Vermarktung von Neubauprojekten

Dagmar Faltis, Allmyhomes

Die Zukunft der Shopping Center: Mit Innovationen den Notfall verhindern

Marcel Stoffel, Swiss Council of Shopping Places

Mobilität und Tankstelle: Worauf sich die Immobilienbranche vorbereiten muss

Daniel Hofer, Avenergy

Logistikimmobilien: Neu gedacht

Jan Dietrich Hempel, Garbe

Das Neueste aus der PropTech-Szene Schweiz

Lars Sommerer, SwissPropTech

Podiumsdiskussion

Experten des Innovation Days

Innovative Köpfe Am Innovation Day lernen Sie interessante Expertinnen und Experten kennen, die sich für Innovation engagieren und Sie an ihren Ideen und Erfahrungen teilhaben lassen.

Claudia Pletscher Digital Advisor und Verwaltungsrätin u.a. bei V-Zug

Daniel Hofer Unternehmer und Präsident Avenergy

Dagmar Faltis Chief Sales Officer Allmyhomes

Ruedi Wagner Head of Open Technology Innovation and Robotics Hilti

Jan Dietrich Hempel Geschäftsführer Garbe Industrial Real Estate

Dr. Florian Troesch Head Business Development Schindler

Johannes Peter Gründer & CEO TomoDomo Coliving

Marcel Stoffel Gründer und CEO Swiss Council of Shopping Places

Lars Sommerer Managing Director SwissPropTech

Victoria Maria Haas Moderation


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Thermokameras und Ionisatoren Gewerbeimmobilien – In den USA und in Deutschland ziehen Projektentwickler die ersten pandemiesicheren Bürogebäude in die Höhe. Experten rechnen mit einer regen Nachfrage – und nicht zuletzt mit überdurchschnittlichen Mieteinnahmen Von Richard Haimann – Fotos: zVg

Vor dem Eingang prüfen Thermokameras die Körpertemperatur. Nur wenn der Wert unter der Fieberschwelle von 37,7 Grad Celsius liegt, öffnen sich die Pforten. Die Luft im Innenraum wird nicht nur durch Filter von Bakterien, Pilzsporen und Viren gereinigt: Wie in Operationssälen von Spitälern machen Ionisatoren mit elektrisch aufgeladener Luft Krankheitserregern in Sekunden den Garaus. Sämtliche Türgriffe, Handläufe in Treppenaufgängen und Bedienknöpfe der Fahrstühle tragen antimikrobielle Oberflächen. Die Wasserhähne und Spülungen auf den Toiletten reagieren kontaktlos auf Handzeichen – in Bonn «Pandemieam Rhein realisiert die MAG Grundbesitz mit dem Projekt Green­gate gerade eines Prävention spielt der weltweit ersten pandemiesicheren aktuell eine Bürogebäude. Schlüsselrolle bei «Wir haben das Rad nicht neu erfunden, Immobilien.» aber wir sorgen dafür, dass es nun richtig rund läuft», sagt MAG-GrundbesitzResul Kilic, Inhaber Marc Asbeck. In dem 13-geISG Frankfurt schossigen Neubau, der gegenüber dem DHL Tower, dem Hauptsitz der Deutsche Post, entsteht, wird an Hygienetechnik zusammengefasst, was der Markt derzeit hergibt. «Nach dem derzeitigen Wissensstand wird kein Bakterium und kein Virus in der Innenluft in diesem Gebäude existieren können», sagt Asbeck. Mit dem Greengate zählt die MAG Grundbesitz zur europäischen Speerspitze eines von der CoronaPandemie ausgelösten neuen Trends an den Büromärkten, der von den USA ausgeht. Über dem Grossen Teich arbeiten Projektentwickler und Immobilienunternehmen mit Macht daran, die Bürotürme sicher zu machen. In New York etwa er-

richtet Columbia Property Trust, Eigentümer von Office Towers an der Ost- und Westküste mit zusammen 576.000 Quadratmetern Bürofläche, derzeit am Broadway gegenüber dem Union Square ein neues zwölfstöckiges Bürogebäude, dessen Türen, Fahrstühle, Lichtschalter, Waschbecken und Toiletten bedient werden, ohne Knöpfe oder Griffe zu berühren. Der Projektentwickler RAL Companies & Affiliates zieht an der 14th Street in Manhattan den 22-geschossigen Büroturm Zero Irving in die Höhe. Auch hier soll neueste Touchless-Technologie greifen. Per Smartphone-App werden die Beschäftigten Türen öffnen und Aufzüge rufen können. «Es wird ein völlig berührungsfreies Gebäude», erklärt RAL-Präsident Spencer Levine. Zudem erhalte jedes Stockwerk eine separate Klimaanlage, «damit Viren nicht von einem Geschoss ins andere gelangen können». Beschäftigte ziehen sichere Immobilien vor Ähnliche Gebäude planen Projektentwickler und Architekten in Chicago, Houston und Los Angeles. Das überrascht nicht: Mit 33,8 Millionen Infizierten und 607.157 Toten, Stand 2. Juli 2021, verzeichnen die Vereinigten Staaten nach Erhebungen der Johns Hopkins University in Baltimore mehr Opfer als jedes andere Land der Welt. Seit Beginn der Covid-19-Pandemie versuchen Eigentümer von Büro-, Detailhandels- und Wohnimmobilien die Ausbreitung des Sars-CoV-2-­ Virus in ihren Gebäuden einzudämmen. «Pandemieprävention spielt aktuell eine Schlüs­selrolle bei Immobilien», sagt Resul Kilic, Leiter der ­Niederlassung Frankfurt beim global tätigen, auf Um- und Ausbauten spezialisierten Baukonzern ISG. Das dürfte sich in den kommenden Jahren kaum ändern. «Sowohl für Eigentümer als auch für Mieter bietet ein Gebäude mit Pandemieschutz einen Wettbewerbsvorteil», sagt Thomas Veraguth, Head CIO Swiss & Global Real Estate Strategy der UBS. Die Besitzer solcher Immobilien könnten dadurch leichter Nutzer gewinnen. «Die Unter-


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Luft so rein wie in Operationssälen von Spitälern: Büroimmobilie Greengate

nehmen, die Büroflächen in solchen Gebäuden anmieten, wiederum haben einen Vorteil im Konkurrenzkampf um die schrumpfende Zahl von Fachkräften», so Veraguth. «Vor die Wahl gestellt, ob sie in einem normalen Bürogebäude arbeiten wollen oder in einem mit Schutzvorkehrungen, dürfte sich die Mehrheit der Beschäftigten für letztere Variante entscheiden.» Für diese Annahme spricht auch eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Pew Research Center in Washington, D.C. Danach wollen 71 Prozent der derzeit im Homeoffice tätigen Bürobeschäftigten in den USA aus Angst vor einer Infektion «solange es irgendwie möglich ist» weiterhin von daheim aus arbeiten. Die Sorge der Beschäftigten kann Asbeck gut nachvollziehen. «Klassische Büroarbeitsplätze sind Virenschleudern.» Vor Covid-19 hätten jedes Jahr im Spätherbst und Winter grippale Infekte und die Influenza die Krankenstände in den Unternehmen in die Höhe getrieben. «Sieben Prozent der Beschäftigten sind deshalb im langjährigen Durchschnitt zeitweise ausgefallen», sagt Asbeck. Es sind diese Zahlen, die in ihm die Idee für Green­ gate reifen liessen – lange vor der Corona-Pan-

demie. «Am Anfang stand die Frage, wie ein ­Bürogebäude konzipiert werden muss, um Infektionen zu verhindern, damit die Produktivität der Unternehmen im Winterhalbjahr nicht sinkt», sagt Asbeck, der selbst schon lange darauf achtet, sich nicht die Grippe zuzuziehen: «Von November bis März schüttle ich seit Jahren niemandem die Hand.» Von der Einzellösung zum maximal Machbaren

«Das Zero Irving wird ein völlig berührungsfreies Gebäude.»

Bis zu Beginn der Pandemie dürfte der Projektentwickler mit dieser Haltung eher ein Aussenseiter gewesen sein. Vor Covid-19 sei es schwierig gewesen, Immobilien unter dem Aspekt des Infek­ tionsschutzes zu vermarkten, sagt Thomas Beyerle, Chefresearcher der internationalen Immobilienberatungsgesellschaft Catella. «Heute ist dies in den USA und zunehmend in Europa zu einem massiven Verkaufs- und Vermietungsargument geworden.» Bislang haben Immobilienbesitzer und Mieter in der Pandemie zu diversen Massnahmen gegriffen, um Infektionen einzudämmen – und im Zwei-

Spencer Levine, RAL Companies & Affiliates


Immobilien 28 felsfall jeden Beschäftigten, der dies konnte, daheim im Homeoffice arbeiten lassen. «Mal wird vor Arbeitsbeginn Fieber gemessen, mal werden Luftfilter aufgestellt, mal Türgriffe und Oberflächen öfter desinfiziert», sagt Asbeck. «Bei der Konzeption von Greengate haben wir all die bisherigen Einzellösungen zum maximal Machbaren kombiniert.» Zum Gesamtpaket im neuen Bonner Bürogebäude zählen sogar sensorgesteuerte Desinfektionsmittelspender vor jeder einzelnen, automatisierten Tür im Gebäude. Nur wer sich die Hände von Bakterien, Pilzen und Viren gesäubert hat, wird in den nächsten Raum gelangen können. «Sowohl für Der hohe technische Aufwand klingt Eigentümer als auch zwar, als würde er immense Geldbeträge verschlingen. «Tatsächlich ist der Infür Mieter bietet ein Gebäude mit Pande- fektionsschutz jedoch gar nicht teuer», sagt Asbeck. «Die Mehrkosten betragen mieschutz einen nur sieben bis zehn Prozent gegenüber Wettbewerbsvorteil.» einem herkömmlichen Büroneubau, weil sämtliche angewendeten Technologien Thomas Veraguth, UBS Wealth Management längst entwickelt sind.» Auch bereits bestehende Bürotürme könnten entsprechend nachgerüstet werden, sollten die Eigentümer bereit sein, die nötigen Investitionen zu tätigen

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und deren Nutzer entsprechend höhere Mieten akzeptieren. Das dürften nicht wenige sein, vermutet Researcher Beyerle. «Eigentümer pandemiesicherer Immobilien können höhere Mieten erzielen, weil Nutzer solche Flächen suchen.» Das steigere automatisch den Marktwert dieser Liegenschaften. «Investoren legen deshalb mehr Geld für solche Objekte auf den Tisch», sagt Beyerle. Immer mehr Immobilieneigentümer und deren Nutzer ringen sich deshalb dazu durch, Büroflächen entsprechend nachzurüsten. «Derzeit sind unsere Kunden bereit, zum Pandemieschutz höhere Ausgaben zu tätigen, um eigene Anforderungen zu erfüllen, die über die Arbeitsstättenverordnung hinausgehen», sagt auch Kilic. «Sogar Luftreinigungssysteme aus Krankenhäusern, die mit UV-CLicht Viren und Keime beseitigen können, kommen nun in Büroliegenschaften zum Einsatz.» In der Schweiz ist dies bisher kaum der Fall. Doch das könnte sich bald ändern. So wie Zertifizierungen für energiesparende Gebäude heute üblich sind, könnte bald auch der Präventionsschutz gegen Infektionskrankheiten ein Auszeichnungskriterium darstellen. «Werden Gebäude neu gebaut oder aufwendig modernisiert, sollten sie immer

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Zero Irving setzt in den USA neue Massstäbe.

auf den höchsten Stand der Technik gebracht werden», sagt UBS-Stratege Veraguth. Im nächsten Schritt dürften Präventionsmassnahmen in Einzelhandelsimmobilien Einzug halten, erklärt Catella-Research-Chef Thomas Beyerle. «Wenn umfassende Technik Viren und

Bakterien den Garaus macht, gibt es keinen Grund mehr, in einer Pandemie Shoppingcenter und Ladenpassagen zu schliessen.» Gleichzeitig dürften Kunden, die sich aufgrund von Vorerkrankungen vor einer Infektion fürchten, solche Geschäfte eher aufsuchen als jene, die keinen Schutz bieten. ∙

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MANUFAKT8048: Flexibel und vernetzt in die Zukunft Glas, Metall und Sichtbeton – die neue Gewerbeliegenschaft MANUFAKT8048 entstand als minimalistischer Rohling und zugleich Prototyp für zukunftsfähige Dienstleistungs- und Produktionsstätten. In unmittelbarer Nähe zum Bahnhof Zürich-Altstetten bietet der von der Steiner AG entwickelte Bau auf insgesamt 14.500 m2 repräsentative Gewerbeflächen, die individuell gestaltet werden können.

Am 1. Juli 2021 konnte die imposante Gewerbeliegenschaft MANUFAKT8048, die auf einem der letzten freien Indus­ trieareale der Stadt Zürich errichtet wurde, nach rund anderthalbjähriger Bauzeit feierlich eröffnet werden. Der Bau, der direkt am Gleisfeld beim Bahnhof Zürich-Altstetten liegt und für die Bauherrschaft Swisscanto Anlagestiftungen realisiert wurde, besitzt Vorbildcharakter. Denn mit dem innovativen Konzept und der Marke «Manufakt» bringt die Steiner AG Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe zurück in die Stadt. Das Quartier Altstetten Nord hat sich rund um den Bahnhof in den letzten Jahren stark verändert und vom Industrie- zum Dienstleistungsstandort entwickelt. Im bevölkerungsreichsten Stadtteil Zürichs ist neben entsprechenden Gewerbeflächen und neuem Wohnraum auch ein vielfältiges urbanes Angebot an Gastronomie-, Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten entstanden. Hier soll das Multi-Tenant-Gebäude MANUFAKT verschiedensten KMU aus innovativen Branchen flexiblen Raum für

Produktion, Verwaltung und Dienstleistung bieten. Attraktive Shared Spaces, wie komplett ausgestattete Meetingräume, Begegnungszonen und ein zentraler Innenhof, tragen dazu bei, dass sich die Mieter einfach untereinander vernetzen können. Im Auftrag der Steiner AG wurde dafür eigens die Marke «Manufakt» entwickelt. Gemeinsam mit einer Branding-Agentur entstand ein White Book, das die Grundprinzipien der Marke festlegt, die für modulare Gebäudekomplexe im urbanen Kontext steht. Manufakt setzt konsequent auf ressourcenschonende Bauund Energiestandards sowie auf Energieeffizienz und eine nachhaltige Immobilienbewirtschaftung. Peter Herzog, Head Real Estate Development für Zürich bei Steiner, erklärt darüber hi­ naus: «Für uns steht Manufakt für qualitatives Handwerk der Zukunft, für die Industrie 4.0, die Digitalisierung der industriellen Produktion.» Die «kuratierte Vernetzung» der Manufakt-Gebäude ist in doppeltem Sinne zu verstehen, neben

der digitalen soll auch die analoge Vernetzung im Gebäude, die insbesondere über den offenen Hof erfolgt, gefördert werden. Othmar Ulrich, Head Real Estate Development Region East, führt aus: «Wir bieten der Industrie und dem Gewerbe eine Umgebung, die den Mietern die Möglichkeit gibt, ihr Netzwerk weiter auszubauen.» Manufakt soll schon bald in vielen zentrumsnahen Gewerbegebieten in der Schweiz zum Einsatz kommen und dabei auch untereinander Synergien bilden. In Wädenswil wird in den kommenden Jahren der zweite Gewerbepark als MANUFAKT8804 entstehen. In der Planung ist zudem der Standort MANUFAKT8409 in Winterthur-Neuhegi. Für jedes der Gebäude, die im Namen als Erkennungszeichen die jeweilige Postleitzahl des Standorts enthalten, wird ein eigenes Nutzungs- und Betriebskonzept erstellt. Denn «ein Manufakt in ­einem städtischen Umfeld bedingt eine andere Herangehensweise und spricht andere Zielgruppen an als die Entwicklung eines Standorts an einer peripheren Lage», erklärt Othmar Ulrich.


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Facts & Figures Projekt: MANUFAKT8048 Standort: Zürich-Altstetten Bauherrschaft: Swisscanto ­A nlagestiftungen Immobilienentwickler und ­Totalunternehmer: Steiner AG Grundstücksfläche: 5.979 m2 Hauptnutzfläche: 14.500 m2 Bauzeit: Februar 2020 bis Juli 2021 www.manufakt8048.ch

Ikonisch schlichte Architektur Der Entwurf des Gebäudes in Altstetten wurde von Theo Hotz Partner Architekten entwickelt. Die klare Formensprache des Lowtech-Gebäudes ergibt sich aus einem schlichten kubischen Aufriss mit sechs Geschossen. Der stringente und funktionale Innenausbau beinhaltet Heizung und sanitäre Anlagen. Die Technik­ räume befinden sich im Untergeschoss und auf dem Dach. Im Zentrum des Baus liegt ein luftiges Atrium, das als offener Innenhof der Erschliessung dient und zum Anziehungspunkt, Treffpunkt und Erholungsraum für Mieter und Nutzer wird. Die Lebendigkeit im Innenhof wird unterstützt durch eine Begrünung, die zu einem positiven Klima im Hof bei­ tragen wird. Die Erschliessung der Geschosse erfolgt im Innenhof über ­ grosszügige Lifte und auskragende Laubengänge. Die sechs Geschosse des Gebäudes lassen sich flexibel unterteilen und die Flächen von den eingemieteten Firmen individuell gestalten. Die bis zu 4,5 m hohen Räume können so ganz nach Bedarf in Produktions- und Büroflächen, Labore oder Showrooms verwandelt werden. Auch zusätzlich gewünschte Ausbauten lassen sich realisieren oder die Flächen entsprechend den individuellen Wünschen zuschneiden. Je nach Anforderung bieten die Räume Platz für 200 bis 500 Arbeitsplätze. Funktionale und ökonomische Konstruktion Flexibilität und Effizienz sind bei der Konstruktion des Manufakts ebenso wichtig wie Wertigkeit und Beständig-

keit. Sämtliche Flächen werden im funktionstüchtigen Edelrohbau abgegeben. Die Reduktion auf wenige, aber sehr effektive Konstruktionselemente ist baulich effizient, da weniger Schnittstellen und Arbeitsschritte anfallen und dadurch auch die Unterhaltskosten reduziert werden können. Konstruktionen und Materialien werden ihren Eigenschaften entsprechend eingesetzt. Vorfabrizierte Betonfertigteile wie Stützen, Brüstungen, Kragplatten oder Treppenläufe erlauben schnelles Bauen und eine hohe Wirtschaftlichkeit. Die Stahlbetonflachdecken in konventioneller Bauweise sind ökonomisch, ermöglichen einen einfachen Schall- und Brandschutz und ersparen zudem zusätzliche Verkleidungen. Optimierte Grundausstattung und Shared Spaces Für einen erfolgreichen Gewerbebetrieb sind anhaltende Optimierungen im Betriebsablauf und damit die Anpassbarkeit der Mietflächen marktentscheidend. So können durch modulare Fassadenund Brüstungselemente auch später noch grosse Maschinen oder Güter in die Mietflächen eingebracht werden. Auch die Raumaufteilung kann jederzeit im Betrieb verändert werden. Die Steiner AG legt Wert darauf, ein vorausschauendes Konzept bieten zu können, das aktuellen, aber auch zukünftigen Anforderungen und Erwartungen an Gewerbe- und Bürogebäude gerecht ­ werden kann. Hier spielen die Shared Spaces, die allen Mietern zur Verfügung stehen, eine wichtige Rolle, wie Peter

Herzog darstellt: «Die Mieter haben die Möglichkeit, Räume und Angebote ausserhalb ihrer eigentlichen Mietfläche zu nutzen. Gemeinsame Meetingräume, temporäre Arbeitsplätze, Begegnungszonen, ein digitaler Front Desk für alle Mieter oder auch Verpflegungsangebote stehen zur Verfügung.» Damit sinken die direkten Raumkosten und die Betriebskosten, da diese Zusatznutzungen nach Bedarf dazugemietet werden können. Manufakt spricht vor allem Preis-Leistungs-bewusste Mieter an, die effiziente, hochfunktionale und gut belichtete Arbeitsflächen in robuster Materialisierung suchen. Und die dabei die angebotenen Zusatzräume und Dienstleistungen sowie das offene und kommunikative Konzept des Gebäudes als Chance zur Vernetzung schätzen. Im MANUFAKT8048 können Gewerbebetriebe ihre Zukunft langfristig mit klaren Rahmenbedingungen planen und das Fundament für eine erfolgreiche Geschäftstätigkeit legen. Dies an gut erschlossener städtischer Lage mit einer hohen Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften. Die vielfältigen Vorteile weiss insbesondere auch die neue Ankermieterin zu schätzen, ein stark wachsendes Schweizer Technologieunternehmen, das im Jahr 2001 als ETH-Spin-off gegründet wurde.

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«Solche Investitionen kann man nicht auf die Mieter abwälzen» Gewerbeimmobilien – Marcel Stoffel, Chef des Swiss Council of Shopping Places, über pandemiesichere Einkaufszentren, den Abschied von der Flächenproduktivität – und warum man mit einer grosszügigen Gestaltung von Centern doppelt punkten kann. Von Susanne Osadnik – Fotos: zVg

Herr Stoffel, muss der Detailhandel sich darauf einstellen, auch dann sehr genau auf Hygiene und Virensicherheit zu achten, wenn die Covid-19-Pandemie einmal überstanden ist? Marcel Stoffel: Bestimmte Elemente aus der Zeit der Pandemie werden auch in Zukunft bestehen bleiben. Auch das wird ein Teil der neuen Norma­ lität werden. Die Menschen sind in den vergangenen eineinhalb Jahren sensib­ «Aber auch mit Liebe ler und vorsichtiger im Umgang mit­ zum Detail lässt sich einander geworden, vor allem, wenn es der Aufenthalt für sich um grössere Ansammlungen von den Kunden hygiene- Menschen in begrenzten Innenräumen handelt. Das lässt sich nicht so leicht sicher gestalten.» wieder umkehren und ist auch nicht sinnvoll. Im Gegenteil: Ein bisschen Zu­ rückhaltung wird künftig dafür sorgen, dass wir in Herbst und Winter weniger erkranken. Mit welchen dauerhaften Massnahmen werden Shoppingcenter reagieren müssen? Es wird Hygienestationen geben, die deutlich an­ sprechender und kundenfreundlicher gestaltet sein werden als die bisherigen Toilettenanlagen. Künftig werden das Räume zum Frischmachen sein, die auch nicht mehr in irgendeiner CenterEcke versteckt, sondern prominent platziert wer­ den, sodass man sie sofort sieht und nicht erst lange danach suchen muss. Wenn Kunden das Gefühl haben, man nimmt ihr Bedürfnis nach Sauberkeit, Hygiene und Viren­ sicherheit ernst, werden sie sich gern an so einem Ort aufhalten. Das hilft der Profilierung, wertet das Center auf und damit auch die Geschäfte, in denen ich einkaufe gehe. Darüber hinaus wird auch die Industrie davon profitieren, weil sich v­ iele

neue Möglichkeiten für neue Produkte und Dienst­ leistungen ergeben. Was werden die kleinen Läden in den Fussgängerzonen machen? Für diese Geschäfte wird es schwieriger werden, solche Standards zu erfüllen. Aber auch mit ­Liebe zum Detail lässt sich der Aufenthalt für den Kun­ den hygienesicher gestalten. Man kann alles et­ was gefälliger und für das Auge schöner machen, indem man nicht nur eine Flasche Desinfektions­ mittel auf den Tisch am Eingang stellt, sondern sich etwas einfallen lässt. Das könnte man im Übrigen auch jetzt schon. Vielleicht einen beson­ ders angenehmen Duft auswählen, die Billigfla­ sche durch eine hochwertigere ersetzen und dem Kunden Erfrischungs- und Reinigungstücher rei­ chen. Da bleibt viel Raum für individuelle Lösun­ gen. Oder mehr Platz schaffen für Sitzgelegen­ heiten und Ruhezonen. In Deutschland entsteht zurzeit das erste pandemiesichere Bürohaus der Welt. Die Entwickler sind überzeugt, dass das Konzept problemlos auf Shoppingcenter übertragbar ist. Ein realistische Annahme? Kontaktlose Zutrittssysteme, digitalisierte Speise­ karten, bargeldloser Zahlungsverkehr – das alles zeigt schon in die Richtung, in die wir uns bewegen. Allerdings müssen auch weitere Investitionen in bessere Be- und Entlüftungssysteme erfolgen. Die Themen Luftreinheit und Contactless-Syste­ me sind vielleicht die wichtigsten Aspekte, wenn es um weitgehend pandemiesichere Gebäude geht. Das alles dürfte mit Kosten verbunden sein. Wer wird dafür aufkommen? Ganz sicher nicht die Mieter. Man kann solche In­ vestitionen nicht auf die Mieter abwälzen, sondern muss sie als Eigentümer selbst tragen – und dafür gibt es gute Gründe. Die Kalkulation ist doch ganz einfach: Kann man bei bestimmten Standards nicht mehr mithalten, wird man auch keine neuen Mieter mehr für sein Center gewinnen können. In Zukunft werden die Mieten für Retailflächen so­ wieso viel stärker an den Umsatz geknüpft sein.


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Marcel Stoffel

So wird Pandemiesicherheit künftig zu den Qualitätskriterien einer Liegenschaft zählen ? Wir befinden wir uns ja schon seit Jahren in einem Transformationsprozess. Es gibt in der Schweiz zahlreiche Center, die dringend revitalisiert werden müssten. Diesen bietet sich jetzt die Chance, entsprechende Schutz-, Sicherheits- und Hygiene­ konzepte von Anfang an in das Refurbishment mit einzuplanen und damit ihre Einkaufszentren zukunftstauglich zu machen. Schon vor Corona haben wir gesehen, dass die Ansprüche an die Center im Wandel sind. Es geht beim Einkauf und Bummeln bekanntermassen oftmals mehr um das Erlebnis als um den tatsächlichen Kauf, der häufig im Nachhinein online stattfindet. Im Zuge dieser Entwicklung müssen die Center gross­ ANZEIGE

zügiger geplant werden – was auch bedeutet, dass wir mehr Raum brauchen, um unterschiedliche Themen aufbereiten und präsentieren zu können, um die Aufenthaltsqualität zu steigern. Diese Abkehr vom früheren Denken, so viel Ware «Schutz-, Sicherwie nur irgend möglich auf heits- und Hygieneengstem Raum auszustel- konzepte müssen len, korrespondiert gut mit auch bei Refurbishden neuen Abstandsansprüchen, die mit der Pandemie ein- ments von Anfang an hergehen. Ein doppelter Gewinn. eingeplant werden.» Werden wir uns auch von der Maxime der Flächenproduktivität verabschieden müssen? Wir sind ja schon dabei. Flächenproduktivität als Bemessungsgrundlage für wirtschaftlichen ­Erfolg passt nicht zum Einkauf als Erlebnis, der nun einmal viel Platz und Raum braucht. Gilt diese Einschätzung für alle Segmente des Detailhandels? Die einzige Ausnahme sehe ich im Bereich Lebensmittel. Bei Food-Anbietern ist die wirkungsvolle Präsentation der Ware – vor allem von Obst und Gemüse – zwar auch wichtig. Doch will niemand vor leeren Regalen stehen oder in einem Geschäft einkaufen, in dem das Warenangebot stark reduziert ist, um optische Effekte zu erreichen. Somit braucht es in diesem Segment auch weiterhin einen sehr hohen Warendruck – oder einfacher gesagt, im Food-Bereich wird nach wie vor auch weiterhin der Grundsatz gelten «je mehr, desto besser!». ∙


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«Tankstellen der Zukunft» Gewerbeimmobilien – Das Spektrum an Treibstoffen wird zusehends breiter. Eine Entwicklung, die nicht zuletzt das Segment Tankstellen-Liegenschaften tangiert. Betreiber und Eigentümer rüsten auf, um sich für die post-carbone Zukunft zu positionieren. Von Birgitt Wüst – Foto: zVg

Es ist noch nicht überall der Fall, doch wer genau hinschaut, stellt fest: Langsam, aber sicher ändert sich mit der zunehmenden Elektrifizierung von Fahrzeugen das Angebot der Tankstellen. Mineralölkonzerne wie etwa Aral oder Shell ergänzen ihre Sprit- und Diesel-Zapfsäulen bereits heute im grossen Stil um Ladepunkte für E-Autos. Aufgund der weiteren Diversifizierung der TreibstoffAngebote dürfte das Kerngeschäft der Tankstellen in den kommenden Jahren noch breiter werden. So kam eine von Aral und dem Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR) erstellte Studie zur «Zukunft der Tankstellen» bereits im Jahr 2018 zum Schluss, dass an den Stationen neben Benzin, Diesel und Strom über kurz oder lang auch Biound synthetische Treibstoffe, Erdgas/Biogas und Wasserstoff zur Verfügung stehen werden. Neue Mobilitätsbedingungen Dass tendenziell strengere Abgasnormen, die Bemühungen um eine Reduzierung des CO2-Aus­ stosses und die Entwicklung der Elektromobilität zwangsläufig das Aus für die herkömmlichen Tankstellen bedeuten, scheint indes nicht zu be-

Tankstelle der Zukunft – Treffpunkt für viele unterschiedliche Mobilitätsformen

fürchten: So geht man bei der Schweizer Erdölvereinigung (EV) davon aus, dass die Tankstellenbetreiber zuversichtlich in die Zukunft blicken können – unter der Voraussetzung, dass sich die Dienstleistungsstationen an die neuen Mobilitätsbedingungen anpassen und ihr Angebot an alternativen Energien, inbesondere an Strom und Wasserstoff, ausbauen. Auch die Entwicklung künstlicher Treibstoffe (E-Fuels) schreitet voran. Sie können mit Strom, Wasser und CO2 produziert werden und haben neben einer neutralen CO2Bilanz den Vorteil, dass sie mit den konventionellen Treibstoffen gemischt werden können. Gemäss der Studie wird die Tankstelle der Zukunft den breiter werdenden Treibstoffmix unter ein Dach bringen, allerdings in unterschiedlichen Zonen, welche die verschiedenen Treibstoffe trennen. Mehr Shoppingangebote … Bis es so weit ist, wird wohl vermutlich noch einige Zeit ins Land gehen. Doch allein schon durch die Bereitstellung von E-Ladestationen zeichnen sich bereits heute Verschiebungen im Geschäftsmodell von Tankstellenpächtern ab. Schliesslich geht es um ein wichtiges Gut ihrer Kunden und Kundinnen: um deren Zeit. Weil das Aufladen eines E-Autos nach wie vor deutlich länger dauert als das Befüllen des Tanks mit Diesel oder Sprit – und dies noch dazu viel häufiger als bei fossilem Treibstoff erfolgen muss –, stellt sich für die Nutzer von E-Autos die Frage, wie sie die Wartezeit, bis ihr Vehikel wieder fahrbereit ist, sinnvoll nutzen können. Spielt der Convenience-Bereich im Tankstellengeschäft schon heute eine wichtige Rolle, liegt die Vermu-


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tung nah, dass bei einer verlängerten Aufenthaltsdauer die Tankstellenshops künftig tendenziell stärker frequentiert werden als bis anhin – und die Betreiber ihr Warenangebot weiter ausbauen werden, bis hin zum 24-Stunden-Supermarkt in modernisierter Form. Doch die zusätzlichen Angebote begrenzen sich nicht nur auf den Warenbereich: Wie am Markt zu hören ist, denken Mineralölkonzerne als Pächter und Betreiber von Tankstellen – sowie auch manche Eigentümer – über neue zusätzliche Nutzungskonzepte für die oftmals recht grossen Tankstellengrundstücke nach. So liesse sich in vielen Fällen mit überschaubarem Aufwand das bisher auf Kraftstoff/Energie und Shopping begrenzte Angebot auch um gastronomische Einrichtungen ergänzen, beispielsweise um ein Bistro oder Restaurants. Carsharing-Stationen wären ebenfalls denkbar sowie auch Dienstleistungs­ angebote im Bereich Gesundheit oder Wellness. … Logistikflächen und Pick-up-Stationen … Nicht zuletzt räumt die eingangs erwähnte AralStudie mit Blick auf die zunehmenden OnlineEinkäufe, Lieferengpässe und das relativ begrenzte Angebot an innerstädtischen oder stadtnahen Lagerflächen der Tankstelle der Zukunft auch eine grössere Rolle als Logistikzentrum ein: Denkbar

wären Paketstationen, sogenannte Pick-ups, und andere Postdienste. Entsprechende Partnerschaften mit Restaurant- und Kaffeeketten, Supermärkten und Bestelldiensten liegen nahe. … sowie selbstproduzierte Treibstoffe Ein weiterer Zukunftsbaustein ist gemäss der AralStudie die Funktion als Servicestation für autonome Fahrzeugflotten. Neben der Versorgung mit Energie, in welcher Form auch immer, wären unter anderem Pflegedienste wie die Fahrzeugreinigung oder kleine Reparaturen denkbar. Zudem soll die Tankstelle sich zu einem Hub für viele unterschiedliche Mobilitätsformen entwickeln – für herkömmliche Autos, Lkw mit Wasserstoff-Brennstoffzellen, Elektroautos oder E-Bikes zum Tausch der Batterien. Einen weiteren Nutzungsansatz ergab eine Studie der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa): die Möglichkeit einer eigenen Energieerzeugung mittels PhotovoltaikDächern. Die Empa-Forscher prognostizieren, dass die Tankstellen ihre Treibstoffe später einmal selbst produzieren – und darüber hinaus neben Strom für E-Autos und Wasserstoff auch synthetische Diesel- und Benzinkraftstoffe generieren können. Bis es so weit ist, wird es noch etwas dauern: Die Empa veranschlagt anderthalb Jahrzehnte. ∙

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können. Somit verfügen sie zwar teilweise

gehört auch ein ausführliches Training

über innovative Softwareprodukte, können

am System mit allen involvierten Mitar-

aber die Workflows nicht ohne analoge

beitenden. Mit dem Angebot Software-

Schritte abschliessen. Der Wunsch nach

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Noch Handlungsbedarf ESG – Gemäss dem neuen RICS Sustainability Report steigt die Nachfrage von Investoren und Nutzern nach grünen oder nachhaltigen Immo­bilien, insbesondere in Europa. Doch steht der Bau­sektor erst am Anfang der Messung von CO2 bei Projekten und Materialien, monieren die RICS-Experten. Von Birgitt Wüst – Fotos: Ingo Hoehn/dphoto.ch

«Die Aktivitäten rund um grüne und nachhaltige Gebäude gehen in die richtige Richtung» – zu diesem Schluss kommen die Autoren des RICS Sustainability Report 2021. Für die aktuelle Ausgabe des jährlich von der RICS Royal Institution of Chartered Surveyours und dem World Built Environment Forum erstellten Nachhaltigkeitsbericht haben die Experten die Meiungen von mehr als 4.000 Teilnehmern aus 30 Ländern des RICS Global Commercial Property Monitor sowie des RICS Global Construction Monitor zusammengefasst. «Die Branche muss nachlegen» Das Ergebnis der RICS-Umfrage: Das Interesse von Immobilien-Professionnels an umweltfreundlicheren Gebäuden und an nachhaltigeren Projekten wächst. Allerdings wachse es nicht schnell genug, um die globalen Netto«Wenn die null-Ziele zu erreichen. «Die Branche CO2-Reduktion nicht muss nachlegen», konstatieren die Massstab für die RICS-Autoren. Auswahl von Materi- Die Studie untersuchte insbesondere, ob und wie sich die Präferenzen für «grüne» alien, Systemen und Gebäude verändert haben und welche Komponenten bei Faktoren das wachsende Interesse an Baumassnahmen ist, ökologischen, sozialen und Governancewie sollen dann grüne (ESG-)Investitionen bestimmen. Über 40 und nachhaltige Prozent der Befragten gaben an, dass die Nachfrage von Kunden, Stakeholdern Produkte entstehen?» und Auftraggebern eine der Hauptantriebskräfte für den Boom bei Investitionen in Umwelt, Soziales und Governance (ESG) ist. In der Tat bestätigten per Saldo 55 Prozent der Befragten einen Anstieg des Interesses von Nutzern und Investoren an umweltfreundlichen und nachhaltigen Gebäuden, und nur sechs Prozent berichteten von einem Rückgang der Nachfrage nach solchen Anlagen, trotz der Herausforderungen durch die Covid-19-Pandemie.

Vorbildcharakter in Sachen Nachhaltigkeit wird dem HSLU Campus auf dem Suurstoffi-Areal in RischRotkreuz attestiert. Im Bild: Das 60 Meter hohe Holzhochhaus, in dem die HSLU neun Etagen belegt.

Mehr Miete für nachhaltige Gewerbeimmobilien Weitere Faktoren, die den Wandel beeinflussen, sind das gestiegene Bewusstsein für ESG-Risiken und -Chancen sowie das Markenimage und der Ruf. Die Erwartung höherer Renditen spielte nur bei circa 15 Prozent der Befragten eine treibende Rolle. Doch weil die Nachfrage nach umweltfreundlicheren Immobilien steigt, kann die Verbesserung der Nachhaltigkeitsattribute eines Gebäudes einen Mietaufschlag bewirken. Gemäss der RICS-Umfrage geht etwa die Hälfte der Umfrageteilnehmer davon aus, dass «grüne» Gebäude einen Miet- und Preisaufschlag gegenüber nicht nachhaltigen Gebäuden erzielen. Dabei glaubt mehr als ein Drittel, dass der Miet- und Preisaufschlag bei bis zu 10 Prozent liegt; etwa 15 Prozent schätzen ihn noch höher ein. Darüber hinaus geben über 30 Prozent an, dass nicht als nachhaltig eingestufte Gebäude, selbst wenn es keinen Miet- oder Preisaufschlag gibt, einem «braunen Discount» unterliegen. Nur rund 20 Prozent sind der Ansicht, dass es weder einen Mietoder Preisaufschlag noch Discount gibt.


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Etwa 45 Prozent der Befragten weltweit berichteten von einer moderaten Belebung der Investorennachfrage nach «grünen» Gebäuden; weitere 16 Prozent stellten einen stärkeren Anstieg des Interesses fest. Europa spielt hier eine Vorreiterrolle mit über 30 Prozent: Fast ein Drittel der Befragten berichtete von einem stärkeren Anstieg der Nachfrage. Insgesamt gehen in Europa 74 Prozent der Umfrageteilnehmer von einem signifikanten bis moderaten Anstieg aus. Erforderlich: Neue international verbindliche Baumanagementstandards Im Bausektor gaben zwei Drittel der Befragten an, dass die oberste Priorität für mehr Nachhaltigkeit in der Minimierung von Abfällen liegt, und für etwa die Hälfte der Befragten zählten widerstandsfähigere Bauprodukte und -materialien sowie Baukomponenten zu den zu bewältigenden Hauptaufgaben. Obwohl 55 Prozent der Befragten berichteten, dass die Nachfrage nach recycelten und wiederverwendbaren Materialien im vergangenen Jahr gestiegen ist, haben 43 Prozent noch keine Veränderung festgestellt. Da der Bausektor gemäss Schätzungen jedes Jahr für etwa 40 Prozent des Kohlenstoffausstosses verantwortlich ist, wurden die Umfrageteilnehmer nach ihren Verfahren zur Messung des betrieblichen und gebundenen Kohlenstoffs befragt, um den Kohlenstoffausstoss des Sektors zu verringern. Das Ergebnis ist eher ernüchternd: 70 Prozent der Befragten gaben an, dass bislang keine Messung des betrieblichen Kohlenstoffausstosses während des Lebenszyklus ihrer Projekte stattfindet; auch erklärte mehr als die Hälfte, dass sie den gebundenen Kohlenstoff nicht messen würden – und auch von denjenigen, die ihn messen, nutzen bisher weniger als 14 Prozent die Ergebnisse, um die Materialien auszuwählen, die sie in ihrem Projekt verwenden. Gleichwohl suchen die Unternehmen nach Lösungen, weil sich die Auswirkungen des Klimawandels verschärfen. So wird etwa die Forderung nach internationalen Baumanagementstandards laut: Rund 18 Prozent der Befragten gaben an, dass sie einen standardisierten Ansatz zur Messung ihres Kohlenstoffs nutzen würden, wenn es diesen gäbe. Die Auswirkungen auf die Biodiversität rangiert erst am Ende der Liste mit knapp 20 Prozent, obgleich die Versiegelung von Flächen eines der grössten Risiken sein könnte, wenn es um neue Projekte geht. Europa: Klimaangepasste Immobilien gefragt Der RICS-Index für nachhaltiges Bauen – er dient als Mass für die Nachfrage von Nutzern und Investoren – ergab einen Nettosaldo von +69 Pro-

Immobilien 37 zent in Europa, was deutlich über dem weltweiten Durchschnitt von +55 Prozent liegt. Dass auf den europäischen Märkten eine stärkere Nachfrage nach klimaangepassten Immobilien zu beobachten (über 30%) ist, spiegelt sich nicht zuletzt in den Mietpreisaufschlägen wider: 42 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, dass die Mieten für umweltfreundlichere Gebäude gestiegen sind. Mit Blick auf den ESG- Die oberste Priorität Investititionsboom gaben die Befragen des europäischen an, dass es für diesen in ganz Europa Bauwesens, um ähnliche Hauptantriebskräfte gibt – nanachhaltiger zu mentlich das Markenimage und die Reputation (47%), dicht gefolgt von der werden, ist die VerNachfrage von Kunden, Stakeholdern ringerung der Kohund Auftraggebern (46%). Die oberste lenstoffemissionen Priorität des europäischen Bauwesens, (53%), dicht gefolgt um nachhaltiger zu werden, ist die Verringerung der Kohlenstoffemissionen von der Abfallmini(53%), dicht gefolgt von der Abfallmini- mierung. mierung. In Europa gaben 34 Prozent der Befragten an, dass sie den betrieblichen Kohlenstoff messen, und 19 Prozent der Befragten würden ihren gebundenen Kohlenstoff messen – wenn es denn ein weltweit anwendbares Messinstrument gäbe. «Die Nachfrage nach grünen und nachhaltigen Immobilien bei Gewerbeimmobilien steigt deutlich», stellt Michael Trübestein MRICS, Professor am Institut für Finanzdienstleistungen der HSLU Hochschule Luzern und Präsident RICS Schweiz, fest. «Insbesondere in Europa nimmt die Nachfrage nach grünen und nachhaltigen Gebäuden Fahrt auf, sowohl bei Investoren, als auch bei Mietern. Gleichzeitig werden steigende Mieten und Preise für grüne und nachhaltige Gebäude von der Hälfte der Befragten bestätigt», so Trübestein. «Dies manifestiert sich auch in der Anlagestrategie von institutionellen Investoren in der Schweiz: Über 40 Prozent der Schweizer Pensionskassen haben beispielsweise eine Nachhaltigkeitsstrategie im Anlagereglement verankert.» Während der Kapitalmarkt und die Asset-Manager voranschritten, um mit grünen Produkten zu punkten, zeige der Blick auf die Bauindustrie, dass die Messung der Kohlenstoff­emissionen im (Bau-)Betrieb und beim Material noch in den Anfängen stecke. «Wenn die CO2-Reduktion nicht Massstab für die Auswahl von Materialien, Systemen und Komponenten bei Baumassnahmen ist, wie sollen dann grüne und nachhaltige Produkte entstehen?», fragt sich Trübestein. Abschliessend könne man aber ­ ­festhalten: «In der Summe weist der Schweizer Immobilienmarkt zahlreiche sehr gelungene nachhaltige Immoblienprojekte auf, gleichwohl bestehen aber noch weitere Optimierungsmöglichkeiten.» ∙


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Innovation Leader Asia Green Real Estate Asia Green Real Estate ist ein FINMA-regulierter Asset Manager, spezialisiert auf Investitionen in nachhaltige Wohn- und Büroimmobilien in den schnellwachsenden Metropolen Asiens. Das Unternehmen unterhält Büros in Singapur, Jakarta, Schanghai, Chengdu, Guiyang, Hongkong und Zürich. Mit der starken lokalen Verankerung in Asien und Europa kombiniert das Team die lokalen Ausführungskompetenzen mit einer disziplinierten Anlagestrategie sowie höchsten Ansprüchen an die Corporate Governance. Die starke lokale Präsenz und das langjährige lokale Partnernetzwerk ermöglichen einen praxisorientierten Investitionsansatz sowie einen direkten Zugang zu erstklassigen Immobilien in den führenden Städten in Asien. Asia Green Real Estate wurde während des 2020 GRESB ESG Assessments als «Regional Sector Leader» ausgezeichnet. Severin Butz, Asylstrasse 77, 8032 Zürich, T +41 (0)44 552 83 36, severin.butz@asiagreen.com www.asiagreen.com

Bouygues Energies & Services in der Schweiz Bouygues Energies & Services ist der national führende Anbieter von Gebäudetechnik, Facility & Property Management, Energieversorgung, Verkehrstechnik, Prozessautomation, Photovoltaik und E-Mobility. Mit über 5000 Mitarbeitenden an rund 100 Standorten ist Bouygues Energies & Services regional verankert und schweizweit präsent. Als Teil der weltweit tätigen Bouygues-Gruppe profitiert das Unternehmen von internationaler Kooperation und dynamischem Wissenstransfer. Getreu dem Unternehmens-Claim «Shared Innovation» plant und entwickelt Bouygues Energies & Services in der Schweiz gemeinsam für und mit Kunden und Partnern innovative Lösungen für eine lebenswerte Welt von morgen. Unser Forschungsschwerpunkt liegt dabei auf intelligenten Stromnetzen, Energiespeicherung, Stadtmanagement, Mobilität, Energieeffizienz und Big-Data-Anwendungen. www.bouygues-es.ch

e-globe solutions AG Die e-globe solutions AG hat mit godoo eine modulare 360°-Software entwickelt, die sich kundenspezifisch konfigurieren lässt. Dabei werden existierende Systeme im Unternehmen integriert. godoo eliminiert zeit- und kostenintensive Medienbrüche durch «End to End»Arbeitsprozesse und verbindet alle für das Unternehmen relevanten Akteure miteinander: Liegenschaftsverwaltungen, Mieter, Drittorganisationen wie Hausdienste, Service-Techniker und Handwerker. Verlangen Sie unsere Testversion, wir freuen uns auf Ihren Anruf! e-globe solutions AG Anna Leone-Eicher, Head of Marketing & Sales, Schwarztorstrasse 11, CH-3007 Bern www.e-globe-solutions.com, +41 31 372 04 14, info@e-globe-solutions.com

EgoKiefer AG – die Nr. 1 im Schweizer Fenster- und Türenmarkt Das EgoKiefer Team ist in allen Regionen der Schweiz präsent und liebt besondere Herausforderungen. Der Kunde kann seine Fenster aus verschiedenen Werkstoffen und mit einer Vielzahl an Designelementen individuell gestalten. Über 200 eigene Techniker und Monteure garantieren den reibungslosen Ablauf auf jeder Baustelle – vom Einfamilienhaus bis zur industriellen Gross­über­ bauung. Über 50 mobile Schreinereien sind täglich im Auftrag der EgoKiefer-Kunden unterwegs. Auch nach rund 90 Jahren ist der traditionelle Bauzulieferer mit Innovationsfreude und Leidenschaft fürs Bauen, Wohnen und Arbeiten unterwegs. Die umfassende Produktpalette, die persönliche Beratung vor Ort sowie die professionelle Projektabwicklung zeichnen EgoKiefer seit jeher aus. Mit zehn Vertriebsstandorten, dem FensterTürenService und über 350 Fachbetriebspartnern ist EgoKiefer immer nah am Kunden – und garantiert einfach komfortable Lösungen von A bis Z. www.egokiefer.ch


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Innovation Leader Flatfox AG Flatfox zählt zu den Pionieren unter den Schweizer PropTech Unternehmen. Mit Flatfox ­vermieten Immobilienbewirtschafterinnen und Vermarkter schneller und bequemer. Ob kostenloser Immobilienmarktplatz, Abwicklung von Mieteranliegen oder Mieterwechsel: Flatfox unterstützt Immobilienprofis ganzheitlich bei allen Aufgaben im Vermietungsprozess. Dank der offenen Plattform ist die Integration von externen Partnern wie auch die nahtlose Anbindung bestehender und neuer Immobiliensoftware schon heute möglich. Die Plattform wird stetig weiterentwickelt; so hat Flatfox beispielsweise gemeinsam mit Kooperations­ partnern den ersten digitalen Mietvertrag entwickeln und ausgerollt. Die Firma ist eine Tochter der Mobiliar und hat gut 30 Mitarbeitende an Standorten in Bern und Zürich. www.flatfox.ch

Homegate Homegate wurde 2001 gegründet und hat sich seither mit mehr als 9 Millionen Besuchen pro Monat und über 110.000 aktuellen Immobilienangeboten zum führenden Immobilienmarktplatz der Schweiz entwickelt. Homegate bietet clevere Features für Private sowie attraktive Optionen für Geschäftskunden. Sei es für den idealen Einstieg in die Vermarktung, die Stärkung der Listings-Performance oder für Ansprüche auf Branding und Akquise – Homegate bietet vielfälti­ ge Optionen zur Erreichung der Ziele. Mit dem kommenden Joint Venture der TX Markets AG, zu der auch Homegate gehört, und Scout24 Schweiz bleibt Homegate am Puls der Zeit im Schwei­ zer Immobilienmarkt. Gemeinsam mit den bisherigen Plattformen ImmoStreet, alle-immobili­ en.ch und acheter-louer.ch sowie neu auch ImmoScout24 werden die Angebote und Plattformen künftig unter einem Dach betrieben, um noch stärker auf die Kundenbedürfnisse einzugehen. www.homegate.ch

Huperty Huperty bietet eine digitale Rundumlösung für das digitale Immobilienmanagement. Im Fokus stehen die wichtigsten Prozesse entlang des Lebenszyklus einer Immobilie. Immobilienver­ waltungen profitieren neben den digitalisierten und automatisierten Prozessen von verbesserter Kommunikation mit allen Parteien, gesteigerter Effizienz sowie mehr Transparenz. Alle Anfragen und Aufgaben werden auf einer Plattform zentralisiert. Involvierte Parteien rund um die Immobilie werden in den jeweiligen Prozessen miteinander vernetzt, was eine Effizienzstei­ gerung für alle Parteien ermöglicht. Trotz des digitalen Wandels setzt Huperty auch auf den persönlichen Kontakt zwischen den Parteien. Die Lösung bietet neben den digitalen Prozessen stets auch analoge Arbeitsschritte. Huperty versteht sich damit als moderner Mittler zwischen analoger und digitaler Welt. Überzeugen Sie sich selbst von den Vorteilen! www.huperty.ch

Mettler2Invest AG Die Mettler2Invest AG entwickelt seit zehn Jahren in der ganzen Schweiz Projekte. Dazu gehören Wohn- und Gewerbeüberbauungen, aber auch die Umnutzung von Industriearealen sowie die Entwicklung von Stadtteilen und Quartieren. Mettler2Invest erarbeitet Gesamtkonzepte für die Umnutzung von ehemaligen Industriearealen, erstellt Machbarkeitsstudien, Marktund Standortanalysen und erstellt Nutzungskonzepte. Zu den weiteren Dienstleistungen zählen die Planung und Durchführung von Studienwettbewerben, die Erstellung von Sanierungs- und Vermarktungskonzepten wie auch baurechtliche und fiskalische Beratungen. www.mettler2invest.ch


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PriceHubble PriceHubble ist ein Schweizer B2B-Proptech, das innovative digitale Lösungen entwickelt. Das Produktportfolio macht sich Big Data, fortschrittliche statistische Analyseverfahren und attraktive Visualisierung zunutze und bringt so ein neues Transparenzlevel in den Markt. Dies ermöglicht es den Kunden, Immobilien- und Investitionsentscheidungen auf Grundlage präzisester datengetriebener Erkenntnisse (wie etwa Bewertungen, Marktanalysen, Wertprognosen oder Bausimulationen) zu treffen und den Dialog mit den Endkonsumenten zu verbessern. Die digitalen Lösungen von PriceHubble unterstützen sämtliche Akteure der gesamten Immobilien-Wertschöpfungskette (u.a. Banken, Vermögensverwalter, Bewirtschafter, Portfolio-Manager und Immobilienmakler). PriceHubble ist bereits in neun Ländern aktiv und beschäftigt über 130 Mitarbeitende. www.pricehubble.com

Property Captain Tech AG Die Property Captain Tech AG bietet auf ihrer für Drittanbieter offenen Plattform Mietenden sowie Eigentümern Produkte und Dienstleistungen rund um das Thema Wohnen und ­Eigenheimfinanzierung an. Im Zentrum steht eine intelligente Immobiliensuchmaschine, basierend auf der Matchmaking-Technologie DreamScore®, welche Nutzer mit den optimal auf deren Bedürfnisse und finanzielle Möglichkeiten abgestimmten Objekten zusammenbringt. Aktuell sind über 120 Finanzierungspartner und über 150 Makler­unternehmen Teil des Netzwerks. Das Start-up beschäftigt mehr als 30 Immobilien- und Technologieexperten und -expertinnen in Zürich und Belgrad. www.propertycaptain.ch

reamis Die reamis AG ist ein Schweizer Unternehmen für digitales Immobilien-Asset- und -PortfolioManagement. Die Management-Software reamis® ist ein fundiertes Führungs- und Ent­ scheidungsinstrument für die Arbeit mit Teil- und Gesamtportfolios. Das Ziel der reamis ist, die Lösung laufend weiterzuentwickeln und den Kunden Innovationen in der Standardlösung anzubieten. Momentan liegt der Entwicklungsfokus in den Bereichen Nachhaltigkeit und Risikomanagement. Das Asset- und Portfolio-Management von reamis besteht aus den Modulen reamis® Data Management und reamis® Strategy & Planning. Als Erweiterung sind die Module Nachhaltigkeit und Projektcontrolling erhältlich. reamis ermöglicht eine effiziente Organisation im Backoffice, steigert die Produktivität, ermöglicht Planungs- und Revisionssicherheit sowie Mandantenfähigkeit. Alle Daten sind sicher und einfach auswertbar an einem Ort verfügbar: www.reamis.ch

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Steiner AG Steiner zählt zu den schweizweit führenden Immobilienentwicklern mit eigener Baukompetenz. Wir setzen konsequent auf neue Technologien und modernste technische Lösungen wie BIM, Virtual Reality, Smart Home und Artificial Intelligence. Die Steiner AG treibt die Digitalisierung im Immobilienbereich aktiv voran und bietet ihren Kunden mit der Lancierung neuer digitaler Produkte einen Mehrwert. Unsere Expertise in der Entwicklung und Realisierung von komplexen Immobilienprojekten haben wir in über 1500 Wohnbau­ projekten, 540 Geschäftsliegenschaften, 45 Hotels und 200 Infrastrukturanlagen (Universitäten, Schulen, Spitäler, Altersheime) unter Beweis gestellt. Das 1915 gegründet Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Zürich und ist mit Niederlassungen in Basel, Bern, Genf, Tolochenaz und Luzern vertreten. www.steiner.ch

Walde Immobilien AG Wir bringen Mensch und Immobilien zusammen: Die Walde Immobilien AG verkauft, vermarktet und vermietet Immobilien seit 1985. Seit der Gründung hat das unabhängige Schweizer Familienunternehmen rund 8.000 Immobilien vermittelt: Einfamilienhäuser und Wohnungen, Anlageimmobilien und Neubauprojekte. Mit rund 50.000 Suchkunden in unserer Datenbank finden wir für jede Art Immobilie in kurzer Zeit den passenden Käufer – auf Wunsch auch ganz diskret, ohne öffentlichen Marktauftritt. Walde beschäftigt rund 70 Mitarbeitende an den sechs Standorten Baden, Luzern, Sursee, Thalwil, Uster und Zollikon. Walde Immobilien AG, Zollikerstrasse 65, 8702 Zollikon +41 44 396 60 60, info@walde.ch, www.walde.ch

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Stadtentwicklung 42

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«Flaggschiff der Innovation» Standortentwicklung – In der Gemeinde Allschwil am südwestlichen Rand der Stadt Basel nimmt auf 16 Baufeldern das BaseLink Areal Gestalt an. Herzstück der Entwicklung ist der Switzerland Innovation Park Basel Area Main Campus. Neuestes Projekt auf dem Areal, gleich neben dem Main Campus, ist das Gebäude «Hortus», das in Sachen Nachhaltigkeit neue Masstäbe setzen soll. Von Birgitt Wüst – Fotos: Herzog & de Meuron

Rund um Basel ist viel in Bewegung: In Arlesheim etwa hält mit «Uptownbasel» gerade die Industrie 4.0 Einzug; in Transformation befinden sich der Münchensteiner Dreispitz und Salina Raurica in Pratteln – alles Entwicklungsprojekte, die aus Sicht von Isaac Reber, Regierungsrat des Kantons Basel Landschaft, Chancen bieten für neue Arbeits- und Lebensformen, für besseren Ausgleich von Bauen und Natur und nicht zuletzt für kürzere Wege zwischen Arbeiten, Wohnen und Freizeit, kurz: für sinnvollere Mobilität. «Eigentliches Flaggschiff dieser Entwicklung aber ist das Areal BaseLink in Allschwil», sagt Reber. Neuer Life Science Hub in Allschwil Die Entwicklung in der an den südlichen Stadtrand von Basel angrenzenden sowie nahe der Grenze zu Frankreich gelegenen Gemeinde Allschwil ist

Das Herz des SIP Basel Area Main Campus bildet ein zentraler begrünter und mit Bäumen bepflanzter Innenhof.

in der Tat bemerkenswert. Mit über 20.000 Einwohnern ist Allschwil die grösste Gemeinde im Kanton Basel-Landschaft, und aufgrund der günstigen geografischen Lage sowie der geringen Steuerbelastung haben sich hier bereits zahlreiche Unternehmen, zum Beispiel aus der Chemie-, Pharma- und Biologiebranche angesiedelt. Hier entsteht ein neuer Kristallisationspunkt für den Life-Science-Sektor mit internationaler Ausstrahlung, der stetig weiter wächst, wie die Entwicklung auf dem insgesamt 75.000 Quadratmeter umfassenden Areal BaseLink eindrucksvoll belegt. Dort entsteht, wie Reber sagt, eine «Life-Science-Forschungs- und Entwicklungsmeile», an der in den kommenden Jahren unter anderem der Switzerland Innovation Park Basel Area, das Schweizerische Tropen- und Public-Health-Institut, das Pharmaunternehmen Basilea Pharmaceutica Ltd. sowie das Department of Biomedical Engineering und das Innovation Office der Universität Basel ihre Büros und Labors beziehen werden. Grid Campus Collaboration wird Schweizer Innovation Park Basel Area Main Campus Der seit 2019 im Allschwiler Bachgraben entstehende Innovationscampus, ein Projekt der St. Galler Immobiliengesellschaft Senn Resources AG, war zunächst unter dem Namen Grid Campus of Collaboration bekannt, wurde aber in diesem


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Stadtentwicklung 43

Das Hortus-Gebäude wird seine Erstellungsenergie innerhalb einer Generation «zurückzahlen».

Frühjahr umbenannt in Switzerland Innovation Park (SIP) Basel Area Main Campus. Ein wichtiger Schritt – denn damit wurde das ganze Gebäude zum wichtigen Bestandteil des Netzwerks der Stiftung Switzerland Innovation. Der von Basel Area Business & Innovation, der Agentur für Standortpromotion und Innovationsförderung, betriebene Switzerland Innovation Park Basel Area, welcher in der Südwestecke des Main Campus eingemietet, verfügt als Teil des nationalen Innova­tionsparks von Switzerland Innovation neben Allschwil noch über drei weitere Standorte: Basel, Jura und Novartis Campus in Basel. Sein Fokus: Biotechnologie, Medizintechnik, digitale Gesundheit, Gesundheitstechnologie und industrielle Transformation. Der Innovationspark bietet hochmoderne Infrastruktur und ein breites Spektrum an Dienstleistungen, und der im Bau befindliche Neubau in Allschwil wird ab 2022 der neue Hauptstandort. «Der Switzerland Innovation Park Basel Area ist eine starke Marke mit einem überzeugenden Konzept. Daher verzichten wir fortan auf den bisherigen Namen Grid und stellen den Campus unter die Flagge von Switzerland Innovation», erklärte Geschäftsführer Johannes Senn anlässlich des Namenswechsels. In Allschwil ist der Switzerland Innovation Park Basel Area nicht nur Namensgeber, sondern wird als strategischer Partner und Ankermieter des

«Hortus»: Innenhof

Neubaus auch rund 6.000 der insgesamt rund 50.000 Quadratmeter Nutzfläche belegen und ausbauen. Mit den weiteren Mietern Basilea Pharmaceutica AG, Hamilton Bonaduz AG, CSEM, dem Department of Biomedical Engineering der Universität Basel sowie dem Bio-Bistro des Bürgerspitals Basel sind bereits 60 Prozent der ersten Etappe vermietet. Diese wird im Sommer 2022 fertiggestellt, die zweite Etappe im Frühjahr 2023. Für die Gestaltung des Switzerland Innovation Park Basel Area Main Campus zeichnet das international bekannte Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron verantwortlich. Das «kollaborative Gebäude» soll passende Räumlichkeiten sowohl


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für etablierte Unternehmen als auch für Start-ups bieten: Zum einen gibt es unter der Ägide des Switzerland Innovation Parks Basel Area flexible, möblierte Ready-Made-Flächen bis 500 Quadratmeter, zum anderen an Firmenbedürfnisse anpassbare Rohbauflächen ab 500 Quadratmeter, die sich zum Custom-Made-Ausbau eignen. Dadurch soll der Austausch zwischen den dort angesiedelten Unternehmen gefördert werden, welcher das Ökosystem innerhalb des fünfgeschossigen Gebäudes mit modernsten Büroflächen und Labors für Lehre, Forschung und Entwicklung beleben und auch nach aussen tragen soll. Einmal fertiggestellt, werden in dem Gebäude künftig bis zu 2.000 Personen arbeiten können. «Herz» des Campus soll der mit Bäumen bepflanzte Innenhof von der Grösse eines Fussballfeldes werden, wo auch Dienstleistungsangebote und Gastronomie geben wird. Mit dem Switzerland Innovation Park Basel Area Main Campus, dem benachbarten Neubau des Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Ins­ tituts und bereits im Bachgraben ansässigen Firmen wie Johnson & Johnson, Idorsia und Skan werde sich das in Allschwil entstehende Innovations-Ökosystem zu einem noch stärkeren Clus-

ter für Life-Sciences, Biotech, Public Health und Medtech in der Basel Area entwickeln, ist man sich bei den direkt am Projekt Beteiligten wie auch bei der Basler Standortförderung sicher. «Hortus»: Nach 30 Jahren ­energiepositiv … Als grösster Bauträger auf dem BaseLink-Areal in Allschwil entwickelt und realisiert Senn neben dem Switzerland Innovation Park Basel Area Main Campus noch weitere Projekte: die Innovation Garage, ein Public-Health-Gebäude und nicht zuletzt das Bürogebäude «Hortus» – ein Akronym für House of Research, Technology, Utopia and Sustainability. In Sachen Nachhaltigkeit soll das ebenfalls von Herzog & de Meuron entworfene und in Zusammenarbeit mit ZPF Ingenieure entwickelte Gebäude neue Massstäbe setzen: Es werde seine Erstellungsenergie innerhalb einer Generation, also in einem Zeitraum von circa 30 Jahren, «zurückzahlen», heisst es bei Senn Resources. «Dies wird einerseits dadurch erreicht, dass die gesamte verbaute Energie dank Einsatz von ungewöhnlichen Materialien wie Holz, Lehm und Altpapier geringgehalten wird», erklärt Johannes Eisenhut, Geschäftsführer der ebenfalls zur Senn Group zählenden Senn Development AG. Andererseits

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werde die Energieernte über Photovoltaik maximiert. «Das ‹Hortus› wird eine Quelle von Energie – sowohl kreativer als auch faktischer SolarEnergie mit einer Haltung, die Tech und Natur verbindet, Wissenschaft und Utopie anregt und Nachhaltigkeit nicht nur ökologisch, sondern auch menschlich und sozial vorlebt», so Eisenhut. … und mit wiederverwendbaren Materialien... Bei dem der Kreislaufwirtschaft verpflichteten Projekt hat jedes Bauteil eine bereits vor dem Verbauen eingeschriebene Zukunft – und Anleitung zur Weiterverwendung, sollte das Gebäude einmal nicht mehr benötigt werden. «Das Full Circle Design des ‹Hortus› sorgt dafür, dass kein Bauteil verschwendet wird», beschreibt Nico Ros von ZPF Ingenieure den Bau. Die Rohstoffe würden optimal genutzt, indem sie geteilt, wiederverwertet, repariert und wiederaufbereitet werden. «In der Materialisierung achten wir ausserdem darauf, dass Luftqualität, Luftfeuchtigkeit und Temperatur zu jeder Jahreszeit ‹gesund› sind, ohne dass die Nutzenden sich einschränken müssen», so Ros. Die Eröffnung des «Hortus» ist für das Jahr 2025 geplant. Das Angebot richtet sich primär an Digital-

Stadtentwicklung 45 und Tech-Firmen, die am Standort BaseLink von der Nähe zur Life-Science-Branche und zueinander profitieren. Das Projektteam forscht aktuell an behaglichkeits- und gesundheitsförderlichen Konzepten – sowie auch an einer neuen Form der Miete: Firmen sollen nur das exklusiv Bei dem der mieten, was sie wirklich brauchen, und ­Kreislaufwirtschaft sich darüber hinaus gemeinsame Fläverpflichteten chen teilen (access over ownership). Bei Herzog & de Meuron heisst es, man ­Projekt Hortus hat wolle versuchen «alles, was wir herstel- jedes Bauteil eine len, und alles, was wir machen, allem bereits vor dem eine nachhaltige und auch eigene SchönVer­bauen eingeschrieheit zu geben». Dies sei zwar eine Herausforderung, aber auch eine unglaub- bene Zukunft – und lich reizvolle Idee – «weil das eine neue Anleitung zur WeiÄsthetik schaffen wird auf dieser Welt». terverwendung, Zur Ästhetik des BaseLink-Areals wersollte das Gebäude den Jacques Herzog und Pierre de Meuron auch mit einem weiteren privaten einmal nicht mehr Projekt ihrer JP Bachgraben AG beitra- benötigt werden. gen. Auf dem äussersten nördlichen Randstück des Areals planen sie einen 40 Meter hohen Turm als «städtebaulichen Auftakt» für das ganze Entwicklungsgebiet sowie ein weiteres 20 Meter hohes Gebäude. ∙

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Digitales Asset- und Portfolio-Management mit reamis. Die Planungsprozesse optimieren und das Risiko minimieren. Die Performance von Rendite-Immobilien hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Die Faktoren werden z.B. durch den Marktwert, die Zinsen, den Objektcashflow und die wertvermehrenden Investitionen bestimmt. Die frühzeitige Erkennung und Planung von Instandsetzungskosten generiert dabei einen grossen Hebeleffekt.

«Der Budgetierungsprozess ist sehr aufwändig und der Investitionsbedarf schwer abzuschätzen» Durch den gezielten Einsatz eines Asset- und Portfolio-Management Systems, kann ein grosser Nutzen erzielt werden. Dies beinhaltet z.B. die konsolidierte Sicht der Finanzen über mehrere Verwalter, ein effizienter Planungs & Controlling-Prozess, die Formulierung der Objektstrategie und das Risikomanagement auf der Objekt- respektive Portfolio-Ebene. Das Thema Nachhaltigkeit wird in der Immobilienindustrie immer wichtiger. Es geht darum einzelne Gebäude oder auch ganze Portfolios in Bezug auf die Nachhaltigkeit bewerten zu können. Es ist wichtig einen pragmatischen Weg zu wählen, welcher die Erfassung des Verbrauchs, der Energieträger und der anstehenden Massnahmen ermöglicht. reamis Digital Asset- und Portfolio-Management ermöglicht den Planungsprozess zu optimieren, die Risiken frühzeitig zu entdecken und das wichtige Thema Nachhaltigkeit pragmatisch anzugehen. www.reamis.ch.

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Innovative Industrie als Teil der Stadt Standortentwicklung – Der Haushaltsgerätehersteller V-Zug AG produziert künftig in vertikalen Fabriken und schafft auf seinem Stammareal in Zug auf diese Art mehr Raum für die Ansiedlung von innovativen Industrieunternehmen und Dienstleistern in einer attraktiven städtischen Umgebung. Von Birgitt Wüst – Fotos: V-Zug AG, zVg

Andernorts verlieren Industrieareale aus wirtschaftlichem Zwang ihre ursprüngliche Bestimmung, wertvolle Arbeitsplätze gehen verloren. Nicht so in Zug. Hier haben die Metall-Zug-Gruppe und die Stadt Zug die Weichen anders gestellt: Die Industrie erneuert ihre Infrastruktur vor Ort, die Stadt schafft die planerischen Voraussetzungen für einen lebendigen Stadtteilt, in dem sich industrielle Produktion, Forschung und Entwicklung mit urbanen Nutzungen vernetzen. Ausgangspunkt für das Vorhaben ist die strategische Erneuerung des Werkareals der V-Zug – eine Entwicklung, für die keine Wiesen geopfert werden müssen, weil die ganze Flä«Durch die Stärkung che ohnehin schon überbaut ist. «Am des Werkplatzes Anfang des Tech Clusters Zug steht der entsteht öffentlicher Tatbeweis: Während viele IndustriefirMehrwert weit über men Arbeitsplätze ins Ausland verladas V-Zug-Areal gern, investiert V-Zug am bisherigen Standort in neue Produktionsanlagen hinaus.» und Bauten», sagt Beat Weiss, CEO der V-Zug Immobilien AG. V-Zug setzt damit ein starkes Signal, nicht zuletzt auch für andere Unternehmen – und dies ganz bewusst. Denn das Ziel geht weit über die Konzentration des Betriebs in «vertikalen Fabriken» hinaus: Durch die Transformation zum TCZ Tech Cluster Zug soll das zuvor eingehegte und geschlossene rund 82.000 Quadratmeter grosse Fabrikareal in den kommenden Jahren geöffnet und zu einem zukunftsfähigen Stück Stadt transformiert werden. Dazu wird Schritt für Schritt der Masterplan des Büros Hosoya Schaefer Architekten aus Zürich umgesetzt, die 2014 siegreich aus einem städte-

baulichen Konkurrenzverfahren hervorgegangen sind und die Transformation des Stamm­areals der V-Zug in einen zukunftsgerichteten Standort urbaner Industrie seither betreuen. Ziel ist, öffentlich zugängliche Räume zu schaffen, die künftig neben dem Produktionsanlagen und dem Hauptsitz der V-Zug AG auch Raum für neue Indu­strie­ unternehmen,innovative Start-up-Firmen, Dienstleister, Werkstätten, Ateliers, Labors und Schulen bieten. Mit der arrondierenden Integration von urbanen Nutzungen will man einen organischen Übergang zum Lebensraum der Stadt Zug schaffen; der wirtschaftliche Fokus dabei liegt auf innovativer Industrie und Logistik, ein historisch stark verankerter Gegenpol zur wachsenden Bedeutung der Region Zug als Standort internationaler Finanz- und Rohstoff­firmen. Standort mit Potenzial Der TCZ setzt dabei nicht zuletzt auf die vielfältigen Standortvorteile von Kanton und Stadt Zug, die sowohl die Rekrutierung von Fachkräften erleichtern als auch die Ansiedlung neuer Industrien mit hohen Wissensanteilen und höchster Wertschöpfung. Denn für hoch qualifizierte Arbeitskräfte hat Zug einiges zu bieten – unter anderem leicht erreichbare Arbeits- und Schulorte, eine vielfältige städtische Umgebung und urbane Kultur, eine reizvolle Landschaft, eine gute verkehrliche Anbindung sowie nicht zuletzt die schnelle Erreichbarkeit von Städten wie Zürich und Luzern und des internationalen Flughafens in Kloten. Grosses Potenzial für den Tech Clusters Zug sieht man beim Konzern nicht zuletzt in den vielfältigen Beziehungen und Synergien zwischen den zukünftigen Nutzern. «Mit der strategischen Investition von V-Zug entsteht eine intelligente Infrastruktur, die von Dritten genutzt werden kann», sagt Weiss. Denn im Geviert von Industrie, Grienbach-, Oberallmend- und Göblistrasse soll ein gemischtes Quartier entstehen, von dessen Fläche V-Zug künftig nur etwa ein Drittel für seine Produktion und Logistik nutzen wird. Das restliche Areal – alles in allem rund 50.000 Quadratmeter – will man für weitere Nutzungen öffnen.


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Insgesamt sind acht Baufelder geplant, auf denen sich zum einen weitere etablierte Industrieunternehmen und Hauptsitze ansiedeln sollen, zum anderen junge Firmen, Start-ups, Forschungseinrichtungen und Thinktanks, Schulen sowie industrienahe Dienstleistungen. «Durch die entstehenden Synergien profitierten nicht zuletzt die Stadt und der Kanton Zug, denn die Stärkung des Werkplatzes schafft öffentlichen Mehrwert weit über das V-Zug-Areal hinaus», so Weiss. Logistisch werden die Baufelder des TCZ durch ein System von Parkdecks und Parkhäusern verbunden. Für die Verbindung zwischen Bahnhof und dem Tech Cluster Zug sollen u.a. auch selbstgesteuerte Fahrzeuge zum Einsatz kommen. Neben einem umfassenden Facility-Management sowie einem Betriebscatering sollen den Nutzern des TCZ industrienahe Dienstleistungen wie Labore, Prüfstände, Forschungseinrichtungen sowie Beratungen (Legal, Patente, Finanzierungen) zur Verfügung stehen – und nicht zuletzt auch das Know-how der V-Zug-Gruppe in Sachen Logistik. Einzigartiger Multi Energy Hub Interessant für künftige Mieter und Partner dürfte auch sein, dass der TCZ über einen schweizweit

Stadtentwicklung 47 einzigartigen Multi Energy Hub mit allen nötigen Energien klimaneutral versorgt wird. Besonders attraktiv für die Mieter und Partner des TCZ sei das geplante nachhaltige Energienetz, führt Weiss weiter aus: «Dabei werden die Anforderungen der Industrie mit den übrigen Arealbedürfnissen über eine intelligente Infrastruktur verknüpft, welche die vorhandenen und nachgefragten Energien optimal managt.» Heizung und Kühlung erfolgen durch intelligente Nutzung von Grund- und ­Seewasser und alle überschüssige Wärme und Energie wird zur weiteren Verwendung im Hub zurückgewonnen. Angestrebt wird ein minimaler Ressourcenverbrauch, eine TCZ wird über einen maximale Eigenversorgung und eine schweizweit einzigmöglichst geringe Emission von CO2. artigen Multi Energy Übertragen und gespeichert werden die Hub mit allen nötigen Energien über ein effizientes Leitungssystem; zudem ist das teilautarke Sys- Energien klimaneuttem in das Netz des örtlichen Energie- ral versorgt. versorgers eingebettet. TCZ als «Stadtlabor» Neben neuen Aussenräumen mit zahlreichen öffentlichen Plätzen, Gassen und Wiesen werden im TCZ auch neue Quartierangebote mit Gastrono-

Blick auf das Areal des Tech Clusters Zug aus der Vogelperspektive.


Stadtentwicklung 48 mie, Kindertagesstätten, Kongressräumlichkeiten geschaffen sowie Wege für den Fussgängerund Veloverkehr, ebenso Strassen für die Anlieferungen und den motorisierten Individualverkehr. Hinzu kommen innovative und zukunftsweisende ­Lösungen zur Sicherung der Nachhaltigkeit, denn der TCZ versteht sich, wie Weiss betont, als «Stadtlabor», das auf fortwährende Transformation und Optimierung zielt. Neuer Rekord im Dazu will V-Zug nicht zuletzt «betriebsHolzbau: Das 80 nahen» Wohnraum schaffen – so etwa Meter hohe Wohn- mit dem «Projekt Pi». Bei «Pi» handelt es sich um ein innovahochhaus «Pi» wird tives Wohnhochhaus, ein nachhaltiges fast komplett aus Projekt aus sozialer und ökologischer Holz gebaut. Perspektive: Es soll das erste komplett aus Holz errichtete Hochhaus von 80 Metern Höhe in der Schweiz werden, preisgünstigen Wohnraum schaffen sowie durchmischtes und verkehrsarmes Wohnen in Zug ermöglichen. Gebaut werden soll nach Plänen von Duplex Architekten, den Ingenieuren WaltGalmarini und Implenia, welche die Wettbewerbsjury mit ihrer Gesamtleistungsstudie überzeugten. «Die innere Logik des Hochhauses baut auf vertikaler Nachbarschaft auf», berichtet Anne Kaestle von Duplex Architekten. Dazu würden jeweils drei Geschosse über eine zentrale, offene Mitte zusammengefasst, der «Piazza» als Ankunftsort und Verteilraum zu den Wohnungen. Insgesamt entstehen zehn solche Nachbarschaften mit jeweils 22 Wohneinheiten, ergänzt um Gemeinschaftsflächen, das öffentlich zugängliche Erdgeschoss mit Arbeitsräumen, Showroom und Bistro sowie einer Kindertages-

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stätte im Hofhaus. Konstruiert ist das Haus mit einem Rahmentragwerk aus Buchenholz. Die neu entwickelten Holz-Beton-Verbunddecken haben die gleiche Konstruktionsstärke wie herkömmliche Betondecken, sind aber leichter und erzeugen in der Herstellung geringere Treibhausgasemissionen. Mit Fassaden-Photovoltaikmodulen deckt das Gebäude einen Teil seines Strombedarfs selbst. Erneuerbare Wärme und Kälte aus dem Boden sowie dem Zuger See versorgen es zusätzlich energetisch. Baustart soll Ende 2021 sein, Einzugstermin 2024. TCZ wächst: SHL Medical baut SHL-Südtor  Mit der Annahme, weitere Unternehmen für eine Ansiedlung im Tech Cluster Zug begeistern zu können, scheinen die Planer richtig zu liegen:Im Frühling 2021 wurde erfolgreich ein Studienauftragsverfahren für die Entwicklung des Baufelds «Südtor» abgeschlossen. Dort entsteht ein kombiniertes Produktions- und Bürogebäude für den Konzern SHL Medical, einem weltweit führenden Anbieter von fortschrittlichen Systemen für die Verarbreichung von Medikamenten. Die Produktpalette beinhaltet eine breite Auswahl von wiederverwendbaren und wegwerfbaren Injektoren für Medikamente der unterschiedlichsten Therapiegebiete. Am Standort Zug werden dereinst rund 400 Mitarbeitende tätig sein. Das Siegerprojekt der Architekten Penzel Valier AG aus Zürich schafft einen abgestuften und sorgfältig gestalteten Übergang zur kleinräumlichen städtischen Umgebung und erfüllt die Nachhaltigkeitsanforderungen des Tech Clusters Zug. Auch bei diesem

Das neue Produktions- und Bürogebäude von SHL Medical im Süden des Tech Cluster Areals.


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Stadtentwicklung 49

Projekt wird die Emission von CO2 bereits beim Bau durch eine raffinierte Holzkonstruktion und das Verwenden von CO2-optimierten Beton minimiert. Die 10.500 Quadratmeter Produktions- und 5.000 Quadratmeter Bürofläche verfügen über ein in das Gebäude integriertes Photovoltaik-System und werden zudem vom Multi-Energy-Hub versorgt. Weil die SHL Group über die nächsten Jahre ein kontinuierliches Wachstum anstrebt, ist ein späterer Ausbau des Standortes auf einem weiteren Baufeld vorgesehen. Die Inbetriebnahme der Ausbaustufen soll in mehreren Etappen erfolgen.  VZ Depotbank sichert sich Creatower I Einen weiteren Schritt voran machte die Entwicklung des Tech Custers Zug mit der Entscheidung der unter anderem im Fintech-Bereich tätigen VZ Vermögenszentrum Depotbank, ihren neuen repräsentativen Hauptsitz im Tech Cluster Zug anzusiedeln. Die VZ Depotbank wird das Gebäude «CreaTower I» mitsamt der zugehörigen Parzelle von rund 700 Quadratmeter erwerben; der Verkauf von weiteren Landparzellen auf dem TCZ-Areal ist dem Vernehmen nach nicht vorgesehen. Die Urban Asset Zug wird die CreaTowers I und II als Gesamtprojekt entwickeln; begonnen wird mit dem CreaTower I. In einem zweiten Bauschritt wird der CreaTower II erstellt, in dem unter anderem urbane Nutzungen und Wohnen vorgesehen sind. Auch Westhive, ein Anbieter von Coworking Spaces, eröffnet in enger Kooperation mit der Tech Cluster Zug AG inmitten des V-Zug Areals einen neuen Standort. Er entsteht an der Oberallmendstrasse in einer lichtdurchfluteten, komplett sanierten und klimatisierten Shedhalle und bietet flexible Arbeitsplätze auf über 2.000 Quadratmetern Fläche, der Grossteil davon in Form von kleinflächigeren Büros, sowie eine grosse Dachterrasse mit spektakulärer Alpensicht. Die Eröffnung ist für den Spätsommer 2022 geplant. Mobility Hub als Tor zur Stadt Bemerkenswert ist nicht zuletzt der Mobility Hub Zug Nord (MHZN), der auf dem ehemaligen Grundstück der SFS-Handwerkstadt, einem professionellen Markt für Handwerk-Maschinen und Zubehör, realisiert wird – und bei dem es sich um weit mehr als um ein «gewöhnliches Parkhaus» handelt. Der MHZN soll nicht zuletzt dazu dienen, die Entwicklung der Stadt Zug zur Smart City voranzutreiben – indem neue Mobilitätskonzepte getestet und verfeinert werden. So ist die Parkieranlage direkt angebunden an die Autobahntangente Zug–Baar sowie an ein ÖV-Netz, das künftig nicht mehr nur aus Zügen oder Bussen bestehen wird. Im MHZN sollen Besucher beispielsweise auf einen selbstfahrenden Bus umsteigen können, der

Das Wohnhochhaus «Pi»: Baustart 2021

sie wahlweise aufs Areal des TCZ oder in die Stadt bringt. Darüber hinaus stehen Parkhausnutzern jederzeit E-Bikes oder E-Scooter zum Ausleihen zur Verfügung, wenn sie individuelle Strecken punktgenau zurückzulegen wollen. Dass ein solcher Hub mit Ladestationen für Elektrofahrzeuge ausgestattet sein wird, ist heutzutage zwar nicht mehr ganz aussergewöhnlich, dass der MHZN aber so ausgelegt wird, dass er in Zukunft über ein voll automatisiertes Parkingsystem verfügen kann, hingegen schon: Selbstfahrende Autos sollen künftig an einem Übergabeterminal übergeben werden und anschliessend selbstständig Der MHZN soll die parkieren, zuerst auf der ersten Etage, Entwicklung der später soll dies auch vor dem Gebäude oder ausserhalb des Areals geschehen. Stadt Zug zur Smart Durchdachte Teilkonzepte wie diese ma- City vorantreiben und chen den MHZN erst zu einem intelligen- neue Mobilitätsforten Gebäude. Der Abriss des alten Lamen testen. ger- und Verkaufsgebäudes der SFS wurde Ende März vergangenen Jahres beendet, seither nimmt das Mobility Hub Zug Nord Gestalt an. Das Gebäude hat nicht zuletzt auch eine städtebauliche Bedeutung: Über eine elegant geschwungene Fussgängerbrücke bildet der Mobility Hub schon bald den Eingang zum Tech Cluster Zug – und gleichzeitig das Tor zur Stadt. Die Eröffnung des MHZN mit integriertem Café und dem Ladenlokal von Handwerkstadt Zug ist für diesen Herbst angekündigt. ∙


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«Wir können uns durchaus sehen lassen» Trend – Das Interesse der Bau- und Immobilienwirtschaft an innovativen Lösungen in allen Phasen des Lebenszyklus von Liegenschaften ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Indes nicht gleichermassen in jedem Sektor – es hat noch Nachholbedarf, ergab eine IMMOBILIEN-InnovationUmfrage bei Mitgliedern von Swiss Circle. Interview: Roman H. Bolliger, Fotos: zVg

5 FRAGEN

Ivo Bracher

1 Wie innovativ ist Ihrer Ansicht nach die Schweizer Immobilienbranche? 2 In welcher Phase des Lebenszyklus erscheint Ihnen unsere Branche am wenigsten innovativ? 3 In welcher Phase des Lebenszyklus erscheint Ihnen unsere Branche besonders innovativ? 4 Was sollte getan werden, um die ­Innovationskraft unserer Branche zu stärken? 5 Wie halten Sie sich bezüglich Innovationen in der Immobilienbranche auf dem Laufenden?

Demografie sowie ferner dank unserer eigenen Anlagetätigkeit in verschiedenen Bereichen sehr aktiv und verbinde diese: Deshalb sehe ich, woher die Inputs kommen. 2)  Prioritär wurden Vermarktung, Finanzierung und jetzt auch Verwaltung angegangen. Entwicklung und Bau sind immer noch sehr zersplittert, schon wegen des fortlaufenden Protoypbaus, unterwegs. Wenige Firmen wie Bonacasa und ihre Gründerin Bonainvest haben sich den Themen demografische Veränderung, Nachhaltigkeit und Smart Home mit Standardisierung und Plattformgedanken angenommen.

Präsident der Verwaltungsräte von Bonacasa AG und Bonainvest Holding AG

3)  Die Vermarktung hat mit der Veränderung im Werbebereich das Thema schnell aufgenommen und ist damit effizienter geworden; nun folgen auch Smart-Home- und Smart-Living-Komponenten. Deshalb haben wir ja das Bonacasa-Ökosystem Smart Living Loft mit 31 Partnern in Oensingen aufgebaut: zusammen innovativer werden.

1)  Die Immobilienbranche teilt sich auf in Entwickler, Bauträger, Bewirtschafter, Finanzierer und Zulieferer: Diese sind alle unterschiedlich affin für Innovationen. Meist kommen die Innovationen aber so oder so von ausserhalb. Ich bin seit meiner Tätigkeit als Geschäftsführer der Schweizerischen juristischen Datenbank und durch meine Tätigkeit für Gemeinden im Bereiche

4)  Treiber sind innovative Anleger, aber auch die Gesetzgebung wird zum Thema Dekarbonisierung Druck machen; auch bemerken Kantone und Gemeinden die Auswirkungen der demografischen Veränderung auf ihre Finanzen. Dies wird Anstoss geben, Innovationskraft zu bündeln. Parallel braucht es die Zusammenarbeit zwischen Politik, Investoren und Entwicklern, um gemeinsam die

IVO BRACHER


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besten Lösungen im Hinblick auf die Klimawende und die demografische Veränderung zu bauen. 5)  Wir sind selber innovativ. Wir machen deshalb Trends-, Markt- und Technologierecherchen und bringen im Bonacasa-Ökosystem in Oensingen die Partner zusammen, um neue Wege zu gehen. Deshalb erhöhen wir bei Bonacasa auch für diese Zwecke das Kapital und sind für weitere Partner und Investoren offen.

ROBERT HAURI Robert Hauri

(FRICS), Co-Owner CEO SPGI Zurich AG 1)  Meines Erachtens kann sich die Schweizer Proptech-Szene und die Immobilienwirtschaft in Bezug auf die Innovationskraft durchaus sehen lassen. Traditionsgemäss gehört die Immobilienwirtschaft nicht zu den allerschnellsten Veränderern, aber verstecken brauchen wir uns deswegen nicht – weder im internationalen Vergleich noch verglichen mit anderen Branchen im Inland. Gradmesser für diese Aussage sind für mich die vielen Initiativen, die bereits an unterschiedlichen Stellen in der Praxis eingesetzt werden. Weiter

dient mir die grosse Anzahl an Unternehmen, die im Proptech-Bereich in der Schweiz existieren, als Indiz für die Validierung meiner Einschätzung. 2)  Generell gesprochen denke ich, dass das Baugewerbe in der Breite – ich spreche hier nicht von einigen wenigen Leuchtturmgrossprojekten – noch relativ wenig auf digitale Werkzeuge setzt. 3)

Nach meiner Beobachtung sind einige Player in der Entwicklung und der Vermarktung, vor allem

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realestate-experts.ch Nie war Networking wichtiger als heute.


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von Wohnobjekten – und zwar Miete und Kauf –, ziemlich progressiv unterwegs. Auch in der Bewirtschaftung ist vieles im «Tun und im Fluss». 4)  Dazu braucht es Offenheit, Mut und die Bereitschaft, auch mal den einen oder anderen Fehler zu machen – oder mit einer Initiative zu früh dran zu sein und deshalb zu scheitern. Ausserdem muss die Proptech-Welt und der traditio­ nelle Teil der Immobilienwirtschaft weiterhin oder auch in noch grösserem Mass zusammenarbeiten und sich den «Pain Points» der verschiedenen Anspruchsgruppen widmen. 5)  In erster Linie, indem ich viel zu den Themen Innovation, Digitalisierung und Proptechs lese, anschaue oder mir anhöre, und in «normalen Zeiten» Messen und Veranstaltungen zum Thema besuche. Ferner unterhalte ich mich regelmässig mit verschiedenen Akteuren. Ausserdem bin ich seit Kurzem Mitglied des Verwaltungsrats eines Unternehmens in der Proptech-Industrie. Ich versuche, mich regelmässig mit offenem Geist in­ spirieren zu lassen und à jour zu bleiben, um in den betreffenden Gremien qualifiziert mitdenken, mitreden und mitentscheiden zu können.

PATRIZIA WACHTER TANNER Geschäftsleiterin Prefera Immobilien AG 1)  Moderne technologische Entwicklungen in der Immobilienbranche sind allgegenwärtig. Damit werden Prozesse und Geschäftsmodelle effizienter gemacht. In den letzten Jahren fand ein massiver Innovationsschub statt. Die Digitalisierung ermöglicht die Automatisierung sehr vieler Prozesse. Auch im Bereich der Gebäudetechnik könnte das Internet-of-Things vermehrt Einzug halten. Business Intelligence, inklusive KI-Modelle (Künstliche Intelligenz), unterstützen vermehrt geschäftliche Entscheidungen auch in unserer Branche. 2)  Viel zusätzliches Innovationspotenzial sehe ich im Bereich der Gebäudeautomation. Die ­Technologien sind zwar oft vorhanden und auch schon kommerziell implementiert, aber bei ­v ielen Objekten müsste hier auch die bestehende Gebäudeinfrastruktur aufgerüstet werden, was gewisse Investitionskosten mit sich bringen würde.

Patrizia Wachter Tanner

3)  Im Bereich Vermarktung ist die Immobilienbranche sehr innovativ. Virtuelle Wohnungsrundgänge, Virtual Staging, intelligente Suchkarteien, welche automatisierte Matchings mit passenden Liegenschaften generieren, und vieles mehr stehen bei uns bereits an der Tagesordnung. Zudem sind die heutigen KI-gestützten Bewertungs­ modelle sehr leistungsfähig und auch die KIModelle, welche für die Entwicklungsphase zur Verfügung stehen, unterstützen unsere Prozesse ausgezeichnet. In unserer Tätigkeit als Bauherr schätzen wir die 3-D-Modelle/-Pläne bei der Entscheidungsfindung von architektonischen Fragen aller Art. 4)  Viele technologiebasierte Lösungsansätze für neue und bestehende Problemstellungen sind vorhanden. Um diese marktfähig zu machen, müsste man sich noch stärker an den Bedürfnissen der Endnutzer orientieren. Generell sollten die Unternehmen ihre Experimentierfreudigkeit sowie die IT-Affinität weiter erhöhen, um die Transformationsprozesse zu beschleunigen, was eine wesentliche Führungsaufgabe darstellt. In die Betrachtung einzubeziehen sind allerdings die Immobilieneigentümer als Endkunden. Diesen die entsprechenden Nutzpotenziale frühzeitig aufzuzeigen, ist eine wichtige Aufgabe der Immobilienunternehmen. Auch bei der Branchenausbildung generell sollte das Verständnis statistischer Methoden verbessert werden, damit Aussagen aus KI-Modellen korrekt interpretiert werden. 5)  Selbstverständlich studieren wir die entsprechenden Fachzeitschriften genau und tauschen uns innerhalb unseres Netzwerkes regelmässig aus. Aus meiner Sicht ist es ferner sinnvoll, den Kontakt mit Start-up-Unternehmen zu pflegen. ∙


Sie sollten dabei sein, wenn sich Real Estate Know-how wieder nachhaltig verdichtet. Die Schweizer Immobilienmesse für Investoren 19. – 20.01.2022, Halle 622, Zürich Oerlikon www.swisspropertyfair.ch

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Standortentwicklung – Bis 2030 will Siemens, ein in 190 Ländern rund um den Globs aktives Unternehmen, sein operatives Geschäft komplett klimaneutral betreiben. Ein noch höheres Tempo legt die Konzernsparte Siemens Smart Infrastructure bei ihrem Hauptsitz in Zug vor. Von Birgitt Wüst – Fotos: Siemens, zVg

«Bis 2023 klimaneutral» Die Zahlen sind beeindruckend: Eigenen Angaben zufolge hat Siemens seine CO2-Emissionen seit 2014 weltweit um nicht weniger als 54 Prozent reduziert und deckt inzwischen bereits 70 Prozent seines globalen Strombe«Innovation und darfs durch Ökostrom. Bis spätestens technologischer 2030 will der in über 190 Ländern aktive Konzern sein operatives Geschäft komFortschritt in den plett klimaneutral betreiben. Am globaBereichen Energie, len Hauptsitz von Siemens Smart InfraGebäudetechnik, structure in Zug, mit 1.700 Mitarbeitern Industrie und Mobili- in Forschung, Entwicklung, Produktion tät sind zentral, um und Verwaltung grösster Schweizer Siemens-Standort, soll dieses Ziel schon den CO2-Ausstoss im Jahr 2023 erreicht werden.

langfristig zu reduzieren.»

Campus mit Vorbildcharakter Zum neuen Siemens Campus in Zug gehören ein neues, Ende 2018 in Betrieb genommenes Bürogebäude – der Hauptsitz von Siemens Smart Infrastructure und ein neu erstelltes Produktionsgebäude. Das Investitionsvolumen für Neubauten, Renovationen und damit verbun-

dene Massnahmen beziffert sich nach Unternehmensangaben auf 250 Millionen Franken. Die Gebäude wurden als Referenzprojekte von Siemens mit innovativer Gebäudetechnik ausgestattet. Der neue Campus, eines der ersten Neubauprojekte, bei dem BIM (Building Information Modeling) in Planung und Realisierung zum Einsatz kam, ist mit Gebäudeautomation, Sicherheits- und Brandschutztechnik von Siemens Smart Infrastructure ausgestattet. Besonderer Wert wurde dabei auf die Nachhaltigkeit und Energieeffizienz der Gebäude gelegt. So erfüllt das Bürogebäude höchste Ansprüche nach dem LEED-Standard und erhielt eine PlatinZertifizierung, das Produktionsgebäude erfüllt die Kriterien für die Gold-Zertifizierung nach dem LEED-Standard. Ein integriertes Gebäudeautomationssystem mit Energieoptimierung – basierend auf der integrierten GebäudemanagementPlattform Desigo CC – steuert den Energieverbrauch und alle Gewerke der Gebäudetechnik. Fossile Brennstoffe werden von den Gebäuden des Campus nicht zur Energieerzeugung benötigt. Ener-


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Finanzierung 55 tanks und Abfallbehälter sind im Gebäude integriert, um die Geräuschbelastung für angrenzende Wohnbebauung zu minimieren und ein architektonisch ansprechendes Erscheinungsbild zu schaffen.

Der globale Hauptsitz von Siemens Smart ­Infrastructure in Zug.

gieeffiziente Wärmepumpen nutzen Wasser aus dem Zugersee als Wärmequelle respektive zur direkten Kühlung. Die Anlagen für Heizung, Lüftung und Klima sind mit Wärme- und Kälterückgewinnungssystemen ausgestattet. Selbst die Luftdruckanlagen in der Produktion sind mit einem Energierückgewinnungssystem für die Warmwasseraufbereitung ausgerüstet. Die Dachflächen sind begrünt, im Bürogebäude werden rund 1.500 Kubikmeter Regenwasser genutzt und seit dem Frühjahr 2019 ist auf dem Dach des Produktionsgebäudes eine Photovoltaikanlage in Betrieb. Insgesamt bietet das Bürogebäude mit einer Grundfläche von 56 × 56 Metern auf sieben Stockwerken Platz für 1.000 Mitarbeiter. Die Bruttogeschossfläche umfasst 32.000 Quadratmeter, davon 18.400 Bürofläche und 11.000 Quadratmeter in der zweigeschossigen Tiefgarage mit 250 Plätzen. Die Gebäudehöhe beträgt 25 Meter. Das dreigeschossige Produktionsgebäude mit einer Grundfläche von 125 × 50 Metern hat zwei Produktionsgeschosse. Das zweite Obergeschoss des 16 Meter hohen Bauwerks beinhaltet neben 120 Büroarbeitsplätzen weitere Flächen für Berufsausbildung und Labors. Anlieferung, Stickstoff-

Baustart für das letzte Teilprojekt Als letztes Teilstück auf dem Weg zur angestrebten Klimaneutralität des Campus begann in diesem Frühjar die rund 70 Millionen Franken teure Modernisierung eines ebenfalls zum Gelände gehörenden Büro- und Produktionsgebäudes. Die rund 70 Millionen Franken teure Sanierung des Gebäudes Theilerstrasse 1c, in dem in Zukunft Forschung und Entwicklung, diverse Testlabore und die IT-Abteilungen angesiedelt werden, soll imJahr 2023 fertig- «Wir haben die gestellt sein und dann rund 450 Mitar- Erfahrung gemacht, beiter der genannten Abteilungen dass mit unseren beherbergen. Lösungen in den Mit Fertigstellung der Sanierungsarbeiten wird der gesamte Campus dann kli- meisten Gebäuden maneutral betrieben – ermöglicht wird beträchtliche Enerdies Siemens zufolge durch eine intelli- gieeinsparungen von gente Gebäudetechnik, die Verwendung bis zu 30 Prozent erneuerbarer Energien, den Verzicht auf fossile Energieträger und mithilfe ener- erzielt werden ­können» gieeffizienter Produktionsanlagen. «Dass wir die Klimaneutralität an unserem grössten Schweizer Standort bereits 2023 erreichen, spornt uns natürlich an, diesen Weg konsequent weiterzugehen und unsere Anstrengungen zur Reduktion der CO2-Emissionen zu intensivieren», sagt Matthias Rebellius, Siemens-Vorstandsmitglied und globaler CEO von Siemens Smart Infrastructure. «Den grössten Hebel zur Linderung des Klimawandels erreichen wir mit dem Siemens-Umweltportfolio, das bei unseren Kunden rund um den Globus im Einsatz ist.» Mit neu installierten Systemen habe Siemens allein im letzten Geschäftsjahr die Treibhausgasemissionen weltweit um sieben Millionen Tonnen reduzieren können, fügt Rebellius hinzu. Mehr als 600 Tonnen CO2 eingespart Der Siemens-Campus in Zug ist ein gutes Beispiel dafür, wie Technologie und digitale Lösungen einen wichtigen Beitrag zu Dekarbonisierung und Effizienzsteigerung leisten. Bei den 2019 eröffneten Büro- und Produktionsgebäuden wurden dank intelligenter Gebäudetechnik und erneuerbarer Energien bereits im ersten Betriebsjahr, im Vergleich zum durchschnittlichen Wärmeverbrauch der letzten Jahre, mehr als 600 Tonnen CO2 eingespart – entsprechend einer Reduktion von 60 Prozent. «Wir haben die Erfahrung gemacht, dass mit unseren Lösungen in den meisten Gebäuden


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beträchtliche Energieeinsparungen von bis zu 30 Prozent erzielt werden können», so Rebellius. Diese Erkenntnis komme den Siemens-Kunden zugute, aber auch dem Unternehmen selbst. Für Gerd Scheller, Country CEO von Siemens Schweiz, sind «Innovation und technologischer Fortschritt in den Bereichen Energie, Gebäudetechnik, Industrie und Mobilität zentral, um den CO2-Ausstoss langfristig zu reduzieren». In der Schweiz, wo Siemens mit rund 5.800 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der grösste Industriearbeitgeber ist, hat das Unternehmen diverse weitere Umweltmassnahmen auf den Weg gebracht. Ambitionierte Pläne In den vergangenen Monaten konnten gemäss Unternehmensangaben zudem mit der Lancierung von innovativen Ladelösungen namhafte Kundenaufträge abgeschlossen werden. So haben die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) Ladelösungen für ihre neuen Elektrobusse bestellt und auch Bernmobil und die Verkehrsbetriebe Glatttal setzen bei der Elektromobilität auf Ladeinfrastruktur von Siemens. Auch für die firmeneigene Fahrzeugflotte hat Siemens ambitionierte Pläne: Bis 2030 werden weltweit sämtliche Serviceautos komplett auf elektrisch angetriebene Fahrzeuge umgestellt – allein in der Schweiz sind dies fast 1.200 Autos. Zur weiteren Unterstützung der Dekarbonisierung werden alle Unternehmensstandorte mit Siemens-Ladeinfrastrukturen für Elektrofahrzeuge ausgestattet – so auch in Zug: Dort wird die be-

stehende Ladeinfrastruktur in Kürze um rund 40 neue Ladepunkte erweitert. Darüber hinas können Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ihre Fahrzeuge an allen Siemens-Standorten in der Schweiz können kostenlos aufladen. Weitere Speicherkapazitäten erforderlich Für das Unternehmen sind die Elektromobilität und insbesondere die Integration von Ladeinfrastruktur, Energieverteilung und Gebäudetechnik ein vielversprechender Wachstumsmarkt und der Haupttreiber, um die angestrebten Dekarbonisierungsziele zu erreichen. Insbesondere die Schnittstelle zwischen Energienetz und Verbraucher, die man im Konzern als «Grid Edge» bezeichnet, berge «enormes Potenzial», ist man bei Siemens überzeugt. «Innovative Produkte in Kombination mit der Digitalisierung ermöglichen das effiziente Zusammenspiel aller beteiligten Akteure», sagt Gerd Rebellius und verweist auf die vielen Gebiete, auf denen Siemens in diesem Umfeld tätig ist und wozu unter anderem Lastmanagement, virtuelle Kraftwerke, Microgrids, Elektromobilität oder Lösungen für das Gebäude- und Energiemanagement zählen. Ziel ist ein intelligentes System, in welchem Erzeuger, Stromnetz, Speicher und Verbraucher autonom interagieren. Doch bevor dieses realisiert werden kann, braucht es ­zusätzliche Speicherkapazitäten, sowohl auf Netz­ebene, wo der Energiefluss innert Sekundenbruchteilen reguliert werden muss, als auch im Bereich der Langzeitspeicher. Es gibt demnach noch viel zu tun. ∙

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Personalia 57

IMMOBILIEN INNOVATION Das Magazin zum Swiss Real Estate Innovation Day ist eine Verlagsbeilage von IMMOBILIEN Business und «intelligent bauen» CHEFREDAK TORIN Birgitt Wüst birgitt.wuest@immobilienbusiness.ch AUTOREN Richard Haimann Anja Hall Susanne Osadnik GR AFIK / L AYOUT Galledia Print AG KORREK TOR AT Galledia Print AG HER AUSGEBER Galledia Fachmedien AG IMMOBILIEN Business / «intelligent bauen» Buckhauserstrasse 24 8048 Zürich in Kooperation mit Swiss Circle AG Hinterdorferstrasse 21 8314 Kyburg VERL AGSMANAGER Harald Zeindl MARKETING- UND E VENTMANAGERIN Lara Jambresic lara.jambresic@galledia.ch T 058 344 98 31

Verstärktes Advisory Bord Das auf digitale Immobilienbewirtschaftung fokussierte Zürcher Start-up Huperty hat sein Advisory Board jüngst mit Prof. Dr. Michael Trübestein erweitert, dem Studiengangsleiter des Master of Science in Real Estate an der HSLU und Präsident der Schweizer Sektion der RICS (Royal Institution of Chartered Surveyors). Trübestein soll Huperty mit seinem Fachwissen und Netzwerk sowie

© 20 Minuten Agency

DRUCK UND VERSAND Galledia Print AG

WEITERE TITEL DES VERL AGES Marketing & Kommunikation, Organisator, MQ Management und Qualität, Sicherheits­F orum, Forum ­S écurité, Safety-Plus, Moto Sport Schweiz, Moto Sport S ­ uisse, TÖFF-Magazin, AutoSprintCH, TIR transNews, carrossier, Modellflugsport, St. Galler Bauer, Thurgauer Bauer, Umwelt Perspektiven HAF TUNGSAUSSCHLUSS Der redaktionelle Inhalt stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung zum Abschluss einer Finanztransaktion dar und entbindet den Leser nicht von seiner eigenen Beurteilung. TITELFOTO © ETH Zürich

Dr. Michael Trübestein

seinen Erfahrungen in der Immobilienbranche unterstützen, so die Huperty AG. Das 2019 gegründete Jungunternehmen arbeitet an Lösungen für ein digitalisiertes und automatisiertes Immobilienmanagement, eine Plattform, auf die alle an einer Immobilie beteiligten Parteien – Mieter, Eigentümer, Verwalter und Handwerker – zugreifen und sich abstimmen können. (ah)

Neuer grosser Player

MEDIENBER ATUNG Claudia Haas claudia.haas@galledia.ch T 058 344 98 65

VERL AGSSERVICE Galledia Fachmedien AG Burgauerstrasse 50 9230 Flawil T 058 344 95 69 F 058 344 97 83 abo.immobilienbusiness@galledia.ch

© HJ Grau

IMPRESSUM

Gilles Despas und Olivier Rihs

TX Group, Ringier, Die Mobiliar und General Atlantic gründen ein Joint Venture im Bereich der digitalen Marktplätze. Die Online-Marktplätze von TX Markets und Scout24 Schweiz werden zusammengelegt. Dadurch entsteht ein Digitalunternehmen, das unter anderem im Bereich Immobilien führend ist. Das Joint Venture wird eines der grössten Digitalunternehmen der Schweiz. Alle involvierten Parteien sind durch Minder-

heitenanteile am Joint Venture beteiligt. Die unabhängige Unternehmensgruppe verfolgt als mittelfristiges Ziel einen Börsengang, wie die Gesellschaften mitteilen. Den Angaben zufolge bringt die TX Group ihre Plattformen Homegate, Ricardo, tutti.ch sowie Car For You in das neue Gemeinschaftsunternehmen ein. Ringier und Die Mobiliar beteiligen sich durch das Einbringen der Scout24Schweiz-­Gruppe, Betreiberin der Plattformen ImmoScout24, AutoScout24, MotoScout24, FinanceScout24 und anibis.ch. Vierter Gesellschafter wird der Wachstumsinvestor General Atlantic. Zum Verwaltungsratspräsidenten des Unternehmens wird Lothar Lanz bestellt. Er ist derzeit Vorsitzender des Aufsichts­r ates der Home24 SE, stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats der TAG Immobilien AG und Mitglied des Aufsichtsrats der Dermapharm SE. Weitere VR-Mitglieder sind Jörn Nikolay, Olivier Rihs, Michèle Rodoni, Pietro Supino und Marc Walder. CEO des Joint Ventures wird Gilles Despas, derzeit CEO der Scout24-SchweizGruppe. (bw)


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Man muss Schumpeter nicht gelesen haben, um die Chancen der «schöpferischen Zerstörung» zu erkennen, welche Krisen in aller Regel mit sich bringen. Sie bestehen darin, dass findige Menschen sich intensiver als zu «normalen» Zeiten mit Herausforderungen beschäftigen und daher schneller auf Ideen zur Problemlösung und/oder Weiterentwicklung ihres Geschäftsfelds kommen. So wundert kaum, dass auch in unserer Branche in jüngerer Zeit bahnbrechende Erfindungen gemacht werden, von denen nicht zuletzt die Inhalte der aktuellen Ausgabe unseres Magazins ­IMMOBILIEN INNOVATION Zeugnis ablegen. Wie es ausschaut, zeichnet sich eine neue Zeit der Pioniere ab, der Game Changer und Mutigen, die aufbrechen und nicht nur an Altbewährtem festhalten wollen. Denn in der Immobilienbranche besteht in der Tat dringender Handlungsbedarf: Schliesslich gelten Liegenschaften mit als Hauptverursacher des weltweiten

CO2-Ausstosses, weshalb klimaneutrales Bauen und CO2-sparender Betrieb von Immobilien auf der Tagesordnung von Planern, Architekten, Bauunternehmen und nicht zuletzt auch von Investoren stehen. Investments in «Betongold» sind zwar nach wie vor sehr beliebt, doch ist es alles andere als einfach, rentable Immobilieninvestments zu tätigen oder Projekte zu realisieren. Der Erfolg begründet sich nicht zuletzt im Detailwissen und in der Fähigkeit, aus den Veränderungen der Märkte und Teilmärkte die richtigen Schlussfolgerungen abzuleiten. Gerade vor diesem Hintergrund freuen wir uns über die wachsenden Teilnehmerzahlen am SWISS REAL ESTATE INNOVATION DAY - zeigen sie uns doch, dass wir mit dem Lancieren dieses Kongresses einen «Nerv» der Branche getroffen haben. Nach der gelungenen Premiere im Jahr 2019 konnte der auf die Innovationen der Bau- und Immobilienwirtschaft fokussierte Event im vergangenen Jahr pandemiebedingt nur

© zVg

Zeit der Pioniere

Harad Zeindl (l.) und Roman H. Bolliger (r.)

digital stattfinden – eine Erfahrung, auf die man sich einlassen musste. Dennoch war die Rückmeldung der Teilnehmer durchweg positiv. Am 2. November 2021 wird der Innovation Day nun bereits zum dritten Mal und in ausverkauftem Haus – konkret im Kunsthaus Zürich – stattfinden. Wir freuen uns darauf, unseren Referenten und Gästen wieder face2face begegnen zu können, und heissen sie herzlich willkommen!

Harald Zeindl

Roman H. Bolliger

Verlagsmanager

CEO Swiss Circle

Galledia

Agenda 11.–13.10.2021

Expo Real

München

exporeal.net

02.11.21

Swiss Real Estate Innovation Day

Zürich

innovation-day.ch

02.11.21

84. Immobiliengespräch

Zürich

immobiliengespraeche.ch

10.11.21

Schweizer Digitaltag

Schweiz

digitaltage.swiss

18.11.21

SwissPropTech Lunch

Zürich

swissproptech.ch

09.–10.12.2021

Fiabci-GV und Jubiläumsgala

Zürich und Lausanne

fiabci.ch

10.01.22

Dreikönigsapéro

Zürich

swisscircle.ch

18.–21.01.2022

Swissbau

Basel

swissbau.ch

19.–20.01.2022

IMMO’22

Zürich

swisspropertyfair.ch

01.03.22

Digital Real Estate Summit

Brugg-Windisch

digitalrealestate.ch

02.03.22

PropTech Update DACH

Online

swissproptech.ch

15.03.21

85. Immobiliengespräch

Zürich

immobiliengespraeche.ch

15.–18.03.2022

MIPIM

Cannes

mipim.com

18.–20.03.2022

SVIT Immobilien-Messe

Zürich

svit-immo-messe.ch

25.03.–27.03.2022

Immo Messe Schweiz

St. Gallen

olma-messen.ch

Weitere Termine aus der Immobilienwelt: immobilien-termine.ch


Erfolgreich langfristig planen beginnt mit m2i. Wie hier mit der Suche nach dem perfekten Standort samt Grundstück und Investor für den künftigen Hauptsitz der Firma Kellenberger. Jetzt wird gebaut: Auf 33’000 m2 entstehen Büroflächen über zwei Geschosse und eine Produktionshalle inkl. Lehrlingswerkstatt. Ausgestattet mit schwingungsgedämmten Fundamenten, mehreren Kranbahnen, zentralem Kühlmittelsystem u.v.m. Überzeugen Sie sich selbst und vertrauen Sie auf unseren wertvollen Erfahrungsschatz – ein Invest in die Zukunft. Goldach, Neubau Hauptsitz & Produktion «L. Kellenberger & Co. AG»

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