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ISBN 978-3-939855-22-4

dr. julius | ap

NEUE KONKRETE + ARCHITEKTUR

dr. julius | ap

NEUE KONKRETE + ARCHITEKTUR


dr. julius | ap

NEUE KONKRETE + ARCHITEKTUR

Herausgegeben von Matthias Seidel anl채sslich der Ausstellung mehrfach _ multiple Februar 2011


Impressum

© 2011 SURFACE Book, Darmstadt, www.surface-book.de, sowie dr. julius | ap, www.dr-julius.de Alle Rechte vorbehalten. Herausgeber: Matthias Seidel Umschlagmotiv: 1101.001, 2011 [Größe variabel]. Generative Grafik von Wolfgang Berndt, 2011 Abbildungsnachweis: S. 8, 10, 11 Horst Bartnig | S. 14 [o.], 64, 72, 74, 75, 82 [o.] Rainer Gollmer | S. 17 Rainer Mienert S. 18, 20, 21, 23/24 Wolfgang Berndt | S. 28/29 Stephan Ehrenhofer | S. 30 Franz Immoos S. 34, 36, 37, 38/39 John Aslanidis | S. 40 Miklós Sulyok | S. 44, 46 [u.], 47, 48/49 Pierre Juillerat S. 50, 52, 53 Werner Hollunder | S. 56, 58, 59, 60/61 Lázló Ottó | S. 65 Gilbert Hsiao S. 68, 70, 71, 86 Gerhard R. Braun | S. 76, 78, 79 Javier Callejas | S. 4, 7, 12/13, 14 [u.], 16, 24, 26, 27, 32, 33, 42, 43, 46 [o.], 54/55, 62, 66/67, 82 [u.], 84, 85 Matthias Seidel Das Copyright für die Abbildungen liegt bei den Fotografen bzw. bei den Bildrechteinhabern Das Copyright für die Texte liegt bei den Autoren Übersetzungen: S. 6, 7, 19, 83 Gratia Stryker | S. 25 Lara Ehrenhofer | S. 77 Jocelyn Tillner | S. 9, 15, 31, 35, 41, 51, 57, 63, 69, 73 Wolfgang Berndt, Gilbert Hsiao und Matthias Seidel. Alle übrigen von den jeweiligen Autoren Konzept und Redaktion: Matthias Seidel Gestaltung und Satz: Matthias Seidel Bildbearbeitung und Druckvorstufe: Stephan Ehrenhofer Lektorat: Christiane Bail, Wolfgang Berndt Druck und Bindung: Laserline, Berlin, www.laser-line.de Druckkostenzuschuss: Kiezfonds Kolonnenstraße, Berlin Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek: Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar. dr. julius | ap Matthias Seidel Leberstraße 60 D–10829 Berlin 1. Auflage, Februar 2011 ISBN 978–3–939855–22–4


Inhalt

dr. julius | ap : Neue Konkrete + Architektur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5 mehrfach _ multiple

Horst Bartnig

............................................................. 7

...................................................................8

Edgar Diehl . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14 Wolfgang Berndt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18 Stephan Ehrenhofer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24 Riki Mijling . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30 John Aslanidis

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34

Melitta Nemeth

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40

Pierre Juillerat

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44

Ingrid Cerny . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50 Lázló Ottó . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56 Gilbert Hsiao . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62 Gerhard R. Braun . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68 Rainer Gollmer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 72 Javier Callejas . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76

Chronik dr. julius | ap . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80 dr. julius | ap – Ausstellungen machen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 83 Rote Insel Schöneberg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 85


stadt + kunst | cityscape. Messeauftritt von dr. julius | ap auf dem 05. berliner kunstsalon 2008

dr. julius | ap auf der Art Amsterdam 2010

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dr. julius | ap Neue Konkrete + Architektur

Im Jahr 2010 wurden von renommierten Institutionen an etablierten Orten retrospektive Ausstellungen und Veröffentlichungen zur Konkreten Kunst produziert, wie etwa „100 Jahre Konkrete Kunst – Struktur und Wahrnehmung“ in der Kunsthalle Rehau oder die zweiteilige Schau „ganz konkret“ des Hauses Konstruktiv / Stiftung für konstruktive und konkrete Kunst in Zürich. An anderer Stelle, dem Forum Konkrete Kunst Erfurt, stellte man sich im Rahmen eines internationalen Kolloquiums Fragen nach dem „Stellenwert Konstruktiv-Konkreter Kunst heute“, während die Gesellschaft für Kunst und Gestaltung in Bonn mit der Ausstellung „Lebt Theo? Niederländische Kunst 80 Jahre nach van Doesburgs Manifest zur konkreten Kunst“ den Bogen zu gegenwärtig arbeitenden Künstlern geschlagen hat. Gemeinsam ist all diesen Veranstaltungen die Frage nach der aktuellen Relevanz einer Kunstrichtung, die Anfang des 20. Jahrhunderts mit einer radikalen Abwendung von jeder traditionellen Bild- und Kunstauffassung einen enorm wichtigen Anteil bei der Durchsetzung der Moderne als Weltanschauung in allen Lebensbereichen einnahm, die aber nach einer weltweiten Hochphase in den ersten Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg mehr und mehr an Bedeutung verlor und heute von den letzten noch lebenden Vertretern der zweiten Generation als in ihrem Bestand gefährdet empfunden wird. Die Erfahrungen, die ich in den letzten drei Jahren als Ausstellungsmacher und Galerist gemacht habe, sehen jedoch ganz anders aus. Als dr. julius | ap sich auf dem 05. berliner kunstsalon im Herbst 2008 mit dem inhaltlichen Schwerpunkt auf das Konkrete im Gegenüber zur Architektur durch eine Gruppenausstellung unter dem Titel „stadt + kunst | cityscape“ dem Berliner Kunstmessen-Publikum vorstellte, war dies im Umfeld der ansonsten dort versammelten Berliner Alternativ-Kunst neu und ungewöhnlich, wurde aber überwiegend anerkennend als ein interessantes Projekt an der Peripherie der Szene wahrgenommen. In der Folge haben Messeauftritte in Köln und Amsterdam sowie das dichte und anspruchsvolle Ausstellungsprogramm am Standort auf der Roten Insel Schöneberg dazu beigetragen, dr. julius | ap stetig wachsende Aufmerksamkeit zu verschaffen. Seitdem haben eine Vielzahl internationaler, jüngerer wie älterer Künstlerinnen und Künstler aus dem konkretkonstruktiven Feld gezielt den Kontakt zu dr. julius | ap gesucht, um hier in dem von manchen schon zur „Welthauptstadt der Kunst“ ausgerufenen Berlin einen Ort zu finden, der ihrem Interesse und ihren Arbeiten entspricht. Denn trotz mehr als 400 gezählter Galerien in Berlin gibt es aktuell keine zweite, die explizit und exklusiv ihren Schwerpunkt auf den Bereich zeitgenössische konkrete, nicht-gegenständliche, geometrische und reduktive Kunst sowie Architektur und Architektur-Fotografie legt. Die eingesendeten Kataloge und Portfolios zeigen ein großes Spektrum, sehr oft sowohl von hoher Qualität als auch insgesamt von einer erfrischenden Bandbreite. Insofern ist mir um die Zukunft konkreter Kunst nicht bange. Für den eigenen Ausstellungsbetrieb heißt das allerdings auch, das Profil und die Ausrichtung der Galerie permanent weiter schärfen zu müssen. Der Anspruch, als dr. julius | ap „Die Neue Konkrete“ zu formulieren, ist sicherlich ein ambitioniertes, aber auch unumgängliches Ziel, um sowohl den hier vertretenen Künstlern, als auch dem internationalen Publikum gerecht werden zu können. Die Arbeiten der 14 in diesem Katalog versammelten Künstlerinnen, Künstler und Fotografen markieren dabei die Umrisslinie sowie gleichzeitig den Querschnitt der bisher geleisteten Programm- und Ausstellungsarbeit. Die Planungen von dr. julius | ap sind aktuell bereits weit bis in das Jahr 2012 fortgeschritten, wobei die Auswahl neuer Positionen aufgrund der Beschränkung auf etwa acht Ausstellungen pro Jahr gleichzeitig äußerst anspruchsvoll ist. Schon seit längerem arbeite ich daher an dem Plan, eine größere Gruppenausstellung in Berlin auf die Beine zu stellen, um die Vielfalt der mir bekannt gewordenen künstlerischen Positionen zu zeigen und so ein deutliches Signal auszusenden, dass dr. julius | ap auch weiterhin dafür steht, die Neue Konkrete in hoher und aktueller Qualität zu vertreten und dauerhaft nach vorne zu bringen. Interessante Orte dafür sind bereits identifiziert, und Konzepte, die auch wiederum den Bezug zu Stadtgebrauch und Architekturwahrnehmung berücksichtigen, weit entwickelt. Man kann also zuversichtlich in die Zukunft blicken! Matthias Seidel

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dr. julius | ap New Concrete and architecture In 2010, retrospective exhibitions and publications centered on concrete art were produced by prestigious institutions at various established locations, among them "100 Jahre Konkrete Kunst – Struktur und Wahrnehmung" ("100 Years of concrete art: Structure and perception") at the Kunsthalle Rehau, Germany, and a two-part exhibition entitled "ganz konkret" ("quite concrete") at the Haus Konstruktiv / Stiftung für konstruktive und konkrete Kunst in Zurich, Switzerland. At another high-profile site, the Forum Konkrete Kunst in Erfurt, Germany, questions as to the "importance of constructive-concrete art today" were examined in the context of an international colloquium, while the Gesellschaft für Kunst und Gestaltung in Bonn, Germany, directed the focus to working artists of the present with its exhibition "Lebt Theo? Niederländische Kunst 80 Jahre nach van Doesburgs Manifest zur konkreten Kunst" ("Is Theo still alive? Dutch Art, 80 years after van Doesburg's manifesto on concrete art"). Common to all these events was the question as to the current relevance of an art movement that assumed an enormously important role in the early 20th century because of the way it reinforced modernity as a worldview in all areas of life – but which increasingly lost relevance following its international heyday in the early decades following World War II and is currently perceived by its remaining second-generation representatives as an endangered species . The experiences I have had as a gallery owner and curator during the past three years, however, stand in direct contrast to such a perception. When dr. julius | ap introduced its program to the Berlin art fair public at the fifth annual Berliner kunstsalon in 2008, focusing on the concrete in contrast to architecture with its group exhibition titled "stadt + kunst | cityscape" ("city + art | cityscape"), it was new and unusual within the environment of the Berlin alternative art scene assembled at the fair but was also recognized and perceived as an interesting project at the fringes of the scene. Subsequent art fair appearances in Cologne and Amsterdam and the ambitious, densely concentrated series of exhibitions at the gallery premises on the Rote Insel Schöneberg have led to an increasing amount of attention for dr. julius | ap. A great number of international artists from the concrete constructive art scene – both young and old – have sought out contact with dr. julius | ap since that point, seeking a place to match their interests and work in the city known by some as the "world capital of art." After all, despite more than 400 galleries in Berlin, there is actually not one other gallery that explicitly and exclusively emphasizes the field of contemporary concrete, non-representational, geometric and reductive art in conjunction with architecture and architectural photography. The catalogues and portfolios that have been submitted thus far reveal a broad range of works, often of high quality and refreshing diversity. In this respect, I have no worries about the future of concrete art. What this also means for our own exhibition program, however, is that we must continue to work on more clearly defining the profile and the overall direction of the gallery. The challenges involved in defining the "New Concrete" as dr. julius | ap hence provide us with a goal that, while certainly ambitious, is just as certainly indispensable in meeting the demands of the artists represented and the expectations of the international public. The works of the fourteen artists and photographers represented within the pages of this catalogue provide both an outline and a cross-section of the programming and exhibition work carried out until this point. While plans at dr. julius | ap currently reach far into 2012, the challenge of selecting new artists and works is great because of the need to limit the number of exhibitions per year to approximately eight. For quite some time now, I have been working to organize a larger group exhibition in Berlin to feature the broad diversity of artistic works I have had the privilege of encountering, in order to send the message loud and clear that dr. julius | ap will continue to represent and seek to advance all the best and brightest of the New Concrete in the future. We have already identified interesting venues and continue to develop underlying concepts for the project – concepts which, in turn, also make reference to urban life and the perception of architecture. So, as you can see, we are looking at a bright future! Matthias Seidel

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mehrfach _ multiple

Die Ausstellung „mehrfach _ multiple“ war der Anlass, diesen Katalog zu herauszugeben. Am Ende des Jahres 2010 wurden darin 14 Künstlerinnen, Künstler und Fotografen in einer gemeinsamen Präsentation von Auflagenwerken gezeigt. Neben Horst Bartnig, der auf direkte Einladung hin zu dieser Ausstellung beigetragen hat, waren mit Wolfgang Berndt, Ingrid Cerny, Edgar Diehl, Stephan Ehrenhofer, Gilbert Hsiao, Pierre Juillerat, Riki Mijling, Melitta Nemeth, sowie den Fotografen Javier Callejas, Rainer Gollmer und Gerhard R. Braun die bisher in Einzelausstellungen bei dr. julius | ap Vertretenen beteiligt. Darüber hinaus wurden mit John Aslanidis und László Ottó zwei Künstler gezeigt, die 2011 neu im Programm von dr. julius | ap zu sehen sein werden. Dieser Katalog enthält Beiträge zu „mehrfach _ multiple“ sowie weitere aktuelle, für die Beteiligten repräsentative Arbeiten. This catalogue was published on the occasion of the exhibiton "mehrfach _ multiple" to showcase a cross-section of the works at dr. julius | ap. Along with Horst Bartnig, who participated in the exhibition upon direct invitation, the exhibition encompassed works by Wolfgang Berndt, Ingrid Cerny, Edgar Diehl, Stephan Ehrenhofer, Gilbert Hsiao, Pierre Juillerat, Riki Mijling and Melitta Nemeth and photography by Javier Callejas, Rainer Gollmer and Gerhard R. Braun – all of whom were represented in past solo exhibitions at dr. julius | ap. In addition, it presented John Aslanidis and László Ottó, both of whom will be featured in solo exhibitions in 2011. This catalogue contains pieces from "mehrfach _ multiple" as well as other recent pieces representative of the participants’ body of works.

Zwei Ausstellungsansichten auf mehrfach _ multiple bei dr. julius | ap, zu sehen von Dezember 2010 bis Februar 2011

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vier rechtecke. variationen mit 4 mal 4 quadraten in 4 farben. (1) [o.], (2), 2010. Acryl auf Leinwand, 60 x 60 x 3,5 cm

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Horst Bartnig [ Deutschland ]

Vier Gedanken _ Zahlen sind Werkzeuge wie Leinwand, Pinsel, Zirkel, Lineal usw. _ Der Kitsch des 21. Jahrhunderts wird mit dem Computer gemacht. Aber dafür können die Computer nichts. _ Ich kann keine neue Farbe erfinden. Es gibt drei Grundfarben – Rot, Gelb und Blau – mit denen ist man jahrtausendelang ausgekommen und das muss man auch in Zukunft. Man kann auch kein neues Dreieck oder Quadrat erfinden. Aber es macht immer wieder Spaß, aus diesem Material etwas Neues herauszuholen. _ Sollte jemand [ein Betrachter] sagen „das kann ich auch“, dann ist das Ziel meiner Kunst fast erreicht. Horst Bartnig Four Thoughts _ I use numbers as tools to make my work. For me, they are as important as canvas, brushes, compasses, rulers, etc. _ The kitsch of the 21st century is being made with computers. But that’s not the computer’s fault. _ I cannot invent a new colour. There are three primary colours –red, yellow and blue– that we have gotten along with for thousands of years and that we will have to do so in the future. You cannot invent a new triangle or square, either. But it’s always fun to get out something new from these materials. _ Should someone look at my work and say “I can do that too”, the aim of my art has almost been achieved.

HORST BARTNIG, Maler, Grafiker, Bildhauer 1936 geboren in Militsch [Schlesien], lebt und arbeitet

1989

Galerie Heinz Teufel, Köln

seit 1959 in Berlin

1986

Galerie Nord, Dresden

1954–57 Fachschule für angewandte Kunst, Magdeburg

1985

Studiogalerie, Berlin

1964 erste konstruktiv-konkrete Arbeiten

1981

Galerie Clara Mosch, Adelsberg

1972 Beginn des Interesses an variablen Systemen als

1980

Leonhardi-Museum, Dresden

Motiv der Kunst

1976

Galerie Arkade, Berlin-Mitte

1979 erste Computergrafiken in Zusammenarbeit mit einem Computerteam des Zentralinstituts für

AUSSTELLUNGSBETEILIGUNGEN [Auswahl seit 1998]

Informatik und Rechnertechnik, Berlin-Adlershof

2011

vier eins farbig, Galerie 18m, Berlin

seit 1984 Unterbrechungen

2010

mehrfach _ multiple, dr. julius | ap Galerie Linde Hollinger, Lade nburg

EINZELAUSSTELLUNGEN [Auswahl]

2007

A noir, E blanc, I rouge, U vert, O bleu.

2010

St. Petri zu Lübeck

2009

Stiftung für Konkrete Kunst, Reutlingen

2008

Kunstraum Engländerbau, Vaduz / FL Galerie 18m, Berlin

Sammlung Francisco Chagas Freitas,

2007

Kulturbundgalerie, Berlin-Treptow

Conjunta Cultural da Caixa, Brasilia

2006

Galerie im Turm, Berlin-Friedrichshain

horizontales – verticales – seules,

Berlinische Galerie, Berlin-Kreuzberg

art concret, Musee de Pontoise, Frankreich

2005

Stiftung für Konkrete Kunst, Reutlingen

2004

Galerie Alte Schule, Berlin-Adlershof

2003

Galerie für Konkrete Kunst, Berlin

Farben, Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen, Magdeburg 2006

2005

Intelligibel, Austria Center, Wien Martin-Gropius-Bau, Berlin

Architektur Galerie Berlin, Berlin-Mitte Galerie für Konkrete Kunst, Berlin

2001

Neues Museum, Nürnberg

Motiva International. Konstruktiv–Konkret–

2003–04 Berlin–Moskau, Moskau–Berlin 1950–2000,

Mies van der Rohe Haus, Berlin 2002

além do muro, artistas alemáes,

Staatliches Historisches Museum, Moskau 1998

100 Jahre Kunst im Aufbruch, Berlinische Galerie / Kunsthalle Bonn

Berlinische Galerie, Berlin 2000

Arithmeum, Bonn

AUSZEICHNUNGEN [Auswahl]

1999

Josef Albers Museum, Bottrop

2001

Galerie für Zeitgenössische Kunst, Leipzig

1993

1996

Studiogalerie, Berlin

1994

Mies van der Rohe Haus, Berlin

Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen

Hannah-Höch-Preis der Berlinischen Galerie Will-Grohmann-Preis der Akademie der Künste Berlin-Brandenburg

1984

Biennale-Preis der 7. Norwegischen Internationalen Grafik-Biennale Fredrikstad

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133 133 133 133

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unterbrechungen in schwarz streifen in orange unterbrechungen in weiĂ&#x; streifen in blau 2008, Acryl auf Leinwand, 200 x 200 cm


139 139 139 139

unterbrechungen in weiß streifen in schwarz unterbrechungen in schwarz streifen in weiß

2004, Acryl auf Leinwand, 200 x 200 cm

Seite 12 und 13: Detailansicht auf 280 280 280 280

unterbrechungen in weiß streifen in schwarz unterbrechungen in schwarz streifen in weiß

2010, PC–Print auf Bütten, 33 x 33 cm

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Multiples "EUROPA", 20 x 20 x 2 cm, "IO", 30 x 30 x 3 cm und "GANYMED", 40 x 40 x 4 cm, alle 2010, Mischtechnik auf Aluminiumblech

"LAVER", 2009. Mischtechnik auf Aluminiumblech, 140 x 60 x 4 cm. Zwei Ansichten des selben Werks, einmal um 180 Grad gedreht

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Edgar Diehl [ Deutschland ]

Nach 100 Jahren Entwicklung Konkreter Kunst ist sie vielleicht der einzige Stil, der sich noch immer weiter entwickelt. Der Anspruch an Genauigkeit ist bis zu einem Grad nahe der Perfektion gewachsen. Im Zusammenspiel mit dem leidenschaftlichen Ausdruck der Arbeiten professioneller Künstler zieht sie die Anerkennung von Kunstliebhabern auf der ganzen Welt an sich. Das wichtigste Verdienst Konkreter Kunst ist die Sensibilisierung für den Wahrnehmungs-Prozess. Dieses Verständnis als Motor der künstlerischen Arbeit ist mein Thema. Meine bevorzugte Annäherung an Farbe ist sinnlich und psychologisch. Konkrete Kunst führt zu den Urkräften der Schöpfung. Der Betrachter gewinnt dabei enorm durch diese Erweiterung des Bewusstseins. Die Nachteile einer zweidimensionalen Darstellung dreidimensionaler Kunstwerke in Büchern können sicherlich durch produktive Vorstellungskraft ausgeglichen werden. Edgar Diehl

After 100 years of development, Concrete Art is perhaps the only style that is still developing further. The level of accuracy has increased to a level close to perfection. In conjunction with the passionate expression of the work of professional artists, it achieves the recognition of art lovers around the world. The principal merit of concrete art is the awareness of the perceptual process. This understanding as the engine of artistic work is my issue. My preferred approach to colour is sensual and psychological. Concrete Art leads to the primal forces of creation. The contemplator gains enormously from this expansion of consciousness. The disadvantages of a two-dimensional representation of three-dimensional work of art in books can surely be offset by productive imagination.

EDGAR DIEHL, Maler 1950 geboren in Sprendlingen, Rheinhessen, lebt und

2008

Michelstadt

arbeitet in Wiesbaden 1970–72 Studium der Architektur, TU Berlin

2007 2005

Konkrete Kunst, Palais der Grafen von Wieser, Heidelberg

Seit 1980 Atelier in Wiesbaden, Forschungen und Veröffentlichungen auf dem Gebiet der Farbe

Die Aufgabe des Ich, mit Reinhard Lättgen, Bellevuesaal Wiesbaden

1972–78 Studium der Malerei, Wandmalerei und Kunsttheorie, HfBK Städelschule, Frankfurt

Farbreliefs, Galerie Veronika Kautsch,

2002

Ausdehnung und Klarheit, Galerie König, Hanau

Seit 2003 Gründungsmitglied des Künstlervereins Walkmühle e.V., Wiesbaden

2001

AUSSTELLUNGEN UND MESSEN [Auswahl]

2000

Farbreliefs, Regionalgalerie Südhessen im Regierungspräsidium Darmstadt

2011

Art Amsterdam, mit dr. julius | ap

2010

tease art fair #04, Köln, mit dr. julius | ap

Darmstädter Sezession 1998

Reduktive Künstler der dritten Generation, Museum Modern Art, Hünfeld

Überraschung und Widerspruch, dr. julius | ap

1993

Formen der Askese, Galerie Ucher, Köln

2. Int. André-Evard-Kunstpreis der Messmer

1990

Abercrombie, Environment, Bellevuesaal, Wiesbaden

Foundation / Top 80, Kunsthalle Messmer, Riegel am Kaiserstuhl

1989

Galerie Speyer

Essentielle Malerei, Nassauischer Kunstverein, Wiesbaden

Zusammen auf gerader Linie, Städtische 1987

Die Aneignung des Wahlverwandten, Marlies-Hess-Stiftung, Hessischer

grenzgänger der konkreten kunst 2,

Rundfunk, Frankfurt

Galerie Kunstforum, Seligenstadt 2009

Gastspiel, Freiplastiken auf der Ziegelhütte,

grenzgänger der konkreten kunst, kuratiert

1985

Galerie Appel und Fertsch, Frankfurt

von Edgar Diehl, Künstlerverein Walkmühle,

1983

Materie und Form, ETH Zürich, mit Prantl,

Wiesbaden

Rückriem, Long, Laib, Nogucchi

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Anaximander_2, 2010. Mischtechnik auf Stahlblech, 123 x 84 x 6 cm

Anaxagoras_2, 2010. Mischtechnik auf Stahlblech, 150 x 82 x 12 cm

Seite 16: Einunddreißig Aussagen über das Ich [Detail], 2006. Mischtechnik auf Stahlblech, 146 x 100 x 17 cm

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r1003_012 [v#03], 2010. Pigmenttinte auf Baumwollpapier, 18 x 18 cm

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Wolfgang Berndt [ Deutschland ]

Schöne Systeme Es ist das „Spiel mit Systemen, mit Regeln“, das Wolfgang Berndt interessiert. Im Spiel sind meistens ziemlich viele Bälle. Seine Arbeiten entstehen am Rechner, mit der von ihm entwickelten Software. Es fasziniert ihn, wie aus Berechnungsvorschriften grafische Strukturen hervorgehen, Formen und Figuren im Raster vielfältige Transformationen durchlaufen, ihre Verflechtung zum Ganzen, Überlagerungen. „Die Elemente gehorchen einem Takt, aber jedes in individueller Ausprägung“, in diesem Zusammenspiel, in den Entwicklungen und „Läufen“, die daraus entstehen, liegt für ihn der ästhetische Reiz. Präzision ist dabei in jeder Hinsicht Programm: Das „System“, die Berechnungsvorschrift hinter der Struktur, verträgt keinen willkürlichen Eingriff, die Ausgabe, der Pigmentdruck, keine Ungenauigkeit. Ausflüge in andere Welten gibt es (dahin, wo es unter anderem ungenauer wird), sein Stammplatz aber bleibt der Rechner: Die Präzision ist das eine – unterschiedlichste komplexe Systeme erproben – vielversprechende durch feines Justieren der Parameter ausloten und steuern zu können, die Vielfalt der „Instanzen“ des Systems, die durch rechnergestützte Arbeit verfügbar werden, das ist das andere. Eben das Jonglieren mit Parametern, das „Spiel mit Systemen“. stelling

Pleasant Systems What piques Wolfgang Berndt’s interest is "playing with systems, with rules." Berndt typically uses quite a few balls in playing this game. His works are generated by computer, using software he himself has developed. Berndt is fascinated with how calculation rules can give rise to graphical structures, how shapes and figures are transformed within the grid, with their ties to the whole, their overlapping layers. As he says, "All the various elements obey a clock – but each in its own way." For Berndt, the aesthetic appeal rests within just this interplay and its resulting planar development and "flows." Precision is the name of the game in all Berndt does. The "system" – that is, the calculation rules behind the structure – accepts no arbitrary intervention, nor does the printed pigment tolerate any inaccuracy. While there are a few excursions into other worlds (such as to places where things might be a little more inaccurate, for example), the computer still remains Berndt’s accustomed vehicle; while precision is one thing – testing the widest variety of complex systems, controlling the most promising ones by finely adjusting the parameters, the system’s diversity of "instances" is the other. It all comes down to juggling with parameters – "playing with systems."

WOLFGANG BERNDT, Informationsverarbeiter 1953 geboren in Leverkusen, lebt und arbeitet in

2010

mehrfach _ multiple, dr. julius | ap

Köln, 1973–76 mathematisch-technische Ausbildung,

grenzgänger der konkreten kunst, Galerie

1981–83 Studium der Architektur in Berlin, 1984

Kunstforum, Seligenstadt

Gründung einer Softwarefirma, seit 1988 freiberuflich

Art Amsterdam, mit dr. julius | ap

tätig in Köln in den Bereichen Software-Entwicklung,

gruppe konkret und Gäste, Historisches

Datenbank-Programmierung, Grafik und Preprint

Rathaus, Andernach

Seit den 1980er Jahren Auseinandersetzung mit

48 Künstlerpositionen, Museum Modern Art,

Flächenteilungen, Ornamenten und Parkettierungen; Entwicklung animierter Transformationen und

Hünfeld 2009

Accrochage, dr. julius | ap

interaktiver Instrumente zur Bilderzeugung

Art.Fair 21, Köln, mit dr. julius | ap

Ab 2004 Erarbeitung und Einsatz von Programmen

Die Kunst war in der Stadt, Grafikausstellung,

zur algorithmischen Bildgenerierung

Forum Konkrete Kunst, Erfurt

Mitglied der gruppe konkret, Bonn, und der Gesell-

figürlich, abstrakt, konkret – grenzgänger

schaft für Kunst und Gestaltung [gkg], Bonn

der konkreten kunst, Künstlerverein Walkmühle, Wiesbaden

AUSSTELLUNGEN UND MESSEN [Auswahl seit 2009]

Ein Jahr – 31 Positionen – 30 Räume, Museum

2011

Art Amsterdam, mit dr. julius | ap

Modern Art, Hünfeld

dr. julius | ap [April]

Die Kunst geht in die Stadt, Plakataktion,

An Exchange with Sol LeWitt, Massachusetts

Forum Konkrete Kunst, Erfurt

Museum of Contemporary Art, North Adams

tease art fair #03, Köln, mit dr. julius | ap

[MA], USA

alles geregelt, dr. julius | ap

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o.T. [225 maze signs 6x6], 2008. GrĂśĂ&#x;e variabel

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r1001_025 (v#07), (v#24) [o.], (v#18), (v#15) [u.], 2010. Pigmenttinte auf Baumwollpapier, 28 x 28 cm

Seite 22 und 23: sc_10.0.30.20 [Detail], 2007. Pigmenttinte auf Baumwollpapier, 56 x 56 cm

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lc_20101215, Multiple 3+1, 2010. Acryl auf Alu, 43 x 43 x 15 cm

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Stephan Ehrenhofer [ Österreich ]

Die Ausgangsfrage lautet: Wie lassen sich mit einfachen Mitteln diffizile Strukturen wiedergeben? Wieweit lässt sich Komplexes reduzieren, ohne dass dabei sein Gehalt verloren ginge? – indem man es übersetzt. Stephan Ehrenhofers Arbeiten sind also doppelpolig und sie stehen nicht still: Sie wandern vom Einfachen zum Komplexen um dieses dann wieder in seine Elementarteile zu zerlegen. Sie sind Zeugnis von kontinuierlicher, intellektueller Bewegung. Sie arbeiten sich ab an dem Versuch, einen Gedanken maximal zu erfassen. Nicht aber um seiner Herr zu werden, sondern um das Prinzip, den bearbeiteten Gedanken, ganz und gar für sich selbst sprechen zu lassen. Dem Einfachen wird mit Respekt begegnet. Und mit Neugierde. Dafür nämlich, welche Möglichkeiten es noch in sich birgt. aus: Konstanze Seifert, about LA_3d, 2008 The initial question is: how can complex structures be rendered adequately, using simple means? How far can they be reduced without losing content? – through translation. Stephan Ehrenhofer’s work reaches for its poles and it does not stand still: it oscillates between simplicity and complexity. Thus it is a testimony to continuous intellectual movement. His work is the repeated attempt to grasp a thought at its maximum. Not to master it, that is, but so as to allow the principle, the idea he is working with, to speak entirely for itself. Simplicity is met with as much respect as curiosity, curiosity about the secret possibilities it may yet yield.

STEPHAN EHRENHOFER Maler, Grafiker, Konzeptkünstler 1964 geboren in Zürich, lebt und arbeitet in Berlin

2010

1985–89 Studium an der Hochschule für Angewandte

Foundation / Top 80, Kunsthalle Messmer,

Kunst in Wien, Diplom M.A. Malerei und Grafik, Meisterklasse für Tapisserie

2. Int. André-Evard-Kunstpreis der Messmer Riegel am Kaiserstuhl

2009

Accrochage, dr. julius | ap Wettbewerb Kunst am Bau [BND], Berlin

EINZELAUSSTELLUNGEN

Nichts außer Zeichnungen Vol. III,

2011

dr. julius | ap [September]

Artspace Rondeel Maastricht, mit

2009

TORINO – Urban Clusters, dr. julius | ap

Walden Kunstausstellungen, Berlin

Virtual Structures, Galerie Borchert+Schelenz,

Circus Minimus [mit dr. julius | ap], Walden Kunstausstellungen, Berlin

Berlin 2008

k27_continued, Galerie Göttlicher in Krems,

2008

Ein Fest IV, Galerie Borchert+Schelenz

Österreich

2007

Ein Fest III, Galerie Borchert+Schelenz

2007

k27_revisited, Galerie Borchert+Schelenz

Synergie Hundert+3,

2006

interim II, Galerie Borchert+Schelenz

Galerie Borchert+Schelenz

2005

L.A. Series, Galerie KunstBuch BuchKunst, Berlin

Kunstherbst Schöneberg, Berlin 2006

Ein Fest II, Galerie Borchert+Schelenz Kunstherbst Schöneberg, Berlin

2003

L.A. Series, Galerie Göttlicher, Krems

1994

interim, ProjektRaum Zürich

2005

Ein Fest, Galerie KunstBuch BuchKunst Berlin

1990

Malerei im Raum, ProjektRaum Zürich

1992

Sommer II, Galerie Mark Müller, Zürich

1986

Elf, Studio Marien, Zürich

1991

Kunstszene 91+92, Stiftung für konstruktive und konkrete Kunst, Zürich

AUSSTELLUNGSBETEILIGUNGEN [Auswahl seit 1991] 2010

mehrfach _multiple, dr. julius | ap

MESSEBETEILIGUNGEN

15² Benefiz-Versteigerung 2010, Kunst macht

2011

Art Amsterdam, mit dr. julius | ap

Schule, 2. Dezember 2010, Hamburg

2010

Art Amsterdam, mit dr. julius | ap

Wir glauben an Dich, curated by Fridey

2009

Art.Fair 21, Köln, mit dr. julius | ap tease art fair #03, Köln, mit dr. julius | ap

Mickel, landsberger54.org, Berlin Preview at Concrete Geometries Research

2008

Berliner Liste, mit Galerie Borchert+Schelenz

Cluster, Architectural Association School of

05. berliner kunstsalon, mit dr. julius | ap

Architecture, London

tease art fair #02, Köln, k27_revisited [Solo]

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Torino I, 2009. Pigmentdruck auf Papier auf Karton, ca. 120 x 180 cm

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H1, 2010. Acryl auf Aluminium, 81 x 81 x 70 cm

Seite 28 und 29: LA_3d_VS_130109_01 [Detail], 2009. Rendering, Pigmentdruck auf Hahnem端hle B端tten, 67 x 205 cm

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One is two / two is one – I, 2009. Stahl mit Rostpatina, 132,8 x 53 cm

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Riki Mijling [ Niederlande ]

Arbeit und Leben sind für Riki Mijling eins: Frieden, Strenge und Einfachheit sind nicht auf das dingliche Endergebnis – das „Bild“ – beschränkt, sondern sie sind ein Teil des Schaffensprozesses sowie ihrer mentalen Einstellung zu Kunst und Leben. Mijlings Skulpturen besitzen zweifelsohne in den Nuancen des Finishs ihrer „Haut“ auch die Signatur der Autorin. Durch Schleifen und Polieren sind die ungleichmäßigen Stöße und Verbindungsnähte beseitigt, die Formen sind jedoch alles andere als industriell oder anonym. Die nicht-referentiellen, archetypischen Formen von Riki Mijlings Plastiken führen zurück zu grundlegenden Elementen, zur universellen Bedeutung zeitlos ursprünglicher Formen. Mijling hält sich in ihren Plastiken sehr bewusst und rigoros davor zurück, einen Eindruck von Bedeutung zu erzielen. Ihre Art und Weise des Reduzierens, des Weglassens dessen, was weggelassen werden kann, ist jedoch auch trügerisch: es ist keine Einschränkung, sondern eine Erweiterung der Bandbreite ihres Ausdrucks. Es sind Arbeiten, die einen Moment der Ruhe schaffen, zu Gelassenheit führen, zu Konzentration und Kontemplation. Und auch das, das Echo der Arbeiten auf den Betrachter, ist Resonanz. In den eigenen Worten Mijlings, es sind Arbeiten, die zur Stille einladen. Auszug aus „An invitation to silence“ von Antoon Melissen, Kunsthistoriker und Publizist

Work and life are one for Riki Mijling: peace, austerity and simplicity are not constricted by the tangible end result – the “picture” – but they are a part of the process of creation and her mental approach of art and life. Mijling’s sculptures also undeniably possess the signature of the creator with the nuances in the finish of their “skin”. By sanding and polishing the uneven bumps and joint seams are eliminated, but still the forms are anything but industrial or anonymous. The non-referential, archetypical forms of Riki Mijling’s sculptures lead back to basic elements, to universal significance of timeless original forms. Mijling refrains in her sculptures very conscienciously and rigorously from achieving an impression of importance. Her manner of reducing, leaving out what can be omitted is deceptive, however: it is not a limitation but rather an expansion of the range of her idiom. It is work which creates a moment of rest, leads to calmness, concentration and contemplation. And that too, the echo of the work on the observer, is resonance. In Mijling’s own words, it is work which invites to silence.

RIKI MIJLING, Bildhauerin 1954 geboren in Nijmegen, Niederlande, lebt und

2007

Art Karlsruhe, mit Galerie Rieder, München

arbeitet in Amsterdam und Amoreiras Gare, Portugal

Cologne Fine Art, mit Galerie Octagon,

1980 Examen an der Königlichen Akademie für Kunst

Amsterdam

und Design, Den Bosch, bei Jan van Munster

Boulevard des Arts, Kruithuis, Den Bosch 2006

Museum Beelden aan Zee, Scheveningen

AUSSTELLUNGEN UND MESSEN [Auswahl seit 2001]

Künstlerforum, Bonn

2010

Resonance, Galerie Artipoli, Noorden

Galerie Rieder, München

Reduction!, dr. julius | ap

Geometrisch Concreet X, Museum für

Art Amsterdam, mit Galerie Artipoli

konstruktive + konkrete Kunst, Mondriaanhuis, Amersfoort

Art Cologne, mit Galerie Rieder, München Galerie Rieder, München 2009

2005

Galerie Dom’Arte, Rucphen

Art Frankfurt, mit Galerie Octagon,

Galerie 15 A, Lochem

Amsterdam Kunst Köln, mit Galerie Octagon

Galerie Isabel Bilbao, Berlin Geldmuseum, Utrecht

2004

Art Amsterdam, mit Galerie nine,

2003

St. Joseph Galerie, Leeuwarden

Amsterdam

2002

Galerie Phoebus, Rotterdam

Galerie nine, Amsterdam

Museum für konstruktive + konkrete Kunst,

Galerie Artipoli, Noorden

Mondriaanhuis, Amersfoort Biennale Kleinplastik, Hilden

S.J. Galerie, Leeuwarden 2007

Galerie Dom’Arte, Rucphen Kunstverein Koblenz

Galerie Conny van Kasteel, Egmond aan Zee

2008

Galerie Kunen, Dülmen

Art Amsterdam, mit Galerie Dom’Arte Galerie Parade, Amsterdam

2001

Galerie Michael Schlieper, Hagen Galerie Conny van Kasteel, Egmond aan Zee

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sonic no. 18 [o.] und sonic no. 19, 2010. Beide テ僕 und Acryl auf Leinwand, 107 x 97 cm

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John Aslanidis [ Australien ]

Seit den frühen 1990er Jahren untersucht John Aslanidis kontinuierlich das Verhältnis von optischer und akustischer Kunst durch eine detaillierte Auseinandersetzung mit den Mustern von Wellen, Frequenzen und Schwingungen. Für Aslanidis ist es das Ziel der Malerei, eine chromatische Intensität zu erzeugen, die der Erfahrung des Musikhörens ähnelt. Durch das Studium historischer Kunststile wie des Futurismus und des Synchronismus konnte Aslanidis die Geschichte multi-sensorischer Techniken, wie etwa der Synästhesie, erforschen. Für die Verbindung von Form und Inhalt seiner Arbeit ist insofern entscheidend, dass seine Kompositionen sich für kulturelle Assoziationen eignen. Aslanidis ist auch im Bereich der elektronischen Musik aktiv und steht mit deren Sub-Genres wie Dub, Minimal Techno und Hip Hop in Verbindung. Einen Großteil seiner Inspiration als bildender Künstler hat er aus der Live-Musik und ihrem kulturellen Umfeld gezogen. Christopher Dean, Künstler und Kunsttheoretiker, Sydney College Of The Arts

Since the early 1990s John Aslanidis has continuously explored the relationship between optical and sonic art through a detailed examination of the patterns of waves, frequencies and vibrations. For Aslanidis the aim of painting is to create chromatic intensities that resemble the experience of listening to music. Through the study of art historical styles such as Futurism and Synchromism Aslanidis has been able to explore the history of multi-sensory techniques including synaesthesia. The connection between form and content in his work is crucial in that the compositions are qualified by their cultural associations. Aslanidis is an active participant in the field of electronic music whose work engages with sub-genres of electronica including dub, minimal techno and hip hop. As a visual artist much of his inspiration has come from listening to live music and participating in the culture that surrounds it.

JOHN ASLANIDIS, Maler 1961 geboren in Sydney, Australien,

AUSTELLUNGSBETEILIGUNGEN [Auswahl seit 2000]

lebt und arbeitet in Melbourne

2010

mehrfach _ multiple, dr. julius | ap Sight and Sound. Music and Abstraction in

EINZELAUSSTELLUNGEN [Auswahl]

Australian Art, The Arts Centre, Melbourne

2011

dr. julius | ap [Oktober]

2010

Gallery 9, Sydney

SNO 51, mit Susan Rosmarin und Gilbert

Block projects, Melbourne

Hsiao, SNO Gallery, Sydney

2008

Gallery 9, Sydney

2007

Mahoneys Gallery, Melbourne

2006

Gallery 9, Sydney

New York, N.Y.

Austral Avenue, Melbourne

Abstraction 7, Charles Nodrum Gallery,

TOBEY FINE ARTS, New York, N.Y.

Melbourne

2005

2009

The Shilo Project, Ian Potter Museum of Art

Drawing Folio Block Projects, Melbourne 2008

Criterion Gallery, Hobart

Gallery Selections, TOBEY FINE ARTS,

Final Show, Block Projects, Melbourne

2004

Fox Galleries, Brisbane

2003

TOBEY FINE ARTS, New York, N.Y.

Little Monsters, curated By Giles Ryder,

2002

PB Gallery, Swinburne University, Melbourne

Downtown Artspace, Adelaide

Metro Arts, Brisbane

Points of Departure [Six Australian painters],

2001

Eisenberg Gallery, Melbourne

kuratiert von John Aslanidis, TOBEY FINE

1999

Hotel Sofitel, Melbourne

ARTS, New York

1998

Stripp Gallery, Melbourne

2007

Verus Painters, TOBEY FINE ARTS, New York

Verus Painters, TOBEY FINE ARTS, New York

The Museum of Dirt, Melbourne

2006

Arts and Minds, Delmar Gallery Sydney

1997

151 Regent St, Sydney

2003

Abstraction 100 years later, Moscow Artists

1996

Pendulum, Sydney

Union, Moskau, Russland und TOBEY FINE ARTS, New York

Stripp Gallery, Melbourne 1995

The Beatty Gallery, Sydney

2002

Australia, Heidi Museum of Modern Art,

Two Walls Gallery, University of Sydney

Melbourne

Charles Sturt University, Wagga Wagga, NSW 1993

Pendulum, Sydney

Good Vibrations. The Legacy of Op Art in

2000

Lines, Fireworks Gallery Brisbane

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sonic network no. 7, 2010. テ僕 und Acryl auf Leinwand, 305 x 244 cm

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sonic network no. 4, 2008. テ僕 und Acryl auf Leinwand, 305 x 244 cm

Seite 38 und 39: sonic no. 20 [Detail], 2010. テ僕 und Acryl auf Leinwand, 107 x 97 cm

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STADTTEIL–RUNDGANG

1903

Auf dem Kartenausschnitt von 1903 ist die durch Bahntrassen bedingte stadträumliche Insellage deutlich erkennbar. Die gelben Quadrate markieren, von oben links beginnend, im Uhrzeigersinn heutige Standorte wichtiger Punkte im Gebiet: _ S-Bahnhof Julius-Leber-Brücke _ Schwerbelastungskörper, baulicher Rest der Germaniaplanung des „Dritten Reichs‘‘ _ Bahnhof Südkreuz _ ehemaliges Gaswerk Schöneberg mit der weithin sichtbaren Landmarke des 80 Meter hohen Gasometers sowie im Zentrum die Galerie dr. julius | ap

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Rote Insel Schöneberg dr. julius | ap in Berlin

Seit dem Jahr 2008 erarbeitet dr. julius | ap Ausstellungen und Projekte zu Kunst und Architektur im Haus Leberstraße 60 in Berlin-Schöneberg. Dort befindet sich auch die Galerie zur Neuen Konkreten + Architektur. Dieser Standort und die Vermittlung seiner Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft waren das Thema von Stadtteil-Rundgängen, die dr. julius | ap, gefördert durch den Kiezfonds Kolonnenstraße, der auch diese Publikation durch einen Druckkostenzuschuss unterstützt, in den Jahren 2008 und 2009 durchgeführt hat. Die so genannte Rote Insel Schöneberg entstand durch die Anlagen der ersten preußischen Eisenbahnstrecke von Berlin nach Potsdam sowie der Anhalter- und Ring-Bahn im 19. Jahrhundert. Auf dem Höhenzug des Teltow gelegen, wurde das Gebiet durch diese tief in das Gelände einschneidenden Trassen stadträumlich isoliert. In den Folgejahren bildete sich dadurch ein eigenes Milieu zwischen Arbeitern, Klein-Beamten und Militär-Angehörigen heraus. Die Anlage eines großen Miltärbahnhofs folgte aufgrund der direkten Anbindung an die Fernbahnen. Im „Dritten Reich war der sozialdemokratische Widerstandskämpfer Dr. Julius Leber, als Kohlenhändler getarnt, hier untergetaucht, bevor er nach Verrat verhaftet und schließlich im Januar 1945 hingerichtet wurde. Die Leberstraße, Haupterschließungsstraße des Viertels, sowie der 2008 wieder eröffnete S-Bahnhof Julius-LeberBrücke sind ebenso nach ihm benannt, wie sich der Name dr. julius | ap auf ihn bezieht. Bekannt ist die Straße auch durch das Geburtshaus von Marlene Dietrich [Leberstraße 65]. Heute ist das Gebiet infrastrukturell bestens erschlossen: der zweitgrößte Berliner Bahnhof, das Südkreuz, und die S-Bahnen binden es hervorragend und schnell sowohl an das Berliner Zentrum als auch überregional sowie an den neuen Flughafen in Schönefeld an. Zudem sind Projekte wie etwa der Stadtumbau-West oder die Entwicklung des Gasometer-Standorts bereits in der Realisierungsphase und werden das Gebiet unweigerlich weiter aufwerten. Die hier von dr. julius | ap geleistete Kulturarbeit trägt dazu auf bescheidene aber sichtbare Weise bei.

Leberstraße 60, Ecke Leuthener Straße, Sitz von dr. julius | ap. Im Hintergrund das Industriedenkmal Gasometer

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dr. julius | ap LeberstraĂ&#x;e 60 D–10829 Berlin +49+3024374349 www.dr-julius.de info@dr-julius.de


ISBN 978-3-939855-22-4

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NEUE KONKRETE + ARCHITEKTUR

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NEUE KONKRETE + ARCHITEKTUR

Neue Konkrete + Architektur  

Surface Artbook 303. Hg. Matthias Seidel, 2011, 88 Seiten, durchgehend farbig bebildert Mit Arbeiten von 14 Künstlern umreißt der Berliner G...

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