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Freitag, 3. Juli 2020, 18 & 21 Uhr Helmut List Halle

Romantische Nacht

E. T. A. Hoffmann (1776-1822)

Quintett in c für Harfe und Streichquartett 1. Satz: Allegro moderato Lesung aus: E. T. A. Hoffmann

„Der goldne Topf“ Erste Vigilie. Die Unglücksfälle des Studenten Anselmus. Zweite Vigilie. Wie der Student Anselmus für betrunken und wahnwitzig gehalten wurde. Die Fahrt über die Elbe. Die Bravourarie des Kapellmeisters Graun.

Quintett in c für Harfe und Streichquartett 2. Satz: Adagio Fünfte Vigilie. Die alte Lise. Das Aequinoctium.

Quintett in c für Harfe und Streichquartett 3. Satz: Finale: Allegro Sechste Vigilie. Das Haus des Archivarius Lindhorst. Der goldne Topf.


Gabriel Fauré (1845–1924)

Une châtelaine en sa tour (Eine Schlossherrin in ihrem Turm) für Harfe solo Siebente Vigilie. Rembrandt und Höllen-Breughel. Der Zauberspiegel. Felix Mendelssohn (1809-1847)

Streichquartett in f, op. 80 2. Satz: Scherzo: Allegro assai Am nächsten Morgen. Des Doktors Eckstein Rezept gegen eine unbekannte Krankheit.

Lesung: Peter Simonischek

Pacific Quartet Vienna: Yuta Takase, Violine Eszter Major, Violine Chin-Ting Huang, Viola Sarah Weilenmann, Violoncello Christoph Bielefeld, Harfe

Die gelesenen Texte stammen aus: Fantasiestücke in Callot’s Manier, 2. Auflage, 2. Band (Bamberg 1819) Textauswahl: Josef Beheimb


Freitag, 3. Juli 2020, 19.30 Uhr Helmut List Halle

Romantische Nacht Felix Mendelssohn (1809-1847)

Streichquartett in f, op. 80 2. Satz: Scherzo: Allegro assai Lesung aus: Joseph von Eichendorff (1788-1857)

Das Marmorbild Teil 1: Der junge Florio, der Sänger und der unheimliche Ritter E. T. A. Hoffmann (1776-1822)

Quintett in c für Harfe und Streichquartett 1. Satz: Allegro moderato Teil 2: Das Marmorbild

Quintett in c für Harfe und Streichquartett 2. Satz: Adagio Teil 3: Der Spuk

Quintett in c für Harfe und Streichquartett 3. Satz: Finale: Allegro Teil 4: Die Auflösung


Gabriel Fauré (1845-1924)

Une châtelaine en sa tour (Eine Schlossherrin in ihrem Turm) für Harfe solo

Lesung: Peter Simonischek

Pacific Quartet Vienna: Yuta Takase, Violine Eszter Major, Violine Chin-Ting Huang, Viola Sarah Weilenmann, Violoncello Christoph Bielefeld, Harfe

Die gelesenen Texte stammen aus: Frauentaschenbuch für das Jahr 1819 (Nürnberg 1819) Textauswahl: Josef Beheimb

Patronanz:

Dauer der Veranstaltung: ca. 60 Minuten Vorspiel: etwa 10 Minuten

Hörfunkübertragung: Freitag, 17. Juli 2020, 19.30 Uhr, Ö1

verfügbar ab Samstag, 4. Juli um 18 Uhr auf https://styriarte.com/styriarte-2020-streaming/


17.40 / 19.10 / 20.40 Uhr

Poltergeisttrio William Bolcom (*1938)

The Poltergeist (Rag Fantasy) (1971) Rudolf Nelson (1878–1960)

Ich bin dein Nachtgespenst (1929) Pat Ballard (1899–1960)

Mr. Sandman (1954) Anna Heimrath, Gesang & Gitarre Charlotte Hirschberg, Gesang & Cello Tobias Kochseder, Akkordeon

Auch eine romantische Nacht braucht ihre Geisterstunde – und die wird heute vom „Poltergeist“ eingeläutet. In der virtuosen Rag-Fantasie des US-Amerikaners William Bolcom von 1971 scheint es mitunter, als würde der Poltergeist in Gestalt dissonanter und atonaler Einsprengsel durch die Ritzen der Tastatur tanzen. Weitaus konkreter war das Nachtgespenst, das Kurt Gerron 1929 in einem Schlager von Rudolf Nelson besang. In diesem Jahr ging in Berlin ein geheimnisvoller Einbrecher um, der Frauen nachts in ihren Schlafzimmern heimsuchte. Der männliche Galgenhumor, der seine Grapschereien halb so schlimm fand, ist ja Gott sei Dank ausgestorben. Immer noch spürbar ist heute die Ratlosigkeit angesichts einer grotesken Bedrohung, vor der sich Friedrich Hollaenders Text in halbseidene Witze flüchtet. Völlig harmlos und überaus beliebt ist der dritte Geist im Bunde: „Mr. Sandman“, für den Pat Ballard 1954 einen wahren Ohrwurm schrieb. Wir hören heute eine ganz individuelle Variante der prachtvollen vierstimmigen A-cappella-Fassung, die das Frauenquartett The Chordettes einst schlagartig berühmt machte.


Langeweile gehört sich nicht.

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Romantische Nacht

„Ein Märchen aus der neuen Zeit“. So nannte E. T. A. Hoffmann seine Erzählung „Der goldne Topf“, die er 1819 in zweiter Fassung publizierte. Im gerade beginnenden Biedermeier riss er nächtliche Abgründe des Fantastischen auf. Das tat auch Joseph von Eichendorff in seiner Novelle „Das Marmorbild“, die ebenfalls 1819 erschien. Peter Simonischek liest aus beiden Erzählungen. Die musikalischen Intermezzi stammen stilecht von Hoffmann und Mendelssohn.


Ad notam

Zwei Nachtmärchen der Romantik „Lasst das, die Melancholie, den Mondschein und alle den Plunder; und geht’s auch manchmal wirklich schlimm, nur frisch heraus in Gottes freien Morgen und da draußen sich recht abgeschüttelt; im Gebet aus Herzensgrund – und es müsste wahrlich mit dem Bösen zugehen, wenn Ihr nicht so recht durch und durch fröhlich und stark werdet!“ So spricht der Sänger Fortunato zu dem jungen Helden Florio in Eichendorffs Erzählung „Das Marmorbild“. Der Gegensatz zwischen Nacht und Tag, Mondschein-Fantasien und morgendlicher Helle durchzieht auch Hoffmanns „Goldnen Topf“. In beiden Geschichten geht es „mit dem Bösen zu“, das letztlich vom Guten überwunden wird. „Die Kunst bändigt die wilden Erdengeister, die aus der Tiefe nach uns langen.“ So sagt es Eichendorffs Sänger Fortunato. In der Nacht zuvor hat er den jungen Florio mit einem frommen Lied aus den Banden eines grässlichen Zaubers erlöst. Bei Hoffmann ist es die junge Veronika, die sich in die Fänge einer widerlichen Alten begibt und von einem Adler in letzter Sekunde gerettet wird. Eichendorffs Frühlingsmärchen spielt in der toskanischen Stadt Lucca und ihrer wundervollen Umgebung. Hoffmanns Herbst­ novelle ereignet sich in Dresden und seiner Elblandschaft. Beide Naturbilder können unversehens in grauenvolle Stürme umschlagen – Vorboten des Bösen und Widerspiegelungen der Kämpfe, die von den jungen Helden zu bestehen sind. Doch während Eichendorff sich ganz dem Schönen hingibt, dem Italien der Renais-


sance mit seinen Rittern, Sängern und stolzen Frauen, brechen Hoffmanns Abgründe mitten im bürgerlichen Dasein des Biedermeier auf. Seine Konturen sind hart und grotesk, die Eichendorffs weich und märchenhaft. Bei Hoffmann stehen die Vertreter der bürgerlichen Ordnung ratlos den romantischen Anflügen der Jugend gegenüber, denn der Preuße aus Königsberg war Realist und Fantast zugleich. Die Helden des Schlesiers Eichendorff bleiben immer schön – ein Romantiker durch und durch.

Der goldne Topf Der Student Anselmus ist ein Wirrkopf. Am schwarzen Tor in Dresden rennt er in die Obstkörbe einer hässlichen Alten hinein, die ihn verflucht: „Renne nur zu, Satanskind — ins Kristall bald Dein Fall!“ Noch ganz benommen hört er unter einem Holunderbaum plötzlich zischelnde Stimmen: „Zwischen Zweigen, zwischen schwellenden Blüten, schwingen, schlängeln, schlingen wir uns.“ Drei kleine goldgrüne Schlangen tauchen über ihm auf. Eine zieht ihn so in ihren Bann, dass er den Holunderbaum umarmt. Die Umstehenden wundern sich. Noch kann Anselmus nicht ahnen, dass hier zwei Mächte miteinander ringen: die böse Hexe, die sich hinter der Alten verbirgt, und die Tochter des Archivarius Lindhorst, die eine verwandelte Schlange ist. Anselmus wird sich bald in sie verlieben, nachdem er bei ihrem Vater als Schreiber angefangen hat. Derweil machen sich der Konrektor Paulmann und der Registrator Heerbrand Gedanken um die Zukunft des jungen Mannes. Das tut auch Paulmanns Tochter Veronika, denn sie hat sich bei einem Elbausflug in Anselmus verliebt. Da sie spürt, dass er in die Fänge einer anderen Frau geraten ist, nimmt sie zu einer Alten Zuflucht, die sich auf die Zauberkunst versteht: Es ist die Hexe mit den Obstkörben. In der stürmischen Nacht des 23. September, beim „Aequinoctium“, schleppt die Alte die arme Veronika aufs Feld und beginnt ihren Zauber, angeblich um Anselmus an das Mädel zu binden, in Wahrheit um ihn zu vernichten. Doch das verhindert ein Adler aus der Höhe. Als Veronika am nächsten Morgen erwacht,


muss sie mit Entsetzen feststellen, dass dies alles nicht nur ein böser Traum war. Ihr Vater und der Arzt können sich nicht erklären, was dem Mädel fehlt ...

Das Marmorbild Ein junger Mensch namens Florio lernt auf dem Weg nach Lucca den Sänger Fortunato kennen und schätzen. Bei einem Fest in der Nähe gesellt sich der unheimliche Ritter Donati hinzu. Als die drei am nächsten Morgen in die Stadt hineinreiten wollen, scheut Donatis Pferd. Wie verflucht eilt der Ritter davon. Fortunato nennt ihn einen „Mondscheinjäger“, doch Florio versteht die Anspielung nicht. Bei einem Nachtspaziergang hat er an einem Teich das wundersame Marmorbild der Liebesgöttin Venus erblickt, das ihn erst magisch angezogen und dann mit Grauen erfüllt hat. Vergeblich versucht er, das Bild wiederzufinden, und stößt dabei auf ein nächtliches Fest bei einer schönen Dame, die dem Venusbild gleicht. Eines Abends lädt Donati den jungen Mann noch einmal in den Palast seiner geheimnisvollen Freundin ein. Gerade als sie ihre Verführungskunst an Florio erproben möchte, ertönt aus der Ferne ein frommes Lied. Plötzlich verwandelt sich der Palast in ein Spukschloss und die schöne Frau in das bleiche Marmorbild der Venus. In letzter Sekunde gelingt es Florio zu fliehen. Als er am nächsten Morgen mit Fortunato an demselben Hügel vorüberreitet, stehen dort nur Ruinen. Fortunato erzählt, dass dort die Liebesgöttin Venus hause. In Frühlingsnächten treibt sie ihr Unwesen und lockt junge Männer in ihre Fänge, die danach dem Wahnsinn verfallen. Als Florio ihn fragt, ob er auch gestern dort gewesen sei, erzählt er von seinem frommen Lied, doch er habe nichts Unheimliches bemerkt ...

Zwei Erzählungen anno 1819 Just 1819, als sich im böhmischen Karlsbad die Mächtigen Europas trafen, um die Reste von Freiheit in der Gesellschaft durch die


„Karlsbader Beschlüsse“ auszutilgen, erschien im kleinen Bamberg die Neuauflage eines brandgefährlichen Werkes, das einen seltsamen Titel trug: „Fantasiestücke in Callot’s Manier“. Ein bizarrer Autor nahm sich die grotesken Einfälle eines französischen Kupferstechers aus dem 17. Jahrhundert zum Vorbild. Dagegen war nichts einzuwenden, wohl aber gegen den Untertitel: „Blätter aus dem Tagebuche eines reisenden Enthusiasten“. „Enthusiasmus“ war eine jener Aufwallungen des Gemüts, die Metternich und seine Kollegen unter allen Umständen unterdrücken wollten. Denn derlei Aufbegehren gegen die bürgerliche Ordnung, wie sie auch Hoffmanns junge Helden umtreibt, war die Brutstätte des Umsturzes. Auch beim Untertitel der zweiten Erzählung im zweiten Band wurde der Zensor hellhörig: „Der goldne Topf. Ein Mährchen für die neue Zeit“. Die „neue Zeit“ wollte man in der Literatur am liebsten gar nicht reflektiert sehen. Dass der Autor ein preußischer Staatsbeamter war, den man seinerzeit 1807 nach dem Zusammenbruch Preußens ohne Gehalt ins fränkische Bamberg hatte ziehen lassen müssen, machte die Sache nicht einfacher. Denn mittlerweile war er in Berlin wieder in Amt und Würden – eine verdächtige Quadrupelexistenz zwischen Juristerei, Literatur, Musik und unbotmäßigen Karikaturen. Gegen Joseph Fr­eiherrn von Eichendorff, den Juristen aus altem, oberschlesischem Adel, war dagegen nichts einzuwenden. Seit 1816 wirkte er als tadelloser Referendar im preußischen Staatsdienst in Breslau. Die Zeiten, in denen der junge Mann bei Fichte Philosophie und bei Thibaut Rechtswissenschaft gehört hatte, lagen lange zurück. Dass er als Lützow’scher Jäger gegen Napo­leon gekämpft hatte und mit den Siegern in Paris eingezogen war, machte ihn noch nicht verdächtig. Man musste schon sehr genau hineinsehen, um aus seinen schwärmerischen Naturschilderungen den romantischen „Ungeist“ herauszulesen. So erschien denn sein Märchen „Das Marmorbild“ auch an gänzlich unverdächtiger Stelle: Im „Frauentaschenbuch für das Jahr 1819“, in Nürnberg herausgegeben von de la Motte Fouqué. Spätgotische Frauen­


gestalten in häuslicher Genügsamkeit zieren schon den Titel dieses 400-Seiten-Bandes, der die jungen Frauen auf ihre Rolle als Hausfrau an Webstuhl und Spinnrad, als Mutter und getreue Ehefrau festlegte. Dazu passte Eichendorffs Erzählung von den verwerflichen Verführungskünsten der Venus, denen der junge Florio beinahe erlegen wäre. Ganz so einfach war die Sache freilich nicht: Unter dem Deckmantel des bloß Beschaulichen wurden auch hier romantische Inhalte vermittelt, die das System auf andere Weise unterhöhlten, indem sie ungestillte Sehnsucht besangen. Gedichte von Byron und vielen heute vergessenen Romantikern waren weit weniger harmlos, als es schien – auch Eichendorffs „Marmorbild“.

Zur Musik Als Jurist im preußisch annektierten Teil Polens begann Ernst Theodor Amadeus Hoffmann 1800 seine Karriere als Komponist – aus purer Langeweile in der tiefsten Provinz. 1804 wurde er nach Warschau versetzt, wo er bis zum Einmarsch Napoleons blieb. Die drei Jahre dazwischen zählten zu den glücklichsten seines Lebens. Im Mniszech-Palast leitete er die Konzerte der Musikgesellschaft. Dort brachte er vermutlich 1806 sein Quintett für Harfe und Streichquartett zur Aufführung. Dieses zutiefst romantische Werk ist im selben Jahr erklungen, in dem Beethoven in Wien seine „Rasumowsky-Quar­tette“ komponierte. Zwar scheiterte sein Versuch, in Bamberg den Kapellmeister zu spielen, doch blieb er am dortigen Theater als Hauskomponist. Gleichzeitig erfand er die Figur des Kapellmeisters Kreisler, so dass seine literarischen Meisterwerke fortan von Musik durchdrungen waren. Seine eigenen Kompositionen erfreuten sich auch nach der Rückkehr in die Hauptstadt Berlin einer gewissen Popularität: 1816 kam seine Oper „Undine“ am Gendarmenmarkt mit den Bühnenbildern von Schinkel heraus. Selbst als Kammergerichtsrat in Berlin und schon angesehener Dichter bewarb er sich immer wieder vergeblich um Kapellmeisterposten. Seine dritte Begabung als Zeichner hatte ihn


schon 1802 mit der preußischen Staatsmacht in Konflikte gestürzt. Diese frühen Karikaturen und eine literarische Karikatur auf den mächtigsten Mann im Berliner Polizeiministerium ließen die Obrigkeit 1822 gnadenlos zuschlagen, obwohl der Dichter damals schon gelähmt und ans Bett gefesselt war. Im Juni 1822 ist er im Alter von 46 Jahren verstorben. Neben dem Hoffmann-Quintett bildet das Scherzo aus Felix Mendelssohns f-Moll-Quartett einen passenden Kommentar zu den Nachtszenen der beiden Erzählungen. Mendelssohn komponierte sein letztes Streichquartett im Sommer 1847, tief erschüttert vom plötzlichen Tod seiner Schwester Fanny. Von Schmerz verzerrt ist auch das so genannte „Scherzo“, an dem nichts Scherzhaftes mehr ist. Das Harfensolostück im Programm stammt von Gabriel Fauré, dem „Vater des Impressionismus“, und beschreibt „Une châteleine en sa tour“, eine Burgherrin in ihrem Turm.

Josef Beheimb


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Freitag, 3. Juli 2020, 23 Uhr Helmut List Halle

In iij. Noct. Georg Friedrich Haas (*1953)

3. Streichquartett, „In iij. Noct.“ (2001) ANFANG A (Saitengeräusche) B (Obertonakkord, Typ 1) C (Obertonakkord, Typ 2) D (Wyschnegradsky-Akkord, Typ 1) E (Wyschnegradsky-Akkord, Typ 2) F (Unisono, eingetrübt) G (expressive Gesten) H (Pizzicato-Wolken) J (extrem hohe Töne) K (wandernde Obertonakkorde) L (Glissandi in neutralen Sekunden) M (wandernde Triller) N (Duo 1) O (Duo 2) P (Pizzicato-Quadrupelgriffe und hohe Doppelgriffe) Q (Gesualdo-Zitat) SCHLUSS

Pacific Quartet Vienna: Yuta Takase, Violine Eszter Major, Violine Chin-Ting Huang, Viola Sarah Weilenmann, Violoncello Dauer der Veranstaltung: mindestens 35 Minuten


Ad notam

Streichquartett zur dritten Nachtwache In seinem dritten Streichquartett „In iij Noct.“ von 2001 hat der Grazer Komponist Georg Friedrich Haas seine Experimente mit dem Musizieren im Dunkeln auf die Spitze getrieben: Das gesamte Werk wird in totaler Finsternis gespielt. Die Musiker sitzen in größtmöglicher Distanz zueinander und das Publikum um sie herum. Ein musikalisches Zitat aus den Responsorien zur Kar­woche von Don Carlo Gesualdo gab dem Werk seinen Namen. Der Fürst von Venosa und Meister der neapolitanischen Chromatik veröffentlichte seine ergreifenden Chorsätze 1603. Sie wurden in den so genannten „Finstermetten“ der Karwoche aufgeführt, ebenfalls in fast vollkommender Dunkelheit. Aus dem siebten Responsorium des Gründonnerstags (Feria V) hat Haas ein Zitat entnommen, das gegen Ende seines Quartetts erklingen soll, wie in der Karwoche „In III Nocturno“. Dabei bleiben aber viele Entscheidungen über die tatsächlich erklingende Musik den Ausführenden überlassen: „Grundsätzlich ist innerhalb der verbal angegebenen Rahmenbedingungen eine größtmögliche Vielfalt und Unterschiedlichkeit anzustreben. Die Tonhöhen sollen variieren, eine an Webern orientierte Melodik sollte dabei immer wieder durchschimmern.” So steht es in der Partitur. Bálint Varga meinte dazu in seiner Einführung: „Viele Details und Entscheidungen sind den InterpretInnen überlassen, die sich ausschließlich durch den Klang ihrer Musikinstrumente miteinander verständigen, sich gegenseitig zur Gestaltung bestimmter musikalischer Prozesse einladen, diese Einladungen dann entweder annehmen oder aber selbst wiederum zur Gestaltung eines anderen Prozesses einladen.“ Dadurch entscheidet sich auch die Länge des Quartetts bei jeder Aufführung neu. Es sollten mindestens 35 Minuten sein.


Georg Friedrich Haas, 1953 in Graz geboren und in Vorarlberg aufgewachsen, studierte an der Grazer Musikuniversität bei Iván Eröd und Gösta Neuwirth. Nicht nur als Festredner zum 50. Geburtstag des steirischen herbsts hat er für Aufsehen gesorgt. Seine beiden Bregenzer und seine drei Schwetzinger Opern (u. a. „Nacht“ und „Bluthaus“) wurden ebenso gefeiert wie seine Orchesterstücke und Ensemblewerke. Er ist Mitglied in der Akademie der Künste zu Berlin, Träger des großen Österreichischen Staats­ preises, des Musikpreises Salzburg und anderer Auszeichnungen.

Josef Beheimb


Die Interpreten Peter Simonischek, Lesung Peter Simonischek wurde an der Akademie für Musik und darstellende Kunst in seiner Geburtsstadt Graz ausgebildet. Bereits während seiner Studienzeit trat er am Schauspielhaus Graz auf, danach folgten Engagements am Stadttheater St. Gallen, Bern, Darmstadt und am Düsseldorfer Schauspielhaus. Ab 1979 gehörte er 20 Jahre lang dem Ensemble der Berliner Schaubühne an. Bei den Salzburger Festspielen war er ab 1982 mehrfach zu erleben. 2002 bis 2009 spielte er dort im „Jedermann“ die Titelrolle. Seit 1999 ist er Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters, wo er in zahlreichen Rollen in Stücken so unterschiedlicher Autoren wie Schiller, Kleist oder auch Ibsen, Horvath, Fosse und Ostermaier zu sehen ist. Seit Ende der 70er-Jahre ist er auch regelmäßig im Kino präsent. 2016 bekam er den Europäischen Filmpreis als bester Darsteller für die Titelrolle in „Toni Erdmann“. An der Wiener Staatsoper ist er seit 2011 als Frosch zu erleben. Bei der styriarte in Graz tritt er häufig als Lesender in Erscheinung.

Christoph Bielefeld, Harfe Christoph Bielefeld studierte Harfe bei Helga Storck in München, bei Catherine Michel und Julie Palloc in Zürich sowie bei Marie-Pierre Langlamet in Berlin. Schon während der Schulzeit spielte er im Bundesjugendorchester und war 2011 Mitglied des Gustav-Mahler-Jugendorchesters. Der mehrfach mit Preisen


Ausgezeichnete war Stipendiat der Kammermusik-Akademie Villa Musica, die ihm 2009 einen Förderpreis verlieh. Zahlreiche SoloRecitals und Kammerkonzerte in verschiedensten Besetzungen führten ihn quer durch Europa und bis nach Südafrika. In der Saison 2011/12 war er als Soloharfenist am Theater Altenburg/Gera engagiert und als Substitut stand er mit Orchestern wie den Berliner Phil­ har­monikern, dem RSO Wien, den Hamburger Philharmonikern u. v. m. auf der Bühne. Seit 2015 ist Christoph Bielefeld Soloharfenist im Bruckner Orchester Linz, und seit 2018 Assistent von Stephen Fitzpatrick am Mozarteum in Salzburg.

Pacific Quartet Vienna Ihre Leidenschaft für die Königsdisziplin der Kammermusik, das Streichquartett, bewog die vier jungen MusikerInnen zur Gründung des multinationalen und inzwischen international bekannten Pacific Quartet Vienna (PQV). 2015 gewann das PQV den 1. Preis, den Publikumspreis und den Preis für die beste Interpretation eines Werkes von Joseph Haydn am 6. Internationalen Joseph Haydn Kammermusikwettbewerb in Wien. Weiters gewann es 2016 den August-PickhardtPreis der Stadt Basel und 2017 den New Austrian Sound of Music Preis. Auftritte im Rahmen von renommierten Festivals wie der sty­ riar­­t e, dem Ravenna Festival, dem Kalkalpen


Festival oder dem Lucerne Festival sowie regelmäßige Konzerte in den großen Sälen der Welt gehören ebenso zum Tourneeplan wie privat organisierte Hauskonzerte. Parallel zum Fokus des Quartetts auf klassische Komponisten der 1. und 2. Wiener Schule hat das Pacific Quartet Vienna interkulturelle Austauschprogramme zwischen Europa (Schweiz / Österreich) und Asien (Japan / Taiwan) zu seinen Aktivitäten hinzugefügt, was in den letzten Jahren zu ausgedehnten Tourneen in den oben ­erwähnten Ländern führte. Außerdem hat das Quartett ein spezielles Märchenkonzert-Programm entwickelt, womit die Kleinen und die Großen die Klänge, die Sprache und die Philosophie von verschiedenen Kulturen mit Spaß und Neugier genießen können.

Anna Heimrath, Gesang & Gitarre AnJosef, auch bekannt als Anna Heimrath, ist sicherlich eine der talentiertesten aufstrebenden Sängerinnen und Songwriterinnen Europas. Ihre außergewöhnliche Stimme und ihren einzigartigen Stil stellte sie in der Talenteshow „The Voice of Germany 2017“ unter Beweis, wo sie es bis ins Finale schaffte. Nach ihrem Auftritt in der Show konnte sie schnell eine riesige Fangemeinde und ein großes Publikum aufbauen, insbesondere nach ihren eigenen Interpretationen von Songs wie „Fix You“ von Coldplay. Fans, Trainer und Freunde wie die Fantastischen Vier, Beth Ditto, James Blunt, Yvonne Catterfeld und Mark Forster waren von ihrer Stimme begeistert. Ihre Debütsingle „Hide & Seek“ erschien 2019 und schaffte es sofort in die Top 10 Airplay Charts. Nun erschien die Folgesingle „Petit Voyage“ als Vorläufer ihres ersten Albums mit dem Produzententeam welovestockholm.


Charlotte Hirschberg, Gesang & Cello Geboren in Konstanz (Deutschland) erhielt Charlotte Hirschberg schon mit sechs Jahren ersten Musikunterricht bei ihrer Mutter Christina. Später kam sie ans J.-J.-FuxKonservatorium zu Christian Peyr, wurde in die Vorbereitungsklasse an der KUG bei Andrea Molnar aufgenommen und studierte schließlich bei Kerstin Feltz Cello Konzertfach und IGP. Nach dem Abschluss 2019 begann sie gleich noch ein Lehramtsstudium in Musik und Mathematik. Übefreie Stunden werden seither meist mit dem Knobeln über Additionstheoreme und vollständige Induktionen verbracht. Charlotte spielt bei recreation-Großes Orchester Graz und ist auch mit dem Trio Floreo (Harfe-Klarinette-Cello) primär im Bereich neue Musik und Weltmusik zu erleben. Ihre Vielseitigkeit beweist sie auch als Mitglied der Band „I love milk.“ Und sie ist von Freunden auf Spieleabenden gefürchtet, wurde sie doch erzogen nach dem Motto „Ich spiel ja nicht um zu verlieren“.

Tobias Kochseder, Akkordeon Tobias Kochseder, 1999 in Graz geboren, erlebte seine Anfänge am Akkordeon mit sieben Jahren an der privaten Musikschule Fröhlich. 2012 wechselte er ans J.-J.-Fux-Konservatorium, seit Oktober 2017 studiert er an der KUG IGP Klassik und Akkordeon, zuerst bei Georg Schulz, nun bei Na Song. Seine künstlerische Vielseitigkeit und stilistische Breite, die sich vom klassischen Akkordeonrepertoire aus


Haltungsübung Nr. 16

Blickwinkel ändern. Haltungsübung für Fortgeschrittene: Legen Sie jeden Tag ein paar Mal den Kopf zur Seite und betrachten Sie die Welt aus einem anderen Blickwinkel. Das ist gut für den Nacken. Und noch besser für Ihren Kopf. derStandard.at

Der Haltung gewidmet.


Barock über Tango und Jazz bis zum Rock ’n’ Roll erstreckt, beweist er etwa beim Dudelsackfestival in Strakonice, Tschechien oder bei Jazzkonzerten mit seinem brasilianischen Trio „Raiz de Lis“. Als Keyboarder kann man ihn auf der CD „mistakes were made“ der Grazer Rock/Pop-Band „A few mistakes ago“ hören, und auf dem Bandoneon spielte er auch Tango. Er nimmt seit 2018 auch Unterricht bei Christian Bakanic in Jazz und Popularmusik und spielt mit dem chilenischen Cellisten Eduardo Antiao Barría im Duo „Portes de Fer“.


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Aviso Mittwoch, 8. Juli / Donnerstag, 9. Juli Helmut List Halle, 18 / 19.30 / 21 Uhr

Una notte veneziana Concerti von Vivaldi, eine Liebesnacht alla Casanova (nur gelesen) und die Arien einer echten venzianischen Primadonna

Palais Attems.Hofkapelle Leitung: Michael Hell, Blockflöte & Cembalo Tetiana Miyus, Sopran Eva Maria Pollerus, Hammerflügel Lesung & Moderation: Chris Pichler Eine Nacht in einem venezianischen Palazzo mit allem, was dazugehört: mit Flötentönen alla Vivaldi, mit dem Silberklang einer Primadonna und den gewagten Stellungen des Giacomo Casanova. Auf der Bühne sieht man drei Räume: links Michael Hell und seine Barockmusiker, die furiosen Vivaldi spielen; rechts die Sopranistin Tetiana Miyus, die mit Eva Maria Pollerus hinreißende Arien aus dem Repertoire der Adriana Ferrarese aufführt. In der Mitte Chris Pichler als Casanova, der erklärt, wie all das zusammenhängt, und sich gleichzeitig auf seine berühmte Liebesnacht mit M. M. vorbereitet.


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Aviso Freitag, 10. Juli / Samstag, 11. Juli Helmut List Halle, 18 / 19.30 / 21 Uhr

Pastorale.SOAP Beethoven: Symphonie Nr. 6 in F, op. 68, „Pastorale“

styriarte Festspiel-Orchester Dirigent & Moderation: Andrés Orozco-Estrada Vorspiel im Foyer

Die styriarte nimmt das unterbrochene Beethovenjahr 2020 wieder auf – mit der heitersten Sinfonie des Meisters, der „Pastorale“. Andrés Orozco-Estrada dirigiert die Sechste als ungebrochene Huldigung an die Natur: rauschende Blätter, plätschernde Wellen, säuselnde Winde und trillernde Vögel – eine sonnige Tag-Sinfonie in der Nacht-styriarte. „Mehr Ausdruck der Empfindung als Malerei“, so wollte der Meister dieses Werk verstanden wissen, und so wird es vom Maestro aus Wien dirigiert.


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Romantische Nacht und In iij. Noct.  

Programmheft 3.7., Helmut List Halle styrairte 2020

Romantische Nacht und In iij. Noct.  

Programmheft 3.7., Helmut List Halle styrairte 2020

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