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#2/2021

„We love Fashion! We change Fashion!“ Daniel Grieder

Im Zentrum das Leben. Was Innenstädte pulsieren lässt. The Magic of Human Touch. Warum Retail eine große Zukunft hat. New New Menswear. Alles andere ist von gestern.

€ 15,00


ALPHATAURI.COM


© Jean Nouvel, Gilbert Lézénès, Pierre Soria et Architecture-Studio / Adagp, Paris, 2021


strellson.com


#wearindependent


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Prost, Style-Kameraden!


LU I ST RENKER.CO M

25 Jahre Drykorn, 25 Jahre Stephan Huber und Style in Progress, 25 Jahre Luis Trenker. Das muss gefeiert werden. Lieber Marco Götz, lieber Stephan Huber: Auf uns!

Für alle, die die aktuelle Herbst/Winterkollektion nachbestellen wollen: shop@luistrenker.com Allen anderen verrate ich gerne persönlich alles über die Sommerkollektion 2022: michi@luistrenker.com


Wer uns beauftragt, erwartet Kreativität, Leidenschaft, Zielstrebigkeit, Professionalität und den etwas anderen Blickwinkel. Wer uns beauftragt, bekommt genau das und einiges mehr. Wir sind unbequem und geben uns nicht zufrieden, bevor Sie zu 100 Prozent zufrieden sind. Denn: Machen ist wie Wollen … nur krasser!

FUNKY_NOW GmbH, Berner Straße 30, 60437 Frankfurt am Main info@funkynow.de, www.funkynow.de


Sie suchen einen Logistikdienstleister für Textilien, Accessoires oder kleinteilige Produkte? Senden Sie Ihre Anfrage an: info@logfash.com

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EDITORIAL

Coverfoto: Boss

Ein neuer Anfang Liebe Leserinnen und Leser, es fühlt sich wie ein ganz neuer Anfang an: Ob bei unserem Coverinterview-Gast Daniel Grieder („Kreativität ist die wichtigste Ressource“, ab Seite 088), der am 1. Juni endlich seine neue Berufung als CEO von Hugo Boss antreten konnte, oder bei spektakulären Eröffnungen wie Browns Brook Street in London (Benchmark, ab Seite 112). Holli Rogers, Browns Aufsichtsrätin und Farfetch Chief Brand Officer, spricht von einer Zeitenwende im Retail. Nicht ohne Grund haben wir „The Bright Future of Fashion” zum Motto dieser Ausgabe erkoren, wie Stephan Huber in seinem Kommentar (Welcome to The Bright Future of Fashion!, ab Seite 096) erklärt. Denn Zukunft begegnet uns auf so vielen Ebenen in dieser Branche. Ob Unternehmer wie Funky Staff Gründer Uwe Bernecker, die Initiative ergreifen, wo immer sie sich ihnen bietet (Mal vier, ab Seite 149) oder Weggefährten wie Marco Götz von Drykorn und Michi Klemera von Luis Trenker, die beim Spaziergang mit Stephan Huber ein dreifaches 25-jähriges feiern („Stadt, Land, Mode … Zukunft“, ab Seite 104). Das der beiden Marken und ein bisschen auch das von style in progress – denn vor einem Vierteljahrhundert markierte die erste Ausgabe von x-ray den Anfang eines Weges, den wir heute mit style in progress weitergehen. Dass style in progress wenige Jahre nach x-ray gegründet wurde, ist dem damals entstandenen neuen Segment der New Mens- und Womenswear zu verdanken – umso treffender, dass die Protagonisten dessen, was wir New New Menswear nennen, heute mit Janaina Engelmann-Brothánek über den Beginn einer neuen Ära diskutieren. Im Zoom-Salongespräch (Die neue Regel ist: keine Regel!, ab Seite 158) fallen wichtige Sätze wie der von Gianluca Modena, Exportmanager von Jacob Cohën: „Unsere Lebensweise wurde durch Covid verändert und die Dekonstruktion des Formellen dadurch richtig beschleunigt.“ Eindrucksvoll zu beobachten am Pitti Uomo, wo die Branche ein riesiges Homecoming feierte. Ein weiterer Beweis, wie sehr der Kontakt von Angesicht zu Angesicht gefehlt hat. Und doch sehen wir beeindruckende Beispiele von Menschen, die uns trotz der großen Distanz heute so viel näher sind als früher: Nicoletta Schaper hat Händlerinnen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum gesprochen (Die Sternstunde der Boutique, ab Seite 134), die, salopp ausgedrückt, das Ding gerockt haben. Ihnen und all denen, die diese Renaissance des Multilabelhandels erst möglich gemacht haben, gilt unser größter Respekt. Freuen Sie sich auf eine Ausgabe voll Ideen, Menschen und Marken, von denen wir überzeugt sind, dass ihre Zukunftsfähigkeit längst entschieden ist. Unserer Rolle sind wir uns vollumfänglich bewusst: Mit unserer redaktionellen Auswahl kuratieren wir ein Stück der „bright future“ mit – und wir tun es von Herzen und mit ganzer Leidenschaft. Viel Freude auf diesem Weg und viel Inspiration beim Lesen! Ihr Team von style in progress

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INHALT

088

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010 EDITORIAL Ein neuer Anfang

139 Premium Fashion Lines Er baut oben an: der Nachhaltigkeitspionier Ecoalf.

016 JETZT 196 FINDEN WIR GUT

140 One Step Beyond Wie AlphaTauri sein Designprofil schärft.

THE LONGVIEW

141 In Storys denken Fil Noir wird seinem Credo gerecht: The Finest in Casual.

088 „Kreativität ist die wichtigste Ressource“ Wie Daniel Grieder Boss zu einem Pionier in einer Zukunft voller Chancen entwickeln will.

SO LÄUFT’S

096 Welcome to the bright future of fashion Ein Kommentar von Stephan Huber 098 Frankfurt is Everywhere! Wie die Frankfurt Fashion Week die Modemessen neu definieren wird. 100 So viel mehr So unbestritten und vielseitig wie nie: Agenturen. 104 Stadt, Land, Mode … Zukunft Luis Trenker, Drykorn und style in progress: Drei 25-Jahr-Jubilare auf Wanderschaft.

111 WELCOME BEYOND Die schönste Ehe von allen: Tech und Human Capital. 112 Benchmark Browns in London setzt Maßstäbe.

142 The New Woman Tee Bowery NY erweitert um eine Damen-T-Shirt-Kollektion. 143 Very Personal Martina Schmidl startet mit High-End-Activewear durch. 144 „Wir wollen die modischste Hose im Premiummarkt anbieten“ Mit Seductive und Raffaello Rossi erfolgreich: das Familien­ unternehmen Schera. 145 „Wir sind gerne Fashion forward“ Ebenso relevant wie erschwinglich – Second Female. 146 „Ein Schuh muss immer Spaß machen“ Colors of California ist nicht auf Sandalen abonniert: Jetzt kommen Sneaker. 147 „Wir sind eine Social Brand“ Die holländische Marke Josh V hat den D-A-CH-Raum im Visier. 148 Auf Level X Herzstück von Daddy’s Daughters ist Cashmere.

120 One Size Fits One Welche Horizonte Personalisierung ermöglicht.

149 Mal vier Funky Staff ist nicht mehr das einzige Spielfeld von Uwe Bernecker.

122 Tech News Bits and Bytes aus Digital Fashion, Apps und E-Commerce.

150 Lifestyle im Loop Minimum macht es vor – so geht Circularity.

132 THE WOW FACTOR

152 Nachhaltigkeit für alle Nachhaltig produzierte Basics sind ihre DNA: EasyBio.

134 Die Sternstunde der Boutique Krisengewinnerinnen mit Herz, Strategie und Persönlichkeit.

153 Vegane Sneaker mit Glamfaktor Løci: Sneaker-Shootingstar mit ausschließlich veganen oder recycelten Materialien.

138 Content First American Vintage erweitert um eine kompetente Denimrange.

154 Der Kunde ist König – so einfach ist das! Rag & Bone rollt seine Fashion in Europa aus.

Die Zukunft der Mode ist weiblich.

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INHALT

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156

186

156 NEW NEW MENSWEAR

175 COMMERCE CENTRE

Was kommt nach der Konfektion? 158 Die neue Regel ist: Keine Regeln Wie sich die HAKA für immer verändert – Protagonisten des Wandels im Salongespräch. 162 „Ich habe Bock, was auszuprobieren“ Wenn alle Hü sagen, sagt Andreas Weitkamp Hott – das ist seine Stärke. 163 Strick der Luxusklasse Mit viel Stil und österreichischer Manufakturqualität: Phil Petter. 164 „Wir wollen es besser machen!“ Craftmanship und Qualität bestimmen Schuhe und Taschen von Royal Republiq. 165 „Nur mit den Besten“ Giada ist viel mehr als ein Produzent – Jean Michel Wohlmann im Interview. 166 Klare Haltung Seidensticker macht deutlich: Wir können mehr als Hemden. 167 Preppy Heritage meets Zeitgeist Gant schreibt das nächste Kapitel seiner Erfolgsgeschichte. 168 The Return to Craft Hemdenspezialist in Fair: Terra Luna. 169 „Der nächste Schritt ist Denim“ Die Outerwearmarke People of Shibuya launcht jetzt Denim. 170 Kreativität, Innovation & Funktion Immer noch einen Tacken mehr: Alberto. 171 „Wir, im Hier und Jetzt, sind die Zukunft“ Konfektionsrevoluzzer Tagliatore bläst zur internationalen Expansion. 172 Neue Wege gehen Bei Duno trifft lange Produktionserfahrung auf junges Mindset. 173 „La Martina ist wie die erste Liebe“ Ein Schuhspezialist mit dem Treuegen: Giano. 174 The Italian Way of Americano Italienische Produktion meets Sportswear-Lässigkeit: Tom Ripley.

Rettet die Innenstadt? Ja, aber mit neuen Ideen! 176 Zukunft ohne Einkaufsmeile Ladensterben? Dann ist Platz für Innovation. Steile Thesen zum Thema Zentren. 179 Future Hub für Early Adopters The Latest macht aus einer Laden- eine Experimentierfläche. 180 „Zu viele schöne Projekte bleiben eine Fata Morgana“ Die Manifattura Tabacchi in Florenz bildet ein neues Zentrum. 181 „Es werden ganz neue Jobkompetenzen entstehen“ Arvato Systems hilft, neue Businessmodelle zu skalieren. 183 Schnittstelle statt Leerstand Freiraum aus Berlin gibt Digital Native Brands physische Touchpoints. 186 Opening new Doors Progressive Retailkonzepte aus aller Welt.

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MODE

204 Say it Loud Kickstart the new season – die Trends Frühjahr/Sommer 2022.

VOR ORT

214 Storefrontticker. Das persönliche Erlebnis über allem. 217 Das Menschliche muss stimmen. Dresscode by Martina Schormann/Detmold 218 Showtime. Erhard Schuh und Mode/Prien am Chiemsee 220 Farbe ist Leben. Wait and See/Mailand 221 Der zweite Streich. Thiel’s by Daniel Thiel/Wiesbaden 222 Sie liebt, was sie tut. Selendi-Gangart/Wels 223 Destination Store. Apropos The Concept Store/Tegernsee und Köln

224 EDITOR’S LETTER

The Magic of the Human Touch

224 IMPRESSUM


JETZT FASHION

Kein eder Entw robran ff . Tau oder jeden Sto t d e t n rüs ind u für W tter. We

TECHNOLOGIEDURCHBRUCH

Mittels elektrischer Ladung beim Spinnvorgang der Polymerlösung gelang es ALPHA TAURI, eine spezielle, dreilagige Fasermembran zu entwickeln, die ihren Trägerstoff zu 100 Prozent wasserdicht macht. Die mikroskopisch dünne Matrix von Taurobran macht Jacken und sogar Sweats zu funktionalen Alleskönnern. www.alphatauri.com

Sommer­ kuscheln

Für kühle Sommernächte als Stola über die Schultern oder doch als Turban für den Strand? Schals wie von Pin 1876 aus reinem Cashmere sind auch für die warme Saison ideal: weich, leicht und in diesem Fall nachhaltig in Italien produziert. Was will man mehr?

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Wir führen Dondup seit vier Saisons und ich bin begeistert, wie gut sich die Marke in beiden Segmenten, DOB und HAKA, entwickelt. Sie prescht nach vorne, weil die Kollektionen den Puls der Zeit treffen und viel am Marketingauftritt getan worden ist. Die größte Stärke von Dondup bleibt der Mix von schönen Klassikern mit sehr mutigen Teilen. Die Kollektionen sind wunderbar vielfältig und das ist für den Verkauf wichtig. So können wir jeden Kunden individuell abholen.“ www.dondup.com

Daniel Thiel hat gerade einen zweiten Store in Wiesbaden eröffnet, Dondup ist dort eine Ankermarke.


JETZT Fa s h i o n

Francesca Lusini: „Insbesondere die Damenkollektion stieß auf große Wertschätzung und ist gegenüber dem Vorjahr um 56 Prozent gewachsen.“

Peuterey

„Die D-A-CH-Region bleibt der wichtigste Markt“

Genderfluid und Genderless sind die Attribute der neuen Linie Soft Attitude von Peuterey.

Die letzten Saisons waren etwas Besonderes. Was lässt Sie an eine Erholung glauben? Francesca Lusini, Präsidentin der Peuterey Group: Zunächst bin ich stolz darauf, dass unsere Gruppe umgehend auf die Pandemie reagiert hat. Zusammen mit der noch stärkeren Bindung mit unseren Partnern, Kunden und Lieferanten, hat es uns ermöglicht, den Absatzrückgang einzudämmen. Neue Projekte, wie die Peuterey Recycle-Capsule und die Wachstumszahlen unseres E-Commerce von plus 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bestätigen unseren Optimismus. Wie war die Resonanz auf die Damenkollektionen in der D-A-CH-Area? Im Jahr 2020 haben sich alle Kollektionen sehr gut weiterentwickelt und ein Wachstum von 50 Prozent erzielt. Insbesondere die Damenkollektion stieß auf große Wertschätzung und ist gegenüber dem Vorjahr um 56 Prozent gewachsen. Was sind die Highlights der Damenkollektion? Die Peuterey-Damenkollektion wird wachsen. W wir neben der Oberbekleidung verstärkt in Total-Look-Kollektionen investieren, wie z. B. die Linie Soft Attitude: Produkte, die auf dem Konzept Genderfluid und Genderless basieren. Zudem haben wir noch Plurals, das durch Kreativität das jüngere Publikum ansprechen soll. www.peuterey.com

TRAGE­ KOMFORT? MIT MODE, BITTE! Frische Styles on point. Envii liefert monatlich neuen Stoff für besonders schnell drehende, nachhhaltige Sortimente.

Envii

FAST FORWARD

Ihr Fokus liegt auf nahezu monatlichen Lieferterminen und moderaten Preisen. Mit Envii wollen die Gründer der skandinavischen Marke Samsøe Samsøe, Peter Sextus und Per Ulrik Andersen, eine möglichst nachhaltige Antwort für den Fast-Fashion-Markt anbieten, designt in Kopenhagen. www.envii.com

Gekommen, um zu bleiben: Hosen mit Tunnelzug sind die Gewinner der letzten Saisons. Was weiterhin für sie spricht? Eindeutig ihre Bequemlichkeit, die sich keiner mehr nehmen lassen will. Was für Hosen von White Sand spricht? Die italienische Fashionexpertise und der unbedingte Wille, das Produkt mit Innovation aufgeladen noch weiter nach vorn zu bringen.

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JETZT Fa s h i o n

Wie schaffen die das nur? Drykorn begeistert immer neu mit fresher Coolness.

Fred Götz, Head of Design Drykorn Menswear: „Wir sind heiß darauf, was wir tun, deshalb machen wir es auch gut.“

Drykorn

„DIE KONSUMENTEN HABEN BOCK AUF NEUES“ Eure Menswear ist in vielen Sortimenten eine feste Größe und überzeugt jede Saison neu. Wie gelingt euch das? Fred Götz, Head of Design Drykorn Menswear: Indem wir auf den Markt bringen, was wir selbst gern tragen würden. Wir versuchen immer, am Puls der Zeit zu sein. Alles, was draußen passiert, diskutieren wir: Passt es zu Drykorn? Ist der Zeitpunkt richtig? Wir beleuchten jedes Teil von allen Seiten. Dazu muss aber auch das Gesamtpaket stimmen, vom Messeauftritt bis zur Kampagne. Nur dann überzeugt es die Kunden. Vor welchen Herausforderungen steht ihr im Design? Die Konfektion neu zu denken, denn sobald wieder mehr Normalität herrscht, wird dieser Part wieder wachsen. Das Sakko von vor zwei Jahren will keiner mehr, also bauen wir weiter auf unserer Stärke auf, die Konfektion aufzubrechen. Zum Beispiel mit unserer Linie Drymatic mit elastischer Konfektion oder mit Composés: Bundfaltenhosen zum Overshirt aus ähnlichem Stoff, leichter verarbeitet und weiter geschnitten. Außerdem arbeiten wir an neuen Revers- und Sakkoformen. Was wünscht ihr euch von euren Kunden? Dass wir jetzt gemeinsam und positiv gestimmt nach vorne schauen. Die Konsumenten haben Bock auf Neues und wir haben viele Teile in der Kollektion, auf die der Handel setzen kann.

Coster Copenhagen

BACK TO FORMAL

Pia Coster designt ihre Kollektionen so vielseitig und multipolar, wie sie auch die Ansprüche ihrer Kundin definiert: getrieben von Gegensätzen, die sich spielend leicht vereinen lassen. So sieht Zeitgeist aus, wenn man ihn aus dem Skandinavischen übersetzt. www.costercopenhagen.com Statt dem Entweder-oder ein Und: Coster Copenhagens Liasion aus formaler Leisurewear.

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Nicht ohne meine Zweiriemer

Zweiriemer-Sandalen sind Sommer-Essentials. Seit sie Designer auf den Laufstegen geadelt haben, sind sie zu jedem Anlass und jedem Outfit erlaubt. Modelle mit Extra-Kick wie von Colors of California in Neonfarben oder fancy Schmuckmodelle von Colors of California stehen hoch im Kurs.


WWW.STETSON-EUROPE.COM

PITTI UOMO Florence June 30 - July 2 2021 Booth B/2-4 Fortezza da Basso Padiglione Centrale


JETZT Fa s h i o n

Warm Me

HAPPY BIRTHDAY, WARM ME!

Zehn Jahre Warm Me – was mit einer Mützenkollektion begann, ist jetzt das Label für Komfort und Cozyness. Ob Mützen und Strick aus Nepal oder jetzt neu Sweater und T-Shirts aus einer kleinen portugiesischen Manufaktur. www.warm-me.com

Sweater aus Biobaumwolle und T-Shirts aus Lyocell ergänzen die All-Season-Kollektion von Warm Me.

Everybody’s Favourite

Denim ist aus den Sortimenten nicht wegzudenken. Die Lässigkeit der Styles ist obligatorisch, dazu sollten sie noch etwas mehr bieten. Wie im Fall Goldgarn Denim sorgen das sicht- und spürbare handwerkliche Know-how und ein schonender Ressourceneinsatz für zusätzliche Verkaufsargumente.

„Sie hören uns einfach zu.“ Nur ein Satz,

SPARRINGSPARTNER AUF AUGENHÖHE

„Wir müssen nicht mehr dürfen“, beschreibt Frank Häusler den Leitsatz seines Teams und seine Vorliebe für die Zusammenarbeit mit kleinen, europäischen Marken. „Wir schätzen Lieferanten, die uns zuhören. BOB ist ein gutes Beispiel dafür. Da treffen wir den Inhaber auf dem Pitti Uomo in Florenz und besprechen gemeinsam die Kollektion. Bis ich zur Order komme, ist das dann bereits umgesetzt. Bob steht für außergewöhnliche Shirts und Polos und hat sich zum Komplettlook weiterentwickelt. Agilität gepaart mit einer starken eigenen DNA, das haben wir gemeinsam. Da fordert einer den anderen.“ www.bobcompany.it, www.modepunkt.de 020

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und er sagt so viel über die Beziehung zwischen einem Lieferanten und seinem Kunden. Frank Häusler von Modepunkt Häusler in Immenstadt hat mit Bob so einen Partner gefunden.


JETZT Fa s h i o n

On the way up

Am stärksten überzeugen mich die Kleider, die dank ihrer Easyness auch als Einzelteile super verkauft werden“, sagt Uwe Maier über Christian Wijnants. „Die coolen Drucke und lässigen Schnitte sehen nicht nur an zierlichen Frauen gut aus.“ Der Stuttgarter Händler führt die Kollektion seit fünf Saisons, mit wachsendem Erfolg. „Christian Wijnants ist definitiv auf dem Weg nach oben. Mir gefällt, dass der Vertrieb dennoch selektiv bleibt.“ www.christianwijnants.com

Unten nicht mehr ohne: Silk Sisters erweitert für Frühjahr/ Sommer 2021 die Kollektion nicht nur inhaltlich, sondern auch stilistisch um Hosen und Röcke, neue Drucke und Details.

Bungalow-Inhaber Uwe Maier steht mit seinem Store für exklusive wie tragbare Fashionmarken und er ist auch immer für spannende Entdeckungen gut.

Silk Sisters

Niemals overdone

„Bewegungsfreiheit bedeutet für uns nicht, einfach Weite zuzugeben, sondern durchdachte Schnitte für lässige Eleganz“, sagt Mel Nienaber von Silk Sisters. Im Sommer 2022 runden erstmals Röcke und Hosen die Kollektion ab, die auch mit Prints und progressiverer Farbpalette auftritt, ihrem dezent unaufdringlichen Stil dabei aber treu bleibt. www.silk-sisters.de

MAKE A DIFFERENCE! Cashmere-Strick steht hoch im Kurs, so wie die Produktgruppe Strick generell zu den Gewinnern zählt. „Zum Outfit mit Casual-Touch wollen die Frauen einfach lieber einen kuscheligen Pulli, auch wenn die Mode eigentlich sagt: Trag einen Blazer“, sagt zum Beispiel Alexandra Schütz von Top Chic in Traunstein. Wert legen die Konsumentinnen auf verantwortungsvolle Produktion wie zum Beispiel hier im Bild von Daddys Daughters.

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mou-online.com


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ON THE ROAD AGAIN Prints und Messages sind das Salz in der Suppe. Prominenteste Platzierung ist aktuell die klassische Trucker- oder BaseballCap. STETSON setzt es mit originalgetreuen Vintage-Motiven, in denen die nostalgische Sehnsucht nach Natur und Wildnis mitschwingt, um.

Ivonne Beneke-Eidmann, Mitinhaberin Ivi Collection: „Unsere Mode soll glücklich machen; die Liebe zum Detail spürt man.“

Ivi Collection

„WIR LIEBEN FARBE, WIR LIEBEN DRUCKE!“

Warum kommt man an Ivi Collection kaum vorbei? Ivonne Beneke-Eidmann, Mitinhaberin Ivi Collection: Weil man uns seit zwölf Jahren für schöne, phantasievolle Prints kennt, verbunden mit einem hohen Qualitätsanspruch. Wir lieben Farbe, wir lieben Drucke! Wir zählen zu den ersten Kollektionen, die sich darauf spezialisiert haben. Bis heute stehen wir für entspannte, unkomplizierte Teile mit Stil und Anspruch. Was lieben die Kunden? Die fröhliche, mutige und lebendige Ausstrahlung. Bestes Beispiel ist die Fly-away-Tunika, die immer mit einem Twist überrascht, neben platzierten Drucken zum Beispiel mit liebevoll ausgesuchten Knöpfen oder Cuffs aus Lurexstrick. Es ist das Quäntchen Mehr, das uns ausmacht, wir diskutieren über jedes Detail. Die positive Energie, die wir in unsere Arbeit stecken, spüren die Kundinnen. Und was überzeugt die Händler? Dass wir sie als verlässliche Partner unterstützen. Auf der anderen Seite sind wir als inhabergeführtes Unternehmen enorm wendig und können uns gut auf neue Begebenheiten einstellen. In der aktuellen Kollektion haben wir viel experimentiert und unseren Style neben Seide und Viskose jetzt auch auf Cotton, Frottee und Jersey übersetzt. Wir sind enorm gespannt, wie die neue Kollektion ankommt. www.ivicollection.com

Ivi Collection ist es gelungen, Farbe und starke Drucke zum Markenzeichen zu machen.

Sticht in nachhaltigen Sortimenten hervor: Save the Duck.

Save the Duck

Beitrag leisten

„Die revolutionären Styles von Save the Duck passen sehr gut in die Breuninger Nachhaltigkeitsstrategie“, sagt Johannes Rosenbaum, Einkaufsleiter bei Breuninger und verantwortlich für Divisional Merchandise. „Es ist unser Bestreben, den Einsatz von nachhaltigen Materialien stärker zu fördern und einen bedeutenden Beitrag zu einer nachhaltigen Textil- und Konsumgüterwirtschaft zu leisten.“ www.savetheduck.com

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JETZT Fa s h i o n

Kangol

Kreatives Power House Von Kopf bis Fuß nimmt der Headwear-Spezialist Kangol wortwörtlich und erweitert seine Kollektion um eine Apparel-Linie. Damit geht die Marke, die mit der ikonischen Kangol 504 Flat Cap und ihrer Popularität in der Rap-Szene der 1980er-Jahre berühmt wurde, konsequent den nächsten Schritt. www.kangol.com

Transit

Essen­ ziell

Auf den ersten Blick zeigt die Kollektion Transit lässige Selbstverständlichkeit. Auf den zweiten offenbaren sich Fertigungskunst und ein feiner Sinn fürs Design. www.transit.it

Ein Produkt als Ikone – Fluch und Segen gleichzeitig. Kangol hat es über prominente Designkooperationen und die stetige Weiterentwicklung geschafft, sich vom Cap-Idol zum Total-Look zu wandeln.

Besondere Materialien, zeitlose Eleganz: Transit bringt mit, was eine Made-in-Italy-Kollektion ausmacht.

Mark Hegelau führt zusammen mit seiner InfluencerFreundin Michaela Brandl (@michivonwant) The Wants in Köln.

Die erste Saison hatten wir 32 Paar Stiefel von Mou geordert. Mittlerweile sind es 500, die nach zwei Wochen ausverkauft sind und nachgeordert werden müssen. Mou passt einfach perfekt zu unserem Shopkonzept. Wir verkaufen nicht nur Schuhe, sondern auch die Story zum Produkt. Mit unserer Branding- und Kommunikationsagentur unterstützen wir die Verkäufe unserer Marken und Mou hat sehr schnell seine eigene FanCommunity gewonnen.“

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SUSTAINABLE PREMIUM KNITWEAR SINCE 1973 S/S 2022 WWW.PHILPETTER.COM


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So weiblich

Einen guten preislichen Unterbau zu Designern wie Zimmermann oder Prada“, nennt Katrin Koller-van Eersel die Kollektion der US-Designerin Ulla Johnson. „Im Bild eines meiner Lieblingskleider. Mir gefallen die meisten Muster, die vielen süßen Oberteile, die Hippie-Kleider.“ www.ullajohnson.com

ells Past dii M und icario V : e läng ue hat Cinq enz im pet Kom leid. K

Katrin Koller-van Eersel verantwortet den Einkauf von Diva in Salzburg sowie den First Lines von Casa Moda in St. Pölten und Linz sowie Knilli in Graz.

Vicario Cinque

MIDI

Nach der Maxiwelle rollt jetzt die Midiwelle an. Längen über dem Knie machen die Kleider für viele Größen und Altersgruppen attraktiv. Die Anlässe für Midikleider sind selbst in nördlichen Gefilden häufig – ob im Büro oder im Urlaub. Der italienische Premiumhersteller Vicario Cinque setzt auf Volants und Pudertöne. www.vicariocinque.it

Mey

Knock on wood

Mey: Ab sofort sind Tencel, Modal und Viskose FSCzertifiziert.

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Fließende Jerseys sind ein Evergreen in der Mode – und wenn man die Rohstoffe dahinter schonend behandelt, gilt das wortwörtlich. Mey ließ nun als erstes Unternehmen in Deutschland seine auf Holz basierenden Materialien wie Tencel, Modal oder Visckose mit dem FSC-Zertifikat für den nachhaltigen Umgang mit Waldressourcen auszeichnen, indem es alle Materialien durch die unabhängige SCS Global Services prüfen ließ. www.mey.com


JETZT Fa s h i o n

Mell-o Cashmere

COOLE SOCKE

Cashmere-Socken aus Deadstock, gefärbt in cooler Batik-Optik. Mit diesem One-Product-Wonder hat Olivia Pflugfelder-Jünger einen Coup gelandet. Ob Jades24 oder Anita Hass, viele Händler waren schockverliebt in die Gute-Laune-Socken made in Nepal. @mell_o_cashmere

Luxus für die Füße: Feinstes vierfädiges Cashmere im Batikverfahren gefärbt: Mell-o Cashmere.

Die Blusen von Tonno & Panna haben wir schon ab der ersten Saison gut verkauft, weil das Preis-LeistungsVerhältnis sehr attraktiv ist. Die Kunden greifen zu den Blusen und sind sofort von der Qualität, den cleanen Schnitten und natürlich dem Preis überzeugt. Die Kollektionen sind selbsterklärend und wir brauchen keine großen Verkaufsargumente.“

Silva Kromer, Inhaberin des Modehauses Elfi in Münster, weiß genau, was im Trend ist und bei ihrer Kundschaft gut ankommt. Tonno & Panna ist eine wichtige Ankermarke.

Ein TotalLook für jeden Anlass.

NUDE UND PRINT Die Klassiker des Sommers bleiben Nude-Töne und Prints aller Art. Die Kombination aus knöchellangem Rock und einem Relaxed Top zeigt, wie toll Naturfarben und große Drucke miteinander funktionieren (beides von Trvl Drss). de.zenggi.com/trvldrss

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SPRING SUMMER 22


JETZT Fa s h i o n

e haltig Nach ear von rw Oute mplare. s E e Esemplare

FORM UND FUNKTION

Die inneren Werte machen den Unterschied – Funktion bleibt ein wichtiges Verkaufsargument, gerade bei Sommerjacken. Esemplare prescht bei seinen Produkten voran, im Bild ein Modell, das alles kann: ein wasserabweisender, schnell trocknender Jersey-Hoodie mit Öko-Zertifizierung, der sogar vor UV-Strahlen schützt. www.esemplare.com

Zum Dinner genau wie zum Abendspaziergang: Stricksakkos weichen die Konfektion auf. Produktchampion bei Maurizio Baldassari ist das Brera Swacket.

Niklas Rill vertritt mit seiner gleichnamigen Agentur die Kollektion Scaglione, die den Strick-Part in seinem Portfolio übernimmt.

Maurizio Baldassari Brera

Swacket

Es hat sich etabliert: Das Stricksakko ist in der New New Menswear nicht mehr wegzudenken. Der Komfort von Strick, dazu das lässige Zitat der Konfektion. Maurizio Baldassari Brera nennt seine erfolgreichen Modelle Mouline Swacket. www.mauriziobaldassari.com

PASSION FÜR VIELFALT

Egal ob Wolle, Cashmere oder Cashmere-Seide, das Familienunternehmen überrascht in jeder Saison mit neuen wunderbaren Materialien und besonders vielfältigen Styles“, erklärt Niklas Rill die Qualität von Scaglione. Die Detailverliebtheit im Design ist immer spürbar, und die VK-Preise von 150 bis 350 Euro bieten ein zusätzliches Kaufargument. www.scaglione.it

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THE LIGHT JEANS CHINO

ITALIAN SELVEDGE DENIM alberto-pants.com CREATED IN MÖNCHENGLADBACH

REVOLUTIONAL ® GRAVEL BIKE PANTS


JETZT Fa s h i o n

SARTORIAL SKILLS

Super Passform, hochwertige Materialien: Der Hosenspezialist NINE IN THE MORNING aus dem Veneto scheint alles richtig zu machen. „Die Kollektion ist auch in schwierigen Zeiten ein Erfolgsgarant für uns“, schwärmt Gaby Ventrella. „Die Hosen zeigen schon auf dem Bügel hängend eine gewisse Coolness mit Attitude.“ Auch auf die sartoriale Innenverarbeitung wird größter Wert gelegt. Die ursprünglich dominante, maskuline Aussage wird durch feminine, fließende Materialien aufgebrochen und ergänzt. www.nineinthemorning.com

Lena Schulze ist Einkäuferin der Womenswear bei Crämer & Co. in Nürnberg und weiß genau, worauf die jüngere Generation beim Shoppen achtet.

Canadian Classics hatten wir 2016 ursprünglich als Alternative zu unserem Sortiment an Daunenjacken im oberen Preissegment eingeführt, denn nicht alle möchten 700 Euro für eine Jacke ausgeben. Sehr schnell hat die Kollektion aber den Wandel zum etablierten Label geschafft. Die Schnitte und die Farbpalette kommen sehr gut an und die Möglichkeit, Jacken auch in einer veganen Variante kaufen zu können, ist wirklich ein prima Verkaufsargument.“

Manhattan Knights

Say it loud

Statement-Shirts decken wieder die ganze Bandbreite ab: politische Haltung bis Selbstfindungsmantra. Nur Covid-Slogans sind ein No-Go. Manhattan Knights von Samuel Murkofsky macht Streetwear mit Hang zur Rebellion, viel Liebe zur Exzentrik und ausgeprägter Ablehnung gegen den Label-Hype. www.manhattanknights.com

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Shirt als Kommunikationsmittel: Du denkst es? Dann trag es!


Fancy

for future /

Fair und nachhaltig produzierte Loungewear von mey. www.mey.com


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CUSTOMERDRIVEN Henry Christ steht für nachhaltigen Cashmere zu Einkaufspreisen zwischen 148 und 169 Euro und einem Mark-up ab 2,7. „Henning Kunstreich und Christian Holst arbeiten enorm partnerschaftlich, sie supporten uns, wo immer möglich, weil sie uns als Bindeglied zum Kunden vor Ort schätzen und auf eigenen Onlinehandel und das damit meist verbundene Markendumping verzichten“, sagt Constanze Niedner. Was ihre Kundinnen an Henry Christ lieben? Die kuschelweichen Qualitäten und die große Farbvielfalt. www.henry-christ.com

Constanze Niedner kauft für ihren Rottacher Store Jagdfieber nur das Besondere, das es nicht überall gibt. Als eine ihrer wichtigsten Kollektionen nennt sie Henry Christ.

Capobianco

Nicht im Regen stehen

Für warme Sommer­ schauer hat das italienische Label Capobianco die perfekte Lösung: eine Kapuzenjacke aus purem Leinen, die allerdings zu 100 Prozent wasserabweisend ist. www.capobianco. world

Eine Beschichtung macht es möglich: eine Leinen-Regenjacke.

Eyeer im catch ie DipD : Store rzen von Ke e y dle D y Can Cand burg. Ham Candy Candle

DIP-DYEKERZEN

Farben wie bunter Kaugummi, Duo-Tone-Kerzen, die Namen wie Lollipop, Limoncello oder Marshmallow tragen: Candy Candle ist das perfekte Mitnahmeprodukt. Die Verkaufspreise starten bei 5,95 Euro für die Baby-Candles. www.candycandleshamburg.de 036

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JETZT Fa s h i o n

Herbert Volkmann ist Gesicht und Gesellschafter des Münchner Menswearstores Stereo Muc.

DAS SAKKO OHNE ÄRMEL

„Die Aspesi Archivkollektion beeindruckt mich besonders“, sagt Herbert Volkmann von Stereo Muc. „Dazu legt die Marke alte Modelle mit neuen Materialien oder Silhouetten-Updates auf und schafft damit eine herausragende Symbiose aus dem Alten und dem Neuen.“

Sie hat sich als ursprüngliches Teil des Ganzen zum prominenten Zentrum eines Looks entwickelt: die Weste. Den Variationen und Schnitten sind kaum noch Grenzen gesetzt. Hinter dem Titel Modellreihe W10 verbirgt sich ein Bestseller des Westenspezialisten Dornschild, dessen Schnitt an den einer Denimweste angelehnt ist und im markanten Look der Marke neu interpretiert wurde.

North Sails

SENSIBILISIERT

„Es gibt ein grundsätzliches Verbraucherinteresse an sportiven Inhalten, gepaart mit Funktion und Tragekomfort sowie nachhaltigen Aspekten. North Sails bedient all dies sehr glaubwürdig“, bestätigt Christian Völke, Leiter der Abteilungen Herrenbusiness, Herrenstrick und Hemden bei Konen in München. „Nachhaltigkeit wird proaktiver von unseren Kunden nachgefragt und wir möchten diesen Marken eine richtige Plattform bieten. Zudem lernen wir durch diese Partnerschaften selbst ständig hinzu, beschäftigen uns mit dem Thema Sustainability und führen Verbesserungen auch in unserem Unternehmen herbei. Es sensibilisiert und setzt Denkprozesse in Gang.“ www.northsails.com

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Rafael Fernandez Caballero, Welt- und Europameister der Unterwasserfotografie und Protagonist der neuen Go Beyond Kampagne von North Sails.


JETZT Fa s h i o n

Cruna

Cool bleiben Im Sommer ein Must: Leinen. Im Total-Look passt die natürliche Faser perfekt in den Zeitgeist – lockert sie doch die Optik der Konfektion perfekt auf. www.cruna.com

NACHHALTIGER SOMMER Strandurlaub im Jahr 2021 braucht eine nachhaltige Note: Von Plastikvermeidung über meeresfreundliche Sonnencremes bis zu Badeanzügen und Shorts aus Materialien, die diesem Sehnsuchtsort nicht schaden. Zum Beispiel von der italienischen Marke SOSEAY, die auf recycelte Materialien setzt.

Nicole Doleh kennt man von ihren Wiener Inked-Läden, außerdem führt sie den Monobrandstore von Golden Goose in Wien. Jetzt hat sie einen Isabel Marant Monostore eröffnet.

Effortless im Leinenlook von Cruna.

Isabel Marant ist die Meisterin des Cool-Chics, ein bisschen french bohemian und ein wenig Easy Streetstyle. Sie ist der Freigeist unter den Designerinnen“, sagt Nicole Doleh. „Die Entwürfe sind längst nicht nur mehr verspielt, sie spiegeln einen selbstbewussten Typ Frau wider, eine Frau, die mitten im Leben steht und den Spagat zwischen Coolness und Eleganz meistert“, so die Modeunternehmerin, die Mitte Mai in der Wiener Innenstadt einen Marant Monostore eröffnete.

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JETZT Fa s h i o n

„Die Entwicklung von KIEFERMANN macht uns große Freude – die Kollektion wächst in ihren Stärken und schafft es, einem Casual-Look eine mühelose Klasse zu geben. Außerdem schätzen wir die sehr partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der Firma.“

TROCKEN BLEIBEN

Multifunktionale Regenjacken haben Konjunktur, weil sie ins Bekleidungskonzept urbaner Menschen passen, die statt im Auto auf dem Rad oder mit dem E-Roller unterwegs sind. Die italienische Outerwear-Brand FREEDOMDAY unterstreicht den funktionalen Charakter durch einen Riemen, der ideal ist, um die Jacke wie einen Rucksack über die Schulter tragen zu können, wenn man sie gerade nicht benötigt. freedomday.it

www.kiefermann.com

Clemens Sagmeister ist geschäftsführender Inhaber von Sagmeister – Der Mann in Bregenz, Dornbirn, Feldkirch und Lech am Arlberg, dem Kindermodegeschäft Der Kleine Sagmeister sowie Schmitt & Lair in Innsbruck.

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Alban Macé lebt und arbeitet auf Mauritius, wo Teile seiner Kollektion produziert werden.

Fabulous Island

„Wir kreieren ein Universum des Glücks“

Supersofte Tees und Sweater, feiner Strick und lässige Vintage-Optiken mit positiver Message. Fabulous Island präsentiert Bestseller mit Zeitgeistfaktor. Alban Macé, Gründer und Designer von Fabulous Island: Ja, wir setzen diesen speziellen Vintage-Spirit aus den 1980er- und 1990er-Jahren mit nachhaltig produzierten Stoffen und Recyclingprogrammen um. Verfolgt ihr den klassischen Saisonrhythmus oder löst ihr euch davon? Wir kreieren jede Saison eine neue Kollektion, aber sie ersetzt nie eine bereits vorhandene, wir mögen dieses Fast-Fashion-System nicht. Fabulous Island soll ein Universum sein, in dem jeder Kunde sein Glück finden kann. Worauf legt ihr bei euren Retailpartnern besonders viel Wert? Unsere Marke steht für einen sehr familiären Lifestyle, dafür suchen wir Kunden mit guter Energie und schönen Läden. www.fabulous-island.com

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Werte mit eingewebt: Die lässige Casualwear von Fabulous Island ist vom Familiensinn geprägt.


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An An Londree

„UNSERE KUNDEN KÖNNEN SICH BEIM EINKAUF AUSLEBEN“

Exklusiv entwickelte Drucke sind die Signatur von An An Londree. Welche Vorteile hat das, außer der Einzigartigkeit? Angelika Paschbeck, Mitgründerin An An Londree: Unsere mit Handsiebdruckverfahren realisierten Druckdesigns sind zwar aufwändig, aber wir können über die Farben selbst entscheiden und die Produktion so nachhaltig wie möglich steuern. Außerdem haben wir keine Mindestmengen und können frei entwerfen, ohne Übermengen zu produzieren. Wofür lieben euch die Händler? Dass unsere Kollektion emotional ist und berührt. Die Händler können jedes Modell in jedem Print bestellen und einen einzigartigen Look für ihr Geschäft kreieren. Und sie lieben unsere Details, an denen die meisten sparen, etwa, dass unsere Labels handgestickt sind. www.ananlondree.com

„Wir glauben an die Magie und an den Trost bunter, schöner Kleider.“ Angelika Paschbeck, Mitgründerin An An Londree

Made in Veneto: Jedes Teil von Maison Flâneur wird von Hand veredelt.

Handbedruckt, handbestickt: In jedem Produkt von An An Londree verbirgt sich eine Botschaft.

FASHION IS FUN Mode, die ein Lächeln auf die Lippen zaubert, hat schon gewonnen. Mit Sprüchen wie Size Egal gelingt das dem Label AMALIA O., das seine Kleider- und Röckekollektion um niedrigschwellige T-Shirts erweitert hat.

Maison Flâneur

Luxus mit Cool­ nessfaktor Die Fertigung ist traditionell, das Design mit herausforderndem Twist. Eine weitere Stärke der Komplettkollektion? Handcrafted seamless Cashmere und Baby-Alpaka. www.maison-flaneur.com style in progress

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Traiano Milano

RESET-KNOPF

Neuer Designer, neuer international Sales-Manager, mit Michael Prues ein neuer Vertrieb in der D-A-CHRegion – Traiano Milano drückt den Reset-Knopf. Primäres Asset der Kollektion bleibt der innovative Stoff, der eigentlich aus dem Sport kommt und jedes Teil waschbar macht. www.traiano.com

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Sechs Prozent Cashmere verleihen den Eduard Dressler Cashmere-Jeans in schmaler, aber relaxter Silhouette ihren besonderen Griff.

Eduard Dressler

LÄSSIGER LUXUS

Cashmere und Jeans, diese Mischung klingt vielversprechend. Mit der in Italien gefertigten Cashmere Denim ED 1929 setzt Eduard Dressler auf einen soften und luxuriösen Touch. Sechs Prozent Cashmere geben der Jeans in schmaler, aber relaxter Silhouette ihren besonderen Griff. Für die Jeans, die in drei Waschungen um 199 Euro im Handel sein werden, wurden Key-Accounts wie KaDeWe, Engelhorn, P&C in Wien oder Excelsior in Zürich gewonnen. www.eduard-dressler.com

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STATEMENT PIECE

Eines meiner absoluten Lieblingsteile“, sagt Alexandra Kiefermann, Inhaberin und Designerin von Iheart. „Die Lederweste macht jedes Outfit zum Hingucker und sei es die einfache Poplinebluse. Zusätzlicher Pluspunkt: Sie dient eigentlich als Indoorweste, aber man kommt mit ihr als Outdoorergänzung auch hervorragend durch Sommer und Herbst.“


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Grace

LOVE IT OR LEAVE IT Grace-Designerin Martina Zinnecker hat ihre eigene Handschrift. „Grace adressiert eine ganz bestimmte Zielgruppe“, ist Gerhard Knaus von der Salzburger Agentur Knaus oder Knaus überzeugt. „Daher sind die Händler, zu deren Kundin Grace passt, auch so erfolgreich mit der Marke.“ www.grace-fashion.com

Arma

Un­ expected Leder – ob in der veganen oder der echten Variante – bleibt ein starkes Stilelement. Neben All-TimeKlassikern wie Lederleggings (die angesagtesten sind jetzt in Weiß) sind es vor allem weitere Hosen mit Gummizug, die einem Outfit die perfekte Note geben. Topseller bei Arma: helle Farben wie Creme oder Camel.

StatementPieces mit bunter Fröhlichkeit: Grace.

Rag & Bone präsentiert seine Stärke: lässige Ready to wear mit dem urbanen Look and Feel seiner Heimatstadt New York.

Rag & Bone

Ready to wear Es ist für seine modische Denimkompetenz bekannt, jetzt steht für das amerikanische Premiumlabel Rag & Bone in Europa der nächste Schritt bevor. In den Showrooms der Agentur Ben and in München und Düsseldorf präsentiert die Marke ihre umfangreiche Ready to wear. Erstmals wird dabei neben dem White Label auch das noch exklusivere Black Label verkauft. www.rag-bone.com

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Sold Out

„WIR BAUEN AUS“ Marion, Sold Out hat ein sehr gutes Feedback aus dem Handel. Was verstärkt ihr jetzt? Marion Hoferer, Inhaberin Modeist: Sold Out ist unsere bequeme Marke für drinnen und draußen, wir ergänzen jetzt noch mit Sold Out Knit, Strickteile ebenfalls schön loose. Die Kollektion wird eine haptische Überraschung sein! Auch hier steigern wir uns von rund 40 auf 120 Teile. Die frühen Liefertermine sind ein Teil des Zaubers deiner Kollektionen, richtig? Ja, im November neue Ware zu bekommen, ist für viele Händler entscheidend. Das ist genau der richtige Zeitpunkt, um noch mal ein neues Warenbild zu zeigen. Bliebt die Strategie, eine Fachhandelskollektion zu sein? Definitiv. Sold Out ist für die richtig, die mit hoher Individualität ihre Kundinnen bedienen, egal ob die Läden geschlossen oder offen sind. Unsere Handelskunden haben einen beständigen Draht zu ihren Kundinnen. www.modeist.com

Fachhandel only heißt es bei Sold Out, auf den Verkauf an Onlinegiganten wird bewusst verzichtet.

Marion Hoferer setzt mit Sold Out auf lässigen, modischen Wohlfühlcharakter.

Jetzt wieder Farbe!

lt oppe Entk r Mense d von r und aufen wea h eigen + r lic gänz en: WebensBein er Wome Web wear.

Weber + Weber

DIESE DAMEN!

Im Herrenbereich gehört Weber + Weber unbestritten zu den Protagonisten des neuen Menswear-Verständnisses. Jetzt packt Christian Weber seine lange Erfahrung in der Womenswear aus – vor dem eigenen Label hat er lange und erfolgreich für und mit Designerinnen wie Donatella Versace oder Victoria Beckham gearbeitet. www.weberweber.it

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Cappucinotöne zu Pastelnuancen? Wer des Instagram-FilterLooks überdrüssig ist, sucht jetzt Farbe – auch bei Bekleidung für zu Hause. Die Loungewear von Emily Lovelock, einer indischen Marke, ist genau deshalb erfolgreich. Zusätzlich gibt es eine Every­day-Collection mit tollen Kleidern, Tops und Tuniken. www.emilylovelock. com


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Die Starnberger Designerin Michaela Sassenbach setzt auf Made in Germany.

Pride to Be

SOMMER LOS!

Neben den starken Winterteilen von Pride to Be, wird der Sommer nun auch ausgebaut. In der aktuellen Kollektion zeigt die Marke ein farbenfrohes und kompetentes Blusen- und Kleiderprogramm aus Leinen und Baumwolle mit ca. 60 Teilen, außerdem reine Baumwollshirts, 30 Formen in 15 Farben, die NOS sind. Als Outdoorergänzung: Sommerwolle in 15 Styles und Fake-Daune. www.modeist.com

Als Ergänzung zur Outerwear präsentiert Pride to Be eine Leinen- und Baumwollkollektion, Fokus liegt auf Kleidern.

Sassenbach

MADE IN GERMANY Fließende Stoffe, leuchtende Farben und im nächsten Sommer auch mal mit Druck – Michaela Sassenbach hat ihre Kollektion deutlich erweitert. Das Erfolgsprinzip der Hosen, Blusen, Kleider in großer Varianz und Shirts bleibt weiterhin das hochwertige Material, dass alle Modelle von 34 bis 46 zu ordern sind und immer nachbestellt werden können. Zu sehen in den Showrooms von Modeist in München und Düsseldorf. www.sassenbach.de.

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Dolores

Feminin und lässig Mit zehn neuen Formen in 15 Unis erweitert die Hosenkollektion Dolores ihr Spektrum. „Überwiegend lässige Schlupfteile in sehr modischen Schnitten, das ist unsere Spezialität“, sagt Marion Hoferer von Modeist. www.modeist.com


MATTEO TAGLIABUE SS22 COLLECTION MINIMUMFASHION.COM


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RE:CONNECT


JETZT AGENTUREN

Komet und Helden

EIN ZEICHEN DER STABILITÄT „Jetzt gilt es, Kraft und Ausdauer zu zeigen“, ist Henrik Soller überzeugt. „Wir haben stabile Strukturen geschaffen, die auch in Krisenzeiten belastbar sind.“ Solche werden so dringend wie noch nie gebraucht. „Als Agentur ist unsere Aufgabe, die bestmögliche Lösung für Lieferanten und Händler zu finden, und es ist gut, zu sehen, dass im Moment wirklich auf allen Seiten Gesprächsbereitschaft herrscht. Dass wir alle gemeinsam in dieser Situation sind, ist kein Lippenbekenntnis.“ Um zwei Neuzugänge, Purple Brand und Aspesi, hat Komet und Helden sein Markenportfolio erweitert. „Auf Purple Brand freuen wir uns sehr, eine spannende Premiumdenim, die wir aber nur sehr selektiv einführen werden. Aspesi ist natürlich Champions League – ein italienischer Klassiker, der nie an Modernität eingebüßt hat. Beeindruckend“, so Henrik Soller. Marken: 7 for all mankind, AG, Aniven, Aspesi, Baracuta, Barena Venezia, Blauer USA, C.T. Plage, Deus ex Machina, Dickies, Halfboy, Hartford, Le Bonnet, Lola, ottod’Ame, Purple Brand, Save the Duck, Universal Works, White Sand Komet und Helden, München, Düsseldorf, Berlin/Deutschland, info@kometundhelden.de, www.kometundhelden.de

Starke Motive: Ko Samui Tailors für Herren und Damen ist neu bei Heritage Showroom. Neu bei Komet und Helden: Purple Brand aus New York.

Heritage Showroom

IM FAHRWASSER Michael, was gibt es bei euch Neues? Michael Brockmann, Geschäftsführer Heritage Showroom: Wir stellen den T-Shirt- und Sweatshirt-Part neu auf, mit coolen Styles von Ko Samui Tailors, die mit großer Motivvielfalt überzeugen. Die T-Shirts kosten 25 Euro/EK und 79 Euro/VK. Auch Warm Me bringt jetzt erstmalig zum Sommer ein Sweatund T-Shirt heraus. In der letzten Saison seid ihr mit Esemplare gestartet. Ja, die Kollektion ist bereits in gutem Fahrwasser, zumal wir wichtige Kunden gewinnen konnten. Besonders begeistert uns das softe Sweat-Scuba-Material für Hoodies und Jacken, die perfekt zu cleanen Hosen passen. Worauf noch wollt ihr die Einkäufer aufmerksam machen? Auf unser Gesamtpaket. Die Easywear von Circolo zeigt eine große Jersey-Kompetenz, die im Vergleich den Unterschied ausmacht. Auch die Hosen von Myths passen super in die Zeit, weil sie weiter geschnitten sind, einen bequemen Tunnelzug haben und cleane Looks lässig machen. Marken: Candy Candles, Circolo 1901, Esemplare, Ko Samui Tailors, Myths, Warm Me Heritage Showroom, München/Deutschland, info@heritage-showroom.de, www.heritage-showroom.de

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Die nachhaltige Streetwear von Wise enough ist schnell lieferbar.

Modeagentur Cocron „Wir starten neu mit Psalida aus Italien, mit vielen Kleidern und selbst entwickelten Drucken“, sagt Uli Cocron. „Made-in-

Italy-Kollektionen wie Vicario Cinque sind die Stärke unserer Agentur, weil uns die Innovation und die Qualität immer neu begeistern.“ Hinzu kommt die Streetwearkollektion Wise enough, die letzte Saison erfolgreich in Österreich eingeführt wurde. „Alle Materialien sind ökozertifiziert und die im eigenen Schauraum entworfenen Designs sind kurzfristig produzier- und lieferbar.“ www.cocronmodeagentur.at


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Ycon Agency

LIFESTYLESPEZIALISTEN Die Hamburger Agentur von Mo Gosh hat ihr Portfolio schöner Lifestyle- und Beauty-Produkte deutlich aufgerüstet. Mit Plainly kommt eine Clean-Beauty-Marke für Handpflege aus München neu dazu. Hochwertige natürliche Inhaltsstoffe, deren Lieferanten alle aus Deutschland stammen, zeichnen die veganen UnisexProdukte aus. Die Wirkstoffe von Hand Wash, Hygienegel, Dish Wash und zwei Handcremes sind ideal aufeinander abgestimmt. Die gesamte Serie ist frei von synthetischen Duft- oder Farbstoffen, Parabenen, Paraffinen, Sulfaten sowie Silikonen und dermatologisch getestet mit „sehr guter“ Hautverträglichkeit. Das Sortiment von Plainly kommt in wiederverwendbaren Glasflaschen, deren Etiketten auf holzfreiem Steinpapier gedruckt werden. Die Umverpackung besteht aus recyceltem Papier. Die Plainly-Produkte werden bereits in allen acht Monocle Stores verkauft. Marken: Aquion Wasserfilter, Beaumont Organic (D), Christy’s London, Gerlups (D, A), Holy Shocolate, Luhta Home, Merz b. Schwanen (D), Paranormal Coffee Roasters, Plainly, Zeha Berlin Ykon Agency, Hamburg/Deutschland, mo@ykon-agency.com, www.ykon-agency.com

Claudia May Fashion Agency „Wir haben gleich vier neue Kollektionen in der Agentur“, sagt Claudia May.

Piazza Sempione ist stark mit Hosen und wird stärker mit Strick. Hinzu kommt Sfizio aus Venezien, mit viel Farbe und Prints in Leinen- und Baumwolle. On top starten zwei Labels mit Seele ganz neu in Deutschland: Die Kleider, Blusen, Röcke und Hosen von Holy Caftan werden in Sorrent per Hand bestickt, und auch Nina Leuca aus Apulien lässt Kreuzstichborten auf modernen, figurschmeichelnden Leinenkleidern neu aufleben. www.claudia-may.de

Neuer Showroom in der HeinrichKley-Straße in München: MODEist.

MODEist

UMZUG IN DIE FASHION MALL BRONCE Ein schöner Schritt nach vorne: Marion und Timothy Hoferer haben ihren Münchner Showroom am Frankfurter Ring aufgegeben und ziehen in die Fashion Mall Bronce. „Wir sind gewachsen und unsere Kollektionen sind es auch. Wir freuen uns, dass wir hier in der Fashion Mall Platz genug haben, der außergewöhnlichen Entwicklung unserer Labels den entsprechenden Raum zu geben“, sagt Marion Hoferer. Dass die Kollektionen im Showroom ineinandergreifen und gemeinsam ein stimmiges Sortiment ergeben, ist dem Mutter-Sohn-Duo besonders wichtig. „Jeder von uns hat seine Leidenschaften, gemeinsam aber ergeben sie ein modernes Gesamtbild“, lacht Marion Hoferer. Marken: Alpaca Loca, Avantgarde Spirits, Catarina Martins, Controfigura, Dolores, Griffin, Gudrun & Gudrun, La Milanesa, Lara Krude, Pride to Be, Rue de Tokyo, Sassenbach, SassiCara, Sold Out, The Kaia, MODEist, Düsseldorf und München/Deutschland, modeist@vahoferer.de, www.modeist.com

Piazza Sempione ist zurück in der Agentur von Claudia May.

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Stolz Modeagentur „Das Investment hat sich gelohnt“, sagt

Hubert Stolzlechner über seinen in der vergangenen Saison eröffneten Showroom Alpine Classics für Marken wie Habsburg, Josef & Anna, Grassegger oder Steiner 1888. „Wir wollen den Händlern einen Marktplatz bieten und eine Referenz für den gepflegten, authentischen alpinen Stil sein“, so der Unternehmer. Langjährige Mitarbeiterinnen machen den Service perfekt, zur Saison finden auch nicht in der Agentur beheimatete Kollektionen wie Meindl oder die Rockmacherin im Showroom Unterschlupf. www.hstolz.at

Alpha Studio bringt vielseitig interpretierbare Womenswear und ist stark im B2B.

Marktplatz der gehobenen alpinen Klassik: die Stolz Mode­ agentur.

Adventure Fashion

FOKUSSIERT

Die Adventure Fashion GmbH ist bereit für eine neue, spannende Frühjahr-/Sommer-Saison 2022. Marc Kofler und sein Team können eine gute Bilanz der letzten Monate ziehen und schauen optimistisch in die Zukunft. „Wir haben nie aufgehört, konzentriert zu arbeiten, und haben mit Langezeitpartnern gute Ergebnisse erzielt. Zudem halten wir kontinuierlich Ausschau nach coolen, neuen Labels.“ Die Neuzugänge reichen vom Swimwearlabel Janthee Berlin bis zur Cashmere-Kollektion von Kashette. Ganz neu ist auch Trusted Handworks: schlichte Basics für Männer, etwa T-Shirts, Sweatshirts und Hoodies, alles aus zertifizierter Biobaumwolle und mit bestem Tragekomfort. Die Adventure Fashion GmbH übernimmt ab sofort auch den Vertrieb für 120% Lino in Österreich für DOB und HAKA. Marken: 120% Lino, Cosy Love Pure, Dekker, DL1961 Denim, Duno, Geospirit, Iheart, Janthee Berlin, Kashette, Odd Molly, Orciani, Peuterey, Rosa & Me, Sebago, Tonno & Panna, Trusted Handwork, Trvl drss

Meier-Rybinski

VIELSEITIG

Simple Basics aus Biobaumwolle: Trusted Handworks ist neu bei Adventure Fashion.

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Als Agentur bieten wir ein vielseitiges Spektrum mit Designerkollektionen und Contemporary“, sagt Anna-Zoi Rybinski. „Unser beständiges Markenportfolio steht für Sicherheit, Service und modische Innovation.“ So ist Alpha Studio ein zuverlässiger Partner, der Klassisches modern umsetzt, mit dessen Kollektion aber auch sehr trendorientiert gearbeitet werden kann. „Dazu begeistert die Qualität und das unschlagbare Preisgefüge“, so Anna-Zoi Rybinski. T-Shirts kosten 40 Euro/EK und Kleider 60 bis 100 Euro. Auch Pin 1876 by Botto Guiseppe verzeichnet seit vielen Saisons zuverlässig gute Abverkäufe. „Die großen Cashmere-Tücher zu 80 bis 90 Euro/EK sind Bestseller und können während der Saison in vielen Farben nachgezogen werden.“ Boutique Moschino gefällt als sehr tragbare Zweitlinie auch der jungen Zielgruppe. „Qualität und Passform sind sensationell, zumal mit Aeffe einer der besten hochwertigen Produzenten Italiens dahintersteht.“ Marken: Alpha Studio, B&L Blümlein & Lang, Boutique Moschino, Fuzzi, Max & Moi, Moschino Soft Accessoires, Muse, Philosophy di Lorenzo Serafini, Pin 1876 by Botto Guiseppe, Weill Paris Meier-Rybinski, Düsseldorf/Deutschland, info@meier-rybinski.de, www.meier-rybinski.de


FA S H I O N

FA S H I O N &

SHOES July 24 – 26, 2021 Showroom Concept July 22 – 26, 2021 AREAL BÖHLER GALLERY-DUESSELDORF.COM

SHOES

SHOES &

FA S H I O N August 29 – 31, 2021 Showroom Concept August 27 – 31, 2021 AREAL BÖHLER GALLERY-SHOES.COM


JETZT Ag e n t u r e n

Sie starten in Deutschland mit der Ready-to-Wear-Kollektion und der exklusiven Black Edition durch: Rag & Bone.

Axel Arigato baut seine Range deutlich aus.

Ben and

„JETZT IST DER RICHTIGE MOMENT, UM AN DIE ZUKUNFT ZU GLAUBEN“ Sucht man nach unternehmerischer Aufbruchs­ stimmung, klingelt man am besten bei dir, Ben. Die letzten Monate hast du und dein Team genutzt, um euch für die neue Saison zu formieren. Was erwartet uns? Ben Botas, Inhaber Ben and: Wir haben unseren Wachstumskurs der letzten Jahre konsequent fortgesetzt. Hierzu gehört jetzt auch die klare Abgrenzung unserer drei Segmente: Luxury, Premium und Young Fashion. Im Luxury-Bereich haben wir Rag & Bone und GCDS aufgenommen. Bei Rag & Bone zeigen wir zum ersten Mal in Deutschland auch die Ready-to-wear. Zur neuen Segmentierung gehört auch die Abgrenzung in den Showrooms. In Düsseldorf haben wir den Nachbarshowroom dazugenommen und wachsen auf 1.300 Quadratmeter. Die Luxury-Brands werden ausschließlich im neuen Showroom gezeigt. In München wandern ebenfalls alle Luxury-Brands in die Villa. Somit zeigen wir eine klare Linie. Deine Jahresbilanz 2020/21 klingt wie aus einer anderen Welt: Wachstum in jeder Hinsicht. Wie ist euch das gelungen? Wir haben die letzten Jahre über vorgearbeitet und unsere ambitionierten Ziele für 2020 und 2021 trotz Corona zu einem großen Teil erreicht. Zum einen dank

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der Überperformance einiger Bestandsmarken wie Axel Arigato und Moose Knuckels, die im Winter durch die Decke gegangen sind. Second Female hatte die beste Saison aller Zeiten. Da beobachten wir, dass die Produzenten auch bedingt durch die Situation merken, dass eine intensive Betreuung und die Nähe zum Kunden einfach gegeben sein müssen. Zum anderen performten Brands, die gut platziert sind und einen guten Job machen, im Abverkauf überdurchschnittlich. Es ist also wieder die Zeit der starken Marken und nicht mehr des Produktes? Ich bin überzeugt, dass die Marke, die Kommunikation und die Imagekampagne, in der sich eine Kollektion darstellt, essenziell sind. Wenn man ein gewisses Niveau überschreiten will, geht das nicht ohne starke Marke. Klar ist auch hier das Produkt wichtig, reicht aber nicht alleine aus. Marken: Axel Arigato, A.P.C, Beck Söndergaard, Chimi, Filippa K, GCDS, Gina Tricot, Hvisk, La Martina, Limitato, Løci, Mason’s, Minimum, Moose Knuckels, Na-kd, Nu-In, Rag & Bone, Second Female, Stefan Brandt, Wood Wood Ben and, München und Düsseldorf/Deutschland, agency@ben-and.com, www.ben-and.com


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Gute Abverkäufe, soziales Engagement: die Accessoirekollektion Ibeliv aus Madagaskar.

Meta Pesch „Wir sind schon sehr gespannt auf den handgebatikten Leinenstrick von Amuse“, erzählt Meta

Pesch. „Dazu sind Jersey-Blazer eine coole Ergänzung.“ Daddy’s Daughters setzt auf sommerliche Farben wie zarte Pastelle und erstmals Neontöne für Strick. Neu dabei sind ungefütterte Leinenblazer und T-Shirts. „Außerdem ist Derbe sehr stark mit nachhaltiger Outerwear, die Re-orders sind der Wahnsinn!“ Newcomer im Portfolio ist die lässige Loungewear plus Handkosmetik von Onedaybaby. www.metapesch.com

The Wearhouse „Wir glauben daran, dass Denim stärker anzieht und haben die Jeans­section von Incotex Blue Division neu dabei“, sagt Patrick

Ebnoether. „Wir fokussieren außerdem weiter das Thema Nachhaltigkeit, das immer stärker in das Bewusstsein der Konsumenten rückt.“ Als Pioniermarke baut Save the Duck den Vorsprung weiter aus, gefolgt von National Geographic und Daniele Fiesoli mit recyceltem Cashmere-Strick. „Guter Fachhandel muss heute Erlebnis und Inhalt bieten, dabei wollen wir ihn unterstützen.“ www.wearhouse.ch

Sie managen ein weltumspannendes Distributionsnetzwerk für Mode- und Lifestylemarken: Sassan und Sandjar Safay.

SASAtrend

FULL SERVICE DISTRIBUTION Marken zu internationalem Erfolg führen, ist das Geschäft von Sassan and Sandjar Safay. Vom europäischen Headquarter in Aachen aus steuert das Unternehmen die Distribution von Mode- und Lifestylemarken. Mit letztgenannten bietet SASAtrend auch umfangreiches Co-Branding an, die dritte Dimension des Geschäfts. Für den Vertrieb in USA, Europa und dem internationalen Markt

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arbeitet SASAtrend mit 40 regionalen Partneragenturen. So umfasst das Netzwerk aktiver Handelsbeziehungen weltweit mehr als 2.000 On- und Offlinestores aller Kategorien, von der Highclass-Fashionboutique über Departementstores, Optiker, Cafés, Conceptstores, Buchläden, Museumsshops oder Flughafenstores. Sassan Safay: „Wir sind in der Lage für unsere Marken das gesamte Spektrum des Handels anzusprechen und maximieren dadurch das Umsatzpotenzial. Fashion brands: Bobi Los Angeles, BSB, Cristina Beautiful Life, Devotion Twins, Emily Lovelock, Gorin Bros., Johnny Was, Lotus Eaters, Potzy, Miss Me, Rock Revival, Smashed Lemon Lifestyle brands: Chilly’s, Gaston Luga, Ideal of Sweden, Nuoc, Sorbet Island, Sunnylife, The Gift Label, Vinoos SASAtrend, Aachen/Deutschland, info@sasatrend.com, www.sasatrend.com

Aus nachhaltigem Bambusjersey: Mützenmafia aus Graz ist bei Meta Pesch ein Verkaufsschlager.


FOURTENINDUSTRY.COM

DIEHINTERHOFAGENTUR.DE


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Agentur Knallgrau „Wir sind super happy mit unserem Neuzugang Cute Stuff, die gewalkten und geprinteten CashmereSchals zum EK ab 89 Euro sind der Hit“, freut sich Bettina Groeger. Ebenfalls

neu ist Mary’s by Mary aus Osnabrück, mit viel recyceltem, fluffig-leichtem Strick, der jetzt mit einer Leinen-Capsule ergänzt wird. „Außerdem entwickelt sich Floor dank innovativem Strick fantastisch, der zu lässigen Papertouch-Styles kombiniert wird – und weil der italienische Familienbetrieb ein zuverlässiger Partner ist.“ www.knallgrau-agentur.de

Floor wird seit fünf Saisons von der Agentur Knallgrau in D-A-CH vertrieben.

Michael Prues „Ich werde keine klassische Agentur eröffnen“, sagt Mi-

Fixstarter in den Showrooms von Select Studio: Gestuz.

Select Studio

NEUER SHOWROOM IN DÜSSELDORF Mit einer vergrößerten Showroomfläche in der Münchner Balanstraße, einem neuen Showroom in Düsseldorf am Bennigsen-Platz 1 und noch mehr inhaltlichem Tiefgang startet die Agentur Select Studio in die neue Saison. „Bei internationalen Kunden ist es wichtig, dass unser Organisationsgrad hoch ist und wir einen allumfänglichen Service bieten“, so Inhaber Bernard Waage. Gerade jetzt, wo wichtige strategische Entscheidungen anstehen, sei die Beratungsleistung einer Agentur so wichtig wie nie. „Den Einkäufern wiederum bieten wir genau die richtige Balance aus Marken, mit denen sie strategisch wachsen können, wie z. B. Gestuz und spannenden Neuzugängen wie Envii, die Sortimenten einen individuellen Touch geben.“ Marken: 8 PM, A Fish Named Fred, Birgitte Herskind, Brandblack, By Malene Birger, Dante 6, Day Et, Decadent Copenhagen, Envii, Freebird, Garment Project, Gianni Chiarini, Hetrego, Hudson London, Markberg, Mercer Amsterdam, Munthe, Oscar Jacobson, Premium Basics, Saddler, Sand Copenhagen, Simple, Suncoo, Tomorrow, UBR Select Studio, Düsseldorf, München/ Deutschland, info@select-studio.com, www.select-studio.com

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Michael Prues, wie man ihn kennt – illustriert von Rodrigo Saldana.

chael Prues über seine neue Rolle für Marken wie Traiano Milano oder FPM. Den Marken stellt er seine zwei Jahrzehnte Erfahrung als Konsulent zur Verfügung, geordert wird nach Möglichkeit in den Showrooms der Marken direkt. Während für Traiano Milano und die Koffermarke FPM ab sofort eine solide Struktur in den D-A-CH-Märkten im Mittelpunkt steht, wird sich Michael Prues ab September für Weber + Weber um den Aufbau der Exportmärkte kümmern. www.pixint.de

Niklas Rill Fashion Agency „Ich bin super gespannt auf die frischen Kollektionen und möchte gemeinsam mit den Händlern neue Ideen entwickeln“,

sagt Niklas Rill und meint damit eine kreative Partnerschaft, die über den Standard hinausgeht. The Nim gelingt es aufs Neue, Fabrics und Styles für Denims weiterzuentwickeln. Bowery NYC baut aktuell die Damenlinie aus und auch der Strick von Scaglione punktet mit leichten Materialmixes in vielen Farben und mit abwechslungsreichen Styles, für Damen wie für Herren. www.niklasrill.de

Niklas Rill baut in seiner Agentur die Womenswear aus, wie hier von The Nim.


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Modeagentur Klaus

BEST PERFORMANCE „Wir sind mit unseren Marken gut aufgestellt“, sagt Agenturinhaber Christian Klaus. Unsere Kollektionen haben gemein, dass sie als Einzelteile funktionieren, lässig und unkompliziert tragbar sind und vor allem ein eigenes Profil haben. Alles, was an Einzelteilen Bequemlichkeit verspricht, performt jetzt bestens im Handel.“ Penn & Ink ist eine Kollektion, die auch in schwierigen Zeiten Wachstum generiert. „Hier stimmt auch die Bildsprache der Marke, weil sie die Emotion berührt“, so Christian Klaus. Als Gewinnerstyles der letzten Saison nennt er die Penn & Ink Technostretchpants und die Joggpants aus Leder von Oakwood. „Für die neue Saison glaube ich stark an Kleider, von Gustavs, JcSophie und Marc Aurel. Diese Brands konzipieren ihre Kollektionen thematisch, so gelingt es ihnen, gebündelte Themen in die Saison hineinzusteuern und die Lust auf Mode neu zu entfachen.“ Marken: Free Jacket, Freedomday, Gustav, Humility, Jc Sophie, Kyra & Ko, Marc Aurel, Margittes, Oakwood, Penn & Ink N.Y, POM Amsterdam, Resort Finest Modeagentur Klaus, Salzburg/Österreich, office@modeagentur-klaus.at, www.modeagentur-klaus.at

Michaelis Fashion Agency

EMOTION!

Mirjam Fuchs hat im Aufbau von Marken viel Erfahrung – die Womenswear von Weber+Weber hat sie beeindruckend hochwertig positioniert.

MPH Agentur „Mir ist wichtig, dass die Marken, mit denen ich arbeite, ihr Herz am rechten Fleck haben“, sagt Mirjam Fuchs, die mit

ihrer Agentur MPH eine erfolgreiche OneWoman-­Show in der Schweiz ist. „Marken in der Schweiz aufbauen, das kann ich“, lacht die Unternehmerin. Im Portfolio ihrer Agentur sind Marken wie G-Lab, Friendly Hunting, Weber+Weber und neu Aws twentyfourseven, eine Strickkollektion, die mit Produktion in der Schweiz und progressivem Design punktet. www.mphagentur.ch

„Wir wollen die Emotion berühren“, sagen die Agenturinhaber Daniela und René Michaelis und haben dafür die farbenfrohen Kleider und Tuniken von Genesis neu an Bord. „Zum Einsatz kommen Viskose und Viskoseseide. Dazu sind die VK-Preise im Schwerpunkt zwischen 149 und 229 Euro sensationell.“ Yippie Hippie steht als Bohemian-Pionier nicht zurück und wird in Europa, auch in Deutschland, produziert. Absolut Cashmere ist ökozertifiziert und performt zuverlässig, dank pünktlicher Auslieferung und einem peelingarm ausgerüstetem, langstapeligem Cashmere in 30 Farben. Seit letzter Saison ist die ebenso nachhaltig produzierte CashmereLinie Crush aus England hinzugekommen. „Crush liegt preislich bis zu 15 Prozent über Absolut Cashmere und ist mit modischen Powerseller-Styles eine super Ergänzung.“ Der größte Name der Agentur bleibt Peuterey. „Die Marke hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2024 zu 100 Prozent nachhaltig zu sein“, so René Michaelis. „Diesen Weg gehen wir mit Überzeugung mit.“ Marken: Absolut Cashmere, Bellamy, Crush, Genesis, Peuterey, Yippie Hippie Michaelis Fashion Agency, München/Deutschland, mail@michaelis-fashion-agency.com, www.michaelis-fashion-agency.com

GTA überträgt seine Bestseller jetzt auf lässigkomfortable Damenmodelle.

Paul’s Selection „Wir sind Partner per Du, nicht per Sie“, sagt Paul Schulz und erklärt damit seinen Very contemporary: Humility aus Frankreich.

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modernen Vertriebsansatz. „Wir bieten nicht nur Service, sondern verkaufen mit am PoS, um zu erzählen, was hinter den Produkten steckt.“ Die Hosenkollektion GTA bringt erstmals Damenmodelle auf den Markt und baut den Design-Casual-Part aus, der bereits die Herren überzeugt. Neu dabei sind die Herrenschuhe von Henderson Baracco, denen der Brückenschlag zwischen klassisch und casual gelingt, zu Preisen von 270 bis 450 Euro/VK. www.paulsselection.com

Modisch und dabei verständlich: Absolut Cashmere.


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Agentur Evelyn Muth

GOOD VIBES Nach 40-jähriger Erfolgsgeschichte übernimmt mit Christiane Peek die Tochter von Evelyn Muth die gleichnamige Düsseldorfer Vertriebsagentur. „Ich freue mich auf einen Agentur-2.0-Start“, sagt Christiane Peek, die neben den luxuriösen HeritageMarken wie Arche und Castaner einen kommerzielleren Part aufbauen möchte. Brandneu sind die Taschen von Gap, die von der Agentur im D-A-CHMarkt betreut werden. „Der Name steht für einen coolen Street­style, wie die bekannten Hoodies,“ sagt Christiane Peek. „Darauf bauen jetzt Taschen, Rucksäcke und Hipbags in vielen Farbvarianten auf, zu VK-Preisen zwischen 50 und 150 Euro.“ An frühere Erfolge sollen die Sneaker von Bikkembergs anknüpfen. „Der Fußballschuh war Wegbereiter modischer Sneaker“, so Christiane Peek. „Nun sorgen Innovationen für eine sehr frische Kollektion, die außerdem einen nachhaltigen Part aufbaut.“ Als drittes kommt Fiorelli hinzu; Taschen mit floralen Prints, die auch junge Frauen ansprechen. Nützliche Innentaschen stehen für Funktion, und manche Bags lassen sich in Rucksäcke umfunktionieren. „Die veganen Materialien fühlen sich toll an“, so Peek. „Dabei ist das Preis-Leistungs-Verhältnis mit 40 bis 100 Euro/VK unschlagbar.“ Nach modischer Neuausrichtung wird die Taschenlinie DKNY im Markt wieder neu positioniert – und schließlich das Luxussegment der Agentur mit der Heritage-Linie von Clergerie gestärkt. „Jeder Schuh ist ein Schmuckstück“, schwärmt Christiane Peek. Die Key-Pieces für Sommer kosten bis 550 Euro/VK. Marken: Arche, Avril Gau, Bikkembergs, Castaner, Clergerie, DKNY, Gap, Fiorelli, Maison Mollerus Agentur Evelyn Muth, Düsseldorf/Deutschland, info@evelynmuth.de, www.evelynmuth.de Die Taschen von Fiorelli sprechen auch junge Frauen an.

Christiane Peek übernimmt die Agentur ihrer Mutter Evelyn Muth.

Innovationen und neues Logo: Sneaker von Bikkembergs.

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Agentur Moormann

PEOPLE, PRODUCT, PARTNERSHIP

Eine erfolgreiche Markenstory: Parajumpers.

„Wir sehen unsere Aufgabe darin, mit unseren Lieferanten und Händlern individuelle Konzepte herauszuarbeiten, weil uns People, Product und Partnership wichtig sind“, sagt Timo Moormann, Inhaber der gleichnamigen Agentur. „Das heißt, dass wir auch Sonderanfertigungen ermöglichen, zumal Persönlichkeit im stationären Handel immer mehr den Ausschlag gibt.“ Das gelingt zum Beispiel Maurizio Baldassari mit Business-Casualwear, die einen gepflegten Look mit Komfort vereint, gefolgt von Gimo’s und der Lederkollektion Stouls, die auch kleinste Serien anfertigen. „In letzter Zeit hat gerade diese Flexibilität die Stammkunden der Händler überzeugt.“ Produktinnovation bei Zanieri ist ein neues lightweight Cashmere-Garn, das eine ultraleichte Strickart ermöglicht, die es so für Herren bisher nicht gab. Darüber hinaus hat das Label Valérie Khalfon sein Designteam erweitert, um den Everyday Urban Part in der Kollektion auszubauen. Marken: Allessandro Gherardi, Claussen, Emanou, Gimo’s, Inès & Maréchal, Maison Lener, Maurizio Baldassari, Project E, Stephan Boya, Stouls, Valérie Khalfon, Zanieri Moormann & Co., Düsseldorf/Deutschland, moormann@moormann-co.com, www.moormann-co.com

Elvis Fashion

LIFESTYLIGE KONFEKTION Für Elvis Giglione, Inhaber der Vertriebsagentur Elvis Fashion, war die letzte Saison herausfordernd. „Es ist noch klarer geworden, dass die Ära des Banker-Anzugs definitiv vorbei ist.“ Die Casualisierung der Menswear ist daher bei Elvis Fashion schon lange Thema und spiegelt sich im Portfolio wider. Die Marken der Agentur haben nicht nur das Made in Italy gemeinsam, sie stehen auch für moderne Menswear. So gibt es zum Beispiel bei Tombolini Anzüge aus regenerierter Wolle, die in der Waschmaschine problemlos gewaschen werden können. „Ich bin mir sicher, dass wir auch wieder Sakkos tragen werden. Wer will schon in einem Restaurant oder in einer Bar mit einem Hoodie sitzen? Klar muss das Formelle noch lifestyliger werden, aber die Lust an zeitloser Eleganz bleibt.“ Die Neuzugänge der Saison: Fioroni Cashmere – aus feinstem Garn und in Italien handgefertigt. Marken: Bagutta, Brooksfield, Capobianco, Cruna, Fioroni Cashmere, Francesco Pieri, Manto, The Gigi, Tombolini Elvis Fashion, München/Deutschland, elvis.giglione@elvis-fashion.com, www.elvis-fashion.com

Agentur Matthias Schwarte

KONTINUITÄT UND WANDEL

„Wir sind erfolgreiche Krisenmanager, aber jetzt freuen wir uns auf die Normalität“, sagt Matthias Schwarte. Gemeinsam mit seinem Team galt es in den vergangenen Monaten, Händlern wie Lieferanten gleichermaßen Partner zu sein. „Das Wichtigste ist, dass man im Dialog bleibt“, so der Unternehmer, „und dass man Marken hat, die den Konsumenten selbst in Zeiten der geschlossenen Läden wichtig sind. Wenn eine Marke im Leben ihrer Endkonsumenten einen festen Platz hat, ist vieles leichter.“ Als Paradebeispiel nennt Matthias Schwarte Parajumpers: „Ein guter Gradmesser, ob die Marke für ihr Produkt oder für die Marke gekauft wird, ist immer, wenn sie über ihr angestammtes Terrain hinausgeht. Wenn der Kunde sagt: Klar kaufe ich von denen ein Logosweatshirt, es ist ja eine etablierte Marke, dann weiß man, dass die Marke alles richtig gemacht hat.“ Marken: Armani Exchange, Balr, Collezione 01, Cup 30039, Daniele Fiesoli, Fil Noir, Mason Garments, Parajumpers, People of Shibuya, Replumè, Saucony, Sundek, Weber + Weber Agentur Schwarte, München/Deutschland, office@agentur-schwarte.de, www.agentur-schwarte.de Feminine Everydaywear, für den Strand wie für die Stadt: Valérie Khalfon.

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Good Vibes bringen unter anderem die Sweats und T-Shirts von Fabulous Island in die Hinterhofagentur.

D-Tails

RESTART, RESHAPE, REWARD Restart, Reshape, Reward – das ist das Motto von Patrick und Ute Coppolecchia Reinartz. „Restart, weil wir mit Schwung und Energie Neues anpacken wollen. Reshape, weil nur das Echte, das Authentische für den gehobenen Einzelhändler funktionieren wird und ihn von der Konkurrenz abhebt. Reward, weil belohnt wird, wer die Margen erhöht, Reduzierungen vermeidet und in die Stärkung der Positionierung und des Images investiert.“ Die Agentur präsentiert neue Accessoirelabels von Designmusikboxen über Smart-Phone-Hüllen bis hin zu Trinkflaschen. Damit will D-Tails den Händlern die Möglichkeiten öffnen, lifestyliger zu werden, das Sortiment zu schärfen und kuratierte Produkte anzubieten. „Die Neuzugänge im DOB-Bereich I love my pants und Kniit haben bei Leuchtturm-Händlern in mehreren Städten schon gutes Feedback bekommen.“ Marken: Akep, Anita Bilardi, Andrea’s, Barba Napoli, Borsalino, Cantaloupe Espadrilles, Euterpe Studio, Gallo, I love my pants, Izmee, Kaya Sophie, Kniit, Michael Coal, Morgano Maglieria, Phonie, Ripani, Sealup, Suns D-Tails, München/Deutschland, info@d-tails.de, www.d-tails.de

Die Hinterhofagentur

„VOLL ZUVERSICHT IN DIE NEUE SAISON“ Wer in diesen Tagen mit Dominik Meuer spricht, spürt durch und durch Zuversicht, Optimismus und Aufbruchsstimmung. „Unsere Branche ist stark an das Bauchgefühl gebunden. Und das wird gerade besser und besser, das merken wir in vielen Bereichen. Unsere Partner haben die Herausforderun-

gen der Krise gemeistert und sind gestärkt daraus hervorgegangen – auch die kleineren italienischen inhabergeführten Betriebe. Darauf bin ich richtig stolz“, sagt er in Rückblick auf den Messe-Kickoff mit Pitti Uomo in Florenz, wo die Marken Bob, Manuel Ritz und Four.Ten ausstellten. „Real stattfindende Messen sind notwendiger denn je, auch als Signal für die gesamte Branche.“ Sehr zufrieden ist Dominik Meuer mit den Entwicklungen der bestehenden Kollektionen. „Wir sind vor einer Saison mit Fabulous Island und RRD gestartet und freuen uns auf einen starken Sommer. Fabulous Island wird seine T-Shirt-Range weiter ausbauen und mit RRD ist es die erste gemeinsame Sommersaison. Wir sehen hier großes Potenzial in der Kombination aus technischem Appeal übersetzt in modische Designs. Auch das Denimlabel Taylor Tweed erweitert seine Kollektion, die für ausgefallene Waschungen steht. Enorm beeindruckt hat mich das Team von Bob, das immer schon eine enorme Flexibilität gegenüber seinen Kunden zeigt und mit seiner positiven Einstellung den Zeitgeist widerspiegelt.“ Marken: Ad Hoc, Bob, Bread & Boxers, Des Petits Hauts, Fabulous Island, Four.Ten, Hamlet, Koike, Manuel Ritz, Original Vintage Style, Portofiori, Prime Shoes, RRD, Taylor Tweed, The Jacksons, Wool & Co Die Hinterhofagentur, München/Deutschland, info@diehinterhofagentur.de, www.diehinterhofagentur.de

Agentur Stefan Wittmann „Wir warten nicht auf unsere Chancen, sondern wir erschaffen sie“, sagt Stefan Wittmann

zur neuen Saison. Lücken im Sortiment Herbst/Winter 2021 kann die Agentur mit kurzfristigen Lieferterminen schließen, ein Service der Menswear von Les Deux und Terra Luna. Kurzfristig lieferbar ist auch die Cashmere-Kapselkollektion Collezione N_01 als Pre-Order mit Liefertermin September sowie die feminine Womenswear von La Fée Maraboutée mit mehreren vorproduzierten Kapseln für die komplette Saison. www.agenturwittmann.de

Mit vielen Accessoires und Lifestyleprodukten startet D-Tails in die Saison.

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Schnell verfügbar: Cashmere von N_01.


WWW.GOLDGARNDENIM.DE // IG: GOLDGARNDENIM

Goldgarn Denim Essentials

Der Großteil der Kollektion wird aus 100 Prozent Baumwollqualitäten realisiert, denn erst mit diesen charakteristischen Eigenschaften passt sich das Produkt über das Tragen hinweg dem Körper der Trägerin an und formt sich individuell.

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Agentur Ventrella

„BRÜCHE SIND JETZT WICHTIG“

Gute-Laune-Kollektion: Nolita

Agentur Prins Juric „Wir müssen selbst Spaß vorleben“, ist Damir Prins-Juric über-

zeugt. Wer ihm auf Instagram folgt, der hat mehrmals die Woche Grund zu lachen. „Ohne Lachen fehlt doch was.“ Damit in der Agentur, die Showrooms in Berlin, Düsseldorf und München betreibt, nichts fehlt, gibt es zahlreiche Neuzugänge. Nolita ist zurück, die legendäre DOB aus Italien, will an alte Erfolge anknüpfen. Wushu Sneakers aus Italien im Mittelpreissegment, mit Brand Unique und Zanetti zwei weitere italienische Marken. Aus Henk Prins Heimat Holland kommt Josh V neu an Bord. www.prins-juric.com

Michele Ventrella und sein Team sind gespannt auf die kommende Saison. „Es wird die Saison der Renaissance. Ich komme von unseren Partnern voller neuer Ideen und Optimismus zurück.“ Das Label Nine in the Morning hat sein Angebot ausgebaut und zeigt für die kommende Frühjahr-/Sommer-Saison 2022 eine Denim-Capsule mit neuen Denimmischungen, super weichen und fließenden Denimbindungen, Bull-Denim – auch in Farbe – oder Jeansstoff aus Japan. Die besonderen Waschungen schenken den Modellen Brillanz und Weichheit. „Die Hosen sitzen perfekt und werden – wie die Modelle aus der Hauptkollektion – die Kunden überzeugen.“ Nine in the Monring investiert außerdem in eine verstärkt nachhaltige Produktion. Der Neuzugang bei Ventrella ist das Label Backsideclub – ein junges Unternehmen aus Norditalien, das sich erfolgreich im Segment Streetwear bewegt. „Ein Label für Händler, die bereit sind, mit der Vergangenheit zu brechen. Es ist Zukunftsmut, der mich motiviert, diese Shirts, Hoodies, Käppis und Skateboards meinen Kunden zu präsentieren“, so Michele Ventrella. Marken: 813, 820, Avant Toi, Backsideclub, Bazar Deluxe, Bush, Caliban, Cheeky Chain, College, Ennequadro, Giovi, Le Sarte Pettegole, Ndv Project, Nove, Nine in the Morning, Pao, Tagliatore, Tintoria Mattei Agentur Ventrella, Düsseldorf, München/ Deutschland, mode@agentur-ventrella.de, www.agentur-ventrella.de

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die Lust auf Sommer machen“, sagt Meike Schilcher. „Mit OneDayBaby haben wir tolle Neuigkeiten: Die vegane Handkosmetik und nachhaltige Loungewear made in Portugal sind perfekt für Fashion-Conceptstores.“ Wunderfell bietet einen Special Service: Die Topseller der Vororder können bis Ende August nachbestellt werden, mit einem zusätzlichen Liefertermin Ende November.

Knaus oder Knaus „Der Handel hat seine Chancen genützt“, sagt Gerhard Knaus von Knaus

Room with a view Mit viel positiven Vibes und aus gutem Grund optimistisch

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Die Modeagentin Meike Schilcher „Luis Trenker setzt auf eine von Wimbledon inspirierte Easy­ wearkollektion, Retrostyles in kräftigen Farben und coolen Schnitten,

„Ein spannender Umbruch, in dem die guten Beziehungen zum Handel und zu den Lieferanten essenziell sind“, finden Gerhard und Isabella Knaus von Knaus oder Knaus.

Auf in die nächste Runde – OnlinesalesTermine bleiben bei Room with a view ein Fixpunkt.

– so bricht die Agentur Room with a view in die neue Saison auf. Die in den Lockdowns gelernten Zoomtermine für Onlinesales behält die Agentur auch bei, wenn die Beschränkungen fallen. „Weil wir es einfach lieben, die Marken und die Händler miteinander zu verbinden und ins Gespräch zu bringen. Und weil die Information aus erster Hand nicht nur für die Einkäufer super ist, sondern auch das Verkaufspersonal oder Mitarbeiter im Marketing motiviert“, so Christian Obojes. www.roomwithaview.at

Spiel, Satz und Sieg: Luis Trenker ist Kernmarke der Agentur von Meike Schilcher.

Moderne Italianità in den Showrooms München und Düsseldorf: Agentur Ventrella.

oder Knaus. „Dass viele jetzt noch näher am Kunden sind, resultiert in noch präziseren Orders und einer guten, partnerschaftlichen Zusammenarbeit.“ Im Schauraum des Ehepaares Knaus haben „stabile Markenpartner eine Heimat gefunden, die wissen, dass es sich lohnt, in den österreichischen Markt zu investieren“, so Gerhard Knaus. Aktuell sind das hervorragend besprochene Kollektionen wie Juvia, Sincerly, iheart, Kiefermann oder die Lederkollektion Arma, außerdem G-Lab, Distretto12 oder Grace. www.knausoderknaus.at


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JETZT Mit LaMunt lanciert die Oberalp Gruppe eine rein weibliche Marke.

Elho

REVIVAL Zwei Jahrzehnte war die deutsche Sportmarke mit über 70jähriger Geschichte wie vom Erdboden verschluckt. Jetzt ist sie zurück. Elho, das waren knallige neonfarbene Windbreaker als Windsurfen die angesagteste Trendsportart war oder der Monoski die Rebellion auf den Pisten einläutete und es passend dazu knallenge Jethosen oder grelle allover gemusterte Skioveralls gab. Heute sind die T-Shirt- und Sweat-Silhouetten der Kollektion wieder oversized und basieren größtenteils auf Originalen aus 1989. Ein kleines Team aus Ski- und Fashionfans hat sich die weltweiten Rechte gesichert und den Relaunch im September 2020 gestartet. www.elho.de Flashback? Kein Wunder, die deutsche Sportmarke Elho ist zurück.

Hinter der Marke steht Ruth Oberrauch.

Boutiquery

SCHULTERSCHLUSS Macht Sinn: Boutiquery ist ein gemeinsamer Onlinemarktplatz stationärer Boutiquen, die über die Plattform Mode, Schuhe und Accessoires zu reduzierten Preisen anbieten können. „Jedes Geschäft hat seinen eigenen Auftritt“, sagt Vertriebsprofi und Managing-Partnerin Andrea Tauss, die Boutiquery mit Khang Chen und Josè Lopez ins Leben gerufen hat. „Die Handhabung ist einfach und es fallen außer der Kommission für jeden verkauften Artikel keine weiteren Gebühren an. So können Einzelhändler sofort einen Onlineshop ohne große Investitionskosten starten.“ Jede Boutique führt ihr Lager selbst und organisiert auch den Versand. „Nach erfolgreichem Start in der Schweiz planen wir, Boutiquery in Deutschland und Österreich aufzubauen, und suchen dafür noch geeignete Partner.“ www.boutiquery.ch

Boutiquery ist ein gemeinsames Online-Outlet stationärer Modehändler.

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LaMunt

„FUNKTIONALITÄT UND FINESSE“ Was gab den Ausschlag für eine feminine Bergsportmarke? Ruth Oberrauch, Brand Managerin & Group Sustainability Managerin Oberalp Group: Keine unserer fünf Marken war mehr weiblich als männlich. Bedürfnisse wie die Vereinigung von Performance, Funktionalität und Finesse waren noch nicht abgedeckt. Was zeichnet die Marke aus? LaMunt steht für eine weibliche Sichtweise auf die Berge und den Alpinsport. Beim Design liegt der Fokus auf hochwertigen Materialien und Funktionalität. Der Nachhaltigkeitsgedanke ist fester Bestandteil der Philosophie. Wie zeigt er sich? Neben Merinowolle-Tencel-Jersey und Doubleface-Strick aus Merinowolle und recyceltem Polyester finden weitere recycelte Materialien Einsatz. Die Produkte werden in Fabriken hergestellt, die sich zu fairen Arbeits- und Sozialstandards verpflichten. Dazu ist LaMunt Mitglied der FWF. www.lamunt.com


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Glore

„EINE GUTE ZEIT“ Glore, das FriendChise-Kollektiv aus nachhaltigen Conceptstores in Deutschland und der Schweiz, ist auf Expansionskurs. „Es ist eine gute Zeit, neue Läden zu eröffnen. Städte, in denen wir immer an der richtigen Immobilie gescheitert sind, werden plötzlich interessant“, so der Gründer von Glore Nürnberg, Bernd Hausmann. Den ersten Schritt macht Glore Karlsruhe, hier sollen im August 200 Quadratmeter eröffnet werden. Leiten wird den Standort Tina Bächle, die von der Vertriebsagentur Haven in ihre Heimatstadt zurückwechselt. Weitere Städte stehen noch 2021 auf dem Plan. Die Glore Conceptstores funktionieren alle unternehmerisch unabhängig, von Glore gibt es das entsprechende Coaching für die neuen Ladenbesitzerinnen und Shopeigner, regelmäßigen Austausch sowie die eingeführte Dachmarke. www.glore.de

Zusammen macht es mehr Spaß: Die Glore-Läden in Deutschland und der Schweiz werden von unabhängigen Partnern geführt.

Das Werk in Vallemosso. Hier werden die hochwertigen Cashmere-Schals von Pin 1876 nachhaltig hergestellt.

Pin 1876 by Botto Giuseppe

Die Vision vom eigenen Lieblingsladen verwirklichten Mira Djuranovic und Petra Keclik mit ihrem Store Herzenstöchter in der Linzer Innenstadt.

„WIR MÖCHTEN UNSEREN BEITRAG LEISTEN“ Es ist kein Zufall, dass der erste Nachhaltigkeitsbericht des italienischen Familienunternehmens Botto Giuseppe am 22. April 2021 erschienen ist, dem internationalen Earth Day. Botto Giuseppe und seine Accessoiredivision Pin 1876 gehen nämlich schon seit den Anfängen und heute bereits in vierter Generation sehr bewusst mit den Themen Umweltschutz und faire Arbeitsverhältnisse um. Mit diesem Bericht wird dieses Engagement dokumentiert und bestätigt. Botto Giuseppe zählt ab sofort zu den Firmen, die über eine RWS- und Cradle-to-Cradle-Zertifizierung verfügen. „Wir produzieren Kollektionen, die ausschließlich aus natürlichen und biologisch abbaubaren Rohstoffen bestehen und in nachhaltigen Produktionsprozessen verarbeitet werden. Wir investieren kontinuierlich in Innovationen, die die Auswirkungen unserer Produktion auf die Umwelt verringern. Wir möchten so unseren Beitrag zur Reduzierung von Treibhausgasen und des Klimawandels leisten“, sagt Silvio Botto Poala, CEO von Botto Giuseppe & Figli Spa. Die Zahlen sind beeindruckend, der Strom für beide Produktionsstätten kommt zur Gänze aus erneuerbaren Energiequellen. Mittlerweile werden 79 Prozent der Produktionsreste regeneriert, der Wasserverbrauch ist um ein Viertel, die Abfallmenge um zwei Prozent gesunken. www.bottogiuseppe.com

Silvio Botto Poala: „In den letzten Jahren haben sich unsere Anstrengungen auf Forschung und nachhaltige Entwicklung über alle Bereiche hinweg konzentriert.“

Herzenstöchter

DON’T DREAM IT, BE IT „Herzenstöchter passt einfach zu jeder Frau, weil wir doch alle ‚von Herzen‘ Töchter sind“, so beschreibt Mira Djuranovic den Namen ihres Stores, den sie gemeinsam mit Petra Keclik führt. Die Welt der Mode beschäftigt die Freundinnen schon seit Kindertagen. „Es hat uns immer fasziniert, wie ein Kleidungsstück Menschen verändern und ihr Selbstbewusstsein stärken kann.“ Inzwischen sind sie selbst Mütter und erfüllen sich mit dem gemeinsamen Business einen Traum. „Kundinnen entdecken bei Herzenstöchter modische Looks und echte Fashion-Lieblinge für tatsächlich jeden Anlass. Wir bieten wöchentlich immer neue Styles.“ Weil einer gut gekleideten Frau aber auch ein mindestens ebenso gut gekleideter Mann gegenübersteht, eröffneten die beiden direkt gegenüber Herzensbrecher, den Store für ihn – und der zweite große Traum des Dreamteams.

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Ave Anziehsachen

HAPPY 25TH BIRTHDAY Wie feiert man ein Vierteljahrhundert anspruchsvolle Mode in Stuttgart während der Pandemie? Stephan Kalbfell von Ave Anziehsachen hat sich entschlossen, seinen Kunden etwas Gutes zu tun. Er verschenkte hochwertige Baumwolltaschen und Tücher, bedruckt mit „ReMember 1996“ und dem Ave Logo an seine treue Klientel, die den Einzelhändler dafür schätzt, dass er seine Marken und Geheimtipps oft als erster in Stuttgart führt. www.ave-anziehsachen.de Angela Billi-Tosio hat LesDeux gegründet.

Ein Investment: Der LesDeux Women Store in Flims zeigt neue Größe.

LesDeux Women Store, Flims

WIE BEI FREUNDEN

Jetzt erst recht: Im Dezember 2020 wurde der LesDeux Women Store in Flims auf 280 Quadratmeter vergrößert und um Menswear erweitert. „Trotz der herausfordernden Zeit waren wir uns sicher, die richtige Entscheidung zu treffen“, so Fabienne Bischof, die mit ihrem Mann Silvio Bischof und ihrer Mutter Angela Billi-Tosio vier Stores verantwortet. Der 2018 eröffnete Store in Flims präsentiert sich im Stenna Center, einem architektonisch modernen Bau vor Bergkulisse, mit Shops, Restaurants, Spa und Hotel für eine gehobene Klientel. Das Damensortiment wird von lässiger Eleganz etwa von Weekend Max Mara, Lis Lareida und Windsor bestimmt, bei den Männern prägen Joop, Alberto und Les Deux Copenhagen das Bild. Hinzu kommen erlesene Spirituosen und antike Möbel, denn wie

in allen LesDeux Stores kann man alles Gezeigte auch kaufen. Das Investment des nun mehr als doppelt so großen Stores macht für die unternehmerisch agierende Familie Sinn: „Hier im touristischen Bergort können wir die Saisonware länger anbieten als in den Städten Horgen und Zug, wo schon ab Mitte Dezember die neue Frühlingsware kommt“, sagt Fabienne Bischof. „So haben wir weniger Warendruck.“ Denn statt auf Webshops wird auf persönliche Betreuung gesetzt, wie im Store in Flims von Geschäftsführerin Karin Gartmann. „Wer zu uns kommt, soll sich wie bei Freunden fühlen“, ergänzt Angela Billi-Tosio und fügt schmunzelnd hinzu: „Jetzt fehlt eigentlich nur noch ein Schuhladen.“ www.lesdeuxwomen.ch

Wie, seit 1996 ist schon ein Vierteljahrhundert vergangen? Ave Anziehsachen in Stuttgart feiert Jubiläum.

Platte Berlin

INTERDISZIPLINÄR Initiiert von der Wirtschaftsförderung der Berliner Bezirke Mitte und Pankow, ist das Modehaus Platte ein Projekt zur Förderung von lokalen Designern. Es legt seine Schwerpunkte auf Innovation, Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Fashionistas ist die Location in der Memhardstraße 8 durch den dort vormals beheimateten Apartment Store bekannt. Gestartet wird mit Pop-up-Stores, Events und Ausstellungen. Danach soll die Platte um einen dauerhaften Retailbereich sowie Workshops, Paneltalks, ein Fotostudio und eine digitale Plattform erweitert werden. Für das Jahr 2022 sind Gemeinschaftswerkstätten und ein Tech-Lab in Planung. Bürgermeister von BerlinMitte Stephan von Dassel: „Mit der Platte entsteht ein zentraler und sichtbarer Ort in der Mitte Berlins, an dem Mode nicht nur als Wirtschafts-, sondern auch als Kulturgut gefördert wird.“ Retail, Innovation und kreatives Kollektiv: Platte in Berlin.

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Germany-Austria-Switzerland

Niklas Rill

Showroom München Römerstrasse, 14 80801 München (06-10 August 2021)

+49 176 84837541 mail@maend.de

Showroom Düsseldorf c/o Paul’s Selection Cecilienallee, 40 40474 Düsseldorf


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Weekday

RE-THINK Schnell drehende Produkte mit einem hohen Trendfaktor: Das Young-Fashion-Label Weekday aus der H&M-Gruppe präsentiert unter anderem jede Woche ein neues T-Shirt-Design unter dem Titel Zeitgeist. Trotz der monatlichen Ordertermine und wöchentlichen Miniprogramme hat sich das Unternehmen den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen auf die Fahnen geschrieben und präsentiert unter dem Motto Re-think ein umfangreiches Maßnahmen­ paket. www.weekday.com

Die nachhaltige Mall Green Pea in Turin.

Green Pea

THINK BIG, GO GREEN Eine grüne Welle rollt durch Italiens Ladenszene. Mit der Eröffnung von Green Pea in Turin im Dezember 2020 wurde ein Leuchtturm für nachhaltigen Lifestyle geschaffen. Auf 15.000 Quadratmeter und fünf Etagen entstand der erste Green Retail Park der Welt: 66 Shops, ein Museum, drei Restaurants, ein Pool auf dem Dach, ein Spa und ein Club für kreativen Müßiggang, das Otium im letzten Stock. Hier treffen Mode, Lifestyle, Freizeit und Kultur aufeinander. Eines haben alle Mieter gemeinsam: Es handelt sich ausschließlich um Marken und Unternehmen, die das Prinzip der Kreislaufwirtschaft verinnerlicht haben und einen nachhaltigen Lebensstil fördern möchten. Deswegen auch die Erbse als Symbol: rund und grün, wie auch unsere Erde sein sollte.

Als Teil der H&M-Gruppe hat sich Weekday als vertikales Konzept mit eigenem Retail etabliert und plant auch den Start im Wholesale. Pandemiebedingt zunächst ausschließlich online, zukünftig hybrid: das FFW Studio.

Frankfurt Fashion Week

Kleinmachnow Fashion Days

Wenn die großen Bühnen nicht funktionieren, dann eben die kleinen – dachten sich die in Kleinmachnow bei Berlin ansässigen Modeagenturen und Marken und verabredeten sich zu den Kleinmachnow Fashion Days. 2020 von Agenturen wie Prins-Juric ins Leben gerufen, beteiligen sich von 12. bis 18. Juli 2021 noch mehr Schauräume und Monobrand-Orderstandorte. Insgesamt wird man in Kleinmachnow/Dreilinden mehr als 120 Marken sehen. „Wir sind überzeugt, dass wir als Vertriebsagenturen gemeinsam besser dran sind“, so Damir Prins-Juric. „Für die Kunden ist das toll, in kurzer Zeit viele Marken zu sehen.“ 12. bis 18. Juli 2021, bei den teilnehmenden Agenturen und Marken

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DIGITALER KICK-OFF Mit dem digitalen Portal FFW Studio vereinen Premium, Seek und Neonyt gemeinsam mit einer Reihe von Partnern aus Mode, Politik, Handel und Medien zukunftsorientierte Themenfelder der Frankfurt Fashion Week. Das FFW Studio soll Anlaufstelle für Designenthusiasten und Vordenker werden. Sämtliche Programmpunkte thematisieren die Leitmotive Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Livekonferenzen, Brand Experiences und City Events sollen dabei zu einem ganzheitlichen Ökosystem für Modeexperten, Einkäufer und Endkonsumenten verschmelzen. Im Mittelpunkt stehen dabei Konferenzformate mit über 130 internationalen Rednern und Rednerinnen, welche vom 5. bis 9. Juli live und kostenlos übertragen und im Nachgang als Video-on-Demand-Serie zur Verfügung gestellt werden. Premiere feiert der Frankfurt Fashion SDG Summit presented by Conscious Fashion Campaign in Zusammenarbeit mit dem United Nations Office for Partnerships und die Konferenz „The New European Bauhaus – Werkstatt der Zukunft“, organisiert vom Fashion Council Germany in Kooperation mit der Frankfurt Fashion Week. Die Besucher erwartet eine konzentrierte und hochqualitative Essenz aus Informationen, Orientierung, Inspiration und Unterhaltung kombiniert mit einer ganzheitlichen und zeitgemäßen User Experience. www.frankfurt.fashion


Giano Srl

+39 0734 510489

info@giano.eu


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Parajumpers

„FUNKTIONALITÄT MIT EINER GROSSEN PORTION MODE“ Was sind die großen News bei den Jacken für 2022? Cristina Paulon, International Sales-Managerin Parajumpers: Wie jedes Jahr investiert Parajumpers viel in Forschung und Innovation. Bei den Herren sind die Highlights die PararescueSerie, immer mit neuen Details, diesmal in lustigen Farben; die Serie Rescue Shield, gefertigt mit Silberfolie und inspiriert von Rettungsdecken; die Foul Weather Jacke ist unsere Antwort auf extreme Wetterbedingungen. Die Kollektion Lightweight umfasst die Serie Evo Quilt mit synthetischem Padding, völlig neuen Steppungen und helle, lustige Farben; die Serie Pro Light ist neu, sie ist funktional und praktisch und überrascht in den Materialien. So gibt es zum Beispiel Stretch-Einsätze an den am meisten beanspruchten Stellen der Jacke. Worauf dürfen sich die Frauen freuen? Der Fokus unserer Marke liegt auf Funktionalität mit einer großen Portion Mode. Highlights sind: die Easycare-Serie, gefertigt aus Baumwoll-Leinen-Nylon; die Rain-Serie, ein Cape und femininer Parka aus einem unglaublich leichten, halbtransparenten Stoff; die Trail-Serie, inspiriert von der 1980er-Jahre-Laufausrüstung, mit einer Kombination aus drei verschiedenen Farben. In der Kollektion Lightweight zeigen wir in der Reversible-Serie verschiedene Stile mit kontrastierenden Farben, die Jacken sind besonders feminin gefittet und die Daunen werden direkt injiziert; die Flare-Serie wird durch ihren gecrinkelten Stoff fast schwerelos leicht, sie wird im Stück gefärbt und kommt in Pastellnuancen; die Easywear-Serie präsentiert lässige Stücke mit einer Kombination aus femininen und sehr funktionalen Elementen, die aus einem innovativen biologisch abbaubaren Nylon-Ripstop gefertigt sind. Werden Sie neue Produktgruppen hinzufügen? Neben den Jacken sind wir immer bestrebt, unsere Kompetenz auch in anderen Produktgruppen zu beweisen. Für Frühjahr/Sommer 2022 ist das zum Beispiel eine Kapselkollektion mit Hosen für Damen und Herren, die es ermöglicht, ganze Outfits mit unseren Oberteilen, Hosen und Jacken zu kreieren. www.parajumpers.it Immer kompletter – Parajumpers ergänzt seine Jacken- und Outdoorkompetenz mit Capsules wie Hosen.

Amuse

CONSUMERDRIVEN Was fehlt im Handel, was würden die Frauen jetzt am liebsten tragen? Mit der Kollektion Amuse finden Meike Schilcher und Susanne Hannig ihre persönliche, immer kundenorientierte Antwort. Die Kollektion für die Frühjahr-/Sommer-Saison 2022 hat zwei inhaltliche Schwerpunkte. „Das Thema Desert bewegt sich in der Welt der modernen CityNomadin, mit grafischen Prints auf sommerlicher Baumwollstretch-Sweatware“, so Meike Schilcher. „Coast entführt an die Küsten Europas, mit Stretchkleidern und Frotteestrick sowie Batik auf Cotton-Feinstrick.“ Die Farbpalette reicht von Sand über Black, Pink, Flammrot zu Weiß und Navy bis hin zu Gitane-Blau. Alle Teile sind biologisch und fair gehandelt, gestrickt wird in Europa und genäht in Deutschland. www.amusefashion.com

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Amuse, no matter what they say! Der Name der Kollektion ist wörtlich zu verstehen.


- the fashion vest brand WWW.DORNSCHILD.COM

DESIGNED IN MUNICH & MADE IN EUROPE


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Bloglab

BÜHNE FREI!

Avant Toi

Was online raus geht, kommt offline wieder rein. Die Sensibilität für die Wirkungskraft von professioneller Kommunikation über Medien und Onlinekanäle für den Einzelhandel besteht längst. Um den entsprechenden Content für Social Media und Co für die Imagekampagne des eigenen Stores zu kreieren, die Tür zu einem internationalen Publikum zu öffnen, neue Kollektionen und die Skills der eigenen Mitarbeiter vorzustellen, braucht es allerdings mehr als ein Smartphone. Hier setzt Bloglab an. Das Unternehmen liefert den Rahmen und den gesamten Service damit direkt im Store beispielsweise Influencer, Mitarbeiter, lokale Prominente, Stammkunden oder Inhaber in einer eigens dafür aufgebauten Kabine über Videos und Fotos crossmediale Beiträge gestalten, die anschließend auf diversen Kanälen verbreitet werden. Dafür arbeitet Bloglab auch mit Agenturen und Influencern zusammen und übernimmt die Öffentlichkeitsarbeit. www.bloglab.world

„DIE SEELE BERÜHREN“ Warum hat Mode eine glänzende Zukunft? Mirko Ghignone, Mitgründer und Creative Director Avant Toi: Wir glauben an eine glänzende Zukunft. Wir wurden durch die Pandemie gezwungen, zu entschleunigen. Wir alle mussten unsere modi operandi überdenken. Wir erleben eine Neubesinnung, Achtung für Langlebigkeit und Nachhaltigkeit – das wird auch in Zukunft Bestand haben. Was muss man tun, um einen Schritt voraus zu sein? Sich auf Reisen begeben und die Lust an der Ferne neu entdecken. Wenn diese Lust sich in den Linien, Stoffen und Farben widerspiegelt und die Seele der Kunden berührt, fühlen sie sich, als hätte man sie mitgenommen. Wir setzen auf positive und lebendige Farben, eine echte Farbtherapie. Was kommt als Nächstes bei Avant Toi? Eine Sneakerkollektion für Damen und Herren, die an die Themen und Farben der Kollektion anknüpft, natürlich ausschließlich handbemalt.

Der per App buchbarer Private-Spot für hochwertige Posts: Bloglab bereitet die Bühne, die der Einzelhandel vor Ort und individuell bespielen kann.

Blauer USA

MEHR MODE! Vielseitig und funktional sind zwei Schlüsselbegriffe der Kollektion von Blauer USA für Frühling/Sommer 2022. Im Fokus: Jacken, die mit Innovation überzeugen, etwa typische Policewear-Styles, Wendeanoraks, Blazer und Fieldjackets bis hin zu Overshirts. Für Damen wurden neue Formen wie zum Beispiel ein Kimono-Poncho kreiert. Unter den Materialien gibt es neben stückgefärbten gebundenen Nylongeweben, glänzendem Stretch und einem Satin-Neopren-Mix auch Ultralight-Varianten sowie als Highlight glänzendes, perforiertes Leder im Verbund mit Jersey. Dem Thema Nachhaltigkeit wird mit Biobaumwolle, einem Bio-Stretch für Hosen und einem Recyclinggewebe Tribut gezollt. Oberhemden, Polos, auch oversized geschnittener Strick und T-Shirts vervollständigen mit Trainingsanzügen und Sweats den typischen American Style, ebenso wie lange Sweat-Skirts, modische Tops und Curvy Dresses für Damen. www.blauerusa.com

Seine Welt sind die Farben und die kunstvollen Handfinishes: Mirko Ghignone, Mitgründer und Creative Director von Avant Toi.

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Blauer USA legt das Augenmerk auf viel Innovation, mit neuen Schnitten und Materialien.


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Silk Sisters

Im Fokus der Kollektionen Bogner Woman und Man steht die für die Marke typische Loose Elegance.

Bogner

„CASUAL UND ATHLUXURY“ Warum lohnt es, Bogner im kommenden Frühjahr neu zu entdecken? Franziska Wastian, Head of Brandmanagement Bogner Fashion: Bogner steht für luxuriöse Sportsfashion, verbindet Style mit funktioneller Sportlichkeit. Dabei entwickelt sich Bogner stets weiter und überrascht jede Saison: zeitgemäß, aber immer mit besonderem Twist. Für Frühjahr/Sommer 2021 wird eine nachhaltige und gender-übergreifende Econyl-Capsule angeboten. Sie beinhaltet 2-in-1-Jacken für Damen und Herren, Hoodies, Swim-Shorts, Bucket-Hats und Bottle-Bags, gefertigt aus recycletem Nylon aus Ozeanabfällen. Das Lieblingspiece aus der Kollektion Frühjahr/Sommer 2022? Bei Bogner Woman die neue sommerliche Lacquer-Jacket aus super glänzendem Ripstop-Material mit abnehmbarer Kapuze in einer kurzen, femininen Form. Umgesetzt in den Farben Navy, Camel und Rot. Ergänzt wird das innovative Ripstop-Programm um die Lacquer-Vest in moderner Form mit betonten Schultern. Bei Bogner Man ist unsere Neuheit das Suiting Concept, neu interpretierte Kombinationen, die ihren Einsatz von semi-festive bis casual finden. Das Angebot reicht von luxuriösen Bi-StretchSuits aus 100 Prozent Wolle über elegante Travel-Suits aus DWRNylon mit hoher Elastizität und technische Athleisure-Suits aus Cotton-Jersey bis hin zu leichten Casual-Suits aus Baumwollpopeline. Dabei wird das Thema Tailoring über neue Silhouetten gespielt. Die Oberteile sind utility inspired Blouson-Styles oder Overshirts. Dominiert Casual weiterhin? Wir sehen weiterhin einen starken Casual-Trend, der perfekt zu unserer Athluxury Sports Fashion Ausrichtung passt. Der Trend hat sich sogar noch verstärkt, denn Sweat-Styles sind mittlerweile definitiv straßen- und alltagstauglich geworden. In dieser Warengruppe sehen wir daher ein enormes Potenzial.

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NEUE PARTNER­ SCHAFTEN Die Everyday-Kollektion Silk Sisters hat für Süddeutschland und Österreich neue Vertriebspartner: Für Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, das Saarland und Hessen ist ab sofort die Handelsvertretung Ralf Gohr in Sindelfingen und Eschborn verantwortlich. In Bayern übernimmt die Münchner Agentur Dominik, während für Österreich die Agentur Nussbaumer in Bergheim zuständig ist. Die in Portugal gefertigte Kollektion besticht mit lässiger Weiblichkeit und baut den nachhaltigen Part weiter aus, mit reiner Seide, einem Mischgewebe aus Cupro und Modal von Lenzing, Biobaumwolle sowie europäischem Leinen. www.silk-sisters.de

Alltagstauglich, immer gut kombinierbar: Silk Sisters.


JETZT

Munich Fabric Start

GRÜNES LICHT Vor dem Hintergrund sinkender Infektionszahlen in Deutschland sowie im europäischen Raum und damit verbundenen schrittweisen Lockerungen, ist die Munich Fabric Start Exhibitions GmbH optimistisch in die Planungen ihrer Messetermine für die Herbst-/Winter-Saison 2022/23 im Sommer 2021 gestartet. „Wir konzentrieren uns auf die Organisation der kommenden Events Ende August im MOC München und auf dem Zenith Gelände und setzen alles daran, der Branche wieder das gewohnte Portfolio und alle Services zur Verfügung zu stellen, wie man sie von uns kennt und erwartet. Wir freuen uns unglaublich darauf, trotz und mit Covid-19 wieder zu einem Stück Normalität zurückkehren zu können: zumindest auf unseren Messen in München!“, sagt Frank Junker, Creative Director Munich Fabric Start. Die voll ausgebuchte View Premium Selection geplant für Mitte Juli musste wegen der Pandemie abgesagt werden. Munich Fabric Start, 31. August bis 2. September 2021, MOC München, www.munichfabricstart.com

Stofftrends vor der Haustüre: Die Munich Fabric Start holt renommierte Stoffhersteller nach München. Neben der physischen Messe ist die Munich Fabric Start auch ein ganzjähriger digitaler Inspirationsplatz für ihre Besucher und Aussteller.

Gallery Fashion & Shoes

AUF GEHT’S!

„Die Krise hat uns reifen lassen“, sagt Ulrike Kähler, Managing Director Igedo Company. „Wir freuen uns, mit der Gallery jetzt wieder präsent sein zu können. Der Modestandort Düsseldorf bleibt wichtig und wir wollen dem Handel Mut machen, die Gallery als Netzwerkplattform zu nutzen.“ So laufen die Planungen mit regulärer Hallenbelegung auf dem Areal Böhler voll an. Auch die Stadt unterstützt im Rahmen der Düsseldorf Fashion Days den Modestandort mit einem Rahmenprogramm, mit Pop-up-Modenschauen und Guerilla-Aktionen. Eine digitale Brand Box mit virtuellen Messeständen rundet die Gallery ab. „Wir freuen uns auf den Termin. Auch wenn alle Sicherheitsmaßnahmen streng eingehalten werden, verzeichnen wir ein Aufatmen und den Wunsch, nach vorne zu gehen. Das motiviert den gesamten Markt.“ Gallery Fashion & Shoes: 24. bis 26. Juli 2021, Gallery Showroom Concept: 22. bis 26. Juli 2021, www.gallery-shoes.com, www.gallery-duesseldorf.com

Ulrike Kähler steht mit Einsatz, Persönlichkeit und Seele für die Gallery Düsseldorf.

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TIRED OF WASTING TIME AND MONEY ON RETURNS?

www.sizolution.com


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Daniel Grieder „Kreativität ist die wichtigste Ressource“

Am 1. Juni ist Daniel Grieder als neuer CEO von Boss an­getreten – der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Im Gespräch mit Stephan Huber erklärt er, warum sein nicht geplantes Sabbatical eigentlich ein Geschenk ge­wesen ist, was er von der Formel 1 gelernt hat und warum der Mensch immer an erster Stelle steht. Interview: Stephan Huber. Fotos: Boss

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rivatier war jetzt auch nicht so schlecht, oder? Daniel Grieder: Tatsächlich war das ein auch für mich persönlich außergewöhnliches Jahr. Die Aussicht, fast ein Jahr zu verlieren, und das war mein Empfinden im ersten Moment, hat mich anfangs sehr beunruhigt. Ich konnte mir das überhaupt nicht vorstellen, hatte auch Sorge, den Anschluss zu verpassen. Tatsächlich war diese Zeit aber ein wertvolles Geschenk. Letztlich war es ein nicht geplantes Sabbatical in einem Jahr des Umbruchs, wie ihn in dieser Intensität nicht viele Generationen erleben. Das trifft es sehr gut. Ich hatte die Möglichkeit, mich mit diesem Umbruch sehr frei und von Neugier getrieben auseinanderzusetzen, unbelastet von den Anforderungen des täglichen, operativen Business. Was passiert in dieser Welt, in unserer Branche? Was macht das mit mir? Diesen Fragen wirklich auf den Grund zu gehen, war ein Privileg, für das ich rückblickend sehr dankbar sein muss. Ich konnte mich als Mensch signifikant weiterentwickeln. Und nicht zuletzt konnte ich mich auf meine Aufgabe bei Boss in einer Weise vorbereiten, wie es bei einem schnellen Wechsel gar nicht möglich gewesen wäre. Nicht in dieser Intensität, nicht in dieser Tiefe. Ich bin jetzt hier in Metzingen zu einem Zeitpunkt an den Start gegangen, der nicht nur für Boss, sondern in gewisser Hinsicht für die gesamte Modebranche der Startschuss in die Zukunft ist. Eine Zukunft voller Chancen. Ich hätte es mir nicht besser wünschen können. Was sind die wichtigsten Learnings, die du aus dieser Zeit mitnimmst? Haben uns diese Monate nicht vor Augen geführt, wie unersetzlich der Mensch ist, nicht zuletzt auch in unserer Branche? Das ist eine ungemein wertvolle Erkenntnis. Und sie steht in keinerlei Widerspruch dazu, dass durch die Pandemie die Digitalisierung und Technisierung in einer kaum für möglich gehaltenen Weise beschleunigt worden sind. Es geht um die richtige Reihenfolge. Und an erster Stelle steht der Mensch. Human Touch als Erfolgsfaktor? Auf jeden Fall! Aber nicht in der Weise, die das immer schon unpassende Wort vom Humankapital andeutet. Es geht um Werte, die über eine simple Wirtschaftlichkeitsrechnung weit hinausgehen. Und das gilt nicht nur im privaten, sondern insbesondere auch für den Menschen als wichtigsten Baustein einer zukunftsfähigen Unternehmenskultur. War eventuell die Krise selbst ein Erfolgsfaktor? Das ist eine sehr zweischneidige Frage, weil man bei der Antwort nicht auf die existenziellen, individuellen Schicksale vergessen darf. Aber eine sehr direkte Folge dieser Zäsur war auf jeden Fall, dass sich Menschen intensiver mit sich selbst und Unternehmer intensiver mit ihren Unternehmen auseinandergesetzt und dabei auch viel besser kennen gelernt haben. Die Stärken und die Schwächen. Bei vielen hat das einen regelrechten Innovationsboost ausgelöst und dadurch Positionierung und Chancen in der

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Post-Corona-Realität deutlich verbessert. Eines muss allen klar sein: So wie es war, wird es nicht mehr! So wie es war, soll es doch auch nicht mehr werden. Es ist ja nicht so, dass die Modebranche vor dieser Zeitenwende kerngesund und uneingeschränkt zukunftsfähig gewesen ist. Ist es das, was dich an dieser Aufgabe am meisten reizt, dass es letztlich zwingend darum geht, Neuland zu betreten? Ich habe die Herausforderung immer gesucht und geliebt. Das ist meine Natur. Aber bei meiner neuen Aufgabe hier kommen einige Faktoren zusammen, die sie ganz besonders reizvoll machen. Ich bin zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Hier kann ich viel bewegen und verändern. Hier kann ich mein Wissen, meine Erfahrung, mein Netzwerk, aber auch meine Begeisterung für diese Branche und für Mode perfekt umsetzen. Nun ist Boss einerseits ein strukturell gesundes Unternehmen mit hoher globaler Bekanntheit, andererseits gelingt es der Marke kaum noch, Emotionen oder gar Liebe zu wecken. Dünnes Eis in einem Markt, in dem Emotionen einen entscheidenden Erfolgsfaktor bedeuten. Wo willst du ansetzen? Die Brand-Awareness ist großartig – und zwar global. Aber die Brand-Relevanz hat im letzten Jahrzehnt massiv gelitten. Das ist der allererste und vielleicht wichtigste Hebel. Warum hat die Relevanz eigentlich so gelitten? Boss hat es über lange Jahre hinweg perfekt beherrscht, zu emotionalisieren. Testosteron, Sport, Geschwindigkeit … Männerklischees wurden offensiv, auch durchaus kontroversiell, aber sehr erfolgreich gespielt. Entscheidend ist immer das Produkt. Wenn das Produkt relevant ist, dann ist auch die Marke relevant. Eine eigentlich sehr simple Gleichung. Die kürzlich gelaunchte, überaus gelungene Capsule gemeinsam mit Russel Athletics hat das exemplarisch vor Augen geführt. Damit konnten Zielgruppen, Medien und Meinungsmacher erreicht werden, die Boss vorher gar nicht mehr auf dem Schirm hatten. Product is King! Das war aus sehr guten Gründen immer schon meine Überzeugung. Und für Boss gilt das in einem vielleicht sogar noch einmal gesteigertem Ausmaß. Der Weg in die Zukunft von Boss führt also über das Produkt? Selbstverständlich! Marke und Produkt müssen eine Einheit bilden. Nur dann ist Erfolg möglich. Schau dir beispielsweise an, was mit Hugo passiert ist. Vom Leader of the Pack degradiert zu einer Art Baukastensystem für die „modische Marktmitte“. Wenn man sich in Erinnerung ruft, was diese Marke seinerzeit ausgelöst und bewegt hat, erkennt man auch, welches Potenzial da aktuell nicht abgerufen wird. Hugo muss wieder diese innovative Dynamik entwickeln, die das Unternehmen einst visionär aufgebaut hat. Wie kann eine neue Dynamik entstehen? Wir werden als Unternehmen klar definieren, wofür Boss steht, und natürlich auch, wofür Hugo steht. Und diese Definition wird Fundament für jeden weiteren Schritt. Klar ist, dass Boss und Hugo in Zukunft wieder zwei völ-

„Zwischen Anzug und Boss muss wieder ein Ist-gleich-Zeichen stehen.“


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lig eigenständige Marken sein werden. Klar voneinander abgegrenzt, im Look, im Story Telling und somit konsequent auch in den Zielgruppen. Hugo wird, umgelegt auf die Welt von morgen, zu seinen Wurzeln zurückkehren – mit klarer Attitude, schnell, provokativ. Jeans, Streetwear, Anzüge für eine neue und junge Generation für die hybriden Welten von morgen in denen physische und digitale Realität immer stärker verschmelzen. Und wofür steht Boss in dieser Welt? Boss geht mit einer klaren Botschaft an den Start: „Claim Back!“ Und diese Botschaft ist zunächst einmal nach innen gerichtet, an jeden Einzelnen im Unternehmen. Wir wollen eine Führungsrolle zurückgewinnen: im Design, bei Innovationen und Digitalisierung, bei Themen wie Verantwortung und Nachhaltigkeit. Wir wollen doch nicht hinterherlaufen. Boss muss vorangehen, muss wieder ein Pionier sein! Gibst du uns einen Ausblick auf die künftige Markenarchitektur? Eigentlich ist es sehr einfach. Was wir umsetzen ist eine Schärfung und zeitgemäße Umsetzung dessen, was in der Grundstruktur schon immer gut war. Zunächst einmal: Die Botschaft ist immer Boss bzw. Hugo. Wir verstärken diese Botschaft mit einem erneuerten Brand-Design, also auch einem frischen, modernen Logo. Mit Black, Orange oder Green definieren wir die Kategorien wieder deutlich präziser in der Abgrenzung als zuletzt. Und es könnten neue Kategorien dazukommen, wie beispielsweise Blue oder Performance. Aber als Marke kommuniziert werden Boss und Hugo. Und die DNA der Marken wird sich durch alle Kategorien unverwechselbar durchziehen. Diese Struktur wird in der Womenswear analog umgesetzt. Allerdings bekommt Boss Woman in Zukunft ein wesentlich eigenständigeres und jüngeres und auch feminineres Look and Feel – beginnend beim Branding bis hin zur Ladenarchitektur. Da gibt es viel zu tun, aber auch sehr viel zu gewinnen. Mit Performance ist gemeint, dass Boss wieder in den Sport geht? Wir werden die verschiedenen Bereiche wie Golf, Tennis, Ski, Reiten usw. nicht selber, sondern mit Spezialisten, sprich mit Lizenzpartnern umsetzen, um sowohl beim Design als auch bei der Funktionalität, also bei der Performance Weltklasse zu bieten. In den Köpfen der Konsumenten hält sich wohl immer noch sehr hartnäckig das Bild vom Klischeemann im Klischeeanzug. Dieses Klischee zu brechen, indem wir den Anzug neu definieren, ist ein ganz zentrales Element von „Claim Back!“. Boss muss die Benchmark für die Konfektion der Zukunft sein. Die wird anders funktionieren, anders aussehen, anderen Kriterien und Werten folgen. Aber wir müssen dieses Thema glaubwürdig besetzen. Zwischen Anzug und Boss muss wieder ein Ist-gleich-Zeichen stehen. Obwohl die Konfektion weiter Marktanteile verlieren wird? Konfektion im herkömmlichen oder gelernten Sinn auf jeden Fall. Das hat nicht nur mit der Veränderung der Gesellschaft, der Arbeitswelt oder auch des Männerbildes zu tun, sondern vor allem mit den Ansprüchen des Konsumenten an Bekleidung. Comfort und Performance sind die funktional entscheidenden Features. Bei beidem wird der Kunde keine Abstriche machen, schon gar nicht im Premium- oder Luxussegment. Du siehst, ich bin schon wieder beim Produkt. Da darf es nie einen Stillstand geben. Was gestern gut war, ist vielleicht morgen nicht mehr gut genug. Darum ist innovatives Denken als zentraler Unternehmenswert so entscheidend. 092

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„Es ist mein erklärtes Ziel, Boss als international führendes Fashion-Tech-Unternehmen zu positionieren.“

Ist Kreativität die entscheidende Ressource unserer Branche? Davon bin ich absolut überzeugt. Das gilt nicht nur für die Mode, sondern eigentlich für alle Branchen. Und Kreativität ist bitte sehr interdisziplinär zu verstehen. Die Suche nach Lösungen, nach Innovationen, das ist immer ein kreativer Prozess. Und diesen Prozess muss man nicht nur zulassen, sondern aktiv befördern. Das sehe ich auch als eine meiner wichtigsten Aufgaben. Kreativität und Innovation müssen sich bei Boss so frei wie möglich entfalten können. Sie müssen die Treiber der Zukunft dieses Unternehmens sein. Nicht die Zahlen? Wenn Brand, Produkt, Kreativität, Distribution, Marketing etc. stimmen, dann steht auch einer positiven Zahlenperformance grundsätzlich nichts mehr im Wege. Wenn man aber umgekehrt immer nur von den Zahlen ausgeht, dann steckt darin schon der Keim der Verhinderung. Wer aber Innovation verhindert, verhindert Zukunft. Beim großen Disruptionsthema Digitalisierung warst du schon immer ein First Mover. Auch deshalb warten viele wohl höchst gespannt auf deine Digital Strategy für Boss. Ich bin in diesem Fall einer dieser vielen … Es ist mein erklärtes Ziel, Boss als international führendes Fashion-Tech-Unternehmen zu positionieren. Damit meine ich nicht Basics wie einen attraktiven, am hybriden Konsumenten von heute ausgerichteten Onlinestore oder einen funktionierenden digitalen Showroom. Es geht um einen echten 360-Grad-Ansatz, der bei einem entsprechenden Upgrade sämtlicher Arbeitsplätze beginnt und bis zur weitgehenden Digitalisierung der Supply Chain oder der kompletten Digitalisierung des Designs reicht. Eigentlich noch weiter, weil 3D-Printing oder Virtual Fashion ja keine Science Fiction mehr sind. Das alles ist weder Selbstzweck noch zeitgeistige Pose. Vielmehr geht es um zentrale Themen der Zukunftsfähigkeit im globalen Wettbewerb. Um nur ein Beispiel zu nennen: Damit wir das Potenzial von Digital Design wirklich ausschöpfen, brauchen wir eine Digital Fabric Library als Grundlage. Dieses Zusammenspiel wird nicht nur das Sourcing völlig verändern, sondern letztlich die Mechanismen und Strukturen unserer Branche, weil dann ein völlig anderer Austausch innerhalb der Kette möglich ist. Sozusagen ein Permanent Lifestream in dem immer und in Echtzeit auf die jeweils aktuellsten Daten zugegriffen werden kann. Daten sind also auch in der Mode die wichtigste Währung? Die intelligente Vernetzung und Auswertung von Daten ist heute unverzichtbar. Eines meiner ersten Projekte ist das Opening eines eigenen Hugo Boss Data Hub. Die Idee dazu kommt letztlich aus der Formel 1. Es ist für mich ja nie darum gegangen, einfach nur ein Markenlogo auf einen Rennwagen zu kleben. Ich wollte lernen, wie die technologische Weltspitze mit Daten umgeht. Toto Wolf war diesbezüglich ein fantastischer Lehrmeister. Wenn du jemals in einem Formel-1-Werk wie dem von Mercedes


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in Brackley gewesen bist, dann verstehst du, dass unsere Branche in Sachen professionelles Data-Management tatsächlich Neuland betritt. Dort arbeiten 1.000 Ingenieure daran, das sehr gute immer noch besser zu machen. Dabei wird nichts dem Zufall überlassen. Jedes Detail ist wichtig. weil jedes Detail das vielleicht entscheidende Tausendstel bedeuten kann. Und beim Rennen selbst erfassen Ingenieure alles, was auf der Strecke passiert, spielen es in Echtzeit ein und optimieren ebenfalls in Echtzeit alle Einstellungen, nicht nur für das bestehende, sondern auch für die nächsten und das gleiche Rennen, aber ein Jahr später. Das ist faszinierend! Die Grundlage dafür ist ein Data Lake, der ständig Zufluss erfährt. The Magic of Machine Learning … So ist es! Diesen Mechanismus, also Fehlerminimierung und Effizienzsteigerung auf Basis von validen Daten, will ich auch bei Boss integrieren. Mit welchem Ziel? Effizienzsteigerung und Fehlerminimierung, aber eben nicht als Kostensenkungsprogramm. Es geht darum, in Zukunft die gesamte Supply Chain intelligenter zu steuern. Overstock und Overproduction in den Griff zu bekommen, wäre ein echter Gamechanger. Beides verursacht einerseits den Wertverlust, unter dem die Mode leidet, andererseits ist es einer der Hauptfaktoren, warum unsere Branche bislang eine so katastrophale Umweltbilanz aufweist. Unser Ziel muss sein, dass wir in Zukunft mehr vom Richtigen und viel weniger vom Falschen produzieren. Um das zu erreichen, müssen wir viel mehr wissen, über unsere Kunden, unsere Produkte, unsere Vertriebskanäle. Dieses Wissen steckt in den Daten. Steckt darin nicht auch die Gefahr eines Kreativitätskillers? Datengetriebene Customer Centricity führt ja regelmäßig zu Nivellierungseffekten. Legen schon bald Algorithmen fest, was wir tragen wollen oder sollen? In manchen Bereichen wird das so sein. Aber ein emotionales Produkt wie die Mode darf sich dem nicht völlig ausliefern. Die Daten ersetzen ja nicht den Menschen und sein Talent. Aber sie bieten ein fantastisches Fundament, um dieses Talent auch perfekt entfalten zu können. Der Mensch ist immer die letzte und entscheidende Instanz. Aber indem wir effizienter werden, schaffen wir uns die kreativen Freiräume, die den entscheidenden Unterschied ausmachen. Es ist wichtig, zu verstehen, dass Technologie, auch die Digitalisierung, vor allem ein Werkzeug ist, das dem Menschen ermöglicht, weiterzukommen. Auch oder besonders, wenn es um Kreativität geht. Die Digitalisierung des Designs verändert den Schaffensprozess und damit auch das Berufsbild des Designers natürlich fundamental. Aber es ist eine ungemein spannende Veränderung. Stichwort 3D-Design: Kannst du dir eigentlich vorstellen, dass Virtual Fashion schon bald zu einem ganz normalen Consumer Good wird? Dass man also einen virtuellen Look für seinen Digital Twin ebenso kauft und besitzt wie einen physischen Look?

„Technologie und Digitalisierung sind ein Werkzeug, das dem Menschen ermöglicht, weiterzukommen.“

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Tatsächlich passiert das ja schon. Insbesondere in der Gaming-Szene, deren Einfluss auf die Mode nach wie vor unterschätzt wird. Virtual Fashion wird ein wichtiger, spannender Markt. Werden all diese Tech- und Daten-getriebenen Entwicklungen nicht letztlich zum Heiligen Gral der Konsumzukunft führen? Nämlich zur konsequenten Personalisierung der Customer Journey auf allen Ebenen? In einem Markt, der letztlich vom Konsumenten bestimmt wird, ist das eine völlig logische Entwicklung. Insbesondere dann, wenn Technologie, und jetzt bin ich wieder bei den Daten, diese Personalisierung wirklich auf individueller Ebene möglich macht. On Demand Production, 3D-Printing, das alles ist ja keine Science Fiction mehr. Es ist da! Es geht also längst nicht mehr um die Frage, ob das kommt, nur noch um das Wann und Wie. Das alles klingt nach sehr, sehr viel Direct-to-Consumer. Welchen Platz hat der Handel in dieser Zukunft? Einen unverzichtbaren! Retail, ich meine jetzt konkret physischen Retail, wurde über Jahre totgeschrieben und -geredet. Und was passiert? Sogar die Onlinegiganten wie Amazon oder Alibaba fangen an, Geschäfte zu eröffnen. Weil physische Touchpoints unverzichtbar sind. Menschen brauchen Orte der Begegnung. Menschen brauchen Interaktion. Innerhalb einer hybriden Handelslandschaft wird die Bedeutung der stationären Schiene künftig sogar zunehmen. Liegt in dieser Dynamik nicht auch eine große Chance, wieder wesentlich mehr junge Menschen für diese Branche zu begeistern? Für junge Menschen, für Talente eine attraktive Branche und ein attraktiver Arbeitgeber zu sein, ist ein ganz wichtiger Punkt. Wenn wir die Besten sein wollen, brauchen wir auch die besten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Meine Überzeugung ist, dass wir enormes Potenzial im Unternehmen haben. Dieses Potenzial müssen wir ausschöpfen, indem wir nicht nur alle auf unserem Weg mitnehmen. Vielmehr sollen alle diesen Weg mitgestalten. Dazu bietet insbesondere die Digitalisierung eine Vielzahl neuer Möglichkeiten. Wieder ein konkretes Beispiel: Customer Service sollte doch eigentlich am Point of Sale stattfinden, also dort, wo der Kunde tatsächlich mit der Marke und dem Produkt konfrontiert wird. Digitalisierung macht es möglich und schafft damit auch eine neue Job-Description. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Boss sollen überzeugte und stolze Botschafter sein. Wenn sie sich tatsächlich mit der Marke und ihren Werten identifizieren, dann gibt es kein authentischeres Story Telling. Relativiert die Digitalisierung auch den Standort Metzingen? Der wurde im internationalen Wettbewerb um die besten Köpfe ja immer ein wenig als Nachteil angesehen. Auch diese Diskussion ist nicht zuletzt durch Corona völlig verändert worden. Wie und letztlich auch wo wir arbeiten, wird gerade völlig neu definiert. Insofern sehe ich den Standort, insbesondere den Campus, heute als Feature, nicht als Bug. Letztlich ist es die Kultur, die ein Unternehmen für die besten Talente attraktiv macht. Hast du dir ein persönliches Ziel gesetzt? Wo willst du mit Boss in einem Jahr, in drei Jahren, in Jahren stehen? Zahlen und Milestones werde ich zunächst einmal intern kommunizieren. Aber ich freue mich wirklich, hier zu sein, um hoffentlich viel zu bewegen. We love Fashion! We change Fashion! Das ist meine Mission. Danke für das Gespräch, Daniel.


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Er ist ein First Mover in Sachen Digitalisierung und Tech, eine Reise, die laut Daniel Grieder noch lange nicht ausgereizt ist. Doch: „Daten ersetzen noch lange nicht den Mensch und sein Talent.“

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WELCOME TO THE BRIGHT FUTURE OF FASHION! Ein Kommentar von Stephan Huber

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ugegeben, das Motto dieser Ausgabe von style in progress erschließt sich für viele eventuell nicht auf Anhieb. Vielleicht erscheint es unter dem Eindruck der vergangenen Monate, die für sehr viele mit enormen Herausforderungen verbunden gewesen sind, sogar provokant. Tatsächlich bin ich aber der Überzeugung, dass die Modebranche post Corona intelligenter, gesünder und zukunftsfähiger aufgestellt ist, als sie es vor dieser Zeitenwende war, und dass dringend notwendige Änderungen und Erneuerungen entweder entscheidend beschleunigt oder überhaupt erst angestoßen worden sind.

Der Innovations- und Digitalisierungsschub war atemberaubend. In allen Bereichen und bei Unternehmen jeder Größe. Die Chance, dass sich die Mode von einer globalen Dreckschleuder zum Pionier einer neuen, ökonomisch erfolgreichen Idee von verantwortungsbewusstem und dennoch lustvollem Konsum entwickelt, ist zumindest deutlich realistischer geworden, und damit ganz entscheidend auch die Chance, dass Mode in Zukunft wieder als das wahr­ genommen und reflektiert wird, was sie eigentlich sein will und soll: nämlich als Teil der Persönlichkeit (individuell) und als Teil der Gegenwartskultur (ganzheitlich) und nicht mehr überwiegend als dauerverfügbarer Wegwerf­ artikel. Einen Punkt will ich an dieser Stelle explizit herausstreichen. Vielleicht, weil er so viel mit dem Markenkern von style in progress zu tun hat: Gerade in diesem Roller Coaster von einem verrückten Jahr, geprägt von Lockdowns, durchaus irrationalen politischen Entscheidungen, verständlichen Existenzängsten und einem Wechselbad der Gefühle, haben viele Händlerinnen und Händler intensiver, als das nur irgendwie zu erwarten war, gespürt, dass sie nicht eine Art analoger Anachronismus sind, sondern entscheidender Teil einer Zukunft, in der Personalisierung und Emotionalisierung der Customer Experience wichtiger denn je sein werden. Im eigentlichen Sinne des Wortes wurde, konfrontiert mit einer ohne Frage beispiellosen Herausforderung, das Selbstbewusstsein gestärkt und der Unternehmergeist freigesetzt. Um es an einem aktuellen Beispiel zu illustrieren: „Click & Meet“ wurde ja eigentlich als eine Art Notmaßnahme etabliert. Eigentlich ist das aber die ganz hohe Schule der Personalisierung. All jene, die diesen Service auf Basis ihrer Unternehmenskultur auf Topniveau bieten können, werden das auch in Zukunft anbieten. Und es wird einer hybriden Handelslandschaft, die dem Konsumenten immer die Wahl und auch den Wechsel zwischen den verschiedenen Channels ermöglicht, ein wertvolles Alleinstellungsmerkmal bedeuten. Ich hoffe, die folgenden Seiten bzw. style in progress insgesamt trägt dazu bei, unsere gemeinsame Zukunft mit Optimismus anzugehen und erfolgreich zu gestalten. 096

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FRANKFURT FASHION WEEK

FRANKFURT IS EVERYWHERE! Diesen Sommer war Corona noch der Partycrasher. Im Winter 2022 will die Frankfurt Fashion Week die Zukunft der Messen definieren. Wie die aussehen kann, erklären Anita Tillmann, Managing Director der Premium Group, und Detlef Braun, Geschäftsführer Messe Frankfurt, im Gespräch mit Stephan Huber. Interview: Stephan Huber. Text: Nicoletta Schaper. Foto: Frankfurt Fashion Week

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anuar statt Juli. Ist das nicht sogar die Chance, sich für eine so beschleunigt verändernde Modebranche noch präziser aufzustellen? Detlef Braun, Geschäftsführer Messe Frankfurt: Ja, Krise bedeutet immer auch Chance. In der Branche ist extrem viel passiert. Corona hat so viele Prozesse beschleunigt und auch in der Textil- und Modebranche Missstände klar offengelegt. Gleichzeitig findet auf Konsumentenseite ein Umdenken statt. Die Awareness für nachhaltigen Konsum ist auch eins unserer zentralen Themen, für die wir als Messe

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Frankfurt und der FFW ein neuer Katalysator und Impulsgeber sein wollen. Anita Tillmann, Managing Director Premium Group: Wir brauchen für Messen und Fashion Weeks ein neues Narrativ, das war schon vor Corona und vor unserem Umzug nach Frankfurt klar. Anfang Juli haben wir mit Fashion Week Studio ein neues digitales Format gelauncht, bei dem es darum geht, wie man den Wandel intelligent gestalten kann. Dass wir keine physische Veranstaltung machen konnten, war in vielerlei Hinsicht schmerzlich, aber es hat uns auch Aufschub gewährt, um die Teams synchronisieren zu


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Anita Tillmann und Detlef Braun wollen die Messe vom Market­ place of Products zum Marketplace of Ideas wandeln.

können und um alles noch mehr in die Tiefe durchzudenken, damit wir Januar richtig Vollgas geben können. Alle vermissen die persönliche Begegnung. Aber wer soll sich in Zukunft eigentlich begegnen? Bislang waren Modemessen weitgehend Marken und Retail vorbehalten. Wenn Messen künftig Marketplace of Ideas sind, dann sollte die Zielgruppe deutlich erweitert werden und letztlich die KeyPlayer der gesamten Supply Chain umfassen. Anita Tillmann: Ja, und B2B und B2C wachsen in Zukunft noch enger zusammen. In meinen An-

fängen in der Branche haben Modemessen wie die CPD lineare Prozesse abgebildet. Heute ist dieses Fashion-Ökosystem als Kreis zu verstehen, in dem alle miteinander agieren und Handel und Produkt nach wie vor der Herzschlag sind. Aber was ist heute das Produkt? Ein T-Shirt, eine Software, Daten, ein neue Retail-Idee? Mit dem Wandel dieses Ökosystems wandelt sich auch die Interaktion aller Teilnehmer. Dafür werden wir Plattform und Bühne sein. Als Messe bieten wir den Rahmen für Produktpräsentationen und Deals, für Kommunikation, Networking und den Ideenaustausch. Ebenso wichtig sind Themen wie Recruiting oder Education. Was wir mit unseren Fashiontech-Formaten covern. Wir wollen Antworten auf die großen Fragen unserer Branche liefern und Experience bieten. Wird uns das alles bereits im Januar vollständig gelingen? Nein, aber wir arbeiten hart daran. 365 Tage im Jahr. Es ist Work in Progress. Detlef Braun: Die Messe Frankfurt hostet global über 68 Textilveranstaltungen mit über 25.000 Ausstellern. Wir decken sämtliche Stufen der Wertschöpfungskette und der Supply Chain im Rahmen unseres Texpertise Networks ab. Der Bereich Fashion mit unserem Partner der Premium Group ist künftig the Cherry on the Cake. Wir laden alle Player nach Frankfurt ein, einschließlich der Produzenten auf internationaler Ebene, da wir mit unserem Netzwerk in 188 Ländern präsent sind. Das ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Frankfurt is Everywhere! Und das mit Treffpunkt auf der Frankfurter Fashion Week, im Herzen Europas. Das ist die Vision, die wir Step by Step umsetzen wollen. Die Digitalisierung der Supply Chain löst nicht nur die wohl umfassendste Revolution seit Beginn der industriellen Massenproduktion aus. Muss eine Messe künftig auch ein Ort des Lernens sein? Anita Tillmann: Niemand kann es sich mehr leisten, stehen zu bleiben. Man muss neugierig bleiben, immer bereit sein, Neues zu lernen. Es erfordert auf allen Seiten viel Kreativität, um mitzuhalten und um mitzugestalten. Nicht nur der Designer ist kreativ, sondern auch der Unternehmer, der Stoffentwickler, der Data-Scientist oder der Influencer. Sie alle sollen sich bei uns auf der Frankfurter Fashion Week begegnen, kennen lernen, sich gegenseitig voranbringen. Ganz besonders auch die jungen Menschen, die Future Fashion Generation. Die wollen wir ganz gezielt einladen, weil es enorm wichtig ist, den Nachwuchs zu fördern. So können sie selbst erleben, was für eine großartige Branche wir haben und welche vielfältigen Möglichkeiten sie ihnen bietet. Es lohnt sich, anders zu denken und auch die künftigen Player, die etwas leisten wollen, zusammenzubringen. Jetzt ist die Chance da, etwas wirklich Großes umzusetzen. style in progress

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SO VIEL MEHR

Sie öffnen Türen, machen Appetit, bauen auf. Sie helfen, vermitteln und entscheiden. Sie lösen Krisen, glätten Wogen und schlagen Brücken. Agentinnen und Agenten sind in ihrer Position so unbestritten wie nie – denn gerade im letzten Jahr sind sie weit über ihre Rolle als Mittelsfrauen und -männer hinausgewachsen. Text: Janaina Engelmann-Brothánek, Martina Müllner-Seybold. Illustration: Simona Gala Baronti

MITEINANDER

EMOTIONEN WECKEN

Marc Kofler, Inhaber Adventure Fashion GmbH Seit drei Saisons machen wir uns mehr Gedanken denn je und befürchten: „Die nächste Orderrunde wird die schwierigste“. Am Ende waren wir jedes Mal überrascht, wie überwiegend positiv gestimmt unsere Kunden waren und somit die Saison verlaufen ist. Es ist wichtig, den Handel zu unterstützen, aber auch mit unseren Kollektionen die Kunden emotional zu ergreifen! Unsere Aufgabe ist es, Emotionen zu wecken und Appetit zu machen. Ich denke, das ist uns, trotz der schwierigen Zeit, gelungen. Am meisten gilt dies natürlich für neue Brands, denn die Budgets werden nach so viel Schließungen noch gezielter und bedachter eingesetzt. Hier ist auch mal Überzeugungsarbeit von meinem Team und mir gefragt. Unsere Partner vertrauen uns aber, denn sie wissen, dass wir überzeugt von unseren Labels sind! Dies macht unseren Job etwas einfacher.“

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Marion Hoferer, Inhaberin Modeist „Wir haben neben dem klassischen Agenturmodell bereits seit einigen Saisons auf eine noch intensivere Zusammenarbeit mit unseren Hauptmarken gesetzt. Da wir die Kollektionen aktiv mitgestalten, greift eine Marke so perfekt in die andere. Somit sehen die Kollektionen im Showroom dann wie ein gesamtes Sortiment aus, nicht wie die Einzelkollektionen einzelner Marken – was wiederum perfekt zu der Art passt, wie wir arbeiten. Mit viel Enthusiasmus und Idealismus.“


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PARTNERSCHAFT

Matthias Schwarte, Inhaber Agentur Schwarte „Der Kerngedanke unseres Geschäfts bleibt auch in Krisen unverändert – für mich sind gute Partnerschaften das Wichtigste. Loyalität zu den Marken genauso wie zu den Händlern. Sich bei beiden Seiten ein gutes Standing erarbeitet zu haben, ist der einzige Weg. Wenn es wie aktuell viel Gesprächsbedarf gibt und viele Lösungen gefunden werden müssen, halte ich eine gewisse Großzügigkeit von allen Seiten auch für unverzichtbar.“

TRADE UNION

(TREND-)SICHERHEIT VERMITTELN

Anna-Zoi Rybinski, Mitinhaberin Meier & Rybinski „Jetzt ist klare Kommunikation sowie die Vermittlung von Sicherheit das Wichtigste. Wir Agenten sind das Bindeglied zwischen Lieferanten und Kunden und müssen in allen Belangen Hilfestellung leisten, sei es bei Retouren, Austausch, Nachbestellungen als auch bei allen bürokratischen Aspekten rund um die Kollektionen. Da Einzelhändler und Buyer gezwungenermaßen weniger reisen, übernehmen wir Agenten jetzt verstärkt die Aufgabe des Trend Scoutings und sind froh, dass unsere Partner uns dabei vertrauen.“

Enzo Cagol, Inhaber Agentur Cagol „Wir erleben gerade eine enorme Solidarität, einen neuen Zusammenhalt zwischen Lieferanten, Einzelhändlern und Agenturen. Wir sind fast wie eine Trade Union, die an dem Erfolg aller interessiert ist und dafür hart arbeitet. Wir Agenten können jetzt wieder stärker die Rolle des Vermittlers einnehmen, ausbalancieren und beschwichtigen, wenn nicht alles glatt läuft. Wir sind viel am Telefon und in Calls und versuchen die Händler, aber auch die Lieferanten beispielsweise mit Warenaustausch oder Zahlungsaufschub zu unterstützen.“

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NETZWERKE STÄRKEN

Elvis Giglione, Inhaber Elvis Fashion Agency „Aufgrund der steigenden Informationsflut, die uns digital begegnet, ist es umso wichtiger, das richtige Netzwerk zu haben. Die Agentur in der Rolle als Trendsetter und Mittelsmann, mit einem fundierten Know-how über das Produkt, die Hersteller und Prozesse sowie einer engen Verbindung zu den Wurzeln einer Marke, ist heute wichtiger denn je. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, sowohl zum Handel als auch zum Hersteller, ist unabdingbar, um die beidseitigen Interessen bestmöglich zusammenzubringen.“

MANNSCHAFTSSPIEL

Henrik Soller, Mitinhaber Komet und Helden „Das letzte Jahr hat uns alle in der Branche an unsere Grenzen gebracht – und ich meine damit nicht nur finanzielle, sondern auch personelle, persönliche. Umso wichtiger ist dieser aktuelle pragmatische Zusammenhalt, egal ob mit dem Handel oder der Industrie. Man hat fast das Gefühl, alle wissen: Jetzt gilt es in der Mannschaft zu spielen, das Ego können wir später wieder auspacken.“

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EIN SCHATZ

Bernard Waage, Inhaber Select Studio „Wertvolles Feedback, Zahlen, Daten, Fakten quer über alle Verkaufskanäle, ein tagesaktueller Marktüberblick, wichtige Insights aus allen Perspektiven … Zu diesem Schatz von Informationen sind wir Agenturen der Schlüssel. Gerade wenn es sich um internationale Lieferanten handelt, ein riesiges Asset, dessen wir uns bewusst sein sollten. Denn wir Multilabelagenturen sammeln diese Informationen nicht nur, wir können auch über alle Kategorien und Segmente Aussagen treffen, die die Performance auf unserem Markt positiv beeinflussen.“


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STADT, LAND, MODE … ZUKUNFT Ein Anlass, der mit dem quasi Neustart der gesamten Branche zusammenfällt. Sie alle feiern in diesem Jahr das 25jährige Jubiläum ihrer Unternehmen: Marco Götz von Drykorn, Michi Klemera von Luis Trenker und Stephan Huber von style in progress. Kann es einen besseren Grund geben, um zusammenzukommen und über das, was an großen Themen kommt, und das, was sie in Zukunft gemeinsam antreibt, zu sprechen? Eine Wanderung über Salzburgs Stadtberge. Interview: Stephan Huber. Text: Isabel Faiss. Fotos: Bernhard Musil

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ir stehen hier gerade an einem spannenden Punkt: 25 Jahre liegen hinter uns und situationsbedingt stehen wir vor einem Neuanfang. Welche Themen werden uns in den nächsten 25 Jahren umtreiben? Marco Götz, Gründer Drykorn: Die extreme Marktveränderung! Ich unterteile die Zeit gedanklich tatsächlich in die 25 Jahre bis Corona und 25 Jahre ab Corona ein. Für die Zukunft erwarte ich eine Neusortierung des Marktes mit einem völlig veränderten Kaufverhalten, veränderte Werte, mit denen wir umgehen müssen, und einem viel stärkeren Fokus auf die Themen Nachhaltigkeit, Langlebigkeit, Aktualität und Lebenslust. Gerade im Frauenbereich kommt die Sexyness zurück und mit ihr die Lust an der Selbstdarstellung. Mode wird wieder zum bewussteren eigenen physischen Erlebnis. Nicht mehr das zweidimensionale digitale Erleben steht im Vordergrund, sondern eine gewisse Leidenschaft, etwas wieder selbst sinnlich wahrzunehmen. Das beobachten wir vor allem bei jüngeren Menschen. Michi Klemera, Gründer Luis Trenker: Für uns verstärkt sich unser Grundsatz „Life is wonderful“ mit der Sehnsucht nach der Idylle der Berge. Wir leben in Südtirol in einem Paradies und schreiben von dort aus unsere Geschichte, die Geschichte eines Bergsteigers. Wir erzählen von einer Kleidung mit

dem Ursprung in den 1930er- und 1940erJahren, von sportiver Bequemlichkeit und besonderen Materialien und Qualitäten. Das Lebensgefühl von Luis Trenker ist der Genuss und das Wertschätzen besonderer Dinge wie guter Kleidung, standhaft zu sein, Persönlichkeit auszudrücken und Charakter zu zeigen. Das sind alles Themen, die man momentan mehr denn je braucht. Marco: Die Notwendigkeit zu radikalen Schritten ist durch das letzte Jahr größer geworden, wir mussten uns alle selbst überdenken. Wo geht es hin? Wie verändert sich das Konsumverhalten, auch das der jüngeren Kunden? Welche Werte entstehen da? Wir erwarten fundamentale Veränderungen im Einkaufsverhalten, bis hin zu der Frage: Wie muss Mode überhaupt in Zukunft sein? Welche Rolle spielt Mode der Urban Mobility? Wie sieht Berufsbekleidung in Zukunft aus, wenn sich unser Alltag im urbanen Umfeld komplett verändert? Michi, auch bei dir hat die Situation viele Dinge beschleunigt, allem voran das Onlinebusiness, das ihr massiv ausgebaut habt. Michi: Für uns war es eine Riesenchance. Es gibt viele Gewinner in der momentanen Situation und wir können alle viel daraus lernen. Mittlerweile machen wir 25 Prozent des Umsatzes online und 65 Prozent im eigenen Retail mit 14 Stores. Das ist für uns ein Thema, das wir 2010 mit dem Kitzbüheler Store gestartet haben und erkannt haben, wie wir unsere Marke in ihrem authentischen Umfeld stärken und darstellen können. Diese naiv schöne und gesunde Welt von Luis Trenker darzustellen, ist für uns eine große Chance gewesen. Für mich beginnt jetzt ein Neustart. Ich bin nicht mehr der Jüngste und muss meine Firma neu aufstellen. Meine Tochter Johanna ist 26 Jahre alt und schon sehr integriert, auch motiviert. Wir wollen noch moderner werden. Auch Mobilität ist für uns ein ganz wichtiges Thema, weil alle style in progress

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Menschen, die vor Corona 10.000 Kilometer in den Urlaub geflogen sind, jetzt die Zuflucht in den Bergen suchen und wir sie dort abholen wollen. Deutschland, Österreich, die Schweiz und Norditalien, das ist unsere Region und wir möchten DIE Marke in den Tourismusorten sein. Insgesamt war das Jahr 2020 ja auch von einer sehr eigentümlichen Konsumdebatte geprägt, oder der Tendenz, dass Spaß mit der Welt der Zukunft nicht vereinbar ist, weil Spaß die Umwelt kaputt macht. Wie kann Konsum also künftig Spaß machen, ohne dass man sich dabei innerlich schlecht fühlen muss? Das ist eine Kernfrage unserer Branche, denn wir produzieren überwiegend Produkte, die keiner braucht, sondern will. Wie wird also der Konsum in Zukunft aussehen? Marco: Der Kunde, der auf Drykorn aufmerksam geworden ist, kam schon immer über die Begegnung mit dem Produkt und das haptische Erlebnis. Kunden, die wir zukünftig ansprechen wollen, müssen wir mit ganz anderen Attributen ansprechen, denn sie haben primär nicht den direkten Bezugspunkt zur Ware. Wie aufwändig müssen wir uns also digital aufstellen, wenn es diesen Touchpoint nicht mehr gibt? Wie bekommt man Aufmerksamkeit? Wie erwecken wir Begehrlichkeit und was ist das aktuelle Begehren? Für uns liegt die Antwort im Produkt, flankiert von einem richtig guten digitalen Auftritt. Das ist ein Level, auf dem wir spielen müssen. Gleichzeitig glaube ich an das persönliche Einkaufserlebnis. Das individuelle, geführte und kuratierte Beraten wird eine absolute Renaissance erleben. Michi: Wir übersetzen das als große Herausforderung für uns, denn wir waren und sind immer schon sehr stark auf unsere Marke und das Markenbewusstsein fokussiert. Wahrscheinlich wird sich das Dilemma verstärken, dass unsere Produkte sehr spitz sind und wir zu wenige Basics haben. Aber ich wehre mich gegen einen Kompromiss zugunsten der Kommerzialität. Und wir wachsen trotzdem. Unser Ziel bis 2025 ist die Verdoppelung der Umsätze gegenüber heute. Wir waren im Krisenjahr 2020 sehr gut aufgestellt, haben viel gearbeitet und halten an unserem internen Ziel fest, auch im Onlinebereich auf 50 Prozent zu wachsen. Aus beiden Antworten höre ich heraus, dass in unserem Markt letztendlich immer der Konsument bestimmt. Was bedeutet das auch für die Beziehung zwischen den einzelnen Marktteilnehmern?

Fragen der Zukunft vor historischer Kulis­ se. Mit Blick auf die Festung Hohensalzburg diskutierten die drei Brancheninsider über die Herausforderungen der kommenden Zeit.

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Marco: Als Hersteller wirst du mehr und mehr dazu gezwungen, selbst Händler zu sein, weil die Anforderungen exorbitant sind. Du musst deine eigenen Kanäle in der Hand haben, denn der Anteil an stationärem Handel schrumpft. Es wird meiner Meinung nach keine Marken mehr geben, die ausschließlich nur noch über den Fachhandel funktionieren. Michi: Wir haben uns schon vor langem entschlossen, keine großen Onlineplattformen zu bedienen. Wir sind kein Zalando-Partner, sondern machen viel Handarbeit, das ist sehr aufwändig, aber das Resultat ist viel befriedigender. Die Spanne ist höher und die Commercial Rate ganz niedrig. Damit richten wir uns natürlich an einen sehr speziellen Kunden, der seine Größen und das Produkt kennt. Dafür haben wir nur 24 Prozent Retourenquote. Unser Onlineangebot geht weit über die Mode hinaus, wir agieren hier mehr als Dienstleister. Mein Wunsch ist es, dass der Kunde Südtirol irgendwann automatisch mit Luis Trenker verbindet. Auch in der Stadt verändert sich das Lebensgefühl gerade dramatisch. Drykorn for beautiful people lautet euer augenzwinkernder Slogan. Marco, was ist denn in Zukunft beautiful? Marco: Nachhaltigkeit, Unbeschwertheit, Leichtigkeit, Spaß. Die Frage ist aber vielmehr, was erkennt der Konsument als Spaß? Welche Message versteht er? Ich glaube, das hat sich in den letzten Generationen völlig verändert. Wollen die kommenden Generationen Spaß überhaupt noch physisch real erleben? Ist der Spaß in dieser Branche in den letzten zehn Jahren nicht generell etwas zu kurz gekommen? Michi: Du spielst auf die großen Zeiten der Bread & Butter an. In diesem Segment der

Sie kennen sich seit vielen Jahren: Marco Götz von Drykorn (links) und Michi Klemera von Luis Trenker.


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„Richten wir den Blick auf die kommenden 25 Jahre?“, lud Stephan Huber (rechts) seine Gäste zum Gespräch ein.

Mode hatten wir alle Spaß und diese Plattform hat das gefördert. Eine glorreiche Zeit, aber eben auch eine vergangene. Marco: Das war eine ganz spezielle Zeit, die sehr spaßorientiert war. Geprägt durch diese Art von Veranstaltung – an dieser Stelle ein großes Danke an Karl Heinz Müller – der damit den Zeitgeist getroffen und viel Mut bewiesen hat. Sollten wir uns diesen Hedonismus, diese Lust auf Spaß und Selbstdarstellung in der Mode nicht wieder zurückholen? Marco: Absolut. Sich Optisch schön herzurichten, sich zu mögen und attraktiv zu finden, ist ein großer Wert. Das hat nichts mit Narzissmus zu tun, wenn man sich selbst schön findet. Und es ist immer noch der Selbstzweck der Mode. Wenn wir unter dem Druck der Nachhaltigkeit keinen Wert mehr darauf legen, wie wir aussehen, hat das mit Leidenschaft und Emotion gar nichts mehr zu tun. Aber davon lebt die Mode: wieder Freude an etwas zu haben und dafür einzustehen, sich sexy zu fühlen und so zu zeigen, als Ausdruck von Attraktivität. Warum muss ich mich heute so konform kleiden, dass ich nirgends mehr auffalle? Michi: Es ist ein Riesenunterschied, ob man heute ein Konsumgut trägt und das als Mode bezeichnet oder ob es wirklich Mode im Sinne des Wortes ist. Das, was die großen 108

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Händler heute machen, hat für mich seine Wertigkeit verloren. Da liegt der Spaßfaktor nur noch in der Überproduktion. Luis Trenker produziert bewusst so, dass Mode eben kein Wegwerfartikel ist. Das bedeutet: kein Plastik, kein Polyester, keine Materialbeimischungen. Ich schätze es, dass ich 30 bis 35 Produzenten habe, die ich alle persönlich kenne und wo ich maximal 1.500 Kilometer zu fahren habe. Da ist der Spaßfaktor ganz anders definiert. Wenn wir jetzt an diesem Neuanfang stehen. Gibt es Dinge, die in Zukunft nicht mehr gehen werden? Oder anders gefragt: Was sollte sich unsere Branche tunlichst abgewöhnen? Marco: Der Knackpunkt sind die 30 Prozent zu viel produzierte Ware. Nimm das vom Markt weg und schon sieht die Situation anders aus. Die massive Überproduktion könnte man über Nachhaltigkeit gar nicht einsparen, das macht alle Bestrebungen hinfällig. Michi: Ich finde, das ist eine Frage der Haltung. Wir produzieren das, was wir verkaufen und sind auch froh, wenn wir einen Bestseller ausverkaufen, das macht Begehrlichkeit aus und stärkt sie. Der Preis ist das alles entscheidende Thema, das bedingt die Massenproduktion. Hier ist der unternehmerische Mut gefragt, nur so viel zu produzie-


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ren, wie man sich auch im Abverkauf ehrlich zutraut, und dafür höhere Kosten in Kauf zu nehmen. Marco: Epische NOS-Lager blockieren jegliche Innovationen. Trotzdem ist es auch eine Tatsache, dass ausverkauft sein gleichzeitig bedeutet, dass man auf der Fläche unterrepräsentiert ist. Dann zu sagen, das reicht mir aus, erfordert sehr viel Mut. Es widerspricht der Natur des Geschäftstreibenden, sich selbst zu limitieren. 25 Jahre nach vorne zu blicken, das trau ich mich kaum. Aber lasst uns mit fünf Jahren beginnen. Michi, wo steht Luis Trenker in fünf Jahren – abgesehen vom verdoppelten Umsatz? Michi: Ich möchte die Marke noch breiter aufstellen, weil ich merke, dass unsere Beharrlichkeit gerade in dieser Zeit immer stärker prämiert wird. Dass Kunden, die uns vor Jahren gar nicht wahrgenommen haben, unwahrscheinlich viel Respekt haben vor unserer Produktphilosophie und den Werten der Marke. Wir wollen uns jünger und digital noch stärker aufstellen, denn unser Sortiment ist heute auf einen vergleichsweise reifen Kunden ausgerichtet. Hier sehe ich viel Potenzial für die Zukunft, um auch jüngere Kunden anzusprechen. Ich glaube an das Selbstbewusstsein und die Beharrlichkeit, daran, dass gewisse Dinge, die wirklich gut sind und Respekt ausdrücken auch in fünf Jahren noch sehr gut angenommen werden, auch von einer jüngeren Zielgruppe. Also ein gesunder und optimistischer Ausblick! Marco: Ehrlich gesagt, ich habe solche

Ausblicke immer vermieden. Aber wenn, dann sehe ich in den nächsten fünf Jahren eine noch stärkere digitale Ausrichtung. Wir haben uns in den Prozessen schon weitestgehend umgestellt, auch in der gesamten Supply Chain. Trotzdem lebt Drykorn auch in fünf Jahren von einem starken Bezug zu Produkt. Damit steht es für uns nach wie vor im Vordergrund, Mode zu entwickeln, die dem Lebensbedarf der Konsumenten entspricht und ein gutes Gefühl vermittelt. Für mich liegt die Herausforderung darin, den Spagat zwischen der Sehnsucht nach Emotion, Spaß, Lebensgefühl und Attraktivität mit den Themen Nachhaltigkeit, bewusster Konsum und Funktionalität zu bewältigen. Und da bin ich mir sicher: die Mode kann das schaffen.

Michi Klemera sieht im Lokal­ kolorit Südtirols die größte Chance für seine Kollektion Luis Trenker, die Nachhaltigkeit seit 25 Jahren als Selbstverständ­ lichkeit lebt.

Seine Stärke ist es, die richtigen Fragen zur richtigen Zeit zu stellen. Für die kommenden Jahre stellt Marco Götz die Weichen für Drykorn jetzt schon auf Innovation und ein starkes Produkt.

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WELCOME BEYOND

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Dieser rosa Lichtstreif am Horizont, das ist nicht einfach nur ein neuer Morgen, in der Mode dämmert ein komplett neues Zeitalter. Was wir aus der Fashion­ industrie 1.0 in die zukünftige Version hinüberretten? Die Frage lautet vielmehr: Für welche Tasks und Themen bietet die Zukunft bessere Lösungen als die Gegenwart? Nie war es so berechtigt, voll Zukunftsfreude und Optimismus zu sein. Denn Optimierungspotenzial, an denen intelligente Apps, Softwares und Tools ansetzen können, bietet die Modeindustrie im Überfluss. Es kann nur besser werden!

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BROWNS/LONDON

BENCHMARK

Über vier Etagen erstreckt sich das neue Flaggschiff des Londoner Retailers Browns, der zur Farfetch-Gruppe gehört. Damit wird die Dependance in der Brook Street nicht nur für Browns ein Statement, sondern auch Aushängeschild der State-of-the-Art-Retailtechnologie von Farfetch. Interviews und Text: Martina Müllner-Seybold. Fotos: Browns, Farfetch

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Holli Rogers

„BROWNS BROOK STREET UNTERMAUERT UNSEREN GLAUBEN AN DEN PHYSISCHEN EINZELHANDEL“

„Browns steht schon immer für das Unerwartete und in diesem neuen Setting heben wir diese Leitvision des Einkaufsteams auf das nächste Level.“ – Ida Petersson, Buying Director Browns

Hinter dem Konzept von Browns Brook Street stehen eine Menge international angesehener Retailexperten. Von Beginn an war dieses Projekt weit mehr als das übliche „Lasst uns einen neuen Laden eröffnen“. Welche Bedeutung hat der Brook Street Store für Browns? Holli Rogers, Browns Chair und Farfetch Chief Brand Officer: Eine absolut bedeutende, denn er ist unser neues Zuhause für immer. Für uns ist dieser Store so viel mehr als nur ein Ort für den physischen Einzelhandel, er ist ein wirklich einzigartiger Platz, an dem die Bedürfnisse unserer Kunden, vielleicht sogar Bedürfnisse, von denen sie gar nicht wussten, dass sie sie haben, vollumfänglich erfüllt werden – aber natürlich auf Browns Art. Der Store spricht alle Sinne an, wir schicken unsere Kunden auf eine in Echtzeit vernetzte Reise, weil wir wissen, dass Kunden sowohl digital als auch physisch uns, Browns, erleben wollen. Der Laden setzt voll auf persönliche Beziehung und personalisierte Erfahrung. Er verbindet Mode, Schmuck, Essen und Kultur, der Raum ist immersiv und bietet so viel mehr. Er ist eine Destination, einen Ort, den man erkunden und entdecken kann und an dem man verweilen will. Mit der Entwicklung des Ethos von Browns Brook Street haben wir bereits vor fünf Jahren begonnen, als ich damals zu Browns kam. Immer auf der Suche, wie wir die subtilen Schichten der Technologie, die uns als Farfetch-Tochter zur Verfügung stehen, in unseren Räumen einsetzen können. Einige davon haben wir schon bei Browns East ausprobiert, jetzt bei Browns Brook Street erfüllen diese Technologien, für die wir in vielen Fällen Prototyp oder Pilotprojekt sind, den Raum mit Leben. Hier vereinen wir alles, woran wir seit Jahren arbeiten – es führt all unsere Geschichten zusammen und das ist natürlich gerade jetzt eine echte Punktlandung, wo Marken und Kunden nach all den Monaten digital only die Bedeutung von Technologie schätzen gelernt haben. Unser Konzept „Store for One“ kommt mit privaten VIC- (Very Important Customer) Suiten und einer Club-Etage voll zum Tragen, denn neben all den feinen Technologie-Layern im Store setzen wir auf extrem personalisierte Aufmerksamkeit und voll auf den Faktor Mensch. Der Kunde ist im Mittelpunkt, das ist das Fundament, und jedes Element hilft mit, um den bestmög-

lichen Service und Erfahrungen zu bieten, die über das reine Produkt hinausgehen. Wir sehen den konkreten Mehrwert, dass wir genau darin investieren. Es gibt so viel zu erleben in diesem Laden – er macht Lust, Zeit darin zu verbringen, in jede Etage zu gehen, die verschiedenen Räume zu bewundern, das Raumgefühl zu erfassen, weil es so bezaubernd ist. Wir sind begeistert, wie gut die Kunden unser Restaurant, Native at Browns, annehmen – ein Zero-Waste-Konzept, das ich für wirklich innovativ halte und das ich im Zentrum Londons so noch nicht gesehen

Holli Rogers, Browns Chair und Farfetch Chief Brand Officer, sagt über Browns Brook Street: „Der Kunde ist im Mittelpunkt, das ist das Fundament, und jedes Element hilft mit, um den bestmöglichen Service und Erfahrungen zu bie­ ten, die über das reine Produkt hinausgehen.“

habe. Ergänzt noch von dem unglaublichen Design des Bereichs, in dem wir bewusst britisches Handwerk in Szene setzen. Nicht zu vergessen der schöne Innenhof, wo man im Freien essen kann, wo wir jetzt stolz sind, dass so viele Menschen diesen Platz zum Entspannen und Genießen nützen. Schreibt Browns Brook Street die Customer Journey neu? Browns Brook Street zementiert unseren Glauben an den physischen Einzelhandel – und die Bedeutung des Flaggschiffs, das für uns der Raum ist, an dem wir die Essenz der Marke präsentieren und mit unserer Community in Kontakt treten. Bevor ich zu Browns kam, hatte ich vor allem bei Onlinern gearbeitet – mehr denn je bin ich überzeugt, dass beide Ebenen innerhalb des Ökosystems der Branche ihren unbestreitbaren Platz haben. Online bietet alles auf Knopfdruck, im Laden können wir informieren, inspirieren und kuratieren und schaffen einen Raum für unseren einzigartigen Blickwinkel. 2020 hat uns gelehrt, wie wichtig es ist, einen echten Omnichannel-Ansatz zu haben, und den Weg, den wir eingeschlagen style in progress

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„Wir sind uns sicher, dass viele diesen unerwarteten, aber einladenden Innen­ hof des Restaurants nützen werden, um zu entspannen und zu genießen.“ – Holli Rogers, Aufsichts­ rätin Browns

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haben, vielleicht sogar untermauert. Im Store haben wir Elemente wie den In-Store-Modus, eine Erweiterung der Browns Fashion App, mit der Sie Produkte scannen, bei einem Verkaufsberater einchecken und sogar sehen können, was von Ihrer Wunschliste im Laden ist. Darüber hinaus verfügen wir über die „vernetzten Spiegel“, die das Story Telling übernehmen und tief ins Produktwissen eintauchen lassen, sobald die Kaufentscheidung gefallen ist. So stellen wir sicher, dass der Kunde auch nach dem Kauf mit der Marke Browns, aber auch mit seinem Verkaufsberater verbunden bleibt. Die Technologie macht gerade in rasendem Tempo so viel möglich und weil wir Mensch und Technologie auf allen Ebenen verbinden, stellen wir sicher, dass der Kunde eine nahtlose Reise über alle Touchpoints hinweg erlebt. Diese Verschmelzung der On- und Offlinewelt unterstreicht unser Engagement für die Zukunft des Luxushandels. Wir stehen an der Speerspitze eines grundlegenden Wandels in der Art und Weise, wie Menschen einkaufen werden. Während der Pandemie haben wir gelernt, dass Erfolg nicht an Öffnung(szeiten) gebunden ist – es bieten sich so viele andere Wege, mit seinem Klientel verbunden zu bleiben. Wie kann ein Unternehmen in der Dimension von Browns die Hyperpersonalisierung, die im Laden ja Prinzip ist, auf digitaler, nicht-physischer Ebene skalieren? Wir haben gelernt, dass die Verbindung sowohl im echten Leben als auch digital für unsere Kunden von größter Bedeutung ist. Ich persönlich denke, dass die Menschen nach dieser menschlichen oder personalisierten Verbindung suchen

und sie online schwer abzubilden ist. Wir alle lieben Mode, wir tauchen gerne ins Produkt ein, man hat ja gesehen, wie enthusiastisch die Menschen waren, Mode wieder berühren, fühlen und anprobieren zu können. Der Moment des Entdeckens hat so gefehlt. Natürlich können wir online jederzeit alles bekommen, was wir wollen – aber weil wir uns bei Browns im Merchandising von Stimmung, Gefühl und Trend leiten lassen, interpretieren wir die Saison, wir blicken mit unseren Augen auf die Ware. Wir wissen, dass unseren Kunden diese persönliche Interaktion mit ihren Verkaufsberatern von Angesicht zu Angesicht gefehlt hat und dass sie es kaum erwarten konnten, sich mit ihnen darüber auszutauschen, was neu ist und was wir hinter uns haben. Wir wissen, wie hoch die Erwartungen der Menschen sind, daher war es ein Gänsehautmoment zu beobachten, ob diese vernetzte, techgetriebene Experience im richtigen Maß mit der aufmerksamen, menschlichen Seite gepaart sein würden. Denn das ist in der aktuellen Situation, wo persönliche und personalisierte Beziehungen eine solche Aufwertung erfahren, unerlässlich. Eingedenk dieser Zeitenwende im Einzelhandel war es dann unglaublich, zu sehen, wie dieser innovative, revolutionäre Ort Realität wird und zum Leben erwacht und dabei die Vergangenheit und die Zukunft nahtlos miteinander verknüpft. Welche Rolle nimmt Browns damit innerhalb der Farfetch-Gruppe ein? Man gewinnt den Eindruck, dass Browns das Labor für all die Innovation und den Fortschritt ist, die bei Farfetch entwickelt werden. Die Gruppe investiert 200 Millionen US-Dollar pro Jahr in Techno-


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logie und beschäftigt ein Team von 1.000 Entwicklern. Ist Browns also der Ort, wo Farfetch den Proof of Concept antritt und zeigt, dass der Handel mit neuen Mitteln eine glänzende Zukunft hat? Ich glaube, Browns ist absolut ein Leuchtturm der Innovation und mit Browns Brook Street haben wir bewiesen, dass es eine glänzende Zukunft für den physischen Einzelhandel gibt. Es ist mehr als fünf Jahre her, seit wir von Farfetch gekauft wurden und ich zu Browns gestoßen bin – sie sind ein Powerhouse. Was José Neves bei Farfetch aufgebaut hat, war immer darauf ausgerichtet, physische Boutiquen zu unterstützen und zu fördern, und sie investieren wirklich in Browns als Innovator in diesem Feld. Technologie kommt jetzt in immer schnelleren Schritten und entwickelt sich weiter. Meiner Meinung nach ist die Verschmelzung der Attribute On- und Offline der Startpunkt einer Reise, die das ultimativ persönliche Einkaufserlebnis schaffen wird und ich freue mich schon auf das nächste Kapitel in der Geschichte von Browns. Wir wollen ein vollständig vernetztes Kundenerlebnis schaffen, nicht Online gegen Offline, sondern eine nahtlose Reise zwischen beiden Welten – denn die Kunden kaufen und interagieren längst ohne jede Grenze, also sollten wir ebenso reibungslos zwischen den Welten wechseln können. Erst diese Verbindung von allem ist die Klammer, die alles zusammenhält – das Back-End, die Website, die App, die Verkaufsmitarbeiter, die Stores und natürlich unsere Kunden. So wird die besondere Browns-Experience auf allen Kanälen erlebbar – und Farfetch ist dafür der Enabler.

„Es ist ein wirklich sensorischer Ort: Blick, Sound, Geruch, Geschmack und Haptik bieten bei jedem Besuch ein einzigartiges Erlebnis.“ – Holli Rogers, Aufsichtsrätin Browns

„Der Kun­ de steht im Mittelpunkt von allem, was wir tun, und wir hoffen, dass unser neues Zuhause eines ist, das man gar nicht mehr verlassen will.“ – Holli Rogers, Aufsichtsrätin Browns

Sandrine Deveaux

„TECH IST EIN SERVICE“

Sandrine Deveaux, Executive Vice President Future Retail bei Farfetch, der Muttergesellschaft von Browns Brook Street, unterstreicht: „Läden müssen einen Zweck erfüllen.“

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Welche Rolle spielt der stationäre Handel in der Zukunft? Sandrine Deveaux, Executive Vice President Future Retail bei Farfetch: Der schon lange andauernde Transformationsprozess des Einzelhandels wurde durch die Pandemie sicher beschleunigt, aber diese Phase hat auch gezeigt, dass Retail für Endkunden wirklich wichtig ist. Der Einzelhandel ist nicht tot! Das ist vielleicht die beruhigendste Tatsache, die diese Pandemie hervorgebracht hat. Natürlich muss sich der Einzelhandel verändern. Der Fokus muss weg

von funktionalen Aspekten und hin zu hervorragenden In-Store- und digitalen Dienstleistungen. Die Implementierung modernster In-StoreTechnologien war eines der Hauptziele von Browns Brook Street. Können Sie anhand einer Technologie exemplarisch erklären, was sie für eine florierende Einzelhandelszukunft so entscheidend macht? Es fällt mir tatsächlich schwer, nur eine auszuwählen, weil sie alle miteinander verbunden sind. Wichtig ist, dass wir nie über Technologien nachdenken, sondern immer nur über die Customer Journey unserer Kunden. Wir denken über das Service-Level nach, das wir anbieten wollen. Wir haben bei Browns Brook Street ein Ökosystem geschaffen, das in Echtzeit funktioniert. Das App-basierte System bietet sowohl Kunden als auch Verkäufern ad hoc Vorschläge, die sich sowohl aus ihrer gesamten Kaufhistorie


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„Unsere Farfetch Platform Solutions (FPS) und Sto­ re of the Future Teams haben mit Browns zusam­ mengearbeitet, um Farfetchs Sta­ te-of-the-art-Om­ nichannel-Retail­ technologien in den Store zu bringen und damit die verän­ derten Bedürfnisse des Luxuskunden zufrieden zu stellen – sowohl online als auch in diesem unglaublichen phy­ sischen Ort.“ – José Neves, Gründer, Co-Chairman & CEO von Farfetch

bei uns speisen, als auch aus dem, was sie beim Flanieren im Laden anspricht. Dieser Matching-Prozess liefert erstaunliche Daten und ist auch im Upselling von Produkten sehr erfolgreich – egal ob während des Besuchs im Laden oder danach. Im Store können wir nur etwa fünf bis zehn Prozent des Browns-Inventars zeigen, was Technologie unerlässlich macht, um die gesamte Palette sichtbar zu machen. Ein tolles Werkzeug dafür sind zum Beispiel unsere connected Spiegel. Ich betone aber noch einmal: Uns ist es wichtig, dass die Technologie nicht per se steht und als solche erlebt wird. Sie soll als Teil der Dienstleistung erlebt werden. Das Kundenerlebnis bei Browns Brook Street geht weit über die Mode hinaus. Bar, Restaurant und viele Annehmlichkeiten mehr. Müssen Einzelhandelskonzepte in Zukunft verinnerlichen, dass der eigentliche Kauf nicht mehr zwingend im Mittelpunkt steht? Ich bin fest davon überzeugt, dass die Rolle eines Multichannel-Stores darin besteht, sicherzustellen und auf intelligente Weise zu kuratieren, wie Kunden während Ihres Besuchs maximal verwöhnt werden. Der Zweck ist nicht Verkaufen um des Verkaufens willen. Ziel ist es, zu inspirieren und langjährige Beziehungen aufzubauen.

„Der Brook Street Store unterstreicht die Vision, die das Team hatte: Einen physischen Ort zu schaffen, der Kunden auf neue und beeindruckende Weise anspricht.“ – José Neves, Gründer, Co-Chairman & CEO von Farfetch

„Individuell designte, handgemachte Tapeten zeigen ausgeblichene, viktorianische Blumenmuster und kontrastieren damit die schnörkellosen, geraden Linien der Möbel und Beleuchtung.“ – Britt Moran und Emiliano Salci, Gründer von Dimorestudio

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„Wir wollten ein zeitgemäßes, unfertiges und leicht minima­ listisches Feeling kreieren.“ – Britt Moran und Emiliano Salci, Gründer von Dimorestudio

„Die klare und unmissverständliche Linienführung ist der Gegenpol zu den exis­ tierenden, historischen Gegebenheiten des Hauses.“ – Britt Moran und Emiliano Salci, Gründer von Dimorestudio

Wenn Geschäfte also diese nicht verkaufsgetriebenen Inspirationspunkte werden oder sind, wie bemisst man dann ihre Rolle in der Customer Journey? Alles, was ich über Browns Brook Street lese, sagt, dass es keine Rechnung Umsatz pro Quadratmeter sein kann. Wie bemisst die Abteilung Future Retail bei Farfetch den monetären Beitrag eines Ladens zum Erfolg? Denn ich glaube, wir sind uns darüber einig, dass das nicht nach alten Parametern klappen kann. Wir bei Farfetch arbeiten bereits jenseits dieses alten Geschäftsmodells. Wir arbeiten

Seite an Seite mit unseren Marken, wir schaffen gemeinsam Content, wir erarbeiten gemeinsam Strategien, den Endkunden online und im Laden zu aktivieren, wir organisieren gemeinsam Online- und Offline-Events. Wir streben danach, echte Partner für unsere Marken zu sein. Unsere Ziele sind anders definiert, nämlich Kunden zu binden und sie in die bestmögliche Konsumstimmung zu versetzen. Dass Farfetch mit diesen Maximen Innovationstreiber und Disruptor ist, dieser Rolle und Verantwortung sind wir uns bewusst.

„Unser Ethos wird nicht nur in der Speisekarte reflek­ tiert, sondern auch in dem achtsamen, nachhaltigen Design, das unsere Ideale spiegelt und gleich­ zeitig innovativen Produzenten aus ganz Großbritannien eine Bühne gibt.“ – Native at Browns Chefkoch Ivan Tisdall-Downes.

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Digitalisierung ist die Zauberformel, die die Modebranche nach dem Corona-Tief wieder in die Spur bringen wird. Doch erst wenn Digitalisierung mit Personalisierung vermählt wird, ist die Zukunftsvision perfekt. Text: Martina Müllner-Seybold. Illustrationen: Raevsky Lab, str33tcat (stock.adobe)

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as war das Ansinnen der ersten Konfektionäre unverschämt! Statt wie bis dahin üblich auf individuelle Maßfertigung zu setzen, war ihr Geschäft, Produkte in Standardgrößen in Serie zu bringen. Die Pamphlete der Maßschneider gegen diese Ende des 18. Jahrhunderts geborene Revolution lesen sich erstaunlich bekannt – denn sie sind den Fortschrittsverweigerern von heute so ähnlich. Das Schreckgespenst ist damals wie heute das gleiche: Wenn erst die neue Technik übernommen habe, wäre alles nur noch eine vorhersagbare Sauce ohne jeden Funken Kreativität und Individualität … FORTSCHRITT IST MENSCHLICH

Den Teufel an die Wand zu malen, hat schon damals dem Fortschritt keinen Einhalt gebieten können. Dass die Herstellung von Mode vom Handwerk zur arbeitsteiligen Industrie wuchs, hat aus einem lokalen Business einen weltumspannenden Industriezweig gemacht, der Kleinstbetrieben genauso nährt wie Megakonzerne. Sie alle haben die Konfektion in all ihren Spielarten perfektioniert, die 120

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Maßschneiderei ist die seltene Ausnahme geworden. Und nun dämmert der nächste Morgen. WOHIN GEHT DIE (DIGITALE) REISE?

Der Blick in die Modegeschichte vermag uns in dieser Dämmerung den Weg zu leuchten. Wetterten die Konfektionsgegner zum Beispiel anno dazumal mit dem Argument, menschliche Arbeitsplätze würden verloren gehen, ist heute das schiere Gegenteil der Fall: Weltweit ist jeder dritte Job direkt oder indirekt mit der Textilbranche verbunden. Mode ist global gesehen einer der größten Wachstumsmotoren, selbst die Corona-Pandemie konnte den Aufwärtstrend nicht stoppen. Allein der Umsatz im Bekleidungssegment soll laut Statista 2021 global etwa 455.287 Millionen Euro betragen und jedes Jahr um 7,3 Prozent wachsen. ABER ERST MAL DAS PROBLEM LÖSEN

Dieser beeindruckende Aufwärtstrend allerdings hat unermessliche Schattenseiten. Nur mehr 0,4 bis ein Prozent der Kosten eines Bekleidungsstücks werden im globalen Durchschnitt für die Bezahlung der Menschen


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aufgewendet, die es fertigen. Die Umwelt zahlt einen horrenden Preis für immer billiger werdende Klamotten. Dass man heute so niedrigschwellig und zu verschwindenden Kosten in Serie gehen kann, ist definitiv eher Fluch als Segen. Es heizt die globale Überproduktion immer weiter an. Auch wenn in den Spitzen der Modebranche längst Nachhaltigkeit und Slow Fashion gepredigt werden, der Wein, den wir tagtäglich trinken, ist blutrot. BEENDET DIE KONFORMITÄT

Möglichst vielen Menschen das möglichst Gleiche in möglichst den gleichen Größen in möglichst gleichen Geschäften in möglichst gleich organisierten Ländern zu verkaufen – diese Zauberformel hat die Bekleidungsindustrie perfektioniert – möchte man zumindest meinen. Doch der Blick hinter die Kulissen entlarvt die Lüge. Der Ansatz der größtmöglichen Konformität hinkt gewaltig, was hier Renner ist, ist dort Penner. Dabei ließe die Datenlage längst andere Schlüsse zu. Intelligente Forecast-Programme sind heute bereits in der Lage, die Unschärfen in den Bedarfs- und Absatzprognosen drastisch zu reduzieren. Auf evidenzbasierte Trend- oder Farbprognosen zu setzen, macht ein Produkt ebenfalls präziser. Und die volldigitalisierte Produktion, in der sich historische, aktuelle und zukünftige Zahlen zur Steuerung vermählen, ist keine Utopie, sondern Realität. DIE URANGST VOR DER MASCHINE

Diese Zahlengewalt macht Angst: Wir Menschen fürchten (das wievielte Mal eigentlich in unserer Geschichte?), dass die Maschinen übernehmen. Wir argwöhnen, dass die computergesteuerte Ratio plötzlich das Maß aller Dinge sei, der Mensch in den Entscheidungsprozessen keinen Platz mehr habe. Noch dazu, da viele dieser digitalen Tools und Produktivitätsbooster auf künstlicher Intelligenz fußen. Das stachelt die Fantasie unserer Höhlenmenschenhirne zu einem atemberaubenden Galopp an – und plötzlich finden wir uns in Hypothesen, die eines Science-

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Fiction-Blockbusters würdig wären. Zu Hilfe, die Maschinen übernehmen?! DAS HEILSVERSPRECHEN: INDIVIDUALITÄT

Das genaue Gegenteil ist der Fall: Digitale Methoden, ob im Entwurf oder in der Fertigung, entfachen die Kreativität der Designerinnen und Designer wie es in der Mode schon lange nicht mehr der Fall war. Nicht nur die bunte Seite der Mode profitiert, auch die Zahlenmenschen träumen neue, kühne Träume. Die Skalierbarkeit der passgenauen Produktion ist das Ziel. Allen Zukunftsskeptikern sei dies ins Stammbuch geschrieben: Das Ideal, dem alle nacheifern, ist ein im höchsten Maße menschliches – nämlich Individualität. Um diese zu erzielen, muss die gesamte Magie, die die Mode zu einem Peoples Business macht, abgebildet werden. Statt einem Kuchen, aus dem Rosinen gepickt werden, soll es künftig nur noch Rosinen geben. Fällt die fade Masse rund um diese weg, ist das Himmelreich nahe. DEN WEG ZURÜCK GIBT ES NICHT

Das klingt nach back to the roots? Nach der schönen heilen Welt von damals, in der alle wieder zum Schneider gehen und nur das kaufen, was sie wirklich brauchen? Wie rückwärtsgewandt diese romantische Schäferidylle ist, macht ein Blick in die Modegeschichte klar. Ungefähr ab 1790 hat die arbeitsteilige Herstellung von Bekleidung in Europa Fahrt aufgenommen. Das Rad der Zeit bis in die Ausläufer des 18. Jahrhunderts zurückdrehen? Eine Illusion. Denn selbstverständlich muss die volldigitalisierte modische Rosinenproduktion des 21. Jahrhunderts heutigen Standards, Technologien und Realitäten entsprechen. Mit einem entscheidenden Unterschied: Das Geld, das in einer treffsicheren modernen Massenindividualität gespart wird, darf nicht ausschließlich in die jetzt schon prall gefüllten Taschen fließen. Politik und Gesellschaft müssen Sorge tragen, dass an diesem Fortschritt alle partizipieren: Konsumenten, Produzenten und unsere Umwelt. style in progress

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Decoda

FARBPROGNOSE Welche sind die wichtigsten Farben der neuesten Saison? Eine von Decoda entwickelte Software wertet Bilder der internationalen Designerschauen nach Farben objektiv aus und bildet so eine Grundlage für das Design, um die eigene Kollektion zu erstellen, und für den Handel, den Einkauf danach auszurichten. Das Besondere: Auch die Quantität und Gewichtung der Farben kann nach Produktgruppen und in Echtzeit ermittelt werden, was einen noch differenzierteren Blick auf die Trendschauen ermöglicht. Im März ist der Vertrieb des digitalen Produkts über das Deutsche Mode-Institut gestartet. Die komplette Studie kostet im Abo 475 Euro pro Saison. www.deutschesmodeinstitut.de

DER GAME­ CHANGER?

DAS DIGITALE SAMPLE!

„Ich sehe es als meine Verantwortung, mein Wissen einzusetzen, um endlich den Wandel zu schaffen“, sagt Kristina Nedeljkovic. Sie arbeitete zuletzt für Fast-Fashion-Anbie­ ter, bevor sie sich als 3D-Designerin mit 3dkn in Dänemark selbst­ ständig machte.

Kristina Nedeljkovic, 3D-Fashion Specialist 3dkn „Man könnte meinen, die Digitalisierung in der Mode geht schnell voran, aber von wegen. Skalierbarkeit und Automatisierung sind die größten Herausforderungen. Um effektiv Kosten einzusparen, muss man 3D auf einer skalierbaren Ebene implementieren, aber dazu braucht man Jahre, außer, jemand erfindet neue Tools. Wir brauchen eine klare Definition für Nachhaltigkeit, bevor wir anfangen, darüber zu streiten, ob neue Technologien uns in diesem Kontext helfen. Für mich bedeutet Nachhaltigkeit, genauer zu sein und die volle Kontrolle über 2D-Muster, Stoffverbrauch und Produktentwicklung zu haben, um Ausschuss zu reduzieren. Softwareprogramme wie Clo3d, Borzwear, Marvelous Designer sind nur eine von vielen Lösungen, die dieses Argument unterstützen können.“ www.3dkn.dk

Decoda wertet Farben von Modenschaubildern digital aus. Auch Nicht-Farben wie Weiß und Schwarz können ermittelt werden.

Rebound Stuff

ANKAUF-APP MIT HINTERGEDANKEN Sie wollte nicht mehr Teil, sondern Lösung des Problems sein. Nach zehn Jahren Berufserfahrung in der Fast-Fashion-Industrie gründete Doris Schoger 2019 Rebound Stuff als Informations- und Ankaufsplattform für den Secondhandmarkt. Im Kreislaufmodell macht Rebound Stuff aus der Not eine Tugend. Jeder User kann Überflüssiges aus dem eigenen Haushalt in eine Box packen und deutschlandweit versandkostenfrei an Rebound Stuff schicken und verkaufen. www.reboundstuff.de

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NFT

Zwei Pioniere machen gemeinsame Sa­ che: Im Februar verkaufte RTFKT in nur sieben Minuten Sneaker-NFTs im Wert von 3,1 Millionen US-Dollar – und ging damit in die Geschichte ein. Gemein­ sam mit The Fabricant, die als erstes Modeunternehmen NFTs kreierten und bereits im März 2019 ein Kleid für 9.500 US-Dollar verkauften, launchten sie im April auf The Dematerialised ihre Capsule-Kollektion RenaiXance.

MARKTPLATZ FÜR DIGITALE MODE Der Ausblick, dass wir uns in Zukunft vermehrt als Avatare im Internet tummeln, in Ausstellungen gehen, Konzerte besuchen und Einkaufen, öffnet die Türen zu einem gigantischen Markt für Digital Fashion. So genannte NFTs (NonFungible Token) sollen jetzt aus dem Spaß ein Business machen. Sie fungieren sozusagen als Kassenbon, denn sie belegen als Zertifikat über eine Blockchain den Kauf eines digitalen Assets – egal ob Kunst oder Kleidung. Sie lassen sich nach Belieben handeln, so entsteht der Markt. NFTs überschlagen sich seit diesem Frühling. Auf Plattformen wie bnv.me, SuperRare.co oder The Dematerialised Marketplace gibt sich das Who-is-Who der Digital-Fashion-Szene die Ehre. Aktuell prominentestes Beispiel: die Capsule-Kollektion RenaiXance von keinem geringeren als RTFKT und The Fabricant, zu kaufen auf The Dematerialised. „Diese NFT-Kollektion bietet der Community die Chance, einen Teil der digitalen Modegeschichte zu besitzen. Es war für uns ein Traum, die Exklusivität dieses Themas mit den beiden führenden Marken in diesem Bereich umzusetzen“, sagen Marjorie Hernandez und Karinna Nobbs von The Dematerialised. www.thedematerialised.com

The Dematerialised Marketplace bietet Kunden die Möglichkeit, mit Fiat- oder Kryptowährungen NFTs für digitale Mode und Kunst zu kaufen, die über die LuksoBlockchain gesichert werden.

Der Vorteil: NFTs funktionieren wie ein Kaufzertifikat. Das macht Verknappung durch Limitierung, Preissteigerung und qualifizierten Handel mit digitalen Assets erst möglich.

SuperRare.co/Gentle Monster

BNV.ME Im März dieses Jahres ging mit der Onlineplattform BNV.ME der Brand New Vision Ltd. aus Hongkong erstmals ein Onlinestore mit NFTs für Digital Fashion an den Start. High-Streetwear- und Premiummarken wie Mishka NYC, Off Safety, Passport adv oder Chill Create sind bereits Partner und verkaufen hier ihre 3D-Designs. Seit 2020 beobachtet Richard Hobbs von BNV.ME einen explosionsartigen Anstieg der NFT-Transaktionen und sieht enormes Potenzial für Digital Fashion. www.bnv.me 124

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NFT GOES AVANTGARDE Mit futuristischen Storedesigns und Kampagnen zeigt das Kollektiv hinter der koreanischen Marke Gentle Monster seine Nähe zur internationalen Kunstszene. Als erste Modemarke stellte das Team gemeinsam mit AES+F am 10. März für 24 Stunden ein Imagevideo als Kampagne für die neue Kollektion auf der Website SuperRare.co zum Verkauf über NFTs. www.superrare.co

Auf SuperRare.co lässt sich exakt verfolgen, wer wann wie viel für die NFTs zum Video The Circle of Life von Gentle Monster und AES+F geboten und gezahlt hat, wem es gerade gehört und wer es bereits haben möchte. Zeitweise ging das Video für umgerech­ net 20.000 US-Dollar über den Bildschirm.

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Digitales Modedesign beginnt damit, die technischen Parameter eines Stoffes in 3D-Simulationen zu übersetzen und endet im virtuellen Showroom.

ASSYST

„STILL DAY ONE“ „Das berühmte Zitat von Jeff Bezos beschreibt sehr gut, wie sehr auch die Digitalisierung in der Mode noch ganz am Anfang ihrer Möglichkeiten steht“, sagt Hans Peter Hiemer, Geschäftsführer der Assyst GmbH. Mit seinem Team aus Professionals liefert er die voll digitalisierte Gesamtlösung für den Produktentstehungsprozess, vom übersetzen des Materials bis hin zum digitalen Endprodukt. „Wir erschaffen digitale Assets“, sagt er und sieht in diesen einen enormen Hebel für alle Bereiche der Modebranche. Text: Isabel Faiss. Fotos: Assyst

Die technologische Überleitung von einem Stück Stoff in eine dreidimensionale Figur ist der Startpunkt im Produktentstehungsprozess, den Assyst bei seinen Kunden vom ersten bis zum letzten Click begleitet. Welche Problemstellung der Industrie lösen Sie damit konkret? Wir digitalisieren nicht nur den gesamten Produktentstehungsprozess, sondern erzeugen vor allem Parameter, mit denen alle nachgelagerten Prozesse arbeiten können. Dafür erzeugen wir zum Beispiel ein digita126

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les Material, indem wir neben den optischen, auch die physikalischen Parameter und technischen Eigenschaften beispielsweise eines Stoffes aufnehmen und so eine Basis schaffen, sodass sämtliche nachgelagerte Prozesse diese für realistische Simulationen aufnehmen können. Sonst hat man digitale Insellösungen, welche zu starken Brüchen in der gesamten Kette führen. Für uns arbeiten Professionals aus der Branche, die entscheidende Arbeiten wie Schnittbilder, Gradierung und Passformen beherrschen. Denken wir den nächsten großen Schritt: Welche technologischen und digitalen Entwicklungen sind momentan am wichtigsten? Hinsichtlich der Technologie wird zukünftig vor allem die internationale Kooperation zwischen den einzelnen Partnern die größte Rolle spielen. Und natürlich die Erfassung der Materialien, Farben und weiterer Komponenten, um diese den Designern digital zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig wächst die Erkenntnis in der Branche, dass ohne die technisch saubere Basis (das Beherrschen der Schnittkonstruktion) digitales Design nicht funktionieren kann.

Product on demand – ein Credo, das Hans Peter Hiemer als Geschäftsführer der in Aschheim nahe München ansäs­ sigen Assyst GmbH mit ganzheitlichen Digitalisierungsprozessen vorantreibt.

Was sind Gamechanger am Horizont? Das ganze Thema Next Gen Avatars, Figuren, die sich aus anderen Branchen gerade in die Mode herüberarbeiten. Vor allem durch die Gaming-Szene entsteht bei den Endkonsumenten ein neues Verständnis und auch eine Erwartungshaltung für Avatare. Damit wird das Produkt viel individueller werden. Das zweite große Thema ist die Nachhaltigkeit und die Suche nach sinnvollen End-to-End-Prozessen, um Risiken des Geschäftsmodells zu minimieren. Alleine 2021 sind nur in Deutschland rund 500 Millionen Kleidungsstücke nicht verkauft worden, so kann es nicht weitergehen. Dazu gibt es Lösungsansätze, die über die Vernetzung von Micro Factories und intelligente Produktionsverfahren laufen. Das Ziel ist, Informationen und Konsumenten viel näher zusammenzubringen und dementsprechend zu produzieren und zu arbeiten.


& SOLD OUT KNIT

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Parcello

EMISSIONSAUSGLEICH DURCH PAKETVERFOLGUNG

Pakete verschicken und das Klima schützen, das verspricht die Berliner App Parcello. Kunden bekommen ab dem Moment der Bestellung eine stundengenaue Ankunftsprognose. Genervt von unleserlichen Benachrichtigungskarten oder gänzlich fehlenden Klebezetteln vom Paketboten an der Haustür oder im Briefkasten, gründeten Sarah Dorweiler und Gerald Reimertz vor zehn Jahren Parcello. Das Cash-Flow-finanzierte Start-up, generiert von Beginn an Umsatz und verfolgt darüber hinaus das Ziel, CO2-neutrale bzw. -positive Sendungen möglich zu machen. Pro 1.000 verfolgter Pakete werden zwei Bäume in Zusammenarbeit mit der Organisation Plant for the Planet auf der Halbinsel Yucatan im Golf von Mexiko gepflanzt. „Unser Ziel ist es, allen Onlineshops die Parcello Technologie zur Verfügung stellen zu können, um die Emissionen aller weltweit zugestellten und transportierten Pakete auszugleichen“, erklärt Dorweiler. Deshalb wird der B2B-Bereich derzeit massiv ausgebaut. www.parcello.org

Sizolution

„DAS IST NUR DER ANFANG“ Parcello verbessert die Customer Experience und pflanzt Bäume um CO2 zu kompensieren.

Leezen Heroes

ZUKUNFTS­FÄHIG Das Start-up Leezen Heroes bringt nicht nur Personen innerhalb Münsters von A nach B, sondern auch bestellte Ware direkt und umweltfreundlich mit dem Lastenrad zum Kunden – auf Wunsch noch am gleichen Tag. Das nutzen Händler wie das Modehaus Schnitzler oder Zumnorde mit steigender Tendenz. www.leezenheroes.de 128

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Eure Size and Fit App liefert präzise Daten für Onlineshopping. Gleichzeitig ist das auch die Basis für den nächsten großen Schritt: Avatare. Vahe Taamazyan, Gründer von Sizolution: Das kommt definitiv. Aktuelle technische Innovationen vor allem hinsichtlich Algorithmen und der Boom des 3D-Designs befeuern neue Möglichkeiten. Zusammen mit der Digitalisierung in der Mode und der breiteren Akzeptanz von digitalen Designs bekommt man eine explosive Mischung. Was bedeutet das für den klassischen Modehandel? Bei den meisten Händlern sieht Onlineshopping noch immer aus wie ein Katalog. Wir sind überzeugt, dass sich Onlineshopping immer stärker drehen wird, weg von der Produktfokussierung hin zu einem personalisierten, immersiven Erlebnis. Wir nennen es Hyper-Personalization, das ist die Zukunft des Onlinehandels. Sizing-Apps und virtuelle Umkleidekabinen sind großartige Beispiele für diesen Wandel, der bereits begonnen hat. Was ist vor diesem Hintergrund die nächste große Herausforderung für Sizolution? Wir wollen diese Transformation aktiv vorantreiben und Onlinestores dabei helfen, ihr Angebot zu personalisieren. Als nächsten Schritt erweitern wir unsere Größenempfehlung um eine digitale Kabine, die es dem Kunden ermöglicht, ein Produkt auf einem Foto von sich selbst virtuell anzuprobieren. www.sizolution.com

Hyper-Personalization ist für ihn der nächste konsequente Schritt im E-Commerce. Mit der Size and Fit App Sizoluzion hat Vahe Taamazyan dafür bereits den Grundstein gelegt.


D e d i c ate d to ou r be a u ti f u l S i sters.

www.silk- siste rs.c om


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SEO 4 Now

PROBLEMLÖSER Du bist als Händler jetzt auch für das Marketing der neuen Software SEO 4 Now zuständig. Was kann das Tool? Thomas Wartner, Marketing SEO 4 Now: Es bietet mir eine klare Übersicht meiner Social-Media-Posts auf verschiedenen Portalen und über alle Feedbacks. Die Bewertungen, Klicks und Aufrufe sind super aufgearbeitet und können auch nach Zeit und Qualität analysiert werden. Was hat dich besonders überzeugt? Dass das Veröffentlichen von Posts so einfach und selbsterklärend geworden ist. Hinzu kommt die Suchmaschinenoptimierung. Wer in meiner Großregion nach Geschäften und Produkten sucht, etwa über Google, Google Search, Facebook oder im Branchenbuch, findet mich als lokalen Anbieter im Ranking deutlich weiter oben. Für mich ist diese Software ein echter Pro­ blemlöser. www.seo4now.de

Keepist

Tu Gutes und lass dich belohnen Es funktioniert wie Miles & More. In den an das Belohnungssystem Keepist angeschlossenen, nachhaltigen Onlinestores wie Bluhava, Entire Stories oder New Normal bestellt der Kunde wie gewohnt, klickt im Bestellprozess auf den Hinweis „Belohnung für nachhaltiges Einkaufen, klicke hier um Keeps zu sammeln“ und erhält Keeps als Punkte gutgeschrieben, wenn er das Produkt nicht zurückschickt. Über Affiliate sind viele Stores angeschlossen, die ihre Kunden für das nachhaltige Einkaufen ohne Retoure mit Keeps belohnen. Diese lassen sich wie Gutscheine einlösen oder an gemeinnützige Zwecke spenden. www.keepist.com

PlatformE

PRODUCT ON DEMAND

MAD Mode Avanguardia Digitale Dem Ökosystem aus Tech- und Fashionmarken, Händlern und Marketplaces will ein Event im September in Mailand Rechnung tragen. Kuratiert von der Agentur Velvet Media, sollen bei einem eintägigen Event Entscheider aus den genannten Bereichen zusammenkommen, um Netzwerke zu bilden und wichtigen Input für die Zukunftsstrategie ihrer Marken zu bekommen. Im Anschluss soll vier Tage lang ein Store of the Future mit einem umfassenden Live- und Onlineprogramm erlebbar sein. eventi@velvetmedia.it, www.velvetmedia.it

Goncarlo Cruz möchte die Modeproduktion re­ volutionieren. In sechs Wochen vom Muster bis zum fertigen Produkt, und das auch nur auf Bestellung produziert – sein Versprechen hält PlatformE.

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Es ist das Gegenmodell zur Massenproduktion. Ziel von PlatformE ist es, durch clevere digital abgestimmte Prozesse zwischen Bestellung und Produktion die unwirtschaftliche Überproduktion in der Mode zu eliminieren. Mit On-demand-Orderprozessen konnte das Team rund um Goncarlo Cruz bereits Marken wie Gucci, Puma oder The North Face begeistern. Ihr One-Stop-Shop kreiert für seine Kunden hochwertige 3D-Simulationen, ermöglicht Customizing durch eine eng abgestimmte Kommunikation im gesamten Produktentstehungsprozess, übernimmt die Koordination des gesamten Prozesses mit global vernetzten Herstellern, die just-in-time produzieren, bis hin zur Auslieferung. Das ermöglicht Kleinserienproduktionen mit einer Durchlaufzeit von unter sechs Wochen. www.platforme.com


AUTUMN.WINTER 22/23

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JOIN US IN MUNICH

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O W THE

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FACTOR

Den vielen Rollen, in denen eine Frau heute brilliert, wird kein einzelner Trend mehr gerecht. Denn wer ein Leben voll Optionen führt, der will auch in der Mode die Freiheit, sich spontan zu verlieben. Der Bauch muss kribbeln, die Emotionen sprudeln, die Vernunft pausieren – dann ist ein Kauf perfekt. Ob online oder stationär – das Wo ist bestenfalls eine nachgelagerte Frage. Das gilt insbesondere für Läden, die es geschafft haben, die neuen Influencer ihrer Kundinnen zu werden. Ihr Wirkungskreis ist längst über die Ladenfläche hinausgewachsen. Illustration: Anna Ismagilova (stock.adobe)

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DIE STERNSTUNDE DER BOUTIQUE Bricht eine neue Zeit im stationären Handel an? Die Verbindung zwischen Kundin und Händlerin im individuellen Laden ist enger denn je. Weil diese Läden ein genialer Kompass im Any­thingGoes-Kosmos der Mode sind. Statt einem Trend zu folgen, finden die Frauen dort lieber einen Look, der zu ihrer Persönlichkeit passt. Und die Händlerinnen? Sie sind mit ihrer Order treffsicher wie nie. Denn sie sind aus den vielen Wochen Schließung und Click & Meet mit neuer Stärke hervorgegangen. Text: Nicoletta Schaper. llustration: jamesbin/stockadobe

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s ist Tina Doblingers erster freier Tag seit zehn Wochen. Gemeinsam mit ihrem Team hat sie die letzten Monate hindurch für ihre Kundinnen Vollgas gegeben. Ob vor Ort in ihren zwei Geschäften By Tinas und Optimismo, auf Instagram oder Whatsapp. „Selbst online ist eine viel intensivere Kundenbindung entstanden“, so die Händlerin aus Gröbenzell. „Ich habe so viel dazugelernt, zum Beispiel, dass Fotos nicht reichen, sondern dass ich in den Videos etwas sagen muss, damit mich die Menschen da draußen kennen lernen können. Das so nette Feedback von überall her hat mir gezeigt, dass ich sie mit persönlicher Ansprache überall erreiche, sogar bis nach Dubai!“ THE POWER OF PERSONALITY

Es ist die Stunde der inhabergeführten Boutique, die jetzt mit Nähe und Nahbarkeit punkten kann. Dafür sind viele Händler sprichwörtlich vor den Vorhang getreten, um ihre Kunden noch aktiver anzusprechen. Mit Erfolg. „Wir spüren eine neue Wertschätzung“, sagt Karin Wirth, die das Geschäft Carina Fashion im Südtiroler Ort Kaltern mit Brigitte und Marialuise Andergassen führt. „Unsere Kundinnen finden bei uns Wohlfühlmode, nicht zu elegant, nicht zu sportlich. Sie fühlen sich von uns angenommen, egal ob sie Größe 34 oder 48 haben. Wer bei uns kauft, kauft in der Regel nicht im Internet.“ Angela Krull legt für ihr Geschäft Krull & Co Fashion eine enorme Flexibilität an den Tag. „Wir sind in jeder Hinsicht aus uns herausgegangen, um der Kundin den Service zu bieten, den sie möchte.“ So ist auch ihr Gespür für 134

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das, was ihre Kundinnen modisch wollen, nochmal geschärft worden; das sind lässig-coole Teile von American Vintage über Lala Berlin bis hin zu Nili Lotan. Und bequem müssen sie sein, denn keine Frau will die Errungenschaft des Tragekomforts mehr aufgeben. Das vielzitierte Modediktat scheint endgültig passé. Persönlichkeit und Individualität stehen hoch im Kurs. Wohl deshalb gibt es nicht mehr das eine Teil, das alle unbedingt haben müssen, ebenso wenig wie den einen Trend, dem alle folgen müssen. Sondern eine neue Vielfalt an Trends, die nichts mit Beliebigkeit zu tun haben; umso besser lassen sich individuelle Looks kreieren. Wissen die Frauen auch besser, was ihnen steht? „Auf jeden Fall sind sie informierter“, antwortet Angela Krull. „Aber sie kommen auch zu uns, weil sie unseren Rat schätzen.“ „Die Kundin kauft nur, wenn die Mode zu ihr passt und ihre Persönlichkeit unterstreicht“, sagt Alexandra Schütz von Top Chic. „Dass Blazer gehypt werden, ist ihr eher egal, lieber kauft sie kuschlige Pullis und witzige Blusen, zum Beispiel von Closed, Otto d’Ame und 360 Cashmere.“ Was sie als Händlerin von ihren Brands braucht? Flexibles Agieren und vor allem Teamwork. „Jetzt ist noch entscheidender geworden, wie man miteinander umgeht. Ich akzeptiere auch keine Limits mehr, das ist einfach nicht mehr zeitgemäß.“ WOW-MOMENT

20 Jahre lang hat Bea Schneiter von Evoilà in Berikon Marc Cain verkauft. „Statt Marke kauft meine Kundin heute Evoilà“, so die Schweizerin. „Überall bekommt sie das Gleiche, vor allem in den großen Häusern. Also ist das Risiko meine Chance. Wenn ich mit Highlights überraschen kann, in die sie sich verliebt, kauft sie sie auch.“ Evoilà, das ist zum Beispiel die Schumacher-Bluse zur Antonelli-Hose oder ein trachtig angehauchtes Teil des Nischenlabels Von und Zu aus dem Allgäu. „Auch Nachhaltiges wird den Kundinnen wichtiger“, ist Bea Schneiter überzeugt. „Alles, was eine Geschichte erzählt und Emotionen weckt, gewinnt.“ In der Krise hat Maria Glaser die eigene Handschrift ihres Geschäfts I love Maria’s noch style in progress

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2 1 Angela Krull, Krull & Co Fashion. 2 Von links: Karin Wirth, Brigitte und Marialuise Andergassen, Carina Fashion. 3 Fränzi und Nina Wohlert, Lilou. 4 Alexandra Schütz, Top Chic. 5 Bea Schneiter, Evoilà. 6 Maria Glaser, I love Maria’s. 7 Tina Doblinger, By Tinas.

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stärker herausgearbeitet. So haben ihre täglichen Gute-Laune-Posts neue Fans über Österreichs Grenzen hinaus erreicht. „Ich ordere nur noch, was mich voll und ganz überzeugt, das habe ich jetzt zu meinem Lebensmotto erklärt“, sagt die Salzburgerin. „Dann kann auch meine Kundin der Mode nicht widerstehen.“ Das sind Kleider von Shirtaporter oder Maliparmi, die besonders geschnittenen Teile von Eva Mann oder Lässiges von Alessia Santi aus Italien, einem Label, das es nicht überall gibt. Die femininen, oft farbstarken Looks sind Bekenntnis und Appell zugleich. „Ich möchte meine Kundinnen ermutigen, dazu zu stehen, dass man sie anschaut“, sagt Maria Glaser. „Viele gehen diesen Weg mit mir; und was ich investiert habe, kommt jetzt zurück.“ Die Kundinnen von Lilou in Schaffhausen erwartet im Geschäft eine Farbexplosion und Ferienfeeling, mit Mode von Moschino, die Spaß macht, mit Marken wie Katja Serafini, Flowers und mit Kimonos von Ivi. „Wir sind so auf dem Punkt gerade mit unserer Order, und das gelingt uns, weil wir unsere Kundinnen so gut kennen“, sagt Fränzi Wohlert, die die Boutique mit ihrer Tochter Nina Wohlert führt. „Wenn mir ein Agent sagt, dass andere etwas gut geordert haben, bestärkt mich das umso mehr darin, in meiner Auswahl einmalig zu sein.“ DAS ENDE DES ZUFALLS

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Basiert der Erfolg der inhabergeführten Boutique immer weniger auf dem Zufall? Früher hat die Konsumentin, die zufällig ins Geschäft kam, dann gekauft, wenn sie zufällig das Richtige in einem breiten Sortiment für sich gefunden hat. Heute wird deutlich weniger dem Zufall überlassen. Immer öfter nehmen Händlerinnen ihre Kundinnen virtuell in den Showroom mit. Ihre Order ist nicht mehr so gestreut für ein breites Sortiment, das jedem alles bieten muss, sondern fokussiert mehr besondere Highlights, noch dazu für die Kundin, die sich zunehmend mit Termin zum Kauf committet. Etwas anderes zeigt sich ganz nebenbei: dass Frequenz im Premiumhandel kein Erfolgsfaktor ist. Denn mehr Kunden im Laden garantieren keine höheren Umsätze. Bei Krull & Co Fashion haben sich die PrivateShopping-Termine jetzt fest etabliert. „Es zahlt sich aus, dass wir uns für jeden persönlich die Zeit nehmen können“, sagt Angela Krull. Tina Doblinger schätzt es ebenfalls, dass sie sich auf vereinbarte Termine gründlicher vorbereiten kann. „Ich überlege, künftig einen Tag in der Woche nur für Private Shopping zu reservieren. Ich finde den Gedanken enorm spannend! Allerdings hat die normale Kundin noch Hemmungen, sich auf einen Termin festzulegen.“ Der Zufall bleibe schon noch wichtig, findet Alexandra Schütz. „Wenn noch andere im Laden sind, ergeben sich Gespräche untereinander, die wiederum die Situation auflockern.“ Schließlich lebt der Modekauf von Spontaneität, Glücksmoment und Überraschung. Und das lässt sich nicht planen.


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OOHH! FINE FASHION, CHUR

„DAS PERSÖNLICHE IST ENORM WICHTIG GEWORDEN“ Was macht Sie als Händlerin einzigartig? Sereina Vischer, Inhaberin Oohh Fashion: Ich mag Menschen und mich interessieren ihre Geschichten, das spüren meine Kundinnen. Sie kommen gern zu mir, weil sie sich wahrgenommen fühlen. Ich bin immer im Laden, ich bin für sie da. Das Persönliche ist enorm wichtig geworden. Viele Trends funktionieren nebeneinander, offenbar wollen Frauen sich keinem Modediktat mehr unterordnen. Wissen sie besser, was sie optimiert? Nein, viele sind unsicher und oft festgefahren. Umso mehr vertrauen sie mir und dass ich sie mit etwas Neuem überrasche, was sie selbst nie ausgesucht hätten. Anstatt jeden Trend mitzumachen, wollen sie etwas Individuelles, das ihren Typ unterstreicht. In Zeiten von Diversity und Body Positivity passen offenbar die rigiden Vorstellungen nicht mehr. Hat die klassische Boutique wieder an Bedeutung gewonnen? Unbedingt. Die Kunden wollen das Beliebige nicht mehr. Sie sind auch aufmerksamer geworden, wo etwas produziert wird und wie. Wenn ein Teil sie zusätzlich richtig begeistert, spielt der Preis eine untergeordnete Rolle. Wie wichtig sind Marken? Sie fragen nicht danach, sondern vertrauen darauf, dass ich für sie etwas habe, das es nicht überall gibt: Strick von Henry Christ aus Hamburg, die bunten Seidenkleider von Dea Kudibal oder luxuriöse Loungewear von Ina Kess. Was mich selbst umhaut, das verkaufe ich auch. Denn ich muss mir bewusst sein, dass ich die USP meines Ladens bin und dass ich es bin, die den Unterschied ausmacht.

Sereina Vischer liebt es, zu über­ raschen.

JULE AVANTGARDE, ESSEN-WERDEN

„ICH WEISS, WAS ICH GUT VERKAUFEN KANN“

Constance Settelmayer hat ihre Kundin auch bei der Order im Blick. Foto: Christian Deutscher

Kann man von einem neuen Vertrauen sprechen, das Ihre Kundinnen zu Ihnen als Händlerin haben? Constance Settelmayer, Inhaberin Jule Avantgarde: Ja, die Wertschätzung ist eine ganz andere geworden. Meine Kundinnen fühlen sich bei mir perfekt aufgehoben, sie wollen beraten und betreut werden. Die Stadt wird immer uninteressanter, wohingegen die Randgebiete mit gut gemischtem Einzelhandel eine Renaissance erleben. Auch deshalb habe ich jetzt direkt nebenan einen weiteren Laden für Lounge- und Nightwear eröffnet. Er kommt super an, eine tolle Bestätigung! Woher kommt die neue Wertschätzung? Meine Kundin schätzt, dass ich genau weiß, was sie braucht. Bei der Order habe ich sie vor Augen und kaufe für sie das Besondere, das nicht zu abgehoben ist. Kein Teil ist teurer als 500 Euro, dabei ist Qualität wichtig. Ich achte darauf, den Wert der Mode auch zu vermitteln, indem ich jedes gekaufte Teil in Seidenpapier einpacke oder indem ich spät und nur für zwei Wochen in den Sale gehe. Sind Sie treffsicherer als früher? Ja, was ich daran merke, dass ich am Ende der Saison nur noch sehr wenig Ware habe. Ich weiß, was ich gut verkaufen kann, weil ich meine Kunden so gut kenne. Der Aufwand ist intensiv, aber er zahlt sich aus. style in progress

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„Wir sensibilisieren unsere Kunden immer mehr für ganzheitlich nachhaltig produzierte Produkte. Inzwischen sind es 30 Prozent der Kollektion, die wir konsequent organic herstellen, und zwar nicht nur bezogen auf die Materialien, sondern auch bei den Waschungen.“ Ender Sahin, Sales Manager D-A-CH

Inhaltliche Vertiefung lautet das Motto bei American Vintage, und das nicht nur bezogen auf die beiden Produktgruppen Denim und Outerwear, wo sich die Kollektion aktuell am stärksten weiterentwickelt. Auch in den traditionell umsatzträchtigen Volumenartikel baut der französische Spezialist für luxuriöse Casualwear die Farbpalette deutlich aus, um der starken Nachfrage seiner Kunden Rechnung zu tragen. „Am meisten Bewegung sehen wir momentan auch umsatztechnisch in der Denimwear“, beschreibt Sales-Manager Ender Sahin den Weg, den American Vintage vor ein paar Saisons mit drei bis vier Optionen begann und bis heute auf rund 20 Styles ausgebaut hat. Highlights sind ikonische Eighties-Waschungen im Salt&-Pepper-Stil und Big-CarrotSchnitte.

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Quereinstieg: Mit einer breiten Denimrange zeigt American Vintage, wie viel Fashion­ potenzial in dem Stoff wirklich steckt. Denim in seiner ganzen Pracht ohne Bleichung, dafür mit reduzierten Salt-&-Pepper-Waschungen.

CONTENT FIRST!

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• American Vintage zeigt die größte Outerwear-Range seiner Markengeschichte: unter anderem Long-Coats und Oversize-Jackets mit Dropped-Shoulder-Cuts in bis zu vier Farboptionen. • Aus Prinzip ohne: Vom ungefütterten Zweireiher bis zum gepaddeten, bodenlangen Oversize-Mantel in zwei Varianten ist alles dabei, was auf Daune verzichten kann.

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COOL UND SOFISTICATED: MIT ECOALF 1.0 KOMMT DAS TRADING-UP INS PREMIUM­ SEGMENT.

Ecoalf by Blanca Padilla: zeitgemäße Essentials in natürlichen Farbtönen.

PREMIUM FASHION LINES • Jetzt soll das Premiumsegment erobert werden: Ecoalf 1.0 heißt das Angebot an Stores, die Ecoalf mit Designermarken mischen wollen. • Influencer Capsules wie mit dem Topmodel Blanca Padilla bringen regelmäßige Updates.

Mit der Kollektionspremiere von Ecoalf 1.0 verbindet das spanische Ökolabel zeitloses, minimalistisches Design mit Innovationen und hochwertigsten, recycelten sowie schadstoffarmen technischen Materialien. Kreislaufwirtschaft steht dabei wie immer im Vordergrund, um den Einsatz von nicht nachwachsenden Rohstoffen gänzlich auszuschließen. Neben den 3.000 Fischern aus Spanien, die beim Projekt Upcycling the Ocean Müll aus dem Meer sammeln, engagieren sich mittlerweile auch unzählige ihrer Kollegen aus Frankreich, Griechenland und Italien. Nach dem Erfolg der achtteiligen Capsule-Kollektion in Zusammenarbeit mit dem internationalen Topmodel Blanca Padilla wird es in diesem Sommer eine umfangreichere Fortsetzung geben.

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„Bis zum Jahr 2025 werden uns 10.000 Fischer in Europa dabei unterstützen, noch viele hundert Tonnen Müll aus dem Meer zu sammeln, damit wir daraus Stoffe für unsere Kollektionen fertigen können.“ Javier Goyeneche, Gründer und President von Ecoalf

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mer Sum ere in m Cash nit: eine z 3D-Kompeten i. r k Kern AlphaTau n vo

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Easywear, Easy Care: Sportlich­ keit verbün­ det sich mit Eleganz und definiert Luxus neu. Der Euro Jersey ist besonders knitterarm und schnell trocknend, die Nähte sind gebon­ det.

Für die Stadt, für den Ur­ laub: sommerfreundlicher, lässiger Strick.

Style meets Function: Der Windbreaker mit allover Logoprint ist wasserabweisend. Ebenso hochwertig ist das T-Shirt aus einem schweren Interlock-Material, bis hin zum gestickten Logo von AlphaTauri.

ONE STEP BEYOND Neue Haptiken, noch vielfältigeres Design: Die Premiumfashionkollektion von AlphaTauri wird zu einem Head-to-Toe-Look für Damen und Herren ausgebaut und geht für die Sommersaison 2022 einen Schritt weiter. Was bleibt? Der Fokus auf der Schlüsselkompetenz der Modemarke von Red Bull: 3D-Knitund Outerwear. Was kommt? Die sukzessive Weiterentwicklung der Funktionalität, und dabei den modisch zeitgemäßen Style nicht missen zu lassen. Zu den neuesten Innovationen zählt die patentierte Taurobran-Textiltechnologie, eine dreilagige Membran mit baumwolligem Griff für die AlphaTauri typischen Parkas sowie für lange Sommermäntel für Damen und Jacken für Herren. Das Material wird auch für die zuletzt lancierte Innovation Sweat Capsule eingesetzt, die um0 kastenförmigen Layering-Styles, Jacken und Röcken erweitert wird. So sind die vermeintlich klassischen Jerseys nicht nur angenehm tragbar, sondern auch wasserdicht und dennoch atmungsaktiv. Ein Cashmere-Blend ergänzt als vierte Garnqualität den nahtlosen 3D-Strick von AlphaTauri und verspricht sommerlich-leichten Tragekomfort.

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IN STORYS DENKEN 25 Shades of Summer: Fil Noir bietet die wohl größte Farbpalette für Leinen im Markt.

Der Hemdenspezialist geht seinen Weg konsequent weiter und konzipiert die Kollektion zunehmend in Kapseln, die mit ihrer jeweils eigenen Story noch verständlicher für die Handelskunden sind. Bestes Beispiel ist die GOTS-zertifizierte Kapsel Respect, die jetzt sowohl für Damen als auch für Herren ausgebaut wird, mit modischen Formen in neuer Vielfalt. So werden beispielsweise für Fil Noir Donna klassische Hemden mit Schlupfblusen und oversized geschnittenen Hemdjacken ergänzt. Ganz neu ist eine Vintage-Kapsel für Herren, die auf die besten Styles aus dem Archiv zurückgreift. Hier machen besondere Details den Look aus, mit Stehkragen, Vintage-Metallknöpfen oder japanischen, eckigen Knöpfen aus Perlmutt. Für den Handel als überzeugendes PoSPackage präsentiert, mit eigenem Ständer und mit in Seidenpapier und Paketschnur verpackten Hemden. Bereits im letzten Sommer hatte Fil Noir großen Erfolg mit einer Leinenhemdenedition, die jetzt ebenfalls erweitert wird. Es gibt vier neue Modelle für Herren und sechs noch femininere Styles für Damen in 25 Farben: von soften Pastellen bis hin zu kräftigen Blau-, Orange- und Lilatönen, als Reminiszenz an die 1980er-Jahre. Das Chambray-Leinen zeigt ein lebendig changierendes Materialbild, das durch unterschiedlich getönte Kett- und Schussfäden entsteht. Das softe Finish sorgt für die Lässigkeit der vorgewaschenen Hemden, die auch in Kleinstmengen geordert und produziert werden können.

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Alle Teile der Respect Capsule sind biologisch und fair produziert, ganz im Sinne von Slow Fashion. Jetzt wird die erfolgreiche Kapsel mit modischen Formen weiter ausgebaut.

Bereits eine Erfolgs­ geschichte von Fil Noir: die nachhaltige Kapsel­ kollektion Respect.

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„In den 1990er-Jahren habe ich in den USA studiert und war viel an der Ostküste unterwegs. Ich habe immer diese Bilder im Kopf, die mich für Bowery NYC immer neu inspirieren.“ Claudio Parolini, Gründer Bowery NYC

Das Produkt verrät italienisches, handwerkliches Know-how, vereint mit der Coolness des American Way of Life. Es ist diese einzigartige Verbindung, mit der sich Bowery NYC in den vergangenen zehn Jahren einen Namen gemacht hat, vor allem mit T-Shirts und Sweats für Herren, die mit einigen Teilen für Damen ergänzt wurden. Jetzt kommt erstmalig eine durchkonzipierte Damenkollektion auf den Markt, mit der Bowery NYC Gründer Claudio Parolini auf das sehr positive Feedback aus dem Handel reagiert. Eine Stärke des T-Shirt-Spezialisten ist das Material und seine Haptik. Wie in der Herrenkollektion kommt Makó Premiumbaumwolle zum Einsatz, für eine besonders langlebige Qualität der in Verona hochwertig gefertigten und stückgefärbten Teile, die fein und soft im Griff sind. Eine andere Stärke sind die für Bowery NYC typischen, ausgearbeiteten Vintage-Motive, die als Reminiszenz an die gleichnamige Gegend Manhattans den Spirit der Kollektion bestimmen. Daneben wächst der Anteil an Shirts in cleanen Optiken. Auch die Silhouetten der Kollektion sind durchdacht. Neben klassischen Basics gibt es Shirts mit lässigen Rollsäumen, die an den Streetstyle der 1980er-Jahre erinnern, sowie Cropped- und Boxy-Styles, die beispielsweise High-WaistJeans passen und vor allem junge Frauen begeistern.

BOWERY NYC

Jetzt bringt Bowery NYC eine T-Shirt-Kollektion für Damen auf den Markt. Typisch sind die grafischen Motive, die die geistige Heimat der Marke verraten.

• Bowery NYC zählt zu den wenigen T-ShirtSpezialisten, die auch auf Styles für Frauen setzen, mit klassischen wie modischen Varianten. • Auch cleane Optiken sind dafür gemacht, nicht saisonal, sondern das ganze Jahr hindurch getragen werden zu können. 142

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THE NEW WOMAN TEE

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VERY PERSONAL Ein anspruchsvolles Produkt: Ayms ist High-End-Activeund Lifestylewear für Damen und Herren und wird in der Türkei produziert.

Folge deiner Passion! Im Herbst 2021 startet Martina Schmidl ihre erste eigene Kollektion – und damit ihr sehr persönliches Produkt. „Ayms steht für anspruchsvolle Lifestyle- und Activewear, die ebenso langlebig und zeitlos ist“, sagt Martina Schmidl. „Wir wollen mehr sein als eine Modemarke, wir sind Haltung und Ethik. Wir wissen, was wir tun und machen, was wir träumen.“ So ist die 35-teilige Kollektion bis ins Detail durchdacht, mit Sport-Bras, Shorts und Leggins, die mit T-Shirts, Sweats und Hoodies bis hin zur Trinkflasche ergänzt werden. Zum Einsatz kommen Naturmaterialien wie Supima- und Biobaumwolle, aber auch eigens entwickelte High-PerformanceMaterialien wie ein recycelbares Polyestergemisch oder eine Doubleface Polyamid-Bamwolle. Die Etiketten aus Zuckerrohr sind holzfrei gefertigt und die Carelabels aus Kautschuk. Geliefert wird in wiederverwertbaren Canvas-Bags, die sich auch für die Yogamatte oder den Laptop eignen und so zu täglichen Begleitern werden. No Season, no Sale. In puncto Vertrieb hat Martina Schmidl bis zu 50 Top-Accounts für den weltweiten Markt im Visier, darüber hinaus wird Ayms, zu VK-Preisen zwischen 100 und 450 Euro, online über www.join-ayms.com erhältlich sein. Es gibt keine Saisons und es gilt das No-Sales-Prinzip für die limitierte Kollektion, die ihre eigenen Standards setzt. „Man kann so viel anders machen“, sagt Martina Schmidl. „Es macht mir riesigen Spaß, auf unsere Weise zu bewussterem Konsum beizutragen.“

AYMS

What is your aim in life? So kam Martina Schmidl auf den Namen ihrer Kollektion, die ihre Persönlichkeit widerspiegelt und mit der sie neue Standards setzen will.

Urban, dabei immer natur­ verbunden: Kapstadt ist eine Inspirationsquelle für Ayms.

Komplett durchdacht, bis in die Details: • Jedes Teil hat eine Tasche. • Die Etiketten sind so angebracht, dass sie nicht scheuern. • Das Label reflektiert Licht. style in progress

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SCHERA

„WIR WOLLEN DIE MODISCHSTE HOSE IM PREMIUMMARKT ANBIETEN“ Zwei Marken, eine Vision. Mit Seductive und Raffaello Rossi hat das Familienunternehmen Schera zwei Hosenkollektionen im Gepäck, die nicht nur als Produkt, sondern als Gesamtpaket überzeugen. Text: Nicoletta Schaper. Fotos: Schera

Ein Familienunternehmen mit Werten: (von links) Brigitte, Tobias, Ralf und David Schellen­ berger.

„Wir denken immer von der Kundin aus“, sagt Firmengründerin und Head of Product Management Brigitte Schellenberger. „In welcher Lebenssituation ist die Trägerin, welche Hose passt dazu? Das ist immer unser erster Ansatz, um weiterzudenken.“ Als gelernte Bekleidungsingenieure haben Brigitte und ihr Mann Ralf Schellenberger das Unternehmen Schera vor 25 Jahren gegründet, um sich auf Damenhosen mit dem Namen Raffaello Rossi zu fokussieren. „Wir haben das Produkt mit Liebe zum Detail und großer Passion immer weiterentwickelt“, so Brigitte Schellenberger. Die Passform ist eine wesentliche Kompetenz, verbunden mit einem hohen Modegrad und dem Blick auf Details. „Ganz wichtig ist außerdem das Material, denn wenn beides harmoniert, entsteht ein echtes Wohlfühlprodukt. Dabei ist uns immer das Feedback aus Vertrieb und Handel ein Antrieb geblieben.“ So hat sich das Premiumlabel auch zu einem Lieblingsprodukt im Fachhandel entwickelt, aktuell mit 1.600 Verkaufspunkten in 22 Ländern. 2007 kam mit Seductive eine weitere Hosenkollektion für das Luxussegment hinzu: edel, minimalistisch im Design und mit einer Dreierkalkulation, für Kunden wie beispielsweise Unger, Lodenfrey und Apropos. Produktentwicklung und Vertrieb werden jeweils eigenständig organisiert für die exklusive Kollektion, die ein Drittel des Unternehmensumsatzes ausmacht.

Minimalistisch, luxuriös: die exklusive Kollektion Seductive. Hoher Modegrad, tolles Tragegefühl: die Hosen von Raffaello Rossi.

NEXT GENERATION

Beiden Kollektionen ist der Wille gemein, das beste Produkt zu kreieren, vorangetrieben von dem Familienunternehmen, in dem heute beide Söhne mitwirken. David Schellenberger ist neben seinem Vater zuständig für Finanzen, Administration und Personal, während Tobias Schellenberger als Head of Business Development für Produkt, Vertrieb und Marketing verantwortlich ist. Made in Europe ist eine Maßgabe, die auch zugunsten einer besseren Marge nicht aufgegeben wird. Damit einhergehend steht Schera für Fairness in der Zusammenarbeit und für ein offenes Ohr für den Handel. „Nun wollen wir die Prozesse weiter optimieren, den Vertrieb qualitativ ausbauen und das Thema Nachhaltigkeit nach vorn 144

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bringen“, sagt Tobias Schellenberger. Schon bei der Stoffauswahl wird auf ressourcenschonende Herstellung geachtet. Darüber hinaus zeigt Schera mit Engagements wie für das Wiederaufforstungsprojekt Grow Back Haltung. „Wir machen das schon länger, aber wollen es deutlicher kommunizieren, über Social Media, die Website und über den Handel“, so Tobias Schellenberger. „Wir möchten nicht nur die Mode bekannter machen, sondern die Geschichte dazu erzählen“, ergänzt Brigitte Schellenberger. „Das sind Werte, die künftig den Unterschied ausmachen.“


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„WIR SIND GERNE FASHIONFORWARD“ Was ist die ganz besondere Stärke der Marke? Preben Laust, Second Female Creative Director: Wir wollen eine ebenso relevante wie erschwingliche Garderobe kreieren, die all den Komfort und das Selbstvertrauen vermittelt, die eine Frau für ihren persönlichen Auftritt braucht. Wir sind fasziniert und inspiriert von allen Frauen in jedem Alter und jeder Größe. Unsere Kollektionen spiegeln diese Philosophie wider. Darin übersetzen wir Klassisches in einen zeitgenössischen Kontext mit einfach zu tragenden Essentials, aber konzentrieren uns immer auf die Must-Have-Styles der Saison. Wir sind auch gern ein bisschen mutig und sehr trendorientiert. Außerdem wollen wir, dass Second Female erschwinglich ist, ohne dass wir Kompromisse bei der Qualität eingehen. Hat die durchlebte Zeitenwende einen Impact auf den Look und auf die Frühling-/Sommer-Saison 2022? Viele erwarten ja, dass es wieder eine ausgeprägte Lust geben wird, sich zu zeigen und zu stylen. Daran glauben wir auch. Zeiten, in denen man sich wieder treffen kann, verlangen nach tollen Gartenpartys, also definitiv wieder nach ausdrucksstarken Outfits und vielen Kleidern. Es wird bei Second Female starke, feminine Silhouetten aus den 1970er- und 1980er-Jahren geben, mit voluminösen Ärmeln und konstruierten Schulterdetails. Dazu werden Hosen mit geradem Bein und Steppwesten getragen. Das Spiel mit den Gegensätzen setzt sich bei einfarbig mit Miniblumen bedruckten Looks fort, als Gegenpol zu klassischen Herrenstreifen und weichem, pastellfarbenem Strick.

SECOND FEMALE

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• Recyclinganteil erhöht – Colors of California setzt sich Nachhaltigkeitsziele. • Relaxte, aber modische Styles und demokratische Preise zeichnen die Marke aus.

„EIN SCHUH MUSS IMMER SPASS MACHEN“

Die Sommerkollektion 2022 von Colors of California ist bunt, was sonst? Wie jede Saison vom Californian way of life inspiriert: lässig und farbenfroh. Die Modelle sollen Easyness und Freiheit vermitteln. „Ein Schuh von Colors of California muss immer Spaß machen, sonst schafft er es nicht mal in die Musterkollektion“, so Simone Ponziani, CEO von Artcrafts International S.p.A., dem Mutterunternehmen des italienischen Schuhlabels. Die Marke entstand vor mehr als 20 Jahren und ist seither genau mit dieser Philosophie erfolgreich: coole Sommerschuhe für Frauen, die unbeschwert und relaxed durchs Leben geht. Modisch immer up to date, dazu das hervorragende Preis-Leistungs-Verhältnis – diese Kombination sorgt nicht nur im Heimatmarkt Italien für starke Abverkäufe. Deutschland ist das wichtigste Exportland von Colors of California. Die DNA der Kollektion bleibt dieselbe, aber jede Saison variieren die Details. So gibt es in der kommenden Sommerkollektion sechs Hauptthemen: Glittersandalen, Jelly Flip-Flops, geflochtene Sneaker, gepolsterte Einreiher und Sandalen komplett mit Frottee bezogen. Eines der vielen Highlights sind geflochtene Sneaker, deren Schuhschaft und Sohle aus Recylingmaterialien bestehen. „In die Entwicklung von grünen Produkten zu investieren, ist uns wichtig, deshalb haben wir uns diesen Sneaker ausgedacht. Der Schaft wird aus einem Ripsband gemacht, das aus recycelten Plastikflaschen gewonnen wird“, erklärt Simone Ponziani.

COLORS OF CALIFORNIA

SOMMER AN DEN FÜSSEN – COLORS OF CALIFORNIA STEHT FÜR LEBENSFREUDE UND SCHUHE, DIE SPASS MACHEN.

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JOSH V

„WIR SIND EINE SOCIAL BRAND“ Design, Marketing und Daten gehen bei Josh V Hand in Hand. „Es ist eine sehr persönliche Marke“, sagt Gründerin Josh Veldhuizen. Nun will das Label mit einer hochselektiven Vertriebsstrategie im deutschsprachigen Raum Fuß fassen. Interview: Martina Müllner-Seybold. Fotos: Josh V

Josh V ist durch und durch 21. Jahrhundert: getrieben von einem Zweck, der nativ in Inhalte und soziale Medien einge­bettet ist. Sie sind als CEO und Rolemodel die perfekte Geschichtenerzählerin und liefern immer neue Storys. Inwieweit war das Strategie, inwieweit Bauchgefühl? Josh Veldhuizen, Gründerin von Josh V: In erster Linie Strategie. Die Einführung vor zehn Jahren war bereits Teil eines größeren Plans, ich habe den Start der Marke als Reality-TV-Show für die größte holländische Fernsehstation geschrieben. Also musste die Kollektion ab der ersten Ausstrahlung in den Läden sein. Sie können sich vorstellen, dass ich dafür viel Überzeugungsarbeit leisten musste, nicht zuletzt Einkäufer daran glauben lassen, dass die Marke abheben würde, sobald die TV-Show beginnt. Genau das allerdings trat ein und ich bin immer noch unendlich dankbar, dass sich alle Puzzleteile so perfekt ineinandergefügt haben. Die Show schuf große mediale Aufmerksamkeit, die Nachfrage nach der Marke und ihren Produkten war sofort da. Bis heute ist es unsere Strategie, mehr Nachfrage zu kreieren als, wir befriedigen können. Letztlich ist das auch ein essenzieller Aspekt unserer Nachhaltigkeit. Denn den Meisten in unserer Branche ist gar nicht bewusst, wie viel Ressourcen sie mit ihrer Überproduktion vernichten. Josh V hat ehrgeizige Wachstumspläne. Was ist im deutsch­ sprachigen Raum geplant? Wir wollen stetig und langsam wachsen, wie wir es auch in Holland und anderen Ländern getan haben. Ich glaube an Langfristigkeit und ich glaube an Fokus. Wir sind eine Social Brand – nicht nur in dem Sinne, dass wir soziale Medien als Bühne nutzen, sondern auch im Sinne echter und tiefer Beziehungen zu unseren Handelspartnern. Aus diesem Grund sind wir sehr selektiv, mit wem wir zusammenarbeiten möchten. Wir wollen unseren Partnern eine herausragende Abverkaufsquote gewährleisten, was nur möglich ist, wenn wir es als gemeinsame Mission betrachten. Josh V präsentiert noch diesen Herbst eine Premiumlinie und hat Pläne, eine echte Lifestylemarke zu werden. In den zehn Jahren seit Gründung ist die Marke sehr gereift. Wir sind stolz auf diese Premiumlinie, die sich perfekt in den Accessible-Luxury-Gedanken von Josh V fügt. Wir sind bekannt, uns mit großer Leidenschaft der Qualität, Stoffen und Details zu widmen. Für mich als Designerin wird ein Traum wahr, weil ich mich nicht mehr im Preis limitieren muss. Natürlich bleibt Josh V seinen Wurzeln treu und auch die Premiumlinie hat vertretbare Preise. Außerdem werden Activewear, Loungewear und Home unsere Marke ergänzen, alles sehr persönliche Projekte, die ich während

Ambitioniertes Wachstum und internationale Reichweite – hinter der Marke Josh V steht die erfolgreiche Unternehmerin Josh Veldhuizen.

der Pandemie begonnen habe, als dieser Wunsch nach Workout, Cozyness und es sich zu Hause schön machen zu wollen, bei uns allen aufgekommen ist. Was zeichnet Josh V aus? Wir sind komplett datengetrieben. Wir wissen, was sich gut verkaufen wird und warum. Und zwar nicht im Rückblick, sondern in die Zukunft schauend, wir setzen auf Predictive Planning. All unsere Marketing- und Social-Media-Bemühungen sind Teil dieser großen Matrix, die Daten verbindet und analysiert. Deshalb können wir Händlern den höchsten Servicelevel bieten. Wir glauben nicht, wir wissen. style in progress

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AUF LEVEL X Zur Sommersaison 2022 feiert die Marke ihr zehnjähriges Jubiläum. Für Meike Schilcher ist das kein Signal zum Ausruhen, denn die Wahlsalzburgerin sprudelt vor Ideen. „Meine Kollektion ist ein Bekenntnis zu Lebensfreude und Leichtigkeit“, sagt Meike Schilcher. Dafür steht ihre Lieblingsdestination Südafrika sinnbildlich, was sich in den Farben und Styles widerspiegelt. Die Range reicht von erdigen, ethnoinspirierten Farben über strahlende Rosa-, Pink- und Türkistöne und softe Pastelle bis hin zu kräftig leuchtendem Neonpink und Neongelb. Cashmere-Strick ist Herz und Kernkompetenz von Daddy’s Daughters und wird in Kombination zu Blusen, Kleidern und Röcken zum Total-Look, ganz im Sinne unkomplizierter Easywear. Naturmaterialien wie Baumwolle und Leinen sind obligatorisch, mal im Streifendessin, mal als Seersucker oder als luftiger Voile. Ungefütterte Jacken, kastig geschnitten oder in Blazerform, sind die lässige Ergänzung. Weil Meike Schilcher es liebt, ihre Kunden mit besonderen Specials zu überraschen, hat sie zum Jubiläum eine T-Shirt-Capsule aus portugiesischer carbongebrushter Baumwolle kreiert – hochwertig bedruckt ie D ear: r und mit liebevoll-ironischen Sprüchen wie w y s e Ea „Let’s hug again“, „Survivor“ oder , KleidNatur­ n e s Blu ke aus den in „Let’s get the party started“, und verr c e ö R en w duziert li packt in umweltfreundliche Pergaminia r mate ugal pro ndigen umschläge. „Das sind für mich die Port ervollstä n. Must Haves der Saison“, so Meike io und v Kollekt Schilcher. „Ebenso die Capsule aus die Frottee, meinem Lieblingsmaterial seit der Kindheit, für Tanktop, Shirt, Polokleid und Sweater.“

DADDY’S DAUGHTERS

Special zum zehnjährigen Jubiläum: eine T-Shirt Capsule aus carbonge­ brushter Baum­ wolle, bedruckt mit ironischen Sprüchen.

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Daddy’s Daughters Gründerin Meike Schilcher arbeitet konzeptionell und denkt grundsätzlich partnerschaftlich. Dass sie genau hinhört, was die Bedürfnisse ihrer Kunden sind, wird im Produkt wie in be­ sonderen Handelskonzepten spürbar.

Herzstück von Daddy’s Daughters ist hochwertiger Cashmere. Geliefert wird übrigens plastikfrei, im Baumwoll­voileBeutel plus Cashmere-Kämmchen.


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FUNKY STAFF

MAL VIER

Machen ist wie wollen, nur krasser – ein Spruch, den Funky Staff Gründer Uwe Bernecker während der Pandemie geprägt hat. Auf sein Unternehmen, pardon seine vier Unternehmen, trifft er vollumfänglich zu. Denn jede Chance, die das letzte Jahr geboten hat, haben der Unternehmer und seine Frau beherzt ergriffen. Text: Martina Müllner-Seybold. Fotos: Funky Staff

„Hast u eigentlich noch Zeit, zu schlafen?“ Da muss Uwe Bernecker erst einmal lachen. „Es hat schon ziemlich Besitz genommen von mir.“ Das Es ist nämlich längst nicht mehr nur die abverkaufsstarke, schnell drehende und in Italien produzierte Womenswear von Funky Staff, sondern drei weitere Unternehmen. „Wir haben die Chancen ergriffen, die sich uns geboten haben“, so der Unternehmer, der gemeinsam mit seiner Frau Kerstin für den Überraschungserfolg der letzten Jahre gesorgt hat. „Funky Staff ist extrem nah an Bedarf und Bedürfnissen dran“, ist Uwe Bernecker überzeugt. Eine Eigenschaft, die den Frankfurter Unternehmer auch in allen anderen Geschäftsbereichen auszeichnet. So hat er zum Beispiel bereits im ersten Lockdown seinen in finanzielle Schwierigkeiten geratenen Logistiker übernommen und daraus

die LogFash GmbH gemacht, einen nun auf Mode spezialisierten Logistikdienstleister im Norden Frankfurts, der auch die Feinverteilung, wie sie in dieser Branche gebraucht wird, perfekt beherrscht. Neben der eigenen Marke sind die ersten externen Marken bereits unter Vertrag, State-of-the-Art-Lösungen wie RFID sind selbstverständlich. DIE MEINUNGSMACHER

Durch die Aktivitäten der Aktion „Wir machen AUF__merksam“ inspiriert, hat Uwe Bernecker dazu die Werbeagentur Funky_Now gegründet. Der Beiname „Die Meinungsmacher“ kommt nicht von ungefähr – hat man doch im Rahmen der Aktion Freundschaftsdienst die deutschlandweit erfolgreichste und mittlerweile mit dem German Brand Award in Gold ausgezeichnete Kampagne rund um die Schließungen der Läden gemanagt. Ob Swipe-&-Find-Technologie, Social-Media-Schulungen oder reichweitenstarke Klopapier-Flagshipstores, Uwe Bernecker hat mit seinem Netzwerk nicht nur Schlagzeilen gemacht, sondern auch patente Lösungen implementiert. Die vierte Gründung der Berneckers ist vollumfänglich der Frau gewidmet, die mit ihrer Design- und Produktionsexpertise die Basis für alle anderen Entwicklungen legte. „Kerstins kreatives Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft, wir werden neben Funky Staff sowohl eigene Projekte entwickeln, als auch unsere Kreativ- und Produktionsleistung white labeled für andere Marken anbieten“, erklärt Uwe Bernecker das Prinzip. „Zu viel möchte ich nicht verraten. Dass es spannend bleibt, weiß jeder, der uns kennt.“

Logistik, Produk­ tions- und Kre­ ativ-Know-how, Vermarktung und mit Funky Staff das erfolgreiche Beispiel, dass Mode made in Italy heute richtig am Puls sein kann – Uwe Bernecker hat vier Unternehmen ge­ schaffen, die perfekt ineinandergreifen.

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LIFESTYLE IM LOOP „Impact 01: Re-made“ heißt die Unisex-Kapselkollektion von Minimum. Gänzlich zirkulär und damit bahnbrechend in der Modebranche, weil es Minimum als einem der ersten Unternehmen gelungen ist, einen Produkt-zu-Faser-zu-Produkt-Kreislauf zu entwickeln. Konnten bisher ausschließlich Schnittreste und Textilabfälle aus der Produktion recycelt werden, verwendet die dänische Marke unverkaufte Lagerbestände, die zu Fasern geschreddert und unter Zusatz von Biobaumwolle zu Garn sowie folgend zu neuen Styles verarbeitet werden. Damit bringt Minimum unvermeidbare Überproduktionen wieder in den Kreislauf. Minimalistisch, unique und nachhaltig – so lässt sich die Kollektion aus Oversized Hoodies, Sweatern, Shirts und Joggpants beschreiben. Da die eingesetzten Restbestände vom Volumen sowie auf bestimmte Farben begrenzt sind, ergibt sich zwangsläufig eine limitierte Kollektion mit individueller Farbigkeit des Ausgangsmaterials.

MINIMUM

• Innovation mit No-Waste-Policy: Minimum lanciert erste Kreislaufkollektion. • Großer Schritt Richtung Kommerzialisierung der Zirkularität.

REVOLUTIONÄRE RECYCLINGTECHNOLOGIE: Nach dem Schreddern der unverkauften Ware werden die Fasern mit Biobaumwolle gemischt, zu Garn gespon­ nen, zu Stoffen und schließlich zu neuen Styles verarbeitet.

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„Da unser Restbestand auf eine bestimmte Menge und bestimmte Farben begrenzt ist, sind die neuen Styles limitiert. Dies macht ihren Ausdruck einzigartig, da wir nie wieder die exakt gleiche Farbe erhalten werden – einer von vielen Vorteilen der Kreislaufwirtschaft.“ Kristina Nissen, Design und Buying Manager Minimum


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„WIR SOLLTEN BEGINNEN, UNSER EIGENES CHAOS AUFZURÄUMEN“

Kristina Nissen, Design und Buying Manager Minimum.

Nicht einfach nur ein weiteres Baumwollpro­ gramm, sondern eine limitierte Kreislaufkollekti­ on aus Heavy-­ Sweat.

Was tut Minimum, um Überproduktionen zu vermeiden? Kristina Nissen, Design und Buying Manager Minimum: Wir versuchen, den tatsächlichen Bedarf sehr genau zu planen. Aber ins Schwarze zu treffen, ist einfach unmöglich. Daher ist es eine Riesenchance, unverkaufte Ware kommerziell weiterzunutzen. Steen Engelbrecht, CEO von Minimum: Wir konzentrieren uns darauf, saisonübergreifende Produkte zu entwickeln und unsere Essentials-Kollektion zu verbessern, um eine längere Lebensdauer zu gewährleisten. Auch haben wir für unsere Essentials ein System geschaffen, um nicht unnötige Bestände in den Filialen anzusammeln, sondern nach Verbrauch zu liefern. Dadurch entlasten wir den Cashflow der Shops und sorgen gleichzeitig dafür, dass weniger unverkaufte Modelle im Geschäft sind. Nachhaltige Innovationen sind anfänglich mehr Invest als profitables Business. Was treibt Sie an? Steen Engelbrecht: Gesunder Menschenverstand. Wir können negative Auswirkungen kompensieren und einfach einen Baum pflanzen. Aber wir sind überzeugt, wir sollten beginnen, unser eigenes Chaos aufzuräumen. Als Industrie – und als Verbraucher – haben wir eine gemeinsame Verantwortung, verantwortungsbewusst zu handeln. Natürlich können wir die Verbraucher nicht bitten, sechs Monate im Voraus zu kaufen, um Überproduktion zu vermeiden. Aber es gibt

Steen Engelbrecht, CEO Minimum.

Wege, toten Bestand zu recyceln und wieder zum Leben zu erwecken und dadurch ein wenig umweltfreundlicher zu sein. Wo liegen die Herausforderungen? Steen Engelbrecht: Die größte Herausforderung ist unsere grundlegende Struktur, das Produkt von der Produktion zum Verbraucher zu bringen. Wir können nicht auf Abruf produzieren, weil der Verbraucher – natürlich – volle Wahlfreiheit wünscht, was unweigerlich zu Überschüssen bei einigen Artikeln führt. Wir brauchen eine engere Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Gliedern der Wertschöpfungskette wie Verbrauchern, Einzelhändlern, Großhändlern, Herstellern, aber die Bereitschaft ist erkennbar, einen besseren zirkulären Impact zu entwickeln.

Gamechanger: Gemeinsam mit den Innovations­ unternehmen Textile Pioneers und Valérius 360 entwickelte Minimum einen Produkt-zu-Fa­ ser-zu-ProduktKreislauf.

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EASYBIO

NACHHALTIGKEIT FÜR ALLE Nachhaltige Basics sind die Spezialität von EasyBio, einem neuen Label aus Norditalien. Keine Prints, keine Logos, nur schlichte Kollektionen mit viel Tragekomfort, die grünes und soziales Engagement vorweisen, und das alles für einen demokratischen Preis. Denn Bio soll endlich für jedermann sein. Text: Janaina Engelmann-Brothánek. Fotos: EasyBio

EasyBio wurde Anfang 2020 mit der wichtigen Mission, nachhaltige Produkte zum demokratischen Preis auf den Markt zu bringen, ins Leben gerufen. „Es ist an der Zeit, dass sich jeder ein Öko-Shirt leisten kann“, so Alessandra Guerra, die Sales-&-Digital-Managerin des Labels. Dazu setzt das Label auf eine konzentrierte Auswahl schlichter Produkte für Damen und Herren: Unterwäsche, T-Shirts, Hosen, Hoodies und Pullis, alles aus GOTS-zertifizierter Baumwolle in vielen Farben. Die Produkte werden in Produktionsstätten in Bangladesch hergestellt. „Oh, oh, Bangladesch, könnte man meinen. Für EasyBio ist genau das ein Argument: Wir wollen unseren Beitrag leisten, die Vorurteile gegen die Produktion in Schwellenländern abzubauen, und unter Beweis stellen, dass dort auch fair und korrekt produziert werden kann.“ Dafür kann EasyBio auf die Strukturen eines Partners bauen, der dafür bekannt ist, seine Mitarbeiter langfristig zu beschäftigen und ihnen existenzsichernde Löhne zu bezahlen. „Diese Art der Produktion in Bangladesch leistet einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung.“ NACHHALTIGKEIT IN JEDEM SCHRITT

Die Herstellung basiert nicht nur auf fairen Arbeitsbedingungen, sondern auf Nachhaltigkeit in jedem einzelnen Schritt. So sind schon die Baumwollsamen zu hundert Prozent biologisch und nicht genmanipuliert und es werden zudem keine Pestizide, chemischen Düngemittel und Insektizide eingesetzt. Selbstredend, dass bei EasyBio auch Wasser und Strom umweltschonend eingesetzt werden. Die Rohstoffe sind alle natürlicher Herkunft, wo Synthetik aus Passformgründen eingesetzt werden muss, nutzt EasyBio regenerierte Materialien. Auch bei der Verpackung kommt nur recyceltes Papier zum Einsatz. Seine Umweltfreundlichkeit dokumentiert EasyBio mit einer Reihe an Zertifikaten: GOTS, FSC, Oeko-Tex Standard 100, WRAP, GRS. So aufgestellt, will es EasyBio ab dieser Saison auch am D-A-CH-Markt wissen. Die Marke wird von D-Tails von Patrick Coppolecchia Reinartz vertrieben.

„Wir wollen mit Easy­ Bio die grüne Revolu­ tion, die unabhängig von Geschlecht, Alter und sozialer Schicht passieren soll, mit unserem guten Preis-Leistungs-Ver­ hältnis unterstützen“, so Alessandra Guerra. Hört sich easy an, oder?

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VEGANE SNEAKER MIT GLAMFAKTOR So wird ein Schuh draus: Das Designteam von Løci verwendet ausschließlich vegane und recycelte Materialien, beispielsweise Plastikmüll aus dem Ozean, recycelten Gummi und Schaumstoff, schnell nachwachsende Rohstoffe wie Bambus und Kork. Zehn Prozent des Erlöses jedes verkauften Paars gehen außerdem an die Save our Seas Foundation und unterstützt dort die Rettung bedrohter Tierarten. Mit dieser kompromisslosen Attitude hat sich die britische Marke Løci quasi über Nacht ihr hohes Standing bei Retailern wie Net-a-Porter, Selfridges oder Matches Fashion verdient. Mit prominent besetzten Influencer-Kooperationen wie beispielsweise mit Nikki Reed, Lucy Hale oder Madison Beer als Ambassadeurs der Marke zahlt Løci auf den aktuellen Glamourfaktor nachhaltig produzierter Sneaker ein. Allen voran Nikki Reed promotete ihre selbst designten Modelle professionell über Social Media, was 21 Millionen Followern nicht entgangen sein dürfte. www.lociwear.com

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„Die Nachfrage ist enorm! Løci für alle gibt es erst seit Anfang dieses Jahres. Gerade bei Sneakern ist das Thema Nachhaltigkeit ein heißes Thema, das immer mehr Fahrt aufnimmt“, sagt Ben Botas, der die Sneaker seit dieser Saison für Preise ab 150 Euro im VK vorstellt – mit monatlichen Terminen.

LØCI

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• Kickstart im Frühjahr 2021: Die veganen und nachhaltig produzierten Sneaker von Løci sind noch nicht mal trocken hinter der Sohle und schon im Markt etabliert. • Premiere auch im deutschsprachigen Markt: mit monatlichen Order- und Lieferterminen im Showroom von Ben and.

Influencerin Nikki Reed designte zusammen mit Løci eine Kleinserie, die der noch sehr jungen Marke maximale Präsenz auf Social Media brachte.

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DER KUNDE IST KÖNIG – SO EINFACH IST DAS!

• Rag & Bone präsentiert alle Produktkategorien unter einem Angebot. • Qualität und handwerkliche Details sind Kernprinzipien.

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Die ikonische US-Marke setzt ihr internationales Wachstum fort. Die Marke verfolgt einen fokussierten Ansatz in Europa. Gemeinsam mit den Partnern im Handel will sie das komplette Lifestylesortiment wie Denim, Ready-to-wear und Accessoires zur Geltung bringen. Um den Partnern im deutschsprachigen Raum besten Service zu bieten, hat die Marke die Münchner Agentur Ben and engagiert, bei der Einkäufer ab sofort das gesamte Sortiment der Kollektion ordern können. Die Zusammenführung aller Produktkategorien von Rag & Bone soll für eine klare Botschaft an den Endkunden sorgen. Qualität, handwerkliche Details und Liebe zum Detail sind Grundprinzipien der Marke. Die vereinfachte Markenarchitektur ist Teil der Strategie, es dem Kunden so einfach und unkompliziert wie möglich zu machen, die Marke zu entdecken und zu kaufen. In seinem internationalen Wachstumsplan fokussiert Rag & Bone klar auf den Export. Marcus Wainwright, Gründer und Chief Brand Officer: „Im Modebusiness bleibt es immer herausfordernd, das ist die Natur dieser Branche. Man wird immer wieder neu gefordert und bekommt so die Chance, zu lernen, zu überdenken und sich neu zu adaptieren. Die Mode ist ständig in Bewegung, das macht diese Industrie so viel spannender als andere. Anders als viele behaupten, sage ich: In diesem Business gibt es keine Regeln mehr. Das haben wir verinnerlicht und haben daher ein einziges Prinzip, nach dem wir uns richten: Der Kunde ist König. So einfach ist das!“

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„Der Kunde ist König“, sagt Rag & Bone Gründer und Chief Brand Officer Marcus Wainwright

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New New Menswe ar Weil der Anzug nur mehr Fetisch einer Nische ist, ist die Menswear voll SO LÄUFT’S Dynamik. Doch niemand hat vor, sein Leben in Jogginghosen zu ver­ lottern – zumindest nicht in den Jogginghosen, in denen Kontrollverlust zu befürchten ist. Mit ausdauernder Akribie und tiefem Interesse kreieren Männer ihre neue Garderobe, halten sich an Product Heroes und setzen auf Qualität. Marken müssen jetzt alle Schleusen öffnen, denn die Kunden von heute wollen so tief ins Produktwissen eintauchen, wie niemals zu vor. Wer Story hat, hat Zukunft. Illustration: local_doctor (stock.adobe)

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SALONGESPRÄCH

DIE NEUE REGEL IST: KEINE REGEL! Kolportierte 25 Prozent Umsatzrückgang in der Herrenkonfektion – ein ganzes Segment liegt am Boden. Oder doch nicht? Wer es schafft, der Herrenmode neue Relevanz zu geben, dem allerdings stehen viele Chancen offen. Janaina EngelmannBrothánek hat mit Protagonisten der New New Menswear gesprochen. Gennaro Dargenio (CEO von Circolo 1901), Alessandro Hong (CEO von Distretto 12), Gianluca Modena (Exportmanager von Jacob Cohën), Marco Tomasi (Chefdesigner bei Strellson) und Christian Weber (Inhaber und Designer von Weber + Weber) im Gespräch über einen Markt, der alle alten Regeln hinter sich lässt. Sie geben Einblick in fünf sehr unterschiedliche Unternehmen, die eines gemeinsam haben: Sie haben früh genug erkannt, dass Formalwear einen neuen Dreh braucht, um ins Hier und Heute zu passen. Interview: Janaina Engelmann-Brothánek. Illustration: Simona Gala Baronti

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ird das Formelle jemals zurückkommen? Gennaro Dargenio, CEO von Circolo 1901: Ich denke ja. Vielleicht nicht das Formelle, das wir gewohnt sind, aber der Mann, der gerne Anzug trägt oder tragen muss, wird diesen weiterhin tragen. Ich glaube nicht, dass der Anzug nach der Pandemie durch den Jogginganzug ersetzt wird. Bestimmt wird das Formelle andere Materialien, z. B. mehr Stretch, und vielleicht auch Schnitte mit mehr Komfort bieten müssen. Das sage ich aber schon seit über zehn Jahren. Das ist auch das Credo von unserer Marke Circolo 1901: Easy Dressing. Christian Weber, Gründer und Inhaber von Weber + Weber: Covid hat die Menswear nicht verändert, sondern nur gewisse Änderungsprozesse, die schon länger stattfinden, beschleunigt. Ich kann nur bestätigen, was Gennaro bezüglich der Nachfrage nach mehr Komfort und Stretch soeben gesagt hat. Das Formelle wird reinterpretiert und Schnitte wie z. B. der Taglio Vivo bevorzugt. Die Casualisierung ist definitiv ein Thema der Pandemie, aber Mode war doch immer schon der Spiegel der Gesellschaft und das heutige Formelle kann nicht das von vor 100, 20 oder zehn Jahren sein. Das ist das Schöne an unserem Job, diese Tendenzen aufzuspüren und in unseren Kollektionen umzusetzen. style in progress

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Haben die Lockdowns die Bekleidungsgewohnheiten des Mannes für immer verändert? Marco Tomasi, Chefdesigner bei Strellson: Was gerade geschieht, wäre so oder so passiert, vielleicht nur etwas später. Es hat sich vieles verändert, vor allem die Art zu arbeiten und dementsprechend natürlich auch sich zu kleiden. Es muss jetzt alles funktioneller sein, auch der Anzug muss mehr können. Alessandro Hong, CEO von Distretto 12: Ich kann dem zu hundert Prozent zustimmen. Smartworking, wie wir es in Italien nennen, hat sicherlich etwas an den Bekleidungsgewohnheiten verändert. Die Video-Calls sollten ja trotzdem mit einer gewissen Formalität gehalten werden, nur müssen hier die Looks jetzt auch funktional und praktisch sein. Dieser Shift wird meiner Meinung nach bleiben. Der Mann, der das Formelle mag, wird nach dem Lockdown zu diesem zurückkehren, auch wenn er vielleicht nach mehr Funktionalität im Anzug, im Sakko oder in der Hose suchen wird. Marco Tomasi: Der Anzug oder das Formelle im Allgemeinen ist jetzt nicht mehr als Uniform zu sehen, sondern man trägt ihn, weil man Lust darauf hat und nicht weil man es muss. Das heißt Formell ist nicht mehr ein Muss, sondern ein Vergnügen. Kann man das so sagen? Christian Weber: Vielleicht sollte man sich fragen, wer oder was heute formelle Dresscodes definiert. Heutzutage gibt es doch keine Regeln mehr – man fragt sich nicht mehr, was für eine Farbe, was für ein Schuh zum Anzug oder welche Accessoires miteinander kombiniert werden sollten. Heute gewinnt der Individualismus. Für den jungen Typen ist ein Doppelreiher mit Jeans und Sneaker elegant, zum Glück können wir heute alles kombinieren. Diese Tendenz gab es aber auch schon vor Covid und wir, die wir hier alle sitzen, haben das vorgemacht und profitieren natürlich jetzt von dieser Beschleunigung der Casualisierung, der Lockerung des Dresscodes. Was entscheidend ist: Die Pandemie hat geholfen, dass Konzepte wie unsere besser von den Retailern verstanden werden. Vor der Pandemie war immer die Frage, in welches Sortiment wir aufgenommen werden sollten – in die Formalwear oder doch in die Casualabteilung? Boss hat verkündet, 2020 mit 25 Prozent weniger Umsatz abgeschlossen zu haben. Ist das beunruhigend für die gesamte Menswear oder ist das die Konjunktur einer Firma? Gennaro Dargenio: Ein Umsatzverlust von 25 Prozebt ist im Jahr 2020 nicht ungewöhnlich, weil die Geschäfte lange geschlossen waren und jeder von uns irgendwie Verlust gemacht hat. Wer seine Kollektionen die letzten Jahre aber nicht aktualisiert und moderner gemacht hat, leidet jetzt natürlich umso mehr. Es gab und gibt ja immer noch keine wirklichen Anlässe für das Klassische und es funktionieren tatsächlich nur die Marken, die diese Tendenz früh genug erkannt hatten, wie wir, die schon vor elf Jahren mit der Dekonstruktion des Formellen angefangen haben. Dekonstruktion ist ein Begriff, mit dem ich alle eure Marken verbinde. Ist das der Schlüssel für das Überleben? Oder mehr noch: Schafft man es mit dieser Art von New New Menswear sogar jetzt Marktanteile zu erobern? Alessandro Hong: Wir sind ja sehr jung und haben Distretto 12 erst vor fünf Jahren lanciert. Uns war damals schon klar, dass wir eine Männerkollektion auf dem Prinzip des Komforts aufbauen mussten: ein Total-Look mit viel gekochter Wolle, Jersey, Trikot – alles das, was sitzt und praktisch ist. Was die letzten 18 Monate angeht, kann ich Gennaro Dargenio nur zustimmen: Es war nicht immer leicht und auch wir haben

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nicht nur Positives zu berichten. Aber ich glaube, dass Marken, die ausschließlich für klassische Konfektion bekannt sind, noch mehr Federn gelassen haben. Marco Tomasi: Strellson war ursprünglich stark in der Konfektion verwurzelt. In den letzten Saisons haben wir aber gezielt in den Casual- und Sportswear-Part investiert. Unsere frühere Sportswearkollektion hat uns auch die Credibility für diesen Wandel verschafft. Der Lockdown hat uns Mut gemacht, den Weg in diese Richtung noch konsequenter zu gehen sowie noch mehr in das Produkt und die Kollektion zu investieren. Die Resonanz auf die innovativen Kollektionen und die neue Ausrichtung waren sehr positiv. Wir haben zwar einen Verlust im formellen Segment verbucht, konnten diesen aber mit Casual Produkten wie z. B. Jersey, Strick, Casual Pants und Outdoor kompensieren. Casual hat also das Formelle ersetzt. Christian, ihr habt mit sehr positiven Zahlen aufhorchen lassen. Gehört Weber + Weber zu den Gewinnern dieser Pandemie? Christian Weber: So klingt es etwas überheblich. Aber ja, die Pandemie hat gewisse Prozesse beschleunigt und wir haben davon profitiert. Wir sind 2020 so stark wie nie zuvor gewachsen, weil wir genau das Komfortprodukt für diesen besonderen Moment anbieten. Unser Travel Blazer wurde so gut verkauft, dass wir uns jetzt getraut haben, eine Produktionsstätte in Italien gänzlich zu übernehmen. Natürlich hatten wir am Anfang dieser Pandemie auch unsere Ängste, aber schnell wurde klar, dass die Entscheidung ein Slow-Fashion-Produkt zu kreieren, genau die Richtige war und wir damit den Zeitgeist getroffen hatten. Unseren Travel Blazer haben wir drei Jahre lang entwickelt, bevor wir ihn lanciert haben. Das hat einen Wert, den der Konsument spürt. Unser Produkt ist leise, es folgt keinen Trends, es hat kein Ablaufdatum. Das Produkt steht an erster Stelle und alle unsere Energien konzentrieren sich darauf. Unser Kunde sucht genau das: Ein Produkt mit hoher Qualität kommt für ihn vor allem anderen. Der Mann ruht in seinem Stil und ist modisch schwerer zu verführen als die Frau, Trends haben nicht diese Wichtigkeit. Wie erreicht man als Marke und auch als Händler den Mann von heute? Über Modemagazine? Crossmedial? Wo informiert ihr euch? Gianluca Modena: Die Frage ist sehr interessant und muss von zwei Blickpunkten aus beantwortet werden, den persönlichen und den Business-Point of View. Aus meiner Sicht und mit 25 Jahren Erfahrung mit Einzelhändlern kann ich sagen, dass der Mann tatsächlich konservativer mit seiner Garderobe umgeht als die Frau. Wir entwickeln unseren Stil ungefähr im Alter zwischen 14 und 25 Jahren und bleiben dem meist treu. Dieser wird dann von den ersten Jobs beeinflusst und nur in sehr seltenen Fällen verändert. Wir finden meistens sehr früh Marken und Produkte, die uns stehen und gefallen, und tragen diese ein Leben lang. Vielleicht etwas aus Bequemlichkeit oder auch aus Zeitmangel. Wir haben auch weniger wichtige Anlässe als Frauen, bei denen wir auftreten müssen. Wir sind wie (Kunst-)Sammler, kehren jede Saison zu unseren Labels zurück und kaufen exakt die Hose, exakt dieses Jacket oder Hemd. Das erleben wir auch bei Jacob Cohën. Unser Kunde möchte jede Saison seine Modelle wieder kaufen und freut sich umso mehr, wenn diese kleine Veränderungen und/oder neue Details aufweisen. So haben sie das Gefühl, etwas Neues und gleichzeitig das Richtige für sich gekauft zu haben.


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Und wo holt Man(n) seine Informationen, wenn er doch ein neues Label ausprobieren möchte? Alessandro Hong: Ich denke, dass ist auch eine Frage des Alters. In unserem Unternehmen arbeitet meine ganze Familie und hier sieht man richtig gut, wie unterschiedliche Generationen mit der Modefrage umgehen. Mein Bruder ist 24, meine Schwester 23, sie sind rund zehn Jahre jünger als ich. Bei den beiden und ihrem Freundeskreis erfolgt die Produktsuche, die Recherche nach den Modetrends hauptsächlich über Social Media: Seien es Influencer, Fashion-Blogger oder Youtuber. Diese Gen Z sucht nach Statussymbolen. Millenials-Männer hingegen, zu denen ich mit meinen Anfang 30 gehöre, wählen nach Anlass, was brauche ich fürs Business, was brauche ich für die Freizeit. Der Mann über 30 geht definitiv noch zu seinem Einzelhändler und lässt sich gerne beraten. Meistens ist auch die Partnerin dabei. (lacht) Marco Tomasi: Ich sehe es wie Alessandro und Gianluca. Der Mann experimentiert gerne zwischen 14 und 25 Jahren, ab 30 hat er dann meist seinen Stil gefunden. Nur darf man nicht vergessen, dass heute auch der Millenial viel online kauft und der Einzelhändler seinen Laden definitiv umdenken muss. Shops müssen dem Kunden ein starkes Argument geben, sodass man immer wieder dorthin geht, zurückkehrt. Es ist eine Herausforderung – dieses Erlebnis zu schaffen, das weit über den Einkauf hinausgeht. War die Herrenkonfektion von den Umsatzverlusten deshalb so hart getroffen, weil sie online viel schwerer zu vermitteln ist? Selbst Lars Braun von Braun in Hamburg sagte bei uns im Magazin (bezogen auf die B2B Order): „Online sehen die allermeisten blauen Anzüge dann eben doch gleich aus.“ Oder war es schlicht der Bedarf, der den Konsumenten fehlte? Gennaro Dargenio: Ich gehe davon aus, dass der Kunde, der den klassischen blauen Anzug möchte, einer anderen Generation angehört. Diese Generation kauft natürlich viel lieber stationär als online. Grundsätzlich sind Kleidungsstücke online schwerer zu erkennen als live und solche Art von Produkt hat es jetzt noch schwerer, weil sie nicht wirklich gebraucht wird. Es ist beides richtig: Herrenkonfektion wurde online nicht verkauft, weil man die Qualität nicht richtig erkennt und auch weil es keinen Bedarf gab. Gianluca Modena: Genau so sehe ich es auch. Jetzt, wenn die Läden wieder öffnen, gibt es eine wahnsinnige Chance für Marken, die das Easy Dressing perfektioniert haben. Denn in seinen alten bügelfreien Hemden und mit einem Baukastenanzug kann sich ja nach dem Lockdown niemand mehr sehen lassen. Wird die New New Menswear, wie wir sie nennen, jetzt einen Boom erleben? Gianluca Modena: Es wird eine radikale Veränderung der Menswear geben. Diese Veränderung passiert nicht heute, sondern war ein Prozess, wie meine Kollegen schon am Anfang gesagt haben. Unsere Lebensweise wurde durch Covid verändert und die Dekonstruktion des Formellen dadurch richtig beschleunigt. Ein Look muss heute vieles können: gut sitzen, nicht nur praktisch, sondern auch Business-tauglich sein und natürlich Qualität vorweisen. Nur die Marken, die all diese Merkmale vereinen, werden den Boom des Easy Dressing erleben. Der Endverbraucher möchte das Legere, die fliesenden und leichten Stoffe, das Angenehme nicht mehr missen wollen. Diese Mode wird nämlich auch nach dem Lockdown, wenn es wieder auf Businessreisen oder am Wochenende in die Natur geht, der selbstverständliche Dresscode sein. Der blaue Anzug, über den wir soeben gesprochen haben, wird dann von Jersey, Strick und Sakkos mit leichten Strukturen und angenehmen Stoffen ersetzt werden.

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Ich spreche von einem Prozess, weil ich schon vor Jahren in Japan die Anzeichen für diese Evolution gesehen habe. Unsere Kunden dort (damals war Gianluca Modena bei The Gigi, Anmerkung der Redaktion) wollten die Anzüge, also die richtig klassische Konfektion, separat auf zwei Kleiderbügeln und mit zwei Etiketts. Ihnen war es wichtig, die Hose wie auch das Sakko getrennt zu zeigen und verkaufen zu können. Diese Warendarstellung hat dem Anzug eine neue Leichtigkeit verliehen und ich finde, so ist es gut gelungen, dem Anzug das Starre, Vorgegebene zu nehmen. Ich fand diese Art der Präsentation sehr wegweisend und wichtig. Wie nennen Sie selbst eigentlich diese neue Ära der Menswear? Wie heißt das, was Sie alle tragen? Gianluca Modena: Relaxed Elegance beschreibt es für mich am besten. Marco Tomasi: Die Befreiung von den Zwänge. Mode ist schon immer Spiegel der Gesellschaft und der jüngeren Generationen, die Millenials, die Gen Z, von denen wir vorhin schon gesprochen haben, möchte sich keinen Regeln mehr beugen. Das sieht man auch bei der Jobwahl sehr gut – heute ist Work-Live-Balance ein Schlüsselwort. Unsere Generation wusste gar nicht, was das ist. Das heißt, Mode muss heute funktional sein, man muss einen Look problemlos 24/7 tragen können, weil man nach dem Office auch noch ein Freizeitprogramm hat. Mode muss alle Regeln brechen, um aktuell zu bleiben. Alessandro Hong: 24/7 ist ein super Begriff. Männermode heute muss genau das sein, immer tragbar – sie soll dich gut kleiden, aber nicht verpflichten. Deswegen ist auch das Konzept des „spezzato“, von dem Gianluca soeben erzählt hat, so wichtig: Man(n) soll eine Anzugshose oder das Jacket des Anzuges getrennt tragen und sportlich kombinieren können. Gianluca Modena: Wobei das italienische „spezzato“ etwas anderes ist als das, was die Japaner meinen. Die Japaner wollten tatsächlich den Anzug teilen und haben diesen „Set-up-Suit“ genannt. Das italienische „spezzato“ kombiniert Jackets und Hosen in unterschiedlichen Stoffen und Farben und ja, das ist unser Steckenpferd. Wisst ihr, warum wir Spezialisten des „spezzato“ sind? Weil wir Italiener angeblich morgens mehr Zeit haben, um unseren Look zusammenzustellen. Männer in anderen Ländern haben es eilig, in die Arbeit zu kommen und schlüpfen deshalb schnell in den Anzug. (lacht) Gennaro Dargenio: Wir sind ja als modische Regelbrecher geboren. Das war von vornherein die Devise von Circolo 1901: Jede Regel des Formellen brechen. So kam es auch zu unserem Bestseller, dem Easy-Jacket – einem Jacket aus Jersey. Wir wurden damals für verrückt erklärt. Heute ist das Formelle gar nicht mehr anders denkbar und für mich, für uns bei Circolo 1901, sind die Begriffe dieser Ära definitiv Easy und Easyness. Christian Weber: Ich überlege schon die ganze Zeit, was ich für ein Wort nehmen soll, um diese Ära zu definieren. Es fällt mir sehr schwer. Für uns war es seit jeher kompliziert, uns in eine der gängigen Sortimentsgruppen einzuordnen. Von vielen Einkäufern kam die Frage: „Ja, aber wo sollen wir euch hinhängen? Was ist Weber + Weber, klassisch oder casual?“ Letzten Endes sind wir genau zwischen formell und casual gelandet und können es heute immer noch nicht mit einer Begrifflichkeit definieren. Vielleicht ist die Kategorisierung ja auch nicht mehr nötig, oder? Wir sprechen die ganze Zeit über Regeln brechen und eine neue Ära und wollen jetzt doch ein Wort für die neue Menswear finden? Ich finde, gerade in der Nicht-Definition dieser Ära liegt ihr Zauber – sonst ist es nur die nächste Schublade, die wir aufmachen. O. k., ich akzeptiere die Verweigerung der Kategorisierung. No rules is the rule. style in progress

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Er hat seinen eigenen Kopf: Andreas Weitkamp, Geschäftsführer Modehaus Schnitzler, in seinem gleichnamigen Store.

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„ICH HABE BOCK, WAS AUSZUPROBIEREN“ In seinem Weitkamp Store zeigt Andreas Weitkamp seit dem Frühjahr keine Sportswear mehr, sondern setzt den Anzug neu in Szene. Ist das nun ana­chronistisch oder ein zukunftsweisender Schritt? style in progress hat nachgefragt. Interview: Nicoletta Schaper. Fotos: Studio Egotrips

Andreas, überall verdrängt der Sportsweartrend die Konfektion. Und du eröffnest deinen Weitkamp Store neu mit allem rund um den Anzug. Dafür wurde ich auch von einigen für verrückt erklärt. Das macht doch gerade keiner, bekam ich zu hören. Aber vielleicht ist es gerade jetzt richtig, gegen den Strom zu schwimmen. Bitte erklär das mal genauer. Bisher war der Weitkamp Store der Sportswear gewidmet, aber je stärker der Trend wurde, desto mehr haben wir sie sowohl im Weitkamp Store als auch gegenüber im Modehaus Schnitzler gezeigt. Warum gibt es beispielsweise Moncler und Herno für Damen im Haupthaus, aber Moncler und Herno für Herren im Weitkamp Store? Für viele war das nicht mehr nachvollziehbar. Jetzt zeigen wir die Sportswear von Stone Island über Dondup bis hin zu Herno und Jacob Cohën im Modehaus Schnitzler und präsentieren die Konfektion in sich geschlossen im Weitkamp Store. Damit geben wir ihr die Wichtigkeit, die sie nach wie vor hat. Was überzeugt dich davon? Die Männer wollen wieder etwas anderes tragen als die Jogginghose. Ich habe da immer Joko Winterscheid vor Augen, der in seiner Sendung „Wer stiehlt mir die Show“ Anzug trägt, auf eine coole, moderne Art. Auch wir wollen das Thema modern präsentieren, mit Sakkos und Chinos, Hemden, Strick und ergänzender Outerwear. Wie inszenierst du das neu? Indem wir viele inspirierende Looks zeigen; der Dreiteiler von Tagliatore, ein Anzug aus einem besonderen Material oder das 162

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Overshirt zur passenden Hose für die Jungen. Ganz sicher funktioniert Konfektion nicht mehr als Ärmelparade oder mit vier dunkelblauen Anzügen im Schaufenster. Also braucht es eine neue Stilistik, auch mit weiteren Silhouetten? Die greift zum Teil schon und das bewegt sich auch in kleinen Schritten weiter. Ich meine aber keinen modischen Paradigmenwechsel, sondern eine andere Darstellung, ein Look, mit dem sich die Männer wieder gut anziehen wollen, für den Theater- oder Restaurantbesuch oder für das Treffen mit Freunden. Der Weitkamp-Kunde war immer schon der informierte Kunde, der hier früher als Erstes Moncler, Stone Island, Jacob Cohën gekauft hat. Jetzt überraschen wir ihn wieder mit etwas Neuem. Darin bist du gern auch mal bewusst dickköpfig. Ich bin Steinbock und Westfale, frag mich, ob ich dickköpfig bin! Ich habe auch mal Bock, was auszuprobieren, worüber andere erst mal den Kopf schütteln. Wer Emotion verkauft, muss sich auch von Emotionen leiten lassen. Vielleicht ist die Idee Unsinn. Vielleicht sind wir aber auch die Ersten, die etwas umsetzen, worauf alle gewartet haben.

Weitkamp Store. Prinzipalmarkt 6/7, Münster/Deutschland Marken: Boglioli, Eduard Dressler, Drykorn, Fay, Kiefermann, Tagliatore, Weber + Weber Sartoria, Windsor


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STRICK DER LUXUSKLASSE

Das neue Shirtjacket aus Bourette-Seide wird in mehrfädiger Perl­fangstruktur ge­ strickt. Die Farben der Saison sind Non-Colours wie Mauve, Silber, Natur, Khaki, Flieder bis hin zu klassischem Blau und Navy.

DIE EDLEN FEINSTRICKPOLOS UND LONGSLEEVES WERDEN NAHTLOS GEFERTIGT, FÜR NOCH MEHR TRAGEKOMFORT.

Nachhaltigkeit und Innovation im Produkt: Die Kollektion aus Österreich baut für die Frühjahrs/-Sommer-Saison 2022 auf Strick und Jerseys in höchstmöglicher Qualität, edel und zeitgemäß interpretiert und in der firmeneigenen Manufaktur in Dornbirn produziert. Eine Kapsel aus Bourette-Seide steht im Fokus. „Reine Bourette-Seide ist eine fantastische Qualität, die zudem noch absolut nachhaltig ist“, zeigt sich Anja Grabherr-Petter, Creative Director Phil Petter begeistert. Denn Seide hat die Eigenschaft, bei Hitze zu kühlen und bei Kälte zu wärmen. Der Griff ist weich, die Oberfläche ist lebhaft und weist noppige Unregelmäßigkeiten auf, ein Qualitätsmerkmal des natürlichen Produkts, dem außerdem entzündungshemmende, antibakterielle und hautberuhigende Eigenschaften zugesprochen werden. „Uns ist außerdem wichtig, No Cruel Silk zu verwenden; das heißt, dass die Seidenraupe nicht wie bei traditioneller Seide getötet wird“, betont Anja Grabherr-Petter. So werden für die Herstellung der Seide die Kokons der Raupe nach dem Schlüpfen gesammelt, um dann die Bourette-Seide zu spinnen. Die für die Umwelt nützlichen Schmetterlinge bleiben also am Leben. „Für Phil Petter ist Bourette-Seide die richtige, neue Sommerqualität für leichten Strick der Luxusklasse. Die besonderen Produkte und die Geschichten dazu sind für unsere Marke essenziell. Aber letzten Endes spricht das Produkt in seiner Einzigartigkeit und Qualität für sich.“

PHIL PETTER

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„WIR WOLLEN ES BESSER MACHEN!“

Nicolas, worauf liegt euer Fokus bei der Schuh- und Taschenkollektion? Nicolas Kjaer, Gründer und CEO Royal Republiq: Auf Craftsmanship und Qualität. Wir wollen es besser machen und ständig daran arbeiten, Passform und Komfort zu optimieren. Innovation ist kein Trend; es ist immer ein Teil unserer Designphilosophie. Wir verwenden nur nachhaltige, gegerbte Leder mit LWG-Zertifizierung und verwenden recycelte, organische Materialien in unserer gesamten Lieferkette. Was erwartet die Einkäufer für die Frühjahr-/Sommer-Saison 2022? Die Kollektion ist vom Designspirit der 1970er-Jahre inspiriert und umfasst Sandalen, Derbys, Boots und Sneaker. Wir kombinieren Materialien und Stile wie traditionelles Leder mit sportlichen Kreppsohlen, wobei die Formen unseren architektonischen Designansatz offenbaren. Wir sind ein Schuh- und Lederspezialist, der an Langlebigkeit glaubt, was sich in unseren Designs und Materialien zeigt. Immer relevant, nicht vom Trend der Saison diktiert. Partnerschaften basieren auch auf Langlebigkeit. Ja, in der Tat, sie sind Eckpfeiler unseres Geschäfts. Wir arbeiten immer noch eng mit den meisten Manufakturen zusammen, mit denen ich 2006 angefangen habe, hauptsächlich aus Portugal. Denselben Ansatz verfolgen wir mit unseren Handelspartnern. Gemeinsam haben wir unsere Logistik- und Lieferkette optimiert, um die saisonalen Bestseller in nur vier Wochen nachzuproduzieren, und ergänzen unsere beiden Hauptkollektionen mit drei Lieferterminen mit einem starken NOS-Programm.

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GIADA

„NUR MIT DEN BESTEN“

Jean Michel Wohlmann führt Giada als weltweit agierenden Player in der Premiumfashion. Die Kom­ petenzen gehen weit über die eines Produzenten hi­ naus – und werden gerade noch einmal erweitert.

Als Partner von High-Fashion-Marken wie Yves Saint Laurent hat sich Giada in den letzten 30 Jahren international etabliert – nicht wie ein klassischer Produzent, sondern als autonom agierendes Unternehmen mit starkem eigenen Vertrieb. Mit Commercial Director Jean Michel Wohlmann haben wir einen Blick in die Zukunft geworfen. Interview: Stephan Huber. Fotos: Giada

Mit dem Ende der Partnerschaft mit Jacob Cohen eröffnen sich für Giada neue Möglichkeiten. Was erwartet uns? Für uns gibt es drei Bereiche, in denen wir viel Potenzial sehen. Wir kehren mit einer eigenen, starken Brand zurück zu einer Kernkompetenz unseres Unternehmens. Durch den großen Erfolg mit den Lizenzen ist das in den letzten Jahren etwas in den Hintergrund gerutscht. Hand Picked startet in eine sehr wichtige Saison. Das Produkt ist jetzt wirklich ausgereift, gerade zu einem Zeitpunkt, an dem Denim im Markt wieder spürbar an Bedeutung gewinnt. Mit Incotex Blue Division startet eine neue, sehr spannende Partnerschaft. Hier treffen zwei Spezialisten auf höchstem Niveau aufeinander. Gemeinsam präsentieren wir luxuriöse Five-Pockets für Männer, in Denim und Baumwolle. Ergänzt um wenige ausgewählte Oberteile launchen wir in Rekordzeit über unser Netzwerk an Agenturen in der ganzen Welt. Für die D-A-CHMärkte konnten wir mit Ben and den idealen Partner ge­ winnen. Warum viel die Wahl auf Incotex? Die Philosophie von Incotex ist es, die beste Hose der Welt zu machen. Giada wiederum kann man als Universität des Denims bezeichnen, das ist unsere Kultur. Gemeinsam wollen wir nun die besten Jeans der Welt machen. Was machen die besten Jeans der Welt aus? Das beginnt bei der Passform, den Materialien und der Stilistik und endet bei der Verlässlichkeit hinsichtlich der Qualität und der Beständigkeit des Produkts. Und verantwortungsvolle Produktion muss in Zukunft eine Selbstverständlichkeit sein. Für Giada ist es seit langem gelebte Praxis, nachhaltig zu produzieren. In Sizilien liegt unsere modernste Produktion übrigens im Naturschutzgebiet rund um den Ätna. Kein Problem, weil wir die entsprechenden Auflagen sogar übererfüllen. Ein weiteres Projekt ist die Zusammenarbeit mit Vilebrequin. Giada kann nur mit den jeweils Besten zusammenarbeiten. In der Swimwear ist das sicherlich Vilebrequin. Wir haben vor ein paar Saisons mit ersten Jerseys begonnen. Diesen Sommer, zum 50-jährigen Jubiläum, präsentieren wir nun neben Denim eine sehr fokussierte Total-Look-Kollektion. Unser Ziel ist es, Vilebrequin als All-Season-Lifestyle-Brand zu etablieren. Für den kommenden Winter werden wir erstmals eine Jacke präsentieren. Ein echtes Highlight.

Rückkehr zur Kernkom­ petenz: Mit Hand Picked präsentiert Giada erstmals wieder ein Eigenlabel. Denim ist Giadas DNA. Ein neues Prestigeprojekt ist die neue Five-Po­ cket-Kollektion für Incotex Blue Division.

Vom Swim­ wearspezia­ list zum To­ tal-Look-An­ bieter. Giada entwickelt Vilebrequin zur an­ spruchsvollen Leasurewear­ kollektion.

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KLARE HALTUNG

Labeling und Bildsprache von Studio Seidensticker verfolgen einen betont zeitgeistigen, urbanen Ansatz.

Mit der neuen Kollektion unter dem Titel Studio Seiden­sticker will der Bielefelder Hemdenspezialist Trageanlässe und Gender-Zuordnungen hinter sich lassen. Neben ästhetischen Codes, Leidenschaft zum Produkt sowie dem Anspruch auf Qualität, Tradition und Perfektion geht es darum, eine klare Haltung zu gesellschaftlichen Veränderungen zu reflektieren. Wichtige Bestandteile sind Outdoor-inspirierte Overshirts mit verschiedenen Längen, Kragenvarianten und Taschenelementen; Hemden mit gerader Schnittführung u. a. aus Tencel- und Modalqualitäten, komplettiert von einer Reihe von Gender-neutralen Styles, die fest in der Kollektionsarchitektur verankert sind und auf sämtliche Produktkategorien übertragen werden. Unverzichtbare Sweatshirts sowie schlichte Jersey- und Strickteile ergänzen die Produktrange mit sichtbarem Ausdruck von urbaner Identität.

STUDIO SEIDENSTICKER

• Trageanlässe und Genderzuordnungen hinter sich lassen – das Credo von Studio Seidensticker. • Overshirts, Sweatshirts, Jersey, leichter Strick und – natürlich – Hemden.

„Das Konzept richtet sich an eine weltoffene, global vernetzte Community und schlägt die Brücke zwischen Trends, verantwortungsvollem Konsum und dem Know-how eines Hemdenspezialisten.“ Silva Bentzinger, CEO Seidensticker

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„Die Interpretationen unserer American Sportswearklassiker sind so raffiniert und luxuriös wie lange nicht. Ich finde es großartig, dass wir so deutlich an unser College-Erbe erinnern.“ Christopher Bastin, Creative Director Gant

Gant erfindet seine American Icons neu und setzt sie elegant in Szene. Im Jahr 1949 an der amerikanischen Ostküste gegründet, hat die Marke den charakteristischen Preppy Style seit über 70 Jahren nachhaltig geprägt. Dabei reicht das Repertoire von Heavy Rugger Rugbyshirts über Clubsakkos und Blazer, die von den Looks klassischer Ruderclubs vergangener Jahrzehnte inspiriert sind, bis hin zu Sweats, Jacken und Chinos im klassischen Wappen-Logo-CollegeStil. Unverzichtbar sind in Zukunft Trenchcoats, Overshirts, Cardigans und Trainingsanzüge. Bis 2022 sorgt Gant dafür, dass seine Baumwolle vollständig aus nachhaltigen Quellen bezogen wird. Für die Kollektion, die in diesem Sommer ausgeliefert wird, sind bereits fast 80 Prozent der verwendeten Materialien aus solchen Quellen, bis 2022 sollen die 100 Prozent erreicht werden.

GANT

Cool Touch: Bequeme Streetstyles im klassischen Look bestimmen die Silhouetten.

PREPPY HERITAGE MEETS ZEITGEIST

• Nachhaltigkeit ist das Ziel – ab 2022 ist die gesamte Baumwolle aus nachhaltigen Quellen. • Elegante Sportswearklassiker

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Handge­ sponnen, handgewebt: Terra Luna ist GOTS-zer­ tifizierte Premium­ casualwear aus KhadiBaumwolle.

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THE RETURN TO CRAFT Federleicht, hochwertig, nachhaltig: Die neue Kollektion Terra Luna trifft mit Herrenhemden, die aus handgesponnener Khadi-Baumwolle handgewebt sind, eine Marktlücke. Die Eigenschaften der Hemden? Sie wiegen fast nichts auf der Haut und sind atmungsaktiv bei zugleich sehr guten Isolationseigenschaften. Ihr feines Webbild verweist auf höchste Handwerkskunst, da das Material handgesponnen und auf mechanischen Webstühlen handgewebt wird. Alle Terra Luna Produkte sind zu hundert Prozent nachhaltig und werden in einem indischen Khadi Village traditionell unter Einhaltung internationaler Arbeitnehmerund Sozialstandards hergestellt. „Auch in der weiteren Verarbeitung steht Ressourcenschonung an oberster Stelle“, sagt Managing Director Alexander Socher, der Terra Luna Ende 2020 mit der To The Moon GmbH in Eschborn mitgegründet hat. „Der ganze Herstellungsprozess from Field to Fashion ist GOTS-zertifiziert.“ Die Shirts verbrauchen in der Herstellung dank eines speziellen Waschverfahrens nur drei statt 50 Liter Wasser und auch bei der Färbung wird auf nahezu vollständige Abbaubarkeit geachtet. Dazu überzeugt das Preis-Leistungs-Verhältnis. Hemden kosten 99,95 bis 179,95 Euro/VK, bei einem Mark-up von 2,8. Die Hemden und Hemdjacken, Westen und Hosen sind als saisonübergreifende Produkte ganzjährig zu ordern und über ein Lager in Deutschland schnell verfügbar. Für den Sommer vervollständigen Bioleinenhemden die Kollektion mit fünf Styles in 14 Farben.

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Langlebige Qualität, lässiger Style. Das Größenspektrum von Terra Luna reicht von XS bis XXL.

Bis ins Detail wird umweltschonend und unter sozial fairen Be­ dingungen produziert. Die Knöpfe sind aus handbemalter Kokos­ nuss, die Tags aus recycelten Stoffresten gefertigt.

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PEOPLE OF SHIBUYA

DER NÄCHSTE SCHRITT IST DENIM

Angelo Loffredo, Art Director und Mitgründer von People of Shi­ buya, brennt darauf, in der D-A-CH-Regi­ on die neuen Denims der Marke einzu­ führen.

Als Outerwearpezialist bekannt, geht People of Shibuya nun mit einer Denimkollektion an den Start. Für die Luxusjeans hat die Marke die besten Denimheads Italiens verpflichtet. Interview: Janaina Engelmann-Brothánek. Fotos: People of Shibuyas

Warum Denim? Angelo Loffredo, Art Director und Mitgründer von People of Shibuya: Denim ist das absolute Must Have, stets aktuell und nie aus der Mode. Es ist das Kleidungsstück, an dem viele Emotionen und Erinnerungen hängen – jeder hat eine Jeans. Zudem passt Denim immer: ins Büro, am Wochenende mit der Familie oder abends im Restaurant. Und auch auf Reisen wird eine Jeans nie fehlen. Als letzten Grund würde ich die Nachhaltigkeit nennen. Denim wird nicht so oft gewaschen wie andere Teile im Kleiderschrank. Vielmehr ist eine Jeans am coolsten, wenn sie oft getragen wird. Für dieses neue Projekt wurden nur die Besten verpflichtet: Piero Turk und Joe Amoruso, Candiani und Giada Spa. Was sind die Erwartungen an diese neue Kollektion? Wenn wir bei People of Shibuya was Neues angehen, dann nur mit den Besten. Wir wollten die Top-Player dieses Segments, deswegen haben wir auch Piero Turk als Denimspezialisten und Joe Amoruso als Designer ins Boot geholt. Die zwei haben eine Kollektion entwickelt, die wirklich Luxusdenim zeigt und das nicht im Sinne des Preises, sondern bei der Aufmachung, den Details und Materialien. Was die Stoffe angeht, kam nur Candiani in Frage: nachhaltiger Denim und höchste Qualität made in Italy. Natürlich mussten wir für die Produktion einen Partner haben wie Giada Spa: der Denimhersteller par excellence. Green Denim ist unsere nächste Challenge. Welche Handelskunden soll People of Shibuya mit Denim ansprechen? Wir wollen nicht nur neue Kunden gewinnen, sondern mit den bestehenden Partnern wachsen. Wir hoffen, dass insbesondere der D-A-CHMarkt so gut wie immer auf unsere Produkte reagiert. Wir wissen aber, dass es ein anspruchsvoller Markt ist, weshalb wir sehr viel in Passformen und Services investiert haben. Die lange Expertise von Giada Spa am deutschsprachigen Markt wollen wir uns hier zu Nutze machen, sie sind echte Experten für die Fits, die es dort braucht. Alle Styles sind über ein Stock-Service permanent zur Re-Order verfügbar.

Seinen Outer­ wear Wurzeln stellt People of Shibuya nun ein neues Segment an die Seite: Denim.

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KREATIVITÄT, INNOVATION & FUNKTION „Unsere Hybridhosen haben gute Umsätze selbst in der Krise möglich gemacht“, freut sich Marco Lanowy. Ob Bikestores, Golfshops oder die begeisterten Wanderer vom Megamarsch, sich in Nischenmärkte hineinzuarbeiten, lohnt sich für Alberto. „Vor allem, weil jetzt auch unsere normalen Kunden die Bike- oder Hybrid-Styles nachfragen.“ Klar, dass man diesem Interesse mit neuen modischen Spitzen begegnet. Pack heißt die innovative Hybrid-Cargo, die ganz dem japanisch-minimalistischen Outdoorstyle verpflichtet ist. Sie ist packbar und kommt mit einem Gummiriemen, der wahlweise als Tragegurt, Gürtel oder Accessoire getragen werden kann. Japan bleibt auch bei Denim das Erfolgsrezept. Die JapanSelvedge-Linie zeigt authentische Selvedge-Styles aus japanischem 13-Unzen-Denim, die mit hoher Leibhöhe und fünf Zentimeter mehr Schenkelweite loose getragen werden. Als leichte Alternative JapanDenim-Jeans in 11,5 Unzen, in denen das Thema Bio weitergeführt wird und umweltverträgliche Moonwashes für den Look auf Höhe der Zeit sorgen. „Leichtigkeit ist generell das Thema schlechthin, auch bei unserer neuen The Light Jeans Chino.“ Gänzlich neue kreative Freiheit schafft Digitaldruck, den Alberto mit einem deutschen Anbieter realisiert. „Das ist für mich Nachhaltigkeit – wenn es plötzlich nicht mehr riesige Abnahmemengen und für jeden Druck eigene Farbwalzen braucht, um einen kreativen Print zu produzieren“, so Marco Lanowy.

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Pack heißt die innovative Hybrid-Cargo in minimalistischer Formensprache.

„Wir feiern 2022 100 Jahre Alberto, ein emotionales Ereignis. Statt einer Jubiläumskollektion tun wir lieber, was unser Unternehmen seit 100 Jahren erfolgreich macht: Der Tradition ein neues Gesicht geben, indem wir mit innovativen Produkten die Zukunft modellieren.“ Marco Lanowy, Alberto

Jeans bestreiten gut die Hälfte des Umsatzes bei Alberto und besonders die Premiummodelle boomen. Jetzt baut die Marke den Anteil an Japan-Denim noch einmal aus.

• „Eine ganz andere Liga“ der kreativen Freiheit und letztlich auch Nachhaltigkeit eröffnen im Digitaldruck gestaltete Hosen. Marco Lanowy: „Das ist unser First Shot, wir haben riesige Freude, noch individueller produzieren zu können.“ • „Es ist beeindruckend, was bei Partnern wie Candiani Denim oder Martelli an nachhaltiger Innovation passiert. Martelli setzt zum Beispiel auf Naturkautschukbälle statt Steinen beim Moonwash, das führt zu extrem anderen Looks.“

Ultimativer Komfort: Wenn 30 bis 40 Prozent des Stoffes beweglich sind, würde man nicht vermuten, dass nur drei Prozent (vorzugsweise recyceltes) Elasthan im Produkt stecken.

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TAGLIATORE

„WIR, IM HIER UND JETZT, SIND DIE ZUKUNFT“

Pino Lerario, Creative Director von Tagliatore, ist voll Optimismus. Anfang des Jahres hat die Marke ihren Showroom im Herzen von Mailand eröffnet: House of Tagliatore. Mit style in progress spricht er über unternehmerischen Mut und Revolutionen. Interview: Janaina Engelmann-Brothánek. Fotos: Tagliatore

Das House of Tagliatore in dieser Zeit zu eröffnen, ist ein großer und mutiger Schritt. Wird er belohnt? In schwierigen Zeiten liegt es in der Verantwortung eines Unternehmens, die Marktdynamiken zu verstehen und richtig zu investieren. Wir müssen eine klare unternehmerische Vision haben, die unseren Mitarbeitern und Kunden eine bessere Zukunft verspricht. Deswegen haben wir auf Angriff gespielt, unsere Kollektionen erweitert und dieses neue Zuhause in Mailand eröffnet. House of Tagliatore ist ein Ort der Inklusion, in stetiger Entwicklung, in dem unterschiedliche Kulturen koexistieren. Ein Raum, der unsere Kollektionen widerspiegelt, unsere Gäste sich zu Hause fühlen lässt und sie bei Events mit einer Mischung aus Kino, Kunst und Musik verbindet und stimuliert. Natürlich musste es Mailand sein, denn die Stadt ist nicht nur mein zweites Zuhause, sondern der Ort, an den alle internationalen Einkäufer kommen. Live versteht man eine Kollektion wie unsere eben immer noch am besten – die Qualität, die Detailverliebtheit jedes einzelnen Teils erfasst man erst beim Anfassen. Tagliatore ist immer schon ein Revoluzzer in der HAKA. Was kommt als nächstes? Was ist die Zukunft der Marke? Wir erleben eine Revolution der Lebensstile und natürlich des Konsumverhaltens. Man möchte Casual-Style, praktische Tei-

Pino Lerario, Creative Director von Tagliato­ re, sagt: „In schwieri­ gen Zeiten muss man investieren.“

le, die aber etwas besonders sind und zu jedem Anlass passen. Das wissen wir hier bei Tagliatore immer schon und setzen auf Passform, auf weichere Linien und unser Markenzeichen, harmonischen Sidecuts. Ich liebe Stücke aus der Kollektion wie unser dekonstruiertes Seersucker-Baumwoll-Sakko mit aufgesetzten Taschen und handwerklichen Details. Unsere Liebe zum Karo ist wohlbekannt, wir präsentieren es jede Saison auf neue, kreative Weise. Ästhetik und Funktionalität werden auch in Zukunft unsere Säulen bleiben. In Italien sind Sie unumstritten. Wie sieht es im Export aus? Deutschland, Österreich, Schweiz und Japan waren die ersten Märkte, die an Tagliatore geglaubt und das Potenzial erkannt haben. Wir sind also zuversichtlich, dass wir hier weiter ausbauen können. Mit dem neuen Showroom geht natürlich der Plan einher, uns in Ländern zu etablieren, wo wir noch nicht so präsent sind, im restlichen Europa, in Russland oder den USA. Ich bin Optimist und habe hohe Erwartungen, weil ich weiß: Wir, im hier und jetzt, sind die Zukunft.

House of Tagliatore ist mehr als ein Showroom – Tagliatore will tief in die Seele der Marke blicken lassen.

Feinste italie­ nische Mode mit Ecken und Kanten: Tagliatore.

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DUNO

NEUE WEGE GEHEN

Den Wandel vom Zulieferer für große Marken zur eigenständigen Marke – den hat der italienische Jackenhersteller Duno geschafft. Warum das so gut klappt? Weil die lange Produktionserfahrung auf ein junges, progressives Mindset trifft. Text: Janaina Engelmann-Brothánek. Foto: Duno

Rund um Empoli in der Toskana sind die sogenannten Capospallisti zu Hause, die Spezialisten für Oberbekleidung. Wer hier aufwächst, kommt zwangsläufig mit den Granden des Made in Italy in Berührung. Familie Wang gelingt es früh, ihr eigenes Unternehmen zu gründen und sie fängt an, für große Modehäuser Oberbekleidung zu produzieren. 2012 dann die Wende. Der junge Chris Wang möchte nicht mehr als Zulieferer der bekannten Marken arbeiten, sondern sein eigenes Label ins Leben rufen. Es sollen Jacken für „Flaneurs“ werden – Weltenbummler, die Activewear mit Style tragen. Er versammelt die kreativen Köpfe der Branche und vereint deren Ideen mit dem 30-jährigen Produktund Produktions-Know-how des Familienunternehmens. Daraufhin entscheidet er sich für eine ganz eigene Markteinführungsstrategie: Anstatt zuerst in Italien Fuß fassen zu wollen, konzentriert sich Chris Wang auf den Markteintritt im Fernen Osten. Die Händler dort sind begeistert, Namen wie Takashimaya, Isetan, Mitsukoshi, United Arrows, Urban Research und Tomorrowland in Japan oder Shinsegae, Lotte Department und Galleria in Korea gehören zu den Kunden der ersten Stunde. EXPORT FIRST

Als nächstes nehmen Chris Wang und sein Team Mittel- und Nordeuropa ins Visier, auch hier 172

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kann die Marke schnell überzeugen. In der D-A-CH-Region zählt Duno heute mehr als 200 Türen, dazu gehören z. B. Breuninger, KaDeWe, Peek & Cloppenburg, Modehaus Schnitzler, Steffl oder Gränicher. Das Geheimnis des Erfolgs sind Jacken mit höchsten Qualitätsstandards, die sich im mittleren Preissegment bewegen. Zudem arbeitet Duno kontinuierlich an Schnitten, Materialien und natürlich am Thema Nachhaltigkeit. Das 2020 als umweltfreundliche Capsule konzipierte Projekt Refuture wird für die kommenden Saisons weiter ausgebaut. Es handelt sich um Jacken, die bis zu über 80 Prozent aus recycelten Materialien hergestellt werden, meistens aus aufbereiteten Fischernetzen. Für den Sommer 2022 will Duno weiter expandieren und auch die Damenkollektion stärken. Zudem experimentiert die Marke mit unterschiedlichen Materialkombinationen und präsentiert z. B. DoublefaceJacken, die Naturfasern und technische Stoffe miteinander vereinen.

Die Innovationskraft der Marke Duno spiegelt sich in Modellen wie dem Doubleface-Modell wider: Auf einer Seite Leinen, auf der anderen Nylon, beide Seiten sind gleichermaßen was­ serabweisend.


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GIANO

„LA MARTINA IST WIE DIE ERSTE LIEBE“

Enrico Paniccià ist Inhaber und CEO von Giano S.R.L., einem Unternehmen, das seit 1946 in der italienischen Region Marken Schuhe produziert. Sein Unternehmergeist hat aus einer kleinen Schuhfabrik einen der wichtigsten Hersteller und Distributoren der Region geformt, der unter anderem exklusiver Lizenznehmer von La Martina Shoes ist. Ein Gespräch über Tradition und Evolution. Text: Janaina Engelmann-Brothánek. Fotos: Giano S.R.L.

„Der Schuh der Zukunft muss authentisch und gut gearbeitet und natürlich nachhaltig sowie fair produziert sein“, so Enrico Paniccià.

Enrico, seit dem du 2000 in das Familienunternehmen Giano eingestiegen bist, hat sich viel getan … Enrico Paniccià, Inhaber und CEO Giano: Das Unternehmen wurde 1946 von meinem Opa Umberto Intorbida in Torre San Patrizio gegründet. Es war eine kleine Schuhwerkstatt, in der die Arbeiter der großen Schuhfabriken nach ihrer Schicht meinen Großvater und meine Großmutter unterstützten. In den 1970ern stieg mein Vater ein, der Giano zu einem mittelständischen Unternehmen ausbaute, dass damals bis zu 15 Mitarbeiter zählte. Ich begleitete meinen Vater oft zu den Kundenlieferungen und wusste schon in jungen Jahren, dass auch ich hier eines Tages arbeiten wollte. Lange Rede, kurzer Sinn: Im Jahr 2000 bin ich dann als frischgebackener Uni-Absolvent auch Teil von Giano geworden und habe schnell gemerkt, dass wir, um erfolgreicher zu werden, das Businessmodell ändern mussten. So entstand die Idee zum Licensing und die erste Kooperation mit La Martina. La Martina und Giano machen seit 15 Jahren gemeinsame Sache. Was ist das Geheimnis? La Martina ist für Giano wie die erste Liebe. Ich habe damals Lando Simonetti kontaktiert, um ihm von der Idee zu erzählen. Wir waren Experten in der Schuhherstellung, aber hatten noch nie Schuhe als Lizenznehmer produziert. Lando war mutig, er hat an mich und Giano geglaubt. Seitdem ist es eine sehr fruchtbare und erfolgreiche Zusammenarbeit. Wir produzieren im Jahr 50.000 Paar Schuhe und sind in über 300 Läden weltweit vertreten. Ich denke, dass wir den Erfolg unserer offenen und fairen Partnerschaft zu verdanken haben. Was sind die Zukunftspläne? Wir möchten uns in unseren Hauptmärkten noch stärker etablieren. Deutschland ist z. B. eine der wichtigsten Regionen für uns und wir haben mit Ben and einen sehr ambitionierten Plan für die kommenden Saisons gemacht. Wir lieben Deutschland, ein sehr dankbarer und treuer Markt, und deswegen investieren wir hier in Mar-

keting und Service. Des Weiteren arbeiten wir intensiv an dem Ausbau unserer beiden anderen Marken: Harmont & Blaine (ebenfalls Lizenzpartner) und Woolrich (JointVenture-Partner). Wie sieht der Schuh der Zukunft aus? Er muss authentisch und gut gemacht sein. Menschen wollen jetzt nur noch Qualität. Selbstverständlich nachhaltig und fair produziert, deswegen investiert Giano massiv in diese Richtung und wir sind froh ACBC als Partner gewonnen zu habe. Das B-CORP Start-up aus Mailand produziert alle seine Made-in-Italy-Modelle mit uns. style in progress

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„Anders als bei Fast Fashion ist uns die Wertschätzung von Kleidung sehr wichtig. Tom Ripley setzt auf faire und nachhaltige Produktion in mittelständischen Familienunternehmen in Italien.“ Wolfgang Müller, Inhaber Tom Ripley

THE ITALIAN WAY OF AMERICANO TOM RIPLEY

Der amerikanische Part von Tom Ripley offenbart sich im Schwerpunkt auf Polos.

• Jersey- und Poloshirts aus ElastiCotton mit detailliert eingesetzten Elementen mit nostalgischen Motiven sind typisch für Tom Ripley. Auch besondere Kragen kommunizieren Exklusivität: neben sportiven Tippings besonders die Optik im Bauhausstil. • Die Filo di Scozia Serie erhält durch ein spezielles Färbeund Waschverfahren einen sommerlichen Vintage-Look.

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Vom Ice Cotton Jersey Baumwollshirt über Sweater und Hoodies bis hin zu den Tom Ripley typischen ElastiCotton Polos und Filo di Scozia Strick – die auf 35 Modelle angewachsene Kollektion präsentiert Spezialistentum par excellence. Bereits in den Farben beweist Tom Ripley Liebe zum Detail. Violetto, Corallo und Cobalto wechseln sich mit Summer Darks wie Militare und Espresso. Aufgehellt mit Weiß und hellen Naturtönen für sommerliche Leichtigkeit und Frische. Ob Perlfangpullover in gröberer Teilung aus Leinen, Mesh-Knit-Polo­ shirt oder ein Poloshirt mit geometrischer Wellenstruktur, die Retronote ist eine wichtige Säule der Marke. Biobaumwolle, die mit einem besonders schonenden Verfahren mercerisiert und gefärbt wird, kommt zum Beispiel beim Full-Zip-Cardigan mit toniger Textur und Blousonkragen zum Einsatz. Ein Überraschungsmoment bieten gestrickte T-Shirts. Leger, aber edel in feinen Teilungen, die kaum von Jerseys zu unterscheiden sind. Ihre Materialien mit kühler Haptik wie Baumwoll-Crêpe oder Leinenmischung und Tiedye-Techniken betonen das Besondere.

Dolce Vita nennt sich das Kollek­ tionssegment, das Komfort mit Stil kombiniert. Zum Beispiel: Tom Ripleys Sweat-Bermuda mit stylisch abgesteppter Biese.


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COMMERCE CENTRE

Rettet die Innenstadt? Und die Pandas und die Wale gleich mit dazu? Wenn die Innenstadt Zukunft haben will, darf sie sich nicht retten lassen. Sie muss sich selbst retten, ihr Businessmodell radikal neu erfinden und zeigen, dass ihr Platz im Zentrum einer digitalisierten Welt berechtigt ist. Doch vorher heißt es aufwachen und verstehen, dass riesige, immobile Warenlager an feinen 1-A-Adressen Überbleibsel aus einer Zeit sind, in der der gelbe DHL-LKW noch eine Postkutsche war.

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ZUKUNFT OHNE EINKAUFSMEILE Wer Handel in der Innenstadt weiterhin so wie bisher plant, kann den Laden auch gleich dichtmachen. Die Zukunft hängt nicht an einer neuen Couture-Kuration, an Sammelsneakern oder kontaktlosen Bezahlsystemen. Kommunalpolitik und Stadtplanung entscheiden, wer in der Innenstadt Kundschaft findet – und welche Rolle das Einkaufen dort überhaupt noch spielen wird. Dafür haben wir sechs Denkanstöße. Text: Petrina Engelke. Illustration: grandfailure/stock.adobe.com

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ie gute Nachricht ist: Dem Handel geht es trotz der Corona-Maßnahmen überhaupt nicht schlecht. Laut HDE erzielte der Einzelhandel im Jahr 2020 insgesamt ein Plus von fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Doch während im Pandemiejahr der Lebensmittelhandel boomt, der Onlinehandel gut 20 Prozent zulegt und auch Möbel- und Baumärkte absahnen, stauen sich in den Modeläden die Kollektionen. Der Textilhandel schloss das Jahr 2020 mit einem Minus von knapp 25 Prozent ab. style in progress

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DER TRAUM VOM POST-CORONA-BOOM

Fehlende Nachfrage nach schicken Kleidern ist nicht neu. Was haben Stilikonen schon über die Leggingisierung der Welt geklagt, was hat der Casual Friday an der Büronorm gekratzt. Und wie hat die Modebranche bisher auf solche Unbill reagiert? Mit Verlagerungen, entweder im Sortiment oder aufs Rabattrennen oder gleich beides. Langfristig löst das nichts. Klar, Bälle, Hochzeiten und Clubnächte würden die Sache jetzt erleichtern. Ein neues Kleid für jede Bürgerin! Und dann zurück ins Jammertal? Dagegen hilft nur Ehrlichkeit: Der Mensch ist auf Modeläden nicht angewiesen, wie sich im Lockdown gezeigt hat – und die Stadt ist es auch nicht. Ohne diese Erkenntnis bleibt jede Ladenvision ein Luftschloss.

2 4 5 3 6 DER SINN DES LEBENS, DER SINN DES LADENS

Der enge Radius des Lockdown-Lebens hat die Vorteile einer 15-Minuten-Stadt bewiesen. Bei dieser radikal neuen Stadtplanung finden die Menschen alles Nötige in ihrer Reichweite, statt zwischen Wohnort und Arbeit zu pendeln und mit dem Auto zur Uni, ins Kino oder zum Einkaufen zu fahren. Einerseits bietet das dem Handel Chancen. Schließlich hätte jede größere Stadt mit diesem Konzept nicht nur eine Innenstadt, sondern viele. Andererseits ist deren Mittelpunkt nicht das Kaufhaus, sondern die Schule. Nachmittags sonnen sich Menschen im begrünten Schulhof, abends gehen sie zum Konzert in deren Aula. Diese Art von Stadt ist nützlich, vielseitig und lebendig. Fragt sich bloß, was ein Modeladen seiner Nachbarschaft eigentlich zu bieten hat, außer den Menschen den schweren Geldbeutel zu erleichtern? Wer darauf eine Antwort findet, hat im Laden der Zukunft einen Fuß in der Tür. MEHRWERT JENSEITS DER STEUER­ ERKLÄRUNG

Den Innenstädten fehlen die Bürohengste, Home­ office sei dank. Ob das so bleibt, weiß niemand. Untersuchungen des britischen Centre For Cities legen nahe, dass Laufkundschaft nach dem Ende der Corona-Maßnahmen unterschiedlich stark zurückkommen wird. Den unwiderstehlichen Reiz von Kommerz haben langweilige Einkaufsstraßen sowieso längst in Frage gestellt. Deshalb besinnen sich manche Orte auf den Dienst an der Gemeinschaft. Die Stadt Hanau etwa hilft Bürgern dabei, ihre Geschäftsideen zu verwirklichen – und macht sie zum Magneten ihrer Innenstadt. Auf einer leerstehenden Kaufhaus-

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fläche dürfen sich lokale Gründer für jeweils drei Monate präsentieren. Andere Orte fördern sogenannte Mehrfunktionshäuser. Einkaufen, Dienstleistungen und Bürgertreffpunkt unter einem Dach. Mit einem Mehrzweckkonzept auf der Fläche könnte auch ein Laden sein Verödungsrisiko breiter streuen. Fragt sich nur, welchen gesellschaftlichen Mehrwert der Modehandel bieten will.

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WENN SICH DIE MODE IM KREIS DREHT

Die pandemiebedingte Geschäftspause kann sich als Chance erweisen. Schließlich sind viele Ladenbesitzerhirne seit dem ersten Lockdown im Tüftelmodus – und geübt darin, sich unbequemen Wahrheiten zu stellen. Eine davon heißt: Saisonkollektionen sind Einwegware. Dabei ließe sich mit Mode mehrfach Geld verdienen, etwa mit Mietkleidern, Änderungsservice oder Secondhand-Optionen. Das wiederum würde bestens in die Innenstadt der Zukunft passen. Mit Kreislaufwirtschaft befassen sich viele Kommunen nämlich nicht nur wegen des Klimanotstands. Ein Spielzeugverleih, ein Reparaturcafé oder ein Recyclingkaufhaus bringen Leben in die Innenstadt. Das ist die neue Konkurrenz. BESSER ALS DER ONLINERIESE

Der Pandemiebeginn bescherte Amazon einen Schock. US-Ketten wie Walmart waren mit ihrem stationären Handel näher am Kunden. Besser als ein Onlineriese kann auch der Innenstadtladen sein. Sofern er aufhört, die ersten beiden Silben im Wort „Einzelhandel“ zu betonen. Es fehlt ein gemeinsamer Onlineshop für eine Stadt, in dem Anwohner sich ganze Outfits aus verschiedenen Läden zusammenstellen und dann anprobieren oder abholen können. Der Buchhandel macht so etwas mit Genial Lokal vor, für Labels versucht es Label Bird. Für Läden bedeutet das allerdings den Abschied von einem geliebten Feindbild. Nicht der Onlinehandel ist der Untergang der Modeläden, sondern der Tunnelblick. ABSCHIED VOM LADEN

Einkaufsbummel scheinen in Zukunft weniger gefragt zu sein als Erholung, Freizeitspaß, Bürgerbeteiligung, praktische und nachhaltige Dienstleistungen. Nicht jeder Modeladen wird es schaffen, sich in diese neue Umgebung einzufügen. Aber Abschied heißt nicht Geschäftsaufgabe. Eine Fläche lässt sich mit zahlenden Partnern bespielen oder als sinnlicher Erlebnisparcour neu erfinden – Markenbildung auf jedem Quadratmeter, nun halt fürs Onlinegeschäft. Denkbar ist auch der Verzicht auf Laufkundschaft in teurer Lage, das heißt, Umzug in einen Showroom, in den die Kundschaft nur mit Termin eintritt. Das kennt sie ja jetzt schon. Wie man es auch dreht und wendet: Es sieht kaum danach aus, als wäre in der Innenstadt der Zukunft Platz für Dutzende Modeläden, die nichts als Abverkaufen im Sinn haben. Wenn das kein guter Anlass ist, um sich endlich etwas Besseres einfallen zu lassen.


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Verbaute In-Store-Sensoriken liefern wertvolle Daten über das Kundenverhalten und ihr Feedback. The Latest ist die Live-Feldstudie für Marken.

Experience as a Service: Auf der Verkaufsflä­ che, die partiell gemietet werden kann, können Marken und Unternehmer ihre Innovationen präsentieren. Im Bild: Dhi Matiole Nunes.

THE LATEST/BERLIN

FUTURE HUB FÜR EARLY ADOPTERS Um die Innenstadt als emotional bespielbare Innovationsplattform zu etablieren, braucht es Ideen, die weit in die Zukunft denken. Das Team von The Latest möchte am Berliner Kurfürstendamm ein Exempel statuieren. Text: Isabel Faiss. Fotos: The Latest

Herr Nunes, was muss ein stationärer Store morgen können, um gegen die Schnelligkeit von E-Commerce kompetitiv zu bleiben? Grundsätzlich müssen wir uns bewusst sein, dass physische Stores mit dem Angebot, mit der Warenverfügbarkeit und mit dem Preisdruck aus dem Onlinehandel nicht konkurrieren können. Aber aus meiner Sicht ist das Erlebnis um eine Marke oder um ein Produkt herum online nicht zu reproduzieren. Es braucht eine Emotionalisierung. Meiner Meinung nach muss der stationäre Einzelhandel zum einen mit dem Onlinehandel kooperieren und sich zum anderen auf die Leistungen konzentrieren, die online nicht erlebbar sind. So kann er einen echten

Mehrwert für Marken bieten. Die Beziehung zwischen Händlern und Herstellern ist aus dem Gleichgewicht geraten. Hersteller müssen häufig hohe Werbekostenzuschüsse an Händler zahlen und sich auf lange Zahlungsziele einlassen, bekommen im Gegenzug aber nicht die gewünschte Leistung. Es ist Zeit, dass die Hersteller die Customer Journey wieder vorgeben. Was sind Themen, die den stationären Handel zukünftig dominieren werden? Der stationäre Einzelhandel wird nicht mehr unbedingt der Ort des Einkaufens sein, sondern der Ort der Erlebnisse. Es wird nicht mehr um Massenprodukte gehen, sondern um die Ausstellung von kuratierten Produkten. Zukünftig werden wir in den großen Metropolen Brand-Stores sehen, die ihren Kunden sowie den sogenannten Key-Opinion-Leadern die neuesten und innovativsten Produkte präsentieren. Aktualität oder Attraktion? Wie lautet die Antwort, die Sie mit The Latest geben? Wir versuchen, mit unserem Konzept eine Vision zu etablieren und der aktuellen

Zeit sowie dem aktuellen Retail voraus zu sein. Bei The Latest nehmen die Product Experience und das Community Engagement eine zentrale Rolle ein. Auf unserer kuratierten Präsentationsfläche werden ausschließlich ausgewählte Produkte repräsentiert, die bestimmte Kriterien wie keine existierende Präsenz im stationären Einzelhandel und einen hohen Innovationsgrad erfüllen müssen. Und natürlich freuen wir uns, wenn eine Kundin oder ein Kunde sich dazu entschließt, bei uns vor Ort einzukaufen. Dies spielt jedoch eine Nebenrolle. Mit The Latest sind wir Markenbotschafter der repräsentierten Unternehmen. Unser Ziel ist, allen Interessierten das bestmögliche InStore-Erlebnis zu bieten. Wer beispielsweise durch unsere Marketingaktivitäten auf ein Produkt aufmerksam geworden ist, wird im The Latest Store durch unsere Store Experts umfangreich beraten und in die Produktwelt eingeführt. The Latest ist somit nicht nur ein Testing Ground für Unternehmen, sondern auch ein Playground für Endkunden. style in progress

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16 Gebäude umfasst die Manifattura Tabacchi, darin finden Wohnun­ gen, Showrooms, eine Hochschule, Kindergärten, Gastronomie und Läden Platz.

Luca und Marco Baldini gestal­ ten in Florenz ein 100.000 Quadratmeter großes Areal ei­ ner ehemaligen Tabakmanufak­ tur mit. Es soll ein neues Zen­ trum außerhalb des Zentrums werden.

MANIFATTURA TABACCHI/FLORENZ

„ZU VIELE SCHÖNE PROJEKTE BLEIBEN EINE FATA MORGANA“ Die Brüder Luca und Marco Baldini bilden das Duo hinter q-bic, das seit 2005 in Italien und international an Projekten La Menagere, Moebius oder Mercato Centrale federführend beteiligt ist. Das aktuelle Projekt, die Revitalisierung der Manifattura Tabacchi in Florenz, „die neue Stadtmitte außerhalb des Zentrums“. Ein Gespräch über den Wandel der Innenstadt als kommerzieller Drehpunkt der Gesellschaft. Text: Janaina Engelmann-Brothánek. Fotos: Manifattura Tabacchi

Ihr seid Experten für Orte der Verschmelzung von Design, Kunst, Mode und Gastronomie. Wie erlebt ihr den Wandel der Innenstadt? Luca Baldini, Architekt bei q-bic: Es mangelt gewiss nicht an Ideen, die Zentren wieder attraktiv zu machen. Jedoch ist die Umsetzung nicht immer einfach, denn um echte (R)Evolutionen zu erleben, müssen Verwaltung und Wirtschaft für und an diesen Transformationen mit den Planern 180

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arbeiten. Viel zu oft bleiben schöne Projekte nur Fata Morganas. Meiner Meinung nach sollten Zukunftsstädte die Dichotomie Innenstadt/Handel und Stadtrand/Wohnen aufheben. Wie früher sollte man in Zentren alles machen können: wohnen, arbeiten, konsumieren, spielen – leben eben. Manifattura Tabacchi ist ein Projekt, das all diese Aspekte umsetzen möchte. Erzählt doch mal, was ihr vorhabt. Marco Baldini, Designer bei q-bic: Die Manifattura ist eine alte Tabakfabrik außerhalb der historischen Innenstadt von Florenz, die bis 2001 in Betrieb war. Wir arbeiten an diesem 100.000 Quadratmeter großen Areal mit der Vision, es wieder zu beleben. Es soll ein Stückchen Stadt außerhalb des Zentrums werden. In diesem Projekt stimmen die Visionen der Planer mit denen der Eigentümer (Jointventure zwischen cdp immobiliare und Gruppo AERMONT) überein: Es darf kein reines Wohn- oder Handelsviertel werden, es soll alles haben, was der Mensch zum Leben braucht, auch was für Kopf und Seele soll man hier fin-

den. Und natürlich ganz viel Grün und mit nachhaltigem Charakter. Luca Baldini: Die Manifattura soll ein Anziehungspol für alle sein, nicht nur für ihre Einwohner. Sie soll auch Menschen aus der Umgebung und der Innenstadt anziehen. Ist dies auch die Zukunft des Handels? Pole, innerhalb und außerhalb des Stadtzentrums, die ein 360-Grad-Erlebnis anbieten? Luca Baldini: Wir brauchen einen wirklich triftigen Grund, um in die Stadt zu gehen, weil wir ja alles von zu Hause mit einem Click bestellen können. Marco Baldini: Diese Orte sind eigentlich Anlehnungen an die Vergangenheit. Die Piazza war das Herz des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Die kleine Bottega neben dem Café oder Schreiner und Kinder haben hier vor den Augen der Älteren auf der Bank Fussball gespielt. Wir Planer müssen solche Orte wieder erschaffen und die Politik sollte uns dabei unterstützen. So kann der Handel wieder aufblühen.


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„ES WERDEN GANZ NEUE JOBKOMPETENZEN ENTSTEHEN“

Patrick Palombo, Product Owner PSR bei Arvato Systems, ist überzeugt: Eine vitale Innenstadt ist eine, in der die Warenbestände in den Filialen zu jeder Zeit aktiv in die Omni­ channel-Strategie des Retailers einbindet.

Flexibilität und Agilität brauchen ein Rückgrat: Arvato Systems stellt zwei Lösungen vor, die dem Handel in schwierigen Zeiten helfen, sein Sortiment und Service an den Bedürfnissen des Endkunden auszurichten. style in progress hat mit Patrick Palombo, Product Business Owner PSR, gesprochen. Text: Martina Müllner-Seybold. Fotos: Arvato Bertelsmann

Als einer, der den E-Commerce in Deutschland seit seiner Geburtsstunde begleitet – wie fällt deine Rückschau auf das Corona-Jahr aus? War es tatsächlich der Digitalisierungsschub? Definitiv: Konzerne, bei denen man bis dato mit allen modernen Click-&-Collect- oder Ordermanagementsystemen abgeblitzt ist, haben plötzlich in Rekordtempo Lösungen implementiert. Das Bewusstsein, dass Handel morgen anders aussehen wird, ist jetzt endgültig etabliert. Wie soll Handel denn aussehen? Kannst du es vielleicht anhand des Nutzens der SaaS-Lösung PSR beschreiben? Handel von morgen hat nach der Vision unserer Applikation PSR – das steht für Planung, Steuerung, Reporting – nicht nur die Top-down-Dimension, sondern auch einen wichtigen Bottom-up-Faktor. Bisher läuft es ja so: Der Zentraleinkäufer beschließt, einer Filiale für die Sommersaison 1.000 weiße T-Shirts zuzuteilen. Aus einem bestimmten Grund – zum Beispiel, weil nebenan ein Fashiondiscounter eröffnet hat, der mit

günstigen weißen T-Shirts wirbt – weiß die Filiale allerdings schon während der Planungsphase, dass sie diese 1.000 T-Shirts nicht mit voller Marge verkaufen kann. Unsere Applikation sieht also vor, dass die Filiale diese Annahme korrigieren kann, so dass Planung das Ergebnis eines ganzheitlichen Prozesses ist und nicht nur solitär auf einer Ebene stattfindet. Dass diese 1.000 T-Shirts bisher ausschließlich auf Erfahrungswerten oder Annahmen disponiert werden, ist doch in unseren heutigen Zeiten eigentlich nicht mehr hinzunehmen. Stichwort Margendruck, Stichwort Nachhaltigkeit. Ja, aber du kennst diese Branche. Die Sortimentsplanung basiert selbst in Mittel- und Großkonzernen vielfach auf Tabellenkalkulationen, die natürlich keine dynamische Entwicklung abbilden und auch keine In-Season-Steuerung möglich machen. Der Anspruch muss lauten: Überbestände vermeiden und wenn sie entstehen, schnell darauf reagieren können. Müssen die Filialbestände nicht jederzeit auch für Onlineverkäufe oder Same Day Delivery aktivierbar sein? Ja, das ist der Punkt, den wir mit Arvato Aroma lösen. Ebenfalls eine SaaS-Lösung, die mittelständische und größere Filialisten omnichannel-fähig macht. Ich sehe darin ein riesiges Potenzial, letztlich werden so auch neue Jobs entstehen, bzw. Jobprofile und Kompetenzen werden sich erweitern. Verkäufer werden ganz selbstverständlich Pakete versandfähig konfektionieren, Kuriere beauftragen oder Onlineretouren abwickeln.

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Q(UICK)-COMMERCE UND DARK STORES ZUKUNFT DER FASHION-INDUSTRIE 4.0?

In ganz Europa investieren On-Demand-Kurierdienste, wie z. B. das spanische Start-up Glovo, intensiv in sogenannte Dark Stores: innerstädtische Lagerräume an strategischen Orten, in denen schnell zu liefernde Waren gelagert werden können. Endverbraucher, die ihre Onlinebestellungen noch rascher erhalten möchten, befeuern den Q(uick)-Commerce zusätzlich. Mit den urbanen Liefer-Hubs werden Expresszustellungen am gleichen Tag oder sogar innerhalb einer Stunde möglich. Dieses Businessmodell funktioniert bereits bestens für Segmente wie Lebensmittel- und Essenslieferdienste. Könnte Q-Commerce auch die Zukunft der Fashionindustrie sein? Pinko z. B. ist schon im Juli 2020 eine Partnerschaft mit Glovo eingegangen und gehört in Italien zu den ersten Unternehmen, die schnelle FashionDelivery anbietet.

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ZUKUNFT DES STADTRAUMES

Die Faszination urbaner Zentren liegt in der Lebendigkeit und der Dynamik. Veränderung ist das Lebenselixier moderner Städte. Die beginnende Transformation der von Autos dominierten Stadt zum intelligenten Mobilitätskosmos wird eine der spannendsten Aufgaben der nächsten Jahrzehnte werden. Die Designstudie der Architekten von 3Deluxe zum autofreien New Yorker Times Square wurde jüngst für die Berliner Friedrichstraße adaptiert, die noch bis Oktober 2021 zur Probe auf einem Teilstück für den Autoverkehr gesperrt ist. „Nachdem offensichtlich ist, dass das Auto aus dem Stadtbild nach und nach verschwinden wird, ist es an der Zeit, über die Neugestaltung der Straßenflächen der Zukunft nachzudenken“, sagt Dieter Brell, Creative Director des Designbüros 3Deluxe und erklärt: „Autoreduzierte Städte bedeuten nicht die Reduktion des städtischen Lebens oder die Einschränkung der Mobilität, im Gegenteil, die Formen der Mobilität werden vielfältiger und komplexer und werden unsere Städte lebendiger und menschenfreundlicher machen.“ Dazu braucht es einladende Flächen für die immer größer werdende Gruppe der Nutzer von umweltfreundlicher Individualmobilität im harmonischen Zusammenspiel mit Fußgängern, Fahrradfahrern und E-Shuttles für den Transport von Personen und Waren. Um das Ausspielen eines Verkehrsmittels gegen das andere zu vermeiden, bedarf es dynamischer Fortbewegungszonen, die sanfte Mobilität für Stadtbewohner und Besucher mit schnellen Expressrouten für Radfahrer und Autos in einem rücksichtsvollen Miteinander verbinden.

Stadtbild der Zukunft: Ineinan­ der verwobene Inseln und Räu­ me mit Workoutund Entspan­ nungsflächen, Spielplätzen, Urban Garde­ ning, Grünzo­ nen, Cafés und Ladestationen für E-Mobilität.

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Dieter Brell, Creative Director des Designbüros 3Deluxe aus Wiesbaden ge­ staltet organische, urbane Landschaften für moderne Mobilität


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Freiraum ist Markenverbundenheit zum Anfassen: Digital Native Brands mit allen Sinnen erleben.

FREIRAUM

SCHNITTSTELLE STATT LEERSTAND Emanuel Elverfeldt und Franz De Waal zeigen auf ihrer Retail-as-a-ServicePlattform Freiraum Marken, die bisher ausschließlich online erhältlich sind, auf leerstehende Einzelhandelsflächen in bester Lage. Im Januar 2020 ist das Pilotprojekt mit dem ersten Freiraum Konzeptstore im Untergeschoss des legendären Shoppingcenters Quartier 205 an der Friedrichstraße in Berlin gestartet.

„Wir sind der Omnichannel-Partner für digitale Direct-to-Consumer-Marken, die Offline-Vertriebskanäle suchen. Viele D2CMarken werden heute online bekannt und sind hauptsächlich auf sozialen Medien wie Instagram zu sehen. Menschen fehlt die Möglichkeit zum Anfassen und Ausprobieren vor der Kaufentscheidung. Wir wollen es den Marken auf unserer Plattform so einfach wie möglich machen, den physischen Kanal für diese Zwecke zu nutzen. Wir ermöglichen es, innerhalb weniger Klicks offline zu gehen und gleichzeitig auf dem Freiraum Onlinemarktplatz zu verkaufen“,

Die Frei­ raum-Gründer Emanuel Elver­ feldt und Franz de Waal bieten Marken mit ihrem Konzept direkten Zugang zum Konsumenten auf gut gelege­ nen Flächen mit hoher Frequenz­ sicherheit.

erklärt Emanuel Elverfeldt, der über jahrelange Erfahrung im Bereich Immobilieninvestment verfügt und u. a. für BNP Paribas, Hudson Advisors Lone Star Funds, die Cresco Capital Group und zuletzt als Director Investments bei Rocket Internet SE gearbeitet hat. „Wir verringern den vorhandenen Leerstand, um dem Aussterben der Innenstädte etwas entgegenzusetzen. Laut HDE werden bis Ende 2021 rund 20 Prozent der Einzelhandelsflächen leer stehen. Mit Freiraum bieten wir einen erlebnisorientierten, digital angebundenen Marketingkanal, bei dem Online und Offline miteinander verknüpft werden und wir ständig wechselnden spannenden Marken auf gut gelegenen Flächen, kurzfristig und flexibel einen Auf-

tritt im stationären Handel ermöglichen. Omnichannel ist der Weg in die Zukunft. Egal ob der Kunde per QR-Code vor Ort einkauft oder sich erst später zu Hause für den Kauf entscheidet, in beiden Fällen wird bequem nach Hause geliefert“, sagt Franz de Waal, der nach seinem Studium in London und Cambridge mehrfach ausgezeichnet wurde, u. a. mit dem Alastair Ross Goobey Award für die beste Leistung mehrere Jahre für Tishman Speyer Properties. Dort war er vor allem an der Entwicklung und der Verwaltung von Immobilien in London und Berlin beteiligt. Über 120 Marken sind bisher sowohl stationär als auch mit digitaler Anbindung an die Freiraum-App und die Website auf der Plattform vertreten. style in progress

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Papier, Pappe und Holz: Adidas kompen­ siert CO2-Emissionen für diese PoS-Kam­ pagne.

DIE 15-MINUTENSTADT – LEBENDIG, NÜTZLICH, FESCH?

LIGANOVA

MESSBARKEIT DER KLIMABILANZ AM POS Nachhaltige Markeninszenierung am Point of Sale – worauf liegt dabei der Fokus? Torsten Dietz, Geschäftsführer PoS Campaigns bei Liganova: Die CO2-Einsparung am PoS wird für globale Marken durch ihre Klimabilanz zur grünen Währung. Nachhaltigkeit ist keine Frage des Bauchgefühls. Vielmehr geht es für Unternehmen darum, Transparenz und Fakten zu schaffen. Objektive und validierte Datengrundlagen müssen in allen Wertschöpfungsprozessen zur Entscheidungshilfe werden. Was verbirgt sich hinter der Initiative Green Torsten Dietz, Geschäftsführer Global Campaign Cycle von Liganova? PoS Campaigns bei Liganova. Nachhaltigkeitsbemühungen im Retail müssen alle Touchpoints in der Customer Journey betreffen: von der Ideation über die Konzeption bis zur Umsetzung und dem Roll-out. Mit unserer Lösung für Messbarkeit der Klimabilanz werden KPIs transparenter und dienen als Grundlage für Entscheidungen. Dabei werden die CO2-Emissionen von Kampagnen entlang des Wertschöpfungszyklus gemessen, um deren Umweltbelastung zu überblicken und zu kontrollieren. Dazu arbeiten wir mit der DEKRA, der Hochschule Fresenius und dem FSC – Verein für verantwortungsvolle Waldwirtschaft e. V. zusammen. Wie sieht das in der Praxis aus? Mit unserem datenbasierten Ansatz können die Umweltauswirkungen von Projekten genau gemessen werden. Wir analysieren den gesamten Treibhausgasausstoß von Materialien, über den Stromverbrauch bis zu den Versandemissionen, und bieten dann den Kunden eine umweltfreundlichere Alternative an. www.greencampaigncycle.com

Alles, was du brauchst im Umkreis einer Viertelstunde von zu Hause: Pop-up-Büros, Frischmärkte, nette Treffpunkte und Dienstleistungen von Versand bis Rechtsberatung, dazu Schulen, Pflegeeinrichtungen – und jede Menge Grün. So funktioniert die 15-Minuten-Stadt nach der Idee des Sorbonne-Professors Carlos Moreno. Mit diesem Konzept hat die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo schon vor dem Beginn der Pandemie Wahlkampf gemacht. Nun überzeugt die 15-MinutenStadt auf internationaler Bühne als wichtiger Baustein bei der wirtschaftlichen Erholung. Vermehrter Fuß- und Radverkehr verbessert eben nicht nur die Luft. Für die Modebranche heißt das: statt Tempeln in Hauptfrequenzstraßen kleinere BoutiqueKonzepte in Vierteln. Bye bye Einheitsbrei. Foto: Sylvain Leurent

„Wenn wir über die Bedeutung der Innenstädte nachdenken, müssen wir uns auch brisanten gesellschaftlichen Themen stellen. Warum sind die Herzen unserer Städte zu Investitionsmodellen geworden?“ Christoph Stelzer, Managing Director dfrost Retail Identity

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We keep moving forward opening new doors and doing new things, because we’re curious and curiosity keeps leading us down new paths. Walt Disney

Öffnungsperspektiven – das Buzz­ word der vergangenen Monate. Mit Öffnung hatte es nur leider nicht viel zu tun, es markierte eher das Gegenteil. Doch allen Felsen, die das Virus und die Politik in den Weg gelegt haben, zum Trotz, haben weltweit Retailer ihre Pläne in die Tat umgesetzt und neue Stores eröffnet. Ihre Konzepte sind hemmungslos progressiv und kompromisslos auf handverlesene Produkte und fein kuratierte Sortimente ausgerichtet. Sie stellen E-Commerce durch prätentiös dosierte Attraktivität und inkludierte Innovation in den Schatten. Damit stehen diese Stores erhaben über jeder Brick-and-Mortar vs. Online Diskussion. Sie beenden ihre Abhängigkeit von Marken und deren Verfügbarkeit, von Warendruck und Preisverfall und machen ihr Konzept selbst zur Marke. Der Wert hinter dem Konsum steht im Mittelpunkt des Store-Erlebnisses. Spannender kann Retail kaum noch sein. Text: Isabel Faiss. Fotos: Stores

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Im Dezember 2020 eröffnete Presentedby in Kooperation mit Level Shoes in Dubai ihren neuen Store für Luxus­ streetwear und Sneaker.

Presentedby/Dubai „Ein Erlebnis, das jeden Besuch wert ist“ Fotos: Presentedby

„In unseren Stores können die Kunden ein Erlebnis spüren, anfassen, entdecken, denken, genießen und teilen.“ Ridwane Ettoubi

Sie wollen keinen Onlinestore. Ein Kriterium, das Inhaber Ridwane Ettoubi als Retail-Enthusiasten outet. Alle drei Presentedby Stores in London, Paris und zuletzt im Dezember 2020 in Dubai eröffnet, zelebrieren ein extremes InStore-Erlebnis. In Dubai in Form einer dreidimensional gedruckten Gitterstruktur mit interaktiven Projektionen. Das Sortiment besteht aus exorbitant teuren Design- und Sammlerstücken wie beispielsweise dem self-lacing Nike Air Mag und streng limitierten Editionen. Exklusivität hat Konjunktur, weiß CEO Ridwane Ettoubi. „Unser Ansatz ist, Produkte und ein Erlebnis zu bieten, die einen Besuch wert sind. Unsere Produkte sind alle

limitiert und sehr exklusiv, sie orientieren sich an Trends und können preislich stark variieren. Das ist es, was unsere Kunden sich wünschen, und wir kuratieren und präsentieren sie als Objekte, die man wertschätzen sollte. Dafür inszenieren wir progressive, faszinierende, erlebnisorientierte Stores, die originelles und frisches Innendesign mit neuesten Technologien verbinden. Wir erhöhen Produkte förmlich durch Elemente des Theaters und der Unterhaltungstechnik, um möglichst fesselnd die einzelnen Geschichten jeder Produktlinie zu erzählen.“ Presented by/Level Shoes. The Dubai Mall, Financial Centre Rd, Dubai/Vereinigte Arabische Emirate, www.presentedby.com style in progress

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Virgil Abloh stellt die Gesetzmäßigkeiten des Modehandels in Frage. Sein neuer Store ist ein Kommunikationsangebot an die Post-Google-­Generation.

Flexible Fassaden erweitern die Grenzen des räum­ lich Möglichen.

Off-White/Miami Ein Abgesang auf die Schwelle Fotos: AMO, Off-White

Kaum ein Designer reizt die gängigen Vorstellungen der Mode- und Designbranche so radikal aus wie Off-White-­ Designer Virgil Abloh. Gemeinsam mit dem kreativen Thinktank von Rem Koolhaas namens AMO kreierte er inmitten Miamis Design District einen neuen Flagshipstore, der letztes Jahr ein vergleichsweise leises Opening erlebte. Als studierter Architekt legte der amtierende Creative Director von Louis Vuitton selbst mit Hand an das Konzept des Stores, der das Erlebnis über das Produkt erhebt. In einem Interview mit dem Architekturblog Dezeen erklärte er: „Anstatt langweiligem Smalltalk beim Abendessen sagte ich zu meinen Partnern: Hey, lasst uns mal ein bisschen Schwung in das Ganze und eine Idee zu Papier bringen. Wie sieht spannender Handel heute aus? Lasst uns anfangen, den Einzelhandel herauszu188

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fordern. Ich meine, was bedeutet Architektur heute? Was bedeutet Handel? Wie sieht eine Fläche in einer Welt nach Google und Amazon aus?“ Die Antwort darauf gestaltet sich modular. Im Erdgeschoss des Stores lassen sich zwei Fassaden beliebig verschieben und schaffen so unterschiedliche Räume – sie verändern grundlegend die Idee des Markenstores, denn sie öffnen bewusst die Fläche hin zur Straße. Virgil Abloh versteht seinen Store als Kommunikationsangebot an die Umwelt. Off-White, 127 NE 41 Street, Miami/USA, www.off---white.com


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Sie feiern Premium­ streetwear und ihre steigende Akzeptanz in der Mode. Mit Akenz hat Jens Christensen innovativem Modehandel ein Denkmal gesetzt.

Akenz/Schanghai Eine Chance zur Reflektion Fotos: Peter Dixie for Lotan Architectural Photography

Jens Christensen bewies schon 2016 Pioniergeist, als er den ersten Akenz-Store in Shenyang und Schanghai eröffnete, um skandinavische Luxusstreetwear als Multilabelkonzept zu präsentieren. Als im Frühsommer 2020 der neu designte Laden in der TX Mall in Schanghai eröffnete, lag der radikale Lockdown gerade hinter ihnen. Für Jens Christensen der richtige Zeitpunkt, mit seinem progressiven Sortiment und einem neuen Storedesign nach vorne zu blicken: „Das Jahr 2020 war definitiv eine Herausforderung für den Handel, aber auch eine Chance für uns, zu reflektieren. Für uns ist Authentizität in der Präsentation wichtig. Obwohl wir hochpreisige Designerprodukte verkaufen, haben wir alle eine große Nähe zur Streetkultur und zum Hip-Hop, weshalb wir auch unseren Store entsprechend gestaltet haben.“ Seinen Optimismus zu den aktuellen Herausforderungen beantwortet Christensen mit der Konzentration auf Produkte, die jenseits von Trends Sogwirkung haben: „Unser Motto lautet Authentizität vor Hype. Das bedeutet, dass wir unserem Stil treu bleiben, uns zu unserem Kurs bekennen und einzigartige Designer präsentieren. Immer mehr unserer Kunden interessieren sich sehr tiefgreifend für technische Details und Innovationen in der Produktion. Daher wählen wir bewusst Designer und Marken aus, die in diesen Bereichen Pioniere sind und Innovationen in der Industrie vorantreiben.“ Akenz, Middle Huaihai Road, Huangpu District, Schanghai/China, www.akenz.com

Der Akenz-Skatepark in Schanghai übersetzt Streetwear als Hommage an die Authentizität urbaner Jugendkulturen.

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Im Oktober 2020 eröffnete die J1M5 Boutique in Qingdao ihren hyperflexiblen Store. Die Looks kommen in beweglichen Kleiderschränken daher, die gleichzeitig auch als Umklei­ den dienen.

Wandel als Konzept. Dieser Store kann im Handumdrehen zum Catwalk, zum Eventraum oder zur Galerie werden.

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J1M5/Qingdao Die Stilwelt im Koffer Fotos: Various Associates

Es ist wie ein Spiel mit Mikro- und Makroelementen, ein sich ständig wandelndes Designlayout, das Flexibilität als Maxime des Stores hervorhebt. Die J1M5 Boutique besteht aus lauter in sich wandelbaren Modulen, die gigantische Koffer, urbane Hochhausschluchten oder auch intime Garderobenräume erschaffen können. In ihnen befinden sich handverlesene Mode, Kultur und Stilelemente aus aller Welt, mal als persönliche Empfehlung für Kundinnen im Vorfeld zusammengestellt, mal als Inspirationsoase konzipiert. Die Schrankelemente lassen sich drehen und zu Säulen, Schienen, Schaufenstern, Garderoben oder ganzen Kabinen wandeln. Der Clou: Private Shopping ist im Handumdrehen umsetzbar. Kundinnen können sich vorab eine Auswahl zusammenstellen und sozusagen im begehbaren Schrank anprobieren. Der Store wird zum endlosen Raum, wo Logik auf Kunst trifft. „Das große Ziel, das alle Modehäuser heute anstreben, liegt darin, Mode nicht als Konsumartikel zu präsentieren, sondern eine offene Erlebniswelt zu schaffen, in der Menschen ihre Ideen austauschen und kreative Inhalte erleben können“, sagt Storeinhaberin Coco. J1M5 Boutique. Hisense Plaza, Qingdao/China

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Die richtige Szenerie: Für die Architekten von Inainn standen medi­ enwirksame Spots und Nachhaltigkeit an erster Stelle.

Modo/Ålesund „We challenge their impression“ Fotos: Votton AS

Håkon Avseth und Marius Ryste eröffneten mit Modo 2020 ein Signature-Projekt in Norwegens Modeszene. Ein Statement für den unabhängigen Einzelhandel, online wie offline. Und das aus Überzeugung: „Ich glaube an innovative, unabhängige Formate mit einer großen Leidenschaft für ihre Kunden und Identität. Ich glaube an das Bedürfnis des Kunden, gesehen und gehört 192

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Modo ist das Signa­ ture-Projekt der norwe­ gischen Modeszene. In ihrem Sortiment kom­ biniert das Storeteam skandinavisches Design mit internationalen Brands.

zu werden, online und offline. Dieser Service erfordert eine hingebungsvolle Organisation und das ist meiner Meinung nach in kleineren Stores leichter umsetzbar. Darum glaube ich fest an den unabhängigen Einzelhandel“, sagt Marius Ryste, der das Sortiment bereits auf die Gegenreaktion zur vorherrschenden Leisure Wear ausrichtet: „Seit einiger Zeit schon sehen wir den Boom für komfortable Wohlfühl-Looks, aber in der Pandemie ist das explodiert. Analog zur Nachfrage nach bequemer Kleidung und technischem Komfort sank die Nachfrage nach formellen Styles. Wir sehen bereits die Gegenreaktion dazu am Horizont und richten unser Sortiment für Herbst/Winter 2021 bereits mehr auf Strick und formellere Looks aus. Wie spannend!“ Modo, Kipervikgata 5, Ålesund/Norwegen, www.modostore.no


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Peak/Moskau Neues Power-House in Moskau Fotos: Aurore°

„Dieser Store ist mein persönliches Modestatement“, sagt Sergey Tanin selbstbewusst. Er ist der Pionier in Sachen Streetwear in Moskau – sein erstes Storeprojekt FOTT hat selbst nach der Schließung bis heute Kultstatus. Auch sein neuestes Baby, der im Herbst letzten Jahres gelaunchte Store Peak, bekam bei Eröffnung Vorschusslorbeeren. Schuld daran war unter anderem Mariia Kachalova, die mit ihrem Team Aurore eine Hand voll progressiver, junger Architekten um sich vereint, die an den bedeutendsten Leuchtturmprojekten der jungen Moskauer Retailszene ihre Finger im Spiel haben. Wer den Puls dieser Stadt fühlen will, spricht mit ihr. Auch Peak begleitete sie federführend von Anfang an: „Während des Lockdowns begannen fast alle Stores, ihre Produkte online zu verkaufen. So auch Peak, ein Projekt das buchstäblich mit der Intention gegründet wurde, ein neuer Hotspot in der Innenstadt zu sein, konnte nur online gelauncht werden. Der gesamte Designprozess lief dezentral digital ab, was eine große Herausforderung war“, erzählt sie. „Ich persönlich bin völlig überzeugt von physischer Präsenz und ihrer Zukunftsfähigkeit bezogen auf den Handel. Premium Mode wird es noch Jahrzehnte lang offline zu kaufen geben. Bezogen auf austauschbare Storeformate ohne eigenen Charakter kann ich mir allerdings vorstellen, dass sie irgendwann völlig durch Onlineformaten ersetzt werden.“ Peak, Petrovsky Boulevard 8/1, Moskau/Russland, www.traektoria.ru/peak/

Community-Hub mit Raum für Selbstentfaltung. Im Oktober eröff­ nete Sergey Tanin gemeinsam mit Konstantin und Alexey Mikhailov Peak in Moskau.

Candyshop für Outdoor Connaisseurs. Peak präsentiert ein Sortiment, das sich aus langjährigen Beziehungen Sergey Tanins mit der Designszene speist.

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Maison Borracci/Bari Mit Leidenschaft und Hingabe Fotos: Maison Borracci

… und vor allem mit unternehmerischem Mut und Durchhaltevermögen beschlossen die drei Brüder Pietro, Domenico und Alessandro Borracci im vergangenen Dezember im süditalienischen Noicattaro in der Provinz Bari einen zweiten Menswearstore zu eröffnen. Und das inmitten dieser besonderen Zeit. „Die aktuelle Situation hat die Modebranche als Flaggschiff der italienischen Wirtschaft hart getroffen. Wer kaufte sich in Zeiten von Stay-at-home-Aufrufen neue Kleidung? Wir sind auf der unverkauften Ware und der Angst sitzen geblieben, das Geld dafür nie wiederzusehen. Das hat uns gezwungen, uns neu zu erfinden. Um den neuen Bedürfnissen nach der Pandemie gerecht zu werden, haben wir einen Onlineshop gelauncht, der es uns ermöglicht, internationale Kunden zu bedienen“, sagt Domenico Borracci. Sein Motto lautet: „Die Kommunikation über Social Media und das gewachsene Vertrauen unserer Kunden hat es uns erlaubt, unsere Zweifel in neue Chancen zu übersetzen, auch mit diesem neuen Store.“ Maison Borracci, Via Tommaso Fiore 10, Noicattaro/Italien, www.maisonborracci.com

Italienische Premiummenswear als Familienunternehmung: Die drei Borracci-Brüder Pietro, Domenico und Alessandro bewiesen mit ihrem neuen Store eine Menge Mut.

Reduktion als Statement. Maison Borracci lässt Raum für inter­ nationale Premi­ umsportswear.

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Freude schenken

Überraschungsqualitäten sind der neue Standard. Jede Marke, die es gerade jetzt in ein Sortiment schaffen will, muss mit ihrem Gesamtpaket überzeugen. Weil nur schöne Ware eben nicht reicht.

Euterpe Studio.

Euterpe ist eine der neun Musen der altgriechischen Mythologie und steht für „die Erfreuende“. Genau das sollen die Taschen dieser neuen Marke made in Italy tun: Ihre Trägerin mit schönen Designs zu erschwinglichen Preisen erfreuen. Die Kollektionen der Jungdesignerin Sofia Nardi sind voller Farben und Formen und ausschließlich aus zertifiziertem Kalbsleder höchster Qualität hergestellt. Denn Taschen sollten für Nardi nachhaltige Luxusgüter sein, die aber nicht zu Luxuspreisen verkauft werden. Geht das? Die Antwort gibt Sofias Unternehmergeist: Ja, es ist möglich – schöne Designertaschen müssen nicht überteuert sein. Agentur D-Tails, München/ Deutschland, info@d-tails.de, www.euterpestudio.com

Kompromisslos

Ina Kess. Loungewear, aber luxuriös: Das Schweizer Sport- und Life­ stylelabel Ina Kess stellt den Tragekomfort hochwertiger Materialien in den Vordergrund und füllt eine Marktlücke mit zeitlosen Styles, die auch im Business eine gute Figur machen. So werden die edlen Trackpants mit Tops und Sweats und ebenfalls mit Blusen und Stretchblazern ergänzt. Die Kollektion wurde 2017 von den Schwestern Katharina und Isabelle Staub auf den Markt gebracht. Heute gibt es viermal jährlich neue, in Europa produzierte Styles, die durch ein NOS-Programm ergänzt werden. Partnerschaftliche Zusammenarbeit schreiben die Schwestern groß und auch ihr konsequentes No-Sales-Konzept überzeugt die europaweit 50 Handelskunden, zu denen Jelmoli und Globus, KaDeWe, Alsterhaus und Rinascente in Mailand zählen. Ina Kess Ltd., Wollerau/Schweiz, noelle@inakess.com, www.inakess.com

Berliner Traum

t7berlin. Für ihre Vision hängte Larisa Pitkevich den gut dotierten Job in der Führungsetage eines Großunternehmens an den Nagel und setzte alles auf eine Karte. t7berlin verbindet europäische Handwerkskunst mit Nachhaltigkeit und produziert Essentials aus Naturgarn, die auch morgen noch aktuell sind. Besonders ist die Verwendung der STOLL-knit and wear® Technologie. Die 3D-Methode ermöglicht das Stricken, Formen und Verbinden mit nur einer Maschine und erzeugt keinerlei Abfall. Zusätzlich reduzieren kurze Lieferwege den CO2-Ausstoß. Die Marke will noch dieses Jahr das Sortiment um Seide und Cashmere-Seide-Strick erweitern, für 2022 ist Kidswear geplant. Aktuell bietet t7berlin nur selektive Handelspartnerschaften auf Anfrage. Der VK variiert zwischen 89 und 259 Euro. t7berlin, Berlin/Deutschland, T 0049.176.62732803, lp@t7berlin.com, www.t7berlin.com, @t7berlin 196

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Cool bleiben

Skandinavische Essenz

Project.AJ117. Die Kollektion aus Kopenhagen bringt zeitlose Everyday Essentials heraus, die Weiblichkeit mit skandinavischer Coolness vereinen. „Die Bezeichnung Slow Fashion bringt es auf den Punkt, sagt Antonio Bautista, der Project.AJ117 im deutschen Markt vertritt. „Ich war auf Anhieb begeistert, auch von der soften Haptik der Teile.“ Project. AJ117 wurde 2011 von Charlotte Vadum gegründet, wobei der Fokus auf einer möglichst umweltfreundlichen Produktion hauptsächlich in Europa liegt. Auch soziale Verantwortung möchte das Team um Charlotte Vadum übernehmen, so werden die Tie-Dye-Styles in einer indischen Fabrik gefertigt, die sozial benachteiligte Frauen beschäftigt. Kleider kosten im VK von 100 bis 280 Euro, Jerseyshirts liegen zwischen 69 und 109 Euro im VK bei einem Mark-up von 2,7. D: Agentur Bautista, Köln/Deutschland, antonio@agentur-bautista.de, www.project-aj117.com

Bohemian Summer

Maison Hotel.

Der Style steht für sommerliche Leichtigkeit, mit eklektischen Summer-Pieces, die feminine Romantik nicht missen lassen. „Besonders beliebt sind Kleider, Tops und Röcke mit Prints und in handgemachter Tie-DyeTechnik“, sagt Antonio Bautista, der Maison Hotel mit seiner Agentur im deutschen Markt vertreibt. „Außerdem sind die Kunden von dem konsequenten Einsatz von Naturmaterialien begeistert.“ Maison Hotel wurde 2013 von Sami Macias und Amrit Balani gegründet. Nicht nur ihr Style, sondern auch die Preise machen die Teile des spanischen Labels zu Mitnahmeartikeln. Tops kosten im VK zwischen 45 und 70 Euro, während Kleider zu 100 bis 140 Euro angeboten werden, kalkuliert mit 2,7. D: Agentur Bautista, Köln/ Deutschland, antonio@agentur-bautista.de, www.maisonh.com

Yeti. Anspruchsvolle Outdoor-Enthusiasten schwören auf die robusten Kühlboxen, -taschen und Thermogefäße der US-amerikanischen Marke Yeti. Egal ob beim Jagen, Angeln oder dem Campingausflug in die Wildnis, die soliden Griffe und Verschlüsse sind darauf ausgelegt, wirklich jedes Abenteuer mitzumachen. Die Passivboxen halten ohne Strom mittels Kühlakkus oder Eiswürfeln je nach Ausführung mindestens 48 bis 72 Stunden kalt. Die Kollektion beinhaltet über 50 Modelle in mindestens drei Farben. Die VK-Preise reichen von 24 bis 699 Euro. Kunden sind u. a. Bstn Store, Meine Jungs, Alike und Super Store. Ob also nun für den nächsten Roadtrip durch Europa oder den Ausflug zum Grillen am nahgelegenen Badesee, mit Yeti gibt es stylisches Equipment, das hält, was es verspricht – nämlich den Coolness-Faktor zu bewahren. D: Blacksales Marc Schwarz, Sindelfingen/Deutschland, T 0049.171.8101085, marc@blacksales.de A: The Treeline Agency GmbH, Innsbruck/Österreich, T 0049.170.2717356, info@treelineagency.com CH: Arcs Agency GmbH, Zürich/ Schweiz, T 0041.76.4321348, saemi@arcs-agency.ch, www.yeti.com

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Die Hosen an

I love my pants. 2019 gründet

Designerin Donata Facchini ihr Hosenlabel I love my pants. Die Italienerin ist eine echte Hosenexpertin, so hat sie bereits unter anderem Designs für Monocrom entworfen und wirkt bis heute bei der Kollektionsentwicklung anderer wichtiger Marken mit. Ihre Modelle sind für selbstbewusste Frauen gedacht, die eine etwas andere Hose suchen. Jedes Modell hat ein cooles Detail, das es zu einem Unikat macht. So gibt es für die kommende Sommersaison Hosen mit Schmuckapplikationen, farbigen Prints, Fransen, feinen Stickereien oder lustigen Aufnähern. Natürlich vollständig made in Italy. D-tails, München/Deutschland, info@d-tails.de, @i_love_my_pants

Luxusbikinis aus Berlin

Fair Nascht

Holy Shocolate. Die handgefertigte Schokolade von Holy überrascht nicht nur mit einem völlig neuen Mundgefühl und ungewöhnlichen Geschmackskombinationen, sondern vor allem durch den Verzicht von industriellem weißen Zucker, tierischen Fetten und Milch. Zum Einsatz kommen ausschließlich Biozutaten. Der Kakao stammt aus einem Biosphärengebiet in Nicaragua und wird von Kleinbauern angebaut. Um die Nährstoffe zu erhalten, wird der Kakao bei niedrigen Temperaturen weiterverarbeitet. Die Schokoladen enthalten dadurch dreimal so viel Antioxidantien wie grüner Tee. Gesüßt wird hauptsächlich mit Erythrit und Koskosblütenzucker. Der große Vorteil von Erythrit liegt darin, dass es nicht als Glucose verstoffwechselt wird und damit den Blutzucker nicht ansteigen lässt. Damit ist die Schokolade auch für Diabetiker geeignet. Ykon Agency, Hamburg/Deutschland, mo@ykon-agency.com, www.holyshocolate.com

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Janthee Berlin.

Janthee Berlin steht für hochqualitative Bademode made in Europe. Die Kollektionen werden in Berlin designt und in Portugal aus exklusiven italienischen Materialien hergestellt. Die Jungunternehmerin Linda Hausser kreiert Bikinis, Badeanzüge und Beachaccessoires für Frauen mit Stil, die gerne reisen, das Leben lieben und auch am Strand herausstechen möchten. So hat das junge, 2016 gegründete Label schon so renommierte Trägerinnen wie Kendall Jenner für sich gewinnen können. Aber Hausser ist es wichtig, mit Janthee Berlin jeden Körper sich wohlfühlen zu lassen und setzt auf unterschiedliche Modelle, teilweise verstellbar und mit einer großen Vielfalt von Prints und Farben: „Es geht nicht darum, einen Modetrend anzunehmen, sondern darum, seinen eigenen, schönen Körper zu umarmen.“ Adventure Fashion Agency GmbH, Düsseldorf/Deutschland, info@adventure-gmbh.de, www.jantheeberlin.com


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Slow you roll

Keine Kompromisse

Arys. Was mit multifunktionalen Trainingsanzügen begann, hat sich zu einem heiß gehandelten Geheimtipp entwickelt: Arys steht für modernen, urbanen Stil, genderfluid und voll innerer Werte. Besonders die Outerwear – fair und mit hohem nachhaltigen Anteil in Portugal, Litauen und China hergestellt – hat Eyecatcher-Charakter, ohne plakativ zu sein. Minimalistische Gestaltung trifft auf bewusst gesetzte Designakzente wie bodenlange Mäntel oder Jacken mit KimonoGürtel. 2014 in Berlin gegründet, ist die Marke bei Key-Accounts wie Bungalow, Lodenfrey, Braun oder Beams vertreten. Die EK-Preise rangieren von 20 bis 290 Euro. Arys, Potsdam/Deutschland, f.gerum@aryswear.com, www.aryswear.com

Manto. Slow you roll ist das Mission-Statement dieser italienischen Marke für maskuline Outerwear. Mode soll langsam und achtsam produziert und konsumiert werden. Deswegen setzt Manto alles auf „fatto in Italia“ und meint damit nicht nur „Made in Italy“ als geografische Bezeichnung, sondern insbesondere das Knowhow der „artigiani“, die Handarbeit und Liebe zum Detail, die nur ausgewählte Textilwerkstätten vorweisen können. Manto arbeitet mit diesen „laboratori“, um Kollektionen zu entwicklen, die nicht nur hochqualitativ, sondern auch zeitlos sind. Denn, so Mantos Überzeugung: Nur das, was heute und morgen passt, ist nachhaltig. Elvis Fashion, München/Deutschland, elvis.giglione@elvis-fashion.com, www.mantoitaly.com

Luxusdenim in neu

Purple Brand. Wem man Purple Brand erklären muss, der ist ganz klar nicht die Zielgruppe der New Yorker Marke. Geboren in der Hip-Hop-, Basketball-, und CelebritySzene, ist die Marke via Social Media Teil der Medienrealität ihrer Fans. Aufwändig gewaschene und veredelte Jeans markieren die Schnittstelle aus Streetwear und Luxus. Mit VK-Preisen bis über 400 Euro besetzt die Marke selbstbewusst eine Führungsrolle unter fashion- und luxusaffinen Connaisseurs. Komet und Helden holt die Marke ab dieser Verkaufssaison über den Ozean. „Wir freuen uns darauf, weil wir stark an Denim glauben“, sagt Agenturgründer Henrik Soller. Purple Brand, Komet und Helden, Berlin, München, Düsseldorf/Deutschland, muenchen@kometundhelden.de, www.purple-brand.com style in progress

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Auf keinen Fall Basic

Auf und davon

Das neue Made in Italy

Distretto 12. Die Brüder Hong beweisen mit Distretto 12, dass chinesische Familien der zweiten Generation in Prato mehr können, als nur Lieferanten großer Modemarken zu sein. Mit ihrem Label haben die zwei innerhalb der letzten fünf Jahre eine HAKA-Kollektion ins Leben gerufen, die sich mühelos im mittleren Preissegment positioniert hat, und das nicht nur in Italien, sondern europaweit. Die Produkte werden samt und sonders in der Toskana hergestellt und verkörpern perfekt das Deconstructed Formal: viel Jersey und Strick, lockere Hosenmodelle, gut geschnittene Hemden und coole Sakkos. D: Modeagentur Kimpfler, München/Deutschland, info@modeagentur-kimpfler.de, Agentur Lubasch, Düsseldorf/Deutschland, agentur@lubasch.com, A: Knaus oder Knaus GesbR, Salzburg/ Österreich, gerhardknaus@me.com, CH: Moda Team AG, Glattpark/Schweiz, modateam@bluewin.ch, www.distretto12.com 200

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FPM. Das Namenskürzel steht für Fabbrica Pelletteria Milano, ein 1946 gegründetes Unternehmen, das sich auf Gepäck, Taschen und Reiseaccessoires spezialisiert hat. Die Kollektionen bestehen aus echten Designstücken: Koffer für den Reisenden, der in der Gegenwart lebt und in die Zukunft blickt. Einer der Stardesigner der Marke ist Marc Sadler. Sein Motto: „Ich reise, ich denke, ich arbeite. FPM richtet sich an zeitgenössische, umherziehende Reisende, die ihre Lebensweise nach dem modernen Nomadentum neu erfinden und das Ziel haben, immer im Fluss zu bleiben.“ Wichtige E-Commerce-Händler wie Mr. Porter oder Matchesfashion führen die Marke bereits, jetzt kommt der Roll-out für die D-A-CHRegion. Michael Prues, München/Deutschland, michael@pixint.de, www.fpm.it

Aws twentyfourseven. Richtig spannender, kreativer Strick mit einer großen regionalen und nachhaltigen Komponente – so lässt sich das Projekt Aws twentyfourseven der Swiss Design Preisträger After Work Studios zusammenfassen. In enger Zusammenarbeit mit einer der letzten Strickmanufakturen in der Schweiz entsteht eine in drei Selektionen pro Saison unterteilte Kollektion, die hohen gestalterischen Anspruch hat. GOTS- und Bluesignzertifizierte Garne aus Norditalien und der Bodenseeregion, die Produktion in der Schweiz – Aws twentyfourseven triggert mit seinem modernen Einzelstückcharakter den Zeitgeist. MPH Agentur, Herrliberg/Schweiz, mirjam@mphagentur.com, www.aws247.ch


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Performance Underwear

Made in Porto

Skenty. Tabuthemen brechen und die Kraft der Weiblichkeit zelebrieren – so lautet die Vision des Berliner Start-ups Skenty. Ende 2020 von Mandie Bienek und Luiza Philipp gemeinsam mit der Produktund Innovationsdesignerin Olivia Pflugfelder-Jünger gegründet, steht das Label für nachhaltige und fair produzierte Performance-Unterwäsche bei Periodenblutung und Blasenschwäche. „Wir verwenden für unseren ultradünnen dreilagigen Layer eine innovative Technologie, die einmalig ist und ohne Plastik auskommt“, so Olivia Pflugfelder-Jünger. Die Produkte sind Oeko-Tex- und PEF-zertifiziert, der Saugkern trägt zusätzlich das Bluesign-Zertifikat, hergestellt wird in Europa. Die Unterwäsche ist ohne Nähte, in drei Styles und sieben Farben erhältlich. Sie wird vorerst B2C über die eigene Website angeboten. Skenty, Berlin/Deutschland, support@skenty.com, www.skenty.com

Catarina Martins. Seit 2003 auf dem Markt, fällt die portugiesische Schuhmarke Catarina Martins durch ihre Modernität auf. Stiefel mit bulky Sohlen genauso wie die ikonischen Cowboy-Styles, die das typische gewaschene Leder der Marke in allen möglichen Varianten zeigen – von der sleeken Stiefelette mit Gummizug bis zum bestickten Boot. Modeist von Timothy und Marion Hoferer hat den Vertrieb in Deutschland und Österreich übernommen, die VK-Preise für die komplett in der Region Porto handgemachten Schuhe liegen im Premiumsegment, für Händler gibt es auch die Möglichkeit der B2B-Order. Modeist, Düsseldorf und München/Deutschland, info@b-kleidung.com, www.catarinamartins.com

Unkonventioneller Cashmere

Brand Unique.

Das Projekt zweier Geschäftspartner, die sich perfekt ergänzen. Andrea Meschiari und Sandro Poli haben ihre Marke Brand Unique in Carpi aus der Taufe gehoben, mitten in Italiens Strickcluster. Ihre Mission: Cashmere einen rockigeren Vintage-Touch zu verleihen. So werden die Damenpullover gewaschen, gefärbt oder mit Schmucksteinen verziert, um besonders zu sein. Die Kollektion ist als saisonunabhängiges Projekt angelegt und begeistert alle Altersschichten. In Deutschland hat die Agentur Prins-Juric den Vertrieb übernommen. Mit der vollstufigen Produktion der Gennai Srl im Hintergrund fällt Brand Unique durch absolute Liefertreue und hohe Professionalität auf. Agentur Prins-Juric, Berlin, Düsseldorf, München/Deutschland, tina@prins-juric.com, www.brandunique.it

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FINDEN WIR GUT

100 Jahre Eleganz

Not just a label

Backsideclub. Backsideclubs erste Kollektion wurde 2019 von den Brüdern Smania aus Venedig lanciert. Alain und Gloe beschäftigen sich seit Ende der 1990er-Jahre mit Design, Architektur und Fashion und gründeten 2007 Apache Farm, einen Creative Hub auf einem ehemaligen Industriegelände. Hier sollen Menschen zusammenkommen und Neues kreieren: Schriftsteller, Künstler, Designer und Musiker. Das Label Backsideclub ist ein Produkt dieser Apache Farm, die Kollektion eine Mischung aus japanischen Klassikern und der Straßenkultur der 1990erJahre aus New York und Los Angeles. Basics wie T-Shirts, Hoodies, Hosen und Mützen in funky Farben mit plakativen Prints. Außerdem gibt es eine limitierte Skateboard-Linie, ganz im „Back to the 90ies“-Mood. Agentur Ventrella GmbH, München/ Deutschland, mode@agentur-ventrella.de, www.backsideclub.com

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Fedon 1919. Es gibt sie doch, Geschichten von Unternehmen, die seit Generationen familiengeführt sind und den Sprung von der kleinen Werkstatt zu einer weltweit bekannten Marke geschafft haben. In diesem Fall handelt es sich um die Familie Fedon, deren Aufstieg 1919 in Vallesella di Cadore bei Belluno begann. Der junge Federico fertigte hier Brillenetuis aus Leder für die lokale Optikindustrie. Bald waren es nicht mehr nur Hüllen, sondern allerlei Lederaccessoires für den Alltag: Taschen, Rucksäcke, Portemonnaies, Stationary und sogar Koffer. Ab 2008 stärkt Fedon seinen Expansionskurs, so dass es heute zu einem Unternehmen mit 1.500 Angestellten, drei Produktionsstätten und exklusiven Verkaufsstellen wie z. B. Rinascente gemacht hat. Fedon 1919, Montebelluna/ Italien, fedon@dlpfashion.it, www.fedon.com

Traveling Soul

Genesis. Die Kleider und Tuniken sind aus-

drucksstark mit exklusiven Drucken, werden fair auf Bali produziert und vereinen französisches Stilempfinden mit balinesischer Lebensfreude. Hinter der 2015 gegründeten Kollektion steht mit Valérie und Andrea Thibault ein Mutter-Tochter-Gespann und ein Familienunternehmen in dritter Generation aus Cannes. Zum Einsatz kommen Naturmaterialien, die VK-Preise liegen zwischen 149 und 229 Euro, kalkuliert mit 2,8. „Ich glaube an das Potenzial von Genesis, weil die Kollektion modisch und verständlich zugleich ist“, sagt Daniela Michaelis, die mit der gleichnamigen Agentur die Marke in Österreich sowie im südlichen Teil Deutschlands vertreibt, während die Hamburger Agentur von Norbert Gresch für den Norden zuständig ist. Die Kollektion hat keinen eigenen Webshop, um die stationären Boutiquen zu supporten. Genesis, Cannes/Frankreich, contact@collectiongenesis.com, www.collectiongenesis.com


FINDEN WIR GUT

Kuscheln für Freunde

8AM. Gerade erst beim Zähneputzen, der Paketbote klingelt – kein Problem für Menschen, die die Liebhaberkollektion 8AM von Martina Zepplin und Thorsten Osterberger für sich entdeckt haben. Die beiden kennen sich seit dem Modedesignstudium. Während Martina mit der Marke Rau Berlin durchstartet, ist Thorsten als Modeund Lifestyleredakteur tätig, 2019 gründet er das Heyday Magazine, ein Onlineportal für die Zielgruppe 45+. Die Modelle von 8AM wie ein zweifärbiger Bademantel sind alle aus Biobaumwolle gefertigt und werden bisher über Martina Zepplins Rau Webstore vertrieben. 8AM, Berlin/Deutschland, mail@rauberlin.com, www.8am.berlin

No Chain, no Gain

Phonie. Der Musiker Leslie Clio und der Unternehmer Tim Lieser haben eine Mission: Handyhüllen und -ketten, die gleichzeitig ein Fashionaccessoire sind und die Umwelt nicht belasten. Ihre transparenten Handycases für alle gängigen Modelle kommen mit einer hochwertigen Kette, die auch abgenommen und als Gürtel oder Kette getragen werden kann. Die Idee begeistert internationale Händler wie Urban Outfitters, La Rinascente, Printemps oder Baycrews. Um das Distributionsnetzwerk in den deutschsprachigen Ländern jetzt enger zu stricken, wurde die Agentur D-tails von Patrick Coppolecchia Reinartz verpflichtet. Phonie, Berlin/Deutschland, tim@phonie.shop, www.phonie.shop

Coole Klassiker

Shoohs. Den Anfang machten Ballerinas und Loafers im Jahr 2014. Heute hat Gründerin Bianca Kirchhof ihre Kollektion um Sandalen und Pumps, Chelsea- und Ankle Boots erweitert, die mal klassisch sind und mal unkonventionell. Bevorzugt wird weiches Ziegenleder in Glatt-, Velours- oder Lacklederqualität eingesetzt; gefertigt wird in Manufakturen in Italien. Die Highlights? Pumps und Sandalen in Leoparden- und Zebraoptik oder in leuchtenden Farben. „Ich war sofort von dem Style, der Qualität zu EK-Preisen von 60 bis 120 Euro begeistert“, sagt Niklas Rill, der den Vertrieb mit seiner Agentur für Deutschland und Österreich übernommen hat. „Ich sehe Shoohs als Einstiegsmarke im Premiumsegment und als ideale Ergänzung modischer Outfits.“ Agentur Niklas Rill, Düsseldorf/Deutschland, mail@maend.de, www.shoohs.de

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MODE

loud Es gab schon immer starke Pole, die zwischen sich ein Netz aufspannten, in dem die Mode sich herumspielen konnte. Aus dem Netz ist eine Matrix geworden, die in sich so filigran versponnen ist, dass man gängige Cluster wie Nische oder Mainstream, Gender oder Genre, Home oder Office nicht mehr abgrenzen will. Die Kraft, die den luftleeren Raum für grenzenlose Kreativität aufspannt, ist die der Gegensätze. Lässige Loungewear trifft auf das Comeback theatralisch inszenierter Dramatik in der Ready-to-wear, Tiefe und Nachhaltigkeit im Produkt auf ausgelassene Exzentrik und laute Farben. Mode ist wieder selbstbewusst und zelebriert entsprechende Statements. Eine Meinung zu etwas zu haben, ist in Mode. Redaktion: Isabel Faiss. Fotos: Marken

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MODE

Contemporary Denim

Denim is back. Als Allover von Kopf bis Fuß oder als Akzent gesetzt – gewaschene Jeans übernehmen den lässigen Komfort der Jogginghose und übersetzen ihn in entspannte Silhouetten. Als Stilmittel eines Lifestyles hat es Denim auch wieder auf den Laufsteg geschafft und gibt einen seiner seltenen Auftritte bei Balenciaga, Chanel oder Chloé.

Henrik Vibskov

A.P.C.

Bowery NYC

Rag & Bone

Ba&sh

Marc O’Polo

Dondup

Marni

I dig denim

Strellson

Raffaello Rossi

Stetson

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MODE

No Compromises

Das Name-Dropping prominenter Ökozertifikate weicht dem fragenden Blick hinter die Kulissen. Dort zu finden: lokal produzierte Produkte, faire Konditionen über den gesamten Produktentstehungszyklus hinweg, nachhaltige Materialien und Prozesse, keine Überproduktion und Revival-Programme für getragene Kleidung. Mode, die keine Kompromisse zulässt, ist der neue Glamourfaktor.

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People of Shibuya

Bob

American Vintage

Ecoalf

Ko Samui

Peuterey

Copenhagen Studios

RRD

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MODE

Dornschild

EasyBio

Beautiful Struggles

Esemplare

Hedoine

Save the Duck

Douie

Phil Petter

Fil Noir

Tom Ripley

Fabulous Island

Terra Luna

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MODE

No more Drama in my life

Weibliche Kundengruppen in Cluster wie Gen-Euphoria zu kategorisieren, ist ein medial hoch angesehener Zeitvertreib, über den sich die Mode lächelnd hinwegsetzt. Was bleibt, ist die Attitüde, das unverblümte Selbstverständnis und die hemmungslose Suche nach femininen Statements, die nach der Pandemie Hochkonjunktur haben. Plakative Slogans, extreme Farbexzesse, theatralische Drapierungen, große Volumen, romantische Prints, asymmetrische Cuts und eine ehrliche Suche nach Identität – das ist brutaler Zeitgeist.

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Gokay Gundogdu

Joseph

Liv Bergen

Jil Sander

Museum of fine clothing

Elaine Hersby

By Malene Birger

Marni

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MODE

Özlem Süer

Alpha Studio

Judy Zhang

Drykorn

Sudi Etuz

Pride to be

Alexander McQueen

Manhattan Knights

Iris von Armin

Munthe

Sassenbach

Anna Galaganenko

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MODE

Candy Crush

Bunt lässt sich nicht steigern, sagt der Duden. Aber Steigerungen lassen diese expressiven Farbexplosionen ohnehin nicht mehr zu. Candy Shop Colours, expressionistische Prints und Color-to-Color-Kombinationen schreien all das in die Welt, was Mode so lange nicht mehr sagen konnte: Schau her!

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Colors of California

Distretto 12

Daddys Daughters

Avant Toi

Bananatime

Dondup

Bogner

Rag & Bone

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MODE

Sportalm

Joop

Myths

White Sand

Parajumpers

C.P. Company

Luis Trenker

Seductive

Cividini

Amuse

Sold out

UGG

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MODE

Gentlemen’s Cut

Diversity-Themen verführen dazu, Grenzen abzustecken – obwohl genau das nicht das Ziel ist. Modisch wurde die Diskrepanz über In-Between-Looks längst überwunden, zu sehen in lässigen Silhouetten, die nicht mehr zwischen männlich und weiblich unterscheiden. Große Volumen und übertrieben inszenierte Details des klassischen Tailorings bringen spannende Aha-Momente mit sich.

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Second Female

Humility

Saritekin

Gant

Stetson

Drome

MM6 Maison Margiela

By Malene Birger

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MODE

Jil Sander

Penn & Ink

Oakwood

Anna Galaganenko

Fassbender

Coster Copenhagen

Circolo 1901

Yaya

Tagliatore

Joop

Alexander McQueen

Sealup

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VOR ORT

STOREFRONT Mach es persönlich

Im Lockdown und in der Teilöffnung gelernt, jetzt in den Alltag integriert: Persönliche Shoppingtermine sind vom Eliteprogramm zum Standard geworden – und zwar im besten Sinne des Wortes. Das Einzige, was keine Standards kennt, ist die Persönlichkeit, denn die macht es aus.

TICKER Für ihre Fans ist Nantia Persch Guru und Stylistin, Influencerin und Ikone.

Text: Nicoletta Schaper. Fotos: Stores

Nantia Persch Das Atelier, Oberasbach

WELCOME TO THE CLUB!

„Wir nehmen uns eine Auszeit und lassen die Glückshormone tanzen!“ So beschreibt Nantia Persch das Konzept ihres Ateliers. 25 Jahre lang war sie Händlerin im klassischen Sinn, bis sie vor drei Jahren beschloss, ihre Klientel noch viel persönlicher zu betreuen. Dafür wurde das Erdgeschoss ihres Wohnhauses mit Garten zur Oase umgestaltet, für diejenigen, die sich nach Termin modisch beraten und auch coachen lassen wollen – exklusiv wie in einem Club. Denn Nantia Persch, die auch in Sachen Retail coacht, hat genau verstanden, was ihre Kundinnen brauchen. „Ich gebe dann die richtigen Impulse, um den Frauen zu einem selbstbewussteren Auftritt zu verhelfen“, so Persch, die auch viele junge Kundinnen berät, etwa weil sie im Job mehr wahrgenommen werden wollen. Dabei hilft die Mode zum Beispiel von Lanius, Raffaela D’Angelo und Camicettasnob. Übrigens ganz ohne Sale, denn aus unverkauften Reststücken entstehen mit Hilfe einer Schneiderin neue Unikate, die die Kundinnen umso mehr erfreuen.

Samt & Bsonders, Penzberg

SHOPPING MIT WOHNMOBIL

Findige Idee: Zu Doris Mühlfeldner kommen die Kunden auch mal im Wohnmobil zur Anprobe.

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Die ungewöhnlichste Umkleidekabine, wenn die Anprobe im Geschäft gerade nicht möglich ist? Ein Wohnmobil vor der Tür. „Die Idee hatte eine Kundin, die im Januar mit dem Wohnmobil kam, um dort in aller Ruhe anzuprobieren“, erzählt Doris Mühlfeldner. Mittlerweile macht das Beispiel Schule, dazu gibt es Snacks und Getränke. Seit 20 Jahren verkauft Doris Mühlfeldner nachhaltige Mode mit sehr persönlichem Einsatz. „Was ich in den Jahren an Herzblut hineingesteckt habe, kommt jetzt total zurück.“


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Männersache, Lippstadt

ONE-MAN-SHOW

Ob Windowshopping, als Fahrradkurier oder mit Videocall: Tim Pagenkemper findet den Weg zu seinen Kunden und sie zu ihm. „Für modisch interessierte Männer habe ich Nischenlabels im Sortiment, die es nicht überall gibt, wie Blue de Gênes oder Bowerie NYC“, so Pagenkemper. So hat er auch online Kunden deutschlandweit gewonnen, aber am liebsten verkauft er im Store. „Der Look muss selbstverständlich und selbsterklärend sein. Die Geschichte zum Produkt gibt oft den Ausschlag.“

Sonja Langhoff trifft den Nerv ihrer Kundinnen.

Mit Herz und Seele für die Kunden im Einsatz: Tim Pagenkemper von Männersache.

So‘La Concepts, Ismaning

TRAUMWELT

Ob auf Instagram oder im Geschäft: Bei So‘La Concepts taucht man in Welten ein. 2019 eröffnet, hat der Store mit Interieur, Fashion und Café dank stimmiger Insta-Posts noch mehr Reichweite aufgebaut. „Die Kunden kommen sogar von weiter her, weil sie neugierig auf den Laden sind“, sagt Sonja Langhoff. Auf die Kunden wartet zum Beispiel Verspieltes von Maison Hotel oder skandinavische Mode von Project AJ 117. „Manche shoppen fast nur noch bei mir, weil ich sie immer mit Neuem überraschen kann.“

Quereinsteigerin Sylke Brinkmann hat ihren Traumjob gefunden.

Traudichrein, Troisdorf

COME IN!

Der Name ist Programm: Bei Traudichrein arbeiten Frauen, die wie Sylke Brinkmann Quereinsteigerinnen sind, mit Herzblut und Passion. „Jede ist besonders und identifiziert sich total mit meinem Laden“, schwärmt Sylke Brinkmann. Am liebsten verkauft sie Innovatives von Funky Stuff und Elias Rumelis. Ihr Extra-Service? „Ich teste jede Passform für die Kunden, zeige alles in Videos oder auf Fotos.“ So gewinnt sie Fans, die auf Traudichrein genauso schwören wie das Team.

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VOR ORT

EMANZIPATION VOM PHYSISCHEN Ein Laden ist ein Laden, auch wenn seine Türen geschlossen sind – das erste Jahr globale Pandemie hat endgültig alle Grenzen des Physischen obsolet gemacht. Was zählt, sind Idee und Passion, nicht mehr nur Lage und Sortiment. Inhaberinnen und Inhaber, die im wunderschönsten Job der Welt ihre Berufung gefunden haben, stehen an der Speerspitze eines disruptiven Wandels. Sie sind es, warum dem stationären Laden eine glorreiche Zukunft beschieden ist. Text: Stefanie Buchacher, Janaina Engelmann-Brothanék, Martina Müllner-Seybold, Nicoletta Schaper, Veronika Zangl

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VOR ORT

Anheimelnd und inspirierend: Im Store Dresscode by Martina Schormann sollen sich alle wohlfühlen.

DRESSCODE BY MARTINA SCHORMANN • DETMOLD

DAS MENSCHLICHE MUSS STIMMEN

Fotos: Dresscode by Martina Schormann

G

erade hat Martina Schormann den Onlineshop von Dresscode gelauncht, mit technischem Support ihrer jungen Mitarbeiterin Judith Forster. „Das war für mich wie ein kleiner Börsengang, ich bin noch voller Adrenalin“, lacht Martina Schormann. „Dass der Onlineshop bereits super ankommt, ist sehr inspirierend. Ich lerne jeden Tag etwas Neues hinzu.“ Seit 13 Jahren ist Martina Schormann mit dem eigenen Laden selbstständig, und seitdem mit wachsendem Erfolg. „Es liegt wohl daran, dass ich Freude daran habe, die Kunden an mich zu binden“, sagt die Detmolderin. In ihrem kleinen Team gibt sie die Richtung vor, ansonsten darf jede Mitarbeiterin sein, wie sie ist. Sie selbst stellt an sich die höchsten Ansprüche, überlegt immer, wie sie neu begeistern kann. So macht sie Mitarbeiterinnen wie Kundinnen zu echten Fans. „Wir bieten jeder Kundin die Wohlfühlatmosphäre unseres Ladens, mit einem leckeren Getränk und individueller Beratung“, so Schormann. „Jeder ist bei uns Stammkunde.“ Ihr Sortiment ist in erster Linie tragbar und alltagstauglich, die Looks sollen für viele Gelegenheiten passen. Feminines bekommt mit Lässigem einen Twist, wie die 10Days Pants zur bügelfreien Bluse von Janice & Jo oder das verspielte Kleid von Tonno & Panna mit Cashmere-Jacke von FTC mit Sneaker von Copenhagen. „Dazu überraschen wir gern mit kleinen, neuen Brands. Aber mir ist heute wichtiger denn je, dass die Firmen mit uns auf Augenhöhe zusammenarbeiten. Das Menschliche muss stimmen.“ Spätestens seit letztem Jahr funktioniert das Menschliche für Martina Schormann nicht mehr nur über den Laden. Jeden Morgen schreibt sie eine nette Nachricht in die Whatsapp-Gruppe ihrer Stammkundinnen, dazu gibt es Postings auf Instagram. „Mein Tag beginnt mit dir, Tina“, hat neulich eine Kundin zu ihr gesagt. „Unglaublich, welche Resonanz und Wertschätzung wir auf allen Kanälen erfahren. Das berührt mich total.“

Dresscode by Martina Schormann Unter der Wehme 12, Detmold/Deutschland, www.dresscode-detmold.de Eröffnung: August 2008 Inhaberin: Martina Schormann Anzahl der Mitarbeiter: 4 Verkaufsfläche:100 qm Marken: 10Days, AGL, Articles of Society, Colmar, Copenhagen Studios, Drykorn, Espadrij, Eva Mann, Fil Noir, FTC, iheart, Ilona von Preuschen, IQ Studio, Janice & Jo, Penn & Ink N.Y, Pur Schoen, Tonno & Panna u. a.

Martina Schormann (li.), Simone Walter, Corinna Landwehr und Hund Pepper sind Teamplayer.

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ERHARD SCHUH UND MODE • PRIEN AM CHIEMSEE

SHOWTIME!

Die eine liebt das kreative Chaos, die andere hält mit Bedacht die Fäden zusammen. Gemeinsam bilden die Schwestern Sophie Lubenau und Stephanie Erhard für ihre drei Geschäfte das perfekte Unternehmer­ innenduo.

Erhard Fashion (rechts) bildet mit Erhard Casual und Schuhe (unten) ein stimmiges Gesamtkonzept.

TV-Beitrag im Januar bei ARD Brisant gepusht. „Am nächsten Tag hatten wir 80 Bestellungen“, erzählt Stephanie Erhard. „Seitdem hat es nicht mehr aufgehört.“ Die persönliche Betreuung wird nun auch online gelebt. Wer bestellt, wird noch mal angerufen, auch, um die Größe möglichst genau zu bestimmen. „Deshalb liegt unsere Retourenquote auch unter 20 Prozent.“ DIE GESCHICHTE VON MODE Erhard beginnt 1875 mit einer Schuhwerkstatt und ist heute ein Handelsunternehmen mit drei Geschäften in Prien, aufgebaut von Max Erhard und seiner Frau Erika: Erhard Fashion mit einem Sortiment von Etro, Jil Sander, Allude und Incentive Cashmere. Bei Erhard Casual gibt es Lässiges unter anderem von Closed, Mason’s oder Save the Duck. Als verbindendes Element bietet das angrenzende Schuhgeschäft Marken wie Tod’s und Hogan, Hidnander, Pretty Ballerinas und Paoli Firenze. Schuhe sind, neben allem Administrativen, die Leidenschaft und Aufgabe von Stephanie Erhard, während Sophie Lubenau neben den sozialen Medien den Modeeinkauf gemeinsam mit ihrer Mutter verantwortet. Ob im Geschäft oder in den Livevideos: Das Persönliche wird von den Schwestern überzeugend gelebt. „Wir gehen unseren Weg intuitiv“, betont Sophie Lubenau. „Alles, was wir tun, greift ineinander“, ergänzt Stephanie Erhard. „Ich habe das Gefühl, wir sind jetzt noch mehr zusammengewachsen.“

Erhard Schuh und Mode GmbH Hochriesstraße 14, Prien am Chiemsee/Deutschland, www.erhard-prien.com Eröffnung: 1875 Inhaberinnen: Elke Erhard, Sophie Lubenau, Stephanie Erhard Verkaufsfläche insgesamt: 1.000 qm Marken: Allude, Aspesi, Bacon, Closed, Corvari, Etro, Faliero Sarti, Herno, Hidnander, Incentive Cashmere, Johnny Was, Mason’s, Philippe Model, Samantha Sung, Save the Duck, Tod’s, Ugg u. a.

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Fotos: Erhard Schuh und Mode

„A

m Sonntag gehen wir mit unserem Sortiment auf Instagram live.“ „Wir gehen bitte was?!“ So schildern Sophie Lubenau und Stephanie Erhard ihr Gespräch aus dem vergangenen Dezember, als sie beschlossen, nun erst recht mit Liveshoppingvideos loszulegen. Seitdem sind die Schwestern, die das Familienunternehmen gemeinsam mit ihrer Mutter Elke Erhard führen, im Dauereinsatz. „Auf Instagram musst du dich hinstellen und den Leuten die Geschichte erzählen, die Kunden wollen Positivität und Entertainment“, so Sophie Lubenau. „Und sie wollen die Inhaber selbst sehen und wie sie kämpfen. Ich glaube, dass es gerade darauf auch ankommt.“ Die Resonanz mit 7.000 Abonnenten gibt ihr Recht, nicht zuletzt durch einen


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In fünfter Generation: Sophie Lubenau und Stephanie Erhard sorgen für Good Vibes, online wie im Geschäft.

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Wait and See steht für Mode und Lifestyle aus aller Welt zu angemessenen Preisen: kosmopolitisch, farbig und fröhlich.

FARBE IST LEBEN

„A

bwarten und Tee trinken“, wie der Conceptstore in Mailand frei übersetzt heißt, möchte wohl niemand, der das Reich von Uberta Zambeletti in Mailand betritt. Farbe und Lebensfreude, wohin man blickt, Mode, die richtig Lust macht, sich durchzuprobieren und neu zu erfinden. Der Laden im charmanten, Cinque Vie genannten Teil des Zentrums der italienischen Modehauptstadt ist einzigartig. Die Idee für ihr Unikum in Mailands Ladenszene kam der Unternehmerin 2010. Für Uberta Zambeletti gab es in Mailand keinen Laden, der den richtigen Mix aus High-Street- und Premiummarken anbot. So entschloss sie sich, ihre jahrelange Erfahrung bei Marken wie Missoni, Max Mara, Pinko oder Rinascente und ihren persönlichen Geschmack auf einen Nenner zu bringen. Das erklärte Ziel ist, besondere und einzigartige Marken aus aller Welt zu vernünftigen Preisen zusammenzubringen. Das Sortiment richtet sich hauptsächlich an Frauen und umfasst neben Kleidung auch Accessoires, Bijous, Design, Schreibwaren und Vintage-Stücke. Es sind Trouvaillen aus aller Welt, aus Italien genauso wie aus England, Frankreich, Finnland oder Kalifornien, um nur ein paar der Herkunftsorte zu nennen. Wait and See ist wie ein begehbares Kaleidoskop: Unterschiedlichste Produkte, die herrlich unterschiedlich sind und doch gemeinsam eine Geschichte erzählen. Damit passen sie perfekt zum Lebensmotto der quirligen Unternehmerin: „La vita è bella“ – das Leben ist schön. Und so, findet zumindest Uberta Zambeletti, sollte man sich auch kleiden. Ihre Community verwöhnt die stilsichere Ladeninhaberin mit regelmäßigen Edits, die sie Uberta’s Pick nennt: Total-Looks mit Teilen aus dem Laden, die Zambeletti sehr charmant regelmäßig in den sozialen Medien und auf der Website in Szene setzt. Spätestens dann will niemand mehr abwarten und Tee trinken.

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Inhaberin Uberta Zambeletti verkörpert den Wait-and-SeeLook perfekt: on point und nie langweilig.

Wait and See Via Santa Marta 14, Mailand/Italien, www.waitandsee.it, IG: @waitandseemilano Eröffnung: 2010, Inhaberin: Uberta Zambeletti, Verkaufsfläche: 65 qm Marken: Anonyme, Antik Batik, Chloe Stora, Kiltie, Laurence Bras, Manoush, Niu, Pitch, Phisique Du Role, Rodebjer, Sartoria Vico u. a.

Fotos: Wait and See

WAIT AND SEE • MAILAND


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THIEL’S BY DANIEL THIEL • WIESBADEN

DER ZWEITE STREICH

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in zweiter Laden, eröffnet mitten im Lockdown im Frühjahr 2021 – Daniel Thiel braucht erst gar nicht zu beweisen, dass er ein Macher ist. Statt über die Ungerechtigkeit der seit über einem Jahr anhaltenden Schließungen zu lamentieren, ergreift er beherzt Chancen und widmet sich mit seinem zweiten Geschäft im Herzen der Wiesbadener Innenstadt einer jüngeren Zielgruppe. „Als an einer zweiten Gewerbeimmobilie in Wiesbaden der Name Daniel Thiel dranstand, dachten viele, ich müsste meinen Conceptstore in der Wilhelmstraße aufgeben und umziehen. Dann richtigzustellen, dass ich einen zweiten Standort eröffne, war der doppelte Überraschungseffekt.“ Was am zweiten Standort anders sein wird? „Daniel Thiel Wiesbaden ist das Gourmetrestaurant, Thiel’s by Daniel Thiel das komplementäre Bistro – an beiden Orten sollen sich unsere Kundinnen und Kunden als Gäste fühlen.“ Marken wie Dondup, Polo Ralph Lauren und Steffen Schraut bekommen bei Thiel’s eine große Bühne, dafür die Herren im Conceptstore mehr Platz. Außerdem stehen Schuhe und Taschen im Fokus. Von zwei Geschossen bespielt Daniel Thiel zunächst einmal nur eines. „Für das Obergeschoss kann ich mir viel vorstellen, gerade Click & Collect bzw. Meet Phase inspiriert mich sehr. Für einen hochwertigen Händler wie mich ist das ein denkbarer Idealzustand – wahrscheinlich sollte man sich eine schöne Altbauwohnung mieten und einen privaten Showroom nach Terminvereinbarung betreiben“, lacht Daniel Thiel. Doch wer ihn kennt, weiß, dass aus Gedanken bei Daniel Thiel schnell Projekte werden. Zu sehr hat sich der Modeunternehmer in der Selbstständigkeit selbst ge- und erfunden. „Die beste Entscheidung meines Lebens“, schwärmt Daniel Thiel. Und trotzdem: „Thiel’s ist nur möglich, weil ich eine tolle Zweitbesetzung gefunden habe, die perfekt zur neuen Zielgruppe passt. Ich möchte mich weiterhin voll auf meine Kundinnen und Kunden im Daniel Thiel Concept Store konzentrieren.“ Genau wie im Hauptgeschäft wird ein großer Teil des Sortiments von Thiel’s auch online vermarktet und verkauft. „Das gehört einfach dazu.“

Daniel Thiel, Beruf: Glücklichmacher.

Fotos: Thiel’s by Daniel Thiel

Der zweite Streich: Thiel’s by Daniel Thiel stellt eine neue Zielgruppe in den Fokus.

Thiel’s by Daniel Thiel Karl-Glässing-Straße 5, Wiesbaden/Deutschland www.danielthiel-wiesbaden.de Eröffnung: 6. April 2021 Inhaber: Daniel Thiel Fläche: 140 qm Marken: Dondup, Polo Ralph Lauren, Steffen Schraut

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SELENDI-GANGART • WELS

SIE LIEBT, WAS SIE TUT

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Stillstand ist für Belinda Selendi keine Option, lieber entwickelt sie sich und ihr Ladenkonzept weiter.

Bei Selendi-Gangart gibt es alles für das perfekte Outfit und Homeaccessoires für das perfekte Zuhause.

Selendi-Gangart Ringstraße 30, Wels/Österreich, www.selendi-die-mode.at Eröffnung: April 1985, Inhaberin: Belinda Selendi, Verkaufsfläche: 240 qm Marken: Grace, High, Kristensen du Nord, M Missoni, Mother, Transit par Such, Twinset, Yippie Hippie

Fotos: Selendi-Gangart

eit September 2020 machen Belinda Selendi und ihre Freundin Nicole Holzhey gemeinsame Sache, indem sie ihre benachbarten Geschäfte für Schuhe und Mode zu einer Fläche verbunden haben. „Eigentlich wollte meine Freundin ihren Schuhladen im ersten Lockdown aufgeben, doch dann hatten wir beide die Idee, zwei Geschäfte zu einem zu machen“, so Belinda Selendi. „Nun fließt alles ineinander und die Kundin kann bei uns Mode, Schuhe, Accessoires und Homeaccessoires finden. Außerdem haben wir eine große Fläche für Events gewonnen.“ Seit 36 Jahren ist die Österreicherin Händlerin aus Leidenschaft und bei ihr ist das keine Floskel. „Ich liebe, was ich tue, damit ist eigentlich schon alles gesagt“, sagt Belinda Selendi. Sie inspiriert ihre Kundinnen auf Instagram und Facebook mit neuen Looks, aber am liebsten beraten sie und ihr engagiertes Team live im Geschäft. „Viele Kundinnen sind Freundinnen geworden. Mittlerweile kommen auch schon die erwachsenen Töchter.“ Ihren Laden beschreibt Belinda Selendi als Ort des Wohlfühlens, ebenso soll die Mode zum Wohlfühlen sein. Transit Par Such aus Italien, ein kleines handwerkliches Label, und Kristensen du Nord haben einen lässigen, zeitlosen Style, hinzu kommen Bohemianstyles von Yippie Hippie oder Ausdrucksstarkes von M Missoni. „Wir kombinieren die Looks mit unserer eigenen Handschrift“, sagt Selendi. Sie selbst ist dafür bekannt, dass sie am liebsten Schwarz trägt, doch gerade jetzt darf es etwas Buntes sein, einfach, um Leichtigkeit zu vermitteln. Die Botschaft kommt an, denn wer zu Selendi-Gangart kommt, freut sich auf eine gute Zeit. Wohl auch deshalb haben sich die Personal-Shopping-Termine fest etabliert. „So können wir unseren Kundinnen das ganze Paket bieten, und das tun wir von Herzen gerne.“


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Erstmals außerhalb der Städte: Mit Apropos The Concept Store in Gmund am Tegernsee zollen die Macher der Tatsache Tribut, dass immer mehr Menschen die luxuriöse Landflucht suchen.

„Das letzte Jahr hat Terminshopping zur Normalität werden lassen. Eine auf meine Bedürfnisse zugeschnittene Selektion von Produkten, ungeteilte Aufmerksamkeit, Styling und Beratung, alles möglich durch einen vorab vereinbarten Termin. Klingt doch nach der perfekten Me-Time“, finden Klaus Ritzenhöfer, Daniel Riedo und Henning Korb von Apropos The Concept Store.

APROPOS THE CONCEPT STORE • TEGERNSEE, KÖLN

DESTINATION STORE

Fotos: Apropos The Concept Store, Annika Feuss

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erade jetzt noch eins draufsetzen – für das Trio von Apropos The Concept Store Klaus Ritzenhöfer, Daniel Riedo und Henning Korb fast schon ein Selbstverständnis. Im Dezember 2020 eröffneten sie in Gmund am Tegernsee eine 420 Quadratmeter große Dependance. „Der Tegernsee ist ein Zauberplatz, an dem wir viel Zeit verbringen. Wir mögen die Entspanntheit der Menschen im Tal. Die Entscheidung, einen Store am Tegernsee zu eröffnen, trägt natürlich auch den veränderten Lebensumständen Rechnung. Immer mehr Menschen arbeiten von daheim aus und haben somit die Möglichkeit, außerhalb der Städte zu leben – die Innenstädte werden autofrei und schwerer erreichbar. Das Wochenende auf Mallorca ist momentan nur mit Umständen möglich oder wird als unangemessen empfunden. Tourismus findet vermehrt national statt. Viele Gründe, die Resort-Destinationen wie den Tegernsee für die Luxusmarken, mit denen wir arbeiten, sowie auch für uns interessant werden lassen hat“, so die Inhaber. Auch in Köln gibt es Mitte Juli Neuigkeiten. Der ehemalige Strenesse-Laden neben dem bekannten pinken Eingang auf der Mittelstraße wird zu einer 300 Quadratmeter großen Schuhfläche umgestaltet, die dem Kunden eine direkte Verbindung zum Innenhof bietet. Knapp ein Drittel der Ladenfläche wird ein neues Café einnehmen. Lacey’s Patisserie setzt auf moderne französische Küche, außerdem gibt es Köstlichkeiten von Ladurée sowie Frühstücks- und Brunch-Optionen – an schönen Tagen auf der Terrasse im Innenhof. Den frei werdenden Platz im angestammten Laden soll dann ein noch größeres Interieur- und Home-Sortiment einnehmen. Klaus Ritzenhöfer: „In einem Jahr wie diesem wollen wir ein positives Zeichen setzen.“ Denn klar sei: „Die aktuelle Situation hat sicherlich den sozialen Aspekt des Einkaufens verdeutlicht und zeigt, wie wichtig und befriedigend das Erlebnis rund um den Kauf ist. Anerkennung, Komplimente, Gesellschaft, Interaktion, Wohlgefühl – das kann der Click auf den Einkaufswagen-Button und das Öffnen des Pakets nicht aufwiegen. So gesehen ist Einkaufen im Store ultimativer Luxus.“

Apropos The Concept Space Mittelstraße 12, Köln/Deutschland Eröffnung Erweiterung: Juli 2021 Shopfläche: 300 qm Marken Schuhe: Bottega Veneta, Christian Louboutin, Dior, Gianvito Rossi, Manolo Blahnik, Tod’s Apropos The Concept Store Münchner Straße 126, Gmund/Deutschland Eröffnung: Dezember 2020 Shopfläche: 400 qm Marken: Balenciaga, Celine, Christian Louboutin, Moncler u. a.

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EDITOR’S LETTER

The Magic of the Human Touch Im Sommer 1996, also vor 25 Jahren, ist die erste Ausgabe von x-ray erschienen und damit auch die Grundlage für style in progress gelegt worden. Nun bin ich ja gar nicht so der Typ für Jubiläen, aber der eine oder andere Gedanke schießt mir doch durch den Kopf, wenn ich zurück- und im selben Moment schon wieder nach vorne blicke. Zunächst einmal musste ich wirklich lachen, weil ich in diesem ersten, eigenen Magazin auf meinem Porträtfoto an dieser Stelle allen ernstes eine Zigarette in den Fingern halte. Und hey … das ist jetzt wirklich kein Beispiel dafür, dass „früher alles besser gewesen ist“. Einfacher vielleicht, gedankenloser, in mancher Hinsicht vielleicht auch unbeschwerter – aber vor allem einfach nur früher. Nostalgie sollte nie den Blick vernebeln. Im Sommer 2021, nach einem Jahr, in dem man scheitern oder wachsen konnte, ist meine Liebe zu dieser Branche tiefer denn je, so pathetisch das vielleicht auch klingen mag. Zum einen, und vielleicht ist das sogar tatsächlich der an erster Stelle zu nennende Grund, weil es mir vergönnt war, über die Jahre so viele wirklich großartige Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturen und mit allen nur erdenklichen Backgrounds kennen zu lernen. Die Mode war auf ihre besondere Weise und jenseits der Oberfläche schon immer divers. So viel Talent ist mir begegnet, so viel Begeisterung, so viele, von denen ich lernen konnte. Ich hoffe, ich konnte auch etwas zurückgeben. Zum anderen erlebe ich die aktuelle Transformation als die inhaltlich mit Abstand spannendste Zeit, seit ich eher zufällig (oder vielleicht doch nicht?) begonnen habe, über Mode bzw. das Modebusiness zu schreiben. Inhalte, also alles jenseits des Horizonts saisonaler Trends oder monatlicher Umsätze, sind das, was mich und mein großartiges style in progress-Team antreibt. Wir wollen nicht einfach berichten, wir wollen gestalten. Daniel Grieder kenne ich tatsächlich noch länger als 25 Jahre. Dass unsere Freundschaft über eine so lange Zeit Bestand hat, unterstreicht dick und fett, was ich soeben geschrieben habe. Nicht zuletzt kommt er als Schweizer aus einer tatsächlich fast schon exotischen Kultur. Die haben dort beispielsweise ein funktionierendes Bahnnetz!!! Mit ihm aus Anlass seines mit Spannung erwarteten Starts als Boss-Boss das Coverinterview für diese Ausgabe zu

IMPRESSUM

Medieninhaber/Verleger/ Redaktion/Anzeigen style in progress B2B Media GmbH Lasserstraße 13, 5020 Salzburg, Österreich T +43 664 3583488 info@style-in-progress.com www.style-in-progress.com facebook.com/styleinprogressonline Geschäftsführung Stephan Huber

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style in progress

Chefredaktion Stephan Huber stephan@style-in-progress.com Martina Müllner-Seybold martina@style-in-progress.com Redaktion Stefanie Buchacher Petrina Engelke Janaina Engelmann-Brothánek Isabel Faiss Kay Alexander Plonka Nicoletta Schaper Veronika Zangl Art Direktion/Grafik/Produktion Elisabeth Prock-Huber elisabeth@style-in-progress.com

führen, hatte also auch eine sehr persönliche Note. Eine Aussage will ich herausgreifen, weil sie mit fünf Worten auf den Punkt bringt, worum es in dieser Zeitenwende geht. „Wer Innovation verhindert, verhindert Zukunft!“ Ich darf an dieser Stelle noch ein, diesmal etwas längeres Zitat aus dieser Ausgabe von style in progress bringen. Holli Rogers, die Vision wirklich erstaunlich souverän mit Business verbinden kann, meinte im Gespräch über das richtungsweisende neue Flagship von Browns Fashion in London: „Wir alle lieben Mode, wir tauchen gerne ins Produkt ein, man hat ja gesehen, wie enthusiastisch die Menschen waren, Mode wieder berühren, fühlen und anprobieren zu können. Der Moment des Entdeckens hat so gefehlt. Wir wissen, dass unseren Kunden diese persönliche Interaktion mit ihren Verkaufsberatern von Angesicht zu Angesicht gefehlt hat und dass sie es kaum erwarten konnten, sich mit ihnen darüber auszutauschen, was neu ist und was wir hinter uns haben.“ The Magic of the Human Touch! Nicht zu ersetzen. Auch oder erst recht nicht in der Bright Future of Fashion. Völlig unbescheiden darf ich hier kurz festhalten, für wen diese Überzeugung seit nunmehr 25 Jahren Markenkern war, ist und bleibt. Ganz genau! Mit besten Grüßen Ihr Stephan Huber stephan@style-in-progress.com

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Nächste Ausgabe 22. Jänner 2022


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style in progress 2/2021 – Deutsche Ausgabe  

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