Sommerzeit 2016

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DAS MAGAZIN VON STEFFEN & PARTNER – AUSGABE 13 – 2016

Sommerzeit

Harte Schale, weicher Kern


»Es gibt nichts zu verbessern, nichts was noch besser wär, außer dir im Jetzt und Hier, und dem Tag am Meer.« Dieses wunderbare Lied der „Fantastischen Vier“ lässt uns für einen kurzen Moment innehalten. Es muss diese Tage geben, Tage, an denen wir einfach bei uns sind, diese Stunden, aus denen wir Kraft ziehen. Aber danach sollten wir nicht aufwachen und aus dem Tag am Meer nur Tage mit Mehr für uns werden lassen. Mehr denn je ist heute unsere moralische und gesellschaftliche Verantwortung dringend gefragt, denn eines steht fest: Wir schwimmen ziemlich weit oben!


EDITORIAL

Was steckt hinter der Fassade?

Liebe Leserinnen und Leser, schön, dass Sie sich die Zeit nehmen, unser Vorwort zu lesen. Ein schwieriges Problem lösen, das ist die große Aufgabe, die aktuell weltweit ansteht, deshalb haben wir für unsere diesjährige Sommerzeit den Titel „harte Schale, weicher Kern“, ausgesucht. Wir möchten nicht, dass das schreckliche Schicksal vieler Menschen in Vergessenheit gerät und hoffen, dass Sie alle einen „weichen Kern“ haben, mit dem wir gemeinsam zeigen können, dass wir für unsere Mitmenschen da sind. Die Natur hat manche Lebewesen mit einer sehr harten Schale ausgestattet, die es dem Menschen und anderen Tieren extrem schwer macht, an das Innere, nämlich an den weichen Kern, zu gelangen. Die Schale schützt die Krebse in der Natur vor Gefahren, das weiche Innenleben kommt zunächst einmal nicht zum Vorschein. Auch viele Menschen legen sich einne harte Schale zu, glücklicherweise haben viele am Ende doch einen ganz weichen Kern.

In diesem Sommer gibt es gleich mehrere aktuelle Themen, mit denen wir uns beschäftigen sollten, zum Beispiel mit dem neuen Begriff „Brexit“. Denn Großbritannien hat am 23.06.2016 entschieden, aus der EU auszutreten. Damit spaltet sich das Vereinigte Königreich: die Londoner Banken befürchten eine Abwanderung, die junge Generation streikt in London, die Anträge für irische Staatsbürgerschaften explodieren. Einige Stimmen behaupten, dass Viele von denen, die für den „Brexit“ gestimmt haben, diesen Schritt jetzt bereuen, weil sie scheinbar nur einen Denkzettel verpassen wollten. Daher wurden bereits neue Begriffe herbeigeführt, wie z.B. „Regrexit“. Allerdings sieht es das Institut Ipsos Mori einer Umfrage zufolge ganz anders, denn laut dieser würden lediglich fünf Prozent der Wähler, die für den „Brexit“ gestimmt hatten, in einem zweiten Referendum anders entscheiden. Was ist tatsächlich los? Welche Medienberichte stimmen, was ist zu einseitig dargestellt? Warum wurde noch kein Brexit-Antrag gestellt? Die EU-Kommis-


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EDITORIAL

sion geht davon aus, dass man sich Zeit lassen wird, vermutlich sogar bis nach den Bundestagswahlen. Wird der Antrag tatsächlich erst in 2017 gestellt? Wir sind vielen Fragen nachgegangen und haben uns in der vorliegenden Ausgabe mit möglichen Konsequenzen des Brexit, vor allem für unsere (online-)Händler, beschäftigt. Was tatsächlich passieren wird und wie es weiter geht, werden wir erst in der Zukunft erfahren und natürlich weiter darüber berichten. Politischer wird es an dieser Stelle nun erst einmal nicht, versprochen.

für Sie in eine ganz besondere Firma nehmen, die jederzeit (aber nicht ausschließlich) einen kalten Drink für Sie bereithält: Die SAF Tepasse GmbH & Co. KG, die viel mehr als nur automatisch, praktisch und gut ist. Wir lassen Sie selbstverständlich an unserem Erfahrungs-Moment teilhaben. Nebenbei verrät Ihnen die Junior-Chefin, Kerstin Tepasse ganz persönlich, warum Geld zählen bei SAF ein Vollzeitjob ist und das Unternehmen trotzdem Geldentsorgungskosten bezahlen muss.

Denn der diesjährige Sommerbeginn war mit der Europameisterschaft auch äußerst sportlich. Bei Druckunterlagenschluss war gerade das Halbfinale Frankreich gegen Deutschland beendet. Schade, dass wir das Spiel, in dem wir doch so viele Torchancen hatten, nicht gewinnen konnten. Wenn Sie nun unsere Sommerzeit 2016 in der Hand halten, ist die EM auch schon wieder vorbei. Dass wir das Halbfinale erreicht haben, ist allein schon etwas ganz besonderes, finden wir, und damit haben unsere Fußball-Jungs so oder so mal wieder richtig „harte Schale“ gezeigt.

Fahren Sie in diesem Sommer in den Urlaub? Wir haben uns die Frage gestellt: Ist es moralisch vertretbar, bei dem ganzen Elend, das auf dieser Welt herrscht? Und unsere Antwort lautet: Ja, ist es. Denn viele Menschen leben vom Tourismus, ja, sie sind darauf angewiesen, dass die Touristen weiterhin kommen und nicht ausbleiben. Genießen Sie Ihren Urlaub also, erholen Sie sich gut, aber, und das mit einem Augenzwinkern unsererseits, achten Sie auf Ihr Benehmen im Ausland. Warum? Das können Sie gleich lesen, denn wir haben uns gefragt: Sind die Deutschen wirklich so schlimm? Nehmen Sie es mit ein wenig Humor und seien Sie auf die Antwort gespannt.

Kaltgetränk bei heißem Sommerwetter gefällig? Einen wahnsinnig interessanten Einblick durften wir

Vielleicht bleiben Sie zu Hause und nutzen die Zeit für ausgiebige Grillabende? Herr Rudolph hat sich

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für die Grillfreunde unter Ihnen mit der Frage beschäftigt: Grillen oder nicht grillen? Lassen Sie sich umfänglich über Ihre Rechte (oder nicht-Rechte) rund um das Grillen aufklären, damit Ihnen die Grillfreude nicht vergeht. Die Ferienzeit können Sie natürlich auch nutzen, um Ihre Kinder schnell noch zu Auffrischungskursen in die Nachhilfeschule zu schicken. Lesen Sie, was Michaela Raap so besonders macht und warum auch Ihre Kinder sie ernst nehmen werden. Falls Sie Ihre Urlaubskasse noch schnell ein wenig aufbessern möchten, hilft Ihnen bestimmt das neue e-book von Hartmut Jaensch, denn er gibt wichtige Tipps, zum Beispiel, wie Sie es schaffen, Aktien in 5 Minuten zu beurteilen und damit mehr Rendite erzielen können. Seien Sie gespannt und melden sich schnell noch zu seinem Vortrag im September an, denn dort gibt er preis, was Anlegern an den Finanzmärkten und in der öffentlichen Diskussion vorenthalten wird. Diese und viele weitere, wie wir finden, sehr spannende und abwechslungsreiche Artikel, liegen nun vor Ihnen, in dieser Sommerzeit. Nutzen Sie die Ferienzeit, um ein wenig in unserem Magazin zu stöbern, Ausgabe 13 – 2016

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denn schon bald gibt es weitere Arbeit, spätestens Ende Oktober, wenn es um das Thema Kassenführung und die Neuregelungen, die ab 2017 gelten, geht. Frau Nolte lädt Sie recht herzlich zu unserem gleichlautenden Seminar ein. Und das sollten Sie dringend besuchen. Aber bis dahin ist ja noch ein wenig Zeit, Sommerzeit, Zeit, die Ferien, den Urlaub, das Grillen, die Gartenzeit, das Eisschlecken, den Strand, den Badesee, das Freibad, den Fisch und die Meeresfrüchte, den kalten Weißwein, oder, was auch immer Sie persönlich mit dem Sommer verbinden, zu genießen. Ach ja, und natürlich die Sonne, die sich bis Redaktionsschluss leider noch nicht so häufig gezeigt hat… na ja, sie wartet halt, bis „unsere Sommerzeit“ begonnen hat und endgültig vor Ihnen liegt. Wir wünschen Ihnen einen tollen Sommer; geben Sie auf sich acht und erholen Sie sich gut. Im Namen der gesamten Steffen & Partner Ihre Anke Büker

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IMPRESSUM

HERAUSGEBER: Steffen & Partner Gruppe Kurfürstenturm/Kurfürstenstr. 44, 46399 Bocholt Niederlassung: FranzRennefeldWeg 5, 40472 Düsseldorf T +49 2871 275750, F +49 2871 2757575, E info@steffen-partner.de, I www.steffen-partner.de

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Titelthema

REDAKTION: Anke Büker (V.i.S.d.P.) REDAKTIONSSCHLUSS: 08. JULI 2016 AUTOREN DIESER AUSGABE: Anke Büker, Barbara Peters, Johannes Rudolph, Kerstin Steffen, Lena Nolte und weitere Gastautoren ERSCHEINUNGSWEISE: quartalsweise ANREGUNGEN: Wir freuen uns stets an info@steffen-partner.de. DRUCK: RHIEM Branding Solutions GmbH, Bocholt STEFFEN & PARTNER STEUERBERATUNGSGESELLSCHAFT vertreten durch: Georg Steffen, Steuerberater; Ingolf Ersel, Steuerberater; Stefan Deutmeyer, Steuerberater; Anke Büker, Steuerberaterin. PR 62, Registergericht Essen, UStIDNr.: DE 177 105 297, USt.Nr.: 307/5883/0369. STEFFEN RECHTSANWALTSGESELLSCHAFT MBH Geschäftsführer: RAin Kerstin Steffen; RA Johannes Rudolph; HR B 11769, AG Coesfeld, UStIDNr.: DE 264992933, USt.Nr.: 307/5909/2401. DWP STEFFEN UND KOLLEGEN GMBH WIRTSCHAFTSPRÜFUNGSGESELLSCHAFT Geschäftsführer: Dieter Dunkerbeck, Wirtschaftsprüfer; Georg Steffen, Steuerberater, Handelsregister B 40435, Amtsgericht Düsseldorf; STEFFEN AKADEMIE & BERATUNG GMBH Geschäftsführer: Helga Funke; Marco Sieber Riedl; HRB B 9373, AG Coesfeld, UStIDNr.: DE 814151786, USt.Nr.: 307/5909/2401 SD GMBH WIRTSCHAFT, TREUHAND UND STEUERBERATUNGSGESELLSCHAFT MBH Geschäftsführer: Georg Steffen; Stefan Deutmeyer; HRB B 8851, AG Coesfeld

Rechtshinweis: Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Herausgebers. Für unverlangt eingesandte Manuskripte, Daten oder Fotos wird keine Haftung übernommen. Alle Rechte vorbehalten. Dieses Magazin basiert auf öffentlich zugänglichen Informationen, von deren Richtigkeit ausgegangen wurde; insbesondere gilt dies für rechtliche oder steuerliche Einschätzungen. Alle Inhalte und Verweise sind von uns sorgfältig geprüft worden. Alle Angaben sind jedoch ohne Gewähr. Eine Haftung für etwaige Fehler und daraus resultierende Folgen ist ausgeschlossen. Die wiedergegebenen Meinungen geben unsere aktuellen Einschätzungen wieder, die sich jedoch ohne Vorankündigungen ändern können. Dies gilt auch für die Inhalte der Internetangebote, auf die eventuell verwiesen wird. Wir distanzieren uns von allen Inhalten, die sich hinter diesen Links, den dahinter stehenden Servern, weiter führenden Internetadressen und sämtlichen anderen sichtbaren und nicht sichtbaren Inhalten verbergen. Sollte eine der Seiten auf den entsprechenden Servern gegen geltendes Recht verstoßen, so ist uns dieses nicht bekannt. Das Magazin soll ferner nicht als Aufforderung für bestimmte Dienstleistungsgeschäfte verstanden werden, auch dann nicht, wenn Dienstleister explizit benannt werden. Für eine auf Ihre individuellen Verhältnisse abgestimmte Beratung wenden Sie sich bitte direkt an Ihren Berater bei Steffen & Partner. Die Steffen & Partner Gruppe kann Dienstleistungen erbringen, die in diesem Magazin erwähnt werden. BILDNACHWEIS (nach Erscheinen): Titel: Steffen & Partner _Umschlagseite innen vorne und hinten: Steffen & Partner _Editorial: Steffen & Partner, Jasmine_K / photocase. de _Inhaltsverzeichnis: GabiPott / photocase.de, le0horge / photocase.de _Gutscheine: nild / photocase.de, Steffen & Partner _Die Nachhilfeschule: Alle Bilder „Die Nachilfeschule“ Inhabering Michaela Raap, Portrait Steffen & Partner _Sommerwein: joexx / photocase.de, Weinbilder: Steffen & Partner _Frühindikatoren: Alle Bilder Steffen & Partner, Alle Abbildungen und Darstellungen: Steffen & Partner _Börse ist mehr als reine Spekulation: retrorocket /istockphoto.com, Portrait: Grünhagen Media, Mock Up Notbook: yogurt86 / graphicriver.net Screenshot: Institut für Börenstrategie GmbH, eBook Mock Up: yogurt86 / graphicriver.net, eBook Titel Agentur Gorus – Orgshop GmbH, Alle Graphen: retrorocket /istockphoto.com _Grillen oder nicht Grillen: VICUSCHKA / photocase.de, Susann Städter / photocase.de _Die Kasse: Valerie Loiseleux / istockphoto.com, Steffen & Partner _Kaffee, Brötchen und viele Münzen: Alle Bilder SAF Tepasse _Photovoltaikanlagen: bit.it / photocase.de, Steffen & Partner _Sind wir wirklich so schlimm: clubfoto /istockphoto.com, Italien: Jaroslaw Pawlak / photocase.de, Spanien bisgleich / photocase.de, Österreich: gerhard64 / photocase.de, GB: Svea Anais Perrine. / photocase.de, Frankreich: faniemage / photocase.de, USA: zimnevan / photocase.de, Türkei: Kay Fochtmann / photocase.de, Andrey Danilovich / istockphoto.com, Schweiz: markusspiske / photocase.de, Griechenland: Markus Gann / photocase.de _Typisch deutsch: jala / photocase.de, Dirk Richter/istockphoto.com, tomogul / photocase.de, Nikolay Tzolov / istockphoto.com _Typisch deutsch Interview: Steffen & Partner _BREXIT: George Clerk / istockphoto.com, BastianDietz / photocase.de _Erfolgs-Meldung: Armin Brosch für Jonas Hansen Furniture Inhaber Jonas Hansen, Mini Design Award: BMW AG, Germand Design Award: Rat für Formgebung Stiftung, Peri & Jin: Ayse Romey _Aus dem Turm: Alle Bilder Steffen & Partner, Top-Steuerberater Focus-Money sowie Cover Focus Spezial: FOCUS Magazin Verlag GmbH _Das Letzte: Redvikingphoto / istockphoto. com, kallejipp / photocase.de _Wissenswertes und Wichtiges Q3: Kohle: Bernd Vonau / photocase.de, Grafik Urlaubszeit: eigene Darstellung, Mindestlohn-Münzen: zettberlin / photocase.de, Erbschaftsteuerreform – Umwälzen: birdys / photocase.de, Erbschaftsteuerreform – Abstimmung bzw. Strichliste: sör alex / photocase.de, Parkmöglichkeiten: Arnd_Drifte / photocase.de, Grunstücksverkauf – zu verkaufen: DWerner / photocase.de, Elektro-Auto: BMW AG

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Was steckt dahinter? BETRIEBSWIRTSCHAFTLICHE BERATUNG

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Frühindikatoren Ingolf Ersel, Steuerberater und Partner, widmet sich in seinem Artikel den unternehmerischen Frühindikatoren. Warum? Weil Sie in guten Zeiten nicht merken, wo die Schwachstellen Ihres Unternehmens liegen. Und das kann Ihnen in schwächeren Zeiten zum Verhängnis werden. Ein gutes Frühindikatorensystem ist also ein Blick in das Innerste des Unternehmens. WAS MACHT EIGENTLICH

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Die Börse – Hartmut Jaensch Hartmut Jaensch weiß, dass die Börse mehr ist als reine Spekulation. Er erforscht seit 30 Jahren die Finanzmärkte. Im Ergebnis hat er einen Algorithmus entwickelt, der die Entwicklung von Markttrends auf neutraler Basis anzeigen kann. Getestet ist diese Technik an Börsendaten aus über 50 Jahren. Hartmut Jaensch, so kann man sagen, blickt hinter die Fassaden der Börsen. ERFAHRUNGS-MOMENT

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Kaffee, Brötchen, Münzen und Veränderung Auch das Familienunternehmen SAF Tepasse blickt hinter die Fassaden: nämlich hinter die Fassade von Verkaufsautomaten. Über 900 Kaffee-, Getränke- und Snack-Automaten betreibt das Unternehmen in unserer Region. Da kommen nicht nur viele Münzen zusammen, da verändert sich gerade vieles: zum Beispiel wird neu gebaut und die Nachfolge geregelt...

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Rechtsanwälte

Steuerberater BETRIEBSWIRTSCHAFTLICHE BERATUNG

16 Frühindikatoren

Wie Sie sich ein Frühwarnsystem für Unternehmen schaffen können.

FINANZBUCHHALTUNG

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Die Kasse

Die Kasse ist die „neverending Story“ der Buchaltung. Sie muss um ein Kapitel erweitert werden! UMSATZSTEUER

41 Photovoltaikanlagen

Nur rechtzeitige Zuordnung zum Unternehmensvermögen sichert Ihnen den Vorsteuerabzug.

ZIVILRECHT

09 Gutscheine Gutscheine Rudolph Ihnen rechtlich komplexe Gutschein stehen Fragestellungen...

sind, wie Johannes erklären wird, eine Welt. Hinter einem zahlreiche rechtliche

Akademie SEMINARPLAN Q

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68 Aktuelle Termine

Wir freuen uns auf Sie.

Aktuelles HANDEL

ALLGEMEINES RECHT

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Grillen oder nicht grillen

Endlich besteht die Hoffnung, dass die Sonne sich länger zeigt, dass es wirklich Sommer wird. Da mussten wir uns einfach der Frage widmen, ob und wie gegrillt werden darf?

DAS LETZTE

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Alles kann, nichts muss

Über Gerichte, die sich mit Stöckelschuhen beschäftigen und wie viele Namen ein Kind bekommen darf.

51 BREXIT und seine Folgen

Noch ist die Sachlage schwer abzuschätzen, absehbar ist jedoch, dass der BREXIT Folgen, insbesondere für den Handel, haben wird. AUS DEM TURM

55 Wir sind...

Unsere internen Nachrichten

WISSENSWERTES UND WICHTIGES

Kürze 59 Infüraller das 3. Quartal 2016

Eindrücke UNTERNEHMENSBESUCH

WEINKOLUMNE

11 Die Nachhilfeschule

14 Sommerwein – Weinsommer 23 Die Börse – Hartmut Jaensch

Über die besondere Nachilfeschule von Michaela Raap in Bocholt.

WAS MACHT EIGENTLICH

Heiko Mätzig stellt zwei besondere Weine mit Sommergeschichte vor.

Einblicke des „FinanzmarktForschers“ Hartmut Jaensch.

ERFAHRUNGS-MOMENT

DAS BILD DER DEUTSCHEN IM AUSLAND

ERFOLGS-MELDUNG

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über unsere 55 Nachbericht Geschichten...

Kaffee & Veränderung

Über Engagement und Veränderung – dürfen wir vorstellen: Das beeindruckende Familienunternehmen SAF Tepasse.

Sind wir wirklich so schlimm?

Eindrücke von deutschen Touristen in verschiedenen Ländern und ein Interview über den Alltag in Deutschland...

Wir berichteten über Jonas Hansen und auch über Ayse Romey. Jetzt haben die beiden jeweils tolle Nachrichten.


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ZIVILRECHT: GUTSCHEINE

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Gutscheine eine (rechtlich) komplexe Welt

Bestimmt hatte jeder von Ihnen schon einmal mit Gutscheinen zu tun. Sei es als Geschenk, oder als Werbeaktion eines Unternehmens. Kaum jemand macht sich jedoch Gedanken darüber, was eigentlich juristisch hinter einem Gutschein steht. Juristisch handelt es sich zunächst mal um ein sogenanntes „Inhaberpapier“ gem. § 807 BGB. Wichtig ist außerdem die Unterscheidung zwischen Geschenkgutscheinen und Umtauschgutscheinen.

ein Kunde bereits erworbene Waren an den Händler zurückgibt und hierfür im Gegenzug einen Gutschein ausgestellt bekommt. Bei einem solchen Umtausch ist zu bedenken, dass bei mangelbehafteter Ware der Kunde einen Anspruch auf Nachbesserung hat, nicht aber zwingend auf Rückerstattung des Kaufpreises. Eine Regelung in den AGB, wonach beim Umtausch mangelhafter Ware nur ein Gutschein ausgestellt werden darf, ist unwirksam.

Geschenkgutschein

Wie lange gilt ein Gutschein?

Bei einem solchen Gutschein wird ein bestimmter Geldbetrag an ein Unternehmen gezahlt und man erhält dafür eine Urkunde über den eingezahlten Betrag. Dieser Gutschein kann dann in dem entsprechenden Unternehmen eingelöst werden.

Rechtlich spannend sind insbesondere die Fragestellungen rund um das Thema Befristung und Verjährung von Gutscheinen. Oft erhält man einen Gutschein geschenkt, auf dem dann eine Frist eingetragen ist, bis wann der Gutschein eingelöst sein muss. Hierzu hat es bereits höchstrichterliche Rechtsprechung gegeben, wonach die Frist zur Einlösung nicht zu kurz bemessen sein darf und sich nach den Gepflogenheiten im jeweiligen Handelszweig

Umtauschgutschein

Davon zu unterscheiden sind sogenannte Umtauschgutscheine. Hiervon wird gesprochen, wenn Ausgabe 13 – 2016

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GUTSCHEINE: ZIVILRECHT

Johannes Rudolph, LL.M., löst Gutscheine stets zeitnah ein. Warum, erklärt er Ihnen hier.

richten muss. Es gibt Urteile dazu, dass Befristungen von einem Jahr als zu kurz angesehen werden. Dies betraf einen großen Elektronikfachmarkt und auch ein sehr großes Internet-Versandhaus war hiervon betroffen.

ein Ausstellungsdatum vermerkt wird, damit der Beginn der Verjährung nachgewiesen werden kann. Eine Barauszahlung des Gutscheinbetrages ist nicht vorgesehen, sofern hierüber keine gesonderte Vereinbarung getroffen wurde.

Die Situation stellt sich hinsichtlich der Befristung etwas anders dar, wenn Gutscheine von Unternehmen an ihre Kunden verschenkt werden. Da hierfür keine Gegenleistung erbracht wurde, ist demzufolge auch eine kurze Frist zur Einlösung zulässig.

Immer wieder kommt es außerdem vor, dass man in seiner Schublade einen Gutschein findet von einem Unternehmen, welches sich unglücklicherweise in der Insolvenz befindet. Hier hat man leider keine anderen Rechte als die anderen Gläubiger des insolventen Unternehmens auch. Daher muss dann die Gutscheinforderung zur Insolvenztabelle angemeldet werden, verbunden mit der Hoffnung, hierauf eine geringe Quote ausgezahlt zu bekommen.

Davon zu unterscheiden ist die Frage der Verjährung. Grundsätzlich gilt für Gutscheine die sogenannte Regelverjährung von drei Jahren. Diese Verjährungsfrist beginnt mit Ende des Jahres, in dem der Gutschein ausgestellt wurde. Sofern Sie also im Mai 2016 einen Gutschein erwerben, beginnt die Frist am 31.12.2016 und endet am 31.12.2019. Sollten Sie nach Ablauf dieser Verjährungsfrist versuchen, den Gutschein einzulösen, kann der Händler die Einlösung verweigern. Sofern Sie überlegen, für Ihr Unternehmen die Möglichkeit des Erwerbes von Gutscheinen einzuführen, ist es also wichtig, dass auf dem Gutschein Sommerzeit

Im Ergebnis bleibt festzuhalten, dass sich hinter einem Geschenkgutschein zahlreiche rechtliche Problemstellungen verstecken können. Gerne helfen wir Ihnen, diese Probleme zu lösen. • Für weitere Fragen zur Ausgabe oder zum Einlösen von Gutscheinen, wenden Sie sich gerne und rechtzeitig an Johannes Rudolph. T 02871 275750, E rudolph@steffen-partner.de

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UNTERNEHMENSBESUCH: DIE NACHHILFESCHULE

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Die Legende Das Mythos und „Dimi“, unser Grieche

„Wir sind anders als üblich…“

Im Interview mit Michaela Raap, Inhaberin der Nachhilfeschule in Bocholt, ist alles anders, irgendwie besonders. Man hört ihr gern zu und hat direktes Vertrauen in sie. Und während sie so von ihrer kleinen Schule, die im Februar 2015 erst eröffnet wurde, erzählt, denkt man sofort: Ja, da sind Schüler gut aufgehoben, die eigenen Kinder würde man bedenkenlos dort hinschicken wollen.

Aus dem Gespräch ergibt sich, dass Michaela Raap aufrichtiges Interesse für ihr Gegenüber hegt. Sie versucht, ihre Schüler kennenzulernen, indem sie ihnen aufmerksam zuhört und ihnen das Gefühl gibt, nicht Irgendwer zu sein. Sie nimmt die Sorgen und Ängste ihrer Schüler ernst und nicht zuletzt dadurch gelingt es ihr, einen richtig guten Zugang zu ihnen zu gewinnen.

Durch ihre liebevolle und kompetent wirkende Art schafft sie es, Respekt zu erzeugen. Unerlässlich für diesen Beruf, denn wer Respekt von anderen erwartet, muss anderen auch respektvoll begegnen. Aber auch unerlässlich im Hinblick auf einen positiven Lerneffekt.

Dieses aufrichtige Interesse ist vermutlich Grundlage, Schüler zu motivieren. Es ist Schlüssel für gegenseitigen Respekt und dafür, Nachhilfelehrer wesentlichen Einfluss nehmen können.

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die der als zu

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DIE NACHHILFESCHULE: UNTERNEHMENSBESUCH

Unterricht während der Sommerferien: Nutzen Sie die Zeit! Gerade jetzt, da die Sommerferien vor der Tür stehen, bietet sich die Möglichkeit, Basisthemen zu vertiefen oder sich auf anstehende Prüfungen ab dem nächsten Schuljahr intensiver vorzubereiten. Es ist eine tolle Gelegenheit für die Schüler, die Ferien zu nutzen. Dazu bietet die Nachhilfeschule in den letzten 2 Wochen der Sommerferien Kurse zu Sonderkonditionen an. Informieren Sie sich telefonisch oder in einem ganz persönlichen Gespräch vor Ort!

Die Nachilfeschule in Person ihrer Inhaberin, Michaela Raap, im Gespräch mit Steffen & Partner.

Steffen & Partner: Was macht Ihre ´Schule´ eigentlich so besonders? Was ist anders an Ihrem Konzept als bei den bekannteren Nachhilfeanbietern? Michaela Raap: Wir sind eine private Nachhilfeschule, also keiner größeren Institution angeschlossen. Dadurch sind wir unabhängig und können Unterricht in kleineren Gruppen anbieten. In der Nachhilfeschule werden maximal vier Schüler in einer Gruppe unterrichtet. Selbstverständlich bieten wir bei Interesse auch Einzelunterricht an. Zudem entfällt bei uns eine Anmeldegebühr, was uns ebenfalls von vielen größeren Anbietern unterscheidet. Das Entscheidende aber ist: Wir bieten fachhomogenen Gruppenunterricht an. Steffen & Partner: Was bedeutet das? Michaela Raap: Das heißt, dass wir immer nur ein Fach in der Gruppe unterrichten, nicht mehrere Fächer gleichzeitig. Es kommt zu keinerlei Ablenkungen oder Störfaktoren; zusätzlich kann sich die Lehrkraft stets auf die eigene Kompetenz konzentrieren. Steffen & Partner: Sie erwähnten, dass bei Ihnen keine Anmeldegebühr anfällt. Gibt es sonstige Vorteile im Hinblick auf die Kosten? Sommerzeit

Michaela Raap: Wir können, weil wir ein privates Unternehmen sind, wesentlich flexiblere Angebote bieten, wie zum Beispiel die Möglichkeit, zwischen einem halben Jahr und einem Jahr Unterricht zu wählen, oder Ausfallstunden, ohne Vorgabe eines bestimmten Zeitraums, nachzuholen. Ebenfalls besteht die Möglichkeit, während der Vertragslaufzeit die Unterrichtsstunden aufzustocken oder auch zu reduzieren. Darüber hinaus kann der Schüler an einem kostenlosen Probeunterricht teilnehmen, um zu erfahren, was ihn erwartet, und sich so einen ersten Eindruck verschaffen. Hinsichtlich der Kosten, die für die Unterrichtsstunden anfallen, ist es uns wichtig, transparent zu sein. Über die Preise können Sie sich unter www.dienachhilfeschule.com ganz einfach informieren. Steffen & Partner: Wer ist Ihre Zielgruppe? Michaela Raap: Schüler aller Schulformen, ob Grundschule, Hauptschule, Realschule oder Gymnasium, haben die Möglichkeit, unseren Nachhilfeunterricht zu besuchen. Steffen & Partner: In welchen Fächern bieten Sie Unterricht an?

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UNTERNEHMENSBESUCH: DIE NACHHILFESCHULE

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Auszug aus dem Programm

Michaela Raap: In allen Hauptfächern, also in Deutsch, Mathematik, Englisch, Französisch und Latein. Zusätzlich bieten wir neben dem Unterricht eine Hausaufgabenbetreuung an, falls diese von den Eltern gewünscht wird. Steffen & Partner: Welches Personal ist für Sie, neben Ihnen, tätig? Michaela Raap: In der Nachhilfeschule unterrichten ausgebildete Lehrer, Studenten sowie Lehrkräfte, die aufgrund ihres Studiums für das zu unterrichtende Fach ausgebildet sind. Die meisten Lehrer kannte ich bereits vor der Einstellung. Es sind ausschließlich Lehrkräfte, die aufgrund ihrer jahrelangen Praxiserfahrung wissen, wie man Wissenslücken schließt, wie man die Schüler motiviert und ihnen hilft, das Interesse am Schulunterricht zurückzugewinnen, aber auch, wie man ihnen vermittelt, richtig zu lernen. All´ das zusammen bildet die Basis für einen nachhaltigen Lern- und Leistungserfolg. Steffen & Partner: Werden die Eltern eigentlich über Lern- und Leistungsstände der Kinder informiert?

besteht auch jederzeit die Möglichkeit, individuelle Gesprächstermine zu vereinbaren, sofern Gesprächsbedarf besteht. Da wir auch Unterricht an Samstagen anbieten, können für berufstätige Eltern im Bedarfsfall auch für das Wochenende Termine vereinbart werden. Steffen & Partner: Uns haben Sie überzeugt, Ihr persönliches Konzept gefällt uns. Wir können daher allen Eltern, die noch Nachholbedarf für Ihre Kinder sehen, empfehlen, von der Möglichkeit des kostenlosen Probeunterrichts Gebrauch zu machen. • Besuchen Sie die Nachhilfeschule während der Beratungszeiten. Informieren Sie sich ein einem persönlichen Gespräch. Ganz unverbindlich!“ Die Nachhilfeschule – Inhaberin Michaela Raap Neustraße 2 - 4, 46399 Bocholt Telefon: 02871 - 48 962 84 EMail: info@dienachhilfeschule.com Internet: www.dienachhilfeschule.com

Michaela Raap: Ja, wir bieten regelmäßig ´Elternsprechtage` an, damit die Eltern sich bei Bedarf informieren können. Selbstverständlich Ausgabe 13 – 2016

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Sommerwein 2015er „Sommerwein“ Qualitätswein Weingut Russbach, Rheinhessen Im April 2014 eröffneten wir auf dem Gasthausplatz „die Weinbar“. Sofort wurde unsere Idee, nach dem Vorbild der Strausswirtschaften in den deutschen Weinanbaugebieten, die Menschen bei einem Glas Ihres Lieblingsweines und diversen kulinarischen Weinbegleitern zusammenzubringen, gut angenommen. Und durch die westliche Ausrichtung des Lokales, können unsere Gäste die Sonnenstrahlen bis zum Sonnenuntergang geniessen. Nur leider wurde dieser bedeutende Vorteil an einem Juni-Nachmittag des letzten Jahres zum bedeutenden Nachteil. Das Thermometer zeigte 37 Grad an. Die Lokale im Schatten auf der gegenüberliegenden Seite waren sehr gut besucht. Bei uns saßen nur meine Frau und ich. Wein ist bei diesen hohen Temperaturen kein bevorzugtes Getränk. Da kam mir die Idee, einen Wein zu kreieren, der einen geringen Alkoholgehalt hat, aber trotzdem aromatisch und säurearm sein sollte. Da wir mit dem Winzer Bernd Russbach, aus dem schönen Wonnegau, schon einige Weine gemeinsam vinifiziert hatten – planten wir „den Sommerwein“. Nach einer Vielzahl von gemeinsamen Verprobungen kamen wir dann zu einem Ergebnis, was selbst den Winzer begeisterte. Eine Cuvée aus Silvaner, Riesling, Sauvignon blanc und Bacchus. Die Restsüsse stellten wir auf ca. 11 g ein und mit einem Alkoholgehalt von 10,3 % hatten wir unseren leichten Sommerwein, der durch die Rebsorten Sauvignon blanc und Bacchus eine schöne fruchtbetonte Note erhielt. Die ersten Gäste, die diesen Wein verkosten durften, waren begeistert. Aber der Praxistest fehlt bis heute. Das Wetter spielte leider noch nicht mit. Aber wenn das Thermometer dann mal wieder die 30 Grad überschreitet, besuchen Sie uns doch gern in der Weinbar und bestellen sich den Sommerwein. Und auch hier gilt: Keine Bestellung ohne Probeschluck!

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Weinsommer 2015er A-Mano bianco A-Mano, Apulien Besonders schön am Beruf des Weinhändlers sind die vielen Einladungen von Weingütern aus der ganzen Welt. Leider können wir aus Zeitgründen nicht alle wahrnehmen – aber die Einladung von Mark Shannon vom Weingut A-Mano aus dem süditalienischen Apulien nahmen wir gerne an. Da wir bereits sehr erfolgreich seine Weine verkaufen, mussten wir uns persönlich von dieser wunderschönen Region zwischen dem Adriatischen und dem Ionischen Meer überzeugen. Mitte Juni diesen Jahres genossen wir also für drei Tage die Gastfreundschaft von Mark Shannon und seiner reizenden Frau Elvezia. Unvergessen bleibt der Nachmittag auf ihrer Farm im malerischen Noci. Über Stunden wurden wir von den beiden bei einem Barbecue kulinarisch verwöhnt. Da das Thermometer sich der 30 GradMarke näherte, blieben Rotweine die Ausnahme. Aber ein Wein hatte uns aussergewöhlich gut gefallen. Der „A-Mano Bianco“: Eine Cuvée aus den Rebsorten Fiano, Falanghina und Greco. Alles einheimische Rebsorten, die mit wunderschönen exotischen Aromen und einer milden Säure, diesen Nachmittag komplett begleitete. Der Alkoholgehalt von 12,5 % war sehr angenehm. Und wir tranken und genossen diesen schönen Nachmittag. Abends ging es dann wieder zurück. Von Bari nach München und dann nach Münster/Osnabrück. Was blieb sind die Eindrücke dieser schönen Region, der Gastfreundschaft, das Essen und der A-Mano Bianco. Deswegen ist er für uns einer der Sommerweine des Jahres.

Wenn Heiko Mätzig an Sommer denkt, dann denkt er sich: „Jetzt kreiere ich mal einen Wein.“ Wir haben das große Glück, dass er uns seinen Sommerwein hier auch vorstellt. Insofern ist dies natürlich eine besondere Weinzeit! Jetzt fehlen nur noch die 30 Grad und mehr. Aber die kommen bestimmt auch noch. Nicht zu verachten sind natürlich auch die Weinreisen von Heiko und Annette Mätzig. Welch‘ schöne Erinnerung die Beiden mit dem A-Mano bianco verknüpfen dürfen. Aber wir sind uns sicher, auch Sie werden nur die besten Erinnerungen an ein Glas dieses ausgesuchten Weines haben.

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Unser Fazit: Ob regnerischer oder hitziger Sommer, ob Erinnerung oder Kreation: Heiko Mätzig vom Haus der Weine hat auch im Sommer etwas DasSie... Magazin von Steffen & Partner Sommerzeit besonderes für


Frühindikatoren Vor allem in der Vergangenheit, insbesondere in guten Konjunkturzeiten, werden Schwachstellen in vielen Unternehmen häufig nicht rechtzeitig wahrgenommen. Diese Mängel könnten sich in schwachen Zeiten unternehmensbedrohend auswirken.

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BETRIEBSWIRTSCHAFTLICHE BERATUNG: FRÜHINDIKATOREN

Jeder Unternehmer hat es selbst in der Hand, sein Unternehmen mit gutem Management geschickt und erfolgreich durch strategische Maßnahmen zu führen. Bislang wurde aber das Controlling sehr häufig auf der Basis von vergangenheitsbezogenen Daten durchgeführt. Bis aber Monatsauswertungen und Bilanzen Fehlentwicklungen aufzeigen, ist es für gezielte Gegenmaßnahmen häufig zu spät. Die Buchführung geht zudem nur von der einen Wertgröße „EURO“ aus. Andere Maßeinheiten wie z.B. Zeit, Menge, KM bleiben unberücksichtigt. Ein zukunftsorientiertes Unternehmen, das sich langfristig eine Wettbewerbsposition sichern und ausbauen möchte, sollte eine betriebswirtschaftliche Basis des Controllings schaffen. Diese zu findenden „Sensoren“ sind zu implementieren und sollten so individuell auf das Unternehmen zugeschnitten sein, dass ein Frühwarnsystem die Schwachstellen und Probleme zeitnah aufdeckt. Für das Einleiten geeigneter Gegenmaßnahmen der Problembehebung verbleibt damit ausreichend Zeit. Durch die Schaffung dieser Indikatoren ist die Geschäftsführung in der Lage, schnell und direkt Veränderungen zur Verbesserung der Unternehmensprozesse einzuleiten. Die Umsetzung einer Prävention der ausgerichteten Unternehmenssteuerung ist jedoch nur möglich, wenn dem Unternehmer die richtigen Informationen in der richtigen Form und vor allem zum richtigen Zeitpunkt zur Verfügung stehen. Diese fundierten Informationen sind umso wertvoller, da sie die er-folgsentscheidenden Faktoren des Unternehmens beinhalten. Die daraus resultierenden Handlungsoptionen sind zur Verbesserung der unternehmerischen Situation sofort umzusetzen. Kennzahlen versus Frühindikatoren Kennzahlensysteme basieren auf Vergangenheitswerten. Sie werden zur Beurteilung von Unternehmen eingesetzt. Problemerkennung, Ermittlung von betriebswirtschaftlichen Starkund Schwachstellen, Informationsgewinnung und Kontrolle mittels des Soll-Ist-Vergleichs, dienen der Dokumentation und der Koordination wichtiger Sachverhalte und Zusammenhänge im Unternehmen. Sie liefern verdichtete Informationen. Die Funktion der Kennzahl ist, dass sie Grundlagen für betriebswirtschaftliche Entscheidungen bildet. Neben der Kontrollfunktion von ex und ex post erreichten Ereignissen helfen diese bei Entscheidungen der Koordination unternehmerischer Bereiche. Ausgabe 13 – 2016

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Sie gliedern sich in Erfolgs-, Liquiditäts-, Rentabilitätskennzahlen sowie Kennzahlen zur Vermögensstruktur (Bilanzkennzahlen) und zur Umschlaghäufigkeit.

Tabelle 1: Die wichtigsten Kennzahlen

Erfolg Gewinn vor Steuern bereinigter Jahresüberschuss Cash Flow EBIT Deckungsbeitrag Liquidität Anlagendeckung Working Capital Rentabilität EK Rentabilität Gesamtkapital Rentabilität Return on Investment Kapitalstruktur EK Quote Verschuldungsgrad Anlagenintensität Umschlaghäufigkeit Kapital Lager

Die „betriebswirtschaftliche Auswertung“ (BWA) ist in den meisten kleinen und mittleren Unternehmen das vorherrschende Informationssystem. Es dient in erster Linie zur Darstellung der Ertragssituation hinsichtlich der gebuchten Monate in Bezug auf den Vorjahresmonat bzw. der kumulierten Werte des aktuellen Jahres zum Vorjahr. Diese IstDatenbestände werden vielfach genutzt, um klassische Kennzahlen (siehe oben) zu ermitteln. Viele Unternehmer nutzen nicht alle vorhandenen und verwertbaren Informationen einer standardisierten monatlichen BWA, der Summen- und Saldenliste (SuSa), der Liquiditätsübersicht oder aber auch einer Monatsbilanz. Eine sinnvolle Verbesserung Finanzbuchhaltung ist der

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der Analyse der Controlling-Report. Sommerzeit


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FRÜHINDIKATOREN: BETRIEBSWIRTSCHAFTLICHE BERATUNG

Dieser zeigt neben wichtigen Kennzahlen der BWA zusätzliche Kennzahlen zur Liquidität, Trends zu Vorjahreswerten, Debitorenlaufzeiten und vor allem Planungserreichungsgrade, die die zukünftigen Istund Planwerte des Unternehmens darstellen. Dieses Instrumentarium zeigt gerade den kleinen und mittleren Unternehmen eine deutliche Beschreibung des Jahresergebnisses für das gesamte zukünftig geplante Jahr. Die Ist-Monatsdaten werden mit den geplanten zukünftigen Monaten addiert und ergeben so eine klare Aussage. Diese Daten sind für eine strategische Unternehmensteuerung unabdinglich! In den meisten Fällen jedoch reagiert die Geschäftsführung nur, statt zu agieren. Der zusätzliche Einsatz einer Strategie und dessen Bewertung durch Frühindikatoren hilft, Dissonanzen zu mindern oder gänzlich zu vermeiden. Unternehmer mit Strategie- und Führungstransparenz sowie mit positiver Darstellung der Unternehmenssteuerung verbessern nicht nur die aktuelle und zukünftige Position des Unternehmens für sich, sondern verbessern auch eindeutig die Verhandlungsposition bei Kreditgebern. Definition der Frühindikatoren Der Frühindikator wird als Kennzahl verstanden, mit der die Entwicklung einer Aktion innerhalb oder außerhalb des Unternehmens erfasst und gemessen werden kann. Sie ergänzt die bisherigen verwertbaren, klassischen Kennzahlen. Zur Messung und Darstellung des Unternehmenserfolges werden Indikatoren benötigt, die möglichst objektiv die erzielten Ergebnisse

und die Zukunftsfähigkeit (Frühindikatoren) darstellen. Sie werden aus Frühwarninformationen gebildet, deren zeitliche Entwicklung Anhaltspunkte für ein mögliches Gefahrenpotenzial oder aber auch für Chancen bietet. Sie sollen für den Unternehmer dazu dienen, frühzeitig und zielgerichtet zu agieren und die Unternehmensentwicklung positiv zu prognostizieren. Aufbau des Frühindikatorensystems

Für den sinnvollen Aufbau des individuellen Systems sollten folgende Fragen geklärt werden: 1. Wie konstruiere ich das eigene unternehmerische System? 2. Wie viele Kennzahlen werden benötigt? 3. In welcher Häufigkeit und Genauigkeit erfasse ich die Messwerte? 4. Wie evaluiere ich die Ergebnisse? 5. Wer ist für die Prüfung der Indikatoren verantwortlich? In unserer Praxis zeigt sich, dass eine zu große Anzahl an Frühindikatoren nicht sinnvoll ist. Der Erfassungsund Auswertungsaufwand ist nicht unbeachtlich. Zu viele Kennzahlen fördern nicht den Durch-blick, sondern bewirken dann in ihrer Gesamtheit eher Verwirrung als effiziente Risikoerkennung. Welche Kennzahl Sie für den zu organisierenden Bereich bilden, hängt von den spezifischen Gegebenheiten des Unternehmens ab. Eine Hilfestellung könnte die Beantwortung folgender Fragen sein:

Tabelle 2: Frühindikatoren

Kunde/Vertrieb Termintreue Kundenzufriedenheit Abhängigkeitsgrad Anzahl Neukunden Auftragsvolumen Finanzen Cash Flow Return on Investment Rentabilität Umsatzentwicklung

Sommerzeit

Personal Krankenstand Umsatz je Mitarbeiter Überstundenquote Unfallhäufigkeit Produkt/Prozesse Lagerbestand Auslastungsgrad Reklamationsgrad Umtauschquote

Märkte Beschaffung Branchenentwicklung Lieferantenbewertung Messen Durchschnittsrabattquote Anfragevolumen Das Magazin von Steffen & Partner Beschaffungszeit

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BETRIEBSWIRTSCHAFTLICHE BERATUNG: FRÜHINDIKATOREN

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Kümmert sich um Frühindikatoren: Dipl.-Kaufmann Ingolf Ersel, Steuerberater und Partner bei Steffen & Partner. Sofern Sie ein unternehmerisches Frühwarnsystem etablieren wollen, ist er Ihr richtiger Ansprechpartner.

1. Welches strategische Ziel soll nachhaltig verfolgt werden? 2. Kann der Indikator leicht und eindeutig messbar dargestellt werden? 3. Kann ein Mitarbeiter die Planung bzw. die Kontrolle übernehmen? Die Frühindikatoren dienen dem Management, Mitarbeiter über Erfolgsfaktoren der gegenwärtigen und zukünftigen Erfolge des Unternehmens zu informieren. Sie sind nicht nur als Kontrollsystem, sondern sie sind auch als zusätzliches Kommunikations-, Informationsund Lernsystem anzusehen. Frühindikatoren und Unternehmensbereiche Durch die Zuordnung von Zielen, Kennzahlen, Vorgaben und Maßnahmen zu den einzelnen Unternehmensbereichen entsteht eine systematische und vor allem ganzheitliche Betrachtung eines Unternehmens. Es werden Anhaltspunkte zur Erarbeitung von Messund Steuerungsgrößen herangezogen.

Diese Bereiche gliedern sich auf in: • Kunden/Vertrieb • Finanzen • Beschaffung • Personal • Produkt/Prozesse • Märkte

Zu jedem dieser Bereiche lassen sich Kennzahlen finden. In Tabelle 2 sind beispielhaft für jeden Bereich ausgewählte Frühindikatoren aufgeführt. Diese Kennzahlen sind aufgrund unserer Erfahrung als Steuerberater im Rahmen der Unternehmensbegleitung bei betriebswirtschaftlichen Beratungen als wichtige Kennzahlen der jeweils zu beratenden Firma genannt worden. Zu berücksichtigen ist, dass alle Indikatoren mit Zielgrößen hinterlegt werden müssen. Diese Größen stellen Wertmaßstäbe für die definierten Frühindikatoren dar. Als Messzahl dienen sie als SollVorgabe für den Vergleich mit dem Ist-Zustand. Jeder Prozess lässt einen eindeutigen Zielerreichungsgrad zu. Abweichungen führen zu Maßnahmen, die das Erreichen der vorgegebenen Sollwerte sicherstellen. Durch diese Vorgaben können Veränderungen frühzeitig erkannt und bei einem negativen Trend rechtzeitig korrigiert werden. Festzuhalten bleibt, dass die Zielvorgaben bzw. die Richtwerte realistisch eingeschätzt und aufgestellt werden. Sie sind im Unternehmen jedem Teammitarbeiter darzulegen, damit sie eindeutig,


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FRÜHINDIKATOREN: BETRIEBSWIRTSCHAFTLICHE BERATUNG

klar nachvollziehbar und kommuniziert werden. Ansonsten könnten sie kontraproduktiv und vor allem demotivierend wirken. Die Vorgaben müssen regelmäßig überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Voraussetzung für die Einführung Die wesentlichen Voraussetzungen für die erfolgreiche Einführung von Frühindikatoren ist das Erkennen der Geschäftsleitung der aktuellen und der zukünftigen Positionierung des Unternehmens. Veränderungen im Prozessablauf, der Mitarbeiterführung, des Beschaffungsmanagements sowie der Offenheit im Finanzsektor sind möglich und auch zulässig. Zusätzlich zu der Offenheit für Veränderungen muss auch die Bereitschaft bestehen, Leistungen und Vorgaben transparent zu machen. Bedingung der Transparenz sind geregelte Verantwortungsbereiche und eine stabile Organisation des Unternehmens.

Zusätzlich sind transparente Daten, d. h. Daten die vollständig, konsistent und aktuell sind, eine weitere Voraussetzung. Die Vorteile eines unternehmensübergreifenden Frühindikatorensystems sind: • transparente, einheitliche Strategie • klare Zielvorgaben

• • • • • •

Feedback abteilungsübergreifende Identifikation Beschränkung auf das Wesentliche Zusammenwachsen von Geschäftsleitung, Controlling, Qualitätsmanagement Früherkennung von Abweichungen bei der Plangröße stabiles Unternehmenskonzept

Zieldefinition

Zielkonflikte durch eine gegenseitige Beeinflussung sind auszuschließen, da sich ansonsten das Liquiditätsziel durch eine Ausweitung der Debitorenlaufzeit kontraproduktiv gestaltet. 1. Ziele sollten fokussiert und definiert werden. 2. Ziele müssen kontrollierbar sein. Erfolge oder Misserfolge sind aufzuzeigen. 3. Ziele müssen für das Unternehmen eine Relevanz besitzen. Eine hohe Motivation und ein hohes Interesse der Mitarbeiter sollten vorliegen. 4. Ziele sollten realistisch sein. 5. Ziele unterliegen einem Zeitplan. Findung von Frühindikatoren

Bei der Findung und Bildung der Indikatoren sollte unbedingt eine Beschränkung auf das „Wesentliche“

Abbildung 1 zeigt die am häufigsten genannten bzw. gewünschten Indikatoren:

Reklamationen

63%:

Produkte / Prozesse

Umsatzentwicklung

44%:

Finanzen

Kundenzufriedenheit

38%:

Kunden / Vertrieb

Termintreue

32%:

Kunden / Vertrieb

Krankenstand

25%: Personal

Fortbildungen

23%: Personal

Sommerzeit

Anzahl Reklamationen Anzahl Aufträge Umsatz dieses Jahr Umsatz Vorjahr

Wachstum Strategieprüfung

Reklamationsquote, etc. Summe mehrerer Indikatoren

Erklärung der Kundenwünsche

pünktliche Lieferungen

Güte der Organisationsprobleme

alle Lieferungen versäumte Arbeitstage Soll-Arbeitstage Stunden Fortbildung Soll-Stunden

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Zufriedenheit Produktstärke

Betriebsklima Arbeitsbedingungen Lernbereitschaft Innovationsfreunde

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BETRIEBSWIRTSCHAFTLICHE BERATUNG: FRÜHINDIKATOREN

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1. Qualitätsregelkarte nach Shewhart Die Regelkarte ist eine Methode zur Präsentation von Messergebnissen. Es werden vorher fest definierte Ober- und Untergrenzen dargestellt. Innerhalb der Toleranzgrenzen sind keine Maßnahmen zu treffen. Bei Über- oder Unterschreitung einer oberen bzw. unteren Warngrenze folgen strategische Aktionen.

erfolgen. Zu viele Kennzahlen führen nicht nur zu sehr viel Arbeitsaufwand bei der Definition und der Überprüfbarkeit, sondern auch ganz einfach zu einer Verhinderung der effizienten Unternehmenssteuerung. Aus der Praxis heraus ist folgende Vorgabe als effizient zu bezeichnen:

2. Ursachen-Wirkungs-Diagramm Durch die sog. „Fischgrätenanalyse“ (siehe Abbildung 2) sollen anhand eines Diagramms die Ursache und die Wirkung eines Prozesses dargestellt werden. Initial ist ein „Brainstorming“ der verschiedenen Abteilungen im Unternehmen zur Fehleranalyse unabdingbar.

10 Frühindikatoren für die Führungsebene 5 Frühindikatoren für die einzelnen Verantwortungsbereiche 5 Frühindikatoren für Mitarbeiter Die gefundenen Kennzahlen sollen in den einzelnen Ebenen eine frühzeitige Planung, Rückkopplung und Bewertung der Prozesse und deren Entwicklung aufzeigen.

Praxis-Beispiel: Führt die Fortbildung des Personals zur Verkürzung der Durchlaufzeit und damit zur Einhaltung der Termintreue, steigen die Kundenzufriedenheit und das Auftragsvolumen an und der Unternehmenserfolg ist real (siehe Abbildung 3).

Durch das rechtzeitige Erkennen von Fehlentwicklungen soll zeitgerechtes Agieren zur Gegensteuerung erfolgen.

Methode zur Visualisierung der Indikatoren: In den jeweiligen Verantwortungsbereichen sind die Informationen darzustellen, um gegebenenfalls Handlungen abzuleiten. Beispielhaft zeigen wir mögliche Darstellungen:

Kennzahlensysteme Ergebnisse der einzelnen Entwicklungsschritte können auch durch einfache Folgewirkungen dargestellt werden.

Abbildung 2 zeigt das Muster eines Ursachen-Wirkungs-Diagramms, einer sog. „Fischgrätenanalyse

Mensch

Maschine

Verwechslung der Etiketten

Fehler beim Transport

Verwechslung der Chemikalien

Fehler beim Verpacken Verätzung

falsche Vorgabe falsche Etikettenvorgabe

Methode

Produktionsfehler

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fehlerhaft bei Auslieferung

Material

Transportfehler

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FRÜHINDIKATOREN: BETRIEBSWIRTSCHAFTLICHE BERATUNG

Bereich

Finanzen

Auftragsvolumen

Anteil Stammkunden Kunden Liefertermintreue

interner Prozess

Ergebnistreue

Personal

Fortbildung

Durchlaufzeit

Abbildung 3 zeigt beispielhaft die direkten und indirekten Verbindungen von Indikatoren

Jeder der aufgeführten Frühindikatoren hat eine direkte oder indirekte Verbindung zum übergeordneten Ziel. Kann nämlich keine Verbindung hergestellt werden, eignet sich die Kennzahl nicht als Frühindikator. Fazit Damit aus Risiken Chancen werden, sollten Maßnahmen, in Form der Frühindikatoren, von Unternehmern vorausschauend eingesetzt werden.

Basierend auf der Zielorientiertheit des Unternehmers auf der Zukunftsentwicklung seines Unternehmens müssen zukünftige Entwicklungen (Chancen und Risiken) von Markt, Kunden und Wettbewerb richtig eingeschätzt werden. Hieraus sind geeignete Unternehmenszielsetzungen abzuleiten, die auf allen Ebenen des Unternehmens umgesetzt werden. Sommerzeit

Nicht alles ist vorhersehbar, aber ohne differenzierte Planungen und Zielformulierungen ist kein unternehmerisches Handeln möglich. Notwendig sind kontinuierliche Überprüfungen der Managementprozesse, die Anpassung an veränderte externe und interne Rahmenbedingungen sowie die Anpassung der Unternehmensorganisation- und struktur. • Mehr zu Risiken und Chancen oder wie Sie Risiken zu Chancen machen, erfahren Sie von Diplom-Kaufmann Ingolf Ersel, Partner, Steuerberater und Leiter unserer betriebswirtschaftlichen Beratung. Telefon: 02871 275750 EMail: ersel@steffen-partner.de

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Börse ist mehr als reine Spekulation

Hartmut Jaensch erforscht seit fast 30 Jahren die Finanzmärkte. Aus Erfahrung weiß er, dass sich an der Börse nichts vorhersagen lässt, aber die Wahrscheinlichkeiten für eine Trendwende berechnet werden können.


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WAS MACHT EIGENTLICH: HARTMUT JAENSCH

Über Hartmut Jaensch: Unzufrieden mit vagen Handlungsanweisungen aus Lehrbüchern begann Hartmut Jaensch schon im Studium, Algorithmen zu testen, um Börsenzyklen zu entschlüsseln. Nach 30 Jahren Forschung gibt der Geschäftsführer des Instituts für Börsenstrategie nun sein Wissen an Anleger weiter. www.prediqma.com

Steffen & Partner: Herr Jaensch, Sie haben fast 30 Jahre lang die Börse erforscht. Was hat Sie dazu bewegt?

USA. Für meinen fundierten Nachweis habe ich Daten aus über 100 Börsenjahren verwendet und nur ein Teil davon war bereits digitalisiert.

Hartmut Jaensch: Vor allem meine Neugierde. Ich hatte früh erste Aktiengeschäfte getätigt und wollte noch besser verstehen, wie die Börse wirklich funktioniert. Aus den allgemein zugänglichen Informationen ergab sich für mich kein schlüssiges Bild. Irgendwie passten meine eigenen Erfahrungen selten zu den Aussagen der Experten und Medien. Darum bohrte ich tiefer und stieß schnell in ein Paralleluniversum vor.

Steffen & Partner: Das war sicher viel Zeitaufwand?

Steffen & Partner: Was denn für ein Paralleluniversum?

Hartmut Jaensch: Stimmt. Bis jetzt habe ich mein System mit vielen Millionen Einzeldaten zu Zinsen, Aktienkursen, Rohstoffen, Währungen, Branchen und Ländern gespeist – wöchentlich kommen neue hinzu. Aber nur so gelingt die wissenschaftliche Betrachtung und Beweisführung, fernab von subjektiven Argumenten von miteinander im Streit liegenden VWL- und BWL-Theorien. Diese Datenreihen dokumentieren die Historie und sind somit revisionssicher – schließlich wird sich daran nichts mehr ändern.

Hartmut Jaensch: Ich fand immer mehr Zusammenhänge, die von meinem ursprünglichen Börsenverständnis abwichen, aber über die keiner sprach – und wohlgemerkt, bis heute selten spricht. Von meinen neuen Erkenntnissen und Erfolgen an der Börse motiviert wollte ich hinter die Fassade der Finanzmärkte schauen. Ich fing an zu graben. Steffen & Partner: Bei der Finanzindustrie? Hartmut Jaensch: Ja, zunächst auch. Als ich dort aber nicht fündig wurde, suchte ich an anderer Stelle nach Hinweisen und entwickelte eigene Theorien. Ich wühlte mich durch Datenbanken, Bibliotheken und Archivkeller – sowohl in Deutschland als auch in den Sommerzeit

Hartmut Jaensch: Ja schon, aber die Freude und die Faszination trugen mich. Und ich forsche heute, fast drei Jahrzehnte später, immer noch mit viel Leidenschaft. Steffen & Partner: Das müssen Unmengen an Daten sein?

Steffen & Partner: Welche Erkenntnisse haben Sie aus Ihrer Forschung gewonnen? Hartmut Jaensch: Dass die bis heute weit verbreiteten Methoden, die Anlegern bei der Kauf- oder Verkaufs-

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WAS MACHT EIGENTLICH: HARTMUT JAENSCH

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Hartmut Jaensch mit einem Auszug seiner Daten: der Performancevergleich seiner Forschungsergebnisse betrachtet die Entwicklung verschiedener Indizes über die letzten 100 Jahre. Die Ergebnisse beeindrucken.

entscheidung unterstützen sollen, nur bedingt hilfreich sind. Sie funktionieren zum Teil gar nicht und widersprechen sich oft. Wie soll der Privatanleger damit erfolgreich an der Börse sein? Steffen & Partner: Können Sie eine solche Methode benennen? Hartmut Jaensch: Gern. Am geläufigsten ist die Regel „langfristig in Aktien anlegen und breit streuen“. Das hat in den 80ern und 90ern noch einigermaßen funktioniert, aber weder in den 70er Jahren noch seit Beginn des neuen Jahrtausends. Wer dieser Strategie folgt, kommt ständig in Auf- und Abschwünge hinein. Das Kapital kann sich so nicht vermehren. Zudem steigen die meisten Anleger zum falschen Zeitpunkt ein und erfahren dann schmerzlich, dass nicht nur Standard-Titel wie etwa Allianz, Deutsche Bank oder auch Daimler mal um 50 % fallen, wie zum Beispiel zwischen Juni 2007 und März 2009, und auch eine breite Streuung nicht vor hohen Verlusten schützt. Es ist absolut unbefriedigend – so ging es mir ja anfangs auch –, wenn Sie sich an die allgemein gepredigten Spielregeln halten und trotzdem Verluste einfahren. Das zerrt bei vielen an den Nerven. Steffen & Partner: Wie finden Anleger dann heraus, wann sie Aktien kaufen bzw. nicht kaufen sollten? Ausgabe 13 – 2016

Hartmut Jaensch: Auf jeden Fall sollten sie die Analysetechniken, die sie nutzen wollen, kritisch hinterfragen. Es gibt unzählige Methoden, um zu einer Investitionsmeinung zu kommen. Nehmen Sie die populäre Chartanalyse. Sie besticht durch ihre Anschaulichkeit. Lineal anlegen und schon erkennen Sie ein Muster, eine sogenannte ChartFormation. Diese kommt aber erst mit den aktuellen Kursen zustande. Das heißt, diese Analyse zeigt Ihnen retrospektiv ein Muster, beantwortet aber nicht die Frage, welches Muster sich als nächstes herausbilden wird und ob der Trend wohl anhält. Die reine Fundamental-Analyse, sprich: das sorgfältige Analysieren einzelner Unternehmen, ist hingegen viel zu aufwendig. Dabei gibt es erstaunlich einfache Hilfsmittel und Informationen z.B. aus der Tageszeitung, an denen sich Anleger grundsätzlich orientieren können: die Entwicklung der Zinsen, Rohstoffe und Währungen beispielsweise. Diese Informationen sind für jeden zugänglich und haben großen Einfluss auf Aktien. Steffen & Partner: Warum halten sich diese Strategien dann überhaupt? Hartmut Jaensch: Das ist, um es mit Karl Marx zu sagen, Opium fürs Volk. Auf der einen Seite ist da die ständig geschürte Hoffnung, dass langfristig schon alles gut gehen werde. Das ist für Anleger wie ein

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WAS MACHT EIGENTLICH: HARTMUT JAENSCH

Ein kleiner Einblick in prediqma, das auf dem Algorithmus von Hartmut Jaensch beruht: hier die wöchentlich aktualisierte Preselection, eine Vorauswahl an interessanten Aktien.

Anker, an dem sie sich bei ihren Fondskäufen festhalten können. Gäbe es den nicht, würden sich noch mehr Menschen scheuen, an der Börse zu investieren. Auf der anderen Seite ist der Aufwand, einzelne Anleger zu beraten, damit sie zu einer fundierten Anlagemeinung kommen, zu komplex und zeitaufwendig. Das ist für die Finanzindustrie wenig lukrativ. Deshalb wurde ja z.B. das Fondssparen erfunden. Steffen & Partner: Was ist neu an Ihren Forschungsergebnissen? Hartmut Jaensch: Das objektive mathematische Konzept, in dem ich Gesetzmäßigkeiten eingefangen habe. Der Algorithmus, den ich entwickelt und über ein halbes Jahrhundert zurückgetestet habe, berücksichtigt die wesentlichen Einflüsse auf die Aktienmärkte. Auf völlig neutraler Basis der historischen und aktuellen Daten, wird so berechnet, ob die Trends an den Märkten Bestand haben. Außerdem werden Entwicklungen angezeigt, auf die Anleger reagieren können. Die Notenbanken wie die US-FED oder die EZB haben vermutlich ähnliche Modelle, um ihre Sommerzeit

Zinsentscheidungen zu treffen. Auch Großinvestoren nutzen solche Verfahren für ihre Investments – jedoch ohne Zugang für die Anleger. Steffen & Partner: Sie haben aus dem Algorithmus auch eine Software entwickelt. Hartmut Jaensch: Ja, prediqma. Damit können private Anleger Trendwenden an den Märkten erkennen und so souveräner an der Börse investieren. Mir war es wichtig, meine Forschungsergebnisse zu teilen. Mit meiner Software gebe ich Anlegern ein zuverlässiges Instrument an die Hand, mit dem sie die Märkte besser einschätzen können – frei von Meinungen und Spekulationen, sondern rein auf Basis verlässlicher Daten. Steffen & Partner: Interessant. Herr Jaensch, noch ein spannender Punkt: Sie behaupten, für ein gutes Auskommen im Alter sind Aktien unerlässlich. Soll jetzt jeder Aktien kaufen? Hartmut Jaensch: Mit Blick auf die aktuelle Zinslage und die Rendite herkömmlicher Altersvorsorgemodelle

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Ist in diesen Tagen erschienen: Das neue E-Book von Hartmut Jaensch mit dem Titel „Aktien beurteilen in 5 Minuten“. Sie erhalten das E-Book kostenlos über eine der genannten Internetseiten.

ist das für viele sinnvoll. Doch wer aus Angst vor der Altersarmut in Aktien investiert, ist schlecht beraten. Nur, wer sich wirklich dafür interessiert und Freude daran hat, wird erfolgreich sein. Etwas aus Zwang zu machen, hat noch nie gut funktioniert. Wenn ich mich für die Börse interessiere, sie verstehe und auch dazu lerne, bin ich in der Lage, selbstständige Anlageentscheidungen zu treffen. Gerade dieser Punkt ist besonders wichtig für den Erfolg. Und letztlich benötigen Sie frei verfügbares Kapital, das Sie einsetzen können.

Es ist heute gar nicht mehr zeitaufwändig, sich ausreichend zu informieren, um an der Börse erfolgreich zu sein. Es gibt sehr zuverlässige und erprobte Methoden, nach denen Sie sich richten können, ohne selber viel Aufwand betreiben zu müssen. Und beim Waschmaschinenkauf vergleichen Sie auch, was die neue Anschaffung bietet und was dahinter steckt. So funktioniert es auch an der Börse. Steffen & Partner: Herr Jaensch, vielen Dank für das Interview. Wir freuen uns schon auf Ihren Vortrag am 08. September in unserer Kanzlei. •

Steffen & Partner: Aber ist das nicht zu spekulativ? Hartmut Jaensch: Prinzipiell nicht, auch wenn in der Öffentlichkeit meist ein etwas negatives Bild vermittelt wird. Spekulativ handeln Sie nur, wenn Sie unwissend und naiv investieren, also z.B. mit zu hohen Beträgen handeln oder versuchen, kurzfristig auf ständig wechselnde Trends zu reagieren. Ob Rentner oder junger Mensch – jeder, der feste Prinzipien entwickelt, die er konsequent verfolgt, und für sich klar hat, warum er was wie entscheidet, kann souverän und erfolgreich an der Börse anlegen. Ausgabe 13 – 2016

Wenn Sie mehr über die Ergebnisse von Hartmut Jaensch erfahren möchten, besuchen Sie seine Internetseite, rufen Sie ihn direkt an oder nehmen Sie an seinem Vortrag am 08. September bei Steffen & Partner teil. Sie sind herzlich eingeladen. T 02871 275757 0, E info@prediqma.com I www.prediqma.com I www.hartmutjaensch.com

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WAS MACHT EIGENTLICH – DIE VERANSTALTUNG: HARTMUT JAENSCH

Mehr Rendite durch Sicherheit Wie Sie Börsenzyklen entschlüsseln. Vortrag von Hartmut Jaensch am Donnerstag, den 08. September 2016, ab 18 Uhr im Konferenzraum von Steffen & Partner

„Jeder kann erfolgreich an der Börse anlegen und vor allem noch Freude daran finden – wenn er die Geheimnisse und Mythen der Börse entschlüsselt. Genau so ging es Hartmut Jaensch, dem Geschäftsführer von prediqma – Institut für Börsenstrategie. Die allgemein zugänglichen Informationen, die Aussagen von Experten und Medien und seine eigenen Erfahrungen an der Börse ergaben kein schlüssiges Bild. Daher erforschte er fast 30 Jahre lang die Börse und ihre Zyklen und gibt seine spannenden Erkenntnisse nun an Anleger und Interessierte weiter – auch bei uns. Wir laden Sie herzlich zu Hartmuts Jaenschs Vortrag „Mehr Rendite durch Sicherheit - Wie Sie Börsenzyklen entschlüsseln“ ein – am 08. September 2016 ab 18.00 Uhr. Darin gibt er preis, was Anlegern an den

Finanzmärkten und in der öffentlichen Diskussion vorenthalten wird. Er gibt Antwort auf die Fragen: Was sind die häufigsten Börsenirrtümer? Welche unschätzbaren Vorteile haben Privatanleger im Vergleich zu institutionellen Anlegern? Wie finden Anleger eine zuverlässige Anlagestrategie? Wie gelingt es, das Aktienvermögen vor unvorhersehbaren Ereignissen zu schützen? Denn Hartmut Jaensch ist sich sicher: Börsengeschäfte sind weit mehr als reine Spekulation. Und mit Blick auf die Entwicklung der Zinsen und Altersvorsorge unerlässlich, um das private Vermögen zu erhalten.“

Programm am Donnerstag, den 08. September 2016 18:00 Uhr: Beginn der Veranstaltung 18:30 Uhr: Vortrag von Hartmut Jaensch 19:30 Uhr: Diskussion und Fragen mit Hartmut Jaensch 20:00 Uhr: Imbiss und Get together mit offenem Ende

Wie immer bitten wir Sie um Ihre kurze Anmeldung, falls Sie an der Veranstaltung teilnehmen möchten. Die Teilnehmerzahl ist aus organisatorischen Gründen begrenzt. Es gilt „first come – first serve“ für Ihre Anmeldungen. Für Getränke und einen Imbiss tragen wir Sorge. Die Veranstaltung ist für Sie kostenfrei. Anmeldung:   T +49 2871 275750    E info@steffen-partner.de    www.steffen-partner.de

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Grillen oder nicht grillen, – das ist hier die Frage


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GRILLEN: ALLGEMEINES RECHT

4 Mal jährlich bis 24:00 Uhr gegrillt werden dürfe. Eine höchstrichterliche Entscheidung vom Bundesgerichtshof steht insoweit noch aus, so dass eine abschließende gerichtliche Beurteilung noch nicht vorliegt. Ist das Grillen auf einem Balkon erlaubt?

Eine weitere spannende Frage ist die, ob auf einem Balkon gegrillt werden darf. Es ist diesbezüglich durchaus zulässig, im Mietvertrag oder in der Hausordnung ein Grillverbot zu regeln. Sofern etwaige Nachbarn durch den Rauch beeinträchtigt werden, ist das Grillen ebenfalls untersagt. Außerdem müssen Sie bei starker Rauchentwicklung mit einem Bußgeld aufgrund des Verstoßes gegen das Immissionsschutzgesetz rechnen.

Besser mit Aluschale oder Elektrogrill – empfehlen jedenfalls die Gerichte: denn für starke Rauchentwicklung droht tatsächlich ein Bußgeld.

Dabei ist nicht ausschlaggebend, ob sich etwa ein Vegetarier besonders durch den Fleischgeruch gestört fühlt. Nach der Rechtsprechung ist lediglich auf die Rauchentwicklung selbst abzuzielen und nicht auf den Fleischgeruch. Zur Vermeidung größerer Rauchschwaden empfehlen die Gerichte zum Teil den Einsatz eines Elektrogrills oder von Aluschalen (LG Stuttgart, Urteil vom 14.08.1996, Az: 1 T 359/96).

Vorsicht mit dem Feuer

Da Sie gerade die „Sommerzeit“ in der Hand halten, ist nun endlich wieder die Zeit gekommen, im Freien zu grillen. Gerade in Deutschland wird so viel gegrillt wie in kaum einer anderen Nation. Allerdings kommt es auch immer wieder zu Ärger, so dass sich auch die Juristen regelmäßig mit dem Thema „Grillen“ auseinandersetzen müssen. Tägliches Grillen erlaubt?

Über die Frage, wie oft gegrillt werden darf, gibt es unterschiedliche Urteile. Die Richter des Amtsgerichts Berlin-Schöneberg haben vor einigen Jahren entschieden, dass jährlich etwa 20-25 Mal für ca. 2 Stunden gegrillt werden dürfe. Das Landgericht Aachen war diesbezüglich strenger und hat geurteilt, dass nur 2 Mal im Monat zwischen 17:00 Uhr und 22:30 Uhr der Grill angeworfen werden dürfe. Auch das Oberlandesgericht Oldenburg war nicht sehr freundlich zu den Grillfreunden. Es hat mit Urteil vom 29.07.2002 (Az: 13 U 53/02) entschieden, dass nur Sommerzeit

Nicht überraschen dürfte die Tatsache, dass natürlich beim Grillen besondere Vorsicht an den Tag zu legen ist. Das Verwaltungsgericht Gießen hat insoweit entschieden, dass derjenige, der auf seinem Balkon grillt und durch die Kohletüte ein Feuer verursacht, fahrlässig handelt und somit sämtliche Einsatzkosten der Feuerwehr aus eigener Tasche zu bezahlen hat. Im Ergebnis bleibt also festzuhalten, dass dem Grillvergnügen meistens dann nichts im Wege steht, sofern eine gewisse Form der Rücksichtnahme gewahrt bleibt. Sofern es jedoch zu einer juristischen Auseinandersetzung kommen sollte, beraten wir Sie gern auch im Rahmen einer Ortsbegehung mit einer leckeren Grillwurst! • Johannes Rudolph steht für Ihre Fragen zum Grillen gern zur Verfügung. Und falls Sie keine Fragen haben, grillt er selbstverständlich trotzdem gerne mit Ihnen... T 02871 275750, E rudolph@steffen-partner.de

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FINANZBUCHHALTUNG: KASSENFÜHRUNG AKTUELL

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Die Kasse Lena Nolte über die „neverending Story“ der Buchführung

Worum geht es?

Mittlerweile werden Kassen, ob nun eine einfache Geldkassette oder ein umfangreiches PC-Kassensystem, in den verschiedensten wirtschaftlichen Unternehmen mit einem hohen Barverkehr-Anteil eingesetzt. Viele Kassen sind nicht mehr nur noch darauf beschränkt, die Einnahmen zu erfassen, sondern bieten einiges mehr. Zum Beispiel können andere Abrechnungssysteme (z.B. Kaffeeautomaten) mit dem Kassensystem verbunden werden und auch die vielen möglichen Auswertungsarten (z.B. bezogen auf einzelne Geschäftsbereiche oder auch auf Personaleinsatz, etc.) können die tägliche Arbeit optimieren. Das weiß natürlich auch die Finanzverwaltung und hat sich mit BMF-Schreiben vom 26.11.2010 zur „Aufbewahrung digitaler Ausgabe 13 – 2016

Unterlagen bei Bargeschäften“ und damit auch zur Anwendbarkeit verschiedener Kassensysteme geäußert. „[…] Soweit ein Gerät bauartbedingt den in diesem Schreiben niedergelegten gesetzlichen Anforderungen nicht oder nur teilweise genügt, wird es nicht beanstandet, wenn der Steuerpflichtige dieses Gerät längstens bis zum 31. Dezember 2016 in seinem Betrieb weiterhin einsetzt. […]“ Übergangsregel gilt nur bis zum 31.12.2016, handeln Sie rechtzeitig!

Das bedeutet, dass es bis zum 31.12.2016 eine Übergangsregel gibt. Danach dürfen sogenannte Registrierkassen, welche nicht in der Lage sind Einzelaufzeichnungen zu dokumentieren und keine

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KASSENFÜHRUNG AKTUELL: FINANZBUCHHALTUNG

Freundlicher Hinweis von unserer Lena Nolte: Kann ein Prüfer Ihre Kassenführung nicht nachvollziehen, darf er hinzuschätzen. In schweren Fällen kommt eine Hinzuschätzung von über 10% in Betracht!

Möglichkeit zum Datenexport bieten, nicht mehr verwendet werden! Was verlangt der Prüfer?

Die Ansätze in einer Betriebsprüfung beschränken sich längst nicht mehr auf die Prüfung der Papierbelege. Denn auch die Prüfer bzw. die Finanzverwaltung haben nunmehr die Erfahrung gemacht, dass die Unterschiede zwischen den Papierauswertungen und den tatsächlichen Vorgängen teils erheblich sind. Aufgrund dessen „stürzen“ sich die Prüfer immer mehr auf die vorgelagerten Systeme. Und das dürfen (und sollen) sie lt. Finanzverwaltung auch. Geprüft wird also beispielsweise nicht mehr nur noch, ob die „Z-Bons“ fortlaufend und inhaltlich vollständig sind. Vielmehr liegt der Fokus nun auf der Technik der Kasse. Programmierungen (und auch Änderungen der Programmierung), Datensätze und auch eventuelle Manipulationsmöglichkeiten interessieren die Prüfer „brennend“ (Verfahrensdokumentation!). Entsprechend hat sich natürlich auch am Prüfverhalten / am Ablauf einer Betriebsprüfung so manches geändert. Bei der Kasse ist beispielsweise unter anderem das tägliche Aufzeichnen und Festschreiben wichtig! Bei elektronischen Dateien kann der Betriebsprüfer sehen, wann die jeweiligen Datensätze festgeschrieben wurden. Sollte dies nicht täglich geschehen sein, hat der Prüfer die Möglichkeit, die Unveränderbarkeit der Kasse in Frage zu stellen. Teure Folgen bei nicht ordnungsgemäßer Kassenführung

Papierform oder digital) die Kassenführung nachzuvollziehen, darf er hinzuschätzen – und das kann teuer werden! Die Schätzungen basieren dann auf einer von der Finanzverwaltung angewandten Schätzungsmethode (wobei es hier mehrere gibt). Natürlich ist immer im Einzelfall zu betrachten, welche Mängel vom Prüfer aufgeführt werden. Allerdings kommen bei schweren Mängeln Schätzungen von über 10% in Betracht! Sie sind gefragt

Überprüfen Sie Ihr Kassensystem hinsichtlich der Ordnungsmäßigkeit ab dem 31.12.2016 (am besten bereiten Sie sich schon jetzt darauf vor). Setzen Sie sich bei Gelegenheit mit Ihrem Kassenanbieter in Verbindung, um Fragen zu klären. Denn was vielen nicht bewusst ist: Verantwortlich und haftbar für die eventuellen Mängel – ganz gleich welcher Art - ist grundsätzlich immer der Steuerpflichtige, also Sie selbst! • Manchmal sind ein paar Worte nicht genug… … so auch beim Thema Kassenführung. Um Ihnen das doch sehr umfangreiche Thema noch näher zu bringen, laden wir Sie herzlich zu unserem Seminar am 27. Oktober 2016 in unseren großen Seminarraum ein. Hier widmen wir der Kassenführung und all Ihren Risiken und Nebenwirkungen einen ganzen Abend. Die Teilnahme ist für Sie natürlich kostenlos, wir bitten allerdings um vorherige Anmeldung. Anmeldung unter: T 02871 275750, E info@steffen-partner.de, www.steffen-partner.de

Sollte es dem Betriebsprüfer nicht möglich sein, anhand der ihm vorliegenden Unterlagen (in Sommerzeit

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Kaffee, Brötchen und viele Münzen

Ein Erfahrungs-Moment von und mit dem Familienunternehmen SAF Tepasse. Und mit Veränderung.


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SAF TEPASSE: ERFAHRUNGS-MOMENT

Jeden Morgen: Brötchenproduktion.

Für SAF Tepasse stehen die Zeichen auf Veränderung: Der Firmensitz an der Werther Straße in Bocholt ist mittlerweile zu klein. Die Unternehmensnachfolge läuft auf Hochtouren. Die Digitalisierung der Unternehmensprozesse hat begonnen. Weitgehend alle Geschäftsbereiche, die nicht zum Kerngeschäft zählten, sind bereits abgespalten und verkauft. Kann sich ein Unternehmen noch mehr verändern? Die Verkaufs-Automaten

SAF Tepasse wurde von Heinrich Tepasse gegründet. Der Molkereimeister ist Betriebsleiter bei Getränke Hornung, als er sich selbständig macht. Die Gründung von SAF Tepasse erfolgt, wie so viele andere Gründungen an dieser Stelle, aus der heimischen Garage heraus. Die Nachfolge tritt Kerstin Tepasse, Tochter von Heinrich Tepasse, an. Sie hat ihre Karriere bei Flender in Bocholt begonnen und anschließend bei Automatenservice Maurer in Essen ihre Branche kennengelernt. Anschließend hat Kerstin Tepasse ihren Handelsfachwirt in Frankfurt am Main absolviert und ist im Jahr 2002 schließlich in das Unternehmen eingetreten. Die frischgebackene Mutter lebt für das Unternehmen, das merkt man ihr deutlich an. Sommerzeit

Heinrich und Kerstin Tepasse leiten gemeinsam mit Jürgen Kössler, der in 2013 zunächst als kaufmännischer Leiter eingestellt und 2016 zum externen Geschäftsführer berufen wurde, das Unternehmen. SAF Tepasse betreibt Verkaufsautomaten für Heiß-, Kaltgetränke und Snacks sowie Tafelwasserspender im Umkreis von gut 60 km in und um Bocholt. Über 900 Automaten sind das heute, die von 35 Fülltechniker(inne)n bedient werden. Die Automaten werden unter anderem täglich mit 5.000 bis 6.000 Brötchen befüllt. Die Brötchen-Werkstatt

Die Brötchen stammen von regionalen Bäckern und werden in der hauseigenen Kaltküche „veredelt“. Ab 2 Uhr in der Frühe werden die Brötchen Morgen für Morgen von etwa 30 Küchenmitarbeiterinnen maschinell geschnitten, in Handarbeit belegt und maschinell verpackt und „gelabelt“. Allmorgendlicher Hochbetrieb... „Die Hauptarbeit passiert bei uns vor sechs Uhr. Unsere Fahrer sind, außer der Administration und der Automatenwerkstatt, dann die letzten, die gegen 14:00 Uhr Feierabend haben.“ Kerstin Tepasse erklärt, dass die Logistik der Touren anspruchsvoll ist. Es gibt

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ERFAHRUNGS-MOMENT: SAF TEPASSE

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Jeden Morgen: Die frischen Lebensmittel werden in die Lebensmittelkühlungen der Tourenfahrzeuge geladen. Dann sind die Fahrzeuge auch schon unterwegs. Um dies zu beobachten, müssten Sie allerdings früh aufstehen.

Unternehmen, da müssen vor allem die Brötchen vor Beginn der Frühschicht befüllt sein. Hier bedient sich dann die Frühschicht vor Schichtbeginn und die Nachtschicht zum Feierabend. Und SAF Tepasse liefert die Energie für die Arbeit... Insgesamt betreut SAF die Kunden mit 23 Automatentouren, die sich auf fünf Teams verteilen. Jedes Team wird durch einen Teamleiter und die Serviceleitung unterstützt und durch weitere Springer ergänzt. Jeder Teamleiter kann nahezu alle 23 Touren fahren. So ist dafür gesorgt, dass es keine Ausfälle gibt. Von allen Touren sind nur 2 Touren reine „KaltgetränkeTouren“. Bei allen anderen Fahrten wird ein Mischsortiment befüllt. Angefangen bei Kaffee aus Bohnen, gemahlen oder auch instant, über das frisch belegte Brötchen bis hin zu Snacks und Kaltgetränken. Ob süß oder herzhaft, ob kalt oder warm – über ihre Automaten liefert SAF was das Herz begehrt. Dazu zählt eine eigene technische Abteilung mit fünf qualifizierten Mitarbeiter(innen). Bei SAF kümmern sich Mechatroniker und Meister mit allein fünf Kundendienstfahrzeugen um die Automaten. Der Ausgabe 13 – 2016

laufende technische Service und Wartungen werden regelmäßig durchgeführt. Störungen werden meist vor Ort am Automaten binnen weniger Stunden behoben. Neue Automaten werden entsprechend der Kundenwünsche vorbereitet und programmiert, Zahlungssysteme verbaut. Dann wird der fertige Automat beim Kunden aufgestellt. Rückläufer werden überholt und kommen später wieder zur Aufstellung. Transaktionskosten der anderen Art

SAF Tepasse lebt vom Verkauf aus den Automaten. Die Unternehmen, bei denen ein oder mehrere Automat(en) von SAF aufgestellt werden, müssen weder für den Automaten noch für die Befüllung bezahlen. „Natürlich gibt es verschiedene Modelle, manch‘ Arbeitgeber subventioniert unsere Produkte, andere übernehmen die kompletten Kosten und wieder andere zahlen überhaupt keinen Zuschuss. Und natürlich handeln wir auch mit Automaten und Kaffeemaschinen.“ Der Verkauf von Kaffeeautomaten und Automaten mit Lebensmittelkühlung, etwa für Grillfleisch oder Snacks, trägt, wie uns Kerstin Tepasse erklärt, derzeit circa 5% zum Umsatz bei. Der Verkauf von Lebensmitteln aus den Automaten ist eindeutig das Kerngeschäft des Unternehmens. Bezahlt wird bar oder auch bargeldlos.

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SAF TEPASSE: ERFAHRUNGS-MOMENT

Geldzählen ist bei SAF Tepasse ein Vollzeitjob. Durch die vielen Verkäufe zu geringen Beträgen kommt eine hohe Anzahl an Münzen zusammen. Das Unternehmen muss sogar Geldentsorgungskosten bezahlen. „Wir bezahlen 1.000 Euro und mehr im Monat dafür, dass die Münzen, die wir eingenommen haben, weiterverarbeitet oder entsorgt werden. Und dies nachdem das Geld hier schon sortiert und gebündelt wurde. Es ist schon verrückt, aber es gibt keine andere Lösung“, erklärt uns Kerstin Tepasse. Die Geschäftsführerin hofft darauf, dass mobile und bargeldlose Zahlungssysteme noch mehr Verbreitung finden, insbesondere von der Bezahlung mit dem Handy erhofft sie sich viel. Millimeterarbeit

Ein imposantes Bild bietet sich einem nach Feierabend. Der gesamte Fuhrpark, weit über 30 Transporter, stehen in der Fahrzeughalle und im Lager, Stoßstange an Stoßstange. Alle Fahrzeuge bereits vorgepackt für die Tour am nächsten Morgen. Morgens werden nur noch die frischen und kühlpflichtigen Lebensmittel ergänzt und dann können die Fülltechniker(innen) direkt los. Sommerzeit

An den Fahrzeugausbau stellen die Touren mit Mischsortiment einige Ansprüche. „Reine Kühlfahrzeuge würden uns nicht weiterhelfen, also experimentieren wir immer ein wenig mit dem Fahrzeugausbau.“ Im Moment hat SAF eine gute Lösung gefunden: Etwa 1/3 des Fahrzeugs hinten ist mit einer Lebensmittelkühlung ausgestattet. Über die seitliche Schiebetür erreicht man den mit Regalen ausgebauten Teil, in dem Kaffee, Snacks, und vieles mehr gelagert und transportiert werden. Gefühlssache in Software packen

Wie die Automaten genau befüllt werden, hängt davon ab, wo der Automat steht. Das ist wirklich eine Gefühlssache der Mitarbeiter(innen), die vor Ort beim Kunden sind und die Automaten befüllen. Kerstin Tepasse gibt einen kleinen Einblick in die Grundregeln: „Wir experimentieren immer wieder mit dem Sortiment. Zuletzt haben wir Sinalco Cola getestet. Die ist günstiger als Coca-Cola und Sinalco ist ein regionaler Getränkeproduzent. Aber auch dieser Test hat wieder bewiesen: An Coca-Cola kommen wir nicht vorbei. Ebenso gilt: Obst ist aus Automaten leider unverkäuflich.“

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ERFAHRUNGS-MOMENT: SAF TEPASSE

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Die richtige Lösung für den Kunden finden: Automatenvielfalt des Herstellers Sielaff, den SAF Tepasse neben Necta Automaten (siehe Titelseite) ausschließlich einsetzt. Hier in der Mitte übrigens: der Pfandautomat...

Bei Trommelautomaten kann jedes Fach individuell befüllt werden. Der Automat wird nicht auf den Inhalt des Fachs programmiert, sondern nur auf den Verkaufspreis der entsprechenden Ebene. Insofern ist die Planung der Befüllung wirklich zu großen Teilen bestimmt von Gefühl und Erfahrung. Die größte Herausforderung sind in diesem Bereich die tagesfrischen Artikel wie Brötchen und Backwaren. Das Unternehmen muss derzeit ca. 10% der Frischeartikel vernichten. Das ist ein guter Wert, denn die Befüllung des Automaten sollte immer so gestaltet sein, dass der Automat möglichst nie leer läuft. „Aber das ist ein Punkt, den wir definitiv noch verbessern werden. Wir möchten mehr Daten, detailliertere Auswertungen und versprechen uns davon natürlich noch bessere Planung.“ Die Geschäftsführung hat ein Projekt mit einem englischen Softwareunternehmen gestartet, das sich in der Branche auskennt. Die Fülltechniker(innen) werden nach und nach mit Industrie-Smartphones ausgestattet und erfassen die Füllmengen detailliert. Die Smartphones melden dies direkt in die Warenwirtschaft in der Zentrale. Aber noch befindet

sich das Projekt in der Alpha-Phase. „Noch läuft das nicht ganz perfekt. Da fehlt auch noch ein wenig Entwicklungsarbeit und Individualisierung. Aber spätestens in einem halben Jahr“, ist sich Tepasse sicher, „läuft das reibungslos und wir haben die Daten.“ Auf das Beste vertrauen

Das Unternehmen setzt ausschließlich Automaten der Hersteller Sielaff und Necta ein. Die Qualität der Automaten ist führend in der Branche, die Kombinationsfähigkeit hoch. Ebenso wird, egal in welchem Automaten, das gleiche Münzmodul verwendet. Der Vorteil liegt klar auf der Hand: Alle bedienenden Mitarbeiter(innen) kennen die Automaten aus dem Effeff. Die Automaten können damit schneller programmiert, aufgestellt, repariert und vor allem befüllt werden. Außerdem hat das Unternehmen dadurch natürlich auch ein „gutes“ Gewicht bei den Automatenherstellern. Die Automaten unterscheiden sich durchaus: Allein beim Kaffee gibt es Automaten, die mit InCup-Technologie (im Becher vorportioniert und


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SAF TEPASSE: ERFAHRUNGS-MOMENT

Ein Auszug aus dem Fuhrpark vor dem aktuellen Unternehmenssitz.

frischeversiegelt), mit Instant-Produkten, mit fertig gemahlenem Kaffee oder mit der ganzen Bohne arbeiten. Welcher Automat tatsächlich eingesetzt wird, hängt ebenso wie das Sortiment vom Standort ab. Ein Beispiel: Automaten, die die Kaffeebohnen frisch mahlen, sind für viele Standorte einfach viel zu langsam, da die Mitarbeiter(innen) hier nur 15 Minuten Pause haben. An anderen Standorten dagegen, etwa in Büros, kommt man an Kaffeeautomaten, die Kaffeebohnen frisch mahlen, kaum vorbei. Ganz gleich welcher Automat zum Einsatz kommt: das Design der Automaten kann mit dem Kunden abgestimmt werden. Pfandgeld

Bei SAF Tepasse arbeiten vor allem Frauen. Auch darum ist wichtig, mit welchen Sortimenten die Automaten bestückt werden. Glasflaschen wären zu schwer und damit zu aufwendig zu befüllen. Die Automaten von SAF-Tepasse enthalten daher im Kaltgetränkebereich vor allem PET- und TetrapackGebinde. Das Pfandthema in Deutschland sei viel zu stark reguliert – in keinem anderen Land wäre dies der Fall. Einweg-PET-Flaschen mit Pfand seien doch eigentlich ideal: Der Kunde kann diese einerseits Sommerzeit

überall zurückgeben, die Flaschen können gepresst werden und sind damit platzsparend zu transportieren und die Flaschen können hervorragend recycelt werden. Allerdings haben sie einen Nachteil für Automatenbetreiber: Die Umverpackung wird bei der Automatenbefüllung mit einem Cutter-Messer aufgeschnitten. Die Einwegflaschen sind teilweise so dünn, dass sie kaputtgehen, wenn der befüllende Mitarbeiter sich „verschneidet“. Außerdem lassen sich die Gebinde im Transporter schlecht stapeln. Damit sind wir beim Thema Pfandautomaten. „Ein guter und zuverlässiger Pfandautomat kostet über 5.000 Euro und spielt in seiner gesamten Lebenszeit keinen Cent ein“, erklärt Kerstin Tepasse. Diese Automaten werden daher wirklich nur bei den ganz großen Kunden aufgestellt. Ansonsten achten wir darauf, dass die Mehr- oder Einwegpfandflaschen, die unsere Kunden bei uns kaufen können, an möglichst vielen Stellen zurückgegeben werden können. Wechselgeld mit Zertifikat

Übrigens ist es ebenso wichtig, den richtigen Preis für die Produkte zu finden. Die Automaten müssen mit Wechselgeld bestückt werden. Gut, wenn der Automat keine fünf Cent Stücke herausgeben muss. Ein Automat, der kein Wechselgeld mehr herausgeben kann, ist nur wenig produktiver als ein Automat, der leergelaufen ist.

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ERFAHRUNGS-MOMENT: SAF TEPASSE

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Der nächste Wachstumsbereich: Table-Top Kaffeemaschinen für Büros. Natürlich in bewährter Qualität und mit bestem Service von SAF Tepasse.

Automaten mit Münzgerät sind dabei die erfolgreichste Automatenvariante. Die bargeldlose Zahlungsvariante ist nicht sonderlich verbreitet. „Vielleicht ist es für unsere Kunden zu aufwendig, immer erst Guthaben auf die Konten zu laden, bevor sie sich an den Automaten bedienen können“, spekuliert Tepasse. SAF ist im BDV Bundesverband der Deutschen Vending-Automatenwirtschaft e.V. organisiert. Über den Verband hat SAF Tepasse auch eine Qualitätszertifizierung, vergleichbar mit einer DIN ISO 9001-Zertifizierung, absolviert. Dieses Gütesiegel dürfen neben SAF zur Zeit nur drei weitere Automatenbetreiber in Nordrhein-Westfalen führen. Allein hier zeigt sich der Anspruch mit dem das Unternehmen seine Geschäfte betreibt. Wachstum oder die Unternehmensentwicklung

Aus der Garage von Heinrich Tepasse erfolgte der erste Wachstumsschritt des Unternehmens im I-ParkTreff im Bocholter Industriegebiet. Neben dem noch heute bestehenden Imbiss ist das Lager- und Automatengeschäft von SAF Tepasse gewachsen. Der Wechsel an die Werther Straße erfolgte, als Tepasse den dort ansässigen Molkereivertrieb und Milchfachgroßhandel übernommen hat. Heute ist das Firmengelände deutlich zu klein für das Unternehmen. Ausgabe 13 – 2016

Bei den Veränderungen der letzten und der kommenden Jahre hat die Geschäftsführung eines beschlossen: „Wir konzentrieren uns auf das Kerngeschäft“, erklärt Kerstin Tepasse den Verkauf des Molkereivertriebs und des Milchfachgroßhandels in 2013/2014. „Wir wissen heute, dass es die richtige Entscheidung war. Denn wir haben gerade den Bauantrag für unseren Neubau im Industriegebiet gestellt.“ Hier soll ein Gebäude errichtet werden, das für unser Geschäft optimiert ist. Dazu zählen bessere Abläufe in der Küche, eine Fahrzeughalle, in der alle Fahrzeuge ohne Millimeterarbeit geparkt und beladen werden können, und einfach auch mehr Platz für das unternehmerische Wachstum ist. Ausnahmen, die Regeln bestätigen

„Eine kleine Ausnahme in unseren Tätigkeiten gibt es“, erzählt Kerstin Tepasse. „Wir betreiben eine Betriebskantine für ein Bocholter Unternehmen. Dort wird frisch und vor Ort gekocht, darum passt diese Tätigkeit auch zu uns.“ Auch in Zukunft werden die Automaten im Fokus stehen. Das Operating, der Betrieb und der Verkauf von Lebensmitteln aus den Automaten, wird weiterhin das Kerngeschäft sein. SAF erwartet zudem, dass der Handel mit den Kaffee-, Getränkeautomaten und den Automaten mit Lebensmittelkühlung mittelfristig zunehmen wird.

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SAF TEPASSE: ERFAHRUNGS-MOMENT

Ein Teil der Unternehmensfamilie, ganz links die Geschäftsführung, v.l.n.r: Heinrich Tepasse, Kerstin Tepasse und Jürgen Kössler. Im Hintergrund lässt sich der Unternehmensslogan erahnen: „automatisch, praktisch, gut!“ Daneben sind, ebenfalls v.l.n.r.: Herbert Visser (Vertrieb) und Harald Sonsmann (Prokurist und Einkauf).

Gerade im Bereich der Bürokaffeemaschinen sieht Kerstin Tepasse noch großes Potenzial: „Für TableTop-Maschinen, die richtig guten Kaffee machen, fehlt uns momentan einfach die Präsentationsfläche.“ Dazu passt natürlich, dass Heinrich Tepasse auch Gesellschafter bei Impings-Kaffee ist. So erhalten Sie das perfekte Kaffee-Komplettpaket. Egal ob Unternehmen die Maschinen kaufen, leasen oder durch Tepasse betreiben lassen – mit SAF Tepasse finden Sie die kosten- und qualitätsoptimale Lösung für Kaffee im Unternehmen. Und dafür können wir unsere Hand ins Feuer legen, denn Sie wissen ja, welche Maschinen bei Steffen & Partner den Kaffee zubereiten. Beeindruckende Konzentration

Der Familie Tepasse können wir an dieser Stelle nur zurufen: „Bitte um Nachbericht 2018!“ Bis dahin ist die Unternehmensnachfolge vollzogen, ist das Unternehmen in den neuen Räumlichkeiten angekommen, sind vermutlich neue Kunden gewonnen und neue Geschäftsfelder erschlossen. Und mit einem Blick auf die bewegte Geschichte des Unternehmens lässt sich eines festhalten: Es gibt Sommerzeit

wenige Unternehmen, die es schaffen, sich unter solch‘ großen familiären und unternehmerischen Veränderungen so sehr auf gute Arbeit in ihrem Kerngeschäft zu konzentrieren. Dieses Engagement, dieses aktive und entschiedene Zugehen auf alle anstehenden Weggabelungen, beeindruckt uns sehr. Wir sind sicher: Bis 2018 hat sich bei Ihnen noch viel mehr verändert, als wir uns heute vorstellen können. Und bei Ihnen sind wir uns sicher, dass all dies gute Veränderungen für Ihr Unternehmen und Ihre Familie sein werden. Wir sind gespannt... • Kerstin und Heinrich Tepasse freuen sich über Ihre Fragen zum Unternehmen, zu Automaten oder zu Kaffee. Ob am jetzigen oder am baldigen Unternehmensstandort: Einen guten Kaffee, einen Snack oder ein Brötchen werden Sie sicherlich probieren dürfen. SAF Tepasse, Werther Straße 14, 46395 Bocholt T 02871 4101  E info@saf-tepasse.de  I www.saf-tepasse.de

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Photovoltaikanlagen

Steuerberaterin Barbara Peters zur aktuellen Anschaffung von Photovoltaikanlagen: nur rechtzeitige Zuordnung zum Unternehmensvermögen sichert Ihnen den Vorsteuerabzug Haben Sie sich in diesem Jahr schon eine Photovoltaikanlage auf das Dach Ihres Eigenheims installieren lassen oder planen dieses?

Dann aufgepasst, denn wenn Sie den gewonnenen Strom gegen Vergütung ins Netz eines Stromanbieters einspeisen, erbringen Sie damit automatisch umsatzsteuerpflichtige Umsätze. Doch einen Vorsteuerabzug aus dem Kaufpreis und aus den Installationskosten der Anlage (das heißt, die Rückerstattung der für die Anlage gezahlten Umsatzsteuern) bekommen Sie nur, wenn Sie die Photovoltaikanlage frühzeitig und nachweislich Ihrem umsatzsteuerlichen Unternehmensvermögen zuordnen. Der Stichtag für diese Zuordnung bei Kauf der Anlage im aktuellen Jahr 2016 ist der 31.05.2017. Ausgabe 13 – 2016

Hintergrund

Der Bundesfinanzhof hat in seiner Rechtsprechung klargestellt, dass gemischt genutzte Gegenstände, dazu zählen auch Photovoltaikanlagen, nur „zeitnah“ wirksam zugeordnet werden können. Welche gemischt genutzten Wirtschaftsgüter sind betroffen?

• Grundstücke • Photovoltaikanlagen • PKW Zuordnungsentscheidung

Bei Wirtschaftsgütern, die sowohl unternehmerisch als auch privat nutzbar sind (sogenannte „gemischt genutzte Gegenstände“), hat der Unternehmer in der Regel folgende Zuordnungswahlrechte:

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UMSATZSTEUER: PHOTOVOLTAIKANLAGEN / UMSATZSTEUER

Mit Photovoltaikanlagen kennt sie sich aus: Barabara Peters, Steuerberaterin bei Steffen & Partner. Für eine Zuordnung zum unternehmerischen Bereich bedarf es weiterhin mindestens einer 10%igen unternehmerischen Nutzung.

• Das Wirtschaftsgut kann insgesamt der unternehmerischen Tätigkeit zugeordnet werden. • Der Unternehmer kann das Wirtschaftsgut in vollem Umfang in seinem nichtunternehmerischen Bereich belassen. • Das Wirtschaftsgut kann im Umfang der tatsächlichen (gegebenenfalls zu schätzenden) unternehmerischen Verwendung seiner unternehmerischen Tätigkeit zugeordnet werden. Für eine Zuordnung zum unternehmerischen Bereich bedarf es weiterhin mindestens einer 10%igen unternehmerischen Nutzung. Die Zuordnungsentscheidung erfolgt entweder durch die fristgerechte Abgabe der UmsatzsteuerJahreserklärung oder aber mithilfe eines formlosen Anschreibens an das Finanzamt.

Musterformulierung

Hiermit zeigen wir die fristgerechte, Zuordnung der Photovoltaikanlage Unternehmensvermögen mit Wirkung xx.xx.xxxx an.

volle zum zum

Steuerberater der Fall ist). Wer diese Frist nicht beachtet, läuft Gefahr, den Vorsteuerabzug aus der Anschaffung des Wirtschaftsguts zu verlieren. Tipp

Erwerben Sie 2016 privat eine Photovoltaikanlage und haben bisher noch keinen Vorsteuerabzug beantragt und möchten aus dem Kaufpreis und aus den laufenden Kosten den Vorsteuerabzug sicherstellen, empfiehlt sich folgende Vorgehensweise: • Umsatzsteuerjahreserklärung: Trotz Fristverlängerung sollten Sie pünktlich zum 31.05.2017 die Umsatzsteuererklärung für das Jahr 2016 an das Finanzamt übermitteln und den Vorsteuerabzug im Zusammenhang mit dem Kauf der Photovoltaikanlage erklären. • Hinweis an das Finanzamt: Schaffen Sie es nicht, bis zum 31.05.2017 eine Umsatzsteuerjahreserklärung an das Finanzamt zu übermitteln, schicken Sie bis spätestens zum 31.05.2017 einen Brief und teilen damit die Zuordnung der Photovoltaikanlage zum Unternehmensvermögen klar und deutlich mit. Haben Sie die Vorsteuer bereits im Rahmen Ihrer laufenden Umsatzsteuervoranmeldungen 2016 geltend gemacht, besteht nicht die Gefahr des Verlustes des Vorsteuerabzugs. In diesem Fall müssen Sie nicht aktiv werden. •

„Zeitnah“

„Zeitnah“ bedeutet, dass die Zuordnung bis zur gesetzlichen Abgabefrist der UmsatzsteuerJahreserklärung gegenüber dem Finanzamt erklärt werden muss. Diese gesetzliche Abgabefrist ist regelmäßig der 31. Mai des folgenden Jahres. Leider verlängert sich diese Zuordnungsfrist auch nicht bis zum 31. Dezember (wie dies zum Beispiel bei Einreichung der Steuererklärung über einen Sommerzeit

Neben der hier dargestellten „Musterformulierung für die Zuordnung zum Unternehmensvermögen“, steht Ihnen Barabara Peters auch für alle weiteren Fragen rund um das Thema Photovoltaikanlagen zur Verfügung. T 02871 275750, E peters@steffen-partner.de

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Sind wir wirklich so schlimm? Das Bild deutscher Touristen im Ausland Vor einigen Jahren war in diversen Medien zu lesen, dass der britische Kapitän eines Kreuzfahrtschiffes deutschen Gästen einen Strich durch die Rechnung machen wollte, die dabei waren, ihre Sonnenliegen an Deck mithilfe von Handtüchern zu reservieren. Er geriet mit seinem Ausspruch, dass man an Bord dieses „deutsche Benehmen“ nicht schätze, sehr in die Kritik der Öffentlichkeit.

Dingen steckt ja meistens auch ein kleines Fünkchen Wahrheit...

Ist das wirklich „typisch deutsch?“

Das dürfte vor allem im Hinblick auf das Trinkgeld machbar sein, denn nach einer aktuellen Umfrage aus dem Jahr 2016 des Marktforschungsinstituts „OnePoll“, die vom Reiseveranstalter expedia in Auftrag gegeben wurde, sind die Deutschen eindeutig zu geizig; da waren sich alle Befragten aus den Ländern Belgien, Frankreich, Dänemark, Schweden, Finnland, Großbritannien, Irland, Italien, Norwegen, Österreich, Schweden, Spanien und den Niederlanden einig. •

Wir wollten es in diesem Jahr jedenfalls ganz genau wissen und haben uns in verschiedensten Ländern schlau gemacht, was die Menschen dort von uns Deutschen oder von uns als Touristen denken. Und wir als Deutsche hatten auf jeden Fall unsere wahre Freude an den Ausführungen. Wie dem auch immer sei, vielleicht schmunzeln auch Sie an der einen oder anderen Stelle, denn in vielen Ausgabe 13 – 2016

Seien Sie auf jeden Fall gespannt und denken vielleicht während oder nach Ihrer Auslandsreise mal darüber nach, ob das eine oder andere auch auf Sie zutrifft und ob auch Sie vielleicht ein wenig dazu beitragen könnten, unseren Ruf ein wenig zu verbessern.

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ITALIEN: SIND WIR WIRKLICH SO SCHLIMM?

Stunde vor Beginn des Ausflugs zur Abfahrt bereit zu stehen. Das finden die Italiener ziemlich „amüsant“. Wenn es jedoch um das Bezahlen von Rechnungen geht, schätzen die Italiener tatsächlich die deutsche Zuverlässigkeit. Und da fehlt ausnahmsweise der ironische Unterton. Insgesamt sei der Deutsche pünktlich, freundlich, seriös, geradlinig, verantwortungsbewusst und professionell. Aber: Unflexibel! Da ist man sich weitestgehend einig.

Italien Italiener lieben Kleidung, vor allem ihre Schuhe. Und Sie hassen die Eigenart der Deutschen, Socken in Sandalen zu tragen. Damit stehen zumindest die Italiener den Spaniern in diesem Punkt in nichts nach, denn sie sind derselben Auffassung wie die Spanier: Wenn überhaupt Sandalen, dann bitte ohne Socken, denn das ist „typisch deutsch“! In seinem Urlaub kleidet sich der deutsche Urlauber nach Ansicht vieler Italiener „besonders schick“, man beachte den Unterton, wir sind ziemlich sicher, die Ironie herausgehört zu haben: Das „typisch deutsche Outfit“ bestehe bei den Herren zumeist aus hellen Shorts und einem bunten Hemd. Auch Kappen mit Werbeschriftzügen seien bei den deutschen Urlaubern sehr beliebt. Und, was haben Sie in Vorbereitung auf Ihren Italienurlaub in den Koffer gepackt? Auch die Italiener schätzen die deutsche Pünktlichkeit: Ist ein Urlaubsausflug geplant, um ein wenig von Land und Leuten kennenzulernen, sei es für den Deutschen selbstverständlich, schon eine halbe

Das Essen in Italien besteht grundsätzlich aus mehreren Gängen, ein Pasta Gericht ist in Italien eine Vorspeise. Immer wieder wundern sich die Italiener über deutsche Touristen, die sich an „Spaghetti“ satt essen. Apropos Spaghetti: In Italien werden Spaghetti übrigens beim Essen am inneren Tellerrand mit der Gabel aufgewickelt. Wenn Sie dazu einen Löffel nehmen, sind Sie in Italien ein sehr gutes Exempel für den deutschen Touristen! In Italien ist das mittlerweile gänzlich unüblich (Der Löffel wurde angeblich nur früher in manchen Regionen in Süditalien zum Aufwickeln benutzt). Typisch deutsch

Cappuccino nach dem Essen? Bestellen Italienerwenn überhaupt- nur zum Frühstück. Wenn Sie sich also nicht direkt als deutscher Tourist outen wollen, bestellen Sie lieber Espresso. Beim Bezahlen stellen auch die Italiener immer wieder fest, dass Deutsche, die mit Freunden zum Essen gehen, die Rechnung aufteilen wollen. Bitte denken Sie bei Ihrem nächsten Italien-Aufenthalt daran, dass die Italiener das nicht mögen und zahlen die Rechnung in einem Betrag (aufteilen können Sie im Anschluss an den Restaurantbesuch immer noch). •


In Spanien ist es, wie übrigens auch in vielen anderen Ländern, üblich, dass ein Kellner den Gästen ihren Tisch anweist. Da der Deutsche sich meistens selbst irgendwo platziert, wird er direkt als Tourist erkannt. Auch hier gilt: „typisch deutsch“. Und wie in vielen anderen Ländern ist es auch in Spanien üblich, dass immer nur zusammen gezahlt wird, selbst dann, wenn nur zwei Freunde an einem Tisch sitzen und egal, wer mehr oder weniger konsumiert hat.

Spanien Zwei Worte zur Optik voran: Deutsch = groß und blond. Sind Sie nicht? Dann verbringen Sie doch Ihren nächsten Urlaub in Spanien und beweisen das Gegenteil. Worüber sich die Spanier definitiv amüsieren? Über die kurzen Hosen mit der weißen Haut („guiris“). Ganz lustig wird es dann, wenn der Deutsche, wie scheinbar die meisten Deutschen in Spanien, nicht ohne seine Sandalen, beziehungsweise nicht ohne die Socken in den Sandalen, auskommt. Um sich nicht zum Gespött der Spanier zu machen, gibt es nur zwei Dinge: Entweder, Sie stehen ´drüber, oder, Sie ziehen Ihre Socken aus. „Die Deutschen stehen morgens im Urlaub früh auf, um schon einmal die eigene Liege per Handtuch zu reservieren.“ Laut spanischen Hotelbesitzern ist das typisch deutsch und damit liegen die Deutschen auskunftsgemäß auf Platz 1 der „LiegestuhlReservierer.“ Obwohl die Engländer bei der Liegestuhl-Reservierung nur den zweiten Platz der Weltrangliste erreichen, dürfen wir Deutsche in Bezug auf „Danebenbenehmen im Allgemeinen“ ein wenig aufatmen: Denn der Brite liegt nach Ansicht vieler Spanier hier so weit vorne, dass der „alemàn“ kaum noch auffällt. „In der Mittagshitze laufen nur die Touristen ´rum!“ Zwischen 14 und frühestens 17 Uhr ist im Hochsommer so gut wie kein Spanier auf der Straße, denn er sucht sich ein schattiges Plätzchen und hält in der Regel eine Siesta. Auch beim Essen ticken die Uhren des „echten Spaniers“ komplett anders: Sofort erkennt er die reinen Touristenläden, die schon vor 14 Uhr zum Mittag- oder vor 21 Uhr zum Abendessen öffnen. Das sind zumeist die wenig authentischen, oftmals teuren Restaurants. Der Deutsche möchte in der Regel schon um 18:00 Uhr zu Abend essen- Fazit: schon wieder entlarvt!

Sollten Sie in Andalusien unterwegs sein: Klatschen Sie bloß nicht beim abendlichen Flamenco mit, denn damit werden Sie nicht nur belächelt und als deutscher Tourist entlarvt, sondern im schlimmsten Falle sogar aus dem Lokal geworfen! Denn die „palmas“, das rhythmische Händeklatschen, ist Teil der Inszenierung. Und die Spanier mögen es überhaupt nicht, wenn Sie da mitmischen. Insgesamt ist man sich einig, dass fast jeder Deutsche pünktlich, zuverlässig und fleißig ist. Ob das nun tatsächlich so gute Eigenschaften sind, darf an dieser Stelle jeder Leser für sich selbst entscheiden. Jedenfalls sind die Deutschen wegen ihrer „deutschen Pünktlichkeit“ besonders bei spanischen Autovermietungen beliebt, denn sie liefern das Fahrzeug in der Regel pünktlich wieder ab und zahlen sofort. Dennoch ein Minuspunkt aus Sicht der Spanier: Den Deutschen fehle Spontaneität und sie seien sehr penibel: „Hat er Pläne, will er, dass sie genau eingehalten werden.“ Je nachdem, aus welcher Gegend Deutschlands die Touristen kämen, gäbe es aber auch Unterschiede: Die meisten Touristen kämen angeblich aus dem Rheinland und tränken viel Bier und Sangria. Die Berliner gelten als „Lebemenschen mit großer Schnauze.“ Die Schwaben seien im Allgemeinen „sehr geizig.“ Und was glauben Sie, welche Sprache in Spanien gesprochen wird? Wenn Sie nun denken, dass es doch ganz einfach ist und es sich hierbei um eine Fangfrage handelt, liegen Sie falsch: Natürlich wird in Spanien „deutsch“ gesprochen, ist doch klar! Denn die Deutschen sind scheinbar der Ansicht, dass ihnen Spanien gehört. Wieso quasseln sie sonst einfach auf Deutsch los? Die Spanier sind von sich aus sehr ambitioniert, den deutschen Touristen sprachlich entgegenzukommen und bemühen sich auskunftsgemäß, Deutsch zu sprechen. Aber eine Frage scheint dem Deutschen an sich doch irgendwie zu doof, obwohl es doch gar nicht so schwierig ist: „Habla alemán“? Die Spanier meinten, es würde auch reichen, wenn Sie fragen „Sprechen Sie Deutsch“, bevor einfach losgequasselt wird. Ein bisschen Höflichkeit kann doch nicht schaden, oder? •


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ÖSTERREICH / GB: SIND WIR WIRKLICH SO SCHLIMM?

Österreich Wer wusste schon, dass wir in Österreich „Die Piefkes“ genannt werden? Wenn der Deutsche versucht, unterschiedlichste österreichische Dialekte zu üben, macht der Österreicher sich lustig und ist total genervt. Ebenso mit dem Tragen der österreichischen Trachten: Dirndl und Janker machen die Deutschen eher zum Gespött als dass es der Österreichisch-Deutschen Freundschaft diene. Wieso wollen die deutschen Urlauber die Österreicher um jeden Preis nachahmen? Die Deutschen geben eindeutig zu wenig Trinkgeld, das verärgert auch die österreichischen Hotel- und Restaurantbetreiber am meisten. Außerdem seien die Kinder zu frech und zu laut und alle deutschen Touristen erwarten alles genau so, wie es im Urlaubsprospekt steht. Das führe auch dazu, dass die Deutschen immer bevorzugt behandelt werden wollten. Obwohl die meisten Urlaubsgäste in Österreich Deutsche sind, scheinen die Österreicher sich nicht gerade darüber zu freuen, dass Österreich in Deutschland beliebtes Urlaubsziel ist: Schade! •

Sommerzeit

Großbritannien Die Straße ist gähnend leer, der Deutsche bleibt aber trotzdem vor der roten Ampel stehen- er liebt es halt, Regeln zu befolgen. Es könnte ja durchaus ein unsichtbares Auto vorbeikommen, das eine wahre Gefahr darstellen würde! Der Brite ist verwundert, der deutsche Tourist umgehend entlarvt: „Typisch deutsch, sie halten sich halt überall an die Regeln.“ „Germans are completely humourless!“ Das hören wir immer und immer wieder, obwohl wir dachten, dass diese Ansicht doch längst nicht mehr so extrem verbreitet sei. Dazu erzählt man uns noch einen netten joke, den man hier scheinbar sehr witzig findet… „How many Germans does it take to change a lightbulb? One: they‘re efficient and not very funny.“ Na ja, so richtig humorvoll scheint uns dieser Witz nun auch nicht… Was den Engländern sonst noch so zu uns Deutschen einfällt? „Hard-working people“! •

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SIND WIR WIRKLICH SO SCHLIMM?: FRANKREICH / USA

USA

Frankreich Leider haben wir bei vielen Franzosen noch immer mit unser Vergangenheit zu kämpfen, denn oft werden die Deutschen automatisch mit „Krieg“ in Erinnerung gerufen. Dennoch sind schon viele, vor allem jüngere Franzosen, der Ansicht, dass die Vergangenheit „passé“ ist. „Die Hand reichen“, das sei eine typisch deutsche Eigenschaft. Man begrüßt sich nicht mit Küssen oder Umarmen, wie in Frankreich oder auch in anderen Ländern üblich, sondern „reicht die Hand“. Das wirkt auf die Franzosen eher kaltherzig und verschlossen. In Restaurants wird der Deutsche in Frankreich oft dadurch identifiziert, dass er längere Pausen zwischen den Gängen einlegt und meistens als erster kommt und als letzter geht. Viele Franzosen stellen fest, dass der deutsche Tourist sehr viel Wert auf Qualität lege und lieber weniger Essen geht, dafür aber einen teureren Wein wähle und nicht mittelmäßig esse. Zudem sitze der Deutsche bereits auf der Terrasse, wenn der Franzose noch friere. Auch die Franzosen sind der Ansicht, dass den Deutschen häufig der Humor fehlt. Typisch deutsch? Sauberkeit, Ordnung, Komfort und eine gesunde Lebensweise. Viele Franzosen schätzen aber vor allem, dass die Deutschen sehr gewissenhaft sind und möchten, dass Regeln befolgt werden. •

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Insgesamt sind wir als Touristen in den USA relativ gern gesehen und werden als freundlich bezeichnet. Und, das erstaunt uns, stehen wir in puncto Schönheit bei den US-Bürgern noch vor den Franzosen. Freundlich ja, aber: geizig? … und ewig grüßt das Trinkgeld. Spätestens jetzt sollte auch der letzte Deutsche verstanden haben, dass es an der Zeit ist, im nächsten Urlaub, egal wo, nicht am Trinkgeld zu sparen. Denn auch in den USA kommt bei den Gastronomen so ziemlich an erster Stelle: „Die Deutschen geben zu wenig Trinkgeld“. Und das, obwohl eine ganze Weile damit verbracht wird, darüber nachzudenken: Man legt was hin, nimmt wieder etwas weg, denkt noch einmal nach- und am Ende ist es ja doch zu wenig. Außerdem fotografieren die Deutschen scheinbar regelmäßig die Essensportionen, weil sie die so riesig finden. Ebenso häufig werden wohl, vermeintlich „heimlich“, Fotos von korpulenten Amerikanern geschossen, was diese allerdings meistens bemerken. Und nicht zuletzt ist die Frage „Where is the toilet?“ das letzte Indiz dafür, dass es sich bei dem Gast um einen deutschen Touristen handelt, denn üblicherweise fragt man nach dem „restroom“. •

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Türkei So sehr die Türken die deutsche Wertarbeit lieben, vor allem den deutschen Mercedes, der nicht nur in der Türkei als absolutes Luxusgut gilt, zählt auch hier der deutsche Tourist in den „typischen Touristenorten“ leider zu den auffälligeren Exemplaren: Die Deutschen wollen am liebsten alles „billig“. Dabei sind die Gastronomen sich einig, dass die Deutschen alles, was „inklusive“ ist, lieben und daher auch ihren Urlaub besonders gerne in der Türkei verbringen. Überhaupt sei hier „all inklusive“ die beliebteste Verpflegungsart: „Sie plündern rücksichtslos die Büffets, verpassen keinen Begrüßungscocktail, der gratis ist und denken, dass auch die Hotelausstattung zu den gratisMitbringseln der Türkei gehöre“, so viele Hotelmanager und -angestellte. Zudem würden die Deutschen, und das war auch mal in der Zeitung Takvim zu lesen, abends „trinken, bis die Nase rot ist.“ Eigens für den deutschen Touristen müsse ein Beschwerdemanagement eingerichtet werden, denn auch in diesem Punkt hätten diese die Nase ganz weit vorne. Bemerkenswert finden auch die Türken des Deutschen Pünktlichkeit, denn es fällt auf, dass man sich schon lange vor geplanter Ausflugszeit vor den Bussen versammle, und das finden die Türken wirklich „typisch deutsch“. Dabei findet man viele Türken, die stolz darauf sind, eine Familie in Deutschland zu haben… irgendwie scheint hier jeder jemanden zu kennen, der in Deutschland lebt… und von denen werden wir sehr herzlich empfangen, ja regelrecht zur Familie gezählt: Die Verwandtschaft in der Türkei ist halt recht groß. Und so viel Herzlichkeit, wie einem unterkommt, wenn man sich nicht gerade in einem der „all-inklusive“-Hotels umhört, ist schon echt beeindruckend. Insgesamt zählen wir einer Umfrage zufolge in der Türkei sogar zu den beliebtesten Ausländern. Also, wenn das mal nicht ein Grund ist, die nächste TürkeiReise etwas fernab vom ganzen Touristenrummel zu verbringen. •

Niederlande Leider war durch die Invasion der Nazis im 2. Weltkrieg und die deutsche Terrorherrschaft das Verhältnis zwischen Deutschland und den Niederlanden sehr lange gestört. Allerdings scheint es mittlerweile gar nicht mehr so viele deutschfeindliche Niederländer zu geben, denn meistens sind es die ganz alten Menschen, die diese Bilder noch stark im Kopf haben. Die heutige Generation ist diesbezüglich nicht mehr so vorbelastet. Viele Niederländer sind allerdings der Auffassung, dass die Deutschen immer Glück haben und alles besser machen wollen. Zudem denken auch die Niederländer, wie viele andere Ausländer, dass die Deutschen keinen Humor haben. Fragt man in den Niederlanden mal genauer nach, was ein Deutscher ist, erhält man folgende Antwort: „Ein Deutscher ist rational und denkt erst einmal sehr gut über alles nach. Die Deutschen waren schon immer große Denker, Karl Marx oder Einstein sind für uns Beispiele dafür. Die Deutschen planen alles gründlich und sind auch sehr ordentlich, das ist typisch deutsch. Wir Niederländer haben dagegen große Maler, und die stehen vielmehr für Chaos und Kreativität als Gründlichkeit und Ordnung.“ Die Holländer im Westen des Landes sind den Deutschen gegenüber grundsätzlich eher negativer gegenüber eingestellt als die Niederländer im Süden, der von den Spaniern und später von den Franzosen beherrscht wurde. Fast alle Niederländer verwenden oder kennen (sogar mehr als 95%) den Begriff „moffen“ für uns Deutsche. „Mof“ ist nämlich in den Niederlanden die abwertende Bezeichnung für einen Deutschen und soll angeblich von dem Begriff „muffig“ abgeleitet worden sein. Umso erstaunlicher ist, dass nach den Ergebnissen eines europäischen Flirtguides mehr als 70% der niederländischen Frauen am liebsten mit einem deutschen Mann anbändeln würden und 68,78% der niederländischen Männer mit einer deutschen Frau. Das bedeutet für diejenigen, die als Single in den Niederlanden ihren Urlaub verbringen: sehr gute Chancen! •


SIND WIR WIRKLICH SO SCHLIMM?: SCHWEIZ / GRIECHENLAND

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Leider ist das Bild der Schweizer von uns deutschen Touristen nicht gerade anders als das der Österreicher. Auch hier sind sich die Gastronomen einig: Die Deutschen sind zu laut, zu aufdringlich, geben zu wenig Trinkgeld und sind überhaut insgesamt nicht sonderlich rücksichtsvoll.

Schweiz

Um uns bei den Schweizern beliebter zu machen, gibt es nur zwei Dinge: Entweder, wir kommen leise und höflich daher und geben ein extra hohes Trinkgeld, oder, wir suchen uns ein anderes Urlaubsziel. Auch dazu fällt uns leider nur eines ein: Schade! •

„Merkel“ ist gefühlt jedem Griechen ein Begriff. Besser, man spricht keine politischen Themen an, denn aufgrund der Sparauflagen seitens unserer Bundeskanzlerin scheinen die Griechen nicht mehr ganz so gut auf die Deutschen zu sprechen sein. Aber wir bemerken: Gesagt ist nicht getan, denn trotz aller Unkenrufe sind die Griechen wirklich sehr freundlich zu den deutschen Touristen und schätzen diese, was uns auch viele andere Griechenlandurlauber bestätigt haben. •

Griechenland

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Sommerzeit


TYPISCH DEUTSCH? Der Deutsche im Allgemeinen… isst hauptsächlich Sauerkraut isst viel Wurst trinkt nur Sprudelwasser oder Apfelschorle hat Gartenzwerge ist pünktlich und zuverlässig ist ordentlich gibt wenig Trinkgeld/ ist geizig ist regelmäßig auf großen Volksfesten unterwegs befolgt gerne Regeln ist kaltherzig ist humorlos liebt Sicherheit ist verschlossen trägt „Outdoor-Kleidung“ und ist immer wetterfest gekleidet („vernünftig gekleidet“)

Deutsche Männer… heißen Hans trinken viel Bier haben einen dicken Bierbauch tragen Lederhosen

Deutsche Frauen… heißen Heidi jodeln tragen Dirndl sind sehr freizügig


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Typisch deutsch? Wir haben mit Jimena Altrogge, geboren und aufgewachsen in Argentinien, seit 8 Jahren in Deutschland, gesprochen.

Steffen & Partner: Jimena, wie sind Sie nach Deutschland gekommen?

vor. Und jeder Deutsche hat einen dicken Bierbauch, ist doch klar.

Jimena Altrogge: Eigentlich wollte ich nur meine Schwester hier besuchen, die damals wegen der Arbeit nach Deutschland kam. Dabei lernte ich aber meine große Liebe kennen und bin heute mit ihm verheiratet und wir haben zwei Kinder. Und so bin ich einfach hier geblieben.

SuP: Und gibt es große Unterschiede zwischen Ihrem Heimatland und Deutschland?

SuP: Was haben Sie über Deutschland gedacht, als sie es noch nicht kannten? Jimena Altrogge: In Argentinien wird einem eigentlich schon als Kind ein Bild von Deutschland vermittelt… Jeder stellt sich die Deutschen wirklich in Lederhosen Ausgabe 13 – 2016

Jimena Altrogge: Ja, mein Vater war zum Beispiel erstaunt, dass hier die meisten Taxiunternehmen Mercedes fahren. Das war für ihn unvorstellbar, denn in Argentinien fährt man nur Mercedes, wenn man ganz, ganz reich und bedeutend ist. Es war für ihn unfassbar. SuP: Und wie fühlt sich Ihre Familie hier bei uns? Jimena Altrogge: Um meine Familie im Winter hierher zu bewegen, braucht man schon triftige Gründe. Mein

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IM GESPRÄCH: TYPISCH DEUTSCH

Jimena feiert gerne! Und sie hat einen tollen Humor. Zur Freigabe des Artikels hat sie uns geschrieben: „Aber nicht vergessen, jetzt bin ich auch schon ein bisschen deutsch :-).“

Vater kommt nur noch im Sommer, der Winter ist ihm hier viel zu kalt. SuP: Was sind Ihre Erfahrungen mit den Deutschen?

SuP: Was fiel Ihnen in Deutschland noch auf? Jimena Altrogge: Alles ist hier so sauber… keine Kabel auf den Straßen?

Jimena Altrogge: Alles muss geplant werden, lange im Voraus. Nichts geht ohne Termin, immer wird zuerst der Terminkalender gecheckt, und das Monate im Voraus. Und dann sind Monate später tatsächlich alle zu dem geplanten Termin da. Das gibt es in Argentinien nicht. Da geht alles spontan.

SuP: Gibt es Unterschiede beim Essen?

SuP: Was ist typisch deutsch?

Typisch deutsch ist zum Beispiel das Butterbrot. Zum Frühstück oder zum Abendessen, das gibt es bei uns überhaupt nicht.

Jimena Altrogge: Die Deutschen sind superpünktlich. Wenn die Abfahrtszeit beim Zug oder Bus mit 17:00 angegeben wird, sind alle schon immer eine halbe Stunde vorher dort. Und die Abfahrt ist pünktlich, zumeist auf die Minute genau. Und wenn nur ein wenig Verspätung gemeldet wird, ist schon riesengroße Aufregung. In Argentinien ist es ganz normal, dass die Abfahrt nicht pünktlich ist. Da kommt auch niemand pünktlich, Verspätungen von zwei Stunden sind zum Beispiel ganz normal. Sommerzeit

Jimena Altrogge: Viele Gemüsesorten kannte ich bisher überhaupt nicht, zum Beispiel Kohlrabi. Auch habe ich erst bei meiner Schwiegermutter Grünkohl oder Spitzkohl kennen gelernt.

Oder das Kaffeetrinken, also dieser typische Kaffeekranz am Nachmittag, das ist richtig deutsch und das fand ich sehr lustig, auch heute noch. Das gibt es nur hier, dass man sich am Nachmittag zum Kaffee und Kuchen verabredet. Und dann, auf einmal, gehen alle nach Hause, obwohl der Abend ja dann erst anfängt. So, jetzt ist das Kaffeetrinken vorbei, und alle Gäste werden wieder nach Hause geschickt. Das gäb es in Argentinien nicht. •

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BREXIT Great Britain stimmt für exit aus der EU: Welche problematischen Konsequenzen hat das für den (Online-) Händler? Nun ist das, was viele befürchtet haben, wahr geworden: Die Briten haben sich mit einer knappen Mehrheit von 51,9% am 23.06.2016 für den Austritt Großbritanniens aus der EU entschieden. Der Austritt könnte damit zum 01. Juli 2018 rechtskräftig werden. Das Pfund erlebte umgehend den tiefsten Stand seit 30 Jahren mit einem Umrechnungskurs von 1,33 USDollar und damit sinkt auch logischerweise der DAX und an der Börse geht es abwärts. Viele Mandanten fragen sich nun, welche Bedeutungen dieses für die Import- und Exportgeschäfte haben könnte. Wir haben uns, aus ganz aktuellem Anlass, damit beschäftigt und möchten Sie natürlich daran teilhaben lassen; auch, wenn natürlich niemand wirklich voraussehen kann, welche tatsächlichen Folgen der BREXIT letztenendes aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten, insbesondere für die Onlinehändler, haben wird. Sicher sind die meisten: Die Folgen für die EU werden negativ sein. Ausgabe 13 – 2016

Deutschlands Bruttoinlandsprodukt liegt mit 3,4 Billionen € (= produzierte Waren- und Dienstleistungen) pro Jahr an erster Stelle, UK mit ca. 2,5 Billionen an zweiter Stelle in der EU und damit ist der Handel mit der EU für die Briten extrem wichtig. Für Deutschland ist Großbritannien der drittwichtigste Handelspartner (Stand 2015, Exportvolumen ca. 90 Milliarden pro Jahr). Nach dem Ausstieg Großbritanniens aus der EU könnte es passieren, dass Unternehmen aus dem Ausland nicht mehr in Großbritannien investieren. Britische Unternehmen würden dadurch extrem geschwächt, weil sie nur noch eingeschränkten Zugang auf den EUMarkt hätten; die Briten müssten den Zugang zum EUBinnenmarkt neu regeln. Sie würden das Free Trade Agreement (FTA) mit der EU natürlich möglichst aufrecht erhalten wollen, aber sollte es diesbezüglich keine Einigung geben, gäbe es bestimmt höhere Zölle und aufgrund der größeren Unterschiede nicht mehr so einheitliche Steuerregelungen.

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HANDEL: BREXIT

Es müssten dann auch wieder höhere bürokratische Hürden im Hinblick auf den Handel mit/ aus Großbritannien gemeistert werden. Viele neue Rechtsbelehrungen und Gesetzestexte wären aufgrund der neuen rechtlichen und steuerlichen Regelungen wieder neu zu beachten. Aber auch umgekehrt, also Konsumenten aus Deutschland, die online bestellen, würden Bestellungen aus Großbritannien damit wohl eher vermeiden. Online-Händler, die nicht nach Großbritannien verkaufen und sich eher auf den deutschen Markt konzentrieren, werden wohl weniger von den negativen Auswirkungen betroffen sein.

Der Handel zwischen Großbritannien und der EU wird vermutlich komplexer und teurer werden. Aus deutscher Sicht wird Großbritannien mit dem Vollzug des Austritts aus der EU grundsätzlich wohl zum Drittland.

Online-Handel-Unternehmen wie z.B. Amazon, die aktiv in Grobritannien tätig sind und 50% ihrer Waren in westeuropäische Länder exportieren, hätten dadurch künftig höchstwahrscheinlich ihre Schwierigkeiten mit dem Brexit. Das Berliner e-commerce-Unternehmen „Visual Meta GmbH“, welches online-Shoppingportale im Internet in weltweit 21 Ländern bietet und ein Partner für viele online-shops ist, hat eine Analyse dazu durchgeführt, was der Ausstieg Großbritanniens für Online-Shops bedeuten würde. Darin wird von einem Kostenanstieg im Bereich online-shopping von ca. 2 bis 15% innerhalb und auch außerhalb Großbritanniens ausgegangen. Natürlich wären besonders die e-commerce-Unternehmen in Großbritannien von höheren Lieferkosten und den verschiedenen Zollsystemen und Steuersystemen nachteilig betroffen. Durch den BREXIT würde Großbritannien also aus deutscher Sicht zum sogenannten „Drittland“. Folgen könnten damit auch die Wiedereinführung von Zöllen und Einfuhrumsatzsteuern sein. Das heißt, dass britische Kunden (die in der UK wohnen) deutscher Unternehmen für ihre Einkäufe aus Deutschland wieder Zölle und Einfuhrumsatzsteuer zahlen müssten. Und daher blieben die britischen Kunden wohl eher aus, da die Waren für diese zu teuer wären. Sommerzeit

Allerdings gibt es noch einen weiteren Aspekt für bestimmte deutsche Onlinehändler, nämlich für diejenigen, die ihre Rechtsform in Form einer britischen Limited betreiben: Mit dem Austritt Großbritanniens aus der EU würde wahrscheinlich auch die Niederlassungsfreiheit wegfallen. Wäre damit diese Rechtsform nicht weiter nutzbar? Die Privilegien der Niederlassungsfreiheit wurden doch erst im Jahr 1999 durch den europäischen Gerichtshof (EUGH) mit der Erlaubnis zur grenzüberschreitenden Nutzung des Gesellschaftsrechts begründet. Gewiss ist nur eins: Der BREXIT wurde entschieden, allerdings wird vieles neu zu regeln sein, was sich wahrscheinlich über Jahre hinziehen wird und damit wird Viele die Unsicherheit und Ungewissheit noch lange begleiten. Was können Sie also als Händler in den nächsten Jahren tun?

Zunächst bleibt abzuwarten, welche Ergebnisse sich aus den Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU über ein Austrittsabkommen ergeben. Sie als Händler sollten die Verhandlungen stets verfolgen und damit eventuelle Folgen für ihren online-shop genau beobachten, um sich diesbezüglich gut ausrichten zu können. Wägen Sie dabei genau für sich ab, ob sich der britische Markt für Sie so lohnt und ob Sie bereit wären, zusätzliche bürokratische Hürden und administrative Kosten auf sich zu nehmen. • Natürlich werden auch wir die nächsten zwei Jahre detailliert für Sie verfolgen und Sie weiterhin darüber informieren, wo eventuell Handlungsbedarf besteht. Für alle Fragen stehen Ihnen Anke Büker und Lena Nolte gerne zur Verfügung T 02871 275750, E bueker@steffen-partner.de, nolte@steffen-partner.de

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Erfolgs-Meldung In unseren Magazinen haben Sie schon viele Geschichten von Unternehmer(-innen) lesen können. Hier bleiben wir an diesen Akteuren dran und berichten über die Wegmarken, die sich nach unseren Berichten ereignet haben.

Jonas Hansen Furniture – Unternehmens-Besuch in Ausgabe 9 Erinnern Sie sich an den Möbelmacher Jonas Hansen und seine Firma Jonas Hansen Furniture. Wir berichteten über seine Existenzgründung und seine Ideen in unserem Unternehmens-Besuch in Ausgabe 9 unserer Winterzeit 2014/2015. Der damalige Titel lautete: „Der besonnene Minimalist“. Wir haben Ihnen damals im letzten Satz den Rat gegeben, ein HansenStück zu kaufen. Jonas Hansen hat dieses Jahr den „Mini Design Award“ im Rahmen der Blickfang-Messe gewonnen. Vorsitzender der Jury war, nebenbei erwähnt, Nils Holger Moormann, einer der führenden Möbeldesigner in Deutschland. Obendrein ist Hansen nominiert für den „German Design Award 2017“. Und nicht zuletzt ist Jonas Hansen Furniture „eingeladen“, sich auf den Jung-Designer-Shows der Möbelmessen in Mailand und Köln zu präsentieren. Wir gratulieren herzlich. Unser Ratschlag an Sie war offensichtlich ein wenig konservativ formuliert... • Ausgabe 13 – 2016

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ERFOLGS-MELDUNG: AYSE ROMEY

Ayse Romey – Erfahrungs-Moment in Ausgabe 10 Die „Fee und der Flaschengeist“, haben wir unseren Artikel über die Buchveröffentlichung von „Peri & Jin“ überschrieben. Im Fokus stand die Kinderbuchautorin und Filmemacherin Ayse Romey. Ayse, „Peri und Jin“ werden mittlerweile von der renommierten und bekannten Literaturagentin Lianne Kolf vertreten. Allein das ist ein erwähnenswerter Erfolg. Letzten Sommer hatte uns Ayse Romey verraten, dass aus „Peri & Jin“ auch eine Fernsehserie werden wird.

Sommerzeit

Die Pilotfolge wurde sogar vom FilmFernsehfond Bayern (FFF) gefördert. Die Pilotfolge ist nun fertiggestellt und hat bereits vor Ausstrahlung einigen Applaus und Aufmerksamkeit erregt. Unter anderem wurde „Peri und Jin“ in das Programm des „2016 San Diego International Kids‘ Film Festival“ und des „2016 ANIMATION BLOCK“, New York, aufgenommen. Beides sind wichtige und renommierte Film-Festivals mit Wettbewerben, die in diesem Sommer stattfinden. Wir drücken die Daumen! •

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Aus dem Turm

Wir sind... ... Frau Nolte Achtung, Achtung: Frau Rajabi-Khamneh hat geheiratet und wir gratulieren alle von ganzem Herzen. Viel Glück für die gemeinsame Zukunft des glücklichen Ehepaars und alles Gute wünschen alle „Steffen & Partner“... und, damit es künftig keine Verwechslungen gibt: Lena Rajabi-Khamneh heißt ab sofort Lena Nolte.

...30 Jahre bei Steffen & Partner Frau Gabriele Häring, die am 01.03.2016 ihr 30-jähriges Jubiläum bei uns feierte, gratulieren wir von ganzem Herzen. Wir haben dies zum Anlass genommen, um mit unserer Gaby ordentlich zu feiern. Vielen Dank für die langjährige Treue und für das tolle Engagement in unserer Gruppe. Auf die nächsten 30 Jahre!! Sommerzeit


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und wir sind... ... Fahrrad gefahren Unser diesjähriger Betriebsausflug: strahlender Himmel und Sonne ohne Ende…Und eben Fahrrad fahren. In diesem Jahr ging es mit den Fahrrädern stadtauswärts, dann Einkehr zu Kaffee und Kuchen im Strandcafé Ottilie am Aasee, am Ende Einkehr in Heiko Mätzigs „Die Weinbar“ zu dem einen oder anderen Gläschen Wein und einem herrlichen Abendessen. Ein wunderschöner Tag, den wir gemeinsam miteinander verbringen durften. Herzlichen Dank dafür an unseren diesjährigen Vergnügungsausschuss!

... zum siebten Mal in Folge: Top-Steuerberater „Oops, we did it again...“ Focus Money hat uns in seiner Ausgabe 17/2016 erneut zum Top-Steuerberater im Segment der großen Kanzleien gekürt. Wieder sind wir im Westmünsterland ziemlich allein mit der Auszeichnung. Und wieder, aber das wissen Sie ja bereits, waren die Prüfungen, die der Auszeichnung vorangehen, nicht einfach. Ein schöner Beleg für gute Arbeit. Jetzt hängt er an der Wand und wir arbeiten weiter...

... Top-Steuerkanzlei 2016 Was Focus Money kann, das kann das große Muttermagazin „Focus“ schon lange! FOCUS hat in einer Sonderausgabe die führenden Steuerkanzleien in allen relevanten Fachbereichen und Branchen gesucht, um den Lesern Deutschlands beste Steuerkanzleien aufzuzeigen: Auch unsere Kanzlei gehört zu Deutschlands größten TOP Steuerkanzleien. Von Berufskollegen wurden wir sogar in der Branche „Speditionen und Logistik“ explizit hervorgehoben. Herzlichen Dank dafür.

... nochmals Fahrrad gefahren, jedenfalls Rechtsanwalt Rudolph Und zwar bei der Muko-Bike-Tour 2016 zugunsten der Mukoviszidose-Forschung! Hier gibt es einen Spendenrekord zu vermelden. Insgesamt kamen über € 57.000 Spenden zusammen. Auch Rechtsanwalt Rudolph ist in diesem Jahr die knapp 100km wieder mitgefahren. Trotz der Wetterkapriolen war es eine tolle Veranstaltung mit perfekter Organisation. Der Erlös kommt vollständig der Mukoviszidose-Forschung zugute. Ausgabe 13 – 2016


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Es ist das Letzte:

Alles kann, nichts muss Auch in dieser warmen Jahreszeit haben wir wieder für Sie einige skurrile Urteile zusammengestellt. Vielleicht können Sie das eine oder andere Urteil auch für Ihre persönliche Lebenssituation nutzen. Das Oberlandesgericht Hamm hat sich beispielsweise ganz frisch mit der Gefährlichkeit von Stöckelschuhen befasst. Mit Beschluss vom 13.04.2016 (11 U 127/159) hat sich das OLG Hamm mit einem Sachverhalt beschäftigt, bei dem eine Frau beim Besuch eines Stadttheaters sich den Fuß gebrochen hatte, da sie mit ihren 4,5 cm hohen Absätzen in den Löchern einer Gummilochmatte hängengeblieben und gestürzt war. Konsequenz dieses schicken, aber offensichtlich gefährlichen Outfits war, dass sie mehrere Monate arbeitsunfähig war und keinen Sport treiben konnte, weshalb sie die Stadt als Trägerin des Theaters auf € 2.000,00 Schmerzensgeld und knapp € 4.000,00 Ausgabe 13 – 2016

Schadenersatz verklagt hat. Dieser Auffassung schlossen sich die Richter jedoch nicht an. Im Urteil heißt es: „Die Gefahrenquelle [also die Gummilochmatte] sei für die Klägerin auch beherrschbar gewesen. Insoweit sei zu berücksichtigen, dass die allgemeine Gefahrerhöhung, die von kleinflächigen Absätzen von Stöckelschuhen ausgehe, namentlich die Gefahr des Steckenbleibens in Löchern, Fugen oder sonstigen schmalen Öffnungen des Untergrundes, die Schuhträgerinnen zu erhöhter Aufmerksamkeit und entsprechend angepasstem Verhalten verpflichte. Dies insbesondere in Bereichen, in denen entsprechende Gefahrenquellen erkennbar seien. Der Beschaffenheit der Schmutzfangmatte im Marler Theater habe die Klägerin durch eine vorsichtige Gehweise mit ihren Stöckelschuhen Rechnung tragen können und müssen.“

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DAS LETZTE

Von mindestens ebenso großer Bedeutung ist das Urteil vom OLG Düsseldorf, welches sich mit dem Namensrecht in einem ganz besonderen Fall auseinandersetzen musste. Eine Mutter wollte das zuständige Standesamt zwingen, folgende 12 (!) Vornamen für ihren Sohn eintragen zu lassen: Chenekwahow, Migeskau, Nikapi-Hun-Nizeo, Alessandro, Majim, Chayara, Inti, Ernesto, Prithibi, Kioma, Pathar, Henriko. Bei diesem Fall ist besonders kurios, dass zunächst das Amtsgericht Düsseldorf die Namen Ernesto, Henriko und Alessandro akzeptierte. Die nächste Instanz, also das Landgericht Düsseldorf hat dann auf 4 erhöht und letztlich hat das OLG Düsseldorf dann 5 Namen akzeptiert, so dass das Kind also Chenekwahow Tecumseh Migiskao Kioma Ernesto heißen konnte. Da die Mutter nunmehr pro Instanz einen Namen dazugewonnen hatte, scheute sie auch nicht die Verfassungsbeschwerde zum Bundesverfassungsgericht, wobei ihr das Verfassungsgericht nicht den Gefallen tat, einen weiteren Namen zu gestatten. Bereits das LG Düsseldorf hatte in seiner Urteilsbegründung darauf hingewiesen, dass die „Wahl von zwölf Vornamen Sommerzeit

einen das Kind erheblich belästigenden Charakter“ habe. Schließlich sei es dem Kind nicht zuzumuten, sich sämtliche zwölf Vornamen in der richtigen Reihenfolge und der richtigen Schreibweise zu merken. Der ganze Zug durch die Instanzen hat insgesamt 8 Jahre gedauert, so dass sich die Frage stellt, wie das Kind in dem Zeitraum der rechtlichen Unsicherheit wohl geheißen haben möge. Erlaubt sei in diesem Zusammenhang der Hinweis auf den ehemaligen deutschen Bundesverteidigungsminister, Herrn Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg. Für den Adel galten ja schließlich schon immer besondere Regelungen… •

Sofern Sie Hilfe bei ungewöhnlichen Sachverhalten benötigen oder Sie gerade auf Stöckelschuhen zum Standesamt unterwegs sein sollten, scheuen Sie sich nicht, uns jederzeit zu kontaktieren. Wir helfen gerne und in jeden Lebenslagen. T 02871 275750, E rudolph@steffen-partner.de I www.steffen-law.de

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Q

3

WISSENS WERTES

&

WICHTIGES


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AUF EINEN BLICK

01.

SOMMERZEIT = GRILLZEIT: DIE HOLZKOHLESTATISTIK

02.

SOMMERZEIT= URLAUBSZEIT: DIE PREIS-LAND-STATISTIK IM VERGLEICH ZU DEUTSCHLAND

03.

8,84 EUR: DER NEUE MINDESTLOHN ANPASSUNG DER ARBEITSVERTRÄGE ERFORDERLICH

04.

SELBSTÄNDIGER VERSICHERUNGSMAKLER UNTER UMSTÄNDEN RENTENVERSICHERUNGSPFLICHTIG!

05.

NEUREGELUNGEN DER ERBSCHAFTSTEUERREFORM

06.

PARKMÖGLICHKEIT UNTERLIEGT DEM REGELSTEUERSATZ VON 19% UMSATZSTEUER

07. 08.

AUGEN AUF BEIM GRUNDSTÜCKSVERKAUF: UMSATZSTEUER– OPTION NUR IM NOTARIELLEN ERSTVERTRAG UMWELTBONUS (= KAUFPRÄMIE) FÜR ELEKTROFAHRZEUGE, AM 02. JULI 2016 IN KRAFT GETRETEN


WISSENSWERTES Q3: ZAHLEN , FAKTEN, STATISTIKEN

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– ZAHLEN , FAKTEN, STATISTIKEN –

01

Sommerzeit = Grillzeit: 227 000 Tonnen Holzkohle zum Grillen im Jahr 2015 importiert

Nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) wurden 227.000 Tonnen Holzkohle mit einem Wert von insgesamt 96,8 Millionen € importiert. Die Holzkohle wird häufig zum Grillen genutzt, was sich natürlich besonders jetzt, in der Sommerzeit, anbietet. Der Hauptlieferant ist seit Jahren Polen; von dort stammten 74.000 Tonnen mit einem Gesamtwert von 36,8 Millionen €. Zweitwichtigster Lieferant war das südamerikanische Paraguay mit 34.000 Tonnen und einem Gesamtwert von 13,9 Millionen €. Als drittwichtigster Lieferant galt im Jahr 2015 ein afrikanisches Land, nämlich das waldreiche Nigeria, mit insgesamt 32.000 Tonnen zu 7,9 Millionen €. • Quelle: www.destatis.de

Preisniveau in Gaststätten und Hotels 2015 Abstand gemessen zu Deutschland

Dänemark (EU-Max)

50

Schweden

42

Vereinigtes Königreich

28

Italien

10

Frankreich

09

02

Sommerzeit = Urlaubszeit: Wo ist Urlaub in der EU besonders teuer, wo besonders günstig?

Jetzt haben die Ferien endlich in NRW begonnen. Viele Menschen verbringen ihre Ferienzeit im Urlaub. Wir haben uns einmal auf der Seite des statistischen Bundesamtes umgesehen, um Ihnen zu zeigen, wo Sie ihren Urlaub in der EU relativ günstig verbringen können. Am günstigsten ist es demnach in Bulgarien. Hier war das Preisniveau, verglichen mit Deutschland, für Hotelübernachtungen und Restaurantbesuche um 56% niedriger als in Deutschland.

-12

Spanien

-19

Griechenland

-22

Kroatien

-25

Portugal

-48

Rumänien

-48

Ungarn

-56

Bulgarien (EU-Min)

Aber auch in Ungarn und Rumänien können Sie mit jeweils -48% vergleichweise günstigen Urlaub verbringen. In Portugal und Kroatien ist es mit immerhin -25 und -22% ebenfalls im Vergleich zu Deutschland preiswert. Am teuersten ist es in Dänemark, wo das Preisniveau um 50% höher als in Deutschland liegt. Europaweit am teuersten war übrigens Urlaub in der Schweiz (+ 71 %) und in Norwegen (+ 67 %). • Quellen: Eurostat, Statistisches Bundesamt in Wiesbaden, www.destatis.de

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RECHT, SOZIALVERSICHERUNGSRECHT: WISSENSWERTES Q3

– RECHT –

03

Erhöhung des Mindestlohns ab dem 01.01.2017

Am 28.06.2016 hat die Mindestlohnkommission von Arbeitgebern und Arbeitnehmern einstimmig beschlossen, dass der gesetzliche Mindestlohn Anfang 2017 von zurzeit € 8,50 auf € 8,84 erhöht wird. Erhöhung auf 8,84 EUR

Nach zwei Jahren Bestehen des gesetzlichen Mindestlohns wird dieser nun auf € 8,84 erhöht. Die Mindestlohnkommission, die aus einem Vorsitzenden, je drei Vertretern der Gewerkschaften und der Arbeitgeber sowie zwei beratenden Wissenschaftlern besteht, legt die Höhe nun alle zwei Jahre neu fest. Die Höhe der Anpassung orientiert sich laut Vorsitzendem der Kommission, Herrn Jan Zilius, an der Tarifentwicklung, also an der Steigerung des durchschnittlichen tariflichen Stundenlohns. Selbstverständlich steht der Kommission auch noch eigener Entscheidungsspielraum zur Verfügung. Festzuhalten bleibt also, dass jeder Arbeitnehmer in Deutschland ab dem Jahr 2017 einen gesetzlichen Mindestlohn von € 8,84 erhalten muss.

Anpassung der Arbeitsverträge erforderlich

Für viele Arbeitgeber ist die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns mit enormen Arbeitsaufwand verbunden. Gerade bei der Beschäftigung von geringfügig Beschäftigten sind Vertragsanpassungen unverzichtbar, damit die Geringfügigkeitsgrenzen nicht überschritten werden. Bei der Umsetzung der Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns und bei allen anderen Fragen rund um das Arbeitsrecht stehen wir Ihnen selbstverständlich jederzeit zur Seite. •

– SOZIALVERSICHERUNGSRECHT –

04

Grundsatz

Selbständiger Versicherungsmakler rentenversicherungspflichtig, sofern er einem Maklerpool angeschlossen ist

Das bayerische Landessozialgericht hat mit Urteil vom 03.06.2016 entschieden, dass für einen selbständigen Versicherungsmakler, der an einen Maklerpool angebunden ist, Rentenversicherungspflicht besteht. Hintergrund

Bei dem Kläger handelt es sich um einen selbständigen Versicherungsmakler, der Versicherungen diverser Versicherungsunternehmen an viele Endkunden vermittelt und an einen Maklerpool angebunden ist. Die Aufgabe des sogenannten „Maklerpools“ ist, die Verbindungen zu den jeweiligen Versicherungsgesellschaften herzustellen, die Provisionen unter Einbehalt eines Eigenanteils abzurechnen und diverse Verwaltungstätigkeiten für den Versicherungsmakler zu übernehmen.

Sommerzeit

Selbständige sind rentenversicherungspflichtig, wenn sie keine versicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigen und auf Dauer und im Wesentlichen nur für einen Auftraggeber tätig sind. Entscheidungsbegründung

Im vorliegenden Fall steht und fällt das Geschäftsmodell des Versicherungsmaklers nach Auffassung des Sozialgerichts Landshut (Vorinstanz), die nun auch durch das Landessozialgericht bestätigt wurde, damit, dass er an den Maklerpool angebunden ist. Somit ist er nach Ansicht des Gerichtes wirtschaftlich vom Maklerpool abhängig und damit sozial schutzbedürftig. Durch den Maklerpool kann er den Endkunden zudem bessere Angebote unterbreiten und ist auch auf die Erledigung der Verwaltungstätigkeiten durch den Maklerpool angewiesen. Damit bedarf er insgesamt, vergleichbar mit einem abhängig Beschäftigtem, des Schutzes der gesetzlichen Rentenversicherung. •

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Quellen: Bayerisches Landessozialgericht

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WISSENSWERTES Q3: ERBSCHAFTSTEUER

– ERBSCHAFTSTEUER –

05

Neuregelungen der Erbschaftsteuerreform

CDU, CSU und SPD haben sich am 20.06.2016 endlich hinsichtlich einer Neuregelung der Erbschaft- und Schenkungsteuerreform geeinigt. Eine Abstimmung im Bundesrat ist für den 08.07.2016 geplant; wie die Grünen dann abstimmen, bleibt noch abzuwarten. Hintergrund

Das Bundesverfassungsgericht hatte am 17.12.2014 entschieden, dass die Regelungen zu den erbschaftsteuerlichen Begünstigungen für Unternehmensvermögen teilweise verfassungswidrig sind. Begründet wurde dieses damit, dass einige Regelungen zur Verschonung von Unternehmensvermögen unvereinbar mit Artikel 3 (1) des Grundgesetzes sein sollten. Daher legte das Bundesministerium für Finanzen (BMF) am 02.06.2015 einen ersten Gesetzesentwurf zur Reform der Erbschaftsteuer vor, mit dem verfassungsrechtlich saubere Regelungen geschaffen werden sollen. Gegenüber dem Regierungsentwurf aus 2015 werden folgende Anpassungen vorgesehen:

1. Weniger Bürokratie für kleine Unternehmen Für Unternehmen mit bis zu fünf Beschäftigten entfällt auch weiterhin die Lohnsummenprüfung für die Gewährung der Verschonung von der Erbschaft- und Schenkungsteuer. Bei der Ermittlung der Beschäftigtenzahl werden Saisonarbeiter nicht berücksichtigt.

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2. Missbräuchliche Steuergestaltung wird eingeschränkt Sofern das nicht begünstigte Verwaltungsvermögen 90% des gesamten Betriebsvermögens überschreitet, wird die Verschonung von der Erbschaft- und Schenkungsteuer ausgeschlossen. Das Bundesverfassungsgericht hatte explizit gefordert, dass missbräuchliche Steuergestaltungen eingeschränkt werden müssten. 3. Steuerrechtliche Begünstigungen von Investitionen Künftig sollen Investitionen in das Unternehmen, die nach dem vorgefassten Willen des Erblassers innerhalb von zwei Jahren nach seinem Tod getätigt werden, steuerrechtlich begünstigt werden. Hintergrund ist, dass die Erbschaftsteuer Investitionen in das Unternehmen nicht behindern und Arbeitsplätze nicht gefährden soll. 4. Verwaltungsvermögen grundsätzlich nicht begünstigt Künftig soll Verwaltungsvermögen grundsätzlich nicht begünstigt sein. Allerdings wird es bis zu 10% wie steuerrechtlich begünstigtes Betriebsvermögen behandelt. Daneben sollen begünstigt werden: Drittlandbeteiligungen bei Holdinggesellschaften, Altersversorgungsverpflichtungen und verpachtete Grundstücke, die zum Zwecke des Absatzes eigener Produkte überlassen werden (Beispiele: Tankstellen, Brauereien von Gaststätten, etc.). Finanzmittel können bis zu 15% - zur Sicherung der notwendigen Liquidität eines Unternehmens - zum steuerrechtlich begünstigten Unternehmen gezählt werden.

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Sommerzeit


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ERBSCHAFTSTEUER: WISSENSWERTES Q3

5. Familienunternehmen erhalten Steuererleichterungen Der gemeine Wert eines Familienunternehmens aufgrund üblicher Verfügungsbeschränkungen bei der Anteilsweitergabe entspricht meistens nicht dem für den Erben beim Verkauf tatsächlich erzielbaren Wert. Daher werden solche Verfügungsbeschränkungen bei der Bestimmung des Unternehmenswerts bei der Anteilsweitergabe als Steuerbefreiung in Höhe von maximal 30% berücksichtigt. Achtung: Die Verfügungsbeschränkungen müssen zwei Jahre vor und 20 Jahre nach dem Tod des Erblassers- bzw. dem Schenkungszeitpunkt vorliegen. 6. Einschränkungen bei der Verschonung großer Unternehmensvermögen Es soll künftig ab einem begünstigten Unternehmensvermögen von 26 Mio. € pro Erwerber eine individuelle Verschonungsbedarfsprüfung durchgeführt werden oder ein Verschonungsabschlagsmodell angewandt werden. Dabei verringert sich der Verschonungsabschlag um ein Prozent pro T€ 750, welche der Erwerb oberhalb der Prüfungsschwelle von 26 Mio. € liegt. Ab einem Erwerb von 90 Mio. € wird bei der Optionsverschonung mit 7 Jahren Haltefrist und einer Lohnsumme von mindestens 700% keine Verschonung gewährt. Ab einem Erwerb von 89,75 Mio. € wird bei der Regelverschonung mit 5 Jahren Haltefrist und einer Lohnsumme von mindestens 400% keine Verschonung gewährt. 7. Anpassung des Kapitalisierungsfaktors zur realistischen Vermögensbewertung Da derzeit eine wohl anhaltende Niedrigzinsphase besteht, soll die Überbewertung von Unternehmen vermieden werden. Damit eine realistische Unternehmensbewertung erfolgen kann, wird beim vereinfachten Ertragswertverfahren der maßgebliche Kapitalisierungsfaktor zur Bestimmung des Unternehmenswerts von 17,86 auf 10 bis maximal 12,5 abgesenkt (= der Kapitalisierungsfaktor, der, multipliziert mit dem nachhaltig erzielbaren Jahresertrag, den Unternehmenswert ergibt). 8. Einführung eines Rechtsanspruchs auf voraussetzungslose Stundung Sofern die Lohnsummenregelung und die Behaltensfristen eingehalten werden, wird bei Erwerben von Todes wegen ein Rechtsanspruch auf Sommerzeit

eine voraussetzungslose Stundung bis zu zehn Jahre bei Erwerben von Todes wegen eingeführt. Die Stundung soll zinslos sein und sich auf die Steuer beziehen, die- unabhängig von dessen Wert – auf das begünstigte Vermögen entfällt. Hintergrund ist, dass die Zahlung der Erbschaftsteuer die Existenz eines Unternehmens nicht gefährden soll. Die Einigung soll den Bestand mittelständischer Unternehmen schützen und den Erhalt vorhandener Arbeitsplätze in Deutschland sichern. Es soll nun eine ausgewogene Lösung gefunden worden sein, die die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts erfüllt. Die Reform soll für Nachhaltigkeit, Zukunftsfähigkeit und langfristiges Wirtschaften in deutschen Unternehmen stehen.

Verzögern sich die Gesetzespläne eventuell doch bis zum Herbst?

Die Finanzminister der Länder sprachen sich am 30.06.2016 in Berlin (wegen des Drucks der SPD und der Grünen) mehrheitlich dafür aus, die umstrittenen Gesetzespläne zur steuerlichen Begünstigung von Firmenerben abzulehnen. Damit müsste der Vermittlungsausschuss zwischen Bundestag und Bundesrat angerufen werden. Es wird eine grundlegende Überarbeitung gefordert. Am 08.07.2016 wird sich entscheiden, ob der Bundesrat der Empfehlung der Minister folgt. Sofern der Vermittlungsausschuss tatsächlich angerufen werden sollte, würden sich die Gesetzespläne mindestens bis zum Herbst 2016 verzögern. Da Druckunterlagenschluss unserer Sommerzeit leider kurz vor der Abstimmung im Bundesrat war, lesen Sie Aktuelles hierzu und das, was bei der Abstimmung am 08.07.2016 herausgekommen ist, auf unserer Internetseite unter www.steffen-partner.de. • Quellen: Erklärung von Wolfgang Schäuble (Bundesfinanzminister, CDU), Sigmar Gabriel (Bundeswirtschaftsminister, SPD) und Horst Seehofer (bayerischer Ministerpräsident, CSU)

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WISSENSWERTES Q3: UMSATZSTEUER

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– UMSATZSTEUER –

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Einräumung von Parkmöglichkeiten an Hotelgäste unterliegt dem Regelsteuersatz von 19% Umsatzsteuer; auch dann, wenn hierfür kein gesondertes Entgelt berechnet wird

Der BFH hat mit Urteil vom 01.03.2016, AZ XIR-11/14 entschieden, dass bei Übernachtungen in einem Hotel nur die unmittelbar der Vermietung (Beherbergung) dienenden Leistungen des Hoteliers dem ermäßigten Umsatzsteuersatz von 7% unterliegen. Die Einräumung von Parkmöglichkeiten an Hotelgäste gehört nicht dazu. Diese sind mit dem Regelsteuersatz von 19% zu versteuern. Laut BFH gilt das auch dann, wenn hierfür kein gesondertes Entgelt berechnet wird. Sachverhalt

Bei der Klägerin handelt es sich um eine Hotelbetreiberin mit Restaurants sowie WellnessBeauty-und Fitnessbereichen. Es standen am Hotel 140 Parkmöglichkeiten für PKW sowie 10 LKW-Stellplätze zur Verfügung. Und zwar unabhängig davon, ob die Gäste im Hotel übernachteten oder nur das Restaurant oder die anderen Fitnessbereiche besuchten. Die Parkmöglichkeiten reichten bei voller Hotelbelegung für die Hälfte der Hotelgäste aus. Die Hotelgäste durften grundsätzlich freie Parkplätze belegen, was die Klägerin allerdings nicht prüfte. Somit wurden auch keine Parkplatznutzungen in Rechnung gestellt. Für die Beherbergung setzte die Klägerin in ihren Umsatzsteuererklärungen den ermäßigten Umsatzsteuersatz in Höhe von 7% an. Eine Abgrenzung nahm sie lediglich für die Frühstückskosten und die Fitness- und Saunaeinrichtungsnutzung vor, die sie dem Regelsteuersatz von 19% unterwarf. Eine Abgrenzung der Parkplatznutzung wurde nicht vorgenommen. Auffassung des Finanzamtes

Der Umsatzsteuer-Sonderprüfer sah das allerdings anders und schätzte kalkulatorische Kosten für die Parkplatznutzung in Höhe von 1,50 € pro Hotelgast hinzu. Der Einspruch blieb erfolglos, das Finanzamt schloss sich dieser Auffassung an und änderte den Umsatzsteuerbescheid. Finanzgericht gibt Klägerin Recht

Das Finanzgericht gab allerdings der Klage statt und sah es ebenso wie die Klägerin, nämlich, dass das Vorhalten der Parkplätze im Streitfall als Nebenleistung Ausgabe 13 – 2016

zur Beherbergung zu sehen sei und damit auch der ermäßigte Steuersatz anzusetzen sei. Bundesfinanzhof (BFH) gibt Auffassung Finanzamtes Recht und hebt das Urteil Finanzgerichts auf

des des

Der BFH sieht das allerdings anders und schließt sich der Auffassung des Finanzamtes an: Dadurch, dass die Klägerin den Hotelgästen im Rahmen der Verfügbarkeit Parkmöglichkeiten eingeräumt hat, wurden keine Leistungen erbracht, die dem ermäßigten Umsatzsteuersatz in Höhe von 7% unterliegen. •

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Quellen: Das Urteil und die Begründung des BFH finden Sie im Urteil vom 01.03.2016 mit dem Aktenzeichen XI-R-11/14

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UMSATZSTEUER: WISSENSWERTES Q3

– UMSATZSTEUER –

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Augen auf beim Grundstücksverkauf: Umsatzsteuer– Option nur im notariellen Erstvertrag möglich

Gem. § 9 UStG gibt es die Möglichkeit, Umsätze, die dem Grunde nach steuerfrei sind, als umsatzsteuerpflichtige Umsätze zu behandeln. Mit Inanspruchnahme dieser Option können Korrekturen oder Kürzungen bei der geltend gemachten Vorsteuer vermieden werden. Zu den oben genannten umsatzsteuerfreien Umsätzen zählen u.a. auch Grundstücksverkäufe. Hinsichtlich der Frist zur Option für Grundstücksverkäufe hat sich nun der Bundesfinanzhof (BFH) geäußert.

Nach Auffassung des BFH ist eine nachträgliche Option zur Umsatzsteuerpflicht ausgeschlossen! Das bedeutet, dass eben dieser Verzicht bereits im notariellen Erstvertrag erklärt werden muss. Selbst wenn Änderungen dieses Erstvertrages ebenfalls notariell abgesegnet werden, sind diese hinsichtlich der Umsatzsteueroption nicht zulässig. Denn der § 9 UStG besagt, dass der Verzicht auf die Steuerbefreiung „in dem“, und nicht „in einem“ gem. §311 (1) BGB notariell zu beurkundenden Vertrag erklärt werden muss. Mit der zeitlichen Einschränkung der Möglichkeit zur Option möchte der Gesetzgeber Steuerausfälle verhindern. Denn ein nachträglicher Verzicht hätte Sommerzeit

unter Umständen zur Folge, dass die dann vom Käufer geschuldete Umsatzsteuer gegebenenfalls nicht mehr festsetzbar wäre. Für den Fall der Option bei Grundstücksverkäufen hat der XI. Senat die Frist nunmehr noch weiter verschärft: Jegliche nachträgliche Optionserklärungen oder -korrekturen werden ganz generell abgelehnt! Hohe Relevanz hat dieses Thema auch im Bereich der „Geschäftsveräußerung im Ganzen“ (GiG).

Diese gilt umsatzsteuerlich grundsätzlich als nicht steuerbarer Umsatz, das heißt, dass hierauf keine Umsatzsteuer berechnet wird. Kommt man jedoch rückwirkend zu der Annahme, dass die GiG nicht zutreffend war, würde hier entsprechend eine nachträgliche Umsatzsteueroption nicht greifen und so Korrekturbedarf bei der Vorsteuer mit sich bringen. Wird im Erstvertrag jedoch eine prophylaktische Option mit aufgenommen, greift diese im Falle der Versagung der GiG rückwirkend. Verkauf von Vermietungsgrundstücken durch Bauträger – GiG

Bislang wurde beim Verkauf Vermietungsgrundstücken durch Bauträger

von die

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WISSENSWERTES Q3: UMSATZSTEUER UND SONSTIGES

Einordnung als Geschäftsveräußerung im Ganzen grundsätzlich abgelehnt. Begründet wurde dies mit dem Geschäftsmodell eines Bauträgers. Dieses ziele auf die veräußerungsbezogene Grundstücksverwertung – nicht aber auf die Vermietung – ab. Das sei auch dann nicht der Fall, wenn ein bereits vermietetes Objekt an einen mit Vermietungsabsicht erwerbenden Käufer veräußert würde. Diese Auffassung wurde nun vom BFH „gelockert“. Ein Bauträger kann mit einer von ihm erworbenen, sanierten und über mehrere Jahre vermieteten Immobilie sehr wohl einen auf die Vermietung gerichteten

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unternehmerischen Nutzungszusammenhang schaffen. Das wird hier insbesondere mit der zunehmenden Vermietungsdauer begründet. Bedeutet also, dass die Übertragung eines solchen Vermietungsobjektes sich sehr wohl als GiG qualifiziert (vgl. BFH 12.08.2015, XI R 16/14). Hinsichtlich der Thematik scheint es, als hätte das BMF für seine Stellungnahme den Ausgang des jetzt entschiedenen Revisionsverfahrens abgewartet. Auf die Reaktion der Finanzverwaltung warten wir jetzt also mit Spannung… •

– SONSTIGES –

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Umweltbonus (= Kaufprämie) für Elektrofahrzeuge, die am 02. Juli 2016 in Kraft getreten ist, gilt rückwirkend ab dem 18.05.2016

Für Elektrofahrzeuge wird ab sofort eine Kaufprämie gewährt, die jeweils zur Hälfte von der Bundesregierung und zur Hälfte von der Industrie finanziert wird. Was das bedeutet und was gefördert wird, haben wir noch einmal zusammengefasst. Wofür wird eine Prämie in welcher Höhe gewährt?

Die Kaufprämie wird für ein elektrisch angetriebenes Fahrzeug in Höhe von T€ 4 und für Plug-In Hybride in Höhe von T€3 gewährt. Wichtig dabei ist, dass der netto-Listenpreis für das Basismodell des Fahrzeugs unter T€ 60 liegt. Wer ist antragsberechtigt?

Sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen, Stiftungen, Körperschaften und Vereine, auf die ein Ausgabe 13 – 2016

Neufahrzeug zugelassen wird, können einen Antrag auf Gewährung der Kaufprämie stellen. Wo kann man den Antrag stellen?

Der Antrag kann seit dem 02.07.2016 beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gestellt werden. Hierfür wurde eigens ein Info-Telefon eingerichtet. Sie können sich dort unter der TelefonNummer 06196/ 908-1009 umfänglich informieren. Bis wann kann man die Prämie in Anspruch nehmen? Es werden insgesamt Bundesmittel in Höhe von 600 Mio. € eingesetzt. Die Prämien werden gewährt, bis diese vollständig ausgezahlt wurden, maximal allerdings bis 2019.•

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Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWI online)

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Aktuelle Seminare

& Veranstaltungen

Für Seminare und Veranstaltungen entstehen in der Regel keine Kosten! Sie dürfen unseren Seminarplan gerne weiterreichen und unsere Seminare empfehlen. Gerne dürfen Sie sich auch als Nicht-Mandant zu unseren Seminaren anmelden. Falls Sie an einem Seminar teilnehmen möchten, erbitten wir Ihre kurze Anmeldung per Internet, Telefon (02871 275750) oder EMail (info@steffen-partner.de).

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Wenn die Staatsgewalt drei Mal klingelt – Was tun bei einer Hausdurchsuchung?“ Johannes Rudolph, LL.M., Rechtsanwalt, Fachanwalt für Steuerrecht, Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht, Geschäftsführer, Steffen & Partner Gruppe 18:00 bis 20:00 Uhr, danach offenes Ende, im Seminarraum Kurfürstenturm, Steffen & Partner, Bocholt >> kostenfreie Teilnahme

Management & Führung - Teil 2 Ulrike Löwe, Inhaberin, Löwe & Team – coaching, consulting, training 09:00 bis 17:00 Uhr, im Seminarraum Kurfürstenturm, Steffen & Partner, Bocholt Folgetermine 27.09.16 / 25.10.16 / 22.11.16 / 20.12.16 / 17.01.17 Dieses Seminar richtet sich an Führungskräfte, die ihr Führungswissen vertiefen möchten, den Austausch auf Augenhöhe suchen und alle, die sich mit dem Thema Führung intensiver auseinandersetzen möchten. Teilnahmevoraussetzung: Vorherige Teilnahme an Teil 1 des Management- und Führungsprogramms.

Mehr Rendite durch Sicherheit - Wie Sie Börsenzyklen entschlüsseln. Hartmut Jaensch, Geschäftsführender Gesellschafter, Institut für Börsenstrategie GmbH 18:00 bis 20:00 Uhr, danach Imbiss und offenes Ende im Seminarraum, Steffen & Partner, Bocholt >> kostenfreie Teilnahme Seminarankündigung siehe Seite 28 in unserer Sommerzeit

GoBD Risiken und Nebenwirkungen: Wie vermeide ich Zuschätzungen des Finanzamtes Anke Büker, Steuerberaterin und Partnerin, Steffen & Partner Helga Funke, Kanzleimanagerin und Leiterin Qualitätsmangement, Steffen & Partner 18:00 bis 20:00 Uhr, danach offenes Ende, im Seminarraum Kurfürstenturm, Steffen & Partner, Bocholt >> kostenfreie Teilnahme In unserem Seminar zeigen wir Ihnen die wichtigsten Punkte, die Sie bei den GoBD beachten müssen und wie Sie negative Folgen vermeiden können.

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Risiko Kassenführung - Änderungen zum 01.01.2017: Kassenführung im täglichen Geschäftsablauf - Kassenprüfung durch Finanzverwaltung nicht erst in der BP! Anke Büker, Steuerberaterin und Partnerin, Lena Nolte, Steuerfachangestellte, Helga Funke, Kanzleimanagerin 18:00 bis 20:00 Uhr, danach offenes Ende, im Seminarraum Kurfürstenturm, Steffen & Partner, Bocholt >> kostenfreie Teilnahme Die Anforderungen an die Kassensysteme steigen zum 01.01.2017. Die Finanzverwaltung hat so die Möglichkeit auf wesentlich mehr Daten zuzugreifen als bisher. Zudem steigen bei Verwerfung der Kasse die Möglichkeiten der Hinzuschätzungen seitens des Prüfers. Wir zeigen Ihnen, wie Sie solche Risiken minimieren und Ihre Kasse möglichst „im Sinne des Gesetzes“ führen können.

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Offene Fragerunde Alle Rechtsanwälte und Steuerberater von Steffen & Partner 18:00 bis 20:00 Uhr, danach offenes Ende, im Seminarraum Kurfürstenturm, Steffen & Partner, Bocholt >> kostenfreie Teilnahme Ihre Fragen in einer offenen Diskussionsrunde. Steuerrecht / Wirtschaftsrecht / Juristische Belange / Förderungen. Unsere Steuerberater und Anwälte stehen zu Ihrer Verfügung.


»Hinterm Horizont geht‘s weiter ein neuer Tag hinterm Horizont immer weiter zusammen sind wir stark!« Der Udo (Lindenberg) hat recht. Es geht weiter! Und das ist gut so! Der nächste Sommer, wie auch die nächste Herbstzeit, kommt bestimmt. „Doch zwei wie wir, die dürfen/können sich nie verlier‘n.“ Verlieren können wir stets nur etwas in direkter Beziehung, aber denken wir größer: Wir sollten uns, die EU, mit all ihren Gästen, nicht verlieren. Wir sollten uns Menschen gegenseitig nicht verlieren. Und, klar, gilt wohl: „Man weiß erst, was man verloren hat, wenn es verloren ist“. Aber ehrlich, muss es soweit kommen, auch wenn dies ein Liebeslied ist? Zusammen sind wir stark und „das kann nie zu Ende sein, so was Großes, geht nicht einfach so vorbei!“


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