Tag der Arbeit

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TAG DER ARBEIT

Mittwoch, 25. April 2012

Löhne rauf, Reiche besteuern Thorsten Gröger: Deutsche Dumpinglöhne sind eine zentrale Ursache fĂŒr die europĂ€ische Schuldenkrise Im normalen Leben gilt es als besonders verabscheuenswert, wenn bei einer Auseinandersetzung auf einen am Boden Liegenden weiter eingeschlagen wird. Zwischen Staaten ist ein solches Vorgehen offenbar etwas Normales – denn die EU-Partner schlagen immer heftiger auf Griechenland ein. „Die Griechen“ hĂ€tten jahrelang ĂŒber ihre VerhĂ€ltnisse gelebt, heißt es. Darum verlangt die EuropĂ€ische Union immer neue soziale Grausamkeiten, obwohl schon die bisherige KĂŒrzungspolitik die Wirtschaft des Landes abgewĂŒrgt hat. Die griechische Regierung gibt den Druck weiter, indem sie vor allem Rentner, einfache Staatsangestellte und Besitzer kleiner Eigentumswohnungen bluten lĂ€sst. Das Ausmaß der SparbeschlĂŒsse ist kaum vorstellbar. UnterernĂ€hrte Kinder kommen morgens in die Schule. Ihre arbeitslos gewordenen Eltern kĂ€mpfen ums nackte Überleben, und Kranke erhalten Medikamente in der Apotheke nur noch gegen Bares. Sie alle haben die Krise in Griechenland am allerwenigsten zu verantworten. Die Vermögenden des Landes haben unterdessen ihr Geld lĂ€ngst in dicken Koffern ins Ausland geschafft. Auch andere sĂŒdeuropĂ€ische LĂ€nder Ă€chzen unter den Sparauflagen.

Auch in Deutschland kĂ€mpfen die Gewerkschaften und viele Menschen fĂŒr ein soziales Europa und gegen die Umverteilung von unten nach oben. Foto: Holz Vernebelte Krisenursachen Große Teile der Politik – angefĂŒhrt von Bundeskanzlerin Angela Merkel – blasen ins gleiche Horn und vernebeln in der Öffentlichkeit die wahren Krisenursachen. Sie wollen uns weismachen, wir hĂ€tten ĂŒber unsere VerhĂ€ltnisse gelebt. Aber haben wir tatsĂ€chlich ein rauschendes Fest gefeiert? WĂ€hrend wenige MilliardĂ€re ihr Vermögen auch im vergangenen Jahr deutlich erhöhen konnten, hat ein großer Teil von uns immer mehr Probleme, den Lebensunterhalt fĂŒr sich und seine Familie aufzubringen. Jeder FĂŒnfte rackert

heute fĂŒr einen Billiglohn. Und wer lĂ€nger keine Arbeit hat, stĂŒrzt in den Hartz-IV-Armutskeller. Das war und ist eine „Party“ ohne Musik, Bier und Wein! Wir haben genauso wenig ĂŒber unsere VerhĂ€ltnisse gelebt wie die BeschĂ€ftigten in Griechenland, Portugal oder Italien. Der „kleine Mann“ muss ĂŒberall die Zeche zahlen. Die bisherige KĂŒrzungspolitik fĂŒhrt in eine Sackgasse aus Rezession, Armut und damit weiterer Verschuldung. Wir alle sind Opfer eines entfesselten Finanzkapitalismus, den Politiker mit ihren Entscheidungen gefördert haben. ZunĂ€chst ließen sie die Banken

mit Unsummen Steuergeldern retten. Nun spekulieren die Banken gegen die staatlichen Retter und bereiten so die nĂ€chste Krise vor. Wir dĂŒrfen uns deshalb nicht spalten lassen. Wir mĂŒssen gemeinsam mit unseren Kolleginnen und Kollegen in den anderen europĂ€ischen Staaten weiter fĂŒr ein soziales Europa kĂ€mpfen: mit Arbeit und Wohlstand fĂŒr alle. Umverteilung nach oben stoppen Die deutschen Dumpinglöhne sind eine zentrale Ursache fĂŒr die europĂ€ische Schuldenkrise. Deutschland gehört we-

gen der niedrigen Löhne zu den grĂ¶ĂŸten Exporteuren der Welt. Die Kehrseite der Medaille: Die deutschen Gewinne sind immer die Schulden der anderen. Erst wenn hierzulande die Löhne krĂ€ftig steigen, haben die griechischen, italienischen und spanischen Exporteure die Chance, wieder mehr Waren abzusetzen. Erfolgreiche TarifabschlĂŒsse sind deshalb auch ein Ausdruck europĂ€ischer SolidaritĂ€t mit den KrisenlĂ€ndern. Besonders hart betroffen auch ist der gesamte öffentliche Sektor in Deutschland. Trotz sprudelnder Steuerquellen lastet ein Schuldenberg auf Bund, LĂ€ndern und Kommunen. Die hohen Staatsschulden sind das Ergebnis ĂŒppiger Steuergeschenke an Vermögende und der großen Finanzmarktkrise. Die Schuldenfrage ist also eine Verteilungsfrage. Darum muss Lohndumping durch ausufernde Leiharbeit und WerkvertrĂ€ge eine Grenze gesetzt werden. Gleiche Arbeit muss auch gleich bezahlt werden. Das sorgt fĂŒr mehr Gerechtigkeit und nĂŒtzt auch der deutschen Wirtschaft durch StĂ€rkung der Inlandsnachfrage. Vermögende mĂŒssen wieder vernĂŒnftig besteuert werden – und die Verursacher der Krise mĂŒssen endlich zahlen. Thorsten Gröger 1. BevollmĂ€chtigter der IG Metall Nienburg-Stadthagen

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Großes Fest am 1. Mai in Stadthagen „Gerechte Löhne, soziale Sicherheit“. Unter diesem Motto steht die diesjĂ€hrige Mai-Kundgebung des DGB in Stadthagen. Der 1. Mai – in diesem Jahr ein Dienstag – wird auf dem GewerkschaftsgelĂ€nde (ProbsthĂ€ger Straße 4) erneut als Fest fĂŒr die ganze Familie mit Live-Musik und vielen Aktionen fĂŒr Kinder organisiert. Hier das Programm im Überblick: 11 Uhr ‱ BegrĂŒĂŸung: Thorsten Gröger (IG Metall) ‱ Mairede: Florian Moritz (DGB-Bundesvorstand – Abteilung Wirtschaftspolitik) 11.30 Uhr ‱ Talkrunde mit Betriebs- und PersonalrĂ€ten aus Schaumburger Unternehmen Anschließend ‱ Musikalisches Familienfest mit der IrishFolk-Band „Fragile Matt“ sowie Kinderspielen, Kinderschminken, HĂŒpfburg, kulturellen BeitrĂ€gen und einem internationalen Angebot an Speisen und GetrĂ€nken.

Tarif 2012: Mehr und fair. IG Metall

www.igmetall.de


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