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Zertifizierte Fortbildung: Die Leitstelle

H6491 _ Postvertriebsstück _ Entgelt bezahlt _ 34. Jahrgang _ August 2011

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ZEITSCHRIFT FÜR PRÄKLINISCHE NOTFALLMEDIZIN

SPEZIALEINSATZ

SPEZIALRETTUNG

SPEZIALFAHRZEUG

Gefahren von Bahnanlagen

Im Einsatz mit „Rega 7“

7,5-Tonner als ITW

Gewalt im Einsatz


für-menschen-leben

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E M A D E IN G


ZUR SACHE

EDITORIAL

Im Einsatz mit Schlagring und Pfefferspray? Eine Entwicklung in die falsche Richtung Klaus Hofmann, DRK-Landesverband Rheinland-Pfalz

Roland Lipp, Abteilungsleiter Rotkreuzgemeinschaften beim DRK-Landesverband Rheinland-Pfalz und RETTUNGSDIENSTRedaktionsmitglied

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m 14. Februar 2011 wurde auf der Homepage des S+K-Verlages die Meldung „Rettungsdienst mit Schlagringen und Pfefferspray?“ veröffentlicht, in der es heißt: „In bestimmten Gegenden kann der Rettungsdienst nur noch unter Polizeischutz zum Einsatz gelangen, so Stefan Lührs, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst im Kreis Steinfurt. Mittlerweile gehörten bei manchen Rettungsdiensten Schlagringe und Pfefferspray zur Grundausstattung, so Lührs. Auch Kurse zur Selbstverteidigung würden bei den Helfern großen Anklang finden.“ Sollte dies tatsächlich der Fall sein, muss von einer erheblichen Fehlentwicklung in unserem Berufsfeld gesprochen werden.

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or Rettungsassistenten, die mit Pfefferspray, Schlagringen oder Schlagstöcken ausgerüstet sind, kann es einem nur grausen. Begriffe wie „talk down“ und Deeskalation scheinen in Vergessenheit geraten zu sein. Auch versuchen einige Anbieter Fortbildungen zu präsentieren, in denen mit Gewalt auf kritische Einsätze reagiert wird, während der Aspekt der psychologischen Einflussnahme in erheblichem Maße zu kurz kommt. Dabei wird an etlichen Rettungsdienstschulen in praxisnahen Ausbildungen mit Rollenspielen und Gesprächstrainings darauf abgezielt, die Probleme ohne Gewalt zu lösen.

Vor Rettungsassistenten, die mit Pfefferspray, Schlagringen oder Schlagstöcken ausgerüstet sind, kann es einem nur grausen.

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ie es auf www.skverlag.de weiter heißt, ist die Universität Bochum gegenwärtig mit einer Studie beschäftigt, die das Ausmaß der Gewalt an Helfern klären soll. In den zahlreichen Kommentaren zur Meldung wurde deutlich, dass es bereits eine fertige Arbeit an der Hochschule Neubrandenburg dazu gibt. Sie trägt den Titel „Aggressionsverhalten gegenüber Mitarbeitern der Notfallrettung“ und wurde als Bachelor Thesis von Marian Lenk 2008 vorgestellt.

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nstrittig bleibt, dass es immer wieder Menschen gibt, die – sei es durch psychische Probleme, durch Alkoholund Drogenmissbrauch oder in anderen Ausnahmesituationen – zur Gewalt gegen Helfer neigen. Hier gilt selbstverständlich immer noch das seit Jahrzehnten bekannte Motto: Abstand ist der beste Schutz. Ein Seminar, in dem Abwehrreaktionen gelehrt werden, dient nur dem absoluten Selbstschutz, und die erlernten Maßnahmen dürfen lediglich in

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einer Bedrohungssituation angewendet werden. Auch hier gilt der Grundsatz, dass die Verhältnismäßigkeit gewahrt sein muss. Keinesfalls darf sich jedoch die Berufsgruppe des rettungsdienstlichen Personals zur Gewalt hinreißen lassen. Auch andere Berufsgruppen sind gefährlichen Situationen ausgesetzt, sie rüsten deshalb aber nicht gleich auf.

Denjenigen, die versuchen, von vornherein provozierend aufzutreten, sei geraten, das Berufsfeld Rettungsdienst gegen das der SecurityDienste zu tauschen.

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ielleicht liegt es an der Region, in der wir tätig sind: Im Süden Deutschlands sind uns bisher keine nennenswerten Übergriffe auf rettungsdienstliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bekannt geworden. Selbstschutz und Notwehr sind eine selbstverständliche Angelegenheit in unserer Gesellschaft. Denjenigen, die jedoch versuchen, von vornherein provozierend aufzutreten – etwa durch Pfefferspray am Hüftgürtel, sei geraten, das Berufsfeld Rettungsdienst gegen das der Security-Dienste zu tauschen.

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n Band 4 des „Lehrbuchs für Präklinische Notfallmedizin“ (LPN) wurden im Kapitel „Helfen als Beruf“ einige grundlegende Thesen zum Beruf des Rettungsassistenten formuliert: • „Offenbar bevorzugen Rettungsdienstmitarbeiter Menschen und nicht Dinge als Objekt ihrer beruflichen Arbeit.“ • „Menschen geben einem etwas zurück, wenn sie behandelt werden. Man erhält direkt und sofort ein Feedback.“ • „Menschen zu helfen wird als ethisch wertvoller angesehen, als eine Mikrowelle zu reparieren.“ • „Die Patienten, mit denen ein Rettungsassistent zu tun hat, sind fast immer hilflos und ihm damit unterlegen. Der Helfer hat Macht über sie (drehen Sie sich bitte jetzt auf die andere Seite).“

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iese Thesen sollten nicht nur zum Nachdenken anregen, sie sollten die Grundlage unseres täglichen Handelns sein, auf die wir anstelle von Pfefferspray und Schlagring zurückgreifen. Auch und gerade in Ausnahmesituationen.

Klaus Hofmann und Roland Lipp I3I


INHALT INHALT

■ RETTUNGSDIENST

■ RETTUNGSDIENST

■ RETTUNGSDIENST

14 Gewalt gegen Rettungskräfte: Taktisch korrektes Verhalten im Umgang mit aggressiven Patienten

22 Deeskalation im Einsatz: Über den bewussten Umgang mit Konfliktsituationen

29 Offenbach am Main – wirklich ein gefährliches Pflaster?

Mitarbeiter von Rettungsdiensten werden im Einsatzgeschehen immer häufiger Opfer körperlicher Gewalt. Diese Entwicklung vollzieht sich bereits seit mehreren Jahren und erstreckt sich mittlerweile nicht mehr nur auf Großstädte oder Ballungszentren. Auch im ländlichen Bereich treten vermehrt Fälle von Übergriffen auf das Rettungsdienstpersonal auf. Bei der Gewalt gegen Rettungskräfte handelt es sich um ein international zu beobachtendes Phänomen. K. Oesterreich, M. Köhler

Aggressive Patienten, Betrunkene, aufgeregte Opfer: Der Rettungsdienst gerät immer öfter stark unter Druck und nicht selten droht die Einsatzsituation zu eskalieren. In diesen Fällen ist Deeskalation geboten. Hier stellen sich wichtige Fragen: Wie bleibt man handlungsfähig? Gibt es ein Rezept zum Umgang mit Gewalt? Was kann ich tun, um zu deeskalieren? Unser Beitrag versucht Antworten zu geben. D. Böhmer

Titelfotos: I. Behrendt, A. Dimitrow, K. v. Frieling, S. Drolshagen

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32 Sicherheitsgefährdende Handlungen im RD: Vorkommen, Ursachen und Gegenmaßnahmen M. Zimmer

38 Gewalt im Einsatz: Studie bei der Wiener Berufsrettung

20 Beschimpfungen und Schubsereien: Symposium zur Gewalt in Notaufnahmen und im Rettungsdienst Auch in Krankenhäusern, speziell in den Notaufnahmen, ist das Phänomen Gewalt keine Seltenheit mehr. Ansätze, um diesem Problem Herr zu werden, wurden im Rahmen eines eintägigen Symposiums in Berlin erörtert und diskutiert. Interesse an diesem speziellen Thema hatte nicht nur das betroffene Fachpersonal, auch die Medien griffen die Problematik auf und berichteten überregional. R.-D. Erbe

Der Rettungsdienst im hessischen Offenbach bewegt sich in einem schwierigen sozialen Umfeld, was dazu führt, dass viele Einsatzkräfte ihre Arbeit dort als relativ gefährlich empfinden, während auf Seiten des Rettungsdienstträgers kein erhöhtes Risiko gesehen wird. N. Sandrisser

A. Auer

44 Rettungsdienst bei einer Werkfeuerwehr am Beispiel der TU München 26 VIRSEM: Ein neuer Weg in der Erfassung von Gewalt in der Notfallmedizin Das Violent Incident Reporting System in Emergency Medicine – kurz VIRSEM – ist eine Einrichtung der ErnstMoritz-Arndt-Universität Greifswald. Ziel dieser Einrichtung ist die Sammlung von Erfahrungsberichten, die konkret von Gewalt im Einsatzgeschehen berichten. Entsprechende Meldungen kamen bislang aus der gesamten Rettungskette, vom Rettungsdienst bis zur Intensivstation. T. Plappert

Seit 1979 gibt es für den Standort Garching der Technischen Universität München eine eigene Werkfeuerwehr, die sowohl den Brandschutz als auch die rettungsdienstliche Versorgung sicherstellt. Verantwortlich dafür ist das überdurchschnittliche Gefahrenpotenzial aufgrund der vorhandenen Einrichtungen. So ist dort u.a. die ForschungsNeutronenquelle Heinz MaierLeibnitz vorhanden. Ch. Hiechinger

55 Zugführer Rettungsdienst/ OrgL an der DRK-Landesschule Nordrhein: Rundum vorbereitet I. Diener, A. Knickmann 8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 704


INHALT

■ FORTBILDUNG

■ NOTFALLPRAXIS

■ REPORTAGE

61 Rettung unter erschwerten Bedingungen: Volumenmangelschock durch Bluterbrechen

70 Im Einsatz mit „Rega 7“: Luftrettung zwischen Alpen und Bodensee S. Drolshagen

N. Naujoks

■ RECHT

58 Rettungsdiensteinsätze im Bereich von Bahnanlagen: Selten, aber nicht ungefährlich

74 Start abseits des Dienstweges: RTH-Station „Christoph 22“ in Ulm feiert 40. Geburtstag H. Holder

76 „Handlungsbedarf nur bei Public Access“: 10 Jahre geregelte AED-Anwendung in Bayern P. Poguntke

79 Rettungsdienst Osnabrück: Mit Nasenabstrichen MRSA erforscht P. Poguntke

80 KTP in Mecklenburg-Vorpommern: Ein Gutachten, das keiner kennen will P. Poguntke

82 7,5-Tonner als ITW de

K. v. Frieling

A. Dimitrow

D. Kienitz

96 Kleinanzeigen, Impressum 67 Aus der Rechtsprechung zum Rettungswesen Hilfeleistung ist nicht ungefährlich, insbesondere auf der Autobahn. Unsere Rechtsprechungsübersicht stellt einen Unfall beim Aufstellen eines Warndreiecks vor.

98 Termine

Zerti fizier te

www.sk verlag.

84 Harte Tests – viele Bewerber: Neuartige Auswahlverfahren für Rettungsassistenten

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tück _ Entgelt bezahlt _ 34. Jahrgan g _ August 2011

Die aktuelle Folge der Zertifizierten Fortbildung rückt die Arbeit der Leitstelle in den Mittelpunkt der Betrachtung. Diese Tätigkeit zeichnet sich durch viel mehr aus, als zu telefonieren oder Knöpfe zu drücken. Der Arbeitsplatz Leitstelle ist Teil einer Hochleistungsbranche. Die Leitstelle ist ein spannendes und facettenreiches Gebilde, das dem Faktor Mensch viel Aufmerksamkeit schenkt. I. Zellmann et al.

In den letzten Jahren hat sich auch im Bereich des Rettungsdienstes das Bewusstsein für die Wichtigkeit der „Kühlung“ nach erfolgreicher präklinischer Primärbehandlung des Herz-KreislaufStillstands immer mehr geschärft. Unsere Kasuistik berichtet von einem Einsatz im Februar 2011, bei dem ein 72-jähriger Patient unter der ausschließlichen Verwendung kalter kristalloider Infusionslösungen schnell und effektiv „gekühlt“ wurde. A. Grawe, T. Rohloff

■ MAGAZIN

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M. R. Ufer 8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 705

g: Die Leits telle

H6491 _ Postver triebss

47 Zertifizierte Fortbildung –Teil 8: Die Leitstelle: Der Notrufdialog ist der Kernprozess

64 Hypothermie durch kalte Infusionslösungen: Eine Alternative für den Rettungsdienst?

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20.07.11 11:41


NACHRICHTEN

Gewalt gegen Feuerwehr und Rettungsdienst künftig strafbar Feuerwehrleute und Rettungskräfte sollen künftig Vollstreckungsbeamten gleichgestellt werden, um sie so vor gewalttätiger Behinderung und tätlichen Angriffen zu schützen. Dies sieht ein Gesetzentwurf der Bundesregierung vor, der am 7. Juli 2011 mit den Stimmen der schwarz-gelben Regierungskoalition im Deutschen Bundestag beschlossen

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■ Malteser-Pilotseminar im Deeskalationstraining

Wenn Rückzug als Verteidigung nicht (mehr) hilft

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ettungskräfte werden bei ihren Einsätzen immer häufiger behindert, Beschimpfungen und Rangeleien sind zahlreich. Angriffe aggressiver oder betrunkener Menschen gefährden die oftmals lebensrettende Arbeit. Das sind die Ergebnisse einer Befragung der Ruhr-Universität Bochum unter der Leitung von Dr. Wolfgang Heinemann, die von den Maltesern in Nordrhein-Westfalen in Auftrag gegeben wurde. An der Befragung nahmen 265 Mitarbeiter des Malteser Hilfsdienstes aus 21 Rettungswachen in NRW teil.

Gewalt- und Angsterfahrungen im Rettungsdienst bedeuten psychologisch den Verlust von Handlungskontrolle. Entsprechend wurden von den Rettungskräften in der Befragung bevorzugt präventive Maßnahmen gewünscht, die dazu dienen, die bedrohte Handlungskontrolle wiederherzustellen, etwa durch Deeskalationstrainings. Im Rahmen eines neuen Präventionsprogramms der Malteser fand jetzt das erste Training dazu in Dortmund statt, an dem 20 hauptamtliche Mitarbeiter des Rettungsdienstes aus NRW teilnahmen. wurde. Im Strafgesetzbuch soll auch geregelt sein, dass nicht nur Fahrzeuge der Polizei oder der Bundeswehr zu schützen sind, sondern auch solche der Feuerwehr, des Katastrophenschutzes oder von Rettungsdiensten. Durch eine Ergänzung des § 114 StGB um einen Absatz 3 sollen die bei Unglücksfällen und gemeiner Gefahr Hilfeleistenden der Feuerwehr und der Rettungsdienste in den Schutzbereich des § 113 Absatz 1 StGB einbezogen werden. In § 244 StGB soll eine Strafzumessungsregel für den minder schweren Fall eingefügt werden. Schließlich soll der Kreis der nach § 305a Absatz 1 StGB geschützten Sachen erweitert werden, da sich die Beschränkung des erhöhten strafrechtlichen Schutzes auf Kraftfahrzeuge der Polizei und der Bundeswehr als problematisch erwiesen habe. Zudem sollen Hilfeleistende der Feuerwehr und des Rettungsdienstes durch einen neuen § 113 Absatz 1 Satz 2 StGB ausdrücklich in den Schutzbereich des § 113 Absatz 1 StGB einbezogen werden. Weitere Informationen: www.dip.bundestag.de/ btd/17/065/1706505.pdf I6I

Das Konzept des Deeskalationstrainings stellt zunächst die Kommunikation mit dem Umfeld des Patienten (Angehörige, Freunde usw.) in den Mittelpunkt. Ziel der Trainings ist, Rettungsfachpersonal effektive und einfache Methoden an die Hand zu geben, um sich gegen Gewalt – sei es verbal oder nonverbal – behaupten zu können. In Zusammenarbeit mit der Organisation Krav Maga Defcon® haben die Malteser in NRW nun das Pilotseminar durchgeführt. Krav Maga ist eine Selbstverteidigungstechnik, die z.B.

Unter Anleitung von Selbstverteidigungsexperte und Buchautor Armin Berberich konfrontierten fünf Trainer die Rettungsdienstler mit ganz unterschiedlichen Situationen aus dem Alltag im Rettungsdienst. Normalerweise bitten die Rettungsdienstmitarbeiter, wenn die Lage unklar ist oder etwas schief läuft, die Polizei um Hilfe. Rückzug sei stets die beste Verteidigung. Aber was tun, wenn das nicht mehr möglich ist? „Eigenschutz steht im Einsatz an erster Stelle“, so Malteser-Geschäftsführer Siegfried Krix. Deshalb sollten die Retter wissen, wie sie sich mit einfachen Mitteln schützen können. Armin Berberich von Krav Maga Defcon® stellte zu Beginn des Seminars klar, dass schon wenige Basistechniken die Chance der Rettungsdienstler verbesserten, einen „Angriff unbeschadet zu überstehen.“ Berberich und sein Team wollten niemanden zum Kämpfer ausbilden und Rückzug sei noch immer die beste Lösung. Doch es gebe Situationen, aus denen man nicht einfach herauskomme. „Es geht in erster Linie um Deeskalation: Das muss auch in der Körpersprache, der Handhaltung und dem Auftreten zum Ausdruck kommen.“ Distanz halten sei das A und O. Am Ende des ungewöhnlichen Seminartages waren sich die Malteser einig: „Es sind Erfahrungen, die uns bei Bedrohungen mehr Sicherheit geben“, unterstreicht Krix. „Das ist der richtige Weg“, lobt auch Rettungsassistent Markus Bartel. Er wurde selbst vor drei Jahren Opfer eines tätlichen Angriffs. Im August und September werden zwei weitere Pilotseminare in Aachen folgen. Die Trainings finden am 13. August und 6. September 2011an der Malteser-Schule in Aachen jeweils von bis 10.00 bis 15.30 Uhr statt. Weitere Informationen: www.kravmaga.de

in der israelischen Armee gelehrt wird. Die juristisch einwandfreie Anwendung dieser Methoden hängt von der Verhältnismäßigkeit in bestimmten Angriffssituationen ab. 8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 706

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RETTUNGSDIENST-Fotowettbewerb Das sind die Gewinner! Zusammen mit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) und dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) hat RETTUNGSDIENST insgesamt drei verschiedene Fahrtrainings für Einsatzkräfte mit den mobilen Simulatoren des DVR verlost. Gewonnen haben:

Die Gewinner sind bereits benachrichtigt worden und werden in Kürze von zwei Trainern mit insgesamt 14 Einsatzkräften in Theorie und Praxis der Einsatzfahrten direkt in der Wache am Simulator geschult werden.

Patrick Andresen, Föhr Eugen Latka, Bielefeld Florian Oestreich, Eckernförde

RETTUNGSDIENST gratuliert herzlich und wird in einer der nächsten Ausgaben über eines der drei Simulatortrainings berichten. Fo oto to vvon Eugen La

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NACHRICHTEN

NEWS · INFOS · ADRESSEN

■ Start frei für NEH in Hartenholm

Dreimonatiges Pilotprojekt „KUNO-SH 01“

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Sechs Ruheräume für „Christoph München“ Am 11. Juli 2011 hat die Münchener Station der HDM Luftrettung gGmbH ihre neuen Sozialräume am Klinikum Großhadern bezogen. Nach einem knappen Jahr Bauzeit ist das neue Personaldienstgebäude nun fertiggestellt. Entstanden ist ein hochmoderner Neubau, der auf die 24-Stunden-Einsatzbereitschaft der Besatzung ausgelegt ist. Neben großzügigen Arbeitsplätzen, einer Küche und Sanitäranlagen stehen den Besatzungsmitgliedern sechs Ruheräume zur Verfügung. Zudem ist in dem Gebäude ein Seminar- und Weiterbildungsraum integriert. Die neuen Räumlichkeiten befinden sich in unmittelbarer Nähe zum Hubschrauberhangar. „Die Besatzung von ‚Christoph München‘ war von Beginn an in die Baupläne involviert, sodass wir zahlreiche Optimierungsvorschläge der Piloten, Rettungsassistenten und Notärzte in die Tat umsetzen konnten“, erläutert Thomas Münsterer, Geschäftsführer der HDM Luftrettung. Im September 2011 wird die Station die neuen Räumlichkeiten feierlich einweihen. „Christoph München“ ist mit zwei Piloten, einem Notarzt und einem Rettungsassistenten besetzt und wird für den schnellen und schonenden Transport von lebensbedrohlich erkrankten oder verletzten Intensivpatienten zwischen Kliniken sowie in der Notfallrettung eingesetzt. Zum Team gehören insgesamt sechs Piloten sowie 16 Rettungsassistenten und 30 Intensivmediziner.

m Rahmen einer Taufe und Segnung erfolgte am 15. Juli 2011 die Inbetriebnahme des ersten Notarzteinsatzhubschraubers (NEH) am Flugplatz Hartenholm in Schleswig-Holstein. Der bundesweit zweite NEH überhaupt mit dem Rufnamen „KUNO-SH 01“ ging einen Tag darauf in den Einsatzbetrieb und ist täglich von 8.00 Uhr bis Sonnenuntergang einsatzbereit. Das luftgestützte Notarztsystem soll eine schnelle Ergänzung zu den bisherigen Strukturen darstellen und vornehmlich als schneller Notarztzubringer im Rendezvous-System mit einem Rettungswagen (RTW) dienen. Die Alarmierung des NEH erfolgt über die zuständige Rettungsleitstelle, kann aber auch über die Einsatzzentrale von KBA e.V. erfolgen. Der NEH verfügt über die DIN-Ausstattung eines Notarzteinsatzfahrzeuges (NEF). Die Besatzung des NEH besteht aus Pilot, Notarzt und Rettungsassistent. Das medizinische Personal wurde in den letzten Tagen vor der Inbetriebnahme in den NEH vor Ort eingewiesen. Betreiber des NEH vom Typ BO 105 CB ist der in Norderstedt im Kreis Segeberg ansässige KBA e.V., eine Hilfsorganisation des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Schleswig-Holstein, in Kooperation mit der Rhein-Ruhr-Helicopter Rainer Zemke GmbH & Co. KG in Mönchengladbach. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 270 km/h kann der NEH den 74 km großen Einsatzradius mit einer Flugzeit von bis zu 20 Minuten schnell und flexibel abdecken. Alle Rettungsdienste in Schleswig-Holstein können den NEH anfordern. Aber auch die Hansestadt Hamburg, östliche und nördliche Teile von Niedersachsen sowie nördliche und westliche Landesteile von Mecklenburg-Vorpommern liegen im Einsatzradius des neuen NEH. So benötigt „KUNO-SH 01“ z.B. 5 Minuten nach Bad Segeberg, 7 Minuten nach Pinneberg, 11 Minuten nach Plön und 19 Minuten nach Heide im Kreis Dithmarschen. Die Erfahrungen und Ergebnisse aus der Bewertung des Pilotprojektes „NEH Hartenholm“, das vorerst drei Monate läuft, werden bereits heute mit Spannung erwartet. (Scholl) Weitere Informationen: www.kba-ev.de

■ „Rettende Hand“ am Klinikum Aachen

Eröffnung des neuen HLP

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m 9. Juli 2011 wurde am Aachener Universitätsklinikum (UKA) der neue Hubschrauberlandeplatz (HLP) nach einer gesamten Bauzeit von gut einem Jahr offiziell eröffnet. Bei einem bunten Fest unter der „Rettenden Hand“ erwartete Besucher und Mitarbeiter ein Rahmenprogramm sowie Führungen und Erläuterungen rund um das Thema Hubschrauberlandeplatz und Luftrettung. Entworfen wurde der markante HLP von dem Aachener Büro OX2architekten.

erforderlich gemacht. Er befindet sich in 15 Metern Höhe, der Rettungsweg führt über den Schrägaufzug ins Innere des Klinikums. Patienten können über den Aufzug direkt in die Schockräume der Notaufnahme, zur Diagnostik und in die anliegenden Operationssäle transportiert werden. Ein Umbetten in den Rettungswagen entfällt und die Transportdauer vom neuen Landeplatz bis in die Notaufnahme verkürzt sich von fünf Minuten auf eine Minute.

Neue luftrechtliche Bestimmungen mit EU-weiter Gültigkeit hatten den neuen HLP

Weitere Informationen: www.ukaachen.de

Weitere Informationen: www.drf-luftrettung.de I8I

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NACHRICHTEN

■ „Christoph Westfalen“ ohne Auftrag

Vertrag mit dem ADAC für nichtig erklärt

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er am Flughafen Münster-Osnabrück (FMO) stationierte Intensivtransporthubschrauber (ITH) „Christoph Westfalen“ der ADAC-Luftrettung GmbH fliegt seit dem 8. Juli 2011 ohne Auftrag, nachdem das Verwaltungsgericht Münster den Vertrag mit dem Kreis Steinfurt als Träger des Luftrettungsdienstes für nichtig erklärt hatte. Allerdings wird der einzige in Nordrhein-Westfalen rund um die Uhr einsatzbereite ITH vom Typ BK 117 des ADAC weiterhin eingesetzt, bis eine endgültige Entscheidung ergangen ist.

einer Klage des Mitbewerbers, der DRF Luftrettung, gegen den im Jahr 2008 über 10 Jahre geschlossenen Vertrag des Kreises Steinfurt mit der ADAC-Luftrettung. Die „Grevener Zeitung“ führt zu der Entscheidung des Verwaltungsgerichtes Münster aus: „Laut Urteil verstößt der Vertrag mit dem ADAC schon grundsätzlich gegen gesetzliche Vorgaben.“ Indes ist alles offen, da die Berufung beim Oberverwaltungsgericht zugelassen und auch ein erneuter Zuschlag für die ADAC-Luftrettung bei einer neuen Ausschreibung möglich ist. (Scholl)

Im vergangenen Jahr hat „Christoph Westfalen“ 786 Einsätze absolviert und dabei auch Spezialtransporte für Patienten mit ECMO- oder IABPTherapie durchgeführt. Darüber hinaus wird das Luftrettungsmittel für Primäreinsätze und somit als Dualuse-Hubschrauber (RTH/ITH) eingesetzt. Die für die Verantwortlichen unerwartete Entscheidung erging nach

■ Medizinische Flugbegleiter

Malteser Berufsfachschule bildet aus

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n der Malteser Berufsfachschule für Rettungsassistenten werden seit diesem Jahr auch medizinische Flugbegleiter ausgebildet. Am 11. Juni fand die erste Weiterbildung statt. Zielgruppe für diese Fortbildung sind vor allem Ärzte und Rettungsassistenten, die Patienten in Linienflugzeugen und im Rahmen von Repatriierungseinsätzen begleiten wollen. Auch in Linienflugzeugen gibt es verschiedene Transportvarianten bis hin zur eingebauten Krankentrage (Stretcher) oder sogar einer Intensivkabine. In diesem Kurs werden die Bereiche Flugmedizin, physikalische Grundlagen und die allgemeine Durchführung solcher Einsätze vermittelt. Für eine möglichst realitätsnahe Ausbildung steht in Regensburg eine Flugzeugkabine mit eingebautem Stretcher zur Verfügung. Dieser Kurs wird jährlich durchgeführt und ab 2012 durch eine mehrtägige Weiterbildung „Intensivtransport in Ambulanzflugzeugen“ ergänzt. Weitere Informationen: www.regensburg-malteser-schule.de

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11. KTQ-Forum in Berlin Auf dem diesjährigen 11. KTQ-Forum in Berlin wird als besonderes Highlight das KTQ-Manual mitsamt dem dazugehörigen Fragenkatalog für den Rettungsdienst vorgestellt. Das Manual beschreibt die Grundlagen des Verfahrens zur Bewertung des Qualitätsmanagements in Rettungsdiensten und wurde von Fachexperten aus der Praxis gemeinsam mit der KTQ entwickelt. Prof. Dr. Peter Sefrin berichtet aus Sicht des Rettungsdienstes in seinem Vortrag über die Erfahrung in der Pilotphase. Weitere Informationen zum Thema vermittelt der Workshop „KTQ im Rettungsdienst – ein praxisnahes, patientenorientiertes Qualitätsmanagement“. Hier diskutieren Praktiker aus der KTQ-Arbeitsgruppe und Teilnehmer aus der Pilotphase mit Interessierten über die bisher gemachten Erfahrungen. Neben dem Schwerpunktthema „Personalwesen“ liegt ein besonderer Fokus des diesjährigen Forums auf dem Thema „Qualitätsmanagement im Rettungsdienst“. Der Rettungsdienst des DRK Kreisverbandes Zwickauer Land e.V. hat – neben weiteren Rettungsdiensten – die Pilotphase zur Implementierung des KTQ-Verfahrens erfolgreich unterstützt. Das Verfahren für Rettungsdienste wird als Schnittstelle zwischen den bereits etablierten Bereichen für Krankenhäuser, Rehabilitationseinrichtungen, Pflegeeinrichtungen und Praxen/MVZ sowie als nahtlose Einbindung in die sektorenübergreifende Qualitätssicherung – also als Teil des Qualitätsmanagements im Gesundheitswesen – vorgestellt. Das KTQ-Forum findet am 23. und 24. September 2011 im Andel’s Hotel in Berlin statt. Weitere Informationen: www.ktq.de

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NACHRICHTEN

Rettungsdienst-Vergabe auch im zweiten Los gekippt Der Nachprüfungsantrag der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. bezüglich der Rettungsdienst-Neuvergabe der Stadt Hildesheim im Los 1 ist ebenfalls zulässig und begründet, dies hat die Vergabekammer Lüneburg nun aktuell bestätigt. Ende Juni hat die Vergabekammer Lüneburg die Stadt Hildesheim dazu verpflichtet, noch einmal in die Angebotswertung zu Los 2 (Wachen: DRK, ASB, MHD, JUH) im Stadtgebiet einzusteigen. Nun hat die Vergabekammer dies auch für das andere Los in der Stadt Hildesheim (Los 1/Rettungswache Cheruskerring) bestätigt. Des Weiteren hatte die JUH ein Nachprüfungsverfahren vor der Vergabekammer beantragt, weil sie aufgrund angeblich falscher Preisangaben von der Stadt Hildesheim ausgeschlossen wurde. Die Vergabekammer stellt im aktuellen Beschluss fest, dass die Johanniter zu Unrecht ausgeschlossen worden sind. Somit hat die Stadt Hildesheim für das Los 1 jetzt die Pflicht, noch einmal in die Angebotswertung einzutreten, die Ermittlung des wirtschaftlichsten Angebotes erneut durchzuführen und dabei auch das Angebot der Johanniter zu berücksichtigen.

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■ Cottbus plant Rekommunalisierung

Europaweite Ausschreibung zu unsicher

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n Cottbus will die Stadt den Rettungsdienst ab 2012 offenbar in die eigenen Hände nehmen und damit dem Beispiel mehrerer brandenburgischer Kommunen folgen. Bislang hatten Johanniter-UnfallHilfe (JUH) und Deutsches Rotes Kreuz (DRK) die

Aufgabe erledigt. Als Begründung für diesen Schritt gab der Chef der Cottbuser Feuerwehrleitstelle gegenüber der Presse an, die sonst notwendige europaweite Ausschreibung zur Neuvergabe des Rettungsdienstes berge zu große Unsicherheiten. Die Zusammenarbeit mit den bewährten Partnern einfach so zu verlängern, werde leider durch die Gesetzeslage ausgeschlossen. Das Rettungsdienstpersonal von JUH und DRK soll komplett übernommen werden. „Für unsere Mitarbeiter ist das sicherlich die beste Lösung, wenngleich wir gerne weiter den Rettungsdienst übernommen hätten“, wurde Johanniter-Regionalvorstand Matthias Rudolph zitiert. Er hoffe zudem, dass die künftig hauptamtlich bei der Stadt arbeitenden Rettungsassistenten seiner Organisation ehrenamtlich weiter zur Verfügung stünden: „Wir brauchen sie für die Ausbildung, den Sanitätsdienst und den Katastrophenschutz.“ (POG)

■ Rettern droht weiter Millionendefizit

Landkreis Mansfeld-Südharz wehrt sich

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ngesichts eines drohenden Millionendefizits bei der Finanzierung des Rettungsdienstes im Landkreis Mansfeld-Südharz geht dieser offenbar gegen die Krankenkassen vor Gericht. Von den 7,7 Millionen Euro, die der Betriebsausschuss des Eigenbetriebes Rettungsdienst in seiner Gebührensatzung für 2011 gebilligt hatte, würden die Krankenkassen nur 6,5 Millionen Euro übernehmen wollen, so der Stabsstellenleiter der Kreisverwaltung, Matthias Grünewald. Streitpunkte sind die Einsätze der Notärzte und die Zuschüsse für die Leitstelle.

Die Krankenkassen in Sachsen-Anhalt sperren sich gegen eine weitere Mitfinanzierung von einer Rettungsleitstelle pro Landkreis, stattdessen wollen sie nur noch vier Leitstellen insgesamt mitfinanzieren. Dagegen wehren sich die Kommunen, die auf die Gemeindegebietsreform verweisen, mit der auch die Strukturen bei den Rettungsleitstellen neu geordnet und zudem hohe Investitionen getätigt worden seien. Der Landkreis wehrt sich und pocht darauf, dass entgegen den Forderungen der Kassen der Landkreis nach dem Rettungsdienstgesetz Anspruch auf „eine kostendeckende Bezahlung“ habe, wie auch Grünwald betont. Weitere Informationen: www.mansfeldsuedharz.de I 10 I

8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 710

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■ Mittelstädt

Tigis als Miet-RTW

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en Kunden der Firma Mittelstädt SCR GmbH steht ab sofort ein neuer RTW auf Mercedes-Benz Sprinter 516 CDI zur Basis eines Merced Verfügung. Mit einem hochwertigen KofferProduktionsreihe Tigis Ergo aufbau der P der Firma AmbulanzMobile bietet er allen Komfort auf dem neuesten Stand der Technik. KomproS misslos wird auf Sicherheit, m Qualität und Funktionalität gesetzt. Modernste Medizintechnik sorgt im Notfall ffür optimale Hilfeleistung Patienten. Unter anderem am Pa stehen Zoll-Defi t h n ein in Zoll D fibrillator der M-Series® (CCT), ein WM Medumat CapnoVol, eine WM Accuvac sowie eine Stollenwerk Fahrtrage zur Verfügung. Auf Wunsch können weitere Medizintechnik oder auch Kundengeräte verbaut werden. CareManRZH-Edition für Kunden kostenfrei

Zusätzlich ist der RTW mit einer Vier-Balg-Komfortluftfeder mit Volumennachdämpfung ausgestattet. Diese Eigenentwicklung aus dem Hause Mittelstädt ist für den schonenden Patiententransport optimiert. Seit über 20 Jahren ist Mittelstädt im Bereich Sonderfahrzeuge tätig und verspricht Qualität sowie Zuverlässigkeit. Weitere Angebote umfassen Fuhrparkservice, Schadenmanagement und Hygiene sowie Seminare und Workshops.

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■ Neues NEF in Lübben

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m 28. Juni 2011 übergab Ordnungs-Dezernent Wolfgang Schmidt (LK Dahme-Spreewald) der Johanniter-Unfall-Hilfe e. V., Regionalverband Südbrandenburg, ein neues NEF. Der bisherige Audi A6 wurde durch einen VW T5 ersetzt, der mehr Platz und Sicherheit bietet. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 113.500 Euro. Pro Jahr sind mit diesem Einsatzfahrzeug gut 1.500 Einsätze im Zuständigkeitsbereich der Rettungswache Lübben zu bewältigen.

auf, verfügt über eine Motorleistung von 170 PS und als besondere Ausstattungsmerkmale über Allradantrieb, Navigation, Automatik, Klimaanlage und Unfalldatenspeicher. Dies erlaubt dem Fahrzeugführer volle Konzentration auf den Straßenverkehr bei Einsatzfahrten. Ausgebaut wurde das Fahrzeug von der Firma Binz in Ilmenau. Es wird zudem eine komplette medizinische Ausstattung vorgehalten, die von der Notgeburt über Amputation bis hin zur Wiederbelebung alle Einsatzszenarien abdeckt.

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NACHRICHTEN

Offizielle Trainingsstätte der AHA Im April 2011 hat das DRK-Bildungszentrum Düsseldorf seine Aktivitäten als offizielle Trainingsstätte der American Heart Association (AHA) aufgenommen und bietet eine Vielzahl an Providerkursen an. Mit den Kursen haben die Teilnehmer die Chance, das Thema Reanimation unter den neuen Guidelines intensiv zu trainieren und strukturierte Teamarbeit facettenreich zu erleben. Ob für Ersthelfer oder notfallmedizinische Profis – für alle Bedürfnisse und medizinischen Berufsgruppen gestaltet das DRK-Bildungszentrum Düsseldorf den geeigneten Kurs. Es werden intensiv die Basics trainiert und somit die Grundlage für sicheres Handeln im Notfall geschaffen. Die BLSAnwenderkurse beinhalten die professionelle Basisreanimation mit Sauerstoff, Beatmung sowie AED. Diese Kurse richten sich an alle medizinischen und pflegerischen Berufsgruppen und Quali-

NEWS · INFOS · ADRESSEN

■ Rettungsschule des DRK in Goslar

Weiterbildung von Arbeitsagentur gefördert

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eit Oktober 2010 darf die Rettungsschule in Goslar für gelernte Rettungssanitäter eine Weiterbildung zum Rettungsassistenten anbieten, die von der Bundesanstalt für Arbeit gefördert wird. Es handelt sich dabei um ein Förderprojekt zur Weiterbildung gering qualifizierter Mitarbeiter. Die Rettungsschule ist zur Weiterbildung anerkannt und zertifiziert. Der erste Kurs, bei dem sich 16 Rettungssanitäter zu Rettungsassistenten qualifiziert haben, wurde Ende Mai erfolgreich abgeschlossen. Dafür mussten 420 Unterrichtsstunden und 270 Stunden Klinikpraktika absolviert werden. Die Absolventen haben mit dieser Schulungsmaßnahme zusätzliche Kompetenzen erworben, sodass sie jetzt dem Notarzt

assistieren und auch medizinische Maßnahmen bei Notfällen selbstständig durchführen dürfen, wie z.B. einen intravenösen Zugang legen. Außerdem können sie nun einen qualifizierten Berufsabschluss vorweisen. Weitere Informationen: www.rettungsschule.de

■ Ohne Abitur Pflege studieren

Ostfalia Hochschule mit fachspezifischem Zugang

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um Wintersemester 2011/12 startet die Fakultät Gesundheitswesen der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften am Campus Wolfsburg den berufsbegleitenden Studiengang Pflege. Dieser hat eine Regelstudienzeit von sechs Semestern und richtet sich an Personen, die in der Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpflege, in der Alten- und Heilerziehungspflege tätig sind, ebenso wie an Hebammen und Entbindungspfleger sowie an Frauen und Männer, die als Rettungsassistenten arbeiten.

fikationen. In den ACLS-Providerkursen werden die aktuellen Guidelines erarbeitet und die Teilnehmer lernen konkrete notfallmedizinische Handlungsabläufe auch für andere kardiale Notfälle und Rhythmusstörungen sowie den Apoplex kennen. Diese Kurse richten sich primär an erfahrene Rettungssanitäter, Rettungsassistenten und an in Notfallmaßnahmen geschultes Pflegepersonal sowie Ärzte.

Die Zulassung erfolgt im Sinne einer „offenen Hochschule“. Dabei ist eine schulische Hochschulzugangsberechtigung keine Voraussetzung mehr. Wer einen Abschluss einer mindestens dreijährigen Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf und eine mindestens dreijährige Ausübung dieses Berufes nachweisen kann, erhält einen fachspezifischen Hochschulzugang. Eine spezielle Aufnahmeprüfung ist nicht erforderlich. Die Studierenden können weiterhin berufstätig bleiben (z.B. Teilzeit) und besuchen an drei Studientagen pro Woche die Lehrveranstaltungen an der Ostfalia. Die Bewerberhotline ist unter der Telefonnummer 05331/939-77770 zu erreichen.

Weitere Informationen: www.bildungszentrum-duesseldorf.de

Weitere Informationen: www.ostfalia.de

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NEWS · INFOS · ADRESSEN

■ Erste Hilfe für die Augen

Neue Augenspüllösung erlaubt hochwirksame Behandlung

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ine schnelle und verlässliche Hilfe bei Arbeitsunfällen kann das Augenlicht retten. Gramm medical bietet mit der neuen Spüllösung BioPhos®74 eine Sofort-Hilfe bei Unfällen mit Chemikalien. Die Produktneuheit basiert nach Herstellerangaben auf einer speziellen Rezeptur ohne Konservierungsstoffe, die keine körperfremden Bestandteile enthält und daher besonders schonend wirkt. Die Augenspülung ist eine Weiterentwicklung erprobter Medizinprodukte, auf die Gramm seit Jahrzehnten spezialisiert ist.

Bei einer Verletzung des Auges durch feste, flüssige oder gasförmige Stoffe geht es oft um Sekunden: Eine schnelle und zuverlässige Hilfe sollte deshalb in jedem Unternehmen in Reichweite sein, um die Rettung des empfindlichen Organs zu unterstützen. In solchen Fällen haben sich professionelle Augenspülungen als wirksame Maßnahme bewährt. Sie eignen sich nicht nur zum Entfernen von Staub- und Schmutzpartikeln, sondern auch zum Verdünnen und Ausspülen giftiger oder ätzender Substanzen, die ins Auge gelangt sind. Die Augenspüllösung BioPhos®74 ist hochwirksam und dabei besonders verträglich. Mithilfe einer neuen Rezeptur gelang es nach Herstellerangaben, die Spülflüssigkeit physiologisch zu adaptieren, sodass diese weitgehend frei von Nebenwirkungen ist. Die Lösung soll sofort durch ihre Pufferwirkung im physiologischen pH-Bereich von 7,4 neutralisierend wirken. Da sie den extrazellulären Elektrolyt-Verhältnissen (Natrium-Kalium-Anteile) des Gewebes angepasst ist, werden sekundäre Zellschädigungen im Augenbereich nach der Spülung weitgehend reduziert.

NACHRICHTEN

Erste Hilfe als fixer Bestandteil im Schulunterricht Erste Hilfe als fixer Bestandteil in der Schulausbildung unserer Kinder – dieser Forderung wird in den 18 burgenländischen Gymnasien (Österreich) nun nachgekommen. Organisiert und ins Leben gerufen wurde die Aktion von PULS – dem Verein zur Bekämpfung des plötzlichen Herztodes in Zusammenarbeit mit dem lokalen Organisator Dr. Manfred Spahits – Anästhesist und Notfallmediziner aus Eisenstadt. PULS versteht sich als neutrale Plattform von Menschen und Organisationen, die sich im Kampf gegen den plötzlichen Herztod engagieren. Um die Laienreanimation im Burgenland zu forcieren, startete der Landesschulrat gemeinsam mit PULS diese Aktion in den burgenländischen Gymnasien. „Durch eine Schulung im Schulalter soll Kenntnis und die richtige Anwendung von Reanimationsmaßnahmen eine Selbstverständlichkeit für Jugendliche werden,“ so Landesschularzt Dr. Michael Heinrich bei einer Podiumsdiskussion. In einem Kickoff Event startete am 16. Juni eine erste Initiative in allen burgenländischen Gymnasien. „So wie der Feueralarm einmal

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■ Flaschenwechsel in Sekunden

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er neue Produktkatalog von WEH®, „Schnellanschlüsse für Atemluft“, präsentiert die bewährten Schnelladapter für die Atemschutzwerkstatt. Übersichtlich gegliedert und mit detaillierten Produktabbildungen versehen, finden sich im neuen Katalog Schnellanschlüsse sowohl zum Abfüllen von Atemluft als auch zum Prüfen von Pressluftatmern.

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jährlich in allen Schulen trainiert wird, muss es auch selbstverständlich werden, den ‚Herzalarm’ einmal im Jahr mit den Schülern zu üben“, so Dr. Mario Krammel, geschäftsführender Präsident von PULS. Alle großen Rettungsorganisationen, der Christophorus Flugrettungsverein und auch der Herzverband haben sich der Initiative als Partner angeschlossen. Die Mitglieder von PULS streben eine Verdoppelung der Anzahl an Überlebenden nach einem plötzlichen Herzstillstand innerhalb der kommenden zwei Jahre an. Weitere Informationen: www.puls.or.at I 13 I

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Gewalt gegen Rettungskräfte: Taktisch korrektes Verhalten im Umgang mit aggressiven Patienten Autoren: Ken Oesterreich M.A., Gründer und Trainer bei SAMTACS, Europäischer Repräsentant des internationalen Trainernetzwerks „Toddgroup“ Dipl.-Berufspäd. Marcel Köhler Mitbegründer und Trainer bei SAMTACS, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Didaktik beruflichen Lernens im Institut für Berufspädagogik der TU Dresden, comsmk@ samtacs.com www.samtacs. com

Obwohl es für viele Laien auf den ersten Blick unrealistisch erscheint, werden Mitarbeiter von Rettungsdiensten im Einsatz immer häufiger Opfer körperlicher Gewalt (6). Diese Entwicklung vollzieht sich bereits seit mehreren Jahren und erstreckt sich inzwischen nicht mehr ausschließlich auf Großstädte bzw. Ballungszentren. Auch im ländlichen Bereich treten vermehrt Fälle auf, in denen Übergriffe im präklinischen Setting verzeichnet werden. Dies ist jedoch kein Trend, der sich ausschließlich auf Deutschland beschränkt, sondern ein international zu beobachtendes Phänomen (1). Die Forschungslage in diesem Bereich ist gegenwärtig allerdings noch als defizitär zu bezeichnen.

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m Internet wird in einschlägigen Blogs inzwischen von Betroffenen diskutiert, wie man sich in solchen Situationen zu verhalten hat. Häufig wird empfohlen, sich selbst mit Hilfsmitteln auszustatten, um einer potenziellen Bedrohungslage erfolgreich zu begegnen. Dies reicht vom Einsatz von Reizgas bis hin zum Einsatz schuss- und stichsicherer Westen in besonders betroffenen Gebieten. Die häufig an-

gespannte Sicherheitslage im Einsatz erfordert allerdings mehr als den Einsatz offensiver und defensiver Schutzutensilien. Vielmehr werden an dieser Stelle Erfordernisse deutlich, die Aus-, Fort- und Weiterbildung im Bereich des Rettungsdienstes zu erweitern. Neben der fachlichen Kompetenz werden soziale, methodische und personale Fähigkeiten immer wichtiger. Der eingangs dargestellte Zusammenhang und die sich daraus ergebenden Konsequenzen für die Mitarbeiter von Rettungsdiensten unterstreichen die Notwendigkeit zur Erhöhung der Sicherheit im Arbeitsalltag. Um mit den aktuellen Entwicklungen in diesem Bereich Schritt halten zu können, sind Fähigkeiten erforderlich, die es den Fachkräften einerseits ermöglichen, deeskalierend zu wirken. Andererseits steht die Gewährleistung der eigenen Sicherheit im Vordergrund, da die Vielfältigkeit der Einsatzund Handlungssituationen nicht in jedem Fall die erfolgreiche Anwendung von Deeskalationstechniken zulässt bzw. dafür nur sehr wenig Zeit zur Verfügung steht. Unübersichtliche Raumverhältnisse, die mangelnde Kenntnis über die Ursachen der Situation vor Ort und das plötzliche Auftauchen weiterer Personen am Einsatzort erschweren

Abb. 1 und 2: Die örtlichen Gegebenheiten am Einsatzort und die Behandlungsposition des Patienten behindern häufig die Bewegungsfreiheit und Handlungsfähigkeit der Einsatzkräfte

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häufig die Versorgung der Betroffenen und den originären Auftrag des Rettungsdienstes. Die plötzliche Entwicklung von schwer einzuschätzenden oder potenziell gefährlichen Situationen hemmt die kompetente Versorgung der Patienten zusätzlich und führt nicht selten zu Sach- und Personenschäden. Für die erfolgreiche Bewältigung solcher Situationen sind Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten erforderlich, die sich aus der Verbindung präventiver Eigensicherungsmaßnahmen und Techniken sowie Strategien zur Deeskalation kritischer Situationen ableiten lassen. Die zunehmende Komplexität im Arbeitsalltag fordert den Mitarbeitern von Rettungsdiensten zudem ein hohes Maß an Teamfähigkeit und Vertrauen zu ihren Kollegen ab. Die Situation muss richtig eingeschätzt werden, und getroffene Entscheidungen müssen von allen mitgetragen werden, um adäquat (re-)agieren zu können. Eine psychische Sensibilisierung für den Umgang mit potenziellen Eskalationsmomenten ist daher ebenso unerlässlich wie das Training von verbalen und nonverbalen Deeskalationstechniken. Auch paraverbale Aspekte wie die Stimmlage und Lautstärke dürfen nicht vernachlässigt werden. Ein maßgeblicher Faktor beim frühzeitigen Erkennen potenziell gefährlicher Situationen ist das eigene Verhalten im Raum und der Umgang mit Distanz zum Gegenüber. Da Gesundheitsfachberufe in sehr vielen Fällen die körperliche Nähe zwischen Fachkraft und Patient/Klient implizieren, bleibt häufig nur sehr wenig Zeit, um sich ein angemessenes

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Bild von der Situation und den anwesenden Personen zu verschaffen. Zusätzlich hat der kulturelle Hintergrund der Personen vor Ort häufig maßgeblichen Einfluss auf den weiteren Verlauf der Begegnung zwischen Rettungsdienstmitarbeiter und Patient, und in Abhängigkeit der Erkrankung des Patienten ist ein sofortiges Handeln erforderlich und nicht aufschiebbar, auch wenn dies in manchen Fällen die Ursache für einen entstehenden Konflikt darstellt. Aufgrund der vielen Einflussfaktoren ist es wichtig, die zur Verfügung stehende Zeit effektiv zu nutzen und durch präventives Vorgehen die Gefährdung des Personals am Einsatzort und die Notwendigkeit einer Deeskalation zu minimieren. Anhand des folgenden realistischen Fallbeispiels soll nach einigen Begriffsklärungen der Umgang mit Distanz und das taktische Verhalten im Raum der Rettungsdienstmitarbeiter analytisch skizziert werden:

Fallbeispiel akute Psychose Ein jugendlicher Patient, 22 Jahre alt, mit Mischintoxikation (Speed, Crystal, Alkohol und evtl. weitere Substanzen) randalierte im elterlichen Einfamilienhaus und bedrohte seine Eltern. Diese riefen den Rettungsdienst zu Hilfe. Bei Eintreffen am Einsatzort griff der Patient sofort und ohne Vorwarnung das Rettungsdienstpersonal tätlich an (warf mit Stühlen, Wäschetrockner usw.). Der Patient ließ sich kurzzeitig beruhigen, verfiel nach der aggressiven in eine depressive Phase, fühlte sich unverstanden. Sobald


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Abb. 3: Potenziell gefährliche Situationen können zwar nicht in jedem Fall beim Eintreffen am Einsatzort erkannt werden, jedoch bietet die Gestik der anwesenden Personen häufig erste Hinweise auf mögliche Eskalationen

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seine Eltern sprachen oder eine andere Person den Raum betrat, wurde der Patient wieder unvermittelt aggressiv – bedrohte die Anwesenden verbal sowie mit Haushaltsgegenständen und schlug um sich, so dass ein normales Gespräch mit ihm auch weiterhin nicht möglich war. Dabei erlitt ein Rettungsassistent durch einen Faustschlag eine Prellung im Gesicht sowie ein Hämatom an der Schläfe. Das Rettungsdienstpersonal stellte den Patienten daraufhin ruhig, was neben der medikamentösen Sedierung auch der Fesselung seiner Hände auf dem Rücken bedurfte. Der Patient wurde im weiteren Verlauf in Bauchlage auf der Trage gelagert und gesichert. Die Polizei war primär nicht im Einsatz, wurde durch den Rettungsdienst mit Hinweis auf die Situation jedoch nachgefordert und traf nach ca. 20 Minuten ein. Der Patient wurde wie dargestellt an die Polizei übergeben.

dienstfortbildung von Relevanz sind. Diese sind Alkohol, Mischintoxikation, Aggression, Depression, verbale Drohungen, Haushaltsgegenstände, Betreten und Verlassen von Räumen und die Herausforderungen, die durch Lagerung von stark erregten Patienten in Bauchlage entstehen können (Positional Asphyxia/lagebedingter Erstickungstod). Diese Schlüsselbegriffe ermöglichen die Bildung von Querverbindungen, die ein tieferes Verständnis für die Dynamik und Komplexität kritischer und potenziell gewalttätiger Situationen ermöglichen. Dadurch wird es möglich, im Trainingsprozess die erforderlichen Fähigkeiten für das notwendige taktische Verhalten in kritischen Interaktionen zu entwickeln bzw. diesen bereits stattfindenden Entwicklungsprozess gezielt zu unterstützen. Die Diskussion des Eingangs aufgeführten Szenarios soll solch einen Beitrag zur Fortbildung von Rettungskräften leisten. Zunächst jedoch sollen für ein besseres Verständnis grundlegende Begriffe näher betrachtet werden. In diesem Kontext verstehen wir Gewalt als ein Kommunikationsprodukt und eine Form menschlicher Interaktion. Dieses neutrale Begriffsverständnis schließt den Gebrauch von Gewalt zur Darstellung der eigenen Macht, aber auch von Hilflosigkeit und Verzweiflung sowie die fehlende Möglichkeit zur friedfertigen Kommunikation und Interaktion ein. Denn nicht immer geschieht ein gewalttätiger Übergriff bewusst und mit einer destruktiven Absicht. Im Falle des jungen Mannes in unserem Beispiel ist unter Berücksichtigung der konsumierten Substanzen nicht von einer absichtlichen Gewaltbereitschaft auszugehen, da diese mit hoher Wahrscheinlichkeit durch den Konsum der psychoaktiven Substanzen induziert wurde. Der Gewaltbegriff, der vom Begriff Aggression unterschieden werden muss, ist bis zum gegenwärtigen Stand der Forschung nicht erschöpfend analysiert, sondern wird vielmehr von den beteiligten Forschungsdisziplinen kontrovers diskutiert (4). Des Weiteren existieren mehrere Theorien zum Phänomen Gewalt, wie die Frustrations-Aggressions-Theorie, die Triebtheorie und diverse Lerntheorien. Allerdings liegt eine abschließende Gesamttheorie, mit der Gewalt sowohl im interpersonalen und strukturellen Sinne als auch im Zusammenhang mit Macht- und Herrschaftsbeziehungen erklärt werden kann, momentan nicht vor. Daher wird dem hier vorgetragenen Verständnis von Gewalt die weit gefasste Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zugrunde gelegt: Gewalt ist der (absichtliche) Gebrauch von angedrohtem oder tatsächlichem körperlichem Zwang oder physischer Macht gegen die eigene oder eine andere Person, gegen eine Gruppe oder Gemeinschaft, der entweder konkret oder mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Verletzungen, Tod, psychischen Schäden, Fehlentwicklung oder Deprivation führt (5).

Abb. 4: In fremden Wohnungen wird es schnell unübersichtlich

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Begriffsklärungen Das aufgeführte Szenario zeichnet sich durch bestimmte Schlüsselbegriffe aus, die im Rahmen der Rettungs-

Der zweite zentrale Begriff ist Taktik. Diese soll als ein System von Handlungsplänen und Entscheidungsalternativen, die einen Einsatz so regulieren, dass ein optimaler Erfolg 8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 716


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Abb. 5: Die eigene Sicherheit hat Vorrang. Dies schließt die Sicherung von Rückzugsmöglichkeiten ebenso ein wie das Schaffen von Barrieren mithilfe vorhandener Gerätschaften

Abb. 6: Ohne Unterstützung durch polizeiliche Maßnahmen können manche Patienten nicht adäquat behandelt werden. Die Fahrt im RTW mit gewaltbereiten Patienten ist trotz Unterstützung durch die Beamten besonders risikoreich

möglich wird, verstanden werden (3). Das setzt sowohl die Planung und Vorbereitung im Team und die möglichst umfassende Information über die Örtlichkeit und die zu erwartenden Personen voraus. Dadurch wird das Gefährdungsrisiko erheblich verringert. Die taktische Vorgehensweise und deren Grunderfordernisse müssen von den beteiligten Rettungskräften bzw. dem Team verstanden, akzeptiert und umgesetzt werden. Denn ein gut zusammenarbeitendes Team ermöglicht den Ausgleich des Defizits, das zwischen dem zwingend erforderlich vorhandenen theoretischen Wissen und der Dynamik der vorliegenden Situation auftritt. Der dritte Begriff, der an dieser Stelle Erwähnung finden soll, ist der Begriff der Eigensicherung. Darunter ist ein Prozess zu verstehen, der jedes aktive Verhalten von Rettungsdienstmitarbeitern gegenüber Personen zum Schutz der eigenen körperlichen Unversehrtheit im Rahmen einer konkreten rettungsdienstrelevanten Maßnahme einschließt (2). Die Begriffe Gewalt, Taktik und Eigensicherung können als zentrale Punkte zwischen den oben genannten Querverbindungen verstanden werden. Die Verknüpfung der genannten Schlüsselbegriffe mit den vorgestellten begrifflichen Konzepten hilft, relevante Problemfelder zu ermitteln, in denen sich Rettungskräfte bewegen. Vor diesem Hintergrund kann anschließend die Sensibilisierung und Qualifizierung stattfinden. 8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 717

Analyse Zunächst müssen Rettungskräfte im Rahmen ihrer Fortbildung maßgeblich dafür sensibilisiert werden, dass die Wahrnehmung von Distanz und Räumlichkeit unter dem Einfluss von Alkohol und anderen Substanzen (Mischintoxikation) stark verändert sein kann und die eigene Vorgehensweise entsprechend angepasst werden muss, d.h. die Rettungskräfte müssen über die Kenntnis verfügen, was von einem betrunkenen Patienten als nah und fern wahrgenommen wird. In diesem Zusammenhang ist besonders zu betonen, dass „weniger oft mehr ist“ und die eigene Wortwahl entscheidend für die Eskalation bzw. Deeskalation einer Gesprächssituation sein kann. Daher sollte in solchen Situationen möglichst ruhig und deutlich gesprochen werden. Es sollten tendenziell eher offene als geschlossene Fragen formuliert und – wenn es die situativen Gegebenheiten zulassen – zu Gesprächsbeginn ein Abstand von 1,5 bis 2 m zum Gesprächspartner eingehalten werden. Die vielmals empfohlene Distanz von einer Armlänge zum Gegenüber reicht häufig nicht aus, da das direkte Sichtfeld bei dieser Entfernung bereits soweit eingeschränkt ist, dass die vollständige Wahrnehmung der anderen Person nicht mehr möglich ist. Plötzliche Bewegungen und eine ausschweifende Gestik sollten aufgrund des eingeengten Sichtfeldes unter dem Einfluss psychoaktiver Substanzen/Alkohol ebenso wie abwertende, negative und mehrdeutige Begriffe vermieden werden. Des Weiteren sind genaue Absprachen im Team notwendig, um klare Rollenverteilungen und AufgabenI 17 I


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zuweisungen zu erreichen. Andernfalls könnte man sagen: „Viele Köche verderben den Brei.“

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Beim Betreten und Verlassen von Räumen muss eine klare Struktur gegeben sein, um eine möglichst komplette Übersicht über den Raum mittels überlappender Sichtfelder zu gewährleisten. Gleichzeitig ist permanenter Blickkontakt mit allen anwesenden Parteien maßgeblich. Das Gleiche gilt für die konstante Beobachtung der Gestik und Mimik sowie insbesondere der Hände aller Anwesenden, um eventuelle Eskalationspunkte frühzeitig identifizieren zu können. Von den Händen geht in den dargestellten Situationen besondere Gefahr aus, da sie am häufigsten als das „Instrument“ fungieren, mit denen (bewaffnete) Angriffe durchgeführt werden.

10-Punkte-Checkliste zur Eigensicherung Die folgenden Punkte sollten in potenziell gefährlichen Situationen Berücksichtigung finden, um die eigene Sicherheit zu gewährleisten: 1. Planen Sie Ihren Einsatz so gut wie möglich. 2. Informieren Sie sich möglichst umfassend über die Örtlichkeit und den zu erwartenden Personenkreis. 3. Stimmen Sie sich kontinuierlich im Team ab und halten Sie die Anweisungen und Aufgabenverteilungen ein. 4. Betreten Sie Räumlichkeiten nach Möglichkeit nicht allein und gehen Sie dabei systematisch vor. 5. Machen Sie sich mit Ihrer Umgebung vertraut. 6. Halten Sie beim ersten Kontakt mit anwesenden Personen nach Möglichkeit einen Abstand von 1,5 m ein. Schätzen Sie die Personen von dieser Position aus ein. 7. Achten Sie auf potenzielle Gefahrenhinweise bereits zu Beginn des (Patienten-)Kontakts hinsichtlich auffälligen Verhaltens und der Sichtbarkeit von Händen und Handflächen. 8. Unterbrechen Sie aggressive Personen nicht und diskutieren Sie nicht mit ihnen. 9. Nutzen Sie universelle Gesten, um den Aggressor zu beruhigen und das Umfeld von Ihrer positiven Absicht in Kenntnis zu setzen (besonders in kamerareichen Umgebungen). 10. Wenn erforderlich, vergrößern Sie die Distanz und verständigen die zuständigen Sicherheitsorgane.

Im Zusammenhang mit der bereits erwähnten Arbeitsteilung und der Gesprächsstrukturierung sollten die Eltern des aggressiven Jugendlichen im dargestellten Fallbeispiel dazu aufgefordert werden, den Raum zu verlassen bzw. sich so zu positionieren, dass sie permanent im Blickfeld der Rettungskräfte, jedoch außerhalb des Blickfeldes des Patienten sind, da dieser auf Ansprache der Eltern aggressiv reagiert. Falls die Identifikation der Angehörigen als I 18 I

„störender Faktor“ in dieser Situation unangenehm ist, so kann z.B. mit der Bitte um organisatorische Unterstützung argumentiert werden, erforderliche Dokumente (Ausweis, Chipkarte, Medikamentenplan) zu holen usw. mit dem Ziel, eine weitere Eskalation zu verhindern und den Patienten zu beruhigen. Besonders wichtig sind darüber hinaus die Sensibilisierung für und praktische Vorbereitung auf Komplikationen und Übergriffe, die während des Transports bzw. Transfers des Patienten auftreten können. Dazu gehören sowohl die in den Beispielen genannten plötzlichen physischen Übergriffe (Schlag zum Kopf) als auch die potenzielle Gefahr eines lagebedingten Erstickungstodes während der Fixierung des Patienten, die im Fallbeispiel in Bauchlage stattfand.

Fazit Eigensicherung im präklinischen Setting muss als situationsübergreifendes Handlungskonzept verstanden werden und entsprechend in die Aus-, Fort- und Weiterbildung von Rettungsdienstmitarbeitern einfließen. Rettungskräfte werden immer häufiger mit Situationen konfrontiert, die mehr als nur eine verbale und nonverbale Konfliktmanagement- und Deeskalationskompetenz erfordern. In diesem Zusammenhang ist es notwendig zu verstehen, dass zwischenmenschliche Gewalt primär eine von vielen Kommunikations- und Interaktionsformen darstellt. Sie kann situationsbedingt sowohl angemessen als auch unangemessen sein und mit entsprechend positiven oder negativen Folgen für mindestens eine der involvierten Parteien einhergehen. Rettungskräfte müssen daher besser auf den Gewaltprozess per se vorbereitet werden und nicht „nur“ auf den Umgang mit den Ergebnissen, die gewalttätige Interaktionen nach ■ sich ziehen können. ■

Literatur: 1. Boyle M, Koritsas S, Coles J, Stanley J (2007) A pilot study of workplace violence towards paramedics. Emergency Medicine Journal, Volume 24, Issue 11, S. 760-763 (http:// emj.bmj.com/content/24/11/760.full, letzter Zugriff: 24. Juni 2011) 2. Mentzel T, Schmitt-Falckenberg I, Wischnewski K (2003) Eigensicherung und Recht. Polizei + Forschung, Vol. 19. Luchterhand, Köln 3. Martin D, Carl K, Lehnertz K (Hrsg.) (1991) Handbuch Trainingslehre. Hofmann, Schorndorf 4. Melzer W, Schubarth W, Ehninger F (Hrsg.) (2004) Gewaltprävention und Schulentwicklung: Analysen und Handlungskonzepte. Klinkhardt, Bad Heilbrunn 5. Weltgesundheitsorganisation (Hrsg.) (2002) Weltbericht Gewalt und Gesundheit – Zusammenfassung. In: http:// www.who.int/violence_injury_prevention/violence/world_ report/.../, letzter Zugriff am 21. Juni 2011 6. Wiechers K (2009) Notärzte zwischen Hilfe und Gewalt. In: http://www.news.de/gesundheit/855026425/notaerztezwischen-hilfe-und-gewalt/1/, letzter Zugriff am: 21. Juni 2011

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Beschimpfungen und Schubsereien: Symposium zur Gewalt in Notaufnahmen und im Rettungsdienst Abb. 1: Michael Jung-Lübke vom BGW bei seinem Vortrag im Hörsaal

gibt viele, auch aktuelle Beispiele von Angriffen, verprügelten Ärzten und Pflegern, aber auch Angriffe mit Waffen. Betroffene leiden oft noch lange unter körperlichen und seelischen Folgen. Bisher gibt es in Deutschland – anders als etwa in den USA und Kanada – noch keine aussagekräftigen Untersuchungen des Problems. Ursachen können auch lange Wartezeiten oder mangelnde Informationen über die nächsten Behandlungsschritte sein. Deeskalationsschulungen und veränderte Organisationsstrukturen sowie sicher konstruierte Warteräume ohne loses Inventar können helfen vorzubeugen. Das „Manchester-Triage-System“, bei dem die Patienten strukturiert nach Dringlichkeit eingestuft und behandelt werden, kann ebenfalls präventiv wirken. Nun arbeiten Experten aus verschiedenen Krankenhäusern an einem klinikübergreifenden Konzept zur Gewaltreduzierung. Das Problem Gewalt durch Patienten trifft auch den Rettungsdienst. Mit Beispielen wurde das verdeutlicht und Parallelen gezogen. Daher sollte das Thema nicht isoliert, sondern interdisziplinär untersucht und behandelt werden.

Autor: Dipl.-Ing. Rolf-Dieter Erbe Brandamtsrat, Berliner Feuerwehr, Rettungsdienstschule, Ruppiner Chaussee 268, 13503 Berlin, rolf-dieter.erbe@ berlinerfeuerwehr.de

Weitere Informationen:

www.virsem.com

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Am 14. Mai 2011 fand in Berlin ein Symposium statt, das sich intensiv mit Gewalt und Aggressionen in Notaufnahmen und Rettungsdiensten auseinandersetzte. Veranstalter war die AG E.R.N.A. (Erste Hilfe, Rettungsstelle, Notaufnahme, Ambulanz) im DBfK Nordost e.V. Interesse an dem Thema hatte nicht nur das Fachpersonal. Presse, Radio und Fernsehen griffen das Thema auf und berichteten überregional. Anja Kistler und Andrea Stewig-Nitschke vom DBfK Nordost e.V. gaben eine Themeneinführung und Zusammenfassung der Inhalte und Ziele der Veranstaltung.

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ie Gewalt in Krankenhäusern, vor allem in Notaufnahmen, nimmt zu. Beschimpfungen, Schubsereien, aber auch Angriffe mit Waffen und Mobiliar stehen in deutschen Krankenhäusern auf der Tagesordnung. Betroffen sind vor allem Ärzte und Pfleger in Notaufnahmen, wo häufig alkoholisierte Patienten eintreffen. Aggressionen durch Patienten und Angehörige haben schon drei von vier Pflegenden erfahren müssen. Hinzu kommt psychische Gewalt. Patienten drohen, später gewalttätig zu werden. Es

Über aggressive Übergriffe in der Notfallmedizin und Aufbau eines web-basierten Reporting-Systems berichtete Dr. med. Thomas Plappert, Facharzt für Innere Medizin und Notfallmedizin am Hanseklinikum Wismar. Bei dem Projekt für Mitarbeiter der Notaufnahmen und des Rettungsdienstes besteht die Möglichkeit, Gewaltereignisse fallbezogen zu schildern und diese in eine anonymisierte Erfassung einzubringen. Dadurch werden Schwachstellen erkannt, ausgewertet und die Entwicklung von Konsequenzen zur Reduzierung möglich (mehr dazu auf S. 26 in dieser Ausgabe). Zur Konzeption eines klinikübergreifenden, professionellen Deeskalationstrainings stellte Thorsten Rosenbaeck vom Vivantes-Netzwerk für Gesundheit die Ziele und Teilschritte vor. Nach Gefährdungs- und Ist-Analyse wurde ein Konzept erarbeitet, das die technische, fachliche und organisatorische Ebene berücksichtigt und Umsetzungsstrategien festlegt. Neben dem wichtigen Deeskalationstraining gehören auch die technisch-organisatorischen Maßnahmen dazu, wie einheitliche Fixiersysteme auf neuzeitlichem Stand, Alarmsysteme in allen relevanten Bereichen, deeskalierende Milieu-Gestaltung, Vermeidung von Klinikatmosphäre, Beschäftigungsmöglichkeiten, Spiel und Sport, die richtige Beleuchtung, ausreichende Rückzugsräume, gute Zugänglichkeit aller Bereiche und übersichtliche Arbeitsbereiche. Das Ziel ist, 8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 720


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Abb. 2: Veranstaltungsort des Symposiums: die psychiatrische Nervenklinik auf dem Gelände der Charité Mitte

alle Mitarbeiter der (psychiatrischen) Kliniken auf allen Ebenen der Deeskalation zu schulen. Eine Schulung findet kontinuierlich durch ausgebildete Deeskalationstrainer bei gleichzeitiger kontinuierlicher Evaluation statt. Es gibt in jeder Klinik Ersthelfer, die nach einem traumatisierenden Ereignis tätig werden. Die Klinikmitarbeiter sind in der Lage, eine deeskalierende Haltung einzunehmen und ihren Arbeitsplatz und die Arbeitsatmosphäre entsprechend zu gestalten. Mit strukturierter Einarbeitung neuer Mitarbeiter Gewaltereignisse reduzieren und Fehler erkennen – das ist die Forderung von Gabriele Wilde aus dem Lausitzer SeenlandKlinikum Hoyerswerda. Was muss man wissen, um auf verbale- und körperliche Übergriffe durch Patienten und Begleitpersonen, denen man als Pflegepersonal eigentlich helfen will, richtig zu reagieren? Was ist Aggression und Gewalt? Wo liegen die Ursachen? Woran erkenne ich entstehende Gewalt? Wie reagiere ich richtig auf eine bedrohliche Situation? Wilde fordert, dass Berufsanfänger nach einem Einarbeitungskonzept auf besondere Situationen vorbereitet werden. Denn sie sind laut Statistik besonders gefährdet. Insgesamt waren sich alle einig: Das Thema Gewalt in Notaufnahmen und beim Rettungsdienst erfordert eine Sensibilisierung, eine zentrale Erfassung der Ereignisse mit Auswertung und nachhaltige Programme für mehr ■ Sicherheit. ■ 8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 721

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Deeskalation im Einsatz: Über den bewussten Umgang mit Konfliktsituationen Abb. 1: Stress im Einsatz: Nicht immer sind Retter willkommen!

1. das Verhalten des Anderen (z.B. des Patienten), 2. das eigene Verhalten, 3. die Wechselwirkung zwischen Patienten- und eigenem Verhalten.

Mit genau diesen drei Aspekten beschäftigt sich das Dialektisch-Deeskalative-Interaktionsmodell©, nachfolgend kurz DDI© (1) genannt. Hierbei handelt es sich um eine Methode zur Deeskalation von Konflikten, die eine handlungsorientierte Mischung aus Erkenntnissen unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen in sich vereint. So werden essentielle Kenntnisse über Aggression aus Medizin, Psychologie, Psychiatrie, Pädagogik, Theologie, Philosophie und Soziologie in diesem Erklärungsansatz zusammengefasst.

Das Verhalten des Anderen

Autor: Dietmar Böhmer LWL-Institut Warstein (med. Rehabilitation psych. kranker Menschen), Lehrtrainer zur Verhaltensmodifikation, Coach und Personalentwickler, Esus GbR, Jakobistr. 47, 59494 Soest, boehmer@esus.de

Im Rettungsdienst Tätige kennen die Situation: Im Einsatz haben wir es auch mit aggressiven Angehörigen, betrunkenen Patienten oder aufgeregten Opfern zu tun. Nichts geht schnell genug, nichts ist gut genug, wir geraten immer stärker unter Druck, die Situation droht zu eskalieren, Deeskalation ist geboten! Was aber ist Deeskalation eigentlich? Bei Wikipedia heißt es dazu: „Deeskalation bedeutet das Verhindern von Konflikten und sich aufschaukelnden Prozessen, also Rückkopplungen, bzw. Teufelskreise und ist die schwierigste Aufgabe im Konfliktmanagement.“ Wie bleibt man handlungsfähig in solchen Situationen? Gibt es ein Rezept zum Umgang mit Gewalt? Was kann ich tun, um zu deeskalieren? Auf diese und ähnliche Fragen versucht der nachfolgende Artikel Antworten zu geben.

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s gibt ein schier unerschöpfliches Angebot an so genannten Deeskalationsprogrammen. Die meisten dieser Programme beinhalten die Vermittlung von Kenntnissen zur Aggressionstheorie und schlagen dann in der Folge ein Handlungsmuster vor: „Geraten Sie in Situation X, verhalten Sie sich Y!“ oder vermitteln gar Abwehrtechniken, um sich zu wehren. Allen gängigen Kommunikationstheorien zur Folge gibt es in jeder Situation zumindest drei Aspekte, die auch oder gerade in der Deeskalation Berücksichtigung finden sollten: I 22 I

Platon legte in der Antike drei Regeln fest, die auch heute nichts von ihrer Gültigkeit verloren haben. Die erste der drei Regeln scheint in Bezug auf Deeskalation die wichtigste zu sein: „Sei alterozentriert!“ (2) Alterozentriertes Denken beschreibt die Methode, sich in den Anderen hineinversetzen zu können, verstehen zu wollen, wie der Andere denkt, fühlt und handelt. Viele Menschen benutzen hier den Begriff der Empathie, doch alterozentriertes Denken ist viel mehr. Es beinhaltet die Fähigkeit, beim Anderen nicht nur dessen Gefühle und Motive zu erkennen oder zu akzeptieren, sondern auch die sich hieraus ergebenden Handlungen abzuschätzen und sich selbst dann so zu verhalten, dass der Konflikt sich nicht weiter aufschaukelt. So müssen wir in der konkreten Situation eine Annahme entwickeln, worin sich das Verhalten des anderen gründet. Wie ein Verhalten aussieht, ist nicht wichtig, der Schlüssel zur Deeskalation (und damit auch Eigensicherung) besteht nur in der Motivation hinter der Aggression. Sind Sie z.B. mit dem aufgeregten Vater eines verunfallten Kindes konfrontiert, müssen Sie immer auch die Sorge um das Kind auf Seiten des Vaters auffangen oder bedienen können. Sind Sie mit aggressivem Patientenverhalten konfrontiert, wissen Sie darum, dass ein Mensch sich in solch einer Situation möglicherweise fremdbestimmt fühlt und an Ihnen konflikthaft reibt, um sich wieder handlungsfähig zu fühlen. Wie auch immer Ihre Annahme in Bezug auf aggressives Verhalten aussieht, Sie sollten stets versuchen, die Not hinter der Aggression zu bedienen, denn sie ist immer Ausdruck einer fehlenden Alternative. Hierbei spielt es keine Rolle, ob der Andere sich bewusst oder unbewusst aggressiv verhält. Nur wenn wir in der konkreten Situation uns u.U. auch für den aggressiven Anderen auf die Suche nach alternativen 8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 722


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Interaktion k Personal

Reaktion Patient

Fachkompetenz Handlungskompetenz Sozialkompetenz Abb. 2: Wechselwirkung zwischen Patientenverhalten und eigenem Verhalten

Lösungsmöglichkeiten machen, bleiben wir Helfer und werden nicht zu Konfliktgegnern. Natürlich liest sich dies viel einfacher als es umzusetzen ist. Insbesondere die alterozentrierte Sichtweise im Hinblick auf Patientenverhalten benötigt am Anfang Übung, doch hierzu später mehr.

Das eigene Verhalten Konflikte sind integraler Bestandteil unseres Lebens und wir bewältigen täglich dutzende, ohne uns Gedanken darüber zu machen – wir handeln automatisch oder intuitiv. Erst wenn Konflikte für uns nicht mehr befriedigend bewältigt werden, sich häufen oder mit der Zeit immer wiederkehren, scheint es sinnvoll, eine Strategie zum bewussten Umgang mit solchen Situationen zu entwickeln. Hier kommt nun der Begriff der Deeskalation ins Spiel. Es geht um den bewussten Umgang mit Konfliktsituationen und nachfolgend um das Erreichen einer tragfähigen Konfliktlösung für alle Beteiligten. Gerade im Rettungseinsatz scheint es geboten, sich bewusst zu verhalten. Während dies auf technischer Seite relativ schnell einzuüben ist (jeder im Rettungsdienst Tätige kennt alle für seinen Zuständigkeitsbereich notwendigen Handgriffe und technischen Details), laufen wir auf der Verhaltensebene schnell Gefahr, uns in den Konflikt einbeziehen zu lassen. Und genau hier liegt die große Schwierigkeit. Die meisten Menschen machen sich keine Gedanken, wie sie zur Arbeit gehen. Menschliches Miteinander ist doch eine alltägliche Angelegenheit, wir alle wissen, was sich gehört oder wie man sich benimmt. In einer Konfliktsituation herrschen jedoch andere Gesetze. In Augenblicken, in denen wir uns bedroht oder belästigt fühlen, entsteht in uns ein Impuls: „Der Andere soll sich wieder benehmen, aufhören uns zu belästigen, sich wieder angemessen verhalten!“ Geschieht dies nicht, greifen wir dann auf internalisierte, d.h. verinnerlichte Verhaltensmuster zurück. Diese sehen bei jedem Menschen anders aus, implizieren jedoch fast immer eine Verhaltensänderung des Konfliktpartners. „Ich rede vernünftig mit Ihnen, bitte reden Sie auch vernünftig mit mir!“ Sollte Ihnen diese Floskel bekannt vorkommen, seien Sie sich bewusst, in die Konfliktfalle getappt zu sein, denn ändert der Andere sein Verhalten, scheint der Konflikt gelöst, was aber, wenn der Andere sein Verhalten nicht ändern will oder kann? 8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 723

Wissen Sie darum, dass Ihr eigenes Verhalten in aggressionsbehafteten Situationen immer auch eine Mischung aus Ihrem Wissen, Fertigkeiten, persönlichen Eigenschaften, Ängsten usw. darstellt? Nicht jeder Mensch kann alles lernen, daher ist es wissenschaftlich betrachtet wenig sinnvoll, von jedem Mitglied eines Rettungsteams identische Kompetenzen oder die gleiche Performance zu erwarten. Insbesondere im Hinblick auf vermittelte Abwehrtechniken scheint dies eher fahrlässig als seriös wirkungsvoll. Anders ausgedrückt ist das individuelle Verhalten (die tatsächliche Performance) das Ergebnis aus den Kompetenzen des Einzelnen und den Anforderungen, die sich aus der Situation ergeben.

Um eine dem Anspruch der Deeskalation und Eigensicherung Rechnung tragende Performance leisten zu können, muss die einzelne Einsatzkraft sich ihrer Kompetenzen bewusst sein und sie entsprechend der situativen Anforderungen anwenden können. Ausgehend von der Erkenntnis, dass wir nicht nicht kommunizieren können (3), wird hier zunächst das Augenmerk auf den eigenen Anteil am Geschehen gerichtet. Hier spielt die Bewertung der Situation eine entscheidende Rolle. Bewerte ich Aggression als gefährlich, belastend oder unangemessen, erleben wir den Patienten oder Angehörigen schnell als Gegner und nicht als Konfliktpartner. Durch diese Bewertung fällt es dann noch schwerer, die Not hinter der Aggression entdecken

Abb. 3: Grundsatz der Performance

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Die Auswertung im Vergleich zu vorher, nachher und Transfer des Deeskalationstrainings der Mehrfachantworten zu der Frage „Ich verhalte mich in Konfliktsituationen eher abwartend, kooperativ, verteidigend oder impulsiv, intuitiv, aus dem Bauch heraus“ ergab, dass • sich 17,3% der Befragten vorher, 27,6% nachher und 29,6% im Transfer bei Konflikten abwartend verhalten • sich 66,7% der Befragten vorher, 81,6% nachher und 84,0% im Transfer bei Konflikten kooperativ verhalten • sich 20,0% der Befragten vorher, 6,6% nachher und 8,6% im Transfer bei Konflikten verteidigen • 4,0% der Befragten vorher, 6,6% nachher und 14,8% im Transfer bei Konflikten impulsiv reagieren.

Abb. 4: Trotz Druck handlungsfähig bleiben

zu wollen. Betrachten wir unseren eigenen Anteil am Konfliktgeschehen und verändern diesen (d.h. wir verhalten uns) so, dass die Wahrscheinlichkeit sinkt, in dem Anderen weitere Widerstände auszulösen, ist der erste Schritt hin zur erfolgreichen Deeskalation getan. Dies mag sich sehr theoretisch lesen, darum hier noch einmal in umgangssprachlicher Form: Deeskalation erfordert zuerst immer, sich selbst in einem Konflikt so verhalten zu können, dass beim Anderen keine zusätzlichen Widerstände entstehen und so den Prozess zu entschärfen. Ein entscheidender Faktor ist also die Grundhaltung oder Bewertung, mit der wir der Situation begegnen.

Subjektive Einschätzung In einer Studie zur Überprüfung der Effektivität hinsichtlich der DDI© bei Teilnehmern einer deutschen Klinik wurden in einer Längsschnittsuntersuchung die Befragungen vor dem Training, nach dem Training (zum Abschluss des 1. Trainings) sowie Transfer (Befragung vor dem Auffrischungstag, nach einem Zeitraum von 6 bis 17 Monaten) gegenübergestellt und auf mögliche Indikatoren bzgl. der Wirksamkeit des Seminars untersucht. Die Erhebung der Stichproben zum Deeskalationstraining (vorher, nachher, Transfer) erfolgte aus der gleichen Grundgesamtheit, d.h. dass die gleichen Teilnehmer dreimal zu unterschiedlichen Zeitpunkten befragt wurden. Die Stichprobengröße der vorliegenden Auswertung liegt bei n = 84. I 24 I

Eine abwartende bzw. kooperative Grundhaltung in einem Konflikt ist die Grundvoraussetzung für eine deeskalative Performance. Nur durch diese Haltung wird Deeskalation erst möglich. Beschäftigt man sich mit der Psychodynamik von Aggression, so stellen wir fest, dass Aggression immer auf Enge angewiesen ist. Es gibt zwei Ebenen, auf denen eine Situation eng werden kann, die zeitliche und die inhaltliche. Je höher der subjektiv empfundene Zeitdruck (entweder bei uns oder beim Patienten, Angehörigen usw.) und je höher der inhaltliche Aufforderungscharakter (lebensbedrohliche Situationen, begrenzte Verfügbarkeit von Einsatzmitteln usw.), umso enger wird die Situation – für uns, aber auch für den Patienten/Angehörigen. Ziehen wir hier die Konsequenzen, so entdecken wir, dass Aggression nichts weniger verträgt als Raum! Je mehr Raum wir der Situation geben können, umso mehr Raum geben wir auch uns! Vielleicht kennen Sie das Sprichwort: „Erstmal Dampf ablassen!“ Dieses Sprichwort beschreibt sehr effektiv die Dynamik von Aggression. Hinzu kommt noch ein anderer wichtiger Aspekt: Der Aggression ist das Einhalten von Konventionen oder Regeln (in einem bestimmten Rahmen) egal. Regeln bieten uns aber Sicherheit, geben Struktur und ermöglichen letztlich menschliches Miteinander. Wichtig in diesem Zusammenhang ist die Erkenntnis, dass eine Regel nur solange gilt, wie sie eingehalten wird – keine Sekunde länger. Auf einen Regelbruch erfolgt üblicherweise eine Sanktion oder Strafe. Und genau hier entsteht ein weiteres Problem, denn die Aggression nimmt die Sanktion (bewusst oder unbewusst) in Kauf. „Wenn Sie betrunken Auto fahren, verlieren Sie Ihren Führerschein!“ hält sicherlich viele Menschen davon ab, betrunken am Steuer zu sitzen, diejenigen, die es trotzdem tun, zeigen uns, dass sie diese Regel nicht achten. In diesem Zusammenhang wird das so genannte radikale Annehmen empfohlen, d.h. ich muss im Umgang mit Aggression akzeptieren, dass sie da ist. Eine Beleidigung, die Ihnen z.B. in einem Einsatz widerfährt, bekommen Sie nicht rückgängig gemacht, egal was Sie unternehmen. Konzentrieren Sie sich stattdessen auf das Machbare. Ihre Chance liegt immer in der Zukunft, wir können Vergangenheit nicht verändern, nur Gegenwart gestalten und Zukunft konstruieren. „Denken und handeln Sie in Lö8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 724


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sungen!“ Sie müssen ja ohnehin das tun, was der Einsatz verlangt. Die hier sicherlich entstehenden psychischen und physischen Belastungen müssen nach der Situation aufgefangen und bearbeitet werden. Hier spielt das Einsatzteam eine große Rolle. Eine professionelle und tragfähige Beziehung untereinander ist die beste Voraussetzung, um entstandene Kränkungen oder seelische Verletzungen zu benennen, zu reflektieren und nach Hilfen zu suchen. Doch auch hier gilt: Die Leistungsfähigkeit eines Teams wird vom schwächsten Teammitglied bestimmt. Die Qualität, in der Sie sich gegenseitig stützen und in Ihren Ängsten und Belastungen ernst nehmen, bestimmt den Grad ihrer deeskalativen Kompetenzen zu weiten Teilen.

Fazit Das Thema Deeskalation beinhaltet viele Aspekte. Sie in Gänze darzustellen, würde den Rahmen dieses Artikels sicherlich sprengen. Dieser Artikel hat einen kleinen Einblick in ein professionelles Deeskalationsprogramm gegeben. Der Umgang mit Gewalt hat weniger mit dem Aggressor zu tun als mit uns als Betroffenen. Sich selbst zu kennen, die eigenen Anteile und Kompetenzen einschätzen zu können, für sich selbst passende Strategien zu entwickeln, ist Grundvoraussetzung einer deeskalativen Performance, und genau darum geht es bei der Deeskalation: sich selbst kennenzulernen. Denn nur wer seine Ängste und Impulse beherrscht, kann das tun, was sich aus dem Anspruch der Deeskalation ergibt: „... das Verhindern von Konflikten und sich aufschaukelnden Prozessen, also Rückkopplungen, bzw. Teufelskreise und dies ist die schwierigste Aufgabe im Konfliktmanagement.“ Sicherheit in Einsatzsituationen werden Sie dann erfahren, wenn es Ihnen gelungen ist, für Sie selbst faktisch anwendbare Strategien sich erarbeitet zu haben. Daher beschäftigen wir uns am besten zuerst mit den Ängsten und Belastungen der Einsatzkräfte und nicht mit den Aggressionen potenzieller Täter. Es scheint schwierig, aus einem Rettungsassistenten oder Arzt einen Kämpfer zu machen. Eigensicherung kann auch anders aussehen, als den Patienten „in den Griff“ zu bekommen. Verwenden Sie nicht zuviel Energie darauf, sich Wissen anzueignen über Formen der Gewalt, Stufen der Eskalation, rechtliche Aspekte usw. Dies ist innerhalb eines Vormittages vermittelt, und Sie können es jederzeit nachlesen. Es geht vielmehr und immer zuerst um die Entwicklung und Vermittlung von teilnehmerzentrierten und damit auch ressourcenorientierten Möglichkeiten zur Eigensicherung – also um Sie! ■ Der Rest ist dann ganz einfach ... ■

Literatur: 1. Böhmer D (2012) Dialektisch-Deeskalative Interaktion, (DDI©, in Vorbereitung) 2. Lay R (2006) Führen durch das Wort. Ullstein, Berlin 3. Watzlawik P (2007) Menschliche Kommunikation – Formen, Störungen, Paradoxien. 11. Aufl. Huber, Bern

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VIRSEM: Ein neuer Weg in der Erfassung von Gewalt in der Notfallmedizin Autor: Dr. Thomas Plappert Zentrale Notaufnahme, Hanse-Klinikum Wismar, Störtebekerstr. 6, 23966 Wismar, thomas.plappert@ virsem.de

Abb. 1: Helfer in Gefahr: Oft kommen Angriffe unerwartet

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„Das war einfach unglaublich – es ging alles so schnell“, sagt Sebastian E. Der heute 32-jährige Ingenieur erinnert sich noch genau an seinen ersten Tag als Zivildienstleistender im Rettungsdienst. „Und als ich dann wieder aus dem Krankenhaus raus war, habe ich mir erstmal ein Pfefferspray gekauft.“ 12 Jahre ist es nun her, dass E. und sein Kollege zu einem RTW-Einsatz in eine der wenigen guten Gegenden der Stadt fuhren, kurz vor der Einsatzstelle gestoppt wurden, überfallen wurden und der Täter versuchte, den Rettungswagen zu entführen. Aber die Details des Vorganges, bei dem er leicht verletzt wurde und die aus dem empathischen Zivi einen durchaus gewaltbereiten Rettungssanitäter machten, sind ihm bis heute geblieben.

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ass es nicht alleine ihm so geht, wissen die Forscher des Projektes „VIRSEM – Violent Incident Reporting System in Emergency Medicine“ der Ernst-Moritz-ArndtUniversität Greifswald. „Die Zahl der Übergriffe wächst offenbar – und ebenso leider auch die Aggressivität der Angreifer“, sagt Dr. Martin von der Heyden, Notfallmediziner und Projektleiter des VIRSEM-Projektes. Bereits in den ersten Wochen des Projektes kamen dutzende Meldungen aus der gesamten Rettungskette, vom Rettungsdienst über die Notaufnahme bis hin zur Intensivstation. „Viele Initiativen und Projekte versuchen, die Helfer zu schützen – aber noch wissen wir nicht einmal, wovor genau.“ Ähnlich wie bei einem Critical Incident Reporting System (CIRS), bei dem unabhängig von der Frage der Schuld und der Häufigkeit aus den Schilderungen von Zwischenfällen für die Zukunft gelernt wird, kommt es bei VIRSEM auf eine Schilderung der Vorkommnisse aus erster Hand an: „Das sind Erfahrungen,

die kein Experte theoretisch erarbeiten kann!“, denn letztlich sind zunächst einmal diejenigen, die im täglichen Leben mit dem Problem konfrontiert sind, die wahren Experten. Die Eintragungen der ersten Wochen sprechen eine deutliche Sprache: Inzwischen werden im Schnitt drei Übergriffe pro Woche gemeldet. Dabei konnten sowohl tageszeitliche Häufungen gezeigt werden, als auch deutlich gemacht werden, dass Alkohol und Drogen ein relevantes Problem sind, weil die Gewaltbereitschaft steigt. In über der Hälfte der Fälle steht der Angreifer unter Einfluss von Alkohol, Drogen oder Psychopharmaka. Aber auch Erkrankungen, die etwa mit einer Störung des Gasaustausches einhergehen, oder auch einmal eine Hypoglykämie verändern die Menschen. Erschreckend: In einem nicht unerheblichen Anteil der gemeldeten Angriffe wurden Waffen, auch Schusswaffen, eingesetzt. „Spätestens hier wird klar, dass ein Selbstverteidigungskurs von wenigen Stunden Dauer keinerlei Hilfe bietet.“ Ganz im Gegenteil, wie ein Beispiel zeigt: Hier eskalierte die Situation erst, als der Rettungsassistent sich zu wehren versuchte. Was gründlich fehlschlug, wie der Berichtende selber einräumte. Und wenn die Situation eskaliert, dann wird es rasch ernst: Wenn es zu Verletzungen kommt, resultiert im Schnitt eine Arbeitsunfähigkeit von drei Arbeitstagen, und der Sachschaden am Einsatzmaterial erreicht rasch vierstellige Bereiche. Ein Eintrag, der vom Experten-Panel analysiert wurde, nahm einen schrecklichen Ausgang: Was als Routineeinsatz eines RTW begann, endete mit einem SEK-Einsatz der Polizei und dem Tod des Patienten, der den RTW rief. Um aus den eingehenden Berichten optimal zu lernen, werden sie von einem Experten-Panel regelmäßig gemeinsam beurteilt: Erfahrene Rettungskräfte, Notärzte, Medizinpsychologen, Juristen und Polizisten aus Sondereinsatzkommandos beurteilen die Ereignisse und versuchen, Gemeinsamkeiten und Risikokonstellationen zu erkennen. „Die unterschiedliche Sichtweise ist eine echte Bereicherung!“, freut sich Projektleiter von der Heyden. Damit alle lernen können, werden ausgewählte Berichte und die Kommentare des Experten-Panels regelmäßig auf der Homepage veröffentlicht. „Im Rettungsdienst kommt man naturgemäß in emotional beladene Situationen, und wir müssen damit rechnen, dass nicht alle Beteiligten damit kontrolliert umgehen können.“ Hilflosigkeit schlägt um in Aggressivität? Für die Experten nicht verwunderlich. „Hier müssen wir noch weit mehr Fälle analysieren, um gemeinsame Muster herauszufinden, die letztlich in eine Risikokonstellation münden“, sagt Dr. Isabelle Behrendt, die die wissenschaftliche Arbeit im VIRSEM-Projekt koordiniert. Bei der aktuellen Dursicht von über 100 Fällen konnte ein 8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 726


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Schwerpunkt am Wochenende und bei alkoholisierten Angreifern ausgemacht werden. „Aber auch ältere, demente Patienten fügen Helfern zum Teil erhebliche Verletzungen zu.“ Diese verschiedenen Aspekte intensiv zu analysieren, ist das Ziel der Forschungsaktivitäten, die erste Doktorarbeit wurde jetzt vergeben. Abb. 2: Vorsichtig agieren und Fluchtmöglichkeiten im Auge behalten

Dass es verschiedene Motivationen gibt, sich dem Thema zu nähern, versucht VIRSEM im Fragebogen abzubilden: „Für die Einsatzkräfte steht natürlich im Vordergrund, den optimalen Schutz vor Angriffen oder zumindest seelischen und körperlichen Schäden zu erreichen. Für Kostenträger, Organisationen und Führungskräfte jedoch sind auch kurzfristige Schäden durch Krankheitsausfall und Sachschäden sowie langfristige Folgen durch Abstumpfung und Burnout ein Problem.“ Daher beschäftigen sich einige Fragen auch mit den Folgen der Angriffe. Und die sind erheblich: Alleine die im ersten Jahr gemeldeten Übergriffe hatten einen Schaden im hohen fünfstelligen Bereich zur Folge. „Wir sehen aber auch, dass die klassische Notfallmedizin im Rettungsdienst und der Zentralen Notaufnahme nur die Spitze des Eisberges ist, denn auch in anderen Bereichen, etwa dem Kassenärztlichen Notdienst oder selbst in der scheinbar sicheren hausärztlichen Praxis, passieren diese Vorfälle.“

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www.virsem.de Die Internetplattform www.virsem. de wurde als Projekt der Ernst-MoritzArndt-Universität Greifswald unter der Leitung des Notfallmediziners Dr. Martin von der Heyden aufgebaut. Träger ist die Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin unter der Leitung von Professor Dr. Michael Wendt. Seit dem 1. August 2009 werden hier Erfahrungsberichte von Helfern, die Opfer von Gewalt wurden, erfasst und ausgewertet. Ziel ist die Entwicklung von Strategien zur Prävention im gesamten Bereich der Akut- und Notfallmedizin: vom Rettungsdienst bis in die Zentrale Notaufnahme und die Intensivstation.

Das VIRSEM-Projektteam stellte seine Aktivitäten und die ersten Ergebnisse auf verschiedenen Kongressen vor, und die Resonanz war überwältigend: „Zunächst hatten wir geplant, lediglich die Ergebnisse zu präsentieren, aber Rettungsfachpersonal, Ärzte und Pflegende fragten uns immer wieder um Rat, und so begannen wir, unsere Erkenntnisse direkt in Praxis-Workshops umzusetzen.“ Fast 200 Mitarbeitern aus dem Bereich der Notfallmedizin wurden so bislang eine Kombination aus verbaler und nonverbaler Deeskalation, Kommunikationspsychologie und Recht sowie Befreiungsund Fluchttechniken vermittelt. „Mit jedem Eintrag lernen wir mehr und können dieses Wissen direkt weitergeben.“ Für Dr. Martin von der Heyden ist es immer wieder begeisternd, was sich aus dem VIRSEM-Projekt entwickelt: „Was als kleine Idee zur Selbsthilfe begann, entwickelte sich mit Hilfe von Praktikern aus der Notfallmedizin, Rechtswissenschaften, Medizinpsychologie und Sondereinheiten der Polizei zu einer riesigen Wissensbasis.“ Und diese optimal zu nutzen und damit die Arbeit in der Notfallmedizin ein wenig sicherer zu machen, ist das Ziel des ■ Projektteams. Und dazu ist jeder Eintrag wichtig. ■

Originaleintrag in der VIRSEM-Datenbank Nach innerfamiliärer Auseinandersetzung unter Alkoholeinfluss Suizidversuch und tätlicher Angriff auf Freundin. Zwangseinweisung erfolgt durch Amtsarzt und Polizei. In der Notaufnahme zeigt sich A (A bezeichnet den Aggressor, Anm.) extrem agitiert, wechselnd wieder stuporös. Sicherheitshalber erfolgt die Übernahme auf die Intensivstation zur Sicherung der Vitalfunktionen. Hier erfolgt ein plötzlicher Angriff des fixierten A auf eine Krankenschwester. Eine Klärung der Situation ist erst nach Eingreifen mehrerer Personen möglich. Beim Angriff kommt es zur Luxation des Daumengrundgelenkes der angegriffenen Schwester mit schmerzbedingter ambulanter Behandlung und Arbeitsunfähigkeit für ca. 14 Tage. Angreifer erlitt Hämatome durch Niederdrücken und Halten der Extremitäten.

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Analyse ➔ Der Fall zeigt uns ein typisches Beispiel von häuslicher Gewalt und deren Folgen bis hinein in die Klinik. Unklar ist, ob hier der Versuch eines erweiterten Suizids aufgrund persönlicher Probleme vorliegt. Letztlich ist die Situation aggressionsgeladen und A muss als extrem gewaltbereit gelten. Zum einen hat er durch den Angriff auf seine Lebensgefährtin fremdaggressives Verhalten gezeigt, zum anderen scheint A zu allem entschlossen zu sein (Suizidversuch). Leider lassen sich die Hintergründe nur vermuten. Die hinzugezogene Polizei und der Amtsarzt veranlassen eine Unterbringung nach PsychKG. Der Status von A in der Notaufnahme ist schwierig zu deuten, interessant wäre es gewesen zu erfahren, ob es eine

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körperliche Auseinandersetzung mit der Polizei gegeben hat und ob die Polizei noch in der Notaufnahme war, um A weiter zu sichern. Unklar sind auch die Ursache des Zustandes mit wechselnder Vigilanz und die ergriffenen Abklärungsmaßnahmen. Wie so oft werden aggressive, alkoholisierte Patienten auf der Intensivstation untergebracht. Hier kommt es trotz Fixierung (!) zu einem Angriff auf eine Intensivschwester, der nur durch das Eingreifen mehrerer Personen beendet werden kann. Die Verletzung hat wie oben beschrieben eine mehrwöchige Arbeitsunfähigkeit nach sich gezogen. Interessant wäre es hier zu erfahren: Wie kam es zu dem Angriff und wie wurde er ausgeführt? Gab es vorher eine Auseinandersetzung

Abb. 3: Mitunter ist es unmotivierte Gewalt, zum Teil aber auch Angst vor der Hospitalisation oder die Suche nach Opiaten

mit der Polizei und wie ist diese verlaufen? Hier könnte man einen Hinweis auf eine mögliche Schnittstellenproblematik in der Kommunikation zwischen Polizei und Rettungsdienst, Rettungsdienst und Klinik, Polizei und Klinik erkennen. In einer solchen Situation ist die Kommunikation mit dem Letztbehandelnden zwingend erforderlich, damit ihm wichtige Informationen, auch über das Medizinische hinaus, nicht entgehen. Die einfache körperliche Gewalt (und die damit beim Patienten verursachten Hämatome) ist in Anbetracht des Angriffes durch A und der Gesamtsituation als geeignetes Mittel und somit als erforderlich anzusehen, damit der Angriff beendet werden konnte. Insoweit ist das Handeln der Helfer gerechtfertigt im Rahmen der Nothilfe gemäß § 32 StGB. Die Hämatome zeigen allerdings sehr deutlich, welcher Kraftaufwand auch durch mehrere Personen notwendig war, um die Situation zu klären. Optimierungsvorschläge des Expertenpanels ➔ Bereits in der Notaufnahme ist aus heutiger Sicht zu klären, was genau passiert ist und welches Aggressionspotenzial von

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A ausgeht. Im Zweifelsfall sollte geprüft werden, ob eine Bewachung des A durch die Polizei in der Notaufnahme möglich gewesen wäre. Auf Grund der von A schon ausgegangenen Gewalt darf auf gar keinen Fall eine Person allein mit dem Patienten im Raum sein (wie hier später auf der Intensivstation). Bei einem massiv aggressiven Patienten sollte aus heutiger Sicht die Polizei den Transport und vorübergehend ggf. auch den Aufenthalt des Patienten überwachen. Am Beispiel der Intensivstation und des Angriffs aus einer Fixierung heraus ist zu sehen, wie unsicher unsere im Krankenhaus gebräuchlichen Fixierungen sind, wenn es um die Sicherung eines Gewalttäters geht. Sogar älteren Patienten gelingt es gelegentlich, sich trotz Fixierung selbst zu befreien, daher muss hier ausdrücklich darauf hingewiesen werden: Eine Fixierung schränkt die Bewegungsfreiheit ein, schließt sie aber nicht aus. Beim Anlegen der mechanischen Fünf-Punkt-Fixierung ist auf festen Sitz zu achten (Muskelspannung des Patienten beachten), um einen möglicherweise zu lockeren Sitz zu verhindern. Führen Sie die Fixierung grundsätzlich noch in Anwesenheit der Polizei durch und verwenden Sie ggf. eine zusätzliche Fixierung mit Rucksackhaltegurt. Bei Patienten, die sich massiv wehren, sollte auf eine medikamentöse Fixierung zurückgegriffen werden, sie dient auch zum Selbstschutz des Patienten. Dabei ist in der weiteren Folge eine enge Beobachtung zur Vermeidung von Aspirationen zwingend. Die Kleidung und privaten Gegenstände des Patienten sind abzutasten und zur Sicherheit (versteckte Waffen?) aus dem Raum zu entfernen, aufgrund der rechtlichen Gegebenheiten dürfen die Sachen nicht durch das Personal durchsucht werden. Darüber hinaus sind alle Gegenstände, die potenziell als Waffen genutzt werden könnten, ebenfalls aus dem Zimmer zu entfernen. Das Zimmer sollte grundsätzlich nicht allein betreten werden. Wird zu zweit am Patienten gearbeitet, sollte stets von zwei Seiten gearbeitet werden. Ist es dennoch unvermeidbar, sollte Folgendes beachtet werden: • Die Fixierung muss als erstes überprüft werden! • Dem Patienten niemals den Rücken zudrehen. • Die Hände beachten – auch fixierte Hände können greifen. • Stets außerhalb des Greifbereiches der fixierten Hände bleiben. • Auf Infektionschutz achten (Anspucken). • Bei Angriffen sofort Hilfe anrufen, Polizei alarmieren. Tipp aus der Praxis für die Praxis ➔ Hat der Patient eine oder zwei Hände oder die Füße gelöst, ist aber noch mit einer Körperhälfte fixiert, kann es hilfreich sein, zu zweit ein Bettlaken quer über ihn zu legen und ihn so breit an das Bett zu fixieren.

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Offenbach am Main – wirklich ein gefährliches Pflaster? Der Rettungsdienst im hessischen Offenbach bewegt sich in einem schwierigen sozialen Umfeld. Genau dieses Milieu halten viele für besonders prädestiniert für Gewalt – die sich vielleicht manchmal auch gegen die Retter richtet. Rein subjektiv jedenfalls empfinden viele Kollegen dort ihre Arbeit als relativ gefährlich, während man auf der Seite des Rettungsdienstträgers kein erhöhtes Risiko sieht. Eine objektive Betrachtung ist allerdings schwierig, weil eine ausreichende Datenbasis fehlt.

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ffenbach am Main liegt gegenüber von Frankfurt am südlichen Flussufer. Die Stadt zählt etwas mehr als 118.000 Einwohner. Im Gegensatz zur benachbarten Finanzmetropole hat Offenbach jedoch gravierende wirtschaftliche und soziale Probleme: Im Februar 2011 waren 11,6% der Erwerbsfähigen arbeitslos gemeldet. Das ist – mit etwa dem Doppelten des landesweiten Durchschnitts – die höchste Arbeitslosenquote Hessens. Ein erklecklicher Anteil der Einwohner entspricht also dem, was man gemeinhin als „sozial schwach“ bezeichnet. Zweifellos kann man von einigen Stadtteilen Offenbachs daher als einem sozialen Brennpunkt sprechen. In diesem Umfeld bewegt sich der Rettungsdienst in der Stadt. Wie in Hessen üblich, wendet die Stadt Offenbach die Mehrzweckfahrzeug-Strategie an, wobei der so genannte unqualifizierte Krankentransport nicht in den Bereich des öffentlichen Rettungsdienstes fällt. Ohne die Fahrten zur Dialyse, zur Gipskontrolle oder zum Arzttermin gilt die Faustformel, dass sich das jährliche Einsatzaufkommen in einem Landkreis etwa bei 10% der Einwohnerzahl bewegt. Für Offenbach wären deshalb rund 12.000 Einsätze pro Jahr erwartbar. 2009 rückten die Retter aber fast 20.000 Mal aus, davon zu mehr als 12.000 Notfällen (nur gut 3.800 davon mit Notarzt).

Der Rettungsdienst in Offenbach/Main • Leistungserbringer sind neben der Berufsfeuerwehr das DRK, der ASB und die Malteser. • Es werden sieben RTW/MZF vorgehalten, davon vier rund um die Uhr. • Zwei NEF stellen die notärztliche Versorgung sicher, eines davon im 24-Stunden-Betrieb. • 2009 fielen fast 20.000 Einsätze an: rund 12.000 Notfälle für die RTW, knapp 4.000 NEF-Einsätze und etwa 4.000 Krankentransporte.

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Keine aussagekräftigen Zahlen

Autor:

Man könnte meinen, bei einer fast doppelt so hohen Einsatzzahl wie üblich, müsste das Offenbacher Rettungsdienstpersonal auch doppelt so oft Gewalt ausgesetzt sein. So einfach ist die Rechnung aber nicht. Leider existiert zu diesem Thema keine offizielle Statistik. Will man sich dieser Frage nähern, ist man daher auf indirekte Indikatoren angewiesen.

Nils Sandrisser M.A., Lehrrettungsassistent und freier Journalist, Kohlrauschweg 15, 60486 Frankfurt/ Main, nils.sandrisser@ web.de

So wurden z.B. im vergangenen Jahr in Offenbach über 1.000 Fälle von Körperverletzung angezeigt. In Frankfurt gab es im selben Zeitraum zwar rund fünfmal mehr solcher Fälle – Frankfurt hat aber fast sechsmal so viele Einwohner wie Offenbach. Besonders stark ist das statistische Missverhältnis im Vergleich zum ebenfalls benachbarten Hanau: Obwohl mit rund 90.000 Einwohnern nur wenig kleiner als Offenbach, registrierte die Polizei dort gerade einmal knapp 500 Fälle von Körperverletzung. Diese Zahlen sprechen zwar für ein erhöhtes Gewaltpotenzial in Offenbach, sind aber in Bezug auf den Rettungsdienst nur wenig aussagekräftig. Trifft ein RTW nach einem Körperverletzungsdelikt beim Patienten ein, ist der Gewalttäter meist schon über alle Berge und damit für die Besatzung keine Gefahr mehr. Außerdem ist nicht gesagt, dass dieses festgestellte erhöhte Gewaltpotenzial sich auch gegen die Helfer richtet. Andererseits: Warum sollte gerade der Rettungsdienst von dem Phänomen der steigenden Gewaltbereitschaft in einigen Bevölkerungsschichten ausgenommen sein? Ein Sonderfall ist die häusliche Gewalt. Hier ist der Täter häufig noch vor Ort, wenn das RTW-Team eintrifft; dementsprechend ist das Risiko für die Retter bei solchen Einsätzen erhöht. Auch in diesem Bereich sind die Zahlen für Offenbach etwas höher: Insgesamt 310 Frauen wurden 2010 Opfer von häuslicher Gewalt. Für das benachbarte Frankfurt wäre – bezogen auf die Einwohnerzahl – daher ein etwa sechsfach erhöhter Wert zu erwarten. Tatsächlich gab es am anderen Mainufer im letzten Jahr nur etwa viermal so viele Fälle häuslicher Gewalt. Auch bei diesen Zahlen besteht

Abb. 1: In einigen Stadtteilen Offenbachs tragen manche Kollegen Schutzbrillen

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aber das Problem, dass sie eine nachprüfbare Aussage in Bezug auf die Gefährdung des Rettungsdienstes nicht zulassen. Einsätze mit alkoholisierten oder akut psychotischen Patienten gelten als besonders gefährlich. Da gerade diese Fälle sich in sozialen Brennpunkten häufen, müsste deren Zahl auch in Offenbach signifikant erhöht sein. Durch die in Hessen üblichen Rückmeldezahlen ließe sich die Anzahl dieser Einsätze auch leicht nachvollziehen. Uwe Sauer, der Leiter des für den Rettungsdienst zuständigen Amts 37, will diese Zahlen jedoch nicht nennen, weil er auch sie für nicht aussagekräftig hält: „Die Statistik ist da nicht valide. Zum Beispiel ist nicht jeder alkoholisierte Patient unter einer Intoxikation erfasst, sondern manchmal unter einer Kopfverletzung oder dergleichen. Und nicht jeder Betrunkene ist auch gewalttätig.“ Damit hat Sauer unbestreitbar Recht. Auch ohne Zahlen ist er sich sicher: „Gewalt gegen Rettungsdienstler ist die absolute Ausnahme; das ist bei uns auch nicht häufiger als anderswo.“

Abb. 2: Die Offenbacher Retter müssen oft mit schwierigen sozialen Verhältnissen zurechtkommen

Schutzbrillen und stichsichere Westen In der Tat wäre es stark übertrieben, zu behaupten, dass physische Angriffe gegen Rettungsdienstpersonal in Offenbach Alltag wären. Dies empfinden auch die dortigen Kollegen nicht so. Verbale Gewalt – also Beleidigungen oder die bloße Androhung von Gewalt – gibt es jedoch häufiger. Kolleginnen berichten oft von Anspielungen oder sogar groben Anwürfen sexualisierter Art. Manche Rettungsassistenten haben die Erfahrung gemacht, dass Autofahrer, denen der RTW den Weg versperrt, ausstiegen und der Besatzung Prügel androhten, wenn sie ihr Fahrzeug nicht sofort zur Seite fahren würden. Einige Retter sind dazu übergegangen, stets Pfefferspray mit sich zu führen. Mehrfach kam es auch vor, dass Retter von Patienten oder deren Angehörigen bespuckt wurden. Einige Kollegen tragen nun bei jedem Einsatz oder zumindest in bestimmten Stadtteilen eine Schutzbrille, wie sie zur Desinfektion getragen wird, um wenigstens ihre Augen vor derartigen Attacken zu schützen. Bei einer Offenbacher Hilfsorganisation regten Mitarbeiter im vergangenen Jahr an, sie mit stichsicheren Westen auszustatten. Auslöser waren Vorfälle, bei denen Kollegen am Not-

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fallort in bewaffnete Auseinandersetzungen gerieten. Rettungsdienstleiter Detlef Rottmann hält die Westen allerdings für wenig geeignet: „Natürlich stehen wir in der Pflicht, unsere Mitarbeiter zu schützen. Aber wie weit wollen wir denn diese Aufrüstung treiben?“ Die betreffende Hilfsorganisation setzt auf eine Untersuchung, die der TÜV Süd in deren Auftrag im Moment durchführt. Durch Befragungen der Angestellten soll ein Bedrohungsbild erstellt werden. Vor der Anschaffung von Schutzwesten sieht Rottmann aber andere Maßnahmen vordringlich: „Wir müssen erst unsere Hausaufgaben machen, bevor wir das Pferd von hinten aufzäumen. Man könnte z.B. die Abfrage der Leitstelle verbessern, damit meine Kollegen nicht mehr überraschend in solch gefährliche Situationen kommen. Fortbildungen sind eine weitere Komponente, damit unsere Mitarbeiter wissen, wie sie sich in Gewaltsituationen verhalten müssen.“ Unter manchen Kollegen kursiert seither das Gerücht, der Träger habe die Schutzwesten verboten. Das sei natürlich Unfug, meint Amtsleiter Uwe Sauer: „Wir können einem Leistungserbringer ja nicht vorschreiben, was seine Beschäftigten anziehen sollen.“ Begeistert von diesen Westen war man auf seinem Amt aber auch nicht. Vor allem sorgte man sich, dass diese erst recht provozierend wirken könnten. Außerdem stellt Sauer deren tatsächliche Schutzwirkung in Frage: „Ich kann ja auch auf die Beine oder auf den Kopf zielen.“ Auch Dr. med. Birger Freier, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes Offenbach, hält nichts von den Schutzwesten: „Man bemerkt schon, dass der Rettungsdienst in der Außenwahrnehmung – also bei Patienten und Angehörigen – immer näher in Richtung von Feuerwehr und Polizei rückt. Die Unterscheidung zur Staatsmacht dürfen wir nicht vollends verschwimmen lassen.“ Freier sieht in der Gewalt gegen Retter auch kein Phänomen, das in Offenbach überproportional vorkäme, sondern als ein allgemeines und bundesweites Problem. Schon deshalb sieht er Handlungsbedarf: „Eine Fortbildung zu diesem Thema wird auf jeden Fall kommen. Unser Personal soll in der Lage sein, in solchen Situationen entsprechend zu handeln.“ Der Ärztliche Leiter denkt dabei an ein Deeskalationstraining in Zusammenarbeit mit der Polizei. Denn nicht nur das Verhalten des Patienten oder von Angehörigen könne zu Gewaltausbrüchen beitragen, so Freier. Auch das Auftreten des Rettungsdienstpersonals sei dabei ein Faktor.

Beispiele Bei vielen Gewaltanwendungen oder -androhungen gegen Rettungsdienstpersonal ist Alkohol im Spiel. „Bei unserer Ankunft kam uns der Assistent des RTW schon entgegen“, erinnert sich ein Notarzt an einem Einsatz aus dem vorvergangenen Jahr. „Er hatte einen Bierhumpen ins Gesicht bekommen und blutete an der Lippe.“ Die dafür verantwortliche Patientin griff dann umstandslos das NEF-Team an. „Ich weiß nicht mehr wie, irgendwann habe ich sie auf den Boden bekommen und sie dort festgehalten.“ Noch gefährlicher wurde sie Situation, als die beiden Brüder der Patientin ankamen, beide „körperlich lateral stark entwickelt“, wie der Doktor erklärt. „Auf dem Weg zum RTW haben die beiden uns dann verbal massiv bedroht“, 8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 730


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erzählt er weiter. „Zum GlĂźck war da schon die Polizei eingetroffen. Die Beamten hatten die Drohungen mitbekommen und den BrĂźdern eine klare Ansage gemacht. Das hat geholfen. Das aggressive Mädchen war Ăźbrigens ganze 15 Jahre alt. Und hatte dreikommairgendwas Promille.“ Von einem Beinahegeschehen der besonders bedrohlichen Art berichtet ein Offenbacher Rettungsassistent: „Wir waren mit dem NEF als Erste da. Der Patient Ăśffnete uns die TĂźr und bedrohte uns sofort verbal. Wir machten gleich einen Schritt zurĂźck und fragten ihn, was denn los sei.“ Der Mann, so erzählt der Kollege weiter, hatte daraufhin plĂśtzlich eine Pistole in der Hand, die er auf ihn und die Notärztin richtete: „Der Patient stand kurz vor Amok; er bebte richtig vor Wahn. Mein erster Impuls war Weglaufen, aber das wäre sinnlos gewesen.“ Durch Einreden auf den akut psychotischen Mann gelang es der Besatzung, ihn dazu zu bewegen, die Waffe wegzulegen und zum mittlerweile eingetroffenen RTW mitzukommen, wo die Polizei ihn in Empfang nahm. Die Waffe stellte sich hinterher zwar als Gaspistole heraus, neben ihr lag jedoch ein scharfer Revolver. Der Patient war als gewalttätig bekannt, nachdem er zuvor einen Menschen mit einer Machete bedroht hatte. Trotzdem war das Team in der Einsatzmeldung darauf nicht hingewiesen worden. Der Rettungsassistent Ăźbt daran Kritik: „Datenschutz hin oder her, man sollte sich schon Ăźberlegen, wie unsere Sicherheit hier gewährleistet werden kann. Mit einer entsprechenden Vorinformation wären wir da ohne die Polizei gar nicht reingegangen.“ Der Kollege hat aus diesem Vorfall eine Konsequenz gezogen: „Der banalste Einsatz kann in einem kurzen Moment in eine lebensbedrohliche Situation kippen. Mit diesem Bewusstsein gehe ich seither in jeden Einsatz. FĂźr den absoluten Notfall trage ich seither auch immer ein Pfefferspray in der Jackentasche.“

Fazit Gewalt ist vor allem ein soziales Problem. In einer Stadt wie Offenbach ist daher von einem erhĂśhten Gewaltpotenzial

Abb. 3: Fßr absolute Notfälle haben einige Offenbacher Kollegen Pfefferspray in der Jackentasche

gegen die Rettungsdienste auszugehen. Leider ist es noch unmĂśglich, diese Annahme exakt zu quantifizieren: Es lässt sich nicht feststellen, ob sich das durch die Kriminalstatistik belegte erhĂśhte Potenzial auch tatsächlich gegen die Helfer richtet. Allerdings weist das allgemeine BedrohungsgefĂźhl der Kollegen in diese Richtung. Schutzbrillen, Pfefferspray und der Wunsch nach stichsicheren Westen – auch wenn man gerade die beiden letzteren kritisch betrachten muss, weil sie vielleicht nur eine Scheinsicherheit bieten – sind klare Indizien fĂźr die Sorge in den Reihen der Retter. Auf der Seite des Rettungsdienstträgers mag man dieser Argumentation nicht folgen und sieht die zunehmende Gewalt nicht als ein spezifisches Offenbacher Phänomen. Dennoch hat man dort und bei den Hilfsorganisationen einen Handlungsbedarf erkannt. Da Ăźber den Ausbruch oder Nicht-Ausbruch von Gewalt das Verhalten des RTWTeams oft mitentscheidet, hält man einseitige AufrĂźstungsmaĂ&#x;nahmen fĂźr ungeeignet. Stattdessen sollen die Kollegen durch Fortbildungen besser auf derartige Situationen vorâ– bereitet werden. â– 

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Sicherheitsgefährdende Handlungen im RD: Vorkommen, Ursachen und Gegenmaßnahmen Autor: Dr. med. Matthias Zimmer Medizinische Klinik 1, Ketteler Krankenhaus Offenbach, Lichtenplattenweg 85, 63071 Offenbach am Main, matthias. zimmer@notfallsimulationen.de

Abb. 1: Mögliche unglückliche Verkettung: Eine belassene Venenstauung nach Punktion ist schnell übersehen

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Begriffe wie Human Factor und Crew Resource Management bevölkern seit einiger Zeit medizinische Fachzeitschriften. Meistens haben sie noch keinen tiefgreifenden Einzug in den rettungsdienstlichen Alltag gehalten. Doch wie steht es wirklich um die Patientensicherheit im Rettungsdienst und welche praktischen Verbesserungsansätze bestehen?

P

atientensicherheit als Ausdruck einer umfassenden Sorge um das Wohlergehen des Patienten ist ein relativ junges Thema für die präklinische Notfallmedizin. Man versteht darunter das Produkt aller Maßnahmen, die darauf gerichtet sind, Patienten vor vermeidbaren Schäden im Zusammenhang mit der Heilbehandlung zu bewahren (1). Seit der Antike gilt der Grundsatz „primum non nocere“ (lat. zuerst nicht schaden) in der Medizin. Die bestmögliche Diagnostik und Therapie sind gemeinhin das erklärte Ziel. Mit dem §70 des 5. Sozialgesetzbuches manifestiert sich dieser gesellschaftliche Wunsch nach einer hohen Versorgungsqualität. Nur werden wir dem gerecht?

Die Schlichterstelle der Bundesärztekammer wies für das Jahr 2009 1.771 ärztliche Behandlungsfehler bei 7.424 bearbeiteten Anträgen aus; meistens waren operative Fächer betroffen. Das Robert-Koch-Institut schätzte bereits vor 10 Jahren, dass in Deutschland 12.000 anzuerkennende Behandlungsfehler bei 40.000 vermuteten Behandlungsfehlern pro Jahr vorkommen. Dabei handelt es sich nur um die Spitze eines unerforschten Eisberges. Die Beschwerden der Patienten bilden die gut sichtbare Spitze und der Rest des Eisberges (Patienten ohne Drang zur Beschwerde, augenscheinlich unerhebliche Ereignisse usw.) verbirgt sich unter der Wasserlinie.

Bereits der Sachverständigenrat für die konzertierte Aktion im Gesundheitswesen verwendete im Jahr 2003 eine ähnliche Metapher zur Beschreibung der Situation. Verlässliche Daten zum gesamten Unterbau des Eisberges waren und sind leider nicht verfügbar. Erst allmählich begann in den letzten Jahren ein strukturiertes Umdenken, u.a. gefördert durch Projekte wie das Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. Allerdings befinden sich in der angeknüpften öffentlichen Diskussion mehrheitlich Kliniken und niedergelassene Ärzte im Fokus. Für den Rettungsdienst stehen heute immerhin einige Hinweise und erste Indikatoren für eine Lagefeststellung bereit. Einen Betrag dazu leistet u.a. die Arbeitsgruppe Fehlermanagement und Kommunikation. Zuweilen kann auch ein Blick auf ausländische Rettungsdienstsysteme hilfreich sein.

Die AG FemKo Die Arbeitsgemeinschaft Fehlermanagement und Kommunikation (AG FemKo) entstand aus einer gemeinsamen Forschungsarbeit von Rainer Waßmer und Matthias Zimmer im Rahmen ihrer Dissertationen. In Kooperation mit dem Frankfurter Institut für Rettungsmedizin und Notfallversorgung der Branddirektion Frankfurt und dem Ärztlichen Leiter Rettungsdienst (Stadtgesundheitsamt Frankfurt), dem Hessischen Sozialministerium und der Goethe-Universität Frankfurt werden „Fehler“, Kommunikation und Teamarbeit im Rettungsdienst zur Steigerung der Patientensicherheit untersucht. So soll die Patientenversorgung im Rettungsdienst im Hinblick auf ein modernes Risikomanagement verbessert werden. Die gewonnenen Erkenntnisse dienen zur Entwicklung von Strategien, die im RD-Alltag unter ökonomischen und didaktischen Gesichtspunkten in die Praxis umgesetzt werden können. Zusätzlich bietet die AG FemKo Schulungen in Sachen Fehlermanagement und Kommunikation an.

Wissen, worüber man was spricht Wohl jedem Rettungsdienstler in Deutschland ist bekannt, dass es sich bei einer „Viggo“ oder „Braunüle“ um eine Form des peripheren Venenverweilzugangs handelt. Hierüber besteht ein stillschweigender Konsens. Im Bereich der Patientensicherheit ist dies bisher nicht geschehen. Tritt eine Gefährdung der Patientensicherheit ein, so ist zu deren zukünftiger Vermeidung eine genaue Bewertung der Ereignisse entscheidend. Zudem gelangt man schnell auf juristisches Glatteis, wenn man nach Eintritt eines sicherheitsgefährdenden Ereignisses vorschnell unangebrachte und unüberlegte Begriffe verwendet. Denn einzelne Begriffe sind eng 8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 732


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verbunden mit der juristischen Wertung eines Vorsatzes. Daher sollte anfänglich immer neutral von einem unerwünschten Ereignis gesprochen werden. Erst im Rahmen einer strukturierten und ergebnisoffenen Bewertung sollten andere Begriffe eingebracht werden. Die zur Verfügung stehende Einteilung (Tab. 1) beruht zu einem Großteil auf Erkenntnissen des amerikanischen Psychologen James Reason und findet sich in in den Definitionen des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin wieder (1, 2).

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■ Klassifikation der „Fehlerarten“ aktiver Fehler

Tab. 1

tritt während praktischer Tätigkeiten auf und ist zeitlich sowie räumlich begrenzt ohne vorherige Absicht zum Handeln • unfreiwillige Handlung

bei der Handlung lag immer noch keine Absicht vor

• spontane Handlung

der Handlung lag spontan eine Absicht vor

Internationale Einordnung

mit vorheriger Absicht zum Handeln

Ein kurzer Blick über den deutschen Tellerrand auf das internationale Parkett kann bei einer erste Einordnung helfen. Bei allen bekannten Unterschieden der verschiedenen Rettungsdienstsysteme einen sie die Teamarbeit und die z.T. komplexen Handlungsabläufe. In der australischen Versorgungskette des Schädel-Hirn-Traumas konnten 19,9 sicherheitsgefährdende Ereignisse pro Patient dokumentiert werden (3). Davon geschahen 85% in der präklinischen Versorgungsphase. Ebenfalls in Australien konnten mittels eines freiwilligen und anonymen Meldesystems 2,0 Zwischenfälle pro Einsatz ermittelt werden (4). Schaut man sich die erschlagende Anzahl der Studien zur endotrachealen Intubation an, so findet man eine unübersichtliche Rate von Fehlintubationen. Aber wie sieht die Lage in Deutschland aus?

• Ausrutscher

Beispiel: Man möchte die Infusion zudrehen, aber erhöht stattdessen die Tropfrate • Aussetzer

Vergessen einer vorgesehenen Tätigkeit in einem mehrteiligen Ablauf Beispiel: Man schließt eine Infusion an einen peripheren Zugang an, aber vergisst, sie aufzudrehen

• Irrtum

falsches Wissen oder die Anwendung einer falschen Regel Beispiel: Anwendung der Schocklage bei Beckentrauma

• Verstoß

bewusstes Übertreten bekannter Regeln Beispiel: Der Patient wird zur Zeitersparnis beim Retten mit der Schaufeltrage nicht fixiert und fällt dabei zu Boden

Sicherheitsgefährdende Handlungen Eine Untersuchung der Goethe-Universität Franfurt und der Berufsfeuerwehr zeigte ein erstes umfassenderes Bild der Patientensicherheit im Rettungsdienst (5, 6). In simulierten Notfallszenarien (Asthma bronchiale, Lungenembolie, Reanimation und Polytrauma) wurden die Handlungen und das Kommunikationsverhalten von 80 Rettungsassistenten mittels Videoaufzeichnungen untersucht. Im Durchschnitt konnten 7,4 unerwünschte Ereignisse pro Simulation festgehalten werden (Tab. 2). Darunter fielen z.B. dauerhaftes Belassen der Stauung nach Venenpunktion, insuffiziente Immobilisation, Lücken im Monitoring oder mangelhaftes Arbeitsplatzmanagement. Weiterhin waren die Reihenfolge der einzelnen Maßnahmen der Diagnostik und Behandlung sowie ihre Auswahl uneinheitlich. Hierin wurde u.a. das Vorhandensein unterschiedlicher mentaler Modelle der Versorgungsstrategie sichtbar. Eine nachweisbare Verbindung zwischen dem Vorkommen sicherheitsgefährdender Handlungen und anderen Faktoren (Alter, Erfahrung, Motivation der Probanden usw.) bestand nicht.

falsche Durchführung einer eigentlich richtigen Maßnahme

latenter Fehler

Mängel im umgebenden System, die zu einer Patientenschädigung führen Beispiel: Mitarbeiter verkennen mit hoher Konstanz das Vorliegen einer Lungenembolie, weil sie in dem Krankheitsbild nicht unterrichtet wurden

unerwünschtes Ereignis

es besteht die grundsätzliche Möglichkeit, dass ein Ereignis den Patienten schädigen kann; die Schädigung muss aber nicht eintreten

Beinahe-Fehler

ein Fehler bzw. seine Bahnung wurde noch vor seinem wirksamen Eintreten erkannt und verhindert

Ende eines jeden Szenarios zu den Rettungsassistenten stieß, gingen 53,7% der Informationen über durchgeführte Maßnahmen und Statusveränderungen des Patienten verloren.

Reibungsverluste Dokumentation Im Nachhinein getrennt voneinander befragt äußerten 60% der Rettungsassistenten für das von ihnen durchgespielte Szenario eine richtige Verdachtsdiagnose. Jedoch hatten nur 55% der Teams einen teaminternen Konsens über ihre Verdachtsdiagnose. Tendenziell waren die Verdachtsdiagnosen eher richtig, wenn die Teammitglieder darüber einer Meinung waren. Weiterhin zeigte sich, dass pro Simulation 3,9 negative Kommunikationsereignisse (Missverständnisse, missverständliche Formulierungen, verbales Kompetenzgerangel oder Abgabe von Informationen ohne Adressaten) auftraten. In den Übergabegesprächen an einen Notarzt, der jeweils am 8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 733

Doch nicht nur die mündliche Übergabe kann ein potenzieller Auslöser einer Fehlerkette sein. Auch die schriftliche Dokumentation kann sicherheitsgefährdend wirken. Eine simulationsbasierte Studie der Universität Aachen untersuchte das Dokumentationsverhalten der Notärzte (7). Die Teams durchliefen Notfallszenarien zur Versorgung eines Patienten mit einem Polytrauma oder einem ST-Streckenhebungsinfarkt. Nach Abschluss des Szenarios hatten die Notärzte Zeit, ein DIVI-Protokoll auszufüllen. Dabei zeigte sich bei den Szenarien des STEMI bzw. Polytraumas, dass nur 58% bzw. 61% der durchgeführten Handlungen korI 33 I


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■ Mittelwert (MW) und Standardabweichung (SD) der unsicherer Handlungen pro SimuTab. 2 lation Szenario

MW±SD

Reanimation

6.8 ± 3.9

Asthma bronchiale

8.1 ± 3.9

Lungenembolie

4.0 ± 1.6

Polytrauma

9.3 ± 3.2

gesamt

7.4 ± 3.8

rekt dokumentiert wurden, 20% bzw. 25% der Aktionen waren falsch dokumentiert oder mit 22% bzw. 14% gar nicht dokumentiert. Ebenso lückenhaft gestaltete sich die Protokollierung der Medikamente.

le, Zeitdruck, interpersonelle Probleme und psychische Belastung genannt (9). In Übereinstimmung mit Erfahrungen aus anderen Hochrisikoarbeitsplätzen sind folglich Teamarbeit, Kommunikation und Umgang mit unerwünschten Ereignissen die Schlüssel zu mehr Patientensicherheit.

Arbeiten im Team „Die Hölle, das sind die anderen“ schrieb bereits in einem etwas anderen Zusammenhang der französische Philosoph Jean-Paul Sartre. Wer in einer Gruppe gut und ohne Reibungsverluste arbeiten möchte, sollte Kenntnis über die Dynamik der menschlichen Psyche haben. Dies gilt insbesondere für Führungskräfte. Die Güte der Teamarbeit hängt u.a. von den Teammitgliedern, den Umgebungsbedingungen und dem Arbeitsmaterial ab. Das m-SHEL-Modell beschreibt diesen Aspekt und soll helfen, Schwächen im Arbeitsalltag systematisch aufzudecken (Abb. 3).

Frei berichtete Zwischenfälle

Abb. 2: Häufiger Fehler in der täglichen Praxis: Nicht sachgemäß entsorgte Arbeitsmaterialien

Eine Empfehlung für ruhige Minuten ist das Studium und natürlich auch die aktive Beteiligung an der Internetseite www.cirs-notfallmedizin.de. Hier kann der interessierte Leser einen guten Einblick in die täglich wahrgenommenen Probleme der Patientensicherheit im Rettungsdienst gewinnen. Bisher wurden dort mehr als 800 Beinahe-Fehler und Fehler eingegeben. Diese werden von den engagierten Betreibern der Seite ausgewertet und online kommentiert. Als interessant eingestufte Fälle werden als Fall der Woche bzw. des Monats plakativ präsentiert. Allerdings sind die Berichte mit Vorsicht zu genießen, da die Verfasser der Berichte immer nur über das berichten können, was sie selbst als kritisch für den Patienten einschätzen. Dies erfordert neben der grundsätzlichen Motivation zum Abfassen eines Online-Berichtes ein ordentliches Maß an selbstkritischer Reflexion. Das heißt, dieses Instrument kann nicht alle sicherheitsgefährdenden Situationen aufzeigen, aber viele Problemfelder benennen. So konnten Hohenstein und Fleischmann bereits 2007 zeige zeigen, dass die häufigsten Bereiche der Gefährdung folgende waren: fähr • • • •

Atemwegsmanagement, A Medikamente, M Kommunikation und K Gerätemanagement (8). G

Teamentstehung Die meisten Teams im Rettungsdienst sind so genannte Adhoc-Teams (10). Sie bilden sich ohne eine engere gemeinsame Vorbereitung, und die Rollenerwartungen können ungeklärt sein. Das Zusammenkommen verschiedener Rettungsfahrzeuge mit wechselnden Besatzungen birgt ein nicht minderes Gefahrenpotenzial für die Patientensicherheit, wenn diese Ad-hoc-Teams nicht ausreichend auf ihre Aufgaben vorbereitet sind. Gemeinsame Trainings mit Durchmischung der Teammitglieder könnten eine Risikoreduktion erbringen.

Zusammengehörigkeitgefühl Das Zusammengehörigkeitsgefühl eines Teams bestimmt einen Großteil seiner Dynamik und Aufmerksamkeit (10). Ist es niedrig, werden gestellte Aufgaben mit einem nur schwachen Interesse gemeinsam verfolgt. Besteht jedoch ein zu hohes Gefühl für die Gruppenzugehörigkeit, dann können Ereignisse im Gruppenerleben ausgeblendet werden. In beiden Fällen erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für unsichere Handlungen. Störungen im Zusammengehörigkeitsgefühl sollten daher frühzeitig erkannt, benannt und behutsam korrigiert werden.

Mentale Modelle Prävention Prä Zun Zunächst muss festgehalten werden, dass die genannten Studien aufgrund ihres Studiendesigns nicht völlig verallgemeinert die werden können. Jedoch zeigen sie deutwe lich eine Tendenz auf: Wie könnte man – basierend auf den vorgenannten Untersuchungen – eine Verbesserung der Versorgungsqualität im Rettungsdienst erreichen? In einer Umfrage unter bayeerre rischen Rettungsdienstmitarbeitern wurrisch den als Hauptursachen für unerwünschte Ereignisse die Organisation der EinsatzstelErei I 34 I

Mentale Modelle sorgen für eine Bewertung einer Situation nach bekannten Maßstäben und den daraus resultierenden Handlungen (11). Lässt man zwei Menschen unabhängig voneinander einen Baum zeichnen, so werden sich die beiden Bilder unterscheiden und gleichzeitig in einigen Punkten gleichen. Denn jeder hat seine eigene Vorstellung von einem Baum, den er vor seinem „inneren Auge“ sieht. Fehlt in einem Team der Konsens über ein mentales Modell, dann wird die Zusammenarbeit erschwert und die Eintrittswahrscheinlichkeit für unerwünschte Ereignisse erhöht sich. Daher müssen in Aus- und Fortbildungen für nicht-ärztliche und ärztliche Mitarbeiter gemeinsame mentale Modelle (Verständnis der Pathophysiologie, Behandlungswege- und ziele) vermittelt werden. 8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 734


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Hierarchie

Abb. 3: Teamarbeit im m-SHEL-Modell (18) – S Software: Richtlinien, Wissen. H Hardware: Arbeitsmaterialien. E Environmental: Umgebung. L Lifeware: Mitglieder des Teams. M Management: Organisation der SHEL-Teile

In der Teamarbeit ist eine gewisse Hierarchie unabdingbar. Ist der Einsatzführer/Teamführer nicht für seine Aufgabe geeignet (Ausbildungsdefizit, Erfahrungsmangel, keine Führungspersönlichkeit), mindert dies die Leistungsfähigkeit des Teams. Kommt es aufgrund mangelhafter Absprachen zu unklaren Führungsstrukturen, führt dies zu einer Verantwortungsdiffusion, die nachweislich von einer Tendenz zu riskanten Entscheidungen begleitet wird (12). Weiterhin sollte der an den Tag gelegte Führungsstil der vorherrschenden Situation angepasst sein. Diesbezüglich lohnt sich ein Studium der DV100.

Situationsbewusstsein Eine aktuell vorliegende Situation zu erfassen und sich in ihr zu orientieren, wird als Situationsbewusstsein bezeichnet. Liegt ein ausreichendes Situationsbewusstsein vor, so kann eine sinnvolle Kontrolle auf die komplexe Umgebung ausübt werden (13). Kontinuierlich prüfen wir uns unbewusst selbst, unsere aktuelle Lage und vergleichen sie mit erlernten Prüfmerkmalen. Diese Prüfung kann trainiert werden und sollte ständig vergegenwärtigt werden. Erste Hinweise auf unerwünschte Ereignisse können so schneller bemerkt werden. Der in der DV100 beschriebene Führungskreis (siehe auch PDCA-Kreis nach Deming und Shewhart (14, 15)) kann eine Methode sein, den ersten Verdacht auf ein unerwünschtes Ereignis zu prüfen.

Wissen und Fertigkeiten Unbestreitbar sind Wissen und manuelle Fertigkeiten ein besonders wichtiges Element der Patientenversorgung. Nur Symptome und Krankheiten, die man kennt, kann man sicher diagnostizieren und therapieren. Eingeübte Abläufe sind weniger anfällig für Ausrutscher und Aussetzer als selten angewandte. In einem Team verfügt jedes Mitglied über anderes Wissen und Fertigkeiten. Dies ist Problem und Chance zugleich. Einerseits kann man voneinander lernen und sich ergänzen. Andererseits können konkurrierende mentale Modelle ungebremst zusammenstoßen. Daher sollte das Ziel des jährlichen Fortbildungsplans sein, die mentalen Modelle anzugleichen und Lücken bei Wissen und Fertigkeiten zu schließen. Fortbildungen sollten nicht mehr vom Konzept „was könnten wir mal wieder machen“ geleitet werden.

ell fatale Folgen haben (16). Fehlt durch Ausbildung und Training ein gemeinsamer Sprachcode (Stichwort „Viggo“, s.o.) und allgemein bekannte Kommunikationsregeln, gehen Informationen verloren oder es entstehen falsche Informationen (5). Werden verschiedene Anweisungen gleichzeitig erteilt, so sollten Prioritäten gesetzt werden. Kommunikationsschleifen (kurzes und lautes Wiederholen gehörter Vitalparameter oder verstandener Arbeitsaufträge) können helfen, Missverständnisse und missverständliche Anweisungen zu reduzieren. Weiterhin können strukturierte und trainierte Übergabegespräche hilfreich sein, um Informationsflüsse möglichst unbeschadet zu erhalten.

Umwelt Größter Nachteil im Rettungsdienst sind die oft ungünstigen Umgebungsbedingungen. Hitze, Kälte, Nässe oder Dunkelheit reduzieren durch körperliche Belastung unsere kognitiven Fähigkeiten. Erleichterung schaffen eine sichere und gut zutragende Persönliche Schutzausrüstung, einfach handhabbare Medizinprodukte und die Schaffung eines möglichst hindernisfreien Arbeitsumfelds am Patienten. Doch der Begriff der Umwelt wird im m-SHEL-Modell erweitert um politische, gesellschaftliche und ökonomische Einflüsse. Diese wirken auch auf die tägliche Arbeit im Rettungsdienst ein und bedürfen einer entsprechenden Berücksichtigung.

Kommunikation

Torwächter-Effekt

Eine unserer größten evolutionären Errungenschaften ist unsere Art der Kommunikation. Zugleich ist sie durch ihre Vielschichtigkeit eine Achillesferse. Kommunikationsschwächen in einem Hochrisikobereich können potenzi-

Damit alle Mitarbeiter aus Ereignissen lernen können und Probleme auf allen Ebenen erkannt werden, muss in jedem sozialen System (Unternehmen) der so genannte Torwächter-Effekt überwunden werden. Bei jedem Wechsel

Hanseatische ZertifizierungsAgentur Ihr erfahrener Partner für Zertifizierungen im Rettungsdienst! Zertifizierung von Managementsystemen nach ISO 9001:2008 im Rettungsdienst und im Gesundheitswesen. Unser Team steht Ihnen für Fragen rund um den Zertifizierungsprozess gerne zur Verfügung! Schellerdamm 18 - 21079 Hamburg - Tel.: 040-76794290 – Fax: 040-767942928 – info@hansezertag.de – www.hansezertag.de

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einer Information von einer niedrigeren auf eine höhere Ebene filtert ein Torwächter (z.B. Vorgesetzter) die wichtigen Informationen heraus, um sie weiterzugeben (17). Dabei werden auch gerne unbequeme und augenscheinlich unwichtige Informationen herausgefiltert. Dies geschieht entweder unbewusst oder zur Aufrechterhaltung eines liebgewonnen persönlichen Status quo. Eine dem entgegenstehende Unternehmenskultur im Rettungsdienst hätte die Aufgabe, den Torwächter-Effekt abzumildern.

Abb. 4: Arbeitsplatznahes Training

Simulationstraining Strukturierte und sinnvoll angelegte Simulationstrainings sind elementarer Bestandteil eines modernen Aus- und Fortbildungssystems. Teure Full-Scale-Simulatoren auf universitärem Niveau sind hierfür jedoch nicht notwendig. Nicht die umgebende Technik steht im Mittelpunkt, sondern die gefühlte Wirklichkeitsnähe des Notfallbildes, z.B. mittels realistischer Unfalldarstellung und intelligent gestalteter Einsatzverläufe. Als Verantwortlicher für Fortbildungen sollte man sich trennen von den alleinigen Reanimationsübungen und versuchen, geschützt vor juristischen und dienstrechtlichen Befürchtungen unterschiedliche Notfallbilder unter verschiedenen Bedingungen zu üben. Hinzu kommen Trainings für manuelle Fertigkeiten. Planung und Auswertung sollten in einem festen Konzept niedergelegt sein. So sollten die Daten der Simulationen aus dem Jahr 2011 die Fortbildungsinhalte für 2012 mitbestimmen.

Unternehmenskultur Zu Beginn aller Bemühungen steht jedoch eine Unternehmenskultur, die eine offene Fehlerkultur beinhaltet. Diese Fehlerkultur muss von allen gelebt werden und darf nicht als leere Worthülse und vermeintliches Qualitätssiegel am Unternehmen prangen. Probleme müssen schonend und verantwortungsbewusst angegangen werden. In einer Umgebung des Vertrauens kann die eigene Scham überwunden und das Schmähen vermeintlicher Fehlerverursacher beendet werden. Die aufgezählten Ansatzpunkte sind ein Ausschnitt aus einem Maßnahmenkatalog, der einen Betrag zur Verbesserung der Patientensicherheit leisten kann. Die I 36 I

Maßnahmen müssen auf die örtlichen Gegebenheiten und Wünsche der Beteiligten abgestimmt sein. Generell ist ein Umsetzen im „Hauruck-Verfahren“ nicht empfehlenswert. Insgesamt sollte jedoch ein Umdenken bei jedem Einzelnen einsetzen: von den neuen Auszubildenden bis zur Geschäftsführung, Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes und ■ zuständige Aufsichtsbehörden eingeschlossen. ■

Literatur: 1. Thomeczek C, Bock W, Conen D et al. (2004) Das Glossar Patientensicherheit – Ein Beitrag zur Definitionsbestimmung und zum Verständnis der Thematik „Patientensicherheit“ und „Fehler in der Medizin“. Gesundheitswesen 66: 833-840 2. Reason J (1990) Human Error. Cambridge University Press, Cambridge 3. McDermott FT, Rosenfeld JV, Laidlaw JD, Cordner SM, Tremayne AB (2004) Evaluation of management of road trauma survivors with brain injury and neurologic disability in Victoria. J Trauma 56: 137-149 4. Stella J, Davis A, Jennings P, Bartley B (2010) Introduction of a prehospital critical incident monitoring system – final results. Prehosp Disaster Med 25: 515-520 5. Waßmer R, Zimmer M, Oberndörfer D et al. (2011) Kann durch eine einfache Schulung das Kommunikations- und Patientenübergabemanagement in der Notfallmedizin verbessert werden? Notfall + Rettungsmedizin 14: 37-44 6. Zimmer M, Waßmer R, Latasch L et al. (2010) Initiation of risk management: Incidence of failures in simulated emergency medical service scenarios. Resuscitation 81: 882-886 7. Bergrath S, Rörtgen D, Skorning M, Fischermann H et al. (2010) Emergency mission documentation in simulated care: Video-based error analysis. Anaesthesist Online First™ 8. Hohenstein C, Fleischmann T (2007) Patientensicherheit im Hochrisikobereich. Der Notarzt 23: 1-6 9. Höpfl J, Enderlein S, Loew T, Götz K (2010) Umfrage zur Einschätzung von kritischen Ereignissen im Rettungswesen. Notfall + Rettungsmedizin 13: 302-308 10. Pierre S, Hofinger G, Buerschaper C (2005) Notfallmanagement. Human factors in der Akutmedizin. Springer Medizin Verlag, Heidelberg 11. Johnsin-Laird PN (1983) Mental Model. Towards a cognitive science of language, interference, and consciousness. Camebridge University Press, Camebridge 12. Darley JM, Latane B (1968) Bystander intervention in emergencies: Diffusion of responsibility. J Pers Soc Psychol 8: 377-383 13. Endsky MR (1995) Toward a theory of situation awareness in dynamic systems. Human Factors 37: 32-64 14. Deming WE (1982) Out of the Crisis. Massachusetts Institute of Technology, Cambridge 15. Shewhart WA (1986) Statistical Method from the Viewpoint of Quality Control. Dover Publishing, New York 16. Cushing S (1994) Fatal words. Communication Clashes and Aircraft Crashes. University of Chicago Press, Chicago 17. Nerdinger FW, Blickle G, Schaper N (2008) Arbeits- und Organisationspsychologie. Springer Medizin Verlag, Heidelberg 18. Kawano R (2002) Medical Human Factor Topics. http://www. medicalsaga.ne.jp/tepsys/MHFT_topics0103.html (Abruf Oktober 2006)

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ZUM THEMA

Gewalt im Einsatz: Studie bei der Wiener Berufsrettung Autor: Alexander Auer M.Sc. Kugelzipfgasse 13 A-2514 Traiskirchen alexander.auer@ auer-aggressives.at

Bei diesem Beitrag handelt es sich um eine gekürzte Fassung einer Masterthesis des Lehrgangs Rettungsdienstmanagement an der Donau-Universität Krems.

Aggression an diversen Arbeitsplätzen ist ein Thema, das erst in den letzten Jahren zunehmend Beachtung findet. Speziell in der Psychiatrie bzw. Altenpflege sowie an Schulen werden laufend neue Arbeiten publiziert. Im Bereich des Rettungsdienstes hat man sich bisher in diversen Studien nur am Rand mit dem Thema auseinandergesetzt. Durch die fehlende Forschung wird auch in aktuellen Lehrunterlagen ein Umgang mit aggressiven Personen nicht oder nur am Rand thematisiert. Da auch nach umfangreichen Recherchen im Internet und in Bibliotheken keine Arbeiten über Aggression gegenüber Rettungsdienstmitarbeitern gefunden werden konnten, blieb die Möglichkeit, eigene Daten zu erheben.

tion ebenso auf die Behandlung von Patienten durch den Rettungsdienst auftreten kann. „Gereizte und aggressive Patienten besitzen nicht selten die Fähigkeit, andere Menschen bis aufs Äußerste zu provozieren. Hier sind hohe Anforderungen an den professionellen Rettungsdienst gestellt. Ruhe und ‚einen kühlen Kopf’ zu bewahren, sich nicht auf die Provokationen einzulassen und trotzdem sicher und entschlossen aufzutreten, ist oberstes diagnostisches und therapeutisches Ziel“ (Pajonk, 2001, S. 206).

Aggression und Gewalt

Rettungsdienstmitarbeiter sind aufgrund ihrer Ausbildung in der Lage, Patienten laut den geltenden Standards zu versorgen. Jedoch gibt es im Rettungsalltag immer wieder Situationen, die trotz der Ausbildung nicht oder nur sehr schwer bewältigt werden können. Bei solchen Situationen kann bei den Helfern ebenso ein Gefühl der Hilflosigkeit entstehen, wie bei Einsätzen mit spezifischen Notfallsituationen (z.B. Kindesmisshandlung) oder einer erfolglosen Reanimation. Diese Hilflosigkeit kann genauso belastend sein, wie Einsätze in der Öffentlichkeit (ebenso vor den Augen der Angehörigen), vor Schaulustigen und der Presse. Dieser entstehende Stress ist abhängig vom Ausbildungsstand und der Erfahrung des jeweiligen Rettungsdienstmitarbeiters verschieden stark ausgeprägt. „Die intensiven Belastungen eines Notfallopfers werden durch die Unvorhersehbarkeit und Plötzlichkeit des Geschehens und seine

Aggression und Gewalt werden oft in einem Atemzug genannt, jedoch ist die Gewalt nur ein kleiner Teil des vielfältigen Spektrums der Aggression. Entsprechend vielfältig sind die Unterteilungen und Definitionen der Wissenschaftler für aggressives Verhalten. Aggression wird auch als „die Verursachung von Schaden an Material oder an anderen Personen durch das Überschreiten von Grenzen (oder Normen oder Regeln) von anderen“ definiert. Im Gesundheitswesen gibt es zwei verschiede Auffassungen von Aggression. Im engen medizinisch-psychiatrischen Sinne wird Aggression als ein Symptom bei bestimmten Krankheiten, die behandlungswürdig ist, gesehen. Des Weiteren gibt es die „antipsychiatrische“ Auffassung von aggressivem Verhalten als logische und gesunde Reaktion auf strukturelle Gewalt und auf die Behandlungen in der Psychiatrie, wobei diese Reak-

Aggressionsauslöser im Rettungsdienst Ein Rettungseinsatz ist oft Stress. Einerseits für die Rettungsdienstmitarbeiter und andererseits für Patienten und Angehörige. Auch für Unbeteiligte und Ersthelfer ist es meistens nicht alltäglich, Verletzte und Erkrankte zu sehen.

Abb. 1: Deeskalationskurs bei der Wiener Rettung: Neben theoretischen Inhalten – Kollegenrettung 1

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ZUM THEMA

RETTUNGSDIENST

Unausweichlichkeit wesentlich verstärkt. Das Notfallopfer wird abrupt aus seinen bisherigen Lebensbezügen in eine Situation hineingeworfen, die seiner Kontrolle entglitten ist. Den Umständen weitgehend ausgeliefert, hängt sein Überleben vom verlässlichen Einsatz fremder Menschen ab. Je nach Art des Geschehens kann es in der Wahrnehmung seiner Umgebung eingeschränkt sein, so dass es den Ablauf z.T. nicht verfolgen und schon gar nicht verstehen kann. Die Reaktionen eines Notfallopfers sind individuell verschieden“ (Bengel, 1997, S. 11). Ähnliches gilt für die Angehörigen des Notfallopfers. Auch diese sind mit der plötzlich eingetretenen Situation konfrontiert und müssen sich auch auf das richtige Handeln des Rettungsteams verlassen. Des Weiteren wird oft das Verhalten des Rettungsdienstpersonals von Angehörigen und Patienten als belastend beschrieben. Hier wird oft das Gefühl der Abgestumpftheit und der Bagatellisierung der Retter angeführt. Ebenso wird die Fachsprache und der damit entstehende Informationsmangel von Patienten und Angehörigen als unangenehm empfunden. Zuschauer und Ersthelfer sind bei vielen Notfalleinsätzen am Ort des Geschehens. Ersthelfer stehen oft dem Rettungsdienstpersonal bei deren Eintreffen mit einer gewissen Erwartungshaltung gegenüber. So wollen diese in der Regel über ihre getroffenen Erste-Hilfe-Maßnahmen und den eventuell beobachteten Unfallhergang sprechen. In manchen Fällen wird das Rettungsteam aber der Versorgung des Notfallopfers absolute Priorität widmen oder die bereits getroffenen Maßnahmen korrigieren. Dies wird dann von den Ersthelfern als Ablehnung und abwertend empfunden. „Zuschauer beobachten entweder das Geschehen aus weiter Distanz, ohne zu stören, oder sie behindern aktiv oder passiv die Rettungsmaßnahmen. Eventuell vorhandene Tendenzen zur Hilfeleistung werden durch geringe Einschätzung der eigenen Kompetenz und Verantwortungsdiffusion gehemmt“ (Bengel, 1997, S. 220). All diese Gefühle, Ängste und der damit verbundene Stress können in weiterer Folge zu Missverständnissen und Aggression führen.

Der Aggressor Im Gegensatz zu Kliniken kann im Rettungsdienst der Aggressor nicht nur ein Patient oder Angehöriger sein. Neben Unbeteiligten wie Ersthelfer und Zuschauer werden auch Verkehrsteilnehmer und Krankenhauspersonal von Rettungsdienstmitarbeitern als Aggressoren empfunden. Eine Erklärung, warum z.B. Unfallopfer aggressiv gegenüber Rettungsdienstpersonal werden, liefert Bengel (2). Er beschreibt, dass Unfallopfer Aggressionen gegenüber Sanitätern und Ärzten als eine Art „Erregungsabfuhr“ sehen und schlägt vor, diese soweit möglich nicht weiter zu beachten. Erst bei stärkerem Ausmaß empfiehlt er, Maßnahmen dagegen zu erwägen. Diese Erklärung ist sicher auch auf Erkrankte, Angehörige und Unbeteiligte zu übertragen, da diese in vielen Fällen ihre Hilflosigkeit nicht klar deklarieren können. Bei der Versorgung von Patienten kann es durch Kommunikationsprobleme (Sprache, andere Kulturen usw.) zu Reibungspunkten und in weiterer Folge auch zur Aggression kommen. Als weiteren Auslöser sieht Bengel Missverständnisse in der zwischenmenschlichen Kommunikation zwischen Rettungsdienstpersonal und Patienten bzw. Ange-

■ Aggressionsauslösende Bedingungen und rettungsdienstlicher Alltag (adaptiert nach (11))

Tab. 1

Aggressionsauslösende Bedingungen

Situationen im Rettungsdienst

Schreckreaktion, Angst, verhinderte Flucht

Unfallopfer bzw. Unfallverursacher

Behinderung des Besitzstrebens (z.B. Territorium)

fremde Personen (Rettungsdienstmitarbeiter ...) in der Wohnung

Behinderung des Bewegungsdranges

Patient kann sich auf Grund einer Verletzung nicht oder darf sich nur mehr beschränkt bewegen (z.B. Herzinfarkt)

Behinderung der Selbstständigkeit

Rettungsdienst entscheidet, was mit dem Patienten geschieht

Unterschreiten der Individualdistanz

Sanitäter und Ärzte müssen zur Behandlung des Patienten in dessen Individualdistanz eindringen

Überforderung (z.B. bei großer Ungewissheit)

Gedanken des Patienten: „Was wird aus mir?“ oder „ Was passiert mit mir?“

Behinderung von Neugier und Wissbegierde

Abschirmen des Patienten zum Schutz vor Schaulustigen

Verlusterlebnis (erste Trauerphase ...)

Überbringen der Todesnachricht nach erfolgloser Reanimation

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Abb. 2: Deeskalationskurs bei der Wiener Rettung: Kollegenrettung 2

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RETTUNGSDIENST

ZUM THEMA

Abb. 3: Vergleich der Übergriffe pro Monat mit dem Einsatzaufkommen in %

hörigen. Dazu zählen, dass jede Nachricht mehrdeutig ist, man nicht nicht-kommunizieren kann und die Interpunktion des Gesagten beliebig ist Sicher trägt das Auftreten von Rettungsdienstpersonal zur Eskalation bzw. Deeskalation von Situationen bei. Die Anwesenheit von mehreren Uniformierten löst in manchen Fällen bei erkrankten bzw. verletzten Personen und deren Angehörigen ein Gefühl der Unsicherheit und des „Ausgeliefertseins“ aus. Des Weiteren muss zur Versorgung eines Patienten in dessen unmittelbare Intimsphäre eingedrungen werden. Tab. 1 listet auszugsweise aggressionsauslösende Bedingungen auf. Diesen werden entsprechende alltägliche Situationen aus dem Rettungsdienst entgegengestellt. Da-

mit zeigt sich, dass bereits der einfache Rettungseinsatz jederzeit ein aggressives Ereignis auslösen kann. Die möglichen Ziele von aggressiven Übergriffen reichen von ungezielten Angriffen gegenüber nichts und niemand bis zu schweren Verletzungen involvierter Personen inklusive dem Aggressor selbst. Gegenstände können auch zum „Opfer“ von gewalttätigen Angriffen werden. Um aggressive Situationen zu beruhigen, hilft es oft, in sicherer Entfernung zu warten, bis sich der Aggressor beruhigt hat. In vielen Fällen hilft ein beruhigendes Gespräch mit der aggressiven Person. Sollte die Situation aber eskalieren, stehen den Betroffenen wenige Möglichkeiten zur

Abb. 4: Ort des aggressiven Übergriffs in % (Mehrfachnennung möglich)

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RETTUNGSDIENST

Abb. 5: Ziele der Aggression in % (Mehrfachnennungen möglich)

Verfügung, um zu deeskalieren. Limitierend für Deeskalationsmethoden sind nicht nur der Ausbildungsstand und das psychologische Einfühlungsvermögen der Angegriffenen, sondern auch gesetzliche Vorgaben. Oft können Situationen nur noch durch Einschreiten der Polizei geklärt werden. Dabei gilt aber zu bedenken, dass die Anwesenheit von Polizisten durchaus erst zur Eskalation führen kann.

Ergebnisse In der Zeit vom 1. Januar 2006 bis 31. Dezember 2007 wurden aggressive Übergriffe auf das Personal der Wiener Berufsrettung gemeldet, die mit einer adaptierten Form des SOAS-R-Fragebogens (Staff Observated Aggression Scale-Revised) erfasst wurden. In dieser Zeit wurden bei 268.258 versorgten Patienten 203 Übergriffe gemeldet. Das bedeutet aber auch, dass in Wien nahezu alle drei Tage ein Vorfall gemeldet wurde. Die Menge der erfassten aggressiven Übergriffe ist zwar hoch, fraglich ist aber, ob die tatsächliche Anzahl nicht weit höher ist. Nahezu zwei Drittel der Übergriffe wurden von Männern verübt. Bei einem Großteil davon wurde eine Alkoholisierung oder eine psychische Erkrankung festgestellt. In den Monaten Oktober bis Dezember sowie im April erhöht sich die Anzahl der gemeldeten Angriffe (Abb. 3). Interessant ist, dass bei näherer Betrachtung der Verteilung über die Kalenderwochen ein Anstieg der Übergriffe während der Karwoche, den letzten beiden Schulwochen, den Herbstferien, dem Ende der Sommerzeit und in der Adventzeit zu verzeichnen ist. Ein signifikanter Rückgang zeigt sich am Beginn der Sommerferien und dem Schulbeginn im Herbst. Die meisten aggressiven Übergriffe (Abb. 4) fanden in Einsatzfahrzeugen statt, gefolgt von Wohnungen, im Freigelände bzw. auf der Straße. Da hier Mehrfachnennungen möglich waren, erklärt sich, dass die Summe mehr als 100% ergibt. In der Kategorie „anderer Ort“ wurden Krankenhäuser, Restaurants, Bahnhöfe, Pflegeheime und Ordinationen genannt

häufigsten, nämlich in 90,6% der Ereignisse, waren Sanitäter, gefolgt von Einsatzfahrern mit 25,6% und Ärzten mit 15,3% das Ziel der aggressiven Übergriffe (Abb. 5).

Konsequenzen für das/die Opfer 17,7% der aggressiven Übergriffe hatten keine Konsequenzen für die Angegriffenen. In 68,5% der Fälle fühlte sich mindestens eine Person bedroht. Bei 26 gemeldeten Übergriffen wurden Geräte beschädigt, wobei die Hälfte davon repariert bzw. ersetzt werden musste. Es wurden 15 sichtbare Verlet-

Einladung:

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Ziel der Aggression Lediglich in einem Prozent der gemeldeten Fälle richtete sich die Aggression gegen nichts oder niemanden. Am 8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 741

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RETTUNGSDIENST

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Abb. 6: Subjektive und SOAS-RSchweregrade in %

zungen verursacht. 14 Personen klagten über Schmerzen, die weniger als 10 Minuten und 23, die länger als 10 Minuten andauerten. 12,8% der Verletzten bedurften einer Versorgung durch Sanitäter und 7,4% wurden klinisch abgeklärt.

Maßnahmen, um die Aggression zu stoppen Durch verschiedene gesetzliche Lagen sind die ausgeführten Maßnahmen nur bedingt mit klinischen Zuständen vergleichbar. Positiv zu vermerken ist, dass in 128 Fällen ein Gespräch zur Deeskalation geführt hat und sich die Situation in 3,9% ohne Intervention beruhigt hat. Der Patient konnte in 14,8% der gemeldeten Übergriffe nach der Deeskalation ruhig abtransportiert werden. 89 Mal wurde die Polizei zu Hilfe gerufen oder war bereits am Einsatzort. In 28,1% der Fälle war es nötig, während des Transports in ein Krankenhaus eine zusätzliche Einsatzkraft zur Überwachung bzw. Fixierung des Aggressors im Patientenraum des Einsatzfahrzeuges mitzuführen. Hier ist aber nicht näher definiert, ob es sich bei der zusätzlichen Betreuungsperson um einen Sanitäter oder einen Polizisten handelt. Bei sieben Aggressoren kamen beruhigende Medikamente zum Einsatz. 19 Mal wurden „andere Maßnahmen“ wie der Einsatz von Pfefferspray bzw. die Fixierung des Aggressors durch die Polizei ergriffen.

Dauer und Schwere der Ereignisse Mehr als die Hälfte der Ereignisse dauerte nicht länger als 20 Minuten. Etwa ein Viertel dauerten zwischen 10 und 15 Minuten. Nur in 4,5% der Fälle wurde ein Vorfall gemeldet, der länger als 70 Minuten dauerte. Lediglich fünf der Vorfälle dauerten länger als zwei Stunden. Vergleicht man den errechneten SOAS-R-Schweregrad mit der subjektiven Empfindung der Melder, stellt man fest, dass die sehr schweren Ereignisse etwa gleich empfunden und errechnet werden. 76 der Vorkommen werden als schwer empfunden, im Vergleich zu 127 nach der SOAS-RBerechnung (Abb. 6).

Diskussion Mit einer Inzidenzrate von 0,08% liegen die gemeldeten aggressiven Übergriffe bei der Wiener Berufsrettung weit I 42 I

unter den Ergebnissen der klinischen Studien. Bei diesen Studien liegen die Inzidenzraten zwischen 0,42% (22) und 22,4% (13). Während persönlicher Gespräche mit Mitarbeitern der Wiener Berufsrettung wurde mir immer wieder von aggressiven bzw. gewalttätigen Übergriffen berichtet. Die Frage, ob ein Aggressionsprotokoll ausgefüllt wurde, verneinte ein Großteil der Befragten, daher ist eine hohe Rate an nicht gemeldeten Ereignissen nicht auszuschließen. Da beinahe ein Drittel (31,5%) der aggressiven Übergriffe in Wohnungen stattfinden, muss das Rettungsdienstpersonal darauf trainiert werden, nach Möglichkeit immer einen möglichen Fluchtweg für sich selbst und den oder die Aggressoren freizuhalten. Des Weiteren scheint es sinnvoll, den Umgang mit aggressiven Patienten und die Zusammenarbeit mit Sicherheitsdiensten und Polizei bei solchen Ereignissen zu trainieren. Hier sollten gerade im Bezug auf rechtliche Aspekte die Kompetenzen und mögliche Verhaltensweisen geklärt und kommuniziert werden. Im klinischen Bereich haben bei etwa einem Drittel der aggressiven Übergriffe Zwangsmaßnahmen wie etwa Fixierung, Isolierung oder Halten zur Folge. Im Bereich des Rettungsdienstes dürfen solche Maßnahmen nur von der Polizei durchgeführt werden. Für Notärzte und Sanitäter bleibt bis zum Eintreffen der Polizei nur die Möglichkeit, sich aus dem Gefahrenbereich zurückzuziehen. Da diese Übergriffe oft in beengten sowie unbekannten Umgebungen (Rettungsfahrzeug, Wohnungen der Patienten o.Ä.) stattfinden, gilt auch für diesen Aspekt, das oben genannte Hilfsmittel des offenen Fluchtweges immer zu bedenken. Der Anteil an verbalen Attacken liegt mit 86,2% etwas unter den klinischen Studien. 68,5% der Melder von aggressiven Übergriffen im Rettungsdienst fühlten sich bedroht. Dieser Wert ist weit höher, als im klinischen Bereich (zw. 41,1% (5) und 42% (22)). Ketelsen berichtet weiter, dass in 50,6% (Wiener Berufsrettung: 17,7%) der Vorfälle keine Konsequenzen für die Opfer gemeldet wurden. Des Weiteren verzeichnete sie in 8,0% (Wiener Berufsrettung: 24,1%) der Übergriffe Verletzungen für die Angegriffenen und in 5,7% (Wiener Berufsrettung: 12,8%) beschädigte Gegenstände. Somit zeigt sich, dass trotz einer niedrigeren 8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 742


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RETTUNGSDIENST

der posttraumatischen Belastungsstörung (PtBs) der Mitarbeiter nicht außer Acht lassen. Hier scheinen die Investition in weitere Ausbildung (z.B. Deeskalationstrainings) sowie die Einführung von psychologischer Betreuung (Peers) für das Personal sinnvoll. Eine genauere Kosten-Nutzen-Rechnung wird aber erst nach einer strukturierten Erfassung der aggressiven Übergriffe bzw. einer detaillierten Aufstellung der Folgekosten (z.B. Reparatur- und Beschaffungskosten für beschädigtes Eigentum sowie Kosten für Krankenstände und Dienstausfall der Mitarbeiter) möglich sein.

Inzidenzrate eine prozentuell höhere Anzahl an aggressiven Übergriffen mit Konsequenzen für Rettungsdienstmitarbeiter gemeldet wird. Auch diese Tatsache lässt auf ein Underreporting bei geringeren Vorkommen schließen. Die Dokumentation im Rettungsdienst nahm in den letzten Jahren wie in den meisten medizinischen Bereichen drastisch zu. Neben den normalen Einsatzprotokollen kamen immer wieder Protokolle für diverse medizinische Studien neu hinzu. Obwohl der SOAS-R-Fragebogen schnell und einfach auszufüllen ist, wird er trotzdem als zusätzliche Belastung gesehen. Somit liegt der Schluss nahe, dass nicht annähernd alle aggressiven Übergriffe gemeldet wurden.

Als zielführend erscheint es, das Meldesystem als OnlineDatenbank zu gestalten. Dies würde zu einer flächendeckenden, einfach erreichbaren Erfassung der aggressiven Übergriffe auf RD-Personal führen. Außerdem ist mit einer einheitlichen strukturierten Datenbank die Vergleichbarkeit der Organisationen und auch der Bevölkerungsstrukturen gegeben. Diese Datenbank kann als Basis weiterer Studien dienen. Des Weiteren können Aus- und Fortbildungen im Bereich der Deeskalation durch kontinuierliche Auswertungen der erhobenen Daten evaluiert werden. Sollte sich diese Variante im deutschsprachigen Raum als praktikabel herausstellen und auch von den Rettungsdiensten, Rettungssanitätern und Notärzten angenommen werden, ist es denkbar, den Fragebogen in andere Sprachen zu übersetzen ■ und die Datenbank damit auszuweiten. ■

Literatur unter www.skverlag.de

Öffentliche Ausschreibung Die Freie Hansestadt Bremen, vertreten durch den Senator für Inneres und Sport, dieser vertreten durch das Stadtamt Bremen (Marktverwaltung), beabsichtigt, einen Auftrag zur Einrichtung und Durchführung des Sanitätsdienstes für das Volksfest ”Freimarkt 2011” in Bremen zu erteilen. 1.

Ausschreibende Stelle Stadtamt Bremen Marktverwaltung Obernstr. 39 - 43 28195 Bremen Tel.: (0421) 361-2385, Fax.: (0421) 361-15620

Schlussfolgerungen und Ausblick Der Fragebogen der Wiener Berufsrettung hat sich in der Zeit dieser Studie als praxisnah und leicht einsetzbar erwiesen. Es hat sich gezeigt, dass es sich um ein geeignetes Mittel zur Erfassung von aggressiven Übergriffen gegen Rettungsdienstpersonal für den deutschsprachigen Raum handelt. Es ist nicht auszuschließen, dass in Zukunft trotzdem noch Anpassungen erforderlich sind. Bei einer kritischen Betrachtung der Berechnung des Schweregrades nach der in Kapitel 4.3 angeführten Punktevergabe und der subjektiven Empfindung der Melder erweist sich diese als praxisnah. Wirtschaftlich betrachtet sollten die „Konsequenzen für das/ die Opfer“ für Rettungsorganisationen den interessantesten Teil des Fragebogens darstellen. Dieser Teil bedeutet bei einigen Punkten auch „Konsequenz für den Rettungsdienst“. In diesem Abschnitt kann durchaus auch der wirtschaftliche Verlust des Unternehmens durch aggressive Übergriffe abgeleitet werden. Sobald Gegenstände der Organisation beschädigt oder Verletzungen von Opfern gemeldet werden, entstehen für die jeweilige Organisation Kosten (Reparatur bzw. Ersatz von Eigentum des Rettungsdienstes oder zeitweiliger Verlust des/der Mitarbeiter/s durch Krankenstand). Da in 68,5% der Fälle als Konsequenz angegeben wurde, dass sich die Opfer bedroht fühlten, darf man die Gefahr 8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 743

Abb. 7: Deeskalationstraining bei der Wiener Rettung: Befreiung bei Griff in die Haare

Die Aufforderung zur Angebotsabgabe und die Verdingungsunterlagen können dort bis zum 02. September 2011 eingesehen und abgefordert werden. Die ausschreibende Stelle verfährt nach Teil A der VOL ”Allgemeine Bestimmungen für die Vergabe von Leistungen”, ohne dass der Teil A Vertragsbestandteil wird. Ein Rechtsanspruch auf die Verwendung dieser Bestimmungen besteht nicht. 2. Beschreibung der Dienstleistung Einrichtung und Durchführung des Sanitätsdienstes für das Volksfest Freimarkt 2011 vom 14. Oktober bis 30. Oktober 2011 auf der Bürgerweide, in Bremen. 3. Vergabe nach Losen: Eine Vergabe nach Losen ist nicht vorgesehen. 4. Einsichtnahme und Anforderung der Unterlagen (Aufforderung zur Angebotsabgabe und Verdingungsunterlagen) Bei der unter Nr. 1 angegebenen Stelle bis spätestens zum 02. September 2011. 5. Schlusstermin für Angebotseingang 12. September 2011, 24:00 Uhr bei der ausschreibenden Stelle. Später eingehende Angebote können nicht berücksichtigt werden. 6. Zuschlags- und Bindefrist Die Fristen enden am 22. September 2011. 7. Sonstige Angaben Mit der Abgabe eines Angebotes unterliegt der Bewerber den Bestimmungen über nicht berücksichtigte Angebote gemäß § 27 der Verdingungsordnung für Leistungen -ausgenommen Bauleistungen- (VOL/A). Bremen, den 03. Juli 2011 Stadtamt Bremen

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RETTUNGSDIENST

PORTRÄT

Rettungsdienst bei einer Werkfeuerwehr: Standards und Herausforderungen am Beispiel der TU München und ABC-Gefahren stehen noch weitere Sonderfahrzeuge zur Verfügung. Im Gebäude der Feuerwehr ist neben Büros, Werkstätten und Sozialräumen auch eine Leitstelle mit moderner Technologie integriert, die sich innerhalb der Technischen Universität zu einem kompetenten Dienstleistungsbetrieb entwickelt hat. Hier verwalten und bearbeiten speziell ausgebildete Disponenten alle eingehenden Notrufe sowie Meldungen der zentral gesteuerten Brandmeldeanlagen.

Abb. 1: Rettungswagen der Werkfeuerwehr

Autor: Christoph Hiechinger Brandmeister/ Lehrrettungsassistent, Technische Universität München, Zentralabteilung 1 – Referat 15 – Feuerwehr, Römerhofweg 67, 85748 Garching, christoph. hiechinger@ feuerwehr.tum.de

Mit rund 6.000 Beschäftigten und 11.000 Studierenden ist das Forschungsgelände Garching im Norden von München eines der größten Zentren für Wissenschaft, Forschung und Lehre in Deutschland. Hier sind in einzigartiger Konzentration naturwissenschaftliche und technische Forschungseinrichtungen zu finden. Es handelt sich um den größten Standort der Technischen Universität München, darunter die Fakultät für Chemie mit mehreren Gebäudekomplexen sowie die bekannte Forschungs-Neutronenquelle Heinz Maier-Leibnitz, früher auch „Atom-Ei“ genannt. Da diese Voraussetzungen neben alltäglichen medizinischen Notfällen ein überdurchschnittliches Gefahrenpotenzial und Herausforderungen in allen Bereichen der ABC-Gefahren mit sich bringen, gibt es seit 1979 für den Campus eine eigene Werkfeuerwehr, die sowohl den Brandschutz als auch die rettungsdienstliche Versorgung sicherstellt.

Alle Hilfeersuchen auf dem Forschungsgelände, die an einem Festnetzanschluss über die Nebenstelle 112 abgesetzt werden, gehen in der Leitstelle der TU Feuerwehr ein. Die Disponenten fragen den Notruf standardisiert ab und alarmieren die benötigten Einsatzfahrzeuge über digitale Funkmeldeempfänger und die hausinterne Alarmdurchsage. Der Rettungswagen kann auch über die Integrierte Leitstelle München zur Spitzenabdeckung in den anliegenden Gemeinden angefordert werden. Befindet er sich im Einsatzfall nicht auf dem Forschungsgelände, sind die beiden Hilfeleistungs-Löschfahrzeuge ebenfalls mit medizinischem Equipment ausgestattet, um als First Responder tätig werden zu können.

Gefahrenpotenzial Die hohe Personendichte auf dem Forschungsgelände bringt die „normalen“ Rettungsdiensteinsätze mit sich,

Struktur der Feuerwehr

Abb. 2: Die Leitstelle der Werkfeuerwehr

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Die insgesamt 62 Mitarbeiter der Werkfeuerwehr sind im Dreischichtsystem mit 24-Stunden-Diensten und im Tagesdienst beschäftigt. Es befinden sich immer mindestens 13 Mann (derzeit gibt es keine Frauen bei der Werkfeuerwehr) an der Feuerwache, die einen Löschzug bestehend aus Einsatzleitwagen, zwei HilfeleistungsLöschfahrzeugen und Drehleiter sowie einen Rettungswagen besetzen. Für Einsätze im Bereich Umweltschutz 8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 744


PORTRÄT

ebenso die vielen Baustellen, die aufgrund des ständigen Wachstums des Geländes das Potenzial für Arbeitsunfälle steigern. Nicht zu vernachlässigen sind die unterschiedlichen Institute, die mit radioaktiven und chemischen Materialen sowie Maschinen und modernen Antriebstechniken forschen und hantieren. Hier kann also immer ein Gefahrenpotenzial bestehen, auch wenn es sich in der Einsatzmeldung vielleicht „nur“ um einen Kollaps handelt. Es ist somit enorm wichtig, sich im Vorfeld mit den baulichen Gegebenheiten und den Prozessen in den Einrichtungen zu beschäftigen. Um nicht ins „kalte Wasser“ geworfen zu werden, sind alle Kräfte der Feuerwehr speziell in den Bereichen Strahlenschutz ausgebildet und haben regelmäßig Begehungen und Unterrichte in den entsprechenden Instituten.

RETTUNGSDIENST

Aus- und Fortbildung Alle im Rettungsdienst eingesetzten Kräfte haben eine Ausbildung zum Rettungssanitäter bzw. Rettungsassistenten und mindestens die Ausbildung zum Brandmeister. Von allen wird die regelmäßige Fortbildung als sehr wichtiger Bestandteil betrachtet. Im vergangen Jahr wurden zwei ITLS-Basic- für alle Rettungssanitäter sowie ein ITLS-Advanced-Kurs für alle Rettungsassistenten in den Räumlichkeiten der Feuerwehr durchgeführt. In Zusammenarbeit

Abb. 3: Der Rettungswagen von innen Abb. 4: Der Fahrzeugpark der Werkfeuerwehr

Fahrzeug und Ausstattung Ein besonderes Augenmerk wird wegen des speziellen Einsatzaufkommens auf die Ausstattung der Fahrzeuge gelegt. Der Rettungswagen ist auf einem Mercedes-SprinterFahrgestell mit Luftfederung und einem Ausbau der Firma GSF sowie einer individuellen Sondersignalanlage gestaltet. Für die EKG-Diagnostik und Defibrillation wurde letztes Jahr ein LP 15 mit Masimo-Technologie angeschafft. Ein zweiter LP 15 steht für Schulungszwecke und First-Responder-Einsätze zur Verfügung. Die Beatmung wird mittels Medumat Standard und Oxylator ermöglicht. Zusätzlich werden ein Lucas 2 für die Reanimationsunterstützung, die Möglichkeit zur intraössären Punktion mittels EZ-IO sowie ein Spineboard, Schaufeltrage und Vakuummatratze für die Trauma-Versorgung vorgehalten. Für einen Massenanfall von Verletzten werden zwei Sichtungstaschen nach dem m-STaRT-System identisch zur Berufsfeuerwehr München mitgeführt. Zusätzlich befindet sich eine feuerwehrspezifische Ausrüstung wie Atemschutzmasken, Verkehrsabsicherungssysteme und ein Glasmanagement-Koffer, um einen schnellen Zugang ins Innere eines verunfallten Pkw schaffen zu können, auf dem Rettungswagen. 8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 745

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Abb. 5: Das Team der Werkfeuerwehr beim Projekt AGON Abb. 6: Übungsdienst zum Thema Schachtrettung

Weitere Informationen:

www.feuerwehr.tum.de

mit der Arbeitsgemeinschaft Notfallmedizin Fürth und ITLS-Germany e.V. war die Werkfeuerwehr Gastgeber der Kurse. Bei teils schweißtreibenden, hochsommerlichen Temperaturen und trotz WM-Viertelfinale an einem der Kurstage wurde die Umsetzung des Algorithmus gemeinsam mit den Instruktoren trainiert und erfolgreich in die Praxis umgesetzt. Doch nicht nur die Trauma-Versorgung läuft standardisiert ab. Die sechs Lehrrettungsassistenten kümmern sich um die Ausbildung nach den aktuellen Leitlinien, die Umsetzung von neuen Konzepten wie m-STaRT und die Rezertifizierung aller Rettungsassistenten für die vom Ärztlichen Leiter freigegeben Regelkompetenz-Maßnahmen. Da die Besatzung des Rettungswagens bei Feuerwehreinsätzen für Spezialaufgaben und als zusätzlicher Feuerwehr-Trupp eingesetzt wird, muss sich der Rettungsassistent nicht nur auf dem Rettungswagen, sondern auch mit allen feuerwehrspezifischen Aufgaben auskennen. Um in allen Bereichen fit zu sein, wird jeden Vormittag ausgiebig geübt, sowohl in Form von theoretischen Unterrichten als auch bei realistischen Einsatzübungen. Hier wird die Feuerwehr von den Instituten auf dem Forschungsgelände unterstützt und oftmals mit interessanten Szenarien konfrontiert.

Das Konzept geht auf Dass eine Werkfeuerwehr und deren Rettungsdienst nicht nur wegen der enormen Ortskenntnis einen wichtigen Stellenwert haben, zeigt sich bei allen „kleinen“ Hilfeleistungen, die während eines Jahres so anfallen – aber auch im großen Stil. Erst im vergangen Jahr wurde ein MitarI 46 I

beiter der TU auf dem Forschungsgelände erfolgreich und ohne neurologisches Defizit reanimiert. Dies war u.a. nur möglich, da der Notruf bei der Leitstelle der TU Feuerwehr disponiert wurde, die Alarmierungswege somit kurz und binnen kürzester Zeit der Rettungswagen und – wie beim Meldebild „bewusstlos/Reanimation“ in der AAO zwingend vorgesehen – ein Hilfeleistungs-Löschfahrzeug vor Ort waren. Und nicht nur die optimale Patientenversorgung sehen wir als Herausforderung. Ein Team der Feuerwehr hat am ersten Deutschen Rettungsdienst-Wettkampf (Projekt AGON) in Fürth teilgenommen. Hier wurde ein Vergleich in der standardisierten Patientenversorgung mit internationalen Teams gezogen. Sehr stolz sind die Kollegen deswegen über das Ergebnis – der zweite Platz ist ein Zeichen dafür, dass sich die Arbeit lohnt.

Fazit Die aktive Abwehr von Gefahren – etwa Brandbekämpfung und technische Hilfeleistung – nimmt nach wie vor einen hohen Stellenwert bei einer Werkfeuerwehr ein. Doch auch der Rettungsdienst muss sich aufgrund der geografischen und technischen Besonderheiten im jeweiligen Unternehmen und den zu erwartenden Einsätzen und Herausforderungen in vielen Bereichen spezialisieren. Für einen reibungslosen Einsatz ist eine hochmoderne Fahrzeugflotte ergänzt durch das entsprechende technische Gerät und optimal ausgebildete Mitarbeiter genauso unumgänglich, wie der regelmäßige Blick über den Tellerrand und das „Nicht-Aufhören, gegen den Strom zu ■ schwimmen.“ ■ 8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 746


Zertifizierte Fortbildung Teil 8 Das Thema: Die Leitstelle: Der Notrufdialog ist der Kernprozess

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FORTBILDUNG

LEITSTELLE

Die Leitstelle: Der Notrufdialog ist der Kernprozess Autoren: Ingolf Zellmann Stadt CottbusFachbereich Feuerwehr Leitstelle Lausitz, Leiter der Leitstelle Prof. Dr. Katja Schimmelpfeng Dipl.-Kffr. Ute Krüger Brandenburgische Technische Universität Cottbus, Fakultät 3, Lehrstuhl ABWL und Besondere des Rechnungswesens und Controlling Mario Müller Stadt CottbusFachbereich Feuerwehr Leitstelle Lausitz, Systemtechnik Daniel Sievers Landkreis Barnim, Ordnungsamt Integrierte Regionalleitstelle NordOst Stellv. Leiter der Leitstelle Achim Hackstein Harrislee, Leitstellenzweckverband Kooperative Regionalleitstelle Nord Leiter der Leitstelle (Kommunaler Teil) achim.hackstein@ leitstelle-nord.de

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Professionelle Leitstellenarbeit der Gegenwart bedeutet deutlich mehr, als zu telefonieren und ein paar Knöpfe zu drücken. Der Arbeitsplatz Leitstelle gehört in den Bereich der Hochleistungsbranche, zu denen auch die Luftfahrt, die Medizin und auch die Kernkraftindustrie zugehörig sind. Die Leitstelle ist ein vielfältiges, spannendes und facettenreiches Gebilde, in dem dem „Faktor Mensch“ besondere Aufmerksamkeit zuteil wird.

Gesetzliche Grundlagen (Beispiel Brandenburg) Behördliche Leitstellen zur Entgegennahme des europaeinheitlichen Notrufes 112 unterliegen in Deutschland der Gesetzgebungskompetenz der Länder. Im Regelfall sind der Betrieb und die Errichtung der Integrierten Leitstellen in den Rettungsdienst-, Brand- und Katastrophenschutzgesetzen der Länder geregelt. Für das Land Brandenburg ist sowohl im Brandenburgischen Brand- und Katastrophenschutzgesetz (BbgBKG) vom 24. Mai 2004 sowie im Rettungsdienstgesetz des Landes Brandenburg (BbgRettG) vom 14. Juli 2008 gefordert, dass die Kreise und kreisfreien Städte Feuerwehr-, Rettungs- und Katastrophenschutzleitstellen als Integrierte Leitstellen errichten und unterhalten müssen. Mit den gesetzlichen Regelungen dieser beiden Gesetze ist der Rechtsrahmen für die Struktur der Leitstellenlandschaft in diesem wie in vielen anderen Bundesländern geschaffen. Eine Besonderheit des Landes Brandenburg ist, dass im Brandenburgischen Brand- und Katastrophenschutzgesetz die Kreise und kreisfreien Städte auf der Grundlage des Gesetzes zur Kommunalen Gemeinschaftsarbeit zur Zusammenarbeit verpflichtet sind und es daher maximal fünf Integrierte Regionalleitstellen geben darf. Zur örtlichen Zuordnung der Gebietskörperschaften sowie zur Festlegung der Standorte der Regionalleitstellen wurde im Jahr 2007 durch das dafür zuständige Ministerium die Regionalleitstellenverordnung (RLSV) vom 16. Mai 2007 als Rechtsverordnung in Kraft gesetzt. Auf der Grundlage dieses Rechtsrahmens wurden in den vergangenen Jahren die Integrierten Regionalleitstellen gebildet. Seit dem Jahr 2011 sind alle fünf Regionalleitstellen vollständig in Betrieb. Die Mindestanforderungen für den Betrieb von Leitstellen, z.B. die Qualifikationsanforderungen an das Personal, die technische Ausstattung, die Aufgaben der Leitstelle, zwingende Dokumentationspflichten und der Datenschutz, wurden im Land Brandenburg bereits im Jahr 1994 durch einen gemeinsamen Runderlass der für den Rettungsdienst und den Brand- und Katastrophenschutz zuständigen Ministerien als Leitstellenerlass geregelt.

Abb. 1: Zusammenarbeit in der Kooperativen Leitstelle

Am Beispiel des Landes Brandenburg wird deutlich, dass die gesetzlichen Grundlagen der Leitstellenarbeit sehr komplex und in einer Vielzahl von Gesetzen, Rechtsverordnungen sowie Erlassen definiert sind. Über die oben genannten speziellen Brandenburger Regelungen hinaus ist selbstverständlich eine Vielzahl weiterer gesetzlicher oder tariflicher Regelungen aufzuführen, die für den Leitstellenbetrieb ebenfalls eine Rolle spielen. Hier sind exemplarisch der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) oder auch die beamtenrechtlichen Regelungen des Bundes und der Länder anzuführen. Weiterhin gelten für die Leitstelle u.a. auch bundesrechtliche Regelungen zur gesetzlichen Krankenversicherung, des Luftverkehrsrechtes beim Einsatz von RTH sowie Vorschriften zum Sprechfunkverkehr.

Leitstellenformen Die geschichtliche Entwicklung in den Bundesländern und die unterschiedlichen Aufgaben der Behörden und Organisationen (BOS) führten dazu, dass sich in den letzten 40 Jahren unterschiedliche Leitstellenformen entwickelt haben. Rettungsleitstelle ➔ Vorwiegend in den südlichen Bun-

desländern hat sich eine Trennung zwischen Feuerwehr und Rettungsdienst im Bereich der Leitstellen ergeben, meist auch bei den Leistungsbringern. In der Rettungsleitstelle wird demnach nur die Leistung „Rettungsdienst und Krankentransport“ koordiniert, oftmals verknüpft mit dem ärztlichen Notfalldienst. Das Personal verfügt über eine ausschließlich rettungsdienstlich ausgerichtete Qualifikation, in der Regel zum Rettungsassistenten, soweit dies gesetzlich gefordert wird. Betreiber der Rettungsleitstellen sind oftmals die Hilfsorganisationen, die Trägerschaft haben die Kreise und kreisfreien Städte. Bis zur EU-Harmonisierung der Notrufrichtlinie wurde in einigen Bundesländern die Notrufnummer 112 durch die Polizei bedient, die dann die Feuerwehr alarmierte. Es konnte aber auch sein, dass diese 8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 748


LEITSTELLE

FORTBILDUNG

Ein Standard in der Notrufabfrage beschreibt bei gleichen oder ähnlichen Situationen/Lagen gleiche oder ähnliche Fragestellungen mit gleichen oder ähnlichen Dispositionsergebnissen.

Rufnummer in der Rettungsleitstelle angenommen und die Erstalarmierung der Feuerwehr durchgeführt wurde. Die „Notrufnummer“ für RD-Leistungen stellte in diesen Regionen dann die Rufnummer 19222 dar, die mittlerweile im Rahmen der Harmonisierung ausschließlich als Rufnummer für Krankentransportleistungen publiziert werden darf. Feuerwehrleitstellen ➔ Als „Gegenstück“ zur Rettungs-

leitstelle muss es natürlich auch eine Einrichtung geben, die die Einsätze der Feuerwehr koordiniert. Wird die Erstalarmierung durch die Polizei oder die Rettungsleitstelle durchgeführt, betreibt die Freiwillige Feuerwehr eine nicht ständig, sondern nur im Einsatzfall besetzte Feuerwehrzentrale. Diese übernimmt dann den von der Rettungsleitstelle angestoßenen Einsatz und leitet die Kräfte der Feuerwehr. Die des Rettungsdienstes werden durch die Rettungsleitstelle koordiniert. Berufsfeuerwehren betreiben oder betrieben in den entsprechenden Bundesländern eine Feuerwehrleitstelle, ständig besetzt mit qualifiziertem BF-Personal.

Kommunikationstechnologien, dennoch arbeitet jeder seinen Aufgabenbereich eigenständig ab. Durch die räumliche Nähe ergibt sich schon in der täglichen Arbeit eine intensive und sehr konstruktive Form der Zusammenarbeit, die sich gerade bei gemeinsamen Lagen positiv auf die Lagebewältigung auswirkt, unter Umständen auch in einem gemeinsamen Stab. Eine Leitstellenform, der die Zukunft gehören sollte, auch wenn sie von vielen Zweiflern immer noch skeptisch betrachtet wird.

Abb. 2: Leitstelle für Sicherheit und Mobilität

Leitstellenaufgaben Integrierte Leitstellen ➔ Zwei nebeneinander disponie-

rende Leitstellen werden bei gemeinsamen Einsätzen niemals so effektiv arbeiten wie eine Leitstelle, unter deren Dach beide Dienste gemeinsam angeboten werden. In den nördlichen Bundesländern hat die Integrierte Leitstelle eine lange Geschichte, dort sind Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz schon immer in einer Leitstelle zusammengefasst. Das Personal muss über eine feuerwehrtechnische Ausbildung und die Ausbildung zum Rettungsassistenten verfügen. Erst wenn wirklich alle Mitarbeiter auch alle einlaufenden Notrufe mit derselben Abfrage- und Entscheidungsqualität bedienen können, kann die Rede von einer echten Integrierten Leitstelle sein. Kooperative Leitstellen ➔ Neben den oben aufgeführten

drei Leitstellentypen betreibt auch die Polizei eigene Leitstellen zur Wahrnehmung der polizeilichen Aufgaben, die z.B. über den Polizeiruf 110 gemeldet werden. Da auch die Polizei eine Behörde mit Sicherheitsaufgaben ist, lag nichts näher als zu überlegen, ob nicht die Zusammenfassung der Integrierten Leitstelle und der Polizeileitstelle sinnvoll wäre. Über den Umweg der nicht realisierbaren „Bunten Leitstelle“, in der jeder alles macht, hat sich im Laufe der letzten drei Jahre eine Zwischenform der Varianten „jeder macht alles“ und „wir machen alles getrennt“ etablieren können. In der Kooperativen Leitstelle, von der es aktuell in Deutschland nur wenige gibt, arbeiten zwar Feuerwehr, Rettungsdienst, Katastrophenschutz und Polizei unter einem Dach und auf der Plattform gemeinsam genutzter 8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 749

Das Aufgabenspektrum einer Leitstelle hängt von ihrem Zuständigkeitsbereich und ihrer Organisation ab. Aufgrund der Nutzung von Synergieeffekten ergeben sich Kostenvorteile durch den räumlichen Zusammenschluss mehrerer Leitstellen. Da die Integrierten Regional-Leitstellen (IRLS) das derzeit vorherrschende Leitstellenmodell darstellen, werden im Folgenden deren Aufgaben beschrieben. Die Integrierte Regionalleitstelle ist definitionsgemäß eine gemeinsame stationäre Führungseinrichtung mehrerer Kreise und/oder kreisfreier Städte in einer Region. Ihr obliegen die Aufgabenbereiche des Brandschutzes, der Hilfeleistung, des Rettungsdienstes und Katastrophenschutzes zur Entgegennahme von Notrufen. Darüber hinaus werden durch diese Leitstelle die kommunalen Feuerwehren, die Fahrzeuge des Rettungsdienstes, die im Katastrophenschutz mitwirkenden Einheiten der privaten Hilfsorganisationen sowie ggf. der örtlichen Einheiten des THW alarmiert und disponiert. Die Integrierte Regionalleitstelle organisiert im Rettungsdienst ferner den Patiententransport in geeignete Behandlungseinrichtungen. Die Leitstelle stellt für die beteiligten Gebietskörperschaften jeweils den Teil der operativ-taktischen Komponente der nicht-polizeilichen Gefahrenabwehr dar und dient zur rückwärtigen Führungsunterstützung der jeweiligen Einsatzleitung(en) der Gebietsköperschaft(en), einschließlich der jeweiligen Leitenden Notärzte und der Organisatorischen Leiter Rettungsdienst (OrgL RD). Sofern es die personelle, räumliche und führungsmitteltechnische Ausstattung erlauben, kann die Leitstelle als Befehlsstelle auch Sitz der Einsatzleitung(en) der beteiligten Gebietskörperschaft(en) oder einer überregionalen

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LEITSTELLE

Ob eine Frage vom Anrufer beantwortet wird oder nicht, wissen Sie erst dann, wenn Sie die Frage gestellt haben!

Geografische Informationssysteme ➔ Bekannte Standard-

Abb. 3: Disponent am EDV-System

Einsatzleitung sein. Die Integrierte Regionalleitstelle steht zugleich den administrativ-organisatorischen Komponenten der nicht-polizeilichen Gefahrenabwehr der beteiligten Gebietskörperschaften als Kommunikationseinrichtung zur Verfügung.

funktionen eines geografischen Informationssystems (GIS) in Leitstellen sind die Einsatzortsuche, die Darstellung von Gebieten, Verkehrswegen, Einsatzlagen und georteter Einsatzmittel bzw. -kräfte. Intelligente GIS nutzen mitunter die Telematik, verknüpfen die gewonnenen Informationen und bieten weiterführende Aktionen an. So werden Anreisezeiten mehrerer georteter Einsatzmittel in der Umgebung zu einem Einsatzort berechnet. Hierbei können weitere Informationen wie Stau- und Wetterinformationen zu einer dynamischen Alarm- und Ausrückeordnung führen. Weitere Entwicklungen sind denkbar oder befinden sich in der Umsetzungsphase: Mit Hilfe der Position eines Einsatzmittels kann der Einsatzstatus automatisch geändert, die Überschreitung einer Ressourcenkapazität in einem bestimmten Gebiet zeitnah erkannt und eine dynamische Gruppe im Digitalfunk mit den dargestellten Einsatzmitteln und -kräften an einem Einsatzort gebildet bzw. aktualisiert werden.

Technische Systeme Im Informationszeitalter heißt das Motto in einer Leitstelle „So viel wie nötig, so wenig wie möglich und jederzeit verfügbar.“ Zu viel Information auf einmal ist eine Ursache für Fehler. Zur Bewältigung der Aufgaben einer Leitstelle werden unterschiedliche technisch gestützte Systeme genutzt. EDV-basiertes Einsatzleitsystem ➔ Ein Kernelement ist das

Einsatzleitsystem (ELS), dessen wesentliche Funktionen sind die Einsatzdatenerfassung, Disposition, Alarmierung, Einsatzsteuerung und -dokumentation. Je Leitstelle gibt es weitere individuelle Ausprägungen. In den vergangenen Jahren haben sich Funktionen wie die Einsatzmittelvorplanung, geografische und webbasierte Informationssysteme sowie andere, der Leitstellenaufgaben artverwandte Verfahren etabliert. Zur Realisierung dieser Funktionen werden u.a. Schnittstellen zu anderen Systemen verwendet. Dazu zählen diverse analoge und digitale Funkalarmierungs-, Funkmelde-, Datenfunk-, Notrufabfrage-, Wachalarm-, Steuer, Überwachungs- und Meldeanlagen. Mit Einführung des Digitalfunks in Deutschland und der Weiterentwicklung von Standards in der Datenkommunikation werden weitere Funktionen entwickelt. Aufgrund der vielen eingehenden und ausgehenden Informationen besteht die Herausforderung für ein Einsatzleitsystem in der Bereitstellung von Daten für den Anwender. Es ist wichtig, alle Informationen und Aktionen kompakt, übersichtlich und im richtigen Moment zur Verfügung zu stellen. Einige interessante Entwicklungen sind bei geografischen Informationssystemen, der Stammdatenerfassung sowie im Bereich der Datensicherheit zu finden. I 50 I

Stammdatenerfassung und -änderung ➔ Möglichst jedes

eintretende Ereignis soll mit den notwendigen Ressourcen in kürzester Zeit alarmiert und versorgt werden. Dies bedeutet Aufwand und Kommunikationsbedarf aller Beteiligten bei der Stammdatenerfassung. Abhilfe schaffen webbasierte Systeme. Dieses Verfahren steht jedem zuständigen Feuerwehr- bzw. Rettungsdienstträger direkt am Arbeitsplatz zur Verfügung. Dadurch werden die Alarm- und Ausrückeordnungen, Einsatzmittel und -kräfte usw. erfasst bzw. geändert. Lästiger Schriftverkehr und Dienstreisen zur Leitstelle sind nicht mehr nötig. Durch frei definierbare Arbeitsabläufe (Workflows) kann eine Überprüfung der erfassten Daten durch weitere Personen oder Behörden erfolgen. Im Anschluss stehen die Daten für den Import in ein oder mehrere Einsatzleitsystem(e) bereit, wodurch auch die Redundanz der Daten in einem Leitstellenverbund gesichert ist. Regionalisierung und Datensicherheit ➔ Ein Schwer-

punkt bei der Planung der Leitstellentechnik ist deren Hochverfügbarkeit. Der organisatorische und finanzielle Aufwand zur Sicherstellung der Verfügbarkeit ist enorm. Im Zuge der Regionalisierung von Leitstellen entstehen Konzepte zur Vernetzung von Leitstellen. Die räumliche Trennung der einzelnen Leitstellen und deren verfügbare Technik für die Datensicherheit der eigentlichen Dienstleistung einer Leitstelle zu nutzen, ist Ziel dieser Entwicklung.

Personalstrukturen Leitstelle Eine Notrufleitung in der Leitstelle blinkt auf, die akustische Signalisierung für einen Notruf ertönt, doch nicht alle der 8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 750


LEITSTELLE

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Die Datenlage zum Thema Telefonreanimation ist erstaunlich umfassend – das lässt die nicht vorhandene Umsetzung wichtiger Erkenntnisse in die Praxis umso tragischer erscheinen.

insgesamt fünf heute diensthabenden Mitarbeiter reagieren gleichermaßen darauf, denn gleichzeitig erfolgt eine Signalisierung für die zentrale Rufnummer für den Krankentransport, während der Lagedienstführer über eine besondere Nebenstelle mit einem Pressevertreter über den laufenden Feuerwehreinsatz spricht. Für jede der verschiedenen Leitungsarten gibt es Priorisierungen, was aber nicht bedeutet, dass Notrufe unbearbeitet „ins Leere“ laufen. Dafür weiß jeder ganz genau, welcher Aufgabenschwerpunkt ihm in der laufenden Schicht übertragen worden ist. Im Zeichen zunehmender Regionalisierungen von Leitstellenbereichen sind „alte“ Strukturen („jeder macht alles“) zugunsten einer scharfen Aufgabenabgrenzung aufzubrechen, um die Personalressourcen effizient und funktional einsetzen zu können. Die einsatztaktische Führung und die Fachaufsicht der laufenden Schicht liegen bei großstädtischen oder regionalisierten Leitstellen im Zuständigkeitsbereich des Lagedienst- oder Schichtführers. Er bildet die Schnittstelle zwischen den Mitarbeitern der Disposition und Einsatzabwicklung zur Leitstellenleitung und trifft als erste Führungsinstanz Entscheidungen zum Zweck der ordnungsgemäßen Dienstabwicklung. Die Lagedienstführung kanalisiert ausgehende Meldungen zu anderen Institutionen, zu Behörden, Führungskräften, Pressevertretern und übernimmt auch die Funktion des ersten Ansprechpartners von außen. Bei größeren Einsatzlagen ist der Lagedienst die erste Führungsinstanz, von der die ersten lageabhängigen Entscheidungen getroffen werden. Um für alle Aufgabenbereiche optimal gerüstet zu sein, sollten erweiterte Schulungsmaßnahmen mit wechselnden Schwerpunkten (z.B. Kommunikation und Konfliktmanagement) für Lagedienstführer Berücksichtigung finden.

Leitstellenorganisation Innerhalb der Dispositionsebene bietet sich eine Abgrenzung von Aufgabenschwerpunkten in Großleitstellen an, weil letztlich weniger Mitarbeiter für zusammengefasste Leitstellenbereiche zur Verfügung stehen. Um einem möglichen Informationsverlust vorzubeugen, konzentrieren sich einzelne Mitarbeiter auf die ihnen zugeordneten Einsatzbereiche. Damit Notrufe verzögerungsfrei bearbeitet werden können, müssen sie über die internen Zuständigkeitsgrenzen hinaus entgegengenommen werden (bei Mobiltelefonanrufen ist zudem nicht ersichtlich, aus welchem Ortsbereich der Notruf eingeht), wobei sich für die anknüpfende Einsatzmitteldisposition eine strukturierte Kommunikation im Team als notwendig erweist. Die Verlagerung von Feuerwehreinsätzen mit erhöhtem Bearbeitungszeitraum auf einen dafür vorgesehenen Sonderplatz empfiehlt sich, um das zeitkritische 8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 751

und vordergründig rettungsdienstlich geprägte Tagesgeschäft von der feuerwehrtechnischen Lage unbeeinflusst fortführen zu können, ohne dass die Gefahr von Informationsverlusten besteht. Eine größere feuerwehrtechnische Lage erfordert ausgeprägte und intensive Kommunikation in Form von verdichteten ein- und ausgehenden Meldungen. Auf einem Sonderplatz lassen sich weitere Schwerpunkte zusammenfassen, z.B. die Abwicklung des Krankentransportes oder die Vermittlung des kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes. Ziel sind bestmögliche organisatorische Bedingungen in der Leitstelle: eine zeitnahe und umfassende Notrufbearbeitung bei optimaler Informationslage.

Abb. 4: Leitstelle einer Großstadt

Kernprozess Notrufdialog Der Notrufdialog ist der Kernprozess der Leitstellenarbeit, leider auch ein sehr sensibler und störanfälliger Prozess. Der in der Regel nicht fachlich vorgebildete Anrufer möchte eine Leistung, die er nicht einschätzen kann, für einen Vorfall, zu dem ihm jede Erfahrung fehlt und dessen Tragweite oder auch Harmlosigkeit sich im völlig verschließt. Der Disponent auf der anderen Seite der Leitung benötigt aber in kurzer Zeit möglichst korrekte Informationen, die ihm ein Bild der Lage vor Ort vermitteln. Darauf basiert seine Entscheidung, welche Hilfe bedarfsgerecht eingesetzt werden soll. Bisher waren die Dialoge von Erfahrungswerten des einzelnen Disponenten geprägt, die täglich wechselnde Motivationslage war entscheidend für den Kommunikationsprozess, nicht zuletzt bestimmte aber auch die fachliche Qualifikation Grad und die Tiefe der Notrufabfrage. Eine einheitliche Qualität war definitiv nicht vorhanden. Erst Überlegungen zur Standardisierung durch die Einführung von Protokollen oder Leitlinien veränderten den Blickwinkel auf diesen Kernprozess der Leitstellenarbeit. Mittlerweile stellen nur noch sehr wenige Menschen in Frage, dass ein Standardisierung in diesem Bereich wirklich sinnvoll ist. Erst eine Standardisierung des Dialoges wird die Qualität mess- und vergleichbar machen, wobei z.B. die folgenden Qualitätskriterien angelegt werden könnten: I 51 I


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LEITSTELLE

Abb. 5: Standardisierte Notrufabfrage Abb. 6: Standard zur Telefonreanimation

• Wurde die Gesprächsführung durch Disponenten übernommen? • Wurde die Grundinformation sofort abgefragt? • Wurden alle Zusatzinformationen abgefragt? • Wurde der Anrufer zu Erste-Hilfe-Maßnahmen angeleitet? • Wurde eine konkrete Hilfezusage gegeben? • Wurde der Anrufer angemessen beruhigt?

Einige der Qualitätsmerkmale des Notrufdialogs ergeben sich schon aus dem Einsatzleitsystem. Hierbei handelt es sich meist um die Daten zum Einsatzort. Diese Grundinformationen sind existenziell wichtig, um überhaupt einen Einsatz eröffnen zu können. Aus den vorgegebenen und unbedingt erforderlichen Grundinformationen und den Angaben des Anrufers zur jeweiligen Lage vor Ort kann sich die grundsätzliche Struktur des Notrufdialoges zusammensetzen. Struktur im Notrufdialog ➔ 1. Grundinformationen 2. Zusatzinformationen 3. Hilfehinweise 4. konkrete Hilfezusage

Die vorstehende Struktur stellt eine logische Reihenfolge der Verarbeitung der vorhandenen, einlaufenden und/ oder abgefragten Informationen dar, anschließend wird der Informationsweg umgekehrt. Der Anrufer erhält, soweit möglich und sinnvoll, medizinische oder organisatorische Handlungshinweise. Jede Struktur hat grundsätzlich den Vorteil, dass der Prozessablauf irgendwann einmal beim Disponenten abgelegt wird und nicht ständig neu erfunden werden muss. Die Reproduktion ist dann auch unter Stress problemlos möglich. I 52 I

Standards im Notrufdialog ➔ Wenn jetzt der Dialograh-

men des Notrufs durch eine Struktur und die Beschreibung verbindlicher Qualitätsmerkmale abgesteckt wurde, müssen die einzelnen Felder noch mit entsprechenden Fragen gefüllt werden. Es bietet sich an, mit den Disponenten gemeinsam die Fragestellungen des Notrufdialoges zu erarbeiten, was zu einer hohen Akzeptanz des Systems und konsequenter Umsetzung im Alltag führt. Diese gemeinsam vereinbarten Standards sind anschließend verbindlich einzuführen und müssen vom Disponenten in der täglichen Arbeit auch eingesetzt werden. Weitere Standards können definiert werden, indem bestimmte Formulierungen, Aussagen oder Worte des Meldenden als Trigger genutzt werden, die wiederum vordefinierte Fragen auslösen. Damit werden wichtige Sachverhalte, die uns selbstverständlich erscheinen, eindeutig geklärt. Dieser Vorgehensweise liegt die Annahme zugrunde, dass der Disponent oftmals dazu neigt, Aussagen des Anrufers zu interpretieren, statt eindeutig zu klären. Damit verlässt er sich auf seine Bilder der Einsatzstelle, die aber nicht in jedem Fall stimmen müssen. Solch ein „Textbaustein“ könnte z.B. die Klärung des Alters beim Stichwort „Kind“ sein. Neben dem Strukturgewinn bieten Standards einen weiteren Vorteil: sie garantieren Vollständigkeit. Denn es gilt die Regel: Ob eine Frage vom Anrufer beantwortet wird oder nicht, wissen Sie erst dann, wenn Sie die Frage gestellt haben! Erste-Hilfe-Hinweise im Notrufdialog ➔ Bisher reduzierte

sich die Tätigkeit des Disponenten in einer Leitstelle im Wesentlichen auf die Informationssammlung im Notruf, auf die Entscheidungsfindung für oder gegen ein bestimmtes Rettungsmittel und die anschließende Alarmierung der Einsatzkräfte. Der Anrufer dient lediglich als Informati8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 752


LEITSTELLE

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Untersuchungen haben nachweisen können, dass standardisierte Fragestellungen und eine strukturierte Vorgehensweise bei der Notrufabfrage die Dialogqualität spürbar optimieren.

onsquelle. Informationen an den Anrufer werden selten bis gar nicht gegeben. Die präklinische Versorgung des Notfallpatienten beginnt erst mit Eintreffen des organisierten Rettungsdienstes. In Ausnahmefällen findet sich ein mutiger Ersthelfer an der Einsatzstelle, der bereits mit Maßnahmen der Ersten Hilfe beginnt. Das ist aber mehr oder weniger selten und dem Zufall überlassen. Der eine oder andere Disponent hat schon etwas von Erste-HilfeHinweisen am Telefon gehört, ist zugleich motiviert bei seiner Tätigkeit und hat heute auch noch einen guten Tag. Er setzt die Gabe von Hilfehinweisen um, nicht konsequent, aber zumindest dann, wenn er daran denkt. Der nächste Disponent, vielleicht sogar in derselben Leitstelle, hält von diesem „neumodischen Kram“ nichts. Hilfe-Hinweise sind für ihn kein Thema – die Prognose des Notfallpatienten wird schnell zum Glücksspiel und von vielen zufällig aufeinandertreffenden Faktoren abhängig. Auch hier kann Standardisierung Abhilfe schaffen. Der Blick in den aktuellen Erste-Hilfe-Leitfaden zeigt, dass es für eine Vielzahl von Verletzungsmustern oder Erkrankungen möglich ist, schon am Telefon einen effektiven Erste-Hilfe-Hinweis an den Anrufer zu formulieren. Die Hinweise sind direktiv formuliert, kurz gehalten und in der Regel vom Anrufer ohne Rückfrage umsetzbar. Damit ist ein wichtiges Argument vieler Disponenten gegen die Gabe von Hilfehinweisen im Notrufdialog, nämlich die knappen Zeitressourcen in der Leitstelle, hinfällig geworden. Die Herausforderung liegt eher darin, sein Erste-Hilfe-Wissen wieder auffrischen und aktualisieren zu müssen. Um mögliche Rechtsfolgen auszuschließen, müssen die Hinweise fachlich korrekt sein. Aber der Elektriker muss ja auch fachlich korrekt arbeiten, damit keiner zu Schaden kommt.

Abb. 7: „Kein einfacher Job!“

Immer wieder verweisen die ERC-Leitlinien 2010 auf den Einsatz von Abfrageprotokollen. Neben den standardisierten und fachlich korrekten Hinweisen und Anleitungen sollen Protokolle auch die „Trefferquote“ optimieren. Untersuchungen zu diesem Thema haben tatsächlich nachweisen können, dass standardisierte Fragestellungen und eine strukturierte Vorgehensweise bei der Notrufabfrage die Dialogqualität spürbar optimieren. Festzustellen bleibt ebenfalls, dass das Nicht-Erkennen eines Herz-Kreislauf-Stillstandes im Notrufdialog die Überlebenswahrscheinlichkeit deutlich reduziert, weil eben aufgrund einer nicht erkannten Indikation keine Reanimationsanleitungen gegeben werden und möglicherweise auch der Notarzt primär nicht alarmiert wird. Qualitätsauswertung Notrufdialog ➔ Wenn wir künftig als

hoffentlich zu erwartendes Ergebnis aus den Forderungen der aktuellen ERC-Leitlinien intensiver über die Umsetzung von Qualität im Notrufdialog diskutieren werden, muss neben der Qualitätsbeschreibung auch die Qualitätsauswertung einbezogen werden. Nur die kontinuierliche Auswertung der Dialoge sichert zugleich eine dauerhafte Umsetzung wie auch die Weiterentwicklung des Systems „Notrufabfrage“. Positive Rückmeldungen verbessern die Motivation des Disponenten, da ja gerade in der Leitstelle Erfolgserlebnisse Mangelware und meist dem Rettungsdienst oder der Feuerwehr vorbehalten sind. Halten sich positive und kritische Rückmeldungen die Waage, wächst das Vertrauen in dieses System und Fehler werden minimiert.

Reanimation im Notrufdialog ➔ Im Oktober 2010 erschie-

nen die aktuellen Leitlinien des ERC und nahmen erstmalig auch die Leitstellen in die Pflicht, schon am Telefon mit dem Anrufer Reanimationsmaßnahmen einzuleiten. Der Leitstelle – konkret dem Leitstellendisponenten – kommt eine überlebenswichtige Funktion zu. Ähnliche Formulierungen finden sich noch an weiteren Stellen der Leitlinien, die Empfehlungen der vorliegenden Leitlinien basieren auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, diese wiederum auf der Basis verschiedener Forschungsprojekte. Die Datenlage zu diesem Thema ist erstaunlich umfassend – das lässt die bisher zögerliche bzw. nicht vorhandene Umsetzung wichtiger Erkenntnisse in die Praxis umso tragischer erscheinen. Auch für die konkrete Anwendung sind wieder Standards erforderlich. Die Formulierungen könnten wie in Abb. 6 dargestellt aussehen. 8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 753

Fehlerkultur in der Leitstelle Jeder macht sie, jeder weiß, dass sie gemacht werden, jeder versucht, keine zu machen, aber niemand spricht gern darüber: Fehler. Fehler zu machen hat nichts mit ausgeprägter oder aber geringerer Klugheit zu tun, denn sie gehören sowohl in unserem privaten als auch in unserem beruflichen Umfeld zum Leben dazu. Fehler zu korrigieren bedeutet, sie zunächst erkennen und eingestehen zu können. Und das ist einfacher gesagt als getan. Hand aufs Herz: Fällt es Ihnen wirklich leicht, über Ihre eigenen Fehler zu sprechen? Ist es nicht viel leichter, sich über die Fehler der anderen zu echauffieren? Zunächst sollten wir die spezifischen Fehler in einer Leitstelle betrachten. Der „Rettungsdienstler“ behauptet immer mal wieder gerne, speziell „die in der Leitstelle“ machen häufig Fehler bei ihrer Arbeit. I 53 I


FORTBILDUNG

LEITSTELLE

Der Leitstellendienst unterscheidet sich in einem entscheidenden Aspekt maßgeblich von der Tätigkeit des Rettungsdienstes: die räumliche Distanz zum Ereignis.

Abb. 8: Achtung, Fehler!

Verantwortlich für den Inhalt und geprüft von: Frank Flake

Thomas Kohns

Stefan Leibinger

Ingo Lender

Johannes Becker

Bernhart Idinger

PhDr. Christoph Redelsteiner

Jörg Gellern, Klinikum Oldenburg, Arbeitsgemeinschaft der Berufsfeuerwehren in Niedersachsen

Verantwortlich für die Fachfragen: Stefan Dreesen Stv. ärztlicher Leiter Notfallpädagogisches Institut, Essen

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Sind Sie nicht auch schon einige Male früh morgens in Ihrer Nachtschicht über Ihren piependen Funkmeldeempfänger zu einem gemeldeten Kindernotfall alarmiert worden, sind die Treppen in den fünften Stock bepackt mit Kinderkoffer hinauf gehastet, bevor sie oben das 34-jährige „Kind“ an der Wohnungstür begrüßte? Die Leitstelle wieder! Dieses Erlebnis könnte Sie dazu bewegen zu behaupten, dass in der Leitstelle häufig fehlerhaft abgefragt wird. Schon möglich. Doch der Leitstellendienst unterscheidet sich in einem entscheidenden Aspekt maßgeblich von der Tätigkeit des Rettungsdienstes: die räumliche Distanz zum Ereignis. Die Einsatzmittel- und Dispositionsentscheidung von Einsatzsachbearbeitern innerhalb einer Leitstelle sollte auf einen einheitlich durchzuführenden strukturierten Notrufabfrageprozess basieren. Dessen Grundlage bilden Informationen, die zwischen Anrufer und Leitstelle ausgetauscht werden. Eine getroffene Maßnahme zu einem späteren Zeitpunkt mit verändertem Informationsgehalt als fehlerhaft zu kritisieren, setzt voraus, sie von den später eingehenden Informationen losgelöst betrachten zu können. Bei der Notrufbearbeitung in der Leitstelle handelt es sich um einen komplexen und dynamischen Prozess, der von vielen Faktoren beeinflusst wird. Professionelle Leitstellenarbeit der Gegenwart bedeutet deutlich mehr, als zu telefonieren und ein paar Knöpfe zu drücken. Gespickt mit diesem Hintergrundwissen machen wir uns auf, über Fehler in der Leitstelle zu sprechen. Eine Abweichung zwischen gemeldeter und tatsächlicher Lage oder zwischen erster erhobener Symptomatik und vor Ort ärztlich verifizierter Diagnose pauschal einem Fehler zuzuordnen, wäre voreilig. Einen Fehler ausmachen zu können, verlangt eine sachliche und umfassende Auseinandersetzung mit der Gesamtsituation. Aber wo verstecken sie sich denn nun, die Fehler in der Leitstelle? Und warum müssen wir überhaupt über sie sprechen, wenn aus den meisten der bemerkten Fehler kein Schaden resultiert? In diesem Fall ist doch alles noch einmal gut gegangen, also „Schwamm drüber“, und weiter geht’s. Das ist unbestritten vielerorts die gängige Praxis. Statistisch gesehen liegen die allgemeinen Handlungsfehler an der Spitze der Fehlerursachen. Das „menschliche Versagen“ gilt bei über 60% aller dokumentierten Fälle als ursächlich. Einzelne fachliche Defizite wie mangelndes Fachwissen oder mangelndes technisches Geschick führen eher selten

zu einer Schädigung. Versuche, Fehler ausschließlich durch fachliche Maßnahmen zu kompensieren, haben deshalb selten allein den gewünschten Erfolg. Viel wichtiger ist es, eine Grundlage zu schaffen, Fehler sichtbar und Fehlerquellen transparent zu machen, um Maßnahmen punktuell dort einzuleiten, wo die Fehlerursachen ausgemacht werden können. Werden Fehler als Chance gesehen, das Gesamtsystem sicherer zu machen, schafft man das Fundament für eine offene Fehlerkultur. Sie ermöglicht, aus einem einmal gemachten Fehler zu lernen mit der Zielsetzung, einen Fehler im „System Leitstelle“ einmal machen zu können – aber keinesfalls ein weiteres Mal. Das Risiko, Fehler zu machen, steigt an, wenn Menschen unter ungünstigen Einflüssen wie Zeit- und Erfolgsdruck, hohen Anforderungen und Stress miteinander in einem Team arbeiten. Der Arbeitsplatz Leitstelle gehört in den Bereich der Hochleistungsbranche, zu denen auch die Luftfahrt, die Medizin und auch die Kernkraftindustrie zugehörig sind. In diesem Arbeitsbereich wird dem „Faktor Mensch“ besondere Aufmerksamkeit zuteil. In der Hochleistungsbranche ergeben sich folgende Besonderheiten: • • • • • •

Arbeitsumfeld mit hohem Technisierungsgrad, hohe psychische und physische Belastung, schnell wechselnde Arbeitsintensität, Verarbeitung hoher Datenmengen, Konfrontation mit hohen Entscheidungssituationen, hoher Anspruch an die Teamarbeit.

Gerade in diesen Arbeitsbereichen, in denen Menschen von den Entscheidungen unmittelbar betroffen sind, ist ein offener und zielführender Umgang mit Arbeitsfehlern von herausragender Bedeutung. Das Critical Incident Reporting System (CIRS) sollte nach Möglichkeit ein Risiko- und Qualitätsmanagementsystem in der Leitstelle ergänzen. Die Umsetzung des CIRS setzt die Einhaltung von zu definierenden Regeln und Vereinbarungen zwischen den Leitstellenmitarbeitern und der Leitung voraus und muss in eine vertrauensbasierte Fehlerkultur aufgesetzt werden. Bestehende Vorbehalte sollten durch Transparenz und zugesicherte Sanktionsfreiheit frühzeitig ausgeräumt werden. Es empfiehlt sich, ein CIRS-Team (analog zum QM-Zirkel) einzurichten. Regelmäßige Fehlerreports tragen nicht nur zur Transparenz und Akzeptanz des Systems, sondern auch zur Fehlerreduktion bei. Das Grundprinzip, aus Fehlern ■ anderer zu lernen, wird in die Praxis übertragen. ■

Literatur unter www.skverlag.de

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AUSBILDUNG

RETTUNGSDIENST

Zugführer Rettungsdienst/OrgL an der DRK-Landesschule Nordrhein: Rundum vorbereitet Autorin:

Abb. 1: Übergabe des ersteintreffenden Rettungsmittels

Isabel Diener Rettungsassistentin, Zugführerin Katastrophenschutz, Landesschule Nordrhein Auf’m Hennekamp 71 40225 Düsseldorf bfs@ drk-nordrhein.net Co-Autor:

Die Zahl der Bildungsanbieter des Lehrgangs Organistorischer Leiter Rettungsdienst ist in den letzten Jahren sprunghaft gestiegen. Waren vor einigen Jahren hauptsächlich die Rettungsdienstschulen der Hilfsorganisationen in diesem Segment vertreten, so bieten heute diverse Institute OrgL-Lehrgänge an (sogar auf Mallorca). Um sich klar abzusetzen, hat die DRK-Landesschule Nordrhein (LANO) ein Modulsystem mit hohem Praxisanteil und großer Teilnehmereigenständigkeit entwickelt.

ankerung des OrgL Rettungsdienst in der Überarbeitung der Rettungsdienstgesetze, da die Position in vielen Bundesländern noch keine Erwähnung in Erlassen oder Gesetzen findet. Während die meisten Hilfsorganisationen schon Anfang der 90er Jahre verbindliche Richtlinien für Ausbildung und Einsatz von rettungsdienstlichem Führungspersonal schufen, setzte sich dies rechtlich nicht überall durch. In vielen Ländern kommen so zwar OrgL zum Einsatz – ihre Qualifikation und Bestellung ist aber nicht einheitlich geregelt.

Andreas Knickmann Lehrrettungsassistent, Verbandsführer, OrgL Rettungsdienst, Sachgebietsleiter „Rettungsdienstliche Führungskräfteausbildung“ a.knickmann@ drk-nordrhein.net

A

nalog zur Feuerwehr-Terminologie bietet die LANO seit Anfang 2009 die Seminare Gruppenführer Rettungsdienst und Zugführer Rettungsdienst/OrgL an. Nach der Grundlagenarbeit im ersten Lehrgang können Teilnehmer, aber auch entsendende Dienststellen über die Fortsetzung der Ausbildung im Zugführerkurs entscheiden. Die steigende Zahl organisatorisch anspruchsvoller Einsatzlagen hat Ende der 80er Jahre für ein Umdenken im Führungsbereich gesorgt. OrgL sind in den Alarm- und Ausrückeordnungen (AAO) in deutschsprachigen Ländern seit Jahren etabliert. Somit ist die organisatorisch-taktische Komponente eines Schadensereignisses durch OrgL abgedeckt. Auf der medizinischen Seite definiert die Bundesärztekammer, in welcher Form der Leitende Notarzt (LNA) zur medizinischen Qualitätssicherung im Einsatzfall beitragen soll. Eine Richtlinie klärt Verantwortungsbereich, Stellung und Einsatzindikationen. Bis heute ist hingegen das Aufgabengebiet organisatorischer Führungskräfte in Rettungsdienst und Katastrophenschutz nicht einheitlich definiert. Auf Landesebene postulieren viele Hilfsorganisationen daher eine Ver8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 755

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In Bayern dagegen existiert seit 1999 die „Richtlinie für die Bewältigung von Schadensereignissen mit einer größeren Anzahl Verletzter oder Erkrankter“, in der das Landesinnenministerium klar regelt, dass OrgL und LNA die Führungsspitze der so genannten „Einsatzleitung Sanitätsdienst“ bilden.

Abb. 2: Teile der Einsatzeinheit unterstützen die Patientenablage

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RETTUNGSDIENST

AUSBILDUNG

Abb. 3: Ausbildungsstruktur Führungskräfteausbildung

Inhalte der Ausbildungen

Tab. 1

Gruppenführer Rettungsdienst

Zugführer Rettungsdienst/OrgL

• Feuerwehr-Dienstvorschrift 100 • DRK-Dienstvorschrift 100

• Wiederholung der Grundlagen Gruppenführer

• Führungssystem

• Führung von Kfz-Marschverbänden

• Einsatztaktik

• Führungslehre

• MANV-Konzepte

• Öffentlichkeitsarbeit im Einsatz

• Rechtsgrundlagen

• Aufgaben LNA/OrgL

• Gefahren der Einsatzstelle

• Sichtung bei MANV

• Team Resource Management

• Betreuungsplatz 500

• Grundlagen Pressearbeit

• Sonderlage Dekon-V

• Zusammenarbeit mit Dritten

• Einsatznachsorge PSNV

• Einsatzvorbereitung Sanitätsdienste

• Einführung in die Stabsarbeit

• Planspielausbildung • Praxisausbildung in Form einer Übung

• Praxisausbildung in Form einer Übung • schriftliche Erfolgskontrolle

• schriftliche Erfolgskontrolle

Abb. 4: Arbeitsmittel „Taktisches Arbeitsblatt“

Das Curriculum des LANO-Lehrgangs legt in Anbetracht dieser heterogenen Gesetzeslage bewusst einen Schwerpunkt auf landesweit und regional geltende Einsatzkonzepte. Im Lehrgang werden auch aktuelle Erlässe der Bezirksregierungen und des Landesinnenministeriums diskutiert. Nicht zuletzt der Einsatz bei der „Loveparade“ im vergangenen

Jahr zeigt die Notwendigkeit, allgemein gültige und bekannte Strukturen einzuführen, mit denen Kräfte aus Rettungsdienst und Katastrophenschutz gleichermaßen vertraut sind. Auch die Koordination abseits der eigentlichen Lage erfordert den Einsatz einer taktischen Führungskraft im Schadensfall: Anfragen von Presse und Angehörigen erreichen Führungskräfte an den Einsatzstellen in Zeiten mobiler Endgeräte oft schneller als die nachrückenden Kräfte. An den BOS-Funk angebundene „rasende Reporter“ sind nicht selten die Ersten am Unfallort. Solche Faktoren können einen Einsatz gerade in der entscheidenden Anfangsphase behindern und müssen daher professionell behandelt werden. Das siebentägige Seminar „Gruppenführer Rettungsdienst“ spricht Rettungsassistenten und -sanitäter an, die als Fahrzeugführer von Notarzteinsatzfahrzeugen oder allgemeine Führungskräfte im Rettungsdienst vorgesehen sind. Um Einsatzlagen mit Personal bis Gruppenstärke abarbeiten zu können, werden die Teilnehmer gezielt an Führungsgrundlagen herangeführt. Die Notwendigkeit, als ersteintreffende Kraft am Einsatzort strukturiert vorzugehen, wird den Teilnehmern anhand von Fallbeispielen verdeutlicht. Theorie und Praxis sind dabei miteinander verzahnt. Im schuleigenen Trainingscenter können Einsätze nicht nur nach medizinischen, sondern vor allem taktischen Gesichtspunkten beurteilt werden. So werden speziell die Rettungsdienstmitarbeiter angesprochen, die sich erstmals mit größeren Lagen beschäftigen. Formeln wie die obligatorischen „10 Gebote des MANV“ setzen die Rettungskräfte direkt im Lehrgang um: In Praxiseinheiten müssen sie Patientenablagen und Rettungsmittelhalteplätze einrichten und anschließend ihre Führungskommunikation analysieren. Hier steht auch das Team Resource Management (TRM) im Fokus der Ausbildung. Das aus dem Luftfahrtbereich stammende System kann mit geringem Trainingsaufwand eine höhere Sicherheit für Personal und Patienten gewährleisten. Die zur Verfügung stehenden Ressourcen können unter Anwendung von TRM optimal eingesetzt werden; Defizite können – zumindest kurzfristig – kompensiert werden. Die weiteren neun Tage zum Zugführer Rettungsdienst bilden das Äquivalent zum OrgL. Neben der Vertiefung der

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AUSBILDUNG

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bereits erlernten Inhalte enthält der Lehrgang auch Unterrichtseinheiten über Öffentlichkeitsarbeit im Einsatz oder die Besonderheiten der Führungsarbeit unter psychischen Belastungen. Auch Planspiele sind fester Bestandteil der Ausbildungen. Bei den Simulationen geht es vor allem darum, den Teilnehmern zu vermitteln, wie viel Zeit die einzelnen Phasen eines größeren Einsatzes in Anspruch nehmen. Videoanalysen überraschen oft: Die einzelnen Schritte des Führungskreislaufs sind retrospektiv oft länger und komplizierter als gedacht. Natürlich ist auch das Feedback der Dozenten und Kollegen sehr wertvoll für die angehenden Gruppen- und Zugführer. Das „Meisterstück“ der rettungsdienstlichen Führungskräfte sind die Großübungen am vorletzten Lehrgangstag: Bis zu 30 Verletzten- und Betroffenendarsteller gilt es unter realistischen Bedingungen versorgen zu lassen. Per Los werden die Positionen verteilt. Dabei sollen die zukünftigen Führungskräfte nicht überfordert werden, ihnen soll aber gezeigt werden, wie wichtig ihre neue Aufgabe ist und welche Verantwortung sie tragen werden. Um möglichst realistische Bedingungen zu gewährleisten, stehen Einsatzmittel von Feuerwehr- und Rettungsdienstfahrzeugen bis zu kompletten Katastrophenschutzeinheiten bereit. Direkt zu Übungsbeginn muss ein Bereitstellungsraum für die Fahrzeuge eingerichtet werden. Die designierten Führungskräfte, unterstützt von einem LNA, müssen je nach Lehrgang zwei oder drei Lagen nacheinander abarbeiten. Dozenten und Übungsbeobachter registrieren jede Entscheidung und analysieren auch, wie die Teilnehmer interagieren. Eine Übungsleitstelle nimmt die Anforderungen entgegen und entsendet die Kräfte aus dem Bereitstellungsraum. Zusätzliche Stressoren machen die Lage vor Ort noch realistischer. Anfragen von Journalisten, aber auch aufgebrachten Angehörigen erhöhen den psychischen Druck. Der letzte Lehrgangstag schließt mit einer Prüfung am Planspiel und schriftlicher Erfolgskontrolle ab, die auch Bezug auf die Übungsinhalte nimmt und die Reflektion der praktisch erbrachten Leistung fordert. Nach der bestandenen Prüfung können die Zugführer Rettungsdienst/OrgL weitere Lehrgänge besuchen: Das Seminar Grundlagen der Stabsarbeit vermittelt Fähigkeiten für die Arbeit in Führungsstäben. Die Aufgaben der einzelnen Sachgebiete werden detailliert beschrieben, um die Teilnehmer zur Arbeit in allen Bereichen einer stabsmäßig geführten Einsatzleitung zu befähigen. In praktischen Beispielen erlernen sie das Führen einer Lagekarte und diskutieren, welche logistischen Aspekte bei der Arbeit im Stab berücksichtigt werden müssen.

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Ein weiteres Seminar fordert ein Umdenken in die Dimension des Verbands. In Führungsstaffeln organisiert durchläuft der Lehrgang „Verbandsführer“ eine Vielzahl von Szenarien in Planspielen und Praxiseinheiten, um die Führungskräfte an die oftmals unbekannte Größenordnung der Verbandsstärke heranzuführen. Die modulare Ausbildungsform bietet geprüften Führungskräften aus dem KatS die Möglichkeit zum Quereinstieg in verkürzten Seminaren. So wird die gerade im Großschadensfall so wichtige Schnittstelle zwischen Rettungs- und Katastrophenschutzkräften weiter ■ gestärkt. ■

Abb. 5: Organisation im Bereich des Bereitstellungsraumes/ Übergabe Rettungsdienst Abb. 6: Absprache zwischen Feuerwehr und Unterabschnittsleitern

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FORTBILDUNG

GLEISANLAGEN

Rettungsdiensteinsätze im Bereich von Bahnanlagen: Selten, aber nicht ungefährlich Autor: Alexander Dimitrow Dozent im Rettungsdienst, Werkfeuerwehr Leipzig/Halle Airport, Privatanschrift: Kastanienweg 8, 04435 Radefeld, alexander. dimitrow@gmx.de

Bei dem Gedanken an Unfälle mit Schienenfahrzeugen hat der Großteil der Mitarbeiter von Hilfsorganisationen Bilder wie das des ICE-Unglücks von Eschede, das sich am 3. Juni 1998 auf der Bahnstrecke Hannover-Hamburg ereignete und bei dem 101 Menschen gestorben sind, vor Augen. Auch beim Unfall von Hordorf in Sachsen-Anhalt am 29. Januar 2011, bei dem ein Güterzug und ein Regional-Express auf einer eingleisigen Schiene ungebremst zusammenprallten, fanden 10 Menschen auf tragische Art und Weise den Tod, weitere 23 wurden zum Teil schwer verletzt.

S

ind solche Großunfälle glücklicherweise eher die Seltenheit, gibt es doch immer wieder Einsatzmeldungen, die ein Tätigwerden des Rettungsdienstes im Bereich von Bahnanlagen erforderlich machen. So wurden im Jahr 2008 laut Statistischen Bundesamt insgesamt 540 Unfälle mit Personenschaden, auf dem deutschen Schienennetz registriert, davon 182 mit Todesfolge (Abb. 2). Gleichzeitig zeigt die Statistik aber, dass nicht zuletzt durch moderne Zugsicherungssysteme die Anzahl der Unfälle mit Personenschäden kontinuierlich zurückgeht. Dennoch gilt es zu beachten, dass ein solches Ereignis die Hilfskräfte neben einer entsprechenden Anzahl von Verletzten vor eine Reihe weiterer Probleme stellt. So sind Einsatzstellen auf freier Strecke zum Teil schlecht erreichbar und Einsätze im Bereich von Bahnanlagen mit einer Reihe nicht alltäglicher Gefahren behaftet. Abb. 1: Rettungsdienstmitarbeiter sind nur selten über die besonderen Gefahren auf Bahnanlagen informiert

Während in den Ausbildungsplänen für Einsatz- und Führungskräfte der Feuerwehren, das Thema „Gefahren im Bereich von Gleisanlagen“ durch ein entsprechendes Lehrgangsangebot, schon seit längerem einen festen Platz gefun-

den hat, wird diesem Thema in der Rettungsdienstausbildung nur sehr kurz oder oft gar keine Beachtung geschenkt (Abb. 3). Aufgrund der vielfältigen Gefahren und Besonderheiten, die im Bereich von Gleisanlagen herrschen, sollte jeder Rettungsdienstmitarbeiter mit dem notwendigen Wissen über Verhaltens- und Vorgehensweisen vertraut sein. Diese haben selbstverständlich nicht nur im Bereich von Gleisanlagen der DB AG, sondern in Gleisbereichen aller Eisenbahninfrastrukturunternehmen ihre Gültigkeit. Grundsätzlich sollte der Gleisbereich nur nach Bestätigung der Einstellung des Fahrbetriebs betreten werden, wenn es zur Aufgabenerfüllung des Rettungsteams unabdingbar ist. Neben der im Bereich der Ausbildung verwendeten Gefahrenmatrix sind bei Einsätzen im Gleisbereich folgende besondere Gefahren zu beachten (Abb. 4).

Gefahren durch den Bahnbetrieb Moderne Schienenfahrzeuge sind in der Lage, sehr hohe Geschwindigkeiten zu erreichen. So legt ein Zug bei 100 km/h rund 28 m pro Sekunde und bei 160 km/h sogar 45 m pro Sekunde zurück. Diese hohen Geschwindigkeiten wirken sich auch entsprechend negativ auf den Bremsweg aus. So benötigen Züge ca. 1.000 m Bremsweg, Züge auf Schnellfahrstrecken sogar bis zu 3.000 m Bremsweg. Erschwerend kommt hinzu, dass Züge spurgebunden sind, d.h. nicht ausweichen können, und sich moderne Züge mit einem sehr geringen Geräuschpegel annähern. In den Wintermonaten werden die Fahrgeräusche aufgrund von Schnee noch einmal zusätzlich stark abgedämpft und das Verlassen des Gefahrenbereiches zum Teil durch Glätte erschwert. Daher sollten Gleise auch nur an gut einsehbaren Stellen rechtwinklig überquert werden, sodass sich die Mitarbeiter von Hilfsorganisationen nicht zusätzlich in Gefahr bringen. Das Tragen einer geeigneten Warnkleidung sollte für alle eingesetzten Rettungskräfte selbstverständlich sein. Weitere Gefahren bestehen durch den Fahrbetrieb auf benachbarten Gleisen und durch mehrgleisige Bahnanlagen, wie im Bereich von Bahnhöfen mit vielen Weichen, wodurch sich befahrene Gleise für die eingesetzten Rettungskräfte nur schlecht einschätzen lassen. Auch muss im seitlichen Bereich der Gleise mit einer Gefahr durch Sogwirkung gerechnet werden. Hier ist ein Sicherheitsabstand von mindestens 3 m betrachtet von der Gleismitte zu beiden Seiten einzuhalten. Der Abstand von 3 m berücksichtigt Geschwindigkeiten bis 280 km/h (Abb. 5). Bei Geschwindigkeiten von mehr als 280 km/h beträgt der Sicherheitsabstand 3,30 m.

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GLEISANLAGEN

FORTBILDUNG

Aus diesem Grund sollte das zuerst eintreffende Rettungsmittel immer eine sofortige Sperrung aller Gleise Ăźber die Rettungsleitstelle verlangen. Diese wird sich unverzĂźglich mit der zuständigen DB-Notfallleitstelle in Verbindung setzen und alle erforderlichen MaĂ&#x;nahmen einleiten. Deutschlandweit betreibt die DB AG insgesamt sieben Notfallleitstellen, deren Aufgabe es ist, Meldungen entgegenzunehmen, Informationen zum Ereignisfall zu sammeln, diese weiterzugeben sowie den zuständigen Notfallmanager und weitere Rettungskräfte zu alarmieren. Eine direkte Kontaktaufnahme zu der jeweilig zuständigen Notrufabfragestelle (112/110) ist mĂśglich. Weiterhin veranlassen diese Notfallleitstellen der DB AG erste SchutzmaĂ&#x;nahmen und das Anhalten von ZĂźgen im betroffenen Steckenabschnitt. Die Notfallleitstellen befinden sich in den Städten Berlin, Hannover, Duisburg, Frankfurt am Main, Leipzig, Karlsruhe und MĂźnchen.

Abb. 2: Unfälle mit Personenschäden 2008

Gefahren im Gleisbereich Erschwerend zu den oben schon genannten oft schlechten ZugangsmĂśglichkeiten zur Einsatzstelle ist im Gleisbereich vor allem bei Dunkelheitt und schlechten Sichtverhältnissen eine erhĂśhte Sturz- und Stolpergefahr durch unebenen Untergrund (Schotterbett) und die Rutschgefahr auf den Schienen zu berĂźcksichtigen. Besondere Vorsicht ist bei Weichen geboten! Hier besteht durch die beweglichen Teile eine nicht zu unterschätzende Quetschgefahr. BenĂśtigte AusrĂźstung sollte wo mĂśglich immer auĂ&#x;erhalb des Gleisbereiches abgelagert werden.

(Quelle: Statistisches Bundesamt)

destabstand von 10 m einzuhalten. Bei allen anderen Hochspannungsleitungen, die ggf. neben den Gleisen verlaufen, ist ein Abstand von 20 m nach DIN VDE 0132 einzuhalten. Aber auch von den Fahrzeugen selbst geht eine elektrische Gefahr aus. So fßhrt die so genannte Zugsammelschiene, die alle Wagen untereinander mit Strom versorgt, eine Spannung von 1.000 V. An den Fahrzeugen selbst liegt eine Batteriespannung von 110 V an. Gefahren fßr das Rettungsdienstpersonal bestehen insbesondere bei unzulässiger Annäherung an elektrische Anlagen bei Unterschreitung der vorgeschriebenen Mindestabstände. Ein Besteigen von Wagendächern sollte daher zur Sicherheit unter allen Umständen unterbleiben.

Abb. 3: Auf Bahnanlagen bestehen fßr Hilfskräfte eine Reihe besonderer Gefahren

Gefahren durch Elektrizität

1(8

In den Oberleitungen, die in einer HÜhe von 5,50 bis 6,00 m ßber der Schienenoberkante verlaufen, herrscht eine Betriebsspannung von 15 kV (15.000 V) bei einer Frequenz von 16,7 Hz. Der Fahrdraht kann in Bereichen von Brßcken und Tunneln sowie in Bergsenkungsgebieten aber auch auf eine HÜhe von 4,95 m, in Ausnahmefällen auch auf bis zu 4,80 m abgesenkt sein. Sollten bei Eintreffen an der Einsatzstelle die Oberleitungen gerissen sein, so ist ein Min-

Die Bahnerdung der Oberleitung erfolgt in der Regel durch den Notfallmanager der DB AG In einigen Bundesländern fĂźhren auch speziell ausgebildete Kräfte der Feuerwehren in Ausnahmefällen die Bahnerdung durch. Diese FeuerwehrangehĂśrigen wurden durch die DB AG in speziellen SchulungsmaĂ&#x;nahmen fĂźr diese Aufgaben ausgebildet und fĂźhren diese Tätigkeit auf freiwilliger Basis durch. Die hierfĂźr ausgebildeten Einsatzkräfte der Feuer-

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FORTBILDUNG

GLEISANLAGEN

Gefahren an der Einsatzstelle Gefahren bestehen:

durch

Atemgifte Angstreaktionen Ausbreitung Atomare Strahlung Chemische Stoffe Erkrankung Explosion Einsturz Elektrizität

für A

A

A

A

C

E

E

E

E

Menschen Tiere Abb. 4: Die Gefahrenmatrix sollte allen Rettungsdienstmitarbeitern bekannt sein (aus LPN)

Umwelt Sachwerte Mannschaft Gerät

Gefahren durch Fahrzeuge

Abb. 5: Der Aufenthalt im Gefahrenbereich ist lebensgefährlich

Zum Eigenschutz sollten alle Einsatzkräfte grundsätzlich einen Sicherheitsabstand von 2 m zu abgestellten Schienenfahrzeugen einhalten. Wegen des geringen Reibungswertes zwischen Schiene und Rad können Schienenfahrzeuge, die nicht gesichert sind, sehr leicht in Bewegung geraten. Auch sollte vermieden werden, Gleise zwischen zwei Fahrzeugen zu überqueren. Wird ein Überqueren der Gleise als unbedingt erforderlich angesehen, muss ein Sicherheitsabstand von 2 m zu jedem Fahrzeug eingehalten werden. Für das Betreten der Gleisanlagen zwischen zwei Fahrzeugen wird sogar ein Sicherheitsabstand von mindestens 5 m erforderlich. wehren müssen ihre Kenntnisse zur Bahnerdung alle zwei Jahre auffrischen.

Fazit Der Notfallmanager der Bahn steht der Einsatzleitung spätestens nach 30 Minuten auch als Fachberater vor Ort zur Verfügung. Weitere Aufgaben des Notfallmanagers neben der Bahnerdung können sein: • die Prüfung der bahnseitig eingeleiteten Sicherungsmaßnahmen, die er – wenn erforderlich – ergänzt und in einem Sicherungsplan dokumentiert, • bei Bedarf Anforderung der Notfalltechnik der Bahn sowie ggf. weiterer technischer Fachberater, • die Untersuchung des Ereignisses aus Sicht der Bahn.

Notfallmanager der DB AG verfügen über eine abgeschlossene Berufsausbildung im technischen oder nichttechnischen Eisenbahnbetrieb mit entsprechender Berufserfahrung. In speziellen Lehrgängen werden Notfallmanager auf ihre Aufgaben und Befugnisse vorbereitet. Hierzu unterhält die DB AG ein eigenes Ausbildungszentrum Notfallmanagement/Notfalltechnik mit Sitz in Kassel. I 60 I

Selbstverständlich haben die hier aufgeführten Gefahren keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern sollen vielmehr einen kurzen Überblick ermöglichen sowie zur Beschäftigung mit diesem Thema anregen. Dazu bietet das Notfallmanagement der Deutschen Bahn AG auf seiner Homepage kostenlos für alle Interessierten Informationen, Einsatzmerkblätter und einen Hilfeleistungsleitfaden zum Herunterladen an. Je nach örtlichen Gegebenheiten sollten die Ausbildungsverantwortlichen auch eine gemeinsame Ausbildung mit der zuständigen Feuerwehr und dem Notfallmanagement der Deutschen Bahn AG, das kostenfrei ■ Informationsveranstaltungen durchführt, anstreben. ■ Literatur: 1. Deutsche Bahn AG (2009) Leitfaden Hilfeleistungseinsätze im Gleisbereich der DB AG, Frankfurt a.M. 2. Deutsche Bahn AG (2010) Kurzinformation Notfallmanagement, Frankfurt a. M. 3. Statistisches Bundesamt (2010) Eisenbahnverkehr 2009, Wirtschaft und Statistik 5/2010, Wiesbaden

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EINSATZBERICHT

NOTFALLPRAXIS

Rettung unter erschwerten Bedingungen: Volumenmangelschock durch Bluterbrechen Am 7. März 2011 werden ein RTW des ASB (besetzt mit zwei Rettungsassistentinnen) und ein NEF (besetzt mit einem Rettungssanitäter und einem Notarzt der Fachrichtung Anästhesie) um 11.45 Uhr parallel zu einem Primäreinsatz alarmiert. Die Einsatzmeldung lautet „zum Bluterbrechen“. Der Einsatzort liegt nur drei Querstraßen von der ländlich gelegenen Rettungswache der beiden Fahrzeuge entfernt. Aus diesem Grund können die vier Einsatzkräfte die Wohnung des Patienten gemeinsam bereits vier Minuten nach der Alarmierung betreten.

Vorgefundene Situation/Anamnese Die Wohnung befindet sich im ersten Stock eines vierstöckigen Mehrfamilienhauses. Bereits beim Betreten des Hauses fällt die enge, verwinkelte Bauweise des Treppenhauses auf. Auch in der Wohnung des Patienten setzt sich diese fort. Direkt hinter der Haustür zweigt ein sehr schmales, ca. 10 m2 großes Zimmer ab, indem ein ca. 60-jähriger adipöser, regungsloser Mann vor dem Sofa auf dem Boden liegt. Die Hautfarbe des Patienten ist fahl, überall im Zimmer und an der Bekleidung des Patienten kleben Blutreste. Die anwesenden Angehörigen (zwei erwachsene Töchter und die Ehefrau) berichten, dass der Patient zum Zeitpunkt des Anrufes noch ansprechbar gewesen sei. Er hatte mehrfach blutig erbrochen, daraufhin plötzlich heftig zu Husten ange-

fangen und sei danach auf dem Sofa in sich zusammengesackt und auf den Boden gefallen. Seitdem (ca. drei Minuten) reagiere er nicht mehr auf Ansprache. Der Patient klagte laut Aussage der Angehörigen seit etwa einer Woche über Magenschmerzen und machte einen kranken Eindruck, verweigerte jedoch jegliche medizinische Behandlung. Da der Patient in den letzten Jahren jeglichen Kontakt zu Ärzten strikt gemieden hat, können die Angehörigen zu etwaigen Vorerkrankungen oder einer Dauermedikation keine Aussage treffen, bekannt sei ihnen nichts. Der regelmäßige Genuss von Alkohol wird verneint, auffällig sind jedoch zwei angebrochene, fast geleerte Weinflaschen, die auf dem Fernsehtischchen stehen. Die zwei Töchter seien aus dem Grund vor Ort, ihren Vater dazu zu zwingen, einen Arzt aufzusuchen.

Autorin: Nadine Naujoks Lehrrettungsassistentin, ASB Schulen Bayern gGmbH, Eichenhainstr. 30 91207 Lauf/Pegnitz, information@ asb-schulen.de, www.asb-schulen.de

Therapie Der Notarzt kämpft sich durch den engen Raum zum Kopf des Patienten vor. Die Absaugpumpe wird am Kopf des Patienten platziert, der einen Atem- und Kreislaufstillstand hat. Die Pupillen sind rund, weit und lichtstarr. Während eine Rettungsassistentin die Herzdruckmassage in stehender, gebückter Haltung beginnt (die Platzverhältnisse lassen kein anderes Vorgehen zu) und die andere Rettungsassistentin zunächst die AED-Klebeelektroden anbringt und danach die notwendigen Utensilien für eine Intubation vorbereitet, saugt der Notarzt ca. 700 ml teils frisches, teils bereits koaguliertes

Abb. 1: Vorteile bei der Reanimation mit Lucas 2®

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NOTFALLPRAXIS

Abb. 2: Standard bei der Reanimation: Adrenalin

EINSATZBERICHT

Blut aus dem Mund-Rachen-Bereich des Patienten ab. Zunächst ist nicht klar zu erkennen, ob das Blut aus dem Ösophagus oder der Trachea kommt, eine Blutaspiration ist vermutlich jedoch gegeben. Das EKG-Bild zeigt eine Nulllinie. Der NEF-Fahrer inspiziert in der Zwischenzeit die Wohnung auf der Suche nach einem geeigneteren Versorgungsplatz. Die gesamte Wohnung ist jedoch stark verwinkelt und mit Möbeln so zugestellt, dass die Reanimation an Ort und Stelle weiterlaufen muss. Während der Notarzt die Intubation unter erschwerten Bedingungen vornimmt, bringt der NEFFahrer die Reanimationshilfe Lucas 2® (standardmäßig auf jedem NEF im RD-Bereich vorgehalten) in die Wohnung und bestellt vorsorglich die Feuerwehr zur möglichen Drehleiterrettung nach. Zu erwähnen ist auch noch, dass die gesamte Patientenversorgung durch überall am Einsatzort massenhaft herumliegende Hundehaare, die sich allerorten anheften, stark behindert wird. Nach erfolgtem Anlegen des Lucas 2® und der Übernahme der Beatmung durch den Oxylog 1000® (Einstellung Pmax, AF 12/min, O2 no-air-mix 7 l/min) machen sich die beiden Rettungsassistentinnen und der Notarzt auf die Suche nach geeigneten Zugangspunktionsstellen. Der NEF-Fahrer bereitet in der Zwischenzeit Suprarenin® aus der Stechampulle vor. Während die eine Rettungsassistentin an der linken Tibia versucht, einen i.o.-Zugang mittels einer B.I.G.® (Bone Injection Gun) zu setzen, legt die andere Rettungsassistentin eine 20-G-Venenverweilkanüle am rechten Fußrücken, an die 500 ml einer Vollelektrolytlösung (Jonosteril®) angeschlossen und erstmalig 1 ml Suprarenin® injiziert werden. Da der B.I.G.®-Punktionsversuch leider fehlschlägt, wird noch je ein weiterer i.o.-Zugang mit der EZ-IO®Bohrmaschine am linken und am rechten oberen Bereich des Schienbeines (proximale Tibia) durch den Notarzt gelegt, an die eine weitere Vollelektrolytlösung (Jonoste-

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ril® 500 ml) sowie eine HAES 6%® (500 ml) angebracht werden. Der Blutzucker beträgt 143 mg/dl. Während versucht wird, dem Patienten möglichst viel Flüssigkeit per Druckinfusion in die drei doch recht kleinlumigen Zugänge zuzuführen, gelingt es dem Notarzt, einen letzten großlumigen Zugang (16 G) in die V. jugularis externa zu platzieren, an die eine weitere kristalloide Infusionslösung angebracht wird (NaCl 500 ml). Nachfolgend wird dem Patienten alle 3-5 Minuten je 1 mg Suprarenin® injiziert. Nach ca. 10-minütiger Reanimation und zweimaliger Gabe von Suprarenin® wechselt das EKG-Bild und zeigt ein Kammerflimmern an. Der Patient wird in der weiteren Folge zweimal defibrilliert, das abgeleitete EKG zeigt jedoch weiterhin das Bild eines flimmernden Herzmuskels. Nachdem dem Patienten 300 mg Amiodaron (Cordarex®) als Bolus injiziert wurde und nach der dritten erfolgten Defibrillation sowie weiteren zwei Minuten Herzdruckmassage, zeigt das EKG-Bild einen langsamen Eigenrhythmus des Patientenherzens an (Hf ca. 40/min, unregelmäßiger Herzschlag, schwach tastbarer Puls, Blutdruck und SpO2 sind noch nicht messbar). Die Reanimationshilfe Lucas 2® wird abgestellt, es werden 0,5 mg Atropin® verabreicht. Die Herzfrequenz des Patienten steigert sich jedoch nicht, sondern fällt nach weiteren zwei Minuten wieder in eine Nulllinie zurück. Die Reanimation wird wieder fortgesetzt, auch die Suprareningabe (1 mg/2-3 Minuten) wird wieder aufgenommen. Zu erwähnen ist, dass die Beatmung des Patienten seit erfolgter Intubation keinerlei Probleme bereitete, es konnte zu Beginn durch den Endotrachealtubus nur noch eine minimale Menge Blut abgesaugt werden, weswegen die Besatzung von einer ursächlichen Blutung im Magen-/Ösophagusbereich ausgeht. Zwischenzeitlich wird es einmal notwendig, die Sauerstoffflasche des Oxylog® und den EKG-Akku der Reanimationshilfe zu tauschen. Auch die Feuerwehr inkl. Drehleiter ist bereits eingetroffen und hat eine geeignete Position zum Abtransport eingenommen. Die Schaufeltrage zum Umlagern des Patienten steht in der Wohnung bereit, das Oberteil der Stryker®-Trage ist bereits von der Feuerwehr für den Drehleitereinsatz vorbereitet. Die Einsatzkräfte entscheiden sich jedoch dafür, einen Transport nur durchzuführen, wenn das Herz des Patienten selbstständig ausreichend arbeiten sollte. Da die Reanimation bereits geraume Zeit andauert (30 Min.), beschließt das Notfallteam in Absprache mit den Angehörigen, den Patienten noch weitere 10 Minuten zu reanimieren und dann bei unverändertem Patientenzustand die Konsequenz zum Abbruch der Reanimation zu ziehen. Der Notarzt unternimmt eine blinde Pufferung und verabreicht dem Patienten ca. 125 ml Natriumhydrogencarbonat 8,4%®. Nach der mittlerweile 12. Gabe der reanimationsüblichen Suprarenindosis verändert sich das EKG-Bild wieder zu einem Kammerflimmern. Der Patient wird ein viertes Mal defibrilliert. Nach weiteren zwei Minuten Folgereanimation wird ein unregelmäßiger Eigenrhythmus (Sinusrhythmus) mit einer Herzfrequenz von ca. 80/min festgestellt. Die Reanimationshilfe wird abgestellt, die Beatmung wird weiterhin kontrolliert über den Oxylog 1000® gesteuert. Der Puls ist peripher schwach tastbar, der Blutdruck kann erstmalig mit 80 mmHG palpatorisch be8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 762


EINSATZBERICHT

NOTFALLPRAXIS

Abb. 3: Die Feuerwehr musste den adipösen Patienten mit einer Drehleiter retten

stimmt werden, die SpO2 zeigt einen Erstwert von 89% an. Die Pupillen sind weiterhin rund, weit und lichtstarr. Erst jetzt sind die Bedingungen dafür gegeben, den Patienten auf die Schaufeltrage zu lagern, um zum Drehleiterabtransport übergehen zu können. Die Reanimationshilfe Lucas 2® wird weiterhin am Patienten belassen. Da der Patient damit beginnt, gegen die Beatmungsmaschine zu atmen, werden ihm 3 mg Midazolam® zur Sedierung, 0,1 mg Fentanyl® zur Analgesie und 100 mg Esmeron® (Rocuronium) als Muskelrelaxans verabreicht. Der Patient wird von sechs Feuerwehrmännern auf die Drehleiter verbracht, der Notarzt begleitet den Patienten dabei. Während die weitere Drehleiterrettung komplikationslos verläuft, meldet der NEF-Fahrer den Patienten mit Mobiltelefon direkt in der Medizinischen Intensivstation des Universitätsklinikums Erlangen mit der Verdachtsdiagnose „Zustand nach Reanimation – ursächlich Volumenmangelschock durch Bluterbrechen“ und unter Angabe einer erwarteten Eintreffzeit von 20 Minuten an. Während des Transportes in die Universitätsklinik verfällt der Patient noch einmal in den Zustand des Kammerflimmerns, weswegen eine weitere Defibrillation und eine Herzdruckmassage über etwa zwei Minuten hinweg notwendig werden. Dafür muss der Transport allerdings nicht unterbrochen werden. Nach ca. 15-minütiger Fahrzeit wird der Patient den behandelnden Ärzten und Pflegern kreislaufstabil mit einem Sinusrhythmus von 100/min, einem RR von 90 mmHg systolisch, einem etCO2 von 38 mmHg und einer SpO2 von 95% übergeben.

Diskussion Zusammenfassend muss gesagt werden, dass ein zügiger Patiententransport in eine geeignete Klinik bei einem 8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 763

Herzstillstand, der vermutlich durch hohen Blutverlust (Volumenmangelschock) ausgelöst wurde, normalerweise oberste Priorität hat. Durch die äußerst schwierige Platzsituation am Notfallort, die Unmöglichkeit eines Abtransportes durch das enge Treppenhaus und durch die Tatsache, dass sich der Einsatzort in ländlichem Gebiet befand – und so alles gegen eine zügigen Patientenabtransport sprach, entschied sich der Notarzt zum Versuch, den Patienten vor Ort zu stabilisieren und einen Abtransport auch nur unter diesen Umständen vorzunehmen. Erst nach ca. 60 Minuten Versorgungszeit stabilisierte sich der Patientenzustand soweit, dass der eigentliche Transport eingeleitet wurde. Der Patient wurde dem Krankenhauspersonal ca. 1,5 Stunden nach dem Ereignis des Atemund Kreislaufstillstandes in kreislaufstabilem Zustand übergeben. Ihm wurden am Einsatzort sowie während des Transportes insgesamt 1.750 ml kristalloide und 500 ml kolloidale Infusionslösungen verabreicht. Da zunächst keine ausreichend großen periphervenösen Zugänge zur Verfügung standen, wurde das Volumen teilweise durch intraossäre Zugänge substituiert, was durchaus kontrovers diskutiert werden kann. Die Prognose des Patienten bleibt zum derzeitigen Zeitpunkt weiterhin ungewiss bzw. infaust. Zu erwähnen ist, dass sich die anschließende Reinigung der Einsatzfahrzeuge sowie der medizinischen Geräte weitere drei Stunden hinzog, da alles komplett gesäubert werden musste. Die Hundehaare, die tatsächlich überall klebten, zeigten sich von Wasser sowie Reinigungs- oder Desinfektionsmittel unbeeindruckt und ließen sich nicht ausreichend entfernen. Erst mit (Klebe-)Fusselbürsten und unter Zuhilfenahme der Klebefläche von braunem Pflaster konnten die Tierhaare soweit entfernt werden, dass eine ■ Grundreinigung möglich war. ■ I 63 I


NOTFALLPRAXIS

HYPOTHERMIE

Hypothermie durch kalte Infusionslösungen: Eine Alternative für den Rettungsdienst? Autoren: Dr. Armin Grawe Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Intensivmedizin Thomas Rohloff Fachkrankenpfleger/Rettungsassistent, Stellv. Bereichsleitung der Intensivstation IS 01, Dr.-HorstSchmidt-Kliniken GmbH, Klinikum der Landeshauptstadt Wiesbaden, Klinik Innere Medizin I und Klinik für Neurologie, Ludwig-ErhardStr. 100, 65199 Wiesbaden, thomas.rohloff@ hsk-wiesbaden.de

Die milde therapeutische Hypothermie als begleitendes therapeutisches Verfahren in der Behandlung von Patienten mit unterschiedlichen hypoxisch-ischämischen Ereignissen, insbesondere dem Herz-Kreislauf-Stillstand unterschiedlicher Ursache, zählt spätestens seit der Etablierung im Jahre 2003 in die Empfehlungen der International Liaison Committee on Resuscitation (ILCOR) Guidelines zu den in ihrem Benefit für den Patienten gesicherten therapeutischen Verfahren in der Notfall- und Rettungsmedizin, aber auch in der innerklinischen Intensivmedizin.

I

n den letzten Jahren hat sich erfreulicherweise auch im Bereich des Rettungsdienstes das Bewusstsein für die Wichtigkeit der „Kühlung“ nach erfolgreicher präklinischer Primärbehandlung des Herz-Kreislauf-Stillstands immer mehr geschärft. „Start as soon as possible“, so die Originalempfehlungen der European Resuscitation of Council bereits im Jahre 2005. In den aktuellen Leitlinien zur Reanimation wird die „Kühlung“ trotz des im Vergleich zu Patienten mit hyperdynamem Kreislaufstillstand (Kammerflimmern, pulslose VT) niedrigeren Evidenz-Levels auch für Patienten mit nicht-defibrillierbaren Rhythmen wie der Asystolie oder der elektro-mechanischen Entkopplung (EMD) ausdrücklich empfohlen. Die Aussage „kühle so schnell wie möglich“ stellt das Team im Rettungsdienst in Bezug auf die praktische Durchführbarkeit häufig vor Probleme. So sind apparative Kühlsysteme auch für den Bereich des Rettungsdienstes mittlerweile zwar verfügbar, aber teuer und auch nicht frei von „Nebenwirkungen“. Die nachfolgend beschriebene Kasuistik soll zeigen, dass es auch möglich ist, ohne großen (und teuren) apparativen Aufwand den Patienten nach primär erfolgreicher CPR bereits im Rettungsdienst unter der ausschließlichen Verwendung kalter kristalloider Infusionslösungen ausreichend schnell und effektiv zu „kühlen“.

Der Einsatz Am 1. Februar 2011 um 17.05 Uhr erfolgt die Übernahme eines 72-jährigen Patienten mit Zustand nach CPR bei primärer elektromechanischer Entkopplung. Ursache hierfür ist eine hämodynamisch relevante Perikardtamponade, die unter Sonografiekontrolle durch Punktion entfernt werden kann. In der Anamnese findet sich neben einem typischen kardialen Risikoprofil auch der Z.n. Nephrolitiasis („NierenI 64 I

Abb. 1: Auch ohne großen apparativen Aufwand ist es möglich, Patienten nach primär erfolgreicher CPR bereits im Rettungsdienst zu „kühlen“

steinkrankheit“) links sowie dem Z.n. Ulcus duodeni. Zum Übernahmezeitpunkt war der Patient hämodynamisch und respiratorisch stabil, die Pupillen eng, isokor und lichtreagibel. Gemäß der internen Leitlinie „kontrollierte Hypothermie“ wird diese Maßnahme, die durch das Team des Rettungsdienstes schon präklinisch begonnen wurde, für 24 Stunden fortgeführt. Unmittelbar nach Aufnahme wird der Patient komplett entkleidet. Es erfolgt die Anlage weiterer großlumiger periphervenöser Zugänge (14 G) sowohl in die linke Vena jugularis externa als auch in die rechte und linke V. basilica sowie die Anlage einer „arteriellen Kanüle“ zur genauen Blutdruckmessung. Parallel erhält der Patient einen Blasendauerkatheter mit integrierter Temperaturmessung sowie eine Magensonde. Zur Vermeidung des Shifferings (Kältezittern) und damit zur Vermeidung von Wärmeproduktion erhält der Patient in dieser Phase insgesamt 8 mg Pancuro8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 764


HYPOTHERMIE

nium als mittellang wirkendes Muskelrelaxans. Es erfolgt die Applikation von gekühlter (4 °C) kristalloider Infusionslösung (Jonosteril®) in der Dosis von 30 ml/kgKG/h. Insgesamt werden in den ersten zwei Stunden 4.000 ml Infusionslösung als reine Schwerkraftinfusion appliziert, die (dank großlumiger periphervenöser Zugänge) ausreichend schnell im Patienten „verschwinden“. Begleitend erhält der Patient zur Sicherung einer schnellen Urinausscheidung und damit dem Abtransport von „Wärme“ 40 mg Furosemid. Im weiteren Verlauf erfolgt die Anlage eines zentralvenösen Zugangs.

Kühlungsmaßnahmen In das temperaturtherapeutische Fenster von 32-34 °C Körperkerntemperatur gelangt der Patient 1 Stunde und 48 Minuten nach Beginn der Kühlungsmaßnahmen. Durch intermittierende Gabe kristalloider gekühlter Infusionslösungen lässt sich der Patient problemlos im therapeutischen Zielbereich halten. Der Patient ist für den Zeitraum der Kühlung lediglich mit einem Schutz für den Intimbereich bedeckt. Die über den Blasenkatheter gemessene Körperkerntemperatur variiert im Kühlungszeitraum zwischen 32,9 und 33,9 °C. Die arterielle Blutgasanalyse acht Stunden nach Einleitung der kontrollierten Hypothermie zeigt bei einem druckkontrollierten Beatmungsmuster (P-CMV) mit niedrigen Beatmungsspitzendrücken einen ausreichend stabilen Gasaustausch. Die initial notwendig hohen PEEP-Werte können im Verlauf deutlich reduziert werden. Die Sedierung des Patienten erfolgt mit Midazolam in der Dosierung von maximal 6 mg/h sowie Sufentanyl in der Dosierung von 0,04 mg/h problemlos. Darunter wird der Patient in die in unserem Haus zur Beurteilung der Sedierungstiefe in der Routine verwendete Richmond Agitation Sedation Scale (RASS) (Tab. 1) während der Dauer der kontrollierten

NOTFALLPRAXIS

■ Richmond Agitation Sedation Scale (RASS)

Tab. 1

Wert

Beschreibung

+4

sehr streitlustig, gewalttätig, Gefahr für das Personal

+3

sehr agitiert, aggressiv, zieht an Schläuchen

+2

agitiert, ungezielte Bewegung

+1

unruhig, ängstlich

0

aufmerksam, ruhig

−1

schläfrig, nicht ganz aufmerksam, aber erwacht anhaltend durch Stimme (> 10s)

−2

leichte Sedierung, erwacht kurz mit Augenkontakt durch Stimme (< 10s)

−3

mäßige Sedierung, Bewegung oder Augenöffnung durch Ansprache

−4

tiefe Sedierung, keine Reaktion auf Stimme, aber Bewegung oder Augenöffnung durch körperlichen Reiz

−5

nicht erweckbar, keine Reaktion auf Stimme oder körperlichen Reiz

Hypothermie durchgehend mit –5 (keine Reaktion auf Ansprache oder physikalische Reize) eingestuft. Zur Kreislaufstabilisierung erhält der Patient in den ersten zwei Tagen Noradrenalin (Arterenol®) zwischen 0,2 mg/h und 7,5 mg/h. Auffällig ist dabei, dass die höchsten Vasopressordosierungen erst sechs Stunden nach Beendigung der Kühlungsphase notwendig werden. Dies korreliert mit unserer Erfahrung, dass die kontrollierte Hypothermie durch Gabe gekühlter Infusionslösungen sowohl in Bezug auf die Infusionsmenge als auch in Bezug auf die Temperatur der infundierten Infusionslösung selten wirklich gravierende hämodynamisch oder respiratorisch relevante Probleme induziert und damit „gut vertragen“ wird. Wir beobachten im Gegenteil partiell kardioprotektive, d.h. die Herzleistung steigernde Effekte und insgesamt eine deutliche Stabilisierung sowohl der klinischen Parameter als Abb. 2: Der NSE-Verlauf

8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 765

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NOTFALLPRAXIS

Abb. 3: Für den Bereich des Rettungsdienstes könnte die Kühlung ausschließlich mit kalten Infusionslösungen eine akzeptable Alternative zur Anwendung apparativer Unterstützungsverfahren darstellen

HYPOTHERMIE

auch der z.B. über das PICCO©-System (ein innerklinisch auf der Intensivstation häufig verwendetes Messsystem zur Bestimmung wichtiger Kreislaufparameter wie Volumensituation (Lungenödem?), Kontraktilität des Myokards oder auch Bestimmung des Schlagvolumens der Herzens) dokumentierten Daten für die myokardiale Kontraktilität, Volumensituation und Nachlast.

Passive Wiedererwärmung Nach Beendigung der Kühlungsphase wird der Patient durch rein passive Wiedererwärmung (einfaches „Zudecken“ des Patienten ohne Verwendung weiterer, ins-

der Initialphase der ersten vier Tage durchgehend fallende Werte (Abb. 3). Das am 5. Februar durchgeführte CCT zeigt keinerlei Hinweis auf ein vorhandenes Hirnödem oder Zeichen eines erhöhten Hirndrucks. Das Weaning des Patienten (Entwöhnung vom Beatmungsgerät) gestaltet sich schwierig. Am 4. Februar deutlicher Anstieg der Kreatininwerte im Sinne einer akuten Nierenschädigung. Unter dem Bild der schweren Sepsis Umstellung der Antibiose von Unacid® auf Tazobac mono®. Ab dem 5. Februar wird die antibiotische Therapie um Clindamycin (Sobelin®) bei Verdacht auf bakterielle Perikarditis nach Notfallperikardpunktion erweitert. Bei dann fallenden laborchemischen Entzündungsparametern wird die antibiotische Therapie nicht erneut gewechselt, es erfolgt jedoch ein ZVK-Wechsel am 9. Februar. Der insgesamt schwierige Weaning-Verlauf macht die dilatative Tracheotomie erforderlich, die am 8. Februar, also am siebten Tag nach dem Akutereignis erfolgt. Die Vigilanz des Patienten verbessert sich im Verlauf nur langsam, aber deutlich wahrnehmbar. Der Patient klart in der Folgezeit vollständig auf, eine Kommunikation ist über verschiedene Wege möglich. Der Patient wird vier Wochen nach dem Akutereignis zur weiteren Behandlung in ein neurologisches Rehabilitationszentrum verlegt.

Zusammenfassung Die milde therapeutische Hypothermie stellt ein schon seit vielen Jahren etabliertes Standardverfahren zur Behandlung von Patienten nach Reanimationsereignis dar. Wir beobachten häufig trotz der hohen Infusionsvolumina bereits in der Phase der schnellen Einleitung der Hypothermie eine deutliche Stabilisierung auch hämodynamischer Parameter. Nach Erreichen des Zielkorridors von 32 bis 34 °C Körperkerntemperatur wird die gemessene Blasentemperatur mit entsprechenden Alarmgrenzen unterlegt. Das Intensivpflegepersonal hält dann die Körpertemperatur durch intermittierende Gabe weiterer gekühlter Infusionslösungen konstant in diesem Bereich. Größere Schwierigkeiten stellen sich unserer Erfahrung nach hierbei nicht ein. Apparative Unterstützungssysteme kommen auch bei uns in der Klinik nicht zum Einsatz, da sie nicht notwendig sind.

Interessenkonflikt: Der korrespondierende Autor versichert, dass keine Verbindung mit einer Firma, deren Produkt in dem Artikel genannt ist, oder einer Firma, die ein Konkurrenzprodukt betreibt, besteht.

I 66 I

besonderer apparativer Hilfsmittel) in den Bereich der Normothermie überführt. Dabei wird die über den Blasendauerkatheter gemessene Körperkerntemperatur von 36,0 °C 20 Stunden nach Beendigung der kontrollierten Hypothermie erreicht, was einer Wiedererwärmungsratio von 0,16 °C/h entspricht. Begonnen wird zu diesem Zeitpunkt auch die Ernährung des Patienten mit enteralen Ernährungslösungen über die Magensonde. Der NSE-Verlauf („neuronenspezifische Enolase“, ein innerklinisch häufig verwendeter laborchemischer Parameter für die Prognostik des Verlaufs der Hirnschädigung) des Patienten zeigt in

Für den Bereich des Rettungsdienstes könnte die Kühlung ausschließlich mit kalten Infusionslösungen eine akzeptable Alternative zur Anwendung apparativer Unterstützungsverfahren darstellen. Genauere Untersuchungen der Methode im Bereich der Präklinik fehlen hier (noch). Die „Kühlung“ des Patienten mit Zustand nach CPR ist fest etabliert, vielleicht könnte die hier gezeigte Methode der Kühlung im Hinblick auf Kostenreduktion und Reduzierung von Komplikationen auch für den Bereich des Rettungsdienstes eine akzeptable Alternative zu teuren apparativen Kühlungsverfahren darstellen. Hier sind wir gespannt, ob und in welche Richtung sich die Reanimationsleitlinien 2015 mögli■ cherweise verändern werden. ■ 8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 766


AUS DER RECHTSPRECHUNG

RECHT

Aus der Rechtsprechung zum Rettungswesen Hilfeleistung ist nicht ungefährlich, insbesondere auf der Autobahn. Immer wieder werden Hilfswillige zu Opfern von auf den Unfallort zurasenden Autofahrern. Der Helfer zahlt seine Hilfsbereitschaft mit gesundheitlichen Schäden, manchmal sogar mit dem Tod. Man denkt üblicherweise, niemand könne auf den Gedanken verfallen, einem Helfer am Unfallort wegen der Aufstellung eines Warndreiecks einen Vorwurf zu machen und ihm hierdurch ein Mitverschulden an seiner erlittenen Verletzung anzulasten. Die Realität sieht anders aus. Der auf den Unfallort zurasende Autofahrer und dessen Kfz-Haftpflichtversicherung hielten dem verletzten Helfer ein solches Mitverschulden vor. Der Bundesgerichtshof musste entscheiden.

Abb. 1: Unfallort Autobahn: Für Helfer stets gefährlich

Unfall beim Aufstellen des Warndreiecks Der Fall: Der Kläger (Kl.) befuhr die Bundesautobahn (BAB). Der Beklagte (Bekl.) zu 3) befuhr mit einem Pkw, dessen Halter der Bekl. zu 4) und dessen Haftpflichtversicherer die Bekl. zu 5) ist, ebenfalls die BAB, geriet ins Schleudern, kollidierte mit der Leitplanke, kam auf dem rechten Seitenstreifen zum Stehen und schaltete das Warnblinklicht an. Der nicht an dem Unfallgeschehen beteiligte Kl. hielt vor dem Pkw des Bekl. zu 3) an und schaltete ebenfalls das Warnblinklicht ein. Er begab sich zum Bekl. zu 3), erkundigte sich nach dessen Befinden und wollte zur Absicherung der Unfallstelle das Warndreieck aus dem Kofferraum des verunfallten Fahrzeugs nehmen. Von hinten näherte sich der Bekl. zu 1) mit seinem bei der Bekl. zu 2) haftpflichtversicherten Pkw, geriet auf der BAB ebenfalls ins Schleudern und erfasste den Kl., der sich schwer verletzte. Die Klage des Kl. auf Schadensersatz und Schmerzensgeld hatte in den Vorinstanzen im Wesentlichen Erfolg, jedoch war ihm vom LG ein Mitverschulden angelastet worden. Das OLG hatte in der Berufungsinstanz ein Mitverschulden verneint. Jedoch wollten die Bekl. zu 1) und 2) ein Mitverschulden des Kl. auch im Revisionsverfahren festgestellt wissen. Sie sind der Auffassung, dass es der Aufstellung eines Warndreiecks durch den Kl. überhaupt nicht bedurft hätte. Die Entscheidung: Die Revision der Bekl. zu 1) und 2) wurde zurückgewiesen (BGH, Urteil vom 5. Oktober 2010 – VI ZR 289/09 – u.a. Neue Juristische Wochenschrift 2011, S. 292 – www.bundesgerichtshof.de). Amtlicher Leitsatz (Auszug): Ergreift ein Unfallhelfer nach einem Unfall, bei dem das Ausmaß der Gefährdung und der Hilfebedürftigkeit der beteiligten Verkehrsteilnehmer nicht sogleich zutreffend erkannt werden kann, nicht die aus nachträglicher Sicht vernünftigste Maßnahme, folgt hieraus noch nicht ein Mitverschuldensvorwurf. 8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 767

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Aus den Gründen (auszugsweise und redaktionell bearbeitet): „Mit rechtlich nicht zu beanstandender Begründung hat das Berufungsgericht ein den Anspruch minderndes Mitverschulden des Kl. verneint. Entgegen der Auffassung der Revision ist dem Kl. nicht vorzuwerfen, dass er sich auf dem Seitenstreifen aufhielt, um das Warndreieck aus dem Kofferraum des vom Bekl. zu 3) gelenkten Fahrzeugs zu holen und zur Absicherung der Unfallstelle aufzustellen. aa. Zwar hat der Kl. durch seinen Aufenthalt auf dem Seitenstreifen, der dem Aufstellen eines Warndreiecks diente, objektiv sorgfaltswidrig gehandelt. Nach der Regelung des § 18 Abs. 9 Satz 1 StVO ist es Fußgängern nämlich grundsätzlich verboten, Autobahnen zu betreten, mithin auch sich auf den zur Autobahn gehörenden Seitenstreifen aufzuhalten. Jedoch ist es erlaubt und unter bestimmten Umständen sogar geboten, dass sich ein Fußgänger jedenfalls kurzzeitig auf dem Seitenstreifen aufhält, um nach einem Verkehrsunfall bestehenden Verpflichtungen gemäß § 34 Abs. 1 StVO nachzukommen. Dazu gehört die nach § 15 Satz 2 StVO gebotene Durchführung erforderlicher Maßnahmen zur Absicherung der Unfallstelle. Diese in erster Linie dem Fahrer eines liegengebliebenen Fahrzeugs obliegende Pflicht können auch andere Personen, die nicht Unfallbeteiligte sind, übernehmen. Von den jeweiligen Umständen des Einzelfalls hängt es ab, ob ein Fahrzeug, das auf dem Seitenstreifen

Gerichtliche Entscheidungen werden mitgeteilt von Michael R. Ufer Vorsitzender Richter am Verwaltungsgericht Hannover, Schliekumer Straße 33 B, 31157 Sarstedt

Folge 102 (im Anschluss an Heft 7/2011, S. 674)

Die Abbildungen stehen in keinem Zusammenhang mit den gerichtlichen Entscheidungen.

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RECHT

AUS DER RECHTSPRECHUNG

einer Autobahn zum Stehen gekommen ist, entsprechend § 15 StVO gesichert werden muss (…). Hierfür sind u.a. die Beschaffenheit der Straße, der Standort des Fahrzeugs sowie die Licht- und Sichtverhältnisse maßgeblich. Bei einem auf dem Seitenstreifen der Autobahn stehenden Fahrzeug kann es darauf ankommen, wie breit der Seitenstreifen ist, welcher Zwischenraum zwischen der linken Seite des Fahrzeugs und dem rechten Rand des rechten Fahrstreifens verbleibt, welche Lichtverhältnisse herrschen, aus welcher Entfernung das stehende Fahrzeug für andere Verkehrsteilnehmer zu erkennen ist sowie ob dadurch andere Verkehrsteilnehmer irritiert werden können (vgl. OLG Hamm VRS 47, 65).

Für den Kl. war schwer zu beurteilen, ob ein Warndreieck zur zusätzlichen Absicherung der Unfallstelle erforderlich war. Für die zusätzliche Absicherung durch ein Warndreieck sprach, dass es zur Unfallzeit dunkel war und sich auf den Fahrbahnen teilweise eine Schneedecke bildete, welche die Fahrstreifenmarkierungen zumindest teilweise verdeckte. Die Befürchtung, herannahende Verkehrsteilnehmer könnten allein aufgrund der Warnblinkanlage nicht rechtzeitig erkennen, ob die auf dem Seitenstreifen stehenden Fahrzeuge in die Fahrbahn hineinragen, lag unter diesen Umständen nahe.

Abb. 2: Dem Kläger ist nicht vorzuwerfen, dass er sich auf dem Seitenstreifen aufhielt, um das Warndreieck aus dem Kofferraum des vom Beklagten gelenkten Fahrzeugs zu holen und zur Absicherung der Unfallstelle aufzustellen

bb. Die Beurteilung des Berufungsgerichts, dass es im Streitfall einer Absicherung der Unfallstelle durch Aufstellen des Warndreiecks nicht wirklich bedurft habe, begegnet zwar keinen durchgreifenden rechtlichen Bedenken. Sie wird gestützt durch die Feststellungen des LG zur Örtlichkeit und den Sichtverhältnissen an der Unfallstelle. Danach war die Unfallstelle übersichtlich, weil die Fahrbahn im Unfallbereich entlang eines Gefälles in einer leichten Rechtskurve verläuft. Trotz Dunkelheit war das Fahrzeug des Bekl. zu 3), das mit eingeschalteter Warnblinkanlage vollständig auf dem Seitenstreifen stand, für den herannahenden Verkehr hinreichend erkennbar. Die Notwendigkeit, ein Warndreieck aufzustellen, war mithin nicht wirklich gegeben. Jedoch hat das Berufungsgericht mit Recht einen Mitverschuldensvorwurf verneint, weil dem Kl. nicht vorzuwerfen ist, dass er in der Unfallsituation die Lage anders beurteilt, danach gehandelt und sich dadurch in die Gefahr der Verletzung gebracht hat. I 68 I

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Wenn ein Verkehrsteilnehmer unmittelbar nach einem Unfall im Straßenverkehr nicht die aus nachträglicher Sicht vernünftigste Maßnahme ergreift, folgt hieraus nicht zwangsläufig ein (Mit-)Verschuldensvorwurf (…). Objektiv falsche Reaktionen von Verkehrsteilnehmern stellen nach ständiger Senatsrechtsprechung dann kein schuldhaftes Verhalten i.S.v. § 254 Abs. 1 BGB dar, wenn der Verkehrsteilnehmer in einer ohne sein Verschulden eingetretenen, für ihn nicht voraussehbaren Gefahrenlage keine Zeit zu ruhiger Überlegung hat und deshalb nicht das Richtige und Sachgerechte unternimmt, um den Unfall zu verhüten, sondern aus verständlicher Bestürzung objektiv falsch reagiert (…). In einer vergleichbaren Situation kann sich ein Unfallhelfer oder ein Unfallbeteiligter nach einem Unfall befinden, bei dem das Ausmaß der Gefährdung und der Hilfebedürftigkeit der einzelnen Unfallbeteiligten und anderer Verkehrsteilnehmer nicht immer sogleich zutreffend erkannt werden kann. So liegt der Fall hier.

cc. Das Berufungsgericht musste ein unfallursächliches Mitverschulden des Kl. auch nicht deshalb annehmen, weil der Kl., wie die Bekl. behauptet haben, während der Entnahme des Warndreiecks den herannahenden Verkehr unbeobachtet ließ. Zwar ist ein Verkehrsteilnehmer, der bei einem Unfall oder einer Panne Hilfe leistet, nicht von der Pflicht befreit, sich um seinen eigenen Schutz zu bemühen. Er muss sich in seinem eigenen Interesse umsichtig verhalten und das Risiko, in Folge seiner Hilfeleistung selbst verletzt zu werden, möglichst ausschalten (Senat VersR 1981, S. 260 und VersR 2001, S. 76, 77 mwN). Auch hat der erkennende Senat mehrmals den Aufenthalt auf dem Seitenstreifen einer mehrspurigen Fahrbahn, ohne Beobachtung des rückwärtigen Verkehrs, um sich bei Herannahen eines anderen Fahrzeugs in Sicherheit zu begeben, als unfallursächliches Mitverschulden gewertet (Senat VersR 1977, S. 36, 37; vgl. Senat VersR 2001, S. 76, 77 mwN). Jedoch ist für den Vorwurf des Mitverschuldens das Ausmaß der Selbstgefährdung im konkreten Fall ausschlaggebend. Dieses bestimmt sich insbesondere nach den Sichtverhältnissen des nachfolgenden Verkehrs auf das auf dem Seitenstreifen mit eingeschalteter Warnblinkanlage abgestellte Fahrzeug, dem in Anspruch genommenen Verkehrsraum und der Dauer des zum Aufstellen des

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AUS DER RECHTSPRECHUNG

Warndreiecks erforderlichen Zeitraum (vgl. Senatsurteil NJW 1971, S. 431, 432). Im Streitfall spricht gegen ein Verschulden des Kl. gegen sich selbst, dass an dem Unfallfahrzeug und dem davor stehenden Fahrzeug des Kl. jeweils die Warnblinkleuchten eingeschaltet waren, wodurch der nachfolgende Verkehr auf die allgemeine Gefahrenstelle hingewiesen und zu vorsichtiger Fahrweise angehalten wurde (vgl. § 16 Abs. 1 Nr. 2 StVO). Da der Seitenstreifen vom fließenden Verkehr nicht befahren werden darf (§ 2 Abs. 1 StVO), das Fahrzeug des Bekl. zu 3) aber vollständig auf dem Seitenstreifen stand, musste der Kl. in diesem Bereich auch nicht mit nachfolgendem Verkehr rechnen und sich davor in Sicherheit bringen. Die Entnahme eines Warndreiecks aus dem Kofferraum nimmt zudem nur einen sehr kurzen Zeitraum in Anspruch.“

RECHT

Haftung bei Feuerwehreinsatz Der Fall: Der Kläger (Kl.) parkte seinen Pkw VW in einer Einzelgarage auf einem Garagenhof. Zwei Garagen weiter befand sich die Garage der Beklagten (Bekl.), in der sie ihren Pkw BMW geparkt hatte. Um Schäden beim Einparken zu vermeiden, hatte die Bekl. an der hinteren Garagenwand eine Matratze angelehnt. Diese fing durch das heiße Auspuffrohr des BMW Feuer. Bei der Brandbekämpfung lief ein Feuerwehrmann über das Garagendach, brach in die darunter liegende Garage des Kl. ein und beschädigte durch den Sturz dessen Pkw VW. Der Kl. begehrt von der Bekl. Schadensersatz. Das LG hat die Klage abgewiesen.

Anmerkung: Hätte der BGH im Ergebnis anders entschieden, wäre eine solche Entscheidung sicherlich nicht ohne Folgen für die Bereitschaft nicht am Unfall beteiligter Autofahrer geblieben, auf einer Autobahn anzuhalten, Hilfe anzubieten und die Unfallstelle abzusichern. Zur gesetzlichen Unfallversicherung beim Unfall im Zusammenhang mit dem Aufstellen eines Warndreiecks s. BSG RETTUNGSDIENST 12/2008, S. 1209.

Haftung bei Einsatzübung Der Fall: Der Kläger (Kl.) begehrt Schadensersatz wegen eines Unfalls im Rahmen einer Einsatzübung. Die Beklagten sind Mitglieder der Höhenrettungsgruppe der Feuerwehr. Der Kl. richtete seine Klage gegen die einzelnen Feuerwehrleute (Bekl.) und nicht gegen den Träger der Feuerwehr. Zugleich begehrte er Prozesskostenhilfe, die ihm vom LG versagt wurde. Die Entscheidung: Die Beschwerde des Kl. gegen die Ablehnung der Prozesskostenhilfe wurde wegen fehlender Erfolgsaussicht der Klage zurückgewiesen (OLG Naumburg, Beschluss vom 9. August 2010 – 10 W 4/10 – Neue Zeitschrift für Verkehrsrecht 2011, S. 10 = Neue Zeitschrift für Verwaltungsgerecht Rechtsprechungs-Report 2011, S. 183). Amtlicher Leitsatz: Im Rahmen des vorbeugenden Brandschutzes haben Einsatzübungen das Ziel, im Interesse des Gemeinwohls die Brandbekämpfung und Hilfeleistung wirksamer zu gestalten. Sie dienen der Festigung und Vervollkommnung der Fähigkeiten der Einsatz- und Führungskräfte sowie der an der Übung beteiligten Behörden und Einrichtungen. Feuerwehrleute handeln bei einer solchen Übung in Ausübung eines ihnen anvertrauten Amtes. Eine persönliche Haftung aus Anlass eines bei einer solchen Übung eingetretenen Schadensfalles scheidet somit aus. Anmerkung: Die Klage hätte deshalb als Amtshaftungsklage gegen die Kommune als Träger der Feuerwehr gerichtet werden müssen. 8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 769

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Die Entscheidung: Die Berufung des Kl. hatte überwiegend Erfolg (OLG Düsseldorf, Urteil vom 15. Juni 2010 – 1 U 105/09 – Neue Zeitschrift für Verkehrsrecht 2011, S. 195 – www.justiz.nrw.de). Nichtamtlicher Leitsatz: Auch die verunglückte Rettungsaktion der Feuerwehr ist der Betriebsgefahr des in einer Einzelgarage geparkten Pkw (hier: BMW) zuzurechnen, wenn der Feuerwehreinsatz gerade durch den von dem Pkw ausgehenden Brand erforderlich war.

Abb. 3: Der Kläger begehrt Schadensersatz wegen eines Unfalls im Rahmen einer Einsatzübung der Höhenrettungsgruppe der Feuerwehr

Anmerkung: Die Bedeutung der Entscheidung liegt darin, dass der Schaden, den der in die Nachbargarage herabstürzende Feuerwehrmann beim Kl. verursachte, der Betriebsgefahr des Pkw der Bekl. zugerechnet wurde, obwohl dieser bereits in der Garage der Bekl. abgestellt war. Es reichte aus, dass das vom Betrieb des Pkw noch erhitzte Auspuffrohr den Brand der in der Garage aufgestellten Matratze auslöste, der wiederum den Feuerwehreinsatz ■ bedingte. ■ I 69 I

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REPORTAGE

BERGRETTUNG

Im Einsatz mit „Rega 7“: Luftrettung zwischen Alpen und Bodensee

Abb. 1: Vor zwei Jahren hat die Rega begonnen, die Da Vinci von AgustaWestland einzuführen. St. Gallen bekam den Hubschrauber als erstes, inzwischen nutzen ihn alle Gebirgsbasen Autor: Sebastian Drolshagen .medienbüro, Lütgendortmunder Str. 153, 44388 Dortmund info@drolshagenmedien.de

Mehr Einsätze als auf den klassischen Gebirgsbasen, mehr Abwechslung als auf den so genannten Mittellandbasen: Stationiert in St. Gallen deckt der Rettungshubschrauber „Rega 7“ ein besonders breites Spektrum an Notfällen ab. Die dreiköpfige Crew der Schweizerischen Rettungsflugwacht kümmert sich um Verkehrsunfälle und Intensivtransporte ebenso wie um Windenrettungen im nahen Säntis-Gebirge. Das Team steht mit seiner modernen AgustaWestland Da Vinci rund um die Uhr für die nächste Alarmierung bereit.

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s sind weit mehr als nur ein paar Schweißtropfen auf der Stirn von Felix Reichlin. Der Oberarzt kniet auf dem Asphalt in der Sonne, den weißen Helikopterhelm noch auf dem Kopf. Soeben hat er einen 200-m-Sprint samt Rucksack absolviert, ist gerannt zu einer Patientin, die – wie es in der nüchternen medizinischen Beschreibung später heißen wird – ein „massives Atemwegsproblem“ hat. Eine Radlerin, semiprofessionell ausgerüstet, Helm inklusive. Doch der liegt nun weit von ihr entfernt. Ihre Radlerkluft haben schon die Ersthelfer bei der Reanimation heruntergerissen. Niemand kennt ihren Namen, niemand ihr Alter. Sie war zur falschen Zeit am falschen Ort, so lapidar und abgedroschen das auch klingen mag. Ein Kombi übersieht die Velofahrerin am Rand der zweispurigen Ausfallstraße; ihr Karbonfahrrad bricht sofort beim Aufprall, die Frau schlägt auf der Beifahrerseite in die Windschutzscheibe ein. „Sogar die A-Säule des Autos ist deformiert“, murmelt ein Polizist ungläubig. Im Schockraum werden sie beim Blick auf Fotos vom Unfallfahrzeug fragen, ob die Patientin die Beifahrerin gewesen sei. Und Felix Reichlin kämpft vor Ort darum, sie lebend in die Klinik zu bringen. Der bodengebundene Notarzt hatte einen Intubationsversuch abgebrochen: Kopf, Hals und Brust der Patientin sind komplett geschwollen. Reichlin entscheidet sich für eine Koniotomie, setzt eine Quicktrach-Kanüle I 70 I

zwischen Ring- und Schildknorpel. Er arbeitet ruhig und konzentriert – maximaler Anspannung und brennender Sonne zum Trotz. Das Zusammenspiel mit HCM Ruedi Güttinger läuft ohne viele Worte. Noch eine halbe Stunde vorher konnten die beiden das sommerliche Wetter genießen. Zusammen mit Pilot Dennis Bach haben sie an ihrer Basis in St. Gallen unter der Rega-roten Markise gesessen. Der Vormittag war außergewöhnlich ruhig. Jede Menge Zeit, die medizinische und fliegerische Ausrüstung zu checken. Ruedi Güttinger unterstützt dabei sowohl Notarzt als auch Pilot: Der 47-Jährige ist diplomierter Rettungssanitäter (HF), Winden-Operator und zugleich lizenzierter Luftfahrzeugmechaniker. Einige Reparaturen an der AgustaWestland Da Vinci kann er selbst durchführen, neben dem Hangar liegt eine eigene kleine Werkstatt. Doch heute gibt es einfach nichts mehr instand

Abb. 2: Die Velofahrerin wurde bei dem Aufprall auf den Kombi schwer verletzt, die Einsatzkräfte kämpfen um ihr Leben

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BERGRETTUNG

REPORTAGE

Abb. 4: Polizei, Freiwillige Feuerwehr, Rettungsdienst – alle fassen mit an, um die Patientin so schonend wie möglich umzulagern

Abb. 3: Oberarzt Reichlin entscheidet sich für eine Koniotomie und platziert eine Quicktrach-Kanüle zwischen Ring- und Schildknorpel

zu setzen, die kaum zwei Jahre alte Maschine ist einsatzklar. Höchstens fünf Minuten dauert es tagsüber, bis sie nach der Alarmierung abhebt, meist ist die Besatzung sogar binnen zwei Minuten in der Luft. Nachts steigt die Vorlaufzeit auf eine halbe Stunde. Die Regeln für feste Pausen des Piloten gibt das Schweizer Bundesamt für Zivilluftfahrt vor. „Manchmal ist man sehr froh, wenn man mit dem Overall auch ein bisschen was vom Tag abstreifen kann“, sagt Dennis Bach. Ihr aktueller Einsatz wird ihnen noch länger in den Kleidern hängen. „Die Quicktrach-Kanüle darf jetzt auf keinen Fall dislozieren“, warnt Felix Reichlin. „Die lässt sich nicht einfach neu platzieren.“ Dennis Bach hat bereits die Trage für die polytraumatisierte Radfahrerin vorbereitet. Polizei, Freiwillige Feuerwehr, Rettungsdienst – alle fassen mit an, um die Patientin so schonend wie

möglich umzulagern. Sie muss auf dem schnellsten Weg in in ein Zentrumsspital (entspricht etwa einem Haus der Schwerpunktversorgung). Neben dem Airway-Management bereitet auch das Herz-Kreislauf-System weiter Sorge. Nach der Reanimation zeigt das EKG zwar wieder eine Herzleistung, doch der Puls lässt sich kaum tasten. „Irgendwo geht Volumen verloren“, vermutet Notarzt Reichlin: „Eine innere Blutung.“ Er entscheidet sich für das Kantonsspital St. Gallen als Zielkrankenhaus: knapp 10 Minuten Flugzeit und eine langjährige Spezialisierung auf Atemwegssicherung. Als „Rega 7“ auf dem Heli-Pad aufsetzt, ist die Patientin nach wie vor instabil, eilig schiebt die Crew sie in den Schockraum. Dort stehen bereits Trauma-Experten aus der Neurologie sowie aus der Unfall- und Thoraxchirurgie bereit. Noch während Felix Reichlin mit dem

Abb. 6: Einige Reparaturen an der Da Vinci kann Ruedi Güttinger, der auch lizenzierter Luftfahrzeugmechaniker ist, selbst durchführen

Abb. 5: Als „Rega 7“ auf dem Heli-Pad aufsetzt, ist die Patientin nach wie vor instabil, eilig wird sie von der Crew in den Schockraum geschoben

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REPORTAGE

BERGRETTUNG

Abb. 7: Nach der Übergabe im Schockraum lässt das Team den harten Einsatz Revue passieren. Notarzt Felix Reichlin ahnt bereits, dass die Verletzungen zu schwer sind, um die Patientin zu retten

Schockraum-Manager die Übergabe macht, nimmt ein HNO-Spezialist eine Tracheotomie vor. Per Ultraschall fahnden die Ärzte nach der Ursache für den Volumenverlust, jedoch ohne Erfolg. Die Stimmung ist nachdenklich, der Ton gedämpft als das Trio auf dem Dachlandeplatz in der Sonne steht und die frisch gereinigte Trage einlädt. Durchatmen. Die Retter ahnen: Trotz schneller Hilfe aus der Luft und moderner Intensivmedizin bleibt die Prognose für die Radfahrerin sehr schlecht. „Bei solchen Unfällen wirken Kräfte auf den Körper, die für diesen nicht auszuhalten sind“, befürchtet Felix Reichlin. Er soll Recht behalten. Einige Stunden später erfahren sie, dass bei der Frau nahezu alle im Hals verlaufenden Verbindungen zwischen Kopf und Körper durchtrennt worden sind, als sie mit dem Pkw kollidierte.

Abb. 8: In der „Swiss Tox Box“ befinden sich wichtige Antidote, die bei einem Giftnotfall in die entsprechende Klinik geflogen werden können

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besonders wichtig ist“, so Reichlin. „Außerdem sind sie mit 300 bar befüllt, sodass mehr Sauerstoff zur Verfügung steht.“ Im Winter wird die Ausstattung um Equipment für die Lawinensuche erweitert: drei Sondierstangen, Schaufeln,

Zurück an der EBSG, der Einsatzbasis St. Gallen, steht zunächst das „Retablieren“ an, wie es in der Schweiz heißt: Material auffüllen (von Französisch „rétablir“). Felix Reichlin bestückt sein Ampullarium. Neben dem Medikamentenschrank steht die „Swiss Tox Box“, eine neue Idee der Rega. „In der gelben Tasche sind wichtige Antidote zusammengestellt“, erklärt der Arzt. „Gibt es in einer Klinik einen Giftnotfall, kann sie uns alarmieren und wir fliegen das Gegengift hin.“ Die Standardausrüstung des RTH verteilt sich auf das so genannte Tri-Bag-System: Ein großer Notfallrucksack als Grundmodul, dazu eine Tasche fürs Airway-Management und eine mit Bergungsausrüstung wie Gurte oder Horizontalnetz. Als weltweit erste Luftrettungsorganisation setzt die Rega den Zoll Propaq® MD Monitor/Defibrillator ein, ein leichtes Multifunktionsgerät inklusive 12-Kanal-EKG. Die Beatmung regelt ein Weinmann Medumat Transport, bei dem verschiedene Beatmungsmuster bereits als Programm voreingestellt sind. Der Sauerstoff dazu kommt aus Karbon-Flaschen, die 2 bzw. 3 Liter fassen. „Sie wiegen deutlich weniger als klassische Sauerstoffflaschen, was im Hubschrauber ja 8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 772


BERGRETTUNG

REPORTAGE

Abb. 9: Die Besatzungsmitglieder von „Rega 7“ sind alle in den Bergen aktiv. Diese Erfahrung hilft bei den Einsätzen

Abb. 10: Im Gebirge zu fliegen ist trotz ausgefeilter Technik sehr anspruchsvoll

Schneeschuhe, ein Reco-Ortungssystem und natürlich ein Lawinen-Verschütteten-Suchgerät (LVS). Die dicken Taue und Karabiner, die im Schrank nebenan lagern, braucht man hingegen immer seltener. „Die sind für die Großtierrettung“, erläutert HCM Ruedi Güttinger. Stürzt im Gebirge z.B. eine Kuh ab, organisiert die Rega ebenfalls Hilfe. Wer als Bergbauernfamile eine „Familiengönnerschaft“ bei der Rega abschließt, hat seine Tiere gleich mit abgesichert. „Die Rega beauftragt dann in der Regel ein kommerzielles Helikopterunternehmen.“ Gerade betrachtet Ruedi Güttinger die Berge mit großer Leidenschaft. Bereits im Alter von 15 Jahren packt ihn die Bergsteigerei – noch ehe er sich fürs Fliegen begeistert. „Jetzt bin ich fast täglich in den Bergen. Das ist wirklich ein Privileg“, sagt Güttinger. Er ist ein Mann der leisen Töne, bei dem es einfach glaubhaft wirkt, wenn er vom „edlen Charakter“ der Rettungsfliegerei spricht. Eine Einstellung, die sehr viele Schweizer zu teilen scheinen: Statistisch gesehen ist etwa jeder dritte Eidgenosse „Gönner“ der Rega, insgesamt zählt man rund 2,3 Mio. Mitglieder. In den Bergen aktiv sind die Besatzungsmitglieder von „Rega 7“ alle, mindestens Skifahren gilt als selbstverständlich. Die Erfahrung hilft bei den Einsätzen im Gebirge. „Aber wir sind durch den Job vorsichtiger geworden“, ist sich Dennis Bach sicher. „Früher hat man doch gedacht: Ein Helm beim Skifahren – wofür denn?“ Viele schwer verletzte Freizeitsportler hinterlassen Spuren, auch im Privatleben der Retter. Felix Reichlin denkt an die verunfallte Radfahrerin vom Nachmittag und erzählt: „Zum Glück findet meine Tochter den Fahrradhelm inzwischen richtig cool und steigt gar nicht mehr ohne aufs Rad.“ Im Sommer sorgen Bergwanderer und Gleitschirmpiloten für Einsätze im Säntis-Gebirge, im Winter sind 8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 773

es die Ski- und Snowboardfahrer. Die Fliegerei in den Bergen ist anspruchsvoll, obwohl zwei Triebwerke mit jeweils 815 PS und die Computertechnik im Cockpit eine Menge Unterstützung bieten. Dennis Bach bringt 3.000 Flugstunden Erfahrung auf dem Hubschrauber mit, dazu kommen 2.500 Stunden auf dem Flächenflugzeug. „Trotzdem rechne ich immer mit dem Was-wäre-wenn, mit dem Worst Case“, betont der Pilot. „Denn wir riskieren bei Einsätzen bestimmt nicht unser Leben.“ Das schnell wechselnde Wetter, geringer Luftdruck und der fehlende Bodeneffekt beim Schweben vor einer Steilwand machen einen Bergeinsatz immer zu einer anspruchsvollen Mission. Am nächsten Tag geht es zwar auf rund 1.000 m Höhe, aber die fliegerischen Bedingungen bleiben entspannt. „Landemöglichkeit soll vorhanden sein“, meldet das Rega-Center über Funk. Die Einsatzzentrale, die sich am Züricher Flughafen befindet, koordiniert sämtliche Rega-RTH; angefordert werden sie über die Rufnummer 1414, sowohl direkt von Betroffenen als auch von den lokalen Rettungsleitstellen (Notruf 144). Die Verdachtsdiagnose, die die Einsatzzentrale in diesem Fall weitergibt, klingt alarmierend: „Kollabierte Person. Anrufer reanimiert.“ Christoph Meier, der Felix Reichlin inzwischen als Notarzt abgelöst hat, nimmt noch im Landeanflug den Defi aus der Halterung. Dennis Bach wird ihn im Schwebeflug auf der Wiese des Berghofs absetzen und sich danach in Ruhe nach einem Landeplatz umschauen. Doch die Rotoren der Da Vinci stehen kaum, als Christoph Meier bereits wieder zusammenpackt. Für den Mann, der beim Holzspalten zusammengebrochen ist, kam jede Hilfe zu spät. „Wir haben schon Totenflecke gefunden“, stellt Meier resigniert fest. „Das gehört eben auch dazu.“ Man kann es in diesem Job nicht immer genießen, das Privileg, in ■ den Bergen zu sein. ■

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MAGAZIN

Autor: Hartmut Holder Kommandant der Feuerwehr Metzingen, Gustav-WernerStr. 14, 72555 Metzingen, h.holder@ metzingen.de

LUFTRETTUNG

Start abseits des Dienstweges: RTH-Station „Christoph 22“ in Ulm feiert 40. Geburtstag

Abb. 1 und 2: Ergebnis guter Zusammenarbeit von ADAC und BWK in Ulm: „Christoph 22“

Ulm hat nicht nur den höchsten Kirchturm der Welt, einen Schneider, der meinte, fliegen zu können, sowie einen Spatz, der nicht nur das perfekt beherrschte, was der Schneider dann doch nicht wirklich konnte,

sondern auch die zweitälteste Rettungshubschrauber-Station Deutschlands. Seit vier Jahrzehnten kommt die Hilfe in der Donaustadt auch aus der Luft. Am 23. und 24. September wird das Jubiläum gefeiert.

M

an schrieb das Jahr 1971, als Professor Friedrich Wilhelm Ahnefeld in Ulm wirkte. Ihn kennen nicht nur Generationen von Rettungsassistenten und -sanitätern, die während der Prüfungsvorbereitung über seinen Büchern zum Thema Notfallmedizin sitzen und büffeln, auch der damalige Verteidigungsminister und spätere Bundeskanzler Helmut Schmidt dürfte sich an ihn erinnern. Ahnefeld, von der Idee des kurz zuvor in Dienst gestellten „Christoph 1“ fasziniert, fand die ländliche Struktur rund um Ulm ideal für die Stationierung eines Rettungshubschraubers. Er entschloss sich, nicht den Dienstweg einzuhalten, sondern das direkte Gespräch zwischen Mediziner und Politiker zu suchen, und zwar ohne Terminabsprache, ganz spontan, dafür aber offensichtlich mit sehr guten Argumenten. 20 Minuten habe das Gespräch gedauert, hat sich Professor I 74 I

Ahnefeld kürzlich bei einem Besuch in Ulm erinnert. Als Ergebnis stand im November 1971 die erste Maschine der Bundeswehr am Oberen Eselsberg. Bis zum Jahr 2003 dauerte die Kooperation mit dem Lufttransportgeschwader 61 in Penzing, das in den folgenden Jahren Maschinen und fliegendes Personal stellte. Die Bell UH 1 D mit den orangefarbenen Türen und der SAR-Kennzeichnung gehörte jahrzehntelang zum Bild der Luftrettung im süddeutschen Raum. Weil die Maschine aber ihre Zulassung für die zivile Luftrettung verlor, suchte man nach anderen Lösungen. Nachdem in Koblenz zuvor auf den ADAC umgestellt worden war, tauschte man auch in Ulm die Bell gegen eine gelbe BK 117 der ADAC-Luftrettung. „Nach 32 Jahren war das Bundeswehrkrankenhaus (BWK) in Ulm damit der zweite Standort in Deutschland, an dem ein ziviler Betreiber Maschine und Pilot und die Bundeswehr die medizinische Crew aus HEMS Crew Member (HCM) und Notarzt stellten“, erinnert sich Gerd Kremers, der als Oberarzt der Anästhesie nicht nur zur Stammbesatzung von „Christoph 22“ gehört, sondern derzeit zusammen mit einem Team aus Kollegen für die Vorbereitungen 8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 774


LUFTRETTUNG

MAGAZIN

Abb. 3: Von 1971 bis 2003 stellte die Bundeswehr die Maschine vom Typ Bell UH 1 D. Der Funkrufname war „SAR Ulm 75“

landseinsätzen.“ Jeder der rund 20 Bundeswehrärzte ist zwei bis drei Monate im Jahr in Afghanistan oder in einem anderen Krisengebiet im Einsatz. Hinzu kommen 8 HCM, die ebenfalls die Bundeswehr stellt, und drei Piloten, die vom ADAC kommen. 40 Jahre Luftrettung sind ein Anlass zum Feiern. Am Freitag, dem 23. September, wird es mittags einen akademischen Festakt für geladene Gäste geben. Wenig später startet dann die Abendveranstaltung im Zirkuszelt auf dem Sportplatz des BWK. Gerd Kremers verspricht im Flying Circus Ulm eine Zeitreise durch 40 Jahre Luftrettung. Für diese Veranstaltung gibt es aber nur eine begrenzte Anzahl an Karten (Buchung unter: www.40Jahre-RTH-Ulm.de). der Feierlichkeiten zum 40-jährigen Bestehen verantwortlich ist. In Deutschland liegt „Christoph 22“ an der vierten Stelle, was die Einsatzfrequenz betrifft. Auffallend ist die Akzeptanz des Hubschraubers in der Bevölkerung. Nicht nur, dass es keine Beschwerden gibt, was so selbstverständlich ja gar nicht ist, nein, der Hubschrauber wird als gleichberechtigtes Rettungsmittel wahrgenommen. Das heißt: Während sich an anderen Orten die Landung eines RTH zum volksfestartigen Event entwickeln kann, registriert man rund um Ulm zwar Blicke, ansonsten erweckt der gelbe Heli aber nicht mehr Aufmerksamkeit als ein NEF oder eine Drehleiter der Feuerwehr. Man kennt ihn, den „Chri8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 775

stoph 22“ vom BWK. Hinzu kommt der offene Umgang des Teams mit den Kollegen von den bodengebundenen Rettungsdiensten. „Wir sind kein elitäres Grüppchen, sondern öffnen uns nach außen“, unterstreicht Kremers. So sind die regelmäßigen Fortbildungen im BWK auch bei externen Besuchern sehr beliebt. 100 Gäste sind keine Seltenheit, wenn z.B. über die Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr und Luftrettung oder die Fehlerkultur im Rettungsdienst unter dem Motto „Ich war‘s nicht ...“ referiert wird. Besonderheit von „Christoph 22“ ist laut Kremers der überdurchschnittlich hohe Anteil an Traumapatienten, und er ergänzt: „Der zivile Rettungsdienst profitiert definitiv von unseren Aus-

Abb. 4: Der Ulmer Spatz darf auch vor dem Luftrettungsstützpunkt am Oberen Eselsberg nicht fehlen

Am darauffolgenden Samstag wird es beim BWK in der Zeit von 10 bis 18 Uhr einen Tag der offenen Tür geben. Locken wird u.a. eine Fahrzeug- und Geräteschau, zu der sich auch vier Hubschrauber angemeldet haben, darunter ein Black Hawk der amerikanischen Streitkräfte. Die Höhenretter der Feuerwehr Ulm werden ebenso mit von der Partie sein wie diverse Fahrzeuge. Ein Kinderprogramm wird ebenfalls nicht fehlen. Neben einer Jubiläums-DVD wird es außerdem ein Buch geben, das die 40 Jahre Luftrettung in Ulm beleuchtet. Die Ulmer Luftretter haben dafür nicht nur viel Wissenswertes, sondern auch unzählige Anekdoten gesammelt. Wer es nicht nach Ulm schafft, kann das ■ Buch auch online bestellen. ■ I 75 I


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AED

„Handlungsbedarf nur bei Public Access“: 10 Jahre geregelte AED-Anwendung in Bayern Im Gespräch

Abb. 1: Im Rettungsdienst und bei den First Respondern haben sich die Erwartungen erfüllt, im Public-AccessBereich besteht noch Nachholbedarf bei der AED-Anwendung

Seit rund einem Jahrzehnt hat der Freistaat Bayern die Automatisierte Externe Defibrillation als Bestandteil des Rettungsdienstes geregelt. Ein Anlass, um Bilanz über das bisher Erreichte zu ziehen, aber auch, um Verbesserungsmöglichkeiten zu identifizieren und einen Ausblick in die Zukunft zu wagen. RETTUNGSDIENST unterhielt sich mit dem Notfallmediziner PD Dr. Sebastian Maier von der Medizinischen Klinik und Poliklinik I der Universitätsklinikum Würzburg sowie mit Ministerialrat Karl Hofmann vom Bayerischen Innenministerium. Die Fragen stellte Dr. Peter Poguntke. RETTUNGSDIENST: Seit rund 10 Jahren hat Bayern als erstes Bundesland die Automatisierte Externe Defibrillation staatlich geregelt und nimmt bis heute eine Vorreiterstellung auf diesem Gebiet ein. Wie lautet die Bilanz aus Ihrer Sicht? Maier: Die Bilanz ist durchaus positiv. So positiv, dass sich der Einsatz von AED heute keineswegs nur auf den Bereich des Rettungsdienstes beschränkt. Der AED ist inzwischen fester Bestandteil auch bei den First Respondern geworden. Ich persönlich kann mich an mehrere Fälle erinnern, bei denen der AED einem Patienten primär am Einsatzort das Leben gerettet hat und man durch retrospektive Auswertung in der Lage war, die exakte Diagnose zu stellen, die zum Kreislaufstillstand geführt hatte. Damit konnte dann

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eine effiziente sekundärprophylaktische Therapie eingeleitet werden. Ich erinnere mich an einen Mann Mitte vierzig, der beim Beladen eines Lkw in einem Freizeitpark plötzlich von der Laderampe kippte und bewusstlos war. Der erste Eintreffende war ein Helfer vor Ort, der durch den AED-Einsatz bei dem Patienten wieder einen Kreislauf herstellen konnte. Der Patient wurde nach notärztlicher Versorgung auf unsere Intensivstation gebracht. Nach Auswertung der AED-Information war es eindeutig, dass der Patient aufgrund von Kammerflimmern vom Lkw gefallen war und der AED dieses Kammerflimmern beendet hatte. Nach Abschluss der komplettierenden Diagnostik konnte dann ein implantierbarer Defibrillator eingepflanzt werden, um solchen Ereignissen zukünftig vorbeugen zu können. Hofmann: Ich kann aus Sicht des Staatsministeriums des Innern als oberster Rettungsdienstbehörde in Bayern ebenfalls eine positive Bilanz für die Frühdefibrillation mit Automatisierten Externen Defibrillatoren durch qualifizierte Einsatzkräfte des Rettungsdienstes ziehen. Das Staatsministerium hat im August 2001 in einem Konzept für die automatisierte externe Defibrillation im bayerischen Landrettungsdienst Mindestanforderungen festgelegt. Sie betreffen personelle und organisatorische Standards, vor allem werden die erforderliche Aus- und Fortbildung, die ärztliche Aufsicht in den AED-Programmen, die Auswertung der Einsätze und die Führung von Einsatzprotokollen geregelt. Hierauf aufbauend wurden im März 2003 entsprechende Regelungen für den Berg- und Wasserrettungsdienst getroffen. Für die Defibrillation und den Einsatz von AED in der Öffentlichkeit im so genannten Public Access kann das Staatsministerium des Innern nicht ohne Weiteres Vorgaben machen, da die Erste Hilfe durch Laien in einem Notfall und die Ausbildung in Erster Hilfe nicht gesetzlich geregelt ist. Wir haben allerdings im August 2004 eine Machbarkeitsstudie Public Access Defibrillation (PAD) in Bayern vorgelegt. Ziel war es, den notfallmedizinischen Nutzen und Stellenwert der PAD zu analysieren und Bereiche im öffentlichen Raum zu identifizieren, die sich aufgrund ihrer Inzidenz an plötzlichen Herztodereignissen zur Einführung von AED-/PAD-Pro-

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AED

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Im Gespräch grammen eignen würden. Die Konzepte zur Frühdefibrillation durch den Rettungsdienst und die Ergebnisse der PAD-Machbarkeitsstudie sind auf der Internet-Seite des Staatsministeriums des Innern veröffentlicht. RETTUNGSDIENST: Was hat sich in den vergangenen 10 Jahren verändert? Maier: Geändert hat sich die Einstellung zur Reanimation, denn sie ist keineswegs auf die Durchführung durch den Rettungsdienst beschränkt. Wir wissen heute mehr denn je, dass „jede Minute zählt“ und dass der Rettungsdienst trotz seiner Schnelligkeit – durchschnittlich dauert es rund neun Minuten vom Eingang des Notrufs bis zur Ankunft des Rettungsdienstes beim Patienten – in vielen Fällen zu spät käme. Der Beginn der Reanimation hat sich deshalb inzwischen fast flächendeckend hin zu den First-Responder-Systemen verlagert. Hofmann: Auf der Grundlage der Konzepte kommt die Frühdefibrillation in der Notfallrettung durchgängig und im Krankentransport weitgehend routinemäßig zur Anwendung. Zudem ist eine Zunahme der Anzahl von PAD-Programmen zu beobachten. RETTUNGSDIENST: Wurden die gesteckten Ziele erreicht? Maier: Die gesteckten Ziele wurden in vollem Umfang erreicht, was sich darin dokumentiert, dass sich die Fähigkeiten in der Durchführung der Reanimation aus meiner Sicht wesentlich verbessert haben. Der alleinige Einsatz des AED führt ja kaum zum Erfolg. Nachdem in wiederholten Schulungen und ausgedehnten Schulungsprogrammen im Zusammenhang mit der AED-Anwendung Fehler bei der Reanimationsdurchführung erkannt und durch gezieltes Feedback-Training beseitigt werden konnten, hat dies aber zur Leistungs- und Qualitätsverbesserung geführt. Hofmann: Anlass für die Entwicklung der Konzepte für den Rettungsdienst waren die Ergebnisse zahlreicher Studien. Diese haben gezeigt, dass die Überlebensraten bei Kreislaufstillstand durch frühzeitige Defibrillation verbessert werden, selbst wenn der Zeitvorteil nur gering ausfällt. Eindeutige Steigerungen ergeben sich, wenn die Basismaßnahmen der Reanimation sowie insbesondere die Defibrillation schnellstmöglich nach Herz-Kreislauf-Stillstand ergriffen werden. In Verbindung mit der Entwicklung von halbautomatischen Defibrillatoren hat dies dazu geführt, dass eine früh einsetzende Defibrillation

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grundsätzlich auch von medizinischen Laien durchgeführt werden kann. Für nicht-ärztliches Fachpersonal im Rettungsdienst mit einem entsprechenden Ausbildungsstand muss dies erst recht gelten. Die Konzepte werden in ganz Bayern umgesetzt. Daher kann ich die Frage nach der Zielerreichung mit einem klaren „Ja“ beantworten. Ergänzt wird diese positive Entwicklung durch die Einführung des Ärztlichen Leiters Rettungsdienst, zu dessen Aufgabenspektrum es gehören wird, die Qualität der Hilfeleistung auch bei der Anwendung der Frühdefibrillation zu sichern. RETTUNGSDIENST: Welche Erkenntnisse könnte man sich langfristig von einem AED-Register erhoffen?

PD Dr. Sebastian Maier von der Medizinischen Klinik und Poliklinik I des Universitätsklinikums Würzburg: „Der Beginn der Reanimation hat sich deshalb inzwischen fast flächendeckend hin zu den First-ResponderSystemen verlagert.“

Maier: Ein Register dient dazu, die Realität abzubilden. Man möchte also Erkenntnisse darüber gewinnen, unter welchen Umständen – medizinisch, rettungstechnisch usw. – der AED zum Einsatz gekommen ist. Auch welche Erfolge oder Probleme es damit gab und gibt. Diese gewonnenen Informationen könnten dann gezielt zur Qualitätssicherung und damit auch zur Qualitätsverbesserung im Sinne eines objektiven Feedbacks für alle Beteiligten genutzt werden. RETTUNGSDIENST: Wie wird es auf dem Sektor Public Access weitergehen?

Maier: Public Access hat in der Praxis nicht den Erfolg gebracht, den man sich erhoffte, denn es besteht – außer bei den geschulten Anwendern – eine erhebliche Zurückhaltung, derartige Geräte einzusetzen. Trotzdem wird die Beschaffung weiter vorangetrieben, da damit zumindest ein Motivationsschub erreicht werden kann. Auch durch die Präsenz der Geräte in der Öffentlichkeit wird ein Bewusstsein für die Notwendigkeit geschaffen, und es ist zu hoffen, dass sich vielleicht in Zukunft doch mehr medizinische Laien im Falle eines Falles an den Einsatz des AED heranwagen. Hofmann: Die im Rahmen der PAD-Machbarkeitsstudie evaluierten Daten zeigen, dass der öffentliche Rettungsdienst Patienten mit akutem Atem- und/

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AED

Im Gespräch oder Herz-Kreislauf-Stillstand häufig nicht so schnell erreichen und versorgen kann, wie es aus notfallmedizinischer Sicht indiziert wäre. Um einen positiven Effekt auf die Überlebensraten bei plötzlichen Herztodereignissen zu bewirken, muss der Anwenderkreis für AED deutlich erweitert werden und medizinische Laien einbeziehen. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist es, die Anwendung von AED verpflichtend in bestehende Kursformate wie Erste-Hilfe-Kurse und Kurse über lebensrettende Sofortmaßnahmen zu integrieren. Nur so kann eine große Zahl von Ersthelfern in der AED-Anwendung qualifiziert werden. Die Gemeinsamen Grundsätze der Bundesarbeitsgemeinschaft Erste Hilfe für die Aus- und Fortbildung in Erster Hilfe (BAGEH) wurden mittlerweile um Lernziele zur Defibrillation durch Ersthelfer erweitert. Zudem hat die BAGEHGemeinsame Grundsätze zu Lehrgängen „Defibrillation“ aufgelegt. Die spezifischen strukturellen Gegebenheiten unterschiedlicher Bereiche und Einrichtungen müssen Ministerialrat Karl Hofmann vom berücksichtigt werden, damit bei Bayerischen Innenministerium: der Umsetzung von PAD-Konzep„Schnell disponierbare und mobile ten eine möglichst effektive StraPAD-Konzepte sind der wesentliche tegie mit dem Ziel einer früheststrukturelle Ansatz, um vor allem das möglichen Defibrillation verfolgt mit Abstand häufigste Umfeld von werden kann. So ist die öffentliche Herztodereignissen – den privaten Bereitstellung von AED für zufällig Lebensraum der Patienten – zu eranwesende Zeugen eines Notfalls reichen.“ prinzipiell möglich und kann potenziell zu sehr guten Ergebnissen führen. Für die erfolgreiche Umsetzung dieser Strategie sind allerdings intensive Informationskonzepte unverzichtbar. Zudem sollte der Ansatz, eine Frühdefibrillation durch zufällige Zeugen des Notfallereignisses zu realisieren, durch Weitere einen zweiten Anwenderkreis – beispielsweise aus Informationen: Beschäftigten in der jeweiligen Einrichtung – ergänzt werden. Diese weiteren Anwender sollten eine Qualifikation in der AED-Anwendung durchlaufen haben und über geeignete Alarmierungsstrukturen zu einem plötzlichen Herztodereignis hinzugezogen werden können. Um die Effizienz eines derartigen AED-/PAD-Programmes zu optimieren, ist es darüber www.innenministerium. hinaus sinnvoll, AED über die eigentliche Einrichtung bayern.de/sicherheit/ hinaus, in der sie bereitgestellt werden, nutzbar zu rettungswesen/themen/ machen. detail/07343

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Zu solchen Einrichtungen zählen z.B. Gastronomiebetriebe und Hotels, Einkaufszentren, Campingplätze und Industriebetriebe. Letztere eignen sich insbesondere für die Etablierung von AED-/PAD-Programmen durch die vorhandenen betriebsärztlichen Strukturen. Für Bahnhöfe inklusive S- und U-Bahnhöfe mit sehr hohem Passagieraufkommen wird die Einführung bzw. Fortführung solcher PAD-Konzepte empfohlen, die sich auf den anwesenden Notfallzeugen und einen zweiten Anwenderkreis stützen. Diese objektbezogenen, im Wesentlichen stationären Konzepte mit geringer Reichweite werden allerdings auf das Gesamtkollektiv aller Patienten mit plötzlichen Herztodereignissen nur sehr begrenzten Einfluss haben können. RETTUNGSDIENST: Welche Ziele hat man sich in Bayern bei der AED als nächstes gesetzt? Maier: Ziele sind ein weiterer Ausbau und eine weitere Flächendeckung, durch die besonders motivierte Anwender angesprochen werden sollen. Es wäre schön, wenn wir auch die Öffentlichkeit, also die medizinischen Laien, die einen Kreislaufstillstand beobachten, mehr zum Einsatz des AED motivieren könnten. Eine Besonderheit ist der jährliche Erfahrungsaustausch der Programmleiter auf Landesebene, der sehr stark dazu beiträgt, die AED-Anwendung sowie deren Hintergründe und Chancen transparent zu machen. Der Erfahrungsaustausch trägt im Wesentlichen dazu bei, den Stellenwert des AED immer wieder neu einzuordnen, entsprechend den sich ändernden wissenschaftlichen Erkenntnissen – als Beispiel seien hier die aktuellen Reanimationsleitlinien aus dem Jahr 2010 genannt. Als Nebeneffekt kommt dann ein standardisiertes Update zur Reanimation für alle Beteiligten in Bayern heraus. Hofmann: Für den öffentlichen Rettungsdienst gibt es derzeit keine weitergehenden Ziele, die bestehenden Konzepte haben sich in ihrer Umsetzung bewährt. Für die Ausweitung des Anwenderkreises für AED einschließlich medizinischer Laien wird es nötig sein, tradierte Strukturen in den Hilfeleistungssystemen durch neuartige und innovative Modelle zu ergänzen. Schnell disponierbare und mobile PAD-Konzepte sind dabei der wesentliche strukturelle Ansatz, um vor allem das mit Abstand häufigste Umfeld von Herztodereignissen – den privaten Lebensraum der Patienten – zu erreichen. Nur solche Strategien können einen deutlichen Effekt auf die Überlebensrate aller Patienten mit plötzlichem Herz- und KreislaufStillstand haben.

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INFEKTION

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Rettungsdienst Osnabrück: Mit Nasenabstrichen MRSA erforscht Sie sind und bleiben ein Problem: Die Bakterien mit der Bezeichnung Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA), die aufgrund ihrer Abwehrmechanismen gegen Antibiotika wie Methicillin bzw. Oxacillin nur noch schwer zu behandeln sind. MRSA findet sich dabei am häufigsten in der Nase, im Rachen, in der Leistengegend und im Dammbereich, mitunter auch in Wunden, im Urin und Blut. Das Heimtückische daran: Gesunde Menschen können von MRSA-Erregern besiedelt sein, ohne dass sich dies durch Infektion oder Krankheiten bemerkbar macht. Die Folge: Sie – die Dunkelziffer liegt zwischen 50.000 und 150.000 Menschen – können MRSA unbeabsichtigt verbreiten. Wenn die Erreger dann auf Menschen treffen, deren Immunsystem geschwächt ist oder die offene Wunden haben, kann sich MRSA fatal auswirken: Schwere bis tödliche Infektionen sind die Gefahr.

Belastbare Daten nötig Einig sind sich die Experten darin, dass in Deutschland noch mehr getan werden könnte, um die MRSAAusbreitung einzudämmen. Die Niederlande und die skandinavischen Länder än ndeer sind s d hier hie ein e großes g oßes Stück Stüc

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voraus: Müssen wir hierzulande von einem MRSA-Anteil von bis zu 20% ausgehen (RETTUNGSDIENST berichtete mehrmals), liegt er in diesen Staaten bei maximal 2%. Die Voraussetzung für ein effektiveres Vorgehen sind allerdings belastbare statistische Daten. Der Rettungsdienst des DRK im Landkreis Osnabrück wollte nun zusätzliche Erkenntnisse zum MRSA-Problem gewinnen und der Frage auf den Grund gehen, wie hoch der Anteil an Patienten mit unerkannten MRSABesiedlungen ohne Krankheitsbild, aber mit Ansteckungsgefahr für andere, immungeschwächte Patienten ist. Die Sanicare-Gruppe finanzierte die für eine Laufzeit von fünf Monaten veranschlagte Langzeitstudie. Im Rahmen des Patienten-Screenings wurden etwa 800 Nasenabstriche genommen und ausgewertet. Das Ergebnis: Knapp 3,2% der untersuchten Personen trugen MRSA-Keime an sich. Durchgeführt wurde die Untersuchung im Einzugsbereich der DRK-Rettungswache Ostercappeln (rund 7.000 Einsätze im Jahr), die labortechnischen Arbeiten fanden im Marienhospital Osnabrück statt.

Bewertung noch schwierig „Eine Bewertung der vorgenannten Quote von vo 3,2% 3,, % ist st außerordentlich auß ußeror ord dentlilch

schwierig“, erläutert DRK-Geschäftsführerin Elisabeth Wölfer. Fest stehe aber zumindest, dass die bisher durch die Wissenschaft benannten so genannten Risikogruppen richtig identifiziert seien. Das Durchschnittsalter aller MRSA positiv gescreenten Patienten lag bei 78 Jahren, wogegen das Durchschnittsalter aller transportierten Patienten bei 71 Jahren gelegen habe und somit u.a. auch den Aspekt des demografischen Wandels dokumentiere. Von den positiv gescreenten Patienten war es 73% nicht bewusst, dass sie Träger des Keimes waren. In mehr als der Hälfte aller Fälle wurden als begleitende Krankheitsbilder das Vorhandensein von Kathetern (23%), PEG-Sonde (9%), Dialysepflicht (5%) sowie Diabetes (9%) und sonstige chronische Vorerkrankungen (14%) festgestellt. „Patientinnen und Patienten, Rettungsdienst und Marienhospital Osnabrück haben hervorragend zusammengearbeitet“, lobt Elisabeth Wölfer die Abläufe im Projekt. Insbesondere auch die Kooperationsbereitschaft der Patienten mit einer Zustimmungsquote von über 66% sei erwähnenswert, da die Probenentnahmen immer im direkten Zusammenhang mit der Ausnahmesituation eines Notfalles gestanden ■ hätten.. hätte hä ■

Autor: Dr. phil. Peter Poguntke Redaktion RETTUNGSDIENST Landhausstr. 263, 70188 Stuttgart, rd.sued@gmx.de

Abb. 1: Mikroskopisch klein und gefährlich: MRSAEErreger Er rege re ger

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KRANKENTRANSPORT

Krankentransport in MecklenburgVorpommern: Ein Gutachten, das keiner kennen will Abb. 1: Verkehrsunfall mit zwei Verletzten auf der A 20 bei Wismar: Im Einsatz sind beide RTW und das NEF der Hansestadt – damit der gesamte Rettungsdienst der 45.000Einwohner-Stadt. Hier sind schnell Kapazitätsgrenzen erreicht, da die beiden KTW nicht für Notfalleinsätze disponiert werden

Autor: Dr. phil. Peter Poguntke Redaktion RETTUNGSDIENST Landhausstr. 263, 70188 Stuttgart, rd.sued@gmx.de

Immerhin knapp 80 Seiten umfasst jedes der drei Gutachten über die Optimierung des KTW-Einsatzes in der Region Schwerin. Erstellt wurden die drei Gutachten nacheinander von der Firma Orgakom im Jahr 2007, also vor rund vier Jahren. Da ist es doch etwas befremdlich, wenn sich in der betroffenen Region kaum jemand an die Existenz dieser Dokumente zu erinnern vermag, die seinerzeit offenbar doch so wichtig waren, dass sie gleich dreimal angefertigt wurden. Was kann die Ursache für diese kollektive Amnesie sein, die man zu spüren bekommt, wenn man versucht, der Sache genauer auf den Grund zu gehen? Ein Informant aus dem Rettungsdienst glaubt sie zu kennen: „Bei den Gutachten kam nicht das heraus, was sich manche vorgestellt hatten. Deshalb wird jetzt ganz einfach die Existenz der Gutachten bestritten.“

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ies stellt eine kühne Behauptung dar, zusammengespannt mit einem ernsten Vorwurf an die in dem nördlichen Bundesland am Rettungsdienst beteiligten Organisationen und I 80 I

Behörden. Aber irgendjemand müsste sich doch wirklich an die ausführliche Arbeit der genannten RettungsdienstUnternehmensberatung erinnern. Das zuständige Sozialministerium in Schwerin ist sich sicher, „keine Gutachten zur Ermittlung des Rettungsmittelbedarfes beim Krankentransport in Auftrag“ gegeben zu haben. Ein fast wortgleiches Statement kommt auch von der AOK Nordost: „Die Krankenkassen in Mecklenburg-Vorpommern haben kein Gutachten zur Ermittlung des Rettungsmittelbedarfs beim Krankentransport für MecklenburgVorpommern in Auftrag gegeben.“

Ansinnen der Krankenkassen Erst die Anfrage bei der Landeshauptstadt Schwerin, Betreiberin der Leitstelle für die Region Westmecklenburg, bringt weiterführende Erkenntnisse. Das Büro der Oberbürgermeisterin bestätigt auf jeden Fall die Existenz und die Zielsetzung des Gutachtens mit den Worten: „Die beteiligten Gebietskörperschaften der Region konnten sich hinsichtlich der Umsetzung des Gutachtens nicht einigen. Vom Grundsatz her wurde die vorhandene Vorhaltung

für den Krankentransport bestätigt.“ Dass die Krankenkassen hier nicht als Auftraggeber fungiert hätten, sei natürlich richtig, dennoch „irritiere“ ihn deren an den Tag gelegtes Unwissen über das schlichte Vorhandensein des Gutachtens, ergänzt Jürgen Rogmann, Leiter der Berufsfeuerwehr Schwerin. „Das kann ich mir nicht vorstellen.“ Zweck des Gutachtens sei es gewesen, das Ansinnen der Krankenkassen nach einer Optimierung des Krankentransports zu untersuchen. Speziell sollte dabei der Frage nachgegangen werden, ob es möglich sein könnte, an Standorten mit mehreren RTW auch diese zum Krankentransport bei gleichzeitiger Einsparung von KTW einzusetzen. Auf Grund „unterschiedlicher Betrachtungsweisen“ in der Sache sei dann das Abschlussgutachten nicht realisiert worden.

KTW-Pool empfohlen Die Region Westmecklenburg umfasst die Landkreise Ludwigslust, Nordwestmecklenburg, Parchim und die beiden Städte Wismar und Schwerin. Die Fläche beträgt knapp 7.000 km2, die Einwohnerzahl rund eine halbe 8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 780


KRANKENTRANSPORT

Million. Der Rettungsdienst wird von insgesamt 37 Rettungswachen und NEF-Standorten aus betrieben. Nach Auswertung der Leitstellendaten für die zu beobachtende Region kam Orgakom zu folgendem Schluss: „Für die Versorgungsbereiche in der Region Westmecklenburg wäre aus Gründen der Wirtschaftlichkeit empfehlenswert, dass die für die Notfallrettung vorgehaltenen Fahrzeuge auch Krankentransporte durchführen, sofern das Sicherheitsniveau der Notfallrettung dadurch nicht in unzulässiger Weise beeinträchtigt ist. Die Rettungsmittel der Notfallrettung können dann eine so genannte Rückfallebene für die Durchführung des Krankentransportes bilden. Eine gesonderte KTW-Vorhaltung ist für alle darüber hinausgehenden Krankentransporte vorzusehen.“ Um eine wirtschaftlich optimale Auslastung des Krankentransports zu erreichen, sei die KTW-Vorhaltung nicht in Be-

Rettungsdienstes, sei auch weniger in einer Kritik an dem Gutachten zu suchen, sondern in einem ganz anderen Problem: der Einhaltung der Hilfsfristen in Mecklenburg-Vorpommern. In dem nordöstlichen Flächenstaat liegt die gesetzliche Hilfsfrist bei 10 Minuten, „einer für ein Flächenland sehr anspruchsvollen Hilfsfrist“, wie das Sozialministerium in Schwerin auf Anfrage betont. Zum Vergleich: Hessen in den alten Bundesländern wird häufig als westliches Pendant zu Mecklenburg-Vorpommern herangezogen, nur: Dort gibt es 240 Rettungswachen und damit doppelt so viele wie an der Ostseeküste. Wie auch immer: Es wäre unfair, den Behörden in Mecklenburg-Vorpommern vorzuwerfen, etwaige Defizite bei den Hilfsfristen nicht erkannt zu haben. „Eine Auswertung der Daten des Jahres 2009 zeigte Überschreitungen der Vorgaben in acht Kreisen“, erläutert das Sozialministerium.

Abb. 3: Verkehrsunfall mit drei Verletzten: Zunächst stehen nur ein RTW und ein NEF zur Verfügung, der zweite RTW ist gerade mit einem Krankentransport gebunden, da am Sonntag keine KTW im Dienst stehen

zug auf Notfallversorgungsbereiche zu berechnen, sondern durch Bildung eines KTW-Pools, ermittelt nach einer Auswertung der „Verkehrsströme im Krankentransport“.

Hilfsfrist von 10 Minuten Eine schlüssige Analyse – dennoch: Offenbar vermochten sich ihr nicht alle am Rettungsdienst Beteiligten anzuschließen. Der Hauptgrund dafür, so ein Insider des Mecklenburger 8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 781

Acht Kreise betroffen Nicht im Rahmen bewegte sich die Hilfsfrist 2009 nach der Statistik des Ministeriums in den Kreisen Bad Doberan, Ludwigslust, MecklenburgStrelitz, Müritz (nur bei RTW, Anm.), Nordvorpommern, Nordwestmecklenburg, Parchim, Rügen (nur bei NEF, Anm.) und Uecker-Randow (nur bei NEF, Anm.). Wären nun unter Umständen in diesen Bereichen RTW für den Krankentransport eingesetzt worden, so die Rechnung, die in in-

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formierten Kreisen aufgemacht wird, dann hätten sich wiederum unter unglücklichen Umständen auch die ohnehin nicht zufriedenstellenden Hilfsfristen weiter verschlechtern können. Davon abgesehen, sind dem Einsatz der RTW im Krankentransportbereich in Mecklenburg-Vorpommern von Haus aus gewisse Grenzen gesetzt, da der Gesetzgeber die Aufgabenbereiche der Notfallrettung einschließlich der notärztlichen Versorgung sowie des Krankentransports als eine medizinisch-organisatorische Einheit der Gesundheitsvorsorge und Gefahrenabwehr sieht.

Abb. 2: Der Wismarer RTW fährt einen Krankentransport – bei 45.000 Einwohnern und zwei RTW kann das schon schwierig werden. In diesem Fall ging der Krankentransport nach Rostock an die Uni und band das Fahrzeug damit für zwei Stunden

Von daher ist auch der Schluss nicht verwunderlich, zu dem Orgakom in der Frage des RTW-Einsatzes im Krankentransport kommt: „Bezogen auf die Einbindung der RTW im Krankentransport ist zu prüfen, inwieweit während der möglichen Einbindung eines RTW die Hilfsfrist durch ein weiteres Rettungsmittel abgesichert wird und wie lange die Einbindung besteht. In Versorgungsbereichen, in denen ein RTW das einzige Rettungsmittel der Notfallrettung darstellt, sollte dieser RTW planerisch nicht für Krankentransporte zum Einsatz kommen, da ansonsten die Hilfsfrist nicht mehr abgesichert wird.“ Bezogen auf die Region Westmecklenburg könne festgestellt werden, dass dieser Grundsatz für die überwiegende Zahl der Rettungswachen gelte, „da diese RTW die einzigen in ihren Versorgungsbereichen sind und diese nicht von anderen Fahrzeugen innerhalb der Hilfsfrist bedient werden können.“ Kein Ergebnis, das man geheim ■ halten müsste. ■ I 81 I


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TECHNIK

7,5-Tonner als ITW: Spezialfahrzeug für länderübergreifende Einsätze Autor: Klaus von Frieling Redaktion RETTUNGSDIENST Postfach 1361 26183 Edewecht frieling@ skverlag.de

Abb. 1: Der neue Oldenburger ITW

Nach eineinhalbjähriger Planungszeit hat der Ortsverband Oldenburg der Johanniter-UnfallHilfe am 4. Juli 2011 ein neues Spezialfahrzeug für den Intensivverlegungsdienst des Landes Niedersachsen in Dienst gestellt. Als wir den ITW auf www.skverlag.de präsentierten, gab es in kürzester Zeit unerwartet heftige Kommentare zu dem Konzept, die von „Gratulation zum Fahrzeug“ bis zu „Jawohl, und demnächst brauchen wir dann einen Gelenkbus“ reichten. RETTUNGSDIENST stellt den ITW im Folgenden vor und geht auf die Kritik dazu ein.

erfolgen soll, wie der Ärztliche Leiter des Fahrzeugs, Fachoberarzt Anästhesie Markus Gehra, erklärte und mit dem Patienten mit einem Gewicht von 5 bis 318 kg transportiert werden können. Der luftgefederte MAN TGL verfügt über sechs Sitzplätze (drei im Fahrerhaus, drei im Kofferaufbau sowie einen Liegeplatz) und ist vollklimatisiert, dabei sind die Bereiche getrennt voneinander regelbar. Die Kommunikation mit der Außenwelt erfolgt über BOS-Funk Teledux und zwei D-Netztelefone, von denen sich eines in der Fahrerkabine mit Frei-

Verantwortlich für das Fahrzeugkonzept sind neben Gehra vor allem Professor Dr. Andreas Weyland, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie am Klinikum Oldenburg, Sascha Fröschke, Teamleiter Intensivverlegungsdienst Niedersachsen am Standort Oldenburg, sowie ein Team aus Anästhesie- und Intensiv-Fachkrankenpflegepersonal aller drei Oldenburger Kliniken, die den ITW auch künftig zusammen mit Ärzten und Rettungsassistenten mit intensivmedizinischen Zusatzqualifikationen der Johanniter besetzen werden. Abb. 2: Blick in den Kofferaufbau

D

er ITW auf MAN-Basis ersetzt einen Mercedes Vario, der jetzt als Reservefahrzeug genutzt wird. In dem neuen Fahrzeug ist eine ECMOTherapie ebenso problemlos möglich wie eine umfassende Blutgasanalyse. Zudem verfügt der ITW über einen Intensivrespirator, eine Beatmungseinheit, Intensivmonitoring und etliche weitere medizinische Gerätschaften (Tab. 1). Das Fahrzeug, das von Ambulanz Mobile Schönebeck ausgebaut wurde, bietet dem dreiköpfigen Personal im Kofferaufbau ausreichend Platz für die medizinische Versorgung, die „wie auf einer Intensivstation, wenn nicht sogar besser besser“ I 82 I

sprecheinrichtung befindet, das andere im Patientenraum. Außerdem gibt es ein Samsun-Netbook für die Übermittlung von Patientendaten und Einsatzdaten per E-Mail an das ITWTeam. Die Kommunikation innerhalb des Fahrzeugs muss aufgrund einer fehlenden Durchreiche zwischen Fahrerhaus und Koffer über Cartalker erfolgen. Das Straßenbild wird auf einen TFT-Bildschirm in den Kofferaufbau übertragen. Für den Fahrer gibt es zudem eine Rückfahrkamera mit Video-Patientenraumüberwachung sowie ein Navigationssystem Navigon Premium 70 Truck & Caravan (Tab. 2).

Weyland und Fröschke belegten mit Zahlen die Notwendigkeit des Fahrzeugs. So wurden bereits im ersten Halbjahr 2011 mehr als 235 Intensivverlegungsfahrten durchgeführt und dafür über 47.000 km gefahren (1. Halbjahr 2010: 200 Einsätze mit 44.000 km). Von Oldenburg aus wurden im Jahr 2010 mehr als 20% aller niedersächsischen Intensivtransporte durchgeführt, davon 56,8% bodengebunden (insgesamt 3.851). Disponiert wird das Fahrzeug über die Leitstelle in Oldenburg. Die Gesamtkoordination der auch länderübergreifenden Einsätze erfolgt über die Koordinie■ rungsstelle Hannover (KoST). ■ 8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 782


TECHNIK

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Im Gespräch RETTUNGSDIENST: Warum musste es ein eigenes Fahrzeugkonzept sein? Fröschke: Es ist kein eigenes Fahrzeugkonzept, solche Fahrzeuge haben in Düsseldorf und Aachen ihren Auftakt gefunden. Die Bundeswehr lässt ihre Fahrzeuge in Polen bauen, sie kommen in Hamburg und Koblenz zum Einsatz als NAW auf Mercedes-Atego-Basis. Neu ist der Einsatz im Intensivverlegungsdienst. Ausstattung und Anordnung des Innenausbaus wurden hierbei individuell und nach unseren Erfahrungen aus vier Jahren Intensivverlegungsdienst nach den besten Möglichkeiten gestaltet. RETTUNGSDIENST: Wieso wurden diese großen Abmaße gewählt, mit denen es in bestimmten Situationen zu Problemen kommen kann? Fröschke: Für uns stand im Vordergrund, eine möglichst optimale Arbeitsumgebung zu schaffen, in der sich Pfleger und Arzt um den Patienten kümmern können. Wir arbeiten im Intensivverlegungsdienst um den Patienten herum. Beim Transport kommt es nicht unbedingt auf die Schnelligkeit an, zumal eine Verlegung in eine weit entfernte Spezialklinik bis zu acht Stunden dauern kann. Vielmehr ist es wichtiger, einen Patienten unter den tatsächlich gleichen optimalen Bedingungen zu transportieren. RETTUNGSDIENST: Warum konzipieren die Verantwortlichen ein Fahrzeug, mit dem nicht alle Klinik-Notaufnahmen angefahren werden können? Fröschke: Die mangelnde Größe der Notaufnahmen war schon mit dem Vorgängermodell, einem Mercedes Vario, ein Problem. Es sind zum Teil Fahrzeughallen dabei, die mehr als 20 Jahre alt sind. Mit den damals weit verbreiteten Mercedes 310 konnten diese Hal-

8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 783

len problemlos angefahren werden. Heute werden im Rettungsdienst zunehmend Sprinter und Crafter eingesetzt und die Schwierigkeit, die Notaufnahmen anzufahren, nimmt zu. Wir stehen also nicht alleine vor dem Problem. RETTUNGSDIENST: Ist ein Kofferaufbau bei einem Trägerfahrzeug, das vermutlich problemlos 500.000 und mehr Kilometer Laufleistung schaffen wird, wirklich sinnvoll? Fröschke: Bei einer monatlichen Kilometerleistung von 8.000 bis 10.000 Kilometern und den Abschreibungskriterien ist die Basis des Trägerfahrzeuges und den Möglichkeiten, die es uns offenbart, nahezu ideal. RETTUNGSDIENST: Warum ist das Fahrzeug mit einer 0800-Nummer beklebt und nicht mit der 112? Fröschke: Mit der Einführung des Intensivverlegungsdienstes in Niedersachsen am 1. April 2008 wurde eine einheitliche Beklebung von den Trägern für die Fahrzeuge fest gelegt. Das Fahrzeug ist nicht für die Primärrettung vorgesehen. Es ist ein Sekundärfahrzeug, das wie auch die Hubschrauber über die Koordinierungsstelle (KoSt) in Hannover gelenkt wird. Die 112 ist weiterhin ausschließlich der Primärrettung vorbehalten. RETTUNGSDIENST: Wie begegnen Sie der Kritik, dass es sich bei dem Fahrzeug nur um ein Image- oder Prestigeobjekt handelt? Fröschke: Mit diesem Fahrzeug haben wir uns den Gegebenheiten des Alltags angepasst, die wir aus unseren Erfahrungen mit dem Intensivverlegungsdienst ermittelt haben. Wir sind mit diesem Fahrzeug in der Lage, ein möglichst breites Feld abzudecken sowie schnell und absolut effizient Hilfe bei der Verlegung schwerkranker und auch schwergewichtiger Patienten zu leisten. Dadurch wird eine

Neuplanung, z.B. durch die Nachforderung eines Rettungsbusses, überflüssig. Dies spart nicht nur Kosten, sondern auch Zeit, was in Anbetracht der steigenden Zahl von Transporten nicht außer Acht gelassen werden darf.

Abb. 3: Sascha Fröschke, Teamleiter Intensivverlegungsdienst Niedersachsen am Standort Oldenburg

■ Medizintechnik des Oldenburger ITW

Tab. 1

Beatmung Intensivrespirator

Intensivrespirator C2 Hamilton Medical

Beatmung Notfall

Weimann Medumat Transport

Monitoring

Philips Intellivue MP5, Philips MRX

Sauerstoff

7.800 l

Air-Med (Druckluft)

2.000 l

EKG

3- oder 12-Kanal-Ableitung, noninvasive Druckmessung, 3x invasive Druckmessung, Kapnografie

EKG-Defibrillator

Philips MRX biphasisch

Blutgasanalyse

I-Stat Abott

Spritzen-/ Infusionspumpen

6 multikompatible Infusionsspritzenpumpen Braun Compact S, 1x Infusionspumpe Braun Infusomat

Absaugpumpen

2× Weinmann Accuvac transportabel (sog-variabel)

■ Technische Daten Fahrgestell

MAN TGL 8.220

Leistung

162 kW/220 PS

Hubraum

4.580 cm3

zulässiges Gesamtgewicht

7.490 kg

Aufbau

Dülmer Emsbühren

Ausbau

Ambulanz Mobile Schönebeck

Tab. 2

I 83 I


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BEWERBUNG

Harte Tests – viele Bewerber: Neuartiges Auswahlverfahren für Rettungsassistenten Autor: Dr. Dieter Kienitz Zingelstraße 36, 25704 Meldorf, info@kienitzonline.de

Abb. 1: Beobachtet von zwei Mitarbeitern der RKiSH demonstrieren zwei Bewerber bei einer Übung Wiederbelebungsmaßnahmen nach ERC-Standard

Die Bevölkerung wird älter, der Nachwuchs fehlt. Und damit hat der Wettbewerb um die besten Mitarbeiter begonnen. Längst ist nicht mehr nur die freie Wirtschaft betroffen, auch im Sozialwesen und anderen Institutionen sind kompetente Mitarbeiter begehrt, wobei die Betonung auf „kompetent“ liegt. Das gilt im besonderen Maße für den Rettungsdienst. Spitzengehälter sind dort kaum möglich; zudem wird ein hohes Maß an fachlichem Wissen und Engagement gefordert.

entspricht. Der Erfolg gibt dem Konzept, das inzwischen seit zwei Jahren erprobt wird, recht. „Wir haben bereits frühzeitig erkannt, welche herausragende Rolle die Rekrutierung von hoch qualifizierten Mitarbeitern für den Rettungsdienst spielt. Nur durch gut geschulte Rettungsassistenten sind wir in der Lage, den Qualitätsansprüchen an unsere Organisation zu erfüllen“, erläutert RKiSH-Geschäftsführer Michael Reis. „Immerhin stellen wir Menschen ein, die im Zweifelsfall unter ungünstigen Umständen Leben retten müssen. Nicht nur einmal, sondern immer wieder.“

D

Um neues Fachpersonal und potenzielle Auszubildende nach möglichst objektiven Kriterien beurteilen zu können, hat ein Team unter Federführung von Personalchefin Angela Hoyer ein Auswahlverfahren erarbeitet, dass genau auf den

ie Rettungsdienst Kooperation in Schleswig-Holstein (RKiSH) kennt dieses Problem nicht. Der Grund liegt in einem ausgeklügelten Personalauswahlsystem, in dessen Mittelpunkt ein Verfahren liegt, das dem eines Assessment Center

für vier Kreise zuständigen schleswig-holsteinischen Rettungsdienst zugeschnitten ist. Und die Bilanz ist durchweg positiv. „Jetzt können wir bereits in den meisten Fällen am Auswahltag erkennen, ob ein Bewerber den Anforderungen gerecht werden kann und damit in unser Unternehmen passt“, so Angela Hoyer. „Die Fluktuationsrate besonders in den ersten drei Monaten nach der jeweiligen Einstellung ist deutlich zurückgegangen. Schließlich erkennen nicht nur wir, wenn ein Bewerber nicht geeignet ist; auch der Kandidat selbst kann sich während des Verfahrens ein Bild von der RKiSH machen.“ Um es vorweg zu nehmen: Das Personalauswahlverfahren ist aufwendig und hart. Nicht nur den Teilnehmern, auch den Beteiligten vom Stammpersonal des Rettungsdienstes wird einiges abverlangt. Ein ganzer

Abb. 2: Vor den praktischen Aufgaben werden die Bewerber von einem Lehrrettungsassistenten eingewiesen

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BEWERBUNG

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Tag voller Gespräche, theoretischer Aufgaben und praktischer Tests offenbart Schwächen und Stärken eines Aspiranten. Und die Messlatte ist hoch. Im theoretischen Teil werden mit Multiple-Choice-Tests die allgemeinen und fachlichen Kenntnisse geprĂźft. Eine gute schulische Ausbildung und ein hinreichendes Allgemeinwissen sind dabei sowohl fĂźr die bereits ausgebildeten Rettungsassistenten, als auch fĂźr die kĂźnftigen Azubis hilfreich. Auch beim Bewerbungsgespräch, das einem â&#x20AC;&#x17E;normalenâ&#x20AC;&#x153; Anstellungsverfahren am nächsten kommt, wird

Abb. 3: Das ist eng. Jeweils zwei Bewerber mĂźssen eine schwere Puppe im Tragesessel ein Stockwerk heruntertragen â&#x20AC;&#x201C; und dabei auch ihre Fitness beweisen

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BEWERBUNG

noch kein körperlicher Einsatz benötigt. Der kommt erst im praktischen Teil.

Abb. 4: Umgang mit einem „schwierigen Patienten“ – hierbei zählt nicht nur fachliche Kompetenz, sondern auch Einfühlungsvermögen

Abb. 5: Abschließendes Gespräch der Bewerbungskommission: Welcher Bewerber ist geeignet?

Abb. 6: Trotz schwerer Aufgaben gibt es ein Lächeln für die Bewerber: RKiSH-Mitarbeiter Christian Mandel erläutert den nächsten Test

I 86 I

In drei Praxisstationen, die allesamt den Ernstfall im Alltag simulieren, wird besonders Wert auf die Wiederbelebungsmaßnehmen nach ERC-Standard und auf die Versorgung von Trauma-Patienten gelegt. In der endgültigen Bewertung spielt die Bewältigung dieser Aufgaben eine herausragende Rolle. Praxisstation drei ist eine Kombi-Aufgabe, in der fachliche Kompetenz, körperliche Fitness und kommunikative Fähigkeiten in ausgesprochenen Stresssituationen getestet werden. Zunächst müssen jeweils zwei Bewerber einen schweren Patienten-Dummy im Tragesessel ein Stockwerk um enge Kurven herum heruntertragen. Gemessen wird diesmal nicht der Blutdruck des „Patienten“, sondern der des Bewerbers – und zwar vor und nach der Kraftanstrengung. Damit ergibt sich ein sicheres Indiz für die vorhandene Fitness. In Teil zwei der Praxisstation müssen sich die Rettungsassistenten mit einem besonders renitenten Patienten auseinandersetzen, der sich der Behandlung widersetzt. Hierbei sind Einfühlungsvermögen, kommunikative Stärken und letztendlich auch körperlicher Einsatz gefragt. Denn: Der „Patient“ ist keine Puppe, sondern ein erfahrenen Lehrrettungsassistent, der die Situation aus eigener Erfahrung kennt und dementsprechend lebensnah agieren und reagieren kann. In allen praktischen Aufgaben werden zudem nicht nur die fachlichen und kommunikativen Fähigkeiten geprüft, auch die Teamfähigkeit eines Bewerbers wird beobachtet. „Es nützt uns nichts, wenn ein Rettungsassistent zwar vieles kann, aber allein vor sich hinarbeitet. Er muss im Ernstfall auch für seine Kollegen da sein und im Team mit ihnen zusammenarbeiten können“, erklärt Angela Hoyer. Im Zweifel ist dieses Kriterium ebenso wichtig wie fachliche Kenntnisse. Dazu die Personal8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 786


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chefin: „Wenn wir merken, dass ein Bewerber vielleicht in einem speziellen Punkt ein fachliches Defizit aufweist, ansonsten aber sehr gut ist, stellen wir ihn oft dennoch ein – und schicken ihn bereits in der Probezeit zu einer entsprechenden Nachschulung.“ Geplant findet das Bewerberauswahlverfahren zweimal jährlich statt. Steigt der Personalbedarf unvorhergesehen an, z.B. durch weitere gesetzliche Auflagen oder durch die Inbetriebnahme einer zusätzlichen Rettungswache, werden weitere aufwendig geplante Bewerbertage geplant. Allerdings wird bei der Rettungsdienst Kooperation in Schleswig-Holstein niemand eingestellt, nur um die Stellen zu besetzen. Eignung und Qualität der Bewerber sind die entscheidenden Kriterien für eine Einstellung. Falls sich also bei einem Auswahltag nicht genug Bewerber finden, um die vakanten Stellen zu besetzen, bleiben sie vorübergehend unbesetzt. Angela Hoyer: „Wenn die Bewerber unseren Anforderungen nicht gerecht werden, hat es wenig Sinn, ihnen eine Stelle anzubieten. Auf der anderen Seite freuen wir uns, wenn wir mehr qualifizierte Bewerber haben als zurzeit benötigt werden. Oft legen wir dann eine Warteliste an.“ Geeignete Rettungsassistenten, die nicht sofort genommen werden, dürfen also mit gutem Grund auf eine Anstellung in der Zukunft hoffen, zumal die Zahl der RKiSH-Mitarbeiter von 2007 bis 2010 bereits von 406 auf 518 gestiegen ist. Geschäftsführer Michael Reis: „Stellenabbau ist bei uns absolut kein Thema. Im Gegenteil, in Schleswig-Holstein dürfte aufgrund des bereits heute zutage tretenden demografischen Wandels der Bedarf an gut ausgebildeten Rettungsassistenten weiter steigen.“

Dienststellenleiter / Rettungsassistent (m/w) Die Malteser Hilfsdienst gGmbH sucht spätestens zum 01.10.2011 für die Geschäftsstelle Wiesloch eine Führungskraft.

Wir sind eine katholische Hilfsorganisation mit vielfältigen sozialen und caritativen Aufgaben. Unser Rettungsdienst ist bundesweit zertifiziert. Unsere Dienststelle Wiesloch betreibt einen großen Menüservice, einen Fahrdienst für Behinderte, den Hausnotrufdienst sowie den Rettungsdienst in Wiesloch, Mannheim und Walldorf. Wir bieten m Vollzeitstelle m Vergütung nach den AVR Caritas m Kaufmännische Tätigkeit in sozialunternehmerischen Geschäftsfeldern m Tätigkeit als Rettungsassistent m Führung einer Dienststelle mit über 100 Mitarbeitenden

Nach jedem Auswahltag entscheidet eine Kommission der RKiSH darüber, welche Bewerber eingestellt, welche abgelehnt und welche auf die Wartelisten gesetzt werden. Dabei zählen zum einen Kriterien wie gesundheitliche Eignung, Schulabschluss, Test- und Übungsergebnisse, zum anderen aber auch die Eindrücke, die ein Bewerber während der Bearbeitung der praktischen Aufgaben hinterlassen hat. Dabei werden anhand eines Bewertungsbogens auch diese Eindrücke so objektiv wie möglich dargestellt.

Wir erwarten m Ausbildung zum Rettungsassistenen (m/w) m Kaufmännische Ausbildung und entsprechende Berufserfahrung m Verantwortung für Menüservice und Hausnotrufdienst m Operative Leitung des Rettungsdienstes m Verhandlungsgeschick m Freude an der Führung von Menschen m Eine positive Grundeinstellung zu den Zielen der Malteser als katholische Organisation

Befürchtungen, das Auswahlverfahren würde potenzielle gute Bewerber abschrecken, haben sich in keinem Fall bewahrheitet. Im Gegenteil, der harte, aber stets faire Bewerbertag lockt eher mehr ausgebildete Rettungsassistenten und potenzielle Auszubildende an. Tatsächlich kann die RKiSH mehr Bewerbungen denn je verzeichnen – und zwar aus dem gesamten Bundesgebiet. Wer im Übrigen einmal den Testtag erfolgreich absolviert hat, muss das Verfahren kein zweites Mal durchlaufen. Folglich werden eigene Auszubildende, die u.a. an der Rettungsdienst Akademie in Heide geschult werden, in der Regel ohne die Tests übernommen. Auch Versetzungen innerhalb des Rettungsdienstes, z.B. in ei■ nen anderen Kreis, sind immer wieder möglich. ■

Ihre aussagefähigen Bewerbungsunterlagen senden Sie bitte an:

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Malteser Hilfsdienst gGmbH Regionalgeschäftsstelle Personalleitung Ulmer Straße 231 70327 Stuttgart Auskünfte erhalten Sie bei Herrn Neuhauser, Tel. : 07063/9339456 Email: peter.neuhauser@malteser.org Wir engagieren uns für Menschen ...weil Nähe zählt.

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)Mô!UFTRAGôDESô32#!ôSUCHENôWIRôF�RôDENô !USLANDSEINSATZôINô3AUDIô!RABIENôZUMôN³CHSTM¢GLICHENô :EITPUNKTôZURô"ESETZUNGôBODENGEBUNDENERô2ETTUNGSMITTELô UNDô(UBSCHRAUBER

Ă´Ă´Ă´Ă´Ă´Ă´2ETTUNGSASSISTENTENĂ´MW 6ORAUSSETZUNGEN sĂ´ sĂ´ sĂ´ sĂ´

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"EWERBUNGENĂ´MITĂ´"ILD Ă´,EBENSLAUFĂ´UNDĂ´:EUGNISSENĂ´AN ,EHRINSTITUTĂ´FÂ?RĂ´PRÂłKLINISCHEĂ´2ETTUNGSMEDIZINĂ´G'MB( !BTĂ´!USLANDSPROJEKTE Ă´'EISENHAUSENERSTRĂ´A Ă´Ă´-Â?NCHEN

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8 ¡ 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 790


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Das Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt am Main ist der universitäre Vollversorger für Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet. Durch seine Größe und Ausstattung, durch die Verbindung mit Forschung und Lehre bietet das Klinikum ein Aufgabenspektrum, das den Arbeitsalltag äußerst vielfältig macht. Kollegialität und Zusammenarbeit zwischen allen, die an der Behandlung beteiligt sind, zeichnen das Klima am Klinikum aus.

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8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 791

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8 ¡ 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 792


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8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 793

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Wir suchen zur Verstärkung unseres Teams zum nächstmöglichen Zeitpunkt:

1 Leitstellendisponent (m/w) (m/w) 2 Rettungssanitäter Ihre Voraussetzungen: • • • • •

Abgeschl. Ausbildung als RS/RA gültige Fortbildungen Führerschein Klasse B oder höher Teamfähigkeit, Einsatzbereitschaft, freundliches Auftreten Verantwortungsbewusstsein für Mensch und Material Bitte senden sie Ihre Bewerbung an:

MTS Medical Transport Service GmbH, Heerstr. 200, 47053 Duisburg

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RD-MARKT

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NEU NEU NEU Aufbaulehrgang Rettungsassistent – berufsbegleitend in Abendschulform Termin (1): 06.09.2011 – 19.05.2012 theoretische Ausbildung (dienstags + donnerstags 18.30-22.00 Uhr, alle 14 Tage samstags 08.30-15.45 Uhr) + 260 Stunden Klinik (Termine frei wählbar) Staatl. Prüfung innerhalb der vier regulären Prüfungen oder individuell vereinbar

Aufbaulehrgang Rettungsassistent – verkürzt gem. § 8 Abs. 2 RettAssG Termin (1): 05.09.2011 – 14.11.2011 – 02.01.2012 – 09.01.2012 –

11.11.2011 30.12.2011 06.02.2012 13.01.2012

theoretische Ausbildung (8.30-15.45 Uhr) Klinikpraktikum Vorbereitung auf Prüfung Staatl. Prüfung

Berufsausbildung zum Rettungsassistenten – Vollzeit gem. § 4 RettAssG Termine (2): 01.08.2011 – 27.07.2012 17.10.2011 – 12.10.2012

medakademie .|ln Josef-Lammerting-Allee 18 33 .|ln

Ausbildung zum Rettungssanitäter Termine (2): 01.08.2011 – 18.11.2011 17.10.2011 – 03.02.2012

Info: ZZZ.medakademie-.oeln.de info@medakademie.de Telefon: 0221 - 17 91 54 66 Fax: 0221 - 67 77 41 94 9

NEU: Er|ffnung der 3Áegeakademie .|ln

Ausbildung zum 3Áegeassistenten Termine (3): 08.08. – 08.10.2011 05.09. – 04.11.2011 04.10. – 02.12.2011

Dozent/in im Rettungsdienst Die DRK-Landesschule ist ein gemeinnütziges Bildungszentrum in Trägerschaft des DRKLandesverbandes Baden-Württemberg e.V. und bundesweit die größte Bildungseinrichtung des Deutschen Roten Kreuzes ihrer Art. Hauptaufgabenfeld ist die allgemeine wie fachliche Qualifizierung der ehren- und hauptamtlichen Kräfte in allen Einsatzfeldern und auf allen Einsatzebenen des Roten Kreuzes. Der Fachbereich „Rettungsdienst“ ist wichtiger Bestandteil unseres Aus-, Fort- und Weiterbildungsspektrums. Jährlich bilden wir über 1.000 Rettungshelfer, Rettungssanitäter und Rettungsassistenten aus.

Zur Erweiterung unseres Lehrteams suchen wir ab sofort eine/n

Dozenten/in für die rettungsdienstliche Aus-, Fort- und Weiterbildung (100%) Wir wünschen uns eine Kollegin / einen Kollegen mit folgenden Voraussetzungen: x staatliche Anerkennung als Rettungsassistent/in x pädagogische Eignung (mindestens Lehrrettungsassistent/in) x betriebswirtschaftliche Kenntnisse x Einsatzerfahrung in der Notfallrettung Wir bieten Ihnen eine sehr anspruchsvolle wie abwechslungsreiche Tätigkeit in angenehmer Atmosphäre. Die Aufgabe erfordert Offenheit für Innovationen, Durchsetzungsvermögen und eine hohe soziale Kompetenz. Die Vergütung erfolgt nach dem DRK-Tarif (in Anlehnung an den TVöD) mit zusätzlicher Altersversorgung. Haben wir Ihr Interesse geweckt? Dann freuen wir uns auf Ihre Bewerbung! Für erste Auskünfte steht Ihnen unser Schulleiter Herr Rico Kuhnke unter 0 74 45 – 85 12-600 zur Verfügung. Ihre aussagefähigen Bewerbungsunterlagen senden Sie bitte bis spätestens 05.08.2011 an: Deutsches Rotes Kreuz Landesschule Baden-Württemberg Herrn Rico Kuhnke Karl-Berner-Straße 6 72285 Pfalzgrafenweiler E-Mail: r.kuhnke@drk-ls.de Homepage: www.drk-ls.de 

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8 · 2011 I 34. Jahrgang I Rettungsdienst I 794


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RD-MARKT

Der ASB Köln ist ein modernes soziales Dienstleistungsunternehmen. Im Mittelpunkt unseres Engagements stehen die Bedürfnisse unserer Kunden und die Anforderungen unserer Partner. Die Qualität unserer Arbeit ist uns ein besonderes Anliegen. Unser Qualitätsmanagementsystem ist nach DIN EN ISO 9001:2008 zertifiziert. Wenn Ihnen eine offene Unternehmenskultur, nette Kollegen und eine gute berufliche Perspektive wichtig sind, dann kommen Sie zu uns als

Fachbereichsleiter(in) Krankentransport (Vollzeit) Derzeit betreiben wir in Köln sieben Krankentransportwagen und mehrere behindertengerecht umgebaute Fahrzeuge; dem Bereich sind ca. 30 Mitarbeiter zugeordnet. Ihr Profil: • Sie haben einen akademischen Abschluss (z. B. Wirtschaftswissenschaften, Verwaltung etc). Idealerweise haben Sie zusätzlich eine Qualifikation als Rettungsassistent/in bzw. Rettungssanitäter/in • Sie verfügen über mehrere Jahre Berufserfahrung in Verbindung mit einer leitenden Tätigkeit • Die Zufriedenheit Ihrer Kunden und die Qualität der Dienstleistung sind Ihnen ein wichtiges Anliegen. • Sie sind vertriebsstark und handeln wirtschaftlich. • Verantwortlicher Umgang mit Betriebsvermögen ist Ihnen selbstverständlich • Sie sind Ansprechpartner Ihrer Mitarbeiter und führen diese zielorientiert und ergebnisorientiert Wir bieten: • Eine interessante Aufgabe mit einer gesicherten beruflichen Perspektive • Selbstständiges Arbeiten mit entsprechenden Gestaltungsspielräumen • Ein kollegiales Führungsteam und ein angenehmes Arbeitsklima • Eine umfassende Einarbeitung • Unterstützung bei Fort- und Weiterbildung • Eine der Aufgabe entsprechende Vergütung inkl. Dienstwagen Ihre vollständigen Bewerbungsunterlagen senden Sie bitte entweder per Mail an Personalabteilung@asb-koeln.de oder per Post an ASB Köln e. V., Sülzburgstraße 146, 50937 Köln.

Wir suchen eine Rettungsassistentin/einen Rettungsassistenten für die Zentrale Notaufnahme mit einer zugeordneten Medical Decision Unit (MDU) am Klinikstandort Mitte www.klinikumdo.de/stellensuche

Klinikum Dortmund, Beurhausstraße 40, 44137 Dortmund

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Von unserem Meister geprüft, von unseren Kunden geschätzt! RETTUNGSFAHRZEUGE WASMEIER, Tel. 08233 847909, Fax 847910, Internet: www.wbas.com

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Suche für Export ständig RTW, KTW, BTW, auch hohe km-Leistung oder Unfall. Barzahlung bei Abholung. Tel. 040 478970, Fax 040 488013, E-Mail: so-kfz-sommerfeldt@t-online.de

■ Stellengebote DIGO Help sucht zum Aufbau von Stützpunkten sowie für die Aus-

Verlagsleitung: L. Kossendey Erscheinungsweise monatlich

Bildnachweise: R. Schnelle: 14, 16, 17, 24, 62, 63 Malteser: 14, M. Wilhelm: 16, 17 M. Kunz, DBfK Nordost: 20-21 Malteser: 22 DDI: 23 I. Behrendt: 26-28 N. Sandrisser: 39-31 M. Zimmer: 32-37 Wiener Rettung: 38, 39, 43 Ch. Hiechinger: 44-46 KRLS Nord: 48, 52 BF Stuttgart: 49 BF Cottbus: 50 BF Bremen: 51 KRLS West: 54 A. Knickmann: 55-57 A. Dimitrow: 58-60 Medtronic: 61 Th. Rohloff: 64-66 P. Knacke: 67 M.R. Ufer: 68 M. Mertens, Wikipedia: 69 S. Drolshagen: 70-73 H. Holder: 74, 75 St. Hutt: 76 Privat: 77, 78 Bode Chemie: 79 Archiv: 80-81 K. von Frieling: 82-83 Jahnke/RKiSH: 84-87

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Zeitschrift für präklinische Notfallmedizin 34. Jahrgang ISSN 0178-2525 Anschrift: Verlagsgesellschaft Stumpf & Kossendey mbH, Postfach 13 61, 26183 Edewecht

Jahresabonnement: Deutschland: 44,50 € bei Bankeinzug, 46,60 € bei Rechnung. Beides zzgl. der jeweils gültigen Postvertriebsgebühr

Für unverlangt eingesandte Manuskripte wird keine Haftung übernommen, wir bemühen uns aber um eine ordnungsgemäße Bearbeitung. Bei Nichterscheinen infolge höherer Gewalt oder Streik besteht kein Entschädigungsanspruch.

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Einzelpreis: 4,30 €

Diejenigen Bezeichnungen, die zugleich eingetragene Warenzeichen darstellen, werden nicht in jedem Falle besonders kenntlich gemacht. Es kann folglich aus der Bezeichnung einer Ware mit dem für diese eingetragenen Warenzeichen nicht geschlossen werden, dass die Bezeichnung ein freier Warenname ist.

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Ebenso ist nicht zu entnehmen, ob Patente oder Gebrauchsmuster vorliegen. Namentlich gezeichnete Artikel geben die Meinung des Verfassers wieder.

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Österreich: 46,60 €, Schweiz: SFr. 71,– Beides zzgl. der jeweils gültigen Postvertriebsgebühr

Österreich: Steiermärkische Bank, Graz, Kto.-Nr. 0300/730 959, BLZ 20 815 Produktion: litho niemann + m. steggemann GmbH, Postfach 3822, 26028 Oldenburg Druck: PerCom Vertriebsgesellschaft mbH, Am Busbahnhof 1, 24784 Westerrönfeld Erfüllungsort und Gerichtsstand ist Oldenburg. Abbestellungen nur schriftlich bis 3 Monate vor Ablauf des Kalenderjahres zulässig.

Mit der Annahme des Manuskripts zur Veröffentlichung in der Zeitschrift RETTUNGSDIENST räumt der Autor dem Verlag Stumpf + Kossendey das zeitlich, räumlich und inhaltlich unbeschränkte Nutzungsrecht im Rahmen der Print- und der Online-Ausgabe der Zeitschrift ein (inkl. der Bilder). Dieses beinhaltet das Recht der Nutzung und Wiedergabe im In- und Ausland in gedruckter und elektronischer Form sowie die Befugnis, Dritten die Wiedergabe und Speicherung des Werkes zu gestatten. Der Autor behält jedoch das Recht, nach Ablauf eines Jahres anderen Verlagen eine einfache Abdruckgenehmigung zu erteilen.

Nachdruck und Vervielfältigung nur mit Genehmigung des Verlages gestattet. Auf Wunsch werden gegen Entgelt Sonderdrucke von einzelnen Beiträgen zur Verfügung gestellt.

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■ Stellengebote

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Haben Sie Lust auf einen Nebenjob als Erste-Hilfe-Ausbilder für Regensburg, Coburg, Ingolstadt, Erding und Augsburg? Dann rufen Sie uns an. Tel.: 0800 5891809

fort eine Jahrespraktikantenstelle zur staatlichen Anerkennung in NRW. wagener.martin@web.de

■ Stellengesuche 28-j. RettAss (seit 2005) in ungekündigter Stellung bei HiOrg sucht zum 1.1.12 neue Herausforderung im Raum DA-LU-HD in der öff. Gefahrenabwehr oder privat Wirtsch. als RettAss/ im vorb. Brandschutz/Ambulanz Werkschutz. U.a. ZFü FF, G26.3, VFü KatS, eingesetzter OrgL, FS-Kl. CE neuer-job.2012@web.de Junger, dynamischer Rettungssanitäter mit der theoretischen Ausbildung zum Rettungsassistenten sucht ab so-

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Tel.: 0 40 / 47 89 70 Tel.: 0 40 / 79 00 86 55 Fax: 0 40 / 48 80 13 www.autohandel-sommerfeldt.de e-mail: so-kfz-sommerfeldt@t-online.de

■ Diverses Simulationsprogramm Integrierte Leitstelle für den PC. Screenshots & weitere Infos auf www.rlst.de Der Film zu den Ausbildungen: RS, RA, LRA, ORGL, Luft-RA, Flugbegl. unter www.SanitaetsschuleNord.de

■ Termine Ausbildungen zum Dozenten Erste Hilfe beim Medical Education College vom: 15.08.-20.08.2011, 15.09-17.09.2011 Kontakt: 02332 666513

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INFOS · NEWS · ADRESSEN

TERMINE

20 Jahre Bildungszentrum Schlump

3. Fachtagung „Technische Rettung aus Kraftfahrzeugen“

10. September 2011 in Hamburg Informationen: Bildungszentrum Schlump, Beim Schlump 86, 20144 Hamburg, Tel.: 040 441367, Fax: 040 443682, E-Mail: andre.koch@bildungszentrum.drk.de, Internet: www.bildungszentrum.drk.de

7. und 8. September 2011 in Berlin

Informationen: Berliner Feuerwehr, Serviceeinheit Aus- und Fortbildung (Rettungsdienstschule), SE AF RD 21, Ruppiner Chaussee 268, 13503 Berlin, Tel.: 030 387-28822, Fax: 030 387-998076, E-Mail: rolf-dieter.erbe@berliner-feuerwehr.de, Internet: www.fahrzeugsicherheit-berlin.de

8. Oldenburger Notfallsymposium 8. Oktober 2011 in Oldenburg Informationen: Malteser Hilfsdienst gGmbH, Bezirksgeschäftsstelle Oldenburg, Nadorster Str. 133a, 26123 Oldenburg, Tel.: 0441 972800, Fax: 0441 9728080, Mail: info@notfall-symposium.de, Internet: www.notfall-symposium.de

11. KTQ-Forum 2011: Qualitätsmanagement im Rettungsdienst 23. und 24. September 2011 in Berlin Informationen: KTQ-GmbH, Kooperation für Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen GmbH, Garnisonkirchplatz 1, 10178 Berlin, Tel.: 030 2064386-0, Fax: 030 2064386-22, E-Mail: info@ktq.de, Internet: www.ktq.de

1. Kurs Intensivtransport 16. bis 18. September 2011 in Düsseldorf Informationen: DRK-Kreisverband Düsseldorf e.V., Kölner Landstr. 169, 40591 Düsseldorf, Tel.: 0211 2299-0, Fax: 0211 2299-1133, E-Mail: oliver.kowa@drk-duesseldorf.de, Internet: www.drk-duesseldorf.de

1. Amberger Traumatag 1. Oktober 2011 in Amberg Informationen: Klinikum St. Marien, Mariahilfbergweg 7, 92224 Amberg, Tel.: 09621 38-1317, Fax: 09621 38-15903, E-Mail: unfallchirurgie@klinikum-amberg.de, Internet: www.klinikum-amberg.de

Zugführer Rettungsdienst/OrgL 20. bis 28. August 2011 in Niederkassel Informationen: Landesschule Nordrhein, Auf’m Hennekamp 71, 40225 Düsseldorf, Tel.: 0211 3104-111, Fax: 0211 3104-197, E-Mail: lano@drk-nordrhein.net, Internet: www.drk-nordrhein.de/lano

Airway-Management & Simulation 23. und 24. September 2011 in Göttingen Informationen: Zentrum Anaesthesiologie, Rettungs- und Intensivmedizin, Robert-Koch-Str. 40, 37075 Göttingen, Tel.: 0551 39-8826, Fax: 0551 39-8676, E-Mail: mail@goettingen-airway.de, Internet: www.zari.med.uni-goettingen.de Interessante Websites für den Rettungsdienst

>>> Karriere im Rettungsdienst <<<

www.rettungsdienst-karrieristen.de

Karriere im Rettungsdienst? Geht das überhaupt? Die relativ neue und privat betriebene Homepage widmet sich den verschiedenen Facetten rund um das Thema Arbeit, Fortbildung und Karriere im Rettungsdienst. Erste Porträts von Führungskräften geben einen Einblick über den Werdegang und Entwicklungsmöglichkeiten. Des Weiteren fungiert die Homepage auch als Diskussionsforum zu verschiedenen Schwerpunktthemen wie z.B. RettungsdienstAufbaustudium oder Ehrenamt im Rettungs-

dienst. Als Gast kann man Beiträge veröffentlichen oder kommentieren. Zum Thema Fortbildung wird derzeit ein Quiz angeboten. Neben der Vielzahl von Diskussionsforen verfolgt die Seite das konkrete Ziel, Karrieremöglichkeiten aufzuzeigen. Schon aus Eigennutz sollten daher möglichst viele Besucher ihre Ideen und positive Beispiele aus der Praxis schildern, um den Beruf in diesem Zusammenhang attraktiver und zukunftsfähiger zu gestalten. Die Plattform steht dafür jedenfalls zur Verfügung. (CL)


Wir sind drin

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Fßrs Leben lernen Fort- und Weiterbildung Rettungsdienst und Pädagogik Johanniter-Akademie Mßnster: 0251 97230-230 Bildungsinstitut Hannover: 0511 438346-0 Bildungsinstitut KÜln: 0221 89009-157 Bildungsinstitut Berlin: 030 8092332-31 Bildungsinstitut Mitteldeutschland: 0341 224760-0 Bildungsinstitut Essen: 0201 89646-0 Eine gute Adresse: www.johanniter-akademie.de

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Profile for Verlag Stumpf & Kossendey

RETTUNGSDIENST 8/11  

Zeitschrift für präklininsche Notfallmedizin Gewalt im Einsatz

RETTUNGSDIENST 8/11  

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