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EINSATZ

ZEITSCHRIFT FÜR HELFER UND FÜHRUNGSKRÄFTE

1/2014 · Februar 2014 · 21. Jahrgang

Bergrettung Führung Führungskräftetraining für die TEL Rettung/Sanität Sicherheitslehrgang für Seenotretter Rettungshunde Ausbildungscamp mit Hubschraubern


Noch Fragen? Antworten zum NotSanG! • NotSanG und APrV im Wortlaut • praxisbezogen kommentiert • Knackpunkte herausgestellt

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Der Kommentar zum Notfallsanitätergesetz! An Meinungen und Diskussionen zum gerade in Kraft getretenen Notfallsanitätergesetz mangelt es nicht. Doch nun erscheint der erste fachkundige und umfassende Kommentar zum NotSanG. Ausführlich werden die Bestimmungen des Gesetzes paragraphenweise interpretiert und in ihrer Tragweite für das Gesamtsystem Rettungsdienst eingeschätzt. Darauf abgestimmt wird die Ausbildungsund Prüfungsverordnung ausgelegt und auf Konsequenzen für die Ausbildung hinterfragt. Das Buch gewährt somit einen zugleich juristischen als auch praxisbezogenen Blick und gibt neue Anstöße für hoch aktuelle Fragen rund ums NotSanG.

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Wenn die weiße Pracht die Berge bedeckt ... Der Anteil an Bergsportlern in der Bundes­ dere Ausbildung durchlaufen und nur mit Sirepublik ist ungebrochen hoch, und mit gut 26% cherheitsausrüstung in das Suchgebiet entsandt sind allein 16 Mio. Deutsche zwischen 14 und werden. Kommt es zu einem Lawinenunglück haben die Rettungskräfte etwa 18 Minuten, um 70 Jahren jedes Jahr in den Wintersportregionen am Einsatzort zu sein, da nach dieser kurzen unterwegs. Das Erlebnis in der Bergwelt und die Faszination verschiedener Sportarten in luftiger Zeitspanne die Überlebenswahrscheinlichkeit für Verschüttete rapide sinkt. Um überhaupt Höhe bergen seit jeher auch Risiken. Neben den traditionellen Betätigungen wie Bergsteigen, eine Chance zu haben, die Verunglückten zu retten, gilt der einsatztaktische Wahlspruch Skifahren und Drachenfliegen kommen neue Trendsportarten wie das Canyoning, Snowkiten, „dogs and docs first“. Die einzusetzenden „dogs“ Speed-Skiing und viele weitere dazu, die häufig für dieses besondere Einsatzbild werden in eimit hohen Gefahrenpotenzialen verbunden sind. ner dreijährigen Ausbildung auf ihren Realeinsatz vorbereitet. Der Flug im Hubschrauber, das Verantwortungsvolle Sportler bewegen sich heutzutage meist gesichert in der Gruppe und Abseilen aus der Kabine und die gezielte Suche mit geeigneter Ausrüstung durch die Bergwelt, nach Personen, die unter Schneemassen begraben sind, gehören zu dieser intensiven bergdabei ist es umso unbegreiflicher, dass es noch wachtspezifischen Rettungshundeausbildung. immer den „Gipfelstürmer in Flipflops“ gibt. Die Absicherung des alpinen Bergsports in den deutschen Mittel- und Hochgebirgen wird seit bald 100 Jahren durch die Bergwacht durchgeführt. Die Rettung aus unwegsamem Gelände, abseits von Straßen und Wegen und häufig genug in lebensbedrohlichen Situationen, haben sich die Mitglieder der Bergwacht zur Aufgabe gemacht. Mit besonderem technischen Gerät, geländegängigen Fahrzeugen, speziell ausgebildeten Rettungshunden sowie einer umfangreichen Ausbildung werden jedes Jahr viele hundert Menschen aus Notsituationen gerettet. Wenn die weiße Pracht die Berge bedeckt, die Faszination von schier endlosen verschneiten Hängen und nahezu lautlosen sanften Abfahrten die Wintersportler auch in das Gelände abseits der Pisten lockt, existiert eine besondere Gefahr, die man nicht riechen kann: Lawinen. Sie sind nur zu einem geringen Anteil Grund für tödliche Wintersportereignisse, aber meist medial wirksam, wecken in vielen Menschen die Angst, lebendig begraben zu werden, und stellen eine besondere logistische Herausforderung für die Rettungskräfte dar. Häufig ist der Einsatz von Rettungsteams nach einem Lawinenabgang auch für die Einsatzkräfte mit einem hohen Gefahrenpotenzial verbunden, z.B. durch Nachlawinen, sodass diese Teams eine beson-

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Mirko Temmler Redaktion IM EINSATZ

Auch das Thema dieser IM EINSATZ zeigt einmal mehr auf, in welch vielfältigen und technisch sowie einsatztaktisch anspruchsvollen Bereichen Rettungskräfte tätig sind und die interdisziplinäre Zusammenarbeit der verschiedenen Einsatzbereiche wie Bergwacht, Luftrettung und Rettungsdienst Hand in Hand funktionieren muss. Die professionelle Menschenrettung kann man sich nicht von heute auf morgen aneignen. Vielmehr bedarf sie der zielgerichteten Ausbildung durch Fachleute an geeigneten Ausbildungseinrichtungen, wie dem BergwachtZentrum für Sicherheit und Ausbildung in Bad Tölz und der intensiven Vorbereitung mit den verschiedenen Akteuren, die nur über viele Jahre hinweg möglich ist und sich glücklicherweise in Deutschland bereits etabliert hat. Ich wünsche Ihnen viel Freude und neue Erkenntnisse beim Studium der neuen IM EINSATZ und auf Ihren Ausflügen in die Berge immer einen sicheren Tritt. Ihr

Mirko Temmler

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Im Einsatz für „Gipfelstürmer in Flipflops“

Bergrettung

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F. Köster

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Rettung aus unwegsamem Gelände im Winter: Techniken und Taktiken im Einsatz­ bereich der Bergwacht Hessen Die weiße Gefahr: Rettungs­ technische und medizinische Aspekte bei Lawinennotfällen

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Einsatzplanung: Räumung und Evakuierung von Alten- und Pflegeheimen Eine „Richtschnur“ zur Einsatzvorbereitung und -planung der Evakuierung von Alten- und Pflegeheimen. Damit alle Akteure über Handlungskompetenz für ein strukturiertes Notfallund Krisenmanagement verfügen. J. Oberkinkhaus

Technische Einsatzleitung: Praxisnahes Führungskräfte­ training in Südhessen Einsätze in der Führungsstufe „C“ gehören nicht zu den regelhaften Lagen, erfordern aber aufgrund des Schadensereignisses und -ausmaßes ein besonders effizientes und effektives Einsatzmanagement. J. Oberkinkhaus

PORTRÄT

Katastropheneinsatz real und digital: Die US-Ostküste nach Hurrikan „Sandy“ Dieser Artikel beleuchtet den Einsatz des Amerikanischen Roten Kreuzes und des digitalen Netzwerks HumanityRoad. Für beide Organisationen ein äußerst zeit- und ressourcen­ intensives Unterfangen. C. Dennenmoser

Ein Landretter auf maritimen Abwegen: SeenotretterAusbildung im einwöchigen Sicherheitslehrgang T. Trütgen

FÜHRUNG

RETTUNG/SANITÄT

RETTUNG/SANITÄT

R. Seibert

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DRK-Fachtagung: Sanitätsdienst in Fußball­ stadien T. Hellwetter, F. Weingardt

PORTRÄT

RETTUNG/SANITÄT

Mit technischen Geräten, geländegängigen Fahrzeugen, speziell ausgebildeten Rettungshunden sowie einer umfangreichen Ausbildung werden jedes Jahr viele hundert Menschen aus Notsituationen in den Bergen gerettet. Lawinen stellen die Rettungskräfte vor besondere logistische Herausforderungen. Häufig ist der Einsatz von Rettungsteams nach einem Lawinenabgang auch für die Einsatzkräfte mit einem hohen Gefahrenpotenzial verbunden.

Interdisziplinärer Führungs­ stab: Teamarbeit beim NATO-Gipfel 2009 in Baden-Baden Wie sollte der Führungsstab bei Großschadenslagen gestaltet werden? Ein prägnantes Beispiel hierfür stellte der NATO-Gipfel im Jahr 2009 in Baden-Baden dar. K. Ullwer, K. Homrighausen

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Sicherheitslehrgang der DGzRS

Landretter in Seenot

Eine Rettungsinsel für Schiffbrüchige mit 16 Personen an Bord taumelt im Takt der meterhohen Wellen. Unter ihnen IM EINSATZ-Autor Thorsten Trütgen. Glücklicherweise treibt die Rettungsinsel nicht im offenen Meer, sondern im Trainingsbecken des Einsatz-Ausbildungszentrums Schadensabwehr (EAZS) der Marinekaserne in Neustadt in Holstein. Hier führt die DGzRS S. 28 die Aus- und Fortbildung ihrer Seenotretter durch.

BETREUUNG

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Mit ehrenamtlichen Mitgliedern garantiert die Bergwacht die notfallmedizinische Versorgung aller Winter-, Freizeit- und Klettersportregionen. V. Lischke, A. Berner, U. Pietsch, R. Seibert

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Bergwacht-Lawinen- und Suchhundestaffel Chiemgau: Wie Mia, Bacira und Kenn fliegen und retten lernen

Bundesliga-Treffen 55 Teilnehmer aus ganz Deutschland trafen sich zur ersten DRK-Fachtagung „Sanitätswachdienst in Stadien der ersten Fußballbundesliga“. Damit sollen nicht nur fachliche Kompetenzen gebündelt werden, sondern auch die Position gegenüber Veranstaltern, dem DFB und der DFL gestärkt werden. S. 26

Der Winterkurs der BergwachtLawinen- und Suchhundestaffel Chiemgau findet traditionell auf dem Hochplateau der Reiter Alpe statt – mit Hubschraubern. M. Leitner

TECHNIK REDAKTIONELLES

Die Bergwacht im Deutschen Roten Kreuz: Notfallmedizin als integraler Bestandteil der modernen Bergrettung

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News & Kleinanzeigen

Termine & Impressum

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Die Patientenablage Im neuen Band 12 der SEGmente-Reihe werden Indikation, Struktur und Organisation einer Patienten­ablage und der notwendige Verfahrensablauf dort dargestellt. Wir schenken Ihnen das Buch, wenn Sie ab sofort IM EINSATZ abonnieren. Rufen Sie uns an unter 04405 9181-0 oder senden Sie eine Mail an service@skverlag.de. Oder Sie erledigen das Ganze auf www.skverlag.de.

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NEWS

Einsatzleitwagen für Magdeburg

GW San Bund an G.A.R.D. übergeben Bereits am 9. Januar 2014 fand in Dresden die feierliche Übergabe eines Gerätewagen Sanität des Bundes (GW San Bund) an die Firma G.A.R.D. Ambulanz und Rettungsdienst statt. G.A.R.D. stellt in Dresden eine Teileinheit der 24. Medizinischen Task Force. Ihr gehören 26 Mitglieder an, darunter befinden sich zwei ausgebildete Organisatorische Leiter (OrgL). Die Teileinheit arbeitet eng mit dem 2. Behandlungszug der Malteser sowie der Berufsfeuerwehr Dresden (Träger) zusammen. Die Kooperation soll in diesem Jahr weiter ausgebaut werden. Ehrengast bei der Übergabe des GW San war der Chef des Falck-Konzerns, Allan Søgaard Larsen.

Szenario eingespielt. Diesmal handelte es sich um eine geplante Großveranstaltung in Dortmund. In deren Verlauf kam es zu einem Schadenereignis, das Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste in Atem hielt. Eingespielt wurden auch fiktive Beiträge aus den sozialen Medien wie Facebook und Twitter.

Am 17. Dezember 2013 hat Sachsen-Anhalts Minister für Inneres und Sport, Holger Stahlknecht, dem stellvertretenden Leiter der Berufsfeuerwehr Magdeburg, Branddirektor Olaf Derlath, einen neuen Einsatzleitwagen im Wert von ca. 800.000 Euro übergeben. Der ELW verfügt über ein zweiachsiges Fahrgestell mit einem Kofferaufbau, der in zwei beheizbare und vollklimatisierte Räume unterteilt ist: einen Fernmelderaum mit drei Fernmeldearbeitsplätzen und einem Arbeitsplatz für den Leiter der Fernmeldestelle sowie einen Stabsraum mit großem Besprechungstisch und neun Arbeitsplätzen sowie ein Arbeitsplatz für den Lagekartenführer. Alle Außenwände des Fahrzeugs sind auf der Innenseite ferromagnetisch und beschreibbar. Zur Ausstattung gehören sechs Analogfunkgeräte und sechs Digitalfunkgeräte, die fest verbaut sind. Ein Antennen-Koppler-System verbindet die Funkgeräte mit den vier Antennen; eine davon auf einem ausfahrbaren Antennenmast. 12 digitale Handfunkgeräte in Kfz-Ladeschalen befinden sich im Fernmelderaum. Die Telefonanlage kann an das Festnetz angeschlossen werden (analog, ISDN), Mobil- (GSM) und Satellitentelefonie sind integriert (selbstausrichtende Satellitenanlage), eine DECT-Anlage mit fünf Mobilteilen ist angeschlossen und kabelgebundene Telefonanschlüsse sind bis 50 m absetzbar.

www.gard.org

Polizei übte an der AKNZ den Katastrophenfall Seit 2004 kommen die Studierenden der Deutschen Hochschule der Polizei (DHPol) aus Münster zum Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), um einmal im Jahr die Bewältigung von Großschadenslagen realitätsnah zu trainieren. Vom 3. bis 7. Februar 2014 trainierten wieder 117 Studentinnen und Studenten der Länderpolizeien sowie der Bundespolizei und des Bundeskriminalamts in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Insgesamt waren rund 170 Personen an der diesjährigen Stabsrahmenübung beteiligt.

Erstmals wurde eine Übungssequenz einer Polizei­übung mit einem Simulationssystem begleitet. Damit ist u.a. die Abbildung von Kräfteverschiebungen in Echtzeit möglich, um dem übenden Stab ein möglichst wahrheitsgetreues Bild des Übungsverlaufes zu liefern.

Der neue ELW des Landes Sachsen-Anhalt verfügt damit nicht nur über eine zeitgemäße und leistungsfähige technische Ausstattung, sondern ist durch sein Aufbaukonzept geeignet, die Bekämpfung von Großschadenslagen/Katastrophen als sächliche Basis für eine Technische Einsatzleitung (TEL) abzusichern.

www.bbk.bund.de

www.mi.sachsen-anhalt.de

Die Studierenden mussten in verschiedenen Funktionen in Führungsstäben das ad-hocSzenario einer „harten Landung“ eines Verkehrsflugzeuges auf dem Flughafen Münster-Osnabrück bewältigen, bei der es Tote und Verletzte gab. Nach einem Wechsel der einzelnen Führungskräfte wurde ein neues

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Ultrarobuste Windenseile

Mitte Dezember hat der hessische Gesundheitsminister Stefan Grüttner in Wiesbaden 25 Voraus-Helfern Ausrüstung für ihre Einsätze überreicht: Notfallrucksäcke mit Einwegbeatmungsbeutel und Taschenmasken mit Sauerstoffanschluss. Im vergangenen Jahr haben rund 1.800 Voraus-Helfer in Hessen etwa 2.600 Einsätze geleistet. „Es sind ehrenamtliche Schutzengel, die vor Ort wohnen und 24 Stunden einsatzbereit sind. Sie werden zu internistischen, chirurgischen, pädiatrischen und sonstigen Notfällen gerufen. Oft bei lebensbedrohlichen Zuständen oder solchen, die es laut Meldebild werden könnten“, erklärte Regina Radloff, stellvertretende DRK-Landesbereitschaftsleiterin. „Die Arbeit ist zu 100% ehrenamtlich, einen Dienstplan gibt es deshalb nicht.“

Die Firma Seilflechter bietet eine neue Generation von Windenseilen aus hochfestem Dyneema®-Fasergeflecht an, die gemäß DIN EN 14492-1:2006 „Krane – Kraftgetriebene Winden und Hubwerke“ geprüft sind. Durch das extrem verdichtete Material und die spezielle Oberflächenvergütung gegen Abrieb weisen die Windenseile eine mit Stahlseilen vergleichbare Festigkeit auf, sind aber im Vergleich dazu achtmal leichter. Besondere Eigenschaften sind laut Hersteller die Langlebigkeit, hohe Flexibilität, verbesserte Laufeigenschaften, optimale Wicklung auf der Seiltrommel sowie Resistenz gegen UVLicht, chemische Umwelteinflüsse, Benzin und Öl. Zudem entfallen das Nachfetten und die Verletzungsgefahren, wie sie im Umgang mit Drahtseilen auftreten können.

Die Helfer fahren mit Privatautos. „Die Alarmierung erfolgt über Funkmeldeempfänger oder per SMS auf das Mobiltelefon des jeweiligen First Responders“, so Radloff. Alarmiert wird durch die Leitstelle des Landkreises, parallel zum Rettungsdienst. Von besonderer Bedeutung sei die Unterstützung durch Voraushelfer bei einem plötzlichen Herzstillstand. www.drk-hessen.de

Rettungshund des BRK erfolgreich Am Ende eines fast 20-stündigen Einsatzes in der ersten Januarwoche hat der Flächensuchhund Nico vom Klingsgarten von der Rettungshundestaffel des BRK ErlangenHöchstadt die gesuchte Frau gefunden. Nach einer Erstversorgung durch ein Team der BRK Bereitschaft Baiersdorf und durch eine Bergwachtärztin wurde die Frau vom Rettungsdienst auf die Intensivstation einer Erlanger Klinik gebracht. Begonnen hatte der Einsatz fast 20 Stunden zuvor. Neben dem Einsatzleiter Rettungsdienst zur Koordinierung rückten die Bereitschaft Höchstadt, die Bergwacht Erlangen und die Rettungshundestaffel zur Suche aus. Gemeinsam mit Einheiten der Feuerwehren und der Polizei wurde bis tief in die Nacht nach der Person gesucht. Am nächsten Tag wurde die Suche mit mehr Personal intensiviert, aufgrund der örtlichen Gegebenheiten mit Weihern kamen nun auch Wasserrettungseinheiten zum Einsatz. Es wurden auch mehr Einheiten der Rettungshundestaffeln, des Sanitätsdienstes und der Bergrettung eingesetzt sowie die Sanitätseinsatzleitung mit Unterstützungsgruppe alarmiert. Insgesamt waren 66 Kräfte und 5 Hunde im Einsatz.

Herzstück der Dyneema®-Windenseile ist ein Hochmodul-Polyethylen (UHMPE) mit einer Gebrauchsdehnung von unter 1,0%, einem Schmelzpunkt von über 140 °C und einer siebenfach geprüften Nutzlast gemäß Norm. Die Seile sind mit Hightech-Sicherheitshaken ausgestattet und sofort einsatzbereit. Neu ist die met allver st ärk te H a ke n s c h l a u f e (bis 14 mm Seild urchm e s s er) , die den Seilverschleiß an der Öse reduziert. Die Seile sind in Stärken von 8 bis 18 mm sowie Bruchlasten zwischen 5.500 und 26.500 daN lieferbar.

www.brk-erlangen.de

www.seilflechter.de

Röder HTS Höcker GmbH

Hinter der Schlagmühle 1 63699 Kefenrod Telefon: +49 (0)6049 95 10-0 E-Mail: verkauf@roeder-hts.de Internet: www.roeder-hts.de

Zelt-Typ P10 P11 P12 P13 P16 P17 P20 P21 P22

Länge x Breite in Meter 5,00 x 4,75 m 4,00 x 5,90 m 6,00 x 5,65 m 6,00 x 5,90 m 8,00 x 5,65 m 8,00 x 5,90 m 10,00 x 5,65 m 10,00 x 5,90 m 12,00 x 5,90 m

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Seitenhöhe in Meter 1,70 m 1,90 m 1,70 m 1,90 m 1,70 m 1,90 m 1,70 m 1,90 m 1,90 m

Preis in Euro zzgl. MwSt. 990,00 € 1.030,00 € 1.200,00 € 1.240,00 € 1.465,00 € 1.520,00 € 1.645,00 € 1.735,00 € 1.975,00 €

Weitere Ausstattungen auf Anfrage.

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NEWS

25 Rucksäcke für Voraus-Helfer


RETTUNG/SANITÄT

Rettung aus unwegsamem Gelände im Winter:

Techniken und Taktiken im Einsatz­ bereich der Bergwacht Hessen F. Köster Trotz des prognostizierten Klimawandels schreiten der Ausbau von be­ reits bestehenden Skigebieten sowie auch deren Neuerschließung in den Mittelgebirgen immer weiter voran. Sowohl der Skitourismus als auch der Bergrettungsdienst befinden sich dadurch in einem stetigen Wandel. Die zu Beginn eher sporadische und teilweise stark improvisierte Alarmierung der Bergwacht im Mittelgebirge entwickelte sich bis heute zu einer professio­ nellen Vorhaltung durch beauftragte Leistungserbringer für die Rettung aus unwegsamem Gelände. So ist z.B. auch in den hessischen Mittelgebirgen der Einsatz der Skiwacht nicht mehr wegzudenken, da die permanente Ver­ fügbarkeit von rein ehrenamtlichem Personal weder zeitgemäß noch reali­ sierbar ist.

Die Bergwacht in Hessen ist eine eigenständige ehrenamtliche Gemeinschaft innerhalb des DRK-Landesverbands Hessen und gliedert sich in einzelne Bereitschaften, die auf die Rettung aus unwegsamem Gelände spezialisiert sind.

Die Einsatzschwerpunkte liegen hierbei in den Ski-, Kletter- und Wandergebieten der hessischen Mittelgebirge und teilweise auch im Bereich der Höhenrettung im urbanen Raum. Die hierfür notwendige Vorhaltung und auch die Einsätze der Bergwacht werden dabei bis heute rein über ehrenamtliches Engagement abgedeckt. Die Bereitschaft Willingen ist in diesem Zusammenhang – zusammen mit der Bereitschaft in Bad Wildungen – für die Sicherstellung der Rettung aus unwegsamem Gelände im Landkreis Waldeck-Frankenberg zuständig. Da sich in Willingen, neben der Wasserkuppe in der Rhön, das größte hessische Skigebiet befindet (Abb. 2), ist auch die Einsatzfrequenz der Willinger Bergwacht im Vergleich höher als in anderen Mittelgebirgsregionen in Hessen. Im Folgenden

Abb. 1: Versorgung eines Verletzten auf der Skipiste

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RETTUNG/SANITÄT Abb. 2: Skigebietskarte Willingen (Upland), primäres Wintereinsatzgebiet der Bergwacht Willingen

soll anhand des Skigebiets Willingen (Upland) diese Entwicklung der Bergwacht verdeutlicht werden. Traditionell werden verletzte und erkrankte Personen aus winterlichem Gelände in Deutschland zum größten Teil von Einsatzkräften der Bergwacht versorgt und dem bodenoder luftgebundenen Rettungsdienst zugeführt. Diese Aufgabe ist für die hessische Bergwacht im Hessischen Rettungsdienstgesetz (HRDG) verankert und wird nach regionalen Erfordernissen in den jeweiligen Bereichsplänen näher konkretisiert. Um diese Aufgaben erfolgreich erfüllen zu können, bedient sich die Bergwacht einiger nicht alltäglicher Rettungsmittel. Im Sommer kommen häufig die allradgetriebenen Gerätewagen Bergrettung (GWBRett, Abb. 3) und das All Terrain Vehicle (ATV, Abb. 4) sowie die Gebirgstrage zum Einsatz. Im gebirgigen winterlichen Gelände dominieren hingegen der „traditionelle“ Ackja bzw. Motorschlitten und ATV mit Raupenketten das Einsatzgeschehen. Da der Ackja als Rettungsmittel auch in schwierigstem und steilem Gelände mit Seilsicherung verwendet werden kann, hat dieses doch schon sehr alte Rettungsmittel bis dato seine Einsatzberechtigung auch im Mittelgebirge noch nicht verloren. Spezielle Modelle sind zudem teilbar, sodass das gesamte Rettungsgerät bei Bedarf auch nur mittels „Muskelkraft“ durch zwei Bergretter zum Verletzten transportiert werden kann. Hierdurch werden auch Einsatzstellen erreichbar, die keinen Zugang für die „üblichen“ Einsatzfahrzeuge bieten.

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Bei längeren Anfahrts- und Transportstrecken empfehlen sich, wo möglich, primär natürlich motorisierte Rettungsmittel wie der Motorschlitten und das ATV. Durch deren Einsatz lässt sich das therapiefreie Intervall entsprechend verkürzen. Da im Bereich Willingen häufig die Zufahrt zu den einzelnen Skihängen mit dem Queren von Straßen verbunden ist, werden hier im Winter nur noch ATV mit Raupenbändern verwendet. Diese erhöhen die Reichweite der Einsatzkräfte, sind anwenderfreundlich und durch den Betrieb auf Niederdruckreifen auch ganzjährig verwendbar. Die ATV werden mit zwei Bergrettern betrieben und sind u.a. mit Notfallrucksack, AED, Spineboard, Wärmebergesack und speziellem Material zur Bergrettung ausgestattet. Beide in Willingen vorgehaltene Bergrettungs-Fahrzeuge sind identisch ausgerüstet und bezüglich Technik und Fahrverhalten bedienungsgleich. Hierdurch ergeben sich im Rahmen der Ausbildung und auch im Einsatzgeschehen entsprechende Synergieeffekte.

Frank Köster DRK Bergwacht Hessen, Bereitschaft Willingen leitung.willingen@bergwacht-hessen.de

Tab. 1: Anzahl der verletzten Skifahrer in Relation zu den Einsatzzahlen der Bergwacht Willingen Wintersaison

Skifahrer pro 1 Verletzter

Verletzte/Skitag

Gesamteinsätze des Jahres

2007/2008

2.385

0,5

87 (2008)

2008/2009

1.537

0,75

165 (2009)

2009/2010

1.383

1,6

240 (2010)

2010/2011

2.368

0,8

154 (2011)

2011/2012

1.651

1,08

176 (2012)

2012/2013

1.280

1,5

213 (bis 8.12.2013)

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RETTUNG/SANITÄT

Tab. 2: Umfang der medizinischen Mindestausbildung in der Bergwacht Hessen Allgemein

UE

• Erste-Hilfe-Ausbildung gemäß den anerkannten Grundsätzen der Hilfsorganisationen

16*

Notfallmedizinische Grundausbildung der Bergwacht • Notfallmedizin im alpinen und unwegsamen Gelände

3*

• Anatomie und Physiologie des menschlichen Körpers

5*

• Störungen der lebenswichtigen Funktionen

15*

• internistische Notfälle

16*

• chirurgische Notfälle

27*

• thermische Notfälle

6*

4*

sonstige Notfälle – Vergiftungen – gynäkologische Notfälle und Geburt – Stromunfall und Blitzschlag

• spezielle Notfälle in der Bergrettung

5*

• psychiatrische Notfälle inkl. Umgang mit der eigenen Belastung

4*

• Anleitung zum Umgang mit notfallmedizinischem Einsatz-/Rettungsgerät

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gesamt *theoretische und praktische Inhalte

Abb. 3: Gerätewagen Bergrettung, Bergwacht Hessen 13/99/1

Abb. 4: ATV, Bergwacht Hessen 13/89/2 im Winterbetrieb

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Entwicklung der Einsatzzahlen bei der Bergwacht Willingen Entsprechend der Entwicklung des Tourismus kann man auch anhand der Einsatzzahlen der Bergwacht in Sommer- wie Winterzeiten einen stetigen Anstieg feststellen (Tab. 1). Für den Winter sind hier die höhere Anzahl der Skitage und damit verbunden die höhere Besucherzahl ausschlaggebend. Aber auch die infrastrukturellen Gegebenheiten haben sich geändert. Für das Skigebiet Willingen gilt, dass seit dem Dezember 2007 für alle Skihänge Beschneiungsmöglichkeiten vorgehalten werden. Dies dient vor allem dazu, die Schneesicherheit zu erhöhen, wenn die Temperaturen niedrig sind, aber kein natürlicher Schneefall zu verzeichnen ist. Erstaunlicherweise verändert sich aber trotz der zunehmenden Anzahl der Skifahrer die Anzahl der Einsätze nicht wesentlich. So kommt im Vergleich der letzten sechs Winter im Durchschnitt ein Verletzter auf 1.767 Skifahrer. Dies entspricht einem Verletztenanteil von 0,5% der Skifahrer in den vergangenen sechs Wintersaisons. Gemessen an den Skitagen sind dies dann 1,03 Verletzte pro Skitag inklusive der Flutlicht-Skifahrten.

Einsatzbewältigung, Einsatztaktik Im Skigebiet Willingen sind die verschiedenen Skilifte je nach Wetterlage nicht grundsätzlich untereinander mit Skiern erreichbar. Dies wirkt sich selbstverständlich auch auf die Einsätze der Bergwacht aus. Je nach Wetterlage muss hier unter Umständen eine weitere Anfahrt durchgeführt werden, da die Skipisten teilweise die Wege nicht kreuzen. Hier bewähren sich immer wieder die ATV, da auf diese Weise auch ein Befahren und vor allem Queren von Verkehrsstraßen gut und sicher möglich ist. Die eigentliche Rettung von verletzten Skifahrern erfolgt bis auf wenige Ausnahmen ausschließlich klassisch von „oben nach unten“. Dies hat mehrere Gründe: Zum einen rechnen Skifahrer nicht verlässlich mit motorisierten Fahrzeugen, die ihnen entgegenkommen. Zum anderen sind das Absuchen eines Skihanges und das daran anschließende Anfahren an den Patienten talwärts einfacher zu handhaben. Auch der Abtransport Richtung Tal ist daraufhin schneller und leichter. Aber auch die Übergabe an den straßengebundenen Rettungsdienst findet selbstverständlich im Tal statt. Sollte eine Übernahme durch den luftgebundenen Rettungsdienst erfolgen, stehen hierfür

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RETTUNG/SANITÄT

folgende Rettungshubschrauber (RTH) zur Verfügung: • „Christoph 7“ (Kassel) • „Christoph 44“ (Göttingen) und • „Christoph 25“ (Siegen). Die Anforderung erfolgt über die regional zuständige ILS Waldeck-Frankenberg in Korbach. Bei entsprechender Verfügbarkeit des RTH kann dann abhängig von der jeweiligen Einsatzlage entschieden werden, wo die Übergabe stattfindet. Für eine Windenrettung z.B im dichten Fichtenbestand besteht zudem die Möglichkeit des Zugriffs auf entsprechend ausgerüstete Hubschrauber der Bundes-/Landespolizei. Für den Ablauf der Alarmierung dieser Ressource hat die Bergwacht Hessen gemeinsam mit den Hubschrauberbetreibern entsprechende Standardverfahren entwickelt (Abb. 5). Diese sind jedem Bergwacht-Einsatzleiter bekannt. Die Ausbildung der Bergwacht-Einsatzkräfte im Bereich Luftrettung erfolgt mittlerweile bundesweit einheitlich über das Bergwacht-Zentrum für Sicherheit und Ausbildung (BWZSA) in Bad Tölz. Hier besteht die in Deutschland bisher einmalige Möglichkeit der Schulung sämtlicher Standardverfahren der Luftrettung realitätsnah an entsprechenden HubschrauberSimulatoren (Abb. 6). Die medizinische Versorgung durch die Bergwacht-Einsatzkräfte richtet sich nach der jeweiligen taktischen Lage und der medizinischen Qualifikation des eingesetzten Personals. Mindeststandard ist die Grundausbildung Notfallmedizin, die alle eingesetzten Kräfte durchlaufen und die in Hessen mit einem Umfang von mind. 120 Stunden Theorie und Praxis standardisiert ist (Tab. 2). Lokale Unterschiede im Versorgungsumfang ergeben sich für den Patienten ggf. „nur“ noch in der Anwendung von erweiterten Versorgungsmaßnahmen (EVM).

SOP I Luftrettungseinsatz Bergwacht (regional)

BW EL stellt Indikation für Windeneinsatz

 Ankündigung eines Luftrettungseinsatzes

Anruf nächste FEZ: BPol 0561 93674099 LPol 06103 205670

ja

 Einsatzort (UTM/GPS)  Einsatzart

Anfrage, ob Winden­ maschine verfügbar!

 Ansprechpartner vor Ort (Mobiltelefon)  BW-ARS in ausreichender Zahl (2) vor Ort?

nein ja Verbindungsaufnahme

 Hinweis, dass die offizielle Anforderung über die zuständige Rettungsleitstelle erfolgt!

zweite FEZ

nein bodengebundene Rettung

Anforderung des Hubschraubers mit Winde über die zuständige Rettungsleitstelle

und Transportmaßnahmen der Bergrettung ein erhebliches Versorgungsplus für die Patienten darstellt. Der Umfang der bergwachtspezifischen Abarbeitung des Einsatzes erfolgt primär nach den jeweiligen Notwendigkeiten im Bereich der Absicherung für Patient und Personal. Die professionelle Abwicklung des Einsatzes wird über einen hierfür speziell qualifizierten BergwachtEinsatzleiter sichergestellt. 

Abb. 5: Standardverfahren der Bergwacht Hessen zum Einsatz von windengestützten Luftrettungsmitteln in Hessen

Abb. 6: Simulator-Ausbildung im BWZSA Bad Tölz

Im Bereich Willingen wurden durch den zuständigen Ärztlichen Leiter Rettungsdienst des Landkreises Waldeck-Frankenberg auch für die Rettungsassistenten der Bergwacht Hessen Algorithmen im Rahmen der erweiterten Versorgungsmaßnahmen freigegeben. Hierzu zählt u.a. auch die Möglichkeit einer Analgosedierung mit Midazolam® und Esketamin®, was im Hinblick auf die im Vergleich zur „Straßenrettung“ doch recht umfangreichen Rettungs-

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RETTUNG/SANITÄT

Die weiße Gefahr:

Rettungstechnische und medizini­ sche Aspekte bei Lawinennotfällen R. Seibert Ein erhöhtes Risiko und vermehrte Unsicherheiten sind natürliche, wesent­ liche Elemente, denen sich jeder Schneesportler im winterlichen Gebirge mehr oder minder bewusst aussetzt. Wer in die Berge geht, nimmt bereit­ willig diese Risiken für das besondere Erleben und die Faszination bei der Ausübung dieser Aktivitäten in Kauf. Lawinennotfälle stellen für die Ret­ tungskräfte eine äußerst komplexe und organisatorisch schwierige Einsatz­ situation dar. Nicht nur der Einsatzort, der per se in einem Gefahrenbereich liegt, in dem man sich eigentlich nicht unbedingt lange aufhalten will, lässt solche Einsätze zu einem Rennen um die Zeit werden. Auch die notfall­ medizinischen Maßnahmen unterscheiden sich zum Teil von den gewohnten Standards und erfordern ein rasches, zielgerichtetes Handeln. Dieser Beitrag vermittelt neben einem allgemeinen Überblick über die Gefahren von La­ winen hauptsächlich die besonderen rettungstechnischen und notfallmedizi­ nischen Aspekte der Lawinenrettung.

Im verschneiten (Steil-)Gelände ist stets mit einer latenten Lawinengefahr zu rechnen. Sie ist besonders heimtückisch, da sie für die „Betroffenen“ oft gar nicht ersichtlich ist. Mit dem

Ausspruch „die Lawine stinkt nicht“ bringt der Schweizer „Lawinenpabst“ Werner Munter das hieraus resultierende Dilemma für Schneesportler, aber auch professionelle Rettungskräfte treffend auf den Punkt. Zwar haben Lawinenverschüttungen nur einen eher geringen Anteil (3,5%) an den tödlichen Wintersportunfällen (Abb. 2), doch aufgrund ihrer Dramatik und dadurch meist hohen medialen Präsenz rücken sie doch überproportional oft ins öffentliche Interesse. Erinnert sei z.B. an die Lawinenkatastrophe von Galtür im Februar 1999, die das im hinteren Paznaun gelegene Dorf teilweise verschüttete und eines der größten Lawinenunglücke in der Geschichte Österreichs darstellte. Lawinen solchen Ausmaßes sind jedoch meist selten und treten nur in Wintern mit ungewöhnlich ergiebigen Niederschlägen auf. Sie werden daher auch

Abb. 1: Faszination Tourengehen: So schön die Szenerie auch scheint, die Lawinengefahr ist permanent präsent

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Für Schneesportler viel gefährlicher, da prinzipiell über die gesamte Jahreszeit latent vorhanden, ist die Schneebrettlawine. Der Begriff beschreibt, dass eine ganze Schneemasse „wie ein Brett“, meist aufgrund einer zusätzlichen Belastung der Schneedecke, auf einmal abgeht. Schneebretter werden dabei fatalerweise meist durch den Schneesportler selbst ausgelöst, sobald er sein Gewicht über eine kritische Stelle im Hang, den „Hot Spot“, bewegt. Charakteris­ tisches Kennzeichen einer Schneebrettlawine ist der linienförmige, scharfkantige Anriss quer zum Hang. Infolge der vorbenannten Zusatz­ belastung (Druck ) geraten ausgedehnte Schichten der Schneedecke, die oft aus Triebschnee bestehen, auf einer sich durch Witterungseinflüsse über den Winter bildenden Gleitschicht ins Rutschen und gehen zunächst zusammenhängend ab (Schub ). Im Verlauf des Abgangs kann sich eine Schneebrettlawine auch zu einer Staublawine entwickeln. Besonders gefährdet sind hierbei windabgewandte Schattenhänge, Mulden und Rinnen, in denen sich häufig große Mengen an Triebschnee sammeln und aufgrund der geringen Sonneneinstrahlung auch über eine lange Zeit konservieren können. Als weiterer kritischer Aspekt für die Lawinenauslösung ist die Hangneigung zu beachten. Grundsätzlich können Schneebrettlawinen ab einer Hangneigung von ca. 25° auftreten, wobei zwischen 35° und 45° die Auslösegefahr am größten ist (Abb. 3).

Prävention Eine wichtige Grundlage, um Gefahrenstellen im Gelände zu erkennen, sind die Informationen des Lawinenlageberichts (LLB). Die Gefahrenstufen (Tab. 1) geben einen groben Überblick über die Schneedeckenstabilität und damit über die aktuelle Auslösewahrscheinlichkeit von Lawinen. Zusatzinformationen geben Auskunft über die Lage und die Geländemerkmale der Gefahrenstellen und die Ursache des aktuellen Lawinenproblems. Der LLB spielt in der „Neuen Lawinenkunde“, bei der in einen strategischen und einen analytischen Ansatz unterteilt wird, eine wesentliche Rolle (Abb. 4). Die strategische Lawinenkunde (Reduktionsmethode: Munter, 2002; Stop or Go: Larcher,

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3,5 %

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eher unter dem Oberbegriff Naturkatastrophen einsortiert.

3,5 %

6,8 %

13,8 %

58,6 %

13,8 %

internistischer Notfall Aufprall auf Hindernis

Sturz, Stolpern, Ausgleiten Kollision

2001; SnowCard: Engler u. Mersch, 2001) soll dem Schneesportler helfen, die Lawinengefahr einzuschätzen, und beantwortet damit letztendlich die Frage, ob ein Hang befahrbar/begehbar ist oder nicht. Diese auf Checks bestimmter Faktoren (Abb. 5) aufbauende Methode ist seit Jahren fester Bestandteil in den meisten alpinen Ausbildungssystemen.

Lawine Sonstiges

Abb. 2: Ursachen für tödliche (Winter-)Sportunfälle (Nov. 2001 bis Juni 2012 Österreich gesamt)

Die analytische Lawinenkunde beschäftigt sich hingegen konkret mit dem Schneedeckenaufbau im jeweiligen Gelände. Mit teils (zeit-)aufwendigen Tests wird der Schneedeckenaufbau über die gesamte Periode analysiert, um mit den hieraus gewonnenen Ergebnissen eine Aussage über die aktuelle Gefahrensituation treffen zu können. Diese Methode fordert vom Anwender tiefer gehendes Wissen und entsprechende Erfahrung im Bereich der Lawinenkunde, worüber der „Otto-Normal-Schneesportler“ in der Regel nicht verfügt. Egal ob analytische oder strategische Herangehensweise: Eine absolute Sicherheit zum Ausschluss von Lawinenabgängen im zu begehenden Gelände kann es nicht geben. Es bleibt stets ein Restrisiko, das unter Beachtung der vorgenannten Methoden „nur“ auf ein verträgliches Maß reduziert werden kann. Munter ist z.B. der Ansicht, dass bei konsequenter Anwendung der von ihm begründeten Redukti-

Ralf Seibert Bergwacht Hessen Riedstraße 6c 63454 Hanau-Mittelbuchen ralfseibert@alice.de

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Druck

z. B. durch Gewicht eines Skifahrers

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ub Sch a = 35 – 45° Abb. 3: Auslösen einer Schneebrettlawine, besonders gefährdet sind Hänge mit einer Steilheit zwischen 35° und 45°

onsmethode (3×3-Filter) das Restrisiko einer Verschüttung etwa 1:100.000 beträgt. Dies entspricht dem Risiko einer anspruchsvollen Bergwanderung und wäre somit sicherlich als verträglich einzustufen. Neben der praktischen Anwendung aus dem Wissen der Lawinenkunde ist die Mitführung einer standardisierten Lawinennotfallaus­ rüstung das zweite wichtige Standbein in der Prävention von Lawinennotfällen. Die Standardausrüstung (Tab. 2) sollte für jeden Schneesportler, der sich in freies (Ski-)Gelände

Tab. 1: Europäische Lawinengefahrenskala Gefahrenstufe

Schneedeckenstabilität

1  gering

Die Schneedecke ist allgemein gut verfestigt und stabil. Generell günstige Verhältnisse für den Aufenthalt im ungesicherten alpinen (Ski-)Raum.

2  mäßig

Die Schneedecke ist an einigen Steilhängen (> 30°) nur mäßig bis schwach verfestigt. Etwa 30% aller tödlichen Lawinenunfälle ereignen sich bei dieser Gefahrenstufe.

3  erheblich

Die Schneedecke ist an vielen Steilhängen (> 30°) nur mäßig bis schwach verfestigt. Rund 50% aller tödlich verunglückten Lawinenopfer waren bei dieser Gefahrenstufe im Gelände unterwegs.

4  groß

Die Schneedecke ist an den meisten Steilhängen (> 30°) schwach verfestigt. Es wird empfohlen, sich bei dieser Gefahrenstufe nur im gesicherten Skiraum (Piste) aufzuhalten.

5  sehr groß

Die Schneedecke ist allgemein schwach verfestigt und weitgehend instabil. Der Aufenthalt im ungesicherten Skiraum stellt eine große Gefahr dar!

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begibt, obligat sein. Bei der Zusatzausrüstung hat sich spätestens seit dem Winter 2012/2013 der sogenannte Lawinenrucksack als Gegenstand der ersten Wahl etabliert. Die Funktionsweise dieses „Selbstrettungsgerätes“, das eine Ganzverschüttung verhindern soll, ist bei allen der derzeit noch überschaubaren Anzahl von Anbietern ähnlich. Es arbeitet nach dem Prinzip der inversen Segregation, das besagt, dass in einer bewegten Masse die großen Teile oben aufschwimmen. Um diesen Effekt bei einem Skifahrer in einer Lawine zu unterstützen, sind in den Lawinenrucksäcken Luftsäcke integriert, die nach manueller Aktivierung das Volumen des Schneesportlers um 150 bis 200 Liter erhöhen können. In Bergrettungsorganisationen beginnt sich dieses System als Teil der persönlichen Schutzausrüstung (PSA) speziell für den Einsatz auf der Lawine aktuell ebenfalls zu etablieren.

Erstmaßnahmen/Kameradenrettung Die Wahrscheinlichkeit, einen Lawinenunfall zu überleben, hängt entscheidend von der Art der Verschüttung ab. Während die Mortalität (Todesrate) bei einer Ganzkörperverschüttung (Kopf und Oberkörper sind verschüttet) ca. 50% beträgt, liegt sie bei Teilverschüttung (Kopf und Oberkörper frei) nur bei rund 3% und kommt überwiegend durch tödliche Verletzungen zustande. Bei der Ganzverschüttung sind Sauerstoffmangel und konsekutives Ersticken die Haupttodesursache. Die Gesamtmortalität einer Lawinenverschüttung liegt bei 22%. Die ersten 18 Minuten in einer Lawine im freien Gelände überleben 91% aller Verschütteten (Überlebensphase). Todesfälle in dieser Phase sind fast ausschließlich durch letale Verletzungen bedingt. Die erste Richtzeit für die Rettung von Lawinenopfern beträgt demnach 18 Minuten. Da diese in der Regel nur durch Personen eingehalten werden kann, die den Lawinenabgang/die Verschüttung unmittelbar beobachtet haben, ist eine schnelle und effektive Kameraden­rettung der entscheidende Maßstab im Hinblick auf die Überlebensrate des Verschütteten. Die Suche nach und in der Folge das Ausgraben von Überlebenden nach einem Lawinenabgang hat daher oberste Priorität in der Abfolge der Rettungsmaßnahmen. Erst danach sollte der Lawinenkegel eventuell verlassen werden, um zu alarmieren, falls dies z.B. mittels Mobiltelefon

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Lawinenkunde

Die IKAR (Internationale Kommission für Alpines Rettungswesen) hat die einzelnen Suchphasen seit dem Winter 2010 einheitlich wie folgt definiert: • Signalsuche: kein Signal bis zum Empfang des ersten Signals (definiert als jedes beliebige Signal, das durch die folgenden Mittel empfangen werden kann: elektronisch, akustisch, visuell, Geruch, Tastsinn), • Grobsuche: erstes Signal bis zur unmittelbaren Umgebung des Suchziels, • Feinsuche: Suche in der unmittelbaren Umgebung des Suchziels bis zur Verwendung der Sonde, • Punktsuche: erster Sondenstich bis erster Sondentreffer. Bei der Rettung oder beim Ausgraben des Verschütteten muss penibel auf das Vorliegen einer Atemhöhle geachtet werden, da diese die Prognose des Verunfallten signifikant beeinflusst. Hierzu ist es wichtig, nur noch mit der Hand weiter zu graben, sobald man beim Ausgraben in die Nähe des Kopfes kommt. Vereiste Hohlräume vor dem Gesicht sind immer ein Hinweis auf eine vorhandene Atemhöhle. Nach dem Auffinden des Verschütteten erfolgt die Versorgung des Geretteten im Rahmen der Kameradenrettung entsprechend der (notfall-) medizinischen Kenntnisse der Anwesenden und des Zustands des Patienten. In der Regel kommen hierbei die aus der Ersten Hilfe bekannten Maßnahmen zur Anwendung.

Planmäßige Bergrettung bei Lawinenverschüttung Der Lawinenunfall stellt sicherlich eine der größten logistischen Herausforderungen für den Bergrettungsdienst dar. Es gilt einerseits keine Zeit zu verlieren, andererseits am Unfallort die nötige Umsicht und Sorgfalt walten zu lassen, um die Opfer und Helfer nicht zusätzlich in Gefahr zu bringen. Eine rasche und schonende Bergung der Verschütteten ist oberstes Gebot, allerdings muss das Risiko durch die Gefahr von Nachlawinen und andere witterungs­bedingte Gefahren immer so niedrig wie möglich gehalten werden. Bei einem Lawinenalarm ist im Hinblick auf das enge Zeitfenster nach Möglichkeit immer

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nicht schon unmittelbar nach dem Lawinen­ abgang erfolgen konnte.

analytischer Ansatz

• Schneedeckenuntersuchung •…

strategischer Ansatz • SnowCard • Stop or go • 3×3-Filter •…

• Gefahrenstufe n. LLB • Hangsteilheit • Hangexposition

Gefahreneinschätzung • im Stadium der (Touren-)Vorbereitung • kontinuierlich während des Aufenthalts im lawinengefährdeten Gelände

ein Helikoptereinsatz anzustreben. Mit dem ersten Flug sollten dabei unbedingt ein Lawinenhundeführer mit Hund und ein Notarzt an den Unfallort gebracht werden (dogs and docs first).

Abb. 4: Basisansätze in der Lawinenkunde zur Risiko­ minimierung für den Aufenthalt im schneebedeckten (Wintersport-)Gelände

Je mehr Verschüttete gemeldet werden, desto mehr Notärzte und Bergretter müssen an den Unfallort gebracht werden. Hierzu ist nach Verfügbarkeit z.B. eine bereits im Vorfeld definierte Zugriffsmöglichkeit auf Transporthubschrauber von Bundeswehr oder Polizei erstrebenswert. Jedes Mitglied des Rettungsteams sollte über eine komplette Lawinennotfallausrüstung (siehe Tab. 2) zum Eigenschutz verfügen. Für Notärzte ist der Einsatz von Schneeschuhen sinnvoller als der von Skiern, da sie ein Fortkommen auf der Lawine erleichtern und auch in einem üblichen RTH gut verstaut werden können. Die Richtzeit für die organisierte Rettung beträgt 90 Minuten. Wenngleich vereinzelt auch erfolgreiche Rettungen mit einer Verschüttungsdauer von weniger als sechs Stunden aus der Literatur bekannt sind, ist meist nach der vorbenannten Richtzeit nur noch eine Totenbergung wahrscheinlich.

Tab. 2: Lawinennotfallausrüstung Standardausrüstung

Fakultative Zusatzausrüstung

• Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS) • Lawinensonde • Lawinenschaufel

• Lawinenrucksack • AvaLung • Avalanche Ball (Lawinenball) etc.

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Die medizinischen Maßnahmen auf dem Lawinenfeld haben zum Ziel, den Sekundärtod von Verschütteten zu vermeiden. Eine sofortige und ausreichende Versorgung mit Sauerstoff und die Behandlung und/oder Vermeidung der Unterkühlung haben daher oberste Priorität. Die Kommission für alpine Notfallmedizin der IKAR (IKAR MEDCOM) hat hierfür einen einheitlichen Algorithmus für die Triage auf dem Lawinenfeld erstellt. Dieser eröffnet die Möglichkeit, Verschüttete mit Herz-KreislaufStillstand ohne Atemhöhle auf der Lawine für tot zu erklären und damit die aufwendige und in diesem Falle sinnlose Wiedererwärmung zu unterlassen und gleichzeitig die vorhandenen Ressourcen jenen Lawinenopfern zugute kommen zu lassen, die eine reale Überlebenschance haben. Die wichtigsten Grundlagen für die Behandlungsstrategie auf dem Lawinenfeld sind: 1. 2. 3. 4. 5.

Abb. 5: Algorithmus zur präklinischen Behandlung von Lawinenopfern (angelehnt an [2])

Abb. 6: Planmäßige Bergrettung: Suche nach einem Lawinenverschütteten (Foto: Olga v. Plate/Kiralpina.com)

Medizinische Aspekte Alle notfallmedizinischen Maßnahmen auf dem Lawinenfeld dienen ausschließlich dem Zweck, einerseits die Verschütteten rasch und schonend zu retten und sie nach den neuesten Richtlinien zu behandeln, andererseits die per se nur begrenzt vorhandenen Ressourcen möglichst effizient einzusetzen.

Vitalzeichen (Atmung, Kreislauf), Verschüttungsdauer, Atemhöhle, Körperkerntemperatur, sichtbares tödliches Trauma.

Bis zu einer Verschüttungsdauer von 35 Minuten zählt dabei jede Minute. Eine rasche Rettung (Ausgraben) und sofortige Reanimation, um Ersticken zu verhindern, haben in dieser Zeitspane Priorität. Bei über 35 Minuten Verschüttungsdauer sollte, sofern das Vorhandensein einer Atemhöhle als wahrscheinlich gilt, eine möglichst schonende und bewegungsarme Rettung mit anschließender optimaler Therapie der Hypothermie erfolgen. Es gilt hierbei der Grundsatz: „Nobody is dead, until he is warm and dead. “ Ursachen des Lawinentodes sind zu ca. 65% akutes Ersticken, zu ca. 20% das Triple-H-Syndrom (Hypoxie, Hyperkapnie, Hypothermie) und zu rund 15% Traumen als Folge des Mitgerissenwerdens in der Lawine.

Fazit Lawinennotfälle stellen für die Rettungskräfte eine hochkomplexe und zeitkritische Einsatz­situation dar. Dies gilt sowohl für die notfall­medizinischen als auch für die organisatorischen Anforderungen. Die Einsatzstelle liegt dabei vielfach im schwer zugänglichen und für die Retter in einem potenziell gefährlichen

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Abb. 7: Ausgraben einer ganzverschütteten Person. Beim Freilegen des Kopfes ist unbedingt auf das Vorhandensein einer Atemhöhle zu achten

Bereit für den Einsatz gereinigt, desinfiziert und imprägniert!

Gelände. Die per se schon knappen Mittel werden dadurch noch weiter begrenzt. Für den Verunfallten ist neben der Dauer der Verschüttung vor allem das Vorhandensein einer Atemhöhle signifikant für die Überlebenswahrscheinlichkeit. Zum effizienten Einsatz der vorhandenen Ressourcen bei Lawinennotfällen erarbeitet die IKAR Richtlinien, die in der Regel von den meisten Bergrettungsorganisationen übernommen und angewandt werden. 

Literatur: 1. Analyse: Berg; Winter 2012, Österreichisches Kuratorium für Alpine Sicherheit, Innsbruck, Austria: 9-11 2. Brugger H, Durrer B, Adler-Kastner L, Falk M, Tschirky F (2001) Field management of avalanche victims. Resuscitation 51: 7-15 3. Brugger H, Falk M, Kastner L (1997) Der Lawinennotfall. Neue Aspekte zur Pathophysiologie und Therapie von Lawinenverschütteten. Wien klin Wochenschr 109/5: 145-159 4. Brugger H, Durrer B, Adler-Kastner L (1996) On-site triage of avalanche victims with asystole by the emergency doctor. Resuscitation 31: 11-16 5. Brugger H, Flora G (2002) Möglichkeiten der Selbstrettung und posttraumatische Belastungsstörungen beim Lawinenunfall. Notarzt 18: 1-4 6. Brugger H, Falk M, Tschirky F, Buser O (1997) Der Einfluss des Lawinenverschüttetensuchgerätes auf die Letalität bei Lawinenverschüttung. Der Notarzt 13: 143-146 7. Grissom CK, Radwin MI, Harmston CH, Hirshberg EL, Crowley TJ (2000) Respiration During Snow Burial Using an Artificial Air Pocket. JAMA 283: 2266-2271 8. Durrer B, Brugger H, Syme D (2001) Advanced Challenges in Resuscitation: Special Challenges in ECC - Hypothermia. Resuscitation 50: 243-246 9. Elsensohn F (2002) Consensus Guidelines on Mountain Emergency Medicine and Risk Reduction, ICAR and UIAA MEDCOM, Casa editrice Stefanoni, Lecco 10. Dr. Christian Gruber und Dr. Peter Schatzl, Universität Salzburg, WS 2008/2009, Vorlesung Geomedizin

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11. Würtl W et al. (2011) Lawinenfibel. 7. Aufl. Österreichisches Kuratorium für Alpine Sicherheit, Innsbruck, Austria

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Katastropheneinsatz real und digital:

Die US-Ostküste nach Hurrikan „Sandy“ C. Dennenmoser Im Oktober und November des Jahres 2012 sorgte Hurrikan „Sandy“ für einen der größten Einsätze in der Geschichte der US-amerikanischen Hilfs­ organisationen und – den Angaben der Versicherungen zufolge – für den zweithöchsten finanziellen Schaden. Zahlreiche Gebäude und ganze Stadt­ viertel vor allem in New Jersey und New York fielen dem Sturm und den Fluten zum Opfer. Eine Vielzahl von Menschen lebt auch noch Monate nach dem Sturm in Notunterkünften. Dieser Artikel beleuchtet den Einsatz des Amerikanischen Roten Kreuzes und des digitalen Netzwerks HumanityRoad. Für beide Organisationen ein äußerst zeit- und ressourcenintensives Unter­ fangen.

Im Gegensatz zu Tornados, die nur relativ kurzfristig vorhergesagt werden können, kündigt sich ein Hurrikan normalerweise Tage vor dem Eintreffen an. So war auch die Fortentwicklung von Hurrikan „Sandy“ langfristig und grob berechenbar, und es war vorhersehbar, dass er auf die Ostküste der USA treffen würde. Allerdings war es für die Fachleute nicht vorhersagbar, dass die Auswirkungen derart gravierend wer-

den würden. Nachdem Hurrikan „Isaac“ im Jahr zuvor trotz Vorwarnungen bei weitem nicht die schweren Folgen hatte, die befürchtet worden waren, kursierten in den USA im Vorfeld des Sturms zahlreiche Witze darüber, wie die New Yorker sich auf einen Sturm vorbereiten, indem sie „Hurricane Parties“ planen und „Sturmcocktails“ generieren, während sich Menschen in anderen Staaten in die Schutzräume begeben. Bereits Mitte Oktober war der Sturm beobachtet worden. Am 24. Oktober traf er erwartungsgemäß auf Jamaica, noch als Sturm der Kategorie 1, also vergleichsweise schwach. Allerdings sorgte er auch dort für Schäden und Überflutungen. Zu diesem Zeitpunkt starteten auch die Freiwilligen von HumanityRoad ihr Monitoring der Situation und bereiteten sich auf eine Verschärfung der Lage auf dem weiteren Weg des Sturms vor. Die nächsten Stationen auf dem Weg von „Sandy“ waren die Dominikanische

Abb. 1: Das Amerikanische Rote Kreuz erhielt auch Unterstützung durch die kanadischen und mexikanischen Schwestergesellschaften

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Republik und Haiti. Am 25. Oktober gab der Präsident von Haiti, Michel Martelly, über Face­ book u.a. die Sperrung einer überfluteten Brücke über den Fluss Arcahaie bekannt und rief in der weiteren Folge den Notstand aus. Aufgrund der Vorhersagen über den weiteren Verlauf von „Sandy“ entlang der Ostküste der USA begannen die HumanityRoad-Helfer über Twitter und Facebook Warnungen und Tipps zur Vorbereitung zu verbreiten. Zunächst für die Staaten Florida und Connecticut. Außerdem begannen die Freiwilligen, das „Event Diary“ zu füllen: ein Dokument, auf dem relevante Telefonnummern, Internet-Auftritte usw. der im Schadensgebiet ansässigen Hilfsorganisationen aufgeführt sind. Dieses Dokument wird im Falle solcher Ereignisse auf der Homepage der Organisation (www.humanityroad.org) veröffentlicht und wiederum über soziale Medien verlinkt.

Vielseitige Hilfestellungen Am selben Tag, dem 26. Oktober 2012, wandte sich ein Mann aus Großbritannien an Huma­ nityRoad – in der Person der Vizepräsidentin Catherine Graham –, nachdem er eine Nachricht eines Freundes aus der Dominikanischen Republik erhalten hatte, der samt seiner Familie und weiterer Dorfbewohner von steigenden Wassermassen eingeschlossen war. Nach kurzer Recherche und unter Einbeziehung eines Spanisch sprechenden Mitglieds der Gruppe konnte eine Telefonnummer der Dominikanischen Navy SAR recherchiert und die Einheit verständigt werden. Durch diesen Einsatz konnten etwa 70 Menschen gerettet werden. Weitaus weniger dramatisch war eine weitere Hilfestellung eines Mitglieds, dessen Frau am 29. Oktober Warnmeldungen via Facebook verbreitete, die auf die Sperrung von Flughäfen hinwiesen. Eine ihrer Netzbekanntschaften aus Großbritannien fragte daraufhin zurück, ob der Heimflug der Tochter aus Atlanta von den Sperrungen betroffen sei. Nach kurzer Recherche konnte dem Vater mitgeteilt werden, dass der Flug mit leichter Verspätung starten würde. Das Team „Disaster Animals“ (ein „Sub-Team“ innerhalb von HumanityRoad) erhielt am selben Tag ebenfalls eine Anfrage einer Tierbesitzerin aus New Jersey, die eine Notunterkunft für sich und ihre Tiere suchte. Auch ihr konnte durch Zusendung einer Liste entsprechender Notunterkünfte geholfen werden.

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Abb. 2: Mit gespendeten Computern richtete Humanity­Road ein InternetCafé ein, das sehr regen und dankbaren Zuspruch fand

Massiver Personaleinsatz beim Roten Kreuz Auch beim American Red Cross (ARC) liefen die Aktivitäten auf Hochtouren. Man hatte sich gut vorbereitet. Ab dem 24. Oktober standen Helferinnen und Helfer aus allen US-Bundesstaaten in Bereitschaft. Schwerpunkte der Tätigkeit des ARC bei Katastrophen sind das Betreiben von Notunterkünften und die Verteilung von Lebensmitteln und/oder Mahlzeiten. Hier arbeitet das Rote Kreuz überwiegend mit der Southern Baptist Church zusammen, die einen Großteil der Räumlichkeiten stellt und auch die Mahlzeiten vorbereitet bzw. kocht. Insgesamt 11 Staaten waren vom Hurrikan „Sandy“ betroffen und die entsprechenden Rotkreuzverbände gefordert. Dies führte zwangsläufig zu unmittelbaren Engpässen, vor allem in den am schlimmsten betroffenen Gebieten in New Jersey und New York. Bis die benötigten Einheiten herangeführt und die betroffenen Gebiete erreicht werden konnten, verging Zeit – aus Sicht der Betroffenen zu viel Zeit. Verständlicherweise entlud sich die Frustration zum großen Teil über die sozialen Medien: Sowohl über Twitter als auch über die Facebook-Pinnwände machten Betroffene oder deren Verwandte ihrem Ärger Luft. Nur zu gerne wurde dabei der Bezirksbürgermeister von Staten Island, James P. Molinaro, zitiert, der spontan in einem Fernsehinterview seine Wut zum Ausdruck brachte und dazu aufrief, nicht an das Rote Kreuz zu spenden. Zwar widerrief er seine Äußerung kurz darauf, doch dies fand weit weniger Verbreitung als sein erster Appell. Allerdings dienten die Social-Media-Auftritte des Roten Kreuzes nicht nur als Plattformen

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RETTUNG/SANITÄT Abb. 3: Angehörige der Southern Baptist Church bereiten die Mahlzeiten zu, die dann durch Rotkreuzhelfer ausgegeben werden

für Lob oder Kritik, sondern auch als Anlaufstelle für vielfältige Gesuche um Hilfe oder Rat. Um dieser Flut an Anfragen begegnen zu können, hatte die Social-Media-Abteilung in der Zentrale in Washington bereits Monate zuvor eine Gruppe ehrenamtlicher „Disaster Digital Volunteers“ konzipiert und ausgebildet, die als digitale Katastrophenhelfer das ARC unterstützten. „Erste Überlegungen, eine solche Gruppe aufzustellen, entstanden bereits 2010 nach dem Erdbeben in Haiti,“ erläutert Gloria Huang, Leiterin Soziales Engagement beim ARC die Entstehung dieses Netzwerks. „Nach Hurrikan Irene im August 2011 griffen wir dafür auf erfahrene Öffentlichkeitsarbeiter aus den Untergliederungen zurück. Dann stand das Ausbildungskonzept, und nach Hurrikan Isaac kamen im August 2012 die ersten ausgebildeten Freiwilligen zum Einsatz.“ Aufgabe der „digitalen Freiwilligen“ ist, die Erwähnung des Roten Kreuzes in den sozialen Medien herauszufiltern, diese zu bewerten und ggf. im Namen des Roten Kreuzes zu antworten. „Das gibt zum einen ein Stimmungsbild, wie unsere Arbeit in der Bevölkerung gesehen wird, hilft uns aber auch, Hinweisen oder Hilfe­ ersuchen direkt nachzugehen“, erläutert Huang weiter. „So konnten wir auch während des Einsatzes bei ‚Sandy‘ Stadtviertel herausfinden, wo unsere Hilfe noch nicht angekommen war und entsprechend reagieren.“ Die Abstimmung der Gruppenmitglieder lief über eine interne Gruppe auf Facebook. Hier erhielten die Mitglieder auch jeweils aktuelle Informationen und Lageberichte. Die Steuerung der digitalen Aktivitäten erfolgt über das Digital Disaster Operation Center, kurz: DigiDOC. Dieses digitale Lagezentrum

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ist ein Teil des Katastrophen-Lagezentrums in der RK-Zentrale in Washington DC. Es besteht aus vier Computerarbeitsplätzen und sechs großen Monitoren. Mit der entsprechenden Auswertungssoftware versehen, wird auf den Monitoren das aktuelle „Klima“ und die Erwähnung des Roten Kreuzes angezeigt. Außerdem die Verwendung bestimmter Stichwörter wie z.B. „Erdbeben“ und „Sturm“. Es ist der reguläre Arbeitsplatz für die Mitarbeiterinnen der Kommunikationsabteilung und wird im Katastrophenfall durch weiteres Personal ergänzt. „Durch die Einbindung ins Lagezentrum ist ein kurzer Informationsweg sichergestellt, wenn schnell gehandelt werden muss. Das hat sich bei Sandy mehrfach bewährt“, so Huang. Das DigiDOC wurde durch den Computerhersteller Dell ermöglicht, der das Center auch mit Hardund Software ausgestattet hat.

Projekt JOAN Seit Beginn des Jahres 2012 hatte man sich auch bei HumanityRoad mit dem Gedanken befasst, Katastrophen nicht nur digital zu begleiten, sondern auch die Kommunikation vor Ort zu unterstützen. Schließlich liegen die Wurzeln der Organisation in der gemeinsamen Erfahrung der Schwestern Christine Thompson und Catherine Graham im gemeinsamen Engagement als Rotkreuz-Helferinnen in einer Notunterkunft nach dem verheerenden Hurrikan „Katrina“ im Sommer 2005 in der Region um New Orleans. Schnell erkannten sie, dass unter den untergebrachten Menschen ein großes Bedürfnis bestand, mit ihren Verwandten und Freunden zu kommunizieren. Mit gespendeten Computern richteten sie ein Internet-Café ein, das sehr regen und dankbaren Zuspruch fand. Die massive Zerstörung durch Hurrikan „Sandy“ und die Meldungen aus den betroffenen Gebieten – vor allem aus New York – bestärkten die beiden Schwestern in der Erkenntnis, dass dies der Zeitpunkt sei, das Projekt JOAN (Joint Online Access Network) zu realisieren. Sowohl für die Anmietung eines Wohnmobils für eine Woche als auch für drei Laptops samt Funk­modem fanden sich Sponsoren, die eine Abfahrt in Richtung New York City (NYC) am 1. November möglich machten.

Unerwartete Hilfe durch die „99 Percenters“ Ziel war die New York vorgelagerte Halbinsel Rockaway, die vom Hurrikan massiv betroffen war, jedoch lange Zeit so gut wie keine Hilfe er-

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In der weitgehend unbeschädigten Klosterschule St. Francis wurde in Zusammenarbeit mit der Schulleitung eine Zentrale eingerichtet. Von hier aus wurden die Aktivitäten koordiniert und u.a. mithilfe des Materials von HumanityRoad eine Kommunikationszentrale betrieben. Strom gewannen die Helfer zunächst auch aus solarbetriebenen Ladegeräten, die von der Firma Goal Zero unentgeltlich zur Verfügung gestellt wurden. Helfer wie Anwohner nutzten das Angebot eines „Internet-Cafés“, um Verwandte und Freunde zu benachrichtigen. Bei der Herstellung der Kommunikationsinfrastruktur kam Unterstützung von der irischen Organisation DisasterTechLab.

Lehren für die Zukunft Die wesentlichen Erfahrungen der Helferinnen und Helfer von HumanityRoad und dem Roten Kreuz, aus denen Lehren für weitere Einsätze gezogen werden können, umfassen die Signalübertragung der mobilen Telekommunikation, Versorgung mit Elektrizität, Selbst- und Nachbarschaftshilfe sowie die Kommunikation über das Internet und durch Mobiltelefonie. Signalüberlagerung  Die mobile Telekommunikation war durch die Überlagerung von Funksignalen zunächst erschwert bis unmöglich. Die Funkmodems von HumanityRoad waren auf den Anbieter Verizon ausgerichtet. Wettbewerber AT&T hatte allerdings sein Signal nach dem Sturmereignis verstärkt. Nach Kontakt der verantwortlichen Techniker wurde das Problem behoben.

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hielt. Hier waren zu diesem Zeitpunkt überwiegend private Initiativen tätig, etwa die „Third Wave Volunteers“, die von Alison Thompson ins Leben gerufen wurde. Thompson ist Ini­ tiatorin weiterer Hilfsprojekte, die sie nach den Tsunami-Katastrophen sowie nach dem schweren Erdbeben von Haiti gründete. Hilfe kam auch aus einer bis dahin unerwarteten Ecke: Die „Occupy-Bewegung“ („Wir sind die 99 Prozent“), die bis dahin eher durch politischen Protest und die Besetzung von Bankenvierteln von sich Reden machte, organisierte über den Ableger „Occuppy Sandy“ ebenfalls Hilfe von und an der Basis. Was die Helfer erwartete, verschlug ihnen zunächst die Sprache. Thompson beschrieb die Situation auf Facebook: „Es ist wie in der Dritten Welt, aber schlimmer. Wer erwartet mitten in den USA solche Zustände? Kein Strom, überspülte Straßen, so gut wie keine Helfer ...“

Tab. 1: Die Bilanz nach vier Wochen Hilfeleistungen des American Red Cross Hilfeleistungen „real“

Hilfeleistungen „digital“

über 14.400 Helfer und mehr als 300 Emergency Response Vehicles aktiviert

31 „Disaster Digital Volunteers“, koordiniert durch drei Mitarbeiterinnen in der Zentrale

knapp 80.000 Übernachtungen in Notquartieren organisiert

über 2 Mio. Posts nach relevanten Schlagwörtern (Rotes Kreuz) durchsucht

mehr als 7,4 Mio. Mahlzeiten und Snacks ausgegeben sowie über 5,2 Mio. Hilfspakete verteilt

2.386 Posts in den sozialen Medien beantwortet

86.800 gesundheitliche Hilfeleistungen erbracht

229 Posts an Hilfsteams vor Ort weitergeleitet, davon führten 88 zu einer Anpassung der Einsatztaktik (Quelle: http://bit.ly/12lrHUC)

Totaler Stromausfall  Die Mannschaft um Alison Thompson begann, von Haus zu Haus zu ziehen. Hier machte sich die Abhängigkeit von der Stromversorgung bemerkbar. Da weder Türklingeln noch Sprechanlagen – geschweige denn Aufzüge – funktionierten, mussten die Helfer Stockwerk für Stockwerk und Wohnung für Wohnung abklopfen. Sie stießen auf zahlreiche, nicht gehfähige Bewohner, die ohne die Helfer vermutlich verhungert oder mangels Medikamenten verstorben wären. Selbsthilfe  Die Zeit bis zum Eintreffen organisierter Hilfe kann bei einer Katastrophe diesen Ausmaßes sehr lange dauern. Daher ist es wichtig, dass zunächst Selbst- und Nachbarschaftshilfe greifen. Die Bildung neuer Gruppen und Initiativen und das Organisieren spontaner Freiwilliger ist eine Herausforderung, die auch im Vorfeld bedacht werden sollte. Kommunikation  Je großflächiger das Schadensgebiet desto größer der Bedarf an Kommunikation. Dies betrifft sowohl Einsatzkräfte und Hilfsorganisationen untereinander als auch die Kommunikation mit und innerhalb der Bevölkerung. Information via Massenmedien und über Homepages ist hier ebenso vorzuplanen wie Kommunikation über telefonische Hotlines und soziale Medien – wenn der totale Stromausfall ausbleibt.

Christoph Dennenmoser Stv. Landesbereitschaftsleiter DRK-LV Badisches Rotes Kreuz e.V. Team Leader Urgent Needs HumanityRoad Inc.

Auf dem Gebiet der Katastrophenkommunikation hat sich vieles weiterentwickelt. Die Einbeziehung sozialer Medien ist ein wesentlicher Faktor sowohl in der Gewinnung als auch in der Verbreitung von Informationen. Aber auch ein Totalausfall der Infrastruktur muss einkalkuliert werden. Es gilt also nach wie vor das Motto: „Die Mischung macht’s.“ 

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Einsatzplanung:

Räumung und Evakuierung von Alten- und Pflegeheimen J. Oberkinkhaus

Teil 1

Die sich verändernde Altersstruktur der Bevölkerung spiegelt sich auch in der Zunahme von Alten- und Pflegeheimen wider. Die Pflegeleitbilder und Konzepte dieser Heime haben in den letzten Jahren einen – ebenfalls bau­ lichen – Wandel erfahren: Von der Einrichtung als „Verwahranstalt“ über das Modell des Krankenhauses (Behandlung) zum Wohnheim (Aktivierung der Bewohner) bis hin zur Entwicklung familiärer Wohnformen (Erleben von Ge­ borgenheit und Normalität) mit dezentralen Wohneinheiten (1). Der folgende Beitrag möchte als „Richtschnur“ für die Einsatzvorbereitung und -planung dienen und zielt darauf ab, allen Akteuren die notwendige Handlungskom­ petenz für ein strukturiertes Notfall- und Krisenmanagement zu vermitteln.

Bei Alten- und Pflegeheimen ist ein Räumungskonzept für die Akutsituation ebenso erforderlich wie eine umfassende Einsatzvorbereitung und Einsatzplanung, die neben der „Räumung“ (Brand, Explosion) auch den Bereich „Evakuierung“ umfasst. Eine entsprechende Aus­ arbeitung muss auch im Interesse des Betreibers der Einrichtung liegen, da im Ereignisfall wirtschaftliche Schäden durch einen Nutzungs-

ausfall und langanhaltende Imageverluste entstehen können. Für diese Art von Bauten wird vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen und den Zertifizierungsgesellschaften, aber vor allem von den Brandschutzdienststellen, immer häufiger ein „Räumungskonzept“ gefordert – ergänzend zur Brandschutzordnung. Es existieren für Alten- und Pflegeheime keine Planungsgrundlagen und inhaltliche Vorgaben, wie sie z.B. in Hessen für Krankenhäuser durch den Krankenhauseinsatzplan (KHEP) vorgesehen und verbindlich geregelt sind (2). In jedem Fall müssen Einsatzvorbereitung und Einsatzplanung gemeinsam von den beteiligten Gefahrenabwehrstrukturen und dem Betreiber der Einrichtung ausgearbeitet werden. Eine beispielhafte Evaluierung von 700 Brandereignissen in Krankenhäusern im Zeitraum von 1999 bis 2001 zeigt den möglichen Er-

Abb. 1: Auch bei Räumung und Evakuierung: Koordination durch den Einsatzabschnitt Brandschutz und medizinische Gefahrenabwehr

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eignisumfang auf (3) und ist in der Ereignisbegrenzung auf einzelne Brandabschnitte tendenziell auf Alten- und Pflegeheime übertragbar (in der Untersuchung wurde die Verrauchung nicht berücksichtigt). Es ergab sich folgende Verteilung: • lokale Brände: 71%, • raumbegrenzte Brände: 28% und • raumübergreifende Brände: 1%. Im Beobachtungszeitraum ereigneten sich 43% der Brände am Tag (zwischen 6.00 Uhr und 19.30 Uhr) und 57% in der Nacht (19.30 Uhr bis 6.00 Uhr). In einer weiteren Analyse von 331 Bränden in Krankenhäusern wird die Verteilung des Entstehungsortes identifiziert (4): 28% der Brände begannen in technischen Bereichen (Funktionsräume, Keller mit Technikbereichen), 42% in Pflegebereichen (bei insgesamt 175 Bränden auf der Pflegestation ereignete sich das Brandereignis zu 79% in Patientenzimmern, davon waren in 134 Fällen gehunfähige/hilflose Patienten betroffen) und bei 30% der Brände konnte der Entstehungsort nicht dokumentiert/ ermittelt werden. In der Verteilung der Zündquellen dominieren Müll, Abfall und Papier mit 25,7%, elektrische Geräte und Anlagen folgen mit 22,8% und Herd, Kerze sowie Tabak mit 22,6% (4). Untersuchungen belegen, dass „sich bei Raumbränden innerhalb weniger Minuten eine hinsichtlich thermischer und toxischer Exposition kritische Situation entwickeln kann. Somit werden die Überlebenschancen von im Brandraum befindlichen Personen bei Wohnungsbränden innerhalb weniger Minuten rapide sinken. Die für die Rettung aus dem Brandraum zur Verfügung stehende Zeitspanne unterschreitet die mögliche Eintreffzeit der Hilfskräfte der Feuerwehr im Normalfall ...“ (5) – dies unterstreicht die hohe Bedeutung der Erstmaßnahmen durch das Pflegepersonal, vor allem auch unter dem Aspekt des Bewohner- und Patientenkollektivs. Hinzu kommen die folgenden Schutzziele der Einsatzplanung: • Verhinderung der Gefährdung von Menschenleben, • Verhinderung der Gefahrenausbreitung, • Erhaltung der Funktionsfähigkeit lebensnotwendiger Bereiche und • Erhaltung der Funktionsfähigkeit der Einrichtung insgesamt.

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Aus der Schutzzielerfüllung heraus erfolgt die Notwendigkeit einer: • Risikoermittlung und Risikobewertung, • Etablierung einer Projektarbeitsgruppe aus Einrichtung und Gefahrenabwehr, • Einsatzvorbereitung mit abgestuften Eskalationsstufen, • Einsatzplan (Umsetzung der Vorbereitung) und • Fortbildungsplan (Schulung und Übung des Einsatzplanes).

Abb. 2: Bei Alten- und Pflegeheimen ist ein Räumungskonzept für die Akutsituation ebenso erforderlich wie eine umfassende Einsatzvorbereitung und -planung

Einsatzplanung und Gefahrenkomponenten Die Einsatzplanung ist von verschiedenen statischen und dynamischen Faktoren abhängig: • Lage und Größe der Einrichtung, • bauliche Beschaffenheit der Einrichtung, • Brandrauch, der durch offene Treppenräume, Lüftungs- und Klimakanäle, aufgehaltene Feuerschutz- und Rauchabschlusstüren, Förderanlagen und alle sonstigen Wand- und Deckendurchbrüche verteilt wird (Rauchgasinhalation, Verminderung der Sichtweite im Fluchtweg), • Bewohner- und Patientenkollektiv (Immobilität, eingeschränkte kognitive Wahrnehmungsfähigkeit, Infektionskrankheiten), • im Ereignisfall sind die betroffenen Bewohner und Patienten auf die Rettung bzw. Unterstützung der Selbstrettung durch das Pflegepersonal angewiesen, • Verhaltensmuster von Personen (6): Brand ist ein seltenes Ereignis, Brandsituationen sind dynamisch, fehlende Erfahrung der Betroffenen, instinktives Verhalten, Stress­ situationen mit Panikhandlungen – psychologische Aspekte führen zu irrationaler Routenwahl, z.B. Benutzen des Aufzugs, Betreten und Verlassen von Gebäuden – ein

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RETTUNG/SANITÄT

Das heißt für das Alten- und Pflegeheim: • Installierung von hausinternen Ablauf- und Organisationsplänen, • Schulung der Mitarbeiter und • regelmäßige Übungen.

Gefahrenabwehr

Abb. 3: Evakuierungsplanung im Führungsstab

• Jörg Oberkinkhaus B.A. stv. Sachgebietsleiter ­Katastrophenschutz Lehrrettungsassistent, OrgL Rettungsdienst Kreis Bergstraße joerg.oberkinkhaus@ kreis-bergstrasse.de

gewohnter Weg (Individual- und Herdenverhalten) statt Nutzung der Flucht- und Rettungswege (z.B. ineffiziente Nutzung von Fluchtwegen infolge von Herdenverhalten, Blockierung von Fluchtwegen und Nichterkennen von Alternativwegen; Simulation von Bewegungsabläufen bei Evakuierungsmodellen (7) begrenzter Personalbestand in der Einrichtung, besonders bei einem akuten Ereignis in den Nachtstunden/an den Wochenenden, heterogene Besucherströme, die sich tagesund zeitabhängig im Objekt befinden und in ihrem Orientierungsvermögen aufgrund der fremden Umgebung eingeschränkt sind, Leistungsfähigkeit der an der Gefahrenabwehr beteiligten Organisationen (Personalverfügbarkeit, Eintreffzeit und Beginn der wirksamen Hilfe durch Feuerwehr und Rettungsdienst) und die Art der Gefahrenlage.

Präventive bauliche, technische und organisatorische Maßnahmen können mindernd auf ein Schadensereignis einwirken, dennoch erfordern die aufgezeigten Gefahrenkomponenten und die Schutzzielerfüllung für interne Ereignisse die Handlungsmaxime: „Think big“. In Bezug auf die Gefahrenabwehr bedeutet „Think big“: • frühzeitiger Aufbau einer ausreichenden Personalstruktur, • frühzeitige und umfangreiche Alarmierung, • schnelle Heranführung von Einsatzkräften und -mitteln in Bereitstellungsräume sowie • frühzeitige Herstellung einer übersichtlichen Einsatzorganisation.

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Eine Basisalarmierung wird über die festgelegten Alarmstichworte sichergestellt. Im Regelfall werden hier überwiegend die Ereignisse „Brandmeldeanlage“ und „bestätigtes Brandereignis mit Menschenrettung in einem Sondergebäude“ berührt. Eine Alarmierung mit der hinterlegten Einsatzmittelkette erfolgt stichwortbezogen und kann lageabhängig nach oben und unten dynamisch angepasst werden. Notwendig werdende Maßnahmen bei einem Ausfall der kritischen Infrastruktur „Betriebsstörung“ (Strom, Wasser) können nach einer Grundalarmierung der örtlich zuständigen Feuerwehr, des Brandschutzaufsichtsdienstes und der Einsatzleitung Rettungsdienst gemeinsam mit der Einrichtung koordiniert werden, ebenso die Organisation und Durchführung einer Evakuierung. Objektbezogen lassen sich vorbereitend Standards festlegen und im Einsatzkonzept fixieren.

Mögliche Einsatzabschnitte – „Gefahrenabwehr“ Grafische Darstellung in einem Objekt- und Umgebungsplan, inklusive des festgelegten Standortes des ersteintreffenden Rettungsmittels und der Einsatzleitung (lokaler ELW 1 und ELW 2): • Bereitstellungsraum Feuerwehr und Rettungsdienst, • Rettungsmittelhalteplatz/Einsatzabschnitt Transportorganisation, • Patientenablage (PAL) im/oder außerhalb des Objektes, • (wenn planbar:) räumliche Möglichkeiten für die Einrichtung weiterer Versorgungsmöglichkeiten, • Sammelplatz für unverletzt Betroffene und leicht Verletzte sowie ein • RTH-Landeplatz.

Kommunikationsstruktur „Gefahrenabwehr“ • Festlegung von Standards, d.h. proaktiv planbare Kanalzuweisung für Einsatzabschnitte und die Bestimmung eines Führungskanals,

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• lageabhängige Zuweisung von jeweils einem ELW 1 zu jedem Einsatzabschnitt, • Funkkennzeichnung der vorab bestimmbaren Einsatzabschnitte, z.B. „Bereitstellungsraum Rettungsdienst XY-Straße“, • Einpflegen der Mobiltelefonnummern der Führungsfahrzeuge im Einsatzplan der Gefahrenabwehr und im Einsatzleitrechner.

Gut geplant ist halb bewältigt!

Patiententransporte Sollten Patiententransporte notwendig sein, so werden die Rettungsmittel aus dem Bereitstellungsraum/Rettungsmittelhalteplatz zum Objekt beordert (Kreisverkehr „Transportkreisel“, wenn möglich). Die Patienten werden durch die EL Rettungsdienst (Einsatzabschnitt „Transportorganisation“) den Rettungsmitteln zugewiesen.

Ausblick Während im ersten Teil des Beitrags Grundlagen und spezielle Aspekte der Einsatzplanung vorgestellt worden sind, werden im zweiten Teil des Artikels die für die Einsatzvorbereitung und -planung relevanten besonderen Räumungs­phasen und möglichen Rettungstechniken näher betrachtet. Ferner wird auf die Elemente des Krankenhauseinsatzplanes als auch die spezifische Situation der Pflegeeinrichtung einge­gangen.  Literatur: 1. Crusius G (2003) Entwicklungstendenzen im Pflegeheimbau – Zielkonflikt mit den Anforderungen des Brandschutzes im Verhältnis mit zunehmender Wohnlichkeit. In: Kuratorium Deutsche Altershilfe (Hrsg.) Planungshilfe – Brandschutz in Altenpflegeheimen. Kuratorium DA, Köln, S. 6 ff. 2. Hessisches Sozialministerium (2007) Krankenhauseinsatzplan für interne und externe Gefahrenlagen. www.hessen. de/irj/HMdI_Internet?cid=2aaa3a697646855c881343ea9 a47dbec (abgerufen am 5. Juli 2013) 3. Hartung C, Reintsema J (2001) Brandschutz im Krankenhaus – Analyse von Bränden im Krankenhaus und Empfehlungen zur Risikominimierung für Patienten und Personal. WIKOM Verlag, Stuttgart, S. 20 ff. 4. Unverdorben M (2005) Beurteilungskonzept des vorbeugenden Brandschutzes für Krankenhäuser. Deggendorf, S. 51 ff. und 55 ff. 5. Seliger U, Pleß G (2007) Entwicklung von Kohlenmonoxid bei Bränden in Räumen: Teil 1. Ständige Konferenz der Innenminister und -Senatoren der Länder, Arbeitskreis V – Ausschuss Feuerwehrangelegenheiten, Katastrophenschutz und zivile Verteidigung – Forschungsbericht Nr. 145. Institut der Feuerwehr Sachsen-Anhalt, Heyrothsberge, S. 20

• planen • üben • anwenden Schadenslagen in Heimen oder Krankenhäusern stellen für Mitarbeiter und externe Einsatzkräfte eine erhebliche Herausforderung dar. Eine Evakuierung der oft immobilen Patienten und Bewohner erfordert den effizienten Einsatz aller Retter. Der Praxisleitfaden unterstützt bei der individuellen Erstellung von Alarmplänen und der Vorbereitung von Übungen. Zahlreiche Checklisten erinnern – auch externe Einsatzkräfte – an die wichtigsten Maßnahmen.

Alarm- und Einsatzplanung Risiko- und Krisenmanagement in Einrichtungen des Gesundheitswesens sowie in Alten- und Pflegeheimen von Holger Scholl und Klaus Wagner - 1. Auflage 2010 - ca. 180 Seiten, 22 Abbildungen und 5 Tabellen - Softcover, 12 cm x 19 cm Best.-Nr. 629 · € 19,90

6. Schneider U, Oswald M, Lebeda C (2009) Evakuierung bei Brandereignissen. St. Pölten 7. Helbing D, Farkas I, Vicsek, T (2000) Simulating dynamical features of escape panic. In: Nature 407

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DRK-Fachtagung:

Sanitätsdienst in Fußballstadien T. Hellwetter · F. Weingardt Im Bundesliga-Zirkus können sich die Fans mancher Fußballvereine gegensei­ tig „nicht riechen“. Ganz anders ist es bei den Führungskräften des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), die für den Sanitätswachdienst in den Stadien der 1. Fußball-Bundesliga verantwortlich sind. Ein ganz besonderes gemeinsames Projekt gab es am 5. und 6. Juli 2013, als 55 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Deutschland der gemeinsamen Einladung der DRK-Kreisverbände Dortmund und Gelsenkirchen zur ersten DRK-Fachtagung „Sanitätswach­ dienst in Stadien der ersten Fußballbundesliga“ gefolgt waren.

Thorsten Hellwetter Fachberater Sanitätsdienst, Verbandsführer und ­Einsatzleiter DRK-KV Dortmund thorsten.hellwetter@­ drk-dortmund.de Fred Weingardt Leiter Nationale Hilfsgesellschaft, Stellv. Kreisgeschäftsführer DRK-KV Dortmund fred.weingardt@ drk-dortmund.de

Die Organisatoren Thorsten Hellwetter und Fred Weingardt vom DRK-Kreisverband Dortmund begrüßten die Teilnehmer im Dortmunder Signal Iduna Park und begleiteten sie durch die 2-tägige Veranstaltung. Das Ziel der Fachtagung: Ideenaustausch, Feststellung des bundesweiten Status quo und Steigerung der Qualität bei zukünftigen Einsätzen. Dabei wurden bewusst Einsatzleiter und Einsatzplaner zur Fachtagung eingeladen und auf politische Vertreter der Verbände verzichtet. Operative Themen standen somit im Vordergrund. Fachvorträge von hochrangigen Experten dienten als Diskussionsgrundlage für mög-

liche Anforderungen an das DRK als größten Sanitätswachdienstanbieter in Bundesligastadien. Der Direktor „Organisation“ des Bundesligavereins Borussia Dortmund (BVB), Dr. Christian Hockenjos, zeigte auf, welche Anforderung ein Veranstalter an den örtlichen Sanitätsdienstleister hat. Zwingend erforderlich ist laut Hockenjos eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Stadionbetreiber und dem Roten Kreuz. Die Erfüllung von ordnungs- bzw. verbandlichen Auflagen zum Spielbetrieb obliegt dem Stadionbetreiber, der aber in diesem Themenkomplex kein Fachmann ist. Diese Kompetenz muss letztlich durch das jeweilige Rote Kreuz vor Ort erfüllt werden. Als Vertreter der zuständigen Feuerwehr berichtete Dipl.-Ing. Dirk Aschenbrenner, Direktor der Feuerwehr Dortmund, über die Zusammenarbeit und insbesondere die Schnittstellen zur öffentlichen nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr. Ein besonderer Schwerpunkt seines Vortrages war die Integration des Sanitätswachdienstes in die örtlichen

Abb. 1: Die Teilnehmer der 1. DRK-Fachtagung Sanitätswachdienst in Stadien der 1. Fußball-Bundesliga kamen aus dem gesamten Bundesgebiet in den Dortmunder Signal Iduna Park

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Systeme der Gefahrenabwehr bei Großschadensereignissen. Schwerpunkte der polizeilichen Maßnahmen bei Bundesligabegegnungen, insbesondere bei „Hoch-Risiko-Spielen“ stellte Polizeioberrat Lorenz Schnadt von der Polizeiinspektion 1 in Dortmund vor. Gewaltbereitschaft von Fans erfordert bei Risikospielen immer öfter auch die Verstärkung des Sanitätswachdienstes und die Anpassung der Raumordnung an polizeiliche Maßnahmen. Dabei wird das DRK nicht als Behörde gesehen, aber gerne als wichtiger Teamplayer.

Klare Vorgaben und doch flexibel Einsatzregeln für den Trupp im Sanitätsdienst

Zur Feststellung des Status quo wurden verschiedene sanitätsdienstliche Stadionkonzepte vorgestellt. Schwerpunkt des Vergleiches waren z.B. Besucheranzahl, Einsatzkräftebemessung, Aufbauorganisation und Raumordnung, Einbindung in den örtlichen Rettungsdienst sowie ggf. Sonderwünsche des Veranstalters (z.B. VIP-Betreuung). Verglichen wurden die DRK-Einsatzkonzepte der Fußballstadien in Dortmund, Gelsenkirchen, Hoffenheim und München. Dabei wurden vor allem landesrechtliche Unterschiede deutlich. In drei Workshops zu den Themen „Personal“, „Material“ und „Gemeinsames Hilfeleistungspotential“ wurden aktuelle Sachstände zu den verschiedenen Einsatzkonzepten in den 14 vom DRK betreuten Erstligastadien erhoben, um anschließend Grundlagen für übergreifende Standards zu entwerfen. Zentrales Ergebnis war der Wunsch aller Teilnehmer, Begriffe und Leistungsinhalte bundesweit zu vereinheitlichen. Auch sollte eine zentrale DRK-Datenbank zur Erfassung von statistischen Daten für den Sanitätswachdienst geschaffen werden – ähnlich der zentralen Informationsstelle Sporteinsätze der Polizei (ZIS). Weiterhin soll die Informationsstelle für DRK-Kreisverbände Beratungen rund um das Thema „Sicherheit in Stadien“ anbieten. Mit regelmäßigen Treffen und der Bündelung der fachlichen Kompetenz aller beteiligten DRK-Verbände soll die Position gegenüber Veranstaltern, dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) bzw. der Deutschen Fußball Liga (DFL) gestärkt werden. Die Ergebnisse der Tagung werden in entsprechende interne wie externe Gremien kommuniziert. Das nächste Treffen ist bereits für kommendes Jahr in München beim örtlichen BRK-Kreisverband fest eingeplant. 

• einsatztaktische Defizite erkennen • Trupps bedarfsgerecht bestimmen • Standard-Einsatz-Regeln anwenden Im Gegensatz zu den Feuerwehren werden die Trupps im Sanitätsdienst oft nicht einsatztaktisch gegliedert. Der Autor, seit vielen Jahren im Katastrophenschutz aktiv, überträgt daher die taktische Ausrichtung der Feuerwehrtrupps auf den Sanitätsdienst. Einfach und klar werden für typische Einsätze wie MANV oder Großveranstaltung Standard-Einsatz-Regeln vorgestellt, denen ein neuer Truppbegriff zugrunde liegt: Je nach Einsatzlage wird der Trupp vom Gruppenführer bedarfsgerecht bestimmt. Praxishinweise zur Ausstattung und viele Beispiele machen die Aufgaben der Erstversorgungs-, Trage-, Behandlungs- und Krankentransporttrupps anschaulich. SEGmente Band 9 Der Trupp im Sanitätsdienst von R. Kersten - 1. Auflage 2010 - 84 Seiten - 7 Abbildungen - Softcover Best.-Nr. 144 · € 7,90

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RETTUNG/SANITÄT

Ein Landretter auf maritimen Abwegen:

Seenotretter-Ausbildung im einwöchigen Sicherheitslehrgang T. Trütgen Die Wellen schlagen einen Meter hoch, die Brandung peitscht. Eine Ret­ tungsinsel für Schiffbrüchige taumelt im Takt der Wellen. In ihr befinden sich 16 Personen, darunter auch IM EINSATZ-Autor Thorsten Trütgen. Glück­ licherweise treibt die Rettungsinsel nicht im offenen Meer, sondern im Trai­ ningsbecken des Einsatz-Ausbildungszentrums Schadensabwehr (EAZS) der Marinekaserne in Neustadt in Holstein. Die Deutsche Gesellschaft zur Ret­ tung Schiffbrüchiger (DGzRS) kann hier die Möglichkeiten der Marine zur Aus- und Fortbildung ihrer Seenotretter nutzen. Trütgen, eigentlich eine waschechte Landratte, hatte die Möglichkeit, am einwöchigen Grundlehr­ gang der Seenotretter teilzunehmen, um für IM EINSATZ aus Teilnehmersicht berichten zu können.

„Obwohl es sich nur um eine Ausbildungs­ übung handelt, ist es schon ein beklemmendes Gefühl, in dieser Rettungsinsel bei dem simulierten Seegang auszuharren“, beschreibt eine Lehrgangsteilnehmerin ihre ersten Eindrücke. „Die Rettungsinsel ist dunkel und man sieht nicht, was draußen passiert. Nach wenigen Minuten ist die Luft in der Insel zum Durchschnei-

den, da aufgrund des Wellenganges die beiden Zutrittsöffnungen geschlossen sind“, bestätigt ein weiterer Teilnehmer die Erfahrungen. Nach einer Viertelstunde dann die Rettung. Die Insel legt an einem vermeintlichen Schiffsrumpf an und über ein Rettungsnetz verlassen die Insassen die Insel an der imaginären Bordwand.

Unter Anleitung erfahrener Ausbilder persönliche Erfahrungen sammeln Der „Schiffsrumpf“ ist eine 5 m hohe Fliesenwand, vor der das Netz hängt. Barfuß muss man nun „an Bord“ klettern. Die Seile drücken unangenehm in den Fußsohlen, die Arme sind zur Entlastung der Füße gefordert. Oben angekommen gibt es nur eine kleine Verschnaufpause. Nach wenigen Minuten erfolgt ein erneuter Sprung vom Übungsturm in das Wellenbecken. Nun muss die halbautomatische Rettungsweste ausgelöst werden. Mit aufgeblasener Weste

Abb. 1: Das Hineinklettern in eine Rettungsinsel ist mit aufgeblasener Rettungsweste deutlich erschwert

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schwimmen die Seenotretter im Wellenbecken wieder zurück zur Rettungsinsel. Das Hineinsteigen mit aufgeblasener Weste durch die kleine Öffnung ist eine Herausforderung. Insgesamt dauern die Übungen im Ausbildungs­becken eine Stunde. Eine Stunde, die dem Körper sportliche Leistungen abverlangt. „Das Ziel dieser Übung ist es, die Lehrgangsteilnehmer mit den auf unseren Rettungseinheiten vorhandenen Materialien vertraut zu machen, sie selbst für mögliche Notfälle zu sensibilisieren und vorzubereiten und das Gefühl zu vermitteln, welche Erfahrungen Schiffbrüchige gemacht haben könnten. Nach der nur einstündigen Übung kann man sich sehr gut in diese Lage hineinversetzen und den Geretteten auch psychologisch besser zur Seite stehen“, beschreibt Horst Kagel, Vormann der DGzRSAusbildungsstation in Neustadt/Holstein, das Ausbildungsziel dieser Übung.

Die Ostsee als Ausbildungsstätte Ähnliche Erfahrungen sammelten die Seenot­ retter zuvor bereits in einem offenen Rettungsfloß in der Ostsee. Mit Überlebensanzügen ausgestattet mussten dort ebenfalls in zwei Stunden verschiedene Übungen auf dem offenen Meer bewältigt werden. Hier erfolgte die Rettung durch die Ausbildungsschiffe „Siegfried Boysen“ und „Eduard Nebelthau“, beides altersbedingt außer Dienst gestellte Seenotrettungsboote, sowie den Seenotkreuzer „Hans Hackmack“ und dessen Tochterboot „Emmi“. In der Regel werden auch „Winschübungen“, also Rettungsszenarien mit einer Seilwinde unter Einsatz eines Marinehubschraubers, während des Lehrganges trainiert. Aufgrund kurz­f ristiger Wartungsarbeiten stand dieser aber an dem Tag leider nicht zur Verfügung.

terschiedlichen Typen der in Rettungswesten vorhandenen Sicherheitsautomaten werden detailliert erklärt und auch der erforderliche Umbau vom automatischen auf den halbautomatischen Betrieb wird geübt. Der halbautomatische Betrieb ist grundsätzlich erforderlich, wenn Seenotretter mit Hubschraubern zusammenarbeiten und insbesondere Winschübungen durchführen. Sollte der schlimmstmögliche Fall eintreten, dass der Hubschrauber ins Meer stürzt, ist ein Verlassen der Kabine mit automatisch aufgeblasener Rettungsweste aufgrund des Volumens des Auftriebskörpers bei den meisten Hubschraubermodellen durch die kleinen Türöffnungen oft nicht möglich.

Brandbekämpfung und Leckabwehr Einen weiteren Teil der Ausbildung bilden die Grundlagen der Brandbekämpfung. In einer Übungshalle der Marinekaserne werden rea-

Abb. 2: Auf der Ostsee müssen die Seenotretter verschiedenste Abberge­ übungen aus einem offenen Rettungsfloß bewältigen

Abb. 3: Einweisung in die Technik der Rettungs­westen. Der Wechsel der CO2Kartuschen und der Wechsel zwischen automatischer und halbautomatischer Funktionsweise müssen gelernt werden

Auch die Arbeitssicherheit beim Umgang mit Leinen wird im Sicherheitslehrgang intensiv geübt. Wenn eine Schleppleine bricht, können zurückschnellende Enden bei Rettern oder Geretteten schwere oder sogar tödliche Verletzungen verursachen. Auch kann unsach­ gemäßes Hantieren mit Leinen den Sturz von Bord zur Folge haben. Übungen unterschiedlicher Art mit den Ausbildungsschiffen auf der Ostsee und im Neustädter Hafen stehen dafür auf dem Ausbildungsplan. Auch die Vermittlung der erforderlichen Kenntnisse zur Handhabung und zum Einsatz von Rettungswesten erfolgt praxisnah. Die un-

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Hubschraubertorsos fest. Bis zu einem Meter über die Dachkante schlagen die Flammen aus dem Übungsgerät. Ruhig und besonnen eingesetzt reicht aber ein 12-kg-Löscher aus, um das Feuer zu bekämpfen. Und natürlich fehlen in der Ausbildung das Löschen in Brand geratener Personen und die Handhabung von Lösch­ decken nicht.

Abb. 4: Den Umgang mit unterschiedlichen Löschmitteln lernen die Seenotretter während praktischer Übungen in der Brandschutzhalle des EAZS

Abb. 5: Die Seenotretter werden in unterschiedlichste pyrotechnische Signalmittel eingewiesen. Die theoretische Einweisung endet mit der amtlichen Prüfung zum Sachkundenachweis von Pyrotechnik

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listische Brandszenarien dargestellt, die es zu bekämpfen gilt. Dabei werden die Handhabung geübt sowie die Vor- und Nachteile einzelner Löschmittel wie etwa Kohlendioxid, Löschpulver, Wasser, Schwer- und Leichtschaum erklärt. Die Größe der nachstellbaren Brände reicht vom einfachen brennenden Mülleimer über einen in Vollbrand stehenden Hubschraubertorso bis hin zu einem brennenden Motor oder einem Raum innerhalb eines Schiffes. Bei den Übungen mit den unterschiedlichen Löschmitteln wird schnell klar, dass gerade auf hoher See Wasser nicht immer das Löschmittel der Wahl darstellt. Die leistungsfähigen Löscheinrichtungen der Seenotkreuzer, mit Seewasser eingesetzt, könnten ein kleines Schiff in wenigen Minuten fluten und dadurch versenken. Ihre Aufgabe ist in der Regel das Kühlen von Bordwänden und Schiffsrümpfen bei Großbränden, um die Rettung von Besatzung und Passagieren zu erleichtern. Wie hochwirksam ABC-Löschpulver ist, stellt jeder Teilnehmer beim Ab­ löschen des in voller Ausdehnung brennenden

Schadensabwehr und provisorische Leck­ abdichtung sind weitere Themenschwerpunkte des Lehrgangs. Im EAZS steht ein Schiffstorso zur Verfügung, an dem verschiedene Wasser­ eintrittsszenarien in Schiffen simuliert werden. Gezielt wird die Leckbekämpfung mit an Bord eines Havaristen befindlichen Materialien wie etwa Matratzen, Schlafsäcken, Fendern, Tischplatten usw. vermittelt.

Pyrotechnische Signalmittel und Rettungstechniken Der fachgerechte Einsatz mit der nach deutschem Recht erforderlichen Sachkundeprüfung zur Verwendung pyrotechnischer Signalmittel der Klasse II ist ebenfalls Bestandteil des Sicherheitslehrgangs. Intensiv werden die rechtlichen Grundlagen sowie die fachgerechte Anwendung unterschiedlicher Produkte besprochen. Nach der schriftlichen Prüfung des Sachkundenachweises stehen dann praktische Übungen auf dem Lehrplan. Diese sollen die Seenotretter für die möglichen Gefahren sensibilisieren. Während die Übungen im militärischen Teil des Neustädter Hafens auf festem Grund und Boden durchgeführt werden, ist dies auf See nicht der Fall. Wetterlage und Wellen tragen dazu bei, dass etwa die Standpositionen beim Abschießen von Signalmunition deutlich unsicherer sind. Hat man einmal die Erfahrung des Rückstoßes einer Signalpistole erfahren, wird sich der Anwender der Situation entsprechend einen möglichst sicheren Standplatz vor der Verwendung suchen. Zu hoch ist die Gefahr, dass man das Gleichgewicht verliert. Und wer einmal gesehen hat, dass Signalrauchpatronen auch unter Wasser ihren Dienst leisten oder dass eine mit etwa 2.000 °C abgebrannte Signalfackel nach der Entsorgung in einem mit Wasser gefüllten Eimer mehrere Sekunden während des Abkühlens zischt, der versteht auch, warum der Missbrauch dieser Mittel eine große Gefahr in Menschenmengen darstellt, wie manchmal in Fußballstadien oder bei Rockkonzerten zu beobachten.

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Auch gestandene Seefahrer bilden sich in der Ausbildungsstation weiter Der Sicherheitslehrgang dauert fünf Tage und stellt die Seenotretter-Grundausbildung dar. Ergänzt wird sie durch einen erweiterten Erste-Hilfe-Kurs, vergleichbar mit der Sanitätsdienstausbildung. Bei bereits ausgebildeten Rettungsmännern- und -frauen ist die erneute Teilnahme aufgrund der sehr realistischen Trainingsszenarien eine beliebte Fortbildung. Unter den Teilnehmern waren sogar noch im Dienst befindliche und pensionierte Marinesoldaten. Blickt man auf das Alter der Teilnehmer dieses Lehrgangs und berücksichtigt die in den vergangenen Jahren immer wieder veröffentlichten Studien zum freiwilligen Engagement, ist die DGzRS gut aufgestellt. Erstaunlicherweise lag bereits das Alter der jüngsten Teilnehmer bei etwa 30 Jahren, was aber keinesfalls nachteilig ist. Beachtet man die vorliegenden Untersuchungen, haben Menschen ab diesem Lebensalter berufliche Orientierungen abgeschlossen, sind dementsprechend meist örtlich verwurzelt

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Im Militärhafen Neustadt liegt die ehemalige Fregatte „Köln“, die für die Marinesoldaten als Schulungstorso für Szenarien an Bord speziell umgebaut wurde. Die DGzRS nutzt die „ExKöln“ ebenfalls. Hier werden Abbergetechniken (Fachbezeichnung in der Seerettung: Rettungstechniken) an und von Bord auf die oftmals deutlich tiefer liegenden Seenotrettungsboote geübt. Um gehunfähige Personen sicher über die schmalen und steilen Schiffstreppen zu transportieren, wird die Verwendung eines Löschschlauchs als Rettungsschlaufe unterrichtet. Auf der Schaufel- oder in der Bordtrage (Bordtrage: Schleifkorbtrage) wird dann die Person vorschriftsmäßig angegurtet und die Trage eingeseilt, um den Patienten auf das tiefere Boot abzuseilen. Ergänzt werden die praktischen Übungen durch entsprechende Unterweisungen. Einen großen Stellenwert nimmt hier die fachgerechte Versorgung Unterkühlter ein. Da je nach Wassertemperatur der Körper bis zu 25-mal schneller abkühlen kann als bei vergleichbaren Temperaturen an Land, besteht gerade in der Seenotrettung eine deutlich erhöhte Gefahr des Rettungstodes. Neben den technischen Möglichkeiten wie etwa spezielle Rettungsöffnungen – sogenannte Bergepforten – im Rumpf der Tochterboote der Seenotkreuzer muss jeder Helfer genau wissen, wie er im Notfall die fachgerechte Versorgung durchführen muss.

und familiär gesichert und dadurch bereit, sich langfristig mit dem erforderlichen Zeitumfang freiwillig zu engagieren. Und die Tradition der Seenotrettung, dass sich gestandene Seefahrer zum Wohle ihrer Kollegen einsetzen, lebt weiter, wie der freiwillige Einsatz in den Rettungsstationen oder der Dozenten in der Ausbildungsstation der DGzRS beweist.

Fazit Die Lehrkräfte der DGzRS-Ausbildungsstation Neustadt sind durchweg Freiwillige und pensionierte Marineangehörige unterschiedlicher Fachbereiche. Die jahrelange Berufserfahrung jedes einzelnen Ausbilders sichert die fachliche Qualität und den Praxisbezug. Die realitätsnahen Übungsmöglichkeiten im benachbarten EASZ der Marine runden den Ausbildungsumfang ab. Dadurch können die rund 800 Freiwilligen und 180 festangestellten Seenotretter bestmöglich auf ihre Aufgaben vorbereitet werden. Bereits ausgebildete Rettungsmänner und -frauen können das vorhandene Wissen vertiefen und komplexe Szenarien, deren Bewältigung nicht alltäglich ist, üben. Obwohl einige Ausbildungsinhalte körperliche Leistungsfähigkeit erfordern und man abends müde in die Koje fällt, versteht es das Ausbildungsteam, die Teilnehmer mit hanseatischer Gelassenheit und Humor zu motivieren und eine angenehme Lernatmosphäre zu schaffen. Die Gesellschaft würdigt das freiwillige Engagement der Lehrgangsteilnehmer und Ausbilder mit einem gemeinsamen feierlichen Abendessen in der Marinekaserne Neustadt. Dieser Abend trägt auch zur Vernetzung der Freiwilligen der 54 Rettungsstationen der DGzRS bei. 

Abb. 6: Pyrotechnische Signalfackeln brennen mit Temperaturen um 2.000 °C ab, funktionieren auch im Wasser und lassen sich nur mit speziellen Löschgels vorzeitig löschen. Die praktische Verwendung schärft das Bewusstsein der Seenotretter für die Gefahren, die bei unsachgemäßer Verwendung von diesem Signalmittel ausgehen können

Thorsten Trütgen Freier Fachjournalist Rheinstraße 112a 53424 Remagen-Unkelbach thorsten.truetgen@ t-online.de

Mehr über die „Ausbildungsstation der Seenotretter“ lesen Sie demnächst in der RETTUNGSDIENST.

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FÜHRUNG

Technische Einsatzleitung:

Praxisnahes Führungskräfte­ training in Südhessen J. Oberkinkhaus Die tägliche Gefahrenabwehr wird durch Einsatzlagen der Führungsstufen „A“ und „B“ geprägt, wobei lageabhängig auch die Führungsstufe „C“ erreicht werden kann (Großbrände, medizinische Großeinsätze, lokal be­ grenzte Unwetterlagen mit hoher Intensität, flächige Unwetterlagen etc.). Einsätze in der Führungsstufe „C“ (Führen mit einer Führungsgruppe bzw. mit einem Führungsstab) gehören nicht zu den regelhaften Lagen, erfordern aber aufgrund des Schadensereignisses und des Schadensausmaßes ein be­ sonders effizientes und effektives Einsatzmanagement, sowohl auf der ope­ rativ-taktischen als auch der strategischen Ebene. Trainingsmöglichkeiten für Szenarien der Führungsstufe „C“ ergeben sich vergleichsweise selten oder werden vorwiegend an zentralen Einrichtungen durchgeführt (AKNZ, Landesfeuerwehrschulen). Das Amt für Brand- und Katastrophenschutz des Kreises Bergstraße hat in enger Kooperation mit der Feuerwehr Lampert­ heim und dem Team des „ELW-2 Kreis Bergstraße“ am 23. November 2013 ei­ ne Ganztagesfortbildung „TEL-Übung – Führungskräftetraining“ organisiert und durchgeführt, um auf Kreisebene eine Fortbildungsmöglichkeit auf der Führungsstufe „C“ anzubieten, zu evaluieren und ggf. als regelmäßige Fort­ bildung (8 UE) einzuführen.

Die Teilnehmerzahl war auf 30 interessierte Einsatz- und Führungskräfte aus Feuerwehr, THW, DRK, DLRG, Notfallseelsorge und Einsatzleitung Rettungsdienst (OLRD) begrenzt, um einen

hohen Trainingseffekt zu ermöglichen. Die Veranstaltung war in einen Theorie- und einen Praxisblock gegliedert. Im theoretischen Teil wurde über die Themen „Informationsgewinnung und -verarbeitung, Lagedarstellung und Entscheidungsfindung“, „Kommunikation im Krisenstab“ und „Stabsarbeit – was nicht im Lehrbuch steht …“ referiert. So konnten beispielsweise im letztgenannten Vortrag Einflussfaktoren wie die Interessen der Fachberater, außersachliche Erwägungen, Wissen als Machtfaktor und Profilierungsinteressen von Stabsmitgliedern als „Hidden Agenda“ identifiziert werden. Intention des Praxisteils war die Einrichtung einer TEL mit den vorgesehenen Stabsfunktionen unter Beteiligung von Fachberatern und dem ELW-2 Kreis Bergstraße als Führungsmittel sowie die Einrichtung von Einsatzabschnittsleitungen. Die Zusammensetzung der Positionen in den Einsatzabschnittsleitungen und im ELW-2 erfolgte nach dem persönlichen Fortbildungsbedarf der Teilnehmer und der jeweiligen individuellen Qualifizierung.

Abb. 1: ELW-2 Kreis Bergstraße – Führungsmittel für eine Führungsgruppe

Jörg Oberkinkhaus B.A. stv. Sachgebietsleiter ­Katastrophenschutz Kreis Bergstraße Amt für Brand- und ­Katastrophenschutz Graben 15 64646 Heppenheim joerg.oberkinkhaus@ kreis-bergstrasse.de

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IM EINSATZ

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Fortbildungsziele: • Training von Führungsabläufen und Strukturen in einer Großschadenslage • Training der stabsspezifischen Prozessabläufe und Rollen in der TEL und im Stab (Aufgabenverteilung, Lagedarstellung, Lagebesprechungen, Führungsprozesse, Wissen über Abläufe und Zuständigkeiten, Rückmeldungen geben und einfordern, Kooperation mit Fachberatern) • Einrichtung von Einsatzabschnittsleitungen (EAL) • Training gezielter Entscheidungsfindungsprozesse unter Einbeziehung der unterschiedlichen Fachkompetenzen in der Gruppe • Kommunikationstraining • Training von technischen und nicht-technischen Kompetenzen. Für die Darstellung der Übungslage wurde ein Realeinsatz (Großbrand im Industriegebiet Lampertheim) aufbereitet und durch die Übungsleitung eingespielt. Die allgemeine Lage entsprach dem Übungstag, die Schadenslage wurde im Rahmen einer Einführung bildlich dargestellt, die eigene Lage war durch die in der Lagesimulation bereits im Einsatz/auf der Anfahrt befindlichen Einheiten initial vorgegeben, die örtliche Einsatzleitung war bereits vor Ort. Mit dem Eintreffen des ELW-2 wurden die nachgeordneten Führungsstrukturen aufgebaut und entwickelt, zwei Einsatzabschnittsleitungen jeweils in einem ELW-1 installiert. Die Übungsleitung steuerte die Lage mit fünf Mitarbeitern, reagierte auf Anforderungen, spielte Lageveränderungen ein, stellte operative Einheiten dar, forderte Lagedarstellungen ab, erzeugte Zeitdruck etc. Die Lagedarstellung bildete hierbei eine dynamische Situation mit einer Unsicherheit in der Entwicklung und einer eingeschränkten Prognostizierbarkeit der Lageentwicklung. Die Kommunikation wurde durch die Übungsleitstelle abgewickelt. Während durch die funktionale Gliederung der TEL und der Einsatzabschnittsleitungen die Rollenverteilung vorgegeben war, führte die Inhomogenität der Teilnehmer zu einer längeren „Sozialisierungszeit“: Im Gegensatz zu einem „ständigen Stab“ musste eine gemeinsame Findungsphase der aus unterschiedlichen Fachdiensten stammenden Teilnehmer durchlaufen werden (interorganisationale Zusammenarbeit). Zusätzlich mussten sich die Teilnehmer in eine dynamische Gesamtlage einfügen und die unterschiedlichen Lagebereiche mit ihren Ver-

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FÜHRUNG

knüpfungen und Auswirkungen auf Entscheidungsprozesse in ihrer Komplexität erfassen, berücksichtigen und diskutieren, um schrittweise einen Übergang von der Reaktions- zur Aktionsphase zu vollziehen. Hierbei konnte insgesamt auch eine Abgrenzung zum operativen Einsatzmanagement erkannt werden, d.h. kein Rückfall in die gewohnte alltägliche Arbeitsweise der Führungsstufen „A“ und „B“ und Einhaltung der notwendigen Distanz zu den operativ-taktische Maßnahmen in den Abschnitten.

Abb. 2: Informations- und Kommunikationsbereich (IuK) im ELW-2 Kreis Bergstraße: Feuerwehr und THW bilden ein Team

Abb. 3: Einsatzabschnitts­leitung – lokale Lageerfassung und -darstellung

Ein besonderer Aspekt lag in der Lageerfassung, Lagebeurteilung und Lagedarstellung. Nach der Lageeinordnung (Einzellage?, Flächenlage?, Ereignis abgeschlossen?, dynamisches Ereignis?) erfolgte ein kontinuierliches Einströmen von Lageinformationen aus den Einsatzabschnitten. Diese Informationen mussten gesichtet, eingeordnet, auf Relevanz und Validität geprüft, priorisiert, zugeteilt und auf der Lagekarte visualisiert werden. Da die TEL räumlich abgeschottet von der realen Lage agierte und eine „Vor-Ort-Erkundung“ nicht möglich war, erfolgten im ELW-2 regelmäßig terminierte Lagebesprechungen mit den Einsatzabschnittsleitern. So konnte nicht nur ein gemeinsames Lagebild erarbeitet und überprüft werden, sondern auch ein Abgleich über das „gemeinsame mentale Modell“ und die Einsatzziele erfolgen. Die manuell geführte Lagekarte war hierbei das zentrale Informationsmedium für alle Mitarbeiter in der TEL und wurde im Informationsmanagement durch den jeweiligen Lagevortrag als weiteres zentrales Element ergänzt. Lagekarte und Lagevortrag bildeten hierbei die gemeinsame Schnittstelle aller Einsatzmaßnahmen (Synchronisierung des Lagebildes). Die Kommunikation nach außen wurde über die Funkarbeitsplätze im ELW-2 abgewickelt, wobei zwischen Führungsstab und IuK-Bereich der „Vierfachvordruck“ verwendet wurde. Die Verwendung des klassischen „Vierfachvordrucks“ führte systembedingt zu einer Entschleunigung im Arbeitsablauf, erhöht aber auch die direkte Kommunikationsfähigkeit (kein „Verstecken“ hinter Bildschirmen, eine ausschließlich elektronische Variante kann sich negativ auf den Kommunikationsablauf auswirken, da weniger „miteinander“ statt „elektronisch übereinander“ kommuniziert wird). Seitens der Teilnehmer wurde die Veranstaltung als praxisnah angesehen und positiv bewertet – Wiederholung folgt. 

Abb. 4: Lagedarstellung im ELW-2

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FÜHRUNG

Interdisziplinärer Führungsstab:

Teamarbeit beim NATO-Gipfel 2009 in Baden-Baden K. Ullwer · K. Homrighausen Die Besetzung eines Führungsstabes sollte nach gründlicher Vorüberlegung und in Abhängigkeit der zu erwartenden Einsatzsituationen erfolgen. Es geht also sowohl um die grundsätzliche Gestaltung von Führungsstäben im Rah­ men der Einsatzplanung als auch um den konkreten Einsatzfall. Nach der Ka­ tastrophenschutz-Dienstvorschrift (DV) 100 bzw. der Verwaltungsvorschrift Stabsarbeit Baden-Württemberg ist die Grundgliederung der Stabsfunk­ tionen klar definiert. Die Ausarbeitung auf Ebene der Gebietskörperschaft erfordert ein flexibles und fachlich breit aufgestelltes Personaltableau. Im vorliegenden Artikel geht es primär um die Führungsstabsgestaltung bei Großschadenslagen bzw. um einen präventiv eingerichteten Führungsstab zur möglichen Bewältigung solcher Lagen bei einer Großveranstaltung. Ein prägnantes Beispiel hierfür stellt der NATO-Gipfel im Jahr 2009 in BadenBaden dar.

Abb. 1: Der Aufbau des Führungsstabs beim NATOGipfel 2009 in Baden-Baden

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IM EINSATZ

Umständen kommen aufgrund anderer Schadensereignisse weitere Maßnahmen aus dem Bereich Spezialrettungsdienst hinzu, z.B. Bergund/oder Wasserrettung. Die Grundlage der Stabsarbeit im Bereich der nichtpolizeilichen öffentlichen Gefahrenabwehr kommt aus den Reihen der Feuerwehren und des Technischen Hilfswerks. Dies spiegelt sich häufig in der Besetzung der Führungsstäbe wider: ein relativ hoher Anteil der Kräfte kommt aus diesen Bereichen. Für die Bewältigung von technischen Lagen oder Brandereignissen steht somit eine hohe Fachkompetenz mit schneller Entscheidungskompetenz zur Verfügung. Die medizinische Absicherung dieser Lage wird in der Regel über den Fachberater Rettungs-/Sanitätsdienst geleistet. Die einzelnen Sachgebiete bedienen sich dessen Unterstützung bzw. übertragen fachspezifische Aufgaben direkt an die Fachberatung. Bei Schadensereignissen mit einer Vielzahl von Betroffenen ist es notwendig, die Trennung von Sachgebiet und Fachberater aufzugeben. Jedes Sachgebiet muss mit der notwendigen Schwerpunktdisziplin besetzt sein, um schnelle Handlungsabläufe und -kompetenzen zu gewährleisten. Eine duale Sachgebietsbesetzung mit qualifizierten Führungskräften der einzelnen Fachdisziplinen z.B. bietet diese Handlungsabläufe und beinhaltet die entsprechenden Fachkompetenzen. Die hier charakteristischen Handlungsabläufe ermöglichen einen effektiveren Entscheidungsprozess.

Betrachtet man den grundsätzlichen Aufbau des Führungsstabes, fallen für die Planungsstrategie die Kompetenzverteilungen auf, die eine interdisziplinäre Stabsbesetzung (S1 bis S4) fordern. Die in Abb. 2 dargestellten Sachgebiete beschreiben einen breit gefächerten Führungsablauf, der in der Regel schwerpunktmäßig feuerwehrtechnische und rettungs- bzw. sanitätsdienstliche Inhalte bearbeiten muss. Unter

Kommunikationsabläufe straffen Oftmals ist der Informationsfluss bzw. der Entscheidungsablauf in Stäben mit einer scharfen Disziplintrennung in den Sachgebieten – und somit nicht-paritätisch gestalteter Struktur – sehr schnell, in den personell „minderbesetzten“ Disziplinen hingegen deutlich langsamer.

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Die Verschiebung von Einheiten aus dem medizinischen Bereich sowie die großflächige Leitung der Kräfte und die Steuerung weiträumiger Versorgungskapazitäten sind sehr komplexe Aufgaben. Die Stabsbesetzung in dem oben aufgeführten Verhältnis 4:1 führt so zwangsläufig zu einer vorhersehbaren Engstelle. Dies wiederum führt zu verzögerten Entscheidungsabläufen und wirkt sich so unmittelbar auf den Einsatzerfolg und dessen Abarbeitungszeit aus. Ein Grundsatz der Einsatzleitung ist: „Richtiges Personal zur richtigen Zeit am richtigen Ort“. Nach dieser Prämisse ist die Aufstellung von Führungsstäben und deren interdisziplinäre Besetzung eine originäre Führungsaufgabe. Im Rahmen des NATO-Gipfels 2009 wurde ein Stab etabliert, der aus Kräften der BF Stuttgart, der Feuerwehr Baden-Baden, dem DRK (KV Müllheim e.V.) sowie LNA des Rettungsdienstbereichs Mittelbaden bestand. Dieser wurde weiter durch Vertreter und Fachberater vom THW sowie ortsansässigen Organisationen und Behörden unterstützt. Interdisziplinäre Teamarbeit in der realen Aufgabenerfüllung, das war das Motto, nach dem der Stab gestaltet wurde und seine Arbeit ausführte. Der primäre Auftrag des Führungstabes Baden-Baden war die Koordination der Kräfte in den Bereichen: • Bereitstellungsraum, • rettungs- und brandschutzdienstliche Absicherung einer Demonstration, • rettungs- und brandschutzdienstliche Absicherung der Konferenz und • Schnittstellen zur Behördenvertretung. Zur Erfüllung dieser primären Aufgaben wurde in den organisatorischen Rahmenplanungen eine dual wirkende Kommunikationsstruktur hergestellt. Zwei ELW (BF Stuttgart, DRK Müllheim) wurden als Fernmeldebetriebsstelle etabliert. Zur Verschlankung der Führungsstruktur wurden hier die Abschnittsleitungen für den Bereich Demonstration und MANV (Führungs-

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Tab. 1: Die Besetzung der Sachgebiete S1/Personal und innerer Dienst

gD Beamter, BF Stuttgart OrgL mit Zusatzqualifikation Stabsarbeit, DRK Müllheim

S 2/Lage und Einsatztagebuch

gD Beamter, BF Stuttgart ZF Führungsgruppe, DRK Müllheim

S3/Einsatz

gD Beamter, BF Stuttgart LNA Rettungsdienst, Bereich Mittelbaden OrgL mit Zusatzqualifikation Stabsarbeit, DRK Müllheim

S 4/Versorgung

gD Beamter, BF Stuttgart THW-Führungskraft

FÜHRUNG

Da viele Führungsstäbe aus Reihen der technischen Komponenten besetzt sind, ist folgende situative Kommunikationsstruktur ein mögliches Ergebnis. Sachgebiete S1 bis S4 sind mit entsprechend qualifizierten technischen Führungskräften besetzt, der medizinische Bereich wird durch die Funktion des Fachberaters SAN ausgefüllt. Bei der Betrachtung von stabsmäßig geführten Ereignissen wird deutlich, dass das Gros dieser Lagen immer mit einer Vielzahl von Betroffenen und Verletzten einhergeht.

organ für vorgeplante MANV-Struktur) in die Fernmeldebetriebsstelle involviert. Aufgrund der begrenzten Räumlichkeiten wurde der Führungsstab in Bürocontainern untergebracht. Ein Container wurde als Stabsraum verwendet, ein weiterer als Innerer Dienst Raum. Hier standen sämtliche Materialien wie Drucker usw bereit. Die Kernfunktionen nach VwV-Stabsarbeit wurden durch die in Tab. 1genannten Qualifikationen besetzt, die je nach Einsatzschwerpunkt tätig werden konnten. Aus der in Tab. 1 resultierenden Entscheidungskompetenz wurden die üblichen Kommunikationsabläufe, die aus Übungen oder Einsätzen bekannt sind, deutlich gestrafft. Die Rückfragen aus den Sachgebieten an die Fachberater und vice versa wurden somit „gegen Null“ gefahren. Ferner kann durch die interdisziplinäre Berichterstattung auch die Zeit zum Abfassen der Berichte ohne Informationsverlust reduziert werden. Durch die Nutzung der beiden ELW als Fernmeldebetriebsstelle konnten die jeweiligen Disziplinen in ihrem Fachbereich zu den entsprechenden Abschnitten Kontakt halten und die Informationen gebündelt an die Sachgebiete übermitteln. In dieser Konzeption kommen die Erfahrungswerte der Fernmelder und Führungskräfte aus den Regellagen voll zum Tragen. Die Fernmelder, die in aller Regel die örtlichen Führungskräfte unterstützen, kennen dann im Falle der Stabsführung in Führungsstufe D die Belange der zu führenden Einheiten.

Fazit Nach Auswertung der taktischen Abläufe bestätigte sich das Konzept der interdisziplinären Führung als effizient. Dennoch bleibt die Forderung nach kontinuierlichen Aus- und Fortbildungen in der Stabsführung. Das umfasst auch die ständige Einbindung weiterer Fachberater und Verbindungspersonen. 

Kai Ullwer Kommandant Feuerwehr Heitersheim Stellv. Leiter Rettungsdienst DRK Müllheim Stud. B.A./SteinbeisHochschule k.ullwer@kv-muellheim.drk.de Dr. Karsten Homrighausen 2. Stv. Kommandant Feuerwehr Stuttgart Leiter Abteilung Einsatz Branddirektion Stuttgart karsten.homrighausen@ stuttgart.de

IM EINSATZ

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PORTRÄT

Die Bergwacht im Deutschen Roten Kreuz:

Notfallmedizin als integraler Be­ standteil der modernen Bergrettung V. Lischke · A. Berner · U. Pietsch · R. Seibert Das Überleben verunfallter oder akut erkrankter Personen wird von der Schnelligkeit und Qualität der notfallmedizinischen Versorgung bestimmt. Abseits der Straße und im unwegsamen Gelände bestehen zusätzliche He­ rausforderungen an alle eingesetzten Rettungskräfte. Mit ihren ehren­ amtlichen Mitgliedern garantiert die Bergwacht die notfallmedizinische Versorgung aller Winter-, Freizeit-, Wander- und Klettersportregionen in Deutschland. Speziell ausgebildete Bergwacht-Einsatzkräfte werden boden­ gebunden oder in Zusammenarbeit mit der Luftrettung an die unwegsamen Einsatzstellen herangeführt und übernehmen dort in Zusammenarbeit mit Bergwacht-Notärzten die Versorgung und Stabilisierung der Patienten. Hier­ bei müssen Absturz-, Steinschlag- und Lawinengefahr sowie klimatische Um­ gebungsbedingungen im Gebirge berücksichtigt werden. Schließlich erfolgt entsprechend der Einsatzsituation die Rettung mit speziell entwickelten Ret­ tungsmitteln über unterschiedlich lange Distanzen zur Übergabe an den or­ ganisierten bodengebundenen Rettungsdienst, an die Luftrettung bzw. der direkte Transport in ein geeignetes Krankenhaus.

Die Notfallmedizin umfasst die Erkennung und Behandlung drohender oder eingetretener medizinischer Notfallsituationen, die Wiederherstellung und Aufrechterhaltung der vitalen

Funktionen sowie die Herstellung der Transportfähigkeit. Das von Kirschner 1938 aufgestellte Postulat, „der Arzt solle möglichst zum Patienten und nicht der Patient zum Arzt kommen“ (10), ist im modernen Rettungsdienst in städtischen bzw. ländlichen Einsatzgebieten durch den Einsatz von boden- und luftgebundenen Rettungsmitteln meist erfüllt. Der straßengebundene Rettungsdienst versorgte in Deutschland 1998/99 in einem Anteil von 44% internistische Notfälle (15). Im selben Zeitraum entfielen in Österreich bei insgesamt 623 Toten im alpinen Bereich nur 29,5% auf internistische Krankheitsbilder, jedoch 70,5% auf alpine Unfälle (1). Vom schottischen Bergrettungsdienst wurden 1998/99 ebenfalls in ca. 22% Alpinnotfälle mit internistischem, jedoch ca. 78% mit traumatologischem Hintergrund versorgt (6). Demzufolge überwiegen in der alpinen Notfallmedizin insbesondere die traumatologischen Not- bzw. Todesfälle.

Abb. 1: Im unwegsamen Gelände bestehen zusätzliche Herausforderungen an alle eingesetzten Rettungskräfte

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PORTRÄT

Der alpine Massentourismus (z.B. alpiner Wintersport, klassischer Alpinsport, Bergwandern) hat im letzten Jahrhundert zu einer Steigerung der alpinen Notfälle geführt. Hauptursache für Bergnotfälle war in der Vergangenheit die oft schlechte Alpinausrüstung. Trotz der verbesserten Ausrüstung kommt es in der Gegenwart aufgrund fehlender Ausbildung im Umgang mit diesem Equipment sowie fehlender körperlicher Fitness bzw. mangelnder Informationen über alpine Gefahren weiterhin zu Notfällen in alpinen Regionen. Ob der Klimawandel z.B. durch Rückgang des Permafrostes Einfluss auf die Häufigkeit von Bergunfällen hat, wird kontrovers diskutiert (13). Die Etablierung neuer Trendsportarten (alpines Drachen- und Fallschirmfliegen, Basejumping, Mountainbiken, alpines Freeriding) gemäß dem Slogan „no risk – no fun“ hat zu einer weiteren Steigerung der Bergunfall- bzw. Notfallhäufigkeit geführt. Heute müssen die alpinen Rettungsdienste zudem auf den Massenanfall von Verletzten in alpinen Regionen vorbereitet sein, wie tragische Ereignisse in der jüngsten Vergangenheit zeigten. Ungeachtet der gestiegenen absoluten Häufigkeit von Unfällen und anderweitiger medizinischer Notfälle in den Bergen ist die Zahl der verstorbenen Notfallpatienten im Gebirge in den europäischen Alpen seit 1987 nicht dras­ tisch gestiegen (12). Die Quote der tödlich verunfallten Mitglieder des Deutschen Alpenvereins nahm seit 1952 laut DAV-Unfallstatistik im Mittel stetig ab und bewegt sich seit 2007 auf dem niedrigsten Niveau (3). Ursächlich hierfür ist neben der Weiterentwicklung der Alpinsportausrüstung und der alpinen Rettungstechniken (11) in den letzten Jahrzehnten sicherlich auch die Existenz hochqualifizierter Bergrettungsorganisationen in Europa. Diese sind in der „Internationalen Kommission für alpines Rettungswesen“ (IKAR) zusammengefasst, deren Subkommissionen für die Lawinen-, Luft- und Bodenrettung sowie für alpine Notfallmedizin international anerkannte Empfehlungen zur Bergrettung erstellen.

Entwicklung der Bergrettung in Deutschland Seit ihrer Gründung 1920 in München übernimmt die Bergwacht in Deutschland die Aufgabe der Bergrettung im unwegsamen Gelände abseits von Straßen und Wegen im Mittel- und

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Hochgebirge (Abb. 2). Der zu Beginn der Bergrettung übliche behelfsmäßige Abtransport medizinisch nur laienhaft versorgter verunfallter Alpinisten durch (Berg-)Kameraden, insbesondere zum Schutz vor schädlichen Witterungseinflüssen und alpinen Gefahren, erfolgt heute üblicherweise nur über eine kurze Distanz im einfachen Gelände (oder in Bergregionen ohne organisierten Bergrettungsdienst). Die Entwicklung alpiner Rettungsgeräte wie Stahlseilgerät, Bergwacht-Streckschiene, Gramminger-Sitz und Akja am Ende des Zweiten Weltkrieges war ein „Meilenstein“ in der Geschichte der Bergwacht. Hiermit konnten verunfallte Berg- und Skisportler zunehmend auch über größere Distanzen und gegen äußere Witterungseinflüsse und alpine Gefahren sicher geschützt durch hierfür ausgebildete (Laien)-Helfer („Samariter“) schonend abtransportiert werden. Dabei wurde die (notfall-)medizinische Versorgung vor Ort oft vernachlässigt oder – wenn überhaupt – auf ein Minimum reduziert. Die zunehmende Verwendung von Luftfahrzeugen zur Bergung der alpinen Notfallpatienten seit den 50er Jahren (9)

Abb. 2: Einsatzgebiete der Bergwacht im Roten Kreuz, der Bergwacht Schwarzwald e.V. und der Bergwacht Bayern im Bayerischen Roten Kreuz (Quelle: www.bergwacht.de)

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PORTRÄT

Tab. 1: Bergrettungsdienste im deutschsprachigen Alpenraum •

Alpine Rettung Schweiz, Schweiz

Bergrettung Liechtenstein, Liechtenstein

Bergrettungsdienst im Alpenverein Südtirol, Italien

Bergwacht im Bayerischen Roten Kreuz, Deutschland

Bergwacht im Deutschen Roten Kreuz, Deutschland

Bergwacht Schwarzwald e.V., Deutschland

Kantonale Walliser Rettungsorganisation, Schweiz

Österreichischer Bergrettungsdienst, Österreich

Südtiroler Berg- und Höhlenrettung, Italien

(ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

und der Einsatz von Notärzten mit alpiner Ausbildung und Erfahrung in den vergangenen Jahrzehnten sind Beispiele für diese konsequente Weiterentwicklung in der Bergrettung.

Gegenwärtige Situation – organisatorische Voraussetzungen Gegenwärtig existieren in allen europäischen Alpenregionen organisierte Bergrettungsdienste (Tab. 1), die überwiegend auf freiwilliger und ehrenamtlicher Basis aus nationalen Alpinsportvereinigungen oder professionellen Bergführerverbänden entstanden sind. Teilweise bestehen auch private, kommerzielle und kommunale oder staatliche Institutionen, die eine organisierte Berg- und Luftrettung betreiben oder sich im Rahmen der Luftrettung an Bergrettungseinsätzen beteiligen. Ebenso halten die meist privaten oder kommunalen Betreiber von Bergbahnen und Skiliften in verschiedenen Alpenregionen eigene betriebliche Rettungsdienste zur Versorgung verunfallter Touristen und Sportler in deren Tätigkeitsgebieten oder alpinen Versorgungsregionen vor. Tab. 2: Qualifikationen für medizinisches Personal in der Bergrettung gemäß ­Publikation ICAR-Medcom vom 27. Januar 2008 von J. Ellerton (4) Medically qualified doctor

Common course

UIAA/ICAR/ISMM Diploma in Mountain Medicine

Medically qualified doctor registered in their country of origin to practise emergency medicine

Common course & rescue speciality course

UIAA/ICAR/ISMM Diploma in Mountain Medicine and title “Mountain Emergency Doctor“

Nurse or paramedic

Common course

UIAA/ICAR/ISMM Certificate in Mountain Medicine

Nurse or paramedic registered in their country of origin to practise emergency medicine

Common course & rescue speciality course

UIAA/ICAR/ISMM Certificate in Mountain Medicine and title “Mountain Emergency nurse or paramedic“

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Mit ca. 13.000 meist ehrenamtlichen Mitgliedern garantiert die Bergwacht bundesweit mit medizinischem und rettungstechnischem Know-how die rettungsdienstliche bzw. notfallmedizinische Versorgung von Ski-Pisten und -Loipen sowie Freizeit-, Wander-, Kletter- und Gebirgsregionen in Deutschland. Organisiert in mehr als 200 Bereitschaften und 11 Landesverbänden (Bergwacht im DRK) einschließlich der Bergwacht Schwarzwald e.V. und der Bergwacht Bayern des BRK ist die Bergwacht somit ein wichtiger integraler Bestandteil eines ganzheitlichen Rettungssystems in Deutschland. Die Durchführungs- und Organisationsverantwortlichkeit der organisierten Bergrettung ist auf gesetzlicher Ebene in verschiedenen Rettungsdienstgesetzen der Bundesländer verankert. In ihrem Aufgabengebiet bedient sich die Bergwacht – soweit wettertechnisch möglich – der vorhandenen Mittel der Luftrettung mit Rettungshubschraubern in Deutschland. Gegenwärtig ist es im europäischen Alpenraum durch den Einsatz leistungsstarker Rettungshubschrauber mit speziell ausgebildeter Besatzung gelungen, das Ideal einer kurzen Such- und Rettungsoperation in Verbindung mit einer den äußeren Umständen angepassten notfall­ medizinischen Versorgung der Patienten auch in (Hoch-)Gebirgsregionen zu realisieren. Geschulte aktive Einsatzkräfte der Bergwacht werden aufgrund ihrer Ausbildung und Ausrüstung zusätzlich im Bereich der Seilbahnrettung bzw. -Evakuierung, der Höhenrettung an Hochhäusern bzw. exponierten Industriegebäuden, in der Höhlenrettung sowie bei der Rettung verunfallter oder erkrankter Trendsportler z.B. aus wasserführenden Schluchten (Canyoning-Rettung) eingesetzt. Die Ausbildung der aktiven Einsatzkräfte der Bergwacht erfolgt sowohl gemäß eigener Ausbildungsrichtlinien als auch den internationalen Empfehlungen der IKAR über die Ausbildung von Bergrettern aus dem Jahr 2007 (5). Hinsichtlich der ärztlichen Anforderungs-, Ausbildungs- und Weiterbildungsprofile in der Bergrettung wurden begleitend zu bergwachtinternen Ausbildungsgängen im Jahr 2001 eine einschlägige internationale Empfehlung von der medizinischen Kommission der IKAR (IKAR Medcom) publiziert (14) und deren Inhalte in einer weiteren Publikation der IKAR zum „Diploma in Mountain Medicine“ (DiMM) konkretisiert (4). Die 100-stündige Ausbildung zum

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PORTRÄT

DiMM umfasst sowohl theoretische als auch praktische Inhalte der Alpin-, Höhen- und Expeditionsmedizin. Nach erfolgreich absolvierter Prüfung erfolgt eine weitergehende 40-stündige rettungstechnische Ausbildung zum „Mountain Emergency Doctor“ (MED). Da im alpinen Rettungsdienst zunehmend Rettungshubschrauber eingesetzt werden, muss der alpin tätige Notarzt ebenso Grundkenntnisse und Erfahrungen im Umgang mit dem Rettungshubschrauber besitzen sowie über Informationen zu potenziellen Gefahren dieser Rettungssysteme verfügen, die in einer 16-stündigen Ausbildung in der Hubschrauberrettung vermittelt werden.

Technische Voraussetzungen Dank der modernen Kommunikationsmittel können häufig in kürzester Zeit bei alpinen Notfällen die Rettungsleitstellen, Bergrettungszentralen oder andere Alarmzentralen alarmiert und nachfolgend planmäßige Rettungsmaßnahmen eingeleitet werden. Von einer flächendeckenden Mobilfunknetzabdeckung des gesamten Alpenraums darf jedoch nicht ausgegangen werden. Gegenwärtig wird der gesamte deutsche Alpenraum von einem dichten Netz an arztbesetzten Rettungshubschraubern versorgt. Hierbei verfügen aktuell in Deutschland „Christoph 1“ in München und „Christoph Murnau“ ebenso wie „Christoph 27“ in Nürnberg über eine Rettungswinde, während „Christoph 14“ in Traunstein und „Christoph 17“ in Kempten zur Rettung verunfallter Alpinisten aus unwegsamem Gelände Bergetau-Systeme einsetzen können. Zusätzlich werden bei Bedarf auch Hubschrauber der Bayerischen Polizei, der Bundespolizei und der Bundeswehr mit Rettungswinde eingesetzt. Bei ungünstiger Witterung bzw. bei Nacht ist der Einsatz von Rettungshubschraubern in der Bergrettung in Deutschland stark eingeschränkt. Daher können nur etwa 85% aller Rettungsmissionen mit dem alleinigen Einsatz des Rettungshelikopters durchgeführt werden, etwa 10% erfolgen durch Zusammenarbeit der Luftrettung und bodengebundener Bergretter, weitere ca. 5% werden ausschließlich terres­ trisch abgewickelt. Aufgrund der Vorgaben der europäischen Luftfahrtbehörde werden zunehmend zweiturbinige Rettungshubschrauber auch in der

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Gebirgsluftrettung eingesetzt. Hierdurch wird die Sicherheit für das fliegende Personal bei einem Bergrettungseinsatz erhöht.

Abb. 3: Unfassbarer Leichtsinn und mögliche Ursache eines Bergrettungseinsatzes: „Gipfelstürmer“ in Flipflops

Trotz gesteigerter Turbinenleistung moderner Rettungshubschrauber sollte das Startgewicht durch Verzicht auf unnötige Ausrüstung auf ein Minimum reduziert werden, um hierdurch die maximale Flughöhe insbesondere im sommerlichen Hochgebirge zu steigern. Neben der unverzichtbaren Standardausrüstung des Rettungshubschraubers wird je nach Einsatz­ indikation zusätzliches Material für Nachteinsätze, Lawinenunfälle, Gletscherspaltenstürze oder Evakuierungen aus Seilbahngondeln situationsgerecht ergänzt.

Notfallmedizinische Ausrüstung Im Rahmen einer Rettungsaktion der Bergwacht wird eine notfallmedizinische Basisausstattung im Bergwacht-Notfallrucksack mitgeführt. Einsatzspezifisch können weitere medizinische Materialien zur Einsatzstelle verbracht werden. Die notfallmedizinische Ausrüstung des Bergwacht-Notarztes sollte einsatzspezifisch durch Medikamente, Infusionslösungen, Intubations- und/oder chir. Basisbesteck etc. ergänzt werden, wobei jedoch Gewichtsprobleme zu beachten sind. Zur Lagerung, Immobilisation und Rettung des Patienten dienen je nach Einsatzsituation eine Vakuummatratze in Kombination mit einer HWS-Immobilisationsschiene und ein luftfahrttauglicher Bergrettungssack. Zum Transport im winterlichen Gelände wird üblicherweise der weiterentwickelte Akja bzw. im

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PORTRÄT

ausgebildet und geübt sein, situationsabhängig werden auch Lawinen-Airbag-Systeme (ABS) getragen.

Einsatztaktik und Bergrettungstechnik

Abb. 4: Moderne Luftrettung mit leistungsstarker Rettungswinde

felsigen Gelände eine stabile Gebirgstrage eingesetzt.

Alpintechnische Ausrüstung des Notarztes Während des Einsatzes trägt der BergrettungsNotarzt zusätzlich zu wettertauglicher Einsatzbekleidung und steigeisenfesten Bergschuhen einen Anseilgurt, um jederzeit alpintechnisch gesichert oder mittels Winde bzw. Bergetau des Rettungshubschraubers zum Patienten gebracht werden zu können. Zusätzlich müssen Steigeisen bzw. Touren-Ski vorgehalten werden. Mittels kombiniertem Steinschlag-/Funkhelm und einer entsprechenden Funkausrüstung besteht jederzeit eine Kommunikation zu den anderen Einsatzkräften. Da Rettungseinsätze nach Lawinenabgängen häufig bei insgesamt erhöhter Lawinengefahr durchgeführt werden (7, 8), muss der Bergwacht-Notarzt im Umgang mit dem Lawinen-Verschütteten-Suchgerät

Beim Eingang eines alpinen Notrufes entscheidet der Einsatzbearbeiter der Rettungsleitstelle in Zusammenarbeit mit dem ortskundigen Einsatzleiter der Bergwacht entsprechend dem Meldebild, der Wetterlage und der vorhandenen Einsatzmittel über Art und Umfang der Rettungsaktion. Hierbei müssen die Höhenlage, Hangneigung, Bodenbeschaffenheit und alpine Besonderheiten der Einsatzstelle, die Unfall­ ursache, das spezifische Verletzungsmuster und die Zahl der beteiligten Alpinisten berücksichtigt werden. Soweit notwendig werden weitere Bergwachthelfer, Hundeführer, Bergführer bzw. ein Bergwacht-Notarzt alarmiert. Vom vereinbarten Treffpunkt erfolgt der weitere Transport zur Einsatzstelle mittels Geländewagen, Pistenraupe, Seilbahn, Skidoo oder All Terrain Vehicle bzw. Rettungs- oder Transport­ hubschrauber. Die Landung des Rettungshubschraubers an der Unglücksstelle ermöglicht die medizinische Versorgung der Patienten durch den Notarzt in Zusammenarbeit mit dem Flughelfer. Nach entsprechender Erstversorgung und Stabilisierung der Patienten kann dieser direkt in den Rettungshubschrauber gebracht werden. Ist eine Landung an der Unfallstelle nicht möglich, werden der Notarzt und zusätzlich eingesetzte Bergretter schwebend („hovering“) oder mittels Rettungswinde bzw. Bergetau beim Verletzten abgesetzt. Im ungünstigsten Fall müssen die Bergretter den Patienten terrestrisch retten und abtransportieren. Hierzu werden heute je nach Geländeart üblicherweise unterschiedlich lange Statikseile in Kombination mit Faserseilwinden eingesetzt. Bei extrem ungünstiger Wettersituation muss auch vor Ort übernachtet und der Patient über einen längeren Zeitraum versorgt werden.

Abb. 5: Moderner Akja

Während seiner Tätigkeit im Rettungshubschrauber wird der Notarzt durch einen Flughelfer mit medizinischer Zusatzqualifikation als Rettungssanitäter oder -assistent unterstützt. Bei notwendigen Winden- oder Tau­bergungen verbleibt dieser Assistent jedoch als Winden­ operator sowie zur Unterstützung des Piloten im Hubschrauber, weshalb der Notarzt in dieser Situation auch ohne zusätzliche Unterstützung

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Bei Hochgebirgseinsätzen mit Bergungen aus extrem steilen Fels- und Eiswänden oder Gletscherspalten ist die Zusammenarbeit mit rettungstechnisch erfahrenen ortskundigen Bergführern bzw. Rettungsspezialisten notwendig. Aufgrund der besonderen Ortskenntnis, z.B. bezüglich vorhandener Berg-, Ski-, Seil- und Materialbahnen, kann die Einsatzstelle vom Piloten sicher angeflogen werden. Dank alpintechnischer Unterstützung durch diese Rettungsspezialisten bzw. Bergführer kann sich die medizinische Crew auch unter extremen alpinen Bedingungen insbesondere auf ihre notfallmedizinische Tätigkeit am Patienten konzentrieren.

Zukünftige Entwicklung der Bergwacht im DRK Gegenwärtig befindet sich die Bergwacht im DRK in einem umfangreichen Restrukturierungsprozess, um den sich verändernden Anforderungen an die Bergrettung als kompetenter Partner einer umfassenden rettungsdienstlichen Versorgung durch das DRK gerecht werden zu können. Wegweisend für die gemeinsame Arbeit der Bergwacht war der Bau und die Inbetriebnahme des „Zentrums für Sicherheit und Ausbildung“ der Bergwacht Bayern (BW-ZSA) in Bad Tölz im Oktober 2008, das zukünftig von allen Landesverbänden der Bergwacht sowie allen an der Gebirgsflugrettung beteiligten Partnern als Trainings- und Ausbildungszentrum insbesondere für die Luftrettung im Gebirge genutzt werden kann. In der entstandenen Simulationsanlage für die Berg- und Luftrettung wird durch die einzigartige Kombination der transparenten Hallenarchitektur, durch die Kran- und Steuertechnik und durch die originalgetreue Hubschrauberzelle das Gefühl eines echten Einsatzes vermittelt. Authentisches Freiraumgefühl und die Beweglichkeit der Zelle lösen die Grenzen zur Wirklichkeit auf. Der echte Hubschrauber, die echte Bewegung, der echte Wind, Lärm und die echte Höhe mit echten Einsatzszenarien erzeugen das notwendige Risikobewusstsein. In dieser Trainingsanlage kann die umfassende Ausbildung der Bergwacht unter optimierten Bedingungen so lange geübt werden, bis sich eine Routine ausbilden kann. Hierdurch entstehen ein gewünschter Sicherheitsgewinn und

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durch Rettungsdienstpersonal tätig werden muss.

notwendige Leistungsreserven für den Bergwachteinsatz. Unabhängig von Regen, Sturm oder Dunkelheit, bei denen im dramatischen Einsatz ein hohes Risiko eingegangen wird, können sich die Retter in der Simulationsanlage genau auf diese Situationen vorbereiten (2).

Abb. 6: Moderner Luft­ rettungsbergesack

Hierzu zählt aber auch die flächendeckende Ausbildung aller ehrenamtlichen Bergwachthelfer gemäß der neu erstellten Leitfäden „Bergwacht Grundausbildung Notfallmedizin“, „Sicherheitsunterweisung Gebirgsluftrettung“ bzw. „Standards Gebirgsflugrettung“. Auch die bundesweite Anpassung der BergwachtNotarztausbildung entsprechend den Empfehlungen der IKAR erfolgt durch das BW-ZSA.

Fazit Die Bergwacht garantiert in Deutschland die Rettung aus unwegsamem Gelände abseits der Straße in Mittel- und Hochgebirgsregionen. Im Gegensatz zum straßengebundenen Rettungsdienst mit überwiegend nicht-traumatologischen Einsatzindikationen überwiegen in der Bergrettung insbesondere traumatologische Notfälle. Begleitend zur alpinen Rettungstechnik ist die Notfallmedizin heute integraler Bestandteil der modernen Bergrettung. Leistungsstarke Rettungshubschrauber mit Rettungswinde oder Bergetau ermöglichen eine schnelle Heranführung von Einsatzkräften an die Einsatzstelle und nachfolgende Rettung verunfallter oder erkrankter Bergsportler. Bei eingeschränkten Witterungsbedingungen müssen Bergrettungseinsätze weiterhin jederzeit auch bodengebunden durch die Bergwacht durchgeführt werden. Alpinistisch erfahrene Ärzte können sich gemäß den Richtlinien der IKAR zum Alpin- oder Bergrettungsarzt weiterbilden. Durch moderne und einsatzerprobte Schulungskonzepte werden Einsatzkräfte der Bergwacht im „Zentrum für Sicherheit und Ausbildung“ in Bad Tölz auf die Anforderungen in der Bergrettung vorbereitet.  Literatur unter www.skverlag.de

Prof. Dr. Volker Lischke Hochtaunus-Kliniken gGmbH Bergwacht im DRK Air Zermatt Dr. Armin Berner Air Zermatt Klinikum Garmisch-Partenkirchen Bergwacht Bayern Dr. Urs Pietsch Air Zermatt Kantonsspital St. Gallen Bergwacht Schwarzwald e.V. Ralf Seibert Bergwacht Hessen

Interessenskonflikt: Der korrespondierende Autor versichert, dass keine Verbindung mit einer Firma, deren Produkte in dem Artikel genannt sind, oder einer Firma, die ein Konkurrenzprodukt vertreibt, besteht.

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Rettungshunde

Bergwacht-Lawinen- und Suchhundestaffel Chiemgau:

Wie Mia, Bacira und Kenn fliegen und retten lernen M. Leitner Im Leben von Mia, Bacira und Kenn ist es das erste große, spannende Win­ ter-Abenteuer am Berg: Die erst neun Monate alte Australian-ShepherdHündin und die beiden einjährigen Schäferhunde sind die Frischlinge beim 19. ein­wöchigen Winterkurs der Bergwacht-Lawinen- und Suchhundestaffel Chiemgau, die traditionell auf dem Hochplateau der Reiter Alpe ein Ausbil­ dungscamp bezogen hat und ungestört und abgeschottet von der Außenwelt die Suche nach verschütteten Wintersportlern trainiert.

Ihre Herrchen, die Bergwachtmänner Thomas Küblbeck aus Marktschellenberg, Achim Tegethoff aus Marquartstein und Hannes Jahrstorfer aus Bad Reichenhall, sind seit Jahrzehnten dabei und erfahren, doch die Junghunde stehen ganz am Anfang und müssen Schritt für Schritt auf ihren zukünftigen ernsten Job vorbereitet werden. Dass es dabei um Leben und Tod geht, ahnen die Vierbeiner nicht, denn für sie ist die Suche nur ein triebgesteuertes Spiel. Erst nach

rund drei Jahren, vielen Geduldsproben und hunderten Übungsstunden sind sie umfassend einsetzbar.

Der betonharte Schnee umhüllt meinen Körper Für die vierjährige Chica ist es nur ein Spiel, für den unter tonnenschwerem Schnee verschütteten Tourengeher zählt jede Minute. Der Marktschellenberger Bereitschaftsleiter und Hundeführer Martin Wagner gibt nur Handzeichen und die voll ausgebildete C-Hündin folgt wie an einer unsichtbaren Leine geführt und steuert schnurstracks auf mein Schneeloch zu. Es ist dunkel und kalt und ich kann mich nicht bewegen; der betonharte Schnee umhüllt meinen Körper und lässt mir nur eine winzige Atemhöhle. Im Loch hört man alles: das Sur-

Abb. 1: Nicht nur für Menschen, gerade für das feine Gehör des Lawinenhundes ist der Landeanflug eines Hubschraubers ohrenbetäubender Lärm. Eine frühzeitige Gewöhnung der Tiere ist daher wichtige Voraussetzung für die spätere Arbeit an den Maschinen

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In den diffusen Resten des Tageslichts, die durch den Schnee nach unten dringen, zeichnen sich flackernde Schatten ab, als der Lawinenhund vorbeihuscht. Sie sind ganz in der Nähe; gleich wittert er mich. Gefangen in der Bewegungslosigkeit des Lawinenfelds läuft ein Kopfkino ab, denn selbst die leisesten Geräusche dringen zu mir herab und präsentieren sich als bizarres Hörspiel. Ich bin verschüttet, aber verfolge genau, wie sie nach mir suchen. Ich will meinen Rücken etwas drehen, der vom langen Liegen bereits schmerzt; keine Chance, denn die Höhle ist zu eng und der Schnee zu hart. Das Schnüffelgeräusch kommt näher; ein Scharren über mir und es knirscht, als der Vierbeiner zu graben anfängt. „Einsatzleitung von Hundeführer – mein Hund verweist!“, schallt es aus den Funkgeräten der Suchmannschaft. Nach wenigen Minuten erscheint eine scharrende Pfote vor meinem Gesicht, dann folgt die Schnauze und schließlich blicke ich in die Augen meines vierbeinigen Retters, der mich im riesigen Lawinenfeld zielsicher gefunden hat. Zur Belohnung bekommt Chica ihr Bringsel, das liebste Spielzeug. Nur mit viel Mühe gelingt es den nachrückenden Schauflern, mich aus meiner misslichen Lage zu befreien. Klar, alles nur eine Übung, doch ohne fremde Hilfe wäre ich aus diesem Loch sicher nicht mehr herausgekommen.

Schneearmer Winter täuscht Sicherheit vor Auf dem Hochplateau zwischen Wartsteinkopf, Hirscheck und Weitschartenkopf liegt ausreichend Schnee für die geplanten Übungen. Sepp Steiner, der Herr über die Pistenraupe, ist seit Jahrzehnten dabei, er weiß genau, wo die Felsdolinen sind und schiebt darüber Berge der weißen Pracht zusammen, sodass die Mimen nach mühseliger Schauflerei in rund 2 m tiefen Höhlen eingegraben werden können. Im gesamten Alpenraum sterben jährlich rund 120 Menschen nach Lawinenverschüttung. Die Tendenz ist aufgrund immer größerer Risikobereitschaft steigend; der aktuell schneearme Winter tut sein Übriges und gaukelt vielen Wintersportlern eine vermeintlich komplette Gefahrenfreiheit vor. „Die Leute trauen sich mehr, was aber ein tödlicher Trugschluss sein kann, da die Lawinengefahr nicht nur von der Schneemenge,

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ren des Hubschraubers, der das Suchhundeteam per Winde abgesetzt hat, jeden Schritt der Helfer und das Schnüffeln des Hundes zwei Meter über mir. Wann werden sie mich finden? Die Zeit wird relativ im weißen Grab.

sondern vor allem auch von Gelände, Wind und Temperatur abhängt“, weiß Hunde-Ausbilder Helmut Lutz, der sich zusätzlich ehrenamtlich beim Lawinenwarndienst engagiert.

Vierbeiner lernen fliegen Bei den Bergwacht-Kursen auf der Reiter Alpe sind von Beginn an immer auch die Alpinhunde der Bayerischen Polizei mit dabei, die dort ihren Lawinenlehrgang absolvieren. „Wir BergwachtHundeführer profitieren von den Erfahrungen der Alpinbeamten, man kennt sich besser und arbeitet bei den gemeinsamen Einsätzen Hand

Abb. 2: Lawinenhundeführer sind bei der Bergwacht meis­ tens auch Einsatzleiter und damit Luftretter. Dennoch ist vor jeder Hubschrauber­ übung eine kurze Einweisung an der Maschine angesagt, damit bei allen Teilnehmern die Gefahrenstellen des Hubschraubers noch einmal ins Bewusstsein gebracht werden

Abb. 3: Passt das Hundegeschirr? Der Test zeigt, ob es irgendwo zwickt. Auch wenn es bei Lawinenunfällen immer um Menschenleben geht, beim Üben ist auch der Spaß dabei

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mit umfangreicher Ausrüstung, ein Patient und bei Lawineneinsätzen auch ein Hund im Fluggeschirr.

Abb. 4: Geradezu stoische Ruhe strahlt der Blick des Lawinenhundes aus. Für ihn ist klar: Es geht zu seinem liebsten Spiel. Sein Herrchen hingegen hat alle Hände voll zu tun mit Hund, Skiausrüstung, eigener Lawinenausrüstung und Hubschrauberaufhängung

Abb. 5: Der eine kommt, der andere geht. Hubschrauber sind für alle Beteiligten immer auch Stress. Bei einem gut eingespielten Lawinenhundeteam folgt der Hund seinem Herrchen aufs Wort, auch wenn man vor lauter Lärm gar nichts versteht

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in Hand zusammen“, lobt Hundeführer Hannes Jahrstorfer. Auf der Reiter Alpe ist heute Flugtag und zugleich Premiere: Michael „Much“ Partholl aus Ramsau, langgedienter Chef-Hundeausbilder bei Bergwacht und Polizei, kann zum allerersten Mal bei seinem Sohn Christian mitfliegen, der die Ausbildung zum PolizeiHubschrauberpiloten absolviert hat und heute zusammen mit dem Fluglehrer an seiner linken Seite im Cockpit von „Edelweiß 7“ sitzt. Die EC 135 P2 Plus ist mit einer 50-m-Rettungswinde ausgestattet, die bis zu 230 kg in einem Aufzug meistern kann – in der Praxis sind das ein Retter

Bei einem Alarm im Ernstfall passiert alles innerhalb weniger Minuten: Melden über Funk bei der Leitstelle, komplette Schutz- und Sicherheitsausrüstung anziehen und einpacken und geeigneten Landeplatz suchen. Der erste Hubschrauber holt das Suchhundeteam auf dem Anflug zum Lawinenkegel zu Hause, unterwegs oder am Arbeitsplatz ab; der Hund, die sperrigen Skier und Gepäck müssen in die Maschine, wobei das Ein- und Aussteigen gerade bei Windeneinsätzen nicht unproblematisch ist. Die Hunde tragen in der Maschine deshalb alle einen Maulkorb, denn wenn das Tier Panik bekommt, darf niemand verletzt werden. Damit sich die Vierbeiner an das tosende Ungetüm gewöhnen und bei Einsätzen nicht zappeln, flüchten oder gar wild herumspringen, werden schon Junghunde wie Mia, Bacira und Kenn bei Gewöhnungsflügen mit dem Stressfaktor Hubschrauber konfrontiert: Ein- und Aussteigen bei laufendem Rotor und Absetzen mit der Rettungswinde im Gelände stehen auf dem Programm. „Entgegen allen Erwartungen sind viele Hunde ganz brav, lassen sich in die Maschine heben oder springen sogar selbst hinein. Irgendwann weiß der Hund dann, dass, wenn der Hubschrauber kommt, gleich sein Suchspiel losgeht und er gefordert wird; das liebt er“, berichtet Staffelleiter Stefan Strecker.

Ein Hund ersetzt 20 Mann Ein Lawinenhund ersetzt bei der Suche nach Verschütteten und Vermissten 20 Bergwachtleute und sein Geruchsvermögen ist rund 50 Mal besser als das des Menschen: Nach wie vor ist der Einsatz von Hunden die effektivste Methode, um Lawinenopfer schnell und wirkungsvoll aufzuspüren. Auf der Lawine verweist der Hund durch Scharren im Schnee, bei der Flächensuche im Sommer zeigt er dem Hundeführer an, dass er etwas gewittert hat, indem er zurückkommt und sein Bringsel, das er immer um den Hals trägt, ins Maul nimmt. „Früher haben wir die Hunde so ausgebildet, dass sie durch Verbellen einen Fund anzeigen“, erklärt Strecker. Da die Vierbeiner dadurch aber auch teilweise aggressiv werden, den Patienten einschüchtern und ihm Angst machen, wird mittlerweile nur noch mit dem Bringsel gearbeitet. Bei der rund dreijährigen Ausbildung zum Lawinen- und Suchhund wird vor allem der Spieltrieb der Tiere genutzt. „Wir trainieren

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nicht den angeborenen Geruchsinn der Hunde. Wir bringen ihnen nur bei, dass sie die gestellten Aufgaben wesentlich einfacher lösen, wenn sie ihre Nase einsetzen“, erklärt Strecker, dessen voll ausgebildeter und geprüfter Labradorrüde Janosch als C-Hund schon einige scharfe Einsätze erfolgreich gemeistert hat.

Die Ausbildung, ein Geduldspiel Die Ausbildung der Hunde ist zeitintensiv, fordert viel Geduld, ist eigentlich nur etwas für wirklich Begeisterte und nicht immer von Erfolg gekrönt; nicht jedes Tier ist geeignet, und frühestens nach drei Jahren sind Hund und Herrchen fit genug für echte Einsätze – fünf Jahre später fallen die ersten Tiere bereits alters- und gesundheitsbedingt wieder aus. Viel Arbeit und Aufwand für eine kurze Zeit, in der der Vierbeiner nur mit viel Glück einen Verschütteten oder Vermissten lebend findet. Junghunde wie Mia, Bacira und Kenn stehen noch ganz am Anfang und müssen noch einige Übungserfahrung sammeln, bis sie so zuverlässig wie Martin Wagners Chica arbeiten. Mia ist rassebedingt als Hirtenhund sehr auf ihr Herrchen Thomas Küblbeck fixiert. „Wenn ich selbst im Schneeloch bin, sucht sie mich bereits zielstrebig, bei anderen Mimen ist sie noch zaghaft und schüchtern.“ Für die junge Hündin ist der Winterkurs Stress und Abenteuer zugleich: Zum ersten Mal ohne das Herrchen in der Box in der Wartsteinhütte schlafen, viele andere erwachsene Hunde rundherum, der tosende Hubschrauber, der Maulkorb und das Training im Schnee – viele neue Eindrücke, die Mia nah an ihre Grenzen bringen. Auch Hundeführer Kurt Becker aus Berchtesgaden ist zum Flugtag mit der Seilbahn auf die Reiter Alpe gefahren. Sein neuer Schäferhund ist mit nur acht Monaten noch zu jung für die Ausbildung, es schadet aber nicht, wenn er sich schon mal an das Umfeld gewöhnt. Am Abend, wenn die Hunde schlafen, ist für ihre Herrchen im Lenzenkaser 2 nicht nur Gemütlichkeit angesagt: Theoretisch und praktisch werden Themen aus Notfallmedizin, Einsatztaktik und Alpinismus behandelt – denn der Hundeführer ist zunächst allein auf der Lawine und muss im Zweifelsfall fast alles können.

Abb. 6: Was für die Lawinenhundeteams der Bergwacht gilt, gilt auch für die Polizisten der Hundestaffel: Auch wenn man alle Hände voll hat, den Überblick bewahren. An der Winde, viele Meter über dem Boden bekommt der Bergriff „Überblick“ eine ganz andere Bedeutung

Ruhe und Erfahrung ein und testet sie ganz individuell mit verschiedenen Methoden. Das Tier braucht eine große Stressresistenz, muss aufs Wort gehorchen und körperlich absolut fit sein. C-Hunde wie Janosch oder Chica sind voll ausgebildet und arbeiten flink und effektiv, lassen auf der Lawine Apparate wie Radar- oder Lawinen-Verschütteten-Suchgeräte (LVS) hinter sich. Trotzdem kombinieren die Retter die Fähigkeiten des Hundes mit moderner Technik. „Sommer wie Winter müssen wir oft riesige Gebiete absuchen, wenn am Berg jemand vermisst wird und haben meist keine genaueren

Abb. 7: Auch junge Hunde nehmen die Hubschrauber­ ausbildung sportlich

Feinsinnige Hundenasen kombiniert mit moderner Technik Nicht jeder Hund taugt zum Suchhund. Chefausbilder Partholl schätzt die Tiere mit viel

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Rettungshunde Abb. 8: Such! Die Nase im Loch ist der Hund kaum mehr zu bremsen. Er hat den Verschütteten gefunden, sein Spiel ist dem Höhepunkt ganz nahe, genau wie für den Verschütteten die Rettung aus seiner lebens­ gefährlichen Lage

Markus Leitner Pressesprecher BRK-Kreisverband Berchtesgadener Land Riedelstraße 18 83435 Bad Reichenhall leitner@kvbgl.brk.de

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Angaben, um das in Frage kommende Gebiet genauer einzugrenzen. Dabei vergehen für verletzte und unterkühlte Patienten wertvolle Stunden“, berichtet Strecker. Seit einigen Jahren werden deshalb bei Bedarf von den Hunden auch GPS-Empfänger getragen, die die zurückgelegte Wegstrecke permanent aufzeichnen, die dann immer wieder am Computer ausgewertet wird. Strecker: „Kreuzen sich die Linien am Bildschirm, läuft der Hund also mehrmals über dieselbe Stelle, hat er mit großer Wahrscheinlichkeit die Witterung des Vermissten aufgenommen – den entsprechenden Teilabschnitt suchen wir dann nochmals genauer ab.“ Auf der Lawine trägt der Hund in Geschirrtaschen ein auf Suchen eingestelltes LVS-Gerät bei sich, das seine Töne per Funk an den Hundeführer schickt. Wagner: „Meine Chica ist am Berg wesentlich flinker unterwegs als ein Mensch und meistert große Flächen in kürzester Zeit. Nähert sie sich einem Verschütteten mit LVS-Gerät, bekomme ich das per Tonsignal sofort mit und kann reagieren.“

LVS-Gerät und Recco® am Hubschrauber Während die Hundler, wie sie in Bergwachtkreisen kurz und knapp genannt werden, im Lenzenkaser Mittagspause machen, übt die Polizei südlich des Wartsteinhauses die Verschüttetensuche mit moderner Technik: An einer Leine unterhalb des Hubschraubers baumelt dicht über dem Schneefeld ein gelbschwarzgestreifter Behälter mit einem LVS-Gerät. Die Besatzung kann im Ernstfall damit sehr genau die Lage eines Verschütteten feststellen, ohne dass Einsatzkräfte am Boden der Gefahr von

Nachlawinen ausgesetzt werden müssen – vor­ ausgesetzt der Verschüttete trägt ein sendendes LVS-Gerät. „Oft werden aus der Ferne beobachtete Selbstauslösungen bei der Leitstelle gemeldet und wir müssen zeitnah ausschließen, dass Wintersportler erfasst wurden. In den meisten Fällen ist niemand zu Schaden gekommen, nur sicher wissen wir das fast nie“, erklärt Strecker. Alternativ zum LVS kommt auch das sogenannte Recco®-System von der Hubschrauberkufe oder auf dem Lawinenkegel zum Einsatz: Es arbeitet mit passiven Reflektoren und aktiven Suchgeräten nach dem Prinzip des Harmonischen Radars. Die Reflektoren benötigen keine eigene Energieversorgung und können daher kostengünstig in Wintersportbekleidung und -ausrüstung eingebaut werden. Das System basiert auf dem Prinzip der Frequenzverdopplung durch eine Halbleiterdiode. Die maximale Reichweite beträgt rund 200 m an der Oberfläche und etwa 20 m bei der Suche im Schnee.

Einmal Hundeführer, immer Hundeführer Neben jeweils einer Woche Sommer- und Winterlehrgang finden monatlich größere Übungen und Motivations- und Unterordnungstrainings statt. Zusätzlich nimmt der Hundeführer in seiner jeweiligen Bergwacht-Bereitschaft an weiteren Übungen teil und trainiert nahezu täglich auch privat zu Hause mit seinem Vierbeiner die eingespielten Abläufe. Ein Lawinenhund kostet unzählige Stunden für Ausbildung und Übung und einige tausend Euro Unterhalt für Futter, Tierarzt und Einsatzausrüstung. Deshalb ist es für den Hundeführer das Größte, wenn sein Tier einen Einsatz erfolgreich meistert, wie der Reichenhaller Bergwachtmann Jörg Riechelmann und sein Schäferhundrüde Max im Dezember 2011 im steilen Gelände am Windeck, einem Vorgipfel des Hochgern. Der Hund hatte während einer groß angelegten Vermisstensuche die Witterung eines abgängigen, tödlich abgestürzten Mannes aufgenommen, der unterhalb einer Felswand nicht einsehbar zwischen Tannen lag und ohne tierische Unterstützung wohl kaum gefunden worden wäre. „Da macht sich dann plötzlich all der Aufwand bezahlt“, freut sich Riechelmann. Max hatte dafür die „Plakette für erfolgreichen Einsatz“ des Deutschen Schäferhundevereins verliehen bekommen, musste aber im Herbst 2013 überraschend wegen gesundheitlicher Probleme eingeschläfert werden. Für Riechelmann ein tiefer Rückschlag, der ihn aber nicht aus der Bahn geworfen hat: Er ist auch heuer als Helfer beim Lehrgang auf der Reiter Alpe dabei und sein neuer Hund ist

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bereits geboren und kann im Februar abgeholt werden. Aktuell gehören 11 Suchhundeteams mit sieben voll ausgebildeten C-Hunden, zwei A-Hunden und zwei Junghunden zur Staffel, die rund um die Uhr einsatzbereit ist und von der Leitstelle Traunstein per Funkmeldeempfänger alarmiert wird.

Für besondere Einsätze und Umgebungen: Spezielle Rettungstechniken

Ein schwieriger und harter Job „Immer wieder rufen Hundebesitzer bei uns im Büro an, die mit ihrem Vierbeiner etwas Sinnvolles machen wollen. Das ist gut gemeint, aber nicht so einfach, denn Lawinenhundeführer kann bei uns nur werden, wer die komplette, anspruchsvolle Bergwacht-Grundausbildung durchlaufen hat“, weiß Regionalgeschäftsführer Ludwig Lang. Nicht ohne Grund, denn ein Lawineneinsatz ist bedingt durch Gelände, Zeitdruck und mögliche Nachlawinen mitunter das Schwierigste und Gefährlichste, was der Bergwachtdienst zu bieten hat. Der Hundeführer kommt in der Regel mit dem Hubschrauber als erster am Lawinenkegel an, muss als Einsatzleiter sofort die richtigen Entscheidungen treffen, einige Zeit allein klarkommen und ggf. durch schwieriges Gelände abfahren.

Der Faktor Zeit Der Faktor Zeit spielt bei der Lawinenrettung die größte Rolle: Etwa 7% der Verschütteten sind bereits beim Stillstand einer Lawine aufgrund ihrer schweren Verletzungen tot, bedingt durch Absturz oder die Wucht des Schnees. Auch mit vorhandener Atemhöhle ist nach einer halben Stunde etwa die Hälfte aller Lawinenopfer wegen Sauerstoffmangels tot; ohne Atemhöhle versterben 50% bereits nach 15 bis 20 Minuten. Nach einer dreiviertel Stunde sind statistisch betrachtet 75% der Verschütteten erstickt. Neben der schnellen Hilfe mit LVS-Gerät, Sonde und Schaufel ist vor allem entscheidend, dass die Suchhundeteams möglichst rasch zum Einsatzort gelangen – bei Flugwetter per Hubschrauber, ansonsten mit dem Motorschlitten, per Seilbahn, mit der Pistenraupe oder, wenn es nicht anders geht, auch zu Fuß. Bei mehreren Übungen im Rahmen des Lehrgangs wurde der Transport der Hunde mit Überschneefahrzeug, All-Terrain-Vehicle (ATV) und Pistenraupe, die Suche mit mehreren Hunden gleichzeitig und die Suche bei Nacht trainiert. Strecker dankte abschließend der Gebirgsjägerbrigade 23 und der Wehrtechnischen Dienststelle 52 für die Unterbringung im Lenzenkaser 2 und für den Transport per Seilbahn auf das Hochplateau. 

• gezielt anfordern • zusammen handeln • professionell helfen Ob Höhenrettung über Hubschrauberwinde, Verkehrsunfälle im unwegsamen Gelände oder Rettung eines Tauchers durch die Wasserwacht – häufig ist der Rettungsdienst auf spezielle Hilfsmittel und Technik und damit auf Fachdienste angewiesen. In beeindruckenden Bildern zeigt „Spezielle Rettungstechniken“ eine Vielzahl besonderer Notfälle und verdeutlicht die Herausforderungen, Techniken und Geräte der Rettung durch die besonderen Einheiten und Verbände. Fallbeispiele zeigen die gelungene Zusammenarbeit der Rettungsdienste vor Ort auf. Ein Überblick über die Möglichkeiten in speziellen Einsatzsituationen, der die optimale Zusammenarbeit erlaubt. Spezielle Rettungstechniken hrsg. v. P. Bargon und H. Scholl - 1. Aufl. 2007 - 461 Seiten - 260 Abbildungen und Tabellen - durchgehend vierfarbig - Hardcover Best.-Nr. 306 · € 39,90

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21. Jahrgang Schriftleitung: Dipl.-Ing. Klaus Maurer, Hamburg (verantwortlich für den Inhalt) · Thomas Mitschke, Grafschaft Birresdorf · Dipl.-Päd. Hanno Peter, Grafschaft Ringen (†) Redaktionsleitung: Tobias Bader, M.A. · Klaus von Frieling, M.A., Edewecht Tel. 04405 9181-21 · Fax: 04405 9181-33 E-mail: frieling@skverlag.de Redaktion: Christoph Lippay, Freiburg · Simon Ludäscher, Dortmund · Manfred Müller, Hünstetten · Jörg Oberkinkhaus, Kreis Bergstraße · Volker Roeber, Duisburg · Jürgen Schreiber, Bremen · Mirko Temmler, Hannover Verlagsleitung: L. Kossendey (Anschrift des Verlages) Druck: Media-Print Informationstechnologie GmbH, Eggertstraße 28 · 33100 Paderborn Herausgeber: Verlagsgesellschaft Stumpf und Kossendey Anzeigenverwaltung: Ch. Niemann Tel.: 04405 9181-12 Fax: 04405 9181-33 E-Mail: service@skverlag.de

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25. bis 26. Februar 2014 Landshut www.verwaltungs-management.de

Verlagsanschrift: Verlagsgesellschaft Stumpf und Kossendey mbH Postfach 1361 · 26183 Edewecht www.skverlag.de Bestellungen und Abonnentenverwaltung: Tel. 04405 9181-0 · Fax 04405 9181-33 Erscheinweise: alle 2 Monate, 6 Ausgaben jährlich Abo-Preis: bei Bankeinzug: 19,20 Euro (zzgl. der jeweils gültigen Postvertriebsgebühr) bei Rechnung: 20,50 Euro (zzgl. der jeweils gültigen Postvertriebsgebühr) Einzelpreis: 4,30 Euro Bankverbindungen: Deutschland: PGiroKto.: Postbank Hannover, BLZ 250 100 30, Konto-Nr. 2837-300 IBAN: DE08 2501 0030 0002 8373 00 BIC: PBNKDEFF Österreich: Steiermärkische Bank, Graz, BLZ 208 15, Konto-Nr. 0300 / 730 959 IBAN: AT392081500300730959 BIC: STSPAT2GXXX Rechtliches: Es gelten die AGB auf www.skverlag.de Erfüllungsort und Gerichtsstand ist Oldenburg. Abbestellung nur schriftlich bis drei Monate vor Ablauf des Kalenderjahres zulässig.

Nachdruck und Vervielfältigung nur mit Genehmigung des Verlages gestattet. Auf Wunsch werden gegen Entgelt Sonderdrucke von einzelnen Beiträgen zur Verfügung gestellt. Für unverlangt eingesandte Manuskripte wird keine Haftung übernommen, wir bemühen uns aber um eine ordnungsgemäße Bearbeitung. Bei Nichterscheinen infolge höherer Gewalt oder Streik besteht kein Entschädigungsanspruch. Diejenigen Bezeichnungen, die zugleich eingetragene Warenzeichen sind, werden nicht immer gesondert kenntlich gemacht. Es kann also aus der Bezeichnung einer Ware mit dem für diese eingetragenen Warenzeichen nicht geschlossen werden, dass die Bezeichung ein freier Warenname ist. Ebenso ist nicht zu entnehmen, ob Patente oder Gebrauchsmuster vorliegen. Namentlich gezeichnete Artikel geben nicht in jedem Falle die Meinung der Redaktion wieder. Industrie­informationen außerhalb der Verantwortung der Schriftleitung.

ISSN 1617-4283

Abbildungsnachweise: DRK-Generalsekretariat, Berlin (Titelseite, S. 8); (Foto: F. Köster (S. 10); DRK Bergwacht Hessen (S. 11); R. Seibert (S. 12); M. Leitner, BRK-KV Berchtesgadener Land (S. 17, 38, 44-48); American Red Cross (S. 18, 20); HumanityRoad (S. 19); J. Oberkinkhaus (S. 22, 32); Feuerwehr Heppenheim (S. 23); K. Arnold (S. 24); M. Drawe (S. 26); H. Kagel (S. 28); T. Trütgen (S. 29-31); T. Gutschalk (S. 34); Feuerwehr Baden-Baden (S. 36); N. Ziegeler (S. 41); V. Lischke (S. 42); Fa. Tyromont, Innsbruck, Österreich (S. 42, 43)

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