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Die Unternehmer schlagen zu! Wir schlagen zurück! Hände weg von unserem Mantel! Die Unternehmer im Einzelhandel haben vorzeitig sämtliche Tarifverträge mit der Gewerkschaft Ver.di zum 30.04.2013 einseitig gekündigt. Unter anderem sind die Wochenarbeitszeit, der Urlaub und die Spätund Wochenendzuschläge stark gefährdet. Denn diese sind in einem Tarifvertrag geregelt, den die Gewerkschaft ver.di mit den Unternehmern ausgehandelt hat, damit die KollegInnen gerecht behandelt werden. Und genau diesen haben die Arbeitgeberverbände aufgekündigt, weil sie die Bezahlung und Arbeitsbedingungen verschlechtern wollen. Im Klartext heißt das, dass die darin enthaltenen Regelungen ab dann nur noch für Gewerkschaftsmitglieder nachwirken, bis ein neuer Vertrag geschlossen wurde. Für alle anderen gilt das, was im Gesetz steht, also 48-60 Stunden die Woche, überhaupt keine Zuschläge und 24 Werktage Urlaub im Jahr. Die Unternehmer sprechen selbst von „Modernisierung der Tarifverträge“. Gemeint ist eine Umgestaltung der Tarife in ihrem Interesse, das unserem Interesse von angemessener Bezahlung und sozialer Sicherheit widerspricht. Die organisierten Kollegin-

nen und Kollegen kämpfen aber nicht nur um den Erhalt ihrer bisherigen Rechte. Sie wollen ihre Arbeitssituation, die von niedrigen Löhnen und Leiharbeit gekennzeichnet ist, verbessern. Sie fordern z.B. eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um nur 1€ pro Stunde bei einer Laufzeit von einem Jahr. Für Azubis geht es um die Erhöhung der Vergütung um 90 € im Monat. Auch wenn notwendige Forderungen nach garantierter Übernahme - wie sie im öffentlichen Dienst und Elektro- und Metallindustrie gefordert wird – fehlt, ist diese kleine Verbesserung ein Schritt in der richtigen Richtung! In den letzten Monaten gab es von Ver.di eine Kampagne um die Gewinnung neuer Mitglieder im Einzelhandel, um so zumindest die erkämpften Rechte beim Ablauf der Tarifverträge juristisch zu sichern. Positives gab es in Hannover und Göttingen. Viele KollegInnen sind in die Gewerkschaft eingetreten. Die Gewerkschaft Verdi konnte außerdem viele ehrenamtliche Mitglieder und linke Gruppen mobilisieren, um die KollegInnen im Einzelhandel zu unterstützen.


Solidarität ist machbar!

Die Kampagne von Verdi zur Organisierung von Kolleginnen und Kollegen bildet eine gute Basis für die Auseinandersetzung mit dem Arbeitgeberverband. Hier werden vor allem die größeren Betriebe und die Betriebe mit Kampferfahrung eine führende Rolle spielen, genannt sei beispielhaft die Karstadt-Belegschaft, die über Jahre um ihre Existenz kämpfte und die Göttinger Netto-Kolleginnen und -Kollegen, die sich gegen die Schikanen der Unternehmer zur Wehr setzten. Diese KollegInnen haben gezeigt, dass Protest und Widerstand im Betrieb möglich sind. Ihr Kampf hat aber auch eine Solidaritätswelle ausgelöst. Andere Belegschaften erklärten sich solidarisch. Denn die Angriffe gegen die Arbeiterrechte gehen alle etwas an! Schließungen von Betrieben wie z.B. bei Opel, Angriffe auf die Löhne und Erniedrigung von LeiharbeiterInnen sind für viele Alltag. Es gab aber auch eine Solidaritätswelle von außerbetrieblichen Gruppen. In Hannover wie Göttingen gab es im Vorfeld der Tarifauseinandersetzung Solidaritätsgruppen, die auf die MitarbeiterInnen in den Betrieben zugehen und sie über die Situation informieren, um sie für gemeinsame Aktionen in der Gewerkschaft zu organisieren. Solidarität von außen kann aber mehr! Neben sozialistischen und linken Kräften wie die SDAJ können sich auch andere Gruppen anschließen, um die KollegInnen im Einzelhandel zu unterstützen. Zum einen sind Betriebe aus anderen Branchen eine wesentliche Zielgruppe. Denn die Angriffe auf die eine Branche werden sich auf andere Branchen ausweiten, wenn sich die MitarbeiterInnen nicht erfolgreich dagegen wehren. Aber auch Frauengruppen können in dieser Tarifauseinandersetzung aktiv werden. Denn Frauen sind hier von den Kürzungsmaßnahmen maßgeblich betroffen. Kundinnen und Kunden sind ebenfalls in dieser Auseinandersetzung einzubinden, weil sie ein Interesse haben gute Produkte zu erwerben, die durch gute Arbeitsbedingungen hergestellt und vertrieben wurden. Die Solidarität von außen kann also viele Formen

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annehmen. Die einen können durch unterschwelliges Tragen von Soli-Buttons ihre Solidarität ausdrücken. Andere können mit öffentlichen Aktionen vor den Kaufhäusern die KollegInnen unterstützen und Patenschaft für Betriebe übernehmen. Flashmobs in den Läden, um die MitarbeiterInnen auf Gewerkschaftsaktionen aufmerksam zu machen, können genauso ein Mittel sein. Kreativität in Absprache mit der Gewerkschaft und der Gewerkschaftsjugend kennt hierbei keine Grenzen. Altmodische Solidarität kann es trotzdem geben: Soli-Erklärungen und Besuche beim Streikzelt sollten genauso genutzt werden wie Gespräche und Diskussionen mit den kämpfenden KollegInnen.

Wir zahlen nicht für eure Krise!

Die Unternehmer müssen in Zeiten der Wirtschaftskrise um ihre Profite bangen. Diese versuchen sie auf unsere Kosten, auf Kosten der Arbeitenden, zu erhalten und zu erhöhen. Dies dürfen wir nicht zulassen! Deshalb müssen wir gemeinsam unseren KollegInnen im Einzelhandel in ihrem Kampf für höhere Löhne und sichere Arbeitsplätze zur Seite stehen und sie dabei unterstützen!


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