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GRĂœNBUCH

2027

Die Region Freiberg auf dem Weg ins Jahr

2028

2029 2030 2031 2032 2033 2034 2035 2036 2037 2038 2039 2040


Projektträger

Projektpartner

EU-Regionalmanagement Oststeiermark

CHANCE ist ein EU-Projekt in Kooperation der Partnerregionen Oststeiermark (A), Satakunta (FIN) und Freiberg (D)

Dieses Projekt wird durch die Europäische Kommission finanziell unterstützt. Der Inhalt dieser Veröffentlichung bindet nur den Urheber. Die Europäische Kommission haftet nicht für die weitere Nutzung.

EUROPÄISCHE Union Europäischer Sozialfonds Innovative Maßnahmen nach Artikel 6

© 2008 - SAXONIA Standortentwicklungs- und -verwaltungsgesellschaft mbH

Landkreis Mittelsachsen


Vorwort

Zukunft beginnt zuerst in den Köpfen der Menschen Unter diesem Motto agiert die Initiative Südwestsachsen e.V. seit ihrer Gründung als Plattform für die Vernetzung von Staat, Wirtschaft, Forschung, Bildung und Kultur. Um die Zukunft für die Menschen einer Region wirkungsvoll positiv zu gestalten, bedarf es detaillierten Wissens über die Potenziale dieser Region, über ihre Stärken und Schwächen, ihre Chancen und ihre Risiken. Aus solchem Wissen lässt sich die zukünftige Entwicklung, z.B. von Wirtschaft, Arbeitsmarkt oder Demografie abschätzen und es kann die bestmögliche oder auch problematischste Entwicklung für die Zukunft abgeleitet werden. Die Zusammenstellung, Aufbereitung und Verarbeitung von Wissen unter Einbeziehung regionaler Akteure zur Abschätzung zukünftiger Entwicklungsoptionen war Aufgabe des europäischen Projektes CHANCE. Das Projekt widmete sich diesen Fragen seit dem Jahr 2006 in drei europäischen Regionen: Freiberg in Deutschland, Oststeiermark in Österreich und Satakunta in Finnland. Seither ist neben dem umfangreichen Wissen regionaler Experten auch internationales europäisches Knowhow in die Entwicklung der Szenarien eingeflossen. Dabei konnte ein breites Erfahrungsspektrum sowohl aus der Region Freiberg selbst als auch aus Deutschland und Europa in diese Prozesse einbezogen werden. Eine wichtige, über Jahrhunderte entwickelte Stärke der Menschen in Sachsen und der Region Freiberg ist es, notwendige strukturelle Veränderungen aktiv anzupacken und erfolgreich zu meistern. Damit haben die hiesigen Menschen das Rüstzeug, um in einer schnelllebigen globalisierten Gesellschaft auf Veränderungsprozesse schnell, effektiv und wirkungsvoll zu reagieren. Der „Worst Case“ als ein möglicher Fall zukünftiger Entwicklung wurde zwar beschrieben, das erklärte Ziel aller regionalen Akteure aber lautet, sich im europäischen Wettbewerb so zu vernetzten und aufzustellen, dass die bestmögliche Entwicklung erreicht werden kann. Die hier veröffentlichten Ergebnisse des Projektes CHANCE zeigen, dass die Initiative Südwestsachsen e.V. schon bei der Auswahl der Region Freiberg eine Partnerregion favorisierte, die durch die enge Verknüpfung von universitärem Wissen und dessen unternehmerischer Anwendung schon lange wichtige Impulse für eine positive regionale Wirtschaftsentwicklung gibt. Im Sinne der langfristigen Wirkung des Projektes CHANCE werden diese Ergebnisse nun auch in die Diskussion des vom Minis-terpräsidenten des Freistaates Sachsen, Stanislaw Tillich, angeregten „Masterplan Sachsen 2020“ einfließen. Mit dem vorliegenden Grünbuch haben die Akteure der Region Freiberg schon vorab einen wichtigen regionalen Beitrag geleistet. Auch für die Initiative Südwestsachsen e.V. und ihre Mitglieder wird es zukünftig oberste Priorität haben, konkrete Handlungen aus den Abschätzungen zukünftiger Entwicklung abzuleiten. Der Zukunftsbeirat der Initiative Südwestsachsen ist hierfür ein wirkungsvolles Instrumentarium. Die in diesem Grünbuch dargestellten Ergebnisse gelten auch als Modell für die Entwicklung von Regionen an anderer Stelle in Europa. Um eine partnerschaftliche Zusammenarbeit und einen guten Erfahrungstransfer im Europa der Regionen dauerhaft zu gewährleisten, sollen die fest geknüpften Kontakte in andere europäische Nationen auch zukünftig beibehalten und weiter intensiviert werden. Alle Regionen haben im internationalen Wettbewerb nur dann gute Chancen, wenn sie international bekannt sind und einen guten Ruf haben. Für die Region Freiberg und das zukünftige Mittelsachsen wurde mit dem Projekt CHANCE dafür ein wichtiger Baustein geschaffen.

Karl Noltze Präsident der Landesdirektion Chemnitz Präsident der Initiative Südwestsachsen


Vorwort

Zukunfts-CHANCE Mittelsachsen Engagierte Bürger, Unternehmer, Politiker und Wissenschaftler bewegen die Region Freiberg und Mittelsachsen. Sie kennen die Situation an ihrem Standort und haben gute Ideen, wie man anstehende Probleme kreativ, effizient und wirksam lösen kann. Davon profitiert die gesamte Region. Als Verantwortungspartner bündeln und verknüpfen sie ihre Ressourcen und Kompetenzen. In regionalen Kooperationen und Netzwerken entwickeln sie gezielt Projekte und Strategien, die wichtigsten Probleme am jeweiligen Standort anzugehen und so die Region nachhaltig zu stärken.

Volker Uhlig Landrat des Landkreises Mittelsachsen

Die wirtschaftliche Entwicklung Mittelsachsens ist ein dauerhafter Prozess auf der Grundlage sich ändernder Rahmenbedingungen. Fortschreitende Globalisierung sowie die EU-Osterweiterung beeinflussen dabei die lokalen und unternehmerischen Entwicklungspotenziale. In der Vergangenheit konnten durch eine Vielzahl von Maßnahmen zur Stärkung der industriellen Forschungsleistung, zur Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft Wachstumspotenziale erschlossen und nachhaltige Entwicklungsprozesse angestoßen werden. Die Mobilisierung regionaler Ressourcen und deren Einbeziehung in die Wirtschaftskreisläufe ist eine Kernaufgabe der strategischen Ausrichtung von Zukunftsfähigkeit und Regionalentwicklung, basierend auf einer breiten und ausgewogenen Wirtschaftsstruktur. Es ist unsere vordergründige Aufgabe, eine nachhaltige Entwicklungsstrategie zu erarbeiten, in die das vielfältige Wissen um die Gegebenheiten der Region einfließt. Die Zukunft Mittelsachsens liegt dabei in der Sicherung regionaler Lebensqualitäten im Kontext des demografischen Wandels, einer ressourcenbewahrenden Entwicklung sowie der aktiven Gestaltung von Wachstum und Innovation. Von der Erkenntnis, etwas tun zu müssen, bis zu sichtbaren Ergebnissen ist es ein langer Weg. Kreativität und Querdenken sind nötig, um Verantwortungspartnerschaften zu entwickeln. Die bunte Vielfalt der regionalen Netzwerke, die sehr unterschiedlich strukturiert und organisiert sind und eine Vielzahl von verschiedenen Prozessverläufen hervorgebracht haben, hängt dabei sehr stark von wirksamen internen und externen Impulsen ab. Ich bin überzeugt davon, dass in unserer Heimat Mittelsachsen nahezu überall mehr Entwicklungspotenziale schlummern, als bisher durch Politik, Wirtschaft und Bildung mobilisiert wurden. Keine übergeordnete Struktur kann ungenutzte Potenziale besser erkennen als verantwortungsbewusste Menschen, die selbst in der Region leben. Nirgendwo kann die Politik allein durch Vorgaben und Planung in Bewegung bringen, was die Menschen in der Region selbst in Gang setzen können. Dazu sind Einzelkämpfer in der Regel nicht in der Lage. Innovationen und neue Ideen entstehen und entwickeln sich zumeist im interdisziplinären Austausch und an den Schnittstellen verschiedener Denkrichtungen. Strukturelle Defizite in der Region lassen sich nur durch Kooperation und Bildung von innovativen Ansätzen kompensieren. Dazu hat das EU-Projekt CHANCE einen Beitrag geleistet.


Über einen Zeitraum von zwei Jahren haben sich dessen Akteure mit Zukunftsszenarien, zunächst ausgehend für die Region Freiberg, auseinandergesetzt und einen Einblick in eine denkbare Zukunft gesucht. Mit der Umsetzung der sächsischen Gebietsreform erweiterte sich dieser Blickwinkel auf den neuen Landkreis Mittelsachsen. Das Vorhaben wurde von der SAXONIA Standortentwicklungs- und -verwaltungsgesellschaft, gemeinsam mit dem Gründer- und Innovationszentrum Freiberg/ Brand-Erbisdorf und der Initiative Südwestsachsen umgesetzt. Zusammen mit den Partnerregionen in Finnland und Österreich wurde auch im europäischen Kontext untersucht, welche Einflüsse aktuelle Veränderungen bewirken, welche konkreten Resultate zu erwarten sind und in welchem Umfang die regionale Zukunft strategisch positiv beeinflusst werden kann. Dabei war es erklärtes Ziel, mit wissenschaftlichen Methoden die Risiken und Chancen regionaler Entwicklung zu erkennen, darauf die Konzepte zukünftiger gemeinsamer Arbeit aufzubauen und dies mit den regional aktiven Kräften abzustimmen. Dieses wichtige und zukunftsweisende Projekt wird insbesondere durch einen breiten Erfahrungsaustausch zwischen den regionalen Akteuren der Wirtschaft, der Politik und der Wissenschaft getragen. Mit der vorliegenden Publikation werden, ergänzend zur bereits dokumentierten Zwischenbilanz des Projektes CHANCE, in konzentrierter Form die Ergebnisse der wissenschaftlichen und expertengestützten Begleitung vorgelegt. Die Kernaussagen der Projektergebnisse sind auf die zentralen Erfordernisse in der Region ausgerichtet. Im Fokus der Handlungsempfehlungen, in denen eine ganzheitliche Anpassungsstrategie unter Berücksichtigung der regionalen Stärken entwickelt wird, stehen zukunftsfähige Ausbildungskonzepte, Qualifizierung und lebenslanges Lernen, regionale wirtschaftliche Potenziale, Infrastrukturlösungen, soziales Engagement sowie regionale Identität. Diese Ausführungen münden in eine Reihe von konkreten Empfehlungen an Akteure auf unterschiedlichen Ebenen zur Gestaltung günstiger Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Regionalentwicklung. Eine umfassendere Einschätzung und Bewertung dieser Ansätze erfordert jedoch weitere Anstrengungen, die sich vertiefend mit Erfolgsfaktoren und Hemmnissen regionaler Netzwerks- und Entwicklungsprozesse und den entsprechenden Instrumentarien zu deren Steuerung auseinandersetzen. Es ist daher erklärtes Ziel der Projektbeteiligten, nach Ablauf der Projektlaufzeit die Aktivitäten nicht einzustellen, sondern aus den Ergebnissen der Arbeit neue Projekte zu generieren und somit das gewonnene Know-how langfristig und nachhaltig für die Region Mittelsachsen sicher zu stellen.


Inhaltsverzeichnis

I

Ausgangssituation

5

II

Projekt CHANCE

7

III

Bestandsaufnahme

10

1. Entwicklung der Region 2. Handlungsfelder der Region - SWOT Analyse

10 11

IV

Erwartungen regionaler Akteure

18

V

Entwicklungsoptionen für die Region

22

1. Wirtschaft, Forschung und Entwicklung, Wissenschaft

22

1.1 Werkstoffe 1.2 Energie 1.3 Umwelt 1.4 Landwirtschaft 1.5 Tourismus 1.6 Gründungsgeschehen

VI

23 27 32 36 40 44

2. Demografie, Bildung und Arbeit

45

3. Lebensumfeld und Infrastruktur

49

4. Ansätze für ein regionales Wachstum

51

Zusammenfassung und Handlungsempfehlungen

53

Arbeitsübereinkommen CHANCE

62

Projektpartner

63

Impressum

64


5

I. Ausgangssituation

I. Ausgangssituation In Folge der politischen Wende kam es nach einer historisch beispiellosen Phase der Deindustrialisierung, deren Auswirkungen Massenarbeitslosigkeit, Abwanderungswellen und schrumpfende Städte waren (und teilweise noch sind), in Ostdeutschland zu einem Reindustrialisierungsprozess, der entgegen der medialen Wahrnehmung weit mehr als einzelne regionale Wachstumszentren, wie Dresden, Leipzig oder Chemnitz, umfasst. Das Rückrat des wirtschaftlichen Aufschwunges bilden hierbei mittelständische Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes, wobei das Wirtschaftswachstum der verarbeitenden Industrie in den ostdeutschen Ländern seit einigen Jahren sogar größer als in Westdeutschland ist. In den Regionen Freiberg, Mittweida und Döbeln arbeiten etwa ein Viertel der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten im Dienstleistungssektor, ca. jeder fünfte Beschäftigte ist im verarbeitenden Gewerbe tätig. Während die Schrumpfungs- und Konsolidierungsphase bis Mitte der 90er Jahre etwa auf sächsischem Durchschnittsniveau verlief, kann sich in der Folgezeit das verarbeitende Gewerbe in der Region (vor allem bezogen auf die Anzahl der Beschäftigten) deutlich von der allgemeinen Entwicklung abheben und hat in den vergangenen Jahren eine beachtliche Dynamik entfaltet. Zwischen 2000 und 2006 ist die Zahl der Betriebe in Mittelsachsen um 7% und die Anzahl der Beschäftigten sogar um 15% angewachsen, wobei das Beschäftigungswachstum sowohl auf Mitarbeiter in Neugründungen als auch auf Neueinstellungen in den bereits vorhandenen Betrie-

ben zurückgeführt werden kann. Die größten Beschäftigungsgewinne im genannten Zeitraum konnten die Branchen Herstellung von chem. Erzeugnissen (+182%), Rundfunk- und Nachrichtentechnik (+85%), Herstellung von Metallerzeugnissen (+23%), Metallerzeugung und -bearbeitung (+22%) sowie das Ernährungsgewerbe (+15%) und der Maschinenbau (+14%) verzeichnen. Die überaus positive Entwicklung des verarbeitenden Gewerbes in Sachsen resultiert nicht nur aus den im Rahmen des Solidarpaktes getätigten erheblichen Investitionen in die Verkehrs- und Wirtschaftsinfrastruktur, sondern ist auch auf die ausgezeichnete Hochschul- und Forschungsinfrastruktur des Bundeslandes zurückzuführen sowie ein Resultat der guten Rekrutierungsbedingungen von Fachkräften nach der Wende.

auszustatten. Die heutige Stärke der kleinen und mittelständischen Unternehmen als flexible Spezialisten und intelligente Problemlöser mit ausgeprägter Dienstleistungs- und Kundenorientierung, hohem Qualitätsbewusstsein und Zuverlässigkeit bei der Terminrealisierung konnte nur durch die große Zahl von hoch qualifizierten Facharbeitern, technischen und kaufmännischen Angestellten, Meistern und Technikern erreicht werden. Dies bedeutet aber auch: Eine Schwächung der Humankapitalausstattung der Unternehmen, eine (Über-)Alterung der Belegschaften und eine Verschlechterung der Rekrutierungsmöglichkeiten von Fachkräften gefährden relativ schnell den nach der Wende hart erkämpften Wettbewerbsstatus.

Entwicklung des verarbeitenden Gewerbes von 2000 bis 2006 im Vergleich

15% Anzahl der Betriebe Anzahl der Beschäftigten Exportquote

8%

8%

7%

7%

4%

Mittelsachsen

Sachsen Quelle: Destatis (2007)

So haben viele Geschäftsführer die günstigen Rekrutierungs- und Selektionsmöglichkeiten Anfang der 90er Jahre genutzt, sich mit motiviertem Fachpersonal auf der Grundlage eines relativ niedrigen Lohn- und Gehaltsniveaus


I. Ausgangssituation

6

Während in der Vergangenheit einem großen Angebot an Ingenieuren, Facharbeitern und Nachwuchskräften eine geringe Nachfrage entgegenstand, ist die nahe Zukunft durch die massive Alterung der Beschäftigten und des Erwerbspersonenpotenzials sowie stark verschlechterten Rekrutierungsbedingungen gekennzeichnet. Einerseits wird sich die Zahl der Renteneintritte in den nächsten fünf bis zehn Jahren deutlich erhöhen, andererseits schmilzt vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung das Angebot an gut ausgebildeten Fachkräften auf den Arbeitsmärkten beständig ab. Auf Grund von konstant niedrigeren Geburtenraten sowie der bis auf wenige Ausnahmen negativen Wanderungssalden nimmt die Entwicklung in Ostdeutschland einen weitaus dramatischeren Verlauf als im gesamtdeutschen Durchschnitt. Während in Deutschland das Erwerbspersonenpotenzial zwischen 1990 und 2020 mit 6% vergleichsweise moderat schrumpft, beträgt der Rückgang der erwerbsfähigen Bevölkerung in Sachsen mehr als ein Viertel und in der Region Freiberg sogar 30%.

Erwerbspersonenpotenzial bis 2020 (15-65 Jahre) (indizierte Entwicklung, 1998=100%) 104 100

Deutschland

96 Sachsen

Freiberg

-6%

92 88 84 80 76 -26% 72 -30% 68 1990

1995

Quelle: Friedrich-Schiller-Universität Jena

2000

2005

2010

2015

2020

Auf Grund der geburtenschwachen Jahrgänge nach der Wende hat sich in den ostdeutschen Ländern die Zahl der Schulabgänger seit dem Jahr 2000 bereits um mehr als ein Viertel reduziert, bis zum Jahr 2010 wird sie sich halbiert haben. Der starke Rückgang der Schülerabgangszahlen führt zwar insgesamt zu einer Entlastung des Lehrstellenmarktes, viele Unternehmen können jedoch bereits heute bestimmte, zumeist qualifikationsintensive, Ausbildungsangebote nicht oder zumindest nicht adäquat mit Nachwuchskräften besetzen. Etwas zeitverzögert schlägt sich die sinkende Zahl an Schulabgängern auf die Studienanfängerzahlen und als Resultat hiervon auf das Angebot an Akademikern und vor allem Ingenieuren nieder. Nach Berechnungen des Zentrums für demografischen Wandel (zdw) wird die Zahl der Studienanfänger an den Hochschulen in Sachsen von 2006 bis 2015 zwischen 30% und 40% abnehmen. Dabei prognostizieren die Autoren der Studie bis zum Jahr 2020 erhebliche Deckungslücken zwischen dem Bedarf der Unternehmen und dem regionalen Angebot an Akademikern und zwar insbesondere in den für die sächsische Wirtschaft wichtigen inge-nieurwissenschaftlichen Ausbildungsgängen.


7

II. Projekt CHANCE

II. Projekt CHANCE Die fortschreitende Globalisierung, der technische Fortschritt, der anhaltende Klimawandel und die demografische Entwicklung beeinflussen in zunehmendem Maß die Entwicklung von Unternehmen und die Beschäftigungssituation in den verschiedenen Regionen. Insbesondere die weltweiten Finanztransaktionen und der internetbasierte Austausch von Informationen haben zur globalen Arbeitsteilung beigetragen. Diese Veränderungsprozesse führen zu neuen Herausforderungen für die handelnden Akteure in den Regionen, den Unternehmen und für die Beschäftigten. Die nachhaltige Sicherung einer weiterhin positiven wirtschaftlichen Entwicklung der Region Freiberg bzw. des Landkreises Mittelsachsen und der erreichten Lebensqualität erfordern vorausschauendes Handeln und die Nutzung der sich bietenden Chancen.

Auf die sich in Folge des globalen Wandels sowie der EU-Osterweiterung ändernden Randbedingungen für die unternehmerischen Tätigkeiten sind Strategien zu entwickeln und zielgerichtete Maßnahmen einzuleiten.

Die Bedeutung der einzelnen Schlüsselfaktoren für die wirtschaftliche Entwicklung der Region Freiberg und für die unternehmerischen Perspektiven in den ausgewählten Handlungsfeldern wurden umfassend erörtert.

Gegenstand des Projektes CHANCE ist das Aufzeigen von Handlungsoptionen zur Bewältigung der neuen Herausforderungen. In den drei beteiligten Regionen Oststeiermark (Österreich), Satakunta (Finnland) und Freiberg erfolgten eine umfassende Betrachtung der jeweiligen regionalen Ausgangssituation sowie spezifische Ausarbeitungen zu ausgewählten Handlungsfeldern.

Als für die Entwicklung der Region Freiberg wesentliche Handlungsfelder sind Werkstoffe, Energie, Umwelt, Landwirtschaft und Tourismus ausgewählt worden. Unter Einbeziehung ausgewiesener Experten wurden diese Themenschwerpunkte hinsichtlich deren Bedeutung für die zukünftige Entwicklung in und für die Region Freiberg näher untersucht.

In dem Projektzeitraum wurden Veränderungsprozesse untersucht, Modelle zur Gewinnung von Antizipationskompetenzen entwickelt und Schlüsselfaktoren abgeleitet.


II. Projekt CHANCE

8

Energie

Ressourcen

Im Fokus der Betrachtungen standen die Entwicklungsoptionen des Landkreises bis zum Jahr 2028. Eine Übertragbarkeit der Untersuchungsergebnisse auf den neuen Landkreis Mittelsachsen erfordert die Berücksichtigung der Randbedingungen der ehemaligen Landkreise Döbeln und Mittweida. Der Blick in die Zukunft erfordert den Einsatz von Instrumenten des Zukunftsmanagements. Auf der hier zu Grunde liegenden strategischen Ebene kommen dabei vier Formen der Szenarioentwicklung in Betracht:

Wesentliche Projektschwerpunkte waren die fünf branchenspezifischen Workshops und insbesondere die drei regionalen Zukunftskonferenzen. Hier wurde die entwickelte Herangehensweise mit den Unternehmen diskutiert und deren Umsetzbarkeit in die Praxis erörtert. In dem „Bericht aus der Zukunft“ erfolgten neben einer Beschreibung der Veränderungsprozesse eine Bestandsaufnahme für die Region Freiberg sowie eine SWOT-Analyse für die ausgewählten Handlungsfelder. Die Komplexität der Fragestellungen verdeutlicht das im Report dargestellte Prozessmodell.

• Szenarioentwicklung unter Berücksichtigung von Eintrittswahrscheinlichkeiten • Szenarioentwicklung auf Basis eines vorab festgelegten Rasters (Scenario Planning) • Systematische Verknüpfung von Entwicklungsalternativen einzelner Schlüsselfaktoren • Entwicklung von komplexen Zukunftsbildern durch Experten


9

Visionen, Utopien, Zukunftsentwürfe Szenario A Diskontinuität wild card Szenario B empirische Daten, Bisherige Entwicklung

Szenario C

II. Projekt CHANCE

Die Projektbearbeitung erfolgte methodisch unter Anwendung der beiden letztgenannten Verfahren. Auf der Basis einer so genannten SWOT-Analyse wurden unter Beteiligung von regionalen Entscheidungsträgern, Unternehmen und ausgewiesenen Experten Ziele vereinbart und Maßnahmen ausgearbeitet.

Szenario B

Szenario D Szenario Treiber

Vergangenheit

Gegenwart

Zukunft

Der nebenstehende Szenariotrichter verdeutlicht die mögliche Bandbreite der zukünftigen Entwicklung. Die Ergebnisse der Szenarienbetrachtungen sind unter dem Punkt „Entwicklungsoptionen“ dargestellt.

Quelle: Graf/Klein, In die Zukunft führen, S. 80

Die Ergebnisse der Projektarbeit werden zusammenfassend in dem hier vorliegenden Grünbuch dargestellt. Zur Gewährleistung der Zukunftsfähigkeit sollen die Projektergebnisse fortgeschrieben werden und in konkreten Projekten zur Anwendung kommen. Das Hauptziel des Projektes CHANCE liegt in der Verbesserung der Antizipationskompetenzen der regionalen Akteure, der Unternehmen und der Beschäftigten. Die vorliegenden Ausarbeitungen in dem „Bericht aus der Zukunft“ und in diesem Grünbuch sowie insbesondere die Workshops und Zukunftskonferenzen können dazu einen wesentlichen Beitrag leisten. Für die engagierte Mitarbeit sei an dieser Stelle allen am Projekt Beteiligten recht herzlich gedankt.

Wirtschaft, FuE und Wissenschaft

Infrastruktur

Ressourcen


III. Bestandsaufnahme

10

III. Bestandsaufnahme

1. Entwicklung der Region - Historie Seit dem legendären Silberfund um 1168 ist die Entwicklung der Freiberger Region entscheidend vom Silber geprägt worden. Die Suche und Erkundung, Gewinnung, Aufbereitung und Verhüttung von Silber und anderen Erzen und Rohstoffen durch das sich entwickelnde Montanwesen beeinflussten nachhaltig in der über 800-jährigen wechselvollen Geschichte Wirtschaft, Handwerk, Handel und Wissenschaft sowie Architektur, Kultur, Soziales, Politik und Verwaltung. Bis ins 16. Jahrhundert war Freiberg die reichste und größte Stadt Sachsens im Einzugsgebiet der albertinischen Wettiner. Die Leistungen, Weitsicht und Anpassungsfähigkeit sowie die Heimatverbundenheit der hier lebenden Berg- und Hüttenleute, Ingenieure, Techniker, Handwerker und Kaufleute bestimmten in hohem Maße die wirtschaftliche, wissenschaftliche und kulturelle Entwicklung Freibergs und Sachsens und beeinflussten maßgeblich die Entwicklung des europäischen Montanwesens.

Mit der 1765 gegründeten Bergakademie - der montanwissenschaftlichen Universität - erlangte Freiberg Weltruhm. Bedeutende Gelehrte wie Ulrich Rülein von Calw, Georgius Agricola, Abraham Gottlieb Werner, Alexander von Humboldt, Dmitri Iwanowitsch Mendelejew, Clemens Winkler und viele andere trugen den Ruf der Region um die Bergstadt Freiberg in die Welt. Zahlreiche Folgeentwicklungen in Industrie, Handwerk und Handel basieren auf den Erfahrungen und Ergebnissen des vom Bergbau geprägten Gebietes. Über die Jahrhunderte hinweg führten immer wieder marktfähige und gesellschaftliche Entwicklungen zu einer veränderten Bedeutung des Bergbaus und zwangen zu Anpassungs- und Umstrukturierungsprozessen. Die letzte Restrukturierung der lokalen Wirtschaft begann bereits ab Mitte des 19. Jahrhunderts durch die (temporäre) Einstellung des Bergbaus. Bezeichnend für diese Entwicklung war die Entstehung kleiner und mittelgroßer Betriebe, die in vielen Fällen direkt oder indirekt mit dem Berg- und Hüttenwesen verbunden waren, so der Maschinenbau, die Blei- und Zinnwarenfabrikation, der Präzisionsinstrumentenbau sowie die metallverarbeitende und elektronische Industrie und auch die Konsumgütererindustrie. Aufbauend auf dem sich entfaltenden Know-how im Bereich der Be- und Verarbeitung metallischer Rohstoffe entstanden in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts wissenschaftliche Industriebetriebe für Halbleitererzeugnisse und Montanwesen, darunter die Unternehmen


18

11

Stärken

o sozialer Frieden, geringe Kriminalität o steigende Lebenserwartung o starke Familienorientierung, generations- übergreifende Solidarität o niedrige Lebenshaltungskosten, geringe Mietkosten o Heimatverbundenheit

o Gut ausgebildete Fachkräfte o Nähe zu den Wachstumszentren Dresden, Chemnitz u. Leipzig o Familienfreundlichkeit – sehr gute Kinder- betreuungsmöglichkeiten, gute Wohn situation und Wohnumfeld o Leistungsfähiger Hochschulstandort o Technisch orientierte Bildungseinricht ungen

Schwächen

o Überalterung der Belegschaften o Niedriges Lohnniveau (im Ost-West Vergleich) o Sinkende Bewerberzahlen für eine betriebliche Ausbildung o Negatives Image der Region auf Grund eines eher negativen Ostdeutschland- bildes in den alten Bundesländern und im Ausland o Unüberschaubarkeit der Weiterbildungs angebote

Regionale Akteure, Unternehmensvertreter und Bürger haben Erwartungen, Ideen und werden aktiv: Sie tragen trotz unterschiedlicher Ansprüche an regionale Rahmenbedingungen und Voraussetzungen zum Erreichen angestrebter Ziele bei. Diese Akteure gestalten somit die regionalen Entwicklungen und Veränderungen durch ihr Handeln mit. Daher wurde im Projektverlauf eine Vielzahl von regionalen Entscheidungsträgern und Unternehmen im Rahmen von Expertengesprächen, Workshops und der Zukunftskonferenzen involviert. Basierend auf den demografischen Rahmenbedingungen sind Erwartungen an die zukünftige Entwicklung entstanden, die nachfolgend erläutert werden. Mit der Unterschrift unter das „Arbeitsübereinkommen“ bekundeten sie einerseits ihr Interesse an dem Projekt und andererseits, die Region weiterhin mit gestalten zu wollen.

• Kontinuität fortsetzen und Umbrüche vermeiden • Nachhaltige Implementierung der Projektergebnisse • Auswertung von Analysen und Studien  zeitnahes Umsetzen der Empfehlungen • Verwaltung, Arbeitsmarkt und Lebensalltag in Einklang miteinander gestalten • Ausbau und Vermarktung der Schlüsseltechnologien • Generierung neuer Projekte mit FuE als Schwerpunkt • Intensivierung der Weiterbildung

Lebensumfeld und Infrastruktur

Wirtschaft/Forschung und Entwicklung / Wissenschaft

o Breit gefächerte, zukunftsorientierte Branchenstruktur o Konkurrenzfähige Produkte und Arbeitskosten o Tradition im Geräte-, Maschinen-, Anlagen und Autobau o Beherrschung forschungsintensiver Technologien o Leistungsfähige außeruniversitäre Forschungseinrichtungen o Innovative KMU in der Region

o Zentrale Lage in Sachsen o Nähe zu Zentren Dresden, Leipzig, Chemnitz o Gute überregionale Straßenanbindung

o Geringe Kaufkraft o Niedriges Lohnniveau o Außen- u. Innenwahrnehmung als starker Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort ungenügend o Regionale Endanwender fehlen o Wenige ausländische Spitzenforscher o Forschungsmix nicht ausgewogen o Kaum FuE-Potenziale in Unternehmen o Geringes Gründungspotenzial

o Heterogene Wirtschafts- und Raum struktur: industriell geprägte Zentren und ländlich strukturierte peripher gelegene Gemeinden – regionale Disparitäten o Schlechte Infrastruktur bei Autobahnzu- bringerstraßen o Schlechte Anbindung ans Schienennetz o Ausdünnung ÖPNV-Netze o Defizite beim Datentransfer - fehlende Breitbandnetze

o Unternehmensfreundliches Klima schaffen o Erschließung neuer Märkte o Erneuerbare Energien in Zukunft weiter von Interesse o Hohe Synergieeffekte mit anderen Branchen o Technologien mit Perspektive o Wachstum entlang der Wertschöpfungs- kette

o Nutzung der Nähe zu Ballungszentren o Mehr Lebensqualität erhöht Attraktivität der Region

o Rückläufige Entwicklung der Kernindustrien o Wachsende Belastung der Unternehmen o Stagnation bzw. Rückgang der Unternehmensansiedlungen o Rückgang der Förderzuwendungen o Hohe Energiekosten - Abwanderung energieintensiver Unternehmen

o Verfestigung regionaler Disparitäten o Attraktivitätsverlust des ländlichen Raumes o Weiterer Infrastrukturabbau o Technologielücke durch fehlende kontinuierliche Investitionen am Standort

IV. Erwartungen regionaler Akteure

Nachfolgend sind einige wesentliche Forderungen / Erwartungen benannt und grafisch dargestellt:

o Negatives Wanderungssaldo - hohe Abwanderung, vor allem von jungen, gut ausgebildeten Menschen o Es wandern mehr Frauen als Männer ab, dadurch gibt es eine weitere Schwächung des demografischen Potenzials o Überalterung in Folge der niedrigen Geburtenraten o Stark sinkendes Erwerbspersonenpotenzial o Negative Bevölkerungsentwicklung

III. Bestandsaufnahme

RB

IV. Erwartungen regionaler Akteure

Stärken

Arbeit und Bildung

Einflussfaktoren der regionalen Entwicklung

Einflussfaktoren der regionalen Entwicklung

„Spurenmetalle“, das „Bergbau- und Hüttenkombinat Albert-Funk“, das „Forschungsinstitut für Nichteisenmetalle“, das „Forschungsinstitut für Aufbereitung“ sowie das „Deutsche Brennstoffinstitut“. Wie in ganz Ostdeutschland führte der im Zuge der Privatisierung und Liberalisierung nach der politischen Wende 1990 eingeleitete Transformationsprozess, auch in Freiberg zu erheblichen Anpassungs- und Umstrukturierungsprozessen. Mit der Aufspaltung des Betriebes „Spurenmetalle“ in drei eigenständige Geschäftsbereiche – SolarSilizium; Elektronik-Silizium, Gallium-Arsenid und seiner erfolgreichen Privatisierung - sowie der Auflösung des „Bergbau- und Hüttenkombinates Albert-Funk“ und der damit in Verbindung stehenden Entwicklung einer auf spezifische Gebiete orientierten, innovativen Hütten- und Recyclingindustrie entstand eine tragfähige Unternehmensstruktur, welche die wirtschaftliche Entwicklung der Technologieregion Freiberg bis heute grundlegend bestimmt. Mit diesem Profil und zahlreicher weiterer Privatisierungen und Neugründungen konnte sich Freiberg zu den führenden Wirtschaftsregionen in Sachsen entwickeln. Gegenwärtig ist man bemüht, auf zentrale Fragen der Globalisierung und EU-Osterweiterung, wie Ressourcenknappheit, Klimawandel und Veränderung des Kapital- und Arbeitsmarktes, Antworten zu finden und dafür strategische Handlungsoptionen für die weitere wirtschaftliche Entwicklung zu konzipieren und umzusetzen. Die Schaffung der dafür notwenigen Voraussetzungen wird an die Führungskräfte in dieser Region, auch mit Blick auf Mittelsachsen hinsichtlich demografischer Entwicklung, Sicherung von Spitzen- und Fachkräften, Bildung und Qualifizierung, Infrastruktur sowie im Bereich Kultur und Soziales, höchste Anforderungen stellen.

Schwächen

RB

Demografie

13 %

o Verbesserung der Einstellungschancen der geburtenschwachen Jahrgänge in Folge hoher Anzahl verrentungsbedingter Abgänge o Profitierung vom Aufschwung in den benachbarten Ballungsräumen o Ausbau komplementärer Bereiche zwischen den Hochschulen o Neue Bildungskonzepte o Enge Kooperation mit der Wirtschaft zur gezielten Nachwuchsausbildung

Schlanke Verwaltungsabläufe

14 % Regionale Branchenschwerpunkte Verfügbarkeitqualifiziertes von Verfügbarkeit qualifiziertem Personal Personal

19 %

11 %

Wissenschaftliche Infrastruktur Vernetzung der Unternehmen

Risiken

24 %

o Wohnungsleerstand, Verfall von Bau substanz, Verödung von Städten o Sinkende Kaufkraft u. Rückgang personen- bezogener Dienstleistungen o Rückzug sozialer und kultureller Einrichtungen o Sinkende Versorgungsqualität der Gesund heit, Bildung sowie Nahverkehr und Anstieg der Pro-Kopf-Kosten für Infrastrukturleistungen o Verlust Humankapital und Lebensqualität

o Verlust an Wissens- und Erfahrungsträgern durch starke altersbedingte Abgänge o Dauerhafte Fehlanpassungssituation von regionalem Absolventenangebot und regionaler Fachkräftenachfrage o Mangel an qualifizierten Fachkräften o Überhang wenig qualifizierter Bewerber o Absorption von Wissen und Ausstrahlung in Nachbarregionen

Die exemplarisch dargestellten Erwartungen und Handlungsempfehlungen der regionalen Akteure sollten stets unter Beachtung der beiden wesentlichen Herausforderungen für die Region Freiberg und auch den Landkreis Mittelsachsen betrachtet werden: • •

demografische Entwicklung – den demografischen Wandel gestalten Strukturierung der wirtschaftlichen Entwicklung

2. Handlungsfelder der Region - SWOT

Die Entwicklung in den Handlungsfeldern der Region Freiberg (Werkstoffe, Energie, Umwelt, Landwirtschaft, Tourismus, Gründungsgeschehen) hängt maßgeblich von den sich wechselseitig beeinflussenden Rahmenbedingungen Demografie, Bildung und Arbeit sowie Lebensumfeld und Infrastruktur ab. Durch den nicht zu bewältigenden Fachkräftebedarf würde im Bereich Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit bereits gewonnenes Terrain verloren gehen, was sich negativ auf Auftragslage und Gewinnsituation auswirkt und über die Effekte einer entsprechend unsicheren Beschäftigungslage und geringen Gehältern zu weiterer Abwanderung führt. Mit dem Rückgang der Bevölkerung steigen die Pro-Kopf-Kosten für Infrastrukturleistungen, die Versorgungsqualität bei Gesundheit, Bildung und Nahverkehr sinkt, es droht der Rückzug sozialer und kultureller Einrichtungen sowie Wohnungsleerstand, Verfall von Bausubstanz und die Verödung von Städten und Gemeinden. Die sinkende Kaufkraft führt zu einem Rückgang personenbezogener Dienstleistungen. Damit verringern sich Lebensqualität und Attraktivität der Region nachhaltig, sodass vor allem junge, flexible und gut ausgebildete Menschen abwandern sowie Zuzüge ausbleiben. Für die Rahmenbedingungen (RB) und die Handlungsfelder (HF) ergeben sich verschiedene Stärken und Schwächen sowie Chancen und Risiken, die im Folgenden dargestellt sind.

Chancen

o Eröffnung von Gestaltungsperspektiven durch freie Räume (v. a. in den Bereichen Kultur u. Tourismus) o Unternehmer- und Familienfreundlichkeit o Entspannung am Arbeitsmarkt

Fördermittel u. Förderprogramme

Risiken

Chancen

19 %


Energie

Umwelt

o Umfangreiches Know-how bei Suche, Erkundung, Gewinnung und Aufbereitung metallischer Rohstoffe o Beherrschung forschungsintensiver Technologien, insbesondere im Sektor Halbleiterwerkstoffe o Kompetenz in Technologien funktioneller Beschichtung (Targets, Thermisches Spritzen) o Forschungspotenziale an Universität, in FuE-Einrichtungen sowie Unternehmen

o Herstellerseitiger Energiemix o Großes Potenzial für Forschung und Entwicklung o Neue Technologien aus den Bereichen Energieeffizienz und Erneuerbare Energien

o Vielzahl von Unternehmen der „Umwelt industrie“ haben sich in der Freiberger Region etabliert o Ausgewogenes Konzept des nachhaltigen Flächenmanagements in Verdichtungs- u. ländlichen Räumen o Großes umweltrelevantes Forschungs potenzial, enge Kooperation zwischen Wirtschaft u. Forschung o Vielzahl von gebündelten Erfahrungen im Umgang mit Altlasten und Kontaminationen

o FuE-Potenzial an der TU Bergakademie Freiberg nur in Spezialfeldern aktiv o Entwicklung von Naturfaserverbundwerk- stoffen nicht oder nur gering vertreten o Nanotechnologie und Herstellung biogener Werkstoffe kein Technologieschwerpunkt o Innovative Werkstoffentwicklungen aus FuE-Einrichtungen werden oft nicht regional umgesetzt

o Fehlendes Bewusstsein für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz o Hemmnisse für Marktdurchdringung der Erneuerbaren Energien im kommunalen Bereich o Flächenverfügbarkeit für den Anbau von Biomasse für Bioenergie

Chancen

o Vorhandene Spezialtechnologien (Magnesium und Aluminium) partizipieren am Wachstum im Leichtbau o Erfahrungen und Kompetenzen im Recycling von Werkstoffen o Know-how bei Anbau und Verarbeitung nachwachsender Rohstoffe o Wachstumsmarkt Energietechnik erfordert Spezialwerkstoffe (Solar, Energiespeicher ung)

Risiken

o Generelle Verknappung und Verteuerung metallischer Rohstoffe o Hohe Energiepreise führen zur Abwanderung energieintensiver Metallerzeugung o Abhängigkeit vom Fortbestehen der Siliziumtechnologie für Chips und Photovoltaik o Wachsende Substitution von metallischen Werkstoffen durch Hochleistungskunst- stoffe

Schwächen

Stärken

HF

Werkstoffe

Landwirtschaft

Tourismus

Gründungsgeschehen

o Klimatisch bedingt gute natürliche Produktionsbedingungen und hohes Ertragsniveau o Ausrichtung auf zusätzliche Geschäftsfelder, wie Tourismus und Bioenergie o Anwendung innovativer Anbaumethoden wie Kurzumtriebsplantagen

o Tourismus, auch Geschäfts- und Tagungs- reisen, als Wirtschafsfaktor o Überregionale, z. T. internationale Bekannt- heit durch TU Bergakademie Freiberg, Dom St. Marien, Silbermann-Orgeln und Schloss Freudenstein o Gute Infrastruktur und Erreichbarkeit (Autobahn, Flughafennähe) o Stadt Freiberg als gesamtheitliches Ensemble, gute Stadt-Umland-Struktur

o Hohes Bildungsniveau und sehr gute Forschungs- und Bildungsinfrastruktur o Hohes Angebotspotenzial an Innovationen und im Bereich Grundlagen- und ange- wandte Forschung o Hohes Nachfragepotenzial an Innovationen aus dem Bereich der Unternehmen o Vielzahl öffentlicher und privater Bildungs- und Beratungsangebote sowie öffentliche Gebäudeinfrastruktur

o Vermarktungs- und Finanzierungs schwierigkeiten von Altlasten und Brach flächen in ländlichen Räumen o Noch bestehendes interkommunales Konkurrenzdenken

o Einkommensnachteile für Landwirte o Rückgang von Betriebs- und Beschäftigtenzahlen in der Landwirtschaft o Arsen- und schwermetallbelastete Flächen o Hoher Anteil an Hang -und Steilhang flächen als Dauergrünland mit Erosions gefahr

o Kritische Größe der Wahrnehmbarkeit o Nicht einheitlicher Marktauftritt, keine Profilbildung, z.T. Konkurrenzängste o Ungenügende Erschließung des studenti- schen Potenzials o Neue Wirtschaftsunternehmen haben oft geringe regionale Bindung

o Fehlendes Wissen um Angebots- und Nachfragepotenzial von Innovationen o Unklare Marktchancen, insbesondere bei Angebotspotenzialen von Innovationen o Fehlende Transparenz und Finanzaus stattung für Gründungsunterstützung o Mangelhafte Gründungsmentalität und falsche Methodik (Gründer vs. Gründung)

o Bildung von Energiepools innerhalb kommunaler Bereiche in Verbindung mit der Kopplung unterschiedlicher Energie- technologien o Etablierung regionaler Bioenergiekreis laufkonzepte o Export regionaler Energietechnik o Vermarktung der Region als ökologisch wertvolle Energieeffizienzregion

o Schaffen von Flächenpools zur Koordinie- rung der Flächen für Rückbau, Ausgleich, Nachnutzung und Renaturierung o Umwelttechnologische Netzwerke, kurze Wege o Retentionsflächen und Hochwasserschutz im Bereich der Flüsse, synergetische Nutzung dieser Flächen o Know-how Transfer in neue Beitrittsländer, Nähe zu Tschechien

o Umorientierung des Landwirtes zum Rohstoff- und Energiewirt o Verbesserte Produktionsbedingungen in höheren Lagen infolge des Klimawandels o Alternative Nutzung kontaminierter (Grünland-) Flächen o Entwicklung innovativer Rohstoff- und Bioenergiekreislaufkonzepte o Steigende Preise der Agrarrohstoffe und neue Einkommensquellen

o Wirtschaftlich aufstrebende Region o Entwicklung der Stadt Freiberg nach einheitlichem Marketingkonzept, Profilie- rung als„Silberstadt“ o Region als Teil einer zukünftigen UNESCO- Welterbe Kulturlandschaft o Entwicklung von alternativen und Ganz jahresangeboten hinsichtlich Demografie und Klima

o Erfassung, Bekanntmachung und Auswahl der vielfältigen Angebots- und Nachfrage- potenziale von Innovationen bzw. innovati- ver Ideen o Verbesserung der Finanzierung in der vor- wettbewerblichen Gründungsentwicklung und Marktvorbereitungsphase o Verbindung innovativer Ideenansätze mit KMU und Gründerpersönlichkeiten o Stärkung der Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Gründen (positiv und auch negativ)

o Besteuerung biogener Kraftstoffe o Weitere Preissteigerungen für konventionelle Energieträger o Langfristige Rohstoffabhängigkeiten

o Entwicklungstendenzen des neuen Land- kreises noch nicht vollkommen geklärt o Kleinflächige Umnutzung schränkt Optionen der Nachnutzung ein o Zukünftige Produktionskosten von Umweltwerkstoffen o Begrenzte Möglichkeiten der regionalen Flächennutzungskonzepte

o Unrentable energetische Verwertung von Biomassen o Ertragsverluste durch Extremwitterungs lagen infolge des Klimawandels o Durch Bevölkerung empfundene Nutzungskonkurrenz zwischen Nahrungs mittelproduktion, Bioenergie, nachwach- senden Rohstoffe, Tourismus und Umwelt schutz o Anbau und Zucht gentechnisch veränderter Organismen

o Demografischer Wandel, Altersstruktur der Wohnbevölkerung und Gäste o Klimatische Veränderungen, Auswirkungen auf Vegetation und ausgeprägte Jahres zeiten o Kaufkraftrückgang und verändertes Reise- verhalten von Bevölkerung und Touristen o Sicherung von Qualität im Tourismus- und Servicebereich

o Anstieg von Notgründungen ohne Wachstumspotenzial o Know-how Abfluss bzw. brachliegendes Know-how durch Wegzug von Fachkräften o Sichere und bessere Verdienstmöglichkei- ten durch Festanstellung von Fachkräften o Nichtnutzung von Kompetenzen durch falsche Gründungsstimulierung


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IV. Erwartungen regionaler Akteure

Rahmenbedingungen der regionalen Entwicklung Die demografischen Rahmenbedingungen stellen gerade in ostdeutschen Regionen eine besondere Herausforderung dar. Neben dem Geburtendefizit treten durch die Unterschiede von Zu- und Abwanderung weitere Wanderungsverluste auf. Aus sächsischer Sicht wird das Durchschnittsalter von 39,4 Jahre (1990) auf 48,8 Jahre (2020) steigen [www.demografie.sachsen.de]. Der Rückgang bzw. die Überalterung der Bevölkerung sind vor allem im ländlichen Raum ausgeprägt. Im Bereich des verarbeitenden Gewerbes ist eine stetige Zunahme der Beschäftigungszahlen zu verzeichnen. Für die zukünftige Entwicklung wird aber gerade vor dem demografischen Hintergrund eine große Herausforderung sein, dieses Niveau zu halten und offene Arbeits- und Ausbildungsplätze passgenau zu besetzen.

Entwicklung der Beschäftigtenzahlen im Verarbeitenden Gewerbe (indizierte und prozentuale Entwicklung, 1995=100%) 200

14

Indizierte Entwicklung (1995=100%)

+80%

180

12

160

10

140

8 +12%

120

6

100

4

80

2

60

0

40

-2

20

-4

0

-6 1995

1996

1997

1998

1999

2000

2001

2002

2003

2004

2005

2006

Sachsen (%-Veränderung pro Jahr)

Freiberg (%-Veränderung pro Jahr)

Sachsen (indizierte Entw. 1995=100%)

Freiberg (indizierte Entw. 1995=100%)

Quelle: Friedrich-Schiller-Universität Jena

Die Auswirkungen der demografischen Entwicklung zeigen sich bereits heute auf dem Arbeitsmarkt und werden sich zukünftig noch verstärken, d.h., dass sich der Wettbewerb um die „besten Köpfe“ zunehmend verschärfen wird. Die Rahmenbedingungen für den Arbeitsmarkt in der Region Freiberg können jedoch als durchaus positiv betrachtet werden. Dies wird durch die Ausführung des Handlungsfeldes „Bildung und Beruf“ im Familienatlas 2007 vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend untermauert. Die Analyse zeigt, dass die Rahmenbedingen für den Arbeitsmarkt, die sich auf der Basis des deutschlandweiten Vergleiches von schulischer Ausbildung und Arbeitsmarktchancen ergeben, als „über-“ bzw. „stark überdurchschnittlich“ dargestellt werden können. Neben den demografischen Herausforderungen wird der neue Landkreis Mittelsachsen auch regionale, landschaftliche und kulturelle Unterschiede zu bewältigen haben.


IV. Erwartungen regionaler Akteure

Erwartung Entwicklung der Region zu einem international wettbewerbsfähigen Wirtschaftsund Wissenschaftsstandort

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Gut ausgebaute verwaltungstechnische Strukturen bilden mit einer gut ausgebauten Wirtschaftsstruktur und einer Branchenvielfalt an Unternehmen die Basis für lebhafte und wachsende Regionen. Untermauert wird dies durch vorhandenes wissenschaftliches Know-how und die Existenz ansässiger Marktführer, wodurch Wirtschafts-Wissenschaftsnetzwerke existieren, die nicht nur regional positive Ausstrahlung haben. Auch die in der Bevölkerung vorhandene Akzeptanz für die Wirtschaft sowie Bildungs- und Wissenschaftseinrichtungen wirken sich positiv auf die Region aus. Stärkung und Vermarktung vorhandener Strukturen • Koordinierung vorhandener Verwaltungs- und Entwicklungsabläufe • Ausbau sozialer und technischer Infrastruktur • Perspektivische Einbeziehung von Geo-Kompetenzen

Erwartung Stärkung der Bildungseinrichtungen und Ausbau der Fachkräfteausbildung

Die sächsische Wirtschaft hat sich, statistisch betrachtet, seit 2000 dynamischer entwickelt als die gesamtdeutsche. Dieses Niveau sollte gehalten werden, um mit dem hohen Wachstum von Osteuropa mithalten zu können. Einen wesentlichen Beitrag kann hierbei eine abgestimmte regionale Strategie bilden. Um dies zu erreichen, muss eine strukturierte Ausrichtung der Wirtschaft und ein Anleiten zum Handeln für die regionalen Akteure erarbeitet und umgesetzt werden. Hierbei muss vor allem den Problemfeldern „Fachkräftebedarf und demografische Entwicklung“ eine besondere Bedeutung zukommen. Die Freiberger Region ist durch die TU Bergakademie ein bedeutender Forschungs- und Innovationsstandort in Deutschland. Basierend auf dieser Forschungskompetenz haben sich in der Region neue und innovative Unternehmen angesiedelt. Diese Grundlagen gilt es weiter auszubauen. In der Region finden in Kooperation mit der TU Bergakademie Freiberg und der Hochschule Mittweida bereits Informations- und Weiterbildungsveranstaltungen für Schüler und Lehrer in bestimmten Fachdisziplinen statt. Die Schüleruniversitäten, die zahlreichen Projekttage für Schüler, die unterschiedlichen Weiterbildungsangebote an Schulen für Lehrer sowie das Schülerlabor an der TU Bergakademie Freiberg gilt es zu erhalten bzw. auszubauen. Durch die enge Kooperation von Schulen und Wirtschaft kann dem verstärkten Fachkräftebedarf in der Region begegnet werden. Ausbau und Etablierung der Fachkräfteausbildung • Gewährleistung einer bedarfsgerechten Aus- und Weiterbildung • bedarfsorientierter Ausbau der Angebote von Bildungseinrichtungen • Integration der Wirtschaft in den Schulen • Förderung von Betriebspraktika für Schüler sowie Bildungsangebote in Schulen von Unternehmen • Ansiedlung von Forschungsinstitutionen (z. B. Fraunhofer Institut, Max-Planck-Institut, Helmholtz-Gemeinschaft) • Intensivierung der Kooperationen zwischen der TU Bergakademie Freiberg und der Hochschule Mittweida sowie Nutzung des FuE Potenzials


21

Die geografische Lage der Region wird in manchen Bereichen als Strukturschwäche gesehen. Als problematisch und hemmend für die regionale Wirtschaft wird die verkehrstechnische Anbindung zu den Oberzentren Chemnitz und Dresden sowie zur tschechischen Republik gesehen. Diese gilt es zu verbessern, um der Isolierung einzelner Akteure und einer daraus resultierenden Inselbildung entgegen zu wirken. Aufgrund ihrer historischen Bedeutung (siehe Kapitel III) hat sich in der Region in den letzten Jahren eine Vielzahl von großen Investoren und Unternehmen etabliert. Die wirtschaftliche Struktur der Region ist aber weiterhin von kleineren regionalen Akteuren und Unternehmen geprägt. Gerade für Erwerbstätige in großen Unternehmen muss die soziale Infrastruktur verstärkt ausgebaut werden. Die begrenzte Anzahl von Kinderkrippen/-gartenplätzen muss in den nächsten Jahren verbessert werden, um die Abwanderungstendenz zu verringern. Die unmittelbare Nähe Freibergs zu den oben genannten Oberzentren erweist sich in diesem Punkt als Konkurrenzfaktor, dem es entgegen zu wirken gilt. Es zeigt sich allerdings, dass die erweiterte räumliche Lage des neuen Landkreises Mittelsachsen zwischen den Ballungszentren in Sachsen positive Vorraussetzungen für eine gute gewerbliche Infrastruktur bieten kann. Daraus resultierende Wachstumspotenziale können regionale Synergien hervorrufen, die sich zukünftig auf die gesamte Region positiv auswirken werden. Diese teilweise auch jetzt schon vorhandenen Potenziale müssen zukünftig besser genutzt werden und die Pionierrolle mit grenzüberschreitenden Kooperationen und Kontakten verstärkt ausgebaut werden. Stärkung der Verwaltung • Verbesserung der technischen und sozialen Infrastruktur • breitenwirksame Informationen über die wirtschaftliche Entwicklung in der Region

IV. Erwartungen regionaler Akteure

Erwartung Sicherung der Lebensqualität durch Ausbau bzw. Erhalt der Infrastruktureinrichtungen


V. Entwicklungsoptionen für die Region

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V. Entwicklungsoptionen für die Region Unter Einbeziehung regionaler Entscheidungsträger, der Berücksichtigung von globalen und europäischen Entwicklungsbedingungen und –trends und im Kontext mit den am Projekt beteiligten Partnern aus Österreich und Finnland wurden als wesentliche Handlungsfelder für die Entwicklung der Region Freiberg Werkstoffe, Energie, Umwelt, Landwirtschaft und Tourismus, ausgewählt. Das Handlungsfeld Rohstoffe und Ressourcen (Bergbau) wurde im Rahmen des Projektes CHANCE nicht betrachtet. Insbesondere auf Grund der vorhandenen wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Kompetenz in diesem Handlungsfeld sollte bei weitergehenden Betrachtungen diese Thematik einbezogen werden. Die steigende Verknappung der Rohstoffe bzw. die Engpässe bei der Rohstoffverfügbarkeit in den vergangenen Jahren verdeutlichten die Bedeutung dieses Handlungsfeldes für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung der Region. Die in den bisher durchgeführten Zukunftskonferenzen geäußerten Erwartungen und Präzisierungen wurden bei der Projektbearbeitung weitestgehend berücksichtigt. In den nachfolgenden Ausführungen werden, ausgehend von der Analyse in den Handlungsfeldern, die entsprechenden Ziele fixiert und die dafür erforderlichen Maßnahmen skizziert. Dabei wurde zunächst darauf Wert gelegt, dass klare Perspektiven für die wirtschaftliche Entwicklung aufgezeigt werden. Insbesondere betrifft dies Fragen der Innovation in der Wissenschaft, in der angewandten Forschung und Entwicklung sowie ihrer Umsetzung in bestehenden und neu zu gründenden Unternehmen.

1. Wirtschaft, Forschung und Entwicklung, Wissenschaft Nachfolgend werden für die einzelnen Handlungsfelder die jeweiligen Randbedingungen aufgezeigt, ausgewählte Ziele formuliert sowie Maßnahmen und Handlungsempfehlungen verdeutlicht. Dabei wird auf die zu schaffenden Voraussetzungen eingegangen. Schwerpunkte bilden die Suche nach Antworten auf die demografischen Veränderungen, u. a. zur Sicherung von Fachkräften, die Herausforderungen für Bildung und Qualifizierung, die Entwicklung des Lebensumfeldes und der Infrastruktur sowie Fragen der kulturellen und sozialen Entwicklung.

Werkstoffe

Energie

Umwelt

Landwirtschaft

Tourismus

Gründungsgeschehen


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V. Entwicklungsoptionen für die Region

1.1 Werkstoffe Randbedingungen Materialien und Werkstoffe bilden seit jeher die Grundlage der Herstellung von Gütern und Produkten. In diesem Sektor besitzt die Region Freiberg auf Grund ihrer industriellen Vergangenheit, des starken Engagements der Wirtschaft und den Schwerpunkten der Forschung traditionell eine starke Kompetenz. Besondere Bedeutung für die Wirtschaftskraft der Region besitzen die Branchen: • Halbleiterindustrie, die bereits auf eine über 50-jährige Tradition zurückblicken kann. Dazu gehören die komplette Wertschöpfungskette der Photovoltaik in den Unternehmen der Solar World AG, die Siliziumwafer-Fertigung für die Mikroelektronik in der Siltronic AG sowie in der Freiberger Compound Materials GmbH. In diesen Unternehmen sind insgesamt rd. 2.500 Menschen beschäftigt. • Werkstofferzeugende- und -verarbeitende Industrie mit breiter technologischer Fächerung. Besonders hervorzuheben sind hier: - Werkstoffrecycling (Blei, Zink, Aluminium, Edelmetalle) - NE- Metall Gießereien - Sondermaschinenbau - Oberflächenbeschichtung und -veredlung - Werkzeugbau - Glaserzeugung, keramische Fasern Wie den zentralen Indikatoren Beschäftigung, Umsatz und Anzahl der Betriebe zu entnehmen ist, haben beide Bereiche eine deutlich positive Entwicklung vollzogen. Mehr als ein Viertel des in der Region ansässigen verarbeitenden Gewerbes ist dem Wirtschaftszweig Metallerzeugung und –bearbeitung zuzurechnen.

Neben der Fertigung besteht eine relativ starke Forschungsinfrastruktur, die wegen der großen Bandbreite der Materialwissenschaft gegenwärtig nur in Spezialfeldern aktiv ist. Neben der FILK gGmbH und der FNE GmbH gehört dazu in erster Linie die TU Bergakademie Freiberg. Die Bergakademie hat in letzter Zeit im Rahmen der Landesexzellenzinitiative, der Krüger-Stiftung oder der DFG Entwicklungen im Bereich Strukturdesign von Elektronikwerkstoffen, extrem harten Materialien sowie Keramik-StahlVerbundwerkstoffen aufgenommen und damit die werkstoffwissenschaftliche Forschung intensiviert. Gegenstand der Forschung sind nicht nur die Stoffe, auch der Verarbeitungsprozess.


V. Entwicklungsoptionen für die Region

Ziel

1

24

Entwicklung und Umsetzung von werkstoff- und materialeffizienten Verfahren und Technologien Stark gestiegene Rohstoffpreise und die Rohstoffverknappung lassen materialeffiziente Technologien stark an Bedeutung gewinnen. Dazu gehören: • Prozesse und Technologien für Gewinnung, Aufbereitung und Recycling von Rohstoffen Durch die Verknappung ist das Interesse von global tätigen Unternehmen zur Gewinnung von metallischen und nichtmetallischen Rohstoffen gestiegen. Ziel ist, dass die Region Freiberg durch ihre ausgeprägten, historisch gewachsenen Kompetenzen im Bereich der Rohstofftechnologien (Suche und Erkundung, Gewinnung und Aufbereitung sowie Verhüttung) in starkem Maße von dieser Entwicklung profitiert. Dies gilt sowohl für die Bereiche Forschung und Engineering, als auch für Anlagenbau und Produktion. Recyclingrohstoffe leisten einen wesentlichen Beitrag zur Rohstoffversorgung sowie zur energiesparenden und umweltschonenden Nutzung der Rohstoffe. Freiberg kann mit seinen vorhandenen Potenzialen und Kompetenzen des Werkstoffrecyclings bei Blei, Zink, Aluminium und Edelmetallen entscheidend von diesem Trend partizipieren. Mit den ansässigen Unternehmen, wie Muldenhütten Recycling und Umwelttechnik GmbH sowie BEFESA Zinc Freiberg GmbH & Co. KG, bestehen besondere Kompetenzen bei der Aufbereitung von Sekundärrohstoffen. Es werden für weitere knappe und seltene Metalle, wie bspw. Gallium, aber auch für Verbundwerkstoffe, und für weitere metallische und nichtmetallische Reststoffe aus dem gewerblichen Bereich neue innovative Verwertungslösungen entwickelt und in der Region verwertet. Maßnahmen o Intensivere Nutzung und Erweiterung des regionalen Know-hows bei der Erschließung von Rohstoffpotenzialen durch Aufbau eines Kompetenzzentrums für Aufbereitung und Recycling von metallischen Rohstoffen Zunächst ist ein Konzept zu entwickeln, was die Voraussetzung für die Nutzung dieses zukunftsträchtigen Bereiches beschreibt. Der anschließende Ausbau ist in enger Abstimmung mit den Forschungseinrichtungen der Region und der rohstoffverarbeitenden Industrie durchzuführen. Dazu ist der vorhandene Gerätepark zu erweitern und zu modernisieren, um den geänderten bzw. erweiterten technologischen Anforderungen zu entsprechen. Im Bereich Werkstoffrecycling geht es um die Intensivierung von Forschung und Entwicklung mit dem Ziel der Optimierung der Prozesse sowie der Bereitstellung von Recyclingtechnologien für besonders knappe und seltene Sondermetalle. Damit wird die Basis für die Gründung von neuen Werkstoffrecyclingunternehmen bzw. den Ausbau von Geschäftsfeldern in bestehenden Unternehmen der Region geschaffen. Die Finanzierung wird durch die Wirtschaft unterstützt und durch öffentliche Förderung aufgebracht. • Material- und werkstoffsparende Verfahren Die Entwicklung ressourceneffizienter Materialprozesse kann einen wichtigen Beitrag leisten, die Wettbewerbsfähigkeit der regionalen werkstoffverarbeitenden Unternehmen zu erhalten und zu erhöhen. Damit kann der Rohstoffbedarf im Unternehmen gesenkt, d. h. der gleiche Output mit einer geringeren Menge benötigter Rohstoffe und weniger Abprodukten erzielt werden. Dazu können der Einsatz leichterer Bauteile, die Verwendung endkonturnaher Fertigungsverfahren sowie die spanlose Fertigung von Massenteilen gehören.


25

V. Entwicklungsoptionen für die Region

Die Nutzung von Alternativen zu bislang verwendeten teuren und knappen Rohstoffen und Materialien ist eine zwingende Notwendigkeit unternehmerischen Handelns. So bieten sich als Alternative unedlere metallische Werkstoffe, Kunststoffe, Keramik, aber insbesondere auch Verbundwerkstoffe auf der Basis nachwachsender Rohstoffe an. Maßnahmen: o Durch die Forschungseinrichtungen sind die Entwicklungsarbeiten für materialeffiziente Produktionsprozesse und –verfahren zu intensivieren sowie deren Transfer in die Unternehmen zu begleiten. o Durch die Nutzung von Ergebnissen der Forschung und Entwicklung können neue Geschäftsfelder in Unternehmen als Ausgleich für schrumpfende Produktsortimente aufgebaut werden. o Entwicklung von Werkstoffsubstitutionsprozessen und Einführung in den Unternehmen o Die stoffliche Verwertung von in der Region angebauten nachwachsenden Rohstoffen ist zu intensivieren. Grundlegende Voraussetzung für diese notwendige Entwicklung ist die verstärkte Ausrichtung der werkstoffwissenschaftlichen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten auch auf diese Themenfelder. Ziel

2

Entwicklung von neuen Materialien für neue Einsatzfelder Innovative Materialien sind auch in Zukunft wichtige Schlüsselfaktoren für die wirtschaftliche Entwicklung der Region. Ziel ist, die erfolgreiche industrielle Entwicklung der Halbleiter- und Solarindustrie langfristig fortzusetzen und die derzeitigen Wachstumsraten auch in den nächsten Jahren zu behaupten. Dabei bleibt die Herstellung von Halbleitern, auch angesichts der hohen Nachfrage nach Computern, insbesondere in Schwellenländern, und immer neuen Chip-Generationen, ein Wachstumsmarkt. Die Region muss große Anstrengungen unternehmen, um ihre bestehende gute Position im übrigen Sektor Werkstoffe auch im globalen Wettbewerb zu festigen und auszubauen. Dies erfordert vor allem einen technologischen Entwicklungsvorsprung bei der Umsetzung neuer Ideen in innovative Produkte. Zur Erzeugung neuer, innovativer und wettbewerbsfähiger Produkte sind neue Werkstoffe mit Eigenschaften, die höchsten Anforderungen genügen, erforderlich. Einsatzfälle und Beispiele könnten sein: o Energiespeicherung und -übertragung o Beschichtung (Verschleiß-, Korrosions- und Hitzebeständigkeit) o Superharte Werkstoffe zur Verlängerung der Produktlebensdauer o Intelligente Werkstoffe bzw. intelligente Strukturen o Werkstoffe auf Basis nachwachsender Rohstoffe o Miniaturisierung von Produkten und Bauteilen Maßnahmen: o Um künftigen technischen Herausforderungen zu begegnen, ist eine noch engere Vernetzung der Unternehmen mit der TU Bergakademie Freiberg , der Fachhochschule Mittweida und den regionalen Forschungseinrichtungen erforderlich. Diese Einrichtungen müssen sich in ihren Exzellenzbereichen zum Motor des regionalen Technologietransfers entwickeln und damit die Voraussetzungen für ein weiteres Wachstum dieses zukunftsträchtigen Wirtschaftszweiges der Region schaffen.


V. Entwicklungsoptionen für die Region

26

o Die Ausbildung der auf Konstruktion und Fertigung spezialisierten Fachkräfte ist enger mit der Materialwissenschaft zu verzahnen o Intensivere Verwertung der Forschungsergebnisse der TU Bergakademie Freiberg in der Region und stärkere Ausrichtung auf den Bedarf der regionalen Wirtschaft o Forschungsergebnisse der TU Bergakademie Freiberg und weiterer FuE-Einrichtungen werden durch vermehrte Unternehmensgründungen in der Region verwertet Aufbau, Neustrukturierung bzw. Wiederbelebung von Forschungsinstituten und angewandten Forschungs-Entwicklungsbetrieben (Forschungs-GmbH´s) besitzen besondere Bedeutung. Regionaler Technologietransfer vernetzt Forschung und Entwicklung mit wirtschaftlicher Anwendung und erhöht somit die Innovationskraft des Technologiefeldes Werkstoffe und Materialien in Mittelsachsen.

Entwicklung ausgewählter Indikatoren im Bereich Werkstoffe (Metall) (indizierte Entwicklung in %, 1995=100%) 400 350 Beschäftigte

Betriebe

Umsatz

300 250 200 150 100 50 1995

1996

1997

1998

1999

2000

2001

2002

2003

2004

2005

2006

Quelle: Sächs. Landesamt für Statistik 2008 / eigene Prognose der Zweige 27 und 28

Entwicklung der Beschäftigung im Bereich Werkstoffe (Indizierte Entwicklung, 1995 = 100 % und entspricht 1700 Beschäftigten) 150 144

140 130 124

120 110 100 90 80 1995

1998

2001

2004

Quelle: Sächs. Landesamt für Statistik 2008

2007

2010

2013

2016

2019

2022

2025

2028


V. Entwicklungsoptionen für die Region

www.photocase.de, Fotografen: jarts

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1.2 Energie Randbedingungen Knapper werdende fossile Rohstoffressourcen, sich verstärkende Rohstoffabhängigkeiten und steigende Nachfragekonkurrenz durch asiatische und amerikanische Energieverbraucher lassen erwarten, dass die Preise für Strom und Öl weltweit auch zukünftig ansteigen. In Deutschland und Europa wird mit einem zunehmenden Bedarf an Energie auf Grund der durchschnittlichen Steigerung des Bruttoinlandsproduktes bis zum Jahr 2020 gerechnet. Eine gestiegene Energieeffizienz sowie der vermehrte Einsatz alternativer Energietechnologien bewirken jedoch einen stetigen Rückgang des Verbrauches. Das bedeutet insgesamt einen Rückgang der Nachfrage aus den Industrieländern nach 2020. Infolgedessen steigen die Energiepreise bis zum Jahr 2020 stark und stagnieren anschließend auf einem hohen Niveau. Entgegen der Preise für Strom und Heizöl steigt der Preis für Gas auf Grund der hohen Versorgungsabhängigkeit von Russland etwas stärker. (vgl. BMWi: 2005).

In diesem Zusammenhang wird vor allem die Windkraft ausgebaut. Dezentrale Energieversorgungsanlagen spielen eine zunehmend größere Rolle. In Europa schrumpft der Markt für Ölprodukte und Kohle. Der Markt für Gas weitet sich aus. Im gewerblichen Bereich wird zunehmend Energie für Prozesswärme, Kühlung und den Betrieb von Bürogeräten verbraucht. Prozessoptimierungsmaßnahmen realisieren mehr Einsparungen. Effizientere Fahrzeuge verhindern einen Verbrauchsanstieg. Innerhalb des PKW- und LKW-Bestandes ergibt sich eine Umschichtung zu Gunsten verbrauchsärmerer Diesel-, Hybrid- und gasbetriebener Fahrzeuge. Biokraftstoffe der 2. Generation decken im Jahr 2028 rund 8% des Verbrauches. Die nachfolgende Tabelle zeichnet ein Trendszenario für die Entwicklung der Energiekosten im Landkreis bis zum Jahr 2028. Dabei orientiert sich das Szenario an den dargestellten Prognosen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi: 2005). Dem Szenario ist unterstellt, dass Steuern und Aufschläge auf Energiepreise insgesamt konstant bleiben.

Der Stromverbrauch der privaten Haushalte sinkt aufgrund effizienterer Elektrogeräte. Strom wird zunehmend aus Erneuerbaren Energien gewonnen.

bisherige und Trend-Entwicklung der Energiekosten im Landkreis Preisentwicklung 1994-2003 2003-2006 Haushalte Strom (+) 4% Heizöl (+) 58% Erdgas (+) 34% Fernwärme (+) 30% Gewerbe Strom (-) 15% Heizöl (+) 77% Erdgas (+) 69% Verkehr Diesel (+) 52% Benzin (+) 39% Gesamt

(+) 32% (+) 57% (+) 57% (+) 5% (+) 30% (+) 58% (+) 35% (+) 26% (+) 18%

2006-2028 (+) 155% (+) 80% (+) 180% (+) 200% (+) 120% (+) 145% (+) 120% (+) 150% (+) 150% (+) 175% (+) 230% (+) 120%

Effizienzeinsparung 2006-2028 (-) 15% (-) 10% (-) 15% (-) 15% (-) 15% (-) 30% (-) 15% (-) 40% (-) 40% (-) 4% (-) 4% (-) 4%

Quellen: Statistisches Landesamt Sachsen 2007; BMWi (2005): Die Entwicklung der Energiemärkte bis zum Jahr 2030.

Energieausgaben (€) 2006 2028 91,7 Mio 199 Mio

160 Mio

274 Mio

125,4 Mio

330 Mio

377,1 Mio

803 Mio


V. Entwicklungsoptionen für die Region

28

Gestützt durch die staatliche Subventionspolitik für Erneuerbare Energien bewirken im Trendszenario 2028, ohne die Intensivierung der bestehenden regionalen Energiepolitik, private und unternehmensbezogene Einzelvorhaben zur Installation dezentraler Energieversorgungs- und -effizienzsysteme eine Einsparung an Energiekosten um rund 16% gegenüber dem Jahr 2006. Auf Grund gestiegener Preise für Energierohstoffe und höherer Verbräuche steigen die Ausgaben der privaten Haushalte, der Gewerbe und des Verkehrs bis zum Jahr 2028 dennoch um etwa 113% gegenüber dem Jahr 2006 auf rund 803 Mio €. Struktur des Primärenergieverbrauchs in Deutschland (2007)

Steinkohle 14%

Kernenergie 11%

Braunkohle

12%

Wind 1%

Biomasse 4,9%

Erdgas 22%

restliche EE 0,8% Erneuerbare Energien 6,7%

Mineralöl 34%

Quelle: http://www.bmu.de

In Zeiten steigender Energiepreise können bei Intensivierung des regionalen Engagements für den Einsatz innovativer Energietechnik deutliche Einsparungen an Energiekosten für die Region Freiberg erreicht und damit zukünftig die positive wirtschaftliche Entwicklung gesichert werden. Wettbewerbsvorteile und damit zusammenhängende Pioniergewinne erzielen nur diejenigen Anwender, die die Potenziale für neue energieeffiziente Lösungen in den nächsten Jahren zu Ihrem Vorteil zu nutzen wissen. Dies gilt sowohl für Kommunen, die energieeffiziente Lösungen für kommunale Einrichtungen konzipieren gleichermaßen wie für Unternehmen, die auf Eigenversorgung setzen oder energieeffiziente Produkte entwickeln als auch für Verbraucher, die sich bspw. auf alternative oder kraftstoffsparende Fortbewegung konzentrieren. In der Region Freiberg ist die Sicherung einer nachhaltigen Energieversorgung, speziell für den gewerblichen Bereich, von Bedeutung. Stabile Kosten für den Einsatz von Energie im Produktionsprozess sind Vorraussetzung für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen, eine weiterhin konstante lnvestitionsquote sowie den Ausbau des Arbeitsplatzangebotes. Um die Ausgaben für Energie der Region Freiberg in etwa konstant zu halten, wäre es über die nächsten 20 Jahre erforderlich, den Energieimport in die Region um jährlich rund 3% (bis 2028 insg. ca. 60%) zu reduzieren. Für das Jahr 2028 sollte daher das Ziel ausgegeben werden, 40% des Energieverbrauches der Haushalte und Gewerbe aus Erneuerbaren Energien zu gewinnen und nochmals 20% der eingesetzten Energie durch Einsatz von Energieeffizienztechnologien einzusparen. Letzteres würde in 2028 für den Landkreis Freiberg Einsparungen von rund 12%, etwa 95 Mio €, der Energieausgaben bedeuten. Über den regionalen Einsatz erneuerbarer Energietechnologien zur Deckung von 40% des Energieverbrauches der Haushalte und Gewerbe könnten zusätzlich rund 190 Mio € an Wertschöpfung in der Region verbleiben. Struktur des Primärenergieverbrauchs in Deutschland (2028)

Steinkohle 7% Braunkohle

13% Wind 3,6%

Erdgas 38%

Biomasse 6,5%

restliche EE 1,4%

Mineralöl 30%

Quelle:http://bmwi.de

Erneuerbare Energien 11,5%


29

Ziel

1

V. Entwicklungsoptionen für die Region

Erzeugung von 40% der in der Region benötigten Energie aus Erneuerbaren Energien bei gleichzeitiger Einsparung von 20% der eingesetzten Energie über den Einsatz von Energieeffizienzinnovationen Maßnahmen 1. Zeitnahe Umsetzung bestehender kommunaler Klimaschutz- und Energiekonzepte 2. Entwicklung eines regionalen Klimaschutz- und Energiekonzeptes für Mittelsachsen Handlungsempfehlungen Konzeptionierung energieeffizienter Stadtteile Bei der Betrachtung von Stadtgebieten ist festzustellen, dass bei einigen Firmen große Mengen an Prozesswärme anfallen. Diese übersteigen den aktuellen Heizwärmebedarf erheblich. Aus einer Analyse von DBI Gas- und Umwelttechnik GmbH und GeoEnergie Konzept geht hervor, dass eine vollständige Wärmeversorgung von ausschließlich Heizwärme benötigenden Einrichtungen durch Nahwärmenetze möglich ist. Dazu wird die bei den Unternehmen konstant zur Verfügung stehende Prozessabwärme geothermisch im Erdreich gespeichert, später wieder entnommen und über das Nahwärmenetz zu den jeweiligen Abnehmern transportiert. Da aus einem Geothermiefeld auch Kälte abgeleitet werden kann, eignet sich das Verfahren ebenso für die Kühlung von Büro-, Lager- und Produktionsräumen sowie produktionsbedingten Kühlprozessen. In Kombination mit anderen dezentralen Energieversorgungs- und -effizienzsystemen (bspw. Solarthermische, -Biomasse- und Latentspeicher-Anlagen) führt dies über die erzielten Energieeinsparungen zu kurzen Amortisationszeiten. Für Freiberg kann ein solches Nahwärme-/Nahkältenetz ringförmig um den Stadtkern verlaufen, dabei Gewerbestandorte und Wohngebiete miteinander verbinden und zukünftige Anschluss-/Erweiterungsmöglichkeiten vorsehen. Beispielhaftes Konzept eines innovativen Nahwärme-/Nahkältenetzes

Wärme-/ Kältespeicher (Geothermie + Latentspeicherung)

Firmen mit Wärmeüberschuss

Nahwärme-/ Nahkältenetz

BHKW mit ggf. Adsorptionskältemaschine

Firmen mit Heizwärme- bzw. Kühlungsbedarf


V. Entwicklungsoptionen für die Region

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Investition in Bioerdgas-Kraftwerke Für den gewerblichen/industriellen Bereich ist eine zuverlässige und über den Tagesablauf konstante Energieversorgung von großer Notwendigkeit. Gleichzeitig verringern die gestiegenen Kosten für Heizöl und Erdgas jedoch den Gewinn sowohl der klein- und mittelständischen Firmen als auch der Großunternehmen und verursachen dadurch Wettbewerbsnachteile. Kraft-Wärme gekoppelte Erdgaskraftwerke, die technisch in der Lage sind auch Biogas aus regional erzeugter Biomasse zu verbrennen, können einen Beitrag zur Verringerung der Rohstoff- und Preisabhängigkeit liefern. Neben der grundlastfähigen Stromerzeugung bieten Bioerdgas-Kraftwerke zudem die Option der Kopplung an bestehende Nah- und Fernwärmenetze sowie der Aufbereitung des Biogases auf Ergasqualität und Einspeisung in das bestehende Erdgasnetz. Die Vergütung der erzeugten und eingespeisten Energie regeln sowohl das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz als auch das Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien (EEG). Konzeption „Regenerativer Kombikraftwerke“ Kombikraftwerke verbinden kleinere dezentrale Anlagen zur Stromerzeugung (Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen, Solarstrom-Anlagen, Windenergieanlagen) durch eine zentrale Steuerung zu einer „Großeinheit“. Der schwankende Energiebeitrag einzelner Anlagen, bspw. bei zu wenig oder zu viel Wind/Sonne, kann durch den Zusammenschluss ausgeglichen werden. Das optimiert die Energieausbeute und minimiert den Zukauf teurer Energie. Für die Konzeptionierung eines solchen Kraftwerkes könnte auf ein Pilotprojekt „regeneratives Kombikraftwerk“ aufgebaut werden. Ziel

2

Entwicklung von Stadtwerken zu Energieproduzenten Maßnahmen Aufbau eines Netzwerkes Erneuerbarer Energien Handlungsempfehlungen Für die zukünftige Entwicklung innovativer Energieversorgungskonzepte ist es essentiell, die wesentlichen regionalen Akteure aus dem Energie-Bereich, (Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung, Politik) zusammenzubringen. In regelmäßigen Workshops sollten diese regionalen Entscheidungsträger energieeffiziente regionale Lösungen für gewerbliche und kommunale Bereiche diskutieren und beschließen. Für die Organisation solcher Sitzungen und die Überwachung einer nachhaltigen Umsetzung sollte eine Struktur gewählt werden, welche die relevanten regionalen Akteure zusammenführt und dauerhaft miteinander vernetzt. In der Region Freiberg bestehen bereits Netzwerke für Erneuerbare Energien, in denen sich zahlreiche regionale Akteure für die regionale Integration innovativer Energieversorgungskonzepte engagieren. Als Dachorganisation könnte daher eine bereits bestehende Einrichtung die Koordinierung aller regionalen Energieeffizienzaktivitäten übernehmen. Dem Vorstand dieser Dachorganisation sollten kommunale Vertreter, Vertreter von Wirtschaftsfördereinrichtungen, der Hochschulen und regionalen Finanzinstituten angehören. Damit würde eine Brücke zwischen Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung geschaffen. Die Stadtwerke sollten in solche Strukturen eingebunden werden. Standort eines solar nachgeführten Solarstromkraftwerks in Freiberg


31

Ziel

3

V. Entwicklungsoptionen für die Region

Sicherung der Finanzierung für energieeffiziente Lösungen

Maßnahmen 1. Gewinnung von Sparkassen, Banken und Stadtwerken als Contractinggeber 2. Stärkere Nutzung von Förderprogrammen 3. Übernahme von Eigenanteilen für Förderprogramme durch Contracting und kommunale Beteiligung Handlungsempfehlungen Die Konzipierung und regionale Integration innovativer Energieversorgungskonzepte geht eng mit einer Ausweitung von Contractingkonzepten, mit einer intensiveren Beantragung von Fördermitteln sowie mit der Akquise von Co-Finanzierern für Förderprojekte einher. Für die Beantragung von Fördermitteln zur Entwicklung und Umsetzung innovativer Konzepte, Technologien, Methoden und Instrumente stehen zahlreiche Förderprogramme der Bundesrepublik Deutschland, des Freistaates Sachsen und der Europäischen Union mit unterschiedlichen Schwerpunkten zur Verfügung. Für die Region Freiberg empfehlen sich sowohl die Nutzung von Förderprogrammen für investive und nichtinvestive Maßnahmen mit Modell- und Demonstrationscharakter als auch allgemeine Programme zur Nutzung Erneuerbarer Energien und Erhöhung der Energieeffizienz im privaten, öffentlichen und gewerblichen Bereich. Ausgehend von den Kompetenzen und Potenzialen der Region Freiberg in den Bereichen Erneuerbare Energien und Energieeffizienz sollte bei der Beantragung von Fördermitteln auf nachfolgende Schwerpunkte besonderer Wert gelegt werden: • Erstellung, Beratung und Begleitung bei der Umsetzung von Klimaschutzkonzepten • Systemstudien und internationale Kooperationsvorhaben • Anlagen zur Nutzung der Geothermie • Maßnahmen zur Nutzung der Abwärme aus Produktionsprozessen und Kälteanlagen • Nahwärmenetze, die mit Wärme aus Erneuerbaren Energien gespeist werden • besonders innovative Technologien zur Wärme- und Kältespeicherung • Maßnahmen in der gewerblichen Kältetechnik • effiziente Wärmepumpen • Erzeugung von Strom, Wärme und Kraftstoffen aus Biomasse • Bereitstellung von nachhaltiger Biomasse und Bioenergieträgern • Biomasse-Vergasungstechnologien zur Erzeugung von Strom und Wärme in Form der Kraft-Wärme-Kopplung • Anlagen zur Verbrennung von fester Biomasse für die thermische Nutzung und für die kombinierte Wärme- und Stromerzeugung • effiziente Erschließung und Nutzung biogener Reststoffe • Solarkollektoranlagen • Energieeinsparung/Energieeffizienz


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www.photocase.de, Fotografen: seraph

V. Entwicklungsoptionen für die Region

1.3 Umwelt

Randbedingungen Umwelttechnische Belange stehen seit vielen Jahren im Fokus von Politik und Wirtschaft. Die große Bedeutung der Umwelttechnik wird besonders an derzeitigen Entwicklungen auf dem Rohstoff- und Ressourcenmarkt deutlich, der durch weltweit wachsende Nachfragen, Verknappung bestimmter Rohstoffe, damit verbundener massiver Preiserhöhungen und einer enormen Marktdynamik charakterisiert ist. Die Umweltindustrie gewinnt somit global weiter an Bedeutung. In der Region Freiberg bzw. Mittelsachsen sind neben einschlägigen Forschungseinrichtungen eine Vielzahl von Umweltunternehmen tätig. Die nebenstehende Grafik verdeutlicht die Zuordnung zu den drei ausgewählten Leitmärkten.

Unternehmen, Institutionen und Einrichtungen im Bereich Umwelttechnik in der Region Freiberg 100% 90% 80% 70% 60% 50% 40% 30% 20% 10% 0% Recyclingwirtschaft

Thermische Prozesse

Forschung und Entwicklung

Maschinen /Apparatebau

Bodenbehandlung Ingenieurdienstleister

Bau-/ Anlagenbau

Entsorger, Anlagenbetreiber

Wirtschaftsverband

Quelle: BIWA Consult GbR

Nach einem Bericht des Umweltbundesamtes arbeiteten 2006 1,8 Millionen Menschen im Bereich des Umweltschutzes. Somit waren 4,5 Prozent aller Erwerbstätigen im Umweltschutz tätig. Im Zeitraum 2004 bis 2006 betrug der Beschäftigungszuwachs 19,7 Prozent bzw. jährlich ca. 10 Prozent.

Erwerbstätige im Umweltschutz 1998-2006 2000000 1800000 235600

1600000 1400000

66600

118700

929500

949000

160500

1200000 1000000 800000

1132400 944300

600000 400000 200000 0

22000

49000

35000

47000

187500

181000

183000

175000

153400

118000

153000

175000

1998

2002

2004

2006

Umweltschutzinvestitionen

Sachausgaben für den Umweltschutz

Export von Umweltschutzgütern

Personalaufwendungen und umweltorientierte Dienstleistungen

Erneuerbare Energien

Quelle: BIWA Consult GbR


33

V. Entwicklungsoptionen für die Region

Handlungsbereich Recyclingwirtschaft Ziel

1

Kreislaufwirtschaft als Schwerpunktbereich der regionalen Wirtschaftsentwicklung Freiberg mit seiner Umgebung stellt ein Know-how-Zentrum auf dem Gebiet des Recyclings von Abfällen und von Abfallfraktionen im Allgemeinen sowie auf dem Gebiet der Sortierung und Aufbereitung von Abfällen und Abfallfraktionen im Besonderen dar. Im Leitbild und Marketingkonzept der Stadt Freiberg wird deshalb die Recyclingwirtschaft als Kompetenzfeld herausgestellt. Außerdem zeichnen sich Kompetenzfelder auf den Gebieten der „Thermischen Prozesse“ und der „Behandlung belasteter Böden“ ab. Diese Kompetenzen leiten sich größtenteils aus den Freiberger Traditionen in Forschung und Industrie sowie aus dem derzeitigen Bestand an Firmen, der sich mit Kreislaufwirtschaft beschäftigt, ab. Eine Fixierung auf bestimmte Leitmärkte kann daraus aber nicht direkt abgeleitet werden. Es haben sich aber in gewissen Bereichen und Leitmärkten regionale Arbeitsgruppen und Interessensverbände gegründet und etabliert. Maßnahmen Die „Kreislaufwirtschaft“ ist als Schwerpunktbereich für die mittel- und langfristige Wirtschaftsentwicklung für die Region durch die politischen Entscheidungsgremien festzuschreiben. Im Leitmarkt „Kreislaufwirtschaft“ existieren in Mittelsachsen Kompetenzen auf den Gebieten „Recyclingwirtschaft, Aufbereitung“, „Thermische Prozesse“ und „Flächenrevitalisierung“. Diese gilt es zu erfassen und zu bewerten um somit weitere strategische Vorgehen abzuleiten.

Ziel

2

Recycling / Abfall als Produkt des Rohstoff- und Ressourcenmarktes Abfälle gewinnen als Ressourcen und damit Stofftrenn- und Aufbereitungsverfahren zunehmend an Bedeutung. Die gezielte und hochwertige Verwertung von Abfällen setzt in der Regel die Trennung in seine Bestandteile und die Aufbereitung zu Sekundärrohstoffen voraus. Somit ist Abfall ein hoch angesehener Wertstoff. Vor dem Hintergrund immer effizienterer, umfassender Nutzung von Abfällen muss eine immer tiefer gehende Aufsplittung der Abfälle in sortenreine (vielleicht sogar elementare) und saubere Bestandteile erfolgen, wobei hier noch ein weites Feld für technische Entwicklungen und Innovationen besteht. Maßnahmen Vermarktung des vorhandenen Know-hows im internationalen Bereich, da sich die Märkte von Deutschland aus in den nächsten Jahren nach Europa und auf nichteuropäische Gebiete ausweiten und verlagern werden. Eine dauerhafte „Besetzung“ des Kompetenzfeldes erfordert demzufolge, dass zunehmend internationale Märkte zu bedienen sind. Für die Entwicklung und Vermarktung von Techniken ergeben sich – wie in allen anderen Technikbereichen auch – wesentlich größere Zielmärkte, diese gilt es weiter auszubauen und regionale Ressourcen zu bündeln.


V. Entwicklungsoptionen für die Region

34

Handlungsbereich Flächenrevitalisierung Insbesondere im ländlichen Raum stellen die fehlende Flächennachfrage und der Rückgang der Bevölkerung neue Herausforderungen für die zukünftige räumliche Entwicklung dar. Durch die Inanspruchnahme ehemals land- und forstwirtschaftlich genutzter Flächen als Siedlungs- und Verkehrsflächen werden gerade die natürlichen Bodenfunktionen negativ beeinflusst. Trotz des Rückgangs der Bevölkerung ist eine weitere Zunahme der Siedlungs- u. Verkehrsflächen zu verzeichnen. Die Wiedernutzung brachliegender Flächen bildet ein wesentliches Element für eine nachhaltige Stadt- und Regionalentwicklung. Die Erfassung der Flächenpotenziale erfolgte in den vergangenen Jahren unter Nutzung verschiedenster Instrumente, welche es zukünftig zu bündeln gilt.

Ziel

1

Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen In Folge der wirtschaftlichen Entwicklung in den vergangenen Jahren existieren in der Region Mittelsachsen umfassende Erfahrungen im Umgang mit industriell vorgenutzten Grundstücken, und verunreinigter Böden bzw. Altlasten. Speziell im Freiberger Raum stellt die Bodenbehandlung und Sanierung ehemals bergbaulich genutzter Flächen einen Wirtschaftsfaktor dar. Das in der Region vorhandene Know-how bei der Erfassung, Bewertung, Untersuchung und Sanierung von Brachflächen gilt es zukünftig überregional, insbesondere in Osteuropa, zur Erschließung neuer Märkte zur Anwendung zu bringen. Maßnahmen: Die Sicherung des zukünftigen Fachkräftebedarfs stellt eine neue Herausforderung für die ansässigen Unternehmen in der Umweltbranche dar. Gegenwärtig existieren keine verlässlichen Aussagen zum aktuellen Stand der Beschäftigungssituation und zum Fachkräftebedarf im Umweltsektor. Eine entsprechende Erfassung der Ist-Situation und die Ableitung der einzuleitenden Maßnahmen zur langfristigen Sicherung des Fachkräftebedarfs stellt eine wesentliche Voraussetzung für den Verbleib der Unternehmen in der Region dar. Bei der Revitalisierung brachliegender Standorte ist die Auswahl der geeigneten Instrumente von den spezifischen regionalen und örtlichen Randbedingungen abhängig. Dies erfordert für die Erschließung neuer Märkte umfassende Kenntnisse der spezifischen Anforderungen und die Zusammenarbeit mit Unternehmen in der Zielregion. Die Bündelung der Interessenlagen der verschiedenen kleinen und mittelständischen Unternehmen der Region Mittelsachsen sollte über entsprechende Netzwerke erfolgen, wodurch eine ausreichende strategische Unternehmensgröße für die Erschließung neuer Märkte gewährleistet werden kann. Neben der Initiierung regionaler Unternehmensnetzwerke ist eine umfassende Marktanalyse in den potenziellen neuen Märkten erforderlich. Im Rahmen von Fachtagungen in den Zielregionen und dem Austausch von Informationen unter Beteiligung von Instituten bzw. Forschungseinrichtungen sollten potenzielle Tätigkeitsfelder ermittelt und regional publiziert werden. Entwicklung der Siedlungsu. Verkehrsflächen 2004 bis 2006 in Mittelsachsen (ha) 20.832 20.713 20.603

2004 Quelle: Statistisches Landesamt Sachsen

2005

2006


35

V. Entwicklungsoptionen für die Region

Handlungsempfehlungen Das Weltmarktvolumen für Umwelttechnologien beträgt einer im Umwelttechnologie-Atlas des BMU zitierten Studie zu Folge 1.000 Mrd. EUR. Auf die verschiedenen Leitmärkte teilt es sich wie folgt auf: Energieeffizienz Nachhaltige Wasserwirtschaft Nachhaltige Mobilität Energieerzeugung Rohstoff- u. Materialeffizienz Kreislaufwirtschaft

450 Mrd. EUR 190 Mrd. EUR 180 Mrd. EUR 100 Mrd. EUR 40 Mrd. EUR 30 Mrd. EUR

Für die in der Region in der Umweltindustrie tätigen Unternehmen sind auf Grund der Globalisierung und insbesondere der EU-Osterweiterung neue Märkte entstanden, welche es zu erschließen gilt. Auf die Bedeutung der energetischen Aspekte wurde im Handlungsfeld Energie bereits eingegangen. Die vorhandenen Entwicklungspotenziale im Landkreis Mittelsachsen in den Bereichen Rohstoff- und Materialeffizienz sowie Kreislaufwirtschaft gilt es weiter auszubauen. Maßnahmen • Für den Landkreis Mittelsachsen muss eine Untersuchung der wirtschaftlichen Daten für den Leitmarkt Kreislaufwirtschaft unter dem Gesichtspunkt der drei benannten Kompetenzfelder („Recyclingwirtschaft, Aufbereitung“, „Thermische Prozesse“ und „Bodenbehandlung“) erfolgen, woraus der Handlungsbedarf zur wirtschaftlichen Entwicklung im Bereich Kreislaufwirtschaft für Mittelsachsen abzuleiten ist. • Ermittlung des mittel- und langfristigen Beschäftigungsbedarfs und darauf basierend die Einleitung von Maßnahmen zur Ausbildung und Gewinnung von Fachkräften, um Potenziale und neue Märkte zu erschließen. • Initiierung einer Arbeitsgruppe „Kreislaufwirtschaft Mittelsachsen“ - Synergetischer Zusammenschluss von regionalen Akteuren, um somit kontraproduktiven Wettbewerb zu vermeiden, da Umwelttechnologie oder im Allgemeinen umweltrelevante Bereiche ein globaler bzw.- überregionaler Markt ist. • Auf Basis der vorgenannten Untersuchungen ist ein Maßnahmenplan „Zur Förderung und zum Ausbau der Kreislaufwirtschaft als Wirtschaftsbranche in Mittelsachsen“ zu erarbeiten. Im Maßnahmeplan müssen konkrete Empfehlungen, Verantwortlichkeiten und Vorgehensweisen zur Umsetzung der Maßnahmen und Zeitabläufe enthalten sein. • Ausbau der in der Freiberger Region vorhandenen Forschungs- und Entwicklungskompetenz sowie Know-how Bündelung um somit Marktchancen für die Wirtschaft und Forschungseinrichtungen zu bewahren und die Innovationsfähigkeit zu fördern bzw. global zu vermarkten. – Wissenstransfer im Rahmen bereits etablierter Fachveranstaltungen, bspw. Sächsische Abfall- und Kreislaufwirtschaftstage.


36

www.sxc.hu, Fotografen: TouTouke (G & A Scholiers)

V. Entwicklungsoptionen für die Region

1.4 Landwirtschaft

Randbedingungen

Weltagrarmärkte Globalisierung/Liberalisierung

Subventionen Außenschutz

Erneuerbare Energien

Gemeinwohlmärkte EPLR (2021-27) EPLR (2014-20) EPLR (2007-13)

2030

2027

2020

EU-Standards

2013

2009

Bereits heute erzeugen einzelne Agrargenossenschaften in Mittelsachsen die 4-fache Energiemenge des eigenen Energiebedarfs. Sie können in ländlichen Regionen ein bedeutender Energielieferant sein. Die Möglichkeit dafür zeigen Bioenergiedörfer auf, die fast vollständig mit Biomasse aus der regionalen Land- und Forstwirtschaft versorgt werden.

Entwicklungspfade: Landwirtschaft/Agrarsektor 2007 - 2013

2005

Die sächsische Landwirtschaft hat das Ziel einer flächendeckenden und umweltgerechten Landbewirtschaftung unter Erhaltung und Ausbau der Arbeitsplätze. Dies kann unter anderem durch den Ausbau der Nutzung nachwachsender Rohstoffe erreicht werden. Durch den demografischen Wandel bedingt, wird der Anbau von Nahrungsmitteln zugunsten des Anbaus von nachwachsenden Rohstoffen zurückgehen. Insbesondere für die Energieerzeugung eröffnen sich der Landwirtschaft durch die Nutzung von Biomasse vielfältige Möglichkeiten. Dabei kommt der regionalen Vermarktung und der eigenen Verarbeitungsindustrie in landwirtschaftlichen Erzeugergemeinschaften eine hohe Bedeutung zu.

Die Wärme wird dabei größtenteils in Holzheizkraftwerken und Biogasanlagen erzeugt und über ein Nahwärmenetz im Ort verteilt. Ergänzend dazu stehen die Nutzung weiterer, regenerativer Energieformen, wie etwa Holzenergienutzung und Sonnenwärme, sowie energiesparende Maßnahmen.

2007

Landwirtschaft ist die Grundlage allen Wirtschaftens. Die Bedeutung der Landwirtschaft wird in Zukunft stark zunehmen. Ohne Nahrungsmittel, Rohstoffe und Energie aus der Landwirtschaft wird keine nachhaltige Wirtschaft dauerhaft bestehen können. Die Landwirtschaft, bleibt wie in vergangener Zeit, ein wichtiger Lieferant für Nahrungsmittel, Rohstoffe und Energie.

Quelle: Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft


37

Ziel

1

V. Entwicklungsoptionen für die Region

Ressourcen und Bodenschutz

Maßnahmen 1. Einsparung von mineralischen Düngemitteln 2. Entwicklung von Anpassungsstrategien an den Klimawandel 3. Entwicklung von Anpassungsstrategien an den Strukturwandel Landwirtschaft Handlungsempfehlungen Eine flächendeckende und umweltgerechte Landbewirtschaftung erfordert die weitgehende Beachtung der Umweltressourcen Boden, Wasser und Luft sowie der natürlichen biologischen Vielfalt. Entsprechende Bewirtschaftungsmaßnahmen im Pflanzenbau sollten auf eine Vermeidung bzw. Reduzierung von Emissionen, unerwünschten Stoffeinträgen und Beeinträchtigungen zielen. Insbesondere der Erosionsschutz hat bei zunehmenden Klimaextremen eine hohe Bedeutung. Die Landwirtschaft muss sich auf den Klimawandel und damit einhergehenden Wandel einstellen und Anpassungsstrategien entwickeln. Dafür sollten auf Grundlage der Klimaprognosen des sächsischen Landesamtes für Umwelt und Geologie sowie der Anbauversuche der sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft, standortangepasste Kulturen gefunden werden. Gleichzeitig kann Mischfruchtanbau durch parallelen Anbau von Nahrungsmitteln und Energiepflanzen einen Beitrag zur Aufhebung der Flächenkonkurrenz leisten und die Erträge stabilisieren. Zur Erosionsminderung bieten sich die Nutzung von Untersaaten und Zweikultursystemen als auch die konservierende, pfluglose Bodenbearbeitung an. Darüber hinaus könnte die Landwirtschaft durch Nutzung von Biogasgülle und Mischfruchtanbau, wie Mais, Sonnenblumen, Erbsen und Leindotter, zukünftig auf einen stärkeren Einsatz von mineralischen Düngemitteln verzichten. Der Landwirt als Energie- und Rohstofflieferant


V. Entwicklungsoptionen für die Region

Ziel

2

38

Wirtschaften in geschlossenen Stoffkreisläufen

Maßnahmen Kreislaufwirtschaft für Nährstoffe, Kohlenstoff und Wasser mit einer möglichst umfassenden Rückführung der durch den Anbau entzogenen Nährstoffe auf den Acker Handlungsempfehlungen Steigende Preise und Verknappung des Angebotes an mineralischen Düngemitteln zwingen zum Umdenken und erhöhen den Wert der natürlichen Wirtschaftsdünger. Demzufolge ist eine möglichst hohe Rückführung der Koppelprodukte nach deren Nutzung auf dem Acker zur Nährstoffrückführung sinnvoll. Laut Aussagen der sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft ermöglicht etwa eine dezentrale Ölsaatenverarbeitung der erzeugten Rapssaat mit Verfütterung des anfallenden eiweißreichen Presskuchens an das Milchvieh, Vergärung der Gülle in einer Biogasanlage und Ausbringung der vergorenen Gülle auf die Ackerfläche eine sehr gute Nährstoffrückführung für Stickstoff, Phosphor und Kalium. Des Weiteren sollten nach der Ernte Pflanzenreste in ausreichendem Maß auf dem Acker zur Humusreproduktion verbleiben. In dieser Variante der Rapsölkraftstofferzeugung und Verfütterung des Rapspresskuchens beträgt die Nahrungsmittelkonkurrenz unter Berücksichtigung des gesamten Aufwuchses nur 26%. Zusammenhängend mit der Nutzung des erzeugten Rapsöls in serienmäßig durch die deutschen Traktorenhersteller angebotenen, auf Rapsölkraftstoff angepassten Modellen, entsteht damit eine hohe Wertschöpfung. Effektive Flächenkonkurrenz des Rapsanbaus bei unterschiedlicher Verwendung der Raps-Ernteprodukte

food

Humus

non-food

Flächenkonkurrenz 100

MJ

90

150.000 85

80 70

100.000

62

60 50

49

40 30

50.000 26

20 10

0

0

0 Rapsspeiseöl Presskuchenverfütterung Stroh auf Acker

Quelle: http://www.bmu.de

Rapsölkraftstoff Presskuchenverfütterung Stroh auf Acker

Rapsölkraftstoff Presskuchenverbrennung Stroh auf Acker

Rapsölkraftstoff Rapsölkraftstoff PresskuchenPresskuchenverfütterung verbrennung Entnahme 70% des Strohs

%


39

Ziel

3

V. Entwicklungsoptionen für die Region

Bildung regionaler Wertschöpfungsketten

Maßnahmen 1. Energetische Verwertung von Biomasse 2. Stoffliche Verwertung von Biomasse Handlungsempfehlungen Energetische Verwertung Neue Energiepflanzen und Fruchtfolgen, etwa Hirse und Wildpflanzen sowie schnellwachsende Gehölze wie Weide oder Pappel, sog. Kurzumtriebsplantagen (KUP), eröffnen neue Wege der Landbewirtschaftung. Mit schnellwachsenden Hölzern als Dauerkulturen sind in Sachsen bereits einige Flächen bepflanzt. Das geerntete Holz lässt sich elektrisch und thermisch sowie als Ausgangsmaterial der Kraftstoffherstellung nutzen. Weiterhin eröffnen sich Möglichkeiten des Anbaus auf schwermetallbelasteten Flächen und dessen Rekultivierung. Des Weiteren sollte die regionale Biogasnutzung verstärkt an Bedeutung gewinnen. Neben der Verstromung des erzeugten Biogases vor Ort in Blockheizkraftwerken etablieren sich zunehmend Möglichkeiten der Aufbereitung von Biogas und Einspeisung in das Erdgasnetz, sowie dem Bau von Mikrogasnetzen zur lokalen Verteilung und Nutzung von Biogas. Dies gestattet eine vollständige Wärmenutzung inklusive Verstromung durch Kraft-Wärme-Kopplung. Über die Nutzung von Biogasabwärme können bspw. auch Holzhackschnitzel aus schnellwachsenden Gehölzen für den Einsatz in Holzhackschnitzelkraftwerken getrocknet werden. In Kooperation mit ortsansässigen Stadtwerken kann sich die Landwirtschaft somit zukünftig als zuverlässiger Energie- und Energierohstofflieferant etablieren und damit zu einer sicheren und preiswerten Energieversorgung, auch von energieintensiven Unternehmen, beitragen.

Stoffliche Verwertung Bei steigenden Kosten für fossile Rohstoffe tendieren zukünftige Lösungen, etwa im Automobilbau, zu einer stofflichen Nutzung von Faserpflanzen, wie z.B. Flachs und Hanf. Innovationen auf Basis nachwachsender Rohstoffe werden zudem im Bereich der Mobiltextilien, Bau- und Geotextilien, Medizintextilien und Faserverbundwerkstoffe erwartet. Eine kombinierte energetische und stoffliche Verwertung ermöglicht etwa das bei der Getreideproduktion anfallende Stroh. Untersuchungen im Auftrag des Sächsischen Ministeriums für Umwelt und Landwirtschaft weisen eine alternative Nutzung von bis zu 41% der gesamten Biomasse bei der Getreideernte aus. Dieses Stroh kann in Leichtbauplatten und als Strohballen für den Hochbau eingesetzt werden. Laut dem Fachverband Strohballenbau Deutschland e.V. könnten ca. 350.000 Einfamilienhäuser pro Jahr mit diesem Stroh gebaut werden. Verarbeitet zu Strohpellets dient Stroh zunehmend zur Gewinnung von thermischer und elektrischer Energie. Ein zukunftsweisendes Konzept der innovativen Mehrfachnutzung von nachwachsenden Rohstoffen bieten Bioraffinerien. Diese werden zukünftig die integrierte Produktion von Nahrungsmitteln, Futtermitteln, Chemikalien, Dämm- und Werkstoffen, thermischer und elektrischer Energie sowie Kraftstoffen ermöglichen. Bioraffineriekonzepte zur Nutzung von bspw. Gras, Luzerne, Blattwerk, Kraut, Getreide, Stroh, Korn, Kartoffeln und Melasse sind bereits in der Erprobung.


40

www.photocase.de, Fotografen: scatterly

V. Entwicklungsoptionen für die Region

Randbedingungen Der Landkreis Mittelsachsen vereint zwei touristische Bereiche. Der nördliche ist Bestandteil des Sächsischen Burgen- und Heidelandes, wogegen der südliche, der ehemalige Landkreis Freiberg, der Destination Erzgebirge zuzuordnen ist. Auf letzteren waren die Untersuchungen im Rahmen des Projektes CHANCE im Besonderen gerichtet. Die Analyse zeigt, dass die betrachtete Region mit der gleichnamigen Kreisstadt in touristischer Hinsicht eng mit der Dachmarke Erzgebirge verbunden ist und eine selbst tragende Alleinstellung bisher fehlt. Die Region verfügt über eigene, entwicklungsfähige Potenziale und kann in Wechselwirkung mit dem Erzgebirge wesentliche Impulse und Beiträge einbringen (Bau- und Kunstdenkmäler in den Bergstädten, SilbermannOrgeln, mineralogische und andere Schausammlungen, Anlagen des historischen Bergbaus und der bergmännischen Wasserwirtschaft, Lehrpfade, innovative Wirtschaftsbranchen). Die Bedeutung des Tourismus als Wirtschaftsfaktor für die Region wurde in zahlreichen Studien quantifiziert. Dabei wurde deutlich, dass die Tourismuswirtschaft mehr als eine ökonomische Nische sein kann und muss. In dem Zusammenhang wird ausgeführt, dass der Landkreis Freiberg bzw. Mittelsachsen vor allem Reiseziel von deutschen Urlaubern ist. Der Anteil der Übernachtungen von ausländischen Gästen liegt unter dem Landesdurchschnitt. Das ist bei der Angebotsentwicklung ebenso zu beachten wie die mit der SWOT-Methode analysierte Ausgangssituation und globale bzw. regionale Trends bei Demografie, Klima, Kaufkraft usw.

1.5 Tourismus

Wirtschaftsfaktor Tourismus Vom Tourismus im Erzgebirge profitierende Wirtschaftszweige insgesamt 883,19 Mio. EUR Freizeit + Unterhaltung 11% Verpflegung 34% sonst. Dienstleistungen 22%

Einkäufe 22%

Unterkunft 11% Quelle: dwif 2007

Die Tourismusentwicklung des Reisegebietes Erzgebirge im Landkreis Mittelsachsen wird maßgeblich von einer erfolgreichen Marktpositionierung der Dachmarke Erzgebirge beeinflusst. Dies gilt insbesondere für die Erschließung überregionaler Nachfragepotenziale. Die touristischen Aktivitäten sollten vor diesem Hintergrund darauf abzielen, durch eine Attraktivitätssteigerung des touristischen Angebots auch die Dachmarke Erzgebirge zu profilieren. Davon profitieren letztlich der Landkreis, das Reisegebiet und die einzelnen Orte am meisten. Die touristische Kompetenz einer Region wird in der überregionalen Wahrnehmung weniger durch einzelne Angebote, sondern vor allem durch Themen bestimmt, die wiederum durch konkrete Angebote untersetzt sein müssen. Auf Grundlage der regionalen Bedingungen und der analysierten Stärken und Hemmnisse der touristischen Entwicklung sind für das Reisegebiet Erzgebirge des Landkreises Mittelsachsen folgende Ziele relevant:


41

Ziel

1

V. Entwicklungsoptionen für die Region

Touristische Erlebbarkeit der Industriekulturlandschaft Mittelsachsen

Maßnahmen 1. Montanregion Erzgebirge zur Anerkennung als UNESCO-Welterbe führen 2. Touristische Angebotsgestaltung durch Einbindung von Technik, Industrie und Wissenschaft 3. Ferienstraße Silberstraße als Markenprodukt ausbauen

Handlungsempfehlungen Ausbau der differenzierten touristischen Erlebbarkeit der Industriekulturlandschaft in Verbindung mit der Entwicklung und Nutzung des Welterbes „Montanregion Erzgebirge“. Hierbei ist der Ausbau von hochwertigen Angeboten des Montan- und Geotourismus für spezielle Zielgruppen voranzutreiben und international zu vernetzen. Dem kann die geplante Einrichtung einer Agentur für Bergbaureisen dienen. Die Technische Universität Freiberg wird mit ihren Schausammlungen einem touristisch nutzbaren Bildungsauftrag gerecht. Die Verbindung von Tradition und Innovation ist durch die beispielhafte Zusammenarbeit mit Unternehmen der Solar- und Mikroelektronikbranche erfahrbar zu gestalten, worauf auch das Museumskonzept der Stadt Freiberg orientiert. Die Ferienstraße Silberstraße ist von einer „Regionalen Straße“ i. S. des SparkassenTourismusbarometers 2008 zu einer „Positionierten Straße“ weiterzuentwickeln. Damit kann sie die aufzubauende „Ferienroute Sächsisch-Böhmische Silberstraße in Mitteleuropa“ als wesentlicher Baustein bereichern.


V. Entwicklungsoptionen für die Region

Ziel

2

42

Angebotserweiterung für Aktivurlaub

Maßnahmen 1. Qualifizierung der Wanderinfrastruktur 2. Ausbau und Erweiterung von Fahrradwegen und Vernetzung von Fahrradrouten 3. Entwicklung generationenspezifischer und saisonübergreifender Aktivangebote Handlungsempfehlungen Die Qualifizierung der Wanderinfrastruktur ist mit einer Modernisierung der Wanderangebote zu verbinden. Dabei sind Aktivsport-Trends stärker aufzugreifen, um vermehrt jüngere Zielgruppen anzusprechen. Für die Generation 50 Plus soll die Verbindung mit Gesundheits- und Wellnessofferten hergestellt werden. Der Ausbau und die Vernetzung von Fahrradrouten sind voranzutreiben. Dabei ist eine Verknüpfung der Trassen mit regionalen Besichtigungsschwerpunkten und thematischen Besonderheiten ebenso erforderlich wie eine stärkere Zielgruppendifferenzierung (Tourenradler, Mountainbiker, Sportradler). Die Kombination mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist unter dem Umweltaspekt stärker zu berücksichtigen. Die Bereitstellung von Quartieren, u. a. für Wanderer und Radwanderer, mit entsprechenden Serviceangeboten auch für Gruppen, kann die Verweildauer positiv beeinflussen. Im Hinblick auf mögliche klimatische Veränderungen sind in den bisherigen Wintersportorten möglichst ganzjährig nutzbare Aktivangebote zu schaffen. Die weiter zu entwickelnden Loipennetze lassen sich fallweise für Nordic-Walking und Ski-Nordic nutzen. Eine Erhöhung der Auslastung ist z. B. durch beleuchtete Pisten und Loipen möglich. Auch hier ist die Angebotspalette ständig zu aktualisieren, z. B. für Trendsportarten wie Ski-Kiting. Im Rahmen eines Modellprojekts sollte für die gesamte Region die touristische Nutzbarkeit des Gewässerpotenzials geprüft und partiell umgesetzt werden.

Ziel

3

Touristische Vernetzung der Reisegebiete

Maßnahmen 1. Einbindung in die „Ferienroute Sächsisch-Böhmische Silberstraße in Mitteleuropa“ 2. Vernetzung der beiden Reisegebiete des Landkreises 3. Positionierung des „Silbernen Erzgebirges“ als Marke im Tourismusverband Erzgebirge Handlungsempfehlungen Zusätzlich zu den bisher in die Ferienstraße Silberstraße integrierten Objekten sind neu entstanMaßnahmen dene Angebote einzubringen. Mit der zunehmenden Vielfalt steigt auch die Attraktivität zur Einbeziehung in das grenzüberschreitende Projekt. Im Landkreis Mittelsachsen bleiben die natur- und kulturräumlichen Tourismusregionen „Sächsisches Burgen- und Heideland“ sowie „Silbernes Erzgebirge“ in ihrem gegenwärtigen Zuschnitt erhalten. Das bedingt neue Formen der Zusammenarbeit in Mittelsachsen, die bei ausgewählten Themenfeldern unter gleichzeitiger Stärkung der jeweiligen regionalen Bedeutung und Besonderheiten positive externe Effekte bewirken können.


43

V. Entwicklungsoptionen für die Region

Chancen ergeben sich aus einer projektbezogenen Kooperation in der Infrastruktur- und Angebotsgestaltung in den Themenbereichen mit aus Gästesicht nachvollziehbarer Schnittmenge. Dort ist eine Zusammenarbeit nicht nur möglich, sondern auch wünschenswert. Kooperationsansätze bieten die Themenfelder Schlösser und Burgen sowie Industrie- und Technikkultur. Das Erfolgsmodell Mittelsächsischer Kulturraum kann hier beispielgebend für den Tourismus im gesamten Landkreis sein. Die Einbindung des „Silbernen Erzgebirges“ in die touristischen Strukturen des Tourismusverbandes Erzgebirge e. V. als Dachmarke ist aus der Sicht leistungsfähiger und professioneller Organisationsstrukturen und Bündelung von Marketingaktivitäten notwendig. Die Stärkung des eigenen Profils bleibt davon unberührt, zumal damit der erzgebirgische Teil des Landkreises Mittelsachsen eine tragende Säule in der Destination Erzgebirge bleibt. Regionale Entscheidungsträger Die Zukunftsaufgabe Sicherung und Ausbau des Wirtschafts- und Standortfaktors Tourismus sollte vom Landkreis Mittelsachsen strategisch unterstützt werden. Das betrifft vor allem Anstrengungen zur Attraktivitätssteigerung des touristischen Angebots in beiden Teilregionen durch überörtliche sowie regionale Planungen. Auch wenn eine höhere „Durchlässigkeit“ im Landkreis Mittelsachsen im Innenverhältnis grundsätzlich wünschenswert ist, sollte bei Projekten mit touristischer Zielrichtung dennoch auf eine Marktorientierung im Sinne der beiden Dachmarken geachtet werden. Nur so sind eine Steigerung des Bekanntheitsgrades und die Entwicklung von Alleinstellungsmerkmalen möglich. In der Koordinierung touristischer Projekte liegt eine Querschnittsaufgabe der Landkreisverwaltung. Leistungsanbieter Effizienter Mittel- und Ressourceneinsatz und Nutzung von Synergien in der Vermarktung durch stärkere überörtliche Bündelung der Marketingaktivitäten im Rahmen der „Tourismusgemeinschaft Silbernes Erzgebirge“, Einbindung in das Destinationsmarketing des Tourismusverbandes Erzgebirge und des Landestourismusverbandes Sachsen sowie Schaffung themenbezogener Marketingpartnerschaften als einheitliche Plattformen. Die strategische Ausrichtung von Beherbergungs-, Verpflegungs- und Freizeit- sowie Erlebnisangeboten sollte den Marketingschwerpunkt „Silber“ berücksichtigen. Dabei müssen Veränderungen im Reiseverhalten, die Quellmärkte, der klimatische Wandel und die Altersstruktur der Nachfrager in der touristischen Angebotsgestaltung sowie Aktivitäts- und Genussorientierung in allen Themenfeldern besondere Berücksichtigung finden. Für den ländlichen Raum bieten sich Angebote für Familien- und Landurlaub an. Eine hohe Servicequalität ist auf allen Ebenen unabdingbar (Tourismusbüros, touristische Leistungsträger, Kultureinrichtungen, Bergbauobjekte usw.). Die Teilnahme an Qualitätsoffensiven und Zertifizierungen ist deshalb geboten. Beschäftigte Die im Tourismus Tätigen haben den unmittelbaren Kontakt zum Gast. Der von ihnen vermittelte Service und die hilfreiche Sachkenntnis tragen zum Erholungs- und Urlaubserfolg wesentlich bei. Deshalb ist ein hoher persönlicher Einsatz, basierend auf einer entsprechenden Ausbildung und ständigen Qualifizierung (z. B. im Gastronomiebereich, als Wanderleiter, Gästeführer usw.), eine Grundlage für diese Tätigkeit. Eine hohe Qualität im Dienstleistungsbereich ist zudem eine Voraussetzung für eine hohe Auslastung der touristischen Objekte und damit arbeitsplatzsichernd. Dieser Wirtschaftszweig bietet auch Älteren und Teilzeitarbeitnehmern sowie Frauen gute Beschäftigungschancen. Die Förderung von Gründungsinitiativen sollte genutzt werden.


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www.pixelio.de, Fotograf: Konstantin Gastmann

V. Entwicklungsoptionen für die Region

Unternehmensgründungen im innovativen Bereich stellen einen entscheidenden Motor für Wachstum und Beschäftigung dar. Aus diesem Grund bedarf es eines ständigen Nachschubes an innovativen Gründungen. Zahlreiche innovative Ansätze in der Region liefern für prinzipiell zahlreiche weiterzuentwickelnde Ideen gute Ausgangsbedingungen.

1.6 Gründungsgeschehen

Ziel Erklärtes Ziel ist es, ausgehend von einer sachlichen Analyse des Gründungsgeschehens, neue Wege und Methoden zur spürbaren Erhöhung innovativer Gründungen zu finden und zu beschreiten. Das vorhandene Nachfrage- und Angebotspotenzial innovativer Ideen stellt dafür hoffnungsvolle Ansätze dar.

Randbedingungen Anfang der 1990-er Jahre kam es zu einem regelrechten Gründungsboom. Begünstigt wurde diese Entwicklung durch wieder gewonnene unternehmerische Freiheit, dem relativ offenen Markt und hoher Nachfrage sowohl im privaten als auch öffentlichen Bereich sowie hohen Fördermöglichkeiten. Ab Mitte der 1990-er Jahre veränderten die sinkende private und öffentliche Nachfrage verbunden mit dem Wegfall und der Reduzierung von Fördermöglichkeiten sowie dem Wegbruch alter Strukturen die Marktstrukturen wesentlich. Dies führte zum Ausscheiden einer Vielzahl nicht wettbewerbsfähiger Unternehmen. Die Insolvenzquote von 80 % im konservativen Bereich ist bis heute Zeichen dieser Entwicklung. Technologieorientierte Unternehmen, die zu Beginn als Ausgründungen und/oder Neugründungen starteten haben im Regelfall die Marktveränderungen erkannt und ihre Entwicklung angepasst. Innovative Neugründungen sind in Erkenntnis der realen Marktlage, sinkender Unterstützungen sowie des steigenden Bedarfs an Fachkräften und der damit verbundenen risikolosen Festanstellung potenzieller Know-how Träger seither eher die Ausnahme.

Maßnahmen • Statt zahlreicher, immer wieder in Vielfalt praktizierter und teilweise uneffizienter Gründerunterstützung ist eine Fokusierung auf Gründungsunterstützung notwendig. • Die Angebots- und Nachfragepotenziale innovativer Ideen in der Region sind systematisch zu erfassen, zu bewerten und auszuwählen. • Der Sicherung von materiellen, personellen und finanziellen Voraussetzungen zur vorwettbewerblichen Marktanpassung kommt besondere Bedeutung zu. • Die so weiterentwickelten Produkte, Verfahren und Dienstleistungen sind mit KMU und potenziellen Unternehmern zu verzahnen. • Eine stärkere Öffentlichkeitsarbeit zu Chancen, Risiken und neuen Methoden des technologieorientierten Gründungsgeschehens sensibilisieren Unternehmer, Fachkräfte und die Bevölkerung verstärkt für die Potenziale innovativer Gründungsaktivitäten.


45

V. Entwicklungsoptionen für die Region

2. Demografie, Bildung und Arbeit – Den demografischen Wandel aktiv gestalten

Die Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte ist eine wesentliche Voraussetzung für die nachhaltige Entwicklung der Unternehmen und der Region Mittelsachsen. In Anbetracht der demografischen Entwicklung besteht die Herausforderung in der bedarfsgerechten Sicherung der Fachkräfte sowohl an Hochschulabsolventen als auch an Absolventen der Berufsschulen in den wachstumsrelevanten Branchen. Die folgende Grafik verdeutlicht die zunehmende Brisanz dieser Aufgabe vor dem Hintergrund des stetig sinkenden Erwerbspersonenpotenzials.

Entwicklung der Bevölkerung und des Erwerbspersonenpotenzials in Sachsen bis 2020 (indizierte Entwicklung, 2006 = 100 %) 105

100

95

90 Einwohner gesamt

85

15-65 Jahre 25-65 Jahre

80 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020

Quelle: Statistisches Landesamt Sachsen

Rahmenbedingungen Die überaus positive Entwicklung des verarbeitenden Gewerbes im Bundesland Sachsen und das damit verbundene Umsatz- und Beschäftigungswachstum der vergangenen Jahre ist nicht nur auf die guten Rekrutierungsbedingungen von Fachkräften nach der Wende, sondern auch auf die ausgezeichnete Hochschul- und Forschungsinfrastruktur des Bundeslandes zurückzuführen. Dabei sind es vor allem die Ingenieurwissenschaften, welche die Hochschul- und Forschungslandschaft Sachsens seit dem 18. Jahrhundert charakterisieren. Die für Mittelsachsen zentralen Bereiche Materialien, Umwelt und Energie prägen das Profil der TU Bergakademie Freiberg, was Innovationen und regionale Forschungstransferleistungen aufgrund der Passförmigkeit zur Struktur der regionalen Wirtschaft begünstigt.

Um Aussagen zu dem zukünftigen Fachkräftebedarf für die Schlüsselbranchen der Region Mittelsachsens zu treffen, gilt es, neben der aus Ersatz- und Erweiterungsbedarf resultierenden Nachfrageseite auch die Angebotsseite, d.h. vor allem das zukünftige Angebot von qualifizierten Fachkräften und Ingenieuren, in den Blick zu nehmen. So zeigt die Prognose der voraussichtlichen Entwicklung der Absolventenzahlen an den sächsischen Hochschulen in ausgewählten Fachbereichen, wie bspw. Mathematik, Naturwissenschaften oder Maschinenbau, dass sich auch dort die Auswirkungen der demografischen Entwicklung widerspiegeln. Diesem Negativtrend wird sich auch die TU Bergakademie Freiberg mit ihrem technischnaturwissenschaftlichen Profilstellen müssen.


V. Entwicklungsoptionen für die Region

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Voraussichtliche Entwicklung der Absolventenzahlen an den Hochschulen in Sachsen in ausgewählten Fachbereichen (indizierte Entwicklung, 2006=100%) 1250 1150 1050 950 850 750

-33%

650

-36% -31%

550

-30% 450 350 -31% 250

2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020

Informatik

Mathematik, Naturwissenschaften

Maschinenbau

Elektrotechnik

übrige Ingenieurwissenschaften

Quelle: zdw (2005)

Schülerabgangszahlen in Mittelsachsen bis 2016 (indizierte Entwicklung, 2007=100%)

100

90 LK Freiberg

LK Mittweida

LK LKStollberg Döbeln

80 -23%

70

-31%

60

-43%

50

40 2007

2008

2009

Quelle: Schulamt Chemnitz 2005

2010

2011

2012

2013

2014

2015

2016

Weiterhin zeigt sich, dass auf Grund der demografischen Entwicklung die Schülerabgangszahlen deutlich sinken werden und somit auch das zukünftige Potenzial an Auszubildenden deutlich schrumpfen wird, wobei Mittelschulen und Gymnasien gleichermaßen von dem Rückgang betroffen sein werden. Zwar wird sich die Schülerzahl ab 2012/13 wieder leicht erhöhen, perspektivisch allerdings auf einem deutlich niedrigeren Niveau einpendeln. Dabei wird die Region Freiberg voraussichtlich stärker als die Regionen Mittweida und Döbeln betroffen sein. Der demografisch bedingte Rückgang an Schüler-, Studenten- und Absolventenzahlen ist nicht mehr aufzuhalten. Umso wichtiger wird es zukünftig werden, die Absolventen frühzeitig an die Region zu binden und die Abwanderung junger Menschen vor allem in Richtung der westlichen Bundesländer, aber auch ins Ausland zu reduzieren. Eine zentrale Erkenntnis der vom Institut für Soziologie der FSU Jena in den letzten Jahren durchgeführten Schülerbefragungen in Ostdeutschland ist, dass junge Menschen oftmals nur über ein geringes Wissen bezüglich der Unternehmen in ihrer Region verfügen.


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V. Entwicklungsoptionen für die Region

In Sachsen gibt es allerdings weniger eine Abwanderungsneigung als eine Abwanderungserwartung bei jungen Menschen. Allerdings sind es nicht die Lebensbedingungen und eine fehlende regionale Bindung, welche zum Verlassen der Heimat bewegen, sondern vielmehr die als problematisch wahrgenommenen Ausbildungs- und Beschäftigungsoptionen. Daher sollte im Unterricht der Bezug zur regionalen Wirtschaft intensiver thematisiert werden.

Ziel

1

Informationsvermittlung über oftmals unbekannte Berufsbilder durch Praktika, Betriebsexkursionen und praxisnahe Anwendungsbeispiele im Unterricht Maßnahmen • Intensivierung der bestehenden Partnerschaften und Kooperationsverträge zwischen regionalen Unternehmen, Schulen sowie Universitäten und Fachhochschulen • frühzeitige Kommunikation attraktiver regionaler Ausbildungs- und Beschäftigungsoptionen Zudem wirken kontinuierliche Praxiskontakte zwischen Hochschulen und regionaler Wirtschaft einer „mentalen Deindustrialisierung“ und der daraus resultierenden Abwanderungsneigung der Akademiker entgegen. Sie machen kleinere Unternehmen und entsprechende Einsatzgebiete überhaupt erst bekannt. Des Weiteren rufen sie generell die Existenz einer dynamischen regionalen Wirtschaftsstruktur in das Bewusstsein der Studierenden.

Ziel

2

Vernetzung und Optimierung von Wirtschaft und Wissenschaft zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit durch einen Wissens- und Innovationstransfer Maßnahmen • Fortführung des in Gang gekommenen Clusterbildungsprozesses • Schaffung fruchtbarer Innovationskoalitionen • Austausch materieller Ressourcen • Nutzung von Kompetenzen und Koordination gemeinsamer Aus- und Weiterbildungsangebote • Wissenstransfer zum Beispiel auch „über Köpfe“, d.h. über die zeitweise Verpflichtung von Kompetenzträgern (z.B. Honorarprofessuren oder Lehraufträge für Unternehmer) • Weiterführung des Matchingprozesses zwischen Wirtschaft und Wissenschaft • Entwicklung passförmiger Ausbildungsangebote • Schließen regionaler Fachkräftelücken Eine weitere Stellschraube, um den negativen Effekten der demografischen Entwicklung entgegenzuwirken, ist die Personalpolitik der Unternehmen. So erhöhen beispielsweise eine heterogene Altersstruktur, ein Geschlechter- und Nationalitätenmix sowie die Integration von Quereinsteigern und Menschen mit „bunten“ Erwerbsbiografien die Innovations- und damit auch die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens.


V. Entwicklungsoptionen für die Region

Ziel

3

48

• Schaffung einer innovativen und attraktiven Unternehmenskultur zur Unterstützung der Wettbewerbsfähigkeit • Etablierung einer familienfreundlichen Personalpolitik • Motivation und Identifikation der Beschäftigten mit dem Unternehmen • Verbesserung der Lebensqualität als entscheidender Faktor für den Verbleib oder den Zuzug von Unternehmern, Fachkräften Maßnahmen • Flache Hierarchien • Partizipation der Mitarbeiter an Entscheidungsprozessen • gute Aufstiegsmöglichkeiten und ein identitätsstiftendes Arbeitsklima zur Erhöhung der Attraktivität eines Unternehmens • Innovative Rekrutierungs- und Bindungsstrategien mit dem Ziel der Erhöhung der Aus- und Weiterbildungsquote zur Verbesserung der Erschließungsbedingungen für Humanressourcen • Verbesserung weicher Faktoren • Erhöhung der Anzahl an Kindergarten- und –krippenplätzen • Bedarfsgerechtes Angebot an flexiblen Kinderbetreuungsmöglichkeiten • Schaffung eines attraktiven Wohnumfeldes • Kultur- und Freizeitangebote • Einführung familienfreundlicher Angebote • Familienfreundlichkeit als Standort- und Wettbewerbsvorteil Handlungsempfehlungen

zentrale Stellschrauben

Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass Mittelsachsen zum Einen durch eine hohe wirtschaftliche Dynamik und zum Anderen durch die demografische Entwicklung gekennzeichnet ist. Die zukünftige Entwicklung der Region wird wesentlich davon abhängen, inwieweit es mit Hilfe einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung gelingt, die negativen demografischen Effekte zu kompensieren. Region

Unternehmen

• die Etablierung eines bedarfsorientierten Bildungsmanagements • die Gewährleistung effizienter regionaler Wissenstransfers • die Schaffung fruchtbarer Innovationskoalitionen

• eine familienfreundliche, innovative Personalpolitik • eine attraktive Unternehmenskultur • eine Innovations- und Kooperationspolitik

Ökonomie zentrale Stellschrauben bremst aus innovative Personalpolitik sinkende Nachfrage nach personenbezogenen Dienstleistungen

wachsende Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen

attraktive Unternehmensstruktur

attraktive Arbeitsplätze Fachkräftemangel hohe Exportquoten

korrigiert

Innovations- und Kooperationspolitik

regionales Bildungs- und Innovationsmanagement

Demografie Quelle: Friedrich-Schiller-Universität Jena


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V. Entwicklungsoptionen für die Region

3. Lebensumfeld und Infrastruktur

Angesichts der zunehmenden Globalisierung des Arbeits- und Wirtschaftslebens kommt der Sicherung der Attraktivität des Lebens- und Arbeitsumfeldes besondere Bedeutung zu. Lebensumfeld Die Anforderungen an das Lebensumfeld sind individuell und altersbedingt sehr unterschiedlich. Die Stadt Freiberg verbindet ihren Charme einer attraktiven historischen Altstadt mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten sowie mit Einrichtungen des Einzelhandels und der Gastronomie. Darüber hinaus ermöglichen die weitläufigen Grünanlagen und Parks ebenso wie das naturverbundene Umland vielfältige Erholungsund sportliche Möglichkeiten. Sportlich bieten sich der Bevölkerung von Spielplätzen über das Badevergnügen, Sportvereine bis hin zu den Rad- und Wanderwegen für alle Altersgruppen Möglichkeiten. Auch in Sachen Kunst und Kultur bietet sich in Freiberg ein interessantes Angebot, wie bspw. die Aufführungen und Konzerte des Mittelsächsischen Theaters sowie regelmäßige Ausstellungen in den Galerien und Museen in und um Freiberg. Aus der aktuellen Bevölkerungsentwicklung lassen sich zwei Herausforderungen ableiten: • Entleerte Räume in Folge der Schrumpfung, insbesondere in ländlichen Regionen • Altersgruppengerechte, soziale und kulturelle Einrichtungen Auf Grund der entleerten Räume entsteht erheblicher Anpassungsbedarf für die vorhandenen technischen Infrastruktureinrichtungen und deren langfristiger Finanzierbarkeit. Hohe Mietnebenkosten in Folge fehlender Mieter erhöhen die Abwanderungsneigung der noch vorhandenen Mieter und verschärfen so den bestehenden Konflikt. Neben dem Kostenaspekt wirkt sich der Zustand des Wohnumfeldes auf das allgemeine Wohlbefinden aus. Lange Zeit leerstehende Gebäude oder Wohnungen bewirken weitere neue Leerstände. Stadtplanerisch und versorgungstechnisch sind hier integrierte, innovative Lösungen unter Einbeziehung der potenziellen Nutzer zu entwickeln, welche zur Attraktivität der Innenstädte beitragen.

Mit zunehmendem Alter erhöhen sich die Bedürfnisse bezüglich der Inanspruchnahme von sozialen Einrichtungen. Gesundheitseinrichtungen und soziale Treffpunkte in Wohnnähe gewinnen an Bedeutung. Die Erreichbarkeit der öffentlichen Einrichtungen muss mit öffentlichen Verkehrsmitteln gewährleistet sein. Die Verfügbarkeit von altersgerechten Wohnformen verhindert die Abwanderung älterer Bürger. Auf Grund der körperlichen Belastungen kann davon ausgegangen werden, dass Urlaubsziele eher in der näheren Umgebung gesucht werden. Die Region Mittelsachsen verfügt hier über gute Randbedingungen, welche es zukünftig umfassender zu nutzen gilt. Um die bestehende Wirtschaft und Arbeitskräfte halten und neue Wirtschaft und Arbeitskräfte anziehen zu können, werden bei der zukünftigen Gestaltung des Lebensumfeldes der Region Mittelsachsen folgende Maßnahmen gesehen. • Gestaltung einer bedarfsgerechten Verkehrsinfrastruktur durch eine effiziente Vernetzung von Straße und Bahn • qualitative und quantitative Anpassung der kulturellen und sozialen Infrastruktur • Erhalt und Ausbau bedarfsgerechter generationsgerechter Infrastruktureinrichtungen • Nutzbarmachung und Attraktivitätssteigerungen innerstädtischer Bebauungen durch Handel, Handwerk und Wohnen (Generationenhäuser) • Aufbau energieeffizienter Regionen durch Energiemix und Einbindung regionaler Energieerzeugerund -versorger • Schlanke und effiziente Verwaltung der Region Mittelsachsen Die Lebensqualität ist bei der Entscheidung über den Verbleib oder den Zuzug von Unternehmern und Fachkräften in eine Region ein nicht zu unterschätzender Einflussfaktor. Daher gilt es, Erfolge, wie die gute Bewertung der Region Mittelsachsen, im Familienatlas 2007 auszubauen und öffentlichkeitswirksam zu kommunizieren.


V. Entwicklungsoptionen für die Region

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Infrastruktur Die Bereitstellung der zur Daseinsvorsorge benötigten Infrastruktureinrichtungen obliegt der zuständigen Gebietskörperschaft. Bei den Infrastruktureinrichtungen ist dabei zu unterscheiden in technische und soziale Infrastruktureinrichtungen. Letztere umfassen den Gesundheits- und Bildungsbereich, Dienstleistungen, Kultur, Verwaltung und Sicherheit und stellen letztendlich so genannte weiche Standortfaktoren dar. Die technischen Infrastruktureinrichtungen beinhalten die medienseitige Ver- und Entsorgung, Kommunikation und Information sowie die Verkehrsinfrastruktur. Nachfolgend soll auf einige für die wirtschaftliche Entwicklung wesentliche Faktoren eingegangen werden. Maßnahmen Versorgung/Entsorgung Technische Grundvoraussetzung für den Betrieb von Unternehmen ist die zuverlässige Bereitstellung der benötigten Medien. Neben der Versorgung mit Energie, Wasser und Wärme spielt die Versorgung mit technischen Gasen oder Druckluft eine zunehmende Rolle im internationalen Standortwettbewerb. Autarke Energieversorgungssysteme dürften zukünftig an Bedeutung gewinnen. Entsorgungsseitig sind neben der Abwasseraufbereitung langfristige Lösungen zum Ungang mit den Abfällen bzw. Reststoffen (Recycling, Deponierung) zu berücksichtigen. Intelligentes Bodenmanagement, wie bspw. am Standort Saxonia-Areal in Freiberg, kann zur Wirtschaftlichkeit von Standortentwicklungen beitragen.

Kommunikation/Information Die Möglichkeit zum globalen Datentransfer und der damit verbundene Austausch von Informationen bildeten im Zeitalter der Wissensgesellschaft die Basis überregionaltätiger Unternehmen für eine effiziente Arbeitsteilung und die Erschießung neuer Märkte. Eine regionale Kommunikationsplattform könnte die Wettbewerbsfähigkeit der Region unterstützen. Verkehrsinfrastruktur Die globale Arbeitsteilung führte zu den so genannten Just-in-time-Produktionsprozessen und dem Erfordernis der zeitnahen Beschaffung von Vorprodukten. Mit dem Ausbau der Autobahnen und Umgehungsstraßen wurden die entsprechenden verkehrstechnischen Voraussetzungen geschaffen. Im ehem. Landkreis Freiberg besteht hier weiterhin Nachholbedarf, um den logistischen Anforderungen der Unternehmen der Region gerecht zu werden. Der gegenwärtige Ausbau der Bundesstraße B101 und der Ortsumgehungen sind hier wichtige Meilensteine. Das Vorhandensein der infrastrukturellen Rahmenbedingungen für die in der Region anzusiedelnden Schlüsselbranchen bildet die Ausgangsbasis für eine prosperierende wirtschaftliche Entwicklung. Mittels eines gezielten und koordinierten Regionalmarketing Mittelsachsen sind diese Handlungsschwerpunkte sowohl regional als auch national und international sichtbar zu machen. Dabei sind die Stärken der Region und das Know-how der ansässigen Unternehmen zielorientiert zu kommunizieren.


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V. Entwicklungsoptionen für die Region

4. Ansätze für ein regionales Wachstum

Das Wachstum einer Region ist von folgenden Komponenten abhängig: • der Infrastruktur im Bereich Verkehr, Medien sowie Forschung und Entwicklung • den Forschungs- und Entwicklungskapazitäten im Bereich angewandter Forschung und Grundlagenforschung • dem Arbeitskräftepotenzial hinsichtlich Bildungsstand, Ausbildungsstruktur und Alter • dem Bestand und der Entwicklung zukunftsfähiger Unternehmen

Zwischen diesen sich gegenseitig bedingenden Standortfaktoren bestehen enge Wechselbeziehungen, die durch spez. Netzwerke aufeinander abgestimmt und durch veränderte innere und äußere Rahmenbedingungen (Demografie, Globalisierung) immer wieder anzupassen sind. Fehlt einer dieser Faktoren oder ist einer ungenügend entwickelt, führt dies zu Wachstumsstörungen. Dieser Zusammenhang wird durch folgendes Schaubild charakterisiert:

Unternehmensbestand

Infrastruktur

Netzwerke

FuE Kapazität

Arbeitskräftepotenzial

Darüber hinaus haben weiche Standortfaktoren, die allgemein als soziale Infrastruktur bezeichnet werden, einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf das regionale Wachstum. Herauszuheben sind insbesondere solche Faktoren wie: • Gesundheitsversorgung • Kulturangebote • Bildungsmöglichkeiten

• Wohn- und Wohnumfeldangebote • Freizeit- und Erholungsofferten • kundenfreundliche Verwaltung


V. Entwicklungsoptionen für die Region

Ziel

52

1. Stärkung der regionalen Wirtschaft durch die Gründung, Ansiedlung und Bindung von Unternehmen und Arbeitskräften an die Region, 2. Initiierung und Ausbau von Netzwerken zum Wissens- und Erfahrungsaustausch sowie Kooperation von Unternehmen und Institutionen, 3. Förderung der schulischen, beruflichen und universitären Aus- und Weiterbildung sowie 4. Einleitung von Maßnahmen zur nachhaltigen Steigerung der Lebensqualität.

Maßnahmen 1. Schaffung effizienter Netzwerkstrukturen innerhalb der Region Mittelsachsen. Die Komplexität der wirtschaftlichen Zusammenhänge und die Arbeitsteilung können von kleinen und mittelständischen Unternehmen nur durch Kooperationen und Netzwerkaktivitäten bewältigt werden. Die Wirtschaftsstruktur in der Region Mittelsachsen wird geprägt von einer Vielzahl von KMU´s in den verschiedenen Branchen. Vorhandene Netzwerke stehen einerseits vor der Aufgabe der rechtzeitigen Bereitstellung relevanter Informationen und andererseits der Vermeidung von kontraproduktivem Wettbewerb zwischen den am Netzwerk beteiligten Unternehmen. Durch Politik und Verwaltung sollten Anreize zum Engagement in Netzwerken geschaffen und gleichzeitig eine für die Region nachhaltige Zusammenarbeit angestrebt werden. 2. Schaffung von zukunftsweisenden Aus- und Weiterbildungskonzepten sowie eines Kooperationskonzeptes für die Hochschulen und öffentlichen Forschungseinrichtungen Die globalen und EU-erweiterungsbedingten Veränderungsprozesse sowie der technische Fortschritt, insbesondere in der Informations- und Kommunikationstechnik, führen zu neuen Herausforderungen an die Aus- und Weiterbildung. Die frühzeitige Heranführung der Schüler, Auszubildenden und Studenten an die Aufgaben in zukunftsfähigen Branchen bildet eine Grundvoraussetzung für die Orientierung, Anpassung und Wettbewerbsfähigkeit am globalen Arbeitsmarkt. Als Plattform können bereits vorhandene Schülerakademien, Schülerpraktika und Patenschaften von Schulen und Hochschulen genutzt werden. Eine fortlaufende, berufsbegleitende Weiterbildung ist ein wesentlicher Beitrag zur Erhaltung des Arbeitsplatzes. Durch die Bildungsträger sind unter Einbeziehung der Unternehmen entsprechende Weiterbildungsangebote zu entwickeln und ständig an die neuen Anforderungen anzupassen. Die universitäre Ausbildung steht vor der Herausforderung eines stärkeren Wettbewerbs um Studenten und Lehrende zwischen den Einrichtungen. Regionale Zusammenarbeit und Konzentration auf Kernkompetenzen können zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit beitragen. 3. Neuordnung der regionalen Wirtschaftsförderung durch Bündelung der Wirtschaftsförderaktivitäten möglichst unter einem Dach als zentrale Anlaufstelle für Investoren und regionale Unternehmen Synergieeffekte können durch die Bündelung der Wirtschaftsförderungsaktivitäten der bisherigen drei Landkreise unter einem Dach erzielt werden. Eine derartige zentrale Anlaufstelle für alle Akteure kann einen ersten Baustein darstellen. Neben der Ansiedlung von Unternehmen kommt der Unterstützung der in der Region ansässigen Unternehmen große Bedeutung zu. Außerdem gilt es, die vorhandenen Innovationspotenziale durch zielgerichtete Unterstützung von Gründungen intensiver zu nutzen. 4. Vereinfachung und Reduzierung bürokratischer Verfahrensweisen Ein wesentliches Hemmnis für unternehmerische Tätigkeiten ist das Vorhandensein einer Vielzahl von Vorschriften und bürokratischen Verfahrensweisen. Das unternehmerische Engagement hängt in zunehmendem Maß davon ab, dass Entscheidungen und Genehmigungen schnell und einfach erfolgen. Eine Verbesserung der institutionellen Regelungen bezüglich der Entscheidungsprozesse öffentlicher Einrichtungen, wie z.B. der Aufbau eines effizienten behördlichen Genehmigungsmanagements, ist eine entscheidender Faktor für erfolgreiches unternehmerisches Handeln.


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VI. Zusammenfassung und Handlungsempfehlung

VI. Zusammenfassung - Handlungsempfehlungen Die Bewältigung der Veränderungsprozesse in Folge des globalen Wandels und der EU-Osterweiterung stellen an die handelnden Akteure neue Herausforderungen. Die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung der Region wird entscheidend davon abhängen, wie es gelingt, im weltweiten Wettbewerb um Ressourcen sowie um Fachkräfte rechtzeitig die erforderlichen Schritte zur Verbesserung der Zukunftsfähigkeit einzuleiten. Perspektiven für die zukünftige Entwicklung der Region wurden in ausgewählten Handlungsfeldern skizziert. Diese können und sollen jedoch nicht losgelöst voneinander betrachtet werden. Chancen für eine weiterhin positive Entwicklung für Unternehmen, Beschäftigte und die Region insgesamt werden dabei in folgenden Schwerpunkten gesehen:

Unternehmerische Tätigkeiten sind geprägt durch Entscheidungen bei einer gleichzeitigen Ungewissheit über die zukünftige Entwicklung. Vor diesem Hintergrund ist das Vorhandensein entscheidungsrelevanter Informationen für die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen eine existenzielle Voraussetzung. Im Folgenden wird auf den globalen Wettbewerb sowie die demografische Entwicklung als zentrale Herausforderungen für die erfolgreiche zukünftige Entwicklung von Unternehmen eingegangen. Herausforderung: Globaler Wettbewerb um Ressourcen und Märkte Die Verknappung der natürlichen Ressourcen durch die weltweit gestiegene Nachfrage führt zu Engpässen in deren Verfügbarkeit und zu höheren Marktpreisen. In Folge dessen verschärft sich der internationale Wettbewerb um Rohstoffe zunehmend. Zukünftig kommen dem Erschließen neuer und alternativer Ressourcen sowie der Entwicklung ressourcensparender Technologien besondere Bedeutung zu. Darüber hinaus führen Veränderungen der Kapitalund Arbeitsmärkte, steigende Mobilität sowie neue Möglichkeiten der Informations- und Kommunikationstechnologien zur globalisierungsbedingten Öffnung der Märkte und zusätzlichem Wettbewerbsdruck. Die langfristig erfolgreiche Entwicklung von Unternehmen kann nur gesichert werden, wenn einerseits diese Trends erkannt sowie andererseits unternehmensspezifische strategische Reaktionen erfolgen.

www.sxc.hu, Fotograf: xlucas

Unternehmen/Wirtschaft

1. Unternehmen/Wirtschaft


VI. Zusammenfassung und Handlungsempfehlung

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Handlungsempfehlungen Konzentration auf ressourceneffiziente Technologien und zukunftsträchtige wettbewerbsfähige Technologiefelder • Entwicklung und Umsetzung von werkstoff-, material- und energieeffizienten Verfahren und Technologien • Zukunftsträchtige wettbewerbsfähige Technologiefelder - Entwicklung von Materialien/Verfahren/Produkten zur Energiespeicherung - Entwicklung von Methoden zur Kopplung regenerativer und klassischer Energieerzeugung - Verantwortungsvoller Umgang mit vorhandenen Ressourcen und Bestandsflächen (Brachflächenrevitalisierung) - Forschung auf dem Sektor Materialien und Werkstoffe für neue Einsatzfelder (Leichtbau, organische Werkstoffe, Verbundwerkstoffe, Beschichtung, hochfeste Werkstoffe)

Bildung leistungsfähiger strategischer Allianzen bzw. Einbindung in bestehende kooperative regionale Engagements • Überwindung mentaler Barrieren gegenüber regionalen Kooperationen, um langfristig auf dem internationlen Markt wettbewerbsfähig zu bleiben • Informationsaustausch über Produktions- und Fertigungsprozesse, Marktveränderungen und -trends, Kunden und Wettbewerb • Anschub gemeinsamer FuE-Projekte • Realisierung effektiver Arbeitsteilungsprozesse in den Unternehmen • Realisierung gemeinsamer Vermarktungsinitiativen Einen Überblick über die Hauptziele und Maßnahmen in den ausgewählten Handlungsfeldern in der Region Mittelsachsen enthält die nachfolgende Tabelle.


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Handlungsfeld

Hauptziel

VI. Zusammenfassung und Handlungsempfehlung

Maßnahmen

Werkstoffe

Entwicklung und Umsetzung von werkstoff- und materialeffizienten Verfahren und Technologien

- Gezieltere Ausrichtung der Grundlagenforschung - Aufbau, Neustrukturierung bzw. Wiederbelebung von anwendungsorientierten Forschungsinstituten und Forschungs GmbH´s - Bessere Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft

Energie

Erzeugung von 40% der in der Region benötigten Energie aus Erneuerbaren Energien bei gleichzeitiger Einsparung von 20% der eingesetzten Energie über den Einsatz von Energieeffizienzinnovationen

- Umsetzung kommunaler Klimaschutzund Energiekonzepte - Konzepte energieeffizienter Stadtteile - Aufbau eines Netzwerkes Erneuerbarer Energien unter Einbindung von Stadtwerken

Umwelt

Ausbau der Potenziale in der Recyclingwirtschaft und der Bodenbehandlung

- Untersuchungen für den Leitmarkt Kreislaufwirtschaft - Initiierung regionale Arbeitsgruppe u. Erarbeitung eines Maßnahmeplans - Verknüpfung der vorhandenen F&E-Kompetenzen

Landwirtschaft

Bildung regionaler Wertschöpfungsketten und Kreislaufwirtschaft

- stoffliche und energetische Verwertung nachwachsender Rohstoffe - Überführung Reststoffe aus stofflicher Verwertung in die Energieerzeugung - Rückführung Reststoffe aus energetischen Verwertung auf den Acker

Verbesserung der touristischen Erlebbarkeit der Region Mittelsachsen

- Vernetzung der Reisegebiete - Generationenspezifische Angebote - Ausbau vorhandener Dachmarken

Tourismus

Gründungen

Erhöhung der Anzahl von technologieori- - vorwettbewerbliche Gründungsunterstützung (material, personell, finanziell) entierten Gründungen - Erfassung, Bewertung, Auswahl der Gründungspotenziale - Marktanpassungsentwicklung


VI. Zusammenfassung und Handlungsempfehlung

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Herausforderung: Demografische Entwicklung Vor dem Hintergrund der zukünftigen Bevölkerungsentwicklung, dem Rückgang der Absolventenzahlen sowie der Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte verschärft sich der Wettbewerb um Fachkräfte. Insbesondere im Hinblick auf Vereinbarkeit von Familie und Beruf können flexible Strukturen u.a. für erwerbstätige Frauen entscheidende Wettbewerbsfaktoren darstellen. Basierend auf einer Analyse der vorhandenen Altersstruktur der Beschäftigten bildet eine vorausschauende und strategische Personalpolitik die Grundlage für eine nachhaltige Unternehmensentwicklung. Handlungsempfehlungen Sicherung des Fachkräftebedarfs • Systematische Bedarfsplanung, Ausbildung und Qualifizierung von Fachkräften • Nachwuchsförderung durch Praktika für Schüler, Auszubildende und Studenten • Förderung flexibler Arbeitsgestaltungsformen • Förderung kontinuierlicher Weiterbildung der Beschäftigten • Globale Suche nach Fachkräften

Region Mittelsachsen

2. Region Mittelsachsen

Die zukünftige positive Entwicklung der Region Mittelsachsen bestimmt sich wesentlich durch strategische Weichenstellungen für die Bereiche Wirtschaft, FuE und Wissenschaft, Demografie, Bildung und Arbeit sowie das Lebensumfeld und die Infrastruktur. Die Bevölkerung, die Beschäftigten und die zuständige Gebietskörperschaft müssen sich auch in diesen Bereichen verschiedenen Herausforderungen stellen. Im Folgenden werden diese Herausforderungen näher betrachtet und Empfehlungen zur Reaktion und zukünftig strategischen Ausrichtung gegeben.


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VI. Zusammenfassung und Handlungsempfehlung

Wirtschaft, FuE und Wissenschaft Die besonderen Herausforderungen für eine langfristige wettbewerbsfähige und erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung der Region bestehen darin, die (bestehende) Wirtschaft durch Erkenntnisse und Methoden der angewandten Forschung und Entwicklung zu unterstützen und zu stärken. Herausforderung: Verzahnung von Wirtschaft, Forschung und Entwicklung sowie Wissenschaft Besondere Bedeutung ist zukünftig einer sensiblen Ausrichtung der Grundlagenforschung an Bedürfnisse der als zukunfts- und wettbewerbsfähig definierten regionalen Technologiefelder beizumessen. In diesem Zusammenhang ist insbesondere die Kommunikation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft unter Beachtung der regionalen Wirksamkeit der Grundlagen- und angewandten Forschung weiter zielorientiert auszurichten. Handlungsempfehlungen Wiederbelebung, Neustrukturierung und Aufbau der Forschungsinfrastruktur in den regionalen Schwerpunkttechnologien (Innovationszentren) sowie Abstimmung zu Themen der Grundlagenforschung Die Wiederbelebung, Neustrukturierung und der Aufbau von grundfinanzierten Forschungsinstituten (Fraunhofer Institut, An-Institute von Hochschulen, etc.) und angewandten Forschungs- und Entwicklungsbetrieben (Forschungs-GmbH´s) als Innovationszentren haben für die Entwicklung der aufgezeigten Technologiefelder zur Behauptung im Wettbewerb besondere Bedeutung. Entsprechend der sowohl ehemals traditionellen als auch zukunftsträchtigen Schwerpunkttechnologien der Region sollte dies, insbesondere in folgenden Bereichen, fokussiert werden: • Geologische Forschung, Erkundung und Gewinnung • Aufbereitung, Recycling, Umwelt • Material, Werkstoffe • Halbleiterwerkstoffe • Fertigungstechnologien • Energie (klassische und regenerative Energieträger) Vernetzung von Grundlagenforschung, Forschung und Entwicklung mit wirtschaftlicher Anwendung durch regionalen Technologietransfer Der regionale Technologietransfer ist durch geeignete Organisationsstrukturen zu unterstützen und voranzutreiben, um langfristig die Innovationsfähigkeit der Region Mittelsachsen sichern zu können. Das Bemühen dieser zentralen Organisationsform sollte darin bestehen, vorhandene Teilstrukturen in ein komplexes Gesamtsystem zu integrieren sowie Kommunikations- und Austauschprozesse zwischen den Partnern zu forcieren und zu unterstützen. • systematische Informationssammlung und -bereitstellung markt- und branchenspezifischer Entwicklungen • Stimulierung der Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und regionalen Forschungseinrichtungen zur Entwicklung neuer Produkte, Verfahren und Dienstleistungen und ihrer gemeinsamen Umsetzung am Markt • Integration und Ausbau regionaler Netzwerke, insbesondere in den aufgezeigten Schlüsselbranchen • Verstetigung des Wissenstransfers zu Zukunftsfragen sowie öffentlichkeitswirksame Kommunikation (bspw. Freiberger/Mittelsächsische Wirtschaftstage, Freiberger Forschungsforum/Berg- und Hüttenmännischer Tag)


VI. Zusammenfassung und Handlungsempfehlung

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Demografie, Bildung und Arbeit Der demografische Wandel stellt an die Zukunftsgestaltung der Region Mittelsachsen große Herausforderungen. So wird nach aktuellen Prognosen die Bevölkerung im Landkreis Mittelsachsen um ca. 10% im Vergleich zu 2006 zurückgehen. Dies entspricht einer absoluten Zahl von 35.504 Personen. Zugleich sinkt jedoch das Erwerbspersonenpotenzial um fast 20%. Besonders gravierend ist hierbei der Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials bei der Altersgruppe der 15 bis 25jährigen (-41,2%), während in der Gruppe der 55 bis 65jährigen eine Zunahme von 19,6% zu verzeichnen ist. Ebenso steigt der Anteil der über 65jährigen. Bis zum Jahr 2020 steigt diese Zahl um ca. 11,4%. Herausforderung: Strategien zur Bewältigung der Auswirkungen des demografischen Wandels Die niedrigen Geburtenzahlen und der aus den verstärkten Renteneintritten resultierende Rückgang der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter werden sich zum Teil negativ auf die Verfügbarkeit von Fachkräften auswirken. Darüber hinaus werden die aus der demografischen Entwicklung resultierende Schrumpfung und Alterung alle Bereiche des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens in Mittelsachsen erfassen. Der demografische Wandel bietet jedoch auch Chancen für Veränderungen, die neue Perspektiven für das Zusammenleben in Mittelsachsen eröffnen können. Handlungsempfehlungen Ausbau der flächendeckenden Vereinbarkeit von Familie und Beruf • Ausbau und Kommunikation der Region als familienfreundlicher Standort • Stabilisierung und Ausbau der Ganztagsangebote im Bereich der Kinder- und Schulbetreuung • Flexibilisierung der Betreuungsangebote • Schaffung von Möglichkeiten zum intergenerativen Zusammenleben Anpassung des Bildungsbereichs an die regionalen Herausforderungen • Flächendeckende Umsetzung der Programme der Qualifizierungsoffensive • Sicherung und Gestaltung der Schulinfrastruktur • Einrichtung eines Schülerforschungszentrums • Stabilisierung der neu eingerichteten Fachklasse Mechatroniker • Schaffung nachfragerorientierter Bildungsangebote • Erhöhung der Qualität und Ausbau des Wissens- und Innovationstransfers • Stärkung der Verzahnung von Wirtschaft und Bildung Fachkräftesicherung • Evaluation und Kommunikation spezieller Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen und -angebote für Geringqualifizierte und Langzeitarbeitslose • Aufzeigen von Entwicklungs-, Lebens- und Arbeitsperspektiven in der Region


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VI. Zusammenfassung und Handlungsempfehlung

Die Veränderungsprozesse in der Welt beeinflussen die regionalen Arbeitsmärkte in steigendem Maß. Eine Stabilisierung der Beschäftigungssituation erfordert flexible Arbeitsbedingungen unter Berücksichtigung sektoraler und regionaler Rahmenbedingungen. Der Wettbewerb um Arbeitsplätze findet auf globaler Ebene statt. Herausforderungen für Beschäftigte: Globalisierung des Arbeitsmarktes, lebenslanges Lernen Die Arbeitswelt befindet sich in einem branchenbezogenen Prozess der Umwälzung. Jobs fürs Leben weichen zunehmend flexiblen Strukturen. Zukunftsberufe der Vergangenheit können sich in wertloses Wissen umwandeln. Dieser Strukturwandel geht mit höheren Qualifikationsanforderungen einher. In Abhängigkeit vom erforderlichen Qualifizierungsniveau in den verschiedenen Stufen der Produktionsprozesse sind Unternehmen und Beschäftigte gezwungen, eigene Strategien zu entwickeln. Die Neuausrichtung der Arbeitsteilung in Raum und Zeit bringen erweiterte individuelle Freiheitsgrade und größere Eigenverantwortung mit sich. Das Konzept der klassischen Erwerbsarbeit wird durch dezentrale und flexible Arbeitsformen abgelöst. Handlungsempfehlungen für Beschäftigte • Nutzung vorhandener Weiterbildungsangebote • Bereitschaft zur Mobilität • Entwicklung zur Bereitschaft zum lebenslangen Lernen • Überwinden von Sprachbarrieren im Arbeitsumfeld

Lebensumfeld und Infrastruktur Angesichts der zunehmenden Globalisierung des Arbeits- und Wirtschaftslebens kommt der Sicherung der Attraktivität des Lebens-, Arbeits- und Unternehmensumfeldes in Mittelsachsen besondere Bedeutung zu. Nur so wird es möglich, die bestehende Wirtschaft und Arbeitskräfte zu halten und weitere Unternehmen und Arbeitskräfte in die Region zu ziehen. Herausforderung: Ausbau der Attraktivität des Lebens-, Arbeits- und Unternehmensumfeldes unter Berücksichtigung der demografischen Veränderungen Bei der Standortauswahl von Unternehmen sind die optimale Gestaltung des Lebensumfeldes und die Wirtschaftsförderung von zunehmender Bedeutung. Durch vorausschauende und nachhaltige Planung muss die vorhandene Infrastruktur auf die neuen Anforderungen der Unternehmen und der Beschäftigten ausgerichtet werden. Die Prüfkriterien von Entscheidungsträgern in Unternehmen sind ebenso zu berücksichtigen, wie beschaffungsseitige und nachfrageseitige Faktoren. Nur durch eine effiziente und gezielte Ausrichtung der Regionalentwicklung auf zukunftsorientierte Branchen, unter Nutzung aller vorhandenen Potenziale, kann der globale Standortwettbewerb um Investitionen, Ansiedlungen und Arbeitskräfte erfolgreich bewältigt werden. Handlungsempfehlungen • Ausbau einer bedarfsgerechten Verkehrs-, Medien- und Forschungsinfrastruktur • Gestaltung der kulturellen und sozialen Infrastruktur • Reduzierung der Inanspruchnahme neuer Flächen zugunsten der Revitalisierung von Brachflächen • Schlanke und effiziente Verwaltung der Region Mittelsachsen • Schaffung zentraler Netzwerkstrukturen zur Wirtschaftsförderung • Nutzbarmachung und Attraktivitätssteigerungen innerstädtischer Bebauungen durch Handel, Handwerk und Wohnen (Generationenhäuser)


VI. Zusammenfassung und Handlungsempfehlung

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Die größte Herausforderung erausforderung in den kommenden Jahren istt das Zusammenwachsen der bisherigen drei Landkreise (Döbeln, Freiberg, reiberg, Mittweida) zu einer Region. Mittels eines gezielten und d koordinierten Regionalmarketing Mittelsachsen sind die aufgezeigten ezeigten Entwicklungsoptionen für zuentwickeln sowie auch natioden neuen Landkreis weiterzuentwickeln ar zu machen, um damit auch nal und international sichtbar e Zusammenarbeit forcieren zukünftig länderübergreifende zu können. Darüber hinaus sind zukünftig regelmäßige ssungen an die EntwickFortschreibungen und Anpassungen achsen erforderlich. lungen in der Region Mittelsachsen


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VI. Zusammenfassung und Handlungsempfehlung

Vision Mittelsachsen 2028 Region der nachhaltigen Ressourcennutzung, der umweltschonenden Energieerzeugung und zukunftsf채higen Wirtschaft Region der hohen Lebensqualit채t durch generationenund chancengerechte Lebensverh채ltnisse


Arbeitsübereinkommen CHANCE - Mittelsachsen

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Arbeitsübereinkommen der regionalen Stakeholder zur Schaffung eines nachhaltigen regionalen Zukunftsmanagements Im Rahmen der Umsetzung der regionalen Zukunftskonferenz wurden die regionalen Stakeholder eingeladen, eine regionale Konferenz zu etablieren, durch die ein qualitatives Management der Umstrukturierung abgesichert werden kann. Durch diese Partnerschaft wurde im Rahmen des Projektes auch ein wichtiger Beitrag geleistet, um den sozialen Dialog in den Regionen zu vertiefen. Aufgabe der Zukunftskonferenz ist es, den gesamten Prozess des Projektes zu begleiten und für die nachhaltige Weiterführung dieses Prozesses zu sorgen. Dazu gehört die Analyse der Wandlungsprozesse, von denen die Region betroffen ist, die Identifikation von Umstrukturierungserfordernissen, die Entwicklung von Konzepten und Programmen zur Bewältigung dieser Umstrukturierung und das laufende Monitoring, inwieweit dieser Umstrukturierungsprozess erfolgreich ist. Gleichzeitig wurde im Umfeld der Konferenz ein Arbeitsübereinkommen mit den regionalen Stakeholdern ausgearbeitet und unterschrieben, um die Arbeit der Konferenz institutionell und nachhaltig abzusichern. Im Rahmen des Projektes wurde dieser Prozess modellhaft durchgeführt und soll dann von der Konferenz eigenständig weitergeführt werden.

Die Partner des Arbeitsübereinkommens CHANCE Mittelsachsen: - ARGE Freiberg - Bellmann, Veronika, Mitglied des Deutschen Bundestages - Bundesverband Deutscher Unternehmer in der tschechischen Republik - CHOREN Industries GmbH - Freiberger Brauhaus AG - Freiberger AGENDA 21 e.V. - Förderverein Montanregion Erzgebirge e.V. - G.E.O.S. Freiberg Ingenieurgesellschaft mbH - Gesellschaft für Strukturentwicklung und Qualifizierung Freiberg mbH - Gillo, Martin, Dr., Mitglied des Sächsischen Landtages - Handwerkskammer Chemnitz - Haustein, Heinz-Peter, Mitglied des Deutschen Bundestages - InnoRegio Freiberg e.V. - Industrie- und Handelskammer Südwestsachsen - Interdisziplinäres ökologisches Zentrum der TU Bergakademie Freiberg - Kreissparkasse Freiberg - Landkreis Freiberg/Mittelsachsen - Lanschaf(f)t Zukunft e.V. – ILE „Silbernes Erzgebirge“ - Raatz, Simone, Dr., Mitglied des Sächsischen Landtages - SM Sächsisches Metallwerk Freiberg GmbH - Siltronic AG Freiberg - Solar World Innovations GmbH - TAKATA-PETRI Sachsen GmbH - TU Bergakademie Freiberg - Tourismusverband Erzgebirge e.V. - Universitätsstadt Freiberg


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Initiative Südwestsachsen e.V. Neefestraße 88 D-09116 Chemnitz Geschäftsführer Eberhard Neumann Telefon: +49 (0) 371 / 350030 Telefax: +49 (0) 371 / 350033 kontakt@suedwestsachsen.de

SAXONIA Standortentwicklungsund -verwaltungsgesellschaft mbH Halsbrücker Straße 34 D-09599 Freiberg Geschäftsführer Dipl.-Verwaltungswirt (FH) Erich Fritz Telefon: +49 (0) 3731 395010 Telefax: +49 (0) 3731 395013 saxonia@saxonia-freiberg.de

Gründer- und Innovationszentrum Freiberg/Brand-Erbisdorf GmbH Am St. Niclas Schacht 13 D-09599 Freiberg Geschäftsführer Dr. Thomas Lindner Telefon: +49 (0) 3731 781139 Telefax: +49 (0) 3731 781143 service@gizef.de

Herausgeber und Projektpartner


Impressum

Redaktionsteam

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SAXONIA Standortentwicklungs- und -verwaltungsgesellschaft mbH Erich Fritz Michael Hanke Alexander Eisenblätter René Otparlik Katja Friedrich Dr. Roland Ladwig Tina Zänßler Gründer- und Innovationszentrum Freiberg/Brand-Erbisdorf GmbH Dr. Thomas Lindner Dr. Frank Gehre Michael Naumann Dr. Sandra Kaminski

unter Mitwirkung von

Layout

Bildquellen

Initiative Südwestsachsen e.V., Andreas Töpfer TU Bergakademie Freiberg, Prof. Dr. Horst Brezinski Friedrich-Schiller-Universität Jena, Prof. Dr. Michael Behr Susann Müller Alexander Eisenblätter

TU Bergakademie Freiberg, SAXONIA, Stadt Freiberg, www.photocase.de, Fotografen: scatterly, seraph, jarts (Jürgen Acker) www.sxc.hu, Fotografen: TouTouke (G & A Scholiers), xlucas, www.pixelio.de, Fotograf: Konstantin Gastmann www.aboutpixel.de, Fotograf: Thomas Pieruschek

© 2008 SAXONIA Standortentwicklungs- und -verwaltungsgesellschaft mbH Alle Rechte, auch das des auszugsweisen Nachdrucks, der auszugsweisen oder vollständigen fototechnischen Wiedergabe, der elektronischen Datensicherung und das der Übersetzung, vorbehalten.


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www.aboutpixel.de, Fotograf: Thomas Pieruschek


Grünbuch Freiberg  

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