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Herbert Pforr

Freiberg und die Herderzeit Auf den Spuren des Oberberghauptmanns von Herder durch Sachsens Silbermetropole


Freiberger Bergmann 1913

Freiberger Bergmann 1520

Bergmännischer FrÜmmigstern


Inhalt 4 Vorworte 8 Die Herderzeit 10 Die Stadt Freiberg zur Herderzeit 15 Das Freiberger Berg- und Hüttenwesen 21 Typische Freiberger Bergwerke im 19. Jahrhundert 35 Herders Herkunft und Bildungsweg 40 Herder auf der Höhe seines Schaffens 42 Das äußere Erscheinungsbild Herders 46 Das Freiberger Herderhaus 49 Herders Bergbeamtenkarriere 50 Herders Verdienste im sächsischen Montanwesen 60 Herder im Ausland 61 Herder und die Bergbaukultur 68 Der Herderkreis 80 Herders Begräbnis und Grabdenkmal 83 Schlussbetrachtung 86 Auf den Spuren der Herderzeit durch Stadt und Bergrevier Freiberg 94 Daten zur Biografie Herders 95 Literatur


Die Herderzeit Für den Begriff „Herderzeit“gibt es keine klare Definition. Feststeht, dass die Bezeichnung hergeleitet wurde vom Namen und Wirken des im 19. Jahrhundert hochverehrten sächsischen Oberberghauptmanns Siegmund August Wolfgang Freiherr von Herder (1776 - 1838). Herder war als Bergbeamter des in Freiberg beheimateten Oberbergamtes über drei Jahrzehnte führend tätig und war Repräsentant des königlich-sächsischen Bergbaus und Hüttenwesens. Er hatte also in erster Linie die Interessen des sächsischen Königs zu vertreten. Der König war nicht nur Landesherr, sondern auch Regalherr und Miteigentümer des sächsischen Silberbergbaus. Als Regalherr standen ihm gewinnabhängige Abgaben zu, weshalb er an möglichst erfolgreicher Silberproduktion stets interessiert war. Bis 1873 stand Silber in Deutschland als Währungsmetall noch hoch im Kurs. Dann wurde es vom Gold abgelöst. Mit dem Begriff „Herderzeit“ verbinden sich zumindest in Sachsen Erinnerungen an die letzte glanzvolle Zeit des sächsischen Silberbergbaus. Im Mittelpunkt steht die Ausstrahlung des Oberberghauptmanns Freiherr von Herder, der es als führender Beamter des Oberbergamtes mit Geschick und Erfolg verstanden hat, dem sächsischen Berg- und Hüttenmann das Gefühl des Stolzes auf seinen Beruf zu vermitteln und das Bewusstsein zu haben, zu einer besonderen „privilegierten“ Gemeinschaft zu gehören. Die in diesem Sinne eingesetzten Mittel waren die Mitgliedschaft in der Knappschaft, das Tragen der vorgeschriebenen Berufs- und Paradekleidung, die Organisation von Knappschaftsfesten, die Förderung des bergmännischen Liedgutes und der Bergmusik. Die Teilnahme an den Bergparaden zeigte auch der Öffentlichkeit gegenüber, dass man zu dieser eingeschworenen Gemeinschaft gehört. Das „Bergvolk“ war nach Berufsgruppen und Rängen klassifiziert. Die Beamtenschaft, mit dem Oberberghauptmann an der Spitze, hob sich entsprechend der Rangordnung des „Bergstaates“ äußerlich deutlich ab. Die mit der Kleiderordnung verbundene „Subordination“ war schon 1768 angestrebt worden, wurde aber auch in der Herderzeit im 19. Jahrhundert weiterhin betont. Herder gilt als der Begründer der „Bergbauromantik“ in Sachsen. Er förderte und initiierte viele berufsbezogene kulturelle Maßnahmen. Sie festigten das Brauchtum der Berg- und Hüttenleute. Das wirkt sich in der bis heute lebendig gebliebenen Traditionspflege deutschland- und europaweit noch spürbar aus! Aufstellung der Historischen Freiberger Berg- und Hüttenparade, Foto H. Pforr

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Unter „Herderzeit“ wollen wir etwa die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts verstehen. Die damals geprägten Grundsätze wirkten auch noch in der Zeit danach. Das formale Ende ist mit dem Jahre 1869 anzusetzen. Da trat das neue sächsische Berggesetz in Kraft, wodurch das seit dem 16. Jahrhundert bestehende Oberbergamt aufgelöst und das für Sachsen spezifische Direktionsprinzip nicht mehr angewendet wurde. Manches blieb trotzdem im Sinne der Traditionspflege weiter bestehen, etwa das Tragen des schwarzen Bergkittels oder der Paradeuniformen. Die Tradition der Bergparaden ist bis heute lebendig geblieben. Das ist vor allem zurückzuführen auf Herders Wirken im Sinne seiner konservativ-romantischen Grundhaltung. Anerkennenswert sind Herders Bestrebungen zur Modernisierung des Maschinenwesens und der Technologie im sächsischen Bergbau und Hüttenwesen. Sie haben zu einer beachtlichen Produktionssteigerung geführt. Wenn wir heute von der Herderzeit sprechen, denken wir vor allem an Herders Verdienste auf dem Gebiet der Bergbaukultur und der Festigung des bergmännischen Standesbewusstseins. Dazu gehören die bis heute in der Öffentlichkeit beliebten Bergparaden und die Festlichkeiten im Sinne der Knappschaftsfeste, etwa das “Bergbier“. „Ein Bergbier“ in bergbaulicher Umgebung (Pferdegöpel, Schachtkaue)

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Die Stadt Freiberg zur Herderzeit Im Jahre 1797 kam Herder als Student der Bergakademie nach Freiberg. Nach zwei Jahren Dienst im obererzgebirgischen Bergbau blieb Freiberg bis zu seinem Tode im Jahr 1838 sein Lebensmittelpunkt. Freiberg hatte um 1800 etwa 9000 Einwohner. Die Stadt war deutlich geprägt durch die mittelalterliche Ummauerung mit Mauertürmen, Stadttoren und Gräben. Diese Verteidigungsanlagen waren dem Verfall preisgegeben oder wurden teilweise abgetragen. Die Bebauung entsprach im Wesentlichen dem bis heute erhaltenen Bild in der Freiberger Altstadt (Bild 3). Als Stadt des ältesten sächsischen Silberbergbaus hatte Freiberg deutlich den Charakter einer Bergstadt. Weil das meiste sächsische Silber aus dem Freiberger Revier kam, galt Freiberg seit dem 16. Jahrhundert als „sächsische Berghauptstadt“. Deshalb waren hier wichtige zentrale Einrichtungen etabliert worden. Dazu gehörten der Bergschöppenstuhl (Bild 4), das Oberbergamt (Bild 5), das Oberhüttenamt (Bild 6), die Bergakademie und die Bergschule. Von der Himmelfahrt Fundgrube heimkehrende Bergleute auf dem Häuersteig in der Donatsgasse, Foto K. Reymann 1880 Die innere Stadtmauer, Wallgraben und Futtermauer im heutigen Zustand, Foto H. Pforr

Freiberg vom Tuttendorfer Weg aus, Mitte 19. Jahrhundert, Repro Medienzentrum TU Bergakademie Freiberg


Das Peterstor mit Petrikirche um 1825, Stadt- und Bergbaumuseum, Repro M. Knopfe

Erzkreuze am Rathaus als Symbol für die Berggerichtsbarkeit der Freiberger Ratsherren, Foto H. Pforr Obermarkt um 1830 mit Rathaus, an dem 3 Erzkreuze an den „Bergschöppenstuhl“ erinnern, nach Knebel 1904

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Das Oberbergamtsgebäude in der Kirchgasse 11 und Oberhüttenamt Kirchgasse 13, Zeichnung G. Täubert (Erste Hälfte 19. Jahrhundert) Portal des Oberhüttenamtes in der Kirchgasse 13, Foto Reymann 1912

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Das Stadtbild wurde geprägt durch Berg-und Hüttenleute, Handwerker, Bergbeamte, Akademieprofessoren und Studenten. Das Schloss Freudenstein hatte als Folge des Siebenjährigen Krieges stark gelitten, hatte Dach und Renaissanceschmuck eingebüßt. Die letzte Schlacht dieses Krieges hatte im Oktober 1762 im Freiberger Gebiet getobt. Die Zerstörungen im Freiberger Bergrevier hatten zu einem starken wirtschaftlichen Niedergang geführt. Zu den Maßnahmen zur Behebung der Kriegsfolgen gehört die Gründung der Bergakademie im Jahre 1765. Diese weltweit neuartige Hochschule sollte ursprünglich im Schloss Freudenstein eingerichtet werden, doch die Gebäude waren zu ruinös. Die in der Herderzeit bestehenden wirtschaftlichen Probleme waren durch die Napoleonischen Kriege und Truppendurchzüge noch vergrößert worden.

Freiberger Bewohner vor der Stadtsilhouette (vom Tuttendorfer Weg aus), Zeichnung Ludwig Richter um 1840


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