

Raiffeisen Mitteilungen
des Raiffeisenverbandes Südtirol Genossenschaft

Die Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt „Apfel-Fit“ bergen ein großes Potenzial für die Obstwirtschaft.
Der richtige Apfel für jedermann
Ende Oktober wurden in Terlan die Ergebnisse des Forschungsprojektes „Apfel-Fit“ der Laimburg vorgestellt. Dazu wurden in mehrjähriger Forschungsarbeit 540 „Fingerabdrücke“ alter und neuer Apfelsorten erstellt.
Um Apfelsorten eindeutig zu identifizieren, hat das Versuchszentrum Laimburg seit 2008 im Rahmen des Projekts „Apfel-Fit“ eine Datenbank mit rund 540 molekulargenetisch abgesicherten Profilen von Referenzsorten aufgebaut. Grundlage bildete die am Versuchszentrum Laimburg bestehende Genbank mit über 100 alten und neuen Apfelsorten. Zudem wurden Hunderte weitere alte und neue für Mitteleuropa relevante Apfelsorten in verschiedenen europäischen Sortensammlungen beprobt.
„Die Bestimmung der Merkmale aus Geschmack, Zusammensetzung und Resistenzen der Apfelsorten bietet uns die Möglichkeit, neue Sorten zu züchten und bestehende zu
verbessern“, erklärte Landwirtschaftslandesrat Arnold Schuler.
Gesundheitsrelevante Inhaltsstoffe
Welche Sorten haben die meisten gesundheitsrelevanten Inhaltsstoffe? Im Rahmen des Projektes analysierten die Forscher des Versuchszentrums auch die gesundheitsrelevanten Inhaltsstoffe von 100 Sorten aus der Laimburger Genbank wie Polyphenole, Zucker, Säure, Vitamine und Mineralstoffe. „Bei allen Apfelsorten zeigte sich, dass der Gehalt an wertvollen Inhaltsstoffen wie Polyphenolen und Vitaminen in der Schale etwa dreimal so hoch ist wie im Fruchtfleisch. Äpfel sollte
man also mit der Schale essen“, empfahl Peter Robatscher, Leiter des Projektteils „Chemische Analysen“. Den höchsten Vitamin-C-Gehalt aller untersuchten Apfelsorten haben die alten Sorten „Freiherr von Berlepsch“ und „Schweizer Orangenapfel“; bei den kommerziellen Apfelsorten schneiden die Clubsorten Kanzi®, Jazz® und Pink Lady® am besten ab. Auf Grundlage der Forschungsergebnisse können Züchter gezielt jene alten und modernen Apfelsorten weiter selektionieren, die sich durch besonders gesundheitsförderliche Inhaltsstoffe auszeichnen. Relevant ist das auch für die Entwicklung von Nischenprodukten mit potenziellem Gesundheitswert wie Apfelchips, Säfte.
3 fragen an josef dalla via

Warum ist das Projekt „Apfel-Fit“ auch für Nischenprodukte interessant?
Man kann jetzt die Inhaltsstoffe von Sorten eindeutig identifizieren – eine Chance für die Obstwirtschaft, Nischenprodukte aufzubauen. Für Anbauer könnte ein hochwertiger und hochpreisiger Nischenmarkt entstehen.
Gibt es Beispiele?
Wenn eine Apfelsorte einen geringen Fruchtzucker hat, kann sie für Kunden mit Fruktoseintoleranz geeignet sein. Oder Kunden mit Apfelallergien suchen solche Äpfel, die keine Allergien auslösen.
Die Obstwirtschaft kann Sorten also besser bespielen?
Darin liegt eine Chance! Wenn ich besondere Eigenschaften von Apfelsorten besser vermitteln kann, erhält die Sorte einen zusätzlichen Mehrwert, den ich zu Gewinn machen kann.
Impulse für die Vermarktung
Die Datenbank liefert also die besonderen Charakteristiken der verschiedenen Apfelsorten. Damit könnte künftig auch in der Vermarktung besser diversifiziert und Kundensegmente könnten gezielter angesprochen werden. „Den richtigen Apfel für jeden“, brachte Josef Dalla Via, Initiator des Projekts und ehemaliger Direktor des Versuchszentrums, das Potenzial von „Apfel-Fit“ auf den Punkt. Kunden könnten zukünftig ihre Entscheidung zum Kauf eines Apfels nicht nur aufgrund der Farbe treffen, sondern aufgrund des Geschmackes und der Verträglichkeit. „Auf Grundlage der Ergebnisse lassen sich neue Impulse für die heimische Obstwirtschaft setzen“, resümierte Michael Oberhuber, Direktor des Versuchszentrums.
Maschanzker und Meran
Neben der exakten Bestimmung von Apfelsorten brachte die Datenbank auch überraschende Fakten über die alten, aber auch neuen Apfelsorten zutage. So konnte mithilfe der Datenbank etwa eine für Südtirol verschollen geglaubte Apfelsorte, der Maschanzker, aufgespürt werden oder auch die Elternschaft der Südtiroler Apfelsorte Meran geklärt werden, sagte Sanja Baric. Wurde hier neben dem Golden Delicious lange die Sorte

Das Projekt „Apfel-Fit“ hat auch überraschende Fakten über alte Apfelsorten zutage gebracht.
Morgenduft als Muttersorte angeführt, ist es jedoch tatsächlich die Sorte Jonathan. An das – aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) mit einer Million Euro finanzierten – Projekt „ApfelFit“ schließt sich nun mit „Pomosano“ ein weiteres EFRE-Forschungsprojekt der Laimburg an. Untersucht werden dabei u. a. verarbeitete Apfelprodukte wie frische Säfte oder Fresh-Cut-Produkte und wie sich die Inhaltsstoffe der Äpfel im Verarbeitungsprozess verändern.
Erster Weltladen im Vinschgau eröffnet
Vor einigen Wochen wurde im Vinschgau der erste Weltladen eröffnet. Die Sozialgenossenschaft „Weltladen Latsch“ bietet faire Produkte und auch regionale Spezialitäten.
Groß war die Genugtuung bei der Eröffnung vergangenen September im Zentrum von Latsch. „Wir wollen durch unser Angebot überzeugen, das wirklich beachtlich ist. Wir

Im Dorfzentrum von Latsch wurde kürzlich der Weltladen Latsch eröffnet und eingeweiht.
bieten sowohl die aus anderen Weltläden bekannten Produkte aus dem fairen Handel als auch regionale Produkte aus der Umgebung wie etwa Brot, Obst oder Gemüse“, so der Obmann der Sozialgenossenschaft, Richard Theiner. Selbsterzeuger am Hof oder Bäckereien liefern die Waren täglich frisch in den Weltladen.
Faire Produkte, faire Preise
Bei den Machern des Weltladens – mit Obmann Richard Theiner, Geschäftsführerin Dolly Stecher und vielen freiwilligen Mitarbeitern aus dem Ort, unterstreicht man die Wirtschaftlichkeit des Projektes. Durch die langfristigen Verträge, die es zwischen den Weltläden und Importorganisationen in Af-
rika, Asien und Lateinamerika gebe, entstehe eine gewisse Planbarkeit. Zudem stammt eine Vielzahl der Produkte von Kleinproduzenten, sodass ein fairer Preis, ein umweltfreundlicher Transport und eine Garantie der Nicht-Beteiligung von Kinderarbeit garantiert werden kann. „Der Vertrieb von fair gehandelten Produkten gehört zu den erfolgreichsten Sozialunternehmungen weltweit, wodurch etwa über eine Million Kleinbauern unterstützt werden“, so Theiner.
Der Weltladen Latsch ist als Sozialgenossenschaft Mitglied des Raiffeisenverbandes Südtirol und in das Netz der bestehenden Weltläden in Südtirol eingebunden. Mit den anderen Weltläden im Land will das Geschäft in Latsch zusammenarbeiten, etwa bei gemeinsamen Marketing-Projekten und Aktionen.
Veränderung als Konstante
In Bozen fand unlängst die 2. Auflage der „Zukunftswerkstatt Führung – Veränderung bewirkt Veränderung“ mit Teilnehmern aus Südtirol und Bayern statt.
Bei einem Kamingespräch auf der Haselburg in Bozen referierte Kurt Mirlach, Personalvorstand und Arbeitsdirektor der Schaeffler AG, zum Thema „Innovativ und International – der Wandel vom mittelständischen Unternehmen zum Global Player“. Der fränkische Automobil- und Industriezulieferer ist eines der größten europäischen Industrieunternehmen in Familienbesitz mit 170 Standorten und 80.000 Mitarbeitern weltweit.
Mirlach, der bei Schäffler den Internationalisierungsprozess stark mitgeprägt hat, schilderte die weltweiten Veränderungsprozesse in der Arbeitswelt. „Die Veränderung ist heute die Konstante im Unternehmen“, sagte Mirlach. Globaler Wettbewerb, Digitalisierung, internationale Verflechtung, Innovationsdruck, nachhaltiges Wirtschaften, Individualisierung der Mitarbeiter u. a. m. zwingen Unternehmen, sich rigide an der langfristigen Erfolgssicherung und an der eigenen Unternehmensstrategie zu orientieren.
Führung immer schwieriger
„Führung wird immer schwieriger, die gesellschaftlichen Anforderungen an die Unternehmen immer mehr“, meinte Mirlach. Das wichtigste in der Führung sei, wie die Menschen im Unternehmen miteinander umgehen. Entscheidungsprozesse und Verantwortlichkeiten würden allerdings immer komplizierter.
Der Wandlungsbereitschaft der Unternehmen begegne die Mitarbeiterschaft in der Regel meistens erst mit Widerstand, dann mit Frustration und erst dann mit Akzeptanz. Den Teilnehmern an der
Zukunftswerkstatt gab Mirlach, der Ende des Jahres in den Ruhestand geht, daher vier Kernbotschaften mit: 1.: Veränderungen sind nicht zu stoppen. 2.: Veränderungen sind Chance oder Untergang. 3.: Aktiv gestalten, nicht abwarten! 4.: Keine Angst haben, sondern mutig sein! Maßgeblich für den Unternehmenserfolg seien zudem klar definierte Werte, mit denen sich die Mitarbeiterschaft identifizieren kann.
Veränderungen aktiv gestalten
An der zweitägigen länder- und branchenübergreifenden Zukunftswerkstatt, die von der Abteilung Bildungswesen im Raiffeisenverband organisiert und unter der Leitung der Münchner ManagementTrainerin Martina Mayr veranstaltet wurde, nahmen Führungskräfte der Mitgliedsgenossenschaften des Raiffeisenverbandes und weitere Teilnehmer aus Südtirol und Bayern teil. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Anforderungen an die Führung in Zukunft gestellt werden und wie sich Führungskräfte für neue Herausforderungen rüsten können. Generaldirektor Paul Gasser betonte die Notwendigkeit, auch im Genossenschaftssektor Veränderungen aktiv zu gestalten.
Weitere Referenten des Seminars waren u. a. Josef Pichlbauer, Leiter Personalmanagement der BayWa AG München, Oliver Hofmeister, Geschäftsführer Claas Vertriebsgesellschaften, und Peter Schmidt-Breitung, Leiter Vertrieb der VR Leasing Gruppe in Eschborn. Sandra Wess, Leiterin der Abteilung Bildungswesen, begleitete die Zukunftswerkstatt als Komoderatorin.

An der „Zukunftswerkstatt Führung“ auf der Haselburg nahmen Führungskräfte aus Bayern und Südtirol teil.
dolcissimo 2015
Bester Süßwein ermittelt

Zum 10. Mal wurden Mitte Oktober auf Schloss Tirol die besten Süßweine ermittelt. Südtirols Kellereien hatten 26 Süßweine ins Rennen um die begehrte Auszeichnung „Dolcissimo“ 2015 geschickt. Den Sieg holte sich die Kellerei St. Michael/Eppan mit dem „Comtess Sankt Valentin 2012“. Auf Platz zwei wählte die Jury den „Kiemberger 2013“ vom Weingut Kiemberger. Bronze ging an die Kellerei Tramin mit „Roen Vendemmia Tardiva 2014“. Auf Platz vier platzierten sich ex aequo sieben Kellereien: Kellerei Meran Burggräfler mit „Sissi 2012“, Kellerei Girlan mit „Pasithea Oro 2013“, Kellerei Andrian mit „Juvelo 2013“, Landesweingut Laimburg mit „Saphir 2013“, Kellerei Bozen mit „Vinalia 2012“, Kellerei Kaltern mit „Serenade 2012“, Pardellerhof Montin mit „Südtiroler Goldmuskateller 2013“. Bei den Rosenmuskatellern siegte der Ansitz Waldgries mit dem „Rosenmuskateller 2012“. Dolcissimo ist eine Veranstaltung in Kooperation des Tourismusvereines Dorf Tirol mit Merano International WineFestival, Konsortium Südtirol Wein und Sommeliervereinigung Südtirol.
Klaus Mair, Willi Stürz, Norbert Kofler, Hans Terzer, Peter Schöpf und Helmut Köcher
clubreise
Moderne
Lichtspiele
Zu seinem 15. Jubiläum organisierte der Raiffeisen InvestmentClub eine Clubreise mit 50 Mitgliedern an den Bodensee. Auf dem Programm stand ein Besuch beim Unternehmen Zumtobel in Dornbirn, einem weltweit führenden und börsennotierten Anbieter von ganzheitlichen Lichtlösungen. Bei einer exklusiven Firmenpräsentation und Werksführung konnten sich die Clubmitglieder ein Bild von dem fortschrittlichen Unternehmen und seiner Philosophie machen. „Flagschiff-Produkt“ des Unternehmens ist die vielseitig einsetzbare LED-Technik, auf die das Unternehmen auf breiter Ebene setzt. Zumtobel ist mit 13 Produktionen in vier Kontinenten vertreten und beschäftigt über 7000 Mitarbeiter. Im Zeppelin-Museum in Friedrichshafen besichtigten die Teilnehmer die weltweit größte Sammlung zur Luftschifffahrt und konnten die begehbaren Passagierräume der Hindenburg im originalgetreuen Nachbau erleben.

Die Clubmitglieder besichtigten das Zeppelin-Museum und Lichtinstallationen bei Zumtobel.
Energiediagnose wird Pflicht
Unternehmen ab einer bestimmten Größe müssen noch innerhalb 5. Dezember eine Energiediagnose vornehmen. Der Raiffeisenverband bietet diesen Service an.

Die Energiediagnose zeigt Betrieben mögliche Einsparungspotenziale auf.
Bis 2020 will die EU den CO2-Ausstoß um mindestens 20 Prozent verringern. Das sieht die 2012 beschlossene EU-Energieeffizienzrichtlinie vor. Die einzelnen EU-Staaten sollen dabei u. a. ihren Energieverbrauch jährlich um bis zu 1,5 Prozent senken. Italien hat die Inhalte der EU-Richtlinie 2012/27/EU mit Gesetzesdekret Nr. 102 vom 4. Juli 2014 in die nationale Gesetzgebung übernommen und eine Reihe von Maßnahmen zur Energieeffizienz und Energieeinsparung erlassen.
Energieaudit für große Unternehmen
Beispielsweise sind große Unternehmen und solche mit einem hohen Energieverbrauch (sogenannte „imprese energivore“) verpflichtet, eine Energiediagnose bzw. ein Energieaudit ihres Unternehmens vorzunehmen. „Bei der Energiediagnose, die von qualifizierten Fachexperten wiederholend alle vier Jahre durchgeführt werden muss, wird der gesamte Energieverbrauch des Unternehmens detailliert erhoben, um mögliche Energieeinsparungspotenziale aufzuzeigen“, erklärt Günther Schweigkofler von der Unternehmensberatung in der Hauptabteilung Waren und Dienstleistungsgenossenschaften im Raiffeisenverband. Die erste Ener-
Impressum: Herausgeber: Südtiroler Bauernbundgenossenschaft, Druck: Athesia Druck –Ermächtigung vom Landesgericht Bozen, 13.4.1984, Nr.13/84
Presserechtlich verantwortlich: Guido Steinegger, Redaktion: Thomas Hanni (Raiffeisenverband Südtirol, 0471 945454, rvs-presse@raiffeisen.it, www.raiffeisenverband.it)
giediagnose muss bereits innerhalb 5. Dezember dieses Jahres erfolgen.
Als „große Unternehmen“ werden dabei Betriebe mit mehr als 250 Mitarbeitern oder mit einem jährlichen Umsatz über 50 Mio. Euro und einer Bilanzsumme über 43 Mio. Euro eingestuft. Von der Verpflichtung dieser Energiediagnose ausgenommen sind Unternehmen, die bereits nach ISO 50001 (Energiemanagementsystem) oder der internationalen Umweltmanagementnorm ISO 14001 zertifiziert sind.
Service des Raiffeisenverbandes
Laut Handelskammer Bozen gibt es in Südtirol 77 Unternehmen, die aufgrund ihrer Bilanzdaten als „große Unternehmen“ eingestuft werden. Für betroffene Mitgliedsgenossenschaften und -körperschaften des Raiffeisenverbandes bietet die Unternehmensberatung in der Hauptabteilung Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften den Service der Energiediagnose an. Die Fachexperten betreuen u. a. bereits zahlreiche Obst- und Sennereigenossenschaften, die aufgrund ihres Energieverbrauchs gesetzlich verpflichtet sind, eigene Energiemanager zu ernennen.
Raiffeisen Nachrichten
Mehr Informationen aus dem Raiffeisen Genossenschaftswesen: www.raiffeisen-nachrichten.it