

Raiffeisen Mitteilungen
des Raiffeisenverbandes Südtirol Genossenschaft

Bei der IGA-Tagung in Brixen wurde über die digitale Entwicklung als Chance für Genossenschaften und Genossenschaftsbanken diskutiert.
Offline und online gut verzahnen
„Lokale Verwurzelung und grenzenlose Informationstechnologie – ein unternehmerisches Dilemma für Genossenschaften?“ Mit dieser Frage setzte sich Mitte November die IGA-Tagung in Brixen auseinander.
Werden typische Vorteile der Genossenschaften wie die Kundennähe bedeutungslos, und wie weit nutzen Genossenschaften SocialMedia für ihr Geschäftsmodell? Mit diesen und ähnlichen Fragen eröffnete Arnulf Perkounigg, Vorsitzender des Instituts für Genossenschaftsforschung im Alpenraum (IGA), die Tagung im Forum Brixen, bei der die Referenten auch auf die Chancen digitaler Geschäftsmöglichkeiten verwiesen.
„33% unserer Kunden, die im Lagerhaus kaufen, haben vorher schon online recherchiert“, sagte Klaus Goldmann von Raiffeisen Ware Austria AG, die bewusst auch eine digitale Strategie fährt. Das Geschäft vor Ort werde immer wichtig bleiben, doch schon
heute liege der Online-Shop gleich auf. „Die digitale Entwicklung erforderte eine Strukturanpassung, uns ist es gelungen, online- mit offline-Markt gut zu verknüpfen“, sagte Goldmann.
Beziehungsmanagement im Netz
Die intelligente Verzahnung von offlineund online-Welt zog sich wie ein roter Faden durch die Tagung, die sich schwerpunktmäßig auf die digitalen Erfordernisse im Bankenbereich verlagerte. Hier stehen die Banken etwa bei den Bezahlwegen vor Herausforderungen. „Google Wallet oder Apple Pay entwickeln sich als neue Arten des Banking im Netz
schleichend neben traditionellem Banking“, betonte Alexander Jungmeister von der Universität Luzern. Viele Kunden geben sich nur mit dem traditionellen Banking nicht mehr zufrieden. Der Druck auf die Banken, Social Media-Angebote aufzustellen und in alternative Zahlungswege einzusteigen, wachse. Genossenschaftsbanken müssten genossenschaftliches Beziehungsmanagement auch in modernen Netz-Tools etablieren. Aber auch das traditionelle Filialnetz überdenken und die Filialen – als Gegenantwort auf die Digitalisierung – in echte Begegnungszentren umgestalten, in denen typische „DNA-Elemente“ wie Nähe vor Ort, Solidarität, Wertegemeinschaft noch stärker gelebt werden.
Zukunftsfähige Filialkonzepte
„Als Genossenschaftsbanken müssen wir Mitglieder und Kunden auch über die sozialen Medien in unsere Filialen bringen“, betonte Peter Erlebach, Vorstandsvorsitzender des DG Verlages. Die Kontaktpunkte der Genossenschaftsbanken der Zukunft seien digital wie stationär. „Zukunftsfähige Filialkonzepte verzahnen mobile, webbasierte und stationäre Bankdienstleistungen“. Das Filialkonzept sei untrennbar mit den Genossenschaftsbanken verbunden. Allerdings habe die althergebrachte Filiale allein keine Überlebenschance. Nicht nur das „Bespielen“, sondern die sinnvolle Verzahnung aller Kanäle unterscheide Omnikanalbanking von Multikanalbanking.
Horst Amon von der Raiffeisenbank Seebachgrund zeigte am Projekt „webErfolg“ den Nutzen der Online-Filiale auf. „Diese ermöglicht die effizienteste Kundenansprache, ist am meisten frequentiert und am besten auswertbar. Jedoch wir wollen keine zentrale Direktbank, denn der Kunde entscheidet, wann und wo er seine Bankgeschäfte macht“,

sagte Amon. „Wir setzen auf eine ganzheitliche genossenschaftliche Beratung und haben die verschiedenen Bankkanäle fein aufeinander abgestimmt“.
Kern der Geschäftsstrategie
Auch Gerd Keysberg vom deutschen Servicedienstleisters Fiducia IT und Bernhard Pompl, IT-Leiter im Genossenschaftsverband Bayern, betonten, dass sich Kunden heute
eine Omnikanal-Bank erwarten. Neben aktuellen Trends in der Bankinformatik zeigten sie die Herausforderungen für Rechenzentren auf, die sich aus den neuen Technologien ergeben. Alle Anwendungen müssten sicher, auf Endnutzer ausgerichtet und jederzeit nutzbar sein. „Wir haben heute eine rasche IT-Entwicklung und ein rasches Ändern des Kundenverhaltens. Daher müssen die neuen Technologien zum Kern der Geschäftsstrategie gemacht werden“, sagte Keysberg.
„Eine Phase disruptiver Innovation“
Peter Erlebach, Vorstandsvorsitzender des deutschen Genossenschafts-Verlages, betonte bei der IGA-Tagung die Vorteile als Genossenschaftsbank, warnte aber auch davor, die technische Innovation zu verschlafen.
Herr Erlebach, Sie sprachen von disruptiver Innovation, was ist das?
Peter Erlebach: Der Begriff soll zeigen, wie leicht man unterschätzt, dass technische Entwicklungen jahrelang – ich sag mal – vor sich hindümpeln ohne besondere Bedeutung. Und wie die plötzlich in eine Prozesskette unseres täglichen Lebens hineinkommen, so wie etwa die Digitalisierung. Disruptive Innovationen können einen zerstören, aber man kann es auch schaffen, auch als langjährige Organisation, am Markt zu überleben.
Internet und I-Phone revolutionieren ganze Branchen, auch den Zahlungsverkehr …
Da haben wir als Banken meines Erachtens auch schon Markt verloren, denn bis jetzt war es immer nur möglich, über Banken Zahlungsverkehr abzuwickeln. Jetzt ist das auch über Dritte möglich, wie u. a. PayPal oder ClickandBuy. Zwar ist dann hintendran immer noch die Kreditkartenabbuchung, aber wo der Zah-
lungsverkehrsstrom initiiert worden ist, das kommt dann schon nicht mehr bei der Volksund Raiffeisenbank an.
Was wäre die Antwort der Banken auf diese Entwicklung?
Allein in Deutschland gibt es 13 bis 14 Millionen PayPal-Nutzer, die heute schon einen anderen Zahlungsverkehrsweg nutzen als jenen über die Bank. Als Volks- und Raiffeisenbanken müssen wir es also schaffen, auch ein eigenes Zahlverfahren im Internet anzubieten.
Sie sprachen von den Vorteilen der Genossenschaftsbanken, die da wären?
Starke Marke, klares Leistungsversprechen an den Kunden, klares Bekenntnis zur Regionalität, Mitgliedschaft als Alleinstellungsmerkmal. Das alles haben Google, Apple, Amazon nicht. Natürlich – es wird immer alles mehr online, es wird digital, ich kann
fast alles im Internet kaufen. Bei Bankdienstleistungen ist aber das Thema Vertrauen und jemanden kennen ganz wichtig. Hier müssen wir als Genossenschaftsbankorganisation noch stärker vermitteln, dass wir einen GenCode haben, den sonst niemand hat. Und das ist in den letzten Jahren nicht ausreichend gut kommuniziert worden. Wir können viel von den großen Playern im Netz lernen, aber vor Ort ist man im Finanzgeschäft als Kunde besser beraten, mit einem lokalen Dienstleister zu arbeiten. interview: thomas hanni

niemand hat.“
Rund 80 Genossenschaftsvertreter kamen zur IGA-Tagung ins Forum Brixen.
Peter Erlebach: „Haben einen Gen-Code, den sonst
Neuer Gesundheitsfonds als Ergänzung
Der Raiffeisenverband hat mit der wechselseitigen Hilfsgesellschaft „Mutual Help“ den neuen Raiffeisen Gesundheitsfonds entwickelt. Er richtet sich speziell an Arbeitgeber und deren Mitarbeiterschaft.
„Der Raiffeisen Gesundheitsfonds bildet ein zusätzliches Angebot“, betonte Generaldirektor Paul Gasser Ende November bei der Pressekonferenz im Raiffeisenhaus. Denn Leistungen des Gesundheitssystems können künftig nicht mehr im gewohnten Umfang von der öffentlichen Hand abgedeckt werden. Der Raiffeisen Gesundheitsfonds sei ein weiterer Schritt, mit dem Raiffeisen im Sinne des genossenschaftlichen Förderauftrages Verantwortung für die Menschen im Land wahrnehme, sagte Gasser. Und ein weiterer Schritt in der Vorsorgekette von Raiffeisen – neben dem Versicherungs- und Schadenabwicklungsbereich, dem Wechselseitigen Krankenbeistandsverein (WKV) und dem offenen Raiffeisen Pensionsfonds.
Lokale Ausrichtung
„Es braucht eine ergänzende Gesundheitsvorsorge, die auf die lokalen Bedürfnisse zugeschnitten ist“, sagte Vizedirektor Christian Tanner. Durch die lokale Ausrichtung des Raiffeisen Gesundheitsfonds können Leistungen auch kostensparender erbracht werden.
Von einer Genugtuung sprach Romano Siviero. „Mit dem Raiffeisen Pensionsfonds kann einer breitere Bevölkerungsschicht und vielen Berufskategorien eine zusätzliche Ge-

sundheitsvorsorge ermöglicht werden“. Der Eisenbahner in Rente und Visionär im Bereich der Mutualität erdachte sich vor 15 Jahren die wechselseitige Hilfsgesellschaft „Mutual Help“.
Erste Zielgruppe: Arbeitgeber
„Zielgruppe des Raiffeisen Gesundheitsfonds sind in erster Linie Arbeitgeber und deren Mitarbeiterschaft“, sagte Vizedirektor Tanner. Arbeitgeber ermöglichen ihren Mit-
arbeitern eine leistungsstarke und kostengünstige Ergänzung der privaten Gesundheitsvorsorge und können u. a. eine Entlastung bei Steuer- und Sozialbeiträgen geltend machen.
Das Leistungsangebot ist breit gefächert. Eingeschriebene Arbeitnehmer erhalten u. a. Kosten für fachärztliche und zahnärztliche Leistungen, Krankenhauseinlieferungen, chirurgische Eingriffe u.a.m. zu einem Teil rückerstattet. Mehr unter www.raiffeisengesundheitsfonds.it
Geringe Investitionskraft in Südtirol
Ende November hat die Banca d’Italia bei einer Informationstagung der Raiffeisenkassen im Raiffeisenhaus ihren jährlichen Bericht zur Wirtschaftslage der Provinzen Bozen und Trient vorgestellt.
„Die wirtschaftliche Lage der Region TrentinoSüdtirol ist im Vergleich zu anderen Regionen Italiens zufriedenstellend“, meinte Andrea Locatelli von der Banca d’Italia bei der Präsentation der aktuellsten Wirtschaftsdaten im Raiffeisenhaus. Die allgemeine Wirtschaftskrise, die sich seit Jahren dahinzieht, hat die Wirtschaft in der Region bisher relativ gut abfedern können. Die sich zu Jahresbeginn abzeichnende Erholung der Wirtschaft konnte sich aber nicht durchsetzen, sodass in Südtirol mit einem Null-Wachstum des BIP gegenüber dem Vorjahr zu rechnen ist.
Die Kredite an Unternehmen haben in der Provinz Bozen gegenüber dem Vorjahr um rund drei Prozent abgenommen. Grund dafür sind die zurückhaltenden Investitionen der Unternehmen, wobei besonders die Baubranche mit Schwierigkeiten zu kämpfen hat.
Die Darlehen an Familien haben in Südtirol gegenüber dem Vorjahr um 1,1 Prozent zugenommen, Zuwächse von 2,9 Prozent konnten – aufgrund der vorteilhaften Zinsen – die Wohnbaudarlehen verzeichnen. Die Situation auf dem Südtiroler Arbeitsmarkt ist relativ stabil; als wichtige Wirtschaftstrei-
ber erweisen sich die Exporttätigkeit der Betriebe und der Tourismus.
Solide Raiffeisenkassen
Luigi Parisotto, Direktor der Banca-d’ItaliaFiliale Bozen, stellte dem Raiffeisensystem Südtirol ein gutes Zeugnis aus und hob die wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung der Raiffeisenkassen hervor. Für 2015 rechnen die Wirtschaftsexperten mit einer unveränderten Wirtschaftslage mit einer weiterhin stagnierenden Entwicklung bei Einkommen und Investitionen.
Generaldirektor Zenone Giacomuzzi (Raiffeisen Landesbank Südtirol), Generaldirektor Paul Gasser und Vizedirektor Christian Tanner (Raiffeisenverband)
Information aus erster Hand
Das neue Bildungsprogramm des Raiffeisenverbandes setzt 2015 verstärkt Schwerpunkte in der Aus- und Weiterbildung der Führungskräfte und der gewählten Mandatare der Raiffeisenkassen. Dazu sind jährlich mehrere Fortbildungsabende für die Verwaltungs- und Aufsichtsräte in den verschiedenen Landesteilen geplant. Teilnehmer werden aus erster Hand über bankspezifische und aktuelle Themen informiert, können ihre Qualifikation steigern und sich mit Gleichgesinnten austauschen. Mit der neuen Informationsplattform wird auch der Kommunikationsaustausch mit dem Raiffeisenverband gefördert und weiter ausgebaut. Die Fortbildungsabende starten mit 13. Jänner 2015.
Erste AMS-Zertifikate überreicht
Im Vorjahr wurde der Grundstein für ein zertifiziertes Arbeits- und Gesundheitsschutz-Managementsystem gelegt, jetzt wurden erste Zertifikate überreicht.
Im Bereich Arbeits- und Gesundheitsschutz verfolgen die Südtiroler Raiffeisenkassen seit Langem das Ziel, ideale Rahmenbedingungen zur Förderung der Gesundheit der Mitarbeiter zu schaffen. Denn nur gesunde Beschäftigte garantieren auf Dauer den Erfolg eines Unternehmens.
Internationaler Standard
Aus diesem Grunde wurde von Seiten des Raiffeisenverbandes Südtirol vor einem Jahr der Grundstein für die Einführung eines zertifizierten Arbeitsund Gesundheitsschutz- Managementsystems (AMS) gelegt, das sich am internationalen Standard OHSAS 18001 anlehnt. „Das Managementsystem dient zur nachhaltigen Verbesserung der Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter in den Raiffeisenkassen, indem betriebsbedingte Risiken für alle Mitarbeiter erkennbar und reduzierbar gemacht werden“, erklärt
Franz Thaler, Verantwortlicher für den Bereich Arbeitssicherheit im Raiffeisenverband.
Bei einer Tagung konnten Ende November im Raiffeisenhaus die ersten AMS-Zertifikate an den

Im Raiffeisenhaus wurden Ende November die ersten AMS-Zertifikate überreicht.
Raiffeisenverband sowie an die Raiffeisenkassen Eisacktal, Unterland, Wipptal, Überetsch, Bruneck, Prad-Taufers und Algund übergeben werden. Das Arbeits- und Gesundheitsschutz-Managementsystem (AMS) kann ins Organisationsmodell gemäß dem gesetzesvertretenden Dekret 231/01 integriert werden und erhöht somit die Rechtssicherheit auch in Bezug auf die strafrechtliche Haftung der Körperschaften im Bereich Arbeitssicherheit. mandatare
Melix zieht Bilanz über 2013/14
Die Obstgenossenschaft Melix, die heuer ihr 70-jähriges Bestehen feiert, blickte bei der Vollversammlung im November auf ein positives Geschäftsjahr zurück.
Obmann Johann Gasser konnte zur Vollversammlung, die im Zeichen des 70-Jahr-Jubiläums stand, viele Mitglieder und Ehrengäste begrüßen. Die Ernte 2013 stellte mit über 37 Mio. kg einen Allzeitrekord dar, der Umsatz betrug knapp 27 Mio. Euro. „Die gemeinsame und bessere Bearbeitung der Absatzmärkte und ein interessantes Angebotssortiment schlagen sich in guten Auszahlungspreisen für die Mitglieder nieder“, meinte Geschäftsführer Stephan Thaler.
Kontinuierlich investiert
In den letzten Jahren wurden kontinuierlich Investitionen in Lager- und Verarbeitungskapazität und neue Technologien getätigt; die Nettoinvestitionen
2013/14 betrugen 2 Mio. Euro. Anfang des Jahres 2014 wurde das Detailgeschäft der Melix, der „Melix Shop“, im neuen Erscheinungsbild eröffnet.

Bei der Vollversammlung im Haus Voitsberg in Vahrn zog die Melix Bilanz über das Geschäftsjahr 2013/14.
Impressum: Herausgeber: Südtiroler Bauernbundgenossenschaft, Druck: Athesiadruck – Ermächtigung vom Landesgericht Bozen, 13.4.1984, Nr.13/84 Presserechtlich verantwortlich: Guido Steinegger, Redaktion: Thomas Hanni, Ingeborg Stubenruß (Raiffeisenverband Südtirol, 0471 945453, rvs-presse@raiffeisen.it, www.raiffeisenverband.it)