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7. 12. 2012    nr.22    s�dtiroler landwirt 7. dezember 2012   nr.22/55.Jg.    s�dtiroler landwirt

Sonderdruck, Suppl . S.I.A.p. 50%

Raiffeisen Mitteilungen des Raiffeisenverbandes Südtirol Genossenschaft

Immer mehr Äpfel aus Südtirol werden auf den Märkten in Nordafrika, vor allem in Algerien und Ägypten, angeboten und verkauft.

Nordafrika ist der Zukunftsmarkt

Foto: Verband der Südtiroler Obstgenossenschaften

Der Verband der Obstgenossenschaften Südtirols (VOG) zog auf seiner Jahresvollversammlung im Haus des Apfels in Terlan eine durchwegs positive Bilanz. „Rückblickend können wir behaupten, dass wir am Ende unseren Produzenten ein gutes Auszahlungsergebnis präsentieren konnten“, sagte Georg Kössler, Obmann des Verbandes der Obstgenossenschaften Südtirols, in seiner Präsentation. Von den 10,6 Mio. Tonnen an Äpfeln aus der EU kamen im Erntejahr 2011 1,18 Mio. Tonnen von den 24 Südtiroler Obstgenossenschaften. Mit 25 Prozent stand wiederum der Golden Delicious an der Spitze der Sortenvielfalt, gefolgt von Gala (20%), Red Delicous (11%) und Granny Smith (10%). Die Mitgliedsgenossenschaften haben im Geschäftsjahr trotz einer um 9,4 Prozent größeren Gesamtanlieferung eine fast gleichbleibende Menge von 561.484 t Tafeläpfeln und

Tafelbirnen gegenüber 558.66 t im Vorjahr abgesetzt. Der Brutto-Umsatzerlös lag bei 441,076 Mio. Euro (-0,4% ). Der Durchschnittserlös aller vermarkteten Ware inklusive Industrie lag bei 0,611 Euro/Cent (-8,5%). Dabei fällt auf, dass die Verpackungsart in Großkisten kontinuierlich abnimmt (20%) und gelegte Ware von 38 Prozent auf 44 Prozent zugelegt hat.

Umsatz in Italien gesunken Der Absatz in Italien schwächelt. Auf der traditionellen Umsatzschiene musste der VOG deutliche Umsatzeinbußen hinnehmen. Der Kernmarkt ist in 5 Jahren um 10 Prozent

geschrumpft. Auf der Suche nach neuen Absatzkanälen wurde man in Skandinavien aber auch in Nordafrika fündig. Der Absatz an Golden Delicious dorthin hat sich seit dem Vorjahr geradezu vervierfacht. „Der Mittelmeerraum könnte zu einem der wichtigsten Absatzkanäle für unsere Äpfel werden“, sagte Kössler. Für das laufende Jahr rechnen die Experten mit einem flüssigen Absatz und einem stabilen Preisniveau. „Die heurige Erntemenge wird sich bei 9,6 Mio. Tonnen einpendeln“, meinte Geschäftsführer Gerhard Dichgans. Bauernbunddirektor Siegfried Rinner ging in seinem Gastreferat auf die Berichterstattung in den Medien ein, die mitunter ein verzerr-

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auszeichnung

Meister der Arbeit gekürt Präsident Mauro Minniti hat kürzlich die Südtiroler Meister der Arbeit im Plenarsaal des Südtiroler Landtags empfangen. Minniti sprach ihnen, auch im Namen des Landtags, seinen Dank für ihren viele Jahre währenden Einsatz aus, der auch zum Fortschritt und Wohlstand des Landes beigetragen habe. Neben Giorgio Gajer (Bozen), Georg Leimgruber (Gais), Carla Partel (Leifers), Donatella Rauter (Bozen), Renato Properzi (Bozen) und Theo von Schlechtleitner (Meran) wurde auch Anton Kosta, langjähriger Direktor der Raiffeisenkasse Bruneck, als Meister der Arbeit ausgezeichnet.

s�dtiroler landwirt   nr.22   7. 12. 2012

tes Bild der Obstwirtschaft skizziere. Deshalb sei es wichtig, konkrete Maßnahmen zu erörtern, die dem Motto Rechnung tragen: „Tue Gutes und sprich darüber.“ Des Weiteren unterstrich Rinner die Bedeutung von Forschung und Innovation für die Landwirtschaft. Auch in diesem Bereich gebe es durchaus Möglichkeiten der Kooperation mit Südtiroler Firmen, die es zu nutzen gelte. Apfelexperte

Markus Bradlwarter lud alle Anwesenden ein, eine Klonenempfehlung bei der Sorte Gala auszusprechen. Sechs neu gezüchtete Klone stünden zur Auswahl. Josef Österreicher präsentierte am Ende der Vollversammlung die jüngsten Auswertungen der Apfelsorte Stark, wobei er auf die Fruchtform und Reife einging. Er sprach sich dafür aus, den Klon Roat in die allgemeine Sortenempfehlung aufzunehmen.

SBB-Direktor Siegfried Rinner sprach sich u. a. für eine offensivere Öffentlichkeitsarbeit im Obstsektor aus.

Auf der Vollversammlung der VOG wurden neue Klone der Sorte Gala zur Beurteilung vorgestellt.

Lokaler Gesundheitsfonds aus der Taufe gehoben Anton Kosta, Direktor der Raiffeisenkasse Bruneck, bei der Verleihung (Zweiter v. l.)

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Die Sozialgenossenschaften zahlen ab diesem Monat in einen lokalen ergänzenden Gesundheitsfonds ein, den die Gewerkschaften ASGB, SGB/CISL, CGIL/ AGB, UIL/SGK, die Vereinigung der Genossenschaften AGCI, Legacoopbund und der Raiffeisenverband Südtirol vereinbart und in einer Pressekonferenz vorgestellt haben. Das Abkommen sieht die Verpflichtung der Sozialgenossenschaften vor, im Oktober den jährlichen Beitrag von 60 Euro pro Arbeitnehmer zu überweisen. Im gesamtstaatlichen Kollektivvertrag ist erst vom 31. Mai 2013 die Rede. Damit können die Arbeitnehmer der Genossenschaften in Südtirol - mit rund 1000 Angestellten - die vorgesehenen Leistungen rückwirkend ab 1. Februar 2012 in Anspruch nehmen. Im Gegensatz zu Versicherungen arbeitet eine wechselseitige Hilfsgesellschaft ohne Gewinnabsichten, sie steht allen Mitgliedern zu gleichen Bedingungen offen, finanziert werden die Leistungen mit den eingezahlten Beiträgen. „60 Euro scheinen nicht viel, aber für die Sozialgenossenschaften kommt viel zusammen“, erklärte Giulia Failli von Legacoopbund. Dass dieses Abkommen zur Verbesserung der sozialen Absicherung der Mitarbeiter in Zeiten der Krise ein großer Schritt ist, unterstrich Günther

Patscheider (SGB/CISL). Wichtig für die Sozialgenossenschaften wäre, dass dieser Beitrag auch bei Ausschreibungen der öffentlichen Hand anerkannt werde. „Diese Absicherung kostet viel Geld, das bei der Übernahme von Arbeiten berechnet werden muss. Wenn der Auftrag nur an den günstigsten Anbieter vergeben wird, dann schauen die Genossenschaften durch die Finger“, so Patscheider. „Der Beitrag von nur 60 Euro ermögliche doch einige Leistungen, die von großen chirurgischen Eingriffen über Spitalsaufenthalte bis zu Rückerstattungen bei Zahnarztspesen reichen“, erklärte Christian Tanner vom Raiffeisenverband. Leistungen, die oft nicht mehr vom Gesundheitsdienst übernommen werden. Sehr wichtig seien aber die Konventionen, die Mutual Help mit Ärzten abschließt. Sie gewähren Mitgliedern dann auch günstigere Preise. Im Gegensatz zum übrigen Staatsgebiet steht der Fonds auch Teilzeitbeschäftigten mit weniger als 50 Prozent offen. Sie müssen aber den jährlichen Beitrag zur Hälfte selbst berappen. In wechselseitigen Hilfsgesellschaften sind derzeit 30.000 Südtiroler eingeschrieben. Die Sozialgenossenschaften hoffen, Wegbereiter zu sein, damit sich dieser Absicherungsgedanke weiter verwurzelt.

Foto: (l.) Verband der Meister der Arbeit

Immer öfter muss der Bürger bei den Gesundheitsausgaben selbst in die Tasche greifen. Den Mitarbeitern der Sozialgenossenschaften hilft dabei der Arbeitgeber.


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7. 12. 2012    nr.22    s�dtiroler landwirt

„Bürger müssen Laden wollen“ Welche tragfähigen Modelle können entwickelt werden, um die Dorfläden in der Peripherie zu erhalten und zu fördern? Solche und ähnliche Fragen wurden auf der Tagung erörtert, die im Landhaus Ende November stattfand. Auch in Südtirol werden Dorfläden aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen. Eine langfristige Sicherung der verbrauchernahen Versorgung gestaltet sich schwierig. Denn ein kostendeckendes Arbeiten in Ortschaften unter 500 Einwohnern ist erschwert möglich. „Die genossenschaftliche Unternehmensform bietet einen möglichen Ausweg“, zeigte sich Wolfgang Gröll, Fachberater im Bereich Nahversorgung in Bayern, überzeugt. Dort regt sich verstärkter Widerstand gegen multinationale Lebensmittelketten. Immer mehr Bürger gründen mit großem persönlichem Einsatz ihren eigenen Dorfladen. „Diese brauchen einen objektiven Preisvergleich diverser Produkte nicht zu scheuen“, betonte Gröll. Es gehe auch darum, regionale Produkte anzubieten. „Bereits jetzt kommen 75 Prozent der Waren in Bayern aus der Region“, so Gröll. Das Um und Auf: „Die Bürger müssen den Laden wollen, sonst geht es nicht“.

Große Unwissenheit Während es in Südtirol nur 13 Konsumgenossenschaften gibt, finden sich im Trentino 77 mit 80.000 Einzelmitgliedern und 2000 Mitarbeitern. „Dennoch gibt es in Italiens Öffentlichkeit eine verbreitete Unwissenheit über Sinn und Zweck solcher Genossenschaften“, sagte Renato Dalpalù, Präsident der Einkaufsgenossenschaft SAIT Trient, die Anfang der 90er Jahre vor dem Aus stand und heute 40 Prozent der Marktanteile im Lebensmittelhandel hält. Dalpalù betonte, dass es sowohl die

kleinen Dorfläden in der Peripherie brauche als auch einen zentral geführten Vertrieb. Mit einem Jahresumsatz von 2,8 Mrd. Euro stellt die Coop Italia die größte genossenschaftliche Realität dar. Präsident Vincenzo Tassinari verwies auf die lange Tradition des Unternehmens, dessen Wurzeln in der ersten Konsumgenossenschaft 1854 in Turin zu finden sind.

lehrfahrt

Raiffeisen in Hamburg

Die Reisegruppe aus Südtirol zu Besuch beim Zeit-Verlag.

Tägliche neue Herausforderung Klaudia Resch schilderte Entstehung und Gegenwart der Konsumgenossenschaft Koncoop in Bozen, die in kürzester Zeit regen Zulauf verzeichnete. Markus Platter, Geschäftsführer der Konsumoos in Moos i. P., wies auf die Herausforderung hin, täglich attraktive Angebote für Mitglieder und Kunden zu präsentieren. Auf der Podiumsdiskussion erinnerte der Direktor der Handels- und Dienstleistungsverband Dieter Steger daran, dass alle Unternehmensformen ihre Berechtigung hätten. Paul Gasser, Generaldirektor des Raiffeisenverbandes, unterstrich, dass auch Genossenschaften privatrechtliche Unternehmen darstellen, an der die Bevölkerung direkt beteiligt sind. Landesrat Roberto Bizzo betonte, dass Konsumgenossenschaften einen wichtigen Beitrag zur Nahversorgung leisten. Die Tagung wurde vom Amt für Genossenschaftswesen zusammen mit den Genossenschaftsverbänden Raiffeisenverband Südtirol, Legacoop – Bund der Genossenschaften, Confcooperative Bozen und dem A.G.C.I organisiert.

Anfang Oktober begaben sich knapp 30 Obmänner der Raiffeisenkassen, Verwaltungsräte und Führungskräfte des Raiffeisenverbandes auf eine viertägige Lehrfahrt nach Hamburg. Dabei stand u.a. ein Besuch bei der renommierten deutschen Wochenzeitschrift „Die Zeit“ an. Bei einer Auflage von über 500.000 Exemplare hat das Blatt eine Reichweite von 2,1 Mio. Lesern, die es regelmäßig lesen. Die Lehrfahrt sah auch einen Besuch bei der Hamburger Volksbank vor, die als ein genossenschaftliches Erfolgsmodell gilt. Wertvolle Einblicke konnten die Teilnehmer auch bei der Versicherungsgesellschaft Kravag gewinnen. Eine Führung durch die Altstadt und die „Hafencity“ sowie ein Musicalbesuch gepaart mit traditionellen Speisen der Region durften bei der Lehrfahrt ebenso nicht fehlen.

Wolfgang Gröll, Fachberater für Nahversorgung in Bayern, Klaudia Resch, Konsumgenossenschaft Koncoop in Bozen, Markus Platter, Geschäftsführer der Konsumoos in Moos i. P.: „Dorfläden können durchaus wettbewerbsfähig sein“

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s�dtiroler landwirt   nr.22   7. 12. 2012

Vom Lehrling zum Obmann Walter Mair ist Obmann des Konsumvereins Kurtatsch – einer Genossenschaft, die es bereits seit 106 Jahren gibt. „Man sollte immer nur das tun, wovon man überzeugt ist“, sagt Walter Mair seit 12 Jahren Obmann einer Genossenschaft, von denen es in Südtirol wenige gibt, die aber seit einiger Zeit an Bedeutung und Zulauf gewonnen haben. „Wir haben aktiv neue Mitglieder angeworben, sie sind unsere Basis“, sagt er, während er durch das Geschäftslokal geht. Im Dorfladen von Kurtatsch gibt es nahezu alles: frische Lebensmittel, eine Getränkeabteilung, auch eine breite Auswahl an Kurzwaren und Haushaltsgeräten. „Früher haben wir auch eine Benzintankstelle vor dem Haus gehabt“, so Mair. Der Konsumverein Kurtatsch gehört seit 1906 zum Dorfbild. Bereits Generationen von Menschen haben hier eingekauft. Und der Laden, der noch etwas von dem Flair vergangener Zeiten versprüht, hat bis heute nichts an seiner Attraktivität eingebüßt. Dies belegt auch die positive Geschäftsbilanz der Genossenschaft, wofür die Mitglieder einmal jährlich einen Warengutschein bekommen. Die Räumlichkeiten und Geschäftsabläufe wurden den Erfordernissen eines modernen Lebensmittelladens angepasst. Walter Mair lobt die Arbeit seiner Mitarbeiter, insbesondere jene der Geschäftsführerin. „Wir legen großen Wert auf Freundlichkeit und eine gute Dienstleistung. Das Geschäft ist für viele Kunden, die am Vormittag einkaufen, zu einem sozialen Treffpunkt geworden.“ Mair kennt den Konsumverein seit seiner frühesten Jugend. Mit 15 Jahren musste er hier als

Walter Mair ist seit dem Jahr 2000 Obmann des Konsumvereins Kurtatsch.

Lehrbub beim Auf- und Abladen der Waren vom Lastkraftwagen kräftig zupacken. Dass er nach einem erfolgreichen Berufsleben als Vertreter landwirtschaftlicher Maschinen und Geräte als Obmann in den Konsumverein zurückkehren würde, daran hat er nie gedacht. „Ich bin von dem genossenschaftlichen Prinzip aber überzeugt, es ist das Beste für uns alle“, sagt er, der bei den kommenden Wahlen in zwei Jahren die Führung der Genossenschaft an einen Jüngeren übergeben will.

tagung

Die Zukunft der Garantiegenossenschaften Die Handelskammer Bozen organisierte vergangene Woche eine Tagung zur Entwicklung der Garantiegenossenschaften. In Zeiten, in denen der Kreditzugang immer schwieriger wird, spielen Garantieleistungen eine wichtige Rolle. Mit dem Landesgesetz Nr. 41 vom 19. Januar 2012 wurden die Weichen für die Reorganisation der Garantiegenossenschaften in Südtirol gestellt. Auf die Fusion von Confidi (Industrieunternehmen) mit Socialfidi (Sozialgenossenschaften) folgte nun auch die Verschmelzung von Terfidi (Kaufleute, Dienstleister und Gastwirte), der Garantiegenossenschaft der Handwerker (LVH) und Fidimpresa zu Garfidi.

Internationales Jahr der Genossenschaften 2012

Kunstauktion erneut erfolgreich Am 1. Adventsamstag war es wieder so weit: im Raiffeisenhaus in Bozen fand bereits zum 10. Mal die Herbst-Versteigerung der Bozner Kunstauktionen statt. Rund 500 Lose kamen unter den Hammer, darunter Werke von Gottfried Seelos, Franz von Defregger, Oskar Mulley, Paul Flora und Markus Vallazza. „Wir können trotz der angespannten wirtschaftlichen Lage sehr zufrieden sein“, meinten Auktionsleiter Stefano Consolati und Kunstkritiker Carl Kraus resümierend. An die 60 Prozent der Exponate fanden ihren Abnehmer; darunter waren neben privaten Kunstsammlern auch anerkannte Museen vor-

nehmlich aus Österreich, angereist. Der von Karl Plattner 1968/69 gemalte „Fenstersturz“ wurde an einem privaten Liebhaber um 70.000 Euro verkauft. Großen Anklang fand die Tiroler Kunst, wie die „Kreuzabnahme“ von Hans Piffrader (16.000 Euro), die „Italienische Landschaft“ von Johann Jakob Grassmair (12.000 Euro) und der „Pfau“ von Carl Moser (4100 Euro). Auf geringere Resonanz stießen die Textilien sowie die italienische Kunst.

Impressum: Herausgeber: Südtiroler Bauernbundgenossenschaft, Druck: Athesiadruck – Ermächtigung vom Landesgericht Bozen, 13.4.1984, Nr.13/84

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Presserechtlich verantwortlich: Guido Steinegger, Redaktion: Stefan Nicolini, Thomas Hanni (Raiffeisenverband Südtirol, 0471 945453, rvs-presse@raiffeisen.it, www.raiffeisenverband.it)


RM22 vom 07.12.2012