Sonderdruck aus „Der Landwirt“ Nr.15 vom 26. August 2005 Suppl. S I A P.50%
Raiffeisenverband
48. Jahrgang
„Überregionale Synergien besser nutzen“
Sommergesprächmit Landesrat Hans Berger – Ausblick auf 2006
Hans Berger ist seit 1998
Landesrat für Landwirtschaft
sowie für land-, forst- und
hauswirtschaftliche Berufser-
tüchtigung und Vermögensver-
waltung. Imfolgenden
Gespräch skizziert er seine
Vorstellungen von nachhaltiger
Landwirtschaft in Südtirol.
Sehr geehrter Herr Landes-
rat, wo verbringen Sie Ihren
Urlaub?
Hans Berger: Ichhoffe, dass iches schaffe, ein paar Tage mit meinen beiden neunjährigen
Töchtern ans Meer fahren zu können.
In Österreichgab es den Versuch, ein arbeitsfreies Wochenende für Politiker einmal monatlicheinzuführen. Wären
Sie dafür?
Diesen Versuchhat es auchin
Südtirol gegeben, dochleider ist es ein frommer Wunsch geblieben. Allerdings denke ich, dass ein solches arbeitsfreies Wochenende wünschenswert und durchaus auchmachbar wäre, wenn sich alle, die Veranstalter wie wir Politiker, ohne
Ausnahme daranhalten würden.
Wie sehen Sie die wirtschaftliche Situation in Südtirol?
Zeichnet sichinder Landwirtschaft aufgrund des immer steigenden Konkurrenzdruckes eine Krise ab?
Klar ist, dass wir nicht alles über einen Kamm scheren können. Schließlichkann man Südtirol nicht mit der Lombardei oder einem deutschen Bundesland vergleichen, da völlig andere Gegebenheiten herrschen. Gegebenheiten, die wir durchaus zu unserem Vorteil nutzen können. Mit viel Fantasie,Flexibilität und dem Willen zu Innovation können unsere Bauern sichneue, stabile Standbeine und dadurchein notwendiges

LR Hans Berger wünscht sichein arbeitsfreies Wochenende im Monat
Zusatzeinkommen schaffen. In erster Linie geht die Diversifizierung natürlichin Richtung der Nutzung von Marktnischen, von Synergien durchden Fremdenverkehr verbunden mit all seinen Möglichkeiten. Ichkann
mit großer Genugtuung feststellen, dass die jungen Bäuerinnen und Bauern teilweisediesen
Weg bereits mit Selbstverständlichkeit gehen. Deshalb können
wir nicht von Krise sprechen.
Wir dürfen nur nicht glauben,
dass wir aufdem Markt bestehen können, wenn wir alle das
Gleiche und vor allem das Gleiche wie alle anderen anbieten.
Welche Chancen räumen Sie den Genossenschaften ein? Sind
Sie innovativ genug?
Auchhier wärees falsch, ein
Pauschalurteil zu fällen. Die
Innovationskraft einer Genos-
senschaft hängt ganz maßgeb-
lich vom Management ab. Ent-
sprechend gibt es Genossen-
schaften, die vorausblickend
agieren und Schritte setzen,
bevor sie vom Markt diktiert
werden. Leider gibt es auch sol-
che, die hinterher hinken und
die sind die Sorgenkinder der
Zukunft
Zu diversen Anlässen lassen
Sie in ihren öffentlichen Reden
Versuchsballons steigen. So haben Sie den Lagrein als Leit-
wein vorgeschlagen und die
Zusammenarbeit mit dem Tren-
tino in der Obstvermarktung.
Mankann davon ausgehen,
dass ich solche Ideen nur dann
lanciere, wenn ich selbst davon
auch überzeugt bin. Klarerweise dienen sie auchdazu, das
Gesprächin Gang zu bringen,
Diskussionen anzuregen. Was die Obstvermarktung betrifft,
sind wir mit der Erlangung der geschützten geographischen
Angabefür den Südtiroler Apfel
einen ganzen Schritt weiter gekommen. Sie bietet uns neue
Vermarktungschancen. Gleichzeitig stellt sichnatürlich auch die Frage, wie lange wir uns in
Südtirol noch zwei Vermarktungsorganisationen leisten können, wobei man auchdazu
sagen muss, dass man bereits
Schritte aufeinander zu
gemacht hat Und vielleicht sollteman sich auchdie Frage stellen, ob man sich– vor allem auf großen neuen Märkten –ein
Nebeneinander von Südtiroler und Trentiner Vermarkternleisten möchteoder nicht doch
lieber Synergien nutzt Wer weiß in Kanada schon, wo Südtirol und wodas Trentino liegt?
Inden vergangenen Wochen
gab es im Werbeausschuss der
Weinwirtschaft einige Unstimmigkeiten über die Vergabekriterien der Fördermittel durchdie
Landesregierung. Wogeht die
Südtiroler Weinwirtschaft hin?
Im Moment werden leider sehr viele, sehr unterschiedliche
Wege beschritten...
Gibt es ein gemeinsames Konzept?
Nein, es ist mit allen zu entwickeln, darauflege ich Wert
Die Weinwirtschaft muss sich eine Linie vorgeben, die die nächsten fünf bis sieben Jahre umfasst Dann kann sie von der
Politik unterstützt werden. Die
Kontroversen bringen nichts
Alle Betroffenen müssen an einem Strang ziehen.
Was sagen Sie zu den Meinungen vom britischen Premierminister Blair, der die EU-
Ratspräsidentschaft führt und sicheine Reduzierung der Landwirtschaftgelder vorstellen kann?
Ichkann diese Überlegungen
Blairs absolut nicht nachvollziehen. Wenn ich von Leben, von
Ernährung rede, muss ich wissen, dass die Basis in der Landwirtschaft liegt Blair redet von Kürzungen des Agrarbudgets, aber gemeint ist damit die Einschränkung der Geldmittel für die ländliche Entwicklung, die bereits heutenur acht Prozent ausmacht Gerade diese Kürzungen würden uns maßgeblich treffen und deshalbbedrückt michdiese Ausrichtung sehr. Haben Sie mit der neuen EUKommissarin für Landwirtschaft Marianne Fischer Boel schon sprechen können?
Ichhabe sie in Berlin kurz kennen gelernt und im September wirddas erstepersönliche Gesprächgemeinsammit dem Landeshauptmann in Brüssel stattfinden. Klar ist, dass der
Kontakt mit EU-Kommissar
Franz Fischler enger und direk-
ter war. Aber es war selbstver-
ständlichein Glücksfall, dass ausgerechnet ein Tiroler Land-
wirtschaftskommissar war Aber
auch aufdie neue Situation stellen wir uns ein.
Welche Schwerpunkte setzen
Sie in der Förderung der Landwirtschaft in Südtirol?
Ein Hauptaugenmerkgalt und gilt immer nochder
Zukunftssicherung, indem wir die Junglandwirteentsprechend
unterstützen. Dazu gehören die Starthilfen bei Hofübernahmen oder auchdie Investitionen in eine gediegene Ausbildung. Klar ist auch, dass wir weiter darauf
hin arbeiten müssen, die Kostennachteile bei der Produktion im
Berggebiet auszugleichen, etwa indem wir über den Ländlichen
Entwicklungsplanentsprechende Ausgleichszahlungen vorsehen. Und zumdritten geht es umdie Unterstützung von Initiativen, mit denen sichdie Bauern ein Zusatzeinkommen schaffen können. Auch Initiativen, mit denen dem heimischen Produkt ein größerer Stellenwert gerade in unserem Lande eingeräumt wird, müssen das Ziel der Politik sein. Denn meines Erachtens ruht die Existenz des bäuerlichen Betriebes in Zukunft auf drei Säulen:aufdem Erlös aus der Produktion qualitativ hochwertiger Lebensmittel,aufden
Direktzahlungen für Leistungen, die der Bauer für die Gesell-
schaft erbringt und schließlich aufdem Zu- und Nebenerwerb Interview:Stefan Nicolini
Neue Verkaufsstelle der Senni in Bruneckeröffnet
Einweihung Geschäft und Bar – Neueröffnung
Der Milchhof Senni in Bruneckfeierte vor dem Feiertag
MariaHimmelfahrt die offiziel-
le Wiedereröffnung der neuen
Räumlichkeiten. Neu errichtet
wurde die Verkaufsstelle.
Im Beisein zahlreicher
Ehrengäste aus Wirtschaft
und Politik wurde der gelungene Umbau und die
Einrichtung einer neuen Ver-
kaufstelle mit Bar am Sitz des
Milchhofes Senni (Milkon) offiziell gefeiert Nach zweimonati-
ger Umbauphaseeröffnetedie
Milkon Südtirol am Werk Bruneck(Senni) das Detailgeschäft und eine neue Bar (Sennibar).
Der Senni- und gleichzeitig
Sennereiverbands-Obmann Joa-
chim Reinalter erinnertein sei-
ner Eröffnungsrede daran, dass
im Jahre1975 am Standort
Brunecknur 20 000 Liter Milch
pro Tag angeliefert wurden.
Heute sind es 250 000 Liter
Dies sei Grund genug, in ein
neues Geschäftslokal zu inve-
stieren.
Auch Milkon-Obmann Alfons
Alber unterstrichdie Notwendigkeit aufdie eigenen Stärken
und die eigenen
Produkte auf-
merksam zu machen, was über
die neue Bar und das Geschäft sehr gut gelinge. Landeshaupt-
mann Luis Durnwalder dankte

Senni Bruneck:Die politischen Spitzenvertreter und die Führungsriege der Sennereigenossenschaft durchschneiden das traditionelle Band.
den Landwirten für ihr
Bemühen, naturnahe Produkte herzustellen und die Landschaft zu pflegen. Landesrat Hans Berger rief die Kunden aufeinhei-
mische Produkte zu kaufen und
somit das Überleben der Landwirte zu garantieren.
Bereits seit einigen Woche erfreuen sich Gäste und Einheimische anden neueingerichte-
ten Räumlichkeiten der Senni.
Neben den Köstlichkeiten aus eigener Produktion gibt es Brot,
Mehlspeisen,Wurstwaren,Produkte vom Roten Hahn und
Vieles anderemehr Die „Senni-
bar “ bietet alles was ein anspruchsvoller Konsument sucht: von Kaffee-Spezialitäten bis hin zu Milchmixgetränken, Eis,Käseteller und kleinen Hungerstillern zwischendurchfindet man alles an. Zum Verweilen lädt die stilvoll eingerichtete Bar oder auchdie Sonnenterasse ein.
Mit den langen Öffnungszeiten will die Geschäftsführung den neuen Kundenanforderungen entgegenkommen:Montag bis Freitag von 6 00 Uhr bis 20 00 Uhr und Samstag von 6 00 bis 18.00 Uhr
Baron Lothar von Sternbach:Förderer der Genossenschaften
Baron Lothar von Sternbach ist am 7 Juli, vier Monate vor seinem 100 Geburtstag, gestorben. Sternbach wurde am 7
Dezember 1905in Innsbruck geboren. Sein Vater Paul war
Abgeordneter und Regierungsmitglied zum Tiroler Landtag. Nachdem Ersten Weltkrieg zog er mit seiner Familie nach Bruneck, umhier sein in Zürich begonnenes Studiumder Agronomie in Dietenheim zu beenden.
1933 übernahm er den elter-
lichen Stock-Hof in Uttenheim. 1935heirateteer Lucy Schnet-
zer Aus dieser Ehe entstammen
neun Kinder Lothar von Sternbach widmete sich Zeit seines
Lebens der Landwirtschaft So half er beim Aufbau des Puste-
rer Bauernbund-Bezirkmit Er war Gründungsmitglied der
Raiffeisenkasse Uttenheim, die am18. Juli 1954 aus der Taufe gehoben wurde. Von der Gründung bis ins Jahr 1970 war er
Aufsichtsratspräsident Von 1970 bis 1973 deren Obmann, dies auchnachdem Zusammenschluss mit der Raiffeisenkasse Ahrntal. Sternbach,Träger des Verdienstkreuzes des Landes Tirol, war ein treibendes Glied bei der Gründung neuer
Genossenschaften. So war er im Jahre1946 Gründungsmitglied der Pustertaler Saatbaugenos-

Baron Lothar Sternbach war bis ins hohe Alter aktiv.
senschaft und erster Aufsichts-
ratsobmann. Weiters unterstützteer tatkräftig den Aufbau des
Verbandes der Pinzgauer Rinderzuchtgenossenschaften Südtirols, denen er 1950 als Grün-
dungsmitglied und bis 1964 als
Geschäftsführer zur Seite stand.
Gleichzeitig war er Mitglied des
Aufsichtsrates im Rinderzucht-
verband und am Ende auch
Ehrenmitglied. Pionierarbeit
leisteteer in der Zucht und bei
Sanierungsprogrammen zur Bekämpfung der Rindertuberkulo-
se. 1974 verlieh ihm der Raiffeisenverband die Raiffeisen-
Ehrennadel in Silber
Biagi-Reform:Arbeit auf Abruf–„job on call“
Absolut neue Arbeitsleistung – Zielgruppen erweitert (Teil 2)
Mit der Biagi-Reform wurde eine Reihe von neuen Arbeitsver-
trägen eingeführt bzw. bereits bestehende abgeändert. So wurde nun auchdie Arbeit auf Abrufgesetzlichgeregelt.
Bei dieser absolut neuen Formdes Arbeitsvertrages stellt ein Arbeitnehmer einem Unternehmen seine Arbeitsleistung befristet oder unbefristet zur
Verfügung, wobei die Arbeitsleistung mit Unterbrechungen erfolgen kann.
Die Fälle, in denen Arbeit auf Abrufmöglichist, werden in den Kollektivverträgen geregelt War ursprünglichdie Ver-
tragsformnur versuchsweise für arbeitslose Jugendliche unter 25 Jahren oder Mitarbei-
ter, welche ihre Arbeit verloren und mehr als 45 Jahrehatten, zugelassen worden, wurde nach und nachdie Zielgruppe erweitert Demnachist es auchmöglich, diese Arbeitsformin all jenen Fällen von nicht kontinuierlichen Tätigkeiten zur
Anwendung zu bringen, die gesetzlich vorgesehen sind (z B Wachpersonal,Kellner,
Küchenpersonal,Mitarbeiter zuständig für den Transport von Waren oder Personen,Mitarbeiter an Telefonzentralen, Verkaufspersonalin Geschäften usw.). Aber auchfür
Wochenenden (ab Freitag13
Uhr,bis Montag, 6 Uhr), für die Weihnachtszeit (vom 1. Dezember bis 10 Jänner), die Osterzeit (vom Palmsonntag bis einschließlich zum Ostermontag) und für die Sommerzeit (vom 1. Juni bis 30 September)kann Arbeit auf Abruf praktiziert werden.
In Bereitschaft
Die wirtschaftliche und normative Behandlung sowie die
Sozialversicherung der betroffenen Arbeitnehmer, sofern sie sich verpflichten, in Zeiten der
Nichttätigkeit „zur Verfügung“ zu stehen, entsprechen im Verhältnis zur effektiv gearbeiteten
Zeit dem betriebsüblichen Stan-
dard, während die zugewartete
Zeit ohne Auswirkungen auf
andere vertragliche Einrichtungen entschädigt wird und keine weitere Ansprüche gibt
Das Entgelt für die „Warte-
zeit“ solltegrundsätzlichinden
Kollektivverträgen definiert werden.
Bis das aber der Fall ist, darf
die Entschädigung nicht weni-
ger als 20 Prozent der kollektiv-
vertraglichen Entlohnung (ta-
bellarischer Grundgehalt, ggf.
Kontingenzzulage und der
Anteil der Zusatzgehälter)
betragen, wobei sichder zuste-
hende Betragprozentuell andie
effektive Wartezeit anpasst
Klare Bestimmungen
Hat sichder Mitarbeiter dazu
verpflichtet,auf Abruf bereit zu stehen, somuss er im Fall sei-
ner Verhinderung dem Arbeit-
geber unmittelbar Bescheid
geben.
Solltedies nicht geschehen, verliert der Mitarbeiter den
Anspruch auf15 Tage des Ent-
geltes für die Wartezeit, sofern
dies im individuellen Arbeits-
vertragnicht anderweitig gere-
gelt wurde.

Flexibilisierung in der Arbeitswelt:Ab sofort können Arbeitgeber Arbeitnehmer auf Zeit und auf Abrufeinstellen.
Das Zurückgreifen auf Arbeitnehmer auf Abruf als Ersatz für streikende Mitarbeiter oder in
Betrieben, welche die Risikoanalyseim Sinne der Bestimmungen über die Sicherheit am Arbeitsplatz nicht durchgeführt haben, ist nicht möglich. Sollte
Wilhelm Hofer im Ruhestand
Mitte Juni ist er als Direktor
des Amtes für die Entwicklung
des Genossenschaftswesens in den wohlverdienten Ruhestand
getreten. Hofer wurde im fernen Jahre1975mit der Leitung
des Amtes betraut, das im Zuge der Umsetzung der Durch-
führungsbestimmungen des
Autonomiestatuts und aufgrund
der Gesetzesbestimmungen Nr
7 aus dem Jahre1954 sowohl in
Bozen als auchin Trient aufge-
baut worden war.„Die Zeit ist
sehr rasch vergangen“, sagt
Hofer heute. Hofer wurde auch die Rolle des Sekretärs der pro-
vinzialen
Genossenschaftskommission übertragen. Diese Kom-
mission wurde im vergangenen
Jahr mit Beschluss der Landes-
regierung aufgelöst. Sie setzte
sich aus je einem Vertreter der
drei anerkannten genossen-
schaftlichen Revisionsverbände
(Unione,Bund der Genossen-
schaften Südtirols,Raiffeisen-
verband),aus Vertreternder
Genossenschaften,aus einem
Präsidenten und einem Vizeprä-
sidenten zusammen, die von der
Landesregierung bestimmt wur-
den. Rechtsanwalt Josef Prüns-
ter bekleidetedas Amt des Prä-
sidenten von 1954 bis 1977 Sein
Nachfolger wurde der Neu-
markter Notar Peter von Lut-
terotti(1977–1994). Ihm folgte
Sepp Kiem,Rechtsanwalt aus
Algund, gleichzeitig Obmann
der lokalen Raiffeisenkasse. Mit
der Auflösung der Kommission wurde u a.die Aufsicht jener
Genossenschaften, die keinem
Verband angeschlossen sind, dem Amtsdirektor Maurizio Ber-
gamini Riccobon übertragen.
Hofer hält sich vornehm
zurück,aber er bedauert die
in den letzten sechs Monaten ein Personalabbau stattgefunden haben, sodarf Arbeit auf Abrufnur unter gewissen Auflagen erfolgen.
Christian Tanner, Leiter der Personalabteilung im Raiffeisenverband

Wilhelm Hofer,Leiter des Amtes für die Entwicklung des Genossenschaftswesens (1975–2005)
Boom an Wohnbaugenossenschaften,Neugründungen beim
Bau von Tiefgaragen,Arbeitsgenossenschaften und schließlich die Welle der Genossenschaftsgründungen im Energiesektor hat Hofer miterlebt.„Ich würde es nocheinmalmachen“, sagt Wilhelm Hofer im Rückblick.
Auflösung der Kommission. „In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat es im Genossenschaftswesen eine große Entwicklungsdynamik gegeben“, erinnert sich Hofer. Den Anfang der 80er Jahreeinsetzenden
Von der „Genossenschaftlichen Konsistenz“
Mitgliedschaft mehr als ein Club – Langfristige Beziehungen (Teil 3)
Konsistenz bedeutet Übereinstimmung. Damit kommt zum Aus-
druck, dass die Mitglieder von Genossenschaften auchihre
Eigentümer und gleichzeitig ihre Kunden oder Lieferanten oder
manchmal sogar ihre Mitarbeiter sind. Das gilt es zu berücksichti-
gen, meint Prof. TheresiaTheurl.
Die Mitglieder einer
Genossenschaft sind es, die zusammen die
Entscheidungen über
strategische Weichenstellungen treffen, davon betroffen werden
und dafür Verantwortung zu
übernehmen haben. Das heißt, dass Verantwortung für wirt-
schaftliche Entscheidungen
nicht an Dritte abgeschoben werden kann, nicht anden
Staat, die Steuerzahler oder
eine diffuse Gesellschaft
Die Überlagerung von Kapi-
tal-,Leistungs- und Entschei-
dungsstrukturen ermöglicht
übereinstimmende
Interessen.
Je ähnlicher die Mitglieder in
M
ihren Vorstellungen sind, umso
stärker wirddies der Fall sein.
Wirtschaftlicherfolgrei
Genossenschaften sind von
teil für ihre Mitglieder
deren wirtschaftlicher Erfolg
ist wiederum von Vorteil für
die Genossenschaft Die
genossenschaftliche Mit-
gliedschaft ist mehr als
die Mitgliedschaft in
einem
Club und sie kann
vor den heutigen Rahmen-
bedingungen als Wettb
werbsvorteil von Unternehmen
gesehen werden. Mitgliedsc
bedeutet zwar Bindung u
Gebundensein und schränkt
gerfristigen Beziehungen können Informationen über den
Geschäftspartner gewonnen
werden. Das ist immer dann wichtig, wenn es nicht um stan-
dardisierte Produktegeht, sondern umdie Vertrauenswürdig-
keit und umdie Kompetenz des

Flexibilität und Mobilität des
Einzelnen ein. Dochnur in län-
Das Genossenschaftliche Geschäftsmodell: die „sechs K“
Leistungserbringers Doch auch für die Anbieter sind die Informationen über ihre Kunden äußerst wichtig. Nur sokönnen die passenden Leistungen entwickelt oder kombiniert werden. Bankdienstleistungen sind gutes Beispiel dafür iele Unternehmen versuhen heutedurch Kundenclubs nd diverse Rabattprogramme Kunden zu binden. Dochdies hat nichts mit genossenschaftlicher Mitgliedschaft zu tun. Genossenschaftliche Mitglieder sind zusätzlich Eigentümer ihres Unternehmens Dadurchkann die nternehmer- und die Kunsicht kombiniert werden. Prof. TheresiaTheurl, Direktorin des Instituts für Genossenschaftsforschung an der Universität Münster
itgliederförderung – Ein unausgeschöpftes Marketinginstrument
Eine Definition zu treffen, was nun Mitgliederförderung in einer Genossenschaft ausmacht, ist nicht einfach.
Einige Theoretiker sprechen
von einer leeren Formel,anderefinden den Begriff unbrauchbar Dennoch bleibt der Förderauftragein einzigartiges, unverwechselbares Marketinginstrument im Rah-
men eines Marke-
tinggesamtkonzep-
tes Dieser Meinung
sind Robert Purtschert,Direktor des
Verbandsmanagement Instituts der
Universität Freiburg
(Schweiz), und
Claudio Beccarelli, wissenschaftlicher
Mitarbeiter
Inihrem Aufsatz, der in der letzten Ausgabeder
erläutern sie den anhand prak-
tischer Beispiele aus der Schwei-
zer Genossenschaftswelt den
Wert des Kundennutzens, den
Wert des genossenschaftlichen
Mitgliedernutzens und das langfristige Mitgliederförderungspo-
tential.
Im selben Band beschreiben
u a Prof. Dr Günther Ringle

Zeitschrift für das gesamte
Genossenschaftswesen (Band 55,Heft 2/2005) erschienen ist,
(Hamburg) die
„Selektive Mitglie-
deraufnahme in
Genossenschaften
aus heutiger Sicht“ , Prof. Theresia
Theurl(Münster)
die „Genossen-
schaftliche Mitglied-
schaft und Member
Value als Konzepte für die Zukunft“
und Prof. Dr Volker
H. Peemöller im
Gesprächmit Dr Christopher
Pleister die „Mitgliedschaft und
Mitgliederförderung in Genos-
senschaftsbanken“.
Zeitschrift für das gesamte Genossenschaftswesen
Die zfgG ist das Organfür
Kooperationsforschung und
-praxis der Genossenschaftsins-
titute andreizehn Universitä-
ten im deutschsprachigen
Raum. Sie ist seit über 50 Jah-
ren die einzige genossen-
schaftswissenschaftliche Zeit-
schrift im deutschen Sprach-
raum. Die zfgGbehandelt
Fragen des Genossenschaftswe-
sens aus wirtschaftswissenschaftlicher, juristischer und soziologischer Sicht
Der Schwerpunkt liegt auf der wissenschaftlichen Diskussion. Besonderes Augenmerk legen die Herausgeber auf aktuelle Fragestellungen, die auchfür den Praktiker von hoher Bedeutung sind. www zfgg.de
RAIFFEISEN-WEITERBILDUNGSKURSE
Termin Kursangebot Ort 05.09. Ausbildung Mitarbeiter im Service I –1. Tag Hotel für Mitarbeiter, die die Grundausbildung besucht Eberle/Bozen haben 07.-08.09. Gesprächsführung in der Privatkundenbetreuung Hotel für Privatkundenberater und -betreuer Eberle/Bozen 09.09. Workshop Privatkundenbetreuer Hotel für Privatkundenberater und -betreuer Eberle/Bozen 13.-15.09. Master-Lehrgang„FA – European Financial Hotel Advisor“– Modul I und II Eberle/Bozen für Kundenberater und -betreuer
Redaktion und Gestaltung: Dienststelle für Presse und Öffentlichkeitsarbeit im Raiffeisenverband,Tel. 0471945453,Fax 0471970228,E-Mail: rvs-presse@raiffeisen.it Verantwortlicher Leiter: Dr. Stefan Nicolini; Redaktion: Mag. Thomas Hanni; Fotos: MEV-Verlag,Milchhof Senni,Raiffeisenkasse Tauferer-Ahrntal,Archiv Internetadresse: www raiffeisen.it/mitteilungen
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