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Raiffeisen Mitteilungen 21/2017

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Raiffeisen Mitteilungen

des Raiffeisenverbandes Südtirol Genossenschaft

Treiber von sozialer Innovation

„Brauchen wir noch Genossenschaften?“ Unter diesem Motto stand die 21. Tagung des Internationalen Instituts für Genossenschaftsforschung im Alpenraum (IGA), die Anfang November in Innsbruck stattfand.

IGA-Vorsitzender Arnulf Perkounigg betonte gleich zu Beginn, dass die erfolgte Ernennung der Idee und Praxis der Genossenschaft zum Unesco-Weltkulturerbe kein Abgesang auf die über 150-jährige erfolgreiche Unternehmensform sei, sondern im Gegenteil eine Anerkennung für ihre Bedeutung und Wirkungskraft.

Dietmar Rößl, Vorstand des Instituts für KMU-Management und Leiter des Forschungsinstituts für Kooperationen und Genossenschaften an der Wirtschaftsuniversität Wien, sprach zum Thema „Genossenschaften als Motor für unternehmerische und soziale Innovationen“. Rößl erinnerte an die Sozialreformer F.W. Raiffeisen und Hermann Schul-

ze-Delitzsch, die laufend soziale und unternehmerische Innovationen umgesetzt hätten. Genossenschaften sind keine Selbstläufer. Vielmehr muss der genossenschaftliche Förderauftrag auf die Anforderungen in der Gesellschaft ständig hin interpretiert werden.

Sachzielorientierung

Genossenschaften entwickeln dort neue Märkte, wo noch keine Rendite erwirtschaftet wird und erbringen kooperative Leistungen dort, wo die kollektive Leistungserbringung versagt. Menschen erleben neue Leistungsdefizite, formulieren daraus neue Sachziele und bilden eine Genossenschaft, um diese zu

erreichen. Die Sachzielorientierung macht die Genossenschaften zu Treibern von sozialer Innovation, weil sie versuchen, die Probleme der Menschen vor Ort zu lösen. Als Beispiele nannte Rößl u. a. Stadtteilgenossenschaften, Genossenschaften in der Seniorenbetreuung und Pflege, in der Nahversorgung, Regionalentwicklung und in der Unternehmensnachfolge. Rößl sagte: „Die Menschen trauen den Genossenschaften zu, dass sie soziale Innovationen umsetzen, nachhaltig wirtschaften und die regionale Entwicklung fördern können.“ Genossenschaften mobilisieren ein großes Sozial- und Humankapital, und das sei ein wichtiger Grund für die Zukunfts- und Innovationsfähigkeit. „Auch darf man nie

Moderne Genossenschaft: (v.l.) Arnulf Perkounigg, Anton Josef Kosta, Nadja Germann, Michael Stappel, Dietmar Rößl und Justus Reichl.

vergessen, dass es die Genossenschaft ist, die ein Unternehmen hat – und nicht umgekehrt“, meinte Rößl.

Neue Genossenschaftsmodelle

Die systematische Entwicklung neuer Genossenschaften forderte Diplomvolkswirt Michael Stappel, Group Head der Abteilung „Research und Volkswirtschaft, Makroökonomik/Branchenresearch“ bei der DZ Bank AG in Frankfurt. Er sprach zum Thema „Neue Genossenschaftsmodelle – Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit“. Die Zahl der Neugründungen von Genossenschaften sei stark rückläufig, auch weil Genossenschaften über die Jahre ihre Ursprungsidee verlieren würden; nur mehr etwa fünf Prozent der Genossenschaften in Deutschland sind landwirtschaftliche Genossenschaften. Es müssten neue Genossenschaftsmodelle entwickelt werden, die den Megatrends und dem gesellschaftlichen Wandel Rechnung tragen. Stappel meinte: „Genossenschaften müssen echte Vorteile und Lösungen für die Bevölkerung bringen, dann werden sie auch erfolgreich sein und sich verbreiten.“ Als Beispiele von Neugründungen und von neuen Genossenschaftsmodellen nannte Stappel u. a. Bioenergiedörfer, Nahwärmewerke und Dorfläden; Gewerke übergreifende Handwerkergenossenschaften, über welche Elektriker, Tischler usw. Komplettangebote erstellen, um Aufträge zu erhalten; Ärztegenossenschaften, die Bereiche IT-Bereich und Neue Energien; den Erhalt kommunaler Bäder, Sport-, Kulturund Jugendzentren, Wohnungsgenossenschaften mit Mehrgenerationenhaus sowie Familiengenossenschaften zur gemeinschaftlichen Bereitstellung betrieblicher Sozialleistungen

für die Arbeitnehmer. Stappel: „Wir brauchen nicht nur viel mehr Neugründungsinitiativen und Impulse, sondern auch eine verstärkte Bewerbung und Öffentlichkeitsarbeit für das Genossenschaftsmodell. Hier liegt der Ball in erster Linie bei den Genossenschaftsverbänden.“

„Genossenschaften als zukunftsweisende Gesellschaftsform in der Energieversorgung“: Zu diesem Thema sprach Nadja Germann, Leiterin des „Competence Center Infrastrukturen – Energie, Abfall und Recycling“ am Institut Unternehmensrecht der Universität Luzern. Der Reaktorunfall in Fukushima habe vor allem die Neugründungen von Solarund Wärmegenossenschaften in der Schweiz angeheizt, und es werde vermehrt auch über die Energiewende diskutiert. Germann gab einen Überblick über die Energieversorgungsgenossenschaften in der Schweiz und betonte: „Genossenschaften haben definitiv Zukunft im Energieversorgungsbereich.“ Dabei rückten immer mehr kleine, dezentrale Energieproduzenten auf den Markt. Eine wichtige Rolle spielten dabei auch das Crowdfunding und der Autarkiegedanke.

Genossenschaftsbank als Kümmerer

Hat eine genossenschaftliche Lokalbank noch Zukunft? Diese Frage stellte der Direktor der Raiffeisenkasse Bruneck Anton Josef Kosta und er meinte: „Es wird sie auch in Zukunft geben, wenn es uns gelingt, den Bedarf der Menschen und Unternehmen zu erfüllen und genossenschaftliche Solidarität zu leben.“ Kosta betonte die Bedeutung der lokalen Genossenschaftsbank für die Menschen vor Ort im Unterschied zur anonymen Finanzindustriebank, für die nur die Dividen-

Dietmar Rößl: Die Menschen trauen den Genossenschaften soziale Innovationen

de zählt. Die Raiffeisenkasse fördere die wirtschaftliche Entwicklung der Mitglieder und des Tätigkeitsgebietes und biete nachhaltige Vorsorge- und Absicherungsmöglichkeiten. Dieser Förderauftrag bildet den Kern jeder Genossenschaftsbank. Durch den raschen Wandel und durch weniger verfügbare finanzielle Mittel, rücke die soziale Absicherung heute immer mehr in den Mittelpunkt, um die sich heute jeder selber vermehrt kümmern müsse. Diese neue Eigenverantwortung aufzuzeigen und entsprechende Möglichkeiten für eine finanzielle Grundversorgung der Familien zu bieten, darin liege ein wichtiger genossenschaftlicher Auftrag. Kosta sprach zudem von einem allgemeinen Schwinden von Solidarität und Mitverantwortungsgefühl und brach eine Lanze für die Neubelegung des genossenschaftlichen Solidargedankens. In einer von Justus Reichl, Leiter der Abteilung „Genossenschaft – Strategien und Perspektiven“ im Österreichischen Raiffeisenverband, geleiteten Diskussionsrunde wurden die Themen der Tagung weiter vertieft. So wurde etwa betont, dass die Mitglieder heute oft nicht mehr wüssten, was die Genossenschaft eigentlich für sie leistet und dass damit auch das Verständnis für die Genossenschaft verloren gehe. Daher brauche es eine verstärkte Kommunikation nach innen. Auch wurde ein verstärktes Engagement zum Thema Genossenschaft in den Schulen angemahnt. Zudem müssten die Handlungsfelder, für welche sich die Rechtsform Genossenschaft wirklich eignet, noch besser herausgearbeitet werden. Als ein konkretes Aktionsfeld wurde schließlich noch die starke Zuwanderung genannt. Hier könnte über genossenschaftliche Strukturen den Migranten Hilfe zur Selbsthilfe geleistet werden, etwa wenn es um die Aneignung von Sprachkenntnissen geht.

Zur 21. IGA-Tagung in Innsbruck waren zahlreiche Genossenschaftsvertreter aus dem gesamten Alpenraum gekommen.
zu.

Nachhaltig

investieren

Nachhaltiges Investieren gewinnt immer mehr an Bedeutung. Das wurde bei den diesjährigen Herbstveranstaltungen des Raiffeisen InvestmentClubs betont.

Finanzexperte Wolfgang Pinner von der Österreichischen Fondsgesellschaft Raiffeisen Capital Management (RCM) sprach bei den Abenden in Brixen und Bozen zum Thema „Nachhaltiges Investment, verantwortungsvoll und profitabel“. „Bei der Nachhaltigkeit im Investmentbereich geht es um eine dreidimensionale Sicht von Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft“, meinte Pinner, Leiter des Bereichs „Nachhaltige und Verantwortungsvolle Investments“ bei RCM. Dabei stehen Megatrends wie neue Recyclingmodelle, Verwertung von Mikroplastik und Elektronikschrott, nachhaltige Forstwirtschaft, Klimawandel, Wetterextreme, Biolebensmittel, Elektromobilität, demografischer Wandel und dgl. im Mittelpunkt. Der Nachhaltigkeitsfonds der Raiffeisen Capital Management investiert in Unternehmen, die sich hier engagieren, Innovationen umsetzen, nachhaltig und zukunftsfähig wirtschaften.

Finanzexperte

mila - bergmilch sdtirol

Neues Milchprodukt SKYR

Nachhaltigkeitsfonds werfen laut Pinner mindestens gleich gute Erträge ab als herkömmliche Investmentfonds, die nicht auf diese Themen achten. Nachhaltige Investments haben im Grunde eine doppelte Rendite. „Sie bringen sowohl etwas für das Börserl des Anlegers wie auch für die Umwelt und die Gesellschaft“, sagte Pinner. So weisen Unternehmen im Raiffeisen-NachhaltigkeitsaktienFonds im Vergleich mit dem Gesamtmarkt etwa um die Hälfte weniger CO2-Emissionen auf, um ein Drittel weniger Arbeitsunfälle, um 77 Prozent weniger Wasserverbrauch und eine um 90 Prozent geringere Abfallmenge auf.

Zwei Unternehmen besichtigt

Im Rahmen der Herbstveranstaltungen konnten die Mitglieder des Raiffeisen InvestmentClubs das weltweit tätige Brixner Fassadenbauunternehmen FRENER & REIFER und in Bozen das Wasserstoffzentrum „H2 Südtirol“ an der Autobahnausfahrt Bozen Süd besichtigen. Walter Huber, Verwaltungsrat des vor elf Jahren gegründeten Wasserstoffzentrums, betonte, dass Wasserstoff einer der besten Speicher für überschüssige Stromenergie sei. Mit Wasserstoff lasse sich die Lücke zwischen Stromproduktion und –verbrauch schließen und die Stromnetze könnten damit stabilisiert werden. „Wir müssen den Stromüberschuss verwerten und nicht verwerfen“, sagte Huber. Südtirol könne hier vorne mit dabei sein, weil es eine eigene Wasserstoffproduktion hat.

In Fachzeitschriften wird es aufgrund seiner positiven Eigenschaften oft als „Superfood“ bezeichnet: SKYR. Mila – Bergmilch Südtirol hat SKYR nun auch nach Südtirol und Italien gebracht, wobei die ursprünglich isländische Rezeptur verfeinert und das Produkt rein aus Südtiroler Milch hergestellt wird. „Es ist ein sehr wertvolles Produkt, denn für einen 150gBecher Mila SKYR wird fast ein halber Liter Milch verarbeitet“, sagte Geschäftsführer Robert Zampieri bei der Vorstellung des neuen Mila-Produkts Mitte November am Sitz der Genossenschaft. SKYR, das wie ein Joghurt genossen wird, hat in Island eine lange Tradition und entspricht dem Wunsch der Menschen nach wertvollen, nahrhaften Milchprodukten. Mila – Bergmilch Südtirol ist der erste Produzent von SKYR in Italien und will hier eine Vorreiterrolle einnehmen. „SKYR ist das Ergebnis einer zweijährigen Entwicklung für ein proteinreiches Milchprodukt und enthält weniger als 0,5 Prozent Fett“, sagte Ludwig Tschurtschenthaler, Leiter der Mila-SKYREntwicklung.

Vor allem bei ernährungsbewussten Menschen beliebt: SKYR

Die InvestmentClub-Mitglieder besichtigten das Brixner Fassadenbauunternehmen FRENER & REIFER und in Bozen (hier im Bild) das Wasserstoffzentrum samt Wasserstoff-Tankstelle.
Wolfgang Pinner: Doppelte Rendite

Elektroautos in Langzeitmiete

Alperia und Raiffeisen bieten gemeinsam mit dem Autovermieter Car Server interessierten Privatpersonen und Unternehmen die Möglichkeit, ein Elektroauto in Langzeitmiete zu nehmen.

„Drive Different“ ist das Komplettpaket zur Langzeitmiete von Car Server für Privatpersonen, das dank der Zusammenarbeit mit den lokalen Partnern Alperia und Raiffeisen erstmals in Südtirol angeboten wird. „AlperiaKunden, insbesondere auch Privatpersonen, haben jetzt die Möglichkeit, ein neues Elektroauto zu vorteilhaften Konditionen in Langzeitmiete zu nehmen“, sagte Johann Wohlfarter, Generaldirektor von Alperia, Mitte November bei der Vorstellung im Wasserkraftwerk in Kardaun.

Raiffeisen bietet Komplettlösungen rund um die Finanzierung von Fahrzeugen, ob in Form von Ratenkredit, Leasing oder Langzeitmiete. „Im Rahmen der neuen Zusammenarbeit mit Alperia und Car Server erhalten Interessierte über das Raiffeisen-Schalternetz Informationen und Unterstützung zur Lang-

zeitmiete von Elektroautos von Car Server“, erklärte Zenone Giacomuzzi, Generaldirektor der Raiffeisen Landesbank Südtirol AG.

Fünf Modelle zur Auswahl

„Eine einfache monatliche Rate deckt Miete, Versicherung, Verwaltungsgebühr, Wartung, Pannendienst und Fahrzeugsteuer ab, ohne zusätzliche Kosten“, sagte Giovanni Orlandini, Geschäftsführer von Car Server, einer der größten Autovermieter Italiens. Die Rate variiert je nach gewähltem Automodell sowie verschiedenen Zusatzleistungen, beispielsweise der Dienstleistung Roomy Car, mit der man ein konventionelles Auto für die Urlaubszeit erhält. Zur Auswahl stehen derzeit fünf verschiedene Modelle, darunter der Audi A3 e-tron, Audi Q7 e-tron oder Renault Zoe Z.E.

Studienreise nach Apulien

Pressekonferenz zur Langzeitmiete von Elektroautos im Wasserkraftwerk Kardaun.

Mehr Informationen gibt es auf den Onlineportalen www.alperiaenergy.eu sowie www.raiffeisen.it

Eine viertägige Studienreise führte die Verwaltungs- und Aufsichtsräte des Raiffeisenverbandes und der Raiffeisen Landesbank Anfang November nach Apulien.

Den Ausgangspunkt der Reise bildete Castellana Grotte. Federcasse-Präsident Augusto dell’Erba hatte die Südtiroler in seine Ursprungsbank Cassa Rurale ed Artigiana Castellana Grotte eingeladen. Nach einem fachlichen Austausch wurden die Grotten „Grotte di Castellana“ besichtigt, die dem Ort den Namen geben. Auf dem Reiseprogramm standen auch die Besichtigung der Kellerei Cantina Torrevento im Parco Nazionale dell’Alta Murgia und eine Führung durch das Castel del Monte an, das aus der Zeit Friedrichs II. stammt. Der Besuch einer Bäckerei („Pane die Altamura“), historischer Städte in der Provinz Brindisi wie Minervino Murge, Trani, Sassi di Matera und Ostuni sowie ein Abend in der Oper im Teatro Petruzzelli in

Bari rundeten die Studienreise ab. Verbandsobmann Herbert Von Leon: „Die Studienreise hat gezeigt, wie wichtig der organisations-

übergreifende Austausch untereinander und das Kennenlernen anderer Realitäten ist“.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Studienreise nach Apulien.

Impressum: Herausgeber: Südtiroler Bauernbundgenossenschaft, Druck: Athesia Druck Ermächtigung vom Landesgericht Bozen, 13. 4. 1984, Nr. 13/84 Presserechtlich verantwortlich: Guido Steinegger, Redaktion: Thomas Hanni (Raiffeisenverband Südtirol, 0471 945454, rvs.unternehmenskommunikation@raiffeisen.it, www.raiffeisenverband.it)

Raiffeisen Nachrichten

Mehr Informationen aus dem Raiffeisen Genossenschaftswesen: www.raiffeisen-nachrichten.it

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