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immobilien Preise, Projekte, News – großes RZ-Special

Überflutungen Um die Côte zu retten, müssen Häuser verschwinden

ligurien Flughafen in Albenga macht Nizza Konkurrenz

Kulinarisches Michelin-Sterne: die Gewinner und die Verlierer im Süden

riviera mehr sehen, mehr entdecken, mehr wissen

31183 – 317 – F : 4.90 €

Nr. 317 MäRZ / ApRIl 2020 4,90 € D A S

E I N Z I G E

M A G A Z I N

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EDITORIAl

Mein Wahlwohnsitz hat was von Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Kann man das über eine Stadt 0sagen? Touristen erleben Grasse im Sommerhalbjahr als farbenfrohen, lebendigen Ort, typisch südfranzösisch und spannend dank seiner Parfümerie-Geschichte. Es duftet, es wuselt, in der Sonne wirkt auch die finsterste Ecke freundlich. Einheimische dagegen verbringen freiwillig kaum Zeit in der Altstadt, die jenseits der drei Hauptgässchen seltsam ausgestorben wirkt. Abends ausgehen? Es gibt fast kein Restaurant, kaum eine Bar, die Lust darauf machen. Frauen wird abgeraten, im Dunkeln allein durchs Zentrum zu spazieren. Jedes zweite Geschäft kommt nicht durch den Winter. Diese Doppelgesichtigkeit ist natürlich auch den Stadtvätern bewusst. Seit Jahren schmieden sie Pläne, um die Innenstadt nachhaltig attraktiver zu gestalten. Große Hoffnung zur Wiederbelebung liegt im Projekt Martelly: Im von Touristen selten erreichten östlichen Teil des vieux village sollen neue Wohngebäude alte Bausünden ersetzen und sympathische Plätze mit Cafés Lust aufs Verweilen machen. In unserem Immobilien-Special ab Seite 46 schauen wir uns näher an, welche Bau-Pläne Grasse und andere Städte der Côte d’Azur für ihre Bürger und Gäste schmieden. Nizza ist ein Paradebeispiel dafür, was kluge Stadtplaner bewirken können: Was hat sich das Zentrum in den letzten Jahren verwandelt durch den Grundgedanken «mehr Grün, weniger Autos»! Auch das ohnehin sympathische Uni© Vincent Artus Städtchen Aix-en-Provence mausert sich immer mehr zum Bilderbuchort. Der Wettbewerb mit der großen Schwester Marseille, die vor einigen Jahren so stark von der Wahl zur europäischen Kulturhauptstadt profitiert hat, tut dem Nachbarn gut. Viel hängt für die Entwicklung einer Stadt vom Engagement ihres Bürgermeisters ab. In ganz Frankreich steht im März wieder die Frage an: Wählen wir den Rathauschef ab oder soll er noch mal sechs Jahre weitermachen? Wir werfen einen Blick auf die Aussichten und die Zähigkeit einzelner Kandidaten im Süden, die teilweise ihr fünftes oder sechstes Mandat anstreben (Seite 14). In Grasse gilt die Wiederwahl des derzeitigen Bürgermeisters als relativ sicher. Ihm ist ein dickes Fell zu wünschen beim Umsetzen seiner Visionen. Auf mich jedenfalls kann die Stadt immer zählen: Ich liebe sie gerade auch wegen ihrer Gegensätze. ● aila stöcKmann

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Geschäftsführende Direktorin

Art Director VINCENT ARTUS

bICH lECOURT

Chefredakteurin AIlA STöCkMANN hat das Ruder der RivieraZeit von Gründerin Petra Hall übernommen. Sie lässt die Leser nach 17 Jahren Côte d’Azur und ebenso langer Zeit in der Redaktion der RZ mit unverminderter Begeisterung teilhaben an ihren Erlebnissen und Begegnungen im Süden. Das Kind des Ruhrpotts könnte nicht mehr ohne – ohne die Sonne, die Natur und die Zeitschrift für alle, denen es genauso geht ●

wurde in Antibes geboren. Seit der Promovierung nach ihrem Wirtschaftsstudium arbeitet sie in SophiaAntipolis und kennt sich bestens in der BusinessSzene des Technologieparks aus. Sie liebt Architektur und Innendesign und ist immer darauf aus, Neues in ihrer Heimatregion und auf ihren Reisen zu entdecken ●

d a s

Anzeigen & PR FRANÇOISE MUllER stammt aus der Senfstadt Dijon. Sie lebt und arbeitet aber bereits seit 1993 an der Côte d’Azur, wohin sie die Liebe verschlug. Seit 14 Jahren arbeitet die Powerfrau mit Begeisterung im Bereich Kommunikation & Marketing. Ihre Hobbys: Literatur und Sport ●

Gründerin pETRA HAll hat vor 27 Jahren die Riviera Côte d’Azur Zeitung aus der Taufe gehoben, die sich unter dem Namen RivieraZeit zu einem attraktiven Magazin gemausert hat. Ihr Ziel von Anfang an: Lesern Spannendes, Informatives und Kurioses vom Mittelmeer in hochwertiger journalistischer Qualität zu liefern. Die gebürtige Hamburgerin ist in der Medienlandschaft des Südens eine Institution ●

gestaltet, was Sie hier in den Händen halten. Der waschechte Nizzarder hat eine Vorliebe für klare Linien und das Spiel mit weißen Flächen. Das Multi-Talent macht auch Fotos und Filme. Neu in seinem Portfolio: kurze Firmen-Porträts im Video ●

Te a m

Vertrieb, PR & Events, Freelance

Buchhalterin & Sekretärin

DOMINIqUE FREUlON

CAROlE HébERT

gebürtige Pariserin und seit 17 Jahren an der Côte d’Azur, arbeitet mit viel Energie und Dynamik in unserer VertriebsAbteilung. Sie liebt den Kontakt mit Menschen und unsere Magazine. Ihre Hobbys: Reisen in ferne Länder, Literatur ●

ist die gute Seele im Team. Neben Buchhaltung, Abo-Verwaltung und Leser-Anliegen hat die Nordfranzösin mit einem Faible für Zahlen immer im Visier, dass weder Druckerpapier noch Kaffeepulver ausgehen ●

Anzeigen & PR pATRICE SAINT-léGER arbeitet seit mehr als zehn Jahren in der Kommunikationsbranche. Nach dem BWLStudium und einem beruflichen Abstecher nach London hat der gebürtige Cannois seine Passion für Anzeigen entdeckt – ihre kreative Seite und die Wirkung, die sie haben können. In der Freizeit geht ihm neben der Familie nichts über Sport und die Natur ●


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INHAlT

ausgabe 317 MEHR SEHEN, MEHR ENTDECKEN, MEHR WISSEN Foto Titelseite ÜBER TRAUMHÄUSER AN DER CÔTE D’AZUR (WIE DIESE VILLA VON COLDWELL BANKER, MOUGINS) SCHREIBEN WIR IN UNSEREM IMMOBILIEN-SPECIAL (AB SEITE 46) © Coldwell Banker Foto unten BAU-PROJEKTE WIE DAS NEUE KRANKENHAUS IN MONACO SIND EBENFALLS THEMA IM IMMOBILIEN-TEIL © AIA

Ligurien Der Riviera Airport bei Albenga macht der Côte d’Azur Konkurrenz

Das ist neu Highlights im Süden, über die Sie Bescheid wissen sollten

8 Aktuell Starkregen: Wie die Region sich vor Unwetter wappnet

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42 Kommunalwahlen: Wer lässt los, wer kann’s nicht lassen?

14 75 Jahre Befreiung des KZ Auschwitz: Gedenken wir genug?

16 So will die neue Generalkonsulin im Süden Spuren hinterlassen

20 Kunst & Kultur Josef Bulva: Eine Schicksalssonate für Klavier

22 Orchester-Chef Benjamin Levy: Der Erneuerer

25 Renoir & Cagnes – eine Liebesgeschichte

26 Menschen Autorin Sybille Baillon schreibt Bestseller am laufenden Band

32 Geschichte Sophie Crüwell: Eine echte Europäerin

Immobilien Special rund um die private Traumvilla und Groß-Projekte im Süden

46-61 Sport Vier Tage Bewegung: «Outdoor Festival 06»

62 Tennis-Masters in Monte-Carlo: Warten auf Zverev

65 Gourmet Michelin-Sterne: Süß-saurer Jahrgang im Süden

70 Restaurant Balzi Rossi: «Gesund & con amore»

72 Veranstaltungen Feste, Musik, Sport-Events & vieles andere mehr

76 Endspurt Impressum

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34 Monaco Das Fürstentum in Zahlen

36 Wirtschaft Deutsch-französische Preise in Paris vergeben

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RivieraZeit ist Partner von #CotedAzurFrance


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DAS IST NEU!

Muckibude de luxe SPANISCHE KETTE ERÖFFNET STUDIO IN NIZZA

Einem 5-Sterne-Hotel ähnlicher als einem Fitness-Studio ist der neue Sporttempel in Nizzas Einkaufszentrum Cap 3000. Passend zur rundum modernisierten und erweiterten Shopping Mall besticht das über dem Meer gelegene «Metropolitan» schon durch seine Optik: hohe Decken, hochwertige Innenausstattung, Fitnessgeräte der neuesten Generation – und dieser Blick! Sergio Pellon, Direktor der spanischen Kette, die in den 30 Jahren ihres Bestehens nun erstmals den Schritt über die Grenze wagt, sagt: «Wir konzentrieren uns auf die Dinge, die im Leben zählen – Gesundheit, Sport, Lebensqualität.» So zählen zum Angebot nicht nur alle gängigen Kurse von Pilates bis Zumba, sondern auch ein für jedermann geöffnetes Restaurant, eine großzügige Saunalandschaft, ein Sportkleidungs-Waschservice und Massage- und Spa-Behandlungen. Die 1000-Quadratmeter-Dachterrasse kann wahlweise zum Entspannen oder für Yoga-Kurse genutzt werden. «Wir tun alles», so Pellon, «damit der Weg zum Sport für unsere Mitglieder so leicht wie möglich wird.» Ab 75 (junge Leute) bzw. 135 Euro monatlich ist man dabei. 

© H. Lagarde

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DAS IST NEU!

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Köstlich Kulinarisch ist die Côte d’Azur traditionell ganz weit vorn. Kein Wunder, dass auch eine der weltweit besten Wirtschaftshochschulen an dem Thema nicht vorbei geht: Skema Business School mit Sitz in Sophia-Antipolis und die Unternehmensberater von Emergence Concepts begleiten gemeinsam Start-ups im Bereich FoodTech bei ihren ersten Schritten. Vier Monate lang erhalten die Gründer Hilfe von der Idee über den Aufbau des ersten Restaurants bis zur möglichen Vervielfältigung des Konzepts an weiteren Standorten. Zu den Erfolgsstories von Skema zählen bislang unter anderem das Franchise-Café «Emily & the cool kids» und das Restaurant «Melobowls» in Bordeaux. Neu in der Reihe: das Fisch-BurgerLokal «Père & Fish» – vorerst leider nur in Paris.

NEUES AUS DER GASTRONOMIE

Um Gaumenfreuden geht es auch in der frisch live gegangenen Website tipikk.com. Ein Weinbauer aus Bandol (Departement Var) steckt mit hinter dem Konzept, regionale Produkte und ihre Hersteller aus ganz Frankreich zu präsentieren. Mehr als 1600 lokale Spezialitäten und Rezepte sind bereits gelistet – vom Kichererbsen-Pfannkuchen Socca aus Nizza bis zum Pastis aus Marseille. Viel Spaß beim Stöbern! 

Luxus lernen Das fehlte noch: Eine Hochschule, an der sich alles um Luxus dreht. Neu ist die private Paris School of Luxury indes nicht – aber die Filiale NizzaCannes-Monaco kommt ab September hinzu. Standort wird Nizza sein, genauer: die vierte Etage des Einkaufszentrums Nice Etoile zwischen Bahnhof und Meer. Das zweijährige Bachelor-Programm umfasst die Bereiche Marketing, Kommunikation und Management – immer mit Bezug zu Luxus, Mode und Schönheit. Ein Teil der Kurse wird auf Englisch abgehalten. 

PARISER HOCHSCHULE GRÜNDET FILIALE IN NIZZA

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DAS IST NEU!

Sœur’Elles REGIONALE MODE ZUM VERLIEBEN

Schöne Stoffe, ausgefallene Ideen und gute Qualität: Im Herzen der Altstadt von Nizza haben die Schwestern Alexandra und Rachel mit ihrer Boutique Soeur’Elles ein kleines Paradies für Modeliebhaber geschaffen. Sie verkaufen eigene Kreationen und Stücke anderer Designer von der Côte d’Azur – ein Concept Store zum Verlieben.

Einst eine alte Kunstgalerie, heute eine moderne Boutique: Vor einigen Monaten haben Alexandra und Rachel ihren Traum vom eigenen Modegeschäft verwirklicht. Ihre Ware stammt aus Frankreich, von Bordeaux bis zu den Alpes-Maritimes: «Uns ist es wichtig, Designer aus der Region zu unterstützen, ihre Kreationen an diesem Ort zusammen zu bringen», sagt Alexandra. Ganz so einfach sei das allerdings nicht immer, fügt Rachel hinzu. Die Schwestern legen Wert auf ausgezeichnete Qualität; zudem ist jedes Stück im Hexagon produziert. 31 Rue Droite in Nizza, täglich geöffnet von 10.30 bis 13.30 Uhr und von 15.30 bis 19 Uhr. Pb 

Jazz-Abende «TEDDY BAR» IN AIX MIT NEUEM KONZEPT

Die Bar ist nicht ganz neu, aber ihr DonnerstagabendKonzept: Seit Mitte Februar verwandelt sich die sonst nur an Abenden mit Theater-Aufführungen geöffnete «Teddy Bar» im Grand Théâtre de Provence (380 Avenue Max Juvénal, Aix-en-Provence) einmal pro Monat in eine Jazz-Bar. Zur Musik der immer wieder neuen musikalischen Gäste werden Cocktails und kleine Gerichte angeboten, nach Voranmeldung (teddybar@legrandtheatre.net) auch ein ganzes Menü mit Getränken zu 49 Euro – jeden ersten Donnerstag im Monat ab 21 Uhr.

Weder in der neuen Jazz-Reihe, noch im Grand Théâtre in Aix, sondern im Partner-Theater Théâtre du Gymnase in Marseille (4 Rue du Théâtre Français) tritt übrigens am Dienstag, 17. März, um 20 Uhr der europaweit gefeierte französische Jazz-Pianist Andy Emler (Foto) mit seinem MegaOctet auf – für einen mitreißenden Abend zwischen Rock und groovigem Jazz. Mit von der Partie sind unter anderem drei Saxophonisten, ein Schlagzeuger und zwei Trompeter. www.lestheatres.net  MäRZ / ApRIl 2020

© Marion Duhamel


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malerweise während eines kompletten Jahres nieder.

Versiegelte Flächen

Letzte Chance: Villen abreißen am morgen danach: Die Wassermassen haben wie hier in cannes-la-bocca beim unwetter ende 2019 teilweise straßen weggespült © D.R.

Zwischen Menton und Marseille häufen sich sintflutartige Starkregen. Weil die region mit villen und Hotels zugebaut ist, kann das Wasser nicht versickern. Nun bleibt nur der rückbau. Von anniKa Joeres

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n der Côte d’Azur und deren Hinterland bleiben die Menschen zuhause, wenn im Frühjahr oder Herbst eine Regenfront heraufzieht. Sie sagen Geburtstage und Strandspaziergänge ab, parken ihre Autos an möglichst hoch gelegenen Stellen und verfolgen minütlich die Wetterprognosen. Denn hier an den Ausläufern der Alpen fällt der Niederschlag nicht einfach vom Himmel, sondern seine Wassermassen strömen über Bäche sintflutartig hinab in die Küstenstädte, sie MäRZ / ApRIl 2020

ziehen Autos und Bäume über die Straßen, fluten Häuser und lassen Berghänge und Felsen abrutschen. Ende vergangenen Jahres wurde die Region zwischen der italienischen Grenze und Marseille gleich zweimal in kurzer Folge von diesem Starkregen ergriffen, elf Menschen verloren ihr Leben. In Mandelieu (Alpes-Maritimes) fielen innerhalb weniger Stunden 700 Liter Wasser pro Quadratmeter, das entspricht acht vollen Badewannen. Diese Wassermenge geht hier nor-

Nach den Unwettern war die Rede von mehreren hundert Millionen Euro, um die überschwemmten Häuser, Kindergärten, Hotels und Fußballplätze wieder instand zu setzen. Sorgen machen den Anwohnern inzwischen aber viel mehr die versiegelten Flächen: Nirgendwo sonst in Frankreich wurde so viel betoniert wie an der Côte d’Azur. Eine Millionen Menschen in der Région Sud (Provence-Alpes-Côte d’Azur) leben in Zonen, die auf Karten als Überschwemmungsgebiete eingezeichnet sind. Diese Fehlplanung ist doppelt problematisch: Betroffene Häuser riskieren bei jedem Starkregen (épisode méditerranéen) vollzulaufen. Und die Fläche fehlt, um das Wasser aufzusaugen. «Die betonierten Flächen sind unser größtes Problem», sagt Serge Castel, Planungsdirektor bei der Präfektur in Nizza. Sie gibt den Ton an für neue Bauvorhaben in Südfrankreich. Castel trat seinen Job 2015 an, kurz nachdem ein Starkregen einige Campingplätze und Stadtviertel vor allem zwischen Biot und Mandelieu überschwemmte und 20 Menschen ertranken. Castels Job ist es, solche Tragödien künftig zu verhindern. Campingplätze hat er geschlossen, und inzwischen müssen auch Villen dran glauben: Einige Dutzend Eigentümer, so Castel, sollen langfristig enteignet werden. «Wir müssen der Natur wieder Fläche zurückgeben: In meiner Amtszeit werde ich alle Einkaufszentren an der Küste und Siedlungen im Hinterland unterbinden: Wir werden mit dem Klimawandel und den häufigeren Starkregen nur fertig, wenn das Wasser wieder abfließen kann.» Eigentümer enteignen? Häuser abreißen? Noch vor wenigen Jahren war dies undenkbar in Südfrankreich, wo Immobilien so hohe Preise wie sonst nur in Paris erzielen. Deswegen wurde jeder Quadratmeter Grün bebaut, auch die Hügel über Nizza, Cannes oder Antibes sind inzwischen vollständig besiedelt. Früher wurden hier Orangen und Jasmin gezüchtet und die Flächen an den Dutzenden Flüsschen aus den Alpen für die Landwirtschaft genutzt. Das Wasser versickerte bis in die 1980er-Jahre problemlos.

Illegale bauten Bis der Tourismus das Grün in der Region verschlang. Im sonnigen Süden bauen sich viele Multimillionäre ihr Traumhaus für ein paar Wochen Urlaub im Jahr – und betonieren dann oft weiter ohne Genehmigung, aber dafür mit viel Geld. Erst vergangenes Jahr ordneten Richter an, einen Luxusbau in der Parfümstadt Grasse abzureißen und das Gelände wieder in den «ursprünglichen Zustand» zu versetzen. Der Besitzer hatte


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Weniger baugenehmigungen «Wir lehnen mehr und mehr Bauvorhaben ab – früher haben wir 600 Genehmigungen pro Jahr erteilt, heute sind es weniger als 200», sagt Migoule. Seiner eifrigen Erklärung ist anzumerken, dass die Überschwemmungen ein großes Problem für Cannes sind: Wohlhabende Briten, Russen und US-Amerikaner wählen die Stadt mit ihrer palmenbesetzten Croisette, um unbesorgt in der Sonne zu liegen. Bilder von reißenden Bächen in Luxusmeilen und abgesoffenen Autos in Tiefgaragen kann die Stadt nicht gebrauchen. Deshalb lobt Castel das Grüne in seiner luxuriösen Stadt. «In Cannes kommt auf zwei Bewohner ein Baum», sagt er. Das ist tatsächlich über dem französischen Durchschnitt von fünf zu eins. Aber die südfranzösischen Städte werden regelmäßig trotz ihres Palmen-Images als zu stark bebaut kritisiert.

Der klimawandel wird Südfrankreich besonders hart treffen Die Region ist inzwischen so verdichtet, dass allein aus Platzgründen nicht mehr gebaut werden kann. «Wir haben in den vergangenen 50 Jahren 80 Prozent unserer fruchtbaren Erde verloren», sagt Hélène Granouillac vom Umweltverband Wenn es in südfrankreich kräftig regnet, werden die straßen schnell zu reißenden bächen © AS «terre bleu». «Und der Raubbau geht weiter.» Tatsächlich plant die Region weitere dort vor zwanzig Jahren eine 200 Quadratübermäßig große Terrassen. Das Problem: Betonierungen, ausgerechnet im Var-Tal meter große Bastide erstanden und anGerichtsverfahren gegen solche illegalen im Westen von Nizza, das als eines der schließend ohne jede Erlaubnis zum 3000 Konstruktionen ziehen sich häufig über fruchtbarsten Zonen Europas gilt: Dort, Quadratmeter großen Château Diter ausgezehn Jahre hin. wo bis vor kurzem Auberginen und TomaUnd die Einsicht der Präfektur kommt spät. baut – mit Nebengebäuden, Schwimmten wuchsen, entstehen neue Büros und Auch heute noch, nach mehreren dramatibad, und Hubschrauberlandeplatz sowie Einkaufszentren, unter anderem eine neu geteerter Straße. Bis ihn seine Nachschen Hochwassern, bauen die Städte rund Ikea-Filiale. Bei der feierlichen Ankündibarn verklagten, weil sie die dauernden um Nizza und Cannes rund jedes fünfte gung des Möbelhaus-Projekts hatten GraHelikopterflüge vor ihrer Nase vom Schlaf Haus nahe an Flüssen oder an Zonen, die nouillac und andere Umweltschützer mit abhielten. vorhersehbar überschwemmt werden. Schwimmbrille und Schnorcheln gegen Nicht nur in der Filmfestival-Stadt ertönten Auch Castel von der Präfektur kannte den drohende Überschwemmungen protesProtzbau und prophezeit: «Heute gehen wir Ende vergangenen Jahres innerhalb von tiert. Auch der Flughafen in mit aller Härte gehen diese illegalen Bauten zwei Wochen zweimal die Nizza an der Mündung des vor, wir verfolgen Dutzende Prozesse.» Das Alarmsirenen. Bürgerinnen Var-Flusses soll ein drittes und Bürger wurden per SMS betreffe nicht nur einzelne Villen, sondern «HEUTE GEHEN WIR Terminal erhalten. «Diese auch unerlaubte Pools im Garten oder und über Lautsprecher dazu MIT ALLER HäRTE Projekte widersprechen dem aufgefordert, ihre Häuser gesunden Menschenvernicht zu verlassen und das GEGEN DIESE stand», sagt Granouillac. Auto stehen zu lassen. ILLEGALEN BAUTEN «Das viele Geld von wohlhaSolche Warnungen und die VOR.» benden Touristen und Inveshöchste Alarmstufe «rot» des toren trübt den Verstand.» französischen WetterdienZudem bescheinigen viele stes hatte es zuvor noch nie Prognosen: Südfrankreich wird das Klimagegeben. chaos besonders hart treffen. Hier könnte «Nach dem letzten Hochwasser 2015 haben es in einigen Jahrzehnten so heiß werden wir Häuser mit 43 Wohnungen an Flüssen wie heute in Marokko, auch die Starkreaufgekauft und schließlich abgerissen. Als genfälle werden dramatisch zunehmen. letztes Mittel ziehen wir solche Räumungen Beide Ereignisse sind schwer zu verkrafauch heute wieder in Betracht», sagt Thierry ten in einer Region, in der sich die Städte Migoule, Verwaltungsdirektor von Cannes. wie im Ruhrgebiet aneinanderreihen und Zunächst aber würden Flussbetten ausgeParks und Wälder fehlen. Künftig, davon weitet. Und im nächsten Bebauungsplan gehen Umweltschützer und Stadtplaner würden weitere 65 Hektar zur Naturschutzgleichermaßen aus, werden die Sirenen zone erklärt und damit für immer unbebaunoch häufiger Alarm schlagen.  bar. bei unwetter geben die Präfekturen Warnungen heraus MäRZ / ApRIl 2020


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Kommunalwahlen in FranKreich

Wer lässt los, und wer kann’s nicht lassen? Sie pfeifen auf die rente und wollen ihre Ämter in den rathäusern von Menton, aix oder Nizza verteidigen. Manch ein altgedienter Bürgermeister – wie Jean-Claude Gaudin in Marseille – wirft im März aber auch das Handtuch, wenn zum ersten Mal vertreter von Staatspräsident emmanuel Macrons Partei La République en Marche, die bei den europawahlen 2019 starken Grünen oder die junge Generation des rechtsextremen Rassemblement National die Macht in den Städten und Gemeinden Südfrankreichs übernehmen wollen. Von Peter bausch

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anche wollen gar nicht aufhören. Der Chefsessel im Rathaus ist ihr Lebenselixier. Bei den Kommunalwahlen am 15. und 22. März in Frankreich bewirbt sich Georges Rosso für ein achtes Mandat. Der Kommunist ist seit 1981 Bürgermeister des kleinen Städtchens Le Rove im Westen von Marseille und will mit 90 Jahren noch einmal die Mehrheit der 5000 Einwohner auf seine Seite bringen: «Meine Mission für Le Rove ist noch nicht beendet.» Sein sechstes Mandat strebt Jean-Claude Guibal in Menton an. Der Politiker der konservativen Republikaner hat im Januar seinen 79. Geburtstag gefeiert und regiert seit 1989 ununterbrochen in der Grenzstadt mit ihren knapp 30 000 Einwohnern. Die ersten 20 Jahre vertraut er auf seine Frau Colette Giudicelli, die als Senatorin zudem Erste Beigeordnete im Rathaus ist. Das in Frankreich einmalige Paar beendet 2009 die Zusammenarbeit, um dem neuen Gesetz gegen ämterhäufung Genüge zu tun. Jean-Claude Guibal steht 2020 wahrscheinlich vor dem härtesten Wahlkampf in seiner Karriere. Menton ist in unmittelbarer Nachbarschaft zur italienischen Stadt Ventimiglia eine Schleuse für Migranten aus Afrika geworden, die zum Teil nicht einmal die lebensgefährliche Überquerung der Seealpen im Roya-Tal scheuen, um nach Frankreich zu kommen. Ein Gegenkandidat ist Olivier Bettati, der 2015 auf einer Liste des rechtsextremen Front National kandidierte und jetzt von der Partei unterstützt wird, die Marine Le Pen in Rassemblement National (RN) umbenannt hat. MäRZ / ApRIl 2020

Etwas jünger als Georges Rosso oder JeanClaude Guibal ist Maryse Joissains-Masini, die seit 2001 das Rathaus in Aix-en-Provence regiert und damals den sozialistischen Amtsinhaber Jean-François Picheral entthront hat. Die konservative Politikerin hat allerdings ein Problem: Sie ist im Mai 2019 wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder zu sechs Monaten Gefängnis und einem Jahr Unwählbarkeit verurteilt worden, darf deshalb im Prinzip gar nicht für ein viertes Mandat antreten.

Familien-bande Die 77-jährige Juristin ficht das Urteil beim Kassationsgerichtshof an und zieht trotzdem in den Wahlkampf. Sie hat im Kampf um das Rathaus in der provenzalischen Universitätsstadt einen Trumpf im ärmel. Ihre 50-jährige Tochter Sophie ist als Senatorin auch in der Lokalpolitik verankert und könnte das Erbe ihrer Eltern antreten. Sophies Vater Alain Joissains war schließlich von 1978 bis 1983 Bürgermeister von Aix-en-Provence, musste aber das Rathaus verlassen, nachdem er dafür verurteilt worden war, dass er die Villa seines Schwiegervaters zum Teil mit Steuergeldern finanziert habe. Tragisch: Der Vater von Maryse Joissains begeht wenig später Selbstmord. Alain Joissains war von seiner Frau Maryse zwischen 2001 und 2008 als Kabinettschef im Rathaus angestellt, sein Job wird allerdings vom Verwaltungsgerichtshof Marseille wegen «exzessiver Entlohnung» aufgehoben, sein neuer Vertrag als Berater seiner Frau

wird vom Staatsrat 2015 endgültig aufgehoben. Probleme mit den verwandtschaftlichen Banden in der lokalen Politik hat Maryse Joissains nicht: «Wir sind eine Dynastie – im Vergleich zu den Clans der politischen Gegner.» Aber im März 2020 hat es die streitbare Politikerin mit neuen Gegnern zu tun. Bei der letzten Wahl 2014 haben die Grünen noch keine Rolle gespielt, die Partei La République en Marche (LREM) des 2017 gewählten Staatspräsidenten Emmanuel Macron existierte noch gar nicht. 2020 hat die Linke in Aix zudem mit dem Universitätsprofessor Marc Pena eine Einheitsliste aufgestellt.

Reif für den Ruhestand Selbst nach den derzeit so heftig umstrittenen Plänen der Pariser Regierung für eine Rentenreform reif für den Ruhestand wäre auch Christian Estrosi, der diesen Juli seinen 65. Geburtstag feiern möchte. Wieder als Bürgermeister von Nizza. Das Rathaus hat der ehemalige Motorrad-Rennfahrer und konservative Politiker 2008 von Jacques Peyrat erobert, der seine Nähe zum rechtsextremen Front National nie verleugnete. Christian Estrosi, zeitweise Minister in Paris, hat sich 2016 breitschlagen lassen und die Präsidentschaft des Regionalparlaments in Marseille übernommen, diesen Job aber 2017 wieder aufgegeben, um nach Nizza zurückzukommen. Mit seinen Vorschlägen, das Nationaltheater und das Kongresszentrum Acropolis abreißen zu lassen, um die Grünfläche über dem Paillon-Fluss zu erweitern, setzt Christian Estrosi auf Ökologie. Seine Wiederwahl gilt als sicher. Die LREM von Präsident Macron stellt

Kommunalwahlen in Frankreich wird die regierungsmannschaft in den rathäusern (Bürgermeister, ihre Stellvertreter und ratsmitglieder) alle sechs Jahre neu bestimmt. vom volk gewählt werden die Mitglieder der Gemeinderäte (conseillers municipaux) in zwei Wahlgängen – diesmal am 15. und 22. März. Gibt es im ersten Wahlgang keine absolute Mehrheit, geht es in die zweite runde. Die anzahl der zu wählenden ratsmitglieder hängt von der Größe der Gemeinde ab. Sie kann von sieben Mitgliedern für Gemeinden mit weniger als 100 einwohnern bis zu 163 Mitgliedern für die Stadt Paris reichen. Nach der Wahl wählen die conseillers municipaux den Bürgermeister der Gemeinde aus ihren reihen. Der Bürgermeister ist für den vorsitz im Gemeinderat (conseil municipal) verantwortlich.


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Jean-claude gaudin verlässt nach 25 Jahren das rathaus in marseille © D.R.

christian estrosi kandidiert in nizza © D.R.

Jean-claude guibal strebt in menton sein sechstes mandat an © D.R.

gar keinen Gegenkandidaten, der Sozialist Patrick Allemand hat regelmäßig gegen die Konservativen verloren, Philippe Vardon vom rechtsextremen Rassemblement National scheint der wichtigste Gegenkandidat zu sein. Die Partei von Martine Le Pen regiert heute mit Fréjus im Var ihre größte Stadt in ganz Frankreich. David Rachline will dort ein zweites Mandat.

Extreme Rechte wittert Chancen Die extreme Rechte, bei den Europawahlen 2019 stärkste Partei in Südfrankreich, wittert außerdem ihre Chance in Marseille. Dort wirft Jean-Claude Gaudin nach 25 Jahren Amtszeit im Rathaus und 198 Sitzungen des Stadtrats in Alter von 80 Jahren das Handtuch. Der konservative Politiker, der 1995 nach mehreren Anläufen das Rathaus am Alten Hafen erobert, hinterlässt ein umstrittenes Erbe: Es gibt die Erfolge wie den Umbau des Hafens oder die neuen Museen für die europäische Kulturhauptstadt 2013, aber der Tod von acht Menschen in zwei eingestürzten Häusern der Altstadt Ende 2018 und die katastrophale Situation in manchen Wohngegenden werfen dunkle Schatten auf seine Amtszeit. Mitte Januar sahen die ersten Umfragen seine designierte Nachfolgerin Martine Vassal knapp vor Stéphane Ravier vom RN. Offen

ist das Abschneiden der Linksunion unter der Führung der Grünen Michèle Rubirola oder des ehemaligen Universitätsrektors Yvon Berland für Macrons Partei LREM. Für Überraschungen sorgen können zudem der konservative Senator Bruno Gilles oder die ehemalige Sozialistin Samia Ghali als Einzelkämpfer. Die 57-jährige Martine Vassal, seit 2018 Chefin der Metropol-Region Aix-Marseille-Provence und seit 2015 Präsidentin des Conseil Départemental der Bouches-du-Rhône, ist auf dem Weg, zur mächtigsten Frau in Südostfrankreich zu werden. Ihre Rathäuser verteidigen wollen aber auch die Sozialistin Cécile Helle in Avignon, die konservativen Michelle Salucki in Vallauris oder Guilaine Debras in Biot.

martine Vassal tritt in marseille an © D.R.

74 Jahre auf dem Chefsessel Wie alle ihre Kollegen werden sie niemals die Rekordmarke der Familie Boivin erreichen. Die Landwirte im Departement Mayenne zwischen Rennes, Caen, Angers und Le Mans haben 74 Jahre lang das Rathaus von SaintLaurent-des-Mortiers regiert. Auguste Boivin, Henri senior und Henri junior hatten seit 1945 das Sagen in ihrem Dorf, das am 1. Januar 2019 mit drei anderen Gemeinden fusionierte und seitdem nicht mehr als selbstständige Kommune existiert. Dabei ist Henri Boivin junior erst 68 Jahre alt. 

bleibt maryse Joissains in aix im amt? © D.R.

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75 Jahre BeFreiung des KZ auschwitZ

Gedenken wir genug? Tausende Juden wurden auch von der Côte d’Azur nach Auschwitz deportiert Von rolf liffers

auschwitz-Überlebende renate lasker-harpprecht war ehrengast bei der gedenkfeier in saint-tropez © Rolf Liffers

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er Holocaust hat etwa sechs Millionen europäische Juden das Leben gekostet. Über eine Million von ihnen wurden im Nazi-Vernichtungsla-

ger Auschwitz (bei Krakau) systematisch ermordet, bis die Rote Armee das Konzentrationslager (KZ) am 27. Januar vor 75 Jahren befreite. Nach jüngsten Angaben von

Staatspräsident Macron stammten 76 000 Deportierte aus Frankreich. Über 3600 der Opfer waren allein im Raum Nizza verhaftet und nach Auschwitz deportiert worden.

am 30. Januar ist auf nizzas schlossberg anlässlich der gedenkfeier 75 Jahre nach der befreiung von auschwitz eine «mauer der Deportierten» enthüllt worden. am mikrofon links im bild serge Klarsfeld, neben ihm seine frau beate. Die 3,22 meter hohe und 5,88 meter breite mauer trägt die namen der 3603 zwischen 1942 und 1944 vom bahnhof nizza aus deportierten Juden. eric de rothschild, Präsident des Pariser memorials, warnte, die Dämonen seien nie fern. geschichte könne sich daher wiederholen. © Ville de Nice

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eine von außenminister laurent anselmi (5.v.l.) geführte monegassische Delegation hat das fürstentum am 27. Januar bei der gedenkfeier in auschwitz vertreten © D.R.

6000 Verfolgte wurden in Marseille festgeJüdin Renate Lasker-Harpprecht (96), die nommen, 2500 auf Umwegen in die KZs als junge Frau mit ihrer Schwester Anita Sachsenhausen, Sobibor und Auschwitz Lasker-Wallfisch (94) die Gräuel von Auverbracht, wovon keiner überlebte. Rund schwitz und Bergen-Belsen überstand und 2000 Internierte wurden vom Lager Les seit 38 Jahren in La Croix-Valmer lebt. Milles bei Aix-en-Provence aus verfrachtet, knapp hundert aus Monaco. Gedenkfeier mit klarsfelds Dennoch gedenkt zum Beispiel im Var, dem Bei der Gedenkfeier in Nizza waren auch größten Departement der Côte d’Azur, nur Beate und Serge Klarsfeld (80/84) zugegen eine einzige Gemeinde regelmäßig der sowie der Sohn der KZ-Überlebenden SiOpfer der Shoa: Saint-Tropez. mone Veil (1927-2017), Pierre-François. Das In Nizza wurde am jüngsten Ehepaar Klarsfeld, das u.a. Gedenktag eine «Mauer der Gestapochef Klaus Barbie, Deportierten» enthüllt, hoch den «Schlächter von Lyon», oben auf dem Schlossberg. zur Strecke brachte, ist durch «NICHT DIESELBEN Das Denkmal, das dem Pariseine beharrliche globale SCHRECKLICHEN ser Shoa-Monument nachTäter-Verfolgung internatioFEHLER MACHEN empfunden ist, ist knapp nal bekannt geworden. Beate WIE DIE dreieinhalb Meter hoch und Klarsfeld hatte bereits als 29sechs Meter lang. Jährige Aufsehen erregt, als VORFAHREN! Der monegassische Außensie Bundeskanzler Kiesinger SPRECHT minister Laurent Anselmi wegen seiner Rolle im Dritten MITEINANDER!» reiste mit einer Delegation Reich ohrfeigte. nach Polen, um mit über 50 Lasker-Harpprecht, Tochter Staatschefs aus der ganzen eines Rechtsanwalts und Welt an der zentralen Jubiläumszeremonie einer Musikerin aus Breslau und heute teilzunehmen. Französin, beschwor in Saint-Tropez bei der Von den 92 Juden, die in Monaco festge15. jährlichen Feierstunde der Unesco in nommen wurden, überlebten nur neun. Folge die jungen Menschen, «nicht dieselben 1993 hat Fürst Rainier auf dem jüdischen schrecklichen Fehler zu machen» wie ihre Friedhof eine Gedenktafel anbringen lassen. Vorfahren. Sprecht miteinander, liebt euch Albert, sein Nachfolger, setzte 2006 eine und seid wachsam, mahnte sie, deren ElKommission zur Opfer-Entschädigung ein tern 1942 ermordet wurden. Dass sie selbst und 2011 eine Expertengruppe zur AufarbeiAuschwitz überdauerte, verdankt sie nicht tung der dramatischen Vorgänge. zuletzt dem Umstand, dass ihre Schwester Ehrengast bei der Feierstunde vor dem MoAnita dort Privilegien genoss, weil sie dem nument de la Libération an der Place des KZ-Mädchenorchester als unentbehrliche Lices in Saint-Tropez war die deutsche Cellistin angehörte.

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Nach Kriegsende arbeitete Renate Lasker bei der BBC in London, später für den WDR in Köln und für das ZDF in den USA. In London lernte sie ihren späteren Mann, den Publizisten und Redenschreiber von Willy Brandt, Klaus Harpprecht, kennen, mit dem sie bis zu seinem Tode 2016 im Var zusammenlebte. 1972 veröffentlichte sie den Roman «Familienspiele». Anita Lasker-Wallfisch, die von London aus auch heute noch sehr aktiv ist, hat über ihre Gefangenschaft das Buch «Ihr sollt die Wahrheit erben: Die Cellistin von Auschwitz» geschrieben. In Nizza erinnern zwei Tafeln am Hauptbahnhof an die Judenverfolgung. Im nahen Hôtel Excelsior (19, rue Durante), dem einstigen Sitz der Gestapo, waren die Verhafteten vor ihrer Deportation nach Auschwitz interniert gewesen, wo sie fast alle umkamen. Eine Tafel am Haus 15, rue d’Italie, gedenkt  der Widerstandskämpfer Paul Dussour und Arno Klarsfeld, Serge Klarsfelds Vater, der dort «abgeholt» und in Auschwitz umgebracht wurde. Serge, damals noch Kind, blieb – in einem Kleiderschrank versteckt – unentdeckt. Die in Nizza geborene Holocaust-Überlebende, Politikerin und Frauenrechtlerin Simone Veil war französische Gesundheitsministerin und erste Präsidentin des EU-Parlaments. Als fünfte Frau überhaupt wurde sie ins Pariser Panthéon aufgenommen. Macron würdigte ihren unermüdlichen Einsatz für Aussöhnung und europäische Einigung nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem sie ihre Eltern und ihren Bruder verlor. In Marseille, damals Drehscheibe und Durchgangsstation für Flüchtlinge und Verfolgte aus etlichen Ländern (wir berichteten wiederholt), führte die französische Polizei 1943 eine Massenrazzia durch. Dabei wurden 40 000 (!) Menschen überprüft. SS-Polizeieinheiten riegelten das Hafenviertel ab. 30 000 Einwohner der Altstadt Le Panier wurden mit Hilfe ihrer französischen Kollegen vorübergehend in Fréjus interniert.

Monumente der Deportierten Heute erinnern drei «Monumente der Deportierten» an jene schwarzen Tage. Eines auf dem Friedhof Saint-Pierre an der gleichnamigen Straße. Ein weiteres an der Place du 23 Janvier 1943 und eines am Quai de la Tourette. An weiteren markanten Orten der zweitgrößten Stadt Frankreichs wurden außerdem viele Gedenktafeln angebracht. Würde man für jedes Opfer des Holocaust eine Schweigeminute einlegen, wäre es elf Jahre still. Schweigen will Renate LaskerHarpprecht auch in Zukunft nicht – obwohl sie beim Blick in die Zukunft «ein wenig pessimistisch» sei. Aber das – findet sie – sei «angesichts von Brexit und Trump ja kein Wunder».  MäRZ / ApRIl 2020


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es stimmt: aus anlass des 75. Jahrestages der Befreiung des vernichtungslagers auschwitz hat der Holocaust ende Januar noch einmal richtig Schlagzeilen gemacht. Trotzdem muss man fragen: Wie lange noch?

W Betrachtungen von rZ-chefrePorter rolf liffers

Widerstand gegen das Vergessen

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ie lange noch wird sich die Gesellschaft dieses schlimmsten Kapitels der Menschheitsgeschichte erinnern, das von deutscher Hand geschrieben wurde? Denn mit der Zahl der heute zumeist über neunzigjährigen Holocaust-Überlebenden schwindet die Erinnerung. Noch leben in Israel über 200 000 von ihnen. Tagesdurchschnittlich aber sterben 30. Mit dem allmählichen Verlöschen der Erinnerung könnte das Grauen des Genozids den folgenden Generationen einst tatsächlich als «Vogelschiss der Geschichte» oder gar «Auschwitz-Lüge» erscheinen. Die Bereitschaft zu vergessen, ist groß. Schon heute wollen 37 Prozent der Deutschen von den «ollen Kamellen» nichts mehr hören. Damit wären den bösen Geistern der Vergangenheit wieder Tür und Tor geöffnet. Geschichte könnte sich wiederholen, und im Raum des Vergessens könnten sich völkische Ideologien mit dem Rückenwind der Flüchtlingskrise wieder ungehindert zum Flächenbrand entfalten. Im allenthalben wachsenden Populismus wird die Bedrohung bereits deutlich. Auch Bundespräsident Steinmeier sieht diese Gefahr. «Schon allein deshalb dürfen wir vor dem Holocaust-Gedenken nicht weglaufen», warnte er. «Man muss sich erinnern, um vorbereitet zu sein.» Der Widerstand gegen das Vergessen sei insofern auch ein Widerstand gegen die Untaten von heute. «Ich wünschte, sagen zu können, wir Deutschen haben für immer aus der Geschichte gelernt.» Das könne er aber nicht, «wenn und weil sich Hass und Hetze in Deutschland wieder ausbreiten». Noch erinnern sich die Deutschen. «Aber manchmal erscheint es mir, als verstünden wir die Vergangenheit besser als die Gegenwart», schildert Steinmeier. Und in dieser Gegenwart blähen Antisemitismus und


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Rassismus schon wieder ihre giftgeschwollenen Bäuche, als wäre nichts gewesen. Sicher: «Es sind nicht dieselben Täter. Aber es ist dasselbe Böse.» Frankreichs Staatschef Macron unterstrich die Bedeutung von «Erinnerungsarbeit und Erziehung» als «Gegenmittel gegen das unerträgliche Wiederaufleben in all seinen Formen» sowie «den neuen Hass». Er versprach äußerste Wachsamkeit. 868 sensible Orte jüdischer Kultur sollen ab sofort verschärft überwacht und eine Expertentruppe «auf die Füße gestellt» werden, die die sinistre Szene nicht aus dem Auge lässt. Renate Lasker-Harpprecht, Ehrengast der Auschwitz-Gedenkfeier in Saint-Tropez, empfindet das gleiche beklemmende Unbehagen. «Ich sehe, dass Dummheit und Ignoranz regieren.» Hinzu kommen «diese allgemeine Oberflächlichkeit» und «der verbreitete Phlegmatismus», wie es Steinmeier nennt. «Es ist ein gigantischer Egoismus. Die Leute wollen immer mehr. Und zugleich gibt es dieses umfassende Gefühl der Gleichgültigkeit einfach allem gegenüber», bemerkt die alte Dame. Trotz Freiheit und Wohlstand oder vielleicht gerade deshalb steht Konsum im Mittelpunkt allen Trachtens. Uns geht es doch gut! Wie allem «Lästigen» sind viele Deutsche dem Gedanken an die Shoa daher eher abgeneigt. Da wundert es erst recht nicht, dass an der luxuszugewandten und sonnigen Côte d’Azur so wenige regelmäßige Gedenkfeiern stattfinden. Dabei hätten auch die Franzosen Grund, sich öffentlich zu ihrer Mitschuld zu bekennen, zumal die Judenverfolgung im unbesetzten, weil kollaborativen VichyFrankreich nicht gerade ein Ruhmesblatt der französischen Geschichte darstellt. Selbst beim letzten Auschwitz-Gedenken in Saint-Tropez kam aus der ganzen Region nur ein bescheidenes Häuflein Aufrechter zusammen. Und das in der Grande Nation, die sonst so leicht zu Hunderttausenden zu mobilisieren ist, wie wir bei den RentenStreiks wieder sehen können, bei denen es nun wahrlich nicht um Leben und Tod geht, sondern nur um ein bisschen persönlichen Komfortverlust. Renate Lasker-Harpprecht, früher als KZEntronnene viel unterwegs an Schulen, hat damit aufgehört. Es sei alles «so lange her», sagt sie schulterzuckend. «Ich habe zunehmend Angst, dass ich mit einer Vergangenheit langweile», aus der Namen und Zusammenhänge vergessen sind. Der Jugend legt sie gleichwohl ans Herz, dazu beizutragen, «dass das Wort Hass einst aus den Wörterbüchern gelöscht werden kann». Steinmeier rief dazu auf, nicht zu zaudern, sondern einzugreifen, wenn «der alte Ungeist im neuen Gewand» erscheint, wenn sich «das Gift des Nationalismus» wieder schleichend auszubreiten beginnt. Doch wie macht man das praktisch in einer so egoistischen und fremdenfeindlichen

Welt? Einigermaßen ratlos fragen wir uns, was nun anzufangen sei mit all den Appellen? Wie setzen wir sie in Taten um in einem Europa, das nicht einmal in der Lage ist, sich auf einen Schlüssel für die gemeinsame Aufnahme von Flüchtlingen aus Afrika und dem Nahen Osten zu verständigen? Toleranz wird mit der Muttermilch eingesogen. Daher kann nicht früh genug mit der Vermittlung humanistischer Werte begonnen werden. Am besten schon in der Grundschule. Dort könnte man den Kindern altersgerecht und unvoreingenommen die Geschichte der drei großen monotheistischen Religionen vermitteln. Man könnte ihnen einfach die Geschichte des Findelkinds Moses im Nil erzählen und die des neugeborenen Jesus, der in Bethlehem in einem Stall zur Welt kam, und die des kleinen, von Kamelen umringten Mohammed. Alles aufregend wie der kleine Prinz.

«ICH WÜNSCHTE, SAGEN ZU KÖNNEN, WIR DEUTSCHEN HABEN FÜR IMMER AUS DER GESCHICHTE GELERNT.»

In laizistischen Demokratien, die dem konfessionellen Religionsunterricht abgeschworen haben, könnte man über die Propheten berichten, an die Milliarden von Menschen glauben. Um gegenseitiges Verständnis zu wecken, könnte ich mir durchaus auch Comics vorstellen und neue Kommunikationsmittel wie Apps und Tweets, zu denen die Jüngsten oft schon früher Zugang haben als zu Büchern. Die Schule aber wird keine Chance haben, wenn bestimmte Grundwerte zuvor nicht schon im Elternhaus vermittelt wurden. Und dafür steht es schlecht in einer Zeit, in der immer mehr «Erwachsene» in fast ganz Europa Politikern auf den Leim gehen, die mit haltlosen Verdächtigungen und infam fehlinterpretierten Sozial- und Kriminalstatistiken Pogromstimmung zu erzeugen versuchen. Opfer sind einmal mehr die vielen armen Teufel, die – egal ob wegen Krieges oder Hungers – meist unter Lebensgefahr ihre Heimat und ihr Zuhause verlassen haben und nun als Schmarotzer, Sozialbetrüger und Kriminelle verunglimpft werden, obwohl die offiziellen Zahlen eine andere Sprache sprechen. Neben Elternhaus und Schule sind die Kirchen mit ihrer problematischen NS-Vergangenheit aufgerufen, mit diskriminierenden Klischees aufzuräumen. Überhaupt braucht es erfindungsreicher Leute, die sich nicht

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mit Wischiwaschi aus der Affäre ziehen, sondern unmissverständlich auf die Seite der Minderheiten stellen, insbesondere der Asylsuchenden. Sprechen Sie mit ihnen, damit Sie sich ein eigenes Urteil bilden könnten. Gerade ein reiches Land wie Deutschland mit seiner langen Vertreibungsgeschichte ist es sich schuldig, im Namen der Menschlichkeit nach Kräften Flüchtlinge aufzunehmen, selbst wenn darunter schwarze Schafe sein können. Auch so kann nach 75 Jahren praktizierte Wiedergutmachung aussehen. Was wir vor allem brauchen, sind integre und charismatische Führungspersönlichkeiten, die sich in ihrer Glaubwürdigkeit als Vorbilder eignen, an der es der Gesellschaft so sehr gebricht. Wir brauchen Volksvertreter mit Mut, die nicht vor den Wählern kuschen und demokratische Kräfte parteiübergreifend zu integrieren verstehen im Sinne der Ideale einer wehrhaften Republik. Dazu gehört auch, den Ausländer- und Arbeitsbehörden eine vorurteilsfreie Überzeugung zu vermitteln und für ihre oft schwierigen und schicksalhaften Entscheidungen Rechtssicherheit und Rückendeckung zu geben. Wir brauchen beharrliche Einzelkämpfer wie einst Fritz Bauer, ohne den es keinen Auschwitz-Prozess und damit auch keine Aufarbeitung gegeben hätte – wenngleich an dieser Stelle nicht verschwiegen werden darf, dass die Täter umgerechnet nur zu zehn Minuten Gefängnis je Totem verurteilt wurden. Und angesagt ist mehr denn je Zivilcourage. Zuhause, auf der Straße, in der U-Bahn, den Fanblocks der Fußballklubs, in Vereinen überhaupt sowie an Stammtischen. Was keiner geglaubt hätte: Deutschland hat nach dem letzten Krieg erstaunlich schnell Vertrauen und Respekt der Weltgemeinschaft zurückgewonnen. Das darf nicht wieder aufs Spiel gesetzt werden, schon gar nicht im Hinblick auf ein vereintes Europa, das der Bundespräsident auch im Kampf gegen den internationalen Populismus für «die rettende Idee» hält. 

renate lasker-harpprecht, die keine schulen mehr besucht, weil sie zunehmend angst hat, mit der Vergangenheit zu langweilen, an der seite von bürgermeister Jean-Pierre tuveri © Rolf Liffers

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So viel Sonne – so wenig Solarzellen Wie Diplomatin Duvigneau im Süden Spuren hinterlassen will Clarissa Duvigneau hat vergangenen Sommer den auf vier Jahre angesetzten Posten als Generalkonsulin der BRD in Marseille angetreten. Erstmals seit langem zog die gebürtige Hanauerin nur in Begleitung ihres Mannes in eine neue Stadt; die beiden Söhne sind zum Studium aus dem Haus. Die Konsulin ist voller Pläne, während ihrer Amtszeit konkrete Dinge zu bewegen. Einen Schwerpunkt will sie auf das Thema Umwelt und erneuerbare Energien setzen. Die RZ traf Clarissa Duvigneau in Nizza zu einem äußerst sympathischen Austausch. Besonders emotional wurde das Gespräch, als die Sprache auf Europa kam – einen Tag vor dem Brexit. minister für Europa gearbeitet habe. Die Sprache hatte ich tatsächlich 27 Jahre praktisch nicht mehr gesprochen. Ich war zwar gelegentlich in Frankreich im Urlaub, zweimal auch in Südfrankreich, in Bandol und kurz in Nizza, aber beruflich hatte ich mit Frankreich eher weniger zu tun.

Dann war Ihr Französisch bei Ihrer Ankunft in Marseille eingerostet?

generalkonsulin clarissa Duvigneau

Frau Duvigneau, was verbindet Sie – neben Ihrem Nachnamen – mit Frankreich? Der Name ist der Nachname meines Mannes. Seine Familie hat Frankreich 1685 verlassen, fühlt sich aber immer noch stark verbunden mit dem Land. Was meine eigene Verbindung zu Frankreich betrifft, so habe ich mir nach dem Abitur gesagt: Englisch kann ich ganz gut, Französisch nicht so. Und da ich wusste, dass ich in die Außenpolitik wollte, Internationales machen, bin ich damals ein halbes Jahr Au-Pair-Mädchen geworden in Sèvres. Das hat mich sehr bereichert, weil ich aus der deutschen Provinz kam. Zu meiner eigenen Überraschung habe ich mich dann ein paar Jahre später noch einmal ein Jahr an der Pariser Hochschule Sciences Po wiedergefunden, obwohl ich ursprünglich in England hatte studieren wollen. Sehr interessant! Und dann war ich als Attachée im Praktikum in der Normandie und am Quai d’Orsay. Das hört sich nach sehr viel an, aber danach hatte ich 27 Jahre nichts mehr mit Frankreich zu tun – außer, dass ich beim StaatsMäRZ / ApRIl 2020

Das war meine Sorge. Ich merke, dass es viel flüssiger wird. Es gibt immer noch Momente, in denen ich nach dem richtigen Wort suche, aber ich kann mittlerweile auch Reden halten, ohne sie abzulesen. Da bin ich erleichtert, auch wenn es immer noch ein Unterschied ist zum Englischen, der Hauptsprache meines Berufslebens. Aber das tägliche Miteinander klappt wunderbar. Auch für meinen Mann ist es ein ganz großer Vorteil, dass er sich hier verständigen kann im täglichen Leben – anders als es in einem Land mit einer exotischeren Sprache gewesen wäre.

Hatten Sie sich Marseille als Einsatzort gewünscht? Jetzt werden Sie lachen – nein! Ich hatte die Stadt tatsächlich nicht auf meiner Liste! Bei der Fortbildung für zukünftige Leiter, wo es unter anderem um Haushalt und Personal geht, hatte ich dagegen rechts und links von mir Herren sitzen, die Marseille als Erstwahl angegeben hatten. So ist das im Auswärtigen Amt. Und das Schöne ist, dass ich jetzt hier absolut glücklich bin. Wir sind wirklich sehr, sehr froh, hier zu sein!

Marseille war Ihnen vorher nicht vertraut? Nein, wir kannten Marseille nur von unserem einwöchigen Urlaub in Bandol vor Jahren: Damals haben wir unser Mietauto in Marseille auf der Rückseite des Bahnhofs abge-

geben, um von dort den TGV nach Paris zu nehmen für eine weitere Urlaubswoche. Und die Rückseite des Bahnhofs ist wahrlich nicht repräsentativ. Insofern waren wir vergangenen Juni, als wir vor meinem Dienstantritt auf Besichtigungsreise hier waren, sehr, sehr positiv überrascht! Allein diese Geografie von Marseille, diese Hügel, diese Aussichten, dieses einmal Um-die-Kurve-Fahren und wieder einen Felsen oder das Meer sehen, finde ich sehr spannend. Die Abende, die wir hier verbracht haben mit Spaziergängen am Pharo, dann was essen oder was trinken mit Blick auf diesen Hafen – das hat uns sehr gut gefallen. Da haben wir uns tatsächlich in Marseille verliebt!

Womit versuchen Sie in den kommenden noch knapp dreieinhalb Jahren hier Ihren Fußabdruck zu hinterlassen? Die Rolle des Generalkonsulats liegt vor allem darin, die Beziehungen vor Ort zu verbessern und zu intensivieren. Ein Generalkonsulat macht keine große Politik; das geschieht in Paris und in Berlin. Aber ich treffe hier ganz viele Leute, die deutsch-französisch engagiert sind, was ich sehr beeindruckend finde. Und ich glaube, da können wir noch mehr unterstützen und Präsenz zeigen. Das heißt: Wenn mich der stellvertretende Bürgermeister in Marseille einlädt, um Musikstudenten aus Hamburg, die mit Musikstudenten aus Aix gemeinsam etwas machen, zu treffen, dann gehe ich da auch hin und rede mit denen und unterstütze das. Ganz generell versuche ich, Wertschätzung zu zeigen für alle, die etwas tun wollen im deutsch-französischen Bereich, und das nach Möglichkeit auch zu unterstützen, wenn auch in der Regel nicht finanziell. Ich treffe so viele Leute, die was auf die Beine stellen wollen … Aber manchmal können wir tatsächlich behilflich sein. Und dann kann man kleine persönliche Noten beimischen. Das Konzert (im Februar in Marseille mit der in Hamburg lebenden Pianistin Elisaveta Blumina, Anm.d.Red.) zum Beispiel war so eine Sache, wo wir die Möglichkeit hatten, uns einzubringen. Hintergrund war, dass Deutschland die Präsidentschaft der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) bekommt, und da konnten wir ein bisschen Geld bekommen für eine Veranstaltung. Man hatte eher an Seminare oder Kolloquien gedacht, aber ich befürchtete, dann treffen sich wieder die, die sowieso alles wissen, um wichtige Dinge zu besprechen – aber ohne Publikum. Wir haben stattdessen eine hervorragende Pianistin eingeladen, die jüdische Komponisten wieder bekannt gemacht hat. Sie brachte ein Kammerensemble mit und ich suchte Partner vor Ort, und daraus haben wir versucht, etwas Großes zu machen. Es war auch ein großer Aufwand. Aber da habe ich dann eben nicht 30 Leute, die es sowieso wissen, sondern 900 Leute, denen ich sagen kann: Habt einen


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wunderschönen Abend, bitte, aber morgen guckt ihr mal auf die Webseite und beschäftigt euch einen Moment lang mit diesem wichtigen Thema. Und ich hoffe, dass es noch mehr Gelegenheiten gibt, eine Idee zu haben und die dann durchzuführen!

Was sind die wichtigsten Aufgaben des Generalkonsulats? Die wichtigste Aufgabe des Generalkonsulats ist, sich um die Deutschen vor Ort zu kümmern – «Fürsorge für Deutsche im Ausland», sollten sie in Not geraten oder anderweitig Hilfe brauchen. Und zum anderen sind wir das Standesamt, das Notariat usw. Wenn ein Reisepass beantragt werden muss, gehen die Leute nach Marseille oder zum Honorarkonsul, der solche Anträge an uns weiterleitet. Wir schätzen, im gesamten Zuständigkeitsbereich unseres Konsulats, also von Perpignan bis zu den Alpen und nach Korsika, leben um die 50 000 Deutsche. Dazu kommen in der Ferienzeit natürlich noch erheblich mehr, die gelegentlich auch unsere Hilfe brauchen. Gerade war ich übrigens in Bastia auf Korsika, um mich einerseits dem Präfekten dort vorzustellen, andererseits aber auch einen Honorarkonsul zu finden – was gar nicht so leicht ist.

Welchen Gestaltungsspielraum haben Sie in Ihrem Job? Der ist relativ groß. Es ist ja so: Wenn Sie, wie ich früher, in Washington Politik oder in Brüssel Nato machen, dann sind Sie sehr stark eingebunden in ein tägliches Politikgeschäft, wo jeden Tag neu entschieden werden muss: Wie gestalten wir etwas? Das ist unglaublich spannend, aber Sie müssen pausenlos alles mit Berlin rückkoppeln. Das heißt, wenn ich in Brüssel an einem Nato-Vorschlag arbeite, muss ich schauen, dass der auch zuhause in der Bundesregierung Rückhalt findet. Und wir müssen es vor Ort mit den Amerikanern, den Türken, den Franzosen usw. durchkriegen. Während ich hier in den Bereichen Kultur, Wirtschaft, Beziehungen freier bin in dem, was ich gestalten kann. Eingeschränkt bin ich dadurch, dass wir sehr wenige finanzielle Mittel haben. Aber wenn ich mir beispielsweise sage: Ich möchte den Schwerpunkt auf Theater legen und versuchen, mehr Theater-Kompanien hier herunter zu bekommen, dann kann ich das zumindest versuchen. Wichtig sind mir zum Beispiel erneuerbare Energien. Wir haben in Marseille im Juni den alle vier Jahre veranstalteten World Conservation Congress IUCN zu Gast, zu dem 12 000 Menschen erwartet werden. Und da kommen voraussichtlich die deutsche Umweltministerin und Vertreter von Gruppen wie WWF, BUND usw. Auf die Themen Naturschutz, Umwelt, erneuerbare Energien möchte ich gerne einen Schwerpunkt setzen: Dass wir unsere Politik

der Energiewende verständlich machen und versuchen, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen, etwa in Zusammenarbeit mit dem Club d’Affaires Franco-Allemand de Provence, Cafap. Ich wundere mich zum Beispiel, dass es hier, wo die Sonne scheint, keine Solarzellen auf den Dächern gibt … Das sind Dinge, für die man stark werben und Kontakte knüpfen kann. Wobei es auch in Frankreich beeindruckende Sachen gibt: Ich war mit dem Botschafter neulich in Piolenc in der Nähe von Avignon. Dort gibt es einen Baggersee, der mit Solarzellen bedeckt ist. Ein engagierter Bürgermeister hat das zusammen mit einer französischen Firma auf die Beine gestellt, die mich sehr beeindruckt hat. Ich glaube, dass in allen diesen Bereichen der Austausch zentral ist. Wir haben denen dann wieder Kontakte nach Deutschland vermittelt, und ich würde mich freuen, wenn es dort zu ähnlichen Projekten käme.

Welche Themen liegen Ihnen neben der Umwelt am Herzen? Ganz wichtig ist Europa. Wir übernehmen in der zweiten Jahreshälfte die Präsidentschaft der Europäischen Union – in einer Zeit, wo von allen Seiten auf Europa eingeschlagen wird, in einer Situation, in der wir mit Großbritannien ein Land verlieren, was ich sehr, sehr bedauere. Es gibt auch in Deutschland und Frankreich starke politische Bewegungen, die Europa kritisieren und sagen: Ein Nationalstaat schafft das besser. Daran glaube ich überhaupt nicht! Ich werde, einerseits weil wir die Präsidentschaft haben, aber andererseits, weil es mir ein persönliches Anliegen ist, sehr viel Werbung für Europa machen. Ich möchte in die Schulen und Unis gehen und mich dort mit den Leuten auseinandersetzen. Ich möchte nicht nur Reden halten, sondern dann auch den Austausch haben. Das habe ich hier in Nizza neulich im Kulturzentrum schon erlebt: Da wurden ein, zwei Fragen gestellt, über die ich sehr scharf nachdenken musste. Und das ist das Interessante: ins Gespräch zu kommen und so über das eigene Land nachzudenken und auf der Grundlage unserer Werte gemeinsam Lösungen zu finden. Das ist für Deutschland und Frankreich ganz zentral. Und dieser alte Spruch «ohne Deutschland und Frankreich geht es nicht» stimmt wahrscheinlich tatsächlich. Wenn wir’s nicht machen, wer soll’s denn dann tun? Aber wir müssen die Bevölkerung mitnehmen – und für die ist Europa ganz weit weg. Dabei leben und konsumieren wir ja im Alltag all das, was Europa gebracht hat. Es gibt unendlich viele Vorteile von Europa, angefangen vom Frieden über die Mobilität bis zu den abgeschafften Roaminggebühren – aber all diese Errungenschaften werden als selbstverständlich hingenommen. Und dann wird gemeckert, sobald es eine unpopuläre Entscheidung gibt. Natürlich ist Politik immer ein Kompromiss, Politik ist mühsam. Und jeder,

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der sagt, es sei anders, der lügt. Es wird immer so sein, dass in Berlin oder in Paris oder in Brüssel Entscheidungen getroffen werden, mit denen nicht alle einverstanden sind. Die Europäische Union ist nicht nur ein fantastisches, sondern auch ein anspruchsvolles Projekt: Wir haben da 27 Regierungen, die mit all den unterschiedlichen Interessen versuchen, gemeinsam voran zu gehen. Aber insgesamt profitieren wir unendlich, und wir sind immer noch die Region in der Welt, in der es den Menschen am besten geht. Ende Mai haben wir in Berlin die sogenannte Botschafter-Konferenz, um ganz konkret über Europa zu sprechen. Dort möchte ich klarmachen, dass es nicht nur wichtig ist, zwischen den Hauptstädten die Politik zu vereinbaren, sondern sich die Frage zu stellen: Wie nehme ich die Bürger mit? Wie verkaufen wir Europa besser? Und da können wir auch als Generalkonsulat einen Beitrag leisten.

Was mögen Sie in Ihrem beruf am liebsten? Menschen treffen. Die Möglichkeit, alle paar Jahre in einem anderen Land zu sein. Die große Flexibilität. Und ich finde es sehr spannend, immer wieder etwas ganz anderes zu machen. Ich habe so ein paar rote Fäden wie die Sicherheitspolitik in meinem Berufsleben, aber mir gefiel immer sehr, irgendwo neu anzukommen, mich umzuschauen und zu überlegen: Was sind die Herausforderungen hier, was kann ich beitragen? Und dann anfangen, es zu tun.  Das Gespräch führte Aila Stöckmann

Clarissa Duvigneau 1990 - 1992 attachéausbildung im auswärtigen amt, Bonn 1992 - 1993 auswärtiges amt, Bonn 1993 – 1995 Deutsche Botschaft Warschau, Kulturreferat 1995 – 1998 auswärtiges amt, Bonn, NaTO-referat 1999 – 2003 Deutsche Botschaft Washington, Pol. abtlg. 2003 – 2006 auswärtiges amt, Berlin 2006 – 2010 Deutsche Botschaft Dublin, Ständige vertreterin 2010 – 2014 Bundespresseamt, Berlin 2014 - 2016 auswärtiges amt, Berlin 2016 - 2019 Nato, Brüssel Seit August 2019 Generalkonsulin von Deutschland in Marseille

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Eine Schicksalssonate für Klavier Von alfreD thum

am 9. Mai ist es wieder so weit: Die Gemeinde der JosefBulva-Fans trifft sich im feinen Salle Garnier in Monte-Carlo zu einem pianistischen Leckerbissen der besonderen art. Der Maestro gibt einen Solo-Klavierabend mit Sonaten von Beethoven, Liszt und Martinu. ein Muss für Melomanen, die das glasklare und temperamentvolle, manchmal zurückhaltende und dann wieder ohrenbetäubend hämmernde Spiel dieses einzigartigen virtuosen lieben. veranstaltet wird dieser Benefizabend vom Club Allemand International de Monaco, Cai.

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ie Summe der Lebenserfahrung dieses Künstlers bündelt sich mit der lebenslangen professionellen Vertiefung und Analyse der aufzuführenden Werke. Zwei ebenbürtig starke Elemente treffen aufeinander: der Komponist mit seinem Werk und der Virtuose mit dessen Interpretation. Im besten Falle vereinigen sie sich in einer genialen Aufführung zu einem künstlerischen Produkt unergründlicher Einmaligkeit. Wer das Leben Josef Bulvas verfolgt, kann sich nicht des Eindrucks erwehren, als hätte eine übermächtig starke Kraft namens Schicksal wie ein Dampfhammer immer wieder brutal eingegriffen, um es aber dann in eine funkelnde Bahn unvergleichlicher Schönheit zu lenken; als hätte das Schicksal mit besonders hohem Einsatz gespielt, sodass sowohl Gewinne als auch Verluste überdimensioniert ausgefallen sind. Die Kindheit Bulvas in der damaligen Tschechoslowakei war keine normale Kindheit. Seine Begabung fürs Klavierspiel entdeckte man, als er neun Jahre alt war, intensiver Unterricht und exzessives Üben brachten ihn mit 13 aufs Podium der Konzertsäle. Mit 21 hatte er die hohe und privilegierte Position eines «Staatssolisten» erreicht. Der erste Schicksalsschlag traf ihn 1971 mit 28 Jahren, als er in den Salzburger Bergen 18Meter in die Tiefe stürzte und zahllose Knochenbrüche erlitt. Glück im Unglück: Er wurde ins Innsbrucker Unfallkrankenhaus gebracht, dessen Spezialisten ihn exzellent verarzteten. Insgesamt verbrachte er fast ein Jahr im Krankenhaus, ein fürchterlicher Rückschlag MäRZ / ApRIl 2020

für jemanden, der einen kometenhaften Aufstieg hinter sich hatte. Die Zwangspause war aber in anderer Hinsicht eine notwendige und produktive, um eine innere Entwicklung reifen zu lassen, die schließlich zum Bruch mit dem System und zur Emigration führte. Nach seiner vollständigen Genesung nutzte Bulva eine Auslandstournee, um sich in den Westen abzusetzen. Für ihn war klar, dass eine Diktatur Denk- und Entwicklungshemmung für ihre Bürger in sich birgt, die die Entfaltung der Persönlichkeit unmöglich macht. Er erhielt Asyl in Luxemburg und wurde Staatsbürger dieses Landes, ein Status, den er bis heute mit Stolz innehat. Seinen Wohnsitz verlegte er nach München und startete dort eine erfolgreiche Solistenkarriere. Jahre später ermöglichte ihm die Wende in der Tschechoslowakei, wieder in sein Geburtsland zu reisen. Und ebendort ereignete sich der zweite Schicksalsschlag, als er im März 1996 seine Halbschwester in einer tschechischen Provinzstadt besuchte, auf dem kurzen Weg vom Haus zum Auto ausglitt und mit der linken Hand auf eine unter dem Schnee versteckte Glasscherbe fiel und sich fürchterlich verletzte. Die Hand schien als Pianistenhand unrettbar verloren zu sein, der kleine Finger stand im 45-Grad-Winkel ab! Der Sturz in die Depression war unvermeidlich, doch ein zweites, durchaus praktisches Problem hat den Fall ins schwarze Loch gebremst: Er musste seinen Lebensunterhalt verdienen, und zwar nicht nur für sich, sondern auch für seine Mutter. Er begann sich als

Finanzinvestor zu betätigen und zog zu diesem Zweck nach Monaco. Er war erfolgreich in dieser neuen Rolle, die er in völliger Unabhängigkeit von Banken mit eigenem Kapital bestritt. Im Laufe der langen Jahre der Neudefinition seiner Existenz ist ihm paradoxerweise klar geworden, dass er im Grunde seines Herzens, im Tiefsten seiner Persönlichkeit ein Pianist ist, dass er, so mystifizierend das klingt, zum Pianisten geboren ist. So kam es, dass er, aus dieser Überzeugung und inneren Unruhe heraus, einen Spezialisten suchte und fand, der seine Hand operierte. Die Operation glückte, den Rest, die vollständige Wiederherstellung der Bewegungsfähigkeit der Hand und der Finger, vollbrachte der eiserne Wille Bulvas durch Fingergymnastik und Training. Nach 13 Jahren Unterbrechung gelang ihm das Comeback. Ein Höhepunkt des Glücks am Rande dieser Erfolgsstory: Ein Anruf bei Steinway & Sons führte dazu, dass er innerhalb kürzester Zeit einen neuen, auf seine Bedürfnisse abgestimmten Flügel bei sich hatte! Wenn Josef Bulva für «Texttreue», Klarheit und Perfektion seiner Interpretationen bekannt ist, heißt das nicht, dass für ihn die emotionale Seite der Musik, die Teilnahme, die Ergriffenheit und die Freude des Publikums keine Rolle spielen würde. Er betont es immer wieder in den theoretischen Aussagen über die Kunst der Interpretation, dass der Musikabend zum Erlebnisabend werden muss. Dafür hat in erster Linie der Komponist mit seinem Werk die Grundlage geschaffen, aber nach Ansicht Bulvas trägt der Interpret eine ganze Menge zur Gesamtperformance bei. Diese Aufgabe bürdet ihm eine besondere Verantwortung auf. Bulva versucht ihr gerecht zu werden, indem er den Musik«text» intensiv studiert und die Komponistenintention herausfindet. Während dieser Arbeit entsteht die Interpretationsidee, die er am Konzertabend seinem Publikum präsentiert. So gut vorbereitet dies alles ist, es ist keineswegs garantiert, dass das Publikum bereitwillig alle Interpretationsideen schluckt. Der Virtuose muss damit rechnen, dass die Konzertbesucher mit Skepsis oder sogar mit Ablehnung reagieren, wenn der Interpretationsansatz allzu stark von Hörgewohnheiten und Konventionen abweicht. So ist es durchaus vorgekommen, dass seine Interpretationen als zu analytisch und kühl erlebt wurden.


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Bulva ließ und lässt sich nicht davon beirren, er ist davon überzeugt, dass beispielsweise die romantische Musiktradition durch gefühlstriefende, verwaschene Interpretationen malträtiert worden ist. Die Pedalführung beim Piano ist ein interpretatorisches Gestaltungsmittel par excellence. Flügel und Klavier bieten heutzutage zumeist drei Pedale an: Das linke ist das sogenannte Una-corda- oder Piano-Pedal, das das Spiel generell leiser und gedämpfter macht. Das rechte, das Forte-Pedal, nimmt die Dämpfer von allen Saiten (nicht nur von den angeschlagenen) weg, so dass sie alle mitklingen, wenn auch nur eine gespielt wird. Das mittlere Pedal findet sich in allen Steinway-Flügeln und in all denen, die diese Technik übernommen haben. Es ist das Sostenuto-Pedal, das eine besondere Feinabstufung des Klangs der musikalischen Phrase ermöglicht: Die angeschlagenen Töne werden mithilfe dieses Pedals prolongiert; alle anderen parallel gespielten Töne oder Akkorde klingen pedalfrei klar ohne Legato-Effekt, was zu interessanten Kontrasten innerhalb der musikalischen Episode führt. Bulva kostet diese virtuose Möglichkeit nach allen Regeln der Kunst aus, und schon allein diesem Umstand verdankt er seine Sonderstellung unter den Interpreten. Er ist sozusagen sein Markenzeichen geworden. Steinway & Sons ehrt ihn mit der Bezeichnung «Pianist unter den Pianisten». Die großen Kehrtwendungen im Leben des Josef Bulva waren in Wirklichkeit nur äußerliche Phänomene. Im Inneren war und ist er überzeugt von seiner Rolle und Aufgabe des Musikinterpreten. Die langen Jahre der Separation (vom Piano!) waren nicht wirklich Jahre des Vergessens: Der Kopf war permanent voll von Musik und von Interpretationsansätzen, die Spielideen blieben in der Fantasie lebendig, nur die praktische Ausführung war tot. Dies führte ihn an die Grenze des Aushaltbaren – und so reifte der Entschluss, es noch einmal zu versuchen. Die Kunst des Interpretierens hat in diesen Abstinenzjahren an Bedeutung, an Mysterium, an Unauslotbarem und Unerklärlichem gewonnen. Um diese wunderbare, rätselhafte Dimension der Kunst zu beschreiben, liefert ihm sein Hobby der Astrophysik auf Grund erstaunlicher Parallelen zwischen diesen beiden Welten einen reichen Schatz an Metaphern. 

Konzert am 9. mai veranstalter des Benefizkonzerts zugunsten der Musikakademie rainier iii (die der Stadt Monaco untersteht) ist der Club Allemand International de Monaco, Cai. Das Konzert findet am 9. Mai um 19.30 Uhr im Salle Garnier in der Opéra de Monte-Carlo statt und umfasst folgendes Programm:  Bohuslav Martinu: Klaviersonate (H350) Ludwig van Beethoven: Klaviersonate Nr. 21 opus 53 «Waldsteinsonate»  Franz Liszt: Klaviersonate in h-moll (s 178) Kartenreservierung: Tel. +377 93 50 27 23, E-Mail: cai@cai-asso.com

Josef Bulva im rz-gespräCh Zum interview empfängt der Pianist in der café-lounge eines monegassischen hotels. sie gibt den adäquaten rahmen ab für einen mann, dessen auftreten Klasse hat, der elegante manieren mit bildung und Weltoffenheit in einen harmonischen Dreiklang bringt. Wie ist der Ablauf des Konzertabends am 9.Mai? er beginnt mit Martinu, darauf folgt Beethoven. Die Sonate von Liszt hat ihren traditionellen einzelplatz nach der Pause. Martinus Klavierstück ist ein Spätwerk aus den 1950er-Jahren. Repräsentiert es den modernen Teil des Abends? Wenn wir moderne Musik definieren als abkehr vom tonalen System, dann gehört Martinus Sonate nicht dazu. Das tonale System ermöglicht die entwicklung in einer musikalischen Phrase von Spannung zu entspannung, was in der Zwölftonmusik nicht möglich ist. Das geht auf Kosten der Dramatik, die Musik bleibt flach. Martinu hat seine Sonate für einen Pianisten geschrieben, der ein überzeugter Klassikerinterpret war. Hat sich in Ihrem Leben als Virtuose eine Verbindung zu Komponisten als fruchtbar erwiesen? alles, was ich über die Basis des Musikmachens gelernt habe, habe ich bei Komponisten gelernt. es kam ziemlich häufig vor, dass mir Klavierpartituren gewidmet wurden, doch die Stücke konnten mich nicht immer überzeugen.

Interessieren Sie sich für die Interpretationen anderer Virtuosen, vergleichen Sie sie untereinander und mit Ihren eigenen Interpretationen? Natürlich interessiere ich mich für die ideen, die in den verschiedenen Werkauffassungen zutage treten. Das kann sehr aufregend sein. Manche interpretationen allerdings, insbesondere von jungen virtuosen, scheinen sich in einem Wettbewerb der Schnelligkeit auszutoben, wobei sie riskieren, musikalische Strukturen mit rasenden Trillern, Läufen und mit purer Lautstärke unhörbar zu machen. Haben Sie Vorlieben für bestimmte Komponisten und Musikrichtungen und schließen Sie umgekehrt andere kompositorische Traditionen aus? ein interpret sollte sich eingestehen, dass seine Sensibilität, Technik und Neigung ihn für eine bestimmte Musik empfänglich und geeignet machen, für andere dagegen nicht. Mir zum Beispiel fehlt die ader für die impressionistische Musik eines ravel oder Debussy. Meine analytische Natur und Herangehensweise sind für diese malerisch flirrende Musik, die in Farben schwelgt, nicht geeignet. Ein Virtuose muss fit sein. Ein Klaviersolo-Abend ist eine enorme Herausforderung an Körper und Geist. Wie schaffen Sie das? in meinem Kopf trage ich die erinnerung an die Unglücksfälle – aufsummiert waren es 68 Knochenbrüche – mit mir herum. Sie ist präsent, sie macht sich immer wieder per Schmerz bemerkbar. Die seit meiner Kindheit eingeübte Disziplin hilft, solche kritischen Phasen durchzustehen.

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Passt die Etikette «Wunderkind» auf Ihre frühe Entwicklung hin zum Pianisten? Zwei elemente passen sicherlich nicht in dieses Schema: es war mein eigener entschluss, die Klavierausbildung so intensiv zu betreiben. Die entscheidung dafür fiel spät, nämlich erst im alter von neun Jahren. es waren auch nicht die eltern, die mich in diese richtung drängten, mein vater hatte den Wunsch, dass ich mich in richtung Naturwissenschaften und Technik orientiere. Würden Sie im Nachhinein sagen, dass man Sie um Ihre Kindheit betrogen hat? Nein, es waren schließlich meine entscheidung und mein Wille, in dieser intensiven Weise ins Klavierstudium einzusteigen. Später hat sich der Mechanismus «Drill für erfolg» verselbstständigt, der Staat übernahm die rolle des Fordernden und Gebenden, er versprach Glanz und Privilegien und forderte anpassung. Die Star-rolle betrog mich um die Pubertät, verhinderte, dass ich diese schwierige Phase zwischen Kindheit und erwachsenendasein «normal», mit allen Unsicherheiten, Freuden und emotionalen abstürzen leben konnte. Dagegen wurde mir das verführerische und korrumpierende Gift der eigenen Machtposition immer deutlicher. Die enorme Disziplin und Konzentration, die Ihren Aufstieg zum StarPianisten kennzeichneten, begleiteten Sie ein Virtuosenleben lang? Zweifellos, sie halfen in düsteren Phasen ebenso wie in Phasen des Sonnenscheins. Das Gespräch führte Alfred Thum

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Château Maïme

Vermächtnis der Provence

weinKeller Des Château maïme rN 7, 83460 Les arcs-sur-argens vins@chateau-maime.com Tel. + 33 (0)4 94 47 41 66 Geöffnet von Montag bis Samstag, 10-12 und 14-17 Uhr chateau-maime.com

hoChzeiten & firmen-events Chemin de Maïme 83460 Les arcs-sur-argens Unternehmen: corporate@chateau-maime-events.com Privatpersonen: mariages@chateau-maime.com Tel. +33 (0)4 94 73 02 77 / +33 (0)6 44 16 75 23

um den Wein. Die herrliche Domaine mit ihren idyllisch in die Landschaft geschmiegten Weinstöcken hatte es der Familie angetan – und sollte fortan das Leben aller auf den Kopf stellen: Mit vereinten Kräften stürzte man sich in das Abenteuer Weinbau. 1998, noch in der Anfangsphase von Jean Louis Sibrans Umschulung zum Weinbauern im Alter von damals 26 Jahren, reifte der erste Jahrgang – ein Erfolg. Heute beherrscht jeder der Familie seine Rolle in diesem verrückten, aber immer noch kurzen Epos, und die aktuelle Auswahl an vorzüglichen Weinen erzählt die Geschichte dieses permanenten Engagements für Qualität. Zwei Produktlinien führt das Château Maïme: HERITAGE und ORIGINE, angeboten jeweils in allen drei Farben, mit denen das Château seinen Platz in den besten Restaurants findet ebenso wie bei seinen Kunden an der heimischen Tafel.  Foto oben Das château maïme im hinterland des Var © D.R.

Foto rechts rosé, aber auch rot- und Weißwein hat die Domaine im Programm © D.R.

24 Jahre – das ist eine kurze Zeit im Leben eines Weinguts. 24 intensive Jahre allerdings, in der eine Familie sich mit ganzer Kraft in ein leidenschaftliches abenteuer gestürzt hat. m Jahr 1996 erwarb die Familie Sibran Garcia das schöne, fünfzig Hektar große Anwesen in Les Arcs-sur-Argens (Var) mit einem Haus, in dem die Städter später den wohlverdienten Ruhestand genießen wollten. Der Ort ist wunderschön, nur einen Steinwurf von der berühmten N7 entfernt, auf den Resten der Römerstraße, an der sich einst die ersten Weinbauern niedergelassen hatten. Das Anwesen trägt den Namen eines Heiligen: Das provenzalische «Maïme» bezieht sich auf Sainte-Maxime, dessen kleine Kapelle im Herzen des umgebenden Waldes erhalten geblieben ist. Damals ging es der Familie zunächst überhaupt nicht

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gibt den takt vor: orchester-chef benjamin levy, rechts auf der Kiste sitzend © Yannick Perrin

Der Erneuerer Orchester-Chef Benjamin Levy fordert in Cannes sein Publikum und seine Musiker heraus Von nicole rusKell ange Zeit hielten sich Frankreichs Regionalorchester streng an die Pflicht, die großen Komponisten zu spielen und einer vergangenen Epoche zu huldigen. Aber die Zeiten ändern sich. Viele Orchester spielen heute vor einem alten Publikum, weil sie nicht in der Lage sind, die jüngeren Generationen zu erreichen. Glücklicherweise gibt es eine Handvoll kreativer Avantgarde-Dirigenten in der Welt – und das Orchestre de Cannes, Regionalorchester der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur, hat einen solchen gefunden. Benjamin Levy, der die Aufgabe des Orchesterchefs vor gut drei Jahren übernommen hat, könnte von Traditionalisten als Krawallmacher betrachtet werden. Natürlich widmet auch er sich den traditionellen Konzerten großer Komponisten, aber er betont im Gespräch mit der RivieraZeit, dass man vergisst, dass Bach, Mozart und Beethoven zu ihrer Zeit zeitgenössische Musiker waren und ihr Publikum damals an Grenzen brachten mit ihren Kompositionen. «Es ist wichtig zu verstehen, dass Bach vor Mozart und Mozart vor Beethoven kam. Sie schufen jeweils neue Musik», erklärt er. Um ein Beispiel aus dem 18. Jahrhundert zu geben: Treue Vivaldi-Fans müssen von Beethovens intensiven Sinfonien und seinem Gebrauch von Gesang ebenso schockiert gewesen sein wie Fans von Frank Sinatra, deren Kinder Elvis in ihren Zimmern rocken ließen! Sowohl Beethoven als auch Elvis verän-

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derten Musik für immer. Benjamin Levy ist überzeugt, dass es heute genauso wichtig ist, die Musik zu verändern und neue, innovative Kooperationen auszuprobieren. Musik wird oft als universelle Sprache bezeichnet, aber der Orchesterchef in Cannes stimmt dem nicht zu: «Musik ist wie eine Familie. Nicht alle sind auf derselben Wellenlänge.» Aus diesem Grund sucht er für das Orchester Solisten aus, die zu dessen Wellenlänge passen. Es können weltberühmte klassische Solisten sein – oder sie sind Verfechter zeitgenössischer Stücke, haben noch nie mit einem Orchester gespielt, «aber kennen den Kontext eines Werkes». Seit Levy in Cannes die Zügel übernommen hat, kann das Publikum musikalische Zusammenarbeit erleben, die es noch nie zuvor gegeben hat. Die letzte Saison etwa wurde mit «Plaza Francia» eröffnet, einer Zusammenarbeit zwischen dem Orchester und der ElektroTango-Band Gotan Project, die zwei völlig unterschiedliche Genres zu einem großen Erfolg vereinte. Die RivieraZeit verloste Eintrittskarten für das Konzert «Eh bien, dansez maintenant», bei dem der Akkordeonist Félicien Brut eine Reihe fröhlicher Lieder aus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen spielte, als die Pariser Akkordeonkultur blühte. Zu den weiteren innovativen «Paarungen» gehörte «Summertime», ein Konzert, bei dem Vivaldi und Händel mit Gershwin und Porter zusammenkamen. Diese kreativen Neuerungen haben nicht nur das Publikum begeistert, sondern auch die

Mitglieder des Orchesters. Es könne leicht langweilig werden, wenn man Jahr für Jahr dieselben Werke spielt, so Benjamin Levy. Begeistert erzählt er davon, dass seine Musiker toll auf die Vielfalt der Solisten und ihren Hintergrund reagiert haben, was sie aufmerksam und interessiert halte. Benjamin Levys Leidenschaft für Musik ist ansteckend, wenn er voller Begeisterung von seiner Arbeit spricht. Sie ist auch während der Aufführungen ansteckend, wenn er sich vor Beginn dem Publikum zuwendet und Stücke erklärt, sie in einen historischen Kontext setzt und immer wieder auch witzige Anekdoten parat hat. Laut Levy wird so die Barriere zwischen dem Publikum und den Musikern überwunden; er hole die Gäste ab und lade sie ein, «Teil der Familie» zu werden. Er scherzt über das klassische Bild des Dirigenten, der «in einem Pinguin-Anzug» herauskommt und sich wie ein stummer Boss verhält. «Wenn man den Menschen Hintergründe erklärt und ihr Ohr führt, werden sie eine größere Wertschätzung für das haben, was sie hören werden.» Der Orchesterchef in Cannes will altmodische Barrieren durchbrechen. Die Zukunft eines klassischen Orchesters könne nur gesichert werden, so Levy, indem man alle einbeziehe. «Ein Orchester sollte genau wie eine Stadt Nähe zu den Menschen haben», sagt er. Hat er Erfolg mit seinem Konzept? «Die Leute halten mich jetzt auf der Straße an, um zu sagen, wie sehr ihnen ein Konzert gefallen hat.» 

programm Der saison: www.orchestre-cannes.com

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vor 100 Jahren starB der impressionist

Renoir & Cagnes, eine Liebesgeschichte Von rolf liffers

Der weltberühmte impressionist auguste renoir hat die letzten zwölf Jahre seines Lebens in Cagnes-sur-Mer verbracht. Dort blühte der schwer kranke Künstler nach einer deprimierenden Schaffenskrise noch einmal auf.

frauen – hier «les grandes baigneuses» (1903-1905) – waren renoirs ein und alles. eine besondere Vorliebe hatte der volkstümliche maler für rotblonde, etwas üppige, frisch-fröhliche modelle. Dépôt du musée d’orsay, mnr © Service communication / Ville de Cagnes-sur-Mer

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ie sein Sohn Jean notierte, «schenkte sich» sein betagter Vater Auguste Renoir dem idyllischen Örtchen am Meer «wie einem Mädchen, von dem man ein Leben lang träumte». Und dieses Zitat war auch insofern wörtlich zu nehmen, als der alte Mann sein spätes Glück ganz wesentlich einem 17-jährigen Mädchen verdankte, das ihm sein Malerfreund Henri Matisse ans Herz gelegt hatte. Matisse kannte Renoirs Vorliebe für Frauen, insbesondere für einen bestimmten Frauentyp, den die rotblonde und etwas üppige Andrée («Dédée») in geradezu idealer Weise verkörperte. So wurde das unbekümmert-frische Aktmodell zur letzten Muse des volkstümlichen Malers, der vor 100 Jahren im Alter von 78 Jahren starb.  Der Schneiderssohn, eigentlich Pierre-Auguste MäRZ / ApRIl 2020

Renoir, aber oft nur Auguste Renoir genannt, der mit 13 eine Porzellan-, Fächer- und Vorhangmaler-Ausbildung absolvierte und später zu einem der international erfolgreichsten französischen Impressionisten aufstieg, litt spätestens seit 1905 an einer heftigen fortschreitenden Arthritis. Zur Arbeit mussten ihm schließlich mit Bandagen die Pinsel an seine verkrüppelten Finger gebunden werden. Das milde Mittelmeerklima, Sonne, Licht und Landschaft, speziell aber sein schwärmerisches Entzücken über «Dédée» Heuschling, linderten jedoch seinen Schmerz und beflügelten seine Kreativität dermaßen, dass er in seinem von altehrwürdigen Oliven umgebenen Natursteinhaus «Les Collettes» noch über 700 Gemälde vollenden konnte. Heute beherbergen die alten Gemäuer ein kleines, fast intimes Museum.

Seit einem fälschlicherweise für eine Gichtattacke gehaltenen Anfall im Jahre 1905 war der damals noch in Paris wohnende Künstler bereits an Krücken gegangen. Erst während eines Aufenthalts 1910 im bayrischen Weßling kam er wieder halbwegs auf die Beine. Dort hatte er sich den Sommer über direkt am gleichnamigen See ein Häuschen gemietet. Bald konnte er wieder an Stöcken gehen und sogar an Kahnfahrten teilnehmen. Mit von der Partie war auch die noch unverheiratete Renée Rivière, Tochter des Malers und Kunstkritikers Georges Rivière. Nur der ebenfalls eingeladene Paul Cézanne, Sohn des Malers aus Aix-en-Provence, konnte nicht kommen, weil ihn «Herzensverwicklungen» in Paris festhielten, die er unbedingt regeln wollte, bevor er sich Renée erklärte. ärzte und Familie glaubten, dass Renoir auf Dauer nur ein Leben im Süden Erleichterung verschaffen würde. Die Entscheidung für Cagnes-sur-Mer fiel aber durchaus nicht sofort. Erst versuchte man, in der Umgebung von Grasse Fuß zu fassen. Dann zog die Familie ins benachbarte Magagnosc, wo sie mitten im Dorf wohnte. Von dort ging es nach Le Cannet und Nizza und dann erst nach Cagnes. Cagnes-sur-Mer war damals ein verträumtes, aber relativ wohlhabendes Bauerndorf, das seine Orangenblüten an die Parfümerien von Grasse verkaufte. Steuern gab es nicht. Das Leben war billig. Es gab viele Olivenhaine. An den Hängen wuchs ein vorzüglicher Landwein. Die neapolitanischen Fischer von Cros-deCagnes, deren Frauen nun für den Maler oft Modell standen, brachten von ihren Fischzügen kleine Sardinen heim, die Renoir als «die besten der Welt» schätzte. Was Renoir außerdem gefiel, war die Weite des Raumes, «dass man nicht mit der Nase am Berg klebt», wie er sagte. Nichts auf der Welt fand er schöner als das Tal des Flüsschens Cagne, «wenn man durch die Rosenbüsche hindurch den Baou de Saint-Jeannet erkennt». Anfangs schaut der an den Rollstuhl gefesselte Maler noch finster drein. Neben seinem fortschreitenden Gelenkleiden machen ihm, der 1870 selbst als Freiwilliger am deutschfranzösischen Krieg teilgenommen hatte, die Schrecken des Ersten Weltkriegs (1914/18) und der Tod seiner Frau Aline (1915) zu schaffen. In dieser düsteren Lebenssituation taucht dann aber plötzlich die fröhliche Dédée auf. Ob sie sich denn dabei bewegen dürfe, fragt sie vor der ersten Sitzung. Und der Meister entgegnet der unbekleideten Schönheit: «Ja sicher, sonst könnte ich ja äpfel malen.» Renoirs Frauenbild ist durch und durch traditionell und patriarchalisch geprägt. In Frauen sieht er die Verkörperung von Natur und Natürlichkeit. «Ich mag sie am liebsten, wenn sie nicht lesen können und ihrem Nachwuchs eigenhändig den Hintern abwischen», schwärmte er. Die kleine Dédée war auch äußerlich genau sein Typ – kleine Nase, volle Lippen, helle Haut, rotes Haar. Sie verkörperte für ihn den robusten Reiz eines zur Fülle neigenden Mädels vom Lande.


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Das alte natursteinhaus «les collettes» – heute museum – mit seinem altehrwürdigen olivenhain war liebe auf den ersten blick. schon beim malen in der umgebung war es dem Künstler immer wieder ins auge gefallen, lange, bevor es auf verschlungenen Wegen und mehr zufällig in seinen besitz geriet. © Service communication / Ville de Cagnes-sur-Mer

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auch kulinarisch war renoir durch und durch genussmensch (im bild sein erhaltenes esszimmer): er bevorzugte hausmannskost und schätzte die sardinen der neapolitanischen fischer von cros de cagnes als «die besten der Welt». Zudem liebte er «den vorzüglichen landwein von den hängen» um cagnes-sur-mer. © Service communication / Ville de Cagnes-sur-Mer

Foto 3 Dieses selbstporträt von renoir aus dem Jahr 1910 hat insofern seltenheitswert, als er männerköpfe augenscheinlich weniger gerne malte. 1882 allerdings hatte er bereits einmal den Komponisten richard Wagner auf die leinwand gezaubert.

Foto 4 nach angaben seines sohnes Jean war «die geschichte von cagnes-sur-mer und auguste renoir eine liebesgeschichte». Zitat: «er nahm sich den ort zu eigen, wie man sich einem mädchen schenkt, von dem man ein leben lang träumte ...» Der verträumte ort schien auf seinen Vater nur gewartet zu haben.

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Foto 5 Pierre-auguste renoir, «le baou de saint-Jeannet et la vallée de la cagnes», 1905: Keine landschaft der Welt fand der große impressionist schöner als das tal der cagne, in dem er immer wieder malte: «einfach herrlich, wenn man durch die rosenbüsche hindurch den baou de saint-Jeannet erkennt.» Das Werk gehört dem musée renoir in cagnes-sur-mer. © Service communication / Ville de Cagnes-sur-Mer

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Der gelähmte Womanizer brauchte Frauen in Leben und Werk wie das Licht und die Luft zum Atmen, glaubt die Kunsthistorikerin Karin Sagner («Renoir und seine Frauen», Elisabeth Sandmann Verlag). Und als Renoirs zweiter Sohn Jean, der sich später als Filmregisseur einen Namen machte, verletzt aus dem Krieg nach Hause zurückkehrt, entsteht auch zwischen ihm und der selbstbewussten jungen Frau eine Verbindung. Die beiden verlieben sich, heiraten und drehen Filme fürs Kino. In Renoirs Leben hat es nach jüngsten Recherchen unzählige «arbeitsbegleitende Affären» gegeben. Seine eher bodenständige Ehefrau Aline Charigot amüsierte das nur eingeschränkt. Trotzdem sorgte sie immer für blutjungen Nachschub an Modellen. Darunter – noch in Paris – die 15-jährige Cousine Gabrielle Renard, die Renoir über Jahrzehnte zu

«einer der glorreichsten Frauengestalten der Malerei» (Kunstkritiker Maximilien Gauthier) machte. Wie erst 2002 bekannt wurde, gingen zumindest aus einer der vielen früheren Beziehungen zwei Kinder hervor, die aus Geldmangel jedoch sofort zur Adoption freigegeben werden mussten. Briefe und andere Quellen aus dem Pariser Musée d’Orsay, die von Sagner und Renoirs Urenkel Jacques («Le Tableau amoureux», Verlag Libretto) ausgewertet wurden, belegen, dass er durchaus kein stürmischer Aufreißer war. «Die Köchin, die Postbotin, die Näherin» seien auch in Cagnes noch seinem diskreten Charme verfallen wie schon in seiner Jugend, als er sich aus Kostengründen mit seinen Freunden Frédéric Bazille, Alfred Sisley und Claude Monet das Honorar für die Modelle teilen musste. Den Damen gegenüber habe er sich stets korrekt verhalten. Die Sitzungen selbst waren stets lebendig. Die Mädchen haben bei der Arbeit gesungen und geredet, und Renoir liebte es, wenn sie ihm Geschichten aus dem Dorf erzählten. Nie waren sie für ihn nur Lustobjekte, was mit der Aussage von Jean Renoir korrespondiert, sein Vater sei im Grunde schüchtern gewesen. Wie sich Jean erinnert, «schien Cagnes nur auf meinen Vater gewartet zu haben». Wie bereits zitiert, nahm er «sich den Ort zu eigen, wie man sich einem Mädchen schenkt, von

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dem man sein Leben lang träumte und das man plötzlich vor der Haustür entdeckt, nachdem man die ganze Welt danach durchstreift hat». Jedenfalls sei die Geschichte von Cagnes und Auguste Renoir «eine Liebesgeschichte» gewesen, «die wie alle Geschichten Renoirs keine spektakulären Höhepunkte enthielt». Die kleine Ferme «Les Collettes» mit ihren vielhundertjährigen Olivenbäumen hatte Renoir stets entzückt, wenn er in der Nähe malte. Dies Ensemble schien ihm «zur Landschaft zu gehören». Hier wohnten der italienische Bauer Paul Canova, dessen alte Mutter Catherine und das Maultier Litchou. Und es herrschten «geordnete» Verhältnisse: Catherine drohte allen Mädchen, die ein Auge auf ihren Sohn hätten werfen können, mit drakonischen Strafen. Und wenn der einsame Junggeselle Paul nachts voll Piemonteser Weines nach Hause taumelte, wartete die Mutter schon mit dem Knüppel. Der Überlieferung nach wusch sie sich nie. Selbst eiternde Wunden reinigte sie nicht mit Wasser, sondern mit Spinnweben, die Penizillin enthielten, was damals noch keiner wusste.  Anekdotenreich auch die Umstände, unter denen Renoir dann das Haus erwarb. Als er hörte, die Eigentümerin Madame Armand erwog, die Farm an einen Geschenkartikelhändler aus Nizza zu veräußern, der sie unter Verlust der Oliven wiederum an einen Nelkenzüchter vermieten wollte, bot er mit und erhielt den Zuschlag. Auf diese Weise wurde verhindert, dass die Canovas – fest hierzu entschlossen – ihre Behausung notfalls mit Waffengewalt gegen den Souvenirkaufmann verteidigen mussten. Und vor allem waren jetzt die schönen Olivenbäume gerettet, die Franz I. hatte pflanzen lassen, um seine Soldaten während einer Kampfpause gegen Kaiser Karl V. zu beschäftigen. Nicht jeder hält Renoir, der 1882 in Palermo auch Richard Wagner auf die Leinwand gebracht hatte, übrigens für einen großen Künstler. Noch 2015 demonstrierte vor dem Metropolitan Museum of Arts in New York eine Handvoll von Verächtern seiner Kunst. Das Museum, das 19 Renoir-Gemälde besitzt, betreibe «aesthetic terrorism», so die Kritik an der «dürftigen Qualität» seiner Gemälde, denen «jegliche emotionale Kraft» abgehe. Andere brachte «die Süßlichkeit» seiner Bilder in Harnisch. In der Tat war sein Blick auf die Modelle «zärtlich auf die lichte Seite des Weiblichen gerichtet», findet auch Sagner. Das individuelle Gesicht sei für den Maler mit der Zeit immer unwichtiger geworden.  Eine Woche vor seinem Tod am 3. Dezember 1919 «portraitierte» Auguste Renoir dann doch noch äpfel – sein letztes Stillleben. «Für mich», hatte er einmal gesagt, «muss ein Bild vor allem etwas Liebenswertes und Erfreuliches sein. Ja, etwas Hübsches. Es gibt im Leben genug ärgerliche Dinge. Es ist also nicht nötig, noch mehr von ihnen in die Welt zu setzen.» So nimmt es nicht Wunder, dass er als Maler der Lebensfreude, der Schönheit und der Liebe in die Kunstgeschichte einging.  MäRZ / ApRIl 2020


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KINO-KURZREZENSIONEN

Schau mal! Was läuft eigentlich gerade im Kino? rZ-Filmexpertin Kirsti Stach nimmt Frankreichs Kinostarts unter die Lupe. Hier ihre Tipps für vielversprechende Filmabende – diesmal mit zwei Biografien bemerkenswerter Frauen und, wir kommen nicht drumherum, dem neuen James Bond.

James Bond MOURIR PEUT ATTENDRE

START: 8. APRIL

Harriet START: 29. APRIL Das Porträt einer mutigen Frau! Der Historienfilm «Harriet» der Regisseurin und Drehbuchautorin Kasi Lemmons zeichnet das bewegte Leben von Harriet Tubman in den Südstaaten der USA Mitte des 19. Jahrhunderts nach. Als Kind zweier Sklaven wuchs Araminta Ross auf einer Plantage in Maryland auf. Bereits in ihren Kindertagen erfuhr sie am eigenen Leib, was ein Leben in Sklaverei bedeutet – harte Arbeit und Bestrafung bei Ungehorsam. Mit der Heirat des freien Schwarzen John Tubman ändert Araminta ihren Vornamen in Harriet. Nach dem Tod ihres Besitzers unternimmt Harriet ihren ersten Fluchtversuch Richtung Nordamerika, kehrt aber aus Sorge um ihre Familie freiwillig zurück. Kurz danach schließt sie sich der Underground Railroad, einem Netzwerk von Fluchthelfern, an und verhilft in den folgenden Jahren etwa 350 Sklaven zur Flucht in die Nordstaaten oder nach Kanada. Cynthia Erivo, britische Schauspielerin und Sängerin, spielt Harriet so kraftvoll, furchtlos, berührend … Ihre Nominierung als beste Hauptdarstellerin für die Oscars war für mich die logische Folge ihrer Leistung!  USA 2019; 125 Minuten; R: Kasi Lemmons; D: Cynthia Erivo, Janelle Monáe, Leslie Odom Jr., Mitchell Hoog, Claire Bronson, Joe Alwyn, Tim Guinee, Deborah Ayorinde

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Finale Furioso? Wird Daniel Craig in seinem fünften Einsatz als James Bond das Zeitliche segnen und Platz für einen neuen DoppelnullAgenten machen? Der Filmtitel lässt hoffen, dass es Craig alias Bond in seinen wohlverdienten Ruhestand schafft. Sein letzter Auftritt als 007 ist leider bereits vertraglich besiegelt ... Zu Beginn des 25. Abenteuers hat sich der Agent des britischen MI6 auf Jamaika zur Ruhe gesetzt. Diese hält gerade solange an, bis ihn sein alter Freund Leiter im Fall eines entführten Wissenschaftlers um Hilfe bittet. Hierbei macht Bond zunächst Bekanntschaft mit einem neuen Superschurken (großartig: Rami Malek, «Bohemian Rhapsody»). Neben einigen Newcomern im Cast geben sich Christoph Waltz alias Ernst Stavro Blofeld sowie Léa Seydoux alias Madeleine Swann erneut die Ehre im gewohnt actiongeladenen Agententhriller. Amerikas Shootingstar Billie Eilish singt den Titelsong «No Time To Die», Cary Fukunaga führt Regie und Hans Zimmer komponiert den Score. Darauf einen Martini – à votre santé! GB/USA 2020; R: Cary Fukunaga; D: Daniel Craig, Léa Seydoux, Rami Malek, Ralph Fiennes, Lashana Lynch, Naomie Harris, Christoph Waltz, Ben Whishaw, Ana de Armas, Jeffrey Wright

Radioactive START: 11. MäRZ Voilà – ein weiteres Biopic zu Ehren einer bemerkenswerten Persönlichkeit: Marie Curie! Die iranisch-französische Regisseurin Marjane Satrapi («Persepolis») zeichnet das Bild einer ebenso ehrgeizigen wie zielstrebigen Frau, die ihrer Zeit im Kampf um Gleichberechtigung weit voraus war. Im Jahr 1867 in Warschau geboren, zieht es die junge Maria Skłodowska nach Paris an die Sorbonne zum Studium der Physik und Mathematik. Dort angekommen, ändert sie alsbald ihren Namen in Marie, lernt 1894 den Physiker Pierre Curie kennen und lieben und heiratet ihn ein Jahr später. Mit der Entdeckung der chemischen Elemente Polonium und Radium gewinnt das Paar 1903 gemeinsam den Nobelpreis für Physik. Der Film verdeutlicht eindringlich den Kampf Marie Curies – großartig gespielt von der britischen Actrice Rosamund Pike – um Anerkennung in einer von Männern dominierten Welt der Wissenschaften. Erzählt wird neben Curies Leidenschaft für ihren Beruf auch von der innigen Liebe zu ihrem Mann Pierre. GB 2019; 103 Minuten; R: Marjane Satrapi; D: Rosamund Pike, Sam Riley, Anya Taylor-Joy, Aneurin Barnard, Simon Russel Beale


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Das Spiel von Feuer und Sand Von ira söhnge

40 Jahre Pierini – faszinierende Glaskunst in Biot

Foto oben Pierini, internationales Zentrum für glaskunst in biot © BernardTouillon

Foto rechts antoine Pierini bei der arbeit © Barbara Kaucher

Foto unten robert (l.) und sohn antoine Pierini © Guillaume Riviere

iemand hatte in der Grundschule so schöne Murmeln wie der sechsjährige Antoine Pierini. Sie waren so einzigartig und hübsch anzusehen, dass er kaum jemals eine wieder mit nach Hause brachte. Schon als kleines Kind hatte ihn das Feuer für die Glasbläserkunst gepackt. Er stand fasziniert am Ofen, wenn sein Vater Robert Pierini – wie ein Magier – mit geschickten Bewegungen in der flirrenden Hitze wunderschöne Objekte formte. «Damals lebten wir noch in der ersten Etage unserer heutigen Galerie und ich habe meinem Vater immer bei der Arbeit zugesehen», erinnert sich der Glaskünstler Antoine Pierini. Und bald fabrizierte er selbst seine ersten Objekte wie Murmeln und Briefbeschwerer. «Es war wie ein Virus, das mich befiel und seitdem nicht mehr losließ», berichtet der sportliche Mann in Jeans und einem T-Shirt, auf dem «Urban-Glas» steht. Aber der Vater riet dem Sohn zunächst von einer Karriere als Glasbläser ab. Antoine begann also ein Sportstudium, doch er wurde nicht glücklich damit. Schon bald konnte er seinen Vater davon überzeugen, dass sein Platz am heimischen Ofen war. Und so kam es, dass das Pierini International Glass Art Center in Biot dieses Jahr ein doppeltes Jubiläum feiern kann. Vor 40 Jahren eröffnete das Senior-Paar Francine und Robert Pierini die Glasbläserei in einer alten Ölmühle, und vor genau zwanzig Jahren übernahm ihr Sohn Antoine mit seiner Frau Gaëlle das Unternehmen. Allein das wunderschöne Galerie-Gebäude, das schon auf der Katasterkarte von 1813 erwähnt wurde, ist einen Besuch wert. Diente es einst als Werkstatt, Verkaufsraum und Wohnung, ist daraus heute ein modern renovierter Showroom mit einer Ausstellungsfläche von 220 Quadratmetern auf zwei Etagen plus großem Werkstattbereich geworden. Zur Feier des doppelten Jubiläums werden dieses Jahr Ausstellungen organisiert, in denen die Karrieren von Vater und Sohn gefeiert, aber auch Werke anderer weltbekannter Glaskünstler zur Geltung gebracht werden. Schon Vater Robert Pierini suchte sich Inspirationen und Ideen auf Reisen zum Beispiel nach Japan. Er wollte be-

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reits zu Beginn seiner Karriere mehr als nur Trinkgefäße und Vasen aus Glas fertigen. Nach dem harten Arbeitstag am glühenden Ofen führte der Franzose abends Experimente durch. Akribisch probierte Robert Pierini neue Methoden aus. Er studierte die Verhältnisse idealer Proportionen, testete die Eigenschaften von Glas und die Fähigkeit, Licht zurückzugeben oder es zu absorbieren. Insbesondere entwickelte er eine Variante der Farbe Rot, die in der Brache so charakteristisch war, dass sie «Pierini-Rot» genannt wurde. Sein Markenzeichen ist bis heute seine kunstvolle Technik und sein künstlerisches Talent. Auch Sohn Antoine verschaffte sich dank einer gelungenen Kombination aus Neugier, Innovation sowie seinem großen Respekt für Kunst und Handwerk bald einen Namen und erreichte internationale Anerkennung. «In den letzten Jahren werde ich immer mehr von der Natur inspiriert», erklärt der Junior. Er zeigt auf seine gigantischen Glas-Bambus-Skulpturen und mehrere ausgestellte Glasobjekte, zu denen ihn Dünen, die der Wind verformt, angeregt haben. «Zuletzt habe ich Glas mit Steinen aus dem Vallée des Merveilles im Mercantor verbunden», berichtet er. «Wenn bei diesen Steinen ein Blitz einschlägt, dann entsteht an der Stelle Glas.» Sein Arbeitsschwerpunkt liegt in Biot, aber er lernt und lehrt seit Jahren unter anderem in Seattle, dem weltweiten Zentrum der Glaswelt. Oft kommen auch internationale Glasbläser für eine Zeitlang nach Biot. Auch die alte Ölmühle ist ein internationales Zentrum für Glaskunst geworden. «Dieser lebendige Austausch mit Künstlern unterschiedlicher kultureller und regionaler Hintergründe ist sehr animierend für die Arbeit», sagt Antoine Pierini. Der Künstler aus Biot gehört zu einer Generation junger Glasmacher, die eine jahrhundertealte Handwerkstradition neu interpretieren und viel Austausch betreiben. Dies sei früher undenkbar gewesen. Die Kunst des Glasblasens ist uralt und von Geheimnissen umwittert. «Es ist noch gar nicht lange her», sagt Pierini, «da kam es in der Zunft der Glasbläser einem Todesurteil gleich, ein Geheimnis der Herstellung an andere Glasbläser zu verraten.» 

JuBiläumsJahr 2020 > 16. März – 31. Mai: retrospektive robert Pierini > 15. Juni – 30. September: retrospektive antoine Pierini > 25. – 27. September: Biot international Glass Festival > 1. Oktober – 20. Dezember: «Plurielle», ausstellung mit Werken von Gast-Künstlern www.pierini.fr

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CCFA

Villa Arson

Kulturelle lecKerbissen

Künstlerinnen aus berlin zu Gast in nizza

as deutsch-französische Kulturzentrum in Nizza, CCFA (20 Cité du Parc/Cours Jacques Chirac), lädt wie gewohnt zu verschiedenen kulturellen Leckerbissen ein. Am 17. märz um 19.30 Uhr gibt’s «Deutsch-französische Archivschätze» mit audiovisuellem Bildmaterial, das Aspekte der deutsch-französischen Beziehungen widerspiegelt. Dazu hat der Historiker Yvan Gastaut in Archiven nach Material recherchiert und einen gemischten Bilderreigen aus geopolitischen und diplomatischen Kontexten, offiziellen Staatsbesuchen, Partnerschaftsprojekten, Sportund Kulturveranstaltungen und Anekdoten zusammengestellt. Im Rahmen eines ungezwungenen Abends moderiert er eine Diskussion rund um das zusammengetragene Material (in Französisch). Am 24. märz um 19 Uhr stellt die Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot ihr neues Buch «Was ist die Nation?» vor. Überall werden Nation und Nationalstaat beschworen. Was bedeutet das für Europa? Genau an diesem Punkt stellt Ulrike Guérot mit ihrem Essay die richtigen Fragen an unsere Geschichte, die Politik, an die Gesellschaft. Was eigentlich ist die Nation? Wie entsteht sie? Vor allem aber: Wozu brauche ich meine Nation so unbedingt? Ulrike Guérot ist Professorin und Leiterin des Departements für Europapolitik und Demokratieforschung an der Donau-Universität Krems. Der Abend findet in französischer Sprache statt. Am 26. märz um 19.30 Uhr ist Corine Defrance, Professorin am CNRS (Centre national de la recherche scientifique), zum zweiten Mal zu Gast, um ihren Lesungsvortrag über Françoise Frenkel fortzusetzen. Als polnische Jüdin eröffnete Frenkel nach ihrem Studium die erste französische Buchhandlung «La Maison du livre» in Berlin. 1939 flieht sie bis nach Nizza; 1943 gelingt ihr die Flucht aus dem besetzten Frankreich in die Schweiz, wo sie mit der Niederschrift von «Rien où poser sa tête» («Nichts, um sein Haupt zu betten») beginnt. Es erscheint erstmals 1945 in einem Schweizer Verlag. Defrance gibt Einblick in das Leben der jungen Frau, die in widrigen Zeiten den Mut fasst, in Berlin eine französische Buchhandlung zu eröffnen und diese bis weit in das nationalsozialistische Deutschland hinein zu führen. Lesung in Französisch. Am 7. april um 19 Uhr liest der Schriftsteller Arne Ulbricht (Foto) aus seinem Roman «Maupassant: Biographischer Roman» («Cette petite crapule de Maupassant»). Bis heute gehört Guy de Maupassant (1850-1893) zu den meistgelesenen Klassikern der Weltliteratur. Wenig bekannt ist, was sich hinter der Fassade des Dandys und Frauenhelden verbirgt. Arne Ulbricht erzählt, wie Guy de Maupassant zu einem der aufregendsten Schriftsteller der Literaturgeschichte wurde, und entwirft das Panorama einer Epoche im Frankreich des Fin de Siècle. Abend in Deutsch und Französisch.  ccfa-nice.fr

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wei Künstlerinnen aus Berlin haben seit vergangenem November in den Gastateliers der Villa Arson, Nizzas Kunsthochschule, gewohnt und gearbeitet und dokumentieren ihre Werke aus dieser Zeit (aber auch aus früheren Arbeitszusammenhängen) nun in einer großen Ausstellung.

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sol calero: «se empenaban en tapar», environment 6x6m

sol calero Sie ist Venezolanerin, aber schon seit zirka 20 Jahren weg von zuhause, und wohnt seit einigen Jahren in ihrer Wahlheimat Berlin. Das Licht, die Farben, die Wärme und die Natur ihrer südamerikanischen Heimat sind immer noch in all ihren Werken präsent. Sie will allerdings mehr als nur ein Stück Südamerika per Bild an die weißen Galeriewände Europas verpflanzen. Sie macht ganze Räume, die Wände, den Boden und die Decke, zu Bildträgern und bemalt sie. Der Besucher betritt diese «Environments» und wird von ihnen regelrecht verzaubert und aufgesogen. Ihr Arbeitsprinzip ist, sich ganz auf die jeweiligen Räumlichkeiten einzulassen und ihre Besonderheiten dann in ihrer Arbeit zum Vorschein kommen zu lassen. Das galt und gilt auch für die Villa Arson (Foto oben). Die Umstände dort waren im November und Dezember allerdings sehr speziell: Die intensiven, tropenartigen Regenfälle haben das Gebäude überfordert. Das Wasser stand manchmal fußhoch in den Räumen. Die Künst-

Kultur-Abend in Marseille

GeGen das VerGessen ewegendes Konzert der russischen Pianistin Elisaveta Blumina in Marseille: Anlässlich des diesjährigen Vorsitzes der IHRA (International Holocaust Remembrance Alliance) durch die Bundesrepublik Deutschland hatten Vertreter der jüdischen Gemeinde Frankreichs (fsju), das deutsche Generalkonsulat Marseille und die Région Sud im Februar in den großen Saal des Marseiller Palais Pharo geladen. Emotionaler Auftakt des Abends war der berührende Bericht des Marseiller Zeitzeugen Robert Mizrahi (Foto), dessen Eltern und Familienangehörige in den nationalsozialistischen Vernichtungslagern umgekommen waren; er selbst und sein

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lerin zeigt nun in dramatischer Weise diese Verletzungen, indem sie die Wände aufreißt und so ihre Hohl- und Kaputtheit schockierend eindrücklich macht. Das ist ein neuer Aspekt in ihrer Arbeit, denn ihre Environments waren bisher gekennzeichnet von der Invasion freundlicher, leuchtender Natur in Alltagsräumen wie Küche, Friseursalon oder Salsa-Schule. Zora mann Sie ist eine alte Bekannte in der Villa Arson, denn dort hat sie studiert und 2009 ihr Examen gemacht. Was sie damals beschäftigt hat, ist noch heute das zentrale Thema ihrer Kunst: Sie hat die Aufgabe, innere Zustände nach außen zu bringen. Ihre Kunst wird auf diese Weise zur Heilerin, so wie es die Medizinmänner oder Schamanen in archaischen Kulturen waren bzw. sind. Der Titel, den sie ihrer Ausstellung gegeben hat, passt: «Waganga» (Ostafrikanisch für «Seelenheiler»). Die Verwicklungen, Verstrickungen und Verspannungen in Geist und Körper drückt die Künstlerin durch das unentwirrbare In- und Durcheinander von Linien, Kreisen, Dreiecken und Spitzen aus. Es entsteht ein angsterregendes Chaos, der Blick des Betrachters wird in einen Formenhaufen geworfen, in dem er zu ersticken droht. Die Rettung ergibt sich schließlich in der Harmonie der Farben und insbesondere im überall auftauchenden, unwiderstehlichen Hang zur Symmetrie: Sie ist es, die die Welt in diesen Bildern letztlich zusammenhält und sie eben nicht gefährlich auseinander stürzen lässt. Wie ihre venezolanische Kollegin bleibt auch Zora Mann nicht im Zweidimensionalen, ihre bemalten «Schilde» haben im oberen Teil Löcher und Schlitze zum Durchblicken. Sie schützen und verbergen also, lassen aber gleichzeitig Einblicke zu. Ihre mannshohen «Wände» haben den gleichen Doppelcharakter von fester Präsenz im Raum und Transparenz durch die vielen Aussparungen. alfred thum Die ausstellung in der Villa arson, 20 avenue stephen liégeard in nizza, läuft bis zum 3. mai und ist geöffnet täglich außer dienstags von 14 bis 18 uhr (1. mai geschlossen). Der eintritt ist frei.

achtjähriger Bruder entgingen der Deportation nur durch die mutige Intervention ihrer Nachbarn. Die in Hamburg lebende Echo-Preisträgerin Blumina, bekannt als eine der wichtigsten Interpretinnen der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts, setzt sich für Komponisten ein, deren Musik aus Gründen der Diskriminierung nicht aufgeführt und folglich vergessen wurde. In ihrem abwechslungsreichen Programm von Werken jüdischer Komponisten sowie aus dem jüdischen Leben wurde sie begleitet durch den international anerkannten Fagottisten Mathias Baier sowie durch die virtuosen israelischen KlarinettistenZwillinge Alexander und Daniel Gurfinkel. ch 

Zeitzeuge robert mizrahi © CH

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er kleine deutsche Mons-Verlag, dessen Schwerpunkt auf französischer Literatur liegt, lädt am Freitag, 3. April, zu einer musikalischen Lesung in die Chapelle Saint-Jean in La Garde-Freinet (Var). Sylvie Remond liest aus dem Roman «Sur l’eau» von Guy de Maupassant, begleitet von den Musikern James Giraudo (Gitarre) und André Sédes (Akkordeon). 

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Guy de Maupassant

musiKalische lesunG im mittelpunkt des eac. steht ein schloss aus dem 16. Jahrhundert. im Vordergrund des bildes ein Werk von francisco sobrino, «structure permutationnelle», 1998/2015. leihgabe der familie sobrino • courtesy galerie mitterrand. schräg dahinter ein Werk von gottfried honegger, «Division 10», 1988. inv fnac02-1252 • centre national des arts plastique – Donation albers-honegger, espace de l’art concret © photo eac. © Adagp, Paris 2020

Espace de l’Art Concret

label für Kunstzentrum as Zentrum für zeitgenössische Kunst «eac.» – Espace de l’Art Concret – in Mouans-Sartoux im Hinterland zwischen Grasse und Cannes ist vom französischen Kulturministerium mit dem Label «Centre d’art contemporain d’intérêt national» ausgezeichnet worden. Gewürdigt wurde damit die Arbeit, die in dem Zentrum in den vergangenen 30 Jahren und speziell seit 2010 unter der Leitung von Fabienne GrasserFulchéri geleistet wurde. Als Ort für die Erfahrung und Vermittlung von Kunst hat sich das eac. sowohl regional, als auch national und international einen wichtigen Platz in der Szene erobert. Das Zentrum für zeitgenössische Kunst wurde 1990 im Anschluss an die Begegnung der beiden Schweizer Sammler Sybil Albers und Gottfried Honegger mit dem damaligen Bürgermeister André Aschieri gegründet. Es verfügt über eine in Frankreich einzigartige Sammlung abstrakter Kunst, die mehr als 700 Hauptwerke umfasst: die Donation Albers-Honegger. 

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2020 Jury-Präsident in Cannes sein wolle, war ich schockiert, glücklich, überrascht und stolz zugleich. [...] Für mich haben die Filmfestspiele von Cannes [...] einen großen Einfluss auf meine Filmkarriere gehabt. Man kann sagen, dass Cannes meine Rolle im Weltkino verändert hat.» An der Croisette war Spike Lee zuletzt 2018 selbst ausgezeichnet worden: Vor zwei Jahren erhielt er er amerikanische Regisseur Spike Lee für den Film «BlacKkKlansman» den Großen Preis wird im Mai bei den Filmfestspielen in der Jury. Damals kehrte der in Brooklyn lebende Cannes (12. bis 23. Mai) federführend Regisseur nach 22 Jahren Abwesenheit in den über die Vergabe der Goldenen Palmen Wettbewerb zurück und lieferte einen eklatanten entscheiden. Während bei den OsBeweis für seine unverminderte Wut cars erneut weiße Männer domiund Virtuosität. Der Film, der eine nierten, setzt Cannes einen Gegenvernichtende Komödie, Thriller und punkt mit dem ersten schwarzen politisches Traktat in einem ist, Jury-Präsidenten in der über 70-jähwurde nach dem Preis in Cannes rigen Festival-Geschichte an der auch mit einem Oscar ausgezeichCroisette und dem ersten Schwarnet. zen in dieser Rolle bei einem der Pierre Lescure, Präsident der Filmgroßen Filmfestivals weltweit. festspiele Cannes, und der GeneralDer US-amerikanische Regisseur, delegierte Thierry Frémaux sind Drehbuchautor, Schauspieler und erfreut, Spike Lee in diesem Jahr an Produzent ist selbst für zahlreiche der Spitze der Jury begrüßen zu dürKultfilme verantwortlich, darunter fen: «Die Perspektive von Spike Lee «Malcolm X» und «BlacKkKlansman». ist wertvoller denn je. Cannes ist Der 62-Jährige behandelt in seinen eine natürliche Heimat und ein gloWerken gesellschaftspolitische und spike lee vor zwei Jahren baler Resonanzboden für diejenigen, soziale Themen, insbesondere Ras- in cannes die den Geist (wieder) erwecken und sismus gegenüber der afroamerikanischen Beunsere Positionen und festen Vorstellungen in völkerung. Frage stellen.» Auf die Anfrage aus Cannes reagierte der RegisSpike Lee wird Nachfolger von Alejandro G. Iñárseur so überrascht wie erfreut: «In meinem Leben ritu, dessen Jury 2019 die Palme d’Or dem koreawaren meine größten Geschenke immer die nischen Regisseur Bong Joon-ho für seinen Film unerwarteten, die mich aus dem Nichts erreich«Parasite» verlieh, der nun auch bei den Oscars ten. Als ich den Anruf aus Cannes erhielt, ob ich mächtig abgeräumt hat. as 

Filmfestival Cannes

erster schwarzer Jury-Präsident D

Printemps des Arts

musiK an besonderen orten onaco lädt in diesem Frühling zur 36. Ausgabe des Festivals «Le Printemps des Arts de Monte-Carlo». Vom 13. März bis zum 11. April steht das Motto «Vielfalt» im Vordergrund. Marc Monnet, der künstlerische Leiter des Festivals, hat ein breit gefächertes Programm zusammengestellt – unter anderem mit französischer Musik vom 18. bis zum 21. Jahrhundert (mit zwei Uraufführungen), mit der Provinz Québec als Ehrengast (Musik, Theater, Tanz, Kunst...), mit einem Musik- und Tanzstück aus Bali und elektronischen Nächten mit Lars Fredrikson. Ebenso originell wie die Themen sind die Aufführungsorte – zum Beispiel in Privatwohnungen, im Ozeanografischen Museum Monaco und im MAMAC in Nizza. Eigens aus Deutschland reist Andreas Staier an. Der Meister des Cembalos spielt französische Werke (Sonntag, 22. März, 18 Uhr – Salle des Arts, One Monte-Carlo). 

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andreas staier © Alain Hanel

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leBen & arBeiten im süden

Bestseller am laufenden Band Buchautorin Sybille Baillon lebt in Hyères. Der Mittelmeerraum ist für sie Heimat und inspirationsquelle geworden. Wie aus ihren ideen viel gelesene romane entstehen, verrät die Deutsche im rZGespräch. Das Interview führte guDrun mangolD

Frau baillon, Sie haben erst 2015 mit dem bücherschreiben angefangen, veröffentlichen seither einen Roman nach dem anderen und landen dabei ständig ebook-bestseller – wie machen Sie das? Wenn Sie eine Art  Geheimrezept  von mir haben möchten, dann würde ich antworten:  Mischen Sie einen langgehegten Traum mit einer Prise Mut – vielleicht sogar ein wenig Übermut, einem Hauch guter Idee und viel Arbeit. Schreiben Sie dann bei geschlossener Tür drauflos, ohne sich zu viele Fragen zu stellen. Hinzu geben Sie ein ansprechendes Cover und einen einschlägigen Klappentext und mixen es anschließend mit einem Touch von gutem Rat von Freunden und Lesern und einer Winzigkeit An-sich-Glaubens. Schließlich braucht man, wie bei vielen Rezepten, ein Quäntchen Glück … ganz einfach!

Viele Ihrer Geschichten spielen in der Zeit, als die Griechen und die Römer die Côte d’Azur besiedelten. Was fasziniert Sie so an dieser Historie? Meine Faszination für Vergangenes reicht schon sehr lange zurück. Schon als Jugendliche wollte ich in anderen Jahrhunderten leben, und wenn ich im Winter bei Neuschnee durch Frankfurt-Sachsenhausen strich und die Autos unter einem weißen Mantel vergraben lagen, dann konnte ich die Kutschen durch die Gassen fahren sehen. Meine Mutter hielt mir immer entgegen, dass das Leben damals, besonders für eine Frau, nicht gerade erstrebenswert gewesen sei, wobei ich ihr natürlich recht geben muss. Später wurde mir dann aber bewusst, dass ich eigentlich nicht wirklich in diesen Epochen leben, sondern lieber eine Zeitreise machen, einfach mal nachschauen wollte, wie es wirklich war – um das damalige Leben riechen, fühlen, hören, schmecken zu können. Und das betrifft jede Epoche, ob Steinzeit, Antike, Mittelalter oder Renaissance … MäRZ / ApRIl 2020

autorin sybille baillon © privat

Als ich dann das erste Mal die antike Cité Olbia in Hyères besucht habe, erging es mir genauso wie damals in Sachsenhausen: Ich sah die Wägelchen über das grobe Kopfsteinpflaster holpern, die Sklaven dicke Bündel schleppen; ich hörte die Gespräche der Frauen am Brunnen, roch den Schweiß der Bürgersoldaten, die auf dem Übungsplatz trainierten, hörte ihr angestrengtes ächzen. Ich konnte die Angst der Menschen spüren, die besorgt zur Insel Porquerolles hinüberschauten, wo Piraten ihr Unwesen trieben, oder nach  Costebelle, einem Berg hinter Olbia, wo Kelten in ihrem Oppidum schon seit vielen Jahrhunderten lebten; noch bevor die griechischen Kolonien überhaupt errichtet worden waren. Ich konnte mir die Feindseligkeit dieser beiden fremdartigen Völker vorstellen, die mehr schlecht als recht zusammenlebten. Konnte die Barken der Fischer auf dem Mittelmeer erspähen, roch die penetranten Ausdünstungen des  garums,  einer Fischsauce, die zur damaligen Zeit sehr beliebt war. Als meine Freundin Maya, eine Archäologin,  mir dann die Geschichte zweier Geschwister erzählte, Klea und Kleas, deren Gräber die hiesigen Archäologen ausgehoben


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«SCHON ALS JUGENDLICHE WOLLTE ICH IN ANDEREN JAHRHUNDERTEN LEBEN.»

hatten, und mir die Inschriften zeigte, da holte mich die Geschichte ein und wollte einfach geschrieben werden. Wobei ich den Bruder im Roman der Einfachheit halber Dias genannt habe.

Sie machen aber offenbar nicht nur Zeitreisen. 1991 haben Sie Frankfurt hinter sich gelassen und sind nach Hyères-les-palmiers an die Côte d’Azur gezogen. Was hat Sie hierher verschlagen? Ganz global: die Liebe! Zunächst die Liebe zu diesem schönen Land, das ich zuvor in Urlauben kennengelernt hatte, mit seinen wundervollen Regionen, seiner melodischen Sprache, seiner Kultur und vor allem: seiner hoch- interessanten  und spannenden Geschichte! Aber auch die Liebe zum Abenteuer: Sommer, Sonne, Wind und Meer; und last but not least: die große Liebe.

Also Hyères war eher Zufall, Sie haben hier Ihre große liebe gefunden und sind geblieben? Oder hat Hyères einen ganz besonderen Reiz für Sie? Für jemanden, der aus dem verregneten Frankfurt kommt, ist Hyères geradezu das Paradis. Aber Sie haben recht: Zum einen lebte meine Mutter bereits seit einigen Jahren hier – das war der praktische Teil – und zum anderen habe ich mich tatsächlich in die schöne Gemeinde verliebt. Hyères hat alles, was man sich nur wünschen kann: wundervolle Sandstrände und pittoreske Küstenabschnitte, Felder, so weit das Auge reicht, schöne Wälder und eine niedliche Altstadt. Mit über 60 000 Einwohnern ist Hyères eine richtige Stadt, die aber den Charme eines Dorfes behalten hat, weil die verschiedenen Stadtteile über eine weitläufige Fläche ausgedehnt und verteilt sind. Und wie gesagt: Sommer, Sonne, Meer, Windsurfen und jugendliche Unbekümmertheit. Jedenfalls im Sommer. Im Winter fehlt mir Deutschland mit seinen Weihnachtsmärkten, dem Schnee und dem Glühwein dann schon ein wenig.

Viele Ihrer Romane, nicht alle, spielen auch hier an der Mittelmeerküste. Wie wichtig ist diese landschaft für Ihre Stoffe? In der Regel sind Landschaftsbeschreibungen – auch in meinen Romanen, die nicht am Mit-

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telmeer angesiedelt sind – ein wichtiger Bestandteil, genauso wie Kleidung, Gerüche und Geräusche; der Leser soll sich ja wirklich in die damalige Zeit zurückversetzt fühlen. Deshalb basieren meine Recherchen oft auch darauf, herauszubekommen, wie damals die Beschaffenheit der Flora und Fauna war. Denn am Mittelmeer zum Beispiel soll es ja vor 2000 Jahren laut Experten sehr viel mehr gegrünt und mehr Wälder gegeben haben, als man erst einmal annehmen würde …

Das klingt nach viel interessanter Recherche. Wie viele Romane, inklusive der noch nicht veröffentlichten, haben Sie seit 2015 geschrieben? Bis jetzt habe ich 17 Romane geschrieben, davon aber nur zehn veröffentlicht, und darunter sind zwei, die mit einem Verlag herausgebracht wurden. Die Verzögerungen kommen daher, dass ich die ersten Entwürfe nach dem Schreiben erst einmal  ruhen lasse, um sie dann einige Wochen oder Monate später noch einmal völlig zu überarbeiten. Dieser Schritt dauert dann meistens länger als das Schreiben an sich. Da ich eher ein Morgenmensch bin, schreibe ich hauptsächlich am Vormittag und bemühe mich, täglich 5000 bis 8000 Wörter aufs Papier zu bringen. Wenn ich aber grade in einem «Schreibrausch» stecke, passiert es auch mal, dass ich ein Wochenende durchschreibe. Da ich aber auch eine Familie habe, versuche ich, mein Leben so einzuteilen, dass ich nichts und niemanden vernachlässige, besonders nicht meine beiden Söhne.

Wahnsinn, das heißt, Sie sind in der lage, ein ganzes buch – nach Abschluss der Recherche – in ein paar wenigen Tagen zu papier zu bringen! Was kommt als nächstes, mit welcher Geschichte dürfen wir rechnen? Zurzeit beende ich einen zeitgenössischen Roman mit dem Titel «Und über uns das Nichts». Er handelt von einer unwahrscheinlichen Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen, die aus ganz verschiedenen sozialen Verhältnissen kommen. Zwei Welten kollidieren und schlagen Funken. Der Fokus liegt dabei auf aktuellen und brandheißen Themen wie Umweltschutz, Armut und sozialer Ungerechtigkeit: Streiks,  «Gelbwesten» usw. Dann sind natürlich noch die Fortsetzungen der Klea-Reihe, die in der Antike spielt, und der Sturm-Reihe, die während der Französischen Revolution, spielt, eingeplant; sowie ein Roman, der von einer wahren Begebenheit handelt, die sich mir mal wieder so aufgedrängt  hat: über einen Heimkömmling aus der Kriegsgefangenschaft nach dem Zweiten Weltkrieg und das, was er zum einen auf dem Heimweg so alles erlebt und zum anderen, was ihn hier in Hyères erwartet. Auch an einem Krimi will ich mich mal versuchen .... 

zur autorin Sibylle Baillon wurde 1966 in Frankfurt am Main geboren. Heute lebt sie an der Côte d’azur. Seit sie mit sieben Jahren ihren ersten historischen roman verschlungen hat, ist sie fasziniert von Geschichten vergangener epochen – als Leserin wie auch als autorin. Mit der veröffentlichung ihrer romane erfüllte sie sich einen großen Traum. Wenn sie selbst nicht gerade in Büchern schmökert, gilt ihre Leidenschaft dem Schreiben romantischer, historischer, manchmal auch dramatischer sowie fantastischer Geschichten.

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GESCHICHTE

Foto Porträt von sophie crüwell (lithografie von charles Vogt, 1853) © Historisches Museum Bielefeld

Eine echte Europäerin Die Deutsche Sophie Crüwell machte sich als Opernsängerin international einen Namen, verbrachte ihre Winter an der Seite des Vicomte Vigier in Nizza und starb schließlich in Monaco. ein Porträt der «Callas des 19. Jahrhunderts». Von Jörg langer usikliebhaber und aufmerksame Leser der RivieraZeit sind im Artikel «Sehnsuchtsort Nizza» in der letzten Ausgabe von 2019 (RZ Nr. 315) auf die Sängerin Sophie Crüwell gestoßen, die spätere Comtesse Vigier, bekannt durch den gleichnamigen Park am Hafen von Nizza. Es lohnt sich, der interessanten Persönlichkeit gesondert Aufmerksamkeit zu schenken: Herkunft, Karriere und Schicksal der Cruvelli, so ihr Künstlername, faszinieren. Und zugleich ist die Deutsche ein Beweis dafür, dass Europa auch im vorletzten Jahrhundert bereits gelebt wurde. Sophie Crüwell wurde zunächst in Italien und Frankreich bekannt und dann weltberühmt. Geboren worden aber war sie 1826 in «Allemagne profonde», in Bielefeld, und das in nicht gerade kleinen Verhältnissen. Die Crüwells waren schon vor der Gründung der Stadt Bielefeld in Lippe, Lemgo, Herford und Dortmund ansässig. Bereits 1251 wird ein Hinrek Crul als Zeuge in einer Lehnsurkunde genannt. Aus Crul wird später Cruel, später Kruwel, Kruwell und dann Crüwell. Ein Hildebrant Kruwel wird 1369 in Bielefeld ansässig. Die Häuser der Crüwells werden später zu kostbaren Baudenkmälern, die noch

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heute Ansichtskarten zieren und zu besichtigen sind. Auch Mitglieder der weitverzweigten Familie leben nach wie vor. Eine von ihnen hat der Verfasser dieser Zeilen ausfindig gemacht: Renate Holle, geborene Crüwell, gab bereitwillig Auskunft und hat zusätzlich durch zahlreiche Unterlagen maßgeblich zu diesem Artikel beigetragen. Sie hat übrigens keinerlei Hinweise zur Behauptung eines früheren Biografen der Cruvelli gefunden, nach der die Sängerin auch lombardische Vorfahren gehabt hätte. Natürlich würde ein italienischer Hintergrund gut in die spätere Karriere passen. Der Beginn war allerdings rein deutsch. Die Familie Crüwell war immer musikalisch ausgerichtet, Sophie war von den vier Geschwistern die begabteste und wurde nach ihrer Ausbildung in Bielefeld und Paris Opernsängerin. In Paris begann sie 1847 ihre Laufbahn, gefolgt anschließend von Venedig. Im kommenden Jahrzehnt trat sie auf den Bühnen in Italien, Frankreich, London und Berlin auf, vorzugsweise in Opern von Verdi, Bellini und Wagner. Die schon damals tonangebende «Times» berichtete 1851 unter anderem: «Sowohl die Oper von Beethoven als auch Frl. Crüwell, die Darstellerin der Heldin und jetzt eine Sängerin und Schauspielerin ersten Ranges, feierten einen überaus glänzenden Triumph.» Der größte Triumph folgte dann in Paris. Dort erntete sie regelrechte Begeisterungsstürme und erhielt 1854 ein Festengagement an der Großen Oper für 100 000 Franken Gage. Gefolgt allerdings von einem Skandal: 1855 sollte anlässlich der Weltausstellung in Paris Verdis «Sizilianische Vesper» uraufgeführt werden. Laut einer deutschen Zeitung «waren die Proben in vollem Gange. Da war die Cruvelli verschwunden... Sie blieb zwei Wochen unauffindbar». Französische Zeitungen meinten, es bestehe «kein Zweifel an der Leichtfertigkeit ihres Charakters». Napoleon III. sprach von einem Affront. Und ein Kritiker schrieb «... und da ist ferner ein Musiker, Verdi, die Ehre und Rechenschaft selbst, der Italien, die Heimat seiner Triumphe, verlässt, um der Sängerin mehr als sechs Monate seiner Zeit und seine besten musikalischen Inspirationen zu widmen... und die Undankbare achtet alles nicht...» Dann aber: «Und nach zwei Wochen war die Cruvelli wieder da – und Paris feierte sie wie eh und je.» Über den Grund der Abwesenheit konnte nur spekuliert werden. Sicher ist, dass sie im selben Jahr den Grafen und späteren Vicomte Georges Vigier heiratete, einen begüterten Pariser Adligen, der unter anderem die erste schwimmende Badeanstalt auf der Seine betrieb. Sophie Crüwell gab anschließend ihre glanzvolle Karriere auf, sang aber weiter auf den damals sehr verbreiteten Wohltätigkeitskonzerten, vornehmlich in Nizza, wo sie zu überwintern pflegte. Ihr Ehemann schuf ihr einen repräsentativen Rahmen, den «Palais Vigier» im gleichnamigen Park. Er wurde 1862, mit Grundsteinlegung durch den bayrischen König Maximilian II., in rein venezianischem Stil und in Anlehnung an die Casa d’Oro, mit großer Prachtentfaltung erbaut und erlebte eine zunächst glanz-, dann wechselvolle Geschichte. Gestorben ist die Cruvelli im Jahr 1907, 81-jährig, im Hôtel de Paris in Monaco. Ihr Sohn René verkaufte die Nizzarder Villa später an einen Deutschen, einen Kommerzienrat namens Ernst Kirchner aus München, der prompt mit Kriegsausbruch enteignet wurde. Anschließend erwarb sie ein russischer Adliger, der dann geschäftlich Schiffbruch erlitt. Es folgten Eigentümergemeinschaften und schließlich Anfang der 1960er-Jahre der Abriss, um vier größere Wohneinheiten zu schaffen – noch heute als Park und Villa Vigier bekannt. 


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lEbEN & ARbEITEN IM SÜDEN riviera

Das hôtel rotonde in aix-en-Provence: modernes stadthotel mit österreichischer gastgeberin © D.R.

Mutiger Schritt Christine Kirchner trifft mit ihrem Hôtel Rotonde in Aix eine Nische Von christine helfritZ als die österreichische Hotel- und Tourismusexpertin Christine Kirchner vor zehn Jahren nach Marseille kam, hatte sie eigentlich ganz andere Pläne – und fand sich plötzlich als Hotelbesitzerin in aix-en-Provence wieder. hr Leben lang hatte sie in der Tourismusbranche gearbeitet und zuletzt von Hamburg aus eine private Hotelkette im VierSterne-Bereich geführt. Nun wollte sich die gebürtige Salzburgerin mit einer Auszeit in Marseille etwas berufliche Abwechslung verschaffen. Aber wie das Leben so spielt – durch Zufall macht Christine Kirchner die Bekanntschaft eines Schweizer Hoteliers in Aix-en-Provence, der gerade dabei ist, sein Hotel zu verkaufen. Nach einer spontanen Besichtigung gibt sie wenige Tage später tatsächlich ein Angebot ab. «Danach habe ich zwei Wochen lang nicht geschlafen und mich gefragt, ‘oh Gott, wie mache ich das denn jetzt?’» erzählt sie lachend. Der Anfang war dann auch nicht einfach – im Traum hätte sie sich nicht das bürokratische Abenteuer ausgemalt, das sie hier im Süden erwartete. Und so dauerte es am Ende absurde elf Monate, bis sie das Hotel tatsächlich ihr Eigen nennen konnte. «Es war eine furchtbare Zeit», erinnert sich die zierliche Frau mit den Nerven aus Stahl. «Es hätte alles schiefgehen können.» In den darauffolgenden Jahren bedeutete es harte Arbeit, Betrieb und Gebäude zu modernisieren. Der Einsatz hat sich gelohnt – heute

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ist das Hôtel Rotonde ein gut funktionierendes, modernes Stadthotel nach deutschem Drei-Sterne-Standard in herzlicher, familiärer Atmosphäre. «Eine mittelständische Hotellerie wie in Deutschland, so etwas gibt es in Frankreich nicht», erläutert die ausgebildete Hotelfachfrau mit einem Doppelstudium in Sprachen und Politologie. «In Frankreich findet man tolle kleine Luxushotels oder die Budget-Schiene. Die angenehme Mittelkategorie dazwischen existiert hier nicht, und genau da

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setzen wir an», so Kirchner. «Deshalb kommen die Leute gerne zu uns und auch gerne wieder. In fast zehn Jahren haben wir so gut wie kein Marketing betrieben – mit fast 80 Prozent Belegung.» Christine Kirchner hatte Glück: Der zentrale Standort des Hotels in urbaner, aber angenehmer Innenstadtlage wurde von der Stadt inzwischen komplett überarbeitet. Wenige Schritte entfernt entstand 2013 der elegante Busbahnhof, der die Stadt und somit auch das Hotel bestens in der Region vernetzt. TGVBahnhof und Flughafen sind innerhalb von 20 bis 30 Minuten erreichbar, die Innenstadt von Marseille in rund 45 Minuten. Zu Fuß lassen sich auf der einen Seite die kleinen Gässchen der Innenstadt mit ihren plätschernden Brunnen und schicken Geschäften erkunden; in der anderen Richtung liegen die Konzertsäle des nahe gelegenen Forum des Arts. Der kostenlose Parkplatz direkt am Haus macht die Sache für Reisende besonders bequem. Und so trifft im Hôtel Rotonde ein bunter Mix von Gästen aufeinander – Wissenschaftler und Geschäftsreisende aus aller Welt, internationale Musiker und Künstler sowie Touristen von überall her. Sie kommen zur neuesten Ausstellung im Hôtel de Caumont, besuchen das Musée Granet mit seiner Collection Planque oder das Vasarely-Museum. Im Sommer reisen Liebhaber klassischer Musik von weither zum Festival d’Aix oder zum Piano-Festival in La Roque-d’Anthéron an, und auch das Oster-Festival ist nicht mehr aus der Kulturstadt Aix wegzudenken. Was jetzt noch fehlt, um die Sache perfekt zu machen? «Eine S-Bahn zwischen Aix und Marseille – damit beide Städte noch viel mehr von einander profitieren können», wünscht sich die Unternehmerin mit Weitblick. 

hôtel rotonDe 15 avenue des Belges 13080 aix-en-Provence www.hotel-rotonde.com

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Monaco und die Welt

38 300 Menschen lebten Ende 2018 in Monaco, exakt so viele wie im Jahr zuvor. So steht es im Jahresbericht des monegassischen Statistikinstituts IMSEE. All diese Menschen müssen auf dem nur gute zwei Quadratkilometer großen Staatsgebiet unterkommen. Das sind etwa viermal so viele wie in deutschen Großstädten wie Berlin oder München.

Das internationale Fürstentum in Zahlen Monaco ist ein winziges Land, in dem sich Menschen aus aller Welt tummeln – und das international vernetzt ist. Doch Menschen welcher Nationalitäten leben eigentlich im Fürstentum, woher kommen die Touristen und mit welchen Ländern pflegt Monaco besonders enge Beziehungen? eine Geschichte in Grafiken.

Die bevölkerungspyramide monacos zeigt, wie viele menschen welchen alters im fürstentum leben. Der hohe anteil alter menschen ist typisch für westliche staaten, in monaco aber besonders ausgeprägt.

In einer Hinsicht ist Monaco ein typisch westlicher Staat: Es leben dort deutlich weniger junge Menschen als 40- bis 70-Jährige. Im Fürstentum ist das sogar besonders ausgeprägt, das Durchschnittsalter liegt bei über 46 Jahren. Einsame Spitze! Laut Statistischem Bundesamt ist die Bevölkerung in Deutschland im Schnitt frische 44,4 Jahre alt – übrigens auch einer der Topwerte weltweit.

Von sören mÜller-hansen

Ganz und gar nicht typisch ist hingegen, aus welchen Nationen die in Monaco lebenden Menschen kommen. Üblicherweise besitzt die Bevölkerung eines Landes mehrheitlich auch dessen Staatsangehörigkeit. Nicht so im Fürstentum: Die Monegassen machen nicht einmal ein Viertel der Bevölkerung aus, sind gar weniger zahlreich als die französischen Bewohner. Immerhin knapp über 900 Anwohner mit deutscher Staatsangehörigkeit leben in Monaco – Rang sieben der meistvertretenen Nationalitäten. Die Schweizer schaffen es mit 1187 Einwohnern auf Rang fünf.

franzosen und italiener, aber auch briten und amerikaner steigen häufig als gäste in monacos hotels ab. gezählt wurden die Übernachtungen.

Die Franzosen stellen nicht nur die größte Bevölkerungsgruppe in Monaco, sie steigen auch mit Abstand am häufigsten als Touristen in den Hotels des Stadtstaats ab. Genau wie bei der hohen Zahl italienischer Besucher verwundert das nicht weiter, immerhin haben es beide nicht weit dorthin. Aber auch für englischsprachige Touristen wirkt Monaco anziehend, Briten und Amerikaner, aber auch Kanadier und Australier kommen häufig in den Staat. Die reisefreudigen Deutschen müssen sich im Touristen-Ranking mit dem fünften Platz zufriedengeben.

Die nationalitäten der in monaco lebenden menschen sind bunt gemischt. Die größe der landesflagge symbolisiert, wie groß der anteil der bewohner mit einer bestimmten staatsangehörigkeit an der gesamtbevölkerung ist.

in monaco sind über sechzig Prozent der arbeitnehmer französischer nationalität.

insgesamt leben mehr franzosen in monaco als menschen mit monegassischer staatsangehörigkeit.

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Noch deutlicher als bei Bewohnerzahl und Touristen wird in der Wirtschaft, dass Frankreich das Fürstentum nicht nur umschließt, sondern dort großen Einfluss hat. Mehr als sechs von zehn Arbeitsplätzen werden von einem Franzosen besetzt, die gut 2300 monegassischen Arbeitnehmer fallen kaum ins Gewicht.


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Der Wert der Gesamtexporte aus Monaco ist nicht einmal halb so groß wie der der Importe, knapp eine Milliarde Euro waren die 2018 ausgeführten Güter wert. Deutschland ist nach Italien wichtigstes Exportland. Trotzdem erzielte die Bundesrepublik zuletzt einen Exportüberschuss von über 70 Millionen Euro im Handel mit Monaco. Um seine internationalen Beziehungen aufrecht zu erhalten, hat Monaco ein für ein solch kleines Land beachtliches Netz an Botschaften und Repräsentanten. Feste Niederlassungen gibt es vor allem in den Hauptstädten der wichtigsten Handelspartner, etwa in Paris oder Berlin. In manche Bereiche der Erde pflegt der Stadtstaat weniger enge Beziehungen. Weder in Südamerika noch in Afrika gibt es einen Repräsentanten – dabei ist die Ehefrau von Fürst Albert II., Charlène von Monaco, selbst Südafrikanerin. 

Die Karte zeigt die länder, aus denen monaco hauptsächlich Waren importiert. Je dunkler ein land ist, desto größer ist der importierte Warenwert. Da monaco und frankreich eine Zollunion bilden, gibt es hier keine Werte.

Deutschland ist nach italien wichtigstes exportland für monegassische güter.

neben den europäischen staaten sind auch die usa ein wichtiger handelspartner monacos.

Durch die vielen Arbeitsplätze ist Monaco ein wichtiger Wirtschaftsfaktor an der Côte d’Azur. Für die zahlreichen Menschen auf engem Raum muss Monaco viele Waren importieren, 2018 mit einem Gesamtwert von über zwei Milliarden Euro. Güter aus Frankreich fließen hier nicht mit ein, da Monaco mit seinem einzigen Nachbarland eine Zollunion bildet und der Warenfluss daher nicht erfasst wird. Viele Importe kommen aus nicht weit entfernten Ländern wie Italien und der Schweiz, aber auch aus Deutschland führt das Fürstentum Güter mit einem hohen Gesamtwert ein.

Die Karte zeigt die länder, in die monaco hauptsächlich Waren exportiert. Je dunkler ein land ist, desto größer ist der exportierte Warenwert. Da monaco und frankreich eine Zollunion bilden, gibt es hier keine Werte.

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Simple Minds

iKone der 80er-Jahre in monaco

ach fünfjähriger Abwesenheit gehen die Simple Minds (Foto) wieder auf eine Welttour und kommen im Rahmen des «Monte-Carlo Sporting Summer Festivals» auch nach Monaco zu einem exklusiven Konzert. Die schottische RockNew-Wave-Band debütierte 1979 mit dem Album «Life in a Day» und hat seitdem mehr als

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60 Millionen Exemplare ihrer 18Studioalben verkauft; davon landeten fünf an der Spitze der englischen Charts. Nun feiern sie ihr 40-jähriges Jubiläum mit einer Kompilation «The Best Of – 1979-2019» und einem neuen Live-Album «Live In The City of Angels». Das Konzert mit einem vorhergehenden Abendessen wird

am 7. August um 22.30 Uhr in der Salle des Étoiles stattfinden. Einlass ab 20 Uhr, Tickets 264 Euro pro Person (inklusive Menü). Im Rahmen des Festivals werden außerdem u.a. die Black Eyed Peas, Sting, John Legend, Enrique Iglesias und Clean Bandit auftreten. Kr montecarlosbm.com

AUSGEZEICHNET FREIHEITSpREIS FÜR DEN FÜRSTEN Fürst Albert II. nahm Ende Januar am Tegernsee den «Freiheitspreis der Medien» der Weimer Media Group entgegen. Die Jury hatte den Monegassen wegen seiner konstruktiven Arbeit für den Umwelt- und Naturschutz ausgewählt. Die Laudatio auf den Fürsten hielt der Präsident der Technischen Universität München, Prof. Thomas F. Hofmann. Der zum sechsten Mal vergebene Preis geht an Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die sich in besonderer Weise für die freie Meinungsäußerung, das gesellschaftliche Miteinander, den Dialog und die Demokratie einsetzen. 

frédéric labarrère (l.) und bundespräsident frank-Walter steinmeier im schloss bellevue © Bundesregierung / Jesco Denzel 

FRÉDÉRIC LABARRèRE NEUER bOTSCHAFTER Monaco hat einen neuen Botschafter in Deutschland: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nahm im Januar in Schloss Bellevue das Beglaubigungsschreiben von Frédéric Labarrère entgegen. Steinmeier lobte anschließend bei einem privaten Gespräch mit dem neuen Botschafter das Engagement des monegassischen Fürsten im Umweltschutz. Labarrère, der sich für eine weiterhin gute Zusammenarbeit zwischen beiden Staaten einsetzen will, ist der sechste Botschafter, den Monaco nach Deutschland entsendet. 

Barsi tritt ab

neuer erzbischof m 27. Januar dankte der aus Nizza stammende und seit 50 Jahren im Priesteramt stehende Erzbischof von Monaco, Bernard Barsi, ab. In einer feierlichen Messe in Anwesenheit von Fürst Albert II. und Fürstin Charlène sowie kirchlicher, ziviler und militärischer Persönlichkeiten (Foto) verabschiedete er sich in einer bewegenden Rede von der Diözese Monaco. Beim anschließenden Empfang im Ozeanografischen Museum bedankte sich der Fürst

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im Namen seiner Familie und der gesamten christlichen Gemeinschaft von Monaco für die 20 Jahre, die Barsi als Erzbischof in Monaco verbracht hat. Als Nachfolger Barsis hat Papst Franziskus einen Priester der Diözese Nantes, DominiqueMarie David, ernannt. Nach einem Abschluss in Englischer

Hochzeiten & Todesfälle

939 neuGeborene m vergangenen Jahr konnte die Geburtsstation des Centre Hospitalier Princesse Grace (CHPG) insgesamt 939 Kinder auf der Welt begrüßen, 34 Säuglinge weniger als im Jahr zuvor. Für StatistikFans: Jedes zweite Neugeborene hatte unverhei-

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Philologie und der Tätigkeit als Lehrer studierte der in Beaupréau gebürtige David Theologie. Seit mittlerweile 28 Jahren dient er als Priester. Der emeritierte Erzbischof Bernard Barsi wird seinen Nachfolger am 8. März um 15.30 Uhr in der Kathedrale zum neuen Erzbischof von Monaco weihen. Kr

ratete Eltern, und nur 265 der frisch gebackenen Elternpaare leben in Monaco. Beliebte Namen für die 494 Jungen waren Léo, Gabriel, Raphaël, Mattéo, Louis, während die 445 Mädchen am häufigsten Charlotte, Valentina, Jade, Victoria oder Mila genannt wurden. Im Fürstentum vermählt haben sich 2019 genau 202 Paare, darunter fielen nur drei Eheschließungen zwischen rein monegassischen Paaren. Während die Anzahl der Hochzeiten im Vergleich zu 2018 um 19 gestiegen ist, sank die Scheidungsanzahl von 78 auf 70. Die Zahl von 524 Verstorbenen ist in etwa konstant geblieben und gleich auf beide Geschlechter verteilt. Kr

PELAGOS-ABKOMMEN SCHUTZ DER MEERESSäUGER Ende Januar fand der 12. wissenschaftlichtechnische Ausschuss des Pelagos-Abkommens im Ozeanografischen Museum statt. Der Zweck des 1999 in Rom von Vertretern Frankreichs, Italiens und Monacos unterschriebenen und 2002 in Kraft getretenen Pelagos-Abkommens ist der Schutz der Meeressäugetiere und ihrer Lebensräume vor menschlich verursachten Störungen. Gemeinsam wurde das bisher einzige internationale Schutzgebiet für Meeressäuger im Mittelmeer deklariert. Beim Jahrestreffen im Januar wurde Bilanz gezogen und in die Zukunft geblickt. Anwesend waren auch verschiedene Beobachter wie etwa vom WWF Frankreich und von ACCOBAMS, einem Abkommen zum Schutz der Wale. Noch in diesem Jahr wird eine weitere Tagung der Vertragsparteien des Pelagos-Abkommens in Italien stattfinden.  

METROPOLE SONNTAGS GEöFFNET Das Metropole Shopping Center schräg gegenüber vom Casino wird diesen Sommer – vom 3. Mai bis zum 27. September – auch sonntags geöffnet sein. Gleiches gilt für den Dezember und den ersten Sonntag im Januar. 


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Ein wahrhaftig erholsamer Urlaub ist erst dann möglich, wenn man sich um nichts mehr kümmern muss. Hier spielt neben der Ausstattung, die keine Wünsche offenlässt, die Sicherheit des Komplexes eine wesentliche Rolle. Jeder Besucher verfügt über einen individuellen Eingangscode, der die Gebäudetür und die Wohnungstür öffnet, sodass keine Schlüssel benötigt werden. Stellen Sie sich vor, Sie genießen ein Glas Rosé und sonnen sich auf dem Balkon, während die Kinder glücklich mit den Sprösslingen anderer Familien spielen. Das klingt doch nach einem gelungenen Urlaub!

besondere Ereignisse

Evancy Holiday Suites

Ein provenzalisches Zuhause fern der Heimat

Ein großer Empfangsbereich im Freien und ein Poolhaus eignen sich großartig als Räume für private Veranstaltungen, ob es sich nun um Firmenversammlungen, Cocktail-Soirées oder sogar um Hochzeitsempfänge handelt. Jedes der Penthäuser mit einer großen Terrasse ist ebenfalls ein hervorragender Veranstaltungsort, besonders, wenn ein eher privates Beisammensein bevorzugt wird. Die Mitarbeiter von Evancy sind jederzeit gerne bereit, mit Ihnen verschiedene Ideen für die Veranstaltungsplanung zu besprechen. Um Parkplätze braucht man sich ebenfalls nicht zu sorgen, denn diese sind innerhalb des Komplexes reichlich vorhanden, auf Anfrage sind auch private Garagen verfügbar. Für Elektroautos gibt es drei Ladestationen und darüber hinaus eine sichere, überdachte Fahrradgarage. 

evanCy venCe ingebettet in die bewaldeten Hügel von Vence, sind die brandneuen Evancy-Feriensuiten ein ruhiger Rückzugsort für die ganze Familie. Dank all der Annehmlichkeiten, sportlichen Aktivitäten und der umgebenden Natur bleiben auch die Kinder sicherlich beschäftigt, und Sie können die warme Sonne der französischen Riviera ganz entspannt genießen. Die Anreise mag etwas abenteuerlich erscheinen, da man einer kleinen kurvenreichen Straße durch den Wald folgend an Vence vorbei und weiter die Hügel hinauffahren muss. Sobald Sie jedoch am Einfahrtstor angekommen sind, beginnt sich die Schönheit dieses 4-Sterne-Komplexes zu offenbaren. Wie ein echtes Zuhause fern der Heimat bietet Evancy seinen Gästen alles, was sie für einen gelungenen Urlaub benötigen. Vier zeitgenössische Gebäude rahmen einen herrlichen, beheizten Swimmingpool ein, während sich gleich dahinter Pétanque-Plätze, ein Tennisplatz, Basketballkörbe sowie mehrere Tischtennisplatten befinden. Ein Kinderspielplatz rundet das reichhaltige Angebot ab und sorgt dafür, dass die Kinder Spaß haben. Im Inneren jedes Gebäudes befinden sich voll ausgestattete Wohnungen, von Studios bis

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hin zu Penthäusern mit drei Schlafzimmern, drei Badezimmern und weitläufigen Terrassen. Die Küchen sind reichlich mit Geschirr, Kochtöpfen und nützlichem Zubehör ausgestattet. Mikrowelle, Kühlschrank, Spülmaschine und Backofen fehlen ebenso wenig.

«Les Jardins d’azur» 1167 Chemin de la Sine 06140 vence Tel. +33 (0)3 20 15 36 19 www.evancy.fr/destinations/vence

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deutsch-FranZösischer wirtschaFtspreis

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deutsch-FranZösischer preis der Kultur- und KreativwirtschaFt 2020

Fünfmal ausgezeichnet Philippe Oddo, Florian Drücke sowie Attestation Légale in Kooperation mit Zertifizierung Bau, Bibliothèques Sans Frontières in Kooperation mit Kiron und das Startup La Ruche qui dit oui! (Marktschwärmer) erhielten dieses Jahr die auszeichnungen des Deutsch-Französischen Wirtschaftspreises und des Deutsch-Französischen Preises der Kultur- und Kreativwirtschaft. Die fünf Gewinner stehen für erfolgreiches engagement in der wirtschaftlichen, unternehmerischen und kulturellen Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Deutschland. Die Preisverleihung fand anfang Februar in Paris im Beisein des französischen Ministers für Wirtschaft und Finanzen, Bruno Le Maire, der deutschen Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und energie, Claudia Dörr-voß, und des deutschen Botschafters in Frankreich, Nikolaus MeyerLandrut, vor über 400 vertretern aus Wirtschaft, Politik und Kultur statt.

Drei Preise wurden im rahmen des Deutsch-französischen Wirtschaftspreises 2020 unter dem Jury-Vorsitz von guy maugis, Präsident der Deutsch-französischen industrie- und handelskammer, verliehen: Preis der Persönlichkeit der Wirtschaft: Philippe oddo Der französische Unternehmer und Bankier Philippe Oddo ist geschäftsführender Gesellschafter der Oddo BHF-Gruppe. Philippe Oddo ist Gründer der Bank Oddo in Frankreich und übernahm im Jahr 2016 die deutsche BHF-Bank. Deutschland wurde damit die zweite Säule der Oddo-Gruppe unter der Leitung eines deutsch-französischen Teams mit einem doppelten Unternehmenssitz in Paris und Frankfurt. Preis der innovativen Kooperationen: attestation legale und Zertifizierung bau Attestation Légale ist ein im Jahr 2010 gegründetes Unternehmen, das sich auf die Online-Administration von Fachdokumenten der Baubranche spezialisiert hat. Das junge

Unternehmen arbeitet seit kurzem mit der deutschen Zertifizierungsstelle für den Bausektor, Zertifizierung Bau, zusammen. Gemeinsam gründeten sie die Tochtergesellschaft OFA GmbH mit dem strategischen Ziel, «einen europäischen Champion der administrativen Harmonisierung zu schaffen». startup-Preis, vom Publikum gewählt: la ruche Qui Dit oui! (marktschwärmer) Marktschwärmer bietet direkte und digitale Vertriebsnetze für regionale Hersteller an. Verbraucher können sich dank der digitalen Plattform frische und lokale Produkte beschaffen. Das Projekt wurde in Frankreich im Jahr 2011 unter dem Namen La Ruche Qui Dit Oui! initiiert. Seitdem wurden mehr als 750 regionale Märkte eingerichtet. Seit 2014 breitet sich das Netzwerk in anderen europäischen Ländern aus, in Deutschland ist es in Berlin präsent. Marktschwärmer zählt heute 64 lokale Märkte in der BRD und zielt auf die Eröffnung von 70 weiteren Projekten im übrigen Bundesgebiet. 

unter dem Jury-Vorsitz von Jérôme Duval-hamel, leiter und mitbegründer von gruppen im bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft, administrator von Kulturensembles sowie mitglied des Präsidiums der Deutsch-französischen industrie- und handelskammer, zeichnet die 2020er-ausgabe des Deutsch-französischen Preises der Kultur- und Kreativwirtschaft zwei gewinner aus: Preis der Persönlichkeit des Jahres: florian Drücke Florian Drücke ist Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Musikindustrie (BVMI). Er engagiert sich seit Jahren für die deutsch-französischen Beziehungen und ist 2018 zum Co-Präsidenten des Haut Conseil Culturel Franco-Allemand (HCCFA) gewählt worden. Zum 30. Jahrestag des HCCFA initiierte er den Jugendkulturrat im Europäischen

Parlament in Straßburg. Er arbeitet eng mit der französischen und deutschen Politik zusammen, um die Rahmenbedingungen für die Unternehmen der Kreativwirtschaft zu verbessern; dazu zählt die Reform des europäischen Urheberrechts. Preis der Kultur- und solidarwirtschaft: bibliothèques sans frontières und Kiron Bibliothèques Sans Frontières (BSF) wurde 2007 gegründet und hat die Aufgabe, den Zugang zu Bibliotheken, Informationen und Bildung für Menschen aus prekären Verhältnissen mit schlechtem Internetzugang zu verbessern. Als Experte für Offline-Internetzugangsmöglichkeiten hat BSF in Zusammenarbeit mit dem deutschen Spezialisten von Online-Trainingsportalen Kiron Angebote entwickelt, damit zum Beispiel Flüchtlinge auch im Ausland ihre Ausbildung weiterführen können. 

«Es ist eine der Stärken der deutsch-französischen Beziehungen, die wirtschaftliche Zusammenarbeit zu unterstützen, um europäische Champions zu schaffen. Die drei Preisträger unterstreichen, wie wichtig die Förderung des Wissensaustausches zwischen den beiden Ländern ist.»

«Diese ausgezeichneten Kooperationen in den Bereichen Kultur und Solidarität bringen erfolgreiche Innovationen aus beiden Ländern zusammen und bieten somit Lösungen zu aktuellen, globalen Herausforderungen.»

Guy Maugis

Jérôme Duval-Hamel

Der Deutsch-Französische Wirtschaftspreis und der Deutsch-Französische Preis für Kultur- und Kreativwirtschat werden alle zwei Jahre von der Deutsch-Französischen Industrieund Handelskammer vergeben, um beispielhafte Kooperationen und herausragende Persönlichkeiten zwischen den beiden Ländern auszuzeichnen. MäRZ / ApRIl 2020


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V.l.: francesco grosoli, ceo der cmb; etienne franzi, Präsident der cmb; henri fissore, Präsident des aufsichtsrats des grimaldi forums, und sylvie biancheri, Direktorin des grimaldi forums © JC Vinaj/Grimaldi Forum 2020

CMB & Grimaldi Forum

neue strateGie und bewährte Partnerschaft ereits seit fast einem Jahr leitet Francesco Grosoli nun als CEO die Geschicke der Compagnie Monégasque de Banque (CMB) in Monaco. Diese Zeit wurde von einer neuen Strategie bestimmt, in deren Mittelpunkt Synergien zwischen der monegassischen Bank sowie der Mediobanca CIB und AM platform stehen. Eine steigende Bedeutung wird dabei den Aktivitäten der Vermögensverwaltung innerhalb der gesamten Gruppe beigemessen. Grosoli arbeitet an neuen Strategien, lässt dabei jedoch Bewährtes nicht außer Acht. So hat er im Januar gemeinsam mit CMB-Präsident Etienne Franzi, dem Aufsichtsratschef des Messe- und Kulturzentrums Grimaldi Forum Henri Fissore und dessen Direktorin Sylvie Biancheri die seit 15 Jahren bestehende Partnerschaft wieder erneuert (siehe Foto). Als eine der leitenden Banken des Fürstentums steht die CMB Monacos wichtigster Location für internationale Events seither zur Seite und trägt somit aktiv zum kulturellen Einfluss des Landes weit über dessen Grenzen hinaus bei. Das Grimaldi Forum blickt auf ein überaus erfolgreiches Jahr zurück, nicht zuletzt auch dank der fruchtbaren Partnerschaft mit der CMB. 

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4Players4You

duale ausbildunG in franKreich m Deutsch-Französischen Tag, dem 22. Januar, ist eine Initiative im Bereich Chemie und Pharma in Frankreich gestartet: Die Unternehmen BASF France, Bayer France, Boehringer-Ingelheim France und Merck France haben mit der Deutsch-Französischen Industrie- und Handelskammer in Paris ein Kooperationsabkommen für die Weiterentwicklung der dualen Ausbildung in Frankreich unterzeichnet. Es geht darum, technische Berufe attraktiver zu gestalten. Die neue duale Ausbildung im Bereich Servicetechnik Chemie & Pharma wird zum kommenden Schuljahresbeginn eingeführt. Die Lehrlinge werden nach den neuesten digitalen Methoden ausgebildet. Die Lehre wird auch einen Auslandsaufenthalt an den Hauptsitzen der entsprechenden Unternehmen in Deutschland enthalten. Die Deutsch-Französische Industrie- und Handelskammer erteilt die offizielle Zertifizierung der Lehre und sichert den Qualitätsstandard. Die Initiative trägt den Namen «4Players4You»: Sie richtet sich direkt an zukünftige Talente (4You) und wurde von vier Pionieren der Industrie ins Leben gerufen. Seit Januar 2019 können Unternehmen in Frankreich die Ausbildung ihrer Auszubildenden an spezifische Qualifikationsbedarfe anpassen und Lehrinhalte mitbestimmen. 

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Unser Auftraggeber ist ein eleganter österreichischer Privathaushalt mit Hauptwohnsitz in Österreich und mehreren internationalen Residenzen. Zur ganzjährigen Betreuung des neu renovierten und exklusiven Anwesens in Südfrankreich / Cap d’Antibes suchen wir ab Frühjahr 2020 (Eintritt spätestens ab Juni 2020) eine/n erfahrene/n und verlässliche/n

Haustechniker / Hausmeister (m/w) Technische Allrounder mit handwerklichem Geschick und Erfahrung in einem Privathaushalt gesucht! Ihre Aufgaben im Detail: • Betreuung der Elektrotechnik und Wartung der Haus-, Sicherheits- und Brandmeldeanlagen • Tägliche Erhaltungs-, Pflege- und Kontrollarbeiten in der Residenz • Eigenständige Durchführung kleinerer Reparaturen sowie Kooperation mit verschiedenen Fremdfirmen nach Bedarf • Einkauf des benötigten Materials im Rahmen des Budgets sowie Erledigung von Botengängen • Organisatorische und administrative Tätigkeiten sowie regelmäßiges Berichtswesen in Englisch oder Deutsch an das Family Office in Wien sowie die Eigentümer

Ihr Profil: • Abgeschlossene technische Ausbildung • Mehrjährige Praxis in vergleichbarer Position, idealerweise in einem Privathaushalt oder der gehobenen Hotellerie • Sehr gute Französischkenntnisse sowie zusätzlich gute Deutsch- oder Englischkenntnisse setzen wir voraus • Technisches Verständnis (Gebäudetechnik, Elektrotechnik, IT), handwerkliches Geschick und gute MS-Office Kenntnisse • Ausgeprägte “Hands-on-Mentalität“ sowie hohe Service- und Dienstleistungsorientierung, Teamplayer, Diskretion und Flexibilität • Idealerweise verfügen Sie über ein gutes Netzwerk in der Region

Wir bieten Ihnen: • Eine überaus reizvolle, außergewöhnliche und abwechslungsreiche Position. • Umfassende Einarbeitung durch die Kollegen in Österreich. • Eine 5-Tage-Woche (Montag bis Freitag) sowie eine Personalunterkunft bei Bedarf. Sie verfügen über ein hohes Verständnis für diverse technische Abläufe, interessieren sich für moderne Anlagen und Geräte und haben Freude daran, Ihr handwerkliches Geschick vielseitig einzusetzen? Dann freuen wir uns auf Ihre aussagekräftigen Bewerbungsunterlagen (inkl. Foto) ausschließlich auf Englisch oder Deutsch unter Angabe der Kennnummer 78.190 bevorzugt über unser ISGKarriereportal oder per eMail. Besuchen Sie uns auf www.isg.com/jobs – hier finden Sie täglich neue Jobangebote. ISG Personalmanagement GmbH A-1020 Wien, Rustenschacherallee 38 Marisa Otto, BA LLB.oec., Tél : 0043 664 856 42 58 @ : bewerbung.otto@isg.com

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Ein Amphitheater als Flughafen Der Riviera Airport bei Albenga macht der Côte d’Azur Konkurrenz clemens toussaint (foto oben) © Marco Zanardi

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ein elitärer antiKommerz-Flugplatz – das ist die zum Teil schon realisierte vision des Kölners Clemens Toussaint. rZ-Gründerin Petra Hall besuchte mit ihm den fast hundertjährigen Aeroporto, der nun auf dem besten Weg ist, eine echte alternative für Privat-Jets an der riviera zu werden. Bis 2022 soll das etwa 100 Hektar umfassende Projekt beendet sein.

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igurien und Côte d’Azur: zwei Welten und doch so nah beieinander. Im Hubschrauber dauert ein Flug von Albenga nach Monaco etwa 20 Minuten, im Auto ist es eine knappe Stunde. Daraus kann eine fantastische Geschäftsidee entstehen, zumindest, wenn man Clemens Toussaint heißt und über Visionen, Intelligenz, Risikobereitschaft und Sensibilität verfügt. Und natürlich auch über die notwendigen Mittel. Dieser Mann, der zu den beeindruckendsten Menschen gehört, die mir in meiner langen Laufbahn begegnet sind, kann bei allen Punkten «Hier!» rufen. Jahrzehntelang machte der gebürtige Kölner mit Wohnsitz in Monaco internationale Schlagzeilen als Kunstfahnder. Damals beschäftigte er sich intensiv mit der Nachkriegsgeschichte und

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führte verschollene Kunstwerke an ihre Eigentümer zurück. «Als Deutscher fühlte ich mich dazu verpflichtet», sagt er nachdenklich. Dann begann ein neues Lebenskapitel: 2016 gaben die lokalen Behörden den Flugplatz von Albenga zur Privatisierung frei – als ersten Italiens. Clemens Toussaint schlug zu, denn er sah glasklar die sich bietende Opportunität und das erhebliche Entwicklungspotenzial: unter dem Namen Riviera Airport für Privatjets eine Alternative zu den Flughäfen Nizza und CannesMandelieu zu schaffen. Denn dort platzt man aus allen Nähten, was die Stellplätze betrifft. «Jetzt will ich etwas für die Zukunft schaffen», so der 58-jährige Vater von vier Kindern. Zielstrebig kontaktierte also Toussaint, dessen Name auf französische Vorfahren zurückgeht, den Flughafen von Nizza, um eine Zusammenarbeit vorzuschlagen. Eigentlich logisch. Doch man knallte ihm sozusagen die Tür vor der Nase zu. Seit fast drei Jahren prozessiert er nun mit dem Aéroport Nice Côte d’Azur. Streitobjekt ist der Name. Angst macht ihm das nicht, er zieht seine Strategie durch. Schließlich war Albengas Flughafen, der bis vor Kurzem offiziell Aeroporto Internazionale Clemente Panero hieß und 2022 sein hundertjähriges Bestehen feiert, wegen seiner Lage acht Kilometer vom Meer entfernt immer schon als Riviera Airport bekannt. Clemente Panero (die ähnlichkeit mit Clemens ist rein zufällig …) war ein berühmter Kampfpilot des Ersten Weltkriegs, die Piste in Villanova d’Albenga wurde im Laufe der Zeiten nacheinander für militärische, industrielle und zivile Zwecke genutzt. Heute ist der Riviera Airport Sitz von Piaggio Aerospace, dem einzig verbliebenen Flugzeughersteller in Italien. Ansonsten wickelt der Flugplatz ausschließlich privaten und Business-Flugverkehr ab. Toussaint liebt Ligurien: «Von Monaco aus sind wir mit der Familie immer mehr Richtung Italien gefahren, ich fühle mich dort wie zu Hause.» In seinem Flughafen-Projekt spielt denn auch der reizvolle Kontrast zur Côte d’Azur eine große Rolle, und das sollen die Inhaber von Privatjets in jedem Detail spüren: keine Hektik wie an den französischen Flughäfen, der wunderbare Aus-

edles ambiente zum Wohlfühlen © Open Building Research

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Zeitgenössische architektur vom feinsten © Open Building Research

blick auf die unberührte Landschaft und das authentische Leben in einer Region, die, so Clemens Toussaint, «heute noch so ist wie es die Côte vor 40 Jahren war – kurz, ein Ort der Kontemplation. Wir wollen einen elitären Anti-Kommerz-Flughafen mit Akzent auf Entschleunigung, typisches Essen, Musik und Kunst – weit weg von den überall gleichen, anonymen Einkaufsmeilen. Wir haben mit dem genuesischen Architekten Paolo Brescia, Schüler von Renzo Piano und Gründer des Open Building Research, auf der Piste gesessen und uns gesagt: Unglaublich, wir befinden uns hier in einem Amphitheater zwischen zwei Flüssen. Wir richten uns nach der Natur. Und nehmen uns zurück».

Stimmige Visionen Toussaints zum Teil schon realisierte Visionen sind stimmig: Baumaterialien und Farben, die mit der Geschichte der Gegend harmonisieren, eine Sicht auf den Flughafen, der von der ästhetik bestimmt ist. Und da kommt er wieder zum Vorschein, der leidenschaftliche Kunstliebhaber. Ihm schwebt vor, die Lounge zu einer exklusiven Galerie zu machen. Zeitgenössische Werke von bekannten Künstlern werden die Wände schmücken, der freie, ungehinderte Blick schweift in die Natur, hochwertige Parkettböden sorgen für edles Ambiente – unverkennbar inspiriert von der Schweizer Fondation Beyerler, «eines der schönsten Museen Europas, was Architektur betrifft. Mit Wissen und Kultur verschafft man sich Respekt», sagt der Flughafeneigentümer, «nur so kann man heute seine Kunden beeindrucken». 1980 hatte er ein Jahr in Nizza studiert. «Die damalige Provinzstadt hat sich seitdem total verändert. Die soziale Entwicklung hat die Côte europäisiert, und das ist auf die goldene Entscheidung zurückzuführen, den Flughafen zum zweitgrößten Frankreichs auszubauen. Die Region ist zu einem internationalen Zentrum geworden, von wo aus Menschen aus aller Welt arbeiten – nicht nur die sogenannten Reichen und Schönen. Nizza hat heute fast 15 Millionen Fluggäste pro Jahr, und die Zahl soll auf 30 Millionen steigen! Genua hingegen spricht von einer Million Passagieren.»

Bei einer solch rasanten Entwicklung, meint Clemens Toussaint, werde an der Côte d’Azur für Privatjets nichts mehr an Slots übrigbleiben. Und da ist wieder die große Chance für sein Projekt auf italienischer Seite. Auf der 1459 Meter langen und 45 Meter breiten Start- und Landebahn –fast ebenso groß wie die Piste von London City – können zwar keine Airbusse landen, sie ist aber ideal für Privatjets bis zu 60 Tonnen.

keine Massenabfertigung «Wir bieten Riviera Airport als Zielflughafen für diejenigen an, die zwischen Nizza und Genua zu tun haben», erklärt Toussaint. «Es ist ein ganz anderes Gefühl, privat zu fliegen. Das bedeutet: keine Massenabfertigung, die Sicherheitskontrollen werden durch Carabinieri vorgenommen, die Passagierpläne werden im Voraus gecheckt. Bei uns muss man nicht die Schuhe ausziehen, die Gäste können auch mit dem Auto direkt zum Jet fahren, und die Kontrollen werden in diesem Fall an der Gangway abgewickelt.» Neue, vor der Salzluft des Meeres geschützte

besprechungsraum © Riviera-Airport

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Hangars sowie moderne VIP-Services rundenkünftig das Angebot ab. Laut Toussaint leben in Monaco mehr PrivatjetBesitzer als in ganz Italien zusammen. Deswegen ist Nizza so überfüllt. Ein gutes Beispiel sind auch die neuen Yachthäfen Liguriens. Da liegen jetzt schon mehr Yachten als in Monaco. Die übersättigte Industrie jenseits der Grenze geht nach Italien: mehr Platz, besserer Service, günstigere Tarife. «Riviera Airport ist für den französischen und internationalen Markt geschneidert, bringt aber viel positive Energie nach Ligurien. Wir planen, hier etwa 200 Arbeitsplätze zu schaffen. Fluggäste kombinieren ihre Ankunft gern mit Besuchen typischer Restaurants, nicht selten verlieben sie sich in diese schönste Ecke der Riviera Ponente und halten Ausschau nach einer Immobilie.» Bisher nutzen etwa zehn Privatjets den Riviera Airport als Heimatflughafen. In diesem Jahr wird mit einer Verdoppelung gerechnet. Pro Jahr gibt es hier rund 2000 Flugbewegungen. Zum Vergleich: Cannes hat 20 000 – «da wollen wir hin», so Toussaint – und Nizza 60 000. Der deutsche Unternehmer wird nostalgisch, als wir über das Flughafen-Gelände fahren und am alten Kontrollturm in Retro-Look halten: «Hier wird ein typisches Restaurant entstehen. Beim Essen kann man die Flugzeuge beobachten wie damals in Köln-Wahn, als ich Kind war.» Seine Augen leuchten: «Die Konzession läuft noch bis 2034, wenn alle geplanten Investitionen getätigt sind, wird sie natürlich verlängert. Immer mehr Leute fliegen; aber immer mehr Flugplätze sind defizitär, so früher auch Albenga. In Italien gibt es 100 Flughäfen, aber nur weniger als zehn bringen Gewinn. Die anderen werden von den Steuerzahlern finanziert. Die Bilanz des Riviera Airports wird im nächsten Jahr erstmals ausgeglichen sein», sagt der bisher noch alleinige Eigentümer. Langfristig soll Albenga nach Clemens Toussaints Plänen der Flughafen von Monaco werden. «Deswegen wohne ich noch im Fürstentum, sonst wäre ich schon längst nach Italien umgezogen.» 


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inhalt Cannes Wie Bürgermeister Lisnard die Festival-Stadt aufhübscht

48 Nizza Noch moderner, noch grüner

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PrestigeProjekte

Nizza

Stadtbilder unterliegen einem konstanten Wandel. ein neues, ausdrucksstarkes Gebäude und das Gesicht eines ganzen viertels kann sich verändern. Nizza geht diesen Beweis aktuell mit seinem gewagten Projekt Iconic in der wenig attraktiven Nachbarschaft des Hauptbahnhofs an. Grasse setzt seine neue, spektakuläre Mediathek bewusst in einen vernachlässigten Teil der altstadt. Wir beobachten in unserem Special verschiedene der MegaBau-Projekte zwischen aix-enProvence und Monaco. es tut sich was im Süden!

Monaco Der Kleinstaat ist ein Meister der schöpferischen Kraftakte

50 Aix-en-Provence eine Stadt pellt sich aus dem ei

52 Antibes Fokus auf Meer, Kultur & Sport

54 Grasse So viel Potential ...

55 Mipim Branchentreff in Cannes mit apple-Mitgründer Steve Wozniak

56 Immobilienkauf Manchmal weiß der Makler eher, was der Kunde sucht, als der Kunde selbst

Cannes

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BAUPROJEKTE Spektakuläre Prestige-Objekte oder stadtplanerisch sinnvolle Neubauten? Oder sogar beiden Kategorien zuzuordnen? entscheiden Sie selbst, wozu Sie die Bauprojekte verschiedener Städte an der Côte d’azur und in der Provence zählen! Von christine helfritZ & aila stöcKmann

Cannes

Saint-Tropez

Attraktivität ist alles

Eingerüstete Ikone

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annes’ Bürgermeister David Lisnard versteht sich – wie sein Amtskollege in Nizza – bestens darauf, seine Stadt publikumswirksam in Szene zu setzen. Davon zeugen beispielsweise die kilometerlange strandpromenade Richtung Cannes-La Bocca wie auch die Croisette in der Innenstadt, die in den vergangenen Wintern nach und nach aufgewertet worden sind. Zu Ostern spätestens präsentieren sich sämtliche Strandrestaurants längs der Croisette in neuem Look. Die Attraktivität der Stadt ist ihr Kapital.

© Mairie de Cannes

Ganz in dem Sinne sind die Umbau- und Modernisierungsarbeiten am Yachthafen Port Pierre canto zu verstehen, dem Hafen am Ausgang der Stadt Richtung Antibes. Bis zum Sommer soll die zweite Bauphase abgeschlossen sein. Kapitänsbüro und Sanitäranlagen sind bereits neu, im zweiten Abschnitt folgen weitere Grün-Anlagen und die MäRZ / ApRIl 2020

Schaffung eines zentralen Platzes, Espace Grand Large (Foto l.), zum Entspannen und Flanieren.

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as ist neu im beschaulichen SaintTropez? Hier ticken die Uhren anders als bei den großen Nachbarn in den Alpes-Maritimes: Ein Stadionneubau, die Renovierung einer kleinen Kapelle und einer Ikone des Städtchens sind die wichtigsten städtischen Bauprojekte des Jahres.

© Christophe Gulizzi Architecte

Auch für Studenten wird die Côte d’Azur immer attraktiver. Mitte Februar wurde in Cannes der campus bastide rouge eröffnet – mit Hörsälen für 1000 Studenten in verschiedenen Medien-Studiengängen (rund um Film, TV, kreatives Schreiben, Journalismus, Werbung…), mit StudentenWohnheim, Cafeteria, Bürofläche für Unternehmen, Gärten und 1000 Parkplätzen. Noch in diesem Sommer soll in unmittelbarer Nachbarschaft ein multiplexkino fertig gestellt werden. Mehr als 61 Millionen Euro werden erneut in die Erweiterung und Renovierung des Palais des Festivals et des Congrès gesteckt. Durch den Bau eines weiteren Kinosaals mit 500 Plätzen auf dem Dach des Gebäudes soll das Festspielhaus zum größten Kongresszentrum Frankreichs außerhalb von Paris werden. Aber erst zum Filmfestival 2024 wird es soweit sein. 

Fernab vom Trubel rund um den Hafen steht die Kapelle sainteanne (Foto u.) auf dem Mont Pécoulet. 1618 wurde sie als Dankeschön dafür errichtet, dass Saint-Tropez von der Pest verschont blieb; 1971 heirateten hier, so heißt es, Mick und Bianca Jagger. In die Jahre gekommen, ist es höchste Zeit für eine Frischzellenkur. Ein neues Dach muss her, die Wände saniert und eine dekorative Außenbeleuchtung installiert werden.

Zur kommenden Saison des FC Saint-Tropez im September soll es fertig sein: ein nagelneues fußballstadion an der Stelle des alten. Das Stade Marcel Aubour erhält neben neuen Umkleideräumen, Tribüne mit Sitzplätzen für 300 Zuschauer und Clubhaus einen neuen (Kunst-)Rasen. Das alte Stadion ist im vergangenen Herbst abgerissen worden. Das Postkartenmotiv Nummer eins am Platz – der gelb-rote glockenturm der Pfarrkirche – wird vorerst eingerüstet sein: Auch hier gilt es, die offenbar rissig gewordenen Wände zu prüfen, zu sanieren und neu zu streichen. 


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Nizza iconic © Ville de Nice

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nde Januar lud Bürgermeister Christian Estrosi zur BaustellenBesichtigung: Nizzas derzeit beeindruckendstes Bauprojekt, iconic, nimmt langsam Gestalt an – direkt neben dem Hauptbahnhof Thiers, als Verbindungsstück zwischen Zug und Tram, zwischen Bahnhof und Flaniermeile Jean Médecin. Hier entsteht ein GlasMetall-Palast mit insgesamt 19 000 Quadratmetern Fläche, in dem u.a. ein Hotel, fünf Restaurants (eines in der obersten Etage mit spektakulärer Aussicht), Geschäfte und Büros Platz finden sollen. Das Projekt soll nicht nur für sich glänzen, sondern vor allem das derzeit wenig ansprechende Bahnhofsviertel aufwerten. Die Fundamente des Werks von Architekt Daniel Libeskind sowie der unterirdische Theatersaal mit 600 Plätzen stehen unterdessen. Nach und nach wird nun in den kommenden Monaten das tragende Metallkonstrukt des künftigen Baus in den Himmel wachsen. In einem Jahr, Anfang 2021, soll das Iconic eröffnen.

Noch moderner, noch grüner mittlerweile rund sieben Jahr enorm auf. Bislang erstreckt sich die Promenade du Paillon von der Promenade des Anglais bis kurz vor das MAMAC-Museum. Im Falle seiner Wiederwahl will Estrosi das ans Museum angrenzende, in die Jahre gekommene Nationaltheater TNN und auf der anderen Seite den hässlichen Messebau Acropolis zugunsten eines Stadtwaldes abreißen. Das Theater soll umziehen, die Messe ein neues Gebäude in Flughafennähe erhalten. Insgesamt acht Hektar Grün sollen bis 2025 auf der frei werdenden Fläche auf insgesamt etwa einem Kilometer Länge entstehen. Bereits im Januar mit großer PolitProminenz (u.a. Ex-Präsident Nicolas Sarkozy) eingeweiht wurde im Wohnviertel Nizza-Nord der Parc du ray (Projekt-Foto u.), wo bis vor einigen Jahren Nizzas

Parc du ray © Ville de Nice

Für geteilte Meinungen sorgte die Ankündigung des Bürgermeisters kurz vor Wahlkampfbeginn (siehe Seite 12), die grüne Lunge der Stadt, la coulée verte bzw. Promenade du Paillon, verlängern zu wollen. Der durchgängig grüne Park über dem unterirdisch verlaufenden Fluss Paillon geht bereits auf Estrosis Konto und wertet das Stadtzentrum seit

gleichnamiges Fußballstadion stand (heute kickt der OGC Nice im neuen Stadion im Westen der Stadt). Der drei Hektar große Stadtpark umfasst neben großer Wiesenfläche einen Wasserfall, Sportplatz und Hochseilgarten. Auf einem weiteren Hektar entstehen Wohngebäude mit Ladenlokalen im Erdgeschoss. Geplante Fertigstellung: Anfang 2021.

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Allianz-Riviera-Fußballstadion und frisch angebunden an die TramLinie 3, soll – nach unzähligen Jahren der Standortsuche und Detailplanung – Ende kommenden Jahres eröffnen. Teil des Projekts sind 7000 Quadratmeter Solarzellen und 10 000 Quadratmeter begrünte Dachfläche. Immer wieder berichtet haben wir über das ebenfalls im Westen der Stadt, zwischen Flughafen und Fußballstadion, entstehende eco

cours Jacques chirac © Ville de Nice

Ebenfalls frisch eingeweiht ist der cours Jacques chirac: Das bisher unscheinbare Sträßchen zwischen Blumenmarkt (Cours Saleya) und Promenade am Meer (Quai des Etats Unis) ist nicht nur renoviert und mit neuen Durchgängen zum Meer versehen worden, sondern hat zu Ehren des im Herbst verstorbenen ehemaligen Staatspräsidenten seinen alten Namen Cité du Parc abgegeben. Die Lage des DeutschFranzösischen Kulturzentrums (CCFA) in ebendieser Gasse gewinnt an Charme! Seit Februar ziert eine (bereits beschädigte) überlebensgroße Chirac-Statue das Sträßchen, nach und nach sollen auf beiden Seiten Restaurantterrassen entstehen. Fertig renoviert ist außerdem bereits die Place Pierre gautier (Foto-Museum) auf der anderen Seite des Blumenmarktes, während der cours saleya selbst im kommenden Winter eine Frischzellenkur erhalten soll. Kein Artikel über Bauprojekte in Nizza ohne das Thema ikea (siehe Projekt-Foto r.). Der schwedische Möbelmarkt im Westen der Stadt, in direkter Nachbarschaft zum

Vallée. Im Herzen dieses Viertels wiederum, Nice Méridia, eröffnet dieses Frühjahr unter anderem der Universitätsbau IMREDD (Institut Méditerranéen du Risque, de l’Environnement et du Développement Durable) für 100 Forscher, 50 Doktoranden und 500 Studenten, die sich mit Fragen rund um grüne Technologien und Smart City beschäftigen. Im Stadtzentrum, Viertel NotreDame, wurde Anfang Februar das Gebäude totem eingeweiht, Zentrale des Nizzarder Zweigs der Bewegung French Tech Côte d’Azur. Hier sollen sich in Zukunft Start-ups und InkubatorenProgramme ansiedeln; lokalen Firmen wird Unterstützung bei Innovation, Digitalisierung und Expansion geboten. 

ikea © Ville de Nice

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Monaco Meister der Kraftakte

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as Fürstentum ohne Baukräne? Unvorstellbar. In Monaco wird immerzu umgebaut, aufgewertet, Platz gewonnen. Der gerade mal zwei Quadratkilometer große Stadtstadt ist von Tunneln durchbohrt wie ein Schweizer Käse, was Bauprojekte nicht eben erleichtert, wie das aktuell komplizierteste Projekt zeigt: der Neubau des Krankenhauses.

L’Anse du Portier. Seit 2013 wurde geplant, jetzt ist das Fundament so weit gediehen, dass es nur noch verdichtet werden muss, ehe Ende 2020 in die Höhe gebaut werden kann. Ein Sechstel des neuen Stadtteils soll Grünfläche vorbehalten sein. Ansonsten entstehen Mehrfamilienhäuser und Villen, Ladenlokale und ein kleiner Yachthafen. Die in der Grafik (unten links) gelb markierte Fläche ist für Fußgänger frei begehbar. 2025 soll das Viertel bezugsfertig sein.

gewesen als erwartet. Zu allem Überfluss befindet sich der Standort mitten in enger, rundherum bebauter Umgebung. Immerhin: Eine wichtige neue Brücke soll ab kommendem Juni den Verkehrsfluss erleichtern. Im Frühjahr 2021 solle die Phase 0 endlich beendet werden. Dann werde mit dem Bau des Parkhauses (534 Plätze) begonnen, auf dem das Krankenhaus aufsitzen wird. 2025 sollen Parkhaus und die erste Hälfte (mit 60 Prozent der Zimmer) des neuen CHPG

monaco ist ein stück größer geworden © L’Anse du Portier

so soll das neue Krankenhaus 2030 aussehen © AIA

so soll das Viertel 2025 aussehen © Valode et Pistre Architectes

Der bebauungsplan © SAM L’Anse du Portier

Das Projekt mit der größten Außenwirkung allerdings ist ein anderes: die landerweiterung. Seit Anfang des Jahres hat das Fürstentum eine neue Kontur. Zwischen Auditorium Rainier III und Grimaldi Forum ragt ein neues, sechs Hektar großes Stadtviertel ins Meer, MäRZ / ApRIl 2020

Fast könnte man die Landerweiterung als «Peanuts» bezeichnen, verglichen mit dem Kraftakt, den der Neubau des centre hospitalier Princesse grace (chPg) bedeutet. Das über 100 Jahre alte aktuelle Krankenhaus genügt den heutigen Ansprüchen nicht mehr dauerhaft – weder dem technischen Fortschritt, noch in seinen Kapazitäten. Daher haben vor mittlerweile rund fünf Jahren in unmittelbarer Nachbarschaft des Altbaus die Arbeiten an einem modernen Neubau mit 394 Betten (fast alle mit Meerblick) und allen gängigen Abteilungen begonnen. Besser gesagt: die Vorbereitungsarbeiten, entsprechend «Phase 0» genannt. Man liege derzeit zweieinhalb Jahre hinter dem Plan zurück, so Jean-Luc Nguyen, Directeur des Travaux Publics, gegenüber der RZ. Der Grund liege in der Komplexität der Baustelle. Einerseits müsse der Krankenhausbetrieb im Altbau ohne Einschränkungen weiterlaufen. Vor allem aber seien die Arbeiten am erdbebensicher zu gestaltenden Unterbau des neuen Gebäudes wegen des ebenfalls dort verlaufenden neuen Tunnels Albert II schwieriger

bezugsfertig sein, 2030 der zweite Teil. Allein der Umzug werde über ein Jahr dauern, so Nguyen. «Das Krankenhaus wird zu keinem Zeitpunkt schließen, die Chirurgie etwa muss jederzeit funktionieren.» Zu allen genannten Herausforderungen beim Bau des neuen CHPG gesellt sich noch eine weitere. Die Planer müssen in die Zukunft blicken können, erklärt Jean-Luc Nguyen: «Der neue Krankenhaus-Komplex ist so konzipiert, dass er auch in den kommenden Jahrzehnten wandelbar bleibt und sich der fortschreitenden Technik anpassen kann.» 

modern und wandelbar: das künftige chPg © AIA


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Aix-en-Provence Eine Stadt pellt sich aus dem Ei Wer in den letzten Monaten durch aix kam, erlebte die Stadt als eine einzige Baustelle – sowohl im Straßenbau als auch hinsichtlich der entstehung neuer Gebäude. ein Überblick: abends beleuchtete glasvitrinen © CH

bastide du Jas de bouffan © Ville d’Aix-en-Provence

aixpress © Ville d’Aix-en-Provence

Die rotonde jetzt mit bänken © CH

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auptgrund für die Baustellenlandschaft war der neue elektrisch betriebene Innenstadtbus aixpress, für den eigene Busspuren und eine neue Verkehrsführung geschaffen wurden. Das Straßenbild hat sich deutlich verschönert und der öffentliche Transport in Richtung der neu geschaffenen Stadtrand-Parkhäuser verbessert. Über eine Strecke von 7,2 Kilometern kann die Stadt nun im 7-Minuten-Rhythmus von Nordwesten bis Südosten via Innenstadt durchquert werden. Im Zuge der Bauarbeiten für den Aixpress wurde auch der Platz rund um die Rotonde erneuert – und auf einer Seite um Bänke ergänzt. MäRZ / ApRIl 2020

eglise de la madeleine © CH

In der Innenstadt sind die drei nebeneinander liegenden Plätze madeleine, Prêcheurs und Verdun neu gestaltet und verkehrsberuhigt worden; der Wochenmarkt konnte auf seinen angestammten Platz zurückkehren. Die freigelegten Ausgrabungen des ehemaligen Palais Comtal der Grafen der Provence (des späteren Parlement de Provence) sind nun in abends beleuchteten, in den Boden eingelassenen Vitrinen unter Glas zu bewundern. Die einen Steinwurf entfernte eglise de la madeleine befindet sich noch in der Renovierung. Gleich nebenan könnte im ehemaligen Kloster und Collège des Prêcheurs ein Picasso-museum entstehen – für den Fall, dass sich Picasso-Erbin Catherine Hutin-Blay und die Stadt Aix einigen. Schon jetzt sind die drei Plätze einen Umweg wert! Der große naturstadtpark: Auf einer Strecke von rund fünf Kilometern werden bis 2024 die vier bereits vorhandenen Stadtparks vom Parc Jourdain bis zum Roc Fleuri durch begrünte Spazierwege miteinander verbunden. Auch im Zentrum laufen zahlreiche Aktionen zur Begrünung der Innenstadt.

Die lange erwartete Renovierung der bastide du Jas de bouffan, ehemaliger Sitz der Familie Cézanne und zeitweiliges Wohnhaus des Malers Paul Cézanne, soll 2021 abgeschlossen sein. Der Öffentlichkeit zugänglich sein werden neben den Wohnräumen im Stil der Zeit des Malers auch sein Atelier sowie Ausstellungsräume im Obergeschoss. Die Renovierung von Gebäude und Park der fondation Vasarely ist mittlerweile abgeschlossen, einige der permanent ausgestellten Großwerke befinden sich noch in Überarbeitung. Im Westen der Stadt wird zurzeit ein ganzes neues Stadtviertel mit dem Namen la constance erschlossen. Hier entstehen in den nächsten zehn Jahren 3600 Wohnungen, Fußgängerzonen und Parks. Schon im nächsten Sommer eröffnet hier auf einer Fläche von sechzehn Hektar der lange erwartete Pôle numérique mit dem neuen Hauptquartier des Aixoiser Online-Reiseunternehmens Voyages Privés sowie einem angeschlossenen Inkubator für Startups aus dem Bereich E-Tourismus. Auf dem gleichen Gelände entsteht das Basislager des in der zweithöchsten Liga spielenden Aixoiser Rugbyvereins Provence Rugby Club, dessen Mehrheitsaktionär Voyages Privés ist.


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6mic © Ville d’Aix-en-Provence

Erstes Leuchtturmprojekt des neu entstehenden Viertels La Constance ist der soeben fertiggestellte Konzertsaal für Populärmusik 6mic (von sismique = seismisch) des Architekten Rudy Ricciotti (u.a. MuCEM Marseille, Musée Jean Cocteau/ Menton). Hier wird ab Anfang März Rock, Pop & Co. gespielt – alles, was die Wände wackeln lässt. Zur Versinnbildlichung hat der Architekt das markante Gebäude äußerlich in der Form eines Felsens (Rock) gestaltet. Im Gespräch ist überdies ein neues Gebäude im Westen der Stadt mit angeschlossenem Garten der Wissenschaften für das aktuell heimatlose naturgeschichtliche museum. Das Museum beherbergt die größte Sammlung von Dinosaurier-Eiern Europas: An den Hängen des Aixoiser Hausberges Sainte-Victoire befindet sich eine der weltweit bedeutendsten Fundstellen von Dinosaurier-Eiern, entstanden vor 74 Millionen Jahren, als es den Berg noch gar nicht gab. Schon seit einiger Zeit erweitert Aix den universitätscampus für seine 40 000 Studenten: 2017 entstand die futuristisch anmutende Universitätsblibliothek BU des Fénouillères; neues Herz des Univiertels ist der 2019 eingeweihte Le cube; in Kürze werden mehrere Gebäude für den Bereich der Wirtschaftswissenschaften fertiggestellt. Bereits 2017 wurde die aréna, Sport-

thecamp © CH

traditions-café – vorher ...© CH

Multifunktionshalle des Architekten Christophe Gulizzi und Heimstadion des Aixoiser Handballclubs PAUC (Pays d’Aix Université Club), eröffnet. Im gleichen Jahr entstand auch thecamp, der ambitionierte Campus für Zukunftsfragen und positive Innovation. Im vergangenen Jahr erhielt das schwimmbad Yves blanc ein olympisches Becken, die Privatklinik hPP (Hôpital Privé de Provence) wurde eingeweiht, der Grundstein für das neue Justizzentrum des Architekten Marc Barani gelegt (Fertigstellung 2021). Überdies wurde die Stadt Aix als smart city ausgezeichnet – für ihre rund 900 über die Stadt verteilten Sensoren, die Verkehrsströme, Lärmbelästigung, Luftqualität oder auch den Füllstand der öffentlichen Müllbehälter messen. trotzdem bleibt noch viel zu tun Die Verkehrsverbindungen von und nach Marseille in der zusammenwachsenden Metropolregion sind hoffnungslos überlastet. Es fehlt sowohl an schnellen Zugverbindungen als auch an Express-Busspuren auf der Autobahn.

... «les Deux garçons» nach dem brand. © CH

ein großer Verlust ist zu beklagen Ein Wahrzeichen der Stadt Aix, die traditionsreiche Brasserie les Deux garçons auf dem Cours Mirabeau, brannte im Dezember vergangenen Jahres unter noch ungeklärten Umständen ab. Paul Cézanne und Emile Zola, Jean Cocteau, Jean-Paul Sartre, Pablo Picasso, Darius Milhaud, Marcel Pagnol, Edith Piaf, Albert Camus, Alain Delon – sie alle besuchten das «2G». Eine Stadt befindet sich in Trauer. ch 

Die aréna © Ville d’Aix-en-Provence

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Antibes Fokus auf Meer, Kultur & Sport

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ntibes-Juan-les-Pin hat stadtplanerisch in den vergangenen Jahren Vollgas gegeben: neues Theater, neues Kongresszentrum, neuer Sportpalast. 2020 wird einen Gang runtergeschaltet. Ein paar sympathische neue Projekte sind aber dennoch am Horizont, darunter vor allem das Meereszentrum Espace Mer & Littoral am Cap d’Antibes und ein Kino in der Innenstadt.

am Zipfel vorne links befindet sich der espace mer & littoral © Ville d’Antibes im neuen Viertel marenda-lacan entsteht unter anderem ein Kinokomplex (glasbau) © Ville d’Antibes

geplante aquarien © Ville d’Antibes

Heute werden hier verletzte Schildkröten wieder aufgepäppelt, von der Bevölkerung – außer im Sommer – weitestgehend unbemerkt. Das soll sich nun ändern: Der traumhaft am süd-westlichen Teil des Caps gelegene espace mer & littoral wird zu einer Bildungsstätte für die Öffentlichkeit. Auf 2,2 Hektar (die dem für den Küstenschutz zuständigen Conservatoire du Littoral gehören) entstehen Aquarien, ein Naturlehrpfad, Ausstellungsfläche, Boutique und anderes mehr. Der charakteristische, 1704 errichtete Rundturm soll unter anderem die Möglichkeit zu virtuellen Tauchgängen bieten. Das auf 2,6 Millionen Euro geschätzte Projekt beginnt in diesem Jahr. Das Zentrum soll Ende 2021 eröffnen und dann ganzjährig zu besuchen sein. In diesem Sommer ist der Espace Mer & Littoral wie bisher nur von Juni bis August für die Öffentlichkeit zugänglich. antibes-juanlespins.com/culture/espace-mer-et-littoral MäRZ / ApRIl 2020

Kino-terrasse mit meerblick © Ville d’Antibes

Auch Antibes erhält ein neues multiplex-Kino (wie zuvor etwa Cagnes-sur-Mer, jetzt gerade Cannes und bald auch Grasse). Im Bereich der Fußgängerzone mitten in der Innenstadt entsteht auf insgesamt zwei Hektar Fläche das neue «Öko-Viertel marenda-lacan» zwischen Rue Lacan, Rue de la République und Rue Championnet – mit Raum für Kunst, einen Spielplatz, diverse Bäumen und Sitzgelegenheiten. Das angrenzende 4100-Quadratmeter-Kino soll acht technisch hochmodern ausgestattete Säle umfassen mit insgesamt rund 1100 Sitzen.

Überdies sind rund 200 Wohnungen sowie Geschäftsfläche von rund 4600 Quadratmetern geplant, die das bisherige unattraktive Erscheinungsbild (vor allem Parkplätze) ersetzen. Im Bau befinden sich außerdem das neue schulzentrum rostagne mit Maternelle (Kindergarten) und Grundschule an der Stelle des bisherigen Collège de la Rostagne, eine neue tischtennishalle am Stade Gilbert Auvergne und Neubauten am stade charpin (u.a. Tennisplätze, Mehrzweckhalle, Basketballfeld). 


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Grasse So viel Potential

Das Projekt martelly heute ... © Ville de Grasse

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m Winter und abends so gut wie tot, im Sommer Magnet dank seiner ParfümerieFilialen: Die Altstadt von Grasse hat jede Menge Potential, dennoch ist das Ringen um ihre Wiederbelebung und die Akzeptanz unter der lokalen Bevölkerung seit Jahren zäh. Das Stadtumbauprojekt martelly, von dem auch wir seit 2016 mehrfach berichtet haben, schreitet voran – wenngleich bislang kaum sichtbar. Die Bevölkerung ist befragt worden, Archäologen haben grünes Licht für groß angelegte Umbauarbeiten gegeben, dem Bau eines Multiplexkinos steht nichts mehr im Wege. Geplant ist eine völlige Erneuerung des bislang unwirtlichen östlichen AltstadtBereichs (Place du Patti, Place de la Buanderie,

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reCht in franKreiCh

EXKLUSIV FÜR DIE RIVIERAZEIT SCHREIBT RECHTSANWäLTIN MICHAELA SCHREYER

© Isabelle Schmitt

eden Donnerstagmorgen finden vor den Landgerichten Nizza und Grasse die Zwangsversteigerungen von Immobilien statt. Es werden Immobilien aus Konkursverfahren, Teilungsverfahren oder nach Pfändung durch Banken zum Verkauf gebracht. Der Preis ist im Allgemeinen sehr niedrig angesetzt, um viele Interessenten zu motivieren. Oft liegt die Preissetzung bis zu 50 Prozent unter dem Marktwert. Es kann somit sehr interessant sein, eine Immobilie bei einer gerichtlichen Versteigerung zu erwerben, denn die Investoren, die mehrheitlich solche Immobilien ersteigern,

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noch in den Sternen. Es heißt, 2024 soll der erste Bauabschnitt fertig werden, 2026 der zweite. Vor zwölf Jahren beschlossen, soll sie 2020 endlich eröffnet werden: die mediathek «la source – charles nègre» im östlichen Bereich der Altstadt von Grasse. Der 3663 Quadratmeter umfassende, architektonisch spektakuläre Komplex ist als Brücke zwischen verschiedenen Ebenen der Stadt in Hanglage konzipiert. Drei Eingänge hat das 27-MillionenEuro-Projekt; seine fünf für die Öffentlichkeit bestimmten Etagen sollen nach und nach mit Büchern und modernen Medien ausgestattet und eröffnet werden. Dabei geht es den Stadtplanern um weit mehr als einen Ort zum Ausleihen von Medien: Wichtiger noch ist ihnen, dass die Mediathek zum Ort der Begegnung und des Austausches wird. Der Zutritt wird kostenfrei sein. 

... und nach seiner umsetzung © Ville de Grasse

Allée du 8 Mai): mit modernen Wohngebäuden, Plätzen zum Flanieren mit Cafés und Boutiquen, natürlich Parkmöglichkeiten und besagtem Kino mit 1000 Plätzen. Es sieht so aus, als könnte nun ernsthaft mit den Arbeiten begonnen werden. Wann das neue Grasse sich aus dem Ei gepellt haben wird, steht indes

Die neue mediathek eröffnet bald © Ville de Grasse

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Eine gerichtliche Versteigerung kann ein gutes Geschäft sein werden nur bis zu einem gewissen Punkt, der eine komfortable Gewinnspanne enthält, mitsteigern. Die zur Versteigerung angebotenen Immobilien werden inseriert, aber auch bei Gericht existiert ein Aushang. Es ist wichtig, die Immobilie vorab zu besichtigen (es werden Termine dafür angeboten, aber oft sehr kurzfristig). Interessierte sollten ebenfalls das bei Gericht hinterlegte cahier des charges, also das Lastenheft der genauen Bedingungen des Verkaufes, einsehen. Dieses Dokument enthält sowohl die Beschreibung als auch die Diagnostiken, Quadratmetervermessung, den Preis als auch die Kosten. In der Tat sind die Kosten einer Versteigerung oft weit höher als die eines gewöhnlichen Immobilienkaufs, die bei circa 7,5 Prozent liegen, denn die gesamten Verfahrenskosten kommen hier hinzu. Entsprechend muss von 10 bis 15 Prozent (und manchmal mehr) ausgegangen werden. Oft ist die Immobilie durch den Schuldner bewohnt, und es muss dann noch eine Zwangsräumung

veranlasst werden. Dies ist auch im Lastenheft zu prüfen. Dann kann es etwas dauern, bis der Käufer die Immobilie nutzen kann, denn eine Räumung dauert in Frankreich mehrere Monate und kann nicht zwischen dem 1. November und 31. März erfolgen. Um mitsteigern zu können, muss ein Anwalt beauftragt werden, und es muss eine Hinterlegung von 10 Prozent des maximalen Preises, bis zu welchem gesteigert werden soll, erfolgen. Nach Zuschlag an den Meistbietenden läuft eine Frist von zehn Tagen an, während der ein Übergebot von 10 Prozent erfolgen kann. Erst danach ist der Zuschlag definitiv und unanfechtbar. Es läuft dann wiederum eine zweimonatige Frist an, um den Preis und alle Kosten zu entrichten. Grundsätzlich ist ein Immobilienkauf über eine gerichtliche Versteigerung ein gutes Geschäft, denn selbst wenn die Kosten höher sind als bei einem gewöhnlichen Kauf, ist der Preis im Allgemeinen weit niedriger und es werden die Maklerhonorare (6 Prozent) gespart. Es ist aber notwendig, über die Finanzierung

zu verfügen oder zumindest über eine bindende Zusage seiner Bank, denn die zweimonatige Frist ist sehr kurz, und sofern die Zahlung nicht in dieser Frist erfolgt, wird die Immobilie erneut versteigert. In dem Fall ist die Anzahlung in Höhe von 10 Prozent verloren. Wer bei einer gerichtlichen Versteigerung eine Immobilie erwerben möchte, sollte verfügbar sein, um systematisch die Inserate einzusehen, um die oft sehr kurz vor dem Versteigerungstermin abgehaltenen Besichtigungstermine wahrzunehmen und um in der Lage zu sein, sehr kurzfristig seine Entscheidung zu treffen. Sind diese Bedingungen erfüllt, lohnt sich der Versuch, sein Traumhaus zu ersteigern!  Maître Michaela Schreyer 6, avenue Cyrille Besset Le Virginia II 06800 Cagnes-sur-Mer Tel. +33 (0)4 92 02 33 41 +33 (0)4 93 22 90 35 info@mcsavocats.com www.mcsavocats.com MäRZ / ApRIl 2020


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bei den Wohnimmobilien geht das Projekt «Wave» aus berlin ins rennen. ungewöhnliches Design und Wasserlage machen das objekt laut seinem entwickler bauwerk capital besonders. rund 160 Wohnungen befinden sich in den hufeisenförmigen blöcken. © Bauwerk Capital GmbH & Co KG

immoBilien-messe mipim

BRANCHENTREFF IN CANNES Stargast 2020 ist Apple-Mitgründer Steve Wozniak

und Generation-Z-Reisende auf der Bildfläche erscheinen. Hybride und modulare Hotels wie Mama Shelter, Okko und citizenM definieren moderne Unterkünfte neu. Ein weiterer der immer wieder hochkarätigen Redner im Palais des Festivals ist am 11. März um 10 Uhr Apple-Mitgründer Steve Wozniak. Was macht der Pionier der IT-Branche auf einer Messe für Immobilienfachleute? Für die Messe-Organisatoren (Reed Midem) liegt das auf der Hand: «Um die Zukunft zu gestalten, müssen die Verantwortlichen in der Immobilienbranche die sich schnell ändernden Bedürfnisse der Nutzer antizipieren und neue Ideen entwickeln. Anders zu denken, um innovative Lösungen anzubieten, ist die DNA von visionären Unternehmern wie Steve Wozniak, die die Welt der Technologie revolutioniert haben.» Während seiner gesamten Karriere habe Steve Wozniak gezeigt, wie ein Unternehmen sich durch seine Innovationsfähigkeit verändert und floriert. Mehr denn je sei Technologie ein integraler Bestandteil unseres Lebens, und die Immobilienbranche bilde da keine Ausnahme. Mit Spannung erwartet wird jedes Jahr außerdem die Vergabe der Mipim-Awards (12. März, 18.30 Uhr, Grand Auditorium des Palais des Festivals). Zwei deutsche Projekte stehen auf der Liste der insgesamt 45 Nominierten: das Wohnensemble Wave in Berlin und das Kreislaufhaus auf dem Zechengebiet Zollverein in Essen. Preise werden 2020 in elf Kategorien vergeben, darunter neu die Sparte «Kultur- und Sportstätten». 

Von aila stöcKmann

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m März spätestens beginnt in Cannes die Saison: An die 30 000 Teilnehmer aus einhundert Ländern strömen in die Festivalstadt, belegen Hotelzimmer bis aufs letzte, belagern die gerade aus dem Winterschlaf erwachten, sämtlich frisch renovierten StrandCafés und bescheren den Restaurants die ersten Stressmomente des Jahres. Denn vom 10. bis 13. reist, wer in der Branche Rang und Namen hat, nach Cannes, zur weltweit wichtigsten Fachmesse für Immobilien. Auf der «Mipim» werden Großprojekte aus aller Welt als aufwändig gebastelte Modelle präsentiert, Investoren und Projektentwickler halten Ausschau nach lukrativen Gelegenheiten, Architekten und Stadtplaner lassen sich inspirieren. Jeder will netzwerken, viele ein Geschäft anbahnen. Vorgestellt werden Immobilien jeder Couleur – vom Wohn- bis zum Bürogebäude, vom Kranken- bis zum Kaufhaus. Besondere Aufmerksamkeit gilt diesmal Hotels und dem weiten Thema «Gastfreundschaft und Tourismus». Designer-Ikone Philippe Starck ist Teil einer Expertengruppe, die den weltweiten Trend zur Investition in Hotels erläutern soll – in einer Zeit, in der erlebnishungrige MillennialMäRZ / ApRIl 2020

in der Kategorie «büro- und geschäftshäuser» präsentiert sich das Kreislaufhaus in essen. Der neue Verwaltungssitz der rag-stiftung und der rag ag hat auf dem unesco-Welterbe Zeche und Kokerei Zollverein seinen Platz. es will unter anderem mit nachhaltigkeit punkten, cradle-to-cradle heißt das stichwort. © KÖLBL KRUSE, RAG Montan Imm


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der Innenarchitekt: «Meist suchen meine Kunden klare Linien, schlichtes und schnörkelloses Design. Provenzalischer Look ist nicht mehr gefragt.»

Donati property Services In Folge seiner Renovierungs-Projekte und der guten Kunden-Beziehungen hat sich für den Innenarchitekten ein weiteres Tätigkeitsfeld eröffnet, das den Service für seine Kunden komplettiert: Seit 2015 bietet er mit DONATI PROPERTY SERVICES auch ganzjähriges VillenManagement für Zweitwohnsitze an der Côte d’Azur an. Für eine ausländische Klientel, die eine Vertrauensperson benötigt, die ihr bei administrativen Dingen zur Seite steht, ist DONATI PROPERTY SERVICES in jeder Frage Ansprechpartner. Olivier Donati ist mit vollem Einsatz dabei, auf ihn können Sie sich verlassen. 

Bauprojekte international Olivier Donati weiß, was seine ausländische Klientel sucht nnenarchitekt Olivier Donati mit Sitz in Mandelieu ist spezialisiert auf umfassende Renovierungs- und Umbauprojekte. Gerade hat er in Cannes ein altes, viergeschossiges Stadthaus bis auf die Grundmauern entkernt und nach den Wünschen der Besitzer komplett modernisiert. Seit er sich 2008 selbstständig machte, hat er zahlreiche Projekte in den Alpes-Maritimes und im Var, aber auch bis nach Ligurien betreut – von der Neugestaltung eines kleinen Studios oder einer Ferienwohnung bis zur großen Villa mit Pool und Garten.

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Hilfe bei behördengängen Häufig sind seine Kunden Ausländer: «Ich bin auf ihre besonderen Bedürfnisse eingestellt und tue alles, um ihnen das Ankommen in Frankreich so leicht wie möglich zu machen», so Olivier Donati, der zwar nur ein paar Brocken Deutsch, aber sehr gut Englisch spricht. Zu seinem Service zählen ganz selbstverständlich administrative Arbeiten wie Hilfe bei der Eröffnung eines Bankkontos, die Anmeldung beim Wasser- und Stromversorger, beim Telefon- und Internetanbieter oder auch bei der Ummeldung von Fahrzeugen. «Ich bin Dienstleister und Vertrauensperson in einem für meine Kunden – sie können mich jederzeit anrufen.» Olivier Donati ist offen für Umbau- und Renovierungsprojekte aller Art und jeglichen Umfangs: «Die Grenzen setzt der Kunde», schmunzelt er. Beim Vor-Ort-Termin werden

die Wünsche des Bauherrn besprochen, und wenn es zur Zusammenarbeit kommt, begleitet der Innenarchitekt das Projekt von A bis Z. Dazu arbeitet er mit einem Team aus Fachleuten und Partnern zusammen, die unter seiner Leitung für Termintreue sorgen – ein Punkt, der dem gebürtigen Niçois bei seiner Arbeit besonders wichtig ist. Wöchentliche Meetings auf der Baustelle dienen zur Sichtung der Lage; der Kunde erhält anschließend ein schriftliches Update mit Fotos zum Fortschritt der Arbeiten. «So haben auch Kunden, die nicht vor Ort sein können, das Gefühl, dabei zu sein.» Der Trend bei Immobilienneubauten und -renovierungen an der Côte d’Azur gehe zuletzt ganz stark Richtung zeitgenössisch, sagt

weitere informationen oder Anforderung eines Angebots:

Olivier Donati 89 avenue de Fréjus «Le BFlower» 2ème étage, Mandelieu Tel. +33 (0)6 28 25 06 59 info@donati-property-services.fr www.donati-architecture.fr www.donati-services-property.fr

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speCial immoBilien

TRAUMHAUS IM SüDEN GESUCHT? Ute rossmanith von der immobilien-agentur Coldwell Banker in Mougins begreift schnell, was ihre Kunden wollen. Manchmal schneller als der Kunde selbst, schmunzelt die Deutsche im Gespräch mit der rZ. käufer oder Käufer. Unsere Gründungsgeschichte hat ethische Werte gesetzt, die der Kunde auch heute noch spürt.

Coldwell banker ist seit Jahren einer der großen player am Immobilienmarkt an der Côte d’Azur. bitte stellen Sie die Agentur kurz vor! Ich gebe Ihnen recht, wir stellen derzeit eines der größten Immobiliennetzwerke mit etwa 3100 Büros in 49 Ländern dar. Unsere Abteilung «Coldwell Banker Luxury» ist hierbei weltweit führend im Verkauf von Prestigeimmobilien. Um Ihnen die Agentur Coldwell Banker vorzustellen, möchte ich Ihnen unsere Gründungsgeschichte erzählen: Im Jahr 1906 zerstörten ein großes Erdbeben und Feuer mehr als 80 Prozent der Stadt San Francisco. Hunderttausende Menschen wurden obdachlos. San Francisco wurde zur Spielwiese für skrupellose Immobilienmakler! Immobilien wurden von unter großem Druck stehenden Verkäufern zu Niedrigpreisen angekauft, um sie mit erheblichem Kapitalgewinn wiederzuverkaufen. Gott sei Dank gab es Menschen wie Colbert Coldwell, der mit diesen skrupellosen Methoden nicht einverstanden war. Er setzte alles daran, die Werte in der Immobilienbranche neu zu definieren. So gründete er ein eigenes Unternehmen, in dem die Interessen der Kunden an erster Stelle stehen sollten. Arthur Banker wurde einer seiner erfolgreichsten Manager. Mit ihm gemeinsam kreierte er acht Jahre später das Unternehmen, das wir heute kennen: Coldwell Banker®, ein vertrauenswürdiges globales Immobilienunternehmen, für das der persönliche Service im Mittelpunkt der Vertrauensbeziehung steht, ob zum VerMäRZ / ApRIl 2020

Was ist Ihre persönliche Geschichte? Ich habe 17 Jahre selbstständig im Bereich «Sales Force Management & Consulting» für europäische Unternehmen gearbeitet, zehn Jahre als Flugbegleiterin der Deutschen Lufthansa sowie mehrere Jahre in der Hotelbranche der Relais & Château-Gruppe, in Frankreich und der französischen Schweiz. Nach meinem Umzug an die Côte d’Azur haben mich diese beruflichen Erfahrungen, meine Fremdsprachkenntnisse sowie meine hohe Dienstleistungsbereitschaft ganz automatisch zu einer Karriere im Immobilienbereich geführt. Selbstverständlich sehe ich es als Vorteil, meine deutschen Kunden in ihrer Muttersprache beraten zu können. Es ist natürlich, dass man sich in der eigenen Sprache wohler fühlt; ein Hauskauf oder Verkauf stellt einen hohen emotionalen Stressfaktor dar, amtliche Prozesse beim Immobilienerwerb sind teilweise kompliziert und selbst für Französisch sprechende Personen eine Herausforderung. Meine deutschen Kunden schätzen es sehr, dass ich sie bei diesen Prozessen in ihrer Sprache begleite. Was ist derzeit besonders gefragt bei Ihren kunden? Ich kann nicht sagen, dass ich eine klare Tendenz für einen spezifischen Häuserstil oder für eine spezielle Beschaffenheit eines Grundstückes feststellen kann. So individuell unsere Kunden unterschiedlichster Nationen sind, so individuell sind auch ihre Suchkriterien und Bedürfnisse. Man kann vielleicht sagen, dass im Hinterland der Côte d’Azur die Nachfrage an provenzalisch gehaltenen Villen oder Bastiden naturgemäß größer ist als in Küstennähe. Persönlich verzeichne ich im Moment verstärkt Anfragen für charmante, provenzalische Villen, die in der Innenausstattung modern gehalten sind. passen Angebot und Nachfrage zueinander? Oder entschließen sich kunden dann doch häufig für einen Neubau? Wir verfügen über ein großes Angebot von Villen jeglichen Stils. Festzustellen ist, dass neue moderne Villen kürzere Zeit auf dem Markt bleiben, da die Nachfrage etwas höher als das derzeitige

Angebot ist; dies gilt vor allem für die Küstenbereiche. Der Vorteil, eine «gebrauchte Immobilie» zu kaufen, besteht für unsere Kunden hauptsächlich darin, diese zu einem Preis zu erwerben, der genügend Spielraum lässt, nach eigenen Bedürfnissen zu renovieren oder umzubauen. Auch hierbei sind wir auf Wunsch behilflich, indem wir unseren Kunden seriöse Unternehmen unseres Vertrauens wie zum Beispiel Bau-, Innenoder Gartenarchitekten präsentieren. Vorteile eines Neubaus sind ganz anderer Art. Viele Kunden, vor allem wenn sie aus einer anderen Region oder einem anderen Land kommen, scheuen Umbauarbeiten und Renovierung. Sie bevorzugen die Möglichkeit, unvermittelt einziehen zu können, und die Absicherung durch eine Versicherung über zehn Jahre sowie verminderte Notarkosten. Selbstverständlich scheint der Weg, das absolute Traumhaus, oder wie man in Frankreich so schön sagt, seinen coup de foudre zu finden, für viele Kunden langwierig. Als Käufer sollte man sich allerdings vor Augen halten, dass eine Immobiliensuche ein Prozess ist, der sich entwickelt, der sich herauskristallisiert und geschliffen werden muss. Dies ist auch eine der Aufgaben des Immobilienmaklers: zu spüren, was die wichtigsten Kriterien und Bedürfnisse des Kunden sind, seine Vorstellungen aufzufassen, doch gegebenenfalls auch Alternativen aufzuzeigen. So gibt es beispielsweise auch hinsichtlich der Gegend, in der der Kunde gerne leben würde, häufig Unsicherheiten. Erst vor kurzem habe ich eine neue, moderne Villa in Cannes an dänische Kunden verkauft, die ursprünglich nach Jugendstil-Villen in der Gegend um Grasse gesucht hatten. Es ist ein großes Glücksgefühl und eine Bestätigung meiner Tätigkeit, zu sehen, dass Kunden mir vertrauen und bereit sind, auf Vorschläge von mir einzugehen. Mit Neubauten ist es vermutlich so eine Sache – bauplätze in beliebter lage sind sicher eine Rarität? Hierzu kann ich nur sagen, dass meine ausländischen Kunden mich kaum nach Grundstücken fragen. Ich erkläre mir dies damit, dass sie wahrscheinlich Bedenken haben, einem Hausbau hier in Frankreich optimal folgen zu können. Meine Kunden wünschen eher Neubauten, die bereits fertiggestellt sind. Zudem gibt es immer weniger Bauplätze im Angebot. Was ist Ihr coup de coeur derzeit? Mein coup de cœur ist nicht mehr auf dem Immobilienmarkt zu finden. Es ist mein Zuhause, meine Villa inmitten der Natur, umgeben von Olivenhainen, mit Blick auf das Estérelgebirge. Im Hinterland der Côte d’Azur finde ich Entspannung und den Ausgleich zu meiner fordernden Tätigkeit gemeinsam mit meinem Mann und unseren Tieren. Ein Zuhause ist nicht nur ein Wohnort, es ist ein Seelenzustand, ein Gefühl der inneren Harmonie, egal, auf welchem Kontinent man lebt und woher man kommt. Dieses Gefühl erleben zu dürfen, wünsche ich all meinen Kunden! 


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Service mit persönlicher Note Olivier Donati (Donati Property Services) baut, renoviert und verwaltet Häuser an der französischen riviera. vertrauen, Diskretion, effizienz und hochwertige Dienstleistungen sind für ihn die Garanten für zufriedene Kunden, wie er im rZ-Gespräch erklärt. Monsieur Donati, würden Sie sich zunächst bitte vorstellen? Nachdem ich in verschiedenen Architekturbüros gearbeitet hatte, eröffnete ich 2008 mein eigenes Büro. Seither habe ich diverse Renovierungs-Projekte und Erweiterungen von Häusern und Wohnungen durchgeführt, sowohl für Ausländer als auch für Franzosen.

Aber heute bieten Sie Ihren kunden einen weitaus umfangreicheren Service an? Die vertrauensvolle Beziehung, die ich zu meinen Kunden habe, hat Bindungen geschaffen. Vor allem die nicht dauerhaft vor Ort lebende Kundschaft benötigt nach der Renovierung ihrer Immobilie jemanden, dem sie vertrauen, der sich während ihrer Abwesenheit um ihr Haus küm-

mert. So fing ich an, einen ergänzenden Service für die Betreuung und Instandhaltung ihrer Immobilien anzubieten. Wenn ein Nichtansässiger eine Immobilie kauft, ist es auch sinnvoll, ihn beim Abschließen der Verträge mit den Anbietern von Wasser, Strom, Internet etc. zu begleiten. Es sind verschiedene administrative Dinge zu erledigen, und es gilt, zuverlässige Gärtner, Poolservice, Reinigungskräfte zu finden. Vor allem, wenn der Kunde wenig Französisch spricht, ist er auf Hilfe bei all diesen Schritten angewiesen.

Welche Services werden am häufigsten nachgefragt? Ich biete einen Rundum-Service. Meine Kunden haben jemanden an ihrer Seite, dem sie vertrauen können – und zwar 24 Stunden täglich an sieben Tagen die Woche, besonders in der

Durchschnittsfläche und -preis je Wohnungstyp an der côte d’azur

Hochsaison. Neben den jährlich anfallenden Instandhaltungsarbeiten bieten wir auch andere, ergänzende Dienstleistungen an, wie etwa die Vorbereitung des Anwesens vor der Ankunft der Besitzer, die Bereitstellung von Wein in Zusammenarbeit mit einem ausgezeichneten Weinhändler, und auf Wunsch kümmern wir uns auch ums Essen, einen Koch, eine Haushälterin oder die Organisation von Veranstaltungen. Ich habe einen Kunden, der jeden Sommer mit seiner Familie und seinen Freunden kommt, es sind im Schnitt 40 bis 50 Personen. Zwei Wochen lang kümmere ich mich um die Getränke, die Versorgung des Kochs mit Lebensmitteln, die Reservierung von Booten in letzter Minute für eine Spritztour auf dem Meer… Außerdem lasse ich mir jedes Jahr originelle Ausflüge für sie einfallen, wie etwa ein privates Sportwagenrennen auf der Rennstrecke von Paul Ricard. Oder auch in letzter Minute einen Fotografen für ein Event finden, oder eine Überraschungsparty für die Frau des Besitzers für den folgenden Abend organisieren…

Über welche Eigentschaften sollte eine Agentur verfügen? Zunächst einmal Diskretion, natürlich. Und nicht auf die Zeit zu schauen, immer verfügbar zu sein, das ist der Sinn des maßgeschneiderten Services. Sie müssen das Haus Ihres Kunden so verwalten, als wäre es Ihr eigenes. Das Ziel meiner Agentur ist es, dass die Kunden eine Person des Vertrauens haben, wie einen Butler, einen rechten Arm, und dass sie wissen, dass ihr Eigentum in guten Händen ist und gewissenhaft betreut wird. 

immoBilienpreise

Stabiler Markt an der Côte d’Azur Von Jörg langer

Wohnungsbau Der Wohnungsbau an der Côte d’Azur tut sich schwer: Es mangelt weder am guten Willen noch an zukunftweisenden Projekten noch an kompetenten Unternehmen, jedoch sind Grund und Boden knapp und teuer. Wurde im Var-Tal vor den Toren Nizzas unlängst wegen der rasanten Entwicklung (Eco Vallée und Co.) noch im großen Stil gebaut, kam 2019 der Einbruch. Wie das Observatoire Immobilier d’Habitat der Industrieund Handelskammer (CCI) Nice Côte d’Azur und die verschiedenen Fachverbände der Bau- und Immobilienwirtschaft auf einer Pressekonferenz im Februar mitteilten, fiel das Neubauangebot 2019 um 30 Prozent. Dagegen blieben die effektiven Verkäufe in den beiden letzten Jahren mit jeweils knapp 5000 Wohneinheiten in etwa gleich. Dabei entfallen 54 Prozent auf den «freien» Wohnungsbau, 34 Prozent auf den sozialen Wohnungsbau und jeweils 6 Prozent auf Spezialeinheiten.

quadratmeter-preise Anwesen mit 7000 m² Landschaftsgarten in Mougins, Pool 16 x 9 m, Poolhaus 100 m², Haus für Hausmeister. 4 suiten mit privaten Badezimmern, Ankleideraum, Terrasse, Master-suite. Wellness-Bereich (sauna, Massagetisch, Fitness-Raum). Preis auf Anfrage.

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Zu den Durchschnittspreisen im «freien» Sektor: 6525 Euro pro Quadratmeter in Vier- und Mehrzimmerwohnungen bzw. -häusern, 5923 Euro für Studios, 5589 Euro für alle Wohneinheiten im Schnitt. Die Preise sind insgesamt gegenüber dem Vorjahr leicht gefallen (0,5 Prozent). Angesichts des knappen Neubauangebots floriert der Altbaumarkt (marché de la revente). Er verzeichnete, wiederum nach Angaben der CCI und der Fachverbände, im Departement Alpes-Maritimes 2019 einen


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IMMOBILIENERWERB IN FRANKREICH AUS AUSLÄNDISCHER INSOLVENZMASSE Rechtsanwalt Stefan Kesting (Hamburg/Cannes/Berlin) informiert in der «RivieraZeit» regelmäßig über Besonderheiten im französischen Recht. Er ist Spezialist für den deutsch-französischen Wirtschaftsverkehr und gerichtlich ermächtigter Übersetzer der französischen Sprache. Es kommt vor, dass eine Immobilie in Frankreich Teil ausländischen Insolvenzbzw. Konkursmasse ist.    einer     Hierbei können mehrere Interessenlagen bestehen:

Der ausländische Insolvenzverwalter hat den Auftrag, die Immobilie zu verwerten. Ein potenzieller Käufer hat Interesse daran, die Immobilie aus der Insolvenzmasse möglichst günstig und reibungslos herauszukaufen. Die europäische Insolvenzordnung aus dem Jahr 2015 ist Grundlage H dafür, dass Derartiges überhaupt möglich ist.

Jedoch ist das französische Immobilienrecht – unabhängig von den Rechtsbeziehungen im Ausland – uneingeschränkt anwendbar und vom D Verkäufer (also dem Insolvenzverwalter mit Zustimmung des Insolvenzgerichts) und vom Käufer gleichermaßen zu beachten. Angenommen, Insolvenzverwalter und Kaufinteressent haben eine grundsätzliche Einigung erzielt und das Insolvenzgericht hat den Vorgang genehmigt, muss jegliches Dokument vollstreckbar und in beglaubigter Übersetzung dem französischen Notar vorgelegt werden. Dieser hat nämlich im Zweifel keine Informationen darüber, dass die Immobilie Teil einer Insolvenzmasse ist, sondern sieht im Grundbucheintrag nur den A Insolvenzschuldner als Eigentümer. Daher sollte man als Insolvenzverwalter stets im Vorfelde die ausländische Entscheidung im französischen Grundbuch vermerken lassen und als Käufer darauf achten, dass die insolvenzgerichtlichen Genehmigungen ordnungsgemäß an den französischen Notar weitergeleitet werden.

Mit unserer langjährigen Erfahrung im französischen Immobilienrecht, insbesondere auch im internationalen Kontext, helfen wir Käufer und Verkäufer weiter – auch in steuerrechtlichen Fragen, Finanzierung und Vermögensverwaltung. M Sprechen Sie uns gern an!

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Zuwachs von beachtlichen 12 Prozent. 15 323 Wohneinheiten wechselten den Eigentümer. Davon entfallen 83 Prozent auf Appartements, 14 Prozent auf Häuser und 3 Prozent auf Baugrundstücke. Der Durchschnittspreis liegt beim Altbau naturgemäß unterhalb des Neubauniveaus: 4102 Euro für den Quadratmeter. Hier sind Studios am teuersten, gefolgt von Vier- und Mehrzimmereinheiten (4464 Euro). Im Unterschied zum Neubaumarkt stiegen die Preise im Vergleich zum Vorjahr leicht: um 2 Prozent.

Städte im Vergleich Erwartungsgemäß variieren die erzielten Durchschnittspreise in den markanten Regionen relativ stark: Sie steigen von Nizza (4355 Euro) über Antibes (4524) und Menton (4752) auf knapp 5000 Euro (exakt 4964) in Cannes.

Gewerbe-Immobilien Ein Wort zu den gewerblichen Immobilien: Nach Angaben einer der führenden Fachagenturen weltweit, Savills mit Nicea Conseil in Nizza, bleibt Frankreich unverändert ein höchst attraktives Investitionsland – wobei Deutschland nach China mit Südkorea und vor den USA an zweiter Stelle der Investierenden liegt. Die Alpes-Maritimes nehmen nach der gleichen Quelle mit 65 000 Quadratmetern vermittelter Bürofläche (2019) einen hervorragenden Platz ein, an erster Stelle liegt Sophia Antipolis (38 000 qm) vor der Metropole Nizza (26 500 qm).

Demographie Abschließend ein Blick auf die Bevölkerung in den Alpes-Maritimes, im Vergleich zu ganz Frankreich: Im Gegensatz zu einem weit verbreiteten Vorurteil wächst die Einwohnerzahl im Sonnen-Departement nicht, sondern ist in den letzten 13 Jahren um 0,3 Prozent gesunken, auf jetzt 1 079 396. Die Région Sud/PACA hat ein Plus von 3,9 zu verzeichnen, ganz Frankreich plus 5 Prozent. Und sie ist im Süden auch nicht völlig überaltert: Die 60- bis 74Jährigen stellen 18 Prozent der Bevölkerung (ganz Frankreich: 16 Prozent), die über 75-Jährigen 12 Prozent (9). Die älteste Frau Frankreichs und Europas hält in Toulon im benachbarten Var mit ihren 116 Jahren allerdings einen einsamen Rekord.  MäRZ / ApRIl 2020


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CANyONING

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SLACKLINING

WANDERN IM MERCANTOUR

Raus in die Natur! Vier Tage Sport nonstop: mitmachen, entdecken, testen

MOUNTAIN BIKING

Kein anderes Departement bietet Sportlern ganzjährig annähernd so viel Spaß und abwechslung in der freien Natur wie die alpes-Maritimes. Zeit, das zu feiern – mit dem ersten «Outdoor Festival 06»! riathlon, Mountainbiking, Klettern, Canyoning, Slacklining, Paragliding, Paddeln, Tauchen ... die Liste der OutdoorSportarten, die im Departement Alpes-Maritimes angeboten werden, ist lang. Was mit der ersten französischen Skisprungschanze in Beuil anfing, hat im Vésubia Mountain Park in Saint-Martin-Vésubie einen neuen Höhepunkt gefunden. Ob auf den bis zu über 3000 Metern hohen Gipfeln im Mercantour, am 80 Kilometer langen Küstenstreifen oder im Bergland dazwi-

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programm Der saison: www.departement06.fr MäRZ / ApRIl 2020

schen: Jeder Ort bietet Sportlern die Möglichkeit, sich mit viel Spaß körperlich zu betätigen. Vier Tage lang stellen diverse Anbieter und Führer vom 30. April bis 3. Mai ihre Aktivitäten vor: Mehr als 50 Disziplinen können im gesamten Departement beim ersten «Outdoor Festival 06» kostenlos ausprobiert werden – bei Einführungen, Wettkämpfen, Familien-Ausflügen … Das «Outdoor Festival 06» soll künftig alle zwei Jahre stattfinden, abwechselnd mit dem Garten-Festival, das 2020 aussetzt. 


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snowDay Challenge Der 7. März steht ganz im Zeichen eines sportlichen Wettkampfes zugunsten der Ligue contre le cancer (Hilfe für Krebskranke und deren angehörige). angeboten werden ein «Trail de Neiges», ein 9,2-Kilometer-Lauf durch die verschneite Winterlandschaft (10 Uhr), und zwei geführte SchneeschuhWanderungen (10 und 14 Uhr). abgerundet wird der Tag von zahlreichen animationen. snowdaychallenge.com

© Robert Palombe

Auron – Perle des Wintersports Tolle Angebote zum Saison-Ende

ßenden Schnee wirkt auf Körper und Seele mindestens ebenso wohltuend wie entspannte Stunden am Meer. Außerdem lockt Auron zum Saison-Ende mit interessanten Preisen! Für einen gekauften Skipass für Erwachsene gibt es im ganzen April einen Kinderpass (bis 11 Jahre) gratis. Für Anfänger locken schon den gesamten Winter attraktive Angebote: Neu in dieser Saison ist die kostenfreie Nutzung des Sessellifts Nabines und des Tellerlifts Eterlou. Skipässe sind an der Kasse abzuholen (Schutzgebühr: 1,50 Euro). Wer nicht das ganze Skigebiet an einem Tag erkunden möchte, kann ein Forfait découverte kaufen (21,20 Euro), das Zutritt zu den Liften im Bereich «Las Donnas» gewährt: Télériou, Nabines, Eterlous, Riou, Ubac, Blainon, Las Donnas, Les Prés, Les Abris. 

Kaum anderthalb Stunden nördlich von Nizza ragen bis tief in den Frühling verschneite Gipfel in den Himmel. eines der Top-Skigebiete der Seealpen ist auron – wo neben Pistenzauber auch das Dorf-ambiente stimmt.

© Robert Palombe

Pistenkilometer bietet Auron, einen bunten Mix aus Anfängerpisten bis zu sportlichsteilen Hängen, bei denen ambitionierten Skifahrern das Herz aufgeht. Nach dem niederschlagreichen Spätherbst ist die Schneelage in dieser Saison optimal: Selbst wenn – wie für den Süden typisch – die Sonnentage bei Weitem domi-

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nieren, sollte der weiße Untergrund locker bis zum Saison-Ende am 19. April reichen. Immerhin liegt das Dorf 1600 Meter über dem Meer und der höchste Gipfel misst 2450 Meter. Auch das heimelige Dorf-Ambiente lockt zahlreiche Übernachtungsgäste immer wieder nach Auron, wo nach getanem Sport am Abend gemütliche Restaurants und Bars für den passenden Tagesausklang sorgen. Und darüber hinaus bietet das abwechslungsreiche Skigebiet am Rande des MercantourNationalparks regelmäßig Events, die sich nicht nur um den Pistenspaß drehen. Jeden Februar laden Top-Köche der Region in den Ort. Jetzt im März wird die Snow Day Challenge veranstaltet, und im April dreht sich vier Tage lang alles um Wellness und Entspannung beim «Festival du bien-être en montagne». Übrigens: Auch wer längst die Badesaison herbeisehnt, sollte Skier und Stöcke noch nicht wegräumen! Ein sonniger Tag im glei-

«festival Du Bien être en montagne» vom 10. bis 13. April dreht sich in der Salle Rovery alles ums entspannen und alternative Medizin. Thema in Workshops und vorträgen sind beispielsweise Shiatsu, Homöopathie, ätherische Öle, Sophrologie und autohypnose. Hinzu kommen sportliche aktivitäten wie Schneeschuhwanderungen, Mondscheinwanderung mit Meditation, Pilates und Yoga, Qi Gong etc. Tageseintritt: 10 euro. www.auron.com

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nachbarten Les Beaux-de-Provence (RZ-Ausgabe Juli 2019). Und auch unser Golftag im Herbst auf dem Platz «Golf de Cannes-Mougins» mit besonders netten Flightpartnern war ein ganz besonderes Erlebnis.

blick in den Westen

Südfrankreich – Traum aller Golfer Die Vielfalt der golfplätze im süden frankreichs ist enorm. eine gute stunde nördlich der Küste weist die landschaft rund ums château de taulane keinerlei Ähnlichkeit mehr mit der typischen mittelmeer-Vegetation auf. © Château de Taulane

Mit den länger werdenden Tagen stehen wir amateure in den Startlöchern. Die neue Saison kann kommen!

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n den vergangenen Ausgaben habe ich viele schöne Plätze an der Côte d’Azur und in der Provence gespielt und über sie berichtet. So konnte ich die wundervolle Aussicht auf das Mittelmeer vom «Golf de Frégate» im Westen des Departments Var genießen. «Château de Taulane» hoch oben an der Route Napoléon kurz hinter der Grenze der

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Alpes-de-Haute-Provence war die Reise wert. Der Golfplatz «Royal Mougins» erwies sich inmitten des Trubels der AlpesMaritimes als eine Oase der Ruhe. Dann war da der Trip nach Mouriès in den Bouchesdu-Rhône, zum «Golf de Servanes», dem Platz mit den tausenden Olivenbäumen und dem Besuch der Ausstellung von Stefan Szczesny im be-

Wir freuen uns schon jetzt, in den nächsten Monaten über Plätze im äußersten Westen der Region Provence-AlpesCôte d’Azur zu berichten. Auch ein ganz spezieller Platz wird dabei sein: ein Golfplatz, der kein Wasser braucht – denn hier wird auf Kunstrasen gespielt. Gut oder schlecht für Golfer und Natur? Sie werden es lesen! Im vergangenen Jahr hat aus Golfer-Sicht der heiße und trockene Sommer Spuren hinterlassen. Gleichzeitig beeindruckten die tollen Leistungen der französischen Profigolfer in der ersten europäischen Liga. Hier ist der Anteil der südfranzösischen Spieler nicht unerheblich. Profi Romain Langasque aus Grasse belegte bei den Dänemark Open den dritten Platz, bei den China Open den fünften, den dritten bei den Scottish Open und den geteilten sechsten Platz bei den Kenya Open. Die Profis Alex Levy aus Bandol und Romain Wattel aus Montpellier platzierten sich bei den Scandinavian Masters und den Porsche Open unter den Top Ten.

Gute Jugendarbeit Diese Erfolge sind nicht zuletzt das Ergebnis der guten Jugendarbeit des französischen Golfverbandes und der Förderung junger Talente. In Frankreich hat die Jugendarbeit in den Golfclubs Priorität – das spiegelt sich in den internationalen Statistiken über die Mitgliederentwicklung der europäischen Golfclubs. Bestes Beispiel für konstruktive Nachwuchsförderung ist die Gründung einer Akademie in Terre Blanche im vergangenen Herbst. Hier werden künftig junge Talente unter 18 Jahren für die große Tourbühne fit gemacht. Ziel ist es, diesen jungen Leuten die Möglichkeit zu eröffnen, sich ganz

dem Golfsport zu widmen. Neben intensivem Technikund Fitness-Training wird auch allergrößter Wert auf Mentaltraining und Ernährung gelegt. Das Besondere an dieser Akademie ist die Teilung von Sport und schulischer Entwicklung. Die Trainingsblocks werden so gelegt, dass die jungen Menschen auch der Schule oder einer Ausbildung nachgehen können.

Angebote für Amateure Aber auch für uns Amateure dieses schönen Sports wird in Frankreich viel gemacht! Es gibt eine Vielzahl von Greenfee-Cards (zum Beispiel unter: provencegolf.com), die günstiges Spielen auf unterschiedlichen Plätzen erlauben. Auch die Trainingsmöglichkeiten in den Clubs haben sich in den letzten Jahren positiv entwickelt. Und noch ein Tipp: Wenn Sie 2020 an ihrem Handicap feilen und tolle Turniere spielen wollen, dann empfehlen wir Ihnen einen Blick in das Golfmagazin von Nice Matin, «Golf Azur». Erscheint mehrmals im Jahr, enthält informative Beiträge über die Golfszene an der Côte d’Azur und einen umfangreichen Turnierkalender. 

unser golfKolumnist raimunD theoBalD

Jahrgang 1956, seit 1992 leidenschaftlicher Golfer, Frankreichliebhaber in jeglicher Form: Menschen, essen, Wein, Kultur, Provence, Côte d’azur.


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Warten auf Zverev

Novak Djokovic und Rafael Nadal, Nummer eins und zwei der Weltrangliste, hatten ihr Kommen bereits Anfang Februar zugesagt: Sie sind dabei, wenn vom 11. bis 19. April im Monte-Carlo Country Club die 114. Ausgabe des Rolex Masters gespielt wird. Beim ersten großen Sandplatzturnier der Saison treffen traditionell die weltbesten Tennisspieler aufeinander. Tennisfans müssen sich beeilen: Für zwei der Turniertage sind die Tickets bereits ausverkauft.

Von aila stöcKmann

Foto 1 monte-carlo country club: traumhafte anlage über dem meer © D.R.

tickets & info: montecarlotennismasters.com

Foto 2

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Dem Deutschen alexander Zverev werden durchaus chancen eingeräumt © D.R.

urnierdirektor Zeljko Franulovic erwartet im April wie gewohnt die Weltspitze des Herrentennis im Fürstentum. Vorjahressieger Fabio Fognini nimmt am Freitag, 10. April, um 18.30 Uhr auf der Terrasse der Thermes Marins die Auslosung für die am Montag darauf beginnende Hauptrunde vor. Die definitive Teilnehmerliste wird am 19. März auf der Website des Turniers veröffentlicht. Unbedingt vormerken: Zu einem kleinen Showmatch zwischen zwei der besten Spieler wird es am Samstag, 11. April, in den neu gestalteten Gärten des Casino-

Foto 3 Vergangenes Jahr hatte fürst albert (unten, mitte) die besten spieler der Welt in seinen Palast eingeladen © D.R.

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Platzes kommen. Zuschauen ist gratis! Und wer einen magischen Abend mit tollem Show-Programm und Gala-Diner an der Seite der Spieler verleben will, sollte sich ein Ticket für die «Grande Nuit du Tennis» sichern (Freitag, 17. April, ab 20.30 Uhr im legendären Salle des Etoiles im Sporting Monte-Carlo – 230 Euro pro Person). Das Rolex Monte-Carlo Masters mit seinem besonderen Setting über dem Meer begeistert Fans und Spieler gleichermaßen. Beweis dafür ist nicht nur die frühe Zusage der beiden Zugpferde Rafael Nadal und Novak Djokovic, wie Zeljko Franulovic Anfang Februar vor der Presse sagte, sondern auch der enorme Zuschauerzuspruch: Der Viertelfinaltag (Freitag) und der Tag der Halbfinals (Samstag) seien bereits ausverkauft. Im vergangenen Jahr kamen während der Turnierwoche mehr als 135 000 Zuschauer auf die Anlange am östlichen Rand Monacos. Insgesamt 31,1 Millionen Fans verfolgten die Spiele weltweit im Fernsehen. Auch für 2020 geht Franulovic nicht davon aus, dass Publikumsliebling Roger Federer dabei sein wird – obwohl Monaco für ihn zu den absoluten TurnierHighlights zählt, wie er immer wieder betont hat. Der für einen Top-Tennisspieler äußerst betagte Schweizer (er wird im Sommer 39) plane in diesem Jahr noch kürzer zu treten und sich vermutlich auf die Grand Slams zu konzentrieren, so der Turnierdirektor. Wem er dieses Jahr die meisten Chancen auf der Asche des Country Clubs einräume? «Jedenfalls ist da nicht nur Nadal!» antwortete Franulovic. Er denke vor allem an den Österreicher Dominic Thiem. Aber: «Die jungen Spieler müssen auch endlich mal beweisen, dass sie ein Turnier gewinnen können! Noch haben sie die Weltspitze nicht übernommen.» Gegenüber der RivieraZeit outete sich der Turnierdirektor als Zverev-Fan: «Ich bin begeistert von ihm! Er ist vor allem ein unglaublicher Athlet! Und er ist charismatisch – das ist wichtig, solche Spieler braucht das Tennis. Ich warte darauf, dass er wieder besser wird! Er hat die Kapazitäten, ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen.» Er kenne den Deutschen gut, fügte er an, schließlich wohne der mit seiner gesamten Entourage in Monaco. Beinahe, so schmunzelte Franulovic zum Abschluss, könnte man übrigens rein monegassische Meisterschaften veranstalten: Neben Alexander Zverev (7) und seinem Bruder Mischa haben zahlreiche der Top-Spieler (fast alle Herren der Top-20 stammen übrigens aus Europa) ihren Hauptwohnsitz im Fürstentum – darunter der Serbe Novak Djokovic (1), der Russe Daniil Medvedev (5), der Grieche Stefanos Tsitsipas (6), der Italiener Matteo Berrettini (8), der Belgier David Goffin (10) und der Schweizer Stan Wawrinka (13). 

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Ob der Deutsche beim TennisMasters in Monte-Carlo zeigt, was in ihm steckt?

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Europe Junior Masters

tennisnachwuchs in monaco ndlich ein Jugend-Turnier in Monaco: Das Fürstentum ist in diesem Jahr erstmals Gastgeber des Tennis Europe Junior Masters für die jeweils besten acht Jungen und Mädchen des Jahres in den Altersklassen bis 14 und unter 16 Jahre. Ausgetragen wird das Saison-Abschluss-Turnier vom 30. Oktober bis zum 1. November auf den Sandplätzen des MonteCarlo Country Clubs, wo sich jetzt im April wie gewohnt die Top-Herren der Welt beim ATPMasters-1000-Turnier messen (siehe Seite 65).

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Paris-Nizza

radKlassiKer mit neuem ziel eim «Rennen zur Sonne», dem Radrenn-Klassiker Paris-Nizza, sind vom 8. bis 15. März mal wieder Allrounder gefragt: Vom Zeitfahren über eine Bergankunft bis zu Zielsprints ist alles dabei. In acht Etappen geht es über 1216 Kilometer südwärts bis ans Mittelmeer. Bei den ersten drei Flachetappen sind die Sprinter am Zug. Mitentscheidend könnte wie im Vorjahr das Wetter werden: Kälte, Regen und Wind waren mitunter die größten Gegner der Rennfahrer. Am vorletzten Tag steht die schwere Bergankunft in Valdeblore-La Colmiane auf dem Programm. Ein langer Anstieg, an dem sich 2018 Simon Yates durchsetzte und den Etappensieg holte. Die relativ kurze Schlussetappe führt nicht mehr über den Col d’Eze, sondern zum Col de Porte, gefolgt von der Besteigung der Côtes de Châteauneuf und Aspremont. Der Zieleinlauf befindet sich erstmals am Stadion Allianz-Riviera – statt wie üblich an der Promenade des Anglais. Aus Deutschland sind zwei Teams am Start, Bora-Hansgrohe und das Team Sunweb.

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Die etappen: Sonntag, 8. März, 1. Etappe: Plaisir > Plaisir, 154 km Montag, 9. März, 2. Etappe: Chevreuse > Chalette-sur-Loing, 166,5 km Dienstag, 10. März, 3. Etappe: Chalette-sur-Loing > La Châtre, 212,5 km Mittwoch, 11. März, 4. Etappe: Saint-Amand-Montrond > Saint-Amand-Montrond, 15,1 km (Zeitfahren) Donnerstag, 12. März, 5. Etappe: Gannat > La Côte-Saint-André, 227 km Freitag, 13. März, 6. Etappe: Sorgues > Apt, 160,5 km Samstag, 14. März, 7. Etappe: Nizza > Valdeblore La Colmiane, 166,5 km Sonntag, 15. März, 8. Etappe: Nizza > Nizza, 113,5 km www.paris-nice.fr MäRZ / ApRIl 2020

Zu den ehemaligen Gewinnern des 1996 erstmals ausgetragenen Tennis Europe Junior Masters zählen Spieler wie Rafael Nadal, Kim Clijsters und der Deutsche Alexander Zverev. Der Umzug nach Monaco gehört zu einer Reihe von Upgrades, die für das Finale der Junior-Tour geplant sind. Die «Race to Monte-Carlo»-Rangliste wird das ganze Jahr über die sozialen Medienkanäle der Tour veröffentlicht, um Spieler und Fans über den Saison-Verlauf zu informieren. Bei der Veranstaltung selbst werden viele weitere Neuerungen vorgestellt, die den Spielern einen Vorgeschmack auf das Leben an der Spitze des Tennis-Sports geben sollen. Die Namen der Qualifizierten werden am 22. September bekannt gegeben. Baronin Elisabeth-Anne de Massy (Foto), Präsidentin des monegassischen Tennisverbands und Cousine von Fürst Albert, hofft, dass das neue Turnier in Monaco ähnlich erfolgreich werde wie das dort bereits seit 1897 ausgetragene Herren-Turnier. 

20 Jahre Venturi

Visionärer moneGasse or 20 Jahren setzte Gildo Pastor alles auf eine Karte: Elektrisch sollten seine Wagen rollen – und zwar schnell. Der monegassische Businessman und Auto-Fan kaufte damals die französische Automarke Venturi, siedelte sie ins Fürstentum um und setzte als Pionier schon damals ausschließlich auf Elektroantrieb. Die Zahl der Skeptiker war groß. In diesem Jahr feiert das Unternehmen nicht nur seinen 20. Geburtstag, sondern kann jede Menge Erfolge vorweisen. Pastor hat bewiesen, was ihm immer am Herzen lag: Elektroantrieb ist die Zukunft und Elektromotoren haben die Power für Höchstleistungen. Über die Jahre haben E-Fahrzeuge aus der monegassischen Manufaktur immer wieder

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Geschwindigkeitsrekorde gebrochen. So erreichte der VBB-3 im Jahr 2016 einen Spitzenwert von 549 km/h. Das kleine Unternehmen steht für eine breite Produktpalette: Neben den Mega-Racern baute Venturi auch eine beachtliche Flotte an Postfahrzeugen für das Fürstentum ebenso wie Antarctica, ein Forschungsfahrzeug für die Polarregion. Und weltweite Anerkennung schließlich verschaffte sich die Firma mit ihrem eigenen Rennstall für die Formel E, wo Venturi – heute unter dem Namen «ROKiT Venturi Racing» – mit den großen Playern der Branche mithält. Und was bringt das Jubiläumsjahr? Einen neuen Geschwindigkeits-Rekordversuch – diesmal mit einem E-Motorrad. Und die Feuerprobe von Antarctica am minus 50 Grad kalten Südpol. Gildo Pastor: «Wir haben, auf unserem Level, die Elektro-Branche mit angekurbelt.» Den nächsten 20 Jahren sieht er mit Begeisterung entgegen. 

gildo Pastor (l.) und sein chefdesigner sacha lakic im Jahr 2008 © Venturi


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Die Göhl Über Bug- und Heckverzierungen an Yachten Text & Fotos von gerharD stanDoP

1 - Jenetta (alfred mylne, 1939/2019)

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eit Jahrhunderten finden sich an Yachten unterhalb des sogenannten Deckssprungs, der Verbindung zwischen Rumpf und Deck, feine Linien, die an Bug und Heck in mehr oder weniger ausgeprägten Ornamenten auslaufen. Diese «Göhl» oder «Ziergöhl» genannte Bemalung streckt den Rumpf optisch und lässt ihn eleganter aussehen. Bei vielen Booten sind die Streifen nicht nur aufgemalt, sondern etwas vertieft angebracht – und nicht selten mit goldener Farbe oder gar Blattgold versehen. Der Ursprung des Begriffs Göhl wird im germanischen Wort Galia vermutet, das «enger, kurvenreicher Fluss» bedeutet, und nicht selten weisen die Enden der Verzierungen besonders schwungvolle Elemente auf, und Kenner machen anhand der Göhl schnell den Bootsarchitekten oder die Werft aus, auf der die Yacht gebaut wurde. Während in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts besonders schwungvolle und detaillierte Verzierungen gängig waren, wurden sie ab der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts deutlich einfacher – zuweilen bis auf einen Punkt, eine Raute oder einen einfa-

4 - sphinx (ex-ostwind) (abeking & rasmussen, 1939)

2 - sumurun (William fife, 1914)

chen Pfeil reduziert. Aber auch diese Formen sind zumeist eindeutige Hinweise auf die Herkunft der Yacht. 2019 tauchte das 12mR-Boot Jenetta wieder auf (Foto 1), Reste des Kiels und somit die Namensrechte für eine Restaurierung, genau genommen einen Neubau, hatte sich die Robbe & Berking-Werft aus Flensburg gesichert. Der Schotte Alfred Mylne verwendete für seine Verzierungen florale Motive, und die Werft tauchte den Rumpf – zumindest für eine Zeit lang – als besondere Ehrung an den schottischen Bootsdesigner in eine Folierung aus Schottenkaro. Designkollege William Fife III. aus dem schottischen Fairlie verwendete das stilisierte Motiv eines feuerspeienden Drachens. Bei Fife, wie bei so gut wie allen Bootsbauern, unterscheiden sich aber auch ihre eigenen Zeichen, möglicherweise aufgrund unterschiedlicher Künstler oder Auftraggeber oder im Zuge des sich wandelnden Zeitgeistes (2). In Amerika war zu jener Zeit Nathanael Green Herreshoff der wohl bekannteste und genialste Yachtarchitekt. Aus seiner Feder kamen America’s-Cup-Yachten wie die Re-

5 - hygie (louis le marchand, 1930)

3 - mariette of 1915 (n. g. herreshoff, 1915)

liance oder Rainbow, aber auch große Schoner wie Mariette of 1915. Ihre dunkelblaue Bordwand ziert eine einfache goldfarbene Linie, die in zwei rückwärts geschwungenen Bögen ausläuft (3). Auch die deutschen Yachtarchitekten bedienten sich der Göhl-Verzierungen. Auf der bekannten Werft Abeking & Rasmussen aus Lemwerder wurde das 12mR-Boot Sphinx gebaut. Ihre Göhl endet in einem streng grafischen Muster, das ein wenig an ineinander gesteckte Kegel erinnert (4). Es gibt eine Fülle weiterer Formen und Muster, die als Ziergöhl zu finden sind. Sie alle im Detail zu erklären, würde an dieser Stelle zu weit führen. Dennoch seien einige besonders schöne Exemplare gezeigt, allesamt Ergebnisse des Erfindungsreichtums, mit dem sich die Yachtarchitekten nicht nur der Technik, sondern auch der Verzierung ihrer Boote widmeten (5, 6). 

Weitere Informationen unter www.standop.net/voiles

6 - shamrock V (charles nicholson, 1930)

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hat die goldene Statue für das Engagement der Stadt im Kreise zahlreicher Abgeordneter aus den Händen von Alain Trampoglieri entgegen genommen. Selten habe er eine so überzeugende Bewerbung wie die aus Grasse erhalten, sagte der Gründer des Preises in seiner Laudatio. Grasse tut sich zuletzt vor allem wieder verstärkt als Parfümstadt hervor: Die Kunst des Parfümherstellens ist vor einem Jahr von der Unesco in die Liste des «immateriellen Kulturerbes der Menschheit» aufgenommen worden; 70 Hektar Gemeindefläche wurden im Bebauungsplan PLU für den Anbau von Parfümpflanzen anstatt für den lukrativeren Bau von Wohnraum umgewidmet, und die ersten von bald 800 Studenten sind in Studiengänge rund um die Parfümbranche eingeschrieben – um nur einige der Projekte der Stadt zur Stärkung der Duft-Branche zu nennen. Eine Marianne d’Or habe verdient, so Alain Trampoglieri, wer verantwortungsvoll mit öffentlichen Geldern umgehe, sich trotz klammer Kassen mit aller Kraft für die lokale Entwicklung einsetze, auf Nachhaltigkeit baue, zum Dialog bereit sei, die Jugend mit ins Boot hole und die Menschen und sein Land liebe. Ausdrückliche hob er die «pädagogische Aufgabe» des Preises hervor: Eine Marianne d’Or habe Vorbildcharakter und zeige, was in der Kommunalarbeit möglich ist. «Wir brauchen Volksvertreter und Bürgermeister, die auf ihr Volk hören», so Trampoglieri. as 

alain trampoglieri (l.) hat den bürgermeister von grasse, Jérôme Viaud, mit einer marianne d’or ausgezeichnet © AS

Nachhaltige Entwicklung

Grasse erhält «Oscar der Kommunalpolitik» ür das Engagement der Stadt in Sachen Nachhaltigkeit ist dem Bürgermeister von Grasse, Jérôme Viaud, im Januar eine Marianne d’Or du Développement Durable überreicht worden. Über den frankreichweit jährlich vergebenen «Oscar» für vorbildliche Kommunalpolitik im Dienste der Bürger war vergangenen Dezember entschieden worden. Neben Viaud sind 24 weitere Volksvertreter mit dem Preis bedacht worden, darunter der Präsident der Région Sud-PACA, Renaud Muselier, und die

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Bürgermeister von Brignoles, Didier Brémond (Departement Var), und Levens, Antoine Veran (Alpes-Maritimes). Mehr als 800 Bewerbungen seien diesmal eingegangen, so Alain Trampoglieri, der die Marianne d’Or vor 35 Jahren als «positivsten Preis Frankreichs» erstmals ausgelobt hat. Mittlerweile wird zusätzlich zur klassischen Marianne d’Or (die 2019 übrigens unter anderem an den Bürgermeister von Nizza, Christian Estrosi, ging) die Marianne d’Or du Développement Durable vergeben. Der Grasser Bürgermeister Jérôme Viaud

so hat grasse üBerzeugt Mutiger Bebauungsplan, der ackerfläche raum gibt ansiedlung neuer Landwirte und Unterstützung bei der abnahme der produzierten Duftpflanzen energiesparen: in 14 städtischen Gebäuden ist der Stromverbrauch um 25 Prozent gedrosselt worden. Pro Jahr werden so 110 000 euro eingespart verstärkt Stromankauf von versorgern, die ausschließlich erneuerbare energien nutzen Bau von 35 Ladestellen für elektroautos (Grasse und Umland/Pays de Grasse), die mit grüner energie versorgt werden Test verschiedener zukunftsweisender, umweltfreundlicher Technologien, darunter das Glas-recycling-System «Cliiink» info-Messen für Bürger zur energetischen Sanierung des eigenheims verleih von elektrofahrrädern (monatsweise): «La Bicyclette» (Pays de Grasse)


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Umweltfreundlich fliegen

schneller ans ziel m Juni 2019 haben sich 195 europäische Flughäfen dazu verpflichtet, ihren Netto-Ausstoß an Treibhausgasen bis 2050 auf Null zu reduzieren. Nun hat die Gruppe Côte d’Azur Airports verkündet, dieses Ziel bereits bis 2030 erreichen zu wollen und zudem ab 2034 sogar mindestens 14 Tonnen CO2-äquivalent pro Jahr zu absorbieren, unter anderem durch die Einrichtung sogenannter Kohlenstoffsenken.

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Die zweitgrößte Flughafenplattform Frankreichs, die die drei Flughäfen Nizza, Cannes-Mandelieu und Golfe de Saint-Tropez umfasst, setzt sich bereits seit 15 Jahren für die Verringerung ihres ökologischen Fußabdrucks ein. Alle drei Flughäfen wurden vom Airports Council International als kohlenstoffneutral der Stufe 3+ zertifiziert, Nizza 2016 landesweit als erster Flughafen. In Nizza entsprach der durchschnittliche Treibhausgas-Ausstoß pro Passagier nach Angaben des Flughafens bereits im Jahr 2018 nur noch 117 Gramm Kohlenstoffdioxid – 92 Prozent weniger als bei Passagieren im europäischen Durchschnitt (1,47 Kilogramm). Heute seien es 101 Gramm. Zum Vergleich: Ein neuer Twingo stößt auf einem einzigen Kilometer 121 Gramm CO2äquivalent aus. Die Gruppe postuliert für den «Übergang von einer Logik der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit zu einer Logik der ökologischen Wett-

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bewerbsfähigkeit» und setzt konkrete Maßnahmen um wie die Elektrifizierung der Servicefahrzeuge, Verwendung grünen, regionalen Stroms sowie die Förderung von nachhaltigem Treibstoff für Flugzeuge. Kr 

Nachhaltige Mobilität

neue e-fahrräder in nizza

an muss es ihm lassen: Nizzas Bürgermeister Christian Estrosi (im Foto mit Fahrrad) zieht seine Strategie einer grünen, umweltfreundlichen Stadt unbeirrt durch. Gewiss, Mitte März wird gewählt, aber es ist sowieso mehr als wahrscheinlich, dass er das Rennen gewinnen wird (siehe

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Seite 14). Nein, man nimmt es dem Vater einer Dreijährigen ab: Ihn treibt tatsächlich an, Nizzas Lebensqualität mehr und mehr zu steigern. Wer die Metropole seit einiger Zeit nicht mehr gesehen hat, dürfte erstaunt sein, wie positiv die Stadt sich entwickelt hat. In diesem Sinne lud Estrosi Ende Januar voller Stolz die

Presse ein, um seine neuesten Projekte rund um nachhaltige Mobilität vorzustellen. Die Verbindung zwischen Fahrrädern und öffentlichen Verkehrsmitteln liegt der Stadt besonders am Herzen. So gibt es nun am Hauptbahnhof Thiers, aber auch am Stadion Charles Ehrmann ab sofort gesicherte Parkplätze für private Fahrräder. Am Bahnhof finden 200 Räder auf 300 Quadratmetern Fläche unter der Erde Abstellraum, an zehn Säulen können elektrisch angetriebene Fahrräder aufgeladen werden. Bedingung für die Benutzung ist allerdings ein Abonnement der Busse und Straßenbahnen Lignes d’Azur oder der Vorortzüge TER. Weitere Plätze sind unter anderem in Vauban und Pont Michel geplant. Außerdem wird das Angebot der blauen Mietfahrräder der Stadt um 200 Elektro-Fahrräder erweitert, die eine Autonomie von 60 Kilometern zwischen Nizza, Saint-Laurent-du-Var und Cagnessur-Mer haben und mittels einer App für 40 Euro pro Jahr funktionieren. Für Senioren und junge Leute bis 25 ist die Benutzung kostenlos. Wer kein Abonnement hat, zahlt pro halbe Stunde 1,50 Euro, die ersten dreißig Minuten sind frei. Ein Informationsbüro für Fragen zu Elektro-Fahrrädern, deren Anwendung und die entsprechenden Abonnements wurde eigens gegenüber dem Hauptbahnhof eröffnet. Ph 

Intelligente Stromnetze

franKreich als Vorreiter der enerGiewende m europäischen Vergleich liegt Frankreich in Sachen Energiewende – darunter CO2-Einsparung und Steigerung der Energieunabhängigkeit – ganz weit vorn. Das Land investiert nicht nur rund 100 Millionen Euro pro Jahr in Forschung und Entwicklung und ist damit europaweit auf Platz zwei nach Großbritannien. Es ist auch das Land der florierenden SmartGrid-Branche. Smart Grids sind intelligente, optimierte Stromnetze, die die Koordination und Steuerung von Stromerzeugern, -speichern, -verbrauchern und Netzbetriebsmitteln effizienter gestalten und somit eine zuverlässige Stromversorgung gewährleisten. Der französische Smart-Grid-Sektor, der ein Fünftel des Weltmarktes ausmacht, besteht hauptsächlich aus Start-ups, wobei auch vier Regionen Großprojekte gestartet haben, darunter die Région Sud (Provence-Alpes-Côte d’Azur) mit dem Programm «Flexgrid». Kr 

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sofort da: «Les Bacchanales» in Vence, «Le Clos Saint-Pierre» in Le Rouret, «Lou Cigalon» in Valbonne, «L’Oasis» in Mandelieu, «La Paloma» in Mougins und «L’Auberge Quintessence» in Roubion. Besonders hart und ungerecht – so die Experten-Meinung jenseits der Michelin-Redaktion: der Entzug des vor einem Jahr frisch und mutig erarbeiteten Sterns von Pauline und Christophe Billau für ihre «Auberge Quintessence» in Roubion hoch oben in den Bergen – fernab der kaufkräftigen Klientel an der Küste.

guide michelin

Süßsaurer Jahrgang im Süden Die diesjährige Sternevergabe des Guide Michelin muss manch ein Koch in Frankreichs Süden erst einmal verdauen. an der Côte d’azur jedenfalls sind 2020 mehr auszeichnungen für kulinarische Hochgenüsse abhanden als hinzu gekommen. rund um aix hat sich besonders viel getan – dort überwiegend zum Positiven.

eugénie béziat holte einen stern in die marina baiedes-anges (Villeneuve-loubet), genauer: in die neu-entdeckung «la flibuste-martin’s», wo sie erstmals als chefköchin den ton vorgibt. © D.R.

Var

gut zwei Jahre nach eröffnung seines «mas bottero» in saint-cannat bei aix-en-Provence hat sich nicolas bottero mit einer «enthusiastischen, geschmacksintensiven und duftenden Küche», wie die tester des guides urteilten, einen stern erarbeitet. Zu seinen signatur-gerichten gehört die tartelette de légumes. © D.R.

bouches-du-Rhône

Von aila stöcKmann

Alpes-Maritimes Frauen-Power: Zwei Restaurants in den Alpes-Maritimes haben in diesem Jahr ihren ersten Stern im Guide Michelin erhalten – und beide wurden von Frauen in den Sternenhimmel gekocht: Das unlängst eröffnete «Pure & V» in Nizza, dessen Besitzerin und Sommelière Vanessa Massé mit ihrem dänischen Chefkoch Mathias Silberbauer das Konzept der Bistronomie auf ein neues Level hebt. Und das Restaurant «La Flibuste-Martin’s» in der Marina Baie des Anges (Villeneuve-Loubet): Dort überzeugte die 34-jährige Chefköchin Eugénie Béziat mit Enthusiasmus und kulinarischer Kunstfertigkeit. Verloren haben hingegen insgesamt sechs Restaurants ihren einzigen Stern, und ausgerechnet die gefeierte neue Chefköchin im «Chantecler» (Negresco in Nizza), Virginie Basselot, büßt den zweiten Stern des Hauses ein. Gänzlich ohne Stern stehen ab MäRZ / ApRIl 2020

in monacos hôtel de Paris glänzen wieder gleich vier sterne unter einem Dach. Drei davon vereint wie gehabt das «louis XV», einen darf das spektakulär über dem meer in den himmel ragende «le grill» (foto) tragen. © Monte-Carlo Société des Bains de Mer

Nicht ganz so desolat sieht das Verhältnis zwischen Gewonnen und Verloren im Departement Var aus: Zwei neue Sterne wurden vergeben, aber immerhin drei entzogen. Die Gewinner sind: «La Voile», Restaurant des Hotels La Réserve in Ramatuelle mit Chefkoch Eric Canino, ab sofort mit einem zweiten Stern dekoriert, und «L’Arbre au Soleil» in Le Lavandou, wo der Chef am Herd, Yorann Vandriessche, an der Seite seiner Frau Bénédicte seinen ersten Stern feiert. Ihren jeweils einzigen Stern verloren haben: «La Rastègue» in Bormes-les-Mimosas, «Le Mas du Langoustier» auf der Insel Porquerolles und «L’Olivier» in Saint-Tropez.

Eine bessere Bilanz verzeichnen die Bouches-de-Rhône: Fünf neue Sterne kommen hier auf nur einen verlorenen. Einen fabelhaften dritten Stern erhält das «L’Oustau de Baumanière» in Les Baux-deProvence. Und vier Restaurants sind neu mit einem Stern geadelt: Das «Château de la Gaude» in Aix-en-Provence, das «Maison Hache» in Eygalière, «La Magdeleine – Mathias Dandine» in Gémenos und «Le Mas Bottero» in Saint-Cannat. Verloren hat seinen Stern das «Louison» der Domaine de Château La Coste in Le PuySainte-Réparade bei Aix: Das Restaurant existiert unter diesem Namen nicht mehr, essen kann man in der traumhaften Domaine aber immer noch, und vermutlich gut.

Monaco Das Fürstentum wird vom roten Büchlein großzügig mit zum Hexagon gezählt, aber Neues haben die Tester dort offensichtlich nicht erlebt. Der Kleinstaat vereint auf zwei Quadratkilometern wie schon im Vorjahr bemerkenswerte zehn Sterne. Allein vier davon gehen auf das Hôtel de Paris. Insgesamt gibt es je ein Lokal mit drei und eines mit zwei Sternen sowie fünf Restaurants, die einen Stern tragen dürfen.

Die moderne, gesunde Küche von eric canino im «la Voile» (hotel la réserve) in ramatuelle überzeugte die tester von michelin, die dem restaurant in diesem Jahr einen zweiten stern zuerkannten. © D.R.

Frankreichweit sind 2020 insgesamt 49 Restaurants neu mit einem Stern ausgezeichnet worden. 


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STERNE-RESTAURANTS

Geschichten aus dem Midi

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Der englische patient, der Aborigine und die Schlampe

Alpes-Maritimes

saint-raphaël: La Terrasse tourrettes: Faventia

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menton: Mirazur cannes: La Palme d’Or le cannet: Villa Archange Èze: La Chèvre d’Or nizza: Flaveur la turbie: Hostellerie Jérôme

antibes: Le Figuier de St-Esprit Cap d’Antibes: Les Pêcheurs beaulieu-sur-mer: Restaurant des Rois biot: Les Terraillers la colle-sur-loup: Alain Llorca Èze-bord-de-mer: La Table de Patrick Raingeard grasse: La Bastide Saint-Antoine Juan-les-Pins: La Passagère mougins: Le Candille nizza: L’Aromate Le Chantecler / JAN / Pure & V N saint-Jean-cap-ferrat: Le Cap / Grand Hôtel du Cap Ferrat tourrettes-sur-loup: Clovis Vence: Le Saint-Martin Villeneuve-loubet: La Flibuste-Martin’s N

 Var

saint-tropez: La Vague d’Or – Cheval Blanc Saint-Tropez le castellet/circuit Paul ricard: Christophe Bacquié

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ramatuelle: La Voile

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les arcs: Le Relais des Moines bandol: Les Oliviers la cadière-d’azur: Hostellerie Bérard callas: Hostellerie Les Gorges de Pennafort la celle: Hostellerie de l’Abbaye de la Celle La Croix-Valmer/Gigaro: La Palmeraie le lavandou: L’Arbre au Soleil N lorgues: Bruno lorgues: Le Jardin de Benjamin N

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Bouches-du-Rhône les baux-de-Provence: L’Oustau de Baumanière N marseille: Le Petit Nice

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arles: L’Atelier de Jean-Luc Rabanel cassis: La Villa Madie marseille: AM par Alexandre Mazzia

aix-en-Provence: Pierre Reboul aix-en-Provence: Château de la Gaude N aix-en-Provence/le tholonet: Le Saint-Estève arles/le sambuc: La Chassagnette les baux-de-Provence: L’Aupiho la ciotat/le liouquet: La Table de Nans eygalière: Maison Hache N gémenos: La Magdeleine – Mathias Dandine N marseille: Alcyone L’Épuisette / Une Table au Sud Saisons maussane-les-alpilles/le Paradou: Cicada – La Table du Hameau saint-cannat: Le Mas Bottero N saint-rémy-de-Provence: Restaurant de Tourrel saint-rémy-de-Provence: Fanny Rey et Jonathan Wahid Ventabren: Dan B.

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Monaco Le Louis XV – Alain Ducasse im Hôtel de Paris

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Joël Robuchon Le Blue Bay Le Grill Vistamar Yoshi Elsa, Monte-Carlo Beach

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Von hannelore salinger

s ist wieder Frühling, endlich! Die Cafés in der Provence haben schon die Tische draußen und wir rennen mindestens einmal pro Woche in unser Lieblingscafé, sitzen zufrieden unter Platanen und beobachten Menschen und Tauben. Mittlerweile kennen wir fast alle der anderen Gäste, und es gibt immer etwas zu erzählen. Eines Tages aber tauchte ein völlig neues Gesicht auf: ein Herr, graumeliert, nicht mehr ganz jung, gut und dezent gekleidet – nie ohne sein Halstuch – und stets in Begleitung eines Jack-Russell-Terriers. Ein typischer Engländer. «Das dachte ich auch», sagte der Wirt. «Aber er ist ein stinknormaler Franzose, der kommt noch nicht mal aus Paris.» Und weil er eine gewisse ähnlichkeit mit Ralph Fiennes hat, nennen wir ihn intern den «englischen Patienten».  An diesem Frühlingsnachmittag erscheint er wieder, mit Halstuch, aber mit roten Augen und ohne seinen Hund. Was war geschehen? «Zuerst hat meine Frau unser Konto leergeräumt», erzählt er. «Und dann hat sie mich mitsamt dem Hund aus dem Haus geworfen.» Nun lebe er in einer ziemlich heruntergekommenen Wohnanlage. Seine Mitbewohner hätten auf der Abschaffung des Hundes bestanden, und er hatte keine Wahl. Immerhin habe er einen guten neuen Platz für ihn gefunden, aber all das habe ihn krank gemacht, sowas von krank. Der Mensch weint. Auweia! Kein Engländer, aber ein Patient.  Als nächstes kommt eine Art Rasenmäher mit Hut vorgefahren, ein altes, knatterndes, winziges Auto, für das man keinen Führerschein braucht. Den Fahrer, dessen Kopf ein Akubra, der klassische australische Cowboyhut, ziert, nennen wir insgeheim «den Aborigine». Mittelgroß, kräftige Gestalt und die klas-

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sischen, wettergegerbten Gesichtszüge der australischen Ureinwohner. Er trägt stets T-Shirts, auf denen «I love Australia» steht oder Kängurus hüpfen. Heute fragen wir ihn nach seiner Herkunft und erfahren, dass es keinen typischeren Provenzalen als ihn gebe, nirgendwo. Gut, seine Mutter sei Vietnamesin, der Vater aus Guadeloupe, aber dafür könne man ja nichts. Aber warum die australischen T-Shirts? «Die verkauft meine Schwiegertochter in ihrer Boutique», sagt er. «Aber die hässlichen Dinger will keiner, deshalb hat sie die mir geschenkt.» Und der Akubra? «Der kommt aus Österreich, glaube ich. Da trägt man sowas», seufzt er. Und dann brettert ein knallrotes Cabriolet am Café vorbei, am Steuer eine attraktive junge Frau. Die Augen der anwesenden Herren beginnen zu funkeln, die ihrer Damen verengen sich zu schmalen Schlitzen, und wir hören Worte, von denen wir nur salope verstehen. «Das ist die Dorfschlampe», klärt uns Chantal vom Nachbartisch auf. «Als sie 18 war, hat sie sämtliche Männer im Ort flachgelegt. Alle, außer natürlich meinen lieben Marcel.» – «Meinen guten Pierre auch nicht», behauptet ihre Tischnachbarin. Die treuesten aller Ehemänner blicken zunächst betreten in ihr Pastisglas, dann zwinkern sie sich zu. «Und heute geht sie auf den Strich und verdient ein Schweinegeld.» – «So viel nun auch nicht», meint Marcel und erntet prompt einen Stoß in die Rippen. All diese Gespräche fanden an einem einzigen Abend im Frühling statt, und wir haben viel gelernt: Der Engländer kommt gar nicht aus Großbritannien, der Aborigine nicht aus Australien. Aber wenigstens die Schlampe, die ist echt ...

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Direkt am meer mit spektakulärem blick auf menton befindet sich das restaurant «balzi rossi» © D.R.

«Gesund und con amore» Giuseppina Beglia serviert lokale Köstlichkeiten Von susanne altWeger-minet

an der Grenze zwischen italien und Frankreich, unmittelbar vor den roten Felsen mit den prähistorischen Höhlen bei Grimaldi di ventimiglia, werden Gäste im restaurant «Balzi rossi» ganzjährig verwöhnt. on der Terrasse des nach den roten Felsen benannten Ristorante Balzi Rossi genießt der Besucher einen wunderbaren Blick über das Meer auf Menton. Der Charme der Lage ist das Eine. Voll entfaltet sich die Anziehungskraft des Ortes aber erst beim Betreten des Restaurants; für viele Feinschmecker eine Pilgerstätte. Sanfte Musik und die geschmackvolle Eleganz ziehen mich sofort in den Bann. Hell und weitläufig ist der Raum, die Einrichtung geschmackvoll modern, die Bezeichnung «Clean Chic» trifft es gut. Während wir uns noch umsehen, werden wir höflich und formvollendet begrüßt und zum Tisch geführt. Die Speisekarte macht die Auswahl schwierig; auf der Weinkarte wird jeder Geschmack fündig.

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Zum Kennenlernen entscheiden wir uns für das wohl komponierte 5-Gänge-Menü. Die Chefin Giuseppina Beglia gibt noch einige Erläuterungen und erkundigt sich, ob es etwas gebe, was wir nicht essen wollten. Das ist nicht der Fall, denn es handelt sich um eine leicht und gesund wirkende Zusammenstellung, viel Vegetarisches, und als Hauptgericht wird der pesce del giorno, eine Dorade, angeboten, mit Kapern, Oliven und Erbsenschoten. Still und glücklich genießen wir jeden Gang. Es sollten wegen kleiner ZwischendurchLeckereien sieben werden. Jeder ist ein Gemälde fürs Auge, das man fast nicht anzurühren wagt. Im Mund entfaltet sich ein außergewöhnliches Geschmackserlebnis. Ich suche lange in meinem Gedächtnis, wann ich zuletzt so fabelhaft verwöhnt wurde. Die Küche ist federleicht, passt zum Meer, zum Klima, und unser Menü beinhaltet keine einzige Kalorienbombe. Nach dem Essen gesellt sich Signora Beglia zu uns und gibt gerne Auskunft. Sie wurde in Sanremo geboren, aber die Familie kommt ursprünglich aus Istrien. Durch ihren Mann kam sie in die Gastronomie. Als Köchin sei sie Autodidaktin, erzählt sie lachend. Lange Jahre habe sie selbst in der Küche gestanden, gekocht, experimentiert, die Erkenntnisse ihrer zahlreichen Reisen in die USA, nach Japan, Manila oder Hongkong ausgewertet. Zwei Eckpfeiler sind ihr Garant für die kontinuierlich gute Küche: lokale Produkte und Rezepte ihrer Mutter. Deren istrischer Einfluss sei den Ligurern zunächst fremd gewesen, und so habe sie ihre Küche angepasst. «Piano, piano», fügt sie hinzu. Heute vertraut sie ihrem 27-jährigen Sous-Chef Riccardo Marcenaro. Auf Basis ihrer Ideen entwickelt er mit jugendlicher Kreativität die Rezepte wei-

Dorade mit erbsenschoten © DR

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ter. So verstehen sie sich blind. «Essen muss gesund sein», meint sie, «abwechslungsreich und vor allem zubereitet con amore.» Der volle Geschmack der einzelnen Zutaten solle sich entfalten, von exotischen Kompositionen hält sie gar nichts. «Schokolade hat auf Fleisch nichts zu suchen.» Das alles hat Tradition. In den dreißiger Jahren entstand an diesem malerischen Ort ursprünglich ein Casino, das später in ein Restaurant umgewandelt wurde. Seit 55 Jahren ist es nun in der Hand der Familie. Zwischenzeitlich wurde es zwar einmal kurz an Russen verkauft, die es ihrerseits an Neapolitaner verpachteten. Leider verfielen blitzschnell Ambiente und Qualität. Als es wieder zum Verkauf stand, entschied die Familie, das Juwel zurückzuholen. Vor drei Jahren erfolgten eine vollständige Renovierung, Modernisierung sowie der Bau der großen Terrasse. Giuseppina ist ein offener Mensch, eine strahlende, gepflegte und alterslos wirkende Erscheinung. Ihre Gäste kommen wegen ihrer Küche, natürlich, aber auch wegen ihr. Mit manchen ist sie ein Vierteljahrhundert befreundet. Und viele, die sie länger kennen, nennen sie Mamma. Sie kommen von überall her, aus Frankreich, Monaco und Italien, aber auch aus Japan und Deutschland. Qualität spricht sich eben schnell herum; heute besonders einfach, wie die exzellenten Bewertungen im Internet zeigen. Da ihr Lokal nur wenige Meter von der französischen Grenze entfernt ist und dort bekanntermaßen besonders verwöhnte Gourmets leben, frage ich nach den Sternen, die man bei dieser Qualität vermuten würde. Bescheiden erzählt sie, dass sie in den 1980erJahren mit zwei Sternen gekrönt war. Sie entschied sich aber, diese aufzugeben. «Ich wollte etwas Neues machen, hohe Qualität anbieten, an der jedermann teilhaben kann. Die gehobene Küche für alle.» Dies gelingt ihr Tag für Tag, ganzjährig, mittags und abends (außer im Januar). Der Ablauf ist übrigens genauso perfekt wie das Essen. Ihre charmanten Mitarbeiterinnen, unter anderem ihre Tochter und ihre Enkelin, sind herzlich und unaufdringlich. Der Abstand zwischen den Speisen ist perfekt, man wartet nie länger, als sich der Magen in Vorfreude auf den nächsten Gang meldet, wird aber auch nie gehetzt. Als ich die Perfektion lobe, meint Giuseppina bescheiden: «Perfektion existiert nicht, aber wir tun unser Bestes, um den Gast glücklich zu machen.» 

giuseppina beglia (2.v.r.) und ihre «frauschaft» © SAM

giuseppina und ihr sous-chef riccardo marcenaro © DR


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IT Villaggio

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 SAINT-TROPEZ NEUES GOURMET-FESTIVAl Jetzt springt auch Saint-Tropez auf den Zug: GourmetFestivals boomen – nicht nur an der Côte d’Azur. Das ehemalige Fischerdorf verwandelt sich Ende April vier Tage lang in ein Schlemmer-Dorf: großer Markt mit lokalen Produzenten auf der Place des Lices (24./25. April), Showkochen mit lokalen und internationalen Chefköchen, Kochkurse, Wettbewerbe, besondere Menüs in verschiedenen Restaurants am Ort … Mit von der Partie sind unter anderem der mit drei MichelinSternen dekorierte Arnaud Donckele, Vincent Maillard und Sternekoch Eric Canino. «les chefs à saint-tropez fêtent les producteurs» / 23. – 26. april

süditalien in nizza M

anchmal wünscht man sich an einen anderen Ort. In ein italienisches Dorf zum Beispiel, in dem man mit Freunden am Tisch bei gutem Essen sitzt und laut in die lange, warme Nacht hineinlacht. Dieses Gefühl kennen Renato und Giò aus ihrer Kindheit in Kalabrien, der Spitze des italienischen Stiefels. Und genau dieses Gefühl wollen die beiden Gründer der IT-Restaurant-Kette nach Frankreich bringen. Seit 2014 sind im Hexagon fast 20 ihrer Restaurants entstanden, in denen sie authentische süditalienische Küche in familiärer Atmosphäre zu ebenfalls authentischen Preisen anbieten. Anfang Februar hat im umfassend modernisierten und erweiterten Einkaufszentrum Cap 3000 am Rande von Nizza (gegenüber des Flughafens) auf einer Fläche von 3000 Quadratmetern eines ihrer Restaurants in neuem Format eröffnet: das IT Villaggio. Das Lokal ist tatsächlich wie ein Dorf aufgebaut. Jeder Spezialität ist ein Stand gewidmet: unter anderem Alimentare für Lebensmittel, die man mit nach Hause nehmen kann, eine Gelateria mit traditionellem süditalienischem Eis, ein Antipasti-, ein Pasta- und ein PizzaStand sowie eine Bar.

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Da die Gründer auf Authentizität setzen, stammen alle Produkte und Rezepte direkt aus Italien, und alle Gerichte werden täglich frisch vor den Augen der Gäste zubereitet. Auf der Panorama-Terrasse kann man sich tagsüber ab 10 Uhr des Meerblickes, der Grillspezialitäten sowie eines echten italienischen Kaffees erfreuen oder später, bis 23 Uhr, einen typisch neapolitanischen Abend bei einem Glas Spritz, Gitarren- und Mandoline-Musik erleben. Wie ein Kurztrip nach Italien! Kr 

 ROTER THUNFISCH SAFTIGE STRAFEN Das Fangen zu kleiner, noch nicht reproduktionsfähiger roter Thunfische wird in Frankreich mit drastischen Strafen geahndet: Je 1500 Euro Geldbuße mussten im Januar in der Région Sud zwei Hobbyangler berappen, die Jungfische gefangen hatten. Die zuständige Behörde DDTM weist darauf hin, dass regelmäßig Kontrollen vorgenommen würden. Die Überfischung des roten Thunfischs führte Anfang dieses Jahrtausends im Mittelmeer fast zu dessen Ausrottung. Seit 2007 gilt die Regel, dass die Thunfische erst ab einer Länge von 115 Zentimetern oder einem Gewicht von 30 Kilogramm gefangen werden dürfen. Hobbyangler wie auch Profifischer benötigen darüber hinaus eine gesonderte Erlaubnis für den Fang roten Thunfischs.

Golf Club

18-Loch-Anlage | Pratice - Academy | Pro-Shop- Bar-Restaurant

Lieu dit “Claux-Amic” - 06130 GRASSE Tel. : 04 93 60 55 44 - Fax : 04 93 60 55 19 - E-mail : info@claux-amic.com www.claux-amic.com

Gerhard heißt Sie in seiner neuen Weinbar bei selektiven Weinen aus aller Welt herzlich willkommen. Genießen Sie die entspannte Atmosphäre und den Meerblick sowie köstliche Tapas aus unserer internationalen Küche.

GERHARD'S CAVE

Geöffnet täglich von 17 - 01 Uhr - 42, quai Jean Charles Rey 98000 Monaco - 00377/99907191 - gerhard@monaco.mc

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RIVIERA-pRESS-EVENT

Riviera Press feiert seine

Winter-Soirée! «Zauberhafter Abend beim Cocktail der RivieraZeit in Golfe-Juan» – das postete ein Gast nach unserem Neujahrs-Event Ende Januar auf Facebook. Und das traf es genau: Mehr als 160 Freunde, Leser und Partner genossen das wunderbare Ambiente im majestätischen Palais Clément Massier und die zahlreichen angebotenen

Köstlichkeiten. Wie immer wurden unsere Gäste nicht müde, Erfahrungen auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen. Das Highlight des Abends: die atemberaubende Show von Kalice Spectacles, die mit ihren halsbrecherischen Darbietungen das Publikum in ihren Bann schlug.

Diese wunderbaren Partner haben unsere Winter-soiree erst möglich gemacht: Palais Clément Massier; DS Automobiles Peugeot; United Flavours of Food; Subtil Wine (Wein und Champagner aus biodynamischem Anbau); Blue Coast; L’Orangerie de Monaco, Diffé Rhum; Confiserie Florian; Nice Photo Box; Gin 44 Comte de Grasse; Mount Mayon (Pili nuts); Aperoom; Are Water; Stefanie Savary (mit ihrer Kleider-Kollektion); Kalice Spectacles; Thibeaut (Orangenwein); Googi.

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(1) Carole Cutier und Nicolas Martin, Verkaufsleiterin und Direktor des neuen Marriott-Hotels, das im April in Cagnes-sur-Mer unter dem Namen «Sysoon» eröffnet (2) Die deutsche Stadträtin in Nizza, Christiane Amiel, mit RZ-Gründerin Petra Hall und Hotelchefin Barbara Kimmig (Villa Rivoli, Nizza), v.l. (3) Dr. Anette Wolf, Allgemeinmedizinerin in Le Cannet (4) Modedesignerin Stefanie Savary (r.) mit zwei ihrer Models (5) Matthias Waechter, Honorarkonsul in Nizza, mit seiner Frau (6) Das Team von DS Automobiles: Frédéric Wehbe, Anthony Bettens, Bryan Seillier, David Esposto, Imad Ben Messaoud, v.l. (7) RZ-Chefredakteurin Aila Stöckmann mit Jördis Kimpfler (Deutsch-Französisches Kulturzentrum CCFA, Nizza) und Gesa Kaehlbrandt, Heilpraktikerin und Fastenleiterin, v.l. (8) Olivier Donati (Donati Property Services) (9) Ira Söhnge-Camous, freie Autorin der RivieraZeit, mit Mann (10) Dr. Jörg Langer, ebenfalls für die RZ als Autor tätig (11) Katja Meyer-Rachner, Meditations-Coach, und ihr Mann Matthias Scheele (12) Swen Backhaus (Association France-Allemagne Côte d’Azur, AFA) und seine Frau Anna (13) Sedat Simsek, Direktor von Turkish Airlines Nizza, und seine Frau Diana - © Fotos: Patrick/New Look Agency MäRZ / ApRIl 2020


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VERANSTAlTUNGEN

Frankreich Veranstaltungen 7. – 16. MäRZ Nizza «Foire de Nice» Nizzas jährliche Lifestyle-Messe «Foire de Nice» hat diesmal die 1960er-Jahre als Motto. Alltagsgegenstände sowie Fotografien aus den 60er-Jahren werden ausgestellt. Möbel, Kleidung, Musikzubehör, Autos und vieles mehr stehen zum Verkauf. Palais des Expositions, Palais Acropolis. foiredenice.com 8. MäRZ le lavandou karneval Karneval mit Blumenkorso zum Thema «Eldorado». Mehr als 20 Wagen, Musiker, Blaskapellen und Tänzer. Im Ort. ot-lelavandou.fr 8. MäRZ Cannes klassik-konzert Im Rahmen der «Piano Series IV» interpretiert das Orchester Cannes Bahms und Beethoven. Théâtre Croisette, 16.30 Uhr. orchestre-cannes.com 10. – 13. MäRZ Cannes Mipim – Internationaler Immobilienmarkt Akteure der internationalen Immobilienbranche treffen zu einer der weltweit wichtigsten Messen zusammen. Mit Mipim-Awards. Palais des Festivals. Täglich ab 8 Uhr. Siehe Seite 56. mipim.com

geschrieben von internationalen Komponistinnen, feiert das Festival die oft unentdeckte weibliche Präsenz in der Musik. presencesfeminines.com 18. MäRZ Nizza Film mit live-Musik Ciné-concert: Zum Film «Le Grand Bleu» von Luc Besson spielen Eric Serra und sein Ensemble. Palais Nikaïa, 20 Uhr. nikaia.fr 20. – 22. MäRZ Mandelieu 8. Messe des Wohlbefindens 150 Aussteller zu Gesundheit, Ernährung, Schönheit und Therapiemöglichkeiten. Centre Expo Congrès, 10 bis 19 Uhr bzw. 20 Uhr am Samstag. salonbienetremandelieu.com 22. MäRZ le Cannet konzert von lara Fabian Die Singer-Songwriterin feiert mit ihrer «50 World Tour» ihre Schaffenszeit. La Palestre, 18 Uhr. lapalestre.eu 27. MäRZ – 1. APRIL Cannes «Canneseries» 3. Ausgabe des TV-Serienfestivals. Vorführung internationaler Serien und Preisvergabe. Die Veranstaltungen sind kostenlos. Reservierung notwendig. canneseries.com 27., 29. + 31. MäRZ Nizza Oper Jérôme Correas kommt nach Nizza und übernimmt die musikalische Leitung der Oper Phaéton. Oper Nizza. 15 bzw. 20 Uhr. opera-nice.org

13. MäRZ Aix-en-provence klavier-Improvisationen Hommage an Beethoven zu dessen 250. Geburtstag: Improvisationen mit Jean-François Zygel. Théâtre du Jeu de Paume, 20 Uhr. Tickets 9 bis 22 Euro. lestheatres.net

2. APRIL Vallauris-Golfe-Juan Nacht des kunsthandwerks Jeden ersten Donnerstag im Monat öffnen Ateliers und Galerien in der Innenstadt ihre Türen auch abends. 18.30 bis 24 Uhr. vallaurisgolfejuan-tourisme.fr

15. MäRZ Nizza Finale des Radrennens parisNizza Finale der «Course au Soleil» in Nizza. Siehe Seite 66. www.paris-nice.fr

3. – 5. APRIL Toulon Wein- und Gastronomiefest «Bacchus»-Fest: Mit Märkte, Performances, Straßenmusik, Tänzen, Paraden. Place d’Armes. bacchus-fete.com

17. – 28. MäRZ Toulon 10. Festival présences Féminines Mit einer Reihe von Konzerten,

5. APRIL Tourrette-levens Mittelalter-Festival Zeitreise zurück ins Mittelalter

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mit Troubadouren, Rittern und einem Kunsthandwerkmarkt. Im Dorf, 10 bis 18 Uhr. Freier Eintritt. tourrette-levens.fr 5. APRIL Sainte-Maxime Marathon Internationaler Marathon des Golfe de Saint-Tropez. Ab 8 Uhr. marathondugolfedesainttropez.com 11. – 27. APRIL Antibes Antiquitäten- und kunstmarkt 48. Messe für Antiquitäten sowie moderne und zeitgenössische Kunst, Schmuck und Möbel. Esplanade du Pré des Pêcheurs, 10.30 bis 19.30 Uhr. salon-antiquaires-antibes.com OSTERN, 12. APRIL Vallauris-Golfe-Juan Oldtimer-Treff Jeden zweiten Sonntag im Monat. Théâtre de la Mer, 8 bis 12 Uhr. vallaurisgolfejuan-tourisme.fr 17. APRIL – 10. MAI Marseille, Toulon, Digne-lesbains, Aix-en-provence Flamenco-Festival 50 Künstler bieten beim Flamenco-Festival Azul ein reiches Programm rund um Tanz, Theater, Musik, Poesie. Verschiedene Orte. Programm: Festivalflamencoazul.com 22. APRIL Ramatuelle kunsthandwerk-Markt Mit Hüten, Taschen, Keramik, Schmuck und vielem mehr. Place de l’Ormeau, 9 bis 18 Uhr. ramatuelle-tourisme.com 23. APRIL Cannes klassik-konzert Vincent Beer-Demander (Mandoline) spielt zusammen mit dem Orchester Cannes Filmmusik, etwa von Mission Impossible. Théâtre Debussy, 20.30 Uhr. Orchestre-cannes.com 26. APRIL Gassin provenzalischer Markt Mit regionalen Produkten und Handwerk. Place de l’Église, 10 bis 17 Uhr. gassin.eu 23. – 26. APRIL Saint-Tropez kulinarik-Festival Wettbewerbe, Kostproben, LiveKochen und Grillen. Place des

Lices, Plage de Pampelonne, Hafen. sainttropeztourisme.com 30. APRIL – 3. MAI Alpes-Maritimes Outdoor-Festival 06 Festival zur Entdeckung von Outdoor-Sportarten. Siehe Seite 62. www.departement06.fr 7. – 10. MAI Grimaud Harley-Davidson Euro Festival Biker-Fest mit Konzerten auf fünf Bühnen, Ausstellern, Animationen und Parade. Freier Eintritt. Campingplatz Les Prairies de la Mer. harley-davidson.com 9. MAI le broc «Warren Zavatta – Ce soir dans votre ville!» Der Enkel des Gründers des Zirkus Zavatta bringt ein unterhaltsames Ein-Mann-Stück auf die Bühne und reflektiert sein nicht unproblematisches Heranwachsen im Zirkus. Salle Les Arts d’Azur, 20.30 Uhr. lesartsdazur.net 9. + 10. MAI Grasse Rosen-Fest 50. Ausgabe: Brunnen und Fassaden werden mit Tausenden von Rosen geschmückt, Klassiker des Kinos und der ParfumerieBranche leben in Shows wieder auf. Cours Honoré Cresp. tourisme.paysdegrasse.fr 12. MAI Aix-en-provence konzert Concerto Köln interpretiert Vivaldis Meisterstück «Die vier Jahreszeiten». Grand Théâtre, 20 Uhr. lestheatres.net

Ausstellungen BIS 4. MAI Nizza «Matisse – Métamorphoses» Zum ersten Mal seit den 1970erJahren widmet sich das Museum den Skulpturen des Künstlers. Musée Matisse, täglich außer dienstags 10 bis 17 Uhr, ab Mai bis 18 Uhr. musee-matisse-nice.org BIS 26. MAI Nizza Jacques borgetto «Si près du ciel, le Tibet» Der italienische Künstler präsentiert Schwarz-Weiß-Fotografien


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von seiner Reise nach Tibet. Musée de la Photographie. Täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr. museephotographie.nice.fr BIS 31. MAI Mouans-Sartoux Francisco Sobrino Retrospektive über das Schaffen des spanischen Vertreters der Kinetischen Kunst. Espace de l’Art Concret. Mittwochs bis sonntags, 13 bis 18 Uhr. espacedelartconcret.fr BIS 1. JUNI Nizza «Sur la terre des dieux. Marc Chagall et le monde grec» Fasziniert von den griechischen Mythen und Texten, stellte Marc Chagall Bildbände, Gemälde, Keramiken und monumentale Mosaikarbeiten her. Musée national Marc Chagall. Geöffnet täglich außer dienstags von 10 bis 17 Uhr. musee-chagall.fr 28. MäRZ – 14. JUNI Saint-paul-de-Vence Jacques Monory Die Fondation Maeght präsentiert 60 Jahre aus der Schaffenszeit des Malers und Filmemachers. Im Stil der Narrativen Figuration behandelt Monorys oft ekstatische Malerei auf eine humorvoll pessimistische Weise die Frage nach dem modernen Leben, nach Leere und Gewalt. Fondation Maeght. Täglich von 10 bis 18 Uhr. fondation-maeght.com

Monaco Veranstaltungen 5. – 8. MäRZ 4. Internationale Automobilmesse SIAM Mit über 70 Automarken wie Porsche, Lamborghini, Ford und Toyota, darunter viele Elektround Hybrid-Autos, aber auch Prototypen und Einzelstücke. Quai Albert Ier (Hafen). salonautomonaco.com 6. + 7. MäRZ Argentinischer Tango Zum 20. Geburtstag des Grimaldi Forums tritt das Ensemble Tango Fire unter der Leitung von German Cornejo zur Musik von Piazzolla, Pugliese et Gardel auf. Salle des Princes, 20.30 Uhr. grimaldiforum.com 7. MäRZ MAGIC – Messe für Anime-Spiele

6. Zusammenkunft für Manga-, Videospiel- und Animationsenthusiasten. Eintritt gratis. Grimaldi-Forum, 9 bis 19 Uhr. magic-ip.com 13. MäRZ – 11. APRIL «Festival du printemps des Arts» Musikfestival mit zahlreichen Künstlern an diversen Orten. U.a. mit der Klaviervirtuosin Aline Piboule (Opéra Garnier) und dem Tanzensemble «Cas Public» aus Québec (Sporting Monte-Carlo). Vollständiges Programm unter: printempsdesarts.mc 17. MäRZ klassik-konzert Saint Patrick’s Day: Konzert zu Ehren von Fürstin Gracia Patricia. Das Philharmonie-Orchester Monacos spielt die Princess Grace Symphonic Suite von Frankie Gavin (Violine). Auditorium Rainier III, 20.30 Uhr. www.opmc.mc 18. – 21. MäRZ «les Sérénissimes de l’Humour» 15. Ausgabe des Humor-Festivals, u.a. mit Kheiron, Hassan de Monaco, Gil Alm sowie Kevin & Tom auftreten. Grimaldi Forum. grimaldiforum.com 20. MäRZ klassik-konzert Das Philharmonie-Orchester Monte-Carlo spielt unter der Leitung von Philippe Béran Werke von David Anthony Randall. GastSopranistin: Nicola Beller Carbone. Auditorium Rainier III, 20.30 Uhr. www.opmc.mc 21. MäRZ Rosenball Society-Event: Der Auftakt der Ballsaison. 20.30 Uhr, Sporting Monte-Carlo, Salle des Etoiles. www.montecarlosbm.com 22., 24., 26., 28. MäRZ Oper Gegeben wird «Le Comte Ory» von Gioachino Rossini. Mit Solisten, dem Chor der Oper Monte-Carlo und den Musikern des Fürsten, Leitung: Gianluca Capuano. Am 22. um 15 Uhr, sonst um 20 Uhr, Salle Garnier, Oper Monte-Carlo. www.opera.mc 1. APRIL philosophische begegnungen Englischsprachiger Vortrag von Prof. Avital Ronell (New York University). Ronell ist Gast der Reihe «Rencontres Philosophiques de Monaco». Casino de Monte-Carlo. 19 bis 21 Uhr. philomonaco.com

5. APRIL klassik-konzert Werke von Messiaen, Magnard und Gérard Pesson. Mit dem Philharmonie-Orchester Monte-Carlo und Vincent Lhermet am Akkordeon. Leitung: Susanna Mälkki. 18 Uhr, Auditorium Rainier III. www.opmc.mc 10. APRIL punk-Rock-konzert Der amerikanische Musiker Iggy Pop präsentiert sein 18. SoloAlbum «Free». Grimaldi Forum, Salle des Princes, 20.30 Uhr. grimaldiforum.com 12. APRIL klassik-konzert Auf dem Programm des Philharmonie-Orchesters Monte-Carlo stehen Werke von Mitgliedern der Familie Bach. Mit Delphine Hueber (Flöte). 16 Uhr, Kirche SaintCharles. www.opmc.mc 21., 24., 26., 28. APRIL Oper Giuseppe Verdis «La Traviata». U.a. mit dem Philharmonie-Orchester Nizza und dem Chor der Oper Monte-Carlo. Am 26. um 15 Uhr, sonst um 20 Uhr, Salle Garnier, Oper Monte-Carlo. www.opera.mc 23. – 26. APRIL ballett Das Ballett Monte-Carlo zeigt drei Stücke. Grimaldi Forum. 20 Uhr (am 26. April um 16 Uhr). balletsdemontecarlo.com

Ausstellungen BIS 20. MAI «Variations » João Maria Gusmão kreiert eine Installation aus Licht, Projektionen und Animationen. Villa Paloma des Nouveau Musée National de Monaco. Täglich geöffnet von 10 bis 18 Uhr. nmnm.mc

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VERANSTAlTUNGEN

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13. – 15. MäRZ lAIGUEGlIA 27. Trofeo laigueglia MTb MTB-Rennen durch den Ort. 15-17 Uhr. www.rivieraeventi.it 15. MäRZ AlbENGA Il Mercatino dell’Antiquariato Antiquitäten- und Flohmarkt in der Altstadt, Viale Martiri della libertà. 9-19 Uhr. Tel. 0182 5621 15. MäRZ MOlINI DI pRElA Mercatino Antiquariato Antiquitäten, Flohmarkt, Bio-Produkte. Jeden 3. Sonntag im Monat. www.rivieraeventi.it 15. MäRZ SANREMO Sanremo in Fiore 2020 Blumenumzug durch die Stadt, 10.30-16.30 Uhr. An der Meerespromenade Italo Calvino. Tel. +39 0184 580500 21. MäRZ SAN bARTOlOMEO SUl MARE Sui sentieri del Golfo Geführte Wanderung. Weitere Ausflüge im Mai und Juni. Treffpunkt 14.30 Uhr an der Piazza Torre Santa Maria. Tel. 0183 417065 29. MäRZ & 26. APRIL DOlCEACqUA Mercatino biologico e antiquariato Antiquitätenmarkt und Bio-Produkte an der Piazza Garibaldi und Piazza Padre Mauro, 8-20 Uhr. Tel. 0184 206444 10. – 13. APRIL lIGURIEN Osterfeierlichkeiten Schon am Karfreitag finden in vielen Orten Liguriens feierliche Prozessionen statt. 12. APRIL & 10. MAI DOlCEDO Mercatino enogastronomico e dell’antiquariato Markt mit typischen Produkten und lokalen Weinen, Antiquitäten. Piazza Doria, 8-17 Uhr. Tel. 0183 28004

Veranstaltungen

Ausstellungen

13. – 15. MäRZ FINAlE lIGURE bORGO Salone dell’Agroalimentare ligure Gastronomische Verkaufsausstellung mit typischen Produkten. Complesso di Santa Caterina. www.saloneagroalimentareligure.org

26. MäRZ BIS 19. JULI GENUA Michelangelo: Divino Artista Werke des göttlichen Universalgenies Michelangelo.Palazzo Ducale, piazza Matteotti 9. palazzoducale.genova.it MäRZ / ApRIl 2020


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INFO

MARINELAND

Gewinnspiel

EISbäRMAMA FlOCkE ÜbERRASCHT MIT DRIllINGEN reudige Nachrichten aus dem Meerestierpark Marineland in Antibes: Eisbärdame Flocke, 2010 aus Nürnberg an die Côte d’Azur gezogen, ist erneut Mama geworden. Während der Weihnachtsferien hat sie in Antibes Drillinge zur Welt gebracht, wie der Themenpark erst Ende Januar bekannt gab. Mama Flocke und Papa Rasputin haben damit zum zweiten Mal erfolgreich für Nachwuchs in Marineland gesorgt. 2014 war ihr Eisbärjunges Hope geboren worden. Das Geschlecht der Drillinge war bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt, Zoomitarbeiter ließen der Mama und ihrem Nachwuchs vorläufig ihre Ruhe. Das niedliche Foto ist mit einer in der Geburtshöhle befestigen Kamera entstanden. Flocke kümmere sich liebevoll um ihre Kleinen, hieß es. Gerade in den ersten Wochen sei die Sterblichkeit jedoch recht hoch, in freier Wildbahn überstehe nur jedes zweite Eisbärbaby die ersten Monate. Es sei außerdem üblich, dass die Eisbärmutter sich mit ihren Jungen die ersten drei Monate in eine Höhle zurückzieht. Zoobesucher müssen sich also noch etwas gedulden, bis sie den ersten Blick auf die winzigen Bärchen erhaschen können. Eisbärjunge folgen ihrer Mutter die ersten zwei Jahre auf Schritt und Tritt. Erst mit etwa drei

WIR VERlOSEN DREIMAl JE ZWEI TICkETS FÜR DAS FIlMMUSIk-kONZERT «DE l’éCRAN à lA SCèNE» DES ORCHESTERS CANNES AM DONNERSTAG, 23. ApRIl, UM 20.30 UHR IM THéâTRE DEbUSSy (pAlAIS DES FESTIVAlS). GAST-SOlIST IST VINCENT bEER-DEMANDER (FOTO) MIT SEINER MANDOlINE.

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mama flocke mit ihren wenige tage alten Jungen © Marineland

Jahren erlangen sie nach und nach völlige Selbstständigkeit. Papa Rasputin musste Marineland unterdessen aus Sicherheitsgründen verlassen. Es kommt vor, dass Eisbärväter ihre Jungen angreifen. Um nun nicht in «Einzelhaft» bleiben zu müssen, haben die Parkmitarbeiter gemeinsam mit Vertretern des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) für Eisbären entschieden, Rasputin in den Yorkshire Wildlife Park nach England umzusiedeln, wo er auf Artgenossen trifft. Die Geburt von Drillingen gilt bei Eisbären als extrem selten, nur bei knapp 2,5 Prozent aller Geburten werden drei Junge geboren. In freier Wildbahn haben Eisbären eine der niedrigsten Geburtenraten verglichen mit anderen großen Säugern. 

Kölsch-Mobil

Kühles blondes für die côte d’azur eit mittlerweile sieben Jahren verbinden Thomas Broschk und sein Team von «EventPartner» ihren Job mit der Begeisterung für die Côte d’Azur. Damals juckelten sie mitsamt ihrem Kölsch-Mobil auf drei Rädern vom Rhein bis nach Saint-Tropez: Die aus dem TV bekannten Geissens hatten zur Geburtstagsparty der Tochter geladen und wollten den erwachsenen Gästen kühles Bier aus der Heimat kredenzen. Was als einmalige Aktion begann, hat sich zum festen Geschäftsmodell entwickelt. Nicht nur bei den Geissens im Garten stellt Thomas Broschk seither regelmäßig seine rollende Kölsch-Kneipe auf – Equipment, Personal und Bier inklusive. Auch auf deren Yacht im Hafen von Saint-Tropez hat das Team von EventPartner bei einem Fest bereits kühles Blondes gezapft. Und grundsätzlich sind die passionierten Kölsch-Vertreiber für jede Sause zu

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haben. Eine Zapfanlage mit passenden Gläsern ist immer dabei – und wird je nach Veranstaltung aus dem Event-Fuhrpark ausgewählt. Wer beispielsweise lieber Heineken trinke, so Thomas Broschk, für den bringe seine Firma die «HeinekenPartymaus» mit, einen kleinen Anhänger mit Zapfanlage und Großschirm ganz in Grün. Bis nach Monaco hat sich unterdessen der hervorragende Service des Kölner Teams herumgesprochen. Dort sorgten sie beim letzten Oktoberfest im mondänen Yacht Club für feuchte Kehlen. Je nach Durst konnten die Gäste zwischen 0,25, 0,5 oder 1-Liter-Gläsern wählen. «Es muss ja nicht immer Rosé sein», findet Thomas Broschk und freut sich schon auf die kommende Sommer-Saison im Süden: «Ein frisch gezapftes, eiskaltes Bier, dessen Glas in der Sonne beschlägt», schwärmt der Unternehmer, «was will man mehr beim Event im eige-

© Raphael-Arnaud

riviera

Um an der verlosung teilzunehmen, gehen Sie bitte auf die Homepage der rivieraZeit

riviera-press.fr/zeit und klicken unter NeWS auf die rubrik GeWiNNSPieLe. Dort erfahren Sie alles Weitere. Teilnahmeschluss ist am 15. april. Viel Glück!

nen Garten?» Wer es, wie die Geissens, exzentrisch mag, lädt zur Party an der Côte d’Azur auf ein «eschtes Kölllsch». Familienfeiern sind genau sein Ding, auch Firmen- und Musik-Feste richtet der zwischen Köln und Siegen ansässige «EventPartner» aus. Oder wie wär’s mit einer Motto-Party beim nächsten Karneval mit authentischen «Stangen», wie Insider die 0,2-Gläschen frisch gezapften Kölschs nennen? Die Brüder Thomas und Dirk Broschk sind seit vielen Jahren auf die Entwicklung und den Verleih außergewöhnlicher Bierwagen spezialisiert – mitsamt PartyBeleuchtung, Musik und Personal.

Auch eine «EventBar» gibt’s, die neben der Zapfanlage alles erforderliche Gerät zum Cocktail-Mixen bereithält. Es mag nicht auf jeder Party so extravagant zugehen wie bei den Kölner Jetsettern Carmen und Robert Geiss. Mit EventPartner Broschk ist aber eines garantiert: Das Bier ist allzeit gut gekühlt, selbst an heißen Sommerabenden im Süden ... Unverbindliche Anfragen werden gerne entgegen genommen!  eventPartner www.koelsch-mobil.de service@koelsch-mobil.de tel. +49 (0)170-34 81 254

Die Kölner thomas broschk (r.) und sein bruder und geschäftspartner Dirk von «eventPartner» versorgen die côte d’azur mit frisch gezapftem – wie hier vergangenes Jahr beim oktoberfest im monaco Yacht club. © DR


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GESETZESäNDERUNGEN WAS ZUM NEUEN

JAHR TEURER WURDE Niedrigere Einkommensteuer, Befreiung von der Wohnsteuer (taxe d’habitation) für 80 Prozent aller Haushalte, Quellensteuer für privat angestellte Tagesmütter und Haushaltshilfen – wir listen die wichtigsten gesetzlichen Neuerungen in Frankreich zum 1. Januar 2020 auf: steuerlich, im Arbeitsleben, im öffentlichen Verkehr, im Gesundheitswesen, im Wohnungsbau, bis hin zum Umweltschutz. gehälter, unternehmen Der Stundensatz des Mindestlohns SMIC steigt um 1,2 Prozent von 10,03 auf 10,15 Euro brutto (von monatlich 1204 auf 1219 Euro netto). Für die 2,3 Millionen SMIC-Empfänger bedeutet das: monatlich 15 Euro mehr auf dem Konto. Unternehmen mit mehr als elf Mitarbeitern sind verpflichtet, Wirtschaftsund Sozialräte (comité social et économique, CSE) einzurichten. Seit der Verabschiedung der Reform des Arbeitsgesetzes im Jahr 2017 sind nach Angaben des Arbeitsministeriums 50000 CSE eingerichtet worden. steuern Präsident Macron hält Wort gegenüber den «Gelbwesten»: Er gewährt Einkommensteuersenkungen in Hö-

he von fünf Milliarden Euro. Die zwölf Millionen Haushalte der ersten Tranche zahlen künftig jährlich im Schnitt 350 Euro weniger, die fünf Millionen Haushalte der zweiten Tranche 180 Euro. Wohnsteuer: 80 Prozent der Haushalte (Erstwohnsitze) wurden zum 1. Januar vollständig von der Wohnsteuer (taxe d’habitation) befreit, für die übrigen wird die Steuer im Jahr 2023 abgeschafft. Tagesmütter (assistantes maternelles) und Haushaltshilfen unterliegen ab sofort der Quellensteuer. Der jeweilige Arbeitgeber (Privathaushalt) muss sie mithilfe der Website monprelevementalasource.urssaf.fr abführen. Erdwärmeabgabe (redevance géothermie), Solidaritätszuschlag für Weizen und Gerste: 18 ertragsschwache Steuern wie diese werden im Jahr 2020 abgeschafft. gesundheit Homöopathische Produkte werden von der französischen Sozialversicherung (Sécu) nur noch zu 10 bis 15 Prozent (bisher: 25 bis 30 Prozent) erstattet, ab dem kommenden Jahr gar nicht mehr. «Angina-Tests» können ab sofort auch von Apothekern und nicht mehr

DEMOGRAPHISCHE ENTWICKLUNG DEpARTEMENT VAR bOOMT Neueste Zahlen zur Demographie: In der Région Sud (ehemals ProvenceAlpes-Côte d’Azur, PACA) lebten laut den aktuellen Zahlen des Institut national de la statistique et des études économiques (INSEE) im Jahre 2019 genau 5 030 890 Bewohner. Das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsquote von 0,3 Prozent seit 2012. Damit wächst der Südosten Frankreichs weniger stark als der Landesdurchschnitt (0,5 Prozent). Was in der Région Sud jedoch hervorsticht, ist die Bevölkerungsdichte von 159 Einwohnern pro Quadratkilometer: Das sind 55 Menschen mehr als im nationalen Vergleich. Die Departements Alpes-Maritimes und Var nähern sich zahlenmäßig an. Lebten im Jahr 2012 noch 60 345 Bewohnern weniger im Var als im Nachbardepartement, so betrug die Populationsdifferenz fünf Jahre später nur noch 24 570. Der Grund: Während die Alpes-Maritimes in dieser Zeit quasi nicht gewachsen sind (+ 1296 Einwohner), stieg die Zahl der Varois – vor allem durch Zuzug – um 37 071 an (+0,7 Prozent). Kr  

NIZZA GLäNZT WENIGER ARbEITSlOSE Die Zahl der Arbeitslosen ist in der Région Sud im vierten Quartal 2019 um 2,2 Prozent gesunken. Innerhalb des vergangenen Jahres ist sie in der Region insgesamt um 4,9 Prozent zurückgegangen. Noch etwas besser sehen die Zahlen mit -2,3 und -5,1 Prozent im Departement Alpes-Maritimes aus. Glanzlicht sei die Metropolregion Nizza, so Bürgermeister Christian Estrosi: mit -2,8 und -5,5 Prozent. In der Metropole Nizza waren im vierten Quartal 2019 genau 65 290 Menschen arbeitslos gemeldet (Kategorie A). Als Gründe für die positiven Zahlen nennt Estrosi unter anderem die wirtschaftliche Diversifizierung, die Unterstützung von Start-ups und die Schaffung von besonderen Events zur Förderung des Tourismus.  

GESETZ GEGEN VERSCHWENDUNG kEINE bONS FÜR klEINbETRäGE In Frankreich sollen Kassenzettel für Kleinbeträge nur noch auf Wunsch der Kunden gedruckt werden. Ein Gesetz gegen «Verschwendung» sieht weitere Umweltschutzmaßnahmen vor. 

nur von ärzten durchgeführt werden. Mit den Tests wird festgestellt, ob die Angina durch einen Virus oder eine Bakterie hervorgerufen wird. Im Falle eines Virus kann die dann sinnlose Verschreibung eines Antibiotikums vermieden werden. Vollständige Erstattung bestimmter Brillen, Zahnprothesen und Hörgeräte. Wohnungsbau Energetische Gebäudesanierung: Haushalte mit niedrigem Einkommen können von einem Bonus profitieren, der von der Nationalen Wohnraumbehörde (Agence nationale de l’habitat) gezahlt wird, wenn sie Renovierungsarbeiten vornehmen, die der Energieersparnis dienen. tabak Der Preis für eine Packung mit 20 Zigaretten steigt je nach Marke auf 9,10 oder 9,20 Euro. briefmarken Der Preis der Briefmarke für einen lettre prioritaire (timbre rouge) und einen lettre verte (timbre vert) – jeweils bis 20 Gramm – ist zum 1. Januar gestiegen. Die grüne Briefmarke (Zustellung innerhalb von 48 Stunden innerhalb Frankreichs) kostet ab sofort 97 Cent (vorher: 88 Cent), die rote Briefmarke für eine Zustellung innerhalb von 24 Stunden innerhalb Frankreichs kostet nunmehr 1,16 Euro (vorher: 1,05 Euro). Auch Einschreiben

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und weitere Versandarten sind teurer geworden. umwelt Wattestäbchen mit Plastik und andere Einwegprodukte aus Plastik dürfen nicht mehr verkauft werden, darunter Teller und Becher. In Schulkantinen sind Wasserflaschen aus Plastik verboten, sofern das Leitungswasser trinkbar ist. Justiz Dies ist eine der wichtigsten Maßnahmen der vergangenen März beschlossenen Justizreform: Die umstrittene Fusion von tribunaux d’instance (TI, entspricht etwa dem Amtsgericht) und tribunaux de grande instance (TGI, entspricht etwa dem Landgericht) tritt in Kraft. Die Gerichte, die sich mit kleinen Alltagsstreitigkeiten befassen, verschwinden und werden entweder zusammen mit den TGI zu «Gerichtshöfen» (tribunaux judiciaires) zusammengefasst oder zu separaten Kammern (tribunaux de proximité) dieser Gerichte. Gegen den Widerstand der Richtergewerkschaften und der Anwälte zielt diese Neuorganisation darauf ab, ein «einziges Tor zur Justiz» zu schaffen. Standorte sollen nicht geschlossen werden.  

Quelle: https://www.service-public.fr/particuliers/actualites/A13743,

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INFO

INTENSIVKURSE IN SÜDFRANKREICH

FRANZöSISCH lERNEN WIE DIE kINDER! ie die kleinen Kinder hier in Frankreich schon so perfekt Französisch sprechen – macht Sie das auch neidisch? Noch bevor sie zur Schule kommen, noch bevor sie lesen und schreiben gelernt haben, plappern sie munter drauflos. Fehlerfrei. Dabei wissen sie längst nicht, was Konjugation, Infinitiv, Conditionnel, Subjonctif sind. Dieser ganze grammatische Kram, der Französisch für Deutsche so kompliziert macht – nie gehört, nie gelernt. Trotzdem machen sie alles richtig. Wie schaffen sie das? Weil Eltern und Geschwister jeden Satz mit Gesten, Bewegungen, Aktionen und Emotionen begleiten. Die Mutter sagt: «Viens ici!» («Komm her!») und winkt dabei mit der Hand. Um das zu begreifen, braucht das Kind nicht zu wissen, dass «viens» der «Imperativ 2. Person Einzahl» ist. Es «liest» in den Augen, im Gesicht, in der Handbewegung der Mutter, was

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«viens ici» bedeutet, verinnerlicht es und spricht es bald nach. Nach diesem Muster baut Nathalie Zell ihre Sprachkurse auf: Gemeinsame Gesten, Aktionen, Bewegungen und Emotionen, die sich mit Worten und Sätzen sinnvoll verbinden und einprägen. Natürlich wird auch Schreiben und Grammatik gelehrt – nachdem das Sprechen verinnerlicht ist. Jeder Lerntyp wird angesprochen, und der Spaß kommt nicht zu kurz. Die nächsten intensiv-Wochenkurse in Grimaud (bei SaintTropez) finden wie folgt statt: anfänger (level a0 – a1) 01. – 05. Juni 2020 mittelstufe i (level a2) 08. – 12. Juni 2020 mittelstufe ii (level b1) 25. – 29. Mai 2020 Jeweils von 9 bis 13 uhr www.nathaliezell.de nathalie@nathaliezell.de MäRZ / ApRIl 2020


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Stammtisch. Während der Winterzeit jeden Montag ab 15 Uhr, sonst ab 16 Uhr im «Le Royal Westminster» (30 Avenue Felix Faure, Menton). Kontakt: ute@neimo.de  

Treff – einmal monatlich in unterschiedlichen Restaurants. Die Einladung erfolgt per Email mit der Bekanntgabe des Ortes. Kontakt: Martina Urbin, Tel. +33 (0)6 37 48 64 03, m.urbin@bitlog-gmbh.com

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Österreicher-Stammtisch. Jeden letzten Mittwoch im Monat, 19.30 Uhr, in Gerhard's Café, Monaco-Fontvieille. Kontakt: Kathrin Weihnacht, Tel. +377 93 30 23 00, consulat.autriche@monaco.mc

Stammtisch jeden Donnerstag, 19-21 Uhr, «Bar du Port». Kontakt: Susanna Riethbaum, Tel. +49 (0)151 21 99 22 22, stammtisch-st.tropez@web.de

 nizza: Stammtisch der AFA (Association France-Allemagne Côte d’Azur) jeden 2. und 4. Donnerstag im Monat ab 19.30 Uhr in der Brasserie «Felix Faure» (12, ave Felix Faure, Nizza). Kontakt: Barbara Caille, Tel. +33 (0)6 09 69 24 97   cannes: Stammtisch der AFA (Association France-Allemagne Côte d’Azur) jeden 1. und 3. Freitag im Monat an wechselnden Orten. Kontakt: Sabine Frankenberger, Tel. +33 (0)7 71 80 20 41, stammtischcannes@gmx.com

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 toulon:

bESCHENkTER Name . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Straße . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Postleitzahl - Stadt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Land . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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ENDSpURT

RivieraZeit lädt ein

blick hinter die kulissen der Oper

unsere Website RIVIERA-pRESS.FR/ZEIT Wir veröffentlichen täglich aktuelle news aus dem Süden auf unserer Website. Hier einige der meistgelesenen Artikel im Januar & Februar:

Was zum neuen Jahr teurer wird – Gesetzesänderungen Erlebnis-Shopping: Cap 3000 zeigt sein neues Gesicht Karneval, Mimosen, Zitronen: Die Côte d’Azur feiert den Frühling!

b Ballett, Oper oder Operette – wenn in der märchenhaften Oper Nizza eine Aufführung ins Haus steht, wird nicht nur auf der Bühne geprobt, sondern vor allem auch hinter den Kulissen gewerkelt. Kostüme müssen geschneidert, Bühnenbilder entworfen und gebaut werden. Dafür hat die Stadt eine eigene riesige Werkstatt, die Diacosmie im Westen Nizzas. Wir laden eine kleine Gruppe von Lesern zu einer Führung ein! In der Diacosmie, zwischen Flughafen und neuem Fußballstadion, entstehen Eigenproduktionen der Oper Nizza: Hier trainiert das Ballett-Ensemble, aber vor allem werkeln hier Techniker und Schneider an all dem, was an Requisite zu einer Bühnen-Aufführung erforderlich ist. Auf 22 000 Quadrat-

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metern wird hier seit 1987 gearbeitet, aber auch aufbewahrt: Kostüme und Bühnen-Deko werden für mindestens fünf Jahre archiviert – um sie gegebenenfalls bei der Neuauflage eines Stücks erneut zu nutzen. Unser Verlag RivieraPress erhält am Dienstag, 5. mai, um 19 Uhr eine exklusive Führung durch die Räumlichkeiten. Mitglieder der Redaktion werden den Abend begleiten. Wenn Sie auch dabei sein möchten, senden Sie bitte eine E-Mail mit dem Betreff «Diacosmie – RZ» und Ihrer Post-Adresse an secretariat@rivierapress.fr. Einsendeschluss ist der 20. April 2020. Die Führung dauert etwa 90 Minuten. Viel Glück – und hoffentlich bis bald in der Diacosmie (8 Avenue Claude Debussy in Nizza)! 

 WELTKREBSTAG CHARITy-FRÜHSTÜCk – Unser Verlag Riviera Press lud am 4. Februar, dem Weltkrebstag, zu einem Frühstück zugunsten der lokalen CharityOrganisation Mimosa Matters. Knapp 310 Euro kamen zusammen, die wir tags drauf an Mimosa überreichten. Die Organisation engagiert sich für den Kampf gegen Krebs an der Côte d’Azur.

nicole ruskell (l.), chefredakteurin unserer englischsprachigen schwesterZeitschrift «riviera insider», übergibt die gesammelten spenden an ruth Jiggins von mimosa matters

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ZUHAUSE GESUCHT

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Gründerin PETRA HALL p.hall@riviera-press.fr Herausgeber SEBASTIEN FRAISSE s.fraisse@riviera-press.fr Geschäftsführende Direktorin BICH LECOURT b.lecourt@riviera-press.fr Chefredakteurin AILA STÖCKMANN a.stoeckmann@riviera-press.fr Chefreporter ROLF LIFFERS Mitarbeiter Susanne Altweger-Minet, Paula Bachmann, Peter Bausch, Christine Helfritz, Annika Joeres, Dr. Jörg Langer, Gudrun Mangold, Sören Müller-Hansen, Klaudia Rzezniczak, Nicole Ruskell, Hannelore Salinger, Ira Söhnge, Kirsti Stach, Gerhard Standop, Raimund Theobald, Alfred Thum Art Director VINCENT ARTUS vincent.artus@wanadoo.fr Marketing FRANÇOISE MULLER Anzeigen & PR Tel: +33 (0)4 97 00 11 29 f.muller@riviera-press.fr PATRICE SAINT-LEGER Anzeigen & PR Tel: +33 (0)4 97 00 11 22 p.saintleger@riviera-press.fr DOMINIQUE FREULON Vertrieb, PR & Events-Manager Tel: +33 (0)4 97 00 11 22 d.freulon@riviera-press.fr Sekretariat CAROLE HEBERT contact@riviera-press.fr

Laut seinem Pass ist Hakon ein sieben Jahre alter Husky. Der Tierschutz geht aber davon aus, dass es sich um einen Alaskan Malamute handelt. Er verlor sein Zuhause, weil seine Besitzer sich scheiden ließen und keiner der beiden den Hund übernehmen konnte. So landete er im Zwinger. Er weiß nicht weshalb, er versteht die Welt nicht mehr und fühlt sich unendlich verloren. Das Unglück ist ihm deutlich anzusehen. Hakon kennt das Leben in der Familie und mit Kindern, er ist freundlich-zurückhaltend und kommt auf Zuruf. Er ist bereits kastriert und hat weder mit Hündinnen noch mit freundlichen Rüden ein Problem.  Bitte helfen Sie Hakon! tel. + 33(0)6 43 06 19 60, +49 (0)172-45 55 033 www.joshi2.de

Unverlangt eingesandte Manuskripte und Fotos werden nicht zurückgeschickt. Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe zu kürzen. Namentlich gezeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Der Verlag ist nicht für die inhaltliche Richtigkeit der Anzeigen verantwortlich. © 2015-2019 – by Riviera Press s.a.r.l.

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Riviera Zeit - März/April 2020  

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