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N E U S TA D T A N D E R W E I N S T R A S S E

14.–16. SEPTEMBER 2018

D O K U M E N TAT I O N


5 VORWORT 6 STATEMENTS 8 KURZPORTRÄTS: ACHT EUROPÄISCHE JUGENDLICHE 12 WHY DO YOU VOTE? 16 SPEAK UP! DISKURSARCHITEKTUR 20 ES GILT DAS GESPROCHENE WORT 24 OH EUROPA 28 BUILDING CONVERSATION 34 SPIELZUG 38 IMPRESSIONEN HAMBACH! 46 HINAUF, HINAUF ZUM SCHLOSS 50 JUNIOR MEMORY GUIDE 52 EXKURSION NACH STRASSBURG 54 IMPRESSIONEN WORKSHOP-WOCHE 56 JOURNALISMUSPROGRAMM: WORKSHOPS 58 ZWEIERPASCH 60 ENDGAME 62 HAMBACH! DAS KOMITEE 66 STATEMENTS 68 JOURNALISMUSPROGRAMM: DIE REDAKTION 70 IMPRESSUM UND TEAM 71 UNTERSTÜTZER

I N H A L T


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1 SCHLOSS – 1 EUROPA 130 KOMITEE-MITGLIEDER 40 INTERNATIONALE KÜNSTLER*INNEN 130 EUROPÄISCHE JUGENDLICHE 10 INITIATIVEN 20 NATIONEN 1000 GESPRÄCHE

… DAS WAR HAMBACH!


5 Wie wollen wir in Zukunft zusammenleben? Diese Frage war Ausgangspunkt und Leitlinie des Demokratiefestivals HAMBACH!, das mit den Mitteln der Kunst seine Besucher*innen zur Partizipation aufgerufen hat. Eine internationale Workshop-Woche für Jugendliche, Performances, Diskussionen, Spiele, Theaterstücke und Installationen luden dazu ein, sich in unterschiedlichsten Formen zu beteiligen und ins Gespräch zu kommen - über die Demokratie in Europa. Der zentrale Veranstaltungsort, das Hambacher Schloss im rheinland-pfälzischen Neustadt an der Weinstraße, war dabei nicht bloße Kulisse, sondern als einer der wichtigsten historischen Orte der deutschen Demokratiegeschichte Impulsgeber und Inspiration. Ein solches Festival wäre ohne die großartige Unterstützung vieler Menschen nicht möglich gewesen. Deshalb möchten wir uns an erster Stelle herzlich bei allen Beteiligten bedanken: allen voran bei unseren Kooperationspartnern des QUERFÄLLTEIN-Festivals der Kulturabteilung der Stadt Neustadt an der Weinstraße und der Stiftung Hambacher Schloss; bei allen Komitee-Mitgliedern und beteiligten Bürger*innen, Sponsoren und Förderern, Kolleg*innen und Besucher*innen der Metropolregion Rhein-Neckar, den internationalen Künstler*innen und europäischen Jugendlichen. Die Eindrücke und Auftritte, Gespräche und Präsentationen, Begegnungen und neu geschlossenen Freundschaften bleiben uns präsent und haben ihre Spuren hinterlassen. Vielen Dank! Die vorliegende Dokumentation versammelt Impressionen des Festivals und der Projekte, die schon ab dem ersten öffentlichen Treffen im Februar 2018 im Neustadter Saalbau den Weg zum Festival auf dem Hambacher Schloss gestaltet haben. Mit den Künstlern Bruno Boudjelal und Rodolphe Risse fanden Workshops für Jugendliche in Marseille, Mannheim und Neustadt statt, aus denen die Video-Installation Why do you vote? hervorging. Die Regisseurin Lea Aderjan hat mit Neustadter*innen den interaktiven Theaterparcours SpielZug konzipiert und über den Sommer bis zur Aufführung am Festival-Sonntag geprobt. Das Architekten-Team Yalla Yalla! – studio for change hat zusammen mit Bürger*innen die Speak Up! Diskursarchitektur gebaut, in der während HAMBACH! zahlreiche Initiativen und Einzelpersonen eigene Programmpunkte gestaltet haben. Das Performance-Duo Action Hero startete seine Oh Europa-Reise im Mai auf dem Juliusplatz und kam zum Festivalwochenende im September mit unzähligen europäischen Liebesliedern und Stimmen im Gepäck wieder zurück nach Neustadt. Schließlich kamen während der Workshop-Woche 130 europäische Jugendliche in Neustadt zusammen, die sich unter Anleitung von internationalen Kunstschaffenden mit den Themen Europa und Demokratie in unterschiedlichen künstlerischen Disziplinen beschäftigten: von Street Art über Performance, Fotografie und Video bis zum Gesprächsformat Building Conversation, das beim Festival erstmals von den Workshop-Teilnehmenden selbst durchgeführt wurde. Ein Höhepunkt der Woche war der Ausflug nach Straßburg ins Europäische Parlament, wo sich neun Abgeordnete die Zeit nahmen, die jungen Europäer*innen zu treffen und ihre Fragen zu beantworten. Acht junge Kulturjournalist*innen, die in der Workshop-Woche eigene Veranstaltungen besuchten, schrieben schließlich die Texte für diese Dokumentation. Die junge Generation war es auch, die das Festivalwochenende einläutete, zu dessen Eröffnung zahlreiche Ehrengäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Bürgerschaft kamen. Rund 5.000 Gäste feierten an diesem Wochenende in Neustadt und auf dem Hambacher Schloss die Demokratie. Wir sind sicher, dass wir mit HAMBACH! spannende Impulse für die Metropolregion Rhein-Neckar setzen konnten und hoffen, dass die Themen, die in Neustadt und auf dem Hambacher Schloss in unserem Fokus waren, auch in Zukunft in dieser Region verankert bleiben.

Das Matchbox-Team Kulturbüro der Metropolregion Rhein-Neckar GmbH

V O R W O R T


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S T A T E M E N T S

„Demokratie ist jeden Tag wieder ein Kampf, „Ich finde es ganz erschreckend, dass Deder bedeutet, dass man Kompromisse ein- mokratie in verschiedenen Ländern immer geht und eingehen möchte und dass man weiter zurückgedrängt wird und ich verauf einander zugeht. Und besonders Dinge stehe auch immer weniger, warum sich die wie Meinungsfreiheit müssen wirklich ein- Menschen so wenig dafür interessieren. gehalten und geschützt werden. Und sol- Jahrhunderte lang haben die Menschen für che Veranstaltungen wie das Demokratie- das Wahlrecht gekämpft. Und wir Frauen festival können dazu beitragen, vor allem haben so viele Opfer gebracht, damit wir auch die jungen Leute zusammen zu brin- endlich wählen dürfen und jetzt schaffen gen. Denn Demokratie ist nicht vererbbar. es ein paar Idioten auf der Welt, das GanEs braucht immer wieder neue Menschen, ze wieder in Grund und Boden zu stampdenen vermittelt wird was Demokratie ei- fen und so wie ich das beobachte in einer gentlich bedeutet.“ unglaublich schnellen Zeit. Also das, was jahrhundertelang aufgebaut wurde, schafft Steffen Rahaus, Merseburg Donald Trump in fünf Jahren zunichte zu machen. Das finde ich sehr erschreckend. „Demokratie ist für mich die Lebensform Deshalb finde ich solche Veranstaltungen in der ich leben möchte und keine ande- wie hier ganz wichtig.“ re. Und das auch nicht nur für Deutsch- anonym land, sondern für ganz Europa. Mich macht der Rechtsruck sehr betroffen, der überall stattfindet. Ich habe Angst vor totalitären „Europa bedeutet für mich, dass jeder inSystemen. Deswegen möchte ich mich im- nerhalb Europas dort hin gehen kann, wo mer wieder für die Demokratie stark ma- er hinmöchte. Es ist eigentlich ein Paradechen und das, was ich tun kann dazu bei- beispiel für offene Grenzen. Es ist nicht wichtig wer wo herkommt und wo er hinwill, tragen. Und was Europa betrifft: Ich kenne sondern einfach nur, dass er dort, wo er ist noch das Europa mit Grenzen und es ist und wo er lebt auch für sich die Möglichfür mich einfach immer wieder wunderbar keit hat, das zu verwirklichen was er möchmich europaweit bewegen zu können und diese Grenzen nicht mehr so zu erfahren, te. So sollte eigentlich letztendlich auch die wie sie vorher da waren. Ich glaube auch, ganze Welt funktionieren. Und ich denke, wir können nur gut in einer Demokratie le- wir hatten in Europa Zeiten, in welchen wir ben, wenn auch die Staaten um uns demo- diesbezüglich selbst schon weiter waren und wir haben jetzt wieder enorme Rückkratisch geprägt sind.“ schritte gemacht. Das ist eigentlich genau Ursula Z., Hambach die Richtung, in die sich Europa nicht entwickeln darf.“ „Europa ist für mich Zusammenhalt und über David Grenzen gehen zu können. Diese Freiheit, dass man nicht ein fremdes Land betritt, sondern eigentlich einen Teil von dem, wo „Ich würde mir wünschen, dass wir Schüler man auch dazugehört. Also auch Heimat mehr mitentscheiden können. Demokratie und auch Gemeinsamkeiten, die uns ver- in der Schule wäre toll.“ binden.“ Sophia Tine


SpielZug Statements auf dem Schlosshügel

„Europa ist ein Zusammenschluss verschie- „Ich finde, wir sollten Europa nicht so dener Länder, die sich eigentlich unterstüt- schlecht reden, weil Europa das wichtigszen sollten, was sie zum Teil aber nicht so te ist, das wir haben und es uns auch Friewirklich tun. Die sollten viel mehr tun, zum den und ein gutes Verhältnis zu unseren Beispiel auch dafür, dass mehr behinder- Mitmenschen beschert und gefestigt hat. tengerecht wird, vor allem auch Wohnun- Wichtig ist aber auch das Vertrauen in Eugen. Dass man mehr mitentscheiden könn- ropa zu stärken. Dazu ist es wichtig, dass te, dass sich die Menschen insgesamt, aber Europa näher an den Bürgern dran ist und vor allem auch wir Jugendlichen mehr ein- Einigkeit in den großen Fragen erzielt wird.“ bringen können.“ Brian Laura

„Europa ist für mich eine Vision der Zukunft. Die ist noch nicht fertig, aber so sehe ich unsere Erde. Europa könnte ein Vorbild sein für die Welt. In Hinsicht auf Umweltschutz und Klimatechnik, aber auch im sozialen Bereich und in Bezug auf Arbeit und Wirtschaft. Ob ich das selbst noch so erlebe, weiß ich nicht, aber das wäre meine Vision.“ Eberhard


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Apolline Noblet aus Reims hat im „Wenn ich zurück nach Ungarn fahre, Workshop „Sagen Sie es mit einem Foto“ werde ich meine Lehrer dazu bringen, Passanten Fragen zur Demokratie gestellt – mehr über Politik zu sprechen.“ Das hat sich antworten mussten diese ohne Worte. „Ich Bence Szakály nach seinen Erfahrungen fand es spannend, dass die Leute nur mit auf dem Demokratiefestival fest vorgenomGestik und Mimik antworten durften – auf men. Der 17-Jährige kam über ein StipenFragen, die teilweise selbst mit Worten dium des Goethe-Instituts nach Neustadt. schwer zu beantworten sind.“ Die Politik- Er wollte seine Deutsch-Kenntnisse verstudentin findet es wichtig, wählen zu ge- bessern, aber auch Wissen sammeln, über hen: „Wählen zu gehen ist nicht nur mein Europa und die Demokratie. In seinem HeiRecht, sondern meine Pflicht. Nicht überall matland gäbe es große politische Probleme. auf der Welt haben die Menschen die Chan- „Die Regierung in Ungarn ist nicht demokrace, ihren Ansichten Ausdruck zu verleihen.“ tisch.“ Es herrschte zwar Meinungsfreiheit, Doch Apolline ist nicht nur fürs Demokra- aber Politik sei trotzdem ein Tabu-Thema. tiefestival nach Deutschland gekommen – „Die Menschen sprechen nicht über die Prodie 21-Jährige ist derzeit Praktikantin am bleme. In der Schule lernen wir nichts über Institut Français in Mannheim. Ab Oktober Politik.“ Er setzt große Hoffnungen in die tauscht sie im Rahmen ihres deutsch-fran- Europäische Union. In Straßburg konnte er zösischen Studienprogramms ihre Heimat- einen Abgeordneten der ungarischen Opuniversität im bretonischen Rennes gegen position treffen und mit ihm über die Entdie bayrische Kleinstadt Eichstätt. „Ich fin- wicklungen sprechen. Bence ist erleichtert, de nicht, dass sich Deutschland und Frank- dass die EU etwas gegen die rechtspopureich stark unterscheiden. Die Kulturen sind listische Regierung in Ungarn tut. „So mersich ziemlich ähnlich“, beschreibt sie ihre ken die Leute, dass es wichtig ist, für die Erfahrung mit dem Nachbarland. Dass es Demokratie zu kämpfen.“ hierzulande die größere Bierauswahl gibt, Von Jana Ballweber weiß sie allerdings zu schätzen und freut sich auf die zwei Jahre in Bayern.

K U R Z P O R T R Ä T S

Von Clara Surges

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Von Kristie Pladson

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Seine Mutter ist Österreicherin, sein Stiefvater aus Berlin, der Vater Italiener, die Stiefmutter aus Trient, Südtirol. Eigentlich vereint Fabian Aster schon halb Europa in sich. Europa vereinen. Das fände der 17-Jährige ohnehin wichtig. „Wenn wir in der Weltpolitik eine Rolle spielen wollen, müssen wir gemeinsam agieren“, sagt er. Er redet gern über Politik. Er hat genaue Vorstellungen, klare Aussagen. Man könnte sagen, er ist glühender Europäer, überzeugter Demokrat. Eine Seltenheit in seinem Alter. Er würde sagen, jeder in seinem Alter ist Demokrat. Weiß es vielleicht nur nicht, nimmt die Freiheit als normal hin. Nächstes Jahr macht Fabian Aster seine Matura, das italienische Äquivalent zum Abitur. Und dann? Er sieht „zwei gerade Wege“ für sich. Entweder er geht in die Musikbranche, vielleicht als Lichttechniker, wo er schon erste Erfahrungen hat. Oder er studiert Politikwissenschaft, wird dann Politiker. Kunst und Politik - man hat das Gefühl, er passt hier ganz gut hin, auf das Demokratiefestival. Von Benedikt Dietsch

ACHT EUROPÄISCHE JUGENDLICHE

Ceren, from Northern Cyprus, has been learning German for seven years. ”I wanted to visit Germany, see the culture, learn the language. And I think this program is a great way to break the borders and bring together different kinds of people.” The seventeen-year-old loves theatre and spent the week in Neustadt participating in the theatre workshop “Hear and Now”. She and five others did writing and voice exercises all week to prepare them for their big performance. On the opening day of the festival, Ceren climbed up on the walls of Hambach Castle before hundreds of people and screamed out personal and political messages written by her classmates. They also screamed out Ceren’s messages. “We’re shouting out things that a person wants to shout out, but normally feels like they really can’t.“ And if Europe’s leaders were listening, what would she say? ”I want politics to be more honest. When they do bad things, it’s the young people that are affected. I don’t want politics to waste the future for young people. And I want Northern Cyprus to be recognised as a country!”


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Obwohl Jyrgen auf den ersten Blick zurückhaltend und still wirkt, fegt er mich im persönlichen Gespräch von den Socken. Er spricht mich an, möchte unbedingt sein Deutsch verbessern. Das lernt er erst seit einem Jahr: durch Sprachkurse im Goethe Institut in Tirana, aber auch, weil er aus eigenem Antrieb die Tagesschau verfolgt. Jyrgen ist 16 und nach Jürgen Klinsmann benannt, dem Lieblingsstürmer seines Vaters. Deutsch, Englisch, aber auch Italienisch und seine Muttersprache Albanisch spricht er fließend. Ohne Verständigungsprobleme unterhalten wir uns lange über Sprachen und Kulturen, Fußball, Zukunftspläne. Obwohl er später in der Wirtschaft arbeiten möchte, sieht er Politik als seine Lebensaufgabe. Von Kommunismus und der politischen Linken hält er nichts, erklärt er entschieden. Maximal zehn Jahre sollten Menschen in einem anderen Land als dem der Geburt arbeiten oder studieren können, findet er. Er selbst möchte in Bozen studieren, weil er die deutsche Küche nicht mag. „Das tut weh“, lache ich. „Aber ich muss die Wahrheit sagen!“, entgegnet er. Von Katharina Schantz

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Für Lea Lechthaler aus Schlanders in Südtirol sind Pressefreiheit und Politikinteresse die großen Themen ihres Besuchs beim Demokratiefestival. „Ich bin durch meine Schulpräsentation über Pressefreiheit und das Hambacher Fest zum Festival gekommen“, erzählt die Schülerin. Besonders beeindruckt war sie von Besuchen beim Rhein-Neckar-Fernsehen und der Rheinpfalz-Redaktion: „Im Unterschied zu zuhause gibt es hier mehr Konkurrenz und vielseitigere Medien.“ Auch an Politik hat sie schon lange großes Interesse. „Für uns ist Europa einfach unglaublich wichtig, damit der Austausch über die Grenzen hinweg funktioniert.“ Dabei fühlt sie sich trotz ihres italienischen Passes dennoch zuerst als Südtirolerin – und nimmt den wachsenden Populismus auf allen Seiten mit Sorge wahr. „Wenn es der italienischen Demokratie schlecht geht, werden wir vielleicht wieder sprachlich verfolgt.“ Von den Deutschen würde sie sich jedoch mehr Beachtung wünschen: „Mir ist aufgefallen, dass viele Südtirol aus dem Urlaub kennen, aber über die politische Situation informieren sich nur wenige.“ Von Simon Koenigsdorff

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Von Natalie Aschenbrenner

Von Karthiga Manivannan

„Ich finde es sehr spannend, hier Leute aus anderen Ländern kennen zu lernen und auch deren Erfahrungen mitzubekommen“, erzählt Lisa Kupatt. Die 14-jährige nimmt gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester Lena Kupatt am Workshop „Hear and now“ teil. Auf das Demokratiefestival wurde Lisa von ihrem Sozialkundelehrer aufmerksam gemacht. Obwohl die beiden ganz aus der Nähe kommen – sie besuchen die zehnte Klasse des Lise-Meitner-Gymnasiums in Maxdorf – machen aus ihrer Jahrgangsstufe nur insgesamt fünf Jugendliche bei dem Programm mit. Dass in den Workshops hauptsächlich englisch gesprochen wird und sie dadurch ihre Sprachkenntnisse verbessern kann, gefällt Lisa besonders. Durch das Zusammentreffen mit den anderen Jugendlichen ist den Zwillingen außerdem bewusst geworden, dass Demokratie nicht überall in Europa selbstverständlich ist. „Durch die Erzählungen der anderen glaube ich schon, dass wir hier in Deutschland mehr Demokratie haben als in manchen anderen Ländern“, meint Lena.

„Für Demokratie ist Austausch super wichtig und dafür braucht es Räume“, sagt Leon (21) aus Neustadt. Dafür setzt er sich als Mitgründer des gemeinnützigen Vereins „Engagierte Jugend Neustadt“ (EJN) ein. Für ihn bedeutet Demokratie Jugendlichen politischen Handlungsraum zu ermöglichen. Als Beispiel bemüht er sich im Verein für ein selbstverwaltetes Jugendzentrum, um Jugendlichen einen Ort anzubieten, an dem ihre Stimme gehört wird. Die EJN lernte Leon durch sein FSJ kennen, welches er 2017 an sein Abitur anschloss. Auf dem Demokratiefestival ist die EJN mit dem „Demokratischen Wohnzimmer“ ebenfalls vertreten. Ziel des Formats ist es mit Menschen in Dialog über Demokratie zu kommen. Das ähnelt den Zielen des ebenfalls angebotenen Workshops „Buildung Conversation“: zu erforschen wie Kommunikation funktioniert und wie sie sich verändern lässt. An diesem ist Leon ebenfalls beteiligt. Mit einem Studium der „Sozialen Arbeit“ möchte er sich weiterhin in solchen Projekten einbringen.


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W H Y D O Y O U V O T E ?

Von Clara Surges

„Danke, dass Sie sich unsereins angenommen haben. Das Projekt liegt uns wirklich sehr am Herzen.“ Hastig spricht Ibrahim Mroimana (20) seine französischen Dankesworte ins Mikrofon, bevor er sich zu seinen johlenden Freunden zurückgesellt, zwölf jungen Männern aus Marseille, gekleidet in Jogginghose, Badelatschen an den Füßen, Cap auf dem Kopf. Aus einem mehrtägigen Workshop, an dem sie im Mai teilgenommen haben, ist unter professioneller Anleitung des französisch-algerischen Fotografen Bruno Boudjelal die Videoinstallation Why do you vote? entstanden. Auch Jugendliche aus Mannheim und Neustadt sind an dem Projekt beteiligt. Sie haben mit ihren Smartphones Eindrücke, Stimmen, Bilder aus ihrem Umfeld eingefangen. Das zentrale Thema lautet: Wer geht wählen und warum? Und wer geht warum nicht zur Wahl? „Diese Fragestellung führt noch viel weiter. Sie offenbart, wie die Jugendlichen ihre Stellung in der Gesellschaft wahrnehmen“, sagt Boudjelal. Die französischen Jugendlichen kommen aus der Großwohnsiedlung Frais-Vallon, einem multikulturellen Viertel im Nordosten von Marseille. Die Arbeitslosenquote ist hoch, die Kriminalität auch, wichtigster Wirtschaftssektor ist der Drogenhandel. Bei der letzten Präsidentschaftswahl haben sich 60 % der etwa 6000 Bewohner ihrer Stimme enthalten. „Wir sind der französischen Politik egal. Wir fühlen uns abgehängt“, sagt Ali Abouhanifa (20). Er hat seine Ausbildung zum Elektrotechniker abgeschlossen und ist nun auf der Suche nach Arbeit. „Ob wir wählen gehen oder nicht, das ändert sowieso nichts. Macron und Le Pen – die sind wie Pest und Cholera.“ Es

sind Stimmen wie diese, die Boudjelal interessant findet. „Wir hätten auch mit Studierenden der Pariser Kunsthochschule zusammenarbeiten können, aber es geht um mehr als nur den künstlerischen Aspekt“, erklärt der Fotograf. „Wir wollen Menschen, denen man sonst nie zuhört, Zeit und Raum geben, sich auszudrücken.“ Dafür hat er zusammen mit seinem Kollegen Rodolphe Risse das Bild- und Tonmaterial der Teilnehmer zu einem vierzigminütigen Ensemble verdichtet. Auf acht Bildschirmen wechseln sich die Bilder ab, ergänzen sich, ergeben zusammenhängende Sequenzen. Die Bildschirme sind in einem geschlossenen Kreis angeordnet, sodass sie die Besucher vollständig umschließen. So können sie der Stimme der Jugendlichen nicht entkommen, müssen ihr zuhören, zumindest dieses eine Mal. Die politische Vernachlässigung des Viertels wird in vielen Sequenzen symbolisch deutlich. Ein Teilnehmer zeigt in verschiedenen Bildeinstellungen den Sandkasten vor seiner Tür: „Noch vor ein paar Jahren haben hier Kinder gespielt, heute kümmert sich niemand mehr drum – nur noch Steine und Gestrüpp.“ Ein anderer nimmt den Besucher mehrmals mit in den Fahrstuhl, immer blinkt die Anzeige „Außer Betrieb“. Eine Bewohnerin des Viertels, die sich als Kopftuch tragende Muslimin dunkler Hautfarbe vorstellt, gibt ernüchtert zu Protokoll: „Es gibt niemanden, der mich repräsentiert. Ich fühle mich ausgeschlossen.“ Nicht alle Statements der Installation muten so hoffnungslos an. Eine junge Mannheimerin schätzt die Freiheiten, die sie als Frau in Deutschland hat. „Ich gehe wählen, weil Frauen nicht überall die Mög-


Installationsansicht Why do you vote?

lichkeit dazu haben“, sagt sie aus dem Off. Mniar Almohammad (21) wiederum wartet sehnsüchtig darauf, in Deutschland wählen zu dürfen. Er ist mit seiner Familie aus Syrien geflohen und macht mittlerweile in Neustadt eine Ausbildung zum KFZ-Mechaniker. „Hier kann ich meine Meinung sagen. Ich fühle mich frei. Ich fühle mich sicher“, weiß er die Demokratie zu schätzen. Bei HAMBACH! stehen die Jugendlichen nun für kurze Zeit als Künstler im Rampenlicht, werden in Reden als europäische Gäste feierlich begrüßt. Als bei der Eröffnung die Bilder ihres rappenden Kumpels auf den Bildschirmen erscheinen, bricht die Gruppe aus Marseille in Jubel aus, rappt und tanzt mit, filmt sich. Die geladenen Würden- und Anzugträger stehen ein wenig befremdlich daneben, aber lächeln milde. Doch der Erfolg der Installation kann über die Lebensrealität der Jugendlichen nicht hinwegtäuschen. „Als wir die Jungs aus Marseille gestern noch auf ein Gläschen in einer Bar in Neustadt einladen wollen, hat sich der Barbesitzer geweigert, uns zu bedienen“, bedauert Boudjelal bei der Eröffnung. Am selben Abend fühlen sie sich beim Konzert in der Ostschule ein weiteres Mal abgelehnt: „Wir wollten

uns guter Laune unter die Menge mischen, aber die Leute sind uns ausgewichen“, erzählt Ali. „Ich habe mich diskriminiert gefühlt.“ Trotzdem will niemand die Erfahrung in Deutschland missen – für viele die erste Reise ins Ausland. „Wir entdecken eine andere Kultur, mit ihren Vor- und Nachteilen“, sagt Ibrahim. „Das eröffnet neue Horizonte.“ Den Besuchern der Videoinstallation geht es genauso.


Ausstellungseröffnung mit Oberbürgermeister Marc Weigel (Neustadt an der Weinstraße) und Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz (Mannheim)

Ibrahim Mroimana


Workshop-Teilnehmer aus Marseille zu Gast bei der Eröffnung

Peter Simon, Mitglied des Europäischen Parlaments, bei der Ausstellungseröffnung


Wissensarena in der Agora

Verschiedene Vereine, Verbände und Fachschaften haben im Rahmen des Demokratiefestivals Veranstaltungen unterschiedlichster Art organisiert – von der Diskussionsrunde übers spielerische Quiz bis hin zum interaktiven Theaterstück. Auf dem Schlossgelände sind für diesen Austausch verschiedene Räume und Möbel geschaffen worden, hauptsächlich in Kooperation mit dem Architektenbüro Yalla Yalla! – studio for change. Die Namen der Einzelelemente spiegeln die Bausteine der demokratischen Gesellschaft wider: Die „Engage! Agora“ dient als Bühne für große und kleine Auftritte vor Publikum, die „Discuss! Blackbox“ verleitet Debattierende in der Dunkelheit und Enge zu ehrlichen Geständnissen, die unterschiedlich hohen und breiten roten Würfel der „Enquire! Gesprächslandschaft“ lassen sich als Sitzmöglichkeit, aber auch als Schreibunterlage nutzen. Besonders raffiniert sind die „Argue! Bänke“ mit ihren zwei entgegengesetzten Sitzflächen, die – auch weil sie nicht gerade bequem sind – nicht zum Verweilen einladen, sondern zur Konfrontation aufrufen.

Vielen Dank an alle beteiligten Initiativen und Einzelpersonen für die Programmpunkte • • • • • • • • • • •

Aufstehen gegen Rassismus! Südpfalz Chawwerusch Theater, Herxheim Deutsch-französisches Jugendwerk, Team Rhein-Neckar Duale Hochschule Baden-Württemberg: Messe-, Kongress- und Eventmanagement Engagierte Jugend Neustadt e.V. Festival contre le Racisme, Landau Freunde der „Offenen Gesellschaft“, Neustadt Inspeyered, Speyer Jugend stärken im Quartier, Neustadt Pulse of Europe & www.homeparliaments.eu Universität Koblenz-Landau, Campus Landau: Fachschaft & Projekt Menschenrechtsbildung


17 DAS LE B E N IST KEIN GOLDFISCHGL AS Von Clara Surges

„Jetzt sollen wir hier in einer Stunde eine zu fünf Personen zur Diskussion zu komFrage klären, auf die Politiker in zehn Jahren men“, erklärt Speak Up-Moderator Peter keine Antwort finden“, beginnt Louis-Phil- Grabowski. „Nur die Linke hat auch nach ipp Lang (23) scherzhaft empört eine seiner wiederholtem Anfragen gar nicht reagiert. Ausführungen. Mit fünf weiteren Jungpoli- Bedauerlich ist außerdem, dass keine eintikern debattiert der Vertreter der Jungen zige Frau dabei ist.“ Union aus Trier darüber, wie das Europa der Nach den ersten Plattitüden zur EuroZukunft aussehen soll. Konkrete Ideen statt päischen Union dominiert bald wieder ein abgenutzter Floskeln – so hatten die Orga- Thema die Runde: die Migrationspolitik. Ofnisatoren vor der Debatte die Spielregeln fene Grenzen, geschlossene Grenzen, kondefiniert. Nicht nur das Thema ist komplex, trollierte Grenzen? Wer ist Flüchtling, wer auch die Bedingungen sind eine Heraus- nicht? Wer ist das Volk und was will es? Es forderung – denn diskutiert wird nach der wird mit Begriffen jongliert, und hin und Fishbowl-Methode. Jeweils vier Debat- wieder halbherzig versucht, zum eigenttierende sitzen im Stuhlkreis in der Mitte, lichen Thema zurückzufinden. Allerdings jeweils zwei warten auf der Reservebank, scheint es schwierig zu sein, eine Zukunft die Konstellation wechselt – wer etwas zu zu skizzieren, wo doch die Gegenwart so sagen hat, macht mit einem Schultertippen viel Zündstoff liefert. auf sich aufmerksam und darf innerhalb Nach einer Stunde ist inhaltlich zwar des Kreises Platz nehmen. Wie die Gold- nichts geklärt, doch der Dialog scheint fische im Glas werden die Redner von allen möglich. Das findet auch Lang, der sich „geSeiten beäugt vom Publikum, das sich nicht gen einen Entweder-oder-Konsens und für einmischen darf. Es gibt keinen Gesprächs- eine Sowohl-als-auch-Politik“ starkmacht. moderator – nur wer das Mikrofon hat, darf Damit meint er: er will die Ängste und Nöte reden. von AfD-Sympathisanten ernst nehmen, sie Jonas Carstensen (25) von den Jusos nicht als Idioten abtun. Schließlich würden in Ludwigshafen fordert eine noch stärkere sie bei der nächsten Wahl bestimmt 20 Zusammenarbeit der Europäischen Union. Prozent erreichen – die einzig konkrete Zu„Die EU ist wie ein Boot, in dem wir alle be- kunftshypothese in dieser Debatte. Solche reits sitzen. Wenn wir das jetzt zerschlagen Worte sind Musik in den Ohren von Salka: und jeder seinen Teil haben will, dann ge- „Mir gefällt dieser Ansatz der integrativen hen wir alle unter“, bemüht er den Vergleich. Politik.“ Nicht alle scheinen einverstanden, Brian Röcken (20) von den Jungen Libera- doch widersprechen können sie nicht, die len in Groß-Gerau pflichtet ihm bei, indem Zeit ist um. „Es hat funktioniert, sie sind er FDP-Übervater Hans-Dietrich Genscher sich nicht an die Gurgel gegangen, ein zizitiert: „Europa ist unsere Zukunft, sonst vilisiertes Gespräch ist noch möglich“, freut haben wir keine“. Da stimmt auch der sich Grabowski, doch schränkt ein: „Wie junge Grüne Marcel Lukas (21) aus Mann- lange das außerhalb dieses Formats gut heim zu. Und der Konservative Lang ruft geht, ist natürlich eine andere Frage.“ In bedeutungsschwanger aus: „Europa, das der deutschen Politik lebt es sich schließsind Existenzen. Einwanderungsgeschich- lich selten wie im Goldfischglas. ten. Europa, das sind gemeinsame Arbeitsplätze, gemeinsame Freunde, gemeinsame Kinder.“ Justin Cedric Salka (24) von der Jungen Alternative Westerwald allerdings hält dagegen: „Der Grundgedanke der Europäischen Union ist zwar gut, aber die Souveränität der Nationalstaaten wird zu sehr eingeschränkt. Deswegen sind wir für ein Europa der Vaterländer.“ Sein Parteikollege Marco Melzer (20) applaudiert. Nur die Junge Alternative hat gleich zwei Debattierende geschickt. „Wir haben den Parteijugendorganisationen freigestellt, mit bis

S P E A K U P !

D I S K U R S A R C H I T E K T U R


Künstlergespräch mit Thomas Schirmböck (ZEPHYR - Raum für Fotografie), Bruno Boudjelal und Rodolphe Risse

"Discuss! Blackbox"

Speakers' Corner


Gespräch auf der Bank der Demokratie

Publikum in der Agora

Atelier Élysée 2.0.19 in der Gesprächslandschaft


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E S G I L T D A S G E S P R O C H E N E W O R T

Von Kristie Pladson

Es gilt das gesprochene Wort. Spoken word takes precedence. The title of the HAMBACH! Demokratiefestival theatre showcase takes its name from a routine warning stamped on speech transcripts requiring that speakers be quoted using the words they actually say, and not straight from the written text. The talking points around Europe today can feel worn and tired: right, left, open, closed, legal and illegal. But are we listening to what’s really being said? For the showcase, ten performers from around Europe brought their own messages to the stage. Several pieces were pulled from “Europe Speaks Out!”, an initiative from the theatre Schauspiel Stuttgart. The theatre invited actors from different European nations to perform a short piece about the future of Europe, giving the actors the freedom to write or select their own contributions. Many of the artists were also drawn toward the power of words and language. “Words become phrases, phrases become public affairs,” proclaimed French actress Cécile Auxire, draped in a blue robe embodying a European version of Marianne, the symbol of France, for her piece “Res Publica”. Turkish actress Elif Ürse hit the stage in high heels, crying and carrying a Kalashnikov rifle made of cardboard for “Sunset in the Valley of Words”. “My name is Elif. I am a word,” she begins. Staggering around the stage, about to kill herself, Elif tells how her idyllic country home was destroyed, how she ignored the way the other words were hunted and fled, until it was too late. Now she is left all alone. “The worst thing that can happen to a word,” she says between sobs, “is that it loses its meaning.” In "Mund-Stück", British artist Ant Hampton presented the mysterious words

he and Argentinian artist Rita Pauls recorded hitchhiking through Germany without knowing any German. Starting out from the geographical center of the country (a field one hour north-east of Fulda), they travelled at random, getting by with just the few German phrases they’d memorised by heart and asking the drivers, “Was muss Ihrer Meinung nach einmal gesagt werden?” What, in your opinion, needs to be said? The duo are now in the process of memorising the responses. When finished, they will take the stage together and recite forty minutes of German responses in perfect unison. Hampton performed nine minutes’ worth for the HAMBACH! audience. With topics ranging from politics to dog poop, responses included:

“Dass Merkel scheiße ist.” “… damals gab es keine Arbeitslosen. Da war alles gut.” “… und es liegt überall auf der Straße. Und die Hundebesitzer, die kümmern sich nicht darum.” “In Deutschland wird immer gemeckert. Das passt nicht, und das passt nicht. Die Deutschen sind nie zufrieden.” “Man hatte Träume. Und die, die vergisst man nicht. Nee, man vergisst die nicht.”


"Highest Common Multiple", Janka Kopek

“Highest Common Multiple” from Janka Kopek also played with language and its ability to divide and unite. The Hungarian actress’ piece was among the most conceptual of the whole showcase. In the first half, Kopek crouches animal-like in her underwear in a box of dirt. She delivers an aggressive monologue in Hungarian about what you try to take with when you must leave your country. In the second half, she is wrapped in a white map of Europe, her character’s wedding dress from her recent marriage to an Eskimo. In English, she talks about the fear and excitement and hope she feels about her future as the mother of Eskimos. “The first part means something different for every nation,” says Kopek, “this idea of packing up and leaving the country. But the second part with the eskimo, everyone understands it the same and they laugh. And that’s the point. The first part divides people and then second parts brings them together. We wanted to show at the end that love always wins. And that’s why I say this part in English, because I think this part is true for everyone, it’s the part everyone can understand. My piece has a positive outcome. Choosing love, being brave, leaving home and going

after an Eskimo, having children, continuing life.” Other performers chose to say nothing. In her piece “Europe Speaks Out/Russia Stays Silent” Russian artist Alina Anufrienko instead played a violent, freestyle piece on the cello as a calendar of Russian military holidays flashed by rapidly on a screen above her. The stream of endless holidays was broken up by dates marking the recent arrests and torturing of political dissidents. The showcase was a kaleidoscope of ideas presenting a vision of a Europe unified by common hopes and fears rather than divided by language and politics. Perhaps not the message we’re used to hearing, but actors know best when to break from the script.


"Res Publica", Cécile Auxire

"Europe Speaks Out/Russia Keeps Silent", Alina Anufrienko

"The Swordfish", Tindaro Granata

"Diogenia", Ioannis Tsemperlidis


"What the **** is going on?", Carolyn Defrin

"Mund-Stück", Ant Hampton

"Sunset in the Valley of Words", Elif Ürse

"Mud", Quim Girón

"The GrEEk FrEEk", Simos Kakalas


Oh Europa auf dem Hambacher Schloss: KĂźnstler James Stenhouse


25 Von Kristie Pladson

Do you know a love song? That’s what ly or southerly points of Europe, the Berlin James Stenhouse and Gemma Paintin want Wall, the most southerly point of the Roto know. Under the artist alias Action Hero, man Empire. We’re sending love songs to the English pair set out in spring 2018 to those places as a way to trigger thinking travel Europe in a turquoise camper car full around how we understand border spaces.” of recording equipment. Their goal? Collect Paintin and Stenhouse imagine these areas as many love songs as Europe has to offer. working as a healing force. “It’s like a form Parked at the perimeter of the Hambach of acupuncture. In traditional acupuncture, Castle, Stenhouse ran recording sessions you have needles in certain places to stimwhile Paintin explained how they got start- ulate different flows of energy to facilitate ed. “We’d been thinking about the people a healing process. So you can think about in Europe and how we would continue to the songs broadcasting from these locashare the continent. We were really aware tions as a type of acupuncture on the body that the conversation was very noisy, but of Europe.” not necessarily very much being said. We The collection also shows how song came up with the idea of asking people to culture can vary from country to country, sing a love song as a way of having a differ- an unofficial anthropological study of sorts. ent kind of conversation.” “The stuff people sing about is the same. The artists make camp at festivals and Falling in love, breakups, unrequited love. in city centres around Europe and offer lo- But willingness to sing is different. In some cals the chance to record a love song for countries people say, ‘Oh, I’m not much of the collection. Many volunteer immediate- a singer.’ But in other places, that’d be like ly, no questions asked. Others want more saying you’re good or bad at brushing your information. Many say they can’t sing. “I teeth. Singing is just a thing that you do! In usually say that it doesn’t matter. They can Hungary, everyone sings. Greek and French listen to some of the songs we’ve recorded, people sing. German and Belgian and Britand that most of those people can’t sing ish people tend to be very shy.” either. They go and listen and sometimes The idea for the project came about they come back and say, ‘Okay’.” years before Europe had a Brexit on its But not everyone has been tone deaf. hands. That development had a significant “We’ve had some amazing singers. Local impact on their plans. “It became more urstars and karaoke singers. We had a guy gent. Thematically it felt more relevant, but who was runner-up on the Greek X-Factor.” also on a practical level. This year I can travAs we're talking, an older, bald man with a el easily, but I don’t know what will happen round, red face and red polo shirt enters next year. I felt that I needed to exercise a the scene. He reads the chalkboard post- right that’s being taken away from me.” ed outside the bus: “Wir sammeln LiebAfter our talk, I go in search of the eslieder”. We’re collecting love songs. The closest beacon, one they’ve activated on signs are always in the native language the slopes around the castle. Downloading and translators are on stand by. “What’s a special app designed for the project to this all about?” he asks Gemma in gruff my phone, I can see it is just over 100 meGerman. A translator pulls him away. A few ters away. A digital compass on my screen seconds later, I can see him in the back- directs me uphill and soon my phone is ground squeezing through the door of the emitting a scratchy white noise. Going little blue bus to add his own love song to higher, I hear the faint sound of singing in the mix. the background. Near the castle the white The artists have set up a digital radio noise fades away and I stop where I am to station to play the recorded songs around listen to a woman singing. “Aσημίνα Κουρή singing ‘When Love is a Bridge’,” the app the clock. But it’s not just any radio station tells me. I sit on the thick, stone wall of the or playlist. Listeners can only access the castle and listen to song after song. There songs within 100 meters of “beacons” that they have activated at dozens of border lo- are solos and group songs, some in English, one in French, others in languages I can’t cations around Europe. “We thought that if collecting love songs is a way of facilitat- identify. Somehow, I understand anyways. ing a different kind of conversation, where should they go? So we send the love songs to different kinds of borders: most norther-

O H E U R O P A


Oh Europa auf dem Hambacher Schloss

Zuhรถrer*innen


Action Hero: Gemma Paintin und James Stenhouse

Zuhรถrer*innen


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B U I L D I N G C O N V E R S A T I O N

Building Conversation ist ein Projekt, das von dem niederländischen Künstlerkollektiv Third Space entwickelt wurde und darauf sensibilisieren möchte, wie Sprache in der Gesellschaft genutzt wird. Dabei wurden mehrere Gesprächsformate entwickelt, die von verschiedenen Kommunikationstechniken aus aller Welt inspiriert wurden. So sind die Gespräche beispielsweise von der Gesprächskultur der Inuit und der Maori geprägt. Beim Demokratiefestival HAMBACH! konnte man an den Gesprächsformaten „Gespräch ohne Worte“, „Unmögliches Gespräch“, „Agonistisches Gespräch“ und an „Gemeinsam denken – ein Experiment“ teilnehmen.

G ESPR ÄCH O H N E WO RTE Von Katharina Schantz

Für den deutschen Soziologen Jürgen Habermas ist das oberste Ziel eines jeden Diskurses ein Konsens aller beteiligten Parteien. Den zu erreichen, scheint heute ein ziemlich kniffliges Unterfangen zu sein. Denn beim “Gespräch ohne Worte” gibt es nur eine – relativ selbsterklärende – Regel, die lautet: nicht sprechen. Und das 90 Minuten lang. Inspiriert zu dieser Idee wurde das niederländische Künstlerkollektiv, das diesen Nachmittag gestaltet, von einem Gesprächsmodell der Inuit. Einmal pro Jahr schwiegen diese sich bis zu zwei Tage an, erklären Farina Becker und Ariane Türk zu Beginn. Die beiden sind Schülerinnen des Kurfürst-Ruprecht-Gymnasiums Neustadt und Mitglieder der „Engagierten Jugend Neustadt“. In einem vorbereitenden, einwöchigen Workshop haben sie die Gesprächsführung dieses Projekts erlernt. Unter ihrer Anleitung findet die Gesprächsgruppe aus zwölf Personen vor dem Start ihre optimale Konstellation – im Sitzkreis, nicht zu nah aneinander, nicht zu weit entfernt. Für die kommende Situation, in der Vieles unnatürlich wirkt, ist das äußerst wichtig. Nach eingehender Prüfung, ob alle aus freien Stücken am Gespräch teilnehmen möchten, beginnt das Schweigen. Einfach? Langweilig? Belanglos? Von meinen vorschnellen Annahmen über das Gespräch bewahrheitet sich keine. Im Gegenteil: die Aufgabe ist anstrengend. Zunächst wird mir schlagartig bewusst, wie intim ein starrer Blick in andere Augen sein kann. Es gibt offensichtlich einen validen Grund, warum ich als Teenie irgendwann aufgehört habe, fremde Leute in der Bahn anzustarren. Eine Teilnehmerin bricht wiederholt in nervöses Kichern aus. Irgendwann legt sich die Beklemmung. Nun verbreitet sich ein Wettbewerbsgedanke: Wer hält den Blicken der Anderen am längsten stand ohne wegzuschau-

en, ohne zu blinzeln? Einige haben eine beneidenswerte Ausdauer. Andere werden zunehmend hippelig. Manche wirken stiller als andere, etwa weil sie starrer blicken oder fast keine Geräusche von sich geben. Die werden generell vermieden: Bereitgestellte Datteln und Wasserflaschen werden mit Bedacht und in Zeitlupe auf den Boden zurückgestellt, selbst mein eigenes Kauen schallt mir in den Ohren. Mit fortschreitender Zeit kristallisieren sich alternative Kommunikationsmethoden heraus. Durch angestrengtes Stirnrunzeln werden offensiv Fragen gestellt. Zwei Freundinnen nutzen heimlich Zeichensprache. Körperhaltungen variieren zwischen zusammengekauerter Verschlossenheit und aufrechter Konfrontation. Nach intensivem Augenkontakt lächeln sich zwei Teilnehmerinnen herzlich an. Als schließlich der Wecker klingelt, zerreißt er keine Stille, die hat sich längst in intensiven Gedanken aufgelöst. Auf dem Heimweg sprudeln Eindrücke hervor. “Letztendlich ist doch alles Interpretation”, gibt ein Teilnehmer zu bedenken. Und ich frage mich, ob das in unserer alltäglichen Lautsprache eigentlich so anders ist. Über die spannende Erfahrung und veränderte gegenseitige Wahrnehmung jedenfalls sind sich alle einig. Habermas würde sich freuen.


AG O NISTISCHES G ESPR ÄCH Von Karthiga Manivannan

„Ihr seid Helikoptereltern und wollt durch eure Kinder nur eure unausgelebten Träume ausleben“, wirft die eine Gruppe ihren Kontrahenten vor. „Wir sind Eltern und haben die entsprechende Erfahrung, ihr Grünschnäbel“, entgegnet darauf die andere Gruppe. Sie sind im Gegensatz zu der ersten Gruppe für eine Erziehung, welche von Regeln dominiert ist. Beide Gruppen sind Teil eines Experiments, das sich „Agonistisches Gespräch“ nennt. Dabei geht es darum, ein konstruktives Gespräch zwischen Menschen unterschiedlicher Meinungen zu führen. Inspiriert wurde dieses Gesprächsformat durch eine Theorie der belgischen Philosophin Chantal Mouffe. Als Philosophin vertritt sie die These, dass ein offener Austausch unter Kontrahenten die Demokratie bestärkt. Das Gesprächsformat baut nicht nur auf der Theorie Mouffes, sondern auch auf der Praxis der Maori, dem indigenen Volk Neuseelands, Streitereien im Liegen zu lösen, auf. Im ersten Teil des Gesprächs geht es um die Konfrontation, danach wird das Nach-Gespräch im Liegen ausgeführt. Diese beiden Einheiten gehen jedoch nicht fließend ineinander über. Bevor das Nach-Gespräch stattfindet, sollen die Kontrahenten erkennen, dass sie trotz Differenzen doch die „selbe“ Luft atmen. Dazu können sie sich gegenseitig die Hände schütteln, sich umarmen oder sich mit den Gesichtern so weit annähern bis sie das Gefühl haben, die selbe Luft zu atmen. Dieser Aspekt des Gesprächs soll dafür sensibilisieren, dass die Gemeinsamkeiten untereinander neben den Meinungsdifferenzen koexistieren und ist neben dem Liegen ebenfalls von der Kultur der Maori inspiriert. Ziel des Gesprächs ist es zu erkennen, dass gegensätzliche Positionen aufeinander aufbauen können. Es geht um die Erkenntnis, dass es einen Zwischenraum zwischen zwei oder mehreren Positionen gibt.

Damit wird ein Raum für Konsens statt für Rechthaberei geschaffen. Eine der Regeln für das Gespräch ist es, Formulierungen wie „ich denke“, „wir denken“ oder „ihr seid“ zu verwenden. Dadurch können Ängste und Vorahnungen sichtbar gemacht werden. So wird es möglich, die Schlüsse der gegnerischen Gruppe nachzuvollziehen. Das Thema des heutigen Gesprächs ist „Erziehung – ist es besser streng oder frei zu erziehen?“. Dazu teilen sich die 14 Teilnehmer in zwei Gruppen extremer Haltung auf. Die eine Gruppe soll sich für eine Erziehung ohne Regeln einsetzen, während die andere sich für eine Erziehung mit Regeln aussprechen soll. Anfangs werden die Formulierungen „wir denken“ und „ihr seid“ selten benutzt. Doch im weiteren Verlauf werden sie immer stärker gebraucht. Es scheint als würden die Vorwürfe und Argumente dadurch an mehr Gewicht gewinnen. Durch die jeweils extreme Haltung der beiden Gruppen verliert das Gespräch jedoch an Dynamik, denn nach einiger Zeit wiederholen sich die Aussagen der Gruppen. Im Nach-Gespräch sprechen die Teilnehmer ebenfalls über die Erkenntnis, dass das Gespräch ohne die Aussicht auf gemeinsame Werte schwer zu führen war. Andererseits war es für sie jedoch sehr befreiend ihre Ängste und Sorgen frei ausdrücken zu dürfen. Das Gespräch zeigt nicht nur wie wichtig ein offener Austausch ist, sondern auch wie wichtig das gemeinsame Reflektieren ist. Und das kann nur funktionieren, wenn wir unserem Gegenüber seine Werte zugestehen und diese als genauso wichtig wie unsere eigenen ansehen. Dann ist ein Gespräch auf gemeinsamer Wertebasis möglich.


Peter Aers vom Kollektiv Third Space im Gespräch

Gemeinsames Essen im Anschluss an die Gespräche


Treffpunkt im Mai auf dem Juliusplatz

Im Gespräch beim gemeinsamen Essen


Treffpunkt auf dem Juliusplatz


Der SpielZug, entstanden unter Regie von Lea Aderjan, beginnt in Hambach

Von Jana Ballweber

„Freude schöner Götterfunken / Tochter aus Elysium, wir betreten feuertrunken / Himmlische, dein Heiligtum.“ Hungrig, schwitzend und mit wehen Füßen stehen die Teilnehmer des SpielZugs vor ihrem Ziel. Das Schloss haben sie erreicht, als Belohnung winkt ein Auftritt mit einem Chor aus der Region. Man schmettert gemeinsam die Europa-Hymne. Gemeinsam. Genau das durften sie nicht sein, auf dem Weg hinauf. Kaum am Startpunkt vor dem alten Rathaus in Hambach angekommen, teilten freundliche Damen und Herren in goldenen Trainingsanzügen die Teilnehmer in drei Gruppen ein. In diesen Gruppen sollten sie um Sterne kämpfen. Jedes Gruppenmitglied bekam eine ID-Karte, mit der man eindeutig einer Gruppe zugeordnet war. Mit den Spielregeln im Gepäck setzte sich der Zug in Bewegung. Zehn Stationen sollten auf dem knapp drei Kilometer langen Weg absolviert werden. An der ersten Station, noch in Hambach selbst, gab sich jede Gruppe ein Mot-

to, unter dem sie den Marsch bewältigen wollte. Auf den Schildern stand geschrieben: „Einmal mehr aufstehen als hinfallen“, „Fang an! Die Hoffnung stirbt zuletzt“ und „Die Kette ist so stark wie ihr schwächstes Glied“. Ausgerüstet mit entsprechenden Schildern und den ersten Sternen zogen die Teilnehmer weiter. Jetzt war Geschicklichkeit gefragt. Im Hof eines Hauses war ein Jahrmarkt aufgebaut. Man warf Dartpfeile und hämmerte Nägel in Holzbalken. Auch durch eine Tombola konnten die Gruppen Sterne verdienen. Spätestens jetzt war der Ehrgeiz geweckt. Da wurde um Trost- und Motivationssterne gefeilscht, Verschwörungstheorien über die Tombola angestellt und Teammitglieder lautstark angefeuert. Auch das Theater durfte nicht zu kurz kommen. An einigen Stationen präsentierten die Spielleiter kurze Monologe oder Auseinandersetzungen. Ein junger Mann sprach über Mut und das Einstehen für Überzeugungen. Es mussten im wahrsten Sinne des Wortes Opfer gebracht werden. Während zahlreiche Kugelschreiber, Hustenbonbons und Wasserflaschen vor


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den Füßen des Spielleiters auf dem Bo- verändert werden. Symbolisch zerrissen den landeten, opferten sich zwei Teilneh- die Gruppen ihre ID-Karten, und tauschten mer gleich selbst und erklärten sich bereit, je eine Hälfte mit dem Mitglied einer andefür die Gruppe, ihren Schlachtruf und ihre ren Gruppe. So wurde der Spielzug wieder Überzeugungen zurückzubleiben und den vereint und gewonnen hatte eigentlich jerestlichen Zug zu verpassen. Auch hier ver- der, der eine Anregung mitnehmen durfte. handelten die Gruppen intensiv um ihre BeJetzt stehen sie also hier, bunt gelohnung. Kekse wurden abgewogen gegen mischt zwischen den schwarz gekleideten Zettel mit niedlichen Nachrichten und die Chorsängern. Die Notenblätter sind schnell geopferten Zugteilnehmer wurden ver- verteilt, die Tenöre stehen beim Alt und dächtigt, nur müde Füße zu haben. die Soprane neben den Bässen, aber das Es folgten Stationen, die zum Nach- tut der Stimmung keinen Abbruch. Grupdenken und Reflektieren einluden. Stimmen peneinteilungen hatte man ja gerade überschallten aus dem Wald. Sie beschäftigten wunden. Der Chorleiter stimmt an und das sich mit Regeln einer demokratischen Ge- Europalied erklingt. sellschaft. Gemeinsam mit zwei Spielleitern Ein unterhaltsamer und intensiver Thereflektierten die Gruppen ihre bisherigen atervormittag geht zu Ende. Das unbehagErfahrungen. Wie erlebten sie die Gruppen- liche Gefühl, in Gruppen getrennt zu sein, einteilung? Werden die Sterne gerecht ver- provoziert jeden im Zug zum Nachdenken geben? Sind die Teilnehmer untereinander über Regeln, Ausgrenzung und Demokratie ins Gespräch gekommen? Die Einen fühlten und die Vereinigung am Hambacher Schloss sich unwohl, in Gruppen eingeteilt zu sein, darf symbolisch stehen für das besungene, andere fanden die Sterne nicht transparent geeinte, demokratische Europa. verteilt, so mancher trauerte seinen Opfern hinterher. Doch insgesamt fiel das Feed- „Deine Zauber binden wieder / back positiv aus, der Spaß stand im Vorder- was die Mode streng geteilt / grund. Das Konzept „interaktives Theater“ alle Menschen werden Brüder / schien zu wirken, die „Zuschauer“ waren wo dein sanfter Flügel weilt.“ involviert, engagiert und begriffen sich als Teil der Performance. Das zeigte sich besonders an der vorletzten Station vor dem Schloss. Drei junge Frauen, lässig an ein Auto gelehnt, provozierten Zwischenrufe aus dem Publikum. Sie zählten die Verfehlungen auf, derer man sich im Alltag schuldig macht. Billigkleidung kaufen, zu viel Fleisch essen oder nicht genug widersprechen, wenn der Demokratie geschadet wird. Sie riefen zu mehr Engagement auf. Das Publikum war nicht einverstanden mit dieser Generalabrechnung und suchte den Dialog mit den Schauspielerinnen. Endlich oben angekommen, erwartete die Gruppen eine Schlussperformance. Die Schauspieler plädierten für zivilen Ungehorsam. Regeln, die nicht zu einer demokratischen Gesellschaft passten, sollten

S P I E L Z U G


Auf dem Weg zum Schloss

Gruppeneinteilung zu Beginn

Unterwegs

Stationen auf dem Weg zum Schloss


Mottos der Gruppen

Gemeinsames Singen der Europa-Hymne


H A M B A C H !

IMPRESSIONEN Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, mit europäischen Jugendlichen bei der Eröffnung des Festivals


HAMBACH!-Team beim Bau der Diskursarchitektur auf dem CJD-Gelände in Neustadt

Eröffnungsmoderator Nektarios Vlachopoulos lässt das Publikum abstimmen


Schlossmanagerin Ulrike Dittrich bei der Pressekonferenz

Prof. Dr. Konrad Wolf, Vorstandvorsitzender der Stiftung Hambacher Schloss und Minister fĂźr Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz, spricht bei der ErĂśffnung


Eröffnung des Festwochenendes

Vor der QUERFÄLLTEIN-Bühne


Leiter des Kulturbüros Thomas Kraus beim Empfang zum Bauworkshop Projektleiterin Lea Gerschwitz bei der Pressekonferenz

Workshop-Präsentation auf dem Schloss

Gesprächsanregung


„Europa spricht"

Wolfgang Dinges, Leiter der Kulturabteilung Neustadt, am Meinungsfänger


Workshop-Präsentation auf dem Schloss

Workshop-Präsentation auf dem Schloss


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H I N A U F , H I N A U F Z U M S C H L O S S

Von Benedikt Dietsch

Nach dem Aufstieg ist da eine kleine Plattform vor den schweren Flügeln des Eisentores, die den Weg in die Vorburg des Hambacher Schlosses freigeben. Die meisten Besucher des Schlosses bleiben hier erst einmal stehen und blicken in die Ferne. Von der Plattform aus sehen sie Hambach, Neustadt, Lachen-Speyerdorf. An klaren Tagen könne man bis nach Mannheim sehen, sagt einer. Ob hier wohl früher die Schlossherren standen und auf die umliegenden Siedlungen herabblickten? Die heutige Schlossherrin steht auf jeden Fall nicht hier. Ulrike Dittrich, die Schlossmanagerin, ist circa 100 Meter weiter oben, den Weg zum Schloss hinauf, und blickt von ihrem Lieblingsort, an dem eine kleine Skulptur steht, in die Ferne. Das beruhigt sie. In die Weite zu blicken, etwas Abstand zu bekommen vom Schlossalltag. Und der manchmal kräftezehrenden Aufgabe, ein solch bedeutendes historisches Erbe zu erhalten. Der Name „Schlossherrin“ stammt noch aus ihrer Zeit an Schloss Engers in Neuwied. Zehn Jahre lang arbeitete sie auf dem barocken Jagdschloss, hat dort sogar gewohnt. Damals dachte sie, dass es sie irgendwann mit dem Rhein weiter flussabwärts treibt. Doch es führte sie hoch, in die Pfalz, auf das Hambacher Schloss. „Es ist schon etwas schwieriger hier als auf dem Jagdschlösschen“, sagt Dittrich. Sie muss aufpassen, welche politische Wirkung ihre Arbeit hat, was sie sagt, was sie entscheidet. Die Aufmerksamkeit, das öffentliche Interesse ist größer. Grund dafür ist das Hambacher Fest, das 1832 hier statt-

gefunden hat. Um die 30.000 Menschen sind damals von Neustadt aus hoch zum Schloss gezogen, um für liberale Werte, für Meinungs- und Pressefreiheit einzustehen. Manche sehen darin die Geburtsstunde der deutschen Demokratie. Auf jeden Fall war es die Geburtsstunde der deutschen Nationalflagge. Schwarz. Rot. Gold. Es hätte auch anders kommen können. Gold, Rot, Schwarz. Rot, Schwarz, Gold. Die Farbkombination stammt aus den Befreiungskriegen gegen Napoleon, es waren die Farben der Uniform des Lützowschen Freikorps. Zum Hambacher Fest wurde aufgerufen, Flaggen in diesen Farben mitzubringen. Die Reihenfolge der Farben nannten die Veranstalter nicht. Letztlich ist es das Verdienst von Johann Philipp Abresch, einem Kaufmann, dass es eine schwarz-rot-goldene Flagge war, unter der sich die deutschen Staaten 1871 zum Deutschen Reich vereinten. Er war es, der eine große Flagge mit der Aufschrift „Deutschlands Wiedergeburt“ fertigen ließ und, angekommen am Schloss, auf dem höchsten Turm hisste. Die Flagge ist immer noch da. Ein Relikt aus dieser Zeit, das Kronjuwel des Schlosses. Ganz oben, im fünften Stock, in der Dauerausstellung „Hinauf, hinauf zum Schloss“, kann man sie betrachten. Die Flagge. Die Farben nicht mehr, über die fast zwei Jahrhunderte sind sie vollends verblasst. „Ich bin schon stolz darauf, dass so ein bedeutendes Artefakt unserer Geschichte hier im Schloss ist“, sagt Dittrich zu der Flagge. Man könnte meinen, sie hat Ge-


Das Hambacher Schloss

schichte studiert, so wie viele der Leute, die hier arbeiten. Tatsächlich hat sie Verfahrenstechnik studiert, gelernt, wie man Keramik herstellt. Neben ihrem Studium hat Dittrich Führungen auf der Festung Ehrenbreitstein bei Koblenz gegeben. „Das war der Verknüpfungspunkt, der mich in den Kulturbereich gebracht hat“, sagt sie. Ein Glanz liegt in ihren grünen Augen. Doch es gibt auch Themen, bei denen man beobachten kann, wie der Glanz verschwindet. Themen bei denen sie weiß, jetzt geht es nicht mehr um das Schloss, sondern um Politik. Die Patriotenwanderung Anfang Mai 2018 ist so ein Thema. Mehrere hundert Anhänger des rechten Spektrums marschierten auf das Hambacher Schloss. Im Festsaal sprachen dann unter anderem Thilo Sarrazin, Jörg Meuthen und Vera Lengsfeld. „Das Schloss steht allen offen. Und das ist gut so“, sagt Dittrich dazu. Etwas anderes kann sie auch kaum sagen. 2016 hat die AfD eine Parteiveranstaltung im Schloss angemeldet, der Pächter hat abgelehnt. Die Partei zog vor Gericht. Das Urteil: Wenn das Schloss für andere Parteien offensteht, müsse man auch der AfD Eintritt gewähren. Die Alternative wäre, das Schloss nur noch als Muse-

um und nicht länger als Veranstaltungsort zu nutzen. Das war keine Option. Im fünften Stock gibt es am Ende der Dauerausstellung zum Hambacher Fest eine Wand, an die Besucher zum Abschluss einen Zettel mit ihrer Meinung anheften können. „Respekt für alle Menschen – auch für Flüchtlinge“ steht da. Und auch, nur drei Zettel weiter: „Deutschland den Deutschen.“ Meinungsfreiheit an ihrem Geburtsort.


Skulptur „Freiheit … vergiss nicht, dass du Flügel hast …“ am Neustadter Saalbau

L I C H T- U N D S C H AT T E N S E I T E N E I N E R S TA D T: E I N R U N D G A N G Z U N E U S TA D T E R O R T E N D E R D I K TAT U R - U N D D E M O K R AT I E G E S C H I C H T E Von Natalie Aschenbrenner

In Neustadt an der Weinstraße liegen Demokratie und Diktatur nahe beieinander – zumindest räumlich gesehen. Mit dem Projekt „Junior Memory Guide“ sollen Jugendliche dazu ausgebildet werden, Gleichaltrigen diese Orte nahezubringen. Ein Stadtrundgang mit den Ideengebern des Projekts.

ehemaligen Gestapo-Zentrale oder an einem ehemaligen jüdischen Kaufhaus. Dessen Fassade wurde 2017 unter denkmalerischen Aspekten renoviert und auch heute wird das Gebäude wieder als Kaufhaus genutzt. Dittus erklärt, dass vor der NS-Zeit 25 Prozent der Kaufhäuser in Neustadt in jüdischem Besitz waren und sich über die gesamte Stadt verteilten. „Jedes dieser Der zweistündige Stadtrundgang beginnt Gebäude ist heute im Grunde ein kleines an einem Ort der Diktatur: dem Postgebäu- Denkmal“, merkt er an. de. Dieses war in der NS-Zeit das dortige Auch die Orte der Demokratie, die Gaupresseamt. „Wenn man über das The- sich auf dem Rundgang mit den Diktaturorma Diktatur in Neustadt spricht, kommt ten abwechseln, sind in Neustadt über die man gar nicht daran vorbei über Gebäude ganze Stadt verteilt und durch sogenannte zu sprechen“, erklärt Eberhard Dittus an „Demokratietafeln“ gut sichtbar gekenndieser Stelle. Dittus ist Vorsitzender der zeichnet. Vorgestellt werden sie während Gedenkstätte für NS-Opfer in Neustadt der Führung von Petra Schanze. Die Sozialund bei dem Projekt „Junior Memory Guide“ pädagogin ist zudem Leiterin des Projekts Experte für alle Stationen des Rundgangs, „Jugend Stärken im Quartier“ beim Jugenddie mit Diktatur zu tun haben. amt Neustadt. Dieses vom Bund geförderte Dabei lassen sich diese tatsächlich Projekt will jungen Menschen beim Überhauptsächlich an Gebäuden festmachen. gang von Schule zu Beruf helfen. So folgen beispielsweise Stationen an der


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J U N I O R Bei dem Stadtrundgang geht Schanze vor allem auf den „Peer-to-Peer“ Ansatz des Projektes „Junior Memory Guide“ ein. Denn der heutige Rundgang mit Schanze und Dittus ist nur ein Probelauf. In Zukunft sollen diesen Job Jugendliche übernehmen und anderen Jugendlichen die Diktatur- und Demokratiegeschichte Neustadts nahebringen. Dittus und Schanze sind sich sicher, dass die jugendlichen Stadtführer eine andere Perspektive auf die Thematik hätten und außerdem leichter Zugang zu den gleichaltrigen Rundgangsteilnehmern fänden. An jeder Demokratie-Station erläutert Schanze deshalb, welche Themen von den zukünftigen jugendlichen Guides behandelt werden und mit welchen Methoden sie die teilnehmenden Jugendlichen zum Mitdenken, Mitmachen und Mitdiskutieren anregen sollen. Im Zentrum steht dabei passenderweise das Hambacher Fest von 1832. Gilt dieses doch als eines der bedeutendsten Ereignisse der deutschen Demokratiegeschichte. Im Laufe der Stadtführung gehen die jungen Guides auf einzelne Aspekte des Hambacher Festes genauer ein. An der ehemaligen Buchhandlung von Philipp Christmann singen die Jugendlichen beispielsweise gemeinsam das Lied „Die Gedanken sind frei“. Vor dem Zug zum Hambacher Schloss 1832 konnten die Teilnehmer in der Buchhandlung schwarz-rot-goldene Korkarden und Liedtexte kaufen. Daher wird diese Station beim Rundgang heute genutzt, um den Jugendlichen die Bedeutung des politischen Liedes im 19. Jahrhundert nahezubringen. Am alten Rathaus wird die Bedeutung der Farben der deutschen Fahne, die beim Hambacher Fest zum ersten Mal gehisst wurde, erklärt. Außerdem erfahren die Jugendlichen hier, dass damals neben Deutschen auch Franzosen und Polen in Neustadt zu Gast waren, da diese als Vorreiter in Sachen Demokratie galten.

Der Rundgang endet schließlich in der Nähe des Bahnhofs bei einer goldenen Frauenstatue der Künstlerin Christiane Maether mit dem Namen „Freiheit … vergiss nicht, dass Du Flügel hast …“. Dabei steht zunächst die Frage im Raum, was Freiheit im 19. Jahrhundert bedeutete, ehe ein Transfer in die Gegenwart stattfinden soll. Abschließend diskutieren die Teilnehmer die Frage, ob Freiheit auch Grenzen hat. Die Antwort auf diese Frage bleibt dabei allerdings offen. Ziel ist es hier nur, die Jugendlichen in einen Denkprozess hineinzuführen. Auch die weitere Entwicklung des Projekts „Junior Memory Guide“ steht noch offen. Schanze erklärt, dass es bereits Anfragen verschiedener Gymnasien gäbe, welche gerne Schulklassen zu Guides ausbilden lassen würden. „Im besten Fall hat dieses Projekt zudem einen Modellcharakter und kann gerne in andere Städte weitergetragen werden“, wünscht sich Dittus.

M E M O R Y G U I D E


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E X K U R S I O N N A C H S T R A S S B U R G

E XKURSIO N NACH STR ASSBURG: HIG H LIG HT D E R WO RKSH O P-WO CH E Ein Gastbeitrag von Sarrah Bock, Studentin und Matchbox-Praktikantin

Was ist eigentlich politische Bildung und warum brauchen wir sie? Mit dieser Frage haben sich Jugendliche aus den unterschiedlichsten Ländern Europas in der Workshop-Woche intensiver auseinandergesetzt: Wir leben in einer für die Politik schwierigen, aber zugleich entscheidenden Zeit. Vermeintlich einfache, stark reduzierende Antworten gewinnen in einem wachsenden Teil der Gesellschaft an Zustimmung. Sorgen werden geschickt zu Ängsten geschürt, die zwar die politische Debatte aufleben lassen, doch eine Spaltung der Gesellschaft nicht unmerklich vorantreiben. Die Tendenzen der jüngsten Zeit stellen unser Politikverständnis dabei immer mehr in Frage und fordern uns gleichermaßen dazu auf, für die demokratischen und liberalen Werte unseres Landes einzustehen. Gerade diese Entwicklungen machen deutlich, wie wichtig eine umfassende politische Bildung für eine funktionierende Demokratie ist. Diese Aufgaben der politischen Bildungsarbeit stehen in einer hohen Verantwortung bei großen internationalen Institutionen. Die Workshop-Woche vor dem Demokratiefestival sollte die Jugendlichen mit ihren internationalen kunstschaffenden Mentor*innen unterschiedlicher Sparten durch partizipative, künstlerische Projekte zu den Themen des Festivals Denkanstöße und Diskussionsmöglichkeiten bieten. Um diesem Anspruch nachzukommen, wurde auch eine Exkursion nach Straßburg ins Europäische Parlament organsiert. So

wurde den Jugendlichen ein Einblick in ein wichtiges europäisches Organ gewährt. Nach einer Stadtführung durch Straßburgs Innenstadt und einem Mittagessen im Parlamentsgebäude folgte der herzliche Empfang durch Albrecht John, dem Referenten für Besuchergruppen, woraufhin die Teilnehmer*innen im Sitzungssaal gespannt auf Peter Simon, Mitglied des Europäischen Parlaments und wichtiger HAMBACH!-Unterstützer der ersten Stunde, warteten. Nach seiner Willkommensrede bereiteten sich die vier einzelnen Gruppen auf die Begegnung mit den Abgeordneten aus unterschiedlichen Ländern und Parteien vor. Dabei war in den Gesichtern der Anwesenden eine gewisse Aufregung und Nervosität lesbar – die Möglichkeit eines solchen Treffens bietet sich schließlich nur selten. Die Jugendlichen hatten die Gelegenheit, Gespräche und Diskussionen zu Europa und zur aktuellen politischen Lage mit drei verschiedenen Abgeordneten pro Gruppe zu führen. Für die ungarischen Teilnehmer*innen ergab sich an diesem Tag eine besondere Situation: Am Tag unseres Besuchs stimmte das Europaparlament mit einer Zweidrittel-Mehrheit für einen Bericht in dem gegen Ungarn eine Rechtsstaatverfahren gefordert wird. Das sogenannte Artikel-7-Verfahren kann zum Verlust von Stimmrechten im Ministerrat führen. Daraufhin veranlasste der ungarische Abgeordnete István Ujhely ein separates Treffen mit seinen Landsleuten, um über die Ereignisse zu diskutieren.


Exkursion ins Europäische Parlament

Den Gesprächen folgte eine gemeinsame Reflexion. Dabei verfestigte sich der Eindruck, dass die Jugendlichen sehr begeistert vom Engagement und dem Interesse der einzelnen Abgeordneten waren. Weiter ging es zur beigeordneten Bürgermeisterin von Straßburg, Nawel Rafik-Elmrini, die sich ebenso Zeit für ein persönliches Kennenlernen nehmen wollte. Dort angekommen im Lieu d‘Europe mussten wir leider feststellen, dass die Bürgermeisterin verhindert war, weshalb uns Renaud Jacquin, Leiter der Abteilung für internationale und europäische Beziehungen der Stadt und Europametropole Straßburg, in Empfang nahm. Nach einer kurzen Präsentation und Einführung über Straßburg als Stadt der internationalen Organisationen neben Brüssel, wollte Monsieur Jacquin wissen, wie die Begegnungen und Gespräche in EU Parlament verliefen. Das Feedback war beeindruckend, die Exkursion ein Erfolg. Voller neuer Eindrücke und Anregungen machten sich die Jugendlichen erschöpft aber reich an neuen Erfahrungen zurück auf den Weg nach Neustadt. Die Erkenntnis, dass Demokratie eine bewusste und reflektierte Auseinandersetzung mit unserem politischen System und dessen ge-

sellschaftlicher Bedeutung braucht, war dabei zentral. Politische Bildung sollte Menschen motivieren, sich offen und respektvoll am Diskurs zu beteiligen. Sie muss Partizipationsmöglichkeiten aufzeigen und diese fördern. Nicht zuletzt muss politische Bildung dazu beitragen, das Demokratie- und Werteverständnis unserer Gesellschaft zu fördern, um unsere Welt nachhaltig zu gestalten. Dies ist keine einfache Aufgabe, aber wichtiger denn je.


W O R K S H O P

"Hear and Now" mit Theatre Replacement

W O C H E

Workshop: „Demokratiebefragung"

Workshopleiterin Irina Ruppert

Street Art Workshop mit Will St Leger

IMPRESSIONEN

Workshop mit Ant Hampton


Workshopleiterinnen Caroyln Defrin und Leonie Kubigsteltig

Workshop „Spieleentdecker*innen" mit machina eX

Is democracy real?

Workshop "Interrupt! Change! Intervene!"

Workshop mit Gemma Paintin (Action Hero)


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J O U R N A L I S M U S P R O G R A M M

FA K E N E W S Von Jana Ballweber

Seit die Menschen Nachrichten online konsumieren und verbreiten, entstehen immer wieder Probleme mit gefälschten Meldungen. Bilder eines Anschlags in Russland werden nach Brüssel verlegt, die sexuelle Belästigung einer Frau auf dem Tahrir-Platz in Kairo soll plötzlich die Silvesternacht in Köln zeigen. Der Laie kann nicht mehr erkennen, ob eine Nachricht echt ist oder ob gezielt falsch informiert wird. Jacques Pezet und seine Kollegen durchsuchen seit 2017 für das gemeinnützige Recherchezentrum Correctiv täglich das Internet nach „Fake News“. Über eine Partnerschaft mit Facebook untersucht das Team auch Meldungen, die in dem sozialen Netzwerk kursieren und die ein Algorithmus für verdächtig hält. Werden hier tatsächlich Falschinformationen verbreitet, warnt Facebook die Nutzer davor, den Beitrag zu teilen und stellt den Faktencheck von Correctiv zur Verfügung. Auch wenn viele Journalisten diese Partnerschaft kritisch sehen, ist es für Correctiv ein Weg, „Fake News“ einzudämmen. Die Journalisten lassen das Bauchgefühl entscheiden, ob sie einer verdächtigen Nachricht nachgehen. Entscheidend ist unter anderem die Reichweite der Nutzer, die die Meldung teilen. Die Faktenchecker recherchieren die Originalquellen, prüfen Videos und Fotos und bewerten am Ende den Wahrheitsgehalt einer Nachricht. Pezet erinnert sich an ein Beispiel. Urlauber beobachten auf Kreta, wie ein Kamerateam Menschen filmt, die an der Küste Ertrinkende spielen und stellen ein Video der Szene ins Internet. Sie vermuten, dass hier ein Fernsehteam einen Beitrag über angebliche Flüchtlinge filmt, der später im Fernsehen landen soll. Das Video verbreitet sich und wird als vermeintlicher Beweis angeführt, die Asylkrise sei inszeniert und die Medien verbreiteten Lügen. Jacques Pezet versucht daraufhin den Ort auszumachen, an dem das Video entstanden ist. Dazu nutzt er Google Earth, um die Landschaft

wiederzuerkennen. Er kontaktiert Restaurants an der Küste Kretas, die als Drehort in Frage kommen und erfährt so, dass es sich um den Dreh eines Dokumentarfilms gehandelt habe, der die Ankunft griechischer Flüchtlinge auf Kreta im Jahr 1921 nachstellen wollte. Die Filmcrew war schnell ausfindig gemacht und bestätigte die Angaben des Restaurantbesitzers. Die Filmszene wurde also aus dem Kontext gerissen und für Kritik an den Medien missbraucht. Pezet scherzt über seine aufwendigen Recherchen: „Wenn es eine neue Stasi geben würde, hätte ich einen guten Lebenslauf.“ Um die Echtheit einer Nachricht zu prüfen, ist es nötig, tief zu graben und Details über Personen und Orte zu recherchieren. Damit schützen Pezet und sein Team die Glaubwürdigkeit der Medien und letztendlich auch die Demokratie, welche auf eine korrekt informierte Bevölkerung angewiesen ist, die sich ihre Urteile anhand von Fakten bilden kann.


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DISKRIMINIERUNGSSENSIBLE B E R I C H T E R S TAT T U N G Von Katharina Schantz

Einige hätten bei der Aussicht auf einen Workshop zu diskriminierungssensibler Berichterstattung sicher mit den Augen gerollt. Deren Totschlagargument prangt schon zu Beginn von Alice Lanzkes Powerpoint-Präsentation provokativ in den Raum. „Das wird man doch noch schreiben dürfen?!“ heißt es dort. Eine Checkliste voller hilfreicher, politisch korrekter Ausdrücke und Spezialtools zur Korrektur aller diskriminierender Bemerkungen wäre jetzt natürlich praktisch. Sich auf so einen Allrounder zu einigen ist aber weder besonders praktikabel, noch für Lanzkes Workshop zielführend – obwohl das von ihr mitgebrachte Informationsmaterial unter anderem ein Glossar mit gut recherchierten Formulierungsvorschlägen beinhaltet. Ihr Ziel ist es nicht, bereits existierende Berichte glatt zu schleifen, wie die Projektleiterin der Neuen Deutschen Medienmacher bekräftigt. Zum großen Teil geht es um eine umfassende Sensibilisierung. Wie Lanzke zeigen wird, ist Diskriminierung nämlich so vielfältig und komplex, dass sie alle Fasern der Berichterstattung durchdringt. Allzu oft kann sie Leserschaft oder Publikum und somit auch die Reichweite jedes Berichts definieren. Daher darf bei der Analyse kein Bereich fehlen. Entsprechend werden zu Beginn in alle Richtungen Fühler ausgestreckt: Welche Themen werden behandelt, wer kommt zu Wort, wer wird außer Acht gelassen, welche Bilder illustrieren den Bericht? Immer wieder veranschaulicht Lanzke dabei die besprochenen Inhalte mit Videos und Beispieltexten, stellt kritische Fragen und unterbricht kompetent ihren Vortrag, wenn sich eine Diskussion anbahnt. Buchstäblich öffnet Lanzke die Augen, als sie veranschaulicht, dass große Bilderdatenbanken zum Stichwort „Integration“ reihenweise Bilder von in Kopftücher gehüllten Frauenhinterköpfen ausspucken. So entblößt Lanzke automatische Assozia-

tionen, da hier suggeriert wird, dass Integration besonders für eine gesichts- und identitätslose, islamische Menschenmenge notwendig ist. Damit erklärt sie auch wenig bekannte Begriffe wie „Framing", also die oft unbewusste Einbettung eines Themas in einen einseitigen Kontext. Sie ermutigt, Vokabular auseinanderzunehmen, Begriffe wie „soziale Hängematte“ oder „Flüchtlingswelle“ zu hinterfragen. Zu prüfen, welche Eindrücke entstehen, wenn „Flüchtlinge“ und „Kriminalität“ stets im gleichen Satz auftauchen – von der Hauptaussage abgesehen. Zudem präsentiert sie Studien, die etwa beweisen, wie stark ein einziges Wort im Text die Reaktionen der Lesenden radikal beeinflussen kann. Schließlich werden Lanzkes Denkanstöße durch mehrere Analysen von Berichten aus der Berliner Zeitung, DasDingTV und SWR4 gemeinsam mit allen Teilnehmenden abgerundet. Zweifelsfrei schärfen die Beispiele den Blick. Sie zeigen, dass es bei diskriminierungssensibler Berichterstattung nicht nur auf eine politisch korrekte Wortwahl ankommt, dass man tiefer graben muss. Der Inhalt dieses Workshops lässt sich für alle Teilnehmenden unmittelbar einsetzen. Und verfeinert so auch ebenjene Berichterstattung, die Sie gerade in Händen halten.

W O R K S H O P S


Zweierpasch auf der QUERFÄLLTEIN-Bühne auf dem Schulhof der Ostschule in Neustadt


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Von Katharina Schantz

Als Vorband eines bekannten Headliners hat man es nicht gerade leicht. Der eigentliche Fokus des Konzerts liegt woanders, oft ist die Spielzeit knapp bemessen und selbst wenn man Erfolg hat, geht der im Verlauf des Abends schnell mal unter. Ein Grund mehr, vor Zweierpasch den Hut zu ziehen. Zwar ist die Mehrzahl der Jugendlichen tatsächlich für den Popmusiker Nico Santos zum Konzert des QUERFÄLLTEIN-Festivals gekommen, der es mit seinen Ohrwurm-Songs bereits international in die Charts geschafft hat. Aber Zweierpasch, die Band um die Heilbronner Zwillingsbrüder Felix und Till Neumann, kann das zu Beginn noch etwas unmotivierte Publikum ziemlich schnell aufmischen, sodass es für den Headliner längst warm ist. Vielleicht liegt das an den intensiven, klaren Plädoyers, die sich durch die Musik von Zweierpasch ziehen. Besonders wichtig sind deutsch-französischer Kulturkontakt und offene Grenzen – in politischer und persönlicher Hinsicht. Hübsch formuliert ist dieser Gedanke in ihrem wohl bekanntesten Lied „Grenzgänger”. „Wär ich ein Satzzeichen im Satz, wär ich ein Bindestrich”, heißt es da. Außerdem übt das HipHop Duo samt fünfköpfiger Band vielfältig Kritik: an Konsumgesellschaft und Atomenergie, aber auch an voreiligem Übermut über eine heile Welt. „Wir wollen ‘ne klare Message transportieren. Das ist dann auch ein Appell, damit andere sich vielleicht aus dem angespornt fühlen, was wir selbst als bereichernd empfinden”, kommentiert Felix Neumann im Gespräch. Die Konfrontation scheint das Publikum anzustecken, und das, obwohl die Texte der Band zuweilen auch für so unattraktive Dinge wie Schule genutzt werden. „Wer ist auch wegen dem Französisch Unterricht hier? xD“ kommentiert ein Youtube-Nutzer auf der Online-Plattform ein Lied. Auch Markus Lichti und Wolfgang Dinges von der Kulturabteilung der Stadt Neustadt, die Zweierpasch auf der Bühne der Neustadter Ostschule anmoderierten, stellten den Anwesenden in Aussicht, durch die nächsten Musikbeiträge die Fremdspra-

chenkenntnisse aufbessern zu können. Selbst Institutionen wie das Goethe-Institut Paris oder der Ernst-Klett Verlag stellen im Internet ausgearbeitete Vorschläge zu Unterrichtseinheiten bereit, die sich aus den Songtexten der Band speisen. Diese Nutzung liegt auf der Hand: Bei „Grenzgänger” etwa wechseln sich deutsche und französische Zeilen gleichberechtigt ab. Der Liedtext bietet dabei keine wörtlichen, sondern sinngemäße Übersetzungen, welche von Gewandtheit in beiden Sprachen zeugen. Die didaktische Verwendung ihres Oeuvres empfindet die Band als große Ehre, so Till Neumann. Doch auch ohne den Pluspunkt der versierten Zweisprachlichkeit kann Zweierpasch das Publikum an diesem Abend begeistern. „I don’t understand a thing! But they’re really good“, lacht eine Schülerin aus Polen. In farblich gewagten Outfits zeigen die beiden Zwillingsbrüder eine beeindruckende Bühnenpräsenz. Auch musikalisch sind Zweierpasch auf Zack und stilistisch divers. Eingängige Melodien, massive Basstöne und mitreißende Beats bereiten einen musikalischen Teppich für den Sprechgesang. Der wird bisweilen von exzellenten Saxophon-Solos begleitet. Damit landen die Brüder nicht nur beim jungen Publikum, auch ältere Musikfans tanzen im Rhythmus versunken mit. Zum Schluss gibt’s noch ein obligatorisches Instagram-Foto, bei dem bereits alle Hände in der Luft sind.

Z W E I E R P A S C H


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E N D G A M E

DIE WOLLEN DOCH NUR SPIELEN Von Simon Koenigsdorff

Es ist der zweite Arbeitstag. Wir stehen im Kreis und legen unsere Hände in der Mitte aufeinander. „Drei, zwei, eins, Team!“, ruft Tom, unser Teamleiter. Unsere Hände fliegen in die Luft, dann drehen wir uns um und eilen zu unseren Computern. Wir sind Teil des Internet-Start-Ups „übercrowd“, und wir jagen Rechtsextreme im Netz. Auf meinem Bildschirm erscheint das Social-Media-Profil von Robert, meiner Zielperson, einem Aktivisten einer radikalen neurechten Bewegung. Gestern haben wir die Leute noch identifiziert und angezeigt, heute sollen wir mit gefälschten Identitäten Kontakt zu ihnen aufbauen, ihr Vertrauen gewinnen, sie diskreditieren. Ich öffne ein Chatfenster, kann zwischen verschiedenen Antwortmöglichkeiten wählen. Ich entscheide, mich als Fan der Bewegung auszugeben und schmeichle mich so lange bei Robert ein, bis er mir ein Telefonat anbietet. Doch ein flackernder Lichtwechsel reißt mich jäh aus meinem Tunnelblick. Eigentlich gibt es das Start-Up gar nicht und Tom ist nur ein Schauspieler. Während dieser 90-minütigen Vorstellung vergesse ich trotzdem immer wieder, dass es sich hier um eine Mischung aus Theater und Computerspiel handelt. Ein actionreiches Erlebnis, manchmal sogar fast zu hektisch. Endgame ist eine Produktion der Künstlergruppe „machina eX“, die sich auf diese Form des interaktiven Theaters spezialisiert hat und bereits seit 2010 erfolgreich die Grenzen der verschiedenen Kunstformen verschwimmen lässt. In drei Gruppen werden die dreißig Teilnehmenden von den charismatischen Teamchefs von „übercrowd“ angeleitet und erspielen Erfolge im Kampf gegen eine rechte, stark an die „Identitären“ erinnernde Netzbewegung. Die Vorgesetzten verkörpern dabei ganz unterschiedliche Beweggründe – und sind auch nicht alle gleichermaßen bereit, auf ihrer Mission zu kriminellen Mitteln zu greifen. Denn auf diese Frage spitzt sich das Spiel am Ende zu: Wie weit sind die

Teilnehmenden bereit zu gehen, um im Kampf gegen die Bewegung erfolgreich zu sein? Die letzte Entscheidung wird am Ende demokratisch getroffen. Als der Raum in rotem Licht erstrahlt, weiß ich, dass wir uns für die Legalität entschieden, aber damit den digitalen Kampf verloren haben. Endgame ist vor den Aufführungen im Ludwigshafener Kulturzentrum dasHaus bereits durch sieben Städte getourt, wie Martin Schnippa, einer der Darsteller, nach der Vorstellung erzählt. Dabei verhielten sich die Spielergruppen von Stadt zu Stadt enorm unterschiedlich, doch das hänge nicht unbedingt von verschiedenen moralischen Überzeugungen ab. „Man merkt vor allem, wie gut sie die Spielmechanismen kennen, wenn wir zum Beispiel schon früher in einer Stadt aufgetreten sind. Wenn sie das Ganze wirklich ‚gamey‘ finden, treffen sie auch öfter riskantere Entscheidungen“, erklärt er. Wer sich dem Spielsetting dabei völlig hingibt, kann sich auch so entscheiden, wie er oder sie es in der Realität vielleicht nicht tun würde, und die Konsequenzen gefahrlos testen. Doch gleichzeitig schmälert das interaktive Theaterformat die eigene Distanz zum Spielgeschehen – schließlich stehen einem hier nicht nur Computer, sondern auch Menschen aus Fleisch und Blut gegenüber, die ihre Rollen äußerst glaubwürdig verkörpern. So entscheidet sich die große Mehrheit im Publikum an diesem Abend lieber für die moralisch sicherere Lösung, mit Zweifeln in den Augen.


Das Gründungs-Komitee am 25. Mai 2018

Eine Großveranstaltung wie HAMBACH! stemmt niemand im Alleingang. Die Verantwortlichen des Demokratiefestivals hatten viele kluge Köpfe und helfende Hände an ihrer Seite, die sie unterstützten: als Werbebotschafter*innen, als Empfang auf dem Schloss, als Guides für die internationalen Gäste und vieles mehr. Gegründet wurde HAMBACH! Das Komitee während der Pressekonferenz am 25. Mai 2018 in Neustadt an der Weinstraße. Aus den 37 Gründungsmitgliedern – Vertreter*innen aus der Politik, Wirtschaft, Kultur, Bürgerschaft, aus Vereinen und Initiativen sowie engagierte Einzelpersonen – sind knapp 130 Unterstützer*innen geworden. Ein großes Dankeschön an das Komitee, das mit seinem tatkräftigen Einsatz vor und während des Festivals zum Gelingen beigetragen hat. Das Gründungskomitee hat anlässlich der Pressekonferenz die Frage beantwortet: „Was ist Ihre Vision von Demokratie in Europa?“

„In einem Europa der Zukunft sollte es nicht nur Politikern möglich sein, Einfluss zu nehmen, sondern allen Menschen dieses Kontinents, unabhängig von ihrer Herkunft, Religion, Weltanschauung, ihren körperlichen Merkmalen oder ihrem Geschlecht. Dies ist ein Prozess, der bei einer Reform des Systems der Gesetzgebung in der EU anfangen sollte, aber auch darüber hinausgehen sollte, um allen Bürgern die Chance auf Mitbestimmung zu geben.“

Mitsprache? Mitsprache muss in unserer täglichen demokratischen Beteiligung selbstverständlich werden für alle. Demokratische Prozesse sind anstrengende und komplexe Verfahren, in Netzwerken. Wie kann ich lernen, das auszuhalten, um immer wieder Lösungsansätze beisteuern zu können?“ Olaf Bergmann, Projekt [51] e.V.

„Für mich ist Demokratie mehr als ein politisches System. Es ist eine Wertegemeinschaft, über die wir uns im gesell„Transparenz & Austausch! Immer mehr schaftlichen Diskurs immer wieder neu Menschen wollen über Fragen, die in ihrem verständigen müssen. Doch sind wir eindirekten Umfeld auftauchen, mitentschei- mal ehrlich, wann nehmen wir uns im Alltag den. Was fehlt an Öffnung für adäquate hierfür die Zeit? Demokratie ist für uns so Fynn Bastein, Engagierte Jugend Neustadt e.V.


63 selbstverständlich geworden, dass wir oft meinen, gar nicht mehr darüber reden zu müssen oder die Beantwortung schwieriger Fragen am liebsten den Politikern überlassen. Hambach war 1832 auch ein Fest der Worte und der Auseinandersetzung über den richtigen Weg – das sollten wir nicht vergessen.“ Dr. Christine Brockmann, Geschäftsführerin Metropolregion Rhein-Neckar GmbH

kann, deren Ziel ein Auseinanderdriften des einzigartigen Nebeneinanders verschiedener und dennoch vereinter Nationen ist. In meiner Zukunftsvision geht es daher um die kontinuierliche Ausgestaltung des ‚Wie‘ dieser gelebten Demokratie in Europa, in der allen Bürgern Zugangsmöglichkeiten zu politischen Diskussionen offen stehen und ihnen eine aktive Teilhabe am politischen Tagesgeschehen gewährleistet ist.“ Monika Heilmann-Stefano, Goethe-Institut Mannheim

„Demokratie in Europa ist eine zukunftsweisende Idee von Frieden und Freiheit. Sie „Ein modernes Europa ist nur als Bündnis soll keine lästige Pflicht sein, sondern als demokratischer Staaten denkbar. Die Werfreudige Hoffnung erkannt werden. In den te der Demokratie sind heute mehr als in Demokratieprozess sollen sich möglichst früheren Jahrzehnten in Gefahr. Der ‚Geist viele Menschen einbringen, um Europa zu von Hambach‘ – das Eintreten für Meinungseinen und dadurch die Welt zu einem guten und Pressefreiheit, für Freiheit, Freizügigund gerechten Ort zu machen.“ keit und Gleichheit der Menschen und eine Stefan Dallinger, Vorsitzender Verband Konföderation der Staaten – ist nach wie Region Rhein-Neckar, Landrat Rhein-Neckar-Kreis vor unser Leitbild für Europa!“ „Ein starkes Zusammenleben in Frieden, Freiheit, Weltoffenheit und Toleranz. In gegenseitigem Respekt für die Vielfalt der Menschen in Europa und der Welt und eine Politik, die nahe an der Lebenswirklichkeit der Menschen ausgerichtet ist.“ Inge Degen, Ministerialdirektorin (Staatskanzlei) und Vorstandsmitglied Stiftung Hambacher Schloss

Hans-Ulrich Ihlenfeld, Landrat, Landkreis Bad Dürkheim und stellvertretender Vorstand Stiftung Hambacher Schloss

„Demokratie ist zäh und anstrengend. Gerade Europa ist durch seine Vielfalt besonders herausfordernd. Es braucht Mut und Stärke, Unterschiede zu benennen und dennoch gemeinsame Ziele zu erreichen.“ Giorgina Kazungu-Haß, Landtagsabgeordnete Rheinland-Pfalz

„Offene Grenzen! Damit Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion und Weltanschauung in Frieden, Freiheit und Gerech- „Europa ist wie die Demokratie auch kein tigkeit zusammenleben können.“ Zuschauer-Sport, man muss sich beteiligen wenn man etwas verändern will.“ Eberhard Dittus, Vorsitzender Gedenkstätte für NS-Opfer in Neustadt

Bernhard Kukatzki, Direktor Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz

„Mit Zivilcourage und Engagement ermöglichten viele Bürger das Hambacher Fest „Für mich lebt die Demokratie nicht nur in 1832. Sie forderten u. a. Pressefreiheit, Europa von der Partizipation seiner Bürbürgerliche Freiheiten und das Zusammen- gerinnen und Bürger. Wir müssen es in die wachsen der deutschen Länder zu einer Hand nehmen. Wir leben in einem EuroNation in einem ‘conföderierten republika- pa mit verschiedenen Kulturen. Niemand nischen Europa‘ (Wirth). Bleibt zu hoffen, sollte wegen seiner Herkunft, seines Gedass im 21. Jahrhundert Menschen mit schlechtes, Alters, Behinderung oder auch vergleichbarer Einstellung für ganz Europa Meinung ausgeschlossen werden. Vielmehr diese Ziele erreichen werden.“ sollten wir uns mit Andersdenkenden auseinandersetzen, miteinander reden und disLutz Frisch, Autor kutieren. Mitmenschen respektieren. Auch um den Frieden in Europa nicht zu gefährden.“ „‚Vereint in Vielfalt‘ – Gelebte Demokratie ist für mich aus Europa nicht mehr weg- Kirsten Korte, Geschäftsführerin Zukunft Metropolregion Rhein-Neckar e.V. zudenken. Sie ist der Motor, der in einem vereinten Europa Kräften entgegenwirken

D A S K O M I T E E


64 „Meine Vision von Europa ist ein Europa, das „Ich wünsche mir ein Europa, in dem wieder weniger bestimmt ist von den nationalen mehr Menschen den Wert und die Kraft der Regierungen, sondern vom Parlament und Demokratie erkennen und aktiv für sie eineiner stärkeren europäischen Öffentlich- treten. Die Demokratie bietet jedem Einzelkeit.“ nen die Chance, mitzuentscheiden und die Zukunft mitzugestalten. Nutzen wir sie!“ Dr. Peter Kurz, Sprecher AG Kulturvision der Metropolregion Rhein-Neckar und Oberbürgermeister Stadt Mannheim

Dr. Friederike Reutter, Leitung Kunst und Kultur BASF SE

„Wir Europäer brauchen eine starke und „Meine Demokratie-Vision für Europa – dielebendige Demokratie, damit wir auch zu- se ‚4F‘: künftig in Prosperität und Diversität leben frisch: Jugend und Kultur europaweit verkönnen. Meine ganz persönliche Vision sind netzen und durch ausreichend ProjektmitEuropawahlen, mit einer solchen Bedeut- tel fördern und festigen samkeit, dass diese für uns alle den allge- frech: Zentralismus und Bürokratie abbaumeinen politischen Höhepunkt darstellen en in Brüssel und von der breiten Bevölkerung mit gro- fröhlich: Demokratie in Europa nicht als ßem Interesse verfolgt werden. Nur durch Last empfinden, sondern mit Lust leben ein starkes Parlament kann ein demokrati- frei: grenzenloser Raum sein für Menschen, scher Prozess wirklich gelebt werden.“ für Güter und Ideen, für Kunst und Kultur, Michael Carl-Christian Laß, Juniorbotschafter für freie Wahlen und freie Presse.“ Deutsch-Französisches Jugendwerk

Brigitte Rottberg, Event Safety and Security Managing / Projekt- und Eventmanagement

„Die gegenwärtige Krise der Europäischen Union ist vor allem eine Legitimationskri- „Demokratie ist nicht absolut und sicher, se. Soll die Union in dieser Phase wieder sondern ein Prozess, der Unsicherheiten an politischer Legitimität gewinnen, gilt es, birgt. Diese gilt es auszuhalten und um Löden Parlamentarismus in Europa zu stärken. sungen zu ringen. Die Jugendlichen erkenZugleich sind es die Städte und Gemeinden, nen, dass hierin eine Chance liegt, selbst die – als bürgernächste Ebene – die Bedeu- mitzugestalten. Durch verstehbare Sprache tung und die Vorteile des europäischen In- und einfache Beispiele wird ihnen Lust getegrationsprozesses am besten vermitteln macht, sich an diesem Gestaltungsprozess und so einen wichtigen Beitrag zur demo- zu beteiligen. Demokratische Aktionen könkratischen Legitimation der Europäischen nen vom Kleinen (Peergroup, Verein, KomUnion leisten können.“ mune, Deutschland) übertragen werden auf David Linse, Fachbereichsleiter Vielfalt, größere Zusammenhänge (Europa). Diesen Internationales und Protokoll, Stadt Mannheim Transfer zu erkennen, sollten wir beitragen mit Aktionen, die sich an der Lebenswelt der Jugendlichen orientieren und im Dialog „Friedliches Miteinander und Austausch erreicht werden können.“ über ALLE Ländergrenzen hinweg! Meinungsfreiheit in WORT/BILD/TON ohne Petra Schanze, Jugendamt Stadt Neustadt Zensur! Freiheit für die Kunst!“ an der Weinstraße, Projektleitung Manfred E. Plathe, Bildender Künstler

„Jugend stärken im Quartier“

„Alle EU-Mitgliedsstaaten müssen die Prin- „Demokratie in Europa bedeutet für mich zipien der Demokratie wie Volkssouverä- idealerweise ein tolerantes Miteinander nität, Gewaltenteilung, Verantwortlichkeit geprägt von einer großen Meinungsvielder Regierung, Gesetzmäßigkeit der Ver- falt, die in allen Ländern gefördert und gewaltung, Unabhängigkeit der Gerichte, schützt wird. Und das begleitet von einem Mehrparteienprinzip und Chancengleich- unabhängigen Rundfunk, der kritisch, frei heit aller politischen Parteien leben. Die und ausgewogen berichten kann und der EU muss als politische Einheit in der Welt damit den Grundstein legt für eine demoerkennbar sein.“ kratische Gesellschaft.“ Paul Platz, Kulturbüro Rhein-Pfalz-Kreis

Dr. Simone Schelberg, Landessenderdirektorin SWR in Rheinland-Pfalz


Das Gründungs-Komitee am 25. Mai 2018 bei der Pressekonferenz zu HAMBACH!

„Wir freuen uns mit unserem Beitrag Teil „Das Hambacher Schloss ist die Wiege der dieses Projekts zu sein. Hambach hat die Demokratie und der Europäischen Einideutsche Geschichte und unser heutiges gung; die Werte einer freien, gleichen GeDemokratieverständnis entscheidend ge- sellschaft sind europäische Werte. Ich will, prägt. Auch die Wissenschaft profitiert von dass wir als Europäerinnen und Europäer dem Gut der freien Meinung.“ gemeinsam für diese Werte einstehen – die Kultur bildet dafür einen wichtigen RahProf. Dr. Carsten Schröer, Duale Hochschule Baden-Württemberg Mannheim men.“ Prof. Dr. Konrad Wolf, Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz und Vorstandsvorsitzender Stiftung Hambacher Schloss

„Meine Vision von Demokratie in Europa ist ein Europa für die Bürgerinnen und Bürger, in dem das Gemeinwohl im Mittelpunkt aller politischen Bemühungen steht. Dieses Europa ist für mich zugleich ein Europa von „‚Die Antwort ist nicht die autoritäre Demokratie, sondern die Autorität der DemokraBürgerinnen und Bürgern, in dem sie sich tie.‘ Das ist wohl der entscheidendste Satz engagieren, einmischen und dadurch ‚ihr‘ aus der Rede von Staatspräsident EmmanuEuropa selbst gestalten.“ el Macron vor dem europäischen Parlament Peter Simon, Mitglied Europäisches Parlament am 17.04.18 in Straßburg. Demokratie lebt von dem Engagement der Bürgerinnen und Bürger, der Vereine und Organisationen, „Eine aufgeklärte und gebildete Jugend, der davon, dass sie sich in politischen Prozesdie Werte der Demokratie wieder bewusst sen beteiligen und selbst aktiv auf die Gesind, um für sie einstehen zu können. Auf sellschaft einwirken.“ dieser Basis soll die Jugend die Demokratie gestalten und weiter entwickeln. Mein Wunsch ist ein bürgernahes und soziales Europa, in dem jeder Mensch sein Leben in Freiheit und Schutz leben kann.“ Birgit van Bergen, Coaching Erwachsenenmaßnahmen, CJD Neustadt an der Weinstraße

Folker R. Zöller, Honorarkonsul von Frankreich im Consulat Honoraire de France à Mannheim


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S T A T E M E N T S

„Ich möchte Ihnen nun ganz herzlich „Danke“ sagen! Sie haben mit dem HAMBACH! Demokratiefestival – wie ich finde – genau zum richtigen Zeitpunkt dafür gesorgt, dass junge Menschen sich intensiv über die Zukunft unserer demokratischen und europäischen Werte austauschen. Danke für ein erfolgreiches, junges, mutiges, gelungenes, vielfältiges Kunst- und Kulturfestival im Zeichen der Demokratie und der europäischen Zusammengehörigkeit!“

Interesse vielleicht auch ein Stück weit zurückzustellen. Der Sinn von Europa war ja irgendwie auch einmal Souveränität abzugeben und vielleicht sollte man sich auch ab und zu wieder bewusst machen, wofür man Europa eigentlich einmal gegründet hat. Und man sollte auch eine Meinung entwickeln.“ Lara

„Europa ist unsere Zukunft. Und es geht auch nur mit Europa. Alles Nationalistische hat ein Ende und darum ist es denke ich auch ganz gut, dass Merkel und Macron ganz gut miteinander können. Da hat man vielleicht zwei Impulsgeber mit den Fran„Solange Demokraten für sie auf die Stra- zosen und den Deutschen und das müsste eigentlich funktionieren. Natürlich müssen ße gehen, (über)lebt die Demokratie! Nach dem Fest mache ich mir keine Sorgen mehr, sich die anderen Länder vielleicht auch ein bisschen europäischer verhalten. Man kann dass das gelingt. Vielen Dank!“ nicht immer nur fordern, sondern muss anonym manchmal eben auch geben.“ Prof. Dr. Konrad Wolf, Vorstandvorsitzender der Stiftung Hambacher Schloss und Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz

Herr Rothfuchs

„Eigentlich gehe ich nicht auf Festivals, aber hier fand ich die Idee als solche interessant, speziell weil es um Europa geht und sich „Europa ist ganz wichtig. Diese nationalishier viele junge Menschen einbringen. Au- tischen Gesinnungen, die jetzt wieder aufßerdem ist natürlich auch dieser Ort sehr kommen sind ganz furchtbar. Das ist eine passend. Ich glaube, es ist schon schwer, Richtung, die uns gar nicht gefällt. Man die Idee Europa im eigenen Land umzu- sollte Europa forcieren. Wir sind in der heusetzen. Und wenn man dann noch verschie- tigen Welt vernetzt, wir sind globalisiert. dene Nationen zusammenbringen muss ist Das ist alles ein großes Ganzes. Und da das noch einmal schwerer und dauert wohl kann man doch jetzt nicht anfangen wieder noch Jahre. Aber so etwas wie das hier ist nationalistisch zu denken. Und deshalb ist da schon einmal ein Anfang.“ Europa für uns auch ganz, ganz wichtig. Ich hoffe, dass es nicht wieder rückwärtsgeht. Lucia, Hambach Wir haben so viel erreicht in unserem Land, so viel Offenheit, Demokratie und so weiter „Gleichheit, Gleichberechtigung, mit allem und ich hoffe, dass das bewahrt bleibt. Und was dazugehört. Gleichberechtigung jeder so Strömungen wie die AfD, oder die RechArt, egal ob politischer Art oder Gleichbe- ten, die da wieder hochkommen sind ganz rechtigung zwischen Mann und Frau. Die schlimm. Und deshalb werde ich mich auch globalen Probleme gemeinsam zu lösen. immer für Demokratie, Meinungsfreiheit, Aber wirklich gemeinsam, Hand in Hand. Pressefreiheit und alles was dazugehört Unabhängig von schwarz und weiß, unab- einsetzen. Natürlich ist es auch ganz wichhängig von verhasster AfD-Politiker oder tig der Jugend das bewusst zu machen, geliebter CDU-Politiker. Sich einfach einmal denn die Jugend ist die Zukunft und vielen zusammenreißen und zu sehen ‚Mensch ist ist da vielleicht noch gar nicht so bewusst, Mensch‘. Wir haben alle gleiche Rechte was hier eigentlich gefährdet ist.“ und gleiche Verantwortung und diese Ver- Frau Rothfuchs antwortung sollte man sich auch bewusst machen." „Ich finde Europa ziemlich gut, ziemlich Simon wichtig. Vor allem in Zeiten in denen die rechte Seite wieder stärker wird. Ganz „Vielfalt und individuelle Möglichkeiten. Ich schwierig finde ich den Brexit, vor allem denke, in Zukunft wird es auch wichtig weil da gerade im Moment auch noch nicht sein zusammenzuhalten und sein eigenes alles geklärt ist. Eigentlich möchte ich aber


in den nächsten fünf Jahren aus Deutschland weg. Grundsätzlich finde ich Deutschland zwar schon gut, aber es ist mir etwas zu bürokratisch und vor allem auch die Berichterstattung in den Medien und social media finde ich schwierig. Da ist es nicht leicht, sich eine eigene Meinung über Europa zu machen.“ anonym

„Demokratie ist nicht vererbbar. Toll, dass so viele Demokraten da waren. Toll, dass hier auf dem Schloss eine Plattform dieser freundlichen Art gegeben wurde. Vielen Dank!“ anonym

„Man müsste viel öfter über Themen wie Demokratie oder Europa sprechen.“ Linda, Speyer

„Ich denke, Europa und die Demokratie geben uns Sicherheit und Frieden und unsere Generation sieht das irgendwie als selbstverständlich an, weil wir nichts anderes gewöhnt sind, aber eigentlich ist es super

wichtig. Und alles was Europa und die Demokratie gefährden könnte ist eine riesige Bedrohung. Und vielleicht sollten wir uns alle mehr für die EU-Politik einsetzten und auch mehr Leute zu den Wahlen gehen.“ Katia

„Wir sind zufällig hier reingeraten, wir wussten nichts von diesem Festival. Aber wir sind froh, dass wir Demokratie haben und dadurch, dass wir jetzt hier reingeraten sind, wird einem noch einmal bewusst wie gut das ist, dass wir Demokratie haben und dass das in manchen Ländern eben nicht so stattfindet.“ Martina


Stehend von links nach rechts: Kristie Pladson, Natalie Aschenbrenner, Simon Koenigsdorff und Clara Surges Knieend von links nach rechts: Karthiga Manivannan, Katharina Schantz, Benedikt Dietsch und Jana Ballweber

Ich studiere Vergleichende Kulturwissenschaft in Regensburg. Sowohl für mein Studium als auch nebenher verbringe ich oft und gerne Zeit mit dem Schreiben: Ob für die Studierendenzeitschrift der Uni oder als freie Mitarbeiterin einer Lokalzeitung. Dabei bietet mir das Schreiben die Möglichkeit mich in vielen verschiedenen Bereichen des Lebens zu bewegen und mich kreativ auszutoben.

Ich studiere Politikwissenschaft in Regensburg. Nebenbei arbeite ich bei der Mittelbayerischen Zeitung. Auch in Regensburg. Die Kombination aus Journalismus und Studieren macht mir gerade echt Spaß. Bevor ich mich komplett auf den Journalismus konzentriere, will ich deshalb noch einen Master in Politikwissenschaft machen. Voraussichtlich nicht in Regensburg. Hamburg vielleicht. Oder in der Pfalz, wer weiß.

Natalie Aschenbrenner

Benedikt Dietsch

Ich studiere Wissenschaftsjournalismus am Karlsruher Institut für Technologie. Beruflich Neues zu lernen und darüber schreiben zu dürfen, das erscheint mir wie ein Traum. Ein zuverlässiger Journalismus und eine innovative, lebendige Wissenschaftswelt sind essentiell für die Demokratie. Mich mit beiden Feldern beschäftigen zu dürfen, ist mir auch ein politisches Anliegen als Demokratin.

Ich (24) studiere im Master „Global History“ in Heidelberg. Online und offline bin ich schon seit vielen Jahren journalistisch tätig – immer wieder im Kulturbereich, vor allem aber in Sachen Politik. Mein Wunsch ist es, Menschen zum politischen Nachdenken anzuregen, in kleinen wie in großen Fragen. HAMBACH! hat mir eine neue Sicht darauf gezeigt, wie Kunst dieses Denken bewirken kann.

Jana Ballweber

Simon Koenigsdorff


Kein Blatt vor den Mund nehmen müssen. Außer, wenn es Zeit ist zu schreiben. Weil ich das liebe, studiere ich seit September 2015 Journalistik in Hannover. Dabei sind es die interessanten Menschen, welchen ich begegne, die mich immer wieder in meiner Berufswahl bestätigen. Thematisch beschäftige ich mich mit Gesellschaft, Philosophie, Religion, Gesundheit und alternativen Lebensformen.

Kurz und knapp: Kreativer Kopf und Kulturjournalistin. Kann kritisieren, kategorisiert ungern. Auf Konfrontationskurs mit dem Konsumgedanken, kämpft vielmehr fürs Klima. Kommuniziert mit Kommilitoninnen über Literatur und Kultur, liebt Kaffee, Kalligraphie und den Klang ihrer Geige. Klettert gerne im Kollektiv bei Kaiserwetter. Katharina Schantz

Karthiga Manivannan

Kristie Pladson

Ich (25) interessiere mich für viele verschiedene Themen, arbeite gern auch auf anderen Sprachen, kann jedem Medium etwas abgewinnen. Tausend Ideen habe ich deshalb im Kopf, wie es nach meinem Master in Deutsch-Französischer Journalistik (Freiburg/Straßburg) weitergehen soll. Irgendwann wäre ich gern Korrespondentin in Paris. Dort habe ich während meines Bachelors gelebt – und dort hat es mir bisher am besten gefallen. Clara Surges

DIE REDAKTION

Ich bin Ami aus Indiana und studiere Medienwissenschaft an der Uni Tübingen. Ich arbeite für das Campus-Radio (mit leichtem aber charmantem Akzent) und verbringe meine Freizeit mit Lesen und Schreiben. Früher war ich Datenjournalistin für eine Marktforschungsfirma in Hamburg. Jetzt bin ich dabei, eine unorthodoxe Karriere als amerikanische Journalistin in Deutschland aufzubauen.

J O U R N A L I S M U S P R O G R A M M


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I M P R E S S U M U N D T E A M

IMPRESSUM Herausgeber: Metropolregion Rhein-Neckar GmbH und Zukunft Metropolregion Rhein-Neckar e. V. Kulturbüro M 1, 4-5 68161 Mannheim Tel. 0621 10708-419 matchbox@m-r-n.com / www.hambach-festival.de / www.matchbox-rhein-neckar.de Facebook: fb.com/matchbox.rheinneckar / Instagram: @matchbox.rheinneckar Herstellung und Layout: atelier kontrast, Wolfram Glatz, Lukas Breitkreutz, Max Hathaway Druck: ABT Print und Medien GmbH Fotos: © Obada Al-Syah: Seite 53 © Arthur Bauer: Seite 8, 11, 13-15, 18 oben, 21-23, 26 unten, 37-39, 40 unten, 41 unten, 42 oben, 43 unten links, 45, 50, 54, 55 © Julia Bauer: Seite 7, 24, 27 unten, 34, 36, 42 unten, 43 unten rechts, 58, 68 © Sarah Hähnle: Seite 16, 18 links und rechts unten, 19, 26 oben, 27 oben, 30, 31 unten, 32-33, 44 oben, 47-49, 67 © Andreas Neumann: 31 oben, 41 oben, 43 oben links, 44 unten, 62, 65 © machina eX: Seite 61 © Daniel Wetzel: Seite 40 oben, 43 oben rechts Redaktionsleitung: Anna Hahn Redaktion: N  atalie Aschenbrenner, Jana Ballweber, Benedikt Dietsch, Simon Koenigsdorff, Karthiga Manivannan, Kristie Pladson, Katharina Schantz und Clara Surges Projektleitung Dokumentation: Alena Butscher, Anna Hahn

TE AM HAM BACH! Kulturbüro der Metropolregion Rhein-Neckar GmbH Leiter des Kulturbüros: Thomas Kraus / künstlerische Projektleitung: Lea Gerschwitz / Organisation und Koordination: Yasmin Gebhard / Kommunikation: Alena Butscher / Festivalorganisation und -logistik: Sonay Ilgar-Schmidt / Komitee-Management/Kooperationen und Partnerschaften: Désirée Blank / Regionalkommunikation: Susanne Brauer / HAMBACH! Journalismus-Programm: Anna Hahn / Moderation: Robert Montoto / unterstützt von Kevin Dühr, Viktoria Gaidamak, Isabella Heppting, Jana Kegler, Hannah Lang, Maya Maurer, Mona Merkel Stiftung Hambacher Schloss Geschäftsführende Schlossmanagerin: Ulrike Dittrich / PR und Kulturvermittlung: Charlotte Dietz Neustadt an der Weinstraße Bürgermeister der Stadt Neustadt an der Weinstraße: Ingo Röthlingshöfer / Fachbereichsleiter Bildung, Kultur und Sport der Stadt Neustadt an der Weinstraße: Rolf Müller / Abteilungsleiter Kultur der Stadt Neustadt an der Weinstraße: Wolfgang Dinges / persönliche Referentin des Oberbürgermeisters der Stadt Neustadt an der Weinstraße: Andrea Doll / Eventmanagement und -marketing: Markus Lichti Goethe-Institut Mannheim Kultur- und Freizeitprogramm: Maren Tatzel


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U N T E R S T Ü T Z E R

KO O P E R AT I O N S PA R T N E R

P R E M I U M PA R T N E R

H A U P T PA R T N E R

P R O J E K T PA R T N E R

U NTE RS TÜT Z T U N D G E FÖ R D E RT VO N

erinnern ∙ gedenken ∙ lernen w w w. g e d e n k s t a e t t e - n e u s t a d t . d e


W W W. H A M B A C H - F E S T I VA L . D E

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HAMBACH! Demokratiefestival - Dokumentation  

Wie wollen wir in Zukunft zusammenleben? Diese Frage war Ausgangspunkt und Leitlinie des Demokratiefestivals HAMBACH!, das mit den Mitteln d...

HAMBACH! Demokratiefestival - Dokumentation  

Wie wollen wir in Zukunft zusammenleben? Diese Frage war Ausgangspunkt und Leitlinie des Demokratiefestivals HAMBACH!, das mit den Mitteln d...