Im Kulturkampf

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VINSCHGER GESELLSCHAFT

Das neue alte „Heilig Grob“ von Burgeis BURGEIS - Heilige Gräber waren früher in fast jeder Tiroler Kirche um die Osterzeit zu sehen. Nach dem 2. Vatikanischen Konzil im Jahre 1962 wurden allerdings viele nicht mehr aufgestellt. Die oft wertvollen Kunstwerke wurden entsorgt oder in Abstellkammern verbannt und gerieten in Vergessenheit. So erging es auch dem „Heilig Grob“ von Burgeis. In den Kirchenbüchern wird das Grab erstmals 1715 genannt, es wird erwähnt, dass dem Maler zu Glurns 10 Gulden und 48 Kreuzer bezahlt wurden. Die Schützenkompanie Burgeis hat es sich aber zur Aufgabe gemacht, diesen wertvollen alten Brauch wieder aufleben zu lassen. Leider konnte sich niemand mehr daran erinnern, wie das Grab ursprünglich ausgesehen hat. Die älteren Burgeiser wussten nur mehr von einer gro-

ßen Karfreitagsprozession zu berichten, bei welcher der Leichnam Jesu in einer Prozessionstrage mitgetragen wurde. Diese Trage wurde dann in das neue Grab miteinbezogen. Links und rechts vom Grab stehen jeweils ein Engel und ein Prophet mit einer Spruchtafel, welche Bibelzitate aus dem Alten Testament enthalten. Auf dem Grab thront ein Pelikan, der sich für seine Jungen aufopfert, ein uraltes Symbol für den Opfertod Christi. Die Figuren wurden vom Maler Gebhard Telser mustergültig restauriert. Das Gestell, an dem die bunten Glaskugeln befestigt sind, wurde von einem Schützenkameraden gefertigt. Die Schützenkompanie bedankt sich bei allen, die dieses Projekt ermöglicht haben und wünscht allen Burgeisern viel Freude mit RED dem neuen Heilig Grab.

AUFGESPÜRT & AUSGEGRABEN (63)

Blättern in der Coronik #2 Humor ist ein überlebenswichtiges Ventil für den Menschen – vor allem in psychisch herausfordernden Situationen wie Krieg, Unterdrückung oder einer Pandemie. Schon von Beginn an, als für die meisten noch nicht absehbar war, dass Corona nicht nach ein paar Monaten verschwunden sein würde, kursierten die ersten Witze. Auch sie haben Eingang in meine „Coronik“ gefunden. Hier eine kleine Auswahl. Zum Beispiel: Den Weltuntergang habe ich mir mit Atomwaffen und Zombies vorgestellt, nicht mit Händewaschen und Abstandhalten. Oder: Weil alle Friseure geschlossen sind, hat mir heute meine Frau die Haare geschnitten. Ich wäre dann jetzt bereit für die komplette Ausgangssperre. Auch die Krankheit und ihre Symptome werden thematisiert: Ich dachte schon, ich wäre infiziert, weil ich beim Essen nichts mehr geschmeckt habe. Entwarnung – es war nur Tofu. Und den Lockdowns, die für viele kaum mehr zu ertragen sind, entlockt man ebenso ein Lächeln: Das Zuhausebleiben macht mir nichts aus. Manchmal weine ich zwar im Supermarkt, wenn ich auf einer Eierpackung „Freilandhaltung“ lese, aber

sonst ist alles schön. Nicht vergessen werden darf das Home Schooling: Manche Eltern finden gerade heraus – die Lehrer waren nicht das Problem. Auch Corona-Leugner und Verschwörungstheoretiker bekommen ihr Fett weg: Leute, die denken, dass die Impfung ihre DNA verändert, sollten das als Chance sehen. Und: Was haben ein Verschwörungstheoretiker und eine Bierflasche miteinander gemein? Beide sind vom Hals aufwärts leer. Manchmal ist der Humor aber schon sehr schwarz: Was dich nicht umbringt, macht dich nur stärker. Oder es mutiert und versucht es noch einmal. Und: Irgendwann werden wir lachend auf die Corona-Zeit zurückblicken und sagen: Was waren das nur für verrückte zwölf Jahre. In diesem Sinne: Den Humor nicht Z verlieren.

DER VINSCHGER 11-12/21

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