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pflichtlekt체re Studentenmagazin f체r die Universit채ten Bochum, Dortmund und Duisburg-Essen

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Arbeiten in der Zukunft: Ein Drahtseilakt www.pflichtlektuere.com


Rein

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Fakt ist ... ... dass viele Wege zum Tod führen.

Blick ins Portemonaie Unsere Momente: Studenten in den Geldbeutel geschaut.

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Der Herr der Gläser Klirr. Reagenz-Glas kaputt. Campuskopf Klaus Hirschfeld sorgt für Nachschub.

Lass das Hanf weg Sag mal, Prof: Machen Ab-und-zu-Drogen eigentlich auch süchtig?

Numerus Beknacktus Der NC-Wahnsinn an den Ruhr-Unis: die Betroffenen, die Gründe, die Zukunft.

Job

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Hallensport mit Holländern Special Operations: Wie man auf einer Skipiste im Ruhrgebiet Geld verdienen kann.

Düstere Aussichten Ein Blick in die Arbeitswelt der Zukunft – ins Jahr 2037.

Die früheren Nebenjobs der Profs Sie waren jung und brauchten das Geld.

LEBEN

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Rollenspiele Verkleidet wird sich jetzt das ganze Jahr, Mottopartys boomen. Warum eigentlich?

Du bist, was du isst Eine Studentin will vegan leben. Gar nicht so einfach. Ein Ernährungsexperiment.

Kulturgebiet Warum Rolf Zuckowski, dieser musikalische Kinderlied-Gott, peinlich ist.

Raus

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V-Tipps Große Namen zu Gast im Pott: Axel Milberg, Max Giermann und die Popolskis.

Die Ente bleibt draußen Zwei Herren im Bad, sechs Fehler im Bild und ein Buch als Preis.

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eins vorab

Sebastian Hetheier geht vor echten Ikonen in die Knie. Er vermisst ehrliche Gesten und wahre Helden. TEXTSebastian Hetheier MontageFLORIAN HÜckelheim

Leben wir in einer Zeit ohne Vorbilder? Hat uns das annus horribilis 2011 die Hoffnung genommen, dass es noch gute Menschen gibt, die man als Ikonen bezeichnen kann? Damit meine ich nicht Stil-Ikonen, diese Konsumkleiderstangen aus Fashionmagazinen. Nein, Menschen, die untrennbar mit unserer Zeitgeschichte verknüpft sind, die unser Leben und Denken verändert haben. Leute wie Martin Luther King, Simone de Beauvoir, Sigmund Freud oder Willy Brandt. Wo sind sie hin, die Leitfiguren?

sich da irgendwo im selben Fahrwasser. Und was ist eigentlich mit Hoffnungsträger Obama? Ikonen, dass sind heute keine Menschen mehr, die inspirieren, anspornen, kompromisslos sind und Ideen verfolgen, die größer sind als sie selbst. Es sind vor allem Menschen, die das Spiel mit den Medien spielen, die gehypt werden, die sich zur Marke und zum Markenzeichen machen. Sie bieten vor allem etwas für das Auge. Stars und Sternchen, It-Girls, Mediengesichter und alles was en vogue ist – Karl Theodor vielleicht? Als Lügenbaron, der sich mit neuem Image doch noch einmal in der Politik verkaufen lässt?

Oder kriegen wir nichts mehr mit? Das Kurzzeitgedächtnis der zweiten Internetgeneration schlägt immer häufiger zu. Da wird Werden und Vergehen zum Schlagwort der Informationsgesellschaft. Alles fließt, nichts bleibt hängen. Außer dem, was die Presse gerade mit marktschreierischen Überschriften und beißender Wiederholung auftischt.

Ich habe diese ganze Inszenierung, wie sie eine Heidi Klum nicht besser vorexerzieren kann, satt. Ich will echte Menschen, Frauen und Männer mit Klasse, mit der richtigen Einstellung zum Leben – die gibt es doch auf dieser Welt. Da muss man sich nur auf dem Campus umgucken und umhören. Wir alle studieren Ideen und die Köpfe, die dahinterstecken. Wir bewegen uns auf deren Pfaden und denken weiter. Vorbilder, Menschen, denen wir etwas Bewundernswertes abgewinnen können, sind überall - wenn wir ihnen nur endlich mal zuhören würden. Aber wir hören ja nicht mehr zu, wir gucken nur. Am Ende gucken wir dann nur noch in die Röhre.

Der verstorbene Steve Jobs wird heute immer wieder als Ikone bezeichnet. Sicher, der Mann hat unsere Art zu kommunizieren revolutioniert. Ein großes IT-Unternehmen zu einer Lifestylemarke gemacht. Aber ist das ein Vorbild? Jemand der sich gottgleich inszenierte, der sich selbst ausbeutete und dessen primäres Ziel es sein musste, wirtschaftliche Profite einzustreichen, uns Menschen davon zu überzeugen, dass man seinen Apfelmus unbedingt kaufen sollte? Mark Zuckerberg bewegt

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Fakt ist ... ... dass wir alle sterben müssen. Wir können uns aber ruhig noch etwas Zeit lassen. Von Matthias Stolz und Ole Häntzschel („ZEITmagazin“)

ENTNOMMEN AUSMatthias stolZ uND ole hÄNtZschel: Die grosse Jahresschau. KNaur tascheNBuch.

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Trinkt mehr Wein! Neulich in Deutschland: Ein Franzose und ein Däne testen deutsche Weine. TextZacharie Bustreau, Nicolai Lisberg PROTOKOLLSEBASTIAN HETHEIER fotoFlorian Hückelheim

Wir verstehen es nicht. Schon klar, Deutschland ist das Land der Biere. Aber wieso trinken die Studenten lieber Bier statt Wein? Es gibt doch so viele Anbaugebiete hier und von leckeren deutschen Weißweinen spricht man auch im Ausland. In unseren Heimatländern ist Wein ganz klar das beliebtere Getränk. Frankreich ist mit seinen zahlreichen Weinbergen natürlich das Mutterland des Weines. Wir haben dort eine große Weinkultur. In Dänemark ist es ein bisschen anders. Früher war es auch ein Bierland, aber das hat sich in den letzten Jahren geändert. Das liegt daran, dass die Frauen Wein bevorzugen und da sie oft den Einkauf machen, ist eher eine Flasche Wein im Korbwagen.

schmack. Er ist leicht zu trinken, und, was für Studenten wichtiger ist, er ist nicht so teuer – sechs Euro. Wir probieren noch einen Weißburgunder, der kommt wie viele deutsche Weine aus Rheinland-Pfalz. In NRW gibt es leider keine großen Anbaugebiete. Nun wollen wir aber auch Rotweine trinken. Herr Proff zeigt uns einige Weine vom Gut Kiefer. Die erste Flasche, ein Spätburgunder aus 2010, gefällt uns sehr gut. Er ist leicht zu trinken und passt gut zu Rindfleisch.

Nach einer langen Verkostung stellen wir fest, dass deutsche Weine einige besondere Qualitäten haben: eine Um unserer Frage beachtliche Vernachzugehen, schiedenheit, einen machen wir uns hohen Qualitätsauf den Weg nach standard und Preise, Bochum, zum die nicht zu hoch Weingeschäft Meysind. Trotzdem wererhof. Wir komden sie nicht gerne „Skål“ und „A votre santé“: Nicolai aus Dänemark (links) und Zacharie aus Frankreich im Rotwein-Himmel. men im Laden an, von Studenten gewerden von vielen trunken. Enzo Proff verschiedenen Düften und einer angenehmen Atmosphäre begrüßt. sagt dazu: „Nur rund 5 Prozent unserer Kunden sind Studenten. Wir sehen mehr als 1000 verschiedene Weinflaschen. Der Laden ist Am meisten trinken die Jungen Bier, weil es schlicht billiger ist.“ voll. Man kann schnell sehen, dass wir die einzigen jungen Leute im Laden sind. Keiner von den anderen Kunden ist jünger als 30. Wir Es wird Zeit, dass mehr Studenten eine Verkostung machen. Wir sind gekommen, um deutschen Wein zu probieren. Zum Glück ist wissen zwar, dass es in deutschen Supermärkten oft keinen guten die Verkostung umsonst. Ein Verkäufer, Enzo Proff, zeigt uns die Wein gibt und natürlich ist eine Bierflasche leichter zu öffnen als erste Flasche: einen Mosel Riesling. Wir probieren: lecker! eine Flasche Burgunder, aber, liebe deutsche Studenten: Trinkt mehr Wein! Wenn man diesen Wein trinkt, versteht man nicht, warum die Deutschen anscheinend nicht so sehr an ihrem eigenen Wein interessiert sind. Der Wein hat einen sehr süßen und fruchtigen Ge05

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Einblicke Zerknitterte Kassenbons, Semesterticket und Fotos von den Lieben... Was tr채gst du mit dir rum? FOTOSLENA KALMER

Maren, Kunst, 5. Semester

Jost, Evangelische Theologie und Englisch auf Lehramt, 3. Semester

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Bahar, Chemieingenieurwesen, 1. Master-Semester

Safak, Wirtschaftswissenschaften, 3. Semester

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Der Glasbauer Scherben bringen nicht nur Glück, für Klaus Hirschfeld bringen sie auch Geld. Der 58-Jährige repariert als Glasapparatebauer an der TU Dortmund Reagenzgläser, Erlenmeyerkolben und vieles mehr. tEXtJULIA KNÜBEL, HANNAH SANDERS FotoFLORIAN HÜCKELHEIM

Schutzkleidung ist für Klaus Hirschfeld unerlässlich. Wichtigstes Utensil: Die Schutzbrille. Sie filtert das Licht des Gasbrenners. So blenden die Strahlen nicht und er sieht genau, wie sich das Werkstück verformt.

Ein herkömmliches Trinkglas wird bei 300° Celsius hergestellt. Klaus Hirschfeld erhitzt das Material dagegen auf bis zu 1000° Celsius. Da Glas ein schlechter Wärmeleiter ist, benötigt er keine Sicherheitshandschuhe.

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Einen krisensicheren Job solle er sich aussuchen, bläuten seine Eltern ihm ein. Gesagt – getan: 1969 begann Hirschfeld seine Lehre als Glasapparatebauer an der TU. Seit zwei Jahren leitet er sogar die Werkstatt.


Sag mal, Prof Machen Ab-und-zu-Drogen schon süchtig? protokollAnnika Koenig FotOsannika koenig, ManWALK / PIXELIo.de MONTAGETimo Spiess

Lara Eckstein studiert an der TU Dortmund und trinkt gern mal ein Bier. Warum man auch da vorsichtig sein sollte, erklärt Prof. Dr. Udo Bonnet von der Uni Duisburg-Essen.

mer entwickelt. Dort bildet sich die Persönlichkeit. Dieser Prozess ist mit 25 Jahren sehr weit, aber noch nicht komplett abgeschlossen.

Ja, wenn man entsprechend veranlagt ist und wenn Leute Probleme haben, die sie mit Suchtstoffen lösen wollen, wie Ängste, Unruhe, Schlafstörungen oder sehr schlechte Laune. Die meisten werden dann kontakt- und risikofreudiger und machen Sachen, die sie sich vorher nicht getraut hätten. Dieses gute Gefühl ist eine Momentaufnahme. Das nächste Mal ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass bei der gleichen Dosis einer Substanz der Effekt gleich gut bleibt.

Man könnte sagen, dass der Rausch zum Menschen gehört. Wo viel Gehirn ist, ist auch Rausch. Viele Künstler waren süchtig, wie zum Beispiel der Schriftsteller Charles Baudelaire. Man muss aber die Kontrolle über das Verhältnis behalten. Denn die Sucht merkt man erst, wenn die Droge Macht über einen hat. Bier und Cocktail am Wochenende sind kontrollierter Konsum, trotzdem ist man gefährdet abzurutschen.

Die psychische Abhängigkeit geht verdammt schnell. Wir alle haben Belohnungssysteme im Kopf. Das kann ein Erfolgserlebnis in der Uni sein oder der erste Kuss. Diese Erlebnisse bleiben positiv in Erinnerung. Drogen sind Ersatzstoffe, die dieses System direkt auslösen, das nennt man dann Rauschzustand. Wenn das Gehirn merkt, dass mit Drogen positive Gefühle einfacher zu erreichen sind, ist die Sucht da.

Außerdem gibt es bei Drogen einen Trugschluss: Man meint, sie könnten einem helfen, etwa beim Lernen oder Feiern. Dabei hat man eigentlich irgendwo anders eine schlimmere Baustelle. Wenn man einmal süchtig ist nach einer Substanz, wird man sein ganzes Leben lang süchtig sein. Der physische Entzug geht schnell, bei Cannabis und Alkohol dauert er drei Wochen. Aber der psychische Entzug dauert ein Leben lang und nimmt nur langsam an Kraft ab.

Bei den Studenten sind vor allem „Club-Drugs“ in, Drogen zum Rauchen oder durch die Nase ziehen. Cannabis ist die meist konsumierte illegale Droge. Im Studium nimmt der Gebrauch bei vielen zu, das ist so eine Art Abenteuer-Zeit. Bei regelmäßigem Alkohol- und Zigarettengebrauch treten Folgeschäden auf: Nach 20, 30 Jahren hat man Probleme. Beim Alkohol geht das noch schneller: Die Nerven-Enden leiden und die Konzentration nimmt ab. Die Hauptgefahr ist bei allen Drogen, dass sich das Frontalhirn langsa-

Was wolltest du schon immer wissen? Mail es uns an gutefrage@pflichtlektuere.com Die besten Fragen lassen wir von Experten im Heft beantworten. 09

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NC-Wahnsinn Roulette, Poker und Black Jack sind beliebte Kasinospiele. Doch auch die Studien- und Seminarplatzvergabe in den Germanistischen Instituten der Ruhr-Unis gleicht immer mehr einem Glücksspiel. TEXTCHristina Schönberger FotosChristina Schönberger, Lena Kalmer, Matthias Wiesel, Lara Enste, Adriane Palka

Allein an der Ruhr-Universität Bochum konkurrieren 6000 Bewerber um gerade einmal 230 Studienplätze im Fachbereich Germanistik – die Vergabe gleicht einem Glücksspiel.

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Das nächste Los gewinnt bestimmt. Oder das übernächste. Oder das überübernächste. So auch bei Sharou Ebers. Sie studiert im ersten Semester Germanistik an der Ruhr-Universität Bochum (RUB). Ihren Studienplatz hat sie erst in der vierten Runde des Nachrückverfahrens bekommen. Mehr als 6000 Bewerber konkurrierten um 230 Plätze. Die Folge: Die Uni setzte den NC auf 1,3 herauf. Für Sharou ist das nicht nur ein persönliches, sondern vor allem auch ein gesellschaftliches Problem: „Heute muss man Abitur haben, bestenfalls sollte man noch studieren. Ich glaube, es würde anders laufen, wenn ein Studium nicht zur Standardausbildung geworden wäre.“ Weil ihr Abiturdurchschnitt mit 2,5 nicht gut genug war, konnte Sharou erst Ende Oktober, zwei Wochen nach Vorlesungsbeginn, mit ihrem Studium beginnen. In einer ähnlichen Situation war auch Alessa Sottik. Mit einem Schnitt von 2,2 hatte sie ebenfalls keine Chance, einen der begehrten Studienplätze in Bochum zu bekommen und verpasste dadurch einen Teil der Orientierungsveranstaltungen. „Reinzukommen war fast unmöglich, wenn man keinen 1-Komma-Schnitt hatte“, sagt Alessa. Die Mitarbeiter des Instituts bekommen zwar vom Studierendensekretariat Hinweise über die Bewerbungslage, eingreifen können sie aber nicht. Berndt Volkmann, Geschäftsführer des Germanistischen Instituts an der Ruhr-Uni, hat die Situation so erlebt: „Wir schauten zum einen gequält und fasziniert auf eine sehr hohe Zahl von Bewerbern und zum anderen auf die Ergebnisse des Studierendensekretariats: Zugangsvoraussetzung entweder ein NC von 1,3 oder 2,2 mit drei Semestern Wartezeit.“ Sharou Ebers konnte mit Abinote 2,5 das Germanistikstudium erst verspätet beginnen.

Zulassung als Glücksspiel Grundsätzlich ist es für die Germanistik der Ruhr-Uni nicht neu, dass die Nachfrage weit höher ist als das Angebot, 6000 Bewerber sind dennoch doppelt so viele wie in den Semestern zuvor. Regelmäßig werden deshalb mehr Studierende zugelassen, als Plätze vorhanden sind. Diese Überbuchung gleicht einem Glücksspiel: Niemand kann vorhersagen, wie viele der Zugelassenen sich tatsächlich einschreiben. Trotzdem konnten an der Ruhr-Uni bisher mit einer Überbuchung von 50 Prozent, also der Zulassung von etwa 450 Bewerbern, die Plätze immer besetzt werden. Doch im vergangenen Herbst war das anders. Volkmann erklärt: „Es war verblüffend, als wir nach der ersten Bewerberrunde sahen, dass sich nur etwa 140 bis 170 Personen einschrieben, obwohl bereits 500 Bewerber eine Zulassung bekommen hatten.“ Das Studierendensekretariat reagierte und löste insgesamt vier Nachrückverfahren aus. Doch selbst damit konnten nicht alle Plätze besetzt werden. Nach einem Drittel des Semesters waren immer noch zehn Plätze frei. Neben dem zeitlichen und personellen Aufwand für diese Nachrückverfahren ist es für die Studierenden ebenfalls eine schwierige Situation. Unter Umständen müssen eine Wohnung gefunden und dann noch ein Umzug organisiert werden. Selbstverständlich sind in der Zwischenzeit alle Einführungsveranstaltungen bereits beendet. Diese Erfahrung hat auch Sharou gemacht: „Ich hatte keine Infoveranstaltung, ich musste alles selber machen. Die Fachschaft hat ein bisschen geholfen und mir alles erklärt. Aber Stundenpläne musste ich mir selbst zusammenstellen.“

Alessa Sottik verpasste aufgrund des Nachrückverfahrens die komplette Einführungswoche.

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An der TU Dortmund ist Schnelligkeit gefragt: Mit nahezu 200 Prozent Überlastung wird es in den Seminarräumen eng – sofern die Studenten überhaupt einen Platz bekommen.

Damit müssen seit einigen Semestern die Germanistik-Studierenden an der TU Dortmund leben, denn hier heißt es: Rien ne va plus – nichts geht mehr! Sie müssen in Vorlesungen und Seminaren teils auf dem Boden sitzen oder werden von vornherein nicht für die Veranstaltungen zugelassen. Einige stark besuchte Seminare wurden kurzerhand in Hörsäle verlegt und so praktisch zu Vorlesungen umgewandelt. Damit gehen die Vorteile einer kleineren Seminargruppe verloren. Aufgrund der höheren Anzahl der Studierenden sind die Kommunikationsmöglichkeiten mit den Dozenten eingeschränkt.

Eine Entwicklung wie in Bochum ist für alle Beteiligten frustrierend. Insbesondere ein NC von 1,3 stellt viele Bewerber von vornherein vor eine unüberwindbare Hürde. „Das sind Zustände wie im Studiengang Medizin“, sagt Berndt Volkmann. Doch eine Lösung hat er ebenfalls nicht, denn das Institut ist aufgrund seiner Größe nicht in der Lage, ein anderes Verfahren zu wählen: „Ein Auswahlverfahren für 6000 Leute ist ein riesiger Aufwand. Das ist in der kurzen Zeit zwischen Bewerbungsschluss und Semesterbeginn nicht zu leisten“. Auch wenn die ersten Semesterwochen für viele Studierende enttäuschend verlaufen sind, ist das personelle Verhältnis von Lehrenden zu Studierenden in der Germanistik der RUB entspannt. Zwar sind die Seminare mit 30 bis 50 Personen gut besucht, das Institut verfügt aber mit etwa 40 festangestellten Mitarbeitern über einen großen Personalstamm. So können die 3.500 Studierenden nahezu zufriedenstellend betreut werden. Das war jedoch nicht immer so. „Wir hatten früher höhere Studierendenzahlen. Ich kann mich mit Schrecken an ein Semester erinnern, in dem wir mit knapp 800 Erstsemestern anfangen mussten. Das haben wir auch gestemmt – aber alles hat seinen Preis“, erklärt Volkmann. Zum Beispiel übervolle Seminarräume oder streng regulierte Zulassungsverfahren für die Veranstaltungen.

Freiwillig überlastet Ute Gerhard, Professorin am Institut für Deutsche Sprache und Literatur und Prodekanin für Studium und Lehre an der TU Dortmund, erklärt: „Wir haben eine große Überlastung am Institut für Germanistik. 2010 hatten wir fast 200 Prozent Auslastung, 2011 sind es nahezu 190 Prozent.“ Dies bestätigt auch Matias Eßer aus dem Team Studienkoordination. Das Team ist seit dem Sommersemester 2010 für eine gerechte Seminarplatzvergabe in den stark besuchten Einführungsveranstaltungen wie Sprach- oder Literaturwissenschaft zuständig. Ziel für das laufenden Wintersemester: Jeder Studienanfänger soll zumindest an einer dieser Einführungsveran12

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staltungen und an einer Aufbauveranstaltung teilnehmen können. „Dieses Semester sind es extrem viele Erstis. Hinzu kommt, dass der Studiengang in Deutsch für Lehramtsstudierende mit Schulform Berufskolleg NC-frei ist. So kamen 200 Studierende mehr als angekündigt, was zu zeitweise chaotischen Verhältnissen führte“, sagt Eßer. Damit aber nicht genug: Ein weiteres Problem, das zu der hohen Auslastung führt, hängt mit den Studierenden der Rehabilitationswissenschaften zusammen. Die Studierenden müssen sich neben ihrem Kernfach zusätzlich für Germanistik oder Mathematik als Komplementfach entscheiden. „Dadurch haben wir mehr Studierende als Plätze“, sagt Ute Gerhard. „Daran können wir leider nichts ändern, weil der Studiengang Rehabilitationswissenschaften andernfalls zu wenig Studierende hätte.“ Auffällig: Das Referat für Hochschulkommunikation der TU Dortmund kann die Überlast von 100 Prozent nicht bestätigen. Insgesamt sei die Auslastung nicht höher als im Maschinenbau oder in der Wirtschafts- und Sozialwissenschaft. Doch der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der TU hat sich in den vergangenen Semestern bereits mehrfach mit diesen Problemen in der Germanistik beschäftigt. Ihm sind allerdings die Hände gebunden. „Germanistik ist ein NC-Fach, doch seit Jahren fährt dieser Fachbereich auf freiwilliger Überlast“, erklärt Johannes Blömeke, Referent für Hochschulpolitik und Lehre. Das bedeutet, dass freiwillig mehr Studierende aufgenommen werden, als aufgenommen werden müssten. Grundsätzlich begrüßt der AStA diese Einstellung, denn so wird mehr Leuten ein Studium ermöglicht. Doch momentan wird das Problem der Überlast durch den Hochschulpakt zusätzlich verschärft (Info auf Seite 14), sagt Johannes Blömeke: „Die Universitäten sind durch den Pakt gehalten, in die freiwillige Überlast zu gehen, um die Studierendenzahlen aufzufangen.“ Allerdings seien bei der Berechnung der Auslastung und der Plätze, die zusätzlich zur Verfügung gestellt werden müssen, alte Zahlen zugrunde gelegt worden. Laut AStA ist die TU auf dem Papier daher weniger überlastet als es tatsächlich der Fall ist. Hinzu kommt, dass die Hochschulpakt 2020-Gelder bisher noch nicht bereitstehen und so in diesem Semester nicht zur Entspannung der Situation beitragen konnten. Ausbaden müssen das vor allem die Studierenden.

Gequält und fasziniert zugleich von der hohen Bewerberzahl: Berndt Volkmann (RUB).

Regelstudienzeit ade Einer von ihnen ist Andreas Möser. Er studiert im fünften Semester Angewandte Sprachwissenschaften. Er hat schon länger Schwierigkeiten, seine benötigten Seminare zu bekommen: „Eigentlich habe ich seit dem dritten Semester Probleme. Da hat es angefangen, dass ich mich über das LSF für Kurse angemeldet habe, aber dann nicht zugelassen wurde oder sie im Losverfahren nicht bekommen habe.“ Gelost wird zum Beispiel, wenn die Plätze nicht über das OnlinePortal „LSF“ der TU Dortmund vergeben werden und in der ersten Sitzung zu viele Studierende erscheinen. In diesem Semester hat sich Andreas für vier Germanistik-Kurse angemeldet. Zugelassen wurde er nur für einen. Bei zwei Losverfahren hatte er Pech. Das hat für ihn Konsequenzen: „In der Regelstudienzeit zu studieren, schaffe ich auf keinen Fall. Im schlimmsten Fall muss ich zwei Semester dranhängen.“ Dabei sollte mit Einführung des Bachelor-Systems die Studienzeit eher verkürzt werden.

Ute Gerhard (TU Dortmund): „Chaotische Verhältnisse im Fachbereich Germanistik.“

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Während die Konsequenzen für Andreas eher in Frustration münden, könnte die Überfüllung für Dozenten sogar rechtliche Folgen haben. Seminarräume sind aus Versicherungsgründen nur für eine bestimmte Personenzahl zugelassen. Sind sie überfüllt, haftet das Lehrpersonal bei Unfällen - im schlimmsten Fall sogar persönlich. Doch auch Ute Gerhard sieht keine andere Möglichkeit, als mehr Studierende in den Räumen zu unterrichten als erlaubt. Diese Situation hat auch Matias Eßer erlebt: „Es gibt zum Beispiel einen Raum, der im Raumbuchungssystem mit 60 Personen geführt wird, brandschutztechnisch mit 45 und meine Einführung war mit 100 Leuten da drin.“ Durch diese Vorgaben werden die Dozenten in eine Zwickmühle gedrängt. Lassen sie mehr Studierende als erlaubt zu ihren Veranstaltungen zu, haften sie bei einem Unfall. Weisen sie viele Leute ab, ergeht es den Betroffenen wie Andreas. Und es ändert nichts an den Studierendenzahlen. Das Problem wird nur verlagert, denn die Studierenden brauchen die Seminare trotzdem.

Gerade noch vertretbar Besser sieht es für die Germanistik-Studierenden an der Universität Duisburg-Essen (UDE) aus. Insbesondere bei den Fachgermanisten (also die Nicht-Lehramtstudenten) ist die Situation entspannt. Grazyna Richter vom Dezernat Hochschulentwicklungsplanung erklärt: „Es stehen 152 Plätze zur Verfügung, davon wurden ursprünglich 153 besetzt. Einige Personen haben sich exmatrikuliert, so dass wir momentan 149 Studierende haben. “ 1087 Bewerbungen trafen an der UDE ein, etwa 50 mehr als 2010. Alle Plätze wurden im Hauptverfahren besetzt. „Das Studierendensekretariat hat das Verfahren und die Überbuchungsquoten gut im Griff“, so Richter.

Kümmert sich um eine gerechte Studienplatzvergabe an der TU Dortmund: Matias Eßer.

Die Lehramtsstudiengänge mit Germanistik-Anteil sind hingegen stark ausgelastet – wenn auch nicht so gravierend wie in Dortmund. Die Auslastung an der UDE liegt bei etwa 137 Prozent. „Das ist gerade noch vertretbar“, sagt Hermann Cölfen, Kustos der Germanistik und Prodekan der Fakultät für Geisteswissenschaften. Ähnlich wie in Bochum gab es einige Nachrückverfahren, sodass bis Ende Dezember noch Studierende zugelassen wurden. „Das ist ein Angebot zum Zocken“, bekennt Cölfen. Denn die Studierenden müssen sich entscheiden, ob sie den Platz so spät noch annehmen, um dann gegebenenfalls ein Semester länger zu studieren. Denn die Seminare sind längst voll und die erlaubten Fehlzeiten bereits überschritten. Deswegen werden zusätzlich sechs Blockseminare für Nachrücker angeboten. Damit können laut Cölfen etwa 70 Prozent der benötigten Semesterwochenstunden aufgefangen werden.

Zentrale Verteilung Doch lässt sich die Lage an den Ruhr-Universitäten verbessern? Alle Probleme entspringen der gleichen Quelle: Dem Ansturm der Studenten. Im Institut für Deutsche Sprache und Literatur an der TU hofft man, der Überlastung zumindest vorübergehend mit Mitteln aus dem Hochschulpakt 2020 Herr zu werden. Damit könnten zumindest befristete Dozenten-Stellen geschaffen werden – das würde zunächst helfen. Eine weitere Möglichkeit wäre, die Vergabe örtlich zulassungsbeschränkter Studienplätze deutschlandweit zu zentrali-

Weil er keinen Platz mehr im Seminar bekam, muss Andreas Möser länger studieren.

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Ein ungewohntes Bild: Freie Plätze, wie hier in einem Hörsaal an der TU Dortmund, sind eher die Ausnahme.

sieren. Mit einem solchen Verfahren beschäftigt sich die Stiftung für Hochschulzulassung, die Nachfolgeeinrichtung der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS). Auch Ute Gerhard glaubt, dass eine zentrale Verteilung nützlich wäre und so zumindest das Pokerspiel der Überbuchung bei den Zulassungen beendet werden könnte. Doch selbst wenn die Vergabe über die Stiftung flächendeckend für alle zulassungsbeschränkten Fächer möglich wäre, wären nicht alle Probleme vom Tisch. „Durch das neue System der Hochschulzulassung werden keine zusätzlichen Studienplätze und Kapazitäten geschaffen, sondern vermutlich nur die Verteilung der Studieninteressierten auf die Hochschulen verbessert“, sagt Josef König, Leiter der Pressestelle an der Ruhr-Uni.

Der Hochschulpakt: Im Rahmen des Hochschulpakts 2020 werden den Ländern om Bund Mittel zur Verfügung gestellt. Welche Angebote an Hochschulen ausgebaut werden, vereinbaren diese direkt mit der Landesregierung. 2011 haben die Länder für den Ausbau der Studienangebote rund 600 Millionen Euro erhalten, 2012 werden es etwa 1,1 Milliarden Euro sein. Insgesamt fließen von 2011 bis 2015 zwischen 4,7 und 4,9 Milliarden Euro. Mit diesem Geld sollen in diesen vier Jahren bis zu 335.000 zusätzliche Studienplätze geschaffen werden. Bund und Länder gehen davon aus, dass pro zusätzlichem Studienanfänger 26.000 Euro zur Qualitätsverbesserung der Lehre nötig sind. Dieser Betrag wird zur Hälfte vom Bund getragen, die Länder sollen dann die Gesamtfinanzierung sicherstellen.

Und auch Studierenden wie Sharou oder Andreas wird damit kurzfristig nicht geholfen, denn das Problem der steigenden Bewerber- und Studierendenzahlen und begrenzten Kapazitäten der Universitäten bleibt bestehen. Vielleicht wird sich die Situation im kommenden Semester verbessern. Dann werden die Karten im Hochschul-Pokerspiel neu gemischt. Momentan bleibt den Studierenden nichts anderes übrig, als mit den Umständen zu leben und darauf zu hoffen irgendwie den Jackpot zu knacken.

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Nachgereicht pflichtlektüre bleibt dran: Updates zu zwei Themen unserer Dezember-Ausgabe. An der Uni DuisburgEssen wird weiter gestritten, Studenten können seit dem 1. Januar mehr Werbungskosten absetzen. TEXTDominik MErcks, Christina Wilkes

Schrecken ohne Ende

Auszählung der Stimmen unmöglich machte. Erst nachdem die Polizei ausgerückt war, einigten sich die StuPa-Fraktionen darauf, die Urne bis zu einer endgültigen Entscheidung beim Anwalt des AStA zu deponieren.

Zum Artikel „Endstation Gerichtssaal“ in der Dezember-Ausgabe.

Endstation Gerichtssaal Das Chaos geht weiter. Im Dezember berichtete die pflichlektüre über die Korruptionsvorwürfe rund um Mitglieder des AStA an der Uni Duisburg-Essen. Inzwischen ist klar: Auch bei der Neuwahl des Studierendenparlaments (StuPa) Ende November gab es Probleme. So stellte der AStA beim Verwaltungsgericht Gelsenkirchen den Antrag, die Wahlen für unzulässig zu erklären und abzubrechen; der Antrag wurde abgewiesen. Die Juso-Hochschulgruppe wirft AStA-Chef Jens Eißmann vor, er habe „wirklich alles versucht, um die Wahlen zu verhindern“. Eißmann selbst äußerte sich gegenüber der pflichtlektüre nicht zu den Vorwürfen. Für weiteres Chaos sorgte die Entwendung einer Wahlurne durch ein AStA-Mitglied, die eine An der Uni Duisburg-Essen herrscht weiter Chaos: Der Allgemeine Studierendenauschuss verklagt Rektorat und Kanzler. Zusätzlich ermittelt die Staatsanwaltschaft Essen gegen Mitglieder der Studentenvertretung. Der Vorwurf: Korruption und Veruntreuung von Studentengeldern. TexTJULIA KnübeL, HAnnAH SAnderS FoTosFLOrIAn HüCKeLHeIM

sollte die zerstrittenen Parteien an einen Tisch bringen, um einen Wahltermin auszuhandeln. „Die Diskussionsrunden waren sehr konstruktiv, alle sind der Einladung gefolgt“, erklärt Thunemeyer. Für November stand dann der Wahltermin fest.

Das Chaos um das Studierendenparlament (StuPa) an der Universität Duisburg-Essen (UDE) verschärft sich. Es handelt sich dabei nicht mehr nur um Meinungsverschiedenheiten. Die Konflikte haben sich zu juristischen Auseinandersetzungen entwickelt. Was war passiert? Im StuPa Duisburg-Essen gibt es seit mehr als einem Jahr Probleme. Wie die pflichtlektüre berichtete, blockierten Streitigkeiten zwischen den Fraktionen die Arbeit der Studentenvertreter.

In den folgenden Monaten spitzte sich die Lage erneut zu: Der Streit wanderte vor Gericht. Da ist die Klage des AStA gegen den Kanzler: Ausgangspunkt sind die Genehmigungen einiger StuPaSitzungen. Sowohl Opposition als auch Regierung nahmen Abweichungen von der Geschäftsordnung und der Satzungsordnung häufig zum Anlass, Sitzungen für ungültig zu erklären.

Wie die Sitzungsprotokolle zeigen, endeten die Diskussionen regelmäßig in Beschimpfungen: „Nur weil der B. noch keine Frau angefasst hat, darf er ihr doch nicht das Wort verbieten“ oder auch „L. hält C.s Demokratieverständnis für pervers und empfiehlt ihm, in einen diktatorischen Staat zu ziehen.“ Das Arbeitsklima war vergiftet. Schließlich musste sogar der Wahltermin verschoben werden. In dieser Situation wandte sich der Vorsitz des Allgemeinen Studierendenauschusses (AStA) an die Hochschulleitung.

Entscheidend ist: Nach einer Frist von 61 Tagen ohne gültige StuPaSitzung muss sich das Parlament auflösen und Neuwahlen durchführen. Dazu wäre es bereits gekommen, ginge es nach dem Willen von AStA-Chef Jens Eißmann. Dieser hatte die StuPa-Sitzungen von Mai bis August aufgrund solcher formaler Fehler angefochten. So hätte das StuPa die vorgeschriebene Zeitspanne von 61 Tagen überschritten und hätte nur noch die Neuwahlen vorbereiten dürfen.

Als Dr. Bernd Thunemeyer, der Vertreter der Hochschulleitung, davon hörte, konnte er sich ein Lachen nicht verkneifen. Aber das StuPa kam erst Studentenvertreter, die Stimmen aus dem Untergrund: das Sumpfgeist-Schreiben. das Rektorat um Hilfe gar nicht dazu zu tagen. bitten müssen? „Früher Denn auf die Klage hin, wandte sich StuPa-Präsident Felix Hesse per E-Mail an die Hochwäre das undenkbar gewesen.“ Er war zu seiner Studienzeit selbst schulleitung. Hesse, als Jungsozialist Mitglied der parlamentarischen in Fachschaftsgremien aktiv. „Wir hatten ähnliche Konflikte. Aber Opposition, bat den Kanzler um eine Stellungnahme zu den Beanwir mussten nicht das Rektorat in Anspruch nehmen. Da muss man standungen. Vom Kanzler erhielt er folgende Rückmeldung: „Nach mal miteinander reden.“ Das fand auch UDE-Rektor Prof. Ulrich Radtke, der Thunemeyer im Mai 2011 zum Moderator berief. Er Prüfung der uns bekannten Einwendungen teile ich Ihnen mit, dass 10

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Auch die Hochschulleitung der Uni Duisburg-Essen befasst sich weiter mit dem AStA: Sie will Boris Schön, den Finanzreferenten des AStA, aus dem Amt werfen. Die Begründung: Schön sei bei seiner Wahl im August 2010 nicht mehr an der Uni eingeschrieben gewesen, das widerspreche dem Hochschulgesetz. Die Staatsanwaltschaft Essen ermittelt weiter gegen AStA-Mitglieder, die in einem anonymen Schreiben der Korruption und der Veruntreuung von Studentengeldern bezichtigt wurden. Nach Informationen der pflichtlektüre ist Boris Schön einer der Hauptbeschuldigten.

Schatz im Blätterwald Gute Nachrichten für Studenten: Das Kindergeld fließt ab 2012 unabhängig von allen Nebenverdiensten bis zum 25. Lebensjahr. Doch nicht überall können Studenten

Änderungen beim BaföG

sorglos einen Nebenjob annehmen. Survival-Training im Finanz-Dschungel. TEXTChristina Wilkes, ann-kristin herbst FoToSFlorian hüCkelheim

Zum Artikel „Schatz im Blätterwald“ in der Dezember-Ausgabe. In der Dezemberausgabe berichtete die pflichtlektüre über Dinge, die Studenten bei einem Nebenjob im Studium beachten müssen. Dabei ging es auch um Regelungen zum BaföG. Nach Redaktionsschluss hat sich hier noch eine Änderung ergeben – und zwar zu Gunsten der Studenten. Die in dem Rechenbeispiel erwähnte Pauschale für Werbungskosten von 920 Euro hat sich auf Grund eines Gesetzes zur Steuervereinfachung zum 1. Januar auf 1000 Euro erhöht. Damit können sich Studenten jetzt mehr Dinge, die sie für ihr Studium anschaffen, anrechnen lassen, ohne dass es zu Kürzungen beim BaföG-Satz kommt.

Heute mache ich mir einen Antrag - aber wie?

Dieser Behördengang ist bares Geld wert: Wer sich mit den Sachbearbeitern im Bafög-Amt auseinandersetzt und durch notwendige Formulare quält, dem winken bis zu 670 Euro monatlich. Das nämlich ist der Bafög-Höchstsatz. Doch um den zu bekommen, müssen sich Studenten durch den Bürokratie-Dschungel der BafögÄmter quälen. Und vor allem Geduld haben: Die Bearbeitung der Anträge dauert oft sehr lange. Anträge sind beim Bafög-Amt und auch online (zum Beispiel auf den Seiten der Studentenwerke) erhältlich. Grundsätzlich werden jedoch nur Studenten gefördert, die Vollzeit studieren. Das muss auf dem Bafög-Antrag auch so angekreuzt werden. Wie Vollzeit genau definiert wird, bleibt jedem Studenten grundsätzlich selbst überlassen. Einzige Regelung: Bis zum vierten Fachsemester hinterfragt das Studentenwerk die An-

gaben nicht, sagt Wilfried Blattgerste vom Studentenwerk Dortmund. Danach müssen Leistungsnachweise vorgelegt werden. Damit das Bafög-Amt einen Förderantrag absegnet, darf jeder Student im Monat durchschnittlich nicht mehr als 400 Euro verdienen. „Durchschnittlich“ deshalb, weil das Studentenwerk nicht auf das Monatseinkommen, sondern auf das Gesamteinkommen im so genannten Bewilligungszeitraum achtet – in der Regel zwei Semester (zwölf Monate). Innerhalb dieses Zeitraums darf ein Student maximal 4800 Euro verdienen – 400 Euro pro Monat. Ob das Einkommen allerdings tatsächlich über zwölf Monate verteilt oder innerhalb von zwei Monaten in den Semesterferien verdient wird, ist dem Bafög-Amt egal. Wichtig: Hat der Student zum 19 job

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Auf der Piste Special Operations: Jana Venten ist Skilehrerin – mitten im Ruhrgebiet. TextLara Enste FotoFlorian Hückelheim

Immer wieder angestrahlt wird er vom grellen Licht einer Werbetafel, GutscheinAngebote und Werbung flimmern über den Schnee flimmern. Im Hintergrund spielt Peter Wackels „Joana“, hinter den Scheiben des Cafés sitzen die Eltern der Kinder im Warmen. Bunte Ringe, Matten und die Figur „Schneeleo“ helfen den Kleinen, bald sicher auf den Brettern zu stehen.

Immer schneller wird der kleine Junge. Wacklig rutscht er auf seinen Skiern den Berg hinunter. Jana sieht es kommen: Schon auf halber Strecke fällt der Kleine in den Schnee. Mit zwei Schritten ist Jana da und hebt den Vierjährigen auf. „Das war schon gut, Moritz. Aber die Pizza musst du noch doller machen“. Damit meint sie das Bremsen, bei dem man die Skier in V-Stellung bringt. Für die Kinder: Wie ein Stück Pizza eben. Jana Venten bringt Kindern und Erwachsenen, Holländern und Deutschen, das Skifahren bei – in einer Halle im Ruhrgebiet.

Jana kommt auf der Piste ins Schwitzen. Es braucht schon eine gute Kondition, immer wieder Kinder aufzufangen und teilweise den Hang hochzuschieben. Jana ist trotzdem immer geduldig – und ausdauernd: „Dabei bin ich eigentlich gar nicht sportlich“, sagt Jana lachend. Ski fährt sie aber seit sie drei ist.

Bei fünf Grad unter Null arbeitet Jana hier ein bis zwei Mal in der Woche. Pro Stunde verdient sie elf Euro. Die 21-jährige Oberhausenerin studiert in Essen Wirtschaftspädagogik im fünften Semester. Die „Zwergerl“, einen Anfängerkurs für Drei- bis Sechsjährige, übernimmt Jana jede Woche: „Ich liebe einfach Kinder.“ Jana arbeitet seit drei Jahren als Skilehrerin und hat mittlerweile offiziell die Grundstufe beim deutschen Skilehrerverband bestanden. Für die Kinder braucht es aber noch ganz andere Fähigkeit: Jana erklärt, klopft Schnee ab, trocknet Tränen, begleitet aufs Klo und lobt ihre Kursteilnehmer. Eingegrenzt von bunten Auffangnetzen ist auf dem ersten flachen Stück der Skihalle der Kinderbereich.

Während ihrer Arbeit begleitet sie ein Geräusch permanent: „Da ist so ein holländisches Gemurmel in der Halle“, sagt sie lächelnd. Viele Gäste der Skihalle kommen für einen ganzen Tag aus den Niederlanden – oft inklusive Trinken und Feiern. Aber auch an ihren Kursen nehmen die Niederländer teil – kein Problem für Jana: „Die wichtigsten Wörter wie „bremsen“ – das heißt „remmen“ – lernt man schnell, und Humor haben die eigentlich alle“, erzählt Jana. Auch kulinarisch hat sie sich angepasst. Am Buffet ist ihr Standardgericht Frikandel mit Pommes.

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2037 Ängste und Sorgen, Träume und Hoffnungen – sie sind der Stoff von heute für unsere Welt von morgen. Wir wagen einen Blick in die Jobwelt der Zukunft. In eine Welt voller Gefahren für unser Privat- und Familienleben. TEXTTimo Baudzus IllustrationenMichael Szyszka

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Die Zeit ist knapp, aber es muss sein. Informationen sind die Währung deiner Welt. Mit einer flüchtigen Handbewegung wischst du über die Oberfläche deines Badezimmerspiegels. Die Schlagzeilen des Tages flimmern dir entgegen, die Wettervorhersage im stylishen Design. Der Voice-Stream deines Smartphones meldet, dass das 3D-Meeting mit den Chinesen in einer halben Stunde beginnt. Beeilung, der Arbeitsraum in der Business-Lounge ist gebucht. Aber wo sind die verdammten Neuro-Pillen? Die brauchst du heute Nachmittag dringend fürs E-Learning. Kaffee war gestern... Gestern. Die vergangenen 25 Jahre fühlen sich an, als wären sie erst gestern gewesen. Ging alles so schnell. Sollte 2012 nicht die Welt untergehen? Egal, keine Zeit jetzt. Du musst dein Elektro-Shuttle kriegen. Noch schnell einen Power-Snack für unterwegs einpacken und schon geht´s los, der Tag beginnt. Ein ganz normaler Arbeitstag im Jahr 2037.

Massenproduktionen werden ins kostengünstigere Ausland verlagert. Auch der Übergang zur Wissensgesellschaft ist bereits weit fortgeschritten. Der Hamburger Bildungsforscher Peter Struck kündigt an, dass sich in Zukunft das weltweite Wissen verdoppelt – und zwar alle fünf Jahre. Die Kompetenz, sich neues Wissen zu erschließen und anzueignen, wird folglich immer wichtiger, um Schritt zu halten. Diese Tendenzen verursachen einen grundlegenden Wandel der Arbeitsverhältnisse: den Trend zu immer mehr Freiberuflichkeit quer durch alle Branchen. Geregelte Arbeitszeiten und feste Einkommen werden abgelöst von zunehmend zeitlich befristeten Arbeitsengagements mit flexibler Vergütung. Diese Entwicklung bestätigt auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB). Die DGB-Bezirksjugendsekretärin Anke Unger sieht Befristungen, Projektstellen und freie Mitarbeit im Aufwind. „Es wird immer schwieriger eine Festanstellung zu finden“, sagt Unger (siehe auch Interview auf Seite 22). Für den modernen Arbeitnehmer der Zukunft bedeutet das vor allem eins: Er wird auf verschiedenen Baustellen gefordert sein. Zum einen

Keine Science-Fiction Sie scheint weit weg zu sein, diese Welt. 25 Jahre liegen noch vor dir bis ins Jahr 2037. Eine ferne Zukunft, die heute noch gar nicht greifbar scheint. Wer weiß schon präzise, was in einem Jahr oder in einem Monat sein wird? Für manchen ist eine Prognose für den nächsten Tag schon ein gewagtes Unterfangen. Und dennoch lohnt sich das Wagnis, der Blick in die Glaskugel. Denn eines steht unumstößlich fest: Zeit ist das kurzlebigste Gut der Welt. Alles ist in Bewegung, alles im Wandel. Der Student von heute ist der Berufseinsteiger von morgen und der Mittvierziger von übermorgen. Ehe du dich versiehst, stehst du im Mittelfeld deiner Erwerbsbiografie. Wie diese „Welt von Morgen“ aussehen könnte, ist keinesfalls Science-Fiction oder gar wilde Spekulation. Bereits das Hier und Heute gibt Anhaltspunkte, wohin die Reise geht. Die Vorzeichen sind dabei nicht nur positiv – besonders die Balance zwischen Arbeit und Freizeit steht auf dem Spiel. Wer sich zukünftig noch auf die sicheren Strukturen einer Festanstellung verlässt, dem könnte ein böses Erwachen bevorstehen. Der klassische Angestellte ist ein Auslaufmodell, der auf einem zunehmend flexiblen Arbeitsmarkt immer mehr ins Hintertreffen gerät. Ursache dafür: Wettbewerbsund Kostendruck. Die Wirtschaft wird immer härter, der Kampf um Gewinne und Renditen verschärft sich – mit weitreichenden Folgen für unsere gesamte Gesellschaft. So prognostiziert die Trendforscherin Birgit Gebhardt in ihrem Buch „2037 – Unser Alltag in der Zukunft“ einen grundlegenden Wandel unserer gesellschaftlichen Strukturen. „Wir werden uns immer mehr zu einer Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft entwickeln“, sagt die Geschäftsführerin des Trendbüros Hamburg und beruft sich dabei auf Prognosen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Schon heute sind in Deutschland knapp 75 Prozent aller Jobs im Dienstleistungssektor zu finden – Tendenz steigend. In der Industrie hingegen gehen künftig immer mehr Jobs verloren. 19 job


muss er sich ständig im Wettbewerb um Projekte und Engagements behaupten, zum anderen muss er ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Freizeit und Berufsleben organisieren.

So angenehm die neue Freiheit auf den ersten Blick auch erscheinen mag, sie hat ihren Preis: Die Grenzen zwischen Arbeitszeit und Privatleben verschwimmen immer mehr. Ständige Verfügbarkeit gepaart mit der Möglichkeit, überall arbeiten zu können, bedeutet auch mehr Selbstverantwortung und Disziplin, sich Ruhepausen und Entspannung zu gönnen. Gar nicht so einfach, denn die Entgrenzung von Arbeit birgt noch eine weitere Gefahr. „Dadurch wird der Arbeitsmarkt potenziell immer internationaler“, sagt Oliver Marohn. Arbeitsteams sind nicht mehr an einen gemeinsamen Standort gebunden, die Technik ersetzt den persönlichen Kontakt. Denn: Für Clouds, also Daten-Netzwerke für definierte Nutzergruppen, existieren keine Landesgrenzen. Für Unternehmen wird es künftig möglich sein, sich ihre Teams aus internationalen Karrierenetzwerken zusammenzustellen. Die Globalisierung des Arbeitsmarktes bedeutet für den „Arbeitskraftunternehmer“ der Zukunft aber vor allem eins: mehr Konkurrenz.

„Anytime, anywhere“ Eine schwierige Angelegenheit, denn feste Arbeitszeiten werden für viele Hochschulabsolventen zur Ausnahme. „Feierabend, Wochenende und Urlaub werden sich den Anforderungen der jeweiligen Arbeitsengagements unterordnen“, sagt Trendforscherin Gebhardt. Befeuert wird das Ganze zudem durch technische Innovationen, denn in der Zukunft wird es verstärkt möglich sein, immer und überall zu arbeiten. „Anytime, anywhere“ ist das Motto. Oliver Marohn, Leiter der Softwareentwicklung der Gesellschaft für Informationsverarbeitung der Industrie- und Handelskammer (IHK-GfI), sieht vor allem das Internet als Treiber dieser Entwicklung. „Virtuelle Chaträume mit 3D-Videotechnologie könnten persönliche Meetings ersetzen, die heute in der Projektarbeit noch oftmals notwendig sind“, erklärt Marohn. „Damit wird verteiltes Arbeiten einfacher, weil die Kommunikationshürden sinken.“

Also gilt die Devise: Bloß nicht den Anschluss verlieren! Der Druck, der von so einer Leistungsgesellschaft ausgeht, ist hoch. Die Anforderungen an jeden einzelnen steigen. Das Prinzip des „American Dream“ wird anscheinend auch in Deutschland zur Maxime. Positiv formuliert kann das heißen: Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. „Fressen oder gefressen werden“ ist die zweite Interpretationsmöglichkeit. Negative Trends wie die Einnahme von Psychopharmaka für bessere Leistungen oder Schönheitschirurgie zur Steigerung von Jobchancen sprechen eher für die zweite Sichtweise. Und gerade diese Entwicklungen sind schon weit fortgeschritten: So fand das Wirtschaftsmagazin „Brand Eins” heraus, dass aktuell bereits 26 Prozent der Deutschen die Einnahme von leistungssteigernden Medikamenten während der Arbeitszeit vertretbar finden. Und eine TNS-Infratest-Umfrage aus 2008 ergab, dass 90 Prozent aller Männer körperliche Attraktivität als Karriereturbo einschätzen. Dazu passend: 2010 war bereits jeder fünfte Patient einer Schönheits-OP männlich. Gegenüber den 90er Jahren hat sich diese Zahl verfünffacht. Nur das soziale Netzwerk wird für den beruflichen Aufstieg mit 93 Prozent noch höher bewertet. Super Leistungen, beste Kontakte, tolles Aussehen – gut möglich, dass künftige Karrieren bald nur noch in dieser Kombination möglich sind.

Die K-Frage Allerdings sind nicht alle Zukunftsszenarien negativ. Trendforscherin Gebhardt beschreibt auch positive Seiten der zukünftigen Jobwelt. So werden sich Unternehmen wahrscheinlich verstärkt um die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter kümmern. Kinderhorte oder Pflegezentren für Angehörige seien ebenso denkbar wie betriebseigene Fitnesscenter für die zunehmend alternde Belegschaft, wie beispielsweise die BMW Group sie schon heute anbietet. Besonders wichtig wird jedoch die Kinderbetreuung, denn eine flexible Arbeitswelt fordert auch eine flexible Betreuung. Die erste Hürde für die Kinderfrage liegt allerdings weit höher. „66 Prozent der Deutschen unter 45 Jahren halten es für unabdingbar, dass wenigstens einer der Partner in einer beruflich gesicherten Position ist, bevor man über Nachwuchs spricht“, erläutert Gebhardt in ihrem Buch. 20 job


Ein sicheres Einkommen und ein sicherer Arbeitsplatz sind also wichtige Kriterien bei der Entscheidung für oder gegen Kinder. Der immer flexibler werdende Arbeitsmarkt wird folglich nicht dazu beitragen, die deutschen Geburtenraten zu beflügeln. Auch Anke Unger vom DGB ist sich dessen bewusst. Für die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie sei noch zu wenig gekämpft worden, sagt die Gewerkschafterin. „Gesellschaftliche Fragen wie Work-Life-Balance müssen geklärt werden“, so Unger. „Familie und Beruf“ sei ein wichtiges Zukunftsthema. Hartmut Hirsch-Kreinsen teilt diese Ansicht. Der Professor für Arbeits- und Industriesoziologie der TU Dortmund sieht großes Wachstumspotenzial in den Bereichen Pflege, Bildung und Gesundheit. Der These, dass sich Deutschland zu einer Dienstleistungsgesellschaft mit schrumpfender Industrie entwickeln wird, widerspricht er allerdings vehement. „Der Dienstleistungssektor ist in den vergangenen Jahren nur deshalb so stark gewachsen, weil viele Unternehmen interne Dienstleistungen ausgelagert haben. Außerdem ist ein großer Anteil der Dienstleistungen unmittelbar von der industriellen Produktion abhängig“, sagt der Experte. Und der Industriesektor in Deutschland sei sehr stabil und auch zukünftig nicht gefährdet. Hirsch-Kreinsen relativiert somit den Trend zur Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft. Auch eine grundsätzliche Aussage über die künftigen Strukturen des Arbeitsmarktes abzugeben, hält er für gewagt. Der Arbeitsmarkt sei viel zu groß und komplex, erklärt der Professor. Der Markt lasse sich in verschiedene Fragmente aufteilen, die sich wiederum in verschiedene Segmente unterteilen ließen. Zum Beispiel gebe es in der Medienbranche durchaus den Trend zur Freiberuflichkeit – zum Teil mit schlechter Bezahlung - allerdings treffe das nicht auf alle Branchen gleichermaßen zu. Dennoch räumt Hirsch-Kreinsen ein, dass die Gefahr des Verschwimmens von Berufs- und Privatssphäre besteht und sich in Zukunft sogar verstärken wird.

Deshalb gilt es bereits heute umsichtig zu sein. Es ist an jedem einzelnen, inne zu halten und sich zu fragen, wie die Zukunft aussehen könnte. Zu einem gewissen Grad entscheidet sie sich nämlich schon heute. Welche konkreten Veränderungen auf uns alle und jeden einzelnen zukommen, wird die Zeit zeigen. Daran mitzuwirken, dass die Ökonomie unser Privatleben nicht komplett übertüncht, liegt nicht nur im Interesse jedes einzelnen, sondern auch in eben jener Verantwortung. Jeder wird für sich selbst entscheiden müssen, wie viel Flexibilität er bereit ist, sich beruflich aufzubürden. Denn in puncto Lebensqualität wollen sich sicher die wenigsten flexibel zeigen.

Und darum dreht sich 2037 in den sporadischen Pausen in der Business-Lounge so manches Gespräch. Hinter den gelifteten Gesichtern und strahlenden Perlweißlächeln verbirgt sich bei fast jedem Verbitterung. Die Verheißungen von damals hinsichtlich Karriere, Wohlstand, Status und Glück sind mit den Berufsjahren immer mehr zur großen Illusion verpufft. Der Preis war hoch. Jeder hat ein nettes Hologramm seiner Kinder anzubieten, aber keiner einen persönlichen Draht. Wann hast du sie eigentlich zum letzten Mal persönlich gesehen? Ein Blick auf dein Smartphone: Schon wieder drei neue Updates in der Cloud. Gleich startet die E-Learning-Software. Es geht weiter, immer weiter. Du bist der Hamster, die Realität ist das Rad. Bereust du deine Entscheidungen? Müßig darüber nachzudenken. Es lässt sich jetzt eh nichts mehr ändern. Die Dinge sind, wie sie sind, die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen. 21 job


Mehr Jobs, kaum Zeit Schon heute gibt es auf dem Arbeitsmarkt Trends, die im Jahr 2037 Probleme für Arbeitnehmer bedeuten können. Anke Unger, Jugendsekretärin beim Deutschen Gewerkschaftsbund, über Arbeitsformen, Solidarität und das Image von Gewerkschaften. TEXTLara Enste FotoDGB

Frau Unger, muss ich Angst vor dem Jahr 2037 haben? Nein. Es wäre schlimm, wenn wir Angst davor hätten. Ich bin optimistisch, wir dürfen uns nur nicht entsolidarisieren, sondern müssen gucken: Was sind unsere gemeinsamen Interessen und Ziele und wie setzen wir sie durch? Wir müssen deutlich machen: Nicht nur wir brauchen euch, liebe Wirtschaft, ihr braucht uns. Im Jahr 2037 mehr denn je – und mehr als heute, denn wir werden weniger Menschen und müssen mehr gemeinsam machen.

Welche Entwicklungen zeichnen sich schon heute ab, die 2037 ernsthafte Probleme sein werden? Der Trend geht vom Normalarbeitsverhältnis – unbefristet, Vollzeit – zu anderen Formen von Arbeitsverhältnissen: Praktika, Teilzeitjobs, Befristungen, Projektstellen – gerade im Hochschulbereich ganz en vogue –, Honorarverträgen, freie Mitarbeit, Scheinselbstständigkeit, Minijob, um nur einige Varianten zu nennen. Es wird immer schwieriger, eine unbefristete Festanstellung zu finden. Also wird man eher mehrere Jobs haben: einen tagsüber, den anderen abends und dann noch freie Arbeit an Wochenenden. Sorgen mache ich mir um unser Rentensystem. Der Trend geht immer mehr zur privaten Vorsorge. Gerade das ist aber das erste, was ich nicht mehr zahle, wenn ich nicht sicher genug oder zu wenig verdiene. Und dann sitzt man da irgendwann mit 65 und muss aufstocken. Müssen wir uns auf befristete Jobs direkt nach dem Studium einstellen? Das ist leider so, diese so genannte „Prekarisierung“ ist deutlich erkennbar. Gerade bei denen, die ein Hochschulstudium machen, ist das ein großes Problem. Wir haben eine Befragung unter der „Generation Praktikum“ gemacht, gerade in gesellschafts- und geisteswissenschaftlichen Bereichen. Da lebt zum Teil eine ganze Branche von Zeitverträgen, Praktika oder Honorarkräften. Es ist zunehmend so, dass die Zeit, in der man sich von Job zu Job hangelt, länger wird. Mittlerweile sind 40 Prozent der Studenten auch fünf Jahre nach ihrem Abschluss noch in solchen prekären Arbeitsverhältnissen. Kann man dem allgemeinen Trend denn noch entgegenwirken? Ist das nicht ein bisschen altmodisch zu rufen „Alles wieder zurück auf Vollzeitstellen“? Nein, altmodisch finde ich das nicht. Meine stille Hoffnung ist ja, dass die Wirtschaft das merkt und umdenkt: Mensch, wir gehen mal weg von diesen ganzen Minijobs und Werksverträgen und stellen wieder Leute ein – das ist ja eine Qualitätssicherung. Wenn ich jemanden fest einstelle, dann ist ja die Chance größer, dass dieser Mensch bleibt. Wenn ich sehr unverbindlich bleibe, dann ist auch der Arbeitnehmer mir gegenüber unverbindlich.

Anke Unger: „Wir werden in Zukunft mehrere Jobs parallel haben.“ 22 job


Aber kann es nicht auch Vorteile haben, nicht in diesem klassischen Arbeitsmodell angestellt zu sein? Unsere Generation neigt zur Flexibiltät. Gerade wenn man jung ist, hat man meist wenig Lust, „nine to five“ im Büro zu sitzen. Man möchte vielleicht noch herausfinden, was man wirklich machen will. Aber sobald man mal in einer festen Partnerschaft ist, will man möglicherweise eine eigene Wohnung statt der WG, eine eigene Waschmaschine statt des Waschsalons, Unabhängigkeit von den Eltern, sich mal einen Urlaub leisten können – was letzten Endes zum Erwachsenenleben auch dazu gehört. Irgendwann ist die Sehnsucht da und dafür braucht man eine Basis.

nicht, welche Rechte sie dabei haben. Außerdem engagieren wir uns auf der politischen Ebene. Wir bieten verschiedene Seminare an und unterstützen studentische Initiativen. Im Rahmen der Bildungsstreiks haben wir mit vielen Studierendenvertretern zusammen gearbeitet. Wie jung und sexy ist Gewerkschaft denn heute noch? Was muss sich bis 2037 ändern? Die Gewerkschaften leben erst mal im Hier und Jetzt und sind noch nicht so visionär. Aber ein Klischee müssen wir überwinden: Jeder hat das Bild vom Gewerkschaftler mit Bauch, Schnurri und Koffer in der Hand. Das gibt’s auch noch, aber wir werden deutlich jünger und deutlich weiblicher. Wir versuchen zunehmend, die Themen der „Generation U35“ aufzugreifen und in den Fokus zu rücken. Die Gewerkschaft muss bunter werden.

Der Grundgedanke der Gewerkschaften ist die Solidarität. Wie „verkauft“ sich das mittlerweile? Das ist heute definitiv schwieriger geworden. Jeder fragt heute: Was habe ich denn davon? Was ist mein persönlicher Vorteil und Service? Daher mussten wir uns als Gewerkschaft ändern. Wir schwingen nicht mehr so diese politische Keule wie früher. Am ersten Mai ist eben nicht mehr jedes Mitglied bei der Demo. Wir müssen mehr auf Service und auf Lobbyarbeit setzen. Unter Gewerkschaften und Berufsverbänden beginnt außerdem eine Schere zu entstehen: Die Ärzte oder Piloten organisieren sich und ihre eigenen Streiks selbst. Das sehen wir kritisch, wenn sich die „upper class“ absetzt, weil sie es sich leisten kann. Wir fordern, dass wir als Belegschaft gemeinsam etwas durchsetzen. Die Putzfrau argumentiert vielleicht nicht so gut wie der Mediziner, muss aber genauso gut vertreten werden. Trotzdem zum persönlichen Nutzen: Was bieten die Gewerkschaften denn Studenten? Unser Vorstoß auf Bundesebene ist, Praktika ins Berufsbildungsgesetz mit aufzunehmen. Ein Praktikum dürfte dann für Hochschulabsolventen nicht länger als drei Monate gehen und müsste entlohnt werden. Und es ist zum Lernen da und ersetzt keine Stellen. Außerdem haben wir an zwanzig Hochschulstandorten in NRW gewerkschaftliche Büros, die „Campus Offices“, auch in Dortmund, Bochum, Essen und Duisburg. In denen bieten wir arbeitsrechtliche und sozialrechtliche Beratung an. Da tauchen ganz oft Fragen auf über Praktika, Versicherungen oder die Rechte bei 400 Euro-Jobs. Zwei Drittel der Studenten arbeiten ja nebenbei, wissen aber oft gar 23 job


Dein Job in 25 Jahren Feste Schichten oder freie Zeiteinteilung? Gesichertes Einkommen oder Leistungsboni? Wie stellt ihr euch heute euren Arbeitsplatz in 25 Jahren vor? pflichtlektuere.com hat auf dem Dortmunder Campus nachgefragt. InTErVIEWs & FoToslena ohm, leonie lauer

Timo Butzke, 23, studiert Maschinenbau „Heutzutage ist mir Sicherheit schon recht wichtig, gerade am Arbeitsmarkt stellt sich ja häufig die Frage: Behält man seinen Job oder nicht?. Freiberufler haben es heutzutage immer schwerer, Aufträge zu kriegen. Von daher will ich schon einen festen Job.“

Julia Bakunowitsch, 22, studiert Kulturwissenschaften „Also theoretisch wünsche ich mir schon einen sicheren Arbeitsplatz – gerade wenn ich zum Beispiel an Familie denke. Gleichzeitig bin ich aber erstmal bereit flexibel zu arbeiten.“

Eure Stimmen im Netz

Christian Weinert, 21, studiert Germanistik und Theologie „Jeder Job ist sicher, wenn man ihn gut macht.“

Weitere Meinungen in unserer Video-Umfrage auf: www.pflichtlektuere.com/print 24 job


Ich war jung ... ... und brauchte das Geld: Schweine reiten, Stapler fahren, Bier ausliefern – unsere Profs haben nicht schon immer in Anzug und Krawatte gearbeitet. Sechs Dozenten verraten uns, was sie von skurrilen Studi-Jobs für ihr Leben gelernt haben. TextLara Enste, Matthias Wiesel, Christina Wilkes FotosEllen Brinkmann, Florian Hückelheim, Lena Kalmer

Prof. Dr. Josef Raab (51) Anglistik (Universität Duisburg-Essen) Was habe ich gemacht? Ich habe auf dem Bauernhof meiner Eltern gearbeitet und dort alle möglichen Arbeiten übernommen – Gras zusammenrechen, Traktor fahren, Kühe melken. Wir hatten ungefähr 30 Hektar Land und die Zahl der Milchkühe stieg in den Jahren immer mehr an. 1986 hatten wir knapp 30 Kühe im Stall. Wenn dann noch die Erntezeit dazu kam, dauerte mein Arbeitstag auch mal zwölf Stunden. Was habe ich verdient? Das lag bei ungefähr 15 DM für den Tag. In den Semesterferien ist da einiges zusammengekommen. Was habe ich erlebt? Mir sind einmal die Schweine ausgebüchst. Wir mussten sie dann in den Stall zurücktreiben. Der Gang dort war zwei Meter breit. Ein Schwein dachte sich, es käme an mir wieder vorbei. Es wollte durch meine Beine fliehen, aber ich habe sie schnell geschlossen. So bin ich auf dem Schwein geritten – rückwärts. Aber ich konnte es dadurch zum Stoppen bringen! Was habe ich gelernt? Dass man nicht so schnell aufgibt und sich selbst manchmal an seine Grenzen bringt. Damals waren es körperliche Grenzen, heute sind es eher Müdigkeits-Grenzen. Aber der Gedanke „Das schaff ich jetzt noch!“ hilft mir noch heute. 25 job


Prof. Dr. Horst Pöttker (65) Journalistik (TU Dortmund) Was habe ich gemacht? Ich habe in einer Druckerei gearbeitet. Zu der Zeit müsste ich 20 oder 21 Jahre alt gewesen sein. Da habe ich die zusammengelegten Seiten für Telefonbücher aus der Rüttelmaschine geholt und anschließend auf Paletten gestapelt.

nicht sehr geschickt. Gleich am ersten Tag bin ich mit der Maschine irgendwo gegen gefahren und der ganze Salat ist zusammengebrochen und von oben herunter gekommen. Das war mir schrecklich peinlich. Ich glaube sogar, dass ich deshalb direkt gekündigt habe. Was habe ich gelernt? Ich weiß jetzt, was physische Arbeit ist. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass ich mein ganzes Leben an so einer Rüttelmaschine gestanden hätte. Dann könnte ich jetzt in meinem Alter jedenfalls nicht mehr arbeiten – als Hochschullehrer kann ich das noch. Ich habe die Universität danach als Privileg angesehen. Wichtig ist auch, dass diese ganze Geschichte in die berühmten 68er-Zeiten fiel. Nach diesem Nebenjob war ich der Meinung, dass man die Universitäten umkrempeln muss – sodass sie mehr im Interesse dieser Leute und Schichten agiert, die ich dort kennengelernt habe.

Was habe ich verdient? Ich glaube, das waren so 2,50 DM pro Stunde und das steigerte sich dann auf 2,80 DM. Was habe ich erlebt? Nach einiger Zeit wurde ich befördert und durfte Gabelstapler fahren. Dabei musste ich die Paletten mit den Seiten turmhoch stapeln. Ich fuhr durch Gänge und auf beiden Seiten ragten die Paletten mit den ganzen Papierstapeln empor. Ich hatte zwar einen normalen Führerschein, aber was die Bedienung des Gerätes anging, war ich 26 job


Prof. Dr. Matthias Sellmann (45) Pastoraltheologie (Ruhr-Universität Bochum) Was habe ich gemacht? Als Werkstudent habe ich bei Bayer in Leverkusen die Füllung für Autositze geschäumt. Ich musste dafür verschiedene Flüssigkeiten aus dem Lager holen und in Trichter füllen. Aus dieser Mischung wurden dann später die Autositze.

nicht so harmlos. Ich musste dann gleich den Werksarzt kennenlernen. Den anderen Arbeitern bin ich danach direkt auf Augenhöhe begegnet, weil sie über den bescheuerten Studenten lachen konnten. Das war ein super Gesprächseinstieg. Ich wollte zu dem Zeitpunkt noch Priester werden und da musste ich im Werk mit den anderen Arbeitern dann so viel über Sex und Frauen reden wie nie. Das war eben ein etwas rustikalerer Umgang, aber wirklich witzig.

Was habe ich verdient? Gar nicht so schlecht, die genaue Summe weiß ich nicht mehr. Aber da das im Rahmen eines Workcamps mit internationalen Studenten war, gingen die Einnahmen an andere teilnehmende Studenten aus Südamerika und Co, um deren Anreise zu finanzieren.

Was habe ich gelernt? Wie man an der Basis mit Leuten über ihren Glauben redet. Weil in der Theologie eben doch sehr große und abstrakte Worte verwendet werden, Heil zum Beispiel. Das ganz einfach zu fassen, hat mir auch ganz praktisch für meinen heutigen Beruf geholfen. Außerdem kann ich mich bis heute in kein Auto setzen, ohne darüber nachzudenken, wie die Sitze geschäumt wurden!

Was habe ich erlebt? In den ersten Wochen habe ich keine Handschuhe getragen. Ich wurde mit rotem Ausschlag und riesigen Blasen an den Handinnenflächen bestraft. Die Flüssigkeit in den Fässern war wohl doch 27 job


Prof. Dr. Walter Krämer (63)

Prof. Gottfried Müller (43)

Wirtschafts- und Sozialstatistik (TU Dortmund)

Architekturdarstellung (TU Dortmund)

Was habe ich gemacht? Für die Mainzer Aktien-Brauerei Bier ausgefahren. Unter 16 verschiedenen Jobs derjenige, an den ich am liebsten zurückdenke.

Was habe ich gemacht? Den Klassiker, Taxifahren. Und das drei Jahre lang, auch nach dem Diplom.

Was habe ich verdient? 5 bis 6 DM pro Stunde – damals Standardlohn für Studenten als Hilfskraft.

Was habe ich verdient? 10 bis 12 DM pro Stunde. Bei anderthalb Tagen Arbeit pro Woche war das im teuren München trotzdem nur ein Zuverdienst.

Was habe ich erlebt? Zwei Monate lang habe ich in den Semesterferien Mainzer Kneipen mit Bier beliefert. Morgens haben wir die Bierfässer in der Brauerei auf den Lastwagen geladen. In der Kneipe mussten wir die Fässer dann in den Keller wuchten, Aufzüge gab es ganz selten. Ich kenne also viele Mainzer Kneipen – von unten. In jeder Kneipe musste ich ein Freibier trinken, das waren bis abends 18 Stück. Aber auch der Fahrer hat 18 Bier getrunken. Er hat behauptet: Bierfahrer bauen keine Unfälle – rückblickend war das extrem riskant. Am Anfang fand ich es anstrengend, so viel Bier zu trinken. Aber am Schluss hab ich mich daran gewöhnt. Da hätte ich gerne noch weiter gearbeitet.

Was habe ich erlebt? Promis, Betrunkene und Bordelle. Zum Beispiel habe ich Gunter Sachs (Unternehmer, Fotograf und als „Playboy“ bekannt, Anm. d. Red.) durch München chauffiert, damals siebzig Jahre alt und in knallroten, engen Lederhosen. Außerdem die üblichen Storys mit betrunkenen Fahrgästen: Einer suchte im Umfeld von 500 mal 500 Metern ein Haus, fand und fand es aber nicht. Dabei steckte er mir ständig Zwanziger zu und entschuldigte sich, dabei war das für mich ja super. Auch immer wieder schön: Dreimal im Jahr gab es in einem Bordell Essen für die Taxifahrer. Die wollten ihre guten Beziehungen zu uns pflegen, wir haben denen gegen Provision ja auch Gäste gebracht. Und so saßen wir dann alle im Hinterzimmer und bekamen von einer älteren Prostituierten Leberkäse serviert.

Was habe ich gelernt? Ich habe das Leben der Leute kennengelernt, die nicht das Privileg haben, zu studieren und am Schreibtisch zu sitzen. Darunter auch die Aufgaben und Sorgen eines Kneipenwirts, früh am Morgen, wenn keine Gäste da sind.

Was habe ich gelernt? Dass Taxifahren doch nicht so ein praktischer Job ist, bei dem man viel Lesen und Lernen kann. Du hast immer den Funk im Ohr und schaffst in einer Schicht höchstens eine Zeitung. Die ewige Warterei ist viel schlimmer, als wenn ich an einem Stück arbeiten würde. 28 job


Prof. Dr. Werner Schmidt (62) Sportwissenschaft und Sportpädagogik (Universität Duisburg-Essen) Was habe ich gemacht? Fußball gespielt. Unter anderem zwei Semester lang für St. Pauli als Vertragsspieler. Anders als beim Profi-Fußball konnte ich nebenbei noch studieren. Was habe ich verdient? 400 bis 600 DM im Monat, damals relativ viel Geld, von dem ich mein Studium gut finanzieren konnte. So habe ich den Fußball im Grunde immer betrachtet – als Mittel, um mein Studium zu finanzieren. Was habe ich erlebt? In der Schüler-Nationalmannschaft war ich als einziger Gymnasiast fast in der Außenseiterrolle. Auch manche Trainer hatten Vorbehalte gegenüber Akademikern. Und als ich mal mit 18 Jahren bei Rot-Weiß Essen – damals in der Bundesliga – mittrainiert habe, wurde ich als Abiturient ziemlich komisch angeguckt. TuS Helene (wo auch Otto Rehagel herkommt) war damals der Club des Essener Arbeiterviertels. Da war ich schon gut zufrieden, wenn meine Stärken – mein absoluter Willenseinsatz und die Bereitschaft bis zum Geht-nicht-mehr zu kämpfen – honoriert wurden, obwohl ich kein Arbeiterkind war. Was habe ich gelernt? Mit Siegen und Niederlagen umzugehen. Nach einem Misserfolg hinterher ein Schüppchen drauf zu legen, immer noch ein bisschen mehr zu tun. Eine dieser persönlichen Niederlagen war meine schwere Knieverletzung. Da habe ich gemerkt, dass ich nie mehr die Stärke von vorher erreichen würde. Das hat einen kurzfristig heruntergezogen. Aber langfristig hat es meinen Willen gestärkt. Ich habe nicht mehr alles auf eine Karte gesetzt, sondern mir neue Ziele gesetzt – nach dem Motto: „Okay, Sport gehört zwar zum Leben, aber er steht nicht an erster Stelle.“ 29 job


Zombie trifft Ballerina „Komm hol das Lasso raus – wir spielen Cowboy und Indianer.“ Jedes Jahr im Karneval folgen Menschen der Einladung zum Rollenspiel. Aber auch private Mottopartys werden immer beliebter. Woher das kommt und wieso das Verkleiden gut für unsere Psyche ist. TEXTNora Sonnabend MitarbeitAlexander Greven FotosAnna Burkert

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Freitagabend – Feierabend: WG-Party bei Lilja, Henrike, Julian und Anna in Dortmund. Wenn alle vier einladen, wird es ganz schön voll. Und laut. Gläser klirren und in der Ecke am Laptop darf sich jeder sein Lieblingslied raussuchen – die Musik, die den Raum erfüllt, sie ist so unterschiedlich wie die Menschen hier. Die trinken, reden, lachen und tanzen. Ganz vorsichtig, um nicht auf ihre Kleider zu treten, bewegen sich die Damen im Raum. Die Herren fühlen sich sichtbar wohl im feinen Zwirn. Richtig in die Augen schauen kann sich hier heute Abend aber keiner: Alle Gäste tragen Masken. Auf der Einladung stand Maskenball. Denn normal gefeiert war gestern – heute ist fast jede gute Party eine Mottoparty. So gibt es Karneval das ganze Jahr über. Noch dazu in der eigenen Wohnung. Kostümierter Spaß mit den Gästen – das macht Laune.

Leben seien die nicht ganz verborgen. Inzwischen finde regelrecht eine „Karnevalisierung der Gesellschaft“ statt. Bei einem Fußballspiel Schminke im Gesicht zu haben und Fan-Artikel überzuziehen sei nichts Ungewöhnliches mehr. So schlüpfen auch jedes Frühjahr Millionen Menschen ins Kostüm. Mit „Alaaf“ und „Helau“ ziehen Clowns, Hexen, Löwen und Schornsteinfeger durch die Straßen der Karnevalshochburgen. Karneval, das ist ein Fest mit Tradition: „Die Ursprünge führen bis ins 14. Jahrhundert zurück. Da gab es in Düsseldorf zum Beispiel schon eine ,Geckengesellschaft‘, die acht Tage lang ungezwungen feierte“, sagt Peter Weber vom Düsseldorfer Haus des Karnevals. Den Karneval, wie wir ihn heutzutage kennen, den gibt es in Köln seit 1823. In Düsseldorf fand 1825 der erste Rosenmontagszug, Höhepunkt des Straßenkarnevals, statt. Frei nach dem Motto „Jeder Jeck ist anders“, ist da an Kostümen alles dabei. Dabei galt die „Mummerey“, das Verkleiden, ursprünglich genau dem gegenteiligen Zweck: „Im Mittelalter haben sich die Leute mit dem Gedanken maskiert, dass alle gleich sind“, sagt Peter Weber.

Mindestens einmal pro Semester veranstaltet die 23-jährige Anna Burkert mit ihren Freunden eine Motto-Party. Anna kennt ihre Mitbewohnerin Lilja von einem Auslandsjahr in ihrer Schulzeit. Zum 17. Geburtstag feierten sie in Neuseeland zusammen eine „A“- und „L“- Party – jeder Gast musste sich eine Verkleidung ausdenken, die mit einem der Anfangsbuchstaben der beiden beginnt. Inzwischen studieren beide Angewandte Kultur- und Literaturwissenschaften an der TU Dortmund, wohnen in einer WG. Und sie laden ihre Freunde ein, um mit ihnen zu feiern. Seit dem 17. Geburtstag nur noch auf Mottopartys.

Hier dauert die Animation länger Die Gemeinschaft und die Identifikation miteinander, das ist auch für die Mitglieder des Vereins Deutsche Bühne 1878, einer von 23 Karnevalsvereinen in Dortmund, das Wichtigste. Ja, auch im Ruhrgebiet wird Karneval gefeiert. Nicht ganz so locker wie im

Sie bitten sie darum, in Charleston-Kleidern zu kommen und Alkohol aus Teetassen zu trinken. Inspiriert vom Marilyn MonroeStreifen „Manche mögen‘s heiß“. Oder in Petticoats, um auf der 20er-Jahre-Party zu feiern. Und an Halloween darf dann die Zombiebraut den Vampirjäger kennen lernen. Bis zu 60 Leute sind zu Gast. Anna ist es völlig egal, wie sich ihr Besuch verkleidet, Hauptsache, es macht allen Spaß. Wochenlange Vorbereitung, die Suche nach den passenden Accessoires, nachmittags schon die Haare machen, schminken – all das bereitet ihr Freude: „Ich habe Fasching auch schon immer gern gehabt, ich habe mich gern verkleidet, auch Theater gespielt. Da habe ich einfach Lust drauf.“

Verwandlung des Alltags Doch woher kommt diese Lust aufs Verkleiden? „Das Verkleiden ist die Verwandlung des Alltags. Da kann in einer Kneipe, auf der Straße, in einem Wohnzimmer plötzlich eine Bühne entstehen“, sagt Wolfgang Oelsner, 62. Der Karnevalsphilosoph ist Autor des Buches „Fest der Sehnsüchte – Warum Menschen Karneval brauchen“. „Wenn ich auf einer Motto-Party bin, bin ich zwar kein anderer Mensch, aber ich spiele eine Rolle wie im Theater. Ich weiß, das ist begrenzt und nicht meine zweite Identität. Es ist eine Facette, die mal mehr im Licht stehen darf“, erklärt er. Genau deshalb verkleidet sich auch Anna so gerne: „Alles, was mal eine Ausnahme darstellt, ist gut: Endlich hat man mal die Gelegenheit, was Neues auszuprobieren.“ Wer sonst eher schüchtern ist, kann verkleidet mal die Sau rauslassen und sich so zeigen, wie ihn sonst niemand kennt. Man verstellt sich dabei aber nur bedingt, sagt Oelsner. Da kämen dann „wenig ausgeleuchtete Charaktereigenschaften“ zum Vorschein – im echten

Nachmittags schon frisieren - für Anna die richtige Vorbereitung auf den Abend.

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Rheinland vielleicht, gibt der Vorsitzende Martin Ferdinand zu: „Hier ist es ein bisschen schwieriger und es dauert etwas länger, die Menschen zu animieren. Es ist eine andere Mentalität. Wir können hier nicht so schnell auf Befehl lustig sein. Aber wenn die Veranstaltung erst einmal in Schwung kommt...“ Dann bereut auch Susanne Gössler, Trainerin des Männer- und Frauenballetts im Verein, nicht, jedes Jahr in Dortmund zu feiern, obwohl sie eine Düsseldorferin ist. Beim Tanzen in Kostümen spielt für sie das Zusammengehörigkeitsgefühl eine besonders große Rolle. Frühschoppen, Kostümball, Motto-Party: Die 22-jährige Nadine, die im wahren Leben eine Arzthelferin ist und die 27-jährige Lea, die außerhalb der bunten Welt an der RUB studiert, sind im Verein seit sie klein sind – Kostüme gehören auch für sie einfach dazu.

Dabei ist eine Mottoparty ideal zum Loslassen. Dr. Katrin Beckmann aus Gelsenkirchen sieht genau darin die Chance des Verkleidens. Die Glückswissenschaftlerin beschäftigt sich mit Faktoren, die den Menschen ausgeglichen machen. „Ein wichtiger Teil der Glückswissenschaften sind Willensstärke und Selbstkontrolle“, sagt sie. Zum Karneval habe früher noch stärker eine christliche Komponente gehört: Nach dem ausschweifenden Feiern beginnt die Fastenzeit. „Dafür braucht man viel Willensstärke. Wenn die Menschen vor dieser Zeit ein paar Tage ihre Selbstkontrolle und alle Hemmungen fallen lassen durften, hielten sie später besser durch“, beschreibt Beckmann. Fasten war für die Menschen also eine große Herausforderung, vor der sie im Karneval abschalteten. Heute fastet danach längst nicht jeder. Aber es gibt viele andere Stressfaktoren in der Gesellschaft. „Ständig werden uns Entscheidungen abverlangt“, sagt Beckmann. Andererseits seien wir mehr Versuchungen ausgesetzt als je zuvor. Das zehre „enorm an unserer Willensstärke“.

„Früher haben sich weniger Leute verkleidet, ungefähr 30 bis 40 Prozent“, erzählt Peter Weber vom Haus des Karnevals. Und er muss das wissen, moderiert er doch seit zehn Jahren die Altweiber-Feier auf dem Düsseldorfer Rathausplatz. Weil er nicht nur gute Laune verbreitet, sondern auch beobachtet, hat er in all den Jahren einen Trend ausgemacht: „Ich würde sagen, dass sich inzwischen bis zu 80 oder 90 Prozent der Menschen verkleiden.“

Hemmungslos feiern bedeutet eine Gratwanderung: Die Grenze zur Blamage – sie ist nicht fern. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es im Düsseldorfer Karneval offizielle Auflagen. Da hieß es: „Maskierten Personen ist das gewaltsame Eindringen in Häuser und Läden, Beleidigungen in streitsüchtiger Absicht und Da wundert es nicht, dass imVerletzung der Ehrbarkeit mer mehr Menschen Mottound guten Sitten untersagt.“ Partys schmeißen. Kreativität Sich gehen lassen – das wird auch außerhalb der fünften schon immer mit Karneval Jahreszeit: Da gibt es „Badverbunden. Kostümierte feiern Taste“-Partys, dann wiederum feucht-fröhlich und vergessen ist „Helden der Kindheit“ das manchmal die „guten Sitten“. Einfach mal loslassen: Eine Mottoparty ist dafür ideal. Motto und es kommt manPlötzlich verliert der Löwe die cher als Pippi Langstrumpf vorbei. Auf Regenbogen-Partys haben Scheu und küsst die Maus. Autor Wolfgang Oelsner spricht dabei die Gäste sogar eine Aufgabe: Sie müssen alle einfarbig bekleidet von einer „Ich-Entdeckung“, die „destruktiv oder konstruktiv“ sein die Party betreten und dürfen sie erst bunt wieder verlassen. Alles kann. „Man lernt eine andere Seite an sich kennen.“ Anders, als Methoden, um Berührungsängste zu verlieren – und sie liefern es das gängige Bild vom Karneval vermuten ließe, ist er sich sogar Gesprächsstoff für Smalltalk mit Fremden. sicher: „Wenn man sich nur noch mit Alkohol zudröhnt, verhindert man auf Partys auch dieses Moment, sich selbst zu entdecken. Dann hat das Verkleiden diese Wirkung nicht mehr.“

Angst vor der Blamage

Zurück in die Studenten-WG: Einige Liter Bier sind geflossen, die Party läuft gut, aber Anna ist sich sicher: „Das geht auch ohne Alkohol. Unserer Freunde lassen sich nicht gehen, man kann sich hinter den Kostümen ja doch nicht verstecken.“ Wie es sich für einen Kostümball gehört, heißt es pünktlich um Mitternacht: Runter mit den Masken! Spätestens dann zeigt sich, mit wem es sich auch unverkleidet ordentlich feiern lässt und wer sich und seine Willensstärke unter der Maske regeneriert hat.

Trotzdem fällt das nicht jedem leicht. Allein sich verkleiden zu müssen, kann eine Hemmschwelle sein: Wenn sich jemand ziert, bei einer Motto-Party mitzumachen, „dann meist, weil ihm kein Kostüm einfällt, weil er denkt, das muss was Besonderes sein“, erklärt Anna. „Dann sag ich: Mach‘ es einfach, es muss doch auch kein total ausgefallenes Kostüm sein.“ Die Studentin findet es gar nicht schlimm, wenn sich jemand einmal nicht verkleiden möchte – dann ist der eben „selbst schuld“ und soll lieber so auf die Party kommen, wie er sich wohl fühlt. „Manche Leute sind unsicher: Ist das jetzt cool? Sieht das jetzt gut aus? Aber ich finde, es soll einfach Spaß machen!“ Wieso so jemand unsicher ist, weiß Anna nicht genau. „Vielleicht fehlt da einfach die Fantasie.“ 32

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Vegan auf Probe Zu Tieren fair sein, das Klima schützen, gesund leben: Veganismus scheint der ideale Weg zu ethischer Korrektheit zu sein. Aber den meisten fällt es schon schwer, aufs tägliche Schnitzel zu verzichten. Ist der Schritt vom Vegetarier zum Veganer vielleicht einfacher? pflichtlektüre-Autorin Adriane Palka hat einen Monat lang den Test gemacht. TextAdriane Palka FOTOSLena Kalmer

Tag 0 – Montag Meine Mutter rastet am Telefon aus: Ich habe ihr gerade erzählt, dass ich ab morgen vegan lebe. Dass es nur ein Testmonat ist, sage ich nicht. Zwanzig Minuten redet sie von Mangelerscheinungen und sagt, dass ich nur noch „Soja mit Soja und dazu Soja“ essen und mich bei jedem Baum für den gestohlenen Apfel entschuldigen werde. Am Ende des Gesprächs sind wir beide schlecht drauf. Ich habe ein schlechtes Gewissen und keine Lust auf den veganen Monat. Tag 1 – Dienstag Nach einer Party wache ich verkatert auf, nehme aber keine Kopfschmerztablette – könnte ja an Tieren getestet worden sein. Während des Frühstücks poste ich bei Facebook, dass ich jetzt vegan bin. Mein Bruder empfiehlt mir seine Vitaminergänzungstabletten, obwohl ich mich demnächst doch hauptsächlich von Gemüse und Obst ernähren werde. Skurril. Heute ist zufällig Weltvegantag. Fast vor meiner Haustür gibt es einen veganen Supermarkt und daneben das vegane Café „Cakes‘n‘Treats“. Dort esse ich einen wirklich leckeren „Cheeseburger“, der mit 3,50 Euro ungefähr so viel kostet wie ein Whopper. Ich unterhalte mich mit Steffi, die im Café arbeitet. Seit acht Monaten isst sie vegan und ihre Blutwerte waren noch nie so gut. Gehe zufrieden und satt nach Hause. Vielleicht ist das neue Leben doch was für die Ewigkeit? Tag 3 – Donnerstag Habe mittlerweile schon die Dortmunder und die Bochumer Mensa auf ihr veganes Angebot getestet. In Dortmund bleibt mir nur das Buffet. Ziemlich teuer. In Bochum habe ich nur eine vegane Bolognese gefunden, die mich zwar satt gemacht hat,

Will Garnele sein, schmeckt wie Weißwurst: Ersatzprodukt aus Yamswurzelextrakt.

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also der männlichen und somit „nutzlosen“ Eierhühnern, nicht unterstützen möchte, und dass Milchkühe oft unter schlimmen Bedingungen gehalten und ihr Leben lang geschwängert werden, um stets Milch zu liefern. Für das Abendessen hat meine Mutter mir extra etwas Veganes gekocht, was mich sehr freut. Sie hilft Oma in der Küche. Als ich dazu stoße, erzählt sie gerade, wie unausgewogen vegane Ernährung sei und wie aufwändig es sei, für mich extra zu kochen. Ich frage mich, warum sie zu Hause nicht einfach für alle mal was Veganes kocht, fühle mich aber etwas gekränkt und sage nichts.

aber nicht unglaublich vitaminreich ist. Vegan sein ist nicht leicht, ständig vergesse ich etwas: Ich kaufe mir einen Crêpe, ohne daran zu denken, dass im Teig Eier und Milch sind, und gehe mit einer Ledertasche aus dem Haus. Tag 4 – Freitag Das erste Koch-Dilemma: Die Bratlinge, die mein Freund Michi gekauft hat, können Spuren von Eiern enthalten. Aus Zeitnot wollen wir auf Pasta mit Pesto umsteigen, im Pesto ist allerdings Käse drin. Im Endeffekt essen wir Bratkartoffeln und Brokkoli. Nichts schmeckt.

Tag 6 – Sonntag Michi führt mich abends nach Essen in ein vegetarisch-veganes Restaurant aus. Wir teilen uns einen Vorspeisenteller mit grünen Oliven, Couscoussalat, selbstgebackenem Brot mit BohnenKnoblauch-Aufstrich und Frühlingsrollen. Zum Hauptgang bestelle ich mir drei Teigrollen, die mit Erbsen, Rosinen, Kartoffeln und Erdnüssen gefüllt sind, dazu Reis mit Kichererbsen und Salat. Es ist unglaublich lecker und ich finde, dass vegan sein ziemlich hip ist.

Tag 5 – Samstag Meine Oma hat Geburtstag. Bin auf das Zusammentreffen mit der Familie gespannt. Michi und ich backen einen veganen MandelSchoko-Kuchen – vielleicht kann der kritische Stimmen verstummen lassen. Den Gästen muss ich erst erklären, was „veganer Kuchen“ heißt: keine Milch, Eier oder Butter. Sie fragen, warum ich das mache. Ich erkläre, dass ich das Töten der „Eintagshähne“,

Jedes dieser Produkte enthält tierische Materialien und bekommt in Adrianes Kleiderschrank in Zukunft keinen Platz mehr.

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Tag 8 – Dienstag Juhu – vegane Woche in der Dortmunder Mensa. Es gibt leider immer nur ein Gericht, die ganze Woche. Schon etwas fad. Tag 10 – Donnerstag Ein veganer Supermarkt, ein veganes Café und der Ägypter mit den leckeren Sandwiches sind direkt vor meiner Haustür. Aber auch: Dönerläden und Pizzabuden. An den Duft des Dönerfleischs habe ich mich mittlerweile gewöhnt. Aber Pizza... die ideale Mahlzeit für eine vielbeschäftigte Studentin ohne große Kochambitionen wie mich. Und geschmolzener Käse. Hach! Aber keine Pizza mehr. Vorteil: Ich ernähre mich gesünder. Tag 11 – Freitag, der 11.11.2011 Karneval! Als Kölnerin verbringe ich diesen Tag natürlich dort. Um zehn Uhr morgens treffe ich meinen Bruder, dann fangen wir an, Bier zu trinken und laufen durch die Domstadt. Im Laufe des Tages werde ich immer betrunkener. In einem China-Imbiss bestelle ich eine vegetarische Nudelbox. „Du weißt schon, dass da Ei drin ist“, sagt mein Bruder. Gerade kann ich nicht drüber nachdenken. Hunger. Tag 12 - Samstag Oh Gott. Ich hatte noch nie so einen Kater. Ich habe sogar Ohrenschmerzen. Lag es daran, dass ich gestern außer drei Brezeln und einer Nudelbox nicht gerade viel gegessen habe, oder an den Tequilas und Cocktails? Tierversuche sind jetzt egal und ich schlucke alle Schmerztabletten, die ich in die Finger kriege. Auaaa. Tag 13 – Sonntag Abendessen mit Freunden: Per Facebook habe ich alle daran erinnert, dass ich veganes Essen brauche. „Du bist Veganer, nicht wir. Ich möchte mehr als Hirse essen“, kam – nicht ganz ernst gemeint – zurück. „Strengt euch mal an“, antwortete ich. Letztendlich gibt es drei Versionen des Drei-Gänge-Menüs: mit Fleisch, vegetarisch und vegan. Tag 15 – Dienstag Ich brauche mehr vegane Produkte. Bisher habe ich noch mein altes Shampoo benutzt, auf der Internetseite der Tierschutzorganisation Peta heißt es aber, dass es an Tieren getestet wurde. Gehe in den Veggie-Laden shoppen. Dass Veganer auf total viel verzichten müssen, stimmt auf jeden Fall nicht. Aber billig ist es nicht immer: Ein Schokoriegel kann schon mal 2,99 Euro kosten. Ich kaufe eine Grillsauce, veganen Käse, eine Schokolade aus Reismilch, eine „Soja Cuisine“ (wie Sahne zum Kochen) und eine Haarspülung – insgesamt 16,65 Euro. Autsch! Brauche auch ein Shampoo, aber das billigste, über sieben Euro, tut dem Studentengeldbeutel zu weh. Tag 17 – Donnerstag Sooo Lust auf Pizza. Käääse! Herzhafter Käse, der fettig ist und Fäden zieht, wenn man abbeißt. Oh Zivilisation, dass du das, was so ungesund ist, so lecker machst! Und dass du die Gewinnung der Milch so grausam für die Kühe machst! Ich möchte Käse! Aber ohne Leid! Deshalb probiere ich einen Auflauf, überbacken mit veganem Käse. Es schmeckt okay. Im zerschmolzenen Zustand ist der Käse nicht so seltsam wie auf dem Brot.

Große Auswahl, aber ziemlich teuer: Shoppen im Veggie-Laden.

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Tag 18 – Freitag Muss neue WG-Mitbewohner suchen, heute ist das große Casting. Einer der Bewerber fragt abfällig: „Vegetarier oder Veganer habt ihr hier aber nicht, oder?“ Fettnäpfchen! „Äh, doch. Mich“, antworte ich. Der Bewerber guckt verdutzt, dann erzählt er, er habe diese Woche eine 2er-WG besichtigt. Der andere Bewohner war Veganer und bestand darauf, dass in seine Wohnung kein Fleisch käme. Ich versichere ihm, dass ich so was nie tun würde. Tag 19 – Samstag Eine Freundin besucht mich in Dortmund und bringt ein Geschenk mit: ein Set aus Duschgel, Peeling und Bodylotion – mit Seidenextrakt. Zur Seidenherstellung werden die Seidenraupen vor dem Schlüpfen mit heißem Wasser oder Dampf getötet. So verhindert man, dass sie die Kokons, aus denen der Seidenfaden gewonnen wird, zerreißen. Also ist mein Geschenk nicht vegan. Ich sage aber nichts und bedanke mich. Die Reaktion meiner Freundin auf meinen Veganismus ist schlicht: „Oh Gott.“ Ich bin beleidigt. Was weiß sie überhaupt darüber? Beim Shoppen ist die Stimmung wieder super. Ich muss bloß bei jedem Pulli gucken, ob Wolle mit drin ist. Nachher gehen wir auf den Weihnachtsmarkt. Bevor wir fahren, trinken wir noch einen Glühwein.

sagt sie: „Echt bewundernswert, ich könnte das aber nicht.“ Immer dieser Satz! Können kann jeder. Ich übersetze ihre Gedanken: „Ich will das nicht.“

Tag 24 – Donnerstag Die letzten Tage waren ernährungstechnisch nicht so gut. Hatte keine freie Minute und habe mich deshalb nur mit Brezeln vollgestopft. Langsam kann ich die nicht mehr sehen, obwohl ich sie eigentlich liebe. Ich habe bestimmt schon irgendeinen Vitaminmangel. Probiere neue Rezepte: Selbstgemachtes Pesto Veganismus ist eine Form des Vegetarismus inklusive VerHammer! An den Gemüsepfannzicht auf jede Art tierischer Produkte wie Eier, Milch, Honig kuchen muss ich noch arbeiten: und Leder. von außen knusprig, innen noch etwas roh. In Deutschland gibt es laut Vegetarierbund etwa 600.000 Tag 27 – Sonntag Veganer. Ich gucke mit Michi die Dokumentation „Earthlings“. Sie zeigt Die FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation in fünf Schwerpunkten - Hausder UN) verkündete 2006, dass die Nutzviehhaltung mehr tiere, Fleisch, Entertainment, klimaschädliche Gase verursacht als der weltweite Transport Medizin, Mode - wie Menschen Tiere ausbeuten und ist mit den Mögliche Mangelerscheinungen bei Vegetariern oder Vegaschrecklichsten Bildern nicht nern sind zu wenig Vitamin B12, Calcium oder Vitamin D. zimperlich. Ich muss weinen und schäme mich für die Menschheit. Mehr als 70 Prozent des einstigen Regenwaldes am AmazoBilder sind stärker als Worte und nas ist heute Weidefläche für Nutzvieh. der Film hinterlässt einen viel krasseren Eindruck als die Bücher oder Artikel, die ich bisher gelesen habe. Mir ist klar, dass der Film die schlimmsten Fälle zeigt, aber diese Zustände sind verbreiteter, als man denkt. Wer glaubt, dass sein Discounter-Schinken oder die Vierzig-Cent-Milch von glücklichen Tieren kommen, hat entweder keine Ahnung oder verdrängt mit voller Absicht die Wahrheit.

Fünf Fakten

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Tag 20 – Sonntag Moment mal. Der Glühwein von gestern. Ich lese im Internet: „Wein muss im Allgemeinen gefiltert und geklärt werden. Dazu Tag 28 – Montag werden häufig Eiklar, Gelatine Habe vom Veganer-Laden das oder die getrocknete SchwimmSeltsamste mitgebracht, das ich blase vom Fisch verwendet.“ finden konnte: vegane Garnelen. Und Glühwein? In einem InterSie haben die gleiche Form wie netforum hat sich eine Veganerin Garnelen, sogar eine orangene tatsächlich die Mühe gemacht, „Cheeseburger“ ohne Käse und Fleisch, der Preis ist trotzdem fett: 3,50 €. Färbung und bestehen aus YamsGlühweinhersteller anzuschreiwurzelextrakt. In der WG schmeiße ben und deren Antworten gepostet. ich sie in die Pfanne und biete meinem Mitbewohner auch eine an. Einige Glühweine sind vegan, andere nicht. Manno. Ich will mir Skeptisch beißen wir rein. Unser Statement: „Joa.“ Sie schmecken nicht alle Glühweinsorten merken müssen. Ist das nervig! süßlich, ungefähr so wie der Krabbenfleischersatz in Billig-Sushi. Meinen Mitbewohner erinnert die Konsistenz an knackige WeißAbends treffe ich mich mit Kommilitonen zum Abendessen in würste, mich doch eher an echte Garnelen. einem italienischen Restaurant. Die Bedienung schlägt Gnocchis vor, zeigt mir sogar den Aufkleber mit den Inhaltsstoffen. Außerdem 36

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Dass eine einfache Pizza Margherita so gut schmecken kann, hätte Adriane vor den 30 veganen Tagen nicht gedacht.

Tag 30 – Mittwoch Letzter veganer Tag – aber ich habe keine Zeit, mir Gedanken darüber zu machen. Heute ist mein Bewerbungstag beim WDR. Oh je! Der Tag hat mich total geschlaucht. An einem Imbissstand werde ich fast schwach, nehme aber - eine Brezel. Meine Freundin Katja und ich lassen den Tag mit ein paar Bierchen und etwas Gejammer bei mir ausklingen. Brauche unbedingt Nervennahrung und simse Michi, er solle mir eine Pizza mitbringen. „Erst nach Mitternacht“, kommt zurück, er gibt aber nach. Eine kleine Margherita. Da liegt sie vor mir in der Schachtel, zwei Stunden vor Mitternacht. Ich nehme ein Stück und schnuppere dran. Booaah. Dann beiße ich rein und ziehe. Der heiße Käse fällt vom Teig auf meine Lippe – und die Tomatensoße darunter ist so heiß, dass ich das abgebissene Stück fast ausspucke. Die Rache der für diesen Käse gequälten Kühe. Die Pizza schmeckt verdammt lecker. Aber: Schlechtes Gewissen!

Überrascht hat mich die Auswertung meines Ernährungsprotokolls durch eine Ernährungsberaterin. Obwohl ich mich vorher nur kurz über Inhaltsstoffe informiert hatte, bekam ich ein „sehr gut“. Von den 37 wichtigen Stoffen habe ich lediglich vier in nicht genügender Menge aufgenommen: Kohlenhydrate, Vitamin D, Folsäure und Jod. Die Quote ist besser als bei den meisten Menschen. Teurer ist vegane Ernährung eigentlich auch nur, wenn man sich Süßes und Fleischersatzprodukte gönnt. Der Hauptgrund gegen strikten Veganismus ist mein jetziger Lebensstil: Als Studentin bin ich oft sehr lange unterwegs, habe keinen gleichmäßigen Tagesablauf und viel Stress. Oft habe ich keine Zeit oder Energie mehr, gesund zu kochen. Die Auswahl an veganen Take-Aways ist mager. Häufiger saß ich mit knurrendem Magen in der Uni – Brezeln und Couscoussalat waren aus. Eier versuche ich komplett zu vermeiden, Käse wird’s nur noch selten und möglichst in der Bio-Variante geben. In Stresszeiten gönne ich mir aber – auch wenn es inkonsequent ist – als kleine Sünden eine Pizza oder einen Crêpe.

Fazit Ich bleibe vorerst nicht vegan, lebe aber deutlich „veganer“ als zuvor. Ich habe gut und lecker gegessen – natürlich musste ich mir mehr Gedanken über meinen Einkauf machen, das sehe ich aber positiv. Richtig anstrengend wird es beim Essen auswärts, auch an der Uni gibt es keine besonders gute vegane Versorgung, wenn die Mensa bereits geschlossen ist. 37

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Kulturgebiet

Liebster Platz TextAnn-Kristin Herbst FotoEllen Brinkmann

Blätter rascheln, aus der Ferne höre ich einige Kinder lachen und ab und zu überholt mich ein Jogger. Doch das alles wirkt wirklich weit weg. Die Stille ist auf dem Dortmunder Ostfriedhof greifbar. Still heißt nicht, dass es keine Geräusche gibt, aber es sind nicht die Geräusche aus unserer Alltagswelt. Einfach mal den Kopf frei kriegen, durchatmen und den Stress vergessen. Das mache ich auf dem Ostfriedhof. Wenn ich das Freunden erzähle, halten sie mich oft für leicht verrückt oder zumindest merkwürdig. Ein Friedhof ist für viele kein angenehmer Ort. Er erinnert zu sehr an unsere eigene Vergänglichkeit und den schmerzhaften Abschied von nahen Verwandten. Aber genau deshalb liebe ich diesen Ort so. Er erzählt eine Geschichte. Für mich ist der Ostfriedhof mehr ein Park mit bewegter Vergangenheit. Er verbindet Leben und Tod. Zwischen alten Eichen und Buchen liegen beeindruckende Grabstätten von Großindustriellen, Bergleuten und Offizieren. Der Ostfriedhof ist der zweitälteste Friedhof Dortmunds. Familien wie die der Hoeschs haben sich dort mit ihren Gräbern selbst ein Denkmal gesetzt. Mittlerweile ist es für mich zu einer Art Ritual geworden, vor Klausuren oder nach einem Streit mit Freunden eine Runde durch den „Park“ zu schlendern. Meine Blicke wandern über die immer noch liebevoll geschmückten Gräber von Menschen, die vor 60 Jahren oder mehr verstorben sind. Andere Grabstätten scheinen längst vergessen zu sein. Wie sehen wohl die Familien dahinter aus? Was haben sie alles erlebt? Die Blätter rascheln unter meinen Füßen. Ich gehe in Richtung Eingang und das Kinderlachen, das vom Spielplatz direkt neben dem Eingang weit über den Friedhof schallt, wird lauter. Ruhig und zufrieden freue ich mich auf eine heiße Tasse Tee. Wo ist dein liebster Platz im Ruhrgebiet? Sag‘s uns: * liebsterplatz@pflichtlektuere.com 38

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Peinliche Platte

bandschriftlich PROTOKOLLnOrA sOnnAbenD FOTOAleXAnDre KUbeK

TexTHenriKe FisCHer FOTOlenA KAlmer

Rolf Zuckowski ist Kult. Eigentlich. Für mich aber nicht.

Musik macht Emma schon seit Ende 2007. „Emma Heartbeat“ – gemeinsam mit Nils, (E-)Drums, und Feliks, Percussionist – gibt es erst seit Sommer 2011. Ihr elektronischer Hip-Hop mit verschiedenen Einflüssen wie Dubstep kommt nicht nur in Deutschland gut an: Zusammen traten die Essener auch in London und Barcelona auf und tourten durch die USA. Im Ausland bekannt wurden sie durch das Internet – auch ihr Debütalbum haben sie schon veröffentlicht: „That Will Do You Good.“

Rolf-Zuckowski-Trauma Nummer eins: Ich war drei Jahre alt, schrecklich erkältet und sang für mein Leben gern. Da stellte mich meine Mutter vor den Schallplattenspieler und sagte: „Sing!“ 16 verhustete Lieder und Kinderlebensweisheiten später war ich fertig. Und das ultimative Weihnachtsgeschenk für meinen Opa auch: eine Rolf Zuckowski-Schulweg-Hitparaden-Kassette, nachgesungen von mir. Mein Opa wusste jetzt nicht nur bestens darüber Bescheid, dass sein Platz im Auto hinten ist. Er war von meinem Talent auch so begeistert, dass er die Kassette gleich mal verschickt hat. An Michael Schanze. Vom Kinderquatsch mit Michael. Wer hat damals nicht davon geträumt, einmal auf dem kleinen rosa Schweinchen zu sitzen, Warteplatz, bevor es auf die große Bühne ging? Ich gehörte dazu. Doch Michael hat sich bis heute nicht bei mir gemeldet. Langsam gebe ich die Hoffnung auf. Fürs rosa Schweinchen bin ich ohnehin zu groß.

Mit dem Ruhrgebiet verbindet uns ...

Wer ist euer lustigstes Mitglied?

Trauma Nummer zwei: Ich war 13 Jahre alt. Da brachten mich meine Brüder, drei an der Zahl, öfter mal zur Schule. Freiwillig. In peinlichem Outfit. Und immer mit einem passenden Zuckowski-Lied auf Lager. Das Ganze natürlich nur, um mich vor meinen Mitschülern zu blamieren.

Was habt ihr als Nächstes vor?

Jetzt bin ich 21 – und dankbar. Dafür, dass es keine peinlichen Videoaufnahmen von mir auf rosa Schweinchen gibt. Und dass es das Supertalent damals noch nicht gab. Meinen Brüdern habe ich vergeben. Denn wie Rolf einst richtig feststellte: „Alle machen Fehler. Keiner ist ein Supermann“. Vielleicht kann ich auch ihm eines Tages verzeihen.

www: 39

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Probehören auf pflichtlektuere.com


Neues vom V-Mann

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Fight Club 09. und 24. Februar, Bochum, Theater 19.30 Uhr Rottstr. 5 Theater, Rottstraße 5 www.rottstr5-theater.de Nach jubelnder Presse gibt es wieder mächtig auf die Fresse. Wiederaufnahme der hochgelobten Umsetzung des Literaturbzw. Filmstoffes. 13 Euro | erm. 8 Euro

Global Player 18. Februar, Dortmund, Party ab 23 Uhr im Domicil, Hansastr. 7 - 11 www.domicil-dortmund.de Die DJs Kosta Kostov und Ali T. spielen einen internationalen Mix aus Balkanbeats, Maghreb Underground, Afrobeat, Cumbia Digital und Tropical Bass.

Videoclip Dancing 25. Februar, Duisburg, Party ab 23 Uhr, Grammatikoff, Dellplatz 16a www.grammatikoff.de Für alle, die auf jeder Party sonst immer YouTube-Videos anschmeißen und die Playlist des Gastgebers löschen.

fOTOJODI BIEBER

World Press Photo 17. Februar bis 08. März, Dortmund, Ausstellung Di, Mi, Do und So 10 - 20 Uhr, Fr und Sa 10 - 22 Uhr, Kulturort Depot, Immermannstraße 29 www.depotdortmund.de Nach London, Prag und Tel Aviv folgt Dortmund. Im Depot habt ihr die ein- oder mehrmalige Chance eine Ausstellung mit den besten 160 internationalen Pressefotos des vergangenen Jahres zu bestaunen. Bilder die um die Welt gingen und in den Köpfen bleiben.

Mord im Museum Bis 05. August, Dortmund, Ausstellung Di - Fr 9 -17 Uhr, Sa und So 10 -18 Uhr, DASA, Friedrich-Henkel-Weg 1-25 www.dasa-dortmund.de CSI im Pott. Wer schon immer einmal sein Fernsehkrimi-Wissen in der wirklichen Welt auf die Probe stellen wollte, der kann in der Sonderausstellung auf Mörderjagd gehen und dabei noch einiges über Kriminaltechnik und Gerichtsmedizin lernen. 5 Euro | erm. 3 Euro

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raus

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Der Familie Popolski 09. März, Essen, Konzert und Comedy Einlass 18.30 Uhr, Grugahalle, Grugaplatz 2 www.grugahalle.de Chey, was ist da los? Der Familie Popolski aus Zabrze macht wieder mit jeder Menge Wudka der Hallen voll. Der Motto: „Get the Polka started“. VVK 28,90 Euro (freie Platzwahl)

Der Meister und Margarita Ab 16. März, Dortmund, Theater 19.30 Uhr, Schauspielhaus Dortmund, Hiltropwall 15 www.theaterdo.de Der Teufel stellt in der Gestalt eines Zauberers für schwarze Magie das stalinistische Moskau des frühen 20. Jahrhunderts auf den Kopf. Satirisch, wirr und mit viel Livemusik. Nach dem Roman von Michail Bulgakow. Ab 12,50 Euro | erm. ab 6,25 Euro


fOTOMARION VON DER MEHDEN

fOTOBORIS BREUER

fOTOPARAMOUNT PICTURES

Kinostart „Young Adult“ Start: 23. Februar 2012 Wenn die Jugend einen nicht loslässt Jason Reitman, der Sohn von „Ghostbusters“-Regisseur Ivan Reitman, legt mit „Young Adult“, nach „Juno“ und „Up in the Air“, seinen nächsten Film vor. Darin spielt Charlize Theron die gescheiterte und frisch geschiedene JugendbuchAutorin Mavis, die in ihre Heimatstadt nach Minnesota zurückkehrt. Dort will sie ihre frühere Highschool-Liebe zurückerobern und noch einmal die ungezwungene Teenagerzeit - samt Alkoholexzessen und Frisur von damals - aufleben lassen. Der favorisierte Herr ist aber leider glücklich verheiratet mit Kind. Auch in der Stadt hat sich so einiges verändert. Was soll’s. Ein alter Klassenkamerad, gespielt von Patton Oswalt (bekannt aus „King of Queens“), der ebenfalls nicht auf der Höhe der Zeit ist, hilft ihr den absurden Plan durchzusetzen. Die amerikanische Filmpresse lobt den Streifen als kluge und zuweilen düstere Charakterstudie, die aber nicht auf Humor verzichtet.

Max Giermann 20. März, Dortmund, Comedy 20 Uhr, Fritz-Henßler-Haus, Geschwister-Scholl-Str. 33-37 www.fhh.de Der schizophrene Parodist „switcht“ mal eben so vom TV auf die Bühne und lädt zur Gruppentherapie. Hier kriegt man mehr für’s Geld. Karten ab 22 Euro

Crippled Black Phoenix 21. März, Oberhausen, Konzert 20 Uhr, Zentrum Altenberg, Hansastr. 20 www.zentrumaltenberg.de Diese Band wirbelt in voller Ekstase über die ganze Bühne. Post-Rock mit Prog- und Folk-Elementen, so dass man sich gern überraschen lässt, wenn plötzlich Banjo und Cello zwischen E-Gitarren und Drums auftauchen. Große Musik, die sphärisch und cineastisch daherkommt wie Pink Floyd in den 1970ern. Karten ca. 20 Euro

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Milberg liest Mankell 29. März, Bochum, Lesung 20 Uhr, Planetarium Bochum, Castroper Str. 67 www.planetarium-bochum.de Der Schwede war’s: Tatort-Kommissar Axel Milberg liest den Kurzkrimi „Der unsichtbare Gegner“ nach einer Erzählung von Henning Mankell. 8,50 Euro | erm. 6,50 Euro

Rock The Bridge 30. März, Dortmund, Party 23 Uhr, Silent Sinners, Rittershausstr. 65 www.silent-sinners.de Die Möllerbrücke bebt jeden Freitag: Gehörgänge durchspülen und Klausurenfrust loszuwerden. Eintritt frei!

Nina Hagen 01. April, Bochum, Konzert 23 Uhr, Zeche, Prinz-Regent-Str. 50 - 60 www.zeche.com (K)ein Scherz: Die Künstlerin erlaubt das Fotografieren nur mit analogem Farbfilm. VVK 33,20 Euro


Rätselraten Gewinnspiel: Herren im Bad

Finde alle sechs Fehler im unteren Bild und maile die Aufzählung bis zum 31.03.2012 an gewinnspiel@pflichtlektuere.com – samt deiner Adresse (für den Fall, dass du gewinnst und deinen Preis nicht abholen kannst; sonst wird sie gelöscht). Zu gewinnen gibt es „Nichtlustig. Das dicke Cartoonbuch“. Viel Erfolg! Von der Teilnahme ausgeschlossen sind Mitarbeiter der pflichtlektüre-Redaktion sowie deren jeweilige Angehörige. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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Impressum Herausgeber Institut für Journalistik, TU Dortmund Projektleitung Prof. Dr. Michael Steinbrecher (ViSdP) Redaktionsleitung Michael Kohlstadt Redaktion Uni-Center, Vogelpothsweg 74, Campus Nord, 44227 Dortmund Tel.: 0231/755-7473, post@pflichtlektuere.com Chef vom Dienst Dominik Mercks Textchef Tobias Fülbeck Fotoredaktion Ellen Brinkmann, Florian Hückelheim, Lena Kalmer Illustrator Michael Szyszka | www.zapfenstreiche.de Layout Hanne Ermann, Julia Hortig, Daniel Klager, Timo Spieß Redakteure und Reporter Timo Baudzus, Nils Bickenbach, Ellen Brinkmann, Sebastian Claus, Lara Eckstein, Lara Enste, Sandra Finster, Henrike Fischer, Tobias Fülbeck, Alexander Greven, Ann-Kristin Herbst, Sebastian Hetheier, Michael Jochimsen, Stephanie Jungwirth, Jens Jüttner, Lena Kalmer, Simon Knop, Julia Knübel, Annika Koenig, Léonie Lauer, Lena Christin Ohm, Alexandra Ossadnik, Adriane Palka, Marylen Reschop, Hannah Sanders, Ingo Schmitz, Christina Schönberger, Andy Seyel, Nora Jacqueline Sonnabend, Katja Vossenberg, Matthias Wiesel, Christina Wilkes Druck e-media designlabs Lachener Weg 57, 67545 Haßloch www.e-mediadesignlabs.de Die pflichtlektüre wird mit Unterstützung der Bertelsmann Stiftung gedruckt.

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pflichtlektüre 01/2012  

Die neue Ausgabe des Campusmagazins pflichtlektüre. 2037 - Arbeiten in der Zukunft - Ein Drahtseilakt

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