Paraplegie magazin 02 18 de

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PARAPLEGIE

SCHWERPUNK T

Sportmedizin Der lange Weg nach Tokio

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ERNÄHRUNG

Mehr Leistung durch Hightech im Bauch

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BEGEGNUNG

Mit René Hübner beim Armdrücken

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BESUCHER ZENTRUM

Besser verstehen dank Spendenhilfe


K I N D H E I T SOMMER-FESTIVAL 17. August – 16. September 2018

Info: lucernefestival.ch

Ausgewählte Konzerte 24. August LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA | Chor des Bayerischen Rundfunks | Riccardo Chailly Werke von Debussy und Ravel

5. September Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam | Daniele Gatti | Anett Fritsch Werke von Wagner, Berg und Bruckner

1. September Orchester der LUCERNE FESTIVAL ACADEMY | Matthias Pintscher | Pierre-Laurent Aimard | Tamara Stefanovich Werke von Kurtág, Eötvös, Bella und Zimmermann

10. September London Symphony Orchestra und Chorus | Sir Simon Rattle | Magdalena Kožená und weitere Solisten Werke von Ravel

3. September Münchner Philharmoniker | Valery Gergiev Werke von Ljadow, Strawinsky und Rimsky-Korsakow

Hauptsponsoren

12. September Boston Symphony Orchestra | Andris Nelsons | Baiba Skride Werke von Bernstein und Schostakowitsch


M AG A ZIN DER GÖNNER-V EREINIG UNG DER SCH W EIZER PA R A PLEG IK ER-S T IF T UNG

6 Liebe Gönnerinnen und Gönner Vor Kurzem konnten die ersten Patienten ihre Zimmer im neugebauten Nordtrakt der Spezialklinik in Nottwil beziehen. Damit wurde ein wichtiger Meilenstein des fünfjährigen Bauprogramms auf dem Campus Nottwil termingerecht erreicht. Dieses grösste Bauprogramm seit dem Neubau 1990 ist nur dank Ihrer Grosszügigkeit und Treue möglich geworden. Neben den baulichen Veränderungen setzt der Stiftungsrat auch organisatorische und personelle Veränderungen um. Ein Ausdruck davon ist das letzten Oktober verabschiedete neue Organisationsreglement der Stiftung, das die Verkleinerung, Verjüngung und stärkere Professionalisierung des Stiftungsrats angeht. Gleichzeitig soll die Transparenz in der ganzen Gruppe sichergestellt werden: Neu übernimmt der Stiftungsrat gruppenweit zusätzliche Verantwortung in der Festlegung und Anpassung der Saläre. Der gesellschaftliche Wandel erfordert auch Anpassungen in den Strukturen und im Leistungsangebot der Gruppe, um die optimale Versorgung der Querschnittgelähmten in der Schweiz sicherzustellen. Dabei definieren wir unser Angebot primär aus der Sicht der Betroffenen. So prüfen wir demnächst im Rahmen eines Pilotprojekts das Modell einer dezentralen Leistungserbringung vor Ort: Betroffene sollen in ihrer Umgebung Bezugspersonen haben, die ihre Anliegen kennen und die Dienstleistungen der Schweizer Paraplegiker-Gruppe gezielt abrufen können. Anstehenden Veränderungen offen gegenüberstehen und sie wagen – diese Haltung verknüpfen wir mit unseren unverrückbaren Wurzeln, die in den Erfahrungen einer über 40-jährigen Erfolgsgeschichte gründen. Herzlichen Dank für Ihre grosse Unterstützung!

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Schwerpunkt  6 S P O R T M E D I Z I N Fit für die Paralympics in Tokio: In Nottwil wurde das Nationale Leistungszentrum für Rollstuhlsport eröffnet. 12 S T R AT E G I E Von Erkenntnissen aus dem Spitzensport profitieren Patienten in der Rehabilitation. Und umgekehrt. 16 E R N Ä H R U N G Mit Hightech im Bauch zur individuell optimierten Ernährung. Coole Gadgets helfen. 18 F O R S C H U N G Mehr Leistung mithilfe von legalen Substanzen? Claudio Perret kennt die Wege. 19 R AT G E B E R Wer seine Gesundheit fördern will, braucht nicht viel: die wichtigsten Expertentipps. 20 S E I T E N B L I C K Tüfteln für die Marke Eigenbau: Peter Gilomen und Heinz Frei erzählen von den Pionierzeiten im Rollstuhlsport.

Kompetenz 22 B E G E G N U N G Er wollte ein Kind retten und ist selber verunglückt. Für René Hübner sind Schicksalsschläge Herausforderungen – für Wille und Muskeln. 26 W I S S E N Wie lebt es sich mit einem gelähmten Körper? Das neue Besucherzentrum der Schweizer ParaplegikerStiftung schliesst Wissenslücken. 28 M I T G L I E D E R V E R S A M M L U N G Der Vorstand der Gönner-Vereinigung blickt auf ein erfolg­reiches Jahr zurück. 32 PA R T N E R S C H A F T Beim Besuch ausgewählter Sinfoniekonzerte am Lucerne Festival fliesst ein Teil des Ticketpreises an die Schweizer Paraplegiker-Stiftung.  4 C A M P U S N O T T W I L 33 D A N K E

Dr. iur. Joseph Hofstetter Direktor Schweizer Paraplegiker-Stiftung

34 A U S B L I C K

Paraplegie, Juni 2018  3


CAMPUS NOT T WIL

Reputationsstarke Stiftung

Jahre GönnerVereinigung

Am 19. Oktober 1978 hat in Basel die Gründungsversammlung der Gönner-Vereinigung der Schweizer ParaplegikerStiftung stattgefunden.

weis

Mitgliederaus nn

Max Musterma

2018 80.999.999

gfk.com

Kompetenteste Organisation Die Marktforschung von Swiss­ fundraising hat ergeben, dass die Schweizer ParaplegikerStiftung bezüglich Innovation und Wirkungskraft unter den Schweizer Hilfsorganisationen am meisten überzeugt. Im Bereich Menschen mit Behin­ derung wird sie als kompetenteste Organisation bewertet. swissfundraising.org

Neubau ist in Betrieb Nach rund zweijähriger Bauzeit ist der Klinik-Nordtrakt Anfang Februar planmässig dem Betrieb übergeben worden. Der Anbau vergrössert das Schweizer Paraplegiker-Zentrum um 15 000 Quadratmeter. Die Räume bieten Aussicht auf die Natur am Sempachersee, viel Tageslicht und Rückzugsmöglichkeiten, um das Wohlbefinden und den Genesungsprozess zu unter­ stützen. Mit dem Bezug der neuen Patientenzimmer haben gleichzeitig die Erneuerungsarbeiten im 28-jährigen Bettentrakt Süd begonnen.

Lesung mit Anne Weber Die in Paris lebende deutsche Schriftstellerin und Übersetzerin Anne Weber liest aus ihrem Roman «Kirio». Wer ist das? Ein seltsamer Vogel, ein Verrückter, ein Heiliger? Die öffentliche Lesung findet am Mittwoch, 19. September 2018 um 19.30 Uhr in der Bibliothek im Guido A. Zäch Institut statt.

Thorsten Greve

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Der GfK Business Reflector ermittelt jährlich die reputa­ tionsstärksten Unternehmen der Schweiz. 2018 wurden erstmals die fünfzehn bekann­ testen Non-Profit-Organisa­ tionen einbezogen. Die Schwei­zer Paraplegiker-Stiftung erreichte den dritten Platz hinter der Rettungsflugwacht und dem Roten Kreuz.

Anmeldung: nicht erfor­ derlich, Kosten: Kollekte, Auskunft: T 041 939 57 78

Grösste Messe für Rollstuhlfahrer An der Rollivision präsentieren siebzig Aussteller Neuheiten, die Menschen mit Handicap zu mehr Mobilität, Aktivität und Unabhängigkeit verhelfen. Orthotec, ein Unternehmen der Schweizer Paraplegiker-Stiftung und Organisator der Rollivision, demonstriert seine neueste Entwicklung: Ein Schwenklift, der Elektrorollstuhl samt Fahrer sicher ins Fahrzeuginnere hinter das Lenkrad bringt. Verschiedene Kurzvorträge, ein Erste-Hilfe-Einsatz bei einem Velounfall sowie der Parcourslauf mit Exoske­ letten und motorisierten Rollstühlen bieten Wissen und Unterhaltung an der schweizweit grössten Messe für Rollstuhlfahrer. Tagesprogramm auf rollivision.ch Samstag, 23. Juni 2018, 10 – 17 Uhr im Schweizer Paraplegiker-Zentrum

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«Wir laufen für alle, die nicht laufen können» Über 100 000 Personen in 66 Ländern sind am Wings for Life World Run im Mai 2018 mit­ gelaufen. 4900 waren es in Zug, mit dabei ein Team der Schweizer Paraplegiker-Stiftung. Die Startgelder haben weltweit rund drei Millionen Euro eingebracht, die zu hundert Prozent in Forschungsprojekte zur Heilung von Querschnitt-­ lähmung fliessen.


CAMPUS NOT T WIL

Gönnermitglieder besitzen eine lebenslange Mitgliedschaft der Gönner-Vereinigung. Das sind 5692 Personen mehr als im Vorjahr.

Denkanstösse für Inklusion Die Adecco Group organisiert den Global Sports & Inclusion Day in der Sport Arena Nott­ wil. Der Personaldienstleister bringt an diesem in 41 Ländern durchgeführten Sportanlass Menschen zusammen, um mit inspirierenden Aktivitäten und Gesprächen Denkanstösse zu geben und Inklusion zu för­ dern. Nicolas Hausammann, Basketball Nationaltrainer bei der Schweizer ParaplegikerVereinigung, leitet einen der Workshops: «Sport lehrt uns Respekt, Toleranz und gemein­ sam ein Ziel zu erreichen. Es sind dieselben Werte, die uns Querschnittgelähmten die Integration in die Arbeitswelt erleichtern.» Adecco Global Sports & Inclusion Day 15. Juni 2018 Kostenloser Stellenanzeiger für Arbeitgeber: spv.ch / stellenboerse

Digital verbessert unterwegs

Mindestens drei Medaillen lautete die Vorgabe für das 13-köpfige Schweizer Team an den Winter-Paralympics in PyeongChang. Geholt hat sie alle Théo Gmür (22) mit Siegen in der Abfahrt, im Super G und Riesenslalom. Schmerzvolle Niederlagen hatten die Rollstuhlathleten zu verkraften: Der zwei­ fache Paralympics-Sieger Christoph Kunz (36) stürzte im Super G mit bester Zwischenzeit und zog sich eine dreifache Fraktur am Mittelfussknochen zu. Das Rollstuhl-Curling-Team erreichte Rang sechs. KEYSTONE / Alexandra Wey

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Dreimal Gold, Vorgabe erfüllt

Die Schweizer Paraplegiker-Stiftung hat ihren Webauftritt inhalt­ lich überarbeitet und technisch optimiert. Eine übersichtliche Navigation bietet Besuchern auf allen Endgeräten einen raschen Zugang zu den gewünschten Informationen. Ebenfalls moderni­ siert hat sich die von der Schweizer Paraplegiker-Forschung betreute «Community». Auf dieser Plattform tauschen sich Men­ schen mit Querschnittlähmung, ihre Angehörigen und Freunde zum Leben mit Querschnittlähmung aus, um gegenseitig von Erfahrungen und Wissen zu lernen. Die Community hat bis heute 1200 Beiträge veröffentlicht, die von zehnmal so vielen Besuchern gelesen wurden. Beide Plattformen stellen umfassendes Wissen zum Thema Querschnittlähmung zur Verfügung. paraplegie.ch und community.paraplegie.ch

Internationales Wissenschaftstreffen in Nottwil Die Vernetzung unter Querschnittspezialisten ist von grosser Bedeutung, um Weiterbildung und Forschung zu koordinieren und aktuelle Behandlungsmöglich­ keiten den querschnittgelähmten Menschen weltweit zugänglich zu machen. Vom 28. bis 31. August 2018 finden zwei wichtige Veranstaltungen gleichzeitig in Nottwil statt: der Tetrahand-Weltkongress und der Jahreskongress der Internatio­ nalen Gesellschaft für Funktionelle Elektrostimulation. Das Schweizer ParaplegikerZentrum (SPZ) ist eine der wenigen Kliniken Europas, die mit anspruchsvollen Operationen die Handfunktion hochgelähmter Menschen verbessern. Zudem hat das SPZ Anfang 2018 das International FES Centre eröffnet, um in Zusammen­ arbeit mit internationalen Forschern und Hochschulen die FES-Methodik weiter­ zuent­wickeln. Die Funktionelle Elektrostimulation (FES) wirkt mit elektrischen Impulsen anstelle von Nervenreizen auf Muskeln ein und kann helfen, verlorene Körperfunktionen wiederherzustellen.

tetrahand2018.com und ifess2018.com

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Sportmedizin Nottwil 2018 – Tokio 2020 Das internationale Leistungsniveau im Rollstuhlsport ist stark gestiegen: Einzelne Nationen investieren gezielt in Medaillen. Damit die Schweiz den Anschluss nicht verpasst, wurde Anfang Jahr in Nottwil das Nationale Leistungszentrum für Rollstuhlsport eröffnet.



SPORT

Begrüssung: Chefarzt Phil Jungen (links) und Roger Getzmann empfangen die Athleten zu den Testing Days in Nottwil.

Das Rennen fahren müssen sie alleine. Damit aber unsere besten Rollstuhlsportler am Wettkampftag X ihre Höchstleistung erbringen können, braucht es ein ganzes Team im Hintergrund. «Ohne die fokussierte Zusammenarbeit verschiedener Fachspezialisten gewinnt man heute keine Olympiamedaillen mehr», sagt Phil Jungen vom Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ). Als frisch ernannter Chefarzt der Sportmedizin Nottwil erlebte er 2016 an den Paralympics in Rio de Janeiro die Ernüchterung der Schweizer Delegation. Während andere Nationen massiv in die Entwicklung ihrer Athleten investiert hatten, setzte der erfolgsverwöhnte Schweizer Rollstuhlsport weiterhin auf altbewährte Rezepte. Doch damit hatte man den Anschluss an die Weltspitze verloren. Die Lehren aus Rio waren rasch gezogen: Anstatt dass jeder Trainer und Fachexperte den Sportlern isolierte Inputs gibt, soll die Entwicklung der Athleten künftig zusammen, koordiniert und umfassend angegangen werden. Zur Umsetzung dieser Idee wurde Anfang 2018 das Natio­ nale Leistungszentrum für Rollstuhlsport (NLR) eröffnet, ein gemeinsames Projekt von Sportmedizin Nottwil und Rollstuhlsport Schweiz. Daten als Grundlage «Wir wollen euch helfen», begrüsst Chefarzt Phil Jungen die versammelte Elite der Schweizer Handbiker, «dazu brauchen wir eure Daten.» Alle sind nach Nottwil gekommen. Vom Nachwuchstalent

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Station 1: Sports Nutrition. Handbiker Alain Tuor bei Sportwissenschaftlerin Joëlle Flück.

über die Kaderathleten bis zum Nationaltrainer. Sie absolvieren die ersten Testing Days am neuen Leistungszentrum. Das Datensammeln geschieht in Form eines Parcours von einem Experten der Sportmedizin zum nächsten. Jeder Test dauert eine Stunde. Am Ende werden die fachspezifisch aufbereiteten Daten in der grossen Expertenrunde diskutiert und gemeinsam für jeden Sportler Entwicklungsschwerpunkte festgelegt. Es sind Empfehlungen zum Optimierungspotenzial, die in einem Gespräch zwischen Trainer, Athlet und Roger Getzmann weiter konkretisiert werden. Getzmann unterstützt sie bei der Umsetzung der Optimierungen. Er leitet das NLR operativ und koordiniert die Experten der Sportmedizin Nottwil und die Partner von Rollstuhlsport Schweiz.

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Stationen

umfassen die Testing Days. Plus ein spezifisches Training mit dem Nationaltrainer.

Das grosse Ziel Der Spiezer Handbiker Alain Tuor (35) hat sich intensiv auf diese zwei Tage in Nottwil vorbereitet. Er möchte 2020 an den Paralympics in Tokio teilnehmen, seine Fragen füllen ein ganzes Notizbuch.

«Ich bin nach jedem Training glücklich.» Alain Tuor, Handbiker

«Dass ich überhaupt Leistungssport betreiben kann, ist für mich ein grosses Privileg», sagt Tuor. Neben seinem Training bewältigt der Tetraple-


SPORT

Station 3: Sportpsychologie. Der Athlet im Austausch mit Expertin Romana Feldmann.

giker ein Arbeitspensum von fünfzig Prozent als technischer Kaufmann. Das geht in die Zeit. Für seine Rolle als Familienvater und für seine Freunde plane er deshalb «Qualitätszeit» ein – seit seinem Snowboardunfall 2000 in Adelboden muss er sein Leben gut organisieren. Dank dem Sport gehe es ihm gesundheitlich besser, erklärt Alain Tuor. Er sei ausgegliche­ ner, lerne tolle Leute kennen und komme an spannende Orte auf der ganzen Welt. Statt als Betroffener mit seinem Schicksal zu hadern, sollte man dankbar sein, was man mit einer Behinderung alles bewerkstelligen kann. «Ich bin wirklich glücklich mit meinem Leben», sagt er. «Man muss einfach das Maximum aus dem herausholen, was man hat.» Als Sportler ist Tuor ehrgeizig. Er möchte weiterkommen und hat hohe Erwartungen an die Testing Days. Parcours der Experten Seine erste Station heisst Sports Nutrition. Sportwissenschaftlerin Joëlle Flück gibt ihm Ratschläge für sein Energie- und Kalorien-Management. Welche Nahrungsmittel und Ergänzungsstoffe müssen wann, in welcher Kombination und Menge eingenommen werden? Wie kann die Regenerationszeit verkürzt werden? Was und wie viel darf er im Rennen trinken? Was soll er am Abend vor dem Wettkampf essen? Viele Gedanken macht sich Alain Tuor zur Temperaturregulierung. Bei einem T­ etraplegiker reagieren Herz und Kreislauf nicht mehr wie ge­­

wünscht auf die Belastungssignale aus dem Ge­­ hirn. Zudem kann der Körper unterhalb der Lähmungshöhe nicht mehr schwitzen. So kommt es bei Tuor immer wieder zu Überhitzungen: «Ich spüre nur, dass die Ohren heisser werden. In Südafrika wurde ich durch die Hitze abrupt langsamer, da bringt ein Eimer Wasser über den Kopf nichts mehr.» Expertin Flück informiert ihn über neuartige Sensoren in Pillenform, die die Kerntemperatur des Körpers von innen her messen, und bespricht Varianten zum Kühlen vor und während eines Rennens. Am Ende der Testing Days zählt die Thermoregulierung zu den drei wichtigsten Themen, an denen Alain Tuor aus Sicht des ganzen Teams arbeiten soll. Doch zunächst stehen für den Handbiker weitere Stationen auf dem Experten-Parcours an: das Powerlab zur Analyse und Verbesserung der Kräftigungsarbeit, die Sportpsychologie, eine Umfeldanalyse, die sportärztliche Untersuchung und der grosse Performance-Test.

«Welcher Schweizer würde sein Kind schon zu einer Sportkarriere pushen?» Daniel Hirs, Nationaltrainer Handbike

«Die Gesellschaft muss mitziehen ...» Nationaltrainer Daniel Hirs begleitet die Athle­ ten und koordiniert den Austausch mit ihren persönlichen Trainern. Frühere Trainergenerationen haben ihr Wissen noch im eigenen Gärtchen gehortet, in Nottwil steht die Zusammenarbeit im Vordergrund. «Heute machen wir eine erste Standortbestimmung, damit jeder Athlet an sich weiterarbeiten kann», sagt Hirs. «Bei den

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SPORT

Station 6: Performance-Test. Sportwissenschaftler Claudio Perret (rechts) misst Tuors Leistungsdaten für die Standortbestimmung.

nächsten Testing Days zeigt dann der Datenverlauf, welches die Weichen sind, die gestellt werden müssen.» Er strebt ein möglichst effizientes Training an, das ist die wichtigste Voraussetzung für Verbesserungen. Daniel Hirs kennt die Teamarbeit von ­Trainern und Experten aus seiner Zeit im Profiradsport. Dass man ausserhalb der privatwirtschaftlich organisierten Sportszene erst seit Kurzem solche Ansätze nutzt, erklärt er mit dem öffentlichen Stellenwert des Sports in der Schweiz: «Alle sind zwar Federer-Fans. Aber wer würde sein Kind schon zu einer solchen Karriere pushen? Hierzulande macht man eine Ausbildung und geht arbeiten: So verdient man sein Geld!» Der Stolz unserer Sportnation beruhe auf ein paar Ausnahmetalenten, die ihren Profistatus in Familienunternehmen ausüben. So fehlt nicht nur die breite Basis, sondern auch das breite Verständnis. Einige Para-Athleten stehen vor dem Problem, dass ihre Chefs keinen Sinn für notwendige Absenzen während der Vorbereitung grosser Wettkämpfe zeigen. Zuerst die Arbeit, dann der Sport – diese Haltung findet man manchmal sogar in Firmen, die sich als Sponsoren engagieren. Im Rahmen der Umfeldanalyse kommen solche Probleme auf den Tisch. «Wenn wir irgend etwas verändern oder optimieren können, dann probieren wir es aus», betont Daniel Hirs. «Die Professionalisierung darf aber nicht beim Athleten aufhören. Die Gesellschaft muss mitziehen, wenn sie Erfolge im Sport anstrebt.»

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Kollegialer Austausch Ein Sportler spürt, wenn das Team im Hintergrund ebenso ehrgeizig ist. Chefarzt Phil Jungen und NLR-Leiter Roger Getzmann haben bewusst auch die Handbike-Legenden Heinz Frei und Sandra Graf zu den Testing Days aufgeboten. Frei erklärt dem Nachwuchs, welchen Einsatz es für internationale Erfolge braucht: «Die erste Trainingsstunde jeden Morgen ist für mich Therapie – erst dann beginnt das Training.» Andere würden schon bei zehn Stunden pro Woche die Nase rümpfen, damit komme man nicht weit. Nach dem Experten-Parcours hat Handbiker Alain Tuor einen sehr guten Eindruck vom neuen Leistungszentrum in Nottwil. Die Testing Days haben ihm wertvolle Anhaltspunkte zur Leistungssteigerung gegeben und auch der kollegiale Austausch unter den Athleten sei ein wichtiger Ansporn: «Dass unsere Stars heute dabei sind, ist Gold wert. Sie überblicken einen Erfahrungszeitraum von Jahrzehnten, und wir können sie alles fragen.» Für Tuor geht es jetzt an die Umsetzung der vereinbarten Ziele. Als erstes wird er seinen Trainingsplan optimieren. Mit Sportwissenschaftlerin Flück und Nationaltrainer Hirs sind Testläufe mit der Thermopille im Velodrome Suisse in Grenchen geplant. Und von Sandra Graf bekommt er Angaben zu einer Funkschaltung für den Gangwechsel. «Wir sind wie eine Familie», sagt er zum Abschied. «Zusammen wollen wir weiterkommen.» (kste/we/febe)

Auswertungssitzung: Die Experten legen für rungspunkten vor. Gemeinsam werden aus allen


Forschung Sport und Gesundheit

Charakteristika der Befragten

Über das Ausmass der körperlichen Aktivität bei Menschen mit Querschnitt­ lähmung ist wenig bekannt. Eine SwiSCI-Studie liefert erste Einblicke. Männer Frauen 17 – 30 Jahre 31 – 50 Jahre 51 – 70 Jahre 71 + Jahre Paraplegie Tetraplegie Ohne Rollstuhl Manueller Rollstuhl Elektrischer Rollstuhl 0

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Anteil Personen (in Prozent) jeden Athleten eine Einschätzung zu den wichtigsten OptimieDaten individuelle Empfehlungen abgeleitet.

Austausch unter Kollegen: Nachwuchsathlet Alain Tuor diskutiert mit Handbike-Legende Heinz Frei.

Wer erreicht die WHO-Empfehlungen – 2,5 Stunden Ausdauerbelastung plus zwei Muskeltrainings pro Woche?

Sport ist für alle Menschen wichtig. Sein positiver Einfluss auf unsere Gesundheit ist bekannt: Sport stärkt das Immunsystem, kräftigt Knochen und Gelenke und hilft bei psychischen Belastungen. Bei regelmässigem Sport sinkt der Blutdruck, der Körper lagert weniger Fett ein, das Herz-Kreislauf­ System ist belastbarer, Infektionen sind seltener. Ebenso gut erforscht sind die Probleme, die durch Bewegungsmangel entstehen: Die Weltgesund­ heitsorganisation (WHO) zählt körperliche Inaktivität weltweit zu den grössten Risikofaktoren für die öffentliche Gesundheit. Wer seine Gesundheit mit Sport fördern will, sollte einige Grundregeln beachten. Die WHO empfiehlt als wöchentliches Minimum 2,5 Stunden Aus­dauerbelastung bei moderater Inten­ sität, dazu zweimal ein Programm zur Muskelkräftigung. Bei diesen Aktivitäten sollte man ins Schwitzen kommen, um positive Effekte zu erzielen. Menschen mit Querschnittlähmung fällt es schwerer, sich ausreichend zu bewegen. Es ist aber auch für sie sinnvoll , sich an den WHO-Empfehlungen zu orientieren. Erreichen sie diese Werte? Gibt es allenfalls Risikogruppen? Die Schweizer Paraplegiker-

Forschung hat 2016 im Rahmen der SwiSCI-Studie erstmals wissenschaftliche Daten zu diesen Fragen ausgewertet. Die Ergebnisse sind erstaunlich. 48,9 Prozent der Betroffenen in der Schweiz geben an, sich gemäss den WHO-Empfehlungen zu verhalten – prozentual sind das mehr Menschen als in der Gesamtbevölkerung (41 Prozent). Bei den Betroffenen gibt es jedoch markante Unterschiede bezüglich Geschlecht, Alter, Schwere der Verletzung und Art der Fortbewegung. So sind es häufig Frauen, ältere Menschen, Tetraplegiker und Nutzer von Elektrorollstühlen, die sich zu wenig bewegen. Für ihre Gesundheit müssen Querschnittgelähmte ebenso wenig ein Fitnessstudio aufsuchen wie Fussgänger. Der Alltag bietet ihnen genügend Gele­genheiten, um ins Schwitzen zu kommen oder die Atmung zu beschleunigen. Wer unterwegs den etwas längeren Weg wählt, tut seiner Gesundheit bereits einen Gefallen. Auch ein Handbike eignet sich als vielseitiges Gerät für mehr Bewegung – sei es zum Einkaufen oder für einen Ausflug mit der Familie. swisci.ch, who.int

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SPORT

Strategie «Meine Ambition ist Athletennähe» Das Nationale Leistungszentrum für Rollstuhlsport (NLR) hilft den Topathleten im Wettkampf um die letzten Zentimeter. Doch für Chefarzt Phil Jungen geht es um mehr: Von den Erkenntnissen der Sportmedizin Nottwil sollen alle Betroffenen profitieren.

Phil Jungen, wie haben Sie die Para­ lympics 2016 in Rio de Janeiro erlebt? Die Spiele als solche waren schön und inspirierend. Seitens von Swiss Paralympic und der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung war alles perfekt organisiert, Schweizer Qualität eben. Aber aus dem Blickwinkel der Sportmedizin wurde deutlich, dass wir in den vier Jahren der OlympiaVorbereitung nur wenig zum Erfolg unserer Athleten beitragen konnten. Wir behandelten vor allem medizinische Probleme und führten Leistungsmessungen durch, an der sportlichen Entwicklung haben wir kaum mitgewirkt. Als ich Marcel Hug und Manuela Schär zum Start begleitete, dachte ich: Um ehrlich sagen zu können, wir haben alles getan, damit die beiden genau jetzt ihre Höchstleistung abrufen können, hätten wir anders vorgehen müssen. Die Briten hatten Ernährungswissen­ schaftler und sogar zwei Psychiater mit im Team. Der Unterschied war auffällig. Bei andern Nationen arbeiteten ganze Expertencrews gemeinsam auf den Erfolg hin. Wir Schweizer reisten wie seit vielen Jahren mit Physiotherapeuten und einem Arzt an. Ein kleines Betreuerteam schuf für die Athleten eine Wohlfühlatmosphäre – damit hatten wir aus Sicht der Sportmedizin den Zeitgeist verschlafen. Mit fünf Medaillen belegten wir Platz 41 im Medaillenspiegel. Da sagten wir uns: Jetzt muss etwas geändert werden. Wie wichtig sind Medaillen für die Wahr­ nehmung des Rollstuhlsports? Wenn wir uns im Spitzensport engagieren, wollen wir nicht einfach nur dabei sein, sondern an der Weltspitze mitreden. Im Rollstuhlsport war die Schweiz jahrelang führend, das prägt noch

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immer unser Selbstverständnis. Auch in der öffentlichen Wahrnehmung der Schweizer Paraplegiker-Gruppe kommt dem Sport ein hoher Stellenwert zu: Die Bevölkerung ist stolz, wenn unsere Athleten erfolgreich sind. Die Medien­ berichte zeigen, dass die ganze Gruppe zur Spitze gehört. Somit spiegelt sich die hohe Qualität der Spezialklinik in Nottwil direkt in den Leistungen der Sportler wider, die wir hier betreuen. Als Reaktion auf Rio wurde in Nottwil das Nationale Leistungszentrum für ­Rollstuhlsport gegründet. Es bestand eine Diskrepanz: Einerseits waren die Athleten in vielen Bereichen ganz auf sich selbst und ihre Trainer gestellt. Andererseits hatte die Sportmedizin Nottwil sehr viel Fachwissen erarbeitet, was den Athleten aber kaum bekannt war. So wurde zum Teil noch unzeitgemäss trainiert, ernährt und regeneriert. Für das neue Leistungszentrum haben jetzt alle Fachexperten gemeinsam ein Programm entwickelt, das die Athleten und Mannschaften während des vierjährigen Olympiazyklus begleitet und die koordinierte Entwicklung ihrer Leistung sicherstellt. Nur ein Teil der Arbeit betrifft den Sport im engeren Sinne. Aufgrund der Querschnittlähmung sind auch

«Die Leistung der Sportler prägt das Image der Spezialklinik in Nottwil.» Dr. med. Phil Jungen Chefarzt Sportmedizin Nottwil

« Wir sagten uns: Jetzt muss etwas geändert werden!» Aspekte wie Verdauung, Temperaturregulierung, Trainingsintensität und Erholungsmethoden wichtig. Oder die Vereinbarkeit von Sport und Beruf, der Transport zur Sportstätte und Materialinnovationen. Im NLR justieren wir all diese Leistungsparameter aufeinander ab.


Arbeit an Finessen: Mit Sportwissenschaftler Fabian Ammann testet Triathletin Jolanda Annen Details zu Kraft­übertragung und Beweglichkeit.

Der Name «Nationales Leistungszentrum» markiert einen neuen Anspruch. Begriffe verankern Ideen in unseren Köpfen. Und das neue Gefäss hat jetzt eine neue Wirklichkeit geschaffen. So ist der Leitgedanke beim «Integrierten Support Team», dass Athleten und Trainer im Bedarfsfall nicht irgendwo in einem «Netzwerk» Unterstützung suchen müssen, sondern dass sie direkt auf unsere Fachexperten zugrei­fen können. Ein Anruf genügt. Der Name «Testing Days» signalisiert: Du bist jetzt Spitzenathlet! Die Teilnehmer werden zwei Tage lang in einem Trainingscamp geprüft – das ist ein Markstein in ihrer Karriere. Oder der Bereich «Sports Nutrition»: Da geht es um Erholung, Leistungsoptimierung und verkürzte Regenerationszeiten. Das hat nichts mehr mit Ernährungspyramide und Spaghetti zu tun. Weshalb hat man das früher nicht gemacht? Es herrschte ein anderer Zeitgeist. Die Expertise in Nottwil deckte aber bereits viele Bereiche ab. So waren alle Zutaten vorhanden und meine ersten Wünsche wurden von der Realität übertroffen. Wie hat sich die Sportmedizin verändert? Früher gab es dazu keine eidgenössische Ausbildung. Als in den 1990er-Jahren der Breitensport und die Volksläufe boomten, zeigten sich die Wissenslücken: Darf ein Herzinfarkt-Patient weiter joggen und ins Hochgebirge? Wie geht man mit Hormontherapien um? Was ist mit Asthma und Spitzensport, oder Übertraining und Untererholung? Sportwissenschaften, Leistungsdiagnostik, Leistungsoptimierung, ärztliches Fachwissen, Sportphysiotherapie – all diese Fachbereiche entwickelten sich rasant um den Sport herum. Seit 1999 gibt es eine von der FMH anerkannte Weiterbildung für Sportärzte.

Kompetenz für alle Sportler Von der Sportkompetenz in Nottwil profitieren nicht nur Rollstuhlathleten. Als zertifiziertes Swiss Olympic Medical Center hat die Sportmedizin Nottwil grosse Erfahrung in der Betreuung von Spitzensportlern mit und ohne Behinderung. Eine von ihnen ist die bekannte Triathletin Jolanda Annen (26). Auch sie trainiert professionell für Tokio 2020. Die Betreuung in Nottwil erlebt Annen als intensiv und sehr direkt: «Die Experten haben ein enormes Fachwissen. Wenn man das Training als solches bereits voll ausgereizt hat, bringen sie uns mit vermeintlich kleinen Sachen noch einen Schritt weiter.» Beim heutigen Termin klärt Jolanda Annen Fragen zur Ernährung und testet Details der Kraftübertragung und Beweglichkeit. «Ich kann in Nottwil noch sehr viel lernen – zu all jenem, was ich hier schon erfahren habe», ist die Triathletin überzeugt. Nur einen Punkt könne man nicht von aussen vermitteln: «Das Wichtigste im Leistungssport ist, dass man es wirklich gerne macht!» Das muss jeder für sich selbst merken.

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SPORT

Gibt es Zielkonflikte zwischen der medi­ zinischen Sorge um den Körper und dem Wunsch nach Leistungsoptimierung? Wenn ein Sportler Schulterbeschwerden bekommt, kann er unter Umständen nicht mehr in den Rollstuhl transferieren und ist dadurch auch in seinem Alltagsleben enorm eingeschränkt. Das gilt es unbedingt zu vermeiden. Wird der Rollstuhlsport aber korrekt ausgeführt, ist er nicht anfällig für Überbeanspruchungen. Es werden runde Bewegungen ausgeführt, die Kraftverteilung ist symmetrisch, es gibt kaum Schläge auf die grossen Gelenke. Ausnahmen sind einseitige Belastungen, wie sie beim Tennis und Badminton auftreten. In Nottwil messen wir zusammen mit der Forschung die Schulterbelastungen, suchen ergonomische Körperhaltungen und hinterfragen die Technik – wo soll ein Athlet mit der Hand ans Rad anschlagen, wo es loslassen? Wie muss das Racket geführt sein? Wenn wir sehen, dass eine Sportart für einen Athleten zu belastend ist, empfehlen wir alternative Trainingsarten. Lassen sich die Erkenntnisse aus dem Spit­ zensport auf andere Bereiche übertragen? Die Sportmedizin Nottwil ist für jeden Rollstuhlfahrer wichtig. In der Erstrehabilitation werden die Patienten an den Sport herangeführt, damit sie die körperliche Fitness haben, um aktiv an der Gesellschaft teilhaben zu können. Mit mehr Kraft und Ausdauer ist ein Betroffener mobiler und hat es im Alltag und im Beruf leichter. Daher legte unser Gründer Guido A. Zäch so viel Wert auf den Sport. Die Sportmedizin steht ganz im Sinne der bestmöglichen Integration. Dabei findet ein

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Transfer in beide Richtungen statt: Erkenntnisse aus dem Spitzensport kommen unseren Patienten zugute, und patientenbezogene Erfahrungen helfen den Sportlern.

Will nicht nur dabei sein, sondern an der Spitze mit­reden: Phil Jungen im Austausch mit den Fachexperten.

Nützt das Angebot des Leistungszentrums auch dem Breitensport? Genau das ist geplant! Unsere 104 Rollstuhl-Kader­ athleten bestreiten jetzt die Testphase. Im zweiten Schritt profitieren die Rollstuhlclubs der S­ chweizer Paraplegiker-Vereinigung von diesem Angebot –

« Die Sportmedizin Nottwil ist für jeden Rollstuhlfahrer wichtig.» deren etablierte Bereiche wir enger mit der Sportmedizin Nottwil verknüpfen. Und bereits gibt es auch Anfragen von Verbänden und Clubs aus dem Fussgängersport, die Interesse an unserem Produkt der Testing Days haben. Was sind Ihre Wünsche für das Zentrum? Ich wünsche mir, dass die Athleten das eine ganz coole Sache finden. Eine Querschnittlähmung führt den Menschen bereits im Alltag an seine Belastungsgrenzen. Wenn er sich zusätzlich noch dem Leistungssport verschreibt, kommen viele neue Fragen hinzu. Die Athleten sollen erkennen, dass wir sie tatsächlich mit all unserem Wissen proaktiv begleiten und das nicht nur behaupten. Meine medizinische Ambition sind Athletennähe und Ehrlichkeit – im Sinne von Guido A. Zächs berühmtem Gedankenspiel: Wie hätten Sie es gerne, wenn ...? (kste/febe)


Auf zum nächsten sportlichen Ziel

Sportmedizin Nottwil für Freizeit- und Leistungssportler: Beratung mit Sporternährungsanalyse und Leistungstest Sprechstunde für Prävention und sportärztliche Notfälle sportmedizin-nottwil.ch


SPORT

Ernährung Hightech im Bauch Die individuell optimierte Ernährung ist ein wichtiger Faktor zur Leistungssteigerung. In der Sportmedizin Nottwil untersucht Joëlle Flück die neuesten Trends und coolsten Gadgets.

Wer seinen Muskel trainiert, setzt Reize. «Du musst stärker sein!», sagen wir ihm, «dich aufbauen.» Je nach Training entstehen andere Reize und sogar Mikroverletzungen. Geben wir dem Muskel jetzt die richtige Nahrung, startet die Phase der Regeneration: Er kann seine Schäden beheben, sich umbauen, grösser werden. Die Bausteine dafür sind Proteine. Es gibt sie als künstliche Nahrungsergänzungsmittel in allen erdenklichen Formen. Oder als Fleisch, Fisch, Ei, Hülsenfrucht und Milchprodukt. Ohne diese Proteine ist der Nutzen des Krafttrainings geringer. Das gleiche Prinzip gilt im Ausdauersport: Essen wir vor dem Training Kohlenhydrate, leistet der Körper mehr und es können Reize auf einem höheren Niveau gesetzt werden. Aber das ist erst der Anfang. «Bei einem Athleten muss man viel genauer und spezifischer planen», weiss Joëlle Flück von der Sportmedizin Nottwil. Die Sport- und Ernährungswissenschaftlerin optimiert die Leistung von Spitzenathleten, die bereits alle bekannten Regeln ausgereizt haben. Flück zeigt ihnen die Stellschrauben, die zusätzliche Reize erlauben. Sie forscht am letzten Prozent der Leistungssteigerung – das ist jener Bereich, in dem im Spitzensport die Entscheidung über die Medaillen fällt.

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Individuelle Ernährung Während eines Rennens kann ein Handbiker nicht einfach ein Sandwich essen. Er muss die nötige Energie rechtzeitig über ein Getränk oder Gel zuführen. Dabei hat Flück auch den Blutzuckerspiegel im Blick. Um ihn konstant zu halten, setzt sie kurz-, mittel- und langkettige Kohlenhydrate ein. Ebenso ein Thema ist das Essverhalten im Alltag und vor dem Wettkampf: «Meine Philosophie ist, viele alltägliche Lebensmittel zu verwenden, die ein Sportler gerne isst und die ihm eine natürliche Unterstützung geben», sagt die Expertin. Weil kein Körper gleich funktioniert, steht bei ihr die individuelle Betreuung über allem. Zum Beispiel für eine schnelle Regeneration. Für Spitzenathleten, die täglich zwei bis drei Mal trainieren, spielt es eine Rolle, wie viel Erholungszeit sie bis zum nächsten harten Training haben. Können sie pro Woche nur ein bisschen mehr oder intensiver trainieren, erhalten sie über die Jahre den entscheidenden Vorsprung: Die zusätzlichen Reize machen den Unterschied vom guten zum sehr guten Athleten. Optimierte Körperzusammensetzung Bei Sportlern mit einer Querschnittlähmung kommen weitere Aspekte hinzu. Sie brauchen Energie

Grosses Bild: Sensor der Firma BodyCap. Er wird in Form einer Pille geschluckt und funkt die Körperkerntemperatur in Echtzeit an dieses handliche Ablesegerät.


SPORT

für die gewünschte Leistung, aber ihr Verbrauch ist viel geringer als bei einem Fussgänger. Das optimale Körpergewicht zu halten, wird so zum täglichen Balanceakt. Ein wichtiger Indikator ist der Kalorienverbrauch im Ruhezustand. Den be­ stimmt Joëlle Flück anhand des Sauerstoffverbrauchs und des Kohlendioxids in der Atemluft. Zudem kennt sie Wege, um die Fettverbrennung während der Belastung anzukurbeln. Weniger Fett und mehr Muskeln bedeuten: mehr Leistung. Gute Analysedaten liefert eine DXA-Messung der Körperzusammensetzung. Das Gerät funkti­ oniert wie ein riesiger Röntgen-Scanner, auf den man sich legt; es zeigt an, wie sich die Fett-, ­Muskel- und Knochenmassen im Körper verteilen. Ungleichheiten können dann mit einem gezielten Training beseitigt werden. Und für das Gewichtsmanagement zeigt das Gerät, ob tatsächlich nur Fett abgebaut wurde und nicht zusätzlich auch noch Muskelmasse. Regulierung der Körperkerntemperatur Je nach Lähmungshöhe leidet ein R ­ ollstuhlathlet an einer stark eingeschränkten Hitzeregulierung, da sein Körper nur bedingt schwitzen kann. «Bei Athleten, die Probleme mit der Hitze haben, suchen wir individuelle Lösungen, damit sie auch an heissen Tagen ihre Leistung erbringen können», erklärt Flück. Dabei hilft ihr seit Kurzem ein Sensor, der in Pillenform geschluckt wird und die Körperkerntemperatur misst. Die Wirkung von Kühlmassnahmen lässt sich damit in Echtzeit prüfen.

Ein weiteres Gadget aus Flücks Werkzeugkiste ist ein Gerät, das den Wasserstoffgehalt im Atem misst. So testet sie Unverträglichkeiten gegenüber Fructose, Lactose und Sorbitol. Dies ist insbesondere bei Sportlern mit Problemen im Magen-Darm-Bereich sehr wichtig, um die Nährstoffe noch besser zusammenzustellen.

Dr. Joëlle Flück (32) ist Sportund Ernährungswissenschaftlerin und Vizepräsidentin der Swiss Sports Nutrition Society. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich Supplemente.

Kochkurs für Sportler Bereits in naher Zukunft lassen sich die Kohlen­ hydratspeicher in der Muskulatur per Infrarot beobachten: Nach dem Training sieht ein Athlet, wie viel er verbraucht hat und kann genau diese Menge wieder ersetzen. Sein Gewicht bleibt im

«Zentral ist, dass ich die Ernährung für jeden Einzelnen perfekt auf das Training anpassen kann.» Joëlle Flück Optimalzustand. Wenn Joëlle Flück von solchen Trends erzählt, sagt sie auch: «Mich reizt, aus einem Athleten das Bestmögliche auf natürliche Art herauszuholen. Es geht dabei aber immer um seine konkrete Situation, um das, was er selbst mitbringt und was für ihn und seine Gesundheit am besten ist.» Als Nächstes plant sie einen Kochkurs für Sportler. Das Wissen um die Wirkung der einzelnen Nahrungsmittel soll Lust machen, sie kreativ in den Alltag zu intergieren. Sporternährung ist nämlich alles andere als Doping – auch wenn sie uns schneller und stärker macht. (kste/febe)

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R ATG EBER

Forschung Erkenntnisse für mehr Leistung In Claudio Perrets Labor findet man nur erlaubte Substanzen wie Randensaft oder Koffein. Damit möchte der international renommierte Forscher Spitzenathleten leistungsfähiger machen. Seine Erkenntnisse beeinflussen auch die Rehabilitation der Patienten.

Wenn ein Spitzensportler konsequent trainiert, kann er seine Leistung vielleicht um ein Prozent pro Jahr steigern. Ohne eine solche Verbesserung ist selbst ein Weltmeister im Folgejahr chancenlos. Wenn Patienten während der Rehabilitation trainieren, sind Steigerungen von zwanzig und mehr Prozent möglich. Für die Selbstständigkeit sind das enorme Fortschritte: Ein Betroffener kann seine Einkaufstasche wieder heben oder schafft den Transfer vom Rollstuhl ins Auto. Am Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) gilt daher die körperliche Fitness als wichtiger Faktor für mehr Lebensqualität. Durch ein gezieltes Training der Muskulatur und des Herz-Kreislauf-Systems sollen die Patienten die Spezialklinik möglichst fit verlassen. Die sportliche Betätigung dient aber auch der Prävention von Krankheiten, die bei Menschen mit Querschnittlähmung häufiger auftreten. Zum Beispiel aufgrund ihrer eingeschränkten Atmungsfunktion. Vom Sportler zum Patienten Claudio Perret und sein Team in der Sportmedizin Nottwil forschen in beiden Bereichen: Von ihren Erkenntnissen im Spitzensport profitieren die Patienten. Und von der Arbeit in der Rehabilitation fliessen Ideen in den Sport. So machen Perrets Untersuchungen zur Atmungsmuskultur nicht nur Athleten schnel­ler, sie helfen auch, dass Betroffene seltener eine Lungenentzündung entwickeln. Am SPZ profitieren heute die meisten Patienten von einem Atmungstraining. Umgekehrt nutzen die Sportler neue Erkennt-

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nisse aus der klinischen Rehabilitation, zum Beispiel, um in Verletzungspausen ihre Mus-­ keln weiter fit zu halten. Ernährung und Supplemente «Wir betreiben eine angewandte und unter­stützende Forschung», erklärt Claudio Perret. «Unsere Athleten und Patienten sol­len einen unmittelbaren Nutzen davon haben.» Statt um akademische Fragen geht es ihm um konkrete Massnahmen, wie Leistungseinschränkungen aufgrund der Querschnittlähmung reduziert werden können. Dabei werden aufwändige wissenschaftliche Methoden genutzt. Mit diesem Vorgehen geniesst die Sportmedizin Nottwil international ein hohes Ansehen. Eines der spannendsten Forschungsfelder weltweit ist derzeit die Ernährung, insbesondere die Leistungssteigerung mit Supplementen. Hierbei lassen sich Daten von Fussgängern jedoch nicht einfach eins zu eins auf Menschen mit Querschnitt­lähmung übertragen. Für sie sind neue Studien nötig. Perret konnte zum Beispiel nachweisen, dass bei Paraplegikern Koffein zu einer signifikanten Leistungssteigerung beim kurzen, intensiven Handkurbeln führt. Aktuell experimentiert sein Team mit der Wirkung von Randensaft auf den Sauerstoffverbrauch und die Leistungsfähigkeit beim Handbiken. Technodoping Auch im Materialbereich wird viel geforscht. «Technodoping» nennen das die Fachleute. Vor den Paralympics 2008 in Peking untersuchte man in Nottwil die Hitzeregulierung

und arbeitete mit Kühlwesten. Solche Studien der Sportmedizin wirken sich auch mental aus: Sie helfen den Sportlern, sich auf das anstehende Grossereignis zu fokussieren und vermitteln ihnen den Eindruck, gegenüber der Konkurrenz einen Vorsprung zu besitzen. Vor den Paralympics 2012 in London war bekannt, dass in den Abfahrten hohe Geschwindigkeiten erreicht werden. Also tüftelte Perrets Team an der Aerodynamik. Während andere Nationen einfach den tropfenförmigen Zeitfahrhelm aus dem Radsport übernahmen, zeigten Perrets Tests im Windkanal, dass dieser Helm die Handbiker sogar bremst. Den grössten aerodynamischen Vorteil brachte die richtige Fussstellung. Nicht zuletzt dank diesem Wissen gewann Heinz Frei in London die Goldmedaille. Oberster Wert: Gesundheit Sobald eine wissenschaftliche Studie pu­bli­ziert ist, wird das darin erarbeitete Wissen zum Allgemeingut und der Vorsprung ist Geschichte. Wie geht man in Nottwil mit die­ser Tatsache um? «Wir müssen der Konkurrenz halt immer einen Schritt voraus sein», erklärt Claudio Perret mit einem Lächeln. Für den renommierten Forscher darf der Erfolg aber nicht um jeden Preis angestrebt werden: «Die Gesundheit eines Athleten steht über allem», sagt er. In Rahmen seiner Forschungstätigkeit stehen die Werte Glaubwürdigkeit und Vertrauen zuoberst. Es sind Werte, welche die Arbeit auf dem gesamten Campus Nottwil prägen. (kste)


R ATG EBER

Trainingstipps Die wichtigsten Empfehlungen von Claudio Perret

Die Basics 1. Ausreichend Bewegung 2. Ausgewogene Ernährung 3. Genug schlafen

Tipp 1 PD Dr. sc. nat. Claudio Perret (49) ist stellvertretender Leiter der Sportmedizin Nottwil. Als Sportwissenschaftler publiziert er regelmässig in internationalen Fachzeitschriften.

Verhaltensänderungen fallen uns schwer. Doch wer seine Gesundheit fördern oder abnehmen will, benötigt keinen grossen Aufwand: Man muss sich nur regelmässig bewegen und ausgewogen ernähren. Die einfachste Komplettlösung sind Vitaparcours. Sie bieten alles, was es für ein umfassendes Training von Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit braucht.

Verbreitete Irrtümer Zwei Meinungen halten sich hartnäckig in der Fitnessszene. Doch sie sind falsch. Mythos 1 Fettverbrennung nur bei geringem Puls Für die Fettverbrennung soll man im niederen Intensitätsbereich trainieren, wird gesagt. Aber zum Abnehmen ist die absolute Fett­ verbrennung entscheidend. Diese ist bei einer mittleren Belastungsintensität (das Sprechen von 1 – 2 kurzen Sätzen ist gerade noch möglich) um einiges höher. Mythos 2 Das Alter definiert die Pulsfrequenz An fast jedem Trainingsgerät steht: 220 minus Alter gleich Maximalpuls. Damit lässt sich der optimale Trainingsbereich jedoch selten zuverlässig festlegen, zu unterschiedlich sind die Men­schen und Sportarten. Der individuelle Maximalpuls und der persönliche Trainingsbereich werden am besten mit einem Leistungstest bestimmt.

Raus aus der Komfortzone! Die Grundempfehlung lautet: täglich 30 Minuten moderate Bewegung. Wichtig ist, dass man Freude an der gewählten Bewegungsart hat; dann bleibt man dran. Das Ziel ist ein Zusatzverbrauch von 1200 Kalorien pro Woche.

Tipp 2 Langsam steigern! Übermotivierte gehen von null auf hundert – und überfordern ihren Körper. Besser ist: Schritt für Schritt vorgehen, zuerst die Trainingsdauer, dann die Intensität langsam steigern, Geduld haben, Ruhetage einplanen. Ein Bauch, der über 10 Jahre gewachsen ist, verschwindet nicht in 3 Monaten.

Tipp 3 Mehr Leistung braucht mehr Training! Um die Fitness zu verbessern, benötigt der Körper circa 3 Einheiten pro Woche: 2 Ausdauertrainings (d. h. zumindest leichtes Schwitzen) plus 1 Muskeltraining.

Tipp 4 Richtig essen! Wer trainiert, braucht Energie, Flüssigkeit und Salz. Im Leistungssport müssen Proteine und Kohlenhydrate möglichst schnell wieder zugeführt werden. Wer abnehmen will, sollte 2 – 3 Stunden mit dem Essen zuwarten und nur Wasser oder ungesüssten Tee trinken. Noch mehr profitiert die Linie, wenn man morgens nüchtern trainiert.

Tipp 5 Für Abwechslung sorgen! Wer jahrelang immer das Gleiche trainiert, macht keine Fortschritte. Abwechslung bezüglich Intensität und Dauer des Trainings und der Sportart hilft. Das sorgt für Motivation, Verbesserungen und beugt einseitigen Belastungen und Überlastungen vor.

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SEITENBLICK

Mehr als Sport

Rollen gebaut», erzählt Frei. «Damit sind wir im Gang zwischen den Passagieren zum WC gerobbt.» So ausgerüstet wagten die beiden die lange Reise.

«Zuerst war ich schneller, dann bald du», erinnert sich Peter Gilomen (70). Der Pionier im Rollstuhlsport schwelgt mit Heinz Frei (60) in alten Zeiten. Wart ihr Konkurrenten? «Wir waren Freunde!», sagt Frei. «Zum ersten Rennen, das ich 1981 gewonnen habe, gehört die Tragik, dass Peter eine Kurve verpasste und sich eine Platzwunde zuzog.» Damals fuhr man ohne Helm. In den rasanten Abfahrten flatterten die kleinen Vorderräder abenteuerlich, und die Gartenhandschuhe, die zum Bremsen benutzt wurden, waren rasch durchgewetzt. Rollstuhlfahrer waren noch kein gewohntes Bild in der Gesellschaft. Der Sport half ihnen, sich zu integrieren. Umso mehr hielt die Szene wie eine Familie zusammen. Wenn einer lange führte, liess man ihn schon mal gewinnen. Nach dem Rennen feierten alle gemeinsam und tauschten sich über alltagspraktische Fragen aus – vom Kleiderwechsel im Sitzen bis zum Umgang mit Versicherungen. «Die erfahrenen Rollstuhlfahrer gaben uns Lebenshilfe», erklärt Heinz Frei. «Heute ist jeder ganz auf sein Resultat fokussiert.» Zeit der Tüftler Pionier Gilomen hatte seine Autogarage zur Werkstatt umfunktioniert. Darin tüftelte der ehemalige Bauschlosser mit Frei an schnelleren Rennstühlen. Sie sägten und bogen Rohre, sie löteten und liessen nähen, hinterfragten alle Details. Es gab keine spezia-

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lisierten Zulieferer, Handarbeit machte den Unterschied. «Alltagssituationen haben uns dazu gebracht, erfinderisch zu sein und die Probleme selbst zu lösen», sagt Frei. Die Renndistanzen wurden länger. Ende der 1960er-Jahre hielten die Offiziellen nur 60 Meter für medizinisch verantwortbar, 1976 waren es schon 1500 Meter. Gilomen und Frei nutzten bald einmal Startgelegenheiten bei Strassenrennen für Fussläufer. «Manchmal haben die Konkurrenten uns sogar den Berg hochgeschoben», erzählt Gilomen. «Als es dann runterging, sagten wir: ‹Danke und tschüss …!›» 1983 wird im japanischen Oita der erste Marathon für Rollstuhlfahrer angekündigt. Frei und Gilomen melden sich sofort an. Der Flug dauerte mehr als einen Tag. Wie geht das für Menschen mit einer Querschnittlähmung? «Peter hat uns ein ‹Schemeli› auf vier

Wintertauglich Für das Training im Winter bastelten die Freunde einen Langlaufschlitten. Gilomen montierte Skis unter einen norwegischen Hundeschlitten und formte gepolsterte Sitzschalen aus Kunststoff gegen die Kälte. Frei fuhr damit Meisterschaften und durch autofreie Skiorte. An den Paralympics in Innsbruck 1988 unterstützt sie der Flugzeughersteller Pilatus mit einer ultraleichten Carbon-Schale. In diesen Jahren wird das Material immer

wichtiger: Wer noch im Gefährt des Vorjahres startet, ist chancenlos. Heute beteiligen sich bereits Formel-1-Firmen an der prestigeträchtigen Jagd um Sekundenbruchteile im Rollstuhlsport. Den Langlaufschlitten der Pioniere nutzen heute auch Athleten ohne Querschnittlähmung, etwa bei Verletzungen. Vor Sotschi hielt Dario Cologna damit seinen Oberkörper fit – und wurde prompt Olympiasieger. «Nicht nur wir Rollstuhlfahrer haben von all den Erfindungen profitiert», fasst Heinz Frei die Jahre zusammen, «sondern auch unser Gegenüber.» Integration funktioniert eben in beide Richtungen. (kste)


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BEGEGNUNG

Integration Mit Muskelkraft zu neuen Zielen Er wollte ein Kind retten und ist dabei selber verunglückt. Die Lebensgeschichte von René Hübner prägen diverse Rückschläge. Doch der Thurgauer hat jedes Mal einen Ausweg gefunden. Mit Wille und Muskelkraft.

Unglaublich. Diese Hand ist wie aus Beton. Wer René Hübners Arm auf den Tisch drücken will, muss trainieren, bei einem Nichtsportler wankt er keinen Millimeter. Ganz anders im Wettkampf der starken Männer. Da zittern die Hände beim Krafteinsatz. Da wird Energie rausgebrüllt. Die Kontrahenten verhaken sich im Tisch, ringen um kleinste Winkel im Handgelenk, reagieren blitzschnell. «Armwrestling ist Adrenalin pur», sagt René Hübner. «Da gibt man 120 Prozent!» In einen Kampf legt er alles hinein, was sein ­Körper hergibt. Der Lohn für seine Kraftakte steht in Form von Pokalen im Wohnzimmer des 42-jährigen Thurgauers. Daneben gibt Hübners Fotoalbum erste Einblicke in eine Sportart, die so gar nichts mit der schummrigen Welt der Hafenkneipen gemein hat, mit der Laien das Armwrestling oft verbinden. Das Album zeigt vielmehr hochkonzentrierte Athleten am Kampftisch, Nationenteams bei Wettkämpfen und Schnappschüsse einer buntgemischten Szene, in der man sichtlich Spass zusammen hat. «Wir sind wie eine Familie», erzählt der letztjährige Schweizermeister. «Man hilft sich gegenseitig. Und zu internationalen Anlässen b ­ egleiten mich jeweils einige Clubmitglieder und feuern mich an.» Dreissig Mitglieder zählt die L.A.C. Löwen Arm Crew, der grösste Armwrestler-­ Club der Ostschweiz, darunter sechs Frauen. Die jüngste im Team ist siebzehn Jahre alt, der älteste 54. Athleten mit Sehbehinderung zählen ebenso zur Crew wie solche mit Teillähmungen, René Hübner ist der erste Rollstuhlfahrer. Integration ist in dieser Szene kein Fremdwort. Der Bub im Wasser Sport war schon immer ein prägender Faktor im Leben des ehemaligen Metzgers, der auch als Forstwart und in der Landwirtschaft gearbeitet

hat. Zwölf Jahre lang spielte er American Football, mit den St. Gallen Raiders hat er nationale und internationale Titel gewonnen. Ein Badeunfall im Mai 2005 beendete seine Karriere abrupt. René Hübner wollte auf Fuerteventura einem neunjährigen Buben helfen, der im Pool in Schwierigkeiten geraten war und zu ertrinken drohte. Er eilte zu Hilfe und rutschte in seinen Slippers aus. Beim Sturz in den Pool brach sein siebter Halswirbel. Zum Glück reagierten die anderen Badegäste sofort. Der Junge aus dem Pool lebt heute in Hamburg. Manchmal besucht ihn René Hübner. Sie seien wie zwei alte Kollegen, die eine gemeinsame Geschichte verbindet. 51 Operationen Die erste Operation zur Stützung der Wirbelsäule wird auf den Kanarischen Inseln vorgenommen, in Las Palmas. Dabei geraten auch Kehlkopf und Stimmbänder in Mitleidenschaft. «Ich war gelähmt und konnte zudem nicht mehr sprechen», schildert Hübner seine schwierige Lage nach dem Unfall. Zur Rehabilitation wird er ans Schweizer Paraplegiker-Zentrum in Nottwil überführt, wo weitere Eingriffe nötig werden. Bis heute musste der Tetraplegiker insgesamt 51 Operationen über sich ergehen lassen. Doch der begeisterte Sportler lässt sich nicht entmutigen. «Ich bin eine Kämpfernatur», sagt er, «aufgeben gibt es nicht.» Nach jedem Rückschlag suche er einen Weg, auf dem er wieder nach vorne schauen könne. Im Rollstuhlclub St. Gallen findet er eine neue sportliche Herausforderung: das Basketball. Mit Unterstützung der Schweizer Paraplegiker-­ Stiftung erwirbt er einen Spezialrollstuhl und engagiert sich im Team. Der regelmässige Sport fördert seine körperliche Fitness und hilft ihm bei der Bewältigung des Alltags. Er erleichtert

Mit diesem Gerät trainiert René Hübner die Kraft zusammen mit der Drehung des Handgelenks.

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BEGEGNUNG

aber auch die soziale Integration. Bis der nächste Rückschlag folgt: Weitere Operationen an beiden Schultern zwingen den Thurgauer zur Aufgabe seines neuen Sports. Backen für die Löwen In seiner Küche in Kradolf-Schönenberg nimmt René Hübner einen Ordner mit sorgfältig abgelegten Rezepten zur Hand, blättert kurz, findet das Gesuchte: «Heute mache ich einen Schlorzifladen. Das geht einfach und schnell.» Hübner backt den süssen Ostschweizer Birnenkuchen für seine Kollegen im Club. Drei Mal wöchentlich fährt er zum Trainieren zur L.A.C. Löwen Arm Crew – zusätzlich zu seiner Arbeit im Kraftraum und seinen Besuchen beim Physiotherapeuten. «Heute besprechen wir nach dem Training die Fahrgemeinschaft für den nächsten Wettkampf in der Slowakei, da bringt jeder etwas zum Naschen mit.» Das Kochen und Backen ist für ihn Entspannung. Er tüftelt gerne an Rezepten herum, probiert Neues aus. Der inkomplett Querschnittgelähmte ist jetzt aus seinem Rollstuhl aufgestanden und steht für einige Minuten auf eigenen Beinen. Geschickt nutzt er die Arbeitsfläche seiner Küche und die Griffe von Herd und Kühlschrank, um sich abzustützen und seinen Radius zu erweitern. «Das Gespür in meinen Beinen kam vor drei J­ahren zurück», erzählt er. Wie ein Wunder sei das ge­­ wesen, zehn Jahre nach dem Unfall. Auch sein Selbstwertgefühl hätte einen Schub bekommen. Bei Auftritten mit der Guuggemusig kann er seinen Rollstuhl hinten an der Bühne lassen und sich mit Stöcken aufstellen. Prestige für den Staat Das Armwrestling entdeckt der kräftige Thurgauer 2016 durch ein Event in der Nähe seines Wohnorts. Mit Ermunterung seines Physiotherapeuten probiert er es aus – und rasch stellen sich erste Erfolge ein. «Ich spürte sofort: Diese Sportart ist wie gemacht für mich. Ich kann an meine Grenzen gehen und mich unter Beweis stellen.» Mit seinem überraschenden Schweizermeistertitel 2017 kamen die Einladungen an die grossen Turniere. Und damit das Feilen an Kraft und Technik im Club. Die Technik hat zur Hälfte Anteil am Erfolg, die Bewegungen am Kampftisch sind weit

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komplizierter, als es von aussen erscheint. Drei Schiedsrichter pro Tisch sind nötig, damit alles korrekt über die Bühne geht. Während in der Schweiz Armdrücken als Sport eher unbekannt ist, geniesst es in Ländern des ehemaligen Ostblocks hohe Aufmerksamkeit. Diese Nationen investieren bewusst in Medaillen und finanzieren ihren Rollstuhlsportlern eine Karriere als Vollprofi. «Für einen Sieg bekommen sie vom Staat gut 7500 Euro überwiesen», erläutert Hübner. Er und seine Kollegen betreiben den Sport aus eigener Tasche und sind auf Sponsoren angewiesen. Preisgelder gibt es selbst an internationalen Turnieren keine.

Oben: Trainingskampf mit Ivan Sciaroni (links), Präs­dent der L.A.C. Löwen Arm Crew. Unten: Zehn Jahre nach dem Unfall kam das Gespür zurück. Für kurze Zeit kann René Hübner stehen. Kleine Bilder: Den Tisch mit eingraviertem HC Davos-Logo hat er selber gebaut. Darauf: die ersten Pokale. Unten: beim Krafttraining im Club.

Träume Auch wenn der aktive Sport und das Besuchen von Eishockeyspielen des HC Davos mit dem Fanclub ein wichtiger Teil seines Lebens sind – Sport ist nicht alles. Fragt man René Hübner nach seinen Zielen und Wünschen, steht für ihn der Wiedereinstieg in die Arbeitswelt oben auf der Liste.

« Ich spürte sofort: Diese Sportart ist wie gemacht für mich.» René Hübner

Seine 51 Operationen haben ihn immer wieder zurückgeworfen, machten zusätzliche Abklärungen nötig. Er sucht jetzt eine berufliche Aufgabe, die er für längere Zeit ausüben kann. Chancen sieht er bei seinem ehemaligen Arbeitgeber in der Landwirtschaft. Tiere und Natur bedeuten ­Hübner viel. Der Armwrestler hätte allerdings keine Hand aus Beton, wenn er sich nicht auch sportliche Ziele stecken würde. Ein Titel an den Europameisterschaften erscheint ihm in Reichweite. Für einen WM-Titel muss er noch mehr technische Kniffe von seinen Club-Kollegen Ivan S­ ciaroni und Doan Simsek lernen, die diesen Sport seit 25 Jahren betreiben und bereits die grössten Trophäen gesammelt haben. Erlebt René Hübner keinen weiteren Rückschlag, will er im Oktober an den Weltmeisterschaften im türkischen Antalya teilnehmen. Rund vierhundert Athleten werden erwartet. Unter ihnen hundert Menschen mit körperlichen Einschränkungen. (kste/febe)

So hilft Ihr Mitgliederbeitrag Die Schweizer Paraplegiker-­ Stiftung unterstützte René Hübner bei der Anschaffung eines Autos und eines Sportrollstuhls. Sie half auch bei der Suche einer geeigneten Wohnung und bei den beruflichen Abklärungen.


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KOMPE TENZ

Querschnittlähmung Verstehen, erkennen, reagieren … Verständnis für den Alltag von Betroffenen zu schaffen, ist Aufgabe der Schweizer Paraplegiker-Stiftung. Deshalb baut sie ein Besucherzentrum und ersucht um Ihre Spende. Kennen wir die alltäglichen Herausforderungen der Querschnittgelähmten besser, können wir die kleinen und grösseren Missverständnisse im Zusammenleben vermeiden und einen Beitrag zu echter Integration leisten.

Karl Emmenegger

Florian Bickel

Gabriela Bühler

Geschäftsführer und s­ elbstständiger Berater für berufliche Integration

Call Center Agent Schweizer Paraplegiker-Stiftung

Betroffenen-Beraterin (Peer Counsellor) Schweizer Paraplegiker-Zentrum

«Der Rollstuhl wird von Fussgängern meist als grösste Einschränkung im Alltag ge­­ sehen. Das stimmt nicht. Ein Paraplegiker wendet nur schon für Körperhygiene, ­T herapie und Mobilität täglich zwei bis drei Stunden, ein Tetraplegiker bis zu fünf Stunden mehr Zeit auf als ein Fussgänger. Das erschwert spontane Entscheide für kurzfristig angesagte Unternehmungen.»

«Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich seit meinem Unfall grössere Freude am Leben habe und es mehr schätze als viele Fussgänger.»

«Ich bin als Paraplegikerin auf einen Behinderten-Parkplatz angewiesen. Diesen zusätzlichen Raum brauche ich, um mit ganz geöffneter Autotür vom Fahrersitz hinaus auf den Rollstuhl transferieren zu können. Es ärgert mich, wenn die Plätze durch Unberechtigte belegt sind.»

«Ich führe seit bald dreissig Jahren Besuchergruppen durch das Schweizer Para­ plegiker-Zentrum. Zu erfahren, welche Herausforderungen sich einem frisch Querschnittgelähmten stellen, wirft die Gäste ins wahre Leben zurück. Ihr Blick auf eigene Erwartungen und Bedürfnisse ändert sich dann oft.»

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«Es kommt vor, dass ich meine Muskeln beim Krafttraining und Sport zu stark ­fordere und dann in Schultern und Nacken Schmerzen habe. Eigentlich sollte ich die Muskeln jetzt schonen. Das ist jedoch schwierig, da ich sie im Alltag beim Rollstuhl Antreiben, Stützen und Transferieren täglich beanspruche und belaste.»

«Ich begrüsse Hilfe, wenn ich um Hilfe ersuche. Oder wenn man mich fragt, ob man helfen kann. Ungefragt meinen Rollstuhl zu schieben ist, als ob man mich schubsen würde und kann sogar gefährlich werden. Auf überraschendes Schieben kann ich erschrecken und im schlimmsten Fall aus dem Rollstuhl fallen.»


Bitte spenden Sie für das neue Besucherzentrum. Helfen Sie mit, Wissen und Verständnis zu fördern. Herzlichen Dank! Schweizer Paraplegiker-Stiftung PC Konto 60-147293-5 IBAN Nr. CH14 0900 0000 6014 7293 5 Zweck: Besucherzentrum

Alexandra Burkart

Tim Shelton

Christian Hamböck

Betroffenen-Beraterin (Peer Counsellor) Schweizer Paraplegiker-Zentrum

Betroffenen-Berater (Peer Counsellor) Schweizer Paraplegiker-Zentrum

Fachkader Marketing Schweizer Paraplegiker-Stiftung

«Es stört mich immer wieder, wenn mein im Rollstuhl sitzender Mann im Restaurant einfach übergangen wird und ich gefragt werde, was ‹er› denn wohl essen wolle.»

«Chronische Schmerzen in den empfindungslosen, gelähmten Gliedmassen stehen an erster Stelle der Einschränkungen, mit denen wir Rollstuhlfahrer zu kämpfen haben. Noch vor dem nicht mehr Gehenkönnen. Beim Rücken­markverletzten sind die Nervenfasern zum Gehirn auf einer bestimmten Höhe durchtrennt und senden keine oder sich widersprechende Infor­ mationen ans Grosshirn. Dieses versucht, die feh­lenden Informationen zu ergänzen, was nicht gelingt. Diesen Schmerzen ist oft schwer beizukommen.»

«Ein Stehapéro ist von der Körperhaltung her für uns Rollstuhlfahrer nicht besonders angenehm. Ich würde es sehr begrüssen, wenn sich die Fussgänger, die sich mit mir unterhalten, mit einem Stuhl zu mir setzen. So können wir auf Augenhöhe kommu­ nizieren, und ich laufe nicht Gefahr, durch das Hinaufschauen eine Genickstarre zu bekommen.»

Roland Burkart Selbstständiger Illustrator

«Falls mich mal jemand mit ganz vornüber gebeugtem Oberkörper antreffen sollte, dann bin ich nicht etwa auf der Suche nach Kleingeld – ich kann mich selber nicht mehr aufrichten. Viele Querschnittgelähmte können aufgrund der gelähmten Rumpfmuskulatur ihre Körperbalance nicht halten und kippen vornüber.»

«Als Rollstuhlfahrer möchte ich nicht wie eine unmündige Person behandelt ­werden. Auch lebe ich nicht in einem betreuten Wohnheim, sondern führe ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben, arbeite und bezahle Steuern, wie andere auch.»

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KOMPE TENZ

Mitgliederversammlung Leistungen aus Nottwil sind gefragt Der Vorstand der Gönner-Vereinigung der Schweizer Paraplegiker-Stiftung zeigte sich an der Mitgliederversammlung zufrieden mit dem Geschäftsjahr 2017. Wahlen, Voten und Anträge führten dieses Jahr zu einer ungewohnt langen Versammlung.

Der Rennrollstuhlfahrer absolviert einen Mara­ thon in einer Stunde zwanzig Minuten, der Spit­ zenläufer in zwei Stunden fünf Minuten. «Die diesjährige Mitgliederversammlung könnte sport­ lich irgendwo dazwischen liegen», mutmasste Vorstandspräsident Heinz Frei in seiner Begrüs­ sung. Sie dauerte schliesslich vier Stunden. Neben dem üblichen Vereinsgeschäft führten mehrere Anträge zu Statuten, Struktur und Geschäftsfüh­ rung sowie die Neuwahlen von vier Vorstands­ mitgliedern zu einer der längsten Versammlun­ gen der Gönner-Vereinigung. Ungebrochene Solidarität Die Solidarität von 1,8 Millionen Gönnermitglie­ dern beweist, dass die Paraplegiker-Stiftung unge­ brochen grosses Vertrauen verdient. Vorstands­ präsident Heinz Frei zeigte sich beeindruckt: «Wir

verzeichnen eine weitere Zunahme bei den Jah­ res- und den Dauermitgliedschaften. Indem zahl­ reiche Mitglieder ihren Jahresbeitrag grosszügig aufrundeten oder unseren Spendenaufrufen folg­ ten, erzielten wir zusätzlich 11,7 Millionen Franken an Spendengeldern.» Mitgliederbeiträge sowie Spenden generier­ ten Erträge von 83,8 Millionen Franken. 27 Pro­ zent dieser Einnahmen kamen querschnittge­ lähmten Menschen direkt zugute: 4,7 Millionen Franken als Unterstützungsbeiträge an neu ver­ unfallte Mitglieder, 17,4 Millionen Franken als Direkthilfe an bedürftige Querschnittgelähmte. Insgesamt hiess die Paraplegiker-Stiftung 1118 ­Direkthilfe-Gesuche gut. Damit wurden ungedeck­ te Pflegekosten, Anpassungen von Fahrzeugen oder Umbauten für hindernisfreie Wohnräume und Arbeitsplätze finanziert. Weitere 38 Prozent

Verwendung Mitgliederbeiträge und Spenden 2017

Jahresbericht 2017 jetzt erhältlich

Total CHF 83,8 Mio.

27 %

Direkthilfe an Querschnittgelähmte

10 %

Beiträge Leistungs­ feld Bildung, For­ schung, Innovation

28  Paraplegie, Juni 2018

18 %

Beiträge Leistungsfeld Medizin

8 %

Beiträge Leistungs­ feld Integration

15 %

Mitgliederbetreuung und Fundraising-Aufwand

3 %

Forschungsbeiträge an Dritte

3 %

Administrations­ aufwand

14 %

Infrastruktur Nottwil

2 %

Beiträge Leistungs­ feld Solidarität

Die Tätigkeiten der Schweizer Paraplegiker-Stiftung, ihrer Tochtergesellschaften und Partnerorganisationen ist im Jahresbericht und im Finanzbericht dokumentiert. Sie stehen ebenso wie der Nonprofit-Governance-Bericht auf paraplegie.ch zum Herunterladen bereit. ­Bestelladresse für gedruckte Exemplare: Schweizer Paraplegiker-Stiftung Guido A. Zäch Strasse 10 CH-6207 Nottwil T +41 41 939 63 63 sps.sec@paraplegie.ch


Zahlen 2017 aus den vier Leistungsfeldern der Schweizer Paraplegiker-Gruppe Solidarität

1,8 Millionen  Gönnermitglieder

Medizin

Integration und ­lebenslange Begleitung

Bildung, Forschung, Innovation

51 848 Pflegetage

629 Rollstühle

11 289 Absolventen

unterstützen die Schweizer Paraplegiker-Stiftung.

leistete das Schweizer ­Para­plegiker-Zentrum für 1115 stationäre Patienten.

passte Orthotec individuell für Querschnittgelähmte an.

bildete das Schweizer Institut für Rettungsmedizin Sirmed aus.

27 Prozent

150 Patientenbetten

313 Bauberatungen

21 Länder

jedes Gönner- und Spenden­ frankens flossen direkt an Querschnittgelähmte.

waren zu 95,3 Prozent ausgelastet.

übernahm das Zentrum für hin­ dernisfreies Bauen der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung.

nahmen an der von der Schweizer Paraplegiker-Forschung initiierten Befragung querschnittgelähmter Personen teil.

10 191 Besucher

1171 Mitarbeitende

nahmen an Führungen durch das Schweizer Paraplegiker-­ Zentrum teil.

sind in der Spezialklinik in Nottwil tätig.

160 079 Teilnehmer

15 858 Stunden

besuchten Kongresse, Seminare und Tagungen im Hotel ­Sempachersee und auf dem ­Campus Nottwil.

an Fachberatung führte ParaHelp bei Querschnittgelähmten zu Hause durch.

der Mitgliederbeiträge und Spenden flossen durch die Unterstützung der Leistungsfelder indirekt an Querschnittgelähmte. Mehr hochgelähmte Patienten Die Nachfrage querschnittgelähmter Menschen nach den spezialisierten Leistungen bleibt hoch, beispielsweise im Leistungsfeld Medizin: Die 150 Patientenbetten im Paraplegiker-Zentrum waren zu 95,3 Prozent ausgelastet. Die Spezialklinik hat im vergangenen Jahr mehr hochgelähmte Patien­ ten in der Erstrehabilitation betreut: 65 Prozent waren 2017 von einer Tetraplegie betroffen, 35 Prozent von einer Paraplegie. In 42 Prozent aller Fälle führte ein Unfall zur Querschnittlähmung, dabei sind Stürze (31 Prozent), Sport (31 Prozent) und Verkehr (29 Prozent) die h ­ äufigsten Ursachen.

463 Rechtsdossiers betreute das Institut für Rechts­ beratung zur rechtlichen ­Begleitung querschnittgelähmter Mitglieder der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung.

23 327 Beratungsstunden leistete Active Communication in der Versorgung Betroffener mit elektronischen Hilfsmitteln.

112 Publikationen veröffentlichte die Schweizer ­Paraplegiker-Forschung in inter­ nationalen Fachjournalen.

14 Förderprojekte begleitete das Innovationszentrum für assistive Technologien der Schweizer Paraplegiker-Stiftung.

Die 1115 Patienten belegten 51 848 stationäre Pfle­ getage, 8664 Pflegetage davon waren beatme­ ten Patienten gewidmet. Alle Leistungen konnten während der laufenden Bautätigkeit zur Klinik­ erweiterung und -erneuerung uneingeschränkt bereitgestellt werden. Mit der Klinikerweiterung werden zusätzliche vierzig Betten für die akut­ medizinischen Behandlungen von Querschnitt­ gelähmten, für die Wirbelsäulenchirurgie und die Beatmungsmedizin zur Verfügung stehen. «Die Bauarbeiten verlaufen optimal. Der neue Klinik-­ Nordtrakt konnte bereits dem Betrieb übergeben werden», führte Stiftungsratspräsident Daniel Joggi an der Mitgliederversammlung durch die Meilensteine 2017. Mit Abschluss des Bauprojek­ tes Anfang 2020 können jährlich rund 1300 stati­ onäre Behandlungen geleistet werden.

Paraplegie, Juni 2018  29


KOMPE TENZ

Daniel Joggi gab den Teilnehmenden mit weiteren Zahlenbeispielen Einblick in die vier Leistungsfel­ der und zeigte eindrücklich die Wichtigkeit von Gönnern und Spendern für das Solidarwerk auf: «Die Paraplegiker-Stiftung deckte einen Drittel aller Kosten für unsere Leistungen.» Es ist in der Tat das grosse Engagement von Privatpersonen und Förderstiftungen, die das weltweit einzigar­ tige Leistungsnetz für querschnittgelähmte Men­ schen, von der Erstversorgung bis ans Lebensende, ermöglicht. Erweiterte Corporate Governance Neben der Abnahme des Jahresberichts und der Decharge-Erteilung an den Vorstand gaben auch einige Anträge rund um die Corporate Gover­ nance der Paraplegiker-Vereinigung zu reden. Die Paraplegiker-Vereinigung ist innerhalb des Leis­ tungsnetzes eine rechtlich unabhängige Partnerorganisation der Paraplegiker-Stiftung und ver­ tritt die Interessen der Querschnittgelähmten. Die Teilnehmer der Mitgliederversammlung ka­ men grossmehrheitlich zum Schluss, dass diese Anträge bei der Gönner-Vereinigung an der fal­ schen Stelle deponiert seien und direkt bei der Delegiertenversammlung der Paraplegiker-Verei­ nigung eingebracht werden müssen. Diese ist das höchste Organ der Paraplegiker-Vereinigung. Die

Entwicklung der Betriebskosten Entwicklung der Betriebskosten der Schweizer Paraplegiker-Gruppe der Schweizer Paraplegiker-Gruppe in Mio. CHF 32,5 % 250 22,7 % 21,7 % 21,2 % 22,2 % 200 150 100 50 0 2013

2014

2015

2016

2017

■ Durch Gönner und Spender gedeckte Kosten ■ Durch Tarifpartner und ­ Kunden gedeckte Kosten

Durch Gönner und Spender gedeckte Kosten Durch Tarifpartner und Kunden Paraplegiker-Stiftung selber hat bereits im Okto­ gedeckte Kosten ber 2017 ein neues Organisationsreglement ver­ abschiedet, das eine erweiterte Corporate Gover­ nance sowie eine erhöhte Transparenz der Saläre der Führungsorgane festlegt. Nach vier Stunden ging eine emotionale Mit­ gliederversammlung zu Ende und Vorstandsprä­ sident Heinz Frei entliess die rund 300 Mitglie­ der mit einem herzlichen Dank für ihre Teilnahme zum Apéro. Dem Spitzenathleten stand bereits der nächste Marathon bevor, diesmal aber nicht in der Aula mit Block, Bleistift und Traktanden­ liste, sondern mit dem Handbike in London … (vom/we)

25. Mitgliederversammlung

Der Vorstand der Gönner-Vereinigung Vorne (von links): Sébastien Tobler, Vreni Stöckli, Heinz Frei, Daniel Joggi, Roger Suter Hinten: Hans Georg Koch, Pius Bernet, Barbara Moser Blanc, Stephan Zimmermann

30  Paraplegie, Juni 2018

Die Mitgliederversammlung der Gönner-Vereini­ gung genehmigte am 18. April 2018 die Jahres­ rechnung 2017 und erteilte dem V ­ orstand Dechar­ ge. Die Mitgliederbeiträge bleiben unverändert. Drei Vorstandsmitglieder wurden für die nächsten zwei Jahre im Amt bestätigt: Heinz Frei (Ober­ bipp BE), Dr. med. Hans Georg Koch (Grosswan­ gen LU) und Dr. sc. tech. Daniel Joggi (Trélex VD). Nicht bestätigt wurde Peter Landis (Hirzel ZH). Hans Jürg Deutsch (Greifensee ZH) demissionierte nach zehnjähriger Vorstandstätigkeit. Neu in den Vorstand gewählt sind Pius Bernet (Egolzwil LU), Roger Suter (Sursee LU) und Sébastien Tobler (Farvagny FR). B ­ arbara Moser Blanc (Oberhofen am Thunersee BE), Vreni Stöckli (Ibach SZ) und Dr. iur. Stephan Zimmermann (Zürich) sind bis­ herige, bis 2019 gewählte Mitglieder. Die 26. Mitgliederversammlung findet am Mittwoch, 24. April 2019 statt.


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PA RT NER SCH A F T

Lucerne Festival Spitzenmusiker unterstützen Menschen mit Querschnittlähmung Bei drei ausgewählten Sinfoniekonzerten am diesjährigen Sommer-Festival können Sie einen Teil Ihres Ticketpreises der Schweizer Paraplegiker-Stiftung zukommen lassen.

Die Partnerschaft zwischen Lucerne Festival und der Schweizer Paraplegiker-Stiftung (SPS) geht ins zweite Jahr! Michael Haefliger, der Intendant von Lucerne Festival, und SPS-Direktor Joseph ­Hofstetter freuen sich, den Gönnern und Spendern der Schweizer Paraplegiker-Stiftung ein besonderes Angebot unterbreiten zu können: Geniessen Sie ein Konzert auf Weltklasseniveau und unterstützen Sie gleichzeitig das Engagement in Nottwil für die lebenslange Begleitung von Menschen mit Querschnittlähmung – zwanzig Prozent Ihres Ticketpreises fliessen direkt an die Schweizer Para­plegiker-Stiftung. Das Motto des diesjährigen Sommer-­Festivals lautet «Kindheit». Die renommiertesten Klang­ körper und Musiker der Welt beleuchten das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Sie verführen zum Staunen und möchten die kindliche Neugierde in uns wieder zum Leben erwecken. Aus dem reichhaltigen Festivalprogramm hat ­Michael Haefliger drei spannende Sinfoniekonzerte zur Unterstützung der Schweizer Paraplegiker-Stiftung ausgewählt.

Tickets mit Promotionscode Von Ihrer Ticketzahlung für diese drei Sinfoniekonzerte fliessen zwanzig Prozent an die Schweizer Paraplegiker-Stiftung. Geben Sie dazu bei Ihrer Buchung bitte immer den folgenden Promotionscode an: Promo-Code: s18fpara Buchungen können direkt über die Website www.lucernefestival.ch vorgenommen werden. Die Anzahl Karten ist beschränkt. Rollstuhlplätze können nicht online gebucht werden, aber sehr gerne telefonisch bei Lucerne Festival: +41 (0)41 226 44 80

32  Paraplegie, Juni 2018

© Patrick Hürlimann, Lucerne Festival

West-Eastern Divan Orchestra unter der Leitung von Daniel Barenboim.

Sonntag, 19. August, 11 Uhr Orchestre de la Suisse Romande, Jonathan Nott Im Zentrum der Matinee, mit der das Orchestre de la Suisse Romande unter der Leitung von Jonathan Nott sein hundertjähriges Bestehen feiert, steht das Violin­konzert in d-Moll op. 47 von Jean Sibelius. Mit «Schlagobers» setzt Richard Strauss einen Kindertraum in Musik um – endlich einmal so viel Süsses essen, wie man will. Und Claude Debussy taucht mit «Jeux» in die Welt der ersten e­ rotischen Verführungen ein. Mittwoch, 22. August, 19.30 Uhr West-Eastern Divan Orchestra, Daniel Barenboim «Das Schönste, das ich geschrieben habe», sagte Anton Bruckner über das Adagio seiner unvollendeten Neunten Sinfonie. Es ist Bruckners tiefes Glaubensbekenntnis im Angesicht des Todes. Diesem Gipfelwerk der Spätromantik stellt Dirigent Daniel Barenboim als Schweizer Erstaufführung das Werk «Looking for Palestine» des Briten David Robert Coleman gegenüber. Für Neugierde ist gesorgt. Montag, 3. September, 19.30 Uhr Münchner Philharmoniker, Valery Gergiev Das Kasperle des Puppentheaters heisst in Russland Petruschka. Igor Strawinsky widmet dessen Abenteuern auf einem St. Petersburger Jahrmarkt eine hinreissende Ballettmusik. Und Dirigent Valery Gergiev verbindet Strawinskys tragikomische Geschichte mit zwei Märchenklassikern: Poetisch präsentiert sich der «Verzauberte See» von Anatoli Ljadow, prachtvoll orchestriert die Tondichtung «Scheherazade» von Nikolai Rimsky-Korsakow. Sie führt mitten in die Welt von Tausendundeiner Nacht.


DANKE

Vier Isländer in Ausbildung Club 38 schenkt Klubkasse Die besondere Spende. Vor 50 Jahren haben sich die ehemaligen Schüler des Jahrgangs 1938 aus Ilanz (GR) zur ersten Klassenzusammenkunft des Club 38 getroffen. Fünf Jahre später kam ein zweites und gleichzeitig letztes Treffen zustande. Nun haben Kassier Peter Curschellas und Mitglied Agatha Simmen-Cahenzli entschieden, den Club 38 aufzulösen und den Inhalt der Klubkasse der Schweizer Paraplegiker-­ Stiftung zu spenden. Beide sind seit den 1980er-Jahren Mitglied bei der Gönner-Vereinigung und freuen sich, die 1000 Franken sinnvoll eingesetzt zu wissen. Ihre Absicht haben sie in einem sympathischen Brief in romanischer Sprache angekündigt: «Il club 38 da Glion vegn per munconza da interess schligiaus si. Ils daners avon maun en cassa da rodund 1000 farncs duegien vegni ­spendi per in buna caussa, numnadamein alla fundaziun paraplegica swizera a Nottwil.»

Die Neuzugänge auf dem Gutsbetrieb Eyhof: Trùr, Kolbakur, Safir, Magnus. Die gesamte Herde zählt neun Islandpferde.

Die besondere Spende. Vier Island­ pferde werden momentan auf dem Gutsbetrieb Eyhof in Nottwil auf ihren Einsatz als Therapiepferd vorbereitet. Nach einer anspruchsvollen Ausbildung von zwei bis drei Jahren sind sie bereit für die Therapie von Menschen mit Querschnittlähmung. Das Schweizer Paraplegiker-Zentrum setzt die bewährte Hippotherapie seit 24 Jahren

ergänzend zur Physiotherapie ein. Firmen, Vereine, Stiftungen und private Personen haben mit ihrer zweckgebundenen Spende den Erwerb dieser vier besonderen Pferde möglich gemacht.

Informationen über Hippotherapie, heilpädagogisches und therapeutisches Reiten auf paraplegie.ch

Briefe an die Stiftung Mit Ihrer Hilfe konnte ich einen Sportrollstuhl kaufen. Er erlaubt mir in vielerlei Hinsicht, aktiv und fit zu bleiben. Von ganzem Herzen danke ich der Schweizer Paraplegiker-Stiftung, die querschnittgelähmten Menschen wie mir mit ihrer Direkthilfe grosse finanzielle Linderung verschafft. Betroffene aus der Romandie

Seit einigen Jahren sind wir Gönnermitglieder. Nie hätten wir gedacht, dass wir die Gönner­ unterstützung eines Tages in Anspruch nehmen würden. Es ist schwierig, in unserer Situation die richtigen Worte zu finden. Wir möchten allen Gönnermitgliedern und der Gönner-Vereinigung danke sagen. Philippe und Joëlle Wymann, Gals BE

Ich danke Ihnen für die Lebensberatung, das Job Coaching und die Organisation rund um den Kauf und Umbau meines Fahrzeugs. Mit der neuen Technik im Auto sind auch meine Schulter­schmerzen verschwunden. Nun kann ich meinen Beruf schmerzfrei ausüben, was viel Stabilität und Qualität in mein Leben zurückbringt. Ali Hassani, Altdorf UR

Die Schweizer Paraplegiker-Stiftung hat unseren hindernisfreien Wohnungsumbau grosszügig unterstützt. Wo früher drei Personen helfen mussten, um mit dem Rollstuhl drei Treppen zu bewältigen, steht uns heute ein Treppenlift zur Verfügung. Der ist ein Wunderding: Jetzt können wir ohne fremde Hilfe kommen und gehen. Karl und Elisabeth Baumann, Goldiwil BE

Ich bin sehr glücklich, dass Sie meine Wechseldruckmatratze finanzieren. Sie geben mir damit neue Lebensfreude, denn dank der Spezialma­ tratze werde ich künftig schmerzhafte Druckstellen vermeiden können. Mervete Haklaj, Bern Sie haben die Kosten übernommen für meinen Elektro-Rollstuhl, die Informatikhilfsmittel und den Unterarm-Rollator. Vielen herzlichen Dank dafür. Diese Hilfsmittel erleichtern mir die Mobi­ lität im Alltag ungemein. Ich werde noch lange Zeit darauf angewiesen sein. Werner Leuzinger, Schaffhausen

Paraplegie, Juni 2018  33


AUSBLICK

Impressum

ERLEBT Strassenszene in Wien, mitgeteilt von Rollstuhlfahrer und «Paraplegie»-Leser Christian H.

Paraplegie Das Magazin der Gönner-Vereinigung der Schweizer Paraplegiker-Stiftung 42. Jahrgang Ausgabe Juni 2018 / Nr. 166 Erscheinungsweise vierteljährlich in Deutsch, Fran­zösisch und Italienisch Gesamtauflage 1 038 323 Exemplare Auflage Deutsch 927 680 Exemplare Copyright Abdruck nur mit Genehmigung der Herausgeberin Herausgeberin Gönner-Vereinigung der Schweizer Paraplegiker-Stiftung, 6207 Nottwil sps@paraplegie.ch, paraplegie.ch Verantwortlich Schweizer Paraplegiker-Stiftung Corporate Communications 6207 Nottwil Redaktion Manuela Vonwil vom (Leitung) Stefan Kaiser kste Agnes Jenowein Seiten 26 – 27

Agenda

Vorschau: September 2018

21. Juni (R)oldies-Treff vor Ort im Zentrum Sunnepark, Egerkingen Kontakt und Anmeldung: www.paraplegie.ch / parahelp / de / alter-und-wohnen

Fotos Walter Eggenberger we Beatrice Felder febe Astrid Zimmermann-Boog boa (Titelseite GettyImages) Illustrationen Roland Burkart, rolandburkart.ch

23. Juni, 10 – 17 Uhr Rollivision – Messe für Rollstuhlfahrer SPZ Nottwil

Layout und Gestaltung Regina Lips rel (Leitung) Melanie Camenzind meca Anzeigen Gönner-Vereinigung der Schweizer Paraplegiker-Stiftung, 6207 Nottwil T 041 939 62 62, sps@paraplegie.ch

28. – 31. August Tetrahand World Congress Nottwil, tetrahand2018.com 28. – 31. August 22. Annual IFESS Conference Nottwil, ifess2018.com 5. September Welttag der Querschnittlähmung worldsciday.org 19. September, 19.30 Uhr Autorenlesung mit Anne Weber Nottwil, Bibliothek im Gebäude GZI Anmeldung nicht erforderlich

34  Paraplegie, Juni 2018

Adressänderungen Gönner-Services Gönner-Vereinigung der Schweizer Paraplegiker-Stiftung, 6207 Nottwil T 041 939 62 62, sps@paraplegie.ch

SCHWERPUNKT

Vorstufe / Druck Vogt-Schild Druck AG 4552 Derendingen

Alter Der vierte Lebensabschnitt Die Lebenssituation im Alter will voraus­ schauend geplant sein: Welche neuen Wohnformen gibt es? Worin bestehen die medizinischen Herausforderungen? Wo findet man Hilfe im Alltag? Welche Art Selbstständigkeit ist sinnvoll? Das nächste «Paraplegie» stellt das Leistungsnetz für ältere Menschen vor, das von Nottwil aus in der ganzen Schweiz Unterstützung anbietet.

Das Abonnement ist im Mitglieder­ beitrag inbegriffen. Dieser beträgt für Einzelpersonen oder Alleinerziehende mit eigenen Kindern 45 Franken, für Ehepaare und Familien 90 Franken, für eine Dauermitgliedschaft pro Person 1000 Franken. Mitglieder erhalten 250 000 Franken Gönnerunterstützung bei unfallbedingter Querschnittlähmung mit permanenter Rollstuhlabhängigkeit. paraplegie.ch / mitglied-werden


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