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Julian Petrin

BĂźrgervisionen fĂźr eine neue Stadt

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Julian Petrin

BĂźrgervisionen fĂźr eine neue Stadt


Inhalt

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Vorwort

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Warum Nexthamburg?

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Hamburg, Stadt unter Druck Die Lokomotive droht ihre Waggons zu verlieren Ohne den Blick an den Horizont kommen wir nicht voran

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet unter http://dnb.d-nb.de abrufbar.

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Die repräsentative Demokratie offenbart ihre Schwächen

© edition Körber-Stiftung, Hamburg 2012 Umschlag Groothuis, Lohfert, Consorten | glcons.de

Das Phänomen Web 2.0: Chance für eine neue Partizipationskultur?

Covermotiv Nexthamburg Innengestaltung Sonja Steven

Die Beteiligungsrealität: In Wahrheit noch 1.0

Redaktion Bürgervision Stephan Landau, Julian Petrin, Cynthia Wagner

Crowdsourcing statt Beteiligung?

Illustrationen Markus Ewald, Johanna Flöter, Stephan Landau, Sven Lohmeyer, Julian Petrin, Sonja Steven

Beteiligung 2.0: Netzlogik versus Beteiligungslogik

Fotos Nexthamburg-Prozess Peter Fey, Markus Ewald, Sven Lohmeyer Bildnachweis: S. 8: Hamburgisches Arhitekturarchiv, Bestand Neue Heimat S. 9: Hamburgisches Architekturarchiv, Bestand Wilhelm Ohm, Innenstadtwettbewerb 1949 S. 11: Lars Geiges, Privat, Martin Hübscher S. 44: flickr.com/uwe_schubert (Last Hero), flickr.com/blogchef (Mark Henckel); Josep Renalias S. 52: WORK ARCHITECTURE COMPANY / www.work.ac S. 58: www.treehotel.se S. 66: Holger Weitzel (Luftbild) / www.aufwind-luftbilder.de S. 72: flickr.com/spity249 (SpityHH) S. 76: Zeichnung von Martin Lüders S. 82: Dionisio González / www.dionisiogonzalez.es S. 110/111: Plan-Grundlage mit freundlicher Genehmigung des HVV-Hamburg Lithografie frische grafik, Hamburg Druck und Bindung LangebartelsDruck, Hamburg ISBN 978-3-89684-094-3 Alle Rechte vorbehalten www.edition-koerber-stiftung.de

Stadt 2.0: Wege aus der Beteiligungskrise

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Wie funktioniert Nexthamburg? Das Ziel: Eine Bürgervision für Hamburg Ein Schutzraum für Impulse einer starken Community »Du kannst die Stadt verändern«

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Das Prozessmodell

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Die Werkzeuge im Überblick

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Der Online-Dialog

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Die Sessions

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Das Zukunftscamp


Hamburg 2030 Die Bürgervision

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700 Ideen, eine Vision

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Steinwerder: Hamburgs Neuland gegenüber der City

Eine Stadt für alle Neue Energiequellen

Harburg: Der ausgeblendete Süden wird zur Boomtown

Energie sparen, wo es geht

Monte Altona – Hamburgs Hügelstadtteil

Die Umweltkarte für Hamburg – Prämiensystem für nachhaltiges Verhalten

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Die Stadt der Kinder

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Orte und Themen

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01 Die attraktive Stadt

Der Öko-Alltag

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Vernetzte Nachbarn Anders mitgestalten

Der unerwartete Kulturboom

Arbeit 2.0

Unter freiem Himmel Neue Stadtteile, neue Lebensqualität Grün gibt es nie genug

Wissenspark Moorburg

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06 Die mobile Stadt

Die Elbe neu erleben

Schnell durch die Region: Große Trassen

02 Die radikale Stadt

Die Wir-Mobilität: Unterwegs ohne Ballast

Wohnen an unmöglichen Orten Die Stadt geht aufs Wasser

Bus, Bahn & Co.: Vorfahrt für den ÖPNV

Geodesign für Hamburg

Die Wiederkehr der Stadtbahn

Hier will Hamburg hoch hinaus

Freie und Fahrradstadt Hamburg

Der Stadt aufs Dach gestiegen

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05 Die experimentierfreudige Stadt Unordnung erwünscht

Hamburgs neue Lieblingsorte

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04 Die verantwortungsvolle Stadt

03 Die geheilte Stadt In die Schranken gewiesen: Die Stadt zähmt den Verkehr Weg damit: Die Stadt wird entrümpelt Wunden schließen Quartiere reparieren Die Wiederkehr des Alten

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Und nun? Diskutanten, Autoren und Weiterdenker: Die Online-Community von nexthamburg.de Dank


Vorwort

Da stehen sie, mit den Blicken den Horizont abtastend. »Wer Visionen hat, muss zum Arzt«, platzt es aus Schmidt heraus. Fellini antwortet barsch: »Der wahre Visionär ist der Realist.« Jetzt kann Einstein nicht mehr an sich halten. »Wenn eine Idee nicht zuerst absurd erscheint, taugt sie nichts.« Schweigen. Beuys kommt dazu. »Die Zukunft, die wir wollen, muss erfunden werden. Sonst bekommen wir eine, die wir nicht wollen.« Wieder Schweigen.

Nie war der Ruf nach Partizipation größer als in den vergangenen Jahren. Und dennoch steigt die Unzufriedenheit mit den Beteiligungsangeboten stetig. Das Team von Nexthamburg hat sich 2009 aufgemacht, einen neuen Weg der Bürgerbeteiligung zu erproben: gemeinsam mit vielen Menschen eine Bürgervision für Hamburg zu entwickeln, die Ideen einen Raum gibt, die im politischen Alltagsgeschäft keine Chance auf Gehör hätten. Das Neue braucht Freiräume, damit es reifen kann, auch in der Stadtentwicklung. Nexthamburg bietet einen solchen Freiraum, eine Art Inkubator für die Stadt von morgen. Der erste Teil des Buches beschreibt, warum und wie Nexthamburg seine Idee der gemeinschaftlichen Stadtentwicklung verfolgt. Der zweite Teil – die Bürgervision – zeigt, wie Hamburg im Jahr 2030 aussehen könnte, wenn man die bisherigen Bürgerbeiträge zugrunde legt.

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Die Bürgervision ist kein Endergebnis.

Nexthamburg-Prozess auf unterschied-

Sie ist der Auftakt für die nächste Phase

lichste Weise teilgenommen haben, ganz

des Nexthamburg-Prozesses. Die aus den

herzlich danken: für die Zeit, die sie als

bisherigen Dialogen gewonnenen The-

engagierte Bürger in die Diskussion der

men werden die Basis der künftigen ge-

vielen Ideen gesteckt haben, für die Be-

meinschaftlichen Arbeit sein. Jetzt geht es

harrlichkeit, mit der sie für ihre Positionen

darum, Projekte weiter zu konkretisieren

gestritten haben, und für die Geduld ange-

und für diese Allianzen zu schmieden.

sichts mancher Umwege, die Nexthamburg

Das Ziel von Nexthamburg ist es, mit der

in den vergangenen Jahren gegangen ist.

Bürgervision Einfluss auf die Hamburger Stadtentwicklung zu nehmen – dafür wird

Wir stehen erst am Anfang eines Umbaus

das Nexthamburg-Team all seine Kraft

lokaler Demokratie. Das Alte scheint nicht

einsetzen.

mehr zu greifen, das Neue ist noch im Entstehen. Vielleicht kann Nexthamburg dazu

Dieses Buch hat nicht einen, sondern

beitragen, dass die lokale Mitwirkung der

Tausende Autoren. Über 3.000 Menschen

Bürger an der Stadtentwicklung bald auf

haben seit April 2009 die unterschiedli-

stabileren Füßen steht.

chen Veranstaltungen von Nexthamburg besucht, Tausende haben online ihre

Julian Petrin

Ideen eingereicht oder Kommentare beigesteuert und so die Bürgervision ermöglicht. Ich möchte allen, die am bisherigen

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Nexthamburg begann 2009, gemeinsam mit vielen Hamburgern eine Vision für ihre Stadt von morgen zu entwickeln. 2012, nach drei Jahren intensiver Arbeit und Debatten, erscheint die Bürgervision als Buch. Sie zeigt, welche Zukunftsfragen den Hamburgern unter den Nägeln brennen und wie die Stadt sich entwickeln könnte, wenn die Ideen und Wünsche ihrer Bürger ernster als bisher genommen würden.

Die folgenden Zukunftsbilder und Szenarien sind Seismograf und Inspirationsquelle zugleich und sollen dazu beitragen, die Stadtentwicklung Hamburgs näher an den Bedürfnissen der Menschen auszurichten. Der bisherige Nexthamburg-Prozess beleuchtet sowohl die Möglichkeiten als auch die Fallen eines neuen Mitwirkungsmodells, das angesichts der Krise der repräsentativen Demokratie nach neuen Wegen gemeinschaftlicher Zukunftsgestaltung sucht.

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Hamburg, Stadt unter Druck Nexthamburg entstand als Reaktion auf eine Lücke in Hamburgs Stadtentwicklung. Das immer unübersichtlichere Alltagsgeschäft der Stadtplaner lässt den beteiligten Akteuren kaum noch Zeit, um langfristige und strategisch wichtige Fragen zu klären. Wie soll sich die Stadt in den nächsten 20 Jahren entwickeln? Wie und wo wollen wir wohnen und arbeiten? Wie werden wir uns durch die Metropolen bewegen? Solche Fragen stellen sich heute drängender als je zuvor. Ein Überblick über die Situation Hamburgs legt die Probleme offen, die Nexthamburg gemeinsam mit den Bürgern lösen möchte.

Die Lokomotive droht ihre Waggons zu verlieren.

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amburg ächzt. Selten in ihrer Geschichte war die Stadt erfolgreicher, selten war sie aber auch zerrissener. Trotz aller Wirtschafts- und Finanzkrisen steigt die Einwohnerzahl – nicht rapide, aber stetig. Der Hafen wächst (noch), und die Stadt ist für Zuzügler und Investoren anhaltend attraktiv. Zugleich ist fast nirgendwo in Deutschland Wohnraum so knapp, ist kaum eine Stadt so gespalten in Arm und Reich. Und die Folgen der großen Probleme unserer Zeit, der Klimawandel, der Energieumbau und der demografische Wandel, werden immer deutlicher. Die Stadt fährt unter Volldampf. In Teilen Ottensens oder Eimsbüttels werden Mieten von über 20 Euro pro Quadratmeter verlangt, Eigentums-Neubauten liegen hier nicht selten bei 5.000 Euro pro Quadratmeter. Hamburg droht, am eigenen Erfolg zu ersticken. Werden die zentralen Stadtteile in 20 Jahren für Normalverdiener überhaupt noch bezahlbar sein? Was bedeutet es für eine Stadt, wenn immer mehr Menschen aus Kostengründen in die Randlagen ziehen müssen? In Hamburg leben die meisten Einkommensmillionäre, hier herrscht die höchste Pro-Kopf-Produktivität des Landes. Zugleich gelten über 17 Prozent der Menschen nach statistischem Maßstab als arm, etwa 50 Prozent haben manchen Schätzungen zufolge Anspruch auf eine

Sozialwohnung. Zwischen dem feinen Harvestehude und dem rauen Billstedt klaffen tiefe Gräben. Es gibt im Ostteil der Stadt Jugendliche, die noch nie den Michel aus eigener Anschauung gesehen haben. Das Ticket in die Stadt ist für sie zu teuer. Städte waren immer schon Integrationsmaschinen. Sie haben Unterschiede zwar nicht nivelliert, aber den Menschen die Möglichkeit gegeben, die starren sozialen Ordnungen zu durchbrechen.

Hamburg droht, wie vielen Metropolen Europas, diese Kraft zu verlieren. Wie wird Hamburg in 20 Jahren aussehen? Wird die Kernstadt zu einer Wagenburg des Wohlstands geworden sein, umgeben von immer ärmer werdenden Ankunfts- und Randstädten, in denen sich all jene sammeln, die sich das Leben im Zentrum nicht mehr leisten können? Zugegeben, ein extremes Szenario, das aber bittere Realität werden könnte. Es sind nicht allein die sozialen Probleme, die Hamburg plagen. Die Stadt erstickt bereits heute an ihrem Verkehr. Die immer größere Zahl der Pendler, die vielen Nadelöhre entlang Elbe und Alster und der Gütertransport in und aus dem Hafen: Immer häufiger herrscht Stillstand auf Hamburgs Straßen. Die Pendlerzüge und S-Bahnen sind auf manchen Strecken morgens und abends berstend voll. Der Hauptbahnhof ist heute schon der am stärksten überlastete

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auch Hamburg massiv verändern. Werden wir uns das Autofahren in 20 Jahren noch leisten können, wenn Öl unbezahlbar ist und an der noch immer teuren E-Mobilität kein Weg mehr vorbeiführt? Werden wir lernen müssen, mit dem Hochwasser zu leben? Wie organisieren wir die Energieversorgung einer Stadt, in der statt Großkraftwerke ein Schwarm von Mikrokraftwerken Strom und Wärme liefert? Dass das vertraute Klinkerkleid Hamburgs in 20 Jahren vollends hinter dicken Dämmplatten verschwunden sein könnte, erscheint dagegen als ein Sonntagsproblem. Nicht nur der Klimawandel drückt auf Hamburg. Der demografische Wandel lastet ebenso schwer auf unserer Zukunft.

Wir werden immer älter, bunter, weniger. Auch wenn Hamburg insgesamt wächst: Abgelegene Gegenden der Metropolregion werden schrumpfen, was den Druck auf die Kernstadt erhöht. Zugleich müssen Europas Städte eine steigende Zuwanderung verkraften. Sind Hamburgs Bürger bereit, die Spannungen zu lösen, die eine kulturell immer vielfältigere Einwanderungsgesellschaft mit sich bringt? Oder werden wir uns hinter Zäunen und Schranken verschanzen? Eines ist heute schon klar: Nur durch die Einwanderung junger Menschen werden wir der drohenden Überalterung der Bevölkerung entgegenwirken können. In Deutschland werden 2030 laut Prognosen des Statistischen Bundesamts fast 30 Prozent der Menschen über 65 Jahre alt sein, in Hamburg fast 23 Prozent. Werden Teile der Stadt seniorengerecht umgebaut werden müssen, oder ergreifen wir die Chance einer sich verjüngenden Einwanderungsstadt? Aus der Geschichte der Zukunftsvisionen: Das nie realisierte Alsterzentrum in St. Georg (oben) und der Radikalumbau der zerstörten Altonaer Altstadt (Bild unten). Heute sind andere Zukunftslösungen gefragt.

Knotenpunkt Deutschlands, Verspätungen sind an der Tagesordnung. Dennoch sind Teile der Stadt kaum an das Schnellbahnnetz angeschlossen, der tägliche Weg zur Arbeit ist für manche ein echtes Problem. Agglomerationsnachteile nennen die Geografen die Probleme, die einer Stadt durch ihren Erfolg erwachsen: das steigende Preisniveau, der Verkehr, der Stresspegel. Nicht umsonst wurden in den vergangenen 20 Jahren die sogenannten »Second Cities« Europas immer beliebter: Städte wie Kopenhagen, Stockholm, Amsterdam, Wien oder eben Hamburg. Sie galten als kleine, kräftige Wachstumsmotoren jenseits der Metropolen wie London und Paris. Sie galten als grüne und kulturell reiche, kompakte Zentren, deren Lebensqualität im Alltag meist höher ist als in den pulsierenden Weltstädten. Noch, denn längst ist die Klasse der »Second Cities« auf dem Weg, ihre Vorteile zu verspielen und selbst aus dem Gleichgewicht zu geraten. Zu den hausgemachten Problemen kommen die globalen Herausforderungen: Der klimagerechte Energieumbau wird

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Über alledem steht die Frage, wer die Lokomotive Stadt ökonomisch am Laufen hält. Hamburgs Wirtschaft gilt als stark. Hafen, Flugzeugbau, Logistik, Medien, Kreativwirtschaft – der Mix klingt gut. Aber wird der Hafen 2030 noch seine heutige Bedeutung haben, wenn immer größere Schiffe nur noch Rotterdam anlaufen? Hat die Luftfahrt in einer Welt ohne Öl noch Zukunft? Kann die Wertschöpfung aus der viel beschworenen Kreativwirtschaft jemals ausgleichen, was in der klassischen Produktion verloren geht? Und wann wird Hamburg endlich entschieden auf den Zug der Wissensgesellschaft aufspringen und seine Einrichtungen so ausstatten, dass sie konkurrenzfähig bleiben? Keine Frage, es müssen pragmatische Lösungen für die Gegenwart gefunden werden. Gleichzeitig müssen aber auch Bilder entstehen, die zeigen, wie die Stadt in Zukunft aussehen könnte, wenn man über das unmittelbar Umsetzbare hinausdenkt. Dabei sind wir auf die Ideen und die Kraft der Bürger angewiesen. Denn immer mehr Menschen möchten mitentscheiden, wohin die Lokomotive fahren soll. Gerade, wenn es um die notwendige Frage der übernächsten Schritte geht, sind die Erfahrungen und das Wissen derjenigen gefragt, die die größten Experten der Stadt sind: die Bürger, die ihre Stadt jeden Tag erleben, sie manchmal aber auch ertragen müssen.


War man früher mutiger oder nur unsensibler? Der Umbauvorschlag für die Hamburger City von Wilhelm Ohm aus dem Jahr 1949.

Ohne den Blick an den Horizont kommen wir nicht voran.

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eit über 800 Jahren verändert sich Hamburg Tag für Tag. Neues wird gebaut, Altes abgerissen. Geschäfte öffnen und schließen, der Hafen wächst, schrumpft und floriert wieder, Industrien und Konjunkturen kommen und gehen. Quartiere entstehen, neue Wahrzeichen werden gebaut, Straßen und Parks angelegt, alte verschwinden.

Wie eine Stadt sich verändert, bestimmt nicht das Schicksal. Es ist das Werk vieler Kräfte, die zusammen merklich und unmerklich Neues gestalten. Es gibt Phasen, in denen eine Stadt nach 20 Jahren kaum wiederzuerkennen ist. Zum Beispiel nach einem Krieg. Oder wenn eine starke Wirtschaft der Stadt einen Bauboom beschert. Manchmal aber verändert sich eine Stadt kaum spürbar. Dann wandeln sich die Dinge eher hinter den Fassaden: in der Art, wie Menschen denken, wie sie kommunizieren, wie sie zusammenleben.

Nie war das Gestalten von Veränderung so schwierig wie heute. Nie lebten mehr Menschen in der Stadtregion, nie gab es mehr Sachzwänge und widerstreitende Ansprüche, die immer vehementer eingefordert werden. Schließlich gab es selten größeren Druck für Veränderungen. Der Klimawandel wartet nicht, ebenso wenig der demografische oder der ökonomische Wandel. Hamburg steht wieder einmal vor großen Veränderungen. Ob diese das Stadtbild wesentlich verändern werden, steht noch nicht fest. Sie werden aber die Art verändern, wie wir in der Stadt leben, wie wir uns in ihr bewegen, wie und wo wir in ihr wohnen. Dieses Gestalten braucht den Blick an den Horizont, braucht das Erahnen und Erspüren des Kommenden. Je mehr Menschen diesen Blick wagen, umso sicherer können wir sein, dass wir die Folgen des Wandels rechtzeitig erkennen und wir uns gemeinsam darauf verständigen, in welche Richtung wir die Stadt verändern wollen.

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Stadt 2.0: Wege aus der Beteiligungskrise Je größer die Probleme sind, umso ratsamer ist es, die Menschen an deren Lösung zu beteiligen. Nexthamburg versucht, Beteiligung neu zu denken. Denn immer häufiger münden gut gemeinte Beteiligungsangebote in Konflikten, immer lauter wird von Bürgern eine andere Form der Mitsprache eingefordert. Die neue Protest- und Einmischungskultur ist Ausdruck einer immer stärker vernetzten Gesellschaft. Der allgegenwärtige Imperativ des Postings, des Kommentierens und Besserwissens treibt die planenden Akteure vor sich her. Bürger wollen ihre Umwelt heute selbst gestalten. Das Modell des Crowdsourcings ist ein vielversprechender Weg, Neues gemeinsam zu gestalten. Nexthamburg ist ihn für die Stadtentwicklung gegangen. Zeigt sich hier ein Ausweg aus der Beteiligungskrise?

Die repräsentative Demokratie offenbart ihre Schwächen.

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s sind meist Bilder, die einen Umbruch symbolisieren: an Bäumen angekettete Menschen, Familien auf der Flucht vor Wasserwerfern, wütende Senioren, die ihren Protest aufgeregt in die Fernsehkameras rufen, fassungslos und offensichtlich erschüttert in ihrem Glauben an den guten, sorgenden Staat.

Die Bilder der Proteste von Stuttgart 21 haben sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Mancher sieht in ihnen ein wild gewordenes Wutbürgertum, eine frustrierte Masse, die sich jedem konstruktiven Vorschlag verschließt. Anderen gelten sie als Symbol des überfälligen Erwachens eines kämpferischen Bürgersinns, der sich nicht mehr alles bieten lässt. Tatsächlich geht es um mehr als um einen Bahnhof oder einen singulären Protestmoment. Stuttgart 21 ist auch Ausdruck einer seit Jahren anhaltenden Unzufriedenheit mit dem Politikbetrieb. Stadtentwicklung wird an manchen Orten zu einem wahren Spießrutenlauf. Programm, Wahl, Durchregieren war gestern. Das Planen in langen Bögen wird zunehmend durch kurzatmigen Aktionismus ersetzt – getrieben von einer schnell erregbaren öffentlichen Meinung und einer

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wankelmütigen Politik, die angesichts des möglichen Konfliktpotenzials unliebsame Entscheidungen gerne auch mal wieder zurücknimmt. Ob Prestigeobjekt, Wohnungsbau oder Infrastruktur: kaum ein größeres Projekt ohne Protest.

Mal sind es die Gegner der Gentrifizierung, die auf die Barrikaden gehen. Mal die braven Bürger der Vorstadt, die jedes Bauen in Sichtweite ihres Gartenzauns wütend bekämpfen. Es scheint, als ob Protest zunehmend zum Reflex auf jedwede Entwicklung wird. Selbst maximal offene Beteiligungsprozesse sind davon nicht ausgenommen. Zum Beispiel Hamburg. »Zukunftsplan Altona«: Die Bürger des Hamburger Stadtbezirks Altona waren 2010 und 2011 eingeladen, gemeinsam mit Experten ein Leitbild für den Bezirk zu entwerfen, das Grundlage für dessen weitere Entwicklung sein sollte. Mehrere Hundert Menschen hatten an dem von Politikern und Bürgern angeregten Beteiligungsprozess mitgewirkt. Jeder durfte mitmachen. Offener ging es kaum. Man sollte meinen, ein solches Projekt würde auf breite Akzeptanz stoßen. Weit gefehlt: Die Abschlusspräsentation, durchgeführt von Bürgern selbst, wurde von autonomen Aktivisten aus Altona derart gestört, dass sie abgebrochen werden musste. Der Vorwurf: Der Zukunftsplan sei nur Scheinbeteiligung, bei der nichts Wesentliches verhandelt würde. Eine solche Form der Beteiligung solle


nur von anderswo laut werdenden Protesten gegen die Stadtentwicklung ablenken. Der Protest zeigt, dass ein Teil der kritischen Bürger offensichtlich jedes Vertrauen in Politik und Verwaltung verloren hat. Es ist nicht übertrieben, von einer Beteiligungskrise zu sprechen. Denn wie soll ein Staat seine Bürger beteiligen, wenn diese zunehmend das Vertrauen in die Aufrichtigkeit seiner Motive verlieren? Hier geht es längst nicht mehr um die Wahl der richtigen Werkzeuge, sondern um eine grundlegendere Frage: Ist die Idee der Beteiligung vielleicht grundsätzlich überholt – in einer Zeit, in der Menschen angesichts schwindenden Vertrauens in die Politik längst begonnen haben, sich eigene Kanäle der Mitwirkung zu erstreiten?

Das Phänomen Web 2.0: Chance für eine neue Partizipationskultur?

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ährend die Idee der Top-Down-Beteiligung offensichtlich in die Krise geraten ist, entstand im letzten Jahrzehnt eine dynamische, emergente Partizipationskultur, deren Motor das Web 2.0 ist, die aber weit über das Internet hinausreicht. Bewerten, kommentieren, selber machen: Das sind die Imperative der Web-2.0-Gesellschaft, die längst den politischen Raum erobert haben.

Stuttgart 21, Zukunftsplan Altona, Gängeviertel: Drei von vielen Projekten, die zeigen, dass Bürger den Lauf der Stadtentwicklung nicht länger den Experten und Geldgebern überlassen wollen.

Erinnern wir uns: 2010 veröffentlicht der ehemalige Résistance-Kämpfer Stéphane Hessel seinen Aufruf »Empört Euch!« und bereitet damit der Occupy-Bewegung ihren Weg. Im »Arabischen Frühling« werden zahlreiche autoritäre Regime von der Wut der Bürger hinweggefegt, selbst in Iran und in China drängt der Freiheitswille die Menschen auf die Straßen. Und in Deutschland begann die Piratenpartei ihren Wählerstimmen-Beutezug durch die etablierte Parteienlandschaft. An immer mehr Orten weltweit geraten die politischen Konstanten in Bewegung, und immer wieder steht dabei das Internet im Mittelpunkt, die große Vernetzungsmaschine, die den Protesten eine ganz neue Dynamik verleiht. Für Tunesien und Ägypten spricht man von »Facebook-Revolutionen«. Einen kurzen Moment lang erschien es tatsächlich so, als würde der Traum von der Selbstermächtigung der vielen durch die digitale Kommunikation endlich Realität. Das Internet hat seine politische Dimension damit offenbart: Es hat die Kraft eines Wurzelwerks, das sogar Beton sprengt. Selbst Diktaturen kann es Probleme bereiten. Bis das Netz allerdings diese Kraft entfalten konnte, hat es mehrere Jahrzehnte gedauert. Erst nach 1990 begann die Vernetzung der Bürger auf breiterer Front – ausgehend von den Universitäten über die Arbeitswelt bis in den privaten Bereich hinein. Allerdings war das Netz jener Zeit nicht viel mehr als ein mächtiger Briefkasten oder ein weiterer Sendebeziehungsweise Empfangskanal. Die Vision einer »Peer-toPeer«-Kommunikation, der nicht hierarchischen Vernetzung

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vieler, wurde erst Ende der Neunzigerjahre in der Evolution des Netzes zum Web 2.0 Realität. Social Media und High-Speed-Netze: Jetzt endlich gab es die Werkzeuge und Technologien, um ohne große Vorkenntnisse und Hürden eigene Inhalte ins Netz stellen zu können. War das Internet 1.0 eine Bastelstube für Tüftler, wurde es im Zuge des Web 2.0 eine Heimwerkerbewegung mit mächtiger industrieller Basis. Längst hat das Web 2.0 nicht nur unsere Kommunikationsgewohnheiten völlig verändert. Es ist zu einem Gegenstand geworden, das unseren Alltag tiefer greifend prägt. Ob im Kaufhaus, in der Kita, im Zug oder bei der Suche nach dem nächsten Superstar: Ständig werden wir aufgefordert, unseren Beitrag zu leisten, etwas zu kommentieren oder zu bewerten – oder gar die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Doch wie steht es in der Stadtplanung mit dem Selbermachen?

Die Beteiligungsrealität: In Wahrheit noch 1.0

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überall. Kann Online-Beteiligung den Ausweg aus der Partizipationskrise weisen? Theoretisch ja, praktisch eher nein. So wie Online-Beteiligung bisher oft praktiziert wird – beschränkt durch politische Sprachregelungen, handwerklich nicht auf dem neuesten Stand und in der Regel zu spät –, ist sie nicht besonders hilfreich. Immer wieder schimmert in Diskussionen über OnlineBeteiligung ein Widerspruch durch: Einerseits wissen Planer, dass sie ohne Online-Beteiligung kaum noch auskommen. Andererseits halten sie nichts von ihr, finden obskur, was dort passiert. Ist das Web nicht eine Art Darkroom der Kommunikation, anonym, wild und wenig strukturiert? Spätestens bei Facebook, Google & Co. hört der gute Wille auf. Können Unternehmen, deren Datensammelwut immer wieder die Datenschützer auf den Plan ruft, überhaupt als Kanäle der Bürgerbeteiligung dienen? Sollen wir wirklich mittels »Gefällt mir«-Klicks über die Themen der Stadt abstimmen lassen? Diese Haltung wird, sosehr sie aus der Sicht einer Legalitäts- und Verwaltungslogik nachvollziehbar ist, in der Online-Welt nicht weit führen. Wer die Türen im Web nur halbherzig öffnet, nimmt in Kauf, dass die Netzgemeinde nicht kommen wird. Die Internetkommunikation lebt von der Kraft der Subversion, der Unschärfe, der Unkontrolliertheit der Meinungsäußerungen.

Und sie stützt sich in weiten Teilen noch auf Werkzeuge, die man aus demokratietheoretischer oder verwaltungsjuristischer Sicht fragwürdig nennen kann. »So what«, würde der Digital Native darauf antworten, »Online-Meinungsbildung findet statt, ob mit oder ohne euch.« Anders gesagt: Wenn

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Gemeinschaftliche Produktentwicklung: Crowdsourcing mit Tchibo Ideas (oben), Lowline Park in New York (unten). Ein Zukunftsmodell?

man das Internet für Beteiligung nutzen will, kann man nicht ignorieren, wie es zurzeit funktioniert. Eine breit angelegte Online-Beteiligung ohne Blog-Elemente oder ohne Spiegelung auf Facebook – in deutschen Kommunen noch immer die Regel – wird ihr Ziel größtenteils verfehlen. Bleiben die ungelösten praktischen Fragen: Wie geht man mit der Schnelligkeit um, die im Internet gefordert ist? Man kann ja nicht jeden Beitrag durch alle Hierarchien abstimmen. Woher nimmt man die Ressourcen, die eine laufende Social-MediaRedaktion erfordert? Und wie soll man die aktuellen Meinungsmarktplätze Facebook, Google & Co. nutzen, ohne in eine juristische Grauzone zu gelangen? Eines ist klar: Man muss sich den Widersprüchen und Schwächen der zurzeit gängigen Werkzeuge stellen, statt sie zu ignorieren. Oder man lässt es lieber. Denn besser keine Online-Beteiligung als eine schlechte, eine, die nur so tut, als würde sie das Medium wirklich nutzen wollen. Was übrigens für die Beteiligung insgesamt gilt.


Crowdsourcing statt Beteiligung?

Beteiligung 2.0: Netzlogik versus Beteiligungslogik

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ie Planerwelt streitet über den Sinn und Zweck von Online-Werkzeugen und läuft damit Gefahr, den Anschluss zu verpassen. Private Unternehmen praktizieren Online-Beteiligung heute in einem Maße, das manchen Planer schwindelig werden lässt. Crowdsourcing heißt die Methode. Weist sie einen Ausweg aus dem Dilemma? Die Möglichkeiten des Web 2.0 können machtvoll sein. Wäre es nicht der Traum eines jeden Marketingleiters, ein Produkt zu haben, das zu 100 Prozent den Kundenwünschen entspricht, weil es von Kunden selbst erdacht wurde? Und ist andererseits der digitale »Shitstorm« nicht Albtraum eines jeden Verkäufers? Konsequenterweise haben allen voran die Unternehmen der Konsumgüterindustrie längst damit begonnen, ihre Produktentwicklung auf die Webgemeinde auszuweiten. Crowdsourcing oder Open Innovation nennt man das. Der Handelsgigant Tchibo war mit seiner Plattform Tchibo Ideas einer der Ersten. Kunden können hier Produktideen formulieren, auf die Designer dann mit professionellen Entwürfen reagieren. Die besten Vorschläge kommen in den Shop – so das Versprechen. So wird der Kunde zum Produktentwickler. Die Masse macht’s: Die »Postings« der vielen werden beim Crowdsourcing als Ausgangspunkt für Innovation verstanden, nicht als unliebsame Störfaktoren im Prozess einer möglichst reibungslosen Produktentwicklung. Dabei gerät man mitten hinein in die Widersprüche des Web 2.0: Einerseits bedeutet das kommerzielle Crowdsourcing das unverhohlene Ausschlachten umsonst gelieferter Kundenkreativität für unternehmerische Ziele, zugleich bietet es aber auch einen Grad an Mitwirkung, der weit über die meisten Angebote aus dem politischen Raum hinausgeht. Das Versprechen: Wir geben deiner Idee und damit deiner Stimme eine Chance, auf ganz direkte und praktische Art den Lauf der Dinge zu verändern. Auch wenn eine so getroffene Produktentscheidung nie repräsentativ ist, sogar Menschen ausschließt: Die konkrete und konkurrierende Mitwirkung zu einem sehr frühen Zeitpunkt – nämlich vor der Produktentwicklung – hat hohes Mobilisierungspotenzial und Vorbildcharakter. Darüber hinaus lenkt es den Mitwirkungsimpuls auf das gemeinsame Entwickeln, nicht das Abwehren einer bereits getroffenen Entscheidung. Lässt sich dieses Prinzip nicht auf politische Communities und ihre Anliegen übertragen? Lassen sich so nicht auch planerische Zukunftsaufgaben lösen? Diese Fragen, die sich übrigens unabhängig von den Möglichkeiten des Internets stellen, waren der Ausgangspunkt von Nexthamburg.

om Crowdsourcing lernen heißt Beteiligung umdrehen. Beteiligung, die zumeist immer noch Top-down gedacht wird, muss sich auf die Bottom-up-Bewegung der Netzlogik einlassen – nicht nur, um im Internet ihr Echo zu finden, sondern auch, um der Funktionsweise des Web 2.0 Rechnung zu tragen. Das bedeutet: Die Agenda wird nicht mehr von einer zentralen Instanz, zum Beispiel der Stadtverwaltung, aufgestellt. Sie braucht Raum, um spontan und ergebnisoffen zu entstehen, durch Aushandeln innerhalb einer Community, natürlich nach definierten Regeln. Es bleibt Aufgabe von Politik und Verwaltung, diese Agenda anschließend umzusetzen. Auf die Spitze getrieben heißt das: Nicht länger der Staat beteiligt seine Bürger, sondern die Bürger beteiligen den Staat. Wie sehr dieser Gedanke die Stadtentwicklung verändern könnte, wird beim Blick auf das immer wichtiger werdende Crowdfunding deutlich, die Finanzierung von Projekten durch eine große Webcommunity. Projekte wie »Plus Pool« (Flussschwimmbäder) oder »Lowline Park« (Untergrundpark) aus New York konnten 2012 sechsstellige Summen für die Finanzierung von Machbarkeitsstudien und Prototypen sammeln.

Der Schritt zum ersten komplett community-finanzierten Bottom-up-Stadtentwicklungsprojekt ist absehbar, auch wenn die Crowdfunding-Kultur in Deutschland erst langsam Fuß fasst. Dass dabei viele Probleme zunächst ungelöst bleiben – Repräsentativität, Exklusivität, demokratische Legitimität –, darf nicht davon abhalten, das Prinzip des Umdrehens des Beteiligungsimpulses als ernst zu nehmenden Weg aus der Beteiligungskrise zu diskutieren. Die Zukunft könnte eine an der Netzlogik orientierte Aushandlungsgesellschaft sein, mit all ihrer Anfälligkeit für Hacking und Massendummheit. Es bleibt viel Arbeit, bis die Netzlogik ein stabiles Partizipationsmodell hervorgebracht haben wird. Eines scheint aber sicher: Planung und Beteiligung, wie sie bisher funktioniert haben, sind Auslaufmodelle.

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Gemeinsam die Stadt gestalten: Nexthamburg überträgt die Idee des Crowdsourcing auf die Stadtplanung. Drei Jahre, von 2009 bis 2011, hatte Nexthamburg die Möglichkeit, seinen Ansatz einer gemeinschaftlichen Stadtentwicklung als Pilotprojekt der »Nationalen Stadtentwicklungspolitik« des Bundes gemeinsam mit unterschiedlichen Partnern ausgiebig zu testen – ein Prozess mit unzähligen Erfolgen, Rückschlägen und wertvollen Erkenntnissen. Entstanden ist ein Prozessmodell, das eine neue Form der gemeinschaftlichen Stadtentwicklung ermöglicht und auf andere Städte übertragbar ist.

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Das Ziel: Eine Bürgervision für Hamburg

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amburg, 4. Februar 2008, ein kalter Winterabend. Über 350 Menschen sind zu einer Diskussion ins KörberForum gekommen, dem gläsernen Debattensaal der KörberStiftung an der Spitze der Hamburger Hafencity. Das Thema: Wie können Bürger ihre Stadt selbst gestalten? Das große Interesse hat alle überrascht. Es scheint, als habe man einen Nerv getroffen.

Etwa ein Jahr später war es so weit: Nexthamburg, die Idee eines Freundeskreises aus Hamburger Bürgern und Stadtplanern, ging an den Start. Alles schien wie von selbst zu laufen seit jenem Abend im Februar 2008, an dem die Idee erstmals öffentlich vorgestellt wurde. Der Zuspruch von allen Seiten war enorm, ob von Initiativen, von der Stadt oder aus der Fachwelt: Ja, hieß es dort, es sei höchste Zeit, dass Bürger einen Raum bekämen, um ihre eigene Agenda zu formulieren.

Das bedeutete: weitermachen. Im Sommer kam ein glücklicher Zufall hinzu: Der Bund hatte mit seinem Programm der »Nationalen Stadtentwicklungspolitik« einen Förderrahmen ins Leben gerufen, der aufforderte, nach neuen Wegen der bürgerschaftlichen Stadtentwicklung zu suchen. Auf die Bewerbung folgte das Warten, Ende 2008 kam der Zuschlag: Es gab Mittel für drei Jahre, um den Ansatz zu erproben und Nexthamburg als Akteur zu etablieren. Auch die im Rahmen einer solchen Förderung benötigten Partner waren schnell gefunden: das Hamburgmuseum als neutrale Debatteninstanz, die Internationale Bauausstellung Hamburg, das World Future Council mit seinem Expertenwissen zur Nachhaltigkeit und die HafenCity Universität, die Nexthamburg wissenschaftlich auswerten sollte. Unterdessen hatte sich das Nexthamburg-Team formiert: zehn Planer, Internetspezialisten, Redakteure und Moderatoren standen bereit, um das Projekt zu starten. 2009 sollten Ideen gesammelt, 2010 Themen vertieft werden, damit der Prozess 2011 in ein Gesamtbild, die sogenannte Bürgervision, münden konnte, die wiederum als wichtiger Impuls Einfluss auf Hamburgs Stadtentwicklungsdiskussion nehmen sollte. Eine eigene Online-Dialogplattform war programmiert worden, mit

der »Session« wurde ein neuartiges Workshop-Format konzipiert. So sollte es gelingen, die gesteckten Ziele zu erreichen. Denn Nexthamburg hatte sich viel vorgenommen.

Ein Schutzraum für Impulse einer starken Community

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exthamburg will zunächst einmal einen Schutzraum für Bürgerideen schaffen. Äußern Bürger in Beteiligungsprozessen ungewöhnliche Ideen, wird schnell gesagt, diese seien politisch nicht durchsetzbar, technisch nicht machbar oder nicht finanzierbar. Mitunter braucht es aber einfach nur Zeit und Ruhe, dass eine Idee reifen kann. Oder damit sorgfältig nach Wegen gesucht werden kann, wie die Bedürfnisse hinter einem scheinbar unmöglichen Vorschlag vielleicht anders zu erfüllen sind. Diese Zeit haben Politik und Verwaltung in der Regel nicht. Zu sehr werden sie vom ständig steigenden Entwicklungsdruck getrieben, zu schnell wird jeder Vorstoß im politischen Raum durch einen Gegenvorschlag gekontert. Nexthamburg hatte sich das Ziel gesetzt, einen geschützten Denkraum zu schaffen, eine Art Zukunftslabor, in dem neue Lösungen nicht schnell verurteilt, sondern offen diskutiert werden konnten.

Einen Raum, in dem auch das Ungehobelte, scheinbar Abwegige oder Naive seine Wertschätzung erfährt, als möglicher Ausgangspunkt für etwas Neues. So will Nexthamburg gemeinsam mit möglichst vielen Bürgern Impulse setzen, um

DIE REGELN DER BETEILIGUNG

1. Beteiligung braucht ein klares Versprechen. Was passiert mit den Ergebnissen? Wie werden sie Einfluss auf die Stadtentwicklung nehmen? Und sei es noch so klein, das Versprechen muss gehalten werden.

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Online braucht offline: Die stärkste Interaktion findet auf den NexthamburgVeranstaltungen statt.

Einfluss auf die Stadtentwicklung zu nehmen. Dabei geht es um ein Spiel unterschiedlichster gesellschaftlicher Kräfte: Stadt entsteht im Mit- und Gegeneinander vieler Impulse, die mal aus dem politischen, mal aus dem ökonomischen oder dem bürgerschaftlichen Raum kommen. Dieses Spiel wird mehr oder weniger gut durch das gesteuert, was sich Planung nennt, aber eigentlich eher Management oder Entwicklung heißen müsste. Ganz nebenbei: So wie das Konzept der Beteiligung möglicherweise überholt ist, ist es der Begriff der Planung schon längst. Nexthamburg versucht, das Spiel der Impulse um eine starke Stimme aus dem Lager der Bürger zu bereichern.

Diese Stimme soll auf zwei Wegen Einfluss nehmen: Zunächst werden die Wünsche und Ideen der Bürger zu einem Gesamtbild einer möglichen Zukunft für die Stadt zusammengefasst: der Bürgervision. Diese Vision wird laufend aktualisiert und als Debattenbeitrag aktiv in die Stadtentwicklungsdiskussion eingebracht. Nexthamburg sieht sich dabei als Verdichter und Mittler und, wenn es nötig ist, als Kämpfer für diese Bürgervision. Das Team bringt all sein fachliches Know-how ein, um aus den teils hochprofessionellen, aber oft noch nicht zu Ende gedachten Ideen der Bürger konsistente Szenarien zu entwickeln, die politisch verhandelbar sind.

DIE REGELN DER BETEILIGUNG

2. Jeder Beitrag ist wertvoll. »Ist Unsinn« oder »Geht nicht« gilt nicht. Auch scheinbar abwegige Ideen können Rohstoffe sein, aus denen wunderbare Projektideen erwachsen. Man muss sich nur auf sie einlassen.

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Der zweite Weg der Einflussnahme ist der unberechenbare: Einige der inzwischen 700 Ideen haben besonders viele Befürworter gefunden. Nexthamburg sucht nach Wegen, diese zu unterstützen, sei es durch fachliche Beratung oder durch Vernetzung der Akteure – oder, wie künftig geplant, durch ein maßgeschneidertes Crowdfunding. Hier sind alle Kräfte der Stadtgesellschaft gefragt. Für die potenziellen Macher der neuen Stadt, seien es institutionelle Akteure, Unternehmen oder Initiativen, bietet Nexthamburg einen fast unerschöpflichen Fundus an Ideen, wie sich die aktuellen Probleme der Stadt lösen lassen. Nexthamburg hat die Aufgabe, diesen Ideenpool gezielt mit den Akteuren zusammenzubringen.

»Du kannst die Stadt verändern«

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m 21. April 2009 war es so weit: Über 120 Gäste waren dem Aufruf zur ersten Session gefolgt. Zunächst ging es um das gemeinsame Sammeln, Verdichten und Priorisieren von Problemen, Wünschen und Ideen. Dies war der erste Schritt auf dem Weg zur Bürgervision. »Du kannst die Stadt verändern« – Der Slogan der ersten Session war gewagt. Denn bis die bei Nexthamburg erarbeiteten Ideen die Stadt tatsächlich sichtbar verändern, werden


möglicherweise Jahre vergehen. Und vieles wird allenfalls über Umwege den Lauf der Stadtentwicklung beeinflussen. Dennoch: Jeder Bürgerbeitrag kann Ausgangspunkt einer Veränderung sein. Nexthamburg verändert die Stadt zunächst in den Köpfen der Menschen: durch die Zukunftsbilder, mit denen Nexthamburg die Möglichkeiten für die Stadt ständig erweitert.

Sei es im Format dieser Bürgervision oder mit seinen anderen Produkten wie dem 2010 produzierten »Zukunftsatlas Nextcity«, einer von Bürgern erarbeiteten Studie zur Belebung der Hamburger Innenstadt. Das Bauen folgt den Ideen – Nexthamburg setzt bei den Ideen an, um das Bauen zu verändern. Nexthamburg hat in den ersten drei Jahren seine wichtigsten Ziele erreicht: Es hat den beschriebenen Schutzraum geschaffen und eine relevante Community aufgebaut. Es ist heute fester Bestandteil der Hamburger Dialoglandschaft und als Partner der Stadt Hamburg eine Schnittstelle zwischen Bürgern und Politik. Die Aktivitäten von Nexthamburg haben Menschen zusammengebracht, die gemeinsam aktiv wurden. Bürger, die sich nicht im Rahmen einer thematisch gebundenen Bürgerinitiative oder einer Partei in die Stadtentwicklungsdiskussion einbringen wollen, haben jetzt eine Gelegenheit, aktiv zu werden – und es waren viele Menschen, die diese Möglichkeit bisher genutzt haben. Bis heute wurden über 10.000 Menschen erreicht. Zur Community von Nexthamburg gehören Bürger aus der ganzen Stadt, ob Jung oder Alt, Laie oder Profi in der Stadtentwicklung – es sind Menschen, die sich für die Zukunft ihrer Stadt interessieren und sie mitgestalten wollen. Ein Teil der Community diskutiert über das Internet mit, über Facebook oder Twitter. Ein anderer Teil ist bei den Veranstaltungen aktiv, bei den Sessions, an Infoständen oder beim Zukunftscamp, das erstmals im Februar 2012 stattfand und fast 2.000 Gästen die Möglichkeit bot, an der Bürgervision mitzuarbeiten. Das Ziel ist es, noch mehr Bürger zu einer Teilnahme zu bewegen, damit die besten Projektideen der Community ihre nächsten Schritte auf dem Weg zu einer möglichen Umsetzung gehen können.

Das Plakat zur ersten Nexthamburg-Session.

DIE REGELN DER BETEILIGUNG

3. Gehe dahin, wo die Menschen sind. Onwie offline gilt: Wer wirklich viele Menschen erreichen will, muss sich zu ihnen begeben – in Einkaufszentren, soziale Netzwerke, auf Straßenfeste und Blogs.

4. Mut zur Zuspitzung ist gefragt. Wer die Menschen bewegen will, muss klar kommunizieren und Dringlichkeit deutlich machen. Das bedeutet: klare Fragen, Reduzierung auf das wirklich Wichtige, keine politischen Überkorrektheiten.

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Das Prozessmodell

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erzstück der Aktivitäten von Nexthamburg ist das Prozessmodell, das 2008 entworfen und nach den Erfahrungen der ersten drei Jahre 2011 entsprechend weiterentwickelt wurde. Das Ziel des Modells: aus einer möglichst großen Anzahl von Ideen über mehrere Stufen der Auswahl, Verdichtung und Vertiefung eine konsistente Bürgervision zu entwickeln. Zu Beginn des Prozesses wurde zunächst gesammelt: Über 100 Ideen und Wünsche bildeten einen Ideenpool, der heute auf über 700 Beiträge angewachsen ist. Bis Herbst 2009 nominierte die Community aus diesem Pool sogenannte Topideen, aus denen auf einer zweiten Session der Kandidat für eine erste Zukunftsstudie gewählt wurde, eine Art Bürgergutachten, das später in den politischen Raum zurückgespielt wurde.

Nach einer weiteren Reflexions- und Revisionsphase wurde 2011 ein neues Ziel anvisiert: die Bürgervision. Sie bindet die Ideen und Wünsche zu einer ganzheitlichen Stadtvision zusammen und soll zeigen, wie Hamburg aussehen würde, wenn man die Wünsche der Bürger zugrunde legt. Die Bürgervision ist als partizipatives Gegenstück zu den offiziellen Plänen der Stadt gedacht – ein konstruktiver Diskussionsbeitrag, der die Schwachstellen öffentlicher Programme aufdeckt und zeigt, welche Kraft in den Ideen der Bürger steckt. Die Bürgervision soll Einfluss nehmen – zum Beispiel auf geplante räumliche Leitbilder Hamburgs. Sie soll regelmäßig aktualisiert und in den nächsten Jahren thematisch vertieft werden, denn die Vision soll und muss sich weiterentwickeln, so wie die Stadt auch.

DIE REGELN DER BETEILIGUNG

5. Top down war gestern. Wer wirklich wissen will, was die Bürger denken, sollte Themen und Thesen nicht vorgeben, sondern in der Community entstehen lassen. »Von oben« gesetzte Fragestellungen interessieren nur wenige.

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Die Werkzeuge im Überblick

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exthamburg bietet einen Mix an Werkzeugen, der von verschiedenen Teilnehmern genutzt wird. Im Mittelpunkt stehen große Bürgerworkshops, Sessions genannt, und ein kontinuierlicher Online-Dialog. 2012 wurde mit dem Zukunftscamp ein neues Format eingeführt – eine Mischung aus gläsernem Büro, Workshop und Festival. Diese Werkzeuge werden durch Spezialformate ergänzt: Zum Beispiel die Nexthamburg Reports, die ab 2012 vierteljährlich den Stand der Nexthamburg-Diskussion zusammenfassen und zeigen, welche Themen gerade aktuell sind. Eine eigens entwickelte iPhone-App erlaubt es, von unterwegs Problemorte oder Ideen zu posten. Mit seinem mobilen Zukunftscafé ist Nexthamburg zudem an von vielen Menschen frequentierten Orten zu Gast, um jene zu erreichen, die sich üblicherweise nicht für Planungsdiskussionen interessieren. 2010 und 2011 war Nexthamburg Partner des Lokalsenders Hamburg 1, in dessen Frühstücksprogramm mit einer Reichweite von täglich etwa 150.000 Zuschauern alle zwei Wochen ein Thema aus der Nexthamburg-Community vorgestellt wurde. Im Sommer 2011 wurde gemeinsam mit der Internationalen Bauausstellung Hamburg das Sonderprojekt Your Place Nextwilhelmsburg durchgeführt: Jugendliche aus dem Stadtteil gründeten unter Anleitung von Nexthamburg ein temporäres Planungsbüro und entwickelten im Team ein umsetzungsfähiges Konzept für eine Freifläche, das mit der Verwaltung abgestimmt wurde. Der Mix verschiedener Werkzeuge entwickelt sich kontinuierlich weiter: Durch ihn bleibt Nexthamburg in einem ständigen Dialog mit den Bürgern. Dabei ist es wichtig, auf neue technische Trends ebenso zu reagieren wie auf die sich ständig wandelnden Ansprüche der Community.

DIE REGELN DER BETEILIGUNG

6. Mitwirkung gibt es nicht umsonst. Sie kostet Geld, Zeit, mitunter Nerven. Aber man gewinnt Vertrauen, Ideen und, wenn es gut läuft, Stabilität. Beteiligung ist für Planung das, was das Fundament für ein Haus ist.

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Der Online-Dialog

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exthamburgs Erfolg basiert auf einem umfangreichen, vielseitigen und dauerhaften Online-Dialog. Er garantiert, dass viele verschiedene Menschen an einer gemeinsamen Idee mitwirken können. Doch erst durch die persönliche Begegnung, den Austausch der Ideen und das gemeinsame Arbeiten wird aus vielen Ideen ein Projekt.

Online ist nicht gleich online. Der Internet-Dialog nutzt eine Vielzahl an Werkzeugen und findet auf verschiedenen Plattformen statt, die alle unterschiedliche Zwecke erfüllen und eigene Communities ansprechen: Neben der eigenen Homepage werden Facebook, Twitter, YouTube, Flickr und Google + genutzt. Im Zentrum aller Aktivitäten steht der Dialog auf der eigenen Homepage: nexthamburg.de. Hier kann jeder einen Beitrag für die Stadt vom morgen ins Rennen schicken. Ausgangspunkt dafür sind die mehr als 20 Zukunftsaufgaben für die Stadt, die aus über 700 Beiträgen herausgearbeitet wurden und die es zu lösen gilt. Das Themenspektrum ist breit: Beispielsweise geht es darum, Orte und Wege für mehr Wohnungsbau zu finden, Ideen zu entwickeln, wie Hamburg zu einer Fahrradstadt werden kann oder wie die Innenstadt belebt werden könnte. Im zweiten Schritt werden die Teilnehmer aufgefordert, ihre eigenen Lösungsvorschläge und die von ihnen favorisierten Ideen anderer zu einem Gesamtbild zusammenzufügen, d.h. ihr persönliches Szenario zu erstellen. Wenn diese Ideen überzeugen, also viele »Fans« und eine gute Bewertung der Redaktion gewinnen, erhalten sie die Chance, in einer nächsten Runde der Bürgervision prominent vorgestellt zu werden. Neben der stetig wachsenden Ideensammlung auf nexthamburg.de spielen Facebook und Twitter eine große Rolle für den Dialog. Auf beiden Kanälen werden jeweils mehrere Tausend Menschen erreicht, wenn es darum geht, die Ideen zu verbreiten oder zu Veranstaltungen einzuladen.

Die Arbeitsteilung ist: Während nexthamburg.de auf die Ideensammlung der Community fokussiert ist, finden aktuelle Diskussionen aufgrund ihres Vorzugs, viele Menschen zu erreichen, am ehesten auf Facebook und über Twitter statt. So ergeben sich auf Facebook immer wieder lange und interessante Schlagabtausche – schnell und impulsiv, dafür sehr klar in den Meinungen und Positionen. Facebook ist eher Boxring als Salon – eine Qualität, die im Stadtentwicklungsdiskurs durchaus erfrischend ist. Bei allen Vorteilen, die sich online bieten: Die größte Dynamik entfaltet die Diskussion mit Bürgern im Rahmen von Veranstaltungen wie den Sessions. Offline schlägt Online: Im Vor- und Umfeld großer Veranstaltungen verdichtet sich die Diskussion im Internet, findet der Sprung vom Posting im Netz zum vertieften Arbeiten in Gruppen vor Ort statt – und dies findet schließlich seinen Weg zurück ins Web. Beide Bereiche sind unbedingt gemeinsam zu denken. Anders gesagt: Ein Internetdialog ohne anschließende physische Treffen wird kaum funktionieren, so die Erfahrung von Nexthamburg. Die Erklärung ist einfach: Um den langen Bogen eines dauerhaften Dialogs gespannt zu halten, braucht es die inspirierenden Face-to-face-Begegnungen, um sich immer wieder in den Diskurs einzuklinken. Erst der Kontakt von Community-Mitgliedern an einem konkreten Ort und die Dynamik des gemeinsamen Arbeitens machen aus dem abstrakten Prozess ein Erlebnis. In der Verschränkung von Online und Offline entsteht das Zusammengehörigkeitsgefühl, das aus einer lockeren Schar interessierter Bürger eine Community macht, mit der ein Crowdsourcing-Prozess über einen längeren Zeitraum getragen werden kann – und nichts anderes erfordert das gemeinschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Stadtentwicklung.

DIE REGELN DER BETEILIGUNG

7. Online alleine funktioniert nicht. Ob Workshop, Salon, Zukunftscafé oder mehrtägiges Camp: Erst echte Begegnungen machen aus einer losen Netz-Community eine starke Gemeinschaft.

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Eine Online-Plattform mit Vorgeschichte: Übersicht vom ersten Prototyp aus dem Jahr 2000 bis zur ausgereiften Dialogplattform im Jahr 2012.


Der erste Auftritt unter dem Namen nexthamburg.de im Architeltursommer 2000

Version 2008, online bis zur Session 1 im April 2009

Version 2009: Fokus auf dem Ideensammeln

Version 2012: Auf dem Weg zur Bürgervision

Version 2010: Themen rücken in den Vordergrund

Jeder kann sich sein eigenes Hamburg der Zukunft zusammenstellen

Wichtig für die laufende Diskussion: Die Nexthamburg-Community auf Facebook

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Die Sessions

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it den Sessions hat Nexthamburg ein Workshop-Format geschaffen, das Diskussionen über die Ideen und das gemeinsame Erarbeiten von Lösungen ermöglicht und darüber hinaus auch noch Spaß macht. Sie bieten eine für das gemeinschaftliche Visionieren notwendige Atmosphäre der Offenheit und Kreativität. Wer selbst schon Beteiligungsworkshops besucht hat, kennt die Szenerie: Es ist 18 Uhr am Freitagnachmittag, eine etwas dunkle Schulaula. 15 Bürger sind gekommen, ihnen gegenüber sitzen elf Planer. Um die Tische herum stehen Metaplan-Stellwände. Auf ihnen liegen die üblichen rosa und blauen Kärtchen. Ein Stift fällt zu Boden. Ein Räuspern. Es klingt wie eine Parodie, ist aber oft Realität in einem solchen Verfahren. Dabei müsste es ganz anders ablaufen: Wenn Menschen einen Abend ihrer wertvollen Zeit opfern, um unentgeltlich an etwas mitzuarbeiten, muss ihnen eine andere Wertschätzung entgegengebracht werden. Beteiligung muss den Menschen etwas über die pure Mitwirkung hinaus zurückgeben: ein gemeinschaftliches Erlebnis, einen Moment, der zum Wiederkommen anregt. Es gibt einige Grundregeln, die Nexthamburg für seine Sessions entwickelt hat: Zunächst muss klar sein, was an dem Abend entstehen soll. Ohne Ziel keine Zielstrebigkeit. Sollen Thesen formuliert werden oder konkrete Entwürfe? Als Nächstes folgt der Wettstreit. Konkurrenz belebt jede Debatte. Auf den Nexthamburg-Sessions ging es vor allem darum, einen Vorschlag zu verdichten und die beste Idee auszuwählen, die in der Folge weiter bearbeitet werden sollte.

Ein weiterer Erfolgsfaktor: der Ort. Nexthamburg veranstaltet seine Sessions an Orten, die neugierig machen und inspirieren. Zum Beispiel im Hamburgmuseum oder in der Hauptkirche St. Katharinen. Jeder dieser Orte hat seine eigene Community, die ebenfalls eingeladen wird. So docken ganz unterschiedliche Menschen an den NexthamburgProzess an. Eine Spezialität der Sessions: das Speeddating. 120 Menschen, die sich kaum kennen, stehen sich zu Beginn der Session gegenüber. Jeder hat eine Minute und 30 Sekunden Zeit, seinem Nachbarn zum Beispiel seine Idee für die Zukunft der Stadt zu erzählen. Und das mehrmals, in wechselnden Konstellationen. Nach zehn Minuten ist garantiert: Die Menschen kennen sich, schließen sich zusammen, sind plötzlich offen, die übliche Diskussionsblockade ist verschwunden. Keine Frage: Gruppenarbeit nach einem Speeddating ist etwas anderes als nach einem halbstündigen Impulsreferat. Die Sessions waren die Höhepunkte im Nexthamburg-Prozess. In ihnen ist die Online-Community greifbar geworden, sind Begegnungen und Allianzen entstanden, die weit über die Sessions hinaus Bestand haben. Und in ihnen sind die wichtigen Zwischenschritte gemacht worden: das Sammeln des Ideengrundstocks auf Session No. 1, das Ausarbeiten von 15 Topideen auf Session No. 2, das gemeinsame Bauen von zehn Quartiersmodellen der Innenstadt auf Session No. 3. Es gibt viele Arten, Workshops zu machen, unzählige Bücher zeugen davon. Nexthamburg hat sich entschieden, seinen eigenen Weg zu finden – DJ und opulentes Fingerfood inklusive. Es war jedes Mal aufs Neue faszinierend, welche Kreativität entsteht, wenn man die Tore weit genug öffnet. Am Ende gilt: Es braucht nicht viel, um Beteiligung besser zu machen. Außer den Mut, sie anders zu machen.

DIE REGELN DER BETEILIGUNG

8. Beteiligung muss Spaß machen. Nicht nur den Bürgern, sondern auch jenen, die Beteiligung organisieren. Auch wenn manches Thema sehr ernst ist: Wer keine Lust auf Beteiligung hat, sollte sie anderen überlassen.

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Impressionen von den Nexthamburg-Sessions.


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Das Zukunftscamp

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m 4. Februar 2012 öffnete Nexthamburg die Türen zum Zukunftscamp im alten Ohnsorg-Theater in Hamburgs City. Nur wenige Monate zuvor wurden hier noch norddeutsche Mundartstücke aufgeführt, nun stand für sechs Tage das gemeinsame Arbeiten an einer Stadtvision auf dem Programm. Fast 2.000 Gäste ließen sich inspirieren, diskutierten und kreierten ihre eigene Stadtvision – der wichtigste Schritt auf dem Weg zur Bürgervision.

Das Camp glich streckenweise einem Bienenstock. Es wurde getextet, diskutiert, gevotet. Und abends verwandelte es sich in ein Zukunftsfestival. Vom »Turnier der Ideen«, einem prominent besetzten Wettstreit der Argumente, über einen »Urban Poetry Slam« bis hin zur Filmvorführung: Die mögliche Zukunftsentwicklung der Stadt bediente sich aller Mittel – einer Party inklusive, denn Zukunftsarbeit muss auch gefeiert werden.

1.000 Tage, 600 Ideen, eine Vision: Ziel des Camps war es, jene Ideen der Community auszuwählen, die letztlich die Bürgervision bilden sollen. Wie beim Online-Dialog konnte man Zukunftsaufgaben lösen und sein eigenes Zukunftsszenario erstellen – in einem »Zukunftsshop« mit Hunderten von kleinen Ideentafeln, einer Beratungstheke und einer »Kasse«, an der man Rückmeldung auf sein Szenario erhielt. Die Shoppingmetapher lag nahe, das ehemalige Theater befand sich ja in bester Citylage, und nicht wenige Gäste besuchten das Camp während ihrer Einkaufstour.

Blieb die Frage: Welche der 600 Lösungen würde Teil der Bürgervision werden? Die Gäste hatten es in der Hand: Die Lösungen, die am häufigsten in persönlichen Szenarien vorgeschlagen wurden, sollten das Rennen machen. Auch berücksichtigt wurden die Zustimmungen aus dem bisherigen Nexthamburg-Prozess. Das Ergebnis liegt nun vor: die Bürgervision. Das Buch soll eine breite Öffentlichkeit erreichen und die ersten drei Jahre Nexthamburg dokumentieren. Die Vision selbst wird darüber hinaus auf unterschiedlichen Wegen zur Diskussion gestellt: auf Workshops, online und im Nexthamburg Café, das ab Ende 2012 in der Innenstadt seine Pforten öffnet.

Die Erwartungen waren eher bescheiden, denn – so die Annahme – nur wenige Gäste würden die Zeit haben, aus einzelnen Ideen ein Gesamtbild zusammenzustellen. Viele würden nur schnell zum Bewerten oder Kommentieren vorbeikommen, was trotzdem ein wertvoller Beitrag war. Das erwartete Ziel: 30 bis 40 persönliche Zukunftsszenarien zu gewinnen. Alle wurden überrascht: Schon nach drei Tagen war die magische Grenze von 100 Szenarien überschritten. Die eigens dafür reservierte Visionswand quoll regelrecht über, bedeckt von kleinen sechseckigen Tafeln, auf denen die Ideen präsentiert wurden.

Die Bürgervision ist kein fertiges Bild, sondern ein Anstoß zur weiteren Debatte über Hamburgs Zukunft und Ausgangspunkt für die nächste Runde des Nexthamburg-Prozesses. Nun gilt es, die Vision auf den Prüfstand zu stellen. Könnte so Hamburgs Zukunft aussehen? Sind die Wünsche der Community umsetzbar? Welche Probleme und Fragen bleiben weiter offen? Vor allem hat Nexthamburg den Auftrag, sich dafür einzusetzen, dass die Bürgervision Einfluss auf das Stadtentwicklungsgeschehen in Hamburg nimmt. Es bleibt viel zu tun für Nexthamburg und seine Community. Zukunft gestalten ist ein Vollzeitjob.

Fünf Tage Zukunftsshop, Café, Debatte, Poetry Slam, Kino, Session, Expertencheck: Das Programm des Zukunftscamps.

DIE REGELN DER BETEILIGUNG

9. Gemeinschaftliche Stadtentwicklung braucht Freiräume. Man muss offen sein für unterschiedliche Szenarien und Denkrichtungen, muss schnell und ohne politische Einschränkungen agieren können. Unabhängige Akteure sind hier gefragt.

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Impressionen vom Zukunftscamp.

Das Zukunftscamp wurde unterstützt von

Veranstalter Rahmenprogramm

Wir bedanken uns auch bei alstria office REIT-AG, Flexibles Flimmern, JMT Mietmöbel Deutschland GmbH & Co.KG, Quantum Immobilien AG und WERKSKÜCHE Feinkost @ Catering UG (haftungsbeschränkt).

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700 Ideen, eine Vision: So funktioniert die Bürgersvision

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ie würde Hamburg im Jahr 2030 aussehen, wenn man die Ideen der Nexthamburg-Community zu einem Gesamtbild zusammenfügte? Die Bürgervision zeichnet dieses Bild und zeigt eine vielfältige Stadt der Zukunft – mal schillernd, mal ganz bodenständig, mitunter widersprüchlich, aber immer voller Lust auf das Experiment. Fragt man die Bürger, wird Hamburg bunter, dichter, mutiger und zugleich aufmerksamer gegenüber seinen versteckten Schätzen. Die Stadt erobert sich neue Räume, vernetzt sich noch stärker als bisher. Manches Problem muss ungelöst bleiben, aber in der Bürgervision werden auch viele überraschende Wege gezeigt, wie die Zukunftsfragen der Stadt beantwortet werden können. Die Bürgervision soll Impulse geben, sie soll die Stadtentwicklung produktiv stören, indem sie den Akteuren der Stadtentwicklung einen Spiegel vorhält. Sie macht deutlich, wo Hamburger Bürgern der Schuh drückt, wo sie mehr Mut zum Experiment erwarten und wo mehr Zurückhaltung. Die Vision ist eine Aufforderung an die Planer der Stadt, weiter zu denken, und eine Mahnung, dennoch bei künftigen Planungen die Eigenheiten der Stadt besser zu erhalten. Vor allem ist die Bürgervision aber ein unerschöpflicher Ideenpool für die Stadtentwicklung. Aus über 700 Projektvorschlägen hat die Nexthamburg-Community fast 300 ausgewählt (siehe Infografik) – die Grundbausteine der Vision. Sie setzen sich zu unterschiedlichen Zukunftszenarien zusammen, die wiederum sechs Themenblöcken zugeordnet wurden. Mancher Vorschlag mag schwer umsetzbar erscheinen, manch einer noch nicht zu Ende gedacht. Dafür sind andere so zwingend, dass man sie sofort umsetzen möchte. Und manch utopisch klingende Idee weckt den Wunsch, ein wenig mehr Unmöglichkeit in der Stadt zuzulassen.

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Fa zw st d du isc re ge rch he i Q so wo da n d uad ga nn s er ra r z en Ab Cit tki um u tra y u lom n Ho d t gen nd ete ch räg de de r m w ta s m as ls ho S isst se T ch pre d rs eil ve e er h ch d E Eu ut es rse afe lbs di rop z b H uc n. e e a h ei m te De e, sic as . bu n r n da h grö S r m ge as eu s S it ßte r T ol e E eg de r H id -Ra lba elr rT a ea f e u id ue fin rm vie e sb nk eri wu r au oo e on g rd fze elä e un tha Sc pt nd d fe a s n es da ho b : b ü n s ew be sie E la eg r 2 äh lbb nge en 00 nl a ic d, gef . Ha h sc ein ord us ho e er bo n sch t, w ot vo w u e, r 1 im rd 50 m e e e Ja n s 2 hr de 0 en B 16 ga ade en b. an dli Na st ch al ch al er s t, Un »E we w öffn ie Pl ika lbq nig es et: ät t, e u ze e ar n J n, in tie ah kl bu r« re ei nt g n ne e e e n s G pla in S G as ew nt, pit se ür ist zn n, fel un am gr au g oß s em e: » en Lä ei Kl St de n b ein ra n, eli h M ße Bü eb am i in tte n. ro t. n e s u Fa bu Ha in im e nd st rg« f ga en m Q W jed , u nz , u . E ua oh es rs he m s g rti e nh H pr itl Ve eh r: ic äu au ün t d r he ke um ie se s e glic r B hr H rn in h lic un Han afe , k d n d au um el w ,G e fd ie Flo lob lt, M W ra al el un isi us t d d er eu es Fa un m Ha un g, u un fe a in m d ns B . der Men ild El sc un be he g – n i so ei m rt n

Steinwerder: Hamburgs Neuland gegenüber der City

Es ist noch nicht lange her, dass die Stadt gegen-

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der, um das große Hafenmuseum, den Hafenbasar oder

über den Landungsbrücken zu Ende zu sein schien. den kürzlich eröffneten Vergnügungspark »Hafendom«

Jahrzehntelang lag Steinwerder, das zentralste Indus-

zu besuchen – und die vielen Cafés und Läden von

trie- und Hafengebiet Deutschlands, nur einen Stein-

»Kleinhamburg« zu entdecken. Für Verliebte ist Stein-

wurf von den Landungsbrücken entfernt. In nur 15

werder längst Hamburgs Lieblingsort: Abends trifft man

Jahren hat sich das einstmalige Hafenquartier zu

sich auf den Stufen der großen Freitreppe oder am

einem bunten Stadtteil voller Attraktionen gewandelt –

Elbbad, um zuzuschauen, wie in der im Sonnenunter-

zum Brückenkopf des Hamburger Südens zur Innen-

gang schimmernden City langsam die Lichter angehen.

stadt. Heute leben hier etwa 5.000 Menschen, so viele

wie bereits vor 120 Jahren. Jedes Wochenende strömen

Viele Hürden mussten genommen werden, damit die

zehntausende Ausflügler und Touristen nach Steinwer-

Vision des »Sprungs über die Elbe« an diesem Ort


Se El it 1 M be. 99 un usic 20 5 lo 15 c d Ko alw ka kt d nz elle m as er is de T te t a r h ge bg zw ea nu ee eit ter tz bb e T ze t. t. he lt i Je at m tz er H t w ba af er u h en de in di n zu e B di . D e e Ha as suc lle Pr he n ob r ü fü le be rG m r as : Di die Ha ts e m p br ie le Sc eit bur Pa hri er H gs n t o no t f e ra ür lzst uer m S eg L a ch au ri mi iebl f d tt t t F ing ie eil rei so Ci s a tre rt: t y u pp d un f, t e ie E G d eils un lb di Do leic e vo d vi pro El r d el de m h h bp a en me m se int hi s E B n He in er lh ilig dau de ar lbu änk ade m m fe en , en er on r g , ei ge ha Bas ie eb de n b f ist te ar ist au r in is fe s Z : d un t w ze zu ld e , w uha r H ve u hn 20 rg rde Ja M er us af le de e en ic . Da hre ete n im d hl bi ic s n r s 2 Ha om h. 03 fen . 20 5 . A 24 1.5 uf 00 de bez ne m og ue frü de W her r H oh en am nu S b ng tan urg en do er ge rt, H ba zu amb ut gr m S ur . g o Ku ße ta s K rio n, nd ul se lic ort ina s a hte im riu us n H m üb Ha afe : de er llen n w r H 10 L e a 0 eb rd fe Lä en en nb nd sm in a er it zw sa r n te an l, ei f . Pa ge De uß ss bo sig ba en te n llfe d n. un ld d -

Vier mal 2030

Realität werden konnte: Eine Raffinerie musste in diesem Ort steckte. Ein besonderer Clou verhinderte

zurückgebaut werden, der Boden wurde abgetragen den Ausverkauf des Gebiets: Steinwerder wurde als

und an ihrer Stelle ein großer See angelegt. Für die

»Bürgerstadtteil« entwickelt. Der Boden blieb Eigen-

verbliebenen Hafenbetriebe mussten Ersatzstandorte

tum der Stadt, alle Planungsentscheidungen wer-

gefunden werden. Ganz besonders schwierig: Das

den auch heute noch von einem Bürgerparlament

Hafenrecht, das Wohnen im Hafen bisher ausschloss,

getroffen – sogar die Entwicklungsgesellschaft wurde

musste eigens für diesen Ort geändert werden. Und

als Genossenschaft gegründet, bis dahin einmalig in

lange war unsicher, ob die vielen Attraktionen finan-

Deutschland.

ziert werden könnten. Erst als der rechtliche Rahmen

gesichert war, nahm die Vision Fahrt auf. Der einset-

zende Ansturm der Investoren zeigte, wie viel Potenzial

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Harburg: Der ausgeblendete Süden wird zur Boomtown Futuristische Türme, eine Stadtbahn, Grün

Die Folge: Als die Hamburger Immobilienpreise immer

statt Verkehrslärm: Harburg ist 2030 kaum wiederzu-

stärker anstiegen, blieb das vergleichsweise unbeliebte

erkennen. Lange lag der Stadtteil südlich der Elbe

Harburg einer der wenigen erschwinglichen Teile der

im Windschatten der Hamburger Stadtentwicklung.

Stadt – trotz manch idyllischer Wohnlage und der Nähe

Die bis 1937 selbstständige Industriestadt galt als

zu den Hügeln der Lüneburger Heide.

Gelsenkirchen Hamburgs – ein Mix aus Fabriken und Siedlungen mit provinziellem Charme, irgendwo weit

Nach 2015 wandelte sich die Situation: Das niedrige

weg hinter dem Hafen gelegen. Selbst das ab 1995

Preisniveau wurde nun zum entscheidenden Stand-

entstandene Hightech-Quartier im Harburger Binnen-

ortvorteil – gepaart mit einem Klima der Offenheit und

hafen und die renommierte Technische Universität

Experimentierlust, das zum Markenzeichen Harburgs

konnten das Image Harburgs nur wenig aufbessern.

wurde. Eine wichtige Voraussetzung für den Bauboom

Die Tagungs- und Kongresshalle im Wissenspark Moorburg ist bis in die Harburger Innenstadt zu sehen.

Jahrzehntelang war Harburg durch die Bahnstrecke und die Bundesstraße nach Cuxhaven geteilt. Dank einer neuen Umgehung konnte die Trasse zurückgebaut und in einen Grünzug verwandelt werden. Während anderswo noch diskutiert wurde, handelte Harburg: Die erste Stadtbahnlinie der Stadt führte quer durch den Süden. Endstation ist der Wissenspark Moorburg.

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Vier mal 2030 ab 2020 war die neue »Stadtentwicklungszone« im

Wie so oft rief allzu rapides Wachstum auch die

Harburger Hafen: Hier lockte der Bezirk mit moderaten

Kritiker auf den Plan: Viele Bürger beklagten, dass

baulichen Auflagen und günstigen Steuersätzen, ein

Harburg sein Gesicht verloren habe. Andere trieb

einmaliges Experiment für Hamburg. Neue Unterneh-

das neue Harburger Selbstbewusstsein zu ganz

men siedelten sich nun vorzugsweise südlich der Elbe

eigenen Blütenträumen: Die Partei »Freies Harburg«

an, was den Bauboom verstärkte. Bauten wie der

plädierte für eine Loslösung von Hamburg. Ein selbst-

234 Meter hohe Phönixturm oder die 150 Meter hohen

ständiges Harburg könnte seine Angelegenheiten

Studenten-Wohngebirge im westlichen Binnenhafen

viel besser regeln. Weiterer Streit scheint vorpro-

sind zu Symbolen dieser neuen Harburger Gründerzeit

grammiert. Die Harburger nehmen es gelassen: lieber

geworden.

Entwicklung und Debatte als Stillstand.

Der Phönix-Tower ist mit 234 m das höchste Gebäude des Süderelberaums.

Am Veritaskai entsteht zurzeit ein Hochhaus mit über 150 Wohnungen.

Deutschlands modernstes Studentenwohnheim steht in der Blohmstraße. Studierende mit kleinem Geldbeutel können auf den Dachterrassen ihr eigenes Gemüse anbauen.

Sport und Kultur unter einem Dach, das gibt es nur in Harburg. Im Sportkulturzentrum in den ehemaligen Industriehallen am Karnapp kann man sich beim Konzertbesuch an Geräten fit halten – für Kulturpuristen fragwürdig, aber voll im Trend. 35


Monte Altona – Hamburgs Hügelstadtteil Nur wenige Hundert Meter vom früheren Altonaer Bahnhof entfernt, beginnt eine ganz eigene

erinnert hier ein wenig an Londons Hampstead Heath mit einer Prise Montmartre und etwas Blankenese.

Welt: Treppen, grün bewachsene Mauern, geschwungene Wohnstraßen, kleine bunte Stadthäuser, die

Der Monte Altona ist die Krönung des neuen Stadt-

sich an den Hängen staffeln. Am Horizont sieht man

teils Neue Mitte Altona. Eigentlich sollte das Quartier

den Hafen mit seinen Kränen, zur Innenstadt hin

direkt auf dem Gleisareal des Altonaer Bahnhofs

ragen die Türme der City in den Himmel. Und im Vor-

entstehen. Lange war jedoch unklar, ob der Bahnhof

dergrund breitet sich das Dachgewirr von Ottensen

verlegt werden würde – eine wichtige Voraussetzung,

aus. Hat man den Hügel erklommen, spürt man den

um den ursprünglichen Entwurf umsetzen zu können.

Wind und blickt auf eine weite Wiese, ein paar Bäu-

Um sich von der Entscheidung der Bahn unabhängig

me und sieht Drachen in den Himmel steigen. Alles

zu machen, veränderte man das Konzept. Ein riesiger

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Vier mal 2030 bebaubarer Deckel wurde über weite Teile des Bahn-

an und rankte sich besonders um die Frage, wie auf

areals gespannt, teils über 30 Meter hoch, und durch

diesem teuren Bauwerk günstiger Wohnraum entste-

eine künstliche Hügellandschaft mit einem Park auf

hen könnte. Heute sind die Querelen fast vergessen,

der Kuppe akzentuiert. In das Innere des Bauwerks

wenn man den Blick vom Hügel aus weit über Ham-

wurde die Erschließung des Stadtteils gelegt, dazwi-

burgs Dächer schweifen lässt. Es ist fast wie einst,

schen die Einrichtungen zu dessen Versorgung und

wenn die S-Bahn über ihre Hochtrasse in den Bahn-

Hamburgs größtes Parkhaus. Nachdem es grünes

hof einfuhr und die Stadt sich wie ein Panorama vor

Licht für die Bahnhofsverlegung gab, wurde auch der

einem ausbreitete.

neue Westbahnhof in das künstliche Stück Landschaft integriert. Die technischen und politischen Hürden waren enorm, der Streit um das Projekt dauerte Jahre

37


Die Stadt der Kinder 1 Mobiler Aussichtsturm 2030 kann man seine Nachbarschaft aus der Vogelperspektive betrachten – wenn der mobile Aussichtsturm zu Besuch im Stadtteil ist. Die leichte Fiberglaskonstruktion verändert alle paar Wochen ihren Standort und eröffnet neue Perspektiven auf die Stadt.

2

Bürger-Förderbänder

2030 hat die Stadt auf die immer älter werdende Bevölkerung reagiert: Um das Gehen zu erleichtern, wurden an besonders langen Straßenabschnitten Laufbänder in die Gehsteige eingelassen, die wie am Flughafen helfen, schneller voranzukommen. Für die Kleinen sind die Förderbänder übrigens ebenso eine Erleichterung: Endlich nervt der Weg zur Kita oder zur Schule nicht mehr so.

1

2

Wer hätte gedacht, dass einige dieser Fanta-

Pony-Schnellstrecken als Verkehrsmittel, unerhört

sien tatsächlich einmal Realität werden würden,

dicke und große Bauten, eine künstliche Sonne, die

außer die Autoren selbst, die Kinder des Hamburger

auch nachts scheint, dafür auch Sterne, die tagsüber

Kinderhauses Kunterbunt? Sie waren im Februar

funkeln. Und nicht zu vergessen die unheimlichen

2012 zu Gast beim Nexthamburg Zukunftscamp, um

Schleimhäuser und Monsterecken, die das Hamburg

ihre Stadt der Zukunft aufzumalen. Die Ideen waren

der Zukunft zu einem gefährlichen Ort machen. Aber

grenzenlos: Menschen, die sich fliegend fortbewegen,

auch im Kleinen sprudelten die Einfälle: ein Bus, der

38


Vier mal 2030

3

Pony-Schnellstrecke

4

In Hamburg feierte 2030 ein altbekanntes Fortbewegungsmittel sein Comeback: das Pferd. Als natürliches Verkehrsmittel erinnert es an die längst vergessene Stadt des vorletzten Jahrhunderts. Besonderer Vorteil: Auf dem Rücken des Tieres behält man im Gewimmel von unterschiedlichen Verkehrsteilnehmern stets die Übersicht. Fahrräder, PRT-Kapseln, Fußgänger, die letzten mit fossilen Brennstoffen angetriebenen Autos und eine Schar von Stadtrollern: Es ist turbulent auf Hamburgs Straßen geworden. Nur mit dem Pferd ist noch entspannte Genuss-Mobilität möglich. Um Konflikte mit anderen Verkehrsteilnehmern zu vermeiden und ein zügiges Vorankommen im Galopp zu ermöglichen, sind Horse-only-Strecken in der Stadt entstanden, im Volksmund Pony-Schnellstrecken genannt. Auf hufenschonendem Rasen, ein weiterer Beitrag zum Stadtgrün, sind nur berittene Verkehrsteilnehmer erlaubt.

Winkbusse

Einfach an der Straße stehen, den Arm ausstrecken – und der Bus hält. So funktioniert der Nahverkehr 2030. Seit der Einführung der Winkbus-Strecken lassen noch mehr Hamburger das eigene Auto stehen.

Der Treibstoff des Pferdes wird in Urban-Farming-Projekten ganz ökologisch auf den Dächern und in den Innenhöfen der Stadt angebaut. Als Dünger dienen die Pferdeäpfel, die auf den Schnellstrecken eingesammelt werden. An zentralen Stellen der Stadt gibt es zudem Leihpferd-Wiesen: Horse to go.

3

4

durch Winken gestoppt werden kann, überall Gras,

Nicht alles wurde bis 2030 so umgesetzt, wie es

auch auf den Dächern, Windräder mitten in der Stadt,

erdacht wurde. Aber auch was nicht anfassbar ist,

Häuser auf Schiffen und mit Rutschen (praktisch!),

kann seine eigene Realität entfalten: die Realität

ein mobiler Aussichtsturm und Förderbänder, die den

des Gedankens, der die Stadt verändern kann.

Weg zum Bus erleichtern – oder zu den Schiffen, die direkt am Bürgersteig anlegen.

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Orte und Themen

40


Ide en ohn e Ve rortu ng

Die attraktive Stadt Die radikale Stadt Die geheilte Stadt Die verantwortungsvolle Stadt Die experimentierfreudige Stadt Die mobile Stadt

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01 Die attraktive Stadt Wann ist eine Stadt attraktiv? Darüber lässt sich trefflich streiten. Für manche sind es die neuen Lieblingsorte, die Hamburg 2030 bietet, für andere die Kulturangebote oder die vielen Grünräume. Oder sind es die neuen Quartiere, die vielen Promenaden und Plätze? Wahrscheinlich ist es die Mischung aus allem. Und sicher muss die Stadt aufpassen, dass sie vor lauter Attraktivität nicht in Selbstzufriedenheit verharrt.

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Ide en ohn e Ve rortu ng

Lieblingsorte: Hamburgs neue Attraktionen Hamburg leuchtet: Der unerwartete Kulturboom Die Stadt im Freien: Plätze und Promenaden Mehr Stadt in der Stadt: Neue Stadtteile Grün gibt es nie genug: Parks und Gärten

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»Ich weiß noch, als man auf den Telemichel rauf konnte. Der sollte unbedingt wieder geöffnet werden. Sind denn schon die Probleme mit der Asbestbelastung und den Rettungswegen gelöst? Ich habe auch mal gehört, dass der Turm eh in 30 Jahren abgerissen werden müsste.«

01 Die attraktive Stadt

Hamburgs neue Lieblingsorte Michel, Alster, Hafen, Reeperbahn: Lange prägten die altbekannten Attraktionen das Bild der Stadt, aufgefrischt durch

»In Steinwerder passiert ja viel. Zeichnet sich dieser Ort nicht gerade dadurch aus, dass hier nicht so viel los?«

Hafencity und Elbphilharmonie. 2030 sind es ganz neue Orte und Bauten, die bei Besuchern und Bürgern besonders beliebt sind. Hamburgs Stadtbild ist facettenreicher geworden: Manche der neuen

»Den Dom vom Heiligengeistfeld verbannen und dafür eine Moschee dort errichten: sehr mutig, und würde sicherlich auf Widerstand stoßen.«

Highlights wie der City-Flohmarkt haben als kleine, unscheinbare Initiativen begonnen. Manche wie die Hamburger Tower Bridge oder der Hafendom haben das Stadtbild regelrecht umgekrempelt und heftige Diskussionen ausgelöst. Auf jeden Fall findet man heute Orte oder Bauten, die vor 20 Jahren kaum einer besucht hätte – oder kaum jemand für möglich gehalten hätte. Hamburg ist eben mehr als seine altbekannten Stereotype.

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Telemichel

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Hafe

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Phoenix-Quartier 44

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der

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4 11

Hafendom Steinw


Eingereicht von Telemichel

TOP 20

2 Er wurde schnell zu einer der meistbesuchten Attraktionen Hamburgs, der Hafenbasar am Elbufer in Steinwerder. Die ganze Woche über wird in den riesigen Hallen Kulinarisches, Design und Handwerk aus aller Welt angeboten. Daneben: Bars und Restaurants, Musik und Performance inklusive. 66 /

Lebensmittel und Speisen angeboten – Hamburgs Antwort auf den Münchner Viktualienmarkt. 18 / Eingereicht von Neopolis 6 Phoenixquartier. Die gründerzeitlichen Hallen des früheren Autozulieferers sind zum neuen Zentrum der Hamburger Kultur geworden. Im Mittelpunkt: das Museum Falckenberg, eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen zeitgenössischer Kunst, die hier schon lange ansässig war und nun endlich der Allgemeinheit zugänglich ist. Daneben: Konzertsäle, Theaterbühnen und Flächen für die kulturellen Aktivitäten der Bürger. 18 /

Eingereicht von Julian

Eingereicht von Julian

Direkt neben dem Hafenbasar liegt der Hafendom, Hamburgs ganzjähriger Vergnügungspark am Südufer der Elbe mit Fahrgeschäften aller Art, Bühnen und Restaurants. St. Pauli hat den Wegzug des Doms lange nicht verschmerzen können. Die 800 neuen Wohnungen auf dem Heiligengeistfeld und die Erweiterung der Parkanlage »Planten un Blomen« konnten die Bürger aber versöhnen. 37 / 3

Eingereicht von Julian 4 Kaum eine der neuen Attraktionen war so umstritten wie die neue Elbbrücke, im Volksmund Tower Bridge genannt. Der offene Elblauf würde verbaut, außerdem konkurriere sie mit der Elbphilharmonie, lauteten die Einwände. Heute ist die Klappbrücke, die sich mehrmals täglich für Kreuzfahrtschiffe öffnet, die Hauptverbindung zu den neuen Stadtteilen gegenüber der City und ein beliebtes Flanierziel der Hamburger. 21 / Eingereicht von

Nexthamburg-Redaktion

Lange galten Markthallen als nicht rentabel. Hamburg hat das Gegenteil bewiesen, mit überdachten Märkten gleich an mehreren Orten, zum Beispiel in Wandsbek und Barmbek. Die größte steht neben dem Hafenbasar: die Markthalle am Domplatz. Ein Teil der Rasenfläche auf dem Platz musste weichen. Dafür werden täglich regionale 5

7 Lange wurde über sie debattiert, seit 2026 ist sie endlich fertig: Die Moschee auf dem Heiligengeistfeld. Wo früher Achterbahnen ihre Runden drehten, wird nun gebetet und über die islamische Kultur informiert. Endlich haben die über 150.000 Muslime Hamburgs eine angemessene Begegnungsstätte. 16 / Eingereicht

von Bert Meyer 8 Schon kurz nach seiner Eröffnung war er Kult: Der Campingplatz Wilhelmsburg, eine Mischung aus Touristenherberge und Aussteiger-Eldorado. Am Reiherstieg gelegen, mit Blick auf Silos und Kräne, bietet er 400 Zelten und Wohnwagen Platz. 14 /

Eingereicht von Martin Roehl

Stuttgart war Vorbild: Sonntags lockt der City-Flohmarkt in die Innenstadt, das beliebteste Sonntagsvergnügen neben dem Fischmarkt. Stand an Stand drängen sich Möbel, Kitsch und Hamburgensien in den Straßen rund um den Rathausmarkt. Initiiert wurde der Markt von einer kleinen Gruppe der neuen City-Bewohner. Heute ist er einer der größten Flohmärkte Deutschlands. 10 / Eingereicht 9

von smartyHH

bahn-Tankstelle verhindert werden. Heute ist das Ensemble längst denkmalgeschützt und eine kleine Stadt in der Stadt: Clubs, Wohnungen, Werkstätten, Ateliers und Hostels bilden einen letzten Rest Unaufgeräumtheit in der Hochglanzumgebung der sanierten Reeperbahn. 9 / Eingereicht von Nexthamburg Redaktion 11 Der Aufschrei war groß, als Hamburgs Traditionswerft Blohm + Voss die Produktion verlagerte. Auf dem riesigen Werftgelände mit seinen Kränen, Hallen und Wasserbecken entstand nach dem Vorbild des Ruhrgebiets mit seinen zu Parks umgewandelten Industrieanlagen der Landschaftspark Blohm und Voss. Der spektakuläre stählerne Park ist Ausflugsort, Kletterparadies, Sportparcours und Konzertbühne in einem.

4 / Eingereicht von NexthamburgRedaktion 12 Das neue kulturelle Herz der City: das Weltstadthaus, Hamburgs internationales Kulturzentrum am Rathausmarkt. Ein kleiner Konzertsaal, Lesesäle, ein Theater und eine Galerie bieten monatlich wechselnd Kulturelles aus allen Teilen der Welt im Austausch mit typisch hamburgischen Kulturerzeugnissen – ein Raum für echten kulturellen Dialog. 4 / Eingereicht von Neopolis

S Th o vi em ele a Id in ee sg n es w am ur t f den So or z Co g m u ul di un m roß ie es d mu w rt e Au n ar m i t fg y di re (Z e ife u Re n sti so in m n ei mu an So ge n z G vi ne g, in d au esa el n Ko er f d m Pro Be m ie tdi ze itr me se sk n äg n s S us t d en tar ze sio er ) e na n e rio n tfi el

1 Über 20 Jahre lang war Hamburgs Fernsehturm, Telemichel genannt, nicht zugänglich. 2016 eröffnete er wieder, nun als Wissenszentrum rund um das Thema Klimaschutz. Über 300.000 Besucher im Jahr genießen den Blick über die Stadt und informieren sich über die Folgen des Klimawandels. 111 /

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25 %

Die Vorschläge … lösen die Probleme der Stadt sind machbar passen zu Hamburg

Eines der letzten Relikte der alten Kiez-Kultur: die Essoburg. Nur dank massiver Proteste konnte der Abriss der Wohnriegel an der legendären Reeper10

sind neu und spannend

»Lieblingsorte« weiter denken: www.nexthamburg.de/lieblingsorte

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01 Die attraktive Stadt

Der unerwartete Kulturboom Hamburg leuchtet. Dabei hat Kultur in der eher nüchternen Kaufmannsstadt nicht immer einen leichten Stand gehabt. Es ist den Bürgern zu verdanken, dass nach 2020 ein regelrechter Boom der Museen und Kulturangebote einsetzte. Allein elf neue Museen öffneten seitdem ihre Pforten. Darunter finden sich Exoten wie ein Plastikmuseum, aber auch echte Publikumsrenner wie das Aviation Center. Und auch in den Stadtteilen blüht die Kultur: Das Kino erlebt eine Renaissance als Quartierstreffpunkt, auch Wandsbek hat jetzt sein eigenes Stadttheater. Zur kulturellen Blüte hat auch die neue Lust am Gemeinschaftserlebnis vor Ort beigetragen, ein Gegentrend zur fast allgegenwärtigen Präsenz digitaler Kommunikation. Und gleichzeitig hatten fast alle der neuen kulturellen Highlights ihren Ursprung in den Netz-Communities. Ohne das Crowdfunding – die Finanzierung durch Tausende von Menschen via Internet – wäre so manches der Projekte nur eine Vision geblieben.

»So viele neue Museen: Kommt es nicht eher auf die Qualität als auf die Quantität an? Hamburg hat kein wirklich bedeutendes Museum zu bieten.« »Ich finde es spannend, in das Museum der hamburgischen Zukunft zu gehen. Dort kann man nicht nur vergangene Zeiten bestaunen, sondern sich von Ergebnissen der Zukunftsforschung inspirieren lassen.« »Anstatt großer Museumsbauten sind es doch eher die kleineren Einrichtungen, wie die Galerie im Schellfischtunnel, die die Stadtkultur beleben, oder?«

46


1 Hamburg war lange Deutschlands Pressestadt Nummer eins, bis dieser Titel mit dem Wegzug der Wochenzeitung DIE ZEIT 2018 endgültig an Berlin ging. Das Pressemuseum erinnert an Hamburgs Rolle und gibt einen Einblick in die Entstehung der modernen Presselandschaft von den ersten Zeitungen bis zum Internet. 85 / Eingereicht von

Journalist

TOP 20

2 Über 20 Jahre hat es von der ersten Idee bis zur Umsetzung gedauert: 2025 konnte das Sportmuseum im Volkspark schließlich seine Türen öffnen. Seitdem bietet es den Besuchern auf über 10.000 Quadratmetern die Gelegenheit, sich über die Geschichte und die gesellschaftlichen wie naturwissenschaftlichen Aspekte des Sports zu informieren – und selber sportlich aktiv zu werden. 59 / Eingereicht von

Sportler 3 Kunstviertel Hafencity. Als 2015 klar war, dass viele der Ladenlokale in der östlichen Hafencity leer bleiben würden, begann man mit der Ansiedlung von kleinen Ateliers und Galerien. Neben Altona ist die Gegend vom Überseequartier bis zum Oberhafen heute Hamburgs dritter wichtiger Standort für Kunstschaffende. 46 / Eingereicht

von Markus Handl

Zukunftsforschern weitergedacht. Der Clou: ein sich ständig veränderndes Modell der Stadt von morgen, das sich aus den Visionen speist. 44 / Eingereicht von Julian Petrin 6 Kostenlos ins Museum: Nach Londoner Vorbild bieten Hamburgs städtische Museen seit 2017 freien Eintritt. 60 Prozent der Einnahmen trägt der Staat, 40 Prozent werden durch Spenden der Besucher erlöst.

31 / Eingereicht von Ferdinand 7 Wie kann man die Buchkultur lebendig halten? Hamburgs Antwort: 34 Minibibliotheken, die über das ganze Stadtgebiet verteilt sind und Lesestoff für die Nachbarschaft bieten. 2040 soll es über 100 der kleinen, gemütlichen Holzpavillons geben, in denen man sich Bücher ausleihen oder vor Ort lesen kann. 31 / Eingereicht von Rajiv 8 Noch vor 30 Jahren schien das Ende der Kinos besiegelt. Zu wenig Zuschauer, zu teure Mieten. Weit gefehlt, 32 Kino-Genossenschaften gibt es heute in Hamburg. Das Erfolgsmodell: Bürger organisieren und finanzieren ihr Kino selbst – sei es der Filmclub in der Nachbarschaft oder das Kino in der City. Selbst das Traditionshaus Streits ist heute als Genossenschaft organisiert. Besonders beliebt: das wiedereröffnete Rialto-Kino in Wilhelmsburg, der Lieblingstreffpunkt für Hamburgs Cineasten. 30 / Eingereicht von Cineast

4 Hamburg war bis zur rohstoffbedingten Krise des Luftverkehrs einer der wichtigsten Flugzeugbau-Standorte weltweit. Das 2024 eröffnete Museum für Luftfahrt, das Aviation Center, widmet sich dieser Ära und zeigt die Zukunftsoptionen der Luftfahrt. Über 400.000 Besucher kommen jährlich in die ehemaligen Werfthallen, um Originalflugzeuge zu bestaunen oder virtuell den Produktionsprozess eines Flugzeugs zu steuern. 45 / Eingereicht

Seit 2020 hat Hamburgs Kunstmeile am Hauptbahnhof Konkurrenz bekommen: das Museumsufer Steinwerder mit Aviation Center sowie dem kleinen, aber feinen Plastikmuseum. Besonders beliebt: Die Promenade an der Elbe wird für Ausstellungen zeitgenössischer Skulpturen genutzt. 23 / Eingereicht

von Pilot

von Julian

Noch immer ist das Hamburgmuseum eine der beliebtesten Attraktionen der Stadt. Seit 2015 hat es einen Satelliten: das Museum für Hamburgische Zukunft. Im futuristischen Nachbarbau des Museums werden die Linien der Stadtgeschichte von Bürgern und

In den Hallen des Altonaer Güterbahnhofs hat sich während der Bauzeit des Stadtteils »Neue Mitte Altona« Hamburgs einziger Kunstmarkt etabliert. Die Werke können direkt aus den Container-Ateliers der Bildhauer und Maler gekauft werden. Heute ist alles

etwas gesetzter, dafür ist das Publikum inzwischen international. 21 / Eingereicht von Martin Roehl 11 Vor 20 Jahren wurde erbittert um die Ansiedlung eines neuen IKEAKaufhauses in Altona gestritten. 2014 willigte IKEA auf Druck der Politik ein, Schirmherr für ein Kunst- und Designzentrum zu werden: die IKEA Design Factory. Etwa zwanzig Möbeldesigner arbeiten hier – und verkaufen ihre Einrichtungsgegenstände gleich an die Laufkundschaft. 14 / Eingereicht von

Nexthamburg-Redaktion 12 Er bildete einst die Güterbahnverbindung zwischen Altonas Hafen und Bahnhof: der 1876 gebaute und seit 1991 leer stehende Schellfischtunnel. Seit 2018 findet sich hier die unterirdische Schellfisch-Galerie zur Geschichte Altonas und seines Hafens – ein Museum, das per Draisine erkundet werden kann. 12 / Eingereicht von

Nexthamburg-Redaktion

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37 %

Die Vorschläge … 5

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lösen die Probleme der Stadt sind machbar passen zu Hamburg sind neu und spannend

»Kulturboom« weiter denken: www.nexthamburg.de/kulturboom

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01 Die attraktive Stadt

Unter freiem Himmel Plätze, Straßen, Märkte und Promenaden sind seit jeher das Herzstück der Städte Europas. In Hamburg war es lange nicht gut um diese Orte bestellt. Viele öffentliche Räume waren durch die Stadtplanung der Nachkriegszeit vom Autoverkehr zerschnitten und lieblos gestaltet worden. Dabei war die Lust am Rausgehen schon seit den Neunzigern von Jahr zu Jahr spürbar gewachsen. Immer mehr Cafés und Läden hatten sich die engen Bürgersteige erobert. Flashmobs, Streetart und neue Sportarten brachten Leben auf öde Plätze. 2030 bietet die Stadt endlich die passenden Bühnen für die Draußen-Lust: Ein Netz von neuen Plätzen und Promenaden durchzieht Hamburgs Quartiere, mal still und versteckt, mal prächtig strahlend. Manch vergessener Ort wird durch die neuen Wege wiederentdeckt, manch neuer Blick auf die Stadt eröffnet.

Die Kunstmeile als Fußgängerboulevard von der Alster bis zu den Deichtorhallen.

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1 Einer der beliebtesten Treffpunkte der Hamburger ist die neue Promenade gegenüber der City am Südufer der Norderelbe mit ihrer großen Freitreppe zur Elbe, die im Zuge des Museumsufers angelegt wurde. Mehrere Hundert Meter laufen die breiten Sitzstufen am Ufer entlang. Die neuen Bauten im Rücken, hat man von hier aus einen unvergleichlichen Blick auf die Türme der Innenstadt. 62 / Eingereicht von

4 Viele Städte haben einen eigenen Beleuchtungsplan entwickelt, seit 2017 ist auch Hamburg dabei. Immer mehr der einstmals dunklen Straßenzüge der City sind nun abends deutlich heller und einladender, öffentliche und viele private Bauten sind teils farbig beleuchtet. Dank moderner Technologien bleibt der Energieverbrauch moderat. 21 / Eingereicht von Martin Roehl

René Reckschwardt

5 Eine Promenade, wo sie vor 20 Jahren kaum einer erwartet hätte: Von St. Georg über das schicke Münzviertel und das boomende Hammerbrook führt ein Kunst-, Kultur- und Sportparcours bis zur Veddel und weiter nach Wilhelmsburg. Zehn Kilometer lang ist der breite Weg mit seinen Outdoor-Fitnessgeräten, Galeriepavillons und Performance-Bühnen. 19 /

2 Auf der Moorweide am Dammtorbahnhof befand sich schon vor 80 Jahren das Hamburger Pendant zum berühmten Londoner Speakers Corner. Wer wollte, konnte ohne Anmeldung einen Vortrag halten – eine Bühne für allerlei Abseitiges wie Interessantes. Hamburg hat die Tradition 2019 wiederaufgenommen und mitten in der Moorweide eine kleine Bühne mit Gartentheater eingerichtet. Vom philosophischen Vortrag bis zur politischen Polemik wird hier alles geboten. Abends treten Newcomer der Musikszene auf. 47 /

Eingereicht von Schreihals 3 Lärm, rote Ampeln, ungemütliche Laufstrecken: Hamburgs Kunstmeile, die Kette der Museen und Ausstellungshallen entlang des Glockengießerwalls, war für Fußgänger eine echte Herausforderung. Mit der Umgestaltung der großen Verkehrsschneisen und der Neugestaltung des Bahnhofsquartiers wurde ein breiter Fußgängerboulevard von der Binnenalster bis zum Deichtorplatz angelegt – Skulpturenmeile inklusive. 47 / Eingereicht von dennis.deng

Eingereicht von Gudrun Böhme

Fast drei Meter beträgt der Tidenhub in Hamburg. Dementsprechend hoch mussten die Hamburger Kaimauern sein – auch entlang der Fleete und Kanäle. In den vergangenen Jahren sind die Wasserschluchten nach und nach durch Treppenanlagen zugänglich geworden. Bei Flut unter Wasser, laden die Stufen bei Ebbe zum Sitzen ein – ein Geheimtipp für Verliebte. 14 / 6

Eingereicht von smartyHH

»Na ja, ich weiß ja nicht. Wie soll man denn belebte Plätze mit Charme planen, vor allem in neuen Quartieren wie der Hafencity oder in Steinwerder?«

7 Bis vor wenigen Jahren galt der Uferweg von den Landungsbrücken nach Altona als unattraktiv. Mit der Tieferlegung der Uferstraße wurde auch die St. Pauli-Promenade neu gestaltet – mit breiten Treppen zum Wasser, großzügigen Grünanlagen, Wasserspielen und Hamburgs beliebtester Skatermeile. Die Laufstrecke parallel zur Promenade mit ihrem Gummibelag macht der Joggingstrecke an der Alster Konkurrenz.

12 / Eingereicht von Wolfgang Lütters 8 Endlich hat auch Hamburgs City ihre Gastromeile. Mit den neuen Wohnquartieren innerhalb des Wallrings kam auch die Belebung am Abend. Besonders entlang der zurückgebauten und umgestalteten Steinstraße und um den Rödingsmarkt sind Kneipen- und Restaurantkieze entstanden – teils in eigens dafür geplanten Pavillonbauten. 12 / Eingereicht von Gastromeile

Hamburg 9 Der lang versteckte Nikolaifleet in Hamburgs City wurde zur Promenade. Befestigte Wege mit Cafés und Restaurants laden auf beiden Seiten zum Flanieren am Wasser ein. Eine Klapp-Fußgängerbrücke führt über das Wasser, dessen Pegel durch ein kleines Sperrwerk an der Mündung des Fleets konstant gehalten wird. 10 /

Eingereicht von Julian 10 Hamburgs größte Sommerattraktion: das Freiluftkino auf der Binnenalster. Die Leinwand und ein Teil der Plätze sind auf Pontons untergebracht, zusätzliche Tribünen stehen am Nordufer. Bis zu 1.000 Zuschauer haben hier Platz. 1 / Eingereicht von Zukunftscamper

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Die Vorschläge … »Durch den Klimawandel könnte es in Hamburg noch mehr regnen. Sollte man nicht lieber überlegen, wie man Plätze schafft, die man auch bei schlechtem Wetter besuchen kann?«

lösen die Probleme der Stadt

»Was an St. Paulis Elbufer passieren soll, ist ganz schön groß gedacht. Wie kann man so etwas bloß bezahlen?«

»Stadt im Freien« weiter denken:

sind machbar passen zu Hamburg sind neu und spannend

www.nexthamburg.de/stadtimfreien

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01 Die attraktive Stadt

Grün gibt es nie genug Hamburg galt schon immer als eine der grünsten Städte Europas. So mancher auf dem Stadtplan imposant wirkende Grünstreifen war in Wahrheit aber nichts mehr als Stückwerk zwischen Verkehrsschneisen, und so mancher Park war gehörig in die Jahre gekommen. Außerdem hatten sich die Bedürfnisse der Menschen nach Grünflächen in den vergangenen Jahren enorm verändert: Mehr Bewegungsmöglichkeiten, mehr Nutzgärten, mehr wilde Natur waren gefragt. 2030 hat ganz neue grüne Seiten: Co-Gardening in

»Landwirtschaft auch in der Stadt zu betreiben, ist doch nur so eine Mode. Richtig effizient ist das nicht, macht nur Dreck. Ob Gemüse, das in der abgasverpesteten Luft gewachsen ist, wirklich besser schmeckt und gerne gekauft wird?«

»Klingt ja erst mal gut, einen durchgehenden Grünstreifen von ›Planten un Bloomen‹ bis zum Stadtpark zu führen. Aber wie soll das praktisch gehen? Allein die Probleme bei der Verkehrsplanung …« »Tolle Idee, der Schilleroper wieder Leben einzuhauchen. Aber eignet sich der Bau wirklich für ein Gewächshaus? Das müsste man mal testen!«

öffentlichen Gewächshäusern, kleine Stadtfarmen, Parks, die eher wie ein Stück Wildnis aussehen. Vor allem das Gruppengärtnern in sogenannten Gartenclubs ist heute populär. Was Anfang des Jahrhunderts mit dem Trend zum »Urban Gardening« begann, ist zur echten Breitenbewegung geworden. Sogar das Fach »Gartenbau«

Hochhaus mal anders: Vertikale Gärten für Hamburg.

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WORK ARCHITECTURE COMPANY / www.work.ac

gibt es jetzt in Hamburgs Schulen.


1 2018 wurde der beliebte Wohlerspark auf der Grenze von St. Pauli und Altona Standort von Hamburgs erstem innerstädtischem Bauernhof. Um das kleine Wirtschaftsgebäude auf einer Grünfläche südlich des Parks gruppieren sich Stallungen für Ziegen, Schafe und Kühe. Tagsüber weiden die Tiere im Altonaer Grünzug, im Hofladen an der Thadenstraße verkaufen die Stadtbauern ihre Produkte. 83 /

Eingereicht von Mirijam

TOP 20

2 Das Grün erobert Hamburgs Hausfassaden: Durch das Programm der Vertikalen Gärten sind schon über 80 Bürobauten in der Innenstadt, den angrenzenden Stadtteilen und der City Nord zu Gärten geworden. 500 Häuser sollen es einmal werden. Die aufwendig bepflanzten Fassaden verbessern das Stadtklima, geben Vögeln ein neues Zuhause und bieten zu jeder Jahreszeit ein anderes Bild. 73 / Eingereicht von

Manuela Husmann-Laurustico

TOP 20

einer durchgehenden Parkanlage ausgebaut. 34 / Eingereicht von Torben Stoll 6 Ein Park war von Anfang an im frisch errichteten Stadtteil Neue Mitte Altona geplant – nur nicht in dieser Größe. Über einen Kilometer zieht sich der Stadtpark West vom Bahnhof Altona bis zur Holstenstraße durch das neue Quartier. Beliebtester Abschnitt ist der ehemalige Gleisbogen, der wie sein Vorbild, der New Yorker Highline-Park, zu einer Hochpromenade mit Ausblick über die Dächer Hamburgs wurde.

33 / Eingereicht von Felix Gedanke 7 Vor zehn Jahren wurden die ersten hängenden Kleingärten in Barmbek gebaut. Heute sind die gestapelten Terrassengärten aus Hamburgs Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Unter den Gärten wird teilweise gewohnt oder gearbeitet – von den obersten Parzellen aus hat man einen wundervollen Blick über die Stadt. 25 / Eingereicht

3 Der über Jahrzehnte als Parkplatz genutzte Burchardplatz vor dem Chilehaus wurde mit der Umgestaltung des Viertels zu einem grünen Stadtplatz. Der kleine Square in der Mitte darf nach englischem Vorbild nur von Anwohnern genutzt werden, die angrenzenden Grünstreifen haben sich zu einem der beliebtesten Treffpunkte der City gemausert. 51 / Eingereicht

von Julian

von Anna

von Beate Weninger

4 Seit 2026 ist der Zaum weg: Mit Abschluss der Erweiterung und Umgestaltung ist die Parkanlage »Planten un Blomen« zu einem offenen Park geworden. Praktisch: der Fahrradweg, der um die westliche City führt. Umstritten war die Videoüberwachung, die auch bei Dunkelheit ein sicheres Gefühl vermitteln soll. 41 / Eingereicht von

9 Wie Wien hat auch Hamburg seit einigen Jahren seine Durchwege. In einer deutschlandweit einmaligen Initiative wurden über zehn Prozent der Hinterhöfe in Hamburgs inneren Stadtteilen als Durchgänge für die Öffentlichkeit geöffnet. Die Ablehnung der Anwohner war viel geringer als befürchtet. Entlang der Durchwege hat sich so manch idyllisches Gartencafé etabliert – ein Geheimtipp für StadtFlaneure. 17 / Eingereicht von Manuela

Nexthamburg-Redaktion

Über acht Kilometer lang ist der Grünzug, der von ›Planten un Blomen‹ an derAlster entlang zum Stadtpark führt. Die bisher durch breite Verkehrsschneisen unterbrochenen Parks und Gärten wurden durch grüne Furten und begrünte Hauptverkehrsstraßen zu 5

8 Kleingärten auf Straßendeckeln: Die Überdeckung der A7 zwischen Bahrenfeld und Stellingen mit Gärten war Vorbild für eine Reihe von weiteren Deckelprojekten. Über 3.000 Kleingärten wurden so neu geschaffen – die meisten über der verlegten Wilhelmsburger Reichsstraße. 22 / Eingereicht

Husmann-Laurustico

kleine Zier- und Nutzgärten werden liebevoll von umliegenden Firmen gepflegt – ein echter Hingucker und eines der beliebtesten Fotomotive der Stadt. 16 / Eingereicht von smartyHH

Hamburgs Schilleroper blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück: 1891 als Zirkusbau eröffnet und später als Theater genutzt, verfiel der imposante Rundbau nach 1945 zusehends. 2019 öffnete der Operngarten seine Pforten: ein innerstädtisches Gewächshaus, das als Co-Gardening-Halle jedermann erlaubt, nach Voranmeldung für eine gewisse Zeit eine Parzelle zu bearbeiten. Samstags ist der Operngarten einer der angesagtesten Clubs der Stadt. 37 / Eingereicht von donch 11

und Gert 12 Gärten überall: Vor 20 Jahren wurde »Urban Gardening« zum Modethema, heute ist es eine Breitenbewegung. Nach dem Vorbild der Berliner Prinzessinnengärten sind auch in Hamburg über 40 gemeinschaftlich bewirtschaftete Gartenclubs entstanden – die meisten im neuen Trendviertel Stellingen. 16 / Eingereicht von donch und Gert

Spötter nennen sie die Hamburger Schweiz, die kleinen Hügel, die auf den Verkehrsinseln großer Kreuzungen wie dem Eimsbütteler Marktplatz und entlang der großen Ausfallstraßen errichtet wurden. Kult: Carspotter aus der ganzen Stadt treffen sich auf den bis zu zehn Meter hohen künstlichen Anhöhen, um nach den letzten Benzinern auf Hamburgs Straßen Ausschau zu halten. 13 / Eingebracht bei Umwelthaupt13

stadt-Dialogen

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Die Vorschläge … lösen die Probleme der Stadt sind machbar passen zu Hamburg

Sie sind Hamburgs vielleicht kleinste Grünflächen: die Sankt Peters Gärten zwischen den Strebepfeilern der St. PetriKirche in Hamburgs Innenstadt. Fünf 10

sind neu und spannend

»Grünflächen« weiter denken: www.nexthamburg.de/grünflächen

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01 Die attraktive Stadt

Neue Stadtteile, neue Lebensqualität Es war das meistzitierte Motto der Stadtplaner in den ersten zwei Jahrzehnten nach der Jahrtausendwende: Die Stadt muss nach innen wachsen. Denn Hamburg wuchs tatsächlich, so wie fast alle Stadtregionen Deutschlands von der Zuwanderung profitierten. 6.000 Wohnungen wollte man nach 2011 jährlich bauen. Nach den ersten Jahren wurde klar: Das schafft man auf lange Sicht nur, wenn ganze Stadtteile neu gebaut werden – aber bitte nicht auf der grünen Wiese, sondern in der Kernstadt. Es war nicht einfach, die wirklich großen Flächenreserven der Stadt für ganze Quartiere zu aktivieren, besonders im Umfeld des Hafens. Denn überall gab es Konflikte mit aktuellen Nutzern. Und ebenso mühevoll war es, die Ängste vieler Bürger vor einer immer dichter bebauten Stadt auszuräumen. Dabei hatte sie noch viel Luft, dichter zu werden, verglichen mit anderen europäischen Metropolen. Mit den neuen Quartieren ist Hamburg bunter und quirliger geworden. Und der Preisanstieg in den beliebten Quartieren konnte endlich etwas gebremst werden. 2

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1 Seit 20 Jahren im Bau: die Neue Mitte Altona. Schon 7.000 Menschen leben auf dem ehemaligen Bahngelände. Der ursprüngliche Entwurf wurde stark überarbeitet, das bebaute Gebiet nach Norden ausgedehnt, unter anderem mit dem künstlichen Hügel des Monte Altona. 12.000 Bewohner wird der neue Stadtteil einmal haben – viel dichter bebaut als zunächst geplant, dafür mit einem größeren Park. 24 /

Eingereicht von Martin Roehl 2 Nach 2020 war Hamburg bereit für seinen größten Stadtumbau: Hamburgs Dichtekonzept war radikal überarbeitet worden. Schlecht angebundene, große Siedlungen abseits der Schnellbahnen wurden nach und nach zurückgebaut. Dafür hatte man begonnen, um die Schnellbahnhöfe herum teils erheblich dichter zu bauen. Für die vielen zusätzlichen Pendler musste der Zugtakt auf vielen Strecken auf zwei Minuten verkürzt werden.

18 / Eingereicht von Heinz Overstätt

3 Mit der Verschmälerung der OstWest-Straße war der Weg frei für das Michaelisquartier. Vom Michel bis zum wiederaufgebauten Hopfenmarkt ziehen sich die neuen Bauten, die Wohnungen für 2.000 Menschen bieten. Kleine Gassen münden auf Plätze, teilweise wurden historische Bauformen wie die Gängeviertel aufgegriffen, aber modern interpretiert. Obwohl der Stadtteil erst wenige Jahre alt ist, hat man schon heute das Gefühl eines gewachsenen Quartiers. 12 / Eingereicht

von smartyHH

Seit 2015 ist das Kontorhausviertel Teil des UNESCO-Weltkulturerbes, seit 2018 wird es Schritt für Schritt zum innerstädtischen Wohnquartier. Die nicht denkmalgeschützten Bauten der Nachkriegszeit wurden für Büros immer unattraktiver. Die Stadt wandelte Büros in Wohnungen um, riss manche Bauten ab und förderte gezielt Wohnbauten, die sich in das historische Stadtbild einpassen. 1.500 Bewohner hat das Quartier heute, 3.000 sollen zwischen Deichtor und Steinstraße einmal wohnen. 9 / Eingereicht von Nexthamburg4

5 Es ist Hamburgs beliebtestes Neubauviertel: das bunte Elbquartier Steinwerder, im Volksmund »Kleinhamburg« genannt. 4.000 Menschen leben rund um die neuen Museen und das Theater im Hafen, wo früher Gefahrguthallen standen. Über zehn Jahre stritten die Behörden über den zentralsten Baugrund der Stadt, der für den Hafen immer schwerer nutzbar war. Die aufwendige Sanierung der Hafenflächen hat sich gelohnt: Abends und am Wochenende strömt halb Hamburg auf die neue Elbpromenade mit ihrem einmaligen Blick auf die Innenstadt. 5 / Eingereicht von

Wolfgang Lütters 6 Das kleinste der neuen Stadtquartiere ist die Veddelhöft, die Landzunge zwischen der Veddel und den Elbbrücken. Als die östliche Hafencity bis zu den Elbbrücken weitergebaut wurde, rückte das Gebiet mehr und mehr in den Fokus. Es entstand ein buntes, günstiges Wohnviertel am Wasser, bestens durch die U-Bahn (U) erschlossen.

3 / Entstanden im Zukunftscamp

Redaktion

»Das mit dem Michaelisquartier würde den Michel endlich wieder in die Mitte rücken. Aber wenn die OstWest-Straße nicht verschmälert werden kann, wohnt man dann an der Stadtautobahn, oder gibt es andere Lösungen?«

»Wohnen im Kontorhausviertel wäre schon cool. Wenn man die Büros dort umbauen kann. Was sagt eigentlich der Denkmalschutz dazu? Und ohne Läden für die Dinge des täglichen Gebrauchs geht das gar nicht.«

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Die Vorschläge … lösen die Probleme der Stadt sind machbar passen zu Hamburg sind neu und spannend

»Hm. Viele der neuen Quartiere sollen an Orten entstehen, wo die Stadt anderes vorhat, vor allem im Hafen. Da ist Streit vorprogrammiert.«

»Neue Stadtteile« weiter denken: www.nexthamburg.de/neuestadtteile

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Persönlic h

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01 Die attraktive Stadt

Die Elbe neu erleben

zenario von Wolfg ang Lütters Auswahl de r Redaktio n

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Seit der Industrialisierung hatte die Stadt der Elbe Schritt für Schritt den Rücken zugekehrt. Am Hafen wurde gearbeitet, die feinen Wohnlagen fanden sich dagegen an der Alster oder in den neuen Wohnvierteln im Westen der Stadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg schnitten der Hafenausbau und neue Verkehrsschneisen die Stadt ein weiteres Mal vom Strom ab. Ans Elbufer zu gehen, schien nicht sonderlich lohnenswert, denn längst war am Fluss von Seefahrerromantik nichts mehr zu spüren. 2030 ist die Elbe wieder zum zentralen Stadtraum Hamburgs geworden: Die schwimmende Elbpromenade lockt Touristen wie Einheimische zum Spaziergang am Fluss. Immer mehr Hamburger zieht es auch jenseits des Stroms, in die neuen Quartiere, die in Steinwerder und auf dem Graasbrook entstehen.

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Café

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1 Asiatisches in Altona: Der Japanische Kirschgarten auf dem zugeschütteten Gelände am Dockland ist mittlerweile eines der beliebtesten Postkartenmotive Hamburgs. 2 Das Hotel am Holzhafen ist etwas ganz Besonderes. Zum Wasser hin erinnert das Hotel an die historischen Bürgerhäuser in der Deichstraße – inklusive der gemütlichen Kneipen und Restaurants. Man sieht kaum, dass es sich um einen hochmodernen Gebäudekomplex handelt, dessen Energie über eine Solaranlage auf dem Dach erzeugt wird und in dessen Innerem sich ein internationales Kaufhaus befindet.

Entlang der Elbe können künstliche Strände auch im Winter benutzt werden. Denn in Gewächshäusern untergebrachte Badestellen bieten auch bei Schnee und Kälte warmen Badespaß mit Elblick. 3

4 Lustwandeln nicht nur an, sondern auch auf der Elbe: Der Schwimmsteg vor den Landungsbrücken ist in eine Promenade verwandelt worden, die flussabwärts an der Fischauktionshalle und am Dockland-Gebäude vorbei bis zum Museumshafen Övelgönne verlängert wurde. 5 Schiffe an Land: Entlang der schwimmenden Elbpromenade sind Hotel- und Wohnbauten in Kreuzfahrtschiff-Ästhetik entstanden. Erst auf den zweiten Blick erkennen viele Passanten, dass es sich hier um Schiffsaufbauten handelt. 6 Der Fesselballon »Highflyer« am Deichtorplatz ist seit über 20 Jahren eine beliebte Touristenattraktion. Auch er rückte an die Elbe und startet heute direkt am Ufer in der Hafencity.

7 Sie werden die »küssenden Wale« genannt, die beiden sich am Süd- und Nordufer der Elbe gegenüberstehenden, metallisch schimmernden Stationen der U4 Richtung Wilhelmsburg. Nur etwa 500 Meter trennen die brückenartig in die Elbe ragenden Bauten. Die Fahrt zwischen beiden Stationen ist kostenlos, der Übergang wird daher von Bewohnern wie Touristen gerne zum Überqueren des Flusses benutzt. 8 Einfach mal die Perspektive wechseln: Ein erster Schritt zur Entwicklung des kleinen Grasbrooks war der 2015 errichtete Aussichtsturm. Von hier aus hat man einen guten Rundblick über Wilhelmsburg, die Elbe, die Hafencity und die Innenstadt.

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»Ich finde es gut, dass sich auch mal um das Elbufer in Altona gekümmert wird. Hier sind in den letzten Jahren zwar viele Gebäude entstanden, richtige Aufenthaltsqualität aber nicht. Der Fokus liegt ja meist auf der Hafencity und den Landungsbrücken.« »Die Idee mit der Doppelstation ist ja ganz nett. Aber: Die U-Bahn unter der Elbe durchzuführen, ist nicht so einfach. Man muss hier beachten, dass man eine gewisse Tiefe erreichen muss, dabei die Steigung aber nicht zu stark sein darf. Es hat einen Grund, warum die Einfahrt in den Elbtunnel fast in Bahrenfeld liegt.« »Promenaden, Gebäude in Kreuzfahrt-Asthetik und Strände in Gewächshäusern? Das klingt mir alles zu sehr nach Tourismus. Die Elbe sollte eher für die Hamburger da sein.«

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02 Die radikale Stadt Radikalität ist der kühlen Hansestadt nicht gerade in die Wiege gelegt. »Think Big« war einst etwas für Fürstenstädte und ist heute etwas für Turbo-Metropolen wie Dubai oder Shanghai. 2030 ist auch Hamburg an vielen Stellen nicht mehr zimperlich: Die Stadt geht aufs Wasser, baut die Landschaft vor den Toren der Stadt um und strebt in die Höhe, sei es durch Hochhäuser oder durch das Besiedeln der Dächer. Ob das noch Hamburg ist? Gegenfrage: Was ist Hamburg?

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Ide en ohn e Ve rortu ng

Wohnen an unmĂśglichen Orten Die Stadt geht aufs Wasser Geodesign fĂźr Hamburg Hier will Hamburg hoch hinaus Der Stadt aufs Dach gestiegen

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02 Die radikale Stadt

Wohnen an unmöglichen Orten Noch immer braucht Hamburg mehr Wohnraum – daran hat sich in den vergangenen Jahrzehnten wenig geändert. Denn mehr denn je wächst der Kern der Metropolregion, während sich die ländlichen Bereiche Norddeutschlands mancherorts regelrecht entleert haben. Jeder Quadratmeter zählt. Immer häufiger werden Räume besiedelt, die früher als völlig ungeeignet für das Wohnen galten: Uferzonen, Wälder, leer stehende öffentliche Bauten und Büros. Dabei sind an einigen Orten Wohnungen entstanden, die zu den beliebtesten in Hamburg zählen.

Treetops in den Harburger Bergen

»Um Hamburgs Wohnungsmangel zu bekämpfen, muss man sicher auch mal Neuland betreten. Bei einigen Ideen frage ich mich aber, wie man die baurechtlich und technisch realisieren will. Da bleibt noch einiges zu tun …«

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Die Vorschläge … »Hammerbrook eignet sich gar nicht als Wohnstandort. Der Stadtteil sollte lieber zu einem richtig zukunftsfähigen Bürostandort umgebaut werden.«

lösen die Probleme der Stadt sind machbar passen zu Hamburg sind neu und spannend

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»Unmögliche Wohnorte« weiter denken: www.nexthamburg.de/unmoeglichewohnorte

www.treehotel.se

»Wichtig ist, dass sich jeder diese neuen Wohnformen leisten kann. Es klingt erst mal teuer, wenn man auf dem Altonaer Bahnhof oder in den Wipfeln der Bäume baut.«


1 Sie sind das Herzstück des Stadtteils Neue Mitte Altona: die alten Güterhallen und der weithin sichtbare Wasserturm. Nachdem sich hier der Kunstmarkt Altona erfolgreich etabliert hatte, wurden die Hallen auch als Wohnadresse interessant. Teils in die alten Mauern, teils darüber wurden futuristische Wohnkuben gesetzt – wegen ihres teuren Preises durchaus umstritten bei vielen Bürgern. 21 /

5 In den dichten Wäldern südlich von Harburg ist mit den Treetops eine ganz eigene Wohnform entstanden: 20 kleine Baumhaus-Dörfer sind das Zuhause von 800 Wipfel-Siedlern geworden. Die ungewöhnlichen und bei Naturschützern heftig umstrittenen Naturbauten wurden möglich, weil ein Teil des Waldes an private Eigentümer verkauft wurde, um die klammen kommunalen Kassen zu füllen. 35 /

Eingereicht von Martin Roehl

Eingereicht von Katharina Grön

2021 war es endlich so weit: Der Altonaer Bahnhof wurde an den Diebsteich verlegt. Überraschend: In einem Bürgerentscheid sprach sich die Mehrheit der Anwohner für den Erhalt des ungeliebten Siebzigerjahre-Bauwerks aus – und für einen Umbau als Wohnensemble. Auf dem Dach des Gebäudes sind seitdem 150 Wohnungen und ein öffentlicher Platz mit bestem Ausblick entstanden. 56 / Eingereicht

Klein, aber fein: Auf immer mehr Brachen und Parkplätzen der Stadt sind in den vergangenen zehn Jahren Mikrohäuser entstanden. Teilweise sind die kleinen Kuben nur acht Quadratmeter groß, manche lassen sich stapeln, manche sind regelrechte Architektur-Preziosen. Drei gemeinnützige Betreiber teilen sich den Markt. Ihr Ziel: Wohnungen auf Zeit für die untersten Einkommen. 30 / Eingereicht von

von Julian Petrin

Nexthamburg-Redaktion

3 Sie galten für viele als Schandfleck, für andere als echter baukultureller Schatz: die City-Hof-Häuser am Klosterwall. 2014 wurden die vier vom Abriss bedrohten grauen Türme von einer Gruppe junger Aktivisten besetzt. Ihr Konzept Ex Amt Mitte kombinierte preiswertes Wohnen, Co-Working, ein Hostel und ein Stadtteilzentrum. Es fand so breiten Zuspruch, dass die lokale Politik vom Abriss absah. Nach dem Modell des Gängeviertels wurde eine Genossenschaft gegründet, die den Umbau bis 2020 umsetzte. 53 /

7 Mit der Tieferlegung und Beruhigung von St. Paulis Uferstraße entstand neues Bauland an der neuen Elbpromenade. Da das Gelände komplett in öffentlicher Hand blieb, kann die Stadt hier für sehr preisgünstigen Wohnraum sorgen. Das Quartier ist erst zu zwei Dritteln fertiggestellt. Kritiker, darunter viele Anwohner der Hafenstraße, streiten für den Erhalt eines Rests unbebauter Uferzone und fordern einen Stopp der Bauarbeiten. 24 / Eingereicht von

Eingereicht von Karsten Becker

Immer mehr Menschen wollen im ländlichen Umland der Metropolregion wohnen, als Gegenpol zu ihrem beschleunigten Alltag. Das FertigdorfKonzept der Hamburg Hamlets bietet gemeinschaftliches Wohnen mit Freunden oder der Familie – sei es im schicken Landloft oder im rustikalen Ökodorf. Mobilität und Versorgung werden in der Gruppe organisiert. Die Voraussetzung für die ländlichen Baugemeinschaften: die Erlaubnis zum Bauen im Außenbereich, die aber besonders in den schrumpfenden Gemeinden des Umlands kein Problem ist.

9 Die ehemalige Oberpostdirektion am Wallring ist eines der größten Gebäude Hamburgs. Nachdem der östliche Abschnitt zur Shoppinggalerie wurde, war lange unklar, was aus dem westlichen Teil werden könnte. 2021 wurde die alte Idee der Stephansburg aufgegriffen: Der Westflügel wurde mit mehrgeschossigen, aufgeständerten Stadthäusern überbaut – eine trutzige und futuristische Wohnburg, bei Denkmalschützern hochumstritten. 14 /

Eingereicht von Space Invaders 2

Mit 163 mobilen Siedlungen ist Hamburg Deutschlands Bauwagen-Hochburg – nicht von ungefähr: Das Wohnen auf Rädern hat ein lange Tradition in der Stadt. Um dem anhaltenden Wohnungsmangel gerecht zu werden, wurde 2019 der Bauwagen-Act erlassen: Das einstmals nur ausnahmsweise geduldete dauerhafte Wohnen im Bauwagen wurde als offizielle Nutzung in die Hamburger Bauordnung aufgenommen. 4

49 / Eingereicht von Jonas Eickholl

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Katharina Grön

10 Trotz Büroleerstand und Wohnungsmangel: In der City wurden weiter munter Büros gebaut, während der Wohnungsbau nur mühevoll vorankam. Die Wende brachte das mutige Bürosperrgesetz. Zehn Jahre lang waren in der City, auf St. Pauli, in St. Georg und in der Hafencity nur Neubauten mit mehr als 20 Prozent Wohnungen erlaubt. Die Folge: Bis 2025 entstanden 20.000 neue Wohnungen alleine im Zentrum der Stadt. 8 / Eingereicht von

Unbekannter Nr.1 11 2023 war Schluss mit der Untersuchungshaftanstalt in der City. Mit der Umgestaltung des Justizforums wurden auch die alten Gefängnisbauten nach Berliner Vorbild zu Wohnungen umgebaut. Innen erinnert kaum etwas an die Vergangenheit des Gebäudes. Der Wohnblock mit seinen teilweise noch vergitterten Fenstern gilt dennoch als eine der extravagantesten Wohnadresse der Stadt. 0 / Eingereicht von

Zukunftscamper 8

12 Hammerbrook war einst einer der größten Bürostadtteile Hamburgs. Nach der Leerstandskrise der 2020er-Jahre wird nun wahr, was schon seit Jahrzehnten gefordert wurde. Das Viertel wird konsequent zum Wohnviertel umgebaut – teils durch Abriss nicht mehr nutzbarer Bauten, teils durch deren Umbau. Sogar das einstmals beliebte, gläserne Bürohaus Doppel-X am Heidenkampsweg ist heute ein Wohngebäude. 1 / Eingereicht von Mathias

Burke

21 / Eingereicht von Julia

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02 Die radikale Stadt

Die Stadt geht aufs Wasser Hafen, Alster, Elbe, Fleete: Hamburg gehört wie Amsterdam und Venedig zu den schönsten Wasserstädten Europas. Mit der »Perlenkette« – einer in den 1990er-Jahren gebauten Folge aufsehenerregender Bürobauten am Elbufer – und der Hafencity ist die Stadt schon einmal ans Wasser gerückt. Nun wird der nächste Schritt gemacht: Die Stadt erobert ihre Wasserflächen. 2030 wird auf der Elbe und ihren Seitenarmen gewohnt und gearbeitet, zwi6

schen der City und Harburg hat sich ein völlig neues Nahverkehrsnetz entwickelt. Und das Schwimmen mitten in der Stadt ist die liebste Freizeitbeschäftigung der Hamburger geworden.

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1 Auf Mecklenburgs Seen wird schon lange auf dem Wasser gecampt. Jetzt hat auch Hamburg seinen schwimmenden Campingplatz. 20 Plattformen bieten Platz für 200 Zelte, inklusive Beach Club. Übernachtet wird auf Einzel- oder Doppelpontons. Im Sommer wechseln die Plattformen den Ort, im Winter geht’s ins Billebecken. 45 /

4 Die Stadt besinnt sich auf ihre Badetradition: Ähnlich wie in Zürich sind an der Außenalster und im Hafen eine Reihe von Badeanstalten entstanden. Die Badefreude ist ungetrübt: Nach dem Modell des »Plus Pool« in New York wird das Wasser durch die Poolwände selber gefiltert. 25 / Eingereicht

Eingereicht von Julian

Erler bei den Umwelthauptstadt-Dialogen

2 Die Wasserstadt Spreehafen ist Hamburgs schwimmender Stadtteil. Fast 1.000 Menschen leben hier in etwa 400 Häusern und 50 Pfahlbauten auf dem Wasser. Kleine Läden, ein Barkassentaxi in die Stadt: Hier gibt es alles, was ein Quartier braucht. 43 /

5 Bikinis in der Hafencity: Hamburgs größte Badelandschaft im Grasbrookhafen hat mit Pontons, Buden und Strand aus dem zugigen Hafenbecken eine Freizeitlandschaft gemacht

Eingereicht bei den Umwelthauptstadt-

6 Seit 2025 der Hit auf der Alster: der temporäre Tenniscourt, der eigens für das neue Hamburger Tennisturnier auf dem Wasser aufgebaut wird. Das alte Turniergelände am Rothenbaum wurde 2021 abgerissen. Jetzt können die Spiele von Schiffen und schwimmenden Tribünen aus verfolgt werden. Nach den sieben Turniertagen ist vom Tennistrubel nichts mehr zu sehen.

Dialogen

Auch abseits der Wasserstadt finden sich in Hamburg HausbootSiedlungen, sei es nah am Grünen im Billebecken oder mit Hafenflair im Harburger Binnenhafen. Insgesamt leben in Hamburg über 1.500 Menschen auf dem Wasser. 42 / Eingereicht von 3

Steffi, Michael (abgegeben im Zukunftscafé)

von osp urbanelandschaften und Ursula

10 / Eingereicht von smartyHH

7 Lange überfällig, 2020 eröffnet: die Schnellbarkasse von den Landungsbrücken nach Harburg. Endlich ist der Sprung über die Elbe kein Hürdenlauf mehr. 9 / Eingereicht von smartyHH 8 Neben dem Hausbootstadtteil der Strand: Die Sommeroase am Spreehafen ist Hamburgs Badewanne geworden. 7 / Eingereicht von Fred 9 Wohnen im Baakenhafen: In der östlichen Hafencity ragen spektakuläre Pfahlbauten ins Hafenbecken. Helios 21: Eine umgebaute Ölplattform wird zum grünen Sonnengarten – mit Solartechnik-Ausstellung, Schulungszentrum, Hotel und Spa. 1 / Eingereicht von

Karsten Breckwoldt 10 Die von vielen bespöttelten Mississippi-Dampfer auf der Elbe sind zu schwimmenden Wissensräumen geworden – buchbar für Schulen und Berufsbildung. 1 / Eingereicht von

Peter Boumeyer

10 / Eingereicht von Vasco Thomsen

»In der Elbe zu baden, klingt erst mal schön. Aber da fahren doch Schiffe. Wie passt das zusammen?«

11 »Der schwimmende Campingplatz ist eine tolle Idee. Wichtig wäre aber ein guter ÖPNV-Anschluss, eventuell sogar mit einer Fähre.«

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Die Vorschläge … lösen die Probleme der Stadt sind machbar

»Gibt es nicht schon genug Hausboote? Man darf nicht vergessen: Die Gewässer werden so zu einem privaten Raum. Dabei gehört das Wasser doch allen Hamburgern. Ich finde: Lieber mehr Zugänge zum Wasser schaffen, vor allem in Wilhelmsburg.«

passen zu Hamburg sind neu und spannend

»Wasserstadt« weiter denken: www.nexthamburg.de/wasserstadt

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02 Die radikale Stadt

Geodesign für Hamburg Geodesign: Das klingt nach Schönheitsoperationen für Regionen. In Wahrheit steckt mehr dahinter. Siedlungs- und Landschaftsstrukturen, die meist ohnehin über Jahrhunderte von menschlichen Eingriffen geprägt sind, werden als veränderbar betrachtet und ökologisch wie ästhetisch »optimiert«. Immer mehr Metropolen gehen 2030 diesen Weg – zuerst in Asien, wo das Überformen der Landschaft oder das Anlegen neuer Inseln, Gewässer oder gar künstlicher Topografien längst zum Standard der Raumentwicklung gehört. In Europa ist seit jeher Holland Vorreiter des Geodesigns. Kein Wunder in einem Land, das sein Terrain schon immer dem Meer abtrotzen musste. Seit etwa zehn Jahren, mit Etablierung der Metropolregion Hamburg als Planungsraum, hat auch Hamburg sein GeodesignProgramm. Neue Seen, ein Hügel mitten in der Stadt, eine weitere Elbinsel: Hamburgs künstliche Landschaften bieten für alle etwas und haben nebenbei manches ökologische Problem gelöst. 5

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1 Altonaer Berg oder im Volksmund Monte Altona heißt Ottensens Antwort auf Blankenese. Der künstliche Hügel über dem Altonaer Gleisareal ist in Wahrheit ein großer Deckel über den Bahnlinien im Westen Hamburgs, dicht mit Stadthäusern aller Preisklassen bebaut. Die auf den Deckel aufgeschüttete, 60 Meter über die Umgebung ragende Hügelkuppe ist von einem Park gekrönt – Vorbild war der »Schuttberg« im Münchner Olympiapark. Der Hügel verbirgt ein vielfältiges Innenleben: Zusammen mit dem neuen Altonaer Bahnhof sind hier über 5.000 Stellplätze und ein unterirdisches Logistikzentrum untergebracht – eine regelrechte unterirdische Stadt, die geholfen hat, den aufwendigen Bau zu finanzieren. 100 / Eingereicht von Julian TOP 20

2 Etwa 20 Kilometer westlich der City liegt Hamburgs neues Naturund Freizeitparadies: die Haseldorfer Elbinsel. Ein Teil der eingedeichten Marsch bei Hetlingen wurde wieder geöffnet und als Tideaue dem Wasser überlassen. Durch künstliche Aufschüttungen und Strände entstand eine wunderschöne Marschinsel für Ausflügler mit Biergärten, einem Freizeitdorf, Strandbädern und Wanderwegen. 77 /

Eingereicht von Marit Pedersen

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3 Hamburgs zweite Außenalster mitten im Hafen: Ein Teil der stark verseuchten und brachliegenden Hafenflächen am Reiherstieg wurde nach 2020 Schritt für Schritt abgetragen, um das riesige Wasserbassin des Elbsees zu schaffen. An den Ufern entstand eine Kette neuer Stadtquartiere, die Wilhelmsburg und die City verknüpft – und ein riesiger Stadtstrand, genannt Playa Hamburgo. 55 / Eingereicht von

urbanista 4 Nach Münchner Vorbild – der Wiederherstellung des ursprünglichen Betts der Isar – wurde 2018 die Renaturierung des Alsterlaufs von Poppenbüttel bis zur Außenalster beschlossen. Große Teile der befestigten Ufer wurden seitdem umgebaut, sodass wieder zahlreiche natürliche Ufernischen entstanden – ein Paradies für Ausflügler und die Tierwelt an der Alster. Kritik kam von Umweltschützern: Die Fahrrinne für die Alsterbarkassen blieb bestehen. 20 / Eingereicht von

5 Es ist das größte und umstrittenste Geodesign-Projekt der Region: Die Hamburger Seenkette, die über 100 Kilometer um den Norden der Stadt führt. Lange hat es gedauert, bis sich die Landkreise auf das Projekt einigen konnten, das im Zuge der A21-Nordumgehung Hamburgs entsteht und dessen Umland erheblich aufwerten wird. Die nach der fränkischen Seenplatte größte künstliche Wasserlandschaft Deutschlands soll bis 2050 entstehen. An 20 Stellen werden die natürlichen Flussläufe rund um Hamburg aufgestaut. Dafür werden 15 neue Dörfer angelegt, 11 Stadtkerne umgebaut, 80 Kilometer Straße verlegt oder neu gebaut, 500 Kilometer Ufer gestaltet, 5 Wasserkraftwerke eingerichtet und ein für Barkassen schiffbarer Kanal mit 11 Schleusen gegraben. Die asiatische Investorengruppe erhofft sich von der künstlichen Landschaft, das Umland der boomenden Metropolregion zur ersten Adresse für Zuzügler nach Hamburg zu machen.

16 / Eingereicht von NexthamburgRedaktion

Wassermann

»Warum so extrem? Hamburg hat nun mal keine Berge, dafür schon genug Seen im Umland. Das kostet doch auch verdammt viel Geld.«

10 »Nur mit Mut kommen wir voran. Ich finde, die Landschaft umzugestalten, ist schon fast Hamburger Tradition. Für den Hafen wurden die Elbinseln in der Vergangenheit doch auch ständig nach Bedarf umgestaltet.«

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Die Vorschläge … lösen die Probleme der Stadt sind machbar passen zu Hamburg

»Wo soll denn der Ganze Schutt herkommen, der den Monte Altona bilden soll? Ich hoffe doch, dass wir in Zukunft keine Kriege erleben werden, die so viel Schutt entstehen lassen.«

sind neu und spannend

»Geodesign« weiter denken: www.nexthamburg.de/geodesign

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02 Die radikale Stadt

Hier will Hamburg hoch hinaus Über Jahrhunderte haben sie Hamburgs Silhouette geprägt: die Türme der fünf großen Hauptkirchen. Im 21. Jahrhundert bekommen sie Konkurrenz: durch eine Reihe von Bauten, die speziell im Süden und Osten der Stadt eine völlig neue Skyline geschaffen haben. So mancher Bürger freut sich über die neuen, spektakulären Gebäude. Für andere sind sie einfach nur unpassend. Nicht nur in Hamburg wurde über diese Frage erbittert gestritten: Wie viele Türme verträgt die Stadt? Die Münchner hatten sich erst 2010 gegen neue hohe Bauten ausgesprochen. Frankfurt dagegen setzte weiterhin auf seine Hochhauskulisse als Attraktion, ebenso London, Dubai, Paris und Shanghai. Während nach 2010 weltweit immer höher gebaut wurde, stellte sich für Hamburg die Frage, ob man bei diesem Rennen mitmachen will. Die Stadt sagte Ja. Dabei war der Symbolwert der Bauten zweitrangig. Das Argument der Befürworter: Hochhäuser können Fläche sparen. Besonders die neuen Wohn-

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hochhäuser in der City Süd und in Harburg haben tatsächlich dazu beigetragen, dass die Wohnungsknappheit gemindert werden konnte. Aber die Skepsis bleibt bei vielen: Hat Hamburg seine Eigenheit verspielt?

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1 100 Meter über dem Grund schwebt die Gondel über den Hafen hinweg, der Blick reicht von der City bis zu den Harburger Bergen. Die Hafenseilbahn ist Transportmittel und Touristenattraktion zugleich. Kaum 10 Minuten dauert die Fahrt. Dann ist man angekommen in Wilhelmsburg-Mitte. 97 / Eingereicht

von Julian

TOP 20

2 The Towers Hammerbrook: Die meisten Hochhäuser sind nach 2020 in der City Süd entstanden, insgesamt über 2.000 Wohnungen in bis zu 150 Meter hohen Bauten. Einige Wohntürme sind in der Mitte durch Gärten und Plazas unterteilt, kleine Geschäfte haben sich am Fuß der Gebäude etabliert. Endlich ist das Leben in den Südosten der Stadt zurückgekehrt. 15 /

Eingereicht von Katharina Grön 3 Hochhäuser in Harburg: Zweiter Schwerpunkt der Hochhausentwicklung ist der Harburger Binnenhafen und die Harburger City. Besonders entlang der B73 ist eine Reihe von Wohnhochhäusern entstanden. Wer oben wohnt, hat den besten Blick auf den Hafen – und sieht, wie nah Harburg eigentlich an der Innenstadt liegt. 10 /

Eingereicht von sjulsen

4 Türme für die City: Das 2017 verabschiedete Hochhauskonzept definiert auch innerhalb und entlang des Wallrings, wo hoch gebaut werden darf – meist Orte, an denen es schon Hochhäuser gibt, zum Beispiel am Unilever-Gebäude oder an der Kehrwiederspitze. Einige der neuen Citytürme akzentuieren wie einstmals die Türme der alten Stadt wichtige Plätze wie den Deichtorplatz oder das Millerntor. Nach lautem Protest wurde manche Hochhausplanung in der City aber wieder zu den Akten gelegt. 5 /

Eingereicht von Zukunftscamper 5 Die neuen Symbole des Hafens: die 120 Meter hohen Cargotowers, vollautomatische Hochregallager für Container. Die gelben Stahlriesen helfen dem Hafen, Flächen und Kosten zu sparen, und haben eine ganz eigene Skyline südlich der Elbe geschaffen.

7 Seit 2021 ist das Hansetor das neue Symbol des Hamburger Ostens. Am Eingang zur Stadt knüpft ein 220 Meter hohes Handelszentrum an die Tradition der Hanse an. Hier hat der neu gegründete weltweite Städtebund der »Neuen Hanse« sein Zuhause, der als Handelsorganisation der Metropolregionen an die Tradition der Hanse anknüpft. 3 / Eingereicht von

Annemarie Maeger 8 Hamburg war eine der ersten deutschen Städte, die sich offensiv für eine multikulturelle Skyline ausgesprochen hat. Die Gleichberechtigung der Religionen sollte sich auch baulich ausdrücken dürfen: Neben den fünf Kirchtürmen der Innenstadt prägen nun auch zwei große Minarette auf dem Heiligengeistfeld und in St. Georg die Stadtsilhouette. 3 / Eingereicht von

Muezzine und Glocken

4 / Eingereicht von NexthamburgRedaktion 6 Eine Stadtutopie wird auf den Elbinseln Realität: 150 Meter hoch erhebt sich die Sonnenspirale über dem Hafen. Eine Stadt in der Stadt, die ihre eigene Energie und Nahrungsmittel erzeugt und ohne Fahrstühle auskommt. Entlang des einen Kilometer langen, spiralförmigen Wegs nach oben liegen Obstgärten, Wohnungen, Brunnen und eine Bibliothek. 3 / Eingereicht von

9 Lange wurde darüber gesprochen, 2025 ist es endlich gebaut worden: das Elbbrückenzentrum, das große Bürozentrum an den Elbbrücken mit Hamburgs höchsten Bauten. 280 Meter misst der höchste Turm – Ergebnis eines internationalen Wettbewerbs mit über 200 Teilnehmern. 0 / Eingereicht

von smartyHH

Annemarie Maeger

»Ich liebe hohe Bauten. Sie machen eine große Stadt erst aus. Es gibt sogar durchaus eine Tradition der hohen Bauten in Hamburg. Die Nikolaikirche war mal das höchste Gebäude der Welt. Und die Kirchtürme der Hauptkirchen gehören nach wie vor zu den höchsten ihrer Art.« »Ein Hochhausviertel würde Hamburg guttun. Harburg bietet sich hierfür an. Dort hat man schon angefangen, hoch zu bauen, und es würde dem Bezirk ein interessantes Profil geben. Stellt sich nur die Frage: Gib es genügend Bedarf an Bürofläche und Wohnraum im Hamburger Süden?«

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Die Vorschläge … lösen die Probleme der Stadt sind machbar passen zu Hamburg

»Hamburg und Hochhäuser? Das passt nicht zusammen. Wir sind doch nicht Frankfurt. Das Radisson-Hotel, das ehemalige Unilever-Gebäude und die Mundsburg-Türme haben ihre Umgebung nicht gerade bereichert. Lieber sein lassen.«

sind neu und spannend

»Hoch hinaus« weiter denken: www.nexthamburg.de/hochhinaus

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02 Die radikale Stadt

Der Stadt aufs Dach gestiegen Oft wurde über die seelenlose Kistenarchitektur geklagt. Heute erweist sich diese als Glücksfall ganz anderer Art. Immer mehr Dächer werden auf ungewöhnliche Weise genutzt: als Gärten

»Solaranlagen zu verordnen, ist für mich Unsinn. Meiner Meinung nach gibt es viel zu wenig Sonnenschein im regnerischen Norddeutschland. Die Effizienz der Anlagen möchte ich stark infrage stellen.« »Ich habe bis heute nicht verstanden, warum Flachdächer so wenig genutzt werden. Das ist doch verschenkter Raum. Hier kann so viel Aufregendes passieren. Man muss nur sehen, wie man das statisch hinbekommt.«

oder für den Sport – sogar gewohnt wird auf dem Dach. Hamburg entdeckt sein Hochland. Dachbegrünung, Solaranlagen, Lüftungsbauten: Dächer waren lange nur etwas für Technikfreaks. 2015 startete die Stadt Hamburg ein großes Programm, bei dem zunächst untersucht wurde, welche Dächer sich für andere Nutzungen eignen

»Ich kann mir nicht vorstellen, dass das einfach alles so leicht geht. Wenn ich die Blumen auf dem Dach gieße, tropft es dann nicht von der Decke in meine Wohnung? Schließlich muss es auch sicher sein, wenn Menschen auf dem Dach rumturnen.« 3

würden. Statik, Zugang, Sicherheit: Am schwierigsten mal wieder: die rechtliche Seite. Wohnen im Gewerbegebiet? Kleintierhaltung über Wohnungen? Die andauernde Wirtschaftskrise zwang zum Umdenken: Selbstversorgung wurde mehr als ein Sonntagsthema – jetzt war jede Fläche wertvoll. Dafür wurden Gesetze gelockert, die Eroberung der Dächer konnte beginnen. Erst waren es nur wenige Mutige, inzwischen sind aber über zehn Prozent der Flachdächer Hamburgs genutzt – ein riesiger Zuwachs an nutzbarer Fläche, der die Kreativität der Dachbewohner so richtig freigesetzt hat. 5

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1 Immer mehr Dachgärten bringen das Nachbarschaftsleben auf die Dächer. Nicht jedes Gebäude ist baulich geeignet, aber wo es geht, erobern Blumenbeete, Sandstrände, Swimmingpools und sogar Bäume die Höhen der Stadt. 119 / Eingereicht von Manuela

6 Auf den Gebäuden der ehemaligen City Süd hat sich Hamburgs vielfältigste Dachlandschaft entwickelt: Unter dem Motto Talexpedition und Gipfelsturm haben sich Bars, Gärten, Dachlounges und Arbeitsräume auf den Dächern angesiedelt. 79 / Einge-

Husmann-Laurustico

reicht von Stephan Landau

TOP 20

2 Weiße Dächer können die Bildung sommerlicher Hitzeinseln in der Großstadt merklich reduzieren. Mit dem zunehmenden Temperaturanstieg in Hamburg wurden sie auch für die Hansestadt zur Option. In der Innenstadt sind bereits 30 Prozent der Dächer hell, was die Erwärmung der Gebäudeoberseiten um 20 Prozent verringern konnte.

21 / Eingebracht bei den Umwelthauptstadt-Dialogen

3 Neubauten müssen in Hamburg seit 2021 generell mit Solaranlagen bestückt werden, so schreibt es die Hamburger Solarverordnung vor.

42 /Eingebracht bei den Umwelthauptstadt-Dialogen 4 Urban Farming auf dem Dach: Nicht nur Gemüse wird in luftiger Höhe gezogen, auch Tiere werden auf Dächern gehalten. Jetzt gibt es Käse, Milch und Eier vom Dach, Streichelzoo inklusive, zum Beispiel auf dem Brandshof an den Elbbrücken. 17 / Abgege-

7 Die Zukunft des ehemaligen Supermarkts an der Feldstraße war jahrelang ein Streitfall der Hamburger Stadtentwicklung. 2015 wurde auf dessen Dach Hamburgs größte Stadtfarm genehmigt. 9 / Eingereicht von Donch 8 Golfen auf dem Dach kannte man aus New York oder Shanghai. Hamburg hat seine spezielle Variante in den Dachsport eingebracht: den DachMinigolfplatz in der Hafencity. 0 /

Eingebracht von Marnie beim Workshop ›Kreative Stadt‹ 9 Das Dach des Bunkers an der Feldstraße ist eine zerklüftete Betonlandschaft. Zwischen den Flaktürmen ist Hamburgs erster Minibauernhof entstanden. Dort erhalten Stadtkinder Einblick in die natürliche Lebensmittelerzeugung. 0 / Eingereicht von

Matthias Burke

ben im Zukunftscafé 5 Das Dach als Baugrund: Leichte Mikrohäuser zieren immer mehr Dächer in Hamburg – schon wohnen über 1.000 Menschen in luftiger Höhe. Eine solche Wohnlage ist kaum zu toppen.

13 / Eingereicht von Retrogott

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Die Vorschläge … lösen die Probleme der Stadt sind machbar passen zu Hamburg sind neu und spannend

»Auf’s Dach« weiter denken: www.nexthamburg.de/aufsdach

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Luftbild: Holger Weitzel / www.aufwind-luftbilder.de

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TOP 20

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03 Die geheilte Stadt Wann ist eine Stadt gesund? Sind die großen Brüche, die durch Krieg, Wiederauf- und Stadtumbau entstanden sind, auch Merkmale des Städtischen, die dazugehören? Bis 2030 hat Hamburg sich aufgemacht, seine Wunden zu schließen, den Verkehr zu zähmen, Altes wieder zu errichten und mit Ungeliebtem aufzuräumen. Manche sagen, nun sei Hamburg wieder wohlauf. Andere vermissen das Unaufgeräumte, das auch Charakter verleiht.

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Ide en ohn e Ve rortu ng

Wunden schließen Die Wiederkehr des Alten In die Schranken gewiesen: Die Stadt zähmt den Verkehr Weg damit: Die Stadt wird entrümpelt

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03 Die geheilte Stadt

In die Schranken gewiesen: Die Stadt zähmt den Verkehr Obwohl Hamburg anhaltend in den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs investierte, nahmen die Verkehrsprobleme auf den Straßen bis in die 2020er-Jahre immer stärker zu, auch durch die dicht bebauten neuen Quartiere. Die Folge: immer mehr Lärm, immer mehr Stress. Erst eine Reihe radikaler Maßnahmen hat die Situation deutlich verbessert, vor allem in der Innenstadt. Dank der City-Maut sind viele Straßen heute komplett autofrei. Auch in den Stadtteilen St. Georg, Eimsbüttel und Barmbek sind heute ganze Straßenzüge für den motorisierten Individualverkehr gesperrt – im Gegenzug ist der Nahverkehr ausgebaut worden. 2030 herrscht deutlich mehr Gelassenheit auf Hamburgs Straßen.

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1 Kein Auto weit und breit: Seit 2023 ist die Innenstadt mit Ausnahme wichtiger Verkehrsadern und dem Lieferverkehr komplett für den motorisierten Individualverkehr gesperrt. »Parks statt Parken« hieß das Motto, unter dem die Straßen und Plätze der City zu Hamburgs neuem Grünen Herz umgebaut wurden. 126 / Eingereicht von Jonas

Goebel

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2 30 statt 50: Das Tempolimit im Eppendorfer Weg, ermöglicht durch das Engagement der Bewohner von Hoheluft und Eimsbüttel, hat den Stein ins Rollen gebracht. Seitdem ist Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen kein Tabu mehr. 34 / Eingereicht von Michael 3 Schulterblatt 2030: Autos, Fahrräder und Fußgänger teilen sich einvernehmlich den zu einer durchgehenden Fläche umgebauten Straßenraum. Das Prinzip heißt Shared Space und sorgt in Hamburgs ehemaligem Szeneviertel dafür, dass die hektische Ordnung durch ein unbeschwertes Durcheinander abgelöst wurde. 30 / Eingereicht

von Martin Roehl 4 Nicht nur auf den Straßen der Stadt herrschte früher teils gesundheitsschädlicher Lärm. Auch die nächtlichen Gütertransporte rund um den Hafen raubten vielen Hamburgern die Nachtruhe. Seit 2019 gilt nach dem Vorbild des Flugverkehrs ein Nachtfahrverbot für Güterzüge. 27 / Eingereicht von

c_v_bargen

5 An vielen Fußgängerampeln musste man einst eine gefühlte Ewigkeit warten. Dank der neuen Vorrang-Ampeln sind selbst Hauptverkehrsstraßen 2030 kein Hindernis für Fußgänger mehr. Die Ampeln schalten wesentlich schneller auf Grün. 25 / Eingereicht von chroffi

Stephansplatz bis hin zum Dammtorbahnhof eine der beliebtesten Flaniermeilen Hamburgs. Rund um die Alte Post und die Spielbank Hamburg laden Cafés und Bars zum Verweilen ein. 12 / Eingereicht von katerbart

40 km/h reicht! Seit 2023 ist dies die neue Höchstgeschwindigkeit auf Hamburgs Stadtstraßen. Die zunächst sehr umstrittene Maßnahme hat gezeigt, dass der Verkehr kaum langsamer fließt, dafür wesentlich stetiger und stressfreier. 7 / Eingereicht von winne9

Ein neues Event in Hamburg: An vier Wochenenden im Jahr werden die Hauptverkehrsstraßen für Autos komplett gesperrt. Sonst unwirtliche Schnellstraßen werden für den Sonntagsspaziergang genutzt – auch für die anliegenden Geschäfte, Restaurants und Cafés ein dankbar angenommener Umsatzturbo. 23 / Eingebracht bei den 6

woerp

7 In London, Stockholm, Amsterdam und vielen anderen Metropolen war die City-Maut längst gang und gäbe. In Hamburg drohte das Projekt immer wieder zu scheitern. Zu stark schien der Widerstand der Pendler. Nach einer breiten Bürgerbefragung fasste der Senat Mut und führte 2019 die Maut ein. Seitdem läuft der Verkehr spürbar flüssiger. Nur der Öffentliche Personennahverkehr ist auf manchen Strecken hoffnungslos überlastet. 15 / Einge-

10 Bis in die Achtzigerjahre hinein gab es bereits ein Rohrpostsystem quer durch die Stadt. Das Prinzip eines automatischen unterirdischen Warentransports feierte 2030 sein Comeback. Das Netz, das sich vom Hafen über die Innenstadt bis nach Altona erstreckt, bietet eine klassische Rohrpost zum schnellen Transport kleinerer Gegenstände sowie größerer CargoCaps, die bis zu zwei Europaletten befördern können. Der innerstädtische Straßengüterverkehr wird 2030 fast vollständig im Untergrund abgewickelt. 9 / Eingereicht von Philipp

reicht von antjem

(abgegeben im Zukunftscafé)

Umwelthauptstadt-Dialogen

8 Ein weiteres Aushängeschild der autoarmen Stadt Hamburg ist der Dammtorboulevard. Da sich der Verkehr in die Innenstadt in den letzten Jahren erheblich reduziert hatte, erstreckt sich vom Gänsemarkt über den

»Oh je, Tempolimit, Absperrungen, Verbote: Was sollen diese Gängeleien für uns Autofahrer? Man sollte doch lieber dafür sorgen, dass das Fahren mit der Bahn attraktiver wird. Dann steigen die Leute auch um.«

»Hier ist Konflikt vorprogrammiert. Die Autofahrerlobby ist einfach zu stark, um das alles umzusetzen. Man kriegt ja noch nicht einmal ein Tempolimit auf den Autobahnen hin, geschweige denn 40 km/h in der Stadt oder: in Ortschaften«

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Die Vorschläge … lösen die Probleme der Stadt sind machbar passen zu Hamburg

»Der Schwerlastverkehr ist das eigentliche Problem. Man sollte die Idee mit dem unterirdischen Warentransport wirklich mal prüfen. Oder endlich eine Umgehungsautobahn – vor allem für Lastwagen – bauen.«

sind neu und spannend

»Verkehrszähmung« weiter denken: www.nexthamburg.de/verkehrzaehmung

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03 Die geheilte Stadt

Weg damit: Die Stadt wird entrümpelt Hamburg räumt auf: 2030 ist so mancher Irrweg der Stadtentwicklung revidiert worden. Unbeliebte Siedlungen wurden abgerissen, nicht mehr zeitgemäße Bauregeln infrage gestellt und einige umstrittene Pläne an den Nagel gehängt. Ein Grund für die große Stadtbildkorrektur war der immer größere Protest der Bürger, der sich nach 2015 nicht mehr nur gegen Geplantes, sondern auch gegen Bestehendes richtete. Zudem war manche Bausubstanz einfach nicht mehr vermarktbar. Bei jeder Entscheidung über Rückbau und Rücknahme von Regeln gab es großen Streit: Was für den einen ein Irrweg, war für den anderen unerlässlich oder kulturelles Erbe. Fachleute beklagen bis heute, dass einige Entscheidungen in vorauseilendem Gehorsam vor der Mehrheitsmeinung getroffen wurden. Und Bürger beklagen, die wirklich großen Bausünden wären nicht angetastet worden. Denn so manche Initiative hat sich bis heute nicht durchsetzen können. Dafür ist der ein oder andere Bau sehr überraschend zum Abrisskandidaten geworden.

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»Ich bin dafür, alles konsequent abzureißen, was zwischen 1970 und 2000 gebaut wurde. Damit würde man Hamburg am Effektivsten entrümpeln. Jemand anderer Meinung?«

»Kirchdorf-Süd abzureißen, löst die Probleme nicht. Man sollte sich darauf konzentrieren, die zunehmende Schere zwischen Arm und Reich zu schließen, als alles aus der Stadt zu verbannen, was einem unlieb ist. Und wer entscheidet eigentlich, was raus soll?«

»Also, ich mag die Mississippi-Dampfer.«


1 Viele Bürger hatten sich schon lange daran gestoßen, dass der Rathausmarkt immer häufiger zur Eventfläche wurde. 2023 wurde mit der Rathaussatzung eine Kehrtwende vollzogen. Große Zeltstädte sind nun passé, nur noch Traditionsveranstaltungen wie der Weihnachtsmarkt und das legendäre Weindorf sind zugelassen. Und alle Veranstalter müssen die eigens entworfene Platzmöblierung verwenden. 38 /

Straße, die nicht möglichst kosmopolitisch klingen sollte. 2018 war Schluss damit. Nach anhaltendem Unmut auch konservativer Kreise wurde erlassen, Straßen und Plätze nur noch Bezeichnungen mit regionalem Bezug zu geben. Viel Stoff für Streit: Denn was das genau bedeutet, muss nun in jedem Einzelfall ausgefochten werden. 18 /

Eingereicht von fred

Das 2024 von allen großen Stadtregierungen Deutschlands unterzeichnete Autobahn-Memorandum war eine kleine Sensation. Es verpflichtete die Städte dazu, auf den weiteren Bau von innerstädtischen Schnellstraßen zu verzichten und bestehende Schnellstraßen zu deckeln oder zurückzubauen. Künftig wird ausschließlich auf den Ausbau von Schnellbahnen und eine Vernetzung der Verkehrsträger gesetzt.

2 Kirchdorf-Süd war ein Symbol für den verfehlten Wohnungsbau der Siebzigerjahre. Als die Zustände dort nach 2020 unerträglich wurden, forderten Bewohner, Politiker und Bürger aus ganz Hamburg den Abriss. 2026 war die Wohnburg Geschichte. Viele Bewohner fanden ein neues Zuhause in der Nachbarschaft, andere mussten in andere Stadtteile ziehen. Was mit der Brache passiert, ist noch unklar. 26 /

Eingereicht von Nexthamburg-Redaktion 3 Viele Straßen und Plätze Hamburgs waren in den frühen 2020er-Jahren zu wahren Werbemeilen geworden. Die riesigen Bildschirme und allgegenwärtigen Drehtafeln zogen immer mehr Ablehnung und Vandalismus auf sich. 2024 entschloss sich der Senat, keine neuen Werbeträger mehr zuzulassen und die bestehenden Standorte bis 2030 zurückzubauen. Hamburg ist heute Deutschlands erste weitgehend werbefreie Stadt. 23 / Eingereicht

Keine neuen Hochhäuser in der City – die Hamburger Kirchtürme sollten auch weiterhin die Silhouette der Stadt prägen. Zwar wurden einige der geplanten neuen Türme fertiggestellt, dafür aber manch alter Büroriese abgerissen, zum Beispiel das frühere Deutsche-RingGebäude gegenüber dem Michel. 9 / Entstanden im Zukunftscamp

Eingereicht von Heinz Overstätt 6

16 / Eingereicht von Johannes 7 Keine neue Bebauung an St. Paulis Elbufer! Der Protest gegen das neue Elbquartier auf der Tunneldecke zwischen Fischmarkt und Landungsbrücken hatte den Baustart nicht verhindern können – zwei Drittel der Wohngebäude vor der Hafenstraße sind bereits fertiggestellt. Seit 2028 ruht der Weiterbau jedoch. Als Lösung des Streits wurde auf die restliche Bebauung verzichtet– ein Park auf der Tunneldecke soll den freien Blick auf die Elbe erhalten. 15 / Eingereicht von

10 Das Tennisturnier am Rothenbaum war ein glanzvolles Stück Hamburger Sportgeschichte. Aber von Jahr zu Jahr versank es immer weiter in der Bedeutungslosigkeit, bis man 2021 einen Schlussstrich zog. Unter lautem Protest wurde das Stadion abgerissen, das Gelände für den Wohnungsbau freigegeben. Heute wohnen dort 500 Menschen. 0 / Entstanden im Zukunftscamp 11 Es war jahrzehntelang der Traum vieler Deutscher: das eigene Einfamilienhaus. Als nach 2020 die Immobilienkrise vor allem die Nachkriegssiedlungen traf – viele Bauten waren nicht klimagerecht sanierbar –, wurde das Undenkbare beschlossen: der Abriss von Einfamilienhäusern. Etwa 6.000 Häuser sind allein in Hamburg bisher durch dichtere Bebauung oder Grünanlagen ersetzt worden. 0 / Entstanden

im Zukunftscamp

F. E. Sauerland

von Christoph

Sie waren beliebt bei Touristen, aber bei vielen Bürgern verpönt: die Mississipi-Dampfer, die im Hafen für Rundfahrten eingesetzt wurden. Die ortsuntypischen Schiffe waren reine Atrappe: Das Antriebsrad tauchte nie ins Wasser ein, und aus den Schornsteinen kam kein Rauch. Im Jahr 2014 verschwanden die Schiffe spurlos aus dem Hafen. Der Betreiber erklärte die plötzliche Einstellung der Rundfahrten bis heute nicht. 9 / Eingereicht von smartyHH 8

Sie sind Giganten der Straße, die bis zu 60 Tonnen schweren Gigaliner. Die riesigen Lastwagen sollten den Güterverkehr noch leistungsfähiger machen. 2017 verhängte die Stadt nach lauten Bürgerprotesten eine generelle Sperrzone für Gigaliner auf allen Stadtstraßen. Auch andernorts stießen die Riesen auf Ablehnung. Bis heute haben sie sich auch dank der Proteste nicht durchsetzen können. 20 / Eingereicht 4

von winnewoerp

Shanghai-Allee, Chicago-Square: Nach der Jahrtausendwende gab es kaum einen neuen Bau oder eine neue

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Die Vorschläge … lösen die Probleme der Stadt sind machbar passen zu Hamburg

Nur fünf Jahre nachdem durch das Hochhauskonzept auch in der Innenstadt neue Hochhäuser ermöglicht worden waren, kam die Kehrtwende: 9

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sind neu und spannend

»Weg damit« weiter denken: www.nexthamburg.de/wegdamit

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»Anstatt alles zu untertunneln, sollte man lieber etwas am Mobilitätsverhalten der Hamburger ändern.«

03 Die geheilte Stadt

Wunden schließen

»Die Ost-West-Straße ist tatsächlich die größte Wunde in Hamburg. Das Problem bei einem Tunnel, neben den Kosten: die Rampen. Die machen die Stadt noch mehr kaputt. Und bis das Ding fertig ist, fliegen wir bestimmt schon mit unseren Autos, und der Tunnel ist völlig umsonst gebaut worden.«

Zwei Ereignisse prägten fast überall in Deutschland das Stadtbild, so auch in Hamburg: die Zerstörungen im Zweiten Weltkriegs und der radikale Umbau in der Nachkriegszeit. Vor allem durch große Verkehrsschneisen wurde die Stadt an vielen Stellen regelrecht auseinandergerissen. 2030 hat die Stadt begonnen, ihre größten Wunden zu schließen. Große Stadtautobahnen sollen in

»Ich denke, man sollte erst mal ein Verzeichnis aller Bausünden in Hamburg anfertigen. Wenn man damit fertig ist, haben wir auch schon das Jahr 2030.«

Tunneln und unter Deckeln verschwinden – so manches Vorhaben ist sehr umstritten, und nicht alle sind finanziell abgesichert. Neue Quartiere schließen Lücken in der Stadt und manche »Bausünde« der Siebzigerjahre wurde neu in die Stadt integriert. Aber noch bleiben viele Wunden, die es zu schließen gilt – und die Frage, was

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eigentlich als Wunde empfunden wird.

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1 Hamburgs Ost-West-Straße, nach dem Zweiten Weltkrieg als Stadtautobahn durch die Trümmerwüste geschlagen, war lange die größte städtebauliche Wunde der Stadt. Ein Volksentscheid zur Zukunft der Straße ergab den Auftrag für eine Tunnelplanung. Damit sollte Platz für ein neues Stadtviertel geschaffen werden, das Michaelisquartier. Kurios: Während der Tunnelbau noch nicht einmal begonnen hat, ist das Quartier schon fast fertig. Denn seit 2021 wird ein Teil des Verkehrs vorsorglich über den ausgebauten Wallring geführt. Die Ost-West-Straße wurde zurückgebaut, das Michelisquartier schon ohne Tunnel weitgehend fertig gebaut. Kritiker stellen den Tunnel nun infrage – er sei doch gar nicht mehr nötig. Zudem würden die großen Rampen das Millerntor und den Messberg verbauen. Ein Projekt mit offenem Ausgang. 69 /

Eingereicht von Klaus Bergner

TOP 20

4 Die A7 hat ihren Autobahndeckel, warum nicht auch die Reichsstraße in Wilhelmsburg, die den Stadtteil zerschneidet? Die Schnellstraße sollte ohnehin an die nahe gelegene Bahnlinie verlegt werden. Mit der Internationalen Gartenschau (IGS) 2013 direkt neben der Reichsstraße wurde das Thema zu einem stadtweiten Politikum. Zu absurd erschien vielen Hamburgern die Vorstellung von meterhohen Lärmschutzwänden entlang des neuen Parks. Die Bürger setzten sich durch: Seit 2027 läuft der Verkehr lautlos unter einem Deckel durch den Stadtteil, darauf der erweiterte ehemalige IGS-Park – und an dessen Rand 2.000 neue Wohnungen, die dank der neuen Lärmfreiheit gebaut werden konnten. Die Reichsstraße wurde nicht nur gedeckelt, sie wurde auch vom Verkehr entlastet. Eine Querverbindung von der Reichsstraße zur A1 lenkt einen Großteil des Verkehrs über die Autobahn. 17 /

Eingereicht von Olaf Stichtenoth

Schon vor über 100 Jahren kam die Idee auf, die Alster zu untertunneln. Nachdem Hamburgs Verkehr trotz Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und City-Maut vollends ins Stocken geriet, wurden die Planungen 2025 wieder aufgenommen. Von den Grindelhäusern bis zur Mundsburg soll der Alstertunnel ab 2045 führen – zugleich eine Entlastung für die Ost-WestStraße. Noch aber ist die Finanzierung des Projektes unsicher. 26 / Eingereicht

5 Eine auf ganz eigene Art geheilte Wunde: die Große Bergstraße in Hamburg-Altona. Statt auf einen Umbau im großen Stil setzte man hier auf den Erhalt des typischen Altonaer Ladenmixes, auch mit Unterstützung des lange umstrittenen benachbarten IKEA-Möbelhauses. Hier bestätigt sich die alte These: Die Gestaltung der Gebäude ist egal, wenn die Nutzung stimmt. 15 / Eingereicht von Eckehard

von andre

Herrmann

Vom Fischmarkt bis zum Stintfang führt der Hafenrand-Tunnel, ebenfalls umstritten und teuer, aber von Bürgern in einem Haushaltsreferendum durchgesetzt. Fünf Jahre nach seiner Eröffnung zeigt sich, dass sich die Kosten rentieren: Auf der Tunneldecke entstand das neue Uferquartier, die neue Elbpromenade gehört zu den beliebtesten Treffpunkten der Hamburger. Nur die Rampen haben neue städtebauliche Problemzonen geschaffen, über die nun heftig diskutiert wird.

Die Hamburger Straße an der Mundsburg war eine der unwirtlichsten Verkehrsadern der Stadt – bis sie komplett umgebaut wurde. Der ungenutzte Grünstreifen in der Mitte der Stadtautobahn wurde an den lang gestreckten Bau des Einkaufszentrums Hamburger Meile verlegt. So erhielt die Mall einen Außenbereich, den die Ladenbesitzer nutzen konnten. 13 / Eingereicht von

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25 / Eingereicht von NexthamburgRedaktion

lange nicht auf die stagnierende Harburger Innenstadt übergreifen. Die Lösung brachte der Bau der Nordumgehung Harburg: Bahn und Fernstraße wurden entlang der neuen Trasse der A26 über die Süderelbe hinweg um Harburg herumgeführt. Harburgs City und der Binnenhafen bilden nun wieder eine Einheit, wie schon vor dem Bau der Bahnlinie vor 200 Jahren. 12 / Eingereicht von Nexthamburg-Redaktion 8 Riesige Verkehrsschneisen, dazwischen verloren wirkende Gebäudeinseln: Das Justizforum lag jahrzehntelang als Barriere zwischen der City und dem Karoviertel. Seit 2020 wird der Bereich Schritt für Schritt umgebaut: Die erst 2011 erneuerte Verkehrsführung wird auf die nötigsten Spuren zurückgebaut. Musikhalle, Gerichtsgebäude, russisch-orthodoxe Kirche und Heiligengeistfeld werden durch das neue Johannesquartier mit seinen Wohnungen und Geschäften städtebaulich verbunden. 3 / Eingereicht von

cinematic

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smartyHH

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Die Vorschläge … lösen die Probleme der Stadt sind machbar

Die größte Wunde südlich der Elbe: die Doppelschneise der B73 und der Bahnlinie von Harburg nach Cuxhaven. Durch die beiden Trassen konnte die positive Entwicklung im Binnenhafen 7

passen zu Hamburg sind neu und spannend

»Wunden schließen« weiter denken: www.nexthamburg.de/wundenschliessen

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Persönliches Szenario 4 Ergebnis der Session No. auf dem Zukunftscamp

03 Die geheilte Stadt

Quartiere reparieren

»Ich finde es gut, wenn sich die Planer auch um die normalen Wohnquartiere kümmern. Aber wie schafft man es, dass dann nicht gleich die Preise steigen und die Alteingesessenen verdrängt werden?«

Noch vor 20 Jahren waren viele Hamburger Stadtteile vom baulichen Pragmatismus der Nachkriegszeit geprägt, besonders an den großen Durchgangsstraßen. Breite Verkehrsschneisen, Flachbauten mit unattraktiven Läden, zugige Zeilenbau-Quartiere. Zum Beispiel in Hoheluft: Die gleichnamige Chaussee durchschnitt den östlichen und westlichen Stadtteil. Ähnliches geschah in Hamm: Nach dem Krieg war der fast komplett zerstörte Stadtteil mit Rotklinkerzeilen wiederaufgebaut worden – streng nach dem damals gängigen Leitbild der »aufgelockerten Stadt«. Das dritte Beispiel ist das Bahnhofsviertel. Östlich und westlich des Hauptbahnhofs donnerte einst der Straßenverkehr. Nüchterne Zweckbauten und austauschbare Shoppingarchitektur prägten das städtebauliche Bild der Umgebung. Heute hat sich das Bild völlig gewandelt: In allen drei Quartieren sind die Spuren des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg fast überall verschwunden. Lebhaftes, Kreatives und Überraschendes ist hier entstanden.

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»Den Verkehr so massiv am Hauptbahnhof umzuleiten, verstehe ich nicht; das sorgt doch nur dafür, dass sich Autofahrer verfahren.« »Hamm wird Hammer! Es sind ja eher die kleinen Dinge, die ein schönes Quartier ausmachen. Es ist definitiv ein guter Ansatz, bei den Quartieren nicht mit der großen Masterplanung anzusetzen.«


1 Hoheluft Ein typisches Bild: Mittags bilden sich in der Hoheluftchaussee lange Menschenschlangen, sei es vor den Kaffeeklappen oder den kleinen Restaurants, die günstigen Mittagstisch und zahlreiche leckere Happen zum Mitnehmen anbieten.

Die inzwischen international renommierten Hoheluftgalerien sind ebenfalls an der Chaussee beheimatet. In mehreren Ladenlokalen der umgebauten Klinkerhäuser aus den 1950er- und 1960er-Jahren werden Kunst, Lesungen und Konzerte angeboten. Besonders beliebt sind die unscheinbaren Durchgänge zwischen den Häusern, durch die man in die Innenhöfe der Baublöcke gelangt, die immer wieder mit neuen Überraschungen aufwarten. Mal findet sich hier ein spontaner Kunstmarkt, mal ein »Urban Gardening«-Projekt oder ein beschaulicher Biergarten. Zentrum Hoheluftbrücke: Am südlichen Ende der Chaussee, wo man über die Hoheluftbrücke zum Grindel gelangt, hat sich ein kleines Zentrum gebildet. Ein vierstöckiges Kaufhaus bietet ausschließlich fair gehandelte Produkte an, dreimal in der Woche findet ein regionaler Markt am Ufer des Isebekkanals statt – zwischen den vielen Hausbooten, der schwimmenden Badeanstalt und dem ansässigen Kanuclub.

Statt Kultur in staubigen Museen und exklusiven Theatern einzusperren, fördert Hamm die Kunst in »ARTgerechter« Haltung. Lokale Künstler stellen ihre Werke im öffentlichen Raum, an viel besuchten Orten auf. Schulprojekte führen Theaterstücke mitten auf der Straße auf. Und einmal im Monat kann man in den Bussen Kurzlesungen lauschen. 3 HBF Der Steintorwall vor dem Hauptbahnhof hat sich 2030 zu einem repräsentativen Bahnhofsvorplatz entwickelt. Wo früher der Autoverkehr brauste, bilden baumgesäumte Flanierwege mit Sitz- und Liegemöglichkeiten, Kunstund Lichtobjekten einen der größten Stadtplätze. In die Ladenflächen am Platz sind Cafés und Bars eingezogen.

Statt an der westlichen Bahnhofsseite führt der heute deutlich geringere Verkehr 2030 nur noch auf der Kirchenallee östlich des Bahnhofs entlang. Der größte Teil des Verkehrs fließt seit 2026 ohnehin unterirdisch durch den

ausgebauten Tunnel am Glockengießerwall. Eine filigrane Straßen- und Fußgängerbrücke quer über das südliche Gleisfeld bindet die Kirchenallee neu an die Kunstmeile an. Im Kreuzungspunkt der Brücken entstand mitten über dem Gleisfeld ein neuer Verwaltungsturm der Bahn mit Aussichtsplateau und Gastronomie. Dafür wurde der alte Turmanbau an der Bahnhofshalle aus den Siebzigerjahren abgerissen. Trotz oder gerade wegen des zusätzlichen Verkehrs hat sich die Kirchenallee zu einem prächtigen Boulevard entwickelt. Die Fahrbahn wurde näher an den Hauptbahnhof herangerückt, sodass es auf der sonnenbeschienenen Ostseite der Straße mehr Platz für Straßencafés gibt. Praktisch: An der großen »Kiss and Ride«-Zone am Hachmannplatz können Reisende schnell verabschiedet werden. Statt flächenverschwendender Parkplätze gibt es kleine Parkbuchten, die schnelles Halten und Weiterfahren ermöglichen.

2 Hamm Auf den Straßen Hamms ist neues Leben eingekehrt. Die Anwohner kümmern sich per Patenschaften selbst um den Straßenraum. Einige Nachbarschaften haben die Umwandlung ihrer Straße zum »Shared Space« durchgesetzt: Jetzt gibt es in Hamm Gemeinschaftsstraßen, in denen Fußgänger, Radfahrer und Autos gleichberechtigt ohne Autos unterwegs sein können.

Parkflächen statt Parkplatzflächen: Auf vielen Stellplätzen darf nur im Winter geparkt werden. Im Sommer stellen die Anwohner Pflanzen auf, lassen ihre Kinder spielen oder nutzen den Platz für Grillabende.

Im Einsatz für Hamburgs Quartiere: Eindrücke von der Nexthamburg Session No.4 im Rahmen des Zukunftscamps.

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Persönliches Szen

ario

inspiriert von Etta D. Ehlers und Rüdiger Harm s

03 Die geheilte Stadt

Die Wiederkehr des Alten Die Stadt von einst rekonstruieren? Lange galt das als undenkbar in Hamburg, als Geschichtsklitterung oder deplatzierte Nostalgie. Aber je mehr moderne Bauten das Stadtbild prägten, umso stärker wurde die Sehnsucht nach dem alten Gesicht der Hanse. Durch Brand, Krieg und Wiederaufbau hatte Hamburg ganz besonders stark gelitten, es gab nur noch wenige Bauten aus der Zeit vor 1842, dem Großen Brand, der einen großen Teil der Hamburger Innenstadt vernichtete. Zahlreiche private Initiativen gründeten sich, um einen Teil des alten Hamburgs wiederaufzubauen. Heute, im Jahr 2030, sehen einige Orte tatsächlich so aus, als hätte es die Zerstörungen nicht gegeben – so, wie man das aus manch osteuropäischer Stadt kennt. Sie gelten als Vorbilder für einen gelungenen Wiederaufbau und beflügeln damit auch in Hamburg immer wieder die Debatte.

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»Ich kann mich noch erinnern, wie Hamburg früher aussah. Hier ist wirklich viel verloren gegangen. Man sollte überlegen, ob nicht alte Bautraditionen wieder stärker gepflegt werden sollten. Warum schaffen die Architekten es nicht, die Bauqualität von früher zu erreichen?« »Historisch ist ja immer relativ. Was ist denn eigentlich das schöne, alte Stadtbild, das wir wieder haben wollen? Sind es die barocken Bürgerhäuser, die Altbauten der Gründerzeit oder die Klinkerbauten?« »Für mich klingt das wie ›Früher war alles besser‹. Man muss auch mal nach vorne schauen. Es ist sicherlich schade, dass viele alte Gebäude verloren gegangen sind. Aber anstatt alles von früher nachzubauen, sollten wir die noch vorhandenen alten Gebäude erhalten.«


1 2030 gilt mehr denn je: Der Klimaschutz erfordert, dass Gebäude keine Wärme verschwenden. Lange herrschte Sorge, die Stadt könne ihr traditionelles Gesicht verlieren, da immer mehr Klinkerbauten gedämmt und verputzt wurden. Der einst heiß geführte Streit um das Thema ist aber Geschichte. Heute erfährt der Backstein eine Wiedergeburt: Dank hocheffizienter IsoKlinker wurden die verputzten Bauten wieder »zurückgeklinkert« – Wärmedämmung im Backsteinlook ist heute Standard. 32 / Eingereicht von Sandra

Flach, einfach, billig: Die noch verbliebenen Flachbauten aus der Nachkriegszeit zählen 2030 offiziell zum kulturellen Erbe der Stadt. Sie bieten die letzten bezahlbaren Nischen für nicht profitorientierte Aktivitäten und sind jetzt gesetzlich geschützt. Denn Hamburg sollte dichter werden – immer mehr Flachbauten wurden abgerissen. Heute weiß man, was man an den hässlichen Entlein der Nachkriegsstadt hat. 2

24 / Eingereicht von groenemeyer05

in einer Mischung aus Neubauten und Rekonstruktionen. Dabei entstand auch der 1873 abgerissene Kaiserhof wieder, mit seiner Sandsteinfassade eines der bedeutendsten Renaissancegebäude Hamburgs und einst eines der führenden Hotels der Stadt. 17 / Eingereicht von Fleet 6 Zu den schönsten Bauten innerhalb des Wallrings zählte bis zur Verlegung nach Uhlenhorst 1914 das Johanneum, die im 16. Jahrhundert von Johannes Bugenhagen gegründete Gelehrtenschule, das älteste humanistische Gymnasium der Stadt. Im Norden des Domplatzes, direkt neben der Markthalle, wurde das Johanneum 2026 wiederaufgebaut – eine Bürgerakademie, die universitäre Bildung für jedermann anbietet. 12 / Eingereicht von Julian Petrin 7 Die Ruine der ehemaligen Hauptkirche St. Nikolai galt über 80 Jahre lang als Mahnmal gegen den Krieg. Nach einem Bürgervotum wird der neugotische Kirchenbau aus privaten Spenden seit 2025 wiederaufgebaut –

als Zentrum des historischen Quartiers am Hopfenmarkt. 9 / Eingereicht von Nikolai 8 Der Hopfenmarkt war einst einer der wichtigsten innerstädtischen Märkte Hamburgs. Dort fand der Hamburger Großmarkt seinen Ursprung. Durch den Wiederaufbau wurde die Hofstruktur des Platzes wiederhergestellt – dafür mussten die Gebäude der Deutschen Bundesbank sowie des Kirchenkreises Alt-Hamburg abgerissen und durch rekonstruierte historische Bauten ersetzt werden. 3 /

Eingereicht von smartyHH 9 Dieser nur scheinbar historische Bau polarisierte die Hamburger so sehr, dass der Investor bis heute anonym blieb: Auf dem Grundstück einer Stiftung mitten im neuen Michaelisquartier wurde das Wappen der Stadt Hamburg in Stein gebaut. Von vielen Hamburgern als »Disneyland-Tor« verspottet, ist es das beliebteste Fotomotiv bei asiatischen Besuchern.

0 / Eingereicht von Petra Hinrichsen

Von wegen Klinkerstadt: Vor dem Großen Brand 1842 prägten Renaissance- und Barockbauten das Bild der Hansestadt. Diese Facette wird seit 2020 wiederbelebt: In der City sind mehrere kleine historische Quartiere nach historischem Vorbild wieder entstanden. Ist das noch lebendige Stadt oder eine Art Disneyland? Die Bedenken der Denkmalschützer und Architekturkritiker konnten sich nicht durchsetzen. 3

21 / Eingereicht von Wolfgang Lütters

Ein Highlight in den wiederaufgebauten Quartieren: das Baumhaus am Baumwall. 1857 wurde die architektonisch einmalige Zollstation an der Zufahrt zum früheren Binnenhafen abgerissen. 2023 begann man, die vom Verkehr zerschnittene Alstermündung zum historischen Quartier umzugestalten und das Baumhaus nah am originalen Standort wiederaufzubauen. 4

18 / Eingereicht von smartyHH 5 Auch der einstmals unwirtliche Bereich der Trostbrücke und der Hopfenmarkt wurden neu gestaltet –

Hamburg rekonstruiert

Typisch hamburgisch

von Etta D. Ehlers

von Rüdiger Harms

»Hamburg wurde im Zweiten Weltkrieg stark zerstört. Deshalb sollten einige architektonisch besonders wertvolle Gebäude wie das Johanneum und das Alte Baumhaus rekonstruiert werden. Die historische ›Keimzelle‹ Hamburgs, der Domplatz, wo die Hammaburg einmal stand, sollte zu neuem Leben erweckt werden. Statt gesichtslose, austauschbare Architektur zu bauen, sollte wieder mehr Vielfalt in die Stadt einkehren.«

»Es sollte wieder mehr ›typisch‹ Hamburgisches geben, dafür weniger ›Internationalisierung‹. Unser Flughafen soll ›Flughafen‹ heißen und nicht ›Airport‹. Unsere Einkaufszentren sollen nicht von den gleichen Filialisten betrieben werden wie überall, sondern von regionalen Anbietern. Das macht Hamburg unverwechselbar.«

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04 Die verantwortungsvolle Stadt Städte tragen Verantwortung: für den Klimawandel, der hier in erster Linie verursacht wird, für soziale Gerechtigkeit, die hier besonders stark sichtbar wird. Oder für das Wohlergehen ihrer Bürger, für das vor allem die Regierenden verantwortlich sind. Hamburg ist sich 2030 seiner Rolle noch bewusster. Es erzeugt und spart Energie zugleich und auf allen Ebenen. Es versucht, sein Tempo zu halten, ohne die Langsamen abzuhängen. So mancher Spagat geht an die Schmerzgrenze. Aber manchmal tut es weh, fit zu bleiben.

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Eine Stadt fĂźr alle Neue Energiequellen Energie sparen Der Ă–ko-Alltag

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04 Die verantwortungsvolle Stadt

Eine Stadt für alle

»Es ist äußerst wichtig, dass die Wünsche der Kinder stärker gehört werden. Es fehlt definitiv an Orten für Kinder und Jugendliche in der Stadt. Aber haben wir nicht künftig mehr alte Leute?«

Schon Anfang des Jahrhunderts galt Hamburg als sozial gespalten. Manche Teile der Stadt waren regelrecht vom Wohlstand der Stadt abgeschnitten. Die Reichen im Zentrum, die Armen am Rand: Bis 2020 ging die soziale Schere zwischen unterschiedlichen Teilen der Stadt immer weiter auf, trotz aller Bemühungen der Politik. Mit den »Dach überm Kopf«-Unruhen und gewalttätigen Besetzungen

»Wer soll das denn bezahlen? Die Kirche? Die Stadt? Wir alle?«

»Ist es nicht makaber, die Obdachlosen in die Bunker zu verbannen? Man müsste sie mal fragen, ob sie dort überhaupt schlafen wollen, oder ähnlich.«

der frühen 2020er-Jahre war der Höhepunkt erreicht. Seitdem scheinen die Maßnahmen auf dem Wohnungsmarkt zu greifen. Besonders die Angebote für die immer zahlreicheren Obdachlosen haben spürbar zur Befriedung der Gesellschaft beigetragen. Einige Maßnahmen erscheinen wie ein Tropfen auf dem heißen Stein, manch dickes Brett will erst noch gebohrt werden. Und noch lange ist die Schere nicht

Low-Cost-Quartier am Grindel

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Dionisio González / www.dionisiogonzalez.es

geschlossen. Aber sie ist auch nicht weiter aufgegangen.


1 2020 war der Anteil an Schülern mit geringen Deutschkenntnissen in Stadtteilen wie Billstedt oder Neugraben auf 95 Prozent gestiegen. Seit 2024 gilt die Regel: Klassen, in denen weniger als 70 Prozent der Schüler den Sprachtest bestehen, werden auf 15 Schüler begrenzt, die Schule erhält Extramittel für mehr Lehrkräfte.

40 / Eingereicht von Anna Karkowski 2 Düsseldorf machte 2009 den Anfang, es folgten immer mehr Städte: Kostenlose Kinderbetreuung gilt inzwischen als einer der Hauptstandortfaktoren im Einwohnerwettbewerb. Hamburg hat sich spät durchgerungen: Seit 2026 werden alle Kita- und Schulgebühren von der Stadt getragen.

36 / Eingereicht von Julian 3 Fast 700 Bunker gibt es in Hamburg, die meisten davon unterirdisch. Heute wird ein Teil der Anlagen im Winter für Obdachlose freigegeben. Aufsicht und Zuteilung der Schlafplätze übernimmt ein privater Verein.

26 / Eingereicht von Peter 4 Nach dem Vorbild des Stockholmer »Junibacken« hat auch Hamburg seit 2021 sein Kindermuseum. Hauptattraktion ist die märchenhafte Geisterbahn, die durch Szenen aus Büchern der Hamburger Autorin Kirsten Boie fährt. Besonders beliebt sind auch der Tobesaal und die riesige Kinderbuchhandlung. In den Sälen werden traditionelle Kindergeschichten aus unterschiedlichen Ländern vorgestellt. Kinder aus einkommensschwachen Familien haben freien Eintritt. 25 / Eingereicht

6 Neben Hamburgs bekanntester Hundewiese an der Alster steht der neue Alsterspielplatz, eine Mischung aus Skulpturenpark und Klettergarten. Auch Erwachsene nutzen gerne den von Künstlern gestalteten Parcours.

16 / Eingereicht von Fred 7 Hamburgs Low-Cost-Quartiere am Grindel und auf dem Kleinen Grasbrook gelten europaweit als Modell für Minimum-Wohnen mitten in der Stadt. Nicht einmal ein Drittel des durchschnittlichen Hamburger Quadratmeterpreises zahlt man hier fürs Wohnen. Was aus der Ferne wie eine Schwarzbau-Siedlung aussieht, gehört zum Feinsten des zeitgenössischen Bauens: Miniwohnungen mit Miniausstattung, aber maximal durchdachte Grundrisse und viel Licht. 15 / Eingereicht von

11 Man kennt sie aus Japan, die kleinen Box Hotels mit ihren winzigen Schlafkapseln, in die vornehmlich Geschäftsreisende einchecken. In Hamburg gibt es seit 2017 das Capsule Hotel St. Pauli, das Obdachlosen und Straßenkindern für einige Nächte kostenlose Unterkunft bietet. Jede der individuell gestalteten Kojen wird von einem Unternehmen gesponsert, die Anlage wird von Freiwilligen betreut.

3 / Eingereicht von Better Cities 12 Einen Treffpunkt der besonderen Art bietet das Oberhafenboot: Unter der Schirmherrschaft der Gemeinde St. Katharinen ist auf dem Wasser eine Begegnungsstätte für Jung und Alt entstanden. 1 / Eingereicht von

oberhafenlotse

Nexthamburg-Redaktion

Neben den vielfältigen Unterkünften für Hamburgs Wohnungslose trägt auch das Programm Null Obdachlosigkeit erste Früchte. Menschen ohne Wohnung können sich gezielt für soziale Aktivitäten anmelden und erhalten im Gegenzug ein Dach über dem Kopf – und einen Paten an ihre Seite. 15 / Eingereicht von Notna 8

9 Immer mehr Schulen beteiligen sich an Hamburgs Programm der Asylpartnerschaften. Kinder aus den beteiligten Schulen werden für jeweils drei Monate Paten eines Asylbewerbers und können so den harten Alltag und die Nöte der Flüchtlinge aus nächster Nähe kennenlernen. 10 / Eingereicht

von Sabine Kulau

von Julian

Die Pfade der Kindheit in Mümmelmannsberg und Billstedt begeistern die Kinder aus ganz Hamburg: Kleine Wege zwischen den großen Plattenbauten, offene Tunnelsysteme, Höhlen, Indianerpfade, Lehmhütten und Seilgärten wurden von den Kindern des Quartiers selbst gestaltet und sind zum beliebtesten Abenteuerspielplatz der Stadt geworden. 18 / Eingereicht von 5

Vera Bacchi

10 Mehr Raum für Rabauken: Der mobile Abenteuerspielplatz, der seine Basis auf dem Heiligengeistfeld hat, bietet Jugendlichen mit Bewegungsdrang eine Möglichkeit, sich auszutoben. Geboten werden Kampfsport, Rennparcours, die »Zertrümmer-Höhle« und vieles mehr, das außerhalb des Platzes zu Problemen führen könnte.

9 / Eingereicht von Anonym

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Die Vorschläge … lösen die Probleme der Stadt sind machbar passen zu Hamburg sind neu und spannend

»Stadt für alle« weiter denken: www.nexthamburg.de/stadtfueralle

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»Kreativ, aber wohl doch eher ein Tropfen auf dem heißen Stein. Mit Muskelkraft lassen sich unsere Energieprobleme nicht lösen.«

04 Die verantwortungsvolle Stadt

Neue Energiequellen Kraftwerk Stadt: Energie wird 2030 längst nicht mehr nur in Kraftwerken gewonnen. Geothermie, Biogas, Bewegungsenergie, Miniwindräder im Garten: Die Vielfalt der Energiequellen ist fast nicht mehr zu überschauen. Zu »virtuellen Kraftwerken« zusammengeschlossen, trägt jede Quelle ihren Teil zur Versorgung der Stadt bei. Der immer spürbarer werdende Klimawandel verlangte von allen Hamburgern die Offenheit, sich auf die neuen Wege der Energiepro-

»Dass jedermann Energie produziert, ist genau der richtige Weg. Was würde passieren, wenn der Strom nicht mehr aus der Steckdose kommen würde, sondern jeder sich selbst darum kümmern müsste?«

»Hm ... bei dem Parkkraftwerk sehe ich noch Fragezeichen. Sollten wir nicht dafür sorgen, dass es weniger Autos gibt, anstatt das Autofahren so zu fördern?«

duktion einzulassen, mochten sie noch so große Einschnitte in die bauliche Umgebung bedeuten. In Parkkraftwerken, auf den Dächern, beim Feierabendsport oder im Quartierskraftwerk um die Ecke: Energieerzeugung prägt das Stadtbild heute auf vielfältige Weise.

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1 Wie ein Smaragd funkelt das Parkkraftwerk in der Nordkanalstraße. Abgestellte Wasserstoffautos werden hier ans Stromnetz angeschlossen und versorgen die City Süd mit Strom. Der für die Energiegewinnung benötigte Wasserstoff wird dabei im Kraftwerk selbst produziert. In der Fassade und auf dem Dach sind spezielle Algenfarmen angebracht, denen das Gebäude seine grüne Farbe verdankt. 25 /

Eingereicht von Stephan Landau

TOP 20

2 Gyms, die Strom produzieren: das bedeutet, Kalorien für einen guten Zweck zu opfern. Über 50 Fitnessstudios sind in Hamburg nahezu energieautark. Heizung und Licht werden komplett über die Trainingsgeräte mit Energie versorgt. 64 / Eingereicht von

Paul Taaks

TOP 20

3 Der Hamburger Verkehrsverbund geht mutig voran. Das 2014 gestartete Programm, alle Bahnhofsdächer mit Solarpaneelen zu bestücken, ist immer noch einzigartig in Deutschland. Mittlerweile produzieren zwei Drittel aller Bahnhöfe klimaschonenden Solarstrom. 60 / Eingereicht von Martin Roehl

Die Alster ist das wichtigste Ziel für alle Hamburger Joggingfreunde. Das ist auch 2030 noch so, denn entlang der Strecke sind energieerzeugende Bodenplatten angebracht. Laufen durch den Alsterpark und dabei Ökostrom produzieren: Die stromerzeugende Joggingstrecke macht es möglich. 52 / Abgegeben im Zukunftscafé 4

5 Im Hafen liegende Schiffe galten als die größten Dreckschleudern der Stadt, denn die Dieselaggregate liefen auch während der Liegezeit weiter, um die benötigte Energie für den Ruhebetrieb des Schiffes zu produzieren. 2017 hatte Hamburg nach jahrelangen Diskussionen endlich die Landstromversorgung der Schiffe hergestellt. Der Effekt: weniger Lärm und weniger Abgase für die hafennahen Wohnquartiere. 44 / Eingereicht von Antje

8 Verpflichtend für jeden Neubau: Wer sich seinen Traum vom eigenen Haus erfüllen will, der muss mindestens die Hälfte seines Energieverbrauches durch Solaranlagen auf dem eigenen Grundstück produzieren. Ob in der Fassade, auf dem Dach oder durch Solarbäume im Garten: Solararchitektur ist inzwischen zu einer ganz eigenen Facette der Hamburger Baukultur geworden. 12 / Eingereicht von smartyHH

6 Jeder Hamburger kann 2030 zum Energieerzeuger werden. Genossenschaftlich betriebene Quartierskraftwerke erzeugen den Strom da, wo er verbraucht wird. Jeder Bewohner eines Quartiers kann investieren und damit auch sein Bewusstsein für den effizienten eigenen Energieverbrauch schärfen. 35 / Eingereicht von NH

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Bis zu drei Meter hoch sind die kleinen Windturbinen, die immer mehr Einfamilienhäuser Hamburgs prägen. Nach der Lockerung der Genehmigungsauflagen im Jahr 2015 und massiver Förderung seit 2019 werden immer mehr Miniwindkraftanlagen auf Hausdächern installiert. 30 / Einge-

»Neue Energiequellen« weiter denken:

bracht bei den Umwelthauptstadt-Dialogen

www.nexthamburg.de/neueenergiequellen

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Die Vorschläge … lösen die Probleme der Stadt sind machbar passen zu Hamburg sind neu und spannend

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04 Die verantwortungsvolle Stadt

Energie sparen, wo es geht Hamburg hortet seine Energie: Die Stadt hat sich den sparsamen Umgang mit Ressourcen mehr denn je auf die Fahnen geschrieben. Was spart, wird gefördert: Klimaschutzorientierte Wohngemeinschaften, Recyclinghäuser oder das Verbauen von Hafenschlick. Auch bei der Ästhetik des Bauens macht sich der Spartrieb bemerkbar. Überraschenderweise sind dabei Einfamilienhäuser mit ihren technischen und gestalterischen Lösungen Vorreiter. Selbst die strengen neuen Regeln zum Passivhausbau werden weithin akzeptiert: So stark ist das neue Sparbewusstsein der Hamburger.

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1 Freie Fahrt und dabei noch Energie sparen: Fast alle Ampeln in Hamburg haben ab 22 Uhr Feierabend und werden abgestellt. Erst zum morgendlichen Pendelverkehr erwachen sie aus ihrer Nachtruhe. Dies spart Energie, Wartungsaufwand und sorgt für ein entspanntes Fahren bei Nacht. 32 /

Eingereicht von Björn Groß 2 Bereits seit 50 Jahren gibt es sogenannte Earthships in den USA, energieautarke Häuser, die ausschließlich aus Recyclingmaterial wie PET-Flaschen und alten Autoreifen bestehen. Dieses Prinzip des nachhaltigen Bauens erlebte einen wahrhaften Boom. Über 200 dieser zukunftsweisenden Häuser sind vor allem in Hamburgs Vororten zu finden.

28 / Eingereicht von NH

4 Das Eigenheim im Grünen: Auch 2030 ist es noch ein Traum vieler Hamburger. Doch seit fünf Jahren ist das Passivhausgesetz in Kraft, nach dem in Einfamilienhausgebieten der Metropolregion die Gebäude so gedämmt sein müssen dass sie keine eigene Heizung mehr benötigen – in dieser Schärfe eine in Deutschland einmalige Regelung. 18 / Eingebracht

7 Der Umgang mit Hafenschlick ist ein typisch hamburgisches Problemthema. Hier geht die Hansestadt mittlerweile kreativere Wege. Der gereinigte Schlick wird in den Harburger Bergen zur Landschaftsgestaltung verwendet – neue »Berge« mit Freizeitmöglichkeiten wie eine Sommerrodelbahn und ein Panoramarestaurant sind in den letzten Jahren entstanden. 3 / Eingereicht von

bei den Umwelthauptstadt-Dialogen

nairobi

5 Noch 2011 wurde in der Hafencity für die Pflasterung am Sandtorpark Naturstein aus China verwendet. Heute, im Jahr 2030, ist das undenkbar. Die Stadt hat sich mit dem Fair PlaceSiegel verpflichtet, bei der Auswahl der Baumaterialien für Außenräume auf Transportwege und den Energieaufwand bei der Herstellung zu achten.

12 / Eingereicht von smartyHH

Seit 2018 gilt das Gesetz, dass Leuchtwerbungen nur aus erneuerbaren Energiequellen betrieben werden dürfen. Mittlerweile zeigt sich der Trend, dass Solarpaneele gestalterisch geschickt mit Leuchtwerbung kombiniert werden. Die ökologische Werbebotschaft kommt an. 22 / 3

Eingereicht von Tobias Gloger

Genossenschaftliche Wohnprojekte haben seit Jahren Konjunktur – auch eine Folge des angespannten Wohnungsmarktes. Zunehmend entstehen Klimaschutzorientierte Mehrfamilienhäuser. Junge und alte Klimaschützer erproben neue Wege, wie gemeinschaftliches Wohnen zu weniger Treibhausgasen führen kann. 6

10 / Eingebracht bei den Umwelthauptstadt-Dialogen

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Die Vorschläge … lösen die Probleme der Stadt sind machbar passen zu Hamburg sind neu und spannend

»Energie sparen« weiter denken: www.nexthamburg.de/energiesparen

»Ampeln nachts ausstellen: Wollen wir wirklich Umweltschutz gegen Sicherheit tauschen?« »Ich finde es gut, bei den Einfamilienhäusern zu beginnen. Davon gibt es so viele. Hier sollte noch mehr experimentiert werden. Zum Beispiel Umbauten mit Recyclingmaterial.« »Ich will nicht voll gedämmt durch die Gegend laufen. Wird nicht schon genug für die Umwelt getan?«

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»Klingt ja nett. Aber wie soll ich mir einen Öko-Alltag leisten? Zahlt mir das, und ich bin dabei.«

04 Die verantwortungsvolle Stadt

Der Öko-Alltag

»Alles kann ja nicht aus der Region kommen. Kaffee aus der Lüneburger Heide wäre mir bestimmt etwas zu dünn. Und der saisonale Aspekt ist eher der entscheidende. Wenn ich im Juni unbedingt Äpfel essen will, ist es vielleicht besser, sie um die ganze Welt zu verschiffen, als sie fast ein Jahr lang hier im Kühlhaus aufzubewahren.«

Schon lange liegen gesunde Ernährung und verantwortungsvoller Konsum im Trend: Was soll, was darf man essen? Welche Produkte sind fair gehandelt? Wie groß ist der ökologische Fußabdruck meines Haushalts? Nach dem Bio-Boom zu Beginn des 21. Jahrhunderts erinnert der Konsum 2030 eher an die Zeiten der Groß- und Urgroßeltern. Das Manufactum-Prinzip hat fast alle

»Ich befürchte, vieles kann Hamburg im Alleingang gar nicht umsetzen. Wie können wir auf nationaler und europäischer Ebene für mehr Öko im Alltag sorgen?«

Bereiche erobert: Produkte mit Geschichte und Herkunft, qualitativ hochwertig und etwas teurer, werden überall angeboten. Kleine Tante-Emma-Läden mit regionalen Produkten sind noch immer en vogue, wenn auch die großen Discounter weiter starken Zulauf haben. Denn leider ist ökologisch verantwortungsvoller Konsum noch immer eine Frage des Geldbeutels. Sag mir, was du kaufst, und ich sag dir, wer du bist: Das gilt heute mehr denn je.

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1 Das Alte Land liegt vor den Toren der Stadt, und die Bio-Landwirtschaftsflächen in Schleswig-Holstein sind auch nur einen Katzensprung entfernt: die Region als Bio-Lieferant. Jeder Supermarkt hat 2030 seine Abteilung »Aus der Region«. Die Produkte sind hier nicht in endlosen Reihen angeordnet, sondern liebevoll auf einer im Boden eingelassenen Karte der Region entsprechend ihrem Herkunftsort platziert. 45 / Eingereicht von Stefan 2 Saisonale Lebensmittel verursachen weniger Kohlendioxid und schonen die Umwelt, das haben nicht nur die Supermärkte eingesehen. Schulen und Kitas haben Lebensmittelkunde auf den Lehrplan gesetzt und bringen auch den kleinsten Hamburgern bei, dass es heimische Äpfel und Birnen eigentlich erst ab August gibt.

5 Über 10 Millionen Tonnen Lebensmittel landeten noch vor zwanzig Jahren jährlich in Deutschland im Müll, viele direkt aus dem Verkaufsregal. Seit 2016 sind Geschäfte verpflichtet, Lebensmittel kurz vor dem Verfallsdatum an die Tafel oder andere lokale Hilfsorganisationen zu spenden. 24 / Eingereicht bei

9 Schnell einmal einen Kaffee »to go« und ab zum nächsten Termin: Das hat sich auch 2030 nicht geändert. Doch anstatt den Becher nach dem Kaffeegenuss in den nächsten Mülleimer zu werfen, kann der Pfand-Kaffeebecher im nächsten Café wieder zurückgegeben werden. 14 / Abgegeben im

den Umwelthauptstadt-Dialogen

Zukunftscafé

6 Er liegt überall aus, wo Menschen ihre Feier planen: der Leitfaden ÖkoEvents. Denn besonders bei Geburtstags-, Hochzeits- oder Firmenpartys werden gute Vorsätze häufig über Bord geworfen. Die Broschüre bietet Tipps, wie man Pappteller vermeidet, Torten nur aus saisonalen und regionalen Produkten backt und wie sich der Kohlendioxidausstoß von Großmutters neunzigstem Geburtstag berechnen lässt.

10 Bereits vor 20 Jahren war es für den nachhaltigen Konsumenten selbstverständlich, auf Plastiktüten zu verzichten und die Einkäufe im mitgebrachten Jutebeutel zu verstauen. 2030 geht man noch einen Schritt weiter: Gut vorbereitet, hat man eigene Töpfe beim Blumenkauf, MehrwegBrötchentüten und die eigene Lunchbox für das Essen zum Mitnehmen dabei. 13 / Eingereicht von Max und

16 / Eingereicht von Alexander

andere (abgegeben im Zukunftscafé)

36 / Abgegeben von Amina und Kathrin im Zukunftscafé 3 Hans Hummel lädt zu einem erfrischenden Schluck Wasser ein: Über 100 Trinkwasserspender sind seit 2020 errichtet worden. Liebevoll gestaltete Bronzefiguren des berühmten Hamburger Wasserträgers zeigen, wo sich jeder Passant an heißen Tagen mit dem kühlen Nass versorgen kann.

27 / Eingereicht bei den Umwelthauptstadt-Dialogen

Hamburg hat dem Verpackungswahn den Kampf angesagt. Seit 2025 gibt es strenge Auflagen für alle Produkte, die in Hamburg verkauft werden. Dreifach verpackte Schokolade, Plastiktüten im Supermarkt und Einweggeschirr beim Imbiss um die Ecke: Das ist 2030 verboten. Hamburgisch verpackt ist inzwischen zum geflügelten Begriff für eine auf das Nötigste reduzierte Verpackung geworden. 7

15 / Abgegeben im Zukunftscafé

Im Jahr 2030 ist man beim Einkaufen mit Hightech unterwegs. Vor allem ältere Menschen schwören auf den solarbetriebenen Hackenporsche, der bei Bedarf mit einem kleinen Elektromotor auch selbst fahren kann. Im Gestell befindet sich eine ausfahrbare Plattform, auf der man sich im Stehen umherfahren lassen kann. Teurere Modelle besitzen sogar eine Kühlbox, die Speisen auch im Sommer frisch hält. 11

9 / Abgegeben von Marina im Zukunftscafé

4 Auch Supermärkte haben sich beim Bauen der Nachhaltigkeit verschrieben. Statt zweckmäßiger Fertigfassaden schmücken nun kunstvolle vertikale Gärten die einst uniformen Konsumkisten. Durch intelligente Beleuchtungskonzepte und viel Tageslichtnutzung kann tagsüber auf künstliche Beleuchtung verzichtet werden. 24 / Einge-

8 Seit 2021 ist gedruckte Werbung, die per Postwurfsendung im Briefkasten landet, in Hamburg komplett verboten. Werbeflyer und Prospekte dürfen nur noch über digitale Kanäle zugestellt werden. 15 / Abgegeben von Gert im

Zukunftscafé

reicht bei den Umwelthauptstadt-Dialogen

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Die Vorschläge … lösen die Probleme der Stadt sind machbar passen zu Hamburg sind neu und spannend

»Öko-Alltag« weiter denken: www.nexthamburg.de/oekoalltag

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Persönliches Szenario 04 Die verantwortungsvolle Stadt

Die Umweltkarte für Hamburg – Prämiensystem für nachhaltiges Verhalten »bahn.bonus«, »Payback«, »Miles and More« – Menschen lieben Bonuspunkte und Prämien! Geld ist schließlich knapp. Zeit ist allerdings auch knapp. Kaum jemand kann sich vor dem Einkaufen ausreichend über umweltfreundliche Produkte informieren. Dabei hilft jetzt die Umweltkarte, die die Verbraucher dafür belohnt, etwas Richtiges zu tun: zum Ökostromanbieter wechseln, eine Bio-GemüseKiste abonnieren, mit dem HVV fahren, beim Carsharing mitmachen, alte Handys zum Recycling geben und in grüne Geldanlagen investieren. Doch was bekommt man für die Umweltpunkte? Hier liegt die Besonderheit: Die Umweltpunkte können nur für umweltfreundliche Dinge eingelöst werden: beim Kauf eines Öko-Waschmittels oder stromsparender LED-Leuchten, für die Probefahrt eines e-Mobils oder für eine Energiesparberatung. An der Kasse wird die Umweltkarte überall gerne gezückt, denn sie ist vielseitig verwendbar und zeigt, dass man Gutes tut für sich und seine Stadt.

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von Kathrin Latsch und Ludwig Schuster

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1 Die Stadt Hamburg ist mit von der Partie. Nicht nur der lokale Einzelhandel, auch die Verkehrs- und Logistikbetriebe, die Energieversorger, die Organisationen der ökologischen Landwirtschaft in der Metropolregion und die Stadtreinigung beteiligen sich am Prämiensystem der Umweltkarte. Im Beirat überprüfen Umweltexperten, ob die Kriterien für die Punktevergabe stets den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechen. 2 Damit die Umweltkarte bei den Bürgern schnell attraktiv wird, gibt es fürs Mitmachen bereits 100 Umweltpunkte Startguthaben. Bonuspunkte sammeln geht auch ganz leicht von zu Hause aus: Für jeden Prozentanteil Ökostrom, das man bezieht, erhält man 10 Umweltpunkte. Und für jedes Prozent, den der Pro-Kopf-Stromverbrauch unter dem Hamburger Durchschnitt liegt, weitere 50 Umweltpunkte. Gleiches gilt für den Wärmeverbrauch. Auf allen in Hamburg verkauften Elektrogeräten zeigt ein Aufkleber, wie viele Umweltpunkte beim Kauf angerechnet werden können. Dabei kommt es neben dem Energieverbrauch auch auf die Langlebigkeit und Recyclingfähigkeit des Produktes an. Kleinere Anschaffungen wie Energiesparleuchten können sogar ganz mit Umweltpunkten bezahlt werden – die gibt es schon ab 20 Punkten.

3 Besonders viele Umweltpunkte kann man verdienen, wenn man sich für eine HVV-Monatskarte (ca. 50 Umweltpunkte) oder sogar ein Jahresabonnement entscheidet (1.000 Umweltpunkte). Der Clou: Die neue HVV-Card kann jeder bestellen, auch diejenigen, die gerade keine Fahrkarte brauchen, denn sie funktioniert zugleich als persönliche Umweltkarte. 4 Umweltpunkte ausgeben kann auch ein purer Genuss sein: Verschiedene Restaurants bieten Bio-Menüs an, für die ausschließlich heimische Produkte verwendet werden. Dazu gibt es einen zertifizierten Wein aus kontrolliert ökologischem Anbau. Stammkunden belohnt das Restaurant wiederum mit Umweltpunkten. 5 Jeden Tag eine gute Tat – Umweltpunkte müssen nicht immer mit Konsum verbunden sein: Auch sorgfältige Mülltrennung, die Abgabe recycelbarer Materialien, die Teilnahme an kostenlosen Infoveranstaltungen oder das Engagement in einer Umweltinitiative werden mit Punkten prämiert. 6 Die Umweltkarte hat Erfolg: Fünf Jahre nach ihrer Einführung hat der private Autoverkehr in der Hamburger Innenstadt spürbar abgenommen. Immer mehr Hamburger sind umgestiegen auf das Stadtrad, auf Busse und

Bahnen oder nutzen Umwelt-Taxis und das Carsharing. So konnte auch der HVV sein Angebot ausbauen. Er hat vor allem für bessere Möglichkeiten gesorgt, Fahrräder mitnehmen zu können – auch zu den Hauptverkehrszeiten. An vielen Stationen sind Fahrradwerkstätten erfolgreich, die die Zweiräder innerhalb eines Tages reparieren – ein Service, den man selbstverständlich mit Umweltpunkten bezahlen kann. In Hamburg werden auch immer mehr Waren mit Elektrowagen leise transportiert. Wer sich seine Einkäufe auf diese Weise nach Hause liefern lässt, kann ebenfalls Umweltpunkte sammeln. 7 Im Jahr 2030 nutzen Millionen Menschen die Umweltkarte, wodurch sich die Wirtschaft nachhaltig verändert hat. Umweltfreundliche Produkte zahlen sich aus, denn die Nachfrage und die Kaufkraft wurden so langfristig gestärkt. In Hamburg hat man die große Chance erkannt, und dieses erste Belohnungssystem für umweltfreundliches Verhalten hat gut 15 Jahre später Schule gemacht: Ob in Berlin oder Frankfurt, London oder Paris – vor allem in den Metropolen werden Umweltpunkte gesammelt und eingetauscht. Das hat nicht nur die Umwelt geschont und die Städte lebenswerter gemacht, sondern auch die grüne Wirtschaft beflügelt und den Menschen viele finanzielle Vorteile geschenkt.

»Super! Die Bonuskarte setzt an der richtigen Stelle an. Tolle Ideen, wie man nachhaltiger konsumieren kann, hat ja jeder. Bloß bei der Umsetzung hapert es dann meistens. Da hilft die Karte bestimmt.«

»Ein interessantes Konzept. Wichtig ist, dass man durch die Bonuspunkte wirklich die Nachhaltigkeit fördert. Die meisten Bonuskarten sollen ja eigentlich erreichen, dass mehr konsumiert wird, und das ist ja nicht im Sinne der Nachhaltigkeit. Spannend wird es, ob man die verschiedenen Akteure dazu bringt, mitzumachen.« »Gibt es nicht schon genug Karten? Da steigt doch keiner mehr durch. Und überhaupt: Was passiert mit meinen Daten? Wird hier protokolliert, ob ich nachhaltig konsumiere? Weiß dann der HVV, was ich morgens zum Frühstück esse? «

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05 Die experimentierfreudige Stadt

Unordnung erwünscht Wie viel Experiment verträgt die Stadt? In den vergangenen 8

Jahrzehnten hat sich die Lust am Ungeplanten weiter Raum verschafft. Brachen wurden besetzt, Leerstände gemeldet, Gärten und Treffpunkte aller Art gegründet – meist ohne dass jemand vorher um Erlaubnis gefragt hatte. Was zunächst immer wieder zu Konflikten führte, ist heute, im Jahr 2030, Teil der Stadtkultur. Gemeinwohl schlägt Eigentum: Raum, den keiner nutzt, darf von anderen genutzt werden, wenn es der Allgemeinheit dient. Was aber dient der Allgemeinheit? Bei jedem Projekt flammt der Streit um diese Frage erneut auf. Aber allen Vertretern der Stadt ist klar: Räume für Spontanes und »Unordentliches« sind so wichtig wie Straßen oder Stromleitungen. Denn nur so findet auch das Neue, das noch nicht Erprobte

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und Profitable seinen Platz.

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1 Seit 2010 hat Hamburg seinen Leerstandsmelder. Online können leer stehende Läden, Büros oder Wohnungen gemeldet werden. An Bedeutung hat der Leerstandsmelder seit der neuen Zwischennutzungsverordnung gewonnen: Was ein halbes Jahr lang durchgehend und nachweisbar leer steht, wird von der Stadt zur geregelten Zwischennutzung freigegeben.

90 / Eingereicht von Franziska Schilling, René Gabriel, Julian Sippel, Teresa

TOP 20

2 Freiraum Straße. Einmal im Jahr treten Hamburgs Straßen in den Wettstreit: Die Anwohner können sich mit guten Ideen dafür bewerben, dass ihre Straße zeitweise verkehrsfrei wird. Die Straße mit dem besten Konzept wird ein Jahr lang zur Fußgängerzone. Außerdem erhält sie Mittel, um Fassaden und Fahrbahn nach eigenem Gusto umzugestalten und Aktivitäten durchzuführen – ohne die üblichen rechtlichen Einschränkungen. 57 / Eingereicht von

4 Sie gehören zu Hamburgs beliebtesten Events: die Sperrmüllnächte. Jeweils am ersten Donnerstagabend des Monats darf auf eigens eingerichteten Sammelflächen Sperrmüll abgeladen werden. Freitag früh werden die alten Gegenstände abgeholt. An vielen Orten ergeben sich Flohmärkte, meist von spontanen Partys begleitet. Der angeblich beste Sperrmüll-Spot liegt in Barmbek-Süd. 47 / Eingereicht von

7 Hamburgs Offene Uni ist ein Exportschlager. Das Prinzip: Für jeweils einen Monat macht das Containerdorf Station an einem öffentlichen Ort. Die Bewohner der Umgebung können in dieser Zeit Kurse anbieten – vom Gärtnern, Kochen bis hin zu wissenschaftlichen oder künstlerischen Aktivitäten. So bietet jede Station ihre eigenen »Fakultäten«. 29 / Eingereicht von Anne

Marnie beim Workshop Kreative Stadt

8 Das Häuschen im Grünen wird zur Experimentierzone: Immer mehr Einfamilienhaus-Nachbarschaften im Speckgürtel schließen sich dem Programm Freiwild Stadt an. In den teilnehmenden Gebieten wird der Bau neuer Häuser gefördert. Dabei werden Art und Maß der Nutzung von den Bewohnern selbst festgelegt – Gestaltungsregeln gelten ansonsten keine. Märchensiedlung, viktorianische Stadt oder Technoville: Manche Siedlung ist ein echter Touristenmagnet geworden.

5 Er war das Paradies der Zwischennutzer: der Kreativraum an der Elbe. Während der Bauzeit des ElbuferTunnels wurden die späteren Grundstücke des Uferquartiers in St. Pauli für spontane Nutzungen freigegeben. Eine Vermittlungsagentur koordinierte die Interessenten. Während der zweijährigen Kreativraumphase wurden so die gemeinschaftlichen Nutzungen für das spätere Wohnquartier gefunden.

34 / Eingereicht von Jan Haack

10 / Eingereicht von Antje

Sebastian

Straßenküchen kannte man bis vor Kurzem nur aus Asien. Seit einigen Jahren sind sie auch in Hamburg erlaubt. Am beliebtesten sind die afrikanischen Stände – Essen wie in Lagos oder Nairobi. 46 / Eingereicht von Sandra 3

6 Seit 2019 gehört er zum Standardrepertoire der Hamburger Stadtentwicklung: der Kreative Acker. Brachliegende Grundstücke werden von der Stadt gepachtet und mit einem Standard-Set von mobilen Kleinsträumen zu Kreativräumen für die Nachbarschaft. Hier darf gewerkelt, gemalt, musiziert und diskutiert werden. 44 /

Eingereicht von Daniel Schnier

9 Guerilla Gardening ist aus Hamburg nicht mehr wegzudenken. Über 200 öffentliche Grünflächen wurden seit 2012 von Aktivisten der Szene teils in Nacht-und-Nebel-Aktionen umgestaltet. Anfangs bekämpft, später geduldet, setzt die Stadt inzwischen auf die Gartenretter und verleiht jährlich einen Preis für den besten GuerillaGarten. 8 / Eingereicht von SPHH

»Das ist mir zu viel Chaos. Wer bestimmt, wer zwischennutzen darf? Kommen da nicht wieder nur die Schnellen und gut Organisierten zum Zug? Und wer garantiert mir, dass die Zwischennutzer auch wieder gehen, wenn ich bauen will?«

»Ich wünsche mir weniger Regeln. Es sollte aber darauf geachtet werden, dass es bei den Straßenküchen hygienisch zugeht und die Straßen bei aller Kreativität nicht vermüllt werden.«

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Die Vorschläge … lösen die Probleme der Stadt sind machbar

»Wie soll ›Freiwild Stadt‹ funktionieren? In den Einfamilienhausgebieten wollen die Menschen doch ihre Ordnung. Wenn sie dann mal beim Bauen kreativ werden, kommen doch eher merkwürdige Anbauten und Balkonkonstruktionen bei raus.«

passen zu Hamburg sind neu und spannend

»Unordnung« weiter denken: www.nexthamburg.de/unordung

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05 Die experimentierfreudige Stadt

Vernetzte Nachbarn

»Die Schulen sollten im Quartiersleben eine Schlüsselrolle einnehmen, nicht nur als Erziehungsorte für die Kinder. Grundsätzlich sollten auch Vereine und Initiativen die Schulräumlichkeiten nutzen dürfen.«

Die Stadt als Dorf: Der Trend zum gemeinschaftlichen Leben im Quartier hat bis 2030 auch Stadtteile erfasst, in denen früher nur nebeneinanderher gelebt wurde. Selbst in Einfamilienhausgebieten und Siedlungen am Stadtrand haben sich ähnlich reiche nachbar-

»Warum brauche ich eine OnlinePlattform für meine Nachbarschaft? Die ältere Dame von nebenan macht da eh nicht mit. Und mit meinen Kumpels treffe ich mich lieber draußen.«

schaftliche Netzwerke gebildet wie in den zentralen Stadtteilen. So manche Lücke der sozialen Versorgung wird auf diese Weise geschlossen. Entstanden sind Angebote, die ohne die neue Gemeinschaftlichkeit nicht denkbar gewesen wären.

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»Vernetzte Nachbarschaften sind schön und gut, sorgen aber dafür, dass sich abgegrenzte Cliquen in der Stadt bilden. Die Quartierdates wären da ein guter Ansatz.«


1 Das Wilhelmsburger Bildungszentrum »Tor zur Welt« machte 2013 den Anfang, heute hat fast jeder Stadtteil der Stadt seine Vensterschool. Die Grundidee dieses Schulkonzepts: Alle Bildungs- und Sozialeinrichtungen im Quartier werden in einem einladenden Bau zusammengeführt, der Schule und Sozialzentrum zugleich ist. Manche Vensterschool ist zum Zentrum des Stadtteils geworden. 45 / Eingereicht

4 Unter der Überschrift Versuchsraum – Labor für soziale Ideen eröffnete 2016 im neuen HafencityQuartier am Lohsepark ein temporärer Bau, in dem Bürger und Experten gemeinsam an sozialen Projekten und einer Charta der »Neuen Verantwortung« arbeiten. Diese Charta soll als Regelwerk für neue Quartiere das Miteinander von Alt und Jung und Arm und Reich in der Stadt sichern und stärken.

Hamburgs Kaffeeklappen gehörten einst zum Hafen wie die Kräne: Hier konnten die Arbeiter preiswert Speisen und Kaffee kaufen. Dabei ging es auch darum, den Alkoholkonsum einzudämmen. Seit 2015 sind die Kaffeeklappen in immer mehr Quartieren wieder eingezogen, meist von Anwohnern betrieben und von der Stadt gefördert. Sie bieten Speisen und Nachbarschaftshilfe und sind wichtige soziale Treffpunkte.

2030 hat fast jeder Hamburger Stadtteil seine Tauschbörse – ein kleines Ladenlokal mit Schaufenster, in dem Nachbarn ihre nicht mehr gebrauchten Gegenstände zum Tausch anbieten können. Eine Online-Plattform informiert über den Bestand – vor Ort kann der Zustand des Angebots überprüft werden. 27 / Abgegeben im

44 / Eingereicht von Peter Bollmeyer

Hamburgs philosophische Salons sind ganz besondere Treffpunkte. Um 2015 sind die ersten dieser nachbarschaftlichen Debattierräume entstanden. Sie sind eine Mischung aus lokalpolitischer Denkfabrik und Orientierungshilfe zu wichtigen Fragen der Zeit. Sie funktionieren nach dem Barcamp-Prinzip. Welches Thema diskutiert wird, hängt von der Resonanz in der Nachbarschaft ab. 20 /

Der digitale Nachbarschaftstreff, eingeführt 2014, ist auch 2030 noch eine der meistgenutzten Online-Plattformen Hamburgs. Mit dem Anschalten des eigenen Rechners ist man automatisch mit der Nachbarschaft verbunden und erfährt, was gerade im Quartier aktuell oder abends los ist. Das Besondere: Die Nachbarschaftstreffs werden von den Bürgern des Quartiers verwaltet. 38 / Eingereicht von Ali 3

18 / Eingereicht von Antje

28 / Eingereicht von Ulrich

von Christa Osterwold 2

7 Schwimmbäder sind in Hamburg an manchen Orten rar gesät. Bürger haben selber begonnen, die Lücken zu schließen, und Genossenschaften gegründet, um Badeanstalten selbst zu betreiben. 2021 wurde das erste Nachbarschaftsbad eröffnet. Mitglieder zahlen nur ihren Jahresbeitrag, alle anderen ganz normal Eintritt. Über 30 solcher Quartiersbäder gibt es 2030 in Hamburg.

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Zukunftscafé

8 Sie sind die großen Schwestern der Quartiers-Tauschbörsen: die Bauteilebörsen, von denen es 2030 bereits 25 in Hamburg gibt. Nachbarn können in den Sammelräumen alte oder überzählige Baumaterialien und Bauteile zum Tausch anbieten. Interessenten informieren sich online über das Angebot. Besonders in den sich stark wandelnden Einfamilienhausgebieten sind die Bauteilebörsen beliebt. 12 /

Eingereicht von Bob 6

Eingereicht von Hans-Uwe Langelotz

9 Quartierdates sind Veranstaltungen, an denen einzelne Stadtteile aufeinandertreffen und sich austauschen. Sie werden von der Verwaltung geschätzt und bewusst durch öffentliche Einrichtungen gefördert. Das Ziel: Menschen aus unterschiedlichen Quartieren sowie Milieus lernen sich kennen, berichten von eigenen Projekten im Stadtteil und lernen voneinander. Per Los werden regelmäßig zwei teilnehmende Quartiere ausgewählt und von Vereinen, Schulen, ansässigen Arbeitsstätten und anderen aktiven Quartierseinwohnern beim Date vertreten. Getroffen wird sich jeweils in einem der beiden Quartiere, natürlich an den jeweiligen Lieblingsorten der Bewohner. Erarbeitet auf der Session No. 4

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Die Vorschläge … lösen die Probleme der Stadt sind machbar passen zu Hamburg sind neu und spannend

»Vernetzte Nachbarn« weiter denken: www.nexthamburg.de/vernetztenachbarn

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05 Die experimentierfreudige Stadt

Anders mitgestalten Demokratie 2.0: Regieren ist 2030 nicht mehr das, was es noch vor 20 Jahren war. Das Prinzip der Repräsentation, das Kreuzchen auf dem Wahlzettel alle vier Jahre – längst gibt es neue Formen der Mitbestimmung und vor allem auch neue Orte wie die Dialogcafés oder das neue Bürgerforum in der Hafencity. Volksentscheide sind neu geregelt, und die verkleinerten Bezirke spiegeln viel besser die lokalen Eigenheiten der einzelnen Stadtgebiete wider. Die Geschicke der Stadt Hamburg werden heute von mehr Männern und Frauen gelenkt als je zuvor. Dass dadurch auch Umwege in Kauf genommen werden müssen, ist Teil dieser Entwicklung.

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1 2026 war es so weit: Mit dem Dialogcafé in Rönneburg bekam auch der letzte der 104 Hamburger Stadtteile seine lokale Politikwerkstatt. In den gut zugänglichen Räumen werden Pläne vorgestellt, Beschlüsse für den Stadtteil diskutiert und Initiativen fürs Quartier vorgestellt. In allen 104 Dialogcafés gilt: Kaffee und Snacks gibt es umsonst – schließlich ist gemeinsame Stadtentwicklung Bürgerarbeit. Eigene Formen der Dialogcafés gibt es an den Schulen: Jeweils in der vierten und in der zehnten Klasse setzen sich Schüler aller Schulformen intensiv mit den Themen ihres Stadtteils auseinander. Dabei arbeiten sie eng mit den Dialogcafés zusammen – eine Hamburger Besonderheit, die inzwischen bundesweit Schule gemacht hat. 45 / Eingereicht

von Isabel und Nexthamburg-Redaktion

2 Die Schließung der Blohm + VossWerft war Anlass für die Gründung der Hamburg AG. Jeder in Hamburg registrierte Bürger hat seit 2023 das Recht auf Mitsprache bei Entscheidungen in den für die Stadt strategisch wichtigsten Unternehmen. Das Maß der Beteiligung ist jedoch begrenzt. Durch die Aufsplitterung der Anteile konnten bis heute feindliche Übernahmen verhindert werden – die Bürger können jetzt bei standortrelevanten Unternehmensentscheidungen mitbestimmen. 21 /

Eingereicht von Nexthamburg-Redaktion

Seit 2017 sind Volksentscheide in Hamburg neu geregelt. Sie werden von einer neutralen Schiedsstelle durchgeführt, die von beiden Parteien zu gleichen Teilen Mittel erhält und Manipulationen ausschließt. Bezirksgrenzen gelten nicht mehr: Abstimmen dürfen all jene Stadtteile, die betroffen sind. Und jeder Volksentscheid muss zu Beginn ein Quorum, also eine Teilnahmequote von 33 Prozent, erreichen. 3

19 / Eingereicht von Julian Petrin

4 Die bedeutendste Reform der vergangenen 20 Jahre war die 2028 vollzogene Neugliederung der Hamburger Bezirke. Statt sieben großer und unübersichtlicher Kommunen besteht Hamburg nach Wiener Vorbild nun aus 22 deutlich kleineren und bürgernäheren Bezirken. 18 / Eingereicht von

Histor 5 Lange war diese Idee umstritten: Das Hamburger Stadtparlament soll umziehen? 2024 konnten sich die Befürworter in einem Volksentscheid durchsetzen. Das Rathaus dient nun nur noch der Repräsentation und der Verwaltung. Die Bürgerschaft tagt nun im Bürgerforum in der Hafencity, einem gläsernen Bau, der allen offensteht. Das Ziel: mehr Bürgernähe, weniger Schwellenangst bei Besuchern – und ein Symbol für den Aufbruch in die neue Ära der Demokratie 2.0. 12 /

Eingereicht von fred 6 Der Vorläufer der Dialogcafés: die Versuchsküchen. Fast 30 dieser gemeinschaftlich betriebenen Debattenräume gab es 2020 in Hamburg. Hier wurden auf lokaler Ebene Entscheidungen vorbereitet, Zukunftsideen diskutiert und die aktuelle Politik reflektiert – bis die Dialogcafés die Idee in eine offizielle Struktur überführten. Aktive schwärmen noch heute vom offenen Geist, der in den Küchen einst herrschte.

3 / Eingereicht von Karin Stubben

»Ich finde die Bezirke, so wie sie sind, sinnvoll. Jeder Bezirk hat seine innerstädtischen Gründerzeitviertel, seine Einfamilienhausvororte und seine Problemstadtteile. Durch die Neuordnung würde man dieses Gleichgewicht stören.«

»Die Politikwerkstätten und die Dialogcafés fände ich gut, auch um Probleme im Stadtteil praktisch mit anderen lösen zu können. Doch wer soll die betreiben? Bitte nicht die Parteien. Parteibüros haben wir schon genug.«

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Die Vorschläge … lösen die Probleme der Stadt sind machbar passen zu Hamburg sind neu und spannend

»Ich halte nicht viel von Volksentscheiden. Es hat doch einen Grund, warum wir unsere Repräsentanten in die Bürgerschaft wählen.«

»Mitgestalten« weiter denken: www.nexthamburg.de/mitgestalten

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05 Die experimentierfreudige Stadt

Arbeit 2.0 Hamburgs Wirtschaft ist auch 2030 stark. Zwar sieht sich der Hafen immer stärkerer Konkurrenz ausgesetzt und schrumpft seit zehn Jahren – vor allem, seit sich durch die Eisschmelze mit der Nordpolar-Passage viele Schifffahrtsrouten nach Nordeuropa und Russland verlagert haben. Dafür haben andere Branchen angezogen, allen voran die Umwelt- und maritime Technologie, die Gerontotechnik und die Biomaterialforschung, für die Hamburg als Hochburg gilt. Die Arbeitslosigkeit ist in Hamburg mit 8 Prozent konstant moderat. Aber mehr denn je sind jene, die keine Arbeit haben, chancenlos: die Geringqualifizierten und Zuwanderer, für die immer weniger Arbeitsangebote existieren. Deshalb haben sich in den vergangenen zehn Jahren auch die Bemühungen darauf konzentriert, die »Abgehängten«, wie sie genannt werden, in den Arbeitsmarkt zurückzuholen – oder ihnen zumindest zu ermöglichen, Teil der Stadtgesellschaft zu sein.

Mobil und flexibel: Die modulare Bürostadt in Hammerbrook.

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1 2023 startete ein gesellschaftlicher Großversuch: Deutschlands erste Grundeinkommens-Pilotzone wurde eingerichtet. Seit sieben Jahren erhält jeder Harburger das bedingungslose Grundeinkommen, eine finanzielle Grundsicherung in Höhe des gesetzlichen Existenzminimums ohne jede Gegenleistung. Dafür wurden alle Sozialleistungen gestrichen. Die ersten Auswertungen nach fünf Jahren haben gezeigt: Das Grundeinkommen führte nicht wie befürchtet dazu, dass die Motivation zur Arbeit sank. Im Gegenteil: Mehr Menschen machten sich selbstständig oder sind nun unentgeltlich tätig – was besonders im kulturellen und sozialen Bereich zu einem Beschäftigungs- und Angebotsboom geführt hat. Und Menschen ohne Beschäftigung können sich dank des Grundeinkommens die Angebote der Stadt wieder leisten. Der in vier deutschen Testzonen parallel durchgeführte Pilotversuch läuft bis 2033. Dann wird über eine bundesweite Einführung des Grundeinkommens entschieden. 91 / Einge-

reicht von Better Cities

TOP 20

2 Schwarzarbeit heißt heute informelle Beschäftigung und ist legal. In streng definierten Grenzen darf zeitlich limitiert steuer- und versicherungsfrei gearbeitet werden – nur der Arbeitgeber schließt eine spezielle Versicherung für die Beschäftigten ab. Besonders gering Qualifizierte und Zuwanderer haben von der Lockerung der Regeln profitiert. 29 / Eingereicht

3 Das Arbeiten an wechselnden Orten ist für die meisten Büroarbeiter 2030 zum Standard geworden. Meist verbringen sie nur noch ein bis zwei Tage pro Woche im Stammbüro. In der restlichen Zeit werden »Shared Offices« genutzt – Räume, die spontan von Teams oder Einzelpersonen gebucht werden und vielfältige Arbeitsumgebungen bieten – vom anregenden »Workbeach« bis zur abgeschotteten »Thinkcave«. 16 / Eingereicht von

6 In Hammerbrook ist in den letzten 20 Jahren viel mit neuen Büroformen experimentiert worden. An der Nordkanalstraße ist hier die modulare Bürostadt entstanden. Freiberufler mieten Büromodule, ihr persönlicher Arbeitsplatz, und docken an größere Firmenmodule an, je nachdem für wen sie zurzeit arbeiten. Ein Kran wie man ihn sonst nur im Hafen sieht, sorgt unermüdlich dafür, dass sich die modulare Bürostadt verändert. 9 /

Urbanotron (abgeben im Zukunftscafé)

Abgegeben im Zukunftscafé

4 Eines der wirkungsvollsten Instrumente, um die »Abgehängten« wieder an die Stadtgesellschaft heranzuführen, war die Erleichterung des Berufszugangs. Seit Kammern und Verbände die Schul- und Ausbildungserfordernisse in vielen Bereichen gelockert haben, ist die Arbeitslosigkeit unter Geringqualifizierten deutlich gesunken. 10 / Eingereicht von Jürgen

6 Immer mehr Maschinen, immer weniger Handarbeit. Um den Trend umzukehren, wurde 2024 die Automationsabgabe eingeführt, im Volksmund Robotersteuer genannt. Je nach Grad der Automation müssen Unternehmen mehr oder weniger Steuern bezahlen. Wer viel Handarbeit anbietet, wird so finanziell belohnt. Der Effekt nach fünf Jahren: Durch die Robotersteuer und die Lockerungen am Arbeitsmarkt ist die Arbeitslosigkeit bei Geringqualifizierten um 40 Prozent gesunken. 3 /

Engel 5 Hamburgs schnellstes Büro: Seit 2025 bietet der Kreativ-Express mobile Arbeitsräume an – mit Internetanschluss und Ausblick. Drei Züge mit je 30 Büros fahren auf einer Einschienenbahn-Ringstrecke von Steinwerder nach Harburg und zurück. Reservieren ist ein Muss, denn die Plätze sind oft Wochen im Voraus ausgebucht. 9 /

Abgegeben im Zukunftscafé

Abgegeben im Zukunftscafé

von Julian Petrin

»Interessante Idee mit der Grundeinkommenszone. Aber wie kann man das umsetzen? Verliere ich zum Beispiel auch meine Rentenansprüche, wenn ich nach Harburg ziehe? Muss man einen Zaun um die Zone machen?« »Immer woanders arbeiten, im Zug oder im Café: Das ist für mich alles nur ein Synonym für Sklaventum, Lohndumping und Hire-and-Fire-Mentaliät.«

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Die Vorschläge … lösen die Probleme der Stadt sind machbar passen zu Hamburg

»Die Robotersteuer finde ich mal eine gute Maßnahme, sie sollte bundesweit eingeführt werden. Ich bin mal gespannt, wann es so weit ist, dass die Roboter selber ihre Steuern zahlen müssen.«

sind neu und spannend

»Arbeit 2.0« weiter denken: www.nexthamburg.de/arbeit2.0

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enario Persönliches Sz von Rainer Böhr

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05 Die experimentierfreudige Stadt

Wissenspark Moorburg

»Mal wirklich eine interessante Idee, die dem stadtplanerischen Standardwerkzeugkasten trotzt. Ich fände es gut, wenn Moorburg, anstatt sich jeder Veränderung entgegenzustemmen, selbst die Initiative ergreift.«

Kraftwerk, Hafenschlick-Deponie oder Containerterminal: Die Stadt hat sich schon in früheren Jahren einiges für Moorburg ausgedacht. Jetzt denkt Moorburg selbst. Denn in Hamburgs ältestem Stadtteil südlich der Elbe steht mit dem Wissenspark für maritime und Umwelttechnologie eine der Topadressen für die Wissenschaftler der Stadt. Unter dem Motto »Wissen im Dorf« entstand auf einer 150 ha großen ehemaligen Spülfläche zwischen dem historischen Ort Moorburg und der A7 eine Wissenschaftsstadt. Im Zentrum: der zweite Campus der inzwischen über 20.000 Studierende zählenden TU Hamburg Harburg. Um die Technische Universität herum siedelten sich zahlreiche Unternehmen der Forschungs- und Entwicklungstechnologie an. Gemeinsam kommt ihnen das hochmoderne Tagungsund Kongresszentrum zugute. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für den Wissenspark ist seine gute Anbindung: durch einen eigenen S-Bahnhof, einen Stadtbahnanschluss und eine Fährlinie zu den Landungsbrücken.

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»Ob da ein lebhaftes Viertel entsteht, bezweifle ich. Die Kreativen drängen doch eher in die alten Stadtviertel und suchen sich ihre Nischen.« »Nach Hafendiskussionen und Kraftwerksbau wäre das doch mal eine neue Perspektive für den Ort. Knackpunkt könnte sein, das beschauliche Moorburg gut an den Nahverkehr anzubinden.«


1 Der vielfach prämierte Verwaltungsbau der Wissenspark Moorburg GmbH – von den Hamburgern liebevoll »Unsere Moorburg« genannt – ist ein beliebter Treffpunkt für die Wissenschaftler und Bürger aus der Umgebung. Im Erdgeschoss lädt ein Foodcourt mit Geschäften, Restaurants und Cafés zum Schlendern und Relaxen ein. In ganz Hamburg beliebt ist die Kneipe »Zum Hafenschlick«. 2 Anreisenden über die A7 fällt es sofort ins Auge: das Tagungs- und Kongresszentrum in Moorburg. Es macht dem CCH mittlerweile kräftig Konkurrenz. Vor allem aufstrebende Firmen aus der Umweltbranche kommen aus ganz Deutschland, um ihre Kongresse hier abzuhalten. 3 Schon immer gab es einen kleinen See in den Moorburger Wiesen. Heute bildet er das Zentrum des grünen Campus – ein Ort zum Abschalten. Das landschaftliche Highlight ist der

Moorburger Berg, auf dem 2020 ein Ausflugsrestaurant errichtet wurde. Die Aussicht ist spektakulär: Richtung Norden reicht der Blick über den Hafen bis zur Innenstadt. Richtung Süden liegt der Wissenspark zu Füßen, den Hintergrund bilden die Harburger Berge. 4 In Moorburg gibt es sie noch: die einstmals gefeierten Garagenfirmen. Über 20 Start-up-Unternehmen haben sich in den vergangenen Jahren in den traditionellen Einfamilienhäusern niedergelassen und benutzen die Garagen als Büro und Werkstatt. Gewohnt wird in Wohngemeinschaften.

6 Von den Landungsbrücken zum Wissenspark Moorburg – zurück geht’s über Harburg und den Reiherstieg. Die HADAG-Fähre steuert seit 2018 zuverlässig den Hamburger Süden an. Mittlerweile hat sich die Verbindung als Geheimtipp bei Touristen herumgesprochen, kann man doch auf dieser Rundfahrt mehr vom Hafen sehen als nur Speicherstadt, Hafencity und Landungsbrücken. 7 Stadtbahnziel Wissenspark: Jedem Harburger ist der Wissenspark ein Begriff, seit er als Endstation auf allen Bahnen der Harburger Stadtbahnlinie zu lesen ist.

5 »Next Stop Sciencepark Moorburg«: Die S3 hat auf ihrer Fahrt Richtung Stade einen neuen Zwischenhalt. Die Station »Wissenspark Moorburg« liegt zwischen Heimfeld und Neuwiedenthal. Ein Busshuttle steuert von hier aus alle wichtigen Orte wie die Moorburg, das Kongresszentrum und den Moorburger Berg an.

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06 Die mobile Stadt Manch einer sah schon das Ende der Mobilität kommen, als nach 2020 die Ölknappheit spürbar wurde. Aber Hamburg hatte längst begonnen, sich dagegen zu wappnen. Die einstige Autofahrer-Metropole erfand sich als Fahrradstadt neu, baute den ÖPNV in nie gekanntem Umfang aus, führte sogar die Stadtbahn wieder ein. Die Verbindungen in die Region und in die Welt wurden erneuert, und die Wir-Mobilität wurde zur selbstverständlichen Art, sich durch die Stadt zu bewegen. Manche bedauern, dass der Ölschock nicht zur Entschleunigung der Stadt geführt hat. Aber Bewegung ist wohl der Urtrieb des Menschen.

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Ide en ohn e Ve rortu ng

Schnell durch die Region: Große Trassen Die radikale Stadt Die Wir-Mobilität: Unterwegs ohne Ballast Bus, Bahn & Co.: Vorfahrt für den ÖPNV Die Wiederkehr der Stadtbahn Freie und Fahrradstadt Hamburg

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06 Die mobile Stadt

Schnell durch die Region: Große Trassen Viele Probleme im Bereich der Mobilität lassen sich nur im regionalen Maßstab lösen – auch die Frage, wie die überregionalen Verkehrsströme in die Stadt integriert werden können. 2030 haben grundlegende Umbauten in Hamburgs Verkehrssystem begonnen, mit denen die Mobilität in der Region neu organisiert wird. Viele der Maßnahmen waren nur dank massiver finanzieller Unterstützung aus Europa möglich. Und manches Großprojekt könnte am Protest der Bürger scheitern – daran hat sich auch zwei Jahrzehnte nach Stuttgart 21 nichts geändert.

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»Wer baut denn nach Stuttgart 21 noch solche riesigen Großprojekte? Kann ich mir nicht vorstellen. Mal abgesehen von dem Geld …«

»Oje, auch 2030 scheinen die Menschen nicht begriffen zu haben, wie schlecht der Flugverkehr für das Klima ist. Anstatt noch mehr zu fliegen, sollten sie lieber Bahn fahren.« »Wenn Hamburg seinen Hafen verliert, verliert die Stadt ihr Herz. Wertschöpfung hin oder her: Der Hafen lässt sich nicht nur in Zahlen messen.«


1 Primäres Ziel der 2029 eröffneten Hamburger Westspange war es, den Güterverkehr an Hamburg vorbeizuführen. Aber auch der Hauptbahnhof wird entlastet: Entlang der A7 werden Züge von Köln und Bremen über den neuen Westbahnhof in die Stadt geleitet. Außerdem verkürzt die Westspange die Fahrzeit von den boomenden Marschdörfern Hamburgs und dem Wissenspark Moorburg bis in die Stadt von 45 Minuten auf 15 Minuten. 12 /

Eingereicht von 380km/h 2 Nicht immer haben Hamburg und Schleswig-Holstein an einem Strang gezogen, wenn es um den Ausbau des Nahverkehrs ging. Zu unterschiedlich waren mitunter die Interessen der Bundesländer. Seit 2020 hat sich die Situation verbessert: Nach Hannoveraner Vorbild haben sich Hamburg und seine unmittelbaren Umlandkreise zu einem gemeinsamen Planungsraum zusammengeschlossen und organisieren nun viele Aufgaben wie den öffentlichen Nahverkehr gemeinsam. 10 / Einge-

reicht von Silke Bleudermann 3 Nur 20 Minuten braucht der 2024 eingesetzte Lübeck-Express vom Hamburger Hauptbahnhof ins Lübecker Zentrum. Mit Tempo 300 jagt der von der Stadt Lübeck betriebene Zug über die eigens gebaute Hochgeschwindigkeitstrasse. Der Clou: Für Pendler, die in Lübeck wohnen und in Hamburg arbeiten, ist der Zug umsonst. Die Stadt subventioniert die Tickets, um mehr Einwohner nach Lübeck zu locken. Der Plan ist aufgegangen: In den ersten Jahren sind 5.000 Menschen von Hamburg nach Lübeck gezogen – gut für die lange stagnierende Entwicklung der Stadt. 10 / Eingereicht von Nextham-

burg-Redaktion

Für manche ist es das letzte Gefecht des Hamburger Hafens: das geplante neue Containerterminal mit Tiefwasser-Anschluss in Cuxhaven, betrieben durch die Hamburger Hafengesellschaft. Zunächst hatte die Stadt eine Beteiligung am Tiefwasserhafen bei Wilhelmshaven ausgeschlagen, doch die nach 2020 immer weiter zurück4

gehenden Umschlagzahlen zwangen zum Umdenken. 2035 soll der Hafen in Betrieb gehen. Zu spät, sagen Kritiker: Die Handelsströme nach Europa werden sich durch die seit 2023 offene Polarroute nördlich von Sibirien ohnehin verlagern. 7 / Eingereicht von unbekannt 5 Neben dem Westbahnhof hat Hamburg seit 2028 auch einen Ostbahnhof. Um den Hauptbahnhof zu entlasten, wurde der neue Nahverkehrsknoten an den Elbbrücken um einen Fernbahnhof ergänzt. Hier halten vorwiegend Züge von Köln und Hannover mit Ziel Berlin oder Lübeck. 7 /

Eingereicht von CaliforniaHighSpeedRail 6 Der 2027 eröffnete Autobahnzubringer Ost führt ab dem Horner Kreisel entlang der Güterumgehungsbahn über Rothenburgsort bis zur City Süd. Durch Bündelung des Verkehrs auf der neuen Trasse können die großen Ausfallstraßen, die die Stadtteile Hamm, Borgfelde und Horn zerschneiden, Schritt für Schritt zurückgebaut werden – ein großer Gewinn für den Osten der Stadt. 5 / Eingereicht von

entstehen. Check-in und Shops bleiben in Fuhlsbüttel, auch der europäische Flugverkehr. Eine automatisierte Schnellbahn entlang der A7 verbindet Fuhlsbüttel mit seinem Außenposten. Die Eröffnung ist für 2035 geplant, Bürger aus dem Umland versuchen weiterhin, das Projekt trotz laufender Bauarbeiten zu stoppen. 3 / Eingereicht von Pilot 9 Hamburgs Problem: Die Querverbindungen in den äußeren Stadtteilen waren lange lückenhaft. Fast immer musste man durch die City fahren, um von einem Ort zum anderen zu kommen. Entlang der ehemaligen Güterumgehungsbahn wurde 2027 die MonoRingbahn in Betrieb genommen, eine etwa fünf Meter über den Gleisen fahrende Einschienenbahn, die vom Westbahnhof über Stellingen, Barmbek und Wandsbek bis zum Ostbahnhof an den Elbbrücken führt. 3 / Eingereicht

von Karl Krieger

Felix Behrlich

Glücksstadt galt nach 2000 als Stadt im Abseits, schlecht angebunden und kaum Arbeitsplätze bietend. Dabei liegt sie äußerst attraktiv an der Elbe und bietet ein einmaliges historisches Stadtbild. Mit dem Bau der S-Bahn über Glücksstadt nach Itzehoe wurde die Stadt zu einer der beliebtesten Wohnsatelliten Hamburgs – die Einwohnerzahl steigt seit 2025 deutlich. 7

4 / Eingereicht von unbekannt 8 Hamburg boomt, bot aber bisher kaum direkte Verbindungen zu den Wirtschaftszentren in Asien oder Amerika. Trotz rohstoffbedingter Luftfahrtkrise entschloss sich der Senat 2021, die Option einer Flughafenerweiterung in Kaltenkirchen zu nutzen. In den sechzigerjahren hatte die Stadt dort bereits Flächen für einen neuen Flughafen gekauft. Jetzt soll hier ein Satelliten-Terminal für Interkontinentalverbindungen mit leistungsfähiger Landebahn und Nachtflug-Option

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Die Vorschläge … lösen die Probleme der Stadt sind machbar passen zu Hamburg sind neu und spannend

»Große Trassen« weiter denken: www.nexthamburg.de/grossetrassen

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06 Die mobile Stadt

Die Wir-Mobilität: Unterwegs ohne Ballast Individuelle Fortbewegung ist 2030 nur noch selten an das eigene Fahrzeug gebunden. Autos sind heute eher etwas für Liebhaber. War die geteilte Nutzung von Fahrzeugen um 2012 noch etwas für Avantgardisten, ist es heute Standard in Hamburg – sei es in zentral organisierter Form wie beim Carsharing oder in privaten Gruppeninitiativen. Ziel ist es, mit möglichst vielen Verkehrsmitteln mobil sein zu können und unkompliziert von A nach B zu kommen, sei es mit dem Boot, mit dem Roller oder mit der Einkabinen-Schienenbahn. Verlierer bei diesem Trend sind alle, die abseits der neuen Mobilitätswelt wohnen: im ländlichen Umland der Metropole oder in den wenigen weißen Flecken der neuen Mobilitätsanbieter.

Die neue Wir-Mobilität

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1 Mal schnell ein Boot mieten, um von A nach B zu kommen: Vorbild für das beliebte Stadtboot-Leihnetz war das seit 2009 erfolgreiche StadtradSystem. Unkompliziert kann man an 40 Stationen entlang der Fleete, Kanäle und der Alster eines der 400 Boote des Leihnetzes mieten. 65 / Eingereicht

3 Das eigene Auto kann man in Hamburg seit 2014 zum sogenannten Jedermann-Carsharing anbieten. Mehrere Vermietungsringe bieten so die Möglichkeit, mit dem eigenen Pkw nebenbei Geld zu verdienen. 34 / Ein-

von Malte Pill

4 Es hat gedauert, bis das Prinzip der Miet-Elektomobilität in Hamburg Fuß fassen konnte. Die Idee: Der Kunde kauft ein beliebiges Elektrofahrzeug, der Mobilitätsanbieter stellt Akku und Stromkosten, bezahlt wird nach Verbrauch, wie beim Mobiltelefon. Das Modell wurde schon 2009 in Dänemark getestet und ist seit 2023 auch in Hamburg verfügbar. 15 / Eingereicht von

7 Taxibusse gibt es schon länger in vielen Städten Europas. 2030 haben die bedarfsweise fahrenden Kleinbuslinien in den Außenbezirken Hamburgs Lücken in der Nahverkehrsversorgung geschlossen. Die Linien werden von Nachbarschaftsvereinen betrieben und von der Stadt gefördert. 2 /

Better Cities

Eingereicht von Klimastädter

TOP 20

2 An das 2023 eingeführte kostenlose Ticket des Hamburger Verkehrsverbundes HVV ist auch der Zugang zum kostenfreien Carsharing-Angebot der Hamburg-Cars gekoppelt. Das System ist auf das Stadtzentrum begrenzt und deshalb keine Konkurrenz für die kommerziellen Carsharing-Angebote – aber ein Ausgleich für die City-Maut, denn die Hamburg-Cars dürfen die Innenstadt gebührenfrei befahren. Zusätzlich wurde auch das Bezahl-Carsharing ausgebaut: 2015 gab es schon zehn konkurrierende Anbieter für Mietautos in Hamburg. Seit 2018 ist die ganze Region bis auf wenige Lücken in den Außenbereichen abgedeckt.

gereicht von Stephan

6 Pedalgetrieben durch die Lüfte schweben: Das bietet das Shweeb, die seit 2007 in Neuseeland erprobte Kabinen-Schienenbahn. Die 2025 eröffnete Hamburger Strecke wird von einer privaten Genossenschaft betrieben und führt vom Westbahnhof über die Elbbrücken nach Harburg. 6 /

Eingereicht von Johannes

5 Rollersharing ist seit 2018 Trend in Hamburg. Wie Autos, Boote und Fahrräder können auch Straßenroller bei immer mehr Anbietern geliehen werden – darunter immer mehr E-Roller.

10 / Eingebracht bei den Umwelthauptstadt-Dialogen

59 / Eingereicht von Charlotte

»Leihen hier, leihen da: Man sollte alle Leihsysteme in einem Angebot vereinen, um es nicht unnötig kompliziert zu machen.«

10 »Also ich würde mein Auto nicht zum Verleih anbieten. Das stellt doch niemand wieder vor meiner Tür ab. Und was passiert, wenn jemand einen Unfall baut oder die Lederbezüge dreckig macht? Ist nur Stress.«

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Die Vorschläge … lösen die Probleme der Stadt sind machbar passen zu Hamburg

»Stadtroller, Miet-Elektroautos und Schwebebahnen? Ist mir ein wenig zu bunt. Wartet mal ab, bis vielleicht nur noch Miniautos gebaut werden. Dann brauchen wir das ganze Brimborium nicht mehr, dann läuft der Verkehr wieder.«

sind neu und spannend

»Wir-Mobilität« weiter denken: www.nexthamburg.de/wirmobilitaet

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06 Die mobile Stadt

Bus, Bahn & Co.: Vorfahrt für den ÖPNV Hamburgs öffentlicher Personennahverkehr ist 2030 wichtigster Garant für Mobilität. Wie schon vor zwanzig Jahren in Zürich

»Was mir am kostenlosen ÖPNV besonders gefällt: dass man keine komplizierten Tarifsysteme und Automaten mehr braucht. Einsteigen und losfahren: So sollte es gehen.« »Auch Busse und Bahnen brauchen Energie. Durch die kostelose Nutzung würde das Bewusstsein dafür sinken. Alle würden überall hinfahren, anstatt zu Fuß zu gehen oder das Fahrrad zu nehmen.«

werden in Hamburg heute über 60 Prozent aller Wege zur Arbeit mit den unterschiedlichen Angeboten des Nahverkehrs abgewickelt – Bus, Bahnen, Stadtbahn, Barkassen, Seilbahnen. Das ist eine Verdopplung gegenüber 2010. Dagegen ging der Anteil der Autostrecken von 50 Prozent auf 20 Prozent zurück. Dies war nur durch eine Doppelstrategie möglich: Den Autoverkehr einschränken und den Nahverkehr radikal fördern, bis hin zum kostenlosen HVV-Ticket, das weltweit für Aufsehen sorgte.

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»Vielleicht sollte man mal darüber nachdenken, wie man Verkehr vermeiden kann, als immer neue Verkehrsmittel einzuführen?«


1 Durch die Einführung der City-Maut wurde eine Revolution möglich: Jeder in Hamburg gemeldete Bürger erhält seit 2023 ein kostenloses HVV-Ticket. So sollten die Bürger zum Verzicht auf das Auto animiert werden. In der Summe würde die Stadt sparen, hoffte man. Denn die Folgekosten der Automobilität waren ins Uferlose gestiegen. Das Programm war ein Erfolg. Heute, 2030, werden nur noch 20 Prozent der Arbeitswege mit dem eigenen Kfz zurückgelegt. Hamburg hat damit seine Attraktivität für Zuzügler enorm gesteigert, denn der Trend weg vom Auto ist inzwischen bei der Mehrheit der Bevölkerung angekommen. Für Bewohner aus dem Umland wurden die Preise übrigens ebenfalls stark gesenkt. Dennoch kritisieren die umliegenden Gemeinden das Umsonst-Ticket für Hamburger als verstecktes Abwerben ihrer Einwohner. 73 / Eingereicht von

Anne Reis 2 Hamburg ist 2023 dem Beispiel anderer europäischer Metropolen gefolgt und bietet in den inneren Stadtteilen auch für Besucher und Touristen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr. Große Sammelparkhäuser an »Transferien« – wichtigen Nahverkehrsbahnhöfen am Rand der inneren Stadt – laden zum Umsteigen ein. Das kostenlose Angebot ist ein Ausgleich dafür, dass motorisierter Privatverkehr in der Innenstadt verboten ist. 20 / Einge-

Technik als veraltet, Stromaggregate und Brennstoffzellen stellen den neuen Treibstoff. 18 / Eingereicht von Unbekannter Nr.1 5 Freie Fahrt für alle: Schon vor der Einführung des kostenlosen Nahverkehrs waren Hamburgs Schnellbusse ab 2014 generell zuschlagfrei. Mit dem Verzicht auf Zuschläge wurde ein immer wieder irritierendes Tarifrelikt beseitigt. 17 / Eingereicht von Johannes 6 Sicherheit auf allen Gleisen: Seit 2015 kann die Hamburger Bahnwache per Stimmerkennung mit dem einfachen Ausruf »Hilfe bitte« aus allen Wagen der Schnellbahnen angerufen werden, wenn Gefahr droht. Probleme gab es nach der Einführung, als Jugendliche immer wieder falschen Alarm auslösten. 13 / Eingereicht von Orko

Der Nahverkehr geht aufs Wasser: Die vielen neuen Nahverkehrs-Schiffslinien auf Alster und Elbe knüpfen an die Hamburger Tradition an und haben erheblich zur Minderung der Verkehrsprobleme beigetragen. 12 /Abgege7

ben im Zukunftscafé

Es hat lange gedauert, aber seit 2025 sind alle U- und S-Bahnhöfe der Stadt barrierefrei. 3 / Abgegeben im 8

Zukunftscafé von Helga

reicht von Johannes

An Hamburgs Ampeln gilt strikter Bus-Vorrang. Nach und nach wurde in den vergangenen Jahrzehnten der Großteil der Kreuzungen so umgebaut, dass private Autos etwa 50 Meter vor der Einmündung halten müssen. So stehen die Busse immer an der Poleposition und kommen schneller voran. 3

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Die Vorschläge …

Auch das eine Folge des Busbeschleunigungsprogramms vor 15 Jahren: Hamburg ist heute noch Deutschlands Wasserstoffbus-Hochburg. Die umweltfreundliche Fahrzeugflotte wurde lange als Argument gegen die Stadtbahn ins Feld geführt. Heute gilt die 4

lösen die Probleme der Stadt sind machbar passen zu Hamburg sind neu und spannend

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06 Die mobile Stadt

Die Wiederkehr der Stadtbahn Hamburg hatte eines der größten Straßenbahnnetze Deutschlands. Nach 1950 wurde es Stück für Stück durch Buslinien ersetzt, die damals als moderner galten. 1978 stellte Hamburgs letzte Straßenbahnlinie den Betrieb ein. Ein Fehler, wie sich später zeigte. Lange hatte Hamburg auf den Ausbau des Bussystems gesetzt. Die Grenzen dieses Systems zeigten sich während der Benzinpreiskrise 2016 und dem folgenden Ansturm auf den öffentlichen Nahverkehr. Ständig überfüllt und verspätet, wurden die Busse trotz vieler Beschleunigungsmaßnamen zunehmend unbeliebter. Die erst 2011 fallen gelassenen Pläne zur Wiedereinführung der Straßenbahn wurden erneut hervorgeholt. 2023 war es so weit: Hamburgs Stadtbahn – so heißt die Straßenbahn heute – fuhr wieder. Auf eigenen Gleistrassen, bestückt mit hochmodernen Wagen, füllt das wiedergekehrte Verkehrsmittel die Lücke zwischen Schnellbahnen und Bussen, sowohl was die Kapazität als auch was das Tempo und die Verlässlichkeit der Verbindung angeht. Bis 2040 ist ein Ausbau auf über 100 Kilometer geplant. Das sind nur zwei Drittel der Netzlänge am Beginn ihrer Entstehung vor 100 Jahren, aber ein Anfang ist gemacht.

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1 Sie hat der Stadtbahn den Weg geebnet: die historische Straßenbahn, die schon seit 2018 auf einer zwei Kilometer langen Strecke durch die Hafencity fährt. Die Wagen der Baureihe V2 aus dem Jahr 1927 waren als Touristenshuttle geplant, haben aber dazu beigetragen, dass auch Hamburgs Bürger die Wiederkehr der Straßenbahn forderten. 53 / Einge-

reicht von dennis.deng 2 Auch die Wallring-Linie ist bei Hamburg-Besuchern besonders beliebt und unverzichtbar seit Einführung der City-Maut-Linie. Sie folgt weitgehend der Strecke der vor über 100 Jahren verkehrenden Ringbahnlinie 26: Vom Hauptbahnhof führt sie über die Hafencity, Baumwall, Millerntor, Stephansplatz wieder zurück zum Bahnhof.

45 / Eingereicht von Johannes

Von Mümmelmannsberg über Bergedorf bis Geesthacht ergänzt eine Stadtbahnlinie das U-Bahn-Netz. Diese nach Pariser Vorbild gebaute Vorortstraßenbahn ist 2030 die Lebensader des östlichen Umlands. 36 / Einge3

4 Die erste große Stadtbahnlinie ersetzte die notorisch überbelastete Metrobuslinie 5. Die Kapazität hat sich verdoppelt, Fahrkomfort und Pünktlichkeit sind deutlich höher. Dennoch: Auch die Stadtbahnlinie konnte die geplante U5 auf derselben Strecke nicht überflüssig machen. 21 /

7 Seit 2028 ist Hamburgs Solarstraßenbahn im Einsatz: Fünf Testwagen beziehen den Strom aus Solarpaneelen, die in die Wagenhülle integriert sind. Ist der Test erfolgreich, sollen 70 Prozent der Straßenbahnwagen umgerüstet werden. 19 / Abgegeben

im Zukunftscafé

Eingereicht von Micha

Auch in Harburg wurde die Stadtbahn wieder eingeführt. In Anlehnung an das frühere Netz führt die neue Harburger Linie vom Stadtteil Neugraben über Heimfeld, Harburgs Innenstadt bis nach Rönneburg. 20 / 5

Eingereicht von Tram4U 6 Noch befindet sich das Programm Mehr Tempo für die Stadtbahn im Testbetrieb. Um die Fahrzeit zu verkürzen, wurde die Wallring-Linie in zwei parallele Linien unterteilt, die jeweils nur einen Teil der Haltestellen anfahren. Linie A bedient die ungeraden, Linie B die geraden Haltestellen. So ist jeder Stopp erreichbar, die Fahrzeit aber um 30 Prozent verkürzt. 20 /

Eingereicht von neumobil

reicht von Micha

8 Sie war seit Jahrzehnten gefordert: Die Bahnanbindung nach Lurup. Nachdem ein U-Bahn-Bau in weite Ferne gerückt war, fiel die Entscheidung zugunsten der Stadtbahn. Die von St. Pauli über Altona in den Westen geführte Linie bindet auch die neuen Quartiere in der Neuen Mitte Altona und am Volkspark an. 16 / Eingereicht

von Johannes 9 Durch die Stadtbahnlinie nach Lurup wurde auch der neue Westbahnhof am Diebsteich und damit der Fernverkehr an das Stadtbahnnetz angeschlossen. 11 / Eingereicht von

Martin Roehl 10 Sie ist das Rückgrat von Hamburgs größtem Stadtbezirk geworden: die Stadtbahnlinie von Poppenbüttel nach Wandsbek-Markt. 6 / Entstan-

den im Zukunftscamp

»Wurde nicht entschieden, dass die Stadtbahn nicht kommt? Kann man das Busnetz vielleicht so planen, dass man eine Stadtbahn später noch ergänzen kann, wenn sich die Meinung doch mal ändert?«

10 »Man sollte in Harburg anfangen mit dem Bau der Stadtbahn. Das würde dem Stadtteil etwas Besonderes geben. Wer weiß: Vielleicht ziehen die Stadtbahnfans Hamburgs dann ja in den Süden.«

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Die Vorschläge … lösen die Probleme der Stadt sind machbar passen zu Hamburg

»Soll denn die Stadtbahnlinie eine reine Touristenattraktion werden oder als alltägliches Fortbildungsmittel dienen? Es ist wichtig, dass die Stadtbahn die Verkehrsprobleme löst und kein reines Symbolprojekt wird.«

sind neu und spannend

»Stadtbahn« weiter denken: www.nexthamburg.de/stadtbahn

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06 Die mobile Stadt

Freie und Fahrradstadt Hamburg Fahrradfahren war um die Jahrtausendwende in der Hansestadt zwar allgegenwärtig, aber tatsächlich bestritten die Hamburger nur knapp über 10 Prozent ihrer Wege auf dem Zweirad. Heute, 2030, sind es dagegen 25 Prozent. Der Grund für den Fahrradboom: Hamburg verfolgte nach dem Umwelthauptstadtjahr 2011 konsequent eine fahrradfreundliche Politik: Wichtige Verkehrsknotenpunkte wurden durch Stadtrad-Stationen verstärkt und ergeben – verbunden durch Schnellstrecken – ein Netz der Fahrradfreundlichkeit. Ein digitaler Guide, der die Erfahrungen aller Radfahrer, meteorologische sowie verkehrsbedingte Einflüsse berücksichtigt, erstellt jedem Radfahrer die optimale Route.

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1 Beim Neu- und Umbau von Straßen gilt bereits seit 20 Jahren: Radwege auf die Straße! Auf vielen Hauptstraßen ist nun ein großzügiger Streifen für Fahrradfahrer reserviert. Die stets in gelber Farbe gekennzeichneten Radwege und klar verständliche Piktogramme sorgen für eine konfliktfreie Mobilität in der Hansestadt. 169 /

Weg durch Hamburgs Straßengewirr. Durch das Aufzeichnen von Strecken der Benutzer des Guide entsteht eine Übersicht über die Qualität von Hamburgs Fahrradwegen. Wo fahren die Hansestädter schnell und gerne Rad, wo befinden sich Barrieren? 51 / Einge-

zu einer Slalomfahrt. Dank Pflegepatenschaften und einer konsequenten Ahndung beim Versperren der Wege gehören Hamburgs Radwege heute zu den besten Deutschlands. 26 /

reicht von kristina moser

Eingereicht von Bert Meyer

2 Sollen längere Strecken überwunden werden, oder macht das regnerische Hamburger Wetter das Radfahren mal wieder zur Nervenprobe, dann bietet der öffentliche Personennahverkehr einen besonderen Service: Die kostenlose Fahrradmitnahme gilt 2030 in allen Zügen und Bussen des 118 / Eingereicht HVV – zu jeder Zeit.

5 Das Stadtrad ist 2030 in ganz Hamburg verfügbar, und das sogar kostenlos! Sponsoren machen dies möglich. Unternehmen und Institutionen können Patenschaften für Stadträder übernehmen und sie dafür selbst gestalten. Modelabels gestalten ihre Bikes passend zu den Kollektionen. Deutschlands führende Radhersteller präsentieren über das Stadtrad ihre neuesten 48 / Eingereicht Modelle in Aktion.

Fahrrad zum Mitfahren: Mit Elektromotor unterstützte Rikschas schlagen auf kurzen und mittleren Strecken in Preis und Geschwindigkeit jedes konventionelle Taxi. 2030 sind sie aus Hamburgs Straßenbild nicht mehr wegzudenken. Eine attraktive Alternative nicht nur für Touristen, sondern auch auf dem Weg zum nächsten Geschäftstermin oder bei der Schnäppchenjagd 19 / Abgegeben von Laden zu Laden.

von Johannes

von Jürgen Mattes

TOP 20

TOP 20

3 Fahrradfahren im Überholmodus: kein Problem dank der kreuzungslosen und mehrspurigen Fahrradautobahnen entlang stark frequentierter Routen. Die baulich von den Verkehrsflächen der Fußgänger und Autofahrer getrennten Hochtrassen erlauben dank ihrer Steigungs- und Kurvengestaltung das volle Ausfahren der neuen HighSpeed-Bikes, die bis zu 60 Stundenkilo82 / Eingereicht meter schnell sind.

von Agata Dziacka

Umwelthauptstadt-Dialogen

TOP 20

Herzstück des Fahrradnetzes ist der mit jedem Mobiltelefon abrufbare digitale Fahrradguide. Eilige und Genussradler finden so den perfekten 4

6 Radfahren ist umweltfreundlich und gesund. Der erste Schritt hin zu einer fahrradfreundlichen Stadt war die Kampagne Radfahren ist cool. Zunächst in den Schulen gestartet, war die Kampagne in den 2010er Jahren eine der präsentesten Werbekampagnen in der Stadt. Noch heute wird die Eröffnung neuer Radstrecken mit einem Straßen31 / Eingebracht bei den fest gefeiert.

7 Früher befanden sich viele Hamburger Radwege in einem miserablen Zustand. Zwischen Schlaglöchern, falsch parkenden Autos und allerlei abgestellten Gegenständen wurde manche Tour

Eingereicht von MilanoDIY 8

im Zukunftscafé 9 Trocken ans Ziel mit dem Fahrrad – das geht auch mit dem Bus. An regnerischen Tagen setzen Metrobusse Fahrradanhänger ein. Ohne Verzögerung der Fahrtzeit können die Räder in Sekundenschnelle aufgeladen werden.

16 / Eingereicht von Julian 10 Wo sich Fahrradschnellwege kreuzen – vornehmlich an U- und S-BahnStationen –, werden kostenlos sichere Fahrradabstellmöglichkeiten bereitgestellt. Auch über Nacht kann man hier sein Fahrrad bedenkenlos parken. Was zu beobachten ist: An diesen Schnittpunkten des Radverkehrs siedeln sich vermehrt entsprechende Service- und Verkaufsbetriebe an. 6 /

Eingereicht von Ulf Zugermann

»Ich will mich nicht überwachen lassen beim Fahrradfahren. Den digitalen Guide benutze ich nicht.«

»Wie sollen die Fahrradautobahnen aussehen? Die müssten sich schon irgendwie einpassen. Sonst macht man den gleichen Fehler wie mit den Autos: Nach der autogerechten die fahrradgerechte Stadt. Und in 50 Jahren können wir das alles wieder zurückbauen.«

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Die Vorschläge … lösen die Probleme der Stadt sind machbar passen zu Hamburg

»Wenn alle ihre Fahrräder mit in die Bahn nehmen, wird es noch voller im Zug. Und werden die Staus nicht noch länger, wenn man einen Teil der Straßen für die Fahrräder reserviert?«

sind neu und spannend

»Fahrradstadt« weiter denken: www.nexthamburg.de/fahrradstadt

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Und nun?

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Die Bürgervision ist kein abgeschlossenes Produkt. Auch nach Veröffentlichung des Buchs geht die gemeinsame Stadtentwicklung weiter. Dabei werden immer neue Ideen und Themen aufkommen und die hier fixierten Zukunftsbilder weiterentwickelt. Das eine oder andere Szenario wird an Bedeutung verlieren, ebenso können neue entstehen. Nach einem Jahr wird es für Nexthamburg Zeit sein, Bilanz zu ziehen, welche Themen Bestand haben – und wie die planenden Akteure der Stadt die Bürgervision aufgenommen haben.

Zunächst aber steht das Arbeiten an den aktuellen Szenarien und Projektideen der Bürgervision im Vordergrund. Welche können am ehesten umgesetzt werden, welche müssen weitergedacht werden, welche fehlen? Wie schaffen die Inhalte der Bürgervision den Sprung in die Welt der Städteplaner? Nexthamburg lädt online und auf seinen kommenden Veranstaltungen ein, die Bürgervision weiterzudenken und weiterzutragen, ab November 2012 auch vor Ort, im neu eröffneten Salon am Bäckerbreitergang in Hamburgs City. Die Zukunft ist ein immer neuer Weg. Man muss ihn jeden Tag neu erkunden.

Mach mit auf www.nexthamburg.de

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Diskutanten, Autoren, Weiterdenker: Die Online-Community von nexthamburg.de

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Dank

Danken möchte ich zunächst all jenen, die Nexthamburg stark gemacht haben: den vielen Aktiven, die online und auf den vielen Veranstaltungen debattiert, gepostet, gezeichnet und gebastelt haben, die bei den Sessions oder dem Zukunftscamp mitgeholfen haben. Jeder einzelne Beitrag hat seinen Teil dazu beigetragen, dass die Diskussion so reich wurde, wie sie ist. Ich danke allen, die mitgemacht haben, für ihr Engagement und ihre Treue und hoffe, dass die NexthamburgCommunity immer zahlreicher und einflussreicher wird. Mein besonderer Dank gilt dem Nexthamburg-Team: Katharina Aulbach, Matthias Baxmann, Henrike von Bargen, Johannes Bouchain, Merle Breyer, Michael Burij, Matthias Burke, Oliver Driesen, Markus Ewald, Patrick Felsch, Peter Fey, Stefanie Graze, Katharina Groen, Astrid Grossmann, Christian Heinrich, Ferdinand v. Hoff, Anna Kirstgen, Rebecca Klausing, Malte Kramer, Birte Krüger, Stephan Landau, David Leibrich, Sven Lohmeyer, Jennifer Margitan, Antje Matern, Andrea Möller, Sophie Naue, Anja Nettig, Rajiv Patwardhan, Mohammad Saeidimadani, Suitbert Schmitt, Anna-Lena Schüsler, Sonja Steven, Cynthia Wagner, Petra Wiesbrock, Anna Wildhack. Ohne die Hingabe, das Talent, die Unbekümmertheit, die Hartnäckigkeit und die Improvisationsfähigkeit jeder und jedes Einzelnen hätte man eine Herausforderung wie Nexthamburg nicht meistern können. Ebenso wenig wäre Nexthamburg ohne seine Partner denkbar gewesen, ohne das Vertrauen, den kritischen Geist und die vielfältige materielle Unterstützung, die uns entgegengebracht wurden. Ich danke ganz besonders Stephan Willinger und Christiane Kalka vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Marie Neumüllers und ihren Kolleginnen und Kollegen vom Büro urbanizers, Prof. Lisa Kosok vom Hamburgmuseum, Prof. Alenka Krek von der HafenCity Universität, Uli Hellweg und Gerti Theis von der Internationalen Bauausstellung Hamburg, Anne Reis vom World Future Council, Claudius Lieven und Astrid Köhler von der Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, Daniel Opper und Christine Neuhaus von der ZEIT-Stiftung – sowie dem Team der Körber-Stiftung: Bernd Martin, Susanne Kutz, Julia André, Alexander Thamm und Matthias Mayer. Weiterhin möchte ich danken: Xenia Diehl, die einen entscheidenden Anstoß für die Gründung gegeben hat, Martin Lüders und Rainer Böhrnsen für ihr unermüdliches Engagement, Prof. Dieter Läpple als kritischem Ratgeber, Olaf Stichtenoth und dem Team von secu-ring, Pierre Sima Kunz und dem Team von Mono Berlin sowie Cay-Eric Schimanski und Jan Kluge von cajaks.com GmbH. Meiner Frau Beatrice und meiner Tochter Aurelia danke ich vor allem für ihre Geduld und ihr Verständnis während der Buchproduktion. Hamburg, im September 2012 Julian Petrin

Gefördert durch

Nexthamburg ist ein Pilotprojekt im Rahmen der „Nationalen Stadtentwicklungspolitik“ des BMVBS/BBSR

Kooperationspartner


Nexthamburg Bürgervision  

Fünf Jahre nach ihrem gedruckten Erscheinen nun auch online: Die Bürgervision. Wie würde Hamburg aussehen, wenn man die 300 beliebtesten Ide...

Nexthamburg Bürgervision  

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