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Office for Newspaper Design

32 ¿17 · Stuttgart und Region

Ein wenig Hoffnung für Kachelmann

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¿15 · Stuttgart und Region

Knapp drei Stunden nach dem Überfall auf die Volksbank in Filderstadt-Bonlanden haben am Montagnachmittag auf einem Parkplatz in Tübingen die Handschellen geklickt. Der mutmaßliche Täter hatte Beute und Tatwaffe noch bei sich.

Von wegen sozialer Kahlschlag: Die Bundesregierung beginnt erst mit dem Sparen. Richtig heftig wird es vom kommenden Jahr an. Die jetzige Sparrunde von Schwarz-Gelb bietet darauf nur einen kleinen Vorgeschmack.

In einem keineswegs kuscheligen Märchenland spielt das Bilderbuch „Jakob“. Zwei Filmstudenten haben einen Comic über den Tod geschrieben, über die Suche nach dem Allerwichtigsten.

Von Claudia Lepping Berliner Redaktion BERLIN/STUTTGART. Die Bundesregierung hat das größte Sparpaket in der bundesdeutschen Geschichte beschlossen. Bis 2014 sollen ungefähr 80 Milliarden Euro eingespart werden – deutlich mehr als erwartet. Die größten Einschnitte kommen auf Arbeitslose und den öffentlichen Dienst zu. Auch auf die Wirtschaft kommen Belastungen zu. „Es sind ernste Zeiten, es sind schwierige Zeiten“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montag in Berlin. Sie bezeichnete das Sparpaket als „einmaligen Kraftakt“. Von den drastischen Einschnitten ist der Sozialbereich besonders betroffen. Eine höhere Mehrwert- und Einkommensteuer schlossen Union und FDP aus. Die Koalition will die Bundeswehr im großen Stil umstrukturieren. Merkel kündigte eine „großangelegte Streitkräftereform“ an. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) wurde beauftragt, bis Anfang September zu prüfen, wie die Bundeswehr von derzeit 250 000 Soldaten um 40 000 Soldaten verkleinert werden kann. Bei den Sozialleistungen will die Regierung besonders kräftig sparen. Zuschläge für Arbeitslose werden gestrichen. Bei Hartz-IVEmpfängern will der Staat die Beiträge zur Rentenversicherung einsparen. Dies soll etwa zwei Milliarden Euro im Jahr bringen. Die Rentenhöhe will Schwarz-Gelb aber nicht ändern. Das Elterngeld wird insgesamt moderat gekürzt, für Hartz-IV-Empfänger komplett gestrichen. Der Höchstbetrag von maximal 1800 Euro im Monat wird nicht angetastet.

Foto: dpa

¿23 · Sport

Löws WM-Puzzle und der Wackelkandidat Klose Vor dem WM-Auftaktspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Australien am Sonntag forciert Bundestrainer Joachim Löw den Kampf um die elf Plätze in der Startformation. Einer der Wackelkandidaten ist Miroslav Klose (Foto).

¿28 · Verbraucher Zu jung zur Altersvorsorge? Dass die Rente möglicherweise nicht reicht, hat sich bei den meisten jungen Leuten herumgesprochen. Was sie dagegen tun können, wissen sie allerdings nicht. Wir geben Tipps.

¿6 · Landesnachrichten

ESSEN (ddp). Das Ringen um eine Zukunft der insolventen Kaufhauskette Karstadt ist beendet. Der Finanzinvestor Nicolas Berggruen wird neuer Eigentümer. Der Gläubigerausschuss habe „mit deutlicher Mehrheit beschlossen“, dass umgehend ein Kaufvertrag mit zwei Berggruen-Gesellschaften geschlossen werden soll, sagte Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg am Montag. Damit erhielt der Favorit von Verdi den Zuschlag. Die Dienstleistungsgewerkschaft sprach von einer „vernünftigen Entscheidung“. Damit ist auch eine Zerschlagung des Konzerns vom Tisch. Vor fast genau einem Jahr war der Insolvenzantrag gestellt worden. Berggruen kündigte an, er wolle „Karstadt wieder auf Kurs“bringen. ¿ Wirtschaft Seite 9

¿19 · Ein Stier sieht rot Er ist erst zwölf Jahre alt – und tötet mit einem Hieb schon einen 400 Kilo schweren Stier. Michel Lagravere aus Mexiko ist damit der weltweit jüngste Torero.

Inhalt 20 20 21 22 24

Ihre Meinung bitte! Deutschland muss sparen – was halten Sie von den schwarz-gelben Plänen? www.stuttgarter-nachrichten.de/meinung

Euro Stoxx 50 Euro

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Stadt räumt Missverhältnis bei Gebühr für Freiluft-Gastronomie ein

1,1973 Dollar – 1,93 Cent

Von Andrea Jenewein

¿18 · Wetter Mittags 25˚ Nachts 16˚ Vormittags freundlich, später Schauer

Foto: Fotolia

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Sie sorgen sich um die Zukunft, um die Entwicklung am Arbeitsmarkt, die wirtschaftliche Stabilität im Land, die Kaufkraft des Euro? Dann sorgen Sie sich bitte weiter. Lassen Sie sich von keinem Menschen einreden, dass alles gut wird. Denn das, was wir Deutsche unseren europäischen Nachbarn voraushaben, ist unsere Fähigkeit, uns zu sorgen. Beim Sorgenmachen macht uns keiner was vor, hat die Gesellschaft für Konsumforschung in Nürnberg herausgefunden. Es kommt auf jeden an, deshalb: Tragen Sie dafür Sorge, dass wir auch morgen noch sorgenvoll in die Zukunft blicken können. (hör)

Der Platz an der Sonne kann teuer werden

¿10 · Börse

2529,97 Pkt. – 23,62 Pkt.

Allerdings werden künftig nur 65 statt 67 Prozent des Nettoeinkommens als Berechnungsgrundlage genommen. Beim Bund sollen bis einschließlich 2014 bis zu 15 000 Stellen dauerhaft abgebaut werden. Zudem sollen die Bundesbeamten 2011 auf die geplante Erhöhung des Weihnachtsgeldes verzichten. Dies bedeute eine Kürzung der Bezüge um 2,5 Prozent. Die Koalition will auch die Wirtschaft zur Kasse bitten. Die Atomkonzerne Eon, RWE, Vattenfall und EnBW müssen künftig eine neue Brennelementesteuer von jährlich 2,3 Milliarden Euro zahlen. Damit soll ein Teil der Zusatzgewinne der Konzerne bei längeren Atomlaufzeiten abgeschöpft werden. Im Luftverkehr plant die Bundesregierung eine neue Abgabe. Sie soll für alle Passagiere erhoben werden, die von einem deutschen Flughafen starten. Die Koalition will auch die Banken weiter belasten. Spätestens 2012 soll eine neue Abgabe kommen, falls es zuvor in Europa und weltweit keine Lösung gibt. Merkel hält den Sparkurs für alternativlos. FDP-Chef Guido Westerwelle sagte, vor Deutschland liege eine große Kraftanstrengung. „Wir haben in den letzten Jahren auch über unsere Verhältnisse gelebt.“ Er räumte ein: „80 Milliarden Euro sparen Sie auch nicht mit der Nagelschere.“ SPD, Linke und Gewerkschaften kündigten Widerstand an. An diesem Samstag sei in Stuttgart der Auftakt zu bundesweiten Demonstrationen geplant, kündigte die baden-württembergische Verdi-Landeschefin Leni Breymaier am Montag in Stuttgart an. ¿ Tagesthema ¿ Seite 2 und 3 ¿ Kultur Seite 13

Foto: AP

Die Entführung und Ermordung der Heidenheimer Bankiersfrau Maria Bögerl sorgt für Rätsel: Wieso scheiterte die Übergabe des Lösegelds?

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STUTTGART. Obwohl die Gebühren gestiegen sind, beantragen weiterhin viele Wirte Freiluft-Konzessionen. Die Gebühren sind je nach Lage der Lokalität gestaffelt – ein System, das Fragen aufwirft. Für viele Wirte ist es mittlerweile überlebenswichtig, Plätze an der Sonne bieten zu können. Die Sondernutzungsgebühren sind je nach Lage der Lokalität gestaffelt, sie hängen von der Wertigkeit des Straßenraums ab. Die Gebühren wurden zum Januar angehoben. Bereits in den 1960er Jahren wurde Stuttgart in vier Klassen kategorisiert: 1, 2, 3 und S – wobei 1 die billigste, S die teuerste ist. Zwischen 2,10 und 4,80 Euro pro Quadratmeter beanspruchter Straßenfläche muss der Wirt monatlich zahlen.

Fron pages

Zur Kategorie 1 zählen etwa Anliegerstraßen, zu S Fußgängerzonen. Diese Kategorisierungen werfen mitunter Fragen auf: Warum etwa zählt der Rupert-Mayer-Platz unter der Paulinenbrücke zur Kategorie S? Was macht den Österreichischen Platz so attraktiv, dass er in die zweitteuerste Kategorie fällt? Matthias Oberdorfer vom Stuttgarter Tiefbauamt räumt ein, dass die Straßen nur stichprobenartig überprüft und gegebenenfalls angepasst würden. „Da kann schon mal was verrutschen“, sagt er. Eine neue Entwicklung ist, dass immer mehr Wirte beantragen, sogar im Winterhalbjahr Tische und Stühle rausstellen zu dürfen. Die Gebühren für die Winterkonzessionen sind die gleichen wie im Sommer. ¿ Stuttgart und Region Seite 15

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In der Region erobern Frauen die Rathausspitze. Bis zur Gleichstellung ist es aber ein weiter Weg: Von den 179 Städten und Gemeinden werden zehn von Frauen regiert. Der Politikwissenschaftler Oscar Gabriel sieht die Mehrfachbelastung der Frauen als Ursache: Sie kandidieren nur selten. Von Annette Mohl STUTTGART. Statistisch wird der Anteil der Frauen in Bürgermeistersesseln beim Gemeindetag erst seit der Gemeindereform 1975 erhoben. Damals gab es im ganzen Land aber noch keine einzige Frau in diesem Amt. Das änderte sich erst 1990, als Beate Weber in Heidelberg an die Rathausspitze gewählt wurde. Die Sozialdemokratin wirkte 16 Jahre in der Unistadt, trat für eine dritte Amtszeit aber nicht mehr an. „Seit 1990 wurden in Baden-Württemberg 48 Oberbürgermeisterinnen und Bürgermeisterinnen gewählt, 40 von ihnen sind noch im Amt“, weiß Gemeindetag-Sprecher Harald Burkhart. Dennoch stellen die Frauen bei 1101 selbstständigen Städten und Gemeinden im Land einen nur kleinen Prozentsatz der Stadt- und Gemeindeoberhäupter.

Tagesthema

Kürzen in der Not Die Einschnitte der Bundesregierung sind nötig, aber sozial unausgewogen Von Wolfgang Molitor Sparen ist die richtige Mitte zwischen Geiz und Verschwendung. Das hat Theodor Heuss, der erste Bundespräsident, gesagt. Vor einem halben Jahrhundert. Sein Wort hat Bestand. Die Bundesregierung versucht verzweifelt, danach zu handeln. Wobei man genauer formulieren sollte: Denn die Kanzlerin spart ja nicht vom Überfluss – sie kürzt in der Not.

Als erste Rathauschefin einer kleineren Gemeinde im Land wurde 1992 Birgit Kriegel in Löwenstein (Kreis Heilbronn) gewählt. Sie schlug bei der Wahl einen kommunalpolitischen Platzhirsch, überstand aber nur eine Amtszeit und wurde nicht wiedergewählt. Auch in Tübingen konnte sich 1998 eine Frau durchsetzen, 2006 musste sich Brigitte Russ-Scherer aber Boris Palmer geschlagen geben. Dienstälteste Bürgermeisterin im Land ist damit Isolde Schäfer in Stühlingen im Südschwarzwald. Sie wurde im Oktober 2009 mit 53 Prozent in die dritte Amtszeit gewählt. Das wünscht sich nun auch Monika Chef, die dienstälteste Bürgermeisterin in der Region. Die FDP-Frau steht seit 16 Jahren an der Spitze der 4000-Einwohner-Gemeinde Gemmrigheim im Kreis Ludwigsburg. Am 28. Februar ist Wahltag. Bis zum 1. Februar um 18 Uhr läuft die Bewerbungsfrist, erst dann ist geklärt, wer es mit der 51-Jährigen aufnehmen will. Lucia Herrmanns zweite Amtszeit läuft im nächsten Jahr ab. Sie managt seit 1995 die Gemeinde Lichtenwald im Schurwald mit 2500 Einwohnern. Die erste Amtszeit war für sie kein Zuckerschlecken: „Es gibt Leute, die nur darauf warten, dass ich Fehler mache“, sagte sie fünf Jahre nach ihrer ersten Wahl. Damals war sie noch überzeugt: „Frauen haben es in diesem Amt besonders schwer.“ Nun hat sich das Blatt gewendet: „Seit meiner Wiederwahl 2003 sitze ich deutlich fester im Sattel.“ Sie kann sich zurücklehnen: „Frauenspezifisch gibt es jetzt keine Probleme mehr.“ Eines weiß sie aber genau: „Frauen müssen im Wahlkampf klar etwas zu ihrem Kin-

Natürlich melden sich jetzt all diejenigen laut jammernd zu Wort, denen von dem genommen wird, an das sie sich gewöhnt haben – und dabei allzu leicht von dem Gewohnten einen Anspruch ableiten. Doch auch politische Plattitüden sind wirtschaftliche Notwendigkeiten. Wenn die Kanzlerin jetzt schmallippig darauf verweist, dass man sich in ernsten Zeiten eben nicht alles leisten könne, was man sich wünsche, wird man ihr nicht widersprechen können. Auch die Frage, ob wir in den vergangenen Jahren über unsere Verhältnisse gelebt haben, ist müßig. Man sollte auch sie präzisieren. Hat uns die Politik denn nicht vorgegaukelt, für alles und immer mehr sei Geld genug da? Hat die FDP nicht bis vor wenigen Wochen noch so getan, als sei Raum für Steuersenkungen in zweistelliger Milliardenhöhe? Muss sich die Politik nicht über alle Parteigrenzen hinweg heute zu Recht vorwerfen lassen, den Ausgabenwünschen von hier und dort (denn die und nicht die Einnahmen sind ja das Problem) allzu schnell und oft vorauseilend nachgegeben zu haben? Nein, es ist vor allem der Staat, der über seine Verhältnisse gelebt hat – die Bürger haben es, wen wundert’s, gern mitgenommen. Es geht nicht darum, ob der Staat, hoch verschuldet, sparen muss oder nicht. Ob der einmalige Kraftakt, wie Merkel ihn nennt, nötig oder unnötig ist. Wir alle wissen, dass der brutale Tritt auf die Sparbremse unausweichlich war. Und dass es längst nicht mehr darum gehen darf, den Rotstift immer nur bei den anderen anzusetzen.

derwunsch sagen.“ Die Leute hätten „viel zu viel Respekt“ selbst zu fragen, wollten aber wissen, wer die Geschäfte führt, wenn die Bürgermeisterin schwanger wird. Sie selbst habe deshalb alle wissen lassen: „Wir wünschen uns Kinder, können aber keine bekommen.“ Diese Offenheit hat ihr nach ihrer eigenen Einschätzung zum Wahlsieg verholfen. So hat Lucia Herrmann in diesem Sinn auch Verena Grötzinger beraten, die sich 2008 in Owen, ebenfalls Kreis Esslingen, bewarb. Und Grötzinger, die damals noch Verena Wiedmann hieß, hatte von einem wohlwollenden Owener gehört: „Sie haben zwei Probleme – Sie sind eine Frau und Sie sind nicht verheiratet.“ Tatsächlich sei sie dann „auf offener Bühne“ gefragt worden, was passiert, wenn sie schwanger werde. „Bei mir wurde, anders als bei den männlichen Bewerbern, aber auch gefragt, warum ich glaube, für dieses Amt qualifiziert zu sein.“ Ihre Antworten konnten die Owener aber offensichtlich überzeugen: Verena Grötzinger wurde gegen zwei männliche Konkurenten mit 64 Prozent gewählt. Ein Grund war sicher ihr klares Bekenntnis zur ihrem Amt – trotz Kinderwunsch. „Ich habe klargestellt, dass dann mein Mann zu Hause bleibt.“ Sie sieht an der Spitze einer kleinen Verwaltung selbst auch keine Möglichkeit zu pausieren. Das sei in den größeren Städten mit Wahlbeamten an der Seite der Oberbürgermeisterin anders. „In einem großen Rathaus hat man viel fachliche Qualität und ein Hauptamt hinter sich.“ Sie sei in Owen aber „Generalistin“. Im gesamten Rathaus sind nur sechs Vollzeitkräfte tätig.

Jetzt, 13 Monate im Amt, sieht sich Grötzinger mit „sehr positiven Rückmeldungen“ konfrontiert. Oft werde ihre Sachkompetenz gerühmt, freut sich die 31-Jährige. Ein Lied davon singen, wie Bewerberinnen fürs Bürgermeisteramt am Kinderwunsch beurteilt werden, kann auch Irmtraud Wiedersatz aus Burgstetten (Rems-MurrKreis). Als das zweite Kind unterwegs war, habe der Stellvertreter der Bürgermeisterin schon gelauert, sagt Verena Grötzinger. Monika Chef (damals noch Monika Tummescheit) erntete offene Kritik aus dem Gemeinderat, als sie 14 Wochen in den Mutterschutz ging. Ulrike Binninger (damals Ulrike Mau) aus Nufringen (Kreis Böblingen) nahm den Kritikern dagegen früh den Wind für weitere Fragen aus den Segeln: „Ich bin konfessionslos und will keine Kinder.“ Dass das Amt keine Auszeit erlaubt, findet wie Verena Grötzinger auch Lucia Herrmann. Über den Tübinger OB, der angekündigt hat, im Herbst einige Monate Elternzeit zu nehmen, sagt sie: „Auch Boris Palmer

wird nicht abstinent vom Rathaus bleiben und nur noch das Baby wickeln.“ Es werde auch ihm in einer größeren Stadt nicht möglich sein, die Drähte komplett zu kappen. „Als Bürgermeister hat man nie frei.“ „Das klassische Dilemma der Mehrfachbelastung“ sieht Oscar Gabriel (62), Professor für Politikwissenschaft an der Universität Stuttgart, als Hauptursache, dass sich Frauen selten für Spitzenpositionen bewerben. „Wenn Frauen kandidieren, haben sie gute Chancen, gewählt zu werden“, weiß Gabriel. Doch viele schreckten zurück vor dem Spagat zwischen Kindererziehung, Haushalt, Rathauschefin und Daueransprechpartnerin für jeden in der Gemeinde. Frauen seien in den Parlamenten und Parteivorständen durchaus auf dem Vormarsch, so Gabriel. Auf dem Weg in Spitzenpositionen gebe es aber ein Nadelöhr. Auch weltweit seien Frauen deshalb als Regierungschefin, Parlamentspräsidentin oder Parteivorsitzende noch die Ausnahme. Dies liege nach wie vor einfach „an der Verfügbarkeit der Zeit“. Um sich das Bürgermeisterinnen-Leben leichter zu machen, treffen sich die Amtsinhaberinnen einmal im Jahr im September für ein Wochenende an wechselnden Orten. 2009 war es in Laupheim (Kreis Biberach). Dort wurde Bürgermeisterin Monika Sitter im Dezember aber abgewählt. „Gut 20 Kolleginnen waren da“, sagt Lucia Herr-

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Räuber im Hausflur STUTTGART. Ein Unbekannter hat eine 64-Jährige im Hausflur eines Wohngebäudes an der Kronenstraße in der Innenstadt überfallen und deren Handtasche erbeutet. Der Räuber hatte die Frau am Montag gegen 17 Uhr offenbar auf ihrem Heimweg verfolgt. Der Täter ist etwa 20 Jahre alt und mit 1,55 Metern auffallend klein. Hinweise an 07 11 / 89 90 - 55 44.

Explosion beim Schweißen KORNWESTHEIM. Ein 38-Jähriger ist bei Arbeiten mit einem Schneidbrenner lebensgefährlich verletzt worden. Offenbar hatte sich unter einer 2,5 Tonnen schweren Eisenplatte Gas gesammelt, das beim Einsatz des Schweißgeräts explodierte. Der Arbeiter wurde von Teilen des Metalls am Kopf getroffen.

SCHORNDORF. Ein Unbekannter hat am Montagabend einen großen Eisbrocken von einer Brücke bei Schorndorf-Haubersbronn auf einen Zug der Wieslauftalbahn geworfen. Der Brocken verfehlte die Scheibe der Fahrgastkabine knapp. Schaden: rund 2000 Euro.

Seit 1995 Bürgermeisterin in Lichtenwald mit 2500 Einwohnern im Kreis Esslingen. Zu Lichtenwald zählen die Ortsteile Thomashardt und Hegenlohe. Lucia Herrmann gehört der CDU an. Sie ist Diplom-Verwaltungswirtin, Betriebswirtin und verheiratet.

Auf frischer Tat ertappt URBACH. Polizisten haben am Montag an einer Tankstelle in Urbach (Rems-MurrKreis) zwei Automatenaufbrecher ertappt. Ein Beschäftigter hatte bemerkt, dass die Tür eines Kassenautomaten der Waschstraße offen stand. Er rief die Polizei. Einer der beiden 25-Jährigen ist einschlägig vorbestraft.

Unbekannte Tote Seit 2004 Oberbürgermeisterin in der Großen Kreisstadt Kirchheim unter Teck mit 39 800 Einwohnern. Matt-Heidecker gehört der SPD an und sitzt im Regionalparlament. Sie ist Juristin/Rechtsanwältin von Beruf, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

81,6 Milliarden Euro bis 2014: Das ist ein Wort. Warten wir ab, ob SchwarzGelb genug Zeit bekommt, es zu halten.

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Ursula Kreutel (44)

Seit 2006 Bürgermeisterin in der Gemeinde Weissach mit 7700 Einwohnern im Landkreis Böblingen. Die erfolgreiche Diskuswerferin (Teilnehmerin an der EM und WM) ist Diplom-Verwaltungswirtin. Sie ist parteilos und ledig. Kreutel hat eine Tochter.

Ursula Keck (46) Seit 2007 Oberbürgermeisterin der Großen Kreisstadt Kornwestheim mit 31 061 Einwohnern im Landkreis Ludwigsburg. Ursula Keck gehört keiner Partei an. Sie ist von Beruf Diplom-Verwaltungswirtin. Keck ist verheiratet. Sie hat keine Kinder.

spritzt werden. Soll ein Laser die Fältchen Vor 20 Jahren ging man zum Hautarzt, verschwinden lassen, ist für das ganze Geum Warzen loszuwerden oder einen Aus- sicht eine Behandlung für 2500 Euro fällig (Skin-Resurfacing); die Behandlung mit eischlag. Das ist immer noch so – doch nem fraktionierten CO2-Laser kostet ca. 500 inzwischen verhelfen Dermatologen Euro, zwei bis drei Sitzungen sind nötig. dank High-Tech-Methoden zu einem Altersflecken: Gegen kleine Pigmentflecken perfekten Teint und einer ästhetischen oder Muttermale sowie Blutschwämmchen Gesamterscheinung. Vorausgesetzt, man im Gesicht wird ein Laser eingesetzt. Koskann und will sich das leisten. tenpunkt für das Entfernen ca. 100 Euro pro

Von Andrea Weller Die Fotos von Stars und Sternchen in den einschlägigen Hochglanzmagazinen machen oft ein bisschen neidisch: Wie kann man nur einen solchen Schneewittchenteint haben? Das flächenmäßig größte, schwerste und von seinen Funktionen her vielseitigste menschliche Organ ist einerseits zwar unglaublich strapazierfähig. Andererseits ist das Wunderwerk Haut mit einer Gesamtfläche von bis zu zwei Quadratmetern aber auch störanfällig durch den normalen Alterungsprozess, durch Erkrankungen oder äußere Einflüsse – und kann dann sehr unansehnlich werden. Der Wunsch nach makelloser Pfirsichhaut ist indessen groß wie nie. Viele Hautarztpraxen und Hautkliniken haben schon lange diesen Trend erkannt und kurieren nicht nur, sondern verschönern auch ihre Patienten. Der Stuttgarter Hautarzt Dr. Heiko Grimme, Mitglied im Berufsverband Deutscher Dermatologen, schätzt, dass die Leistungen im Bereich der ästhetischen Dermatologie in den Praxen mittlerweile bis zu 40 Prozent ausmachen können. „Begonnen hat diese Entwicklung mit dem Siegeszug des Lasers“, erläutert Grimme, „man hat immer neue Anwendungen gefunden.“ Dr. Ralf Merkert, Erster Oberarzt an der Klinik für Ästhetische Chirurgie, Phlebologie und Dermatologie an der Hautklinik Bad Cannstatt, bestätigt, dass die Nachfrage der Patienten vor allem nach nichtinvasiven Möglichkeiten zur Verschönerung „massiv zugenommen“ habe. Auch wenn diese sanften Therapiemethoden ohne Skalpell auskommen, sollte man sich aber nur in die Hände von Ärzten mit entsprechender Zusatzausbildung begeben. Mittlerweile gibt es für (fast) jedes Hautproblem mindestens eine Lösung. Besonders nachgefragt, so Grimme, seien Haaroder Altersfleckenentfernung, die Behandlung störender Äderchen im Gesicht (Couperose) oder an den Beinen (Besenreiser) und das Faltenglätten. Wermutstropfen: Wer schön sein will, muss alles selbst bezahlen – und da können schnell einige Hundert Euro zusammenkommen. Das Ergebnis hält nicht ewig, die Behandlungen müssen nach einer gewissen Zeit wiederholt werden. Hier einige Beispiele mit Durchschnittswerten (die variieren können) zu den Kosten:

Homöopathie immer beliebter

mann. Die Hausherrin stellt dann jeweils interessante Einrichtungen oder Firmen ihrer Stadt vor, im gemütlichen Teil wird dann schon einmal die Zusammenarbeit mit (männlichen) Kollegen oder dem Gemeinderat diskutiert. Ganz offensichtlich haben es Oberbürgermeisterinnen zumindest in der Anfangsphase leichter. Ursula Keck aus Kornwestheim fühlt sich nicht anders behandelt als männliche Kollegen. Wenn es überhaupt Unterschiede gebe, dann durch eine andersartige Kommunikation der Frauen: „Wir legen einfach mehr Wert auf ein gutes Klima eine gute Gesprächsatmosphäre.“ Gute Ergebnisse seien oft auch das Produkt von Sensibilität.

Lucia-Maria Herrmann (47)

Angelika Matt-Heidecker (56)

Das Leistungsspektrum bei Hautärzten ist riesengroß geworden: Falten glätten, Haare, Altersflecken oder Besenreiser entfernen

Die langfristigen Folgen einer fettreichen Ernährung sind ein erhöhtes Risiko von Fettleibigkeit, Diabetes und Herzkrankheiten. Fettes Essen könnte sich aber auch kurzfristig bereits schädlich auf die Gesundheit auswirken, schließen britische Forscher aus Tierversuchen. Nahrung mit hohem Fettgehalt schwächte die körperliche Ausdauer von Ratten schon nach fünf Tagen und beeinträchtigte gleichzeitig ihre Gedächtnisleistung. Weitere Untersuchungen sollen nun zeigen, inwieweit diese Resultate auf den Menschen übertragbar sind, schreiben die Wissenschaftler im „FASEB Journal“. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass bereits eine kurzzeitige fettreiche Ernährung Genaktivitäten, Stoffwechsel und körperliche Leistung stark beeinflussen kann“, sagt Kieran Clarke, Leiter der Forschergruppe an der Oxford University. Die Wissenschaftler führten Versuche mit Ratten durch, die zunächst eine Standardnahrung mit einem sehr geringen Fettgehalt von 7,5 Prozent erhielten. Durch Tests im Laufrad ermittelten sie die Ausdauer der Nager, mit Labyrinthversuchen deren Gedächtnisleistung. Die Hälfte der Ratten wurde dann auf eine Ernährungsweise umgestellt, bei der 55 Prozent der Kalorien als Fett vorlagen. Auf den Menschen übertragen, entspräche das etwa der Umstellung eines Müsli-Essers auf Fast-Food-Kost. Schon am fünften Tag nach der Umstellung sank die Ausdauer der Tiere im Laufrad verglichen mit der Kontrollgruppe um rund 30 Prozent und nahm bis zum neunten Tag noch weiter ab. Auch das Gedächtnis verschlechterte sich durch die fettreiche Nahrung in diesem Zeitraum, wie die höheren Fehlerquoten im Labyrinth zeigten. Weitere Untersuchungen ergaben, dass der Ernährungswechsel die Effizienz der Energieerzeugung in den Muskeln verringerte. Als Reaktion darauf vergrößerte sich bei den Tieren das Herz, um den erhöhten Sauerstoffbedarf decken zu können. (wsa)

Anschlag mit Eisbrocken

Ja, es trifft auch Banken, Fluglinien, Atomkraftbetreiber, Energiekonzerne und Staatsbedienstete. Ein einmaliger Kraftakt braucht eben auch eine einmalige Solidarität. Ebenso wenig wie Hartz-IV-Empfänger aber ins Bodenlose fallen werden, hätte Schwarz-Gelb den Wohlstand in diesem Land nicht gefährdet, wären auch jene zur Kasse gebeten worden, die im Überfluss leben.

Wunsch nach dem makellosen Teint

Hoher Fettgehalt wirkt sich bei Ratten nach wenigen Tagen negativ aus

Diese Frauen stehen in der Region Stuttgart an der Verwaltungsspitze

Das Problem der Bundesregierung ist ein anderes, eines, das letztlich über ihre politische Zukunft entscheiden wird. Es ist die Frage, ob die Kürzungen und Belastungen gerecht verteilt sind. Darüber lässt sich dann trefflich streiten. Es ist klar, dass sich die Opposition empört, wenn nun kräftig Sozialausgaben gestrichen werden. Doch wo, wenn nicht hier, hat der Staat demonstrativ über seine Verhältnisse gelebt? Gewiss: Die Kürzungen für Geringverdiener, Wohngeld empfangende Rentner und Langzeitarbeitslose treffen Menschen, die jeden Euro zweimal umdrehen müssen. Und sie sind politisch anrüchig – weil Steuererleichterungen für Hoteliers unangetastet bleiben. Soziale Einschnitte sind immer angreifbar, solange es viele gibt, denen es – zum Glück – bessergeht. Aber dieser Sozialstaat gerät nicht in Schieflage, wenn Zuwendungen nicht erhöht, der Sinn und Zweck von Ausgaben überprüft und nicht Arbeitslosigkeit, sondern Anreiz zur Arbeit gefördert wird.

Medizin

Nummer 196 • Mittwoch, 26. August 2009

Fettes Essen schwächt Ausdauer und Gedächtnis

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Neuer Eigentümer Wir zählen täglich für Karstadt unsere Sorgen

Fall Bögerl: Rätsel um gescheiterte Geldübergabe

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Regierung beschließt 80-Milliarden-Sparpaket und bittet Arbeitslose, Familien und Banken zur Kasse

¿18 · S-Presso Comic über Verlust und Tod

Notdienste Roman Familienseite Veranstaltungen Gewinnquoten

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Geld regiert die Welt – und der Rotstift ab sofort Deutschland

Schneller Erfolg der Polizei: Bankräuber mit Beute gefasst

Landesnachrichten 5 – 6 TV/Medien 7 Panorama 8 Kultur/-magazin 13/14 Impressum 16

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Spürnasen gegen Steuersünder

StN-Grafik: Lange

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Gabriele Dönig-Poppensieker (50) Seit 2007 Oberbürgermeisterin der Großen Kreisstadt Filderstadt mit 43 840 Einwohnern in den Stadtteilen Bernhausen, Bonlanden, Plattenhardt, Sielmingen und Harthausen. Dönig-Poppensieker gehört der SPD an. Sie ist Stadtplanerin und verheiratet.

Verena Grötzinger (31) Seit 2008 Bürgermeisterin in der Gemeinde Owen mit 3487 Einwohnern im Landkreis Esslingen. Die Jüngste aller Bürgermeisterinnen in der Region ist parteilos und von Beruf Diplom-Verwaltungswirtin. Verena Grötzinger hat bisher keine Kinder. (mo)

REMSHALDEN. Nach wie vor ein Rätsel ist der Polizei die Identität der Frau, die sich am vergangenen Donnerstag am Bahnhof Remshalden-Grunbach (RemsMurr-Kreis) vor einen Zug geworfen hatte und dabei gestorben ist. Die 30- bis 50-Jährige hatte keine Papiere bei sich. Sie war von kräftiger Statur, trug die dunkelbraunen Haare lang und war mit mehreren T-Shirts und Jacken der Größen 44 bis 46 oder XL bis XXL bekleidet. Hinweise unter Telefon 0 71 51 / 950 - 0.

V sua sa on

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Bei Erkältungen, Magenbeschwerden oder Kopfschmerzen greifen laut einer Studie immer mehr Deutsche zu homöopathischen Arzneimitteln. Das geht aus einer repräsentativen Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach hervor. In der vom Bundesverband der Arzneimittelhersteller in Auftrag gegebenen Untersuchung wurden die Bekanntheit, die Verwendung und das Image von Homöopathika untersucht. Fast alle Deutschen (92 Prozent) kennen die auf pflanzlicher Herkunft basierenden Arzneimittel. Noch vor rund 30 Jahren hätten nur 76 Prozent den Begriff zuordnen können. (dpa)

Bluttest gibt Arthrose-Risiko an Mit einem einfachen Bluttest kann künftig das Risiko einer Hüft- und Kniegelenkarthrose vorausgesagt werden. Der Schlüssel liegt in einem bestimmten Eiweiß, das mit der Gefäßverkalkung im Zusammenhang steht, wie Forscher des Universitätsklinikums Erlangen und der Medizinischen Universität Innsbruck erläutern. Bei einer Studie erkrankten Patienten mit einem hohen Spiegel des Eiweißes VCAM1 unabhängig von Alter und Körpergewicht vier- bis fünfmal häufiger an einer Knie- und Hüftgelenkarthrose als Patienten mit einem niedrigen VCAM1-Spiegel. (AP)

Spezielles Cholesterin gilt als gefährlich Dass ein hoher Cholesterinspiegel das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall steigert, ist allgemein bekannt. In schlechtem Ruf steht vor allem das LDL-Cholesterin. Chinesische Forscher haben nun eine Variante des Blutfetts ausgemacht, die offenbar noch gefährlicher ist. Dieses Oxycholesterin tritt vor allem in gebratenen und industriell gefertigten Lebensmitteln wie etwa Fast-Food-Produkten auf. Es treibt die Blutfettwerte stärker in die Höhe als nicht oxidiertes Cholesterin. Zudem lagert sich die Substanz in den Blutgefäßen stärker ab und beeinträchtigt die Elastizität von Venen und Arterien. (AP)

Medizin im TV

Mein Bypass aus Bangkok Immer mehr Patienten aus Europa und Amerika fliegen für Schnäppchenbehandlungen nach Fernost. Besonders gefragt sind Bypässe und künstliche Hüftgelenke. ¡ Dienstag, 1. 9., Arte, 21.50 Uhr

Haarentfernung: Störende Härchen in der Bikinizone mittels Laser entfernen zu lassen kostet ca. 100 Euro pro Sitzung. Notwendig sind fünf bis acht Behandlungen.

Ein ebenmäßiger Teint ist in erster Linie Vererbungssache – durch richtige Pflege und eine gesunde Lebensweise kann man aber viel für seine Haut tun Foto: Fotolia/Giorgio Gruizza

Faltenglätten: Für die Faltenunterspritzung eines Gesichtsbereichs (mit Hyaloronsäure) muss man rund 400 Euro rechnen; ein bis zwei Behandlungen pro Jahr sind für ein gleichbleibendes Ergebnis nötig. Möglich ist auch eine Behandlung mit Botoxspritzen. Pro Gesichtsregion kostet das rund 300 Euro, nach sechs Monaten muss erneut ge-

Fleck, eine Sitzung reicht dafür aus.

Tätowierungen: Wer ein missglücktes Tattoo wieder loswerden möchte, muss tief in die Tasche greifen. Für eine Entfernung mit dem Laser werden mehrere Sitzungen veranschlagt, eine Behandlung kostet – je nach Größe und Beschaffenheit des Tattoos – rund 75 bis 200 Euro. Wer angesichts dieser Preise denkt, der Boom in der ästhetischen Dermatologie sei nicht mehr als eine (Werbe-)Behauptung und nur von einem kleinen Bevölkerungskreis ausgelöst, der irrt. Ralf Merkert: „Wir haben hier an der Hautklinik Bad Cannstatt rund 3000 bis 5000 Patienten pro Jahr in diesem Bereich, die auch aus der Schweiz, aus Spanien oder Italien zu uns kommen.“ Allerdings bietet die Hautklinik auch „blutige“ Eingriffe wie Fettabsaugen oder das Absaugen von Schweißdrüsen an. Die meisten Patienten in der ästhetischen Dermatologie sind Frauen, doch die Männer, deren Anteil laut Dr. Grimme bei mittlerweile rund 20 Prozent liegt und die sich vor allem für Botox-Behandlungen interessieren, holen auf. Auch die Altersstruktur der Schönheitshungrigen ist breit gefächert – manchmal zu breit. „Eine 18-Jährige, die nach Botox gegen ihre Falten gefragt hat, haben wir wieder weggeschickt“, sagt Heiko Grimme. Doch er berichtet auch von einer 91-jährigen Frau, die sich unlängst in seiner Praxis einer großen Laser-Gesichtsbehandlung unterzogen hat. Diese beiden Beispiele markieren Extreme. Dass aber jemand mit Ende 20 damit beginne, etwas gegen die ersten Falten zu unternehmen, sei inzwischen keine Seltenheit, sagt Ralf Merkert. Kann man also nicht einfach in Würde altern – ohne Laser und Co? Doch, man kann. Ohnehin sind Hautbeschaffenheit, Geschwindigkeit und Ausmaß der Hautalterung vorwiegend eine Sache der Gene, so Grimme. Ob man einen Vorzeigeteint hat oder nicht, wird einem also in die Wiege gelegt. Darüber hinaus kann man seiner Haut aber selbst – und kostengünstig! – dabei helfen, schön, gesund und glatt zu bleiben.

Hintergrund

Tipps für eine Pfirsichhaut ¡ Ganz wichtig ist ein sinnvoller Umgang mit der Sonne, sagt Hautarzt Heiko Grimme – also nicht zu lange und nicht bei intensiver UV-Strahlung sonnenbaden ¡ Aufs Rauchen verzichten – hemmt die Durchblutung und macht vorzeitig faltig! ¡ Regelmäßig die Haut mit geeigneten Gesichtspflegeprodukten verwöhnen ¡ Ein gesunder Lebenswandel hält nicht nur die Haut jung – viel trinken, ausreichend schlafen, sich vernünftig ernähren (we)

Zwiebelsaft und Quarkwickel machen gesund Bei einer Erkältung und kleinen Wehwehchen helfen Heilmittel aus der Küche – Bei längeren Beschwerden zum Arzt gehen Von Nina C. Zimmermann Leichter Husten, etwas erhöhte Temperatur oder ein Anflug von Kratzen im Hals: Nicht jedes kleine Wehwehchen muss gleich vom Arzt behandelt werden. Viele Menschen schwören in solchen Fällen auf Heilmittel aus der Küche. Großer Vorteil: Quark und Zwiebeln finden sich in fast jedem Haushalt. „Sie sind einfach, preiswert und in der Regel völlig nebenwirkungsfrei“, sagt Helmut Haala, praktischer Arzt in Stockelsdorf in Schleswig-Holstein. Richtig angewendet, wirkten diese altbekannten Hausmittel als Wickel oder Säfte zuverlässig. Verbessert sich der Zustand dadurch nicht oder verschlechtert er sich gar, sollten Betroffene aber unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Kalte Auflagen: „Früher hat man bei einer Beule einen Löffel aus der Schublade geholt und draufgedrückt – schon war sie weg“, sagt Franz Dieter Schmidt vom Fachverband Deutscher Heilpraktiker (FDH) in Bonn. Heute leisten sogenannte Coolpacks oder in Stoff geschlagene Eiswürfel ähnliche Dienste. Oft reichen dem FDH-Vizepräsidenten zufolge aber auch schon kalte, feuchte Tücher, um Schwellungen und Stauchungen zu behandeln. Der Stoff sollte bei Wickeln – auch bei warmen – immer aus Leinen sein, damit die Wirkung direkt auf die Haut geht. „Bei Baumwolle bleibt sie im Material hängen.“ Zum Abdecken kann ein Molton- oder Wolltuch verwendet werden. Bei leichtem Fieber verschafft ein feuchtkalter Lappen auf der Stirn Linderung. Auch kalte Wadenwickel – sofern die Füße warm sind – gelten als Hausmittel bei erhöhter Temperatur. Dafür werden Tücher mit kühlem (Essig-)Wasser getränkt und um Wade und Oberschenkel gelegt, rät die Stif-

tung Warentest in Berlin. Nach 20 bis 30 Minuten werden sie wieder abgenommen. Haala weist allerdings darauf hin, dass Mediziner mittlerweile grundsätzlich davon abraten, Wadenwickel bei Fieber zu verwenden. Ab einer Temperatur von 38,5 Grad Celsius könnten sie mehr schaden als nutzen. Denn durch das Herunterkühlen müsse sich der Körper noch mehr anstrengen, um seine Kerntemperatur zu erhalten – mit der Folge, dass die Temperatur noch weiter steigt, erläutert das Vorstandsmitglied des Zentralverbandes der Ärzte für Naturheilverfahren (ZAEN). Auch Quark ist ein bewährtes Mittel für kalte Umschläge bei entzündeten

Nebenhöhlen oder Gelenken. „Als Eiweißträger zieht er Wärme zum Beispiel aus einem geschwollenen Knie“, erläutert Haala. Das Milchprodukt kommt direkt auf die Haut und wird gut auf der erkrankten Stelle verteilt. Umwickelt etwa mit Frischhaltefolie, bleibt der Quark dort, bis er trocken und krümelig ist. Heilpraktiker Schmidt rät, den Quark vorher zu salzen, um auch Wasser aus dem Gewebe zu ziehen. Stiftung Warentest empfiehlt Quarkumschläge darüber hinaus bei Halsschmerzen.

Warme Umschläge: Die einfachste Variante

sind Körnerkissen. „Bei Verspannungen

oder Sehnenzerrungen nach dem Joggen wärmt man sie einfach in der Mikrowelle und legt sie auf die betreffende Stelle“, sagt Schmidt. Feuchtwarme Tücher dagegen lassen sich bei Erkältungen nutzen, zum Beispiel als Wickel um den schmerzenden Hals. Bei Mandelentzündungen oder einem Husten helfen warme Kartoffelauflagen: Um den Kartoffelumschlag herzustellen, wird ein halbes Pfund Knollen geschält, gekocht und zu einem heißen Brei gestampft, rät das Online-Portal Naturheilmagazin.de mit Sitz in Hemmingen bei Stuttgart. Der Brei kommt dick auf ein trockenes Leinentuch und bleibt auf Brust oder Hals, bis er abgekühlt ist. Dabei sollte man nur aufpassen, dass man sich nicht verbrennt.

Heißer Trank: Bei einer Erkältung empfiehlt der Allgemeinmediziner Haala zur Stärkung der Abwehrkräfte heißen Holundersaft. Heißer Zitronensaft reinigt „die Schleimstraßen“, heiße Milch mit Honig beruhigt trockenen Husten. Bei Halsschmerzen haben sich laut Stiftung Warentest Salbei-, Kamillen- und Lindenblütentee bewährt, zum Gurgeln bieten sich Salz- oder Zitronenwasser sowie Salbei- und Kamillentee an. Das Wasser für Kopfdampfbäder mit Kamille, Heublumen, Salbei oder Thymian sollte nicht heißer als 50 Grad Celsius sein.

Quark ist ein bewährtes Mittel gegen entzündete Gelenke

Foto: Fotolia/Philipp Meyer

Kalter Saft: Die ätherischen Öle der Zwiebel wirken laut Naturheilmagazin.de antibakteriell und desinfizierend. Bei Erkältungen ist zum Beispiel die mehrmals tägliche Einnahme von einem Esslöffel Zwiebelsirup hilfreich. Dazu werden zwei große Zwiebeln in dünne Scheiben geschnitten und mit drei Esslöffeln Honig vermischt. Diese Kombination muss 24 Stunden ziehen, mehrfach umgerührt und gekühlt aufbewahrt werden.

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Redesign of the Stuttgarter Nachrichten: Mastery of the Visual Zeitgeschehen

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Nummer 204

Stuttgart und die Region

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Karamanlis tritt die Flucht nach vorne an

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Griechen sollen am 4. Oktober das Parlament neu wählen Die griechische Regierung hat vorgezogene Wahlen ausgerufen. Angesichts der Wirtschaftskrise im Land müsse in der politischen Landschaft aufgeräumt werden, erklärte Ministerpräsident Kostas Karamanlis. Von Takis Tsafos

Foto: dpa

ATHEN. Versprochen hatte Karamanlis den Griechen viel. Mit seiner bürgerlichen Partei Nea Dimokratia (ND) wolle der Ministerpräsident den Staat von Grund auf erneuern. Er werde der Korruption ein Ende bereiten und die Vetternwirtschaft ausmerzen, hatte er im März 2004 erklärt und damit die Wahlen gewonnen. Auch im September 2007 stimmten die Griechen wieder für den konservativen Politiker. Doch nach dem klaren Mandat der Bürger für Karamanlis folgten wenige Aktionen. Reformen kamen nicht voran, und der Kampf gegen die Schattenwirtschaft zeigte kaum Erfolge. „Wir hätten vielleicht mutiger handeln sollen“, sagt Karamanlis heute. Alle Umfragen zeigen, dass es dafür vielleicht zu spät ist. Immer mehr Wähler wandern demnach zu der Panhellenischen Sozialistischen Bewegung (Pasok) unter Giorgos Papandreou ab. Grund dafür sind eine Reihe von Skandalen, ein Einkommensrückgang, den viele Griechen hinnehmen mussten, und mehrere große Waldbrände, denen die Regierung hilflos begegnete. Am Mittwochabend sah sich der Regierungschef dann gezwungen, vorgezogene Wahlen zu verkünden. Sollte er diese gewinnen, werde er „der Schattenwirtschaft den Krieg erklären“, versprach er. Die linksliberale Athener Zeitung „Eleftherotypia“ titelte zur Verkündung der Neuwahlen: „Karamanlis flüchtet nach dem Schiffbruch“. So wird es in Griechenland am 4. Oktober abermals zum klassischen Duell zwischen einem Karamanlis und einem Papandreou kommen. Schon in den 60er Jahren kämpften Konstantinos Karamanlis, ein Onkel des heutigen Regierungschefs, und Giorgos Papandreou, der Großvater des heutigen Sozialistenführers, um die Gunst der griechischen Wähler. Die Politfehde Karamanlis/Papandreou setzte Papandreous’ Vater Andreas in den 70er und 80er Jahren gegen Konstantinos Karamanlis fort.

Die Liste der Skandale während der Regierungszeit von Kostas Karamanlis ist lang. Mönche nutzten ihre Verbindungen zur Regierung, um einen angeblich ihnen gehörenden See gegen Ländereien bei Athen und andere touristisch entwickelte Regionen zu tauschen. Ein Sozialminister beschäftigte ein aus Indien stammendes Ehepaar in seinem Ferienhaus, ohne sie zu versichern. Das Haus war zudem illegal gebaut. Er wurde gefeuert. Im September 2008 warf Schifffahrtsminister Giorgos Vougarakis das Handtuch. Ihm war vorgeworfen worden, zusammen mit seiner Frau im Ausland Immobilienfirmen eingerichtet zu haben, um die Zahlung von Grundsteuern in Griechenland zu umgehen. Im Dezember 2008 kam es zu Ausschreitungen, nachdem ein 15-Jähriger durch einen Schuss aus der Waffe eines Polizisten getötet wurde. Neue Terrororganisationen attackieren immer wieder Polizisten und Polizeistationen und drohen mit einer Stadt-Guerilla die Staatsordnung aus dem Gleichgewicht zu bringen. Wenige Stunden vor der Proklamation der vorgezogenen Wahlen hatte eine gewaltige Explosion die Athener Börse schwer beschädigt. „Und obendrauf kommt noch die Wirtschaftskrise“, stöhnt Nikos Wroussis, ein Prokurist aus Athen.

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Dem Land drohen Strafmaßnahmen der EU aus Brüssel, weil Griechenland mit fast sieben Prozent Defizit den Stabilitätspakt massiv verletzt. Ob der Sozialist Papandreou das Land aus dieser Krise führen kann, bleibt abzuwarten. „Der nächste Ministerpräsident wird wohl einen Zauberstab brauchen, um Griechenland aus der Krise zu führen“, hieß es in einem Kommentar im griechischen Rundfunk. Trotz der dramatischen Situation bei den Konservativen ist es aber nicht klar, ob die Sozialisten die nötige Mehrheit von 151 Abgeordneten im Parlament bekommen. Und da in Griechenland Koalitionsregierungen selten vorkommen, und die Parteien auch nicht dazu bereit sind, könnte dem Land eine lange Phase der politischen Unsicherheit bevorstehen.

Iran: Parlament stärkt Präsident den Rücken TEHERAN (rtr). Im innenpolitischen Machtkampf hat das iranische Parlament Präsident Mahmud Ahmadinedschad den Rücken gestärkt: Die Abgeordneten bestätigten fast alle von Ahmadinedschad vorgeschlagenen Ministerkandidaten, darunter auch die erste Frau für ein Regierungsamt in der Geschichte der Islamischen Republik. Das Parlament winkte zudem Ahmad Wahidi als Verteidigungsminister durch, dem von Argentinien die Beteiligung an einem Anschlag auf eine jüdische Einrichtung in Buenos Aires 1994 vorgeworfen wird. Dabei waren 85 Menschen ums Leben gekommen. Insgesamt wurden 18 Minister angenommen und drei Anwärter für das Kabinett abgelehnt. Der Präsident hat nun drei Monate Zeit, alternative Bewerber vorzuschlagen.

Kleinkrieg Von Michael Isenberg Die Notfallpraxis hat einen Arzt korrekt beschäftigt; der im Raum stehende Verdacht auf systematische illegale Beschäftigung ist vorerst vom Tisch. Doch so eindeutig, wie es die Notfallpraxis gerne hätte, liegt der Fall auch nach dem aktuellen Bescheid der Deutschen Rentenversicherung (DRV) nicht: Die DRV hat nämlich keineswegs ihre im Herbst 2008 formulierten Zweifel an der Selbstständigkeit eines Arztes während dessen Notdiensten korrigiert. Die DRV hat sich nur für nicht zuständig erklärt, wenn auch aus nachvollziehbaren Gründen. Vor Gericht würde man das einen Freispruch zweiter Klasse nennen. Der Fall wirft also weiterhin Fragen auf. Dabei geht es nicht um ein paar Euro

Neue Ermittlungen im Mordfall Anna Politkowskaja MOSKAU. Drei Jahre nach dem Mord an der kremlkritischen Journalistin Anna Politkowskaja hat ihre Familie einen Etappensieg bei der Aufklärung der international beachteten Bluttat errungen. Russlands Oberstes Gericht ordnete nun unerwartet eine neue Beweisaufnahme an. Das hatten auch Deutschland sowie Menschenrechtler gefordert. Sogar die zuständige Staatsanwältin Anna Paschkowskaja hatte die bisherigen Ermittlungen als lückenhaft kritisiert – im Widerspruch zur offiziellen Linie der Behörden, die den Mord schon im August 2007 für aufgeklärt hielten. Die Wende im Verfahren zeigt einmal mehr auch die Zerrissenheit des russischen Justizapparats. Angehörige Politkowskajas und ihre Kollegen von der regierungskritischen Zeitung „Nowaja Gaseta“ schöpfen wieder Hoffnung. Sie hatten Staat und Justiz vorgeworfen, an einer echten Aufklärung kein Interesse zu haben. „Ich vermute, dass es Leute gibt, die die Namen aller Schuldigen kennen – und die aber alle keine kleinen Posten innehaben“, hatte der Vizechefredakteur Sergej Sokolow noch im August erklärt. Der Chef des Blatts, Dmitri Muratow, warnte wegen möglicher politischer Hintergründe bei dem Mord vor überzogenen

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Stadt zieht Lehren aus Streit um marodes Hallenbad Nach der Aufregung um das einsturzgefährdete Cannstatter Schul- und Vereinsschwimmbad will das städtische Hochbauamt seine Praxis bei der Überprüfung von Flachdächern verbessern.

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Im Fall einer erstochen aufgefundenen Frau in Göppingen vermutet die Polizei eine Beziehungstat. Zwischen dem Opfer und seinem Partner soll es häufiger Streit gegeben haben.

Info

Gemeinnütziger Verein Die Notfallpraxis in Stuttgart gibt es seit 1996. Sie ist als gemeinnütziger Verein organisiert, wirtschaftet wie eine reguläre Praxis, schreibt aber keine Gewinne. Die Praxisräume für gehfähige Patienten befinden sich im Marienhospital; die psychiatrische Notfallpraxis ist im Furtbachkrankenhaus, die kinderärztliche Notfallpraxis im Olgahospital. Den Dienst teilen sich rund 700 Haus- und Fachärzte. Die Notfallpraxis ist an Wochenenden und Feiertagen rund um die Uhr und unter der Woche von 19 Uhr bis 7 Uhr besetzt. Zu diesen Zeiten ist auch der Hausbesuchsdienst aktiv, den weitere 500 Haus- und Fachärzte übernehmen. Die Vermittlung erfolgt über den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter Telefon 07 11 / 2 62 80 12.

Auszeichnung für Harald Schmidt Hans-Peter-Stihl-Preis für Verdienste um das Image der Region Stuttgart Der Fernseh-Moderator Harald Schmidt erhält in diesem Jahr den Hans-PeterStihl-Preis des Forums Region Stuttgart. Gewürdigt werden sollen mit der Auszeichnung Menschen, die sich für die Förderung der Region Stuttgart eingesetzt und dazu beigetragen haben, das Image des Standorts zu steigern. In den vielen Jahren seiner FernsehKarriere habe Harald Schmidt seine schwädpa bischen Wurzeln im- Schmidt mer hochgehalten, teilte das Forum Region Stuttgart mit. Sie seien zu einer Art Markenzeichen in der Arbeit des 51-Jährigen geworden. „Auf lustige, kreative und zum Teil auch kritisch-polemische Art präsentiert er Landeshauptstadt und Region Stuttgart“, heißt es in der Begründung. Eine besondere Bedeutung komme dabei Nürtingen, dem Ort seiner Kinder- und Jugendzeit, zu. Mit seinen Auftritten als Ensemblemitglied im Stuttgarter Schauspielhaus trage Harald Schmidt zudem dazu bei, dem Haus in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit zu verleihen. Der Termin für die Preisverleihung steht noch nicht fest. (rom)

len. Außerdem haben sie die „große Bedeutung“ des Verfahrens betont: Das Stuttgarter Modell, den Notdienst der niedergelassenen Ärzte an einer Adresse zu konzentrieren, gilt als besonders patientenfreundlich und ist bundesweit zum Vorbild geworden. Am Fortbestand der Notfallpraxen bestehe deshalb auch ein „herausragendes öffentliches Interesse“, heißt es in einem Anwaltsschreiben an die DRV. Doch da widerspricht der Orthopäde: In anderen Städten sei der Notdienst nämlich dezentral organisiert und funktioniere auch, sogar auf weitgehend freiwilliger Basis. „Die Notfallpraxis Stuttgart kann ihre Existenz nicht begründen, sie ist schlicht nicht notwendig“, sagt der Orthopäde. Er will sich zwar weiterhin am vorgeschriebenen Notdienst beteiligen – allerdings nicht länger in den Räumen der Notfallpraxis im Marienhospital, sondern in seiner eigenen Praxis. Außerdem werde er gegen den neuen DRV-Bescheid Widerspruch einlegen. „Bis die Sache abschließend geklärt ist, schwebt ein Damoklesschwert über uns“, räumt Oertel ein. Sollte sich der Orthopäde wider Erwarten durchsetzen, wäre die Struktur der Notfallpraxis kaum haltbar. Deshalb hat Oertel sein Projekt, auch die Hausbesuche des ärztlichen Bereitschaftsdienstes komplett in die Notfallpraxis zu integrieren, vorsichtshalber gestoppt. Das Projekt würde für Patienten nichts ändern – ist aber unter Ärzten umstritten: „Beim alten Hausbesuchsdienst rechne ich selbst ab und verdiene rund 1000 Euro pro Schicht“, rechnet ein skeptischer Mediziner vor. „Die Notfallpraxis würde nur noch die Hälfte zahlen. Das ist für mich nicht akzeptabel.“

Die gute Nachricht

700 000 Euro für Pflegeheim Wer pflegebedürftig wird und in ein Heim umziehen muss, möchte gerne im angestammten Stadtteil bleiben. Für Menschen aus dem Stuttgarter Süden wird es künftig mehr Heimplätze geben, denn das Sozialministerium hat dem Wichernhaus in Kaltental Fördermittel in Höhe von 700 000 Euro zugesagt. Damit kann das Haus umgebaut und um 28 Plätze samt Küche erweitert werden.

Kommentar

Moskauer Justiz lenkt ein Von Ulf Mauder

Göppinger Polizei vermutet Beziehungstat

Werden die Ärzte in der Notfallpraxis wie Scheinselbstständige illegal beschäftigt? Die Frage ist heikel und hat die Praxis seit Monaten belastet. „Jetzt haben wir die erwartete Bestätigung, dass bei uns alles korrekt läuft“, sagt Hans-Michael Oertel. Oertel ist Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins Notfallpraxis. Sein schärfster Kritiker ist zurzeit ein Orthopäde aus Stuttgart. Er hatte der Notfallpraxis im Herbst 2008 die „gewerbsmäßige Hinterziehung von Sozialabgaben“ vorgeworfen und damit den Stein ins Rollen gebracht. Die Diagnose des Orthopäden gründete auf einen Bescheid in eigener Sache: Am 22. September 2008 wurde ihm von der Deutschen Rentenversicherung (DRV) bestätigt, dass er sich bei seinen Diensten in der Notfallpraxis in einem „abhängigen Beschäftigungsverhältnis“ befunden habe. Die Praxis beschäftigte ihn aber wie einen Selbstständigen, zu 40 Euro pro Stunde. Die DRV hatte nur den Orthopäden überprüft. Zu Ende gedacht hätte ihr Bescheid aber bedeuten können, dass die Notfallpraxis die komplette zum Notdienst verpflichtete Stuttgarter Ärzteschaft systematisch illegal beschäftigt. Die Nachzahlung an die Sozialkassen wäre in die Hunderttausende Euro gegangen und hätte vermutlich das Ende der Praxis bedeutet. Die Notfallpraxis legte im Herbst 2008 Widerspruch ein – mit Erfolg: Im aktuellen Bescheid der DRV mit Datum vom 2. April 2009 heißt es, dass gar kein Beschäftigungsverhältnis zwischen Arzt und Notfallpraxis vorliege, weshalb man auch „keine Beurteilung“ zum sozialversicherungsrechtlichen Status des Arztes abgeben könne. Sprich: Die DRV erklärt sich für unzuständig. „Die Rentenversicherung ist unserer zentralen Begründung gefolgt“, freut sich Rechtsanwalt Jörg Fecker von der Kanzlei BRP, welche die Notfallpraxis in dem Fall vertritt. Der Orthopäde sei nämlich allein aufgrund der Notfalldienstordnung der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg verpflichtet gewesen, in der Notfallpraxis anzutreten. Dies, so Fecker, sei kein Angestelltenverhältnis im üblichen Sinne. Feckers Kanzlei hat den DRV-Prüfern eine Reihe weiterer Gründe genannt, die gegen Scheinselbstständigkeit sprechen sol-

Kostas Karamanlis griechischer Ministerpräsident

PEKING (dpa). Zwei Monate nach den blutigen Ausschreitungen in der Unruheregion Xinjiang in Nordwestchina ist es in der Hauptstadt Ürümqi zu neuen Protesten gekommen. Einige Tausend Menschen forderten einen besseren Schutz durch Ordnungskräfte. Anlass ist eine Serie von Angriffen mit Injektionsnadeln auf Passanten, bei denen nach Presseberichten rund 400 Menschen verletzt worden sein sollen. Ein Großaufgebot von Tausenden Sicherheitskräften sollte am Donnerstag sicherstellen, dass es bei den Protesten nicht zu neuen Zusammenstößen zwischen den Volksgruppen kommt. Niemand sei bisher durch die Nadelstiche infiziert oder vergiftet worden, berichteten die Gesundheitsbehörden. 15 Angreifer seien festgenommen worden.

Rentenversicherung verneint Scheinselbstständigkeit – Kritischer Mediziner will Notdienst trotzdem in eigener Praxis anbieten

Von unserem Reporter Michael Isenberg

„Wir hätten vielleicht mutiger handeln sollen“

Neue Proteste in Chinas Unruheregion

¿18 · Stuttgart

Ein Arzt in der Notfallpraxis ist kein Scheinselbstständiger. Das hat jetzt die Rentenversicherung festgestellt und damit ihren Bescheid aus 2008 korrigiert. Der Streit zwischen Arzt und Praxis geht trotzdem weiter.

Erwartungen. „Wir äußern eine zurückhaltende Genugtuung“, sagte Muratow am Donnerstag. Die Ermittler hätten es seit drei Jahren nicht geschafft, den Auftraggeber des politischen Mordes zu nennen. Die Anwältin der Politkowskaja-Familie, Karina Moskalenko, kritisierte, dass schon zu viel Zeit verstrichen sei. Doch auch sie meinte: „Die jetzige Entscheidung ist ein Schritt hin zu einer völligen Aufklärung des Falls.“ Ein Schritt. Moskalenko hatte im ersten Prozess gegen vier mutmaßliche Mordkomplizen beklagt, dass die Beweise gegen die Männer für eine Verurteilung bisher nicht ausreichten. Russlands Oberstes Gericht verlangt jetzt, dass auch der mutmaßliche Mörder Rustam Machmudow in einen neuen Prozess einbezogen werden müsse – selbst bei Abwesenheit. Der Tschetschene wird mit internationalem Haftbefehl gesucht, hatte aber bereits seine Unschuld über einen Anwalt beteuert. Auch der Auftraggeber, der zwei Millionen US-Dollar für den Mord bezahlt haben soll, müsse gesucht werden. Vor Gericht standen zuletzt zwei Brüder Machmudows, die den Auftragsmord mit organisiert haben sollen. Sie waren jedoch aus Mangel an Beweisen im Februar gemeinsam mit einem ehemaligen Polizisten und einem früheren Geheimdienstler freigesprochen worden.

StN online für die Rentenkasse. In Wahrheit geht es um die Zukunft der Notversorgung: Macht man weiter so wie bisher, also mit der Notfallpraxis? Oder sucht man nach Alternativen, die es ja durchaus gibt? Weil es um alles oder nichts geht, stehen sich die Konfliktparteien unversöhnlich gegenüber. So ist absehbar, dass jetzt der Arzt den Bescheid anficht und die Sache eines Tages vor Gericht landet. Die Stuttgarter Bürger haben einen Anspruch darauf, dass sich ihre Notfallpraxis an Recht und Gesetz hält, keine Mauscheleien duldet und ihre Honorarpraxis im Zweifel überprüfen lässt. Die Bürger haben aber auch Anspruch darauf, dass sie nachts, an Wochenenden und Feiertagen medizinisch gut versorgt werden. Dazu braucht es engagierte Ärzte, die gerne Notdienst machen. Es ist also im Sinne aller Patienten, wenn der Kleinkrieg um die illegale Beschäftigung rasch ein Ende findet – ehe er das Betriebsklima in der Notfallpraxis vergiftet.

Surftipp am Montag Auf der Suche nach unterhaltsamem Stoff sind wir durch das World Wide Web gesurft und haben witzige Filmchen und Beiträge entdeckt. Diese wollen wir Ihnen in unseren Surftipps vorstellen. Heute: Die Langsamkeit schlägt zurück. www.stuttgarter-nachrichten.de/links

Bilder vom Frühlingsfest Die ersten beiden Wochen des Frühlingsfests auf dem Cannstatter Wasen sind bereits vorüber, doch von Feiermüdigkeit keine Spur: Die Besucher, die schon am frühen Abend in die Bierzelte strömen, bringen gute Laune mit. Unser Cityfotograf Markus war mit der Kamera dabei! Rund 700 Haus- und Fachärzte aus ganz Stuttgart teilen sich den Dienst in der zentralen Notfallpraxis im Marienhospital Foto: Thomas Hörner

Massiver Polizeieinsatz verhindert Ausschreitungen Von Stefan Klinger Große Erleichterung bei den Verantwortlichen des Frühlingsfests auf dem Wasen: Die befürchteten Ausschreitungen rund um das Heimspiel des VfB Stuttgart gegen Eintracht Frankfurt sind dank eines massiven Polizeieinsatzes ausgeblieben. „Die Polizei hat hervorragend gearbeitet“, resümierte Max-Rudi Weeber, Festwirt des Zelts Zum Wasenwirt. Und Marcus Christen, Abteilungsleiter von der Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart, ergänzte: „Der Polizei ist es zu verdanken, dass alles so friedlich verlaufen ist.“

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Mit 500 Einsatzkräften hat die Polizei aufkommende Aggressionen bereits im Keim erstickt. Schon vor Spielbeginn begleiteten und trennten die Beamten die beiden FanLager und verhinderten dadurch Konfrontationen. Knapp 100 als gewaltbereit eingestufte Eintracht-Fans wollten die strikte Trennung der Fans jedoch umgehen, stiegen auf der Anreise schon in Ludwigsburg aus dem Fernzug aus und setzten ihre Fahrt in der S-Bahn fort. Ihr Pech: Die Polizei bekam das mit – und empfing die Gruppe bei deren Ankunft am Hauptbahnhof. Und so blieb es bei lediglich einem Zwischenfall: Gegen 17.50 Uhr schlugen und tra-

ten etwa zehn Personen auf dem WasenParkplatz auf Eintracht-Fans ein und raubten ihnen eine Fahne und ein Banner. Die erfreuliche Bilanz des Wochenendes: Der Samstag avancierte mit über 100 000 Feiernden zum besucherstärksten Tag, am Sonntag wurde die Marke von einer Million Besucher insgesamt erreicht. Auch abseits streitlustiger Fußballfans hatte die Polizei kräftig zu tun: „Wir haben am Freitag 17 und am Samstag 28 Körperverletzungen registriert. Am Freitag kam es zu 55 Festnahmen, am Samstag zu 163. Das entspricht dem Üblichen an derartigen Tagen“, bilanziert Polizei-Sprecherin Viola Dierenbach.

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Schokolade zum Frühstück Als „Bridget Jones“ war sie die Jederfrau, das moppelige Entchen, für das es letztlich doch ein Happy End nebst Traumprinz

500 Beamte bescheren Schaustellern, Festwirten und Besuchern auf dem Wasen trotz VfB-Spiels gegen Frankfurt ruhiges Wochenende

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Nummer 96 • Montag, 27. April 2009

Notfallpraxis beschäftigt Ärzte nicht illegal

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Norbert Küpper Gutenbergstr. 4 D-40670 Meerbusch Phone ++49 (21 59) 91 16 15 nkuepper@newspaperdesign.de www.editorial-design.com

Spec a e ec ons

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Die einzige Ausnahme: Gegen 23 Uhr nahmen die Beamten der Wasenwache am Samstag gleich 40 Frühlingsfestbesucher im Alter zwischen 14 und 21 Jahren vorläufig fest und verhinderten damit eine Massenschlägerei. Die Jugendlichen hatten sich zu einer großen Gruppe zusammengerottet, andere Festbesucher angepöbelt und Streit gesucht. Die jungen Männer erhielten einen bis zum Ende des Fests geltenden Platzverweis und wurden ihren Eltern übergeben. Ein 18-Jähriger muss mit einer Anzeige rechnen, da er verbotswidrig ein Pfefferspray und einen gehärteten Motorradhandschuh mit sich getragen hatte.

Renée Zellweger, hier bei der Berlinale 2009, feiert ihren 40. Geburtstag

gibt. Jetzt wird Renée Zellweger 40 – von uns gibt's eine Bildergalerie! www.stuttgarter-nachrichten.de/ promialbum

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Content

Office for Newspaper Design

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Design stage Design manual The masthead The typography Interview Presentation of the new layout Front pages Page Three Visualisation Cut-outs Picture editing Pages with advertisements Infographics Special pages Local news Culture Sport Alternative story forms Special: elections Special: 60 years of the Federal Republic


Office for Newspaper Design

Editorial

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Mastery of the visual The Stuttgarter Nachrichten improves on its use of pictures. Cue words are “hierarchy of pictures”, “picture sizes”, “picture editing“ and “visualisation of topics”. While leafing through this brochure you will notice that the Stuttgarter Nachrichten is more visually oriented than other regional newspapers. Over the past year editorial staff have mastered the visual for themselves. This newspaper shows how topics can be better worked up visually and how the use of images can be considerably improved in every section. In the course of the redesign the following new features were introduced: Fewer pictures, but bigger ones The pages have a clear structure. The large pictures make the page easier for the reader to get into. Articles at the bottom of pages have smaller pictures. This gives emphasis to the hierarchy of big and small. Reader guidance is very clear. Picture editing gives dynamism The newspaper carries more extreme vertical and horizontal formats than before the redesign. It looks and feels considerably younger and more dynamic as a result. Visualisation of topics The editorial staff give more consideration to finding a more exciting, sharp visualisation of topics. Matching photos on the supraregional pages come from the press agencies as well as from new service providers on the Internet, for example, fotolia. In the Regional and Local section orders are placed with various photographic agencies. Facts about the newspaper The Stuttgarter Nachrichten has a circulation of about 365,000. The newpaper appears in Rhenish format and is five-columned. This column width is very readable and is in keeping with the current trend towards longer texts and elegant layout. The editorial staff design the pages themselves. There is no layout department, only one layouter and an infographic designer.

Norbert Küpper began specialising in newspaper and magazine design as far back as 1984. Before that he trained as a typesetter and later studied design at Düsseldorf University of Applied Sciences. In 1989 he was the first to research into the reading behaviour of newspaper readers, using an eye-tracking camera. Since 1999 he has organised the European Newspaper Award, a European competition in the field of newspaper design and conception. He works mainly in Germany, but has also acted as adviser to newspapers in Poland, The Czech Republic, Slovakia, Austria, Switzerland, Italy and the United Arab Emirates. Address Office for Newspaper Design Norbert Küpper Gutenbergstr. 4 D-40670 Meerbusch Phone ++49 (21 59) 91 16 15 Email nkuepper@newsdesign.de Homepage www.editorial-design.com


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Design stage

Office for Newspaper Design

original page

redesigned page

From the old to the new layout In my design work I often take existing pages as a starting point. That way you can see how far you have moved away from the existing layout. Various different typefaces, colours and make-ups are tried out. In the case of the Stuttgarter Nachrichten, for example, larger page titles have been trialled.

Text well broken up On this page a large number of little pictures have been arranged around the lead picture. Moreover, sheets of colour are used for quotations and add-boxes. A very good break-up effect is achieved by putting the lead picture in the middle of the page rather than at the side, thus avoiding vast expanses of grey text.

original page

Colour guide system There were designs with larger page titles for the start of the Business, Stuttgart, Sport sections and the Querschnitt (Cross-Section) Week-End section. Here different colours were used: Business = blue = solid and reliable Sport = red = dynamic Stuttgart = yellow = Stuttgart‘s CI colour Cross-section = orange = neutral colour

redesigned page

Large large and small small The lead picture also stands out clearly from the page in the new layout. Instead of the two-column picture at the bottom a quote with a picture was inserted. This gives the lead picture greater emphasis. It is visually bigger.


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PANORAMA

Nummer 127

Dienstag, 3. Juni 2008

Piraten bedrohen Schiffsbesatzung

EU-BADEGEWÄSSER-REPORT

Lösegeld gefordert

Getrübter Badespaß Sylt

Amrum Föhr Nieblum Pellworm Hörn/ Süderkoog Lundenbergsand Hedwigenkoog Helgoland

Ostfriesische Inseln

Emden

Blekendorf/ Hohwacht/ Sehlendorf Kurstrand

Schleswig Husum Eckernförde Hauptstrand

Kiel Radeland

Büsum

Cuxhaven

Wilhelmshaven

Nairobi/Mogadischu (dpa) – Somalische Piraten haben gedroht, die Besatzung eines gekaperten niederländischen Schiffes im Fall einer Erstürmung zu töten.

Flensburg Solitüde Flensburg Ostseebad

Flensburg Wasserqualität gut bis akzeptabel ungenügend Baden verboten

Grömitz

Schleswig- Travemünde Holstein Lübeck

Bremerhaven

Hamburg

Barth, Glöwitzer Bucht

Fehmarn, Gold Kühlungsborn

Dranske Hiddensee Darß Rügen

Stralsund Warnemünde Rostock Greifswald

Gahlkow Usedom

Badesaison an der Ostsee: Die Badestrände an der deutschen Nord- und Ostseeküste haben bei einer EU-Untersuchung der Wasserqualität im vergangenen Jahr schlechter abgeschnitten als 2006. Foto: dpa

Mecklenburg-Vorpommern Wismar Badestellen-Test 93,7 % gut bis akzeptabel 5,7 % ungenügend 0,3 % Badeverbot

Ückermünde

Differenz zu 100: keine Daten 50 km

Niedersachsen

Der somalische Online-Nachrichtendienst Garowe berichtete, ein Sprecher der Piraten habe davor gewarnt, die MV Amiya Scan gewaltsam zu befreien. Der Mannschaft des vor mehr als einer Woche gekaperten Schiffes gehe es gut. Die Piraten fordern von der niederländischen Reederei ein Lösegeld. Sie werfen der Besatzung des entführten Schiffes vor, illegal in somalischen Gewässern gefischt zu haben. Seit der vergangenen Woche sind noch zwei andere Schiffe in der Gewalt von Piraten, darunter ein deutscher Frachter. Die Regierung der teilautonomen somalischen Region Puntland hatte in der vergangenen Woche Polizei und Küstenwache nahe der Amiya Scan zusammengezogen und mit einer gewaltsamen Befreiung gedroht. Die Eigner sprachen sich gegen einen solchen Schritt aus, um das Leben der Besatzung nicht zu gefährden. Die Behörden von Puntland haben in der Vergangenheit Lösegeldzahlungen an Piraten scharf kritisiert, da dies die Seeräuber nur ermutige. Zur Abschreckung wurde in Puntland im April die Todesstrafe für Piraten eingeführt. Über das Schicksal der Besatzung des vor sechs Tagen vor der Küste Somalias gekaperten deutschen Frachters Lehman Timber gebe es keine neuen Informationen, sagte am Montag eine Sprecherin der Hamburger Befrachtungsagentur Eurocargoservices (ECS). Der Massengutfrachter der Lübecker Reederei Hans Lehmann KG war am Mittwoch entführt worden.

SellinNordstrand GöhrenNordstrand

Stand 2007

dpa / StN / Gröger

So bewertet die EU Nord- und Ostseestrände

Eltern geben Schuld an Tod von Lea-Sophie zu Schwerin (ddp) – Die Eltern der verhungerten Lea-Sophie haben erstmals persönliche Verantwortung für den Tod ihrer Tochter eingeräumt. Im Prozess vor dem Schweriner Landgericht sagte die 24 Jahre alte Mutter am Montag, dass sie gesehen habe, dass Lea-Sophie einen Arzt gebraucht hätte. Sie habe aus Angst keine Hilfe geholt, damit ihr die Kinder nicht weggenommen würden. Auch der 26 Jahre alte Vater gab zu, erkannt zu haben, dass das Kind verhungern könnte. Er habe aber gedacht, der körperliche Zustand würde sich von allein wieder bessern.

Wasser an deutschen Küsten schmutziger EU-Studie beanstandet 20 von 350 Meeresstränden – Starke regionale Unterschiede Brüssel – Auch in diesem Jahr gilt ungetrübter Badespaß an den meisten Meeresstränden von Nordsee, Ostsee, Mittelmeer, Adria und Ägäis. Mancherorts ist die Wasserqualität aber schlechter geworden. Von unserem Korrespondenten PETER SENNEKAMP, Brüssel Das gilt vor allem für Westeuropa. Die Badegewässer-Qualität hat sich erstmals seit dem Jahr 2000 wieder „leicht verschlechtert“, sagte Umweltkommissar Stavros Dimas am Montag in Brüssel. Die Kontrolleure beanstandeten die Wasserqualität an 20 von 350 deutschen Meeresstränden (5,7 Prozent). Im Vorjahr waren es nur 1,1 Prozent. Wer in diesem Sommer Strandurlaub macht oder eines der vielen Seebäder aufsucht, kann die Entwicklung der Wasserqualität sehr genau unter die Lupe nehmen. Denn erstmals werden im neusten EU-Badegewässer-Report 2008 die Ergebnisse der Wasserstichproben an den rund 21 000 gemeldeten europäischen Badestellen über einen Zeitraum von 1990 bis 2007 dargestellt. Helmut Blöch, der Gewässer-Spezialist der

Pädophiler streitet Schuld ab

Brüsseler EU-Kommission, ist überzeugt, dass die Urlauber von den wesentlich präziseren Daten profitieren werden. Denn „damit steigt auch der Druck auf die Behörden“. Der Report mahne: „Schafft Ordnung!“ Mauschelei der Messbehörden, um keine Touristen zu verlieren, hält Blöch für ausgeschlossen: Viele Autoclubs wie der ADAC machten eigene Untersuchungen. „Auch die Bürgermeister der Badeorte befassen sich damit, und Tourismuskonzerne verfügen über eigene Analysen. Das Risiko, beim Mauscheln erwischt zu werden, ist sehr groß. Unsere Analysen sind belastbar“, so Blöch. Im Bundesgebiet finden sie die meisten Badeverbote wegen schlechter Wasserqualität in Norddeutschland, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und vereinzelt in Bayern und Baden-Württemberg, dagegen kein einziger Eintrag in NordrheinWestfalen. 20 deutsche Badestellen an Küsten bekamen ein ungenügend, ebenso 54 Uferstellen an Binnengewässern. Ganz neu ist die einfache Lesbarkeit des voluminösen Badegewässer-Reports, zumindest für Internet-Nutzer. Man zoomt auf dem Bildschirm seine Urlaubs- oder Baderegion heran, nimmt mit einem Fadenkreuz seinen Strand, Baggersee oder sein Talsper-

ren-Ufer ins Visier. Augenblicklich erscheinen blaue, grüne, rote, gelbe oder graue Punkte, an denen Badeverbote, verbesserte Wasserqualität oder ungenügende Probeentnahmen verzeichnet wurden. Auffallend häufig wurden Badeverbote in Polen und anderen osteuropäischen Ländern erteilt. Wie entscheidend am gewählten Urlaubsstrand einige Hundert Meter Abstand seien können, zeigt das Phänomen an Belgiens größter Küstenstadt.

Beim EU-Badegewässer-Report werden physikalische, chemische und organische Werte gemessen. Grundlage ist die neue EG-Badegewässerrichtlinie. Diese fordert von den Mitgliedstaaten unter anderem einen besseren Schutz der Badenden. Für jedes angemeldete Badegewässer muss ein Badegewässerprofil erstellt werden, das alle Verschmutzungsquellen aufzeigt. Gemessen werden Salmonellen oder Coli-Bakterien, die sich etwa durch Fäkalienverschmutzungen bilden. Die Gewässer werden aber auch auf Mineralölrückstände und Reinigungsmittelschaum sowie giftige Säuren wie etwa Phenol geprüft. Gemessen wird zwei Wochen vor Anfang der Badesaison, und ab diesem Zeitpunkt wöchentlich an der Stelle, an der sich die meisten Badegäste aufhalten.

Info

Viele Badeorte geben Daten nicht weiter Der Ostende-Nordstrand leuchtet dort sei drei Jahren warnend rot auf. Ab Strandhöhe Ostende-Spielplatz dagegen wurde zwischen 2003 und 2007 die beste Qualität gemessen. Größte Sorge bereiten Brüssel weiße Flecken im EU-Report 2008: Rund 7000 der 28 000 Badeorte in Europa, die in Brüssel bekannt sind, melden keine Wasser-Analysen mehr, darunter über 1000 deutsche Messstellen. Dimas machte dazu gute Mine zum bösen Spiel: Der Trend zum Nichtmelden schwäche sich ab. Die Brüsseler Behörde erwägt derweil, „vor den Europäischen Gerichtshof zu ziehen“, so Fachmann Blöch.

Explosion im Chemieunterricht Göttingen (AP) – Bei einer Explosion im Chemieunterricht eines Göttinger Gymnasiums sind am Montag zwölf Schüler und ein Lehrer verletzt worden. Nach Angaben der Polizei ließ eine chemische Reaktion ein Glasgefäß mit eineinhalb Liter Salpetersäure explodieren. Die Schüler und der Lehrer seien von Säurespritzern oder beim Einatmen von Säuredämpfen verletzt worden, sagte Polizeisprecherin Jasmin Kaatz. Die 13 Verletzten wurden in das Göttinger Universitätsklinikum eingeliefert. Die Schule wurde anschließend komplett geräumt.

Schwertangriff wegen Computerspiel-Verbots

Infos: www.eea.europa.eu/themes/water/mapviewers/bathing

Buchs (dpa) – Weil er sich seine Computerspiele nicht verbieten lassen wollte, hat ein 19-Jähriger in der Schweiz seine Mutter mit einem Schwert angegriffen und schwer verletzt. Der Lehrling bleibe in Untersuchungshaft, teilte die Kantonspolizei St. Gallen am Montag mit. Der 19-Jährige war auch auf seinen 26 Jahre alten Bruder losgegangen. Die beiden Verletzten erlitten Stiche am Bauch und an den Armen. Während die Mutter nach der Tat weiter im Krankenhaus blieb, aber außer Lebensgefahr war, wurde der Bruder wieder entlassen.

Schurken im Netz Wie deutsche Fahnder Internetkriminelle jagen

Bangkok (dpa) – Ein kanadischer Lehrer, Berlin – Am Montag hat in Bangkok der Pro- auf. 179 026 Straftaten wurden gezählt, das der auf 200 Fotos im Internet als Kinder- zess gegen einen Kanadier begonnen, der ist ein Zuwachs von acht Prozent. Drei Vierschänder zu sehen war, hat beim Prozessauf- Hunderte Jungen sexuell missbraucht und tel dieser Fälle gehen auf Warenbetrug zutakt in Bangkok (Thailand) am Montag alle die Fotos ins Internet gestellt haben soll. rück, also etwa nicht gelieferte BestellunVorwürfe abgestritten. Sein Beispiel ist eines von Tausenden dafür, gen bei Auktionsplattformen wie Ebay. Der 33-Jährige, der sich in einschlägigen wie die Kriminalität im Internet blüht – Jede 18. Straftat im Zusammenhang mit Internetforen Nico nannte, ist wegen Ent- auch in Deutschland. dem Internet hat mit der Verbreitung von führung, Kinderschändung und KinderporPornografie zu tun. „Jede Woche gehen bei nografie angeklagt. Er hatte sein Gesicht uns 10 bis 15 Hinweise ein“, sagt Meyer, der VON STEFAN KEGEL auf den Fotos digital unkenntlich gemacht, das Internetdezernat des sachsen-anhaltiBerliner Redaktion doch gelang es deutschen Fahndern, die Foschen Landeskriminalamtes leitet. tos zu entzerren. Eine einzigartige welt- Fälle wie den in Bangkok kennt Torsten Ihnen auf die Schliche zu kommen ist weite Interpol-Fahndung führte vor sieben Meyer zur Genüge. Er selbst hat vor fünf schwer, zumal die gesetzliche Definition, Monaten zum Erfolg: Der was Kinderpornografie Mann wurde in Thailand ist, sehr eng gehalten festgenommen. Der Prowurde. Das Posieren alzess wurde am Montag lein reiche nicht aus, erauf Oktober vertagt. klärt Meyer. Damit ein Dann sollen Zeugen aussaFoto als kinderpornogragen. Mit einem Urteil fisch indiziert werden wird erst nächstes Jahr gekann, muss das Kind rechnet. Dem 33-Jährigen sexuelle Handlungen an drohen 20 Jahre Haft. sich vornehmen. Das „Ich weise alle Vorheißt, ein Großteil der würfe zurück“, sagte der Fotos von nackten Kinunscheinbare Mann. Er dern auf den Rechnern gab sich vor Gericht entder Festgenommenen AP gilt nicht als Belastungsspannt und lächelnd. Sein Angeklagter Kanadier und verfälschtes Gesicht im Internet Kopf war kahlgeschoren, material. „Da fehlt ein und er trug eine orangefarbene Gefängnis- Jahren einen der weltweit größten Einsätze bisschen das Verständnis“, sagt Meyer resiguniform. Der frühere Priesteranwärter gegen Kinderpornografie geleitet. Noch nierend. Und das bei steigenden Zahlen – 16 hatte seit Jahren in Kambodscha, Vietnam, heute erzählt er stolz von der Operation Millionen Fotos müssen von seinen MitarbeiThailand und zuletzt Südkorea gelebt und Marcy, bei der die Polizei 26 500 Täter in tern noch gesichtet werden. war unter anderem als Lehrer tätig. Frühere 166 Ländern ausfindig machte. Eine zunehmende Gefahr gehe auch von Kollegen bezeichneten ihn als unscheinbar In der Statistik von 2007 weist die Inter- Hackern aus. Vor drei Jahren sei ihm einer und fleißig. netkriminalität eine hohe Steigerungsrate ins Netz gegangen, der den Rechner einer

Uni gekapert hatte, über diesen Umweg in das Netzwerk einer Bank eindrang und sich bei Tausenden Konten bediente. „Es war ein Angestellter eines Bundesministeriums“, erzählt Meyer. Auch die Stromausfälle von London, Stockholm und New York seien trotz gegenteiliger Beteuerungen der Energieunternehmen keine Störfälle gewesen. Da habe es Angriffe von außen gegeben. Eines ist Meyer klar: „Die künftigen Kriege werden nicht mehr auf dem Schlachtfeld ausgetragen.“ So genannte Botnets und Viren könnten zum Zusammenbruch ganzer Teile des öffentlichen Lebens führen. Botnets sind Netze aus ferngesteuerten Rechnern, die zum Beispiel gezielte Angriffe auf bestimmte Computer ausführen können. Der Rechner wird dazu durch ein Programm infiziert. Der Nutzer bekomme meist nicht mit, dass sein Rechner Mails an einen Server sendet, der dann unter der Last zusammenbricht. Viele Straftaten könnten ohne die Sorglosigkeit der Internetnutzer nicht begangen werden, meint Meyer. „Viele Leute schauen nicht auf die Sicherheit in ihrem PC.“ Deshalb hält es der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Jörg Ziercke, für wichtig, schon frühzeitig auf die Gefahren des Internets hinzuweisen. „Wir brauchen bereits in der Schule einen Unterricht, wie man mit dem Computer umgeht“, sagt er. Er sei erschüttert, welche privaten Informationen und Fotos junge Leute ins Internet stellten, wo sie öffentlich zugänglich seien und sich meist auch nicht mehr löschen ließen.

kurz berichtet Beim Zusammenstoß eines Regionalzuges mit einem Schulbus in den französischen Alpen sind mindestens sieben Kinder ums Leben gekommen. 24 Personen wurden verletzt, drei von ihnen schwer. Im österreichischen Inzest-Fall gibt es nach wie vor keine Anhaltspunkte für einen möglichen Mittäter. Der Angeklagte Josef Fritzl soll seine Tochter jahrelang im keller eingesperrt und missbraucht haben. In Leipzig schwebt ein misshandeltes Baby in Lebensgefahr. Gegen den Vater (26) wurde Haftbefehl erlassen. Dem Mann werden versuchter Mord und Misshandlung von Schutzbefohlenen vorgeworfen. Der legendäre amerikanische Rock’n’ Roll-Pionier Bo Diddley ist tot. Der an Diabetes leidende Sänger und Gitarrist starb im US-Staat Flordia an Herzversagen. Weil er seine Partnerin mit dem Aids-Virus infiziert hat, ist ein 41-jähriger Franzose zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Der Mann hatte seiner Partnerin die HIV-Infektion verheimlicht und ungeschützten Geschlechtsverkehr mit ihr gehabt.

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Panorama

Nummer 100 · Mittwoch, 7. Mai 2008

Piraten bedrohen Schiffsbesatzung Somalische Piraten drohen Mannschaft zu töten NAIROBI. Das gesamte Haus von Ernst Wagner atmet. Der Grund für diese Lebendigkeit: Wände, Decken, Böden, Treppen – alles ist aus Holz. In seiner Werkstatt, die sich ebenfalls in in dem Gebäude unweit. Eines kleinen Wäldchens befindetbringt der Hausherr diesen Naturstoff sogar zum Klingen: Seit 1993 ist Ernst Wagner aus Malberg selbständiger . Geigenbaumeister. Holz ist ein toller Werkstoff, der leider oft unterschätzt wird, sagt er. Dass er sich beruflich für dieses klassische Kunsthandwerk entschieden hat, dessen Arbeitsabläufe sich seit der Zeit des Meiders Stradivari kaum geänsdert haben, hängt mit Wagners zweiter Passion, ist einfach etwas anderes als ein Möbelstück, das zwar auch sehr schön sein kann, aber das man doch in eine Ecke stellt. Anders ein Instrument, das regelmäßig gespielt wird. Wenn ich dem Holz Töne entlocke, hauche ich ihm Leben in. Das ist ein enormes. Glücksgefühl. Als Geigenbauer will er ein Produkt hinterlassen, das auch in 100 Jahren noch Freude bereitet. Die lange Spiebarkeit liegt an der genialen Konstruktion. Dabei musste er zunächst hart dafür kämpfen, den Beruf des Geigenbauers ausüben zu können trotz.

Explosion im Chemieunterricht JAKARTA. Das gesamte Haus von Ernst Wagner atmet. Der Grund für diese Lebendigkeit: Wände, Decken, Böden, Treppen alles ist aus Holz. In seiner Werkstatt, die sich ebenfalls in in dem Gebäude unweit. Eines kleinen Wäldchens befindet, bringt der Hausherr diesen Naturstoff sogar zum Klingen: Seit 1993 ist Ernst Wagner aus Malberg (Kreis Altenkirchen) selbständiger Geigenbaumeister. „Holz ist ein toller Werkstoff, der leider oft unterschätzt wird“, sagt er. Dass er sich beruflich für dieses klassische Kunsthandwerk entschieden hat, dessen Arbeitsabläufe sich seit der Zeit des Meiders Stradivari kaum geänsdert haben, hängt mit Wagners zweiter Passion, ist einfach etwas anderes als ein Möbelstück, das zwar auch sehr schön sein kann, aber das man doch in eine Eck stellt. Anders ein Instrument.

Eltern Schuld am Tod von Lea-Sophie SCHWERIN. Das gesamte Haus von Ernst Wagner atmet. Der Grund für diese Lebendigkeit: Wände, Decken, Böden, Treppen alles ist aus Holz. In seiner Werkstatt, die sich ebenfalls in in dem Gebäude unweit. Eines kleinen Wäldchens befindet, bringt der Hausherr diesen Naturstoff sogar zum Klingen: Seit 1993 ist Ernst Wagner aus Malberg (Kreis Altenkirchen) selbständiger Geigenbaumeister. „Holz ist ein toller Werkstoff, der leider oft unterschätzt wird“, sagt er. Dass er sich beruflich für dieses klassische

Schwertangriff wegen Computerspielen JAKARTA. Das gesamte Haus von Ernst Wagner atmet. Der Grund für diese Lebendigkeit: Wände, Decken, Böden, Treppen alles ist aus Holz. In seiner Werkstatt, die sich ebenfalls in in dem Gebäude unweit. Eines kleinen Wäldchens befindet, bringt der Hausherr diesen Naturstoff sogar zum Klingen: Seit 1993 ist Ernst Wagner aus Malberg (Kreis Altenkirchen) selbständiger Geigenbaumeister. „Holz ist ein toller Werkstoff, der leider oft unterschätzt wird“, sagt er. Dass er sich beruflich für dieses klassische Kunsthandwerk entschieden hat, dessen Arbeitsabläufe sich seit der Zeit des Meiders Stradivari kaum geänsdert haben, hängt mit Wagners zweiter Passion, ist einfach.

Rhein-Schifffahrt droht Zwangspause JAKARTA. Das gesamte Haus von Ernst Wagner atmet. Der Grund für diese Lebendigkeit: Wände, Decken, Böden, Treppen alles ist aus Holz. In seiner Werkstatt, die sich ebenfalls in in dem Gebäude unweit. Eines kleinen Wäldchens befindet, bringt der Hausherr diesen Naturstoff sogar zum Klingen: Seit 1993 ist Ernst Wagner aus Malberg (Kreis Altenkirchen) selbständiger Geigenbaumeister. „Holz ist ein toller Werkstoff, der leider oft unterschätzt wird“, sagt er. Dass er sich beruflich für dieses klassische Kunsthandwerk entschieden hat, dessen Arbeitsabläufe sich seit der Zeit des Meiders Stradivari kaum geänsdert haben, hängt mit Wagners zweiter Passion, ist einfach etwas anderes als ein Möbelstück, das zwar auch sehr schön sein kann, aber das man doch in eine Ecke stellt. Anders ein Instrument, das regelmäßig gespielt wird. Wenn ich dem Holz Töne.

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Flensburg Solitüde

Sylt

gut bis akzeptabel ungenügend Baden verboten

Flensburg Ostseebad

Flensburg Amrum Föhr Nieblum

Schleswig Eckernförde Hauptstrand

Lundenbergsand Helgoland

Hedwigenkoog

Radeland

Grömitz

Bremerhaven

Emden

50 km

Wismar

Gahlkow Usedom

Greifswald

Mecklenburg-Vorpommern Ückermünde

BADESTELLEN-TEST 93,7 % gut bis akzeptabel 5,7 % ungenügend 0,3 % Badeverbot

Hamburg

GöhrenNordstrand

Rügen

Warnemünde Rostock

Lübeck

SellinNordstrand

Hiddensee Darß

Stralsund

Kühlungsborn

Travemünde

Cuxhaven

Wilhelmshaven

Barth, Glöwitzer Bucht Fehmarn, Gold

Kiel

Büsum

SchleswigHolstein

Ostfriesische Inseln

Dranske

Blekendorf/ Sehlendorf

Hohwacht/ Kurstrand

Husum

Pellworm Hörn Süderkoog

dpa / StN / Gröger

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Differenz zu 100: keine Daten

Stand 2007

Küstengewässer etwas schmutziger EU-Studie beanstandet 20 von 350 Meeresstränden – Forscher entdecken starke regionale Unterschiede Im Streit zwischen Porsche und Niedersachsen um die Macht bei VW hat es in der Hauptversammlung keine Annäherung gegeben. Erst spät kam es zum mit Spannung erwarteten Schlagabtausch. Von unserem Korrespondenten Peter Sennekamp, Brüssel Das gesamte Haus von Ernst Wagner atmet. Der Grund für diese Lebendigkeit: Wände, Decken, Böden, Treppen alles ist aus Holz. In seiner Werkstatt, die sich ebenfalls in in dem Gebäude unweit eines kleinen Wäldchens befindet, bringt der Hausherr diesen Naturstoff sogar zum Klingen: Seit 1993 ist Ernst Wagner aus Malberg selbständiger Geigenbaumeister. Holz ist ein toller Werkstoff, der leider unterschätzt wird, sagt er. Dass er sich beruflich für dieses klassische Kunsthandwerk entschieden hat.

„Anhaltspunkte für Übermüdung gibt es zunächst nicht, der Lkw ist ja in Esslingen gestartet.“ Massimo Cacciari Sprecher der Feuerwehr Arbeitsabläufe sich seit der Zeit des Meiders Stradivari kaum geänsdert haben, hängt mit Wagners zweiter Passion zusammen. Aus Holz ein Instrument zu bauen, ist einfach etwas anderes als ein Möbelstück, das zwar auch sehr schön sein kann, aber das man. Anders ein Instrument, das regelmäßig gespielt wird. Wenn ich dem Holz Töne entlocke, hauche ich ihm Leben in. Das ist enormes Glücksgefühl. Als Geigenbauer will er ein Produkt hinterlassen, „das auch in 100 Jah-

ren noch Freude bereitet. Die lange Spiebarkeit liegt an der geniale Konstruktion, schwärmt Wagner doch eine Neuanschaffung ist für den jungen Mann viel zu teuer. Dabei musste er zunächst hart dafür kämpfen, den Beruf des Geigenbauers ausüben zu können trotz seines Naturtalents. So beginnt seine Karriere mit einem finanziellen. Als Musikstudent benötigt er dringend einen tauglichen mit Blindttext. Bass, doch eine Neuanschaffung ist für den jungen Mann viel zu teuer. Und das alte, kaputte Instrument, das ihm ein Freund besorgt, will niemand zu einem. Aus heutiger. Sicht war das Ergebnis zwar nicht mehr als eine ordentliche Laienarbeit.Anders ein Instrument, das regelmäßig gespielt wird: Wenn ich dem Holz Töne entlocke, hauche ich ihm Leben in. Das ist enormes Glücksgefühl. Als Geigenbauer will er ein Produkt hinterlassen, „das auch in 100 Jahren noch Freude bereitet. Die lange Spielbarkeit liegt an der geniale Konstruktion, schwärmt Wagner doch eine Neuanschaffung ist für den jungen Mann viel zu teuer. Holz ist ein toller Werkstoff, der leider unterschätzt wird, sagt er. Dass er sich beruflich für dieses klassische Kunsthandwerk entschieden hat, dessen Arbeitsabläufe sich seit der Zeit des Meiders Stradivari kaum geänsdert haben, hängt mit Wagners zweiter Passion zusammen. Anders ein Instrument, das regelmäßig gespielt wird. Wenn ich dem Holz Töne entlocke, hauche ich ihm Leben in. Das ist enormes Glücksgefühl. Als Geigenbauer will er ein Produkt hinterlassen, „das auch in 100 Jahren noch Freude bereitet. Die lange Spiebarkeit liegt an der geniale Konstruktion, schwärmt Wagner doch eine Neuanschaffung ist für den jungen Mann viel zu teuer. Dabei musste er zunächst hart dafür kämpfen, den Beruf des Geigenbauers ausüben zu können trotz seines Naturtalents. So beginnt seine Karriere mit einem. Als Musikstudent benötigt er dringend einen tauglichen. Bass,

doch eine Neuanschaffung ist für den jungen Mann viel zu teuer. Und das alte, kaputte Instrument, das ihm ein Freund besorgt, will niemand zu einem. Aus heutiger. Sicht war das Ergebnis zwar nicht mehr als eine ordentliche Laienarbeit.

„Anhaltspunkte für Übermüdung gibt es zunächst nicht, der Lkw ist ja in Esslingen gestartet.“ Massimo Cacciari Sprecher der Feuerwehr Anders ein Instrument, das regelmäßig gespielt wird: Wenn ich dem. Holz Töne entlokke, hauche ich ihm Leben in. Das ist enormes Glücksgefühl. Als Geigenbauer will er ein Produkt hinterlassen, „das auch in 100 Jahren noch Freude bereitet. Die lange Spielbar-

Info

Der Eu-Badegewässer-Report im Detail ƒ Holz ist ein toller Werkstoff, der leider

unterschätzt wird, sagt er. Dass er sich beruflich für Benedikt XVI Kunsthandwerk entschieden hat, dessen Arbeitsabläufe sich seit der Zeit des Meiders Stradivari kaum geänsdert haben, hängt mit Wagners zweiter Passion.

ƒ Anders ein Boris Palmer, das regelmä-

ßig gespielt wird. Wenn ich dem Holz Töne entlocke, hauche ich ihm Leben in. Das ist enormes Glücksgefühl. ƒ Gerd-Jürgen Britsch will er ein Produkt hinterlassen, „das auch in 100 Jahren noch Freude bereitet. Die lange Spiebarkeit liegt an der geniale Konstruktion, schwärmt Wagner doch eine Neuan-

Schurken im Netz bleiben nicht anonym Wie deutsche Fahnder Internetkriminelle jagen

schaffung ist für den jungen Mann.

ƒ Dabei musste er zunächst hart dafür

kämpfen, den Beruf des Geigenbauers ausüben Hillary Clinton trotz seines Naturtalents. So beginnt seine Karriere mit einem finanziellen Engpass.

ƒ Holz ist ein toller Werkstoff, der leider

unterschätzt wird, sagt er. Dass er sich beruflich für Benedikt XVI Kunsthandwerk entschieden hat, dessen Arbeitsabläufe sich seit der Zeit des Meiders Stradivari kaum geänsdert. ƒ Anders ein Boris Palmer, das regelmäßig gespielt wird. Wenn ich dem Holz Töne entlocke, hauche ich ihm Leben in. Das ist enormes Glück.

Pädophiler streitet Schuld ab 33-jähriger kanadischer Lehrer bestreitet alle Vorwürfe

Von unserem Korrespondenten Markus Müller, Washington Das gesamte Haus von Ernst Wagner atmet. Der Grund für diese Lebendigkeit: Wände, Decken, Böden, Treppen alles ist aus Holz. In seiner Werkstatt, die sich ebenfalls in in dem Gebäude unweit eines kleinen Wäldchens befindet, bringt der Hausherr diesen Naturstoff sogar zum Klingen: Seit 1993 ist Ernst Wagner aus Malberg selbständiger Geigenbaumeister. Holz ist ein toller Werkstoff, der leider unterschätzt wird, sagt er. Dass er sich beruflich für dieses klassische Kunsthandwerk entschieden hat, dessen Arbeitsabläufe sich seit der Zeit des Meiders Stradivari kaum geänsdert haben, hängt mit Wagners zweiter Passion zusammen. Aus Holz ein Instrument zu bauen, ist einfach etwas anderes als ein Möbelstück, das zwar auch sehr schön sein kann, aber das man. Anders ein Instrument, das regelmäßig gespielt wird: Wenn ich dem Holz Töne entlokke, hauche ich ihm Leben in. Das ist enormes Glücksgefühl. Als Geigenbauer will er ein Produkt hinterlassen, „das auch in 100 Jahren noch Freude bereitet. Die lange Spiebarkeit liegt an der geniale Konstruktion, schwärmt Wagner doch eine Neuanschaffung ist für den jungen Mann viel zu teuer. Dabei musste er zunächst hart dafür kämpfen, den Beruf des Geigenbauers ausüben zu können trotz seines Naturtalents. So beginnt seine Karriere mit einem finanziellen Engpass: Als Musikstudent benötigt er dringend einen tauglichen. Bass, doch eine Neuanschaffung ist für den jungen Mann viel zu teuer. Und das alte, kaputte Instrument, das ihm ein Freund besorgt, will niemand zu einem. „Aus heutiger Sicht war das Ergebnis zwar nicht mehr

keit liegt an der geniale Konstruktion, schwärmt Wagner doch eine Neuanschaffung ist für den jungen. Mann viel zu teuer. Anders ein Instrument, das regelmäßig gespielt wird. Wenn ich dem Holz Töne entlocke, hauche ich ihm Leben in. Das ist enormes Glücksgefühl. Als Geigenbauer will er ein Produkt. Anders ein Instrument, das regelmäßig gespielt wird. Wenn ich dem Holz Töne entlocke, hauche ich ihm Leben in. Das ist enormes Glücksgefühl. Als Geigenbauer will er ein Produkt hinterlassen, „das auch in 100 Jahren noch Freude bereitet. Die lange Spiebarkeit liegt an der geniale Konstruktion, schwärmt Wagner doch eine Neuanschaffung ist für den jungen Mann viel zu teuer. Dabei musste er zunächst hart dafür kämpfen, den Beruf des Geigenbauers ausüben zu können trotz seines Naturtalents. So beginnt seine Karriere mit einem finanziellen Engpass. Als Musikstudent benötigt.

Start der Rennen ist zwischen 8 und 12 an der Petalozzischule.Das gesamte Haus von Ernst Wagner atmet. Der Grund für diese Lebendigkeit: Wände, Decken, Böden, Treppen alles ist aus Holz. fach etwas anderes als ein Möbelstück, das zwar auch sehr schön sein kann, aber das man. Anders ein Instrument, das regelmäßig gespielt wird: Wenn ich dem Holz Töne entlocke, hauche ich ihm Leben in Blindtext gefüllt. Das ist enormes Glücksgefühl. Als Geigenbauer will er ein Produkt hinterlassen, „das auch in 100 Jahren noch Freude bereitet. Die lange Spiebarkeit liegt an der geniale Konstruktion, schwärmt Wagner doch eine Neuanschaffung ist für den jungen Mann viel zu teuer. Dabei musste er zunächst hart dafür kämpfen, den Beruf des Geigenbauers ausüben zu können trotz seines Naturtalents. So beginnt seine Karriere. Mit einem finanziellen Engpass: Als Musikstudent benötigt er dringend einen tauglichen. Bass, doch eine Neuanschaffung ist für den jungen Mann viel zu teuer. Und das alte, kaputte Instrument, das ihm ein Freund besorgt, will niemand zu einem. Aus heutiger Sicht war das Ergebnis zwar nicht mehr als eine ordentliche Laienarbeit. Anders ein Instrument, das regelmäßig.

als eine ordentliche Laienarbeit. Anders ein Instrument, das regelmäßig gespielt wird: Wenn ich dem Holz Töne entlocke, hauche ich ihm Leben in. Das ist enormes Glücksgefühl. Als Geigenbauer will er ein Produkt hinterlassen. Die lange Spiebarkeit liegt an der geniale Konstruktion, schwärmt Wagner doch eine Neuanschaffung. Mann viel zu teuer. Dabei musste er zunächst hart dafür kämpfen, den Beruf des Geigenbauers ausüben zu können trotz seines Naturtalents. So beginnt seine. Karriere mit einem. Als Musikstudent benötigt er dringend einen tauglichen. hängt mit Wagners zweiter Passion zusammen. Aus Holz ein Instrument zu bauen, ist einfach etwas anderes als ein Möbelstück, das zwar auch. Holz ist ein toller Werkstoff, der leider unterschätzt wird, sagt er. Dass er sich beruflich für dieses klassische Kunsthandwerk entschieden hat, dessen Arbeitsabläufe sich seit der Zeit des Meiders Stradivari kaum geänsdert haben, hängt mit Wagners zweiter Passion zusammen. Aus Holz ein Instrument zu bauen, ist ein-

BANGKOK. Das gesamte Haus von Ernst Wagner atmet. Der Grund für diese Lebendigkeit: Wände, Decken, Böden, Treppen – alles ist aus Holz. In seiner Werkstatt, die sich ebenfalls in in dem Gebäude unweit. Eines kleinen Wäldchens befindetbringt der Hausherr diesen Naturstoff sogar zum Klingen: Seit 1993 ist Ernst Wagner aus Malberg selbständiger Geigen-baumeister. Holz ist ein toller Werkstoff, der leider oft unterschätzt wird, sagt er. Dass er sich beruflich für dieses klassische Kunsthandwerk entschieden hat, dessen Arbeitsabläufe sich seit der Zeit des Meiders Stradivari kaum geänsdert haben, hängt mit Wagners zweiter Passion, ist einfach etwas anderes als ein Möbelstück, das zwar auch sehr schön sein kann, aber das man doch in eine Ecke stellt. Anders ein Instrument, das regelmäßig gespielt wird. Wenn ich dem Holz Töne entlocke, hauche ich ihm Leben in. Das ist ein enormes. Glücksgefühl. Als Geigenbauer will er ein Produkt hinterlassen, das auch in 100 Jahren noch Freude bereitet. Die lange Spiebarkeit liegt an der genialen Konstruktion. Dabei musste er zunächst hart dafür kämpfen, den Beruf des Geigenbauers ausüben zu können – trotz seines Naturtalents. So beginnt seine Karriere mit einem finanziellen Engpass: Als Musikstudent benötigt er dringend einen tauglichen Bass, doch eine Neuanschaffung ist für den jungen Mann viel zu teuer. Und das alte kaputte Instrument, das ihm ein Freund besorgt, will niemand zu einem bezahlbaren Preis reparieren. Also greift Wagner selbst zum Werkzeug. „Aus heutiger Sicht war das Ergebnis zwar nicht mehr.

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SPORTMAGAZIN

Montag, 26. Mai 2008

Sport

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Nummer 120

Nr. 100 · Mittwoch, 7. Mai 2008

27

3 12 · Sport

Silberpfeil-Pilot regiert im Fürstentum und setzt sich an die WM-Spitze

Datenmissbrauch betrifft Millionen Kunden Das gesamte Haus von Ernst Wagner atmet. Der Grund für diese Lebendigkeit: Wände, Decken, Böden, Treppen alles ist aus Holz. In seiner sogar zum Klingen: Seit 1993 ist Ernst Wagner.

3 13 · Sport

Obenauf und überglücklich: Die McLaren-Mercedes-Mitarbeiter tragen Lewis Hamilton auf Händen. Zuvor hatte der Brite das Regenrennen von Monte Carlo gewonnen und die WMFührung übernommen – es war Hamiltons zweiter Saisonerfolg. Foto: AP

Kostenexplosion bei Rohstoffen verteuert Bier Das gesamte Haus von Ernst Wagner atmet. Der Grund für diese Lebendigkeit: Wände, Decken, Böden, Treppen alles ist aus Holz. In seiner sogar zum Klingen: Seit 1993 ist Ernst Wagner.

Kommentar

Flower-Power THEMA: Dem Bund sollten keine Autofirmen gehören Von Jan Sellner

Großer Preis von Monaco 2. Robert Kubica POL / BMW + 3 Sek.

Felipe Massa BRA / Ferrari + 4,8 Sek.

WEITERE ERGEBNISSE

4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14.

Webber (AUS, Red Bull) + 19,2 Sek. Vettel (GER, Toro Rosso) + 24,6 Sek. Barrichello (BRA, Honda) + 28,4 Sek. Nakajima (JPN, Williams) + 30,1 Sek. Kovalainen (FIN, McLaren) + 33,1 Sek. Räikkönen (FIN, Ferrari) + 33,7 Sek. Alonso (ESP, Renault) + 1 Runde Button (ENG, Honda) + 1 Runde Glock (GER, Toyota) + 1 Runde Trulli (ITA, Toyota) + 1 Runde Heidfeld (GER, BMW) + 4 Runden Sutil (GER, Force India) Ausfall (69.) Rosberg (GER, Williams) Ausfall (61.) Piquet jr. (BRA, Renault) Ausfall (50.) Fisichella (ITA, Force India) Ausfall (40.) Bourdais (FRA, Toro Rosso) Ausfall (9.) Coulthard (SCO, Red Bull) Ausfall (9.)

Hamilton gewinnt Regenlotterie McLaren-Mercedes-Pilot rast beim Formel-1-Rennen in Monaco vor Kubica ins Ziel – Sutil im Pech Monte Carlo – Silberpfeil-Pilot Lewis Hamilton hat bei der Regenlotterie von Monte Carlo das große Los gezogen und Ferraris Siegesserie gestoppt. Der Brite führt nun auch die WM-Fahrerwertung an. VON ANDREAS SERFASS Hamilton hüpfte ausgelassen aus seinem Auto, riss die Arme hoch und jubelte nach der Zielankunft, als hätte er schon jetzt den WM-Titel in der Tasche. Auch mit ein wenig Abstand bremste der 23-Jährige nach dem sechsten von 18 Rennen seine Emotionen nicht. „Ich fühle mich wie im siebten Himmel. Dieser Sieg wird immer ein Highlight meiner Karriere sein“, stand für Hamilton nach dem Triumph im Klassiker fest. Überschwänglich bejubelte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug den zweiten Saisonerfolg des Vize-Weltmeisters und dessen

Doppelsieg für Porsche in der Eifel Team Manthey schafft Hattrick Nürburg (dpa) – Das Team Manthey Racing hat beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring den Hattrick geschafft. Das Fahrer-Quartett Timo Bernhard (Dittweiler), Marc Lieb (Ludwigsburg), Romain Dumas (Frankreich) und Marcel Tiemann (Monaco) entschied am Sonntag in einem Porsche 911 GTR RSR den Klassiker in der Eifel vor 220 000 Zuschauern für sich. Ihre Markenkollegen Armin Hahne (Monaco), Christian Haarmann (Aachen), Jochen Krumbach (Eschweiler) und Pierre Kaffer (Salenstein) machten den Doppelerfolg des Rennstalls perfekt. Sabine Schmitz (Barweiler) kam als schnellste Frau im privat eingesetzten Frikadelli-Porsche auf Rang drei. Das Team ORMS mit Marko Hartung (Wallroda) belegte in einem BMW Z4 als bester Nicht-Porsche den vierten Platz. Rallye-Weltmeister Carlos Sainz (Spanien) kam mit dem früheren Formel-1-Piloten Hans-Joachim Stuck (Going) im Volkswagen Scirocco auf den zweiten Platz der 2l-Turbo-Klasse. „Eigentlich wollte ich keine Rennen mehr fahren, aber der Bazillus hat mich immer noch befallen“, sagte Stuck.

sechsten Grand-Prix-Sieg insgesamt: „Ein sensationeller Lewis – grandios. Die beste Strategie, der beste Speed und bestimmt auch ein bisschen Rennglück, für mich ist unser sechster Sieg in Monaco der bisher großartigste.“ Dagegen war Hamiltons bester Freund im Formel-1-Zirkus, Adrian Sutil, der große Pechvogel: Nach einer überragenden Leistung mit 16 Überholmanövern lag er zehn Minuten vor Ablauf der Rennzeit auf dem vierten Platz und hielt sogar Kimi Räikkönen in Schach. Doch dann raste der Ferrari-Pilot dem Mann aus Gräfelfing in den Wagen. Sutil musste aufgeben, Räikkönen wurde nur Neunter, blieb ohne Punkte und verlor seine WM-Spitzenposition. „Ich konnte es einfach nicht glauben. Das war wie ein Albtraum“, seufzte der enttäuschte Sutil, der in der Box seines ForceIndia-Teams sogar weinte. Räikkönen entschuldigte sich später: „Es tut mir leid. Wenn ich es hätte entscheiden können, wäre ich nicht in ihn reingefahren.“

Auch für die anderen Mitglieder der schwarz-rot-goldenen Fahr-Gemeinschaft verlief die Hatz durch die Straßenschluchten an der Côte d’Azur ereignisreich: Sebastian Vettel schaffte bei der Premiere im neuen Toro Rosso STR 3 einen starken fünften Rang und holte vier Punkte. „Es ist großartig, meine ersten Punkte der Saison in Monaco zu gewinnen und dann auch noch mit dem neuen Auto“, freute sich der Heppenheimer. Für Nico Rosberg war das Rennen in seiner Wahlheimat 17 Runden vor Schluss nach einem Unfall beendet und musste über Nacht zur Überwachung in der Klinik bleiben. Timo Glock im Toyota musste sich nach einigen Drehern und Zwangs-Boxenstopps mit dem 12. Rang zufriedengeben. Noch schlechter lief es für Nick Heidfeld: Während sich sein BMW-Teamkollege Robert Kubica als Zweiter feiern lassen durfte, hatte der Mönchengladbacher viel Pech und wurde 14. „Das war das Maximale, was wir

herausholen konnten“, stellte Kubica nüchtern fest. Pünktlich zu Rennbeginn hatte starker Regen eingesetzt, der die Jagd durch den engen Leitplankenkanal zum Roulete machte. Es gab viele Berührungen, Rutscher und Kollisionen. Selbst Hamilton hatte nach einem Einschlag in die Streckenbegrenzung inklusive Schaden an der Felge bereits in der fünften Runde an die Box fahren müssen und wurde aufgetankt. Trotz des Missgeschicks ließ sich der Brite nicht stoppen und arbeitete sich ganz nach vorne. Sein Teamkollege Heikki Kovalainen landete auf Platz acht. Der Finne war mit seinem Wagen beim Start der Formationsrunde nicht vom Fleck gekommen, da er Probleme mit der Schaltung hatte. Das Missgeschick änderte an der silbernen Feierlaune im Fürstentum wenig. „Der Kampf um den WM-Titel ist offen, und jetzt wollen wir dranbleiben“, sagte Haug – und dachte schon an den nächsten Grand Prix am 8. Juni (19 Uhr) in Kanada.

Max Mosley soll zurücktreten Appell von Fia-Funktionären an den Briten: „Desaster“ verhindern Monte Carlo – Ein hochrangiges Gremium des Automobil-Weltverbandes Fia soll FiaPräsident Max Mosley zum Rücktritt noch vor der entscheidenden Fia-Sitzung am 3. Juni in Paris aufgefordert haben, um „ein Desaster“ für beide Seiten zu vermeiden. VON JENS MARX Einem Brief zufolge soll das World Council for Automobile Mobility and Tourism (WMTC) einstimmig für dieses Vorgehen votiert haben. Das WMTC steht auf einer Ebene mit dem World Motorsport Council, das im vergangenen Jahr McLaren-Mercedes mit der Rekordgeldstrafe von 100 Millionen Dollar wegen der Spionage-Affäre belegt hatte. Nach Bekanntwerden der ihn belastenden Video-Sexaffäre will Mosley bei der außerordentlichen Generalversammlung des Weltverbandes die Vertrauensfrage stellen. Würde Mosley das Vertrauen der 222 FiaMitglieder ausgesprochen, wäre dies ein Desaster für die Fia, schrieb der Präsident der Region Asien und des japanischen Automobilverbandes JAF, Setsou Tanaka, in dem

mieden werden. Zu diesem Ergebnis sei man bei einer Versammlung am 23. April im belgischen Antwerpen gekommen, berichtete Tanaka. Mosley selbst hatte in einem Brief an die Präsidenten der Nationalverbände von insgesamt 13 Stimmen gesprochen, die ihn zum Rücktritt aufforderten. 62 hätten dagegen für seinen Verbleib im Amt gestimmt. Der Fia-Chef, dessen Legislaturperiode im Oktober 2009 ausläuft, hatte wegen der aktuellen Neuverhandlungen Unter Druck: Fia-Präsident Max Mosley Foto: dpa mit den kommerziellen Rechteinhabern – Bernie EccleBrief an die Chefs der ihm unterstellten Na- stone und die CVC-Gruppe – vor seiner Abtionalverbände. Würde Mosley das Ver- wahl gewarnt und von einem drohenden trauen entzogen, wäre es ein Desaster für Machtverlust der Fia geschrieben. Daraufden 68-Jährigen, der die Fia in ihrer jetzi- hin hatte Ecclestone in einem Schreiben an dieselben Adressaten die indirekten Vorgen Form seit 1993 als Präsident leitet. Ein Showdown um die Fia-Zukunft Mos- würfe einer Machtübernahme deutlich zuleys, der sich beim Formel-1-Klassiker in rückgewiesen und auf die Bedeutung eines Monte Carlo erstmals nach Bekanntwerden „respektierten“ Präsidenten innerhalb eider Sadomaso-Rollenspiele zeigte, soll ver- ner starken Fia hingewiesen.

FAHRER-WM

1. 2. 3. 4. 5. 6. 6. 8. 8. 10.

Hamilton Räikkönen Massa Kubica Heidfeld Kovalainen Webber Alonso Trulli Rosberg

38 35 34 32 20 15 15 9 9 8

Das gesamte Haus von Ernst Wagner atmet. Der Grund für diese Lebendigkeit: Wände, Decken, Böden, Treppen alles ist aus Holz. In seiner Werkstatt, die sich ebenfalls in dem Gebäude.

Hamilton gewinnt Regenlotterie

TEAM-WM

1. Ferrari 69 2. McLaren-Mercedes 53 3. BMW-Sauber 52 4. Williams 15 4. Red Bull Racing 15 6. Renault 9 6. Toyota 9 8. Toro Rosso 6 8. Honda 6

Silberpfeil-Pilot knallt mit über 200 km/h in Reifenstapel und kommt mit Gehirnerschütterung davon – Ferrari triumphiert

Letzter – Heidfeld in der Krise BMW-Sauber-Pilot rätselt

D

as Wetter war trüb am Sonntag in Monte Carlo – und es sah so aus, als habe es Nick Heidfeld besonders aufs Gemüt geschlagen. Doch es waren andere Dinge, die den 31-Jährigen belasteten. Entscheidendere Dinge. VON FABIAN ZANKER Zum Beispiel das Ergebnis des Großen Preises von Monaco. Von Platz 13 war Nick Heidfeld gestartet – und das war schon richtig schwach. Doch es kam noch schlimmer: In der Mitte des Rennens lag er zwar schon auf Platz fünf, nachdem ihm Fernando Alonso in die Seite gefahren war, musste er das Rennen aber als 14. beenden. Als Letzter. „Das ist katastrophal“, schimpfte der Mann aus Mönchengladbach – und die ganze Szene rätselt, was nur los ist mit ihm. Sein Team leistet gute Arbeit. Als Beweis dienen da die Ergebnisse von Teamkollege Robert Kubica, der am Sonntag auf Rang Nick Heidfeld dpa zwei fuhr. Nur Heidfeld kommt nicht in die Gänge: In sechs Qualifyings war Kubica sechsmal schneller. „So wie jetzt habe ich das noch nie erlebt“, klagt der 31-Jährige, dessen großer Traum plötzlich auf dem Spiel steht. „Wenn er den Platz bei BMW-Sauber verliert, sind seine Chancen, irgendwann einmal Weltmeister zu werden, gleich null“, warnt Experte Hans-Joachim Stuck. Es geht in den nächsten Wochen mal wieder um Heidfelds Zukunft in der Formel 1. Bei BMW stärkt man ihm (noch) den Rücken: „Wir können ihm nur jede Unterstützung geben“, sagt Teamchef Mario Theissen, der aber auch fordert: „Natürlich muss er auch seinen Beitrag leisten.“ Doch genau das fällt Heidfeld derzeit so schwer. „Es ist offensichtlich, dass ich nicht zurechtkomme“, sagte er. Eine Besprechung mit dem BMW-Stab endete ergebnislos, er wisse nicht, ließ Heidfeld verlauten, „wie wir das Problem ändern sollen“. Er habe zwar seine Theorien, erklärte er dann noch, wolle diese aber nicht als Ausrede nennen. Deshalb behielt er sie für sich. Nur eines erklärte er noch: Das Team wisse, „dass ich das Fahren nicht verlernt habe“. Das sollte er demnächst aber auch mal wieder zeigen.

Im Streit zwischen Porsche und Niedersachsen um die Macht bei VW hat es in der Hauptversammlung keine Annäherung gegeben. Erst spät kam es zum mit Spannung erwarteten Schlagabtausch. Von Wolf-Dieter Obst Das gesamte Haus von Ernst Wagner atmet. Der Grund für diese Lebendigkeit: Wände, Decken, Böden, Treppen alles ist aus Holz. In seiner Werkstatt, die sich ebenfalls in in dem Gebäude unweit eines kleinen Wäldchens befindet, bringt der Hausherr diesen Naturstoff sogar zum Klingen: Seit 1993 ist Ernst Wagner aus Malberg selbständiger Geigenbaumeister. Holz ist ein toller Werkstoff, der leider unterschätzt wird, sagt er. Dass er sich beruflich für dieses klassische Kunsthandwerk entschieden hat, dessen Arbeitsabläufe sich seit der Zeit des Meiders Stradivari kaum geänsdert haben, hängt mit Wagners zweiter Passion zusammen. Aus Holz ein Instrument zu bauen, ist einfach etwas anderes als ein Möbelstück, das zwar auch sehr schön sein kann, aber das man. Anders ein Instrument, das regelmäßig gespielt wird. Wenn ich dem Holz Töne entlokke, hauche ich ihm Leben in. Das ist enormes Glücksgefühl. Als Geigenbauer will er ein Produkt hinterlassen, „das auch in 100 Jahren noch Freude bereitet. Die lange Spiebarkeit liegt an der geniale Konstruktion, schwärmt Wagner doch eine Neuanschaffung ist für den jungen Mann viel zu teuer.

B[m_i>Wc_bjedWk\FbWjp' 1. Lewis Hamilton ;D= % CYBWh[d (0&&0*("-*( WEITERE ERGEBNISSE

2. Robert Kubica FEB%8CM !)I[a FAHRER-WM

3. Felipe Massa 8H7%<[hhWh_ !*".I[a TEAM-WM

+ 19,2 Sek. *$ Webber (AUS, Red Bull) '$ Ferrari 69 '$ Hamilton 38 +$ Vettel (GER, Toro Rosso) + 24,6 Sek. ($ McLaren-Merc. 53 ($ Räikkönen 35 ,$ Barrichello (BRA, Honda) + 28,4 Sek. )$ BMW-Sauber 52 )$ Massa 34 -$ Nakajima (JPN, Williams) + 30,1 Sek. *$ Williams 15 *$ Kubica 32 .$ Kovalainen (FIN, McLaren) + 33,1 Sek. *$ Red Bull Racing 15 +$ Heidfeld 20 /$ Räikkönen (FIN, Ferrari) + 33,7 Sek. ,$ Renault 9 ,$ Kovalainen 15 '&$ Alonso (ESP, Renault) + 1 Runde ,$ Toyota 9 ,$ Webber 15 ''$ Button (ENG, Honda) + 1 Runde .$ Toro Rosso 6 .$ Alonso 9 '($ Glock (GER, Toyota) + 1 Runde .$ Honda 6 .$ Trulli 9 ')$ Trulli (ITA, Toyota) + 1 Runde '&$ Rosberg 8 '*$ Heidfeld (GER, BMW) + 4 Runden Sutil (GER, Force India) Ausfall 69.; Rosberg (GER, Williams) Ausfall 61.; Piquet jr. (BRA, Renault) Ausfall 50.; Fisichella (ITA, Force India) Ausfall 40.; Bourdais (FRA, Toro Rosso) Ausfall 9.; Coulthard (SCO, Red Bull) Ausfall 9.

Dabei musste er zunächst hart dafür kämpfen, den Beruf des Geigenbauers ausüben zu können trotz seines Naturtalents. So beginnt seine Karriere mit einem finanziellen. Als Musikstudent benötigt er dringend einen tauglichen. Bass, doch eine Neuanschaffung ist für den jungen. Und das alte, kaputte Instrument, das ihm ein Freund besorgt, will niemand zu einem. Aus heutiger. Sicht war das Ergebnis zwar nicht mehr als eine ordentliche Laienarbeit.Anders ein Instrument, das regelmäßig

StN-Grafik: Lange / Quelle: BMWi; Energiedaten 2007

Lewis Hamilton ENG / McLaren 2:00:42,742

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sid / StN / Gröger

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gespielt wird: Wenn ich dem Holz Töne entlocke, hauche ich ihm Leben in. Das ist enormes Glücksgefühl. Als Geigenbauer will er ein Produkt hinterlassen, „das auch in 100 Jahren noch Freude bereitet. Die lange Spielbarkeit liegt an der geniale Konstruktion, schwärmt Wagner doch eine Neuanschaffung ist für den jungen Mann viel zu teuer. Holz ist ein toller Werkstoff, der leider unterschätzt wird, sagt er. Dass er sich beruflich für dieses klassische Kunsthandwerk entschieden hat, dessen Arbeitsabläufe sich seit

der Zeit des Meiders Stradivari kaum geänsdert haben, hängt mit Wagners zweiter Passion zusammen Anders ein Instrument, das regelmäßig gespielt wird. Wenn ich dem Holz Töne entlocke, hauche ich. ihm Leben in. Das ist enormes Glücksgefühl. Als Geigenbauer will er ein Produkt hinterlassen, „das auch in 100 Jahren noch Freude bereitet. Die lange Spiebarkeit liegt an der geniale Konstruktion, schwärmt Wagner doch eine Neuanschaffung ist für den jungen Mann viel zu teuer. Dabei musste er zunächst hart dafür kämpfen, den Beruf des Geigenbauers ausüben zu können trotz seines Naturtalents. So beginnt seine Karriere mit einem. Als Musikstudent benötigt er dringend einen tauglichen. Bass, doch eine Neuanschaffung ist für den jungen Mann viel zu teuer. Und das alte, kaputte Instrument, das ihm ein Freund besorgt, will niemand zu einem. Aus heutiger. Sicht war das Ergebnis zwar nicht mehr als eine ordentliche Laienarbeit.Anders ein Instrument, das regelmäßig gespielt wird: Wenn ich dem Holz Töne entlocke, hauche ich ihm Leben in. Das ist enormes Glücksgefühl. Als Geigenbauer will er ein Produkt hinterlassen, „das auch in 100 Jahren noch Freude bereitet. Die lange Spielbarkeit liegt an der geniale Konstruktion, schwärmt Wagner doch eine Neuanschaffung ist für den jungen. Mann viel zu teuer. Anders ein Instrument, das regelmäßig gespielt wird. Wenn ich dem Holz Töne entlocke, hauche ich ihm Leben in. Das ist enormes Glücksgefühl. Als Geigenbauer will er ein Produkt. Anders ein Instrument, das regelmäßig gespielt wird. Wenn ich dem Holz Töne entlocke.

Das gesamte Haus von Ernst Wagner atmet. Der Grund für diese Lebendigkeit: Wände, Decken, Böden, Treppen – alles ist aus Holz. In seiner Werkstatt, die sich ebenfalls in in dem Gebäude unweit. Eines kleinen Wäldchens befindet, bringt der Hausherr diesen Naturstoff sogar zum Klingen: Seit 1993 ist Ernst Wagner aus Malberg (Kreis Altenkirchen) selbständiger Geigenbaumeister. Holz ist ein toller Werkstoff, der leider oft unterschätzt wird“, sagt er. Dass er sich beruflich für dieses klassische Kunsthandwerk entschieden hat, dessen Arbeitsabläufe sich seit der Zeit des Meiders Stradivari kaum geänsdert haben, hängt mit Wagners zweiter Passion, ist einfach etwas anderes als ein Möbelstück, das zwar auch sehr schön sein kann, aber das man doch in eine Ecke stellt. Anders ein Instrument, das regelmäßig gespielt wird: Wenn ich dem Holz Töne entlocke, hauche ich ihm Leben in. Das ist ein enormes Glücksgefühl. Als Geigenbauer will er ein Produkt hinterlassen, das auch in 100 Jahren.

Segeln

Keine Gespräche mit Schümann über Olympia Holz ist ein toller Werkstoff, der leider unterschätzt wird, sagt er. Dass er sich beruflich für dieses klassische Kunsthandwerk entschieden hat, dessen Arbeitsabläufe sich seit der Zeit des Meiders Stradivari kaum geänsdert haben, hängt mit Wagners zweiter Passion zusammen.

Zitat „Der nächste Spitzenreiter: Contador. Der Name klingt schon wie ein Medikament.“ Die Bild-Zeitung offenbart Fachkenntnis in Sachen Sport

Radsport

Doppelsieg für Porsche auf dem Nürburgring Der frühere Vorstandschef wird Aufsichtsrat bei Finanzierer AWD STUTTGART. Das gesamte Haus von Ernst Wagner atmet. Der Grund für diese Lebendigkeit: Wände, Decken, Böden, Treppen – alles ist aus Holz. In seiner Werkstatt, die sich ebenfalls in in dem Gebäude unweit. Eines kleinen Wäldchens befindet, bringt der Hausherr diesen Naturstoff sogar zum Klingen: Seit 1993 ist Ernst Wagner aus Malberg selbständiger Geigenbaumeister. Holz ist ein toller Werkstoff, der leider oft unterschätzt wird, sagt er. Dass er sich beruflich für dieses klassische Kunsthandwerk entschieden hat, dessen Arbeitsabläufe sich seit der Zeit des Meiders Stradivari kaum geänsdert haben, hängt mit Wagners zweiter Passion, ist einfach etwas anderes als ein Möbelstück, das zwar auch sehr schön sein kann, aber das man doch in eine Ecke stellt. Wenn ich dem Holz Töne entlocke, hauche ich ihm Leben in.

Max Mosley soll zurücktreten Appell von Fia-Funktionären an den Briten: „Desaster“ verhindern Von Jens Marx Das gesamte Haus von Ernst Wagner atmet. Der Grund für diese Lebendigkeit: Wände, Decken, Böden, Treppen alles ist aus Holz. In seiner Werkstatt, die sich ebenfalls in in dem Gebäude unweit eines kleinen Wäldchens befindet, bringt der Hausherr diesen Naturstoff sogar zum Klingen: Seit 1993 ist Ernst Wagner aus Malberg selbständiger Geigenbaumeister. Holz ist ein toller Werkstoff, der leider unterschätzt wird, sagt er. Dass er sich beruflich für dieses klassische Kunsthandwerk entschieden hat, dessen Arbeitsabläufe sich seit der Zeit des Meiders Stradivari kaum geänsdert haben, hängt mit Wagners zweiter Passion zusammen. Aus Holz ein Instrument zu bauen, ist einfach etwas anderes als ein Möbelstück, das zwar auch sehr schön sein kann, aber das man. Anders ein Instrument, das regelmäßig gespielt wird: Wenn ich dem Holz Töne entlokke, hauche ich ihm Leben in. Das ist enormes Glücksgefühl. Als Geigenbauer will er ein Produkt hinterlassen, „das auch in 100 Jahren noch Freude bereitet. Die lange Spiebarkeit lie der geniale Konstruktion, schwärmt

Wagner doch eine Neuanschaffung ist für den jungen Mann viel zu teuer. Dabei musste er zunächst hart dafür kämpfen, den Beruf des Geigenbauers ausüben zu können trotz seines Naturtalents. So beginnt seine Karriere mit einem finanziellen Engpass: Als Musikstudent benötigt er dringend einen tauglichen. Bass, doch eine

er ein Produkt hinterlassen. Die lange Spiebarkeit liegt an der geniale Konstruktion, schwärmt Wagner doch eine Neuanschaffung. Mann viel zu teuer. Dabei musste er zunächst hart dafür kämpfen. Den Beruf des Geigenbauers ausüben zu können trotz seines Naturtalents. So beginnt seine. Karriere mit einem finanziellen Engpass: Als Musikstudent benötigt er dringend einen tauglichen. hängt mit Wagners zweiter Passion zusammen. Aus Holz ein Instrument zu bauen, ist einfach etwas anderes als ein Möbelstück, das zwar auch. Heinz Sehrbrock Holz ist ein toller Werkstoff, der Mitglied des DGB-Vorstandes leider unterschätzt wird, sagt er. Dass er sich beruflich für dieses klassische Kunsthandwerk entNeuanschaffung ist für den jungen Mann viel schieden hat, dessen Arbeitsabläufe sich seit zu teuer. Und das alte, kaputte Instrument, der Zeit des Meiders Stradivari kaum geänsdas ihm ein Freund besorgt, will niemand zu dert haben, hängt mit Wagners zweiter Paseinem. Aus heutiger Sicht. sion zusammen. Aus Holz ein Instrument zu Zwar nicht mehr als eine ordentliche Laibauen, ist einfach etwas anderes als ein Möenarbeit. Anders ein Instrument, das regelbelstück, das zwar auch sehr schön sein kann, mäßig gespielt wird: Wenn ich dem Holz Töaber das man. Anders ein Instrument, das rene entlocke, hauche ich ihm Leben in. Das ist gelmäßig gespielt wird: Wenn ich dem Holz enormes Glücksgefühl. Als Geigenbauer will Töne entlocke, hauche.

„Es ist erschütternd, mit welchen Fällen wir konfrontiert werden.“

Wada und UCI liegen weiterhin im Clinch Holz ist ein toller Werkstoff, der leider unterschätzt wird, sagt er. Dass er sich beruflich für dieses klassische Kunsthandwerk entschieden hat, dessen Arbeitsabläufe sich seit der Zeit des Meiders. Stradivari kaum geänsdert haben, hängt mit Wagners zweiter Passion zusammen.

Sport im TV Samstag

10 Uhr, Eurosport: Beachvolleyball, WM in Gstaad (auch um 11 und 14 Uhr) 12 Uhr, Eurosport: Motorsport, Int. Formula Master, 5. Lauf in Anderstorp 13.30 Uhr, Eurosport: Motorsport, DTM, 7. Lauf in Zandvoort, Qualifying.

Sonntag

10 Uhr, Eurosport: Beachvolleyball, WM in Gstaad (auch um 11 und 14 Uhr) 12 Uhr, Eurosport: Motorsport, Int. Formula Master, 5. Lauf in Anderstorp 13.30 Uhr, Eurosport: Motorsport, DTM, 7. Lauf in Zandvoort, Qualifying. 13.45 Uhr, Eurosport: Radsport, Tour de France, Einzelzeitfahren

Visual clarity The aim o the redes gn was to ach eve a very c ear c ear y arranged ayout that ooks so d re ab e e egant and modern Accord ng y the ead p cture was pos t o ned at the top and the tab e n the art c e n the ower part nstead o a two co umn p cture a portra t p cture w th a quote s used By reduc ng the p cture s ze n the bottom part o the page the ead p cture s g ven more prom nence t ooks b gger

Design stage

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Design manual

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Office for Newspaper Design

The design manual Every redesign requires a manual containing all the typefaces and type sizes used, colours, page layouts and use of pictures. It is needed to set up the new layout in the editing system. It also serves to give the editorial staff guidance. It states clearly what is allowed and what is not, what is right and what is wrong.

Design manual

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The masthead

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masthead before the redesign

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. Jahrgang

6. Samstag, 2 S The masthead before the redesign You can see from the enlarged version that in the old version of the masthead each letter was drawn differently. Some letters went in and out where they shouldnâ&#x20AC;&#x2DC;t, and many curves were imprecise.

April

N r Ăź f s i e r Filmp


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The masthead

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masthead after the redesign

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The masthead after the redesign Every letter of the masthead was reworked and evened up. The line thicknesses were harmonised and the serifs equalised. Overall the reworked masthead looks preciser and lighter.

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s s o H a n i N r 眉 f s i e r p m


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The typography

Typography before the redesign

Helvetica: technically cool impression The Stuttgarter Nachrichtenâ&#x20AC;&#x2DC;s original image was established by the Helvetica title typeface, which was designed in 1957 and looks technically cool. Clearly, what was needed was a more emotive, more elegant typeface.

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The typography

Typography after the redesign

e t d 채 t S : g a t r e t t u M

Versa Sans: elegant and modern The new title typeface is called Versa Sans. It was designed by the Dutch typeface designer Peter Verheul in 2001. It is the first time that Versa Sans has been used for a daily newspaper. It looks softer and more elegant than other typefaces, because it is influenced by handwriting. It is very easy to read, because the letters look lively and varied rather than stiff and monotonous.

Versa Sans is also used for sublines, decks and picture texts. Versa Sans small caps is used for bylines. Left-aligned titles, sublines and decks support an asymmetrical look and avoid the static look of symmetry. Asymmetry stands for modernity and enables a large number of variants in the page layout.

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Interview

Office for Newspaper Design

Elegance, solidity, reliability and modernity are in vogue in Europe The redesign of the Stuttgarter Nachrichten is all about readability and clear arrangement. The newspaper as a brand article is being brought up to date. International trends are being acknowledged. Mr. Küpper, you organise the European Newspaper Award, a Europe-wide newspaper competition. What are the current trends? All over Europe elegance and solidity and reliability are in; loud colours and tabloid trash are out. Tabloid newspapers Europe-wide are experiencing falling sales. This trend towards elegance, solidity and reliability, linked with modernity, is, incidentally, also to be observed in cars, furniture and clothing. Get into a new car and you will find many details on the dashboard and seats which radiate solidity and reliability. So at present there‘s no trend towards trash and a low standard of design. In newspapers in the German-speaking areas have very slim, classical titles that emphasise solidity and reliability are to be found. The Financial Times of Germany is a good example of this. In Scandinavia the tendency is more towards sans-serif titles. There they like to use the “tazzer”, which was originally designed for the Berlin daily newspaper “taz” (“die tageszeitung”). Will all newspapers soon look the same, if we go with the trends? In the area of elegance, solidity and reliability we move with the main stream, otherwise the Stuttgarter Nachrichten remains individual and good legible. That we achieve primarily with the new Versa Sans title typeface and the proven Excelsior newspaper typeface as bodycopy. For picture editing, picture sizes and hierarchy of topics the Stuttgarter Nachrichten is among the best newpapers in Europe. That is shown by the numerous awards of excellence it has won in the European Newspaper Award competition. You work in the Gutenbergstrasse. Is that a coincidence, or is it intentional? I began by training as a typesetter, then studied design. So I am a true disciple of Gutenberg, and in my garage I still have shelves with lead type and a small printing machine on them. The office in the Gutenbergstrasse is intentional and underscores my love of tradition and printed information. Is the knowledge gained in Gutenberg‘s time still of any value then? His invention, lead type with moveable letters, is fortunately obsolete, the experience and the knowledge gained over many centuries is still valid today. I see, for example, on the Internet texts that are three centimetres wide, and others that are 18 centimetres wide. The

The European Newspaper Congress was founded by Norbert Küpper. So far it has been held four times in the Coronation Hall at Aachen Town Hall and seven times in the Festival Hall at Vienna Town Hall. Picture: Xymena Weiß-Gendera


Office for Newspaper Design

Interview

Die Seite Drei

Nummer 118  Mittwoch, 26. Mai 2010

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Union verliert den Koch Nun fehlt der CDU eine wichtige wirtschaftspolitische und konservative Stimme

Von Norbert Wallet Berliner Redaktion

„Roland Koch war mir immer ein guter, freundschaftlicher Ratgeber“

WIESBADEN/BERLIN. Raus mit Applaus: Als Roland Koch am Dienstag zur Pressekonferenz bittet, liegt wenig Wehmut in seinem konzentrierten Auftritt. Eher Genugtuung darüber, das geschafft zu haben, was Politiker immer erträumen und selten erreichen – den souveränen, selbstbestimmten Abgang. Dazu muss man sich noch einmal den brennend heißen politischen Boden in Hessen in Erinnerung rufen. Koch hatte 1999 im Landtagswahlkampf dem frisch gewählten Kanzler Gerhard Schröder mit einer erfolgreichen Kampagne gegen die doppelte Staatsbürgerschaft die erste schmerzhafte Niederlage zugefügt und sich damit die Macht in Hessen gesichert. Seither galt er für die Rot-Grünen als konservativer Beelzebub. Aber sie haben ihn nicht besiegen können. Auch nicht die Frau mit dem „Y“, obwohl die wirklich dicht dran war. Nun also geht er von selbst. Das ist ein Triumph. Dass er überhaupt geht, ist keine allzu große Überraschung. Dies immerhin hat Andrea Ypsilanti dann doch erreicht: Sie scheiterte 2008 so knapp am Wahlsieg, dass Kochs Nimbus seither angekratzt war. Hessens CDU kann neuen Schwung gebrauchen. Deshalb hatte es immer Gerüchte um einen Rückzug Kochs gegeben. Aber der Zeitpunkt ist dann doch nicht ohne – und da geht es plötzlich um die Bundespolitik. Als Koch seinen Abgang verkündet, ist die Kanzlerin irgendwo am Golf unterwegs. Der brutalstmögliche Abstand sozusagen. Ist das Zufall? Wohl kaum. Es ist eine letzte Demonstration der Unabhängigkeit. Noch nie in ihrer Kanzlerschaft befand sich Angela Merkel in so schwerem Fahrwasser: schlechte Umfragen, schwaches Krisenmanagement, ein zappeliger Koalitionspartner, eine krachend verlorene NRW-Wahl. Koch hätte gut warten können. Bis zum Herbst zum Beispiel. Hat er aber nicht. Nett ist das nicht. Man kann das als eine maskierte Absage an irgendwelche künftige Anschlussverwendungen in Berlin werten. Finanzminister nach Wolfgang Schäuble – das kommt nicht infrage. „Ich will wirtschaftliche und unternehmerische Entscheidungen treffen“, kündigte Koch an. Keine Politik mehr. Vielleicht steckt in der Wahl des rechten Augenblicks auch eine kleine Retourkutsche. Koch hatte zuletzt harte Kritik sowohl am Profil der Union als auch am mangelnden Sparwillen der Kanzlerin geübt. Angela Merkel war ihm öffentlich und sehr unmissverständlich entgegengetreten, vielleicht sogar dankbar, einmal eine Art Machtwort sprechen zu können. Aber es ist sehr die Frage, ob Merkel sich wirklich freuen sollte. Schon wahr, nach Kochs Abgang ist die natürliche Machtreserve der Union endgültig aufgebraucht. Man sehe sich die vier Stellvertreter im Parteivorsitz an: Christian Wulff hält sich selbst nicht für kanzlertauglich, Annette Schavan hält die Partei nicht für kanzlertauglich, Jürgen Rüttgers ist schwer angeschlagen und Koch bald ganz weg. Hinter Merkel das Vakuum. Noch nie war die Union so auf Gedeih und Verderb auf den Erfolg des „Projekts Merkel“ angewiesen.

Angela Merkel, Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende, zu Kochs Rücktritt

„Ich kenne bis zum heutigen Tag keinen einzigen Vorgang außerhalb der offiziellen Buchhaltung der CDU“ Koch am 10. Januar 2000 bei einem Sternsinger-Empfang auf Journalisten-Fragen nach Ungereimtheiten in der Finanzierung der hessischen CDU

„In dieser Sekunde des Konflikts, die Sache noch einmal kurze Zeit zurückzuhalten oder sofort damit zu beginnen, sie offenzulegen, habe ich mich falsch entschieden“

„Wir haben zu viele kriminelle junge Ausländer“ Koch am 28. Dezember 2007 nach einem brutalen Überfall in der Münchner U-Bahn

„An politischem Überlebenswillen hat es Koch nicht gemangelt. Der politischen Kultur in Deutschland hat er oft geschadet“

Von Gisela Kirschstein

Jürgen Trittin Grünen-Fraktionsvorsitzender

Schließt die Tür: Koch nimmt Abschied von der Politik

„Koch hat immer darauf hingewiesen, dass die Union die Stammwähler pflegen muss“ Wolfgang Bosbach CDU-Innenpolitiker

„Koch hat immer darauf hingewiesen, dass die Union die Stammwähler pflegen muss“, sagt der Innenpolitiker Wolfgang Bosbach, der Kochs Weg mit Sympathie verfolgte. Wer aber soll nun denjenigen eine Stimme geben, die in der Union Patriotismus und Leitkultur, das Bekenntnis zu christlichen Werten und ein traditionelles Familienbild verkörpert sehen wollen? Jörg Schönbohm kann das nicht mehr, Koch wird es nicht mehr. Auch hier ein Vakuum. Aber gerade so ein Dauergrummeln, das nie zur Sprache kommt, weil es an sprachgewandten Zuspitzern fehlt, die alles einmal auf den Punkt bringen, ist für Merkel durchaus gefährlich. Weil das, was da gärt und brodelt, auch irgendwann zum Ausbruch kommen kann. Die Lage schreit eigentlich nach jemandem, der dieses Vakuum füllt – gefragt ist ein wirtschaftlich kompetenter und den Grundwerten verpflichteter Politiker. Thomas Strobl, Generalsekretär der SüdwestCDU, hätte da einen Namen im Angebot – und zieht folgenden Vergleich: „Roland Koch und Stefan Mappus – beide sind jung Ministerpräsidenten geworden, beide stehen für wirtschaftliche Kompetenz und sind mittelstandsorientiert. Beide vertreten ein konservativ-bürgerliches Profil.“ Die Parallelen sind auch den professionellen Beobachtern aufgefallen. Mappus vertrete klare Positionen wie Koch, sagt Parteienforscher Jürgen Falter, „nur nicht so geschliffen“. Und sein Kollege Paul Nolte weist darauf hin „dass Koch genau zu dem

¡ Im Landtagswahlkampf 1999 initiiert die CDU unter Koch eine Unterschriftenaktion gegen die Einführung der doppelten Staatsbürgerschaft – am 7. April 1999 wird Roland Koch erstmals zum hessischen Ministerpräsidenten gewählt. ¡ Im Jahr 2000 wird bekannt, dass Koch Details des CDU-Spendenskandals verschwiegen hat. ¡ Bei der Landtagswahl 2003 wird er als Ministerpräsident bestätigt. ¡ Im Januar 2008 verliert Koch bei der Landtagswahl die Regierungsmehrheit. Im Wahlkampf setzt er diesmal auf das Thema Jugendkriminalität – weshalb ihm Ausländerfeindlichkeit vorgeworfen wird. ¡ Nach dem Scheitern einer von der Linken tolerierten rot-grünen Regierung führt Koch zunächst kommissarisch die Amtsgeschäfte, weil Andrea Ypsilanti (SPD) bei der Wahl zur Ministerpräsidentin im Landtag scheitert. ¡ 2009 wird Koch nach vorgezogenen Landtagswahlen mit den Stimmen der FDP wieder zum Ministerpräsidenten gewählt. (StN)

Mehr Bilder im Netz! Von Helmut Kohls Ziehsohn zu Angela Merkels Rivale: Roland Kochs politisches Leben in Bildern unter: www.stuttgarter-nachrichten.de/bilder

Foto: dpa

WIESBADEN. Er gilt als der treueste Mitstreiter von Roland Koch. Aus Sicht der CDU ist es daher nur konsequent, dass Innenminister Volker Bouffier seinen langjährigen Chef im Amt des hessischen Ministerpräsidenten beerbt. Der Landesvorstand und die Kreisvorsitzenden empfahlen bei ihrem Treffen am Dienstagabend in Bad Nauheim einstimmig der CDU-Landtagsfraktion, Bouffier als Kandidat für das Amt des hessischen Regierungschefs vorzuschlagen. Ganz leicht dürfte seine Benennung in der Öffentlichkeit aber nicht zu vermitteln sein, hat der Minister doch schon seit geraumer Zeit mit diversen Affären zu kämpfen. Der in Gießen geborene Jurist war immer Kochs Mann fürs Grobe. Ob Rasterfahndung, Kennzeichenlesegeräte oder Telekommunikationsüberwachung – Bouffier hat sich auch in der Innenpolitik stets für die Verschärfung oder den Einsatz neuer Überwachungsmethoden eingesetzt. „Die Polizei darf nicht hinter den technischen Möglichkeiten der Kriminellen zurückbleiben“, so sein Credo. Das brachte ihm den Spitznamen „Schwarzer Sheriff“ ein: Für die Opposition war das ein Schimpfname, für seine Partei ein Ehrentitel.

ler, Markus Gäfgen, Folter angedroht hatte, um das Versteck des Jungen zu erfahren. In seine Amtszeit fiel 2007 auch ein Skandal um rechtsradikale Umtriebe bei Personenschützern des ehemaligen Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden, Michel Friedman. Auch machte das Frankfurter Polizeipräsidium Schlagzeilen, weil etwa Polizisten Razzien im Drogenmilieu verrieten. Zurzeit läuft ein Untersuchungsausschuss des Landtags, der dem Innenminister allerdings schaden könnte: Die Opposition wirft Bouffier vor, im Juli 2009 seinen Parteifreund Hans Lang„Die Polizei darf nicht ecker zum Präsidenten der Bereithinter den Möglichkeiten schaftspolizei ernannt zu haben – ohne ein Auswahlverfahren der Kriminellen und sogar unter Missachtung zurückbleiben“ eines Gerichtsbeschlusses. Dass Bouffier nun dennoch die Volker Bouffier Nachfolge Kochs antritt, liegt hessischer Innenminister schlicht an seiner Beliebtheit in der Partei. Als Koch 2008 mit Zum größten Erfolg seiner Amtszeit wer- 95,3 Prozent als Chef der hessischen CDU den die Aufdeckung der Sauerland-Gruppe wiedergewählt wurde, war nur einer besser: und die Vereitelung ihrer islamistisch moti- Bouffier wurde mit 96,3 Prozent als stellvervierten Anschläge gezählt. 2002 stellte sich tretender Landesvorsitzender bestätigt. Bouffier hinter den Frankfurter Polizeiprä- Ihm wird daher am ehesten zugetraut, die sidenten Wolfgang Daschner, der dem Ent- hessische CDU kraftvoll in den nächsten führer des Bankierssohns Jakob von Metz- Wahlkampf zu führen. Seine Laufbahn begann Bouffier in der Jungen Union, deren hessischer Vorsitzender er von 1976 bis 1984 war. Schon seit 1978 gehört er dem Vorstand der hessischen CDU an, saß von 1979 bis 1993 im Gießener Stadtrat und bis 1999 im Kreistag. In die erste Regierungsverantwortung holte ihn der damalige Ministerpräsident Walter Wallmann: Bouffier war bis 1991 Staatssekretär im Justizministerium. Mit Roland Koch kehrte er an die Macht zurück und wurde 1999 Minister für Inneres und Sport.

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Stuttgart und die Region

Nummer 117  Dienstag, 25. Mai 2010

Leserbriefe

Parteinahme Zu „FDP-Frau bewirbt sich als Sozialbürgermeisterin“ vom 19. Mai: Handelt es sich bei der Berichterstattung um eine versteckte Parteinahme? Ins Auge sticht sofort die Auswahl und Platzierung der Porträt-Fotos: Natürlich links, an erster Stelle das farbenfrohe Bild vom Sprecher der Grünen, der vor Kraft und Lebensfreude zu bersten scheint, an zweiter Stelle das blasse Bild von Frau Fezer. Der Eindruck „blasse Kandidatin“ wird im Text verstärkt, wobei man die Ex-Sozialbürgermeisterin aus Radolfzell selbst anscheinend nicht nach ihren Ideen befragt hat.

Knut Krüger, Stuttgart-Sillenbuch

Fehlen Ingenieure? Zu „Trauerspiel S 60: Frühester Betriebsstart jetzt Ende 2012“ vom 14. Mai: Berichtet wird unter anderem, dass die Kosten von 93 Millionen auf wenigstens 149 Millionen Euro steigen werden. Das ist eine Steigerung um das 1,6-Fache. Die Kosten der Baufinanzierung, die entstehen, wenn die Inbetriebnahme um acht statt um zwei Jahre verschoben wird, sind dabei sicher noch gar nicht berücksichtigt. Hat die Deutsche Bahn eigentlich keine erfahrenen Bauingenieure mehr, die Ausschreibungen perfekt ausarbeiten und eingehende Angebote sachkundig und sorgfältig lesen und beurteilen können?

Reinhard Wagner, Ostfildern

Genervte Gesichter, große Verwirrung: Die Literaturstudentin Bazhena Erdmann berät als Servicemitarbeiterin der Deutschen Bahn Fahrgäste im Hauptbahnhof

Umweltmobil

Verwirrung nach Weichendefekt

Donnerstag, 27. Mai: Frauenkopf, Frauenkopfstraße: 9.30 bis 11 Uhr. Rohracker, Tiefenbachstraße,

Impressum

Reimund Abel, Stuttgarter Nachrichten

¡ 1979 wird er im Kreisverband Main-Taunus jüngster Vorsitzender eines CDU-Kreisverbandes. 1987 übernimmt Roland Koch den Wahlkreis seines Vaters und wird Abgeordneter im hessischen Landtag. 1990 wird er Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion. Seit 1998 ist er Landesvorsitzender der hessischen CDU.

Der hessische Innenminister erbt Kochs Amt als Ministerpräsident

Andrea Nahles, SPD-Generalsekretärin

Nähe Nr. 109: 12.30 bis 14 Uhr.

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Zielstrebige Karriere ¡ Mit 14 Jahren tritt Roland Koch 1972 in die Junge Union ein. Schon sein Vater KarlHeinz Koch war von 1970 bis 1987 CDU-Abgeordneter im hessischen Landtag und von 1987 bis 1991 Justizminister. Nach einem Jura-Studium in Frankfurt arbeitet Koch von 1985 an als Rechtsanwalt.

www.stuttgarter-nachrichten.de Pflichtblatt der Wertpapierbörse Stuttgart VERLAG Stuttgarter Nachrichten Verlagsgesellschaft mbH Plieninger Straße 150 (Pressehaus Stuttgart), 70567 Stuttgart Postfach 10 44 52, 70039 Stuttgart REDAKTION Chefredakteur: Christoph Grote (verantw.); stv. Chefredakteur: Wolfgang Molitor; Chef vom Dienst: Joachim Volk, Reimund Abel (stv.); Newsroom, Panorama: Peter Trapmann; Politik: Wolfgang Molitor, Rainer Feuerstein (stv.), Willi Reiners (stv.); Landesnachrichten: Jan Sellner; Wirtschaft: Klaus Köster, Armin Zimny (stv.); Kultur: Nikolai B. Forstbauer; Stuttgart und Region: Jörg Hamann, Josef Schunder (stv.), Michael Weier (stv.); Sport: Gunter Barner, Martin Haar (stv.), Jochen Klingovsky (stv.); Themenpool: Tanja Kurz; Gestaltung: Eva Dähne; Koordination: Frank Schwaibold; Online: Rebecca Hanke; Recherche/Reportage: Frank Krause (Chefreporter), Michael Isenberg, Rainer Wehaus; Berliner Redaktion: Norbert Wallet (verantw.), Markus Grabitz, Claudia Lepping; Partnerzeitungen: Anette Herrmann, Werner Weiss (stv.) Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Fotos wird nicht gehaftet. Für alle Beiträge behält sich der Verlag die Veröffentlichung in Partnerzeitungen vor. Lesertelefon: 07 11 / 72 05 - 77 77 Mo bis Fr 10–16 Uhr. Fragen, Tipps, Infos Fon Redaktion: 07 11 / 72 05 - 0 Fax Redaktion: 07 11 / 72 05 - 71 38 Fon Recherche- und Reportageteam: 07 11 / 72 05 - 76 65, - 73 20, - 72 70 E-Mail: cvd@stn.zgs.de ANZEIGEN UND SONDERTHEMEN Stuttgarter Zeitung Werbevermarktung GmbH Plieninger Straße 150 (Pressehaus Stuttgart), 70567 Stuttgart Anzeigenleitung: Bernhard H. Reese (verantw.), Anita Benesch (stv.) Sonderthemen: Ulrich Bethscheider-Kieser (Redaktion), Werner Swoboda (Anzeigen) Es gilt die Anzeigenpreisliste Nr. 37 vom 1. 1. 2010. Postanschrift Anzeigenabteilung: Postfach 10 44 26, 70039 Stuttgart Chiffrezuschriften: Postfach 10 44 27, 70039 Stuttgart Sonderthemen: Postfach 10 44 21, 70039 Stuttgart Fon Anzeigenservice: 0 18 03 / 07 07 07 (0,09 Euro/Min.) Fax Anzeigenservice: 0 18 03 / 08 08 08 (0,09 Euro/Min.) E-Mail: anzeigen@stzw.zgs.de Online: stuttgarter-nachrichten.de/anzeigenbuchen

Für die Bauarbeiten von Stuttgart 21 musste von Samstag bis Pfingstmontag der S-Bahn-Verkehr im Bereich des Hauptbahnhofs umgeleitet werden. Wegen einer Weichenstörung kam es am Samstagmittag zu teilweise chaotischen Zuständen. Von Steffi Kirschtahler STUTTGART. Die Dame von der Deutschen Bahn tut ihr Bestes. „Sie können sich gern am Servicepunkt beschweren“, sagt Bazhena Erdmann und versucht eine empörte Reisende zu besänftigen. Wegen der Rampensperrung (siehe Hintergrund) liegen am Samstag die Nerven blank. Dafür sorgt vor allem die Weichenstörung in Zuffenhausen, wegen der die S 4 und S 6 nur bis Kornwestheim bzw. Zuffenhausen fahren können. „Am Nachmittag fuhren alle Bahnen wieder planmäßig“, sagt Horst Krause, Chef der Stuttgarter S-Bahn und zieht ein positives Fazit. „Von der Weichenstörung abgesehen hat sich unser Konzept mit den geänderten Linien bewährt.“ Schlecht verständliche und falsche Durchsagen hatten am Samstagmittag das Chaos perfekt gemacht. Viele nutzten den Start ins Pfingstwochenende für einen Ausflug. Auf einmal häuften sich die Lautsprecher-Durchsagen auf dem Gleis. Sie waren

Hintergrund

Behinderungen im S-Bahn-Verkehr ¡ An insgesamt acht Wochenenden bis Juli kommt es im Hauptbahnhof zu Bauarbeiten für das Projekt Stuttgart 21. Dabei muss die S-Bahn-Rampe, die den oberirdischen Kopfbahnhof mit der unterirdischen S-Bahn-Station verbindet, gesperrt werden. Sie wird um 120 Meter versetzt, gleichzeitig wird ein neuer kurzer Tunnel in Richtung der künftigen S-Bahn-Station Mittnachtstraße gebaut. ¡ Wegen der Sperrung muss der S-Bahn-Verkehr im Hauptbahnhof an diesen Wochenenden unterbrochen und umgeleitet wer-

akustisch schlecht verständlich. Fahrgäste liefen mit ratlosem Blick zur Anzeigetafel umher. Genervte Gesichter, erste Verwirrung. Schlagartig bildeten sich Grüppchen um die Reisenden-Lenker. „Beschweren“ will sich eine empörte Reisende nicht: „Ich will hier wegfahren!“ Bis 12 Uhr sei alles ruhig gewesen. Doch dann heißt es, dass die Linien S 5 und S 6, die normalerweise nach Bietingen bzw. nach Weil der Stadt fahren, ausfallen. Wie lange, wisse niemand. Die Passagiere sollten mit der U 5 oder U 15 nach Zuffenhausen fahren und dort umsteigen. „Unten am Bahnsteig

den. Manche Passagiere müssen deshalb zwangsweise umsteigen, einige Linien werden verkürzt. Fahrgastberater, Aushänge und Durchsagen sollen die Verwirrung so klein wie möglich halten. ¡ Noch stehen sechs Termine an. Weiter geht es bereits am nächsten Wochenende vom frühen Samstag- bis zum frühen Montagmorgen. Die restlichen fünf Wochenenden sind 19. bis 21. Juni, 26. bis 28. Juni, 3. bis 5. Juli, 9. bis 12. Juli und schließlich 17. bis 19. Juli. (jbo)

wurde gesagt, ich muss hoch, jetzt heißt es, ich soll wieder runter“, sagt ein Fahrgast kopfschüttelnd der Servicekraft Bazhena Erdmann. Für die acht Wochenenden, an denen die S-Bahn-Rampe gesperrt ist, arbeitet die Weißrussin und Literaturstudentin mit etwa 35 anderen als Reisenden-Lenker an den S-Bahn-Gleisen. Sie wurde im Theorieunterricht geschult. Mit einer dicken Infomappe in der Hand weiß sie blitzschnell Bescheid, wohin sie die Passagiere schicken muss. Ihre rote Jacke mit Aufdruck „Service“ macht sie für jeden leicht erkennbar. Dass es zu Umwegen im S-Bahn-Verkehr an

Pfingsten kommt, hatte die DB zuvor angekündigt. Reisende, die etwa mit der S 2 von Filderstadt unterirdisch am Hauptbahnhof ankamen, mussten umsteigen und oberirdisch weiterfahren. Andere Linien wechselten auf halber Strecke ihre Bezeichnung oder hielten nicht überall. Doch der Störfall brachte alle aus dem Konzept. Selbst unter den Kollegen herrschen unterschiedliche Versionen. Keiner weiß, wie und was genau gesperrt ist. Auf Anzeigetafeln der DB läuft die Information durch: S 5 fällt heute aus. Eine Frau kommt mit zwei Kindern im Schlepptau auf einen ServiceMann zu, der am Aufgang der unteren Ebene der S-Bahn-Gleise steht. „Könnten Sie mir bitte ein Handy geben? Das wird mir echt zu viel mit den ganzen Änderungen. Wir lassen uns abholen.“ Am DB-Service-Punkt wächst die Schlange. Von allen Seiten wird über die Situation geschimpft. Doch nicht jeder lässt sich die Stimmung vermiesen. Ehepaar Ott zum Beispiel. Heinz und Berta machen das Beste aus der Situation. Ursprünglich wollten die beiden 82-Jährigen von Ludwigsburg nach Feuerbach. In Kornwestheim mussten sie wegen der Fahrplanänderungen umsteigen in einen Regionalexpress. Allerdings hielt dieser nicht in Feuerbach, sondern nur am Hauptbahnhof. „Was das noch alles gibt mit der Bauerei“, sagt Heinz Ott und winkt ab. Doch die beiden nehmen es gelassen: „Jetzt gehen wir eben einkaufen.“

Umfrage: Sind Sie betroffen von den Bauarbeiten, finden Sie sich zurecht?

LESERSERVICE Stuttgarter Nachrichten Verlagsgesellschaft mbH, Postfach 10 43 40, 70038 Stuttgart Der monatliche Bezugspreis beträgt bei Lieferung frei Haus durch Zusteller oder bei Postzustellung € 27,60 (einschließlich 7 % Mehrwertsteuer). Portokosten für Reisenachsendungen täglich: Inland € 0,70, Ausland € 1,90. Einbezogen in das Abonnement sind das jeden Freitag beiliegende Fernsehmagazin „rtv“ und die 7. Ausgabe „Sonntag Aktuell“ (soweit Sonntagszustellung nicht möglich, z. B. bei Postbeziehern, wird „Sonntag Aktuell“ der Montagsausgabe beigelegt). Abbestellungen sind bis zum 5. eines Monats auf Monatsende schriftlich an den Leserservice des Verlags zu richten. Bei einer zusammenhängenden Bezugsunterbrechung von mindestens drei Wochen wird der anteilige Bezugspreis zurückerstattet. Bei Nichterscheinen infolge höherer Gewalt, Streik oder Aussperrung besteht kein Anspruch auf Entschädigung. Leserservice: 0 18 01 / 66 55 66 (0,039 Euro/Min.) (auch für Reisenachsendung); Probeabonnement: 08 00 / 44 44 080 E-Mail: service@stn.zgs.de, Fax: 07 11 / 72 05 - 61 62 Online-Ausgabe: stuttgarter-nachrichten.de/digitalabo DRUCK Pressehaus Stuttgart Druck GmbH, Plieninger Straße 150, 70567 Stuttgart.

Foto: Thomas Hörner

Stuttgart 21: Umleitungen der S-Bahn für die Arbeiten und Störung in Zuffenhausen strapazieren am Samstag die Nerven der Fahrgäste

Fotos: Thomas Hörne Text: Steffi Kirschthaler

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Hintergrund

Bouffier, der Mann fürs Grobe

„Mit Roland Koch tritt jemand zurück, der sich nie gescheut hat, Wahlkämpfe mit Vorurteilen gegen Ausländer oder mit der Forderung nach Schikanen für Hartz-IV-Empfänger zu führen“

Our newspaper Stuttgarter Nachrichten hasbeen being changed, if anything, evolutionarily. Why have you not gone further? Newspapers are well established brand products. They live by signalising reliability and high quality. Being reliable also means not changing overmuch, and if change occurs, then only where real improvement can be made. The newspaper has to become more elegant, a little more emotive and more friendly. At the same time readers must have no problem getting used to changes. The individual look is underlined by the Versa Sans title typeface.

Zeitpunkt geht, da mit Mappus ein Nachfolger da ist“. Mappus – der neue Koch? Wenn er wollte, stünde ihm dieser Weg offen. Mindestens programmatisch. „Er hat sich ja schon in Sachen Atompolitik als Wadenbeißer versucht“, sagt Nolte. Er warnt Mappus freilich davor, sich einseitig als Konservativer zu profilieren. „Da würde er sich bundespolitisch verschleißen.“ Nur, wenn Mappus es nicht macht, wer dann? Schon geht in der Union eine Angst um. „Von der Seitenlinie aus“ wolle Koch die Politik weiter verfolgen, hat er gestern gesagt. Da steht er aber nicht alleine, dort verfolgen auch schon Friedrich Merz und Wolfgang Clement das Spiel und befeuern es mit lauten Zwischenrufen, wie Zuschauer so sind. Kämen die drei auf die Idee, sich zusammenzutun, könnte eine neue Partei mit hoher ökonomischer Kompetenz entstehen, die auch konservative Wähler anziehen könnte. Das wäre für die Union eine handfeste Gefahr. Also dann, denkt mancher in der Union: Mappus, übernehmen Sie!

Foto: dpa

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Koch zu der Tatsache, dass er noch am 10. Januar Unregelmäßigkeiten bestritten hatte, obwohl ihm bereits Hinweise vorlagen

Dennoch muss die Kanzlerin Merkel ein ungutes Gefühl beschleichen. Koch mag kein politischer Freund gewesen sein, und oft genug hat er mit seinen konservativen Vorstößen die Parteichefin genervt. „Aber er war seit 2005 ein sehr loyaler Kritiker, der auch seine gleichgesinnten Weggefährten in diese Loyalität einbinden konnte“, sagt der Berliner Parteienforscher Paul Nolte. Das sieht auch der renommierte Politikwissenschaftler Jürgen Falter so. Koch habe „stillschweigende Loyalität“ ausgeübt, findet er. Sein Abgang sei deshalb „eine Schwächung für Merkel“. Schon deshalb, weil nun die Kritik lauter, chaotischer und richtungsloser werden könnte. Dieses Vakuum hinter Merkel lässt sich allerdings nicht nur an Personen festmachen. Kochs Abgang ist auch programmatisch ein Verlust. Die politischen Nachrufe, die da gestern allerorten in der Partei angestimmt wurden, machten deutlich: Gleich zwei traditionell gewichtige Parteiströmungen reklamieren Koch für sich. Die Wirtschaftsliberalen müssen schon seit langem ohne Friedrich Merz auskommen. Dass nun auch noch Koch geht, trifft den Wirtschaftsflügel ins Mark. Der CDU-Wirtschaftsrat hoffe, dass „Koch der Union auch in Zukunft mit seinem klaren Kompass erhalten bleibe“, seufzte gestern dessen Präsident Kurt Lauk. Er hat allen Grund zur Sorge. Ohne Koch und Merz verliert die Partei Ludwig Erhards erhebliche Wirtschaftskompetenz. Und dann sind da noch die Konservativen in der Partei, die sich seit langem schwertun mit dem rigoros verfolgten Kurs der Öffnung der Partei für neue Milieus: städtisches Bürgertum, Singles, junge Frauen, Umweltbewegte, Deutsche mit Migrationshintergrund.

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Roland Koch war stets die beherrschende Figur der hessischen CDU – zwölf Jahre lang war er Landeschef, mehr als elf Jahre Ministerpräsident. Nach seiner Rücktrittsankündigung muss sich die Partei neu ordnen.

Martin Schimpf (61) aus Böblingen Qualitätskontrolleur bei den SSB

„Ich bin empört ohne Ende. Die Bauarbeiten bedeuten vier Monate umsteigen bis zum Abwinken. Leider kann ich von Berufs wegen nicht bei jeder Montagsdemo im Nordbahnhof dabei sein.“

Karla Zipser (32) aus Frankfurt am Main Sozialpädagogin

„Ich bin auf dem Weg nach Schorndorf im Remstal zu meinen Verwandten. Alles ist etwas chaotisch, und ich bin genervt, weil ich nicht weiß, welche S-Bahn ich jetzt nehmen soll.“

AUSGEWÄHLTE ADRESSEN  EIGENANZEIGE

 FLEINER

Ariane Spieser (36) aus Freiburg Psychologin

„Von Stuttgart 21 habe ich noch gar nichts gehört. Ich bin auf dem Weg nach Leonberg zu Freunden und will eigentlich mit der S 6 dorthin. Doch wenn die ausfällt, muss ich mal schauen, wie es weitergeht.“

Franz Haverkamp (58) aus Osnabrück Gesundheitspfleger

„Eigentlich will ich nach Waiblingen, aber jetzt weiß ich nicht, wie ich dorthin kommen soll. Erst hieß es, die Bahn fährt unterirdisch ab, dann kam die Durchsage, die S 2 fährt von oben. Ich bin total gehetzt.“

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„Ausgewählte Adressen“ In der STUTTGARTER ZEITUNG und den STUTTGARTER NACHRICHTEN erscheint jeden Dienstag das Anzeigenkollektiv “Ausgewählte Adressen”.

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Presentation of the new layout

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Office for Newspaper Design

Das neue Layout

Nummer 95 · Samstag, 25. April 2009

Editorial

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Liebe Leserin, lieber Leser,

¿Heute mit

Frischer informiert!

205

Stellenangeboten

757

 Alles zum optimierten

alles neu macht der . . . stopp: Erstens ist noch April und zweitens nicht alles neu in unserer Zeitung. Aber wir haben kräftig Frühjahrsputz gemacht, und ab heute strahlen die Seiten in frischem Glanz. Ich hoffe, das Ergebnis gefällt Ihnen.

Christoph Grote Chefredakteur

Erscheinungsbild: S. 6/7

Zentrale Begriffe für die Umgestaltung dieser Zeitung sind die drei Stichworte Eleganz, Seriosität und Modernität, um die auch die Diskussionen der zuständigen Arbeitsgruppe in der Redaktion immer wieder kreisten. Vieles in der Medienwelt ist durch die Hektik der Informationsverbreitung im Internet oder bei TV-Nachrichtensendern unübersichtlich geworden. Was ist unwichtig? Was ist wirklich eine Nachricht? Wie lauten die Hintergründe? Diese Fragen zu beantworten ist meiner Meinung nach immer wieder die Aufgabe einer Tageszeitung. Dass Abonnementzeitungen in Deutschland dieser Aufgabe auf seriöse Art und Weise gerecht werden, spüren die Leserinnen und Leser – nicht ohne Grund werden Tageszeitungen in Umfragen immer wieder als glaubwürdigstes Medium überhaupt eingestuft. Um die Inhalte eines Blattes zu transportieren, bedarf es der Gestaltung. Die kann laut sein, bunt und schrill wie auf dem Boulevard. Oder eben, wenn es seriös und glaubwürdig sein soll, elegant und modern wie in dieser Zeitung, eine der bedeutendesten Tageszeitungen Baden-Württembergs. Was genau wir verändert haben, erklären wir auf dieser Seite. Hier nur so viel dazu: Die Texte werden eher wieder etwas länger, aber besser lesbar. Die Bilder werden eher prägnanter, aber weniger zahlreich. Sie sehen, die Redaktion hat sich viele Gedanken gemacht, um diese Zeitung fit zu machen für die Herausforderungen der Medienwelt im 21. Jahrhundert. Nun sind wir, nun bin ich gespannt auf Ihre Resonanz, auf Lob und Kritik, auf weitere Anregungen. Ich freue mich, wenn Sie mir schreiben:

Per E-Mail:

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Auf der Suche

¿26 · Die gläserne Redaktion

Klarer strukuriert, besser sortiert und mithin lesefreundlicher zu sein: Das war ein wichtiges Ziel, das sich die Redaktion beim Start des Umgestaltungsprozesses gesetzt hat. Wir finden, dass wir das erreicht haben.

Wir wissen, dass wir es nicht ohne Norbert Küpper geschafft hätten, einen der profiliertesten und kenntnisreichsten Zeitungsdesigner im deutschsprachigen Raum, den wir für dieses Projekt engagiert haben. Im Interview unten lesen Sie, was Küpper, der alljährlich in Wien Europas wichtigsten Kongress zur Zeitungsgestaltung veranstaltet, zu den aktuellen Trends in der Branche sagt.

Immobilien und Wohnungen Samstag, 25. April 2009

Nummer 95 · 17. Woche · 64. Jahrgang · F

Elegant, modern und seriös: Unser neues Design Ab heute erscheint diese Zeitung klarer und übersichtlicher gestaltet

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Heute mit Iris Berben und Dietz Werner Steck Sie ist eine Frau, die mutig Stellung bezieht – die Schauspielerin Iris Berben ist ab 16.30 Uhr Gast in unserer gläsernen Redaktion im Stuttgarter Buchhaus Wittwer. Er löste als „Tatort“-Kommissar Mordfälle – und wurde zum Markenzeichen Stuttgarts: Dietz-Werner Steck erzählt ab 15 Uhr über TV, Theater und Trollinger. Alle sind herzlich eingeladen.

¿35 · Sport

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Hilbert wieder der Alte Markus Babbel hat dem VfB neues Leben eingehaucht – und auch Roberto Hilbert. Der Mittelfeldspieler ist auf dem Weg zurück zu alter Stärke und sagt: „Mein Ziel ist das Nationalteam.“

Zeitungskopf Er ist das Markenzeichen der Zeitung. Seit Jahrzehnten wird er auf der Titelseite, in Broschüren und der Außenwerbung eingesetzt. Er wurde geringfügig überarbeitet und verfeinert. Dadurch wirkt er deutlich moderner als bisher und dennoch vertraut.

Der Schatten eines Mannes, der sich an die Stirn greift, ist vor einem Tor des Opel-Werks in Rüsselsheim auf einem Schild zu sehen. Die Probleme sind riesig, die Liste möglicher Retter übersichtlich: Das Fiat-Interesse an Opel

¿27 · Stuttgart Um ein besonderes Doktorspiel mit Puppe ging es in einem Operationssaal des Katharinenhospitals. Anästhesisten übten an einer High-Tech-Simulationspuppe, wie sich Fehler während der Narkose vermeiden lassen.

¿10 · Panorama Frauen im Kampf gegen Malaria an vorderster Front

Wie bisher wollen wir die Titelseite als Schaufenster der Zeitung auffassen und direkt am Start auf Inhalte im Innern verweisen. Dazu dient die Anrissleiste, die immer links auf der Titelseite steht. Die Überschriften können ein- oder zweizeilig sein, je nachdem, wie viel Text für eine gute Formulierung gebraucht wird. Der weitere Text steht im Flattersatz, das heißt der Text hat links eine glatte Kante und läuft nach rechts frei aus.

Im Kampf gegen Malaria setzen Experten von Hilfsorganisationen vermehrt auf Frauen: „Wenn die Frau die Risiken kennt, dann will sie ihre Kinder beschützen und spricht mit ihrem Mann.“

Leben in Kambodscha Deun ist 14 Jahre alt und noch nie zur Schule gegangen. Der Junge lebt mit seiner Familie in Kambodscha, einem armen Land in Südostasien. Außerdem: Wie funktioniert eigentlich ein Handy?

Inhalt 31 34 40 42 80

¿14 · Börse Dax

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Euro Stoxx 50 Euro

m m m

4674,32 Pkt. + 136,11 Pkt.

Aufmacher und Vorspann

2319,89 Pkt. + 60,35 Pkt.

1,3241 Dollar + 1,94 Cent

¿28 · Wetter

Der Artikel mit der größten Überschrift auf der Seite ist der Aufmacher. Er erhält einen größer gesetzten Text am Anfang, den Vorspann. Hier sollen die wichtigsten und interessantesten Informationen zum Thema stehen, damit der Leser einen schnellen Überblick erhält.

BERLIN. Unerwartet klar stieg der Ifo-Geschäftsklimaindex im April, nachdem er im Vormonat auf ein historisches Tief seit 1982 gefallen war. Der wichtige Frühindikator für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft legte von 82,2 Punkten auf 83,7

Bundestag regelt Gentests neu

Zumwinkeln und Schrödern

Tagesthema Jaschinski darf LBBW weiter führen Zu laut

BERLIN (StN). Der Bundestag hat nach über zehnjähriger Beratung der Anwendung von Gentechnik Grenzen gesetzt, um Menschen mit Risiken im Erbgut zu schützen. Union und SPD stimmten am Freitag für das Gendiagnostikgesetz, das Arbeitgebern und Versicherern bei der Nutzung von Gentests strenge Auflagen macht. Auch heimliche Vaterschaftstests und die Untersuchung Ungeborener auf Gesundheitsgefahren im Erwachsenenalter werden verboten. Kern der Regelungen ist die Freiwilligkeit der Tests. Mit dem Gesetz solle verhindert werden, dass Menschen aufgrund ihrer genetischen Daten diskriminiert würden, sagte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD). Die Opposition lehnte das Gesetz ab. Es soll noch in diesem Jahr in Kraft treten. ¿ Seite 2

Ein „Zumwinkel“ bringt 50 Punkte, bei einem „Liechtenstein“ zählen alle fünf Würfel. Und der Bonus, den es beim Punktesammeln zu ergattern gibt, heißt nun „Schmiergeld“. Eine Berliner Agentur hat ein Spiel zur Steueraffäre entwickelt, das stark an den Würfelklassiker „Kniffel“ erinnert. Naheliegenderweise wurde der Name „Zumwinkeln“ gewählt – in Anlehnung an den wegen Steuerhinterziehung verurteilten Ex-PostChef. Ob es weitere Neuentwicklungen gibt? Etwa „Merkeln“, die etwas andere Art zu pokern, oder „Schrödern“ als Monopoly à la Russe? (feu)

STUTTGART (ks/fk/sam). Der Chef der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), Siegfried Jaschinski, kann damit rechnen, ein Angebot für eine Verlängerung seines Vertrags zu bekommen. Die Trägerversammlung des Instituts hat Ministerpräsident Günther Oettinger „einvernehmlich“ beauftragt, mit Jaschinski „Möglichkeiten und Inhalt einer Vertragsverlängerung zu besprechen“, teilte die LBBW am Freitagabend mit. Die endgültige Entscheidung über die Inhalte des Vertrags hat sich die Trägerversammlung nach Informationen unserer Zeitung allerdings vorbehalten. Dem Vernehmen nach kommt man damit Kritikern entgegen. Außerdem war die Trägerversammlung sich einig, ausfallgefährdete Papiere der LBBW in Höhe von 12,7 Milliarden Euro über eine Landesgarantie abzusichern.

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Veranstaltungen Notdienste TV/Medien Familienanzeigen Die Letzte Seite

schaftslage deutlich pessimistischer: Laut ZDF-„Politbarometer“ glauben nur 12 Prozent, dass die Wirtschaftskrise noch 2009 überwunden werden kann. Die bisherigen Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft halten 32 Prozent für ausreichend, 18 Prozent sogar für zu weitreichend. 33 Prozent sind dagegen der Meinung, mit den Konjunkturpaketen werde zu wenig getan.

Von Markus Grabitz Berliner Redaktion

Anrissleiste

Ihre Meinung bitte! StN online Unternehmer sind zuversichtlich – ist der Tiefpunkt erreicht? www.stuttgarter-nachrichten.de/meinung

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Baby im Neckar war eine Totgeburt

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Gutachten schließt Straftat aus – Staatsanwaltschaft und Polizei stellen die Ermittlungen ein

Mittags 23˚ Nachts 9˚ Wechselnd wolkig und niederschlagsfrei

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Als „völlig unverantwortlich��� kritisierte Bundeskanzlerin Angela Merkel die Warnungen vor sozialen Unruhen wegen der Wirtschaftskrise. Die CDU-Chefin sagte, damit würden Ängste geschürt und Panik verbreitet. Nach DGB-Chef Michael Sommer hatte auch die SPD-Kandidatin für das Bundespräsidentenamt, Gesine Schwan, vor sozialem Unfrieden gewarnt. Schwan geriet dadurch aber auch in der eigenen Partei unter Druck. SPD-Fraktionschef Peter Struck sagte: „Es ist nicht gut, wenn wir davon reden, dass hier Unruhen ausbrechen könnten wie in Frankreich oder anderswo.“ Ähnliche Kritik äußerte auch Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt. ¿ Tagesthema ¿ Unsere Leser und wir Seite 19

Punkte zu, wie das Münchner Ifo-Institut mitteilte. Von einer Trendwende könne man aber noch nicht sprechen, erklärte Ifo-Experte Klaus Abberger. „Eher von der Hoffnung auf ein Ende des Erdrutsches.“ Ifo-Chef Hans-Werner Sinn erklärte: „Die Unternehmen sind mit ihrer aktuellen Geschäftslage nicht mehr ganz so unzufrieden wie im Vormonat.“ Auch die Skepsis hinsichtlich der kommenden sechs Monate habe bei den 7000 befragten Firmen etwas abgenommen. So blicken auch die zuletzt schwer gebeutelten Industrieunternehmen zuversichtlicher nach vorn. „Der Rückgang der Wirtschaftsleistung dürfte sich damit deutlich verlangsamen“, so Sinn. Die Unternehmen wollten aber weiter Stellen abbauen. Dagegen beurteilen die Bürger die Wirt-

Trotz düsterer Prognosen sind die deutschen Unternehmen erstmals in diesem Jahr deutlich optimistischer. Die Bevölkerung glaubt laut Politbarometer allerdings nicht daran, dass es schon bald wieder aufwärtsgeht.

Haßloch in der Pfalz ist die Teststadt Deutschlands. Große Konzerne überprüfen dort neue Produkte. Erst danach wird entschieden, ob die Waren in den bundesweiten Verkauf gehen.

Panorama 10 Roman 18 Unsere Leser und wir 19 Kultur 20 Kulturmagazin 21

¿ Wirtschaft Seite 15

Kanzlerin Merkel warnt vor Panikmache wegen der Krise – Umfrage: Bürger bei Wirtschaftslage pessimistisch

Die Teststadt

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ten wehren sich gegen eine Übernahme von Opel durch Fiat. Der italienische Konzern habe „richtig dicke Liquiditätsprobleme“ – und wolle nur die Opel-Bürgschaften. Foto: ddp

STUTTGART. „Klarer strukturiert, besser sortiert und lesefreundlicher“: Dies ist das wichtigste Ziel, das sich Chefredakteur Christoph Grote und die Redaktion bei der Neugestaltung dieser Zeitung gesetzt haben. Vom heutigen Samstag an erscheint sie im neuen Design. Der renommierte Zeitungsdesigner Norbert Küpper aus Meerbusch bei Düsseldorf, der das überarbeitete Layout entworfen hat, setzt dabei auf ein unverwechselbares Erscheinungsbild: Diese Zeitung bekomme „mit der Versa eine moderne Überschriftentype, die erstmals bei einer Tageszeitung eingesetzt wird“. Als Grundschrift wird die bewährte Excelsior beibehalten. Die Schriften gelten für alle Ressorts, auch für Kultur und Sport, die bisher abweichende Typen verwendeten. Norbert Küpper hat im Rahmen der Umgestaltung zahlreiche über die Jahre entstandene gestalterische Sonderformen entfernt und so das Erscheinungsbild bewusst vereinfacht: „Insgesamt wird diese Zeitung dadurch lesefreundlicher und eleganter. Die Leser sollen von einem klaren, aufgeräumten Erscheinungsbild auf einen klaren, seriösen Inhalt schließen.“ ¿ Seite 6 und 7

Firmenchefs schöpfen etwas Hoffnung

¿45 · Querschnitt

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brachte Unruhe. Fiat hat aber ein konkretes Angebot dementiert – überhaupt wären die Motive unklar. Und dann sind da noch Chrysler, die Austro-Kanadier Magna und der New Yorker Finanzinvestor Cerberus. Die Gewerkschaf-

OP als Puppenstube

Foto: Poller

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Von Jürgen Bock

STUTTGART. Der tote Säugling, den Mitarbeiter einer Plochinger Entsorgungsfirma Ende Februar in einem Abfallcontainer gefunden haben, ist keinem Verbrechen zum Opfer gefallen. Zu diesem Schluss kommt die Gerichtsmedizin in Tübingen. In einem Gutachten führen die dortigen Experten aus, dass der nachträglich Maximilian genannte Junge bereits tot zur Welt gekommen sein muss. Demnach können die Ermittler den Vorwurf der Kindstötung ausschließen. Der

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Säugling, dessen Alter zunächst auf einige Wochen geschätzt wurde, war in einem Abfallcontainer im Plochinger Hafen entdeckt worden. Dessen Inhalt stammte aus der Cannstatter Neckarschleuse, so dass schnell klar war, dass der kleine Bub in den Neckar geworfen worden war. Der Säugling ist im März unter großer Anteilnahme der Bevölkerung in Plochingen beerdigt worden. Seine Identität bleibt wohl ungeklärt. Die Ermittlungsgruppe Leuze hat zwar rund 30 Spuren verfolgt, ein konkreter Hinweis auf Maximilians Herkunft fand sich aber nicht darunter. Weil eine Straftat nun

ausgeschlossen wird, haben sich Polizei und Staatsanwaltschaft darauf geeinigt, die Ermittlungen einzustellen. Von der besonderen Tragik des Falles abgesehen stellt die Tat rein rechtlich lediglich eine Ordnungswidrigkeit dar. Wären die Mutter oder andere Verantwortliche gefunden worden, hätten sie lediglich mit einer Geldbuße rechnen müssen, weil die Bestattung von tot geborenen Kindern gesetzlich vorgeschrieben ist. Fachleute gehen davon aus, dass die Mutter sich in einem absoluten Ausnahmezustand befunden hat. ¿ Stuttgart Seite 23

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THEMA: Ihre Warnung vor sozialen Unruhen setzt Gesine Schwan zu Von Wolfgang Molitor Gesine Schwan hat verloren. Gelassenheit. Augenmaß. Politisches Verantwortungsbewusstsein. Politisches Gespür. Kurz gesagt: den Überblick. Eine Persönlichkeit, die sich um das höchste Amt im Staat bewirbt, muss darauf achten, nicht achtlos daherzu schwadronieren – erst recht dann nicht, wenn es um den sozialen Frieden in dieser von der Weltwirtschaftkrise geschüttelten und verunsicherten Gesellschaft geht. Es macht Gesine Schwan noch immer sympathisch, dass sie den politischen Floskeln ausweicht, dass sie spontan ist und eine ehrliche Haut. Aber die sozialdemokratische Herausforderin darf keinen parteipolitischen Parolen-Wahlkampf führen, wenn sie Horst Köhler aus dem Schloss Bellevue verdrängen will. Ganz offensichtlich wollen die Deutschen am 23. Mai keine Wahl nach Parteibuch, sondern nach Format. 76 Prozent plädieren für eine zweite Amtszeit Köhlers, nur neun Prozent wollen Gesine Schwan. Selbst in ihrer Partei, deren Herz sie als Kandidatin nie richtig erobern konnte, kommt Schwan nur noch auf 16 Prozent Unterstützung. Sie hat es sich selbst zuzuschreiben. Zu flott, zu laut, zu schrill: Ihre zweite Chance – Schwan hat sie leichtfertig vertan.

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c.grote@stn.zgs.de

Überschriftentype

Hierarchie der Themen

Umbruch 1 + 4

Meinungsartikel

Per Telefax:

Die neue Überschriftentype heißt Versa Sans. Sie wurde im Jahr 2001 von dem niederländischen Schriftkünstler Peter Verheul entworfen. Die Versa Sans wird erstmals bei einer Tageszeitung eingesetzt. Sie wirkt weicher, eleganter als andere Schriften, weil sie handschriftlich beeinflusst ist. Sie ist gut lesbar, weil die Buchstaben nicht starr und monoton wirken, sondern lebendig und abwechslungsreich.

Die Themen auf einer Seite werden in einer klaren Hierarchie von groß nach klein präsentiert. Darum haben die Überschriften unterschiedliche Größen, und deshalb sind die Artikel unterschiedlich lang. Das ist der Vorteil der gedruckten Zeitung gegenüber allen anderen Medien: Wir bieten Übersichtlichkeit und eine klare Sortierung durch die ganze Zeitung. Der Leser soll damit einen Überblick über die wichtigsten Ereignisse des Tages erhalten.

Um die Inhalte klar und übersichtlich zu gliedern, wird bei den meisten Seiten eine Spalte für Meldungen oder kleinere Artikel abgetrennt. Auf den verbleibenden vier Spalten stehen längere Artikel. Man nennt diese Seitenaufteilung auch 1 + 4. Manche Zeitungen haben in den letzten Jahrzehnten immer mehr Spalten eingeführt, so dass manche bei sieben Spalten angekommen sind. Wir folgen dem Trend jedoch nicht, weil eine etwas größere Spaltenbreite für die Lesbarkeit des Textes optimal ist.

Zwischen Nachricht und Meinung wollen wir auch gestalterisch trennen. Darum erhalten Kommentare einen Rubrikenkopf (siehe Tagesthema) als Kennzeichnung und eine magere Überschrift. Auf der Titelseite zeigt dieser Artikel ein Bild des Autors. Am Ende kann ein Hinweis aufs Internet stehen. Die Leser können dort ihre Meinung zu dem aktuellen Thema äußern.

07 11/72 05-71 09

Per Post:

Stuttgarter Nachrichten Chefredakteur Christoph Grote Plieninger Straße 150 70567 Stuttgart Herzlichen Dank!

Andere Länder, anderes Aussehen Lebendige Titelseiten sollen Leser an das Blatt binden – Viele Zeitungen in Europa setzen auf das kleinere Format Von Norbert Küpper Der European Newspaper Award hat in diesem Jahr zum zehnten Mal stattgefunden. Eine gute Gelegenheit, aktuelle Strömungen bei Europas Zeitungen zu beleuchten.

Skandinavien Die Zeitungen haben von jeher einen hohen visuellen Anspruch. Der Bildanteil ist sehr groß, die Redaktionen haben viele Fotografen und Layouter, um jeden Tag anspruchsvolle Zeitungen zu machen. Bei vielen Verlagen wird täglich eine Fotoreportage präsentiert. Das bedeutet, eine Story wird vorwiegend mit Bildern erzählt. In Skandinavien entstand der Trend, handliche Zeitungen im Tabloid-Format zu machen. Tabloid bedeutet halbes Zeitungsformat. Entwickelt man dieses Format gestalterisch weiter, entsteht eine Art tägliches Magazin.

Osteuropa Hier folgt man gerne den Ideen aus Skandinavien, da dort auch einige skandinavische

Verlage in den vergangenen Jahren Zeitungen gegründet haben. Insgesamt ist sehr viel Entwicklungspotenzial zu beobachten, denn in vielen Ländern Osteuropas sind die Zeitungsauflagen nicht sehr hoch. Ein besonders kreatives Beispiel ist die rumänische Zeitung „Business Standard“.

Belgien, Niederlande Gerne werden hier Ideen aus anderen Kulturkreisen weiterentwickelt. Der Bildeinsatz erinnert an Großbritannien, weil die Fotos oft nachrichtlich wirken. Auch hier gibt es den Trend zum Tabloid-Format, die Zeitungen sind insgesamt nicht so aufgelockert wie in Skandinavien.

Irland Hier gibt es besonders viele Lokalzeitungen. „The Mayo News“ aus Westport hat 2008 den Hauptpreis in der Kategorie Lokalzeitungen gewonnen. Die Jury schätzt Zeitungen, die eine geringe Auflage und großes Engagement zeigen. Das beweist, dass man nicht viel Geld benötigt, um gutes Design zu machen – aber eine professionelle Mannschaft.

Frankreich Generell machen wenige Zeitungen aus Frankreich beim Newspaper Award mit. „Liberation“ ist ein Vorreiter für das Tabloid-Format und hat eine Titelseite, die von einem großen Bild beherrscht wird.

Großbritannien Besonders berühmt ist der „Guardian“ aus London. Diese Zeitung hat mehrmals Hauptpreise beim Newspaper Award gewonnen. Besonders interessant ist die Typografie. Es wurden eigens Schriften für den „Guardian“ entworfen. Das macht ihn in der Zeitungslandschaft unverwechselbar.

Deutschland Bei uns sehen Zeitungen eher textbetont und seriös aus. Durch den European Newspaper Award haben viele Verlagshäuser Anregungen bekommen, ihren Bildeinsatz zu verbessern und über das Konzept ins-

gesamt nachzudenken. Das Verhältnis von Text und Bild hat sich in den vergangenen Jahren klar in Richtung Bild verschoben.

Schweiz Die „Basler Zeitung“, der aktuelle Preisträger in der Kategorie Regionalzeitung, ist typisch für die Layouttradition der Schweiz: Klarheit, Übersichtlichkeit und Ordnung stehen im Vordergrund.

Spanien Dieses Land bildet den Gegenpol zu Skandinavien. In den vergangenen Jahren kamen auch einige Hauptpreisträger von der Iberischen Halbinsel, etwa „El Correo“, „Heraldo de Aragon“ oder „El Periodico de Catalunya“. Die spanischen Zeitungen sind von jeher im Tabloid-Format und haben oft eine sehr lebendige Titelseite. Das signalisiert dem Leser Vielfalt. „El Correo“ war eine der ersten Zeitungen, bei denen der Start einer neuen Sektion über eine Doppelseite geführt wurde. „Diario de Balears“ folgte bald dieser Innovation.


Office for Newspaper Design

Presentation of the new layout

Das neue Layout Wirtschaft

Joachim Jacob, Lidls Berater für Datenschutz, macht sich für Persönlichkeitsrechte in Unternehmen stark

lar vernichten zu lassen. Dem ist die Geschäftsleitung zeitnah gefolgt und hat festgelegt, dass die entsprechenden Unterlagen in bereitgestellten Shreddern zu vernichten sind. In diesem Zusammenhang sollte man wissen, dass solche Formulare lediglich in sieben von 35 Regionalgesellschaften eingesetzt waren. Vier Gesellschaften waren offenbar durch vorausgegangene Schulungen und Informationsgespräche schon so sensibilisiert, dass sie diese Formulare bereits bis August 2008 aus dem Verkehr gezogen haben. Weitere zwei haben dies infolge der Vorgaben der Geschäftsleitung bis Mitte Januar 2009 getan. Alle betroffenen Regionalgesellschaften – übrigens auch die, bei der der Verkaufsleiter völlig unkorrekt gehandelt hat – haben die Vershredderung der Unterlagen gegenüber der Geschäftsleitung bestätigt. Es ist also ein Einzelfall, wenn auch ein sehr bedauerlicher.

Lidl hat daraufhin den Deutschland-Chef ausgewechselt und durch den Manager Jürgen Kisseberth ersetzt, der schon 20 Jahre im Unternehmen ist. Wäre es nicht besser gewesen, jemanden von außen zu holen, um Vertrauen zu schaffen?

Ich halte ein Arbeitnehmer-Datenschutzrecht für außerordentlich wichtig. Dazu gehört, wie man mit Bewerbungsunterlagen umgeht und inwieweit bei der Einstellung von Mitarbeitern nach Gesundheitsdaten gefragt wird. Da liegt sehr viel im Argen. Man braucht vernünftige Regelungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern, die dem Persönlichkeitsrecht des Arbeitnehmers gerecht werden.

Als Datenschutzberater kann ich zur Geschäftspolitik nichts sagen. Ich habe aber mit Herrn Kisseberth in seiner neuen Funktion bereits Gespräche geführt und ihn als einen sehr sachbezogenen und für Datenschutz aufgeschlossenen Mann kennengelernt. Er sieht dieses Thema als sehr wichtig an, und ich habe den Eindruck, dass die Dinge in seiner Hand gut laufen werden.

Mit solchen Skandalen verspielen die Unternehmen Glaubwürdigkeit und Vertrauen. Wie können sie beides wieder zurückgewinnen?

Wäre denn ein generelles Verbot der Überwachung von Arbeitnehmern sinnvoll, wie es DGB-Chef Michael Sommer gefordert hat?

Auf Dauer geht das nur, wenn man in der Öffentlichkeit deutlich machen kann, wie wichtig einem diese Fragen sind, und dass sich etwas ändert. Beispiel Videoüberwachung: Die wurde bei Lidl sofort abgebaut – das zeigt doch, dass der gute Wille da ist. Auch dass Lidl die Hilfe eines externer Datenschutzberaters – in diesem Fall mich – zu Hilfe nimmt und die schon genannte Projektgruppe Datenschutz eingerichtet hat, der übrigens auch Professor Büllesbach, ehemaliger Konzern-Datenschutzbeauftragter von Daimler, angehört, zeigen, dass es das Unternehmen ernst meint. Wichtig ist, dass auch die Mitarbeiter etwas beitragen können. Für sie wird es in Kürze eine Informationsbroschüre geben, in der sie auf ihre Rechte hingewiesen werden. Wenn Dinge nicht ordnungsgemäß laufen, haben sie die Möglichkeit, sich an den Datenschutzbeauftragten zu wenden, der solche Hinweise vertraulich behandelt. Es sind viele Mosaiksteine.

Eine Vollüberwachung von Arbeitnehmern ist heute schon unzulässig. Das darf es nicht geben, ebenso wenig wie eine Überwachung der Mitarbeiter zu einer umfassenden Leistungs- und Verhaltenskontrolle. Unter bestimmten Voraussetzungen wird man aber stichprobenhaft kontrollieren müssen, ob ein Mitarbeiter bestimmte Leistungen und Verhaltensweisen zeigt – auch in seinem eigenen Interesse, wenn es um das Weiterkommen im Job geht. Man kann aber einen Menschen nicht ständigem Überwachungsdruck aussetzen.

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Ist der Datenschutz unzureichend, oder sind die Unternehmen dreister und unverantwortlicher geworden? Ich glaube, dass allgemein eine gewisse Gedankenlosigkeit eine Rolle spielt. Man glaubt, das machen zu können, was technisch möglich ist. Hier muss in der Tat umgedacht werden. Man muss zur Kenntnis nehmen, dass neben dem Schutz von Eigentum auch die Menschenwürde und die Persönlichkeitsrechte des Einzelnen Verfassungsgrundsätze sind. Auch der Datenschutz ist ein Verfassungsgrundsatz. Das Bewusstsein der Beteiligten muss in diese Richtung gelenkt werden.

Viele Unternehmen haben Datenschutzbeauftragte. Taugen die denn nichts?

Wo ich tätig war, habe ich immer sehr engagierte Datenschutzbeauftragte kennengelernt – sowohl bei Betrieben als auch bei

Zur Person

Joachim Jacob

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¡ 1939 in Bamberg geboren ¡ 1966 beginnt der Jurist nach dem Studium seine Karriere im Bundesministerium des Innern ¡ 1968 promoviert er an der Universität Erlangen-Nürnberg und wird später Vizepräsident des Statistischen Bundesamts und Direktor bei der Bundesakademie für öffentliche Verwaltung ¡ 1993 wird er Bundesdatenschutzbeauftragter. Er hat das Amt bis zu seinem Ruhestand 2003 inne ¡ Seit April 2008 berät Jacob, der auch Datenschutzbeauftragter der FDP ist, den Discounter Lidl bei Datenschutzfragen

Produktpiraterie kostet Milliarden STUTTGART (wro). Marken- und Produktpiraten verursachen deutschen Firmen massive Schäden. Schätzungen gingen von bis zu 30 Milliarden Euro jährlich aus, sagte der baden-württembergische Wirtschaftsminister Ernst Pfister am Freitag in Stuttgart. 70 000 Arbeitsplätze gingen jährlich durch die Fälschungen bundesweit verloren. Weltweit beziffern Experten die Schäden durch Produktpiraterie auf etwa 300 Milliarden Dollar (227 Milliarden Euro) im Jahr. „Vor 20 Jahren ging es bei dem Thema um Luxusartikel, heute geht es um Ersatzteile, Arzneimittel, Lebensmittel und Investitionsgüter“, sagte Pfister. Im Maschinenbau seien zwei Drittel der Firmen betroffen. Die Schäden summierten sich allein hier auf sieben Milliarden Euro jährlich. Immer öfter würden nicht nur Teile, sondern ganze Maschinen gefälscht, so Pfister. Die meisten gefälschten Waren kommen aus China (28,6 Prozent), gefolgt von den USA (18,5) und Thailand (17,3).

Scannen und gescannt werden – das Los vieler Beschäftigter im Handel Behörden. Manchmal läuft es aber so, dass Datenschutzbeauftragte bei bestimmten Vorgängen nicht eingebunden sind, obwohl sie das sein müssten. Datenschutz muss Bestandteil der Unternehmenskultur werden. Der entscheidende Punkt ist, dass die Leute sensibilisiert werden. Die Frage muss lauten: Ist das Mittel, das ich für meine Zwecke einsetze, nicht nur geeignet, sondern auch angemessen? Es geht um die Verhältnismäßigkeit.

Seit April 2008 sind Sie bei Lidl als Berater in Datenschutzfragen tätig. Was hat sich seither verändert?

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Eine Menge. Wichtigster Punkt für mich war, dass damals ab sofort keine Detektive mehr eingesetzt und die Videoanlagen abgebaut wurden. Außerdem hat sich das Unternehmen bei Mitarbeitern und Kunden entschuldigt. Wir haben dann sofort Datenschutzbeauftragte für die Regionalgesellschaften, die Stiftung und für die Dienstleistung eingesetzt. Im Übrigen wurden bzw. werden alle Geschäftsprozesse darauf untersucht, ob sie datenschutzrechtlich in Ordnung sind. Alle sind sehr engagiert. Bei allen Beteiligten ist ein neues Bewusstsein entstanden. Selbstverständlich werden auch die Mitarbeiter in den Führungsebenen mit datenschutzrechtlichen Fragen vertraut gemacht und entsprechend sensibilisiert.

Foto: fotolia/B. Werkmann

Aber da war doch noch der Skandal mit den geheimen Krankenakten, die in einer Mülltonne gefunden wurden.

Dieser Tage wurde eine Datenschutzpanne bei Daimler und auch bei der Ulmer Drogeriekette Müller bekannt. Sind solche Fälle nur die Spitze eines Eisbergs, oder rechnen Sie mit weiteren Datenschutzverstößen?

Die wird es immer geben, im vergangenen Jahr haben sich die Datenskandale geradezu gehäuft. Wir können aber dazu beitragen, dass es weniger werden. Beispiel Bahn: Da ging es um Datenabgleich im Zusammenhang mit Korruptionsgeschichten. Um die zu verhindern, kann man natürlich ÜberprüHaben Sie von diesen Krankenformularen fungsaktionen starten. Aber es muss doch nichts gewusst? immer die Verhältnismäßigkeit gewahrt sein. Dazu brauchen die Unternehmen Strukturen, die sicherBei allen Kontrollen stellen, dass die Persönlichkeitsmuss die rechte der Mitarbeiter zum Tragen kommen. Nur so lässt sich daVerhältnismäßigkeit für ein Gespür entwickeln. In begewahrt sein sagtem Fall muss man doch nicht flächendeckend alle Mitarbeiter Joachim Jacob, überprüfen. Das hat mich sehr verärgert. Ein Verkaufsleiter in Nordrhein-Westfalen hat diese Daten aufbewahrt und auf eine Weise entsorgt, wie es nicht vorkommen darf – entgegen den Vorgaben, diese Unterlagen zu shreddern.

Datenschutzberater bei Lidl

Dieses Formular mit Krankheitsdaten ist bei mir erstmals im November 2008 über den Schreibtisch gegangen. Es ging dabei um Angaben zu Krankheiten, die Mitarbeiter bei einer Befragung freiwillig gemacht haben. Da eine solche Befragung datenschutzrechtlich höchst problematisch ist, habe ich gemeinsam mit der mich nachhaltig und sehr engagiert unterstützenden Projektgruppe Datenschutz der Geschäftsleitung sofort dringend empfohlen, das Formu-

Heute besitzt fast jeder Verbraucher eine Kundenkarte. Wie gläsern sind wir?

Die Besitzer einer Kundenkarte müssen darüber aufgeklärt werden, dass Daten über sie gespeichert und diese teils auch zu Werbezwecken genutzt werden. In der Regel wird man ja auch darauf aufmerksam gemacht, vielleicht manchmal nicht deutlich genug. Man kann über solche Karten geteilter Meinung sein. Wenn aber jemand den Bedingungen zustimmt, dann ist das seine Entscheidung und auch in Ordnung.

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Stromsteuer oder Belastungen aus dem Stromeinspeisegesetz, „wäre man beim Strompreis auf dem Niveau von 1998“, sagte Werner Bohnenschäfer vom Leipziger Institut für Energie (IE), das die Strom- und Gaspreisstudie angefertigt hat.

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Ohne staatliche Zusatzbelastungen wären Tarife auf Niveau von 1998 Im Klartext: Entgegen der landläufigen Meinung sind es weniger die Energieversorger als vielmehr staatliche Abgaben, die die Preise treiben. Ähnlich, wenn auch nicht ganz so gravierend, ist die Lage beim Gas. Hier lägen die Tarife für Haushalte um 15 bis 20 Prozent über dem EU-Durchschnitt. Während die Deutschen im EU-Vergleich also schlecht dastehen, gibt es für die Verbraucher in Baden-Württemberg auch positive Nachrichten. Die im Südwesten

BRÜSSEL (rtr). Die EU will Finanzmanagern mit Vorschriften zu Bonuszahlungen und Abfindungen die Jagd nach kurzlebigem Erfolg austreiben. Millionenhohe Belohnungen für schnelle Gewinne bei hochriskanten Geschäften seien zwar nicht der Hauptgrund der Finanzkrise. Doch „unangemessene Vergütungspraktiken in der Finanzindustrie führten dazu, dass übermäßige Risiken eingegangen wurden, die zu deutlichen Verlusten beitrugen“, heißt es im Entwurf der EU-Kommission für eine Empfehlung zur Managerbezahlung. Diese zielen darauf ab, stärker den langfristigen Geschäftserfolg zum Maßstab für Vergütungen zu machen. Einen goldenen Handschlag für Manager, die für Verluste verantwortlich sind, soll es nicht mehr geben. Der Vorschlag soll am Mittwoch veröffentlicht werden. Doch da die EU auf diesem Gebiet keine gesetzliche Kompetenz hat, wird die Kommission nur eine nichtbindende Empfehlung an die Mitgliedstaaten vorlegen. Ähnliche Leitlinien zur Managerbezahlung aus dem Jahr 2004 wurden von fast keinem der 27 EU-Staaten vollständig befolgt. Doch in der Finanzkrise ist die Empörung in der Öffentlichkeit groß über Bankvorstände, die für horrende Verluste mitverantwortlich sind und trotzdem mit großzügigen Abfindungen ihre Posten verlassen. In Deutschland hat der Bundestag Auflagen und Gehaltsobergrenzen für Banken beschlossen, die Staatshilfen beantragt haben. Die EU will aber Regelungen, dass Boni auch zurückgefordert werden können.

Bei Verspätungen Geld zurück BERLIN (AP). Bahnkunden erhalten künftig bei Zugverspätungen ab 60 Minuten Geld zurück. Der Bundestag beschloss am Freitag gegen die Stimmen der Opposition neue Fahrgastrechte im Nah- und Fernverkehr, die über die bisherige Selbstverpflichtung der Deutschen Bahn hinausgehen. Stimmt der Bundesrat am 15. Mai zu, so treten die neuen Regeln gerade noch zu Beginn der Hauptreisesaison Mitte Juli in Kraft. Linken, Grünen und Fahrgastverbänden gehen die Rechte nicht weit genug. Sie fordern Erstattungen schon bei mehr als 30 Minuten Verspätungen. Bei einer Verspätung von einer Stunde gibt es künftig 25 Prozent (bisher waren es 20 Prozent) des Fahrpreises zurück, bei zwei Stunden 50 Prozent, auf Wunsch auch in bar. Bisher gab es nur Gutscheine. Der Wechsel des Verkehrsmittels wird künftig erlaubt: Im Nahverkehr dürfen ab 20 Minuten Verspätung höherwertige Züge benutzt werden.

Zeit

erhältlichen Strom- und Gastarife bewegen sich laut der IE-Studie „im Vergleich zu anderen Bundesländern im mittleren bis unteren Preissegment“. Mit 693 Euro Stromkosten im Jahr rangiere der Vier-Personen-Durchschnittshaushalt im Ländervergleich auf Platz drei. Nur in Berlin (640 Euro) und Hamburg (653 Euro) kommen die Verbraucher noch günstiger weg. Beim Gas sei man mit 1789 Euro im Mittelfeld. Durchschnittlich könne jeder Baden-Württemberger zwischen 40 verschiedenen Stromanbietern wählen, so Pfister. Beim Gas, wo der Wettbewerb noch weniger stark ausgeprägt ist, seien mindestens sechs Anbieter quasi flächendeckend präsent. Nirgends habe der Kunde so gute Möglichkeiten, seine Marktmacht einzusetzen, wie im Südwesten. Um vom guten Wettbewerb zu profitieren, müssten die Menschen aber selbst aktiv werden und zu günstigeren Sondertarifen oder Versorgen wechseln.

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Finanzmanager sollen am langfristigen Erfolg gemessen werden

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Samstag–Sonntag

Höhere Steuern und Abgaben auf Strom und Gas – Verbraucher im Südwesten kommen aber gut weg STUTTGART. Strom und Gas bleiben in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern der EU teuer. Wie aus einer neuen Studie hervorgeht, ist einer der Hauptpreistreiber der Staat. Es gebe kaum ein Land in der Europäischen Union, das bei Steuern und Abgaben auf Energie so zugelegt habe wie Deutschland, sagte der baden-württembergische Wirtschaftsminister Ernst Pfister. Allein zwischen 2000 und 2008 hätten sich die Steuern und Abgaben auf Strom um 50 Prozent erhöht und summierten sich heute auf rund zwei Fünftel der Gesamtkosten für Haushaltsstrom. Nur ein Drittel des Endpreises sei vom Markt, etwa durch die Beschaffung- und Vertriebskosten, bestimmt. Als Folge liegen die Strompreise in Deutschland „30 Prozent über dem EUDurchschnitt“, sagte Pfister. Ohne staatliche Zusatzbelastungen, etwa durch die

EU gegen Jagd auf Bonuszahlungen

Fernzone Inland (Call-by-Call)

Der Staat treibt die Energiepreise Von Walther Rosenberger

Der Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche will unter dem Namen Panamera eine neue Pkw-Klasse definieren – den Familiensportwagen. Das Auto macht sich auch als Skulptur gut.

Telefontarife

Anbieter/Vorwahl

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Arcor / 0 10 70 Tele 2 / 0 10 13

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Samstag–Sonntag

Arcor / 0 10 70 Tele 2 / 0 10 13

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Festnetz zum Handy (Inland) MCN / 01 00 66 Line Call * / 0 10 67

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1 Zwischenzeilen Interessante Textstellen werden hervorgehoben. Dafür dienen Zwischenzeilen. Sie repräsentieren mit Bildern, Überschriften und Bildtexten die erste Informationsebene. Hier entscheidet sich, ob die Leser diese Elemente so interessant finden, dass sie den Artikel lesen möchten. Tests zeigen, dass die erste Informationsebene weitestgehend genutzt wird. Sie dient dazu, einen Überblick zu erhalten, und hilft bei der Auswahl interessanter Inhalte.

2 Zitat mit Bild Das Zitat mit Bild gehört zu den bereits früher benutzten Stilformen der Zeitung. Manchmal sind ja einzelne Sätze einer Stellungnahme besonders interessant und aufschlussreich. Wir wollen sie auch gestalterisch hervorheben, damit die Leser einen Eindruck von den Inhalten des Artikels bekommen.

3 Ergänzung zum Thema

Ortsnetz Arcor / 0 10 70 Star 79 * / 0 10 79

Hintergründe, Fakten, weitere Informationen werden in kleinen Blöcken gesammelt. Das dient der Übersicht und erleichtert den Lesern die Informationsaufnahme. Diese Texte haben Gliederungspunkte, die der Redaktion helfen, komplexe Inhalte für die Leser klar zu strukturieren.

* mit kostenloser Tarifansage, Stand: 24. 4. 2009 Ohne Gewähr, da kurzfristige Preisänderungen möglich Alle Anbieter = Minutentakt. Quelle: biallo.de

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Unterzeile

Farbe als Leitelement

Blockumbruch

Bilder

Neben der Überschrift haben die meisten Artikel noch zusätzlich eine Unterzeile. Sie enthält weitere Informationen, die für die Leser als Ergänzung zur Überschrift wichtig sind. Die Unterzeile erscheint ebenfalls in der Schriftart Versa Sans.

Wie bisher soll Farbe die Leser über die Seite führen und auf wichtige Rubriken oder Ergänzungen aufmerksam machen. Sie wird jedoch nie als Dekor aufgefasst, sondern dient immer der Führung des Lesers durch seine Zeitung.

Jeder Artikel der Zeitung wird so arrangiert, dass er mit allen seinen Teilen – also Überschrift, Text, Bild und eventuell einer Ergänzung – zusammen vier Kanten bildet. Dadurch wird sofort klar, welche Inhalte zusammengehören. Der Blockumbruch schafft Übersichtlichkeit und vereinfacht die Informationsaufnahme.

Bilder spielen bei unserer Zeitung schon immer eine wichtige Rolle als Ergänzung zu den Texten. Bilder sind immer leichter zu entschlüsseln und leichter im Gedächtnis zu speichern als Texte. Bilder sollen zusätzlich zu den Texten Informationen liefern, etwa über die Emotionen bei einem Unfall oder über Details, die sich im Text nur schwer darstellen lassen.

Eleganz, Seriosität und Modernität liegen im Trend Zeitungsdesigner Norbert Küpper verbessert Lesbarkeit und Übersichtlichkeit – Zeitung als Markenartikel Norbert Küpper (52) aus Meerbusch bei Düsseldorf hat uns bei der Neugestaltung unserer Zeitung begleitet. Er ist bereits seit 25 Jahren als Zeitungsdesigner tätig.

Herr Küpper, Sie arbeiten in der Gutenbergstraße. Ist es Zufall oder Absicht?

Ich habe zunächst eine Ausbildung zum Schriftsetzer absolviert und dann Design studiert. Ich bin also tatsächlich ein Jünger Gutenbergs, und in meiner Garage stehen noch Regale mit Bleisatz und eine kleine Druckmaschine. Das Büro in der Gutenbergstraße ist Absicht und unterstreicht meine Verbundenheit zur Tradition und zur gedruckten Information.

Ist das Wissen aus Gutenbergs Zeit denn heute noch wichtig?

Seine Erfindung, der Bleisatz mit beweglichen Lettern, ist zum Glück überholt, die Erfahrungen und das Wissen, das sich über viele Jahrhunderte gebildet hat, sind heute noch aktuell. Ich sehe zum Beispiel im Internet Texte, die drei Zentimeter schmal sind, oder andere, die 18 Zentimeter breit sind. Die optimale Spaltenbreite liegt aber eher

zwischen sechs und neun Zentimeter. Bei dieser Breite ist für die Leser der Sprung vom Ende einer Zeile zum Beginn der neuen am effektivsten. Damals wie heute ging es darum, Texte gut lesbar zu präsentieren.

Unsere Zeitung wird ja eher evolutionär verändert. Warum haben Sie nicht mehr gemacht? Zeitungen sind gut eingeführte Markenartikel. Sie leben auch davon, dass sie Zuverlässigkeit und hohe Qualität signalisieren. Zur Zuverlässigkeit gehört, dass sie sich nicht zu stark verändern, sondern nur da, wo man etwas besser machen kann. Die Zeitung soll insgesamt eleganter, ein wenig emotionaler und freundlicher daherkommen. Gleichzeitig sollen die Leser keine Probleme haben, sich an die Veränderungen zu gewöhnen. Durch die Überschriftentype Versa Sans wird ein eigenwilliges Erscheinungsbild unterstrichen. Diese Schrift wird erstmals bei einer Tageszeitung benutzt.

Sie veranstalten den European Newspaper Award, einen europaweiten Zeitungswettbewerb. Was sind die aktuellen Trends?

In ganz Europa setzt man auf Eleganz und Seriosität. Knallige Farben und boulevardeske Inhalte sind nicht in. Die Auflagen

Zur Person

Norbert Küpper ¡ 1984 gründete Norbert Küpper (52) das Büro für Zeitungsdesign. Seitdem hat er mehr als 90 Zeitungen in ganz Europa ein neues Gesicht gegeben. ¡ 1989 führt er eine BlickaufzeichnungsStudie durch. Erstmals konnte man so das Leserverhalten beobachten und die Lesbarkeit sowie die Funktionalität von Tageszeitungen verbessern. ¡ 1992 Neugestaltung der Zeitung „Gulf News“ in den Vereinigten Arabischen Emiraten. ¡ 1999 Gründung des European Newspaper Award. Im Jahr 2008 haben sich 236 Zeitungen aus 27 Ländern daran beteiligt. Foto: StN

Von Reimund Abel

www.editorial-design.com

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Von Reimund Abel

Porsche Panamera – noch Auto, schon Skulptur

StN: Ettischer

Innenminister Schäuble hat sich schon öffentlich zu einem Arbeitnehmer-Datenschutzgesetz bekannt. Was soll der Gesetzgeber tun?

¿20 · Kultur

19-7 7-19 Uhr

Das ist eine Gemengelage. Das Bewusstsein der Bürger ist im Laufe der Jahre gewachsen, gleichzeitig lässt eine fortschreitende Technik immer mehr Möglichkeiten zu. Aber nicht alles, was technisch möglich ist, ist auch mit den Persönlichkeitsrechten von anderen Menschen zu vereinbaren.

1605 erfindet Johann Carolus in Straßburg die Zeitung

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Herr Jacob, gibt es mehr Datenverstöße als früher, oder sind die Leute einfach sensibilisierter für dieses Thema?

Dem deutschen Autokonzern Opel droht die Rettung wider Willen. Der italienische Konkurrent Fiat gehört zu den wenigen industriellen Interessenten, ist in Rüsselsheim aber nicht beliebt.

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Von Imelda Flaig

Opel-Rettung wider Willen?

¿15 · Wirtschaft

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Eine Datenaffäre jagt die nächste – egal ob Bahn, Telekom, Daimler, Lidl oder wie zuletzt die Drogeriekette Müller. „Man kann Menschen nicht ständigem Überwachungsdruck aussetzen“, sagt Joachim Jacob, ehemaliger Datenschutzbeauftragter des Bundes und Berater von Lidl für den Datenschutz.

Eine Idee verändert die Welt

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Nummer 95 · Samstag, 25. April 2009

„Arbeitnehmer-Daten besser schützen“ 4 7

Nummer 95 · Samstag, 25. April 2009

von Boulevardzeitungen sind europaweit rückläufig. Dieser Trend zu Eleganz und Seriosität, gepaart mit Modernität, lässt sich übrigens auch bei Fahrzeugen, Möbeln und Kleidung beobachten. Wenn Sie sich einmal in einen Neuwagen setzen, finden Sie viele Details am Armaturenbrett und bei den Sitzen, die Seriosität und Zuverlässigkeit ausstrahlen. Es gibt derzeit also keinen Trend zu Trash und niedrigem gestalterischem Niveau. Bei Zeitungen im deutschen Sprachraum sind mehr schmale, klassizistische Überschriften zu finden, die die Seriosität unterstreichen. Die „Financial Times Deutschland“ ist dafür ein gutes Beispiel. In Skandinavien sind eher Überschriften ohne Serifen zu sehen. Die Tazzer wird dort gern benutzt. Sie wurde ursprünglich für die „Tageszeitung“ aus Berlin entworfen.

Sehen bald alle Zeitungen gleich aus, wenn wir den Trends folgen?

Hinsichtlich der Eleganz und Seriosität folgen wir der Hauptströmung, aber ansonsten bleibt Ihre Zeitung eigenwillig und unverwechselbar. Das erreichen wir in erster Linie durch die neue Überschriftentype Versa Sans und die bewährte Zeitungsschrift Excelsior.

Johann Carolus muss es irgendwann zu dumm geworden sein: Immer wieder musste er die Nachrichten seiner Korrespondenten handschriftlich vervielfältigen. Im Sommer 1605 begann er die Texte zu drucken, Gutenbergs Erfindung machte es möglich. Unter dem Titel „Relation: Aller Fürnemmen und gedenckwürdigen Historien“ erscheint die erste Zeitung der Welt in Straßburg – auf Deutsch. Zum ersten Mal konnten sich Menschen regelmäßig, aktuell und umfassend über das Zeitgeschehen unterrichten. Wobei Aktualität Anfang des 17. Jahrhunderts, als noch Postreiter die Nachrichten überbrachten, relativ war. Bis sie die deutsche Reichsstadt Straßburg mit ihren 2000 Einwohnern erreichten, dauerte es von Paris oder Wien aus zwei Wochen, von Prag aus bis zu einem Monat. Die Korrespondenten, die Carolus hatte, waren oft Diplomaten, die sich ein Zubrot verdienten. Sie lieferten Neuigkeiten aus Städten wie Köln, Prag, Rom, Venedig und Wien. Der Schwerpunkt lag auf internationaler Politik. Lokales und Regionales blieben außen vor. Ganz anders als heute: Vielen Lesern ist der Lokalteil ihrer Zeitung mit am wichtigsten. Denn für die Menschen ist es oft am spannendsten, was vor ihrer Haustür passiert. Carolus war Herausgeber, er schrieb selbst keine Artikel. Die Texte prüfte er weder auf ihren Wahrheitsgehalt, noch kürzte oder bearbeitete er sie. Auch da unterscheidet sich „Relation“ grundlegend von allen modernen Nachfolgern in der Zeitungsbranche. Und „Relation“ unterlag sogar der Zensur durch die Obrigkeit. Erst 1770 erwirkte der Radikalaufklärer Johann Friedrich Struensee die gesetzlich verbriefte Pressefreiheit in Deutschland. „Relation“ wurde auf Papier gedruckt, das aus Hadern bestand – zerkleinerten, eingeweichten Lumpen. Die Zeitung enthielt keinerlei Anzeigen, umfasste vier Seiten, von denen die letzte sogar manchmal unbedruckt blieb, und wurde im Abonnement vertrieben. Wie hoch die Auflage war, ist unbekannt. Nachdem Carolus zwölf wöchentliche Ausgaben veröffentlicht hatte, richtete er im Oktober 1605 ein Bittgesuch zum Schutz vor Nachahmern an den Straßburger Rat. Der lehnt den Antrag am 21. Dezember ab, verbietet den Weiterdruck der „Relation“ jedoch nicht. Gesammelte Ausgaben der Wochenzeitung von Carolus aus den Jahren 1609 und 1612 sind erhalten. Sie existiert bis nach dem Dreißigjährigen Krieg, als das Elsass französisch wird. Zu dieser Zeit, genauer vom 1. Juli 1650 an, wird in Leipzig die erste täglich erscheinde Zeitung gedruckt. Titel: „Einkommende Zeitungen“. Bereits wenige Jahrzehnte nach der Gründung des „Relation“ war die Konkurrenz auf dem Zeitungsmarkt so groß, dass erste Verleger beginnen, im Kampf um Abonnenten auf den Stil ihrer Blätter zu achten – der Beruf des Journalisten und Redakteurs entsteht. Deutschlands älteste noch erscheinende Tageszeitung, die „Hildesheimer Allgemeine Zeitung“, feierte 2005 ihr 300-Jahr-Jubiläum. Tageszeitungen sind bis heute ein Erfolgsmodell: In Deutschland erscheinen nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger täglich 25,95 Millionen Exemplare. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Meinungsvielfalt.

www.bdzv.de

Stichwort

Johannes Gutenberg Über Johannes Gutenberg, den Erfinder des Buchdrucks, ist erstaunlich wenig bekannt. Johannes Gensfleisch zur Laden, genannt Gutenberg, hat keine persönlichen Schriften hinterlassen, seine von ihm gedruckten Werke nicht einmal gekennzeichnet. Nur aus Urkunden und Briefen lässt sich sein Lebensweg rekonstruieren. Demnach kam Gutenberg um das Jahr 1400 als Sohn von Friele Gensfleisch und Else Wirich in Mainz zur Welt. Aufgrund politischer Unruhen musste Gutenberg seine Heimatstadt in jungen Jahren verlassen. Spätestens ab 1434 ist sein Aufenthalt in Straßburg nachweisbar. Dort tat Gutenberg sich mit kapitalkräftigen Partnern zusammen und begann ein geheimnisvolles Projekt, das in zeitgenössischen Dokumenten als „aventur und kunst“ bezeichnet wird. Vermutlich hat er in dieser Zeit mit der Entwicklung des Letterndrucks begonnen. Spätestens 1448 kehrte Gutenberg nach Mainz zurück und begann mit dem Aufbau einer Druckerwerkstatt. Hier entstand bis 1455 auch die sogenannte 42-zeilige Bibel, ein wegen seiner Perfektion bis heute bewundertes Meisterwerk. Ein reicher Mann ist Gutenberg mit seiner Erfindung nicht geworden. Am 3. Februar 1468 starb er. (StN)

Engaging readers The redesign of the Stuttgarter Nachrichten was intended to be evolutionary, not revolutionary. For that reason readers were informed about the innovations, not by an advertising campaign, but by the two-page spread shown here. The important changes are explained objectively and clearly.

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Front pages

Office for Newspaper Design

¿8 · Panorama

¿17 · Stuttgart und Region

Ein wenig Hoffnung für Kachelmann

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¿15 · Stuttgart und Region Schneller Erfolg der Polizei: Bankräuber mit Beute gefasst Knapp drei Stunden nach dem Überfall auf die Volksbank in Filderstadt-Bonlanden haben am Montagnachmittag auf einem Parkplatz in Tübingen die Handschellen geklickt. Der mutmaßliche Täter hatte Beute und Tatwaffe noch bei sich.

In einem keineswegs kuscheligen Märchenland spielt das Bilderbuch „Jakob“. Zwei Filmstudenten haben einen Comic über den Tod geschrieben, über die Suche nach dem Allerwichtigsten.

Foto: dpa

Vor dem WM-Auftaktspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Australien am Sonntag forciert Bundestrainer Joachim Löw den Kampf um die elf Plätze in der Startformation. Einer der Wackelkandidaten ist Miroslav Klose (Foto).

¿28 · Verbraucher Zu jung zur Altersvorsorge? Dass die Rente möglicherweise nicht reicht, hat sich bei den meisten jungen Leuten herumgesprochen. Was sie dagegen tun können, wissen sie allerdings nicht. Wir geben Tipps.

¿6 · Landesnachrichten

ESSEN (ddp). Das Ringen um eine Zukunft der insolventen Kaufhauskette Karstadt ist beendet. Der Finanzinvestor Nicolas Berggruen wird neuer Eigentümer. Der Gläubigerausschuss habe „mit deutlicher Mehrheit beschlossen“, dass umgehend ein Kaufvertrag mit zwei Berggruen-Gesellschaften geschlossen werden soll, sagte Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg am Montag. Damit erhielt der Favorit von Verdi den Zuschlag. Die Dienstleistungsgewerkschaft sprach von einer „vernünftigen Entscheidung“. Damit ist auch eine Zerschlagung des Konzerns vom Tisch. Vor fast genau einem Jahr war der Insolvenzantrag gestellt worden. Berggruen kündigte an, er wolle „Karstadt wieder auf Kurs“bringen. ¿ Wirtschaft Seite 9

¿19 · Ein Stier sieht rot Er ist erst zwölf Jahre alt – und tötet mit einem Hieb schon einen 400 Kilo schweren Stier. Michel Lagravere aus Mexiko ist damit der weltweit jüngste Torero.

Inhalt 20 20 21 22 24

Euro Stoxx 50 Euro

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Stadt räumt Missverhältnis bei Gebühr für Freiluft-Gastronomie ein

1,1973 Dollar – 1,93 Cent

Von Andrea Jenewein

¿18 · Wetter Mittags 25˚ Nachts 16˚ Vormittags freundlich, später Schauer

Foto: Fotolia

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Sie sorgen sich um die Zukunft, um die Entwicklung am Arbeitsmarkt, die wirtschaftliche Stabilität im Land, die Kaufkraft des Euro? Dann sorgen Sie sich bitte weiter. Lassen Sie sich von keinem Menschen einreden, dass alles gut wird. Denn das, was wir Deutsche unseren europäischen Nachbarn voraushaben, ist unsere Fähigkeit, uns zu sorgen. Beim Sorgenmachen macht uns keiner was vor, hat die Gesellschaft für Konsumforschung in Nürnberg herausgefunden. Es kommt auf jeden an, deshalb: Tragen Sie dafür Sorge, dass wir auch morgen noch sorgenvoll in die Zukunft blicken können. (hör)

Der Platz an der Sonne kann teuer werden

¿10 · Börse

2529,97 Pkt. – 23,62 Pkt.

Deutschland muss sparen – was halten Sie von den schwarz-gelben Plänen? www.stuttgarter-nachrichten.de/meinung

Foto: AP

Die Entführung und Ermordung der Heidenheimer Bankiersfrau Maria Bögerl sorgt für Rätsel: Wieso scheiterte die Übergabe des Lösegelds?

5904,95 Pkt. – 33,93 Pkt.

Ihre Meinung bitte!

Neuer Eigentümer Wir zählen täglich für Karstadt unsere Sorgen

Fall Bögerl: Rätsel um gescheiterte Geldübergabe

Dax

Seine Entwicklung ist beachtlich: VizeKapitän Bastian Schweinsteiger ist zur Führungspersönlichkeit und zum Herz der deutschen Mannschaft gereift.

BERLIN/STUTTGART. Die Bundesregierung hat das größte Sparpaket in der bundesdeutschen Geschichte beschlossen. Bis 2014 sollen ungefähr 80 Milliarden Euro eingespart werden – deutlich mehr als erwartet. Die größten Einschnitte kommen auf Arbeitslose und den öffentlichen Dienst zu. Auch auf die Wirtschaft kommen Belastungen zu. „Es sind ernste Zeiten, es sind schwierige Zeiten“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montag in Berlin. Sie bezeichnete das Sparpaket als „einmaligen Kraftakt“. Von den drastischen Einschnitten ist der Sozialbereich besonders betroffen. Eine höhere Mehrwert- und Einkommensteuer schlossen Union und FDP aus. Die Koalition will die Bundeswehr im großen Stil umstrukturieren. Merkel kündigte eine „großangelegte Streitkräftereform“ an. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) wurde beauftragt, bis Anfang September zu prüfen, wie die Bundeswehr von derzeit 250 000 Soldaten um 40 000 Soldaten verkleinert werden kann. Bei den Sozialleistungen will die Regierung besonders kräftig sparen. Zuschläge für Arbeitslose werden gestrichen. Bei Hartz-IVEmpfängern will der Staat die Beiträge zur Rentenversicherung einsparen. Dies soll etwa zwei Milliarden Euro im Jahr bringen. Die Rentenhöhe will Schwarz-Gelb aber nicht ändern. Das Elterngeld wird insgesamt moderat gekürzt, für Hartz-IV-Empfänger komplett gestrichen. Der Höchstbetrag von maximal 1800 Euro im Monat wird nicht angetastet.

Löws WM-Puzzle und der Wackelkandidat Klose

Notdienste Roman Familienseite Veranstaltungen Gewinnquoten

Regierung beschließt 80-Milliarden-Sparpaket und bittet Arbeitslose, Familien und Banken zur Kasse Allerdings werden künftig nur 65 statt 67 Prozent des Nettoeinkommens als Berechnungsgrundlage genommen. Beim Bund sollen bis einschließlich 2014 bis zu 15 000 Stellen dauerhaft abgebaut werden. Zudem sollen die Bundesbeamten 2011 auf die geplante Erhöhung des Weihnachtsgeldes verzichten. Dies bedeute eine Kürzung der Bezüge um 2,5 Prozent. Die Koalition will auch die Wirtschaft zur Kasse bitten. Die Atomkonzerne Eon, RWE, Vattenfall und EnBW müssen künftig eine neue Brennelementesteuer von jährlich 2,3 Milliarden Euro zahlen. Damit soll ein Teil der Zusatzgewinne der Konzerne bei längeren Atomlaufzeiten abgeschöpft werden. Im Luftverkehr plant die Bundesregierung eine neue Abgabe. Sie soll für alle Passagiere erhoben werden, die von einem deutschen Flughafen starten. Die Koalition will auch die Banken weiter belasten. Spätestens 2012 soll eine neue Abgabe kommen, falls es zuvor in Europa und weltweit keine Lösung gibt. Merkel hält den Sparkurs für alternativlos. FDP-Chef Guido Westerwelle sagte, vor Deutschland liege eine große Kraftanstrengung. „Wir haben in den letzten Jahren auch über unsere Verhältnisse gelebt.“ Er räumte ein: „80 Milliarden Euro sparen Sie auch nicht mit der Nagelschere.“ SPD, Linke und Gewerkschaften kündigten Widerstand an. An diesem Samstag sei in Stuttgart der Auftakt zu bundesweiten Demonstrationen geplant, kündigte die baden-württembergische Verdi-Landeschefin Leni Breymaier am Montag in Stuttgart an. ¿ Tagesthema ¿ Seite 2 und 3 ¿ Kultur Seite 13

STUTTGART. Obwohl die Gebühren gestiegen sind, beantragen weiterhin viele Wirte Freiluft-Konzessionen. Die Gebühren sind je nach Lage der Lokalität gestaffelt – ein System, das Fragen aufwirft. Für viele Wirte ist es mittlerweile überlebenswichtig, Plätze an der Sonne bieten zu können. Die Sondernutzungsgebühren sind je nach Lage der Lokalität gestaffelt, sie hängen von der Wertigkeit des Straßenraums ab. Die Gebühren wurden zum Januar angehoben. Bereits in den 1960er Jahren wurde Stuttgart in vier Klassen kategorisiert: 1, 2, 3 und S – wobei 1 die billigste, S die teuerste ist. Zwischen 2,10 und 4,80 Euro pro Quadratmeter beanspruchter Straßenfläche muss der Wirt monatlich zahlen.

Zur Kategorie 1 zählen etwa Anliegerstraßen, zu S Fußgängerzonen. Diese Kategorisierungen werfen mitunter Fragen auf: Warum etwa zählt der Rupert-Mayer-Platz unter der Paulinenbrücke zur Kategorie S? Was macht den Österreichischen Platz so attraktiv, dass er in die zweitteuerste Kategorie fällt? Matthias Oberdorfer vom Stuttgarter Tiefbauamt räumt ein, dass die Straßen nur stichprobenartig überprüft und gegebenenfalls angepasst würden. „Da kann schon mal was verrutschen“, sagt er. Eine neue Entwicklung ist, dass immer mehr Wirte beantragen, sogar im Winterhalbjahr Tische und Stühle rausstellen zu dürfen. Die Gebühren für die Winterkonzessionen sind die gleichen wie im Sommer. ¿ Stuttgart und Region Seite 15

Tagesthema

Kürzen in der Not Die Einschnitte der Bundesregierung sind nötig, aber sozial unausgewogen

So kann das nicht gutgehen, unkten die Skeptiker vor der WM. Doch Bundestrainer Joachim Löw ließ sich von seinem Kurs nicht abbringen – mit Erfolg.

Sparen ist die richtige Mitte zwischen Geiz und Verschwendung. Das hat Theodor Heuss, der erste Bundespräsident, gesagt. Vor einem halben Jahrhundert. Sein Wort hat Bestand. Die Bundesregierung versucht verzweifelt, danach zu handeln. Wobei man genauer formulieren sollte: Denn die Kanzlerin spart ja nicht vom Überfluss – sie kürzt in der Not. Natürlich melden sich jetzt all diejenigen laut jammernd zu Wort, denen von dem genommen wird, an das sie sich gewöhnt haben – und dabei allzu leicht von dem Gewohnten einen Anspruch ableiten. Doch auch politische Plattitüden sind wirtschaftliche Notwendigkeiten. Wenn die Kanzlerin jetzt schmallippig darauf verweist, dass man sich in ernsten Zeiten eben nicht alles leisten könne, was man sich wünsche, wird man ihr nicht widersprechen können. Auch die Frage, ob wir in den vergangenen Jahren über unsere Verhältnisse gelebt haben, ist müßig. Man sollte auch sie präzisieren. Hat uns die Politik denn nicht vorgegaukelt, für alles und immer mehr sei Geld genug da? Hat die FDP nicht bis vor wenigen Wochen noch so getan, als sei Raum für Steuersenkungen in zweistelliger Milliardenhöhe? Muss sich die Politik nicht über alle Parteigrenzen hinweg heute zu Recht vorwerfen lassen, den Ausgabenwünschen von hier und dort (denn die und nicht die Einnahmen sind ja das Problem) allzu schnell und oft vorauseilend nachgegeben zu haben? Nein, es ist vor allem der Staat, der über seine Verhältnisse gelebt hat – die Bürger haben es, wen wundert’s, gern mitgenommen. Es geht nicht darum, ob der Staat, hoch verschuldet, sparen muss oder nicht. Ob der einmalige Kraftakt, wie Merkel ihn nennt, nötig oder unnötig ist. Wir alle wissen, dass der brutale Tritt auf die Sparbremse unausweichlich war. Und dass es längst nicht mehr darum gehen darf, den Rotstift immer nur bei den anderen anzusetzen. Das Problem der Bundesregierung ist ein anderes, eines, das letztlich über ihre politische Zukunft entscheiden wird. Es ist die Frage, ob die Kürzungen und Belastungen gerecht verteilt sind. Darüber lässt sich dann trefflich streiten. Es ist klar, dass sich die Opposition empört, wenn nun kräftig Sozialausgaben gestrichen werden. Doch wo, wenn nicht hier, hat der Staat demonstrativ über seine Verhältnisse gelebt? Gewiss: Die Kürzungen für Geringverdiener, Wohngeld empfangende Rentner und Langzeitarbeitslose treffen Menschen, die jeden Euro zweimal umdrehen müssen. Und sie sind politisch anrüchig – weil Steuererleichterungen für Hoteliers unangetastet bleiben. Soziale Einschnitte sind immer angreifbar, solange es viele gibt, denen es – zum Glück – bessergeht. Aber dieser Sozialstaat gerät nicht in Schieflage, wenn Zuwendungen nicht erhöht, der Sinn und Zweck von Ausgaben überprüft und nicht Arbeitslosigkeit, sondern Anreiz zur Arbeit gefördert wird. Ja, es trifft auch Banken, Fluglinien, Atomkraftbetreiber, Energiekonzerne und Staatsbedienstete. Ein einmaliger Kraftakt braucht eben auch eine einmalige Solidarität. Ebenso wenig wie Hartz-IV-Empfänger aber ins Bodenlose fallen werden, hätte Schwarz-Gelb den Wohlstand in diesem Land nicht gefährdet, wären auch jene zur Kasse gebeten worden, die im Überfluss leben. 81,6 Milliarden Euro bis 2014: Das ist ein Wort. Warten wir ab, ob SchwarzGelb genug Zeit bekommt, es zu halten.

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Tagesthema

Abgestraft

Wulff gewählt, Merkel angezählt

Vom Schweini zum Mann – der neue Chef im DFB-Team

Alles richtig gemacht – Löw widerlegt alle Zweifel

Von Wolfgang Molitor

Shrek geht die Puste aus

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Geld regiert die Welt – und der Rotstift ab sofort Deutschland

Von Claudia Lepping Berliner Redaktion

¿23 · Sport

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¿20 · Neu in den Kinos

Was bringt das Fahrverbot?

¿33 – 35 · Fußball-WM

Von wegen sozialer Kahlschlag: Die Bundesregierung beginnt erst mit dem Sparen. Richtig heftig wird es vom kommenden Jahr an. Die jetzige Sparrunde von Schwarz-Gelb bietet darauf nur einen kleinen Vorgeschmack.

¿18 · S-Presso Comic über Verlust und Tod

Landesnachrichten 5 – 6 TV/Medien 7 Panorama 8 Kultur/-magazin 13/14 Impressum 16

¿21 · Stuttgart und Region

Spürnasen gegen Steuersünder

Christian Wulff ist Bundespräsident, doch gesiegt hat Angela Merkel nicht Von Wolfgang Molitor Es gibt einen neuen Bundespräsidenten. Er heißt Christian Wulff. Das ist die Nachricht von gestern. Die Frage von morgen ist: Gibt es eine neue Bundeskanzlerin? Noch nie ist Angela Merkel vom eigenen Lager so brutal abgestraft worden wie an diesem denkwürdigen Mittwoch. Zu Unrecht? Drei Bundestagswahlen in Folge hat sie der CDU das schlechteste Ergebnis in ihrer Geschichte beschert. Bei den letzten Landtagswahlen wurden fast durchgängig zweistellige Verluste eingefahren. Die Umfragewerte rauschen in den Keller. Doch in der Union wurde die Krise eisern, geradezu verzweifelt totgeschwiegen. Seit gestern ist nun damit Schluss. Die Union ist ihrer Kanzlerin gram. Und sie lässt ihren Frust raus.

Erst im dritten Wahlgang bringt die Kanzlerin ihren Kandidaten für das Bundespräsidentenamt durch ¿23 · Stuttgart und Region Bürgerinitiative zieht gegen Boss-Lager vor Gericht Im Prozess über ein Bürgerbegehren gegen das Großlager von Hugo Boss muss das Gericht entscheiden, ob die Ablehnung der Stadt Nürtingen rechtens war.

Es sollte (wieder einmal) ein Neuanfang für Schwarz-Gelb werden. Der Versuch misslang. In Union und FDP wütet das Misstrauen. Es herrscht Unbehagen über diese Regierung, über ihre Arbeit, über ihr Auftreten. In den Fraktionen rumort es, und unter den Wahlmännern und -frauen (dem bisschen Promi-Basiseinfluss, der bei der Findung eines Staatsoberhauptes gnädig erlaubt wird) waren überraschend viele, die ihre eigene Stimme an Volkes statt abzugeben glaubten – und in den ersten zwei Wahlgängen geheim, aber erhobenen Hauptes die Seite wechselten.

¿12 · Panorama Kachelmann muss warten Schon wieder verzögert sich eine Entscheidung im Fall Jörg Kachelmann. Sein Anwalt spricht von einem Justizskandal und will Beschwerde einlegen.

¿14/15 · Wirtschaft Baden-Württemberg startet in die Elektrozukunft In den nächsten Tagen startet im Land eine ganze Reihe von Initiativen zur Elektromobilität. In einigen Jahren könnten Tausende der leisen E-Autos über unsere Straßen sirren.

¿32 · Junge Nachrichten Platz ist in der kleinsten Hütte Keine Lust auf Balkonien, aber das Budget reicht nicht für zwei Wochen Vollpension? Kein Problem, es gibt viele Möglichkeiten, Urlaub zu machen.

¿29 · Der neue Bundesvater Gestern ist Christian Wulff zum Bundespräsidenten gewählt worden. Doch auch wenn er nun der erste Mann im Staate ist, so ist er nicht der mächtigste.

Inhalt Landesnachrichten 8 TV/Medien 10 Panorama 11 – 12 Kultur/-magazin 18/19 Impressum 22

Notdienste 26 Veranstaltungen 29 – 30 Roman 30 Familienseite 31 Gewinnquoten 36

¿16 · Börse Dax

Die Kanzlerin und ihr Kandidat: Sieger sehen anders aus

Sieg mit Hängen und Würgen: Erst beim letzten Versuch schafft Merkels Kandidat Christian Wulff – trotz klarer Mehrheit von Schwarz-Gelb in der Bundesversammlung – die Wahl zum Bundespräsidenten. Dabei hoffte die Koalition so sehr auf ein Signal der Geschlossenheit. Von Norbert Wallet und Claudia Lepping BERLIN. Angela Merkel kam ganz in Schwarz. Als hätte die Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende geahnt, dass dieser Mittwoch neun schwere Stunden für sie bereithalten sollte. Erst im dritten Wahlgang wurde der schwarz-gelbe Kandidat Christian Wulff (CDU) von der 14. Bundesversammlung zum zehnten Bundespräsidenten gewählt – ein Debakel für die schwarzgelbe Koalition. Der bisherige niedersächsische Ministerpräsident setzte sich nach stundenlanger Zitterpartie mit 625 Stimmen gegen den von SPD und Grünen nominierten früheren DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck (494 Stimmen) durch. In den ersten beiden Wahlgängen hatten Abweichler im schwarz-gelben Lager noch einen Sieg Wulffs verhindert. Wulff verfehlte zweimal die absolute Mehrheit von 623 Stimmen, obwohl Union und

Foto: Getty

wird sie weiter machen.“ Zugleich stellte sie klar, dass sie nicht nach den Abweichlern suchen werde. „Ich habe nicht Verdächtigungsrecherche anzustellen. Zum Schluss war es eine gute Mehrheit. Das ist, was zählt.“ In der Union herrschte nach Ende des zweiten Wahlgangs Fassungslosigkeit. Vor dem zweiten Wahlgang hatte Merkel eindringlich gewarnt, sich in ei„Es ist kritisch zu werten, nem etwaigen dritten Wahlgang dass es die Koalition nicht „in die Hände der Linkspartei zu begeben“. schafft, ihren Kandidaten Am Ende fiel nicht nur von durchzubringen“ Wulff die Anspannung ab. Er habe Respekt für all jene, die ihn Peter Hauk nicht gewählt hätten. „Ich werde CDU-Chef im Stuttgarter Landtag mich aber bemühen, auch Ihren Erwartungen gerecht zu werSchuldzuweisungen. Mehrere Koalitionspo- den“, sagte er nach seiner Wahl zum Bundeslitiker äußerten sich aber besorgt, dass die präsidenten. Zufrieden zeigte sich auch Wahl die ohnehin gespannte Stimmung in Baden-Württembergs Ministerpräsident der Regierungskoalition in Berlin weiter be- Stefan Mappus: „Christian Wulff wird ein lastet. „Ein Neustart für die Bundesregie- exzellenter Bundespräsident sein.“ rung ist das nicht“, sagte der hessische ¿ Tagesthema FDP-Landesvorsitzende Jörg-Uwe Hahn. ¿ Seite 2, 3 und 4 Merkel wies Interpretationen, dass der Wahlgang ein Votum gegen die Arbeit ihrer Regierung sei, dagegen zurück. „Es handelte Ihre Meinung bitte! sich um die Wahl eines Bundespräsidenten, die frei und offen erfolgen sollte“, betonte Hat Merkel jetzt noch genug Merkel am Mittwochabend. Dies sei völlig anAutorität zum Regieren? ders als die Bewertung der Regierungsarbeit. www.stuttgarter-nachrichten.de/meinung „Die Koalition hat ihre Arbeit gemacht. Sie FDP zusammen über 644 Stimmen verfügten. Schon vor der Wahl war darüber spekuliert worden, dass einige Delegierte Merkel einen Denkzettel verpassen könnten. Etliche Liberale betonten sofort, dass die FDP nicht verantwortlich sei. CSU-Chef Horst Seehofer warnte vor gegenseitigen

Foto: dpa

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Die Republik wird mit Wulff als neuem Staatsoberhaupt leben können. Wie mit allen seinen Vorgängern auch. Man wird sich arrangieren. Vielleicht und zum Glück ein wenig realistischer als bisher. Wobei wir noch einmal an Horst Köhler erinnern. Was hat er Merkel mit seinem renitenten Rücktritt bloß für ein faules Ei ins schwarz-gelbe Nest gelegt! Bundestagspräsident Norbert Lammert hat ihm den christdemokratischen Ärger brüsk hinterhergerufen. Was uns die Wahl lehrt? Zum einen, dass es Rot-Grün nicht gelungen ist, eine Brücke zu einer Linkspartei zu schlagen, der man für den Beweis ihrer Politikuntauglichkeit dankbar sein muss. Zum anderen, dass Schwarz-Gelb eine gute Ausgangslage wieder einmal miserabel genutzt hat. Christian Wulff ist Bundespräsident. Merkel hat ihr Ziel erreicht – womöglich zu einem Preis, der zu hoch war, um sich richtig freuen zu können.

Euro Stoxx 50 Euro

m m . Weniger Schüler, kleinere Klassen

5965,52 Pkt. + 13,49 Pkt.

Das hat der versammelten, gleichwohl nicht vereinten Opposition einen Prestige-Erfolg beschert. Joachim Gauck hat im bürgerlichen Lager gepunktet – ein von Rot-Grün geschickt vermarkteter Anti-Held. Viele freuen sich nun, das Staatsoberhaupt sei nicht in einer parteibornierten Blockwahl gekürt worden, weil das Prozedere zumindest in Ansätzen an eine Persönlichkeitswahl erinnert habe. Schön wär’s. Denn alle drei Wahlgänge haben gezeigt, wie parteitaktisch motiviert die Lage in allen Lagern war. Mehr noch: dass gerade diese Wahl als politische Spielwiese missbraucht wurde – als Spießrutenlauf für Merkel mehr als für ihren Kandidaten.

2573,32 Pkt. + 16,98 Pkt.

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¿24 · Wetter

Kultusministerin verspricht: An der Bildung wird trotz Geburtenrückgangs nicht gespart Von Maria Wetzel

Mittags 31˚ Nachts 18˚ Viel Sonne und heiß, vereinzelt Gewitter

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STUTTGART. In den Schulen in Baden-Württemberg wird Platz frei. Bis zum Jahr 2020 wird die Zahl der Schüler an den allgemeinbildenden Schulen um ein Fünftel sinken. Das hat die Präsidentin des Statistischen Landesamts, Carmina Brenner, am Mittwoch in Stuttgart angekündigt. Dabei kommt Stuttgart noch relativ glimpflich davon. In der Landeshauptstadt werden in zehn Jahren voraussichtlich 8,3 Prozent weniger Grundschüler (Landesdurchschnitt minus 17,5 Prozent) und 14,4 Prozent weniger Schüler an weiterführenden Schulen (Durchschnitt minus 22,7 Prozent) unterrichtet. Auch in den Kreisen Lud-

wigsburg, Esslingen und Böblingen fällt der Rückgang geringer aus als im Landesdurchschnitt. Vor allem in ländlichen Gebieten gehen die Schülerzahlen dagegen um bis zu 30 Prozent zurück. Am stärksten betroffen sind die Kreise Sigmaringen und Calw sowie der Enzkreis. Trotz dieser Entwicklung will Kultusministerin Marion Schick (CDU) weder Schulen schließen noch an der Bildung sparen. Bei geringeren Schülerzahlen könnten kleinere Klassen gebildet und Schüler besser individuell gefördert werden, sagte Schick. Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) habe zugesagt, dass freiwerdende Ressourcen zur Verbesserung des Bildungsangebots eingesetzt würden.

Die höchsten Verluste erwarten die Statistiker bei den Gymnasien mit durchschnittlich minus 25,5 Prozent und bei den Werkreal- und Hauptschulen mit minus 24,4 Prozent. Der starke Rückgang an den Gymnasien ist vor allem darauf zurückzuführen, dass es dort aufgrund der Schulzeitverkürzung von 2012 an nur noch acht Jahrgänge gibt, bisher sind es neun. Die SPD und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft warfen der Landesregierung vor, sie habe kein Konzept, um Schulschließungen zu verhindern. Bereits in wenigen Jahren seien viele neuen Werkrealschulen wegen des Schülerrückgangs zu klein und müssten dann zumachen. ¿ Landesnachrichten Seite 8

Das hier passt in keine SMS Wer massenhaft SMS verschickt, ruiniert sich nicht nur den Daumen, sondern auch die Seele. Eine australische Forscherin warnt vor einer ganzen Reihe von Krankheitsbildern, die vor allem bei Teenagern auftreten. Da wäre etwa das post-textische Stress-Syndrom: Der Schreiber bekommt nicht mehr mit, was um ihn herum passiert. Oder das Tangstgefühl, ein Wortgebilde, das sich aus Text und Angst zusammensetzt und die Selbstzweifel beschreibt, die SMSSüchtige beschleicht, wenn eine Weile mal keine neue Nachricht ankommt. Wie gern hätten wir diesen Text an junge Menschen versandt, mit rund 650 Zeichen ist er aber zu lang für eine SMS. (hör)


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Heute mit TV-Magazin

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Heute mit Sonderbeilage

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¿19 · Stuttgart und Region

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Land beharrt auf Verbot von Alkoholverkauf

Ran an die Tasten!

Conradi wehrt sich gegen Vorwurf der Vertuschung Der Ex-Bundestagsabgeordnete Peter Conradi (SPD) wehrt sich gegen die Vorwürfe, vor rund zehn Jahren sexuellen Missbrauch an der Odenwaldschule vertuscht zu haben. Er war damals im Vorstand des Trägervereins der Schule.

Innenminister kritisiert Trick von Aral – SPD bietet CDU neues Gesetz an Von Frank Krause STUTTGART. Der Versuch des Aral-Konzerns, an Tankstellen in Baden-Württemberg das nächtliche Alkoholverkaufsverbot damit zu umgehen, dass die Ware tagsüber bezahlt, aber mit einem Bonheft erst am Abend abgeholt werden kann, hat am Donnerstag scharfe Kritik ausgelöst. „Die Aktion findiger Tankstellenbetreiber geht ins Leere. Es bleibt dabei: Von 22 bis 5 Uhr morgens ist der Verkauf von Alkohol verboten“, sagte Innenminister Heribert Rech (CDU) in Stuttgart und reagierte damit auf die Recherchen unserer Zeitung. Als Reaktion auf den Trick des Mineralölkonzerns Aral bot die Landtags-SPD der regierenden CDU an, gemeinsam ein Gesetz zu verabschieden, das die Schlupflöcher beim Verkaufsverbot schließt. ¿ Landesnachrichten Seite 6

¿20 · S-Presso Auf Orwells Spuren Der Wissenschaftler Geoff Rodoreda hat überraschende Beweise gefunden: Der vor 60 Jahren verstorbene George Orwell, einer der größten Autoren des 20. Jahrhunderts, hat 1945 als Kriegsreporter aus Stuttgart berichtet.

¿25 · Sport

Foto: ddp

Am liebsten wäre es Ministerpräsident Stefan Mappus, wenn jedes Kind im Südwesten ein Instrument spielen könnte. Das Programm Singen–Bewegen–Sprechen soll zumindest einmal den Resonanzboden dafür bieten. Vom

Heiße VfB-Duelle gegen Robben und Ribéry Sie mischen die Gegner nach Belieben auf – Arjen Robben (Foto) über rechts, Franck Ribéry über links. Am Samstag will der VfB das Flügelduo des FC Bayern bändigen – mit Mut und Offensivdrang.

¿15 · Kultur Belsers Verlagstradition Von religiös-pädagogischen Schriften zum führenden Haus für Kunstbücher: Der Stuttgarter Belser-Verlag wird 175. Sein Leiter Bernhard Kolb blickt im Gespräch zurück und nach vorn.

Kämpfen und lieben – Til Schweiger

Große und kleine Forscher sind im Schieferbruch Kromer bei Ohmden willkommen. Am Fuß der Schwäbischen Alb dürfen sie mit Hammer und Meißel Versteinerungen freilegen.

¿21 · Mozart mit links Nummer · 41.Loso Woche · 64. Jahrgang Der Pianist232 Geza aus Trier hat das · S weltweit erste Klavier für Linkshänder erfunden. Im Mai soll das 15 000 Euro teure Instrument fertig gebaut sein.

¿19 · Stuttgart

Inhalt OB Schuster will erst 2010 über Planetarium entscheiden

Panorama 7 – 8 Freizeit 24 Roman 14 Gewinnquoten 26 Stuttgarts OB Wolfgang Schuster Kultur 14 TV/Medien 28 möchte das Planetarium vom SchlossgarKulturmagazin 15 Familienseite 30 ten nach Bad Cannstatt verlagern –31eine Notdienste 22 Veranstaltungen – 32

Mehrheit dafür ist aber nicht in Sicht. Daher schlug er am Mittwoch die Vertagung der Entscheidung bis 2010 vor.

¿10 · Börse Dax

Euro Stoxx 50 Euro

¿29 · Sport Magnin übt Selbstkritik

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Der Schweizer VfB-Profi Mag1,3358 Dollar 6132,95 Pkt. 2948,09 Pkt.Ludovic übt Pkt. im Interview + 44,15 Selbstkritik. Pkt. + 0,04 Er Cent +nin 93,95 und seine Team-Kollegen hätten den Saisonstart in der Bundesliga verschlafen: „Wir haben versagt.“

¿20 · Wetter

Wenn sich dieNachts Welt 5˚ bei der ArbeitZunächst drehtsonnig, später wolkig mit Schauern

Für Kinder ist eine Runde auf dem Karussell ein großer Spaß – für den, der darauf arbeiten muss, nicht immer.  Wir haben einen halben Tag auf dem Volksfest mitgearbeitet.

   · Junge    Nachrichten  ¿28 Jung und arbeitslos Das Jobcenter Stuttgart betreut rund 4300 junge Menschen unter 25, die keine Ausbildungsstelle oder keinen Arbeitsplatz finden. Vier Jugendliche erzählen, was sie am Weg ins Berufsleben hindert.

Foto: AP

Wolfgang Joop hat bei den Prêt-à-porter-Schauen in Paris die Kollektion seiner Marke Wunderkind präsentiert. Der Designer schickte die Models zum Beispiel in zitronengelben Pumpröcken auf den Catwalk.

Die Schattenseite der Sonnenbank

¿34 · Traumhafte Bücher Paul Maar war als Kind ein Träumer.

Deshalb schreibt er mit Erfolg Kinder bücher für Träumer. Eines davon – „Lippels Traum“ – kommt jetzt ins Kino.

¿21 · Stuttgart und Region Inhalt Spatenstich Panorama 9 –für 10 das Unsereneue Leser und wir 27 Kultur Affenhaus in 16 derGewinnzahlen Wilhelma 30 Kulturmagazin 17 Veranstaltungen 33 – 34 Roman Familienseite Die Erdmännchen17sitzen in der ersten 35 Notdienste TV/Medien 36 Reihe und recken23 die Hälse, damit ihnen beim Bau des Menschenaffengeheges nichts entgeht. Finanzminister Willi Stächele am Mittwoch auch dabei sein · Börse ¿12wird und den ersten Spatenstich vornehmen.

Dax

Euro Stoxx 50 Euro

. . .

¿22 · S-Presso Im Trollinger-Revier 5640,75 Pkt. 2852,17 Pkt.

1,4698 Dollar

– 13,53 1,26 Cent – 16,89 Pkt.so weit Weinberge, dasPkt. Auge –reicht: Jeanette Neidhardt-Rosenberger lebt in der idyllischen Tiroler Straße in Uhlbach. die Oase hat eine kriegeri· Wetter ¿22Doch sche Vergangenheit.

Mittags 20˚

Verzweifelte Eltern, Teils kräftiger Regen und vereinzelt Gewitter gestörte Kinder Laut Kinderpsychiater Michael Winterhoff erziehen viele Deutsche ihre 4 6 Kinder 041 grundlegend falsch. Jetzt hat der Bestsellerautor ein neues Buch über die heranwachsenden Tyrannen geschrieben.

4 190406 301200

¿17 · Kultur Schafhausens Kunst-Ideen

Mindestlohn für Pfleger kommt

Geld oder Leben?

Popmusik als Tagesthema Vater von Tim K. Provokation holt zweiten Anwalt Guter Ton

BERLIN (dpa). Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat die Einigung auf einen Mindestlohn für die Pflegebranche begrüßt und eine schnelle Umsetzung angekündigt. „Ich werde jetzt Einigkeit in der Bundesregierung herstellen“, kündigte die Ministerin am Donnerstag in Berlin an. Dies ist notwendig, um den Mindestlohn für die 800 000 Beschäftigten in der Pflegebranche in Kraft zu setzen. Ab Juli soll für Pflegekräfte im Westen eine Lohnuntergrenze von 8,50 Euro gelten. In Ostdeutschland soll es mindestens 7,50 Euro pro Stunde geben. Nach sechsmonatiger Beratung hatte sich die zuständige Kommission einstimmig geeinigt. Das Kabinett muss dem noch zustimmen. Von der Leyen rechnet damit, dass die FDP das Vorhaben unterstützen werde – die FDP ist aber kritisch gegenüber Mindestlöhnen eingestellt. ¿ Seite 2

Jeder fünfte Deutsche wäre einer Umfrage des Magazins „Reader’s Digest“ zufolge bereit, für eine Million Euro ein Jahr früher zu Donnerstag, 8. Oktoberwürde 2009 sterben. In Baden-Württemberg sogar jeder Vierte früher den Löffel abgeben und dafür das Geld nehmen. Nach diesem Ergebnis den Deutschen Geldungssucht unterstellen zu wollen, wäre falsch, hängt doch die überwiegende Mehrzahl an ihrem Leben. Interessant ist, dass Menschen mit höherem Gehalt eher zu dem teuflischen Pakt bereit wären. Offenbar scheint sich in diesen Kreisen die Erkenntnis durchgesetzt zu haben, dass Geld allein glücklich macht. Eine nicht repräsentative Umfrage dieser Zeitung unter zwei Kollegen hat ergeben: Lieber reich und gesund als arm und krank. (hör)

Peaches –

Rasen-Kunst

¿8 · Panorama

Foto. dpa

¿17 · Kulturmagazin Entzaubert: Mit 20 will Emma Watson erwachsen sein Emma3-D-Erlebnis Watson wird heutezieht 20. Ihre Rolle Das als Hermine in der Fantasie-Reihe ins Wohnzimmer „Harry Potter“ hat sie weltberühmt gemacht. Ob sie je wieder vor der Kamera ein steht, weiß sie nicht. Vom Image als Kinderstar hat sie die Nase jedenfalls voll.

¿6 · Ein Staat schreibt rote Zahlen  Nicht nur Menschen oder Firmen können pleitegehen, sondern auch ganze Länder – so wie gerade Griechenland. · Stuttgart und Region ¿19 Da hilft nur eisern sparen.

Bahn schreibt Mega-Auftrag Inhalt für Stuttgart 21 aus Notdienste

24

Die Bahn hat am den Rohbau28 Panorama 7 –Mittwoch 8 Gewinnzahlen für die Tunnel15vom Kultur/-magazin – 17geplanten TV/MedienTiefbahn31 hof zum Flughafen nach UntertürkRoman 17und Veranstaltungen 33 – 34 heim ausgeschrieben. Die kompletten 35 Impressum 20 Familienseite Röhren sind auf 1,7 Milliarden Euro kalkuliert. Baustart soll Anfang 2011 sein.

¿10 · Börse ¿22 Dax · S-Presso Euro Stoxx 50 Euro Comics zu verschenken

Regierungschef Mappus bringt

ist wieder wahrscheinlicher geworden. Nach mehr Musik ins Bildungssystem www.stuttgarter-nachrichten.de · € 1,20 · E 4063 Informationen unserer Zeitung ergaben Von Anne Guhlich Nachermittlungen der Staatsanwaltschaft, dass es keine Hinweise darauf gibt, dass der Täter Tim K. auch ohne das Fehlverhalten seiEndlich. Kinder dürfen wieder Dinge nes Vaters an Tatwaffe und Munition gekomtun, die kleine Menschen mögen: rummen wäre. Anderslautende Zeugenaussagen springen, Lärm machen und anderen unseien durch neue Vernehmungen relativiert produktiven Beschäftigungen nachgeworden, heißt es. Das Landgericht prüft nun, hen. Diese Erwarob damit seine Zweifel an einer wahrscheinlitung schürt zuminchen Schuld des Vaters beseitigt sind und es dest das Programm die Anklage zulässt. Der Beschuldigte zog Singen–Bewederweil den Anwalt von Harry Wörz, Hubert gen–Sprechen, das Gorka, als zweiten Verteidiger hinzu. Ministerpräsident Stefan Mappus in Beim Amoklauf von Winnenden hatte am Kindergärten und 11. März 2009 ein 17-Jähriger in Winnenden Grundschulen einfühund Wendlingen 15 Menschen erschossen. ren will. Die Idee: Anschließend richtete er sich selbst. Mit Klanghölzern ¿ Stuttgart und Region Seite 22 und Rasseln ziehen Musiklehrer los und üben mit den Kleinen, wie man Musik macht und rhythmisch spricht. Das ist längst überfällig. Seit den peinlichen Ergebnissen der Leistungstests Pisa und Iglu haben die Politiker nur noch daran gedacht, wie man die Kinder möglichst schnell auf die Arbeitswelt vorbereitet. Was folgte, war ein Ganzkörperlifting des Bildungssektors. Zeitaufwendige Hochschulabschlüsse wie Diplom nächst die beiden älteren Schwestern des eiund Magister verschwanden, so wie das nen Angeklagten beim Fernsehen im Bett ertrainer Joachim Löw seit Anfang dieser Woche Dessen ungeachtet die Mannschaft neunte Schuljahr an reist Gymnasien. Kinderschossen haben. Danach sollen sie die ah- loren. auf einem Platz im Trainingsgelände des FSV Kapitänentwickelten Michael Ballacksich heute Zuvervonvoller Betreuungsnungslosen Eltern in einer Gaststätte be- um gärten Mainzund 05 vorbereitete, der dem geplaudert in Moskau sehr in die Hauptstadt. Daseiner Ziel hat ist zurussische Baby-Schulen. Kaum sucht mit ihnen friedlich ha- sichtorten ähnlich sein soll. Testspiel gegendie eineSchulMain- klar:davon Sieg auf der ganzen Linie. gesprochen, dass KinderFoto: auchAP ben. Kurze ZeitEinspäter hätten Sport Seite 31sollen, die auf den ersten zer Juniorenauswahl ging allerdings mit 0:1 ver¿Dinge lernen freunde das Lokal wieder verlassen und Blick wirtschaftlich nicht relevant sind. seien an den Tatort zurückgekehrt. Dort Singen zum Beispiel, Purzelbäume schlawarteten sie nach den Worten der Staatsangen oder wie man mit seinesgleichen umwältin auf die Eltern und erschossen sie bei geht. Das neue Programm kann helfen, deren Rückkehr. Die Staatsanwältin warf Tagesthema Kinder fürs Leben zu rüsten. Vorausgein ihrem Plädoyer beiden Angeklagten vor, setzt, es handelt sich hier nicht nur um eigeschossen zu haben. Das Urteil wird am nen kurzen Trommelwirbel des Schlagkommenden Mittwoch erwartet. zeugers Mappus. ¿ Stuttgart und Region Seite 17

Staatsanwältin fordert lebenslang Verteidiger des einen mutmaßlichen Vierfachmörders von Eislingen will Jugendstrafe teilt werden, sagte die Anklägerin Brigitte

Lutz. Zudem plädierte sie dafür, die besonDeutschland oder Russland:seiner Wer sichert sich dere vorher schon der zu unerhörten DiskussionenDies über Schwere Schuld festzustellen. ULM. Er wollte das Vermögen Familie dieerben. direkteSeine Qualifikation für dieund Fußball-Weltden Untergrund: Ausgetragen wird die Partie eine Haftentlassung von Andreas H. allein Schwestern Eltern könnte meisterschaft in Südafrika? Am Samstag nach nämlich auf Kunstrasen. der Ball 15 Jahren verhindern.Dort Für rollt Frederik B. waren ihm lästig.2010 Deshalb hat der 19-jährige kommtH. es im Luschniki-Stadion zum forderte schneller alszehn auf Natursieund eineunberechenbarer Jugendstrafe von JahAndreas sieMoskauer kaltblütig ermordet, mit Duell umSchulfreundes den Gruppensieg (17 Uhr/ZDF) und ren. gras. Weshalb sich die Mannschaft von BundesDamit berücksichtigte die StaatsanwälHilfe seines Frederik B.: So–jedenfalls sieht es die Staatsanwältin. Einen tin die leichte Entwicklungsstörung, die ein „Tyrannenmord“, wie ihn der Angeklagte be- psychiatrischer Gutachter dem heute 20Jährigen attestiert hatte. schrieben hatte, lehnte sie als Motiv ab. Der Verteidiger von Andreas H. will für Vor dem Landgericht Ulm forderte sie am Donnerstag eine lebenslange Haftstrafe für seinen Mandanten eine Jugendstrafe. Ein den mutmaßlichen Vierfachmörder von Eis- konkretes Strafmaß forderte er nicht. In der Nacht auf Karfreitag vergangenen lingen. Er habe aus Habgier gehandelt und müsse deshalb wie ein Erwachsener verur- Jahres sollen die beiden jungen Männer zu-

Gute Noten für die Krankenhäuser im Südwesten

STUTTGART. Hinter Sachsen, Sachsen-Anhalt und Bayern landeten die baden-württembergischen Häuser auf Platz vier. „Das Ergebnis zeigt die hohe Leistungsfähigkeit der hiesigen Krankenhäuser, besonders, was die Versorgung angeht“, sagte Andreas Vogt, Leiter der Landesvertretung der Techniker-Krankenkasse (TK), welche die Befragung durchgeführt hat. Dabei ging es um fünf Themenbereiche – vom reinen Behandlungserfolg über die Zu-

wendung und Pflege durch das Personal bis zur allgemeinen Zufriedenheit mit dem Krankenhaus. Dazu wurden landesweit 16 000 TK-Patienten zu den 68 größten Einrichtungen im Südwesten befragt. Innerhalb Baden-Württembergs schnitt Freiburg am besten ab. Aber auch im Raum Stuttgart zeigten sich die meisten Patienten zufrieden. Neun Kliniken wurden von der Kasse als besonders empfehlenswert gewürdigt: Diakonie, Karl-Olga, Marienhospital und Robert-Bosch (Stuttgart); Filderklinik, die Rems-Murr-Kliniken Backnang und die Kreiskliniken Esslingen sowie die Orthopä-

Ihre Meinung bitte! Wie zufrieden sind Sie mit den Krankenhäusern im Land? www.stuttgarter-nachrichten.de/meinung

Baden-Württembergs Kliniken leiden unter einem Investitionsstau

Es handelt sich mal wieder um eine jener Studien, die mehr Fragen nach sich ziehen, als sie beantworten: Die Patienten sind mit den Krankenhäusern in BadenWürttemberg im Allgemeinen zufrieden. Gut. In Bayern und Sachsen sind sie es etwas mehr, in Hessen oder Berlin ein bisschen weniger. Die medizinische Versorgung im Südwesten gilt als überdurchschnittlich, dafür landet man hier oft in einem alten Kasten. Was aber heißt das, wenn ich mich mit einem Magendurchbruch in Klinik X oder · Neu inin den Kinos ¿18Bänderriss einem Krankenhaus Y einliefern lasse? Nur die wenigsten werden vorher einen Klinikführer im Internet bemühen und ihre Entscheidung danach ausrichten. Sie vertrauen lieber auf ihr Gefühl oder ihren Arzt. Insofern bietet die breitangelegte Patientenbefragung nur subjektive Empfehlungen. Aber immerhin. Ein paar Erkenntnisse lassen sich daraus ziehen. Erstens: Die Substanz der hiesigen Häuser hinkt denen im Osten hinterher. Eine Entwicklung, die mittlerweile fast alle öffentlichen Bereiche erfasst hat – von Straßen bis Schulen. Darüber kann man klagen – BERLIN (StN). Gut- und Besserverdiener ändern wird sich so schnell daran nichts. werden im kommenden Jahr monatlich   Schon gar nicht durch den unumstößlich etwa 18 Euro höhere Sozialabgaben bezahscheinenden Gesundheitsfonds. Zweilen müssen. Dies bringt die Anhebung der tens: Alte, enge und dunkle KrankenhäuBeitragsbemessungsgrenzen in den Sozialser finden sich vor allem in den badenversicherungen, die das schwarz-rote Bunwürttembergischen Ballungsräumen. Die deskabinett am Mittwoch in seiner 164. und Folge einer jahrelang betriebenen Krandamit wohl letzten Sitzung billigte. kenhauspolitik des Landes, der vor allem Die nun nach dem Regierungswechsel ausan einer breiten Versorgung im ländlischeidenden Bundesminister können sich chen Raum gelegen war. Jetzt hat man auf teils üppige Altersbezüge freuen. Entumgesteuert und konzentriert seine Förwicklungsministerin Heidemarie Wieczoderung auf wenige Spezialzentren. Das rek-Zeul (66, SPD) hat ab sofort Anspruch ist auch so. Allein, es fehlt an auf eine monatliche Pension von 9430 Euro. Bund zahltrichtig Ländern Soforthilfe Geld. Der Investitionsstau beträgt mehFür eine Rente in dieser Höhe müsste ein Autobahnen und Bundesstraßen Milliarden Euro. Freilich: Eine neue durchschnittlicher Arbeitnehmer 347 Jahre fürrere Terrasse oder ein heller Flur machen laut Steuerzahlerbund arbeiten. Ihr folgt die einen Kranken nicht wieder gesund. 60 Jahre alte Gesundheitsministerin Ulla Von Gregor Preiss Aber sie verschönern den tristen AufentSchmidt mit 8410 Euro Pensionsanspruch. halt wenigstens ein bisschen. STUTTGART/BREMEN. Baden-Württemberg ¿ Seite 2 kommt in den Genuss von rund zehn Millionen Euro Soforthilfe für die Beseitigung von Frostschäden. Das Geld, das je nach Schwere der Schäden auf die Länder verteilt wird, hat Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) am Mittwoch auf der Verkehrsministerkonferenz in Bremen in Aussicht gestellt. Baden-Württembergs Verkehrsministerin Tanja Gönner (CDU) sprach von einem „positiven Signal, wenn rer Turm. wird in Esslingen über einen germeister Matthias Klopfer (SPD) lobte ge- der Bund Nun zusätzliche Mittel bereitstellen Rückbau Minaretts diskutiert. Wann es genüber unserer Zeitung die „gute Integrati- will“. Die des Arbeiten sollen alsbald beginnen. auf bezweifelte der Baustelle im Herzen der GesamtNeckaronsarbeit“ des Vereins. Sie jedoch, dass die stadt anvon der100 vielbefahrenen Bahnstrecke Allerdings sorgen viele Moscheebauten summe Millionen Euro für ganz Stuttgart–Ulm weitergeht, ist offen. für Konfliktstoff. Besonders strittig ist der- Deutschland ausreichen werde. In Stuttgart sucht mansprach ein repräsentatizeit der Rohbau des vom türkischen Staat Der Auto-Club Europa von einem ves Gebetshaus mit Kuppeln undDer Minarett unterstützten Vereins Diyanet in Esslingen. „Tropfen auf den heißen Stein“. ACE bisher vergebens. islamischen ReligiDem Verein fehlt nicht nur das Geld, um rechnet allein für Die das 25 kommunale Straßenonsvereine haben Gebetsräume, die sich den Bau zu vollenden. Er hat sich zudem netz in Baden-Württemberg mit Schäden meist den Hinterhöfen vonund ehemaligen nicht an den mit der Stadt ausgehandelten von 250inMillionen Euro. KreisLandesGewerbegebäuden befinden. Allein in StuttKompromiss gehalten, wonach das Mina- straßen umfassen den Großteil des Straßengart leben 000 Muslime. rett maximal 25 Meter hoch sein darf. Ge- netzes. Die55 Sondermittel fließen aber nur in baut wurde aber ein um 60 Zentimeter höhe- Autobahnen und 24 Bundesstraßen. ¿ Region Seite ¿ Landesnachrichten Seite 6 dische Klinik in Markgröningen und die Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim. Die Befragung brachte aber auch Defizite zutage – vor allem im Bereich Unterbringung. Für diesen Bereich seien die Träger der Kliniken verantwortlich, sagte Baden-Württembergs Gesundheitsministerin Monika Stolz (CDU) am Mittwoch unserer Zeitung: „Deshalb ist es auch in ihrer Verantwortung, hier noch besser zu werden.“ Nach der am Dienstag bekanntgewordenen Milliardenlücke im Gesundheitsfonds forderten Arbeitgeber und Gewerkschaften Strukturreformen. „Es darf nicht sein, dass sich die Politik massiv in Vertragsverhandlungen der Krankenkassen mit Ärzten und Krankenhäusern einmischt“, sagt Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt. Er forderte „mehr Wettbewerb und Vertragsfreiheit für die Akteure im Gesundheitswesen“. ¿ Tagesthema ¿ Landesnachrichten Seite 8

Berlusconi drohen Prozesse

Fernsehen ist was 9430 Euro Rente für Leichtgläubige für Ex-Ministerin

ROM (dpa). Das italienische Verfassungsgericht hat die Immunität des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi vor Strafverfolgung aufgehoben. Die Verfassungsrichter erklärten am Mittwoch in Rom ein umstrittenes Gesetz für nicht verfassungskonform. Nun droht dem Medienmogul, der seit Monaten wegen angeblicher Frauengeschichten im Regierungspalast Schlagzeilen macht, die Wiederaufnahme mehrerer Verfahren. Mit dem Gesetz hatte Berlusconi 2008 die juristische Unantastbarkeit für die vier höchsten Staatsämter gesichert, darunter auch für den Regierungschef, also sich selbst. Das Urteil kam nach zweitägigen Beratungen nicht unerwartet. Medien hatten über mögliche Neuwahlen spekuliert. ¿ Seite 2 ¿ Seite 4

Dieser Text ist in HDTV geschrieben. Die neue Technik sorgt für gestochen scharfe  Buchstaben und glasklare Analysen. Ist das nicht großartig! Wie bitte? Sie merken nichts davon? Schade. In den Niederlanden hat der Trick funktioniert. Dort hat man 60 Menschen vor einen stinknormalen Fernseher gesetzt, ein paar von ihnen aber eingeredet, sie bekämen jetzt Bilder von allerhöchster Qualität zu sehen. Und genau so empfanden die das dann auch. Womit bewiesen wäre: Fernsehen ist was für Leichtgläubige. (rai)

Zetsche im Kreuzfeuer der Aktionäre

Überaltert Von Gregor Preiss

Patienten schätzen Behandlung und Versorgung – nicht aber die Unterbringung

Bruce Willis unterfordert

Zehn Millionen zum Stopfen der Schlaglöcher

In der Region gibt es immer mehr Moscheen

Fondsmanager werfen dem Daimler-Chef eine unzureichende Zukunftsstrategie vor und zweifeln an der Kooperation mit Renault Schorndorf gilt als Vorbild in Sachen Integration – Islamverein baut zu hohes Minarett und sorgt damit für Ärger in Esslingen

STUTTGART. In Deutschland und auch in der Region Stuttgart gibt es immer mehr Moscheen. Allein in Baden-Württemberg stehen derzeit nach Angaben der Diözese Rottenburg-Stuttgart 38 Bauwerke mit Minarett und Kuppeldach. Die meisten davon – rund ein Dutzend – sind in der Region Stuttgart zu finden. Bundesweit hat die Zahl der Moscheen 2009 im Vergleich zum Vorjahr um 44 auf 260 zugenommen.

Vergebens hat sich der Autobauer Daimler in Berlin bemüht, das Krisenjahr 2009 abzuhaken – auf der Hauptversammlung zeigten sich die Aktionäre aber unzufrieden mit den Fortschritten. Zudem gab es Kritik von Beschäftigten im Stuttgarter Motorenwerk. Von Petra Otte

Landesnachrichten 5 – 6

STUTTGART (rai/gs/her). Ein Prozess gegen den Vater des Amokläufers von Winnenden

Der Islamexperte Hansjörg Schmid von der Diözese Rottenburg-Stuttgart ist der Meinung, dass islamische Gotteshäuser die Muslime und ihre Nachbarn enger zusammenbringen. In der Region Stuttgart ist dies besonders gut in Schorndorf gelungen. Die dortige islamische Gemeinde ist offen und kooperativ. Zudem gilt die Moschee als architektonisches Schmuckstück, das Transparenz symbolisiert. Islamexperte Schmid sagte unserer Zeitung: „Das Gebäude zeigt den Geist, der von der Moscheegemeinde gelebt wird.“ Auch der Sprecher von Oberbür-

Unverkennbar Zetsche: Die Silhouette des Daimler-Chefs vor einer Projektion auf der Hauptversammlung in Berlin

Nicolaus Schafhausen zählt zu den international bekanntesten Ausstellungsmachern. Am Dienstag war der 45-Jährige in der Veranstaltungsreihe „Über Kunst“ unserer Zeitung.

Notfallplan gebremst. Griechenlands Premier Georgios Papandreou rief die Spitzenrunde in Brüssel zum Handeln auf. „Es ist eine europäische Herausforderung, die Eurozone und die Eurowährung zu stärken“, sagte Papandreou. Er machte aber auch klar, dass Griechenland ohne Hilfen auskommen wolle. Griechenland hat Schulden von gut 300 Milliarden Euro und ein Staatsdefizit, das fast viermal höher ist als erlaubt. Die Regierung muss in den kommenden Wochen mehrere Staatsanleihen platzieren. Gelingt dies ¿17 · Kulturmagazin nicht, ist das Land pleite. ¿ Leitartikel Seite 2 ¿ Seite 4

BRÜSSEL/BERLIN. Griechenland hat endlich eine feste Hilfszusage im Fall der Staatspleite. Beim EU-Gipfel in Brüssel präsentierten Bundeskanzlerin Angela Merkel

Von Ulrich Hanselmann und Juliane Baumgarten

Drei 11˚ ¿3 · Die SeiteNachts

Soll das Gesetz überarbeitet werden? www.stuttgarter-nachrichten.de/meinung

runde, zu einer Einigung zu kommen. Diplomaten zufolge versuchten EU-Ratspräsident Herman van Rompuy sowie der spanische EU-Ratsvorsitz, ein Sondertreffen der 16 Euroländer zu organisieren. Dieses könne am Abend nach dem regulären Gipfeltreffen stattfinden. In ihrer Regierungserklärung sagte Merkel vor dem Bundestag: „Es geht nicht um konkrete Hilfen, sondern um eine Spezifizierung und Fortschreibung der Entscheidungen vom 11. Februar.“ Damals hatte ein Sondergipfel der EU eine Rettungsaktion für Griechenland ins Auge gefasst, um die Finanzmärkte zu beruhigen. Seitdem aber hat Berlin mit Blick auf einen konkreten

Von Gregor Preiss und Hilmar Pfister

Luftig und verspielt: Joop · Junge Nachrichten ¿26 zeigt seine „Wunderkinder“

Ihre Meinung bitte!

(CDU) und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy einen Plan, der im äußersten Notfall freiwillige Milliarden-Hilfen einzelner Euroländer und des Internationalen Währungsfonds (IWF) vorsieht. Der Vorschlag wurde am späten Donnerstagabend im Kreis der Eurozonen-Staaten beraten und gebilligt. Vor Beginn des zweitägigen Spitzentreffens sandte Merkel in Berlin ein starkes Signal für diesen Notfallplan: Der IWF sowie einzelne Euroländer springen ein, wenn Griechenland am Kapitalmarkt keine neuen Kredite mehr bekommt. Dass auch die Kreditwürdigkeit Portugals herabgestuft ist, sorgte für zusätzlichen Druck auf die Gipfel-

Die EU-Partner fordern bei der Griechenland-Hilfe mehr Mut von Angela Merkel. Doch die Kanzlerin will offensichtlich verhindern, dass die deutschen Steuerzahler allzu heftig für das von der Pleite bedrohte Land einstehen müssen.

Die großen Krankenhäuser im Südwesten schneiden laut einer Patientenbefragung gut ab. Neun von 21 untersuchten Kliniken in der Region Stuttgart erhalten ein Qualitätssiegel.

¿9 · Panorama

¿ Tagesthema ¿ Landesnachrichten Seite 6

Staats- und Regierungschefs der Eurozone sichern Athen bei Staatspleite Kredite des IWF und der EU-Länder zu

Von George Stavrakis

¿22 · S-Presso Mittags 16˚

sammen. Aber nicht nur Kinder musizieren: Wir verraten, welche Instrumente die Mitglieder des Landeskabinetts spielen. Foto: fotolia

Merkel hilft Griechenland – im Notfall Von Knut Pries, Detlef fechtner und Norbert Wallet

¿24 · Freizeit ¿18 · Neu in den Kinos Auf der Suche nach der versteinerten Zeit

neuen Schuljahr an lernen Kindergartenkinder, wie sie mit einfachen Instrumenten und der eigenen Stimme umgehen können. Im kommenden Schuljahr arbeiten 1000 Kindergartengruppen mit den Musikschulen zu-

BERLIN. „Wir haben uns nicht darauf beschränkt, in der Krise den Kopf über Wasser zu halten“, sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche vor rund 5000 Aktionären in Berlin. „Wir haben strategisch weiter unsere Hausaufgaben gemacht.“ Als Beispiele führte er unter anderem die Reduzierung des Schadstoffausstoßes sowie eine Vorreiterrolle bei der Elektromobilität an. Aktionärsschützer und Fondsmanager warfen dem Autobauer dagegen vor, noch immer nicht die Technologieführerschaft

zurückerobert zu haben. „Daimler fährt in zahlreichen Feldern der Konkurrenz hinterher“, sagte Ingo Speich, Fondsmanager bei Union Investment. Kritisiert wurde insbesondere eine unzureichende Zukunftsstrategie. Verbesserungen beim CO2-Ausstoß und die Kooperation mit Renault-Nissan genügen aus Sicht der Aktionäre nicht. Im Stuttgarter Motorenwerk forderten Arbeitnehmervertreter derweil Zusagen des Managements, dass die Kooperation mit Renault keine Arbeitsplätze in Deutschland kostet. Eine Zusage lehnt Daimler allerdings ab. Für das laufende Jahr bekräftigte Zetsche die Prognose, nach dem Milliardenverlust 2010 ein Ergebnis vor Zinsen und Steu-

Ihre Meinung bitte! Haben die Kritiker recht? Ist Zetsche schuld an der Daimler-Krise? www.stuttgarter-nachrichten.de/meinung

Foto: AP

ern von mehr als 2,3 Milliarden Euro zu erwirtschaften. Allein in den ersten drei Monaten haben die Stuttgarter fast 30 Prozent mehr Pkw verkauft als im Vorjahreszeitraum, vor allem in China sind Daimler gefragt. Wegen des anziehenden Geschäfts ist die Kurzarbeit in den deutschen Pkw-Werken des Autobauers so gut wie beendet. Vorstand, Führungskräfte und Daimler-Mitarbeiter bekommen wie vereinbart von Juli an wieder ihr volles Gehalt. Dass Zetsche trotzdem im Krisenjahr 2009 einen höheren Bonus erhalten hat, sorgte für Kritik: „Das ist mehr als ein Kunstfehler“, schimpfte Aktionärsschützer Lars Labryga und mahnte mehr Transparenz bei der Vergütung an. Auf Beifall stieß die Ankündigung Zetsches, das Engagement im Iran zurückzufahren. Der Stuttgarter Konzern will sich von einer dortigen Beteiligung trennen und bis auf weiteres keine zivilen Trucks mehr an die Islamische Republik liefern. ¿ Tagesthema ¿ Wirtschaft Seite 9

Tagesthema

Zetsche rackert Bei Daimler stehen Antworten auf wichtige Zukunftsfragen noch aus Von Klaus Köster Dieter Zetsche legt die Messlatte hoch: Nach dem heftigen Einbruch im vergangenen Jahr will der Daimler-Chef den Konzern nun wieder in bessere Zeiten führen. Aus den roten Zahlen soll wieder ein Milliardengewinn werden, die · Sportsoll Marke ¿29Mercedes mehr abwerfen als bisher angekündigt, bei der Umweltverträglichkeit greift er nach der Technologieführerschaft, auf den Weltmärkten will er Marktanteile zurückerobern. Dieter Zetsche rackert sich ab, um den Konzern zu stabilisieren. Und doch haben seine ehrgeizigen Ankündigungen auch eine Kehrseite: Sie sind zugleich ein Eingeständnis, dass er in seinen bisher vier Amtsjahren vieles noch nicht erreicht hat.

WM-Chance für Hans-Jörg Butt

Flughafen will Westerweiterung

Häschen-Freund liebt’s monogam

Neue Spitze der Oper Stuttgart steht

STUTTGART (jos). Die Flughafengesellschaft in Stuttgart will bis Jahresende die Genehmigung für die Erweiterung des Landesflughafens im Westen bei Echterdingen beantragen. Obwohl die Passagierzahlen 2009 wegen der Wirtschaftskrise so stark wie nie zuvor einbrachen, gingen die Vorbereitungen für die Erweiterung des Vorfelds unvermindert weiter. Selbst im Moment gebe es zu wenig Abstellplätze für Flugzeuge, damit man in der morgendlichen Spitzenzeit die Kapazität der einzigen Piste mit maximal 64 Starts in zwei Stunden ausnutzen könne, erklärten die Flughafen-Direktoren am Mittwoch. Sie rechnen aber damit, dass 2010 wieder mehr Passagiere kommen. 2009 waren es insgesamt 8,94 Millionen – zehn Prozent weniger als 2008. Dennoch machte das Unternehmen 17,6 Millionen Euro Gewinn. ¿ Stuttgart und Region Seite 19

84 (in Worten: vierundachtzig) Jahre hat es gedauert, bis „Playboy“-Gründer Hugh Hefner zu der Einsicht kam, dass auch er nur  für ein Weib geschaffen sei. Bis vor kurzem noch hatte sich „Hef“ mit sieben Damen umgeben. Nun aber ist er es leid, stets einen ganzen Harem glücklich machen zu müssen, sagte er der „New York Post“. Er lebe bloß noch mit einer Freundin zusammen, dem 23 Jahre alten Model Crystal Harris. Da stellt sich die Frage: Wenn Hefner 100 wird, geht Frau Harris stramm auf die 40 zu. Was macht der Häschen-Freund mit so einer alten Frau? Hefners Hang zur Monogamie ist so neu nicht: Vor Jahren hat er sich ein Grab neben dem von Marilyn Monroe geFoto: kauft. (hör)

STUTTGART (ben). Das neue Führungsquartett der Stuttgarter Staatsoper von der Saison 2011/2012 an ist komplett. Als  Nachfolger von Manfred Honeck wird der Untätigkeit kann man Zetsche gewiss Franzose Sylvain Cambreling (61), bisher nicht vorwerfen. Hätte er Chrysler nicht Chefdirigent des SWR-Sinfonieorchesters in letzter Sekunde verkauft, wäre es um Baden-Baden und Freiburg, 2012 neuer den Konzern heute schlimm bestellt. Er Generalmusikdirektor und damit musikalibesorgte Kapital in Milliardenhöhe, inscher Leiter der Staatsoper. Dies teilte der dem er den Einstieg von Abu Dhabi als designierte Intendant der Staatsoper StuttGroßinvestor vorbereitete. Zusammen gart, Jossi Wieler, am Mittwoch mit. Neben mit dem Chemiekonzern Evonik baut er Cambreling werden Sergio Morabito als eine Fabrik für Batterien, die in ElektroChefdramaturg und Eva Kleinitz als Opernautos eingesetzt werden; mit dem chinesidirektorin zu Wielers Führungsteam schen Hersteller BYD ist eine Zusammengehören. Baden-Württembergs Kunstminisarbeit bei Elektroautos geplant. Die jahmaroden Hypo Real Estate ter Peter Frankenberg (CDU) zeigte sich am Ex-Chef relangder schwelende Korruptionsaffäre, Mittwoch „hocherfreut“ über Cambrelings will die er Millionen von seinemEuro Vorgänger Jürgen 3,5 vom Staat Berufung. Auf einer Sonderseite stellen wir Schrempp geerbt hat, legte er geräuschdie künftige Stuttgarter Opernspitze vor. los bei, und durch die neue Kooperation MÜNCHEN (dpa). Der Ex-Chef maroden mit Renault versucht er, dendes Konzern im ¿ Kultur Seite 16 Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate wachsenden Segment der kleineren Fahr(HRE), Funke, streitet eineinhalb zeugeGeorg wettbewerbsfähiger zu machen. Jahre seinem Rauswurf vorsteht Gericht Das nach ist alles wichtig. Trotzdem umDaimler sein Millionengehalt. Heute willdieder in vielem schlechter da als 55-Jährige gegen die Kündigung klagen Konkurrenz. Dass die Aktionäre dies und rund 3,5kritisierten, Millionen Euro Gehalt nachfordeutlich ist durchaus verdern. Sollte er gewinnen, müssten die Steuständlich. erzahler für die Millionenrechnung aufkommen, Jahrelang da die HRE inzwischen vollständig hat sich der Konzern mit dem gehört. derStaat letztlich gescheiterten Übernahme Dass Funke selbst beiebenfalls dem Gerichtstervon Chrysler und den gescheiStaatsanwaltschaft Stuttgart wegen übler min erscheint, gilt als unwahrscheinlich. In terten Kooperationen mit Mitsubishi und Nachrede und Verleumdung gestellt. sogenannten Urkundsprozess werden Hyundai abgemüht. Unter Konzernchef Parallel dazu kam es gestern im Landtag dem weder JürgenZeugen Schremppnoch habenSachverständige allein die Aktiozu einem Eklat. SPD-Fraktionschef Claus sondern nurEuro derverloren; Arbeitsvertrag näre 50 Milliarden der Schmiedel verglich die Schweiz mit einem gehört, geprüft. Eine vorläufige Entscheidung Konzern hat außer viel Geld auch Zeit ist „Schurkenstaat“, weil sie Steuersünder unim Anschluss möglich. verloren. Das ist ein wichtiger Grund dater dem Vorwand des Bankgeheimnisses de- direkt Im um dieseine HRE Technologiefühspielte Funke im für,Drama dass Daimler cke. Der Schweizer Generalkonsul in Stutt2008eingebüßt die Hauptrolle: Unter seiner rerschaft hat. Es spricht für gart, Hans Dürig, sagte unserer Zeitung, die Herbst war dieerBank kollabiert und Zetsche, dass diese fast zurückerobern will Wortwahl Schmiedels sei „inakzeptabel Führung mit von mehr Milliar– doch erHilfen verkündet damitals ein100 Ziel, das und bedauerlich“. In Anspielung auf eine musste gerettetKraft werden. Dass erreichen ausgerecherEuro aus eigener gar nicht Äußerung des früheren Bundesfinanzminis- den er nun um Millionen streitenauch will,die sorgte Denn längst investiert ters Peer Steinbrück sagte der Generalkon- netkann. anderem Milliarden bei Aktionärsschützern Konkurrenz in klimascho- für sul: „Die Schweiz ist abgestürzt vom India- unter Fassungslosigkeit. Funkes Arbeitsvertrag nende Antriebe. Kühne Ankündigungen ner zum Schurken. Eine Steigerung ist nicht läuft bis zumwird September sindeigentlich das eine – noch entscheidend aber mehr möglich.“ 2013. vereinbartes Festgehalt sein,Sein ob esdarin ihm gelingt, diese einzulösen. ¿ Landesnachrichten Seite 5 beträgt laut Geschäftsbericht 800 000 Euro pro Jahr – das Geld will er bis zum Ende der Laufzeit haben. ¿ Tagesthema

Tote in Athen bei Protesten gegen das Sparpaket

Pleitemanager klagt auf Millionengehalt

Merkel fordert Konsequenz aus Griechenland-Krise: Schuldensünder sollen Stimmrecht verlieren Regierungserklärung der Kanzlerin: Sie sieht Europa am Scheideweg. Bei der Abstimmung über die Milliarden für Athen morgen im Bundestag könnte es mehr Neinstimmen geben als erwartet.

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m m m FDP-Prominenz stellt Strafanzeige

Den kommenden Samstag haben Verlage zumPkt. Gratis-Comic-Tag Bei 1,3603 Dollar 6278,40 3008,03 Pkt. erklärt. Fachhändlern Hefte Im + 19,79 Pkt. kostenlos. + 0,15 Cent + 47,57 Pkt. gibt’s Interview spricht Panini-Verlagsleiter Max Müller über diese Werbeaktion sowie über neue und alte Helden.

¿22 · Wetter

Kinos ¿18 · Neu in den Mittags 12˚ Nachts 5˚ Wechselnd bewölkt mit örtlichem Nieselregen

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„Iron Man 2“ mit schwachem Auftakt Eine Stunde lang glaubt man, dass sich Robert Downey jr. in „Iron Man 2“ im falschen Film bewegt, dann nimmt das Abenteuer um den stählernen Helden doch noch Fahrt auf.

¿16 · Kultur Wieler/Morabito inszenieren „Dieses Stück ist so reich, so vielschichtig“, sagt der Regisseur Jossi Wieler im Interview über Leos Janáceks Oper „Katja Kabanova“. Premiere an der Stuttgarter Staatsoper ist an diesem Sonntag.

¿28 · Junge Nachrichten Über die Kunst, sich selbst zu verkaufen

Von TimRülke Braune,und TakisDöring Tsafos wehren sich gegen Verdacht des Steuerbetrugs – Eklat um Rolle der Schweiz Goll, und Steffen Rometsch Von Frank Krause will mich jemand verleumden“, sagte Rülke ATHEN/BERLIN/STUTTGART. Bei einem und Jan Sellner im Zentrum der grie- am Mittwoch unserer Zeitung und reagierte Brandanschlag damit auf Informationen des Magazins „Fochischen Hauptstadt Athen sindKauf gestern STUTTGART. Der Streit um den von cus“, dem von einem Informanten eine Dadrei Bankangestellteausums gekomSteuersünderdaten der Leben Schweiz eska- ten-CD angeboten worden war. men. Angaben derFDP-Politiker Polizei starben– sie, Nach Recherchen unserer Zeitung soll es liert. Nach Mehrere führende daals ihreJustizminister Bank von vermummten Randalierunter Ulrich Goll und Land- sich um denselben Informanten handeln, rern angezündet wurde. Allein in Athen de- der seine Datensätze bereits dem Finanzmitagsfraktionschef Hans-Ulrich Rülke – wehmonstrierten Zehntausende. Hunderte Auto- nisterium in Stuttgart angeboten hatte. Auf ren sich gegen den Verdacht, verdeckte nome und wütende versuchBankkonten in derDemonstranten Schweiz zu besitzen und Drängen der FDP hatte Ministerpräsident ten, das hinterzogen Parlamentsgebäude zu Angeblich stürmen. Stefan Mappus (CDU) entschieden, dass BaSteuern zu haben. Die Tränengas ein.Bank Julius den-Württemberg keine Daten kauft. soll Polizei Rülke setzte bei der Schweizer Heute will das Parlament in Athen über Bär ein Konto in Höhe von 600 000 Franken Rülke, Goll und Ex-Landeschef Walter Dödas Sparpaket das70 Bedingung besitzen, Goll abstimmen, wiederum soll 000 Euro ring, dessen Name angeblich auch auf der ist die Thurgauer Milliardenhilfen InternationaCD steht und der fast 500 000 Euro in der beifür einer Bank des angelegt haben. len„Ich Währungsfonds der Euro-Länder. hatte nochundniemals auf einem Schweiz angelegt haben soll, haben inzwiIn einer Konto Regierungserklärung forderte schen Strafanzeige gegen unbekannt bei der Schweizer ein Gelddepot. Offenbar Bundeskanzlerin Angela Merkel radikale Konsequenzen aus der Krise. Europa stehe am Scheideweg. Notorische Schuldensünder sollten zeitweise ihr Stimmrecht verlieren oder keine EU-Hilfen mehr bekommen. Die SPD wird dem Gesetz für den deutschen Anteil von 22,4 Milliarden Euro am Hilfspaket morgen im Bundestag dem Vernehmen nach nicht zustimmen. Union und FDP gehen aber davon aus, dass sie das Gesetz und eine Zusatzerklärung zur Reform des Euro-Paktes trotz Gegenstimmen im eigenen Lager alleine durchsetzen werden. Wenn das Gesetz zur Milliardenhilfe morgen den Bundestag passiert, will eine Gruppe von Professoren Klage beim Bundesverfassungsgericht einreichen. „Wir werden um 12 Uhr die Klage abgeben“, sagte der Staatsrechtler Karl Albrecht Schachtschneider. Er hatte 1998 bereits gegen die Einführung des Euro geklagt. Griechische Hoteliers fürchten, dass die Krise negative Folgen für den Tourismus haben könnte. Europas größter Last-MinuteReiseanbieter spürt derzeit aber noch keinen Griechenland-Verdruss. „Wir verzeichnen etwa 30 Prozent mehr Buchungen als im

Tagesthema

Verantwortungslos Die Millionenklage des Münchner Pleitebankers Funke ist unbegreiflich Von Klaus Köster 100 Milliarden Euro sind selbst für einen Staat mit 80 Millionen Einwohnern viel Geld. Um das Geld aufzubringen, muss der Staat jedem Bürger vom Säugling bis zum Greis rechnerisch 1250 Euro abknöpfen. Die 100 Milliarden Euro musste

Front pages with many variants. There is not only a standard layout, the title page is always adapted to suit the current news situation. A vertical or horizontal-format solo picture often makes a big eyecatcher. This is achieved by extreme closeups or an unusual choice of motif. Positioning of the title in the picture, as in the case of the title page about Mercedes boss Zetsche, tends to be seldom used. To the left and right of the head there are always little teasers or references to supplements. This signals that there is a large number of topics to be found in the paper. On the left there is always a teaser strip drawing attention to interesting topics inside. In different local editions local content is placed here.


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Die Seite Drei

Nummer 229 • Montag, 5. Oktober 2009

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Das ewige Talent will durchstarten Sigmar Gabriel soll die SPD aus dem Tief führen – Parteilinker Scheer kritisiert das undurchsichtige Krisenmanagement der Genossen Die SPD wechselt ihre komplette Führung aus – der bisherige Bundesumweltminister Sigmar Gabriel soll heute als Parteichef nominiert werden. In Demut will er die SPD führen, nicht im Alleingang. Seine Gegner beruhigt das nicht.

BERLIN. Als der Brief im Willy-BrandtHaus eingeht, ist der alte Parteichef noch nicht raus, geschweige denn sein Nachfolger eingezogen. Noch bevor also die Namensschilder von Franz Müntefering auf Sigmar Gabriel auf den Fluren umgeschrieben sind, fordert dieser Briefeschreiber volle Aufmerksamkeit: Hermann Scheer, erklärter Linker und Mitglied des Parteivorstands – jenes Gremiums also, das der Basis an diesem Montag Sigmar Gabriel als neuen SPDChef empfehlen will. Er lässt kein gutes Haar am Krisenmanagement seiner Genossen: zu schnell und zu heimlich. Nicht schon wieder: Nicht schon wieder der, sollen die einen in der Parteizentrale aufgestöhnt haben, die ihre Hoffnung auf Gabriel setzen und darauf, dass der ewige Nörgler Scheer den Neuanfang nun bitte nicht wieder bekrittelt. Nicht schon wieder die, sollen die anderen geschimpft haben, die sich übergangen und überrumpelt fühlen davon. So wie Beck aus dem Amt gemobbt worden sei und der Wahlverlierer Steinmeier sich am Wahlsonntag binnen Minuten selbst zum Fraktionsführer ernannten, so krumm sei nun die Tour, durch die Gabriel aufsteige. „Es ist doch immer dasselbe“, schnauft Hermann Scheer ins Telefon, „wir stecken in der größten Krise unserer Geschichte, und Parteivorstand und Parteibasis sollen wieder nur abnicken, was ein sich selbst nominierendes Gremium namens SPD-Spitze ausgeklügelt hat. Denen fehlt für ihre Entscheidung jede Legitimation.“ Parteivorständler Scheer fühlt sich jedenfalls nicht in der Pflicht, „anonym getroffenen Absprachen“ zur Neuordnung der Parteiführung nachzukommen. „Wie käme ich dazu?“

sich auf der richtigen Spur, ausgestattet mit dem notwendigen Instinkt und programmatischen Rüstzeug, um ein ganz Großer zu werden in der Sozialdemokratie. „Immer dann schieden sich an ihm aber die Geister, weil er bei allem Ehrgeiz auf manche egoistisch und wankelmütig wirkte“, erzählt Peter Struck, der Gabriel gut kennt. „Immer dann aber zog er sich erst beleidigt zurück und brachte sich selbst mit einem neuen eigenen Konzept, mit neuen eigenen Ideen wieder ins Spiel.“ Wie zuletzt im Bundestagswahlkampf. Als Bundesumweltminister, zu den ihn Müntefering 2005 machte, beherrschte Gabriel über Wochen die Schlagzeilen mit einem profunden und scharfen Anti-Atomkraft-Kurs, prangerte als amtierender Bundesumweltminister die Pannen im AKW Krümmel an und das als untauglich verdächtige Atommüllendlager Asse. Was kompliziert ist, was Laien nicht durchschauen, machte er einfach.

Die SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering seit 2008

Von Claudia Lepping Berliner Redaktion

Frank-Walter Steinmeier (kommissarisch)

Kurt Beck (Rücktritt)

2006–2008 Matthias Platzeck (Rücktritt)

2005–2006

Seine Mutter war alleinerziehend, arbeitete hart und vor allem dafür, dass Sigmar seine wenigen Chancen nutzen konnte

Franz Müntefering 2004–2005

Gerhard Schröder (zunächst kommissarisch)

1999–2004 Oskar Lafontaine (Rücktritt)

1995–1999 Rudolf Scharping 1993–1995

Johannes Rau (kommissarisch)

1993–1993 Björn Engholm (Rücktritt)

1991–1993

Jetzt, mit 50 Jahren, begreift Sigmar Gabriel, dass es tatsächlich ernst wird

Die Hoffnung der Genossen: Der bisherige Umweltminister und neue Parteichef sitzt Ende September in der SPD-Parteizentrale in Berlin auf einem Tisch in der Eingangshalle Foto: dpa

Hans-Jochen Vogel 1987–1991

Willy Brandt 1964–1987

Erich Ollenhauer 1952–1963

Kurt Schumacher 1946–1952

dpa / StN / Herrmann

Schon wieder also. Schon wieder keine Ruhe, kein ungetrübter Aufbruch der deutschen Sozialdemokratie Seit an Seit in eine neue Zeit nach dem historisch schlechten Bundestagswahlergebnis von 23 Prozent. „Wir bekommen den zehnten Parteivorsitzenden seit 1993, den fünften seit 2005“, tobt Scheer: „Unsere Probleme aber bleiben. Das ist doch keine Führungsstärke.“ Auch Ottmar Schreiner, Scheers Weggefährte von der Saar, und Schleswig-Holsteins Landeschef Ralf Stegner mahnen die SPD, mehr Demokratie zu wagen – und zwar innerparteilich. Stegner bemüht Brandt ein zweites Mal: Der nämlich sei mit dem seinerzeitigen Fraktionschef Herbert Wehner und Minister Helmut Schmidt auch nicht immer einer Meinung gewesen. „Trotzdem haben sie zusammengearbeitet.“ Schon wieder: Die neue Garde. Nach dem Willen von Präsidium und Vorstand soll Gabriel führen, Andrea Nahles seine Generalsekretärin werden – und Olaf Scholz, Klaus Wowereit, Hannelore Kraft und Manuela Schwesig zu Gabriels Stellvertretern gewählt werden. Letzte Instanz ist der Parteitag Mitte November in Dresden. Was haben die Parteilinken gegen Sigmar Gabriel? Werfen sie dem Pragmatiker vor, dass er nicht richtig links und nicht richtig rechts ist? Fürchten die Parteilinken, dass Gabriel diese Parteigrenzen für überwind-

bar erklärt, sie gar aufhebt? Das Zeug dazu hat der Niedersache allemal, frohlocken viele Genossen. Das ewige politische Talent will durchstarten. Jetzt, mit 50 Jahren, begreift er, dass es tatsächlich ernst wird. Er war schon mehrfach auf dem falschen Dampfer, früher, als jüngster Ministerpräsident aller Zeiten (Niedersachsen 1999), als jüngster ExMinisterpräsident aller Zeiten (2003) und als erster Beauftragter für Popkultur („Siggi-Pop“) einer rot-grünen Bundesregierung. Trotz allen Aufs und Abs wähnte er

Bodyguards für den Bankchef am Bosporus Sarrazin nervt die Bundesbank – Präsident Weber legt früheren Berliner SPD-Finanzsenator Konsequenzen nahe Von Andre Stahl ISTANBUL/BERLIN. Bundesbank-Präsident Axel Weber ist eigentlich ein Mann leiser Töne, der sich im Kreis der Weltfinanzexperten wohl fühlt. Der angesehene ÖkonomieProfessor ist eher kein Fall für erhöhten Personenschutz und besondere Sicherheitsvorkehrungen. In Istanbul sah man aber an der Seite von Deutschlands oberstem Notenbanker Bodyguards – Leibwächter. Nicht ohne Grund: Hatte doch Webers neuester Kollege im Bundesbank-Vorstand, Berlins sozialdemokratischer Ex-Finanzsenator Thilo Sarrazin, mit seinen abfälligen Bemerkungen über Ausländer nicht nur bei türkischen Verbänden in Deutschland für Entrüstung gesorgt, sondern auch für Wirbel in der türkischen Presse. Am Bosporus drohten die Wogen besonders hoch zu schlagen. Holte Sarrazin doch ausgerechnet unmittelbar vor dem Jahrestreffen von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank in Istanbul zu seinem neuesten Rundumschlag aus – diesmal gegen Türken, Araber, Unterschichten, Arme und andere Berliner.

Der Empörung und einem Rüffel durch die Bundesbank folgte zwar die schnelle Entschuldigung Sarrazins – wie dies auch nach früheren Entgleisungen der Fall war. Die Bundesbank aber, zu der Sarrazin auf Beschluss der Politik nach strengen Proporzregeln erst im Mai gestoßen ist, kommt nicht aus den für sie ungewohnten Negativschlagzeilen heraus. Weber ist daher sichtlich genervt. Auch in Istanbul – eigentlich sollte es dort um globale Finanzmärkte, die Weltwirtschaft und die künftige Rolle des IWF gehen – kommt der Bundesbank-Chef nicht an Sarrazins umstrittenem Interview in der Zeitschrift „Lettre International“ vorbei. Weber kämpft um den Ruf der Bundesbank, einer über die Landesgrenzen hinaus angesehenen seriösen Institution. Die hatte sich bereits in ungewöhnlich deutlicher Form distanziert von Sarrazins diskriminierenden Äußerungen. In der türkischen Millionen-Metropole wollte Weber daher zunächst nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen. Es gehe nicht um Personen, sondern um die Glaubwürdigkeit der Bundesbank, meinte er zurückhaltend. „Es ist vollkom-

Die diplomatisch verpackte, aber wenig verklausulierte Botschaft: Thilo Sarrazin sollte doch noch einmal in sich gehen. Der Bundesbank-Chef legte dem 64-Jährigen Konsequenzen nahe. Auch wenn in der Bundesbank-Delegation in Istanbul niemand bestätigen wollte, dass „Es ist vollkommen damit ein Rücktritt gemeint war. klargeworden, dass Gemessen aber an den sonst eher Sarrazin sich distanziert hat zurückhaltenden und äußerst behutsamen Formulierungen von von seinen Bemerkungen“ Notenbankern war die Ansage Webers doch ziemlich klar. Axel Weber Mehr machen kann der BunBundesbank-Präsident desbank-Präsident nicht. Weber kann Sarrazin nicht einfach aus Die Entwicklung sei dennoch bedenklich, der Bundesbank schmeißen, der dort für RiSarrazins Verhalten entspreche nicht dem sikocontrolling und Bargeldumlauf zustänKodex der Bundesbank und schade der Re- dig ist. Über die Besetzung der Institutsfühputation, legte er dann schärfer nach. Der rung entscheidet nämlich die Politik, VorVerantwortung müsse sich jeder – „vom ein- stände können nicht mal eben abberufen fachen Bargeldbearbeiter und Chauffeur werden. Die Bundesbank-Spitze kann beim Bunbis hin in die Spitze der Bank“ – bewusst sein. Auf erneutes Nachfragen wurde Weber despräsidenten die Entlassung eines Vordann noch deutlicher: Jeder müsse „mit sich standes beantragen, wenn dieser die Vorausselbst ins Gericht gehen, ob die Beiträge, die setzung für das Amt nicht mehr erfüllt oder bei schwerwiegenden Verfehlungen. er liefert“, der Bundesbank dienen. men klargeworden, dass Dr. Sarrazin sich distanziert hat von seinen Bemerkungen.“ Die Entschuldigung sei notwendig und angemessen gewesen, bemühte sich Weber weiter um Schadenbegrenzung.

Foto: dpa

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Denn der Mann kann reden, kann schreiben – in einer Nacht bei einem guten Rotwein ein stringentes Konzept über die Ausrichtung der SPD – und an guten Tagen mit seiner Schlagfertigkeit begeistern. In diesem fortdauernd glücklosen Wahlkampf der SPD war es Gabriel, der Themen setzte, die Menschen überzeugte und immer dann rhetorisch draufhaute, wenn er den Eindruck hatte, es werde eine Rampensau vom Format eines Gerhard Schröder gebraucht. Schröder. Gabriel. Der jüngere der beiden Niedersachsen ist ohne den alten nicht zu verstehen. Gabriel trifft den Sprachduktus des Ex-Kanzlers präziser, als es dessen dickstem Kompagnon Frank-Walter Steinmeier je unterstellt werden durfte. An schlechten Tagen tritt Gabriel allen auf den Schlips, selbst denen, die sich ihm wohlwollend nähern. „Dann ist der so rotzig, dass er die besten Ideen haben kann, aber niemand mit ihm mehr zu tun haben will“, erinnert sich ein früherer enger Mitarbeiter aus der Hannover’schen Staatskanzlei. An solchen Tagen, vermutet der Vertraute, hadert er damit, sein Ziel noch nicht erreicht zu haben: seinen Aufstieg zu eben einem der ganz Großen. Es sind kleine Verhältnisse, aus denen er kommt. Seine Mutter war alleinerziehend, arbeitete hart und vor allem dafür, dass Sigmar seine wenigen Chancen nutzen konnte. Das prägt ihn, das macht ihn so glaubwürdig wie schon Schröder, Müntefering und Steinmeier, die sich hocharbeiteten und für sich beanspruchen, den klassischen Weg eines Sozialdemokraten genommen zu haben. Es war eine rhetorische parlamentarische Sternstunde, als sich Gabriel mit der damaligen CDU-Bildungsexpertin Annette Schavan stritt. Wenn es nach ihren Vorstellungen und Vorurteilen gegangen wäre, wäre aus ihm nie etwas geworden. Das war seine Botschaft, nur wortreicher und besser formuliert. Gabriel rüttelt nicht am Zaun des Kanzleramts wie sein bewunderter Landsmann Schröder. Aber hinein würde er schon gern. Doch jetzt soll er erst einmal ins WillyBrandt-Haus. Allerdings ohne zu rütteln. Gabriel will sich bitten lassen, gewählt werden. Er traut sich den Job zu, wenngleich er lieber Fraktionschef geworden wäre – mit Steinmeier als SPD-Chef zur Seite. Im Parlament agitieren kann Gabriel dennoch, schließlich gewann er seinen Wahlkreis mit fast 45 Prozent. Wenn er das gut macht und die nach links gerückte Fraktion beeindruckt, fällt deren nächster Brief ins Willy-Brandt-Haus vermutlich freundlicher aus. Schon wieder.

Hintergrund

Entlassung von Vorständen ¡ Die Bundesregierung schlägt Kandidaten für das Amt des Bundesbank-Präsidenten, des Vizepräsidenten sowie eines weiteren Vorstandsmitglieds vor. Die Vorschläge für die übrigen drei Mitglieder kommen vom Bundesrat im Einvernehmen mit der Regierung. Ernannt werden alle Vorstandsmitglieder vom Bundespräsidenten. Ihre Verträge haben in der Regel eine Laufzeit von acht, mindestens aber von fünf Jahren. Thilo Sarrazins Amtszeit endet 2014. ¡ Bundesbank-Vorstandsmitglieder können nur vom Bundespräsidenten entlassen werden. Den Antrag dazu muss der Bundesbank-Vorstand stellen. Allerdings gelten dafür strikte Regeln: Einerseits können Vorstände entlassen werden, wenn die Voraussetzungen für die Ausübung ihres Amtes nicht mehr erfüllt sind. Der zweite Grund sind „schwere Verfehlungen“. ¡ Daneben können Vorstandsmitglieder auch zurücktreten. Dies ist erst zweimal geschehen: vor fünf Jahren bei BundesbankPräsident Ernst Welteke nach einer Affäre um Reise- und Hoteleinladungen. Karl Otto Pöhl hatte 1991 im Streit über die deutsch-deutsche Währungsunion sein Amt aufgegeben. (rtr)


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Die Seite Drei

W e d e E gen üme von unghans cken

Beide Volksparteien leiden unter den Verschleißerscheinungen der Großen Koalition. Mancher SPD-Wähler geht gar nicht mehr wählen. Bei uns wandern unzufriedene Wähler zur FDP ab. In Baden-Württemberg bekommen wir das besonders zu spüren, weil die Mittelschicht hier ausgeprägter ist als in jedem anderen Land. Erfreulich ist, dass demokratische und nicht radikale Parteien von der Unzufriedenheit profitieren.

Das heißt, Sie verlieren überproportional stark, weil Sie den Kontakt zur Mittelschicht verloren haben?

Nein, dem ist nicht so. Aber in der Mittelschicht macht sich die Unzufriedenheit über die Kompromisse der Großen Koalition stärker bemerkbar. Wir müssen jetzt dringend aufzeigen, dass die Kompromisse, die in Berlin geschlossen werden, nicht Unionspolitik pur sind. Und was die FDP betrifft: Eine Partei, die im Bund seit elf Jahren nicht mehr regiert, muss wohl erst wieder Regierungsverantwortung übernehmen, um entzaubert zu werden. Auf das Thema Einlösung von Steuersenkungsversprechen freue ich mich jedenfalls schon heute.

Sie sehen also keine landespolitischen Gründe für das schlechtere Abschneiden Ihrer Partei?

Keine Wahl lässt sich nur in eine Schublade einordnen. Aber der Zuwachs der FDP bei uns hat sehr viel mit dem Bund und sehr wenig mit dem Land zu tun – bei allem Respekt vor der Landespolitik.

Wie können Sie die enttäuschte Mittelschicht bis zur Bundestagswahl zurückgewinnen?

Indem wir deutlich machen, dass noch mehr Staat sowohl fiskalisch wie politisch nicht unsere Linie ist. Eigenverantwortung steht im Vordergrund. Anders als bei der Europawahl geht es bei der Bundestagswahl aber auch um den grundsätzlichen Stellenwert der Volksparteien. Nur Volksparteien lösen Probleme der Gesellschaft in ihren eigenen Reihen und schaffen damit einen Ausgleich zwischen verschiedenen Interessen. Den Trend zu Klientelparteien sehe ich mit Sorge.

¡ 1861 gründet Erhard Junghans mit seinem Schwager die Firma, die zunächst Teile für die Uhrenproduktion fertigt. 1866 kommen die ersten Uhren unter der Marke Junghans. ¡ 1903 ist Junghans – Markenzeichen ist ein achtstrahliger Stern – der größte Uhrenhersteller der Welt und produziert über drei Millionen Uhren im Jahr. ¡ Die Firma, die zeitweise auch Wecker und Tisch

Sie halten ein Plädoyer für eine starke SPD?

Die SPD als Volkspartei ist in unserer Demokratie ein Wert an sich. Ich bin nicht glücklich darüber, dass die SPD in Baden-Württemberg mit 18 Prozent bei der Europawahl einen brutalen tiefen Wert erleben musste. Eine SPD, die immer weiter runtergeht, ist nicht im Interesse unseres Landes.

Zersplittert die Parteienlandschaft?

Ich will’s nicht hoffen. In Heidelberg sitzen künftig zehn Fraktionen im Gemeinderat. Das ist die Individualisierung der Gesellschaft. Da muss man den Bürgern schon die Frage stellen, ob sie sich einen Gefallen tun, wenn sie eine Partei mit ganz engem Profil wählen. Die Kompromissbildung und die Handlungsfähigkeit werden dadurch enorm erschwert.

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Bei der letzten Bundestagswahl hat die CDU in Baden-Württemberg einen Stimmenanteil von 39,2 Prozent erreicht. Halten Sie es für realistisch, dass das am 27. September wieder gelingt?

Ich traue der CDU/CSU im Bund 40 Prozent zu und der CDU in Baden-Württemberg bei den Zweitstimmen noch etwas mehr.

Ist ein schwarz-grünes Bündnis heute nicht schon genauso ein bürgerliches Bündnis wie ein schwarz-gelbes?

Die Grünen weisen in sich mehr Widersprüche auf als die meisten Parteien. Viele Mitglieder sind noch immer stark linksorientiert. Auch bei der Bundestagswahl treten die Grünen mit Jürgen Trittin und Renate Künast ausgesprochen links an. Ich sehe unsere Aufgabe darin, das CDU-FDP-Regierungsmodell nach Berlin zu exportieren. Mit Blick auf Bundestag und Bundesrat ist der Erfolg und die Fortführung einer CDUFDP-Regierung mehr denn je gefragt.

Ausgerechnet die Landeshaupstadt Stuttgart wird als die Großstadt in die deutsche Geschichte eingehen, in der es den Grünen bei Kommunalwahlen erstmals gelungen ist, stärkste Kraft zu werden. Wie sehr schmerzt das den CDU-Landeschef?

Ich gratuliere den Grünen zu einem geschickten Wahlkampf. Sie haben sich wie Segelflieger nach oben gehievt – mit Hilfe der Thermik und ohne Energieverbrauch. Als CDU-Landesvorsitzender fühle ich mich für das Ergebnis der Stuttgarter CDU mitverantwortlich. Es tut weh.

Was sind die Gründe für den Erfolg der Stuttgarter Grünen?

Zur Person

Die Grünen haben bei der Europawahl in vielen Großstädten gut abgeschnitten. Aber es gibt natürlich auch lokale Gründe. Die Wähler erinnern sich an den internen Streit in der Stuttgarter CDU – ähnlich wie in Mannheim oder Karlsruhe. Und dann das Thema Stuttgart 21. Mir zeigt das Ergebnis: Wer in diesem Land Großprojekte durchsetzen will, muss auf Zeit Einbußen akzeptieren. Schauen Sie nach Leinfelden-Echterdingen. Die Stadt wirbt heute stolz für die Messe; vor wenigen Jahren waren Gemeinderat und Bevölkerung noch massiv dagegen. So wird es auch bei Stuttgart 21 sein. Ich bin von dem Projekt vollständig überzeugt, und ich werde auf rein sachlichem Niveau den Streit mit gestärkten Grünen darüber führen. Die Grünen machen es sich zu einfach. Sie sagen nicht, was ihr Nein praktisch bedeuten würde. Ginge es nach ihren Vorstellungen, würde die neue Schnellbahntrasse durch Untertürkheim, Obertürkheim, Bad Cannstatt und Esslingen gebaut. Was würden die Bürger wohl dazu sagen, wenn zwei neue Gleisanlagen mitten durch Bad Cannstatt führten? Das würde Fragen bis hin zu Ausgemeindung aufwerfen.

Günther Oettinger ¡ 1953 in Stuttgart geboren. ¡ Von 1983 bis 1989 war der Rechtsanwalt Landeschef der Jungen Union. ¡ Seit 1984 gehört Oettinger dem Landtag an, 14 Jahre lang stand er der CDU-Landtagsfraktion vor. Im Rennen um die Nachfolge von Ministerpräsident Erwin Teufel setzte er sich 2004 durch. ¡ Seit 2005 ist er Ministerpräsident von Baden-Württemberg und Landesvorsitzender der CDU. (StN)

Anträge bei der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) nicht wegen unseres schwäbischen Dialekts abgelehnt, sondern nach bankenwirtschaftlichen Gründen geprüft werden. Was das VW-Gesetz betrifft: Die EU-Kommission wird erneut vor den Europäischen Gerichtshof ziehen, um den strittigen Punkt – 20 Prozent Sperrminorität statt wie im Aktienrecht üblich 25 plus eine Aktie – wegzubekommen. Die Kommission hat die Klage zwar zurückgestellt, aber sie wird kommen. Allerdings wäre es falsch, davon alles abhängig zu machen. Es geht jetzt darum, dass alle Beteiligten konstruktiv arbeiten, die beiden Vorstände, die großen Aktionäre und die beiden Familien Porsche und Piëch.

Die Grünen haben eines geschafft: Wir reden wieder über Stuttgart 21. Kann da noch etwas passieren?

Noch immer sind 40 von 60 Gemeinderäten für das Projekt. Die Vereinbarung steht, die Planfeststellung ist fast fertig, der Bundestag hat die Mittel beschlossen, unsere Rücklagen sind gebildet, die bauvorbereitenden Maßnahmen laufen. Ich finde es nicht verantwortlich, dass die Grünen auch nach dem Wahltag falsche Hoffnungen machen. Einen demokratischen Hebel gegen Stuttgart 21 haben sie nicht.

Viele Menschen können nicht nachvollziehen, dass sich zwei Milliardärsfamilien miteinander streiten, die viele Probleme selbst lösen könnten. Müssten die Familien nicht mehr Geld beisteuern?

Man muss drei Ausgaben strikt unterscheiden. Erstens die Frage integrierter Konzern. Wer macht was und wo? Das zu klären ist zuerst Sache der beiden Vorstände. Zweitens: Operatives Geschäft 2009/10, wo jede Unternehmung auf langjährigen Kreditlinien basiert. Aufgrund der Finanzkrise sind einige Banken völlig ausgefallen. Deshalb erfolgt der Kreditantrag bei der KfW. Und drittens geht es um die Eigenkapitalstärkung bei Porsche. Hier sind die Familien gefragt. Ginge es nur um zwei Männer, könnten sie sich einigen. Aber in kinderreichen Familien der dritten Generation gibt es eben eine große Zahl von Mitgliedern. Ich kann nur sagen: Wolfgang Porsche macht einen unglaublichen Job, indem er seine Familie zusammenhält, und Ferdinand Piëch ist unverändert ein von mir hoch geachteter Mann. Angesichts der familiären Verflechtungen und Stimmenbindungen dürfte es aber nicht so leicht sein, von jetzt auf nachher einen hohen Betrag aufzubringen. Man sollte eines bei alledem nicht vergessen: Vor dem Einstieg bei VW galt Volkswagen als übernahmegefährdet. Durch Porsche kam Ruhe rein. Dass Porsche bei VW die Mehrheit übernommen hat, ist für die Industrieentwicklung Deutschlands gut gewesen.

Warum gelingt es nicht, den Bürgern die Genialität des Projekts zu vermitteln?

Vielleicht weil es erst in zehn Jahren fertig sein wird und der greifbare Nutzen noch nicht sichtbar ist. Politik hat aber die Aufgabe, sich auch über das übernächste Jahrzehnt Sorgen zu machen. Im Kern geht es darum: Wenn die Neubaustrecke Stuttgart–Ulm nicht kommt, führen die großen europäischen Bahnachsen in Zukunft an der Landeshauptstadt vorbei – mit negativen Folgen für die wirtschaftliche Entwicklung. Das zeigt sich nicht sofort; mittel- und langfristig hätte Baden-Württemberg aber einen eklatanten Nachteil. Unsere Enkelkinder würden sagen: Ganz schön dumm entschieden damals. Manche Weichenstellungen lassen sich später nicht mehr korrigieren. Der Verzicht auf die Nordostumfahrung von Stuttgart oder auf den Bau der Autobahn von Leonberg nach Gärtringen sind solche Beispiele. Beides sind grandiose Fehler aus der Vergangenheit.

Boris Palmer, der Grünen-Oberbürgermeister in Tübingen, liebäugelt nun mit einer erneuten OB-Kandidatur in Stuttgart. Beunruhigt Sie das?

Hat Porsche Chancen, den KfW-Kredit zu bekommen?

Wer drei Jahre vorher den Hut von Tübingen neckarabwärts wirft, ist noch nicht ganz erwachsen und schadet sich selbst. Wenn Oberbürgermeister Wolfgang Schuster 2012 nochmals antreten will, wird dies in der CDU auf keine Vorbehalte stoßen.

Das wird der KfW-Lenkungsrat nach fachlichen Grundsätzen beraten. Aber die rein bankenwirschaftliche Betrachtung ist gut. Es handelt sich ja nicht um eine Subvention, sondern um ein Darlehen, das durch Zinsen vergütet und durch VW-Aktien abgesichert wird. Hätte ich Geld, würde ich das Geschäft machen. Da kann nichts schiefgehen.

Porsche – ein Kulturgut für Baden-Württemberg

Welche Rolle kann die Landesregierung bei Porsche noch spielen? Stichwort Landesbürgschaft. Wie wollen Sie den Koalitionspartner, der das ablehnt, mit ins Boot holen?

Themenwechsel. Kommen wir zum PorscheVW-Konflikt. In den vergangenen Monaten hatte man den Eindruck, es gibt einen Ministerpräsidenten, von dem hört man ganz viel und der tut etwas für seine Leute – Christian Wulff in Niedersachsen. Vom anderen aber – nämlich von Ihnen – hört man nichts. Wie sehen Sie sich und wie sehen Sie Wulff in diesem Konzert?

Mit geht es bei diesem zentralen Thema nicht um die Frage der Einschaltquoten und Schlagzeilen, sondern um ein erfolgversprechendes Vorgehen. In Wirtschaftsfragen ist Vertraulichkeit besser als Trommeln auf dem offenen Markt. Beim Thema Porsche/ VW stelle ich fest, dass die öffentlichen Schlagzeilen beiden Unternehmen schaden. Das wird Porsche-Chef Wendelin Wiedeking heute so bestätigen, wenn er an seine Äußerungen aus den letzten zehn Jahren denkt. Ich halte aber auch die Nebengeräusche von VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch bei der Präsentation des VW-Polo in Sardinien für wenig verantwortlich (Piëch hatte dort im Mai öffentlich auf die finanziellen Schwierigkeiten von Porsche hingewiesen, d. Red.). Dass eine derart große Zahl von Journalisten nach Sardinien eingeflogen ist, hatte nichts mit dem neuen Polo zu tun, sondern nur mit der Ankündigung lauter Nebengeräusche. Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück wird Ihnen bestätigen, dass ich mich jeden Tag mit vollem Nachdruck für das Thema Porsche einsetze. Nicht mit Schlagzeilen, sondern mit abgestimmten Strategien. Klar ist, dass die Porsche Holding SE und die Porsche AG bei uns ein wichtiger Arbeitsplatzfaktor und ein Kulturgut sind. Ein Autoland definiert sich über seine Produkte. Nicht jeder in Los Angeles oder in Tokio kennt Baden-Württem-

Ich rate uns allen, sich in diesen schwierigen wirtschaftlichen Prozessen nicht zu früh festzulegen. Ich strebe keine Bürgschaft an, aber ich schließe rechtliche und wirtschaftliche Maßnahmen auch nicht völlig aus. Das wäre falsch und verfrüht.

Stuttgart soll Sitz der Landesbank bleiben Er ist vom Milliardenprojekt Stuttgart 21 „vollständig überzeugt“: Ministerpräsident Günther Oettinger am Mittwoch beim Besuch in unserer Redaktion Foto: Piechowski berg. Oft heißt es dann: „Baden . . . what?“ Wenn Sie den Gesprächspartnern aber sagen, Sie kommen aus dem Land, in dem Daimler und Porsche hergestellt werden, geht allen sofort ein Licht auf.

Mit anderen Worten, das bleibt so mit Porsche . . .

Hier gibt es etwas zu verteidigen, zumal die Auftragsrückgänge bei Porsche in der aktuellen Wirtschaftskrise weit geringer ausfallen als bei all denen, die jenseits der Abwrackprämie im Markt operieren. Deshalb kann ich mir eine Lösung, dass Porsche wie Seat nur eine Einheit von VW ist, nicht vorstellen. Ich kämpfe für eine Entwicklungsperspektive von Porsche. Ein integrierter Konzern ist sehr wohl vorstellbar, aber mir scheint, dass Wolfsburg einmal Meister werden darf, aber ansonsten nicht dauerhaft dominieren sollte.

Belastet der Konflikt das Verhältnis zweier Ministerpräsidenten, die vieles gemeinsam haben und viel Gemeinsamkeit betonen?

Ein langjähriges und gutes Verhältnis bewährt sich gerade dann, wenn es mal eine unterschiedliche Interessenlagen und eine schwierige Phase gibt. Wir haben eine intakte Freundschaft. Sie ist stabil genug, dass sie mal Unstimmigkeiten aushält.

Nach dem Auftritt von Bundeskanzlerin Angela Merkel vor den VW-Arbeitern im September in Wolfsburg („Sie können noch Hochdeutsch dazu, und sonst auch alles!“) sagten Sie, Baden-Württemberg habe bei der Kanzlerin jetzt etwas gut. Nun hat Merkel erneut an der Seite von Wulff das VW-Gesetz verteidigt, das dem Land Niedersachsen eine Sperrminorität garantiert. Muss man sich hier damit abfinden, dass dies so bleibt?

Zunächst habe ich den Eindruck, dass

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Also wird auch nach 2010 der Sitz der Landesbank in Stuttgart sein?

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Landesregierung wettert gegen Brüsseler Bevormundung

Vorreiter London: In der Mautzone, gekennzeichnet mit einem großen C, werden für Autofahrer pro Tag etwa 8,75 Euro fällig, Anwohner zahlen aber deutlich weniger Foto: picture alliance/dpa

„Fünf Millionen Autos weniger im Zentrum, 14,4 Prozent weniger Unfälle, 35 Millionen zusätzlicher Beförderungen im ÖPNV“, vermeldet Mailand stolz für die ersten zwölf Monate. Und London, wo die Congestion Charge (Staugebühr) seit 2003 verlangt wird, hat das mautpflichtige Gebiet sogar um drei weitere Stadtteile ausgedehnt. Die EU schlägt deshalb eine Datenbank vor, aus der sich interessierte Länder und Kommunen bedienen können. Bei der Landesregierung lässt dieser Plan jedoch die Alarmglocken schrillen. „Sprengstoff“ enthalte das Papier, sagte Europaminister Wolfgang Reinhart kürzlich unserer Zeitung, denn Brüssel versuche damit die City-Maut durch die Hintertür einzuführen. Erst seien es Empfehlungen, dann würden daraus Richtlinien, argwöhnt der CDUMann und pocht auf die kommunale Selbstverwaltung: „Wer, wenn nicht die Städte selbst, kann denn am besten beurteilen, was für die jeweilige Kommune und für deren Bürger am besten ist?“ Als Palmer diese Zeilen las, bat er seine Assistentin unverzüglich zum Diktat. „Sehr geehrter Herr Minister Reinhart“, diktierte er und lobte den Minister zunächst für dessen Eintreten für die kommunale Autonomie. Doch warum, so fuhr er fort, halten

teilt, sie sehe angesichts der Nachteile „keinen Handlungsbedarf“, den Kommunen die nötige Rechtsgrundlage zu verschaffen. Wenn dies gewünscht sei, dann könnten dies ja die Länder in eigener Zuständigkeit tun. Doch im Stuttgarter Verkehrsministerium heißt es: „Das ist Sache von Berlin.“ Winfried Hermann, der für die Grünen im Bundestag sitzt, hält das für ein perfides Schwarze-Peter-Spiel. „Die Union will in dieser Sache einfach nichts tun, auch wenn sie damit fortgesetzt gegen geltendes Recht verstößt“, sagt Hermann mit Blick auf die Feinstaub-Richtlinien der EU, die auch in Deutschland gelten. In dem Aufschrei der Landesregierung über den EU-Vorstoß sieht er denn ein reines Ablenkungsmanöver. Und schließlich: Warum solle die EU nicht vermeiden, dass es 20 verschiedene City-Maut-Systeme gibt? Der Tübinger Grünen-Abgeordnete plädiert deshalb ebenfalls dafür, den Kommunen in dieser Sache freie Hand zu lassen. Die Gemeinderäte in Tübingen und andernorts sollten selbst entscheiden, ob sie das Wagnis eingehen wollen. „Tübingen muss ja nicht die erste Stadt sein“, sagt Palmer. Aber reizen würde es ihn schon. Und wie sieht es der Gemeinderat? Gefragt hat er ihn noch nicht. „Aber das wäre eine spannende Debatte. Ausgang ungewiss.“

Info

Diese Städte bitten den Autofahrer zur Kasse Norwegen Oslo

Bergen Stockholm

Durham Großbritannien

Schweden

London Deutschland

Italien

Die norwegische Stadt Bergen hat 1985 als erste eine Maut erhoben. Seither sind ihr mehrere Kommunen gefolgt – aus ganz unterschiedlichen Gründen. ¡ London (bis 8,75 Euro/Tag) will unter anderem die Feinstaubbelastung senken, um die EU-Grenzwerte zu erreichen. Deutsche Städte setzen dabei auf Umweltzonen, in denen ungefilterte Autos nicht fahren dürfen. ¡ Bergen (ca. 3 Euro) will mit dem Geld den Straßenbau in der schwierigen geografi-

Von Markus Grabitz Berliner Redaktion BERLIN. Um 20.30 Uhr hat Heinz genug Geburtstag gefeiert. Der stämmige Mann mit der vergoldeten Nadel in der Krawatte nimmt sich das Gebinde mit der Sonnenblume, packt die anderen Geschenke in eine Plastiktüte und steuert leicht schwankend auf den Kneipenausgang vom „Berliner Wappen“ zu. Er geht vorbei am Foto vom Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker, der vor beigefarbenem Hintergrund an der Plattenbauwand prangt, vorbei am Tresen, wo Rotkäppchensekt im Champagnerkühler auf die restlichen Gäste wartet, dahinter die rote SED-Fahne von irgendeinem Wasserund Abwasserkombinat. Heinz klopft einigen Gästen auf die Schulter, bedankt sich bei den beiden Frauen im blauen FDJHemd, die am laufenden Band DDR-Schlager auflegen, ballt noch mal die rechte Faust zum Arbeitergruß und verlässt das Lokal. Vieles ist am Mittwoch genauso wie früher, als Heinz seinen Geburtstag gefeiert hat. Das Bier ist so spottbillig, dass sich jeder betrinken kann. Es gibt „Ragu feng“, wie der Berliner sagt. Das gab es zu Ostzei-

ten auch dann, wenn’s nichts gab: Hühnchenfleisch mit Käse überbacken und Worcestersauce, auf einem Extra-Tellerchen Zitrone und Toast. Exakt seit dem 7. Oktober 1949, dem fünften Geburtstag von Heinz, ist sein eigener Jubeltag 40 Jahre lang auf den DDR-Nationalfeiertag gefallen. Die DDR ist abgewickelt, aber auch 20 Jahre nach ihrem Untergang tun manche am 7. Oktober so, als gäbe es sie noch. „Ditt is mein Feiertag, auch wenn det allen anderen scheißejaal is“, sagt Siggie. Der 58-Jährige muss sich anstrengen, gegen die Stimme der verstorbenen DDRSchlager-Legende Helga Hahnemann aus dem Lautsprecher anzukommen: „Ich steh’ auf Berlin wie’n Hund auf’n Knochen.“ Jedes Jahr am 7. Oktober trifft sich eine eingeschworene Gemeinschaft im „Berliner Wappen“ in Mitte. Einen Steinwurf entfernt von der ehemaligen Mauer nach Kreuzberg lässt man die alte DDR für einen Abend wieder auferstehen. Noch vor drei Jahren hatten manche, die da feiern, die alten Uniformen herausgeholt. Da standen dann, reichlich angetrunken, ältere Offi-

ziere der Grenztruppen und der Nationalen Volksarmee am Tresen. Selbst Menschen in Uniform der Staatssicherheit wurden bei der Gelegenheit gesichtet. Dass das 7-Oktober-Ritual ausgerechnet im „Berliner Wappen“ so ausgiebig gefeiert

„Trotz alter Brille werde ich als nicht zum Kollektiv zugehörig erkannt“ Markus Grabitz unser Berliner Korrespondent wird, hat stadtgeschichtliche Gründe: In direkter Nachbarschaft gibt es viele Hundert Neubauwohnungen, die zu Mauerzeiten überaus beliebt waren. Weil aber Todesstreifen und Grenzmauer so nah waren, durften nur politisch zuverlässige Mieter einziehen. Drei Organisationen hatten „Belegrecht“: Zoll, Innenministerium und das Ministerium für Staatssicherheit. 20 Jahre nach dem Mauerfall sind etliche neue Mieter im Kiez hinzugekommen, aber die Ex-Funktionärsdichte ist immer noch

hoch. Mit einer charakteristischen Vorliebe für sprachliche Nuancen bestätigt einer, dass in den „Sechs- und Elfgeschossern“ um die Ecke noch immer viele ehemalige Bonzen wohnen: „Hier gibt es viele, die so hohe Renten bekommen, dass sie Steuern darauf zahlen müssen.“ Mit den Nachkommen des ehemaligen Klassenfeindes verbrüdert man sich nicht. Obwohl ich meine alte Brille aufgesetzt habe und kleidungsmäßig als Kiez-Normalo getarnt bin, werde ich beim Betreten des Lokals als nicht zum Kollektiv gehörig identifiziert. Ein muskulöser 35-Jähriger mit kahl geschorenem Schädel, der bestenfalls von Beruf Gerüstbauer ist und schlechtestenfalls ein gewaltbereiter Skinhead, geht auf mich zu, fragt: „Was willst du denn hier?“ Die jungen Männer tragen stolz SweatShirts mit der Aufschrift „Eastie-Boys“ und „Hooli-Wood Ost-Berlin“. So richtig gesprächig werden sie auch nicht, nachdem ich jedem ein Glas Bier spendiert habe. Nur Siggie bemüht sich: Nach einigen Bier und zwei Korn räumt er ein, dass nach der Wende verdächtig viele DDR-Bürger schon immer Regimegegner gewesen sein wollen: „Da wollen so viele im Untergrund

gramm von CSU und CDU präsentiert – und dann geht es in die Sommerferien. Erst im September soll es dann richtig heiß werden. Bis dahin hat – so die Hoffnung – die früh gestartete SPD längst ihr Pulver verbrannt. Dass Merkels Sicht ihrer Partei sehr realistisch ist, zeigt das aktuelle Tauziehen um die Frage, mit wie vielen Steuerversprechen die Union in den Wahlkampf ziehen soll. Die CSU will nicht nur die kalte Progression abschaffen und die Einkommensteuer senken, sondern auch etliche detaillierte Projekte aufnehmen: von der besseren Absetzbarkeit haushaltsnaher Dienstleistungen bis zur Wiedereinführung der Wohnungsbauförderung.

SPD-Chef Müntefering fordert von Merkel Verzicht auf große Steuergeschenke Die CDU-Ministerpräsidenten, gestützt von vielen CDU-Finanzpolitikern, laufen jedoch Sturm gegen eine Politik, die angesichts dramatischer wachsender Schulden leichtfertig neue Entlastungsversprechen macht. Merkel laviert. Sie will die Botschaft senden, dass die Leistungsträger entlastet werden, andererseits aber keine unerfüllbaren Versprechungen machen. Also wird wohl vieles im Programm unter einem „Finanzierungsvorbehalt“ stehen, letztlich also nicht mehr als ein Katalog von Wünschbarem sein. Die SPD hat die Gefahr erkannt und will Merkel mit aller Macht in den politischen Ring ziehen. „Klipp und klar“ müsse die Kanzlerin große Steuergeschenke nach der Wahl ausschließen, sagte Parteichef Franz Müntefering am Montag. Das Kalkül ist erkennbar. Beharrt Merkel auf Entlastungen, kann das Gespenst neuer „Sozialkürzungen“ an die Wand gemalt werden. Die Sozialdemokraten wollen den Wahlkampf wie eine Oppositionspartei führen: aggressiv,

laut, zuspitzend. Einen ersten Vorgeschmack geben die Europawahl-Plakate. „Dumpinglöhne würden CDU wählen“, heißt es da. Oder: „Finanzhaie würden FDP wählen.“ Dass auch im eigenen Wahlprogramm Steuerentlastungen in erheblichem Umfang enthalten sind, ist ein Widerspruch zu den Angriffen auf Merkel, der möglichst unentdeckt bleiben soll. Die Wahlkampf-Planer der Union verlassen sich ganz darauf, dass in Krisenzeiten letztlich nur eine Frage entscheidet: Wem kann ich vertrauen? Es gab schon mindestens zweimal Bundestagswahlen in Zeiten großer Umwälzungen. Die Wahlen 1976 waren die ersten nach dem Schock der Ölkrise – gewählt wurde Amtsinhaber Helmut Schmidt. 1990 wurde nach der Wiedervereinigung gewählt – ein Triumph für Helmut Kohl. Das muss man alles nicht überbewerten, aber die Deutschen wechseln ungern den Kutscher, wenn das Terrain unübersichtlich wird. Zumal in der CDU-Parteizentrale noch mit einem zweiten Sicherheitsnetz gerechnet wird. Sollte die Krise im

Sommer den Arbeitsmarkt mit voller Wucht erfassen, würde nach Einschätzung der Unionsstrategen nicht die SPD, sondern vor allem die Linke profitieren. Tatsächlich macht der Union denn auch nicht die SPD die größten Sorgen. Mehr Unsicherheit gibt es in der Frage, wie man mit der FDP umgehen soll – immerhin der Wunschpartner für eine neue Regierung. Die Liberalen werden die Union mit Forderungen nach einer einschneidenden Steuerreform treiben. Wie soll die Union reagieren? Das Wasser abgraben, sagt die CSU und wird nicht müde, im Wettlauf mit den Blau-Gelben eine Versprechung an die nächste zu reihen. Das aber ist nicht seriös, und Seriosität ist doch gerade das Plus, mit dem Angela Merkel punkten will. Tatsächlich wird eine Hauptkunst im CDU-Wahlkampf darin bestehen, die Bayern einzubremsen. Merkel jedenfalls warnt intern dringend davor, den Liberalen nachzulaufen. Mancher CDU-Ministerpräsident erinnert sich noch an eine Kaminrunde mit Merkel im Jahre 2006. „Ich gehe nie mehr in

Hintergrund

Wahlkampf – eine rituelle Inszenierung In den Wahlen zum Bundestag entscheiden die über 62 Millionen Wahlberechtigten in Deutschland darüber, wer sie in den nächsten vier Jahren regiert. Diese wichtige politische Richtungsentscheidung ist hart umkämpft. ¡ Wahlkampf ist verdichtete politische Kommunikation: Eigentlich besteht vor der Wahl für die Parteien die Gelegenheit, die Lage zu analysieren und ihre Pläne für die Zukunft zu präsentieren. In der Realität sind die Wahlberechtigten immer professionelleren Werbekampagnen ausgesetzt, die konkrete Inhalte vermeiden und die Probleme oft verschleiern. Gleichzeitig werden auch

die Wähler für die Parteien immer unberechenbarer: Parteibindungen lassen nach, Vertrauen zu Spitzenkandidaten überwiegt politische Programme. ¡ Wahlkampf ist eine rituelle Inszenierung, in der der sichtbare Teil der Politik zur Dauerwerbesendung gerät. Doch Wahlkampf hat auch eine symbolische Funktion und dient damit der Stabilität des Systems. ¡ Das Fernsehen verlangt Sympathieträger und Identifikationsfiguren, die Politik liefert sie. Moderner Wahlkampf bedient sich der Erkenntnisse und Methoden der Medien-, Markt- und Meinungsforschung. (StN)

die FDP-Falle“, hat sie damals gesagt. Gemeint ist der Wahlkampf 2005, als sich eine von Friedrich Merz angestachelte Union als Volksausgabe der Freien Demokraten präsentierte. Ruhe bewahren ist deshalb Merkels Weisung im Umgang mit der FDP. Ihre Stimmen blieben schließlich im bürgerlichen Lager.

Die CSU wird nicht müde, eine Versprechung nach der anderen zu machen Da ist Merkel sicher: Sie glaubt Guido Westerwelles Zusage, nicht in ein Dreierbündnis mit SPD und Grünen einzusteigen. Dessen Argument ist einleuchtend: Die nächste Regierung, argumentiert der FDPChef, werde unpopuläre Entscheidungen zu treffen haben. Scheitert sie rasch, hätte die FDP alle Glaubwürdigkeit verspielt, während SPD und Grüne noch immer die intakte rot-rot-grüne Machtoption in Händen hielten. Lieber gingen die Liberalen in die Opposition gegen eine Große Koalition. Da spekuliert Westerwelle mit Neuwahlen und weiteren Zugewinnen. Er kann also gar nicht verlieren – glaubt Westerwelle. Eine weitere Unwägbarkeit treibt Merkel um: Falls im Sommer in den schwarzen Stammländern Hessen, Baden-Württemberg und Bayern reihenweise Jobs wegbrechen, könnte das viele traditionelle Wähler in die Enthaltung treiben. Um die zu mobilisieren, wird noch ein Thema gebraucht. Im Parteiarchiv findet sich übrigens noch ein anderes Wahlplakat aus alter Zeit, das Merkels Aufmerksamkeit finden könnte. 1969 hieß der heute wieder aktuelle Slogan „Auf den Kanzler kommt es an“. Der Text stand neben dem Konterfei von Kurt Georg Kiesinger. Der verlor die Kanzlerschaft am Wahlabend an Willy Brandt. Als Interimskanzlerin einer Großen Koalition? Nein, so wie Kiesinger will Merkel nicht enden.

Trost und Hilfe für die Hinterbliebenen BERLIN. Es ist bereits der 32. Soldat, der in diesem Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr gefallen ist. Doch von jetzt an ist alles anders. „Dieser junge Hauptgefreite ist der erste Deutsche, der in einem direkten Feuergefecht gefallen ist“, sagt Oberstleutnant Ulrich Kirsch. Und der Vorsitzende des Bundeswehrverbands glaubt zu wissen, was er dem 21-Jährigen vor allem schuldig ist: den Rückhalt der Bevölkerung in diesem so schlecht beleumundeten Kampfeinsatz. Doch wer hilft den Hinterbliebenen? An diesem Donnerstag soll der junge Soldat, der am vergangenen Mittwoch bei dem Feuergefecht nahe Kunduz getötet wurde, zu Hause in Bad Saulgau beerdigt werden; er ist Angehöriger des deutsch-französischen Jägerbataillons in Donaueschingen und hatte sich für vier Jahre als Zeitsoldat verpflichtet. Verteidigungsminister Franz Josef Jung wird an der Beisetzung teilnehmen. Auch Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan und Kirsch werden dabei sein. „In dieser Situation sei es für die Soldaten und ihre

Familien von besonderer Bedeutung, dass Politik und Öffentlichkeit hinter ihnen stehen“, sagt Kirsch. Mit der Übermittlung der Todesnachricht werden die Angehörigen des Hauptgefreiten durch Experten der Bundeswehr betreut. „Ich weiß, dass die verantwortlichen militärischen Vorgesetzten alles Erdenkliche dafür tun, um mit der Trauer und dem Leid der Angehörigen sorgsam umzugehen“, sagt Kirsch, der seine Ergriffenheit kaum verbergen kann. „Manchmal kann der Rahmen, in dem die Trauer gestaltet wird, schon sehr weiterhelfen.“ Die Bundeswehr verfügt über eigens ausgebildete Seelsorger und Psychologen, die sich um Angehörige gefallener Soldaten kümmern. Sie helfen den Familien nicht nur psychologisch, sondern auch in den vielen praktischen Dingen, die im persönlichen Lebensumfeld der getöteten Soldaten abgewickelt werden müssen. Die rein finanzielle Versorgung indes ist durch das Einsatzversorgungsgesetz geregelt: Seit dem 1. Dezember 2002 berücksichtigt die Bundeswehr Auslandseinsätze ihrer Soldaten in besonderer Weise: Wird ein

Berufssoldat, ein freiwillig länger dienender Wehrpflichtiger, ein Reservist oder in diesem Fall ein Zeitsoldat getötet oder verwundet, gilt das als Einsatzunfall. Muss er den Auslandseinsatz tatsächlich mit seinem Leben bezahlen, erhalten seine Witwe und etwaige versorgungsberechtigte Kinder 60 000 Euro. Eltern und nicht versorgungsberechtigte Kinder bekommen 20 000 Euro, Großeltern und Enkel 10 000. Als Arbeitsunfall wird anerkannt, wenn ein Berufssoldat im Auslandseinsatz 50 Prozent seiner Erwerbsfähigkeit einbüßt und den Dienst vorzeitig quittieren muss. Da die Soldaten recht jung sind, wenn sie sich zum Auslandseinsatz melden, erhalten sie im Notfall 80 Prozent der Pension aus der Endstufe der übernächsten Besoldungsgruppe: Ein Leutnant der Besoldungsgruppe A 9 bekommt demnach eine Versorgung, die sich an der Besoldungsgruppe 12 orientiert; ein Major (A 13) erhält anteilig die Bezüge der Besoldungsgruppe A 16. Berufssoldaten aus den neuen Ländern, deren Bezüge im Vergleich zu westdeutschen niedriger ausfallen, bekommen eine Versorgung auf West-Niveau; das gilt auch für ihre Hinterbliebenen.

Wer nicht Berufssoldat ist, sondern als Zeitsoldat, freiwillig länger Dienender oder Reservist im Ausland zu Schaden kommt, dem wird eine Ausgleichszahlung zugesprochen. Der Grundbetrag liegt hier bei 15 000 Euro, erhöht sich jedoch für jedes vollendete Dienstjahr vor dem Einsatzunfall um weitere 3000 Euro. Zudem werden einzelne Monate der Soldatenbiografie verrechnet. Beide Leistungen müssen nicht versteuert werden. Soldaten, die im Auslandseinsatz so schwer verwundet werden, dass sie dienstunfähig werden, erhalten eine Beschädigtenversorgung. Sie besteht je nach Schwere der Verletzung aus der Grundrente (118 bis 621 Euro), der Ausgleichsrente (381 bis 621 Euro) und dem Berufsschadenausgleich (42,5 Prozent des Einkommens). Zudem werden von Fall zu Fall Heilbehandlungen und Rehamaßnahmen bezahlt. 32 deutsche Soldaten sind seit Beginn der Afghanistan-Mission Ende Mai 2003 am Hindukusch ums Leben gekommen. Über die Versorgung der Hinterbliebenen gibt es keine Klagen. „Dafür haben wir auch lang genug gestritten“, betont Soldatengewerkschafter Kirsch.

32 Bundeswehrsoldaten sind bisher im Afghanistan-Einsatz gefallen Foto: ddp

Die Seite Drei

schen Lage zwischen Felsen finanzieren. Ausländische Autofahrer bezahlen nichts. ¡ Stockholm (etwa 2 Euro) will vor allem den täglichen Verkehrsstau in den Griff bekommen, die City-Maut heißt dort nicht zufällig Trängselskatt: Gedrängelsteuer. ¡ Mailand (bis 5 Euro) leidet unter den vielen Pendlern aus dem Umland. Wegen der schlechten Luft wurden früher häufig Fahrverbote ausgesprochen. Der „Ecopass“ hat die Situation verbessert. (ari)

gewesen sein, die passten da gar nicht rein.“ Im Westen sei aber auch viel Unsinn über die DDR geschrieben worden, etwa dass die Staatsbürger dazu verdonnert wurden, zu den Jubelfeiern der SED zu gehen. „Dazu konnte mich niemand zwingen. Ich bin da nur hingegangen, wenn ich Lust hatte, und fertig. Meistens hatte ich Lust.“ Diesmal sind bei der Feier keine Uniformen aus DDR-Beständen zu sehen. Einige blondierte Frauen mittleren Alters haben sich aber die blauen Hemden der Parteijugendorganisation übergezogen und alte Blech-Plaketten umgehängt. Gegen 21.30 Uhr posieren sie an diesem Abend zum ersten Mal mit Kussmund links und rechts vom Porträt des ehemaligen Staatsratsvorsitzenden für den Schnappschuss, den die Freundin mit der Handy-Kamera schießt. Fragen sind nicht willkommen. Nach Lebensläufen schon mal gar nicht. Was das Geburtstagskind Heinz denn beruflich so gemacht habe? „Wees ick nich, iss ma ooch ejaal“, meint die Kneipenbekanntschaft. Irgendwann sagt dann der Nachbar am Tresen zu mir: „Du beobachtest einen ja, als wenn du bei der Stasi wärst.“ Spätestens da ist es Zeit zu gehen.

Nummer 142 • Mittwoch, 24. Juni 2009

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Traurige Idylle Der Rems-Murr-Kreis muss eine Vielzahl brutaler Verbrechen innerhalb weniger Monate verkraften Durch etliche Tragödien und brutale Verbrechen wurde der Rems-Murr-Kreis in jüngster Zeit schwer gebeutelt. Kindstötungen, der Amoklauf von Winnenden, alles binnen weniger Wochen. Für die Polizei sind diese brutalen Verbrechen aber auch Zeichen einer allgemeinen Verrohung der Sitten im ganzen Land. Von Dirk Herrmann WAIBLINGEN. Was, um Himmels willen, ist nur mit der Idylle los? Mit der Idylle im kleinen Dorf, mit der heilen Welt in der Provinz, mit der Unschuld auf dem Lande? Mord und Totschlag, kaltblütige Übergriffe, Messerstechereien in der Familie – sind das die aktuellen Szenarien fernab der Großstadt? Lange Zeit galt der Rems-Murr-Kreis als „Musterkreis im Musterländle“, wie ihn der Waiblinger Unternehmer Hans-Peter Stihl einmal bezeichnet hat. Doch seit rund zwei Jahren macht das Gebiet zwischen Fellbach im Westen, Schorndorf im Osten und dem Backnanger Raum im Norden weniger durch Wirtschaftskraft oder Naherholungsverlockungen von sich reden. Stattdessen sind es gnadenlose Gewalttaten, die seit einiger Zeit für überregionale Schlagzeilen sorgen. „Ja, wir müssen eindeutig eine Häufung dieser heftigen Gewaltdelikte verzeichnen“, räumt Thomas Schöllhammer ein. Der Kripo-Leiter der Polizeidirektion Waiblingen erinnert ans Ende der 90er Jahre, als er erstmals für zwei Jahre im RemsMurr-Kreis wirkte. Damals gab es nur eine einzige Ermittlungsgruppe wegen eines Tötungsdelikts. In den vergangenen zweieinhalb Jahren mussten jedoch gleich sechs Sonderkommissionen gebildet werden. Da gab es die tödlichen Fußtritte gegen den Kopf eines 37-Jährigen auf einer Backnanger Parkbank, ausgeführt von einem 16-Jährigen. Es gab die „gnadenlose Selbstjustiz“ (so urteilte später das Landgericht) auf einem Parkplatz an der Remstal-Bundesstraße 29, als ein Italiener einen Landsmann mit einer Pumpgun erschoss. Es gab den sogenannten Betonmord an Yvan Schneider in Kernen-Rommelshausen, bei der die

Der Rems-Murr-Kreis Bologna

Unser Hauptstadt-Korrespondent feiert mit einigen Unverbesserlichen Geburtstag im „Berliner Wappen“ – den 60. der untergegangenen DDR

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BERLIN. Auf der Suche nach einem angemessenen Motto für den heißen Wahlherbst können sich die CDU-Strategen lange Sitzungen sparen. Ein Griff ins Archiv würde genügen. 1957 führte Konrad Adenauer seine Partei mit der schlichten Formel „Keine Experimente“ in den Wahlkampf. In den Kinos lief damals ein Zeichentrickfilm, in dem mit düsteren Ahnungen vor einem Machtwechsel gewarnt wurde. Ein Sprecher textete im Hintergrund in holprig-mahnenden Reimen diese Schlusswarnung: „Nur mit dem einen Ziel zu ändern,/was schon Blüten treibt,/steht alles, alles auf dem Spiele/ drum sorgt, dass es beim Alten bleibt!“ Angela Merkel könnte sich mit einer entstaubten Neufassung des Streifens sicher anfreunden. Kurz, friedlich und ziemlich unpolitisch soll der Wahlkampf werden. „Ohne Mätzchen“ solle er verlaufen, hat sie kürzlich den Parteifunktionären eingeschärft. Die CDU-Chefin fürchtet die Vielstimmigkeit in der Union, sie setzt auf sich. In allen Umfragen liegen ihre persönlichen Werte deutlich höher als die ihrer Partei. In Sachen Vertrauen und Kompetenz erreicht sie beneidenswerte Zahlen. Kein Wunder, dass Merkel den politisch-inhaltlichen Teil des Wahlkampfs am liebsten gleich ganz ausfallen lassen würde. Die SPD hat ihr Wahlprogramm längst vorgelegt. Die Union lässt sich Zeit. Sie weiß noch nicht einmal, ob es einen Parteitag geben wird, der Merkel offiziell zur Spitzenkandidatin kürt. Nur so viel steht fest: Am 29. Juni wird das gemeinsame Wahlpro-

Stichwort Mailand

„Du beobachtest einen ja, als ob du bei der Stasi wärst“ W

Von Norbert Wallet Berliner Redaktion

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dpa / StN / Fuchs

STUTTGART. Na also, geht doch. Montagmorgen am Degerlocher Albplatz – und der Verkehr fließt. Ein Mercedes-Fahrer lehnt sich entspannt zurück und lächelt in sich hinein: Kaum zu fassen, dass hier mal eine Stuttgarter Staufalle war. Beiläufig nimmt er zur Kenntnis, wie ein Kästchen an der Windschutzscheibe blinkt: Die elektronische Kasse bucht gerade die City-Maut ab. Einmal zur Innenstadt, bitte. Macht 6,50 Euro. So oder ähnlich stellt sich Boris Palmer die automobile Zukunft Stuttgarts vor. Nein, die Zukunft aller staugeplagten Städte, denn der Tübinger OB denkt gern in größeren Dimensionen. Schon als Landtagsabgeordneter der Grünen hat er für diesen Auto-Obolus geworben, der angeblich drei Fliegen auf einen Streich erwischt: die Luftschadstoffe, den Verkehrsinfarkt und nicht zuletzt die Geldnot der Kommunen. Seit fast drei Jahren sitzt Palmer nun auf dem Tübinger OB-Sessel, und noch immer schwärmt er: „Es sprechen viele gute Gründe für eine City-Maut, Stuttgart wäre geradezu prädestiniert dafür.“ Doch den Beweis darf er nicht antreten. Es fehlt schlicht an einer Rechtsgrundlage, und dafür sind Bund oder Land zuständig. Und weil man in Berlin und Stuttgart nichts davon hält, die Autofahrer zu gängeln, hat sich der 37-Jährige wohl oder übel damit abgefunden. Doch nun spürt er Oberwasser, denn die EU setzt das Thema City-Maut wieder auf die Tagesordnung. Vor wenigen Tagen hat die Kommission einen Aktionsplan beschlossen, der einen grenzüberschreitenden Austausch über die Modelle anregt. Außerhalb Deutschlands sammeln nämlich schon mehrere Städte Erfahrung mit dieser Verkehrslenkung. Und zwar keine schlechten.

Eine zugespitzte Auseinandersetzung um politische Konzepte ist mit der Union nicht zu führen. Vor der Bundestagswahl zeigt sich Kanzlerin und CDUChefin Angela Merkel unentschlossen.

Davon bin ich fest überzeugt.

Bisher verlangt noch keine deutsche Stadt von ihren Bürgern Zufahrtsgebühren, doch Boris Palmer würde es in Tübingen nur zu gern ausprobieren

Von Arnold Rieger

CDU-Vorsitzende setzt auf ihren Vertrauensbonus bei den Bürgern und scheut die politische Auseinandersetzung

Von Claudia Lepping Berliner Redaktion

Zuallererst muss er die Stärken unserer Bank fortführen. Zum Zweiten muss er sehr schnell das Vertrauen aller Beschäftigen erringen. Wir brauchen wieder Stabilität und Sicherheit. Zum Dritten muss er uns in den beiden wichtigen strategischen Fragen Kapitalstärkung und Neuordnung beraten. Wir sind zu sinnvollen Lösungen bereit. Im Gegensatz zu anderen Landesbanken haben wir auch ein Geschäftsmodell, aber der Zeitpunkt für ein Zusammengehen muss stimmen. Ich habe als Datum 2010 vorgeschlagen. Das bedeutet, dass wir uns in einem Jahr sehr konkret entscheiden müssen, wohin der Weg gehen soll. Wenn die derzeitige kritische Phase durchlaufen ist, hat unsere Landesbank das Zeug, in nochmals mehr Verantwortung hineinzuwachsen.

Nummer 233 • Freitag, 9. Oktober 2009

sich dann Bund und Land nicht an diesen Grundsatz? „Deutsche Städte, die eine CityMaut einführen wollen, dürfen das nicht, weil die deutsche Gesetzgebung dafür keine Rechtsgrundlage zur Verfügung stellt“, klagt Palmer und bittet um Abhilfe. Es sind keineswegs nur Umweltargumente, die ihn umtreiben. „In der aktuellen Haushaltskrise, die schlichtweg katastrophal ist, könnten die Städte eine neue Einnahmequelle erschließen“, schlägt er vor. Für den Klimaschutz und gegen Feinstaub, so meint er, erreiche die City-Maut mehr „als Umweltzonen, Radverkehrspläne und ÖPNV-Verbesserungen zusammen“. Worauf baut er diese Euphorie? Verkehrswissenschaftler jedenfalls beurteilen die City-Maut deutlich zurückhaltender. In der zentralen Studie zu diesem Thema („Effiziente Verkehrspolitik für den Straßensektor in Ballungsräumen, Berlin 2007“) werden mehrere Mautmodelle durchgerechnet – unter anderem auch für Stuttgart. Fazit: Angesichts der hohen Kosten für die Mauterhebung rechtfertigt sich die Einführung derzeit nicht. Der Deutsche Städtetag lehnt eine isolierte Erhebung ohnehin ab, weil er eine „unerwünschte Standortkonkurrenz“ befürchtet. Die Bundesregierung hat deshalb im vergangenen Mai der Grünen-Fraktion mitge-

Foto: dpa

Merkels Devise: Wahl ohne Kampf

Für Angehörige der im Ausland gefallenen Bundeswehrsoldaten wird gesorgt – finanziell und psychologisch

Stichwort Landesbank. Was muss der neue LBBW-Chef Hans-Jörg Vetter zuallererst anpacken, wenn er jetzt sein Amt in Stuttgart antritt?

Der City-Maut-Traum City-Maut, das ist für deutsche Stadtväter wie der Leibhaftige. Geld verlangen für das Befahren der Innenstadt? Tübingens OB Boris Palmer fürchtet sich nicht davor. Er verlangt vielmehr endlich grünes Licht für das Experiment.

Alles ist im Bundestagswahlkampf auf sie zugeschnitten: Angela Merkel (hier gesehen durch eine Fernsehkamera beim CDU-Bundesparteitag im Dezember in Stuttgart)

¡ Der Rems-Murr-Kreis gilt als Vorzeigelandkreis in Baden-Württemberg. Er ist benannt nach den Flüssen Rems (im Süden) und Murr (im Norden). Mit einer Fläche von 858 Quadratkilometern und 416 800 Einwohnern, die sich auf 31 Städte und Gemeinden verteilen, gehört er im Bundesvergleich zu den „Großkreisen“. ¡ Zahlreiche Unternehmen von Weltruf wie Stihl in Waiblingen (Motorsägen), Bosch in Waiblingen (Haushaltsgeräte) und Kärcher in Winnenden (Reinigungsgeräte) sind im Kreis beheimatet. ¡ Die reizvolle Landschaft, die Weinberge des Remstals und der Schwäbische Wald mit dem Weltkulturerbe Limes locken Ausflügler aus der Landeshauptstadt und der gesamten Region Stuttgart an. ¡ Die Polizeidirektion Waiblingen hat 640 Beschäftigte, die auf fünf Reviere und zwölf Polizeiposten verteilt sind. (her)

zutage gebe es kaum noch Respekt, auch den Polizeibeamten gegenüber. Vor zehn Jahren hatte noch kein Polizist eine Schutzweste, mittlerweile trage sie jeder Streifenbeamte, aus gutem Grund. „Da geht es ansatzlos nicht nur mit den Fäusten, sondern mit Messern oder mit Totschlägern wie Eisenstangen gegen unsere Leute zur Sache.“ Und das, wo das Personal auch bei der Polizei massiv ausgedünnt wurde. Immer wieder müssen andere Reviere aushelfen, weil die Beamten vor Ort die Situation nicht unter Kontrolle bringen. Gleichzeitig hat der Streifendienst ein Durchschnittsalter von knapp unter 45 Jahren. Da fällt es dem Beamten gelegentlich schon schwer, sich gegen einen 23-jährigen austrainierten Hooligan und dessen Elastizität zu behaupten. Die Vielzahl an schlimmen Verbrechen beschäftigt auch die Lokalpolitiker. Landrat Johannes Fuchs sagt, „alle Verantwortungsträger im Rems-Murr-Kreis beobachten mit großer Sorge die Massierung von Gewaltverbrechen in jüngster Zeit“. Doch schnelle und einfache Erklärungen gebe es nicht. „Zweifelsohne ist jeder Vorfall für sich ein ernstzunehmendes Signal persönlicher Überforderung und menschlicher Verzweiflung.“

18-jährigen Haupttäter die Leiche des jungen Mannes zerstückelten und später im Neckar versenkten. Es gab die brutale stundenlange Todesfolter eines Rentners in Großerlach. Und schließlich natürlich den Amoklauf von Winnenden und Wendlingen, als ein 17-Jähriger insgesamt 15 Menschen und am Ende sich selbst erschoss. Winnenden – ein Ort, der durch dieses Blutbad weltweite Berühmtheit erlangte und für die nächsten Jahrzehnte mit diesem Verbrechen verbunden bleiben wird. Kaum einer der Anwohner in der 28 000-Einwohner-Stadt wie auch aus Leutenbach, woher viele der Opfer kamen, ist nicht direkt oder indirekt davon betroffen – weil Angehörige starben, weil im Freundeskreis Menschen sind, die das Schrecklichste, was man sich vorstellen kann, durchgemacht haben. Die Schüler der Albertville-Realschule sind seit einigen Wochen wieder vereint, sie haben ein Container-Provisorium bezogen, das auf einem Hartplatz in Sichtweite des eigentlichen Schulgebäudes errichtet wurde. Die Stadt, sagt Oberbürgermeister Bernhard Fritz, nähere sich Schritt für Schritt einer gewissen Normalität. Aber so wie vor dem 11. März werde es allenfalls in vielen Jahren wieder sein, wenn überhaupt. Auch die Polizei geriet in Winnenden an Foto: Sigerist

Herr Oettinger, warum hat die CDU in Baden-Württemberg bei der Europawahl überproportional an Stimmen verloren?

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Redaktionsbesuch: Ministerpräsident Günther Oettinger sieht den Erfolg der Grünen kritisch

Von unserer Redaktion

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Nummer 102 • Dienstag, 5. Mai 2009

„Es tut weh“ Die CDU-Verluste bei den Wahlen, die Front gegen Stuttgart 21, der Machtkampf bei VW und Porsche: Ministerpräsident Günther Oettinger ist gefordert und gefragt. Beim Besuch in unserer Redaktion nahm der CDU-Politiker dazu ausführlich Stellung.

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Die Seite Drei

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Nummer 132 • Freitag, 12. Juni 2009

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Auf dem Landkreis scheint derzeit ein gewisser Fluch zu liegen

„Die Ausrufung eines Ausnahmezustands wäre Stimmungsmache und Stigmatisierung“ Johannes Fuchs Landrat des Rems-Murr-Kreises

den Rand dessen, was leistbar ist. Rund 50 Kriminaltechniker untersuchten im Schulgebäude die Spuren, wurden direkt mit den Leichen konfrontiert. „Sie sind am meisten belastet“, sagt Ralf Sing, einer von drei festen Konfliktberatern der Waiblinger Direktion. „Es sind die Bilder, die sie gespeichert haben und die immer wieder auftauchen.“ Was dies bei den Kollegen auslöse, hänge oft von dessen Erfahrung ab. Wer früher vielleicht bei der Autobahn seinen Dienst verrichtet habe, „viel Blut gesehen hat bei verbrannten und zerfetzten Leichen“, komme eher mit solchen Anblicken klar als ein Neuling der Truppe. Manchmal folgt der Zusammenbruch erst nach Wochen. Rund 100 Kollegen haben Sing und seine Berater betreut. Oft reichten ein oder zwei sogenannte Entlastungsgespräche, um sich zu fangen. Wenn nicht, folge die Überweisung an die Spezialisten, an Psychologen und Ärzte. Kripo-Chef Schöllhammer berichtet von einem Kollegen, der direkt am Tatort Spuren sicherte und dann drei Monate außer Dienst und zeitweise in einer Klinik war. Jetzt versucht er stundenweise die Wiedereingliederung. Doch auch harmloser scheinende Fälle sind zu beachten. So wie bei jenem Berufsanfänger, der an der Absperrung zur Schule stand – und mit ansehen musste, wie auf den Bahren „einer nach dem anderen tot herausgetragen wird“. Doch auch nach Winnenden riss die Folge der brutalen Taten im Rems-Murr-Kreis nicht ab. In Schorndorf-Miedelsbach ertränkte im Mai eine Mutter ihren vierjährigen Sohn und die fünfjährige Tochter in der Badewanne. Nur wenige Wochen später, am 1. Juni, stach in Backnang-Strümpfelbach ein Familienvater auf die Ehefrau und die drei Kinder, darunter seine zweijährige Tochter, ein. Grund: die angekündigte Scheidungsabsicht der Gattin. „In der Nacht konnten die Mediziner nicht ausschließen,

Tatort einer der schlimmsten Gewalttaten in jüngerer Zeit: Polizisten stehen am 11. März vor der abgesperrten Albertville-Realschule in Winnenden Foto: ddp dass alle drei Kinder sterben werden“, sagt Schöllhammer. Mittlerweile seien sie aber „über den Berg“. Seine Leute, sagt der Kripo-Chef, „müssen regelmäßig mit dem Tod umgehen“, dies sei eine Grundvoraussetzung für die Einstellung. Doch „problematisch“ werde es, „wenn so viele Kinder unter den Toten sind, das geht auch erfahrenen Kollegen der Spurensicherung, von denen viele Familienväter sind, unter die Haut“. Dass der Ehemann, wie in Backnang, „ausflippt“ und bei ihm „das Hirn aussetzt, das war ein Exzess“ – solche Konflikte habe es „schon immer gegeben“, erklärt Schöllhammer. Doch Peter Hönle, stellvertreten-

der Leiter der Polizeidirektion, sieht gesamtgesellschaftliche Veränderungen in der jüngeren Vergangenheit. „Bis vor zehn Jahren gab es das Phänomen Amoklauf in Deutschland nicht.“ Es gebe eindeutig eine massive Zunahme von Gefühlskälte und sinnloser Gewalt – und zwar in ganz Deutschland. „Das ist wie ein Tabubruch“, sagt er. Mittlerweile sei eine gewisse Gewaltdimension überschritten. „Vor Jahren hätte man das noch ausgeschlossen: Dass man mit dem Stiefel gegen die Geschlechtsteile tritt, den Ellenbogen ins Gesicht rammt, den Kopf gegen den Randstein knallt.“ Früher habe es hier „so was wie eine Beißhemmung gegeben, wie im sportlichen Wettkampf“. Heut-

Auf dem Landkreis „scheint derzeit ein gewisser Fluch zu liegen“, sagt Schöllhammer. Andererseits: Auch jenseits der Kreisgrenzen gab es jüngst schlimme Verbrechen, etwa die Ermordung der Polizistin Michéle Kieswetter in Heilbronn oder das Familiendrama in Eislingen mit vier Toten. Die Ausrufung eines „psychischen Ausnahmezustands“ für den Rems-Murr-Kreis wäre nach Fuchs’ Ansicht jedenfalls „Stimmungsmache und Stigmatisierung, die nicht weiterhelfen“. Allerdings lege die Häufung dieser Delikte in kurzen Zeitspannen offen, dass es zunehmend junge Menschen oder auch Familienangehörige gebe, die mit ihrer Rolle überfordert seien. „Die in einer physischen wie psychischen Sackgasse stecken, an einer Gesellschaft scheitern, die auf Leistung und Erfolg getrimmt ist. Diese Menschen brauchen Hilfe.“ Hier setze auch der Landkreis an, mit seinem Jugendamt etwa, das eine Eltern- und Familienberatung anbiete und Präventionsangebote mache, „die greifen, bevor etwas aus dem Ruder läuft“. Den Rems-Murr-Kreis möchte Fuchs erkennbar vor einer Stigmatisierung bewahren. Er verweist auf die innovativen Mittelständler wie die fortschrittlich geführten diakonischen Einrichtungen zur Betreuung von Menschen mit Behinderungen. Der Kreis biete „allen Menschen Platz zur Verwirklichung ihrer persönlichen Lebensplanung; dies in einem Umfeld mit dynamischer Wirtschaft, attraktiver Freizeitinfrastruktur und intakter Natur“. Schöne, wohl durchaus auch zutreffende Umschreibungen, die zuletzt aber eher selten mit dem Landkreis in Verbindung gebracht wurden. Weitere schlimme Taten, Morde, Überfälle, all das ist natürlich auch an Rems und Murr nicht auszuschließen. „Verbrechen sind nicht auf Großstädte beschränkt. Dass einer keinen Ausweg mehr sieht und zum letzten Mittel greift und sich und seine Familie auslöscht, solche Familientragödien können sich auch im Einfamilienhaus in Endersbach oder Rudersberg ereignen“, sagt Schöllhammer. „Aber wir würden uns wünschen“, seufzt Polizei-Stabschef Hönle, „dass wir nun auch mal eine Weile durchschnaufen und etwas zur Ruhe kommen können.“

Alles, was recht ist: Die Union beharrt auf dem alten Wahlrecht CDU und CSU hoffen nach der nächsten Bundestagswahl auf Überhangmandate für die eigene Mehrheit und zwingen die SPD zu Scheingefechten Von Claudia Lepping Berliner Redaktion BERLIN. Sein Brief ist raus, aber mehr als abzuwarten bleibt Franz Müntefering nicht übrig. Der SPD-Chef hatte höchstselbst zur Feder gegriffen, um einen letzten dringenden Appell an die Vorsitzenden von CDU und CSU, Angela Merkel und Horst Seehofer, zu richten. Die beiden sollen doch bitte schön alles dafür tun, damit die Bundestagswahl am 27. September verfassungsgemäß stattfinden kann. „Es wäre ein schwerer Mangel, wenn wir ungerührt mit diesem verfassungswidrigen Wahlrecht in die Bundestagswahl gingen. Die Gesetzgebung vor der Sommerpause ist möglich“, schreibt Müntefering Doch es sieht nicht danach aus, dass die geltenden Regelungen für die Überhangmandate in der Bundestagsdebatte am 3. Juli abgeschafft und damit die Forderungen des Bundesverfassungsgerichts erfüllt werden. Die Union sträubt sich gegen die Wahlrechtsänderung. Sie lässt es darauf ankommen, bei der Wahl von Überhangmandaten zu profitieren – und die SPD weiß, dass sie dagegen nicht viel ausrichten kann. Sollte sie am Freitag nächster Woche mit Stimmen der Opposition für ein verändertes Wahlrecht votieren, „fühlte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel vermutlich im

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Recht, alle SPD-Minister aus dem Kabinett zu werfen“, sagen einige ihrer Abgeordneten resignierend. Andere Sozialdemokraten hätten es genau darauf nur allzu gern ankommen lassen. „Das hätte ich erleben wollen, dass Merkel am letzten Tag der letzten Sitzungswoche des Parlaments die Große Koalition platzen lässt – und das mit der Begründung, dass die Wahl verfassungswidrig bleiben muss“, sagt einer. Während sich Norbert Röttgen als Parlamentarischer Geschäftsführer der Union zu dem prekären Thema gar nicht äußern möchte, bricht der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, der Jurist Dieter Wiefelspütz, eine letzte Lanze für die Abschaffung der Überhangmandate: „Franz Müntefering hat begriffen, dass sich eine Koalitionsmehrheit – wie auch immer diese aussehen wird – auf verfassungswidrige Überhangmandate stützen könnte.“ Der Berliner Rechtsprofessor Hans Meyer warnt: „Diese Mandate können sowohl zu einem doppelten Stimmengewicht eines Wählers führen als auch zu dem erstaunlichen Phänomen, dass eine Stimme für eine Partei gegen diese wirkt.“ Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe hatte dem Gesetzgeber im Sommer 2008 eine Übergangsregelung bis ins Jahr 2011 eingeräumt, um die sogenannten Überhangmandate abzuschaffen. Damit stellten

die Richter der Politik eine Falle, die nur wenige Parteien als solche erkannt haben: Wenn das Wahlrecht nicht vor dem Herbst reformiert wird und der Wahlsieg am 27. September maßgeblich durch die Vergabe von Überhangmandate entschieden wird, ist die Abstimmung zwar noch immer juristisch unanfechtbar, politisch aber höchst unglaubwürdig. „Dann stehen wir vor einem Legitimationsproblem, das vermutlich schwerer wiegt als das aktuelle verfassungsrechtliche Problem“, meint auch Wiefelspütz: „Die Wähler könnten glauben, dass die Parteien nach dem Recht wählen lassen, das ihnen die größten Vorteile bringt.“ Aktuellen Umfragen folgend, kann es nach der Bundestagswahl zu weiteren Überhangmandaten kommen – vermutlich entfallen mehr auf die Union als auf die SPD. Da zudem mit knappen Ergebnissen zu rechnen ist, will jede Partei vermeiden, dass der politische Gegner durch Überhangmandate bevorteilt wird und an die Macht gelangt. Bereits zweimal wurde der Bundestag vor allem durch die Vergabe der Überhangmandate zusammengesetzt – einmal zugunsten Helmut Kohls (CDU), einmal zugunsten Gerhard Schröders (SPD). Am 3. Juli entscheidet der Bundestag abschließend über einen Gesetzentwurf der

Grünen, wonach Überhangmandate künftig bundesweit verrechnet und von der Zahl der Zweitstimmen-Mandate abgezogen werden. Die Grünen nehmen den Sozialdemokraten die Rolle des Schutzpatrons über das Wahlrecht längst nicht mehr ab. „Die SPD hat lange gezögert“, meint ihr innenpolitische Sprecher Wolfgang Wieland – weil sie

Info

Überhangmandat ¡ Wenn eine Partei mehr Direktkandidatinnen und Direktkandidaten in den Bundestag entsenden kann, als ihr gemäß der Anzahl der Zweitstimmen in einem Bundesland zustehen, vergrößert sich der Bundestag durch diese Überhangmandate. Bei deren Berechnung wird kein Ausgleich zwischen den Ländern vorgenommen. ¡ Im 16. Deutschen Bundestag gibt es zurzeit 14 Überhangmandate, davon bei der SPD neun und bei der CDU/CSU fünf. ¡ Scheidet ein Abgeordneter aus, der durch ein Überhangmandat einen Sitz im Deutschen Bundestag erhalten hat, wird dieses Mandat nicht nachbesetzt. (StN)

insgeheim gehofft habe, selbst mehr Überhangmandate zu erzielen. „Jetzt soll die SPD tun, was ihre von Karlsruhe gegebene Aufgabe ist, und mit uns das Wahlrecht verfassungskonform umgestalten.“ Auf die Frage, ob die Sozialdemokraten für den grünen Gesetzentwurf stimmen werden, antwortet ihr Parlamentarischer Geschäftsführer Thomas Oppermann so: „Wir appellieren an die verfassungspolitische Verantwortung für unsere 60-jährige Demokratie. Darum bitten wir Seehofer und Merkel, bei der Reform des Wahlrechts mitzumachen und nicht fahrlässig zu riskieren, dass eine neue Regierung verfassungswidrig zustande kommt.“ Das aktuelle Wahlrecht berge mit Blick auf die veränderte Parteienlandschaft mit sechs Parteien die große Gefahr, dass immer mehr Überhangmandate entstehen. „Diese können das Wahlergebnis verfälschen, es sogar umdrehen, und damit wäre der Katzenjammer riesengroß.“ Es gehe um Grundsätze, nicht um parteitaktische Spielchen, so Oppermann. Der Antrag der Grünen habe aber noch keine Mehrheit. Franz Müntefering wartet derweil noch auf schriftliche Antworten von Merkel und Seehofer: Es könnten Freibriefe für den SPD-Chef werden – wenn er der Union die Verantwortung für die gescheiterte Wahlrechtsreform zuschieben kann.


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Zeitgeschehen

Nummer 230 • Dienstag, 6. Oktober 2009

Platz sechs fürs deutsche Gesundheitswesen

Gut, besser, Norwegen

Studie vergleicht 33 Länder der EU – Lob für kurze Wartezeiten

Es mag kalt sein und im Winter auch dunkel in Norwegen – dennoch ist die Lebensqualität extrem hoch: Laut UNStudie liegt Norwegen auf Platz 1 jener Länder, die am höchsten entwickelt und damit am lebenswertesten sind.

Obama gegen Dalai Lama US-Präsident Barack Obama will sich nicht mit dem Dalai Lama treffen. In seinen Bemühungen um bessere Beziehungen zu China habe sich Obama entschlossen, vor seinem Besuch in Peking im November einem Treffen mit dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter aus dem Weg zu gehen, berichtete die „Washington Post“ am Montag. Washington sei etwa im Atomstreit mit dem Iran auf die Unterstützung Chinas angewiesen, hieß es zur Begründung. (dpa)

Angeblich neue Terrorzelle in Hamburg entdeckt Von Angelika Bruder HAMBURG/MAINZ. Acht Jahre nach den auch in Hamburg geplanten Terroranschlägen vom 11. September 2001 hat sich in der Hansestadt womöglich erneut eine islamistische Terrorzelle gebildet. Die Sicherheitsbehörden haben nach einem Bericht der ARD-Sendung „Report Mainz“ eine zehnköpfige Gruppe von gewaltbereiten Islamisten im Visier, deren Mitglieder im März in einer konspirativen Aktion zur Terrorausbildung an den Hindukusch gereist sein sollen. Zwei der Islamisten seien inzwischen zurückgekehrt. Die Hamburger Innenbehörde wollte sich auf Anfrage zu dem Inhalt des Berichts nicht konkret äußern, sondern erklärte lediglich, dass es Maßnahmen gebe, „über die wir aber nicht in aller Öffentlichkeit reden, um die Wirksamkeit unserer Maßnahmen nicht zu gefährden“. Insgesamt rund 180 Islamisten aus Deutschland haben nach Informationen des Bundeskriminalamtes inzwischen eine paramilitärische Ausbildung in einem Terrorcamp am Hindukusch absolviert oder planen eine solche Ausbildung. Knapp die Hälfte dieser „Personen mit Deutschlandbezug“, rund 80, sind nach diesen Informationen wieder zurück in der Bundesrepublik, wie ein BKA-Sprecher sagte. Ob und, wenn ja, wie diese Personen von der Polizei überwacht werden, wollte der Sprecher nicht sagen.

Herr Harff, die Mehrheit der Amerikaner zweifeln am erfolgreichen Ausgang des Afghanistan-Krieges. Der Kommandeur der Nato-Truppen, US-General Stanley McChrystal, verlangt bis zu 40 000 weitere Soldaten. Stehen die USA in Afghanistan am Scheideweg? Sicherlich wird es für die US-Regierung immer schwieriger, den eigenen Bürgern Sinn und Zweck des nationalen Krieges mit internationaler Unterstützung zu erklären. Vor-

rangiger Rückzugsraum für El Kaida ist nunmehr Pakistan; die heutigen Taliban sind nicht mehr die Terroristen des 11. September 2001. Am Scheideweg stehen nicht nur die USA, sondern vielmehr insbesondere die Nato-Mitgliedstaaten.

Muss General McChrystal zwangsläufig das Maximale fordern, um mit dem möglichen Kompromiss zurechtzukommen?

Der General trägt in Afghanistan zwei Hüte – als Isaf-Kommandeur mit Truppenteilen von mehr als 40 Nationen und als nationaler Kommandeur der US-Streitkräfte. Durch die Nato ist er dem vernetzten Ansatz (Comprehensive Approach) verpflichtet. Allein mit militärischen Mitteln wird es in Afghanistan keinen erfolgreichen Ausgang geben, keinen Sieg im klassischen Sinne. Es stellt sich letztlich nicht die Frage nach der Kopfzahl von militärischem Personal, sondern die Frage nach umfassenderer ziviler Aufbauleistung mit nichtmilitärischen Helfern und nach einem zügigen Polizeiaufbau mit angemessener Ausrüstung und Bezahlung. Zudem geht es darum, Bestechung zu verhindern – also einen zu hohen Schwund der internationalen finanziellen Unterstützung.

Welche nationalen Interessen verfolgen die USA in Afghanistan?

Nach meiner Meinung beeinflussen drei

Flüssigkeiten die Entscheidungen der Völkergemeinschaft und natürlich auch die der Weltmacht USA: Öl, Wasser und Blut. Ölquellen sollen erschlossen, Öl gefördert und ins Ausland transportiert werden. Wasser ist nötig für die Versorgung der Menschen am Nil, an Euphrat und Tigris und am Jordan. Blut steht für Völkermord und Hungerkatastrophen. Afghanistan ist seit Jahrhun-

Zur Person

Helmutt Harff ¡ 1939 geboren ¡ 1958 geht er zur Bundeswehr und macht als Offizieranwärter eine Ausbildung als Einzelkämpfer und Fallschirmjäger. Studium der Betriebswirtschaft ¡ 1993–1994 kommandiert er Bundeswehreinsätze in Somalia ¡ 1998–1999 Brigadegeneral im Kosovo ¡ Er ist heute Geschäftsführer des Verteidigungsausschusses beim Bundesverband der Deutschen Industrie (StN)

THEMA: Die Ludwigsburger Arena – ein böses Beispiel für Kirchturmpolitik pur

derten geprägt durch seine strategische geografische Lage. Im aktuellen politischen Alltag liegt es zudem zwischen dem nach atomarer Nutzung strebenden Iran und der Atommacht Pakistan. Ein nationales Interesse der USA in dieser Region mag auch die Verhinderung einer weiteren regionalen Destabilisierung sein.

Wie sinnvoll ist ein Dialog mit den Taliban?

Die Hauptsache ist, die Mehrzahl der Menschen in Afghanistan zu gewinnen: für ihre eigene Sache und für ein normales, friedlicheres Zusammenleben. Die Äußerungen des Generals sind die des US-Kommandeurs vor Ort und – leider – nicht die des Nato-Befehlshabers!

Wie fällt Ihr Resümee zum deutschen Beitrag in Afghanistan aus?

Terroristen haben einen langen Atem, während militärisch gegen ihr weltweites Vorgehen nichts zu gewinnen ist. Deutschland steht als Nato-Mitglied in der Bündnispflicht, muss aber auch der eigenen Bevölkerung gerecht werden und ihr den Afghanistan-Einsatz verständlich erläutern. Nur wenn die Bundesregierung weiterhin überzeugt ist, richtig entschieden zu haben und aktuell angemessen zu handeln, ist das deutsche Engagement für Afghanistan berechtigt und dieser Beitrag für übergeordnete Ziele angebracht.

The highest quality of life The quality of life in the various parts of the world was investigated. Norway is at the top and gets the topmost line on the globe. Germany is further back and has been marked in red so that people know where they come in the international stakes.

Nummer 94  Samstag, 24. April 2010

Machtkampf um Porsche

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Nummer 104 · Donnerstag, 7. Mai 2009

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¿23 · Stuttgart und Region

Gesetz gegen Psychoterror hilft den Bedrängten wenig

Landesforschschungspreis für Stuttgarter Professor Joachim Burghartz hat ein Verfahren entwickelt, mit dem ultradünne Chips hergestellt werden können. Dafür erhält er vom Wissenschaftsministerium ein Preisgeld in Höhe von 100 000 Euro.

Täter werden nur selten angeklagt – Anzeigen und Ermittlungsverfahren gehen zurück

Von Jörg Hamann Die Stuttgarter Veranstaltungsgesellschaft hat in dieser Woche eindrucksvolle Zahlen vorgelegt. Die PorscheArena glänzte 2009 mit 104 Events, zur Hälfte aus der Welt des Sports. Von so einer Bilanz kann man in Ludwigsburg nur träumen: Die vergangenen Oktober eröffnete Arena wird die angepeilte Marke von 70 Veranstaltungen pro Jahr trotz der Spiele der Bundesliga-Basketballer weit verfehlen. Ein Vorzeigeprojekt hatte OB Werner Spec (CDU) versprochen, stattdessen droht die Halle zum Sinnbild politischen Versagens auf kommunaler und regionaler Ebene zu werden.

Nachher ist man immer schlauer? Diese Floskel hat oft ihre Berechtigung, in diesem Fall aber nicht. Denn mahnende Worte gab es zuhauf. Unsere Zeitung organisierte kurz vor der Entscheidung des Ludwigsburger Gemeinderats im November 2006 ein Streitgespräch zwischen OB Spec und Stuttgarts Sportbürgermeisterin Susanne Eisenmann. Diese versuchte jenen davon zu überzeugen, dass die Region neben der damals neuen Porsche-Arena keine weitere Multifunktionshalle brauche. Vergeblich. Die Porsche-Arena war ursprünglich für einen Bundesliga-Spielbetrieb vorgesehen. Deshalb hielt Eisenmann den Basketballern weit die Tür auf. Vergeblich. Selbst Christof Eichert, Spec’ Vorgänger als OB, hatte Stuttgart als idealen Ort für eine Bündelung im Spitzensport gewertet. Vergeblich.

General a. D. Helmutt Harff sieht USA und Nato in Afghanistan am Scheideweg – Bundeswehrsoldat erliegt Spätfolgen seiner Verletzung

BERLIN. Ein Bundeswehrsoldat ist an den Spätfolgen eines Selbstmordanschlags der radikalislamischen Taliban in Afghanistan gestorben. Der Fallschirmjäger war am 6. August 2008 bei einem Attentat schwer verletzt worden, so das Verteidigungsministerium am Montag in Berlin. Zwischenzeitlich war der 24-Jährige von der Luftlandebrigade 26 im Saarland außer Lebensgefahr – dann verschlechterte sich sein Zustand wieder. Damit sind bisher 36 Soldaten in Afghanistan ums Leben gekommen, davon 17 bei Anschlägen und Gefechten. Der frühere General Helmut Harff glaubt nicht, dass der Krieg in Afghanistan mit militärischen Mitteln allein noch zu gewinnen ist. Es gebe keinen Sieg im klassischen Sinn, sagte er unserer Zeitung.

Die Denkmalbauer

Die Basketballer spielen nicht mehr um die deutsche Meisterschaft, sie haben die Endrunde verpasst. Das Angebot an Kulturevents war – von der Eröffnung mit der Rockgruppe Scorpions mal abgesehen – nie erstligatauglich und wird es auf absehbare Zeit auch nicht sein. Selbst zweitklassige Darbietungen füllen den Veranstaltungskalender nicht. Und dass sich – wie kalkuliert – noch ein Unternehmen findet, das für eine Million Euro die Namensrechte an der Arena erwirbt, ist Wunschdenken.

„Es gibt keinen Sieg im klassischen Sinn“ Von Claudia Lepping Berliner Redaktion

Stuttgart und die Region Leitartikel

31 von 38 Ludwigsburger Stadträten stimmten für den Bau der schließlich 17 Millionen Euro teuren Halle. Im Gemeinderat warnte die SPD die Basketballer vor den Lockrufen aus Stuttgart, die CDU schwadronierte, man habe „eine mehrstufige Rakete gezündet“. Doch die Rakete hat den erhofften Kurs nie erreicht, viele Veranstaltungen liegen in fernen Galaxien. Ob nicht am Ende der Bürger für ein missglücktes Veranstaltungsmanagement die Zeche zahlen müsse, sorgen sich nun die einst so euphorischen Stadträte. Reichlich spät. Es droht ein Fiasko, das lange absehbar war und deshalb kropfunnötig ist. Der nicht ausgelastete Veranstaltungstempel ist ein Mahnmal dafür, was passiert, wenn Kommunalpolitiker weit übers Ziel hinausschießen. Statt sorgsam mit dem Geld der Steuerzahler umzugehen, wird ins persönliche Prestige und aus falsch verstandenem Lokalpatriotismus in den Wettbewerb mit Nachbarstädten investiert. Kirchturmpolitik pur. Der Wettbewerb um neue Hallen, Bundesliga-Teams und Veranstaltungen wird erbittert innerhalb einer Region ausgetragen, in der doch die Kräfte für den internationalen Wettbewerb gebündelt werden sollten. Es wurden Millionen in eine Halle gebuttert, für die es offenkundig keinen Veranstaltungsmarkt gibt. Wie lange kann und will sich die Region Stuttgart derart fahrlässige Fehlplanungen von Denkmalbauern noch leisten? An wirklich wichtigen Aufgaben herrscht doch wahrlich kein Mangel.

eingeführte Stalking-Paragraf 238 erfordere es nämlich, dass die Lebensgestaltung des Opfers „schwerwiegend beeinträchtigt“ ist. Bloße Belästigungen und Schlafstörungen reichen da nicht aus. Das Opfer muss schon den Wohnsitz oder gar den Arbeitsplatz wechseln müssen, die Telefonnummer ändern, sich nicht mehr allein aus dem Haus trauen: „Solche extremen Fälle können Sie aber an einer Hand abzählen“, sagt Marina Schmitt. Etwa der Fall eines 34-Jährigen, der gleich zwei 44 und 29 Jahre alte Ex-Partnerinnen in Fellbach und Stuttgart in Angst und Schrecken versetzt hatte. Annäherungsverbote und Bewährungsstrafen nach Gerichtverhandlungen beeindruckten ihn nicht. Er machte weiter. Telefonterror und körperliche Angriffe. Der Unbelehrbare wurde zuletzt bei einer Berufungsverhandlung im Landgericht zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt. Die Ausnahme.

Wer seinen Opfern hartnäckig auflauert und nachstellt, muss mit dem neuen Stalking-Gesetz mit härteren Strafen rechnen. Allerdings werden nur fünf Prozent der Täter angeklagt – Opfer und Ermittler sind darüber enttäuscht. Von Wolf-Dieter Obst STUTTGART. Per Handy-Botschaft, per Fax, per E-Mail – der Ex-Lebensgefährte feuert aus allen Rohren: „Ich hoffe, du stirbst einen qualvollen Tod“, heißt es im Anzeigefeld des Mobiltelefons, morgens um drei als SMS piepsend. „Deine Erpressungen haben ab heute ein Ende“, steht auf einem Schreiben, das sich am Arbeitsplatz aus dem Faxgerät schiebt. „Am schlimmsten war, dass nachts plötzlich die Polizei an meiner Wohnungstür klingelte“, sagt eine 35-jährige Stuttgarterin. Der Ex hatte telefonisch angezeigt, dass sie gerade ihr Kind misshandle. Ein klarer Fall von Stalking – eine Straftat des Nachstellens, die seit März 2007 als eigener Tatbestand mit bis zu drei Jahren Haft verfolgt wird. Klarer Fall? Für die Polizei schon – aber von Konsequenz gegen den Täter kann keine Rede sein. „Die Rechtsprechung hat mit dem Begriff der schwerwiegenden Beeinträchtigung hohe Hürden gesetzt“, sagt Marina Schmitt, zuständige Strafverfolgerin bei der Stuttgarter Staatsanwaltschaft. Deshalb liege die Anklagequote mit „etwa fünf Prozent“ wesentlich niedriger als in anderen Fällen.

435 Verfahren in Stuttgart und der Region bedeuten einen Rückgang um 20 Prozent Der Trend bei den Ermittlungsverfahren zeigt inzwischen wieder nach unten. Bei der Stuttgarter Polizei ist die Zahl der Anzeigen wegen Nachstellens im vergangenen Jahr um acht Prozent auf 224 gesunken. Noch deutlicher ist der Rückgang bei der Staatsanwaltschaft: 435 Verfahren mit Fällen aus Stuttgart und der Region gab es 2009. Im Jahr davor waren es noch 554 Verfahren, ein Rückgang um über 20 Prozent also. Opfer haben zivilrechtlich größere Erfolgsaussichten – über das Gewaltschutzgesetz mit einstweiligen Verfügungen, die beim Familiengericht erwirkt werden. Die betroffenen Frauen trösten sich damit, dass derzeit Ruhe herrscht. Und doch bleibt diese Unsicherheit, die Angst vor einem Hinterhalt. Beide Opfer halten still. „Ich will keinen Stress mehr“, sagt die eine. „Ich will jetzt keine schlafenden Hunde wecken“, die andere. Ein befreites Leben nach einer Trennung sieht anders aus.

„Man muss sich mit anderen Tatbeständen behelfen“, gibt die Staatsanwaltschaft zu Allerdings scheinen die Strafverfolger allzu vorsichtig zu agieren. Diesen Eindruck hat der Rechtsanwalt der Betroffenen: „Nicht nur das Opfer, selbst die Polizei fühlt sich nicht richtig ernstgenommen“, sagt der Jurist. Eine auf Stalking spezialisierte Beamtin habe feststellen müssen, dass von ihren acht scheinbar eindeutigen Ermittlungsfällen letztlich kein einziger vom Staatsanwalt angeklagt worden sei. „Alles eingestellt“, so der Anwalt. Die 35-Jährige ist enttäuscht. Allerdings will sie – wie viele Opfer – nur eines: ihre Ruhe. Und deshalb will sie in der Zeitung unbedingt unerkannt bleiben. „Viele erstatten schon deshalb keine Anzeige“, sagt die Betroffene, „weil sie ihren Ex nicht weiter provozieren wollen.“ Eine Lösung ist das freilich nicht: Es bleibt die Angst, was denn als Nächstes kommt. Nachts das Telefon ausstecken ist ein einfaches Gegenmittel. Doch die Angst vor dem Ex-Partner vor der Wohnungstür steigt – und damit die Bereitschaft, den Wohnsitz zu wechseln. Eine 30-Jährige aus dem Norden Stuttgarts wäre schon längst umgezogen – wenn sie eine bezahlbare Wohnung finden würde. „Alles, was da angeboten wird, ist für mich zu teuer“, sagt sie. Ihr Ex-Freund hatte mehrfach an der Haustür geklingelt – und als gelernter Kfz-Mechaniker dann auch mal die Reifen ihres Autos zerstochen. Per Anwaltsschreiben erklärte er zudem, dass er noch persönliche Sachen in ihrer Wohnung habe und sie diese herausgeben solle. „Das war nur ein Vorwand, und ich konnte nicht beweisen, dass ich das alles längst zurückgegeben hatte“, so die 30-Jährige. In den letzten sechs Wochen entwickelte sie eine „regelrechte Paranoia“, schloss alle Türen doppelt ab. Stalking? „Die Staatsanwaltschaft hat mich nur auf den Privatklageweg verwiesen“, sagt sie. Ihr Anwalt stellt fest, dass wegen Sachbeschädigung ermittelt worden sei. „Das Verfahren wurde aber nach Paragraf 170 Absatz 2 eingestellt“ – es fehlten Beweise, dass der ExFreund die Reifen zerstochen hatte. Oberstaatsanwältin Schmitt räumt ein, dass man sich „mit anderen Tatbeständen und Ausweichbestimmungen behelfen“ müsse. Der im März 2007

Kommentar

Papiertiger Von Wolf-Dieter Obst Was hatte sich die Politik gelobt für das neue Gesetz gegen beharrliche Nachstellungen, das im März 2007 in Kraft getreten ist. Endlich sei Stalking, so der neudeutsche Fachbegriff für Psychoterror, ein eigener Straftatbestand, endlich könne die Polizei früher eingreifen, endlich seien Opfer besser geschützt. Drei Jahre später müssen die Betroffenen und die Ermittlungsbehörden ernüchtert feststellen, dass die Praxis anders aussieht. Das ältere Gewaltschutzgesetz, im Zivilrecht verankert, ist noch immer weitaus wirksamer. Dafür hätte es das Anti-Stalking-Gesetz im Strafrecht aber erst gar nicht gebraucht. Hinter vorgehaltener Hand macht die Polizei keinen Hehl aus ihrem Frust. Aufwendige Ermittlungen enden zumeist im Papierkorb. Der Täter muss wirklich Ernst machen, heißt es, erst dann habe man eine Handhabe. Leider ist es dann zu spät. Die Gratwanderung ist schmal: Die Drohungen können nur Bluff sein – oder aber mit tödlichen Schüssen enden, wie im Fall einer 25-jährigen Frau 2007 auf dem Stuttgarter Flughafen, die von ihrem Ex-Mann kaltblütig umgebracht wurde. In dieser Form schreckt das neue Gesetz nicht wirklich ab – es macht Täter eher noch dreister.

¿26 · Stuttgart und Region Deutsches Spielkartenmuseum soll bekannter werden Leinfelden-Echterdingen will intensiver für das Spielkartenmuseum werben. Womöglich muss dafür der Slogan „am schlechtesten untergebrachten Museum Deutschlands“ herhalten.

Die gute Nachricht

Schöner Wohnen für Hunde Wau, das wird ja richtig nobel. Statt in engen, dunklen Zwingern aus den 50er Jahren bringen die Tierschützer im Stuttgarter Tierheim in Botnang ihre Hunde demnächst in hellen, größeren und schalldichteren Boxen unter. Anfang April fiel der Startschuss für den rund 500 000 Euro teuren Umbau des Eingangsbereichs und des Westflügels. Die Kosten trägt zum größten Teil die Magarete-Müller-Bull-Stiftung. Außerdem haben zahlreiche Tierfreunde für eine bessere Unterbringung der Hunde gespendet. „Eine Sanierung des Hundehauses ist dringend nötig, weil wir die Tiere in dem maroden Domizil nicht mehr artgerecht halten können“, sagt Tierheimleiterin Marion Wünn. Weil der gesamte Umbau des Hundedomizils eine Million Euro kostet, muss der zweite Bauabschnitt noch vertagt werden. „Wir hoffen auf Spenden, damit das gesamte Hundehaus rasch umgebaut werden kann“, sagt Wünn. (fu)

„Ossi“-Prozess geht weiter STUTTGART (jbo). Der Prozess um die Ablehnung einer Buchhalterin mit dem Vermerk „Ossi“ geht in die nächste Instanz. „Wir haben die schriftliche Urteilsbegründung geprüft und werden in Berufung gehen“, kündigte am Freitag Wolfgang Nau, der Rechtsanwalt der Klägerin, an. Damit landet der Rechtsstreit vor dem Landesarbeitsgericht. In erster Instanz ist die Klage vergangene Woche vom Stuttgarter Arbeitsgericht zurückgewiesen worden. Die Klägerin, eine gebürtige Ostberlinerin, die seit 22 Jahren im Schwäbischen wohnt, hatte sich im vergangenen Sommer bei einem Stuttgarter Fensterbauer beworben. Zusammen mit der Ablehnung erhielt sie ihren Lebenslauf zurück, auf dem das Wort „Ossi“ zusammen mit einem Minuszeichen vermerkt war. Sie wertet das als Diskriminierung, weil Ostdeutsche eine eigene ethnische Herkunft hätten. Mit einer Verhandlung oder Entscheidung rechnet Nau frühestens im Juli.

StN online

Die Woche in Bildern Sie haben nicht alles mitbekommen, was diese Woche in Stuttgart und der Region passiert ist? Kein Problem, klicken Sie sich einfach durch unseren Wochenrückblick in Bildern.

www.stuttgarter-nachrichten.de/bilder

Takt der inneren Uhr Der moderne Mensch ignoriert den Takt seiner inneren Uhr – auch in unserem Konferenzraum. Mehr dazu im Blog. http://blog.stuttgarter-nachrichten.de/

VW schnappt nach Porsche, die Stuttgarter dürften wohl einen Großteil ihrer Unabhängigkeit einbüßen

VW-Oberaufseher Piëch hat sein Ziel erreicht, Porsche-Chef Wiedeking in die Schranken zu weisen Ferdinand Piëch hat es geschafft. Seit Monaten versucht er, die Macht von Porsche beim Wolfsburger VW-Konzern zu brechen. Nun ist die Übernahme von VW durch Porsche geplatzt. Stattdessen können nun die Wolfsburger bei Porsche ein gewichtiges Wörtchen mitreden. Von Klaus Köster STUTTGART. Nur 15 Zeilen brauchte der Porsche-Konzern gestern Abend, um das Ergebnis einer mehrstündigen Krisensitzung mitzuteilen, die die Familieneigentümer des Stuttgarter Sportwagenherstellers zuvor in Salzburg abgehalten hatten. Die Vorstände der beiden Unternehmen hätten „intensive Gespräche über die Vertiefung der Zusammenarbeit“ geführt, heißt es da. Über deren Vorschläge hätten die Familiengesellschafter „unter Einbeziehung von Kapitalmaßnahmen diskutiert und sich für die Schaffung eines integrierten Automobilkonzerns ausgesprochen“. Und dann der entscheidende Satz: „Unter einer einheitlichen Führungsgesellschaft sollen in der Endstruktur zehn Marken nebeneinander stehen, wobei die Eigenständigkeit aller Marken und damit auch von Porsche gewahrt bleibt.“ Das klingt für Porsche beruhigender, als es in Wirklichkeit ist. Denn „einheitliche Führungsgesellschaft“ heißt nichts anderes, als dass viele Geschäfte von Porsche nun zentral geführt werden – in Wolfsburg und nicht in Zuffenhausen. Die Formulierung von der „Eigenständigkeit der Marken“ bestätigt dies eher noch – denn es ist eben nicht von der unternehmerischen Selbstständigkeit die Rede, auf die Porsche-Chef Wendelin Wiedeking bisher stets so großen Wert gelegt hatte. In den vergangenen Jahren war es Wiedeking, der in Wolfsburg den Ton angab. „Heilige Kühe“, sagte er einmal, werde es bei VW

Redaktion zum Anfassen

Rückendeckung für den OB und seine Mitarbeiter Bürgermeister Murawski bricht Lanze für Gehaltserhöhungen – Fraktionschefs: Eindruck der Ungleichbehandlung vermeiden Von Josef Schunder STUTTGART. Das Ringen um die Gehaltserhöhungen für zwei wichtige Mitarbeiter von OB Wolfgang Schuster (CDU) geht weiter. Am Freitag ließ Verwaltungsbürgermeister Klaus-Peter Murawski (Grüne) eine Erklärung verbreiten, mit der er eine Lanze für die Gehaltserhöhungen bricht, die Schusters Büroleiterin Andrea Klett-Eininger und dem seitherigen OB-Stabsstellenleiter Reinhard Schlossnikel zugutekommen sollen. Noch am Donnerstag hatten allerdings die Fraktionsvorsitzenden Murawski aufgefordert, zu prüfen, ob dieselbe Sorgfalt bei Gehaltserhöhungen und Beförderungen in den vergangenen zwölf Monaten auch bei

den anderen Bediensteten der Stadt angewendet wurde. Murawski reagierte mit seiner Erklärung aber auf die „Presseberichterstattung über Personalvorgänge“. Für die Beförderungen der beiden seien die rechtlichen Voraussetzungen „vollumfänglich gegeben“. Schlossnikel und Klett-Eininger seien vor dem Dienstantritt vom Gemeinderat in Stellen der Besoldungsgruppe B 4 eingewiesen worden. Inzwischen lägen seit längerem auch die laufbahnrechtlichen und persönlichen Voraussetzungen dafür vor, dass sie nach B 4 bezahlt werden, nicht mehr nach B 3. Das würde einer Erhöhung des Grundgehalts um rund 400 Euro brutto von 6810,41 auf 7208,11 Euro entsprechen. Beide Perso-

nen hätten sich „in ihren Aufgabenbereichen hervorragend bewährt“, stellt Murawski fest. Es gebe im Rathaus auch keine Beförderungssperre, weil der Gemeinderat die Mitarbeiter der Stadt noch mehr motivieren und die Arbeit honorieren wolle. Beamtinnen und Beamte würden entsprechend der Stellenbewertung befördert, wenn alle haushalts-, beamten- und laufbahnrechtlichen Voraussetzungen erfüllt seien. Das gelte auch für Schusters Mitarbeiter. Genau an diesem Punkt möchten die Fraktionsvorsitzenden aber noch mehr Klarheit. „Wir möchten den Nachweis, dass die beiden nicht besser und nicht schlechter behandelt werden als die Beschäftigten in anderen Gehalts- und Besoldungsgruppen“, sagte

Werner Wölfle (Grüne). Man wolle wissen, wie in vergleichbaren Fällen in den vergangenen zwölf Monaten verfahren wurde. Wölfle: „Wir wollen den Eindruck verhindern, dass es eine Ungleichbehandlung gäbe.“ Weil man noch Bedenkzeit wollte, war die Zustimmung zu den Gehaltserhöhungen am Mittwoch im Finanzausschuss vertagt worden. Das Thema wird nun frühestens am 5. Mai wieder aufgerufen. Inzwischen sind Schlossnikel und Klett-Eininger vom OB zu Referatsleitern gemacht worden. Die Bezeichnung Stabsstellen sei hier nicht mehr angemessen, sagte Murawski auf Anfrage. Es gehe hier nicht nur um direkte Zuarbeit für den Chef, sondern um eigenständige Aufgaben und Arbeiten wie in kleinen Ämtern.

StN-Redakteur Sven Hahn moderiert in der Gläsernen Redaktion Foto: Petsch Noch bis zu diesem Samstag sind StN-Redakteure zu Gast im Buchhaus Wittwer. Klicken Sie sich durch die Bilder aus der Gläsernen Redaktion.

nicht geben, die gebe es bei Porsche schließlich auch nicht. Und immer wieder soll der scharfzüngige Westfale dem VW-Chef Martin Winterkorn gesagt haben, wo es langzugehen hat. Nun haben sich die Kräfteverhältnisse ins Gegenteil verkehrt. Auch wenn die zerstrittenen Familieneigentümer von Porsche sich noch längst nicht auf alle Einzelheiten festgelegt haben – so viel scheint festzustehen: Wenn künftig einer dem anderen ins Lenkrad greift, dann ist es Winterkorn. Und nicht mehr Wiedeking, der sich nur noch auf die vage Zusage einer eigenständigen Markenführung verlassen kann. Doch wo endet die Markenführung, wo beginnen die unternehmerischen Entscheidungen? Das ist wohl auch eine Frage der Machtverhältnisse im VW-Konzern, die sich gestern Abend umgedreht haben. Dass es überhaupt zu dieser Auseinandersetzung kam, liegt nicht zuletzt am einflussreichen Porsche-Großaktionär Ferdinand Piëch. Dieser hat immer wieder gegen Wiedeking gestichelt und sogar dessen Ablösung betrieben. Rational ist dies nicht zu erklären. Der Porsche-Chef hat den Konzern vor der Pleite bewahrt und zum profitabels-

Wiedeking räumte so gut in Wolfsburg auf, dass Ferdinand Piëch es kaum noch mit ansehen konnte ten Autohersteller der Welt gemacht. Die Milliardengewinne machten auch Piëch reich. Doch Geld langweilt Piëch, sagt einer, der ihn gut kennt. Piëch denkt in größeren Dimensionen. „Mein Wunsch war es immer, einmal eine Firma zu führen, die größer ist als die meines Großvaters“, sagte er einmal. Sein Großvater, das ist der geniale Konstrukteur Ferdinand Porsche, der im Jahr 1930 ein Ingenieurbüro gegründet hatte, aus dem später Porsche wurde. Schon damals

gab es enge Bande zu Volkswagen: Ferdinand Porsche bekam 1934 den Auftrag, einen alltagstauglichen „Volkswagen“ zu entwickeln – aus dem etliche Jahre später der VW-Käfer wurde. Piëch sieht seine historische Mission offenbar darin, VW und Porsche unter einem – seinem – Dach zusammenzuführen. Wiedeking war für ihn ein nützlicher Erfüllungsgehilfe, der ansonsten aber eher störte. Vor allem, wenn er in Wolfsburg allzu intensiv aufräumte. Volkswagen lag bei der Kosteneffizienz weit hinter den Wettbewerbern. Bei vielen Modellen hatten sich die Entwickler offenbar selbst verwirklicht – dabei aber vergessen, dass ein Auto nur dann profitabel ist, wenn es auch mit vernünftigem Arbeitsaufwand produziert werden kann. Wiedeking trimmte VW auf Effizienz und vergrätzte damit nicht nur Piëch-Intimus Winterkorn, sondern auch Piëch selbst. Schließlich war dieser selbst neun Jahre lang Chef des VWKonzerns. Wenn Wiedeking bei VW aufräumte, urteilte er damit auch immer über Piëchs Lebenswerk. Bisher ist Piëch noch jeden losgeworden, der bei ihm in Ungnade gefallen war. „Da herrscht Stillstand“, sagte er einmal über den damaligen Audi-Chef Franz-Josef Paefgen. Kurze Zeit später konnte dieser seine Papiere abholen. Auf ähnliche Weise besiegelte er vor drei Jahren das Ende des damaligen VW-Chefs Bernd Pischetsrieder, der in die Kritik des Betriebsrats geraten war. Auch Wiedeking ist nach Piëchs Meinung längst fällig. Dass der forsche Porsche-Chef in Wolfsburg manchmal robust bis unsensibel auftrat, kommt ihm durchaus zupass. Denn dadurch formierte sich beim VW-Betriebsrat heftiger Widerstand. Der Chef der Wolfsburger Arbeitnehmerorganisation, Bernd Osterloh, warf Wiedeking „Allmachtsfantasien“ vor und verglich ihn mit Napoleon. Eine schöne Gelegenheit für Piëch, demonstrativ zu schweigen und Wiedeking damit ein Misstrauens-

votum auszusprechen, ohne etwas sagen zu müssen. So konnte er Wiedeking angreifen, ohne sich selbst angreifbar zu machen. Doch Wiedeking erweist sich für Piëch als härterer Brocken, denn er hat einen mächtigen Verbündeten – Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche, den starken Mann des anderen der beiden Familienstämme, die sich die Macht bei Porsche teilen. Entgegen allen Gepflogenheiten, Familienstreitereien intern auszutragen, zeigte sich Porsche öffentlich „entsetzt“ über das Verhalten seines Cousins. Auch jetzt stellte sich Wolfgang Porsche wieder öffentlich hin-

Die Eigentümer lassen viele Optionen offen – am Ende ist auch eine Übernahme von Porsche nicht ausgeschlossen ter Wiedeking. Er schloss aus, dass Porsche an VW verkauft wird. Allzu viel genützt hat es allerdings nicht. Denn in dem nun gefundenen Formelkompromiss steht zwar in der Tat nichts von einer Übernahme. Doch die Grenzen zwischen Fusionen und Übernahmen sind fließend, wie man nicht erst seit der angeblichen „Fusion unter Gleichen“ zwischen Daimler und Chrysler weiß. Auch wenn der eine Partner (VW) 60-mal so viele Auto herstellt wie der andere (Porsche), ist eine Fusion unter Gleichen schwer vorstellbar. Deshalb reden die Porsche-Eigner einfach nur vom „integrierten Autokonzern“. Das lässt viele Deutungen offen, nur nicht die von einem eigenständigen Unternehmen Porsche. Die Frage ist nur, wie viel von der Unabhängigkeit Porsche aufgeben muss. Wie sagte Wolfgang Porsche vor einem Jahr in einem Interview? „Nur wenn man an einem Strang zieht, ist man stark.“ Man müsse aber „am gleichen Ende“ ziehen. Letzteres müssen die Familien noch üben.

Wolfgang Porsche

Wendelin Wiedeking

Ferdinand Piëch

Der 65-Jährige ist Chef des Aufsichtsrats von Porsche und gilt als Leitfigur des Familienstamms Porsche, der sich mit Angehörigen der Familie Piëch die Macht über den Autohersteller teilt. Porsche gilt als Anhänger Wiedekings und als Gegengewicht zu Ferdinand Piëch. Als dieser vor einigen Monaten versucht hatte, Wiedekings Einfluss auf den VW-Konzern zu beschneiden, zeigte sich Wolfgang Porsche öffentlich „entsetzt“ über seinen Cousin.

Der 56-Jährige kommt 1992 zu Porsche, als das Unternehmen vor der Pleite steht. Mit einer harten Umstrukturierung bringt er den Konzern nicht nur in die Gewinnzone, sondern führt ihn zu einer sehr hohen Rentabilität. Er streicht die Modelle 968 und 928, dafür dringt er mit dem Boxster, dem Geländewagen Cayenne und dem Luxusauto Panamera in neue Marktsegmente vor und erzielt Milliardengewinne. Sie ermöglichen es, Großaktionär beim Giganten VW zu werden.

Der 72-jährige Aufsichtsratschef von VW gilt als genialer Ingenieur und als Manager, der sich mit eiserner Hand durchsetzt. Immer wieder mussten Chefs gehen, weil sie bei Piëch in Ungnade gefallen waren. Piëch ist Großaktionär bei Porsche und nutzt seinen Einfluss, um den Sportwagenhersteller mit VW zu einem Familienunternehmen zu machen.

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Berühmte erste Worte

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Volkswagen-Konzern Kennzahlen 2008 Fahrzeugproduktion Umsatz Nettogewinn Mitarbeiter Marken Werke

6,35 Millionen 113,8 Milliarden Euro 4,69 Milliarden Euro 370 000 9 61

Porsche Kennzahlen 2008 Fahrzeugproduktion Umsatz Nettogewinn Mitarbeiter Marken Werke

0,105 Millionen 7,47 Milliarden Euro 6,39 Milliarden Euro 12 200 1 2

Stärken und Schwächen Porsche ist unter den Autoriesen ein Zwerg. Das hat Vor- und Nachteile. Wir fassen die wichtigsten Stärken und Schwächen der Zuffenhausener zusammen.

¡ Markenimage: Porsche gehört in der Au-

tobranche noch immer zu den Marken mit dem besten Image. Nach einer Studie des Marktforschungsinstituts Millward Brand ist allein die Marke Porsche 13 Milliarden Euro wert. Unter den deutschen Marken belegt Porsche somit den zweiten Rang nach BMW (18 Milliarden).

¡ Modellpalette: Porsche ist kein Massen-

hersteller, sondern ein Nischenanbieter, der sich auf besonders lukrative Modelle spezialisiert hat. Der hohen Gewinnspanne bei diesen Modellen ist es zuzuschreiben, dass das Fahrzeuggeschäft auch jetzt, in der Krise, schwarze Zahlen schreibt.

¡ Geschäftsmodell: Porsche versteht es ge-

schickt, die Nachteile der geringen Stückzahlen auszugleichen. Das Forschungszentrum in Weissach entwickelt auch für andere Hersteller; zudem produziert man Komponenten für eigene Fahrzeuge zusammen mit VW. Dadurch schafft es Porsche, Kosten für Entwicklung und Produktion besser zu verteilen.

¡ Finanzen: Durch die milliardenschwere

Übernahme von Volkswagen ist Porsche wirtschaftlich stark von dem Wolfsburger Autokonzern abhängig. Für die Übernahme musste Porsche so tief in die Tasche greifen, dass man nun netto neun Milliarden Euro Schulden angehäuft hat, für die die Banken wegen der Finanzkrise zudem sehr hohe Zinsen verlangt haben.

hat erst spät auf die Klimadebatte reagiert. Deshalb haben die Fahrzeuge im Durchschnitt noch immer einen hohen Ausstoß am Treibhausgas Kohlendioxid. Inzwischen bessert Porsche allerdings nach und setzt auch auf die spritsparende Diesel- und Hybridtechnologie.

Volkswagen versus Porsche “Wolfsburg bites back,” says the title. First Porsche wanted to acquire the majority shareholding in Volkswagen, then it was the other way about. The interesting bit: the visualisation features the two company logos, and that‘s all.

Der Rotstift

Nummer 128 · Dienstag, 8. Juni 2010

In Zahlen

¡ Öko-Bilanz: Das Porsche-Management

Welcher erste Satz gehört zu welchem Buch? Lösen Sie unser Quiz und gewinnen Sie zwei Neuerscheinungen aus dem Hause Cotta-Klett.

Law against stalking “People who persistently lie in wait for and follow their victims must reckon with harsher penalties under the Stalking Law” is how the lead-in to the lead article runs. The visualisation shows two different sets of footprints, one of a woman and one of a man. The footprints sometimes merge.

2

StN-Grafik: Yann Lange

Jetzt beißt Wolfsburg zurück

Foto: AP

sich erstmals seit seinem Amtsantritt vor vier Jahren mit dem einflussreichen Klerus angelegt. Der 1924 geborene Monarch, der in dem islamischen Königreich trotz seines hohen Alters als relativ fortschrittlich gilt, entließ am Sonntagabend Scheich Saad bin Nasser al-Schethri aus dem Rat für große Islamgelehrte. Dieser hatte in der vergangenen Woche in einem Interview mit dem islamischen TV-Sender Al-Madschd erklärt, es sei inakzeptabel, dass Männer und Frauen an der im September eröffneten König-Abdullah-Universität für Wissenschaft und Technologie (KAUST) gemeinsam unterrichtet würden. Die Gründung der Universität geht auf eine Initiative des Herrschers zurück. (dpa)

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Foto: dpa

König gegen Klerus König Abdullah von Saudi-Arabien hat

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Foto: dpa

Kurz berichtet

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WIEN/BANGKOK (StN). Norwegen verteidigte seine Spitzenposition vor Australien und Island. Deutschland schaffte es in puncto Lebensqualität nur auf Platz 22 und liegt damit hinter Ländern wie Irland, Frankreich, Österreich, Spanien und Italien. Die letzten Positionen belegen die kriegsgeschüttelten Staaten Sierra Leone, Afghanistan und Niger. Die UN vergleichen seit 1990 die Entwicklungsstandards in ihren Mitgliedsländern. Dafür werden unter anderem Daten zum Einkommen, zur Bildung und Lebenserwartung herangezogen. Der aktuelle HumanDevelopmentIndex (HDI) soll ein präziseres Abbild von der Wohlfahrt eines Landes geben als das oft für Vergleiche herangezogene Bruttoinlandsprodukt pro Kopf (BIP). Insgesamt sind auf der UN-Liste 182 Länder verzeichnet. Das ärmste Land der Welt ist die Demokratische Republik Kongo mit einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von 204 Euro pro Kopf. Die höchste Lebenserwartung haben die Japaner (86,2 Jahre für Frauen und 79 Jahre für Männer). In Afghanistan beträgt die Lebenserwartung nur 43,5 Jahre. In den 24 ärmsten Ländern der Welt kann gut die Hälfte nicht lesen. In den Staaten, deren Entwicklungsstandard im Mittelfeld liegt, kann ein Fünftel der Bevölkerung nicht lesen. Norwegen verdankt seinen Spitzenplatz der vergleichsweise hohen Lebenserwartung von 80,5 Jahren. Die Einschulungsrate liegt bei 98,6 Prozent, damit sind fast alle Norweger im schulfähigen Alter an einer Bildungseinrichtung eingeschrieben. Maßgeblich zum Spitzenplatz des erdölreichen Landes hat auch das hohe Bruttoinlandsprodukt von 53 000 Dollar pro Kopf beigetragen, das um Verzerrungen durch Wechselkurse bereinigt ist. Die Verwerfungen der Finanzkrise, die Island besonders hart trafen, sind in dem Index allerdings noch nicht abgebildet: Er beruht noch auf Daten aus dem Jahr 2007. Berauschend fällt Deutschlands Position im HD-Index nicht gerade aus: Die Lebenserwartung in Deutschland lag 2007 zwar bei beachtlichen 79,8 Jahren, auch das BIP pro Kopf liegt mit 34 400 Dollar vergleichsweise hoch. Doch die Einschulungsrate von 88,1 Prozent kostet Deutschland kräftig Plätze. Die Bundesrepublik belegt einen relativ niedrigen Platz wegen des gesunkenen Pro-Kopf-Einkommens im Zuge der Wiedervereinigung.

Nummer 128 · Dienstag, 8. Juni 2010

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Das größte Sparpaket der Republik Die Bundesbürger müssen sich auf drastische Einschnitte einstellen. Bis Ende 2014 soll der Bundeshaushalt um mehr als 80 Milliarden Euro abgespeckt werden. Die Eckpunkte des schwarz-gelben Sparprogramms:

G

200

W D

Mio. Euro

2,2

Mrd. Euro

Hartz IV

Arbeitslose

1,5

Mrd. Euro

Bundesagentur

Beim Übergang vom Arbeitslosengeld I ins Arbeitslosengeld II erhalten Erwerbslose bisher Zuschläge für zwei Jahre. Für Alleinstehende gibt es im ersten Jahr bis zu 160 Euro monatlich, im zweiten bis zu 80 Euro. Verheiratete erhalten das Doppelte. Diese Zuschläge sollen ersatzlos wegfallen, was den Staat um 200 Millionen Euro im Jahr entlastet.

Bei den Hartz-IV-Empfängern will der Staat die Beiträge zur Rentenversicherung (1,8 Milliarden Euro im Jahr) einsparen. Entfallen soll für Empfänger von Arbeitslosengeld II auch das Elterngeld von 300 Euro monatlich. Die Staatskasse entlastet das um 400 Millionen Euro im Jahr.

Die Arbeitslosenversicherung soll künftig ohne Darlehen oder Zuschüsse auskommen. Dies könnte auf eine Erhöhung des Beitragssatzes über die für 2011 festgelegten drei Prozent hinauslaufen. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) soll Leistungen stärker nach eigenem Ermessen gewähren und dadurch ihre Ausgaben zwischen 1,5 und drei Milliarden Euro drücken können.

200

100

1,5

Da sitzen sie und können nicht mehr anders: Vizekanzler Westerwelle und Kanzlerin Merkel verkünden das größte Sparpaket in der bundesdeutschen Geschichte

Mio. Euro

Der Schuldenberg ¡ Auf mehr als 1 715 000 000 000 Euro oder 1,715 Billionen Euro ist der Schuldenberg Deutschlands bis Montagmittag gewachsen. Jede Sekunde kommen nach Berechnungen des Steuerzahlerbundes 4481 Euro dazu. ¡ Schon in wenigen Jahren dürften die Gesamtschulden der öffentlichen Hand auf mehr als zwei Billionen geklettert sein – denn noch kommen alljährlich immer neue Kredite von Bund, Ländern und Gemeinden dazu. Es ist überhaupt nicht absehbar, wann die Trendwende eingeleitet und der Schuldenberg abgetragen wird. ¡ Dabei sind die mehr als 1,7 Billionen Euro, die sich seit über 40 Jahren angehäuft haben, nur die offizielle Zahl. Der „unsichtbare“ Schuldenberg ist weit größer. Der Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen nennt eine „Nachhaltigkeitslücke“ von 6,2 Billionen, weil künftige Sozialkosten als verdeckte Schuld hinzukämen.

. . .

¡ Die Schuldenquote – das ist der Anteil der Schulden von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialkassen an der Wirtschaftskraft (Bruttoinlandsprodukt/BIP) – liegt in Deutschland bei etwa 72 Prozent, in wenigen Jahren dürften es schon 80 Prozent sein. Eine Schuldenstandquote unter 60 Prozent – die Obergrenze laut Euro-Stabilitätspakt – wäre aus Sicht führender Wirtschaftswissenschaftler in Ordnung. Einnahmen und Ausgaben müssten in einem gesunden Verhältnis stehen, um Schulden problemlos abzahlen zu können. (dpa)

Zum Spa en ve donne

Mrd. Euro

Heizkosten

Ökosteuer

Die Lohnersatzleistung soll moderat gekürzt werden. Zwar will die Koalition den Höchstbetrag von maximal 1800 Euro im Monat nicht antasten. Doch werden künftig nur noch 65 statt 67 Prozent als Berechnungsgrundlage genommen, wenn das Nettoeinkommen über 1240 Euro im Monat beträgt. Unterm Strich entlastet das den Bundesetat nach Erwartung der Regierung um 200 Millionen Euro im Jahr.

Der Heizkostenzuschuss soll für Wohngeldempfänger gestrichen werden (Entlastung: 100 Millionen Euro).

Auf den Prüfstand sollen Finanzhilfen und Steuervergünstigungen. Durch Einschränkung der Ausnahmeregelungen von der Ökosteuer für besonders energieintensive Unternehmen sollen jährlich bis zu 1,5 Milliarden Euro mehr in die Staatskasse kommen.

2,3

1

800

Elterngeld

Info

Mio. Euro

Mrd. Euro

Mrd. Euro

Mio. Euro

Luftverkehr

Bundesbehörden

Die Sondergewinne der Energiekonzerne aus der beabsichtigten Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke sollen abgeschöpft werden. Daraus erhofft sich die Regierung jährlich Zusatzeinnahmen von 2,3 Milliarden Euro.

Für Flugpassagiere ist eine ökologische Luftverkehrsabgabe geplant. Sie soll jährlich etwa eine Milliarde Euro einspielen und bei Abflügen von deutschen Flughäfen erhoben und nach Kriterien wie Lärm und Energieverbrauch differenziert werden.

In Bundesbehörden und Ministerien sollen bis 2014 bis zu 15 000 Stellen abgebaut werden. Die ab 2011 vereinbarte Erhöhung des Weihnachtsgeldes wird gestrichen, was auf eine Kürzung der Bezüge um 2,5 Prozent hinausläuft. Sparpotenzial: 800 Millionen Euro pro Jahr. Insgesamt sollen die Ausgaben des Bundeshaushalts mittelfristig um rund vier Milliarden Euro jährlich sinken.

2

400

2

Energiekonzerne

Mrd. Euro

Bundeswehr Bei den Streitkräften sollen von 2013 an jeweils zwei Milliarden Euro eingespart werden. Die Truppe soll von derzeit 250 000 Soldaten um bis zu 40 000 Berufs- und Zeitsoldaten reduziert werden. Es soll bei einem Wehr- und Ersatzdienst von sechs Monaten bleiben.

Mio. Euro

Stadtschloss

Das Berliner Stadtschloss soll erst 2014 gebaut werden und nicht wie ursprünglich geplant ab kommendem Jahr. Daraus ergeben sich Einsparungen von insgesamt 400 Millionen Euro.

Die schon beschlossene Bankenabgabe ist in dem Sparprogramm eingerechnet. Die Regierung veranschlagt Einnahmen von jährlich zwei Milliarden Euro ab 2012. Allerdings soll das Geld nicht in den Haushalt, sondern in einen Restrukturierungsfonds fließen.

„Keine griechischen Verhältnisse“ Von Winfried Weithofer BERLIN. Für Christian Dreger, Leiter der Konjunkturabteilung im Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), ist das Sparpaket ohne Alternative.

Herr Dreger, die Opposition wirft der Bundesregierung vor, an den Armen zu sparen. Hat das Sparpaket eine soziale Schieflage?

Wir müssen sehen, dass die Ausgaben für Soziales der größte Posten des Bundeshaushalts sind. Von daher ist es klar, dass diese Ausgaben vom Sparpaket betroffen sind. Natürlich kommt es darauf an, die Ausgewogenheit sicherzustellen.

Ist ein Dämpfer für die Konjunktur durch das Sparpaket zu befürchten?

Einsparungen in den öffentlichen Haushalten haben kurzfristig negative Effekte auf die Konjunktur. Die Bezieher von niedrigeren Einkommen haben höhere Konsumquoten. Positive Effekte sind erst mittel- oder längerfristig erkennbar. Zum Sparpaket gibt es aber letztendlich keine Alternative, wenn man zum Beispiel bedenkt, dass sich

die demografische Entwicklung auf den Staatshaushalt niederschlägt. Die Herausforderungen, die damit verbunden sind, sind eben eher mit einem ausgeglichenen Budget zu meistern.

Sehen Sie noch weitere Streichungsmöglichkeiten?

Streichungsmöglichkeiten gibt es viele, weil es auch sehr viele Subventionen gibt. Es muss auf jeden Fall weiter konsolidiert werden.

Auf der einen Seite hat der Staat Milliarden für Konjunkturprogramme ausgegeben, andererseits hat er kein Geld zur Stabilisierung der Haushalte. Wie passt das zusammen?

Die Konjunkturpakete haben dazu beigetragen, dass die öffentlichen Finanzen jetzt völlig zerrüttet sind, die Staatsschulden sind nach oben gegangen. Das DIW stand diesen Konjunkturprogrammen von vornherein skeptisch gegenüber. Tatsächlich haben wir nur Strohfeuereffekte für die Konjunktur erlebt. Doch wir sehen auch, dass wir uns in einem moderaten Aufschwung befinden, und die Steuereinnahmen fließen wieder besser.

Mrd. Euro

Bankenabgabe

Der Wirtschaftsexperte Dreger hält die Lage in Deutschland dennoch für außergewöhnlich Aber nochmals: Wieso hat man für die Konjunkturprogramme so schnell Geld mobilisieren können?

Geld ausgeben ist immer leichter, als zu überlegen, wie ich ans Geld komme. Man muss sich aber in die Situation von 2008 zurückversetzen: Wir hatten es mit Einbrüchen zu tun, wie wir sie noch nie gesehen haben. Von daher war es notwendig, dass der Staat Zeichen setzt, er musste Ängste in der Wirtschaft abbauen. Dann greift man eben tief in die Kasse, die eigentlich leer ist . . .

Zur Person

Christian Dreger ¡ Der 51-Jährige ist Professor für Macroökonomie und seit 2008 Leiter der Abteilung Konjunktur am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin. ¡ Zuvor war er am Institut für Wirtschaftsforschung Halle beschäftigt. Er hat sein Studium in Volkswirtschaftslehre an der Freien Universität Berlin absolviert und an der Universität Kassel promoviert und habilitiert. (StN)

. . . weil von der Politik eben kurzfristige Lösungen erwartet werden?

Die Politik ist öfter auf den schnellen Erfolg aus, die Legislaturperioden sind relativ kurz. Dabei sind unsere Probleme strukturell, sie erfordern längerfristiges Handeln. In Deutschland haben wir seit vielen Jahren, seit 1995 etwa, nur bescheidene Wachstumsraten. Die Innovationsdynamik ist zu gering, unsere Investitionsquoten sind eher am unteren Ende innerhalb der Euro-Zone.

Befürchten Sie eine Staatskrise durch die Überschuldung?

Die Zahlen waren groß – die Widerstände in den eigenen Reihen auch. Alles in allem brütete die schwarz-gelbe Regierung am Sonntag und Montag mehr als 16 Stunden über Kürzungen und neuen Einnahmequellen. Doch Ruhe ist damit nicht in die Koalition eingekehrt – im Gegenteil. Von Claudia Lepping Berliner Redaktion

Foto: DIW

BRÜSSEL. Deutsche Politiker und Patienten nörgeln über lange Wartezeiten und miesen Service in Praxen und Krankenhäusern. Dabei steht Deutschland im EUVergleich sehr gut da. Nach einer EU-Studie belegt unser Gesundheitssystem unter 33 Ländern den sechsten Platz. Besonders gut weg kommt es in den Kategorien Wartezeiten, Behandlungsergebnisse und Zugang zu Medikamenten. Deutlich besser sind die Niederlande: Sie führen die Rangliste zum zweiten Mal in Folge an, gefolgt von Dänemark, Island und Österreich. Das Schlusslicht bilden die EU-Neulinge Rumänien und Bulgarien. Der Gesundheitskonsumenten-Index vergleicht jährlich nationale Gesundheitssysteme anhand von 38 Indikatoren. Erstellt wird er von der Denkfabrik Health Consumer Powerhouse in Brüssel, die von der EU-Kommission unterstützt wird. Deutschland konnte seine Position im Vergleich zum Vorjahr halten und erzielte besonders in den Kategorien Zugang zu Arzneimitteln und kurze Wartezeiten auf Behandlung hohe Punktzahlen. So würden Operationen in nicht akuten Fällen in der Regel binnen 90 Tagen erledigt – was nur in wenigen Ländern klappt. Auf eine Computertomografie müssen Patienten meist nicht länger als sieben Tage warten. Schwachpunkte sind, dass Kassen- und Privatpatienten ungleich behandelt werden. Auch bei der Zahl der Nierentransplantationen und der Mammografie-Rate steht Deutschland vergleichsweise schlechter da.

In Sachen Lebensqualität im weltweiten Vergleich spitze – Deutschland schafft es nicht einmal unter die besten zehn Staaten

Foto: Fotolia/Nymph StN-Bearbeitung: Knauf, Gröger

Von unserer Korrespondentin Katrin Teschner, Brüssel

StN-Grafik: Lange

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Office for Newspaper Design

Foto: dpa

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Wir sind in einer außergewöhnlichen Situation. In der Vergangenheit haben wir zu wenig auf Konsolidierung gesetzt, haben Gelegenheiten verschlafen. Andererseits haben wir Rekordstände bei der Beschäftigung, auch in naher Zukunft ist ein Anstieg der Arbeitslosigkeit nicht zu erwarten. So ohne Effekt ist die Politik also nicht geblieben. Von griechischen Verhältnissen sind wir weit weg, zudem ist Deutschland ein sicherer Hafen für internationale Anleger.

BERLIN. Die beiden Limousinen müssen Schritt fahren auf dieser schmalen Auffahrt zum Haus der Pressekonferenz. Also müssen die Kanzlerin und der Außenminister die Show des Lügenbarons über sich ergehen lassen. Angela Merkel ringt sie ein kleines Lächeln ab, doch Vizekanzler Guido Westerwelle, der ihr im zweiten Wagen dicht auf den Fersen bleibt, schaut schnell in die andere Richtung. Baron Münchhausen aber ist zufrieden: Der Mann, der sich mit dem Papp-Konterfei Westerwelles verkleidet und sich hier postiert hat, ruft ihnen hinterher: „Was ist denn nun geblieben von den versprochenen Steuersenkungen?“ Nichts. Das hat der Baron erkannt, und das wissen Merkel und Westerwelle erst recht. Aus der Steuersenkungspartei FDP wird die Sparpartei. Zwangsläufig nimmt der Liberalen-Chef Westerwelle aus Sicht seiner Kritiker damit wie Münchhausen auf der Kugel Platz. Am Sonntag noch, zum Auftakt der Sparklausur, hatte er sich das erste Mal seit der „Dekadenz“-Debatte wieder der verbalen Kraftmeierei hingegeben und gelästert: „Freibier für alle macht beliebt, aber dann fährt der Karren vor die Wand.“ Also wird gekürzt, und zwar bei den Ausgaben. Steuererhöhungen – und seien sie auch noch so vorsichtig von Bundesinnenminister Thomas de Maizière intoniert, schmettert Westerwelle in der entscheidenden Kabinettsklausur am Montagmittag im Kanzleramt ab. Diesen Erfolg will, ja muss er sich auf die Fahne schreiben können. Stattdessen wird gespart – „werden die Ausgaben den Einnahmen folgen“, wie es Merkel formuliert. Und zwar in bislang ungekannter Dimension: Bis 2014 müssten 80 Milliarden Euro eingespart werden. „Es sind ernste Zeiten, es sind schwierige Zeiten“, sagt die CDU-Vorsitzende. Viel zu lange habe Deutschland über seine Verhältnisse gelebt, schiebt ihr Vize hinterher.

nicht nötig geworden wäre“. Westerwelle nickt energisch, um sich letztlich selbst zu loben, in dieser Frage hart geblieben zu sein. So werden die Gesamtleistungen für Hartz-IV-Empfänger also sinken – mit dem Ziel, rund 2,2 Millionen arbeitsfähige Langzeiterwerbslose wieder in Lohn und Brot zu bringen. Milliarden auch verspricht sich das Kabinett durch die Umstrukturierung der Bundeswehr, ohne allerdings präzise zu werden, wie diese aussehen soll. Vom Tisch dagegen sind die Erhöhung der Mehrwertsteuer und des Spitzensatzes der Einkommensteuer, und auch der Bau des umstrittenen Berliner Stadtschlosses wird verschoben. Die Art der Präsentation war reichlich dürftig; das Zahlenwerk des Sparkurses liegt nicht einmal schriftlich vor. Selbst Hermann-Otto Solms, Finanz- und Wirtschaftsexperte der FDP, erfährt erst sehr spät, was sein Chef und Merkel verkünden werden. „Die grobe Richtung stimmt. Die Wirtschaft wird zur Kasse gebeten, und auch der Sozial- und Verwaltungsbereich sind mit im Boot. Es wäre konjunkturpolitisch der falsche Weg gewesen, Steuern zu erhöhen.“ War das also der große Wurf, der das Land rettet und die umstrittene Koalition endlich auf ihrem richtigen Weg bestätigt? Als Merkel und Westerwelle die Limousinen wieder besteigen, um ihren Fraktionen die Sparbeschlüsse vorzustellen, müssen sie den Lügenbaron draußen zwar nicht mehr passieren. Doch damit sind sie nicht aus dem Schneider, denn hinter den Kulissen der eigenen Parteien tobt ein Schlagabtausch, gegen den der Auftritt des Barons von Münchhausen regelrecht verblasst. Horst Seehofer ist nun wirklich niemand, der nicht einstecken könnte. Auszuteilen liebt er schließlich auch. Sich aber von seinem Koalitionspartner vorwerfen zu lassen, in der Gesundheitspolitik als „Wildsau“ aufzutreten, findet der CSU-Vorsitzende „einfach unerträglich“. Und so ist Seehofer in Berlin nicht einmal anwesend, als Merkel

Von Günther Voss

Wer ist von den Kürzungen betroffen?

Betroffen sind vor allem Arbeitslose. Die Ausgaben im Sozialbereich machen mehr als die Hälfte des Bundeshaushaltes aus. Das Geld soll künftig zielgerichteter und eff Allein im nächsten Jahr sollen Wirtschaft, Sozialetats und die Bundesverwaltung zusammen 13 Milliarden Euro weniger ausgeben, um jene „strukturellen Effekte“ zu erzielen, mit denen die Regierung das Ruder herumreißen will. 2012 sollen weitere 17 Milliarden Euro, 2013 rund 26 Milliarden und 2014 schließlich 32 Milliarden Euro eingespart werden. Neu hinzu kommen eine sogenannte Brennelementesteuer, die die Atomindustrie gleichsam als Gegenleistung für die hiermit beiläufig beschlossene und verkündete Laufzeitverlängerung der Atommeiler zahlen soll. Auch soll die Dividende der Deutschen Bahn abgeschöpft, eine nationale Finanztransaktionssteuer erhoben und die Axt an Sozialleistungen gelegt werden. „Aus einigen Pflichtleistungen werden Ermessensleistungen“, kündigt die Regierungschefin an und erwähnt die Streichung des Elterngelds für Hartz-IV-Bezieher, „von dem ich mir gewünscht hätte, dass das

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und Westerwelle das Sparkonzept vorstellen. Sollen die doch machen, heißt es aus München – das Klima in der Koalition sei auf dem Tiefpunkt, solange die FDP im Streit um die Gesundheitspolitik unter der Gürtellinie agiere. Die „Wildsau“ hatte FDP-Gesundheitsstaatssekretär Daniel Bahr in den Berliner Politjargon eingeführt, um zu beschreiben, dass Seehofer sich wie ein Totalverweigerer den Vorschlägen von Gesundheitsminister Philipp Rösler zur Kopfpauschale verschließe. „Das kann ich nicht hinnehmen“, kommentiert das Seehofer am Montag aus dem sicheren München – mit dem eindeutigen Signal auch an Merkel, von der er ebenfalls enttäuscht sei: „Ich brauche keine Erklärung aus dem Kanzleramt, die meine Ansichten zur Gesundheitspolitik korrigieren.“ Um ebenbürtig zurückzukeilen, schickt Seehofer schließlich seinen Generalsekretär Alexander Dobrindt ins Rennen, der sagen darf, dass „bei der gesundheitspolitischen Gurkentruppe der FDP die Sicherungen durchgeknallt“ seien.

Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler hatte bei seinen Plänen für eine Kopfpauschale eine Schlappe eingestehen müssen. Nach Kritik von Wirtschaft und CSU war Rösler am vergangenen Wochenende von seinem Vorhaben abgerückt, den Arbeitgeberbeitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung zu erhöhen. Nun soll es einen pauschalen, einkommensunabhängigen Zusatzbeitrag in der Größenordnung von 15 bis 20 Euro monatlich geben. Ein Machtwort muss her – schnell.

Doch nach einem Machtwort hört sich Kanzlerin Merkel an diesem Montag nicht an. Stattdessen sagt sie dies: „Die Wortwahl der Auseinandersetzung zwischen CSU und FDP trägt nicht dazu bei, dass so hart gearbeitet wird wie notwendig.“ Sie weiß, dass sie die Reihen der Koalition schließen müsste, und kann es nicht – nicht alles auf einmal? Noch im Juni muss sie beim Gipfel der Europäischen Union und dem G-20-Treffen in Kanada für die Finanzmarktregulierung kämpfen. Noch gibt es keine Mehrheit für die Einführung einer internationalen Transaktionssteuer. Doch wegen ihrer zögerlichen Haltung inmitten der Debatte um die Griechenlandhilfe und dem Alleingang, Leerverkäufe zu verbieten, hat die Kanzlerin an Reputation eingebüßt. Der Lügenbaron wird’s vermerken.

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Die Seite Drei

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Nummer 62  Dienstag, 16. März 2010

Leise, ganz leise

Info

Anlaufstellen ¡ Bundesweit gibt es mehr als 500 Beratungsstellen für Opfer sexuellen Missbrauchs. Ein Ansprechpartner für Betroffene ist der Verein Wildwasser. Auf seiner Internetseite finden Betroffene eine umfangreiche, nach Regionen aufgeschlüsselte Adressenliste. Dort gibt es auch Informationen, wie Opfer sich wehren können, ein Forum und Literaturtipps. Die Stuttgarter Wildwasser-Stelle erreicht man unter Telefon 07 11 / 85 70 68. ¡ Eine weitere Anlaufstelle ist der Verein Dunkelziffer, der auf seiner Homepage das Thema sexueller Missbrauch speziell auch für Kinder erklärt. ¡ Mona Michaelsens Buch „Flüsterkind“ ist im Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf erschienen und kostet 9,90 Euro. (wel) www.wildwasser.de www.dunkelziffer.de

Barbara Lubisch Traumatherapeutin Nicht jedes Opfer muss sich mit dem Täter direkt konfrontieren, um zu verarbeiten, sagt Barbara Lubisch. Auch eine Anklage vor Gericht ist für die Bewältigung des Traumas nicht unbedingt notwendig, kann aber hilfreich sein. Teilweise ist die Verjährungsfrist von bis zu 20 Jahren ohnehin schon abgelaufen, wenn die Beschäftigung einsetzt. Wer das Buch in seiner Heftigkeit gelesen hat, für den nehmen sich die Spätfolgen, die Michaelsen beschreibt, fast harmlos aus. Etwa, dass sie Väter mit kleinen Kindern misstrauisch beobachtet. Dass sie sich einschließen muss, wenn ihr Mann zur Nachtschicht geht. Oder dass sie bei Heintjes „Heidschi Bumbeidschi“ das Radio ausstellen muss, weil es sie 40 Jahre zurück auf den Schoß des Stiefvaters katapultiert. Mona Michaelsen spricht von „klitzekleinen Macken“ und davon, dass sie „am besten von den Geschwistern aus der Sache rausgekommen“ sei. Ihre ebenfalls betroffene Schwester hat mehrere Selbstmordversuche hinter sich. Mona Michaelsen ist es wichtig zu betonen, dass sie nicht permanent Trübsal bläst. „Ich habe Humor, sagen meine Freunde.“ Jeder Mensch trage unterschiedlich schwer an dem Erlebten, sagt die Traumatherapeutin. Ursache-Wirkungs-Regeln aufzustellen sei schwierig. Grundsätzlich gelte: „Je früher der Missbrauch beginnt, je länger er dauert und je vertrauter das Verhältnis mit dem Täter ist, umso gravierender sind die Folgen.“ Ebenso individuell sei der Verarbeitungsprozess: Der eine muss in stationäre Therapie, der anderen reicht ein Austausch in Internetforen oder Selbsthilfegruppen. Bei der Beratungsstelle Wildwasser hat man beobachtet: „Die allermeisten Betroffenen bringen eigene Stärken und Fähigkeiten mit, die ihnen helfen, trotz der traumatischen Erfahrungen ein lebenswertes Leben zu führen.“ „Den Missbrauch zu vergessen ist nicht das Ziel des Verarbeitungsprozesses“, sagt Barbara Lubisch. Es gehe darum, ihn gleichwertig einzugliedern in die Reihe schlechter Erinnerungen. „Meist bleibt es aber eine empfindliche Stelle, die wehtut, wenn jemand direkt dagegentritt.“ Mona Michaelsen verfolgt die derzeitige Berichterstattung über Missbrauch in Schulen interessiert, aber sie wühlt bei ihr nichts auf – ebenso wenig wie ein Gespräch. „Sehen Sie, ich weine nicht“, sagt sie leise. Sie hat gelernt, mit dem Flüsterkind zu leben.

Mona Michaelsen Missbrauchsopfer und Autorin

Erst mit Anfang 30 beginnt Mona Michaelsen, den Brief an ihre Mutter zu schreiben – damals noch nicht mit der Absicht, ihn zu veröffentlichen. Immer wieder muss die heute 45-Jährige Schreibpausen machen, teils mehrere Jahre. Dann nimmt sie den Text wieder aus der Schublade. Je nach persönlicher Verfassung habe das Schreiben, das Beschreiben besser oder schlechter geklappt – eine Art Selbsttherapie nach zwei abgebrochenen Gesprächstherapien. Heute ist die Scham vorbei: Zwar ist ihr Name ein Pseudonym, zwar sind alle Namen im Buch erfunden, aber sie steht mit ihrem Gesicht zu der Geschichte. Dass sie mit dem Buch Intimstes preisgibt, macht ihr keine Angst: „Das kann ich. Ich habe nichts Schlimmes getan. Das war er. Ich kann mein Gesicht zeigen. Er kann das nicht“, sagt die Lehrerin für Entspannungstechniken. Ihr Buch ist Anklage, nicht Analyse. Ein Pranger, keine Ursachenforschung – im Gegenteil: Nichts liegt ihr ferner, als den Stiefvater, zu dem sie den Kontakt vor Jahren abgebrochen hat, verstehen zu wollen. Bei der Frage wird Mona Michaelsen zum ersten Mal ein bisschen ungehalten, ihre Stimme lauter: „Es ist extrem schlimm, was er getan hat, da muss ich mich nicht auch noch bemühen zu verstehen. Es ist mir völlig egal, ob er selbst eine schlimme Kindheit hatte. Es ist mir völlig egal, was solche Ungeheuer antreibt. Es ist mir völlig egal.“ Auch mit ihrer Verarbeitung steht Mona Michaelsen beispielhaft da: „Viele Missbrauchsopfer rühren lange Zeit nicht daran, was passiert ist. Die Gefühle werden abgespalten“, sagt Barbara Lubitsch, Traumatherapeutin und stellvertretende Bundesvorsitzende der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung. Bei vielen Opfern beginne die Auseinandersetzung mit dem Missbrauch erst in einem Alter zwischen 30 und Ende 40, haben Anlaufstellen wie der Verein Wildwasser beobachtet. Es ist der Lebensabschnitt, in dem viele Weichen in Familie und Beruf gestellt werden, in dem intensiver

Viele Opfer reden jahrelang nicht über den Missbrauch im Kinderzimmer nachgedacht wird, wo man herkommt und hinwill. Ein einschneidendes Erlebnis wie die Geburt des eigenen Kindes könne den Wunsch nach Verarbeitung auslösen, sagt Barbara Lubisch. Auch eine öffentliche Diskussion, wie sie derzeit geführt wird, ist für manchen Motivation, aus der Heimlichkeit herauszutreten. Wildwasser etwa verzeichnet in letzter Zeit vermehrt Anfragen am Beratungstelefon und über die Homepage. Manchmal werden auch einfach die Symptome zu heftig: von Schlafstörungen und Albträumen, über Gleichgültigkeit und Depressionen bis hin zu Süchten aller Art, Aggressionen und Panik. Neben diesen typischen Trauma-Folgen tragen Betroffene teilweise an spezifischen Problemen, etwa einer gestörten Sexualität. In ihrer Arbeit mit missbrauchten Frauen und Männern erlebt

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die Therapeutin, dass das Darübersprechen und -schreiben für viele wichtige Funktionen hat: „Was passiert ist, wird dokumentiert. Das heißt auch, dass es tatsächlich passiert ist. Außerdem wird klargestellt, wer Opfer, wer Täter ist.“ Mona Michaelsens Buch markiert auch eine Grenze zwischen zwei Leben. Deshalb hat sie ihrem zweiten Mann, mit dem sie in einem kleinen Ort in Schleswig-Holstein lebt, und den beiden erwachsenen Söhnen das Versprechen abgenommen, das Buch nicht zu lesen. „Ich will unsere gemeinsame Welt damit nicht beschmutzen. Sie kennen die Geschichte in groben Zügen. Ich finde, das reicht.“ Man kann das inkonsequent finden, aber wie sollte es auch anders sein, wenn jemand versucht, aus dem Abnormen in die Normalität zu finden.

Hinter Südafrikas Glitzerfassade gärt es Die Polizei ist für die WM gut gerüstet, doch der Kampf gegen die alltägliche Gewalt bleibt vielfach auf der Strecke – Krise stürzt viele noch tiefer in die Armut Von unserem Korrespondenten Karl-Ludwig Günsche, Kapstadt KAPSTADT. Es war eines der grauenhaften Verbrechen, die Südafrika immer wieder aufwühlen: Die 17-jährige Anika Smit war letzten Mittwoch wegen einer Mittelohrentzündung nicht zur Schule gegangen, sondern zu Hause in Pretorias nördlichem Vorort Theresa Park geblieben. Als ihr Vater Johan nachmittags von der Arbeit kam, fand er seine Tochter halbnackt in einer Blutlache. Ihr Mörder hatte ihr die Unterarme abgehackt, sie mehrfach mit einem Messer in den Hals gestochen und sie vergewaltigt. Die Berichte über die Bluttat treffen die verunsicherte Nation am Kap tief. Je näher die Fußball-WM 2010 rückt, desto aufgeregter diskutiert Südafrika darüber, ob die Regierung aus Sorge um die Sicherheit der Spieler und Fans vielleicht den Kampf gegen die Kriminalität vergisst, der die Südafrikaner in den Townships und in den

Nobelvierteln Tag für Tag gleichermaßen ausgesetzt sind. Fürs Fußball-Spektakel ist Südafrika offenbar gut gerüstet: Rund 45 000 Polizisten sollen Teams und Touristen in den neun Spielorten schützen. Sie sind gut trainiert und modern ausgerüstet. Bundeskriminalamtschef Jörg Zierke zeigte sich bei einer Stippvisite im Januar beeindruckt von der polizeilichen Vorbereitung und der „hohen Professionalität“ der Verantwortlichen. Selbst der Vizekanzler der Kapstädter Universität, Max Price, spendete vordergründig Lob: „Wenn ich ein Stadion besuche, fühle ich mich vom Gefühl absoluter Sicherheit umhüllt. Das ist beeindruckend.“ Vom Willen, die Bürger auch im Alltag zu schützen, sei allerdings nichts zu spüren, hielt der streitbare Vizekanzler der Regierung beim Trauergottesdienst für den ermordeten Studenten Dominic Giddy vor. „Wenn ihr weiter so leichtfertig mit unseren Leben umgeht wie bisher, werden wir uns wehren“,

Mehrfamilienhaus in Weil der Stadt durch Feuer in Tiefgarage beschädigt

kündigte er an. „Wir werden euch den Mittelfinger zeigen und euch abwählen.“ Unter dem Beifall der tausendköpfigen Menge rief er: „Es reicht uns.“ Auch die unabhängige Gewerkschaft Solidarity, die vorwiegend die weiße Mittelschicht vertritt, trat eine Lawine los, als sie im Februar mit einer Unterschriftenaktion Druck auf Staatspräsident Jacob Zuma machen wollte, den Kampf gegen die Kriminalität auf Platz eins der Prioritätenliste seiner Regierung zu setzen. Mit etwa 10 000 Protestschreiben habe man gerechnet, bekannte Generalsekretär Flip Buys. Doch innerhalb weniger Tage waren es 23 000. Zunächst weigerte Zuma sich, sie entgegenzunehmen. Aber als die Flut der Proteste auf 107 000 anschwoll, bequemte sich auch Zuma, eine Delegation von Verbrechensopfern zu empfangen und sich ihre Sorgen anzuhören. Die Partei Freedom Front Plus, deren Vorsitzender Pieter Mulder als stellvertretender Landwirtschaftsminister selbst mit in der Regierung

sitzt, forderte nach dem Mord an Anika Smit sogar die Verhängung des nationalen Notstands – unübersehbare Indikatoren für die Unruhe der Menschen am Kap. Doch die Regierung ist in innere Machtkämpfe verstrickt. Schon werden Gerüchte gestreut, der skandalumwitterte Staatspräsident solle nach der WM gestürzt werden.

tär des südafrikanischen Gewerkschaftsbundes Cosatu, Zwelinzima Vavi, droht, die wegen der 25-Prozent-Erhöhung der Strompreise angekündigten Massenstreiks könnten auch bei der WM nicht gestoppt werden. Gut zwei Monate vor dem Anpfiff im Soccer-City-Stadion von Johannesburg gärt es hinter der südafrikanischen Glitzerfassade: Kriminalität, Aids und Armut prägen nach wie vor den Alltag der Mehrheit. Täglich gibt es neue Horrormeldungen: In der 3,5-Millionen-Metropole Kapstadt haben 500 000 Menschen keinerlei sanitäre Einrichtungen, kein Wasser, keine Toiletten. In Atlantis, 60 Kilometer von Kapstadt entfernt, ist die Arbeitslosenquote auf 75 Prozent hochgeschnellt. Selbst die Mittelklasse ächzt unter den Folgen der Wirtschaftskrise: 250 000 haben ihren Job verloren, drei Millionen sind mit der Bezahlung ihrer Rechnungen drei Monate und länger im Rückstand. Die Hoffnung auf den vielprophezeiten WM-Boom schwindet.

Kriminalität, Aids und Armut prägen den Alltag der Mehrheit Der Generalsekretär der Gewerkschaft des öffentlichen Dienstes, Mthandeki Nhlapo, orakelt öffentlich über einen möglichen Putsch: „Konterrevolutionäre sind auf dem Weg, den Präsidenten abzuberufen.“ Der einflussreiche Chef der ANC-Jugendliga, Julius Malema, verschreckt seine Landsleute und ausländische Investoren mit Verstaatlichungsplänen und Hassgesängen auf die Weißen. Und der Generalsekre-

Child abuse “Most cases of child abuse occur in families. A sufferer speaks out” runs the subline to the lead article. The visualisation shows a teddy bear, symbolising childhood and a domestic environment.

Die Seite Drei

Von Ulrich Hanselmann

In der Region erobern Frauen die Rathausspitze. Bis zur Gleichstellung ist es aber ein weiter Weg: Von den 179 Städten und Gemeinden werden zehn von Frauen regiert. Der Politikwissenschaftler Oscar Gabriel sieht die Mehrfachbelastung der Frauen als Ursache: Sie kandidieren nur selten. Von Annette Mohl STUTTGART. Statistisch wird der Anteil der Frauen in Bürgermeistersesseln beim Gemeindetag erst seit der Gemeindereform 1975 erhoben. Damals gab es im ganzen Land aber noch keine einzige Frau in diesem Amt. Das änderte sich erst 1990, als Beate Weber in Heidelberg an die Rathausspitze gewählt wurde. Die Sozialdemokratin wirkte 16 Jahre in der Unistadt, trat für eine dritte Amtszeit aber nicht mehr an. „Seit 1990 wurden in Baden-Württemberg 48 Oberbürgermeisterinnen und Bürgermeisterinnen gewählt, 40 von ihnen sind noch im Amt“, weiß Gemeindetag-Sprecher Harald Burkhart. Dennoch stellen die Frauen bei 1101 selbstständigen Städten und Gemeinden im Land einen nur kleinen Prozentsatz der Stadt- und Gemeindeoberhäupter.

„Auch Boris Palmer wird nicht abstinent vom Rathaus bleiben und nur noch das Baby wickeln“ Lucia-Maria Herrmann Bürgermeisterin in Lichtenwald Als erste Rathauschefin einer kleineren Gemeinde im Land wurde 1992 Birgit Kriegel in Löwenstein (Kreis Heilbronn) gewählt. Sie schlug bei der Wahl einen kommunalpolitischen Platzhirsch, überstand aber nur eine Amtszeit und wurde nicht wiedergewählt. Auch in Tübingen konnte sich 1998 eine Frau durchsetzen, 2006 musste sich Brigitte Russ-Scherer aber Boris Palmer geschlagen geben. Dienstälteste Bürgermeisterin im Land ist damit Isolde Schäfer in Stühlingen im Südschwarzwald. Sie wurde im Oktober 2009 mit 53 Prozent in die dritte Amtszeit gewählt. Das wünscht sich nun auch Monika Chef, die dienstälteste Bürgermeisterin in der Region. Die FDP-Frau steht seit 16 Jahren an der Spitze der 4000-Einwohner-Gemeinde Gemmrigheim im Kreis Ludwigsburg. Am 28. Februar ist Wahltag. Bis zum 1. Februar um 18 Uhr läuft die Bewerbungsfrist, erst dann ist geklärt, wer es mit der 51-Jährigen aufnehmen will. Lucia Herrmanns zweite Amtszeit läuft im nächsten Jahr ab. Sie managt seit 1995 die Gemeinde Lichtenwald im Schurwald mit 2500 Einwohnern. Die erste Amtszeit war für sie kein Zuckerschlecken: „Es gibt Leute, die nur darauf warten, dass ich Fehler mache“, sagte sie fünf Jahre nach ihrer ersten Wahl. Damals war sie noch überzeugt: „Frauen haben es in diesem Amt besonders schwer.“ Nun hat sich das Blatt gewendet: „Seit meiner Wiederwahl 2003 sitze ich deutlich fester im Sattel.“ Sie kann sich zurücklehnen: „Frauenspezifisch gibt es jetzt keine Probleme mehr.“ Eines weiß sie aber genau: „Frauen müssen im Wahlkampf klar etwas zu ihrem Kin-

derwunsch sagen.“ Die Leute hätten „viel zu viel Respekt“ selbst zu fragen, wollten aber wissen, wer die Geschäfte führt, wenn die Bürgermeisterin schwanger wird. Sie selbst habe deshalb alle wissen lassen: „Wir wünschen uns Kinder, können aber keine bekommen.“ Diese Offenheit hat ihr nach ihrer eigenen Einschätzung zum Wahlsieg verholfen. So hat Lucia Herrmann in diesem Sinn auch Verena Grötzinger beraten, die sich 2008 in Owen, ebenfalls Kreis Esslingen, bewarb. Und Grötzinger, die damals noch Verena Wiedmann hieß, hatte von einem wohlwollenden Owener gehört: „Sie haben zwei Probleme – Sie sind eine Frau und Sie sind nicht verheiratet.“ Tatsächlich sei sie dann „auf offener Bühne“ gefragt worden, was passiert, wenn sie schwanger werde. „Bei mir wurde, anders als bei den männlichen Bewerbern, aber auch gefragt, warum ich glaube, für dieses Amt qualifiziert zu sein.“ Ihre Antworten konnten die Owener aber offensichtlich überzeugen: Verena Grötzinger wurde gegen zwei männliche Konkurenten mit 64 Prozent gewählt. Ein Grund war sicher ihr klares Bekenntnis zur ihrem Amt – trotz Kinderwunsch. „Ich habe klargestellt, dass dann mein Mann zu Hause bleibt.“ Sie sieht an der Spitze einer kleinen Verwaltung selbst auch keine Möglichkeit zu pausieren. Das sei in den größeren Städten mit Wahlbeamten an der Seite der Oberbürgermeisterin anders. „In einem großen Rathaus hat man viel fachliche Qualität und ein Hauptamt hinter sich.“ Sie sei in Owen aber „Generalistin“. Im gesamten Rathaus sind nur sechs Vollzeitkräfte tätig.

„Frauen legen mehr Wert auf ein gutes Klima und eine gute Gesprächsatmosphäre“ Ursula Keck Oberbürgermeisterin in Kornwestheim Jetzt, 13 Monate im Amt, sieht sich Grötzinger mit „sehr positiven Rückmeldungen“ konfrontiert. Oft werde ihre Sachkompetenz gerühmt, freut sich die 31-Jährige. Ein Lied davon singen, wie Bewerberinnen fürs Bürgermeisteramt am Kinderwunsch beurteilt werden, kann auch Irmtraud Wiedersatz aus Burgstetten (Rems-MurrKreis). Als das zweite Kind unterwegs war, habe der Stellvertreter der Bürgermeisterin schon gelauert, sagt Verena Grötzinger. Monika Chef (damals noch Monika Tummescheit) erntete offene Kritik aus dem Gemeinderat, als sie 14 Wochen in den Mutterschutz ging. Ulrike Binninger (damals Ulrike Mau) aus Nufringen (Kreis Böblingen) nahm den Kritikern dagegen früh den Wind für weitere Fragen aus den Segeln: „Ich bin konfessionslos und will keine Kinder.“ Dass das Amt keine Auszeit erlaubt, findet wie Verena Grötzinger auch Lucia Herrmann. Über den Tübinger OB, der angekündigt hat, im Herbst einige Monate Elternzeit zu nehmen, sagt sie: „Auch Boris Palmer

WEIL DER STADT. Ein Brand in einer Tiefgarage in der Kellereigasse in Weil der Stadt hat mehrere Hunderttausend Euro Schaden verursacht. Das darüber liegende 18-Parteien-Wohnhaus ist vorerst unbewohnbar. Rund 30 Menschen sind von dem Unglück betroffen. Kriminaltechniker haben sich am Dienstag auf Spurensuche in der ausgebrannten Tiefgarage gemacht. Möglicherweise, so laut einem Polizeisprecher das erste Ergebnis, hat ein defektes Heizgerät in einem Kellerraum, ein sogenannter Frostwächter, das Feuer verursacht. Vier Autos, zwei Motorräder und ein Roller sind am Montagabend ein Raub der Flammen geworden. Mehrere Kellerräume wurden zerstört. 105 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Sie schützten das Wohnhaus vor dem Feuer, doch Rauchschäden konnten sie nicht verhindern. Sachverständige müssen jetzt untersuchen, ob durch die Hitze die Statik gelitten hat. Vier Erwachsene und drei Kinder wurden mit Verdacht auf Rauchvergiftung in eine Klinik gebracht. Neun Hausbewohner verbrachten die Nacht in einem Hotel, die anderen bei Verwandten. Wann sie in ihre Wohnungen in der Altstadt zurückkehren können, ist noch offen. Ein Sprecher der Stadt sagte am Dienstag, dass alle Betroffenen vorerst bei Verwandten oder Freunden unterkommen können.

Freie Fahrt für Frauen: Wer sich aufstellen lässt, hat gute Chance auf einen Chefsessel, sagen Politikwissenschaftler.

Frontaler Zusammenstoß wird nicht abstinent vom Rathaus bleiben und nur noch das Baby wickeln.“ Es werde auch ihm in einer größeren Stadt nicht möglich sein, die Drähte komplett zu kappen. „Als Bürgermeister hat man nie frei.“ „Das klassische Dilemma der Mehrfachbelastung“ sieht Oscar Gabriel (62), Professor für Politikwissenschaft an der Universität Stuttgart, als Hauptursache, dass sich Frauen selten für Spitzenpositionen bewerben. „Wenn Frauen kandidieren, haben sie gute Chancen, gewählt zu werden“, weiß Gabriel. Doch viele schreckten zurück vor dem Spagat zwischen Kindererziehung, Haushalt, Rathauschefin und Daueransprechpartnerin für jeden in der Gemeinde. Frauen seien in den Parlamenten und Parteivorständen durchaus auf dem Vormarsch, so Gabriel. Auf dem Weg in Spitzenpositionen gebe es aber ein Nadelöhr. Auch weltweit seien Frauen deshalb als Regierungschefin, Parlamentspräsidentin oder Parteivorsitzende noch die Ausnahme. Dies liege nach wie vor einfach „an der Verfügbarkeit der Zeit“. Um sich das Bürgermeisterinnen-Leben leichter zu machen, treffen sich die Amtsinhaberinnen einmal im Jahr im September für ein Wochenende an wechselnden Orten. 2009 war es in Laupheim (Kreis Biberach). Dort wurde Bürgermeisterin Monika Sitter im Dezember aber abgewählt. „Gut 20 Kolleginnen waren da“, sagt Lucia Herr-

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WALDREMS (anj). Am Dienstagabend um 20.47 Uhr ist es auf der B 14 auf Höhe Waldrems in Richtung Nellmersbach zu einem schweren Verkehrsunfall gekommen. Eine 38-jährige BMW-Fahrerin, die aus Richtung Stuttgart kam, geriet aus bisher ungeklärter Ursache auf die Gegenfahrbahn. Sie stieß frontal mit einem Inveco-Transporter zusammen, der von einem 57-Jährigen gelenkt wurde. Beide Fahrer wurden eingeklemmt und mussten von Rettungskräften befreit werden. Die 38-Jährige schwebt in Lebensgefahr, der 57-Jährige wurde schwer verletzt. Der Sachschaden beläuft sich auf rund 65 000 Euro. Der Streckenabschnitt wurde voll gesperrt, eine Umleitung wurde eingerichtet. Es kam zu einem Rückstau. StN-Grafik: Lange

„Je vertrauter das Verhältnis zum Täter ist, umso gravierender sind die Folgen des Missbrauchs“

„Ich habe nichts getan. Das war er. Ich kann mein Gesicht zeigen. Er kann das nicht“

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30 Menschen nach Brand ohne Zuhause

mann. Die Hausherrin stellt dann jeweils interessante Einrichtungen oder Firmen ihrer Stadt vor, im gemütlichen Teil wird dann schon einmal die Zusammenarbeit mit (männlichen) Kollegen oder dem Gemeinderat diskutiert. Ganz offensichtlich haben es Oberbürgermeisterinnen zumindest in der Anfangsphase leichter. Ursula Keck aus Kornwestheim fühlt sich nicht anders behandelt als männliche Kollegen. Wenn es überhaupt Unterschiede gebe, dann durch eine andersartige Kommunikation der Frauen: „Wir legen einfach mehr Wert auf ein gutes Klima eine gute Gesprächsatmosphäre.“ Gute Ergebnisse seien oft auch das Produkt von Sensibilität.

Diese Frauen stehen in der Region Stuttgart an der Verwaltungsspitze

Polizeinotizen

Räuber im Hausflur STUTTGART. Ein Unbekannter hat eine 64-Jährige im Hausflur eines Wohngebäudes an der Kronenstraße in der Innenstadt überfallen und deren Handtasche erbeutet. Der Räuber hatte die Frau am Montag gegen 17 Uhr offenbar auf ihrem Heimweg verfolgt. Der Täter ist etwa 20 Jahre alt und mit 1,55 Metern auffallend klein. Hinweise an 07 11 / 89 90 - 55 44.

Explosion beim Schweißen KORNWESTHEIM. Ein 38-Jähriger ist bei Arbeiten mit einem Schneidbrenner lebensgefährlich verletzt worden. Offenbar hatte sich unter einer 2,5 Tonnen schweren Eisenplatte Gas gesammelt, das beim Einsatz des Schweißgeräts explodierte. Der Arbeiter wurde von Teilen des Metalls am Kopf getroffen.

Anschlag mit Eisbrocken

Monika Chef (51) Seit 1994 Bürgermeisterin in der Gemeinde Gemmrigheim mit 3972 Einwohnern im Kreis Ludwigsburg. Sie gehört der FDP an und sitzt für ihre Partei im Landtag. Von Beruf ist sie Diplom-Verwaltungswirtin. Monika Chef ist geschieden und hat einen Sohn.

Lucia-Maria Herrmann (47) Seit 1995 Bürgermeisterin in Lichtenwald mit 2500 Einwohnern im Kreis Esslingen. Zu Lichtenwald zählen die Ortsteile Thomashardt und Hegenlohe. Lucia Herrmann gehört der CDU an. Sie ist Diplom-Verwaltungswirtin, Betriebswirtin und verheiratet.

Irmtraud Wiedersatz (48) Seit 1995 Bürgermeisterin in der Gemeinde Burgstetten mit 3429 Einwohnern im Rems-MurrKreis. Irmtraud Wiedersatz gehört keiner Partei an. Sie ist von Beruf Diplom-Verwaltungwirtin. Wiedersatz ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Dorothea Bachmann (43) Seit dem Jahr 2000 Bürgermeisterin in der Gemeinde Freudental mit 2468 Einwohnern im Landkreis Ludwigsburg. Dorothea Bachmann ist parteilos. Sie ist Diplom-Verwaltungswirtin. Bachmann ist verheiratet und hat drei Kinder.

Ulrike Binninger (41) Seit 2002 Bürgermeisterin in der Gemeinde Nufringen mit 5322 Einwohnern im Landkreis Böblingen. Ulrike Binninger gehört keiner Partei an. Sie ist DiplomVerwaltungswirtin von Beruf. Binninger ist verheiratet. Sie hat keine Kinder.

Angelika Matt-Heidecker (56)

Ursula Kreutel (44)

Ursula Keck (46) Seit 2007 Oberbürgermeisterin der Großen Kreisstadt Kornwestheim mit 31 061 Einwohnern im Landkreis Ludwigsburg. Ursula Keck gehört keiner Partei an. Sie ist von Beruf Diplom-Verwaltungswirtin. Keck ist verheiratet. Sie hat keine Kinder.

Gabriele Dönig-Poppensieker (50) Seit 2007 Oberbürgermeisterin der Großen Kreisstadt Filderstadt mit 43 840 Einwohnern in den Stadtteilen Bernhausen, Bonlanden, Plattenhardt, Sielmingen und Harthausen. Dönig-Poppensieker gehört der SPD an. Sie ist Stadtplanerin und verheiratet.

Verena Grötzinger (31) Seit 2008 Bürgermeisterin in der Gemeinde Owen mit 3487 Einwohnern im Landkreis Esslingen. Die Jüngste aller Bürgermeisterinnen in der Region ist parteilos und von Beruf Diplom-Verwaltungswirtin. Verena Grötzinger hat bisher keine Kinder. (mo)

Fotos: StN (9)/Gabi Ridder

STUTTGART. Sie ist noch immer ein Flüsterkind. Spricht leise, immer leiser, je lärmender die Erinnerung wird, je tiefer das Gespräch eindringt in eine Kindheit voller Gewalt und Erniedrigung. Mit einem sadistischen Stiefvater, der sie sexuell missbrauchte. Mit einer Mutter, die schwieg. Dabei hat Mona Michaelsen in ihrem Buch „Flüsterkind“ laut und schonungslos die Stimme erhoben. Es ist ein Brief an die Mutter Irma, der sie ihr Leid ins Gesicht schreit. Anklagend, vor allem aber wütend. Die Frau, die derzeit für Interviews durch Deutschland reist, scheint mit dieser Wut erst einmal nichts zu tun zu haben. Fast schüchtern wirkt die Autorin, bestellt eine heiße Schokolade, wasserblaue Augen in einem weichen Gesicht. Das sanft gelockte rotbraune Haar trägt sie lang und offen, auf Fragen antwortet sie höflich und mit Bedacht. Etwa auf die, was sie empfunden habe, als ihr der Stiefvater im Alter von fünf Jahren zum ersten Mal zwischen die Beine griff. „Es war von meiner Seite unerwünscht. Es war mir unangenehm. Das ist ein schwer zu beschreibendes Gefühl. Ich dachte, er mag mich ganz besonders gerne. Etwas also offensichtlich nett Gemeintes machte mir keinen Spaß“, sagt Mona Michaelsen. Im Buch liest sich das so: „. . . er fuhrwerkte mit seinen Fingern darin herum, als gelte es, mich von hartnäckigem Ungeziefer zu befreien. Dabei hat er mir den Finger mal mehr, mal weniger tief reingesteckt. Das war nicht schön, Irma! Es hat mir wehgetan, ich wollte das nicht!“ Fast scheint es, als habe sie all ihre Emotionen in dieses Buch gesteckt, in dieses „Ventil“, wie sie es nennt. Alles musste raus, nachdem sie und ihre fünf Geschwister im Niedersachsen der 60er und 70er Jahre eine Kindheit im Flüsterton verbracht hatten, um nur ja nicht in den Fokus des tyrannischen Vaters zu geraten. Mona Michaelsen hat ihr Martyrium auf 280 Seiten gebannt. Detailliert beschreibt sie, was ihr Peiniger zunächst auf dem Sofa im ärmlichen Wohnzimmer, später

Nummer 9  Mittwoch, 13. Januar 2010

In Baden-Württemberg wurden seit 1990 insgesamt 48 Rathaus-Chefinnen gewählt Es ist nicht die einzige Ambivalenz in dieser Geschichte. Eine andere ist das Verhältnis zur Mutter. Mehrmals wendet sich Mona Michaelsen als Kind hilfesuchend an sie, erzählt, was der Stiefvater ihr und der jüngeren Schwester Ulla antut. Die Mutter glaubt es nicht oder will es nicht glauben, verprügelt das Kind mit dem Kochlöffel, zwingt es, sich beim Stiefvater zu entschuldigen. Das Mädchen buhlt lange um die Liebe der Mutter, der „Mama“, wie sie sie im Gespräch heute noch bisweilen nennt. Vielleicht buhlt sie noch immer. Zwar beschreibt Mona Michaelsen die Mutter als Mittäterin, als „abgestumpft, gleichgültig, gefühlskalt“. Zwar klingt ihre Stimme plötzlich aufgeregt, wenn sie sagt, dass das Buch ein „riesengroßes Ätsch“ an die Mutter sei. Zwar stellt sie sich über sie, wenn sie schreibt: „Ich bin Meilen besser, als du es jemals warst, Irma.“ Trotzdem ist Mona Michaelsen nicht sicher, ob sie eine Entschuldigung der Mutter ablehnen könnte: „Mein Gefühl und Trotz sagen mir ,Nein‘. Aber würde sie mir tatsächlich schreiben, vor meiner Tür stehen. Was wäre, wenn . . . Ich weiß es nicht.“

in ihrem Kinderbett neben den Geschwistern oder – wenn die Mutter nachts arbeitete – in deren Ehebett mit ihr treibt. Praktiken, die zwischen Sadismus und Perversion changieren und nur die Vergewaltigung auslassen. Sie nennt ihn „Amöbe“, „Scheißkerl“ und „Dreckschleuder“. Es ist ein Befreiungsschlag. „Die Details konnte ich ihr nicht ersparen“, sagt sie und meint damit ihre Mutter, „sie sind mir auch nicht erspart worden.“ Aber sie habe sie auch für die Öffentlichkeit aufgeschrieben, damit der anonyme Begriff des „sexuellen Missbrauchs in der Familie“ konkret wird. Von den rund 15 000 jährlich in der deutschen Kriminalstatistik erfassten Missbrauchsfällen an Kindern unter 14 Jahren passieren etwa drei Viertel in der Familie und dem näheren sozialen Umfeld. Das berichtet der Verein Dunkelziffer. Die tatsächliche Zahl der Fälle ist um ein Vielfaches höher. Experten gehen davon aus, dass jedes vierte Mädchen und jeder achte Junge mindestens einmal vor seinem 18. Geburtstag sexuell missbraucht wurde. Bei Mona Michaelsen dauern die Übergriffe bis zum 18. Lebensjahr, bis sie auszieht. Danach folgt eine lange Zeit des Schweigens. „Mit meinem ersten Mann war ich schon fünf Jahre verheiratet, bevor ich überhaupt nur Andeutungen machen konnte, was passiert ist“, sagt sie. Das sei das Verschlusssiegel, das der Täter ihr aufgedrückt habe. Ein Siegel aus Scham und Schuldgefühlen.

Foto: Nico Klein-Allermann

Von Lisa Welzhofer

Stuttgart und die Region

Vorfahrt für Frauen: Immer mehr Bürgermeisterinnen

Die meisten Fälle von Kindesmissbrauch passieren in Familien – Eine Betroffene bricht das Schweigen Sexueller Kindesmissbrauch in Schulen und kirchlichen Einrichtungen sorgt für Diskussionen. Doch der Großteil der Übergriffe geschieht in den eigenen vier Wänden: Drei Viertel der Täter stammen aus dem Familien- oder Bekanntenkreis der Opfer. Mona Michaelsen hat es erlebt. Ihr Peiniger war der Stiefvater.

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Seit 2004 Oberbürgermeisterin in der Großen Kreisstadt Kirchheim unter Teck mit 39 800 Einwohnern. Matt-Heidecker gehört der SPD an und sitzt im Regionalparlament. Sie ist Juristin/Rechtsanwältin von Beruf, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Seit 2006 Bürgermeisterin in der Gemeinde Weissach mit 7700 Einwohnern im Landkreis Böblingen. Die erfolgreiche Diskuswerferin (Teilnehmerin an der EM und WM) ist Diplom-Verwaltungswirtin. Sie ist parteilos und ledig. Kreutel hat eine Tochter.

SCHORNDORF. Ein Unbekannter hat am Montagabend einen großen Eisbrocken von einer Brücke bei Schorndorf-Haubersbronn auf einen Zug der Wieslauftalbahn geworfen. Der Brocken verfehlte die Scheibe der Fahrgastkabine knapp. Schaden: rund 2000 Euro.

Auf frischer Tat ertappt URBACH. Polizisten haben am Montag an einer Tankstelle in Urbach (Rems-MurrKreis) zwei Automatenaufbrecher ertappt. Ein Beschäftigter hatte bemerkt, dass die Tür eines Kassenautomaten der Waschstraße offen stand. Er rief die Polizei. Einer der beiden 25-Jährigen ist einschlägig vorbestraft.

Unbekannte Tote REMSHALDEN. Nach wie vor ein Rätsel ist der Polizei die Identität der Frau, die sich am vergangenen Donnerstag am Bahnhof Remshalden-Grunbach (RemsMurr-Kreis) vor einen Zug geworfen hatte und dabei gestorben ist. Die 30- bis 50-Jährige hatte keine Papiere bei sich. Sie war von kräftiger Statur, trug die dunkelbraunen Haare lang und war mit mehreren T-Shirts und Jacken der Größen 44 bis 46 oder XL bis XXL bekleidet. Hinweise unter Telefon 0 71 51 / 950 - 0.

Women first This Local page is about “Women first: more and more lady mayors.” So runs the headline. The visualisation shows a right-of-way sign. At the bottom of the page ten lady mayors are presented.

Eco power rom wa erpower The ntro to th s art c e about eco power says “Danub an hydroe ectr c power stat ons supp y Germany w th a ot o energy What Austr ans buy as standard German power traders se as eco power ” The v sua sat on shows a power socket w th p ants grow ng out o t To the e t a power cab e runs down the page

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Nummer 161 • Donnerstag, 16. Juli 2009

Von Christiane Oelrich

Fotos: picture alliance, dpa, StN-Montage: Karl-Heinz Färber

Burka-Krieg in Frankreich Wie Präsident Sarkozy stellen sich viele Franzosen gegen die Totalverhüllung muslimischer Frauen – Ruf nach Vermummungsverbot In Frankreich wird der Ruf nach einem gesetzlichen Burka-Verbot immer lauter. In vielen französischen Meldeämtern kommt es zu bizarren Szenen. Die Muslime sind zerstritten. Von unserem Korrespondenten Gerd Niewerth, Paris PARIS. In Vénissieux regiert der Koran. „Burka-Land“, sagen sie und rümpfen die Nase, wenn vom Arbeitervorort im Lyoner Süden die Rede ist. Eine Banlieue, die zweifelhafte Berühmtheit erlangt hat. Denn seit sich Bürgermeister André Gerin, ein kämpferischer Kommunist, an die Spitze einer breiten Kampagne gegen die zunehmende Totalverhüllung muslimischer Frauen gesetzt hat, scheint die Schicksalsfrage der Nation gestellt: Erschüttert der Vormarsch fanatischer Radikal-Islamisten die Grundfesten der Republik? Hilft als letztes Mittel nur ein gesetzliches Burka-Verbot? Die Mitarbeiter des Rathauses von Vénissieux haben täglich aufs Neue Grund, sich über den bedrohlich wallenden schwarzen Schleier aufzuregen. Sie stehen im BurkaKrieg an vorderster Front. Dass völlig verhüllte Frauen das Meldeamt betreten, um ihren Reisepass zu verlängern, und sich hartnäckig weigern, den Ganzkörper-Schleier zu lüften, gehört zum bizarren Behördenalltag in Vénissieux. „Dann bezichtigen sie uns auch noch des Rassismus und drohen mit Repressalien“, vertraute kürzlich eine Rathausmitarbeiterin dem „Figaro“ an. Ähnliche Klagen äußern die Standesbeamten, die im Angesicht einer Burka-Frau schlimmstenfalls befürchten müssen, eine Zwangsheirat anzubahnen oder gar Beihilfe zu Scheinehen zu leisten. Selbst Grundschullehrer treiben die verschleierten Frauen zu schierer Verzweif-

lung. Wenn sie die Kinder nach Hause schicken, wissen sie nie so recht, wer sich gerade unter dem Schleier verbirgt und das Kind abholt: die Mutter, die Großmutter oder eine wildfremde Frau? Für André Gerin, den Bürgermeister, ist das Maß voll. „Zu sehen, wie diese wandelnden Gefängnisse über unsere Straßen gehen, erzeugt einen tiefen Schmerz“, empört sich der aufgebrachte Politiker, der mit seiner leidenschaftlichen Kritik an der „Totalverhüllung“ eine breite Diskussion in Frankreich angestoßen hat. Eine höchst polemische Debatte, in der sich der umtriebige Staatspräsident, ein Polit-Profi mit feinem Gespür fürs Populistische, prompt an die Spitze zu setzen sucht. Denn in seiner Rede zur Lage der Nation stellte Nicolas Sarkozy kürzlich unmissverständlich klar: „Die Burka ist auf dem französischen Territorium nicht willkommen.“ Und er fügte hinzu: „In unserem Land können wir es nicht hinnehmen, dass Frauen hinter einem Gitter gefangen sind, abgeschnitten von jedem sozialen Leben, jeder Identität beraubt.“

Bis Jahresende soll feststehen, ob das immer lauter geforderte Vermummungsverbot tatsächlich erlassen wird Seit wenigen Tagen muss eine eigens einberufene Parlamentskommission nun das Pro und Contra abwägen. Bis Jahresende soll feststehen, ob das immer lauter geforderte „Vermummungsverbot“ tatsächlich erlassen wird. Für Jean-François Copé, den Fraktionschef der regierenden UMP, ist die Stoßrichtung jedenfalls klar: „Ja, das Verbot kommt.“ Das überwältigende Echo in zahlreichen Internetportalen illustriert, wie verletzt die

republikanische französische Seele ist. „Die Burka“, fügt Gerin warnend hinzu, „die ist nur die Spitze vom Eisberg.“ Anders als etwa im traditionell weltoffenen Britannien, wo offenbar niemand so recht Anstoß am Ganzkörper-Schleier nimmt, trifft er die Franzosen an einer besonders empfindlichen Stelle. Haben sie doch den Laizismus, die strikte Trennung von Kirche und Staat, schon vor über hundert Jahren in den Rang einer Staatsdoktrin erhoben. Ein heiliges Prinzip, das sie erst 2004 erneuerten, als sie – ebenfalls nach erbitterter Fehde – das rigorose Kopftuchverbot an Schulen und Universitäten erließen. Nicht vergessen darf man bei diesem delikaten Thema natürlich die leuchtenden Ideale der Französischen Revolution. „Liberté, Egalité, Fraternité“, das prangt an allen Schulgebäuden und Rathäusern im Lande. Zeitlose Werte, von denen die sendungsbewussten Franzosen glauben, man habe sie der ganzen Welt als universales Geschenk vermacht. Kein Wunder, dass der irritierte Afghanistan-Beauftragte des Elysée neulich vorwurfsvoll fragte, warum Frankreichs Soldaten am Hindukusch für die Gleichheit von Mann und Frau kämpften, während daheim nichts gegen die Burka unternommen werde, das zynische Symbol des frauenverachtenden Taliban-Regimes. Die Burka und die Freiheit: Niemand hat das republikanische Freiheitsideal so verklärend in Szene gesetzt wie der Romantiker Eugène Delacroix. Sein bekanntestes Gemälde, in dem die Freiheit, einer antiken Göttin gleich, die revolutionären Massen anführt, symbolisiert den krassen Gegenentwurf zum steinzeitlichen Frauenbild islamischer Fundamentalisten. Hier der entblößte Busen und die nackten Füße – dort der schwarze Schleier, der jegliche weibliche Haut vor aufdringlichen Männerblicken schützen soll. „Vor zwanzig Jahren liefen sie noch mit

einfachem Schleier durch unsere Städte, heute haben sie immer häufiger Gitter vor dem Gesicht und tragen sogar Handschuhe“, berichten immer mehr Franzosen übereinstimmend. Welches exakte Ausmaß die weibliche Totalverhüllung in Frankreich inzwischen angenommen hat, darüber herrscht noch Unklarheit. Lediglich einige Tausend dürften es sein, angesichts von fünf Millionen Muslimen zwar nur ein Bruchteil. Aber es ist der spürbare Aufwärtstrend, der in den Menschen tiefsitzende Ängste hervorruft: die Furcht vor einem schleichenden Vormarsch des Islam.

„Selbstverständlich ist das für die Franzosen eine Provokation“ Zeina El-Tibi in Paris lebende libanesische Publizistin Immer beklagen Franzosen den Mangel an Respekt. „Wenn wir nach Saudi-Arabien reisen, halten wir uns doch auch an die herrschenden Kleidungsvorschriften“, schreibt eine Leserin im Meinungsforum der Zeitschrift „Le Point“, „deshalb sollten sie auch unsere Sitten und Gebräuche in Frankreich akzeptieren.“ „Selbstverständlich ist das für die Franzosen eine Provokation“, findet auch die libanesische Publizistin Zeina El-Tibi, eine weltoffene Muslimin, die schon seit 35 Jahren in Paris lebt. Vehement tritt sie dafür ein, dass sich Muslime ihrer jeweiligen Umgebung anpassen. Im Übrigen sei die Burka alles andere als islamisch. „Viele, die sie tragen, sind Opfer einer Gehirnwäsche“, fügt sie hinzu. Die Frauen unter der Burka sind meist zwangsverhüllte Einwanderinnen der zweiten und dritten Generation, erniedrigt und unterworfen von fanatisch-fundamentalistischen Glaubensbrüdern. Aber immer wie-

Der Sturm im Weinglas Schmeckt Ihnen der Wein? Das ist eine gute Frage, die von Weinliebhabern längst nicht mehr so einfach mit gut oder schlecht beantwortet werden kann. Womöglich sagt man sauer, dabei ist der Tropfen mineralisch! Derlei Unsicherheiten bescheren den Weinführern eine immer größere Bedeutung, die Konsumenten verlassen sich gerne auf Ranglisten und Bewertungen – weshalb solche für die Weingüter schlicht zu einem wirtschaftlichen Faktor geworden sind. Entsprechend hoch schlagen derzeit die Wellen: der bedeutendste Weinführer wird boykottiert, just in diesem Moment kommt ein Konkurrenzprodukt auf den Markt – und im Hintergrund wird über Mauscheleien und Intrigen geredet. Obwohl die Geschichte eher an eine Posse erinnert, war in anderen Publikationen auch schon von „Krieg“ oder „Showdown“ die Rede. Der Reihe nach. Angefangen hat alles mit finanziellen Problemen im Christian-Verlag. Dessen Weinführer Gault Millau ist in der Branche zwar der angesehenste, wirft aber offenbar zu wenig Gewinn ab. Also suchten die Verlagsleute nach einer neuen Geldquelle – und entdeckten sie in den Winzern. Für Weinverkostungen bezahlen diese

schließlich auch, warum dann nicht auch für das Erscheinen im Gault Millau? Der Verlag setzte ein Schreiben an alle in dem Buch vertretenen Betriebe auf und fragte einen freiwilligen Beitrag von 195 Euro an. Als Gegenleistung dafür sollten die Winzer zwei gedruckte Exemplare (im Buchhandel 29,90 Euro) erhalten, zudem noch das Recht, mit der Empfehlung aus dem Gault Millau zu werben. Dieses Ansinnen löste den Aufstand der Winzer aus. Eine Gruppe von vierzehn renommierten Betrieben schrieb einen offenen Brief an den Verlag und kündigte die Zusammenarbeit auf. Darunter Betriebe wie Heger aus Baden, Fürst aus Franken, Künstler aus dem Rheingau, Dönnhoff von der Nahe und Knipser aus der Pfalz – alle vom Gault Millau als Top-Betriebe gehandelt. Knipser wurde in der jüngsten Ausgabe gar als Winzer des Jahres gefeiert. Die Boykotteure behaupteten, durch das Ansinnen des Verlags erhalte die Bewertung den Ruch, man könne eine gute Note kaufen. Vor allem die Freiwilligkeit wurde angeprangert. Dadurch werde diese Sichtweise doch nur erhärtet. Beim Verlag versuchte der zuständige Programmleiter Clemens Hahn die Wogen zu glätten. Im Nachhinein nennt er seinen

Landtagsparteien stellen immer neue Bedingungen – Grüne im Sondierungsgespräch mit den Linken Die in den Landtag von Nordrhein-Westfalen gewählten Parteien kommen einander nicht näher. Die Grünen wollen in Gesprächen mit den Linken deren Verhältnis zum DDR-Regime klären. Die FDP hofft auf einen öffentlichen Aufschrei – und vielleicht sogar auf Neuwahlen. Die CDU hält an Rüttgers fest. Von Bettina Gönewald DÜSSELDORF. Die Grünen haben der FDP vorgeworfen, mit ihrer Absage an eine Ampelkoalition in Nordrhein-Westfalen auf eine Neuwahl zu spekulieren. Die Gründe der FDP seien vorgeschoben, sagte die Chefin der Grünen-Landtagsfraktion in Düsseldorf, Sylvia Löhrmann, am Montag. Wenn sich die Parteien auf keine Koalition einigen, kann der Landtag sich auflösen. Die Landesverfassung sieht eine Neuwahl innerhalb von 60 Tagen vor, von der sich die FDP eine zweite Chance erhoffe, so Löhrmann. Weiter sagte die Grünen-Politikerin, die FDP mache es sich mit ihrer Absage „verdammt leicht und entzieht sich mit vorgeschobenen Motiven ihrer staatspolitischen Verantwortung“. Löhrmann bezeichnete es als „Blödsinn“, dass Rot-Rot-Grün angeblich schon feststehe. Momentan ist beim Koalitionspoker allerdings die Linkspartei am Zug: In dieser Woche soll ihre NRW-Basis entscheiden, ob sich die Partei auf Verhandlungen mit SPD und Grünen einlassen soll. Am Montagnachmittag sollte zuerst der Landesvorstand in Köln darüber befinden, ob die Linke eine Einladung von SPD und Grünen zu einem ersten Sondierungsgespräch annimmt. Außerdem sollen in dieser Woche noch drei Regionalkonferenzen und ein Parteitag der NRW-Linken über Sondierungen beraten. Die Vorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion, Löhrmann, will sich bei dem geplanten Sondierungsgespräch „einen

cher der Linken, Ralf Michalowsky, sagte dazu: „Erst wenn alle anderen Abgeordneten das tun, machen wir das auch.“ Die Linke lasse sich nicht so abstempeln, als ob sie allein ein solches Bekenntnis nötig habe. Die FDP wiederum warf der Linken vor, ein Unrechtsregime zu verklären. „Man darf schon jetzt auf „Wir werden von den den Versuch von SPD und GrüLinken ein Bekenntnis zum nen gespannt sein, der ÖffentlichUnrechtscharakter der DDR keit nach ein paar Tagen Koalitionsgesprächen linksextreme Ververlangen“ fassungsgegner und DDR-Liebhaber als geläuterte Demokraten Volker Beck zu verkaufen“, teilte der Vorsitgrüner Bundestagsabgeordneter zende der FDP-Landtagsfraktion, Gerhard Papke, mit. Unterdessen hält die Kritik aus den ReiVolker Beck, der der Sondierungskommission seiner Partei in Düsseldorf angehört, hen von SPD und Grünen an der Verweigesagte in Berlin: „In unseren Sondierungsge- rungshaltung der FDP an. SPD-Bundessprächen werden wir von den Linken ein Be- Vize Olaf Scholz nannte ihr Verhalten kinkenntnis zu den Institutionen unseres demo- disch und respektlos gegenüber dem Wähkratischen Staates und zum Unrechtscha- ler. „Damit schrumpft die FDP auf die Rolle rakter der DDR verlangen.“ Der Parteispre- einer Vasallenpartei der Union“, sagte er. Laut Generalsekretärin Andrea Nahles ist die SPD weiter zu Gesprächen mit der FDP über eine Ampelkoalition bereit. „An uns solle es nicht scheitern“, sagte sie in Berlin. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel sieht in NRW auch noch eine Chance für eine Große Koalition – aber nur für den Fall, dass die CDU auf das Amt des Ministerpräsi¡ Der neue Landtag muss spätestens am 9. denten verzichtet. Er sagte: „Gegen die Juni zu seiner konstituierenden Sitzung zuCDU kann in NRW regiert werden – gegen sammenkommen. Die Wahl des Ministerdie SPD nicht.“ Die CDU müsse „diesen präsidenten hat das Parlament auf den 23. Wählerwillen endlich akzeptieren und Juni gelegt. Die Landesverfassung setzt jeaufhören, an ihren Stühlen zu kleben“. doch keine Frist, bis zu der die Wahl des Die NRW-CDU will bislang an Jürgen Regierungschefs erfolgt sein muss. Rüttgers aber festhalten. Medienberichte ¡ Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) über eine Nachfolgediskussion wies Integraund sein Kabinett müssen die Amtsgetionsminister Laschet zurück: „Die Spekulaschäfte kommissarisch weiterführen, bis tionen über CDU-Ministerpräsidenten-Kanein Nachfolger gewählt ist. Falls die Koalitididaten sind absurd, weil wir mit Jürgen onsverhandlungen erfolglos bleiben, kann Rüttgers einen guten Amtsinhaber haben. sich der Landtag per Mehrheitsbeschluss Die Debatte soll in Wirklichkeit nur davon auflösen. Im soeben gewählten Parlament ablenken, dass in dieser historischen Woche müssten mindestens 91 der 181 Abgeorddie SPD zum ersten Mal offiziell Gespräche neten dafür stimmen. (dpa) mit Linksextremisten aufnimmt.“ Eindruck verschaffen, wie glaubwürdig, demokratisch und seriös sich die Linkspartei aufstellt“, sagte sie dem WDR. Dabei gehe es unter anderem um die Frage, wie die Linkspartei die DDR-Vergangenheit bewerte. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete

Nachgefragt Johannes Kahrs Der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises in der SPD-Bundestagsfraktion fordert eine stabile Regierung

„Zeit für eine Große Koalition“ Von Claudia Lepping Berliner Redaktion

Herr Kahrs, wie ernst ist es der SPD mit ihrer Liebe zur Großen Koalition?

Wir können uns in Nordrhein-Westfalen eine Große Koalition vorstellen, aber nur mit der SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft als Ministerpräsidentin, denn Jürgen Rüttgers hat mehr als zehn Prozent Stimmen eingebüßt. Im Bund wäre jetzt die Zeit für eine Große Koalition. Die Union propagiert finanz-, wirtschafts- und haushaltspolitische Stabilität – aber genau das scheitert an der irrlichternden FDP und an einer Kanzlerin ohne Kompass.

Warum sollte die CDU denn springen?

Johannes Kahrs will in NRW auch eine rot-rot-grüne

Weil sie in NRW sonst Koalition prüfen in der Opposition landet. Die CDU will gestalten. Und deshalb müssen wir im Kern sehen, was mit ihr funktioniert und was nicht.

Sind die Spielräume der SPD in einer Großen Koalition oder in einer Ampel größer?

Wir müssen alles prüfen, auch Rot-RotGrün. In der jetzigen Wirtschaftslage brauchen wir eine stabile Regierung. Solange die NRW-CDU ihre Niederlage nicht akzeptiert und die FDP sich einer Ampel verschließt, wird es schwierig.

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Info

Orientierung für Genießer

Ein Winzerboykott gegen den wichtigsten Weinführer Gault Millau löst Aufruhr aus – und lockt die Konkurrenz aus der Reserve Von Michael Weier

der lösen neuerdings auch französische Frauen Irritationen aus, wenn sie vom Christentum zum Islam übertreten und den denkbar radikalsten Kleiderwechsel vornehmen: vom kurzen Rock unter die Burka. „Sie scheinen auf diese extreme Weise eine tiefe Spiritualität zu suchen“, deutet Zeina ElTibi dieses Phänomen. Die Grande Mosquée de Paris, die Große Moschee, die Frankreich als Dank für die algerisch-muslimischen Waffenbrüder des Ersten Weltkriegs im bürgerlichen fünften Arrondissement errichtete, durchweht ebenfalls ein aufgeklärter Geist. Der Mann vom Gemeindebüro, der im lauschig-begrünten Innenhof steht, über ihm ein gelber Halbmond mit grünem Stern, nimmt kein Blatt vor den Mund. Er sagt: „Ich lehne die Burka ab.“ Um im selben Atemzug klarzustellen, dass er ein gesetzliches Verbot für ebenso überzogen hält. „Das ist übertriebener Eifer, wir haben’s doch nicht mit einem Massenphänomen zu tun.“ Sein Name? „Non Monsieur“, lächelt der auskunftsfreudige Mann, ein sympathischer Mittvierziger mit abweisender Hand. Eine Vorsicht, die angesichts der hitzigen Debatte alles andere als unklug erscheint. Denn in Bordeaux gingen kürzlich zwei fanatische junge Muslime, Mitglieder der radikalen Salafistenvereinigung, mit Fäusten auf den Imam los. Nur weil der Geistliche zuvor in einem Interview des staatlichen Fernsehsenders France 2 das Burka-Verbot abgelehnt, aber gleichzeitig vehement dafür geworben hat, die Frauen vom Verhüllungszwang zu befreien. Gänzlich ungeklärt bleibt die Frage, wie ein Verbot überhaupt vollstreckt werden könnte. Mohammed Moussaoui, Präsident des zerstrittenen muslimischen Dachverbands in Frankreich, lehnt ein Burka-Verbot ab und warnt vor einer „Stigmatisierung des Islam“. Er fragt: „Wird man die Frauen etwa auf der Straße verhaften und sie zwingen, sich zu entschleiern?“

Der Koalitionspoker zieht sich

Foto: dpa

So könnte er aussehen: Der Blick auf den Pariser Eiffelturm durch einen Niqab, einen Gesichtsschleier, der von muslimischen Frauen zusammen mit einem schwarzen Gewand getragen wird

BANGKOK/SINGAPUR. Oppositionelle gegen Soldaten, Benzinbomben gegen Scharfschützen, Thai gegen Thai – nach dem blutigen Gewaltwochenende mit Dutzenden Toten wird in Bangkok weiter gekämpft. „Wenn sie aufhören zu schießen und die Soldaten abziehen, verhandeln wir wieder“, sagen die in roten Hemden gekleideten Regierungsgegner. „Wenn sie ihre Blockade aufgeben und abziehen, reden wir wieder“, sagt die politische Führung. Ein Patt. Der verbale Schlagabtausch findet vor einer Kulisse wie aus einem Kriegsfilm statt: Dicke Rauchsäulen steigen von brennenden Barrikaden aus Autoreifen auf, Soldaten zielen mit Maschinengewehren durch Wälle aus Sandsäcken. Junge Männer schleudern Benzinbomben, sie schützen sich mit Mopedhelmen vor Gewehrkugeln. Hundertschaften von Soldaten pirschen sich im Schutzfeuer von Kameraden an und nehmen eine Kreuzung ein. Schüsse peitschen durch die Luft, Frauen mit Kindern rennen um ihr Leben. Und die Demonstranten tanzen. In ihrem Lager mitten im edelsten Geschäftsviertel der Metropole machen die Menschen sich mit einer Show der Stärke Mut. Als Helikopter vorbeifliegen und Flugblätter mit dem Aufruf zum Aufgeben abwerfen, zünden sie Feuerwerkskörper in ihre Richtung. Mit dem Papier machen sie Feuer. „Wir bleiben hier sitzen. Wir kämpfen nicht. Und wenn sie uns töten wollen, sollen sie uns töten“, sagt einer der Protestanführer, Weng Tojirakarn. Er sitzt im weißen T-Shirt auf der Bühne und sieht ziemlich müde aus. Warum die an Leuten und Waffen übermächtige Armee dem Spuk kein Ende setzen kann, bleibt ein Rätsel. „Sie sind so dilettantisch, dass man kaum hinsehen mag“,

Brief „in der Formulierung sicher unglücklich“. In einem zweiten Brief schrieb er, dass der finanzielle Beitrag natürlich völlig unabhängig von der redaktionellen Berichterstattung sei – vergeblich. Der Sturm im Weinglas tobte.

Die Aufforderung zum freiwilligen finanziellen Beitrag „war in der Formulierung sicher unglücklich“ Clemens Hahn Programmleiter beim Gault Millau Nun schlug die Stunde der Gerüchte und Spekulationen. Immer mehr geriet GaultMillau-Chefredakteur Armin Diel in die Schusslinie. Weil der Mann selbst ein Weingut betreibt, früher sogar noch einen Weinhandel, war er schon öfter der Buhmann. Mangelnde Neutralität wurde ihm vorgeworfen, unter der Hand auch Überheblichkeit. Kenner der Weinszene vermuten, dass hier alte Rechnungen beglichen wurden. Schließlich legte Diel seinen Posten nieder. Chefredakteur ist künftig sein langjähriger Partner Joel Payne, der zumindest kein Weingut besitzt.

Währenddessen gerieten auch die Aufrührer unter Beschuss, weil ein Teil der Gruppe unter der Fahne der Zeitschrift „Feinschmecker“ bei verschiedenen Messen aufgetreten ist. In Winzerkreisen wird die Gruppe als Feinschmecker-Familie bezeichnet, da ihre Produkte in dem Heft schon immer besser weggekommen seien. Dies bestreiten die Boykotteure vehement. Auch seien sie nicht von der „Feinschmecker“-Redaktion zu ihrem Aufstand getrieben worden. Just in den Streit hinein verkündete gestern der „Feinschmecker“, künftig einen eigenen Weinführer auf den Markt zu bringen. In einer abgespeckten Form existierte dieser immer schon, jetzt wurde ein 250 Seiten starkes Werk (der Gault Millau umfasst 800 Seiten) für den Buchhandel angekündigt. Die eigene Weinzeitschrift „Weingourmet“ hat der Verlag zwar eingestellt, dennoch wolle man zeigen, dass man sich eine große Kompetenz erarbeitet habe. Damit ihre Weine verkostet werden, betont der Verlag, müssten die Winzer nichts bezahlen. Wie schizophren der Streit ist, beleuchtet folgend Fußnote: Wer die Homepage vom Weingut Knipser anklickt, stößt als Erstes auf das Titelbild vom Gault Millau und den Hinweis „Winzer des Jahres“. Aber das ist die Ausgabe vom vergangenen Jahr . . .

¡ Die erste deutsche Ausgabe des 1969 in Frankreich gegründeten Restaurantführers Gault Millau gab es 1983. Außer dem Restaurantführer erscheint im Münchner ChristianVerlag jährlich auch Diel Foto: dpa der Gault Millau Wein-Guide mit den besten deutschen Weinerzeugern. Armin Diel, seit 1993 Chefredakteur und Herausgeber des Wein-Guide, ist jetzt wegen des Streits um den Gault Millau von seinen Posten zurückgetreten. ¡ Die im Hamburger Jahreszeiten-Verlag monatlich erscheinende Zeitschrift „Der Feinschmecker“ gibt es seit 1975. Chefredakteurin ist seit 1997 Madeleine Jakits. Die 54-Jährige Jakits plant jetzt einen eigenen deutschen Weinführer über die Topwinzer.

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Burka ban in France Shown is a view of the Eiffel Tower through the eyeholes of a burka. A visualisation of the topic of the burka ban in France.

Von Carola Frentzen WIEN/TEHERAN. Hat der Iran in letzter Minute im seit Jahren schwelenden Atomstreit eingelenkt? Auf jeden Fall hat die Führung in Teheran ein Abkommen mit der Türkei und Brasilien über eine Urananreicherung unterzeichnet – internationale Beobachter werten dies als vorsichtiges Signal dafür, dass sich die Türen für einen Dialog mit den Weltmächten wieder öffnen könnten. „Dies ist ein großer Schritt hin zu Verhandlungen und weg von einer weiteren Eskalation des Streits“, sagte ein Mitglied der türkischen Delegation in Teheran. Schließlich war der Dreiergipfel zwischen dem iranischen Staatschef Mahmud Ahmadinedschad, dem Brasilianer Luiz Inácio Lula da Silva und dem türkischen Regierungschef Recep Tayyip Erdogan international als „letzte Chance“ für die Islamische Republik gewertet worden. Aus Diplomatenkreisen in Wien hieß es, eine Wiederaufnahme der Atomgespräche mit der Sechsergruppe – den fünf Mitgliedern des Sicherheitsrats plus Deutschland – rücke nun wieder in den Bereich des Möglichen. Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) gab hingegen noch kein offizielles Statement zu den jüngsten Entwicklungen ab. Dies zeigt: Die Skepsis bleibt. Zu oft hat der Iran seine Ankündigungen in den vergangenen Monaten wieder zurückgenommen. Bereits kurz nach der Unterzeichnung

ließ denn auch der iranische Außenamtssprecher Ramin Mehmanparast verlauten, Teheran werde trotz des Kompromisses weiterhin selbst radioaktives Material „auf eigenem Territorium“ anreichern. Wohl auch deshalb reagierte das Ausland eher verhalten. Es bleibe nach wie vor wichtig, dass zwischen dem Iran und der IAEO eine Vereinbarung getroffen werde, hieß es in Berlin. „Das kann nicht ersetzt werden durch ein Abkommen mit Drittstaaten“,

sagte Vize-Regierungssprecher Christoph Steegmans. Der springende Punkt bleibt aus Sicht der Bundesregierung die Frage der Anreicherung nuklearen Materials im Land selbst. Die EU erklärte, die Hauptsorge gelte nicht dem Uran für Forschungsreaktoren, sondern dem Atomprogramm selbst. Seit Monaten habe der Iran dabei versagt, die Bedenken gegen seine wahren Absichten auszuräumen, sagte EU-Ratspräsident Herman van Rompuy. Frankreich sah

Hintergrund

¡ Die Anreicherung von iranischem Uran im Ausland ist ein altes Thema. Bereits 2005 hatte Russland dem Iran ein entsprechendes Angebot gemacht – ohne Erfolg. Um Sanktionen zu entgehen, hat Teheran jetzt in Gesprächen mit dem brasilianischen Staatspräsidenten und dem türkischen Ministerpräsidenten eingelenkt. ¡ Ausgangspunkt des Atomdeals war ein Vorschlag der Internationalen Atom-Organisation (IAEO). Danach soll der Iran niedrig angereichertes Uran ins Ausland liefern und im Tausch von dort höher angereichertes Uran für seinen medizinischen Forschungsreaktor erhalten. Bislang hat sich Teheran

geweigert, sein spaltbares Material außer Landes zu bringen, und die Anreicherung in eigener Regie zügig vorangetrieben. Im Iran selbst kann die IAEO nur schwer kontrollieren, ob sich das Land an die Auflagen des Sicherheitsrats hält. Das Gremium hat von Teheran den Stopp seines jahrelang verheimlichten Programms verlangt. ¡ Die Beschlüsse des Sicherheitsrats sind international verbindlich. Unter Hinweis auf sein Recht zur Nutzung der Kernenergie verweigert der Iran aber den Gehorsam. Vor allem der Westen verdächtigt den Iran, unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms an Nuklearwaffen zu arbeiten. (dpa)

vorerst „nur eine vertrauensbildende Maßnahme“. Der Iran war zuletzt immer mehr unter Druck geraten. Selbst China und Russland hatten sich nicht mehr so vehement wie gewohnt gegen Sanktionen ausgesprochen, und iranische Versuche, bei nicht ständigen Mitgliedern des Weltsicherheitsrats wie Bosnien und Österreich zu punkten, scheiterten. Selbst Uganda hatte nicht ausgeschlossen, für weitere Sanktionen zu stimmen. Dabei war Ahmadinedschad im April nach Kampala gereist, um Werbung in eigener Sache zu machen. Ahmadinedschad wird freilich kaum aus Furcht vor wirtschaftlichen Konsequenzen gehandelt haben. „Der Iran handelt normalerweise nicht aus Angst“, hieß es aus Diplomatenkreisen. „Das Land braucht jetzt wahrscheinlich den Brennstoff für seinen medizinischen Reaktor.“ Der Kompromissvorschlag, dass die Türkei niedrig angereichertes Uran aus dem Iran treuhänderisch verwahren könnte und der Iran im Gegenzug Brennstäbe für einen Atomreaktor erhält, stand schon seit Monaten im Raum. Allerdings geht es bei der Vereinbarung nur um die Lagerung von 1200 Kilogramm Uran mit einem niedrigen Anreicherungsgrad von 3,5 Prozent. Die Frage, ob Teheran sein Atomprogramm in Zukunft stärker kontrollieren lässt, ist weiter offen. „Daran glauben wir erst, wenn wir es mit eigenen Augen sehen“, sagte eine US-Diplomatin in Wien.

Po ca co our m x The pa s conta n ng red ye ow and green pa nt stand or po t ca part es n the art c e poss b e coa t ons are specu ated about

A train excursion The lead article on this page of leisure tips is about a museum railway. For visualisation there is an illustration with a blue strip showing the names of places passed along the way.

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Nummer 103 ď&#x201A;&#x2022; Donnerstag, 6. Mai 2010

â&#x20AC;&#x17E;Schach â&#x20AC;&#x201C; das ist Boxen auf intellektueller Ebeneâ&#x20AC;&#x153; Der deutsche GroĂ&#x;meister JĂśrg Hickl im Gespräch Ăźber die packende Weltmeisterschaft in Sofia

Herr Hickl, gefällt Ihnen die SchachWM?

Ja. Endlich eine aufregende WM, die nicht durch irgendwelche Skandale wie die Toiletten-Affäre von 2006 von sich reden macht, sondern durch Spannung pur. Was mir nicht gefällt, ist die kurze Dauer der WM. 12 Runden sind zu kurz, um einen Weltmeister zu ermitteln.

ÂĄ JĂśrg Hickl (45) ist SchachgroĂ&#x;meister und Chefredakteur der â&#x20AC;&#x17E;Schach-Weltâ&#x20AC;&#x153;. 1998 wurde er deutscher Einzelmeister, mit Bayern MĂźnchen wurde er viele Male deutscher Mannschaftsmeister. ÂĄ FĂźr die deutsche Schachnationalmannschaft bestritt Hickl knapp hundert Einsätze. Viermal nahm er fĂźr Deutschland an Schach-Olympiaden teil. ÂĄ JĂśrg Hickl zählt heute noch zur erweiterten deutschen Spitze. Er ist auch als Autor tätig und verĂśffentlichte 2009 mit Erich Zude und Uwe Schupp ein hoch gelobtes Buch Ăźber die Kunst der BauernfĂźhrung im Schach (â&#x20AC;&#x17E;Die Macht der Bauernâ&#x20AC;&#x153;).

Was sagen Sie denn zum Niveau der Partien?

Das Schach hat sich sehr gewandelt. Mit dem Aufkommen der Datenbanken in den vergangenen zwanzig Jahren ist alles anders geworden. Die computergestĂźtzte Vorbereitung ist nunmehr unheimlich wichtig. Auch bei diesem Match werden die ersten zehn, zwanzig ZĂźge ohne Nachdenken im Blitztempo aufs Brett gedonnert, weil sie zu Hause grĂźndlich analysiert worden sind. Da geht es nur um das Abrufen von Informationen. In dem Moment, wo die Spieler aus der Vorbereitung herausgeworfen werden, nimmt die Fehlerquote drastisch zu. Aber die Partien sind trotzdem auf sehr hohem Niveau. Fehlerfreie Partien kĂśnnen die Menschen nicht spielen.

Seine Neuerung machte Epoche und revolutionierte unseren Lebens- und Ernährungsstil: Der US-Biologe und Erfinder Clarence Birdseye hat vor 80 Jahren erstmals TiefkĂźhlkost verkauft. Heute heiĂ&#x;t es Hauptsache schnell, billig und ohne Aufwand. Von Manfred Kriener Prometheus schenkte uns das Feuer. Der Titan entzĂźndete einen Stängel des Riesenfenchels am funkensprĂźhenden Wagen von Sonnengott Helios und brachte die lodernde Flamme zur Erde hernieder. Der Mensch in seiner HĂśhle konnte endlich eine anständige Hirschkeule braten, die Kulturgeschichte der Kochkunst begann. Prometheusâ&#x20AC;&#x2122; Bruder am anderen Ende der Temperaturskala ist weniger bekannt. Er heiĂ&#x;t Clarence Birdseye, ein Biologe und US-Amerikaner aus Massachusetts. Birdseye brachte den Menschen den Schockfrost. Leider werden kalte Temperaturen eher mit Grippeschutzimpfung und stotterndem Motor in Verbindung gebracht, weshalb Mister Birdseye nie den Ruhm des groĂ&#x;en Feuerbringers erringen konnte. Doch gehĂśrt seine Erfindung zu den bedeutendsten Entwicklungen in der Geschichte des Essens und Trinkens. Der 6. März 1930 muss ein kalter Tag gewesen sein. Mit HĂźten und langen Mänteln bekleidet, stehen Frauen vor den Glasvitrinen der Lebensmittelgeschäfte und halten sich an ihren Einkaufstaschen fest. Es ist der groĂ&#x;e Tag des Clarence Birdseye. Jetzt muss sich zeigen, ob seine Erfindung sich kommerziell vermarkten lässt. In 18 Geschäften in Springfield, der drittgrĂśĂ&#x;ten Stadt im US-Bundesstaat Massachusetts, wird zum ersten Mal ein neuartiges Lebensmittel angeboten: TiefkĂźhlkost. Hinter den Vitrinen stehen an diesem Tag Spezialverkäufer, die die Vorteile der Frostwaren und den häuslichen Umgang damit erklären sollen. 27 verschiedene Lebensmittel sind im Angebot, darunter FrĂźchte und GemĂźse, Fische und Fleisch.

In der ersten Partie wurde Weltmeister Viswanathan Anand vom Brett gefegt, weil er in seiner Erinnerung an die Heimanalyse die Reihenfolge zweier ZĂźge verwechselte.

Der erste Probelauf bringt nicht den Durchbruch, weitere Testverkäufe in New York und Syracuse folgen. Doch die TĂźr ist aufgestoĂ&#x;en, die TiefkĂźhlkost beginnt an jenem 6. März 1930 ihren unvergleichlichen Siegeszug. Heute kauft jeder Amerikaner mehr als 50 Kilo gefrosteter Lebensmittel, der Deutsche kommt auf coole 40 Kilo pro Kopf. Die Jahresproduktion tief gekĂźhlter Lebensmittel liegt weltweit bei Ăźber 50 Millionen Tonnen, dazu kommen noch circa 20 Millionen Tonnen Speiseeis und 30 Millionen Tonnen TiefkĂźhlfisch. Clarence Birdseye, der Vater der TiefkĂźhlkost, war schräg. Mit zehn jagte er in der Bronx Bisamratten und verkaufte sie an einen Händler. Geld fĂźrs College verdiente er sich später auch mit FrĂśschen und Ratten. Die Nager lieferte er bei der Columbia Universität ab, die FrĂśsche wurden im städtischen Zoo an Reptilien verfĂźttert. Er hatte eigenwillige kulinarische Vorlieben. Birdseye aĂ&#x; alles was Beine hatte, ausgenommen Tische und StĂźhle. Auch Klapperschlangen und Meerschweinchen, Alligatoren und FĂźchse

Ja, schrecklich. Es geht den Spielern in der ErĂśffnungsphase nicht mehr darum, warum sie einen Zug spielen â&#x20AC;&#x201C; sie rufen Informationen ab. Diese Art des Schachs gefällt mir gar nicht. Es gab mal ein WM-Match zwischen Viswanathan Anand und Garri Kasparow. Nach einer Partie sagte Kasparow, dass er selbst die Schlussstellung schon zu Hause auf dem Brett hatte. So wichtig ist die monatelange Vorbereitung geworden.

Wesselin Topalov hat in der achten Partie zum 4:4 ausgeglichen â&#x20AC;&#x201C; in einer Partie, die jeder Amateur sicher remis gegeben hätte.

Nicht nur der. Ich habe die Partie live auf unserem Webauftritt Schach-Welt.de kommentiert. Wir haben die Kommentierung an einer Stelle beendet, wo wir zu dem Schluss gekommen waren, dass in dieser Position nichts mehr passiert auĂ&#x;er trostlosem Hin-und-her-Geschiebe. Ein paar ZĂźge später gab Anand nach einem Fehler auf. Ein bisschen peinlich war das schon. Unsere Einschätzung war aber im Prinzip richtig. Anand hat einfach nicht gut gespielt.

Welche Folgen hat diese Anand-Pleite fĂźr das Match?

Fallender KĂśnig im Schach Foto: Fotolia

VfB Friedrichshafen erkämpft elfte Meisterschaft MĂ&#x153;NCHEN (sid). Volleyball-Serienmeister VfB Friedrichshafen hat seinem Trainer Stelian Moculescu einen Tag vor dessen 60. Geburtstag mit dem elften Meistertitel der Vereinsgeschichte ein vorzeitiges Geschenk beschert. Die Häfler bezwangen Pokalsieger Generali Haching in der Endspiel-Serie â&#x20AC;&#x17E;Best of fiveâ&#x20AC;&#x153; in einem dramatischen Spiel auswärts mit 3:2 (25:27, 20:25, 29:27, 25:20, 15:13) und entschieden so das Final-Duell vorzeitig mit 3:1 fĂźr sich. â&#x20AC;&#x17E;Ich bin fix und fertig und einfach nur froh, dass es vorbei istâ&#x20AC;&#x153;, sagte Moculescu nach dem Spiel. Denn fĂźr den Hauptrunden-Ersten war es ein steiniger Weg zur sechsten Meisterschaft in Folge: Zunächst musste das Team im MĂźnchner SĂźden einen 0:2-Satz-RĂźckstand wegstecken, ehe die Partie in der Schlussphase des dritten Durchgangs zugunsten des Abo-Meisters kippte. Zuvor hatte sich Moculescus Mannschaft fahrig präsentiert und eine FĂźlle von Eigenfehlern produziert. Im zweiten Satz hatten die Häfler eine 8:2-FĂźhrung verspielt und im dritten sogar einen Matchball abwehren mĂźssen. Durch die Energieleistung in der zweiten Spielhälfte rettete der VfB eine bislang titellose Saison.

V2

Europa wie es isst Ende Mai 2009 trafen sich engagierte Leute auf Schloss Seggau in der SĂźdsteiermark zu einem Pfingstdialog Ăźber die Frage: â&#x20AC;&#x17E;Wie schmeckt Europa?â&#x20AC;&#x153; Zu essen gab es Kostproben vom Kontinent, die Geschmacksreise ging von Island bis zu den Karpaten, von Lissabon bis zum Ural. Der slowenischsprachige Ăśsterreichische Verleger Lojze Wieser, ein Zusammenbringer von Menschen und Meinungen, und seine Mitstreiter präsentierten aus 48 europäischen Staaten je fĂźnf Gänge eines MenĂźs. Die Theorie wird aus der Praxis geholt, die Rezepte sind zum Nachkochen: Ein wunderbares kleines Buch fĂźr wahre Europäer und solche, die es werden wollen. Ganz im Sinne eines Buchtitels des grenzĂźberschreitenden Verlegers Wieser: Die Zunge reicht weiter als die Hand. (vino) [Geschmacksverwandtschaften. Eine kleine europäische Speisefibel mit Rezepten. Herausgegeben von Lojze Wieser, Christoph Wagner und Barbara Maier. Wieser-Verlag, Klagenfurt/Celovec. 9,90 Euro]

Weltoffen in Indien Vidhu Mittal gibt Kochkurse in der sßdindischen Stadt Bengaluru (vormals Bangalore). Ihre Kßche lebt von den Aromen ihrer Heimatprovinz Uttar Pradesh im Norden Indiens und der Weltoffenheit der KÜchin. Es kommt ihr weniger auf dominante Schärfe an als auf die verfeinerte Komposition der Gewßrze. Sie sagt, es sei einfach, die fleischlosen Vorspeisen, Suppen, Salate, Hauptgerichte, die Desserts und Getränke zuzubereiten. Einfach ist es immer dann, wenn man gut sortiert ist und Lust zu kochen hat, es gibt keine anderen Voraussetzungen. Einfach ist es auch, wenn man das Rezept Schritt fßr Schritt befolgt. Und das kann man hier tun. Eine Bilderfolge zeigt, wo es langgeht. Fßr den, der nicht zum ersten Mal am Herd steht, sind es Anregungen, wie man ein optisch ansprechendes Ergebnis erzielt. Wertvolle Details stehen auf dem Textlaufband unten. Es zieht sich durchs ganze Buch. (vino) [Vidhu Mittal: Indien. Die neue vegetarische Kßche. Verlag Zabert Sandmann, Mßnchen. 24,80 Euro]

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NĂźsse mĂźssen sein

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Domitille und Michel Langot sind ein exzellentes Team, wie man sieht. Sie kreiert und inszeniert die Gerichte, er testet und fotografiert sie. Es sind Gerichte von hoher Transparenz und jener Einfachheit, die die Kunst der Zubereitung raffiniert verbirgt. Gerichte mit HĂźlsenfrĂźchten, NĂźssen, Kernen und Keimen. Ernährungslehrer und KochkĂźnstler entdecken die wertvollen NĂźsse. Das schwer Verdauliche der HĂźlsenfrĂźchte verfliegt in Domitilles Kompositionen. Das Gericht â&#x20AC;&#x17E;Linsen Apiciusâ&#x20AC;&#x153; (S. 23) spielt auf den rĂśmischen EsskĂźnstler an, dem wir das erste Kochbuch der Antike verdanken: grĂźne PuyLinsen, Salbeiblätter, Thymian, Esskastanien, Butter, KreuzkĂźmmel, Kastanienhonig, Balsamico, Minze gehĂśren dazu. Gesundes und Genuss verschmelzen in Nussrezepten zu geschmacksintensiven Erlebnissen. Die Anleitungen sind gut nachzuvollziehen. Und die Warenkunde ist gut fĂźr den Kopf. (vino) [Domitille und Michel Langot: Schmeckt gut, tut gut. Christian-Verlag, MĂźnchen. 24,95 Euro]

Marmeladen ohne Muff Didier Kiner aus Paris schickte das Rezept fĂźr die Junggesellenmarmelade. Man braucht dafĂźr nur 2 Zitronen, 2 Pampelmusen, 4 Orangen, 4 Clementinen, 4 Mandarinen, 1 Pomelo, 1 Limetta, Zucker, Rosinen, Korinthen, Mandeln, WalnĂźsse, Zimtstangen, Kardamom, Nelken, Cognac. Die restlichen 28 Rezepte sind Allgemeingut, sie erweitern die traditionellen Marmeladenzubereitungsarten um exotische Aromen. FĂźr das HolunderblĂźtengelee ist es zu spät fĂźr den, der die BlĂźtendolden selber sammeln will. Heidelbeergelee mit Wacholderbeeren und Gin (wahlweise Wacholderschnaps von der Schwäbischen Alb), MilchkonfitĂźre mit HaselnĂźssen, Trauben-Birnen-Gelee mit Thymian, Apfel-Zucchini-KonfitĂźre mit Minze â&#x20AC;&#x201C; klingt gut. Das Design spielt mit dem Stil der fĂźnfziger Jahre. Damals war Marmeladekochen als Teil einer integrativen Ă&#x153;berlebensstrategie unter dem Begriff Vorratshaltung populär. (vino) [Selbstgemachte Marmelade. ThorbeckeVerlag, Ostfildern. 8,90 Euro]

¿17 ¡ Kultur John-Cranko-Schule soll gebaut werden

Wollen Sie zum Schluss nicht doch noch einen Tipp wagen? Bitte!

Kurz berichtet

Jedenfalls gibt es mindestens vier Profis, die alle um den Titel kämpfen kĂśnnten: Nummer eins der Weltrangliste ist der junge Norweger Magnus Carlsen. Aber er hat auch nur einen Ranglistenpunkt mehr als Topalov. Der russische Ex-Champ Kramnik ist Nummer drei, Anand ist Nummer vier. Am Ende des WM-Matches gibt es also einen Titelträger, aber er ist niemand, der eine Ă&#x201E;ra prägen kann wie frĂźher die Heroen Fischer, Karpow oder Kasparow. Die bestimmenden Turnierspieler der vergangenen Monate waren sicher eher Kramnik und Carlsen. Jedenfalls hat das Schach-Welt-InternetPortal in kurzer Zeit regen Zuspruch bekommen. Am Donnerstag hatten wir trotz Ă&#x153;bertragungsproblemen 7000 User auf dem Server. Man kann Schach durchaus attraktiv darstellen. Aber das Angebot ist noch zu wenig User-freundlich. Was die Breite unseres Sports angeht, gilt ein seltsames Gesetz: In Osteuropa ist eine groĂ&#x;e Schach-Bildung da, dort gibt es aber wenig MĂśglichkeiten zu spielen. Im Westen ist es andersherum â&#x20AC;&#x201C; da gibt es ein Turnier nach dem anderen. Aber in den Vereinen werden zu wenig gediegene Grundlagen gelegt.

Sicher. Bei der von ihm verlorenen WM 2006 gegen den Russen Wladimir Kramnik erhob er den Vorwurf, sein Gegner habe bei regelmäĂ&#x;igen Gängen auf die Toilette Computerhilfe in Anspruch genommen. Kaum glaublich. Aber er hat das so vehement ver-

Wenn man den Matchverlauf sieht, dann muss man sagen, dass Anand und Topalov annähernd gleich stark sind. Am Ende kann ein einziger Zug das Match entscheiden. Aber wie gesagt: Ein Tiebreak â&#x20AC;&#x201C; das hätte was . . .

Topalovs Auferstehung Der bulgarische Herausforderer wird fĂźr Kampfgeist belohnt Von Norbert Wallet SOFIA. â&#x20AC;&#x17E;Schockierend!â&#x20AC;&#x153; So kommentierte die ungarische Schach-GroĂ&#x;meisterin Susan Polgar das Ende der achten Partie der Schachweltmeisterschaft in Sofia. Und genauso wird auch der indische Titelverteidiger Viswanathan â&#x20AC;&#x17E;Vishyâ&#x20AC;&#x153; Anand das Ende dieser fĂźr ihn zermĂźrbenden Partie empfunden haben, die ihm den Vorsprung im Titelmatch gegen den Bulgaren Wesselin Topalov gekostet hat. Topalov hatte mit den weiĂ&#x;en Steinen, die einen kleinen Vorteil â&#x20AC;&#x201C; ähnlich dem Aufschlagsrecht im Tennis â&#x20AC;&#x201C; bedeuten, zwar zunächst eine leicht Ăźberlegene Stellung herausgeholt. Aber dann stockte der Angriff, und Ăźbrig blieb eine langweilige Stellung mit einem schwarzfeldrigen Läufer auf der einen und einem weiĂ&#x;feldrigen Läufer auf der anderen Seite. Eine Konstellation, die einen unentschiedenen Ausgang stark begĂźnstigt. So hätte wohl jeder Amateurspieler diese Stellung längst remis gegeben. Aber Topalov spielte weiter. Quälend fĂźr Anand, der in einer todlangweiligen Position stets auf der Hut sein

musste, um â&#x20AC;&#x201C; bar jeder eigenen Siegchance â&#x20AC;&#x201C; nicht doch noch durch einen unbedachten Zug abzustĂźrzen. Und als alle längst mit einem Friedensschluss gerechnet hatten, patzte der Inder tatsächlich. Damit steht das Duell um die Weltmeisterschaft nach zwei Dritteln des auf zwĂślf Partien angesetzten Kampfes 4:4. Bleibt es bis zum Schluss beim Gleichstand, werden vier Partien mit erheblich verkĂźrzter Bedenkzeit â&#x20AC;&#x201C; eine Art Tiebreak â&#x20AC;&#x201C; gespielt. FĂźr Topalov gleicht dieser Erfolg einer Art Auferstehung. Nachdem er seinen Gegner in der ersten Partie fĂśrmlich Ăźberrannt hatte, kam Anand immer besser ins Match. Allerdings verpasste es der Titelverteidiger in den Partien sechs und sieben, einen weiteren, vielleicht vorentscheidenden Sieg zu landen. Topalov hielt stand. Nun kann er, angespornt von den bulgarischen Schachfans, wieder auf den Sieg hoffen. Heute findet die neunte Partie statt. Zum vorletzten Mal fĂźhrt Viswanathan Anand die weiĂ&#x;en Steine. Der Sieger der Weltmeisterschaft erhält 1,2 Millionen Euro. Der Verlierer kann sich immerhin mit 800 000 Euro trĂśsten.

Graf: Weltmeisterin ohne BĂźhne Stuttgarterin ist frustriert, weil ihr Boxstall sie nicht kämpfen lässt â&#x20AC;&#x201C; auch nicht in der Porsche-Arena Von Jochen Klingovsky STUTTGART. Gut gelaunt saĂ&#x;en Firat Arslan und Ina Menzer gestern auf dem Podium im Saal 6 der Schleyerhalle. Sie scherzten, lachten und feixten â&#x20AC;&#x201C; die Vorfreude der Boxer auf ihren Auftritt am 3. Juli in der Stuttgarter Porsche-Arena ist groĂ&#x;. Arslan (â&#x20AC;&#x17E;Ich will wieder Weltmeister werdenâ&#x20AC;&#x153;) kehrt nach fast zwei Jahren Pause in den Ring zurĂźck, und Ina Menzer (â&#x20AC;&#x17E;Meine Entwicklung ist enormâ&#x20AC;&#x153;) ist sowieso dick im Geschäft mit ihrem Charme und den drei WM-GĂźrteln. Sportliche Erfolge und ein sympathisches Lächeln hat auch Alesia Graf zu bieten. Sie besitzt zwei WM-GĂźrtel im Junior-Bantamgewicht, aber sie ist eine Weltmeisterin ohne BĂźhne. Seit Juli 2009 hat die Stuttgarterin nicht mehr geboxt, und auch in der Porsche-Arena wird sie nicht dabei sein. â&#x20AC;&#x17E;Noch deutlicher kann man nicht zeigen, dass man nicht mehr auf sie setztâ&#x20AC;&#x153;, sagt Grafs Trainer und Manager Heinz Schultz, â&#x20AC;&#x17E;und dann auch noch ein Kampf von Ina Menzer in Stuttgart â&#x20AC;&#x201C; das ist die HĂśchststrafe fĂźr uns.â&#x20AC;&#x153; Vor drei Jahren waren Alesia Graf, Susi Kentikian und Ina Menzer zum Kampf ums Erbe der Lichtgestalt Regina Halmich angetreten. Menzer und Kentikian sind zwar

ben im Juli ja noch zwei weitere Veranstaltungâ&#x20AC;&#x153;, meint Universum-Mediendirektor Georg Nolte, â&#x20AC;&#x17E;aber das ist noch lange hin, da mĂźssen wir erst mal abwarten.â&#x20AC;&#x153; Doch Alesia Graf (29) hat genug vom Warten. Sie will endlich wieder boxen. Allerdings gegen Gegnerinnen ihres Kalibers. Nicht gegen Ina Menzer (29). Dieses Duell hatte Universum der Stuttgarterin vorgeschlagen, allerdings kämpft Menzer drei Gewichtsklassen hĂśher. â&#x20AC;&#x17E;Ein Kampf von Ina Menzer Sie hätte eine Klasse absteigen mĂźssen, Graf zwei auf. â&#x20AC;&#x17E;Das war in Stuttgart â&#x20AC;&#x201C; das ist die ein unseriĂśses Angebotâ&#x20AC;&#x153;, sagt HĂśchststrafe fĂźr unsâ&#x20AC;&#x153; Schultz, â&#x20AC;&#x17E;wir sind doch nicht beim Rummelplatz-Boxen.â&#x20AC;&#x153; Heinz Schultz Graf rechnet nicht mehr mit eiTrainer von Alesia Graf nem Auftritt fĂźr den Hamburger Boxstall, auch wenn ihr bisher Heinz Schultz, â&#x20AC;&#x17E;das ist alles gesteuert. Und niemand von Universum erklärt hat, wo gewir sind machtlos, kĂśnnen nur zuschauen.â&#x20AC;&#x153; nau das Problem liegt. Längst Ăźberlegt die Das GefĂźhl, von ihrem Promotor Klaus- Weltmeisterin, was nach dem Ende ihres Peter Kohl benachteiligt zu werden, hat Ale- Kontrakts passieren wird. Sauerland, der sia Graf schon lange. Anfang 2007 klagte sie zweite groĂ&#x;e Boxstall in Deutschland, hat sogar gegen Universum, nachdem Kohl die wenig Ăźbrig fĂźrs Frauenboxen, ob sich anOption auf eine dreijährige Verlängerung dere Alternativen auftun, ist fraglich. â&#x20AC;&#x17E;Es des Vertrags gezogen hatte. Graf verlor, nun ist durchaus mĂśglichâ&#x20AC;&#x153;, sagt Schultz, â&#x20AC;&#x17E;dass endet der Kontrakt am 31. Juli 2010. Ob sie sie ihre Karriere beenden muss.â&#x20AC;&#x153; Gelacht wird derzeit nur bei den anderen. davor noch einmal kämpfen wird? â&#x20AC;&#x17E;Wir halängst nicht so populär wie die frĂźhere Herrin der Ringe, ihre Kämpfe aber haben ein TV-Millionenpublikum, und ordentliche Gagen streichen sie zudem ein. Das liegt auch an ihrer sportlichen Klasse, vor allem aber an Universum. Der Hamburger Boxstall vermarktet nur seine beiden Weltmeisterinnen mit groĂ&#x;em Einsatz, und das macht sich bezahlt. â&#x20AC;&#x17E;Da wird Politik betriebenâ&#x20AC;&#x153;, sagt

Schalke macht 16,8 Millionen Euro Minus Der FC Schalke 04 ist im Geschäftsjahr 2009 tief in die roten Zahlen gerutscht. Der FuĂ&#x;ball-Bundesligist gab einen Verlust von 16,8 Millionen Euro bekannt. Der Umsatz brach auf 119 (Vorjahr: 139,2) Millionen Euro ein. Die grĂśĂ&#x;ten Einnahme-RĂźckgänge gab es durch fehlende internationale Spiele.

Kohlschreiber ist weiter Davis-Cup-Spieler Philipp Kohlschreiber (Augsburg) hat beim ATP-Turnier in MĂźnchen das Achtelfinale erreicht. Der Weltranglisten-28. gewann das deutsche Duell gegen Daniel Brands (Deggendorf) mit 6:4, 6:4. In der Runde der letzten 16 trifft er nun auf den Spanier Santiago Ventura. Benjamin Becker unterlag Jan Hajek (Tschechien) mit 4:6, 0:6.

Mannheim holt Star-Stßrmer Australiens Star-Stßrmer Jamie Dwyer (31) wird zur im Spätsommer beginnenden Bundesligasaison vom niederländischen Meister und Euro-League-Champion HC Bloemendaal in die deutsche Hockeyliga zum Mannheimer HC wechseln.

Frisch Auf hält Stellbrink Sie wurde schon verabschiedet â&#x20AC;&#x201C; doch nun hat RĂźckraumspielerin Birute Stellbrink aus privaten GrĂźnden ihren Vertrag bei den Handball-Bundesligafrauen von Frisch Auf GĂśppingen doch verlängert.

Esslingen geht in FĂźhrung Wasserball-Bundesligist SSV Esslingen besiegte in der Qualifikationsrunde fĂźr das Play-off-Viertelfinale den SV Krefeld 72 8:3. Robert Roth und Jovan Radojevic erzielten je drei, Hannes Glaser und Michael MĂźller je ein Tor. Damit fĂźhrt Esslingen in der Best-of-five-Serie 1:0.

Wettmarkt soll sich Ăśffnen Der deutsche Sport hat sich unter der FĂźhrung des Deutschen Olympischen Sportbundes fĂźr eine Ă&#x2013;ffnung des Sportwettenmarktes ausgesprochen, mit staatlicher Regulierung und dem Erhalt des staatlichen Lotteriemonopols.

Sport im TV Eurosport: 12.00-12.45 Uhr: FuĂ&#x;ball, WM 2010 in SĂźdafrika, Bekanntgabe des deutschen WM-Kaders. â&#x20AC;&#x201C; 13.00-19.00 Uhr: Tennis, WTA-Turnier in Rom, Viertelfinale. Sport 1: 16.00-18.30 Uhr: Tennis, ATP-Turnier in MĂźnchen, 3. Tag. â&#x20AC;&#x201C; 20.15-21.50 Uhr: Handball, Bundesliga, 29. Spieltag: SC Magdeburg - TV GroĂ&#x;wallstadt. N-TV: 12.00-12.30 Uhr: FuĂ&#x;ball, WM 2010 in SĂźdafrika, Bekanntgabe des deutschen WM-Kaders.

Gaumenkitzler Stachelbeeren bestechen mit sĂźĂ&#x;saurem Geschmack Die Kindheitserinnerungen sind nicht die besten: Die Haut der Stachelbeere war zu hart und zu borstig, ihr Fruchtfleisch zu sauer, ihr Stamm zu dornig. Heute jedoch schmeckt sie â&#x20AC;&#x201C; am besten frisch vom Strauch. Von Bettina Hartmann Wenn frĂźher ihre Borsten Ăźber unsere Zunge kratzten, schĂźttelten wir uns. Nein danke! Das fĂźhlte sich ja fast so an, als beiĂ&#x;e man in einen Kaktus. Nun, da wir erwachsen sind, ist alles anders: Wir empfinden es als angenehmen, anregenden Kitzel, sobald wir ihre Härchen am Gaumen spĂźren. Wir haben die Stachelbeere eben viel zu lange verkannt. Im Gegensatz zu den Engländern, die schon lange um ihren Reiz wissen. Nach wie vor sind sie ganz scharf auf Gooseberries, also Gänsebeeren, wie sie dort genannt werden. Bereits im 15. Jahrhundert standen sie auf einer Einkaufsliste fĂźr den kĂśniglichen Garten. Auch in der englischen KĂźche sind die vielseitigen FrĂźchtchen, die mit ihrem sĂźĂ&#x;sauren Geschmack bestechen, sehr beliebt. Man isst sie als Marmelade auf Toast und als Chutney oder pikante SoĂ&#x;e zu GeflĂźgel, Wild und Fisch.

Im Vergleich zu Erdbeeren und Himbeeren fristen die FrĂźchtchen ein Schattendasein Bei uns blĂźhte die Stachelbeere erst im 19. Jahrhundert auf â&#x20AC;&#x201C; gleich in vielen Sorten. Ă&#x153;ber 100 wurden damals nämlich schon in England gezĂźchtet, von denen einige noch heute auf dem Markt sind. Zu den bekanntesten gehĂśren Achilles (violettrote Beere), Pax (rote Beere), Xenia (hellrote Beere) und Invicta (grĂźne Beere). Vor allem die tiefroten Sorten bilden einen aparten Kontrast zum grĂźnen Strauch und sind schĂśn anzusehen. Die wilde Stachelbeere kommt ursprĂźnglich wohl aus dem Himalaja. Seit sie sich in unsere Niederungen herabgelassen hat, wird sie in fast allen gemäĂ&#x;igten Klimazonen der Welt kultiviert. Denn die Pflanze ist genĂźgsam und pflegeleicht. Am wohlsten fĂźhlt sie sich an halbschattigen, windgeschĂźtzten Orten. Ist sie zu sehr der Sonne ausgesetzt, kĂśnnen die Beeren am Strauch quasi verkochen: Sie werden braun und ungenieĂ&#x;bar. Aber keine Sorge, der Strauch erholt sich wieder. Ein grĂśĂ&#x;eres Problem ist der Mehltau. Inzwischen gibt es aber einige resistente Sorten. Die FrĂźchte erntet man ab Juni bis Ende August. Einige Sorten bleiben Ăźbrigens auch im reifen Zustand grĂźn. Generell schmecken sie etwas herber als die roten. So oder so: Am besten sind Stachelbeeren frisch gepflĂźckt vom Strauch. Dort halten sie sich auch am besten, es braucht lange, bis sie herunterfallen. Selbst VĂśgel sind keine Gefahr: Sie halten sich dank der stacheligen Triebe lieber zurĂźck.

Agrasl, Mungartzen, Chruselbeeri, Chrosle, Stachelschnauzer, Klosterbeere â&#x20AC;&#x201C; die Stachelbeere hat viele Namen. Verglichen mit Erdbeere, Himbeere und Blaubeere fristet sie zwar immer noch ein Schattendasein, sie wird aber immer beliebter. Beerenbauern haben sich bereits auf die steigende Nachfrage eingestellt. So auch Familie Brodbeck in Stuttgart-MĂśhringen: â&#x20AC;&#x17E;Die Leute haben entdeckt, dass Stachelbeeren sehr gesund sind.â&#x20AC;&#x153; Und tatsächlich, die FrĂźchte gelten als blutbildend, entzĂźndungshemmend â&#x20AC;&#x201C; und sie sind reich an Ballaststoffen. So enthalten sie viel Pektin, das darmreinigend und verdauungsfĂśrdernd wirkt. Durch den hohen Pektingehalt sind sie fĂźr Marmeladen und Gelees ideal und werden gern mit pektinarmem Obst wie Kirschen verarbeitet. Erstaunlich: Trotz ihres säuerlichen Geschmacks haben reife Stachelbeeren â&#x20AC;&#x201C; nach Trauben â&#x20AC;&#x201C; den hĂśchsten Zuckergehalt aller heimischen Beeren. Man kann sie daher auch als Muntermacher bezeichnen, denn sie liefern schnell Energie. Vielen sind die roten, mit weichem, sĂźĂ&#x;en Fleisch gefĂźllten Stachelbeeren am liebsten. Es gibt aber auch Puristen. So dichtete der Schriftsteller Gustav Falke im Jahr 1902: â&#x20AC;&#x17E;Reif lieb ich dich nicht mehr, / doch hart und herbe / Weckst du den Wunsch: / wenn ich ein Kind noch wäre!â&#x20AC;&#x153;

Die Kreditklemme trifft vor allem den Mittelstand

Rezepte

Mal sĂźĂ&#x;, mal salzig ÂĄ Stachelbeerkuchen mit Baiser Zutaten fĂźr den Teig: 250 g Butter, 300 g Zucker, 2 Päckchen Vanillezucker, abgeriebene Schale von 1 Zitrone, 3 Eier, 4 Eigelb, 300 g Mehl, 2 Päckchen Puddingpulver mit Vanillegeschmack, 1 TL Backpulver, 100 ml Milch, 500 g Stachelbeeren. FĂźr den Baiserbelag: 4 EiweiĂ&#x;, 200 g Zucker, etwas Salz. Zubereitung: FĂźr den Teig Butter und Zucker, Vanillezucker und Zitronenschale cremig schlagen. Eier und Eigelbe nach und nach einzeln unterrĂźhren. Mehl mit Puddingpulver und Backpulver vermischen und in den Teig sieben. Dazwischen immer wieder etwas Milch unterziehen. Den glatten Teig auf ein gefettetes Blech streichen. Die Stachelbeeren darauf verteilen. FĂźr den Baiserbelag das EiweiĂ&#x; mit Salz steif schlagen, Zucker einrieseln lassen, und die Masse auf die FrĂźchte streichen. Bei 175 Grad im Backofen 35 bis 40 Minuten backen.

ÂĄ StachelbeersoĂ&#x;e zu Gegrilltem Zutaten: 100 ml GemĂźsebrĂźhe, 1 daumennagelgroĂ&#x;es StĂźck Ingwer, 250 g Stachelbeeren, Saft einer halben Zitrone, ½ TL abgeriebene Zitronenschale, 50 g Zucker, 1 gehäufter TL Senf, Salz, Pfeffer. Zubereitung: BrĂźhe, fein gehackten Ingwer, Stachelbeeren, Zitronensaft, Zitronenschale und Zucker in einem Topf erhitzen. Zugedeckt 20 Minuten kĂścheln. Masse pĂźrieren, mit Salz, Pfeffer und Senf wĂźrzen und kalt stellen. Passt wunderbar zu Gegrilltem, aber auch zu GeflĂźgel und Wild. ÂĄ Stachelbeermarmelade Zutaten: 500 g Stachelbeeren (grĂźn), 500 g Gelierzucker, Saft von ½ Zitrone, ein Stängel Minze oder Melisse (optional). Zubereitung: FrĂźchte mit Zucker und Saft in einem Topf zerdrĂźcken. Masse ca. 1 Stunde ziehen lassen. Aufkochen und ca. 4 Minuten kĂścheln lassen. Wer mĂśchte, kann die Kräuterstängel ca. 30 Sekunden mitkochen. Schaum abschĂśpfen. Marmelade noch heiĂ&#x; in bereitgestellte Gläser fĂźllen. Randvoll machen. Gläser verschlieĂ&#x;en und sofort auf den Kopf stellen. AbgekĂźhlte Gläser an einem dunklen Ort lagern. (ina)

Stadt und Land haben sich geeinigt: Es soll einen Neubau der John-Cranko-Ballettschule in der WerastraĂ&#x;e geben. Der Spatenstich soll 2011 erfolgen, 25 Millionen Euro sind dafĂźr veranschlagt.

â&#x20AC;&#x17E;Banken unterstĂźtzen Verbraucherâ&#x20AC;&#x153;

L-Bank-Chef Brand sagt, wie Firmen geholfen werden kann Zu strenge Auflagen fĂźr Banken verschär- Banken noch weniger Kredite vergeben kĂśnnen. Wenn ich zudem, wie von BrĂźssel geforfen eine Kreditklemme, warnt L-Bankdert, bei einer Kapitalhilfe des Staates eine sehr hohe Dividende zahlen muss, kann die Chef Christian Brand die Politik. â&#x20AC;&#x17E;So schaffen wir es in Deutschland, zweimal Bank kein Eigenkapital bilden. Diese beiden Restriktionen fĂźhren dazu, dass sich auf die Nase zu fallenâ&#x20AC;&#x153;, sagt der neue eine Kreditklemme verschärft. Präsident des Verbands Ă&#x2013;ffentlicher BanHaben andere Länder auch diese Probleme? ken. Diesmal träfe es den Mittelstand. In anderen Ländern sind Banken zum grĂśĂ&#x;Von Sabine Marquard

Herr Brand, Unternehmen klagen mehr denn je Ăźber eine Kreditklemme. Sind denn Banken, nachdem sie vor der Finanzkrise zu sorglos waren, nun zu risikoscheu geworden?

Banken leben davon, Kredite zu vergeben. Wenn wir Anzeichen einer Kreditklemme sehen, hängt das damit zusammen, dass Banken nicht mehr die Eigenkapitalausstattung haben, um im groĂ&#x;en Umfang weitere Kredite vergeben zu kĂśnnen. Die Europäische Zentralbank stellt zwar groĂ&#x;zĂźgig Liquidität zur VerfĂźgung. Wir mĂźssen uns aber Ăźberlegen, wie dieses Geld beim Mittelstand ankommen kann. Die strengeren internationalen Eigenkapitalvorschriften bremsen die Banken in der Wirtschaftskrise. Denn danach mĂźssen Kredite, die man vergeben hat und die in der Bonität nachlassen, mit mehr Eigenkapital unterlegt werden. Weil Banken davon ausgehen, dass die Bonität ihrer Kunden noch schlechter wird, sind sie dementsprechend zurĂźckhaltend.

In der Politik ist die Sorge groĂ&#x;, dass Banken ohne staatliche Hilfen ab Herbst kaum noch in der Lage sein kĂśnnten, Kredite an Unternehmen zu vergeben. Ist das Ăźbertrieben?

Die Politik befindet sich in einem Dilemma: Sie mĂśchte den Banken nicht leichtsinnig Steuergelder geben. Es ist aber auch eine Verschwendung von Steuergeldern, wenn die Politik bei ihren RettungsmaĂ&#x;nahmen auf halbem Weg stehen bleibt. Entscheidend ist, dass Banken so gestellt werden, dass sie Kredite geben kĂśnnen. Wenn ich den Banken Auflagen mache, die zu weiteren EigenkapitalverkĂźrzungen fĂźhren, hilft das nicht. Konkret: Wenn ich Banken erlaube, strukturierte Wertpapiere in eine Bad Bank auszulagern, aber gleichzeitig fordere, ein gewisser Teil der anfallenden Verluste muss bei den Banken verbleiben, dann schmälert dieser Selbstbehalt das Eigenkapital der Banken. Das fĂźhrt dazu, dass die

ten Teil Aktiengesellschaften. Auch dort hat der Staat seine Hand Ăźber die Banken gehalten. Dadurch haben sich die Aktienkurse erholt, Investoren haben wieder Vertrauen zu Banken gefasst, und die Banken kĂśnnen neues Kapital aufnehmen. In Deutschland sind fast 75 Prozent aller Banken, die der Wirtschaft Kredite geben, nicht an der BĂśrse notiert. Sie kĂśnnen dementsprechend keine neuen Aktien ausgeben, um sich neues Kapital zu besorgen. Hier sind die Banken auf Hilfe durch den Staat angewiesen.

Deutsche Banken sind also im Nachteil?

Die deutschen Banken haben seinerzeit die amerikanischen Immobilien finanziert. Und die amerikanischen Banken haben kräftig auf diesem Weg verdient. Jetzt sind die US-Banken dabei, wieder erhebliche Gewinne einzufahren und ihre Eigenkapitalausstattung zu normalisieren. Das Nächste, was kommen wird: Diese Immobilienkredite werden zu Schleuderpreisen von internationalen Banken zurßckgekauft. Zu Schleuderpreisen deshalb, weil wir den deutschen Banken eine Schrumpfkur verordnen. So schaffen wir es in Deutschland, zweimal auf die Nase zu fallen. Erstens haben einige Banken ßbertrieben viel von den Papieren gekauft, und zweitens machen wir den Banken jetzt zu strenge Auflagen.

Wie kĂśnnte denn nun dem Mittelstand geholfen werden? Mein Vorschlag wäre, es groĂ&#x;en Unternehmen nachzumachen, die sich Ăźber Unternehmensanleihen Kredit beschaffen. Diese Unternehmensanleihen werden sehr stark nachgefragt, und die Unternehmen sind damit unabhängiger von ihren Banken. Dem Mittelstand sind solche Anleihen versperrt, denn bei nicht so bekannten Unternehmen erreicht so eine Anleihe nicht genĂźgend Volumen. Banken kĂśnnten nun Kredite an Mittelständler zu einem Wertpapier zusammenschnĂźren und verkaufen. Damit so ein Wert-

papier eine gute Bonität erhält, sollten sowohl die Geschäftsbanken als auch der Bund eine Garantie fĂźr einen ersthaftenden Teil des Kreditportfolios Ăźbernehmen. Es besteht groĂ&#x;es Interesse in der deutschen Wirtschaft, Papiere mit einem solchen Verlustpuffer zu kaufen. Mir erscheint es sinnvoller, hier die Hand Ăźber den Mittelstand zu halten, als weitere Liquidität den Banken zur VerfĂźgung zu stellen und zu hoffen, dass damit eine Kreditklemme vermieden wird.

Schenkt man den jßngsten Prognosen Glauben, geht es schon bald wieder aufwärts. Ist das dem Wahlkampf geschuldet?

Wer wĂźrde solche Papiere kaufen?

Niedersachsens Ministerpräsident sieht nach dem Porsche-Deal sein Land auf der Ă&#x153;berholspur und Baden-WĂźrttemberg auf dem Weg ins Museum. Teilen Sie die Ansicht?

Als L-Bank wßrde ich sofort zugreifen, wenn eine Anleihe mit Krediten badenwßrttembergischer mittelständischer Unternehmen auf den Markt käme, bei der Hausbanken und Bund etwa 30 Prozent des ersten Risikos ßbernehmen.

Was halten Sie von Vorschlägen, die Bundesbank sollte direkt Kredite vergeben?

Ich habe meine Zweifel, ob es klug ist, dass die Bundesbank die BonitätsprĂźfung von Unternehmen vornimmt und gewissermaĂ&#x;en als ultimativer Staatsfinanzierer in den Ring steigt. Ich bin nicht sicher, ob der Staat der bessere Banker ist.

Wir sehen bei unseren Kunden, dass sich in den letzten zwei, drei Monaten die UmsatzeinbrĂźche stabilisiert haben und partiell leichte Erholungen zu verzeichnen sind. Es ist denkbar, dass wir eine Art Bodenbildung gesehen haben. Aber keiner von uns weiĂ&#x;, wie die weitere Entwicklung sein wird.

Ich bin immer wieder tief bewegt von dem Unternehmergeist in Baden-WĂźrttemberg. Es sind nicht einzelne groĂ&#x;e Unternehmen, die dieses Land prägen, sondern es sind die Mentalität und der Erfindungsreichtum, die immer wieder neue Kräfte freisetzen. In der Breite ist Baden-WĂźrttemberg einmalig aufgestellt. Bei allem Respekt vor anderen Bundesländern: Wir in Baden-WĂźrttemberg sind in einer beneidenswerten Situation. Wir mĂźssen jedoch die Ă&#x201E;rmel aufkrempeln und zusehen, dass wir das unbeirrt fortsetzen.

Mit Ihnen steht zum ersten Mal der Chef einer FĂśrderbank an der Spitze des Verbands Ă&#x2013;ffentlicher Banken (VĂ&#x2013;B), sonst waren es immer Landesbanker. Ă&#x201E;ndert das etwas?

Zur Person

Christian Brand ÂĄ 1949 in Dortmund geboren ÂĄ 1977 geht er nach Banklehre und Wirtschaftsstudium zur WestLB ÂĄ 1983 Wechsel zur Orion Royal Bank, London ÂĄ 1986â&#x20AC;&#x201C;1992 J. P. Morgan Securities, London, und J. P. Morgan, Frankfurt, dort zuletzt als Vice President, verantwortlich fĂźr Kapitalmarktprodukte ÂĄ 1992 Wechsel zur L-Bank als stellvertretender Vorstandschef ÂĄ seit 2001 Chef der landeseigenen L-Bank ÂĄ seit Ende Juni 2009 Präsident des Verbands Ă&#x2013;ffentlicher Banken ÂĄ Brand ist verheiratet, hat eine Tochter und ist passionierter Jäger

Der VĂ&#x2013;B zeichnet sich dadurch aus, dass er sich Sachverhalte fundiert ansieht und der Politik einen neutralen Rat gibt. Von daher macht es keinen Unterschied, wer an der Spitze steht. In diesen turbulenten Zeiten ist es mĂśglicherweise fĂźr den Vertreter einer FĂśrderbank leicht, unvoreingenommen das Richtige zu erarbeiten.

Welche Rolle werden kĂźnftig Landesbanken noch spielen, nachdem die BrĂźsseler WettbewerbshĂźter sie zurechtgestutzt haben?

Ich sehe einen Trend zurĂźck in die Region und zurĂźck zu den Landesbanken â&#x20AC;&#x201C; weil Landesbanken in der Region verwurzelt sind, weil sie nicht weglaufen und Ansprechpartner fĂźr die Ăśrtliche Wirtschaft sind. Landesbanken haben einen hĂśheren Anteil am Finanzierungsvolumen des Mittelstands als die GroĂ&#x;banken. Wenn wir eine Kreditklemme befĂźrchten, mĂźssen wir Landesbanken stärken und nicht schwächen.

Lob von der Schufa: Mehr Kredite an Privatleute vergeben Von unserem Korrespondenten Rolf Obertreis, Frankfurt FRANKFURT. Der Vorstandsvorsitzende der Kredit-Schutzgemeinschaft Schufa, Rainer Neumann, lobt das Kreditverhalten der Banken gegenĂźber Privatkunden. â&#x20AC;&#x17E;Die Banken unterstĂźtzen die Verbraucher. Sie haben im ersten Halbjahr mehr Kredite vergeben. Es gibt derzeit keine Kreditklemme bei Verbrauchernâ&#x20AC;&#x153;, sagte Neumann. Die privaten Haushalte seien trotz der Krise konsumfreudig und hätten von Januar bis Juni 25 Prozent mehr Kredite nachgefragt als im Vorjahreszeitraum. Banken und Sparkassen kamen den WĂźnschen entgegen: Sie hätten 20 Prozent mehr Kredite vergeben. Zugleich sind die Kreditausfälle nach Angaben der Schufa nicht gestiegen, die Ă&#x153;berschuldung von Privathaushalten habe nicht zugenommen. Laut der Analyse der Schufa wurden im zweiten Quartal 4,1 Millionen neue Ratenkreditverträge abgeschlossen, gut 700 000 mehr als im Vorjahr.

Super-Schnäppchen â&#x20AC;&#x201C; aber aus Versehen HAMBURG (AP). Der Versandhändler Otto entschuldigt sich mit 100-Euro-Gutscheinen bei Tausenden Kunden, nachdem durch einen Fehler teure Notebooks zu Schnäppchenpreisen im Internet angeboten worden waren. Während der mehrstĂźndigen Panne waren durch einen Eingabefehler Laptops, die regulär bis zu 1999 Euro kosten, fĂźr 29,99 und 49,99 Euro angeboten worden. Innerhalb weniger Stunden orderten 2565 Besteller 6534 Notebooks der Marken Apple, Acer, Fujitsu Siemens, Medion, HP und Sony. Laut Otto haben die Kunden keinen Anspruch auf die Lieferung der Schnäppchen-Laptops. Als Trostpflaster bekommt jeder Besteller einen Warengutschein Ăźber 100 Euro und ein persĂśnliches Entschuldigungsschreiben. AuĂ&#x;erdem werden 50 Apple-MacBooks verlost.

Ratenkredite

Rabattkarten-Branche muss um Partner kämpfen Immer mehr Verbraucher ziehen Stempelkarten den Bonusprogrammen vor â&#x20AC;&#x201C; Tengelmann und Kaiserâ&#x20AC;&#x2122;s springen bei Happy Digits ab Von Sabine KlotzbĂźcher STUTTGART. Mit den Lebensmittelketten Kaiserâ&#x20AC;&#x2122;s und Tengelmann sind zum Ende des Juli zwei weitere starke Partner aus dem Bonuskartensystem Happy Digits ausgestiegen. Wichtig zunächst fĂźr die Kunden: Ihre bei den Handelsketten gesammelten Digits (Bonuspunkte) gehen nicht verloren, sie kĂśnnen sie bei den verbliebenen Partnern einlĂśsen. â&#x20AC;&#x17E;Es verfällt nichts, nur wir schreiben ab August an unseren Kassen eben nichts mehr gutâ&#x20AC;&#x153;, erklärte eine Sprecherin der Tengelmann-Gruppe. Härter dĂźrfte die Abkehr der Einzelhandelsketten fĂźr die Betreibergesellschaft Customer Advantage Program (CAP) sein. Denn Kundenbindungprogramme wie Happy Digits stehen und fallen mit den Vertragspartnern. Und dieses Jahr hat bereits die Deutsche Telekom die Bande gelockert, Ende Februar ist die Warenhauskette Karstadt dort ausgestiegen. Seither arbeitet CAP an der Neuausrichtung. Die KĂślner Betreiberfirma, die unter anderem auch Geschenkkarten vertreibt und rund 100 Mitarbeiter beschäftigt, war noch zu Jahresbeginn eine hundertprozentige Tochter des seit Anfang Juni insolventen Ar-

34

Genuss

Nummer 151 â&#x20AC;˘ Samstag, 4. Juli 2009

BĂźcher

R n Kop

Schwer zu sagen. Anand wurde ja in der ersten Partie fĂśrmlich vernichtet. Manche glaubten damals, das Match sei dadurch bereits gelaufen. Tatsächlich kam Anand aber furios zurĂźck. Es steht nun 4:4, vielleicht kommt es zu einem Tiebreak aus vier Schnellpartien. Sportlich vielleicht so unbefriedigend wie ein ElfmeterschieĂ&#x;en im FuĂ&#x;ball, aber genauso spannend.

Formel-1-Star macht mangelnde Erfahrung fĂźr Fehlstart verantwortlich

Nein.

Da spielt das negative Image Topalovs wohl eine Rolle.

Biertrinkern droht Ungemach aus dem hohen Norden: Die schwedische Ratspräsidentschaft der EU will durch eine Verteuerung des Gerstensafts den Konsum in der EU eindämmen.

candor-Konzerns. Dieser hatte zum Januar die 51-prozentige Beteiligung der Deutschen Telekom an der Betreibergesellschaft Ăźbernommen. Nach Angaben einer CAPSprecherin wurde das Unternehmen zwischenzeitlich in den Karstadt-Quelle-Mitarbeitertrust (KQMT) ĂźberfĂźhrt, ein Treuhandmodell, das der Gesetzgeber laut Arcandor als geeignetes und insolvenzfestes Modell verankert habe.

Karteninhaber kĂśnnen die gewonnenen Punkte in Prämien oder in Warengutscheine einlĂśsen Die Telekom hatte den Ausstieg an ihrer CAP-Beteiligung seinerzeit damit begrĂźndet, man wolle sich stärker auf das Kerngeschäft konzentrieren. Dazu passe das Betreiben eines Bonusprogramms nicht. Doch bleibe das Unternehmen weiterhin in eingeschränktem Umfang Partner von Happy Digits. â&#x20AC;&#x17E;Wir beteiligen uns bei bestimmten Anlässen weiter an Aktionenâ&#x20AC;&#x153;, erklärte ein Sprecher unserer Zeitung. Happy Digits erreichte im vergangenen Jahr rund 21 Millionen Haushalte in Deutschland, MarktfĂźhrer

Nummer 108 ď&#x201A;&#x2022; Mittwoch, 12. Mai 2010

Payback nach eigenen Angaben rund 60 Prozent der knapp 40 Millionen Haushalte. Seit einem Jahr ist auch das auf Baden-WĂźrttemberg focussierte SĂźdBest-Vorteilsprogramm mit derzeit 450 000 Karteninhabern Partner von Happy Digits. â&#x20AC;&#x17E;Wir beobachten die Situationâ&#x20AC;&#x153;, heiĂ&#x;t es dort. Vieles deutet darauf hin, dass sich die Branche im Umbruch befindet. Im Zuge der finanziellen Probleme bei Arcandor stieg deren Tochter Karstadt als Partner von Happy Digits Ende Februar aus. Seit 1. März wirbt die Warenhauskette mit einer eigenen Kundenkarte, der Karstadt Goldkarte. â&#x20AC;&#x17E;Sie bietet schnellere, einfachere und direktere Einkaufsvorteile als die Happy-Digits-Karteâ&#x20AC;&#x153;, lautet die BegrĂźndung. In festen Aktionszeiträumen bekommen die Inhaber Preisnachlässe bei ausgewählten Sortimenten. Dies soll sie motivieren, ihre Einkäufe gezielt und gebĂźndelt bei Karstadt zu tätigen. Diese Abkehr von Partnern kĂśnnte aber auch auf eine Neuorientierung des Marktes hindeuten. â&#x20AC;&#x17E;Der groĂ&#x;e Hype bei Bonuskartensystemen ist vorbeiâ&#x20AC;&#x153;, sagt Kerstin Backofen von der Zeitschrift â&#x20AC;&#x17E;Finanztestâ&#x20AC;&#x153;. Was nicht weiter wundert. Schon vor Jahren hat â&#x20AC;&#x17E;Finanztestâ&#x20AC;&#x153; errechnet, dass Payback und Co. auf längere Sicht den Kunden eine Er-

sparnis von hĂśchstens drei Prozent bringen. â&#x20AC;&#x17E;Systeme, bei denen der Kunde sofort sieht, was er davon hat, sind da besserâ&#x20AC;&#x153;, findet Backofen. Und die sehen Verbraucher eher etwa in Stempelkarten, wie sie Bäckereien anbieten: Nach dem zehnten Einkauf Ăźber fĂźnf Euro gibt es einen Laib Brot gratis. Ă&#x201E;hnlich verfahren CafĂŠs oder Friseure. Besser als bei Payback und Co. fĂźhlen sich Kartenkunden auch in Kaufhäusern bedient. Zu bestimmten Anlässen, etwa im Advent oder zum Saisonende, bekommen sie dann auf bestimmte Artikel Nachlässe, bei Breuninger gibtâ&#x20AC;&#x2122;s noch einen Gutschein zum Geburtstag drauf, abhängig vom jährlichen Einkaufsbetrag. Bei Peek und Cloppenburg steigt der gewährte Rabatt mit der jährlichen eingekauften Summe. Bei Payback, Happy Digits und der Edeka-Deutschlandkarte dagegen gibt es Punkte, die ab einer gewissen Punktezahl in Prämien oder in Warengutscheine eingelĂśst werden. DafĂźr mĂźssen die Kunden viel einkaufen oder einen Teil aus eigener Tasche zuzahlen. Nicht eben motivierend ist die Produktauswahl. Manche fleiĂ&#x;igen Punktesammler haben eher den Eindruck, dass ihre Treue mit LadenhĂźtern oder Auslaufmodellen belohnt wird.

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Quelle: biallo.de

Oberliga: ASV Durlach - FV Illertissen (Mi 18.30), 1899 Hoffenheim II - Bahlinger SC (Mi 19), Normannia GmĂźnd - TSG Balingen, SV Bonlanden - TSV Crailsheim, TSG Weinheim - SGV Freiberg, FC Denzlingen - FC Astoria Walldorf, Kehler FV - VfL Kirchheim, SV Spielberg - FC Villingen (alle Do 15). Bezirksliga: Sportvg Feuerbach - SV GrĂźn-Weiss Sommerrain, SG Stuttgart West - ASV Botnang, SV Vaihingen - TSV Plattenhardt II, SV Hoffeld - TSVgg MĂźnster, SV Gablenberg - KV Plieningen, SV Sillenbuch - OFK Beograd Stuttgart, SG UntertĂźrkheim NK Croatia-Zagreb Stuttgart (alle Do 15), SV Bonlanden II - SpVgg MĂśhringen (Do 17).

HANDBALL Bundesliga: Rhein-Neckar LĂśwen - Frisch Auf GĂśppingen (Europahalle Karlsruhe/Mi 19).

LEICHTATHLETIK 25. BĂśnnigheimer Sportfest an Himmelfahrt (Do 11). www.lg-neckar-enz.de

SCHACH Stuttgarter Stadtmeisterschaft in Ditzingen (Do 10.30). www.stuttgarter-stadtmeisterschaft.de

TRIATHLON Waiblinger Triathlon an Himmelfahrt (Do 10). www.waiblinger-triathlon.de

RUGBY 2. Bundesliga Sßd: Stuttgart RC - Mßnchner RFC (Do 15). (Ohne Gewähr)

Stand 30.7.2009

Sport

Die Umstände des Vereinswechsels von Michal Stukan und Susanne Miscenko zum TSC Astoria Stuttgart wirbeln die Tanzszene auf. Beim Ex-Club TSZ Stuttgart-Feuerbach vermuten manche, dass Ăźble Machenschaften dahinterstecken. Von Martin Haar STUTTGART. Noch mehr als in anderen Sportarten liefern sich die Tänzer nicht nur einen Wettkampf um die beste sportliche Leistung, sondern auch um die kĂźnstlerische Darstellung. Problematisch dabei ist nur: In jedem Fall ist die Bewertung hĂśchst subjektiv. Geschmack lässt sich nicht messen. So gibt es nach Wettkämpfen mitunter Verzweiflung und Tränen, wenn die Bewertung vĂśllig danebenliegt. Bei Michal Stukan (22) und seiner Partnerin Susanne Miscenko (22) war das zuletzt oft der Fall. Eigentlich sollte es in ihrer Karriere stetig weiter nach oben gehen. Aber wohin die beiden auch kamen, bei welchem Turnier sie zuletzt auch tanzten: Es ging eher rĂźckwärts statt vorwärts. So etwas kann frustrieren. Frust ist das Thema. Den schieben sie auch im Tanzsport-Zentrum Stuttgart-Feuerbach, der frĂźheren sportlichen Heimat von Michal Stukan und Susanne Miscenko. Man kĂśnnte auch sagen: Die Tanzsportler aus Feuerbach sind stinksauer. Ein bisschen auf Stukan und Miscenko. Mehr noch auf die Nachbarn von Astoria Stuttgart. Denn der Club hat angeblich gegen ein ungeschriebenes Gesetz verstoĂ&#x;en. Sie haben im Revier eines anderen Stuttgarter Clubs gewildert. Denn seit Mai tanzen Stukan und Miscenko zur Ehre der Astorier. Die bĂśsen Worte von Abwerbung, Unsportlichkeit bis hin zur Sauerei machen nun in Feuerbach die Runde. Etwas gewählter drĂźckt sich dagegen Clubchef Ralf Pickelmann aus: â&#x20AC;&#x17E;Es ist natĂźrlich schade, dass uns so ein Top-Paar verlässt. Aber es ist doch komisch, dass beide zu einem Club wechseln, bei dem der Chef gleichzeitig Präsident des baden-wĂźrttembergischen Verbandes ist.â&#x20AC;&#x153; Er meint Wilfried Scheible. Was in seinen Worten fehlt, ist der konkrete Vorwurf. Auch weil es wahrscheinlich zu verwegen ist, ihn Ăśffentlich auszusprechen. Es geht weniger um den Vereinswechsel als solchen. Es geht um die Motive dieser Wechselschritte. Und die vermeintlichen Versprechungen dabei. Jeder, der in Feuer-

7,38* stagnierend

*bonitätsabhängiger Mittelwert Angaben ohne Gewähr

MerkwĂźrdige Wechselschritte

FUSSBALL

6,64* 10,49* 10,49*

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Feuerbacher Tänzer sind ßber den Abgang von Michal Stukan und Susanne Miscenko zu Astoria Stuttgart verärgert

Sportprogramm

6,75

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In der Relegation ist SĂźdafrika Gegner der deutschen Tennisprofis LONDON (dpa). Nach einem GlĂźckslos haben die deutschen Tennis-Herren gute Chancen auf den Verbleib in der Daviscup-Weltgruppe. Das DTB-Team spielt gegen SĂźdafrika um den Klassenverbleib und hat dabei vom 17. bis 19. September auch noch den Heimvorteil auf seiner Seite. Dies ergab die Auslosung am Dienstag in London. â&#x20AC;&#x17E;Es ist ein annehmbares Los, wobei natĂźrlich Ăźberwiegt, dass wir den Heimvorteil habenâ&#x20AC;&#x153;, sagte Teamchef Patrik KĂźhnen. Die deutsche Tennismannschaft hatte den bislang letzten Vergleich gegen SĂźdafrika 2005 in Johannesburg mit 3:2 gewonnen.

6,46 10,49*

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Heimspiel fĂźr das Daviscup-Team

Susanne Miscenko und Michal Stukan: Dissonanzen nach dem Vereinswechsel

Foto: privat

bach darĂźber spricht, blickt erst etwas furchtsam Ăźber die Schulter, sondiert die Umgebung, um einem dann das Ungeheuerliche zuzuraunen: Den beiden sollen angeblich der sportliche Aufstieg und gute Platzierungen bei Turnieren versprochen worden sein. Weil einem fantasielosen GemĂźt nicht sofort einleuchtet, was die Ankläger aus Feuerbach damit meinen, werden sie deutlicher: Astoria- und Verbandschef Wilfried Scheible kĂśnnte dem Aufstieg des talentierten Amateur-Tanzpaares den nĂśtigen Schwung geben. Tatsächlich landeten die beiden unter der Astoria-Flagge einen ersten Achtungserfolg. Sie belegten den dritten Platz beim Ranglistenturnier in den lateinamerikanischen Tänzen in Frankfurt bei â&#x20AC;&#x17E;Hessen tanztâ&#x20AC;&#x153;. Tatsache ist auch, dass den beiden Tänzern bislang der Zutritt in den Bundes-B-Kader und das DTV-ChallengeTeam verwehrt blieb. Eine Berufung ist gleichbedeutend mit einer besseren FĂśrderung â&#x20AC;&#x201C; finanziell und sportlich. In Feuerbach war man daher sehr gespannt, ob Stukan und Miscenko demnächst eine Einladung erhalten. Die Antwort kam schneller als gedacht. FĂźr den nächsten internationalen Auftritt am 12. Juni beim Europacup Latein in Szombathely/Ungarn wurden sie fĂźr den B-Kader des Deutschen Tanzsportverbandes (DTV) nominiert. Das Tanzpaar selbst wollte sich zu den Vorgängen und den GrĂźnden des Wechsels nicht äuĂ&#x;ern. â&#x20AC;&#x17E;Astoria ist im Moment einfach der bessere Vereinâ&#x20AC;&#x153;, sagt Susanne Miscenko, â&#x20AC;&#x17E;fĂźr den Wechsel gab es verschiedene GrĂźnde, die privat sind. Aber dazu wollen wir nichts sagen.â&#x20AC;&#x153; Auch Astoria-Präsident Scheible hält sich bedeckt. â&#x20AC;&#x17E;Warum das Paar zu uns gewechselt ist, kann ich nicht sagen, aber vielleicht liegt es am persĂśnlichen Verhältnis zu mirâ&#x20AC;&#x153;, sagt Scheible und stellt klar: â&#x20AC;&#x17E;Sie haben uns gefragt, ob sie kommen dĂźrfen, wir haben die beiden nicht abgeworben. Also warum sollten wir sie ablehnen?â&#x20AC;&#x153; Ă&#x153;berhaupt: Scheible versteht die ganze Aufregung der Feuerbacher nicht und vermutet persĂśnliche Animositäten. FĂźr ihn steht fest: â&#x20AC;&#x17E;Die beiden haben bei uns in keiner Weise bessere Chancen.â&#x20AC;&#x153; Die wahren HintergrĂźnde dieses Vereinswechsels innerhalb Stuttgarts werden wohl nie ans Licht kommen. Aber eines zeigt diese Geschichte ganz deutlich: Selbst in der schĂśnen, von kĂźnstlerischer Darbietung geprägten Welt wird hinter den Kulissen mit harten Bandagen gekämpft.

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Im Volksmund heiĂ&#x;en die FrĂźchtchen auch Stachelschnauzer Volff/Fotolia

Albforelle trifft toskanische Oliven Serie Besser essen: Im Gasthof FriedrichshĂśhle in Hayingen werden die Gäste mit Frische, Leichtigkeit und Aromen verwĂśhnt Von Andrea Weller Der Besuch des Landgasthofs FriedrichshĂśhle auf der Schwäbischen Alb in Hayingen-Wimsen ist bei schĂśnem Wetter mindestens einen Halbtagsausflug wert. Die Fahrt von Stuttgart aus dauert knapp eineinhalb Stunden. Klug ist, wer die Autobahn meidet und auf der B 27/B 312 durch Reutlingen und unterhalb der Burg Lichtenstein vorbei durch allerlei DĂśrfer den Albtrauf hinauffährt. In Zwiefalten mit seinem bombastischen spätbarocken MĂźnster hat man es dann beinahe geschafft. Die FriedrichshĂśhle besteht aus einem Ensemble sehenswerter Einzelkomponenten: Der Landgasthof besticht mit geschmackvoll-rustikaler Gaststube (65 Plätze) und groĂ&#x;er AuĂ&#x;enterrasse (140 Plätze), die an das Ufer der jungen Aach grenzt. Man sitzt im Sommer unter weiĂ&#x;en Sonnenschirmen, direkt am leise plätschernden und unglaublich grĂźn schimmernden Wasser.

Dass sich der abgelegene Landgasthof (wir haben keinen Netzempfang, ein ungewohntes GefĂźhl) zu einem beliebten Ausflugsziel fĂźr Menschen mit kulinarischem und kulturellem Anspruch entwickelt hat, ist Stefanie und Daniel Tress zu verdanken. Daniel Tress, 29, Hotelbetriebswirt und gelernter Koch (er war unter anderem auf der WielandshĂśhe bei Vincent Klink), hat mit seiner Frau Stefanie, 31, die FriedrichshĂśhle 2006 von ihrem Besitzer Baron St. AndrĂŠ gepachtet. Die Familie Tress, seit fĂźnf Generationen in der Gastronomie, ist auĂ&#x;erdem noch im Eventbereich tätig, etwa im nahe gelegenen Schloss Ehrenfels. Mit Bruder Simon betreibt Daniel Tress zudem die Rose-Biomanufaktur in Hayingen-Ehestetten, zu der auch Baden-WĂźrt-

tembergs erstes Biohotel mit Biorestaurant gehĂśrt. Den Grundstein dazu hatte GroĂ&#x;vater Johannes Tress gelegt, der nach dem Krieg seinen Bauernhof bereits 1950 auf die strengen Demeter-Richtlinien umgestellt hatte. Zwei weitere Tress-BrĂźder sind zwar fachfremd, â&#x20AC;&#x17E;an Wochenenden, wenn viel los ist, packen sie aber in der FriedrichshĂśhle mit anâ&#x20AC;&#x153;, sagt Daniel Tress. â&#x20AC;&#x17E;Es hilft natĂźrlich ungemein, wenn man eine groĂ&#x;e Familie im RĂźcken hat.â&#x20AC;&#x153; Die Tressâ&#x20AC;&#x2122;sche Philosophie â&#x20AC;&#x201C; â&#x20AC;&#x17E;Im Mittelpunkt steht bei uns der Mensch, und das Leben ist die Summe unserer Begegnungenâ&#x20AC;&#x153; â&#x20AC;&#x201C; setzt auch Daniel Tress konsequent in der FriedrichhĂśhle um: â&#x20AC;&#x17E;Wir mĂśchten unseren Gästen mehr als das typische Schni-Po-Sa bieten.â&#x20AC;&#x153; (Schni-Po-Sa steht

Wanderer, Motorradfahrer und Biker finden auch ordentlich Fleischiges auf der Karte Direkt daneben befindet sich die Wimsener MĂźhle, ein Kulturdenkmal, in dem Musik- und andere Kunst- und Kulturveranstaltungen stattfinden â&#x20AC;&#x201C; unlängst gastierte hier Chris Jagger, Bruder von Mick Jagger. Im August gibt es donnerstags ab 17 Uhr Terrassenmusik: Jazz, Swing, Blues. Auf der anderen Seite des Gasthofs, kaum 100 Meter entfernt, ist der Eingang zur Wimsener HĂśhle, die auch FriedrichshĂśhle genannt und als â&#x20AC;&#x17E;einzige aktive WasserhĂśhle Deutschlandsâ&#x20AC;&#x153; beworben wird. Dort kann man rund 70 Meter mit einem Boot in den immer enger werdenden HĂśhlengang hineingleiten, wobei man sich ducken und den Kopf einziehen muss â&#x20AC;&#x201C; vor allem fĂźr Kinder ein Erlebnis.

Direkt am Ufer der Aach lässt es sich gut tafeln â&#x20AC;&#x201C; der Landgasthof FriedrichshĂśhle liegt inmitten einer idyllischen Postkartenlandschaft Foto: Johannes SĂźss

fĂźr Schnitzel-Pommes-Salat, d. Red.). Das Speisenangebot ist Ăźberschaubar, die Zutaten teils bio, teils konventionell-regional â&#x20AC;&#x201C; und immer frisch. Die Forellen kommen aus einer Naturzucht in Zwiefalten, das Lammfleisch aus MĂźnsingen von Schäfer Gerhard Stotz. Die Rezepturen des Kuchensortiments sind â&#x20AC;&#x17E;oma-likeâ&#x20AC;&#x153; (Tress) gehalten, die PrachtstĂźcke werden von Bäcker Beck aus BĂśhringen geliefert. Erklären kann man das, was Daniel Tress mit seinem ambitionierten Angebot am Herzen liegt, am besten anhand einiger Beispiele. Der â&#x20AC;&#x17E;vitale Salattellerâ&#x20AC;&#x153; fĂźr 3,90 Euro etwa besteht aus Selleriesalat mit Ananas, Kraut-Karotten-Salat, fein gehobelter roher Rote Beete, das Ganze garniert mit Sprossen, Tomatenvierteln, Blattsalaten und Kräuterdressing. Schmeckt sommerlich leicht. Teuerste Hauptspeise sind die â&#x20AC;&#x17E;gebratenen Forellenfilets Toskanaâ&#x20AC;&#x153; mit in Knoblauch-OlivenĂśl geschmolzenen Tomaten und Olivenciabatta fĂźr 13,90 Euro. Wer erwartet ein so mediterranes und aromatisches Gericht in einem hauptsächlich von AusflĂźglern besuchten Lokal? Oder den Eisgugelhupf vom Bauer Bachmann aus dem Lautertal mit lauwarmen WaldfrĂźchten fĂźr 4,90 Euro â&#x20AC;&#x201C; zarter Schmelz, der locker zwei Personen glĂźcklich macht? Die Wanderer, Motorradfahrer und Biker, die hier gern in Gruppen Rast machen, finden aber auch ordentlich Fleischiges (â&#x20AC;&#x17E;Wandertellerâ&#x20AC;&#x153;) auf der Karte. Nach dem Essen ist ein Verdauungsspaziergang entlang der Aach nach Zwiefalten zu empfehlen. Dreieinhalb Kilometer lang ist der Weg von der FriedrichshĂśhle, das erste StĂźck windet sich durchs Tal entlang des gurgelnden FlĂźsschens. Bis zur HolzbrĂźcke sollte man mindestens gehen â&#x20AC;&#x201C; eine Postkartenlandschaft. Gasthof FriedrichshĂśhle, Wimsen 1, 72534 Hayingen,  0 73 73 / 91 52 60 www.wimsen.de. Ă&#x2013;ffnungszeiten: Von April bis November montags bis freitags von 11.30 bis 19.30 Uhr durchgehend, samstags und sonntags bis 20.30 Uhr. Im Winter nur an Samstagen und Sonntagen von 10 bis 17 Uhr

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K nde Essen s e g

Da gilt Anand als klarer Favorit.

Schweden hat es auf Biertrinker abgesehen

Von JĂźrgen Kemmner

Erleben wir einen Kampf â&#x20AC;&#x17E;von gesternâ&#x20AC;&#x153;, weil der kĂźnftige Stern am Schachhimmel gar nicht am Brett sitzt?

Wird Schach je zu einem Publikumssport?

Das ist heikel. Er ist sicher der weltbeste Schnellschach-Spieler. Er kann sehr fix Varianten berechnen. NatĂźrlich wĂźrde er Topalov in zehn Schnellschach-Partien schlagen, etwa mit 5,5:4,5. Aber in welcher Reihenfolge? Er kĂśnnte die ersten vier verlieren. Dann wäre er den Titel los. Zudem verändert der Druck eines WM-Matches alles. Ich mĂśchte da kein Buchmacher sein, der die Quoten festlegt. Ohnehin lag das deutsche Schachvolk â&#x20AC;&#x201C; denke ich â&#x20AC;&#x201C; ein wenig falsch. In Umfragen sahen bis zu 75 Prozent der Befragten Anand vorn. Die Spieler sind viel enger beieinander.

¿14 ¡ Wirtschaft

STUTTGART. FĂźr Michael Schumacher soll der Europa-Auftakt der Formel 1 in Barcelona am Sonntag (14 Uhr/RTL) ein Neuanfang werden. â&#x20AC;&#x17E;Wir werden einen grĂśĂ&#x;eren Schritt nach vorne machenâ&#x20AC;&#x153;, versprach der Mercedes-Pilot den Fans â&#x20AC;&#x201C; nach vier Ă&#x153;berseerennen liegt der 41 Jahre alte Rekordchampion mit zehn Punkten weit hinter den Erwartungen der Anhänger und auch einiger Experten. â&#x20AC;&#x17E;Ich hoffe, in Barcelona besser abzuschneiden als in China. Das Positive ist, dass ich extrem motiviert binâ&#x20AC;&#x153;, sagte der Kerpener, â&#x20AC;&#x17E;ich bin bereit fĂźr diese Herausforderung.â&#x20AC;&#x153; Worin diese Herausforderung liegt, verriet er in einem Interview. â&#x20AC;&#x17E;Die schmaleren Vorderreifen, die Reifen fĂźr trockene Pisten und die Regenreifen kannte ich aus meiner Vergangenheit nicht. Jeder Fahrer muss lernen, wie sie sich unter den sich verändernden Bedingungen verhalten. Da haben die Kollegen einen Vorsprungâ&#x20AC;&#x153;, sagte Schumacher. Der Mercedes-Pilot erklärte, dass er im Freitag-Training nicht vorhersehen kĂśnne, wie sich der Reifen im Rennen entwickeln wird: â&#x20AC;&#x17E;FrĂźher war es fĂźr mich selbstverständlich, vorausplanen zu kĂśnnen, eine Ahnung zu haben, wie das Feintuning auszusehen hat. Da habe ich noch ein Manko.â&#x20AC;&#x153; Nach drei Jahren Abstinenz von der KĂśnigsklasse sieht Schumacher Bereiche, in denen er ganz am Anfang steht, wo er dazulernen muss, weil die nĂśtige Erfahrung fehlt. In Barcelona erhält er einen umgebauten Mercedes â&#x20AC;&#x201C; auĂ&#x;er einem neuen Aerodynamik-Paket und Ă&#x201E;nderungen an der Verkleidung hat der Silberpfeil einen verlängerten Radstand. Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug ist â&#x20AC;&#x17E;Ăźberzeugt, dass der weniger gute Lauf von Michael beendet istâ&#x20AC;&#x153;.

treten, dass er das wohl wirklich geglaubt hat. Das hat ihm geschadet. Kramnik hat das eine ganze Weile negativ beeindruckt. Schach ist Boxen auf intellektueller Ebene. Da spielt die Psyche eben auch eine groĂ&#x;e Rolle.

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Nummer 174 â&#x20AC;˘ Freitag, 31. Juli 2009

Foto: dpa

JĂśrg Hickl

Wirtschaft

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Schumacher kennt sein Problem: Die Reifen

Foto: dpa

Von Norbert Wallet

Zur Person

Foto: imago

Ohne intensive Vorbereitung mit Hilfe des Computers geht bei der Schach-WM gar nichts. GroĂ&#x;meister Hickl bedauert das â&#x20AC;&#x201C; und lobt dennoch das hohe Niveau der Weltmeisterschaft. Die ist so spannend, dass das Match in die Verlängerung gehen kĂśnnte.

Foto: Baumann

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Nummer 196 • Mittwoch, 26. August 2009

Fettes Essen schwächt Ausdauer und Gedächtnis

Cut-outs

Medizin

Wunsch nach dem makellosen Teint Das Leistungsspektrum bei Hautärzten ist riesengroß geworden: Falten glätten, Haare, Altersflecken oder Besenreiser entfernen

Hoher Fettgehalt wirkt sich bei Ratten nach wenigen Tagen negativ aus

spritzt werden. Soll ein Laser die Fältchen Vor 20 Jahren ging man zum Hautarzt, verschwinden lassen, ist für das ganze Geum Warzen loszuwerden oder einen Aus- sicht eine Behandlung für 2500 Euro fällig (Skin-Resurfacing); die Behandlung mit eischlag. Das ist immer noch so – doch nem fraktionierten CO2-Laser kostet ca. 500 inzwischen verhelfen Dermatologen Euro, zwei bis drei Sitzungen sind nötig. dank High-Tech-Methoden zu einem Altersflecken: Gegen kleine Pigmentflecken perfekten Teint und einer ästhetischen oder Muttermale sowie Blutschwämmchen Gesamterscheinung. Vorausgesetzt, man im Gesicht wird ein Laser eingesetzt. Koskann und will sich das leisten. tenpunkt für das Entfernen ca. 100 Euro pro

Die langfristigen Folgen einer fettreichen Ernährung sind ein erhöhtes Risiko von Fettleibigkeit, Diabetes und Herzkrankheiten. Fettes Essen könnte sich aber auch kurzfristig bereits schädlich auf die Gesundheit auswirken, schließen britische Forscher aus Tierversuchen. Nahrung mit hohem Fettgehalt schwächte die körperliche Ausdauer von Ratten schon nach fünf Tagen und beeinträchtigte gleichzeitig ihre Gedächtnisleistung. Weitere Untersuchungen sollen nun zeigen, inwieweit diese Resultate auf den Menschen übertragbar sind, schreiben die Wissenschaftler im „FASEB Journal“. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass bereits eine kurzzeitige fettreiche Ernährung Genaktivitäten, Stoffwechsel und körperliche Leistung stark beeinflussen kann“, sagt Kieran Clarke, Leiter der Forschergruppe an der Oxford University. Die Wissenschaftler führten Versuche mit Ratten durch, die zunächst eine Standardnahrung mit einem sehr geringen Fettgehalt von 7,5 Prozent erhielten. Durch Tests im Laufrad ermittelten sie die Ausdauer der Nager, mit Labyrinthversuchen deren Gedächtnisleistung. Die Hälfte der Ratten wurde dann auf eine Ernährungsweise umgestellt, bei der 55 Prozent der Kalorien als Fett vorlagen. Auf den Menschen übertragen, entspräche das etwa der Umstellung eines Müsli-Essers auf Fast-Food-Kost. Schon am fünften Tag nach der Umstellung sank die Ausdauer der Tiere im Laufrad verglichen mit der Kontrollgruppe um rund 30 Prozent und nahm bis zum neunten Tag noch weiter ab. Auch das Gedächtnis verschlechterte sich durch die fettreiche Nahrung in diesem Zeitraum, wie die höheren Fehlerquoten im Labyrinth zeigten. Weitere Untersuchungen ergaben, dass der Ernährungswechsel die Effizienz der Energieerzeugung in den Muskeln verringerte. Als Reaktion darauf vergrößerte sich bei den Tieren das Herz, um den erhöhten Sauerstoffbedarf decken zu können. (wsa)

Von Andrea Weller Die Fotos von Stars und Sternchen in den einschlägigen Hochglanzmagazinen machen oft ein bisschen neidisch: Wie kann man nur einen solchen Schneewittchenteint haben? Das flächenmäßig größte, schwerste und von seinen Funktionen her vielseitigste menschliche Organ ist einerseits zwar unglaublich strapazierfähig. Andererseits ist das Wunderwerk Haut mit einer Gesamtfläche von bis zu zwei Quadratmetern aber auch störanfällig durch den normalen Alterungsprozess, durch Erkrankungen oder äußere Einflüsse – und kann dann sehr unansehnlich werden. Der Wunsch nach makelloser Pfirsichhaut ist indessen groß wie nie. Viele Hautarztpraxen und Hautkliniken haben schon lange diesen Trend erkannt und kurieren nicht nur, sondern verschönern auch ihre Patienten. Der Stuttgarter Hautarzt Dr. Heiko Grimme, Mitglied im Berufsverband Deutscher Dermatologen, schätzt, dass die Leistungen im Bereich der ästhetischen Dermatologie in den Praxen mittlerweile bis zu 40 Prozent ausmachen können. „Begonnen hat diese Entwicklung mit dem Siegeszug des Lasers“, erläutert Grimme, „man hat immer neue Anwendungen gefunden.“ Dr. Ralf Merkert, Erster Oberarzt an der Klinik für Ästhetische Chirurgie, Phlebologie und Dermatologie an der Hautklinik Bad Cannstatt, bestätigt, dass die Nachfrage der Patienten vor allem nach nichtinvasiven Möglichkeiten zur Verschönerung „massiv zugenommen“ habe. Auch wenn diese sanften Therapiemethoden ohne Skalpell auskommen, sollte man sich aber nur in die Hände von Ärzten mit entsprechender Zusatzausbildung begeben. Mittlerweile gibt es für (fast) jedes Hautproblem mindestens eine Lösung. Besonders nachgefragt, so Grimme, seien Haaroder Altersfleckenentfernung, die Behandlung störender Äderchen im Gesicht (Couperose) oder an den Beinen (Besenreiser) und das Faltenglätten. Wermutstropfen: Wer schön sein will, muss alles selbst bezahlen – und da können schnell einige Hundert Euro zusammenkommen. Das Ergebnis hält nicht ewig, die Behandlungen müssen nach einer gewissen Zeit wiederholt werden. Hier einige Beispiele mit Durchschnittswerten (die variieren können) zu den Kosten:

Homöopathie immer beliebter Bei Erkältungen, Magenbeschwerden oder Kopfschmerzen greifen laut einer Studie immer mehr Deutsche zu homöopathischen Arzneimitteln. Das geht aus einer repräsentativen Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach hervor. In der vom Bundesverband der Arzneimittelhersteller in Auftrag gegebenen Untersuchung wurden die Bekanntheit, die Verwendung und das Image von Homöopathika untersucht. Fast alle Deutschen (92 Prozent) kennen die auf pflanzlicher Herkunft basierenden Arzneimittel. Noch vor rund 30 Jahren hätten nur 76 Prozent den Begriff zuordnen können. (dpa)

Haarentfernung: Störende Härchen in der

Ein ebenmäßiger Teint ist in erster Linie Vererbungssache – durch richtige Pflege und eine gesunde Lebensweise kann man aber viel für seine Haut tun Foto: Fotolia/Giorgio Gruizza

Bluttest gibt Arthrose-Risiko an Mit einem einfachen Bluttest kann künftig das Risiko einer Hüft- und Kniegelenkarthrose vorausgesagt werden. Der Schlüssel liegt in einem bestimmten Eiweiß, das mit der Gefäßverkalkung im Zusammenhang steht, wie Forscher des Universitätsklinikums Erlangen und der Medizinischen Universität Innsbruck erläutern. Bei einer Studie erkrankten Patienten mit einem hohen Spiegel des Eiweißes VCAM1 unabhängig von Alter und Körpergewicht vier- bis fünfmal häufiger an einer Knie- und Hüftgelenkarthrose als Patienten mit einem niedrigen VCAM1-Spiegel. (AP)

Spezielles Cholesterin gilt als gefährlich Dass ein hoher Cholesterinspiegel das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall steigert, ist allgemein bekannt. In schlechtem Ruf steht vor allem das LDL-Cholesterin. Chinesische Forscher haben nun eine Variante des Blutfetts ausgemacht, die offenbar noch gefährlicher ist. Dieses Oxycholesterin tritt vor allem in gebratenen und industriell gefertigten Lebensmitteln wie etwa Fast-Food-Produkten auf. Es treibt die Blutfettwerte stärker in die Höhe als nicht oxidiertes Cholesterin. Zudem lagert sich die Substanz in den Blutgefäßen stärker ab und beeinträchtigt die Elastizität von Venen und Arterien. (AP)

Medizin im TV

Mein Bypass aus Bangkok Immer mehr Patienten aus Europa und Amerika fliegen für Schnäppchenbehandlungen nach Fernost. Besonders gefragt sind Bypässe und künstliche Hüftgelenke. ¡ Dienstag, 1. 9., Arte, 21.50 Uhr

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Bikinizone mittels Laser entfernen zu lassen kostet ca. 100 Euro pro Sitzung. Notwendig sind fünf bis acht Behandlungen.

Faltenglätten: Für die Faltenunterspritzung

eines Gesichtsbereichs (mit Hyaloronsäure) muss man rund 400 Euro rechnen; ein bis zwei Behandlungen pro Jahr sind für ein gleichbleibendes Ergebnis nötig. Möglich ist auch eine Behandlung mit Botoxspritzen. Pro Gesichtsregion kostet das rund 300 Euro, nach sechs Monaten muss erneut ge-

Fleck, eine Sitzung reicht dafür aus.

Tätowierungen: Wer ein missglücktes Tat-

too wieder loswerden möchte, muss tief in die Tasche greifen. Für eine Entfernung mit dem Laser werden mehrere Sitzungen veranschlagt, eine Behandlung kostet – je nach Größe und Beschaffenheit des Tattoos – rund 75 bis 200 Euro. Wer angesichts dieser Preise denkt, der Boom in der ästhetischen Dermatologie sei nicht mehr als eine (Werbe-)Behauptung und nur von einem kleinen Bevölkerungskreis ausgelöst, der irrt. Ralf Merkert: „Wir haben hier an der Hautklinik Bad Cannstatt rund 3000 bis 5000 Patienten pro Jahr in diesem Bereich, die auch aus der Schweiz, aus Spanien oder Italien zu uns kommen.“ Allerdings bietet die Hautklinik auch „blutige“ Eingriffe wie Fettabsaugen oder das Absaugen von Schweißdrüsen an. Die meisten Patienten in der ästhetischen Dermatologie sind Frauen, doch die Männer, deren Anteil laut Dr. Grimme bei mittlerweile rund 20 Prozent liegt und die sich vor allem für Botox-Behandlungen interessieren, holen auf. Auch die Altersstruktur der Schönheitshungrigen ist breit gefächert – manchmal zu breit. „Eine 18-Jährige, die nach Botox gegen ihre Falten gefragt hat, haben wir wieder weggeschickt“, sagt Heiko Grimme. Doch er berichtet auch von einer 91-jährigen Frau, die sich unlängst in seiner Praxis einer großen Laser-Gesichtsbehandlung unterzogen hat. Diese beiden Beispiele markieren Extreme. Dass aber jemand mit Ende 20 damit beginne, etwas gegen die ersten Falten zu unternehmen, sei inzwischen keine Seltenheit, sagt Ralf Merkert. Kann man also nicht einfach in Würde altern – ohne Laser und Co? Doch, man kann. Ohnehin sind Hautbeschaffenheit, Geschwindigkeit und Ausmaß der Hautalterung vorwiegend eine Sache der Gene, so Grimme. Ob man einen Vorzeigeteint hat oder nicht, wird einem also in die Wiege gelegt. Darüber hinaus kann man seiner Haut aber selbst – und kostengünstig! – dabei helfen, schön, gesund und glatt zu bleiben.

Hintergrund

Tipps für eine Pfirsichhaut ¡ Ganz wichtig ist ein sinnvoller Umgang mit der Sonne, sagt Hautarzt Heiko Grimme – also nicht zu lange und nicht bei intensiver UV-Strahlung sonnenbaden ¡ Aufs Rauchen verzichten – hemmt die Durchblutung und macht vorzeitig faltig! ¡ Regelmäßig die Haut mit geeigneten Gesichtspflegeprodukten verwöhnen ¡ Ein gesunder Lebenswandel hält nicht nur die Haut jung – viel trinken, ausreichend schlafen, sich vernünftig ernähren (we)

Zwiebelsaft und Quarkwickel machen gesund Bei einer Erkältung und kleinen Wehwehchen helfen Heilmittel aus der Küche – Bei längeren Beschwerden zum Arzt gehen Von Nina C. Zimmermann Leichter Husten, etwas erhöhte Temperatur oder ein Anflug von Kratzen im Hals: Nicht jedes kleine Wehwehchen muss gleich vom Arzt behandelt werden. Viele Menschen schwören in solchen Fällen auf Heilmittel aus der Küche. Großer Vorteil: Quark und Zwiebeln finden sich in fast jedem Haushalt. „Sie sind einfach, preiswert und in der Regel völlig nebenwirkungsfrei“, sagt Helmut Haala, praktischer Arzt in Stockelsdorf in Schleswig-Holstein. Richtig angewendet, wirkten diese altbekannten Hausmittel als Wickel oder Säfte zuverlässig. Verbessert sich der Zustand dadurch nicht oder verschlechtert er sich gar, sollten Betroffene aber unbedingt einen Arzt aufsuchen.

tung Warentest in Berlin. Nach 20 bis 30 Minuten werden sie wieder abgenommen. Haala weist allerdings darauf hin, dass Mediziner mittlerweile grundsätzlich davon abraten, Wadenwickel bei Fieber zu verwenden. Ab einer Temperatur von 38,5 Grad Celsius könnten sie mehr schaden als nutzen. Denn durch das Herunterkühlen müsse sich der Körper noch mehr anstrengen, um seine Kerntemperatur zu erhalten – mit der Folge, dass die Temperatur noch weiter steigt, erläutert das Vorstandsmitglied des Zentralverbandes der Ärzte für Naturheilverfahren (ZAEN). Auch Quark ist ein bewährtes Mittel für kalte Umschläge bei entzündeten

Nebenhöhlen oder Gelenken. „Als Eiweißträger zieht er Wärme zum Beispiel aus einem geschwollenen Knie“, erläutert Haala. Das Milchprodukt kommt direkt auf die Haut und wird gut auf der erkrankten Stelle verteilt. Umwickelt etwa mit Frischhaltefolie, bleibt der Quark dort, bis er trocken und krümelig ist. Heilpraktiker Schmidt rät, den Quark vorher zu salzen, um auch Wasser aus dem Gewebe zu ziehen. Stiftung Warentest empfiehlt Quarkumschläge darüber hinaus bei Halsschmerzen.

Warme Umschläge: Die einfachste Variante sind Körnerkissen. „Bei Verspannungen

Heißer Trank: Bei einer Erkältung empfiehlt

Kalte Auflagen: „Früher hat man bei einer

Beule einen Löffel aus der Schublade geholt und draufgedrückt – schon war sie weg“, sagt Franz Dieter Schmidt vom Fachverband Deutscher Heilpraktiker (FDH) in Bonn. Heute leisten sogenannte Coolpacks oder in Stoff geschlagene Eiswürfel ähnliche Dienste. Oft reichen dem FDH-Vizepräsidenten zufolge aber auch schon kalte, feuchte Tücher, um Schwellungen und Stauchungen zu behandeln. Der Stoff sollte bei Wickeln – auch bei warmen – immer aus Leinen sein, damit die Wirkung direkt auf die Haut geht. „Bei Baumwolle bleibt sie im Material hängen.“ Zum Abdecken kann ein Molton- oder Wolltuch verwendet werden. Bei leichtem Fieber verschafft ein feuchtkalter Lappen auf der Stirn Linderung. Auch kalte Wadenwickel – sofern die Füße warm sind – gelten als Hausmittel bei erhöhter Temperatur. Dafür werden Tücher mit kühlem (Essig-)Wasser getränkt und um Wade und Oberschenkel gelegt, rät die Stif-

oder Sehnenzerrungen nach dem Joggen wärmt man sie einfach in der Mikrowelle und legt sie auf die betreffende Stelle“, sagt Schmidt. Feuchtwarme Tücher dagegen lassen sich bei Erkältungen nutzen, zum Beispiel als Wickel um den schmerzenden Hals. Bei Mandelentzündungen oder einem Husten helfen warme Kartoffelauflagen: Um den Kartoffelumschlag herzustellen, wird ein halbes Pfund Knollen geschält, gekocht und zu einem heißen Brei gestampft, rät das Online-Portal Naturheilmagazin.de mit Sitz in Hemmingen bei Stuttgart. Der Brei kommt dick auf ein trockenes Leinentuch und bleibt auf Brust oder Hals, bis er abgekühlt ist. Dabei sollte man nur aufpassen, dass man sich nicht verbrennt. der Allgemeinmediziner Haala zur Stärkung der Abwehrkräfte heißen Holundersaft. Heißer Zitronensaft reinigt „die Schleimstraßen“, heiße Milch mit Honig beruhigt trockenen Husten. Bei Halsschmerzen haben sich laut Stiftung Warentest Salbei-, Kamillen- und Lindenblütentee bewährt, zum Gurgeln bieten sich Salz- oder Zitronenwasser sowie Salbei- und Kamillentee an. Das Wasser für Kopfdampfbäder mit Kamille, Heublumen, Salbei oder Thymian sollte nicht heißer als 50 Grad Celsius sein.

Kalter Saft: Die ätherischen Öle der Zwiebel

Quark ist ein bewährtes Mittel gegen entzündete Gelenke

Breaking up the layout: cut-outs A normal photo becomes a cut-out by removing the background and leaving the main motif. The result is a close merging of photo and text in the page layout. If the background text flows around the photo easily, the effect is three-dimensional. In the examples shown here one can see that a lot of white space has been left around the cut-outs. The

Foto: Fotolia/Philipp Meyer

wirken laut Naturheilmagazin.de antibakteriell und desinfizierend. Bei Erkältungen ist zum Beispiel die mehrmals tägliche Einnahme von einem Esslöffel Zwiebelsirup hilfreich. Dazu werden zwei große Zwiebeln in dünne Scheiben geschnitten und mit drei Esslöffeln Honig vermischt. Diese Kombination muss 24 Stunden ziehen, mehrfach umgerührt und gekühlt aufbewahrt werden.

effect is to break up the page as well as possible. Cut-outs are not suited to every section of the paper. They are used primarily in the Culture section, on Service and Advice pages and in the Week-End section. In the Stuttgarter Nachrichten they appear on Page Three and in Business and Sport.


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Cut-outs

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Mein lieber Herr Gesangverein!

Die Stuttgarter Philharmoniker in der Großen Reihe in der Liederhalle

„Vom Minnesang zur Popakademie“ und „Freud und Leid in Dur und Moll“ heißen zwei Museumsprojekte in Karlsruhe und Stuttgart, die seit gestern zu besichtigen sind. Die Große Landesausstellung widmet sich dem Thema Musik – mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen.

Von Hermann Wilske

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Fit & Schön

Nummer 170 • Montag, 27. Juli 2009

Kosmetik-Abc

Adenosine dienen der Hautglättung

Sommerteint durch einen Sprühregen Bräunungsduschen und Airbrush-Tans funktionieren ganz ohne UV-Strahlen – ein Selbstversuch Bräunungsduschen funktionieren nach dem Prinzip von Selbstbräunern und zaubern Farbe auf die Haut – ganz ohne UV-Strahlen. Sehr lang hält das Ergebnis allerdings nicht.

Was ist drin in Creme, Lotion, Deodorant, Duschgel, Wimperntusche und Lippenstift? Diese Serie stellt kosmetische Wirk- und Hilfsstoffe vor. Von Julia Förch

Von Tanja Capuana

Taucht bei den Inhaltsstoffen eines Kosmetikprodukts, also auf der sogenannten Inci-Liste, der Begriff Adenosine auf, sind damit – auch medizinisch gegen Herzkrankheiten genutzte – organische, besonders energiereiche Moleküle gemeint. Diese biochemischen Wirkstoffe, teilweise aufgeführt mit den Ergänzungen Cyclic Phosphate und Triphosphorate, gelten als gut verträglich und werden zur Pflege von Haut und Haar verwendet. Insbesondere Adenosine Triphosphat (abgekürzt mit ATP) wird auch in Kosmetika verwendet. ATP ist eine energiereiche Phosphatverbindung, die in allen Muskelzellen vorhanden ist und die wichtigste Energiequelle bei Muskelbewegungen darstellt. Die Internetplattform www.kosmetikanalyse.com zitiert diesbezüglich aus dem „Kosmetik Lexikon“: „Eiweißstoffe sind ein wesentlicher Bestandteil der Haut, der Haare, der Nägel, der Muskeln und der Sehnen. Sie sind aus verschiedenen Einzelbausteinen, den Aminosäuren, aufgebaut.“ Wasserlöslich gemacht, sind Adenosine auch für die Kosmetik einsetzbar. „Eiweißstoffe sind hautverträglich und verbessern in vielen Fällen die Verträglichkeit anderer aggressiver Substanzen, so zum Beispiel die der Waschgrundstoffe.“ Adenosine helfen anderen Wirkstoffen aber nicht nur dabei, aktiv zu werden, sie bilden zudem einen Film auf der Haut und den Haaren, wodurch ein Gefühl von Glätte entsteht. Zudem verbessern sie die Kämmbarkeit der Haare. Aufgrund ihrer Pufferwirkung stabilisieren sie überdies den Säureschutzmantel der Haut und wirken hautbefeuchtend.

Studie ermittelt, was Paare eint Worauf basiert eine Partnerschaft fürs Leben? Australische Wissenschaftler haben über sieben Jahre hinweg insgesamt 2482 verheiratete oder zusammenlebende Paare beobachtet und zum Beispiel festgestellt, dass die Nachwuchsfrage von großer Bedeutung ist. Demnach bleiben Paare eher zusammen, wenn sie den Kinderwunsch voll teilen oder aber beide keine Kinder möchten. Auch das Alter spielt eine wichtige Rolle, wie die Studie der Australian National University in Canberra ergab. Laut Ergebnis sind Beziehungen stabiler, wenn zu deren Beginn der männliche Partner mindestens 25 Jahre alt war. Ferner sollte der Altersunterschied nicht zu groß sein. Eine Partnerschaft hält demnach eher, wenn der Mann nicht mehr als ein Jahr jünger oder drei Jahre älter ist als seine Partnerin. Sind Raucher mit Nichtrauchern liiert, steht die Beziehung häufig unter einem schlechten Stern. Die Wahrscheinlichkeit, sich zu trennen, ist 75 Prozent höher als bei Paaren, die Nikotin meiden oder ähnlich viel rauchen. Ein weiterer Einflussfaktor ist das Einkommen. Eine Trennung ist bei einem mittleren Einkommen unwahrscheinlicher als bei Haushalten, die wenig Geld zur Verfügung haben. Besonders Arbeitslosigkeit wirkt sich negativ aus. (AP)

Mit Balancetraining gegen Verstauchung Nach Fußverstauchungen kann ein Balancetraining Sportler vor einer neuerlichen Verletzung schützen. Nach einer holländischen Studie senkt ein achtwöchiges Übungsprogramm dieses Risiko um mehr als ein Drittel. Derartige Verletzungen sind sehr häufig: Allein in den Niederlanden verstauchen sich jährlich mehr als 230 000 Menschen das Fußgelenk. Im Jahr nach dem Vorfall sind sie besonders gefährdet, sich an gleicher Stelle erneut zu verletzen. Mit einem Gleichgewichtstraining gelang es, Neuverletzungen um 35 Prozent zu reduzieren. (AP)

Körperfett hat wichtige Funktionen Fett ist ein lebenswichtiger Baustein des Organismus. Zwar können übermäßige Fettpolster Krankheiten begünstigen, aber auch eine Unterversorgung ist gefährlich, betont das Kölner Zentrum für Gesundheit. Fett schütze Organe, sichere die Körpertemperatur, speichere Energie, Vitamine und Nährstoffe. Im Übermaß könne es Blutfettwerte und Blutdruck in die Höhe treiben, Arteriosklerose verursachen und so zu Herzinfarkt und Schlaganfall führen. Unterschreitet der Fettanteil bei Männern sechs, bei Frauen zwölf Prozent, drohen Gesundheitsrisiken. (AP)

Ob Airbrush oder Bräunungsdusche: In beiden Fällen wird ein chemischer Zucker auf den nackten Körper gesprüht. Der Wirkstoff reagiert mit den Aminosäuren der obersten Hautschicht und färbt den Körper braun Foto: Coka/Fotolia

Ein gebräunter Körper steht für viele Menschen immer noch für Attraktivität und Gesundheit. Auch ich wünsche mir einen karamellfarbenen Teint, mit dem die Natur beispielsweise Beyoncé Knowles bedacht hat. Leider bin ich ein nordischer, hellhäutiger Typ und werde in der Sonne eher rot als braun. Hautärzte raten vom Brutzeln im Freien oder in Solarien meist ab. „Es gibt keine gesunde Bräune“, warnt der Heilbronner Hautarzt Bernd Salzer. „Die Haut merkt sich jeden UV-Strahl.“ Salzer, der dem Berufsverband der Deutschen Dermatologen als Landesvorsitzender angehört, rät daher zur UV-freien Methode: „Wer unbedingt braun sein will, sollte Selbstbräuner oder Bräunungsduschen benutzen.“ Diese Cremes und Lotionen enthalten Dihydroxyaceton, einen dreiwertigen Zucker, der durch eine biochemische Reaktion die Haut dunkler färbt. Allerdings habe ich mit der Bräune aus der Tube bisher keine guten Erfahrungen gemacht: Meist war das Ergebnis orangebraun und fleckig. Was für ein Glück also, dass es mittlerweile auch in Deutschland eine Alternative dazu gibt: Bräunungsduschen. Prominente wie Victoria Beckham oder Christina Aguilera schwören darauf. Ein Grund mehr, es einmal selbst auszuprobieren. Leichte Bedenken habe ich dennoch, da meine Haut bisweilen empfindlich auf chemische Substanzen reagiert. Bernd Salzer beruhigt. „Allergien und Nebenwirkungen sind mir nicht bekannt“, sagt er. „Die Wirkstoffe in Bräunungsduschen sind unbedenklich.“ Er habe bisher noch keine Patienten erlebt, die dadurch Ausschläge bekommen hatten. Statt der klassischen Bräunungsdusche entscheide ich mich für ein ähnliches System: das sogenannte Spray Tan. Bei einer Internetrecherche stoße ich auf einen Salon in Stuttgart-Zuffenhausen, der diese Airbrush-Tans für 25 Euro (gesamter Körper) anbietet. Also mache ich mich auf zur Firma Beauty Nails of Art. Nur in Unterwäsche und ohne Schminke im Gesicht stehe ich schließlich vor der Kosmetikerin Andrea Morber. Der Salon benutzt die Produkte der Firma Magic Tan, die mit der dazugehörigen Maschine aufgesprayt werden. Dieser Trend komme aus Amerika, erzählt Morber, während sie mit der Düse meine Arme bespritzt. Ein angenehm kühler Sprühnebel breitet sich auf meiner Haut aus. Das Ergebnis dieser Methode sei gleichmäßiger als mit einer normalen Bräunungsdusche, meint

Lieblingslieder am laufenden Meter Worauf Freizeitsportler beim MP3-Player achten sollten – Laufrhythmus als Taktgeber Von Philipp Laage Auf ihren MP3-Player wollen viele Menschen beim Joggen nicht mehr verzichten. Schließlich kann das Lieblingslied auf den letzten Metern zum entscheidenden Antreiber werden. Damit der Hörgenuss nicht geschmälert wird, sollten Läufer aber ein paar Punkte beachten. Technisch gesehen ist es entscheidend, dass sie mit einem Gerät mit Flash-Speicher lostraben. Denn Spieler mit Festplattenspeicher haben bewegliche Teile, die beim Geländelauf aussetzen können, wie Michael Knott vom Technikportal netzwelt.de aus Hamburg erklärt. „Die elektronischen Flash-Speicher hingegen sind gegen Erschütterungen komplett unanfällig.“ Mittlerweile gibt es allerdings ohnehin fast nur noch Flash-Modelle in den Läden: Im Jahr 2008 wurden 4,16 Millionen MP3-Player verkauft. Davon hatten nur 23 000 eine Festplatte, sagt Roland Stehle von der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (GfU) in Nürnberg. Und die Kapazitäten der Flash-Speicher werden immer größer. Während somit fast alle neuen MP3-Player lauftauglich sind, können die mitgelieferten Kopfhörer Freizeitsportlern Probleme bereiten, wie Urs Weber vom in Hamburg erscheinenden Laufmagazin „Runner’s World“ erläutert: „Häufig sitzen die serienmäßigen Ohrstecker nicht gut und fallen beim Laufen heraus.“ Zu empfehlen seien deshalb Kopfhörer, die verschiedene Aufsätze haben und sich anpassen lassen. Sogenannte In-Ear-Hörer bieten diese Möglichkeit, sagt Stehle. Laut Urs Weber liefern sie auch einen besseren Sound als andere Modelle. „Viele Läufer schwören auf InEar-Kopfhörer, andere kommen damit überhaupt nicht klar“, ergänzt Michael Knott. Sie fühlten sich unwohl, weil sie durch die gute Schallabschirmung nichts von der Außenwelt mitbekommen. Dies kann beim Joggen gefährlich sein – etwa, wenn man die Klingel eines Fahrrads überhört.

Der Experte empfiehlt, halboffene Modelle mit einem Haltebügel auszuprobieren, der hinter dem Kopf entlangführt. Studiokopfhörer hingegen seien ungeeignet, weil sie sich schnell mit Schweiß vollsaugen. Manche Modelle haben den MP3-Player auch schon im Haltebügel integriert. Ein weiteres Hindernis ist die Verbindung des Kopfhörers mit dem Spieler. Das Kabel sei oft eine Gefahrenquelle für den Läufer, sagt Knott. „Es kann hängen bleiben und den Hörer aus dem Ohr reißen.“ Außerdem bringe es viele Jogger aus dem Konzept, wenn sie ständig darauf achten müssen, dass ihnen die Strippe nicht im Weg ist. Sinnvoll können deshalb kabellose Bluetooth-Kopfhörer sein. „Dafür zahlt man im Schnitt 20 bis 30 Euro mehr.“ Die Auswahl sei allerdings noch stark begrenzt.

Um einen herkömmlichen Player zu befestigen, eignet sich ein Armband, das meist um den Oberarm gespannt wird, erläutert Michael Knott. Der iPod Shuffle von Apple und beispielsweise Modelle von Creative und Philips lassen sich mit einem Clip überall an der Kleidung befestigen, ergänzt Weber. Als Regenschutz bietet sich eine Silikonhülle an. „Leider passen viele Hüllen nicht hundertprozentig“, gibt Knott zu bedenken. Wem durch die Musik der Laufrhythmus verloren geht, der kann auf eine besondere Technik zurückgreifen. Einige neuere Player verfügten über eine Funktion, die das Tempo der Musik an den Schrittrhythmus anpasst, erklärt Knott. „Das ist sehr nützlich, da viele Jogger dazu neigen, zu schnell zu laufen, wenn sie ein schnelleres Lied im Ohr haben.“

Morber. Denn wer sich unter dem Duschstrahl nicht absolut synchron bewege, riskiere, dass die Farbe nicht alle Stellen des Körpers gleichmäßig erreicht. Insbesondere bei einer helleren Haut müsse man dann mehrmals unter die Dusche. Damit die aufgesprühte Bräune ebenmäßig wird, rät Andrea Morber ihren Kunden, vor der Behandlung ein Ganzkörperpeeling zu machen und Körperbehaarung an Beinen oder unter den Achseln zu entfernen. Auch sollte man für diese Prozedur eher ältere und dunkle Wäsche tragen, da die aufgesprühte Bräune abfärben kann. Nachdem das Mittel aufgesprüht ist, muss ich noch etwa fünf Minuten warten, bis ich mich wieder anziehen darf. Vorsichtig werfe ich einen Blick in den Spiegel: Meine Gesichtsfarbe erinnert nicht an Beyoncé Knowles, sondern an Whitney Houston, die frisch aus dem Sommerurlaub kommt. Dabei handelt es sich um die Kontaktfarbe, beruhigt Morber. Die tatsächliche Bräune entwickle sich erst einige Stunden später. „Deshalb sollte man sich nach der Behandlung nicht eincremen und erst am nächsten Tag duschen“, sagt die Kosmetikerin. Denn sonst würde man die Kontaktfarbe herunterwaschen, erläutert sie. Am kommenden Tag verschwindet die Bräune auch dann nicht, wenn man sich wäscht oder die Beine erneut rasiert.

Für einen besonderen Anlass: Getöntes Gel sorgt stundenweise für künstliche Urlaubsbräune Am kommenden Tag wirkt die Haut am Körper goldbraun. Lediglich im Gesicht ist die Tönung für mich noch ungewohnt dunkel. Ich benutze darum ein Peeling, um die Bräune etwas abzuschwächen. Außerdem stelle ich fest, dass meine übliche Grundierung ein wenig zu hell ist: Ich muss zu einem dunkleren Make-up greifen. Am dritten Tag habe ich mich an meine künstliche Karibikbräune gewöhnt und finde Gefallen an meinem neuen Teint, der schön natürlich wirkt. Rund zehn Tage lang hält das aufgesprühte Urlaubsfeeling, bevor die Haut gleichmäßig wieder die ursprüngliche Farbe annimmt. Ich habe weder Unreinheiten noch Ausschläge bekommen. Wer nur für einen besonderen Anlass einen goldenen Schimmer auf seine Beine zaubern möchte, der findet dafür in Drogeriemärkten oder Parfümerien die passenden Produkte. So bietet die Firma L’Oréal unter dem Namen Sublime Bronze One Day ein getöntes Gel an, das einen natürlichen, leichten Bräunungseffekt verspricht und sich der Hautfarbe des Benutzers anpassen soll. Gleichmäßig damit eingecremt, schillern meine Beine, Arme und das Gesicht wie von der Sonne geküsst. Zudem wird die Haut streichelzart und sieht gepflegt aus. Abends lässt sich die Bräune aus der Tube mit etwas Duschgel abwaschen. In wenigen Sekunden verwandle ich mich von der getönten Strandgöttin zurück in eine hellhäutige Testerin. Bräune ohne Sonneneinstrahlung kann also tatsächlich ganz einfach sein.

Tipps für heiße Nächte Wenn sogar nachts die Temperaturen kaum abkühlen, fällt das Ein- und Durchschlafen schwer. So wachen Sie auch nach schwülen Nächten gut erholt auf:

Zudecken: Verzichten Sie auch in warmen

Nächten nicht vollständig auf eine Bettdecke. Durch die permanente Feuchtigkeitsabgabe der Haut könnten Sie sich sonst erkälten. Besser ist eine leichte Decke aus Naturmaterialien oder ein Laken, das die Körperfeuchtigkeit aufnimmt.

Abdunkeln: Sorgen Sie schon einige Stun-

den vor dem Zubettgehen für ein angenehmes Raumklima im Schlafzimmer, indem Sie frühmorgens und abends lüften und tagsüber die Fenster mit einem Rollo oder einer Jalousie vor Erhitzung schützen.

Speisen: Abends gut gegessen und viel Wein

oder Bier getrunken? Das sollten Sie besser lassen, denn Alkohol und schweres, fettreiches Essen erschweren das Einschlafen zusätzlich. Weniger belastend sind Fruchtsaftschorlen, Kräutertees und leicht verdauliche Speisen.

Entspannen: Meiden Sie abends anstren-

gende Sportarten. Wer nur nach Feierabend Zeit hat, sollte sein Training maximal zwei Stunden vor dem Schlafengehen absolvieren und sich anschließend genügend Zeit zum Entspannen nehmen.

Duschen: Die eiskalte Dusche nach einem anstrengenden Tag ist verlockend. Doch Vorsicht: Das kühle Wasser regt den Kreislauf an und lässt Sie noch mehr schwitzen. Besser ist eine lauwarme Dusche oder ein Bad mit beruhigenden Kräuterzusätzen, etwa mit Lavendel.

Mit Hilfe des Lieblingslieds auf dem Weg zum Halbmarathon

Foto: Creative/dpa

Zur Not: Verzichten Sie auf Schlafmittel. In Einzelfällen kann ein Baldrianpräparat als Schlummerhilfe sinnvoll sein. Einen Versuch wert ist auch Melatonin, das auf Rezept auch von deutschen Apotheken bestellt werden kann. (mm)

Kultur

Nummer 88  Samstag, 17. April 2010

Die vielen Farben eines Orchesterklangs

George Szell, den man heute nur noch als Dirigenten kennt, war schon deutlich über 20 Jahre alt, als er seine „Lyrische Ouvertüre“ komponierte. Auch wenn sich die Stuttgarter Philharmoniker bei ihrem Konzert am Donnerstag vor 1400 Besuchern im Beethovensaal der Stuttgarter Liederhalle noch so liebevoll dieser Ouvertüre widmeten – schon aufgrund des eigentümlich eklektizistischen Stilpluralismus (bald grüßt Franz Lehar, bald Gustav Mahler, dazu eine Prise Avantgarde) kann man George Szell nur für den Mut danken, die Komponistenfeder aus der Hand gelegt zu haben. Anders verhält es sich da schon mit Erich Wolfgang Korngolds „Märchenbildern“ (op. 3), welche allein schon durch den virtuosen Umgang mit Farbwirkungen des Orchesters einen genialen Entwurf des eben erst 13-jährigen Komponisten darstellen. Sodann enthielt das Programm noch Beethovens 1. Sinfonie – und auch, wenn dem Werk an diesem Abend eine späte Stunde geschlagen hatte, gelang es dem Dirigenten Gabriel Feltz, mit einem Höchstmaß an Plastizität und Durchsichtigkeit (insbesondere Satz 2) sowie stringentem Brio und straffer Rhythmik in den Ecksätzen das Publikum in den Bann zu ziehen. Im Kontrast dazu stand Mozarts spätes Klavierkonzert in B-Dur. Wollte man auf diese Weise der Abgeklärtheit eines Alterswerks die Reverenz erweisen? Schon der Kopfsatz wirkte wie in ein mildes Licht getaucht, und der Solist Stefan Arnold tat am Flügel ein Übriges, um eine wie von selbst ausschwingende Liedhaftigkeit in den Vordergrund zu stellen, die sich wie eine Vorwegnahme von Zauberflöten-Atmosphäre ausnahm. Schade allein, dass dem dankbaren Publikum eine Zugabe verweigert wurde.

Schöne Töne Jürgen Holwein stellt Aufnahmen vor, die ihm wichtig sind. Svjatoslav Richter spielt Gershwin und Saint-Saëns RSO Stuttgart, Christoph Eschenbach (Hänssler Classic)

Ei, ei, ei!!! 6. Mai 1993. Svjatoslav Richter hört bei Elisabeth Leonskaja eine Musikkassette. Der Pianist Philippe Entremont und der Dirigent Eugene Ormandy spielen Gershwins kapriziös-jazziges Klavierkonzert in F. Richter bemerkt in seinem Musiktagebuch: „Ei, ei, ei!!! Kann man dieses Konzert wirklich so spielen? Schnell, schnell, konfus, ohne Rhythmus . . .“ Bei den Schwetzinger Festspielen wird er dieses Konzert in F zum ersten Mal spielen, auf eigenen Wunsch („Ich liebe Gershwin sehr, der auf seine Art ausgezeichnet ist und weniger sentimental als Messiaen“). Richter ist 78, sein Repertoire immens. Das 5. Klavierkonzert von Saint-Saëns mit seiner spätkolonialen „ägyptischen“ Atmosphäre, koloriert in Aquarelltechnik, spielte er mal in Wien. 30. Mai 1993. „Sehr gut“ findet der große Schweiger die Proben im Rokokotheater mit Christoph Eschenbach und dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart. 23. September 1993. Im Auto unterwegs, zwischen Jesolo und Padua, hört er das Schwetzinger Konzert. „Die Aufnahme von Saint-Saëns gefällt mir, bis auf einen kleinen Zwischenfall im dritten Satz.“ Richter zuzuhören ist ein Vergnügen. Zu erleben, wie er sich selbst über die Schulter schaut, und wie er das genießt.

Eine Große Landesausstellung zur Musikkultur in Baden-Württemberg bietet in Karlsruhe und Stuttgart Klangkunst zum Anschauen

Konwitschny feiert Gluck Erfolgsregisseur Peter Konwitschny startet am Leipziger Opernhaus seinen lange geplanten „Ring“ mit Opern des Komponisten Christoph Willibald Gluck (1714–1787). An diesem Samstag hat dort „Alkestis“ Premiere. In den folgenden Jahren gibt es jeweils eine weitere Neuinszenierung in dem sächsischen Opernhaus zu sehen.

fällt als Erstes eine jener Kettensägen der (selbstredend auch baden-württembergischen) Firma Stihl ins Auge, welche die Popgruppe Fanta 4 (selbstredend auch aus Baden-Württemberg, wenngleich mittlerweile emigriert) in ihrem Song „Schizophren“ benutzt. Zu Tod und Trauer leitet gleich der nächste Raum: mit Helmut Lachenmanns „Mädchen mit den Schwefelhölzern“ um die in Stammheim umgekommene Ulrike Meinhof, mit Ennio Morricones „Spiel mir das Lied vom Tod“, gespielt

Von Susanne Benda Das Scharnier knirscht. Ein Roboter bewegt sich, und jede Bewegung findet auf einer anderen Tonhöhe statt. Die Maschine macht Musik. Im Eingangssaal zur Ausstellung „Vom Minnesang zur Popakademie“ im Badischen Landesmuseum Karlsruhe hört man „Yesterday“, „Happy Birthday“, den Anfang von Mozarts „Kleiner Nachtmusik“. Und das Badnerlied. So viel Lokalpatriotismus muss sein – auch wenn die Große Landesausstellung zur Musikkultur in Baden-Württemberg, deren Ouvertüre hier erklingt, ein Kooperationsprojekt der Landesmuseen von Karlsruhe und Stuttgart ist.

In Karlsruhe fehlt Patriotismus nicht, in Stuttgart liebt man die Kontraste „Musik kennt keine Grenzen“, behauptet zwar einer der Museumsleute bei der Pressekonferenz zur Eröffnung, doch gemeint ist damit vor allem, dass die Grenzen des Bindestrich-Bundeslands nicht allzu eng zu sehen sind: Die Vielgestaltigkeit und Vielgesichtigkeit der Musik, die in BadenWürttemberg komponiert und interpretiert wurde und wird, wird von außen beeinflusst und reicht weit hinaus über das deutsche Musik-Musterland mit seinen täglich etwa 330 Musikveranstaltungen, seinen über 400 000 Chorsängern und dem bundesweit dichtesten Netz an Musikschulen. Grenzsprengend ist die Ausstellung aber auch, weil sie nicht einfach nur eine Ausstellung ist. Das schließt schon das Thema aus – schließlich ist Musik eine Kunst, die nur ganz da ist, wenn sie klingt. Instrumente (zu sehen sind unter anderem Trumscheit, Glasharmonika, Mundorgel, Theorbe und Naturtrompete), Noten, Bilder von Musikern und Devotionalien (wie etwa ein Taktstock von Liszt, eine Haarlocke Carl Maria von Webers oder ein Gipsabdruck von Clara Schumanns rechter Hand) sind schön, lehrreich vielleicht oder interessant – doch sie bleiben stumm. Deshalb hängen im Karlsruher Schloss Kopfhörer an der Wand – mit ihrer Hilfe kann man dem „Hafer- und Bananenblues“ von Äffle und Pferdle lauschen, dem vom Freiburger Kirchenmusikdirektor Martin Gotthard Schneider komponierten Sakralhit „Danke“ (auch in der Fassung der Popband Die Ärzte von 1998), man kann hören, wie der französische Komponist Olivier Messiaen 1953 auf der Walckerorgel in der Villa Berg den vierten seiner „Chants d’oiseaux“ spielt, und auch bei Hubert Deuringers Lied vom „Gsangverei“ gibt es kräftig was auf die Ohren. In Stuttgart darf die Musik noch stärker klingen, denn hier ist ein Audioguide Pflicht und im Eintrittspreis inbegriffen. Mit seiner Hilfe lassen sich nicht nur nummerierte Erklärungen zu Exponaten und (oftmals eigens aufgenommene) Musikstücke ansteuern, sondern beim Durchschreiten bestimmter „Klangschwellen“ ertönen automatisch passende Klänge. Manchmal ist das wie ein kleiner Schock: Wenn man gerade die Gefilde getragener kirchenmusikalischer Gesänge

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Nummer 74  Dienstag, 30. März 2010

¿27/28 · Veranstaltungen Streit auf der Bühne und Eintracht unter den Sängern Seite 27: Vorfreude auf ein Ehedrama für vier Personen und einen Liederabend mit zehn Tenören. Seite 28: Welchen Film die meisten Menschen sahen und Neues von Jack White.

Info

Musikgeschichte des Landes ¡ „Vom Minnesang zur Popakademie“: Bis 12. 9. im Badischen Landesmuseum (Schloss Karlsruhe), geöffnet Di bis Mi und Fr bis So 10–18 Uhr, Do 10–21 Uhr. Öffentliche Führungen gibt es immer samstags um 16 und sonntags um 11 Uhr. Eintritt: Erwachsene 8 Euro, ermäßigt 6 Euro, Schüler 2 Euro, Familienkarte 16 Euro, Audioguide 3 Euro. Katalog: 24,90 Euro. Info: 07 21 / 9 26 28 28 und unter www.landesmuseum.de ¡ „Freud und Leid in Dur und Moll“: Bis 12. 9. im Württembergischen Landesmuseum (Fruchtkasten Stuttgart), geöffnet Di bis So 10–17 Uhr. Eintritt: Erwachsene 8 Euro, ermäßigt 6 Euro, Jugendliche 13–18 Jahre 4 Euro, Kinder frei, Familienkarte 16 Euro. Der Audioguide ist im Eintrittspreis enthalten. Katalog: 17 Euro. Information: 07 11 / 89 53 54 45 und unter www.landesmuseumstuttgart.de

Der hölzerne Serpent (franz.: Schlange) ist ein Bassinstrument. Das Ausstellungsstück aus dem 17. Jahrhundert hat einen Lederüberzug und ein Mundrohr und Mundstück aus Messing Abb.: Stadtmuseum Baden-Baden, Inv.-Nr. 773

¡ Am 4. Mai startet speziell für Kinder von vier bis zwölf Jahren im Württembergischen Landesmuseum die interaktive Ausstellung „Music4Kids – Musik machen und erleben“, die von zahlreichen Spiel- und Werbeaktionen begleitet wird.

Goldfischmädchen liebt Mensch Das Trickfilm-Festival gibt einen Vorgeschmack – per Rückblick Von Bernd Haasis Das Beste ist gerade gut genug, wenn man sich nach längerer Abstinenz in Erinnerung rufen möchte, nach diesem Motto handelt das Stuttgarter-Trickfilm-Festival seit einigen Jahren mit der DVDReihe „Best of Animation“. Kurz vor dem nächsten Festival erscheinen die besten Kurzfilme des Vorjahres als Zusammenstellung, Teil vier mit ausgesuchten Trickfilmen aller Art wird an diesem Donnerstag um 18.30 Uhr im Jazzclub Bix im Siegle-Haus der Öffentlichkeit vorgestellt. Einige Höhepunkte des diesjährigen Festivals, das am 4. Mai beginnt, sind bereits bekannt. So hat der Spielfilmwettbewerb „AniMovie“ einiges zu bieten, zum Beispiel den „fantastischen Mr. Fox“, einen Oscar-nominierter Puppentrickfilm von Wes Anderson („Darjeeling Limited“), der sich erstmals an einen Animationsstreifen herangewagt hat. Erzählt wird die Geschichte eines mutigen Fuchses, der sich mit den Bauern anlegt. Aus Deutschland kommt das erste abendfüllende Abenteuer des Sandmännchens, das zusammen mit dem Schlafschaf Nepomuk den verlorenen Traumsand wiederbeschaffen muss. Hayao Miyazaki, japanischer Animationsmeister mit Hang zum Surrealen („Das wandelnde Schloss“), ist mit dem Kinderfilm „Ponyo“ dabei, in dem ein Goldfischmädchen von zu Hause flieht und sich in einen Jungen verliebt. Unter den prominenten Gästen ist diesmal David Silverman, Regisseur nicht nur einiger Folgen der auch in Deutschland außerordentlich beliebten TV-Serie „Die Simpsons“, sondern auch des Kinofilms von 2007. www.itfs.de

¡ Informationen zum reichhaltigen Begleitprogramm gibt es unter www.musikkultur-bw.de; der Veranstaltungskalender wird fortlaufend aktualisiert.

Suchen den Traumsand: Das Sandmännchen, Schlafschaf Nepomuk Festival

Nur die Besucherzahl stimmt nicht: Die Jazzsängerin Dee Dee Bridgewater gastierte am Donnerstagabend in der Stuttgarter Liederhalle

Szene

Das Konzert der Jazzsängerin Dee Dee Bridgewater, die ihrer vor fünfzig Jahren verstorbenen Kollegin Billie Holiday die Ehre erwies, musste am Donnerstagabend vom Hegel- in den Mozartsaal der Stuttgarter Liederhalle verlegt werden, weil nur rund 300 Tickets verkauft worden waren. Denise – seit ihrer Kindheit Dee Dee gerufen – nahm es mit Humor und sang für die begeisterten Besucher ein improvisiertes „Only You“, den alten Hit der Platters. Vom Leben gepeinigt, fand Billie Holiday

ihr Glück nur in der Musik oder in den künstlichen Paradiesen des Alkohols und des Heroins, woran sie mit nur 45 Jahren elend sterben musste. Die Verletzungen und Narben ihres Lebens und ihre Sehnsucht nach Glück sind in der einmaligen Stimme von „Lady Day“ aufgehoben. Das Konzert von Dee Dee Bridgewater aber wird zu einer Feier des Jazz, zu einem Tribut der Freude an die geniale Songinterpretin Eleonora Fagen, die als Billie Holiday weltberühmt wurde. Anstatt in sich gekehrt Songs wie „God Bless The Child“ oder „Don’t Explain“ zu interpretieren, geht die Bridge-

water aus sich heraus und singt strahlend und aus voller Kehle. „Wir spielen noch ,All Of Me‘ als einen kleinen Quickie“, sagt sie nach über zwei Stunden lachend die Zugabe an und legt los. Den Jazzstandard singt sie nicht wie Billie Holiday ein klein wenig hinter der Band zurückbleibend schwebend-sehnsuchtsvoll, jede Silbe auskostend, sondern lustvoll vorwärtsdrängend in einem nie gehörten Up-Tempo. „Tierisch“, konstatiert ein junger Jazzer beifällig. Das liegt nicht von ungefähr an dem starken Quartett, das die 59-Jährige auf ihrer Tour begleitet. Edsel Go-

Siegfried Jerusalem ist 70 Zwischen der Wiener Staatsoper, der „Met“ in New York und dem Bayreuther Festspielhaus bewegte sich ein Vierteljahrhundert lang die Karriere des großen Tenors Siegfried Jerusalem, der heute 70 Jahre alt wird. Seine Glanzrollen hatte Jerusalem in Bayreuth. In der „Ring“-Inszenierung von Harry Kupfer wurde er als „Jahrhundert-Siegfried“ gefeiert. Als Bayreuther Traumpaar galten Jerusalem und Waltraud Meier in Heiner Müllers Inszenierung von „Tristan und Isolde“.

auf einer Mundharmonika der Trossinger Firma Hohner. Totentanz-Abbildungen und -Vertonungen finden sich einen Stock höher. Im Glaubens-Raum kann man riesige mittelalterliche Noten in wunderschönen Chorbüchern anschauen (und Mönchsgesängen lauschen), und auf „Liebe, Lust und Leidenschaft“ folgt schließlich noch das „Wir-Gefühl“ mit Musikvereinspokalen, Wolle Kriwaneks „Ufo“ und vor allem mit ganz vielen VfB-Stuttgart-Fanschals. Erst wenn man diesen letzten Ausstellungsraum in der zweiten Etage des Museums verlässt, sieht man – im Fruchtkasten ist man gerne auch mal ein bisschen ironisch, und wer es begreift, kann hier viel Spaß haben – den schüchternen, kleinen blauen KSC-Aufkleber über der Tür. Man kann es ja mal versuchen. Also auf nach Karlsruhe! Dort ist die Ausstellung größer, und alles ist ein wenig nüchterner geordnet. „Alltagsmusik“ ist hier das erste Kapitel, es folgen „Musik und Ritual“, „Konzertwesen“, „Innovation“ (mit Exponaten und Erläuterungen zu den Donaueschinger Musiktagen wie zur Mannheimer Hofkapelle), „Musik und Macht“ (einschließlich Ausführungen über die Blasmusik im deutschen Südwesten) und „Weltliches Lied“. Im Badischen Landesmuseum hat man mehr Platz, um in die Tiefe zu gehen, und einen anderen, historisch-systematischen Ansatz. In Karlsruhe lernt man vielleicht mehr – und lacht dafür ein bisschen weniger. Obwohl auch das nicht ganz stimmt, schließlich begegnet man hier einer lebensgroßen Wachsfigur des Tübinger Masseurs Dieter Thomas Kuhn (mit Brusthaartoupet aus Watte), in einer SchwarzWeiß-TV-Nische darf Caterina Valente die Fernsehunterhaltung von ehedem wiederaufleben lassen, und Ausführungen zum lange verbotenen Freiburger SubkulturSender Radio Dreyeckland finden sich in ausgesprochen passender Umgebung – gleich neben den Ausführungen zum Thema „Musik in Gefangenschaft“.

Das Leid der Welt blüht in den Klangfarben Von Thomas Staiber

Kurz berichtet

verlassen hat, knallen einem urplötzlich die Flippers (sie stammen aus Knittlingen bei Bretten) ihr „Liebe ist mehr als nur eine Nacht“ ins Ohr. Au weia, das tut weh. Doch in Stuttgart liebt man die Kontraste, und dass das so ist, hat auch damit zu tun, dass die Ausstellungsmacher im Fruchtkasten das Thema nach den Gefühlen gliederten, die Musik auslöst. In „Jubel, Trubel, Heiterkeit“ regieren – quer durch die Jahrhunderte – Festumzüge und Guggemusiken, in „Angst und Aggression“

Sie ist auch bei den Grammy-Verleihungen gerngesehener Gast: Sängerin Dee Dee Bridgewater im Staple Center

Foto: Paul Buck, dpa

mez, ihr puerto-ricanischer Stammpianist, hat die elaborierten Arrangements geschrieben. Der junge James Carter spielt so kraftvoll-rabiat und extrovertiert, als wolle er zeigen, dass seine Saxofonstimme der Singstimme der Chefin in nichts nachsteht. Stefan Lievestro am Bass sorgt für angenehm federnde Elastizität, Drummer Gregory Hutchinson für ein hartes Rhythmusfundament. Auf dieser Basis entfaltet sich Bridgewaters Stimme in der ihr eigenen großen Bandbreite und blüht in einer wunderbar geschmeidigen und sinnlichen Klangfülle auf. Darin ist nicht das Leid der Welt aufgehoben, mit dem Billie Holiday Menschen berührt hat, Dee Dee Bridgewater sonnt sich in ihren gesanglichen Fähigkeiten – in der Nachfolge ihres eigentlichen Vorbilds Ella Fitzgerald. Dabei vertraut Dee Dee Bidgewater der Heilkraft der Musik. Sagen wir es mit Beethoven: „Die Kreuze des Lebens sind wie die Kreuze in der Musik: Sie erhöhen.“ Einmal jedoch wird die 59-Jährige zur Tragödin wie vor ihr Lady Day: Mühsam hält sie ihre Tränen zurück und singt „Strange Fruit“, das Gedicht von Lewis Allan, das Südstaatenrassisten anklagt. Die seltsame Frucht da an der Pappel ist ein gelynchter Schwarzer, und in den Duft der Magnolien mischt sich der Gestank verbrannten Fleisches.

Unusual visualisation How would you visualise a report about exhibitions on the topic of music culture? The obvious thing is to use photographs showing the exhibition. In the example shown above a different approach is used: there is a picture of a single musical instrument the snakelike shape of which makes an ideal eyecatcher.

Kulturmagazin

Das kleine bisschen Drama-Queen Die Musik habe ihn gerettet, sagt Mika, der sehr bunte und sehr schüchterne Popstar aus dem britischen Königreich Mika ist ein verrückter Pop-Prinz aus einer fernen Welt, der gerne Grace Kelly und Freddie Mercury in einer Person sein will. Seine Geschichte hört sich an wie ein Märchen. Heute tritt das Chamäleon im ausverkauften LKA/Longhorn in Stuttgart auf. Von Anja Wasserbäch Seine Sprechstimme klingt schüchtern. Er redet nicht so, wie das ein Popstar sonst macht. Kein bisschen selbstbewusst. Da ist keine Stärke zu hören. Keine Arroganz. Wenn Mika aber singt, dann klingt er ganz anders. Exaltiert. Erhaben. Ekstatisch. Die Geschichte von Mika hört sich zuerst einmal nicht nach der HappySmile-Legende an. Mika, der mit bürgerlichem Namen Mica Penniman heißt, wird als Sohn libanesisch-amerikanischer Eltern in Beirut geboren. Infolge des Libanonkriegs siedelt die Familie nach Paris über. Mikas Vater jedoch, ein amerikanischer Geschäftsmann, wird in Kuwait als Geisel genommen. Nach seiner Befreiung siedelt die Großfamilie nach London über. Mika, der heute mit rund drei Millionen verkauften Alben zu der ersten Liga der britischen Stars zählt, wollte nicht so recht nach London auf diese schicke Privatschule passen. Mit elf Jahren erleidet er das, was er heute als „Zusammenbruch“ bezeichnet. Er spricht nicht mehr, ist Legastheniker und kann nicht mehr zur Schule gehen. Die Musik habe ihn schließlich gerettet, sagt Mika. Derzeit ist Mika der bunteste Popstar, den das britische Königreich zu bieten hat. Er macht zuckersüßen Pop, der an Queen und Elton John erinnert. Und er ist auch ein bisschen ein Modepüppchen. „Eigentlich ist Mode für mich gar nicht so wichtig“, sagt Mika. „Doch man muss schon ein Gespür für einen eigenen Stil haben.“ Und Mikas Stil ist vor allem bunt und abgedreht. Der dünne Herr trägt gerne bunte Hosen, Glitzeroberteile und hüpft wie ein Flummiball über die Bühne. Vor ein paar Jahren war Mika mal Model in einer Paul-SmithKampagne. Das kam für Smith wie Mika gerade recht. „Das war gutes Timing. Für uns beide“, sagt Mika und lacht. Zuerst aber muss der Bub mit der Lockenpracht einige mu-

Smart ist Mika – nicht nur auf offiziellen Fotos

Wenn die Unterhosenklauer kommen AC/DC im Alleingang Aus dem Open-Air-Doppelpack auf dem Wasen wird ein Alleingang: AC/DC spielen wie geplant am Sonntag, 13. Juni, der 12. aber ist nun gestrichen – ob mangels geeigneter Interpreten, wegen der Fußball-WM oder im Zusammenspiel von beidem, ist unbekannt. Tickets kosten jetzt 64 Euro plus Gebühren (Telefon: 1 63 53 21), auf bereits gekaufte Zwei-Tages-Karten wird an den Vorverkaufsstellen eine Gutschrift gewährt, die InternetKäufer automatisch erhalten.

Theater aus dem Land und internationale Arbeiten beim Jes-Festival „Schöne Aussichten“ Selbstbewusstsein ist gefragt, auch und erst recht nach überwundenem Schrecken. Nachdem es aussah, als müsse „Schöne Aussichten“ der Kulturkürzungen wegen abgesagt werden, findet das Festival des Jungen Ensembles Stuttgart (Jes) nun doch wie geplant statt: 24 Produktionen und 59 Veranstaltungen an neun Tagen, und das mit zehn Prozent weniger Geld von der Stadt. Damit jetzt gleich klarwird, dass das verbliebene öffentliche und gesponserte Geld bestens angelegt ist, zeigt Jes-Chefin Brigitte Dethier

zur Eröffnung am 15. Mai „Berlin, 1961“ – eine vielgelobte Gemeinschaftsproduktion des Jungen Ensembles Stuttgart mit dem New International Encounter (Nie), einer internationalen Kompanie. Die Setzung ist programmatisch. Man kombiniert Nähe und Ferne, neben Produktionen aus dem Land sind zwölf internationale Gastspiele zu sehen. Auf einem Symposium wird außerdem diskutiert, wie das funktioniert, für den internationalen Markt zu produzieren und zugleich Theater zu ma-

chen, das Zuschauer vor Ort betrifft. Und auch hier verbindet sich das Hier und das Dort: Im Fonds „Wanderlust“ der Kulturstiftung des Bundes wird die Partnerschaft zwischen dem Jes und dem Teatro Testoni Ragazzi in Bologna für drei Jahre gefördert. Der italienische Partner stellt sich mit „L’albero rubamutande (Der Unterhosen klauende Baum) erstmals in Stuttgart vor. (golo) Karten können von Anfang April an unter 0711 / 218 480 18 oder per Email (ticket@jes-stuttgart.de) reserviert werden. www.schoene-aussicht.org

sikalische Rückschläge einstecken. Keine Plattenfirma wollte ihn unter Vertrag nehmen. „Natürlich war ich erst einmal enttäuscht. Das ist die natürliche Reaktion“, sagt Mika. Dann aber wurde er trotzig, wollte es allen beweisen, dass er das Zeug zum Popstarsein hat. Immer wenn er abgelehnt wird, überdreht er noch und bleibt hartnäckig. Mika ist auch einer der Selfmade-Internet-Stars, die über Sozialnetzwerke wie My Space bekannt wurden. „Das Internet war sehr wichtig für mich“, sagt Mika. Und es ist es immer noch. „In Amerika werde ich nicht im Radio gespielt, finde nicht im Fernsehen statt. Und dennoch kommen dort sehr viele Menschen zu meinen Konzerten“, sagt Mika Als ihn keine Plattenfirma haben wollte, da stellte er seine Songs eben auf My Space. Und schon war Mika der Liebling der Internet-Kids. „I tried to be Grace Kelly. But all her looks were too sad. So I tried a little Freddie, I’ve gone identity mad“, singt Mika in seinem ersten Hit „Grace Kelly“, der auf Platz 1 der britischen Charts einstieg. Und ja: Mika spielt mit den Identitäten, sitzt irgendwo zwischen den Stilen und lässt sich nicht festlegen. Seine Einflüsse zählt er schnell hintereinander auf: „Von Bowie bis Prince, von Rufus Wainwright bis zu 80erJahre-Trashpop wie Ace of Base.“ Bei Mika kommen Glamour und Popmusik. Nur ohne Spandex-Hosen. „Bei mir ist aber ganz sicher ein bisschen Drama und Glamour aus den sechziger und siebziger Jahren dabei“, sagt Mika. Nur als Privatperson, da mag er es weniger glamourös. Er lebt in London im Kellergeschoss bei seinen Eltern im noblen Viertel Kensington. „Ich mag es, ein einfaches und abgeschiedenes Leben zu haben“, sagt Mika. Nach dem ersten Album „Life In Cartoon Motion" kam der Erfolg, Mika ging auf Tour. Er war ständig unterwegs. „Das ist ein sehr unechtes Leben“, sagt Mika. „Du denkst immer nur an den nächsten Auftritt, bist nirgends wirklich zu Hause.“ Und dennoch ist es genau das, was Mika will. Was ihn antreibt. Und was ihn auch verwandelt. „Auf der Bühne fühle ich mich, als wenn ich in den Boxring steige. Da kenne ich keine Limits, die ich aus dem anderen Leben kenne“, sagt Mika, der das reale Leben und das Leben auf der Bühne strikt trennt. Im realen Leben, da falle es ihm sogar schwer, auf einer Party im Raum von einer Ecke in die andere zu gehen. Er könnte ja auffallen.

Mozartfest in Reutlingen Es ist eines der renommiertesten Mozartfestivals im deutschsprachigen Raum: Im Jahr 2013 findet das Deutsche Mozartfest in Reutlingen statt. Ausrichter ist die Württembergische Philharmonie gemeinsam mit der Deutschen Mozart-Gesellschaft, teilte das Orchester am Montag mit. Über das Programm ist noch nichts bekannt. Das überregional bedeutende Mozartfest wird jedes Jahr an eine andere Stadt vergeben und zieht regelmäßig mehrere Zehntausend Besucher an. Häufig treten Gastorchester aus mehreren Ländern auf. (dpa)

Die besten Einfälle hatte er in der Badewanne Der Bandleader, Komponist und Jazz-Posaunist Peter Herbolzheimer ist im Alter von 74 Jahren in Köln gestorben

Jeanette sagt ab Schlechte Nachricht für alle, die sich auf den Auftritt von Jeanette Biedermann am 23. April im LKA-Longhorn gefreut haben: Die Künstlerin hat ihre „Solitary Rose Tour 2010“ vollständig abgesat, weil ihr Vater an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt ist. Alle bereits gekauften Karten können an den jeweiligen Vorverkaufsstellen zurückgegeben werden. Nachholtermine wird es vorerst nicht geben.

Hoffnung für Heinrich Unter den sechs Kandidaten für das Finale des Kabarettwettbewerbs „Das Schwarze Schaf“ mit Harald Schmidt als Hauptjuror ist mit Nils Heinrich auch ein Stuttgarter. Ebenfalls nominiert sind die HengstmannBrüder (Magdeburg), Uli Masuth (Weimar), Michael Sens (Wandlitz), Ensemble Weltkritik (Leipzig) und Joachim Zawischa (Jesteburg). Sie hatten sich zuvor bei mehreren Aufführungen gegen zehn weitere Mitstreiter durchgesetzt. Der Wettbewerb wurde 1999 von Hanns Dieter Hüsch ins Leben gerufen. Erstmalig ist Harald Schmidt Hauptjuror des Wettbewerbs; er wird beim Finale am 24. April in Duisburg die Preisträger persönlich auszeichnen.

Von Thomas Staiber Nur wenige Tage nach dem Tod von Erwin Lehn erreicht uns die Nachricht vom Tod eines anderen großen Big-Band-Leiters: Peter Herbolzheimer ist, wie seine Frau Gisela mitteilt, am Samstagnachmittag nach inneren Blutungen in einem Kölner Krankenhaus gestorben. Die europäische Jazzwelt verliert mit ihm einen herausragenden Orchesterchef, Arrangeur, Musikpädagogen und Komponisten, der sich auf Augenhöhe mit den Größten der Zunft befand. Benny Goodman etwa schrieb ihm 1986 kurz vor seinem Tod, wie sehr er ihn als Mensch und seine Musik schätze, US-Kollegen wie Sammy Nestico oder Bob Mintzer waren ebenfalls voll des Lobes. Strahlende Lebensfreude, klares analytisches Denken, eine nie versiegende Quelle musikalischer Ideen, ein fantastisches Gefühl für Sounds, Bescheidenheit und Freundlichkeit im Umgang – das waren Qualitäten dieses großartigen Menschen, den sie seiner Körperfülle wegen „Mr. Kugelbauch“ nannten. Herbolzheimer hat viele junge, hochbegabte Musiker auf ihren Beruf vorbereitet, ihnen seit 1987 im Bundesjazzorchester ein hochklassiges Betätigungsfeld und ein Karriere-Sprungbrett geboten, darunter heutige Größen wie Trompeter Till Brönner und Pianist Michael Wollny. Stuttgarter Jazzer wie Klaus Graf oder Andi Maile loben den Meis-

ter, der sich von allen kollegial duzen ließ, in den höchsten Tönen. Bei etwa 20 Workshops pro Jahr war der sich nicht zu schade – und bewies dabei oft eine Eselsgeduld –, auch Amateur-Big-Bands mit vereinfachten Arrangements auf die Sprünge zu helfen. Geboren wurde Peter Herbolzheimer 1935 in Bukarest. Als 16-Jähriger kam er nach Nürnberg zu seiner Tante und wanderte bald nach Detroit aus, wo er als Autodesigner bei GM in Detroit arbeitete und

mit Gitarrenunterricht nebenher seine Finanzen aufbesserte. Ein Autoliebhaber ist er immer geblieben, der stolz erzählte, dass sein Sohn Oldtimer restauriert. Zurück in Deutschland spielte Herbolzheimer Bassposaune in amerikanischen Clubs, später bei Erwin Lehn und Bert Kaempfert. Einige von dessen Musikern, etwa Herb Geller oder Ack Van Rooyen, holte er 1969 in seine Rhythm Combination & Brass, die mit ihrem wuchtigen, aber hoch differenzierten

Der Bandleader und Jazz-Posaunist Peter Herbolzheimer 2002 in Leonberg

Foto: Jörg Becker

Big-Band-Sound Riesenerfolge feierte. Cross-over hieß Herbolzheimers Rezept: Jazz-Rock, Latin, Samba und Swing mit viel Blech und einer bärenstarken Rhythmusgruppe. 1972 erhielt er den Auftrag, die Einzugsmusik der Olympischen Spiele von München zu komponieren und die Big Band live – mit 16 Schlagzeugern! – zu dirigieren. Dann folgte die langjährige Zusammenarbeit mit Alfred Biolek bei der legendären Live-Sendung „Bios Bahnhof“. Herbolzheimers bevorzugter Platz zum Komponieren und Arrangieren war die Badewanne, da hatte er seine Ruhe und die besten Einfälle. Ein Album nach dem anderen brachte seine RC&B heraus mit Titeln wie „My Kind Of Sunshine“, „Hip Walk“, „Fat Man Boogie“ oder „Latin Groove“. Auch die Gastsolisten konnten sich sehen und hören lassen: Stan Getz war dabei, Dizzy Gillespie, Albert Mangelsdorff, Gerry Mulligan und viele andere. Herbolzheimers Konzertauftritte in großen Hallen oder in stimmungsvollen Clubs wie dem Stuttgarter AT oder dem Karlsruher Krokodil wurden vom Publikum enthusiastisch gefeiert. Nun ist der warmherzige und charmante Mann gestorben, der sich unermüdlich für den Jazz engagiert und auf der Bühne gerne humorvoll die Tagespolitik kommentiert hat. Alle, die ihn erlebt und seine mitreißende Musik gehört haben, werden um Peter Herbolzheimer trauern.


Office for Newspaper Design

Cut-outs

Kulturmagazin

Nummer 105  Samstag, 8. Mai 2010

Welches Universum darf’s diesmal sein? Das Zeitalter der Interaktion und der Mehrfachverwertung hat die Möglichkeiten des Erzählens verändert, behauptet die FMX Die Zeiten einfacher Geschichten sind vorbei. Die Unterhaltungsindustrie hat dafür gesorgt, das sich viele Stoffe zu Erzählkosmen aufgeplustert haben, in denen Comics und Filme immer neue Aspekte auftun können. Und in Spielen darf man diese unendlichen Geschichten selbst fortschreiben. Von Gunther Reinhardt

Querschnitt

Nummer 157 • Samstag, 11. Juli 2009

Groß geworden

Wo warst du, als . . . der VfB Stuttgart 2007 Meister wurde?

Jenseits der Niedlichkeit: Erst Kinderstar – und dann? Das Unterhaltungskino liebt niedliche Kindergesichter. Aber nicht alle Jungstars haben so viel Glück wie Daniel Radcliffe und Emma Watson. Dank der „Harry Potter“-Filmreihe geht ihre Karriere nach der Pubertät weiter. Von Gunther Reinhardt Kinder, seid ihr groß geworden! Das Putzig-Pausbäckige in den Gesichtern von Harry, Hermine und Ron ist strengen, ernsten Zügen gewichen. Nachdem der finstere Lord Voldemort in die Welt zurückgekehrt ist, scheint man ihnen alles Leichte und Süße ausgetrieben zu haben. Normalerweise stellt der Verlust des Niedlichen das Ende der Karriere eines Kinderstars dar. Daniel Radcliffe, Emma Watson und Rupert Grint, die die Hauptrollen in den „Harry Potter“-Verfilmungen spielen, durften dagegen mit ihren Figuren erwachsen werden. Entführten einen „Harry Potter und der Stein des Weisen“ (2001) und „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ (2002) noch in eine kunterbunt-magische Kinderwelt, wurde bereits bei „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ (2004) das Hogwarts-Universum dunkler. Am 16. Juli kommt nun mit „Harry Potter und der Halbblutprinz“ die Verfilmung des sechsten Teils der Fantasyreihe in die Kinos. Und aus den Kinderstars sind junge Erwachsene geworden, die sich schon jetzt klug vorausschauend auf ein Leben nach Harry Potter vorbereiten. Daniel Radcliffe zum Beispiel will als Schauspieler ernstgenommen werden und nicht für alle Zeiten als Harry Potter in Erinnerung bleiben. Schon 2007 hat er ein aufsehenerregendes Theaterengagement an Londons Westend angenommen: Er spielte die Hauptrolle in Peter Shaffers Klassiker „Equus“ und scheute nicht einmal vor einer Nacktszene zurück. Auch Rupert Grint bemüht sich schon um den Wechsel ins anspruchsvolle Fach und übernahm die Hauptrolle in dem provokanten Jugenddrama „Cherrybomb“, das im Februar seine Premiere auf der Berlinale feierte. Emma Watson dagegen, die sich als das größte Talent der „Harry Potter“-Kinderstars erwiesen hat, kann sich eine Zukunft ohne Schauspielerei durchaus vorstellen. Wie sie soeben dem Magazin „Teen Vogue“ verriet, würde sie lieber ihre Modelkarriere vorantreiben. Zurzeit wirbt sie fürs Luxuslabel Burberry und ist das neue Gesicht von Chanel. Alle drei haben jedenfalls schon die schwerste Zeit im Leben eines Kinderstars überstanden – die Pubertät. Die beendet naturgemäß üblicherweise solche Karrieren. Doch weil sich hinter der „Harry Potter“-Story ein Entwicklungsroman verbirgt, war es ausnahmsweise erlaubt, drei Kinderstars beim Erwachsenwerden zuzuschauen. Und vielleicht war es die vergleichsweise langfristige Perspektive, die J. K. Rowlings Fantasyromane von Anfang an für Radcliffe, Watson und Grint bereithielten, die sie bisher weitgehend von den branchenüblichen Skandälchen ihrer Altersgruppe bewahrt haben. Doch nicht immer sind die Lindsay Lohans und Ashley

Von Rainer Wehaus Mit wem gibt es nur Missverständnisse beim Thema Fußball? Richtig, mit einer Frau. Vorletzter Spieltag: Mein Sohn (8) und ich (41) fiebern der „Sportschau“ entgegen. Meine Frau kommt vom Einkaufen und fragt: „Wollt ihr wissen, wie der VfB gespielt hat?“ Nein, sagen wir. Wir wollen es wie immer aus der „Sportschau“ erfahren. Daraufhin murmelt sie so was wie: „Ist auch besser so.“ Ich flippe aus. Wir haben verloren! Meisterschaft ade! Ich renne durch die Wohnung, schimpfe vor mich hin. Meine Frau sagt, ich solle mich wieder beruhigen. Sie habe doch gar nichts verraten, sie habe nur gesagt . . . Zwei Stunden später hüpfen mein Sohn und ich durchs Wohnzimmer. Sieg in Bochum! Und alle anderen haben für uns gespielt! Oh mein Gott, wir werden deutscher Meister! Ich male mir schon den letzten Spieltag aus. Zusammen mit guten Freunden werde ich irgendwo Premiere schauen. Wir werden Bier trinken, viel Bier, und uns gegenseitig an den Händen halten. Denn es wird furchtbar spannend werden. Da sagt meine Frau: Du weißt schon, dass wir nächstes Wochenende im Allgäu sind? Natalie und Jochen feiern doch Geburtstag. Wer steht zwischen einem Mann und einem großen Fußballerlebnis? Richtig, eine Frau. 1992, als wir das letzte Mal deutscher Meister wurden, war ich bei einer Ex-Freundin in München. Wir haben eine Radtour gemacht. Ich tat so, als mache es mir Spaß. Während Guido Buchwald uns zum Titel köpfte, kämpfte ich mit meinem Heuschnupfen. Es war zum Heulen. Jetzt also wieder Bayern. Missen im Allgäu heißt das Dorf. Ich frage Jochen, ob er daran gedacht habe, einen Fernseher in Sichtweite zu bringen? Eigentlich nicht, sagt er. Am Samstag sei eine lange Wanderung geplant. Na toll! Jochen hat viele Freunde aus ganz Deutschland eingeladen. Keiner scheint sich für Fußball zu interessieren. Nach der Wanderung werde ich am Nachmittag wie ein Schwerstabhängiger zu meinem Auto gebracht. Ich muss nicht mehr mit in die Hütte, ich darf – zusammen mit ein paar Kindern – nach Missen in die Premiere-Kneipe fahren. Dort ist es fast leer. Den Bayer interessiert die Bundesliga nicht mehr. Bayern München steht auf Platz vier und kann nichts mehr reißen. Wir müssen Konferenz gucken – mit Rücksicht auf die Einheimischen. Ich muss Schaltungen nach Hannover und Wolfsburg ertragen. Wir liegen 0:1 zurück. Quälend lange steht die Meisterschaft auf der Kippe. Dann haut Hitzlsperger die Kugel in den Winkel, und Khedira gibt Cottbus den Rest. Glücklich gehe ich zum Pinkeln aufs Klo. Da steht plötzlich ein Bayer neben mir. Gönnerhaft gratuliert er mir zum Titel – nicht ohne darauf hinzuweisen, dass unser Trainer (Armin Veh) ja ein Bayer sei. In Stuttgart ist der Teufel los. In Missen besteht der Jubelkorso nur aus mir. Egal, ich bin glücklich und falle früh ins Bett. Am nächsten Morgen gehe ich zum Kiosk, um wenigstens aus der Zeitung Anteil an den Feierlichkeiten in Stuttgart zu nehmen. Doch das Topthema der bayerischen Blätter ist nicht der VfB. Es ist Mehmet Scholls letztes Spiel in München. Mein lieber Scholli, denke ich. Nichts wie heim!

und May-Kate Olsens dieser Welt selbst dafür verantwortlich, dass mit Beginn der Pubertät nicht nur die Karriere zu Ende geht, sondern auch ihr Leben aus den Fugen gerät. Zum Beispiel im Fall Macaulay Culkin. Der heute 28-Jährige wurde durch die Komödie „Kevin allein zu Haus“ 1990 als Zehnjähriger zum Superstar. Es folgten zwei Fortsetzungen sowie die Filme „My Girl“ und „Richie Rich“, und Culkin wurde der bestbezahlte Kinderdarsteller aller Zeiten. Doch dann geriet er im Scheidungskrieg seiner Eltern zwischen die Fronten, und die Karriere und das Geld waren weg. Schon bei Jackie Coogan, dem ersten Kinderstar der Filmgeschichte, waren die Eltern das Problem. Der Liebling des Stummfilmkinos hatte in Chaplins „The Kid“ (1920) die Titelrolle gespielt und mit seinen Filmen insgesamt rund vier Millionen Dollar verdient. Als er volljährig wurde und längst keine Rollen mehr bekam, musste er seine Mutter und seinen Stiefvater verklagen, um wenigstens etwas von dem Geld zu bekommen, das übrig war. Wie Coogan erging es auch Freddie Bartholomew, der in den dreißiger Jahren neben Shirley Temple der größte Kinderstar war und in „David Copperfield“ oder „Little Lord Fauntleroy“ die Hauptrolle spielte. Als auch seine Karriere mit der Pubertät endete, ging im Sorgerechtsstreit zwischen seinen Eltern und seiner Tante sein Vermögen verloren. Tatsächlich haben ehrgeizige oder geldgierige Eltern und der zu schnelle, zu große Erfolg nicht nur viele Karrieren, sondern auch ganze Leben ruiniert. Dennoch gibt es auch einige Beispiele für ehemalige Kinderstars, die es geschafft haben, die Pubertät und den frühen Ruhm ohne bleibende Schäden zu überstehen und auch als Erwachsene erfolgreich Filme zu machen. Zahlreiche Hollywoodstars begannen ihre Karriere – mal mehr, mal weniger beachtet – bereits als Kinder: Elizabeth Taylor zum Beispiel als Elfjährige in „Lassie“. Oder Jodie Foster als 14-Jährige in „Taxi Driver“, Elijah Wood als Achtjähriger in „Zurück in die Zukunft II“, Jennifer Connelly als 14-Jährige in „Es war einmal in Amerika“, Natalie Portman als 13-Jährige in „Léon – Der Profi“. Oder Anna Paquin, die zwölf Jahre alt war, als sie für ihren Part in „Das Piano“ den Oscar als beste Nebendarstellerin gewann. Inzwischen ist die 26-Jährige der Star der hochgelobten Fernsehserie „True Blood“. Gespannt darf man auch darauf sein, wie der derzeit größte Kinderstar das Erwachsenwerden meistert. Dakota Fanning hat in Filmen wie „Hide & Seek“ oder „Krieg der Welten“ ihr Riesentalent bewiesen. Gerade ist sie 15 Jahre alt geworden, und die schwierige Zeit jenseits der Niedlichkeit beginnt.

Schlagzeilen

Touristenmassen stürmen Mittelmeerküsten Vor 40 Jahren Touristenmassen stürmen

Mittelmeerküsten: Die Adria-Strände sind zum größten Ferienrevier in Europa geworden. Dort stehen etwa eine halbe Million Touristenbetten zur Verfügung. Nicht alle Ferienziele sind auf den Urlaubsboom vorbereitet. Die spanische Insel Mallorca, die von rund einer halben Million Briten und Westdeutschen besucht wird, ist mit 110 000 Touristen voll ausgelastet. Die Hotels sind überfüllt, viele Gäste sauer. „Die Urlaubswelle war noch nie so nackt“, behaupten führende deutsche Reisebüros. Angeblich können sie den Ansturm auf die FKK-Strände kaum bewältigen. (StN)

Die Schauspieler Emma Watson und Daniel Radcliffe waren zehn, als sie das erste Mal Hermine Granger und Harry Potter spielten. Wenn am 16. Juli „Harry Potter und der Halbblutprinz“ ins Kino kommt, werden beide 19 Jahre alt sein – und Millionäre Fotos: Verleih

Hintergrund

Ernährungskonferenz gibt Erklärungen ab

Es ist nicht leicht, ein Kinderstar zu sein und zu bleiben Haley Joel Osment (21) war der Junge in „The Sixth Sense“ (1999), der Tote sehen kann. Als Elfjähriger wurde er als Riesentalent gefeiert, durfte neben Kevin Spacey in „Das Glücksprinzip“ (2000) und neben Frances O’Connor in „A. I.“ (2001) die Hauptrolle spielen. Doch dann kam die Pubertät, und Rollenangebote blieben aus. Das Letzte, was man von Osment hörte, ist, dass er betrunken einen Autounfall verursacht hat und eine Entziehungskur macht. Drew Barrymore (34) war 15 Jahre und ein psychisches Wrack, als sie ihre Autobiografie „Little Girl Lost“ veröffentlichte: Sie war durch Rollen in „E. T.“ (1982), „Der Feuerteufel“ (1984) oder „Katzenauge“ (1985) zum Star geworden, betrank sich das erste Mal mit neun,

rauchte ihren ersten Joint mit zehn, nahm mit zwölf erstmals Kokain, brach die Schule und zig Entziehungskuren ab, versuchte sich selbst umzubringen und landete in einer Nervenheilanstalt. Anfang der Neunziger bekam sie ihre Alkoholund Drogenprobleme in Osment (2000) dpa den Griff und startete ein Comeback. Heute zählt sie zu den bestverdienenden Schauspielerinnen Hollywoods. Jaimee Foxworth (29) spielte von 1989 an in der Serie „Alle unter einem Dach“ die Rolle der

V1

Jubelkorso in Missen

Judy, des Nesthäkchens des Winslow-Clans. In der vierten Staffel, nach 70 Episoden, wurde Judy aus der Serie hinausgeschrieben. Die Produzenten hatten das Interesse an der kleinen Judy verloren. Es sollte sieben Jahre dauern, bis Jamee Foxworth Barrymore (1984) pr zurückkam. Sie nannte sich nun Crave, der Comeback-Film hieß „More Black Dirty Debutantes 30“ und war ein Hardcore-Porno. Sie war 20, pleite, brauchte Geld, „nach einer halben Stunde war ich um 15 000 Dollar reicher“, erinnerte sie sich später an ihre erste Pornoszene.

Heute arbeitet Foxworth in einer Talentagentur und hofft auf Rollenangebote. Brad Renfro (1982–2008) war der Junge an der Seite von Susan Sarandon und Tommy Lee Jones in der Grisham-Verfilmung „Der Klient“ (1994) und spielte in Barry Levinsons Drama „Sleepers“ (1996) die jugendliche Version von Brad Pitt. Seit Ende der neunziger Jahre wurde er immer wieder wegen Drogenbesitzes festgenommen. Obwohl er weiterhin Filme drehte – etwa 2001 „Ghost World“ mit Scarlett Johansson oder 2005 „The Jacket“ mit Keira Knightly – und sich regelmäßig in Entziehungskliniken einliefern ließ, kam er von seiner Heroinsucht nie los. Im Januar 2008 starb er an einer Überdosis. (gun)

Vor 30 Jahren In Rom beginnt auf Initia-

tive der Vereinten Nationen eine achttägige Weltkonferenz über Agrarreform und ländliche Entwicklung. Die von 145 Staaten besuchte Versammlung bringt wenig konkrete Anregungen zur Überwindung des Hungers in der Welt hervor. Eine Analyse der Welternährungslage ergibt, dass weltweit die landwirtschaftliche Produktivität gestiegen ist, aber immer mehr Menschen hungern. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen verhungern jedes Jahr etwa zwei Millionen Menschen, weitere zwölf bis siebzehn sterben an Krankheiten als Folge von Unterernährung, und etwa eine Milliarde Menschen leiden unter Mangel- und Fehlernährung. (StN)

V2

Nummer 181 • Samstag, 8. August 2009

Bücher

Für Selbstversorger Der Geschmack der ersten Tomaten des Sommers aus dem elterlichen Garten ist unvergessen. Wenn wir die noch warmen Früchte vom Strauch pflückten und hineinbissen, glaubten wir die Sonnenstrahlen zu schmecken, die sie reifen ließen. Solche Genüsse vermögen die roten Früchte aus dem Supermarkt nicht zu spenden. Ein Grund mehr, sich mit „Tomaten aus dem Garten“ zu verwöhnen. Man sollte den Titel des nützlichen Bändchens nicht zu wörtlich nehmen: Wer Tomaten anbauen möchte, kann dies auch auf dem Balkon oder der Fensterbank tun – Hauptsache, die Pflanze ist vor Regen geschützt, denn der bekommt ihr überhaupt nicht. Autorin Eva Schumann hat Tipps für die Wahl der Sorte, für Zucht, Anbau und Pflege zusammengestellt sowie Wissenswertes über Herkunft, Inhaltsstoffe und gesundheitlichen Wert der roten Vitaminbomben aufgeführt. (tak) [Eva Schumann: Tomaten aus dem Garten. UlmerVerlag, Stuttgart. 7,90 Euro]

Schön zum Blättern Mit was hat das tapfere Schneiderlein die Fliegen angelockt? Was befand sich in Rotkäppchens Korb? Und was ließ dem Mädchen mit den Schwefelhölzern das Wasser im Mund zusammenlaufen? Ob Pflaumenmus, Butterkuchen oder gefüllte Gans: Auch im Märchen geht es immer wieder ums Essen. Also hat Christine Ferber mit Laurence und Gilles Laurendon 60 Rezepte aus bekannten – und zumindest bei uns – weniger bekannten Märchen zusammengestellt. Kein Wunder, dass es sich mehrheitlich um Backrezepte handelt, Ferber ist eine der besten Konditorinnen der Welt. Allerdings handelt es sich bei Lebkuchenmännchen, Pfannkuchen und Schwarzwälder Kirschtorte um alte Bekannte. Origineller sind die Fotos, Scherenschnitte und Aquarelle, weshalb man den Band eher als Bilderbuch betrachten sollte. (ina) [L. und G. Laurendon, Christine Ferber: Tischlein deck dich! Rezepte aus der Märchenküche. Gerstenberg-Verlag, Hildesheim. 39,90 Euro]

Reichtum der Natur Dass man aus Bärlauch, Löwenzahn und Sauerampfer allerhand Schmackhaftes zubereiten kann, hat sich rumgesprochen. Wald und Wiese haben aber viel mehr zu bieten. So mixt Gisula Tscharner unter anderem aus Vogelmiere, Gundermann, Spitzwegerich, Leimkraut, Geißfuß, Salz und Öl eine Paste, die wunderbar auf Quarkbrote passt. Aus Sanddorn und Schlehen braut sie einen heißen Königsdrink. Und Alpenampferblätter ergeben mit Honig und Zitronensaft ein feines Kompott. Überhaupt zeigt die gelernte Theologin, wie man sich mit vielen in der Natur gesammelten Produkten gesund und auch noch günstig ernähren kann. Dazu gibt es viele interessante Geschichten, die einem den Reichtum der Natur vor Augen führen. Manchen mögen Tscharners Erzählungen und Interpretationen zu esoterisch daherkommen. Ihre Rezepte allerdings sind fast alle praktisch und einfach zuzubereiten. (ina) [Gisula Tscharner: Wald und Wiese auf dem Teller. AT-Verlag, Baden und München. 23,90 Euro]

Furcht vor wilden Früchten? Nie hätten wir uns an den Früchten der Ziersträucher in Vorgärten, an Waldrändern, in Parkanlagen vergriffen, sollten wir doch tunlichst die Finger von all diesen giftigen Früchten lassen. Mit Schlehen, Holunder, Hagebutten, den Früchten der Wildrosen, lernten wir umzugehen. Alles andere, was so rot war und so schwarz, musste giftig sein. Die Elsbeere wähnten wir im Märchen, vom Speierling ahnten wir damals nichts. Und jetzt sollen Weißdorn, Schwarze Apfelbeere, Vogelbeere, Berberitze, Echte Felsenbirne, Kornelkirsche, gar Gewöhnliche Mahonie, Mehlbeere, Mispel und Japanische Zierquitte genießbar und sogar köstlich sein? Das Buch sagt, man müsse sich vor diesen Früchten nicht fürchten. Man solle Saft, Gelee, Marmelade, Kompott daraus machen. Mit diesem Buch in der Hand könnte man die Furcht der frühen Jahre besiegen. (vino) [Thuri Maag, Erika Lüscher: Wildfrüchte. Botanik, Anbau, Rezepte. Fona-Verlag, Lenzburg. 19,90 Euro]

Genuss

Korngesunde Köstlichkeiten Urgetreide wie Emmer und Einkorn hat bei uns noch Seltenheitswert – In der Schweiz gibt’s die Brote im Supermarkt Urgetreide erlebt eine Renaissance, so ist zu hören und zu lesen. Machen wir uns also auf die Suche – nach dem Geschmack von Emmer, Einkorn, Kamut, Dinkel und Wildroggen. Von Tanja Kurz Beim Brotkonsum liegen die Deutschen im weltweiten Vergleich ganz vorne: 85 Kilogramm isst jeder durchschnittlich im Jahr. Angeblich ist das Angebot groß, immerhin stehen über 300 Brotsorten zur Wahl. Und doch klein – denn die meisten davon werden nach wie vor aus Weizen und Roggen herstellt. Wer geschmackliche Abwechslung sucht, hat es nicht leicht. Brote aus sogenanntem Urgetreide wie Emmer, Einkorn & Co. könnten unseren Speiseplan bereichern. Doch die sind gar nicht so leicht zu finden. Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Einzig Dinkel – auch ihn zählt etwa die Initiative Urgetreide zur Familie – ist nicht nur in Biobäckereien und Naturkostläden zu haben, selbst im Supermarkt gehört Dinkelkorn zum Sortiment. Ob zu Brot gebacken oder für Nudeln verarbeitet: Feinschmecker schätzen das Getreide als mineralstoff- und vitaminreich. Grünkern – grün geernteter und dann gerösteter Dinkel – wird zu Bratlingen, Suppen und Eintöpfen verarbeitet. Wer Emmer, Einkorn und Kamut kosten will, tut sich hierzulande schwer – im Gegensatz zu unseren Schweizer Nachbarn. Dort sind Emmer und Einkorn verbreitet, das Urkornbrot wird sogar über die Migros-Großmärkte vertrieben. Im Biosupermarkt Alnatura in Stuttgart entdecken wir dann doch ein Einkorn-Produkt: Gute-Laune-Risonno (4,15 Euro) der Firma Sonnentor. Wir machen den Test mit der Geschmacksrichtung Gute Laune – wer hätte die nicht gerne.

Kunterbunte Getreidefelder mit Kornblumen, Mohn und Schafgarbe Die Zubereitung ist einfach: Die Emmerkörner werden mit der Gewürzmischung in etwas Olivenöl angebraten, dann wird mit Wasser abgelöscht. Nach 25 Minuten sanftem Köcheln und stetigem Rühren kosten wir das Getreiderisotto – und es schmeckt überraschend gut, immerhin handelt es sich um ein Fertigprodukt. Die Emmerkörner haben nussigen Biss. Lecker, nicht nur des Weines wegen, den wir, in Abwandlung der Rezeptur, am Ende beigefügt haben. Experten für Urgetreide finden wir in Brunzenberg, einem idyllischen Weiler im Hohenlohischen, auf halber Strecke zwischen Schwäbisch Hall und Ellwangen gelegen. Der Buchenhof ist umgeben von Getreidefeldern, die ganz anders aussehen als die gedüngten und gespritzten Monokulturen anderswo: Kornblumenblaue, mohnrote und schafgarbenweiße Tupfer sind zwischen den langen, schlanken, sich im Wind wiegenden Ähren auszumachen. Seit über 300 Jahren ist der 35 Hektar große Hof im Besitz der Familie Schöll. Vor 20 Jahren hatten die Bauern genug vom subventionsabhängigen Dasein – und sattelten um auf biologisch-dynamische Bewirtschaftung. „Zuerst haben wir es mit Kartoffeln probiert. Doch dann haben wir uns darauf besonnen, dass wir einen alten Backofen haben“, erzählt Helga Schöll, 54. „Die anderen Bauern haben aufgehört, Brot zu backen, wir haben damit angefangen“, sagt

sie und lacht: „Wir schwimmen halt immer gegen den Strom, denn wir wissen, dass wir uns absetzen müssen.“ Wie immer an den Sonntagen hat die Chefin in der Backstube alle Hände voll zu tun. Ein Ausflug auf den Buchenhof zu Kaffee und Kuchen – das Konzept geht offenbar auf, und das bei ganz normalen Familien, denn es sind nicht die Ökojünger, denen wir auf dem Hof begegnen. Die Parkplätze rund um das weitläufige Anwesen und die Stühle im Café sind alle belegt. Und im Hofladen liegen die Brote aus Urgetreide bereit, die wochentags auf den Märkten der Region verkauft werden. Ehrensache, dass das Schöll’sche Urgetreide keinerlei Mineraldünger oder Spritzmittel abbekommt, dass im Brot weder synthetische Backmittel noch künstliche Aromen enthalten sind. „Wir entspelzen, reinigen und schroten oder flocken unser Getreide selbst“, erklärt Helga Schöll. Das Mehl wird schließlich in einer kleinen Mühle gemalen. Der betörende Duft nach Frischgebackenem verführt uns, einen Großeinkauf zu tätigen: Wir erstehen ein Siebenkornbrot (aus Weizen, Dinkel, Einkorn, Emmer, Hafer, Gerste und Wildroggen), ein Emmer-Brot, ein Dinkelvollkorn, ein Einkornbrot, ein Kamutbrot mit Fenchel, Kümmel und Koriander sowie eine dicke Stange mit Rotwein gewürztes Emmer rosso mit Walnüssen. In der Tat, die Scheiben sind auch ohne Käse- oder Wurstbelag ein Genuss. Die Krume ist knusprig, die etwas süßlich, zugleich sehr würzig schmeckenden Brote sind saftig, sogar das Dinkel-Vollkorn. Am besten munden die Schöll’schen Backwaren mit Butter und Salz bestreut. Auf dem Buchenhof ist auch ein flüssiges Urkorn-Produkt zu haben – Bier. Im benachbarten Mittelfranken stellt das Riedenburger Brauhaus Fünfkorn-Urbier (Gersten, Weizenmalz, Einkorn, Emmer und Dinkel), Einkorn-Edelbier sowie historisches naturtrübes Emmerbier her – würzige Getränke, die gut zum Brot aus der Backstube der Familie Schöll passen. Wer freilich unter Weizenunverträglichkeit leidet – und das sind immerhin bereits ein Prozent der Europäer –, muss auch auf Urkornbrot und -bier verzichten. Die Gesunden sollten wissen, dass Urgetreidebrote gesünder sind als solche aus herkömmlichem Weizen. Emmer und Einkorn enthalten deutlich mehr Beta-Carotin. Dieser Stoff senkt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, schützt die Haut vor den schädlichen Einflüssen der Sonne und beugt Augenerkrankungen vor. Auch Aminosäuren, die für den Nervenstoffwechsel wichtig sind, sind in Emmer und Einkorn enthalten. Von einer Renaissance der alten Getreidesorten zu sprechen wäre gewiss übertrieben. Wer aber die Chance hat, diese Produkte zu versuchen, sollte sie sich nicht entgehen lassen. Oder man probiert es einmal selbst mit dem Brotbacken. Emmermehl gibt’s etwa in der Eselsmühle im Siebenmühlental vor den Toren Stuttgarts zu kaufen.

Hintergrund

Getreide-Einmaleins ¡ Weltweit gibt es viele verschiedene Sorten an Getreide. Die sieben Hauptgetreidearten (Zerealien) sind Weizen, Roggen, Hafer, Gerste, Reis, Mais und Hirse. ¡ Getreidesorten, die gar keine sind, heißen auch Pseudo-Zerealien. Zu ihnen zählen Buchweizen, Quinoa und Amarant. Pseudo-Zerealien besitzen kein Kleber-Eiweiß (Gluten), weshalb viele Allergiker sie als Getreideersatz nutzen. Aus ihnen lässt sich allerdings kein Brot herstellen. ¡ Die Urgetreide Emmer, Einkorn, Dinkel und Kamut sind uralte Weizensorten. Ursprünglich kommen sie aus dem Nahen Osten, dem Gebiet der heutigen Türkei. Im Zug der Ausbreitung des Ackerbaus gelangten sie von Westpersien über Ägypten, Nordafrika und den Balkan nach Mitteleuropa. ¡ Roggen, wie wir ihn heute kennen, ist aus Wildroggen kultiviert. Die rund 7000 Jahre alte Getreidesorte hat kleine Körner, der Ertrag ist um fast 50 Prozent geringer als beim Roggen. ¡ Auch bei den anderen Urgetreiden fallen die Erträge im Vergleich zum Weichweizen deutlich geringer aus. Während Weizen auf einen Ertrag von etwa 80 Dezitonnen pro Hektar kommt, kann man bei Emmer und Einkorn nur Erträge zwischen 19 und 35 Dezitonnen erwarten. Düngung würde wenig nützen, denn dies würde bei Emmer und Einkorn zu noch längeren Getreidehalmen führen, die bei windigem Wetter und starkem Regen umknicken könnten. Dies ist einer der Gründe, warum die beiden Getreidearten beim biologischen Landbau sehr beliebt sind.

Reife Dinkelähren: Die Spelze umschließen als feste Hülle das Korn und schützen es vor schädlichen Umwelteinflüssen. Die reife Dinkelpflanze hat eine rötliche Farbe Foto: Wildlife

¡ Urgetreide sind Spelzgetreide – ihr Korn ist von einer fest umhüllenden Spelze eingeschlossen. Vor der Verarbeitung muss sie entfernt werden. (StN)

www.initiative-urgetreide.de

Aus der Landwirtschaft in die Wirtschaft Besser essen: Drei Generationen machen aus dem Hecht in Ebersbach/Fils einen schwäbischen Familienbetrieb mit moderner Note Von Sandra Markert „Die Frage, ob Spinat in die Maultaschen gehört, hat schon viele Familien entzweit, ja war fast schon einen Bürgerkrieg wert. Die Gegner sind der Meinung, das Grün sei nur Effekthascherei.“ Wer solche Zeilen in einer Speisekarte liest, will natürlich wissen, ob der zuständige Koch auf solche Effekte setzt. Bernd Walter (39) im Gasthaus Hecht in Ebersbach an der Fils tut es – und nicht nur das. Die gebratenen Maultaschen mit Ei kommen nicht wie gewohnt als eher undekorativer Haufen auf den Tisch, sondern in Form eines Omelettes mit eingebackenen Maultaschen-Schnecken. Das freut das Auge wie den Gaumen. „Die Gäste gehen ja meist nicht essen, weil sie hungrig sind, sondern weil sie genießen wollen“, sagt Walter. Er ist im Gasthaus Hecht, das seit 1862 in Familienbesitz ist, aufgewachsen und weiß: Nach Ebersbach verirrt man sich nicht unbedingt zufällig – es sei denn, man ist auf der neu ausgeschilderten Filstalroute mit dem Fahrrad von Plochingen her unterwegs (etwa neun Kilometer). Die große Zahl von Stammgästen aus Esslingen, Tübingen und dem 30 Kilometer entfernten Stuttgart lockt er mit Zutaten aus der Region. „Meine Eltern waren noch Landwirte und haben die Wirtschaft nur nebenher geführt“, sagt Walter. Die eigenen Äcker hat die Familie mittlerweile zwar verpachtet. Die Wertschätzung für regionale Produkte aber ist geblieben. „Ich weiß, wie viel Arbeit dahintersteckt, bis man die

Melanie und Bernd Walter im Gasthaus Hecht setzen auf geschmackvolle Atmosphäre eigenen Kartoffeln in der Küche verarbeiten kann.“ Deswegen bekommt er seine Eier seit über 30 Jahren vom gleichen Lieferanten aus dem Dorf. Der Jäger bringt das frisch geschossene Reh persönlich vorbei, und die Linsen, eine grüne Sorte aus Baden-Württemberg, holt er bei einem Landwirt in Plochingen. „Regionales zu verwenden bedeutet mehr zeitlichen Aufwand, als alles im Großmarkt zu kaufen, aber der Geschmack ist einfach ein anderer.“ Entsprechend weh tut ihm sein Kochherz, wenn er bei Kollegen schon im März von Spargel auf der Speisekarte

Foto: Kern

liest. „Bei uns kommt auf den Tisch, was gerade wächst.“ Damit Walter seine Karte nicht ständig umschreiben muss, heißt seine Beilage schlicht „Marktgemüse“, und auf einer Seite ist viel Platz für saisonale Gerichte – zurzeit Pfifferlinge. Walter bleibt den Familienrezepten treu und kocht gern schwäbische Klassiker (Rostbraten, Schupfnudeln, Ochsenmaulsalat) – aber nicht nur. „Ich war im Adler in Asperg und habe im Schloss Reinhartshausen mit Sternekoch Joachim Wissler gearbeitet.“ Akkurates Arbeiten und mediterrane Einschläge sind ihm aus dieser Zeit geblieben.

„Ich will die traditionelle Küche der Familie bewahren, sie aber modern interpretieren.“ Für den Gast bedeutet das neben den originell angerichteten Maultaschen mit schmatzendem Kartoffelsalat (8,20 Euro) etwa ein Carpaccio, das statt aus rohem Rindfleisch aus hauchdünn geschnittenen Tomaten, Gurken, gebratener Lachsforelle und Rucolapesto besteht (8,90 Euro). Oder Rostbraten, der mit Pfifferlingen statt mit Zwiebeln (16,90 Euro) garniert ist. Die Spätzle sind selbst gemacht, und die reichlich vorhandene Soße ist so schmackhaft, dass wir die Reste am liebsten eingepackt hätten. Im Sommer lockt der Hecht mit einer schönen Terrasse (20 Plätze) und einem schattigen Biergarten (45 Plätze). In den rustikalen Gasträumen mit viel hellem Holz finden auch größere Hochzeitsgesellschaften mit bis zu 70 Personen Platz. Professioneller Service wird drinnen wie draußen großgeschrieben. „Meine Frau hat 2008 auf der Intergastra das goldene Gedeck gewonnen“, sagt Walter stolz. Bei dem Wettstreit geht es darum, einen Tisch richtig (von links herum) und geschmackvoll einzudecken und passende Weine anzubieten. Bei solchen Genen wundert es nicht, dass der siebenjährige Sohn Sören schon eine eigene Kochjacke hat. Noch aber tobt der künftige Chef lieber mit Gästekindern durchs Haus. Gasthaus Hecht, Kirchheimer Straße 11, 73061 Ebersbach/Fils,  0 71 63 / 88 17. Öffnungszeiten: Di bis Sa von 11 bis 14 und 17.30 bis 22 Uhr, an Sonn- und Feiertagen bis 21 Uhr. Betriebsferien vom 14. August bis zum 4. September.

„Die ganze Welt ist eine Bühne und alle Fraun und Männer bloße Spieler“, lässt William Shakespeare den Melancholiker Jacques in „Wie es euch gefällt“ sagen. Shakespeare wusste um 1600 zwar nichts von Open-World-Szenarien, von interaktiven Plots und Francise-Unternehmen, die mal Comics, mal Kinofilme, mal Videospiele zur Bühne ihrer Helden machen. Und doch beschreibt dieser Satz präzise die Möglichkeiten des Erzählens im Zeitalter der Interaktion und der Mehrfachverwertung von Erfolgsstoffen. Gleich mehrfach beschäftigte sich die Fachmesse FMX, die am Freitag zu Ende ging, mit diesem Phänomen. Kaum ein Kinospektakel kann sich heutzutage leisten, nicht Teil einer Verwertungskette, Bestandteil eines Erzähluniversums zu sein. Da gibt es den „Twilight“-Kosmos, die Welten von „Star Wars“ und „Star Trek“, von Harry Potter und James Bond, das Universum der Comichelden des DC-Verlags (Superman, Batman) und des MarvelVerlags (Spider-Man, X-Men, Iron Man). Diese fiktiven Welten voller Fantasiewesen und Übermenschen, voller Abenteuer, Spektakel und ScienceFiction stellen ein unerschöpfliches Reservoir an Geschichten bereit, indem sie zwar das Personal, typische Konflikte und eine spezifische Ästhetik, aber nicht wirklich eine Handlung vorgeben. Aus vormals einer Erzählung entwickelt sich ein Erzählkontinuum. Und die Möglichkeiten, neue Geschichten aus diesen Welten zu erfinden, sind im Prinzip unendlich, man muss lediglich deren Regeln befolgen. Und die sind oft kompliziert. Das weiß auch Kevin Tod Haug, der schon zwei der Erzähluniversen mit Spezialeffekten versorgt hat. Er war an dem James-Bond-Film „Ein Quantum Trost“ beteiligt, hat gerade „Eclipse“, den dritten Teil der „Twilight“ -Saga abgedreht und war am Freitag auf der FMX zu Gast. Bei „Star Trek“ gebe es zum Beispiel eine Art Bibel, verrät er, in der alle Gesetze verzeichnet sind, die in der Raumschiff-Enterprise-Welt zu befolgen sind. Und weil es diesen Science-FictionKosmos seit den 1960er Jahren gibt, ist das Regelwerk nun unüberschaubar. „Bei solchen Serien und Filmreihen sind inzwischen meistens die Schauspieler die eigentlich Chefs, weil sie die Einzigen sind, die dieses Regelwerk wirklich kennen“, sagt Haug, „die Regisseure werden dann nur noch als so eine Art Verkehrspolizist gebraucht.“ Selbst die Orte, in denen bekannte Helden zu Hause sind, haben ein Eigenleben entwickelt, sagt der Comickünstler Dave Gibbons, der mit Alan Moore das Graphic-Novel-Meisterwerk „Watchmen“ geschaffen hat und der sowohl Helden des DC- als auch

des Marvel-Universums gezeichnet hat. „Jeder kann sich heute seine ganz individuelle Ecke in Batmans Heimatstadt Gotham suchen und dort eine eigene Geschichte erzählen“, sagt Gibbons und schwärmt vom (ebenfalls auf der FMX vertretenen) Computerspiel „Batman: Akrham Asylum“, das eine ganz neue ästhetische Vision des Fledermaus-Mann-Topos entwickelt. Weil in vielen Computerspielen der Nutzer interaktiv in die Handlung eingreifen kann, spricht Don Marinelli, der in den USA Professor für Unterhaltungstechnologie ist, von einer Demokratisierung der Kunst und von einer Ko-Autorenschaft des Spielers.

Marinelli befürwortet in seinem FMX-Vortrag das Aufbrechen traditioneller Erzählmuster: „Bücher und Filme haben uns früher immer Linearität suggeriert“, sagt er, „doch das Leben verläuft ganz und gar nicht linear.“ Marinellis Begeisterung dafür, einen Teil der Ezählkompetenz an andere abzugeben, teilen Dave Gibbons und Kevin Tod Haug jedoch nicht. Obwohl sich Gibbons mit Graphic Novels wie

„Martha Washington Goes To War“ (zusammen mit Frank Miller) und Haug mit seinen Effektdesign für „The Cell“ oder „Fight Club“ in ihren künstlerischen Visionen postmodern und visionär geben, wünschen sich beide letztlich einen vormodernen Rezipienten, der sich in ihren Kunstwerke versenkt, der „in einem fast hypnotischen Zustand das betrachtet, was wir erschaffen haben“, sagt Haug. Sich in den verschiedenen Erzähluniversen der Comics zu bewegen, empfindet Gibbons aber nicht zwingend als Herausforderung: „Man hat manchmal den Eindruck, als ob sie dich bloß ein Weilchen mit ihren Spielsachen spielen lassen, die sie dir nachher wieder wegnehmen.“ Eine, die sich mit dem Spielzeug auskennt, das der MarvelVerlag herstellt, ist Victoria Alonso, die als ausführende Vizepräsidentin der Marvel Studios zum Beispiel die beiden „Iron Man“-Filme produziert hat. Sie verrät zwar am Freitag auf der FMX, dass sie in ihrem Büro eine lange Liste an die Wand gepinnt hat, auf der all die Comicverfilmungen stehen, die Marvel in den kommenden fünf Jahren ins Kino bringen will. Allzu viele Einzelheiten gibt sie jedoch nicht preis. Sie bestätigt aber, dass 2011 unter der Regie von Kenneth Branagh „Thor“ ins Kino kommen wird und dass im selben Jahr auch „Captain America“ anläuft, in dem Chris Evans, der bereits in „Die Fantastischen Vier“ einen Marvel-Superhelden gespielt, die Hauptrolle übernimmt. „Wir besitzen ein riesengroßes Universum, da tut sich immer irgendwas“, sagt Alonso. Und weil jeder der Marvel-Superhelden eigentlich Herrscher eines eigenes Universums ist, dürfte die Aufgabe, die auf Joss Whedon („Buffy“) wartet, der gerade die Regie für „The Avengers“ (Kinostart: 2012) übernommen hat, besonders schwer sein: Da treffen nämlich der nordische Gott Thor, der Weltkriegsveteran Captain America und der High-Tech-Snob Iron Man aufeinander. Und das wahrscheinlich auch noch in 3-D. Einfache Geschichten gehen anders.

Info

Trickfilmfestival am Samstag

Auch der aktuelle Film „Iron Man 2“ mit Robert Downey jr. in der Hauptrolle erweitert einen Erzählkosmos, der seinen Anfang im Comic genommen hat (hier ein Cover des Zeichners Marc Silvestri) Abb.: Marvel

¡ 15 Uhr: Disney-Lectures: Vorschau auf die Rapunzel-Adaption „Tangled“ (Metropol 2) ¡ 17 Uhr: Weltpremiere „Das Sandmännchen“ (Metropol 1); Wirtschaftsfilmwettbewerb Under Commission (Gloria 1) ¡ 19 Uhr: Best of Animation (Gloria 1) ¡ 20 Uhr: Preisverleihung Wirtschaftsfilmpreis Under Commission (Kunstmuseum) ¡ 20.30 Uhr: Der Vorjahres-Spielfilmpreisträger „Mary and Max“ (Schlossplatz) ¡ 21 Uhr: Kurzfilmwettbewerb 5 (Gloria 1); Spielfilm „The Fantastic Mr. Fox“ (Gloria 2) ¡ 24 Uhr: „Simpsons“-Kultnacht mit David Silverman (Metropol 1) ¡ www.itfs.de

Wonneweinen mit André Rieu

Generationen tauschen Liebe gegen Geld

Thomas Kapielski erzählt Erstaunliches im Literaturhaus

Die Performancetheatergruppe She She Pop gastiert im Theaterhaus

Von Nicole Golombek Er hat noch ein paar Lesungen vor sich, und es ist durchaus denkbar, dass einige ihm nachreisen. Wo Thomas Kapielski ist, ist Kunst und Heiterkeit, das ist selten genug, nicht nur in der deutschen Literatur. Es wurde viel laut gelacht am Donnerstag im Literaturhaus. Für seine Vortragskunst hat Kapielski, der 1951 in Berlin geboren wurde, den Preis der Literaturhäuser erhalten und dafür wird er in allen elf Häusern gepriesen. Zu preisen wäre er auch, wenn er nie vorlesen würde – für das heftige Feilen am Satz, für die sorgsame Betrachtung des abseitigen und in seinem Sinn hin und her gewendeten, auch umgedeuteten Wortes. Auch dafür, dass er die kleine Form beherrscht wie kaum einer heute, die Skizze, den Aphorismus, seit neuestem die „Geosophie“, Gedanken, die sich an Ortsbetrachtungen knüpfen. Vom Lorbeerkranz, den Literaturhauschef Florian Höllerer ihm überreicht, pusselt Kapielski gleich ein Stängelchen ab für seinen Freund Frieder Butzmann. Vier Lieder singt der füllige Mann, der im Fleecezipper über dem blütenweißen, korrekt geknöpften Hemd eine freundliche Harmlosigkeit ausstrahlt und dann eine dadaistische Performance zeigt. Es ist eine Laudatio in höchsten Tönen zu heftigen Beats vom Com-

puter, es ist ein Summen und Gurren, während eine Kaffeemaschine dampft. Auch wenn Kapielski es „genierlich“ findet, dass er sich für jeden Abend einen Laudator aussuchen darf, nimmt er die Anfangsfreude gerne mit, um eine Stunde lang aus Werken vorzuerzählen. Berlinernd und bemerkenswert gut schwäbelnd (Butzmann, der Mann aus dem Süden, nickt anerkennend), spielt er mit Gedankenaussetzern. Er verrät, dass er die Schiebermütze trägt, um nicht ganz ohne Macke im neurotischen Kunstbetrieb zu sein. Er führt die Haltbarkeit der Tüten vom Getränkeladen vor: „Die Getränke-Hoffmann-Tüte ist ein Muss!“ Kapielski erzählt vom Wonneweinen, wie er sich Salvator trinkend beim Zappen verheddert und an einer Sendung mit André Rieu hängenbleibt. Er kommt vom Mann, dessen Zunge in einer Bierflasche steckt, zu Beobachtungen des Essayisten Roland Barthes und von da zu philosophischen Geburtshilfegedanken, um sich mit einer Pudelgeschichte und einem fröhlichen Gutenheimwegwunsch zu verabschieden. Es ergeht dem beglückten Publikum wie Freund Butzmann, der singt: „Kapielski ist ein so feiner Mensch, das gibt’s gar nicht.“ Jüngste Arbeiten von Thomas Kapielski: „Mischwald“ (Suhrkamp-Verlag, Frankfurt am Main. 347 Seiten. 14 Euro). „Ortskunde. Eine kleine Geosophie“ (Edition Urs Engeler, Basel/ Weil am Rhein. 130 Seiten. 17 Euro).

Von Anne Guhlich Die Stimme des Mannes ist brüchig und leise. Zusammengesunken sitzt er vor 280 Besuchern auf einem Sessel auf der Bühne im Theaterhaus und beginnt zu singen. „Wenn ich bleiben würde, stünde ich dir nur im Weg“, singt er auf Englisch. Eine Gitarre begleitet ihn. „Darum werde ich gehen.“ Es dauert eine Weile bis man die Schnulze „I Will Always Love You“ von Whitney Houston erkennt. Das Lied klingt auf einmal nicht kitschig. Es klingt hilflos, ein wenig schräg, bemüht. Es ist das Lied eines Vaters für seine Tochter. Der Vater singt, so gut er kann. Er ist nicht geübt darin. Zusammen mit drei weiteren Vätern von Schauspielern der Performancetheatergruppe She She Pop macht er mit bei deren Stück „Testament“. Die Schauspieler Sebastian Bark, Fanni Halmburger, Lisa Lucassen und Ilia Papatheodorou kommen aus Berlin und Hamburg. Im Hintergrund der Bühne wird William Shakespeares „König Lear“ an die Wand projiziert. She She Pop und ihre Väter inszenieren das Verhältnis zwischen den Generationen als einen Tauschhandel: Liebe gegen Geld. Die Schauspieler sagen, welche Kommode sie nach dem Tod der Eltern gerne einmal hätten, und sie fragen, ob genügend Geld für die Altenpflege da sei. Sie brechen die Auffüh-

rung mit Moderationen, in denen sie erklären, was sie gerade tun. Das Stück bekommt einen eigenen Charakter: Innerhalb der Aufführung geschieht das Gleiche, das die Beziehung zwischen Vätern und Kindern auch jenseits der Bühne prägt. Die Nachkommen provozieren und zeigen, was sie können. Sie wollen, dass die Väter ihre Arbeit verstehen. Die Väter zetern manchmal, winken ab. Aber sie machen mit. Sie überschreiten ihre Grenzen, entblößen sich selbst. Sie geben Zeit und Geduld, und sie bemühen sich. Das ist es, was Fannis Vater Peter Halmburger am Schluss über sich sagt, als er in einem Pappsarg liegt: „Er hat sich bemüht.“ Mit liebevoller Leidensbereitschaft singt er inmitten von Vorrechnereien und sachlichen Diskussionen das Stück von Whitney Houston. Seine Tochter steht alleine am Mikrofon und zählt auf, was zu tun ist, wenn ihr Vater alt wird: Füttern, lächeln, Ausreden erfinden fürs Wäschewechseln, Druckstellen einpudern, vollgepinkelte Betten frisch machen. Probleme werden an dem Abend nicht gelöst. Darum geht es nicht. So bleibt unklar, ob es tröstend ist oder ein Fluch – ob es ein Weil ist oder ein Trotzdem, als nach zwei Stunden voller intelligent gestellter Fragen drei Worte übrig bleiben, die „I Love You“ heißen. Eine weitere Vorstellung am heutigen Samstag um 20.15 Uhr. Karten telefonisch unter 07 11 / 4 02 07 20.

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¿37–40 · Veranstaltungen Die Supernase und ein Musical-Konzert Seite 37: Viel Spaß mit Mike Krüger Seite 38: Dendemann in der Röhre Seite 39: Unser Kinotipp: Sin Nombre Seite 40: Zum Muttertag in ein MusicalKonzert im Theater der Altstadt

Nachgefragt Ursa Koch Der Krimi der Autorin über Missbrauch in einer kirchlichen Einrichtung kam zum richtigen Zeitpunkt heraus.

„Das Thema ist ein Selbstläufer“ Von Lisa Welzhofer

Frau Koch, in Ihrem Roman „Die Heiligenscheinhändler“ geht es unter anderem um veruntreute Spenden und sexuellen Missbrauch in einer fiktiven kirchlichen Behinderteneinrichtung. Passt die Thematik zufällig in die Zeit oder war die Veröffentlichung kalkuliert? Ich habe fünf Jahre lang für mein Buch recherchiert. Mich hat das Thema einfach interessiert. Ich habe mit vielen Mitarbeitern solcher Einrichtungen gesprochen. Sie werden schlecht entlohnt, dabei gibt es genug Spendenmittel, öffentliche Zuwendungen und Immobilienbesitz der Kirche. Trotzdem Ursa Koch (50) lebt wird an der Basis ge- in Hohenstein im spart. Mir geht es vor Kreis Reutlingen Foto: Privat allem um solche Missstände in meinem Buch. Der sexuelle Missbrauch steht nicht im Mittelpunkt.

Trotzdem beschert er Ihnen mehr Leser, als Sie mit einem Buch im Eigenverlag zu hoffen wagten, oder?

Die Nachfrage hat mich überrascht. Es ist ja eigentlich ein sehr spezielles Thema. Die erste Auflage von 1000 Stück ist in einem kleinen Verlag erschienen und war nach drei Monaten ausverkauft. Die zweite mit 2000 Stück habe ich im Eigenverlag gedruckt. Die ist auch schon fast weg. Normalerweise ist die große Frage, wie man als kleiner Verlag ohne große Marketingmittel ein Buch überhaupt unter die Leute bringt. Bei mir war es jetzt ein Selbstläufer, weil Missbrauch gerade ein Thema ist. Ich bekomme Einladungen zu Lesungen und sehr viele Zuschriften von Betroffenen.

Ihre Hauptfigur ist die Journalistin Franka Maas. Planen Sie eine Reihe à la Marklund?

Nein. Momentan arbeite ich an einem ganz anderen Stoff, einem Kurzgeschichtenband. Dabei betreut mich die Lektorin einer Literaturagentur. Das Buch soll in einem größeren Verlag erscheinen. Der Krimi könnte also so eine Art Sprungbrett in eine Schriftstellerlaufbahn sein. Am 11. Mail liest Ursa Koch im Lobbyrestaurant Reutlingen (Rommelsbacher Str. 1). „Die Heiligenscheinhändler“ (12,40 Euro) erscheint bei Albas Literatur, Hohenstein.

Hypatia, die Aufklärerin Hypatia, gelyncht von christlichen Fundamentalisten, galt den frühen Deisten als erste Märtyrerin der Aufklärung. Ihre Vita setzt sich aus Fragmenten zusammen, die nach ihrer Ermordung aufgezeichnet wurden. Schon in den frühesten dieser „Zeugnisse“ wird sie als Philosophin, Mathematikerin und Hochschullehrerin von großem Einfluß gefeiert. Die moderne Frauenbewegung entdeckte sie als eine der Ihren. Peter O. Chotjewitz, der über Hypatia von Alexandria ein Buch veröffentlicht hat, fasst das Ergebnis seiner Recherchen zusammen und spricht im Philosophischen Café der AnStifter am 8. Mai (10.30–12 Uhr). Anmeldung erwünscht: Frank Ackermann, Telefon 61 24 92 oder hegelhaus@web.de. (StN)

Szene

Stuttgart singt in China Mit ihrem Gründer und Leiter Kay Johannsen reist die Stuttgarter Kantorei vom 26. Mai bis 3. Juni nach Peking und Schanghai. Die drei geplanten Konzerte finden in den großen Konzertsälen Schanghais und Pekings statt sowie auf Einladung des Botschafters Dr. Schäfer in der Deutschen Botschaft Peking. Aufgeführt werden Carl Orffs in China selten live gespielte „Carmina Burana“ in der Fassung für Solisten, gemischten Chor, zwei Klaviere und Schlagzeug. Mit im Gepäck hat der Chor zudem ein anspruchsvolles A-cappella-Programm mit Werken verschiedener Stile und Epochen von Morley über Brahms bis Elgar. (StN)

Figure on a white surface If you look carefully at this Culture page, you find that in the lead article first a white rectangular space was left. Into it was then inserted a comic character who is pushing the text away with his hands. The result is a strongly three-dimensional effect. Care is taken, when making text flow around cut-outs, that the text does not become too narrow, as otherwise readability is impaired.


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Sport

¿26 · Sport

Philipp Lahm wird wohl Spielführer, Manuel Neuer Nummer eins – der Bundestrainer ärgert sich über undichte Stelle beim DFB

Deutschlands Volleyballer zu Gast in der Region

Von Thomas Näher aus Eppan EPPAN. Es war ein Bild der Ruhe und der inneren Einkehr, das die Nationalspieler am Donnerstag nach dem Training abgaben. Da saßen sie am Mittelkreis und lauschten den Worten von Reinhold Messner. Der Bergfex aus dem nahen Bozen stimmte die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) auf Südafrika ein. „Er hat Parallelen zwischen dem Bergsteigen und dem Fußball aufgezeigt. Die WM dauert lange, und auch den Mount Everest besteigt man nicht an einem Tag“, sagte Neuling Holger Badstuber sichtlich beeindruckt. So einfach kann das Leben manchmal sein, mag Joachim Löw da neidvoll gedacht haben. In seinem Leben als Bundestrainer gibt es nämlich Dinge, die er sich auch nach längerem Grübeln nicht zusammenreimen kann. Das Zusammenspiel zwischen dem DFB und dem Boulevard ist so eine Sache. Dass vor Weihnachten sein angeblicher Handschlag-Vertrag mit DFB-Präsident Theo Zwanziger über die WM hinaus via „Bild“ bekannt wurde, ist Löw ebenso sauer aufgestoßen wie die Veröffentlichung der

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Die deutschen WM-Kapitäne Jahr 1934 1938 1954 1958 1962 1966 1970 1974 1978 1982 1986 1990 1994 1998 2002 2006

WM-Ausrichter Uruguay Frankreich Schweiz Schweden Chile England Mexiko Deutschland Argentinien Spanien Mexiko Italien USA Frankreich Südkorea/Japan Deutschland

Name Fritz Szepan Fritz Szepan Fritz Walter Hans Schäfer Hans Schäfer Uwe Seeler Uwe Seeler Franz Beckenbauer Berti Vogts K.-H. Rummenigge K.-H. Rummenigge Lothar Matthäus Lothar Matthäus Jürgen Klinsmann Oliver Kahn Michael Ballack

Michel Platini hofft auf ein Heimspiel in sechs Jahren Heute entscheidet der Europäische Fußball-Verband (Uefa), wo die EM 2016 ausgetragen wird. Großer Favorit ist Frankreich – die Heimat von Uefa-Präsident Michel Platini.

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Die Volleyball-Nationalmannschaft der Männer macht Station in Stuttgart und Tübingen – und muss sich in gleich zwei Wettbewerben beweisen: in der World League und in der EM-Qualifikation.

angeblichen Gehaltsforderungen von Teammanager Oliver Bierhoff für sich und das Trainerteam im gleichen Blatt. Wo sitzt der Maulwurf innerhalb des DFB, fragte sich Löw, wer hat ein Interesse daran, vertrauliche Informationen herauszugeben und auf diese Weise ihn und seine Arbeit für eigene Zwecke zu instrumentalisieren? Die Antwort fiel insofern nicht schwer, als nur ein intimer Kreis von Insidern über den Inhalt der Gespräche Bescheid wusste. Und nun, im Fall Lahm und Neuer? Jahrelang waren die Fronten zwischen DFB und „Bild“ geklärt. Ex-Teamchef Jürgen Klinsmann verweigerte während seiner Amtszeit den Doppelpass mit dem Boulevard. Zuvor waren ins Licht gezerrte Indiskretionen dem früheren Kapitän und „Bild“ -Kolumnisten Lothar Matthäus zugeschrieben worden. Jetzt heißt der Kolumnist Franz Beckenbauer, was zumindest im aktuellen Fall den Verdacht auf ihn lenkt. Löw jedenfalls soll sich mächtig geärgert haben, als er die Personalien Lahm und Neuer in der Zeitung mit den großen Buchstaben lesen musste. Bisher galt für ihn die Devise: Der Chef bin ich. Löw, und nur Löw allein, entscheidet in allen sportlichen Fragen. Und so ließ er über DFB-Mediendirektor Harald Stenger seinen Groll übermitteln. Verklausuliert zwar, doch wer Löw ein wenig näher kennt, der weiß: Der Freiburger ist „högschd“ verärgert. „Die sportliche Leitung wertet diese Einschätzungen als reine Spekulation. Es kann so sein, muss aber nicht so sein“, sagte Stenger. Außerdem sei „bis zur Stunde mit keinem Spieler über die Torwart- und Kapitänsfrage gesprochen worden“. Das soll am heutigen Freitag geschehen und dann auch publik gemacht werden. Tatsächlich spricht vieles für Lahm als Vertreter des verletzten Kapitäns Michael Ballack und für Neuer als Nachfolger des gleichfalls angeschlagenen René Adler. Intern schließt man aber auch Überraschungen nicht aus. In der Torwart-Frage soll der nachgerückte Münchner Hans-Jörg Butt (35) im Trainerstab sogar als Nummer eins gehandelt worden sein, ehe man sich für Neuer (24) entschieden und sich auf den Bremer Tim Wiese (28) als ersten Ersatzkeeper festgelegt habe. Und Miroslav Klose (31) gilt aufgrund seiner Erfahrung aus 94 Länderspielen zumindest als ein ernsthafter Anwärter auf das Amt des Spielführers. Der Bayern-Stürmer war bisher Ballacks Stellvertreter und übte sein Amt auch gestern aus. Nach Messners Rede überreichte er dem Südtiroler ein Deutschland-Trikot. Ein Vorgriff auf die Kapitäns-Entscheidung war das aber nicht: Philipp Lahm war gar nicht beim Training, sondern mit dem zweiten Spätankömmling Bastian Schweinsteiger auf dem Mountainbike unterwegs.

Wirbel um deutsches WM-Quartier

DFB-Gegner Ghana ohne Superstar Essien

EPPAN (StN). Trotz der neuen Schreckensmeldungen um fehlende Genehmigungen, Geldstrafen und Schwarzbauten geht auch dder Weltverband Fifa davon aus, dass der Tross des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am 7. Juni sein WM-Quartier nahe Pretoria beziehen wird. Jedoch informierte die Fifa auch über Missstände. Zwar werde das Hotel schon seit Jahren betrieben, die notwendigen Genehmigungen der Stadt fehlen aber. „Es sind Sofortmaßnahmen eingeleitet worden, um die Mängel und Unregelmäßigkeiten zu beseitigen“, teilte die Fifa mit.

ACCRA (sid). Deutschland Gruppengegner Ghana muss bei der Fußball-WM in Südafrika auf seinen Superstar Michael Essien verzichten. Der Mittelfeldspieler, Teamkollege des ebenfalls verletzten deutschen Nationalmannschaftskapitäns Michael Ballack beim FC Chelsea, fällt mit einer Knieverletzung aus. Essien hatte die Verletzung beim Afrika-Cup im Januar erlitten. Ghana trifft zum Abschluss der Gruppe D am 23. Juni in Johannesburg auf Deutschland. Essien war 2005 für 38 Millionen Euro von Olympique Lyon nach Chelsea gewechselt.

VfB auf Platz vier der Geldrangliste STUTTGART (StN). Wen wundert’s: Der FC Bayern München ist auch finanziell die Nummer eins: Aus dem TV-Vermarktungstopf der Deutschen Fußball-Liga (DFL) kassierte der Meister im abgelaufenen Jahr 28,628 Millionen Euro. Der VfB Stuttgart landete mit 23,843 Millionen Euro auf Platz vier. Die Geldrangliste der Fußball-Bundesliga im Überblick: 1. FC Bayern München 2. FC Schalke 04 3. Werder Bremen 4. VfB Stuttgart 5. Hamburger SV 6. Bayer Leverkusen 7. VfL Wolfsburg 8. Borussia Dortmund 9. Eintracht Frankfurt 10. Hertha BSC 11. Hannover 96 12. VfL Bochum 13. 1899 Hoffenheim 14. Bor. Mönchengladbach 15. FSV Mainz 05 16. 1. FC Köln 17. 1. FC Nürnberg 18. SC Freiburg

Ex-VfB-Spieler Alexander Hleb will bei seiner Rückkehr zum FC Barcelona voll angreifen: „Ich will gesund und topfit in die Vorbereitung einsteigen und mich dort durchsetzen.“ Einen Wechsel zum FC Bayern hat der Weißrusse nach der Vertragsverlängerung von Franck Ribéry abgehakt: „Das ist alles nicht mehr interessant.“ VfB-Verteidiger Khalid Boulahrouz gewann in Freiburg mit der holländischen Nationalmannschaft gegen Mexiko 2:1 und spielte 90 Minuten durch.

Sportsfreund des Tages

Der Mann

. . . und wer Kapitän

Fotos: Bm, dpa

Der frühere VfB-Profi und Weltmeister 1990 über die Kapitänsrolle innerhalb der deutschen Nationalmannschaft

Hallo, Herr Buchwald. Sie waren Kapitän beim VfB Stuttgart und fünfmal in der Nationalelf. Was erfordert diese Rolle?

Es ist ja klar, dass jeder, der in der Nationalmannschaft spielt, eine gewisse Persönlichkeit ausstrahlt. Das allein ist es aber nicht. Man braucht Führungsqualitäten und darf keine Scheu davor haben, Verantwortung zu übernehmen.

Angeblich soll Philipp Lahm die Binde des Spielführers bekommen.

Ich könnte das sehr gut nachvollziehen. Er bringt seit Jahren konstant seine Leistung, er ist kein Marktschreier, sondern meldet sich dann zu Wort, wenn es Probleme gibt. Und er wird von der Mannschaft akzeptiert.

. . . weil er die Siegprämien aushandelt.

Das gehört mit zu seinen Aufgaben. Es gibt aber Wichtigeres.

Zum Beispiel?

Er muss das Spielverständnis und die Arbeitsweise des Trainers mit in die Mannschaft tragen, er muss erkennen, wenn es intern Spannungen gibt oder sich Grüppchen bilden, die nicht miteinander klarkommen. Und der Chef muss immer ein Vorbild sein – auf dem Platz und auch außerhalb.

Wie wird der Kapitän bestimmt?

Früher war das so, dass der Kapitän wurde, der am meisten Länderspiele hatte. Die meisten Trainer in der Bundesliga bestimmen ihn aber selbst, manche lassen ihn auch von der Mannschaft wählen. Er muss auf alle Fälle das volle Vertrauen des Trainers genießen. Er ist ja sozusagen sein verlängerter Arm im Team. Der Kapitän ist ja auch Ansprechpartner für die Spieler. Joachim Löw kann ja nicht mit jedem Einzelnen stundenlange Einzelgespräche führen.

Außer Philipp Lahm sind angeblich noch Bastian Schweinsteiger und Miroslav Klose in der Verlosung.

Bastian Schweinsteiger könnte ich mir noch vorstellen. Er ist mit seinen Aufgaben beim FC Bayern gewachsen. Er hat aber noch nicht die Erfahrung von Philipp Lahm.

Und Miroslav Klose?

Das geht gar nicht. Wer weiß, ob er überhaupt in Form kommt. Als Kapitän musst du aber einen Stammplatz haben.

Wie schwer wiegt der Ausfall von Michael Ballack?

Das ist ganz bitter, aber auch eine große Chance für die jungen Spieler. Ich bin sicher, dass Sami Khedira und Bastian Schweinsteiger im defensiven Mittelfeld bestens harmonieren. Sie werden diese Lücke schließen.

Ihre Prognose?

Das Halbfinale ist möglich. Und dann braucht man immer auch ein wenig Glück.

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Zur Person

Guido Buchwald ¡ Am 24. Januar 1961 wurde Guido Buchwald in West-Berlin geboren. ¡ Von 1962 an lebte er in Wannweil bei Reutlingen. Inzwischen wohnt er in Walddorfhäslach. Er ist verheiratet mit Silvia, zwei Kinder (Julian, Yannic). ¡ Stationen als Profi: 1979 bis 1983: Stuttgarter Kickers 1983 bis 1994: VfB Stuttgart 1994 bis 1997: Urawa Red Diamonds 1998 bis 1999: Karlsruher SC ¡ Stationen als Trainer: 2004 bis 2006: Urawa Red Diamonds 2007: Alemannia Aachen Foto: Baumann

STUTTGART. Er war einer der Besten in der Weltmeistermannschaft von 1990. Und Guido Buchwald weiß, worauf es in der Kapitänsrolle ankommt. Er hat die Binde selbst lange genug getragen.

28,628 26,497 25,478 23,843 23,155 21,906 21,217 20,191 19,152 18,752 17,600 16,557 16,501 15,302 14,657 13,855 13,387 12,472

Kurzpässe

„Der Chef muss immer ein Vorbild sein“ Von Gunter Barner

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Löw sucht den Maulwurf in der Kapitäns-Frage Die Entscheidungen im Nationalteam sind gefallen – vermeldete zumindest der Boulevard. Eine Überraschung wäre ein Votum für Philipp Lahm und Manuel Neuer zwar nicht, dennoch ist Bundestrainer Joachim Löw verärgert: Er fühlt seine Arbeit durch Indiskretionen torpediert – nicht zum ersten Mal.

Entscheidung heute: Wer wird Nummer eins . . .

Nummer 120  Freitag, 28. Mai 2010

Es gibt Situationen, die kann man als Mann gar nicht als Gewinner überstehen. Besonders schwierig ist es zum Beispiel, wenn die Frau vom Friseurbesuch nach Hause kommt. Man(n) kann dann schweigen – aber dann sagt sie mit vorwurfsvoller Stimme: „Dir ist also gar nichts aufgefallen?“ Man kann auch warten, bis sie fragt: „Und? Wie gefällt’s dir?“ Dann wird es noch kniffliger – und nur durch folgende Frage übertroffen: „Findest du’s besser oder schlechter als vorher?“ So, und jetzt? In den kommenden Wochen wird es sehr wahrscheinlich wieder viele solcher Situationen geben. Nicht, weil die Friseurinnung Freischneiden anbietet – aber es ist dann Fußball-WM. Und womöglich sehen Sie sich gegen Ende dieser Veranstaltung, ge- Ein Gewinner dpa nauer: am 11. Juli, mit dieser Frage ihrer leicht bekleideten und lasziv dreinschauenden Partnerin konfrontiert: „Willst du das Finale mit Deutschland sehen – oder kommst du mit ins Schlafzimmer?“ Puuuh! Immerhin: Eine Umfrage hat nun ergeben, dass sich 95 Prozent der Deutschen für das Endspiel entscheiden würden. Sie werden es kaum glauben, aber hierbei sind die Männer tatsächlich die Gewinner – es wurden nämlich auch Frauen gefragt. (dip)

Das Zitat „Die türkische Delegation hat uns ihre Bewerbung so emotional präsentiert, da kamen einem fast die Tränen“ DFB-Präsident Theo Zwanziger über die türkische Bewerbung für die EM 2016

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Von Markus Grabitz und Claudia Lepping, Berlin BERLIN. Die Wahlkampfmanager von SPD und Union hatten mit manchem gerechnet. Dass etwa die drei Landtagswahlen und die NRW-Kommunalwahl den Trend zu Schwarz-Gelb verfestigten. Darauf hatten sie im Konrad-Adenauer-Haus gehofft. Anders im Willy-Brandt-Haus: Vier Wochen vor der Wahl versprachen sich die Strategen dort endlich den Befreiungsschlag, nachdem die SPD bisher in schlechten Umfragen verharrte. Der Union zwei Ministerpräsidenten-Posten nehmen, das könnte die Stimmungswende werden. Doch es kam anders: Die vorsichtige Öff-

nung seiner Partei in den Ländern zur Linkspartei, die SPD-Kanzlerkandidat FrankWalter Steinmeier durch Interviews in der Vorwoche eingeleitet hatte, steht auf einmal mitten im Raum. Plötzlich geht es nicht mehr darum, um wie viel Prozentpunkte die SPD hinter der Union liegt. Auf einmal deutet sich in der gesamten politischen Stimmung Deutschlands immer mehr die Manifestierung zweier bislang nicht da gewesener Lager an: Hier Schwarz-Gelb, dort RotRot-Grün – obwohl Steinmeier stets beteuert, dass er auf Bundesebene nicht mit der Linkspartei koalieren will. Bereits am Sonntag hatte die Kanzlerin ihre Partei auf eine Niederlage vorbereitet. Angela Merkel erinnerte daran, dass die Union vor fünf Jahren so gute Ergebnisse eingefahren habe und dabei von der „Wut auf Rot-Grün in Berlin“ profitiert habe. Mit tollen Wahlergebnissen konnte die Union diesmal wirklich nicht rechnen. Aber dass sie gleich in zwei Ländern die absolute Mehrheit der Sitze verlieren würde, kann im Unionslager niemand schönreden. Und man kann es schon gar nicht mit regionalen Aspekten erklären. Für manchen im Umfeld der Kanzlerin muss es erschreckend sein, dass die eigenen Wähler selbst respektable Leistungen von Unionsregierungschefs nicht honorieren. Ganz abwegig ist die Frage ja nicht: Wenn das so in Thüringen und im Saarland ist, warum dann nicht in vier Wochen auch im Bund? Da trösten sie sich bei der Union immerhin ein wenig damit, dass die Ergebnisse in den Reihen der SPD nun auch nicht gerade dazu geeignet sind, Euphorie auszulösen. In den Startblöcken für die Aufholjagd sind die Genossen nicht. Darauf deuten auch nicht gerade die Zahlen bei den Kommunalwahlen in NRW: 31 Prozent im SPDStammland – nun ja –, der zweite Wind sieht anders aus.

Nach dem TV-Duell hofft er auf die Wende im Wahlkampf: SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier über Machtperspektiven, Mitleidsbonus und Mobilisierungskampagnen und welche Exportschlager künftig Arbeitsplätze in Deutschland schaffen. Von Claudia Lepping Berliner Redaktion

Herr Steinmeier, mit Ihrer kontrollierten Attacke gegen die Kanzlerin haben Sie laut Umfragen bei den bislang unentschlossenen Wählern gepunktet, insgesamt ging das Duell offenbar eher remis aus: Alles wie erwartet in dem Duell zwischen Chefin und Stellvertreter?

Ich weiß nicht, welche Umfragen Sie meinen. Die Umfragen, die ich kenne, besagen ganz überwiegend, dass ich vorne gelegen habe. Besonders freue ich mich, dass unentschlossene Wähler mich klar besser fanden. Das spornt ungeheuer an. Ich bin mit dem Verlauf des TV-Duells sehr zufrieden. Ob das Duell auch den Erwartungen von Frau Merkel entsprochen hat, kann nur sie selbst beantworten.

Es gibt in diesem Jahr viele Mobilisierungskampagnen, um die Menschen zur Wahl zu motivieren. Denn jetzt zählt’s – wie kommt Deutschland aus der Krise? Motiviert Sie das wiederum, nur das zu versprechen, was Sie tatsächlich auch halten können?

Es ist seit jeher meine feste Überzeugung: Politik sollte generell nur das versprechen, was sie auch halten kann. Deshalb habe ich meinen Deutschlandplan vorgelegt. Er beschreibt, wie nach der Krise neue Arbeitsplätze entstehen können. Wir müssen unser Land umstellen auf effizienteren Energieverbrauch. In Industrie und kleinen Betrieben, Auto und Bahn, öffentlichen Gebäuden und zu Hause. So schaffen wir neue Arbeit, schützen das Klima und sparen Energie und Geld. Unser Exportschlager müssen neue Produkte und Maschinen werden, die weniger Energie verbrauchen und aus neuen Materialien hergestellt sind statt aus kostbaren Rohstoffen. Zweitens: Wenn die Menschen älter werden, gibt es mehr Arbeit in Gesundheit und Pflege. Drittens: Wir brauchen eine Bildungsoffensive. Mehr Menschen gehen in Rente, als junge Leute aus der Schule nachrücken. Fachkräftemangel droht. Darum sagen wir: Wir brauchen jedes Talent, jede Begabung. Alle Kinder müssen optimal gefördert werden.

Leute

Sierau droht Verzicht Zwei Wochen nach der Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen drohen in Dortmund die Wiederholung des Urnengangs und ein Amtsverzicht des gewählten Oberbürgermeisters Ullrich Sierau (SPD). Nach CDU, FDP und Linken sprachen sich am Montag auch die Dortmunder Grünen, die derzeit mit der SPD über eine Fortsetzung der Koalition im Rathaus verhandeln, für eine Neuwahl aus. Hintergrund ist der Streit um das angeblich rund 100 Millionen Euro schwere Haushaltsloch, das nur einen Tag nach der Kommunalwahl bekanntgeworden war. Die CDU hatte der SPD und ihrem designierten OB Sierau Wahlbetrug vorgeworfen. Der am 30. August gewählte Rathauschef Sierau betont seit der Wahl, er habe von einer dramatischen Etatlage der Kommune nichts gewusst. (ddp)

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Ihr Deutschlandplan wurde wegen der Bundesdienstwagenministerin Ulla Schmidt vermutlich weniger stark diskutiert, als Sie es sich erhofften – halten Sie das Versprechen von vier Millionen neuen Jobs aufrecht, oder wäre es nicht ehrlicher, sie mit den Arbeitsplätzen zu verrechnen, die der Krise zum Opfer fallen?

Dehm klagt

Der Bundesrechnungshof hat zu Ulla Schmidt ein eindeutiges Urteil abgegeben. Es hat keine Unregelmäßigkeiten gegeben, der Bundesrepublik Deutschland ist kein Schaden entstanden. Das, was da stattfand, sollte von einer inhaltlichen Debatte ablenken. Ulla Schmidt hat zu allen Fragen Stellung genommen, eigene Fehler eingeräumt und bedauert. Wir sollten jetzt wirklich zu den wichtigen Dingen zurückkehren. Ich sage, dass wir mit einer langfristigen Politik und einer gezielten Initiative mehr Beschäftigung entstehen lassen können. Von 2005 bis 2008 sind in Deutschland 1,6 Millionen neue Jobs entstanden. Bis 2020 können wir weitere vier Millionen schaffen, wenn wir jetzt die Weichen richtig stellen. Aber Politik kann nur Anreize bieten, dass Unternehmen in Zukunftsbranchen investieren und so Arbeitsplätze schaffen. Die Märkte von morgen sind „grün“. Klimaschutz, Energie und Ressourcen sparen, da müssen wir investieren. So bleiben wir Exportweltmeister.

In der „Affenarsch“-Affäre will der niedersächsische Linkspartei-Landeschef

Diether Dehm jetzt die „Bild“-Zeitung

Foto: ddp

verklagen. Grund ist ein Bericht der Zeitung vom Montag, der Musiker und Bundestagsabgeordnete habe das Anfang August gegen ihn verhängte Bußgeld in Höhe von 300 Euro wegen mutmaßlicher Beleidigung eines Polizeibeamten noch nicht gezahlt. Das Geld sei längst an eine gemeinnützige Stiftung überwiesen worden, sagte Dehm in Hannover. (ddp)

Doch der Union hilft es nicht, dass die SPD nichts dazugewinnt. Viel e

Koalitionsvertrag in Sachsen ist so gut wie perfekt DRESDEN (dpa). Der ersten schwarz-gelben Regierung in Sachsen steht de facto nichts mehr im Weg. CDU und FDP haben sich grundsätzlich auf eine Koalition verständigt und am Wochenende alle strittigen Themen wie die Schulpolitik geklärt. Verhandlungskreise bestätigten am Montag einen entsprechenden Bericht des Radiosenders MDR Info. Am Mittwochnachmittag soll der Koalitionsvertrag vorgestellt werden. Bis dahin geht es noch um Strukturen und Personal. Am Montag waren die Verhandlungsdelegationen erneut zusammengekommen. Laut FDP-Chef Holger Zastrow wurden zu jedem Thema Kompromisse gefunden. Er sprach im MDR von „harten Auseinandersetzungen“, bei denen auch die FDP habe einstecken müssen. Mit einem Stimmenanteil von zehn Prozent habe man nicht 100 Prozent des Wahlprogramms umsetzen können. CDU und FDP hatten schon zu Beginn der Koalitionsverhandlungen vor rund zwei Wochen einen zügigen Abschluss angekündigt, um so ein schwarz-gelbes Signal für die Bundestagswahl nach Berlin zu senden. Die Union hatte sich bei der Landtagswahl am 30. August mit 40,2 Prozent der Stimmen als stärkste Kraft behauptet. Allerdings ist sie wieder auf einen Koalitionspartner angewiesen. 2004 waren das die Sozialdemokraten gewesen.

Panorama

Nummer 131 • Mittwoch, 10. Juni 2009

„Ich möchte meine Kinder glücklich sehen“

Von Andreas Bellinger

Frau Graf, was bedeutet Ihnen die Zahl 40? Unglaublich wenig.

Aber Sie feiern 40. Geburtstag. Welche Zwischenbilanz ziehen Sie?

Ich kann mit großer Freude auf die ersten 40 Jahre zurückblicken. Vor allem bin ich glücklich über meine Familie. Ich bin stolz auf meine beiden Kinder und auf meinen Mann. Und ich habe eine tolle Karriere hinter mir. Besser, als es gelaufen ist, kann man es sich eigentlich nicht wünschen.

Sie wirken immer sehr ausgeglichen. Bringt Sie überhaupt etwas auf die Palme?

Oh ja. Aber ich habe früh gelernt, meine Emotionen zu kontrollieren und zu beherrschen. Es hat mich auf dem Tennisplatz stärker gemacht. Natürlich gibt es Dinge, die mich aufregen und auf die Palme bringen. Ungerechtigkeit zum Beispiel, Böswilligkeit und die Machtlosigkeit, wenn man Ungerechtigkeit sieht.

Was macht Sie nervös?

Große öffentliche Auftritte waren noch nie meine Sache.

Denken Sie manchmal daran, was vor 30, 20 und 10 Jahren war?

Mit Kindern bleibt einem gar nicht so viel Zeit, an die Vergangenheit zu denken oder in der Vergangenheit lange zu verweilen. Ich lebe gerne in der Gegenwart und schaue nach vorne. Das schließt natürlich nicht aus, dass man immer wieder schöne Erinnerungen hat.

So wie im Mai bei der Reise in die Vergangenheit, als Sie bei der Eröffnung des neuen Centre-Courts in Wimbledon mit Ihrem Mann Andre Agassi Tennis spielten?

Ich habe das Gefühl, als wäre meine Tenniskarriere schon unheimlich lange her. Unser Tag in Wimbledon war daher schon wie eine kleine Reise in die Vergangenheit. Als ich mit meinem Mann dann auf den CentreCourt gegangen bin und die vertraute Kulisse um uns wahrgenommen habe, wurden viele Erinnerungen in mir wach. Und dann fängst du an zu spielen und kannst dir nicht vorstellen, dass dein letzter Auftritt hier schon zehn Jahre zurückliegt.

Welche Rolle spielt der Sport heute in Ihrem Leben, und wie sieht Ihr Sportprogramm aus?

Ein Leben ohne Sport ist für mich kaum vorstellbar. Ich trainiere mehrere Male die Woche und suche meine Freiräume, um mit dem Sport etwas für mich zu tun und meine Gedanken zu ordnen. So kann ich entspannen und wieder Energie auftanken.

Welchen Sport treiben Ihre Kinder: der siebenjährige Jaden Gil und die fünfjährige Jaz Elle? Unser Großer spielt besonders gerne Baseball. Die Saison geht über zweieinhalb Monate, und seine Mannschaft hat gerade ihr großes Play-off-Spiel gewonnen: 11:10. Und die Kleine macht Gymnastik, spielt ab und zu Tennis, sie probiert alles so ein bisschen aus.

Welche Ziele, Träume, Wünsche haben Sie?

Noch mehr sozialdemokratische Inhalte. Ich habe ein klares Konzept für neue Jobs, mit mir bleibt es beim Atomausstieg, ich stehe für soziale Sicherheit und Arbeitnehmerrechte. Im Übrigen gilt: Ich führe keinen Wahlkampf für eine Koalition. Die SPD will so stark wie möglich werden. SchwarzGelb dagegen hieße Steuerentlastungen für höchste Einkommen, eine höhere Mehrwertsteuer, die Einschränkung des Kündigungsschutzes. Mit Schwarz-Gelb gäbe es weniger Mindestlöhne. Schwarz-Gelb würde die Arbeitnehmerrechte schleifen.

An welchen Top-5-Themen entscheidet sich eigentlich, ob Sie mit einer Partei eine Koalition bilden wollen?

Wer bereit ist, mit uns eine zukunftsgerichtete, soziale Politik zu machen, kommt als Partner in Betracht. Ich mache Politik im Interesse der Menschen. Es ist doch die Frage: Wie geht es weiter nach der Krise? Wie können die Lasten der Krise gerecht verteilt werden? Es kann nicht sein, dass Normalverdiener und Arbeitnehmer die Zeche bezahlen. Es geht um Arbeit und Bildung für künftige Generationen, es geht darum, in den Zukunftsbranchen Weltmarktführer zu werden. Deutschland braucht eine soziale Politik. Das ist entscheidend für den inneren Frieden.

Die Grünen ziehen ihren eigenen Wahlkampf durch und haben „keinen Mitleidsbonus zu verschenken“. In welchen Punkten erwarten Sie von den Grünen/von der FDP in möglichen Ampel-Verhandlungen Entgegenkommen?

(Lacht) Lassen wir doch die Wähler selbst entscheiden, wem sie ihre Stimme geben. Mir geht es jetzt um die Wahlen vom 27. September und eine starke SPD. Jetzt ist nicht der Zeitpunkt für Verhandlungen und auch nicht für Forderungen und Erwartungen. Das macht man schon gar nicht in Interviews, da redet man miteinander, wenn es so weit ist.

Bleibt es dabei, dass „Opposition Mist ist“ und Sie in der Großen Koalition weitermachen, sofern das möglich ist?

Opposition ist Mist, und niemand strebt eine Große Koalition an. Ich will Kanzler werden und meine Politik umsetzten: besserer Kündigungsschutz, mehr Arbeitnehmerrechte, höhere Bildungsinvestitionen. Es darf auch keine Steuerentlastungen auf Pump geben. Die SPD steht für eine soziale Politik bei ökologischer und wirtschaftlicher Vernunft.

Welche Bedingungen müsste die Linkspartei

Die Linkspartei ist populistisch, nationalistisch und antieuropäisch. Sie ist nicht regierungsfähig. Mit der Linkspartei wird es in der nächsten Wahlperiode auf Bundesebene keine Zusammenarbeit geben. Und was meinen Sie mit Wiedervereinigung? Das ist doch ein ganz falscher Begriff. Die Linkspartei ist unser politischer Gegner, und jede Stimme für die Linkspartei ist eine verschenkte Stimme.

Wie wichtig ist für die Aussöhnung von SPD und Linken der politische Abgang von Oskar Lafontaine?

Sie sind auf dem falschen Dampfer. Die Linkspartei vertritt im Bund ganz unverantwortliche Positionen. Mit denen geht gar nichts. Und, eine herzliche Bitte habe ich, nehmen wir doch Oskar Lafontaine nicht so wichtig.

Wird Franz Müntefering noch ein paar Jahre Parteichef bleiben?

Es ist uns gelungen, in der SPD wieder Geschlossenheit herzustellen. Franz Müntefering ist ein guter Parteivorsitzender. Ich habe ihn vor einem Jahr vorgeschlagen. Es ist uns gelungen, der SPD wieder Geschlossenheit zu geben. Das ist ein großer Erfolg. Es würde mich freuen, wenn er nach dem Parteitag Mitte November in Dresden weitermacht.

Was ist die schönste, was die blödeste Erfahrung, die Sie in Ihrer Kanzlerkandidatur gemacht haben?

Wahlkampf ist tatsächlich etwas ganz Besonderes. Unsere Veranstaltungen im Wahlkampf sind voller als vor vier Jahren. Die Stimmung ist ausgezeichnet, der Zuspruch ist groß. Es ist für mich eine Ehre und es macht Freude, Kanzlerkandidat meiner SPD zu sein. Für eine Bilanz ist es noch zu früh, aber es ist schon toll, vielen Menschen zu begegnen, mit ihnen zu sprechen und von so vielen Menschen Unterstützung zu erfahren. Und: Wir sind ein starkes Land. Mit Unternehmen, die kreativ sind. Mit Menschen, die anpacken und was bewegen wollen. Da habe ich ermutigende Beispiele erlebt, wie wir die Krise überwinden.

Sie haben eine Abzugsperspektive für Afghanistan entwickelt: Müssen nicht auch wir uns darauf vorbereiten, die Truppen zunächst aufzustocken und effizienter vorzugehen, bevor sich die Bundeswehr ruhigen Gewissens aus der internationalen Mission zurückziehen kann?

Richtig ist: Sobald die neue afghanische Regierung steht, müssen wir uns mit ihr zusammensetzen und einen konkreten und verbindlichen Fahrplan vereinbaren, wie es weitergeht, wie wir das internationale Engagement gemeinsam so schnell wie möglich zum Erfolg führen. Dazu gehören insbesondere der Ausbau und die Ausbildung für die Sicherheitskräfte. In beiden Bereichen wollen wir, ja müssen wir noch mehr tun. Wenn die afghanische Armee und Polizei endlich wieder selbst für Sicherheit sorgen können, haben die internationalen Truppen ihren Auftrag erfüllt. Wir sind im Einsatz, um unsere Anwesenheit dort überflüssig zu machen.

Frank-Walter Steinmeier

Steinmeier 2002 als Kanzleramtsminister im Gespräch mit Bundeskanzler Gerhard Schröder

Worte der Woche „Angela Merkel war schon bei uns zu Hause essen, und sie weiß, dass auch ich sehr gut kochen kann.“ Guido Westerwelle, FDP-Chef, zur Äußerung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), sie übernehme in Koalitionen stets die Rolle des Kochs „Ich konzentriere mich mal auf die irdischen Ämter, und da ist es, glaube ich, das schönste, das ich haben kann.“

Merkel auf die Frage, wie sie ihr Amt beschreiben würde. SPD-Chef Franz Müntefering hatte sein Amt als „schönstes Amt neben dem Papst“ bezeichnet

„Die Krise ist noch nicht vorbei. Ich weiß auch nicht, wo bei unserer gegenwärtigen gewaltigen Verschuldung Platz sein soll für ein Versprechen bedeutender Steuererleichterungen.“ Richard von Weizsäcker, Alt-Bundespräsident „Wir haben versucht, vor massivem Betrug abzuschrecken. Wir waren nicht erfolgreich.“ Philippe Morillon, Chef der EU-Beobachter, zur Präsidentenwahl in Afghanistan, bei der laut Mission mehr als ein Viertel der Stimmen gefälscht waren

Unmut bei der CSU über den Kuschelwahlkampf der Kanzlerin? Von wegen. Der CSU-Vorsitzende ist mit Angela Merkel sehr zufrieden. Bayerns Ministerpräsident über eine mögliche Koalition mit der FDP, den Modellcharakter des Freistaats und warum er SPD-Finanzminister Peer Steinbrück gut findet. Von Claudia Lepping Berliner Redaktion

Herr Seehofer, lässt sich die CDU-Vorsitzende Angela Merkel einfach nicht zum Jagen tragen, dass sie doch noch zum Angriff bläst? Bekommen Sie mit Verlaub nicht einen Rappel bei so viel Harmlosigkeit im Wahlkampf?

(Lacht) Wir haben die Strategie, mit der wir den Wahlkampf führen, gemeinsam besprochen, und die ist richtig: Argumente statt persönlicher Angriffe. Das haben wir so besprochen, und das begrüßt auch die CSU ausdrücklich. Wir vertreten die gleichen Positionen.

Spätestens Merkels defensiver Auftritt beim TV-Duell muss Sie doch gewurmt haben – dass sie sich so eine Profilierungs- und Mobilisierungschance entgehen lässt?

Ich war mit unserer Kanzlerin sehr zufrieden. Die Moderatoren haben leider die Megathemen Bildung und Familie ausgeklammert und bei der Frage von Wachstum und Steuersenkungen nicht nachgehakt. Vielleicht sind ja auch manche Fernsehformate einfach nicht mehr zeitgemäß.

Auch abseits vom TV-Duell fürchten Unionspolitiker, dass Angela Merkels Nichtangriffspakt gegenüber der SPD dazu führt, dass potenzielle Unionswähler zur FDP abwandern und damit die Weichen für weitere vier Jahre Große Koalition stellen.

Ich erlebe die Kanzlerin auch bei uns in Bayern im Wahlkampf und sehe einen großen Zuspruch der Bevölkerung. Wir gehen da hin, wo die Menschen sind, und führen einen sehr engagierten und sehr sachlichen Wahlkampf. Dass das der FDP nutzen würde, bestätigt sich in den Meinungsumfragen nicht, sie verharrt seit Jahresbeginn auf den gleichen Werten.

„Vielleicht sind ja auch manche TV-Formate einfach nicht mehr zeitgemäß“ Sie sehen keine Parallele zum Bundestagswahlkampf 2005, als der Vorsprung für Schwarz-Gelb bis zum Wahlabend dramatisch schmolz?

Überhaupt nicht, nein. Wir haben eine sehr verfestigte politische Wählersituation mit leichtem Vorsprung für Schwarz-Gelb. Der Wahlkampf ist dennoch offen, es bleibt spannend bis zum Schluss. Die Wähler

Zur Person

Steffi Graf ¡ 1969 wird Stefanie Maria Graf am 14. Juni in Mannheim geboren, 1973 hat sie erstmals einen Tennischläger in der Hand, 1977 gewinnt sie ihre ersten Turniere. ¡ 1982 schafft sie es erstmals in die TennisWeltrangliste – auf Platz 214, 1983 startet sie erstmals bei den French Open. ¡ 1987 kommt der Durchbruch; Graf wird erstmals Weltranglistenerste; bis zu ihrem Karriereende im Jahr 1999 wird sie insgesamt 377 Wochen die Nummer eins sein. ¡ 2001 heiratet sie am 22. Oktober André Agassi, vier Tage später wird der Sohn Jaden Gil geboren. Tochter Jaz Elle kommt im Oktober 2003 zur Welt.

Wenn ich in die Zukunft schaue, denke ich in erster Linie an meine Kinder, wie sie aufwachsen und sich entwickeln. Hierum drehen sich meine Hoffnungen und Wünsche. Ich möchte sie glücklich sehen und ihnen zur Seite stehen.

Leitung des Büros von Ministerpräsident Gerhard Schröder und wird 1994 Leiter der Abteilung für Richtlinien der Politik, Ressortkoordinierung und -planung. ¡ Am 22. November 2005 wird Steinmeier Bundesaußenminister. ¡ Am 21. November 2007 übernimmt Steinmeier nach dem Rücktritt Franz Münteferings die Funktion des Vizekanzlers und wird SPD-Kanzlerkandidat. ¡ Steinmeier ist seit 1995 mit der Verwaltungsrichterin Elke Büdenbender verheiratet. Sie haben eine Tochter. Er gehört der evangelisch-reformierten Kirche an. (StN)

Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender am Sonntagabend vor dem TV-Duell

Rüttgers wird nicht bestraft wegen Rumänen-Schelte DUISBURG (AP). Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) muss wegen seiner abfälligen Äußerungen über rumänische Arbeiter keine juristischen Konsequenzen fürchten. Die erstatteten Strafanzeigen gäben keinen Anlass zur Einleitung eines Ermittlungsverfahrens, erklärte die Staatsanwaltschaft Duisburg am Freitag. In der politischen Auseinandersetzung seien derartige Äußerungen vom Grundrecht der freien Meinungsäußerung gedeckt. Rüttgers hatte mit Blick auf die Verlagerung der Nokia-Produktion von Bochum nach Rumänien auf einer Wahlkampfkundgebung in Duisburg gesagt: „Im Unterschied zu den Arbeitnehmern hier im Ruhrgebiet kommen die in Rumänien eben nicht morgens um sieben zur ersten Schicht und bleiben bis zum Schluss da. Sondern sie kommen und gehen, wann sie wollen, und wissen nicht, was sie tun.“ Später entschuldigte er sich.

¡ 1969 nach seinem Eintritt in die Junge Union tritt er 1971 auch in die CSU ein. ¡ Von 1980 bis 2008 ist Seehofer Mitglied des Deutschen Bundestages. Er ist stets als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Ingolstadt ins Parlament eingezogen. Bei der Bundestagswahl 2005 erreichte er hier 65,9 Prozent der Erststimmen. Dies war das zweitbeste Ergebnis bundesweit. ¡ Ab 1998 ist er stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion für die Bereiche Europa, Landwirtschaft und Umwelt.

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Der exzentrische Mo-

selbst „stinkdeutsch – aber im guten Sinne des Wortes“. Auch wenn er seit Jahren in Frankreich wohne, sei er deutsch geboren und wolle auch Lagerfeld dpa deutsch bleiben, sagte Lagerfeld in der ZDF-Talkshow „Johannes B. Kerner“, die an diesem Mittwoch ausgestrahlt wird. Mit deutschen Politikern aber hat der gebürtige Hamburger seine Schwierigkeiten. FDP-Chef Guido Westerwelle? „Kenn ich nicht, sieht auf dem Foto aber ganz o. k. aus.“ Auch mit moderner Technik will Lagerfeld nichts zu tun haben. „Ich hab’ mein Google hier im Kopf“, sagte er. Nur bei der Musik wird Lagerfeld schwach: „Ich besitze, so grob geschätzt, 150 MP3-Player.“ (dpa)

Bilder einer Karriere StN online Fotos aus der außergewöhnlichen Tenniskarriere von Steffi Graf unter: www.stuttgarter-nachrichten.de/bildergalerien

Steffi Graf bei einem Auftritt in der Talkshow „ Johannes B. Kerner“

Volksschauspieler Vogler ist tot

Foto: ddp

kapelle Regina Pacis in der Nähe des Luxushotels Suvretta sowie im Festsaal. Die weiblichen Gäste sollen RotTöne tragen, auch gemischt mit Weiß. Die Braut zieht sich nach der Trauung zweimal um, während Becker AP den Smoking anbehält. Becker Um 18 Uhr beginnt die Feier in der Bergkapelle, die der evangelische Pastor Brent Fisher auf Englisch vornimmt. Boris Beckers engste Angehörige sind Mutter Elvira und Schwester Sabine, Vater Karl-Heinz starb 1999 an Krebs. Die Braut wird laut „Bunte“ von ihrer 80-jährigen Großmutter Esseline Kerssenberg-Bradley zum Altar geführt. Ihre aus Suriname stammende Mutter starb 1979 bei einem Autounfall. Für die Musik sorgt ein Gospelchor. „Es soll geklatscht und gelacht werden“, berichtete der Sender RTL, der die

TV-Rechte an der Hochzeit hat. Lilly Kerssenberg sagte: „Ich glaube, ich werde weinen, wenn ich in die Kirche gehe.“ Und Boris werde es wohl auch so gehen. Beckers Exfrau Barbara ist eingeladen, will aber „eher nicht“ hingeKerssenberg AP hen, wie sie RTL sagte. Boris Becker findet das richtig: „Wir tun uns beide keinen Gefallen.“ Für die beiden Söhne – den 15-jährigen Noah und den 9-jährigen Elias – wäre es „eine unglückliche, komische Situation“. Das Paar erwartet eine Reihe prominenter Gäste: Thomas Gottschalk mit Frau Thea, Franz und Heidi Beckenbauer, Oliver Kahn mit Ehefrau Simone, Mariella Ahrens und Ehemann Patrick Graf von Faber-Castell, Lillys Freundin Estefania Küster (Ex von Dieter Bohlen), die Klitschko-Brüder und Franziska van Almsick mit Ehemann

REMSCHEID (dpa). Der Schauspieler KarlMichael Vogler ist tot. Der aus zahlreichen Film- und Fernsehrollen sowie Theaterengagements bekannte Darsteller sei am Dienstagvormittag zu Hause in Seehausen (Bayern) im Alter von 80 Jahren völlig überraschend gestorben, teilte das Teo-Otto-Theater in Remscheid mit, wo er am Donnerstag hätte auftreten sollen. Noch am Vormittag habe die Intendantin mit Vogler am Telefon Details des Auftritts besprochen. Über die Todesursache wurde zunächst nichts bekannt. Im Kino war Vogdpa ler unter anderem zu Vogler (†) sehen in „Die Bekenntnisse eines möblierten Herrn“ und „Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten“ mit Gert Froebe. 1962 erhielt er den Preis der deutschen Filmkritik. Vogler wurde am 28. August 1928 in Remscheid geboren. Von 1958 bis 1964 war er bei den Münchner Kammerspielen engagiert, wo er die großen Rollen spielte. „Schauspielerisch wurde ich klassisch erzogen“, hatte Vogler zu seinem 80. Geburtstag im vergangenen Jahr rückblickend gesagt.

Jürgen Harder. Über Popstar Alicia Keys streiten sich die beiden noch; die Braut will die Teilnahme der schönen Sängerin auf einen Auftritt beschränken. Kein Wunder, bescheinigen sich doch Boris und Lilly, eifersüchtig zu sein. So führte die turbulente Beziehung zu mehreren Trennungen – zuletzt im Oktober 2007. Im Sommer darauf bandelte Becker mit der 24-jährigen Sandy Meyer-Wölden an, löste aber die Verlobung schon nach drei Monaten und meldete sich reumütig bei Lilly zurück. Jetzt, kurz vor der Hochzeit, zeigen sich beide sicher, dass sie als Ehepaar gemeinsam alt werden. „Wir haben genug herumgespielt“, meinte Becker. Und Lilly ergänzte, sie hätten gute und schlechte Zeiten gehabt, aber sie passten zueinander: „We just fit.“ Becker will mit seiner künftigen Ehefrau weitere Kinder, „am liebsten zwei“. Er sagte: „Wir werden natürlich einen Ehevertrag machen, das ist gar keine Diskussion.“ ¡ Sonntag, RTL, 19.05 Uhr

Wirtschaft

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Viele Anleger verfolgen mit Entsetzen die Diskussion um den Euro. „Wir haben immer geschafft und gespart, und jetzt bekommen wir Angst“, heißt es immer wieder bei unserer Telefonaktion. Der Rat der Experten vom Bundesverband deutscher Banken ist gefragt wie nie. Von Sabine Marquard

Wird der Euro entwertet?

Nein, die Kaufkraft des Euro ist stabil – bisher sogar stabiler, als es die D-Mark im Schnitt gewesen ist. Eine große Inflation ist auf absehbare Zeit unwahrscheinlich. Den Kursverlust zum Dollar sollte man nicht überbewerten. Bei Einführung der EuroWährung war der Wechselkurs zum US-Dollar deutlich niedriger als heute. Das heißt: Für einen Euro erhielt man weniger Dollar als aktuell.

Sind meine Geldanlagen in der Euro-Währung noch sicher, oder sollte ich lieber mein Geld in Schweizer Franken oder US-Dollar tauschen und anlegen? Es gibt keinen Grund, sein Geld einseitig in andere Währungen zu verlagern. Der Euro ist eine stabile Währung. Wir haben in Deutschland so gut wie keine Inflation. Im Übrigen haben auch die Amerikaner mit hohen Staatsschulden zu kämpfen. Zur Streuung des Vermögens kann sinnvoll sein, einen Teil des Vermögens in andere Währungen zu investieren. Aber es ist nicht ratsam, einseitig alles in Fremdwährungen zu verlagern.

Wir haben Bundesschatzbriefe, sind die noch sicher?

Bundesschatzbriefe gehören zu den sichersten Anlagen überhaupt, denn Deutschland gilt international als einer der sichersten Schuldner. Sie müssen sich um ihre in Bundesschatzbriefen angelegten Ersparnisse keine Sorgen machen.

Warum sollen Spekulationen den Euro gefährden?

In der Tat wird hier oft übertrieben. Zur Spekulation gehören immer zwei: Einer gewinnt, einer verliert. Nicht die bösen EuroSpekulanten sind das Problem. Wir haben eigentlich keine Krise des Euro, sondern eine Krise der Staatsfinanzen. Die Staatsverschuldung ist übermäßig und muss wieder in den Griff bekommen werden – das ist der Kern der aktuellen Krise.

Die Staatsschulden steigen und steigen, auch in Deutschland. Gibt es bald eine Währungsreform wie 1948? Nein. Erstens haben wir keine Inflation im Euro-Raum. Zweitens ist der Euro nach wie vor eine der stabilsten Währungen weltweit und nach dem US-Dollar die wichtigste Reservewährung. Drittens war die Staatsverschuldung in Deutschland 1948, gemessen am Sozialprodukt, mehr als zehnmal so hoch wie heute.

Die Zinsen für Tagesgeld sind immer niedriger geworden. Soll ich langfristig anlegen, um höhere Zinsen zu bekommen?

Die Zinsen sind auf einem historischen Tiefpunkt. Da sollte man sein Geld besser nicht langfristig zu festen Zinsen anlegen. Kurze und mittelfristige Laufzeiten sind ratsamer.

Info

Offene Immobilienfonds

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¡ Offene Immobilienfonds gehören zu den beliebtesten Geldanlagen in Deutschland und gelten gemeinhin als grundsolide. Viele Kleinanleger, die in diesem Bereich ihr Geld angelegt haben, brauchen derzeit aber gute Nerven. Anleger von neun Offenen Immobilienfonds kommen zurzeit nicht an ihr Geld, weil die Fondsgesellschaften bis auf weiteres den Rückkauf von Anteilen aussetzen. Hintergrund: mangelnde Liquidität. Das Bundesfinanzministerium will deshalb den Anlegerschutz bei Offenen Immobilienfonds verbessern. ¡ Offene Fonds investieren in sehr viele – teilweise über 100 – Objekte. Die Anteile sind nicht begrenzt und können von jedermann in jeder beliebigen Menge gezeichnet und in der Regel bei Bedarf an das Fondsmanagement zurückgegeben werden. Die Anteilsscheine werden an Börsen gehandelt. Wollen allerdings sehr viele Anleger gleichzeitig ihre Anteile abstoßen, würden die Barreserven des Fonds nicht ausreichen. Dann kann die Rücknahme – je nach Vertragsbedingungen – für bis zu zwei Jahre ausgesetzt werden. ¡ Offene Fonds gibt es in Deutschland seit 1959. Jahrzehntelang waren sie eine relativ problemlose Anlage. Sie warfen eine recht sichere – wenn auch nicht überragend hohe – Rendite ab. (sam)

Nummer 113  Mittwoch, 19. Mai 2010

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¿11 · Wirtschaft

Anleger verlieren das Vertrauen in den Euro

Der chinesische Automarkt birgt auch Risiken Vom Absatzboom auf dem chinesischen Automarkt wollen auch die deutschen Hersteller profitieren. Der Gang nach Asien ist richtig, meinen Experten, sollte aber gut durchdacht sein.

¿16 · Kultur Otfried Preußler fragt, welche Bücher Kinder brauchen

Experten vom Bundesverband deutscher Banken beruhigen Leser: Die Kaufkraft der Gemeinschaftswährung ist stabil

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Über Steuersenkungen. Deshalb stehen ganz oben an: Arbeitsplätze, Arbeitsplätze, Arbeitsplätze. Und die Instrumente dazu sind tatsächlich Steuersenkungen, die Bildung, die Förderung von Elektroautos, Forschung, neue grüne Technologie und eine hohe Investitionsquote der öffentlichen Hand. Auf Druck Bayerns wurde die Schuldenbremse ins Grundgesetz aufgenommen. Bayern ist das wirtschafts- und finanzstärkste Land, das bis 2019 eine halbe Milliarde in den Tilgungsfonds zahlt, damit auch die schwächeren Länder einen ausgeglichenen Haushalt erreichen. Und das trotz der Krise.

„Ich werde keinen Koalitionsvertrag unterschreiben, der die Mehrwertsteuer anhebt“ In Ihrem 100-Tage-Programm ist laut Vorabmeldungen von Steuersenkungen, ermäßigten Steuersätzen für weitere Branchen, Baukindergeld und einem höheren Schonvermögen von Hartz-IV-Empfängern die Rede. Geht das alles, ohne die Mehrwertsteuer zu erhöhen?

Unsere Experten arbeiten an dem Papier, und ich werde es nach der Eröffnung des Oktoberfestes in Ruhe lesen und mit dem CSUPräsidium erörtern. Danach gehen wir an die Öffentlichkeit. Eines steht aber felsenfest: Steuererhöhungen wird es nicht geben.

Grundsätzlich: Können wir die Ausgaben für Konjunkturprogramme, Arbeitsmarktsicherung und Rettungsschirme ohne Mehrwertsteuererhöhung schultern?

Wir sind zwei unabhängige Parteien und arbeiten prächtig zusammen. Eine prächtige Zusammenarbeit heißt ja nicht, dass wir jeden Schritt synchron machen. Wenn es Streit gäbe, wäre ich der Letzte, der dazu schweigen würde.

Mit wem möchten Sie eigentlich koalieren? Mit der SPD wollen Sie nicht mehr, mit der FDP streiten Sie sich in Bayern wie

Ja. Ich werde keinen Koalitionsvertrag unterschreiben, der diese Steuer anhebt.

Ist eine Vermögensteuer nötig?

Die haben wir in Deutschland abgeschafft.

Woher sollen dann die Einnahmen kommen?

Wir sparen: bei der Bürokratie, mit globalen Minderausgaben. Bayern hat im Moment im laufenden Haushalt – die Maßnahmen zur Stützung der Landesbank also ausgenommen – keinen Euro Neuverschuldung.

Wie fällt Ihr Urteil über Bundesfinanzminister Peer Steinbrück aus?

Ich habe dieser Bundesregierung drei Jahre angehört und werde ihre Arbeit nicht schlechtreden. Vor allem das Krisenmanagement des letzten Jahres hat sich als sehr wirksam erwiesen. Davon werde ich mich nicht künstlich distanzieren, bloß weil Wahlkampf ist. Wir haben den Konjunktur- und Rettungspaketen im Bundesrat zugestimmt – die FDP übrigens auch.

¡ Von 1992 bis 1998 ist er Bundesminister für Gesundheit und von 2005 bis 2008 Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. ¡ Seit Oktober 2008 ist er Ministerpräsident des Freistaates Bayern und Vorsitzender der CSU. ¡ Am 12. Juni 2008 wurde Seehofer anlässlich seines Besuches auf der Agro 2008 in der ukrainischen Hauptstadt Kiew die Ehrendoktorwürde der Nationalen Agraruniversität der Ukraine verliehen. ¡ Horst Seehofer ist zum zweiten Mal verheiratet und hat aus dieser Ehe mit Karin Seehofer drei Kinder sowie eine weitere, uneheliche Tochter. (StN)

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Lagerfeld mag es deutsch

Es war eine tolle Zeit. Und es ist schön, in einem Sport groß geworden zu sein, dem man geholfen hat, ein bisschen bekannter zu werden. Es war ein gutes Gefühl, in einem Sport aktiv zu sein und zu erfahren, wie vielen Leuten es Spaß gemacht hat zuzuschauen.

Und über Steuern?

Ein gemeinsamer Auftritt – die wirtschaftspolitische Antwort der Union auf den Deutschlandplan des SPD-Kanzlerkandidaten Steinmeier – wäre eindeutiger gewesen.

¡ Von 1989 bis 1992 ist er Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung.

¡ 1965 nach der mittleren Reife absolviert er eine Ausbildung in der Kommunalverwaltung. 1970 steigt er in den gehobenen Dienst als Diplom-Verwaltungswirt (FH) auf.

deschöpfer Karl Lagerfeld (75) findet sich

Vor 22 Jahren haben Sie Ihren ersten GrandSlam-Sieg bei den French Open gefeiert. Ihre Erfolge haben den Tennis-Boom in Deutschland mit ausgelöst.

Alle unsere politischen Ziele – der Schuldenabbau, sichere Renten, eine gute Gesundheitsversorgung und eine hochklassige Bildung – sind nur über eine florierende Wirtschaft und Wachstum zu erreichen.

Ich wundere mich über solche Spekulationen. Wir haben mit der Kanzlerin abgesprochen, unsere Vorstellungen zum jetzigen Zeitpunkt vorzulegen. Daraus wird ein Streit konstruiert, den es nicht gibt.

¡ 1949 geboren am 4. Juli als Sohn eines Lkw-Fahrers und Bauarbeiters in Ingolstadt.

die Ex-Freundin von

Man kann nur mit großem Staunen und mit Bewunderung reagieren, wenn man Rafael Nadal beim Tennisspielen zuschaut. Er ist ein unglaublicher Athlet mit so viel Disziplin, so konzentriert und mit so viel Leidenschaft bei der Sache. Es fehlen mir die Worte, sein Spiel treffend zu beschreiben.

Mit welchen Maßnahmen wollen Sie zum Beispiel die Rekordverschuldung der Bundesrepublik eindämmen?

„Karl-Theodor zu Guttenberg ist eine exzellente Persönlichkeit“

Noch-Ehemann von

Welcher Sportler begeistert Sie am meisten?

Oder müssen Sie Ihr Wirtschafts- und Wachstumsprogramm jetzt von Schwarz-Rot-Gold auf Weiß-Blau umfärben, nachdem sich Angela Merkel noch auf der Zugfahrt im Rheingold-Express nicht von Ihrem Generalsekretär für den gemeinsamen großen Wurf begeistern ließ?

die Kesselflicker, und nun ärgern Sie auch noch die CDU?

Wir wollen mit der FDP regieren. Allerdings kämpfe ich, seit ich in der Politik bin, für das Soziale – konkret: dass zum Beispiel der Kündigungsschutz nicht aufgeweicht wird, wie die FDP das will. Trotzdem wollen wir zusammenarbeiten, weil SchwarzGelb bei den Themen Arbeitsplätze, Wachstum, Steuersenkungen am meisten erreichen kann.

Die Liberalen aber nur unter erheblichem Protest.

Schauspielerin Veronica Ferres (44), und

Welche Hoffnung verbinden Sie mit dem US-Präsident Barack Obama?

Nein, wir fassen das, was in der Bundespolitik für mehr Wachstum zu tun ist, aus bayrischer Sicht zusammen. Aber da ist kein Punkt dabei, der von der Programmatik abweicht, die CDU und CSU beschlossen haben. Es geht nicht um Abgrenzung oder Abweichung.

Mit Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg am 29. Juni in Berlin dpa

Martin Krug (51),

Er hat die Gabe, Menschen zusammenzubringen. Das hat man ja auch in seinem Wahlkampf gesehen. Das ist, was wir alle hoffen und brauchen. Er steht für Stabilität und einen Weg der Kommunikation. Aber er steht vor so vielen Herausforderungen in einer Welt, die große Schwierigkeiten hat.

Der 100-Tage-Plan ist also ein Bayern-Programm?

Horst Seehofer im Mai 2007 mit seiner Frau Karin in Mainz dpa

Paar. Das haben der Marketing-Spezialist ddp und die Radio-Mode- Kerth ratorin der „Bunten“ bestätigt. „Martin ist unglaublich pfiffig drauf, könnte glatt für 30 durchgehen. Ich fühle mich wohl bei ihm, geborgen“, sagte Kerth über ihren 24 Jahre älteren Freund. Krug betonte: „Verena ist eine spannende Frau, lebensbejahend, lustig und intelligent.“ Krug und Ferres hatten im vergangenen November ihre Trennung nach rund acht gemeinsamen Jahren bekanntgegeben. (ddp)

Welches Geschenk macht Sie glücklich?

Die Tatsache, dass wir kurz vor der Wahl noch einmal kompakt die Instrumente aufzählen, die zu mehr Wachstum und Arbeitsplätzen führen sollen, ist kein Streitpunkt mit der CDU. Ich habe das mit der Kanzlerin mehrfach erörtert. Da gibt es keinen Dissens. Wir formulieren darin auch spezifisch bayrische Anliegen, um sie für unsere Bevölkerung ins Bewusstsein zu rufen.

„Die Bundeswehr ist nicht die Ursache von Anschlägen, sondern das Opfer.“ Wolfgang Schäuble, Bundesinnenminister, zur Debatte um den Nato-Luftschlag von Kundus in Nordafghanistan

Fußballstar Oliver Kahn (39), Verena Kerth (27), sind ein

Wenn es meiner Familie gutgeht, bin ich glücklich. Auf Geschenke kommt es mir nicht an. Für mich ist es wichtiger, mit allen zusammen sein zu können.

„Ich wünsche mir Schwarz-Gelb, und so wird es auch kommen“ Warum tut sich die CDU so schwer, mit der CSU ein gemeinsames 100-Tage-Sofortprogramm für Wirtschaft und Wachstum aufzulegen? Sie segeln da unter eigener Flagge – Merkel macht nicht mit.

Horst Seehofer

Kerth liebt Krug

Bei uns in der Familie werden Geburtstage nicht so großgeschrieben und haben weniger Bedeutung. Ich bin vor einer Woche mit einer kleinen Geburtstagsfeier vorab überrascht worden. Da kamen die Familie und einige Freunde zusammen, weil wir in den nächsten Wochen einen rappelvollen Terminkalender haben.

Überhaupt nicht. Ich wünsche mir Schwarz-Gelb, und so wird es auch kommen. Große Koalitionen sind vorübergehend hinnehmbar, aber auf Dauer schädlich fürs Land und für die beteiligten Parteien. Gewinner sind immer die kleinen Parteien. Das kann nicht im Sinne einer großen Volkspartei wie der Union sein.

Zur Person

Leute

Wie feiern Sie Ihren Geburtstag?

behalten sich die Entscheidung bis zum letzten Augenblick vor.

Sie rechnen demnach mit der Fortsetzung der Großen Koalition?

„Es wird ein Makel bleiben, dass er die Euroskeptiker für seine Wiederwahl gebraucht hat.“ Jo Leinen, SPD-Europaparlamentarier, über die Wiederwahl von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso

Zur Person ¡ 1956 wird Steinmeier als Sohn eines Tischlers und einer Fabrikarbeiterin geboren. Er wächst in Brakelsiek auf. ¡ Ab 1976 studiert er Rechtswissenschaft und ab 1980 Politikwissenschaft an der JustusLiebig-Universität in Gießen. 1986 besteht er das zweite juristische Staatsexamen. Anschließend ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Politikwissenschaft an der Uni Gießen tätig. 1991 Promotion als Jurist. ¡ 1991 tritt er als Referent für Medienrecht und Medienpolitik in die niedersächsische Staatskanzlei ein. 1993 übernimmt er die

ERFURT. Der Linke Bodo Ramelow setzt alles auf eine Karte. Für die erste rot-rotgrüne Landesregierung in Deutschland will der Spitzenmann der Thüringer Linken einen hohen Preis zahlen und die politischen Spielregeln auf den Kopf stellen. Statt den Chefsessel in der Erfurter Staatskanzlei anzustreben, der ihm in dem Dreierbündnis mit der stärksten Fraktion im Rücken zusteht, möchte sich der 53-Jährige mit dem „Schlüsselressort Wirtschaft und Energie“ begnügen. Sein Verzichtsangebot auf den Chefposten sorgt für viel Wirbel in den Parteizentralen in Erfurt und Berlin. Aus den eigenen Reihen gibt es heftige Kritik wegen des Alleingangs. „Wenn Bodo Ramelow AP Ramelow es nicht mehr macht – das will ich ja gar nicht glauben –, dann wird es einen anderen geben“, sagt der Fraktionschef der Linken im Bundestag, Gregor Gysi, zu der Nachricht. Doch Ramelow hat eine Mission: „Ich will ein Fenster öffnen für eine neue politische Kultur in diesem Land.“ Linke, SPD und Grüne sollen „gemeinsam und gleichberechtigt“ entscheiden, wer Ministerpräsident wird. Warum nicht eine Frau als Ministerpräsidentin wählen, die das eigenwillige Dreierkonstrukt moderiert. Am Freitagabend beschloss der Parteirat der Thüringer Grünen mit großer Mehrheit, Sondierungsgespräche über eine mögliche Koalition mit SPD und Linke aufzunehmen. Selbst Kritiker wie der Fraktionsvize Frank Augsten, der der Sondierungsgruppe angehört, waren dafür.

LONDON (ddp). Popstar Madonna darf nun angeblich doch das dreijährige Mädchen Mercy aus dem afrikanischen Staat Malawi adoptieren. Die britische Zeitung „Sun“ berichtet, die zuständigen Richter des Obersten Gerichtshofs wollten dem Antrag der US-Sängerin zustimmen. Eine nicht näher genannte Quelle aus dem Umfeld des Gerichts sagte: „Sämtliche Empfehlungen sprechen sich für eine Adoption aus. Mercy sollte anfangen, ihre Sachen zu packen.“ Die Entscheidung soll dem Bericht zufolge am Sonntag bekanntgegeben werden. Die Popdiva sei bereits von ihrem Anwalt informiert worden. „Sie ist außer sich vor Freude“, sagte ein enger Freund der Sängerin. Madonna habe sich geschworen, dass sie Mercy nicht aufgeben werde. „Sie könnte Berge versetzen, wenn sie so entschlossen ist“, wurde der Vertraute zitiert. Anfang April hatte ein Gericht Madonnas Antrag auf Adoption der Dreijährigen in erster Instanz mit der Begründung abgelehnt, dass die US-Amerikanerin zuvor nicht wie vorgeschrieben mindestens 18 Monate in Malawi gelebt habe. Madonnas Anwälte nannten dieses Gesetz überholt. Zu diesem Schluss kamen laut „Sun“ nun auch die Berufungsrichter.

Am Freitag heiraten Ex-Tennisstar Boris Becker und Lilly Kerssenberg – Fest mit 200 Gästen im schweizerischen St. Moritz ST. MORITZ. Es wird die Promihochzeit des Jahres. Das von der New Yorker Designerin Carolina Herrera entworfene Brautkleid ist zwar noch ein Geheimnis, ansonsten haben Boris Becker (41) und Sharlely Kerssenberg (32) aber schon viel über das große Ereignis am Freitag im schweizerischen St. Moritz bekanntgegeben. Die Braut führt Regie. 200 Gäste sind eingeladen, der Prominenteste könnte Fürst Albert von Monaco mit Charlene Wittstock sein, wenn er denn zusagt. Kerssenberg, die nach der Hochzeit Becker heißen soll, will an einem Freitag heiraten, „weil ich an einem Freitag geboren bin“. Das verriet sie in der RTL-Sendung „Vorteil Becker – Boris’ Traumhochzeit in St. Moritz“ am Sonntagabend. Und der 12. Juni soll es sein, weil die Zwölf ihre Lieblingszahl sei. Lilly hat sich für eine Hochzeitsfeier in Weiß und Rot entschieden. Ein italienischer Designer arrangiert rote Rosen in der Berg-

Was würde eine rot-grüne oder SPD-geführte Große oder Ampelkoalition anders machen als die jetzige Regierung?

CSU-Chef Horst Seehofer will kämpfen bis zum Schluss – vor allem für bayrische Anliegen

Von Simone Rothe

erfüllen, damit es irgendwann wieder zur Wiedervereinigung kommt? Denn erst dann kann ja die SPD von einer möglicherweise „linken“ Strömung in der Gesellschaft wieder „mächtig“ profitieren.

„Sun“: Berufungsgericht will dem Antrag des US-Popstars zustimmen

Nur das Brautkleid ist noch ein Geheimnis Von Inge Treichel

Hopp oder topp? Frank-Walter Steinmeier träumt von der Aufholjagd dpa

Gerade wir Sozialdemokraten haben in der Großen Koalition für eine soziale Politik gesorgt. Ohne uns sähe es in Deutschland nach Einbruch der Wirtschaftskrise bereits heute ganz anders aus. Diese Erfolge, ich erinnere an verlängertes Kurzarbeitergeld, Umweltprämie und kommunales Investitionsprogramm, die ja im Wesentlichen auf Drängen der SPD zustande kamen, verstecke ich ja auch nicht. Anderes ging mit der Union nicht – etwa ein gesetzlicher Mindestlohn oder ein modernes Umweltgesetzbuch. Und dann hat Herr zu Guttenberg mit seinem Geheimpapier versehentlich Einblick in den schwarz-gelben Giftschrank gegeben: weniger Arbeitnehmerrechte, höhere Mehrwertsteuer für alle, Steuersenkungen für Unternehmer. Schwarz-Gelb bedeutet eine Politik gegen die Interessen von Arbeitnehmern und ihren Familien. Wer nach der Krise eine Politik will, die sozial gerecht ist und die Finanzmärkte wirklich reguliert, der muss SPD wählen.

Ich will Kanzler werden und die komplette nächste Legislaturperiode regieren. Denn das Land braucht für seinen inneren Zusammenhalt eine soziale Politik mit Augenmaß. Gerade zeigt sich, dass Wahlkampf sich lohnt, denn im Wahlkampf kann man Menschen überzeugen und noch immer sind ganz viele unentschlossen. Die vor allem will ich überzeugen und gewinnen. Ich bin sicher, am 27. September haben wir eine starke SPD.

Zeitgeschehen

„Eines aber steht felsenfest: Höhere Steuern gibt es nicht“

Unterm Strich haben sie zugestimmt. Es ist absurd, der Großen Koalition zu unterstellen, sie hätte kein gutes Krisenmanagement hingelegt. Trotzdem können wir Steuerentlastungen, Wirtschaftswachstum und solide Finanzpolitik mit der FDP noch ein ganzes Stück besser durchsetzen.

Wird es bei Mindestlöhnen bleiben, auch wenn die FDP sie ablehnt?

Die Lösung, die wir jetzt haben, halte ich für sehr, sehr gut. Die wird nicht zurückgedreht. Es muss Sache der Tarifparteien bleiben, auf welche Höhe sie sich einigen. Zudem wird jetzt eine Kommission der Regierung Vorschläge unterbreiten für Branchen, in denen es keine Tarifverträge gibt.

Auf welchem Posten, mit welchem Ressortzuschnitt sehen Sie Ihren Parteifreund und heutigen Bundeswirtschaftsminister zu Guttenberg nach der Wahl?

Als Bundesminister. Wer das sicherstellen will, kann das tun, indem er mit beiden Stimmen CSU oder CDU wählt. Ressortzuschnitt ist die Entscheidung der Kanzlerin. Wichtig ist, wer an der Spitze des Ministeriums steht, und nicht der Zuschnitt. Und Karl-Theodor zu Guttenberg ist eine exzellente Persönlichkeit.

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Darf Madonna doch in Malawi adoptieren?

Steffi Graf wird 40 – Im Interview erzählt sie vom Alltag fern des Ruhms und warum ihr bei Rafael Nadal die Worte fehlen Steffi Graf hat vor zehn Jahren ihre Tenniskarriere beendet. Obwohl die 22-malige Grand-Slam-Siegerin mit ihrem Mann und den beiden Kindern in Las Vegas lebt, wurde sie 2008 zur beliebtesten Deutschen gewählt. Am Sonntag feiert sie ihren 40. Geburtstag.

Bestehen mit der Union wegen des aktuellen gemeinsamen Managements der Wirtschafts- und Finanzmarktkrise nicht geradezu zwangsläufig die größten Übereinstimmungen in den drängendsten Aufgaben der nächsten Jahre? Was sind hier die größten Unterschiede, weshalb Sie rauswollen aus dem Bündnis?

Und wenn eine Neuauflage der Großen Koalition nur zwei Jahre hielte, um nach dem Ende der Krise die Karten neu zu mischen?

Lee e D ohung

Unsere Fondsgesellschaft hat die Rücknahme von Anteilen Offener Immobilienfonds ausgesetzt. Müssen wir um unser Geld bangen? Die Aussetzung der Rücknahme dient dem Schutz des Anlegers. Sie ist notwendig, wenn zu viele Anleger gleichzeitig ihre Anteile verkaufen wollen. In diesem Fall hat kein Fonds genügend Liquidität, denn das Geld ist überwiegend in Immobilien investiert. Ein gut geführter Offener Immobilienfonds ist eine interessante sachwertorientierte Anlagemöglichkeit. Warten Sie ab, die Aussetzung der Rücknahme ist vorübergehend.

Foto: Verleih

Jetzt geht der Wahlkampf so richtig los. Das Rennen um die Bundestagswahl ist nach den drei Landtagswahlen und den Kommunalwahlen in NRW zwar weiter offen. Dennoch deutet sich vorsichtig auch im Bund die Bildung eines neuen Lagers an.

Linke-Chef verzichtet auf Amt des Ministerpräsidenten in Thüringen

Geht da noch was? SPD-Herausforderer Frank-Walter Steinmeier jedenfalls glaubt an den Wahlsieg

STUTTGART (AP). TV-Entertainer Hape Kerkeling will mit einer einstweiligen Verfügung die Ausstrahlung eines Wahlwerbespots der rechtsgerichteten Republikaner verhindern. „In ihrem Spot nimmt die Partei Bezug auf Kerkelings Filmfigur Horst Schlämmer, dagegen gehen wir nun juristisch vor“, sagte Kerkelings Anwalt Harro von Have am Montag. Eine Entscheidung über die bereits beantragte einstweilige Verfügung werde noch im Laufe der Woche erwartet. Die Republikaner seien am Freitag bereits abgemahnt worden, doch eine Reaktion ihrerseits habe es nicht gegeben. Mit der einstweiligen Verfügung gehe man nun einen Schritt weiter, erklärte der Jurist. In dem knapp zweiminütigen Wahlwerbespot der Republikaner erklärt die rechte Kandidatin Uschi Winkelsett: „Nein, mein Name ist nicht Schlämmer. Und ich kandidiere auch nicht für eine Spaßpartei. Politik ist nicht lustig. Aber seine 18 Prozent würden auch uns gut stehen . . .“ Am Schluss des Films, der laut „Bild“ bereits dreimal im Fernsehen gelaufen ist, heißt es zudem: „Wählen Sie die Republikaner. Frei nach Horst Schlämmer: Schlechter als die anderen sind wir auch nicht.“ Die Republikaner erklärten am Montag, an ihrem Wahlspot festhalten zu wollen. „Es muss in der von Kerkeling selbst ausgelösten Debatte möglich sein, auch einmal deutlich zu machen, dass Politik eine ernste Angelegenheit ist und nicht bloß Rohmaterial für Jux und Ulk“, so ihr Stuttgarter Bundesvorsitzender Rolf Schlierer. Der Klamauk-Film „Horst Schlämmer – Isch kandidiere!“ läuft seit Ende August bundesweit in den Kinos.

Nummer 217 • Samstag, 19. September 2009

Ramelow wagt für Rot-Rot-Grün den Tabubruch

„Ich will Kanzler werden und meine Politik umsetzen“

Kerkeling will Ausstrahlung von Wahlspot verhindern

Ro Ro G ün – n ch d e g oße L ebe

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Zeitgeschehen

Nummer 213 • Dienstag, 15. September 2009

Republikaner werben mit Horst Schlämmer

Fotos: dpa

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Hartz IV oder heile Welt? Der Arbeitskreis für Jugendliteratur wünscht sich mehr Realitätsnähe von Kinderbüchern. Otfried Preußler, Erfinder des „Hotzenplotz“, plädiert für einen anderen Weg.

Meine Kapitallebensversicherung läuft noch 13 Jahre, aktueller Wert etwa 120 000 Euro. Soll ich mir die Versicherung lieber jetzt auszahlen lassen, weil ich bei einer Währungsreform damit rechnen müsste, dass die Versicherung wertlos wird?

Strengere Auflagen für Neubauten in Sachen Energie

Keine Panik! Eine Währungsreform mit einer Abwertung von Ersparnissen und Lebensversicherungen steht nicht zur Debatte und ist auch nicht in Sicht. Also Ruhe bewahren und die Lebensversicherung nicht vorschnell auflösen.

STRASSBURG (dpa). Neubau-Immobilien in der Europäischen Union müssen ab 2021 strenge Energiesparauflagen erfüllen. Private Neubauten müssen von 2021 an und öffentliche Bauten bereits ab Ende 2018 mit Techniken wie Wärmedämmung, Solaranlagen oder Sparlampen einen äußerst niedrigen Energieverbrauch aufweisen („Nahe-Null-Energiegebäude“), heißt es in der Entschließung, die das Europaparlament am Dienstag in Straßburg verabschiedete. Mit 40 Prozent des Endenergieverbrauchs ist der Gebäudesektor der größte Energieverbraucher in der EU. Auf ihn entfallen mehr als ein Drittel der CO2-Emissionen. Nach dem Vorschlag der EU-Kommission sollen die Neuerungen teilweise aus dem EU-Haushalt finanziert werden. Hauseigentümer sollen angehalten werden, bei Renovierungsarbeiten sogenannte intelligente Zähler einzurichten. Bestehende Heizungen, Heißwasserrohre und Klimaanlagen sollen durch energiesparende Alternativen wie Wärmepumpen ersetzt werden. Diese Auflagen sollen der EU helfen, ihr Klimaziel von 20 Prozent Energieeinsparung bis 2020 zu erreichen.

Und was macht die Krise an den Finanzmärkten mit meiner Kapitallebensversicherung?

Es gibt eine Garantieverzinsung, hinzu kommen marktabhängige Überschüsse. Versicherungsgesellschaften unterliegen strengen Aufsichtskontrollen und dürfen nicht risikoreich anlegen. Sollte eine Versicherungsgesellschaft dennoch insolvent werden, springt der Sicherungsfonds Protector ein, um die Versicherungskunden zu schützen.

Soll ich mein Geld besser in Immobilien anlegen, weil Inflation droht?

Eine große Inflation droht derzeit nicht. Zudem ist eine breite Streuung des Vermögens immer besser als eine einseitige Anlage.

Ich bin Mitte 30 und habe viel gelesen über die Euro-Krise. Ist Gold eine Anlagealternative, um die Krise zu überstehen?

Gold hat in einem breit gestreuten Vermögensdepot durchaus einen Platz, doch sollte man in der Regel maximal 10 Prozent Gold beimischen. Denken Sie daran: Gold bringt keine laufende Rendite. Gold kann freilich zur Werterhaltung und zum Schutz dienen, falls es zu einem Währungszusammenbruch kommt. Davon sind wir aber weit entfernt.

Finanzaufsicht stoppt Leerverkäufe

Wir möchten das Geld aus einer Erbschaft für die Tilgung eines Darlehens verwenden, das in drei Jahren fällig ist. Wie legen wir es bis dahin am besten an?

Ich empfehle Ihnen Festgeld bis zum Zeitpunkt der Darlehensrückzahlung. Denn Festgeld bietet hohe Sicherheit.

BERLIN (dpa). Die Finanzaufsicht Bafin will von heute an bestimmte hoch spekulative Wetten von Investoren auf fallende Kurse verbieten. Sie will „ungedeckte Leerverkäufe“ in Aktien und Staatsanleihen aus Euro-Ländern untersagen. Dies habe Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in der Unionsfraktion angekündigt, wie die Nachrichtenagentur dpa aus Teilnehmerkreisen erfuhr. Bei „Leerverkäufen“ verkaufen Anleger, die auf fallende Kurse setzen, Titel von vornherein mit der Absicht, sie später zu einem niedrigeren Kurs zurückzukaufen und so Gewinne einzustreichen. Bei „gedeckten Leerverkäufen“ leihen sich Investoren die zu verkaufenden Aktien. Bei „ungedeckten Leerverkäufen“ dagegen decken sie sich nicht mit Aktien ein, sondern verkaufen Aktien, ohne sie ausgeliehen zu haben.

Ich habe Angst vor einer drastischen Geldentwertung. Mir ist ein Grundstück angeboten wurden, darauf müsste ich innerhalb von drei Jahren bauen. Ich weiß aber nicht, ob ich mir das leisten kann. Soll ich zugreifen?

Die Entscheidung zu bauen liegt eher in Ihrem persönlichen Bereich und sollte gut überlegt sein. Setzen Sie sich nicht unter Zeitdruck aus Angst vor einer möglichen Inflation, die Ihr Geld wegfressen könnte. Das sollte nicht der Grund sein, jetzt schnell in Sachwerte zu investieren.

Ich habe den Großteil meines Vermögens auf einem Tagesgeldkonto. Ist das sinnvoll?

Dagegen ist nichts zu sagen. Angesichts unseres niedrigen Zinsniveaus sind kurzfristige Anlagen empfehlenswert. Mittelfristig dürften die Zinsen wieder steigen. In den nächsten zwei, drei Jahren wird mit keiner Inflation gerechnet, wegen der man sich Sorgen machen müsste.

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Für den Fall, dass die Inflation doch schnell steigt: Wie viel Euro kann ich vom einem Tagesgeldkonto an einem Tag abrufen?

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NIBC-Direct (1,2)

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Sie können Ihr Konto komplett an einem Tag abräumen. Bei größeren Beträgen über 100 000 oder 200 000 Euro sollten Sie Ihrer Bank zwei Tage Zeit geben. Sie gewinnen aber nichts, wenn Sie Ihr Geld zu Hause haben. Geld abheben ist kein Inflationsschutz.

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Amsterdam-Trade-Bank (1,2)

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Ich habe die letzte Währungsreform mit gemacht und möchte jetzt mein Geld in Sicherheit bringen. Was halten Sie von Schweizer Franken oder von Gold?

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Hundert Prozent Sicherheit gibt es nicht. Der beste Schutz ist eine breite Streuung ihres Vermögens. Wenn Sie in einer anderen Währung anlegen, haben Sie ein Währungsrisiko. Gold kann eine Sicherheitsreserve sein. Sie erhalten aber keine Zinsen, es wird in Dollar notiert und unterliegt auch Währungsschwankungen. Besprechen Sie mit einem guten Berater Ihre Wünsche und Ziele.

Für die Entwicklung der Fonds sind in erster Linie die Unternehmen maßgeblich, in die investiert wird. Die Region verspricht Wachstum. Wenn Sie etwas Zeit mitbringen, ist das sicher eine gute Beimischung im Depot.

2,10 2,10

LVM-Versicherungen

2,00

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2,00

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1,76

Augsburger Aktienbank

1,75

Nordfinanzbank

1,75

Sparda-Bank BW

Ich habe Geld in ostasiatische Fonds angelegt, die teils in Dollar, teils in Euro notieren. Was ist, wenn der Euro noch schwächer wird?

2,25 2,10

DHB Bank (1,2) Isbank

Tendenz:

1,65 stagnierend

(1) Online-Kondition (2) Einlagensicherung: 100 % bis 100 000 Euro pro Person

Wie düster sieht’s aus mit dem Euro – das ist eine Frage, die viele unserer Leser umtreibt. Unser Foto zeigt die Rückseite einer deutschen Ein-Euro-Münze Foto: dpa

Neukundenangebote bleiben unberücksichtigt Angaben ohne Gewähr Weitere Infos: www.stuttgarter-nachrichten.de/rechner Quelle: biallo.de Stand: 18. 5. 2010

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Handfeste Politik: Seehofer will sich vor allem fürs Soziale einsetzen AP

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Zeitgeschehen

Nummer 204

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Karamanlis tritt die Flucht nach vorne an Griechen sollen am 4. Oktober das Parlament neu wählen Die griechische Regierung hat vorgezogene Wahlen ausgerufen. Angesichts der Wirtschaftskrise im Land müsse in der politischen Landschaft aufgeräumt werden, erklärte Ministerpräsident Kostas Karamanlis. Von Takis Tsafos

Foto: dpa

ATHEN. Versprochen hatte Karamanlis den Griechen viel. Mit seiner bürgerlichen Partei Nea Dimokratia (ND) wolle der Ministerpräsident den Staat von Grund auf erneuern. Er werde der Korruption ein Ende bereiten und die Vetternwirtschaft ausmerzen, hatte er im März 2004 erklärt und damit die Wahlen gewonnen. Auch im September 2007 stimmten die Griechen wieder für den konservativen Politiker. Doch nach dem klaren Mandat der Bürger für Karamanlis folgten wenige Aktionen. Reformen kamen nicht voran, und der Kampf gegen die Schattenwirtschaft zeigte kaum Erfolge. „Wir hätten vielleicht mutiger handeln sollen“, sagt Karamanlis heute. Alle Umfragen zeigen, dass es dafür vielleicht zu spät ist. Immer mehr Wähler wandern demnach zu der Panhellenischen Sozialistischen Bewegung (Pasok) unter Giorgos Papandreou ab. Grund dafür sind eine Reihe von Skandalen, ein Einkommensrückgang, den viele Griechen hinnehmen mussten, und mehrere große Waldbrände, denen die Regierung hilflos begegnete. Am Mittwochabend sah sich der Regierungschef dann gezwungen, vorgezogene Wahlen zu verkünden. Sollte er diese gewinnen, werde er „der Schattenwirtschaft den Krieg erklären“, versprach er. Die linksliberale Athener Zeitung „Eleftherotypia“ titelte zur Verkündung der Neuwahlen: „Karamanlis flüchtet nach dem Schiffbruch“. So wird es in Griechenland am 4. Oktober abermals zum klassischen Duell zwischen einem Karamanlis und einem Papandreou kommen. Schon in den 60er Jahren kämpften Konstantinos Karamanlis, ein Onkel des heutigen Regierungschefs, und Giorgos Papandreou, der Großvater des heutigen Sozialistenführers, um die Gunst der griechischen Wähler. Die Politfehde Karamanlis/Papandreou setzte Papandreous’ Vater Andreas in den 70er und 80er Jahren gegen Konstantinos Karamanlis fort.

Die Liste der Skandale während der Regierungszeit von Kostas Karamanlis ist lang. Mönche nutzten ihre Verbindungen zur Regierung, um einen angeblich ihnen gehörenden See gegen Ländereien bei Athen und andere touristisch entwickelte Regionen zu tauschen. Ein Sozialminister beschäftigte ein aus Indien stammendes Ehepaar in seinem Ferienhaus, ohne sie zu versichern. Das Haus war zudem illegal gebaut. Er wurde gefeuert. Im September 2008 warf Schifffahrtsminister Giorgos Vougarakis das Handtuch. Ihm war vorgeworfen worden, zusammen mit seiner Frau im Ausland Immobilienfirmen eingerichtet zu haben, um die Zahlung von Grundsteuern in Griechenland zu umgehen. Im Dezember 2008 kam es zu Ausschreitungen, nachdem ein 15-Jähriger durch einen Schuss aus der Waffe eines Polizisten getötet wurde. Neue Terrororganisationen attackieren immer wieder Polizisten und Polizeistationen und drohen mit einer Stadt-Guerilla die Staatsordnung aus dem Gleichgewicht zu bringen. Wenige Stunden vor der Proklamation der vorgezogenen Wahlen hatte eine gewaltige Explosion die Athener Börse schwer beschädigt. „Und obendrauf kommt noch die Wirtschaftskrise“, stöhnt Nikos Wroussis, ein Prokurist aus Athen.

„Wir hätten vielleicht mutiger handeln sollen“ Kostas Karamanlis griechischer Ministerpräsident Dem Land drohen Strafmaßnahmen der EU aus Brüssel, weil Griechenland mit fast sieben Prozent Defizit den Stabilitätspakt massiv verletzt. Ob der Sozialist Papandreou das Land aus dieser Krise führen kann, bleibt abzuwarten. „Der nächste Ministerpräsident wird wohl einen Zauberstab brauchen, um Griechenland aus der Krise zu führen“, hieß es in einem Kommentar im griechischen Rundfunk. Trotz der dramatischen Situation bei den Konservativen ist es aber nicht klar, ob die Sozialisten die nötige Mehrheit von 151 Abgeordneten im Parlament bekommen. Und da in Griechenland Koalitionsregierungen selten vorkommen, und die Parteien auch nicht dazu bereit sind, könnte dem Land eine lange Phase der politischen Unsicherheit bevorstehen.

Neue Proteste in Chinas Unruheregion

Iran: Parlament stärkt Präsident den Rücken

PEKING (dpa). Zwei Monate nach den blutigen Ausschreitungen in der Unruheregion Xinjiang in Nordwestchina ist es in der Hauptstadt Ürümqi zu neuen Protesten gekommen. Einige Tausend Menschen forderten einen besseren Schutz durch Ordnungskräfte. Anlass ist eine Serie von Angriffen mit Injektionsnadeln auf Passanten, bei denen nach Presseberichten rund 400 Menschen verletzt worden sein sollen. Ein Großaufgebot von Tausenden Sicherheitskräften sollte am Donnerstag sicherstellen, dass es bei den Protesten nicht zu neuen Zusammenstößen zwischen den Volksgruppen kommt. Niemand sei bisher durch die Nadelstiche infiziert oder vergiftet worden, berichteten die Gesundheitsbehörden. 15 Angreifer seien festgenommen worden.

TEHERAN (rtr). Im innenpolitischen Machtkampf hat das iranische Parlament Präsident Mahmud Ahmadinedschad den Rücken gestärkt: Die Abgeordneten bestätigten fast alle von Ahmadinedschad vorgeschlagenen Ministerkandidaten, darunter auch die erste Frau für ein Regierungsamt in der Geschichte der Islamischen Republik. Das Parlament winkte zudem Ahmad Wahidi als Verteidigungsminister durch, dem von Argentinien die Beteiligung an einem Anschlag auf eine jüdische Einrichtung in Buenos Aires 1994 vorgeworfen wird. Dabei waren 85 Menschen ums Leben gekommen. Insgesamt wurden 18 Minister angenommen und drei Anwärter für das Kabinett abgelehnt. Der Präsident hat nun drei Monate Zeit, alternative Bewerber vorzuschlagen.

Moskauer Justiz lenkt ein Neue Ermittlungen im Mordfall Anna Politkowskaja Von Ulf Mauder MOSKAU. Drei Jahre nach dem Mord an der kremlkritischen Journalistin Anna Politkowskaja hat ihre Familie einen Etappensieg bei der Aufklärung der international beachteten Bluttat errungen. Russlands Oberstes Gericht ordnete nun unerwartet eine neue Beweisaufnahme an. Das hatten auch Deutschland sowie Menschenrechtler gefordert. Sogar die zuständige Staatsanwältin Anna Paschkowskaja hatte die bisherigen Ermittlungen als lückenhaft kritisiert – im Widerspruch zur offiziellen Linie der Behörden, die den Mord schon im August 2007 für aufgeklärt hielten. Die Wende im Verfahren zeigt einmal mehr auch die Zerrissenheit des russischen Justizapparats. Angehörige Politkowskajas und ihre Kollegen von der regierungskritischen Zeitung „Nowaja Gaseta“ schöpfen wieder Hoffnung. Sie hatten Staat und Justiz vorgeworfen, an einer echten Aufklärung kein Interesse zu haben. „Ich vermute, dass es Leute gibt, die die Namen aller Schuldigen kennen – und die aber alle keine kleinen Posten innehaben“, hatte der Vizechefredakteur Sergej Sokolow noch im August erklärt. Der Chef des Blatts, Dmitri Muratow, warnte wegen möglicher politischer Hintergründe bei dem Mord vor überzogenen

Erwartungen. „Wir äußern eine zurückhaltende Genugtuung“, sagte Muratow am Donnerstag. Die Ermittler hätten es seit drei Jahren nicht geschafft, den Auftraggeber des politischen Mordes zu nennen. Die Anwältin der Politkowskaja-Familie, Karina Moskalenko, kritisierte, dass schon zu viel Zeit verstrichen sei. Doch auch sie meinte: „Die jetzige Entscheidung ist ein Schritt hin zu einer völligen Aufklärung des Falls.“ Ein Schritt. Moskalenko hatte im ersten Prozess gegen vier mutmaßliche Mordkomplizen beklagt, dass die Beweise gegen die Männer für eine Verurteilung bisher nicht ausreichten. Russlands Oberstes Gericht verlangt jetzt, dass auch der mutmaßliche Mörder Rustam Machmudow in einen neuen Prozess einbezogen werden müsse – selbst bei Abwesenheit. Der Tschetschene wird mit internationalem Haftbefehl gesucht, hatte aber bereits seine Unschuld über einen Anwalt beteuert. Auch der Auftraggeber, der zwei Millionen US-Dollar für den Mord bezahlt haben soll, müsse gesucht werden. Vor Gericht standen zuletzt zwei Brüder Machmudows, die den Auftragsmord mit organisiert haben sollen. Sie waren jedoch aus Mangel an Beweisen im Februar gemeinsam mit einem ehemaligen Polizisten und einem früheren Geheimdienstler freigesprochen worden.

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Panorama

Nummer 114  Donnerstag, 20. Mai 2010

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Landesnachrichten

Nummer 112  Dienstag, 18. Mai 2010

Auf gut Schwäbisch

Leute

Täglich neu: Landestypisches für Einheimische und Reigschmeckte

Nachwuchs für Travolta Schauspieler John Travolta (56) und seine Frau Kelly Preston (47) erwarten „Fa-

Mo Di Mi Do Fr Sa

milienzuwachs“. Die Familie werde sich vergrößern, kündigten beide auf ihren Websites an, ohne zunächst konkreter zu Travolta AP werden. Travoltas Agent bestätigte später aber die Schwangerschaft von Kelly Preston. Sie soll im dritten Monat sein. Das Paar hat eine zehn Jahre alte Tochter, Ella. Sohn Jett war im Januar 2009 überraschend während eines Familienurlaubs gestorben. Der 16-Jährige soll seit langem an Krampfanfällen gelitten haben. (apn)

Dialekt

Essen und Trinken Menschen Geschichte Erleben Wissen

Rhabarberkuchen, der Nächste

Kein Geschenk für Gottschalk Entertainer Thomas Gottschalk (60) will keine Geschenke von den Gästen, die er zu seiner dreitägigen Geburtstagsparty in New York geladen hat. „Wer das nicht übers Herz bringt, schenkt unter dem Motto: handlich – billich – unsinnich“, zitierte der Kolumnist der Münchner „Abendzeitung“, Michael Graeter (69), aus einem Rundbrief Gottschalks an seine Gäste. Die Party ist in zehn Tagen. Der Geburtstag des „Wetten, dass . . .?“Moderators war am 18. Mai. (ddp)

Ein Fall für stilvollen Glamour und ein klein wenig Großtuerei: Rachel Trevor-Morgan fertigt in ihrer Londoner Werkstatt ausgefallene Hüte

Foto: Preuss

Die Hutmacherin der Königin Rachel Trevor-Morgan fertigt seit vier Jahren extravaganten Kopfschmuck für das britische Oberhaupt – in einer kleinen Werkstatt Hüte sind so englisch wie der Sommerregen, die Royals und das Picknick beim Pferderennen. Wer sie kreiert, bringt Drama in die Garderobe. So wie TrevorMorgan – eine Expertin für die kapriziöse Handwerkskunst.

Harley für Meyer-Landrut Lena Meyer-Landrut

(18) hätte gerne eine Harley. Schon in der ersten Klasse habe Deutschlands GrandPrix-Hoffnung auf die Frage „Was möchte ich später einmal haben?“ ins Poesiealbum geschrieMeyer-Landrut ddp ben: „Einen Bauernhof und eine HarleyDavidson“, sagte sie dem „Zeit-Magazin“. Heute male sie sich ihren Kindheitstraum so aus: „Auf meinem Bauernhof gibt es einen Schuppen, in dem ich meine Harley unterstelle. Bei schönem Wetter fahre ich durch die Wiesen und Wälder.“ Lena Meyer-Landrut tritt am 29. Mai mit ihrem Song „Satellite“ beim Eurovision Song Contest in Oslo an. Ihr Ziel ist es, unter die ersten zehn zu kommen. (ddp)

Von unserer Korrespondentin Jasmin Fischer, London LONDON. Die Werkstatt liegt verborgen in einer kleinen Gasse, schmale Holzstiege winden sich eng wie in einem Schneckenhaus bis unters Dach. Auf den Hauptstraßen des Viertels St. James’s mögen Tweed, Juwelen und Kristall in pompösen Geschäften gehandelt werden, doch das Atelier der Hutmacherin atmet die Atmosphäre eines Charles-Dickens-Romans. Es ist eng, quirlig und warm. Ein kleiner Hund schläft zwischen Stoffresten, auf der Arbeitsplatte zischt und faucht ein schweres, silbernes Bügeleisen. Auf einer Herdplatte erhitzt Rachel Trevor-Morgan mit Handgriffen, die Jahrhunderte alt sind, große und kleine Messingku-

geln. Später presst sie die Kugeln in feines, gewebtes Stroh, damit es die Form loser Blütenblätter annimmt. Von Hand und Nähnadel entstehen in vielen Arbeitsstunden üppige Blumenkelche für ihren Kopfschmuck. Trevor-Morgan färbt auch Fasanenfedern und zupft sie zu schwingenden Linien, zu Miniatur-Lanzen zurecht. Ob Seide oder Organza, sie färbt die Stoffe passend zur Garderobe, spannt sie auf Rohlinge, gibt ihnen mit heißem Dampf und Draht die Form, säumt die Krempen und arrangiert Blumen und Federn so, dass sie dem Gesicht der Behüteten einen Rahmen geben. Die Auftragsbücher im Atelier sind gefüllt mit Stoffproben von Kleidern der Kundinnen: „Die meisten kaufen die Garderobe und lassen sich dann einen passenden Hut fertigen“, sagt Trevor-Morgan. Echte HutPuristen halten es natürlich andersherum: Sie erstehen eine der fröhlich-unbeschwerten Kopfskulpturen zuerst, ein bescheidenes Kleid dazu später. „Das ist sicher schwieriger, aber auch sympathisch.“ Immerhin ließe sich ein Hut in England jederzeit tragen, selbst im Supermarkt. Bei großen gesellschaftlichen Ereignissen wie den

Pferderennen, aber auch bei einfachen Hochzeiten ist ein Hut auf der Insel filigrane Pflicht, selbst für schüchterne Damen. Die deutsche Angst vor dem komplizierten Accessoire, das sich an der Grenze zwischen Glamour und Großtuerei bewegt, gibt es in England nicht. Zwar mag schon allein die Geste, sich etwas auf den Kopf zu setzen, schräg wirken. Doch mit surrealen Outfits oder Selbstironie haben viele Britinnen ohnehin kein Problem. Alljährlich gehen aus Ascot die Bilder ihrer extravaganten Hüte um die Welt.

Ein Hut ist die Visitenkarte der eigenen Persönlichkeit „Natürlich bringt ein Hut ein wenig Drama in die Garderobe“, sagt Trevor-Morgan. „Doch wenn er passt, lässt er jedes Gesicht so fabelhaft aussehen, dass er selbstbewusst macht.“ Im Mode-Alphabet sei der Hut das Ausrufezeichen, eine Spielerei in Blassrosa, Brautweiß oder sattem Violett, die heute mehr mit Entertainment denn mit Etikette zu tun hat. Anders als in der Ge-

schichte geht es eben nicht mehr darum, sich durch einen Hut konform zu zeigen, sondern ihn zur Visitenkarte der eigenen Persönlichkeit zu machen. Trevor-Morgan ließ sich früh zu Maßhüten inspirieren: „Meine Mutter trug immer schöne Hüte.“ Die Britin ging bei den letzten Londoner Vertretern dieses Handwerks in die Ausbildung, fertigte vor 20 Jahren ihre ersten Designs auf dem Dachboden eines Klosters in Westminster an. Ein Geschäft hatte Trevor-Morgan damals nicht: Sie verkaufte ihre Handarbeit an einem Marktstand am Trafalgar Square. Als sich die alte Hutmacherin von Königin Elisabeth II. vor vier Jahren zur Ruhe setzte, klingelte in Trevor-Morgans Atelier das Telefon. Die Garderobiere des Palastes bat um Entwürfe für Ihre Majestät. Seitdem behütet sie die Königin. Zu ihrem 80. Geburtstag, ihrer Diamanthochzeit oder Treffen mit George W. Bush zeigte sich die Monarchin in Kreationen aus dem Atelier. „Sie ist eine Hut-Botschafterin“, sagt TrevorMorgan. „Wie Carla Bruni zeigt sie, dass Kopfschmuck Spaß macht und Stil hat. Sie hält das Handwerk lebendig.“

Aufgrund der großen RhabarberkuchenNachfrage hier ein weiteres Rezept – eingesandt von Leserin Gerda Vogt aus Böbingen: „Für den Teigboden benötigt man: 200 g Mehl 100 g Margarine 80 g Zucker 1 Ei ½ p Backpulver sowie ein wenig Milch – diese Zutaten knetet man mit der Hand zusammen. Zubereitung: Ein gefettetes rundes Blech wird mit der Teigmasse ausgelegt. Die Rhabarberstängel (750 g) werden gewaschen, in Würfel oder Stückchen geschnitten und eingezuckert. Das Ganze lässt man eine Zeit lang stehen. Dann kommt der Guss: Schnee von 2–3 Eiweiß, 2–3 Eigelb. Zuerst den Schnee, dann das Eigelb dazugegeben und mit dem Löffel langsam rühren. 100 g Zucker, 50 g Mandeln oder gemahlene Wal- beziehungsweise Haselnüsse sowie etwas Vanillezucker dazugeben und ebenfalls langsam einrühren. Die Rhabarberstückchen werden nach dem Abgießen des Saftes auf dem Teig verteilt und mit dem Guss zugedeckt. Man bäckt den Kuchen in guter Hitze (200 Grad Heißluft) etwa eine Dreiviertelstunde lang. Guten Appetit!“

Kurze Rückkehr an die alte Wirkungsstätte. „Wir brauchen eine Europäisierung der Energiepolitik“, forderte der neue EU-Kommissar Günther Oettinger am Montag im Landtag in Stuttgart

Foto: dpa

Beim Thema Strom steigt die Spannung CDU drängt auf schnelle Entscheidung über längere Laufzeiten der Atomkraftwerke, die Stadtwerke bleiben aber skeptisch Wie lange dürfen die Atomkraftwerke in Deutschland am Netz bleiben? Und vor allem: Wer profitiert von den Gewinnen? Das Thema wird immer hitziger diskutiert – in der Politik wie bei den Stadtwerken im Land. Von Frank Krause STUTTGART. Günther Oettinger ist wieder da. Nicht als Ministerpräsident, sondern als EU-Kommissar für Energie. Und kein anderer Gast könnte an diesem Tag so passend sein wie der 56-Jährige. Die CDU-Landtagsfraktion um ihren Vorsitzenden Peter Hauk hat Vertreter der 130 Stadtwerke aus ganz Baden-Württemberg zu einem Forum in den Landtag eingeladen, um den Damen und Herren von der Basis die energiepolitische Leitlinie der CDU aufzuzeigen. Eigentlich ist das ziemlich überflüssig, denn was die Union will, ist seit der Bundestagswahl klar: den Ausstieg vom Atomausstieg, was in Baden-Württemberg so viel bedeuten soll, dass die Kernkraftwerke in Neckarwestheim und Philippsburg unbefristet am Netz bleiben dürfen. Wie lange das sein soll,

Kennen Sie auch ein typisch schwäbisches Rezept? Oder haben Sie Anregungen zum Thema regionale Küche? Schreiben Sie uns: Zentralredaktion, Postfach 10 44 52, 70039 Stuttgart, Stichwort: Schwäbisch, Fax: 07 11 / 72 05 - 73 09; E-Mail: land@stn.zgs.de

www.auf-gut-schwaebisch.de

ist freilich noch genauso ungeklärt wie die Frage, ob es wirklich gelingt, 50 Prozent der Mehrgewinne abzuschöpfen. So will es die Politik, um damit die erneuerbaren Energien auszubauen und weiter zu erforschen. Deshalb fordert Hauk die Bundesregierung am Montag auf, „endlich die Koalitionsvereinbarung“ umzusetzen und „klare Vorgaben“ zur Verwendung der Mittel zu machen. Immerhin drängt die Zeit. Bis zum Jahr 2020 sollen 20 Prozent des Energiebedarfs aus alternativen Energien kommen. Die kommunalen Energieversorger im Plenum des Landtags, wo sonst die Landtagsabgeordneten sitzen, hören die Botschaft wohl. Aber sie bleiben skeptisch. Hauk betont zwar mehrfach, man betrachte die Stadtwerke „als Partner“. Und es sei das Ziel, „dass ein möglichst hoher Teil der abgeschöpften Gewinne im Land bleibt“, auf dass die erneuerbaren Energien ausgebaut werden können. Aber konkrete Ergebnisse kann der CDU-Fraktionschef aus seinen bisherigen Gesprächen mit Energieriesen wie der EnBW nicht vorlegen, und in Berlin hält man sich mit der Umsetzung des Koalitionsvertrags bedeckt. Ohnehin wird die Stimmung beim Thema Atomkraft dort immer gereizter. Während

Annahme, es komme wie von Rot-Grün einst beschlossen zum Atomausstieg, in erneuerbare Energien investiert. Nun fürchten sie Verluste und Wettbewerbsnachteile, wenn EnBW, Eon, RWE und andere mit ihren Reaktoren länger am Netz bleiben dürfen und damit das nötige Großgeld haben, um sich auch auf dem Sektor von Sonne, Wind und Wasser zu tummeln. Und Günther Oettinger? Der EU-Kommissar mag sich am Montag zum aktuellen Streit nicht äußern und zeichnet bei seiner 30-minütigen Rede vor den Vertretern der Stadtwerke vielmehr ein düsteres Bild. „Wir brauchen eine Europäisierung der Energiepolitik“, warnt er vor allzu viel Klein-Klein-Denken und fordert vielmehr „transeuropäische Energienetze, wie es die im Bereich Straßen und Schienen schon gibt“. Die Geschwindigkeit, mit der Länder wie China diesen Markt bereits entdeckt hätten, sei „schwindelerregend“, sagt Oettinger. In den nächsten 20 Jahren, so Oettinger, müssten deshalb europaweit 500 Milliarden Euro in den Ausbau der Stromnetze und weitere 150 Milliarden Euro in den Ausbau der Gasnetze investiert werden. Größenordnungen, an die an diesem Tag im Landtag noch niemand denken mag.

Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU) erklärt, die Verlängerung der Laufzeiten könnte auch ohne Beteiligung des Bundesrats durchgezogen werden, was auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus so sieht, vertritt Bundesumweltminister Norbert Röttgen die gegenteilige Haltung. Mappus fordert am Montag die Bundesregierung auf, das Thema Laufzeiten noch vor der Sommerpause zu klären.

Viele Stadtwerke haben zuletzt in erneuerbare Energien investiert Kaum hat er obendrein ein Machtwort von Bundeskanzlerin Angela Merkel gegen den Bundesumweltminister angemahnt, springen ihm seine Umweltministerin Tanja Gönner sowie deren Amtskollegen Silke Lautenschläger (Hessen) und Markus Söder (Bayern) zur Seite. Deren Botschaft: Die „Vielstimmigkeit“ zur Laufzeitverlängerung müsse endlich beendet werden, das Gesetz sei ohne Länderkammer machbar. Aber genau das ist das Problem für die Kommunen. Viele Stadtwerke haben in der

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Ein Kämpferherz hat aufgehört zu schlagen. Traurigen Herzens nehmen wir Abschied von meinem lieben Ehemann, unserem Vater und Opa

T-Shirt

Am 14. Mai 2010 verstarb im Alter von 78 Jahren unser langjähriges Vorstandsmitglied

Walter Braun

Günther Thiele † 14. 5. 2010

* 4. 10. 1923

Baumwoll-Stretch

In stiller Trauer: Gisela, Michael, Thomas, Angelika, Cornelia, Andreas mit Familien

9.-

Trauerfeier zur Feuerbestattug am Mittwoch,dem 19.Mai 2010, um 14 Uhr auf dem Friedhof in Stuttgart-Untertürkheim.

Wir nehmen Abschied von

Von 1974 bis 2004 gehörte Walter Braun dem Vorstand unseres Landesverbandes an, davon 27 Jahre als stellvertretender Vorsitzender. Als erfolgreicher Unternehmer hat er sich in der Verbandsarbeit nachhaltig engagiert und sich um die Wohnungswirtschaft verdient gemacht.

Walter Braun * 17. Juni 1931

Wir verdanken ihm viel und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie.

Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 19. Mai 2010, um 13 Uhr auf dem Friedhof St. Peter in Bietigheim-Bissingen statt.

Wir sind ihm zum großen Dank verpflichtet.

Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören. 1. Kor.13,10

Helga Voigt

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In Liebe und Dankbarkeit: Paul Voigt Christopher und Wilma Voigt mit Matthias und Linda, Birgit und Katina

Tasche

15.Hose

Die Trauerfeier findet am Freitag, dem 21. Mai 2010, um 11 Uhr in der Petruskirche, Stuttgart-Gablenberg, statt.

Die Beerdigung findet am Mittwoch, 19. Mai 2010, um 13 Uhr auf dem Friedhof St.Peter in Bietigheim-Bissingen statt. Ein Kondolenzbuch liegt auf.

Eduard Herold

geb. Stelzner † 13. 5. 2010 * 3. 11. 1918 durfte im Alter von 91 Jahren heimgehen.

Gesellschafter Geschäftsleitung Mitarbeiter

70565 Stuttgart-Möhringen Gewerbestraße 18

Unsere liebe Mutter, Schwiegermutter und Omi

12. 3. 1925 - 12. 5. 2010 Nach vielen Jahren der Gemeinsamkeit ist es schwer, wenn der Teil,mit dem man verwoben ist, stirbt.Der Verstand weiß, dass wir nicht ewig leben - unser Gefühl muss es erst lernen.

Je schöner und voller die Erinnerung, desto schwerer ist die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt die Qual der Erinnerung in eine stille Freude. Man trägt das vergangene Schöne nicht wie einen Stachel, sondern wie ein kostbares Geschenk in sich.

Margarete Herold Ulrich Herold mit Familie Reiner Herold Die Trauerfeier fand im Kreis der Familie statt.

Anna Mayer

mit Leinen LANDESHAUPTSTADT STUTTGART Die Stadt Stuttgart trauert um

Bezirksvorsteher a. D. Willi Schwenger

Hemd

Der Verstorbene war von 1956 bis 1982 Bezirksvorsteher von Stuttgart-Bad Cannstatt. Er hat sich durch seinen unermüdlichen Einsatz für den Stadtbezirk Bad Cannstatt und die Belange der Stuttgarter Bürgerinnen und Bürger bleibende Verdienste erworben.

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Stuttgart-Bad Cannstatt

In Liebe und Dankbarkeit nehmen wir Abschied von unserer Mutter,Oma und Uroma

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† 14. Mai 2010

In seiner über 40-jährigen Zeit als geschäftsführender Gesellschafter im Unternehmen hat Walter Braun den Aufbau der NORD-SÜD-Gruppe maßgeblich gestaltet und darüber hinaus bis zuletzt aktiv im Gesellschafterausschuss mitgearbeitet.

Vorstand, Geschäftsführung und Mitarbeiter des Landesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen Baden-Württemberg e.V.

Platzieren Sie Ihre Botschaften an entscheidender Stelle.

geb.Weyhmüller † 15. 5. 2010 * 12. 6. 1914

Jutta Wetterer Elisabeth Heger Dr. Irmgard Bohmann Ludwig Mayer mit Familien

Näheres erfahren Sie unter Fon 01803 070707*, Fax 01803 080808* oder im Internet unter www.stuttgarterzeitung.de/anzeigenservice *Festnetzpreis 9 ct./Min.; Mobil-

Beerdigung am Mittwoch, dem 19. Mai 2010, um 12 Uhr auf dem Steigfriedhof in Bad Cannstatt; anschließend um 13 Uhr Requiem in St. Rupert. Anstelle von Blumen und Kränzen bitten wir um eine Spende an die DAHW, Deutsche Lepra- und Tuberkulose-Hilfe e.V. Würzburg, Konto-Nr. 9696, BLZ 790 500 00 bei der Sparkasse Mainfranken Würzburg. Stichwort:Anna Mayer

funkpreise max. 42 ct./Min.

Die Landeshauptstadt wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Dr. Wolfgang Schuster Oberbürgermeister der Landeshauptstadt

D00301 - Drucktechnisch bedingte Farbunterschiede sind nicht ganz auszuschließen.

Stuttgart und die Region

Nummer 125  Freitag, 4. Juni 2010

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Polizei bremst Gewinn-Gauner aus

Kurz berichtet

Kaffeefahrt mit Teilnehmern aus Kreis Ludwigsburg gesprengt – Dubiose Pillen im Verkaufswert von 43 000 Euro beschlagnahmt

Das Linden-Museum Stuttgart lädt am 5. und 6. Juni zum „Best of the American Indian Film Festival San Francisco“ ein. Das Festival zeigt am Samstag ab 17.30 Uhr sowie am Sonntag ab 16 Uhr Spiel-, Dokumentar-, Animations- und Kurzfilme aus indianischer Produktion, die beim bedeutendsten Indianer-Filmfestival Nordamerikas im Dezember 2009 ausgezeichnet wurden.

Versprochen waren ein Bargeldgewinn über 6500 Euro und eine Dampferfahrt. Doch das war nur ein Lockangebot für eine Kaffeefahrt. Der Veranstalter ist ein alter Bekannter aus dem Emsland. Gegen ihn wird strafrechtlich ermittelt. Von Wolf-Dieter Obst LUDWIGSBURG. Der Mann nennt sich Peter van Hoeven, ist angeblich gebürtiger Holländer und Heilpraktiker. Doch in Wirklichkeit handelt es sich um Peter R., einen Handelsvertreter aus einer 1000-Einwohner-Gemeinde im Emsland. Der 41-Jährige reist seit Jahren aus dem Zentrum der Kaffeefahrten-Mafia, dem Oldenburger Münsterland, an. Verkauft wird alles, was die dubiose Branche an Magnetfelddecken, Topfsets oder Wunderpillen hergibt. Am Pfingstmontag hat er ältere Menschen aus Ludwigsburg und Remseck angelockt – nach Schnelldorf im Kreis Ansbach in Mittelfranken. Zur Gewinnübergabe und Dampferfahrt. Doch der vermeintliche Routineauftritt hat für „Herrn van Hoeven“ diesmal unliebsame Folgen: Auf Veranlassung der Ludwigsburger Polizei wird die Verkaufsveranstaltung vorzeitig beendet. Für stolze 1198 Euro sind Nahrungsergänzungsmittel als angebliche Arzneimittel verkauft worden, die

vor Alzheimer und Krebs schützen sollen – deshalb ermittelt die Polizei strafrechtlich wegen Verstoßes gegen das Heilmittelwerbegesetz. Dabei drohen eine Geldstrafe oder bis zu einem Jahr Gefängnis. „Die Tabletten sollten nach der Veranstaltung an die Kaffeefahrtkunden im Raum Ludwigsburg ausgeliefert werden“, bestätigt Polizeisprecherin Daniela Waldenmaier Informationen unserer Zeitung, „doch die Ware wurde von uns rechtzeitig vorher beschlagnahmt.“ Der Kurierfahrer hatte 36 Pillen-Sets dabei – und die wären für mehr als 43 000 Euro verkauft worden. Was die Tabletten tatsächlich enthalten, wird nun im Labor untersucht. Das aufgeflogene Geschäft lässt erahnen, welche Umsätze in der Kaffeefahrten-Branche gemacht werden. Bei jährlich fünf Millionen Teilnehmern schätzen Experten einen Jahresumsatz von mindestens 500 Millionen Euro bundesweit. Auch Peter R. scheint gut im Geschäft zu sein. Seine 1992 gegründete Reise-GmbH bei Cloppenburg musste zwar nach fünf Jahren „wegen Vermögenslosigkeit“ gelöscht werden. Dafür lief die Handelsgesellschaft mit Sitz in Stavern umso besser. 2006 beispielsweise wies das Familienunternehmen einen Jahresüberschuss von knapp 90 000 Euro nach Steuern aus. Seit April 2010 ist Peter R. Geschäftsführer der dazugehörigen Verwaltungs- und Beteiligungs-GmbH.

Peter R. ist auch in Schnelldorf bekannt, weil er stets gegen gesetzliche Meldefristen verstößt. Das stört weder ihn noch seine Geschäfte. Die versprochenen Gewinne werden nicht ausgezahlt, dafür verteilt er Rubbellose. Schnelldorfs Bürgermeister Thomas Unhoch sieht sich im Zwiespalt: „Die Leute kommen doch freiwillig“, erklärte er vor Monaten, als die Polizei Peter R. verwarnte. Konsequenzen gab es indes keine.

„Die Tabletten sollten schon ausgeliefert werden, wurden aber von uns kurz vorher beschlagnahmt“ Daniela Waldenmaier Polizei Ludwigsburg Kein Wunder, dass die Gemeinde, verkehrsgünstig am Schnittpunkt von A 6 und A 7 gelegen, zum Eldorado für Verkaufsfahrten wird. Peter R. taucht hier gerne auf – und lässt vorher immer dreistere Gewinnbriefe verschicken. Lockte er vor Monaten noch mit einem bloßen „Bargeldregen“ und 1500 Euro, so werden diesmal 6500 Euro versprochen „und eine anschließende Dampferfahrt, die Bordkarten sind für Sie und Ihre Gäste schon bezahlt“. Schnelldorf liegt zwar am Europäischen Wasserscheideweg –

doch der kleine Erlensee ist für Schifffahrt nicht geeignet. Für die Ludwigsburger Opfer am Pfingstmontag ist das auch gar nicht vorgesehen: In einem kleinen Gasthof in einer Teilgemeinde Schnelldorfs, im 470-Einwohner-Ort Unterampfrach, wird ihnen erklärt, dass es in Wahrheit nur einen Film über Dampferfahrten gebe. Diesmal jedoch dürfte Peter R. seine Opfer nicht so leicht ins Bockshorn jagen. Denn unter den Teilnehmern ist ein 64-Jähriger aus Remseck, der in diesem Jahr erfolgreich einen versprochenen Gewinn gerichtlich eingeklagt hat. Das Landgericht Stuttgart hat ihm 1500 Euro zugestanden, und der Kaffeefahrten-Veranstalter aus Emden hat den „Bargeldregen“ überwiesen. Im aktuellen Fall dürfte sich Peter R. aus dem Emsland kaum damit herausreden können, dass die Gewinnbenachrichtigung nicht von ihm, sondern von einem Planungsservice mit Postfach-Adresse in Molbergen stammt. Die 4. Zivilkammer des Stuttgarter Landgerichts hat hierzu schon einmal festgestellt, dass sich der Verkäufer, der eine solche Veranstaltung organisieren lässt, sich „alles das zurechnen lassen muss, was dazu geführt hat, dass er eine solche Veranstaltung erwerben konnte“. Er habe billigend in Kauf genommen, dass die Gäste ihn als den Versender der Gewinnzusage ansehen. Der 64-jährige Kaffeefahrten-Teilnehmer hat seinen Anwalt bereits eingeschaltet.

Indianer-Filmfestival

Dem Rössle nachspüren Der Schwäbische Albverein lädt Mitglieder und Gäste zu einer Wandertour auf den Spuren des Stuttgarter Rössles. Treffpunkt ist am Samstag, 5. Juni, um 10 Uhr an der Haltestelle Heslach-Vogelrain. Danach geht es 15 Kilometer weit über den Waldfriedhof zur Weinsteige, Geroksruhe und nach Hedelfingen. Die Teilnahme ist kostenlos.

Rundgang ums Olgäle-Areal Die Projektgruppe Olgäle 2012 bietet am Samstag, 5. Juni, einen Spaziergang rund um das künftige Wohnquartier an. Die Teilnehmer bekommen Informationen über den aktuellen Stand der Planungen und die Ziele der Bürgerinitiative. Treffpunkt: 10 Uhr am Marktbrunnen auf dem Bismarckplatz. Der Rundgang dauert 1,5 Stunden.

Leserbriefe

Verantwortungslos Zum Artikel „Ärzte schlagen härtere Gangart ein“ vom 29. Mai: Es ist erschütternd, wie hier wieder einmal auf den Tisch kommen musste, wie die heutige Gesundheitspolitik auf Kosten der folgenden Generationen funktioniert. Reichen die Alarmsignale noch immer nicht aus? Der medizinische Nachwuchs geht ins Ausland – muss ins Ausland gehen. Wenn die Nachtarbeit der Krankenhausmediziner mit 128 Cent pro Stunde honoriert wird, fragt man sich sehr wohl, wo das Geld der Versicherten versandet. Insofern sind die Appelle des Marburger Bunds ja noch viel zu moderat. Was hier schon im Blick auf die Zukunft angerichtet wird, ist schlicht ein Zeichen von einem fatal interpretierten Materialismus.

G. K. Geiger, Schömberg

Vorverurteilung Zu „Amoklauf-Prozess sorgt für Platzprobleme“ vom 26. Mai: Sollte sich das zuständige Landgericht nicht an die strenge gerichtliche Vorgabe der 3. Strafkammer halten, welche besagt, dass gegen den Angeklagten nur wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz und nicht wegen fahrlässiger Tötung verhandelt werden darf, so ist dieses Vorgehen für mich eine ganz klare Vorverurteilung des Angeklagten. Jeder Angeklagte in der Bundesrepublik Deutschland hat das grundsätzliche Recht auf eine faire, objektive Behandlung und Verhandlung vor den Gerichten und Medien.

Sport

Nummer 104 • Donnerstag, 7. Mai 2009

Kohlschreiber blamiert sich

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MÜNCHEN. Den großen Worten folgten keine großen Taten: Möchtegern-Champion Philipp Kohlschreiber ist beim ATP-Turnier in München schon im Achtelfinale gescheitert. Der Augsburger, der noch zu Wochenbeginn selbstbewusst davon gesprochen hatte, seinen Erfolg aus dem Jahr 2007 wiederholen zu wollen, wurde aus dem Turnier geradezu hinausgeprügelt. Der Kroate Marin Cilic, Nummer 15 der Weltrangliste, spielte mit Kohlschreiber Katz und Maus und besiegte ihn in 77 Minuten mit 6:0, 6:4. „Schade, dass ich mich in Deutschland in einer so schlechten Verfassung präsentieren musste“, sagte ein sichtlich frustrierter Kohlschreiber, der sich vor allem für die Klatsche im ersten Satz entschuldigte: „Ich schäme mich. Im Boxen hätte ich mir gewünscht, dass der Trainer das Handtuch geworfen hätte.“ In 24 Minuten gelangen ihm nur elf Punkte. Im zweiten Satz wurde es etwas besser – es konnte freilich auch nicht mehr schlechter werden. Der 20-jährige Cilic gab sich jedoch keine Blöße. Nach dem Match, das einem sportlichen Offenbarungseid glich, kündigte Kohlschreiber an, er müsse nun Dinge in seinem Umfeld, „die mich belasten, in die richtige Richtung lenken“. Ebenfalls gescheitert ist Nicolas Kiefer, Der Hannoveraner unterlag Jeremy Chardy aus Frankreich nach einer immerhin leidenschaftlichen Leistung mit 4:6, 6:7 (8:10) unterlag. Denis Gremelmayr (Heidelberg) schied ebenso aus.

HANDBALL Bundesliga

Für Vettel zählt nur der Sieg

Neuer Sportdirektor für 96 Jörg Schmadtke (45) wird Sportdirektor beim Fußball-Bundesligsten Hannover 96. Der Posten war seit Januar unbesetzt.

TSG Friesenheim – HC Erlangen 35:27.

Red-Bull-Pilot aus Heppenheim verliert den WM-Titel nicht aus dem Blick – Interesse von Ferrari Ausruhen nach dem traumhaften Saisonstart ist für den neuen Sonnyboy der Formel 1 kein Thema: Sebastian Vettel will seinem Red-Bull-Rennwagen auch beim Europa-Auftakt am Sonntag in Barcelona (14 Uhr/live bei RTL) Flügel verleihen.

Dopingverdacht – erneut in Österreich

Von Thomas Straka BARCELONA. Nach der erfolgreichsten Woche seiner noch verhältnismäßig jungen Karriere mit dem Sieg in China und Platz zwei in Bahrain hat Sebastian Vettel zu Hause in Heppenheim die Erlebnisse nur kurz Revue passieren lassen. „Es ist natürlich ein schönes Gefühl. Familie und Freunde teilen die Freude mit einem“, sagte er, „aber man lebt nicht in Erinnerungen – in der Formel 1 geht es immer weiter. Wer rastet, der rostet. Also habe ich die Zeit mehrheitlich genutzt, um mich vorzubereiten.“ Nicht nur der 21 Jahre alte Rennfahrer hat an sich gearbeitet, sein Auto wurde im Vorfeld des Rennens auf dem Circuit de Catalunya ebenfalls verbessert – obwohl der Deutsche auf einen Doppeldiffusor und das Energie-Rückgewinnungssystem (Kers) weiter warten muss. Darin sieht der aktuelle WM-Dritte aber kein Problem. „Ich denke, wir haben schon bei den letzten Rennen gezeigt, dass wir auch ohne Doppeldiffusor ein sehr konkur-

WIEN. Österreichs Sport kommt nicht zur Ruhe: Am Mittwoch wurde ein positiver Test von Radprofi Christian Pfannberger bekannt, der 29-Jährige ist bereits teamintern gesperrt. Wie Pfannbergers Katuscha-Rennstall mitteilte, habe man am späten Vormittag von dem Anwalt des Fahrers eine Mitteilung über einen „nicht negativen Test“ erhalten. Bis zu einer offiziellen Reaktion des Weltverbandes UCI wurde Pfannberger deshalb von Team suspendiert. Pfannberger, der sich keiner Schuld bewusst ist, droht eine lebenslange Sperre, da er bereits 2004 wegen Epo-Missbrauchs für zwei Jahre gesperrt worden war. Der WMAchte von 2008 wird auch nicht beim am Samstag beginnenden Giro d’Italia starten. Diese Entscheidung war bereits wenige Stunden vor Bekanntwerden der Positivprobe wegen „persönlicher Probleme“ des Fahrers gefällt worden. (sid)

renzfähiges Auto haben“, betonte Vettel, „das Design-Team weiß, wo das Auto noch zu verbessern ist, da mache ich mir keine Sorgen.“ Chef-Konstrukteur Adrian Newey hat das Rennen in Monte Carlo am 24. Mai für die Premiere seiner Diffusor-Lösung ins Auge gefasst, für den ersten Einsatz von Kers hat Red-Bull-Racing dagegen noch kein Einsatzdatum festgelegt. Bisher ist Vettel ohne Kers ausgekommen – wie auch ohne Manager. Willi Weber, Michael Schuma-

„Ein Manager ist für mich mehr als jemand, der sich nur um Finanzen und so weiter kümmert“ Vettel auf die Frage, warum sich kein Manager um seine Vermarktung kümmert chers Mitentdecker und Manager, hatte vor einiger Zeit einmal vorgefühlt und sich eine Abfuhr eingefangen. Es wird dabei bleiben, dass der junge Hesse keinen Mann anstellen wird, der ihn vermarktet. „Ein Manager ist für mich mehr als jemand, der sich nur um Finanzen und so weiter kümmert. Es sollte in erster Linie ein Jemand sein, dem man zu 100 Prozent vertrauen und mit dem man über alles reden kann. Diese Menschen gibt es für mich“, sagte er. Derzeit regelt sein Vater Norbert die Geschäfte.

Potenzielle Interessenten wie FerrariBoss Luca di Montezemolo oder MercedesSportchef Norbert Haug müssten dann schon weiterhin Vettel direkt anrufen und um einen Termin bitten. Doch wahrscheinlich würde es ihnen ergehen wie einst Willi Weber – sie bekämen ein freundliches, aber bestimmtes Nein zu hören. Der neue deutsche Formel-1-Liebling macht sich anscheinend über einen Teamwechsel überhaupt keine Gedanken. „Ich gehe die Dinge Schritt für Schritt an und lasse mich nicht von Spekulationen beeinflussen. Mein Ziel ist es, im bestmöglichen Auto zu sitzen und Rennen zu gewinnen. Ich bin derzeit aber gut aufgehoben, dort wo ich bin“, sagte er. Vettel traut sich zu, den Brawn-Piloten Jenson Button und Rubens Barrichello, die in den ersten vier Rennen als Einzige mehr Punkte gesammelt haben als er selbst, erneut ein Schnippchen zu schlagen. Für einen, der Weltmeister werden will, zählt nur der Sieg. „Willst du siegen, musst du alle schlagen“, unterstreicht Vettel und ergänzt mit Blick auf Toyota-Pilot Timo Glock (Wersau): „Auch die Hessen.“ Selbst Lob von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone, der ihn als kommenden Weltmeister sieht, nimmt der Sonnyboy gelassen: „Natürlich freut es einen, wenn jemand wie Ecclestone so etwas sagt. Aber das macht mich auf meiner nächsten Runde nicht schneller.“ Und nur darauf kommt es Sebastian Vettel an.

Dritte Liga beginnt früher Die letzten beiden Spieltage der 3. Liga werden wegen TV-Plänen um 13.30 statt um 14 Uhr angepfiffen.

Van Basten tritt zurück Marco van Basten hat seinen Rücktritt

als Trainer des niederländischen Rekordmeisters Ajax Amsterdam erklärt.

Aus für kleine Blaue Regionalligist 1. FC Heidenheim steht nach einem 2:0 (1:0) bei Oberligist Stuttgarter Kickers II im Halbfinale des WFV-Pokals.

Pech für Frisch Auf Nikola Manojlovic, Rückraumspieler des Handball-Bundesligisten Frisch Auf Göppingen fällt wegen einer Sprunggelenksverletzung mehrere Wochen aus.

Derad für Schwenker Uli Derad vom Handball-Bundesligisten TSV Dormagen soll als Nachfolger von Geschäftsführer Uwe Schwenker zum THW Kiel wechseln.

Mosley trauert um Sohn

Sport

VfL Gummersbach – TSV Dormagen 31:28. TBV Lemgo – MT Melsungen 35:30, SG Flensburg-Handewitt – TV Großwallstadt 24:18, THW Kiel – Füchse Berlin 35:26, Rhein-Neckar Löwen – GWD Minden 37:32. 1. HSV Hamburg 2. THW Kiel 3. SG Flensburg-Handewitt 4. Rhein-Neckar Löwen 5. Frisch Auf Göppingen 6. VfL Gummersbach 7. TBV Lemgo 8. TV Großwallstadt 9. Füchse Berlin 10. SC Magdeburg 11. TuS N-Lübbecke 12. HSG Wetzlar 13. MT Melsungen 14. TSV Hannover-Burgdorf 15. HBW Balingen-Weilstetten 16. TSV Dormagen 17. HSG Düsseldorf 18. GWD Minden

Fußball-Bundesligist Bayern München muss im Saisonfinale auf Christian Lell verzichten. Der Verteidiger fällt wegen einer Sprunggelenkverletzung für unbestimmte Zeit aus. Bei 1899 Hoffenheim wird Selim Teber bis Saisonende fehlen.

Foto: dpa

Nummer 92  Donnerstag, 22. April 2010

Ergebnisse und Tabellen

Ein Ball für alle

Saison für Lell wohl vorbei

Sebastian Vettel genießt das Rampenlicht der Formel 1 – und er verliert sein Ziel nicht aus den Augen: Der Deutsche will Weltmeister werden

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Kurz berichtet

Ab der Saison 2010/2011 werden alle Partien der Fußball-Bundesliga und der zweiten Liga mit einem einheitlichen Ball ausgetragen. Der Sportartikelhersteller Adidas erhielt den Zuschlag.

Tennisprofi verliert 0:6, 4:6 – auch Kiefer in München gescheitert

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931:758 897:682 790:702 832:731 774:757 793:734 771:717 738:708 793:788 759:802 718:739 671:743 752:837 672:764 671:733 700:840 662:779 660:770

51:5 48:6 40:14 39:15 37:15 35:19 34:20 33:21 30:26 20:34 19:33 19:33 19:35 17:35 12:40 12:42 9:43 8:46

2. Bundesliga Süd 1. TSG Friesenheim 2. TV Bittenfeld 3. TV Hüttenberg 4. Bergischer HC 5. SV Concordia Delitzsch 6. TV Neuhausen-Erms 7. HC Erlangen 8. SG BBM Bietigheim 9. HSG FrankfurtRheinMain 10. ThSV Eisenach 11. TV Korschenbroich 12. EHV Aue 13. HG Saarlouis 14. TSG Groß-Bieberau 15. HSC 2000 Coburg 16. TuSEM Essen 17. TuSpo Obernburg 18. Leichlinger TV

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45:13 41:17 40:16 39:19 36:22 34:24 32:26 31:27 29:29 29:31 27:31 25:33 24:34 21:37 19:39 18:40 17:41 15:43

Deutsche Meisterschaft, Play-off-Viertelfinale, Hinspiele, Frauen: Frisch Auf Göppingen - VfL Oldenburg 30:29, Thüringer HC - HC Leipzig 22:28, FHC Frankfurt/Oder - Bayer Leverkusen 27:25, Buxtehuder SV - ProVital Blomberg-Lippe 25:22.

VOLLEYBALL Bundesliga, Frauen SV Sinsheim – Alemannia Aachen 3:0, SV Lohhof – SC Potsdam 1:3, VT Aurubis Hamburg – Allianz Volley Stuttgart 2:3, Allgäu Team Sonthofen – USC Münster 2:3, Rote Raben Vilsbiburg – VfB Suhl 3:1, 1.VC Wiesbaden – Schweriner SC 3:2. 1. 1.VC Wiesbaden 2. Schweriner SC 3. Rote Raben Vilsbiburg 4. Dresdner SC 5. Allianz Volley Stuttgart 6. VfB Suhl 7. USC Münster 8. VT Aurubis Hamburg 9. Köpenicker SC Berlin 10. SC Potsdam 11. SV Sinsheim 12. Alemannia Aachen 13. Allgäu Team Sonthofen 14. SV Lohhof

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63:33 40:8 62:19 38:8 64:24 38:8 58:26 34:12 55:28 34:12 53:36 30:18 50:41 28:18 49:38 26:20 34:51 16:30 33:54 16:30 26:64 10:38 22:60 8:36 25:63 6:40 12:69 0:46

Er gibt sich kämpferisch, obwohl seine eigene Zukunft längst noch nicht geklärt ist: Uwe Krupp, Trainer der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft, fiebert der WM entgegen

Foto: dpa

1:2 – Deutsches Team muss sich steigern Eishockeycracks von Bundestrainer Krupp verlieren WM-Test gegen die Schweiz – Eröffnungsspiel vor über 76 000 Zuschauern geplant Die Eishockey-WM in Deutschland rückt immer näher: Vor dem Eröffnungsspiel am 7. Mai gegen die USA in Gelsenkirchen will Bundestrainer Uwe Krupp seine Mannschaft bestmöglich vorbereiten. Bei den beiden vergangenen Turnieren – WM 2009 und Olympia – enttäuschten die Kufenflitzer ziemlich. Von Jürgen Kemmner SCHWENNINGEN. Es soll ein Auftakt mit Knalleffekt werden, etwas, das die Welt noch nie erlebt hat. Das Eröffnungsspiel der Eishockey-WM 2010 in Gelsenkirchen soll einen Weltrekord bringen – über 76 000 Zuschauer, die Arena ist bereits ausverkauft, sollen die Partie der Deutschen gegen die US-Stars verfolgen. Die aktuelle Bestmarke mit 74 554 Zuschauer hält die College-Par-

tie zwischen den Uni-Teams von Michigan und Michigan State im Football Stadium von Lansing im Oktober 2001. Vor den Augen der Welt will sich die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) aber nicht blamieren. Bei den beiden vergangenen Turnieren bekleckerten sich die Deutschen jedoch nicht mit Ruhm – im Gegenteil. Bei der WM 2009 stieg das Team ab, nur die Tatsache, WM-Ausrichter 2010 zu sein, bewahrte Deutschland vor der B-Gruppe. Und bei Olympia in Vancouver kam Krupps Auswahl nicht über Rang elf hinaus. Je näher die Heim-WM rückt, umso stärker werden deshalb die Testspiel-Gegner: Nach den Erfolgen in den ersten beiden Vorbereitungsspielen gegen Norwegen (3:0 und 8:2) war gestern der Olympia-Achte Schweiz an der Reihe. Bundestrainer Krupp hatte einen WM-reifen Auftritt gefordert („Ich will Kampfgeist und Emotionen sehen“) – er wurde kaum enttäuscht. Die DEB-Auswahl unterlag zwar in Schwennin-

gen mit 1:2 (0:0, 0:1, 1:1), zeigte aber keine schlechte Leistung. Michael Wolf egalisierte vor 2786 Zuschauern mit seinem 32. Länderspieltor in der 42. Minute den Rückstand durch Steve Hirschi (36.). Robin Grossmann (52.) bescherte den Eidgenossen per Schlagschuss noch den knappen Erfolg. Fazit: Das deutsche Team muss sich noch steigern. Krupp hatte zuvor die Mannheimer Denis Reul und Markus Kink aus dem Kader aussortiert, dafür stießen in Schwenningen die Wolfsburger Kai Hospelt und Christopher Fischer sowie die Ingolstädter Thomas Greilinger und Michael Bakos zur Mannschaft. Einen Freibrief für die WM stellt der Bundestrainer ihnen aber auch nicht aus: „Der Kampf um die WM-Tickets ist knallhart.“ Dass seine eigene Zukunft noch unklar ist, lässt sich der kämpferische Krupp nicht anmerken. Einer, der als möglicher Nachfolger des 44-Jährigen gehandelt wird, sitzt derzeit häufig auf der Tribüne – der ehemalige Schweizer Coach Ralph Krueger, der

die Eidgenossen 13 Jahre trainierte, möchte aber keine Spekulationen anheizen. Der Deutschkanadier will den Werdegang seines Sohnes Justin verfolgen, der gegen Norwegen sein Debüt in der deutschen Auswahl feierte. Von den Gerüchten über das Ende der Amtszeit Krupps nach der WM will sich die Mannschaft in der Vorbereitung nicht ablenken lassen. „Ergebnisse sind in dieser Phase zweitrangig. Es geht darum, dass wir uns einspielen und zueinanderfinden“, sagte Kapitän Sven Felski. Nach der Partie gegen die Schweiz haben die deutschen Spieler noch vier Gelegenheiten, um ihre WM-Reife zu testen. Es geht während des Trainingslagers in Füssen am Freitag (19.30 Uhr/Füssen) sowie am Sonntag (17 Uhr/Ravensburg) gegen die Slowakei und am Samstag (16 Uhr/Füssen) erneut gegen die Schweiz. Am 4. Mai steigt die Generalprobe in Hamburg gegen Kanada – bevor am 7. Mai um 20.15 Uhr das Spiel der Spiele in Gelsenkirchen beginnt.

Der Sohn von Formel-1-Boss Max Mosley, Alexander Mosley, ist tot. Die Leiche des 39-Jährigen wurde in einer Wohnung im Westen Londons gefunden.

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Ganz vorn. Nicht nur im Postversand.

Thema Pflege beschäftigt

Worauf warten? Jetzt starten:

Zu „Pflegeheime fürchten finanziellen Ruin“ vom 11. Mai:

Spenden für „Wir laufen für Agapedia“

Man wundert sich sehr, warum so viele Pflegeheime neu gebaut werden, etwa von Institutionen wie Caritas oder Diakonie. Woher kommt dafür das Geld? Das nun per Gesetz Einzelzimmer vorgegeben werden, ist schon lange angebracht, es schützt zugleich auch die Bewohner. An den Kontrollen sowie an der guten Benotung habe ich viele Zweifel! Die zehn Prozent der Heimbewohner, die befragt wurden, wie und von wem wurden die ausgesucht? Angehörige, die den Ablauf kennen, wurden nicht gehört. Das Thema allgemein wird uns noch lange beschäftigen.

ENGAGEMENT wird bei der BWPost groß geschrieben: täglich für unsere Kunden und darüber hinaus im sozialen Bereich. Deshalb unterstützen wir auch die Aktion „Wir laufen für Agapedia 2010“: Beim 17. Stuttgarter Zeitung-Lauf am 20. Juni 2010 laufen 5 Teams der Handball-Bundesligaspielerinnen der „Nellingen Hornets“ den Staffelhalbmarathon (5 x 21,098 km). Sie können die Aktion unterstützen, indem Sie für gelaufene Meter spenden. Jeder Meter kostet 10 Cent. Ziel ist es, für alle 105.490 Meter einen Sponsor zu haben. Der Erlös der Aktion kommt dem Kinderhaus Esslingen aus der Agapedia Stiftung von Jürgen Klinsmann zugute.

Roswitha Riecker, Stuttgart

Spendenkonto 24 333 000, Bankleitzahl 600 302 00, Bankhaus Ellwanger & Geiger Spenden unter dem Stichwort „Wir laufen für Agapedia“

Zwei Stunden Verspätung Zur Sperrung der Rampe am Stuttgarter Hauptbahnhof: Am Samstagabend gegen 19 Uhr wollte ich mit der S-Bahn von Bad Cannstatt nach Böblingen fahren, aber es kam keine S-Bahn. Daraufhin fuhr ich mit der U 1 zum Hauptbahnhof. Dort schickte mich einer der Servicemitarbeiter nach unten, unten schickte mich einer nach oben. Also disponierte ich auf die S 2 Richtung Filderstadt um und wollte in Vaihingen in die S 1 umsteigen, doch die kam nicht, obwohl sie auf der Anzeigentafel angekündigt war. Irgendwann rollte dann doch noch eine S-Bahn nach Herrenberg ein, doch ich kam mit zweistündiger Verspätung in Böblingen an. Es war das schlimmste Erlebnis, das ich in Jahrzehnten mit öffentlichen Verkehrsmitteln hatte. Ich bin kein Gegner von Stuttgart 21, im Gegenteil, aber so etwas darf sich nicht wiederholen.

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Sport plus: Wassersport

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Nummer 202 · Mittwoch, 2. September 2009

Kanu Volle Kraft voraus heißt es bei den Kanuten. Bei 31 Vereinen entlang des Neckars können die Wassersportler in die Kajaks oder Canadier steigen und die Paddel durchs Wasser ziehen Foto: Baumann

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Wakeboarding

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Besonders für junge Sportler ist Wasserskifahren längst nicht mehr der Renner. Wakeboarding ist angesagt. Man schnallt sich das Brett unter die Füße, und es kann losgehen. An drei Stellen – in Oberesslingen, Heinsheim und Neckarsulm – können sowohl Wasserskifahrer als auch Wakeboarder und Jetskifahrer auf dem Neckar zu bestimmten Zeiten den Geschwindigkeitsrausch genießen. Foto: Kraufmann

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Sportparadies Neckar

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Rudern, Kanu, Wasserski – der Fluss bietet von der Quelle bis zur Mündung viele Möglichkeiten Der Neckar – er ist 367 Kilometer lang und bietet von der Quelle im Naturschutzgebiet Schwenninger Moos bei Villingen-Schwenningen bis zur Mündung in den Rhein bei Mannheim für viele Wassersportler ideale Bedingungen.

und zwischen Heinsheim und Offenau liegen. Dabei müssen sich die Wassersportler an genaue Regeln halten. Sie dürfen nur gerade Stecken fahren, Kunststücke sind nicht erlaubt. Richtig Gas geben und Figuren üben können Jetskifahrer auf einer offiziellen Strecke, die bei Neckarsulm liegt.

Von Petra Muzenhardt

Hart gegen den Wind heißt es bei den Seglern. Sowohl im Hafen von Plochingen als auch im Stuttgarter Max-Eyth-See, direkt neben dem Neckar gelegen, ziehen die Boote regelmäßig ihre Kreise. Luv und Lee heißt es auch etliche Kilometer flussabwärts. Das Revier des Lauffener Segelclubs liegt unmittelbar am Oberwasser der Staustufe Lauffen und ist zudem Heimat des Heilbronner und Obersulmer Segelsportclubs.

Keine Frachter, keine Wasserskifahrer, keine Segler – paradiesische Zustände also für die Ruderer aus Tübingen und Nürtingen. Vorfahrt achten allerdings gilt für die Skuller des Esslinger Rudervereins, denn ab Plochingen wird der viertgrößte Nebenfluss des Rheins zur Schifffahrtsstraße. 20 Ruderclubs gibt es entlang des Neckars, und etliche davon richten Jahr für Jahr Regatten aus. Zum Beispiel das Achterrennen des Stuttgart-Cannstatter Ruderclubs und die Herbstregatten in Nürtingen und Marbach. In der Schillerstadt muss wie auch bei der Regatta in Heidelberg der Schiffsverkehr immer wieder einmal angehalten werden.

Kanu

2

Auch viele Kanuten tummeln sich zwischen den 27 Staustufen von der Quelle bis zur Mündung. 31 Vereine haben ihre Bootshäuser direkt am Neckar. Doch unter dem Dach des Kanu-Verbandes sind nicht nur die Kajak- und Canadierfahrer beheimatet, sondern auch die Drachenbootsportler und Boat Bouncing Freestyler. Beides wird immer beliebter. 4000 Zuschauer bevölkerten zum Beispiel beim Heidelberger Drachenbootcup Ende Juli die Neckarwiese. 51 Teams mit über 1000 Paddlern lieferten sich spannende Rennen. In Marbach zeigten zur gleichen Zeit die Bouncing Boat Freestyler bei ihrem Wettkampf Akrobatik pur.

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Schwimmen

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Wenn die Segler oder auch die Stocherkahnfahrer in Tübingen ein unfreiwilliges Bad im Neckar nehmen, ist das kein großes Problem. Die Wasserqualität ist nicht die schlechteste. Daher veranstaltete der SV Ludwigsburg 08 schon zum zweiten Mal ein Neckarschwimmen. Ab Ludwigsburg-Hoheneck werden etwa zwei Kilometer geschwommen, zunächst etwa ein Kilometer gegen die Strömung in Richtung Staustufe, und danach wieder zurück.

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Segeln Zugegeben, es gibt größere Reviere als den Max-Eyth-See, ein künstlich angelegtes Gewässer direkt am Neckar. Doch nicht nur an diesem kleinen Idyll zwischen Bad Cannstatt und Hofen kann man die Segel hissen, auch in Lauffen und Plochingen lassen die Kapitäne ihre Boote bei Wind zu Wasser. Foto: Kraufmann

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Es sieht spektakulär aus, wenn die Kajakfahrer ihre Kunststücke vollführen. Von einer Rutsche in die Höhe katapultiert, zeigen die Freestyler in ihren nicht einmal zwei Meter langen Booten atemberaubende und riskante Flugmanöver. Foto: Baumann

Info

Adressen auf einen Blick

Stocherkahn Esch

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Kanu: www.kanu-wuerttemberg.de www.kanu-baden.de www.bouncing-boats.com Rudern: www.lrvbw.de www.rudern-in-stuttgart.de Segeln: www.seglerverband-bw.de www.lscn-sailing.de www.yachtschule-otto.de www.stuttgartersegelclub.de Schwimmen: www.svl08.com Wakeboard und Wasserskifahren: www.wsa-s.wsv.de www.motoryachtclubesslingen.de

Villingen-Schwenningen Seitenlayout / Grafik: Anette C. Weber

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Bouncing Boat

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Untertürkheim

Esslingen 1 2 3

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Sonntagmittag und an Feiertagen haben die Wakeboarder und Wasserskifahrer freie Fahrt auf dem Neckar. Allerdings nur an zwei ausgewiesenen Strecken, die zwischen Oberesslingen und dem Kraftwerk Altbach

Ob im Einer, im Zweier, Vierer oder im Achter, ob mit Riemen oder Skulls, mit oder ohne Steuermann – die Ruderer finden auf dem Neckar ein abwechslungsreiches Revier. Wer das Rudern erlernen will, hat bei 20 Vereinen von Tübingen bis Mannheim Gelegenheit dazu. Foto: Baumann

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Wakeboard und Wasserskifahren

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Es ist ein lustiges und wildes Spektakel, wenn in Tübingen die Studenten sich beim Stocherkahnfahren messen. Das Team, das als erstes die Ziellinie auf Höhe der Westspitze der Neckarinsel überquert, gewinnt und erhält neben einem Wanderpokal ein Fass Bier. Nicht so lustig wird es für das Verliererteam: Jedes Mitglied muss einen halben Liter Lebertran trinken. Foto: dpa

Text, picture, infographic. On this topic page text, picture and infographic are merged to form a unit. In the text kinds of water sport are featured: rowing, canoeing, wakeboarding, sailing, swimming. Numbers refer to the infographics, in which towns and cities and kinds of sport are to be found. Photos depict the kinds of sport, some of which are still relatively unknown.


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Panorama

Nummer 168 • Freitag, 24. Juli 2009

Bereits 2500 Deutsche infiziert – Neue Krankheitsfälle an Stuttgarter Schulen

Foto: Pablo Bonet / Instituto de Astrofísica de Canarias

So stark wie vier Millionen Augen

Im Urheberstreit um Karl Ganzers Kufsteinlied siegen die Erben

Höchster Hauptgewinn in der Lottogeschichte des Landes

Von Michael Kieffer

Von Katie Kahle

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Tipp: Die Wanderung ist mit Kinderwagen möglich, wenn zwei Stellen umfahren werden: a) An der Wegspinne gleich am Anfang rechts ab und bis zum Waldparkplatz an der B 464 gehen. Am Ende des Parkplatzes links ins Goldersbachtal und nach Bebenhausen; b) am Saugatter nicht geradeaus, sondern rechts den Fahrweg nehmen und nach etwa 100 Metern links hoch auf das Böblinger Sträßle abbiegen (etwa 1,5 km Umwege).

Goldersbachtal

Kartentipp: Karte des Schwäbischen Albvereins 1:35 000, Blatt Tübingen Rottenburg.

Einkehren: Weiler Hütte (April–Oktober tgl.

Bebenhausen

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geöffnet) und Bebenhausen.

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Freizeit · Tipps für Trips

Nummer 180 • Freitag, 7. August 2009

+ 50 Euro + 2,41 % * + 2,8 %

* zum 1. 7. 2009 Pensionserhöhung: Nur Bundesbeamte Rentenerhöhung: Nur Rentner West

ÜBERLINGEN (gk). Zwischen Bodensee und Unterallgäu finden Gesundheitsbewusste auf der Schwäbischen Bäderstraße 230 Kilometer Wellness. Von Überlingen bis nach Füssen reihen sich abseits der Hauptstraßen im hügeligen Voralpenland zehn Heilbäder aneinander. Und jedes nutzt für seine jeweiligen Therapieangebote die Landschaft mit ihren Seen, Mooren und Rieden. Von Mooranwendungen über Thermal- und Kneippkuren bis zu Heilfasten und orientalischen Massagen stehen in Überlingen, Bad Saulgau, Bad Buchau, Bad Schussenried, Aulendorf, Bad Waldsee, Bad Wurzach, Bad Grönenbach, Bad Wörishofen und Füssen im Allgäu unterschiedliche Angebote auf dem Programm. Nordic-Fitness-Kurse, Golf- und Tennisplätze, barocke Sehenswürdigkeiten und kulturhistorische Museen ergänzen das Wellnessprogramm. Mit der Pauschale „Kraft-Tanken“ können Gäste für 179 Euro zwei Tage Wohlfühlprogramm genießen und dabei ihre Wellness-Favoriten individuell kombinieren. In der Pauschale enthalten sind zwei Nächte im Drei-Sterne-Hotel mit Frühstück und zwei Drei-Gänge-Menüs, zwei Wellnessanwendungen und die Kurtaxe. Infos: Schwäbische Bäderstraße, Mühltorstraße 1, 88410 Bad Wurzach, Telefon 0 18 05 / 93 83 32.

600 m 400 m 200 m

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Hier ist was los

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Bei diesem Höhenprofil lacht das Radfahrer-Herz: Von Hinterzarten geht es mit leichtem Gefälle einmal rund um den Naturpark

Irrgarten im Mais DITZINGEN. Ein über drei Kilometer langen Irrgarten bietet das Ditzinger Maislabyrinth, das in diesem Jahr zum zehnten Mal von der Familie Siegle angelegt wurde (täglich von 11 bis 19 Uhr geöff-

Der neue Radweg rund um den Naturpark Südschwarzwald führt durch Wälder, Täler und hübsche Städtchen

Die Altersruhegelder der Beamten steigen seit 1960 deutlich geringer als die der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten

Von Markus Grabitz Berliner Redaktion BERLIN . Seit Jahrzehnten wohnen sie in einer Einfamilienhaussiedlung im Schwäbischen Tür an Tür: Alfred B., lange Jahre Ingenieur bei Bosch, und sein Nachbar Friedhelm L., zeit seines Berufslebens Lehrer. Beide sind etwa gleichaltrig. Häufig haben sie beim Skat gestritten, ob es gerecht ist, wie hierzulande die Beamtenversorgung funktioniert. Vor einigen Jahren sind beide altersbedingt aus dem Beruf ausgeschieden. Jetzt haben sie noch mehr Gelegenheit, über Renten und Pensionen zu rechten. Dabei haben sie die Erfahrung gemacht, dass es gar nicht so leicht ist, an verlässliche Zahlen zu kommen. Diese Zeitung hat sich jetzt einmal die Mühe gemacht, für die beiden zu rechnen. Es ging dabei um eine einfache Frage: Welche Gruppe hat in den vergangenen fünf Jahrzehnten mehr vom neu zu verteilenden Wohlstandskuchen der Bundesrepublik abbekommen? Waren es die Pensionäre oder die Rentner? Untersucht wurden die prozentualen Rentenanpassungen ab Anfang 1960 bis einschließlich der vorläufig letzten Rentenerhöhung im Juli 2009. Es handelt sich um für jedermann zugängliche Zahlen der Deutschen Rentenversicherung Bund. Dem gegenübergestellt werden die Steigerungen der Beamtenpensionen in Prozent, und zwar ab Juni 1960 bis Anfang dieses Jahres. Diese Zahlen lieferte das Statistische Bundesamt. Um die Übersicht nicht zu verlieren, geht es

lediglich um Pensionäre des Bundes. Seit 2006 können die Länder abweichen. Dies vorweg: Die allgemeinen Lebenshaltungskosten sind laut Statistischem Bundesamt zwischen 1960 und 2008 um etwa 290 Prozent gestiegen. Beide Gruppen haben über die lange Strecke von annähernd 50 Jahren deutliche Kaufkraftgewinne verbuchen können. Oder anders ausgedrückt: Im Vergleich zu 1960 geht bei beiden Gruppen heute ein deutlich geringerer Anteil ihrer Altersbezüge für Lebensmittel drauf. Innerhalb der beiden Systeme wurden aber doch merklich unterschiedliche Steigerungen realisiert: Die Beamtenpensionen legten im untersuchten Zeitabschnitt um etwa 475 Prozent zu, die Renten stiegen um 830 Prozent. Wenn man davon ausgeht, dass Pensionen in absoluten Zahlen höher ausfallen als Renten, kommt man zu dem überraschenden Ergebnis: Wenn die Entwicklung so anhält, müsste sich das Versorgungsniveau zwischen den beiden Systemen also irgendwann angeglichen haben. Was ist mit diesen Zahlen anzufangen? Selbstverständlich gibt es fundamentale Unterschiede zwischen den beiden Altersversorgungssystemen. Pensionäre etwa müssen schon immer Steuern auf ihre Versorgungsbezüge zahlen, die Rentner wachsen erst langsam in die volle Steuerpflicht hinein. Pensionäre bekommen noch immer Weihnachtsgeld, wenn auch in deutlich abgespeckter Form: Dieses Jahr erhalten die Pensionäre des Bundes als „Sonderleistung“ noch 15 Prozent eines Monatsbezugs. Aber fest steht doch: 1960 sollten Renten und Beamtenpensionen den Betroffenen nach jahrzehntelanger Arbeit ein Leben ohne Armut im Alter ermöglichen. Bis heute hat sich an diesem Anspruch in beiden Systemen nichts geändert. Bewusst soll hier außen vor gelassen werden, dass es vor dem Antritt des Ruhestands deutliche Unter-

schiede gibt zwischen Beamten und sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Hier sei nur darauf verwiesen, dass sozialversicherungspflichtig Beschäftigte Beiträge für die gesetzliche Altersversorgung entrichten müssen, Beamte nicht. Allerdings: Die Absenkung des Versorgungsniveaus im Zuge der Einführung einer staatlich geförderten privaten Säule der Altersversorgung („Riester-Rente“) wird gerade in beiden Systemen vorgenommen. Im Übrigen: Wer die deutliche Steigerung der Renten nicht glauben mag, kann einfach nachrechnen. 1960 lag der aktuelle Rentenwert bei 6,34 Mark, ab Juli sind es 27,20 Euro – umgerechnet in Euro also knapp neunmal so viel. Der Rentenwert bezeichnet die Ansprüche in Mark oder Euro, die ein versicherungspflichtig Beschäftigter erwirbt, wenn er ein Jahr lang den Durchschnittslohn verdient hat. Der „Eck-

rentner“, also ein Rentner mit 45 Beitragsjahren Durchschnittslohn, bekam 1960 285,30 Mark monatliche Rente. Der Eckrentner des Jahres 2009 bekommt ab Juli 1224 Euro monatlich Rente. Brutto, versteht sich. Davon sind noch 8,2 Prozent Kranken- und 1,1 Prozent Pflegeversicherung zu bezahlen sowie gegebenenfalls nach individuellem Satz Steuern abzuführen. Leider gibt es etwas Vergleichbares wie den „Eckrentner“ in der Beamtenversorgung nicht. Der „Eckpensionär“ wurde noch nicht erfunden. Der Deutsche Beamtenbund (DBB) tat sich im Zuge des Recherchen für diesen Artikel denn auch recht schwer, die Berechnungen dieser Zeitung zu bestätigen. In der Tendenz aber sieht man es bei der Standesvertretung der Beamten ganz ähnlich. „Bei reiner Betrachtung der nominalen Entwicklung sind die Renten in den letzten Jahrzehnten stärker gestiegen

Stichwort

Renten und Pensionen Es gibt derzeit etwa 20,24 Millionen Bezieher von Renten in der gesetzlichen Altersversorgung. Im öffentlichen Dienst gibt es etwa 1,4 Millionen Versorgungsempfänger, der Bund hat etwa 171 600 Beamtenpensionäre. ¡ Beamten-Versorgung: Sie umfasst die Funktion der gesetzlichen Rente sowie einer betrieblichen Zusatzversorgung. Bis 2001 galt: Die Pension betrug maximal 75 Prozent der letzten Bezüge, wenn der Beamte zuvor 40 Jahre gedient hatte. Danach wurde eine Absenkung in Stufen auf 71,75 Prozent beschlossen. Seit 2006 können die Länder bei der Besoldung abweichen, seitdem entwickeln sich Bund und Länder auseinander.

¡ Rentenversicherung: Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte zahlen in die gesetzliche Rentenkasse ein. Der Beitragssatz, den sich der Arbeitgeber und der Versicherte teilen, betrug 1957 noch 14 Prozent und liegt aktuell bei 19,9 Prozent. Der Beitrag wird bezahlt bis zur Beitragsbemessungsgrenze, sie lag 1960 bei 850 Mark im Monat und liegt jetzt bei 5400 Euro im Monat (West). ¡ Rentenniveau: Grundsätzlich gilt, dass die Rente nicht nach dem letzten Lohn, sondern nach der Summe der im gesamten Berufsleben eingezahlten Beiträge berechnet wird. Das Standard-Rentenniveau lag 1980 bei 57,6 Prozent und 2007 bei 51,2 Prozent.

als die Versorgungsbezüge“, heißt es in der DBB-Stellungnahme für unserer Zeitung. Dies sei jedoch „wegen der systematischen Unterschiede nicht direkt und unmittelbar vergleichbar“. Sowohl die Besoldungsbestandteile und -struktur (Ortszuschläge und allgemeine Stellenzulagen) als auch Versorgungsparameter (Ruhegehaltskala, Steigerungssatz) seien laufend umfangreichen Neuregelungen unterworfen. So ist etwa darauf hinzuweisen, dass Pensionen voll steuerpflichtig sind und Pensionäre häufig recht hohe monatliche Beträge für die obligatorische private Zusatzversicherung (Krankheit und Pflege) entrichten müssen. Und wie sieht es in absoluten Zahlen bei den Beamtenpensionären aus? Ein pensionierter Zollsekretär (Besoldungsstufe A 6, ledig) bekam 1960 462,71 Mark Ruhegehalt im Monat brutto, 2009 kommt ein A-6-Pensionär auf 1579,63 Euro Höchstruhegehalt. 1960 erzielte ein früherer Grundschul-Konrektor (Besoldungsstufe A 12) ein maximales Ruhegehalt von 963,94 Mark, heute bekommt er höchstens 2801,98 Euro. Ein pensionierter Gymnasialdirektor (A 16) kam im Jahr 1960 auf ein Ruhegehalt von monatlich höchstens 1517,59 Mark, heute bekommt er höchstens 4253,09 Euro. Damit hatten Alfred B. und Friedhelm L. wohl nicht gerechnet: Die Rentner haben über die Jahre deutlich höhere Einkommenszuwächse erzielen können als die Beamten. Übrigens: Bei den Skatrunden der beiden ist auch Günther K. dabei. Er war lange Zeit selbstständig, mit seinem Tapetengeschäft hat er in den 70er und 80er Jahren gut verdient, selbst aus Frankreich kamen die Kunden für die Textiltapeten. Doch dann gingen die Geschäfte immer schlechter. Zuletzt hat er aus eigener Tasche zuzahlen müssen. Und einen beachtlichen Teil seines Privatvermögens hat er in der Finanzkrise verloren.

Wenn es um die Homo-Ehe geht, bleibt Obama ganz kalt Die zwiespältige Haltung des Präsidenten wird in den USA immer lauter kritisiert – von Befürwortern und Gegnern gleichermaßen Von unserem Korrespondenten Markus Günther, Washington WASHINGTON. Beim traditionellen Dinner mit den Korrespondenten des White House Press Corps erlaubt sich Barack Obama am letzten Wochenende einen delikaten Witz. Er spricht über sich und seinen treuen Freund David Axelrod wie über ein altes Liebespaar und schlägt dann vor, mit ihm nach Iowa zu fahren, „um es endlich offiziell zu machen“. Damit spielt Obama darauf an, dass Iowa gerade die Homo-Ehe legalisiert hat. Ein seltsamer Witz. Denn Obama hat beim Thema Homo-Ehe nichts zu lachen. Im Gegenteil. Seine zwiespältige Haltung wird immer lauter kritisiert – von Befürwortern und Gegnern gleichermaßen. Man könnte meinen, die Zeiten großer ideologischer Debatten um Homosexualität seien vorbei oder doch zumindest von der Wirtschaftskrise in den Hintergrund gedrängt. Doch tatsächlich hat die Homo-Ehe

in Obamas ersten Monaten als Präsident eine unverhältnismäßig große Rolle gespielt. Das fing damit an, dass Obama den Prediger Rick Warren als offiziellen Geistlichen für seine Amtseinführung ausgesucht hat. Warren ist in der Schwulenszene eine Reiz- und Hassfigur, weil er Homosexualität als unnatürlich bezeichnet und mit Kindesmissbrauch und Polygamie verglichen hat. Obama selbst hat im Wahlkampf „mehr Gleichberechtigung“ für homosexuelle Partner versprochen. Eine regelrechte „Ehe“ gleichgeschlechtlicher Partner lehnt aber auch Obama strikt ab und beruft sich dabei auf sein christliches Ehe-Verständnis. Obamas Haltung spiegelt sehr genau die Mehrheitsmeinung in den USA wider: Die meisten Amerikaner sind für die gesetzliche Anerkennung von homosexuellen Partnerschaften und für eine weitgehende Gleichstellung mit Eheleuten, wenn es etwa um Steuern, Erbfolge, Unterhaltsansprüche, Patientenverfügungen und dergleichen

mehr geht. Aber ebenso solide ist die Mehrheit gegen die Bezeichnung „Ehe“ für homosexuelle Partnerschaften. In den letzten Tagen hat das Thema wieder Fahrt bekommen, weil zum einen zwei der möglichen Kandidaten für den Obersten Gerichtshof homosexuell sind, zum anderen aber auch, weil die Gerichte überall in den USA mit Klagen, Gesetzen und Volksabstimmungen zum Thema Homo-Ehe zu tun haben.

Vor allem schwarze Pastoren laufen gegen die Homo-Ehe Sturm Die Landkarte der Gleichberechtigung wird von den Gerichten fast täglich neu gezeichnet: Fünf der 50 Bundesstaaten erlauben derzeit die Homo-Ehe, wobei das konservativ-ländlich geprägte Iowa in besonderer Weise als Wende-Signal erscheint, denn die anderen Staaten (Massachusetts, Maine,

Vermont und Connecticut) sind traditionell liberal. Auf der anderen Seite haben 26 Bundesstaaten – meist per Volksabstimmung – Verfassungszusätze verabschiedet, die eine Homo-Ehe generell ausschließen. Und in Staaten wie Kalifornien haben sich höchstrichterliche Urteile und Referenden gegenseitig das Recht abgesprochen, die Frage zu entscheiden. Einen Fall, der die komplizierte Lage illustriert, kann Obama vor der eigenen Haustür beobachten. In der Hauptstadt Washington wird derzeit über die Anerkennung der Homo-Ehe gestritten. Vereinfacht gesagt sind die weißen Bildungseliten dafür, die Mehrheit der Schwarzen ist dagegen. Vor allem schwarze Pastoren laufen gegen die Homo-Ehe Sturm und bringen Obama in Konflikt mit einer seiner wichtigsten Wählergruppen. „Wenn Obama einen Homosexuellen für den Supreme Court nominiert, wird das dramatische Folgen für unsere Gesellschaft haben“, warnt der schwarze

baptistische Bischof Harry Jackson, der die Proteste gegen die Homo-Ehe und schwule Richter in Washington anführt. Doch auch auf der politisch linken Seite wächst der Druck. „Wie lange sollen wir denn noch auf das Ende der Diskriminierung warten?“, fragt der schwule Schriftsteller David Mixner, „wo ist denn der starke Verbündete, der uns versprochen worden ist?“ Schon bei der Besetzung seines Kabinetts, sagt Mixner zornig, habe Obama ihn enttäuscht, weil er keinen schwulen Minister ernannt hat. Obama schweigt zu all dem. Aus der Umgebung des Präsidenten heißt es, es sei jedenfalls nicht ausgeschlossen, dass Obama seine Meinung doch noch ändere und eine Homo-Ehe unterstütze. Vorläufig aber habe der Präsident zum Thema nichts Neues zu sagen. Immerhin: Obama will jetzt ein Gesetz vorschlagen, wonach härtere Strafen bei gezielten Gewalttaten gegen Schwule und Lesben vorgesehen sind.

Use of infographics Infographics are used in nearly all sections of the Stuttgarter Nachrichten. There is a basic concept for the typefaces and colours used. The infographic designers make use of a fixed repertoire of elements which are specified in the manual.

Foto: Duval

Im Sattel immer gemütlich bergab Mit dem Fahrrad durch den Schwarzwald – das klingt nach einer Schweiß-undTränen-Tour. Doch auf dem neuen Rundweg von Freiburg über Basel lässt es sich bequem radeln. Auf 264 Kilometern geht es vor allem „genussvoll bergab“.

Kunstvolles Wegearrangement im Ditzinger Maislabyrinth Foto: StN net). Kommendes Wochenende ist ein Familienfest mit Kinderprogramm zusammen mit dem Schwäbischen Albverein geplant. Vom Bahnhof Ditzingen ist der Weg ausgeschildert.

www.ditzingermaislabyrinth.de

Fahrt übers Härtsfeld NERESHEIM. An diesem Wochenende steht das Härtsfeld im Zeichen der Nostalgie. Bei der Neresheimer Bahnhofhocketse treffen sich Freunde von histori-

Eine Fahrt im Dampfzug oder im Oldtimerbus übers Härtsfeld Foto: StN schen Schienen- und Straßenfahrzeugen auf dem Gelände der Centralstation am Bahnhof Neresheim. Die schmalspurigen Museumszüge fahren im Stundentakt, von der Endstation Sägmühle kann man zur Burg Katzenstein oder zum Härtsfeldsee wandern. Auch Rundfahrten in Oldtimerbussen werden angeboten. Los geht es am Samstag um 14, am Sonntag um 10 Uhr.

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