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3. icma, Kategorie 2: Kundenzeitschriften B2B


2 Kundenzeitschriften B2B 2

GOOD

2012

DAS MAGA ZIN FÜ R ZU KU N F TS FR AG EN

Wie viele Dimensionen hat

QUALITÄT? Die größten Herausforderungen der Lebensmittelbranche

GOOD.FOOD

Wie verändert sich die Esskultur? Mobilität schafft Milliardenmärkte

GOOD.LIFE

Essen wir unsere Zukunft auf? Die neue Definition von Wohlstand

GOOD.IDEA

Kann man Alzheimer vorbeugen? Rezepte gegen Volkskrankheiten

Good – Nestlé, D Nestlé ist ein großer Lebensmittel-Hersteller. Daher dreht sich alles in dieser KundenZeitschrift um Nahrungsmittel und ums Essen. Es wird eine Mischung aus Fotografien, Infografiken, Illustrationen und alternativen Storyformen eingesetzt. Doppelseitige Fotos bringen Rhythmus ins Heft und schaffen einen gestalterischen Zusammenhalt über die gesamte Strecke der Zeitschrift.

Good, Das Magazin für Zukunftsfragen – Nestlé, D, Gold Award


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GOOD.DAY / Fakten

GOOD.DAY / Editorial

86 PROZENT

der Deutschen sind mit ihrer Ernährung unzufrieden: Sie essen zu spät, zu viel, zu unregelmäßig oder zu oft alleine.

„Eine neue Kultur der Ernährung“ Was heißt eigentlich Qualität? Ist Ernährung zu einfach geworden? Oder zu kompliziert? Was tut uns gut?

Quelle: Nestlé-Studie 2011 „So is(s)t Deutschland“

kosten jährlich bundesweit ernährungsbedingte Erkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck. M R D . E U RO

Quelle: Eckpunktepapier der Bundesregierung, „Gesunde Ernährung und Bewegung – Schlüssel für mehr Lebensqualität“

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Menschen in Europa haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

MILLIONEN

2/

25%

der Schüler fühlen sich nach dem Essen in der Mensa müde und träge. Weitere 32 Prozent geben an, voll, schwer und lustlos in den Nachmittagsunterricht zu starten. Quelle: Nestlé-Studie 2010 „So is(s)t Schule“

Quelle: United Nations World Water Development Report 2012

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KILOGRAMM

Lebensmittel landen jährlich pro Kopf in deutschen Mülltonnen. Davon wären 53 Kilo noch genießbar. Quelle: Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

www.nestle.de

L COVER-ILLUSTRATION / MARTIN HAAKE, BILD / NESTLÉ DEUTSCHLAND

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iebe Leserinnen, liebe Leser, willkommen bei GOOD, dem Magazin für Zukunftsfragen zum Thema Ernährung. Mit diesem Heft wollen wir Ihnen die vielfältigen Herausforderungen aufzeigen, vor denen die Lebensmittelindustrie, unsere Gesellschaft und jeder Einzelne steht. Wir wollen jedoch nicht nur Fragen aufwerfen, sondern auch Anstöße zum Nachdenken und Handeln geben, um auch nachhaltig eine lebenswerte Zukunft zu gestalten. „Good Food, Good Life“: An diesem Leitbild richten wir von Nestlé unser Engagement für unsere Konsumenten aus. Mit unserer langfristig angelegten Initiative „Qualität bedeutet mehr“ messen wir die gesamte Wertschöpfungskette an diesem Anspruch – vom nachhaltigen Anbau eines Rohstoffs bis hin zum genussvollen Moment im heimischen Wohnzimmer. Denn Güte und Wertschätzung eines Produktes orientieren sich am Beitrag und Nutzen aller Beteiligten. Daher hat der Austausch mit den Verbrauchern, dem Handel,

den Lieferanten und Produzenten sowie NGOs, Wissenschaft und Politik für Nestlé hohe Priorität. GOOD soll einen Beitrag zu diesem Diskurs leisten. Gesellschaftliche Trends, wirtschaftliche Entwicklungen und ökologische Themen, die die Lebensmittelbranche bewegen, stehen auf der Agenda. Was muss sich ändern, damit es uns besser gelingt, uns so zu ernähren, wie wir es wollen – und wir an Lebensqualität gewinnen? Kann eine personalisierte Ernährung in Zukunft dazu beitragen, Volkskrankheiten wie Diabetes oder Alzheimer vorzubeugen und nachhaltig die Gesundheitskassen zu entlasten? Und nicht zuletzt: Brauchen wir ein neues Verständnis von Wohlstand und Ernährung? Essen ist ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Wir wollen Ansätze aufzeigen, welches Verhalten wir uns als Gesellschaft mit Blick auf unsere Gesundheit und Umwelt noch leisten können. Ich glaube, wir müssen einiges überdenken. Wir brauchen eine neue Kultur der Ernährung. Wir brauchen ein umfassendes Verständnis von Qualität. Treten Sie mit uns in den Dialog und lassen Sie uns Lösungen für eine gemeinsame Zukunft suchen.

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Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen

Gerhard Berssenbrügge Vorstandsvorsitzender Nestlé Deutschland AG

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GOOD.NEWS / Story

GOOD.NEWS / Qualität bedeutet mehr Die Initiative von Nestlé / Ran an die Hot Spots Aufruf von Michael Kuhndt / Nachhaltige Schokolade Cocoa Plan trägt Früchte / Lieferanten unter der Lupe Benchmark im Einkauf / Maggi-Werk setzt Zeichen CO2-neutraler Lagerbetrieb

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6/

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D

ass Abdou Okafor noch einmal eine Schule besuchen würde, hätte er vor einigen Jahren nie für möglich gehalten. Doch heute trifft er sich alle zwei bis drei Wochen mit anderen Bauern aus der Umgebung auf einer Kakaoplantage. Auf dem Lehrplan stehen der richtige Beschnitt und die Pflege der Pflanzen. Es geht um Schädlingsbekämpfung und den korrekten Einsatz von Düngemitteln. Sein

Unterricht ist Teil des Cocoa Plans, Nestlés Initiative für nachhaltigen Kakaoanbau. Mit 20 Mitschülern lernt er nicht nur, wie sie den Ertrag und die Qualität ihrer Ernte verbessern können, sondern auch, wie wichtig eine gute Ausbildung für seine Kinder ist. In den nächsten zehn Jahren werden in den Kooperativen 100 Schulen gebaut. 2011 wurden 19.000 Bauern in der Elfenbeinküste, Ghana, Mexiko, Ecuador, Venezuela, Brasilien und Indonesien geschult. Mehr dazu auf Seite 18

BILD / NESTLÉ DEUTSCHLAND

GEWUSST WIE

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GOOD.NEWS / Studie

GOOD.NEWS / Studie

MEHR ALS NUR LECKER VIER DIMENSIONEN DER QUALITÄT Gut informiert und kritisch – der Verbraucher von heute weiß, was er will. Aber manchmal nicht, was er bekommt. Die Forderung nach Transparenz und Nachhaltigkeit verlangt von den Lebensmittelherstellern neue Wege zum Konsumenten. 8/

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T / DETLEV BRECHTEL I / MARTIN HAAKE

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in Supermarkt – mitten in Deutschland. Obst, fast wie gemalt, liegt auf übergroßen Markttheken. Fisch, Fleisch, Gemüse und Brot präsentieren sich als kunstvoll drapierte Demonstration purer Frische. In allen Geschmacksvariationen stapeln sich tiefgekühlte Speisen und Desserts in Glasvitrinen. Dazwischen breite Gänge, ausladende Regalflächen, Platz für mediterrane wie regionale Genüsse. Ein Bistro lädt zum Verweilen ein, von den Verkostungstresen duftet es nach Gewürzen und Kaffee. „Schnuppern“, „Tasten“, „Sehen“, „Atmen“ – Wortkunstwerke an orangefarbenen Wänden machen Appetit. Ein Paradies für die Sinne. Hier, in diesem besonderen Ambiente des Edeka-Frischecenters Zurheide in Düsseldorf-Reisholz, dem Supermarkt des Jahres 2011, ist er vermutlich bereits an jeder Ecke zu treffen: der „Quality Eater“. Ein Verbraucher, der auf mehr als nur den Preis achtet. Vor allem bei jüngeren Lebenswelten hat sich in jüngster Vergangenheit immer stärker der Wunsch verfestigt, so zu essen, wie man leben will – nachhaltig, wertbasiert, regional orientiert. Essen, was guttut. Neben Geschmack und Produktsicherheit, den Grundvoraussetzungen für die Produktentscheidung, sind Gesundheit und Nachhaltigkeit zu wichtigen Kaufkriterien geworden. In den vergangenen fünf Jahren stieg der Anteil qualitätsorientierter Haushalte bei den Auszubildenden, Studierenden und jungen Familien um stattliche zehn Prozent an, ergab eine Erhebung der Gesellschaft für Konsumgüterforschung (GfK).

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Die Verbraucher besitzen einen differenzierten Qualitätsbegriff bei Lebensmitteln. Geschmack, Sicherheit und Gesundheit spielen für sie die wesentliche Rolle.

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e natürlicher und unbehandelter ein Produkt, umso höher ist das Qualitätsempfinden beim Konsumenten. Frauen haben dabei ein klarer konturiertes Verständnis von Qualität als Männer. Während obere soziale Schichten Lebensmittelqualität stärker mit Sicherheit, Natürlichkeit, nachhaltigen Aspekten und Transparenz verbinden, sind unteren sozialen Schichten das Kriterium Haltbarkeit und gesundheitsfördernde Eigenschaften („Das Produkt ist gut für …“) wichtiger. Obwohl Frische eine wesentliche Dimension von Qualität ist, sprechen die Verbraucher verpackten Lebensmitteln nicht pauschal schlechtere Qualität zu. Zwar stuft die Mehrheit der Bevölkerung Lebensmittel von Handelsmarken als qualitativ gleichwertig ein, im direkten Vergleich werden die großen und bekannten Marken jedoch deutlich stärker mit Qualität in Verbindung gebracht. Bei der Berichterstattung über Lebensmittel genießen Testzeitschriften oder Informationen der Verbraucherzentralen das höchste Vertrauen. Netzangebote spielen dabei kaum eine Rolle. Kaufverweigerung ist und bleibt das wichtigste Machtmittel. /

62 PROZENT

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KEY OPINION LEADER: MEHR QUALITÄT DURCH MEHR TRANSPARENZ

Mehr Transparenz in der Wertschöpfungskette fordert der Handel. Regionalität ist Trumpf.

Die überwältigende Mehrheit der Meinungsführer schätzt die Lebensmittelqualität in Deutschland als besonders positiv ein.

K

D

ein Zweifel: Der Handel wird dem Thema Gesundheit in den nächsten Jahren mehr Fläche gewähren müssen. Höhere Wichtigkeit erlangt aus Sicht des Handels die Transparenz in der Wertschöpfungskette, insbesondere bei Produktionsbedingungen und Herkunft. Produkte aus der Region sind gefragt. Regio toppt Bio. Die Bedeutung des Qualitätsmerkmals Bio stagniert, das Preisniveau sinkt merklich. Klar ist jedoch auch: Der Handel wird sich in Zukunft hundertprozentig an den Verbrauchererwartungen orientieren. Und das, obgleich der Verbraucher derzeit als eher schlecht informiert eingeschätzt wird. Genuss ist und bleibt der wichtigste Differenzierungsfaktor des Verbrauchers aus Sicht der Handelsunternehmen. Die größten Profilierungspotenziale für einen Lebensmittelhersteller liegen daher aus Sicht des Handels eindeutig bei den Aspekten Genuss und Gesundheit. Diese Kernkompetenzen wenden die Handelsunternehmen künftig aber immer stärker auch auf ihre Eigenmarken an. Top-Qualität zum günstigsten Preis betrachtet der Handel als seine dominierenden Einkaufsprämissen. /

VERBRAUCHER NEHMEN IM HANDEL NUR WENIG QUALITÄTSUNTERSCHIEDE WAHR Die Qualität der Lebensmittel in den Geschäften unterscheidet sich aus Sicht der Konsumenten Keine Angabe / unentschieden

Sehr

der Verbraucher schätzen ihren Einfluss auf die Lebensmittelqualität als groß bis sehr groß ein. Dass der Verbraucher gar keinen Einfluss hat, glauben nur zwei Prozent der Bevölkerung.

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DER HANDEL: GESUNDHEIT UND GENUSS SIND GEFRAGT

15

6

Kaufe immer im gleichen Geschäft

6

3

Angaben in Prozent

39 Etwas

Gar nicht

Kaum

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Basis: Deutschland, Bevölkerung ab 16 Jahren Quelle: Allensbacher Archiv, IfD-Umfrage 10090

amit fällt das Urteil der Key Opinion Leader noch bejahender aus als das der Verbraucher. Überraschend groß ist das Vertrauen in das deutsche Lebensmittel-Kontrollsystem. Den Verbrauchern unterstellen die Meinungsführer eine enge Fokussierung auf den Geschmack. Besonders die Verbraucherschützer attestieren dem Konsumenten fehlendes Qualitätsbewusstsein und mangelnde Urteilskraft. Hier sehen die Key Opinion Leader die Lebensmittelhersteller in der Pflicht, über die Kennzeichnung von Produkten eine höhere Transparenz und stärkere Wahrnehmung von Qualität herbeizuführen. Die große Mehrheit der Meinungsführer wirft den Herstellern allerdings Versäumnisse in puncto Transparenz und Nachhaltigkeit vor. Ähnlich wie die Gesamtbevölkerung sind sie der Ansicht, dass die Zuständigkeit für Qualität bei den Lebensmittelherstellern liegt. Die Verbraucherplattformen spielen dagegen bei der Beurteilung der Qualitätsdimension aus Sicht der Meinungsführer nur eine untergeordnete Rolle. /

BILD / ATLI MAR HAFSTEINSSON / RADIUS IMAGES

DER VERBRAUCHER: NATÜRLICH UND NACHHALTIG SOLL NAHRUNG SEIN

BILD / MARNIE BURKHART / CORBIS, PAUL TAYLOR / CORBIS

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GOOD.NEWS / Studie

MEINUNGSFÜHRER BESCHEINIGEN KONSUMENTEN FEHLENDE URTEILSKRAFT Wie gut Verbraucher aus Sicht der Meinungsführer die Qualität der Lebensmittel einschätzen können Keine Angabe / unentschieden

Sehr gut

34

13

Kaum / Gar nicht

27 Gut

Angaben in Prozent

53

Weniger gut Basis: Deutschland, Meinungsführer aus Politik, Medien, NGOs Quelle: Allensbacher Archiv, IfD-Umfrage 9678

WAS IST QUALITÄT? GENUSS, GESUNDHEIT, SICHERHEIT UND NACHHALTIGKEIT SIND ENTSCHEIDEND FÜR DAS VERTRAUEN IN DIE GÜTE VON LEBENSMITTELN. DIE ERGEBNISSE DER NESTLÉ-STUDIE „DAS IS(S)T QUALITÄT“. QUALITÄT GEWINNT Beim Einkauf zählt immer weniger der Preis

Beim Einkaufen achte ich vor allem auf Qualität

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Beim Einkaufen achte ich vor allem auf den Preis

2003

2005 2006

2007

2008 2009

2010

2011

Quelle: GfK Trendsensor Konsum (bis 2004), GfK ConsumerScan (ab 2005)

DIE NESTLÉ-STUDIE: „DAS IS(S)T QUALITÄT“ Wie schätzen Verbraucher die Lebensmittelqualität in Deutschland ein? Was erwarten sie in Zukunft von den Herstellern hinsichtlich gesunder Ernährung, aber auch in puncto Genuss? Welche Anforderungen stellt der Konsument an den Herstellungskreislauf eines Produktes? Diese Fragen hat die Nestlé-Marktforschung in Zusammenarbeit mit dem

Institut für Demoskopie Allensbach und der Handelsberatung Gruppe Nymphenburg im Rahmen der Studie „Das is(s)t Qualität“ erhoben. Befragt wurden drei Gruppen: die Verbraucher, der Handel und die Meinungsführer aus Wirtschaft, Politik und regierungsunabhängigen Organisationen. Die Ergebnisse dienen als Grundlage zur Qualitätsdefinition des Unternehmens. www.nestle.de

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GOOD.NEWS / Aufruf Essay

GOOD.NEWS GOOD.NEWS/ /Aufruf Essay

Hot Spots!“ D

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DER AUTOR Wie gelingt es uns, den steigenden Nahrungsmittelbedarf einer wachsenden Weltbevölkerung umweltund ressourcenschonend zu befriedigen? Was sind die stärksten Hebel für eine zukunftsfähige Ernährung? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Michael Kuhndt, Geschäftsführer des UNEP/Wuppertal Institute Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production (CSCP). Er analysiert die ökologischen Auswirkungen von Produktion und Konsum und entwickelt unter anderem Instrumente zur Messung und Reduzierung von Nachhaltigkeitseffekten.

urch das Bevölkerungswachstum, die Änderung der Ernährungsgewohnheiten und den Klimawandel bei einer begrenzten landwirtschaftlich nutzbaren Fläche entwickelt sich die Versorgung mit Nahrungs- und Futtermitteln zunehmend zu einer globalen Herausforderung. Daher sind massive Produktivitätssteigerungen von der landwirtschaftlichen Urproduktion über die Lebensmittelindustrie bis hin zum Handel und Konsum notwendig. Die Weltbank geht davon aus, dass bis zum Jahr 2030 der Nahrungsmittelbedarf um 50 Prozent, der Bedarf an Fleisch sogar um 85 Prozent ansteigen wird. Rein rechnerisch wäre es derzeit problemlos möglich, mit der globalen Nahrungsmittelproduktion die Menschheit zu ernähren – bei einer täglichen Ration von 2.700 Kilokalorien. Dass dennoch viele Menschen hungern, ist demnach weniger ein Problem der Effizienz der Produktion, sondern ein Problem der Effizienz der Verteilung. / ÖKOLOGISCHEN FUSSABDRUCK MINIMIEREN In Europa macht der Konsum von Lebensmitteln und Getränken derzeit 20 bis 30 Prozent des ökologischen Fußabdrucks wie Treibhausgasemissionen und Ressourcenverbrauch aus und reiht sich somit neben die Umweltbelastungen ein, welche durch Mobilität und Wohnen verursacht werden. Für die Qualität eines Produkts gewinnen neben Umwelt- und Klimaschonung auch soziale Aspekte, etwa die Arbeitsbedingungen in Produzenten- und Zuliefererländern, faire Entlohnung als auch Tierethik, zunehmend an Bedeutung. Die Steigerung der Nachhaltigkeit hängt aber auch vom Konsum und damit von unseren Lebensstilen ab. Heute liegt unser Ressourcenfußabdruck pro Person bei jährlich circa 55 Tonnen, davon entfallen etwa 15 Tonnen auf die Ernährung. Ein nachhaltiger Lebensstil im Jahr 2050 kommt pro Person mit lediglich acht Tonnen aus, drei Tonnen davon beansprucht die Ernährung. Um dieses Ziel zu erreichen, gilt es unter anderem die Lebensmittelabfälle weitgehend zu minimieren. Denn allein diese machen derzeit in Europa circa 40 Prozent des ernährungsbedingten ökologischen Fußabdrucks von 15 Tonnen aus.

Eine nachhaltige Ernährung hat enormes Potenzial, um der globalen Herausforderung der Lebensmittelversorgung zu begegnen. Nur wenn Industrie und Handel gemeinsam die heißesten Probleme anpacken, wird es gelingen, umfassende Qualität zu sichern.

Die effiziente Nutzung der Ressourcen erfordert intelligente Systeme, in denen sämtliche Energie-, Wasser- und Nährstoffkreisläufe optimal ineinandergreifen. Diese „Grüne Revolution des 21. Jahrhunderts“ stellt den Schritt von einer inputintensiven zu einer wissensintensiven Wertschöpfungskette dar. Ein Startpunkt dazu ist das Wissen um die sogenannten Hot Spots. Im Ergebnis werden die relevantesten Probleme in jeder Lebenszyklusphase als Hot Spots der Produkte identifiziert. Die Methode unterstützt Entscheidungsprozesse, die langfristig die Nachhaltigkeit von Produkten zu verbessern anstreben, da nicht Nebenschauplätze, sondern die wichtigsten negativen Umweltverbräuche beziehungsweise -einträge und die größten gesellschaftlichen Missstände von der Gewinnung der Rohstoffe bis zum Nutzungsende identifiziert werden.

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/ STARKE KOOPERATIONSPARTNER SUCHEN Für die Entwicklung und Verifizierung von Maßnahmen zur Minimierung der Hot Spots, sei es im Bereich von Nachhaltigkeit, Sicherheit, Gesundheit oder Geschmack, ist der Dialog mit impulsgebenden Interessengruppen und der Zivilgesellschaft nötig. Die Transparenz bezüglich dessen, was dann mit den Maßnahmen entlang von Wertschöpfungsketten erreicht worden ist, können Barcodes liefern. Insbesondere Konsumenten legen immer mehr Wert darauf, über Lebensmittel verständlich und transparent informiert zu werden und die Geschichte hinter dem Produkt zu kennen. Dies betrifft unter anderem glaubwürdige Aussagen zu Inhaltsstoffen, verlässliche Nährwertangaben, nachvollziehbare Kennzeichnungen und Angaben zur Produktherkunft. Denn nur wer sich ehrlich informiert fühlt, kann Vertrauen fassen und sich für ein Produkt mit nachhaltiger Qualität bewusst entscheiden. Eine nachhaltige Ernährung hat enormes Potenzial. Macht man alles richtig, kann beim Essen rund die Hälfte der Treibhausgase und Ressourcen eingespart werden. Solche Anforderungen können von der Lebensmittelindustrie und dem Handel nicht im Alleingang gemeistert werden. Es bedarf starker Partnerschaften und innovativer Geschäftsmodelle mit relevanten Akteuren entlang der gesamten Wertschöpfungskette, um eine nachhaltige Qualität kontinuierlich auszubauen. /

» www.scp-centre.org

BILD / CSCP, DAVE REEDE / AGSTOCK IMAGES / CORBIS

„RAN AN DIE

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GOOD.FOOD / Story

GOOD.IDEA / Fakten

GOOD.FOOD / Keine Zeit, keine Zeit Mobile Esskultur / Snack around the World Kleine Zwischenmahlzeiten / Moderator Markus Lanz über den schnellen Kick / Einsam oder gemeinsam Essay von Renate Schmidt / Starkoch am Schulherd Johann Lafers neue Mensa / Kulinarischer Streifzug Kantinen mit Charakter

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B

esichtigungstermine, Kundengespräche, Akquise – der tägliche Zeitplan des selbstständigen Immobilienmaklers Nikos Stamatopoulos ist eng getaktet. Zeit zum geregelten Mittagessen? Nicht dran zu denken! Wie 80 Prozent der Vollzeitberufstätigen isst er mittags außer Haus, seine Favoriten heißen Döner, Leberkässemmel, Pizzateilchen. Schnell muss es gehen. Entscheidend ist für ihn allenfalls, bei wem, nicht was er kauft. „Ich ernähre mich bewusst, wenn auch nicht immer gesund“, sagt der 30-jährige Münchner. Zum Ausgleich ist beim Start in den Tag Slow Motion angesagt. Lieber steht er frü-

her auf, als auf sein Frühstück mit Kaffee und Toast zu verzichten. „Die halbe Stunde nehme ich mir“, sagt er. Nachgeholt wird auch am Wochenende. Dann steht der passionierte Hobbykoch gerne selber am Herd oder isst, wie früher schon als Schüler fast täglich, bei seiner Großmutter, Herta Rebhahn. „Zu Mittag kochen ist für mich das A und O. Wenn ich das nicht schaffe, bin ich ganz unglücklich“, lacht die 76-Jährige. Ob Braten oder Gemüseauflauf: Was „Gscheits“ soll es sein, mit gesunden Zutaten in guter Qualität. Der Kaloriengehalt ist Nebensache: „An Salat oder Gemüse kommt bei mir immer ordentlich gutes Olivenöl, nicht nur so ein kleines Löffelchen“.

BILD / IRMIN EITEL

TEMPO, TEMPO

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GOOD.FOOD / Bericht

KEINE ZEIT, KEINE ZEIT Flexibilität und Mobilität kennen keine festen Mahlzeiten und keine festen Orte. Der schnelle Snack für zwischendurch gehört zum Alltag. Außer Haus zu essen wird zur Gewohnheit.

T / HERTA PAULUS I / MARTIN HAAKE

G

egessen wird immer und überall. Was bis in die späte Nachkriegszeit ein absolutes Tabu war, ist längst ein alltägliches Phänomen auf deutschen Straßen und Plätzen. Von Kiel bis Garmisch bevölkern Heerscharen mobiler Esser die Fußgängerzonen, Parkanlagen und Eingangshallen von Bahnhöfen und Flughäfen. Unmanierlich oder gar anstößig findet dies mittlerweile kaum einer mehr. Selbst Traditionsritter wie Moritz Freiherr von Knigge mahnen beim Verzehr von Döner, Pizza & Co. im Gehen allenfalls ein gewisses „Feintuning“ an. Die Etikette rät schlicht zu „beherrschbaren Essgebilden“ wie etwa „Bratwürsten ohne Senfberge“. Willkommen in der Snackgesellschaft: Gegessen wird heute, wann man will, wo man will, was man will und wie man will. Immer öfter allein, immer öfter nebenbei, immer öfter unter der Kosttrikolore „schnell, bequem und funktional“. Individualität, Flexibilität und Spontanität bestimmen das Verhalten.

BILD / PERSONAL MEDIA WIPPERMANN UG

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/ SCHNELL EIN SNACK Um zwölf steht die Suppe auf dem Tisch, gefolgt von Hauptgericht und Nachspeise, um sechs Uhr gibt es Abendbrot – das war einmal. Verbindliche Essenszeiten und Speiseabfolgen gehören der Vergangenheit an. Stattdessen wird sich durch den Tag gesnackt, ein Salat hier, ein belegtes Brot oder ein süßes Teilchen dort. Mag der Körper auch „hallo, ich bin satt“ signalisieren – Menge wie Kalorien werden gerne ignoriert.

„To go ist erst der Anfang einer Verflüssigung der Alltagsstrukturen.“ Peter Wippermann Trendforscher

Der Out-of-Home-Markt ist klar auf Wachstum gepolt, schon beim Schulkind heißt schließlich die Devise: Pommes statt Pausenbrot, Mensa statt heimischer Mittagstisch. „Die zunehmende Mobilität und die Unregelmäßigkeiten der Tagesverläufe führen dazu, dass immer mehr reguläre Mahlzeiten durch Snacks ersetzt werden“, erklärt Professorin Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach. „Insbesondere bei Jüngeren ist das der Fall.“ Hohes Arbeitspensum, permanenter Zeitdruck und Dauerstress sind längst keine Phänomene einzelner Branchen mehr. Und so steuern vor allem junge Berufstätige mittags lieber den nächsten Stehimbiss an oder bleiben gleich am Arbeitsplatz, stochern mit der Plastikgabel in der linken Hand im „Salat to go“, während die rechte Hand die Maus umklammert. Pause – Fehlanzeige. Viele Jobs erfordern heute, zu jeder Zeit flexibel und mobil zu sein, dank Smartphone und Tablet-PC ist die Ausweitung der Arbeitszone auf das Privatleben für viele im Arbeitsvertrag inbegriffen. Regelmäßige Essenszeiten und Mahlzeiten, die den Namen verdienen, schaffen es selten auf die persönliche Prioritätenliste. So isst nahezu jeder zweite Berufstätige mit unregelmäßigem Tagesablauf dann, wenn er gerade Zeit hat, jeder dritte bei Hunger und nur

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MOBILE ESSKULTUR Früher war essen außer Haus tabu. Heute prägt es das Alltagsleben. Lange Zeit war essen außer Haus Teil eines Lebens, das nicht in alltäglichen Bahnen verlief. Das änderte sich mit Beginn der Industrialisierung. Das Diktat der Uhr hielt Einzug, für mehr als das schnelle Essen der im „Henkelmann“ mitgebrachten oder von Familienmitgliedern am Fabrikzaun überreichten Speisen boten die

Werkspausen kaum Zeit. Die wachsende Erwerbsbeteiligung der Arbeiterfrauen, enge Wohnungen und immer größere Entfernungen zur Arbeit ließen das häusliche Kochen zurückgehen. Neue Formen des billigen, schnellen Mahlzeitenkaufs entstanden: Suppenküchen, Kioske oder auch lokale Angebote wie der Berliner „Wurstmaxe“, der in einem Bauchladen heiße Würste feilbot. Der fundamentale Wandel hin zum mobilen Essen

– bis dato kaufte man an Imbissbuden vorwiegend ein und verzehrte daheim – vollzog sich in den späten 1950er-Jahren. Nach dem Vorbild der US-Soldaten aß man nun auch im Gehen. Mit Eröffnung des ersten deutschen McDonald’sRestaurants 1971 fiel auch die Trennlinie zwischen Imbisskultur und Restaurant; europäische Ketten wie Nordsee folgten. Heute ist das Outof-Home-Segment ein in viele Kanäle gesplitteter Milliardenmarkt.

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GOOD.FOOD / Bericht

GOOD.FOOD / Bericht

jeder fünfte zu festgelegten Tageszeiten, ergab die Nestlé-Studie 2011. „Die Nahrungsaufnahme wird zunehmend als Zeitressource erkannt. Sich Zeit für das Essen zu nehmen wird zu einer bewussten Entscheidung“, stellt Trendforscher Peter Wippermann fest. Optimales Zeitmanagement heißt dann etwa: Das Frühstück wird während der Autofahrt auf dem Weg zum ersten Geschäftstermin zu sich genommen, und das Abendessen findet am Tresen des Fitnesscenters statt. / SEHNSUCHT NACH RUHE

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Doch wohl fühlt sich mit seinem teils freiwilligen, teils unfreiwilligen Essverhalten so mancher nicht. Das Gros der arbeitenden Bevölkerung artikuliert beim Thema Essen ein Gefühl des Unbehagens und des Mangels. „Das wichtigste Bedürfnis der Menschen ist, in Ruhe und gemeinsam mit anderen zu essen. Aber die äußeren Umstände lassen dies häufig nicht zu“, weiß Alexander Falser, Leiter der Marktforschung von Nestlé Deutschland. Regelrecht in der Zwickmühle sieht Gunther Hirschfelder, Professor für Vergleichende Kulturwissenschaft an der Universität Regensburg und Vorstandsmitglied im Internationalen Arbeitskreis für Kulturforschung des Essens der Dr. Rainer Wild-Stiftung, den modernen Homo sapiens. Denn essen, so Hirschfelder, sei vor allem ein emotionaler Akt: Der Mensch weiß, was eigentlich gut für ihn ist, doch das positive Gefühl beim Essen stellt sich auch jenseits von Zeit und Muße ein. Emotional kann der schnell verzehrte Happen zwischendurch durchaus stimmig sein, während die bewusst gewählte Auszeit die falschen Signale an die Mitwelt sendet. „Viele haben mittlerweile den Eindruck, sie können sich tagsüber nicht mehr guten Gewissens in ein Restaurant setzen, weil es sozial nicht mehr akzeptiert ist, sich dafür Zeit zu lassen“, so Hirschfelder. / DIGITALE REVOLUTION Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen. Doch im Essen bündelt sich noch viel mehr, drückt sich auch Identität, Gemeinschaft und Zugehörigkeit aus (siehe Seite 30). „Essen ist der Beginn des Soziallebens schlechthin. Seit Beginn der Menschheit wird Essen und Trinken in Gemeinschaft und auch rituell praktiziert“, betont Hirschfelder. Sein ernüchtern-

SCHNELLES ESSEN AUSSER HAUS Wo Deutsche mehrmals im Monat essen gehen

Bäckerei Fastfood-Restaurant Straßenimbiss Gasthaus, Restaurant, Pizzeria Metzgerei Sandwich-Laden

50 % 40 % 30 % 20 %

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der Deutschen mit unregelmäßigem Tagesablauf essen dann, wenn sich gerade eine Möglichkeit ergibt, 31 Prozent, wenn sie Hunger haben, und nur 20 Prozent zu festgelegten Tageszeiten. Quelle: Nestlé-Studie 2011 „So i(s)st Deutschland“

Quelle: Nestlé-Studie 2011 © IfD-Allensbach

14–29

„Der AußerHaus-Markt ist das Wachstumssegment der Zukunft.“ Max Boller Vorsitzender der Geschäftsführung, Nestlé Professional Deutschland

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des Fazit lautet daher: „Wir haben die Mahlzeit als Ort der Interaktion und der Kommunikation weitgehend verloren und zugunsten anderer Kommunikationsformen wie digitalen Netzwerken aufgegeben.“ Doch wertgeschätzt wird das „soziale Lagerfeuer“ noch immer. Insbesondere die mittlere und die ältere Generation wünscht sich oft mehr Gesellschaft beim Essen. „Da das gemeinsame Essen unter der Woche tagsüber oft zu kurz kommt, gewinnen die gemeinsamen Mahlzeiten am Abend und

Mit 66 Milliarden Euro Umsatz hat der Außer-Haus-Markt sein Potenzial noch lange nicht ausgereizt. Ob Eisgenuss im Kinosessel, Kaffee und Gebäck beim Büromeeting oder der Schokoriegel für die lange Autofahrt: Im Außer-Haus-Markt ist Vielfalt gefragt, bei den Produkten wie den Vertriebskanälen. Von der Handels- und Systemgastronomie über Kioske, Tankstellen oder Raststätten bis hin zu Schulkantinen, Betriebsrestaurants

oder Krankenhäusern reicht die Palette der mittlerweile mehr als 40 bestehenden Distributionswege. In vielen davon ist Nestlé Deutschland bereits aktiv. So betreuen Nestlé Professional, Erlenbacher Backwaren oder Schöller Direct die unterschiedlichsten Gastronomiekunden bis hin zu Sterneköchen. Nestlé Schöller und Nestlé Kaffee & Schokoladen beliefern Kinos, Kioske, Tankstellen oder Freizeitparks. Wasserspender und Kaffeeautomaten von

„Wir leben in einem Korsett von immer weiter sich auflösenden und noch dynamischer werdender Lebensformen“, prognostiziert Nestlé-Marktforscher Falser. „Aber die Auftankpunkte entlang des Weges stellen sich der Herausforderung.“ Der gehetzte Städter darf sich schon heute freuen. „Die Bedienungstheken des Lebensmitteleinzelhandels rücken immer weiter an die Bürgersteige heran“, skizziert Max Boller die Entwicklung. Salate, portioniertes Obst, Sushi, frische Backwaren – geboten wird, was des Konsumenten Herz begehrt. Gerne mit Biosiegel obendrauf. Denn die, wie Wippermann es nennt, „bewussten Versuche einer Restrukturierung des Ernährungsverhaltens“, die sich auch in der zunehmenden Popularität von Begriffen wie „handgemacht“, „Slow“, „Regio“ oder „Bio“ äußern, wollen unterstützt sein. Und das nicht nur im hippen Szene-Imbiss. Nachhaltige Produkte und Faktoren wie Frische, Regionalität und Saisonalität spielen auch in Kantinen und Großküchen eine zunehmend wichtigere Rolle, unterstreicht Boller: „Unsere Kunden hinterfragen immer mehr, welche Rohstoffe verwendet werden und wie die Transportwege aussehen.“

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/ ÖFFENTLICHES WOHNZIMMER

OUT-OF-HOME BIETET VIELFÄLTIGE WACHSTUMSCHANCEN

10 %

Alter

am Wochenende an Bedeutung“, weiß Forscherin Renate Köcher. Die sich in der Esskultur widerspiegelnden gesellschaftlichen Entwicklungen lassen sich nicht einfach zurückdrehen. Im Gegenteil. „,To go‘ ist erst der Anfang einer Verflüssigung der Alltagsstrukturen“, prognostiziert Trendforscher Wippermann. Denn familiäre Strukturen lösen sich weiter auf, die Anzahl von SingleHaushalten steigt, Flexibilität und Mobilität dominieren immer stärker den Tagesablauf. Die Vergesellschaftung des Essens geht weiter. „Der Außer-Haus-Markt ist das Wachstumssegment der Zukunft. Nahrungsmittel müssen dort verfügbar sein, wo der Konsument danach verlangt“, ist Max Boller, Vorsitzender der Geschäftsführung von Nestlé Professional Deutschland, überzeugt. Und das tut er immer öfter jenseits des klassischen Lebensmitteleinzelhandels. Erzielte dieser im Jahr 2011 nach Angaben der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie mit Food-Artikeln einen Gesamtumsatz von 169 Milliarden Euro, kam der Außer-Haus-Markt bereits auf ein Umsatzvolumen von 66,4 Milliarden Euro, die Verpflegung im Gesundheitssektor nicht eingerechnet. Das sind stattliche 2,2 Milliarden Euro mehr als im Vorjahr.

Nestlé Waters Direct und Nescafé stehen in Büros, Arztpraxen oder Friseursalons. Partnerschaft wird bei Nestlé großgeschrieben, vor allem in der Gastronomie geht sie weit über den Verkauf standardisierter Produkte hinaus. Das Nestlé Professional Service Center Frankfurt gilt als profilierte Adresse für praxisnahe Weiterbildung und intensiven Gedanken- und Erfahrungsaustausch. So manche „Kreation des Hauses“ nimmt hier ihren Anfang. www. nestleprofessional.de

Doch nicht nur bei der Frage „Was essen wir?“ dreht sich der Markt. Der Dialog mit dem Gast ist wieder angesagt, der Koch geht nach vorne. „Kommunikation wird im Bereich Food & Beverage einen immer höheren Stellenwert einnehmen“, ist Boller überzeugt. „Der Trend geht immer mehr dazu, dass die Gastronomie vom öffentlichen Wohnzimmer zur öffentlichen Küche wird“, bestätigt auch Trendforscher Wippermann. Wer aufmerksam durch die Straßen von Berlin, Hamburg oder München geht, findet diese Symbiose aus traditioneller und innovativer Esskultur bereits. Etwa in der „Frontküche“ in der Münchner Theresienstraße. Am großen Gemeinschaftstisch findet hier täglich zwischen 12 und 15 Uhr im Angesicht von Herd und Köchin das kulinarische Gettogether statt. Die Qual der Wahl erledigt sich von selbst: Serviert wird ein einziges täglich wechselndes Drei-Gänge-Menü, zu trinken gibt es Wasser, Kaffee, Ingwertee. Nicht mehr, und nicht weniger. Und es wird miteinander geredet – über das Essen, das Wetter, die Arbeit. Nur essen, das wäre hier allen zu wenig. /

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2 Kundenzeitschriften B2B 11

GOOD.FOOD / Infografik

GOOD.FOOD / Infografik

Vergessen Sie Sushi – Onigiri ist praktischer. Bis ins 11. Jahrhundert reichen die ersten Aufzeichnungen über die ursprünglich mit Bambusblättern umwickelten dreieckigen Reisbällchen. Heute sind sie meist mit einem Streifen NoriAlge umhüllt und mit den unterschiedlichsten Füllungen erhältlich. Klassiker sind Shake (gesalzener Lachs), Okaka (geräucherter Thunfisch) und Umeboshi, eine salzigsauer eingelegte Pflaume.

Mobile Garküchen, Imbissstände, Marktfrauen: Rund um den Globus gehören Zwischenmahlzeiten zum Alltag. Ein buntes Mosaik landestypischer Spezialitäten.

26 /

Ob Imbissbude oder Nobelrestaurant – Thunfisch steht überall auf der Karte. Und er ist auch die ideale Füllung für Brik, das tunesische Fast Food schlechthin. Die Grundfüllung der frittierten Teigtasche besteht aus Kartoffeln, Zwiebel, Ei, Knoblauch, Käse und Petersilie. Neben Fisch ist auch Hackfleisch eine gängige Füllung.

Das mexikanische Frühstück „to go“ besteht aus einem heißen Tamal, der als süße Variante mit Rosinen oder Kokosraspeln oder „con carne“ mit einer Fleischfüllung angeboten wird. Hauptbestandteil ist die Masa, ein aus Maismehl, Wasser und Schmalz angerührter Teig, der samt Füllung in Maishüllen oder Bananenblätter gewickelt und in Wasser gedämpft wird.

/ 27

Für Vegetarier ist Indien ein wahres Paradies. Pakora nennt sich das Knuspergemüse, das in unzähligen Varianten an jeder Straßenecke serviert wird. Die ursprüngliche Version ist die Blumenkohl-Pakora, die in einen Teig aus Kichererbsenmehl, Gewürzen und Wasser getaucht und in heißem Öl frittiert wird. Als Dip wird meist Tamarindensoße serviert.

Ohne Hotdog-Stände würde im amerikanischen Straßenbild eine Farbe fehlen: Traditionell sind die Wagen weiß, oder der Verkäufer ist weiß gekleidet. Bei den Zutaten ist das Wo entscheidend. Der New Yorker bevorzugt zur länglichen Wurst gedünstete Zwiebeln und hellen Senf, der Chicagoer gelben Senf, grünen Relish, rohe Zwiebel, Tomatenscheiben, Dill-Pickles und eine Prise Selleriesalz.

Außen knusprig, innen weich und am besten ofenwarm: Das mit Maniokmehl und reifem, fettarmem Minas-Käse zubereitete Pao de Quejio (Käsebrötchen) findet man in Brasilien bei jedem Bäcker und an jeder Straßenecke. Serviert wird das Brandteiggebäck gerne als Snack zu einem Glas Rotwein oder Caipirinha.

„Für das Volk ist essen der Himmel“ heißt es in China, und gegessen wird gerne im Freien. Eine beliebte Spezialität sind Baozi, in Körbchen gedämpfte und verschieden gefüllte Hefeteigtaschen. Wer es exotisch mag, sollte bei seinem Pekingbesuch den Nachtmarkt hinter der Shoppingmeile Wangfujing ansteuern. Neben Fisch- oder Fleischspießen findet man hier auch Reptilien oder Insekten als Imbiss.

Lust auf Süßes? Dann ist Kashata genau richtig. Zubereitet wird das gerne zum Kaffee gegessene Knusperkonfekt aus karamellisiertem Zucker, Kokosraspeln und/oder gerösteten Erdnüssen. Die Masse wird auf dem Ofen zusammengerührt, anschließend auf einem Brett glatt gestrichen und nach dem Erkalten in Stücke geschnitten. Guten Appetit oder: Ufurafurahie chakula chako.

Das britische Empire ist in Down Under noch immer präsent. Das australische „Nationalgericht“ schlechthin ist Meat Pie, eine Art Blätterteigtasche mit Hackfleischfüllung, die an jeder Ecke und in den unterschiedlichsten Ausführungen zu finden ist. Der große Klecks Tomato Sauce, die allgegenwärtige australische Version des Ketchup, darf nicht fehlen.

ILLUSTRATION / MARTIN HAAKE

Köttbullar kennt jeder. Populärer ist in Schweden jedoch Wurst, die – gerne kombiniert mit Kartoffelbrei – auf der Schnellgerichtsskala den ersten Rang einnimmt. Eine typische Variante von Korv och Mos (Wurst in Brot) ist die Tunnbrödsrulle (Dünnbrotrolle). Dazu wird ein sehr dünnes, aufgerolltes Fladenbrot mit Kartoffelpüree, Wurst nach Wahl, Senf, Ketchup sowie Krabbenmayonnaise oder Gurke gefüllt.

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GOOD.LIFE / Story

GOOD.IDEA / Fakten

GOOD.LIFE / Essen wir die Zukunft auf? Thesen und Fakten / Intelligent wachsen Appell von Meinhard Miegel / Wasser ist Leben Initiativen für mehr Effizienz / Luxusgut Wasser Eine kostbare Ressource / Peter Brabeck-Letmathe Der Wert des Wassers

40 42 44 47 48

38 /

/ 39

I

stellen. Nur etwa 400 bis 600 Millimeter Niederschlag benetzen ganzjährig im Niger die sandige Erde. Über Hunderte von Kilometern führt die Nomaden jedes Jahr der Weg zu den Wasserstellen für ihre Viehherden. Kein Edelstein, kein Geldschein steht hier über dem Wert des flüssigen Goldes. Um den Zugang zu Wasser entbrennen vielerorts Konflikte. Besitzer eines Brunnens herrschen über ganze Landstriche. Mehr dazu auf Seite 44

BILD / GEORGE STEINMETZ / CORBIS

FLÜSSIGES GOLD n den Dürregebieten der Sahelzone, wie hier im nördlichen Niger, bedeutet Wasser alles. Jeder Tropfen zählt. Weil es immer weniger davon gibt. Oft bleibt der Regen viel zu lange aus – so auch im vergangenen Jahr. Dann entfallen manchmal bis zu 90 Prozent der Ernte. Die ohnehin karge Ernährung der Menschen steht auf dem Spiel. Die Frauen der Nomaden transportieren das kostbare Gut jeden Tag vorsichtig zu ihren Koch-

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2 Kundenzeitschriften B2B 13

3

GOOD.LIFE / Thesen & Fakten

MEINHARD MIEGEL

UMDENKEN! Die Gleichung „Wohlstand = Wachstum“ lässt der renommierte Sozialwissenschaftler Meinhard Miegel nicht gelten. Er plädiert für einen Bewusstseinswandel – hin zu mehr Nachhaltigkeit. Ein Appell an Konsumenten und Lebensmittelindustrie.

40 /

1

Auf Überfluss und Verschwendung müssen wir künftig verzichten. +++ Ein Drittel der weltweiten Lebensmittelproduktion geht jährlich verloren oder wird weggeworfen. (FAO) +++ Bei jedem Deutschen landen im Schnitt knapp 82 Kilogramm Lebensmittel im Jahr in der Mülltonne – vor allem Obst und Gemüse. Davon wären 53 Kilo noch genießbar. (BMELV) +++ Es gibt mehr Übergewichtige auf der Welt als Hungernde. (UN) +++

Wir werden keine Einbuße an Wohlstand haben, wenn wir den Begriff um kulturelle und menschliche Werte erweitern. +++ Der Anteil der Verbraucher, die bei ihrem Einkauf besonders auf niedrige Preise achten, ist seit dem Jahr 2009 von 48 auf jetzt 39 Prozent zurückgegangen. Gute Ernährung gewinnt an Stellenwert, gerade auch in

den unteren Einkommensgruppen. (Nestlé-Studie) +++ Ökologisch bewirtschaftete Flächen machen in Deutschland rund sechs Prozent der gesamten Landwirtschaft aus. (BÖLW, Bund Ökologische Lebensmittel) +++

Die Lebensmittelwirtschaft muss die Balance finden zwischen der Regenerationsfähigkeit der Erde und dem globalen Verbrauch. +++ In den letzten 50 Jahren hat sich die globale Nahrungsproduktion etwa verdreifacht. (BMELV) +++ 1961 reichte der Menschheit noch die Biokapazität einer halben Erde zum Überleben aus. 1986 wurde das NaturBudget erstmals gesprengt und liegt aktuell beim 1,5-Fachen. (Global Footprint Network) +++ Zehn Milliarden Menschen kann die Erde ernähren – wenn sie so konsumieren wie die Inder; höchstens die Hälfte davon werden satt, wenn die Ernährungsgewohnheiten eines Europäers die Messlatte wären und nur 2,5 Milliarden Menschen mit der Esslust von Amerikanern. (Meinhard Miegel: „Exit“) +++ Etwa 30 Prozent des persönlichen ökologischen Fußabdrucks kommen vom Essen und Trinken. (Global Footprint Network) +++

GOOD.LIFE / Thesen & Fakten

Die Politik sollte dafür sorgen, dass der Verbraucher weiß, was in seinem Einkaufswagen liegt. +++ Rund 20.000 unterschiedliche Nahrungsmittel umfasst das Sortiment im SB-Großhandel. (Metro) +++ Die Flut an Biolabels unterschiedlichster Qualität schafft mehr Verwirrung als Transparenz. (Verbraucherinitiative) +++ Die Herkunftsangabe ist für den Durch-

schnittsverbraucher nicht eindeutig. Das Fleisch für den Schwarzwälder Schinken muss nicht aus dem Schwarzwald stammen. (Verbraucherzentrale) +++ Nur 17 Prozent der Deutschen fühlen sich über die Herkunft regionaler Lebensmittel verlässlich informiert. (BMELV) +++

/ 41

Für Lebensmittel wird zu wenig ausgegeben. Wir brauchen einen fairen Preis. Wendeten die Deutschen im Jahr 1952 insgesamt 46 Prozent ihrer Konsumausgaben für Ernährung auf, sind es heute nur noch 14 Prozent. (GfK) +++ Im europäischen Vergleich sind deutsche Verbraucher am wenigsten qualitätsund am stärksten preisorientiert. (GfK) +++ Etwa jeder Zweite deckt rund zwei Drittel seines Bedarfs beim Discounter. Das Pfund Hackfleisch gibt es dort schon für knapp über einen Euro. (GfK) +++ Der Wettbewerbsdruck im Handel drückt das Preisniveau. Im europäischen Vergleich hat Deutschland eines der niedrigsten Preisniveaus für Lebensmittel und Getränke. (BVE) +++ Am spendabelsten sind ökologisch bewusste Konsumenten, die pro Kopf 1.264 Euro jährlich für Lebensmittel ausgeben. Preisbewusste Familienmenschen kaufen dagegen jährlich für 1.096 Euro ein. (GfK) +++

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Bier

GOOD.LIFE / Bericht

Kaffee

Orangensaft

Apfelsaft

Milch

Wein

Mais

Gerste

Weizen

Reis

Papier (Din-A4)

3400 10

1300

Brot (1 Scheibe)

40

Zucker (1 kg)

Sojabohnen (1 kg)

1500

1800

T-Shirt (250 g)

1 Ei *

200

Pflanzliche Produkte

300

Hühnerfleisch

Ziegenfleisch

Schweinefleisch

Käse

Lammfleisch Rindfleisch

2700

1300 900

1 Hamburger * (150 g Fleisch)

2400 3900 4000

250

Tierische Produkte

237,5

212,5

4800

(jeweils 1 kg außer *)

5000

Getränke Getreide (jeweils 250 ml)

(jeweils 1 kg)

6100 140

Luxusgut Wasser

70

INFOGRAFIK

30

44 /

Leder

15.500

Tee

Wasserfußabdruck (in Liter) Der Wasserfußabdruck umfasst die Gesamtmenge an Wasser, die für die Herstellung eines Produkts benötigt wird. Die hier angegebenen Mengen stellen den weltweiten Durchschnitt dar. Lesebeispiel: Eine Tasse Kaffee enthält neben dem tatsächlich enthaltenen Wasser auch die Menge an Wasser, die beispielsweise bei Anbau,

Süßwasser auf der Erde 16.600

10.780.000 km3 Grundwasser, Sumpfwasser, Dauerfrost

24.115.000 km3 Gletschereis, Schnee

68,9 %

Die Weltbevölkerung wächst pro Jahr um rund 83 Millionen Menschen, damit steigt der Süßwasserbedarf jedes Jahr um 63 Milliarden Kubikmeter. Ein Großteil dieses Bedarfs entsteht in Regionen, die heute schon unter Wasserknappheit leiden. Um der Weltbevölkerung den Lebensstandard eines durchschnittlichen Europäers zu ermöglichen, bräuchten wir 3,5 Planeten Erde.

30,8 % Quelle: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit

0,3 % 105.000 km3 Flüsse, Bäche und Seen 0,01 % 3500 km3 Wolken, Regen und Schnee 2,5 % Süßwasser 35.000.000 km3

Quelle: Unesco, United Nations World Water Development Report, Deutsche Stiftung Weltbevölkerung

97,5 % Salzwasser 1.365.000.000 km3

verbraucht wird. Um letztlich 250 ml Kaffee zu genießen, sind 140 Liter Wasser erforderlich. Quelle: Water Footprint Network

Deutschlands Wasserverbrauch

Weltweiter Wasserverbrauch

22 Liter weniger Wasser als 1990 verbraucht heute jeder Deutsche im Durchschnitt pro Tag. Dies liegt zum einen an den steigenden Wasser- und Abwasserpreisen, zum anderen hat die Bedeutung des Umweltschutzes zugenommen: So ist zum Beispiel die Nachfrage nach wassersparender Technik wie effizienten Wasch- und Spülmaschinen sowie wassersparenden Toilettenspülungen und Armaturen deutlich gestiegen. Quelle: Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft

Nordamerikaner haben den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch der Welt: Sie verwenden 2,5-mal mehr Trinkwasser als Europäer. Ein Grund hierfür ist, dass Wasser in Nordamerika verglichen mit anderen Industrieländern relativ günstig ist. Im weltweiten Vergleich ist vor allem das UngleichQuelle: United Nations World Water Development Report gewicht der Verteilung der Weltbevölkerung zum Wasservorkommen auffällig.

Trinkwasserverbrauch

Jährlicher Süßwasserverbrauch

pro Kopf in Liter

145

34 Toilette spülen BILD / NANA KOFI ACQUAH

15 Wäsche waschen

USA

295

Norwegen

260

England

7 Geschirr spülen 5 Essen und trinken

1997

2010

Quelle: Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft

149 Deutschland

7 Raumreinigung, Autopflege, Garten

123

Wasserverfügbarkeit und Weltbevölkerung

70 %

10 %

Haushalt

Asien

36 % 60 %

Südamerika

26 % 6%

Nord- und Mittelamerika

15 % 8%

Landwirtschaft

11 Kleingewerbeanteil

130

Verteilung der nutzbaren Wasservorräte Anteil Wasserverfügbarkeit Anteil Weltbevölkerung

pro Kopf in Liter

44 Baden, Duschen

1990

Insgesamt 4000 km3 verteilen sich auf:

Täglicher Trinkwasserverbrauch

123

Senegal

29

Indien

25

Ägypten

22

Haiti

19

Quelle: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit

20 %

Afrika

11 % 13 %

Europa

8% 13 %

Australien und Ozeanien

5% <1%

Industrie

0,004 % Nestlé 0,0009 % Nestlé Waters Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung, Nestlé

Quelle: Unesco

INFOGRAFIK / GOLDEN SECTION GRAPHICS GMBH

Sauberes Wasser für Sérihio: Die Pumpe versorgt ein ganzes Dorf. Das Projekt wurde von IFRC, dem Roten Kreuz der Elfenbeinküste und Nestlé realisiert. Mehr als 60.000 Einwohner der Elfenbeinküste haben seit 2007 vom Engagement der drei Partner profitiert.

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GOOD.IDEA / Fakten

GOOD.IDEA / Story

GOOD.IDEA / Ernährung nach Maß Krankheiten vorbeugen / Hinter den Kulissen Wie ein Produkt entsteht / Spiel der Sinne Was wir schmecken / Psychologe Thomas Ellrott Wie Geschmack sich bildet / Nestlé Marktplatz Ideen für neue Produkte

52 56 60 62 64

50 /

/ 51

B

eim Laufen kommen Professor Konrad Beyreuther die besten Ideen. „Die vertraue ich dann sofort meinem iPhone an.“ Der Heidelberger Altersforscher ist ein großer Apple-Fan – mehr noch als auf die Technik schwört er dabei auf echtes Obst. „An apple a day keeps the doctor away“, zitiert er gerne eine Redewendung aus dem Englischen. Der renommierte Alzheimer-Experte weist unaufhörlich darauf hin, dass Lebenswandel und Lebensmittel das Risi-

ko altersbedingten Gedächtnisschwunds wesentlich beeinflussen. „Die Hälfte aller Alzheimer-Erkrankungen lassen sich auf eliminierbare Faktoren zurückführen“, sagt der Direktor des Network Aging Research der Universität Heidelberg. Täglich fährt er mit dem Fahrrad zur Arbeit, denn, so Beyreuther: „Bewegung und Ernährung sind Zwillinge.“ Sich bewusst und gesund zu ernähren, ohne dabei in asketische Selbstkasteiung zu verfallen, lautet sein Rat. „Schließlich gehört auch ein bisschen sündigen zur Lebensqualität.“ /

BILD / MATHIAS ERNERT

APFEL GEGEN ALZHEIMER

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2 Kundenzeitschriften B2B 16

GOOD.IDEA / Reportage

GOOD.IDEA / Reportage

Äußerst strenge Auslese: Für Special.T kommt nur 0,5 Prozent der weltweiten Teeernte infrage.

5.000

T / SIMON FELDMER B / KRISTIAN SKEIE

Mitarbeiter an 28 Standorten weltweit forschen für Nestlé an neuen Produkten.

E

BILD / CORBIS

56 /

SPECIAL.T

DIE TEE-TÜFTLER AUS LAUSANNE Hightech und Hochgenuss: Special.T kommt im Herbst nach Deutschland. Eine Wellnessreise in die edelsten Teeanbaugebiete der Erde: ein Besuch im Special.T-Labor am Genfer See.

s klimpert geheimnisvoll. Ein Potpourri aus Vanille, Jasmin, vielleicht Minze zieht in Duftwölkchen aus einem Labor am Ufer des Genfer Sees in Lausanne. Ein paar Schritte noch. Zwei Frauen und zwei Männer stehen an einem weißen Tisch, halten Löffel in den Händen und trinken Tee. Sie schlürfen Tee, muss man sagen. Denn Raphaelle Liman, Magali Walter, Matthieu Ozanne und Stephan Graf sind nicht nur die Entwickler und Masterminds – an diesem Vormittag sind sie auch die Chefverkoster von Special.T, dem neuen TeeKonzept von Nestlé, das im Herbst 2012 nach Deutschland kommt. Immer wieder schiebt einer der Genuss-Experten eine ovale Kapsel in ein Gerät, das aussieht wie eine Espressomaschine. Zehn Tassen stehen mittlerweile in einer Reihe vor ihnen. Daneben füllen verschiedene Teeblätter, Knospen und Blüten kleine flache Schalen. Beutel in die Tasse, heißes Wasser drauf, fertig – bisher ist Teezubereitung für viele Menschen, die nicht eigens im Teegeschäft einkaufen oder ausgewählte lose Blätter aus dem Naturkostladen für den Aufguss verwenden, ein Thema, über das sie sich wenig Gedanken machen. Für die Experten aus der Schweiz hingegen ist Tee ein Qualitätsversprechen. Mehr noch: eine exakte Wissenschaft. Sie haben die Kunst der Zubereitung mit einer innovativen Teemaschine perfektioniert und dabei die Einflussfaktoren auf eine optimale Geschmacksentfaltung erforscht, um Aromen zu einem Erlebnis zu kombinieren. Eine Herausforderung, denn Tee ist empfindlich, stellt je nach Sorte unterschiedliche Anforderungen. Special.T bietet die bequemste Möglichkeit, sich mit höchstem Teegenuss zu entspannen – auf Knopfdruck. Daran arbeiten auch die Sensory-Spezialisten Raphaelle Liman und Magali Walter jeden Tag. Das Mischungsverhältnis der Blätter, von Assam bis Rooibos, die fein dosierte Zugabe von Gewürzen, auch mal ausgefallene Zutaten, etwa gerösteter Reis – Tee ist vielfältig wie die Natur. „Die Zutaten müssen perfekt harmonieren. Ob sie das tun, schmeckt man bei Tee sehr direkt“, sagt Liman. Im internationalen Entwick-

/ 57

lungsteam bringen führende Tee-Experten ihre Erfahrungen ein. Das weltweite, an 24 Standorten verankerte Nestlé-Forschungsnetzwerk steuert Erkenntnisse über die Geschmacksvorlieben in den jeweiligen Ländern bei. / AUS DEN BESTEN REGIONEN

EINFACH BEQUEM UND TROTZDEM EIN HOHES MASS BUNTER VIELFALT. Rund 30 verschiedene Special.T-Sorten sind bislang im Sortiment. Regelmäßig werden sie um saisonal limitierte Editionen ergänzt.

An die 30 Sorten umfasst das Sortiment bereits, mehr als 40 sollen es vorerst nicht werden – saisonale limitierte Editionen ausgenommen. Namen wie Mandarin Peach oder Sencha Shizuoka stehen auf Kartons im Labor. Produktund Sensory-Managerin Liman führt einen Löffel an ihre Lippen. „Um eine aufregende Reise in die Welt des Tees zu bieten, kreieren wir alle Sorten selbst“, sagt sie. An diesem Tag findet diese Reise im Special.T-Headquarter in Lausanne statt. Sie führt in die Hochtäler Sri Lankas, nach Japan oder in die Stadt Darjeeling am Fuße des Himalajas, in die besten Teeanbaugebiete der Welt. Das Special.T-Team prüft die Qualität direkt vor Ort. „Nur 0,5 Prozent der weltweiten Teeernte kommt infrage“, sagt Marketingdirektor Stephan Graf. Es sei nicht nur

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GOOD.BYE / Take Care

GOOD.BYE / Take Care

BLEIBEN SIE

gesund

IMMER MIT DER RUHE  GENIESSEN SIE IHR ESSEN! Denn wer nebenbei vor dem Computer oder dem Fernseher isst, wird nicht ausreichend satt. Es ist wichtig, sich auf das Essen zu konzentrieren, um anschließend weniger Appetit auf Snacks zu haben. Satt machen neben der Energie und der Menge an Lebensmitteln auch weitere Faktoren: Wer Mahlzeiten nicht nur verschlingt, sondern sinnlich wahrnimmt, genießt diese mehr. Dabei erkennen Genießer beim Essen mehr optische und geschmackliche Feinheiten. Wer sich also Zeit nimmt und bewusst genießt, isst automatisch langsamer, weniger und wird dennoch satt. /

Vier Tipps von Dr. Elke Arms, Ernährungswissenschaftlerin, Nestlé Ernährungsstudio www.ernaehrungsstudio.nestle.de

MEHR MUSKELN FÜR WENIGER GEWICHT

GÖNNEN SIE SICH MAL WAS NEUES

66 /

ERST FRÜHSTÜCKEN!  WER NÜCHTERN DIREKT ZUR ARBEIT EILT, SPART KALORIEN AM FALSCHEN ENDE.

Denn um morgens richtig in Fahrt zu kommen, ist ein gutes Frühstück wichtig, das Körper und Gehirn nach der langen Nacht mit neuer Energie versorgt. Für die Initialzündung sorgen schnell verfügbare Kohlenhydrate aus Obst, Obstsaft oder Marmelade. Diese gehen

schnell ins Blut über und liefern rasch Energie. DauerPower geben allerdings eher die langsam verfügbaren Kohlenhydrate inklusive Ballaststoffe aus Vollkornprodukten wie Vollkornbrot und Vollkorngetreideflocken. Sie lassen den Blutzuckerspiegel langsam, aber stetig steigen – das sorgt für dauerhafte Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit. /

BILD / ARTIGA PHOTO / CORBIS, SERGE KOZAK / CORBIS

Abnehmen, denn Muskelmasse bestimmt zu einem großen Teil den Grundumsatz, also die Energiemenge, die in Ruhe verbraucht wird. Durch vermehrte Muskelmasse steigt der Energieverbrauch des Körpers – auch dann, wenn Sie gerade keinen Sport treiben. Dieser Effekt unterstützt nicht nur die Gewichtsreduktion, er hilft vor allem, langfristig das Körpergewicht zu halten. /

BILD / LUCAS LENCI / CORBIS, MICHAEL PEUCKERT /

FLOWERPHOTOS / EYE UBIQUITOUS / CORBIS, OCEAN / CORBIS

 DURCH REGELMÄSSIGE KÖRPERLICHE BEWEGUNG WIRD DER AUFBAU VON MUSKULATUR ANGEREGT. Dies hilft beim

 BRINGEN SIE ABWECHSLUNG IN IHR TRINKVERHALTEN: Probieren Sie mal einen Ingwertee aus der frischen Ingwerknolle. Der heiße Dampf des Tees befeuchtet nicht nur die Schleimhäute, er soll auch das Immunsystem stärken. Oder trinken Sie einen Sanddornsaft: Neben Vitamin C befindet sich in den

Beeren außerdem noch Betacarotin, die Vorstufe von Vitamin A – zum Frühstück genossen, ein wunderbarer Start in den Tag. Lecker schmeckt auch eine Granatapfelsaft-Schorle. Darin sind außerdem Antioxidantien enthalten. Wichtig ist: Versuchen Sie zu allen Jahreszeiten täglich mindestens 1,5 bis 2 Liter zu trinken. /

„Wer lesen kann, kann auch kochen“ Markus Lanz TV-Moderator / SEITE 28

GOOD.IMPRESSUM Herausgeber / Nestlé Deutschland AG, Lyoner Straße 23, 60528 Frankfurt/Main, Tel.: 069 / 66 71-37 17, Fax: 069 / 66 71-31 90, E-Mail: presse@nestle.de, Internet: www.nestle.de Verantwortlich / Hartmut Gahmann (v. i. S. d. P.) Projektmanagement Nestlé / Alexander Antonoff Verlag / Axel Springer AG, Axel-Springer-Straße 65, 10888 Berlin, E-Mail: newbusiness@axelspringer.de, Internet: www.axelspringer.de Geschäftsleitung Neue Geschäftsfelder / Frank Parlow, Lutz Thalmann Projektmanagement Verlag / Nicola Schliephake Redaktion / Sabine Schlosser (Leitung), Detlev Brechtel, Heike Dettmar, Simon Feldmer, Wibke Greeven, Roland Karle, Herta Paulus, Mona Simon Gestaltung, Bildredaktion, Infografik / Anja Horn (Leitung), Pawel Pedziszczak, Tanja Sannwald, Martin Haake (Illustration), Jan Schwochow (Infografik), Uta Wagner (Bildredaktion) Litho / Druckvorstufe WELTGRUPPE Herstellung / Olaf Hopf Druck / aprinta druck GmbH, Senefelderstraße 3–11, 86650 Wemding

/ 67

„Lebensmittelqualität ist heute ein wesentlicher Baustein für Lebensqualität“ Renate Köcher Geschäftsführerin, Institut für Demoskopie Allensbach / SEITE 8

„Auf Überfluss und Vergeudung müssen wir künftig verzichten“

„Bewegung und Ernährung sind Zwillinge“ Konrad Beyreuther Direktor, Network Aging Research, Universität Heidelberg / SEITE 50

„Versammlungsort vieler Familien ist heute nicht der Esstisch, sondern die Couchgarnitur vor dem Fernseher“ Renate Schmidt Beiratsvorsitzende, Nestlé Zukunftsforum / SEITE 30

Meinhard Miegel Vorsitzender des Vorstands, Denkwerk Zukunft / SEITE 42

Haben Sie Fragen an den Herausgeber oder das Redaktionsteam? Schreiben Sie an presse@nestle.de

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2 Kundenzeitschriften B2B 18

Global Investor 2.11, November 2011 Expertenwissen für Anlagekunden der Credit Suisse

Erben und Vererben

Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Zukunft Expertenrunde Von den Freuden und Leiden, ein Unternehmen an die nächste Generation weiterzugeben. Kenneth Scheve und David Stasavage Was die Vergangenheit der Erbschaftssteuer über ihre Zukunft verrät. Jens Beckert Erbschaften vergrössern zwar nicht die soziale Ungleichheit, aber sie lassen sie fortbestehen. Kishore Rao Wie die Rettung der Tempel von Abu Simbel den Anstoss zum Schutz des Welterbes gab.

GI – Global Investor, CH Der Umbruch ist sehr variantenreich: vom ruhigen zweispaltigen über ein dreispaltiges bis zu einem Layout mit einer Schiebespalte, die meist in Seitenmitte liegt. Die serifenlose Überschriftentype im Zusammenspiel mit dem Weißraum und dem edlen Papier wirkt puristisch und streng. Hier kann man als globaler Investor sein Geld sicher lagern, denn es wird kühl, nüchtern, sachlich verwaltet. So kann man die Anmutung dieser Zeitschrift zumindest interpretieren.

GI – Global Investor – Credit Suisse, CH, Silver Award


2 Kundenzeitschriften B2B 19 GLOBAL INVESTOR 2.11

Inhalt—04

GLOBAL INVESTOR 2.11

«Wir machten mit unseren zwei Jungen Nachfolge ­Workshops und bemerkten, dass sie Ideen hatten, an die wir nicht einmal gedacht hatten.» Die Übergabe eines Familienunternehmens, ob an Verwandte oder Aussenstehende, birgt alle Reinhard Cordes

Voraussetzungen für dramatische Verwicklungen. Zu welchem Zeitpunkt und wie man die Planung angehen sollte, unter welcher Führung und was, wenn die Betreffenden nicht mitziehen – dies sind nur einige der Themen, die von unserem Experten­ gremium in einer offenen und ausführlichen Diskussion behandelt werden. Es gibt kein allgemein­ gültiges Erfolgsrezept. Hingabe, gegenseitiger Respekt, eine gemeinsame Vision und die Fähigkeiten des Nachfolgers sind jedoch ausschlaggebend. > Seite 12

Erben und Vererben

Investment Research

06

42

Grosse Erwartungen Selbst erarbeitete Vermögen verringerten die Bedeutung von Erbschaften, die aber dennoch wichtig bleiben. Donald Cox untersucht, weshalb Menschen ein Erbe hinterlassen.

12

Zwischen Abschied und Neubeginn Ein Expertengespräch konzentriert sich auf die Möglichkeiten und Belastungen sowie die Freuden und Sorgen einer Nachfolge. Teilnehmer sind Hans Baumgartner, Peter Burri, Vater Reinhard Cordes und Sohn Simon Cordes sowie Urs Schlatter.

20

Eine schwierige Gratwanderung In asiatischen Familienbetrieben wird die Harmonie zwischen den Generationen hochgehalten. Traditionelle Werte können jedoch manchmal die Offenheit gefährden, die für eine erfolgreiche Nachfolge wichtig ist. James Chen denkt über seine eigenen Erfahrungen im Familienunternehmen nach.

22

Tod, Krieg und Steuerlast Hohe Grenzsteuersätze auf Erbschaften sind ein recht junges Phänomen. Warum? Kenneth Scheve und David Stasavage kommen zu einer überraschenden Schlussfolgerung.

26

Mehr Spielraum Im Lauf der Zeit wurde die Frage, wer wem was hinterlässt, zu einer zunehmend persönlichen Entscheidung. Laut Jens Beckert sind die Verhaltensmuster selbst in westlichen Gesellschaften sehr unterschiedlich.

34

Für eine bessere Welt «Die guten Taten [von Menschen] werden oft mit ihren Knochen beigesetzt », schrieb William Shakespeare. Zum Glück nicht immer. Greg Smith erstellt das Profil von Menschen, deren Einfluss nicht in Geld gemessen werden kann. In seiner Sammlung «Genetic Portraits» schnitt der kanadische Fotograf Ulric Collette Bilder von Vätern und Müttern sowie Töchtern und Söhnen entzwei und setzte sie wieder zusammen. So entstanden Vater/Tochter­, Mutter/Tochter­, Vater/Sohn­, Mutter/Sohn­ und Schwester/Bruder­Kombinationen. Das Ergebnis ist sowohl unheimlich als auch bewegend und verleiht dem Spruch «Du siehst genauso aus wie …!» eine neue Bedeutung. genetic.ulriccollette.com > Seite 28

39

Inhalt—05

Die Macht der chinesischen Touristen Was geschieht, wenn das bevölkerungsreichste Land im Aus­ land einkauft ? Grégoire Biollaz schätzt die Bedeutung des chinesischen Tourismus und seines wirtschaftlichen Potenzials für die entsprechenden Zielländer kritisch ab.

46 Auf der Spur der Realzinsen Niedrige Realzinsen werden sich laut Valérie Plagnol eine geraume Zeit fortsetzen. In diesem Umfeld hängen höhere Anlagerenditen vom Schuldenabbau des öffentlichen Sektors ab. Einen solchen zu erreichen, erweist sich jedoch als politisch schwierig.

48 Der Wohlstand verlagert sich Die Vermögensumschichtung in Richtung der Schwellenmärkte dürfte sich laut Christine Schmid verstärken. Das Grosskunden­ geschäft mit heimischen KMU bietet die beste Ausgangslage zur Ausschöpfung des zukünftigen Wachstums. Es sind jedoch strukturelle Änderungen notwendig.

52 Suche nach nachhaltigen Transportlösungen Biotreibstoffe stellen eine der besten kurzfristigen Lösungen für einen nachhaltigeren Transport dar. Sie sind jedoch kein Wundermittel. Thomas C. Kaufmann untersucht eine Reihe bedeutender Sachverhalte, die man im Auge behalten sollte.

53 Hin zu einer biobasierten Wirtschaft Ein Übergang zu erneuerbaren Rohstoffen ist absehbar. Er wird jedoch von fortgesetzten Investitionen, einem weiteren technologischen Durchbruch sowie der Unterstützung durch die Politik und hohen Ölpreisen abhängen. Thomas C. Kaufmann schätzt die Möglichkeiten ein.

Disclaimer > Seite 54 Autoren > Seite 56

Die Erde, unser Erbe Die erfolgreiche Rettung der ägyptischen Tempel von Abu Simbel in den Fünfzigerjahren beschleunigte eine internationale Bewegung zum Erhalt des Welterbes. Kishore Rao erläutert, wie Kultur­ und Naturerbestätten an die nächste Generation übergeben werden sollten.

Podcast auf www.credit-suisse.com/globalinvestor

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2 Kundenzeitschriften B2B 20

Die Erbschaftssteuer ist an sich ein alter Hut; die hohen Grenzsteuersätze sind jedoch ein recht junges Phänomen. Beim Blick auf das 20. Jahrhundert erweisen sich Kriege als wichtiger Einflussfaktor. Die Erfahrung eines Weltkrieges erschüttert den Gerechtigkeitssinn der Gesellschaft, von dem die Haltung zur Erbschaftssteuer abhängt. Kenneth Scheve, Politikwissenschaftler, Yale University, und David Stasavage, Politikwissenschaftler, New York University

Fokus—23

GLOBAL INVESTOR 2.11

Fokus—24

GLOBAL INVESTOR 2.11

Fotos: Mathias Hofstetter | Steffen Thalemann

Tod, Krieg und Steuerlast

Fotos: Mathias Hofstetter | Steffen Thalemann

GLOBAL INVESTOR 2.11

Die Erbschaftssteuer wird sowohl von Wirtschaftswissenschaftlern als auch von der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert.1 Viele argumentieren, dass sich damit die Staatseinnahmen und gleichzeitig die Chancengleichheit für künftige Generationen erhöhen lassen. Andere halten die Steuer für ungerecht, da sie die Ersparnisse der Eltern für ihre Kinder schmälert. Unsere Studie beschäftigt sich nicht direkt mit der Frage, was Regierungen tun sollten. Wir untersuchen vielmehr anhand der Geschichte, was Regierungen bisher getan haben und aus welchen Gründen. Dann fragen wir uns, was dies für die Zukunft bedeutet. Wir haben eine umfangreiche Datenbank mit den Erbschaftssteuersätzen in 19 Ländern über die letzten zwei Jahrhunderte erstellt. 2 Damit können wir die auf lange Sicht grössten Einflussfaktoren für die Erbschaftsbesteuerung ermitteln. Aus unserer Studie geht zunächst hervor, dass Erbschaftssteuern häufig sehr alt sind und in vielen Fällen bereits hundert oder mehr Jahre vor der Einkommenssteuer eingeführt wurden. In England wird das Erbe seit Einführung einer Nachlassabgabe im Jahr 1694 in der einen oder anderen Form besteuert. In Frankreich wurde kurz nach der Revolution eine Erbschaftssteuer aufgelegt. Zwar ist die Erbschaftssteuer bereits alt, doch die hohen Grenzsteuersätze sind ein viel jüngeres Phänomen, das auf das zweite Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts zurückgeht. Anfang 1914 lag der Höchststeuersatz für direkte Nachkommen in Frankreich bei nur 6.5 Prozent, was unter den von uns untersuchten Ländern keine Ausnahme war. Was geschah dann? Insbesondere in den Ländern, die in den beiden Weltkriegen kämpften, wurde begonnen, grosse Vermögen mit bislang unvorstellbar hohen Sätzen zu besteuern. In Grossbritannien wurde der Grenzsteuersatz nach dem Ersten Weltkrieg auf 40 Prozent erhöht; am Ende des Zweiten Weltkriegs lag er bei 75 Prozent. In Ländern, die nicht so viele Bürger für den Krieg mobilisierten, sah es ganz anders aus: In den Niederlanden verblieb der Grenzsteuersatz im gesamten 20. Jahrhundert auf niedrigem Niveau. Während in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Erbschaftssteuersätze stetig stiegen – wenn auch in einigen Ländern stärker als in anderen – wendete sich das Blatt in der zweiten Hälfte. Sechs der 19 untersuchten Länder haben die Erbschaftssteuer ganz abgeschafft. In anderen wurden die Höchststeuersätze deutlich verringert. Ein kurzer Blick auf die Daten lässt darauf schliessen, dass wir uns womöglich in ein Zeitalter bewegen, in dem die Erbschaftssteuer bei der Nachlassplanung eine geringere Rolle spielen wird.

Der Faktor Gerechtigkeit

David Stasavage ist Professor am Fach­ bereich Politikwissenschaften der New York University. Davor lehrte er an der London School of Economics. Er ist Autor des Buches «States of Credit: Size, Power and the Development of European Polities» (Princeton University Press, 2011).

Einflussfaktoren der Erbschaftsbesteuerung: Demokratie und Krieg

Anhand unserer Daten können wir die Einflussfaktoren untersuchen, die in verschiedenen Ländern in verschiedenen Zeiträumen zu solch unterschiedlichen Entscheidungen zur Besteuerung grosser Vermögen geführt haben. Dies gewährt uns mehr Einblicke in die Zukunft. Ein erstes Fazit ist, dass Demokratie nicht zwangsläufig eine hohe Vermögensbesteuerung zur Folge hat. Es gibt Experten, die glauben, der Grundsatz der Chancengleichheit führe in einer Demokratie automatisch dazu, während andere der Meinung sind, dass es dazu kommt, weil es mehr Arme als Reiche gibt, die in einer Demokratie für eine hohe Besteuerung der Reichen stimmen. Aus unserer Studie geht jedoch hervor, dass die Demokratie in vielen Fällen bereits seit >

Staatlicher Appetit auf ein Stück vom Erbschaftskuchen In vielen Ländern wurde die Erbschaftssteuer bereits hundert Jahre oder länger vor der Einkommenssteuer eingeführt. Bis in die 1910 er-Jahre waren die Grenzsteuersätze der Erbschaftssteuer jedoch überraschend niedrig. Sie stiegen kontinuierlich bis Mitte des 20. Jahrhunderts, um anschliessend wieder zu sinken.

1 Der Einfachheit halber werden in diesem Artikel alle Arten der Besteuerung des Erbes (Erbschafts-, Nachlass- oder Schenkungssteuer) als «Erbschaftssteuern» bezeichnet. 2 Dieser Artikel bezieht sich auf unsere frühere Arbeit mit dem Titel «Democracy, War and Wealth: Lessons from Two Centuries of Inheritance Taxation». Unsere Studie umfasste folgende Länder: Australien, Österreich, Belgien, Kanada, Dänemark, Finnland, Frankreich, Deutschland, Italien, Japan, Korea, die Niederlande, Neuseeland, Norwegen, Schweden, die Schweiz, Grossbritannien und die USA.

Fokus—25

Jahrzehnten bestand, bevor hohe Steuern auf grosse Vermögen erhoben wurden. Das erklärt die jüngsten Entwicklungen. Unsere Studie zeigt, dass wir möglicherweise einfach nur – wohl oder übel – zu einem Gleichgewicht zurückkehren, das es auch in einer Demokratie aufrechtzuerhalten gilt. Das zweite eindeutige Fazit aus unserer Arbeit lautet: Der bei Weitem wichtigste Faktor für die Einführung von hohen Erbschaftssteuern im 20. Jahrhundert waren die Weltkriege. Damit lässt sich nicht nur erklären, warum die Regierungen hohe Erbschaftssteuern eingeführt, sondern auch, warum sie sie anschliessend wieder abgeschafft haben. Wir erwähnten dieses Phänomen bereits im Zusammenhang mit Grossbritannien. Die statistische Auswertung der Daten zeigt jedoch, dass das Phänomen weitaus allgemeinerer Natur war. Auf den ersten Blick mag der Zusammenhang zwischen Krieg und Steuern recht offensichtlich erscheinen. Regierungen brauchten in Krisenzeiten Geld und nahmen es einfach von denen, die es hatten – so oder so ähnlich würde man argumentieren. Vor 1914 waren jedoch bereits seit Jahrhunderten teure Kriege geführt worden. Häufig gerieten die Länder auch in finanzielle Notlagen. Warum also wurden grosse Vermögen erst 1914 das erste Mal stark besteuert ?

In Kriegszeiten sind höhere Steuern gerecht: Eine moderne Parabel Die öffentliche Meinung zur Erbschaftssteuer hängt vom jeweiligen Gerechtigkeitssinn der Gesellschaft ab. Während der beiden Weltkriege hielten angesichts der Masseneinberufungen viele Menschen eine höhere Besteuerung grosser Vermögen für gerecht. Im Zeitalter von Präzisionswaffen und kleinen Berufsarmeen sind Forderungen in einem solchen Ausmass weniger wahrscheinlich.

Eine wichtige Erkenntnis unserer Studie ist nicht nur, dass Kriege eine Rolle spielten, sondern auch, dass die Meinung einer Gesellschaft zur Erbschaftssteuer vom jeweiligen Gerechtigkeitssinn abhängt. Während der beiden Weltkriege wurden so viele junge Menschen einberufen wie nie zuvor. Da ältere Menschen im Schnitt über ein grösseres Vermögen verfügen, waren damals viele Bürger der Ansicht, dass die hohen Vermögen stärker besteuert werden sollten, damit alle ein Kriegsopfer erbringen. Einige Unternehmen konnten vom Krieg profitieren und die Gewinne steigern. Dies war für viele ein weiterer Grund, die hohen Vermögen zu besteuern – wiederum aus Gründen der Fairness. Die Senkung der Erbschaftssteuer in den letzten Jahrzehnten lässt sich wohl dadurch erklären, dass dieser Kriegseffekt allmählich nachlässt. Wenn die Erinnerungen an die Kriegserlebnisse verblassen, ändern sich auch die Vorstellungen von einem fairen Steuersatz. Was bedeutet dies alles für die Zukunft ? Die Militärtechnologie hat sich verändert. Heutzutage werden zunehmend Präzisionswaffen in Kombination mit kleineren Armeen eingesetzt. Vor allem werden nicht mehr so viele Soldaten aus der Mittelklasse rekrutiert. Unter diesen Voraussetzungen ist nicht mehr in einem solchen Ausmass wie früher mit gerechtigkeitsbedingten Forderungen nach einer hohen Besteuerung zu rechnen. So dürfte den Teilnehmern am US -Einsatz in Irak und Afghanistan durchaus der Sinn nach mehr Gerechtigkeit stehen, doch sie haben zahlenmässig kein politisches Gewicht. Und sie kommen mehrheitlich aus sozialen Schichten mit nur wenig politischem Einfluss. Diese neue Realität mag für die einen bedauernswert und für andere erfreulich sein. Wir stellen lediglich fest, dass die technische Entwicklung in diese Richtung geht. Damit ist natürlich nicht ausgeschlossen, dass neue Arten von Gerechtigkeitsforderungen aufkommen, zum Beispiel im Zusammenhang mit der Finanzkrise oder sonstigen Ereignissen, die der Gemeinschaft eine hohe Steuerlast aufbürden. Die jüngsten Aussagen von Warren Buffett zeigen, dass solche Forderungen sogar von den Reichen selbst kommen können. Die entscheidende Frage in all diesen Debatten lautet: Ist eine höhere Besteuerung der Reichen wirklich erforderlich, um die Opfer anderer sozialer Schichten auszugleichen? Überzeugende politische Argumente für oder gegen die Erbschaftssteuer stehen und fallen mit dieser Frage. 

Kenneth Scheve ist Professor für Politik­ wissenschaften und internationale Angelegenheiten an der Yale University. Er ist überdies Co­Director des «Georg Walter Leitner»­Programms im Bereich International and Comparative Political Economy. Zusammen mit David Stasavage schreibt er ein Buch über die Interaktion zwischen Kriegen, Gerechtigkeit und Steuerprogression.

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Fotos: Ulric Collette

Fotos: Barcroft Media

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Benützen Sie die herausgetrennte halbe Seite 2 und decken Sie eine Gesichtshälfte ab, um die genetische Ähnlichkeit zu entflechten.

Vater | Sohn Denis, 53 Jahre, und William, 28 Jahre

Mutter | Tochter Julie, 61 Jahre, und Isabelle, 32 Jahre

Vater | Tochter Daniel, 60 Jahre, und Isabelle, 32 Jahre

Mutter | Tochter Francine, 56 Jahre, und Catherine, 23 Jahre

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2 Kundenzeitschriften B2B 22 GLOBAL INVESTOR 2.11

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Für eine bessere Welt

Nicht alle Vermächtnisse der Menschen können materiell gemessen werden. Einige Hinterlassenschaften haben mehr damit zu tun, wie wir unser Leben führen. Mahatma Gandhi, Mutter Teresa, Martin Luther King und Florence Nightingale, aber auch weniger bekannte Personen wie Jean-Henri Dunant und Bill Wilson hinterliessen ein Erbe, das die Welt unvergleichlich reicher macht.

«IN DER GESAMTEN GESCHICHTE GEWANNEN STETS WAHRHEIT UND LIEBE.» Mahatma Gandhi

Greg A. Smith, freier Journalist

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Vor 150 Jahren erlebte ein junger Schweizer Unternehmer die verheerenden Folgen einer Schlacht in Norditalien. Tausende verwundete oder sterbende Soldaten, die unter unermesslichen Schmerzen litten, lagen auf den blutgetränkten Feldern von Solferino und schrien um Hilfe. Jean-Henri Dunant war entsetzt und appellierte an die Zivilbevölkerung, gezwungen durch «das moralische Bewusstsein über die Bedeutung menschlichen Lebens» – wie er später schrieb. Er führte einen humanistischen Feldzug, der die Kriegsführung auf ewig ändern würde. Diese selbstlose Entscheidung eines Einzelnen, Stellung zu beziehen, anstatt einfach zuzuschauen, lebt im roten Kreuz fort, einem der geachtetsten Symbole dieses Planeten. Im Laufe der Zeit hinterliessen grossartige Menschen grossartige Errungenschaften. Die Reichen erschufen Monumente und bauten Museen. Wissenschaftler heilten Krankheiten. Komponisten rührten uns. Dunant gehört zu einer Gruppe von Persönlichkeiten, deren Vermächtnis weniger mit Vermögen oder Genie zu tun hat als vielmehr damit, wie wir unser Leben führen. Ihr Erbe besteht in einem positiven Einfluss. Sie änderten die Art und Weise, wie wir miteinander umgehen – ein grundlegendes Prinzip der Zivilisation. Einige unter ihnen, wie Mahatma Gandhi, Mutter Teresa, Martin Luther King und Florence Nightingale, sind weithin bekannt und symbolisieren Frieden, Güte und soziale Gerechtigkeit. Andere, wie Dunant und der Mitbegründer der Anonymen Alkoholiker Bill Wilson, werden durch ihr Erbe überragt. Dunants Vermächtnis befindet sich überall um uns herum. Es offenbart sich in der Katastrophenhilfe, in Blutspendezentren und im Mut von Helfern, die Verwundete aus Kampfgebieten bergen. Sein Kernprinzip ist das Ideal der Neutralität innerhalb der

Unvermeidbarkeit von Kriegen. Nach Solferino schrieb er alles auf: die Qual, das Entsetzen, aber auch die Humanität der Zivilisten, die sowohl Freund als auch Feind eine helfende Hand reichten. «Wäre es nicht möglich, in ruhigen und friedlichen Zeiten Hilfsgesellschaften zu gründen, um Verwundete in Kriegen mithilfe von engagierten, hingebungsvollen und hoch qualifizierten Freiwilligen zu versorgen?», fragte er. Da die Antwort nur ein eingeschränktes Ja war, wurde in Genf ein Ausschuss gegründet, um der Idee weiter nachzugehen. Sein erstes Treffen, der 17. Februar 1863 , wird nun als Gründungsdatum des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz betrachtet. 18 Monate später, am 22. August 1864 , wurde durch das Schweizer Parlament eine diplomatische Konferenz organisiert, die zur Unterzeichnung der ersten Genfer Konvention führte. Während Dunant den Boden für eine fest verwurzelte medizinische Neutralität bereitete, bahnte eine Zeitgenossin in England, ebenfalls aufgrund der Eindrücke von Schlachtfeldern, den Weg für das moderne öffentliche Gesundheitswesen. In unserem Bewusstsein verankert ist das Bild von Florence Nightingale als Dame mit der Lampe, ein barmherziger Engel. Für Dunant und die ganze Welt war sie eine Inspiration. Dunant zitiert in seiner Biografie Nightingales «aussergewöhnliche Selbsthingabe» und ihre «leidenschaftliche Zuwendung für Menschen in Not ». Auch Nightingale war in gut situierten Verhältnissen geboren und lebte in einer Ära, als von Frauen in der Oberschicht erwartet wurde, einen vermögenden Ehemann zu finden und Kinder zu gebären. Sie tat nichts von beidem und widersetzte sich ihrer Familie und der Gesellschaft, indem sie ihr Leben der Krankenpflege widmete, einem >

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2 Kundenzeitschriften B2B 23 Fokus—40

Foto: NASA / JPL-Caltech / E. Churchwell (University of Wisconsin - Madison) | ASA / JPL-Caltech

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Voyager Golden Records

Kosmisches Vermächtnis

1977 schoss die NASA die beiden unbemannten Weltraumsonden Voyager I und II ins All. Irgendwann werden

diese Sonden unser Solarsystem verlassen und ihre Reise zu anderen Galaxien fortsetzen. Jede von ihnen ist mit einem Voyager Golden Record ausgestattet, einem Datenträger, der Geräusche und Bilder als Botschaft für ausserirdische Lebensformen oder für die Menschen der Zukunft enthält. Zu den Audiosequenzen gehören beispielsweise Grüsse in 55 Sprachen, Ausschnitte von Musikstücken sowie Geräusche wie Donner, Herzschlag und Lachen. Die Bilder illustrieren unter anderem die Parameter des Solarsystems, die DNA -Struktur, gefallene Blätter, Häuser und Autos. Die Datenplatte, sozusagen eine Gebrauchsanleitung für unseren Planeten, wird frühestens in 40 000 Jahren gelesen werden. goldenrecord.org

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wöhnlichem universellem Wert sind. Die Vorschlagsliste wird dem Welterbezentrum der UNESCO eingereicht, das sie – je nachdem, ob es sich um ein Kultur- oder Naturgut handelt – an ICOMOS oder IUCN weiterleitet. Diese Organisationen prüfen den Vorschlag, besuchen und bewerten die Stätte, befragen die Beteiligten und formulieren Empfehlungen. Letztere werden dem Welterbekomitee an seiner jährlichen Sitzung vorgestellt. Es erfolgt ein Beschluss oder die Dokumente werden dem Land mit der Bitte um zusätzliche Argumente zurückgeschickt. 1994 verabschiedete das Komitee die Global Strategy for a Representative, Balanced and Credible World Heritage List . Wozu ? Kishore Rao: Ziel dieser Strategie war es, sicherzustellen, dass die Welterbeliste alle Kulturen und Regionen dieser Welt sowie die Vielfalt des Kultur- und Naturerbes angemessen repräsentiert. Wie sorgen Sie dafür, dass die Strategie relevant bleibt ? Kishore Rao: Wir passen sie regelmässig an die neuen Herausforderungen und Chancen an. Als zum Beispiel der Klimawandel an Brisanz gewann, leiteten wir eine Initiative in die Wege, um dessen Auswirkungen auf verschiedene Kategorien von Kultur- und Naturstätten sowie mögliche Schutzmassnahmen zu überprüfen. Das Welterbe hat doch eindeutig auch wirtschaftliche Aspekte. Kishore Rao: Eines unserer Anliegen ist es, dass die Vorteile der lokalen Bevölkerung zugutekommen. Wir werden 2012 unser 40 - jähriges Bestehen feiern. Das Thema des Jubiläumsjahres ist «Welterbe und nachhaltige Entwicklung». Geplant sind Veranstaltungen, die zeigen, wie das Welterbe, unter anderem durch die Entwicklung des Fremdenverkehrs, zum Lebensunterhalt und zur Wirtschaft beiträgt. Naturerbestätten unterstützen überdies Bemühungen um die Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft, des Gewässer- und Bodenschutzes sowie der Klimaverbesserung. Was ist unter der Liste des gefährdeten Welterbes zu verstehen? Kishore Rao: Die Liste des gefährdeten Welterbes basiert auf der Welterbeliste. Darin enthalten sind Stätten, deren aussergewöhnlicher universeller Wert durch spezifische und ernste Gefahren bedroht ist. Das klingt nach einer roten Liste. Kishore Rao: Nein, es ist vielmehr ein Mittel, um die Länder und die internationale Gemeinschaft auf den erhöhten Schutzbe-

Fokus—41

«Eines unserer Anliegen ist es, dass die Vorteile der lokalen Bevölkerung zugutekommen.»

darf aufmerksam zu machen. So baten im letzten Jahr die USA , den EvergladesNationalpark auf die Liste zu setzen, und seit Jahren stehen fünf Naturerbstätten der Demokratischen Republik Kongo wegen des Konflikts auf der Liste. Welterbestätten können ihren Status auch verlieren, nicht wahr ? Kishore Rao: Das ist eine andere Geschichte. Läuft eine Stätte Gefahr, ihren Wert unwiderruflich zu verlieren, setzt das Welterbekomitee alles daran, eine Lösung zu finden. Gelingt dies nicht, streicht es die Stätte als letztes Mittel von der Liste. In den 40 Jahren seit Inkrafttreten der Konvention waren jedoch nur zwei der 936 Welterbestätten davon betroffen: 2007 wurde das Wildschutzgebiet der arabischen Oryx-Antilope in Oman wegen der Ölförderung um 90 Prozent reduziert. Das Dresdner Elbtal wurde 2008 von der Liste gestrichen, nachdem die Stadt Dresden für den Bau einer Brücke gestimmt hatte, welche die Harmonie der Landschaft zerstören wird. Was sind die Kriterien für eine Aberkennung des Welterbestatus? Kishore Rao: Es gibt nur ein Kriterium: Wenn feststeht, dass eine Stätte ihren aussergewöhnlichen universellen Wert unwiderruflich verlieren wird, hat sie ihren Platz auf der Liste verwirkt. Wie schaffen Sie den Drahtseilakt zwischen Denkmalschutz und Wirtschaftsentwicklung? Kishore Rao: Wir fordern die Betroffenen auf, Umweltverträglichkeitsprüfungen und Studien über die Auswirkungen bestimmter

Projekte auf Welterbestätten durchzuführen und uns die Ergebnisse zukommen zu lassen. Diese untersuchen wir gemeinsam mit unseren Beratungsgremien. Häufig zeigt sich dabei, dass andere Entwicklungskräfte weniger bedeutend sind als der Schutz des Welterbes. So wurde in den 1990 er-Jahren eine Ölpipeline, die ursprünglich am Ufer des ältesten und tiefsten Sees und grössten Süsswasserreservoirs unserer Erde, des russischen Baikals, gebaut werden sollte, 200 Kilometer nördlicher verlegt, nachdem man zu dem Ergebnis gekommen war, dass eine Pipeline -Katastrophe den See zerstören könnte. Wie wollen Sie das Welterbe an die nächste Generation weiterreichen? Kishore Rao: Wir ergreifen spezielle Initiativen wie das Jugendprogramm World Heritage in Young Hands. Im Vorfeld der Jahressitzung des Welterbekomitees veranstalten wir zudem ein Jugendtreffen zum Thema Welterbe, wo Jugendliche aus unterschiedlichen Regionen dieser Welt zusammentreffen. Sie untersuchen die Welterbestätte ihrer Heimatregion und stellen ihre Ergebnisse auf dem Forum vor. Die Weitergabe des Erbes ist jedoch nicht alles. Auch der Erhalt der Welterbestätten für die heutige Generation ist ein wichtiges Thema. Der Denkmalschutz ist vielen Gefahren ausgesetzt, die nicht ohne Folgen bleiben. Um diese Herausforderungen zu meistern, benötigen wir nicht nur finanzielle und technische Hilfe, sondern auch die Unterstützung der Öffentlichkeit und der lokalen Gemeinschaften. 

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2 Kundenzeitschriften B2B 24 Putorana-Plateau

UNESCO-Welterbe

Russische Föderation

Die auf den Voyager Golden Records gespeicherten Bilder zeigen unter anderem das Great Barrier Reef in Australien, die Grosse Mauer in China und den Tadsch Mahal in Indien, die von der UNESCO allesamt auf die Liste der Welterbe stätten mit herausragender Bedeutung für die Menschheit gesetzt wurden. Die hier abgebildete Karte zeigt nur einige wenige der insgesamt 936 Standorte, die bis 2011 zum Weltkultur- oder Weltnaturerbe erklärt wurden.

Jahr der Aufnahme Typ Kernzone

Foto: © UNESCO, Jim Thorsell / IUCN / Francesco Bandarin / Yvon Fruneau / François Cristofoli / Kantor V.

Das Putorana-Plateau liegt im Norden Zentralsibiriens. Der Teil des Plateaus, der von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt wurde, ist ein ausgedehntes Gebiet rund 100 km nördlich des Polarkreises und umfasst unberührte Taiga, bewaldete Tundra und arktische Wüsten. Er wird von riesigen Rentierherden durchwandert und ist so strikt geschützt, dass er nur per Helikopter oder Schiff zu erreichen ist. 2010 Weltnaturerbe 1 887 251 ha

Tropischer Regenwald auf Sumatra Indonesien

Dinosaur Provincial Park Kanada

Sumatras Regenwald zeichnet sich durch Landschaften von aussergewöhnlicher Schönheit sowie wertvolle Habitate mit hoher Biodiversität aus. Das Gebiet umfasst drei Nationalparks und ist Lebensraum von Tausenden Pflanzen- und Tierarten. 2011 wurde er auf die Liste der gefährdeten Welterbe gesetzt, um Bedrohungen unter anderem durch Wilderei und illegale Holznutzung entgegenzuwirken.

Der in den sogenannten Badlands der kanadischen Provinz Alberta gelegene Dinosaur Provincial Park enthält Fossilien von rund 35 Dinosaurierarten, die bis zu 75 Millionen Jahre alt sind. 300 Dinosaurierskelette, unter anderem der Familien Tyrannosauridae und Pachycephalosauridae, wurden bisher aus den geologischen Schichten des Parks freigelegt. Der Park ist zudem Lebensraum für einheimische Hirsche und zahlreiche Vogelarten. Jahr der Aufnahme Typ Kernzone

Botanischer Garten von Padua

1979 Weltnaturerbe 7493 ha

Italien

Quebrada de Humahuaca Argentinien

Die Quebrada de Humahuaca ist ein langes, enges Tal, das vom Rio Grande ausgewaschen wurde. Das Tal ist aufgrund seiner strategischen Position seit der prähistorischen Zeit der Jäger und Sammler bis zum heutigen Tag für Siedlungen, Landwirtschaft und Handel prädestiniert. So folgt der Camino Inca, eine wichtige Kulturstrasse, ihrem Verlauf. Heute noch spielt das Tal eine wichtige Rolle als Verbindung zwischen Atlantik und Pazifik. Jahr der Aufnahme Typ Kernzone

2003 Weltkulturerbe 172 116 ha

«Ich weiss nicht, was ich ohne die botanischen Gärten wäre», seufzt Lord Sebastian Flyte zu Beginn des Romans «Wiedersehen mit Brideshead» von Evelyn Waugh. Der weltweit erste botanische Garten wurde 1545 in Padua eröffnet und er hat seine ursprüngliche Gestalt bis zum heutigen Tag bewahrt. Der Garten trug zur Entwicklung moderner Wissenschaftsdisziplinen wie der Medizin und der Ökologie bei und war eine Quelle seltener Pflanzen für den Rest Europas. Jahr der Aufnahme Typ Kernzone

1997 Weltkulturerbe 11 ha

Jahr der Aufnahme Typ Kernzone

2004 Weltnaturerbe 2 595 124 ha

Antike Dörfer in Nordsyrien Arabische Republik Syrien

Wohnhäuser, heidnische Tempel, Zisternen und Badehäuser figurieren unter den architektonischen Überresten von rund 40 Dörfern, die im Nordwesten Syriens in 8 Parks zusammengefasst wurden. Die Dörfer stammen aus dem 1. bis 7. Jahrhundert und wurden zwischen dem 8. und 10. Jahrhundert verlassen. Ihre gut erhaltenen Überreste zeugen davon, dass ihre Bewohner wahre Meister der landwirtschaftlichen Produktion waren. Jahr der Aufnahme Typ Kernzone

2011 Weltkulturerbe 12 290 ha

Entdecken Sie weitere Weltkulturerbe -Standorte online unter whc.unesco.org

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2 Kundenzeitschriften B2B 25

GLOBAL INVESTOR 2.11

Research—42

GLOBAL INVESTOR 2.11

die Macht der chinesischen Touristen

3%

38%

29%

Taiwan

Andere

Hongkong

de CH S TI AU Ine nAT IO TO SLA SIS n UR nd CH en IS S eR Te n, 20 10

Steigende private Vermögen erlauben es immer mehr Chinesen, ins Ausland zu reisen. Die Topdestinationen sind Hongkong und Macao, dank gelockerten Visabestimmungen werden jedoch auch Taiwan und Europa immer beliebter. Grégoire Biollaz Research Analyst gregoire.biollaz@credit-suisse.com +41 44 334 56 37

AndeRe

2% USA

28% Macao

Durch das starke Wirtschaftswachstum in China im vergangenen Jahrzehnt ist das Vermögen pro Erwachsenem markant von USD 6 000 im Jahr 2000 auf USD 18 000 im Jahr 2010 1 gestiegen. Höhere Einkommen ermöglichen immer mehr Festlandchinesen eine Reise, vor allem nach Hongkong und Macao. In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl chinesischer Touristen deutlich erhöht, von 10.5 Millionen im Jahr 2000 auf 57.4 Millionen im Jahr 2010 (vgl. Abbildung 1, Seite 45). Das Wachstumspotenzial des chinesischen Tourismus wird deutlich, wenn man bedenkt, dass die Chinesen, die 2010 ins Ausland reisten, lediglich 4.3% der Bevölkerung ausmachen. Schätzungen der UN -Welttourismusorganisation zufolge wird China bis 2020 weltweit die viertgrösste Zahl von Auslandstouristen stellen – ungefähr 100 Millionen oder 6.4% der Auslandstouristen weltweit. Hunger nach Luxusgütern

Chinesische Konsumenten haben eine Schwäche für teure Markenprodukte und pflegen dabei ausgeprägte Konsumgewohnheiten. Zuoberst auf der Einkaufsliste stehen Kleidung, Kosmetika, Schmuck und Uhren, nicht zuletzt deshalb, weil für Luxusartikel auf dem chinesi-

Hongkong und Macao – die beliebtesten destinationen für Festlandchinesen Die Zahl der Chinesen, die es in die Ferne zieht, nimmt zu. Für Festlandchinesen sind aber nach wie vor Hongkong und Macao die beliebtesten Reiseziele. Die relative geografische Nähe, die gemeinsame Sprache und besondere Visavereinbarungen verstärken diesen Trend. Quelle: Credit Suisse, China Tourism Academy

1 Weitere Einzelheiten können dem Global Wealth Report 2011 der Credit Suisse vom Oktober 2011 entnommen werden.

«Schätzungen der Un -Welttourismusorganisation zufolge wird China bis 2020 weltweit die viertgrösste Zahl von Auslandstouristen stellen – ungefähr 100 Millionen oder 6.4% der Auslandstouristen weltweit.» Grégoire Biollaz

Research—43

schen Festland hohe Verbrauchssteuern gelten (vgl. Abbildung 2, Seite 45). Chinesische Touristen entscheiden sich auch immer häufiger für Destinationen wie die USA und Europa, sei es, um dort einzukaufen oder sich kulturell zu bilden. Dank gelockerten Reisebestimmungen rechnen wir in Zukunft mit einem weiteren beträchtlichen Anstieg reisender Chinesen. Die von den chinesischen Konsumenten bevorzugten Zielländer dürften von diesem wachsenden Tourismus profitieren, wie dies auch Hongkong und Macao nach der Lockerung der Reisebestimmungen im Jahr 2003 taten.

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Research—44

GLOBAL INVESTOR 2.11

9% | 15%

74% | 40% Shopping

11% | 33% Hotel

wirtschaft sowie die Konsumsektoren, die diesem Boom chinesischer Touristen ausgesetzt sind. Neben den Einkaufsmöglichkeiten wird Taiwan wegen der Schönheit seiner Landschaft, der kulturellen Sehenswürdigkeiten und der historischen Verbindung zu China geschätzt. Der Sun Moon Lake, der Hsuan- Chuang-Tempel und Taipeh 101 (einst das höchste Gebäude der Welt) etwa gehören zu den grössten Attraktionen für Touristen aus Festlandchina. Überdies zeigt das Nationale Palastmuseum in Taipeh Stücke, die ursprünglich im Palastmuseum der Verbotenen Stadt in Peking ausgestellt waren. Im Jahr 1948 gelangten die wertvollsten Exponate nach Taiwan, wo die heutige Kollektion über 8 000 Jahre chinesischer Geschichte umfasst. Shopping und Kultur in europa

Ve TO R Te IL AU U H O SG R IS Te U nG nG A B en n - d eR KO

nG In F , 20 An estlan 10 de re dchin L än a de r

nächster Halt: Taiwan

Seit 2008 gibt es regelmässige Direktflüge zwischen China und Taiwan, und chinesischen Touristen ist es möglich, Taiwan im Rahmen von Gruppenreisen zu besuchen. Das Chinese Individual Visitor Scheme (CIVS ) – eine Vereinbarung über unabhängige Individualreisen zwischen China und Taiwan, die Ende Juni 2011 in Kraft trat – markiert einen wichtigen Meilenstein in den Beziehungen zwischen beiden Ländern. Das Programm gilt zunächst nur für die drei chinesischen Pilotstädte Peking, Schanghai und Xiamen, die sich eine tägliche Gesamtquote von 500 Touristen teilen. Berechtigte Antragsteller müssen zudem gewisse finanzielle Voraussetzungen erfüllen. Im Zuge der weiteren Ausweitung des Projekts rechnen wir langfristig mit erheblichen Vorteilen für die Binnen- >

Grégoire Biollaz

Essen

erster Halt: Hongkong und Macao

Fast 70 Prozent der chinesischen Auslandsreisenden besuchten 2010 Hongkong oder Macao (vgl. Seite 42). Dass diese beiden Sonderverwaltungsregionen ( SVR ) bei chinesischen Touristen so beliebt sind, hängt unter anderem mit der Nähe zu China, der visumsfreien Einreise für Aufenthalte von weniger als sieben Tagen, dem ähnlichen kulturellen Hintergrund und der gemeinsamen Sprache zusammen. Das von China 2003 lancierte Individual Visitor Scheme ( IVS ) ermöglicht chinesischen Staatsbürgern, die beiden SVR individuell zu bereisen. Im April 2009 führte die chinesische Regierung für die Bewohner von Shenzhen ganzjährige Visa mit Mehrfacheinreise nach Hongkong ein. Nach Erweiterungen deckt das IVS mittlerweile 49 Städte auf dem Festland ab. Hongkong bietet Besuchern als einer der weltweit grössten Luxusgütermärkte eine Vielzahl internationaler Marken, während in Macao das Glücksspiel als Publikumsmagnet wirkt. In Hongkong gaben chinesische Touristen im Jahr 2000 geschätzte HKD 13.2 Milliarden aus. Zehn Jahre später waren es mehr als HKD 87 Milliarden (durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 21% in den letzten zehn Jahren). Der Löwenanteil der Gesamtausgaben im vergangenen Jahr entfiel dabei mit 74% aufs Shopping. Bei Reisenden aus anderen Ländern waren es dagegen lediglich 40% (vgl. Seite 44). Die Chinesen geben somit weit mehr für Einkäufe aus als für Unterkunft oder Essen.

«Steuerfreies einkaufen ist für chinesische Touristen einer der grössten Anreize, ins Ausland zu reisen.»

7% | 12% Anderes

Shopping – der grosse Reiz für Reisende aus China Im Zuge des Aufstiegs der chinesischen Mittelklasse verfügen die Touristen des Landes über mehr Einkommen, das sie besonders gerne für in China hoch besteuerte teure Produkte wie Markenschmuck, -accessoires und -kosmetik ausgeben. Quelle: Credit Suisse, CBC

Die Visabeschränkungen zwischen Europa und China wurden in den letzten Jahren etwas gelockert, was zu einem spürbaren Anstieg des chinesischen Touristenstroms geführt hat. Das Schengen-Visum ermöglicht zudem die Einreise in 25 EU -Mitgliedsländer, womit die Anforderungen und die Visakosten für Reisen in mehrere europäische Länder deutlich abgenommen haben. Rund 2.5 Millionen Chinesen besuchten 2010 Länder in Westeuropa. Frankreich, Italien, Deutschland und Grossbritannien gehören hier zu den beliebtesten Reisezielen. Im Jahr 2010 kamen 550 000 chinesische Touristen nach Frankreich, wobei die meisten von ihnen das Land in organisierten Gruppen mit Reiseleiter besuchten. Luxusshopping gehört zu den Highlights chinesischer ParisBesucher: Einerseits umgehen sie so die hohe Verbrauchssteuer, mit der Luxusgüter in Festlandchina belegt sind, andererseits schätzen sie die bessere Qualität der Produkte in Europa. Darüber hinaus können sie als Ausländer für in Europa gekaufte Waren Mehrwertsteuer-Rückerstattungen geltend

machen. Dies ist insofern attraktiv, als in bestimmten EU -Ländern die Mehrwertsteuer bis zu 25% beträgt. Steuerfreies Einkaufen ist für chinesische Touristen einer der grössten Anreize, ins Ausland zu reisen. Dem TaxFree -Shopping-Anbieter Global Blue zufolge tätigt in Europa niemand so viele steuerfreie Einkäufe wie die Chinesen. Die durchschnittlichen Ausgaben pro Transaktion liegen jeweils doppelt so hoch wie bei russischen Touristen. Kunst, Architektur und Gastronomie sind für chinesische Besucher in Europa weitere Highlights, wobei der Trend zu weniger Einkaufstourismus und mehr Kulturreisen den Weg zum weiteren Wachstum aufzeigt.

Research—45

01_Immer mehr Chinesen reisen ins Ausland Chinas Auslandstourismus weitet sich dank steigenden Einkommen und gelockerten Visabestimmungen kontinuierlich aus. Quelle: Credit Suisse, China Tourism Academy

Safari in Afrika

Von den chinesischen Touristen, die im vergangenen Jahr ins Ausland reisten, besuchten 2% die USA und 29% andere Weltregionen. Abenteuerlustigere Chinesen auf der Suche nach andersartigen Erfahrungen fliegen auch schon mal für eine Safari nach Afrika. Angesichts des weiteren Wachstumspotenzials dieser Zielgruppe gibt es zurzeit auch zahlreiche Länder, die neue Wege beschreiten, um das Reisen für chinesische Besucher zu erleichtern und so mehr Gäste aus dem Reich der Mitte anzuziehen. nutzniesser des chinesischen Tourismus

02_Hohe Verbrauchssteuer für Luxusgüter Aufgrund einer aussergewöhnlich hohen Verbrauchssteuer wird der Kauf von Luxusartikeln im Ausland für viele Chinesen immer attraktiver. Quelle: Credit Suisse, Chinesiches Finanzministerium

Artikel

Verbrauchssteuer

effektiver Steuersatz (inkl. 17% MwSt.)

Weisswein

20%

40%

Luxusuhren

20%

40%

Tabak

30 – 56%

52– 83%

Kosmetika

30%

52%

Schmuck

5 –10%

23 –29%

Der Aufstieg der Konsumenten in Schwellenländern ist eines der globalen MegatrendThemen der Credit Suisse. Nach unserer Einschätzung werden Luxusgüterunternehmen am stärksten vom Boom internationaler Tourismusströme aus China profitieren. Nutzniesser sollten vor allem Detailhändler in Hongkong sein, da sie Luxusartikel (von oft besserer Qualität) wie Schmuck und Kosmetika vertreiben, die in China hoch besteuert sind. Der Zuwachs chinesischer Auslandstouristen dürfte sich auch für nationale und internationale Fluggesellschaften positiv bemerkbar machen. Ausserdem muss die Reiseinfrastruktur in China mit dem wachsenden Auslandstourismus Schritt halten können. Laut den Plänen von Chinas ziviler Luftfahrtbehörde soll die Zahl der Flughäfen im Land bis 2020 von aktuell 170 auf 260 steigen. Dieser Trend wird sich natürlich auch günstig auf die Hotel- und Bewirtungsbranche in den Zielländern auswirken. Die Hotelausgaben chinesischer Festlandtouristen nahmen 2010 um 68% zu, obgleich die Chinesen pro Kopf immer noch deutlich weniger für ihre Unterkunft ausgeben als beispielsweise die Amerikaner. –

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2 Kundenzeitschriften B2B 26

Die Vermögensverlagerung in die Schwellenländer dürfte sich beschleunigen. Auf das heimische Firmenkundengeschäft ausgerichtete Banken sind am besten positioniert, um von diesem Vermögenszuwachs langfristig zu profitieren.

Christine Schmid Research Analyst christine.schmid@credit-suisse.com +41 44 334 56 43

Prozentuale Vermögensanteile der Regionen nach Dezilgruppen 100%

Nordamerika

80%

Lateinamerika 60%

Europa 40%

Afrika China Indien

20%

Asien-Pazifik 0% 1 (Ärmste 10%)

2

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10 (Reichste 10%)

Dezil

2010 lebten 55% der Weltbevölkerung in den Schwellenländern der Region Asien-Pazifik (Asien ohne Japan, Australien und Neuseeland). Ihr Anteil am globalen Bruttoinlandprodukt ( BIP ) wird sich voraussichtlich alle 20 Jahre verdoppeln – von 9% im Jahr 1990 auf 18% im Jahr 2010 und 39% im Jahr 2030 .1 Die Vermögen in diesen Emerging Markets wachsen mit beispiellosem Tempo, sodass die Zahl der zur Mittelklasse gehörenden Haushalte bis 2025 über jene in den USA steigen könnte. Das Vermögen pro Erwachsenem in China hat sich zwischen 2000 und 2010 mehr als verdreifacht. Dies bildet die Basis des Binnenkonsums, der die langfristige Verlagerung des Wirtschaftswachstums untermauern wird. Die Abbildung links zeigt klar, dass China das mittlere Segment der prognostizierten Vermögensverteilung nach Regionen 2 dominiert. Mässigung im Westen

Vermögensverteilung China ist am obersten und untersten Ende der globalen Vermögensverteilung relativ schwach vertreten, dominiert aber das mittlere Segment und stellt über einen Drittel der Haushalte in den Dezilen 4 – 8. Quelle: Credit Suisse, Global Wealth Report 2011

Aufgrund der demografischen Trends in den Industrieländern, der indirekten Auswirkungen der anstehenden Sparmassnahmen und der wirtschaftlichen Ungleichgewichte rechnen wir mit einer Beschleunigung der relativen Vermögensverschiebung in die Emerging Markets. Zwar sind sie gegenüber der Konjunkturentwicklung in den USA und Europa nicht immun, aber ihre jüngere Bevölkerung und ihre schnell expandierenden Binnenmärkte sollten das Vermögenswachstum unter-

«Nur Banken mit einem glaubwürdigen Engagement in der Region, einer starken Marke und nachhaltigen Kundenbeziehungen können auf lange Sicht erfolgreich sein.» Christine Schmid

Research—49

stützen. In der westlichen Welt treten die Babyboomer in den Ruhestand. Ihre Risikofähigkeit ist damit zunehmend beschränkt und die Wahrung des Kapitals tritt in den Vordergrund. Die Übertragung der Vermögen auf die nächste Generation dürfte für die Banken eine Stagnation der verwalteten Vermögen zur Folge haben. Insbesondere angesichts der letzten Finanzkrise könnte die jüngere, technologisch versierte Generation weniger geneigt sein, mit Finanzberatern zusammenzuarbeiten. Wir glauben deshalb, dass erstklassige Bankdienstleistungen im Rahmen integrierter Technologielösungen entscheidend sein werden, um die nächste Generation als Kunden zu gewinnen. Darüber hinaus kämpfen diverse Industrieländer weiterhin mit den Nachwirkungen der Finanzkrise. Die Haushaltsdefizite und Schulden- BIP -Verhältnisse wurden durch die jüngsten Konjunkturbelebungsmassnahmen weiter erhöht (vgl. Abb. 2). Nun folgen Sparprogramme, die das künftige Wirtschaftswachstum bremsen, und möglicherweise auch Steuererhöhungen, welche die Netto-Neuvermögen reduzieren könnten; und all dies vor dem Hintergrund flauer Wirtschaftsperspektiven. Die Erinnerung an die Finanzkrise ist noch frisch, weshalb vermögende Privatpersonen längere Zeit risikoscheu bleiben und sich auf einfache, transparente Finanzprodukte beschränken dürften. Dies wird die Erträge in der Vermögensverwaltung belasten und die beschriebenen demografischen Effekte akzentuieren. Wenn sich der Staub nach der Finanz- und Staatsverschuldungskrise erst einmal gelegt hat, werden sich die Menschen in den Industrieländern unter Umständen eingestehen müssen, dass ihre Erwartungen hinsichtlich der Ruhestandsgelder wegen hartnäckig tiefer Zinsen und potenzieller Wertberichtigungen auf Staatspapieren zu optimistisch waren. Ein negativer Konsumeffekt der alternden Bevölkerung und steigende Sozialkosten würden die lokale Vermögensgenerierung ebenfalls beschränken. Erfreulichere Aussichten im Osten und Süden

Es überrascht nicht, dass Banken in Emerging-Markets-Indizes hoch gewichtet sind. Das Firmen- und Grosskundengeschäft, einschliesslich Kreditvergabe, Handelsfinanzierung sowie Devisen-, Kapital- und Primärmarktdienstleistungen, ist für das Wirtschaftswachstum von fundamentaler Bedeutung. Die Vermögensgenerierung auf unternehmerischer Ebene erfolgt danach mit zeitlicher Verzögerung. Mit Blick auf ihre Gewichtung in den globalen Indizes übertreffen Emerging-Markets-Banken ihre westlichen Pendants deutlich. Abbildung 1 zeigt, dass die Schockwellen der Finanzmarktkrise die Aktienkurse US -amerikanischer und europäischer Banken belasten. In den letzten Jahren haben Finanzinstitute oft das integrierte Bankmodell als den geeignetsten Ansatz für Firmenkunden angepriesen, ermöglicht dieses doch den Einbezug von Corporate - und Investment>

GLOBAL INVESTOR 2.11

Service—56

2.11_Autoren

Credit Suisse Global Research

Grégoire Biollaz ......................................... Research Analyst ......................................................... +41 44 334 56 37....................................................... gregoire.biollaz@credit-suisse.com ...............................

Grégoire Biollaz ist seit 2008 Research Analyst für die Sektoren Medizinaltechnik und Biotechnologie im Credit Suisse Private Banking. Vor Kurzem hat er auch die Verantwortung für den Chemiesektor übernommen. Bevor er zur Credit Suisse stiess, arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter für Immunex (heute Amgen) in Seattle in den USA . Grégoire Biollaz besitzt einen Doktortitel in Biologie der ETH Zürich. > Seite 42– 45

Valérie Plagnol ........................................... Economic Analyst ......................................................... +33 1 70 39 02 77 ..................................................... valerie.plagnol@credit-suisse.com.................................

Valérie Plagnol stiess 2010 zum Global Research Team des Credit Suisse Private Banking. Zuvor war sie als Senior- und Chefökonomin für verschiedene französische und internationale Banken tätig. Überdies war sie Mitglied des Rates für ökonomische Analysen des französischen Premierministers. > Seite 46 – 47

Christine Schmid ....................................... Research Analyst ......................................................... +41 44 334 56 43 ...................................................... christine.schmid@credit-suisse.com ..............................

Christine Schmid ist seit 1993 für Credit Suisse Private Banking tätig. Bevor sie im Jahr 2000 zum Global Research Team wechselte, befasste sie sich mit dem Portfoliomanagement. Zurzeit ist sie für europäische Bankaktien und die Koordination des globalen Bankensektor-Research verantwortlich. Zudem leitet sie ein Team von Finanzanalysten. Sie ist Chartered Financial Analyst (CFA ) und besitzt einen Master in Economics der Universität Zürich. > Seite 48 – 50

«Erbschaftskuchen» mit Himbeersahnecreme

Zutaten Himbeersahnecreme: 3 Eigelb 40 g Zucker 80 ml Wein 5 Blatt Gelatine 150 g Himbeeren (gehackt) Zitronensäure 600 g Schlagsahne

Grundrezept Mandelboden: (ergibt 4 dünne Böden) 5 Eigelb 100 g Marzipan 20 ml Wasser 50 g Zucker Salz, Zitrone  schaumig rühren 5 Eiweiss 80 g Zucker  steif schlagen zu Eischnee 70 g Mehl 65 g Weizenpuder 90 g Butter, flüssig  untermischen Grundrezept Brandmasseboden: (ergibt 4 Böden) 250 ml Wasser 125 g Butter Salz, Zitrone  kochen 150 g Mehl  beigeben und abrösten 5 Eier  unterrühren

Zubereitung Creme Das Eigelb und den Zucker mischen und schaumig rühren. Langsam den Wein beigeben. Die Gelatine zuerst in wenig kaltem Wasser einweichen und anschliessend mit 1 dl heissem Wasser auflösen. Die Himbeeren dazugeben, danach die Gelatine und einen Schuss Zitronensäure unterrühren. Den Rahm steif schlagen und vorsichtig darunterheben. Zubereitung Mandelboden Den Eischnee unter die Eigelbmasse ziehen. Mehl und Weizenpuder mischen, die flüssige Butter dazugeben. Den Teig in Springformen geben und bei 200 Grad etwa 10 Minuten backen. Zubereitung Brandmasseboden Die geröstete Mehlmasse abkühlen lassen und danach die Eier einzeln und langsam unterrühren. Die fertige Masse auf vier gefettete und gemehlte Bleche streichen und mit gehobelten Mandeln bestreuen. Etwa 10 Minuten backen bei zirka 200 Grad.

Den Mürbeteigboden mit Johannisbeergelee bestreichen und mit dem Mandelboden bedecken. Die erste Schicht Himbeersahnecreme auf den Mandelboden auftragen. Darauf einen Brandmasseboden legen und erneut mit Himbeersahnecreme bestreichen. Als Abschluss den zweiten Brandmasseboden auflegen und mit Vanille-staubzucker bestreuen. Einen Doppelring aus Sahne aufsetzen und mit Himbeermarmelade füllen. Vor dem Servieren in Stücke schneiden. Das Rezept wurde uns freundlicherweise von der Konditorei Caredda, Zürich, zur Verfügung gestellt.

Thomas C. Kaufmann ................................ Research Analyst ......................................................... +41 44 334 88 38 ...................................................... thomas.c.kaufmann@credit-suisse.com .........................

Thomas Claudio Kaufmann kam 2006 als Aktienanalyst für Nanotechnologie im Gesundheitssektor zum Private Banking der Credit Suisse. Als Senior Research Analyst ist er derzeit für den globalen Pharmasektor zuständig. Zudem ist er für das Megatrendthema Innovation verantwortlich. Er besitzt einen Master of Science in Biochemie der Universität Basel, wo er ausserdem seinen Doktor in Biophysik erwarb. > Seite 51– 53

Wer hat den «Erbschaftskuchen» schon gegessen? Auf Seite 22 finden Sie mehr Informationen zum Thema.

Foto: Mathias Hofsetter

GLOBAL INVESTOR 2.11

Der Wohlstand verlagert sich

GI – Global Investor – Credit Suisse, CH, Silver Award


AUSGABE 1/12

Spk magazin

PREUSSEN Panorama Udo Kittelmann über Gerhard Richter in Berlin

Perspektiven Ausstellung: 1000 Jahre Russen und Deutsche

Paradigmenwechsel

Magazin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Christopher Clark über Preußens Faszination

Spk magazin

r danken der

2 Kundenzeitschriften B2B 27 AUSGABE 1/12 6,50 €

SpK Magazin, D Das Magazin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ist etwas breiter als das klassische Zeitschriften-Format. Dadurch wirkt es deutlich ruhiger und entspannter. Große Artikel werden mit einem einseitigen oder mit einem doppelseitigen Bild gestartet. Durch die Variation der Bildgrößen innerhalb der Artikel ist das Seitenlayout sehr vielfältig. Bei langen Artikeln ist der Umbruch dreispaltig, bei kurzen vierspaltig. Dadurch wird Abwechslung im Layout erreicht. SpK Magazin – Stiftung preußischer Kulturbesitz, D, Bronze Award


2 Kundenzeitschriften B2B 28

New York

Marko Djurdjevic entwirft Bilderfantasien und Heldensagen (Bild). Der Starzeichner lebt in Berlin wei-

Tokio

Zwischen Tradition und Moderne: Nach dem Zweiten Weltkrieg spielte die Fotografie eine große Rolle

testgehend unerkannt – in New York muss man sich mit Hunderten von Fans für einen seiner signier-

bei der Suche nach Herausbildung einer neuen nationalen Identität in Japan. Sie hielt das Land und

ten Comics anstellen. Im Museum Europäischer Kulturen wird Marko Djurdjevic bis 28. Oktober 2012

seine Bewohner nach der Niederlage fest, dokumentierte aber auch Alltag und wiedererwachenden

zusammen mit sieben weiteren Menschen vorgestellt, deren Leben sich um die Kunstform Comic

Nationalstolz. Die »Metamorphose Japans nach dem Krieg, 1945–1964« erlaubte im Museum für

dreht. Darunter sind Comicforscher Prof. Dietrich Grünewald und Graphic-Novel-Autorin Ulli Lust.

Fotografie einen Blick in eine bislang kaum bekannte Fotografiekultur.

SpK Magazin – Stiftung preußischer Kulturbesitz, D, Bronze Award


2 Kundenzeitschriften B2B 29 12 PREUSSEN

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PREUSSEN 13

P

Die Einheit fühlen lernen Der Begriff »Preußentum« ist eine Erfindung des 19. Jahrhunderts. Friedrich der Große war zu seiner Zeit noch bemüht, die Gebiete des Reichs zu einem Staat zusammenzuführen. Für viele Untertanen war Berlin weit entfernt. Von Wolfgang Neugebauer Idealisierter König: Friedrich der Große im Bild Anton Graffs, 1781.

reußen hat selbst zu manchem Missverständnis beigetragen: Das Eigen­ und das Fremdbild vom geschlossenen Militär­ und Verwaltungsstaat gehört dazu, die Legende vom »allgegenwärtigen König« einerseits und von den preußischen Untertanen an­ dererseits, die in ewigem Gehorsam und in immer­ gleicher Pflichterfüllung, Zuverlässigkeit und Red­ lichkeit dem Staat gedient, ihn auch immer angebetet hätten. Auch das Bild vom stets unbestechlichen preußischen Beamten ist Teil davon. Verschieden sind die Wertungen: Was dem einen Kadaverge­ horsam mit schlimmen Folgen, ist dem anderen po­ sitiv konnotiertes »Preußentum«. Das eine wie das andere ist Schablone. Zur Zeit Friedrichs des Großen hat noch niemand von »Preußentum« gesprochen. Der Begriff stammt aus den Parteienkämpfen des 19. Jahrhunderts. In der Wahrnehmung des Bauern, der Magd, des Hand­ werkers, der Pfarrersfrau, des Stadtbürgers und auch vieler Adliger war im 18. Jahrhundert noch nicht der »Staat« das Maß aller Dinge. Für den gemeinen Mann war in der Stadt der Magistrat und auf dem Land der adlige Gutsherr oder der bürgerliche Pächter die maßgebende Obrigkeit. Wenn in Berlin um 1760 ein Handwerker von den »Grenzen« sprach, so dachte er nicht an die Staats­, sondern an die alten Landes­ grenzen, also zum Beispiel die der Mittelmark an der Oder. Und ganz im Osten, in »Ostpreußen«, haben die Menschen noch lange verstimmt reagiert, wenn von »Provinz« die Rede war. Ostpreußen sei keine Provinz, sondern ein Land – so lautete die politisch selbstbewusste Antwort auf Zumutungen aus der Gegend von Potsdam­Berlin. Der große König setzte dagegen eine, wir dürfen sagen: Emotionspolitik wachsender Staatseinheit.

Zunächst sollten alle Soldaten, wenigstens aber die Offiziere, sich als »Preußen« fühlen. Sie sollten – aber fühlten sie auch so? Der ärmere kleine und der mitt­ lere Adel Brandenburgs und Pommerns gab seine Söhne sehr viel öfter zur Armee als jene immer etwas oppositionellen Familien, die auf der Basis jahrhun­ dertelanger Traditionen Distanz und Nähe zu Staat und Dynastie flexibel variieren konnten. Auf einen zudringlichen Befehl aus einer Berliner Verwaltungs­ stelle kam dann die deutliche Antwort, die eigene Adelssippe sei schon viel länger im Lande als die recht spät in die Mark gekommene Dynastie der Hohen­ zollern! Was sollten da Befehle? Bisher habe man dem König immer treue Offiziere gestellt – bisher! Adel und Untertanen lebten in ihren Regio­ nen, in ihren kulturellen Welten. Die Tagebücher von Handwerkern, Kaufleuten oder Bauern las­ sen wenig verlauten aus den Sphären der Politik. Die Landschaften werden erst sehr langsam zu »Provinzen«, am ehesten noch die Mark Bran­ denburg. Seit den Tagen des Großen Kurfürsten war es Hohenzollernpolitik, die vom Niederrhein bis an die Grenze des Baltikums verstreuten Ge­ biete zu einem »Staat« zusammenzufassen, das hieß aber vor allem: sie aus den europäischen Räumen herauszulösen, zu denen sie seit Jahr­ hunderten in engen Beziehungen standen, deren Teil sie waren. Ostpreußen, das alte Herzogtum Preußen, hatte im 16. und 17. Jahrhundert engere Beziehungen zu Polen unterhalten; im 18. Jahr­ hundert gab es wirksame Verzahnungen mit den livländisch­baltischen Regionen und immer mehr nach Russland. Im Herzogtum Magdeburg und im Fürstentum Halberstadt, wo Friedrich gleichfalls herrschte, war noch nicht in Vergessenheit geraten, dass die Hohenzollern erst nach dem Dreißigjäh­ rigen Krieg die Landesherrschaft übernommen hatten und dass die Rechte dieser Länder durch das Reichsrecht, das heißt durch das alte Heilige Römische Reich Deutscher Nation und durch den Kaiser in Wien, geschützt werden konnten. Und in den westlichen Außengebieten, im Herzogtum Kleve

SpK Magazin – Stiftung preußischer Kulturbesitz, D, Bronze Award


2 Kundenzeitschriften B2B 30 28 EINBLICK

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EINBLICK 29

Preußen auf Papier Das Geheime Staatsarchiv ist die älteste Institution der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Hier lagert das Gedächtnis Preußens. Ein Besuch vor Ort. Von Michael Zajonz

S amt und Silber. Ein sterbendes Blau – Bleu mourant, die Lieblingsfarbe Friedrichs des Großen – und dicke Goldborten: Die kunstvoll gebundene Urkunde aus dem Jahr 1774 gehört zu den Prunkstücken des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz in Berlin. Nicht, weil sich die Kanzlei des Alten Fritz beim Verfertigen des handgeschriebenen Textes und bei der Gestaltung des Einbands besonders ins Zeug gelegt hätte. Sondern, weil sich hier bedeutender Inhalt und aufwendige Form aufs Schönste ergänzen. Per Privileg gewährte der Freimaurer Friedrich der Großen Landesloge von Deutschland seinen landesherrlichen Schutz für ihre Arbeit in Preußen. Ein Akt der Aufklärung, der späteren Reformen den Weg bahnte. Politik mit Goldrand. Das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz residiert seit 1924 in der Archivstraße 12–14 in Berlin-Dahlem. Besonders geheim sieht das Verwaltungs-, Forschungs- und Magazingebäude allerdings nicht aus. Eher Ehrfurcht gebietend. Eduard Fürstenau, Architekt der Preußischen Hochbauverwaltung, befand die Formensprache des ausgehenden 18. Jahrhunderts und die Gestalt eines vornehmen Palais als angemessen für die traditionsreiche Institution. Zufallsbesucher trauen sich nur selten bis in die schöne ovale Treppenhalle, wo die Marmorbüste des ersten Archivdirektors Karl Georg von Raumer im Gegenlicht steht. Stattdessen kommen treue »Stammkunden« wie Bärbel Holtz. Die promovierte Historikerin arbeitet seit 1994 an Editionsprojekten der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften – und

damit bis zu dreimal wöchentlich im Geheimen Staatsarchiv. Die Arbeitsstellenleiterin des Langzeitprojekts »Preußen als Kulturstaat« schwärmt: »Für uns Preußenforscher ist es traumhaft, dass das wichtigste Preußenarchiv direkt am Ort ist. Den Boom, den die preußische Geschichte derzeit erlebt, spürt man seit ein paar Jahren auch daran, wie voll der Forschungssaal ist.« Noch 1995 hatte der Bundesrechnungshof prognostiziert, dass das Interesse am Geheimen Staatsarchiv mit zunehmendem zeitlichen Abstand zum untergegangenen Staat Preußen deutlich abnehmen werde. Irrtum: Die Zahl

erst an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert gebräuchlich: als Auszeichnung und Hinweis darauf, dass die Berliner Archivare die zentrale staatliche Aktensammelstelle im alten Preußen betreuten. Bis 1874 war das Geheime Staatsarchiv im Berliner Schloss in Reichweite des Landesherrn untergebracht, danach im Hohen Haus, der mittelalterlichen Residenz der Markgrafen von Brandenburg, in der Klosterstraße. Dort blieb Preußens schriftliches Erbe bis zum Umzug nach Dahlem 1924. Das Archivgebäude in Dahlem ist nur das Fragment einer größeren Idee. Vor dem Ersten Weltkrieg plante die preußische Regierung, einen Teil ihrer Ministerien aus der beengten Wilhelmstraße in repräsentative Neubauten auf dem Gelände der Domäne Dahlem zu verlagern, ergänzt um Institute der KaiserWilhelm-Gesellschaft, der heutigen MaxPlanck-Gesellschaft. Auch für die Königlichen Museen errichtete man in fußläufiger Entfernung Erweiterungsbauten. Das von Anfang an mitgeplante Archiv sollte durch eine Brücke über die U-Bahn-Trasse mit dem Regierungs- und Wissenschaftsforum verbunden werden. Ein kühner Gedanke, nicht frei von Selbstironie: das Archiv als Papierkorb der Ministerialbürokratie. Der Kriegsausbruch durchkreuzte die Umzugspläne. Nur das Archiv nebst Dienstvilla des Generaldirektors der Preußischen Archivverwaltung wurde gebaut. Das GStA PK, so lautet die im Wissenschaftsbetrieb gängige Archivsigle, ist die älteste Institution der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Seine Bestände reichen bis ins Mittelalter zurück und geografisch vom Herzogtum Kleve am Niederrhein bis Königsberg in Ostpreußen. Auch wenn der Staat Preußen 1947 aufgelöst wurde (seine archivalische Überlieferung endet schon 1934 mit der Zerschlagung der preußischen Ministerien durch die Nazis), betreut das GStA PK rund 38 laufende Kilometer Schriftgut. Was als Instrument zur Sicherung der

38 laufende Kilo­ meter Schriftgut machen das Archiv zu einem gewaltigen Wissensspeicher.

Jürgen Kloosterhuis, Direktor des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz.

der jährlichen Benutzertage (in Archiven zählt man nicht nur Benutzer, sondern auch ihre dort zugebrachte Lebenszeit) liegt seit Jahren erfreulich konstant bei knapp 10.000. Von Geheimniskrämerei hinter Aktendeckeln kann man also kaum sprechen. Der Name Geheimes Staatsarchiv bezieht sich eben nicht auf seinen Namensvetter, das Archivum Secretum des Vatikans, in dem Inquisitionsakten und andere wenig erbauliche Papiere lagern. In Berlin wurde die Bezeichnung

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2 Kundenzeitschriften B2B 31 SPK 1/12

MAGAZIN 43

Werden Sie Pate! Im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz liegen über 900 gerollte Pergamente, sogenannte Johanniter­ aufschwörungstafeln. Nur spezialisierte Restauratoren können sie entrollen, ohne die aufgedruckten Lacksiegel zu beschädigen.

Beim Aufrollen kommen farbenprächtige, von Hand gezeichnete Wappen auf großformatigen Pergamentbogen zum Vorschein. Sie stellen die Stammtafel eines Adligen dar, die bis in die vierte Generation zurückreicht. Jeder, der sich im 18. Jahrhundert um Aufnahme in den Johanniterorden der Ballei Brandenburg und um die Anwartschaft auf eine Kommende bewarb, hatte durch solch eine Ahnentafel seine Abstammung aus dem deutschen Adel nachzuweisen. Die Rechtmäßigkeit seiner Angaben wurde von vier adeligen Standesgenossen mit Unterschrift und Siegel auf der Tafel beschworen. Unter den Bewerbern finden sich Vertreter aller Adelsfamilien, die im 18. Jahrhundert in den preußischen Ministerien und der preußischen Armee einflussreiche Positionen innehatten. 2011 wurde im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz das Projekt zur Restaurierung und Digitalisierung der Johanniteraufschwörungstafeln als Fundraising-Pilotprojekt gestartet. In Kooperation mit dem Johanniterorden konnten erste Spender gewonnen und bislang rund 50 Patenschaften vergeben werden. Die ersten zehn Tafeln, die bereits durch Patenschaftsgelder restauriert worden sind, wurden am 4. März beim »Tag der Archive« im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz dem Publikum präsentiert. Die Paten erhielten zum Dank eine DVD mit digitalen Aufnahmen der Tafel. Engagieren auch Sie sich für das Projekt! Mit Ihrer Spende helfen Sie, einzigartige Dokumente zur brandenburg-preußischen Geschichte zu erhalten und über das Internet weltweit verfügbar zu machen. Bereits mit 300 Euro kann eine

Die Tafel des preußischen Kabinettministers Philipp Karl von Alvensleben, 1777: eine der bereits plangelegten Johanniteraufschwörungstafeln im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz.

Aufschwörungstafel restauriert, plangelegt, digitalisiert und archivgerecht gelagert werden. Auch wenn Sie keine direkte Patenschaft übernehmen wollen, hilft eine Zuwendung in jeder beliebigen Höhe, die wertvollen Urkunden und damit ein Stück preußischer Geschichte zu erhalten. Eine Liste der Personen, für deren Tafeln noch dringend Paten gesucht werden, finden Sie unter www.gsta.spk-berlin.de unter der Rubrik »Ihr Engagement«. Für weitere Auskünfte steht Ihnen die Projekt­ leiterin Dr. Ingrid Männl zur Verfügung: Tel. 030 266442120

Gern können Sie auch direkt spenden unter folgender Bankverbindung: Empfänger: Bundeskasse Kiel BLZ: 210 000 00 Kontonummer: 210 010 30 Verwendungszweck: STPK 068728279 GSTA Johanniterpatenschaft

Paten gesuch t! Mehr Infos unter www.g st

a.spk­ berlin .de

E­Mail: ihr.engagement@gsta.spk-berlin.de

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2 Kundenzeitschriften B2B 32

Streitfragen! – bdew, D Besonders beeindruckend sind die langen Interviews, die durch Zitate und Fotos der Gesprächspartner aufgelockert werden. Inhaltlich: Es werden tatsächlich „Streitfragen“ aufgegriffen, wenn man zum Beispiel mit den Anwohnern eines Windparkes debattiert. Gestalterisch: Die Zeitschrift ist nicht kleinteilig angelegt. Lange Texte im meist zweispaltigen Umbruch werden auch durch große Bilder unterstützt. Eine wichtige Rolle spielt auch bei dieser Zeitschrift der Weißraum, der Kontrast zwischen bedruckter und unbedruckter Fläche schafft und damit Spannung aufbaut. Streitfragen – bdew, D, Judges’ Special Recognition


2 Kundenzeitschriften B2B 33

Streitfragen – bdew, D, Judges’ Special Recognition


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Streitfragen – bdew, D, Judges’ Special Recognition


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Streitfragen – bdew, D, Judges’ Special Recognition


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Streitfragen – bdew, D, Judges’ Special Recognition


2 Kundenzeitschriften B2B 37

DiV ersi tat y

Natur abhors uNiformity aND loVes DiVersity.

UrBan MicrocosMs

the regUlation has no direct practical Use

Kristian barthEn: UrBane MikrokosMen

MetagenoMics for White Biotechnology • Dr. EsthEr M. Gabor Et al.: MetagenoMics für die Weisse Biotechnologie

Dr. Karl-hEinz MaurEr: die regelUng hat keinen direkten praktischen nUtzen

berNarD Werber

diversity

Die Natur hasst Die GleichförmiGkeit uND liebt Die VielGestalt.

DiVersitÄt

DiVersitÄt

diversity

bliCKWinKEl

Q1 2011 / 2012

(31. 10. 2011 – 31. 12. 2011)

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2 Kundenzeitschriften B2B 38

so schaffet maNNiGfaltiGkeit Die höchste lust. JohaNN WolfGaNG VoN Goethe

Quellennachweis | references s. 30 – 35: transkript, nr. 11, 17. Jhg. 2011, BiocoM ag, interview: t. gabrielczyk Bildnachweis | credits s. 06 – 18: Bettina schreiner s. 19 – 29: kristian Barthen s. 30 – 33: Bettina schreiner s. 38: Johannes aulbach, Brain ag s. 40 – 41: Brain ag s. 42 – 43: hochschule Mannheim, kristian Barthen, Brain ag, pressebild treviranus, Wikipedia s. 46: Brain ag, kristian Barthen

thus DiVersity maketh the Greatest DeliGht.

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2 Kundenzeitschriften B2B 39

VORWORT

03

preface

INhAlt

05

content

INhAlt content S

ehr geehrte Aktionäre, Mitarbeiter, Kooperationspartner und Freunde des Unternehmens BRAIN,

wenn sich ein Geschäftsbericht „Diversität“ zum Schwerpunktthema setzt, ist meist die Rede von der interkulturellen Struktur des Unternehmens im Zeitalter der Vernetzung und Globalisierung. In diesem Bericht kommt eine weitere Bedeutung des Begriffes hinzu, die der Diversität des Organismenreiches, der Biologie als der Lehre vom Leben, der Vielfalt der Problemlösungen, welche die Natur in Jahrmilliarden hervorgebracht hat. Diversität ist die Grundlage nicht nur der Evolution und des Lebens, sondern auch die Grundlage der Geschäftstätigkeit der BRAIN. Wir sind das Pionierunternehmen in der Erschließung der Vielfalt des Organismenreiches, vereinfahareholders, Employees, Co-operation Partners and chend und verniedlichend gerne als „Werkzeugkas- Friends of BRAIN AG, ten der Natur“ bezeichnet. Dieser Werkzeugkasten ist mächtig, wir sehen und verstehen heute weniger whenever “diversity” is chosen to be the leitmotif of a als ein Prozent dessen, was wir an Diversität erwar- company’s annual report in the age of networking and globaten können. Das führt zu einem großen Respekt lisation, readers may confidently expect to learn more about und Demut vor der Leistung der Natur und auch its cross-cultural organisational structure. This report, however, den Leistungen derer, die versuchen, die Natur zu goes beyond this definition as it will shed light on some other systematisieren und zu verstehen. Charles Darwin facets of the term, namely on the diversity in the realm of orgawar einer der Pioniere, der die Prinzipien des Lebens nisms, the diversity encountered in biology, the study of life, as wissenschaftlich ergründete. Und mit einer kleinen well as the diversity found in problem solving strategies created Skizze in seinem Notizbuch machte er den Zusam- by nature over the course of billions of years. Diversity is not menhang der Evolution als Stammbaum verstehbar. only the foundation of the evolution of life, but also the foundManchmal haben kleine Skizzen eine große Zukunft. ation of BRAIN’s business activities.

S

We as a company are pioneers when it comes to explo-

06

19

30

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BRAIN SpezIAl • BRAIN special

BIlDStRecke • photo spread

INteRVIew • Interview

BRAIN lexIkoN • BRAIN lexicon

VISuelle DAteN • Visual data

MetAgeNoMIcs füR dIe WeIsse BIotechNologIe

uRBANe MIKRoKosMeN

dIe RegeluNg hAt KeINeN dIReKteN pRAKtIscheN NutZeN

MetAgeNoM

MetAgeNoMclusteRANAlyse

BRAIN IN ZAhleN

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44

BRAIN IM BlIcK

VoRstANdsBeRIcht

Metagenomics for White Biotechnology

Die vielversprechende genetische Res­ source nicht kultivierter Mikroorganis­ men mit ihrer unglaublichen Vielfalt ist industriell von großem Interesse.

Urban microcosms

Uncultivable microorganisms are a promising

Der Fotograf Kristian Barthen durch­ streifte Berlin auf der Suche nach „urbanen Strukturen“, nach Nischen an denen sich biologische Vielfalt inmit­ ten der Großstadt sichtbar manifestiert.

genetic resource containing an incredible diver-

the photographer kristian barthen roamed the

sity of immense industrial interest. TexT: Dr. EsthEr M. Gabor, braIN aG; PatrIck LorENz, ab ENzyMEs GMbh; karL-hEINz MaurEr, ab ENzyMEs GMbh; FraNk NIEhaus, braIN aG; JürGEN Eck, braIN aG IllusTraTIon: bEttINa schrEINEr

metropolitan landscape of Berlin, searching for “urban structures”, niches, where biological diversity is visibly manifest. FoTograFIe: krIstIaN barthEN

The regulation has no direct practical use

Seit Mitte September müssen die Hersteller von konventionellen und gentechnisch hergestellten Lebens­ mittelenzymen die Sicherheit in um­ fangreichen Dossiers nachweisen. Since the middle of September an EU regulation requires the producers of conventional and genetically engineered food enzymes to submit comprehensive dossiers for safety assessment. InTervIew: traNskrIPt Nr. 11, 17. JhG. 2011, GEFührt voN t. GabrIELczyk

Wir bedanken uns für die gute Zusammenar- ring diversity in the realm of organisms, often referred to as the beit und wünschen eine anregende Lektüre. “toolbox of nature” in a simplifying and trivialising way. This toolbox is immensely powerful — today we see and understand

Metagenome

nature’s achievements and the achievements of those who try to systemise and understand nature. Charles Darwin was one

40 BeRufuNg BRAIN • My mission — BRAIN

WoRAN ARBeIteN sIe geRAde, fRAu dR. gABoR?

What are you currently working on Dr. Gabor?

News & views

Nachwuchsförderung mit Modell­ charakter · Young scientist promotion with

Chairman’s report

of researchers

45

Otto­von­Guericke­Preis für Kooperati­ onsprojekt der BRAIN · Otto-von-Guericke-

IMpRessuM

model character

Eine wissenschaftliche Plattform für junge Nachwuchswissenschaftler ·

Prize for braIN cooperation project

of the pioneers who first investigated the principles of life in a

BRAIN in numbers

Metagenome cluster analysis

a scientific platform for the next generation

less than one per cent of what we may expect in terms of diversity. This is why we feel huge respect and humbleness towards

39

Imprint

Treviranus­Medaille des VBIO an Dr. Holger Zinke verliehen · VBIO awards

scientific manner. And with just a small sketch of a genealo­ gical tree in his notebook he made the evolutionary related-

Treviranus-medal to Dr. Holger Zinke

ness among species comprehensible. Sometimes small sketches

Gottfried Reinhold Treviranus · Gottfried

have a bright future ahead of them.

Reinhold Treviranus

We wish to thank you for your kind co-operation and hope you have an inspiring read.

BLICKWINKEL  •  Diversität diversity

Blickwinkel Brain Biotech, D, Award of Excellence, Front Page, Illustration, Photography, Alternative Storytelling


2 Kundenzeitschriften B2B 40 Brain speZial: MetagenoMik

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Brain special: metagenomics

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Brain special: metagenomics

MetagenoMics Metagenomics für die Weisse for White Biotechnologie Biotechnology die vielversprechende genetische ressource nicht kultivierter Mikroorganismen mit ihrer unglaublichen Vielfalt ist industriell von großem Interesse. • Uncultivable microorganisms are a promising genetic resource containing an incredible diversity of immense industrial interest. TEXT: Dr. EsthEr M. Gabor 2, Patrick LorEnz 1, karLhEinz MaurEr1, Frank niEhaus2, JürGEn Eck 2 IllusTraTIon: bEttina schrEinEr

d

Darmbakterium Escherichia coli vermehrt und archiviert. [4] Der Metagenomansatz ist deshalb so wertvoll, weil der überwiegende Anteil (oft über 99 %) aller natürlich vorkommenden Mikroorganismen nicht oder nur sehr aufwendig isoliert und im Labor kultiviert werden kann, [5 – 7] was seine biotechnologische Nutzung bislang ausschloss. Durch die direkte Klonierung und Expression von Umwelt-DNA ermöglicht die Metagenomtechnologie nun erstmalig die funktionelle Darstellung von Enzymen Metagenome and metagenomics — a definition und Wirkstoffen zur biotechnologischen Nutzung aus der bislang unzugänglichen überwältigenden the microbiological expression “metagenome” describes the Mehrheit aller natürlichen Mikroorganismen. [8 – 10] entirety of genetic information of all microorganisms (bacte-

ie vielversprechende genetische ressource nicht kultivierter Mikroorganismen mit ihrer unglaublichen Vielfalt neuer, potenziell technisch anwendbarer Enzyme, Biokatalysatoren und Wirkstoffe ist industriell von großem Interesse. Mit dem globalen Trend, industrielle Herstellungs- und Veredelungsprozesse mithilfe biotechnologischer Methoden nachhaltiger zu gestalten, werden geeignete Enzyme und Biokatalysatoren immer wichtiger. Der durch die Metagenomik wesentlich verbesserte Zugang zur molekularen Diversität und biochemischen Kompetenz mikrobieller systeme ist damit ein schlüssel zum Erfolg der Weißen Biotechnologie.

Metagenom und Metagenomics — eine Begriffsdefinition

ria, Fungi and archaea) from a single habitat (e. g. soil, sea

Die Identifizierung von Genen und Genclus- water, rumen) at a given time. [1] Metagenomes can be extern im Metagenom kann auf dreierlei Wegen er- tremely complex and estimates range between several thoufolgen: sand [2] to millions of different microbial species and there-

Der mikrobiologisch geprägte Begriff „Metagenom“ bezeichnet die Gesamtheit der genetischen Information aller Mikroorganismen (Bakterien, Pilze und Archaea) eines Habitats (z. B. Boden, Meerwasser, Wiederkäuermagen) zu einem gegebenen Zeitpunkt. [1] Metagenome können extrem komplex sein, so gehen Schätzungen von mehreren Tausend [2] bis Millionen verschiedenen mikrobiellen Spezies und damit Genomen in naturnahen Böden aus. [3] Ein Ziel der „Metagenomics“, d. h. der Anwendung der Technologien und Konzepte der Genomforschung auf Konsortien nicht kultivierter Mikroorganismen, ncultivable microorganisms are a promising genetic ist die möglichst vollständige Abbildung (d. h. Klo- resource containing an incredible diversity of new, potennierung) von deren genetischer Information in tially useful enzymes, biocatalysts and active ingredients Form von rekombinanten „Metagenombanken“ that are of immense industrial interest. The global trend zum Zwecke des nachfolgenden Screenings nach towards designing sustainable industrial production and interessanten Genen und Genprodukten. [abb. 1] Dazu refining processes by integrating biotechnological methwird das Metagenom in Form genomischer DNA ods has increased the demand for suitable enzymes and direkt aus der Mischung aller Organismen eines biocatalysts. Metagenomic methods unlock the molecular Habitats isoliert, in geeigneten Vektoren (z. B. diversity and biochemical competence of microbial sysPlasmide, Cosmide, BACs) kloniert und in gut kul- tems and are therefore the key to success for white biotivier- und manipulierbaren Ersatzwirten wie dem technology.

fore genomes in near-natural soils. [3] Metagenomics is the

• Mit großem Aufwand ist es möglich, Metage­ nombanken durchzusequenzieren und Sequenzbereiche durch Vergleich mit bereits bekannten Gensequenzen mit einer vermuteten Funktion zu annotieren. [11, 12] Daneben stehen heute auch hochdurchsatzfähige, direkte Sequenzierungsverfahren wie das Pyrosequencing [13] zur Verfügung, die die direkte Entschlüsselung mehrerer Gigabasen an Metagenom-DNA ohne vorherige Klonierung erlauben. [14, 15] • Ebenfalls auf Sequenzähnlichkeit basieren Screeningverfahren, bei denen in der Regel Teilsequenzen bekannter Gene als Sonden genutzt werden, um durch basenspezifische Hybridisierung an

U

ab Enzymes Gmbh 2 BRAIN AG 1

application of genome research techniques and concepts on consortia of uncultivable microorganisms. one of the goals is to produce recombinant “metagenome libraries” contain-

unbekannte Metagenomsequenzen diese so für eine Isolation zu markieren bzw. zu amplifizieren (z. B. durch die Polymerasekettenreaktion, PCR). Die sequenzbasierten Verfahren werden aber dem Potenzial des Metagenomansatzes nicht wirklich gerecht, da sie „nur“ zur Identifizierung von Genen führen, die ähnlich zu bereits bekannten Genen sind. • Ein aktivitätsbasiertes Screening von Metagenombanken eröffnet dagegen zumindest exploitation. For the first time, metagenome technology in- prinzipiell die Möglichkeit, völlig unbekannten volving direct cloning and expression of environmental Dna, Sequenzraum für eine gesuchte Aktivität zu erenables the functional preparation of enzymes and active schließen. [10] Diese Strategie stellt daher den „Köingredients for biotechnological utilization from the hitherto nigsweg“ dar, ist aber davon abhängig, dass die inaccessible overwhelming majority of natural microorgan- Expression im Screening-Wirt (z. B. E. coli ) ausreichend stark ist, um eine Detektion zu ermöglichen. isms. [8 — 10]

the laboratory, [5 — 7] thus preventing their biotechnological

three pathways are available for identifying genes and · an exceedingly laborious method involves sequencing metagenome libraries and annotating sequences by comparison with known gene sequences with a presumed function. [11, 12] in addition to this, more recent high-throughput, di-

products. (fig 1) to achieve this, the metagenome is isolated in the form of genomic Dna directly from all organisms from a habitat and cloned in suitable vectors (e. g. plasmids, cosmids, bacs). these are transfered and archived in host or-

rect sequencing methods such as pyrosequencing [13] enable direct decoding of several gigabases on metagenome Dna without prior cloning. [14, 15] · also based on sequence similarity are screening pro-

ganisms that are both simple to cultivate and manipulate,

cedures that normally use partial sequences of known genes

such as the gut bacterium Escherichia coli. [4] the metage-

as probes to mark or amplify (e. g. by polymerase chain reac-

nome approach is so important, because the vast propor-

tion, Pcr) unknown metagenome sequences for subsequent

tion (often over 99 %) of all naturally occurring microorgan-

isolation. however, sequence-based procedures are not re-

isms are either impossible or too complicated to isolate in

ally capable of unlocking the full potential of the metagen-

BLICKWINKEL  •  Diversität diversity

industrielle enzymanwendungen

gene clusters in the metagenome:

ing the complete assembly of their genetic information for subsequent screening to identify interesting genes and gene

Enzyme werden vielseitig in unterschiedlichsten Industrien verwendet. [16] Die globalen Umsätze an industriellen Enzymen wurden für das Jahr 2010 auf insgesamt rund 3 Milliarden US-$ geschätzt. [17] Davon entfielen 1 Milliarde US­$ auf Enzyme für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie, 1 Milliarde US-$ auf Enzyme in der Textil-, Leder-, Papier- und Bioethanolindustrie sowie 1,3 Milliarden auf sonstige Industrien. Während Enzymanwendungen in den Lebensmittel-, Futtermittelund Detergenzindustrien sich typischerweise auf eine übersichtliche Anzahl Substrate (überwiegend Biopolymere) und Reaktionsklassen (über-

BLICKWINKEL  •  Diversität diversity

Brain speZial: MetagenoMik

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Brain special: metagenomics

[abb. 1] Klassischer Kultivierungs- und neuartiger Metagenom-ansatz zur Isolation von Enzymen und Wirkstoffen aus Mikroorganismen. Während typischerweise nur ein Bruchteil (< 1 %) aller Mikroorganismenarten kultivierbar und so unmittelbar biotechnologisch nutzbar ist (links), kann das biosynthetische Potenzial aller Mikroorganismen durch direkte Isolation ihrer genomischen Dna (Metagenom) aus umweltproben und rekombinante Expression in Ersatzwirten genutzt werden (rechts).

[fig. 1]

wiegend Hydrolysen) fokussieren, sind die Substrat- und Umsetzungsanforderungen im Bereich der Feinchemie ungleich komplexer. Entsprechend hoch ist der Bedarf an effizienten Biokatalysatoren unterschiedlichster Spezifi­ zitäten, sodass mittlerweile die Biokatalyse als chemosynthetisches Werkzeug einen festen Platz im Technologie-Portfolio vieler Unter- ome approach, because they “only” identify genes that are nehmen der chemischen Industrie similar to known genes. eingenommen hat. [18 – 20] · Function-based screening of metagenome libraries is

Was macht Metagenomics industriell interessant?

uncultivable microorganisms are a promising genetic resource containing an incredible diversity of new, potentially useful enzymes, biocatalysts and active ingredients that are of immense industrial interest. the global trend towards designing sustainable industrial production and refining processes by integrating biotechnological methods has increased the demand for suitable enzymes and biocatalysts. Metagenomic methods unlock the molecular diversity and biochemical competence of microbial systems and are therefore the key to success for

the ideal solution because this at least has the potential of

white biotechnology.

being able to detect novel sequences for a desired activity. [10] however, this strategy requires that the protein is expressed in sufficient amounts in the screening host (e. g. E. coli) to

Metagenomtechnologien ermöglichen den Zugriff auf eine enorme Vielfalt an strukturell und funktionell unterschiedlichen Enzymen, auch aus extremen Habitaten. Dies ermöglicht es, eine bislang nie da gewesene molekulare Diversität für biotechnologische Anwendung zu testen und zu nutzen und mit den modernen molekularen Methoden der gerichteten Mutagenese und Evolution gegebenenfalls zu optimieren. Auf diese Weise wird es möglich, zahlreiche biokatalytische Prozesse zu verbessern oder überhaupt erst zu ermöglichen. Zudem erscheint es Erfolg versprechend, im Metagenom gezielt nach sequenzneuen und damit patentierbaren Enzymen zu suchen, um ohne Einschränkungen durch bestehendes Schutzrecht Enzyme für bestimmte Anwendungen nutzen zu können. Das Metagenom bietet außerdem Zugang zu neuen Naturstoffen. Zahlreiche pharmakologisch aktive Sekundärmetaboliten werden von Bakterien in komplexen mikrobiellen Konsortien oder Habitaten (z. B. Schwämmen) gebildet, die im Labor nicht ohne Weiteres nachzustellen sind. In diesen Fällen ist es die direkte Klonierung und Expression der Gene der für die Biosynthese der Metaboliten verantwortlichen Enzyme aus metagenomischer DNA, die einen rekombinanten Zugang zu diesen wertvollen Substanzen ermöglichen kann.

be detected.

entstehung der industriellen Metagenomics

industrial enzyme applications Enzymes are used for a multitude of purposes in a wide range of industries. [16] Global industrial enzyme sales were estimated at around 3 billion us-$ in 2010. [17] of this amount, 1 billion us-$ were accounted for by enzymes for the food and beverage industry, 1 billion us-$ by enzymes for the textile, leather, paper and bioethanol industries as well as 1.3 billion

Die Technologieentwicklung zur direkten Extraktion von (Metagenom-)DNA aus Umweltproben reicht in die frühen achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts zurück, als gezeigt werden konnte, dass DNA direkt aus Boden(-mikroorganismen) extrahiert und enzymatisch verdaut werden kann. [21] Rund ein Jahrzehnt später wurde in der wissenschaftlichen Literatur über die ersten echten Metagenombanken aus marinem Plankton und Cellulose-angereicherten Bakterienpopulationen aus einem Biokonverter berichtet. [22, 23] Insbesondere die Arbeiten von Healy applications. Specific functions can then be optimized using und Kollegen belegten, dass Metagenombanken genutzt werden können, um direkt nach der Aktivität interessierender Enzyme zu suchen (aktivieven make them possible at all. another highly promising tätsbasiertes Screening), ohne auf bekannte Genstrategy seems to be the targeted search for entirely new sequenzinformation (sequenzbasiertes Screening) enzyme-encoding sequences. such enzymes would be pa- zurückgreifen zu müssen. In Erwartung neuartiger tentable and could be used for specific applications without Enzyme mit neuartigen Protein- und damit Gensequenzen ist das aktivitätsbasierte Screening daher infringing existing property rights. the metagenome also holds the key to novel natural auch das bevorzugte und dem Potenzial des Mecompounds. numerous pharmacologically active secondary tagenomansatzes am ehesten gerecht werdende metabolites are formed by bacteria in complex microbial con- Verfahren. Das genetische, biochemische und wirtsortia or habitats (e. g. sponges), which are difficult to repro- schaftliche Potenzial der unkultivierbaren Mikroduce in the laboratory. in these cases, direct cloning and ex- organismen war somit aufgezeigt bzw. erahnbar. pression of genes from the metagenomic Dna that encode Seit dieser Zeit hat eine Reihe spezialisierter Bioenzymes responsible for the biosynthesis of specific metab- tech-Firmen und akademischer Gruppen oft in Koolites, can provide a recombinant access to these valuable operationen mit größeren Chemie­ und Pharmaunternehmen erfolgreich begonnen, neue Enzyme substances. mit biotechnologischem Anwendungspotenzial aus dem Metagenom zu isolieren. [tab. 1]

for other industries. While enzyme applications in the food,

the advanced molecular methods of directed evolution. this

animal feed and detergent industries are normally focussed

technology will improve numerous biocatalytic processes or

on a limited range of substrates (mostly bio-polymers) and reaction classes (mostly hydrolyses), the substrates and reactions are incomparably more complex in the production of fine chemicals. Therefore, the demand for efficient biocatalysts with different specificities is correspondingly high. As a result, biocatalysis as a chemo-synthetic tool is now firmly established in the technology portfolio of many companies in the industrial chemistry sector. [18 — 20]

What makes metagenomics so interesting for industry? Metagenomic technologies can access an enormous variety of structurally and functionally diverse enzymes, even from extreme habitats. this makes it possible to test and utilize an unprecedented molecular diversity for biotechnological

BLICKWINKEL  •  Diversität diversity

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2 Kundenzeitschriften B2B 41 Brain speZial: MetagenoMik

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Brain special: metagenomics

Brain speZial: MetagenoMik

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BRAIN special: metagenomics

untersuchte Habitate Sampled habitat Waldboden · Forest soil sandboden · sandy soil

[tabelle 1] [table 1] ausgewählte beispiele der aktivitätsbasierten suche nach indus-

boden · soil

triell relevanten Enzymen und biokatalysatoren im Metagenom

kompost · compost

selected examples of activity-based searches for industrially

[Metagenomics sind untrennbar mit allen problemen der genexpression in heterologen ersatzwirten verbunden.]

relevant enzymes and biocatalysts in the metagenome

Beschriebene aktivität Described activity

Indikatorsubstrat/ selektionsprinzip Indicator substrate / selection principle

Esterase / Lipase

tributyrin

klärschlamm · sewage sludge

untersuchter Genbankumfang (Mbp) · Gene bank size (Mbp) Anzahl Klone/plaques · Number of clones/plaques

536 67 000

98

903 29 884

[t2]

14 [a]

3

[t3]

63 31 967

Auffällig bei den mittlerweile recht zahlreichen Untersuchungen zum aktivitätsbasierten Metagenom-Screening nach neuen Enzymen sind die zwischen den unterschiedlichen Genbanken und Enzymklassen erheblich divergierenden Wiederfindungsraten. Man kann aus dem Aktivitätsscreen­ the history of industrial metagenomics ing bekannter Isolate und aus zahlreichen mittlerweile totalsequenzierten mikrobiellen Genomen [24] the beginnings of the technological development leaddie Häufigkeiten bestimmter Enzymgene in Gen- ing to the direct extraction of (metagenome) Dna from enbanken abschätzen. Man findet aber in metage­ vironmental samples can be traced back to the early 80s of nomischen Expressionsbanken oft nur einen Bruch- the last century. For the first time, it was demonstrated that teil der erwarteten Enzymgene von rekombinan- it was possible to extract and digest Dna directly from soil ten Klonen exprimiert. Während beispielsweise (microorganisms). [21] The first scientific publications describin bestimmten Habitaten ein bis zwei aktive Es- ing real metagenome libraries appeared about a decade terase-Klone pro 10 Mbp (Millionen Basenpaare) later. these consisted of marine plankton and cellulose-enklonierter DNA gefunden wurden, betrug die Hit- riched bacterial populations from a biological converter. [22, 23] anzahl z. B. für Dehydrogenasen nur 1 pro 1116 healy et al. demonstrated that metagenome libraries could Mbp. [tab. 1] Verschiedene Faktoren sind in diesem be used to search directly for the activities of interesting enZusammenhang wichtig. Zum einen spielen die zymes (activity-based screening), without having to resort to offensichtliche Frage der Abundanz gesuchter En- known gene sequence information (sequence-based screenzymgene in einer Population von Mikroorganis- ing). activity-based screening is therefore best suited to men und die Ausgewogenheit der Repräsentati- unlock the full potential of the metagenome approach and on verschiedener Organismen und ihrer Gene in is the preferred procedure in the search for new enzymes einer Metagenombank eine Rolle. Möglichkeiten, with novel protein and therefore gene sequences. For the hier optimierend einzugreifen, bestehen z. B. in first time, it was possible to unlock the genetic, biochemider Anreicherung von Gruppen interessierender cal and economic potential of uncultivable microorganisms. Mikroorganismen, d. h. einer klassischen mikro- since then, a number of specialized biotech companies and biologischen Technik, bei der z. B. durch das An- academic groups, often in cooperation with larger chemigebot an bestimmten Nährstoffen gezielt solche cal and pharmaceutical companies, have successfully begun

amylase

38

oxygenase

5-bromo-4-chloro3-indolylphosphat

[t2]

4-hydroxybutyrat

amidase

D-Phenylglycin-LLeucin

13 [a]

325 65 000

[t2]

[t5]

1

3 168 96 000

91 806 26 880

Magermilch skimmed milk

Dehydrogenase

[t4]

1

63 31 967

bildung eines blauen Pigments Formation of a blue pigment catechol

Protease

[a]

stärke · starch 105 30 000

Phosphatase

[t1]

[t1]

49 63 21 000

1 716 28 600

technologische herausforderungen — neue technologien

mikrobiellen Konsortien angereichert werden, die diese Substrate zum Wachstum nutzen können. [25] Eine Nivellierung unterschiedlicher Populationen isolierter DNA vor Anlage einer Genbank nach dem Nukleotid­(G/C­)Gehalt oder eine sequenzspezifische Anreicherung gesuchter DNA­Fragmente wurde ebenfalls beschrieben. [26] Neben dem Gehalt an Enzymgenen in der klonierten Metagenom-DNA ist es jedoch bei sehr vielen, insbesondere sekretierten Proteinen eine Frage der heterologen Expression. Metagenomics sind untrennbar mit allen Problemen der Genexpression in heterologen Ersatz- isolating novel enzymes from the metagenome for biotechwirten verbunden. Diese reichen von der gene- nological applications. (table 1) tischen Stabilität episomal klonierter DNA im heterologen Wirt über die Erkennung von Gentechnological challenges — new technologies regulationssignalen (Promotoren, Terminatoren, translationale Erkennungssignale) bis hin zu postone noticeable observation common to all investigatranslationalen Prozessen wie Proteinsekretion, tions of activity-based metagenome novel enzyme screening, -faltung oder proteolytische Aktivierung. Diese is the highly divergent recovery rate between different gene Probleme haben Konsequenzen: von der Detek- banks and enzyme classes. One can estimate the specific ention bestimmter Enzymaktivitäten in einer Meta- zyme gene frequencies in gene banks by screening activities genombank bis hin zur Darstellung relevanter of known isolates and from the wealth of completely seMengen eines Biokatalysators für die technische quenced microbial genomes. [24] however, in most cases only Anwendung. Ein Lösungsansatz für dieses Prob- a fraction of the expected enzyme genes are expressed by lem ist die Nutzung unterschiedlicher Expressions- recombinant clones in metagenomic expression libraries. For wirte. Insbesondere bei der rekombinanten Dar- example, while metagenome libraries from specific habitats stellung neuer Wirkstoffe aus dem Metagenom usually contain 1-2 active esterase clones per 10 Mbp (mildurch Klonierung großer Biosynthese­Gencluster lion base pairs) cloned Dna, the number of hits for dehydrowerden andere Wirtsorganismen als E. coli auf- genases, for example, drops to 1 per 1116 Mbp. (table 1) a numgrund ihrer natürlichen biosynthetischen Kompe- ber of factors are important in this context. on the one hand, tenz bevorzugt (s. unten). there is the obvious question of the abundance of soughtDa jedoch E. coli durch seine genetische Ma- after enzymes in a population of microorganisms and the nipulierbarkeit, das zur Verfügung stehende mo- balance of representation of different organisms and their lekularbiologische Instrumentarium (insbesonde- genes in a metagenomic library. this can be optimized by, for re verschiedene Klassen von Vektoren) und seine example, enriching interesting groups of microorganisms. in ausgezeichnete genetische Transformierbarkeit this classical microbiological technique, the supply of parherausragt, werden Metagenombanken oft zu- ticular nutrients is altered with the aim of enriching those nächst in Shuttle-Vektoren kloniert und in E. coli microbial consortia that are able to utilize these substrates angelegt. In einem späteren Schritt werden die for growth. [25] other optimization procedures have also been Genbanken dann in geeignetere Wirtsstämme (z. B. described, such as equilibrating different isolated Dna popStreptomyces sp., Bacillus sp.) transferiert. ulations according to their nucleotide (G/c) content before

anzahl aktiver Klone · Active clones

1

968 193 000 5500

5000

[t8]

5

5 580 930 000

4500

4000

3500

3000

2500

2000

1500

1000

[t9]

7 500

0

[t6]

[t7]

5

1000 100 000

10

[t10] 20

30

40

50

60

70

80

90

100

[a] in dieser studie wurde ein klonierungsvektor benutzt, der die Expression von Genen unabhängig von ihrer orientierung im Plasmid zulässt; dadurch erhöht sich die anzahl gefundener aktiver klone deutlich. · the cloning vector used in this study permitted the expression of genes independent of their orientation in the plasmid; this results in a significantly higher number of discovered active clones.

neue Wirkstoffe aus nicht kultivierten organismen

[t1] P. Lorenz, J. Eck, nature rev. 2005, 3, 510. [t2] k. Lämmle et al., J. biotechnol.

2007, 127, 575. [t3] a. henne, et al., appl. Environ. Microbiol. 2000, 66, 3113. [t4] J. Yun et al., appl. Environ. Microbiol. 2004, 70, 7229. [t5] E. W. van hellemond,

creating a gene bank, or sequence-specific enrichment of sought-after Dna fragments. [26] however, it is often not just a question of the number of enzyme genes in the cloned metagenome Dna. heterologous expression is an important

D. b. Janssen, M. W. Fraaije, appl. Environ. Microbiol. 2007, 6, 1693. [t6] h. suenaga, t. ohnuki, k. Miyazaki, Environ. Microbiol. 2007, 9, 2289. [t7] F. niehaus, Microb.

Naturstoffe und ihre semisynthetischen Deri- factor for numerous, especially secreted, proteins. vate haben bis heute eine dominierende Rolle in

biotechnol 2011, 4, 767. [t8] r. Gupta, Q. k. beg, P. Lorenz, appl. Microbiol. biotechnol. 2002, 59, 15. [t9] a. henne, r. Daniel, r. a. schmitz, G. Gottschalk, appl. Environ. Microbiol. 1999, 65, 3901. [t10] E. M. Gabor, E. J. de Vries, D. b. Janssen, Environ. Microbiol. 2004, 6, 948.

BLICKWINKEL  •  Diversität diversity

der Wirkstofffindung gespielt und werden dies auch weiterhin tun. [27, 28] Zahlreiche Naturstoffe sind sekundäre Metaboliten aus Bakterien und Pilzen. Da die überwältigende Mehrheit dieser Organismengruppen bislang nicht kultivierbar ist, ist es sehr wahrscheinlich, dass extrem viele biologisch aktive Naturstoffe bislang nicht identifiziert und funktionell analysiert werden konnten. Metagenomics wird daMetagenomics is invariably affected by all problems her vermutlich wichtige associated with gene expression in heterologous substitute Beiträge zur Erschliehosts. these range from the genetic stability of episomal ßung neuer Wirkstoffe cloned Dna in the heterologous host to the recognition of leisten können. [29, 30] Da gene regulation signals (promoters, terminators, translation- die hier targetierten Genal signals) and post-translational processes such as protein cluster z. T. erhebliche secretion and folding or proteolytic activation. this can have Größe erreichen können far-reaching consequences on procedures from the detec- (z. B. Rapamycin aus Streption of specific enzyme activities in a metagenome library tomyces hygroscopicus to the production of relevant amounts of a biocatalyst for mit einer Größe von 110 technical application. one approach for solving these prob- kbp), stehen hier neben lems is the utilization of different expression hosts. alterna- der Entwicklung neuer tive hosts are mainly used in the recombinant production of kompetenter Wirtsorganew active ingredients from the metagenome by cloning nismen (neben E. coli large biosynthetic gene clusters. in this procedure, E. coli is auch Pseudomonas und Streptomyces) insbesonreplaced by other host organisms because of their natural dere auch neue Vektoren zur Klonierung großer DNA­Fragmente (z. B. Bacterial Artificial Chromobiosynthetic competency (see below). however, a large proportion of metagenome libraries somes, BAC) im Zentrum der Bemühungen. [31]

[Metagenomics werden vermutlich wichtige Beiträge zur erschließung neuer Wirkstoffe leisten können.]

are first cloned in shuttle vectors and generated in E. coli. the advantages of E. coli are its outstanding capacity for

Metagenomics quo vadis?

genetic manipulation, the available microbiological instru-

Die Vielfalt mikrobieller Spezies und ihrer Gene, die potenziell für technische Anwendungen nutzbar sind, ist bereits an sich unvorstellbar groß. Zusätzlich ist dieser Genpool einem stetigen Wandel unterworfen, da sich die Mikroorganismen ständig an die gerade herrschenden Bedinnew active ingredients from uncultivable organisms gungen in ihrem Habitat anpassen müssen. Das natural substances and their semi-synthetic derivatives Metagenom ist also keineswegs statisch, sondern have always played a dominant role in the search for active ändert und aktualisiert sich im Laufe der Zeit. ingredients and will continue to do so. [27, 28] numerous natu- Die grundlegende Basis hierfür stellen spontane ral substances are secondary metabolites from bacteria and Mutationen dar, die durch Umwelteinflüsse wie fungi. however, the overwhelming majority of these groups UV-Strahlung und während der DNA-Replikation of organisms is uncultivable. consequently, it seems highly auftreten. In einer 100-g-Bodenprobe entstehen probable that vast numbers of biologically active natural sub- beispielsweise alleine im Laufe eines Tages mehr stances have not yet been identified or their functions ana- als 600 neue Varianten eines einzigen ubiquitäments (especially different vector classes) and its excellent

genetic transformation competence. in a later step these

gene banks are transferred to more suitable host strains (e. g.

Streptomyces sp., Bacillus sp.).

BLICKWINKEL  •  Diversität diversity

BRAIN speZIAl: MetAgeNoMIk

ren bakteriellen Gens. Die überwiegende Mehrheit dieser mutierten Gene geht dabei erwartungsgemäß sehr schnell wieder verloren, da sie zu inaktiven oder nicht­kompetitiven Genprodukten führt. Überraschenderweise können jedoch Dutzende Mikrovarianten ein und desselben Gens bzw. aktiven Enzyms in einer Bakterienpopulation koexistieren, wie kürzlich für die Serinprotease Subtilisin Carlsberg gezeigt wurde. [32] Hier wurden aus herkömmlicher Gartenerde 51 aktive Varianten des für die lysed. it is very likely therefore that metagenomics will prove Waschmittelindustrie relevanten Enzyms isoliert. to be an important key to the discovery and development of Schätzungsweise liegen insgesamt mehrere Hun- new active ingredients. [29, 30] the gene clusters targeted by dert verschiedene Ausführungen dieser Protease this technique can attain considerable sizes (e. g. rapamycine in einem typischen Bodenhabitat vor. Bemerkens- from Streptomyces hygroscopicus with a length of 110 kbp). werterweise scheinen alle Varianten aktiv und mit as a result, research activities are not only aimed at develsehr unterschiedlichen biochemischen Eigenschaf- oping new competent host organisms (Pseudomonas and ten behaftet zu sein. Streptomyces in addition to E. coli) but especially at producDiese sogenannte molekulare Mikrodiversi- ing new vectors for cloning large Dna fragments. [31] tät kann vorteilhaft für die industrielle Biokatalyse genutzt werden. Zum einen stellen MikrovariMetagenomics quo vadis? anten eines Enzyms einen umfangreichen Werkzeugkasten evolutionär erfolgreicher, d. h. robusthe diversity of microbial species and their genes that ter und bereits auf Aktivität vorselektionierter have a potential for technical applications is already incredBiokatalysatoren dar. Dies ist im Vergleich zur ibly high. Moreover, this gene pool is constantly changing gerichteten molekularen Evolution eines Enzyms as microorganisms must continuously adapt to the prevailim Labor ein entscheidender Vorteil, da diese üb- ing environmental conditions of their habitat. clearly, the licherweise zu einem Ausschuss von mehr als 90 % metagenome is not static, but is subject to changes with the inaktiver Mutanten und damit zur Notwendigkeit passing of time. the basic mechanism for these modificaaufwendiger Screening-Kampagnen führt. [33, 34] tions is spontaneous mutation either induced by environZum anderen kann ein Blick in die Mikrodi- mental agents such as uV radiation or occurring during Dna versität Hinweise darauf liefern, welche Amino- replication. For example, more than 600 new variants of a säurepositionen eines Enzyms bei weiterer Opti- single ubiquitous bacterial gene are produced per day in a

17

BRAIN special: metagenomics

mierung im Labor verändert werden dürfen, ohne seine Aktivität zu zerstören. Dies ist besonders bei neuartigen Enzymen, deren dreidimensionale Struktur noch nicht aufgeklärt wurde, von grundlegendem Interesse.

100 g soil sample. Experience shows that the overwhelm-

Metagenomics als eine kerndisziplin der Weißen Biotechnologie

ing majority of these mutated genes is usually lost within a short period of time, since they lead to inactive or noncompetitive gene products. however, recent studies on serine protease subtilisin carlsberg, a highly relevant enzyme in the detergent industry, have revealed that dozens of microvariants of one and the same gene or active enzyme may co-exist in a bacterial population. [32] here it was possible to isolate 51 active variants of the enzyme from soil. several hundred different variants of subtilisin carlsberg are estimated to co-exist in a typical soil habitat. interestingly, all of these variants seem to be active and possess very different biochemical properties. this so-called molecular micro-diversity can be exploited to a great advantage for industrial biocatalysis. on the one hand, micro-variants of a single enzyme constitute a comprehensive tool box of evolutionary successful biocatalysts, meaning they are both robust and pre-selected for activity. this is a deciding advantage over directed evolution of an enzyme in the laboratory, which usually produces more than 90 % inactive mutant rejects, evoking the necessity for complicated screening campaigns. [33, 34] on the other hand, an examination of the micro-diversity can reveal valuable in-

Angesichts sich global verknappender Energieund Rohstoffreserven erscheinen eine ressourcenschonende und umweltfreundliche Nutzung nachwachsender Rohstoffe und die Herstellung neuer biobasierter Produkte ökonomisch und ökologisch wünschenswert. Zunehmender Kostendruck und sich verlagernde Zielmärkte setzen insbesondere die in Europa starke chemische Industrie unter Druck, innovative und hochwertige neue Produkte zu lancieren. Hier zeigt die industrielle / Weiße Biotechnologie vor allem in den Bereichen der Feinund Spezialchemikalien, der Pharmazeutika, Nahrungsmittelzusatzstoffe (Nutraceuticals) und funktionellen Kosmetikazusätze (Cosmeceuticals) einen attraktiven Weg in eine wirtschaftlich aussichtsreiche und nachhaltige Zukunft auf. Es ist zu erwarten, dass mit dem erweiterten Zugang zu neuen Enzymen und Wirkstoffen Metagenomics einen wesentlichen Beitrag zur Umsetzung der ambitionierten industriellen Ziele innerhalb der Weißen Biotechnologie leisten wird.

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Personalie:

Dr. Esther M. Gabor

seit 2005 ist Esther M. Gabor bei der brain als spezialistin für Metagenomics und Mikrobiologie vor allem im bereich Enzyme Discovery und strain Development als Projektleiterin tätig. nach dem Grundstudium in den Diplomstudiengängen chemie und biologie an der universität Freiburg absolvierte sie ihr hauptstudium der biotechnologie an der École supérieur de biotechnologie de strasbourg (Esbs) in straßburg (F), mit der spezialisierung auf Molekular- und zellbiologie. nach ihrer Diplomarbeit

U R B A N E M i k R o k o s M E N

an der universität Groningen (nL) erlangte sie 1999 das trinationale Diplom biotechnologie und promovierte von 2000 bis 2004 an der universität Groningen (nL) bei Prof. Dr. Dick b. Jans-

Die neugier

sen über „harvesting novel biocatalysts from the metagenome“. about the person:

steht immer an erster stelle eines Problems,

Dr. Esther M. Gabor

das gelöst werden will

Esther M. Gabor is a specialist for metagenomics and microbio-

.

logy and has been working for brain since 2005 as project

Galileo Galilei

manager in the division enzyme discovery and strain development. after her introductory studies in chemistry and biology, she graduated in biotechnology at the Ecole supérieur de biotechnologie de strasbourg (Esbs) in France, specialising in molecular and cell biology. after completing her dissertation at the university of Groningen (nL) she received the trinational Diploma in biotechnology in 1999. she completed her postgraduate work between 2000 and 2004 at the university of Groningen (nL) under Prof. Dr. Dick b. Janssen, receiving her Ph. D. for her thesis “harvesting novel biocatalysts from the metagenome”.

Fotos: Kristian Barthen

Literatur • References

urban microcosms

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sci. 2001, 953, 3. [28] D. J. newman, G. M. cragg, k. M. snader, J. nat. Prod. 2003, 66, 1022. [29]

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to novel enzymes and active ingredients, metagenomics is

[34] L. sun et al., chembiochem.

expected to play a key role in the implementation of ambi-

t. D. Machajewski, c. c. Mak, c. Wong, chem. biol. 2000, 7, 873. 2002, 3, 781.

tious industrial targets within white biotechnology.

curiosity is always first in a problem that waits to be solved.

BLICKWINKEL  •  Diversität diversity

which we know, is a drop; which we do not know, an ocean . isaac newton

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2 Kundenzeitschriften B2B 43

Die natur erzeugt

ein Gelehrter

in ihrem schoße

in seinem

eine unerschöpfliche

Laboratorium

Fülle von wunderbaren

ist nicht nur

Gestalten, durch

ein techniker

deren schönheit und

.

Mannigfaltigkeit alle

er steht auch

vom Menschen

vor den

geschaffenen Kunst -

naturgesetzen

formen weitaus über-

wie ein Kind

troffen werden

vor der Märchenwelt

.

.

ernst haeckel

Marie Curie

nature gives birth to a sheer immeasurable abundance of wonderful forms,

a scholar in his laboratory is more than a technician.

whose beauty and diversity surpasses by far any of the artificial constructs created by Man.

he stands before the laws of nature as a child before the fairy-tale world.

29

Bildstrecke: UrBane MikrokosMen • Photo spread: urban microcoms

Blicke in eine verborgene Welt Vor etwa 200 Jahren wandte sich der Naturforscher und „Begründer der Mikrobiologie“ Christian Gottfried Ehrenberg (1795 – 1876) den sogenannten „Infusorien“ zu. Lebewesen, die anderthalb Jahrhunderte zuvor von Antony van Leeuwenhoek (1632 – 1723) erstmals beschrieben worden waren. Er untersuchte den Bau, die Verbreitung und Fortpflanzung der mikroskopisch kleinen Organismen, die nach damaliger Auffassung aus dem Heuaufguss als Schleimkugeln entstanden. Aus Tümpeln und Seen des Berliner Umlands, aus Regenrinnen und Pfützen entnahm er Wasserproben, die er mikroskopisch untersuchte und deren Inhalte er verglich. Allein 723 tierische Kleinstlebewesen entdeckte, beobachtete und zeichnete er unter dem Mikroskop. Mit dem Werk „Die Infusionsthierchen als vollkommene Organismen, ein Blick in das tiefere Leben der organischen Natur“ begründete er die Mikrobiologie und schuf eine Systematik der pflanzlichen und tierischen Kleinstlebewesen. about 200 years ago, naturalist and “father of microbiology” Christian

Windows into a hidden world

Gottfried ehrenberg (1795 – 1876) turned his attention to the so-called “in-

Durch die ersten Mikroskope wurde ein revolutionärer neuer Blick in eine verborgene Welt möglich. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich die Möglichkeiten der Beobachtung und das Wissen über diese kleinsten Welten weiter. Die Metagenomik stellt einen Quantensprung in der Entwicklung der Mikrobiologie dar. Auch diese Technik ermöglicht neue Einblicke in ein zuvor unzugängliches Universum des Lebens, welchem wir an jeder Straßenecke begegnen, ohne es direkt zu sehen.

fusoria” — organisms that had been first described by Antony van Leeuwenhoek (1632 – 1723) one and a half centuries before. he studied the structure, distribution and reproduction of these microscopic organisms, which at this time had been thought to develop as slime globules in hay infusions. he sampled water from ponds and lakes around Berlin, from rain drains and puddles and studied and compared the contents under the microscope. he discovered, observed and made drawings of 723 minuscule animals under the microscope. in his book “Die infusionsthierchen als vollkommene Organismen, ein Blick in das tiefere Leben der organischen natur“ he lays the foundation of modern microbiology and creates a classification system for  microscopic plant and animal life. The first microscopes opened a hitherto unknown new window into a 

Für diese Bildserie ging der junge Fotograf Kristian Barthen auf Expedition. 200 Jahre nach Ehrenberg durchstreifte er das heutige Berlin auf der Suche nach „urbanen Strukturen“, nach Nischen, an denen sich biologische Vielfalt inmitten der Großstadt sichtbar manifestiert. Der Blick durch das Makroobjektiv gewährt dabei zwar nicht den Blick auf den Mikrokosmos unter der Oberfläche, doch auch ohne den mikroskopischen Blick ist uns heute die allgegenwärtige Präsenz mikrobiellen Lebens bewusst.

hidden world. the methods for observing these tiny worlds and our knowledge have progressed over the centuries. Metagenomics is a quantum leap in the development of microbiology. this technology also enables completely new views of a previously inaccessible universe of life, which we can find  at each street corner without directly seeing it. For these images, the young photographer Kristian Barthen embarked on an excursion. 200 years after ehrenberg, he roamed the metropolitan landscape of Berlin, searching for “urban structures”, niches, where biological diversity is visibly manifest in the middle of a big city. although the view through the macro lens does not allow us to see the microcosm beneath the surface, today, we are aware of the ubiquitous presence of microbial life even without the benefit of microscopic vision.  

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2 Kundenzeitschriften B2B 44

kcoop era tIon

BRain-SpeCial: CO2-ReduCtiOn

the CatCheR in the Flue •

“We aRe lOOking FOR WayS tO uSe CO2 eFFeCtively“

Dr. rENatE sChuLZE, ChrIstIaN sChNaKENBErg: FängeR im SChlOt

Dr. JohaNNEs LaMBErtZ: „WiR SuChen naCh Wegen, CO2 SinnvOll zu nutzen“ •

Dr. MarKus DoLL, PatrICK DIEKhoff, Dr. hoLgEr ZINKE: BRain-Spezial: CO2-ReduzieRung

steve Jobs

cooperation

cooperation kooperatIon

I thInk the bIggest InnovatIons of the twenty-fIrst century wIll be the IntersectIon of bIology and technology.

kooperatIon

BLICKWINKEL

Q2 2011 / 2012

(01. 01. 2012 – 31. 03. 2012)

comIng together Is a begInnIng. keepIng together Is progress. workIng together Is success.

Quellennachweis | References s. 06 – 11: dr. markus doll, entSORgamagazin, 03 / 2012; deutscher Fachverlag gmbh s. 13 – 19: patrick diekhoff, transkript nr. 5, 16. Jahrgang 2010, BiOCOm ag s. 22 – 25: patrick diekhoff, transkript, 3 / 2012, 18. Jahrgang; BiOCOm ag s. 36 – 39: Oliver Bönig, goingpublic, Sonderbeilage „Weiße Biotechnologie“, märz 2010; goingpublic media ag

henry ford Bildnachweis | Credits s. 03: monteil s. 06 – 21: Bettina Schreiner s. 25 – 36: BRain ag s. 39: Bettina Schreiner s. 41: g. zubay, Biochemistry, addisonWesley publishing Company, inc., 1984, 431 s. 42: Bettina Schreiner s. 44 – 45: dr. Renate Schulze, Christian Schnakenberg, BRain ag s. 46 – 47: kristian Barthen, BRain ag, transkript, monteil s. 50: BRain ag, kristian Barthen

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2 Kundenzeitschriften B2B 45 BRAIN spezIAl: CO2-ReduktION

WichtigeR teil important part of Des co2-Puzzles the co2 puzzle Deutschlands größter energieversorger RWe und die BRaiN ag haben neue Mikroorganismen gefunden, die co2 direkt aus dem Rauchgas eines Braunkohlekraftwerks zu wertvollen Bausteinen verarbeiten.  • germany’s biggest energy supplier RWe and BRaiN ag have discovered new micro-organisms that can convert flue gas from a lignite-fired power station into valuable components. inTERViEW: PaTriCk DiEkhOFF, aus TraNskriPT, 3 / 2012, 18. JahrGaNG

s

eit zwei Jahren versuchen BRain und RWE nun, aus dem abfallprodukt CO2 einen neuen Rohstoff zu machen. Funktioniert das mikrobiologische Ausfiltern von Kohlendioxid aus dem Rauchgas von Kohlekraftwerken schon? Doll: Vor zwei Jahren haben wir zusammen mit BRAiN absolutes Neuland betreten. Wir wussor two years now, BRAiN and RWE have been trying ten zwar grob, wo wir hinwollten – die Mittel, to turn the waste product CO2 into a new material. Does um diese Ziele zu erreichen, hatten wir aber microbial carbon dioxide scrubbing from flue gas emitted noch nicht. Heute sind die passenden Mikro- by coal-fired power stations already work? organismen identifiziert. Sie filtern CO2 aus Doll: Two years ago, we and our cooperation partner BraiN Rauchgas, das bei der Braunkohleverstromung broke new ground. although we roughly knew where we anfällt. Das ist ein wichtiger Meilenstein – wir wanted to go, we did not have the means to attain these sind mit dem Erreichten zufrieden. goals. Today we have identified suitable micro-organisms. Eck: CO2-fixierende Organismen waren zwar schon They filter CO2 from flue gas that is produced in lignitevorher bekannt. im Kraftwerk müssen sie aber fired power stations. That is a milestone and we are very unter erschwerten Bedingungen arbeiten. Es pleased with what we have achieved. war nicht klar, ob sie dies auch direkt im Kraft- Eck: although CO2-fixing organisms are well known, they werk unter entsprechendem Druck, ohne Sonmust work under challenging conditions in a power stanenlicht und bei 60 °C mit Kohlendioxid als tion. We were not sure whether they would be capable of einziger Kohlenstoffquelle können. Wir sind in doing so under the relevant pressures, at 60 °C, without die Rauchgaskanäle gestiegen und haben dort sunlight in the powers station and with CO2 as their only Spezialisten gefunden  – sogar völlig neue Orcarbon source. We had to climb into the waste air pipe ganismen, deren Gattungen noch gar nicht beto locate the specialists. and we found completely new schrieben sind. organisms — species that have never been described.

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ie viele Kandidaten haben Sie? ow many candidates do you have? Eck: Wir haben mehr als 3000 Kulturen angezogen Eck: We cultured over 3000 potential organisms and subjectund breit untersucht. Dabei haben wir mehr als ed every one to a broad spectrum test. This initial group 1000 Fixierer gefunden. Letztlich sind 29 Kandicontained over 1000 CO2 fixers. In the end 29 candidates daten übrig geblieben, die wir intensiv charakremained, which were intensely characterised and sucterisiert und erfolgreich getestet haben. Wissencessfully tested. From the scientific point of view these are schaftlich gesehen ist das ein Riesending! phenomenal results!

23

BRAIN CO2-reduktion

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ört sich so an, als könnten Sie morgen anfangen … Doll: Das ist noch nicht so. Derzeit fahren wir nur kleine Versuche im Rauchgaskanal. Bis zur Pilotanlage ist es noch ein gutes Stück. 2016 wollen wir soweit sein. Wenn die Technologie Anfang des kommenden Jahrzehnts – also etwa 2020 – einsatzbereit ist, können wir sehr zufrieden sein. Eck: Die derzeitige Limitierung der Produktionsrate ist die Aufnahme des Kohlendioxids durch die Bakterien. Hier besteht hat sounds as if you could start tomorrow... großer Optimierungsbedarf. Die CO2-Aufnahme liegt heute Doll: We have not reached that point yet. at the moment we are running smallim niedrigen zweistelligen Prozentbereich. Hier ist klassiscale experiments in the waste air pipe. it is still some way to go until we sches Pathway-Engineering gefragt, um die Mikroorganisbuild a pilot plant — we want to be ready for this in 2016. We would be men weiter für ihre Aufgabe zu optimieren. Positiv ist, dass very satisfied, if the technology is ready for large-scale implementation by wir die Umsetzung des C1-Körpers Kohlendioxid bis hin zum the beginning of the next decade, around 2020. wertvollen C3-Molekül, dem Pyruvat, recht gut im Griff ha- Eck: The current factor limiting the production rate is the carbon dioxide upben. Derzeit arbeiten wir daran, aus dem Pyruvat durch Antake by the bacteria. This needs further optimization. To date, CO2 uptake hängen eines weiteren Kohlenstoffbausteins den C4-Körper is very low, in the double-digit percent range. This calls for some classic Succinat herzustellen, um damit schon recht nah bei dem bepathway engineering, to further optimize the organisms for their task. On gehrten Polybutylen-Succinat zu sein. the positive side, we are quite good at controlling the conversion of the Doll: Die Aufnahmerate ist nur ein Faktor. Letztlich kommt es C1 molecule carbon dioxide to the valuable C3 molecule pyruvate. at moauch darauf an, welches Produkt wir am Ende herausbekomment we are working on the process of adding another carbon.building men wollen. Derzeit betreiben wir ein Marktscreening, um block to pyruvate, to produce succinate, from which it is only a small step herauszufinden, welche Produktmengen wir in den einzelto the highly desirable produce polybutylene succinate. nen Märkten unterbringen können. Denn letztlich zielen wir Doll: The uptake rate is just one factor. in the end, it also depends on the end auf eine großindustrielle Produktion und nicht auf Nischen. product we want to have. in this context, we are also conducting a market

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screening investigation to find out the product demand in the different

markets. When all is said and done, we are aiming towards large-scale amit sind Sie aber in einem frühen Stadium des Projektes schon recht konkret in ihren Planungen. industrial production and not towards producing a niche product. Doll: Lassen Sie es mich so sagen: ich bin konkret in meinen Wünschen. Eines unserer Ziele ist es, die Braunkohleverstromung n this case your plans seem to be quite concrete at this early stage of CO2-neutral zu machen. Diese Prozesse müssen aber immer the project. auch wirtschaftlich sein. Wenn wir also Produkte herstellen, Doll: let me put it this way: i have concrete desires. Our aim is to make lignitemuss es einen Markt dafür geben und wir müssen sie wirtbased energy production CO2 neutral. however, these processes must also schaftlich herstellen können. Hier wäre zum Beispiel die Herbe economically viable. if we produce something, there has to be a marstellung von Biomasse vorstellbar, aber auch weiterentwiket for it and the production process must be economical. Examples for ckelte Materialien wie Bioplastik – für das es einen Markt mit this would be biomass production, but also advanced materials such as großen Wachstumsraten und geringen Limitierungen bei der bio-plastic, for which there is a market with a high growth potential and Aufnahmefähigkeit gibt. capacity.

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tand heute gehört die Produktion von Bioplastik nicht zum io-plastic production is not part of the core business of RWE today. Kerngeschäft von RWE. Wie sehr müssen Sie kämpfen, um ak- How much do you have to fight to achieve acceptance? zeptanz zu erzielen? Doll: Our core business is energy production. But selling power station byproDoll: Unser Kerngeschäft liegt in der Verstromung. Das ist klar. ducts also plays a role, just as we are doing today with gypsum as a byproAber auch der Verkauf von Kraftwerksnebenprodukten spielt duct of flue gas desulphurization. This could also be possible with carbon eine Rolle. So wie wir das heute schon mit Gips als Nebenprodioxide removal. rWE will definitely not develop into a bio-plastic supplier, dukt der Rauchgasentschwefelung tun. So etwas kann auch but it is possible for the company to form a joint venture and play an active mit der Kohlendioxid-Entnahme möglich sein. RWE wird sirole. in all our current activities it is important to initiate the process for cherlich kein Lieferant von Bioplastik werden. Sich aber im creating the market in the first place. Rahmen eines Joint Ventures zu beteiligen, ist möglich. Uns ist es bei unseren laufenden Aktivitäten wichtig, den Prozess or this you have already invested 2 million Euro. How much are you anzustoßen, damit der Markt überhaupt entsteht. willing to invest?

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afür haben Sie bis jetzt 2 Mio. Euro investiert. Wie groß ist ihr Budget noch?

Doll: Of course we will continue to invest. however, we hope to be able to enlarge the basis of the project. Together with 21 partners, we have submitted an application for funds to the BMBF within the framework of its

BLICKWINKEL  •  Kooperation cooperation

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2 Kundenzeitschriften B2B 46 25

BRAIN specIAl: cO2-ReduktION

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Doll: Wir werden selbstverständlich weiter investieren. Wir erhoffen uns jedoch, das Projekt auf eine neue, größere Basis stellen zu können. Zusammen mit 21 weiteren Partnern haben wir einen großen Förderantrag beim BMBF im Rahmen einer Ausschreibung der innovations-initiative industrielle Biotechnologie gestellt. RWE hat sich hier als Koordinator beworben, BRAiN ist als Know-how-Träger mit an Bord. Eck: Wir wollen hier innerhalb der innovationsallianz weitere Kohlenstoffneben- und -abfallströme mit Mikroorganismen anzapfen – etwa in der Stahl- oder Chemiebranche, aber auch in der Nahrungsmittelindustrie, wo gelöste Kohlenstoffverbindungen anfallen. Die Natur hat viele Möglichkeiten, diese Stoffe zu verwerten. Die wollen wir nutzen.

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ie mikrobiologische CO2-Fixierung ist ja nicht die einzige Techinnovation initiative industrial Biotechnology. rWE will function as the conik, die RWE betreibt. Wie steht das Rennen? ordinator within the alliance and BraiN will be on board as knowledge Doll: Leider kommt die CO2-Speicherung innerhalb Deutschlands provider. im Rahmen des Carbon Capture and Storage – CCS-Technolo- Eck: Our aim in the innovation alliance will be to use microorganisms to tap gie – aufgrund mangelnder Akzeptanz und fehlender Gesetzinto additional carbon sources, byproducts and waste within the steel and gebung nicht voran. Es bleiben verschiedene Alternativen. chemical industries, but also the food industry which produces solutions Die biotechnologische Route wird eine maßgebliche Rolle of carbon compounds. Nature has many possibilities for using these subspielen und dabei einen vermutlich niedrigen zweistelligen stances. We want to make use of these. Prozentsatz des Kohlendioxids aus dem Rauchgas bewältigen können. Es gibt keine Technologie allein, die das gesamte bei icrobial CO2 fixation is not the only technology that RWE is looking der Kohleverstromung anfallende CO2 verwerten kann. Wir into. Who’s going to win? müssen hier ähnlich wie bei einem Puzzle viele Teillösungen Doll: regretfully, CO2-storage as part of the CCs technology or Carbon Capture zu einem Gesamten zusammenfügen. Dies ist mit der Diand storage, is not making any progress in Germany due to the lack of rektvermarktung zum Beispiel an die Trockeneis- oder Feupublic acceptance and legislation. however, there are several alternatives erlöschmittelhersteller oder aber auch im Rahmen der Wasleft. The biotechnological method will play an important role and will preseraufbereitung möglich. Weiterhin sind wir zusammen mit sumably be capable of coping with a low double-digit percentage carbon anderen Kooperationspartnern bei der Entwicklung von chedioxide in flue gas. There is no one technology that is capable of utilizing mischen Nutzungsmöglichkeiten für das CO2 aktiv. Beispiele all the CO2 produced in a coal-fired power station. We will have to solve sind hier die Polyurethanproduktion oder die Herstelung von the problem like we do a puzzle, by joining partial solutions to form a Synthesegas. Es gibt hierbei keinen Wettbewerb der Systeme whole. This is possible with direct marketing, for example by selling to dry oder der Technologien! ice or extinguishing agent producers, or for carbonating water. in addition

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to this, we and other cooperation partners are actively working on the

ie sieht es mit dem algenprojekt aus? development of chemical uses for CO2. Examples of this, are the producDoll: Unser Algenversuchsprojekt ist planmäßig Ende 2011 austion of polyurethane or syngas. There is no competition between systems gelaufen. Wir haben erfolgreich nachgewiesen, dass es mögor technologies! lich ist, damit CO2 zu fixieren. Der nächste Schritt wäre eine großtechnische Anlage gewesen. Allerdings braucht man für hat is the latest on the algae project? eine Million Tonnen CO2 eine Fläche von 100 km2. Das ist also Doll: as planned, our algae test project was concluded at the end of 2011. We eine Lösung für wenig besiedelte Regionen mit hoher Sonsuccessfully proved that it is possible to fix CO2 with this method. The next neneinstrahlung und hohem CO2-Ausstoß. Für das Rheinland phase would be a large-scale facility. however, you need an area of 100 gilt leider nur das Letztere. km2 to fix one million tons CO2. This is a solution for thinly populated reEck: Unser Vorteil: Die Biotech-Produktion findet im Raum, nicht gions with high solar radiation and CO2 output. regrettably, only the latter in der Fläche statt. Die notwendigen Räume sind zu bewälapplies to the rhineland. tigen. Damit sind wir auf dem richtigen Weg, einen Airlift- Eck: Our advantage: biotech production takes place in space and not over a Fermenter zu installieren, der mit Rauchgas versorgt wird, surface. The necessary spaces are manageable. We are on the right track sodass CO2 in Biomasse und wertvolle C4-Ausgangsprodukand are installing an Airlift-Fermenter that will be supplied with flue gas. te verwandelt wird. Den Kohlenstoffkreislauf der Natur zu here CO2 will be converted to biomass and valuable C4 basic products. To schließen, das ist ein Traum. complete the natural carbon cycle — that would be a dream.

Fänger im Schlot

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The catcher in the flue

4fach vergrößert

Fotos: DR. Renate Schulze, chRiStian SchnakenbeRg

200 μm 4fach vergrößert

BLICKWINKEL  •  Kooperation cooperation

BLICKWINKEL  •  Kooperation cooperation

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100 μm 10fach vergrößert

200 μm 4fach vergrößert

Blickwinkel Brain Biotech, D, Award of Excellence, Front Page, Illustration, Photography, Alternative Storytelling


2 Kundenzeitschriften B2B 47 31

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200 μm 4fach vergrößert

beide 4fach vergrößert

100 μm 10fach vergrößert

BLICKWINKEL  •  Kooperation cooperation

BLICKWINKEL  •  Kooperation cooperation

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200 μm 4fach vergrößert

rechts: 10fach vergrößert

„Ich bin immer wieder fasziniert von der Schönheit, Widerstandskraft, Vielfalt und den immensen Fähigkeiten der Mikroorganismen“, sagt Dr. Renate Schulze. Für die strategische Kooperation zwischen RWE Power und BRAIN mit dem Ziel der Rauchgasbasierten Biomasse- und Wertstoffproduktion durch Mikroorganismen galt es, Mikroorganismen zu entdecken, welche bei 60 °C  unter Rauchgasbedingungen wachsen können. Dafür beprobten Dr. Renate Schulze und ihr Team u. a. heiße Schwefelquellen und  stiegen zusammen mit Kollegen von RWE Power zur Probennahme in die dunklen Rauchgaskanäle des Braunkohlekraftwerks in  Niederaußem. Diese Bildserie zeigt Fotografien der Mikroorganismen, die bei den Probennahmen gefunden wurden.   •  “the beauty, stamina, diversity and the immense capabilities of microorganisms never cease to fascinate me,” says Dr Renate Schulze. a strategic co-operation project between RWE Power and BRAIN aimed at identifying microorganisms which are able to grow at temperatures of 60 degrees centigrade under flue gas conditions and which can be harnessed there to produce biomass and secondary raw materials. Dr Renate Schulze and her team examined, among other things, hot sulphur sources and, together with their RWE Power partners, even climbed into the dark flues of the Niederaussem lignite-fired power station in order to take samples. this series of photographs shows some of the microorganisms discovered during sample taking.

BLICKWINKEL  •  Kooperation cooperation

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2 Kundenzeitschriften B2B 48

tech nolo gIe y

Made-to-MeaSure Micro-organiSMS

BioeconoMicS •

KriSTiAN BArThEN: Macro

Dr. hoLgEr ZiNKE: BioökonoMie

Macro

Dr. STEFAN PELZEr: MaSSgeSchneiderte MikroorganiSMen

marshall mcluhan

technology

“It Is the framework whIch changes wIth each new technology and not just the pIcture wIthIn the frame.”

technologIe

technologIe

technology

BLiCKWiNKEL

Q3 2011 / 2012

(01. 04. 2012 – 30. 06. 2012)

es Ist auf der welt nIchts unmöglIch, man muss nur dIe mIttel entdecken, mIt denen es sIch durchführen lässt.

Quellennachweis | references s. 36 – 39: dr. holger Zinke aus „Maßgeschneidert – deutscher Biotechnologie-report 2012“ der ernst & Young gmbh s. 40 – 43: Michael ränker aus dem Bergsträßer anzeiger, 19. 05. 2012

hermann oberth

nothIng Is ImpossIble In thIs world, one just has to dIscover the means for makIng It possIble.

Bildnachweis | credits s. 04 – 05: Julian Faudt s. 07 – 23: Julian Faudt s. 24 – 35: kristian Barthen s. 36 – 41: Julian Faudt s. 42: Brain ag, Pd dr. andreas hochheimer s. 46: Julian Faudt s. 49: Brain ag, Bettina Schreiner s. 50 – 51: Brain ag, kristian Barthen, cornelia osterloh s. 52: decheMa / Poblete s. 54: Brain ag, kristian Barthen

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2 Kundenzeitschriften B2B 49 BRAIN speZIAl: MAssgeschNeIdeRte MIkRooRgANIsMeN

07

BRAIN special: Made-to-measure micro-organisms

MaSSgeSchneiderte MikroorganiSMen

, sondern auch der nachwachsende rohstoff für zukünftige fermentative Prozesse.

Ausgewählte Bakterien werden zunächst im Schüttelkolbenmaßstab auf ihr Produktionstalent untersucht.

Durch Methoden

der modernen Stammentwicklung werden im biotechnologischen Labor Mikroben zu Hochleistungsstämmen, die auch im in­ dustriellen Maßstab

unterschiedliche Wertstoffe wie biobasierte Chemikalien, Kraftstoffe oder Pharmazeutika

From renewable raw materials to new valuable substances using made­to­measure micro­organisms.

Made-to-measure micro-organisms

than just habitat for diverse micro­organisms

produzieren.

The biomass is more

, it is also a renewable raw material for subsequent fermentative processes.

Spinner flask­scale testing of selected bacteria for production process.

Microbes are developed into high­performance

strains using modern strain development methods in the biotechnological laboratory. These are used on an industrial scale to produce various valuable substances such as bio­based chemicals, fuels or pharmaceuticals

Mikrobielle Forschung — eine Säule der Bioökonomie Microbial research — one pillar of bioeconomy

Mikroorganismen sind darüber hinaus in der Lage, mit­

.

hilfe von Enzymen komplexe Strukturen aus einfachen

Bausteinen auf­, beziehungsweise komplexe Strukturen wie Polymere gezielt abzubauen.

·

Micro­organisms

are capable of synthesizing complex structures from

TEXT: Dr. STEFAN PELZEr

simple building­blocks using enzymes and systematically

IllusTraTIon: JuLiAN FAuDT

breaking down complex structures such as polymers.

d

ie einzigartige physiologische Diversität von Mikroorganismen und die im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte etablierten mikrobiellen Verfahren und Produkte sind die Grundlage des Erfolgs der Biotechnologie. Die systematische Herstellung maßgeschneiderter Mikroorganismen durch Methoden der modernen stammentwicklung ermöglicht die fermentative Produktion diverser Wirkstoffe, biobasierter Chemikalien sowie neuer Biokraftstoffe.

Das Leben auf der Erde wird seit circa 3,8 Milliarden Jahren von Mikroorganismen geprägt. Sie bilden 60 % der globalen Biomasse der Erde und erzeugen die Hälfte des elementaren Sauerstoffs. Insbesondere Bakterien und Archaea zeigen eine im Verlaufe der Evolution entwickelte einzigartige physiologische und biochemische Vielfalt. Die Gesamtzahl prokaryotischer Zellen auf der Erde wird auf unvorstellbare 4 – 6 × 1030 geschätzt. [1] Alleine in 1 g Boden werden bis zu 10 Milliarden (1010) bakterielle Zellen vermutet. Da weniger als 1 % der Spezies aus der Umwelt mit den herkömmlichen Methoden eines mikrobiologischen Labors kultivierbar ist, ist die genaue Bestimmung der mikrobiellen Diversität komplex. Mit von einer Kultivierung unabhängigen molekulargenetischen Methoden wurde eine Diversität zwischen einigen Tausend und mehreren Millionen bakteriellen Spezies bestimmt. Die mikrobielle Diversität ist auch die Grundlage dafür, dass Spezialisten unter den Mikroben in extremen Lebensbedingungen von der Stratosphäre bis in die Tiefe des Ozeans bei hohen Drucken, Temperaturen von unter -10 °C bis circa 120 °C, aber auch bei für andere Organismen tödlichen pH-Werten und Salzkonzentrationen überleben können.

BLICKWINKEL  •  Technologie technology

1600

1700

1595 Der Brillenschleifer Hans Janssen baut das erste Mikroskop. · Spectacle­ maker Hans Janssen builds the first micro­ scope.

1802 Gottfried reinhold Treviranus führt den Begriff „Biologie“ als Klammer des damals schon existierenden Spektrums an „Lebenswissenschaften“ ein. · Gottfried reinhold Treviranus introduced the word “Biology” as an umbrella term to encompass the wide spectrum of “life sciences”.

1856 louis Pasteur entdeckt Mikroorganismen, die er Bacterion benennt und legt so die Grundlage für das Verständnis von Fermentation bzw. Gärung. · Louis Pasteur discovers organisms, which he calls bacterions. Thus, Pasteur paved the way to under­ standing fermentation.

1830 Die ersten Enzyme werden isoliert. · isolation of the first enzymes.

11

BRAIN special: Made-to-measure micro-organisms

1907 otto röhm isoliert aus den Bauchspeicheldrüsen von Schweinen ein Beizmittel für Tierhäute, das die unzuverlässige und geruchsintensive Kotbeize ersetzt. · Otto röhm isolates a leather bating agent from the pancreas of pigs. This replaced the unreliable and malodorous method of using excrements.

1866 Der Augustinermönch Gregor Mendel veröffentlicht die Regeln der Vererbung von Merkmalen bei Erbsen. Diese Erkenntnisse bilden die Grundlage der modernen Genetik.  · The Augustinian monk Gregor Mendel publishes the laws of the inheritance of traits in peas. This basic knowledge forms the foundation of modern genetics.

1940 selman Waksman identifiziert mit Actinomycin und Streptomycin erstmals Antibiotika, die von Actinomyceten produziert werden. · Selman Waksman iden­ tifies actinomycine and streptomy­ cine, the first antibiotics produced by Actinomycetes to be isolated.

1953 James Watson und Francis Crick veröffentlichen auf der Basis von Rosalind Franklins Röntgenstrukturanalysen ein Modell der Erbsubstanz DNS. · James Watson and Francis Crick publish a model of DNA on the basis of Rosalind Franklin’s X-ray structure analyses.

1976 Herbert Boyer und robert swanson gründen mit Genentech das erste moderne Biotechnologie-Unternehmen. · Herbert Boyer and robert Swanson found Genentech — the first modern bio­ technology company.

1665 robert Hooke entdeckt in einer Korkscheibe Strukturen, die er „Zellen“ nennt. Zwei Jahre später sieht Antoni van Leeuwenhoek als erster Mensch Bakterienzellen. · robert Hooke discovers structures in a slice of cork and calls these “cells”. Two years later, Antoni van Leeuwenhoek is the first human to see bacteria.

1836 Theodor schwann gelingt es, das Enzym Pepsin rein zu gewinnen und zu untersuchen.  · Theodor Schwann, succeeds in pu­ rifying and studying the enzyme pepsin.

1859 Charles Darwin veröffentlicht seine bahnbrechende Evolutionstheorie. · Charles Darwin publishes his ground­break­ ing theory of evolution.

1878 robert Koch entwickelt bis heute gültige Verfahren zur Kultivierung von Bakterien. · robert Koch develops the procedure for cultivating bacteria still used today.

1893 albert Boehringer gelingt die industrielle Produktion der Milchsäure mit Laktobacillen. · Albert Boehrin­ ger succeeds in producing lactic acid with lactobacteria on an industrial scale.

2000

1919 Der ungarische Ingenieur Karl Ereky prägt den Begriff „Biotechnologie“. · Hungarian en­ gineer Karl Ereky coins the term “biotechnology”.

1928 alexander Fleming entdeckt die antibiotische Wirkung des Penicillins. · Alexander Fleming discovers the antibiotic effects of penicillin.

1973 „Erfindung der Gentechnik“: stanley Cohen und Herbert Boyer nutzen Restriktionsenzyme und Ligasen zur Neukombination von DNS. · “Discovery of genetic engineering”: Stanley Cohen and Herbert Boyer use re­ striction enzymes and ligases to recombine DNA.

1983 stepanov et al. beschreiben erstmals einen industriell relevanten, rekombinanten B. subtilis-Produktionsorganismus, der Riboflavin (Vitamin B2) produziert. · Stepanov et al. Are first to describe an industrially relevant, recombined B. subtilis production organism, capable of producing riboflavin (vitamin B2).

2003 Die komplette sequenz des menschlichen Genoms liegt vor. · The human ge­ nome has been comple­ tely sequenced.

2007 Das Genom des Dns-Entdeckers James Watson wird innerhalb von zwei Monaten sequenziert. · The genome of DNA disco­ verer James Watson is se­ quenced within two months.

Kleine Geschichte der Biotechnologie · A small history of biotechnology

klassische und moderne Stammoptimierung Die effiziente Herstellung von Wertstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen ist eines der übergeordneten Ziele des Einsatzes von Mikroorganismen in biotechnologischen Produktionsprozessen. Bereits Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wurde eine Reihe großtechnischer Fermentationsverfahren an outstandingly important role. Microbiological research has zur Herstellung von Milchsäure, Zitronensäure und led to the introduction of many ground­breaking technologies, Aceton/Butanol entwickelt. Mit der Entdeckung des such as microbial strain development, that are of immense sig­ Penicillins im Jahre 1928 begann die Nutzung von nificance for all branches of biotechnology. Mikroorganismen zur Herstellung mikrobieller bioaktiver Wirkstoffe. Das systematische Durchmustern classic and modern strain optimisation von Bodenbakterien der Ordnung der Actinomyceten führte in den 1960er Jahren zur Identifizierung One of the prime objectives of using micro­organisms in der auch heute noch wichtigsten Antibiotikaklassen. biotechnological production processes is the efficient produc­ In ihren Anfangsjahren beschäftigte sich die in- tion of valuable substances from renewable raw materials. By dustrielle Mikrobiologie neben der Identifizierung the end of the 19th and beginning of the 20th century, a whole neuer Produzenten insbesondere damit, durch klas- range of industrial­scaled fermentation procedures for produc­ sische Stammentwicklung mithilfe unspezifischer ing lactic acid, citric acid and acetone/butanol had already been Mutation, beispielsweise unter Verwendung muta- developed. The use of micro­organisms for producing microbial gener Agenzien oder UV-Strahlung und anschließen- bioactive compounds began with the discovery of penicillin in der Selektion, verbesserte Produktionsstämme zu 1928. in the 1960s, soil samples were systematic screened for identifizieren. Diese klassische Stammoptimierung Actinomycetales, which led to the identification of today’s most hatte in erster Linie die Steigerung von Produktmen- important classes of antibiotics. gen (Verbesserung der Raum-Zeit-Ausbeute), aber in the beginning, industrial microbiologist were intent auch die Unterbindung von Nebenprodukten oder on identifying new producers. However, their main task was die bessere Verwertung von Rohstoffen zum Ziel. to identify improved production strains by means of classic

BLICKWINKEL  •  Technologie technology

he success of biotechnology is based on the unique

physiological diversity of micro-organisms as well as the microbial procedures and products that have been developed over the past decades. Systematic production of made-to-measure micro-organisms using modern strain development, facilitates fermentative production of diverse active compounds, biologically synthesized chemicals as well as novel biofuels. Life on Earth has been dominated by micro­organisms for about 3.8 billion years. They form 60 % of the global biomass and produce half the elemental oxygen. The bacteria and Ar­ chaea in particular, have evolved into diverse physiologically and biochemically unique groups. The total number of procary­ otic cells on Earth has been estimated at an astonishing 4 – 6 × 10 30. [1] Just 1 g soil is presumed to contain up to 10 billion (1010) bacterial cells. Since less than 1 % of the species living in the environment can be cultivated in the microbiological laboratory using conventional methods, it is difficult to accurately deter­ mine microbiological diversity. However, using molecular ge­ netic methods that avoid the necessity of cultivation, scientists have shown that the diversity ranges from a few thousand to several million bacterial species. Microbial diversity is also the reason why some specialists among the microbes are able to survive extreme environmental

Mikroorganismen sind wichtige Symbionten von Mensch und Tier. Man schätzt, dass in und auf dem Menschen circa 1015 Mikroorganismen leben und somit die Anzahl menschlicher Zellen um den Faktor 10 übertreffen. Dabei schützen diverse Bakterienspezies nicht nur unterschiedliche Organe wie beispielsweise die Haut vor der Besiedlung mit pathogenen Keimen, sie unterstützen auch Verdauungsvorgänge im Darm und produzieren dort wichtige Substanzen und Vorstufen, wie z. B. Vitamine. conditions, from the stratosphere to the deep ocean, at high Im Vergleich zu anderen Organismen verfügen pressure, temperatures ranging from below ­10 °C to about Mikroorganismen und insbesondere Prokaryoten 120 °C, but also at pH­values and salt concentration fatal to über einen extrem variationsreichen Metabolismus. other organisms. Micro­organisms are important human and Die Vielseitigkeit des mikrobiellen Stoffwechsels animal symbionts. it is estimated that around 1015 micro­organ­ spiegelt sich auch in der breiten Palette bioaktiver isms live in or on a single human — that is 10 x more than the Substanzen wider, die als Arzneimittel ausgehend number of human cells. Here, diverse bacterial species help to von Sekundärstoffwechselprodukten aus Bakterien- protect various organs, such as the skin, from colonization by Kulturen entwickelt werden konnten. Mikroorga- pathogenic germs, while others also play an active role in the nismen sind darüber hinaus in der Lage, mithilfe digestion processes in the gut, producing important substances von Enzymen komplexe Strukturen aus einfachen and precursors such as vitamins. Bausteinen auf-, beziehungsweise komplexe Strukin comparison with other organisms, micro­organisms, turen wie Polymere gezielt abzubauen. especially the prokaryotes, possess an extremely varied me­ Diese einzigartigen mikrobiellen Fähigkeiten tabolism. The versatility of microbial metabolism is also evident legen nahe, warum Mikroorganismen als Produzen- from the wide range of bioactive substances that have been ten von Wirkstoffen, biobasierten Basischemikalien developed into drugs from secondary metabolic products in und Biomaterialien, aber auch als unverzichtbare bacterial cultures. More than this, micro­organisms are also ca­ Quelle industriell relevanter Enzyme insbesondere pable of synthesizing complex structures from simple building­ in der stark wachsenden Weißen (= Industriellen) blocks using enzymes and systematically breaking down com­ Biotechnologie eingesetzt werden und dort von plex structures such as polymers. herausragender Bedeutung sind. Die mikrobiologiThese unique microbial abilities explain why micro­organ­ sche Forschung führte zur Etablierung zahlreicher isms are used as producers of active compounds, biological ba­ bahnbrechender Technologien wie der mikrobiellen sic chemicals and bio­materials. They are also an indispensable Stammentwicklung, die für alle Sparten der Biotech- source of industrially relevant enzymes for the strongly grow­ nologie eine grundlegende Bedeutung aufweist. ing white (= industrial) biotechnology sector, where they play

BRAIN speZIAl: MAssgeschNeIdeRte MIkRooRgANIsMeN

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BRAIN special: Made-to-measure micro-organisms

1990 Das Human-Genom-Projekt beginnt; das deutsche Gentechnik-Gesetz wird verabschiedet. · The start of the human genome project; the German gene techno­ logy law is adopted.

1900

1800

t

BLICKWINKEL  •  Technologie technology

BRAIN speZIAl: MAssgeschNeIdeRte MIkRooRgANIsMeN

5000 – 2000 v. Chr. In Ägypten, Babylon und China werden Gärprozesse zur Herstellung von Bier, Brot und Käse eingesetzt. · Fermentation pro­ cesses are used in Egypt, Babylon and China to produce beer, bread and cheese.

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BRAIN special: Made-to-measure micro-organisms

Die Biomasse ist nicht nur

Von nachwachsenden rohstoffen zu neuen Wertstoffen durch maßgeschneiderte Mikroorganismen. das Habitat diverser Mikroorganismen

BRAIN speZIAl: MAssgeschNeIdeRte MIkRooRgANIsMeN

Da die angewandte Strategie auf einer zufälligen Mutation von Genen beruhte, mussten unzählige Mutanten durchgemustert werden, um optimierte Stämme zu identifizieren. Durch die ständige Wiederholung von Mutationsrunden wurden erstaunlich effiziente Produktionsstämme für zum Beispiel Penicillin erzeugt, deren Nachkommen noch heute im Einsatz sind. Die Entdeckung der rekombinanten DNA-Technologie im Jahre 1973 durch Stanley Cohen (Stan- strain development methods, involving unspecific mutations, ford University) und Herbert Boyer (University of induced, for example, by mutagenic agents or uV­radiation California in San Francisco) kann als Geburtsstunde followed by selection. This classic strain optimisation proce­ der Gentechnologie und Beginn einer neuen Phase dure was primarily aimed at increasing product volumes (im­ der modernen industriellen Biotechnologie angese- provement of the space­time recovery), but also at preventing hen werden, da nunmehr die Grundlagen vorhan- by­products or improving raw material utilization. Since the den waren, um Gene jedweder Herkunft gezielt zu implemented strategy was based on random gene mutations, klonieren und auch in heterologen Organismen zu huge numbers of mutants had to be screened to identify op­ exprimieren. timised strains. The continuous repetition of mutation rounds In den Folgejahren wurden für zahlreiche Mi- produced surprisingly efficient production strains for example kroorganismen spezifische Methoden entwickelt, for penicillin. Their offspring are still in use today. die es ermöglichen, durch „genetic engineering“ The discovery of recombinant DNA technology in 1973 gezielt in Stoffwechselwege industriell bedeutsa- by Stanley Cohen (Stanford university) and Herbert Boyer (uni­ mer Metaboliten einzugreifen und so eine geziel- versity of California in San Francisco) can be considered to be te „moderne“ Stammoptimierung durchzuführen. the beginning of modern industrial biotechnology. Their work Bereits 1983 wurde von Stepanov et al. erstmals provided the basic knowledge required to systematically clone ein industriell relevanter, rekombinanter B. subti- genes from any source and also to express these in heterlogous lis-Produktionsorganismus beschrieben, der signi- organisms. fikante Mengen (4,5 g/l) Riboflavin (Vitamin B2) In the years following the breakthrough, specific meth­ produzierte. In den Folgejahren wurden kontinu- ods were developed for numerous micro­organisms. These ierlich Prozess- und Stammoptimierungen durchge- made it possible, by means of “genetic engineering”, to spe­

führt, sodass heutige B. subtilis-Produzenten über 26 g/l produzieren und die jährliche mikrobielle Gesamtproduktionsmenge circa 3000 t beträgt. [2] Die Herstellung effizienter Produktionsorganismen biobasierter Metabolite erfordert nicht nur die Optimierung der produktspezifischen Biosyntheseschritte. Ausgehend von der eingesetzten Rohstoffquelle folgt der Stoffwechselweg zum Produkt auch Schritten des Primärstoffwechsels und in der Regel auch Routen zu unerwünschten Nebenprodukten. Häufig sind einige enzymatische Schritte darüber hinaus in ihrer Effizienz limitiert, sodass bestimmte Stoffwechselzwischenprodukte angehäuft werden. Diese limitierenden Schritte werden als „Flaschenhälse“ bezeichnet. Die Beseitigung solcher Flaschenhälse und die Optimierung metabolischer Stoffflüsse sind Ziele des sogenannten „Metabolic Engineering“. Durch gezielte Eingriffe auf Gen- beziehungsweise Enzymebene wird der Stoffwechselweg dahingehend modifiziert, dass die Rohstoffquelle besonders effizient in das biotechnologische Zielprodukt überführt wird. Die Identifizierung metabolischer Flaschenhälse basiert wiederum auf einer kombinierten Anwendung sogenannter „Omics“-Technologien. Die sich daraus entwickelnde Disziplin der Systembiologie betrachtet den Produzentenorganismus als komplexes ganzheitliches System. [3] Der systembiologische Ansatz nutzt Erkenntnisse aus der Genomsequenz (Genomik), der Genexpression (Transkriptomik), des Proteinprofils (Proteomik) und der Quantifizierung und Umwandlung von Metaboliten (Metabolomik und Fluxomik). Erst durch die parallele Entwicklung der Bioinformatik werden die generierten Daten effizient nutzbar, mit dem Ziel, möglichst viele Stoffwechselvorgänge des Organismus zu verstehen. Durch den Transfer von Genen und kodierenden Enzymfunktionen anderer Mikroorganismen z. B. in das biotechnologische Arbeitspferd E. coli können erstmals nicht natürliche Metabolite biobasiert erzeugt werden. Die biotechnologische Produktion von 135 g/l der Grundchemikalie 1,3-Propandiol (1,3-PD) aus dem nachwachsenden Rohstoff Glukose mithilfe eines gentechnisch modifizierten E. coli-Stamms ist ein Erfolgsbeispiel für eine systembiologisch geleitete Stammoptimierung. [4]

Das biotechnologische Arbeitstier Escherichia coli

·

The biotechnological work­horse Escherichia coli

Synthetische Biologie

cifically intervene in the metabolic pathways of industrially im­ portant metabolites and so accomplish a targeted “modern” strain optimization. The first industrially relevant recombinant B. subtilis­produktion organism was already described in 1983 by Stepanov et al.. This microbe was capable of producing sig­ nificant amounts (4.5 g / l) of Riboflavin (Vitamin B2). The fol­ lowing years have seen a continuous optimization of produc­ tion and strains, so that current B. subtilis producers synthesize over 26 g / l. Total annual microbial output of this vitamin is now around 3000 t. [2] Developing efficient organisms for synthesizing biological metabolites, does not only entail optimizing the biosynthetic pathway for the product. Starting from the used raw material, the metabolic pathway leading to the product also follows the stages of the primary metabolic pathway and, as a rule, also in­ volves pathways leading to undesirable by­products. in addition to this, the inefficiency of some enzymic steps often leads to the accumulation of specific metabolic intermediary products. These limiting steps are called “bottle­necks”. The removal of such bot­ tlenecks and the optimisation of metabolic substance flows is the objective of so­called „metabolic engineering“. This involves the targeted manipulation of metabolic pathways on the gene and enzyme level with the aim of increasing the efficiency of the conversion of raw materials to biotechnological end products.

Die moderne Stammentwicklung erfährt ihre logische Weiterentwicklung in einem Arbeitsgebiet, das als „Synthetische Biologie“ bezeichnet wird und bei dem neue biologische Systeme beziehungsweise Organismen durch eine Kombination von Systembiologie und Gentechnologie unter Nutzung ingenieurwissenschaftlicher Prinzipien entstehen. Dies bedeutet, dass wie bei der Systembiologie der Gesamtorganismus betrachtet wird und standardisierte biologische Bausteine („Bio-Bricks“) eingesetzt werden, um moThe identification of metabolic bottlenecks is in itself difizierte Organismen herzustellen, die z. B. neue based on a combined application of so­called „omics“ technol­ medizinisch wertvolle Biomoleküle erzeugen. Diese ogies. This developed into systems biology, a discipline, which Technologie macht sich große Fortschritte auf dem sees the producer organism as a complex holistic system. [3] As Gebiet der DNA-Synthese zunutze, sodass viele op- an approach, systems biology integrates knowledge of the ge­ timierte Gene beziehungsweise Gencluster synthe- nome sequence (Genomics), gene expression (Transcriptomics), tisch erzeugt und in einen Produktionsorganismus the protein profile (proteomics) and the quantification and con­ eingeführt werden können. Darüber hinaus umfasst version of metabolites (metabolimics and fluxomics). Only the die Synthetische Biologie auch die Strategie, aus be- parallel development of bioinformatics has made it possible to reits existierenden Mikroorganismen, sogenannte use the generated data efficiently with the objective to better Minimalorganismen beziehungsweise Chassisstämme understand as many metabolic processes in the organism as herzustellen, die zum Teil verbesserte Produktions- possible. eigenschaften aufweisen. The transfer of genes and coded enzyme functions from Die im Jahre 2010 in Science publizierte Mach- other micro­organisms, for example into the biotechnological barkeitsstudie „Herstellung einer Bakterienzelle, die work­horse E. coli, has made it possible, for the first time, to durch ein chemisch synthetisiertes Genom kontrol- biologically produce unnatural metabolites. The biotechnologi­ liert wird“ [5] steht wie keine andere publizierte Ar- cal production of 135 g/l of the basic chemical 1,3­Propanediol beit für das derzeitige Potenzial der Synthetischen (1,3­PD) from the renewable raw material glucose by means of Biologie und wird in der Öffentlichkeit sehr kont- a gene technologically modified strain of E. coli is one of the rovers diskutiert. Forschern des J. Craig Venter Insti- successful examples for the optimisation of a strain using the tutes (Rockville und San Diego, USA) gelang es, aus- systems biological approach. [4]

BLICKWINKEL  •  Technologie technology

Blickwinkel Brain Biotech, D, Award of Excellence, Front Page, Illustration, Photography, Alternative Storytelling


2 Kundenzeitschriften B2B 50 25

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Fotos: Kristian Barthen

nahaufnahmen aus den CLose­uP views of the LaBoren und ProduK­ Brain LaBoratories and tionsstätten der Brain

ProduCtion faCiLities

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Blickwinkel Brain Biotech, D, Award of Excellence, Front Page, Illustration, Photography, Alternative Storytelling


2 Kundenzeitschriften B2B 51 31

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BLICKWINKEL  •  Technologie technology

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2 Kundenzeitschriften B2B 52 Sony Mobile/CommOn 0112/2012_01 - Seite 1

sk - 05.09.2012 11:38

CommOn 01 CommOn April 2012

Das Mobilfunkmagazin von Sony

20 12

Total Vernetzt Start frei Sony auf Erfolgskurs Handheld-Held Manieren im Test Zubehört Hier gibt’s was auf die Ohren

Bild: Getty Images

Wenn der Kühlschrank einkaufen geht – die mobile Wirklichkeit von morgen

CommOn – Sony, D, Award of Excellence, Illustration, Layout


2 Kundenzeitschriften B2B 53 Sony Mobile/CommOn 0112/2012_01 - Bogen S.10-11

sk - 05.09.2012 11:41

CommOn April 2012

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Titelthema

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Total Vernetzt 2011 im Sommer auf Mauritius. Sonne, Meer, Urlaub. Ein Australier liegt am Strand und entdeckt über die Videofunktion seines Smartphones einen Einbrecher in seinem Haus. Er ruft die Polizei im rund 10.000 Kilometer entfernten Sydney an. Die schnappen den Dieb auf frischer Tat. Das ist Vernetzung. Heute.

W

ohin die Reise geht, sieht man sehr gut auf den großen Messen wie zum Beispiel der CES in Las Vegas oder der CeBIT in Hannover. In den Messehallen stellen Unternehmen ihre Visionen der künftigen Vernetzung aus. Dabei sind derzeit zwei absolute Trends erkennbar. Erstens: eine Wolke für alle(s). Inhalte wandern zunehmend in die Cloud – diese Datenwolke, die von überall erreichbar ist, vorausgesetzt, man hat einen Internetanschluss. Ein Thema, das Sony mit dem Aufbau des Sony Entertainment Network weiter forciert. „Das Sony Entertainment Network bietet unseren Kunden ein multimediales Erlebnis der Extraklasse. Darunter sind die bisher bekannten Marken Music Unlimited, Video Unlimited sowie das Playstation Network zusammengefasst. Millionen an Musiktiteln, Blockbustern und Games warten darauf, abgerufen zu werden. Und das ist erst der Anfang“, sagt Björn Bourdin, Marketingleiter bei Sony. Zweitens: Mein Handy zahlt. Near Field Communication, kurz NFC, wird der absolute Abräumer, wenn es ums Bezahlen von kleineren Beträgen geht. Diese Datenübertragungstechnik, die nur bei einem kurzen Abstand zwischen Empfänger und Sender funktioniert, ist schon heute verfügbar – und wird Münzgeld auf allen Out-Listen an die Spitze schießen. Pizza, Tickets, Benzin oder Döner – das zahlen wir demnächst mit dem Handy. Was noch geht, zeigt derzeit Sony: Jedem verkauften Xperia S liegen zwei NFC-SmartTags bei.

Jedes SmartTag kann bis zu zehn Apps oder Funktionen pro Tag speichern.

Bild: Getty Images

„Zwei Pizza Funghi, drei kleine Hähnchendöner und drei Pepsi Light. Schreiben Sie‘s auf mein Handy.“

„Diese einem Jeton ähnlichen Tags können Kunden individuell programmieren“, erklärt Marc Hosfeld, Vertriebsmanager Zubehör bei Sony. „Damit sind unsere Kunden die Ersten, die solch eine Technik nutzen können. Etwas wie die SmartTags haben derzeit nur wir zu bieten.“ Wenn man das Xperia S in die direkte Nähe dieser Tags hält, sagen sie dem Smartphone, was es zu tun hat. Beispiel: SmartTag auf den Nachttisch legen, kurz vor dem Schlafengehen mit dem Xperia S berühren. Das war’s. Nun stellt sich das Smartphone in den Schlafmodus. Der Wecker ist gestellt. Aufwachen mit der Lieblingsmusik ist dank Playlist garantiert. WLAN, GPS, Bluetooth schalten sich aus, um Strom zu sparen. „Damit zeigen wir schon heute, was mit NFC-Smartphones in Kombination mit SmartTags möglich ist.“

W

CommOn – Sony, D, Award of Excellence, Illustration


2 Kundenzeitschriften B2B 54 Sony Mobile/CommOn 0112/2012_01 - Bogen S.12-13

sk - 05.09.2012 11:43

CommOn April 2012

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Titelthema

Bild: Getty Images

sik oder Videos an Bildschirme und Lautsprecher. Bedienungsapplikationen erlauben die einfache, grafisch anschauliche Steuerung komplett vernetzter Haushalte. Noch ist es teuer, Lüftung, Heizung, Überwachung elektrischer Geräte und Licht miteinander zu verbinden, aber die Preise sinken. Eine kleine zentrale Einheit regelt im Haus die Funktionen, die – ist eine Internetverbindung integriert – auch mithilfe eines Smartphones oder Tablets von unterwegs gesteuert werden können. „Momentan leisten sich das nur wenige. Es ist auch erst der Anfang. Doch die Sache fängt immer mehr an zu fliegen“, ist sich Carsten Knobloch, Blogger des Jahres laut t3n, sicher. Was wird erst 2017 alles mit einem XperiaModell möglich sein?

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Mit dem Smartphone zum Smartcar: Der Designer Murak Günak weiß, wie.

Bild: Getty Im mages

Es ist angerichtet: Von seinem Cockpit aus – in der Mittee – hat der Fahrer allee Funktionen Funktion Funk F im Blick.

Welche Möglichkeiten und Auswirkungen wird es noch geben? Wir haben den Autodesigner Murat Günak, den Tech-Blogger Carsten Knobloch und einige Handynutzer gefragt.

E

s ist das Jahr 2017 – immer noch fahren Autos auf unseren Straßen, natürlich. Aber die wenigsten machen Krach oder verpesten die Umwelt. Die Revolution des Straßenverkehrs durch E-Automobile ist im vollen Gange. Eine Vorstellung, die Murat Günak gefallen dürfte. Der Designer ist heute Chef der Unternehmens- und Entwicklungsstrategie beim E-Automobilhersteller mia electric. Und außerdem keiner, dem man mit Schnickschnack kommen kann. Günak ist ein Anhänger von „Funktion und Design“.

MARC HOSFELD

CHUCK NORRIS

Skateboarder, Vespa-Fan

Kickt und golft gerne

Kultfigur, Schauspieler, Karate-Weltmeister

Marc Hosfeld kam 2006 ins Unternehmen. Fünf Jahre war er in unterschiedlichen Regionen als Sales Consultant unterwegs. Seit 2011 ist er Key-Account-Manager für den Bereich Extras. Hobbys: Fußball, Skifahren, Golfen.

Der Amerikaner ist hierzulande durch „seine“ markigen Sprüche bekannter als durch seine Schauspielerei: „Chuck Norris hat Schwarz erfunden. Eigentlich hat er das gesamte Farbspektrum erfunden. Außer Pink. Pink wurde von Tom Cruise erfunden!“

Bild: corbis/Roger Ressmeyer

Das neue Sony Highend-Smartphone Xperia S ist ganz neu im Handel verfügbar.

BJÖRN BOURDIN

Wer die neue Mia anschaut, weiß genau, was das heißt: „Unser Auto ist ohne Effekthascherei gestaltet und leicht bedienbar wie ein Smartphone“, erklärt Günak, und „Kommunikation ist das Zauber-

http://www.chucknorrisfacts.com

Sony Mobile/CommOn 0112/2012_01 - Bogen S.16-17

sk - 05.09.2012 11:43

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Titelthema

Autopilot

2017 – Cloud oder NFC sind alltäglich. Facebook hat rund zwei Milliarden Nutzer. Google hat auf alles eine Antwort. Sony steht für ein grenzenloses multimediales Erlebnis. In fünf Jahren bezahlen wir Kinotickets im Sony-Theater für uns und unsere Freundin, die wir auf einer Party über Video-Twitter kennengelernt haben, per NFC im Xperia Ultra. Das NFC-Terminal weiß selbstverständlich, welche Sitze wir bevorzugen – Love-Seats weit hinten – und schickt eine Bestellung unserer Lieblingsgetränke und Snacks an die Bar. Bringservice an den Platz inklusive. Weiterhin werden Filmtitel und Ticketpreis in unserer persönlichen Cloud im Sony Network gespeichert. Der Betrag wird – wie schon heute – vom Bankkonto abgebucht und gleichzeitig im heimischen Haushaltsbuch vermerkt. Unser Facebook-Status wird auf den neuesten Stand gebracht, und falls wir vergessen haben, die Alarmanlage im Haus oder Auto einzuschalten, meldet sich die Erinnerungsfunktion. Bis zum Filmstart des Blockbusters vergnügen wir uns per Sony Tablet an personalisierter Werbung und Kino-Trailern. Zudem aktualisiert sich unsere Filmdatenbank im Sony Network, und unser Sony Internet-TV hat zu Hause weitere Empfehlungen parat, welche Filme uns interessieren könnten. So sehen wir mal wieder einen guten Chuck-Norris-Actionfilm statt Tom Cruise in einer Liebesgeschichte.

Der Hobbyschrauber ist seit 2007 im Marketing des Unternehmens tätig, aktuell als Marketingleiter Central Europe. Arbeitet er nicht, findet man ihn wahrscheinlich in seiner Halfpipe oder in der Werkstatt.

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CommOn April 2012

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Im digitalen Zuhause wachsen die verschiedenen Geräte immer mehr zusammen. Smartphones wie das Xperia S nehmen dabei die Rolle einer universellen Fernbedienung ein.

Sind die neuen mobilen Alleskönner wie das neue Xperia S einmal ins heimische W Netzwerk eingebunden, senden sie zum Beispiel Mediendateien wie Bilder, Mu-

Wie SmartTags funktionieren, sehen Sie im Video.

Sony Mobile/CommOn 0112/2012_01 - Bogen S.14-15

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Titelthema

wort, das unser E-Auto mit den Smartphones verbindet.“ Der türkischstämmige Designer, der mit sechzehn Jahren nach Deutschland kam, ist sich sicher: Smartphones werden eine immer größere und wichtigere Rolle im Automobilbereich spielen. „Insbesondere bei den E-Autos, die von kleineren Unternehmen vorangetrieben und entwickelt werden, haben Smartphones schon ihren festen Platz.“ Klar: Bei E-Autos kommt es auf jedes Kilo an. Noch sind die Akkus sehr schwer, sodass jede Möglichkeit gesucht wird, an anderer Stelle Gewicht zu reduzieren. „Da sind Smartphones schon erste Helfer, die die teuren eingebauten Navigationsgeräte ergänzen oder sogar ersetzen können. Ich kann die Telefone sogar mit Funktionen

ausstatten, die ie sonst son eigentlich eigen gar nicht möglich öglich lich wären“, w wäre sagt der Designer. Deshalb eshalb hat er bei seinem Interieurdesign extra aW Wert darauf gelegt, dass ss nicht n nur ein Halter für Smartphones ne einen prominenten Platz im Cockpit oc bekommt, mt, sondern gleich den Trend T der Tablet-PCs a aufgegriffen.. „Einen „ größeren rö Navigationsmonitor onitor als auf uf einem Tablet werden Sie nur schwer w finden. Und warum sollen die i Leute nicht ihr mobiles Endgerät dgerät im Auto weiter nutzen? Musik, V Videos, Adressbuch, Navi und so weiter – alles schon drauf.“ Im Thema Vernetzung g sieht sie Günak noch viel Potenzial. Ob schon chon 2017 201 Autos nicht mehr von Menschenhand, sondern per Autopilot sicher und schnell ihr Ziel erreichen, ist eher Fiktion. „Aber dass Autos indi-

vidueller werden und damit einen en Trend der Handys aufgreifen, da müssen wir wahrscheinlich nicht bis 2017 warten. Autos werden sich genauso im heimischen Netzwerk einklinken, wie wir es jetzt von unserem Smartphone kennen.“ So dürfte es ein Leichtes sein, sein das Auto zu „programmieren“.. Al „programmieren Also: Sitze vorheizen heize eiz n und un sie gemeinsam mei mit it dem e Lenkrad Lenk en ad in die di Wunschposition unsch nsc posi pos on des e jeweiligen ewe e Fahrers Fa Fahr s bringen. brin br gen. en Individundivid d elle Lichtstimmungen, ht mm gen Anze Anzeigen gen un und u Musik dazu azu – voilà. v ilà

MURAT T GÜNA GÜNAK Steht nicht auf Sch Schnickschnack chna Murat Günak (54) ist einer der bekanntesten Autodesigner Europas. Nach einem Designstudium an der Kunsthochschule sc Kassel erlangte er am Londoner Royal College of Art den en „Master of Automotive Design“. Bevor er bei mia electric anfing,, war er unter anderem als leitender Designer bei Mercedes, Vo Volkswagen und nd Peugeot beschäftigt.

MIA A So leicht zu bedienen wie ein Smartphone

Apropos „voilà“: Paris hat eine E-Car-Sharing-Flotte von 3.000 Autos. Wo heute eine Chipkarte die Anmietung ermöglicht, genügt in Zukunft alleine das Smartphone – man findet, bezahlt und startet damit das E-Mobil. Nur einsteigen muss man noch selbst.

Mia und Mia L befördern e Personen, Mia K ist als Kleinsttransporter K r für umweltbewusste Unternehmer gedacht. a mia electric SAS wurde w e im Juni 2010 gegründet. eg Im französischen Cerizay läuft die Produktion Pr seit Juli 2011. http://www.mia-voiture-electrique.com/de electrique com/de

Sony Mobile/CommOn 0112/2012_01 - Bogen S.18-19

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sk - 05.09.2012 11:43

CommOn April 2012

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Titelthema

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Vernetzung 2017 Wie könnte sie aussehen? Unsere Zukunft im Jahr 2017? Werden wir alle mit dem Cyberhelm herumirren und uns in autarken Autos durch die Gegend fahren lassen? Sicherlich, alles eine Frage der Fantasie, gepaart mit ein wenig

Simon

Freude an der Zukunft. Ein Ausblick von Carsten Knobloch.

W

Das ganze System ist natürlich mittlerweile mit allen Komponenten verbunden, und so kann ich in allen Räumen mittels Tablet auf allen Projektionsflächen Informationen abrufen. News. TV-Sendungen. Termine. Einkaufslisten. Diese Projektionsflächen lassen sich natürlich per Touch bedienen – ich könnte sehen, ob mein Lieblingspullover in der Wäsche ist und könnte mir Tipps vom persönlichen Stilberater geben lassen.

Sonja

Juli

Telefonieren, Spielen, Mails, Internet, Vernetzung allerorten: Wer hätte vor zehn Jahren geglaubt, was heute mit einem Smartphone möglich ist?

Auch wird Augmented Reality ein großes Thema sein. Wir werden Smartphones, Tablets oder Brillen besitzen, die wir bei Bedarf so einstellen können, dass uns Sonderangebote von Läden angezeigt werden, wenn wir durch die Stadt spazieren. Bezahlt wird natürlich kontaktlos, NFC ist mittlerweile Standard in allen Geräten und Supermärkten. Diese Augmented Reality wird auch im Bildungsund Touristiksektor eine Rolle spielen, Schüler, Studenten oder Touristen könnten so etwas über die Stadtgeschichte erfahren. Die Zukunft ist noch nicht geschrieben, viele Techniken, die uns 2017 begegnen, sind noch nicht einmal erdacht. Doch wir dürfen gespannt sein, was uns erwartet. Und vielleicht hole ich im Jahre 2017 noch einmal diesen Text hervor und schaue, was ich vor fünf Jahren geschrieben habe und was eingetreten ist und was nicht.

Während ich unter der Dusche stehe, übergebe ich per Sprachsteuerung schon eine Route an mein Auto, auch die entsprechende Musik übertrage ich schon, bevor ich die Fahrt antrete. USB-Sticks oder CDs im Auto? Schon lange ausgestorben.

Jannes

Kristina

Martin

Andreas

In Sachen Freizeit brauche ich nicht mehr auf andere Rücksicht zu nehmen. Habe ich heute nur ein TV-Gerät, welches ich mir mit Familienmitgliedern teilen muss, so werde ich im Jahre 2017 für jedes Mitglied meiner Familie einen eigenen, vernetzten Helm haben, der mittels integrierter Displays Videospiele, Filme und andere Medien on demand anzeigt. Erste verkabelte Lösungen gibt es bereits heute, im Jahr 2017 werden diese selbstverständlich und vor allem kabellos sein und zum Alltag gehören. Doch nicht nur im privaten Bereich wird man völlig vernetzt sein, auch das Gesundheitssystem profitiert von den neuen technischen Möglichkeiten. Krankheitsgeschichten oder Akten sind nahtlos für behandelnde Ärzte einsehbar, und die Diagnostik kann vollzogen werden, ohne dass der Patient von Pontius nach Pilatus laufen muss.

Simon, Trainee,

Katharina, Trend-

Sonja, Studentin,

Juli, Studentin,

Jannes, Redakteur,

Kristina, Studentin,

Stuttgart:

Martin, Hochlandtrekker,

Andreas, Poetry-

Madrid:

gerade in Nepal:

Slammer, Bensheim:

Ich bin mir sicher, dass

In zehn Jahren werden

Mein Handy ist in zehn

Endlich eine Verbindung

In zehn Jahren wird mein

mein Zahlungsmittel und

forscherin, Hamburg:

Regensburg:

Frankfurt/Oder:

Hamburg:

Es wird mein Ausweis,

das Handy als zentrale

„klassischen“ Touchscreen

wir in zehn Jahren keine

die Menschen entweder

Jahren das, was es jetzt

zwischen dem Himalaya

Smartphone quengeln:

mein Schlüssel für Auto

In zehn Jahren fungiert

Schaltstelle, ausgelagertes

2022 gibt es keinen

mehr. Die Tasten kommen

Handys mehr haben wer-

alles mit ihrem Handy

auch schon ist. Es hat

und zu Hause herstellen.

„JETZT RAS’ DOCH

und Haus sein.

Gehirn und persönlicher

mir entgegen, da mein

den, sondern stattdessen

machen können.

dieselben Funktionen,

Das geht heute noch nicht.

NICHT SO! Sind wir bald

Coach. Dinge wie Heizung

Handy genau vorhersagen

ein kleiner Alleskönner

Oder gar nichts mehr.

immer nur genau das,

Rolf, Chemielaborant,

regeln und Alltag struktu-

kann, welche Nummer

in unseren Unterarmen

Heppenheim:

rieren passieren automa-

ich wählen möchte.

implantiert sein wird.

Heiko, Telekommuni-

Kristo, Student,

pinkeln!“ Oder Bekannt-

Und es ist schick.

Stuttgart:

schaften zu Menschen

Meine Lohnsteuer-

tisch. Zusätzlich über-

Und: Mein Handy kann

Er wird natürlich smarter

kationselektroniker,

Mein Handy ist irgendwo

pflegen, mit denen es

wacht es meinen Trai-

beamen und erspart

sein als alle Phones

Aschaffenburg:

Max, Krankenpfleger,

unauffällig in meinen

„befreundet ist“ und nicht

erledigen.

ningsplan und passt ihn

mir die Deutsche Bahn.

bisher und weit smarter

Telefonieren.

Heidelberg:

Klamotten oder Kopf-

ich (zum Beispiel die

dann meinen Leistungen

Das dauert aber

als wir selbst.

Auf Knopfdruck mein

hörern integriert. Immer

Exfreundin!). Und wenn

entsprechend an.

vielleicht noch ein paar

Essen erwärmen.

je nachdem, was ich

man Pech hat und sein

gerade dabei habe.

Handy schlecht erzieht,

Aschaffenburg: Mir im Supermarkt

Alias Carsten Knobloch

zu Hause? Ich muss

was ich gerade brauche.

abrechnung automatisch

Eva, SAP-Beraterin,

CASCHY

Und wieder zehn Jahre weiter gedacht – was geht dann? CommOn hat die Community befragt. Mit einigen erstaunlichen Ergebnissen.

Jahre länger ...

wird es sicherlich auch

anzeigen, was zu Hause

noch von ganz alleine auf

im Kühlschrank fehlt.

die schiefe Bahn geraten und sich massenhaft illegale Seiten ansehen und

2011 wählten ihn die Leser des Fachmagazins t3n zum deutschen Blogger des Jahres. Er ist Betreiber des Tech-Blogs stadt-bremerhaven.de. Auf seinem Blog geht es um die Themen Internet, Webservices, mobile Kommunikation, Hardware und technischen Lifestyle. www.http://stadt-bremerhaven.de/

bei allerhand unseriösen Seiten mit MEINER Adresse einloggen.

Bild: Getty Images

Bild: Getty Images

Katharina

„WAS KANN DEIN HANDY IN ZEHN JAHREN?“ ie ich mir meine vernetzte Welt 2017 vorstelle? Ich versuche einmal, euch meine Vision zu visualisieren. Bereits heute gibt es Prototypen von Kühlschränken, die mir auf einem Touchscreen mitteilen, was wann abläuft und ob Milch da ist. Idealerweise könnte mir mein intelligenter Küchenchef auch so mitteilen, was ich mit den Mitteln, die ich im Haus habe, noch kochen könnte, Stichwort: Rezeptvorschlag.

CommOn – Sony, D, Award of Excellence, Illustration


2 Kundenzeitschriften B2B 55

Sony Mobile/CommOn 0112/2012_01 - Bogen S.34-35

sk - 05.09.2012 11:53

CommOn April 2012

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Zubehör

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Sony Mobile/CommOn 0112/2012_01 - Bogen S.36-37

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CommOn April 2012

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Zubehör

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HDMI-KABEL IM820 SMARTDOCK FÜR XPERIA P

In Verbindung bleiben

Alles in Groß erleben

MUSIC LOVER’S KIT MK200

Das IM820 ist die einfachste Verbindung zwischen dem Xperia Smartphone und einem HDMI-fähigen Fernsehgerät. Sämtliche Inhalte des Smartphone-Displays werden in HD auf den Fernseher übertragen und lassen sich über die TVFernbedienung steuern. Egal ob Filme, Videospiele, Bilder, Internet oder Musik – alles kann bequem vom Sofa aus bedient werden.

Das SmartDock ist die perfekte Ergänzung für das Xperia P. Automatisch startet der TV-Launcher, und per HDMIAnschluss sieht man Spiele, Videos, Musik und Nachrichten oder das komplette Menü auf dem großen Fernseher. Über USB lassen sich Tastatur, Maus oder Game-Controller verbinden und verwandeln das Smartphone in einen Mini-PC, eine Multimedia-Zentrale oder Spielekonsole.

XPERIA SMARTTAGS Individualität zum Mitnehmen

Details . Größe: 157 × 48 × 25 mm . Anschlüsse: 2 x USB, Micro-USB, Micro-HDMI . UVP: 49 Euro

SMART WIRELESS HEADSET PRO

Zum Datenblatt.

Headset, MP3-Player und Radio in einem

Das Smart Wireless Headset pro ist ein multifunktionales Premium-Bluetooth-Stereo-Headset für Handys und Smartphones. Ein integriertes Radio und die mitgelieferte 2 GB große Speicherkarte ergeben auch ohne Handy einen voll funktionsfähigen Musikunterhalter. Im Infodisplay erscheinen Anrufernamen, Musiktitel, empfangene SMS oder E-Mails und vieles mehr. Sogar kurze Antworten lassen sich direkt versenden. Besonders clever: Das smarte Headset kann sich über Bluetooth gleichzeitig mit zwei Endgeräten verbinden.

SMARTWATCH Die Smartphone-Welt am Handgelenk

Die Smartwatch ist der innovative Nachfolger des LiveView. Über Bluetooth verbunden, können alle wichtigen Informationen wie E-Mails, SMS, Social-Media-Updates oder Kalendereinträge auf dem kleinen Multitouch-Display empfangen und gesteuert werden, ohne das Smartphone aus der Tasche zu nehmen. Erweiterbar mit kompatiblen Apps aus dem Play Store. Praktisch: Mit dem Clip auf der Rückseite klammert sich die SmartWatch (fast) überall fest. Details . Größe: 36 x 36 x 8 mm . Gewicht: 15,5 g . Datenübertragung: Bluetooth 3.0 . Akkulaufzeit: bis zu 7 Tage . Display: Farb-OLED-Display mit Multitouch . Befestigung: Clip, Armband und Universalhalter für andere Armbänder . UVP: 129 Euro

Zum Datenblatt.

Xperia SmartTags sind nützliche kleine Helfer für alle NFCfähigen Smartphones wie beispielsweise das neue Sony Xperia S. Kommt das Smartphone in die Nähe eines Tags, werden automatisch die damit verknüpften Funktionen oder Befehle ausgeführt. Steigt man beispielsweise ins Auto ein und streicht mit dem Handy über das SmartTag am Armaturenbrett, wird Bluetooth aktiviert und die Freisprecheinrichtung mit dem Handy gekoppelt, GPS eingeschaltet und die Navigation gestartet. Abgerufen werden die Informationen über „Near Field Communication“ oder kurz NFC. Dieser Nahbereichsfunk kommuniziert berührungslos über sehr kurze Distanzen und soll bald auch für Bezahlfunktionen mit dem Handy eingesetzt werden. Details . Abmessungen: 28 mm x 3,2 mm . Gewicht: 2,2 g . Farben: b b v b . Leistung: 10 Aktionen frei definierbar . UVP: 15 Euro (für 4 Stück)

Details . Größe: 60 x 25 x 8 mm (mit Clip 12 mm) . Gewicht: Haupteinheit 18 g / Ohrhörer 9,5 g . Datenübertragung: Bluetooth . Display: OLED, schwarz/weiß . UVP: 119 Euro

Zum Datenblatt.

Jetzt gibt’s was auf die Ohren

Das Set aus dem Monitor-Kopfhörer MH830, dem Mikrofonkabel MH500 und dem Verbindungskabel MC100 richtet sich speziell an Menschen, die auf klaren, unverfälschten Musikgenuss Wert legen. Die Kombination aus Kopfhörer und Mikrofonkabel ergibt ein vollwertiges Headset. Gespräche lassen sich direkt am Steuerelement annehmen und beenden. Zusätzlich sorgt das Verbindungskabel für die ideale Verbindung zwischen Handy und Stereoanlage – so können Familie und Freunde an der Lieblingsmusik teilhaben.

Details: . Länge: 1 m . Anschlüsse: Micro-HDMI handyseitig, StandardHDMI am TV . Überträgt Video und Audio . UVP: 19,90 Euro

Details . Typ: Geschlossener Kopfhörer . Treiber: 30 mm . Farben: b b . UVP: 45 Euro Zum Datenblatt.

LIVESOUND HI-FI-HEADSET SMART HEADSET

Verwirrung ade!

Schluss mit Kabelsalat! Die flachen Kabel des LiveSound Hi-Fi-Headsets verhindern unabsichtliche Verknotungen in Hosen- oder Handtasche. Die Sony Acustic Designer haben das Hi-Fi-Headset speziell für Geräte der Generation bis 2011 mit Android-Betriebssystem entwickelt. Ein solides Metallgehäuse, 6-mm-Treiber und leistungsstarke Neodymium-Magnete garantieren einen unverfälschten Klang. Aber erst die Kabelfernbedienung macht das LiveSound Headset zu einem echten Smart Extra: Denn mit dem LiveKey lassen sich alle auf dem Smartphone installierten Apps finden und starten.

Details . Gewicht: 15 g . Farben: b v . Ohrpolster: (4 Größen, 2 Farben) . UVP: 45 Euro

Zum Datenblatt.

Jetzt noch kompatibler

Das Smart Headset ist die neue Version des LiveSound Hi-Fi-Headsets. Der Unterschied: Die Belegung des 3,5-mm-Klinkensteckers folgt ab sofort dem CTIA-Standard und ist somit kompatibel mit allen neuen Sony Smartphones ab dem Xperia S – und mit vielen anderen Handys und Smartphones auf dem Markt. Details . Gewicht: 15 g . Farben: b v . Ohrpolster (4 Größen, 2 Farben) . UVP: 55 Euro

Zum Video.

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Zum Video. Zum Datenblatt.

Mehr Zubehör finden Sie hier:

CommOn – Sony, D, Award of Excellence, Layout


2 Kundenzeitschriften B2B 56 Sony Mobile/CommOn 0212/2012_02 - Seite 1

sk - 05.09.2012 12:14

CommOn 02 CommOn August 2012

Das Mobilfunkmagazin von Sony

CASH 2.0 Bezahlen ist erst der Anfang Einfach NFC-fähiges Smartphone an den Chip halten und sehen, was die Nahfunktechnik kann

Bild: Getty Images/Hill Street Studios

20 12

CommOn – Sony, D, Award of Excellence, Layout


2 Kundenzeitschriften B2B 57 Sony Mobile/CommOn 0212/2012_02 - Bogen S.2-3

sk - 05.09.2012 12:15

CommOn August 2012

2

Guten Tag!

„Smartphones erleichtern uns den Alltag und werden zu Multitalenten.“

News

Gerhard Sturm

9

Sie s sind d klein klei klein. kle Sie ie sind si sin s unscheinbar. unschein unsc inbar. unsch nbar. nbar Aberr die die e Macht Mac Mach Ma htt ist mit mit ihnen: m ihnen hnen NFC-Chips NFC-C NFC-Ch FC-C ip ps p erobern erobe erob rn n den Markt Markt a al als s Türöff Türöffn Türöf Türöffner, err, er, Fernsteuerung, Fern Ferns teuerun euerung, euerun eueru ueru g,, Geldbörse. Geldb Geld Geldbörse. örse. rse. se

4 4 5 6 7

Titelthema Cash 2.0 Tanken ganz easy

8 16

Rund um Xperia Nachgefragt: die Lieblings-Apps der Sony-Mitarbeiter Schwedische Spielwiese – der Xperia Concept Store Neues von Grosch Smartphone-Offensive Kein Blender: das Xperia P Smart Extras Updates – Wenn es etwas länger dauert

Endlich sind sie da! Alles über die neuen Xperia Smartphones ist hier zu finden.

CASH

2.0

18 20 24 26 32 34 36

Profis am Werk Mister Multikulti – das Händlerporträt Sony Xperia Live on Tour Glossar/Impressum

Das gesamte Sony-Team und ich sind gespannt. Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen

Titelthema

4

Next Generation Alles unter einem Dach SMS an H-Blockx Wussten Sie schon ...? Das schwebende Display

Die Möglichkeiten sind beinahe grenzenlos. Daher ist für Sony das Mobile-Geschäft eines der strategischen Segmente für die Zukunft. Doch wir sind erst am Anfang, genau wie mit der CommOn. Wir wollen noch besser werden, mit Ihrer Hilfe. Daher freuen wir uns über jedes Feedback.

sk - 05.09.2012 12:15

CommOn August 2012

8

Noch kein NFC-fähiges Handy, um den Titelchip zu testen? Keine Sorge: Hier der QR-Code zu allem, was Sony rund um NFC zu bieten hat.

Ob als Medienkiosk für Video oder Musik, ob als E-Ticket, als Schlüsselersatz oder elektronische Geldbörse – dank NFC-Chip (Near Field Communication) werden Smartphones zu Multitalenten. Sie werden zum zentralen Joystick unseres Lebens und vereinfachen es auf wunderbare Weise. Nur noch das Xperia einpacken und alles dabei haben – klingt das nicht verlockend? Künftig wird es wohl Autoschlüssel, Personalausweis und was wir sonst noch mit uns herumtragen ersetzen.

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Wie gefällt Ihnen das Heft? Was möchten Sie in der nächsten Ausgabe lesen? Teilen Sie uns Ihre Meinung, Anregungen, Wünsche oder Themenvorschläge mit unter Sony_CommOn@insider-de.com

Wir passen das AndroidBetriebssystem extra an die Sony-Geräte an. Alles Wissenswerte rund um die Updates steht hier.

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Sony Mobile/CommOn 0212/2012_02 - Bogen S.10-11

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CommOn August 2012

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Titelthema

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Es klimpert nicht in der Tasche. Es raschelt nicht in der Hand. Es fällt auch nichts mehr durch, wenn man sich eine Cola am Automaten zieht. Das Geld der Zukunft ist nicht zu fassen – es ist virtuell. Und viele Menschen werden es schon bald bei sich tragen, egal wo sie gerade sind.

N

eue Technologien machen Smartphones schon bald zu intelligenten Geldbörsen. Das Zauberwort lautet Near Field Communication (NFC). Sie basiert auf winzigen Funkchips, kleiner als Ein-CentStücke, die Zahlungsaufträge und Bankdaten über wenige Zentimeter hinweg an Empfangsgeräte senden, etwa an der Supermarktkasse. Sony baut diese kleinen Chips schon heute ein, beispielsweise in den Modellen Xperia S und Xperia P.

Australien hat wasserfeste Banknoten — für alle, die viel am Wasser sind. Nette Idee, aber mit NFC kann der Geldbeutel künftig ganz zu Hause bleiben. Das Handy in der Strandtasche reicht.

Bild: Getty Images/Tom Merton

Gerhard Sturm President, Head of Central Europe Sony Mobile Communications

Sony Mobile/CommOn 0212/2012_02 - Bogen S.8-9

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Bilder: fotolia/ilolab, fotolia/Anna otolia otolia ot tolia/ to olia/Anna nna na Omelchen Omelche Omelc Omelch Omel Omelchenko ko o

Kürzlich las ich auf einer News-Seite, dass Smartphones die Fernbedienung des Lebens sind. Ich musste kurz darüber nachdenken, dann innerlich zustimmend nicken. Denn nach jüngsten Umfragen ist bei Smartphone-Besitzern nicht mehr das Telefonieren die Numero uno, sondern der Internetzugang. Zwar ist sprechen und simsen mit dem Smartphone immer noch sehr beliebt, aber gerade die neuen Möglichkeiten lassen uns davon träumen, dass uns Sony Smartphones bald noch viel öfter den Alltag erleichtern.

Inhalt

Die Idee dahinter: Statt in den Münzfächern der Portemonnaies nach Kleingeld zu fingern, halten Smartphone-Besitzer künftig einfach kurz ihren ständigen Begleiter an den Automaten – und schon fällt die Limonade ins Ausgabefach, bezahlt per Funkbefehl. Auch das halbe Dutzend EC-, Kredit- oder Kundenkarten in der Tasche ist in naher Zukunft überflüssig: Kunden fotografieren mit dem Handy speziell formatierte Rechnungen ab, tippen eine Geheimzahl auf ihr Display, und schon fließt das virtuelle Geld.

„Die neue mobile Bezahlmethode hat das Potenzial, unser Konsumverhalten grundlegend zu verändern. Zukünftig kaufen und bezahlen wir per App – und das an Orten, wo das bisher gar nicht möglich war“, sagt Steffen Grosch, Produktmanager bei Sony. Ein Beispiel: Eine Anzeige für den neuesten James-Bond-Streifen „Skyfall“ in einer Illustrierten, die dank integriertem NFC-Chip mehr bietet: Trailer anschauen, die per

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CommOn – Sony, D, Award of Excellence, Layout


2 Kundenzeitschriften B2B 58 Sony Mobile/CommOn 0212/2012_02 - Bogen S.12-13

sk - 05.09.2012 12:15

CommOn August 2012

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Sony Mobile/CommOn 0212/2012_02 - Bogen S.14-15

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CommOn August 2012

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Titelthema

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W GPS-Ortung angezeigten Vorstellungen der umliegenden Kinos checken, Tickets buchen und noch eine Tüte Popcorn dazubekommen. Dabei gilt es nur, das Xperia S über die Printanzeige zu halten. Im Kino wird dann das Smartphone mit Buchungscode via NFC-Chip ausgelesen und sein Besitzer sieht dabei genauso cool aus wie Daniel Craig als 007. Mindestens.

Megaschlaue Kreditkarten Die vielseitigen NFC-Funkchips sind bisher vor allem auf Kredit- und Debitkarten zu finden – beispielsweise auf den Visa „Paywave“-Karten. Bei Mastercard heißt die gleiche Technik „Paypass“. Allein in Deutschland

Giganten mischen mit Doch die Konkurrenz schläft nicht: Apple, Google, Facebook, PayPal und Amazon arbeiten an eigenen NFC-Lösungen für das mobile Bezahlen. Die Nase vorn in Sachen Mobile Payment hat momentan Google: Die Kalifornier brachten vor einem Jahr ihre NFC-Lösung „Google Wallet“ auf den Markt. Über 150.000 Online- und Offlinehändler akzeptierten bereits NFC-Zahlungen mit Wallet, darunter Foot Locker und Macy's. Noch geht dies nur in den USA. „Da sich der Konzern aber eine europäische Banklizenz gesichert hat, ist eine Expansion wohl nur eine Frage der Zeit“, sagt Grosch.

sind schon über 1,2 Millionen entsprechend ausgerüstete Karten in Umlauf, zum Beispiel von Lufthansa Miles & More. Die Verbreitung von NFC-Karten und ihre steigende Akzeptanz in Supermärkten, Drogerien und Bekleidungsläden ebnen NFC-Smartphones den Weg: Viele neue Modelle von Sony haben NFC serienmäßig an Bord. „Unser Ziel ist es, diese NFC-Karten auf das Handy zu bringen“, sagt Grosch. Und auch die Banken schauen in Richtung NFC: Die neue Girokarte der Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken ist mit einem NFC-Chip ausgestattet. Allein die Sparkassen liefern in diesem Jahr rund 16 Millionen Girokarten mit der Funktechnologie an ihre Kunden aus. Daher bereitet sich schon ein Drittel der Handelsunternehmen technisch auf das kontaktlose Bezahlen per NFC vor. Und auch Taxifahrer, Paketboten oder Schornsteinfeger werden bald bargeldlos per Funk kassieren können.

QR-Code als Alternative? Aber auch NFC hat Konkurrenten. So will PayPal, mit mehr als 100 Millionen Kunden der größte Zahlungsdienstleister im Internet, die Ladentheken erobern. Allerdings setzt PayPal nicht auf NFC, sondern auf QRCodes. Das sind quadratische Verwandte des Barcodes, die verschlüsselte Daten enthalten – etwa den Namen des Restaurants

Im kurzen Partykleid ist kein Platz für Kleingeld. Na und – das Smartphone bezahlt künftig den Drink und später auch das Taxi.

Bild: fotolia/pressmaster

„Touch & Travel“ Kunden der Deutschen Bahn können heute schon mit dem System „Touch & Travel“ auf ausgewählten Strecken ihr Ticket mit dem Handy zahlen. Vor Fahrtantritt hält der Kunde sein Telefon an sogenannte Touchpoints – blau markierte Lesegeräte am Bahnsteig. Im Zug tragen die Schaffner NFC-fähige Kontrollgeräte bei sich. Am Reiseziel schließlich meldet sich der Passagier am nächsten Touchpoint wieder ab. Aus den Daten errechnet ein Computer die Strecke und den Fahrpreis. Einmal im Monat erhalten die Kunden eine „Mobilitätsabrechnung“. Zusätzlich zum Fernverkehr der Deutschen Bahn lassen sich so auch öffentliche Verkehrsmittel in Frankfurt, Berlin und Potsdam nutzen.

ONE TOUCH VON SONY

W

STEFFEN GROSCH Taucht nicht nur nach Gadgets

ÜBERALL EINSETZBAR Reisen, Shoppen, Konzerte – ganz ohne Bargeld

Bild: Getty Images/Joshua Hodge Photography

NFC-Chips können inzwischen fast alles: Bahntickets kaufen, am Skilift den Eintritt regeln und den Zugang zu Firmengebäuden ermöglichen. Selbst bei Autoherstellern ist NFC ein Thema – hier wird mit Nahfunk-Handys als Autoschlüssel experimentiert.

Steffen Grosch ist Produktmanager bei Sony. Er lebt und atmet Sony aus Begeisterung. Als echter Smartphone-Maniac riecht Grosch Trends im Handy-Markt immer schon weit im Voraus. Zudem ist er Hobbytaucher. Sein Hausrevier: der Baggersee.

länger

dauert

Rund um Xperia

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Kein Update für alle Modelle: Die Technik der Smartphones entwickelt sich weiter, sie werden leistungsstärker. Gleichzeitig steigen auch die Anforderungen an die neuen Versionen des Android-Betriebssystems. Deshalb setzen die Updates auch größere Arbeitsspeicher oder schnellere Prozessoren in den Geräten voraus. Nicht so leistungsstarke Modelle würden durch das neue Betriebssystem langsamer.

Die Neuerscheinungen ab Mitte 2012 haben automatisch Android 4.0.

Die Kamera braucht eine intelligente Bedienung und angepasste Treiber, die für jede neue Version des Betriebssystems angepasst werden müssen.

Ohne Schlüssel aus dem Haus Ein Riesenvorteil des Bezahlens per NFC ist die Geschwindigkeit. Sie spielt dort eine wichtige Rolle, wo in kürzester Zeit viele Menschen durchgeschleust werden müssen: Bei einem Konzert oder einer Sportveranstaltung können Tickets auf dem Smartphone hinterlegt werden, und die Besucher können einfach ihr NFC-fähiges Handy als Eintrittskarte nutzen. Ticket abreißen war gestern.

Schon heute nutzen viele Menschen die NCF-Technologie, ohne sich dessen bewusst zu sein. Wenn sich am Skilift die Schranken quasi im Vorbeigehen öffnen, hat der mit NFC ausgestattete Skipass für freien Durchgang gesorgt. Auch in der Firma gewähren viele Türen Einlass, nachdem eine Karte oder ein kleiner Anhänger vor ein Lesegerät gehalten wurde. Wenn Sie das Haus verlassen, heißt es bald nicht mehr, Schlüssel, Brieftasche und Handy mitzunehmen – Ihr Smartphone genügt! „NFC wird auch in Deutschland durchstarten“, ist sich Produktmanager Steffen Grosch sicher. Für 2014 erwarten die Marktforscher von Juniper Research, dass weltweit etwa 34 Milliarden Euro mit Einkäufen über NFC-Systeme umgesetzt werden. Laut IMS Research soll der Markt für NFC-Handys von erwarteten 100 Millionen Geräten in diesem Jahr auf circa 700 Millionen im Jahr 2016 wachsen.

... hat das einen Grund!

Wasser aufkochen, Fertigsuppe einrühren, Essen fertig. Das geht schnell. Selbst eine Minestrone zu kochen dauert länger. Schmeckt aber auch besser, weil sie nach dem eigenen Geschmack zubereitet ist. So ähnlich ist das auch bei Updates des Android-Betriebssystems auf Xperia Smartphones. Sony passt das Betriebssystem extra an seine Geräte an – und das dauert halt ein wenig länger. Wie am Beispiel von Android 4 (Ice Cream Sandwich). Schritt für Schritt zum fertigen Update:

Android kommt als „Standardware“. Deshalb muss Sony das Betriebssystem an seine Smartphones anpassen.

Hinter dieser Idee verbergen sich ungeahnte Möglichkeiten via Near Field Communication. Die neue Technologie wird die Kommunikation zwischen einem Sony Smartphone und anderen NFC-fähigen Geräten revolutionieren. So lassen sich Internetadressen, Kontaktdaten, Musiktitel, Videos oder Fotos einfach nur durch Berührung in kürzester Zeit übertragen, etwa vom Handy auf den Fernseher. Erste NFC-fähige TV-Geräte von Sony wurden bereits vorgestellt.

sk - 05.09.2012 12:15

Wenn es etwas

Oktober 2011. Begeisterung in der Android-Fangemeinde – 4.0 „Ice Cream Sandwich“ wird vorgestellt.

Doch der NFC-Funktechnologie gehört die Zukunft. Davon ist Key Pousttchi, Leiter der Forschungsgruppe wi-mobile der Uni Augsburg, überzeugt: „Der NFC-Chip spannt eine Brücke zwischen der digitalen und der realen Welt“, sagt Pousttchi. „Er kann unseren Umgang mit dem Mobiltelefon vollständig verändern.“

und den Betrag der Rechnung. Die „PayPalQR Shopping-App“ ist die einzige und erste in Deutschland, die derzeit mobiles Shoppen ermöglicht. Der Kunde muss mit seinem Smartphone nur einen QR-Code abfotografieren. Die App übernimmt die Zahlung und meldet den Verkauf auch dem Warenwirtschaftssystem des Händlers. So können Geschäfte ihre Produkte auch nach Ladenschluss an den Mann bringen, wie die Schweizer Supermarktkette Coop zeigt: In Zürich steht der erste virtuelle Supermarkt. Auf bunten Plakatwänden ist von Cremejoghurt bis Rotwein alles abgebildet, was Kunden gerne einkaufen. Sie müssen einfach nur per Smartphone den entsprechenden QR-Code scannen und bezahlen: Der Einkauf wird wenig später an die Haustür geliefert.

CommOn August 2012

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Updates

Visionen werden Wirklichkeit

Darüber hinaus funktioniert NFC auch in Kombination mit Bluetooth oder WLAN, das umständliche Koppeln der Geräte entfällt. Einfach Handy an den Kopfhörer halten – Verbindung hergestellt.

Sony Mobile/CommOn 0212/2012_02 - Bogen S.36-37

Jedes Sony Smartphone soll auch so aussehen wie Sony. Home-Bildschirm, Tasten, Programme bekommen ein einheitliches Design. Dazu kommen viele Sony-eigene Anwendungen. Facebook ist bei Sony tief im Betriebssystem verankert, und das muss jedes Mal erneut wieder eingebaut werden.

Die Anpassungen stehen. Ständige Tests stellen sicher, ob wirklich alles läuft. Gut Ding will eben Weile haben!

Bild: istockphoto/Dean Mitchell

Bild links: imagetrust/Jan Zapper; Bild Mitte: Bildagenturonline/TIPS-imagetrust; Bild rechts: fotolia/Jürgen Fälchle

Alleskönner: Das Smartphone misst den Puls, zählt die Schritte, ersetzt den Trainer, gibt Musik auf die Ohren und bezahlt die Apfelschorle danach.

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Mai bis Juli 2012. Fertig! Ice Cream Sandwich ist bereit für Sony - Xperia arc und arc S - Xperia neo und neo V - Xperia mini und mini pro - Xperia pro - Xperia active - Xperia ray - Live mit Walkman - Xperia S - Xperia P

Die Netzbetreiber testen die Software im Labor und Livenetz auf Herz und Nieren und geben ihre Freigaben.

Google überprüft die angepasste Version: Entspricht sie noch den AndroidVorgaben? Das heißt: Sind zum Beispiel Google-Dienste wie Maps noch drin?

CommOn – Sony, D, Award of Excellence, Layout


2 Kundenzeitschriften B2B 59

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2 Kundenzeitschriften B2B 60

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2 Kundenzeitschriften B2B 61

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DEKRA SOLUTIONS

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gUTAchTeN vON grOSSSchädeN

Im Dienst der Wehr Sie ist immer zur Stelle, wenn es brennt. doch im dezember vergangenen Jahres geriet eine Feuerwehr aus bayern selbst in eine brenzlige Situation, als ein Löschfahrzeug während des einsatzes zu Schaden kam. hilfe leisteten die Sachverständigen der deKrA Automobil.

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as Fahrerhaus ist eingedrückt, die Frontscheibe zerstört, die Seitenwand des Aufbaus aufgerissen, der gesamte Aufbau stark verwunden: Das Iveco-Löschfahrzeug des Typs LF 20/16 ist nicht mehr einsatzfähig. Bereits wenige Tage nach dem Zwischenfall im Dezember 2011 steht das Fahrzeug in der Reparaturhalle der Iveco Magirus Brandschutztechnik GmbH in Ulm. „Umfangreiche Schäden setzt der Hersteller in aller Regel selbst in Stand“, erklärt Dipl.-Ing. Gerhard Lares, der sich sehr schnell ein erstes Bild macht und die erforderlichen Reparaturmaßnahmen mit dem Fahrzeughersteller abstimmt. Der Sachverständige, der seit über 40 Jahren bei DEKRA Schadengutachter ist und derzeit ein DEKRA Partnerbüro führt, wird die Reparatur des Fahrzeugs in den kommenden Monaten begleiten. Seine Aufgabe ist es zunächst, die Größenordnung des Schadens und des Fahrzeugwertes festzustellen. Diese Voreinschätzung basiert auf langjähriger Erfahrung und dient dem Auftraggeber und dessen Versicherung als erster Anhaltspunkt. Gerhard Lares untermauert sie mit möglichst vielen Fakten: „Augenscheinlich nicht prüfbare Bauteile sowie feuerwehrtechnische 1

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Einrichtungen, die Löschpumpe und verschiedene Elektronikbauteile unterziehe ich einer genauen Diagnose. Eine exakte Vermessung des Fahrzeugrahmens ist ebenfalls nötig: Sie gibt Aufschluss darüber, ob sich der Rahmen aufgrund der seitlichen Krafteinwirkung beim Unfall verwunden hat.“ Mitte Januar ist der Bericht des Sachverständigen, der auf automobile Großschäden spezialisiert ist, fertig. Darin hat Lares allerdings keine guten Nachrichten für den Auftraggeber: „Der Zerstörungsgrad des Aufbaus ist so erheblich, dass eine wirtschaftliche Wiederherstellung mit Ersatzteilen nicht mehr möglich ist. Ich habe deshalb empfohlen, das Fahrzeug im Rahmen der Reparatur mit einem neuen Aufbau aus der Serienproduktion auszustatten“, resümiert er. Nun ist der Auftraggeber an der Reihe: Er muss die Freigabe zur Reparatur erteilen. Die Fakten liegen auf der Hand, DEKRA Experte Lares hat die erforderlichen Maßnahmen aufgelistet, sodass es schließlich grünes Licht für die umfangreiche Reparatur des erst zwei Jahre alten Fahrzeugs in den darauf folgenden Monaten gibt. ❯

bei der ersten Inaugenscheinnahme des beschädigten Löschfahrzeugs vom Typ LF 20/16 stellt deKrA experte gerhard Lares unter anderem den reifenzustand fest und misst die Profiltiefen.

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Der neue Aufbau schiebt sich passgenau über die Wassertanks auf dem zwischenzeitlich reparierten Fahrgestell.

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DEKRA Gutachter Gerhard Lares hält die Schäden im Fahrerhaus fest und dokumentiert diese mit Fotos.

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Mit kritischem Auge untersucht der DEKRA Experte die Schäden am Aufbau des verunfallten Fahrzeugs.

„Durch die regelmäßige Zusammenarbeit kennt DEKRA unsere Fahrzeuge im Detail.“ Joachim Seitz, Leiter Reparaturwerkstatt, Magirus Brandschutztechnik GmbH.

❯ Parallel zum Neuaufbau arbeitet die Reparatur-Mannschaft der Iveco Brandschutztechnik in Ulm mit Hochdruck an der Instandsetzung des havarierten Fahrgestells. Auch hier ist die Sachverständigenorganisation ein verlässlicher Partner an ihrer Seite. Während des kompletten Prozesses bleibt DEKRA Experte Lares in ständigem Kontakt mit dem Hersteller: „Unser oberstes Ziel ist eine fachgerechte und vollständige Ausführung der Reparaturen.“ Die Beurteilung, ob und welche Maßnahmen der Instandsetzung notwendig sind oder nicht, obliegt dem Sachverständigen. Lares: „Meine Aufgabe ist es, als neutraler Gutachter die richtigen Empfehlungen auszusprechen und somit die Akzeptanz und das Vertrauen aller Beteiligten zu erreichen.“ Dies wird der DEKRA Schadenexperte durch regel-

Noch FrageN ? gerhard Lares Partner gutachten DeKra automobil gmbh Telefon +49.73 47.91 91 11 Telefax +49.73 47.92 03 17 e-Mail gerhard.lares@dekra.com

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Nach der Demontage der deformierten

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Fahrerhausbeplankung beraten DEKRA und Iveco den weiteren Reparaturverlauf.

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Bevor der Kunde das reparierte Fahrzeug zurückerhält, führt der DEKRA Sachverständige eine Endabnahme durch.

mäßige Besuche bei der Reparaturmannschaft vor Ort gewährleisten, bei denen er den Fortgang der Arbeiten schriftlich und fotografisch dokumentiert: „Auch während der laufenden Reparaturen müssen sukzessiv neue Entscheidungen getroffen und Fakten neu beurteilt werden.“ So sieht das auch Joachim Seitz, der froh ist, jemanden wie Gerhard Lares an seiner Seite zu wissen. Der Leiter der Reparaturwerkstatt der Iveco Magirus Brandschutztechnik GmbH in Ulm arbeitet seit vielen Jahren mit DEKRA zusammen: „Die Kooperation ist partnerschaftlich und vorbildlich. Auch die regelmäßige Zusammenarbeit mit Herrn Lares ist für uns durch seine langjährige Erfahrung sehr wichtig. Er kennt unsere Fahrzeuge im Detail.“ Die Fertigstellung und Übergabe des Fahrzeugs an den Kunden erfolgt nach Beendigung der Instandsetzung im Werk Ulm. Das Ergebnis der abschließenden Besichtigung, der Einsicht in die Werkstattunterlagen sowie der Ermittlung der Ersatzteilpreise lässt Gerhard Lares in sein abschließendes Gutachten mit Angaben der tatsächlichen Reparaturkosten und des Fahrzeugwertes einfließen. Der engagierte DEKRA Experte schließt die Akten jedoch erst, wenn er weiß, dass das Löschfahrzeug in seiner Heimat wieder zu 100 Prozent für lebensrettende Einsätze bereitsteht. ❮ Stefan Loeffler

Das finnische Unternehmen RUUKKI liefert entscheidende Bauteile für den Windpark Nordsee Ost. Die Füße und Plattformen der Windkrafträder müssen mindestens 20 Jahre halten. Damit dem so ist, prüft DEKRA

SIcherheITSprüfUNg vON SchweISSNähTeN

Industrial Oy die Schweißnähte der riesigen Stahlkonstruktionen.

Meer-teilige Verbindung 5

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arbeiter bei RUUKKI übernehmen dürfen, denn die Stahlfüße werden künftig in etwa 25 Meter Tiefe auf dem Grund der Nordsee stehen. Sie bilden die Grundpfeiler der Jacket-Fundamente, die dafür sorgen, dass die Windkrafträder des Betreibers RWE Innogy im Windpark Nordsee Ost fest verankert bleiben – und zwar mindestens für die kommenden 20 Jahre. ❯ 23

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❯ Gleich nebenan lagern Übergangsstücke, so groß wie ein Einfamilienhaus. Diese Stahlkonstruktionen messen jeweils zwölf Meter im Quadrat, sind bis zu sechs Meter hoch und wiegen etwa 115 Tonnen. Sie bilden den Übergang vom JacketFundament zum Turm der Windenergieanlage. Auch sie wurden hier hergestellt und geschweißt. Bevor der Windpark umweltfreundliche Energie liefern wird, wartet noch viel Arbeit auf die Belegschaft von RUUKKI. Die Spezialisten schweißen 196 Pfeiler und 48 Transferplattformen im Auftrag des norwegischen Unternehmens KVAERNER. „Sie müssen sich mit einigen hundert unterschiedlichen Schweißnähten auskennen. Nichts überlassen wir dabei dem Zufall“, betont Mika Pottala, Bereichsleiter bei RUUKKI am Standort Kalajoki. Besonders wichtig sei dabei auch die Dokumentation. „Jede Schweißnaht hat eine eigene Nummer, um sie einwandfrei identifizieren zu können“, sagt Mika Kinnunen, Direktor des Geschäftsbereichs Offshore und Komponenten bei RUUKKI. So hat es auch das international zusammengesetzte Expertenteam von DEKRA Industrial Oy einfacher, bei der Kontrolle die einzelnen Schweißnähte zu bestimmen. Damit die Produkte halten, was der Hersteller verspricht, prüft DEKRA jede einzelne. „Wir haben es hier mit den verschiedensten Schweißnähten zu tun. Daher bedienen wir uns auch unterschiedlicher Prüfmethoden“, erklärt Matti Andersson, Geschäftsführer von DEKRA Industrial Oy. Dazu gehören Ultraschall- und Röntgentests. Zudem setzen die DEKRA Experten aus Frankreich, Schweden, Litauen und Finnland auf die MagnetpulverRissprüfung, eine Form der zerstörungsfreien Werkstoffprüfung. Sie tragen dazu auf einer magnetisierten Fläche rund um die Schweißnähte eine Flüssigkeit auf, in der sich auch ein feines Metallpulver befindet. Die Eisenpartikel sammeln sich in den feinsten Haarrissen und zeigen den Prüfern so oberflächennahe Fehlstellen an.

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mposant stehen die Pfähle in Reih und Glied in der hohen Halle. In vielen Ecken schimmert ein blaues Licht. Davor sitzen, trotz Hitze in Schutzkleidung sicher verpackt, Schweißer mit ihren Arbeitsgeräten. Sie fügen die Stahlkolosse, die eine Höhe von etwa fünf Metern und einen Durchmesser von 2,5 Meter besitzen, zusammen. Eine Aufgabe, die nur speziell ausgebildete Mit-

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Bis RUUKKI einen neuen Pfeiler oder eines der Übergangsstücke gebaut hat und die DEKRA Mitarbeiter diese prüfen können, vergehen normalerweise nur wenige Wochen. „Wir bekommen die vorgefertigten Elemente von unserem internen Produktionsverbund geliefert. Dieser ist darauf spezialisiert, Teile und Komponenten aus RUUKKI- und Spezial-Stahl für sehr schwere Bauteile herzustellen“, erklärt Pottala. Bevor die Schweißer in Kalajoki ihre Linien ziehen, heizen sie die Stahlelemente auf etwa 80 Grad Celsius vor. Das dauert mit sämtlichen Vorarbeiten gut einen Tag. Anschließend müssen die Nähte 48 Stunden lang abkühlen, erst dann beginnen die DEKRA Experten ihre Tests. Für die wichtige Prüfung der Schweißnähte benötigte das Unternehmen RUUKKI, das fast 12.000 Mitarbeiter beschäftigt, eine anerkannte Expertenorganisation. „Für uns kam letztendlich nur DEKRA infrage. Einerseits besitzt die global agierende Prüforganisation die Vorteile und das umfassende Know-how eines Konzerns. Andererseits ist sie mit regionalen und lokalen Standorten sehr nah am Kunden und damit auch bei uns“, sagt

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DEKRA Projektleiter Petri Remes (l.) analysiert mit RUUKKI-Fachmann Pekka Siermala, ob der Schweißturm genau justiert ist.

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Zwei Hochseeschlepper bringen auf einem Ponton die fertigen Fundamente für den Offshore-Windpark Nordsee Ost vom norwegischen Produzenten KVAERNER nach Bremerhaven.

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„Wir suchten einen global agierenden Partner, der uns individuell betreuen kann. Da kam nur DEKRA infrage!“ Mika Kinnunen, Direktor Geschäftsbereich Offshore und Komponenten, RUUKKI.

DEKRA Projektleiter Remes schaut sich jede einzelne Schweißnaht sehr genau an. Etwa 115 Tonnen wiegen die einfamilienhausgroßen und bis sechs Meter hohen Übergangsstücke vom Jacket-Fundament zum Turm der Windkraftanlage.

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Kinnunen. „Das war für uns einer der entscheidenden Punkte.“ Sobald die Komponenten des Jacket-Fundaments fertig sind, gehen die schweren Stahlkonstruktionen auf die Reise. Der Landweg ist nur wenige hundert Meter lang, dann sind sie im Hafen Kalajokis angekommen. „So können wir ohne lange Wege den Hafen der Stadt nutzen“, freut sich Kinnunen. Von hier gehen die Bauteile per Schiff nach Norwegen, wo KVAERNER die einzelnen Komponenten zusammensetzt. Bei der Endabnahme der einzelnen Stahlkonstruktionen sind dann immer Spezialisten von RWE Innogy, KVAERNER, RUUKKI und DEKRA dabei. Nichts entgeht den aufmerksamen Blicken der Expertenrunde. Doch die Verantwortlichen bei RUUKKI sehen diesen Prüfungen gelassen entgegen. „Schweißen ist seit über 40 Jahren unser Geschäft. Darin sind unsere Mitarbeiter einfach spitze. Daher liegt unsere Fehlerquote auch deutlich unter einem Prozent“, betont Pottala. Die Prüfungen von DEKRA belegen das. Und so werden mit Sicherheit bald die ersten Stahlfüße in der Nordsee versenkt. ❮ Ralf Johanning

Bei der Magnetpulver-Rissprüfung weist das

Noch FrageN ? Werner Bollmann Leiter Service Unit Material Testing & Inspection Telefon +49.1 60.90 90 81 16

Gerät auf feinste Haarrisse in und entlang der Schweißnaht hin, indem es die Pulver-

e-Mail werner.bollmann@dekra.com

häufungen anzeigt.

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Design in Acrylics 2 0 1 1 N r. 1 1

Das PLEXIGLAS® Magazin

03 Entspannt – Aus einem Pool im 27. Stockwerk aufs Meer schauen.

04 Bestaunt – Moderne Aquarien und Gehege bieten ein Erlebnis Auge in Auge.

14 Bewegt – Beim Autosalon in Genf rollen Fahrzeuge über leuchtenden Boden.

16 Erholt – Von einem Hotel im Farbton des Atlantiks die Sicht auf diesen genießen.

22 Verändert – Berlin erstrahlt beim Festival of Lights in einem anderen Licht.

Stufenweise

Wenn der Etagenwechsel zum Erlebnis wird: Beleuchtete Treppenstufen verwandeln ein Alltagsobjekt zum Hingucker

Design in Acrylics – Evonik, D, Award of Excellence, Front Page


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Mitten durch die Lebenswelt von Flusspferden und Krokodilen: Wie durch das biblische geteilte Rote Meer gehen die Besucher im Kölner Zoo durch das Hippodom.

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Riesengroß: Sechs mal sechs Meter misst die Scheibe, die Einblicke in das Großaquarium des Wattforums Tönning bietet.

Auge in Auge

Das Licht spiegelt sich in dem großen Becken voll Wasser, unter der Oberfläche sind verschwommene Schatten zu sehen – die Zeiten, in denen die prächtigen Tiere in großen Aquarien eher zu erahnen als zu sehen waren, sind lange vorbei. Dank spektakulärer Konstruktionen stehen Besucher inzwischen vielerorts Auge in Auge exotischen Tieren gegenüber. So wie im Hippodom des Kölner Zoos, einer weiträumigen und begehbaren Nachbildung einer afrikanischen Flusslandschaft. Dort gehen die Besucher wie durch das biblische geteilte Rote Meer staunend mitten durch das Haus. Auf der einen Seite Flusspferde, auf der anderen Nilkrokodile – von den Menschen getrennt durch gerade einmal zwölf Zentimeter PLEXIGLAS®, das sich für diese Zwecke besonders durch seine hohe Bauteilstabilität und Bruchsicherheit auszeichnet. „Diese Konstruktion ermöglicht einen spektakulären Einblick, den man nicht einmal in der Natur hat“, sagt Theo Pagel, Direktor des Kölner Zoos.

Zum Anfassen: Staunend beobachten die Kinder den Taucher im Großaquarium im Wattforum.

Ins Wasser springen und den Ausblick genießen: Aus dem Pool im 27. Stock blicken Schwimmer über den Strand und Teile der Stadt Gold Coast in Australien.

Glas nicht möglich, da es dann zu instabil wird, mit PLEXIGLAS® geht das problemlos.“

Extreme Belastung durch Wasserdruck

Auch wenn nicht wie in Köln Flusspferde ihr Gewicht gegen die Aquarienscheiben drücken, sind sie einer permanenten Belastung durch den Wasserdruck ausgesetzt – das Grundproblem in der Wasserarchitektur. Im Multimar Wattforum in Tönning an der deutschen Nordsee gilt dies in besonderem Maße: sechs mal sechs Meter misst die Scheibe des Großaquariums, gegen die 250.000 Liter Wasser pressen. Es ist die Hauptattraktion im zentralen Infozentrum für den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Hier können Besucher heimische Lebensräume vom Bachlauf über den Nationalpark mit der Gezeitenzone bis zur Tiefsee erleben. „Das ist eines der anspruchsvollsten Projekte, die derzeit von der Größe her überhaupt möglich sind“, sagt Wolfgang Stuber von Evonik Industries. Der größtmögliche monolithische Block, den er seinen Kunden momentan anbieten kann, misst acht mal drei Meter in 180 mm Stärke. „Wegen der Statik war das Projekt eine große Herausforderung, mit einer Glasscheibe hätte die Konstruktion nicht funktioniert“, sagt Bernward Bielawski, Geschäftsführer der Firma Biacryl, die die Scheibe für das Großaquarium hergestellt hat. Evonik Industries laminierte zunächst je drei Blöcke à drei mal sechs Meter in 100 mm Stärke. Mehrere Blöcke des 320 mm starken Resultats wurden dann von Biacryl miteinander verbunden. „Dass die Blöcke verklebbar sind, ohne dass eine Nahtstelle zu sehen ist, das ist eine der Stärken von PLEXIGLAS® im Aquarienbau“, sagt Bielawski. „Außerdem wirkt Glas, besonders wenn es dicker ist, leicht grün.“

Belastungsprobe: Tonnenschwer reiben sich die Flusspferde aneinander und an der Scheibe.

Durch das PLEXIGLAS® haben die Besucher des Multimar Wattforums aus einem theaterähnlichen Raum einen ungetrübten Blick in das Becken. „Kinder fassen gerne an die große Aquarienscheibe, um den Fischen, die direkt vor ihren Augen vorbeischwimmen, ganz nahe zu sein“, erzählt Monika Hecker, Pressesprecherin der Nationalparkverwaltung. „Viele Erwachsene genießen die Ruhe im dunklen Raum und betrachten lange Zeit fasziniert das Aquarium.“ Bei Wal-Klängen und Tauchgeräuschen können sie sich dabei in die Tiefen der Nordsee träumen. In dem Großaquarium drehen derweil Störe, Nagelrochen und Katzenhaie ruhig ihre Runden, Steinbutte ruhen sich auf dem Boden aus. Hummer verstecken sich in Höhlen. Seelachse, Pollacks und Dorsche sammeln sich in kleinen Schwärmen im oberen Teil des Großaquariums in der Nähe des Lichts.

Spaziergang unter Wasser

Nicht nur von außen in das Becken blicken, sondern unter Wasser hindurchgehen – dieses Erlebnis bietet der Wuppertaler Zoo bei ganz besonderen Tieren. Aus einem Unterwassertunnel sind dort einige der schnellsten und wendigsten Schwimmer und Taucher der Weltmeere zu bestaunen: Pinguine. „Soweit wir wissen, haben wir das einzi-

Wie ein Quader aus Wasser

Architektur

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www.plexiglas.net

Architektur

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Ausblick und Einblick: Auch für die Pinguine sind die Besucher hinter der Scheibe äußerst interessant.

ge Pinguinbecken mit einem Tunnel auf der Welt“, sagt Andreas Haeser-Kalthoff, Biologe im Zoo Wuppertal. Der 16 Meter lange aus sechs PLEXIGLAS® Blöcken (à drei mal sechs Meter in 100 mm Dicke) gefertigte Tunnel wurde thermisch in die richtige Form gebracht und dann in zwei Stücken in den Rohbau des Neubaus gebracht. Die Spezialisten von Biacryl verklebten und montierten die beiden Teile in vier Wochen vor Ort. „So konnten wir die Blöcke, die jeweils gut fünf Tonnen wiegen, getrennt voneinander transportieren“, sagt Geschäftsführer Bielawski. Aus dem Tunnel blicken Besucher in eine durch Kunstfelsenformationen sehr naturnah gestaltete Anlage, in der sich 17 Königs- und 17 Eselspinguine tummeln. Während sich die größeren Königspinguine vorwiegend auf der 100 Quadratmeter großen Landfläche aufhalten, sind die Eselspinguine begeisterte Schwimmer in dem Becken mit 220 Kubikmetern Wasserinhalt. „Sie sind ständig im Wasser, sind sehr neugierig und schwimmen nah an die Scheibe“, erzählt Biologe Haeser-Kalthoff, „wenn die Besucher etwas hinhalten, reagieren die Pinguine sogar darauf.“ Die neue Generation der Wasserkonstruktionen bietet eben ein besonderes Erlebnis: Auge in Auge – hco auf beiden Seiten der Scheibe.

Spektakulärer Einblick: Schon fast beängstigend nah kommen die massigen Flusspferde den Besuchern – nur getrennt durch eine Scheibe, von der, wie auf diesem Foto, fast nichts zu sehen ist.

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Spaziergang unter Wasser: Pinguine schwimmen im Wuppertaler Zoo an dem Tunnel, der durch ihr Reich führt, vorbei.

Denn in ihrem natürlichen Lebensraum ist von den Dickhäutern oft nicht viel zu sehen: Einen Großteil des Tages verbringen die Flusspferde, die bis zu 4,5 Tonnen wiegen, im Wasser. Nur Augen, Ohren und Nasenlöcher sind dann über der Wasseroberfläche zu entdecken. Kein Problem für die Besucher des Kölner Zoos, die sie dank der 14,5 mal drei Meter großen gebogenen Scheibe auch im kühlen Nass beobachten können. Die bis zu 6,5 Tonnen schweren Scheiben, gefertigt aus vier thermisch geformten Blöcken aus PLEXIGLAS®, wurden wegen ihrer Größe von der Firma Heinz Fritz aus dem schwäbischen Herbrechtingen schon in den Rohbau des Hippodoms eingebaut. In Holz eingeschalt warteten sie dann, bis die afrikanische Landschaft fertig war. Allein das Flusspferdbecken fasst 580 Kubikmeter Wasser, das durch die hohe Transparenz des Werkstoffs so wirkt, als würde es plötzlich in der Luft enden. Auf der anderen Seite pressen Flusspferde ihre Nasen an die Scheibe. „Damit von der Konstruktion möglichst wenig zu sehen ist, sollte auf eine Halterung an der oberen Seite verzichtet werden“, sagt Heinz Fritz, Geschäftsführer der gleichnamigen Firma. „Das wäre mit

Durch ihre hohe Transparenz bieten Blöcke aus PLEXIGLAS® im Aquarien- und Gehegebau besondere Gestaltungsmöglichkeiten.

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Die australischen Designer von Aquatonic machen Pool-Träume wahr. Leuchtende Schwingungslinien ziehen die Blicke an der Haltestelle Hochzoll Mitte der Linie 6 in Augsburg an.

Kilometerlange Sandstrände, ein subtropisches Klima, Meer so weit das Auge blicken kann – für die Einwohner der zweitgrößten Stadt im australischen Bundesstaat Queensland, Gold Coast, gehört Wasser einfach zum Leben dazu. Weil aber auch Touristenscharen das australische Mekka für Bade-, Strand- und Surfurlauber zu einer der meistbesuchten Regionen des Landes machen, ist es etwas privater im eigenen Schwimmbad. Und davon gibt es eine Menge in Queensland: 17 Prozent der Haushalte haben einen eigenen Pool – und das schon seit Jahrzehnten. Viele der Schwimmbecken sind inzwischen renovierungsbedürftig, so wie der Pool auf einem Hochhaus in Gold Coast. Nach der Erneuerung des ganzen Penthouses wirkt er nun, als sei ein Wasserquader aus dem Meer herausgeschnitten und auf das Dach gestellt worden. Das Design zeigt eindrucksvoll, dass Schwimmbecken nicht nur eine Abkühlung bieten, sondern auch ein optischer Blickfang sein können. „Die größte Herausforderung bei diesem Projekt war, dass der Pool im 27. Stockwerk gebaut werden sollte“, erzählt Marco Giaroli, Geschäftsführer des Architektur- und Designbüros Aquatonic, das den Pool entworfen hat. Doch

Schritt für Schritt ist dieses Lichtkunstobjekt erlebbar. Die Stufen können in unterschiedlichen Farben beleuchtet werden und geben dem Eingangsbereich eine spektakuläre Optik.

Giaroli und sein Partner Ben Gepp sind Experten in Wasserarchitektur und arbeiten schon seit vielen Jahren bei Projekten mit PLEXIGLAS®.

Wenn die Fahrgäste auf eine Straßenbahn stadteinwärts warten, stehen sie vor warmen Spektralfarben (Pink, über Rot, Orange, bis Grün), stadtauswärts vor einem Verlauf kalter Farben (von Grün über Türkis und Blau bis Pink).

Mit dem Riesenkran ans Ziel

Ein 130 Tonnen schwerer Kran, der größte, der in der Region zur Verfügung stand, transportierte schließlich die drei bis zu 1,1 Tonnen schweren Panele zum Penthouse in die Höhe. Dort bilden die PLEXIGLAS® Blöcke in Ausmaßen von bis zu 7 Metern mal 1,4 Metern in 8,5 Zentimetern Stärke nun mit einer Betonwand ein 27 Quadratmeter großes Rechteck. Dieses schließt auf den ersten Blick nach oben nicht in einer sichtbaren Kante ab. So entsteht für den Betrachter der Eindruck eines Blocks aus Wasser – gerade in Kombination mit dem Meeresblick ist das Resultat spektakulär. „Für dieses Design ist PLEXIGLAS® das ideale Material, denn es ist viel klarer als Glas, das dazu neigt, grün zu erscheinen“, sagt Giaroli. Auch Schwimmer müssen nicht befürchten, dass sie im transparenten Pool als verzerrtes, unförmiges Objekt erscheinen: „Weil PLEXIGLAS® den gleichen Lichtbrechungsindex wie Wasser hat, wirken die Körper zwar nicht ganz am rechten Platz, aber sie werden nicht verzerrt und man sieht die richtige hco Farbe“, sagt Giaroli.

Stufe für Stufe Blau in Blau – im Dämmerlicht entfaltet die Poolkonstruktion ihren besonderen optischen Reiz.

Komposition aus leuchtenden Farben Ein Trambahnhalt wird mitten in der Stadt zum Kunstobjekt.

Das Schwimmbecken besteht an drei Seiten aus Blöcken aus PLEXIGLAS®. So kann sogar unter Wasser die Aussicht genossen werden.

www.aquatonic.com.au

Die Pfützen, die der Abendregen auf Straßen und Gehwegen zurückgelassen hat, reflektieren das Licht von Autos und Geschäften. Doch der Blick des Betrachters wandert weiter in die Mitte der Straße zu einem Wartehäuschen der Trambahn. Denn die Haltestelle Hochzoll Mitte der Linie 6 in Augsburg ist ungewöhnlich: Statt transparenter Scheiben schützen dort große farbig leuchtende Flächen Wartende vor Wind und Wetter. So hat die Haltestelle, die von der Nürnberger Künstlerin Rita Kriege gestaltet wurde, nichts von der Tristesse und Kälte, die solche Orte oft bestimmen. Die Rückwände der beiden Wartehäuschen, zwei Stahlkonstruktionen links und rechts der Schienen, bestehen aus jeweils vier Lightpanels Iso, modernen Flächenlichtern. Jedes Panel hat eine Breite von rund 1,50 Metern und eine Höhe von mehr als 2,10 Metern. Sie sind PLEXIGLAS® LED (ehemals PLEXIGLAS® EndLighten T), RGB-LEDs und Isolierglas zusammen. Die Panels auf der Seite der Haltestelle, von der die Bahn stadteinwärts fährt, sind in den warmen Spektralfarben Pink, über Rot, Orange, bis Grün gehalten. Ein Verlauf kalter Farben, von Grün über Türkis und Blau bis Pink, bestimmt das Bild auf der gegenüberliegenden Seite. Die Farbverläufe wurden auf das Glas aufgedruckt, Schwingungslinien ins PLEXIGLAS® eingraviert. „Es ist keine Straßenbahnhaltestelle, es ist ein Kunstobjekt, eine Installation, wie man sie sonst in einem Museum findet“, sagt Annette Windsheimer, Mitarbeiterin der Firma Designpanel GmbH. Das Unternehmen liefert Designlösungen für Innen- und Außenarchitektur und bringt dabei auch Licht und PLEXIGLAS® zusammen. So wie bei der Haltestelle Hochzoll Mitte.

Transparent, beleuchtet und einzigartig: PLEXIGLAS® bietet auch im Treppenhaus neue Designmöglichkeiten.

Dort prägen Verkehr und Geschäfte das Bild rund um den Straßenbahnstopp. Die Künstlerin Rita Kriege wollte dem Ort daher eine Dimension geben, die über die reine Funktionalität hinausgeht: „Es braucht eine positive Schwingung an diesem lauten Platz“, sagt sie. Ihr Werk verbindet deshalb Farb- und Lichteffekte, die der Haltestelle im Tagesverlauf ein wechselndes Aussehen geben. So sind etwa die Schwingungslinien bei Tageslicht nicht wirklich wahrnehmbar. Dann wirkt die Fläche in ihrer Farbigkeit, und die Sonne verändert deren Sättigung. Ist es trüb oder dunkel, lassen die LEDs die Linien in der Wahrnehmung der Betrachter nach vorne treten. Möglich wird dies durch die Beleuchtung von den Kanten her. PLEXIGLAS® LED bietet dabei einen gleichmäßigen Lichtaustritt über die gesamte Fläche, und die LEDs lassen verschiedene Lichtsequenzen zu. So sind wechselnde Programmierungen in Hinblick auf Farb- und Lichtintensität, Farbfolge und -schnelligkeit möglich. Geschaffen wurde das Werk mit dem Bau der Linie 6, ein Großprojekt der Stadtwerke Augsburg. „Mit der Straßenbahnlinie ist die Ortsmitte aufgewertet worden“, benennt Dorothee Schäfer von den Stadtwerken die städtebaulichen Auswirkungen. Der Impuls, den zentralen Stopp künstlerisch aufzuwerten, kam vom örtlichen Kunstbeirat und der Aktionsgemeinschaft „Hochzoller Kulturtage“. Technisch war das Projekt für die Stadtwerke ohne Probleme zu verwirklichen, und das Ergebnis zeigt, dass Kunst und Stadtgestaltung gut zuzet sammenpassen.

Die durchsichtige Treppe

Weiß ist nur eine von theoretisch 16 Millionen Darstellungen, die durch LED-Technik möglich sind.

www.designpanel.de

Wasserarchitektur

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Architektur

Architektur

Der erste Eindruck ist der entscheidende – auch wenn man ein Haus betritt. An diesem Domizil mutet alles ein wenig futuristisch an. Die Außenfassade in knalligem Orange. In der Eingangshalle dunkler Holzboden, weiße und orangefarbene Wände und Pop-Art-Bilder an der Wand. Leuchtende Farben spiegeln sich von einer transparenten Treppe bis auf die Wände. Was aussieht wie das Interieur eines modernen Clubs oder einer hippen Galerie, beherbergt eine Familie, Eltern mit zwei Kindern plus Katze, und wird als ganz normales Wohnhaus genutzt. Es steht über den Hügeln der türkischen Hauptstadt Ankara und gehört einer dort ansässigen deutschen Unternehmerfamilie. Naveen Mehling, Lichtdesigner aus Berlin, hat in diesem Haus die Lichttechnik geplant und umgesetzt. Und eine Treppe gebaut, die ihresgleichen sucht.

„Ich möchte eine beleuchtete Glastreppe“, war der Wunsch des Bauherrn für die Gestaltung des Treppenhauses. Wohl wissend, dass es eine Erstentwicklung werden würde, machte sich Mehling ans Werk. Schritt für Schritt wurde das anspruchsvolle Bauprojekt umgesetzt. Zuerst rechnete ein Statiker. Denn die Frage: „Wie macht man eine Echtglasstufe in den Maßen 1.350 mm mal 300 mm tragend?“ musste zuerst geklärt werden. Schließlich war es geplant, dass die Trittflächen nur an den Stirnseiten aufliegen sollten. Das Ergebnis: Für die einzelnen Stufen wurde ein 19 mm dickes teilvorgespanntes Weißglas benutzt. Dieses wird bis auf 630 Grad Celsius rot glühend erhitzt und dann langsam abgekühlt und erhält dadurch eine sehr hohe Oberflächenspannung und wird so nahezu unzertrümmerbar. Darüber wurde dann schließlich eine sechs mm starke Deckscheibe aus hochwertigem Weißglas laminiert, das bei näherer Betrachtung kristallklar ist und nicht grünstichig wirkt wie normales handelsübliches Glas. Mit einem Laserverfahren wurden nun Tausende Mikromulden in die Oberfläche eingebracht, die wie Saugnäpfe funktionieren. Damit erreicht das Glas die Rutschsicherheitsklasse R9. Um die Treppe zu beleuchten, entschied Mehling sich für LEDs. Die Wahl

des richtigen Leuchtmittels ist schnell gefallen, die Wahl des Materials war jedoch schwieriger. „Glas ist für eine gleichmäßige Beleuchtung ungeeignet“, berichtet Mehling. Vor allem an den zwei großen Podestflächen, die 1,35 Meter mal 1,50 Meter messen und genauso wie die Treppenstufen aufgebaut sind. „Ich habe mich für PLEXIGLAS® LED (ehemals PLEXIGLAS® EndLighten T) entschieden, weil man die Homogenität in der Beleuchtung nur damit erreicht“, sagt Mehling. Dieses Material ist speziell für mit LED kantenbeleuchtete Objekte geeignet. „Früher haben wir versucht, bei solchen Projekten nur Glas einzusetzen. Doch das Licht würde dabei nicht in die Fläche durchgeleitet, und an der Glaskante wären Lichtpunkte zu sehen“, beschreibt Mehling das Problem. Der ungehinderte Lichtfluss ist ein großer Vorteil. So wurde die komplette Glasstufe mit PLEXIGLAS® LED untergelegt.

Licht an!

Um die Treppenstufen leuchten zu lassen, wurden 4.840 LEDs um die Stufen herum verteilt. In den tragenden Stützbalken sind die Kabel dafür versteckt. „Die Herausforderung bei einem Lichtkonzept ist es, die Technik zu verstecken“, so Mehling. Die LED-Platinen sind maßgeschneidert angefertigt worden. „RGB-LEDs können die gesamte Bandbreite des Farbspektrums – das sind 16 Millionen Farben – mittels DMXLichtsteuerung hervorbringen“, erläutert er. Mit dieser Steuerung kann die Lichtfarbe für jede Seite der Treppenstufe einzeln abgestimmt werden. Der Computer übernimmt dabei vorprogrammierte Lichtszenen, die die Hausbewohner über ein Touchpanel steuern können. Weitere neun Lichtszenen lassen sich beispielsweise über ein Smartphone auslösen. Nach sechs Monaten Planung, Entwicklung und Ausführung war für Mehling das Projekt abgeschlossen. „Die Besitzer sind absolut zufrieden“, berichtet er. Und widmet sich nun seinem neuen PLEXIGLAS® Projekt: einem mit LEDs beleuchteten und mit PLEXIGLAS® LED ausgestatteten Currywurststand in Berlin. „Das wird die modernste Currypao wurstbude Europas.“

www.compactpromotion.de

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Architektur

Architektur

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2 Kundenzeitschriften B2B 68 Evonik DiA/DiA_2011-11/DiA_2011_11 - Seite 20

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Designer Robert Foster benutzt PLEXIGLAS® nicht nur als Material für Kunstobjekte, sondern auch bei verschiedenen Produkten, wie bei diesen Lampen.

Wie ein Wald aus erleuchteten Formen wirkt die Installation „Ossalites“ von Designer Robert Foster, der hier inmitten der Objekte im australischen Canberra zu sehen ist.

Stoßzähne aus Licht Eine Leuchtinstallation des australischen Designers Robert Foster zeigt eindrucksvoll die lichtstreuenden Eigenschaften von PLEXIGLAS® Satinice.

Wie Stoßzähne bohren sie sich durch den polierten Betonboden. Die 37 Leuchtobjekte hat ihr australischer Designer Robert Foster deshalb auch „Ossalites“ getauft – von dem lateinischen „os“, Knochen. Neben dem Aussehen hat auch das englische Wort „oscillating“, sich hin- und herbewegen, zur Namensgebung beigetragen. Denn die einzelnen Teile der Installation „The Journey“ leuchten – mal blau, mal gelb, mal rot, mal grün. Jede Stunde ändert sich die Farbe, oder gesteuert durch Bewegungsmelder, sobald ein Betrachter zwischen ihnen hindurchgeht. „Ich wollte den Eindruck erwecken, dass der Besucher durch einen Wald hoher, erleuchteter Formen schreitet und ihm gleichzeitig das Gefühl vermitteln, sich zwischen uralten Geistern der Vergangenheit und einem Hauch bizarrer Geschöpfe der Zukunft zu bewegen“, so Foster, Chefdesigner und Gründer von F!nk & Co., einer Designerschmiede aus dem australischen Canberra. Er hat die 300 Quadratmeter große Installation, die dauerhaft im Erdgeschoss des Wasser-, Gas- und Stromversorgers ActewAGL die Betrachter in ihren Bann zieht, in Zusammenarbeit mit Frost* Design (Sydney) und Coolon Lighting (Melbourne) entworfen. Von der Straße im australischen Canberra aus geben bodentiefe Fenster den Blick frei – bei Tag und bei Nacht. Darüber hinaus ist die Installation während der Öffnungszeiten des Restaurants im gleichen Gebäude zugänglich.

Ideale Lichtstreuung

Geschwungene Linien beherrschen die Objekte des Designers.

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Lichtkunst

Jede der 37 Skulpturen besteht aus thermisch verformten, sechs Millimeter dickem PLEXIGLAS® Satinice WH10, geliefert von Evonik-Handelspartner Plastral Pty Ltd (Sydney). „Dieses Mate-

rial ist sehr haltbar und unempfindlich gegen Kratzer, was uns wichtig war, um Vandalismus und Abnutzung vorzubeugen und so für die Langlebigkeit der Skulptur zu sorgen“, erklärt Foster. „Bei unseren Nachforschungen zu geeigneten Materialien entschieden wir uns schließlich für PLEXIGLAS® Satinice. Mit seiner hervorragenden Eigenschaft, Licht zu streuen, ist es einfach das beste Produkt für unsere Zwecke.“ So wird das Licht gleichmäßig über die gesamte Fläche verteilt. Diesen Effekt verstärken die kegelförmigen Objekte, durch die alle Bereiche gleich stark beleuchtet werden. So ist das LED-System von Coolon Lighting nicht auszumachen – die Form selbst wird zur Lichtquelle.

Die LED-Technik ermöglicht verschiedene Farbprogrammierungen, die jeweils eigene Geschichten erzählen.

„Ich wollte den Eindruck erwecken, dass der Besucher durch einen Wald

Geschichten aus Licht

Robert Foster hat jede Skulptur so programmiert, dass dramatische und interaktive Sequenzen von Licht und Farbe entstehen. Diese Leuchtprogramme sollen nach dem Willen des Künstlers Geschichten erzählen. So stellen sie Wettererscheinungen wie Stürme oder Gewitter dar sowie urbane Szenen, beispielsweise Schatten von vorbeilaufenden Menschen oder einem Polizeiauto, das durch die Straßen jagt. Für die Herstellung der zwischen 80 Zentimeter und drei Meter hohen „Ossalites“ mit einem Durchmesser von bis zu 1,20 Metern benötigte Foster mit seinem Team zwölf Monate. Sie entwickelten zunächst 1:10-Modelle, die sie in einem Verhältnis zueinander auf einer Fläche anordneten, fotografierten und vermaßen, bevor die Originale in Handarbeit hergestellt wurden. Dafür nutzt Foster ein von ihm entwickeltes Verfahren, das es erlaubt, diese eleganten, geschwungenen Gebilde aus PLEXIGLAS® Satinice thermisch zu formen.

hoher, erleuchteter Formen schreitet.“

Mit edlen Formen kennt sich der gelernte Silberschmied aus – genauso wie mit PLEXIGLAS®. In den frühen 1980ern hat er den Werkstoff zum ersten Mal für einen Griff eines silbernen Kaffeebechers benutzt. Foster: „Da wurde mir das Potenzial dieses Materials bewusst.“ Seit dieser Zeit arbeitet er an Verfahren, PLEXIGLAS® zu formen – nicht nur für Kunstprojekte: Seine Firma F!nk & Co. hat derzeit 30 verschiedene Produkte aus den Bereichen Haushaltswaren, Schmuck und Leuchten im Angebot, die zum Teil ein Element aus PLEXIGLAS® enthalten. Und diese überzeugen mit ih-

rer Formgebung so sehr, dass sie beispielsweise im Museum of Modern Art (MoMa) in New York verkauft werden. Auch der Wald aus leuchtenden Stoßzähnen spricht durch das Design an und wurde dafür schon mit einem australischen Architektenpreis, dem „ACT Architecture Award for lighting“, ausgehco zeichnet.

www.finkdesign.com

Lichtkunst

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Design in Acrylics – Evonik, D, Award of Excellence, Layout, Photography


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Design in Acrylics 2 0 1 2 N r. 1 2

Das PLEXIGLAS® Magazin

04 Tauchen – Einblicke unter Wasser mit einer Mischung aus U-Boot und Yacht.

06 Feiern – Moderne Clubs und Bars leben von ihren Beleuchtungskonzepten.

10 Fahren – Ein Konzeptauto für die Zukunft des elektromobilen Carsharing.

16 Hören – Hightechlösungen für anspruchsvolle Musikliebhaber.

22 Spiegeln – Eine Kunstinstallation gibt die Umgebung zigfach wieder.

Nahaufnahme Ausfräsungen in Rondells als thematische Leitmotive einer Chemieausstellung

Design in Acrylics – Evonik, D, Award of Excellence, Front Page


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Hinein ins leuchtende Vergnügen: Schon der Eingangsbereich des Qubes Clb ist in das Lichtkonzept integriert (links). Zur Tanzpause ist die Bar dank der zahlreichen leuchtenden Elemente nicht zu verfehlen (Mitte). Wollen Gäste eine Auszeit vom Trubel nehmen, finden sie am Rande der Tanzfläche etwas Abgeschiedenheit (rechts). Auf dem Wasser liegend unterscheidet sich das Halb-U-Boot kaum von einem Katamaran. Umso überraschender ist der Blick unter Deck, das in sieben verschiedenen knalligen Farben zu haben ist.

Auf in den Tanz: Die Loungetische leuchten, die Party kann beginnen.

Licht statt Schnickschnack Moderne Clubs und Bars leben von ihren Beleuchtungskonzepten.

Abtauchen Die Unterwasserwelt erleben in einer Mischung aus Yacht und U-Boot.

Auge in Auge mit bunten Fischen, abtauchen in die faszinierende Welt der Korallenriffe, die Ruhe unter Wasser genießen – bislang waren diese Erlebnisse Tauchern vorbehalten. Bislang. Denn eine Mischung aus Yacht und U-Boot ist durch große Fenster aus PLEXIGLAS® eine Eintrittskarte in die Unterwasserwelt: das „EGO – Compact Semi Submarine“ des Unternehmens Raonhaje aus Südkorea. Die Idee zu EGO hatte Jisup Lee, CEO bei Raonhaje, während einer Reise nach Thailand. „Ich war dort schnorcheln, konnte das aber nicht richtig genießen, weil die Abläufe so kompliziert waren und ich mich unsicher gefühlt habe“, erzählt Lee. „Wir haben dann nach alternativen Methoden gesucht, um die beeindruckende Unterwasserwelt kennenzulernen. Schließlich sind auch U-Boote für Touristen viel zu teuer. Deshalb haben wir EGO entwickelt: Damit kann jeder die Unterwasserwelt einfach und sicher genießen.“

Wasserdruck standhalten

Große Fenster aus PLEXIGLAS® bieten besten Einblick in die Welt unter Wasser.

4

Technik

Das Resultat ist Yacht und U-Boot zugleich – ein „Semi Submarine“, wie es die Entwickler bei Raonhaje nennen. Denn EGO taucht nie völlig unter, die zwei Rümpfe bleiben stets über Wasser und halten das Boot direkt unter der Oberf läche. Wenn sich das Gefährt sanft auf den Wellen wiegt, sind zwei 3,8 Meter lange Rümpfe und eine 1,5 Meter breite Fläche zu sehen. Durch eine Luke gelangen Passagiere in die Unterwasserwelt. Über eine Leiter klettern sie in eine kleine, abgerundete Kabine, die drei große Fenster aus 20 Millimeter starkem PLEXIGLAS® GS hat. „So haben die Fahrgäste eine ausge-

Das Halb-U-Boot EGO taucht nicht nur ab, es sieht auch gut aus.

zeichnete Rundumsicht. Gerade bei so großen Fenstern ist es entscheidend, dass das Material sicher ist. Wir haben uns für PLEXIGLAS® entschieden, weil es stabiler ist als Glas“, sagt Lee. So halten die Fenster problemlos dem Wasserdruck stand. Weil PLEXIGLAS® zudem äußerst transparent ist und nicht vergilbt, haben die Passagiere beste Aussicht auf Tiere und Pf lanzen im Wasser und sind gleichzeitig vor ihnen geschützt – und umgekehrt. Denn Unterwasserwelten sind extrem sensible Ökosysteme, die an vielen Orten unter Tourismus leiden, etwa weil Taucher Stücke von Korallenriffen abbrechen. Auch die Abgase von Booten sind für diese Lebensräume ein Problem. „Um die Natur zu schützen, fährt EGO mit einem elektrischen Antrieb und damit ganz ohne Emissionen“,

sagt Lee. Bis zu vier Knoten ist das Gefährt schnell, die Batterie reicht für eine Fahrtzeit von vier bis acht Stunden.

Steuerung wie bei einem Auto

EGO wird in einer Standardvariante für Mietanbieter und in einer Luxusvariante für Privatpersonen hergestellt. Erste Exemplare sind schon in China und den Vereinigten Arabischen Emiraten unterwegs. In Ferienresorts in der Nähe von Korallenriffen kann es beispielsweise als Alternative zu Glasbodenbooten eingesetzt werden, die nur Einblicke von oben erlauben. Im Gegensatz dazu ermöglicht EGO einen Rundumblick. Mitfahren können jeweils zwei Erwachsene oder eine Familie – das zulässige Höchstgewicht der Passagiere ist bei dem Zweisitzer auf 300 Kilo-

gramm begrenzt. EGO ist dabei auch für maritime Laien geeignet, denn es wird ähnlich wie ein Auto mit einem Lenkrad gesteuert und mit einem Gaspedal beschleunigt. Abseits von organisierten Ausf lugsfahrten lässt sich so das Meer erkunden – auch von Nichtschwimmern. Wird die Unterwasserwelt dann doch irgendwann langweilig, können sich die Passagiere auch an Deck sonnen, das es je nach Geschmack in sieben verschiedenen knalligen Farhco ben gibt.

Im Qubes Clb tanzen nicht nur die Gäste. Sondern auch das Licht. Tische, Wände und Stufen wechseln die Farben: von Gelb über Pink nach Blau. „Alles macht mit. Mir war wichtig, dass viele Einrichtungselemente in meinem Club leuchten. Das hat eine ganz andere Wirkung, als wenn einzelne Lampen strahlen“, sagt Tobias Ruppert, der Betreiber des Karlsruher Clubs. Mit dieser Ansicht ist er nicht allein: Ausgefeilte Lichtkonzepte liegen bei der Bar- und Clubgestaltung im Trend. Licht und schlichtes Design – das seien derzeit die Mittel der Wahl bei der Gestaltung von Bars und Clubs, bestätigt die Innenarchitektin Susanne Brückner, die schon mehrere Clubs umgestaltet hat, darunter die Münchener Nobeldiskothek P1 und einen Club in Zürich. „In Zürich haben wir den aktuellen Trend konsequent umgesetzt: Die Inneneinrichtung ist komplett weiß gehalten, ohne Schnickschnack. Ein Knopfdruck und der Club kann durch Licht in Szene gesetzt werden“, so die Innenarchitektin. „Denn Licht macht den Unterschied.“ Das hat mehrere Gründe. „Zum einen hat Licht eine stimulierende Funktion“, erklärt Brückner. Studien hätten gezeigt, dass bei roter Beleuchtung mehr getrunken wird als bei blauer. Warmes, also zum Beispiel rotes Licht, vermittle den Gästen ein Gefühl von Geborgenheit und fördere die Kommunikation. Mit wechselndem Licht ändert sich also die Atmosphäre. Zum anderen braucht ein aufwendiges und durchdachtes Lichtkonzept nur eine reduzierte Inneneinrichtung als Grundlage.

Tische als Leuchtobjekte

Doch nicht auf jeder Oberfläche entfaltet Licht die gewünschte Wirkung, wenn es darauf fällt. Zum Beispiel schlucken dunkles Holz und schwere Stoffe viel Licht. PLEXIGLAS® hingegen eignet sich bestens für Leuchtobjekte. Tobias Ruppert hat daher in seinem Qubes Clb auf PLEXIGLAS® Satinice gesetzt, das er mit insgesamt 340 Metern LEDs hinterleuchtet. Das Material wirkt dabei durch

seine matte Oberfläche edel und hochwertig und ist gleichzeitig lichtdurchlässig. Es dient als Einrahmung der Tanzfläche oder wird als Streifen oberhalb der Theke sichtbar. Die vielen einzelnen Leuchtelemente werden zentral koordiniert. Eine Berührung auf dem Touchpad neben dem DJ-Pult würde genügen, um den gesamten Club wild blinken zu lassen. „Das wäre aber wohl zu viel des Guten“, sagt Ruppert. „Schließlich sollen sich die Gäste entspannen.“ Deshalb wird die Abfolge der Farben festgelegt, bevor die Party losgeht. Neben den optischen Qualitäten weist PLEXIGLAS® eine weitere Besonderheit auf: Der Werkstoff ist äußerst bruchfest. Das ist wichtig, wenn mal eine Bierf lasche zu Boden fällt und gegen eine Stufe aus PLEXIGLAS® Satinice prallt. „Bei Glas hätte immer die Gefahr des Splitterns bestanden. Das war mir zu heikel“, erklärt der Clubbesitzer. Schon seit sieben Jahren betreibt er den Karlsruher Club bereits, der im vergangenen Jahr komplett entkernt wurde. „Wir haben sogar den Putz heruntergeschlagen und Leitungen neu verlegt“, sagt der 33-Jährige. Bei der Eröffnung im März redeten, lachten und tanzten schließlich mehr als 400 Gäste bei wechselndem Licht.

Spot an: Bei Nacht wurde die Golden Casket Light Sphere zu einer Lichtinstallation.

Discokugel XXL Eine Installation aus 377 Spiegeln aus PLEXIGLAS® XT HQ beim Brisbane Festival in Australien.

Das Thema Licht kann bei der Innengestaltung von Clubs und Bars in vielerlei Hinsicht eine Rolle spielen. „Das Besondere am aktuellen Trend ist, dass ganze Flächen mit der Hilfe von LEDs zum Leuchten gebracht werden“, sagt Innenarchitektin Brückner. Mit einem Farbwechsel lassen sich so rasch neue Stimmungen erzeugen. „Außerdem ist das Licht gewissermaßen integriert und nicht aufgesetzt“, erklärt sie. Deshalb gibt es im Qubes Clb sieben Steh- und fünf Loungetische. Sie sind um die Tanzfläche herum gruppiert und echte Blickfänger. Die Quader machen nämlich das Farbenspiel des Clubs mit: Mal sind sie pink, dann wieder blau. PLEXIGLAS® Satinice ermöglicht dabei eine gleichmäßige, flächige Beleuchtung ohne Hotspots.

www.raonhaje.com

Technik

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6

Innenarchitektur

Innenarchitektur

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22

Kunst

Sie helfen uns zu sehen: Schon im alten Ägypten blickten Menschen in Spiegel, um ihr Äußeres zu begutachten. Heute betrachten wir uns nicht nur selbst, Spiegel erfüllen gerade im Straßenverkehr wichtige Funktionen. Beispielsweise als Rück- oder Seitenspiegel oder an unübersichtlichen Ecken, an denen sogenannte Konvexspiegel eine bessere Sicht ermöglichen, weil durch ihre Wölbung ein Weitwinkeleffekt entsteht. Das neuseeländische Unternehmen Bennett Mirror Technologies Ltd. stellt solche Spiegel her – beim Brisbane Festival im australischen Queensland wurden 377 ihrer Produkte zu einer Kunstinstallation. Das Werk ist eine außergewöhnliche Konstruktion: Ein Stahlgerüst gibt eine fünf Meter hohe Kugel vor, auf die runde Spiegel montiert sind. Wie eine Discokugel im XXL-Format stand diese „Golden Casket Light Sphere“ im September 2011 an der neuen River QuayFußgängerzone am südlichen Ufer des Brisbane River in einem Kultur- und Ausgehbezirk. Sie spiegelte alles um sich herum: Himmel, Wiese, Straße, Menschen, Sonne. „Die Golden Casket Light Sphere sollte am Tag die Skyline der Stadt widerspiegeln und bei Nacht die Lichter der Gebäude zurückwerfen“, sagt Graham Menzies von Iceworks

Design in Brisbane. Die Firma war im Auftrag des Brisbane Festivals für das Projektmanagement des Sphere-Projekts verantwortlich. Gestaltet wurde die „Golden Casket Light Sphere“ von Tony Assness, Creative Director des Brisbane Festivals, realisiert wurde sie von John Mansell (Industrial Design) und Jono Perry (Technical Director) von Iceworks Design.

Voraussetzung: gleiche Wölbung

„Um Tonys Design umzusetzen, haben wir nach einem neuen Weg gesucht, eine Spiegelkugel in diesem Maßstab zu schaffen“, sagt Menzies. „Gleichzeitig mussten wir beachten, dass das Projekt von der Größe her für eine temporäre Ausstellung machbar bleibt.“ Die Spiegel wurden daher auf 16 Elementen verschraubt, die dann direkt am Ausstellungsort zu der Kugel montiert wurden. „Sonst hätten wir die Installation gar nicht transportieren können, dafür wäre sie einfach zu groß und zu schwer gewesen. Das ist auch einer der Gründe, warum wir uns für Spiegel aus PLEXIGLAS® entschieden haben: Sie sind leicht, aber trotzdem bruchfest“, sagt der Projektleiter. Bei der fertigen „Golden Casket Light Sphere“ wirkt jeder einzelne Spiegel wie ein Vergrößerungsglas für die

Umgebung – ganz wie bei Funktionsspiegeln im Straßenverkehr. Bennet Mirror fertigte und lieferte die 377 Spiegel mit Durchmessern zwischen 300 und 760 Millimetern. Basis ist jeweils eine konvex geformte Platte aus PLEXIGLAS® XT HQ, die mit einem von Bennett Mirror ent wickelten Verfahren namens „DuraVisionTM“ verspiegelt wird. Eine Schutzschicht macht sie zudem widerstandsfähig gegen Wind und Wetter – schließlich sollte die Kugel drei Wochen den Naturelementen ausgesetzt sein. Damit die Spiegel auch optisch abgerundet sind, schließen die Flächen mit einem glänzenden Aluminiumprofil ab. „Die größte Schwierigkeit bei dem Projekt war, dass wir jeden Spiegel so herstellen mussten, dass er perfekt klar aussieht und der Sphere die gleiche Wölbung gibt“, sagt Gordon Caulfield von Bennett Mirror. „Dafür war PLEXIGLAS® ideal, weil es sich gut formen lässt, hohe optische Qualitäten aufweist, UV-stabil und widerstandsfähig gegen Wind und Wetter ist sowie eine glatte Oberfläche hat. All diese Faktoren sind wichtig, um Spiegel in einer hohen Qualität herzustellen.“

Bei Tag und bei Nacht

Das Ergebnis war spannend bei Tag und

Spiegelbild: Bei Tag gaben die einzelnen Teile der Installation die Umgebung in vielen Bildern wieder.

spektakulär bei Nacht: Die Sphere stand auf einer Fläche aus reflektierenden Steinen und 3.000 LEDs, deren Licht die Steine zurückwarfen. In der Nacht mischten sich so Umgebungs- und Kunstlicht und verwandelten die Sphere in eine spiegelnde Lichtinstallation. Vom 8. bis zum 29. September 2012 ist die „Golden Casket Light Sphere“ beim Brisbane Festival erneut hco zu sehen. www.benettmirror.com

Kunst

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Design in Acrylics – Evonik, D, Award of Excellence, Layout, Photography


2 Kundenzeitschriften B2B 71

drupa Report – Messe Düsseldorf GmbH, D, Award of Excellence, Print Finishing, Layout


2 Kundenzeitschriften B2B 72

drupa Report – Messe Düsseldorf GmbH, D, Award of Excellence, Print Finishing, Layout


2 Kundenzeitschriften B2B 73

drupa Report – Messe Düsseldorf GmbH, D, Award of Excellence, Print Finishing, Layout


2 Kundenzeitschriften B2B 74

drupa Report – Messe Düsseldorf GmbH, D, Award of Excellence, Print Finishing, Layout


2 Kundenzeitschriften B2B 75 ISSUE 01 • 2012

energıze GLNoble Group GL Denton

e n e r g y. e f f i c i e n c y. e n g i n e e r i n g .

www.gl-group.com

oil & gas

Rising Confidence market Unconventional Energy Rush software Minimise Risks, Reduce Costs integrity Best Practice Solutions analysis Beneficial Chemistry

energize oil & gas – GL Group, D, Award of Excellence, Print Finishing, Layout


2 Kundenzeitschriften B2B 76 cont e nt s 01/ 2012

p iro nb f irlieef

m a rk e t a s i a

Gl noble Denton in Brief GL Noble Denton is a technicAl ADvisOR AnD tRusteD PARtneR

expertise for asia.

for the oil and gas industry.

richard bailey,

asia ascending

The Oil & Gas business segment of the GL Group helps to design, build, install and operate onshore, maritime and offshore oil and gas assets to ensure sAfety, sustAinABility AnD

gl noble denton’s executive VP for Asia Pacific.

suPeRiOR vAlue.

while shale gas in the united states may soon cover much of the nation’s domestic energy need, Asia is emerging as a major energy supplier to the world. china is getting ready to rival the us as a fossil fuel superpower

GL Noble Denton is the MeRGeR Between GeRMAnischeR llOyD’s Oil & GAs Business AnD nOBle DentOn , a premier provider of life-

cycle marine and offshore engineering services. Since January 2010, they have been offering their services as GL Noble Denton. GL Noble Denton is a full-service provider with broad upstream and

Major shifts are taking place in the oil and gas

midstream competence fOR the cOMPlete Asset lifecycle.

industry; not least in Asia. National oil comdrivers, are now the key players in the market, as the re-

3,000 enGineeRs AnD eXPeRts in 80 cOuntRies.

gion strives to sustain its growing demand for energy. The future role of China is still open; but the ambitions of the

MODUs, FPSOs, pipelines, subsea systems, OSVs – and assurance, asset

earth’s most populous nation are staggering: China aspires

roles among

cording to discussion among the attendees at the round-

to take the global lead in exploration and production.

asian oil and

table event. While the NOCs might now own the major-

integrity, safety and risk, marine operations, project management and

Chris Webber, a Senior Editor of the Economist Intelli-

interest in selling a design, installation, fabrication or equipment. GL Noble Denton services oil and gas clients in onshore production,

12

20

24

34

38

46

14

eAGles Minimising the risk of excavatings

MAins effective replacement strategy wanted

cORROsiOn human factors and local conditions

Pe PiPes Avoiding the pitfalls of fusion welding

AnAlysis when the chemistry is right

AsiA china is getting ready as a major energy supplier

4

energıze

of NOCs restricts them,” said one attendee from a

oil companies now control about 80 per cent of the world’s

companies, technical suppliers and industry asso-

leading fabrication company, commenting on the

oil, so the private sector’s links with these organisations

ciations. The attendees offered strong opinions on

Asian market in particular. “They tend to be more

couldn’t be more important. Unfortunately, however, the

where the industry is heading.

rochemicals, distribution networks as well as mobile offshore drilling

relationship seems to be going in the wrong direction. Last year, 25 per cent of companies said they expected to see

Profit-Driven Innovation

and flow lines, offshore support vessels, tankers and shipping and off-

a more favourable approach to working with internation-

One consensus amongst the partici-

from project concept to decommissioning. The business segment has

MARket RePORt Oil and gas leaders are expecting growth

al governmental companies and NOCs.

ABstRAct

A GlOBAl ReAch in the Oil AnD GAs centRes of the world.

National oil companies currently control more than 80 per cent of the world’s oil China’s expansion course has raised fears of destabilisation in the Asian oil and gas industry

Gl Noble Denton www.gl-nobledenton.com

5

01/2012

ity of reserves, IOCs pioneer the technology needed to access them. “The political and non-commercial nature

units, mobile offshore production units, fixed platforms, subsea, risers shore pipelines. We oversee and support the full lifecycle of an asset

08

gas nations are shifting.

and gas professionals’ predictions for the future: “National

GL Noble Denton is A tRuly inDePenDent ADvisOR without any vested

onshore pipelines, storage, import terminals, LNG, refineries and pet-

shAle GAs hot topic of the us oil and gas industry

But the role of the IOCs is not dead yet, ac-

dragons.

gence Unit, summarises the results of a recent survey on oil

ty, integrity, reliability and performance management.

30

for the region’s fast-growing consumer economies.

We have strong expertise in complex oil and gas assets such as

software services to match. The scope of technical services includes safe-

test site Best practice solutions to mitigate operational risks

majors in the acquisition of steady supplies

panies (NOCs), once bystanders rather than

with operational experience of offshore, maritime and onshore oil and gas assets. The Oil & Gas business segment of GL employs MORe thAn

risk-averse and trail behind IOCs when it comes to developing new methods and technologies for production.”

China’s intent

pants: State-owned oil companies

This year, that figure has dropped to just

have played a leading role in de-

Perhaps the most startling estima-

15 per cent.”

veloping Asia’s growing profile in

tion to be given during the round-

At the Singapore International Ener-

the international energy market over

table discussions was that of China’s

gy Week in November 2011, GL Noble

the past decade. While they were

intent to develop an 85 per cent share in

Denton hosted an exclusive dinner and

once viewed as the international oil

round-table discussion for representa-

companies’ (IOCs) sleeping part-

tives of well-known international oil

ners, they now rival roaming oil

14

the global oil and gas construction market over the next decade. “This is a great example of how China’s move to energıze

01/2012

15

energıze

01/2012

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Photo: Dreamstime/Lavoview

GL Noble Denton combines excellent engineering and analytical skills

integrity

ma r k e t asia

Thirsty. major international oil companies

We Expect to Grow Together with China

believe their technology leadership will always be in demand in asia.

Three questions to mr wu Yi, general manager, gl noble denton China

eneRGiZe: Mr wu, you joined Gl noble Denton in 2008. how has the business developed since? wu: In April 2009 we registered our industrial division in

Shanghai as an independent company to ensure smooth proactive sales and, as a result, from 2009 to 2011 an an-

rapid expansion. China’s place in the Asian energy market

nual growth rate higher than 50 per cent was achieved

centres for oil and gas construction today because they are

remains difficult to predict, leading the round-table attend-

each year. Benefiting from China’s economic growth, we

able to deliver better capacity and quality than China. As

ees to offer conflicting opinions on how heavily its neigh-

also expanded our business beyond industrial inspection

ready to Serve China. gl noble denton’s Shanghai general

bours will be impacted by China’s growth.

into such areas as construction monitoring, transportation

manager wu Yi sees enormous business potential in China.

Support for Clients

and assessment, marine warranty onsite surveys, engineer-

rise of China in the Asian oil and gas indus-

Richard Bailey, GL Noble Denton’s Executive Vice Presi-

ing services, pipeline management software, etc. The team

try is likely to have a significant commercial im-

dent for Asia Pacific, said: “The discussions raised around

has expanded from 27 to over 60 staff members.

will – that balance is likely to change considerably.” Some attendees agreed that the impending

and installation, dynamic positioning, marine consultancy

eneRGiZe: which of the Gl Group’s offshore, maritime,

ket and we expect to grow together with China as the

and onshore services do you consider to be key business

country is building up its offshore capability. China plans

growth is less likely to impact upon its neigh-

are linked to the rapid expansion that we are experienc-

to have the total manufacturing capacity of Chinese ship-

segments and revenue drivers in china?

bours. “China’s approach to developing a greater presence

ing. The Asian oil and gas industry is clearly focused on its

in the oil and gas industry is naturally defensive. It has too

future challenges and opportunities that lie ahead, and GL

struction monitoring, in recent years we have focused our

volume by 2015, compared with the current percentage of

many oil and gas interests outside of Asia to become ag-

Noble Denton continues to support its clients in develop-

efforts on supporting China’s offshore sector. Our dynamic

around 30 per cent. CNOOC has announced investments

gressive in its approach to the local market,” said a director

ing the innovative solutions they need to meet the region’s

of an engineering and construction company with signifi-

evolving energy demands.”

rC

have to invest more heavily to secure their seat at Asia’s future energy table, but China’s growth is unlikely to push them out of the market altogether.” While the topics discussed during the round-table event clearly demonstrate the Asian oil and gas industry’s signifi-

gl grouP exPerT: Richard Bailey Executive Vice President Asia Pacific Phone: +603 2160 1088 e-Mail: Richard.Bailey@gl-group.com

energıze

wu: Besides our traditional offerings of inspection and con-

positioning and engineering services have started to yield profits for us and have increased our visibility among exist-

yards cover 80 per cent of the global offshore newbuilding

totalling 30 billion euros in offshore newbuilding and deep water exploration projects by 2015. Therefore, we are sure

ing and potential clients who are learning more about our

the Chinese market presents plenty of opportunities for us.

services and expertise. Our uniqueness lies in our current

The international service providers will have a bigger role

position as a full-service provider for the entire lifecycle of

to play as Asian countries, including China, will continue

oil and gas assets. New initiatives, including a competence

to see a robust growth in their energy markets and need

centre we plan to set up in Shanghai, will help us share our

to have up-to-date technology and standards to support

experience and expertise with clients in China.

their growth.

01/2012

Gl noble Denton offers a holistic asset integrity management capability that spans from the wellhead to transmission systems, production and processing facilities to substructures and the point of delivery on shore.

wu: In general, I am very positive about the Chinese mar-

the tables at this event have reconfirmed underlying concerns with the region’s oil and gas industry, all of which

cant operations in the region. “Singapore and Korea may

16

eneRGiZe: what are the prospects and opportunities for the chinese oil and gas market?

pact on other countries and might destabilise the region. Others felt that China’s intent on

Photos: Dreamstime/Contax66/Jumbi59

Oil companies fully or majority-owned by a national government.

and flexible business operations. We put more effort into

are also reflective of a market that meets obstacles during

soon as China sorts out its quality issues – which I’m sure it

nAtiOnAl Oil cOMPAnies.

cant growth potential – both in demand and supply – they

said an industry expert. “Korea and Singapore form Asia’s

Photo: Dreamstime/Lush

dominate the market could drastically change the Asian oil and gas industry in the short to medium term,”

Zl

17

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energize oil & gas – GL Group, D, Award of Excellence, Front Page, Layout, Photography


2 Kundenzeitschriften B2B 77 integrity testing

inte grity testi ng

Discussion among delegates at the conference also identified that miscommunication between management and its employees on production versus safety issues was most critical during oil and gas asset design.

Catastrophic events: breaking the Cycle

bang box. natural-gas-vented explosion.

demo. an attack on a steel pipeline conveying propane at two bar.

loss of life.

rC

gl grouP exPerT:

corporate memory,” he explained. “Most of us will never

ganisation’s leadership behaviours are key to ensuring that

complicated for everyone involved,” conference facilitator

Phone: +44 1509 282166

safety is taken seriously throughout its workforce.

Lee Allford summed up.

e-Mail: gary.tomlin@gl-group.com

experience a pool fire or vapour cloud explosion in our careers, so we don’t find it easy to prepare for the risk or folsAfety issues.

of Defence land in a remote location in North-

occurs. For example, competent operators may work with

number. No matter what the incident or who’s involved, you can always do something to improve safety,” he added.

Peter Bamforth, Safety Engineering Managployees often lack a personal frame of reference when it comes to catastrophic incidents. “The true root causes of incidents are generally people, and the difficulty with that is they can of-

Effective communication between the management and employees is most critical during oil and gas asset design.

ern England is one of the oil and gas industry’s

poorly designed facilities for years before an incident oc-

most valuable facilities. GL Noble Denton’s Spadeadam

curs and, by that time, those responsible for the design may

test site is designed to carry out large-scale hazard tests on

have moved on. That’s why it is so important that everyone

validate models and design codes, and obtain accurate test measurements by simulating real-world environments.

of a company’s senior management in instilling a culture of safety leadership. “We need to ensure that employees

put some perspective on the conference’s crucial discus-

means that a large amount of information is made avail-

incidents caused by our operations?

sions and debates.

able following an incident with the specific aim of avoiding stop accidents from happening again?”

repetition,” he said. “So, why don’t we use it effectively to

for an inaugural conference on major

The conference also provided delegates with a unique

accident hazards in November 2011.

opportunity to witness the destructive force of the ma-

Catastrophic amnesia

The event, hosted by GL Noble Denton

jor hazards that they spend their professional lives work-

A study into the recurrence of oil and gas accidents pre-

Roosendans said the lack of information sharing could

high Pressure. fire caused by a valve spindle.

An Explosive Impact

don’t look the other way when a potential hazard faces them because they’ve not been given the confidence to speak up or they feel that the senior management is difficult to get in front of on a day-to-day basis,” he said. “A zero per cent accident rate is achievable in every company.

In his presentation “hOw BAD eXPlO-

the point of transition between deflagration and detonation in

siOns cAn Get” , GL Noble Denton’s

a series of slow motion videos of experiments that he has con-

Principal Consultant for Safety and

ducted at GL Noble Denton Spadeadam over the past ten years.

Risk, Mike Johnson, shared the findmike Johnson. Principal Consultant for Safety and risk.

ings of his 30-year career researching

Of the tRAnsitiOn tO DetOnAtiOn can also be seen in the

aftermath of a vapour cloud explosion: “When we looked at the

across the company, from engineers to finance teams, has a

Professional audience. gathering for

in PORt huDsOn in 1970, Jaipur in 2009 and the 2005 Bunce-

consistent understanding of how important our safety cul-

dropped-object demo.

field explosion, which caused the largest fire in Europe since World War II, Mike put to delegates that the widespread destruc-

leading by example

“The outcome of the experiments often depended on the fuel we used,” said Mike, whose research has found that eviDence

the mechanics of vapour cloud explosions. citinG eXAMPles Of inciDents

ture is and the events that we are trying to avoid,” he said. How can we collectively break the cycle of catastrophic

Principal consultant safety and Risk

Chris Murray, Chief Executive of Xoserve and a member of the National Grid leadership team, emphasised the role

All accidents are avoidable and only zero is an acceptable

mitigate their recurrence.”

oil and gas assets of all types and sizes, helping operators to

Gary tomlin

the balance between production and safety become more

ten be far removed from the incident when it

The aim of the conference at the Spadeadam test site is to avoid major accidents by sharing of information

to break the overarching cycle that causes accidents and

financial pressures begin to apply in the later design stages,

er at the BG Group, agreed, adding that em-

The oil and gas industry has a stringent approach to health and safety

safety initiatives that the oil and gas sector would be able

equal weight at any stage of an asset’s design. As time and

Situated on 35 hectares of high-security Ministry

ABstRAct

is that of the continual missed opportunities for risk reduction in the early stages of design. We need to get out of the mindset that safety-related changes are possible in

forth said. Delegates at the conference agreed that an or-

A conference focused on major accident hazards took place at Gl noble Denton’s spadeadam test site, highlighting operational risks and offering best practice solutions for their management

try’s safety and risk leaders gathered

jor hazards. However, the safety and risk professionals attending the conference agreed that it would only be by continually sharing this best practice and discussing new

accident occurring, it begins to disappear from our

low the guidelines that have been published to

It is here that more than 50 of the oil and gas indus-

The conference identified the significant progress that operators are making towards mitigating the risk of ma-

“One cycle that the oil and gas industry needs to break

trees and lamp posts left behind in a number of incidents, we saw that they were either bent or levelled to the ground pointing towards the detonation source. This allowed us to pinpoint the exact location of detonation.”

tion caused by vapour cloud explosions is the result of a transition

So is the case for vapour cloud detonation proven and ac-

from “deflagration” combustion to “detonation” combustion

cepted by the industry? Not entirely, Mike said. “Some industry

The BG Group runs regular major hazards awareness cours-

within the explosion. A deflagration is characterised by relatively

professionals and AcADeMics still DOn’t Believe that the tran-

escape of a

es at GL Noble Denton’s Spadeadam test site in an effort

modest overpressures, while the characteristics of detonation are

sition between deflagration and detonation is possible in practi-

valve spindle

to educate its employees: “We started off by bringing

far more violent, often leading to widespread destruction.

cal conditions, and that alternative combustion mechanisms ex-

ignition of an

at 30 bar.

our senior management team to Spadeadam and show-

Mike explained that tRAnsitiOn OccuRs when flame speeds

Engineers and Managers (IGEM), set

tions were shown by GL Noble Denton Spadeadam’s team

will rarely or never experience a major accident hazard per-

ing them some large-scale demonstrations as part of the

are above the ambient speed of sound, generating shock waves

vapour cloud explosion without a transition from deflagration to

out to discuss one of the sector’s most

of engineers and scientists over the two-day event, each

revealed the importance of sharing knowledge: “The oil

sonally in their careers, making the risk of a hazard more of

awareness course. They were so affected by their visit that

sufficient to initiate detonation. He demonstrated to delegates

detonation occurring.”

relevant and fundamental questions:

attached to a realistic industry scenario to help delegates

and gas industry’s stringent approach to health and safety

a concept than a reality: “After 20 years of a major

they insisted that their direct reports also attend,” Bam-

in association with the Institution of Gas

ing to prevent. Nine large-scale experimental demonstra-

30

energıze

sented to the conference by Dirk Roosendans, Total Petrochemicals’ Manager for Health and Industrial Safety,

be explained by the fact that most oil and gas professionals

31

01/2012

i n t e g r i t y c o r ro s i o n p ro t e c t io n

32

energıze

ist. But, I can’t see how high flame speeds can be generated in a

33

01/2012

inte grity corrosi on protecti on

Corrosion management – the illusion of Control?

Review the overall success of the corrosion management

i

system If not fully effective, revise the system to improve performance Periodically undertake an external audit of the system and revise according to auditors’ recommendations damage. Corrosion is the natural enemy of metal.

Modern corrosion management schemes serve the purpose of preventing premature asset failures. why then does corrosion still occur and cause loss of availability?

In most cases the system is assessed applying key performance indicators (KPI) that monitor the most critical corrosion control measures. These include parameters such

Corrosion has been a problem ever since man

view of Corrosion Management for Offshore Oil and Gas

learned to refine and work metals. In recent

Processing”. This document, which proposed a formal ap-

management. All these systems share common approaches

probes operational, corrosion inhibi-

times, science has made great advances in

proach to corrosion management based upon risk assess-

since in most cases they are adaptations of safety manage-

tor concentrations and the number of

understanding the causes of corrosion and developed

ment, defines corrosion management as: “Corrosion man-

ment systems developed for process facilities. Construction

planned inspections performed.

many techniques for preventing or slowing its attack. But

lar philosophies have been devised for pipeline corrosion

agement is that part of the overall management system

and operation of a corrosion management system generally

the enormous risk potential inherent in complex modern

which is concerned with the development, implementation,

contains the following stages:

industrial assets requires proactive thinking to anticipate

review and maintenance of the corrosion policy.”

problems before they occur – and accounting for the human factor.

The Search for a Strategy

The document was completely revised in 2008 and pub-

as the number of corrosion monitoring

rust never Sleeps

ii

corrosion science and engineering

The management is clearly prepared to accept the risk of

to the identification of potential problem

ABstRAct

a future corrosion failure and its consequences in order to i. Corrosion awareness

areas and to target inspections in an intelli-

Corrosion management is the development, implementation, review and maintenance of corrosion policy

corrosion management programmes have

Any scheme for facilities must account for human

The result is a continual increase in inspec-

assure production now.

training is an important part

gent and defined manner… [Yet] coherent

of management schemes. ii. bolted connections are a

not been developed and implemented.

common problem area.

cover the frequency of inspection and whether inspections have been performed. Unfortunately, inspection

As the oil and gas industry now has reli-

Derive an organisation and assign responsibilities

able technologies for preventing corro-

dustry is struggling to break through. […]

sion and has devised sophisticated corrosion management

Whilst CRA and RBI are good in theory,

ern corrosion management practices in old facilities, which

ment scheme needs to include leading indica-

systems, it might be thought that corrosion problems can

inspection programmes can fail to deliver

are probably more prone to corrosion. This leads to criti-

tors such as the performance of active corro-

now be consigned to history. In fact the recent HSE KP3 re-

the required performance due to lack of

cism from the safety authorities. Corrosion management

sion control measures and corrosion monitoring

port on asset integrity states: “The introduction of corrosion

commitment by the company…”

Conduct a corrosion risk assessment (CRA) and plan control measures

along with an accompanying “Corrosion Threats Hand-

Implement the control measures and analyse corrosion

factors and local conditions

Corrosion management as a formal concept began to be

book”. Most oilfield operating companies have also pro-

data

formulated in the 1990s, but official guidance did not ap-

duced their own corrosion management guidance aligned

Determine if the corrosion control methods are effective

risk assessment (CRA) and risk-based inspection (RBI) has

pear until the 2001 issue of the UK HSE document “Re-

with the companies’ integrity management practices. Simi-

by monitoring and inspection

offered an opportunity for operators to apply sound

iii

iii. even severe

issues with Cm Schemes In spite of state-of-the-art corrosion management proto-

internal corro-

only after it has occurred. A corrosion manage-

programmes, usually produced by a central function, fre-

results to allow the onset of corrosion to be

quently fail to address the actual situation or condition of

detected and preventative actions taken. Any corrosion management scheme for hydrocarbon

facilities must account for human factors and local condi-

an issue. One reason is that only corrosion specialists see

The review process inherent to all conventional corrosion

rect but fail to be implemented because the staff cannot

management schemes can lead to false assumptions, es-

comprehend what is required, do not believe corrosion is

pecially where facilities do not have significant corrosion threats. The usual response to perceived shortcomings is

PROBleM. Adding more key performance indicators often leads to KPI fatigue: the operational staff concentrates on the ones that can be achieved.

tions. A management plan may be entirely technically cor-

corrosion as important, while both the management and irritation. Corrosion failures generally take some time to

important, or the plan involves a complete change in working practices. Equally it is counterproductive to produce a

to add more KPIs or other control measures. This often

plan requiring extensive inspections on a facility where in-

the operation of equipment. Most people don’t intuitively

leads to KPI fatigue where operational staff realise that

spection is difficult to perform, there is a shortage of in-

associate corrosion with a safety hazard. Thus, without

all of the KPIs cannot be met due to resource constraints,

spectors, or advanced inspection techniques are not locally available.

sustained corrosion awareness campaigns, corrosion man-

sion availabilities of > 90 per cent are often specified so, in

and concentrate on the ones that can be achieved. On

agement activities will be neglected.

theory, if the corrosion inhibitor pumps fail or the inhibi-

the next audit the auditor will declare that corrosion is

A good example is the importance of corrosion inhibitor availability. Inhibitor availability is the proportion of time

35

KPIs are a lagging indicator, detecting corrosion

sign decisions. It is extremely difficult to implement mod-

deceptive KPis

failures occur.

staff of hydrocarbon facilities normally regard it as a minor

01/2012

seen as an operational issue that did not impact upon de-

the facility and to obtain local asset commitment.

sion can remain undetected until

occur and until severe damage is present don’t interfere with

energıze

frequently designed for ease of inspection, older facilities

Produce policies and objectives

lished by the Energy Institute as “Guidance for Corrosion Management in Oil and Gas Production and Processing”

cols and associated software, corrosion continues to be

34

ing of KPIs for safety management; the same issues exist for corrosion management. Many corrosion management schemes concentrate on inspection. KPIs are devised to

lack these advantages as corrosion, if considered at all, was

tion and corrosion problems which the in-

The recent UK HSE document HSG254 recognised that there are issues with the correct specification and monitor-

Another issue is that while many modern process facilities have corrosion input at the design stage and are

tor tanks are emptied, production should cease until the

not being adequately controlled when in fact corrosion

inhibition system is restored. In practice, industry surveys

control is adequate. For this reason it is good practice to

that a corrosion inhibitor is actually being delivered into the

have shown that for oil producing facilities it is extremely

have regular KPI pruning to ensure they do not grow out

system to be protected. In systems highly prone to corro-

rare for production to cease when inhibitor is not available.

of control.

36

energıze

01/2012

Ti

gl grouP exPerT: tim illson senior corrosion consultant Phone: +44 1509 283289 e-Mail: tim.illson@gl-group.com

37

energize oil & gas – GL Group, D, Award of Excellence, Front Page, Layout, Photography


2 Kundenzeitschriften B2B 78 ISSUE 02 • 2012

energıze GLNoble Group GL Denton

e n e r g y. e f f i c i e n c y. e n g i n e e r i n g .

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oil & gas

Offshore Challenges norway Set for a Second Boom simulation Virtual Experience for Safer Structures due diligence Looking for Hidden Risks

energize oil & gas – GL Group, D, Award of Excellence, Front Page, Layout, Photography


2 Kundenzeitschriften B2B 79

offshore

Photo: Dreamstime/Elnur

The demand for engineering services, technical assurance and consulting in the offshore sector is rising. GL Noble Denton supports oil and gas companies with its high-performance spectrum.

6

energÄąze

02/2012

7

energize oil & gas â&#x20AC;&#x201C; GL Group, D, Award of Excellence, Front Page, Layout, Photography


2 Kundenzeitschriften B2B 80 o ff s h o re n o r w a y

offshore norway

Set for a Second Boom

The Norwegian Sea

“Challenging Projects” The Barents Sea

Boom. Norway’s offshore

8

energıze

Attracting Investments

new blocks have been

smaller companies.

Following decisive government intervention to settle the dis-

opened.

pute and avert a complete production shut-down, Norway is now back to business as usual. “The activity level on the con-

lier this year, one thing became clear: Although the British

tinental shelf is at an all-time high. The Norwegian offshore

government’s 2012 Budget announcement promised tax relief

gy has opened 86 new blocks in the Norwegian

– The Norwegian Petroleum Sector” paper, the Norwegian

market is the world’s largest. One of last year’s biggest oil dis-

and Barents Sea. This announcement forms the

government is cautiously optimistic, assuming that petro-

coveries in the world was made in the North Sea,” Ola Borten

basis for awarding new production licences before summer

leum production will remain relatively stable over the next

2013. Minister of Petroleum and Energy Ola Borten Moe

few years. While the production of oil and other liquids are

Moe said at this year’s Oslo Energy Forum. Norwegian pro-

to certain North Sea operations, the UK still has a long way to go if it is to compete with the progress being made in Norway. “In Norway, the great majority of exploration costs are

duction has not even peaked yet. “During the past 40 years,

funded by the government, giving operators the encour-

expects a record-breaking response. “The twenty-second

likely to see a gradual decline, gas is expected to safeguard

we have extracted around 40 per cent of the expected re-

agement they need to develop robust operations in the

licensing round is a new, important step in our efforts to fa-

Norway’s position as an international energy major. Norway

coverable resources,” the government says in “FACTS 2012”.

North Sea,” said a strategy director for a leading European

cilitate long-term activity in Norway’s most important indus-

is currently the world’s second largest gas exporter.

But it is not just what’s hidden beneath the surface

gas company. “The UK government would never get away

that makes Norway one of the big players. In the course of

with funding operators at this level because of EU regula-

Photo: Dreamstime/Nightman

hot topics discussed at this year’s Offshore Northern Seas (ONS) exhibition in Stavanger in late August. “Norway’s oil and gas industry is considered ready for a says Tore Lea, GL Noble Denton’s Managing Director Norway. He expects more exploration, more field develop-

GL Noble Denton in Norway

ment projects based on a series of new discoveries in

Photo: Berit Roald/Scanpix

Photo: Dreamstime/Gigi1807

Production.

in 2010, he built up two newly established

mature as well as in frontier areas, with increased

Norway‘s most

world’s largest.

the ONS in Stavanger?

of management positions.

investments (see interview next page). In its “FACTS 2012

gas sector is

shore market is the

ENERGIZE: What does it mean for

GL Noble Denton to be attending

about 20 years in a variety Before joining GL Noble Denton

The Norwegian Ministry of Petroleum and Ener-

The oil and

The Norwegian off-

Technology, Tore Lea joined Statoil, where he worked for

futures for immediately dropped by as much as 2.1 per cent on the ICE Futures Europe exchange after it had well passed

Arctic exploration, mature field development, lack of experienced personnel – there are many topics to be discussed at ONS 2012 in Stavanger. energize spoke with Tore Lea, GL Noble Denton’s Managing Director Norway, about the trends and prospects of the Norwegian oil and gas industry

Norwegian Institute of

Sea. 86

second boom, which will continue for the next 20 years,”

Norway’s infrastructure, supply and support industry, and fiscal incentives attract investors and operators

his master’s degree at the

the 100 US dollar mark, Bloomberg reports.

the Barents

try,” he says. The resulting opportunities will be among the

New discoveries, more exploration and increasing investments safeguard Norway’s position as international energy major

the oil price rose sharply this summer in response to the the government on 9 July, the price of August Brent crude

pects large in the Norwegian Sea and

ABSTRACT

Tore Lea. After completing

Norwegian oil workers’ strike. After the strike was ended by

market exdiscoveries

With its latest licensing round, Norway shows that it intends to maintain its benchmark position in the offshore oil and gas industry. At ONS 2012, industry players will discuss the opportunities

Just how big Norway’s influence is could be seen when

important industry. Ola Borten Moe, Minister of Petroleum and Energy

tion and monopoly laws. Norway’s position outside Europe means that it can offer all the incentives it likes without

ing many international investors and operators. Apart from

other countries objecting.” Other executives at the roundtable event concurred, suggesting that the incentives be-

ExxonMobil – all working in partnership with state-owned

ing offered by Norway could have an adverse effect on the

Statoil – Russia’s largest private oil company LUKOIL like-

UK oil and gas industry in other areas. A member of the oil

wise formed alliances with three major Norwegian oil com-

and gas division of a leading UK bank said: “Oil and gas

GL Noble Denton has been serving the shipping and oil industry in

panies recently to obtain licences for offshore projects.

professionals will move to those areas where the economic

Norway from locations in OSLO, STAVANGER AND BREVIK for many

They all profit from Norway’s state subsidy of oil and gas

conditions are most favourable.”

years. The Stavanger location offers GL Noble Denton a presence in

exploration introduced in 2005, which reimburses 78 per

For the time being, ”those areas” can only be Norway,

Norway’s oil capital and expertise on projects from the wellhead to

cent of the exploration costs. In addition, taxation on oil ac-

offering stability, predictability and continuity to the long-

engineering and operation of installed infrastructure. This includes

tivities has been lowered, attracting additional international

term and capital-intensive oil and gas industry.

dynamic positioning and marine operations consultancy, design

investment in Norway’s oil and gas sectors, as the Energy

and integrity assurance services for offshore assets, and asset per-

Information Administration notes.

formance and optimisation. The Brevik office is GL Noble Denton’s

Such fiscal incentives are what many long for on the

competence centre for general design and FPSOs. GL Noble Denton

other side of the North Sea. When 30 senior players in the

employs a staff of 50 in Norway and is set to grow.

10

energıze

AMO

GL GROUP EXPERT: Tore Lea Managing Director Norway

UK energy sector were brought together by GL Noble Den-

ENERGIZE: What important trends

are currently being discussed

increase. Incentive models for newcomers have increased the number of oil companies in Norway significantly. In addition, Norway has a mature oil and gas industry with an existing infrastructure as well as new installations. Oil companies are moving into technically more challenging projects in deeper water, in Arctic regions, and in mature reservoirs. All these activities boost diversification, specialisation and competence. The biggest challenge will be to recruit enough experienced personnel.

across the industry? LEA: Norway’s oil and gas industry is generally expected to see a second boom during the next 20 years, with more exploration, more field development projects, and increased investment activity. Important trends over the last couple of years included many large discoveries in the most mature regions of the North Sea, and further discoveries in the frontier areas of the Barents Sea. The opening of the zone once disputed between Russia and Norway for oil and gas exploration is also an important topic.

ENERGIZE: Norway has seen 40 suc-

cessful years of oil and gas exploration. Will the country be able to continue along the same lines? LEA: As oil and gas companies in Norway continue to explore and find more hydrocarbon deposits, activities and investments will grow, and demand for services will

ENERGIZE: How does GL Noble

Denton support customers operating on the Norwegian continental shelf? LEA: Our services in this region mainly focus on consulting work for oil and gas companies and design of floating structures. Our main projects in Norway are basic design and FEED studies related to FSOs and FPSOs in addition to studies and consultancy work. In Brevik, GL Noble Denton runs its global centre for floater design. We also have people performing marine consultancy, vessel assurance and dynamic positioning work. Generally we benefit from the GL Group’s wide offshore experience, which enables us to compete in the Norwegian market on projects that we would not be able to handle if we had to rely exclusively on our staff from Norway, but we also have a clear strategy to grow our local organisational footprint in Norway.

Phone: +47 5298 5509

ton for an exclusive round-table discussion in London ear9

02/2012

the past 40 years, the country got the necessary infrastructure and a supply and support industry in place, attractcompanies such as Eni, Total, Shell, ConocoPhillips and

TORE LEA: It gives GL Noble Denton a chance to market its services and capabilities amongst all the players in a growing oil and gas market, and it is acknowledged to be one of the most interesting events in the world. ONS provides an excellent opportunity to meet key industry representatives.

E-Mail: tore.lea@gl-group.com

11

02/2012

offshore si mul ati ons o ff s h o re s i m u l a t i o n s

material fatigue strength and collision resistance, an

The Power of Virtualisation

especially important aspect for the prevention of oil spills. Germanischer Lloyd, an early adopter of simulation techniques in this field, was the first classification society to issue a standard for evaluation and approval of innovative tanker design and construction methods employing simulation. Collision analysis is standard practice today for ships bearing the COLL class notation as well as offshore wind farms subject to specific collision-safety rules.

CFD. Computational

Simulation technology and more powerful computers

fluid dynamics is invaluable for

Photo: Nightman1965 | Dreamstime.com

It used to be trial and error and a good deal of guesswork. Today, powerful hardware and software enable engineers to simulate extreme scenarios to ensure the integrity of offshore structures

have spawned a wide range of applications and fields of

predicting loads

study that used to be out of reach, too costly or not suf-

on offshore

ficiently accurate in the past. Many modern operational

structures.

guidelines and accident response procedures depend on enhanced simulation techniques. In particular, computational fluid dynamics (CFD) simulations are extremely help-

Traditionally, the design and operation of ships

sign strength under a wide variety of conditions, including

ful in studying the consequences of specific types of acci-

and offshore structures were based on experi-

rare events and worst-case scenarios such as the highest

dents and identifying the best response strategies.

ence. This is still true to some extent, but we

wave to be expected in a particular region within 100 years.

increasingly rely on “virtual experience” gained from com-

Risk-based design has become a buzzword in the indus-

puter-based simulations. Thanks to advances in computer hardware and software technology, the scope and depth

try. In general, simulation experts will proceed along client

Following a collision, it is often necessary to tow a dam-

specifications or common industry practice.

aged structure to a repair site. Typically, the initial accident

Vibration. Structureborne noise analysis for a

load histories for fatigue

jack-up structure in tran-

strength analyses on

sit (below) avoids prob-

bilge keels (above).

lems during operation.

will impair the strength of the structure but may also affect residual freeboard and stability. All this needs to be

Collision analysis using non-linear finite element methods (top); and vibration analysis for a supply vessel (bottom).

extreme temperatures or flow speeds typically associated with explosions can all be accounted for.

accounted for when preparing for towage. CFD simula-

of these simulations expanded vastly over the past decade.

Since load assumptions are usually the most signifi-

tions of towed systems manoeuvring in waves provide an

Today, engineers can draw on a wide range of applications

cant uncertainty in structural assessment, the actual struc-

Understanding Fires

excellent method for understanding the navigational im-

Fire simulations involve additional complexities. So-called

for design as well as decision support. Simulations can be

tural analysis is often preceded by a series of case-specific

plications, and finite elements analysis simulations can be

zone models are employed to subdivide the areas under in-

used to minimise the environmental impact of ships and

simulations to determine load distributions. These include

applied to determine stress distributions in the damaged

vestigation into individual zones characterised

offshore structures, ensure high availability and confirm

long-term wave load distributions for fatigue analysis,

structure, giving due consideration to the actual condition

compliance with regulations. Furthermore, it allows bolder,

extreme wave scenarios, and impact loads associated with

innovative designs and procedures

ABSTRACT

to risks.

Studying Structural

Virtualisation-based studies are a highly complex expert skill

Integrity

Modern offshore engineering relies heavily on simulation

But that does not mean simulation

of the hull, including the degree of corrosion.

slamming and sloshing. For specific applications, in par-

without exposing people or assets

Advanced simulation technology offers a broad choice of scenarios for design analyses

Accidents such as the “Exxon Valdez” oil spill and the “Deepwater Horizon” disaster have changed the way the offshore industry assesses risk. Beyond the physical dam-

ticular ship springing and whipping as well as sloshing in

Predicting Oil Spills and Gas Dispersion

tanks with very flexible membranes, it is even possible to

CFD can be used to simulate the complex flow behaviours

account for the effect of the structural response on fluid

of interacting fluids which differ in density and viscosity,

dynamics.

age and loss of assets, companies may face liability claims,

Strength analysis is a mature discipline applied widely

by uniform conditions. This approach makes it easier to examine time-dependent scenarios. Additional CFD models can yield detailed information about fire growth, temperatures, heat fluxes and concentrations of chemicals.

Improving Availability

waves or sloshing come into play, air may be included in

Apart from disaster prevention and accident response, ensuring the availability of offshore structures is a key concern

components of ships, offshore structures and subsystems,

applications can be used to study gas dispersion, such as

for operators and other stakeholders, especially in view of

such as gearboxes, engines, cranes, risers, pipelines, etc.,

tighter rules and restrictions. Technical, environmental and occupational safety have moved centre stage.

energıze

gas leaks in closed spaces or the behaviour of smoke near

finite element analysis (FEA) is a common global strength

Simulation is a powerful tool to ensure structural resilience and safe operation. It enables engineers to check de-

02/2012

Photo: Salladart | Dreamstime.com

hand with an increase in complexity. As more factors come into play and the level of sophistication rises, the expertise

assessment method. Offshore platforms and floating pro-

In physics, any liquid or gas deforming continually under applied shear stress.

the simulation as well. The same techniques and software

in the design of offshore structures. For elastic analyses of

sible loss of business. Regulation bodies and classification societies have responded to major incidents by imposing

plications grows proportionately.

FLUID.

such as oil and water in the case of an oil spill. Where

criminal prosecution, damage to their reputation and pos-

has become a tool for everyone. On the contrary, the evolution of virtualisation goes hand in

required to produce meaningful results with simulation ap-

14

Towing Damaged Structures

Structural Strength. CFD simulations give

Engineering Toolbox.

the exorbitant cost of downtime this industry must cope

crew quarters or helidecks on a drilling platform. Factors

with. There are three categories of ensuring availability of

such as thermal processes, including buoyancy, and the

offshore structures: designing for availability, which

duction, storage and offloading vessels (FPSO) require additional, more sophisticated analyses to establish their

16

energıze

02/2012

17

15

energize oil & gas – GL Group, D, Award of Excellence, Front Page, Layout, Photography

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