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_001 Gruppenfoto zusammen mit ein paar Architekturstudentinnen vom OSSA Workshop in Breslau, Oktober 2013.


Die Frage in meinem letzten Seminar, bevor ich mit meiner Masterthesis angefangen habe, lautete: Was ist ein Architekt? So kurz vor Beginn meiner beruflichen Laufbahn stelle ich mir diese Frage immer öfter, auch wenn ich es nicht immer wahrhaben will. Denn diese Frage birgt auch eine gewisse Gefahr. Angesichts der Parametrik, der Demokratisierung von Design und des zunehmenden Einflusses von Investoren und somit der Wirtschaft auf die Architektur bewegt man sich auf dünnem Eis, wenn man die Rolle des Architekten hinterfragt. Ich habe an einigen Workshops im Ausland teilgenommen und bin dort jedes Mal im Rahmen einer Diskussion auf diese Frage gestoßen. Wird der Architekt zunehmend eine Art Hipster-Soziologe? Ein Wannabe-Psychologe? Jemand, der unermüdlich die Welt retten möchte, weil es schick erscheint? Jedes Mal, wenn ich mit meinem Mitbewohner, der Bauningenieurwesen studiert, über die Frage diskutiere, was unsere Professionen eigentlich unterscheidet, versuche ich ihm zu erläutern, dass es in der Architektur nicht reicht die Funktionen einfach nur zu erfüllen, die Bauteile zusammenzufügen. Zu Recht dürfte er dann denken, dass man im Grunde die Architekten nicht braucht und durch Bauingenieure ersetzen könnte. Gute Architektur ist das wohl Unsichtbarste, was ich kenne. Etwas, das sich jeglicher Empfindung entzieht, weil es sich durch das Nichtvorhandensein definiert. Es sind keine Hemmschwellen vorhanden, keine Umwege, keine zu niedrigen oder zu hohen Decken, nicht zu viele und nicht zu wenige Fenster, keine schlecht einsehbaren Eingänge, keine dunklen, kalten Ecken, keine Angsträume. Für einen Laien mag sich die Ergonomie eines Gebäudes selbstverständlich anfühlen, ahnt er doch nicht, wie lang der Weg zu solch einem Ergebnis sein kann. Die Pluralisierung der Lebensstile hält Einzug in die heutige Welt und mit ihr die Frage, wie man als Architekt und Stadtplaner eine Haltung zu ihr gewinnt. Die Städte in denen wir leben, sind vor mehreren hundert, teils tausend Jahren konzipiert worden für Muster des Denkens und Handelns, die schwer mit dem heutigen Lebensalltag vereinbar scheinen. Früher war es selbstverständlich, dass der ‘genius loci’ der höheren Gesellschaftsschicht vorbehalten ist. Heute wird versucht, den genius loci jedermann zugänglich zu machen. Architektur ist die gebaute Rechtfertigung für das Bedürfnis nach Nähe. Es gibt Orte, die durch ihre Gestaltung einen so bedeutungsvollen Rahmen schaffen, dass es keiner Rechtfertigung bedarf, warum wir uns dort aufhalten und verweilen. Die Architektur als Rahmen gibt dem Zusammentreffen mit Menschen einen Grund und entschärft sanft die private Ebene, was menschliche Begegnungen erleichtert. Den Ort, der mir dabei helfen wird, diese These meinerseits zu untersuchen, habe ich im Herbst 2013 in Breslau auf einem Architekturworkshop namens OSSA kennengelernt. Dank unseres Gruppentutors Daniel Kiss haben wir den Stadtteil Odertor und mit ihm einen bunten Ort voller Potenziale und Gefahren kennenlernen dürfen. Ich darf nun meine Herkunft und meinen zukünftigen Beruf bei meiner Masterarbeit Hand in Hand erleben. Für die Möglichkeit mein Herkunftsland durch die Brille eines Gestalters neu kennenzulernen bin ich zutiefst dankbar.

Beweggründe

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Inhaltsverzeichnis 1 Einleitung 1.1 Verortung 1.2 Breslaus historischer Kontext 1.3 daraus resultierender Einfluss auf Architektur 1.3.1 Gründerzeit – das preussische Erbe 1.3.2 die deutsche Moderne in Breslau vs... 1.3.3 die polnische Moderne in Breslau 1.3.4 Warum die Polen wohnen wie sie wohnen 2 Analyse 2.1 Leipzig und Breslau im Vergleich 2.2 Leipzig, Breslau und Odertor im Vergleich 2.3 Analyse Odertor - Kontextanalyse 2.4 Interviews vor Ort mit Akteuren 2.5 Analyse ausgewähltes Baufeld 3 Revitalisierung 3.1 Begriff der Revitalisierung in Polen 3.2 Masterplan Revitalisierung Odertor 3.2.1 Analyse Masterplan 3.2.2 Konzeption Masterplan 4 Typus 4.1 historische Entwicklung der Kinder- und Jugendhilfe 4.2 Formen und rechtliche Grundlagen der Jugendhilfe in Deutschland 4.3 Formen und rechtliche Grundlagen der Jugendhilfe in Polen 4.4 Heimerziehungsangebote in Polen 4.5 Einfluss sozialer Einrichtungen für Jugendliche auf den Stadtteil 4.6 Referenz: Kinder- und Jugenddorf Bethanien 4.7 Referenz: Jugendwohnheim Köln-Poll 4.8 Referenz: Kinderdorf Bottrop 4.9 Referenz: New Horizon Youth Center 4.10 Einfluss von Wohnbau auf die Entwicklung von Jugendlichen 5 Gastronomie 5.1 Landwirtschaft in Breslau 5.2 Referenzen für urbane Agrikultur 5.3 eine kleine Geschichte der polnischen Milchbar 5.4 Manifest: Menükarte 6 Entwurf 6.1 Konzept 6.2 Raumprogramm 6.3 Raumkonstellationen 7 Abschließende Betrachtung 8 Quellen 8.1 Abbildungsverzeichnis 8.2 Literaturverzeichnis

008 026 040 046 046 048 050 053 092 094 095 096 116 130 134 136 138 138 141 148 150 152 158 170 178 180 202 220 236 252 256 258 260 280 286 304 306 316 318 320 324 326 350

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Einleitung -


kapitel

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Wie kann ein soziales und pädagogisches Konzept einer resozialisierenden Einrichtung für Jugendliche sowohl städtebaulich als auch architektonisch zum Ausdruck gebracht werden? Untersuchung am Beispiel der Gestaltung betreuten Jugendwohnens vor dem Hintergrund eines Masterplans für den Stadtteil Odertor (Nadodrze) in Breslau (Wroclaw).

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In meiner Masterarbeit mit dem Titel ‘Ein Jugendhaus jenseits der Oder’ möchte ich mich zunächst nach einer Einführung in die Stadt und ihre Geschichte kritisch mit dem existierenden Masterplan für den Stadtteil Odertor (Nadodrze) in Breslau (Wroclaw) beschäftigen, der eine Wiederbelebung des existierenden Handwerkergewerbes in Form eines Künstlerund Handwerkerviertels vorsieht. Der Stadtteil ist von einer wegen des 2. Weltkriegs verursachten lückenhaften Blockrandbebauung, mangelnder bzw. fehlender Gestaltung der halböffentlichen und öffentlichen Bereiche besonders in den Innenhöfen und sozial prekären Verhältnissen geprägt. Die Oder stellt eine große Schwelle zwischen dem nördlich liegenden Stadtteil und der südlich liegenden Innenstadt dar. Es ist zu vermuten, dass der Masterplan die Gefahr einer unkontrollierten Gentrifizierung birgt und die Bedürfnisse der Jugendlichen mangelhaft berücksichtigt werden könnten. Im Anschluss an einer Untersuchung des Ortes werde ich auf Grundlage der Rechtslage, Nachfrage und der Untersuchung bestehender Referenzprojekte und Aussagen von Betroffenen diverse pädagogische und städtebauliche Konzepte entwickeln. Der Einfluss der Architektur und des Interieurs auf die Entwicklung der Jugendlichen sollen Fokus beim Entwerfen des Projekts sein. Dabei möchte ich die Wirkung von Raum, Farbe und Material im Hinblick auf die psychologische Wirkung untersuchen und darauf abgestimmt das Interieur inklusive Möbeldesign mitgestalten. Meine Ausgangshypothese ist, dass das Integrieren einer sozialen Einrichtung für betreutes Jugendwohnen in einen urbanen Kontext sowohl positive Effekte nach außen hin auf den städtebaullichen Kontext als auch nach innen hin auf die Entwicklung und Integration von Jugendlichen ausübt. Die Gestaltung kann durch spezifische Anordnung und Gestaltung der Räume die Nutzung und somit den Alltag, aber auch die Privatsphäre und Selbstständigkeit der Jugendlichen im Jugendhaus massiv beeinflussen. Sie ist im Stande, ein Gefühl des eigenen Zuhauses und somit einer eigenen Identität zu vermitteln.


resozialisieren Ju gend Städtebau gendhaus Maste Wiederbelebung chitektur Interie Pädagogik Raum Farbe Material S stständigkeit Au mie Zuhause Ge 11

_002 Ulica Lokietka in Odertor.


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Auch Steine können reden Konzentrisch ist der Bau. Und er ist Bewegung. Mit vielen Winkeln, Ecken, Kanten, Kurven, kleinen Plätzen, plastischen Motiven und mit seinen Wegen. Die Kreise sind nur angedeutet. Vollkommen geht es nicht zu im Leben. Fest steht nur der Ort, das Hier und Jetzt und seine Mitte. Nichts ist einfach geradeaus. Nichts ist abgeschlossen. Nichts ist mit sich selbst zufrieden. Überall ist Brechung, ist überraschendes Detail, kommt es anders als erwartet, ohne das Kraftfeld aufzuheben, das den Bau zusammenhält. Bei aller Ordnung und angedeuteter Idylle, bei aller Wohnlichkeit kein einfaches Behagen. Es bleiben Spannung und Erwartung. Alles ist lebendig und voller Kraft. So ist das Bauwerk Abbild eines Lebens, das sich stellt und da sein will.

aus ‘Bethanien - Bauwerk und gelebtes Wort’ von Siegfried Klostermann über das Kinderdorf Bethanien in Bergisch Gladbach von Gottfried Böhm

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_003 Wilhelm Sasnal, Kacper, 2009.


“Die Jugend will lieber angeregt als unterrichtet sein.� Dichtung und Wahrheit, Johann Wolfgang von Goethe

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“Der Logik fehlt es gar zu sehr an Ambivalenz. Deshalb eignet sie sich auch nicht sonderlich zur Konfliktlösung oder überhaupt zu irgendwas.” Maya, Jostein Gaarder

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_004 Huhn in einem Käfig in einer Spiegelbox.


Trotz Enge soll sie Weite spĂźren, sie soll sich selbst reflektieren und alles was sie umgibt reflektieren kĂśnnen. -

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Wenn der vorgeschriebene Weg aufhรถrt, soll sie selbst ihren Weg finden kรถnnen. -


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_005 Pawel Althamer, Sciezka, 2007.


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_006 Katharina Hinsberg, Lichtes MaĂ&#x; III, 2006.


Eine Schwelle, keine TĂźr. Eine Richtung, kein Weg. Eine Grenze, keine Mauer. -

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Aus der gegebenen Situation soll es das Beste machen. -


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_007 Vogelnest aus Zweigen und weggeworfenen KleiderbĂźgeln.


1.1 Verortung

_008 Lage Breslau (Wroclaw)

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_009 Lage Breslau (Wroclaw)


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_010 Schwarzplan Breslau mit Stadtgrenze historische Altstadt und Zentrum Odertor Viertel

5 km


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_011 Stadtgebiet Aachen historische Altstadt 1. Ring Bereich des 2. Rings

5 km


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_012 Lokietka-Straße mit der typischen Gründerzeitbebauung und der größten Dichte an Einzelhandel im Erdgeschoss.


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_013 Bahnhof Odertor (Nadodrze).

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_014 Platz vor dem Strzelecki-Park mit renovierter Fassade.


33 _015 Treppenhaus eines Grßnderzeitbaus, in diesem Falle des Gebäudes mit dem integrierten Hostel auf der ersten Etage.

_016 Kontrast zwischen bereits renovierter Fassade und einer Fassade, an der noch deutlich die Spuren des 2. Weltkriegs zu sehen sind.


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_017 Blick entlang der Drobnera-StraĂ&#x;e zur Rechten liegt ein an das Flussufer angrenzendes Hotel.


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_018 Streetart in Form von Wandbildern an offenen Kopfseiten ist in Odertor sehr beliebt.

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_019 Das Gewerbe im EG hat gestalterisch oft schwachen bis gar keine Bezug zur Struktur des Bestandes.


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_020 Wohnhochhäuser aus kommunistischer Zeit stehen dicht an dicht neben dem Bestand aus der Grßnderzeit - dazwischen kleine Kiosks.


_021 Die zahlreichen Lücken in der Blockrandbebauung werden häufig mit eingeschossigen Bauten aufgefüllt.

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_022 In Odertor entstehen bereits zahlreiche, neue Gebäude, die oft hochpreisiges Wohnen und Gewerbeflächen anbieten.


39 _023 Der Blick vom westlichen Ufer von Odertor zur Innenstadt.

_024 Das Rendering einer Baustelle in Odertor suggeriert eine international funktionierende Wohnbau Architektur.


1.2 Breslaus historischer Kontext

_025 ca. 900 das Volk der Polanen (zu deutsch: Feldbewohner) 1 vgl. Hilgemann, Kinder, 1991, S.167

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_026 ca. 1000 westslawischer, christlicher Einheitsstaat namens Polen

Im 10. Jahrhundert wird aus Polen ein christlicher Staat mit eigenem Bistum, dennoch bleiben die vereinzelten Teilfürstentümer erhalten. Bis dahin gehört Breslau zum Volk der Piasten.1


_027 ca. 1100 Bündelung polnischer Teilfürstentümer

1138 wird Breslau von den Herzögen der schlesischen Piasten regiert. Im Zuge dessen werden zahlreiche Kirchen und Klöster neu gegründet. Der Mongoleneinfall 1241 richtet auch in Breslau massive Schäden an. Als Folge werden Straße neu angelegt und die Stadt erhält Magdeburger Stadtrecht und entwickelt sich am Schnittpunkt der Bernsteinstraße und der Hohen Straße zu einer florierenden Handelsstadt.2

2 vgl. Online Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (2014): Breslau/ Wroclaw

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_028 ca. 1200 Herzogtum Niederschlesien


_029 ca. 1300 Großpolen 3 vgl. Online Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (2014): Breslau/ Wroclaw

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_030 ca. 1500 polnisch-litauisches Großreich

Im 14. und 15. Jahrhundert erreicht Breslau seinen wirtschaftlichen und kulturellen Hochpunkt in der Geschichte der Stadt. Durch die Lage an der Grenze zwischen dem böhmisch regierten Schlesien und Großpolen wird Breslau multiethnisch beeinflusst.3


_031 ca. 1600 polnisch-litauisches Großreich

Breslau ist Teil des polnisch-litauischen Großreichs, das in seiner Hochzeit von der Ostsee bis zum schwarzen Meer reicht. Die Stadt versucht im 17. Jahrhundert vergeblich freie Reichsstadt zu werden.4

4 vgl. Hilgemann, Kinder, 1991, S.201

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_032 ca. 1700 polnisch-litauisches Großreich


_033 ca. 1800 Preussen Polen ist zwischenzeitlich nicht existent 1807 entsteht das Großherzogtum Warschau 1830/31 wird ‘Kongresspolen’ zur russischen Provinz erklärt 5 vgl. Online Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (2014): Breslau/ Wroclaw

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_034 1918 - 1939 Deutsches Reich Republik Polen (eingestrichelt)

Ende des 18. Jahrhunderts wird Breslau Residenzstadt der preussischen Könige. 1807 bis 1810 werden die Stadtmauern geschleift und die Vorstädte eingegliedert - als Reaktion steigt die Bevölkerungszahl stark an. Die Gründerzeit hat massiven Einfluss auf die Stadtgestaltung.5


_035 1939 Expansion des großdeutschen Reichs Polen zwischenzeitlich nicht existent

Während des 2. Weltkriegs bleibt die Stadt nahezu unversehrt, jedoch nimmt die Zestörung gegen Ende des Kriegs durch deutsche und anschließend russische Besatzung ein Ausmaß von 70%, in manchen Teilen der Stadt sogar 90% an. Im Anschluss an die Gründung der Volksrepublik Polen werden Deutsche zwangsausgesiedelt und stattdessen Polen aus dem ganzen Land, vor allem aber aus dem verlorenen Gebiet um Lemberg in der heutigen Ukraine eingesiedelt.6

6 vgl. Online Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (2014): Breslau/ Wroclaw

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_036 1945 bis heute Volksrepublik Polen; seit 1990 Republik Polen


1.3 Einfluss auf die Architektur

neue Typologien möglich, da das Straßennetz nicht starr ist Wohnen und Arbeiten dicht an dicht

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repräsentative Räume zur Straße hin, wirtschaftliche Räume zum Hof hin

7 vgl. Wydawnictwo Politechniki Wroclawskiej, 1984, S. 12 8 vgl. Harasimowicz, 1997, S. 75

1.3.1 Gründerzeit - das preussische Erbe Die Entwicklung der Architektur ist untrennbar mit der Entwicklung der Städte verbunden, so auch in Breslau. Durch die Eingliederung und den Ausbau der Vorstädte und dem damit verbundenen Anstieg der Bevölkerung, aber auch durch einige Reformen wird die Stadt dem Wandel unterzogen. 1856 und 1864 gibt es eine Reform der Flächennutzung und der Entwicklung der Vorstädte, was zu einer lebhaften und frühindistriellen Entwicklung führte. Beim Ausbau der Vorstadt gibt es einen klaren Vorteil im Gegensatz zur Innenstadt: die Stadtplaner sind nicht an bereits vorhandene Parzellengrößen gebunden und das Straßennetz ist noch nicht starr, sodass die Entwicklung neuer Wohntypologien wesentlich einfacher ist. Diese Entwicklung ist angesichts der Arbeiterströme vom Land in die Stadt auch dringend nötig und zwingt Breslau zum Erstellen von zahlreichen Neubauten zum Wohnen. Besonders in Breslau ist trotz Industrialisierung ein Nebeneinander von Gewerbe in den Anbauten (oficyny) im Innenhof und Wohnen in der Blockrandbebauung zu bemerken, wodurch Wohnen und Arbeiten dicht an dicht funktioniert.7 Grundsätzlich herrscht bei der Gestaltung der klassizistische Stil vor, der deutlich an der Straßenfassade zu erkennen ist. Ganz klar im Kontrast dazu ist die Fassade zum Innenhof hin, somit die nichtrepräsentative Fassade, schlicht und ohne Gesimse, Giebelchen und ähnlichem Dekor. Bezüglich der Architektur aus preussischer Zeit in Breslau gibt es einige architektonische Merkmale, die den meisten Gebäuden dieser Art gemeinsam sind. Betrachtet man die Frontfassade, ist sie oft in fünf, sieben, neun oder auch elf Achsen eingeteilt und mit einem mittig angelegten Durchgang zum Innenhof angelegt, an den sich das repräsentative Treppenhaus seitlich angliedert. Eine Variation ist die seitliche Durchfahrt und ein zusätzlich zentral angelegtes Treppenhaus mit Hauseingang. Die Treppe ist entweder eine Holz- oder eine Eisenkonstruktion und wird in manchen Gebäuden von einem Oberlicht zusätzlich belichtet. Teilweise wird das Treppenhaus an der rückwärtigen Fassade durch ein rundes bzw. eckiges Risalit betont. Am häufigsten ist eine viergeschossige Konstruktion des Gebäudes vorzufinden, dessen Erdgeschoss und erstes Obergeschoss jeweils maximal zwei Wohnungen höheren Standards beinhaltet, wohingegen die oberen Geschosse zwei bis vier Wohnungen anbieten. Diese Wohnungen haben einen einheitlichen Standard mit meistens drei Räumen, einem Küchenbereich und als Abschluss im obersten Geschoss einer Dachgeschosswohnung, die oft als Arbeitsstätte genutzt wurde. Bad und WC fehlen in den Wohnungen - sie werden häufig auf dem Hausflur mit anderen Wohnungen geteilt. Die Aufteilung der Räumlichkeiten im Grundriss folgt dem Prinzip der repräsentativen Räume zur Straße hin und den wirtschaftlichen Räumen zum Innenhof hin. Charakteristisch für den Blockrand im Allgemeinen ist die starke Abhängigkeit der Ausrichtung der repräsentativen Fassade vom Straßenverlauf. In den Unterkellerungen befanden sich oft weitere Wohnungen bzw. Werkstätten. Bei einem Teil der Gebäude dieser Epoche ist ein Anbau im Hinterhof angeschlossen, der die Wohnungen für die Bediensteten beinhaltet. Die Erschließung dieser Anbauten folgt meist über ein seitliches, separates Treppenhaus. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kommen Balkone aus Metallgitter hinzu, die jedoch keinen nennenswerten Einfluss auf die Fassadengestaltung haben.8


47 _037 Gestaltungsprinzip der Miethäuser

_038_039 repräsentative Fassade zur Straße und schlichte Fassade zum Hof


1.3.2 deutsche Moderne in Breslau vs...

Markthalle 1908 heute: hala targowa von Richard Pluedemann 040_

48 Kaufhaus Rudolf Petersdorff 1930 heute: ‘kameleon’ von Erich Mendelsohn 041_

Wertheim Warenhaus 1944 heute: ‘renoma’ von Hermann Derburg 042_


Ledigenheim Nr. 31, poln. internat dla młodych par i osób samotnych heute: Hotel Parkowy von Hans Scharoun 043_

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Jahrhunderthalle 1913 heute: hala stulecia von Max Berg 044_


1.3.3 polnische Moderne in Breslau

Chemie-Auditorium 1971 polnisch: Audytorium Chemii von Krystyna und Marian Barski

045_

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Museum Panorama von Raclowice 1985 polnisch: Muzeum Panoramy Raclawickiej von Ewa und Marek Dziekonski 046_

Heiliggeistkirche 1972 polnisch: Kosciol p. Sw. Ducha von Wawrzyniak, Wojnarowicz, Zipser, Swieciecicki 047_


Studentenwohnheim 1991 polnisch: Domy studenckie von Krystyna und Marian Barski 048_

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Wohn- und Geschäftshäuser polnisch: zespol mieszkalno-uslugowy von Grabowska-Hawrylak, Kowalski, Wasilewski 049_

Maisonette-Mehrfamilienhaus 1960 polnisch: Mezonetowiec von Jadwiga Garbowska-Hawrylak 050_


Zerstรถrung Reset ng Wiederaufbau euanfang Armut Wohnungsmangel ung Umsiedlung ung Vertreibung edarf Besiedlung risch Stadtflucht n Kommunismus 52

_051 Luftbild von Breslau zwei Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs.


t u t l g g g t

1.3.4 Warum die Polen wohnen wie sie wohnen Die Ausgangslage in Breslau, wie auch der anderen Städte, die zum deutschen Teil gehörten und nach dem 2. Weltkrieg Polen zugehörig werden, ist dramatisch. Die Zerstörung nimmt teilweise 90% der Stadt ein. Durch die Umsiedlung von Polen aus dem Gebiet, das der Sowjetunion zugesprochen wurde, wird der Wohnungsmangel drastisch verschärft.9 Insgesamt zwei Millionen Wohnungen werden während des zweiten Weltkrieges zerstört - auf Grund mangelnder Mittel des Landes werden bei Weitem nicht ausreichend Wohnungen neu errichtet.10 Dennoch sind viele neue Städte entstanden, während die alten Städte unkontrolliert in der Periphärie erweitert werden. Im Zuge der Deindustrialisierung und der Erweiterung der Städte werden bestehende historische Stadtstrukturen, die teilweise über Jahrhunderte entstanden sind, deformiert.11 Gleichzeitig werden im Interesse der kommunistischen Propaganda die historischen Innenstädte detailgetreu nachgebaut. Bis heute genießen dank dieser politischen Entscheidung polnische Konservatoren international einen guten Ruf auf Grund der Erfahrungen, die sie dadurch gewonnen haben. Auf die Architekten Polens aus dieser Zeit hat die Phase des Wiederaufbaus einen enormen Einfluss auf ihr späteres Werk, wie im weiteren Verlauf erläutert werden soll. Das Restaurieren und Renovieren von historischer Substanz beschränkte sich jedoch auf die Vorzeigestädte wie unter Anderem Warschau, Krakau und Breslau – Schlesien bleibt bei diesen Investitionen trotz enormen Potentials außen vor. Sämtliche denkmalwürdige Gebäude und Projekte außerhalb der ‘kommunistischen Schaubühne’ werden vernachlässigt, da der zu erwartende finanzielle Profit die Investition nicht übersteigen würde.12

9 vgl. Basista, 2001, S. 14 10 vgl. Portal Wiedzy (2005): Mieszkac w PRL 11 vgl. Wydawnictwo Politechniki Wroclawskiej, 1984, S. 15 12 vgl. Basista, 2001, S. 158f

_052 Marktplatz von Breslau im aktuellen Zustand.

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Degradation durch beschränkte Rechte der Eigentümer

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geringe Geschossigkeit, geschlossene Straßenkante in den 50er Jahren

13 14 15 16 17 18

vgl. Basista, 2001, S. 14f vgl. Basista, 2001, S. 93 vgl. Basista, 2001, S. 27 vgl. Basista, 2001, S. 20 vgl. Basista, 2001, S. 12ff vgl. Basista, 2001, S. 20

Um dem Bedarf an Wohnungen die Stirn zu bieten, gibt es bereits 1944 Tendenzen, die Rechte des Hauptmieters auf dem Gebiet der Gemeinde zu schmälern und somit seinen Einfluss auf Vermietung, Verwaltung und Ähnliches zu beschränken. Diese Regelung soll ursprünglich nur rechtskräftig sein, bis die fatale Wohnmarktlage sich nach dem 2. Weltkrieg erholt haben würde, bleibt allerdings bis zum Ende des kommunistischen Regimes gültig.13 Bis dahin werden Besitzer von Gebäuden aus der Vorkriegszeit mit harten Sanktionen bestraft, falls sie auf eigene Faust handeln, sie können nicht frei mit den Immobilien disponieren und müssen sich der staatlichen Kontrolle unterwerfen. Als Folge sind technische Instandhaltungen und Renovierungen praktisch unmöglich, was den schlechten Zustand zahlreicher Gebäude aus der Gründerzeit - auch in Breslau - erklärt. Das Beschränken der Rechte der Eigentümer führt zu einer sukzessiven Degradation nicht nur der Bausubstanz, aber auch der Umgebung, da sie als Niemandes Grundstück wahrgenommen wird. Die Regierung investierte zu dieser Zeit die zweifache Menge in Neubauten im Vergleich zum Bestand. Erschwerend kommt die Tatsache hinzu, dass in den 50er und 60er Jahren eine Migrationswelle der Bewohner vom Land in die Stadt zu verzeichnen ist. Diese Menschen sind das Leben in der Stadt nicht gewohnt und sind teils im Umgang mit der Substanz respektlos, auch weil es keinerlei Sanktionen gegen ihr Handeln gibt.14 Die Architektur Polens nimmt in dieser Zeit besonders im Bereich des Wohnungsbaus angesichts der Wirtschaftspolitik des kommunistischen Regimes eine fatale Wende. Gab es in den 50er Jahren noch Gebäude, die mit geschlossener Straßenkante, Innenhöfen, maximaler 3-Geschossigkeit und Satteldächern glänzen, wird nun beim weiteren Planen von Wohnungsbauten allerhöchste Priorität auf die Effizienz und das kostengünstige Bauen gelegt.15 Lenin ist absolut gegen jeglich Ismen, Kubismus, Futurismus und jegliche andere avantgardistische Tendenzen, da sie ihm keine Freude bereiten.16 Die Verstaatlichung nimmt ihren Lauf. Vor dem Alltag der Architekten und Stadtplaner macht sie genauso wenig Halt wie vor allen anderen Bereichen des alltäglichen Lebens. Der städtebauliche Wildwuchs, der sich an manchen Orten bemerken lässt, hat einen gesetzlichen Hintergrund. Privaten Investoren, die aus eigenen finanziellen Kräften Wohnungsbau errichten, werden beim Planen durch das Freigeben von Grundstücken und das Freistellen von gesetzlichen Regelungen in der Planung sämtliche Hindernisse genommen. Sogar von der gesetzlichen Regelung der Nachverdichtung werden sie freigestellt. Die Regierung beeinflusst nicht nur die Entwürfe, Pläne, Investitionen und Konstruktionen, sondern sogar die Nutzung der Gebäude. Nach und nach wird ein staatliches Bauunternehmen, ein staatliches Industriebauunternehmen und ein staatlich kontrolliertes Bauunternehmen für Genossenschaften auf die Beine gestellt. Alle anderen Projektbüros und Bauunternehmen beklagten sich mit der Zeit über diese Politik.17 Architekten außerhalb dieser staatlichen Planungsbüros leiden unter erschwerten Konditionen durch Bürokratie, strenge Normen und im Schnitt 20 bis 30% geringeres Gehalt als ihre staatlich angestellten Kollegen.18 Unter Einhaltung eines Maximums an Sparsamkeit soll das Minimum der Bedürfnisse der Bewohner bei gleichzeitiger staatlicher Kontrolle


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_053 Fassade in Breslau-Odertor in aktuellem Zustand mit den Spuren des Krieges.


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Abwechslung durch verschiedene Geschossigkeiten und Formen

Anpassung an kulturelle und gesellschaftliche Bedürfnisse Freiraum für individuelle Bestrebungen

19 vgl. Basista, 2001, S. 32ff 20 vgl. Basista, 2001, S. 51 21 vgl. Portal Wiedzy (2005): Mieszkac w PRL 22 Basista, 2001, S. 121 23 vgl. Basista, 2001, S. 121f

erfüllt werden. Als Konsequenz entsteht ein unnatürlicher Nährboden für die Entwicklung der Städte durch das Fehlen von natürlichen wirtschaftlichen Kräften, denn es gibt keine größeren Investitionen außerhalb der Regierung, keine Projektentwickler außerhalb der Regierung und letzten Endes keinen Wettbewerb, der bis zu einem gesunden Maß für Dynamik sorgen würde. Die Sparsamkeit wird ungeachtet der Folgen für die Bewohner und die Architektur, die sie bewohnen zum Selbstzweck. Besonders in den 50er Jahren entstehen zahlreiche Wohnungen mit niedrigem Standard, dunklen Küchen und Bädern auf dem Hausflur.19 Die entscheidenden Staatsorgane verfügen über keinerlei objektive Kriterien zur Bewertung der Projekte, sodass die Quantität an bearbeiteten Projekten im Gegensatz zur Qualität das primäre Maß für die aktiven Projektbüros wird.20 Dennoch verbessert sich die Wohnmarktsituation kaum. Ohne Bekanntschaften in der Partei oder einer Wohngenossenschaft muss man oft jahrelang auf eine Wohnung warten. Doch selbst, wenn man bereits über eine Wohnung verfügt, kann der Staat jederzeit entscheiden die Mieter fristlos zu kündigen bzw. eine zweite Familie in die bestehende Wohngemeinschaft einzuquartieren. Ein Argument zur fristlosen Kündigung wird beispielsweise bei einer Wehrdienstverweigerung des Sohnes beispielsweise schnell gefunden.21 Der Bau der Massensiedlungen hält ihren Einzug in den 60er Jahren. Während in westeuropäischen Ländern die gleiche Typologie ein gewisses Maß an Abwechslung durch diverse Geschossigkeiten und Formen anbietet, ist der Massensiedlungsbau in osteuropäischen Ländern wie Polen an Monotonie kaum zu übertreffen. Die Bewohner haben kaum Einfluss darauf in welcher Art von Siedlung oder Wohnung sie wohnen, weder durch ihre finanzielle Situation noch durch ihren Beruf, sodass eine hohe soziale Mischung in den Siedlungen entsteht. “Zwar stellten diese Typologien zur Zeit ihrer Entstehung die ideale Lösung im Kampf um Licht und Hygiene dar, jedoch sind sie gleichzeitig Brutkasten für Probleme, von denen Marcel Breuer, Ludwig Hilberseimer und Walter Gropius nie geträumt hätte.”22 Ganz im Gegenteil: die Uniformisierung der Gebäude lässt keine Anpassung an gesellschaftliche und kulturelle Bedürfnisse, auch keinen Freiraum für individuelle Bestrebungen zu und der Bürger ist dadurch nicht dazu in der Lage, sich mit seiner Stadt, nicht mal mit seiner direkten Umgebung zu identifizieren. Die Uniformität der Gebäude in punkto Geschossigkeit hat ihre Begründung in der technischen Ausstattung. Bei fünfgeschossigen Bauten kann noch auf den Aufzug und bei elfgeschossigen Bauten auf zusätzliche, aufwändige Technikausstattung verzichtet werden, sodass diese beiden Geschossigkeiten zum Standard wurden, wie man auf der Abbildung erkennen kann. Die Wohnungen sind klein, uniform und nicht an die individuellen Bedürfnisse angepasst. Die Qualität der Ausführung ist oft mangelhaft und der Ausblick aus dem Fenster bietet häufig das nächste triste Gebäude seiner Art an. Würde man nicht wissen in welcher Stadt man wohnt, würde man es anhand des Blicks aus dem Fenster ebenso wenig erkennen. Bis heute nimmt diese Art des Wohnbaus eine besondere Stellung in Polen ein, denn ein Fünftel der Bevölkerung lebt in dieser Massensiedlungsbebauung.23 Pläne der Architekten aus dieser Zeit drücken aus, wie das ge-


Standardisierung Wohnungsmang Uniformität Minim Maximum Monot Gleichartigkeit s Regulierung Vers Kommunismus S Verstaatlichung Systematisierun 57

_054 Fassade eines typischen Plattenbaus in Polen.


5-geschossig kein Aufzug nรถtig

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11-geschossig keine aufwendige Technik nรถtig

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_055 Prinzip der 5- bzw. 11-Geschossigkeit der Plattenbauten in Polen.


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“das neue Bauen: stillos und klobig, die Landschaft zerstörend [...].Wie hässlich wird dieses Polen in einigen Jahren sein!” Stefan Kisielweski


samte Gebäude als eine effiziente, kostengünstige Zusammensetzung aus einzelnen, vorgefertigten Teilen und nicht als Ort für das Leben und Wohnen von Menschen mit individuellen Bedürfnissen verstanden wird. Die Standardisierung betrifft sogar die Fenster, Türen, Treppen und sonstige Teile des Ausbaus, jedoch sehr häufig mit einer äußerst geringen Qualität versehen. Dieser Tatsache und der damit verbundenen Politik und den fatalen Umständen der Wohnungssuche setzte in den 80er Jahren eine TVSerie namens ‘Alternatywy 4’ ein Denkmal. Sie ist die ironische Antwort auf die Umstände des Sozialismus in der Volksrepublik Polen. Es wundert daher nicht, dass die Serie erst vier Jahre nach Fertigstellung im Jahr 1986 ausgestrahlt – zensiert.24(Abb_ Doch trotz der geringen Qualität der Wohnungen in den Massenbausiedlungen wird das System des Plattenbaus weiterhin gefördert, sodass in den 70er Jahren fast 70% der neu gebauten Wohnungen in der Plattenbautechnik ausgeführt werden.25 Bereits zu dieser Zeit bezeichnen und kritisieren Architekten an den lehrenden Universitäten diese Form der Architektur als ‘Pokerface-Architektur’, leblos, anonym und Niemandem zugehörig.26

24 vgl. Alternatywy4.net (2014): Alternatywy 4 25 vgl. Portal Wiedzy (2005): Mieszkac w PRL 26 vgl. Wydawnictwo Politechniki Wroclawskiej, 1984, S. 3

61

_056 Grundriss eines Plattenbaus nach dem ‘Stetttiner System’, einer regionalen Plattenbauweise.


_057 Die Qualität des Innenausbaus der Plattenbauten war oft äußerst gering.

62 _058 - _063 Ausschnitte aus der Serie ‘Alternatywy 4’

_058 Auch die Sanitäranlagen haben oft zu wünschen übrig gelassen.

_059 Mangel an Parkplätzen und der Wunsch nach Sicherheit veranlasst die Protagonisten zur Eigeninitiative.


_060 Nicht immer hat der Aktionismus der Protagonisten ein gutes Ende genommen.

_061 Vom Elend auf dem Land...

_062 ...auf das Elend in die Stadt.

63


hochwertige Materialien im Innenausbau

spontane kleine Gartenanlagen als Aneignung von halbprivatem Raum

64

27 vgl. Basista, 2001, S. 90 28 vgl. Basista, 2001, S. 95f

_063 Die Rückseite eines Maisonettewohnhauses zeigt eine individuelle Gestaltung einer Wohneinheit.

Als Gegenreaktion zu der Monotonie versuchen die Bewohner, sich ihre Umgebung durch diverse Handlungen anzueignen. Sie dekorieren die Balkone mit diversen Textilien, dekorieren ihre Wohnungen nach und nach mit teuren Materialien, viel Holz und aufwendigen Kacheln oder verlegen Parkett. Der Kontrast, wenn man vom minderwertig ausgestatteten, ungepflegten Treppenhaus in die reich dekorierte Wohnung kommt ist extrem.27 Bei der Aneignung der direkten Umgebung eines Wohngebäudes gibt es laut Marek Szczepanski zwei Kategorien: er teilt die Bereiche um die Bebauung in halböffentliche und halbprivate Bereiche ein. In den halböffentlichen Bereichen findet man am häufigsten eigenständig eingerichtete Parkplätze, trocknende Wäsche von den umgebenden Bewohnern und Trinker, teils von Teilen außerhalb der Siedlung. In den halbprivaten Bereichen entstehen sehr häufig spontane, kleine Gartenanlagen, die sehr gepflegt und liebevoll von den Bewohner nicht nur der Parterregeschosse, sondern aller Geschosse umsorgt werden, daher ist es schwer zu verstehen, warum die Verwaltung der Genossenschaften diese Gärten maximal tolerieren, jedoch auf keinen Fall unterstützen. Die halböffentlichen Bereiche sind im Odertor-Viertel dominierend und führen daher zu einer geringen Qualität der Innenhöfe, wie im weiteren Verlauf der Ortsanalyse noch näher erläutert werden soll. Durch einen Mangel an Möglichkeiten der Rekreation und des Spiels in der Gestaltung der Umgebung nutzen Kinder und Jugendliche – häufig im Konflikt miteinander - die Wiesen, Flure und Treppenhäuser als Ort des Spielens, was dieselben in Mitleidenschaft zieht. Verstärkt wird dieser Effekt durch fehlende soziale Kontrolle, da sich diese Aktivitäten häufig den Augen der Eltern entziehen.28 Die Innenhöfe und Zwischenräume zwischen den Wohnbauten leiden bis heute indirekt unter einem Mangel an Parkmöglichkeiten.


_064 HalbĂśffentliche Bereiche mit provisorisch eingerichteten Garagen.

65

_065 Halbprivate Bereiche mit kleinen Vorgärten, die von den Bewohnern gepflegt werden.


jede Wohnung braucht ein bis zwei Parkplätze

‘Gassen’, ‘Nester’

66

Holz als Material des ursprünglichen polnischen Bauens

29 vgl. Basista, 2001, S. 129 30 vgl. Basista, 2001, S. 56ff 31 vgl. Portal Wiedzy (2005): Mieszkac w PRL 32 Kultermann, 1991, S. 114 33 vgl. Muzeum Architektury, 2005, S. 8

Die Bewohner meiden die weiter entfernten Parkplätze, die für sie vorgesehen sind und parken stattdessen vor ihrem Fenster auf Bürgersteigen, im Innenhof oder auf dem Rasen aus Angst vor Vandalismus. Das 1974 eingeführte Gesetz, dass jede Wohnung mindestens einen, besser zwei Parkplätze (für Gäste) haben sollte, wurde oft nicht eingehalten. Doch auch die Beziehungen der Bewohner untereinander wird durch die Ausformulierung der Architektur massiv beeinflusst. Die Dichte an Bewohnern ist zu groß, um nachbarschaftliche Bindungen aufzubauen. Den Architekten kommen erste Zweifel auf, sie träumen von ‘Gassen’ und ‘Nestern’, doch diese Bilder lassen sich in der Tristesse der polnischen Baukultur dieser Zeit nicht verwirklichen.29 Parallel entstehen durch das Freihalten von Flächen für vorgesehen kulturelle, soziale oder sportliche Einrichtungen zunehmend Brachflächen enormer Größe, die in manchen Fällen jedoch nie realisiert worden sind. Es sind auch Tendenzen des Wandels zu verzeichnen, wie beispielsweise das Verreisen der Architekten im Namen des SARP (Verband Polnischer Architekten) in das westliche Ausland. Ihre Rückkehr zusammen mit ihren Berichten gleichen mancherorts einer kleinen Sensation, war dies doch die Möglichkeit hinter den eisernen Vorhang zu schauen. Gleichzeitig haben ausländische Büros ab den 70er Jahren zunehmend Einfluss auf die polnische Architekturlandschaft, was allerdings von den polnischen Kollegen aus Scham eines nicht vergleichsweise starken Planungsstandards klein gehalten wird.30 Ein weiterer Trend auf dem Wohnungsmarkt macht sich in den 70er Jahren bemerkbar: die Wohnung als Ware. Die ersten Genossenschaftswohnungen werden für Dollar verkauft. Wer nicht auf diese Weise eine Wohnung erstehen kann, versucht es durch Abkauf vom Arbeitgeber oder durch eine Ehe, die das Erwerben einer Wohnung begünstigt – was nicht selten zu fragwürdigen Kontaktanzeigen und Scheinehen führt. Angesichts des Defizits von 1,5 Millionen Wohnungen in der Mitte der 80er Jahre ist die Verzweiflung bei der Wohnungssuche offensichtlich groß.31 Abseits der grauen Monotonie bilden Wettbewerbe eine regelrechte Spielwiese für die Architekten in Polen. Sie sind die perfekte Gelegenheit, um ihre Fähigkeiten und ihre Kreativität unter Beweis zu stellen. Manche Architekten fühlen sich der alten, polnischen Tradition des Bauens verbunden, wie Stanislaw Karpiel, dessen Bauten als “[...] in die Neuzeit übersetzte Variationen eines uralten Bauwillens [beschrieben werden], für [die] Holz und die alten Traditionen der Holzverarbeitung, die Angleichung an die Formen der Berglandschaft sowie die Inhalte alter ländlicher Kulturformen im Mittelpunkt stehen.“32 Im Hinblick auf die Architekturszene in Breslau steht besonders eine Architektin im Vordergrund: Jadwiga Grabowska-Hawrylak. 30 Jahre lang arbeitet sie im Gestaltungs- und Recherchebüro ‘Miastoprojekt-Wroclaw’ und ist an zahlreichen Renovierungen und Rekonstruktionen der zerstörten, historischen Altstadt im Zentrum Breslaus beteiligt.33 Diese Erfahrung, aber auch ihr Akzeptieren der gängigen Methoden der Vorfabrikation machen sie zu einer Architektin, die die notwendigen Industrieprozesse im Bauen mit einer experimentellen, an der Form interessierten Gestaltung vereinen kann. Sie schafft es dadurch, neue Formen,


eine neue Ästhetik und moderne, funktionale Lösungen zu schaffen.34 Ein Paradebeispiel für diese Attitüde sind die Wohn- und Geschäftshäuser am Grundwaldplatz in Breslau. Die Anzahl der Räume in den Wohnungen variiert zwischen zwei und sieben Räumen und stellt somit einen Gegenpol zu den schachtelartigen, uniformen Wohnungen der gängigen Wohnhochhäuser dar.

Verbindung von Vorfabrikation und Formvielfalt und Ornament 34 vgl. Muzeum Architektury, 2005, S. 5

67

_066 ‘Wildes Parken’ ist ein großes Problem, sowohl in den Plattenbausiedlungen als auch in den Blockrandinnenhöfen.


68

“Ein Versuch, die technische Realität auf menschliche Weise zu bewältigen [...]” Udo Kultermann über die Wohn- und Geschäftshäuser am Grundwaldplatz

-

_067 Fassade der Wohn- und Geschäftshäuser am Grundwaldplatz von Jadwiga Grabowska-Hawrylak.


69


70

_068 Fassade der Wohn- und Geschäftshäuser während der Bauphase


_069 Die Wohn- und Geschäftshäuser in den 70er Jahren.

71


_070 Die Balkone aus Fertigteilen ergeben eine ornamentale Struktur.

72

_071 Individualität durch bunte Vorhänge etc. stören das Gesamtbild nicht.


_072 Eingangsbereich von innen.

73


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_073 Zweigeschossiger Eingangsbereich mit Holzverkleidung - ein beliebtes Material zur ‘Aufwertung’ von Interieur.


75

_074 Um auf das Plateau zu gelangen, muss man eine Treppe emporsteigen, neben der sich die Parkplätze befinden.


76

_075 Treppenhaus von innen.


77

_076 Ausschnitt aus dem Stop-MotionFilm, der während des OSSA Workshops in Breslau 2013 entstanden ist.


_077 Lageplan der Wohn- und Geschäftshäuser.

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flexible Grundrissgestaltung

zwei Außenbereiche für jeweils Wohn- und Küchenbereich

Ein Auszug aus den Plänen der Wohn- und Geschäftshäuser am Grunwaldplatz in Breslau demonstriert den Willen zur bewohnerfreundlichen Gestaltung, ohne die realen Bedingungen zu der Zeit zu ignorieren. Trotz des Drucks durch Kosteneffizienz, Vorfabrikation und der Favorisierung des Materials Beton schafft Hawrylak ein Projekt, das durch eine ornamentale Fassadengestaltung und individuell gestaltbare, flexible Grundrisse hervorsticht. Zwichen den Wohnhochhäusern befinden sich, wie im Lageplan erkennbar, flache Geschäftshäuser mit Gewerbefläche. Alle Gebäude werden durch ein Ensemble aus Plätzen und Treppen mit einander verbunden und stehen allesamt auf einem Plateau ähnlich einem Sockel. Durch die Erhebung vom Straßenniveau entsteht Platz für Parkplätze der Bewohner. Betrachtet man die Grundrissvariationen, fällt die Flexibilität der Grundrissgestaltung auf. Entweder wird der Essbereich als Teil der Küche oder als Teil des Wohnbereichs gestaltet. Neben dem Kinderzimmer, das am Eingangsbereich der Wohnung liegt, kann auch ein zweites Zimmer zwischen Essbereich und Küche eingezogen werden. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass jede Wohnung zwei Außenflächen hat, eine für den Küchenbereich und eine für den Wohnbereich.


79

_078 Grundrisse Wohn- und Geschäftshäuser mit Grundrissvarianten. 1:200


80 _079 Blick auf das Maisonette-Mehrfamilienhaus sĂźdlich von Breslau.

_080 Jede Wohnung hat einen Balkon und eine Loggia.


81 _081 Die Fassade kurz nach Fertigstellung des Gebäudes.

Der Zustand des Maisonette-Mehrfamilienhauses von Jadwiga Grabowska-Hawrylak lässt leider mittlerweile etwas zu Wünschen übrig. Die Qualität der Grundrissgestaltung und die Schlichtheit der Gesamtplanung sind dennoch erhalten geblieben. Die Wohnungen haben alle die gleiche Gesamtfläche und werden über einen nach Westen orientierten Laubengang erschlossen, der zum Innenhof gewendet ist. Die Treppenhäuser sind nicht im eigentlichen Volumen des Baukörpers integriert, sondern stehen als Annexbauten zum Hinterhof. In den unteren Geschossen der Wohnungen befinden sich neben einer Diele, Schrankwänden und einem Badezimmer ein Wohnzimmer mit Küchenzeile und Essbereich. Der Wohnbereich orientiert sich zum Osten hin zur Straße und hat eine über die gesamte Breite der Wohnung erstreckte Loggia. Das darüber liegende Geschoss beinhaltet ein weiteres Badezimmer und zwei Schlafzimmer, von denen eins nach Westen hin zum Hof und das andere zum Osten hin zur Straße orientiert ist und durch einen kleinen Balkon ergänzt wird. Somit ist die Aufteilung der Wohnungen von außen hin klar ablesbar. Im erhöht liegenden Erdgeschoss befinden sich Geschäftsflächen, die über einen vorgelagerten Gang erschlossen werden.

Wohnbereich im unteren (Eingangs-)Geschoss jedes Geschoss hat ein Bad differenzierte Außenräume - Loggia für den Wohnbereich Balkon für den Schlafbereich


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_082 oberes Geschoss der Maisonettewohnungen 1:200

83

_083 unteres Geschoss der Maisonettewohnungen 1:200


_084 Chemie-Auditorium in Breslau.

84

klare Erschließung Trennung von Aufenthalts- und Durchgangsbereichen

ornamentale Anordnung von einfachen Materialien zur Erzielung von Dekor Interieur ist multifunktional und einheitlich

Zwar ist das Chemie-Auditorium nicht mit dem Thema Wohnen verbunden, jedoch hat es mich zutiefst beeindruckt, da es ein Vorzeigeprojekt für eine Architektengruppe ist, die trotz widriger Umstände wie sehr beschränktem Zugang zu Materialien einen Ort geschaffen hat, der trotz aller Funktionalität eine angenehme, warme Atmosphäre schafft. Während des OSSA Architektenworkshops in Breslau 2013 haben zahlreiche Veranstaltungen im Auditiorium stattgefunden, das zu diesem Zeitpunkt zuvor seit fast 20 Jahren geschlossen war. Dank des Vortrags vom Archiekten Zbigniew Mackow konnten wir Studenten zahlreiche Besonderheiten und wohlüberlegte Planungen am Gebäude entschlüsseln. Die Erschließung erfolgt über eine Plattform, die in eine Forum hineinführt, das sich direkt unter den beiden Hörsälen befindet. Entlang einer Galerie kommt man über eine anschließende Rampe bzw. über Treppen zum Hörsaalbereich, ohne die lernenen Studenten im tiefer gelegenden Foyer zu stören. Aus einfachsten Materialien wird durch ornamentale Anordnung eine starke Wirkung erzielt. Die Heizkörper in den Gängen werden durch Holzlatten verkleidet, die dadurch ein beheiztes Sitzmobiliar bilden, das sich optisch mit der Holzlattenverkleidung an der Wand verbindet. Ein kleines Highlight, das jeden Betrachter schmunzeln lässt, ist das hinterleuchtete Periodensystem, das sich je nach Elementsystematik unterschiedlich hinterleuchten lässt, um besondere Gruppen hervorzuheben. Ich persönlich bin von der Verbindung von Funktionalität, Formwillen und dem Planen des Gebrauchs bis in das kleinste Detail sehr begeistert und habe es daher als absolut positives Beispiel für Bauen während des Kommunismus in diesem Kapitel aufgeführt.


_085 Das dominierende Material im Hรถrsaal ist Holz, die Decken- und Wandpaneele bilden ein grafisches Muster.

_086 Viele der Vorlesungen, die ich im Rahmen des Workshops besuchte, fanden im Chemie-Auditorium statt.

85


86

_087 Die Heizungen an der Wand und an der Fassade werden durch Holzpaneele verdeckt.

_088 Unten links befindet sich der Bereich zum Lernen, rechts ist inder ursprĂźnglichen Planung eine Durchgangszone geplant, die fĂźr den Workshops umfunktioniert wurde.


_089 Die schräge Decke deutet den darüber liegenden Hörsaal an.

_090 Das hinterleuchtete Periodensystem im Hörsaal.

87


88

“Die Häuser auf dem Land sind ein eigenartiger Ausdrück des Bedürfnisses nach Ästhetik.” Betonowe Dziedzictwo, Andrzej Basista

-

_091 Rohbau eines pompösen Einfamilienhauses in Polen auf dem Land, wie man es häufig vorfindet.


89


_092 typisches, polnisches Bauernhaus aus der Zeit kurz nach dem 2. Weltkrieg.

90

35 vgl. Basista, 2000, S. 132ff _093 Einfamilienhaus aus den 70er/80er Jahren mit Flachdach und individuell gestalteter Balkonzone, das sehr häufig als Typus auf dem Land zu finden ist.

In den letzten 60 Jahren haben enorme Veränderungen stattgefunden, die allesamt einen Blick auf die Mentalität dahinter werfen lassen. In den 60er Jahren lebte die Hälfte der Bevölkerung auf dem Land, sodass der rurale Bausektor 20 bis 30% des gesamten Marktes ausmachte. Um den brandschutztechnischen Anforderungen zu entsprechen, wurden die Neubauten aus brandfestem Material, meistens Mauersteine oder Beton, angefertigt. Der Typus des verputzten Flachdachs verbreitete sich dank verbesserter Kommunikation und Information über das ganze Land - regionale Besonderheiten und die Symbiose mit der Natur waren nicht mehr im Fokus.35


_094 Pensionshaus aus der postmodernen Phase mit Steildach, das den ländlichen Charakter unterstreichen soll.

Merkmale und Hintergründe sozialistischer und postmoderner Architektur auf dem Land:36 _Quaderform | Einfluss der Vorbilder aus der Stadt, Handwerk verfällt _Übergröße | Haus als Prestigesymbol, Mehrgenerationenwohnen _Vielfalt der Materialien | Destabilität des Baumaterialmarktes _auffälliges Aussehen | Ästhetikbedürfnis ohne gestalterische Bildung _Irrationalität | Mangel an Fachleuten bei der Planung _fehlende Nachhaltigkeit | Untergang des traditionellen Funktionalismus _Vereinheitlichung Abneigung des Regimes gegen lokale Tendenzen

91

36 vgl. Basista, 2000, S. 142 _095 Zeitgenössische Interpretation eines Hauses auf dem Land vom polnischen Architekturbüro ‘genius loci architekci’ aus Bierun


-

92

Analyse -


kapitel

2

93


2.1 Leipzig und Breslau im Vergleich

Leipzig Leipzig Breslau Breslau

30.000 30.000

1.200 1.200

Leerstand Wohnungen Leerstand Wohnungen

Leipzig Leipzig Breslau Breslau

1.752 1.752

2.162 2.162

Einwohner / km² Einwohner / km²

Leipzig Leipzig Breslau Breslau

0,8 0,8

26,7 26,7

gebaute Wohnungen / 100 Einwohner (2001 bis 2005 gebaute Wohnungen / 100 Einwohner (2001 bis 2005 94 Leipzig Leipzig Breslau Breslau

0,5 0,5

37,2 37,2

gebaute Wohnungen / 100 Einwohner (2006 bis 2010) gebaute Wohnungen / 100 Einwohner (2006 bis 2010) Leipzig Leipzig Breslau Breslau

9,7 % 9,7 % 5,5 % 5,5 %

Arbeitslosenquote (2013) Arbeitslosenquote (2013) Leipzig Einwohner Leipzig Einwohner Leipzig Touristen Leipzig Touristen Breslau Einwohner Breslau Einwohner Breslau Touristen Breslau Touristen Tourismus Tourismus

522.883 522.883 633.000 633.000

1,4 Mio. 1,4 Mio. 3 Mio. 3 Mio.


2.2 Leipzig, Breslau und Odertor im Vergleich

Leipzig

522.883 633.000

Breslau Odertor

35.300

Einwohnerzahl

22 %

14 % 65+ Jahre

20 %

0-17 Jahre

14 % 65+ Jahre

18 bis 65 Jahre

16 %

0-17 Jahre

65+ Jahre

18 bis 65 Jahre

63 % Leipzig

17 % 0-17 Jahre

18 bis 65 Jahre

66 %

67 %

Breslau

Odertor

95

Altersstruktur Anzahl der Delikte Leipzig

69.055

Breslau Odertor

31.855 722

Kriminalitaetsrate 2011

Gesamteinwohnerzahl 522.883 633.000 35.300


2.3 Analyse Odertor Kontextanalyse

1

2

96

2

3

_096 Bilderstrecke aus google Streetview.

3


4

5

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6

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8

8

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9

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_097 Bilderstrecke aus google Streetview.

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_098 Bilderstrecke aus google Streetview.

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21

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_099 Bilderstrecke aus google Streetview.

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24

24

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26

26

_100 Bilderstrecke aus google Streetview.

26


105


1

2 3

4 5

6 7 8 9

106

10 11 12 13 14 15 16

17

18 1

_101 Kontextanalyse ohne MaĂ&#x;stab. Darstellung der potenziellen Baufelder (pink= städtisch; rot= privat)


20

21

22 23 24 25

107 1


Kfz Werkstatt

K Psychiatrie und Suchttherapie

Integrationsheim fuer Obdachlose

Wohnheim fuer AIDS Erkrankte

JVA T

Kfz Werkstatt

K

G

P

T

T

K

So

Poliklinik

Strickladen Musikschule

C B

R G H

Ku

R

B

G

C

So

Naehcafe

Porzellan und Glas Atelier

offenes Kunstaltelier

108

Gy

K Zahnarzt

L G H

Goldschmied

H

Mode

K

K

Babyklappe

G

T

G

Typograf

T

Hutmacherin

P

Ku

H

Inkubator Workshops

C

H G

Tasch

St Kfz Werkstatt

Ku R H

U R

C

U

M

U

H U

Fluechtlings und Obdachlosenheim

L

Gy R

R

Kfz Werkstatt

G U

K

M U

R R T

H G

T Kfz Werkstatt

B Frauenhaus

U

U

DJ Shop

U

Gesangsschule

H

T

Soz. Gruppenarbeit

T

T

So Kuenstler vereinigung

St

U

Kfz Werkstatt

H

R

U

U M

H

_102 K Kontextanalyse ohne MaĂ&#x;stab. Darstellung der sozialen Einrichtungen und wirtschaftlichen Lokale und Gewerbe im Quartier.

R

H

B

G

B H

H

H Kfz Werkstatt

M

L

G

Kunstschule fuer Kinder

B

M

T

So

HR

M

R

H

So

G

R

Musikstiftun

Ballett akademie

G

Pflegefamilienhaus

H

L M

Kunstschule T T

G

G

Soz. Gruppenarbeit T

H

So Kulturfestival Buero

So

Sprachinstitut

K Sucht-

K

M


K Kinder- und Jugendpsychiatrie (Sucht)

K

K AIDS Beratung St

Kfz Werkstatt

Kfz Werkstatt

H

Kfz Werkstatt

G

Resozialisierungshilfe fuer ehem. Haeftlinge

Kfz Werkstatt

K

G

L

B

A

St

K Krankenhaus

Alten und Behindertenheim

R Gy

Essensspenden

L

K Ku

C K

R

B

Ps

Gy

Soz. Gruppenarbeit

Rahmenmacher

Pflegedienst

G Ku

G Heissmangel

G Konditor

K

Hutmacherin

Ku

R

Schneider

Zahnarzt

L

Schlosser

Gy

Pflegefamilienhaus

Legende _Bildung, Soziales

St

B

Reha

B

Coworking Space

K

Kuerschner

Kulturhochschule Bibliothekarenverband

So

H K

Kultur zentrum

G So

T Soz. Gruppenarbeit

A C H So

AIDS Beratung

K T

L

Gy

GS

K Kindergarten

P

Stukkateur

G Grundschule 1.-6. Klasse Gy Gymnasium 7.-9. Klasse

P

G

P

P

T

So H

R

109

K

Schuster

G

C

Infopunkt

T

H G

H

A

Ps Psychologische Beratung

P Polytechnische Hochschule

U M

H Hochschule

K

U

A Akademie

Rettungsdienst

M Musikakademie

A H K

R R

Polizeischule

GS Gastronomieschule Ku Kultur- und Jugendzentrum U Universität

Paintball

T

Liceum 10.-12. Klasse

P

T Technikum

hen

R

L

K MutterKind Einrichtung

Augenarzt

H

K Kunstakademie Ku Wohnheim Kunstakademie K Kliniken, Aerzte, Therapie soz. Einrichtungen

Kfz Werkstatt

Kinderkrippe

U

Sporteinrichtungen

U K

H

Alten und Behindertenheim

A

Kriminalitaetsrate hoch ca. 200 Delikte/a

H

A

K Hausarzt

U

R

A

H

Legende _Kultur, Freizeit, Gewerbe

Essensspenden

K

M Museum

A

U

T

R

Theater

G Gallerie Ku Kultureinrichtung

L U

U U

H

U

G

K Kino

U

Gy

U

B Filiale Staedt. Bibliothek

K

So Sonstige R Restaurant B Bar

U

G

C Café Tonstudio St

R H K

C

Sportplatz

K

M M

A

hohe Arbeitslosenzahl hohe Sozialhilfeempf.zahl

H

M

U

B

T

Tanzschule Musik, Tanz, Kultur

R

C

Ku

Gy

Gewerbe

U

hohe Gastronomiedichte Handelszentrum

T

R

ng

H R

M

K

kreatives Gewerbe Handwerksbetrieb Streetart Wandbild

T

ueberwiegend Gewerbe im EG

R M

R

G

M

U K Suchttherapie für

hohe Leerstandquoten H Hostel, Hotel, Apartments 1:2000


je größer die Quadrate, desto größer ist die lokale

Großräumlichkeit 110

-


111

_103 Grafische Analyse Großräumlichkeit.


je größer die Quadrate, desto höher ist die lokale

Lautstärketoleranz 112

-


113

_104 Grafische Analyse Lautstärketoleranz.


je größer die Quadrate, desto besser ist die

ÖPNV Anbindung 114

-


115

_105 Grafische Analyse ÖPNV Anbindung.


2.4 Interviews vor Ort mit Akteuren

116

_106 Lokietka 5 Infopunkt Fish Eye Perspektive von Innen.

Lokietka 5 Infopunkt

Interview mit Maja Zabokrzycka seit Oktober 2009 Koordinatorin des Projekts ‘Lokietka 5’ (Einrichtung zur Unterstützung der Revitalisierung von Odertor) Sie leistet PR-Arbeit, koordiniert die Projekte, leitet die Finanzen, organisiert Informationsveranstaltungen für die Anwohner in Odertor und pflegt den Kontakt zur Stadtverwaltung; leitet ‘Artystyczne Nadodrze’ Funktion: Infopunkt, Diskussionsplattform, Beratungsstelle existiert seit: 2009, vorher: Spółdzielnia muzycznej TON Leiter ist: Maja Zabokrzycka Träger: Fundacja Dom Pokoju Finanzierung: Gemeinde Breslau Hauptziel: Förderung von jungen Unternehmen, Startups; Förderung von Bürgerinitiativen; Beratung von Unternehmen; Information für die Anwohner; Beratung der Anwohner bei Maßnahmen im Rahmen der Revitalisierung; Touristenanlaufstelle; Kulturveranstaltungen organisieren; Bürgerdebatten organisieren Zielgruppe: Anwohner, Jungunternehmer, Künstler, Designer, Touristen


Wenige Stunden nach meiner Ankunft in Odertor führe ich bereits das erste Interview im Infopunkt Lokietka 5. Ich überquere die Universitätsbrücke, gehe entlang der Hauptstraße und sehe bereits von Weitem das Streetartwerk an der Stirnseite eines Gebäudes mit der Karte und typischen Gründerzeitarchitektur von Odertor. Die Straße, in die man an dieser Stelle abbiegen kann, ist momentan die Straße mit der größten Dichte an kreativem Gewerbe und sie war einst Teil der Handelsroute von Odertor zwischen dem Bahnhof im Norden und der Innenstadt im Süden. Der Infopunkt ist mit einem kleinen Schild ausgewiesen und fällt ansonst von außen nicht besonders auf. Mit Infopunkt eine Anlaufstelle für Touristen, Jungunternehmer, Designer und Künstler gemeint, die entweder das Viertel ein wenig kennenlernen oder sogar hier einziehen bzw. ein Unternehmen aufbauen möchten. Es ist ein offener Saal in einem ehemaligen Tonstudio, in dem das Interieur in Form von Designermöbeln und Sperrholzplatten eine interessante Mischung mit der Architektur eines Altbaus ergibt. Der Saal befindet sich in einem erhöhten Erdgeschoss und ist über einen seitlichen Hofdurchgang erreichbar. Dort angekommen schaue ich mir die grafisch sehr ansprechenden Flyer an. Sie werben unter Anderem für das bessere Miteinander unter Nachbarn. An anderer Stelle auf der Theke endecke ich eine ebenfalls sehr ästhetische Karte von Odertor mit Vermerkungen zu allen Handwerkern und Designershops im Ort. Empfangen werde ich zunächst von einem angenehm zurückhaltenden und gleichzeitig sehr verschmusten Schäferhund, der mich zart an meiner Hand anstupst. Er muss irgendwann mal in seiner Linie einen Husky gehabt haben, denn ein Auge ist eisfarben und das Fell eine Mischung aus grau und cremeweiß. Maja Zabokrzycka, die Leiterin des Infopunkts betritt eine Weile danach den Raum und wir setzen uns in eine gemütliche Ecke, die ein wenig an den Salon meiner Oma erinnert - ein Kontrast zum sehr souveränen Design der restlichen Räumlichkeiten. Zunächst erzählt sie mir als eine Art Einführung allgemeine Fakten und Hintergründe zum Stadtteil Odertor. Nach dem 2. Weltkrieg, als aus dem heute der Ukraine zugehörigen Teil, Polen ausgesiedelt worden sind, da das Land von der UdSSR übernommen worden ist, wird in Breslau vordergründig Odertor zum neuen Wohngebiet auserkoren, da dort im Vergleich zur restlichen Stadt nicht ganz so massive Schäden aufgetreten sind. Die Wohnungen in den Altbauten bieten teilweise bis zu 200m² an und die Innenhöfe gehören fast immer der Stadt. Schätzungsweise 70 - 80% der Bewohner sind älter als 50 und dennoch gibt es zahlreiche Schulen - 3 Grundschulen, 2 Lyzeen und 2 Gymnasien (polnisches Schulsystem siehe Kapitel 4.3 Schema). Seit Beginn der Revitalisierung fänden zahlreiche Veränderungen statt. So würden Investoren, besonders junge Designer und Künstler mit niedrigen m²-Preisen - 4 Zloty/m², umgerechnet 1 Euro/m2 (!) - angelockt worden, um die Entwicklung zu einem Handwerker- und Künstlerviertel anzukurbeln. Bedingung für diesen Preis sei ein ausgearbeiteter Businessplan, den man mit Hilfe des Lokietka 5 Infopunkts erstellen könne. Es gäbe aber auch zunehmend private Initiativen, bei denen Bewohner sich spontan zusammen schließen, um beispielsweise den Hausflur zu streichen. Die Erfahrungen, die sie im Rahmen dieser Tätigkeit gesammelt hat, teile sie Newcomern im Stadtteil mit, wenn sie ein eigenes

Kombination von Designermöbeln und low-tech Selbstbaumöbeln

117

keine hochpreisigen Möbel und Angebote


Aktionen mit Eltern und Kindern zusammen

es mangelt an Kinos und Sportvereinen

118

Odertor als günstigeres Alternativangebot für Touristen zur Innenstadt

37 vgl. Interview mit Maja Zabokrzycka am 11.03.2014

Lokal oder derartiges aufbauen wollen. Sie habe es bereits erlebt, dass gastronomische Einrichtungen mit zu hohem Niveau eingestiegen sind. Die Möbel seien aus der Designeretage gewesen, die Preise für den ökologisch angebauten Kaffee dementsprechend hochpreisig und somit seien letztens Endes leider auch die Kunden ausgefallen, da sie sich dieses Angebot nicht leisten konnten bzw. sich mit dem Angebot nicht identifizieren konnten. Häufig würden Newcomer allerdings auch an hohen Zinsen für das Abbezahlen der Kredite scheitern, weil die Einnahmen zu gering sind. Anschließend listet sie eine ganze Reihe von Projekten auf, die Nachmittagsangebote für Kinder und Jugendliche anbieten. Die soziale Gruppenarbeit in der Einrichtung ISKIERKA lobt sie besonders, weil sie häufig Aktionen mit Kindern und Eltern zusammen planen würden und das Angebot sehr vielfältig sei. Fehlen würden ihrer Meinung nach kleine Independent Kinos, wie es sie in manchen revitalisierten Stadtteilen beispielsweise in alten Bahnhöfen gibt. Früher zu kommunistischen Zeiten seien kleine Siedlungskinos trotz der propagandistisch geprägten Filme und Einflüsse sehr beliebt gewesen. Außerdem gäbe es zu wenige Sportvereine und Fußballplätze, die auch außerhalb der Schulgelände den ganzen Tag und an Wochenenden zugänglich sind. Viele Bewohner beklagten sich über den Mangel an bezahlbaren Cafés und Abendlokalen, in denen man tanzen könnte. Eindeutiger Schwachpunkt in städtebaulicher Hinsicht in Odertor sei der geringe Bezug zur Wasserkante Richtung Süden zur Altstadt hin. Die Insel ‘wyspa slodowa’ zwischen den beiden Stadtviertel sei besonders bei Studenten auf Grund der Nähe zur Universität sehr beliebt. Den Begriff der Gentrifikation, auf den ich sie anspreche, mag sie nicht besonders. Ihrer Meinung nach würden die Bewohner keinesfalls durch die Revitalisierungsmaßnahmen aus dem Quartier vertrieben werden. Durch regelmäßige Bürgerdiskussionen würden die Bewohner, die interessiert sind, aktiv in das Geschehen miteinbezogen werden. Die positiven Konsequenzen, die sie auflistet, seien die enorm gesteigerte Qualität des Parks Stasica in der Nähe des Bahnhofs Odertor und die Tatsache, dass sich das Image des Handwerks langsam wieder verbesserte und damit einhergehend traditionelle Berufe wieder mehr geschätzt werden würden. Es zögen immer mehr junge Familie mit Kindern in das Viertel, die durch ihre akademische Ausbildung Kapital zum Renovieren des Bestands mitbringen. Auch sonst gäbe es zunehmend junge Erwachsene und Jugendliche im Viertel - trotz der demografischen Alterung. Im Bereich des Tourismus biete Odertor durch neu entstehende Hostels, die häufig in den Altbauwohnungen integriert sind, eine günstigere Alternative zur Innenstadt an. Dies bürge die Chance, sich bei Touristen als alternativer Stadtteil zu etablieren. Hooligans in Breslau seien ein großes Thema, sodass ihrer Meinung nach der Bedarf nach Resozialsierungseinrichtungen für tendenziell aggressive Jugendliche und junge Männer da ist. Insgesamt ist sie von den positiven Entwicklungen und Ergebnissen der Revitalisierungsmaßnahmen in Odertor überzeugt und begrüßt ein erweitertes Angebot für Jugendliche und junge Erwachsene sehr.37


119

_107 Vorträge und Diskussionen finden regelmäßig im Infpunkt statt.


_108 Ania, Sebastian und ich im Gespräch beim OSSA Workshop.

120

Ania und Sebastian

Gespräch mit zwei Doktoranden der Architektur und des Städtebaus an der Politechnischen Hochschule Breslau


Vor Ort habe ich mich mit einem jungen Architektenpaar getroffen, mit dem ich befreundet bin. Sie promovieren beide in Breslau und kennen die Stadt schon von Kindesalter an. Das Viertel Odertor ist ihnen auf Grund ihrer Wohnlage nördlich von Odertor in der Vorstadt nicht fremd. Das Viertel hat generell den Ruf gefährlich zu sein, auf Grund von zahlreichen kriminellen Vorfällen. Bekannt sei das Viertel außerdem für die Musikschule im nordwestlichen Teil in der Nähe des Elektroheizwerks, für das Eltern ihre Kinder aus ganz anderen Teilen der Stadt herfahren. um ihnen dieses Angebot zu ermöglichen. Beim Thema der gastronomischen Angebote grinsen beide verschmitzt und witzeln, dass die Angebote in den Designercafés in Odertor teilweise teurer seien als in der historischen Altstadt, was das Angebot nicht attraktiv mache, besonders nicht für Studenten. Generell sei Odertor nicht auf der mental map der Studenten vorhanden, daher wundert sie das Bestreben oder gar die Behauptung, dass das Viertel eine touristische Alternative sei. Genauso wundert sie die Referenz Montpellier, die die Stadt Breslau gerne heranzieht, um zu verdeutlichen welches Flair in Odertor entstehen soll. Dort würden die älteren Herrschaften in Cafés an Marktplätzen sitzen und gemütlich tagsüber ihr Glas Rotwein trinken. Diese Stimmung scheitere in Odertor ganz klar am Trinkverhalten der älteren Männer, sodass es in einigen revitalisierten Projekten zum Teil Sicherheitspersonal brauche, um Trinker von halböffentllichen oder halbprivaten Bereichen fernzuhalten. Soziale Kontrolle gäbe es in den Nachbarschaften durchaus, allerdings nicht, um Delikte und dergleichen zu vermeiden, sondern um herauszufinden, welche Besitztümer der Nachbar besitze und sich mit diesen zu vergleichen. Wir beginnen über die Diskrepanzen zwischen städtebaulichen und somit gesellschaftlichen Zielen und den tatsächlichen Ergebnissen zu diskutieren. Sebastian nennt das Beispiel der Siedlung Pruitt-Igoe in St. Louis in USA, das das Paradebeispiel für eine gescheiterte Stadterneuerung ist. Der Massenwohnungsbau für ärmere Familien aus dem Umland kippte nach wenigen Jahren dermaßen ins Negative, dass die Siedlung abgerissen werden musste. Er nennt das Beispiel, da an dieser Stelle die Ziele höchst löblich und nobel waren, die Auswirkungen jedoch umso katastrophaler gewesen seien. Bei der Gestaltung der Innenhöfe und der Revitalisierung des Stadtteils im Allgemeinen sieht er das Risiko, dass es nicht den wirklichen Bedürfnissen der Bewohner entspreche und die Aktionen sich in eine kostspielige Investition ohne Nutzen verwandeln würden. An der Architekturfakultät der politechnischen Hochschule sind bereits einige Projekte entstanden, bei denen sich Studenten mit dem Stadtteil Odertor beschäftigt haben. Ania und Sebastian kritisieren, dass die Projekte den Kontext lediglich als Bühne für eine spektakuläre Wohnbauarchitektur für kaufkräftige Kunden nutzen, ohne auf den tatsächlichen (auch sozialen) Kontext einzugehen. Projekte wie Werkstätten und Ateliers, in denen Kinder und Jugendliche sich kreativ betätigen könnten, seien ihrer Meinung nach ein alter Hut und würden ein wenig an den Fähigkeiten und Interessen der Zielgruppe vorbeigehen.38

niedrige Preise des gastronomischen Angebots erforderlich

121

Stadtteil nicht als Bühne für spektakuläre, hochpreisige Wohnarchitektur nutzen

38 vgl. Gespräch mit Ania und Sebastian am 12.03.2014


_109 Schulungen für Mütter im ‘Evangelium Vitae’

122

Evangelium Vitae

Interview mit Maria Gajek Funktion: Familienberatung, arbeitet dort seit 1,5 Jahren; sie wohnt nicht in der Innenstadt, sondern außerhalb, weil es ihr in der Innenstadt zu laut ist Funktion: existiert seit: Leiter ist: Träger: Finanzierung: Zielgruppe:

Altenpflegeheim, Geburtenklinik, Familienberatungszentrum Anfang des 20. Jahrhunderts, Altenpflegeheim seit 2008, Leitung der Babyklappe zusammen mit der Stiftung Evangelium Vitae seit 2009 Borromäerinnen Schwestern Kongregacja Sióstr Miłosierdzia św. Karola Boromeusza w Trzebnicy (Mutterhaus Trebnitz) katholische Kirche, Stiftungen, Spenden ältere Menschen, Familien mit Kinderwunsch, Familien mit sozialen Problemen, orientierungslose Mütter mit Kind


Von außen wirkt das Gebäude aus Backstein wie eine alte Schule oder ein Kloster, innen drin erinnert die Auskleidung ein wenig an eine alte Arztpraxis aus kommunistischer Zeit mit mintgrünem Lackanstrich an der Wand bis auf Augenhöhe. Zur Seite der Straße hin befindet sich ein kleines Fenster am Klinikum, das übersetzt ‘Fenster des Lebens’ heißt. Es ist eine Babyklappe für Mütter, die in ihrer Not nicht wissen, wohin sie ihr Kind geben sollen. In der Einfahrt befindet sich seitlich ein unscheinbarer Eingang zu einem schmalen Treppenhaus. Dort erwartet mich Maria Gajek, die in der Familienberatung tätig ist und viele junge Mütter betreut. In ihrem Büro hängen Bilder vom polnischen Papst, die Möbel bestehen aus dunklem, glänzend lackierten Holz und die Textilien der Couch und des Teppichs sind in gedeckten Orange- und Grüntönen gehalten. Sie erklärt zu Beginn, was die Einrichtung anbietet und wie sie funktioniert. In der Familienberatung, die kostenlos ist, arbeitet ein Anwalt, ein Psychologe, ein Pädagoge und ein Familienberater - den Logopäden muss man bezahlen. Die Finanzierung dieses Angebots wie auch der Workshops, die sie für Mütter oder aber Jugendliche anbieten, funktioniert über Förderprogramme und Spenden, daher suchen sie laufend nach Sponsoren. Bekannt sei die Geburtenklinik für die sogenannte Naprotechnologie, bei der auf möglichst natürliche Art und Weise über längere Zeit kinderlose Paare untersucht und behandelt werden, sodass sie auf natürliche Art ein Kind gebähren können. Diese Behandlungen seien sehr aufwendig, dauern zwei Jahre und sind kostspielig. Die Patientinnen kämen längst nicht nur aus Breslau, sondern auf Grund des überregionalen Renommes auch aus weiteren Gebieten. Die Babyklappe beinhaltet keine Übergangsperiode, bei der eine Frau überlegen könnte, ob sie das Kind wieder zurück haben möchte. Wenn sich das Kind einmal in der Babyklappe befindet und das Fenster geschlossen wird, wird das Kind umgehend vom Arzt untersucht und gemeinsam mit der Polizei wird geahndet, ob es ein Unfall, Versehen, Racheakt oder eine bewusste Entscheidung war. Die Tatsache, dass solche Beweggründe in Erwägung gezogen werden, zeigt das Ausmaß der moralischen Degradation in manchen Familien im Stadtteil Odertor. Im Allgemeinen steht Maria Gajek der Mentalität der Menschen vor Ort kritisch gegenüber. Viele Probleme, die heutzutage bei Jugendlichen entstehen, gab es ihrer Meinung nach früher nicht. Ein Lehrer sei damals eine Respektperson gewesen, was mittlerweile verloren gegangen sei, wie sie als ehemalige Direktorin einer Fotografieschule berichten kann. Der Zugang zu Drogen sei wesentlich einfacher geworden und das Motto geht immer mehr in Richtung ‘möglichst viel und gut feiern’. Prinzipiell habe sie nichts gegen gutes Feiern, aber das konkrete Verfolgen eines Ziels oder Plans im Leben fehle bei den Jugendlichen zunehmend. Bereits in jungen Jahren werden die Kinder ihrer Ansicht nach aus einer ungesunden Gleichgültigkeit heraus vor dem Fernseher oder der Spielekonsole geparkt, um sie mit möglichst geringem Aufwand zu beschäftigen. Zu ihrer Zeit gab es diese Möglichkeit nicht und alternativ organisierten ihre Eltern sehr gerne Spieleabende, bei denen man sich automatisch viel unterhalten habe. Auf Grund des immer größeren Einflusses durch die Medien seien die Jugendlichen in ihren Wertvorstellungen immer verwirrter und verlorener.

123

Jugendliche brauchen ein Ziel und einen Plan


Gemeinschaftsgefühl tut Jugendlichen gut

Gärten, die eindeutig zuzuordnen sind, werden nicht demoliert

124 Rückbesinnung auf Ausbildungsberufe

Tiefgaragen sind kostspielig, offene Parkplätze dem Vandalismus ausgesetzt

39 vgl. Interview mit Maria Gajek am 14.03.2014

Möglichst früher Sex sei mittlerweile eine Art Gruppenzwang geworden. Wer mit 17 Jahren als junge Frau noch Jungfrau ist, sei bei Gleichaltrigen ein Außenseiter. Das Gemeinschaftsgefühl sei früher durch gemeinsame, von der Regierung organisierte Ferienlager gestärkt worden. Durchaus seien im Sinne der Propaganda kommunistische Wert vermittelt worden, aber ihrer Einschätzung nach könne man diese Mechanismen noch lange nicht als Gehirnwäsche bezeichnen. Die ohnehin früher üblichen Netzwerke innerhalb der Nachbarschaft gehen ihrer Einschätzung nach zunehmend verloren und Anonymität macht sich in allen Formen des urbanen bzw. suburbanen Zusammenlebens bemerkbar. Die nachbarschaftliche Hilfe gehe immer mehr verloren. Eine positive Bemerkung macht sie jedoch zu den eigenhändig eingerichteten Gärten im Innenhof, das man zusammenfassend auch als ‘urban gardening’ bezeichnen kann. Sobald die Nachbarn wissen, wer der Besitzer sei und spüren, dass ihm der Garten etwas bedeutet, würden sie automatisch deutlich respektvoller damit umgehen. Die eindeutige Zuordnung von Besitztümern und Grundstücken ist demnach eine unausweichliche Bedingung für Projekte wie urban gardening. Sie schätzt derlei Akitvitäten als erfolgsversprechend ein, da das eigene Anpflanzen von Gemüse und anderen Pflanzen dem Grundnaturell des Menschen entspreche. Vandalismus sei dennoch ein großes Problem, besonders in Stadtteilen wie Odertor. In Bezug auf Bildung kritisiert sie die Tendenz, dass immer mehr Menschen einzig und allein eine Hochschulausbildung als ihrer würdig ansehen würden und Berufsschulen zum Einen unter einem schlechten Ruf leiden und zum Anderen sukzessiv von der Bildungslandschaft verschwinden. Jedoch vermutet sie in naher Zukunft eine Rückbesinnung auf die Ausbildungsberufe und das Lernen an Berufsschulen und am Technikum, was sie sehr begrüße. Das Niveau der Hochschulen sei im Gegensatz zu ihrer Zeit des Studierens deutlich schlechter geworden und die Aura der Studenten als kleine, elitäre Gruppe sei verloren gegangen, ebenso die Ansprüche an den Hochschulen. Ihres Wissens nach wird ein Großteil der Wohnungen in Odertor vermietet. Leider bedeute die Revitalisierung der Altbauten in den meisten Fällen eine oberflächliche Renovierung der Fassaden für Repräsentationszwecke ohne anständige Sanierung der Kernräume, Sanitäranlagen und Heizungsanlagen, was im Falle von Kachelöfen, die immer noch häufig anzutreffen sind, sehr bedenklich sei. Die häufig suggerierten Tiefgaragen, von denen im Masterplan die Rede ist, seien bei den Altbauten überhaupt nicht realisierbar und ohnehin nicht finanzierbar. Andererseits sei das Vandalismuspotenzial auf offenen Parkplätzen sehr hoch. Kritisch findet sie außerdem die Tatsache, dass extrem viele Bewohner in Odertor einen Hund haben, obwohl sie in einer Wohnung wohnen und daher viele Bereiche und Grünanlagen im öffentlichen Raum als Kotwiese zu einem Grad gebraucht werden, der keine andere Nutzung mehr ermöglicht. Wie man dieses Problem lösen könnte, wüßte sie allerdings auch nicht, ebenso wie sie sich den Drang nach Hundehaltung - in seltensten Fällen große Hunde - im Viertel nicht erklären könne.39


125

_110 ‘Fenster des Lebens’ - eine Babyklappe an der Geburtenklinik ‘Evangelium Vitae’


_111 Tanz- und Theaterkurs mit kleinen Kindern in der Einrichtung ISKIERKA

126

Evangelium Vitae

Interview mit Teresa Pasinska (Präsidentin der Einrichtung ISKIERKA, sie arbeitet dort seit 20 Jahren und mit Hubert Giezek (angestellter Psychologe, Pädagoge, leitet profilaktische Programme mit Kindern und Jugendlichen zum Thema Sucht) und mit dem Erzieher Marian Funktion: profilaktische Betreuungs-/Erziehungseinrichtung zur Nachmittagsbetreuung, Familienzentrum, Non-profit Organisation, Soziale Gruppenarbeit existiert seit: Leiter ist: Teresa Pasinska Träger: trägt sich selbst Finanzierung: Gemeinde Breslau, Mitgliedsbeiträge, Spenden, Stiftungen, wirtschaftliche Tätigkeiten Zielgruppe: Familien, Kinder, Jugendliche mit Konflikten, Armutsproblemen, Bedarf an Therapie/Nachhilfe/Förderung/ Grundversorgung in Form von Mahlzeiten


Mitten in Odertor befindet sich ein Platz mit einem Park, auf dem sich den ganzen Tag über Menschen aus verschiedensten Gruppen zusammenfinden und die Sonne, den Park und Gespräche genießen. In einem der angrenzenden Altbauten befindet sich mitsamt Hinterhofhaus die Einrichtung ISKIERKA, die in Form einer sozialen Gruppenarbeit Nachmittagsbetreuung für Kinder anbietet. Ich betrete das Treppenhaus und trete ein in eine Altbauwohnung mit großer Fläche, die in warmen Wandfarben angestrichen ist und in der überall Zeichnungen, Werke und Fotos von den Aktivitäten der Kinder und Jugendlichen präsentiert sind. In einem der angrenzenden Zimmer befindet sich das Büro der Leiterin, Teresa Pasinska. Sie erzählt mir vieles aus ihrer Zeit als Betreuerin in der Einrichtung, denn als Direktorin verwende sie viel mehr Zeit auf das Organisieren von Dingen und habe immer weniger direkten Kontakt zu den Kindern. Die Revitalisierung, auf die wir zu Beginn des Interviews zu sprechen kommen, bezeichnet sie als eine materielle und weniger als eine soziale oder gesellschaftliche Revitalisierung. Ähnlich wie Maria Gajek kritisiert sie die oberflächliche Behandlung des Themas zu Gunsten des Tourismus. Zwar seien bereits viele Spielplätze und derlei Angebote für Kinder geschaffen worden, aber für Jugendliche mangele es immer noch an Möglichkeiten die Freizeit zu verbringen. “Es ist eben viel einfacher für kleine Kinder etwas zu planen und zu gestalten.”, sagte sie. Sportplätze gäbe es zwar, doch meist sind sie an die Schulen angedockt und dementsprechend außerhalb der Öffnungszeiten nicht zugänglich. In Odertor gibt es keinen richtigen Jugendclub, in dem sie sich ungezwungen aufhalten könnten. Ihrer Erfahrung nach sollte es immer ein bewegungsintensives Angebot wie Sport- oder Tanzkurse für extrovertierte Kinder und ruhige Beschäftigungen wie Malen oder Basteln für introvertierte Kinder geben. Iskierka bietet Nachhilfe in Hausaufgaben an und versucht die Talente der Kinder und Jugendlichen zu fördern soweit es geht. Gemeinsam mit ihnen werden Angebote der Stadt wie zum Beispiel das große Kino in der Innenstadt oder Kegelclubs besucht. Um die ganz alltäglichen Bedürfnisse zu decken, wird eine kostenlose Mittagsmahlzeit angeboten und wann immer die Kinder das Bedürfnis zu haben über etwas zu sprechen, finden sie vor Ort Ansprechpersonen. Das Wahrnehmen dieses Angebots und damit Anmeldung des Kindes bei Iskierka ist freiwillig und auch nicht für alle Kinder geeignet, denn der Wille zur Mitarbeit seitens der Betroffenen sei entscheidend für eine positive Entwicklung. Bei der Anmeldung müssen die Eltern einen Fragebogen ausfüllen, der Auskunft über die Arbeitssituation, das Gehalt und die Wohnsituation einholt. Da der Andrang groß ist, werden viele Bewerber zunächst auf eine Warteliste gesetzt. In jeder Betreuungsgruppe gibt es zwischen 10 und 15 Kinder und einen zuständigen Betreuer, dennoch hat jedes Kind ein individuelles Förderprogramm auf seine Situation zugeschnitten bekommen. Die Einrichtung sehe sich selbst nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zu den Möglichkeiten, die die Eltern bieten können. Alle Maßnahmen würden mit den Eltern abgesprochen und konsultiert werden, ebenso wie die Entwicklung des Kindes und jegliche Auffälligkeiten. Um dies zu gewährleisten, finden regelmäßige Treffen mit den Eltern vor Ort statt.

warme Wandfarben

Aufenthaltsort für Jugendliche

127


Heim für Jugendliche, die ihre Volljährigkeit erreicht haben

128

Boxtraining

Trennung von Ausbildungsbereich und Wohnbereich Angebot fuer sexuell misshandelte Jugendliche 40 vgl. Interview mit ISKIERKA Mitarbeitern am 14.03.2014

Zusätzlich werden Workshops angeboten, die zwischen den Eltern und Kindern vermitteln sollen wie zum Beispiel gemeinsames Backen oder Basteln. In seltenen Fällen entscheidet das Familiengericht gegen den Willen der Eltern, dass das Kind jeden Tag nach der Schule zunächst für einige Stunden diese Tageseinrichtung aufsuchen soll und sollte ein Kind vermehr nicht erscheinen, wird nachgehakt und nach dem Grund gesucht. Projekte, bei denen Jugendlichen zusammen mit Betreuern wohnen, wenn sie beispielsweise das Heim mit Erreichen der Volljährigkeit verlassen, seien ihr bekannt, allerdings nicht vor Ort. Positiv bewertet sie außerdem Projekte, bei denen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen direkt vor Ort eine Ausbildung absolvieren können bzw. sollen. Nach dem Gespräch mit der Leiterin bin ich mit einer der Betreuungsgruppen und ihrem Betreuer verabredet. Als ich im Hinterhaus das Treppenhaus bis nach ganz oben durchschreite, trete ich in eine kleine Wohnung, in der es eine kleine Teeküche gibt, einen Fernseh- und Computerraum, einen Raum mit Spielkonsole und weitere Räume für therapeutische Gespräche, Malen und Fitness. Die Jugendlichen sind zwischen 13 und 16 Jahre alt und ihr Verhalten meinem Besuch gegenüber schwankt zwischen Schüchternheit und neugieriger Offenheit, je nach individuellem Charakter und Thema, das ich gerade anspreche. Fast die Hälfte der Gruppe besteht aus Jugendlichen der ethnischen Roma bzw. Sintigruppe und sie sprechen fließend Polnisch, was nicht die Regel sei. Der Betreuer erklärt, dass sie bereits seit einigen Generationen in Polen leben. Ich bin erstaunt, mit wieviel Eifer die Jugendlichen die Revitalisierung kritisieren und reflektieren und dass ihnen der Begriff überhaupt geläufig ist. Sie kritisieren die Restaurierung von Fassaden anstelle der teils degradierten Straßenbeläge. In Aktionen wie Verschönerungen von Treppenhäusern sehen sie wenig Sinn, weil sie häufig die Erfahrung gemacht haben, dass nach wenigen Wochen der alte Zustand auf Grund von Vandalismus in Form von Verschmutzung und Wandschmierereien wieder hergestellt sei. Sehr beliebt sei bei den Jugendlichen das Spielen auf dem Fußballplatz und zusätzlich würden sie sich einen Ort wünschen, wo sie Boxtraining erhalten könnten. Tendenziell interessieren sie sich viel mehr für Kunst als für Handwerk, allerdings steht unter den technischen Berufen das Arbeiten mit Kraftfahrzeugen und generell Motoren hoch im Kurs. Was der Betreuer gemeinsam mit dem Psychologen noch betonen, ist die Notwendigkeit Angebote möglichst kostenlos zu organisieren. Die Armut sei ein vordergründiges Problem in den Familien und lasse sich mittelfristig nicht beheben. Würde man eine schulische Einrichtung oder einen Raum für Ausbildungen mit einer Wohneinrichtung kombinieren, müssten diese beiden Komponenten in separaten Gebäuden vorhanden sein, um eine Negativassoziation auf Grund von Pflichtgefühlen mit dem eigenen Wohnraum zu vermeiden. Suchtprobleme haben im Stadtteil zahlreiche Kinder und Jugendliche, wie der Psychologe aus seinen prophylaktischen Sitzungen an den Schulen berichten kann, allerdings gäbe es an dieser Stelle bereits genügend Angebote im Stadtraum Breslau. Hinsichtlich der sexuell misshandelten Mädchen und Frauen im Stadtteil herrsche Nachholbedarf, der durch eine Wohneinrichtung oder dergleichen ausgeglichen werden müsste.40


129

_112 Beim gemeinsamen Backen kommen sich Eltern und Kinder näher.


2.5 Analyse Baufeld Schwestern der heiligen Elisabeth

H

130

Streetart

Werbung für Mützenfabrik aus deutscher Zeit

Malerbedarf für Fassaden

Reparatur und Verkauf


Verkauf und Montage von Autoradios

EG EG

Buero fuer Handelsrecht

Schneideratelier

Kleidung zu besonders guenstigen Preisen

Boutique und Schneideratelier

Vertrieb von Textilien fuer Hochzeitskleider

Konditorei

131

Bar und Billard

Copyshop und Schreibwaren

Reifenhandel Friseur, Schoenheitssalon, Kosmetik, Nagelstudio

Autoteile und Zubehoer

_113 Analyse Baufeld.


SWOT Analyse

Stärken _ Großteil der Grundstücke gehört der Stadt _ Die Innenstadt ist fußläufig erreichbar _ Gute Verkehrsanbindung _ Nähe zu Grünflächen, Parks und zur Oder _ Markt funktioniert in der aktuellen Form bereits seit den 90er Jahren41 _ Anschluss an Hauptgeschäftszonen im Stadtteil _ Vorhandene Konditorei und Pub lassen auf den Bedarf an Gastronomie schließen _ Zahlreiche kleinere und größere Grundstücke in unterschiedlichen Formen vorhanden _ Spiel- und Sportplätze vorhanden _ Lage an einer Schnittstelle zwischen Odertor, Kletschkau, Bürgerwerder und Innenstadt Schwächen _ Mangelnde Ästhetik des Marktes _ Leerstände von Gebäuden und Geschäftsflächen im EG _ Markt wird von der Stadt bereits stufenweise abgebaut _ Illegales Parken auf Brachflächen _ Sehr offene, undefinierte Städtebaustrukturen _ Verwahrlosung der Innenhöfe _ Bisher wenige Renovierungen _ Unklares Straßennetz _ Im Inneren des Konglomerats keinerlei Gastronomie etc. _ Inhomogene Bebauung _ Keine größere Veranstaltungshalle vorhanden _ Hohe Dichte an Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern in der Nähe _ Randlage innerhalb des Quartiers

132

41 vgl. Gazeta Wroclaw (2013): Artystyczne targowisko na Nadoodrzu. Warto tam zajrzec


Chancen _ Fläche und städtebauliche Situation für kleinen Platz mit Gastronomienangeboten ist vorhanden _ Offene Lücken, die neu interpretiert werden können (nicht zwangsläufig als Blockstrukturen) _ Marktstände gibt es lokal auch an anderen Stellen -> Bündelung wäre denkbar _ Potenzielle Erweiterung des gastronomischen Angebots der Hotels; Anlieferung und Belieferung _ Schulen in der Nähe _ Büro- und Geschäftshaus in der Nähe geplant bzw. bereits errichtet _ Elektroheizwerk in der Nähe -> Mitarbeiter sind potenzielle Kunden, außerdem industrielles Flair _ Mangel an Restaurants durch Angebot erweitern _ Bewohner werden zu eigenen Gartenaktionen animiert _ Blickbezug zu den Kaminen _ graduelle Gentrifizierung mit temporären Nutzungen von Gebäuden und Brachflächen in einem Langzeitszenario _ Angebot für Studenten aus der Umgebung _ JVA in der Nähe stellt Bedarf an Resozialisierung dar _ Bedarf an Wohnungen für Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen bzw. aus Heimerziehung kommend vorhanden _ eine Markthalle könnte als Mehrzweckhalle für lokale Events, Märkte und Feste dienen Risiken _ Markt soll von der Stadt in Zukunft geschlossen werden _ Konkurrenz durch günstige Supermärkte _ Mangelnde Kundschaft durch Randlage _ Gentrifizierungsprozess geht zu schnell voran -> Bewohner müssen ausziehen und lokale Potenziale gehen verloren _ Vandalismus in den Außenflächen _ Geringe Wertschätzung, mangelnde Akzeptanz seitens der Anwohner _ Ablehnung/Stigmatisierung der Jugendlichen _ Gewalt/Vandalismus seitens der Jugendlichen _ Gastronomie fördert öffentliche Trunkenheit

133


-

134

Revitalisierung -


kapitel

3

135


3.1 Begriff der Revitalisierung in Polen

136

Wettbewerbsfaehigkeit der Stadt erhoehen, touristisches Potenzial nutzen, Arbeitsplaetze schaffen

42 vgl. Sieminski, Topczewska, 2009, S. 18f 43 vgl. Markowski, Stawasz, 2007, S. 38 44 vgl. Markowski, Stawasz, 2007, S. 37 45 vgl. Markowski, Stawasz, 2007, S. 18 46 vgl. Sieminski, Topczewska, 2009, S. 17 47 vgl. Markowski, Stawasz, 2007, S. 38f 48 vgl. Markowski, Stawasz, 2007, S. 5 49 vgl. Markowski, Stawasz, 2007, S. 42 50 vgl. Sieminski, Topczewska, 2009, S. 17 51 vgl. Markowski, Stawasz, 2007, S. 19

In Polen gibt es zahlreiche Städte, die Strukturen aus dem 19. oder frühen 20. Jahrhundert innehaben und dessen Zustand zu wünschen übrig lässt - nicht nur für repräsentative Zwecke für Touristen, sondern auch für die Bewohner selbst. In den Jahren 2004 bis 2008 fanden dank finanzieller Unterstützung durch die EU zahlreiche Revitalisierungsprojekte in Polen statt. Ingesamt sind es 178 Projekte, von denen 65 Projekte die Aufwertung von öffentlichen Räumen und 62 Projekte die Renovierung von Gebäuden verfolgt haben.42 Doch was bezeichnen die polnischen Stadtplaner und Behörden als Revitalisierung und auf welche Gebiete treffen diese Maßnahmen zu? Welche Methoden implizieren sie, um welche Ziele zu erreichen? Per Definition bezeichnet Revitalisierung einen komplexen Prozess, bei dem der Standard und der Zustand der gebauten Umgebung verbessert wird, die sozialen Netzwerke gestärkt werden, die öffentlichen Räume in ihrer Ästhetik aufgewertet werden, die Außen- und Freiflächen aufgewertet und die Infrastrukturen ausgebaut werden.43 Die problematische Degradation von Stadtteilen insbesondere in der Periphärie erfolgt paradoxerweise durch den wirtschaftlichen Aufschwung. Durch die neu hinzugezogenen Bewohner entsteht ein Gefälle zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt, was zu einem unkontrollierten Auslaufen der Stadt führt, was verhindert werden sollte. Die Flächen am Rand der Stadt werden dann ohne das Einhalten von übergeifenden planerischen Maßnahmen für Wohnungen, Gewerbe, Lagerhallen und Handelszentren - den sogenannten Hypermarkets - genutzt.44 Die Funktionen einer Stadt und somit auch ihre Entwicklung in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht ist unmittelbar mit ihrer Flächennutzung verbunden und scheitert daher in diesem Fall.45 Revitalisierungsmaßnahmen betreffen vor allem degradierte Stadtteile und Brachflächen von ehemaliger Industrie- und Militärnutzung. Die ehemaligen sozialen und wirtschaftlichen Funktionen sollen auf zeitgemäße Art wieder aufleben.46 Dieser Prozess muss nicht nur die Stadtverwaltung, sondern auch Institutionen, Organisationen, private Investoren und die Bewohner miteinbeziehen, um mit voller Kraft wirken zu können. Bürgerliche Partizipation ist nicht mehr wegzudenken, um eine Aufwertung der Wohn- und Lebensumgebung zu erreichen. In erster Linie wird bei einer Revitalisierung versucht, negative Tendenzen zu verhindern bzw. zu entschleunigen. Gemeint sind damit die Degradation von Gebäuden und Umgebung, soziale Misstände, das Abwandern von wohlhabenderen Gesellschaftsschichten und die Zerstörung von erhaltenswürdiger Architektur.47 Die Ziele sind genauso vielfältig, wie die Mittel, mit denen sie umgesetzt werden sollen. In wirtschaftlicher Hinsicht soll durch die Revitalisierung die Konkurrenzfähigkeit der Stadt erhöht werden, um damit die Einnahmen und das Budget der Stadt zu erhöhen.48 Außerdem sollen neue Arbeitsplätze geschaffen werden - besonders für die Bewohner, die in dem Stadtteil leben.49 Das Potenzial für Tourismus soll zusätzlich gestärkt werden, was mit einer erhöhten wirtschaftlichen Aktivität und der gesteigerten Konkurrenzfähigkeit einhergeht.50 In sozialer Hinsicht soll das Abwandern der Bewohner aus der Stadt verhindert bzw. das Hinzuziehen von neuen Bewohner gefördert werden.51


Außerdem sollen soziale Missstände behoben und die gesellschaftliche Isolation bestimmter Gruppen im Stadtteil vermieden werden.52 Der revitalisierte Stadtteil soll in den großen Kontext der Stadt eingebunden werden, um so ein stimmiges, harmonisches Stadtgefüge zu generieren.53 Konkret in der Umsetzung bedeutet dies, dass bauliche, städtebauliche und wirtschaftliche Maßnahmen vorgenommen werden müssen. Es gilt demnach nicht, bloß die konkrete Materie des Stadtteils zu verwandeln, sondern auch weiche Faktoren zu beeinflussen, die nicht direkt mit Aktivitäten von Investitionen verbunden sind, dennoch die sozialen und wirtschaftlichen Potenziale des Viertels aktivieren können. Die Gebäude müssen, je nach Zustand der Wohnungen und kulturellem Erhaltenswert der baulichen Substanz renoviert und restauriert werden. Die öffentlichen Plätze gilt es auszubauen, zu ordnen und neu zu bespielen. Wegenetze entlang von Wasserflächen sollen ausgebaut werden, um so die Stadt wieder ‘näher am Wasser’ zu haben und die geografischen Gegebenheiten als Potenzial für Naherholungsflächen zu nutzen. Die Straßen, aber auch die Fußwege gilt es ebenso wie die ÖPNV Anbindung an kulturelle Einrichtungen und Einrichtung für Bildung zu verbessern.54 Da das Parken an vielen Stellen ein Problem ist, da die Baustruktur zu einer Zeit entstanden ist, als es Kraftfahrzeuge in dem Maße noch nicht gab, müssen im Rahmen der Revitalisierung auch neue Parkmöglichkeiten für Bewohner und Besucher geschaffen werden. Vorhandene, freie Grundstücke sollen neu genutzt bzw. bebaut werden und beim Errichten und Investieren in Gewerbe sollte der Fokus auf Dienstleistungsgewerbe liegen. Außerdem sollte neu entstehender Wohnungsbau möglichst innovativ sein und eine große Bandbreite an Standards anbieten.55 Beim Umgang mit alter Bausubstanz ist auf das Erhalten der alten Fassade im übertragenen wie auch im ganz konkreten Sinn zu achten und sämtliche neue Architektur sollte sinnvoll und harmonisch in den historischen Kontext eingebettet werden.56 Um den Standard der Wohnungen in den Altbauten besser kontrollieren und aufwerten zu können, kauft die Stadt nach dem Tod der Mieter die Wohnungen ein, um sie dann nach einer Renovierung zu vermieten bzw. zu verkaufen.57 Neben diesen Maßnahmen wird in der gängigen Literatur zu Revitalisierungsmaßnahmen in Polen kritisiert, dass die Analysen des städtischen Kontexts mangelhaft seien. Das Scheitern so mancher Maßnahmen sei damit zu erklären, dass neben den ganz konkreten baulichen Strukturen keine weiteren, weichen Faktoren behandelt worden sind, um auf ihnen aufzubauen. Die Analysen als Grundlage für jegliche Masterpläne fassen in ungenügendem Maße soziale und wirtschaftliche Probleme und Potenziale zusammen.58 Dies ist in Masterplänen für Revitalisierungskonzepte in Zukunft zu beachten.

gesellschaftliche Isolation von sozialen Gruppen vermeiden

soziale und wirtschaftliche Potenziale nutzen

neue Parkmoeglichkeiten

innovativer Wohnbau, grosse Breite an Standards

52 vgl. Markowski, Stawasz, 2007, S. 25 53 vgl. Markowski, Stawasz, 2007, S. 40 54 vgl. Sieminski, Topczewska, 2009, S. 5 55 vgl. Markowski, Stawasz, 2007, S. 19 56 vgl. Markowski, Stawasz, 2007, S. 42 57 vgl. Markowski, Stawasz, 2007, S. 50 58 vgl. Markowski, Stawasz, 2007, S. 38

137


3.2 Masterplan Revitalisierung Odertor

138 niedriges Bildungsniveau in Odertor

Marktplatz als händlerisches Konglomerat

59 vgl. Wroclawska Rewitalizacja (2013): Przedmiescie Odrzanskie Masterplan Analizy, S. 22 60 vgl. Wroclawska Rewitalizacja (2013): Przedmiescie Odrzanskie Masterplan Analizy, S. 11f 61 vgl. Wroclawska Rewitalizacja (2011): Przedmiescie Odrzanskie Masterplan Analizy, S. 98 62 vgl. Wroclawska Rewitalizacja (2013): Przedmiescie Odrzanskie Masterplan Analizy, S. 100 63 vgl. Wroclawska Rewitalizacja (2013): Przedmiescie Odrzanskie Masterplan Analizy, S. 32

3.2.1 Analyse Masterplan Geschichte Odertor Das Handwerk wird aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts verbannt, sodass sich die Stadt in elitäre und handwerkliche Stadtteile aufgliedert. In den Stadtrandbezirken werden die meisten Wohnungen entlang der Haupttrassen an Handwerker vermietet. Im Zuge dieser Entwicklung verwandeln sich die Bauten in den Innenhöfen der Randbebauung von Holzbauten zu gemauerten Hinterhofhäusern, die als Werkstätten, Gewerbebauten oder aber Wohnungen genutzt werden. Der Wachstum der Stadt führt zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu einer Verlagerung der Stadtperipherie an die weiter entfernten Randgebiete, sodass der Odertorstadtteil wieder Teil der Innenstadt wird und sich in ein Gebiet mit kleinteiligerem Industriegewerbe entwickelt. Unter dem aufblühenden Kaiserreich entsteht in dem davon profitierenden Stadtteil Odertor die bis heute charakteristische Blockrandbebauung, die sich an alten Handelsrouten orientiert.59 Während des 2. Weltkriegs jedoch werden weite Teile von Breslau und somit auch dieses Viertels zerstört. Lange Zeit bleibt Odertor ohne jegliche Unterstützung seitens des Staats, bis Polen 2004 der Europäischen Union beigetritt und im Jahr 2009 die Maßnahmen im Rahmen des lokalen Revitalisierungskonzepts bewilligt werden.60 Soziale Aspekte Die Arbeitslosenquote in Polen hat 2010 13% betragen, in Breslau allerdings nur 5,5%. Auffallend ist, dass der Anteil an Personen mit akademischem Abschluss mit 22,7% mehr als zwei Mal so hoch ist wie in Polen durchschnittlich, nämlich 9.5%. Unter den Arbeitslosen im Bereich von Odertor haben nur 30% einen Mittelstufenschulabschluss bzw. einen niedrigeren Schulabschluss erreicht, was von einem generell niedrigen Bidlungsniveau zeugt. Markant ist der Anteil der weiblichen Bewohner unter den Arbeitslosen, der mit 56% überwiegt.61 37% der Empfänger von Sozialhilfe in Form von finanzieller Unterstützung, aber auch Begleitung und Hilfestellung durch Sozialarbeiter bilden Kinder und Jugendliche unter 17 Jahren.62 Wirtschaftliche Aspekte Besonders der östliche Teil von Odertor ist mit mehreren, freiliegenden Grundstücken, nahezu Brachflächen versehen. Man kann feststellen, dass in diese Region noch nicht genügend investiert worden ist und somit ein großes Potential zur weiteren Entwicklung vorliegt.63 Eine wichtiges, händlerisches Konglomerat bildet der Martkplatz an der Ptasiej Straße. Den größten Anteil beim Handelsgewerbe machen kleine Supermärkte mit 40% aus. Nahezu jeder Bewohner in Odertor hat einen Supermarkt im Umkreis von 100m in seiner Reichweite. Eine weitere Spezialität in Odertor sind Geschäfte und Gewerbe mit einem sehr spezifischen Sortiment, wie beispielsweise einem Uhrenglasmacher, einem Geschäft mit Imkerzubehör oder einem Geschäft mit alten Briefmarken und Münzen. Das Handwerk ist mit über 150 Betrieben im Viertel stark vertreten, außerdem gibt es zahlreiche Friseurläden, Geschäfte mit


Second-Hand Kleidung und kleinen, privaten Bäckerein, die sich großer Beliebtheit erfreuen. Ein weiteres Charakteristikum sind die zahlreichen Pfandhäuser, die auf die finanzielle Lage der Bewohner schließen lassen. Nur 5% der Lokale im Stadtteil Odertor – insgesamt circa 40 Lokale werden für gastronomische Zwecke genutzt, was angesichts der Bewohnerzahl von ca. 30.000 Einwohnern sehr gering ist. Zu ihnen werden auch Spielsalons gezählt, die ein Viertel der Lokale ausmachen. Die restlichen Gastronomieeinrichtungen bieten überwiegend einfaches, hausgemachtes Essen für geringes Entgelt an. Außer den Lokalen, die in den Hotels integriert sind, gibt es kein einziges Restaurant im Stadtteil. Gut funktionieren die Lokale um den Bürokomplex am Bema Platz, da dort viele Menschen geschäftlich unterwegs sind und die Angebote in der Mittagspause aufsuchen. In den bereits renovierten Gebäuden stehen zahlreiche Ladenlokale leer, da die Gesetzeslage es verbietet, die Mieter finanziell durch staatlische Hilfe zu unterstützen, sodass sie nach Vollendung der Renovierung ausziehen müssen und das Lokal geschlossen wird.64 Aktuelle Tendenzen Es werden zahlreiche Projekte ins Leben gerufen, die die nachbarschaftliche Beziehungen im Stadtteil stärken sollen. So entstand zum Beispiel das Unterstützungszentrum an der Rydygiera Straße mit einigen Wohnungen für Mütter mit Kindern, Jugendlichen zum verselbständigen und zur nachbarschaftlichen Hilfe vor Ort. Es soll Räumlichkeiten für soziale Gruppenarbeit, für Kriseninterventionswohnungen als temporäre Unterkunft und Wohnungen für körperlich behinderte Menschen geben. Die Anzahl der Plätze ist begrenzt, für jede Zielgruppe gibt es circa 10 Wohneinheiten.65 Die Idee eines betreuten Wohnens für Jugendliche und andere Personen findet demnach trotz der bedenklichen Ausdifferenzierung von Erziehungsheimen momentan Anklang und ist demnach gesetzlich, aber auch finanziell durchsetzbar. Das Projekt des Unterstützunsgzentrums ist ein erster Schritt in die Richtung von sozialen Einrichtungen ähnlich wie in Westeuropa und sollte durch weitere Projekte ausgebaut werden, um den Anfragen und dem Bedarf in polnischen Städten wie Breslau gerecht zu werden. SWOT Analyse Im übergeordneten Kontext haben sich im Rahmen der SWOT Analyse für den Masterplan von Odertor eine Reihe von Stärken, Defiziten, Chancen und Gefahren ergeben. Besonders hervorgehoben wird das Potenzial der zentralen Lage und der Nähe zur historischen Altstadt. Das Quartier wird als ein Quartier der kurzen Wege beschrieben, da sämtliche Einrichtungen für den alltäglichen Gebrauch vor Ort zu finden sind, sowohl Gewerbliche, als auch Soziale. Kritisch gesehen wird das mangelnde Bewusstsein vor Ort für eben diese Potenziale und ein Mangel an Willen sich eine überregionale Rolle zu erarbeiten. Nicht zuletzt macht das negative Image eines gefährlichen und sozial prekären Stadtteils Odertor massiv zu schaffen. 2016 wird Breslau Kulturhauptstadt Europas sein und 2017 werden die World Games, d.h. Spiele, die nicht zu den olympischen Spielen dazu zählen, stattfinden. Bei den funktional-räumlichen Aspekten

gastronomisches Angebot erweitern

139 betreutes Wohnen fuer Jugendliche

Quartier der kurzen Wege

ueberregionale Rolle einnehmen 64 vgl. Wroclawska Rewitalizacja (2013): Przedmiescie Odrzanskie Masterplan Analizy, S. 104ff 65 vgl. MOPS (2010): Unterstützungszentrum Odertor


ansprechende Gestaltung der Erdgeschosszonen

140

adaequate Anpassung an die historische Substanz im Viertel

Freizeitangebot Jugendliche

66 vgl. Wroclawska Rewitalizacja (2013): Przedmiescie Odrzanskie Masterplan Analizy, S. 118ff

gilt als positiv, dass bereits zahlreiche Teile von Odertor als denkmalwürdig registriert sind und einige Bauwerke als Denkmäler bereits eingetragen sind. Die infrastrukturelle Anbindung an die Innenstadt ist gut ausgebaut und es gibt zahlreiche freie Baufelder, die zum Bauen und Neuplanen als Investition einladen. Einige Stellen jedoch sind jedoch nicht als Baulücken, sondern als Brachflächen in der Stadt anzusehen und unterliegenden einer zunehmenden Degradation bzw. einer illegalen Umnutzung als Parkfläche – an denen mangelt es in Odertor in allen Teilen massiv. Einige Straßen sind sehr eng und die Nähe des Elektroheizwerks wird laut Analyse des Masterplans als negativ bewertet. Die Gestaltung der Erdgeschosszonen, Eingänge und Beschilderungen von Geschäften wird an vielen Stellen als ästhetisch mangelhaft bezeichnet. Die Entwicklung der angrenzenden Stadtteile wird als potentieller, positiver Impuls für den Odertorstadtteil angesehen. Eine flächendeckende Renovierung des Stadtteils, der durch die Blockrandbebauung aus dem 19. Jahrhundert einen besonderen Charakter besitzt, würde ihn besonders aufwerten. Doch nicht nur Renovierungen, sondern auch neue Bebauungen mit möglicherweise sozialen Einrichtungen zur Unterstützung der Bewohnerschaft könnten dem Stadtteil bei der Hilfe zur Selbsthilfe unterstützen. Die Gefahr liegt in den mangelnden Lösungen für Parkflächen, im Vandalismus in umgenutzten, angeeigneten Außenflächen in den Innenhöfen und in der nicht adäquaten Implementierung von Gebäuden, die den Stil der historischen Substanz ignorieren bzw. Funktionen beinhalten, die im Konflikt zum Konzept des Stadtteils und den benachbarten Nutzungen stehen. Im Hinblick auf die sozialen Aspekte werden die nachbarschaftlichen Beziehungen als besonders eng beschrieben, was auch durch die zahlreichen Organisationen und Netzwerke, die momentan enstehen, unterstützt wird. Kritisch wird außerdem der hohe Anteil an Einwohnern, der soziale Unterstützung bzw. arbeitslos ist und die alternde Bewohnerschaft im allgemeinen betrachtet. Wie bereits erwähnt, ist das Bildungsniveau der Bewohner besonders niedrig im Vergleich zur akademikerlastigen Stadt Breslau. Besonders für Jugendliche gibt es nicht genügend Möglichkeiten ihre Freizeit zu verbringen und die Kriminalitätsrate ist markant hoch. Es könnten Arbeitsplätze für die Bewohner geschaffen werden, die sich an den beruflichen Möglichkeiten und Wünschen der Bewohner anlehnen. Eindeutig interessant im wirtschaftlichen Sinne sind die zahlreichen, spezialisierten Geschäfte im Stadtteil und die niedrigpreisigen Geschäfte, die für die Bewohner mit oft niedrigem Einkommen leicht zugänglich sind. Es gibt zunehmend Jungunternehmer, die in der kreativen Branche tätig sind und sich für den Stadtteil als neuen Standort interessieren. Problematisch sind die zahlreichen Leerstände und die technische Ausstattung der Lokale, die eine Installation von Haustechnik für den gastronomischen Bereich erschweren. Das Anziehen von Kundschaft wird durch die schwierigen Möglichkeiten zu Parken zusätzlich erschwert. Potenziell könnte man durch innovative Finanzierungskonzepte wie beispielsweise Mikrokredite junge Unternehmen mit neuen Ideen, Produkten und Serviceleistungen anziehen ebenso wie bestehende handwerkliche Betriebe unterstützen, um den handwerklichen Charakter der Viertels beizubehalten und nicht untergehen zu lassen.66


3.2.2 Konzeption Masterplan Bürgerdiskussionen Im Rahmen der Umsetzung des Masterplans wurden im Mai 2012 Diskussionen mit den Bewohnern geführt, bei denen die Teilnehmer und Besucher die Möglichkeit hatten, Themen anzusprechen, die ihrer Meinung nach im Hinblick auf die Revitalisierung am dringendsten sind. Dabei sind vordergründig Themen zur Sprache gekommen wie der Bedarf an Sozialund Genossenschaftswohnungen, Vandalismus und öffentliche Trunkenheit, Mangel an Parkmöglichkeiten und die Gestaltung der Innenhöfe der Blockrandbebauung. Außerdem wurde die Anzahl an Spielmöglichkeiten und Sportplätzen als mangelhaft bewertet. Eine Renovierung der Fassaden und der technischen Ausstattung der Wohnungen wurde als sehr dringend empfunden. Die Bewohnerschaft wünscht sich ein höheres Maß an Sicherheitsgefühl im Viertel, ein größeres Freizeitangebot für verschiedene Altersgruppen, kulturelle Events und Straßenfeste und vermehrte Einrichtungen für ältere Menschen, Kinder und Jugendliche aus Familien mit schwierigen Verhältnissen. Ein weiterer Punkt, den die Bewohner aktuell kritisieren, ist der Defizit an gastronomischem Angebot in Odertor. Die strategischen Ziele wurden den Teilnehmern der Diskussionsrunde vorgestellt, sodass sie wählen konnten, welche Ziele ihnen am wichtigsten erscheinen. Ganz klar oben stand die Erhaltung der Funktion von Odertor als Wohngebiet und die Verbesserung der Wohnzustände, sowohl in der Bandbreite des Angebots als auch in der baulichen Substanz. Bei der zweiten Diskussionsrunde im Dezember 2012 wurde vermehrt das Thema der sozialen Missstände und des mangelnden Freizeitangebots für Jugendliche angesprochen. Aus diesen Diskussionen ergibt sich ein Dokument mit strategischen Zielen für die Revitalisierung von Odertor.67 Überregionaler Kontext Vor dem Hintergrund der sich immer weiter ausbreitenden Auswirkung in der Altstadt von Breslau auf die Umgebung ist die Anbindung von Odertor an das südliche Flussufer und die dazwischen liegenden Oderinseln von großer Bedeutung. Der nördlich angrenzende Stadtteil Kletschau wird in Zukunft besonders im östlichen Teil zu einem Mischgebiet ausgebaut werden, was wiederum ein Ansteigen des Bedarfs an öffentlichen Einrichtungen hervorrufen wird. Außerdem wird Odertor somit in gewissem Maß die Rolle des Dienstleistungsquartiers als ergänzendes Angebot zu kommen, was es bei zukünftigen Investition zu beachten gilt. Das Heizkraftwerk im Westen von Odertor funktioniert als eigenständiger Organismus und hat in dem Sinne wenig Einfluss auf das Leben im Quartier. Den größten Einfluss hat es durch den hervorgerufenen industriellen Charakter und die Fernwirkung der zwei Schornsteine als Wahrzeichen dieser Gegend. Die Nähe zum Fluss soll durch den Ausbau einer Spazier- und Radwegtrasse in Zusammenarbeit mit den angrenzenden und gegenüberliegenden Stadtteilen ausgebaut werden. Durch das Potenzial des Stadtteils ein alternatives Touristenhighlight für kulturell interessierte Klientel zu werden, soll in Zukunft auch das Angebot an Übernachtungen und Gastronomie erweitert werden.68

Gestaltung der Innenhoefe, groesseres Freizeitangebot, Parken, Strassenfeste, Events, gastronomisches Angebot

141

Rolle Odertors als Dienstleistungsquartier Fernwirkung der industriellen Schornsteine 67 vgl. Wroclawska Rewitalizacja (2013): Przedmiescie Odrzanskie Masterplan Koncepcja, S. 12ff 68 vgl. Wroclawska Rewitalizacja (2013): Przedmiescie Odrzanskie Masterplan Koncepcja, S. 22ff


142

_114 Bereits revitalisierter Innenhof in einer der Blockbebauungen in Odertor.


143

_115 Viele Stellen in Odertor benรถtigen dringend eine Revitalisierung - nicht nur der Bausubstanz.


144

Maerkte als Ergaenzung zum Angebot in den Geschaeften

69 vgl. Wroclawska Rewitalizacja (2013): Przedmiescie Odrzanskie Masterplan Koncepcja, S. 114f

Märkte Märkte und der Verkauf von Waren auf der Straße im Allgemeinen findet in Odertor besonderen Anklang. Die Waren, die auf diesen Straßenständen angeboten werden, können nicht unter lukrativen Umständen in den Geschäften vertrieben werden und bieten den Bewohnern die Möglichkeit, seltene, exotische Früchte- und Gemüsesorten und Gewürze zu kaufen, die es sonst nicht so einfach zu kaufen gibt. In Odertor gibt es mehrer Stellen, an denen Straßenmärkte etabliert worden sind, allerdings werden es mit der Zeit immer weniger, da sie häufig auf Grundstücken stehen, die an private Investoren verkauft worden sind bzw. werden. Der Bedarf an solchen Flächen für dieses Angebot ist deutlich spürbar, allerdings ist die Ästhetik und die allgemeine Erscheinung dieser Märkte oft mangelhaft. Die feste Bebauung des größten Marktes an der Ulicy Ptasia soll in Zukunft komplett abgebaut werden, was zum Teil bereits geschehen ist.69 Seit den 60er Jahren existierte der Straßenmarkt am Park Strzelicki nördlich des heutigen Standorts. In den frühen 90er Jahren war der verlagerte Markt


145

illegal, 1995 regelten die Händler den Betrieb vertraglich mit der Stadt und bauten erste Kioskstände auf. Heute leidet der Markt sichtlich an der steigenden Konkurrenz durch Supermärkte. Seit 2013 existieren Pläne die Marktstände und den Platz zu erneuern, um die Qualität zu steigern und den Ort als gesellschaftlichten Magnetpunkt beizubehalten.70 Wichtig ist es in Zukunft Flächen auszuweisen, an denen Aktivitäten dieser Art stattfinden können, womöglich entweder in Form von temporären Marktständen oder eines Ortes, der einen allgemeinen Rahmen für einen Markt, aber auch für andere kulturelle und gesellschaftliche Events des Stadtteils bieten könnte, beispielsweise in Form einer Markthalle oder eines Platzes. Bei einer Planung einer solchen Funktion ist es wichtig, Parkflächen für die potenziellen Besucher und Konsumenten miteinzuplanen, die zu den Uhrzeiten des Marktes einen höheren Preis als zu den üblichen Zeiten kosten würden.71

_116 Marktstände an der Ulicy Ptasia.

Ort für Maerkte und Feste schaffen

70 vgl. Gazeta Wroclaw (2013): Artystyczne targowisko na Nadoodrzu. Warto tam zajrzec 71 vgl. Wroclawska Rewitalizacja (2013): Przedmiescie Odrzanskie Masterplan Koncepcja, S. 114f


Ziele des Masterplans

Strategische und operative Ziele „Ziel ist es, Rahmenbedingungen für eine ausgeglichene, nachhaltige Entfaltung des Viertels zu sorgen, die adäquat für die Rolle und Bedeutung von Odertor im Kontext von Breslau erscheint und gleichzeitig für eine Verbesserung der Lebensqualität, des Wohnens und des Arbeitens sorgt.“72 Überregionaler Kontext „Das Stärken der räumlich-funktionalen Bindungen vo Odertor, die aus der Lokalisierung im Kontext der Stadt erfolgt.“73 Nutzungsfunktionen „Das Erhalten und Stärken der Funktion Odertors als Mischgebiet mit verschiedenen Formen des Wohnens und Dienstleistungs- und Handelgewerbes“74 Wohnen „Das Stärken der Wohnfunktion und das Anpassen der Wohnstandards an die aktuellen Standards.“75 Außenflächen „Die Modernisierung der Innenhöfe der Blockrandbebauung und die Verbesserung des Wohnumfeldes.“76

146

öffentliche Räume „Das Erneuern von öffentlichen Räumen auf eine Art und Weise, die den Charakter des Viertels respektiert und gleichzeitig eine Modernisierung und Anpassung an die heutigen Bedürfnisse garantiert.“77

72 Wroclawska Rewitalizacja (2013): Przedmiescie Odrzanskie Masterplan Koncepcja, S. 20 73 Wroclawska Rewitalizacja (2013): Przedmiescie Odrzanskie Masterplan Koncepcja, S. 29 74 Wroclawska Rewitalizacja (2013): Przedmiescie Odrzanskie Masterplan Koncepcja, S. 36 75 Wroclawska Rewitalizacja (2013): Przedmiescie Odrzanskie Masterplan Koncepcja, S. 42 76 vgl. Wroclawska Rewitalizacja (2013): Przedmiescie Odrzanskie Masterplan Koncepcja, S. 50 77 Wroclawska Rewitalizacja (2013): Przedmiescie Odrzanskie Masterplan Koncepcja, S. 72


Grünraum „Das Erhalten und Stärken des grünen Charakters von Odertor und das Pflegen von Grünanlagen als Ort für Freizeit, Sport und Erholung.“78 Bebauung „Das Schützen des kulturellen und historischen Werts der Bebauung, die Erhaltung, Rekonstruktion und Weiterentwicklung der Blockrandbebauung und Innenhofbebauung.“79 Soziale Aspekte „Das Implementieren von Funktionen, die den Zusammenhalt und die Indentifizierung mit dem Viertel stärken, die Unterstützung von Intitiativen und Aktivitäten von Bewohnern und das Bilden von Netzwerken.“80 Wirtschaft „Der Schutz und das Stärken von wirtschaftlichen Qualitäten, das Verbessern von Bedingungen für wirtschaftliche Aktivitäten vor allem von mittleren und kleinen Unternehmen.“81 Das Vorhandensein von Handwerkern eröffnet die Möglichkeit, die berufliche Ausbildung der jungen Menschen ohne hohes Bildungsniveau zu fördern, die die problematischste Gruppe in Odertor bilden. 147

Kultur und Kunst „Das Bilden von begünstigten Bedingungen für die Entfaltung von Kultur und Kunst in Odertor.“82 Umgebung „Das Implementieren von Aktivitäten, die die Qualität der Umgebung verbessern.“83

78 Wroclawska Rewitalizacja (2013): Przedmiescie Odrzanskie Masterplan Koncepcja, S. 78 79 Wroclawska Rewitalizacja (2013): Przedmiescie Odrzanskie Masterplan Koncepcja, S. 86 80 Wroclawska Rewitalizacja (2013): Przedmiescie Odrzanskie Masterplan Koncepcja, S. 106 81 Wroclawska Rewitalizacja (2013): Przedmiescie Odrzanskie Masterplan Koncepcja, S. 118 82 Wroclawska Rewitalizacja (2013): Przedmiescie Odrzanskie Masterplan Koncepcja, S. 123 83 vgl. Wroclawska Rewitalizacja (2013): Przedmiescie Odrzanskie Masterplan Koncepcja, S. 126


-

148

Typus -


kapitel

4

149


4.1 historische Entwicklung der Kinder- und Jugendhilfe

150

84 vgl. Jordan, Maykus, Stuckstätte, 2012, S. 25 85 Jordan, Maykus, Stuckstätte, 2012, S. 26 86 vgl. Günder, 2000, S. 15 87 vgl. Jordan, Maykus, Stuckstätte, 2012, S. 27ff 88 vgl. Günder, 2000, S. 17f 89 Jordan, Maykus, Stuckstätte, 2012, S. 41

In Mitteleuropa gibt es seit dem 13. Jahrhundert Kinder- und Jugendfürsorge in Findel- und Waisenhäusern dank kirchlicher Stiftungen. Primär geht es dabei um die Versorgung der Kinder und Jugendlichen in ihren lebensnotwendigen Bedürfnissen.84 Im Zuge der Neuzeit auf Grund aufkommenden Reichtums und des Aufblühens der Städte in wirtschaftlichem Sinne gilt Armut jedoch als ein persönliches Versagen. Parallel zu diesem Sinneswandel wandelte sich das Bild von verwaisten Kindern und Jugendlichen, heißt es doch zuvor “Denn im Selbstverständnis der mittelalterlichen Ständegesellschaft wurde Armut als gottgewollt betrachtet. Sie gab den Armen Grund zur gottgefälligen Mildtätigkeit.”85 Die ersten Waisenhäuser in Deutschland entstehen im 16. Jahrhundert in Lübeck, Hamburg und Augsburg. Dort hat die Erziehung eine Fokussierung auf Religiösität und Strenge - Bildung ist nebensächlich.86 In den Zucht- und Arbeitshäusern aus dieser Zeit werden die Bewohner als Arbeitskraft unter besonders harten Bedingungen eingestellt und weder für Jugendliche noch für Kinder wird eine Ausnahme gemacht. Trotz der sich zuspitzenden Zustände in den Waisenhäusern durch Krankheit, Armut und Demoralisierung entstehen im 18. Jahrhundert erste Gegenbewegungen. Zum Einen prägt Jean-Jaques Roussau 1762 mit seinem Roman ‘Emil und die Erziehung’ die Eigenständigkeit und das Eigenrecht des Kindes als Kind.87 Dank der Aufklärung in dieser Zeit erfahren Kinder einen eigenen Wert, der in dieser Form zuvor nicht wahrgenommen wurde und die Erziehung orientiert sich zunehmend am Wesen des Kindes, das nun als eine eigene Altersgruppe mit spezifischen Eigenschaften betrachtet wird. Man schwärmt von der Erziehung auf dem Land, der Ehrlichkeit, Frömmigkeit und Unschuld der Kinder, die dort mit großer Güte erzogen werden. Pestalozzi gründete 1798 ein Armen-Erziehungshaus, in dem die wichtigste Erziehungsmethode die Liebe sei. Vergleichbar mit einem SOSKinderdorf aus heutiger Zeit wohnt er dort zusammen mit den Waisenkindern unter einem Dach. Das Ziel ist es, den Kindern religiöse Werte zu vermitteln und sie zu anständigen Bürgern zu erziehen. Ende des 19. Jahrhunderts werden die Waisenhäuser vermehrt zu Gunsten von Pflegefamilien aufgegeben.88 In einem Zitat von Pestalozzi heißt es: “Alles, was ihnen an Leib und Seele Gutes geschah, ging aus meiner Hand. Jede Hilfe, jede Handbietung in der Not, jede Lehre, die sie von mir erhielten, ging unmittelbar von mir aus. Meine Hand lag in ihrer Hand, mein Auge ruhte in ihrem Auge. Meine Tränen flössen mit den ihrigen und mein Lächeln begleitete das ihrige. Sie waren außer der Welt, sie waren außer Stanz, sie waren bei mir und ich war bei ihnen. Ihre Suppe war meinige, ihr Trank der meinige. Ich hatte nichts, ich hatte keine Haushaltung, keine Freunde, keine Dienstboten um mich, ich hatte nur sie. Waren sie gesund, ich stand in ihrer Mitte, waren sie krank, ich stand an ihrer Seite. Ich schlief in ihrer Mitte. Ich war am Abend der Letzte, der ins Bett ging, und am Morgen der Erste, der aufstand. Ich betete und lehrte noch im Bett mit ihnen, bis sie einschliefen. Sie wollten es so. Alle Augenblicke mit Gefahren einer doppelten Ansteckung umgeben, besorgte ich die beinahe unbesiegbare Unreinlichkeit ihrer Kleidung und ihrer Personen.”89 Eine weitere positive Tendenz ist durch das Enstehen von sogenannten Rettungshäusern im Zuge der Rettungshausbewegung zu vermerken.


Durch die wirtschaftliche Rezension im 19. und 20. Jahrhundert entstehen zahlreiche private Initiativen, die diese Entwicklung ins Rollen gebracht haben. Ein interessantes Beispielprojekt ist das ‘Rauhe Haus’ von Johann Heinrich Wichern in Hamburg Hörn aus dem Jahr 1833. Wichern nimmt dort 18 zum Teil vorbestrafte Jugendliche aus prekären Vierteln auf, um sie dann ohne ihr Vorwissen mit einer handwerklichen Ausbildung zu beschäftigen.90 Bereits einige Jahre zuvor wird 1794 ein Gesetz zur Fürsorgeerziehung erlassen, dass eine Veränderung der Gesetzeslage bei straffälligem Verhalten von Minderjährigen veranlasst - die Behandlung wird milder, die Strafen fallen teilweise aus.91 Der Begriff ‘Heim’ entsteht erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts, zuvor waren Bezeichnungen wie Besserungsanstalt, Rettungshaus, Zwangserziehungsanstalt oder Erziehungsanstalt üblich.92 In der Kaiserreichs- und Bismarckzeit findet eine allmähliche Professionalisierung der Jugendhilfe statt, auch angesichts der zunehmenden Verschlechterung der Moral der Jugend, die auch während der Wirtschaftskrise in der Weimarer Republik kein Ende nimmt. 1920 werden erste gesetzliche Grundlagen zur Jugendhilfe und die ersten Jugendämter eingerichtet.93 In der NS Zeit werden Jugendliche in Kategorien aufgeteilt, die sich nach Verhaltensauffälligkeit, aber auch nach der ethnischen Herkunft der Jugendlichen richten. Entsprechend der Kategorie erfolgt eine Unterbringung in einer entsprechenden Anstalt. Die ‘beste’ Kategorie genießt die vergleichsweise besten Bedingungen durch Unterbringung in offenen Heimen in kleinen Gruppen mit familienähnlicher Struktur, was ebenfalls an die Kinderdörfer erinnert.94 Der Sozial- und Heilpädagoge Andreas Mehringer stellt in der frühen Nachkriegszeit fest: „Es gibt einige westentliche Elemente der Familie, welche auf die Ersatzunterbringung übertragbar sind. Es sind vor allem diese drei: die überschaubare kleine Zahl; dann: nicht lauter gleiche, sondern verschiedene Kinder in der Gruppe, große und kleine, Knaben und Mädchen; und schließlich die abgeschlossene Wohnweise dieser kleinen Gruppe. Anders gesagt: Die eigenen vier Wände, die jeder Mensch für sich haben möchte; die er liebt, weil er sie braucht. Auch Kinder brauchen sie.“95 1950 wird der Bundesjugendplan aufgestellt, der eine Behebung der Jugendarbeitslosigkeit und den Bau von Wohnheimen vorsieht. In den 70er Jahren folgen Ausweitungen von kompensatorischen Programmen für lernschwache, berufsunfähige und arbeitslose Jugendliche. Die gesetzlichen Grundlagen werden unter Anderem für das Jugendamt ausgebaut. Trotz aller Förderung seitlich des Staates wird aber auch eine Förderung seitens privater Träger angestrebt, da der Staat die Kosten für die gesamte Kinder- und Jugendhilfe nicht mehr allein bewerkstelligen kann. Die Entwicklung der SOS Kinderdörfer nimmt eine Sonderposition als absolute Gegenbewegung zu den Heimerziehungseinrichtungen ein. In ihnen sind die familienähnlichen Strukturen am stärksten ausgeprägt, um den Kindern und Jugendlichen einen gesunden Alltag zu gestalten. Seit den Reformen 1991 erfolgt ein Ausbau der Familienberatung, der sozialen Gruppenarbeit und der Hilfen für Volljährige, außerdem werden entlegene Lagen für Einrichtungen und große Gruppen nicht mehr gewünscht.96

Resozialisierung durch Ausbildung vor Ort

151 kleine, gemischte Gruppen in den eigenen vier Waenden

90 vgl. Jordan, Maykus, Stuckstätte, 2012, S. 33 91 vgl. Jordan, Maykus, Stuckstätte, 2012, S. 40 92 vgl. Günder, 2000,S.20 93 vgl. Jordan, Maykus, Stuckstätte, 2012, S. 51 94 vgl. Jordan, Maykus, Stuckstätte, 2012, S. 56 95 Günder, 2000, S. 21 96 vgl. Günder, 2000, S. 22f


4.2 Formen und rechtliche Grundlagen der Jugendhilfe in Deutschland

Formen der Erziehung außerhalb der Herkunftsfamilie familienorientierte Hilfe

gruppenorientierte Hilfe

Vollzeitpflege in Pflegefamilien §33

Heimerziehung und sonstige Betreuungsformen §34

Pflegefamilien

Regelgruppen in Heimen (8-10 Kinder)

Professionelle Pflegefamilien

Wohngruppen

Zielgruppe: jüngere Kinder

152

Zielgruppe: Kinder, Jugendliche, junge Volljährige

Verwandtenpflege Erziehungsstellen (professionelle Heimerziehung in Familien)

Wohneinheiten in Zentralheimen Kinderhäuser

Dezentrale Wohngruppen Wohngruppen in sozialpädagogischen, heilpädagogischen oder therapeutischen Ausrichtungen Wohngruppen mit einem spezifischen Zielgruppenbezug familienähnliche Wohngruppen

_117 Schema der rechtlichen Formen und Unterformen der Heimerziehung außerhalb der Herkunftsfamilie


einzelfallorientierte einzelfallorientierte Hilfen Hilfen Intensive Intensive sozialpaedagogische sozialpaedagogische Betreuung Betreuung §35§35

Zielgruppe: Zielgruppe: Jugendliche, Jugendliche, Heranwachsende Heranwachsende

Flexible Flexible Formen Formen der der Einzelbetreuung Einzelbetreuung Flexible Flexible Betreuung Betreuung Betreutes Betreutes Einzelnwohnen Einzelnwohnen Betreutes Betreutes Wohnen Wohnen Betreutes Betreutes Jugendwohnen Jugendwohnen §13§13 Jugendwohngemeinschaften Jugendwohngemeinschaften Betreutes/mobiles Betreutes/mobiles Einzelwohnen Einzelwohnen Erlebnispädagogische Erlebnispädagogische Projekte Projekte

Eingliederungshilfe Eingliederungshilfe fuerfuer seelisch seelisch behinderte behinderte Kinder Kinder undund Jugendliche Jugendliche §35a §35a Hilfen Hilfen fuerfuer junge junge Volljaehrige Volljaehrige §41§41

153


§ 1 SGB VIII Recht auf Erziehung, Elternverantwortung, Jugendhilfe ‘Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit. Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die Gemeinschaft. Jugendhilfe soll zur Verwirklichung dieses Rechts inbesondere 1. junge Menschen in ihrer individuellen und sozialen Entwicklung fördern und dazu beitragen, Benachteiligungen zu vermeiden und abzubauen, 2. Eltern und andere Erziehungsberechtigte bei der Erziehung beraten und unterstützen, 3. Kinder andere Jugendliche vor Gefahren für ihr Wohl schützen, 4. dazu beitragen, positive Lebensbedingungen für junge Menschen und ihre Familien sowie eine kinderund familienfreundliche Umwelt zu erhalten oder zu schaffen.’14a

154


Um ein Kind entweder in einer Form der Adoption, Heimerziehung oder in einer Pflegefamilie außerhalb der Herkunftsfamilie unterzubringen, müssen zum Einen triftige Gründe bestehen und zum Anderen Entscheidungen von diversen Instanzen vorgenommen werden. Grundsätzlich gilt, dass im Falle einer groben Vernachlässigung oder eines Missbrauchs der Erziehungsverantwortung der Staat eingreifen muss.97 Das Jugendamt ist die Stellvertretung des Staats und dient zur Einschätzung und eventuellen Weitervermittlung des Kindes an diverse Einrichtungsformen, die allerdings nicht in allen Fällen in stationärem Aufenthalt münden muss - es gibt ebenso die ambulante Hilfe und Formen der Betreuung in Tagesgruppen und sozialer Gruppenarbeit, die die Familien in der Erziehung der Kinder unterstützen sollen. Somit differenzieren sich die Formen der Kinder- und Jugendhilfe in stundenweise, temporäre und langfristige Hilfen und Unterbringung außerhalb der Herkunftsfamilie. Das Jugendamt sieht seine Aufgabe als eine Art Anlaufstelle für Eltern, Jugendliche und Kinder. Es steht Ratsuchenden zur Seite, geht jedoch genauso Hinweisen von Personen außerhalb der Familie nach, organisiert Hilfe und Schutz im Falle einer Kindeswohlgefährdung und unterstützt junge Menschen auf dem Weg zum selbständigen Leben, eventuell außerhalb der Herkunftsfamilie. Die Fremdunterbringung erfolgt in der Regel nur unter Einverständnis der Eltern, es sei denn, dass eine massive Kindeswohlgefährdung zu vermuten ist. In solchen Fällen kann das zuständige Familiengericht gegen den Willen der Eltern entscheiden - allerdings erfolgt eine Einschaltung des Familiengerichts seitens des Jugendamts nur in sehr dringenden Fällen.98 Die Gründe für eine Unterbringung der Kinder und Jugendlichen außerhalb der Herkunftsfamilie sind so unterschiedlich wie die Biografien der Betroffenen selbst, dennoch kristallisieren sich bestimmte Gründe heraus. In den allermeisten Fällen sind instabile Verhältnisse in den Familien der Grund für eine Fremdunterbringung, entweder durch Alkohol- bzw. Drogenmissbrauch seitens der Eltern, sexueller Missbrauch in der Familie oder Überforderung der Eltern auf Grund von Verhaltensauffälligkeiten oder Suchtproblemen von Seite der Kinder und Jugendlichen.99 “Die Kinder stammen in der Regel aus unterprivilegierten Bevölkerungsschichten, der Ausbildungsgrad und der berufliche Status ihrer Eltern sind gering. Heimkinder haben überdurchschnittlich viele Geschwister, rund 60% aller Heimeinweisungen stammen aus Einelternfamilien.”100 Der Kontakt zu den Eltern aus der Herkunftsfamilie wird angestrebt. Dies geschieht nicht nur, weil die Kinder eventuell wieder zurückkehren, sondern auch weil die Unterstützung seitens der Eltern positiv auf die Entwicklung der Kinder wirkt. Jedoch gestaltet sich dieser Kontakt teilweise schwierig. „Der Kontakt zum Jugendamt wird von den Eltern manchmal als Kontrolle oder als Misstrauen erlebt. Für die Fachkräfte liegt die Herausforderung darin, den Kontakt zu Müttern, Vätern, Kindern und Jugendlichen so zu gestalten, dass diese die notwendigen Unterstützungsangebote tatsächlich als Hilfe annehmen und ihnen aus eigener Überzeugung zustimmen können.“101 Bei Aufnahme der Kinder und Jugendlichen werden zum Teil Lebensweltanalysen in Form von Stadtteilbegehungen, Cliquenraster, Autofo-

4.2 Formen und rechtliche Grundlagen der Jugendhilfe in Deutschland

155

Kontakt zischen Eltern und Jugendlichen 97 Schulin, 2005, SGB VIII § 1 98 vgl. Bundesarbeitsgemeinschaft Landesjugendämter (2013): Kinderschutz: Was Jugendämter leisten, S. 9 99 vgl. Günder, 2000, S. 29 100 Günder, 2000, S. 29 101 vgl. Bundesarbeitsgemeinschaft Landesjugendämter (2013): Kinderschutz: Was Jugendämter leisten, S. 16


156

Ueberversorgung und dadurch mangelnde Selbststaendigkeit durch Dezentralisierung vermeiden

102 vgl. Jordan, Maykus, Stuckstätte, 2012, S. 148 103 vgl. Günder, 2000, S. 26 104 dejure.org Rechtsinformationssysteme GmbH (2014): § 33 Vollzeitpflege 105 vgl. dejure.org Rechtsinformationssysteme GmbH (2014): § 34 Heimerziehung, sonstige betreute Wohnformen 106 vgl. Günder, 2000, S. 69

tografien und subjektiven Landkarten vorgenommen, um die Sichtweise der jungen Menschen besser nachvollziehen zu können.102 Vor Ort sollen dann alltägliche Vorgänge wie Kochen, Waschen und Haushaltsplanung mit fortschreitendem Alter von den Betroffenen mit übernommen werden, um einer Lebensuntüchtigkeit im späteren Lauf des Lebens zu vermeiden. Bei Betrachtung des Schemas zu Formen der Jugendhilfe wird ein Übergang von der jüngeren Zielgruppe auf der linken Seite des Schemas zur älteren Zielgruppe auf der rechten Seite deutlich. Bei der Vollzeitpflege nach § 33 wird eine familienorientierte Hilfe angestrebt, die das Ziel verfolgt, ein Leben in der Herkunftsfamilie bzw. in einer anderen Familie zu führen. „Hilfe zur Erziehung in Vollzeitpflege soll entsprechend dem Alter und Entwicklungsstand des Kindes oder des Jugendlichen und seinen persönlichen Bindungen sowie den Möglichkeiten der Verbesserung der Erziehungsbedingungen in der Herkunftsfamilie Kindern und Jugendlichen in einer anderen Familie eine zeitlich befristete Erziehungshilfe oder eine auf Dauer angelegte Lebensform bieten.”103 Die Heimerziehung nach § 34 verfolgt ein ähnliches Ziel, allerdings variieren die Methoden an dieser Stelle. Auch hier wird angestrebt, dass die Kinder und Jugendlichen wieder in ihrer Herkunftsfamilie bzw. in eine andere Familie eingegliedert werden. Jedoch kommen an dieser Stelle noch weitere Betreuungsformen wie dem betreuten Wohnen hinzu, die ein selbständiges Wohnen der Jugendlichen im Erwachsenenalter erleichtern und lehren sollen. Somit ist der klare Unterschied zur Vollzeitpflege, dass die Betreuung nicht in jedem Fall rund um die Uhr statt findet. Zusätzlich sollen die Jugendlichen in Fragen der Ausbildung und Beschäftigung beraten werden.104 In Wohngruppen solcher Einrichtungen für Kinder, die nicht an eine Pflegefamilie vermittelbar sind, wohnen in der Regel fünf bis acht Personen mit zugehörigen Schichtdienstarbeitern bzw. dauerhaft wohnenden Kinderdorffamilieneltern. In den meisten Fällen besteht die Anzahl der zuständigen Mitarbeiter aus der Hälfte der Anzahl an betreuten Kindern. Eine Dezentralisierung in Form von Wohngruppen im Gegensatz zu einer großen, zentralen Einrichtung wird von allen Seiten bevorzugt, da dies eine Ettikettierung vermeidet, ebenso wie eine Überversorgung durch Waschküchen und Speisesäle. Stattdessen leben die Wohngruppen in großen Teilen selbständig und lehren, wie bereits erwähnt, die Kinder und Jugendliche haushalten und versorgen ihrer selbst.105 Das betreute Wohnen ist für Jugendliche attraktiv, da es einen Übergang zwischen dem Wohnen in einer Wohngruppe bzw. in einer anderen Heimerziehungseinrichtung und dem völlig selbständigen Wohnen bietet. Voraussetzung für das Wohnen in dieser Form ist ein gewisses Maß an Eigenverantwortlichkeit, das im Zuge der zuvor gewählten Maßnahmen erlangt wurde. Doch auch für beispielsweise obdachlose oder schwer integrierbare Jugendliche ist dies eine interessante Alternative, um ihnen ein Mindestmaß an sozialpädagogischer Betreuung zu bieten und ein Leben auf der Straße mit allen damit verbundenen Risiken zu vermeiden.106 Diese Form der Betreuung bildet den Übergang zur sogenannten intensiven sozialpädagogischen Einzelbetreuung nach § 35, bei der Jugendliche und Heranwachsende betreut, werden, die durch sämtliche Raster gefallen sind und sich in einer Gruppe nicht integrieren lassen. Gemeint


sind konkret Fälle von Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus dem Prostitutions-, Drogen- oder Obdachlosenmileu.107 Daher findet diese Form der Betreuung meist in den Wohnungen der Betroffenen in Form von regelmäßigen Besuchen und Gesprächen statt. Seit den 70er Jahren entwickelte sich alternativ zu dieser Form eine Art der Erlebnispädagogik, bei der die Betroffenen auf Reisen durch extreme Erfahrungen wie zum Beispiel einer Saharadurchquerung oder einer Gebirgswanderung ihre eigenen Grenzen, Zusammenhalt in der Gruppe und somit eine eigene Identität kennenlernen, doch dieses Angebot ist eher als Nischenangebot zu verstehen. Die intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung im üblichen Sinne “[...] ist in der Regel auf längere Zeit angelegt und soll den individuellen Bedürfnissen des Jugendlichen Rechnung tragen.”108 Die Hilfen für Volljährige § 41 bewirken Hilfe an mehreren Fronten. Vordergründig wird eine sozialwirtschaftliche Sicherung der Betroffenen angestrebt, um einen Einstieg in das Berufsleben und somit auch in das gesellschaftliche Leben zu ermöglichen. Ergänzt wird diese Maßnahme in manchen Fällen durch betreutes Wohnen, um der Hilfe mehr Nachdruck zu verleihen.109 “Anknüpfungspunkt ist die Tatsache, dass mit Erreichen des Volljährigkeitsalters bei den betreffenden Personen noch nicht die dieser formalen Grenze entsprechende inhaltliche Autonomie, Selbstständigkeit und Persönlichkeit entwickelt ist und diese durch Unterstützungen der Jugendhilfe erreicht werden soll.”110 Soziale Gruppenarbeit nach § 29 ist auf ältere Kinder und Jugendliche ausgerichtet und ist ein freiwilliges Angebot, zu dessen Teilnahme nicht verpflichtet werden kann. Das Konzept ist gruppenpädagogisch und soll das soziale Lernen in der Gruppe fördern. Ziel ist eine Überwindung von Entwicklungsschwierigkeiten und von Verhaltensproblemen.111 Die Kinder können ab dem Alter von 12 Jahren teilnehmen. Die Kurse dauern durchschnittlich ein halbes bis ein ganzes Jahr. Alle Teilnehmer beginnen gleichzeitig den Kurs, der in der Regel vier Stunden in der Woche einnimmt und durch den ein oder anderen Ausflug beispielsweise am Wochenende ergänzt wird. Die Struktur der Familie ist noch intakt und eine Aufnahme in einer Einrichtung kann vermieden werden, jedoch soll das Angebot für die Kinder und Jugendlichen erweitert werden. Es erfolgt nur ein geringfügiger Einfluss auf die Familie, viel mehr konzentrieren sich die Entwicklungsprozesse auf das Kind bzw. den Jugendlichen selbst.112 Es wird deutlich, dass die einzelnen Formen und rechtlichen Kategorien im konkreten Fall schwer voneinander zu trennen sind und eine Mischung und Kombination der Formen üblich ist. Im Sinne der Integration der Kinder und Jugendlichen ist sie sogar erwünscht. “Dadurch wird der Aufbau eines integrierten Angebots für Jugendliche und Heranwachsende gefördert, der Wechsel zwischen Betreuungsformen unterschiedlicher Intensität sowie zwischen Individual- und Gruppenarbeit erleichtert.”113

157

Mischung der Formen von Jugendhilfe 107 vgl. Jordan, Maykus, Stuckstätte, 2012, S. 253 108 dejure.org Rechtsinformationssysteme GmbH (2014): § 109 vgl. Jordan, Maykus, Stuckstätte, 2012, S. 253 110 Jordan, Maykus, Stuckstätte, 2012, S. 254 111 vgl. dejure.org Rechtsinformationssysteme GmbH (2014): § 29 Soziale Gruppenarbeit 112 vgl. Jordan, Maykus, Stuckstätte, 2012, S. 201f 113 Jordan, Maykus, Stuckstätte, 2012, S. 241f


4.3 Formen und rechtliche Grundlagen der Jugendhilfe in Polen

Intervenieren, Intervenieren, Vermitteln Vermitteln

Pflegeambulanz Pflegeambulanz [pogotowie opiekuncze] [pogotowie opiekuncze] Interventionseinrichtung Interventionseinrichtung [osrodek interwencyjny] [osrodek interwencyjny]

158

_118 Schema der rechtlichen Formen und Unterformen der Heimerziehung und alternativen Hilfen

Vermittlung nach Vermittlung Untersuchungen nach Untersuchungen


falls eine Adoption falls eine Adoption nicht möglich istnicht möglich ist

Adoptiv-/Fürsorgeeinrichtung Adoptiv-/Fürsorgeeinrichtung Gesetz Nr. 1812 Gesetz Nr. 1812

Fürsorge-/Erziehungseinrichtung Fürsorge-/Erziehungseinrichtung Gesetz Nr. 1455 Gesetz Nr. 1455

Pflegefamilien Pflegefamilien

Kinderhaus Kinderhaus [dom dziecka] [dom dziecka]

Adoption Adoption

Familiäres Kinderhaus Familiäres Kinderhaus [dom rodzinny] [dom rodzinny] sozialisierende sozialisierende EinrichtungEinrichtung [osrodek socjalizacyjny] [osrodek socjalizacyjny] Erziehungsheim Erziehungsheim [zaklad poprawczy] [zaklad poprawczy] resozialisierend resozialisierend offen

offen

halboffen

halboffen

159

geschlossen geschlossen erhöhte Betreuung erhöhte(stark Betreuung (stark demoralisierte demoralisierte Jugendliche)Jugendliche) resozialisierend-rehabilitierend resozialisierend-rehabilitierend resozialisierend-therapeutisch resozialisierend-therapeutisch Uebergangswohnheim [hostel] Uebergangswohnheim [hostel] (Opfer häuslicher SpezialisierteSpezialisierte EinrichtungEinrichtung (Opfer häuslicher Gewalt) Gewalt) Betreutes Wohnen [mieszkania Betreutes Wohnen [mieszkania chronione] chronione] Verselbstaendigungswohnungen Verselbstaendigungswohnungen usamodzielniajace] [mieszkania [mieszkania usamodzielniajace] Vermittlung nach Vermittlung Untersuchungen nach Untersuchungen

zur Heimerziehung Alternative Alternative zur Heimerziehung


160

114 vgl. Interview mit Alicja Sawicka am 03.02.2014, Kinderpsychologin am Gericht in Katowice (Kattowitz) 115 vgl. Minister Pracy i Polityki Spolecznej (2007): Rozporzadzenie w sprawie placowek opiekunczowychowawczych 1455 116 vgl. Minister Pracy i Polityki Spolecznej (2007): Rozporzadzenie w sprawie placowek opiekunczowychowawczych 1455 117 vgl. DomyDziecka (2014): Akty prawne 118 vgl. Minister Pracy i Polityki Spolecznej (2005): Rozporzadzenie w sprawie placowek opiekunczowychowawczych

Die Prävention von Kindesgefährdung beginnt in Polen bereits in der Schule, wo zahlreiche Pädagogen und Psychologen vor Ort angestellt sind, um Problemfälle zu erkennen und an die zuständigen Behörden weiterzuleiten. Ein Jugendamt, das sich ausschließlich mit Angelegenheiten von Kindern und Jugendlichen befasst, gibt es in Polen nicht, aber eine vergleichbares Stelle ist die MOPS (Miejski Urzad Pomocy Spolecznej), die man mit einer städtischen Einrichtung sozialer Hilfe übersetzen könnte. Im Falle eines Verdachts einer Kindeswohlgefährdung wird diese Behörde informiert, die wiederum einen Kurator, d.h. einen Gutachter zur Familie schickt, um die Zustände vor Ort zu untersuchen. Sollte ein Verbleiben des Kindes in der Familie nicht tragbar sein, wird das Familiengericht eingeschaltet - je nach Fall werden die Rechte der Eltern beschnitten. Das Kind wird dann je nach psychischem Zustand an eine Einrichtung weitervermittelt, allerdings ist die Nachfrage in Polen deutlich größer, als Einrichtungen vorhanden sind. Teilweise beträgt die Wartezeit auf einen Platz in einer Einrichtung für Heimerziehung bis zu einem Jahr. Finanziert werden diese Einrichtungen durch den Staat und teilweise zusätzlich durch die zuständige Gemeinde. Hinzu kommen je nach Einrichtung Spenden durch Sponsoren und zustätzliche finanzielle Mittel aus Projekten der EU. 1% der steuerlichen Abgaben der Steuerzahler in Polen gehen direkt an staatliche soziale Projekte, die einen Beitrag zur Finanzierung solcher Einrichtungen leisten können.114 Bevor ein betroffenes Kind in eine Einrichtung weitergeleitet wird, kommt es in vielen Fällen zunächst temporär in einer intervenierenden Einrichtung unter, die einem 24h geöffneten Hostel ähnelt. Wenn in der Herunftsfamilie eine Krise herrscht, unter dessen Bedingungen ein weiterer Aufenthalt des Kindes nicht zu verantworten ist, kann das Kind oder der Jugendliche auf Anordnung von höheren Instanzen nur unter Einwilligung der Bevormundeten dort unterkommen. Die Dauer ist in der Regel nicht länger als drei Monate und impliziert Kinder ab dem 11. Lebensjahr. Ist eine Adoption nicht möglich bzw. wahrscheinlich, so wird das Kind entweder an eine Pflegefamilie geleitet oder - wenn auch dies nicht dem Wesen und der Biografie des Kindes auf Grund seiner Entwicklung entspricht - wird es an eine Erziehungs- und Fürsorgeeinrichtung mit unterschiedlichen Zielgruppen vermittelt.115 Die maximale Gruppengröße in solch einer Einrichtung beträgt 30 Personen und entspricht damit den EU Standards. Die Kinder und Jugendlichen bleiben in der Regel bis zur Volljährigkeit dort wohnen und suchen dann eine eigene Bleibe, es sei denn sie befinden sich noch in einer schulischen bzw. beruflichen Ausbildung, dann dürfen sie bis zum 25. Lebensjahr wohnen bleiben.116 Eine Art der Einrichtung ist das familiäre Kinderhaus, in dem familienartige Strukturen ähnlich den bereits beschriebenen Kinderdörfern einbehalten werden.117 Eine sozialisierende Einrichtung ist ähnlich aufgebaut wie ein intervenierendes Heim, allerdings ist der Aufenthalt hier auf längere Zeit angesetzt und im Gegensatz zu betreuten Wohnungen in der klassischen Form wird hier der Kontakt zu den Eltern besonders intensiv betreut und unterstützt um eine eventuelle Rückkehr zur Herkunftsfamilie vorzubereiten. Diese Einrichtungen sind ebenfalls dazu befugt ein Hostel mit Wohnungen zur Verselbständigung zu leiten.118


Das Prinzip des betreuten Wohnen ist in Polen gesetzlich geregelt, allerdings richtet sich die gesetzliche Grundlage sowohl an behinderte, geistig eingeschränkte Menschen, wie auch an Senioren oder Jugendliche und junge Heranwachsende, die die Pflegefamilie oder eine andere Einrichtung der Heimerziehung mit Erreichen der Volljährigkeit verlassen. Entweder erfolgt eine mobile Hilfe beim täglichen Wirtschaften des Haushalts, die mindestens drei Stunden täglich sieben Tage die Woche beträgt oder es wird ein Platz in einem Wohnheim oder in separaten Wohnungen angeboten, in dem die Wohneinheiten für nicht weniger als drei Personen ausgelegt sein müssen. Jede Person sollte mindestens 12m² Wohnfläche besitzen, es sollte eine Küche bzw. eine Küchenzeile und ein Badezimmer eingerichtet sein. Die Gestaltung der Grundrisse ist behindertengerecht vorzunehmen. Alle drei Monate wird untersucht, ob das Wohnen in einer betreuten Form immer noch nötig ist bzw. ob die Person eine Eigenständigkeit erreicht hat. Das betreute Wohnen dient nicht nur zur Hilfe bei den lebensnotwendigen Funktionen, sondern auch zum Entfalten von sozialen Kontakten und zum Erlernen einer gesellschaftlichen Rolle. Außerdem wird Hilfe beim Suchen und Umziehen in eine neue Wohnung angeboten. Die Bewohner sollen lernen, sich ihre Freizeit außerhalb der Ausbildung oder des Berufs eigenständig mit Hilfe des lokalen Angebots zu gestalten. Betreuer für diese Einrichtungen sollten entweder Psychologen, Therapeuten oder Betreuer und Pfleger sein, die auf das Betreuen von Menschen mit Behinderungen spezialisiert sind.119 Erziehungsheime haben in Polen einen außerordentlich schlechten Ruf und gelten als die Vorstufe zum Jugendgefängnis bzw. zu einer ‘Karriere im Gefängnis’. Diese Heime haben teilweise sogar Gitter vor den Fenstern, was dieses Image nachvollziehbar werden lässt.120 Es gibt drei Kategorien der Betreuungsintensität und des Freiheitsgrades für die Jugendlichen, die in den Einrichtungen zwischen 13 und 21 Jahre alt sind. Die offene Form ist für Jugendliche, die entweder bisher noch keine kriminellen Straftaten aufweisen und sich mit der Subkultur von Kriminellen nicht identifizieren bzw. die in den geschlossenen Formen von Erziehungsheimen eine deutliche Verbesserung des Verhaltens aufweisen konnten. Die schulische und berufliche Ausbildung kann vor Ort, aber auch außerhalb der Einrichtung stattfinden - das Gleiche gilt für die Lage von Freizeiteinrichtungen und Sportplätzen und -vereinen. Die Gruppengröße mit zuständigen Betreuern sollte hier 12 Personen nicht überschreiten. In die halboffenen Heime kommen entweder Jugendliche, die sich in der offenen Form nicht angemessen verhalten haben bzw. die sich in den geschlossenen Formen bewährt haben. Schulische und berufliche Ausbildung finden auf dem Gelände statt und das Freizeitangebot wird nur unter ständiger Aufsicht eines Betreuers außerhalb der Einrichtung wahrgenommen. Mit Sondergenehmigung kann auch eine Ausbildung außerhalb des Heims verfolgt werden. Die Gruppengröße ist durch eine etwas intensivere Betreuung auf 10 Personen beschränkt. Die geschlossene Form des Erziehungsheims beinhaltet sämtliche Funktionen auf dem Gelände und ist mit einer maximalen Gruppengröße von 8 Personen die am intensivsten betreute Form der gängigen Erziehungsheime. Eine Sonderform des Erziehungsheims stellt zum einen die Form

betreutes Wohnen in Polen verlangt mindestens drei Bewohner pro Wohnung, mindestens 12m² pro Zimmer

161

119 vgl. Minister Pracy i Polityki Spolecznej (2012): Rozporzadzenie w sprawie mieszkan chronionych 305) 120 vgl. Interview mit Alicja Sawicka am 03.02.2014, Kinderpsychologin am Gericht in Katowice (Kattowitz)


162

_119 Erziehungsheim in Sadowice als Negativbeispiel..


163


_120 .. und die sozialisierende Einrichtung in Wolow als Positivbeispiel.

164


165

_121 Die Zimmer haben alle ein farbliches Thema und schaffen somit eine Identität mit dem Raum.


166

ab dem 14. Lebensjahr Verselbstaendigungswohnungen 121 vgl. Minister Pracy i Polityki Spolecznej (2001): Rozporzadzenie w sprawie zakladow poprawczych i schronisk dla nieletnich 1359 122 vgl. Minister Pracy i Polityki Spolecznej (2001): Rozporzadzenie w sprawie udzielenia pomocy kontynuowania nauki, usamodzielnienie i integracje ze srodowiskiem 1293

der erhöhten Betreuung dar, bei der besonders demoralisierte Jugendliche unterkommen. Auch hier befinden sich sämtliche Bildungs- und Freizeitangebote auf dem Gelände. Der Kontakt zu den anderen Bewohnern aus der Schul- oder Ausbildungsgruppe ist zeitlich begrenzt, somit herrschen temporäre Isolationen zur Kontrolle vor. Die Gruppengroße ist auf vier Personen beschränkt. Für Jugendliche mit psychischem Schäden werden resozialisierend-rehabilitierende Erziehungsheime mit integrierter Therapie angeboten. Jugendliche mit Schäden am zentralen Nervensystem, Suchterkrankungen jeglicher Form oder HIV Erkrankung wohnen in resozialisierend-therapeutischen Erziehungsheimen. Die Bildung findet auf dem Gelände statt, Freizeitangebote jedoch können jedoch außerhalb des Geländes aufgesucht werden. Die Ausbildungsgruppen sollten nur die Hälfte der gängigen Erziehungsgruppe von sechs Personen, d.h. nur drei Personen betragen. Erziehungsheime dieser Art beinhalten nach Verordnung des Staats neben einem Wohninternat mit Wohnungen für die Jugendlichen und adäquaten Schulformen Ausbildungwerkstätten, ein diagnostisch-therapeutisches Zentrum, fachlich spezialisierte Lehrräume, eine Sporthalle, eine Bibliothek mit Lesesaal, spezialisierte Werkstatträume zur zusätzlichen Schulung, eine Arzt- und Zahnarztpraxis, ein Krankenzimmer, eine Psychologiepraxis, Übergangsräume, Isolationsräume und Freizeit- und Sportanlagen. Um den Jugendlichen einen fließenden Übergang in das soziale, gesellschaftliche Leben zu ermöglichen, werden sie häufig in eine Art Übergangsheim, das im Polnischen als Hostel bezeichnet wird, untergebracht. Dort wohnen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen im volljährigen Alter, nachdem sie entweder ein Erziehungsheim, eine Pflegefamilie oder Ähnliches nach Erreichen der Volljährigkeit verlassen haben. Sie werden vor Ort beim Suchen einer eigenen Wohnung unterstützt, ihnen wird bei lebensnotwendigen Erledigungen des Alltags geholfen und sie werden bei der Suche einer Ausbildung oder einer Arbeit und beim Einholen von notwendigen Unterlagen und Dokumenten unterstützt. Diese Übergangsheime sind häufig Teil von sozialisierenden Heimen oder Erziehungsheimen und sind entweder in der Einrichtung integriert oder sie befinden sich außerhalb an einem anderen Ort in der gleichen Stadt.121 Außerdem wird finanzielle Hilfe seitens des Staats angeboten und der Kontakt zu den Familien der Betroffenen wird gefördert. Wenn die Betroffenen noch in der Schulausbildung sind, wohnen sie statt in betreuten Wohnungen in einem Heim, das einem Internat ähnelt.122 In den sogenannten Verselbständigungswohnungen lernen Jugendliche ab dem 14. Lebensjahr eine selbständige Führung eines Haushalts. Diese Wohnungen befinden sich entweder gekoppelt an eine andere Heimerzehungseinrichtung oder separat im städtischen Raum integriert. Wohnungen innerhalb eines gewöhnlichen Mehrfamilienhauses haben den klaren Vorteil, dass freiwillige Helfer vor Ort weniger Hemmungen haben, miteinzuwirken. Wenn beispielsweise eine pensionierte Lehrerin im Haus wohnt, empfindet sie eine deutlich schächere Hemmschwelle in der betreuten Wohnung bei den Schulaufgaben zu helfen, als wenn sie speziell zu einer in sich geschlossenen Einrichtung fahren müsste. Die


Betreuer solcher Einrichtungen schildern, dass die Jugendlichen die Art und Komposition der Einrichtung in den späteren, ‘eigenen’ Wohnungen übernehmen. Es lässt sich demnach ein didaktischer Effekt im Einrichten von Mobiliar und den Zusammenhängen von Funktionen dank solcher betreuten Wohnungen feststellen. Krzysztof Jankowski, Direktor des Erziehungs- und Fürsorgeheims in Bydgoszcz erläutert, dass die Einrichtung der Verselbständigungsgruppen nicht zu luxuriös sein dürfe und im Aufbau den später zu erwartenden Sozialwohnungen mehr oder minder entsprechen sollte, um in Zukunft Frust zu vermeiden. Das Gefälle dürfe vorhanden sein, aber nicht im Übermaße.123 Als letzte Form des Wohnens in einer Einrichtung gibt es die spezialisierten Einrichtungen, die sich speziell an Opfer häuslicher Gewalt - in den meisten Fällen Frauen, zum Teil mit Kindern - richtet. Der Aufenthalt in diesen Einrichtungen ist auf drei Monate beschränkt. Als zusätzliche Unterstützung gibt es alternativ zur Aufnahme in einer Einrichtung auch die tägliche Unterstützung, ohne die Rechte der Bevormundeten zu beschränken. Die tägliche Unterstützung in Form von sozialer Gruppenarbeit, die der deutschen Form der sozialen Gruppenarbeit sehr ähnlich ist, gestaltet tägliche Ausflüge zu Spielplätzen, bietet Kurse und psychologische Gespräche an und erweitert das Freizeitangebot für die Kinder und Jugendlichen kostenlos, um die Eltern zu entlasten. Um sich dieser Art von Unterstützung anzuschließen, muss ein niedriges Gehalt bzw. eine schlechte Wohnsituation nachgewiesen werden. Zum Teil gibt es Wartelisten, wie die Direktorin von der Einrichtung ‘Iskierka’ in Odertor in Breslau schildert.124 Die Familien werden somit entlastet und in die Beschäftigungen und Maßnahmen mitintegriert.125 Es gibt Parallelen, aber auch markante Unterschiede zwischen dem System der Jugendhilfe in Deutschland und in Polen. Gemeinsam sind ihnen alternative Projekte wie das betreute Wohnen, die familiären Wohngruppen und die Verselbständigungswohnungen wie auch die sozialen Gruppenarbeit. Es fällt auf, dass die Formen des betreuten Wohnens in Deutschland stärker differenziert sind und sich auf die Bedürfnisse von Jugendlichen spezialisiert haben. Auf polnischer Seite wiederum fällt auf, dass die harten Maßnahmen in Form von Erziehungsheimen stark ausdifferenziert sind und sich noch an alten Prinzipien der Erziehung und Inhaftierung orientieren (Kahlrasur, einheitliche Kleidung, Gitter vor den Fenstern). Dieses Prinzip wird in Polen ohnehin stark in Frage gestellt, jedoch mangelt es bisher an Alternativen. Betrachtet man die Rechtsgrundlagen, so erscheinen zahlreiche den deutschen ähnelnden Heimerziehungsformen, jedoch gibt es beispielsweise in Breslau keine einzige Anlage mit Verselbständigungswohnungen. Diese Tatsache veranlasst mich in diesem Projekt eine Kombination von verschiedenen Formen der Heimerziehung sinnvoll in den lokalen Kontext zu integrieren, um dem ohnehin großen Bedarf entgegenzukommen, aber auch um eine Brücke zwischen den existierenden und den fortschrittlichen Formen der Jugendhilfe zu schließen und dabei gleichzeitig eine Einbettung in den Masterplan Odertors vorzunehmen.

Hemmschwellen zwischen Nachbarn und Bewohnern abbauen

keine luxuriöse Einrichtung, um künftigen Frust zu vermeiden

167

Breslau braucht Verselbstaendigungswohnungen

123 vgl. Gazeta Bydgoszcz (2012): Mieszkania usamodzielniajace zamiast domow dziecka 124 vgl. Interview mit Teresa Pasinska am 14.03.2014, Direktorin der Einrichtung für soziale Gruppenarbeit Iskierka in Odertor, Breslau 125 vgl. DomyDziecka (2014): Akty prawne


Exkurs: Schulsystem in Deutschland und Polen

Universit채t, technische Hochschule, Universit채t, technische Hochschule, sonstige Hochschule sonstige Hochschule

Abitur Abitur

Fachhochschule Fachhochschule

Abschlusspr체fung Berufsausbildung Abschlusspr체fung Berufsausbildung

Berufsausbildung Berufsausbildung 3 Jahre im Alter von 16

Fachoberschule , ... ... 3Fachoberschule Jahre im Alter von,16

3bisJahre 19 im Alter von 16 bis 19

168

Fachabitur Fachabitur

3bisJahre 19 im Alter von 16 bis 19

Oberstufe Oberstufe 2 Jahre im Alter von 216Jahre im Alter von bis 18 16 bis 18

Mittelstufe Mittelstufe 3 Jahre im Alter von 313Jahre im Alter von bis 16 13 bis 16

Realschule Realschule 6 Jahre im Alter von 610Jahre im Alter von bis 16 10 bis 16

Unterstufe Unterstufe 3 Jahre im Alter von 310Jahre im Alter von bis 13 10 bis 13

Grundschule 4 Jahre im Alter von 6 bis 10 Grundschule 4 Jahre im Alter von 6 bis 10

_122 Schema des Schul- und Bildungssystems in Deutschland (links) und Polen (rechts).

Hauptschule Hauptschule 6 Jahre im Alter von 610Jahre im Alter von bis 16 10 bis 16

Gesamtschule Gesamtschule 6 Jahre im Alter von 610Jahre im Alter von bis 16 10 bis 16


Fachhochschule [wyzsza szkola zawodowa], Universität [uniwersytet], Fachhochschule [wyzsza[politechnika], szkola zawodowa], Universität [uniwersytet], technische Hochschule sonstige Hochschule [akademia ...] technische Hochschule [politechnika], sonstige Hochschule [akademia ...]

Abschlussprüfung Berufsausbildung Abschlussprüfung Berufsausbildung [egzamin potwierdzajacy kwalifikacje [egzamin potwierdzajacy kwalifikacje zawodowe] zawodowe]

Abitur [matura] Abitur [matura]

ergänz. Technikum ergänz. Technikum [techniku uzupel[techniku uzupelniajace] 3 Jahre im 3 Jahre niajace] Alter von 19 bis 22im Allg. Lyzeum Allg. Lyzeum [liceum ogolny] [liceum 3 Jahre imogolny] Alter von 316Jahre im Alter von bis 19 16 bis 19

Spez. Lyzeum Spez. Lyzeum [liceum profilo[liceum profilowane] 3 Jahre im 3 Jahre wane] Alter von 16 bis im 19

Technikum Technikum [technikum] [technikum] 4 Jahre im Alter von 416Jahre im Alter von bis 20 16 bis 20

Alter von 16 bis 19

Mittelstufe [gimnazjum] 3 Jahre im Alter von 13 bis 16 Mittelstufe [gimnazjum] 3 Jahre im Alter von 13 bis 16

Grundschule [szkola podstawowa] 6 Jahre im Alter von 7 bis 13 Grundschule [szkola podstawowa] 6 Jahre im Alter von 7 bis 13

Alter von 19 bis 22

Berufsschule Berufsschule [szkola zawodowa] [szkola 3 Jahre imzawodowa] Alter von 16 3bisJahre 19 im Alter von 16 bis 19

169


4.4 Heimerziehungsangebote in Polen

170

_123 Erziehungs- und FĂźrsorgeheime in Polen.


171

_124 Familiäre Kinderhäuser in Polen.


172

_125 Sozialisierende Einrichtungen in Polen.


173

_126 Intervenierende Einrichtungen in Polen.


174

_127 Soziale Gruppenarbeit in Polen.


175

_128 Spezialisierte Einrichtungen in Polen.


176

_129 _011 Verortung Formen von derErziehungsheimen Erziehungsheime als Besserungsanstalten in Polen (‘Verbesserungsheimen’) in Bezug auf die Lage Breslaus.


177

resozialisierend-therapeutisch resozialisierend-rehabilitierend intensiv Ăźberwachte Betreuung resozialisierend (geschlossen) resozialisierend (halboffen) resozialisierend (offen)


4.5 Einfluss sozialer Einrichtungen für Jugendliche auf den Stadtteil

Praeventionsarbeit fuer den ganzen Stadtteil

178

schaerferer Einblick in das soziale Milieu der Jugendlichen durch Arbeit vor Ort Einbindung von lokalen Oekonomien

126 Jordan, Maykus, Stuckstätte, 2012, S.199

Bis auf die familiären Kinderhäuser und die zahlreichen Pflegefamilien befinden sich die Einrichtungen für Kinder und Jugendliche sehr häufig am Stadtrand und somit fernab des Geschehens. Der Bezug zur Umgebung ist somit schwach, die Stigmatisierung umso größer. Das Potenzial, eine solche Einrichtung als Teil eines Stadtteilkonzepts zu integrieren, liegt nahe und bietet viele Möglichkeiten und Vorteile. Die Erziehungsberatung, die in solchen Einrichtungen angeboten werden könnte, ist als soziale Präventionsmaßnahme nicht im individuellen Fall sondern auf ein gesamtes Stadtteilmilieu ausgelegt. Eine Einrichtung für Kinder und Jugendliche, die zum Einen betreutes Wohnen anbietet, zum Anderen aber auch Beratung für Familien anbietet, ohne direkt in die Familienstruktur einzugreifen und somit auch für jüngere Jugendliche und Kinder interessant ist, kann eine präventiv funktionierende Anlaufstelle sein. Es würden nicht nur punktuell Einzelfälle behandelt, sondern die soziale Struktur des gesamten Stadtteils würde in ihrer Entwicklung und Förderung unterstützt. “Nicht der Einzelfall, sondern das ihn umgebende Milieu wird zum Brennpunkt der Arbeit, die zum Ursprung sozialarbeiterischen Handelns zurückkehrt, zu den Betroffenen, zu den Familien, den Kindern und Jugendlichen.”126 Umgekehrt können die Bewohner und Nachbarn aus der Umgebung in das Projekt miteinbezogen werden und entweder passiv oder aktiv mitwirken. Barrieren zwischen den potentiellen Klienten und Nutzern und denen, die das Angebot liefern werden abgebaut und die Wege werden deutlich kürzer. Dadurch, dass eine soziale Einrichtung vor Ort im lokalen Kontext agiert, ist der Einblick in das soziale Mileu deutlich schärfer. Sämtliche Angebote, die sich vor Ort im Stadtteil befinden, können in das Projekt miteingebunden werden, um eine Partizipation der lokalen Angebote zu erzeugen. Es ist nicht nur eine Einbindung von sozialen Einrichtungen in ein Betreutes Wohnen für Jugendliche denkbar, sondern auch das Einbinden von lokalen Ökonomien. Der behördliche Charakter geht verloren und somit werden Schwellenängste abgebaut, wodurch wiederum die präventive Funktion vertärkt wird. Ganz konkret im Falle des Jugendhauses in Breslau könnte das in ein Szenario umgesetzt werden, das nach diesem Prinzip funktioniert. Wie bereits in den bisherigen Untersuchungen festgestellt, ist das Prinzip der betreuten Wohnungen für Jugendliche als Übergang zum eigenständigen Wohnen zwar gesetzlich verankert, aber im konkreten Fall kaum umgesetzt. Der Wandel in der Sozialpolitik steht in Polen erst noch bevor. Es gibt zahlreiche Einrichtungen der Heimerziehung, die jedoch ihre Aufgabe mit der Volljährigkeit der Betroffenen ein abruptes Ende findet. Ein betreutes Jugendwohnen wäre eine Ergänzung zur bereits im Stadtteil Odertor angebotenen sozialen Gruppenarbeit und den Heimerziehungseinrichtungen in Odertor. Das Angebot für günstiges Wohnen im jungen Erwachsenenalter im eigenen Stadtteil würde zusätzlich ergänzt werden. In Kombination mit der lokalen Wirtschaft, die sich dort stellenweise etabliert hat, könnten die Jugendlichen vor Ort ähnlich wie in den Erziehungsheimen eine Ausbildung absolvieren und durch das Dienstleistungsangebot den tertiären Sektor im Stadtteil stärken. Ein Angebot, das es in dieser Form in Breslau nicht gibt und somit einzigartig wäre.


Eigenständigkeit Verantwortung M Gemeinschaftlich Stadtteilorientier Eingliederung un Einbindung lokal Ökonomien fami Verhältnisse indi Prävention Inter 179

_130 Verselbständigungwohnung für Jugendliche in Bydgoszcz.


_131 Eingang mit Blick zur Kirche und zum Dorfplatz des Kinderdorfs

180

Kinder- und Jugenddorf Bethanien

Bergisch Gladbach-Refrath, Rheinland Gespräch mit Martin Kramm (Kinderdorfleiter, tätig im Kinderdorf seit 10 Jahren) Architekt: Bauherr: Funktion: existiert seit: Leiter ist: Träger: Finanzierung: Zielgruppe:

Prof. Gottfried Böhm, Köln; Mitarbeiter Wilhelm Jungherz 1968 Orden der Dominikanessen von Bethanien, Venlos, Holland Heimerziehung, Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche, Hilfen für junge Volljährige seit 1968 Martin Kramm Bethanien Kinderdörfer gGmbH Kommune des betroffenen Kindes, Jugendamt, Spenden zum einen 0 bis 12 jährige Kinder für die Kinderdorffamilien, 6 bis 12 jährige Kinder für die Kinderdorf-Wohngruppen, ab 13 jährige Mädchen für das Mädchen wohnen und Jugendliche und junge Erwachsene ab 17 Jahren für das sozialpädagogisch betreute Wohnen


Bereits die Lage des Kinder- und Jugenddorfs ist Teil des architektonischen Konzepts von Gottfried Böhm. Abgelegen vom geschäftigen Treiben in Bergisch Gladbach und Köln liegt es zwischen den beiden Städten südlich von Refrath mitten in einem Waldstück und kann nur vom Betrachter entdeckt werden, der weiß was er sucht. “Der Weg ins Kinderdorf ist weit. Und es gibt Etappen. Man kommt nicht einfach an und fällt nicht mit der Tür ins Haus. Erst allmählich findet man sich ein. Wer es erreichen will, muss nach außerhalb, muss die Stadt verlassen, muss durch einen Wald, trifft auf einen Bach und muss dann über eine Brücke.”127 Was so idyllisch klingt, kann im weiteren Verlauf der Entwicklung der Kinder zu Jugendlichen zu einem Problem werden, spätestens wenn sie die Nähe zur Stadt suchen, wenn sie beispielsweise einen Verein besuchen möchten. Böhm ist bei der Planung des Kinderdorfes von einer Erweiterung der umliegenden Orte in Richtung des Baufeldes ausgegangen, allerdings hat sich in der Zwischenzeit durch den Bau der A4 zwischen Refrath und dem Kinderdorf ein Riegel geschoben. Dennoch hat die etwas abgeschieden wirkende Lage einen positiven Effekt, denn es werden keine Anwohner durch spielende, lärmende Kinder und Jugendliche gestört. Die Organisation und Architektur ähneln tatsächlich einem Dorf und ursprünglich war eine Zielgruppe von maximal 14-Jährigen angedacht, was sich allerdings mittlerweile geändert hat.128 Die Kinder wohnen entweder in Kinderdorffamilien oder in Kinderdorfwohngruppen zu maximal etwa 8 Kindern in einem Haus gemeinsam unter einem Dach. In den Kinderdorffamilien wohnt dauerhaft eine Kinderdorfmutter, die Leiterin dieser Gruppe ist und rund um die Uhr als feste Bezugsperson da ist. Zusätzlich werden Betreuer im Schichtdienst eingestellt, die den Alltag unterstützen und betreuen. In der Regel wohnen die Kinder in den Kinderdorffamilien langfristig und es wird das Ziel der Beheimatung angestrebt, da eine Rückführung in die Herkunftsfamilie in den meisten Fällen auf Grund von Suchtproblemen, Haft oder anderen Schwierigkeiten seitens der Eltern unwahrscheinlich erscheint. Doch es gibt auch zahlreiche Fälle, wo die Eltern bzw. Elternteile wegen Trennung, Arbeitsplatzverlust oder anderen Umständen mit der Erziehung von Kindern überfordert sind.129 Entweder lebt die Leiterin als Alleinstehende oder gemeinsam mit ihrem Mann in einem solchen Haus. In einer Kinderdorfwohngruppe hingegen bleiben die Kinder ein bis drei Jahre und es wird eine Rückführung in die Herkunftsfamilie angestrebt.130 In der Anfangsphase des Kinderdorfs wurden die Geschlechter geschossweise getrennt und die Kinder haben sich je nach Altersgruppe die Zimmer geteilt, was mittlerweile beides nicht mehr der Fall ist. Grundsätzlich wird eine Alters- und Geschlechtermischung angestrebt. Zusätzlich gibt es zwei heilpädagogische Wohngruppen, die in ihrem Haus zusätzlich einen Raum für eine Heilpädagogin haben. Ansonsten unterscheidet sich die Räumlichkeit nicht von den anderen Gebäuden. Grundsätzlich wird der Kontakt zu den Eltern gepflegt, da sich die Einrichtung nicht als Ersatz für die Eltern, sondern als eine Ergänzung betrachtet, die umso besser funktioniert, je mehr die Eltern die Unterbringung unterstützen. Die Kinder sollen außerdem begreifen, dass es in Bethanien Angebote gibt, die ihre Eltern ihnen leider nicht hätten anbieten können. Die Einrichtung nimmt außerdem sehr gerne Geschwistergruppen auf, die dann allerdings häufig in unterschiedlichen Familien bzw. Wohngruppen un-

4.6 Referenz: Kinder- und Jugenddorf Bethanien Inszenierung des Eingangs

Daten Plätze 109 überbaute Fläche 3500 m² umbauter Raum 29000 m³

Kinderdorfmütter wohnen dauerhaft im Kinderdorf

127 Klostermann, 1993, S. 12 128 vgl. Peters, Wild, 1973, S. 9 129 vgl. Interview mit Martin Kramm am 08.05.2014 130 vgl. Bethanien Kinder- und Jugenddorf in Bergich GladbachRefrath (2009): Kurzfassung der Leistungsbeschreibung, S. 10

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Kirche als klares Zentrum und Bezugspunkt Hofsituationen mit unterschiedlichen Graden an Offenheit

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jede Wohngruppe bzw -familie hat eine eigene Außenfläche die intimen Gärten sind blickgeschützt unauffällige Einzäunung Kleinteiligkeit

Blickachsen vom Wohnzimmer auf die privaten und öffentlichen Außenflächen 131 vgl. Interview mit Martin Kramm am 08.05.2014 132 Klostermann, 1993, S. 30 133 vgl. Interview mit Martin Kramm am 08.05.2014 134 vgl. Bilz, 1972, S. 27 135 Bilz, 1972, S. 27

tergebracht werden. Der Grund sei, dass man versuche die existierenden, gefestigten Strukturen der Geschwister untereinander aufzubrechen. Auch ließen sich so Familiengeheimnisse ohne die Kontrolle der meist älteren Geschwister leichter entlocken. So könne gewährleistet werden, dass die Kinder eigenständig aufwachsen, sich jedoch jederzeit besuchen und vergewissern können, dass es dem Anderen gut geht.131 Diese Organisation des Kinderdorfes wird durch die Architektur vollkommen unterstützt. Betritt man das Kinderdorf, nachdem man die Brücke über den Bach überschritten hat, kommt man von östlicher Seite auf das Gelände entlang einer Straße, die sich im Kinderdorf zu einer Ringstraße windet. Im Blick hat man auf der linken Seite die Wohnhäuser der Familien und Wohngruppen und frontal die gegenüberliegenden Büros des Heimleiters - auf der linken Seite und eckig geformt, also ‘weltlich’ ausgebildet - und des Pfarrers - auf der rechten Seite und rund geformt, also ‘geistlich’ ausgebildet. Zwischen den beiden Büros in getrennten Gebäuden ist die Kirche inszeniert, die als einziger Bau in der gesamten Anlage durch ein Betonfaltwerk ins Auge sticht. Die restlichen Gebäude sind mit zweischaligen Außenwänden und entweder Sichtbeton oder Ziegelmauerwerk verkleidet. Zwischen dem Verwaltungsbau, der Kirche und den weiteren Gebäuden mit Aula, Jugendclub und dem Kloster ergeben sich kleinere und größere Plätze mit gepflastertem Untergrund. “Der Dorfplatz ist geschaffen für die Entfaltung der Kultur des aufmerksamen Grußes, des guten Wortes nebenher, für die Fähigkeit, ein wenig Zeit zu haben, die Sachlichkeit zu überschreiten, ohne sich mehr, als es möglich oder nötig ist, dabei aufzuhalten.”132 Die Häuser der Familien und Wohngruppen reihen sich um die Ringstraße herum und sind allesamt durch eine umlaufende Mauer miteinander verbunden. In den Mauern gibt es Durchlässe, die man nach überqueren eines Stegs über einen kleinen Wassergraben erreicht. Hinter dieser Mauer befindet sich der dem jeweiligen Wohnhaus zugeordnete Garten, der fließend zur umlaufenden Wiese und zum Wald übergeht. Laut Kramm beschreiben einige diese Mauer als gefängnisartig, während andere wiederum diese Mauer als eine schützende Burgmauer empfinden.133 Der Zaun, der das Gelände umgibt, ist optisch sehr unauffällig gestaltet. Der Anger, eine Spielwiese mit großem Kinderspielplatz liegt südlich zwischen Verwaltungsgebäude und den Wohnhäusern. Insgesamt zeichnet sich das Kinderdorf durch eine bemerkenswerte Kleinteiligkeit und eine starke Ausrichtung auf die Mitte, die Kirche aus.134 “Die einzelnen Wohngebäude […] sind so zusammengefasst, dass die individuelle Entwicklung und gemeinschaftliches dörfliches Leben Raum haben können und den Kindern das Gefühl der Geborgenheit und eines ‘Heimatortes’ gegeben ist.”135 Doch nicht nur die Kleinteiligkeit wird gelobt, sondern insbesondere auch die Abstufung der Öffentlichkeit bzw. Privatsphäre der Außenflächen. Der Heimleiter Martin Kramm beschreibt das Dorf als das schönste Kinderdorf, das er kennt, weil es Gemeinschaftlichkeit zulässt, ohne die Privatsphäre der Kinder zu verletzen. Ganz konkret macht er das an der Tatsache fest, dass die Betreuer vom Wohnzimmer aus gleichzeitig die Kinder im angrenzenden Garten und auf dem Spielplatz des Angers beobachten können, ohne dass sich die Kinder im Garten von äußeren Einflüssen gestört fühlen. Was er außerdem besonders lobt, ist die Durchsichtigkeit der Architektur trotz der opaken Materialien wie Beton und Ziegelmauerwerk, die durch die offenen Erdg-


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_132 Steg mit Durchlass durch die Ringmauer zu den intimen Gärten der Wohnhäuser.


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_133 Durchblicke im Erdgeschoss รถffnen den Dorfplatz nach auรŸen hin.


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_134 Der Innenhof im Klostergebäude.


eschosse an einigen Stellen am Verwaltungsgebäude und unterhalb der Brücke zwischen Kloster und Kirche entsteht. Einerseits sei die Anlage nach innen gekehrt, andererseits sei sie nach außen hin geöffnet. Er vergleicht die Struktur der Geamtanlage mit einer Gebährmutter, die ein starkes Zentrum hat, durch die umschließende Form eine Geborgenheit ausstrahlt und einen eindeutigen, inszenierten Eingang besitzt. Manche mögen dieses Prinzip, das einer Insel oder einer Käseglocke ähnelt, kritisieren. Er jedoch ist auf Grund seiner Erfahrungen mit den Kindern und Jugendlichen als Heimleiter davon überzeugt, dass eine gewisse Abgeschiedenheit den jungen Menschen hilft, Abstand von den gravierenden Erfahrungen und Erlebnissen zu gewinnen, die sie leider machen mussten.136 Interessant ist die Tatsache, dass nicht die Aula, d.h. der Versammlungs- und Festsaal für Veranstaltungen im Zentrum des Kinderdorfs steht, sondern die Kirche. Dennoch spielt die Aula ebenfalls eine wichtige Rolle im Alltag des Kinderdorfes. “Anders als der private Raum, das Haus für die Familie, die Wohnung, ist der Saal Raum für alle. Er gibt durch das, was sich in ihm ereignet, dem größeren Ganzen die Möglichkeit, sich auszusagen, sich darzustellen, da zu sein. Er trägt dazu bei, dass die Teile nicht Selbstzweck werden. Er erinnert daran, dass es Zusammenhänge gibt, die alle angehen.”137 Kritikpunkt aus Kramms Sicht ist die Dunkelheit der Kirche, die ohne Kerzen und Lampen ein sehr finsterer Ort wäre. Seiner Einschätzung nach wäre eine helle, offene Kirche gerade für junge Menschen besser geeignet.138 Beim Besuch des Kinderdorfes vor Ort hat der Zufall ergeben, dass ich mit einer der Ordensschwestern ins Gespräch gekommen bin, die mir bei einem Rundgang durch das Kloster auch vieles über ihre persönliche Sichtweise auf das Kinderdorf erzählen konnte. Seit der Errichtung des Dorfes ist sie Schwester des Ordens und kennt Gottfried Böhm und seine mittlerweile verstorbene Frau persönlich. Als kleine Anekdote erzählt sie, dass das Paar Böhm seine Diamanthochzeit in Bethanien gefeiert habe, was zeige, wie sehr dieses Projekt Böhm am Herzen liegt. Sie schwärmt von den zahlreichen Nischen in dem Gebäude, die doch so typisch für Böhms Werk seien und je nach Anordnung und Raumfunktion entweder als Sitznische oder als Nische zum Aufstellen von Heiligenfiguren einladen. Bei der Betrachtung des Interieurs des Klosters erscheint es tatsächlich, als wären diese Nischen für keine andere Aufgabe als die Aktuelle gemacht. Sie lobt daher besonders die polygonalen Formen der Treppenhäuser, die offener und lebendiger wirken als herkömmliche, geradlinige Treppenläufe. Auch sie betont das Gefühl der Zusammengehörigkeit durch die runde Gesamtstruktur und die einzelnen kleineren und größeren Höfe. Ihre religiösen Deutungen des Projekts teilte sie stets ihrem Freund Böhm mit, der sie erstaunt bestätigte. Ein größeres Kompliment, als die insgeheimen Deutungen aus sich selbst heraus als Laie zu beschreiben, könne man ihrer Meinung nach einem Architekten nicht machen.139 Betreutes Wohnen für Jugendliche wird vom Kinder- und Jugenddorf ebenso auf unterschiedliche Weise angeboten. Zum Einen gibt es Apartments im Kinderdorf selbst, in dem Jugendliche als Übergangszeit zur Eigenständigkeit wohnen können, ohne den Kontakt zur Wohngruppe zu verlieren. Zum Anderen gibt es eine Wohngruppe für jugendliche Mäd-

Durchblicke und Blickachsen quer durch das Dorf

idyllischer Inselcharakter, um zur Ruhe zu kommen

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Nischen zum Sitzen oder zum Ausstellen

Geborgenheitsgefühl durch runde Gesamtstruktur

136 vgl. Interview mit Martin Kramm am 08.05.2014 137 Klostermann, 1993, S. 28 138 vgl. Interview mit Martin Kramm am 08.05.2014 139 vgl. Gespräch mit Schwester Susanne am 08.05.2014


zentrale Lage und Anbindung an den ÖPNV

Mischgebiet, um Lärmbelastung gering zu halten 10 bis 12 Zimmer unter einem Dach vereint

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Atmosphäre auf einem Bauernhof ist nicht künstlich

Pferdestall in Stadtnähe

140 vgl. Bethanien Kinder- und Jugenddorf in Bergich GladbachRefrath (2009): Kurzfassung der Leistungsbeschreibung, S. 16

chen ab 13 Jahren außerhalb des Dorfes etwa 4km entfernt, wo es zwar keine dauerhaften Bewohner gibt, die als Betreuer fungieren, jedoch wird durch Schichtdienst eines sehr konstanten Teams dafür gesorgt, dass rund um die Uhr Bezugspersonen im Haus sind, die den Mädchen vertraut sind.140 Die Wohngruppe für männliche Jugendliche wurde auf Grund der Entfernung zum Stadtzentrum und zum Kinderdorf geschlossen. Aktuell wird eine neue Räumlichkeit in Form eines alten Bauernhofs oder einer ehemaligen Pension gesucht. Die Kriterien für einen neuen Ort würden vor allem die Lage betreffen: maximal im Radius von 20km vom Kinderdorf Bethanien sollte die Immobilie entfernt sein. Öffentliche Verkehrsmittel sollten ebenfalls in unmittelbarer Nähe sein, damit die Betreuer nicht übermäßig viel Fahrdienst leisten müssen und die Jugendlichen selbstständiger sind, denn die meisten niederschwelligen Berufsausbildungsangebote wie auch weitere Fördermaßnahmen seien zentral in den Städten gelegen.Als Umgebung wäre ein Mischgebiet am günstigsten, da der Lärm durch Roller, Musik doch recht hoch sei und sich die Nachbarn nicht zu sehr gestört fühlen sollten. 10 bis 12 Zimmer vereint unter einem Dach wären das Optimum für eine derartige Einrichtung, die aber leider schwer zu finden sei, denn oft findet man Häuser dieser Art nur in hochpreisigen Wohnlagen oder sehr entlegen. Ein Kinderdorf dieser Art auf dem Land mit Tierhaltung und Gartenbau sei seiner Meinung nach besonders geeignet für Kinder und Jugendliche mit Kommunikationsstörungen. Durch den Umgang mit Tieren würden sie lernen, Verantwortung zu übernehmen und auf die Bedürfnisse von Anderen zu achten. Außerdem sei auf so einer Art ‘Bauernhof ’ die Atmosphäre nicht künstlich-therapeutisch, da man sich aus der Natur der Sache heraus müsste man sich um den Betrieb des Hofes kümmern müsse und dafür die Hilfe der Kinder und Jugendlichen nicht nur eine Übung, sondern eine unumgängliche Dringlichkeit sei. Pferdeställe habe er in dieser Form als sehr positiv für jüngere Mädchen erlebt, allerdings sei es schwierig, sobald die Mädchen älter werden und ihr Interesse mehr und mehr den Stadtzentren gilt, die allerdings weit entfernt von solchen Pferdeställen seien. Einen Bauernhof in direkter Nähe des Bethanien Kinderdorfes würde er sehr begrüßen, denn er kennt viele Kinder und Jugendliche, die in solch einer Umgebung durch körperliche Arbeit an der frischen Luft mit Tieren und Pflanzen regelrecht aufblühen würden. Die Entfernung zur Stadt würden im eigenen Kinderdorf einige Kinder mit dem Fahrrad meistern, andere wiederum müsse man ‘wie die Pferde zur Tränke führen’. Die Finanzierung der laufenden Kosten wird, wie überall in Deutschland, vom Jugendamt der zuständigen Kommune des Kindes übernommen. Zu Beginn des Jahres wird vom Kinderdorf ein Entgeltsatz festgelegt, der dann vertraglich geregelt wird. Diese Zahlung ist wie ein Warenkorb zu verstehen, aus dem Mitarbeiter bezahlt, Fahrtkosten getragen und Lebensmittel eingekauft werden. Der Satz für Instandhaltungskosten wird leider in den Jahren immer geringer, da die Kommunen nicht eine Aufwertung einer Immobilie mitfinanzieren wollen. Andererseits ist das Kinderdorf auf das Geld angewiesen, da sonst eine angemessene Unterkunft der Kinder in Zukunft gefährdet werden könnte.


Der Einfluss der Architektur auf die Bewohner und Kinder sei enorm und unabhängig vom Alter sei die Begeisterung für die durch die Struktur des Dorfes unterstützte Gemeinschaftlichkeit unterstützt sehr groß. Der Betrachter des Kinderdorfes “[...] begegnet einer menschlich anteilnehmenden Architektur, die mehr ist, als ihr sachlicher Zweck erfordert, weil sie über das nur Nützliche hinaus dem Willen zur menschlichen Gemeinschaft entgegenkommt und dabei Perspektiven und Zusammenhänge zeigt, die für jedes Miteinander unverzichtbar sind.”141

‘Turmhaus’ mit Kreativzentrum

Verwaltungsgebäude

Inszenierung des sozialen Miteinanders

141 Klostermann, 1993, S. 8

Jugendclub

Kloster

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Sportplatz

Ringmauer mit Durchlässen zu den Häusern

heilpädagogische Wohngruppe mit Schulklasse

BHKW

Aula

_135 Luftbild des Kinderdorfes.


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_136 Der Eingang zum Kinderdorf führt über eine kleine Brücke.


_137 An diversen Stellen entstehen interessante Blickbeziehungen quer durch das Dorf.

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_138 Die Wohngebäude sind alle durch eine Ringmauer verbunden, die die Eingänge zu den Häusern bilden.


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_139 Das Zentrum des Dorfes bildet die Kirche mit dem Dorfplatz.


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_140 Das Dorf hat einen eigenen Sportplatz für die Kinder kurz vor dem Eingang des eigentlichen Dorfes.

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_141 Entlang der Wohnhäuser führt ein kleiner Bach, den kleine Stege überbrücken, um zu den Wohnhäusern zu gelangen.


195 _142 Der Dorfplatz ist im Gegensatz zum Anger gepflastert - im Winter findet hier ein kleiner Weihnachtsmarkt statt.

_143 Auf dem Anger befindet sich ein Spielplatz fĂźr die Kinder.


_144 Die Nischen, die sich durch die polygonalen Treppenhäuser ergeben, bieten sich zum Aufstellen von Heiligenfiguren an.

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_145 Blick vom Refektorium zum Wald.


197 _146 Im Klosterhof befindet sich eine kleine, überdachte Kapelle mit integrierter Sitzbank.

_147 Selbst die Küche des Refektoriums bietet eine Sitznische mit Blick zum Wald abseits der Küchenanlage.


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_148 Lageplan Odertor 1:2000


VON EINEM AUTODESK-SCHULUNGSPRODUKT ERSTELLT

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_149 Lageplan Bethanien Kinderdorf 1:2000


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_150 Lageplan Odertor (Ausschnitt) 1:200


VON EINEM AUTODESK-SCHULUNGSPRODUKT ERSTELLT

VON EINEM AUTODESK-SCHULUNGSPRODUKT ERSTELLT

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_151 Grundriss Wohnhaus Bethanien 1:200 Gemeinschaftsbereiche rot markiert

VON EINEM AUTODESK-SCHULUNGSPRODUKT ERSTELLT


_152 Eingang des Jugendwohnheims.

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Katholisches Jugendwohnheim Bernhard Letterhaus

Köln-Poll Gespräch mit Tomasz Sworowski (Erzieher in der Einrichtung seit 12 Jahren; studiert nebenher Architektur in Köln) Er ist in Polen aufgewachsen und kennt die polnische Mentalität und die Umstände dort sehr gut; hat ursprünglich eine Ausbildung als Pizzabäcker gemacht Funktion: Jugendsozialarbeit existiert seit: in der jetzigen Form seit 1992 Leiter ist: Stefan Müller Träger: Verein Katholische Jungarbeiter-Heimstatt Nikolaus-Gross- Haus e.V. in Köln Finanzierung: Renate Wineken Stiftung, Arbeitsamt, Jobcenter, Sozialamt, Jugendamt, Spenden Zielgruppe: Jugendliche zwischen 16 und 27 Jahren


Das katholische Jugendwohnheim Bernhard Letterhaus liegt südlich vom Deutzer Stadtteil auf der östlichen Uferseite des Rheins mitten in einem Wohngebiet. Das Gebäude war vor dem zweiten Weltkrieg ein Jugendfreizeitheim und wurde während des Krieges völlig zerstört. Danach folgte ein Wiederaufbau ud eine Ergänzung durch einen Anbau. Die Belegschaft wechselte daraufhin “von Jungarbietern zu obdach-und arbeitslosen Jugendlichen, zu Kontingentflüchtlingen und zu jungen Aussiedlern, die an einem Intensivsprachkurs “Deutsch“ teilnahmen.”142 Das Hauptgebäude ist in einer L-Form gestaltet, im Hinterhof mit Garten erstreckt sich ein weiterer Riegel. Während sich im Hauptgebäude der Eingang, die Verwaltung, die Betreuerwohnungen, Kantine, Küche und die Zimmer mit Bädern auf den Fluren befinden, beinhaltet der zusätzliche, im Nachhinein gebaute Riegel Apartments mit eigenem Bad und eigener Küche für junge Erwachsene, die die Volljährigkeit erreicht bzw. die bereits ein höheres Maß an Reife gewonnen haben. Sogar ein Balkon, der alle Wohnungen im oberen Geschoss des Riegels miteinander verbindet, ist vorhanden. Der Riegel grenzt gemeinsam mit dem rückwärtig liegenden Gemeinschaftsraum des Hauptgebäudes an den Wohnheimsgarten mit Grillpavillon und Sitzgruppen. Bisher gibt es 55 Einzelzimmer, 3 Doppelzimmer und 12 Apartments, wobei die Doppelzimmer in Zukunft durch Einzelzimmer ersetzt werden sollen, um ein Höchstmaß an Privatsphäre zu schaffen. Im Hauptgebäude gibt es einige Mädchen- und einige Jungenflure, aber auch einige gemischte Flure. Auf die Frage, ob die Mischung gut funktioniere, antwortet Sworowski grinsend, dass es manchmal zu gut funktioniere. Für die Bäder auf den Fluren gibt es eine Putzliste, die die Bewohner einzuhalten haben, was laut Erzieher auch funktioniert. Wichtig sei an dieser Stelle die leichte Reinigung der sanitären Anlagen, also eine eher schlichte, aber funktionale Gestaltung. Zielgruppe des Jugendwohnheims sind 16- bis 27-Jährige, aber in einigen Ausnahmen dürfen bereits 15-Jährige einziehen, wenn eine Sondergenehmigung eingeholt werden konnte. Neben Jugendlichen, die aus privaten und sozialen Gründen das Zuhause - am häufigsten wegen Scheidungen oder pubertär bedingten Problemen - verlassen, gibt es auch Zimmer für junge Azubis, die nach Köln ziehen und eine Unterkunft für die Zeit ihrer Ausbildung suchen bzw. für Schüler, die von außerhalb kommen. Insgesamt besteht die Bewohnerschaft momentan zu einem Drittel aus Azubis, zu einem Drittel aus Schülern und zu einem weiteren Drittel aus junge Menschen, die sich in einer berufsbegleitenden Maßnahme befinden. Die Aufenthaltsdauer ist sehr unterschiedlich, aber in der Regel bleiben die Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis zu einem Punkt, wo ein Abschluss erreicht wird, ganz gleich ob schulischer oder beruflicher Natur. Grundsätzlich gibt es keine Quote, die eingehalten werden muss, weder bezüglich der Ausbildungsform noch bezüglich des Geschlechts. Momentan wohnen die Männer mit zwei Drittel Mehrheit im Jugendwohnheim.143 Die Finanzierung funktioniert nur, wenn eine Ausbildung seitens der Bewohner angestrebt wird. Der Einzug in das Jugendwohnheim ist ab 16 Jahren eine freiwillige Entscheidung seitens der Jugendlichen, jedoch unter Voraussetzung der Einwilligung der Eltern. Falls diese den Umzug verweigern, kann das Jugendamt die Obhut übernehmen und die Entscheidung unterstützen. Die Mithilfe der Eltern ist allerdings in allen Fällen ein erstrebenswerter Zustand.

4.7 Referenz: Jugendwohnheim Köln-Poll

Apartments für volljährige Bewohner mit eigenem Bad, Küche und Balkon mit Blick in den Garten

Daten Plätze 70 203

leichte Reinigung der gemeinsamen Badezimmer

142 Kath. Jugendwohnheim Bernhard Letterhaus (2013): Geschichte 143 vgl. Interview mit Tomasz Sworowski am 01.04.2014


Betreuer haben einen eigenen Raum mit Bad

204 Holzwerkstattraum, Proberaum für Bands, Fahrradwerkstatt gesonderter Raum für schulische und berufliche Beratung separate Erschließung von Freizeit- und Bildungsräumen

Partykeller mit integrierter Küche zum Bekochen von eigenen Gästen

144 Interview mit Tomasz Sworowski am 01.04.2014

Das Jugendwohnheim arbeitet eng mit Streetworkern zusammen, die ein sehr gutes Auge dafür haben, wer von den Jugendlichen auf der Straße Potenzial zur Verbesserung der eigenen Lebensumstände hat. “Die Streetworker gehen mit diesen Leuten erstmal einen Kaffee trinken und fragen sie nach ihrer Lebenssituation und lassen sie ein bisschen erzählen.”144 Der Andrang kurz vor Einbruch des Winters sei natürlich besonders groß. Ein Prozess des sogenannten Clearings findet ebenfalls statt. Das bedeutet, dass zu Beginn bei Einzug der Jugendlichen in das Jugendwohnheim durch Gespräche festgestellt wird, was die Probleme bei der betroffenen Person sind und wo Handlungsbedarf besteht. In manchen Fällen wird dann eine Therapie für die Jugendlichen außerhalb des Jugendwohnheims verordnet, die sie regelmäßig wahrnehmen müssen. Die Betreuung im Wohnheim selber findet rund um die Uhr im Schichtdienst statt, allerdings gibt es keine dauerhaft wohnende Person im Wohnheim, wie zum Beispiel im Kinderdorf Bethanien. Zwischen 23 und 7 Uhr gibt es Bereitschaftsdienst, d.h. während dieser Zeit nächtigen die Betreuer in ihrem eigenen Zimmer mit eigenem Bad und sind auf Abruf für die Jugendlichen da. Sworowski betont, dass die Einrichtung weder für besonders verhaltensauffällige Jugendliche noch für Mütter mit Kindern gedacht ist. Falls ein Bewerber zu massive Probleme beispielsweise mit einer Sucht hat, wird eine andere, speziell dafür ausgelegte Einrichtung empfohlen. Wird ein Mädchen im Jugendwohnheim schwanger, dann hilft das Wohnheim ihr bei der Suche eines geeigneten Wohnheims für junge Mütter. Bewerber gibt es regelmäßig; pro Woche kommen zwei bis vier Bewerber, manchmal sind es sogar sieben pro Woche. Im Fokus des Gesprächs liegt vor allem die Lebensgeschichte. Wird ein gewisses Maß an Bemühen, Benehmen und Engagement festgestellt, ist der Bewerber als Bewohner des Jugendwohnheims geeignet. Das Angebot vor Ort für die Jugendlichen ist vielfältig. Die Jugendlichen werden zum Arzt begleitet, es werden zahlreiche Gespräche geführt, Spaziergänge gemacht und je nach Fall wird der Kontakt zu den Eltern gepflegt. Es gibt einen Proberaum mit Instrumenten, einen Holzwerkstattraum und in Zukunft wird es wieder eine Fahrradwerkstatt geben. Eine Lehrerin, die Nachmittags im Jugendwohnheim Hausaufgabenbetreuung anbietet, schult auch in Bezug auf Bewerbungen und bei der Beratung in der Berufswahl. Eine Anmerkung in planerischer Hinsicht seitens Sworowski ist, dass man leider durch den Fitnessraum gehen muss, um zu den Räumlichkeiten für die Lehrerin zu kommen. Die Regeln im Jugendwohnheim sind simpel. Ein bis zwei Mal am Tag gibt es einen Rundgang, bei dem die Erzieher kontrollieren, ob in den Wohnungen und Zimmern alles in Ordnung ist. Spätestens um 23 Uhr müssen die nicht volljährigen Bewohner wieder im Wohnheim sein. Morgens gibt es zwischen 6 und 7.30 Uhr Frühstück, ansonsten können sich die Bewohner ein Lunchpaket für die Arbeit bzw. für die Schule zusammenstellen. Um 18 Uhr gibt es Abendessen. Die Speisen werden in einem großen Raum mit Vierer-Tischen verspeist und es gibt eine interne Küche, die die Speisen zubereitet. Am Wochenende gibt es Frühstück um 10 Uhr, eine Zwischenmahlzeit um 13.30 Uhr und Abendessen um 19 Uhr. Freiwillige sind beim Kochen immer willkommen, aber es gehört nicht zu den erzieherischen Maßnahmen des Wohnheim, die Jugendlichen miteinzubeziehen. Wer möchte, kann seine Freunde oder Verwandte im Keller in einer Art Clubraum bekochen, wo es eine Küche und Sitzgruppen gibt. Dort hat in einer Art Schließfach jeder sein Essen und spezielle Ausstat-


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_153 Das Gebäude stammt aus den 50er Jahren.


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_154 Eingang vom neu gebauten Anbau mit Gemeinschaftsraum in den Garten des Wohnheims.


tung zum Kochen parat. Solche Kochaktionen finden vor allem statt, wenn der Bewohner Geburtstag hat oder einfach so seine Eltern oder Freunde bekochen möchte, wenn sie zu Besuch kommen. Ähnlich wie beim Kinderdorf Bethanien betont Sworowski hier, dass die Einrichtung kein Ersatz für die Eltern ist, sondern sich als Begleiter versteht und somit die Jugendlichen vieles selbst entscheiden und finden müssen. Das Wohnheim versucht weitestgehend zu vermeiden, dass die jungen Menschen auf die schiefe Bahn geraten. Als Hinweis auf die Planung eines solchen Wohnheims betont Sworowski das hohe Maß an Privatheit, dass den Bewohnern gewährleistet werden muss. Sie müssen einen Ort haben, wo sie sich sicher zurückziehen können. Gleichzeitig sollen sie beim Verlassen dieser Zone dazu gezwungen sein Gemeinschaftsbereiche zu durchqueren, um dem Kontakteknüpfen nachzuhelfen. Der Eingang in ein solches Wohnheim ist ein weiterer Knackpunkt eines solchen Wohnheims. Da er der Kontrolle dient, auch um festzustellen in welchem Zustand die Jugendlichen das Haus betreten, muss er der einzige Punkt der Erschließung eines solchen Wohnheims sein. Er kritisiert beim Bernhard Letterhaus Wohnheim, dass sich die Bewohner des Apartmentriegels durch das Durchqueren eines seitlichen Tores der Eingangskontrolle entziehen können. In Bezug auf sportliche Angebote besonders für die männlichen Jugendlichen stellt Sworowski fest, dass der Trend zu Fitnesstraining in Ketten wie Macfit hingeht. Aus diesem Grund bietet das Wohnheim einen eigenen Fitnessbereich mit Geräten für Krafttraining an, was sehr gerne angenommen wird. Seiner Meinung nach sei es gut, wenn man die Jugendlichen unter kontrollierten Bedingungen ‘prügeln lässt’. Bei einem Boxtraining wird Selbstdisziplin und Kontrolle verlangt, was den Jugendlichen gute Werte vermitteln würde. Außerdem hätten sie durch das körperliche Training mehr Selbstbewusstsein und würden sich in der Folge nicht so leicht auf der Straße provozieren lassen. Würde man in ein solches Wohnheim eine Art Schulung bzw. Bildungseinrichtung integrieren, müssten diese zwei Komponenten in getrennten Gebäuden untergebracht sein, da die Jugendlichen ihren Wohnort nicht mit Schule assoziieren sollten. Der Wohnbereich hat seiner Meinung nach im idealen Fall einen monofunktionalen Charakter, damit Arbeiten und Freizeit besser getrennt werden können.145 Neubau mit Apartments

Gemeinschaftsraum

hohes Maß an Privatheit Erschließung der Einzelzimmer sollte die Gemeinschaftsräume durchqueren Erschließung des Wohnheims nur über einen Eingang, um Kontrolle zu sichern sportliche Angebote für männliche Jugendliche

207 Wohnen und Bildung in separaten Gebäuden 145 vgl. Interview mit Tomasz Sworowski am 01.04.2014

Garten

_155 Luftbild des Jugendwohnheims.


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_156 Garten des Wohnheims.


_157 Im Garten befinden sich Sitzgruppen und Tische. Die vorgefertigten Durchwegungen erscheinen etwas zweifelhaft.

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_158 Der neugebaute Riegel mit den Apartments. Die Balkone auf der rechten Fassade fehlen zu dem Zeitpunkt noch.


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_159 Blick vom Balkon der Apartments in den Innenhof.


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_160 Gemeinschaftsraum im Anbau des Hauptgebäudes.

212

_161 Speisesaal mit hauseigener Kantine.


213 _162 Partykeller mit angeschlossener Küche für besondere Anlässe.

_163 Die Gewölbe im Keller rufen eine besondere Atmosphäre hervor.


_164 KĂźchenzeile mit angeschlossenen Balkon eines Apartments.

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_165 Wohnbereich mit KĂźchenzeile und dahinter liegendem Badezimmer einer anderen Apartmentwohnung.


215 _166 Das Mobiliar der Einzelzimmer wirkt zusammen mit dem Linoleumboden etwas karg.

_167 Die Mรถbel sind in allen Zimmern einheitlich.


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_168 Lageplan Odertor 1:2000


VON EINEM AUTODESK-SCHULUNGSPRODUKT ERSTELLT

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_169 Lageplan Jugendwohnheim 1:2000


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_170 Lageplan Odertor (Ausschnitt) 1:200


VON EINEM AUTODESK-SCHULUNGSPRODUKT ERSTELLT

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_171 Grundriss Jugendwohnheim 1:200 Gemeinschaftsbereich rot markiert


_172 Blick auf die Ponyweide und den Verwaltungsbau.

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Caritas Kinderdorf ‘Am Köllnischen Wald’ in Bottrop

Bottrop-Fuhlenbrock mit Thomas Evers, Heimleiter seit drei Jahren, Sozialpädagoge, zuvor war er in der ambulanten Erziehugsberatung tätig Funktion: existiert seit: Leiter ist: Träger: Finanzierung: Zielgruppe:

Heimerziehung, Hilfen für junge Volljährige, Familienberatung seit Mitte der 60er Jahre Thomas Evers Caritasverband für die Stadt Bottrop Kommune des betroffenen Kindes, Jugendamt, Spenden 6 bis 18-jährige Kinder und Jugendliche


Das Kinderdorf befindet sich am Rand des Stadtteils Bottrop-Fuhlenbrock, das überwiegend aus Wohngebiet besteht und sich etwa 2,5km entfernt vom Stadtzentrum befindet. Nachdem man eine Wohnstraße bis zum Ende entlang gegangen ist, steht man vor der Ponyweide, hinter der man das Verwaltunsgebäude des Dorfs erkennt. Die Nähe zur umliegenden Bebauung und zu Nachbarn ist groß - direkt neben dem Gelände befindet sich eine Grundschule und neben die Weide reiht sich in eine normale Wohnstraße ein. Am hinteren Rand der Einrichtung des Kinderdorfs grenzt der Köllnische Wald an, nach dem auch das Kinderdorf benannt ist. 300 bis 400m weiter befindet sich eine weitere Grundschule und eine Realschule. Für die Kinder ist diese Lage nach Aussage von Heimleiter Thomas Evers sehr günstig und wenn ein Kind mal etwas weiter weg muss, gibt es den Fahrdienst. Ein Mädchen in der Gruppe sei sehr erfolgreich im Mädchenfußball und steigt stetig in bessere, aber eben auch weiter entfernte Vereine auf - das unterstützte das Kinderdorf so gut es geht. Seine Meinung zur Lage und Positionierung von Kinderdörfern im Allgemeinen ist, dass prinzipiell sowohl eine innerstädtische Lage als auch eine etwas isolierte Lage auf dem Land sehr günstig für die Entwicklung der Kinder sein könne. Besonders zu Beginn in der Phase der Verarbeitung von Traumata sei eine isolierte Lage durchaus zu begrüßen, wohingegen später eine Lage in Nähe der Stadt sehr günstig für die Kinder und Jugendlichen sein könne. Für Jugendliche, die sich Abends gerne beispielsweise an irgendwelchen Bahnhöfen betrinken, sei eine isolierte Lage, wo es diese Möglichkeit nicht gibt, für den Anfang mit Sicherheit besser. Im Falle des Kinderdorfs in Bottrop macht eine isolierte Lage wenig Sinn, denn in der Regel bleiben die Kinder zwei bis drei Jahre und werden dann meist in die Familie zurückgeführt bzw. ziehen in eine eigenständige Wohnung ein. Der Bezug zu den Nachbarn sei trotz kleinerer Zwischenfälle des Vandalismus sehr positiv. Mal spenden die Nachbarn Süßigkeiten oder auch beispielsweise ein Fahrrad für die Kinder. Eine interessante Beobachtung ist die Tatsache, dass viele Nachbarn und Anwohner das Privatgelände des Kinderdorfs als Abkürzung zum Spazieren im Wald nutzen. Außerdem nutzen viele Kinder aus der Umgebung und den angrenzenden Schulen den Spielplatz, was Evers sehr begrüßt, da dadurch eine positive Mischung und ein Austausch mit der Umgebung stattfindet. Grundsätzlich kommen 4,5 Mitarbeiter auf 9 Kinder, die jeweils in einem Gruppenhaus wohnen. Es gibt anders als beispielsweise in Bethanien keine dauerhaft wohnenden Betreuer in den Häusern, sondern Mitarbeiter im Schichtdienst. Die Betreuer haben in den Häusern eine Art Büroraum direkt am Eingang der Diele eingerichtet, in dem sich auch ein Bett für den Nachtdienst befindet. Die fünf Gruppen bestehen aus reinen Mädchen-, reinen Jungengruppen und gemischten Gruppen. Zusätzlich gibt es eine Verselbständigungsgruppe, in der allerdings kein Betreuer wohnt, die aber unter der Obhut einer anderen Wohngruppe mit Betreuer steht. Die Mädchen- und Jungengruppe ist im Laufe der Zeit entstanden, da durch die Erlebnisse und Verhaltensweisen der zugezogenen Kinder Bedarf an Geschlechtertrennung entstanden ist. Einige der Mädchen haben sexuelle Übergriffe erleiden müssen und seien laut Evers besser in einem separaten Haus untergebracht. Bei den Jungen, die unter sich wohnen, seien vordergründig Aggressivität Thema. Doch das Wohnen in geschlechtergetrennten Häusern ver-

4.8 Referenz: Kinderdorf Bottrop Nähe zu den Nachbarn

Grundschulen und weiterführende Schulen sind weniger als 500m entfernt isolierte Lage zu Beginn, innerstädtisch später

Daten Plätze 49 221

Gelände wird von Spaziergängern und anderen Kindern betreten

Verselbständigungsgruppe als Zwischenschritt zur eigenen Wohnung

Mädchenwohngruppe für sexuell missbrauchte Mädchen


222 Gruppierung von älteren und jüngeren Kindern, um Konflikte zu vermeiden

eigenständige Wohnungen sowohl im Dorf integriert als auch außerhalb

meidet nicht den Kontakt und die Kommunikation zwischen den Geschlechtern. Das Leben in den Wohngruppen ist sehr selbständig, die Einkäufe werden eigenhändig erledigt, ebenso werden die Mahlzeiten individuell gestaltet. Um diese Aufgaben und weitere häusliche Tätigkeiten für die Kinder zu bewältigen, gibt es in jedem Haus eine Hauswirtschaftskraft. Für eigene kleine Einkäufe erhalten die Kinder ein dem Alter angepasstes Taschengeld, aber ebenso helfen sie auch durch kleinere Einkäufe im Haushalt mit. Die Tagesstruktur im Alltag ist vorgegeben und gesund für die Kinder, denn durch die Tatsache, dass alle Kinder morgens für die Schule aufstehen müssen, entstehe ein Mitzieheffekt, wie Evers es beschreibt. Die üblichen Konfliktschleifen, die häufig Zuhause mit den Eltern entstehen, würden hier gar nicht erst aufkommen. Die Nachmittagsbetreuung mit Hausaufgabenhilfe findet im Kinderdorf statt. Die Schulzeiten seien ohnehin mittlerweile recht lang - teilweise bis vier Uhr Nachmittags - und um den Kontakt zu den Kindern zu halten, sollte so viel Zeit wie möglich im Alltag im Dorf stattfinden. Die langen Schulzeiten seien ein Problem für die Versorgung der Tiere im Dorf seitens der Kinder. Früher hat es eine Wohngruppe gegeben, die sich für die Versorgung der Tiere verantwortlich gefühlt hat und diese Aufgabe in Zusammenarbeit mit den Betreuern übernommen hat, aber dies sei heute nicht mehr möglich. Stattdessen werden die Ponys von Ehrenamtlichen gepflegt und die anderen Tiere wie Schweine, Ziegen, Kaninchen, Hühner und Schafe werden vom zuständigen Hausmeister versorgt. Dennoch sei jedes Kind, das Interesse hat, dazu eingeladen an der Versorgung der Tiere mitzuwirken. Weitere Angebote zur Freizeitgestaltung der Kinder sind eine Tanz-, eine Trommel- und eine Fußballguppe. Die Lehrer hierfür werden von dem umliegenden Vereinen, Tanz- und Musikschulen eingeladen und über Spenden bezahlt. Viel eher würde Evers für eine neue Wohnanlage dieser Art eine Trennung zwischen den Altersgruppen präferieren, da zwischen kleinen Kindern und Jugendlichen Konflikte entstehen, die man so vermeiden könnte. Die meisten Kinder im Kinderdorf haben immer noch Kontakt zu den Eltern, der zu Beginn von den Pädagogen mitbetreut wird, um ihn dann zunehmend selbständig in Form von selbständigen Besuchen Zuause zu gestalten. Etwa ein Drittel der Kinder wird wieder in die Herkunftsfamilie zurückgeführt. Nach Auszug der Jugendlichen in eine eigene Wohnung findet immer eine Nachbetreuung statt, um sicherzustellen, dass die jungen Erwachsenen sich in ihrem eigenständigen Leben zurechtfinden. Wie bereits erwähnt, gibt es eine Verselbständigungsgruppe, in der kein Betreuer wohnt, die allerding mit betreut wird. In dieser Gruppe hat jeder Jugendliche ein eigenes Zimmer mit Bad, allerdings teilen sie sich zu zweit eine Küche und ein Wohnzimmer. Zu Beginn wird noch eine Hauswirtschaftskraft zur Unterstützung beim Kochen und Wirtschaften eingestellt, aber im Laufe der Zeit sollen die Jugendlichen zunehmend selbständig wohnen. Im Verwaltungsbau gibt es außerdem zwei weitere Wohnungen, die vollkommen autonom ausgestattet sind - eine Ein-Zimmer- und eine Zwei-Zimmer-Wohnung. Außerhalb des Kinderdorfs gibt es zwei weitere Wohnungen, die vom Kinderdorf betreut werden und für junge Erwachsene eingerichtet sind. Evers würde dieses Angebot gerne erweitern, wenn es die Mittel erlauben würden. Das architektonische Konzept der einzelnen Wohnhäuser, die sich um einen Platz in der Mitte gruppieren und autonom gestaltet sind, ist ähnlich dem


223

_173 Eines der Gruppenhäuser im Dorf.


224

_174 Spielendes Kind vor dem Spielplatz in der Mitte des Kinderdorfs.


Kinderdorf Bethanien eine innovative Idee für die 50er Jahre - dem Entstehungszeitpunkt des Kinderdorfs -, die zu einer Aufnahme in die Denkmalliste geführt hat. Eine weitere Besonderheit ist das Waschhaus, das größere Wäsche wie Bettwäsche und Handtücher wäscht, um die Betreuer in der Bewältigung der täglichen Aufgaben besonders zeitlich zu entlasten, damit sie sich mehr auf die Aufgabe des Erziehens konzentrieren können. Bei der Einrichtung sind die Kinder und Betreuer auf ihren eigenen Geschmack gestellt und nur wenige Basicmöbel wie Betten und der ein oder andere Schrank sind vorgegeben. Jedes Kind hat ein sehr individuell gestaltetes Zimmer mit verschiedenen Wandfarben, Dekor und Mobiliar. In dem Haus, das ich besichtigen konnte, hat mir ein Kind mit großer Begeisterung seinen eigenen Balkon mit Blick auf den zukünftigen Fußballplatz demonstriert. Ein anderes Kind setzte sich auf die Fensterbank, um zu zeigen, wie es manchmal auf den Wald und die angrenzenden Tierställe schauen kann. Der Bezug zum Außenraum schien das Erste und Wichtigste für die Kinder zu sein und nicht - wie ich es persönlich erwartet hätte - persönliche Gegenstände und Habseligkeiten. Insgesamt scheinen die Kinder, die ich kennenlernen konnte, sehr aufgeschlossen, neugierig und redselig zu sein. Der Heimleiter berichtet von sehr positiven Erfahrungen mit dem Kontakt zwischen Hunden und auch besonders aggressiven Kindern und Jugendlichen. Er schmunzelt, als er erzählt, dass selbst die aggressivsten Jungs im Umgang mit den Hunden plötzlich sehr liebevoll und sanft agieren. Schwer erziehbar sei laut Evers ohnehin ein sehr schwammiger Begriff. Sobald die Kinder in das Dorf einziehen, verhalten sie sich oft ganz anders und angenehmer als Zuhause, weil die konfliktbehafteten Beziehungen zu den Eltern nicht im Vordergrund stehen. Wenn die Kinder und Jugendlichen zuvor in einer Psychiatrie in Behandlung waren, werden die wesentlichen Ergebnisse und Hinweise an das Dorf weitergegeben. Vor Ort finden dann je nach Fall weiterhin tägliche Einzelgespräche statt, in denen diese Themen angesprochen und bearbeitet werden. Falls das Kind eine Therapie außerhalb des Dorfs aufsucht, sind die Pädagogen bei jeder 5. Therapiestunde mit dabei. In Absprache mit dem Jugendamt finden auch intensivere Betreuungen vor Ort statt, falls der Bedarf vorhanden ist. Der häufigste Grund für eine Aufnahme in das Dorf sind seitens der Kinder Esstörungen, Verhaltensauffälligkeiten, Ritzen oder auch eine Misshandlung. Teilweise sind die Kinder verwahrlost, fast schon Zuhause verhungert. Die Eltern haben teilweise mit Suchtproblemen zu kämpfen, was eine normale, gesunde Erziehung Zuhause verhindert. Dennoch würden die meisten Kinder lieber Zuhause wohnen und würden gern dorthin zurückkehren, was aber nicht immer möglich und sinnvoll sei, erklärt Evers. Zu Beginn werden intensive Gespräche geführt und im Falle beispielsweise einer Sucht der Kinder wird eine passendere Einrichtung empfohlen. Die Finanzierung erfolgt wie in den meisten Fällen über die zuständigen Jugendämter - aktuell bis zu 13 Jugendämter aus verschiedenen Kommunen - und über Spenden. Ein langfristiger Aufenthalt ist in der Regel nicht vorgesehen und in Konsequenz entstehen dadurch bis zu 25 Wechsel der Kinder im Jahr. Zwar sei die Altersgruppe auf bis zu 18-jährige fokussiert, doch es lebe momentan auch ein 19-jähriger Mann im Dorf, der bald seine Ausbildung beenden wird und bis dahin im Dorf bleibt.146

Gruppierung von Häusern um einen Hof

individuelle Gestaltung der Zimmer und des Mobiliars Bezug zum Außenraum ist den Kindern wichtig eigener kleiner Balkon mit Blick auf Gemeinschaftsplätze Kontakt zu Hunden beruhigt die Kinder 225

146 vgl. Interview mit Thomas Evers am 15.05.2014


226

_175 Ponyweide am Eingang des Kinderdorfs.


Stall

Ponyweide

Waschhaus

Besprechungsraum

Gruppenhaus

Verwaltung

Turnsaal/Aula

FuĂ&#x;ballplatz

227

Spielplatz _176 Luftbild Kinderdorf.

_177 Die Architektur des Kinderdorfs ist fĂźr die 50er innovativ und steht daher unter Denkmalschutz.


228

_178 Panorama mit Blick auf den mittig gelegenen Spielplatz und den angrenzenden Wald.


229


_179 Entweihte Kapelle im Verwaltungsbau. Heute tagt dort das Kinderdorfparlament.

230

_180 Wohnzimmer eines Gruppenhauses.


231 _181 Angrenzender Wald, in dem die Kinder manchmal Spaziergänge oder Fahrradtouren machen.

_182 Verwaltungsgebäude mit Versammlungsraum und Turn- und Veranstaltungssaal im rechten Flßgel.


_183 Rechts befindet sich der Snoezelenraum, in dem persÜnliche Gespräche mit Blick auf die Weide stattfinden.

232

_184 Der Spieplatz wird gerne von anwohnenden Kindern genutzt.


233 _185 Eingang zum Kinderdorf.

_186 Insgesamt leben vier Ponys im Kinderdorf.


234

_187 Lageplan Odertor 1:2000


VON EINEM AUTODESK-SCHULUNGSPRODUKT ERSTELLT

235

_188 Lageplan Kinderdorf 1:2000


_189 Youth Centre New Horizon

236

New Horizon Youth Centre London London Somers Town

Architekt: Adam Khan Architects, London Funktion: Obdachlosenhilfe, Hilfen für Volljährige, Kantine, Eingliede- rungshilfe für ehemalige Häftlinge, Beratung in Wohnungs- und Ausbildungsfragen existiert seit: seit 1967 Schirmherr: Jon Snow Finanzierung: Wohltätigenverband, Spenden Zielgruppe: Zielgruppe 16- bis 21-Jährige, die obdachlos sind, unter schlechten Bedingungen wohnen, arbeitslos sind oder Flüchtlinge sind


Das New Horizon Youth Centre in London Somers Town unweit des Kings Cross und somit sehr innerstädtisch gelegen wurde von Lord Longford 1967 gegründet, um jungen Menschen mit Drogenproblemen in London West End zu helfen, die Drogenprobleme haben. Der Schirmherr Jon Snow hat selbst in den 70er Jahren als Direktor vor Ort im Youth Centre gearbeitet und ist nun als Journalist und Unternehmer im Namen der Organisation tätig. Die restlichen Mitarbeiter, die im Youth Centre tätig sind, setzen sich aus den verschiedensten Berufsgruppen zusammen. Es arbeiten dort ehemalige Gefängniswärter und Jugendrichter, aber auch lokale Anwohner, Gesundheitsforscher, Finanzberater und Psychotherapeuten.147 Insgesamt sind dort 27 Vollzeitmitarbeiter, 15 Teilzeitarbeiter und 30 freiwillige Helfer tätig, um das Jugenzentrum, das auf einer wohltätigen Organisation fußt, aufrecht zu erhalten. Die Öffnungszeiten sind nicht durchgängig - offen sind die Türen täglich zwischen 10.30 Uhr und 16 Uhr Nachmittags. Zielgruppe sind 16 bis 21-Jährige, die obdachlos sind, unter schlechten Bedingungen wohnen, arbeitslos sind oder zur Gruppe von Flüchtlingen gehören. Allgemein findet hier ein offenes Ohr, wer auf der Suche nach einer (besseren) Wohnung oder eine Arbeit bzw. einer Ausbildung ist. Das Angebot der Einrichtung ist so vielfältig wie die Menschen selbst, die die Einrichtung aufsuchen. Um die physischen Bedürfnisse und Ansprüche der Besucher zu decken, gibt es eine Wäscherei für die Kleidung, Duschen und auch Kleidung selbst in Form von Spenden. Täglich wird kostenloses Mittagessen ausgegeben und zusätzlich gibt es einen Kochbereich. Die obdachlosen Besucher können in Schließfächern ihre Habseligkeiten unterbringen, um sie nicht täglich mit sich herumtragen zu müssen und keine Angst vor Raubüberfällen zu haben. Für die gesundheitliche Versorgung gibt es einen Bereich, in dem eine Krankenschwester und ein Arzt vor Ort tätig sind, um die wesentlichen Untersuchungen und Behandlungen durchzuführen. Einmal in der Woche trifft sich für zwei Stunden eine Gruppe für Alkoholiker, um in einer Gruppentherapie die Problematiken zu besprechen. Doch über diese Angebote hinaus wird auch etwas für die Zukunftsgestaltung der Besucher geboten, falls sie gewillt sind eine Wohnung, Ausbildung oder eine Arbeitsstelle zu finden. Für diesen Zweck gibt es sowohl Trainingskurse für das soziale Verhalten, für Bewerbungen und das seelische Befinden, als auch einen Computerraum mit Internetanschluss und Druckern. Die Beratung bei diesen Tätigkeiten ist impliziert und wird von den geschulten Mitarbeitern vor Ort durchgeführt. Für die kulturelle Bildung gibt es außerdem eine kleine Bücherei und eine Theatergruppe, der man sich anschließen kann. Kunstkurse, die vor Ort geleitet werden, gibt es zudem ebenfalls im Youth Centre. Das Angebot wird durch Sportkurse und Fitnesskurse erweitert, um sich unter angenehmen Bedingungen körperlich betätigen zu können.148 Der Sitz des Youth Centres ist in einen Wohnkomplex integriert und steht als Kopfgebäude an der Straße. Die bauliche Tätigkeit von Adam Khan Architects impliziert eine Renovierung des Kopfgebäudes mit einer Erweiterung auf dem Dach in Form eines zweigeschossigen Raumes mit einer kristallinen Dachform, die an die Satteldächer der rechtlichen Umgebung erinnert. Genau wie die Fassade des restlichen Gebäudekomplexes ist die Fassade weiß und das Dach rostrot, jedoch ist es nicht mit Ziegeln eingekleidet, sondern mit einer schimmernden Kupferlage. Die Materialität des Kupfers soll dabei helfen, das

4.9 Referenz: New Horizon Youth Centre

verschiedenste Berufsgruppen vereint keine Schlafstätte; Öffnungszeiten auf tagsüber beschränkt Mobiliar und Ausstattung auf Bedürfnisse von Obdachlosen ausgerichtet Wäscherei, Schließfächer, Bäder, Computer, Ärzteraum, Gruppenräume

reiches kulturelles und sportliches Angebot

Integration in Wohngebiet angepasste Dachform und Farbigkeit, zeitgenössisch interpretiert 147 vgl. New Horizon Youth Centre (2014): Our Story 148 vgl. Homeless UH (2014): New Horizon Youth Centre

237


schimmerndes Dachmaterial reflektiert Licht für den Innenhof Innenauskleidung aus Holz strahlt Wärme aus Einnahmen aus Vermietung des ‘Barns’

Sitzgelegenheiten an verschiedenen Stellen mit individuellen Graden an Privatsphäre

Mobiliar aus robustem Material angefertigt 238 Gefühl von Zuhause wird suggeriert

149 vgl. New Horizon Youth Centre (2014): Our Story 150 vgl. Adam Khan Architects (2010): New Horizon Youth Centre 151 vgl. New Horizon Youth Centre (2014): Our Story

einfallende Licht der Sonne auf die nebenan liegenden Wohnungen zu reflektieren und somit für eine bessere Ausleuchtung zu sorgen. Der Dachraum, in den Beschreibungen der Literatur auch ‘Barn’ also Scheune genannt, befindet sich unter dem Bereich, der mit Kupfer eingekleidet ist und ist im Gegensatz vom äußeren metallischen Kleid innen mit Holzlamellen aus einem karamellfarbenen Holz eingekleidet ist und strahlt damit einerseits eine große Wärme, andererseits durch die Schattenfugen eine klare Richtung der kristallinen Dachstruktur ausstrahlt. Diese Erweiterung des Dachs ist für Workshops und kleine Auftritte gedacht, aber auch für die Vermietung von Räumlichkeiten für Kongresse, Kurse und Training gedacht. Aus diesen Einnahmen werden wiederum die laufenden Kosten des Jugendzentrums mitgedeckt.149 Der Dachraum soll durch die höhlenartige Gestaltung mit viel Wandfläche und einigen sehr akzentuiert platzierten Fenstern mit Sitzmöglichkeiten zur Imagination, zum Träumen, Ideen spinnen und kreativ sein anregen. Bei der Gestaltung des Interieurs ist drauf geachtet worden, an den verschiedensten Stellen Orte zu schaffen, an denen man sich mehr oder weniger zurückziehen kann. Die Sitzbänke vor den Fenstern, die breiten Sitzstufen und die Sitzgruppen mit Arbeitstischen bieten sich überall im Erdgeschoss auf unaufdringliche Art und Weise an. Der Grad an Öffentlichkeit bzw. Intimität erfolgt in verschiedenen Abstufungen, um möglichst genau dem momentanen Bedürfnis des Besuchers zu entsprechen. Die Möbel wie beipielsweise die Empfangstheke aus Beton oder der gemeinsame Arbeitstisch im EG aus Eichenholz sollen eine möglichst hohe Robustheit besitzen, um ohne schlechtes Gewissen der Nutzer intensiv benutzt zu werden. Diese Tatsache soll gemeinsam mit der Gesamtgestaltung für ein Gefühl der Sicherheit und Stabilität sorgen. Im Erdgeschoss besteht die vorhandene Struktur aus einem Enfiladensystem mit Blickachsen durch das Geschoss, das offen ist, um möglichst viel Tageslicht in alle Bereiche der Räume zu lenken. Wahrscheinlich haben diese Qualitäten in ihrer Gesamtheit dazu geführt, dass das Projekt 2012 eine Auszeichnung beim Civic Trust Award erhalten hat. In der Begründung der Jury wird das intelligente, besonders multifunktionale Raumgefüge gelobt. Das renovierte Kopfgebäude trete dem Besucher als ein großes, ruhiges Haus entgegen, das ein Gefühl von Zuhause und emotionaler Geborgenheit vermittelt - sowohl im Hinblick auf die Angebote als auch in der physischen Gestaltung des Gebäudes.150 Zusammenfassend kann man feststellen, dass die Aspekte Komfort, Dauerhaftigkeit, Flexibilität, Sicherheit und das emotionale Gefühl von Zuhause im Mittelpunkt der erstrebten Qualitäten dieses Projekts stehen.151


239

_190 Ansicht auf die Rückseite.


240

_191 Der ‘Barn’ dient der Vermietung für Events, Kongresse, Seminare.


renovierter Teil Youth Centre

Dachaufbau ‘the Barn’

241

_192 Luftbild vom Youth Centre.


242

_193 Es gibt verschiedenste Sichtgelegenheiten wie zum Beispiel diese Sitznische im Fenster.


243

_194 Trotz zeitgenoessischer Gestaltung passt sich die Optik der Umgebung auf angenehme Weise an.


_195 Das Kuperdach reflektiert Licht in die Umgebung.

244

_196 Der zweigeschossige Dachausbau von aussen.


245 _197 Im Arbeitsraum koennen die jungen Menschen sich um ihre berufliche Zukunft kuemmern, lesen, schreiben und dabei Unterstuetzung vom Team erhalten.

_198 Das Interieur ist durchgehend robust und doch warm eingerichtet und gestaltet.


246

_199 Einmal taeglich wird eine warme Mahlzeit ausgegeben.


247

_200 Die Gestaltung des zweigeschossigen Dachausbaus erinnert an ein Zelt oder eine Hoehle.


248

_201 Lageplan Odertor 1:2000


VON EINEM AUTODESK-SCHULUNGSPRODUKT ERSTELLT

249

_202 Lageplan Youth Centre 1:2000


250

_203 Lageplan Odertor (Ausschnitt) 1:200


_204 Grundriss und Schnitt Youth Centre 1:200

VON EINEM AUTODESK-SCHULUNGSPRODUKT ERSTELLT

VON EINEM AUTODESK-SCHULUNGSPRODUKT ERSTELLT VON EINEM AUTODESK-SCHULUNGSPRODUKT ERSTELLT

VON EINEM AUTODESK-SCHULUNGSPRODUKT ERSTELLT

251

VON EINEM AUTODESK-SCHULUNGSPRODUKT ERSTELLT VON EINEM AUTODESK-SCHULUNGSPRODUKT ERSTELLT

VON EINEM AUTODESK-SCHULUNGSPRODUKT ERSTELLT


4.10 Einfluss von Wohnbau auf die Entwicklung von Jugendlichen

Milieunähe

252

liebevoll ausgewählte Einrichtung 152 vgl. Busch, 1957, S. 28 153 vgl. Müller-Schöll, Priepke, 1982, S. 101 154 vgl. Günder, 2000, S. 135f 155 Internat. Gesellschaft für Heimerziehung (1974): Heimerziehung - Heimplanung. Dokumentattion einer Ausstellung 156 Floßdorf, 1988, S. 11 157 vgl. Günder, 2000, S. 140

In der Literatur zur Heimerziehung der 50er und 60er Jahre lautet die Devise, dass die Einrichtung möglichst schlicht und unluxuriös gestaltet sein soll, um zu lernen sich mit ärmlicheren Verhältnissen zu arrangieren und daraus das Beste zu machen.152 Dies soll keinesfalls dazu verleiten, die Einrichtung lieblos und ‘billig’ zu gestalten, was allerdings leider in vielen Fällen geschieht und mit der oben geschilderten Argumentation verteidigt wird. In wenigen Fällen beruht die Einrichtung auf einem pädagogischen Konzept. Das Angebot von Heimerziehunganstalten kann jedoch ebenso ins andere Extrem kippen, wenn beipielsweise Kinos, Reitställe und Swimmingpools intern angeboten werden, was in den meisten Fällen bedenklich erscheint, wenn man das Milieu betrachtet, in das die meisten Jugendlichen und jungen Erwachsenen zurückkehren werden.153 Das häufig in der einschlägigen Literatur verwendete Schlagwort ‘Milieunähe’ sollte als eine Integration und nicht als Abgrenzung vom umgebenden Milieu eines Kindes bzw. eines Jugendlichen sein. Dies bedeutet, dass die Erziehungsarbeit in bestem Falle in Kombination mit den Eltern, Freunden und Nachbarn erfolgt, um eine möglichst erfolgreiche Integration in das gesellschaftliche Leben nach der Heimerziehung zu ermöglichen.154 Der Zusammenhang zwischen räumlichen Situationen und dem Verhalten der Bewohner ist untrennbar miteinander verflochten. Unter Pädagogen, die sich dieser Thematik annehmen, herrscht die Erkenntnis, “dass Räume erzieherische Intentionen fördern, aber auch behindern können.”155 Das Wohnen ist eine der fundamentalen Tätigkeiten eines Menschen und bedeutet die Aneignung eines Raumes, der vor störenden Einflüssen der Umwelt schützen soll. Im Sinne des Schaffens von Lebens- und Wohnraum für Jugendliche, die ihre ursprüngliche Familiensituation verlassen haben, ist es besonders wichtig ein Gefühl von Zuhause, Geborgenheit und Beständigkeit zu vermitteln. “Das Wohnen ermöglicht Leben, nicht nur Überleben, es bietet Existenznischen, aus denen heraus sich leichter leben und miteinander leben lässt. Wohnen erleichtert und stabilisiert meinen Anspruch auf Lebensraum und die in ihm notwendigen Daseinsund Funktionsabläufe wie schlafen, essen, arbeiten, miteinander sprechen, sich zurückziehen und schützen, feiern u.a.”156 Dementsprechend werden die klassischen Bilder, die einem bei dem Gedanken an alte Waisenhäuser in den Kopf kommen, wie zum Beispiel großer Speisesäle, langer Korridore und Schlafsäle mit zahlreichen Betten verworfen und das Gegenteil wird angestrebt. Leider ist die Einrichtung in vielen Heimen darauf ausgerichtet funktional, robust, günstig und leicht zu reinigen zu sein. Erfahrungen im Zusammenhang mit Heimerziehung der Einrichtung haben gezeigt, dass unbewusst mit besserer Einrichtung und liebevoll ausgesuchten Gegenständen besser umgegangen wird, als mit Materialien, die bloß auf Robustheit und Kostenersparnis ausgelegt sind. Bei der Gestaltung und Einrichtung von den Zimmern hat es sich als erfolgreich erwiesen eine Vorauswahl zu treffen, aus der die Jugendlichen ihre Einrichtung auswählen können.157 Eine ansprechende Gestaltung und intime, d.h. nicht direkt an Gemeinschaftsbereiche angegliederte Lage der Badezimmer bewirkt eine größere Motivation zur Reinlichkeit und eine intensivere Auseinandersetzung mit


dem eigenen Körper. Dies wiederum ist wichtig für das Selbstbewusstsein und die Sexualität der Jugendlichen. Ein Kind bzw. ein Jugendlicher, der seine eigenen Ausscheidungsorgane nicht annehmen kann, wird auch seine eigene Sexualität nicht annehmen können. Wenn der Bewohner eine sexuelle Beziehung mit einem Partner führt, sollte das Zimmer die nötige Privatsphäre gewährleisten und es sollte eine Möglichkeit geben, abzuschließen. Auch hier zeigt sich, dass es zudem Räumlichkeiten geben muss, in denen man in vertrauter Umgebung über dieses aber auch andere persönliche Themen mit einem Erzieher sprechen kann, wenn es Fragen gibt, Konflikte zu klären gibt oder Unsicherheiten auftauchen.158 Die eigenen Zimmer sollen im Sinne der Beheimatung und des ‘Nachbergens’ ganz klar individuell gestaltbar sein, was bedeutet, dass die Konstellation der Möbel eine Umgestaltung und Umstellung ermöglichen sollten. Die Bewohner sollen in der Lage sein, aus dem vorhandenen Mobiliar in Kombination mit dem Raum persönliche Rückzugsnischen gestalten zu können. “Einen besonderen Stellenwert nimmt das Bett ein. Es kann sehr wichtig werden, als Zufluchtstätte, als Insel der Geborgenheit, wo Ängste und Kümmernisse kleiner werden, aber auch über freudige Tagesereignisse nachgedacht werden kann und Pläne für folgende Tage entstehen. Im Bett machen Kinder unbewusst und bewusst intensive Erfahrungen mit ihrem eigenen Körper. [...] Kinder und Jugendliche in Heimen und Wohngruppen sollten die Möglichkeit haben, sich ihr Bett selbst auszuwählen [...].”159 Wenn man die Vorschläge und Erkenntnisse der sozialpädagogischen Literatur zusammenfasst, dann stellt man fest, dass die Architektur und Innenarchitektur bis hin zur Möblierung und Ausstattung in kleinstem Maßstab erheblichen Einfluss auf die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen hat. Daher sind im Entwurf die folgenden aufgestellten Kriterien als Regelwerk für die Entwicklung der Wohnbereiche zu verstehen.

ansprechende Gestaltung intime Rückzugsbereiche im eigenen Zimmer

Umordnung der Möbel ermöglichen

besondere Rolle des Bettes

253 158 vgl. Günder, 2000, S. 282ff 159 Günder, 2000, S. 289


Wohnen Bequem ultifunktionalit채t tausch Kommuni ation Diskussion Sexualit채t Ruhe atsph채re Refugiu stverwirklichung ntifizierung Offen eit Individualit채t 254

_205 Zimmer in einem polnischen Wohnheim mit ansprechener Einrichtung.


m t i n e u g n t

Kriterien für den Wohnbereich der Jugendlichen Wohnzimmer _nicht nur der Bequemlichkeit dienend _multifunktional nutzbar _Musikhören, Unterhaltung, Spiel, Diskussion _Alleinsein und Zusammensein _Entspannung _offener Kamin zum Sitzen, Entspannen, Konfliktlösen Badezimmer, Toilette _Entspannung, sich wohlfühlen _Ort, an dem man den eigenen Körper kennenlernt _Ort der Ausgelassenheit _keine sterile, weiße, sondern eher bunte und warme Gestaltung _großes Waschbecken _große Distanz zu Gemeinschaftsräumen wie Küche _großer Spiegel zum Betrachten des ganzen Körpers _Abends ‘wäscht man die Anstrengung ab’ _maximal von drei Bewohnern benutzt _für ältere Bewohner eigenes Bad bzw. zu zweit geteilt eigene Zimmer _Refugium _Ort der Selbstverwirklichung und Identifizierung _nicht zu klein, um keine Einengung zu bewirken _nicht zu groß, um keine Überforderung zu bewirken _abschließbar, um (sexuelle) Privatsphäre zu genießen _eigenes Bett selbst auswählen architektonisches Gesamtgefüge _offene Türen _keine langen Korridore _keine aneinander gereihten Zimmer Materialien _robust _schön _bisweilen wertvoll _Teller und Gläser aus gutem Material _kein weißes Einheitsgeschirr

255


-

256

Gastronomie und Didaktik -


kapitel

5

257


5.1 Landwirtschaft in Breslau

258

Wild Ziegen Geflügel Nüsse Eier Milch Obst Weintrauben Gemüse, Melonen Getreide Weizen Pflanzensamen


259

_206 Karte Breslaus mit Lokalisierung diverser Landwirtschaftsbetriebe.


5.2 Referenzen fĂźr urbane Agrikultur

260

_207 Lageplan Odertor 1:2000


prinzessinnengarten, Berlin-Kreuzberg 0,59 ha

VON EINEM AUTODESK-SCHULUNGSPRODUKT ERSTELLT

Zuidpark, Amsterdam 0,30 ha

DakAkker, Rotterdam 0,10 ha

Brooklyn Grange, New York Long Island 0,47 ha

261

Brooklyn Grange, New York Navy Yard 0,57 ha

Gotham Greens Farms, New York 0,37 ha

Lufa Farms, Montreal 0,30 ha

Uit je eigen Stad, Rotterdam 0,90 ha _208 Flächenbedarf der Referenzprojekte 1:2000


_209 prinzessinnengarten

262

prinzessinnengarten, Berlin Berlin Kreuzberg

existiert seit 2009 Organisationsform Non-Profit Organisation, die eine Brachfläche von der Stadt mietet, Nutzung seitens der Anwohner Pflanzenarten, Sonst. Kräuter, Gemüse, Honig (ohne Pestizide und Sonstiges) Anbauarten Umnutzungen von Dächern, Brachflächen und Parkplätzen, Anbau in Reissäcken, Flaschenkisten und Tetra Paks, um Mobilität zu bewahren Angebote Schulungen, Beratung beim Anlegen von kleineren und größeren Nutzgärten, Verkauf von Produkten, Café, Restaurant, Flohmarkt, Selbstbauwerkstatt für Mobiliar und Ausstattung Film- und Informationsabende, Pflanzentauschmärkte Betriebszeiten Mittagstisch 12 – 15 Uhr, Abendessen 18 – 22 Uhr Flächenbedarf 0,59 ha


_210 Beim Mittagstisch werden Gerichte aus den angebauten Zutaten angeboten.

263

_211 Neben dem Mittagstisch gibt es auch ein Öffnungszeiten am späteren Abend.


_212 DakAkker

264

DakAkker, Rotterdam Rotterdam Innenstadt

existiert seit 2012 Organisationsform Teilprojekt der Urbanen Initiative ‘De Luchtsingel’, Querfinanzierung über Crowdfunding durch Erwerben von Latten für die Brücke in Rotterdam Pflanzenarten, Sonst. Obst (Rhabarber), Gemüse (Artischocken, Möhren, Radieschen, Rote Beete, Zwiebeln, Knoblauch, Lauch, Zucchini, Kürbis), Kräuter (Minze, Lavendel), Honig Anbauarten Dachgarten auf 20m Höhe Angebote Schulungen, Botanischer Garten, wöchentlicher Verkauf von Produkten, Lieferung an Restaurants und Festivals, Erntefeste, kleine Festivals Betriebszeiten Freitags Verkauf von Produkten an private Einkäufer Flächenbedarf 0,1 ha


_213 Wie in vielen anderen Fällen werden auch hier Schulungen fßr Kinder angeboten.

265

_214 Die Latten, aus denen die BrĂźcke als Teil des urbanen Gesamtprojekts besteht, werden von Spendern bezahlt und ihnen namentlich gewidmet.


_215 Zuidpark

266

Zuidpark, Amsterdam Amsterdam Duivendrecht

existiert seit 2011 Organisationsform CoWorking space vermietet an kleiner Unternehmen, urban farming als eigenbetriebene Fläche zum Unterhalt des Cafés und des Mittagstischs Pflanzenarten, Sonst. Gemüse, Obst, Kräuter Anbauarten Dachgarten Angebote Vermieten von Konferenzräumen (bis zu 200 Personen), Catering, Café/Lounge, Workshop-/ Seminarraum auf 120 m², Mittagstisch und Onlinebestellung von Sandwiches, Salaten, Ladestation für Elektroautos Flächenbedarf 0,3 ha


267

_216 Neben dem urban farming werden auch Plätze zum coworking vermietet, die durch die interne Kantine versorgt werden.


_217 Brooklyn Grange Navy Yard

268

Brooklyn Grange, New York New York Brooklyn

existiert seit 2010 Organisationsform non-profit Organisationsform, finanzielle Unterstützung durch Stiftungen für Kinder- und Jugendarbeit, ein Dachgarten ist öffentlich zugänglich, der andere Dachgarten nur mit Führung, Querfinanzierung durch Spenden Pflanzenarten, Sonst. Honig, Hühnerzucht, Obst, Gemüse, Kräuter Anbauarten zwei Dachgärten Angebote Führungen, Workshops, urban farming, Organisation eines internen Marktes und eines externen Straßenmarktes, Lieferung an Geschäfte, Märkte und Restaurants, Yoga und Pilates Kurse auf dem Dach, Erstellen von privaten Anbaugärten in Form von Dachgärten, Balkonbepflanzung, Verkauf von Gerätschaften und Ausstattung Betriebszeiten vereinbarte Führungen, interner Markt samstags, externer Markt sonntags Flächenbedarf 0,47 ha (Lond Island City Dachgarten) 0,57 ha (Brooklyn Navy Yard Dachgarten)


_218 Brooklyn Grange Lond Island City

_219 Yoga-Kurse auf dem Dach. _220 Gemeinsames Essen auf dem Dach.

269


_221 HK Farm

270

HK Farm, Hong Kong und HK Honey

existiert seit 2009, seit 2011 existiert die Farm Organisationsform Gemeinschaft aus Imkern, Anwohnern und frewilligen Helfern in Kollaboration mit Künstlern und Designern Pflanzenarten, Sonst. Blumen (Hibiskus), Honig (aus regionalen Bienenarten), Gemüse (Chili, Tomaten, Bohnen), Kräuter (Basilikum, Rosmarin, Oregano), Obst (Melone) Anbauarten Dachgarten Angebote Kreativworkshops zur Gestaltung mit Bienenwachs, Schulungen, Onlineshop mit Honig- und Bienen wachsprodukten Betriebszeiten spontan vereinbaren auf Grund der unvorhersehbaren Arbeit als Imker


_222 Mit der Imkerei fing die HK Farm an.

271

_223 Es werden zahlreiche Bienenwachs und Honigprodukte verkauft und hergestellt.


_224 Gotham Greens Farms, Flagship Store am Greenpoint

272

Gotham Greens Farms, New York New York Brooklyn

existiert seit Organisationsform Pflanzenarten, Sonst. Anbauarten Angebote Flächenbedarf

2008 kommerzielle Lebensmittelproduktion Gemüse (diverse Salatsorten, Basilikum und Tomaten) Gewächshäuser, Hochbeete (Dachgarten) Lieferung und Verkauf an Restaurants, Händler und Supermärkte 0,37 ha (Hauptsitz)


_225 Die Salatprodukte werden in Supermärkten verkauft.

_226 Gewächshaus auf dem Dach von Innen.

273


274

_227 Lufa Farms

Lufa Farms, Montreal Montreal Ahuntsic-Cartierville

existiert seit 2011 Organisationsform kommerzielle Lebensmittelproduktion Pflanzenarten, Sonst. Gemüse (mit synthetischen Pestiziden behandelt) Anbauarten Gewächshaus auf dem Dach, tägliche Produktions menge: 700 Pfund Angebote Lieferung an Händler und Supermärkte Flächenbedarf 0,3 ha


_228 Lufa Farms hat eine eigene Verpackungsabteilung.

_229 Das Gewächshaus von Innen.

275


276

_230 Earthworks Urban Farm

Earthworks Urban Farm, Detroit Capuchin Soup Kitchen, Detroit

existiert seit 2005 Organisationsform unabhängige Organisation für urbane Landwirtschaft, Bündelung von mehreren Bauernhöfen, die sich auf das Schulen von Kindern und Jugendlichen spezialisiert haben Pflanzenarten, Sonst. Gemüse, Beeren für Marmelade Anbauarten insgesamt sieben Gartenanlagen Angebote urban farming, Verkauf auf Märkten, Schulungen für Kinder und Jugendliche, gemeinsame Marktbesuche, Beratung beim Anlegen von Nutzpflanzengärten, Kopplung an Suppenküche in Form von Belieferung und Mitarbeit, Drogenberatung, Therapiezentrum für Kinder Flächenbedarf 0,6 ha


277

_231 Die Kinder aus der Umgebung profitieren von den Kursen und Schulungen, ebenso wie von den Zusatzangeboten.


278

_232 Uit je eigen Stad

Uit je eigen Stad, Rotterdam Rotterdam Obsthafen

Organisationsform Restaurant mit urban farming Pflanzenarten, Sonst. Gem체se, Obst, Brot, H체hnerzucht Anbauarten Beete, Gew채chshaus Angebote Restaurant, kleiner Shop, Ankauf von umliegenden Bauern Fl채chenbedarf 0,90 ha


_233 Die Felder vor dem Restaurant, das sich in einer umgenutzten Lagerhalle am Hafen befindet.

279

_234 Die Kueche ist Teil des Interieurs des Restaurants.


5.3 Eine kleine Geschichte der polnischen Milchbar

Reaktion auf steigende Lebensmittelpreise fleischlose, fettarme und reichhaltige Ernaehrung

280

Funktionalismus

100%ig hausgemachtes Essen 160 vgl. n – c (2011): Bar mleczny jako zjawisko kulturowe 161 vgl. Gazeta Wyborcza (2012): Jak jedlismy w PRL-u? 162 vgl. n – c (2011): Bar mleczny jako zjawisko kulturowe 163 n – c (2011): Bar mleczny jako zjawisko kulturowe

Ihr Ruf hat jahrelang gelitten - als Armenküche ohne Stil, mit schlechter Einrichtung, billigem Essen und unfreundlicher Bedienung wurde über die Milchbars im kommunistischen und postkommunistischen Polen gewitzelt. Doch mittlerweile schwelgen sowohl jüngere als auch ältere Menschen von alten Zeiten und geben sich einer sogenannten ‘Ostalgie’ hin. Dank vereinzelter Projekte, aber auch fortwährenden Betriebs von bestehenden Milchbars aus der Zeit vor der Wende erfreuen sich die Polen in größere Städten immer noch der günstigen Hausmannskost. 1896 entsteht die erste Milchbar in Polen und wird von Stanislaw Dluzewski - einem Bauern und Viehzüchter - in Warschau gegründet. Nach den beiden Weltkriegen steigen die Preise der Lebensmittel rasant an und selbst kochen wird zunehmend unerschwinglich.160 1949 ist das Jahr, in dem die Milchbars Pilzen ähnelnd aus dem Boden schießen und der Bevölkerung eine fleischlose, fettarme und doch reichhaltige Ernährung mit reichlich Mehl- und Milchprodukten nahelegt. Der Beginn der kommunistischen Ära durch regen Handel in der gesamten Bevölkerung gekennzeichnet, der rasch durch eine staatliche Kontrolle der ein- und ausgehenden Waren aufgehalten wird. Der Schwarzmarkt blüht auf: in einer zunehmenden Anzahl an Geschäften gibt es wenige bis gar keine Produkte zu kaufen, da der Staat daran scheitert den Bedarf richtig einzuschätzen und vorzusorgen.161 Die Milchbars, die man heute vorfindet, bestehen zum größten Teil aus Lokalen aus der Zeit vor der Wende, aber einige sind auch nach der Wende trotz aufgelöster staatlicher Warenkontrolle und liberaler Marktwirtschaft eröffnet worden. Diese fortlaufende Existenz haben die Betreiber der Milchbars den staatlichen Unterstützungen und den Bezuschussungen seitens der Gemeinden, aber auch der Nostalgie der Gäste zu verdanken. Ganz klar sind Milchbars Orte einer bestimmten gastronomischen Kultur, denn sie schaffen einen (sozialen) Raum mit spezifischem Verhaltenskodex und sind gleichzeitig Relikte einer verschwindenden Epoche. Das Interieur ist stark funktionalisiert und bei der Einrichtung aus alten Zeiten kann man nie sicher sein, ob sie bewusst gewählt oder aus Mangel an finanziellen Mitteln und/oder Gestaltungswillen nicht durch aktuellere Einrichtung ersetzt wurde. Der Prozess der Bedienung erfolgt stark automatisiert: nach Aufgabe der Bestellung an der Theke und direkter Bezahlung setzt man sich an einen freien Platz und wartet, bis das Gericht aufgerufen wird. Das Essen holt man sich an einem kleinen Thekenschalter an der Wand direkt aus der Küche ab. Der Kontakt zwischen Gast und Bedienung ist somit minimiert und den Koch in der Küche sieht man kaum. Interessant ist die Tatsache, dass überwiegend Frauen in Milchbars angestellt sind, jedoch gibt es dafür bisher keine plausible Erklärung. Auf Grund der staatlichen Unterstützung und der wegfallenden Ausgaben für Kellner sind die Preise für das sehr oft 100% hausgemachte Essen sehr niedrig und ziehen Menschen aus allerlei Bevölkerungsschichten an, oft auch Obdachlose. Einige Gäste beschweren sich laut Betreiber der Milchbars über den Geruch und die Verhaltensweisen von Obdachlosen, jedoch wird ebenso der interessante Effekt einer sozialen Mischung auf kleiner Fläche beschrieben.162 “Es ist der einzige Ort, an dem der Businessman neben dem Arbeitslosen sitzt.”163 Die Milchbar ‘Kubus’ in Oppeln ist ein Paradebeispiel für die Grund-


sätze einer polnischen Milchbar. Statt Speisekarten gibt es über der Empfangstheke eine große schwarze Tafel an der Wand mit austauschbaren weißen Lettern bestückt, damit jeden Tag die aktuellen Gerichte angezeigt werden können. Auf Vorrat wird nichts gekocht, eingefroren ebenso wenig - sämtliche Speisen entstehen jeden Tag frisch. Die Stühle und Tische sind schlank und schlicht, es ist angenehm sauber und gemütlich zugleich und die Luft riecht angenehm nach Essen. In der Ecke steht eine kleine Kasse, an der man seine Essenskarten kaufen bzw. einen ganzen Monatsblock kaufen kann. Täglich kommen etwa 70 Gäste mit einer Essenskarte, die teilweise vom Staat im Rahmen von Sozialhilfe finanziert wird und weitere 200 bis 250 Gäste sind Laufkundschaft. Aktive Werbung muss die Milchbar trotz der Lage im Hinterhof einer Blockrandbebauung nicht betreiben, da die Mundpropaganda sehr gut greift. Das Angebot ist zwei geteilt: es gibt zum Einen jeden Tag ein festes Menü aus Suppe, Hauptspeise, einer kleinen Salatbeigabe und einem Kompott als Getränk bestehend, zum Anderen kann man zwischen diversen weiteren Gerichten à la carte wählen. Aus Rücksicht auf die finanzielle Lage einiger Gäste werden auch halbe Portionen oder nur Beilagen angeboten - die Rente in Polen sei erschreckend niedrig. Die Zusammenstellung der Speisen wird seit Jahrzehnten geschätzt und daher gäbe es keinen Grund sie zu ändern. Selbst die Studenten, die zwischendurch zum Kebab oder Pizza umschwenken würden, kehren nach einiger Zeit dankbar in die Milchbar zurück, weil sie von hausgemachtem Essen länger satt sind und es ihren Geldbeutel weniger belastet. Einige Studenten kommen gerne für eine kurze Zwischenmahlzeit vor der Pendelreise zurück nach Hause vorbei und essen Gerichte wie gekochte Kartoffeln mit Salz, Butter, Dill und einem Kefir als Getränkbeigabe. Am beliebtesten sind jedoch ganz deutlich die Piroggen - täglich werden 3600 Stück handgemacht vorbereitet, gekocht und serviert. Die älteren Herrschaften sind froh, dass sie für ihren täglichen Besuch in der Milchbar angemessen gekleidet aus dem Haus gehen müssen und dabei einen Spaziergang machen, um etwas von ihrer Umgebung zu erleben und sich dem einsamen Alltag zu entreißen.164

kein Kochen auf Vorrat

schlichte Einrichtung

Sonderwünsche wie halbe Portionen oder nur Beilagen, um zu sparen

281

164 vgl. nto (2012): Ostatni bar mleczny w Opolu

_235 Sämtliche Gerichte in der Milchbar ‘Kubus’ in Oppeln werden täglich frisch zubereitet.


Befragung165 100% der Befragten gaben zu, dass sie die Ausstattung von Restaurants mit Kellnern mehr zu schätzen haben als die Einrichtung von Milchbars. gastronomisches Lokal als Aufenthaltsort

50% der Befragten verbringen 15 Min. in einer Milchbar, die anderen 50% eine halbe Stunde. In Restaurants verbringen die Gäste im Durchschnitt eine Stunde. 75% der Befragten saßen in einer Milchbar bereits mit ihnen unbekannten Gästen an einem Tisch, 25% sogar häufig. 16% der Befragten haben dies bereits in einem Restaurant erlebt. 100% der Befragten wissen die Bedienung in Restaurants mehr zu schätzen als in Milchbars. 58% finden die Schnelligkeit in Milchbars gut. Bei der Zusammensetzung der Klientel stehen an erster Stelle Studenten, an zweiter Stelle Rentner, an dritter Stelle Arbeitslose, an vierter Stelle Arbeiter mit körperlicher Tätigkeit und an letzter Stelle Angestellte mit geistiger Tätigkeit.

282

165 vgl. Gazeta Wyborcza (2012): Jak jedlismy w PRL-u? _236 Statt Speisekarten gibt es Wandtafeln.

54% der Befragten wurden bereits um Geld gebeten, 33% wurden bereits belästigt und die Hälfte hat bereits alkoholkranke Menschen in Milchbars angetroffen.


_237

Pfannkuchen mit Käsecreme

Spinatsuppe [zupa szpinakowa] _238

_239

Kohlroladen [golabki]

Erbsensuppe [grochowka]

_240

283

schlesische KlĂśse [kluski slaskie]

_241

_242

Gulasch [gulasz]

Piroggen [pierogi]

_243

_244

Sauerkrautsuppe [kapusniak]


284

Empfohlener Ernährungskreis Deutschland166 29,0 33,0 12,0 12,0 10,0 04,0

% % % % % %

Getreideprodukte, Kartoffeln Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte Getränke Milch, Milchprodukte Fleisch, Fisch, Ei Fette, Öle

166 vgl. Brademann (2002): Ernährungskreis


285

Empfohlener Ernährungskreis Polen167 41,0 26,0 02,4 21,0 06,8 02,8

% % % % % %

Getreideprodukte, Kartoffeln Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte Zucker, Süßspeisen Milch, Milchprodukte Fleisch, Fisch, Ei Fette, Öle

167 vgl. Librowska, 1970, S. 23


5.4 Manifest: Menükarte

Die Speisekarte besteht zu großen Teilen aus Suppen168, die in der polnischen Küche einen wichtigen Bestandteil der täglichen Hausmannskost bilden. Die Zutaten der Suppen, die sowohl warm, als auch kalt, süß oder aber herzhaft angeboten werden, sind saisonal auf die Jahreszeiten und die Tatsache abgestimmt, dass die Jugendlichen einen Teil der Zutaten selbst in Form von urbaner Landwirtschaft anbauen. Neben den Suppen gibt es weitere Gerichte, die à la carte bestellt werden können und ein günstiges Tagesmenü für Besucher, die mit staatlich geförderten Essenskarten bezahlen.

Frühling Suppen Frühlingssuppe

Rinderbrühe, Spinat, Salat und diverse Kräuter

Dillsuppe

Dill, Sahne und Eigelb

Solferinosuppe

286

Suppengrün, Kartoffeln, Tomaten und Spargel

Gurkensuppe mit Lazanki

Gurken, Kartoffeln und Roggenmehl

Lauchsuppe

Porree, Mehl und Sahne

Spargelsuppe

Spargel, Erbsen und Sahne

kalte Erdbeerensuppe

Erdbeeren, saure Milch und Sahne

Sommer Gemüsesuppe

junge Kartoffeln, junges Gemüse, Dill und Klöschen

Erbsensuppe

Erbsen, Speck und Majoran

Selleriesuppe mit scharf belegtem Toast Sellerie, Sahne und Meerretischaufstrich

168 vgl. Librowska, 1970, S. 46ff


kalte Suppe litauischer Art

junge, rote Beete, Quark/Jogurt, Schnittlauch, gekochtes Ei

Spinatsuppe

Spinat, Kartoffeln, Sahne

Tomatensuppe

Tomaten, gegossene Klöschen

kalte Beerensuppe

Sahne, saure Milch und Heidelbeeren, Brombeeren und Himbeeren

kalte Obstsuppe

Sahne, saure Milch und Kirschen, Walderdbeeren, Erdbeeren und Johannisbeeren

Herbst Blumenkohlsuppe

Blumenkohl, Kartoffeln, Milch und Dill

ukrainische Rote Beete Suppe

rote Beete, Bohnen, Kartoffeln und Tomaten

Sauerampfersuppe

Sauerampfer, Kartoffeln und Milch

Pilzsuppe

getrocknete Pilze, Milch, Petersilie und Klöse

Kürbissuppe

Kürbis, Milch und Mandelöl

Biersuppe

Bier, Nelken, Zimt und Sahne

kalte Birnensuppe

Sahne, saure Milch, Zimt und Birnen

Pflaumensuppe

Pflaumen, Rhabarber, Zimt und Nelken

Winter Zwiebelsuppe

Zwiebeln, Sahne und Petersilie

Sauerkrautsuppe Sauerkraut, Zwiebeln und Speck

287


Graupensuppe

Gries, Petersilie und Dill

Rosenkohlsuppe

Rinderbrühe, Rindfleisch und Rosenkohl

Kartoffelsuppe

Kartoffeln, getrocknete Pilze, Sahne und Dill

saure Mehlsuppe

angesetzte Mehlsäure, Kartoffeln, Wurst und Sahne

Pflaumenmussuppe

Pflaumenmus, Zimt, Nelken, Sahne und Klöse

Apfelsuppe

Äpfel, Sanddorn und Zimt

Hauptgerichte* Gulasch mit schlesischen Klösen Kohlroladen mit Fleischfüllung 288

Bigos

Sauerkraut mit Fleisch, Wurst, getrockneten Pilzen und passierten Tomaten

Piroggen mit

Fleischfüllung | Kartoffel- und Zwiebelfüllung | Käsecremefüllung | Beerenfüllung

Frikadellen mit

zerlassener Butter | Tomatensauce | Pilzsauce (saisonal) *halbe Portionen möglich

Beilagen* gekochte Kartoffeln gekochter Reis gekochte Nudeln Klöse Grütze saisonaler Salat *separat bestellbar


Süßes Pfannkuchen mit

Käsecremefüllung | Apfelmus | Pflaumenmus

überbackener Reis mit

Pflaumen | Äpfeln | Rhabarber | Birnen (saisonal)

Obstkuchen (saisonal) Teegebäck

Getränke Schwarzer Tee

heiße Milch mit Schwarzteeessenz | mit Zitrone und Zucker | mit Fruchtsaft

Kaffee Malzkaffee Kakao Kompott

Pflaumenkompott | Kirschkompott | Erdbeerkompott | Apfelkompott (saisonal)

Rosenblütensaft Fruchtsaft Milch mit püriertem Obst Erdbeermilch | Kirschmilch | Heidelbeermilch

Molke Kefir

289


Eier

290

_245 Lokalisierung des Lieferanten fĂźr Eier in Breslau fĂźr bestimmte Speisen aus der Karte.


Frühlingssuppe Dillsuppe Solferinosuppe Gurkensuppe mit Lazanki Lauchsuppe Spargelsuppe kalte Erdbeerensuppe Gemüsesuppe Erbsensuppe Selleriesuppe mit scharf belegtem Toast kalte Suppe litauischer Art Spinatsuppe Tomatensuppe kalte Beerensuppe kalte Obstsuppe Blumenkohlsuppe ukrainische Rote Beete Suppe Sauerampfersuppe Pilzsuppe Kürbissuppe Biersuppe kalte Birnensuppe Pflaumensuppe 291 Zwiebelsuppe Sauerkrautsuppe Graupensuppe Rosenkohlsuppe Kartoffelsuppe saure Mehlsuppe Pflaumenmussuppe mit Klösen Apfelsuppe Gulasch mit schlesischen Klösen Kohlroladen mit Fleischfüllung Bigos Piroggen Frikadellen gekochte Kartoffeln gekochter Reis gekochte Nudeln Klöse Grütze saisonaler Salat Pfannkuchen überbackener Reis Obstkuchen (saisonal) Teegebäck Schwarzer Tee Kaffee Malzkaffee Kakao Kompott Rosenblütensaft Fruchtsaft Obstmilch Molke Kefir


Fleisch

292

_246 Lokalisierung des Lieferanten fĂźr Fleischprodukte in Breslau fĂźr bestimmte Speisen aus der Karte.


Frühlingssuppe Dillsuppe Solferinosuppe Gurkensuppe mit Lazanki Lauchsuppe Spargelsuppe kalte Erdbeerensuppe Gemüsesuppe Erbsensuppe Selleriesuppe mit scharf belegtem Toast kalte Suppe litauischer Art Spinatsuppe Tomatensuppe kalte Beerensuppe kalte Obstsuppe Blumenkohlsuppe ukrainische Rote Beete Suppe Sauerampfersuppe Pilzsuppe Kürbissuppe Biersuppe kalte Birnensuppe Pflaumensuppe 293 Zwiebelsuppe Sauerkrautsuppe Graupensuppe Rosenkohlsuppe Kartoffelsuppe saure Mehlsuppe Pflaumenmussuppe mit Klösen Apfelsuppe Gulasch mit schlesischen Klösen Kohlroladen mit Fleischfüllung Bigos Piroggen Frikadellen gekochte Kartoffeln gekochter Reis gekochte Nudeln Klöse Grütze saisonaler Salat Pfannkuchen überbackener Reis Obstkuchen (saisonal) Teegebäck Schwarzer Tee Kaffee Malzkaffee Kakao Kompott Rosenblütensaft Fruchtsaft Obstmilch Molke Kefir


Gem端se

294

_247 Lokalisierung des Lieferanten f端r Gem端se in Breslau f端r bestimmte Speisen aus der Karte.


Frühlingssuppe Dillsuppe Solferinosuppe Gurkensuppe mit Lazanki Lauchsuppe Spargelsuppe kalte Erdbeerensuppe Gemüsesuppe Erbsensuppe Selleriesuppe mit scharf belegtem Toast kalte Suppe litauischer Art Spinatsuppe Tomatensuppe kalte Beerensuppe kalte Obstsuppe Blumenkohlsuppe ukrainische Rote Beete Suppe Sauerampfersuppe Pilzsuppe Kürbissuppe Biersuppe kalte Birnensuppe Pflaumensuppe 295 Zwiebelsuppe Sauerkrautsuppe Graupensuppe Rosenkohlsuppe Kartoffelsuppe saure Mehlsuppe Pflaumenmussuppe mit Klösen Apfelsuppe Gulasch mit schlesischen Klösen Kohlroladen mit Fleischfüllung Bigos Piroggen Frikadellen gekochte Kartoffeln gekochter Reis gekochte Nudeln Klöse Grütze saisonaler Salat Pfannkuchen überbackener Reis Obstkuchen (saisonal) Teegebäck Schwarzer Tee Kaffee Malzkaffee Kakao Kompott Rosenblütensaft Fruchtsaft Obstmilch Molke Kefir


Getreide

296

_248 Lokalisierung des Lieferanten fĂźr Getreideprodukte in Breslau fĂźr bestimmte Speisen aus der Karte.


Frühlingssuppe Dillsuppe Solferinosuppe Gurkensuppe mit Lazanki Lauchsuppe Spargelsuppe kalte Erdbeerensuppe Gemüsesuppe Erbsensuppe Selleriesuppe mit scharf belegtem Toast kalte Suppe litauischer Art Spinatsuppe Tomatensuppe kalte Beerensuppe kalte Obstsuppe Blumenkohlsuppe ukrainische Rote Beete Suppe Sauerampfersuppe Pilzsuppe Kürbissuppe Biersuppe kalte Birnensuppe Pflaumensuppe 297 Zwiebelsuppe Sauerkrautsuppe Graupensuppe Rosenkohlsuppe Kartoffelsuppe saure Mehlsuppe Pflaumenmussuppe mit Klösen Apfelsuppe Gulasch mit schlesischen Klösen Kohlroladen mit Fleischfüllung Bigos Piroggen Frikadellen gekochte Kartoffeln gekochter Reis gekochte Nudeln Klöse Grütze saisonaler Salat Pfannkuchen überbackener Reis Obstkuchen (saisonal) Teegebäck Schwarzer Tee Kaffee Malzkaffee Kakao Kompott Rosenblütensaft Fruchtsaft Obstmilch Molke Kefir


Milch

298

_249 Lokalisierung des Lieferanten fĂźr Milchprodukte in Breslau fĂźr bestimmte Speisen aus der Karte.


Frühlingssuppe Dillsuppe Solferinosuppe Gurkensuppe mit Lazanki Lauchsuppe Spargelsuppe kalte Erdbeerensuppe Gemüsesuppe Erbsensuppe Selleriesuppe mit scharf belegtem Toast kalte Suppe litauischer Art Spinatsuppe Tomatensuppe kalte Beerensuppe kalte Obstsuppe Blumenkohlsuppe ukrainische Rote Beete Suppe Sauerampfersuppe Pilzsuppe Kürbissuppe Biersuppe kalte Birnensuppe Pflaumensuppe 299 Zwiebelsuppe Sauerkrautsuppe Graupensuppe Rosenkohlsuppe Kartoffelsuppe saure Mehlsuppe Pflaumenmussuppe mit Klösen Apfelsuppe Gulasch mit schlesischen Klösen Kohlroladen mit Fleischfüllung Bigos Piroggen Frikadellen gekochte Kartoffeln gekochter Reis gekochte Nudeln Klöse Grütze saisonaler Salat Pfannkuchen überbackener Reis Obstkuchen (saisonal) Teegebäck Schwarzer Tee Kaffee Malzkaffee Kakao Kompott Rosenblütensaft Fruchtsaft Obstmilch Molke Kefir


N端sse

300

_250 Lokalisierung des Lieferanten f端r N端sse in Breslau f端r bestimmte Speisen aus der Karte.


Frühlingssuppe Dillsuppe Solferinosuppe Gurkensuppe mit Lazanki Lauchsuppe Spargelsuppe kalte Erdbeerensuppe Gemüsesuppe Erbsensuppe Selleriesuppe mit scharf belegtem Toast kalte Suppe litauischer Art Spinatsuppe Tomatensuppe kalte Beerensuppe kalte Obstsuppe Blumenkohlsuppe ukrainische Rote Beete Suppe Sauerampfersuppe Pilzsuppe Kürbissuppe Biersuppe kalte Birnensuppe Pflaumensuppe 301 Zwiebelsuppe Sauerkrautsuppe Graupensuppe Rosenkohlsuppe Kartoffelsuppe saure Mehlsuppe Pflaumenmussuppe mit Klösen Apfelsuppe Gulasch mit schlesischen Klösen Kohlroladen mit Fleischfüllung Bigos Piroggen Frikadellen gekochte Kartoffeln gekochter Reis gekochte Nudeln Klöse Grütze saisonaler Salat Pfannkuchen überbackener Reis Obstkuchen (saisonal) Teegebäck Schwarzer Tee Kaffee Malzkaffee Kakao Kompott Rosenblütensaft Fruchtsaft Obstmilch Molke Kefir


Obst

302

_251 Lokalisierung des Lieferanten fĂźr Obst in Breslau fĂźr bestimmte Speisen aus der Karte.


Frühlingssuppe Dillsuppe Solferinosuppe Gurkensuppe mit Lazanki Lauchsuppe Spargelsuppe kalte Erdbeerensuppe Gemüsesuppe Erbsensuppe Selleriesuppe mit scharf belegtem Toast kalte Suppe litauischer Art Spinatsuppe Tomatensuppe kalte Beerensuppe kalte Obstsuppe Blumenkohlsuppe ukrainische Rote Beete Suppe Sauerampfersuppe Pilzsuppe Kürbissuppe Biersuppe kalte Birnensuppe Pflaumensuppe 303 Zwiebelsuppe Sauerkrautsuppe Graupensuppe Rosenkohlsuppe Kartoffelsuppe saure Mehlsuppe Pflaumenmussuppe mit Klösen Apfelsuppe Gulasch mit schlesischen Klösen Kohlroladen mit Fleischfüllung Bigos Piroggen Frikadellen gekochte Kartoffeln gekochter Reis gekochte Nudeln Klöse Grütze saisonaler Salat Pfannkuchen überbackener Reis Obstkuchen (saisonal) Teegebäck Schwarzer Tee Kaffee Malzkaffee Kakao Kompott Rosenblütensaft Fruchtsaft Obstmilch Molke Kefir


-

304

Entwurf -


kapitel

6

305


6.1 Konzept

Integration AutonomieUmnutzung _Angebot für die Stadt, das es sonst nicht gibt _Erstellen einer eigenen ökonomischen Kraft _die (jungen) Bewohner des Quartiers bilden sich und stehen auf eigenen Füßen _keine blinde Übernahme der Blockrandstruktur

_temporäre Umnutzung von Brachflächen als Übergang zu weiteren Investitionen

_um zu den einzelnen Zimmern zu gelangen, muss man Gemeinschaftsräume durchqueren _Anlehnung an bestehende Architektur auf subtile Art und Weise _gastronomischer Bereich in die Wohnblöcke integriert und angeschlossen

_kleinere Wohneinheiten mit selbständiger Ausstattung, die an einzelne Häuser erinnern _Wohnbauten in anderen Lücken als ‘weniger kontrollierte’ Wohneinheiten _Verselbständigungswohnungen _eigenständige, adaptierte Formensprache

_mögliche Umnutzung der Wohnarchitektur für andere Formen des gemeinschaftlichen/betreuten Wohnens _mögliche Umnutzung der Suppenküche und des Lokals für exklusivere Lokale

_Kooperation mit der Möbelschreinerei des Inkubators _individuelle Anpassung durch modulare Möbelsysteme _gemeinschaftsfördernde Möbel/Raumausstattungen

_jeder Jugendliche darf sich die Möblierung und das Interieur selbst auswählen _Möbelproduktion innerhalb des Quartiers _intime Möbel und Raumausstattung für Rückzug in Privatsphäre

_Recycling von Gegenständen zur Erstellung von Möbeln _flexible Möbelsysteme _flexible Räumlichkeiten für mehrere Funktionen

Städtebau

_Integration von Landwirten in Geschäftsmodell _Jugendliche, Kinder und Frewillige aus dem Quartier werden integriert _Bewohner aus dem Quartier können sich einbringen _Lücke in der Gastronomie im Ort wird geschlossen

Interieur

Architektur

306


Zwischenschritte temporäre Umnu Reaktivierung vo Potenzial aussch fen Integration v Bewohnern Nisch angebot Verselb digung Bildung G meinschaftlichke 307

_252 Typische Anzeigetafel mit Gerichten in einer polnischen Milchbar.


zupka przy kominie

308

_253 Logo der Milchbar - frei übersetzt: ‘Süppchen am Kamin’


e, Viehz체chter, Privatg채r tner dwirt n a L

ohner, Jug Anw end li

Stu de

lhil fee

Fa

n ilie m

e e, R ch

, Arbeitslos e nger pf채 m

, en nt

, Stadtbewohner, isten jun r u ge To nter, Sozia

309

Bewohner Stadtteil Stadt st채dtische Umgebung

_254 Lokaler und regionaler Bezug des Jugendhauses.


Anforderungskatalog aus der Masterthesis resultierend Bei diesen Stichworten handelt es sich um die Randbemerkungen, die im Zuge der Masterthesis als kurze Zusammenfassung neben dem Text dargestellt worden sind.

310

_Soziologie Gesellschaftliche Isolation von sozialen Gruppen vermeiden Soziale und wirtschaftliche Potenziale nutzen Überversorgung durch Dezentralisierung vermeiden Selbständigkeit durch Dezentralisierung stärken Mischung der Formen von Jugendhilfe erreichen Heim für Jugendliche, die ihre Volljährigkeit erreicht haben bilden Niedriges Bildungsniveau in Odertor beachten Gruppierung von älteren und jüngeren Kindern, um Konflikte zu vermeiden Angebot fuer sexuell misshandelte Jugendliche schaffen Nähe zu den Nachbarn aufbauen Anpassung an kulturelle und gesellschaftliche Bedürfnisse anstreben Freiraum für individuelle Bestrebungen schaffen Jugendlichen ein Ziel und einen Plan vermitteln Aktionen mit Eltern und Kindern zusammen organisieren Kontakt zwischen Eltern und Jugendlichen aufbauen Verselbständigungsgruppe als Zwischenschritt zur eigenen Wohnung anbieten Gemeinschaftsgefühl für Jugendliche fördern Mädchenwohngruppe für sexuell missbrauchte Mädchen anbieten Kleine, gemischte Gruppen in den eigenen vier Wänden etablieren Hemmschwellen zwischen Nachbarn und Bewohnern abbauen Verselbständigungswohnungen in Breslau anbieten Einblick in das soziale Milieu der Jugendlichen durch Arbeit vor Ort erreichen Präventionsarbeit für den ganzen Stadtteil leisten _Angebot Freizeitangebot für Jugendliche schaffen Gesonderten Raum für schulische und berufliche Beratung anbieten Holzwerkstattraum, Proberaum für Bands, Fahrradwerkstatt anbieten Gestaltung der Innenhoefe, größeres Freizeitangebot, Straßenfeste, Events, gastronomisches Angebot ausbauen Reiches kulturelles und sportliches Angebot erzielen Einnahmen durch Dienstleistungen erreichen Ab dem 14. Lebensjahr Verselbständigungswohnungen anbieten Kontakt zu Hunden um die Kinder zu beruhigen Boxtraining anbieten Apartments für volljährige Bewohner mit eigenem Bad und Küche anbieten Balkon mit Blick in den Garten gestalten Aufenthaltsort für Jugendliche schaffen Fleischlose, fettarme und reichhaltige Ernährung propagieren Kein Kochen auf Vorrat planen Gastronomisches Lokal als Aufenthaltsort auffassen Sonderwünsche wie halbe Portionen oder nur Beilagen anbieten


100%ig hausgemachtes Essen anbieten Niedrige Preise des gastronomischen Angebots erreichen Gastronomisches Angebot erweitern _Ökonomie Auf steigende Lebensmittelpreise reagieren Rolle Odertors als Dienstleistungsquartier wahrnehmen Verschiedenste Berufsgruppen vereinen Wettbewerbsfähigkeit der Stadt erhöhen Touristisches Potenzial nutzen Arbeitsplaetze schaffen Marktplatz als händlerisches Konglomerat gestalten Märkte als Ergänzung zum Angebot in den Geschäften auffassen Ort für Märkte und Feste schaffen Odertor als günstigeres Alternativangebot für Touristen zur Innenstadt etablieren Auf Ausbildungsberufe rückbesinnen Durch Ausbildung vor Ort resozialisieren Überregionale Rolle einnehmen Lokale Ökonomien einbinden _Städtebau In das Wohngebiet integrieren Dachform und Farbigkeit anpassen Häuser um einen Hof gruppieren Bezug zum Außenraum herstellen Zentrale Lage und Anbindung an den ÖPNV anstreben Fernwirkung der industriellen Schornsteine nutzen Flexibles Straßennetz für neue Typologien nutzen An Grundschulen und weiterführende Schulen anbinden Isolierte Lage zu Beginn der Heimerziehung, innerstädtische Lage später anstreben Spontane kleine Gartenanlagen als Aneignung von halbprivatem Raum anbieten Stadtteil nicht als Bühne für spektakuläre, hochpreisige Wohnarchitektur nutzen Bilder von ‘Gassen’ und ‘Nestern’ aufkommen lassen Außenbereiche für Anwohner zugänglich machen Quartier der kurzen Wege etablieren _Architektur Wohnen und Arbeiten dicht an dicht etablieren Klares Zentrum und Bezugspunkt schaffen Hofsituationen mit unterschiedlichen Graden an Offenheit schaffen Jeder Wohngruppe bzw -familie eine eigene Außenfläche anbieten Intime Gärten blickgeschützt gestalten Unauffällige Einzäunung erreichen Kleinteiligkeit gestalten Durchblicke und Blickachsen quer durch das Dorf gestalten Betreutes Wohnen mit mindestens drei Bewohnern pro Wohnung organisieren Mindestens 12m² pro Zimmer einplanen Polnischen Funktionalismus aufgreifen Eigenen kleinen Balkon mit Blick auf Gemeinschaftsplätze schaffen

311


Blickachsen vom Wohnzimmer auf private und öffentliche Außenflächen erreichen Soziales Miteinander inszenieren Freizeit- und Bildungsräume separat erschließen Partykeller mit integrierter Küche zum Bekochen von eigenen Gästen anbieten Adäquat an die historische Substanz im Viertel anpassen Repräsentative Räume zur Straße, wirtschaftliche Räume zum Hof schaffen Betreuern einen eigenen Raum mit Bad anbieten Erdgeschosszonen ansprechend gestalten Innovativen Wohnbau mit großer Breite an Standards erreichen Ausbildungsbereich und Wohnbereich trennen Bad in jedem Wohngeschoss planen Differenzierte Außenräume schaffen Loggia für den Wohnbereich und Balkon für den Schlafbereich planen Klare Erschließung erreichen Aufenthalts- und Durchgangsbereiche trennen Abwechslung durch verschiedene Geschossigkeiten und Formen erreichen Vorfabrikation, Formvielfalt und Ornament verbinden Flexible Grundrissgestaltung erreichen Zwei Außenbereiche für jeweils Wohn- und Küchenbereich planen Eingang inszenieren Erschließung der Einzelzimmer die Gemeinschaftsräume durchqueren lassen Eingang des Wohnheims als Kontrollbereich nutzen 312

_Interieur Idyllischen Inselcharakter anstreben, um zur Ruhe kommen zu lassen Gefühl von Zuhause suggerieren Geborgenheitsgefühl durch runde Gesamtstruktur erreichen Hohes Maß an Privatheit anbieten Mobiliar und Ausstattung auf Bedürfnisse der Bewohner ausrichten Individuelle Gestaltung der Zimmer und des Mobiliars ermöglichen Nischen zum Sitzen oder zum Ausstellen anbieten Sitzgelegenheiten mit individuellen Graden an Privatsphäre anbieten Innenauskleidung die Wärme ausstrahlt verwenden Mobiliar aus robustem Material anfertigen Schlichte Einrichtung auswählen Schimmerndes Dachmaterial für Lichtreflexion im Innenhof auswählen Einfache Materialien ornamental anordnen Interieur multifunktional und einheitlich gestalten Designermöbel und low-tech Selbstbaumöbel kombinieren Hochwertige Materialien im Innenausbau verwenden Keine hochpreisigen Möbel und Angebote anbieten Holz als Material des ursprünglichen polnischen Bauens auswählen Warme Wandfarben auswählen Keine luxuriöse Einrichtung auswählen, um künftigen Frust zu vermeiden


313


314

_255 Restaurant ‘Dos Palillos’ in Berlin mit offener Küche und direkt angrenzendem Sitzbereich für Gäste.


Kochhaus - die Küche als Ort der Gemeinschaft Kein gastronomisches Lokal funktioniert ohne Küche. Betritt man als Gast ein Lokal, bekommt man nach einer Weile sein Essen vom Kellner serviert und bekommt weder die Küche noch den Koch zu Gesicht. Die einzige Kommunikation erfolgt über die Anrichtung der Speise auf dem Teller. Essen und Trinken gehört zu den essentiellsten Bedürfnissen eines Menschen. Ein Kind ist noch vor seiner Geburt auf die Nährstoffe der Mutter angewiesen und auch viele Jahre danach sorgen in der Regel die Eltern für das leibliche Wohl des Kindes. Das Zubereiten von Speisen ist somit ein fürsorglicher Gestus, den es wertzuschätzen gilt. Befremdlich erscheint es dabei, dass in den meisten Lokalen der Kontakt zwischen zubereitender Person und verspeisender Person gering gehalten wird. Durch diese Distanz und die mangelnde Einsicht in den Küchenbereich entsteht in manchen Fällen Misstrauen in die Zubereitung, die Ordnung und die Hygiene. Der Gast hat kein Gefühl für den Aufwand und die Arbeitsweise des Lokals und kann dies lediglich am Essen erahnen. Auf dem Weg zur Eigenständigkeit gehört das Erlernen von Kochen und Wirtschaften dazu. Wer kochen kann, kann sich selbst versorgen. Die Küche im privaten Raum ist jedoch nicht nur ein Raum der Selbstversorgung, sondern auch ein Ort der Gespräche, des Austauschs, des Lernens und der Geselligkeit. Vor der Zeit der entwickelten Heizungssysteme, wie wir sie heute kennen, war die Küche der wärmste Ort im Haus. Aber auch heute ist die Küche ein beliebter Aufenthaltsort, beispielsweise bei Hauspartys. Oft tummeln sich die Gäste auf kleinstem Raum in der Küche, während das großräumige Wohnzimmer seltsam verschmäht bleibt. Die Lebensmittel und Getränke sind nah, alles ist greifbar und direkt vor Ort zubereitbar. Das macht den Raum als Aufenthaltsort so attraktiv. Die Küche soll wieder in den Fokus des Geschehens in einem Lokal rücken. Die Jugendlichen, die an diesem Ort wohnen und gleichzeitig eine Lehre absolvieren, halten den Betrieb am laufen, kaufen ein, wirtschaften, sortieren, verarbeiten und versorgen die Anwohner aus der Umgebung, aber auch sich selbst an gleicher Stelle. Dadurch ensteht eine Auflösung der Grenze zwischen Koch und Gast, zwischen Anwohner und Bewohner des Jugendhauses. Sowohl die räumlichen Bereiche wie Küche, Wirtschaftsbereiche, Lager, Gastronomiebereich und Gastbereich als auch die Jugendlichen selbst, ihre Zimmer, die Erschließung, die Anwohner und die Wege und Eingänge sollen Zutaten sein, die das Gesamtprojekt und seine Atmosphäre bilden. Die Küche soll einer Versorgungszelle gleichen, die sowohl aufnimmt als auch abgibt und mit der direkten und indirekten, nahen und fernen Umgebung vernetzt ist.

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6.2 Raumprogramm

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Jugendwohnen 20 Wohnmodule Wohnmodul (3 Typen) jeweils 2-4 Zimmer (insg. 50) Mitarbeiterbüro/EDV Raum* Wohnbereich Essbereich* Küche/Kochnische Speisekammer* Außenbereich WC Bad Garderobe/Diele Abstellraum* evtl. Fahrradkeller multifunktionaler, flexibler Gemeinschaftsraum (Zugang zu Außenbereich) Fitnessbereich Fitnessraum Boxtrainingsraum Umkleiden WC, Duschen Bildung Bibliothek Lesesaal Arbeitsraum Verwaltung Büro Leiter Mitarbeiterraum/Sozialraum Büro Mitarbeiter Besprechungsraum Archiv Schlafbereich Nachtdienst mit WC, Dusche Technik Haustechnik Werkstattraum Lager

1490 m² 20 - 120 m² 12 - 18 m² 12 m² 20 m²

150 m² 80 m²

40 m²

130 m²

70 m² 20 m² 20 m² 30 m²

Summe

1960 m²

Parken

50 Plätze


Milchbar Gastbereich Eingang/Garderobe Gastbereich innen Gastbereich außen WC Theke Speisen Theke Getränke Lebensmittelshop Kasse Produktions- und Wirtschaftsbereich Küche Vorbereitung Obst/Gemüse warme Küche Zubereitung Schwarz-/Topfspüle Vorbereitung Teigwaren Lehrbereich Office (Speiseannahme) Wirtschaftsräume An- und Rücklieferung Annahme Leergut Abfall/Müll gekühlte Warenlager Kühlraum Obst/Gemüse Tiefkühlzelle ungekühlte Warenlager Lebensmittellager Jugendhaus Lebensmittellager extern Getränkelager Eigenbedarf Personalbereich Sozialraum (Zugang zu Außenbereich) Umkleiden WC Technischer Bereich Geschirrspüle Haustechnik Büro Summe Landwirtschaftlicher Bereich Parken

150 m²

125 m² 70 m² 8 m² 28 m² 6 m² 8 m² 12 m² 8 m² 55 m² 15 m² 5 m² 5 m² 5 m² 10 m² 5 m² 5 m² mind. 30m² 14 m² variabel 8 m² 8 m² 18 m² 10 m² 4 m2 4 m² 16 m² 10 m² 6 m² 8 m² 317 m² 0,3 - 1,5 ha 50 Plätze

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6.3 Raumkonstellation

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_256 Zwischenentwurf fĂźr ein Raumprogramm.


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AbschlieĂ&#x;ende Betrachtung -


kapitel

7

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Sämtliche Erkenntnisse und Rechercheergebnisse im Zuge der Masterthesis haben direkten oder indirekten Einfluss auf meinen Entwurf gehabt. Um die Untersuchungsfrage in ihrer Tiefe verstehen zu können, hatte ich das Bedürfnis weit auszuholen, um das Gefühl zu haben, dass ich mich bei jeglichen Entwurfsansätzen auf sicherem Terrain befinde. Ein Entwurf ist mit einer These zu vergleichen, die die Antwort auf eine Untersuchungsfrage darstellt. Die These basiert auf sämtlichen vorangegangenen Untersuchungen und Studien, die ich als Basis für den Entwurf gesammelt habe. Die Tatsache, dass zu Beginn der Masterthesis noch nicht festgelegt war wie die Entwurfsaufgabe genau gestaltet sein wird, ist riskant und spannend zugleich gewesen. Die Recherche hatte direkten Einfluss auf die Entwicklung meiner Entwurfsaufgabe und ist somit Teil des Entwurfs. Statt eine vorgegebene Bauaufgabe unreflektiert rein architektonisch zu bearbeiten, hatte ich diesmal die Chance mit der Wahl der Typologie und des Raumprogramms städtebaulich einzugreifen und diese Schritte als Teil einer fiktiven Intervention zu betrachten. Der Leitung des Ludwig Forums Aachen habe ich es zu verdanken, dass ich durch die Unterstützung beim Projekt Kinderkönigreich von Pawel Althamer viele Kinder und Jugendliche mit bildungsfernem Hintergrund kennenlernen und Vorurteile meinerseits beseitigen konnte. Dank der Gespräche mit den jungen Menschen, aber auch mit ihren Betreuern habe ich zusätzlich Vieles über ihre Bedürfnisse, Voraussetzungen und Wünsche lernen können. Es liegt in der Natur des Grundstücks, der Bebauung und der sozialen und ökonomischen Situation vor Ort, dass sich der Entwurf durch eine Heterogenität auszeichnet, die nicht mit einer einzigen klaren Geste eine Antwort auf alle Fragen zu finden sucht. Der Entwurf ist viel mehr als eine Reaktion auf Faktoren vieler verschiedener räumlicher und programmatischer Ebenen zu betrachten. Die Komplexität dieses Kontextes und der Aufgabe spiegelt sich im Entwurf wieder und soll ein Statement dafür sein, dass strenge und klare Linien sowohl pädagogisch als auch gestalterisch nicht immer die naheliegendste Antwort sein müssen.

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Quellen -


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8.1 Abbildungsverzeichnis

_001 Gruppenfoto zusammen mit ein paar Architekturstudentinnen vom OSSA Workshop in Breslau, Oktober 2013. Quelle: https://www.facebook.com/photo.php?fbid=574208402633230&set= a.574208332633237.1073741832.488049657915772&type=1&theater _002 Ulica Lokietka in Odertor. _003 Wilhelm Sasnal, Kacper, 2009. Quelle: http://robertacucchiaro.wordpress.com/2013/02/20/wilhelm-sasnal/ _004 Huhn in einem Käfig in einer Spiegelbox. Quelle: http://courtneynowick.files.wordpress.com/2010/09/dsc06992.jpg _005 Pawel Althamer, Sciezka, 2007. Quelle: http://www.skulptur-projekte.de/kuenstler/althamer/

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_006 Katharina Hinsberg, Lichtes Maß III, 2006. Quelle: http://www.galeriewernerklein.de/artist. php?p=2&id=15&show=34&l=1 _007 Vogelnest aus Zweigen und weggeworfenen Kleiderbügeln. Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Creativity_crows_nest_ made_of_clothes_hangers.jpg _008 Lage Breslau (Wroclaw) _009 Lage Breslau (Wroclaw) _010 Schwarzplan Breslau mit Stadtgrenze _011 Stadtgebiet Aachen _012 Lokietka-Straße mit der typischen Gründerzeitbebauung und der größten Dichte an Einzelhandel im Erdgeschoss. _013 Bahnhof Odertor (Nadodrze).


_014 Platz vor dem Strzelecki-Park mit renovierter Fassade. _015 Treppenhaus eines Gründerzeitbaus, in diesem Falle des Gebäudes mit dem integrierten Hostel auf der ersten Etage. _016 Kontrast zwischen bereits renovierter Fassade und einer Fassade, an der noch deutlich die Spuren des 2. Weltkriegs zu sehen sind. _017 Blick entlang der Drobnera-Straße - zur Rechten liegt ein an das Flussufer angrenzendes Hotel. _018 Streetart in Form von Wandbildern an offenen Kopfseiten ist in Odertor sehr beliebt. _019 Das Gewerbe im EG hat gestalterisch oft schwachen bis gar keine Bezug zur Struktur des Bestandes. _020 Wohnhochhäuser aus kommunistischer Zeit stehen dicht an dicht neben dem Bestand aus der Gründerzeit - dazwischen kleine Kiosks. _021 Die zahlreichen Lücken in der Blockrandbebauung werden häufig mit eingeschossigen Bauten aufgefüllt. _022 In Odertor entstehen bereits zahlreiche, neue Gebäude, die oft hochpreisiges Wohnen und Gewerbeflächen anbieten. _023 Der Blick vom westlichen Ufer von Odertor zur Innenstadt. _024 Das Rendering einer Baustelle in Odertor suggeriert eine international funktionierende Wohnbau Architektur. _025 ca. 900 das Volk der Polanen (zu deutsch: Feldbewohner) _026 ca. 1000 westslawischer, christlicher Einheitsstaat namens Polen

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_027 ca. 1100 Bündelung polnischer Teilfürstentümer _028 ca. 1200 Herzogtum Niederschlesien _029 ca. 1300 Großpolen _030 ca. 1500 polnisch-litauisches Großreich _031 ca. 1600 polnisch-litauisches Großreich _032 ca. 1700 polnisch-litauisches Großreich _033 ca. 1800 Preussen _034 1918 – 1939 Deutsches Reich Republik Polen (eingestrichelt) 328

_035 1939 Expansion des großdeutschen Reichs Polen zwischenzeitlich nicht existent _036 1945 bis heute Volksrepublik Polen; seit 1990 Republik Polen _037 Gestaltungsprinzip der Miethäuser _038_039 repräsentative Fassade zur Straße und schlichte Fassade zum Hof _0040 Markthalle 1908 heute: hala targowa von Richard Pluedemann Quelle: http://static.panoramio.com/photos/large/96672380.jpg _041 Kaufhaus Rudolf Petersdorff 1930 heute: ‘kameleon’ von Erich Mendelsohn Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/70/Wroclawmendelsohn-026.JPG _042 Wertheim Warenhaus 1944 heute: ‘renoma’ von Hermann Derburg


Quelle: http://zwierciadlo.pl/wp-content/uploads/2012/11/renoma.jpg _043 Ledigenheim Nr. 31 heute: Hotel Parkowy von Hans Scharoun Quelle: Harasimowicz (1997): Atlas architektury Wroclawia – Tom 1 Budowle sakralne – Swieckie budowle publiczne. 1. Auflage, Breslau., S. 194 _044 Jahrhunderthalle 1913 heute: hala stulecia von Max Berg Quelle: Harasimowicz (1997): Atlas architektury Wroclawia – Tom 1 Budowle sakralne – Swieckie budowle publiczne. 1. Auflage, Breslau., S. 190 _045 Chemie-Auditorium 1971 polnisch: Audytorium Chemii von Krystyna und Marian Barski Quelle: http://2.bp.blogspot.com/-5z_dsJnWeZo/UvF0VSXXYFI/ AAAAAAAAO2w/uvRSVY2b6vI/s1600/wuwa+nr+37.png _046 Museum Panorama von Raclowice 1985 polnisch: Muzeum Panoramy Raclawickiej von Ewa und Marek Dziekonski Quelle: Harasimowicz (1997): Atlas architektury Wroclawia – Tom 1 Budowle sakralne – Swieckie budowle publiczne. 1. Auflage, Breslau., S. 188 _047 Heiliggeistkirche 1972 polnisch: Kosciol p. Sw. Ducha von Wawrzyniak, Wojnarowicz, Zipser, Swieciecicki Quelle: Harasimowicz (1997): Atlas architektury Wroclawia – Tom 1 Budowle sakralne – Swieckie budowle publiczne. 1. Auflage, Breslau., S. 78 _048 Studentenwohnheim 1991 polnisch: Domy studenckie von Krystyna und Marian Barski Quelle: Harasimowicz (1997): Atlas architektury Wroclawia – Tom 1 Budowle sakralne – Swieckie budowle publiczne. 1. Auflage, Breslau., S. 160 _049 Wohn- und Geschäftshäuser polnisch: zespol mieszkalno-uslugowy von Grabowska-Hawrylak, Kowalski, Wasilewski Quelle: Harasimowicz (1997): Atlas architektury Wroclawia – Tom II Budowle mieszkalne – Budowle inzynieryjne i przemyslowe – Parki, cmentarze, pomniki. 1. Auflage, Breslau., S. 94 _050 Maisonette-Mehrfamilienhaus 1960 polnisch: Mezonetowiec von Jadwiga Garbowska-Hawrylak Quelle: http://dolny-slask.org.pl/foto/3243/3243488.jpg

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_051 Luftbild von Breslau zwei Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs. Quelle: http://dolny-slask.org.pl/foto/3644/3644192.jpg _052 Marktplatz von Breslau im aktuellen Zustand. Quelle: upload.wikimedia.org/wikimedia/commons/5/5a/Rynek_Wroclaw_ Summer_2010.JPG _053 Fassade in Breslau-Odertor in aktuellem Zustand mit den Spuren des Krieges. _054 Fassade eines typischen Plattenbaus in Polen. Quelle: www.bryla.pl/bryla/1,85301,13046894,Koszmar_z_wielkiej_plyty. html _055 Prinzip der 5- bzw. 11-Geschossigkeit der Plattenbauten in Polen. Quelle: http://3.bp.blogspot.com/-_jr0r3cg_8g/UpuDw4eM1aI/ AAAAAAAAAeo/yN-RVXM3IaU/s1600/04.jpg mit Ergänzungen der Autorin 330

_056 Grundriss eines Plattenbaus nach dem ‘Stetttiner System’, einer regionalen Plattenbauweise. Quelle: http://www.skyscrapercity.com/showthread.php?t=1607100 _057 Die Qualität des Innenausbaus der Plattenbauten war oft äußerst gering. Quelle: http://www.alternatywy4.net/dg,winda-jest-to-znaczy-windybrak,692.html _058 Auch die Sanitäranlagen haben oft zu wünschen übrig gelassen. Quelle: http://www.alternatywy4.net/dg,wodny-problem-cz-2,3275.html _059 Mangel an Parkplätzen und der Wunsch nach Sicherheit veranlasst die Protagonisten zur Eigeninitiative. Quelle: http://www.alternatywy4.net/dg,scalony-uklad-sztab-zaporowychdla-mieszkan-indywidualnych,1622.html _060 Nicht immer hat der Aktionismus der Protagonisten ein gutes Ende genommen. Quelle: http://www.alternatywy4.net/dg,wodny-problem-cz-2,3275.html


_061 Vom Elend auf dem Land... Quelle: http://www.alternatywy4.net/dg,eksmisja,1072.html _062 ...auf das Elend in die Stadt. Quelle: http://www.alternatywy4.net/dg,eksmisja,1072.html _063 Die Rückseite eines Maisonettewohnhauses zeigt eine individuelle Gestaltung einer Wohneinheit. Quelle: http://fotopolska.eu/507394,foto.html?o=b41573&p=1 _064 Halböffentliche Bereiche mit provisorisch eingerichteten Garagen. _065 Halbprivate Bereiche mit kleinen Vorgärten, die von den Bewohnern gepflegt werden. _066 ‘Wildes Parken’ ist ein großes Problem, sowohl in den Plattenbausiedlungen als auch in den Blockrandinnenhöfen. _067 Fassade der Wohn- und Geschäftshäuser am Grundwaldplatz von Jadwiga Grabowska-Hawrylak. Quelle: Muzeum Architektury (2005): Jagwiga Grabowska-Hawrylak. 1. Auflage, Breslau., S. 19 _068 Fassade der Wohn- und Geschäftshäuser während der Bauphase Quelle: http://cargocollective.com/powojennymodernizm/Zespol-mieszkaniowo-uslugowy-przy-placu-Grunwaldzkim-we-Wroclawiu _069 Die Wohn- und Geschäftshäuser in den 70er Jahren. Quelle: http://cargocollective.com/powojennymodernizm/Zespol-mieszkaniowo-uslugowy-przy-placu-Grunwaldzkim-we-Wroclawiu _070 Die Balkone aus Fertigteilen ergeben eine ornamentale Struktur. Quelle: http://cargocollective.com/powojennymodernizm/Zespol-mieszkaniowo-uslugowy-przy-placu-Grunwaldzkim-we-Wroclawiu _071 Individualität durch bunte Vorhänge etc. stören das Gesamtbild nicht. Quelle: http://cargocollective.com/powojennymodernizm/Zespol-mieszkaniowo-uslugowy-przy-placu-Grunwaldzkim-we-Wroclawiu

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_072 Eingangsbereich von innen. Quelle: http://cargocollective.com/powojennymodernizm/Zespol-mieszkaniowo-uslugowy-przy-placu-Grunwaldzkim-we-Wroclawiu _073 Zweigeschossiger Eingangsbereich mit Holzverkleidung - ein beliebtes Material zur ‘Aufwertung’ von Interieur. Quelle: http://cargocollective.com/powojennymodernizm/Zespol-mieszkaniowo-uslugowy-przy-placu-Grunwaldzkim-we-Wroclawiu _074 Um auf das Plateau zu gelangen, muss man eine Treppe emporsteigen, neben der sich die Parkplätze befinden. Quelle: http://cargocollective.com/powojennymodernizm/Zespol-mieszkaniowo-uslugowy-przy-placu-Grunwaldzkim-we-Wroclawiu _075 Treppenhaus von innen. Quelle: http://cargocollective.com/powojennymodernizm/Zespol-mieszkaniowo-uslugowy-przy-placu-Grunwaldzkim-we-Wroclawiu

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_076 Ausschnitt aus dem Stop-Motion-Film, der während des OSSA Workshops in Breslau 2013 entstanden ist. Quelle: http://www.infoarchitekta.pl/window.phpbimage=htmlarea/uploaded/ARTYKULY/WYDARZENIA/2013/OSSA_Wroclaw_2013_l_podsumowanie/grupa2.xx.jpg&co=http://www.infoarchitekta.pl/artykuly/6wydarzenia/7557-ossawroclaw2013podsumowanie.html1.3.3_14 _077 Lageplan der Wohn- und Geschäftshäuser. Quelle: http://cargocollective.com/powojennymodernizm/Zespol-mieszkaniowo-uslugowy-przy-placu-Grunwaldzkim-we-Wroclawiu _078 Grundrisse Wohn- und Geschäftshäuser mit Grundrissvarianten. Quelle: http://cargocollective.com/powojennymodernizm/Zespol-mieszkaniowo-uslugowy-przy-placu-Grunwaldzkim-we-Wroclawiu mit Ergänzungen der Autorin _079 Blick auf das Maisonette-Mehrfamilienhaus südlich von Breslau. Quelle: http://dolny-slask.org.pl/foto/3243/3243488.jpg _080 Jede Wohnung hat einen Balkon und eine Loggia. Quelle: http://fotopolska.eu/164426,foto.html?o=b41573&p=1


_081 Die Fassade kurz nach Fertigstellung des Gebäudes. Quelle: Muzeum Architektury (2005): Jagwiga Grabowska-Hawrylak. 1. Auflage, Breslau., S. 12 _082 oberes Geschoss der Maisonettewohnungen 1:200 Quelle: Muzeum Architektury (2005): Jagwiga Grabowska-Hawrylak. 1. Auflage, Breslau., S. 12 mit Ergänzungen der Autorin _083 unteres Geschoss der Maisonettewohnungen 1:200 Quelle: Muzeum Architektury (2005): Jagwiga Grabowska-Hawrylak. 1. Auflage, Breslau., S. 12 mit Ergänzungen der Autorin _084 Chemie-Auditorium in Breslau. Quelle: http://dolnoslaskie.fotopolska.eu/foto/517/517124.jpg _085 Das dominierende Material im Hörsaal ist Holz, die Decken- und Wandpaneele bilden ein grafisches Muster. Quelle: http://reachtywacja.files.wordpress.com/2014/03/ach_zwiedzanie1. jpg _086 Viele der Vorlesungen, die ich im Rahmen des Workshops besuchte, fanden im Chemie-Auditorium statt. Quelle: https://www.facebook.com/photo.php?fbid=574208402633230&set= a.574208332633237.1073741832.488049657915772&type=1&theater _087 Die Heizungen an der Wand und an der Fassade werden durch Holzpaneele verdeckt. Quelle: https://de-de.facebook.com/photo.php?fbid=647735338613869&set =gm.667953293268538&type=1&theater _088 Unten links befindet sich der Bereich zum Lernen, rechts ist inder ursprünglichen Planung eine Durchgangszone geplant, die für den Workshops umfunktioniert wurde. Quelle: http://reachtywacja.files.wordpress.com/2014/03/1021_ossawroclaw2013_010.jpg _089 Die schräge Decke deutet den darüber liegenden Hörsaal an. Quelle: https://www.facebook.com/photo.php?fbid=574208402633230&set= a.574208332633237.1073741832.488049657915772&type=1&theater

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_090 Das hinterleuchtete Periodensystem im Hörsaal. Quelle: https://www.facebook.com/photo.php?fbid=574208402633230&set= a.574208332633237.1073741832.488049657915772&type=1&theater _091 Rohbau eines pompösen Einfamilienhauses in Polen auf dem Land, wie man es häufig vorfindet. Quelle: http://www.bryla.pl/bryla/56,85300,14086357,Aztecka_ swiatynia,,10.html _092 typisches, polnisches Bauernhaus aus der Zeit kurz nach dem 2. Weltkrieg. Quelle: http://s8.flog.pl/media/foto/7150973_stary-dom-na-wsi-.jpg _093 Einfamilienhaus aus den 70er/80er Jahren mit Flachdach und individuell gestalteter Balkonzone, das sehr häufig als Typus auf dem Land zu finden ist. Quelle: Basista (2001): Betonowe dziedzictwo – architektura w Polsce czasów komunizmu. 1. Auflage, Warschau/Krakau. S. 135 334

_094 Pensionshaus aus der postmodernen Phase mit Steildach, das den ländlichen Charakter unterstreichen soll. Quelle: http://www.bryla.pl/bryla/0,85304.html?tag=polisz+arkitekczer&s tr=2_13783928 _095 Zeitgenössische Interpretation eines Hauses auf dem Land vom polnischen Architekturbüro ‘genius loci architekci’ aus Bierun. Quelle: http://gl-architekci.pl/uploads/photos/normal/dom_na_wsi.jpg _096 Bilderstrecke aus google Streetview. Quelle: https://www.google.de/maps/place/Breslau,+Polen/@51.121536,17.0 30337,3a,75y,205.65h,90t/data=!3m4!1e1!3m2!1s0_Y-34EYSEsI0n3_jYJt _A!2e0!4m7!1m4!3m3!1s0x470fe9c2d4b58abf:0xb70956aec205e0f5!2sBres lau,+Polen!3b1!3m1!1s0x470fe9c2d4b58abf:0xb70956aec205e0f5 _097 Bilderstrecke aus google Streetview. Quelle: https://www.google.de/maps/place/Breslau,+Polen/@51.121536,17.0 30337,3a,75y,205.65h,90t/data=!3m4!1e1!3m2!1s0_Y-34EYSEsI0n3_jYJt _A!2e0!4m7!1m4!3m3!1s0x470fe9c2d4b58abf:0xb70956aec205e0f5!2sBres lau,+Polen!3b1!3m1!1s0x470fe9c2d4b58abf:0xb70956aec205e0f5


_098 Bilderstrecke aus google Streetview. Quelle: https://www.google.de/maps/place/Breslau,+Polen/@51.121536,17.0 30337,3a,75y,205.65h,90t/data=!3m4!1e1!3m2!1s0_Y-34EYSEsI0n3_jYJt _A!2e0!4m7!1m4!3m3!1s0x470fe9c2d4b58abf:0xb70956aec205e0f5!2sBres lau,+Polen!3b1!3m1!1s0x470fe9c2d4b58abf:0xb70956aec205e0f5 _099 Bilderstrecke aus google Streetview. Quelle: https://www.google.de/maps/place/Breslau,+Polen/@51.121536,17.0 30337,3a,75y,205.65h,90t/data=!3m4!1e1!3m2!1s0_Y-34EYSEsI0n3_jYJt _A!2e0!4m7!1m4!3m3!1s0x470fe9c2d4b58abf:0xb70956aec205e0f5!2sBres lau,+Polen!3b1!3m1!1s0x470fe9c2d4b58abf:0xb70956aec205e0f5 _100 Bilderstrecke aus google Streetview. Quelle: https://www.google.de/maps/place/Breslau,+Polen/@51.121536,17.0 30337,3a,75y,205.65h,90t/data=!3m4!1e1!3m2!1s0_Y-34EYSEsI0n3_jYJt _A!2e0!4m7!1m4!3m3!1s0x470fe9c2d4b58abf:0xb70956aec205e0f5!2sBres lau,+Polen!3b1!3m1!1s0x470fe9c2d4b58abf:0xb70956aec205e0f5 _101 Kontextanalyse ohne Maßstab. Darstellung der potenziellen Baufelder (pink= städtisch; rot= privat) _102 Kontextanalyse ohne Maßstab. Darstellung der sozialen Einrichtungen und wirtschaftlichen Lokale und Gewerbe im Quartier. _103 Grafische Analyse Großräumlichkeit. _104 Grafische Analyse Lautstärketoleranz. _105 Grafische Analyse ÖPNV Anbindung. _106 Lokietka 5 Infopunkt -Fish Eye Perspektive von Innen. Quelle: cmlokietka5.blogspot.de _107 Vorträge und Diskussionen finden regelmäßig im Infpunkt statt. Quelle: http://wroclaw2016.pl/na-nadodrzu-rozmawiano-o-programiemikrograntow-esk-2016/ _108 Ania, Sebastian und ich im Gespräch beim OSSA Workshop.

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Quelle: https://www.facebook.com/photo.php?fbid=574208402633230&set= a.574208332633237.1073741832.488049657915772&type=1&theater _109 Schulungen für Mütter im ‘Evangelium Vitae’ Quelle: http://fev.wroclaw.pl/wp-content/uploads/2013-10-01-820.jpg _110 ‘Fenster des Lebens’ - eine Babyklappe an der Geburtenklinik ‘Evangelium Vitae’ _111 Tanz- und Theaterkurs mit kleinen Kindern in der Einrichtung ISKIERKA Quelle: mcw-akcja-inspiracja.blogspot.de/2013/10/roztancz-sie.html _112 Beim gemeinsamen Backen kommen sich Eltern und Kinder näher. Quelle: https://www.facebook.com/photo.php?fbid=855939704422433&set= a.855939237755813.1073741836.514647361885004&type=3&theater _113 Analyse Baufeld. 336

_114 Bereits revitalisierter Innenhof in einer der Blockbebauungen in Odertor. Quelle: http://www.tuwroclaw.com/pliki/fotogaleria/rewitalizacjanadodrza11.09.2012/1.jpg _115 Viele Stellen in Odertor benötigen dringend eine Revitalisierung - nicht nur der Bausubstanz. Quelle: dolny-slask.org.pl/foto/4102/4102693.jpg _116 Marktstände an der Ulicy Ptasia. Quelle: dolny-slask.org.pl/foto/4102/4102694.jpg _117 Schema der rechtlichen Formen und Unterformen der Heimerziehung außerhalb der Herkunftsfamilie. _118 Schema der rechtlichen Formen und Unterformen der Heimerziehung und alternativen Hilfen. _119 Erziehungsheim in Sadowice als Negativbeispiel.. Quelle: http://mpawlowski.blogspot.de/2013/01/zakad-poprawczy-sadowice.


html _120 .. und die sozialisierende Einrichtung in Wolow als Positivbeispiel. Quelle: http://cmj.kylos.pl/pwpow/wp-content/uploads/2014/03/slider-3.jpg _121 Die Zimmer haben alle ein farbliches Thema und schaffen somit eine Identität mit dem Raum. Quelle: http://cmj.kylos.pl/pwpow/wp-content/uploads/2014/03/slider-1.jpg _122 Schema des Schul- und Bildungssystems in Deutschland (links) und Polen (rechts). _123 Erziehungs- und Fürsorgeheime in Polen. _124 Familiäre Kinderhäuser in Polen. _125 Sozialisierende Einrichtungen in Polen. _126 Intervenierende Einrichtungen in Polen. _127 Soziale Gruppenarbeit in Polen. _128 Spezialisierte Einrichtungen in Polen. _129 Formen von Erziehungsheimen (‘Verbesserungsheimen’) in Bezug auf die Lage Breslaus. _130 Verselbständigungwohnung für Jugendliche in Bydgoszcz. Quelle: http://bydgoszcz.gazeta.pl/szwederowo/1,112632,11317670,Bydgosz cz_ma_byc_miastem_bez_domow_dziecka.html _131 Eingang mit Blick zur Kirche und zum Dorfplatz des Kinderdorfs _132 Steg mit Durchlass durch die Ringmauer zu den intimen Gärten der Wohnhäuser.

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_133 Durchblicke im Erdgeschoss öffnen den Dorfplatz nach außen hin. _134 Der Innenhof im Klostergebäude. _135 Luftbild des Kinderdorfes. Quelle: http://www.kunstlexikonsaar.de/staedtebau/artikel/-/aspekte-diekunst-unverwechselbar-zu-sein-tradition-und-innovation-im-werk-gottfriedboehms/ _136 Der Eingang zum Kinderdorf führt über eine kleine Brücke. _137 An diversen Stellen entstehen interessante Blickbeziehungen quer durch das Dorf. _138 Die Wohngebäude sind alle durch eine Ringmauer verbunden, die die Eingänge zu den Häusern bilden. 338

_139 Das Zentrum des Dorfes bildet die Kirche mit dem Dorfplatz. _140 Das Dorf hat einen eigenen Sportplatz für die Kinder kurz vor dem Eingang des eigentlichen Dorfes. _141 Entlang der Wohnhäuser führt ein kleiner Bach, den kleine Stege überbrücken, um zu den Wohnhäusern zu gelangen. _142 Der Dorfplatz ist im Gegensatz zum Anger gepflastert - im Winter findet hier ein kleiner Weihnachtsmarkt statt. _143 Auf dem Anger befindet sich ein Spielplatz für die Kinder. _144 Die Nischen, die sich durch die polygonalen Treppenhäuser ergeben, bieten sich zum Aufstellen von Heiligenfiguren an. _145 Blick vom Refektorium zum Wald.


_146 Im Klosterhof befindet sich eine kleine, 체berdachte Kapelle mit integrierter Sitzbank. _147 Selbst die K체che des Refektoriums bietet eine Sitznische mit Blick zum Wald abseits der K체chenanlage. _148 Lageplan Odertor 1:2000 _149 Lageplan Bethanien Kinderdorf 1:2000 _150 Lageplan Odertor (Ausschnitt) 1:200 _151 Grundriss Wohnhaus Bethanien 1:200 _152 Eingang des Jugendwohnheims. Quelle: www.jugendwohnheim.com/information/bildergalerie/einrichtung. html _153 Das Geb채ude stammt aus den 50er Jahren. Quelle: www.jugendwohnheim.com/information/bildergalerie/einrichtung. html _154 Eingang vom neu gebauten Anbau mit Gemeinschaftsraum in den Garten des Wohnheims. Quelle: www.jugendwohnheim.com/information/bildergalerie/einrichtung. html _155 Luftbild des Jugendwohnheims.r _156 Garten des Wohnheims. _157 Im Garten befinden sich Sitzgruppen und Tische. Die vorgefertigten Durchwegungen erscheinen etwas zweifelhaft. _158 Der neugebaute Riegel mit den Apartments. Die Balkone auf der rechten Fassade fehlen zu dem Zeitpunkt noch.

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_159 Blick vom Balkon der Apartments in den Innenhof. Quelle: www.jugendwohnheim.com/information/bildergalerie/einrichtung. html _160 Gemeinschaftsraum im Anbau des Hauptgebäudes. _161 Speisesaal mit hauseigener Kantine. Quelle: www.jugendwohnheim.com/information/bildergalerie/einrichtung. html _162 Partykeller mit angeschlossener Küche für besondere Anlässe. Quelle: www.jugendwohnheim.com/information/bildergalerie/einrichtung. html _163 Die Gewölbe im Keller rufen eine besondere Atmosphäre hervor.. _164 Küchenzeile mit angeschlossenen Balkon eines Apartments. 340

_165 Wohnbereich mit Küchenzeile und dahinter liegendem Badezimmer einer anderen Apartmentwohnung. _166 Das Mobiliar der Einzelzimmer wirkt zusammen mit dem Linoleumboden etwas karg. _167 Die Möbel sind in allen Zimmern einheitlich. _168 Lageplan Odertor 1:2000 _169 Lageplan Jugendwohnheim 1:2000 _170 Lageplan Odertor (Ausschnitt) 1:200 _171 Grundriss Jugendwohnheim 1:200 _172 Blick auf die Ponyweide und den Verwaltungsbau.


_173 Eines der Gruppenhäuser im Dorf. _174 Spielendes Kind vor dem Spielplatz in der Mitte des Kinderdorfs. _175 Ponyweide am Eingang des Kinderdorfs. _176 Luftbild Kinderdorf. Quelle: http://www.bing.com/maps/default.aspx?q=bottrop+kinderdorf&mk t=de&FORM=HDRSC4#Y3A9NDkuOTUwMzk5fjEwLjI5NDg1MCZsd mw9NiZzdHk9cg== _177 Die Architektur des Kinderdorfs ist für die 50er innovativ und steht daher unter Denkmalschutz. _178 Panorama mit Blick auf den mittig gelegenen Spielplatz und den angrenzenden Wald. _179 Entweihte Kapelle im Verwaltungsbau. Heute tagt dort das Kinderdorfparlament. _180 Wohnzimmer eines Gruppenhauses. _180 Wohnzimmer eines Gruppenhauses. _181 Angrenzender Wald, in dem die Kinder manchmal Spaziergänge oder Fahrradtouren machen. _182 Verwaltungsgebäude mit Versammlungsraum und Turn- und Veranstaltungssaal im rechten Flügel. _183 Rechts befindet sich der Snoezelenraum, in dem persönliche Gespräche mit Blick auf die Weide stattfinden. _184 Der Spieplatz wird gerne von anwohnenden Kindern genutzt.

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_185 Eingang zum Kinderdorf. _186 Insgesamt leben vier Ponys im Kinderdorf. _187 Lageplan Odertor 1:2000 _188 Lageplan Kinderdorf 1:2000 _189 Youth Centre New Horizon Quelle: http://www.adamkhan.co.uk/ _190 Ansicht auf die Rückseite. Quelle: http://www.adamkhan.co.uk/ _191 Der ‘Barn’ dient der Vermietung für Events, Kongresse, Seminare. Quelle: http://www.adamkhan.co.uk/ 342

_192 Luftbild vom Youth Centre. Quelle: http://www.bing.com/maps/default.aspx?q=bottrop+kinderdorf&mkt=de&FORM=HDRSC4#Y3A9NTEuNTI5Njg4fi0wLjEyMzAyNiZsdmw 9MTgmc3R5PXI= _193 Es gibt verschiedenste Sichtgelegenheiten wie zum Beispiel diese Sitznische im Fenster. Quelle: http://www.adamkhan.co.uk/ _194 Trotz zeitgenoessischer Gestaltung passt sich die Optik der Umgebung auf angenehme Weise an. Quelle: http://www.adamkhan.co.uk/ _195 Das Kuperdach reflektiert Licht in die Umgebung. Quelle: http://www.adamkhan.co.uk/ _196 Der zweigeschossige Dachausbau von aussen. Quelle: http://www.adamkhan.co.uk/


_197 Im Arbeitsraum koennen die jungen Menschen sich um ihre berufliche Zukunft kuemmern, lesen, schreiben und dabei Unterstuetzung vom Team erhalten. Quelle: http://www.adamkhan.co.uk/ _198 Das Interieur ist durchgehend robust und doch warm eingerichtet und gestaltet. Quelle: http://www.adamkhan.co.uk/ _199 Einmal taeglich wird eine warme Mahlzeit ausgegeben. Quelle: http://www.adamkhan.co.uk/ _200 Die Gestaltung des zweigeschossigen Dachausbaus erinnert an ein Zelt oder eine HÜhle. Quelle: http://www.adamkhan.co.uk/ _201 Lageplan Odertor 1:2000 _202 Lageplan Youth Centre 1:2000 _203 Lageplan Odertor (Ausschnitt) 1:200 _204 Grundriss und Schnitt Youth Centre 1:200 _205 Zimmer in einem polnischen Wohnheim mit ansprechener Einrichtung. Quelle: http://cmj.kylos.pl/pwpow/wp-content/uploads/2014/03/slider-3.jpg _206 Karte Breslaus mit Lokalisierung diverser Landwirtschaftsbetriebe. _207 Lageplan Odertor 1:2000 _208 Flächenbedarf der Referenzprojekte 1:2000 _209 prinzessinnengarten Quelle: https://www.pressestelle.tu-berlin.de/fileadmin/a70100710/Medieninformationen/2011/Prinzessinnengaerten.jpg

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_210 Beim Mittagstisch werden Gerichte aus den angebauten Zutaten angeboten. Quelle: http://placemanagementandbranding.files.wordpress.com/2012/02/ prinzessinnengarten-cafe.png _211 Neben dem Mittagstisch gibt es auch ein Öffnungszeiten am späteren Abend. Quelle: http://prinzessinnengarten.net/gartencafe/ _212 DakAkker Quelle: http://www.coolgreenevents.com/wp-content/uploads/2013/04/Schieblock-3.jpg _213 Wie in vielen anderen Fällen werden auch hier Schulungen für Kinder angeboten. Quelle: http://www.urban2020.nl/wp-content/uploads/2013/12/KIO-1818. jpg

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_214 Die Latten, aus denen die Brücke als Teil des urbanen Gesamtprojekts besteht, werden von Spendern bezahlt und ihnen namentlich gewidmet. Quelle: http://www.asce.org/uploadedImages/CE_Magazine/Articles/Web_ News/2013/04_April/210_Luchtsingel_photo_DAN_05__Design_at_news_ ART_with-credit.jpg _215 Zuidparkr Quelle: http://i1.ytimg.com/vi/_3K20qzX1vg/maxresdefault.jpg _216 Neben dem urban farming werden auch Plätze zum coworking vermietet, die durch die interne Kantine versorgt werden. Quelle: http://www.graziosi-progetti.nl/sites/default/files/styles/project-image1500x1500/public/hm_zuidpark_cow_300_11.jpg?itok=SSPsiixr _217 Brooklyn Grange Navy Yard. Quelle: http://brooklyngrangefarm.com/wp-content/uploads/2013/09/navyyard-farm.jpg _218 Brooklyn Grange Lond Island City. Quelle: http://brooklyngrangefarm.com/wp-content/gallery/brooklyn-grange-2/ brooklyn-grange-lic-aerial.jpg


_219 Yoga-Kurse auf dem Dach. Quelle: http://brooklyngrangefarm.com/yoga/ _220 Gemeinsames Essen auf dem Dach. Quelle: http://community.brownpapertickets.com/wp/wp-content/uploads/2014/04/Brooklyn-Grange-1.jpg _221 HK Farm Quelle: http://www.hkhoney.org/news_events.html _222 Mit der Imkerei fing die HK Farm an. Quelle: http://www.hkhoney.org/news_events.html _223 Es werden zahlreiche Bienenwachs und Honigprodukte verkauft und hergestellt. Quelle: http://www.hkhoney.org/honey_bees.html _224 Gotham Greens Farms, Flagship Store am Greenpoint. Quelle: http://static1.businessinsider.com/image/4e1f1310ccd1d5a30f 6d0000-1200/heres-what-the-whole-operation-looks-like-from-above.jpg _225 Die Salatprodukte werden in Supermärkten verkauft. Quelle: http://24.media.tumblr.com/tumblr_lxi51u5UaG1qcnibxo3_1280. jpg _226 Gewächshaus auf dem Dach von Innen. Quelle: http://www.markweinbergphoto.com/data/photos/113_1gotham_ greens_2.jpg _227 Lufa Farms. Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/Lufa_farms#mediaviewer/File:Lufa_ Farms_Aerial_view_of_Montreal_rooftop_greenhouse6.jpg _228 Lufa Farms hat eine eigene Verpackungsabteilung. Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/0d/Lufa_Farms_ Pick_%26_Pack_Team.jpg _229 Das Gewächshaus von Innen.

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Quelle: http://www.therestoflhistoire.com/wp-content/uploads/2014/04/ IMG_2106.jpg _230 Earthworks Urban Farm Quelle: http://goo.gl/gL6E6I _231 Die Kinder aus der Umgebung profitieren von den Kursen und Schulungen, ebenso wie von den Zusatzangeboten. Quelle: http://3blmedia.com/media/images/Capuchin%2019.jpg _232 Uit je eigen Stad Quelle: https://lh6.googleusercontent.com/-DUjJ4e57Y-U/UHAhuPz5WjI/ AAAAAAAABW0/FltGjCz1nvw/s1184/IMAGE_EEA25C09-9EF24273-95F6-291AAEBDF826.JPG _233 Die Felder vor dem Restaurant, das sich in einer umgenutzten Lagerhalle am Hafen befindet. Quelle: http://versestad.nl/wpdir/wp-content/uploads/2014/05/DSC_0058. jpg 346

_234 Die Kueche ist Teil des Interieurs des Restaurants. Quelle: http://static.squarespace.com/static/50a3c140e4b07025e1a47d4d/t/5 1a4f0d2e4b0406339335338/1370594782537/IMG_1509.jpg _235 Sämtliche Gerichte in der Milchbar ‘Kubus’ in Oppeln werden täglich frisch zubereitet. Quelle: http://www.nto.pl/apps/pbcs.dll/article?AID=/20120331/REPORTAZ/120339981 _236 Statt Speisekarten gibt es Wandtafeln. Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/c4/Bar_piast.jpg _237 Pfannkuchen mit Käsecreme.[nalesniki z serem] Quelle: http://4.bp.blogspot.com/-wxK5Jw7fZQw/T9r7w0sl9RI/ AAAAAAAAAuo/6G6sR_PoIEQ/s1600/nalesnik2a.jpg _238 Spinatsuppe[zupa szpinakowa] Quelle: s1092.photobucket.com/user/maggiesychta/media/spinachsoup.jpg. html


_239 Kohlroladen [golabki] Quelle: http://traitdunion-online.eu/fashioninbilbao/files/2010/11/Golabki_ ziemniakow_32028571.jpg _240 Erbsensuppe [grochowka] Quelle: https://www.eismann.de/typo3temp/products/19915details__7352_ XXL.jpg _241 schlesische Klöse [kluski slaskie] Quelle: http://pozytywnakuchnia.pl/files/2011/02/kluski-slaskie.jpg _242 Gulasch [gulasz] Quelle: https://www.winiary.pl/potrawy.aspx/44409/gulasz _243 Piroggen [pierogi] Quelle: http://www.finecooking.com/cms/uploadedimages/Images/Cooking/ Articles/Issues_121-130/051121071-01-beef-short-rib-pierogi-recipe_xlg.jpg _244 Sauerkrautsuppe [kapusniak] Quelle: http://media.kuechengoetter.de/media/78/12078221574950/8338-0919_51_2_det_001.jpg _245 Lokalisierung des Lieferanten für Eier in Breslau für bestimmte Speisen aus der Karte. _246 Lokalisierung des Lieferanten für Fleischprodukte in Breslau für bestimmte Speisen aus der Karte. _247 Lokalisierung des Lieferanten für Gemüse in Breslau für bestimmte Speisen aus der Karte. _248 Lokalisierung des Lieferanten für Getreideprodukte in Breslau für bestimmte Speisen aus der Karte. _249 Lokalisierung des Lieferanten für Milchprodukte in Breslau für bestimmte Speisen aus der Karte.

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_250 Lokalisierung des Lieferanten für Nüsse in Breslau für bestimmte Speisen aus der Karte. _251 Lokalisierung des Lieferanten für Obst in Breslau für bestimmte Speisen aus der Karte. _252 Typische Anzeigetafel mit Gerichten in einer polnischen Milchbar. Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/c4/Bar_piast.jpg _253 Logo der Milchbar - frei übersetzt: ‘Süppchen am Kamin’ _254 Lokaler und regionaler Bezug des Jugendhauses. _255 Restaurant ‘Dos Palillos’ in Berlin mit offener Küche und direkt angrenzendem Sitzbereich für Gäste. Quelle: http://www.restaurants-berlin.com/de/restaurant/Dos_Palillos 348

_256 Zwischenentwurf für ein Raumprogramm. Die hier nicht eigens nachgewiesenen Abbildungen stammen von der Autorin.


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8.2 Literaturverzeichnis

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Ein Jugendhaus jenseits der Oder. Masterthesis Nathalie Gozdziak  

Wie baut man für Jugendliche, die kein eigenes Zuhause mehr haben? Was unterscheidet deutsche und polnische Jugendwohnheime und wie kann ein...

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