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ÜBERALL – BLOSS Bewusstseinserweiterung durch Technik? Ein kritischer Blick offenbart: Leider ist das Gegenteil der Fall.
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Rob erdo Rav al
er Wert auf gesunde Ernährung legt, sollte nicht nur darüber nachdenken, was er isst. Denn die Entscheidung darüber, was nur selten oder vielleicht gar nicht auf dem Speisezettel stehen sollte, ist genauso wichtig. Das Gleiche gilt für alle, die langfristige, alltagskompatible B e w u s s t s e i n s e r w e i te rung betreiben möchten, Raumgestaltung fürs Oberstübchen. Auch sie sollten sich fragen, was dafür geeignet und was eher kontraproduktiv ist. In diesem Sinne geht es im Folgenden ausnahmsweise nicht um Bewusstseinserweiterung, sondern gewissermaßen um Bewusstseinsverengung: um die Allgegenwart von Smartphones und die durch sie repräsentierte Allgegenwart von Sozialen Medien wie Facebook, Twitter oder Instagram. Wie fortgeschritten dieses Phänomen bereits ist, das brachte die Kolumne von Roger Liggenstorfer in der letzten Ausgabe trefflich-humorvoll auf den Punkt: Ein Großteil der Bevölkerung erfüllt mittlerweile die klassischen Kriterien einer Sucht. Für einen bewussten Lebensstil im Hier & Jetzt, dem wir uns hier im Heft ja immer wieder widmen, ist dies eine problematische Entwicklung. Wir treffen auf der Straße einen Nachbarn, den wir länger nicht gesehen haben. Mit leuchtenden Augen
erzählt er uns, dass seine Katze Junge bekommen hat. Das haben wir natürlich schon vor zwei Wochen durch seine begeisterten Postings auf Facebook erfahren. «Alle sind schwarz, nur ein Kätzchen ist schneeweiß!» Auch das ist uns dank der Videos und Fotos, welche die Runde machten, bereits bekannt. Und so geht es weiter. Es ist zwar schön, ihn wieder mal zu treffen, aber das Gespräch wirkt irgendwie gestellt, denn wir tauschen nicht wirklich Neuigkeiten aus. Es fehlt die Überraschung – und mit ihr unsere Fähigkeit, Begeisterung aus dem Hier & Jetzt zu schöpfen. «Happiness is only real when shared»: Nur geteiltes Glück ist echtes Glück. Bis vor ein paar Jahren war dies eine immer wieder zitierenswerte Moral aus dem Bestseller Into The Wild über das Leben und den Tod eines jungen Aussteigers. Denn so schön es auch sein kann, alleine inmitten der Natur zu sein – wir sind soziale Wesen, und es ist die Interaktion mit anderen, die unser Leben wirklich erfüllt. Was uns zurück zum Katzennachwuchs unseres Nachbarn bringt: Was ist denn falsch daran, dass er sein felines Glück auf Facebook und Instagram teilt? Ist es nicht genau
Es fehlt die Fähigkeit, Begeisterung aus dem Hier & Jetzt zu schöpfen.