MFG - Das Magazin / Ausgabe 81

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MFG Ausgabe 06/22

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JOHANNES REICHL

A

NO FUTURE POLITIK

ls Bürger ertappt man sich bisweilen bei der ungläubigen Frage „Das gibt es noch nicht?“ So ist es mir zuletzt in einem Gespräch mit Umweltexperten der Stadt ergangen, als diese darauf hinwiesen, dass es im Magistrat keine über den Abteilungen stehende, diese koordinierende Klimaschutz-Stelle gibt. St. Pölten ist dabei übrigens keine Ausnahme, sondern die Regel, dabei wäre ein derartiger Gralshüter des Klimaschutzes eminent wichtig. Und zwar nicht nur für die Belange der Verwaltung selbst, sondern im Hinblick auf alle Bereiche der Stadt. Die Politik sollte also gleich eine eigene vollwertige Klimaschutzabteilung samt dementsprechenden Ressourcen, Manpower, Macht und Expertise einrichten, die nach einem klaren Programm generalstabsmäßig vorgeht. Allein – auch ein solches sucht man vergeblich. Es gibt zwar gute Konzepte, Leitbilder, Strategien etc., die jeweils verschiedene Materien behandeln, aber den einen Generalstabsplan, der vorgibt, was wann wie von wem umgesetzt werden muss – Fehlanzeige. Der erst diesen März vorgestellte Masterplan, der in schönstem „Marketingdeutsch“ die Vision einer „Green_Cool City“ zeichnet, könnte – so er vom Vagen ins Konkrete transformiert wird – zu einer solchen Roadmap werden. Dazu bedürfte es freilich, und das ist die eigentliche Krux, endlich einer gesetzlichen Grundlage, auf der ein solcher Plan konkret, zielorientiert und juristisch abgesichert aufbauen könnte. Doch die österreichische Bundesregierung schafft es seit über 500 Tagen nicht, ein neues Klimaschutzgesetz zu verabschieden, das den Klimafahrplan bis 2040 samt konkreten Emissionsreduktionszielen und Verantwortlichkeiten festlegt. Ebenso lassen das Energie-Effizienzgesetz, das den Energiefahrplan definiert sowie das Erneuerbaren Wärmegesetz, das den Ausstieg aus Gas- und Ölheizungen regelt, auf sich warten. Stattdessen werden die schon lange vorliegenden Entwürfe torpediert, zuletzt wieder von der Industriellenvereinigung, die von einer „roten Linie“ sprach, wenn Klimaschutz in Verfassungsrang gehoben

würde – aber genau das muss passieren, weil Klimaschutz nur dann auch einklagbar und damit verbindlich wird. Ohne Druck und Gesetze wird’s nicht gehen – ebensowenig ohne monetäre Belastungen oder Anreize, weshalb auch die CO2-Bepreisung absolut Sinn macht. Wenn es im Börserl weh tut, dann ist man rascher bereit, etwas zu verändern – der gute Wille allein reicht nicht aus. Das sieht man aktuell schön im Privatbereich, wo viele – meinereiner eingeschlossen – erst angesichts steigender Energiepreise nicht schnell genug aus Gas aussteigen können. Diese „Schau-ma-moi-donn-seng-ma-eh“-Mentalität“ drängt sich auch bei der Debatte rund um ein etwaiges Öl- und Gasembargo auf, allein schon deshalb, weil sie nur aus diesem Blickwinkel diskutiert wird. Der freiwillige Verzicht auf russisches Gas ist aber nur die eine (unwahrscheinlichere) Variante, das Abdrehen des Gashahns durch Russland selbst hingegen die andere, weit realistischere. Darauf scheint sich die Regierung aber nicht wirklich vorzubereiten, was ungut an das verpfuschte CoronaManagement im letzten Herbst erinnert. Keiner weiß, wer wann und in welcher Reihenfolge im worst case vom Gasnetz getrennt wird, und es beschleicht einen die bange Vermutung – nicht einmal die Regierung selbst. Das einzige, was diese populistisch trommelt, ist das Sedativum „aber die Privathaushalte bleiben am Netz“, wie überhaupt die Bürger, vulgo Wähler nicht wirklich in die Pflicht genommen werden. Der Appell, in der Heizperiode etwa ein, zwei Grad zurückzudrehen – in Österreich war er nicht zu hören. Deswegen würden wir noch lange nicht „frieren für die Ukraine“, aber wir trügen jedenfalls etwas zum Klimaschutz bei. Und das wäre nicht einmal ein Akt der Solidarität, wie es manche noch immer missverstehen, sondern reinster Egoismus, denn es geht um unsere eigene Gesundheit, unseren Wohlstand, unsere Zukunft. Kommen wir nicht bald in die Gänge, wird es eine solche nicht geben – zumindest nicht so, wie wir sie uns wünschen.

Offenlegung nach §25 Medien-Gesetz: Medieninhaber (Verleger): NXP Veranstaltungsbetriebs GmbH, MFG - Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten. Unternehmensgegenstand: Freizeitwirtschaft, Tourismus und Veranstaltungen. Herausgeber/GF: Bernard und René Voak, in Kooperation mit dem Kulturverein MFG. Grundlegende Blattlinie: Das fast unabhängige Magazin zur Förderung der Urbankultur in Niederösterreich. Redaktionsanschrift: MFG – Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten; Telefon: 02742/71400-330, Fax: 02742/71400-305; Internet: www.dasmfg.at, Email: office@dasmfg.at Chefredakteur: Johannes Reichl Chefredakteur-Stv.: Michael Müllner Chefin vom Dienst: Anne-Sophie Müllner Redaktionsteam: Thomas Fröhlich, Sascha Harold, Johannes Mayerhofer, Michael Müllner, Andreas Reichebner, Thomas Schöpf, Beate Steiner, Thomas Winkelmüller Kolumnisten: Thomas Fröhlich, Michael Müllner, Tina Reichl, Roul Starka, Beate Steiner, Thomas Winkelmüller Kritiker: Helmuth Fahrngruber, Thomas Fröhlich, David Meixner, Michael Müllner, Clemens Schumacher, Manuel Pernsteiner, Michael Reibnagel, Christoph Schipp, Robert Stefan, Thomas Winkelmüller Karikatur: Andreas Reichebner Bildredaktion: Matthias Köstler, Hannah Strobl Cover: Adobe Stock Art Director & Layout: a.Kito Korrektur: Anne-Sophie Müllner Hersteller: Walstead NP Druck GmbH Herstellungs- und Verlagsort: St. Pölten Verlagspostamt: 3100 St. Pölten, P.b.b. Alle Rechte, auch die Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2. Urheberrechtsgesetz, sind vorbehalten. Alle Angaben ohne Gewähr. Für den Inhalt bezahlter Beiträge ist der Medieninhaber nicht verantwortlich.


KLIMASCHUTZ IN ST. PÖLTEN – Seite 8

EDITH GOLDEBAND – Seite 22

CAMPING IN ST. PÖLTEN – Seite 42

HAUPTSACHE KULTUR – Seite 50

DER FABELHAFTE MR. STRAUSS – Seite 74

BOGENSPORT IN POTTENBRUNN – Seite 80

Editorial In was für einer Stadt leben wir

3 6

36 Die Chance vom Fass aus Elfenbein 38 Ich träumte von braunen Pferden 42 Reiselust meets Sesshaftigkeit

URBAN 7 8

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Shortcut Urban „Wir müssen weg von dieser Verzichtsdebatte“ Die Mühle steht Wieviel Wald braucht eine Stadt? Optimieren statt skandalisieren Cyber Defense Kann der Held denn Sünder sein?

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Parzival nach Wolfram von Eschenbach

Ein Volksfeind

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Shortcut Kultur Hauptsache Kultur Sagenhaft! Erinnerungen an Nitsch Auf den Elvis-Putz hauen Sommerfestivalguide

80 Bogensport in Pottenbrunn 82 83 84 86

Kritiken Veranstaltungen Außensicht Karikatur

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2. SEPTEMBER 2022

Drei Schwestern von Anton Tschechow

72 Shortcut Szene 74 Der fabelhafte Mr. Strauß

KULTUR

SPIELZEIT 22/23 Schachnovelle von Stefan Zweig Reigen

SZENE

Ein Apartment auf dem Uranus nach Paul B. Preciado

Don Quijote

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Pygmalion

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… in der Jekyll & Hyde gespielt wird. Wurde von vielen massiv ein Gestaltungsbeirat als Wahrer der baulichen Identität gefordert, so ist manch Fürsprecher – nachdem das Gremium seine Arbeit aufgenommen hat – plötzlich gar nicht mehr so begeistert. Teils aus persönlicher Betroffenheit, teils auch aus offensichtlichen Kinderkrankheiten: So ist die Rede von Verzögerungen bei Verfahren, weil der Beirat ursprünglich zu selten tagte, zudem – was sich als kontraproduktiv erwies – wurde er in bereits laufende Projekte eingebunden, was unweigerlich zu „Bröseln“ führte. Schließlich kommt auch der Vorwurf, die Verwaltung würde sich quasi hinter dem beratenden Gremium „verstecken“ und alle Empfehlungen 1:1 übernehmen. Jens de Buck, Leiter der Abteilung Stadtentwicklung, räumt ein, dass mit der neuen Instanz auch teils neue Projektabläufe einhergingen, die sich zwischen Fachabteilungen, Beirat, Bauerwerbern und Planern einspielen mussten. „Überdies sei angemerkt, dass sich der Gestaltungsbeirat aus anerkannten Experten zusammensetzt, deren objektiv profunde Expertise einen fachlich hohen Maßstab für die Magistratsbediensteten darstellt.“ Kurzum, er macht das, wofür er installiert wurde – und er macht es, wie de Buck überzeugt ist, gut: „Im nunmehr zweiten Jahr ist das ‚Einspielen‘ der Abläufe und der frühzeitigen Projektbehandlung überaus positiv feststellbar.“ 6

... in der es die Whopper-Kette scheinbar irgendwie schwer hat. Wir erinnern uns, Brunngasse, 2008: Burger King in St. Pölten, das stand für mehr Urbanität und globale Esskultur – na gut, zumindest für etwas „Normalität“, wie man sie halt aus richtigen Städten vom Urlaub kannte. Oder halt aus Wien. Doch bald hörte man von Lüftungsanlagen und Behörden und schon war das Lokal dicht, bis sich Jahre später Gerüchte über ein Comeback im Stile Lazarus‘ verdichteten... und tatsächlich – an der Mariazeller Straße eröffnete 2019 wieder ein Burger King. Nun, mittlerweile ist er wieder dicht. Ein Nachbar beanstandete Verfahrensfehler und die Art der Lärmmessung, somit war die Betriebsanlage nur befristet genehmigt und das Landesverwaltungsgericht (LVwG) zuständig. Doch dieses entschied nicht. Ein vorgelegtes Sachverständigengutachten wurde nicht akzeptiert, das vom Gericht bestellte ist noch ausständig: zuerst Corona, dann eine Panne bei einer Lärmmessung… So kam es, dass die befristete Genehmigung auslief, bevor das LVwG in der Sache entschieden hatte. Der Verwaltungsgerichtshof hat nun aufgetragen, bis Ende Juni zu entscheiden, ein nächster Termin sei bereits fixiert. Burger King steht parat: Die Mitarbeiter seien nicht gekündigt, sondern in anderen Restaurants eingesetzt. Bei grünem Licht werde man St. Pölten binnen Stunden hochfahren.

... in der Personalleasing-Firmen ein Viertel der Kommunalsteuer zurückbekommen können. So beschloss der Gemeinderat in seiner April-Sitzung eine Förderung zum Fortbestand einer St. Pöltner Personalfirma in Höhe von mehr als 21.000 Euro, was die Grünen ambivalent sahen. Worum geht es dabei überhaupt? Die Kommunalsteuer zahlt ein Arbeitgeber an die Gemeinde, in der die Arbeitnehmerin oder der Arbeitnehmer tätig ist. Eine Stadt mit vielen Jobs freut sich somit über hohe Kommunalsteuer. Bei Personalleasing-Firmen gilt das aber erst, wenn das Dienstverhältnis sechs Monate dauert. Bei kürzeren Überlassungen geht es nach dem Sitz der Leasingfirma. Und da sagt St. Pölten nun: Gründet einen Standort, rechnet das Personal hier ab, verschafft uns zusätzliche Kommunalsteuer – dafür könnt ihr euch mittels Förderung ein Viertel zurückholen. Die relevante Förderrichtlinie dazu wurde im Juni 2019 im Gemeinderat einhellig beschlossen. Nun kann man zu Personalleasing-Firmen stehen, wie man will, aber aus Sicht der Stadt ist das ein durchaus schlüssiger Ansatz. Heikel wird es aber, wenn die Nachbarn auch nicht auf der „Nudelsuppen“ dahergeschwommen sind und fragen: „Darf’s ein bisserl mehr (Rabatt) sein?“ Ein Standortwettbewerb um Arbeitgeber – mit möglichst niedrigen Steuern? Ob wir das in Österreich noch erleben werden?

FOTOS ADOBE STOCK, REICHL

IN WAS FÜR EINER STADT LEBEN WIR EIGENTLICH ...


FOTOS: ADOBE STOCK

MEHR ALS EIN DACH ÜBER DEM KOPF

KOLUMNE MICHAEL MÜLLNER

MONEY LEFT TO BURN

D

er russische Angriffskrieg hat viele Ukrainer zur Flucht gezwungen. 424 (Stand 25. Mai) davon sind in St. Pölten gelandet „davon 146 Kinder bis 16 Jahre, 219 Frauen und 59 Männer“, wie es aus dem Magistrat heißt. 57 Kinder gehen in eine Pflichtschule, 17 in einen Kindergarten. Untergebracht sind die Flüchtlinge vielfach in Privatquartieren, Kapazitäten sind aktuell kein Problem. „Plätze, die es künftig

brauchen wird, wird es auch geben!“ Wobei es nicht nur um ein Dach über dem Kopf geht. „Wir unterstützen die Flüchtlinge, indem wir alle Infos auch auf Ukrainisch auf der Webseite zur Verfügung stellen. Zudem helfen uns einige Personen aus der bestehenden ukrainischen Community, die ihre Landsleute bei Behördenwegen begleiten. Abgesehen davon versuchen wir zu helfen, soweit uns das irgendwie möglich ist.“

SA G M I R W O D I E H A L L E IS T ?

D

ie Anrainer im Westen der Stadt klagen nach wie vor über Geruchsbelästigung durch die Deponie „Am Ziegelofen“. Im Juni 2021 beschloss der Gemeinderat vollmundig, dass die Betreiberfirma Zöchling – im Gegenzug für eine Grundstückserweiterung – eine neue Halle zur Eindämmung der Geruchsproblematik bauen muss. Auf Nachfrage war freilich zu erfahren, dass noch nicht einmal die Verhandlungen, geschweige denn der Kaufvertrag abgeschlossen sind. Es heißt also „Bitte warten!“, denn „die Errichtung der Halle ist nach abgeschlossenem Kauf und behördlicher Genehmigung möglich“, so Geschäftsleiter Rainer Adami, der

auf diverse Geruchsvermeidungsmaßnahmen wie „Abdichtung der Halle, Abluftreinigung, mobiles Geruchsbindesystem, Immissionsschutzwall“ verweist. Ohne neue Halle dürfte für die Anrainer aber trotzdem ein Sommer wie damals ins Haus stehen.

Noch immer geht die Welt unter und nun könnte es dann endlich mal vorbei sein. Nach Finanz-, Euround Staatsschuldenkrise findet jetzt diese unsägliche Corona-Plage mit all ihren Nebenwirkungen ein Ende. Lieferkettenstörung, Fachkräftemangel, Rohstoffknappheit, Energiekostenanstieg. Und da rede ich noch gar nicht von den wirklichen Problemen. (Ob unser staatspolitisches System ein strukturelles Korruptionsproblem hat, oder ob das eh bloß eine Vertrauenskrise ist, habe ich euch gefragt?! Und wieso wir weiterhin Tag für Tag um ein Schweinegeld dem Kriegsverbrecher seine Scheißrohstoffe abkaufen, wenn wir damit eh nur den Planeten zerstören?) Aber die größte Frechheit, das ist ja wohl diese Inflation. Da stagnieren die Preise über Jahre hinweg und der größte Schund wird billiger und billiger. Und dann, zack: wird alles teurer und teurer! Ja geht’s noch? Am Ende streichen die Leute am Kassazettel noch den ganzen Schas rot an, der sie täglich ärmer macht, aber auf den sie problemlos verzichten könnten?! Das wäre den Ärmsten der Armen nicht zuzumuten! Denkt niemand an die armen Finanzminister, die nicht mehr wissen, wohin mit der ganzen Marie aus Umsatz- und Lohnsteuerplus? Ja, richtig, es ist eine Schande, dass Menschen an Armut leiden. Doch hier spreche ich von bewussterem Konsum. Gezielt sinnlose Dinge weglassen, dafür sich gönnen, was einem guttut. Statt dem TschickPackerl doch Biofleisch? Statt dosenweise Zuckerwasser, ein frischgezapftes Bier mit Freunden. Menschlichen Service schätzen, anstatt online ordern. Es geht.

MFG 06 22

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„WIR MÜSSEN DIESER VERZI Eigentlich bin ich mit dem Leiter des Umweltreferates Thomas Zeh verabredet. Doch als ich die Tür öffne, begrüßen mich auch Erwin Ruthner und Mario Schoderböck von der Fernwärme GmbH sowie der Leiter der Stadtentwicklung Jens de Buck, und im Laufe des Gesprächs wird klar, dass noch weitere Experten gut in die Runde passen würden. Klimaschutz durchdringt schlicht alle Bereiche der Stadt. Wir sprachen über Strategien, die Angst der Politik vor vermeintlich unpopulären Maßnahmen, horrend gestiegene Energiepreise und warum Klimaschutz eine Chance ist. Klimaschutz – das sieht man an dieser bunten Runde – ist eine absolute Querschnittmaterie. Auf welcher Grundlage wird das Thema eigentlich behandelt? JENS DE BUCK Vieles in diesem Kontext baut auf das integrierte Stadtentwicklungskonzept aus dem Jahr 2017 auf – damals war der Klimawandel als Thema zwar noch nicht so zentral, floss aber natürlich schon in die Überlegungen mitein.

EXPERTIEN. Energie- und Umweltmanager Thomas Zeh (vorne), im Hintergrund Mario Schoderböck. 8

Was beinhaltet das Stadtentwicklungskonzept? DE BUCK Es fasst alle raumrelevanten sektoralen Planungen der Stadt, wie das Landschaftskonzept, Generalverkehrskonzept, Themen der Energieraumplanung oder Baulandbedarfserhebungen zusammen und definiert die Zielsetzungen der Stadtentwicklung für die nächste Dekade. Da geht es etwa um notwendige Durchlüftungsachsen in der Stadt, um Grünraumausstattung wie Parks, Spielplätze, Grünflächen in Wohngebieten etc., Freihaltezonen entlang der Traisen und den Mühlbächen, den Schutz und die Berücksichtigung topographischer Raumstrukturen, wie den östlichen und westlichen Wagram. Die Kernfragen sind: Wo kann sich die Stadt weiter entwickeln, welches Wachstum ist verträglich, wo und wie sind städtebauliche Erweiterungen und Umstrukturierungen sinnvoll und notwendig, welche Strukturen sind zu schützen und zu erhalten, auch unter dem Gesichtspunkt der wachsenden klimatischen Herausforderungen.

Können Sie ein Beispiel nennen, das auf dieser Basis konkret in Umsetzung gekommen ist? DE BUCK Ein Beispiel wäre die Neuerrichtung einer Parkanlage im Norden der Stadt, einem Stadtteil mit überdurchschnittlich hoher Bebauungsdichte und geringer Grünraumausstattung – der Sturm 19 Park. Durch die Auflösung des gleichnamigen Fußballklubs wurde das Areal frei und damit eine Nutzung im Sinne des Landschaftskonzeptes möglich. Im Verkehrsbereich gäbe es natürlich 100.000 Beispiele – diese Büchse möchte ich hier


TEXT: JOHANNES REICHL | FOTOS: HANNAH STROBL, MAGISTRAT/BEARBEITUNG SCHIPP

WEG VON CHTSDEBATTE“

gar nicht öffnen. Was mich interessiert: Wie ist die Stadt im Hinblick auf den eigenen Fuhrpark klimatechnisch aufgestellt? THOMAS ZEH Nicht schlecht! Im PKWBereich erfolgt seit geraumer Zeit sukzessive der Umstieg auf E-Mobilität. Derzeit sind rund zehn EAutos im Einsatz, für heuer ist noch

der Ankauf von drei bis vier weiteren geplant. Wo es Sinn macht, wird die E-Mobilität forciert. ERWIN RUTHNER Bei großen Fahrzeugen wie LKWS, Maschinen etc. ist der Umstieg aber noch nicht so ausgereift. Vor allem im Winter – denken wir an den Streudienst – können diese Fahrzeuge im Vergleich zu konventionellen noch nicht die

Bereits das Bekenntnis zum Erhalt ist als ein aktives Umsetzen, als bewusster Akt im Sinne des Klimaschutzes zu begreifen. JENS DE BUCK

gewünschte Leistung bringen, zudem sind sie in der Anschaffung praktisch doppelt so teuer. Wir beobachten aber diverse Pilotversuche in anderen Städten – in Wien zum Beispiel hat man, wissenschaftlich von der TU begleitet, aktuell drei Müllfahrzeuge mit E-Antrieb im Einsatz. Das ist aber eher noch als Imageprojekt zu betrachten, denn die Effizienz lässt noch zu wünschen übrig, wenngleich die Entwicklung mittelfristig sicher bald vernünftige Lösungen bringen wird. DE BUCK Bringen muss! Nehmen wir den LUP – das Thema öffentlicher Verkehr. Da schreibt die „Green Vehicle Directive“ der EU vor, dass der öffentliche Verkehr in den nächsten Jahren emissionsfrei werden muss! Das heißt, wir müssen das bei der Vorbereitung und Planung der nächsten Ausschreibung für den LUP, die 2027 ansteht, berücksichtigen und umsetzen. RUTHNER Wobei auch bei Bussen die E-Antriebe hinsichtlich Reichweite, Kosten, Leistungsfähigkeit im Vergleich noch hinterherhinken. Aber die Stadt ist dahinter, der Wille ist da. Weil Sie die EU-Direktive angesprochen haben. Nach welchen gesetzlichen Vorgaben muss sich die Stadt überhaupt richten? Das Klimaschutzgesetz lässt ja auf sich warten. DE BUCK Ja, stimmt. Es ist aber nicht so, dass wir uns nicht schon vorbereiten. So nimmt die Stadt aktuell am „fit4urbanmission“-Projekt teil, wo wir uns mit Fragen auseinandersetzen, welche Maßnahmen in den nächsten Schritten erforderlich MFG 06 22

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sind, um die Stadt auf die Herausforderungen des Klimawandels einzustellen. Worum geht es da? DE BUCK Im Zentrum steht die Frage, wie Kommunen ihren eigenen Betrieb im Hinblick auf Klimaschutz fit machen, CO2-neutral werden. Welche Vorschläge kommen da? Ein konkreter Vorschlag ist die Installierung einer eigenen Klimaschutzstelle in der städtischen Verwaltung, die koordinierend alle betroffenen Fachabteilungen an einen Tisch bringt und die die klimarelevanten Auswirkungen von Projekten im Blick behält. Wichtig ist zudem fachliche Expertise – wie wirkt sich DE BUCK

FERNWÄRME. Erwin Ruthner hofft auf Abfederung der Preiserhöhungen.

ERNEUERBARE ENERGIE IM STADTGEBIET ST. PÖLTEN

Photovoltaik 14 %

Wasserkraft 18 % Windkraft 68 %

• Windkraftanlagen: 19 Windkraftanlagen mit einer Leistung von rund 25 MW, die jährlich rund 55 GWh Strom produzieren. In Errichtung: drei Windkraftanlagen mit einer Leistung von 12,6 MW am Schildberg (eine auf Stadtgebiet St. Pölten, zwei auf Böheimkirchner Grund) • Wasserkraftanlagen: 22 Kleinwasserkraftwerke, die jährlich rund 15 GWh Strom produzieren. • Photovoltaikanlagen: Rund 1.000 Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von rund 11 MW in Betrieb, die jährlich ca. 11 GWh Strom produzieren. „Die jährlich produzierte Strommenge von Wind- und Wasserkraftanlagen bzw. Photovoltaikanlagen liegt somit bei rund 81 GWh. Dies entspricht von der Größenordnung her dem Stromverbrauch der St. Pöltner Haushalte!“, so Thomas Zeh.

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der Klimawandel auf die Stadt aus, wie muss die städtische Verwaltung hierauf reagieren, wie koordiniert man Maßnahmen auf unterschiedlichen Ebenen, welche Veränderungen und Umstellungen sind erforderlich etc. Welche Rolle spielt dabei der Masterplan – St. Pölten soll ja zur „green cool city“ werden, abgekürzt gesagt zu einer Klimaschutz-Vorzeige-Kommune. ZEH Der Masterplan ist ein erster Schritt, wo die relevanten Materien einmal geballt zusammengetragen sind, wo Ideen formuliert sind und auch mögliche Maßnahmen skizziert werden, die man als nächsten Schritt konkret auf die verschiedenen Bereiche und Stadtteile herunterbrechen muss. Mit diesen nächsten Schritten wird die Schlinge sinngemäß also enger gezogen, die Struktur wird klarer werden, und das ist wichtig! Wobei man ja manchmal den Eindruck gewinnt – nicht nur in St. Pölten – dass die Politik zwar auf Schiene ist, aber mitunter sehr zögerlich agiert. DE BUCK Da ist die Politik generell vielleicht manchmal noch zu sehr von Vorstellungen und teils Meinungsumfragen getrieben, dass man Angst hat, mit vermeintlich unpopulären Maßnahmen Wähler zu verprellen. Ich glaube aber, dass ein Großteil der Bürgerinnen und Bürger beim Thema Klimaschutz zunehmenden Handlungsbedarf erkennt und für damit verbundene Änderungen aufgeschlossener sind. Ist diese Furcht vielleicht auch der Grund, warum in der Debatte oft davon die Rede ist, was Institutionen alles leisten sollen, selten aber, was der einzelne Bürger beitragen kann? RUTHNER Ich glaub – jetzt aus rein persönlicher Sicht – das ist auch eine Generationenfrage. Jugendliche sagen, ich verzichte auf ein Festl, dafür investieren wir mehr in den Klimaschutz, während bei Älteren eher Reflexe kommen wie „ich lass mir


„WIR MÜSSEN WEG VON DIESER VERZICHTSDEBATTE“

mein Auto nicht wegnehmen“. Ein Gesinnungswandel ist in der Gesellschaft aber unübersehbar. Gehen wir vom Abstrakten ins Konkrete – was macht die Stadt, um Klimaschutz zu fördern? ZEH Es gibt, in Zusammenarbeit mit der Energie- und Umweltagentur des Landes NÖ, Infoabende zur Initiative „Raus aus dem Öl“. Bei diesen Abenden besteht zum Teil auch gleich vor Ort die Möglichkeit einer Energieberatung, die Grundlage für eine Förderung ist. Über „St. Pölten konkret“ geben wir laufend Energiespartipps, es gibt eine eigene Förderschiene für Anlagen zur Nutzung alternativer Energien, seit neuestem auch für Fernwärmeanschlüsse, sofern ein solcher möglich ist. Wir suchen den „Energiesparmeister“ – da sind alle Bürger eingeladen, ihre persönlichen Energiesparinitiativen vorzustellen. Der wird dann im Zuge der Pro Planet Week von 18. bis 23. Oktober im Cinema Paradiso gekürt. Dargeboten werden auch Filme, Podiumsdiskussionen, Vorträge etc. zu Umweltschutzthemen, insbesondere Klimaschutz. Im Bereich Gewerbe und Industrie – das steht an – möchten wir ebenfalls in Hinkunft Beratungsmöglichkeiten anbieten, wie man energietechnisch umrüsten kann, Energiegemeinschaften schließt etc. Die St. Pöltner Industriebetriebe müssen sich im Übrigen im Bereich Klimaschutz nicht verstecken: Die Firma Egger betreibt in St. Pölten eines der größten Biomassekraftwerke Österreichs und versorgt damit auch die Nachbarbetriebe mit Wärme, die EVN beschäftigt sich mit der Errichtung eines Biomassewerkes, dessen Energie auch in die Fernwärme eingespeist werden soll. Es tut sich also einiges. Und natürlich wollen gerade nahezu alle privaten Haushalte raus aus dem Gas. Was – in dieser beschleunigten Form – mit dem Ukraine-Krieg zusammenhängt und dem Damoklesschwert, dass Russland entweder den Gashahn zudreht oder umgekehrt die EU ein

Dieses Thema wird bei uns offen diskutiert, etwa mögliche Gewinne dafür zu nutzen, die Preise moderat zu gestalten bzw. die Erhöhung nicht in vollem Maße weiterzugeben. ERWIN RUTHNER

Gasembargo verhängt. Was wären die Folgen für St. Pölten? RUTHNER Zunächst führt die Verknappung zu einer weiteren Erhöhung der Preise, in Folge werden die Reserven angezapft – das heißt, der Prozess passiert nicht von heute auf morgen. Aber irgendwann gehen auch die Reserven zur Neige, und spätestens dann muss die Bundesregierung gewisse Bereiche der Wirtschaft – die Privaten sollen ja nicht betroffen sein – vom Netz nehmen. Welche es als erste trifft, ist aber noch nicht bekannt, es ist da immer wieder die Rede von Systemrelevanz.

sagen: Ganz ohne Gas – das etwa bei der Spitzenabdeckung in der Früh gebraucht wird – werden wir auch mittelfristig nicht auskommen. MARIO SCHÖDERBÖCK Wobei die Hoffnung besteht, dass auf Sicht ein weiterer Teil durch künstliche, klimafreundliche Alternativen ersetzt werden kann – da wird bereits intensiv an künstlichen Gasen auf Wasserstoffbasis geforscht. Das wird aber noch einige Zeit dauern! Schiefergas aus den USA kann auch nicht von einem Tag auf den anderen geliefert werden, zudem ist es gegenüber russischem Gas teurer und umweltschädlicher.

Die Preise sind ja bereits jetzt explodiert – aber nicht nur bei Gasheizungen, sondern auch bei der Fernwärme. Warum? RUTHNER Aufgrund des Energiemixes. Bei der Fernwärme kommen bislang 60 % der Energie aus Dürnrohr, also Verbrennung, 40 % kommen aber noch aus Gas. Dank neuer Heizkessel können wir diesen Anteil in Hinkunft auf 20 % und weniger senken! Aber, um das ganz klar zu

Das aktuelle Dilemma hat sich bei der Fernwärme ja zuletzt in einer massiven Erhöhung von 160 % gegenüber dem Vorjahr niedergeschlagen, was die Kunden von den Socken gehauen hat. RUTHNER Was ich total verstehe und uns auch extrem leid tut für die Leute. Aber die Erhöhungen machen wir ja nicht aus Jux und Tollerei. Im Vorjahr hatten wir etwa ein negatives Ergebnis, die Preisgestaltung hinkt dem sogar noch hinterher.

QUERSCHNITTMATERIE. Bei Jens de Buck laufen viele Fäden zusammen.

Wenn die Preise weiter steigen: Was halten Sie von der – auch auf Bundesebene gewälzten – Idee, dass etwaige Gewinne öffentlicher Energieunternehmen abgeschöpft werden? RUTHNER Dieses Thema wird bei uns bereits offen diskutiert, etwa mögliche Gewinne dafür zu nutzen, die Preise moderat zu gestalten bzw. die Erhöhung nicht in vollem Maße weiterzugeben – wir verstehen uns da natürlich als Gesellschaft mit öffentlicher Verantwortung, das MFG 06 22

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ENERGIEBEDARF (EXPERTENSCHÄTZUNG) DER LANDESHAUPTSTADT ST. PÖLTEN Der Endenergiebedarf Stand 2020 beträgt rund 8.050 TJ und teilt sich wie folgt auf. Inkludiert sind sämtliche Energieverbräuche, d.h. von Haushalten, Gewerbe, Industrie und Verkehr. Kohle spielt praktisch keine Rolle mehr (unter 1 %) und ist aus diesem Grund auch nicht mehr erfasst. Kohle 0 %, 0 TJ Biomasse 13 %, 1.065 TJ

Strom 20 %, 1.590 TJ

(Fern)Wärme 14 %, 1.159 TJ

Öl 31 %, 2.504 TJ

Gas 22 %, 1.732 TJ

NACH SEKTOREN STELLT SICH DAS VERHÄLTNIS WIE FOLGT DAR

Haushalte 21 %

Industrie/ Gewerbe 53 %

möchte ich einmal ganz klar festhalten. Wir selbst haben im Vorjahr – um die Dimensionen zu umreißen – für Gas das Sieben- bis Achtfache gegenüber 2020 bezahlt, also 700800 % mehr! Zudem müssen wir CO2-Zertifikate kaufen, die ebenfalls um das Dreifache gestiegen sind – da reden wir von gut einer 12

Verkehr 26 %

Million Euro, die wir ebenfalls nicht an die Kunden weitergeben. Das Hauptziel bleibt „Raus aus den fossilen Brennstoffen!“ ZEH Dekarbonisierung ist ein wesentliches Ziel in unseren KlimaschutzBemühungen – allen voran der rasche Ausstieg aus Gas. Es dämmert

einfach mittlerweile allen, dass wir handeln müssen, weil wir uns immer näher Richtung unumkehrbarer Kipppunkte bewegen. Gibt es im Energiebereich so etwas wie einen klaren Plan, nach dem die Stadt vorgeht? ZEH Wir haben das Energieleitbild aus dem Jahr 2009, in dem damals Ziele für 2020 formuliert wurden – davon hat vieles noch Gültigkeit, wenngleich es natürlich laufender Anpassungen bedarf. Aber Maßnahmen wie Gebäudesanierungen, Dämmungen, Ausweitung der Fernwärme, Umstieg auf erneuerbare Energie etc. waren schon damals festgeschrieben. RUTHNER Oft gibt es auch Ziele, die gar nicht so leicht überall umsetzbar sind. Nehmen wir etwa die Frage von Photovoltaik-Anlagen auf öffentlichen Gebäuden, insbesondere auch im Hinblick auf die Nachrüstung. Hier stellt sich bisweilen heraus, dass die Last für das Dach schlicht zu groß ist, oder eine Nachrüstung völlig unrentabel. Prinzipiell setzt die Stadt aber, wo möglich, auf erneuerbare Energien, bestmögliche Dämmung etc., da braucht man sich nur Neubauten wie Schulen, Kindergärten etc. ansehen. Es geht schon etwas weiter. Vielen aber nicht schnell genug, wie zum Beispiel Fridays For Future. Wie ist die Zusammenarbeit mit den NGOs? ZEH Da haben wir das Umweltschutzkomitee. Es ist die Idee des Komitees Vereinen und Organisationen die Möglichkeit zu geben, ihre Vorstellungen und Ideen an die Politik und Verwaltung heranzutragen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Wir sind gerade dabei das Umweltschutzkomitee neu zu strukturieren. Es wurden viele Vereine, wie beispielsweise auch Fridays For Future oder der Verein vom Sonnenpark eingeladen und es freut mich, dass sie gekommen sind. Da sind jetzt viele junge, engagierte Menschen mit hoher Expertise mit an Bord. Einer der Vertreter von


„WIR MÜSSEN WEG VON DIESER VERZICHTSDEBATTE“

Fridays For Future ist etwa ausgebildeter Energietechniker – also die wissen schon, wovon sie reden. Letztlich geht es darum, mit den NGOs in regelmäßigen Dialog zu treten, Meinungen und Anregungen auch von außen hereinzuholen – das ist sehr wichtig und bringt uns in der Sache weiter. Wobei die Politik diese fordernden Stimmen ja bisweilen als Bedrohung wahrzunehmen scheint. Sind diese umgekehrt für Experten wie euch Verbündete im Kampf für Klimaschutz? ZEH Der Druck ist sicher größer geworden, und er wird noch weiter steigen. Aus Gesprächen mit der Stadtpolitik glaube ich aber sagen zu können, dass das Thema von der Politik nicht nur wahrgenommen wird, sondern ihr auch sehr wichtig ist. Wesentlich ist, dass der Zug in

die richtige Richtung fährt. In dem Zusammenhang denke ich, dass wir nicht immer nur diskutieren sollten, was „das Beste“ ist, sondern es geht darum, wie ich die Dinge schnellstmöglich in die richtige Richtung lenke, also zur Umsetzung komme. Welche Hilfestellungen leiste ich, welche Maßnahmen setze ich, um den Bürgern einen Umstieg – zum Beispiel vom Auto auf Öffis – zu ermöglichen. Und man muss weg von dieser Verzichtsdebatte und die positiven Effekte herausstreichen. Wenn ich mehr zu Fuß gehe und Rad fahre, fühle ich mich vielleicht fitter als vorher. Wenn ich mein Haus ordentlich dämme, wird es auf Sicht nicht nur billiger, sondern das ganze Raumklima wird behaglicher. Das heißt, die Lebensqualität steigt. Klimaschutz ist also keine Belastung, sondern eine Chance – auf allen Ebenen!

KOLUMNE BEATE STEINER

SPRACHKULTUR

CO 2 -EMISSIONEN ST. PÖLTEN Die Abbildung zeigt die Entwicklung der CO2-Emissionen der Stadt in Tonnen CO2 aufgeteilt nach Sektoren für 2005 und 2020 bzw. die auf Basis des Energiekonzeptes für 2020 prognostizierten CO2-Emissionen. Diese sind bei den Haushalten gesunken, der Verkehr ist unverändert,

600.000 500.000 400.000 300.000 200.000 100.000 0 2020 ohne Konzept

Verkehr

Haushalt

2020 mit Konzept

2020 Ist

Gewerbe, Handel, Industrie

Klimaschutz ist keine Belastung, sondern eine Chance – auf allen Ebenen! THOMAS ZEH

FOTO ADOBE STOCK

2005

Das Deppenapostroph hat‘s geschafft – es ist salonfähig geworden. Also fast. Der Duden sagt zwar noch immer, dass es im Deutschen kein Genitiv-S mit Apostroph gibt. Aber diese oberste Instanz für eine korrekte Sprache toleriert das hochgestellte Stricherl, um einen Eigennamen hervorzuheben. Zum Beispiel: „Oma’s Küche“ geht gar nicht, „Gerti’s Küchenkastl“ am Türschild ist akzeptabel, weil’s dem Marketing dient. Ja eh, es ist ziemlich egal, wie etwas geschrieben ist, wenn der Leser versteht, was der Schreiberling mitteilen will. Der sollte allerdings wissen, was er aufs Papier bringt oder ins Netz stellt – oder sich im Zweifelsfall vorher informieren. Ganz beliebt derzeit, auch in heimischen und bekannten Medien: „dabei waren unter anderem“. Das ist erstens eine unnötige Füllphrase und zweitens einfach diskriminierend, weil: Unter anderem bezieht sich auf Dinge, unter anderen auf Menschen. Weniger unserer Sprachkultur, sondern mehr der Intuition von Autoren unterworfen sind auch Groß- und Kleinschreibung und Beistriche, was allerdings in vielen Fällen sinnverändernd sein kann. „Er will, sie nicht.“ Versus: „Er will sie nicht.“ Das ist kein Luxusproblem. Wenn der Empfänger falsch versteht, was der Sender mitteilen will, dann entsteht nämlich ein Problem: „Du isst Schoko in Massen“ klingt wie ein Vorwurf, „du isst Schoko in Maßen“ wie ein Lob. Und außerdem: Wie kommen die armen Schüler dazu, schlechte Noten für „Großartig Feiern“ zu kassieren, wenn sie das so im Netz gelesen haben? Wem sollen sie nun glauben – der Frau Lehrerin oder den Medien?

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„WIR MÜSSEN WEG VON DIESER VERZICHTSDEBATTE“

SOLLEN ETWAIGE GEWINNE DER FERNWÄRME ABGESCHÖPFT WERDEN?

CHRISTINA ENGELUNTERBERGER Die Grünen St. Pölten

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ie stark gestiegenen Energiepreise haben zuletzt auch die Kommunalpolitik beschäftigt, und spätestens seit auf Bundesebene laut darüber nachgedacht wird, etwaige Gewinne öffentlicher Energieversorger abzuschöpfen, wird dies von manchen – neben anderen Maßnahmen – auch für die Fernwärme GmbH St. Pölten gefordert. Diese ist zu 51 % im Besitz der Stadt St. Pölten und zu 49 % im Besitz der EVN, an der wiederum das Land NÖ mit 51 % beteiligt ist. Bereits im Jänner-Gemeinderat brachte die FPÖ aufgrund einer Tariferhöhung von knapp 160 % bei der Fernwärme einen Dringlichkeitsantrag für eine Resolution ein, demnach das Land NÖ den Heizkostenzuschuss – wie die Stadt St. Pölten – in Reaktion auf gestiegene Energiepreise auf 250 Euro anheben soll. Für die Fernwärme wurde ein sofortiger Preisstopp gefordert, außerdem sollte die Erhöhung den Kunden im Form einer Gutschrift refundiert sowie die Preise auf jene von 1. Jänner 2021 zurückgenommen werden. „Hoffentlich können wir dies noch irgendwie gemeinsam abfedern, leider haben SPÖ, ÖVP, Grüne und Neos gegen meinen Antrag gestimmt“, so Klaus Otzelberger von der FPÖ. Wobei die meisten Parteien in eine ähnliche Kerbe schlagen. Florian Krumböck (ÖVP), der auf die Monopolstellung der Fernwärme verweist sowie einen kolportierten 14

FLORIAN KRUMBÖCK ÖVP St. Pölten

HARALD LUDWIG SPÖ St. Pölten

Gewinn von 2,7 Millionen Euro für 2022, fordert, „dass die Stadt St. Pölten zum Beispiel auf mögliche Gewinnausschüttungen durch die Fernwärme St. Pölten GmbH verzichten soll, die jedoch zweckgebunden für die Preisreduktion für Endkunden verwendet werden müssen.“ Ein Beispiel möge man sich am Verbund nehmen, „der seinen Kunden zwei Monatsrechnungen, besonders betroffenen sogar vier Monate erlässt.“ Mittelfristig müsse die Abkopplung vom Gas bei der Fernwärme – ebenso wie bei öffentlichen Gebäuden – das Ziel sein, wobei die ÖVP diesbezüglich einen konkreten „Plan der Stadtregierung, wie sie diesen Gasausstieg bei der Fernwärme schaffen will“, einfordert. Auch Christina Engel-Unterberger von den Grünen fordert konkrete Analysen. Nachdem die Fernwärme „bereits bei einer vergleichenden Analyse der Preisberechnung im Jahr 2016 aus Konsumentinnen- und Konsumenten-Sicht sehr schlecht abschnitt“, fordert sie die Stadt auf „die Grundlagen zur Preisberechnung durch Fachleute zu überprüfen und auf Basis der Analyse gegebenenfalls neu zu verhandeln“, zumal die „aktuelle Argumentation, die Preissteigerung sei ausschließlich dem Gaspreisindex zu verdanken, aus unserer Sicht zu kurz greift.“ 2/3 der Wärmelieferung kommen nicht aus Gas. Außerdem fordert sie im Hinblick auf Gebäude, insbesondere jene der

KLAUS OTZELBERGER FPÖ St. Pölten

Immobilien St. Pölten GmbH: „Die Gemeinde sollte hier besonders Sanierungen und Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz forcieren!“ Und auch eine Erhöhung der Richtsätze für Unterstützungen aus dem Bürgerspitalsfonds (aus dem u. a. der Heizkostenzuschuss finanziert wird, Anm.) halten die Grünen für ein Gebot der Stunde. SPÖ-Vizebürgermeister Harald Ludwig betont ein „ja zur Gewinnabschöpfung von staatsnahen Betrieben, insbesondere wenn sie mit Steuergeld durch Krisensituationen subventioniert wurden“, wobei er die aktuellen Entwicklungen auch als Ausfluss von „eklatanten Fehlentwicklungen des globalisierten Turbokapitalismus“ sieht und die aktuelle Preisentwicklung am Energiesektor nicht nur am Urkaine-Krieg liegt, sondern „nachweislich auch spekulativen Hintergrund hat.“ Im Hinblick auf die Fernwärme St. Pölten liege „die Krux wie immer im Detail. Die Fernwärme St. Pölten hat in der jetzigen, wie oben angeführten weltwirtschaftlichen Situation, gar keine Gewinne, die abgeschöpft werden können.“ Die Stadtpolitik setze vor allem „auf Förderung von mehr Energieautarkie, soziale Förderungen wie etwa dem Heizkostenzuschuss, die Modernisierung der städtischen Wohnungen, um Energiekosten zu reduzieren, sowie zahlreiche Maßnahmen zum Energiesparen im öffentlichen Bereich.“


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TEXT: JOHANNES REICHL | FOTO: ZOOMVP/SIGNA/MAURER

DIE MÜHLE STEHT Im Herbst wurde das Projekt „Rossmarkthöfe“ der SIGNA auf dem ehemaligen Leiner-Areal präsentiert. Bereits im Winter sollte mit den Abbrucharbeiten begonnen werden – allein, bislang steht die Mühle, und wie so oft kursierten bald Gerüchte, die als Bremsklotz den neuen Gestaltungsbeirat ausgemacht haben wollen. Wir fragten nach.

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ei SIGNA ist man auf Nachfrage quasi nach wie vor zum Sprung bereit und wartet „nur“ mehr auf den Abschluss der Änderungen des Flächenwidmungs- und Bebauungsplans. „Am Zug ist die Stadt“, stellt diesbezüglich SIGNA-Vorstand Claus Stadler unmissverständlich klar. Seitens des Magistrates bestätigt Stadtentwicklungs-Leiter Jens de Buck, die noch laufenden Raumordnungs-Verfahren, die aber „in der finalen Phase sind.“ Die Dauer des Verfahrens sei „bei dem Umfang des Projekts und seinen Herausforderungen ein völlig normaler Ablauf.“ Zudem verweist der Stadtplaner auf einen vorliegenden Abbruchbescheid für die nicht denkmalgeschützten Ge-

bäude am Gelände, „der durch den Grundeigentümer konsumierbar wäre.“ Hinter vorgehaltener Hand ist freilich zu hören, dass vor allem diverse Beanstandungen des neuen Gestaltungsbeirates zeitlich Sand ins Getriebe des RossmarkthöfeProjekts gestreut hätten, was Jens de Buck so nicht stehen lassen möchte. „Es war ein entsprechend umfangreicher Diskussionsprozess mit dem Gestaltungsbeirat erforderlich – insbesondere hinsichtlich der Fassadengestaltung am überaus sensiblen Rathausplatz und der städtebaulichen Einfügung dieses Großprojektes in die Struktur dieser zentralen Platzanlage. Der Gestaltungsbeirat hat hierzu mit dem Projektwerber und

Planer in zahlreichen Sitzungen um eine qualitativ ansprechende, gute Lösung gerungen.“ Eine, die letztlich auch – wie man aus den Worten Stadlers schließen kann – gefunden wurde, der auch kein schlechtes Wort verliert. „Die Zusammenarbeit mit dem Gestaltungsbeirat war konstruktiv und ist im Wesentlichen – bis auf eine notwendige Freigabe, die im Rahmen der Baubewilligung erfolgt – abgeschlossen.“ Im Hinblick auf das Gesamtprojekt und etwaige Holprigkeiten gibt sich der SIGNAVorstand pragmatisch: „Immobilien-Projektentwicklung ist grundsätzlich ein spannender, aber auch herausfordernder Prozess. Als eines der größten europäischen Immobilienunternehmen haben wir sowohl Kompetenz, langjährige Erfahrung und damit verbunden die entsprechende Routine allen Eventualitäten professionell zu begegnen.“ Und so bleibt man auf Schiene. „Letztendlich haben im Kern alle das gleiche Interesse. Nämlich eine vitale, lebendige, architektonisch hochwertig gestaltete Stadt.“

ROSSMARKTHÖFE Das Projekt „Rossmarkthöfe“ ist wohl das städtebaulich größte und spannendste Immobilienprojekt St. Pöltens seit Errichtung des Regierungsviertels. Am ehemaligen Leiner-Standort zwischen Rathausplatz und Julius Raab Promenade sollen auf einem Areal von rund 9.000 qm 175 Wohneinheiten (Eigentumswohnungen, Mietstudios für Studenten und Berufseinsteiger, betreutes Wohnen), Büros, Geschäfte (u. a. ein Leiner Premium Küchenstudio unter dem Namen Eskole – Essen, Kochen, Leben), ein Boutique-Hotel mit 131 Betten samt Skybar sowie ein Konferenzzentrum für ca. 450 Personen entstehen. Hinter dem Projekt steht die SIGNA-Gruppe von Investor René Benko, die fast 100 Millionen Euro in den Standort investieren soll.

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TEXT: JOHANNES REICHL | FOTOS: ZOOMVP/SIGNA/MAURER

BITTE KÜRZEN!

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WIE VIEL WALD BRAUCHT EINE STADT? Bäume sind verlässliche Aufreger: Die Emotionen schießen hoch, wenn Bäume fallen. Oder auf neu gestalteten Plätzen, in Straßen/Gassen nicht gepflanzt werden. Jüngste Beispiele aus St. Pölten: Die Protest­ aktion der Kaufleute in der Schreinergasse, als die Bäume gefällt wurden, und die Forderung der Grünen nach mehr Grün am neu entstehenden Domplatz.

W

ie aber vertragen sich verzweigte Wurzeln mit Kanal-Einbauten, wie passen die Forderung nach mehr Parkplätzen und die nach mehr Grün zusammen? Wo gedeiht Notwendiges, wo wuchert Aktionismus? Sie sind Schattenspender, lebendes Kühlelement, Sauerstoffproduzenten, Staubfilter. Und sie regulieren das Klima, mildern Klimaextreme ab und haben somit wesentlichen Einfluss auf die Auswirkungen des Klimawandels. „Ein 18

größerer Waldanteil in einer Stadt wirkt sich normalerweise positiv aus“, bestätigt Christoph Wildburger, einer der führenden Wald-Wissenschafter und Koordinator des in Wien ansässigen Global Forest Expert Panels Programmes der IUFRO (Internationaler Verband forstlicher Forschungsanstalten). Viele Bäume beziehungsweise Waldbereiche in einer Stadt senken in Hitzeperioden die Temperaturen und halten die Luftfeuchtigkeit angenehm. Bäume nehmen CO2 auf, geben Sauerstoff ab und filtern Staub aus der Luft. „Größere Waldbereiche in Städten können sich auch positiv auf den Wasserhaushalt, die Wasserqualität

WALDEXPERTE. Christoph Wildburger unter­ sucht die Auswirkung von Bäumen und Wäldern auf die Gesundheit von Menschen.


TEXT: BEATE STEINER | FOTOS: JOSEF BOLLWEIN, MORITZ WILDBURGER, JABORNEGG/PALFFY, STEINER, ZVG

E I N E BAUMRE IHE F Ü R D E N DOMP L AT Z Was für die einen ein „multifunktionaler Veranstaltungsplatz und Ort der Begegnung“ wird, ist für die anderen ein „Klimakiller-Projekt mit dem Charme eines Supermarktparkplatzes“. St. Pöltens Grüne sehen die Domplatz-Umgestaltung als Katastrophe: „Dass es auch in der Innenstadt möglichst viele öffentlich zugängliche Grün- und Erholungsflächen braucht, sieht man am Beispiel Herrenplatz, wo die Bäume die Aufenthaltsqualität enorm steigern“, sagt die grüne Stadträtin und Parteisprecherin Christina Engel-Unterberger. Gerade am Domplatz hätte St. Pölten die Chance gehabt, konsumfreie Räume mit hoher Aufenthaltsqualität zu schaffen. „Jetzt erwartet uns eine graue Betonwüste mitten in der Stadt. Welche andere Stadt würde heute noch solch ein Klimakiller-Projekt planen? Wird der Domplatz so umgesetzt, wie heute geplant, hat er ungefähr so viel Charme wie ein leerer Supermarktparkplatz“, sieht Engel-Unterberger einen Beweis dafür, dass die Stadtregierung keine Antworten auf die Klimakrise hat.

Bäume, die forstrechtlich nicht als Wald gelten, eine stabile Ausgangslage schaffen, damit deren Überleben nicht vom Gutdünken einzelner abhängig ist“, so die grüne Stadträtin Christina Engel-Unterberger. In der Stadt St. Pölten werden die Bäume mittels Baumkataster erfasst, sowohl Neupflanzungen und Rodungen werden darin verzeichnet, erklärt Thomas Zeh, der Leiter des Umweltreferats im Magistrat. Und „die Stadt ist bemüht und engagiert, im Bereich der öffentlichen Räume verantwortungsvoll mit dem Baumbestand umzugehen“, ergänzt Stadtplaner Jens de Buck und betont, dass im Jahr 2021 in der Stadt mehr Bäume gepflanzt als gerodet wurden.

STIMMUNGSVOLL? BETONWÜSTE? So soll der Domplatz Ende nächsten Jahres aussehen.

„Planungsvorgabe für die Neugestaltung des Platzes war eine funktionsoffene Gestaltung für Markt und Veranstaltungen“, erklärt Stadtplaner Jens de Buck. Bürgermeister Matthias Stadler freut sich schon über „stimmungsvolle Momente der kulturellen Extraklasse auf dem Domplatz“. Der Platz wird mit Waldviertler Natursteinen – wie der Herrenplatz – gepflastert, auf der Südseite wird es Sitzgelegenheiten und eine durchgehende Baumzeile geben. Die Baumreihe im Norden des Platzes kann wegen der Einbauten dort nicht realisiert werden. „Der Dombezirk verfügt aber mit seinen Gärten halböffentlich über zahlreiche Grünflächen“, betont de Buck. Baumkataster versus Baumschutzverordnung Die Grünen fordern für St. Pölten eine Baumschutzverordnung wie in Wien, was zur Folge hätte, dass Bäume nur mit behördlicher Genehmigung entfernt werden dürfen. „Wir Grüne wollen mit einer Baumschutzverordnung auch für

und damit die Wasserversorgung auswirken“, bestätigt der Experte. Und natürlich bieten Bäume und Wälder anderen Pflanzenarten und Tieren Lebensraum und erhöhen damit die biologische Vielfalt in Städten. Bäume und Wald haben auch generell Einfluss auf die Gesundheit von Menschen. „Studien zeigen, dass Wälder und Bäume sowie Grünbereiche generell sowohl die mentale als auch die physische Ge-

sundheit der Bevölkerung aller Altersstufen erhöhen“, erklärt Christoph Wildburger, der zurzeit eine Studie koordiniert, die die Auswirkung von Bäumen und Wäldern auf die menschliche Gesundheit auf globaler Ebene untersucht. Wie aber sollten die grünen Sauerstoff-Spender und Klima-Regulierer in einer Stadt verteilt sein? Stadtwaldexperte Professor Cecil Konijnendijk hat dafür eine Grundregel aufgestellt (siehe Interview),

die natürlich an die lokalen Gegebenheiten angepasst werden sollte. „Das muss in einer intelligenten Stadtplanung konzipiert werden“, sagt Christoph Wildburger, und es komme auf die kleinklimatischen Gegebenheiten an: „Je heißer eine Gegend, umso wichtiger Bäume. Wo es schon Gärten gibt, müssen nicht unbedingt noch viele Bäume gepflanzt werden.“ Baumpflanzungen müssten mit der Infrastruktur koordiniert und in einem Ausgleich MFG 06 22

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„ B ÄU ME S O RG E N F ÜR WOHL BE F INDE N“ Prof. Cecil C. Konijnendijk van den Bosch lehrt an der University of British Columbia und ist Direktor des Nature Based Solutions Institute (nbsi.eu), das die Begrünung von Städten wissenschaftlich und praktisch unterstützt. sich befindet. Aber grundsätzlich brauchen wir Baumarten, deren Blätter eine große Oberfläche haben, die daher am meisten Abkühlung erzeugen und Luftverschmutzung am besten entgegenwirken können. Wir möchten auch schöne Bäume sehen, die uns wegen ihrer Farben, Blüten oder auch Früchte gefallen. Aber es ist wichtig, sich nicht nur auf eine einzelne Baumart zu konzentrieren, sondern einen vielfältigen Stadtwald wachsen zu lassen, mit zahlreichen Baumarten und VariDIE 3-30-300 FORMEL. anten. Natürlich müssen wir solCecil Konijnendijk hat eine Formel für che Bäume sorgfältig auswählen, grüne und gesunde Städte eingeführt. die mit den oft schwierigen städtischen Bedingungen zurechtkommen – mit wenig Platz zum Wachsen, mit der Umweltverschmutzung. Wie sollte das Verhältnis zwischen bebauter und unbebauter Fläche oder Waldflächen in kleinen Was hat einen positiveren Effekt auf das Stadtklima Städten sein? – kleine Stadtwälder und Parks in einigen Teilen der Vergangenes Jahr führte ich die 3-30-300-Formel für Stadt oder einige Bäume in jeder Straße? grüne und gesunde Städte ein (siehe: https://iucnurbaWir brauchen beides, wie meine 3-30-300-Regel auch nalliance.org/promoting-health-and-wellbeing-throughbesagt. Aber wenn ich mich entscheiden müsste, würde urban-forests-introducing-the-3-30-300-rule/). Die Regel ich „Bäume in jeder Straße“ wählen: Bäume und schatbesagt, dass jeder Einwohner von seiner Wohnung, seitenspendende Baumkronen vor der Haustüre schaffen nem Arbeitsplatz oder der Schule wenigstens drei vollWohlbefinden in Zusammenhang mit Klimawandel und entwickelte Bäume sehen sollte. Jeder sollte in einer öffentlicher Gesundheit. Umgebung leben, die wenigstens zu 30 Prozent von Baumkronen beschirmt wird. Und niemand sollte mehr Gibt es eigentlich so etwas wie ein „Role-Model“ als 300 Meter – also einen Fünf-Minuten-Spaziergang unter den europäischen Städten? – von einer hochwertigen öffentlichen Grünfläche entEinige europäische Städte entwickeln sich besser fernt leben. Letzteres ist in Übereinstimmung mit den als andere, und mehrere haben nun begonnen, die Richtlinien der World Health Organization. Diese Regel 3-30-300-Regel umzusetzen. Städte wie Malmö in gilt für alle Städte und basiert auf wissenschaftlichen ErSchweden und Amsterdam in den Niederlanden haben kenntnissen zur Förderung der Gesundheit und wie sich innovative Strategien zur Stadtbegrünung und für StadtBäume und Grünräume auf die Anpassung an den Klimawälder entwickelt und konzentrieren sich auf Bäume und wandel auswirken. 3-30-300 sind Mindestziele. Städte deren Nutzen. Lyon in Frankreich wird auch oft genannt sollten versuchen, diese wenn möglich und wo möglich als positives Beispiel einer Stadt, die ihre Bäume ernstzu übertreffen. nimmt. Manche Städte in Großbritannien, zum Beispiel Birmingham, bemühen sich, ihre Stadtwälder wachsen Welche Bäume wachsen am besten in Stadtzentren? zu lassen. Das hängt natürlich stark davon ab, wo in der Welt man Wie wichtig sind Bäume in kleinen europäischen Städten? Bäume spielen eine wesentliche Rolle in allen Städten, in großen und in kleinen. Sie helfen den Städten, sich anzupassen an die Auswirkungen des Klimawandels, zum Beispiel, indem sie Schatten spenden, und sie verbessern die mentale und physische Gesundheit der Menschen. Sie helfen auch, wichtige grüne Plätze zu gestalten, wo sich Leute treffen können – und sorgen so für Wohlbefinden in der Gesellschaft. Bäume beherbergen auch Vögel und andere Tierarten und verbessern so die Biodiversität und unseren Kontakt mit der Natur.

Jeder sollte in einer Umgebung leben, die wenigstens zu 30 Prozent von Baumkronen beschirmt wird. CECIL KONIJNENDIJK, PROFESSOR FÜR URBAN FORESTRY, COLUMBIA UNIVERSITY

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WIE VIEL WALD BRAUCHT EINE STADT?

der verschiedenen Bedürfnisse und Interessen der Bevölkerung geplant werden. „Wichtig ist, dass alle Menschen in Städten Zugang zu Grünräumen mit Bäumen beziehungsweise Wald haben“, so Wildburger. Wie schaut’s in St. Pölten mit solch empfohlenen Grünräumen aus? Grüne Adern in der Hauptstadt St. Pölten hat einen hohen Grünland­anteil. Von 108 Quadratkilometern Gemeindegebiet sind rund 2.160 Hektar als Bauland gewidmet, rund 1.650 Hektar baulich genutzt. „Die in vielen Stadtteilen dominante Einfamilienhausverbauung hat zusätzlich zur Folge, dass der Grünanteil bei den Grundstücken entsprechend hoch ist“, erklärt Stadtplaner Jens de Buck. „Der hohe Grünlandanteil, der die Stadt prägt und ihre Wohnqualität ausmacht, weist auch in den Planungskonzepten der Stadt, im integrierten Stadtentwicklungskonzept und Landschaftskonzept entsprechenden Schutz auf.“ Das Landschaftskonzept zieht „Grüne

BAUM IN THE CITY. Die Schreinergasse als Baustelle, mit mobilen Ersatzbäu­ men, aber nahe am privaten baumbestückten Innenhof.

Studien zeigen, dass Wälder und Bäume sowie Grünbereiche generell sowohl die mentale als auch die physische Gesundheit der Bevölkerung aller Altersstufen erhöhen. CHRISTOPH WILDBURGER, WALD-WISSENSCHAFTER

Adern“ durch das Stadtgebiet, um Grünräume zu vernetzen und Frischluftschneisen zu entwickeln. „Die ‚Grünen Adern‘ stehen also symbolisch für das ‚ökologische Gefäßsystem der Stadt‘. Es soll die Stabilität der Stadt-Landschaft mit ihren Naturräumen und Ressourcen als Funktionsträger ‚ökologischer Leistungen‘ für die Stadt garantieren“, erklärt Thomas Zeh, Leiter des städtischen Umweltreferats. Umgesetzt in diesem grünen Netzwerk werden gerade die Neugestaltung der Promenade und der Sturm 19-Park. „Insbesondere diese festgelegten landschaftsplanerischen Maßnahmen, aber auch die Sicherstellung von Grünräumen im Bauland bilden die Grundlage einer guten Klimaverträglichkeit angesichts zunehmender Erwärmung“, ist Jens de Buck überzeugt. Wie aber sollen die Bäume in der Stadt verteilt sein, insbesondere im dicht verbauten Gebiet? Städtebauliche Struktur zeigt Grenzen auf In St. Pöltens mittelalterlich geprägter historischer Innenstadt sprießt innerhalb der Baublöcke und Wohnhöfe viel Grün, wachsen dicht beblätterte hohe Bäume in privaten Gärten – das ist die gute Nachricht. Und das ist die weniger gute: „Die Gassen und Straßen dagegen weisen aufgrund ihrer historischen Entwicklung geringe Breiten und hohe Nutzungsintensität, also viele notwendige Einbauten, auf“, erklärt der Stadtplaner. Der Raum für die kräftigen Wurzeln alter Bäume stehe den notwendigen infrastrukturellen Einbauten gegenüber – so geschehen in der

Schreinergasse, wo die 25 Jahre alten Lederhülsenbäume wegen der Sanierungsarbeiten umgeschnitten werden mussten. Nach Abschluss der Bauarbeiten werden acht neue Schattenspender gepflanzt. „Wir wollen gute Bedingungen für Bäume schaffen, damit sie auch alt werden können“, bekräftigt de Buck. Und alte und schützenswerte Bäume würden auch nicht gefällt. „Der Schutz älterer Bäume im öffentlichen Raum ist sinnvoll und notwendig. Dem gegenüber steht allerdings eine für die öffentliche Hand hochgradig problematische rechtliche Situation, Stichwort Baumsturz.“ Denn die Verkehrssicherheit und die Sicherheit von Personen allgemein haben, vor allem im urbanen Bereich, höchste Priorität. Kann diese nicht mehr gewährleistet werden, muss der Baum gefällt werden, ergänzt Thomas Zeh. Welche Bäume dürfen also ohne schlechtes Umweltgewissen fallen? „Ich glaube, es ist sehr wichtig, den Menschen das größere Bild zu vermitteln und das Konzept für Wald/ Bäume in einer Stadt zu erklären“, führt Christoph Wildburger aus. Die Fällung eines einzelnen Baumes spiele im Regelfall keine große Rolle in der Gesamtwirkung, außer in sehr speziellen Fällen, etwa von sehr alten Bäumen und Naturdenkmälern. Die Gesamtfläche der Wälder und Bäume und deren Verteilung sei entscheidend für die Wirkung. „Menschen hängen oft aus emotionalen Gründen sehr an Einzelbäumen oder Baumgruppen, eine gute Kommunikation, die die Bewohner dort abholt, wo sie emotional und in ihrem Gedankengebäude sind, hilft meistens – populistische Politik nicht.“ MFG 06 22

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EDITH GOLDEBAND

OPTIMIEREN STATT SKANDALISIEREN Der Landesrechnungshof versteht sich nicht als Skandal-Lieferant, dennoch haben seine Berichte das Potential für Unruhe zu sorgen – und für Verbesserungen in allen Bereichen der Landesverwaltung. 26 Landtagsabgeordnete wollen nun genau wissen, ob landesnahe Unternehmungen parteipolitisch motiviert agieren. Ein Gespräch mit der Direktorin des Landesrechnungshofs. Der Landesrechnungshof ist ja ein Organ des Landtags. Was ist denn Ihre Aufgabe? Der niederösterreichische Landtag hat neben der Gesetzgebungskompetenz noch eine zweite Königsfunktion, wenn man so will: Die Kontrollund Budgethoheit. Unsere Aufgabe ist es, diese Kontrollhoheit durch objektive Berichte und Empfehlungen zu unterstützen. Praktisch gesehen gibt es unterschiedliche Bereiche, die wir überprüfen und zu denen wir Verbesserungsvorschläge machen. Auch die überprüften Stellen werden so vor Schaden bewahrt, was von diesen auch durchaus positiv gesehen wird. Wir wollen ja optimieren und nicht skandalisieren. Zu wissen, dass man durch uns überprüft werden kann, hat sicher jedenfalls eine sehr positive, präventive Wirkung. Was zeichnet gute Prüfer aus? Die Prüferinnen und Prüfer sind unsere wichtigste Ressource, darum legen wir sehr großen Wert auf ihre Kompetenz. Was sie nicht entdecken, das sieht der Rechnungshof schlicht und einfach nicht. Wir suchen Leute mit Erfahrung in der MARATHONLÄUFERIN MIT LIEBE ZU ZAHLEN. Edith Goldeband führt das mächtige Prüforgan mit ruhiger Hand seit 22 Jahren. Breite Zustimmung im Landtag brachten ihr eine dritte Amtszeit. 22


TEXT: MICHAEL MÜLLNER | FOTOS: HANNAH STROBL, KARL STADLER

Landesverwaltung oder Landesunternehmen und beteiligen uns an entsprechenden Aus- und Weiterbildungen. Da geht es um Erfahrungsaustausch untereinander, aber auch um gleiche Qualifikation auf Ebene der Prüfer. Sehr wichtig sind auch die laufenden Vernetzungstreffen, innerhalb Österreichs, aber auch auf europäischer Ebene. Ist nicht gerade die Herkunft

aus dem Landesdienst ein Problem an sich? Wie schlüpft man nach langer Zeit in der Verwaltung dann plötzlich in die Rolle eines Prüfers? Neben der Kompetenz braucht ein guter Prüfer salopp gesagt schon auch einen gewissen Jagdinstinkt. Das ist ähnlich wie im Journalismus. In unserer Arbeit geht es nicht um das Skandalisieren von Fehlern, sondern darum, den Zahlen eine

Stimme zu geben. Das gelingt mit Objektivität. Klarheit geht hier vor Harmonie und somit muss man natürlich manchmal auch den einen oder anderen Konflikt aushalten. In diesem Sinne hat sich der Landesrechnungshof das Vertrauen des gesamten Landtags erarbeitet. Im Hinblick auf die einzelnen Prüferinnen und Prüfer, die aus der Verwaltung kommen, ist klar, dass es eine Cool-off-Phase brauchen

D E R L A N D ESRE CHNUNGSHOF Die Juristin Edith Goldeband stammt aus Graz und arbeitete seit 1986 im Prüfdienst des Rechnungshofs in Wien. Seit 1. Juli 2010 leitet sie den Landesrechnungshof in NÖ. Nach einem Hearing im Frühjahr 2022 verlängerte der Landtag mittels Allparteienantrag die Bestellung für weitere sechs Jahre, womit die passionierte Marathonläuferin dem Prüforgan bis 2028 vorstehen wird. Der Landesrechnungshof verfügt über 23 Planstellen, davon sind 21 Prüferinnen und Prüfer. Diese überprüfen die Tätigkeit von über 34.000 Landesbediensteten in Verwaltung, Spitälern, Schulen, Pflege- und Betreuungszentren sowie von Angestellten in Unternehmungen, an denen das Land beteiligt ist. Das zu überprüfende Haushaltsvolumen beträgt dabei rund 13,7 Milliarden Euro. Das Budget des Rechnungshofs mit 2,9 Millionen wirkt dazu im Vergleich recht bescheiden. Die Direktorin hält dazu fest: „Der Landesrechnungshof spart regelmäßig mehr ein als er kostet, obwohl seine Empfehlungen nicht einseitig auf Sparen ausgerichtet sind, sondern auf ganz allgemein Verbesserungen. Das können auch Investitionen in Instandhaltung und Anschaffungen sein oder Anschubfinanzierungen etwa im Bereich der Digitalisierung.“ Die Kontrollarbeit rechnet sich, wie Beispiele zeigen. Die Nachkontrollen zu den Einmietungen in den NÖ Universitäts- und Landeskliniken sowie den Jugendausbildungsund Leistungszentren ergaben Mehreinnahmen von drei Millionen Euro bei den Einmietungen und Minderausgaben von 2,3 Millionen Euro bei den Zentren. Die Berichte über die Baurechtsaktion und die NÖ Familienland GmbH zeigten, dass bei der Baurechtsaktion 14 Millionen Euro oder das Vierzehnfache der jährlichen Ausgaben und bei NÖ Familienland GmbH sechs Millionen Euro auf der „hohen Kante“ lagen und dafür kein „frisches Geld“ aus dem Landeshaushalt ausgegeben werden sollte.

Was lange währt, wird endlich gut Nach jahrelangen Diskussionen wurde erst im Jahr 2021 die Prüfkompetenz des Landesrechnungshofes ausgedehnt. Früher war es nötig, dass das Land zu 50 Prozent an einer Unternehmung beteiligt ist oder sie tatsächlich beherrscht – was oft schwer nachweisbar war. Heute reicht eine Beteiligung von 25 Prozent, um der Kontrolle des Rechnungshofes zu unterliegen. Wesentlich mehr Projekt- und Tochtergesellschaften der öffentlichen Hand können somit vom Rechnungshof auf dessen eigenen Antrieb hin überprüft werden. Nach wie vor in Diskussion steht eine weitere Ausweitung der Prüfkompetenz. So schlägt der Rechnungshof vor, dass ihm die Kompetenz eingeräumt wird auch Gemeinden mit weniger als 10.000 Einwohnern prüfen zu können. Derzeit kann der Rechnungshof nicht von sich aus eine Prüfung kleinerer Gemeinden beschließen, er bräuchte dazu einen Auftrag der Landesregierung, was sich realpolitisch schwierig gestalten würde – nach welchen Kriterien solle die Landesregierung die zu prüfenden Gemeinden auswählen? Gemeinden unter 10.000 Einwohner sind auch nicht von der Prüfkompetenz des Rechnungshofs des Bundes erfasst. Direktorin Goldeband ist sich daher sicher, dass die Gemeinden von der Prüfkompetenz sehr profitieren würden und niemand etwas zu befürchten hätte. „Wir bohren darum gerne weiter an diesem dicken Brett“, gibt sie sich zuversichtlich.

341 Berichte mit insgesamt 3.678 Empfehlungen hat der Rechnungshof seit seinem Bestehen vorgelegt. EDITH GOLDEBAND, DIREKTORIN LANDESRECHNUNGSHOF MFG 06 22

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S O ND E R P R Ü F U N G D E R LAN D E S G E S E L L S C H AF T E N DU RC H D E N R E C H N U N GSHOF Von einem historischen Moment sprach Indra Collini von den Neos, die „Sonderprüfung würde endlich Licht in die bislang dunklen Hinterzimmer der Parteien bringen und verlorenes Vertrauen der Bevölkerung wiederherstellen“. Gemeinsam brachten SPÖ, FPÖ, Grüne und Neos fünf Prüfaufträge ein. Konkret werden Unternehmen geprüft, an denen das Land NÖ wesentlich beteiligt ist. Geprüft wird, ob diese Unternehmen letztlich Steuergeld an parteinahe Medien weitergereicht haben und so verdeckte Parteienfinanzierung vorliegt. Aktuell schlägt das Thema in Vorarlberg hohe Wellen, wo etwa private Unternehmer berichteten, dass sie von Politikern angehalten worden sind, wirtschaftlich sinnlose Inserate in Parteizeitungen zu schalten. Geprüft werden die Zahlungsflüsse im Zusammenhang mit Inseraten, Werbung, Sponsoring und ähnlichem von EVN, Hypo NÖ, der NÖ Landesgesundheitsagentur, der Wirtschaftsagentur ecoplus sowie „kleineren“ Unternehmungen, die dem Land gehören oder wo das Land anschafft, etwa bei der „Garten Tulln“. Einen ersten Vorbericht wünschen die Abgeordneten bis zum 20. Juni, am 30. September 2022 soll sogar der Endbericht vorliegen. Vor dem Hintergrund der anstehenden Landtagswahlen, spätestens im Frühjahr 2023, könnten die Berichte Stoff für den Wahlkampf liefern – abgesehen von möglichen rechtlichen Konsequenzen.

SELTENE EINIGKEIT. Reinhard Hundsmüller (SPÖ), Indra Collini (Neos) und Udo Landbauer (FPÖ) sehen Inserate in ÖVP-nahen Medien skeptisch.

kann. Man muss schon reflektiert sein. Wo man befangen sein kann, dort darf man nicht prüfen und wird nicht eingesetzt. Für derartige Fragen gibt es auch einen Ethikbeirat. Bei uns prüft auch niemand allein, sondern immer im Team, weil wir denken, dass eine oder einer allein schwer objektiv sein kann. Als ersten Schritt erstellen die Prüfer ein 24

Prüfkonzept, das intern präsentiert und diskutiert wird. Wir achten auf eine Mischung aus Spezialisten und Generalisten, die für einen Ausgleich und Diversität sorgen bzw. schon vom Start weg intern hinterfragen, ob die Richtung passt. Bei Bedarf holen wir uns Unterstützung durch Fachleute und tauschen uns mit anderen Rechnungshöfen aus.

Welchen Stellenwert hat dabei die Zertifizierung des Landesrechnungshofs nach internationalen Standards? Das ist mir ein sehr großes Anliegen. Wir haben uns selber strengen Zertifizierungsrichtlinien unterworfen. Wir wissen also, wie es sich anfühlt, wenn man geprüft wird. Wir sind in der gleichen Situation, auch bei uns wird geschaut, ob Organigramme und Stellenbeschreibungen stimmen, ob Abläufe eingehalten werden. Dabei werden auch unsere „Kunden“ genau auf ihre Zufriedenheit befragt, das sind einerseits die überprüften Organisationen, aber auch die Mitglieder des Landtags, in dessen Auftrag wir ja tätig sind. Das sichert einen hohen Standard und ermöglicht uns auch laufend unseren eigenen Ablauf zu optimieren, frei nach Bruno Kreisky: „Der Sinn des Lebens ist das Unvollendete.“ Wenn Sie einen Prüfauftrag mit einem Bericht abschließen, was ändert sich dann in der Realität? Unser Bericht kommt zur Vorberatung in den Rechnungshof-Ausschuss des Landtags und wird anschließend im Plenum des Landtags öffentlich diskutiert. In der Regel wird der Bericht dort zur Kenntnis genommen und formal „zum Beschluss erhoben“. Wir machen ja konkrete Empfehlungen, wie es besser gehen kann. Ungefähr nach zwei Jahren folgt dann die Nachkontrolle, dann schauen wir wieder vorbei und prüfen, was von unseren Empfehlungen umgesetzt wurde. Und zufrieden sind Sie nur, wenn alle Empfehlungen umgesetzt wurden? Wenn unsere Empfehlungen zu 80 Prozent umgesetzt wurden, dann ist das in der Regel ein guter Wert. Wenn zu wenig umgesetzt wird, dann fragen wir natürlich nach, was los ist. Aber zugleich wären wir wohl nachdenklich, wenn alles von vorne bis hinten umgesetzt wird – womöglich waren unsere Empfehlungen dann nicht streng genug? Es kann ja durchaus auch gute Gründe


OPTIMIEREN STATT SKANDALISIEREN

Wir geben den Zahlen eine Stimme. Bei uns geht Klarheit vor Harmonie, da muss man manchmal Konflikte aushalten EDITH GOLDEBAND, DIREKTORIN LANDESRECHNUNGSHOF

geben, weshalb manche Empfehlungen nicht oder noch nicht umgesetzt wurden. Veränderungen brauchen eben auch Zeit.

Symbolbild © NMPB Architekten ZTGmbH

Im April 2022 beschlossen 26 Mandatare von SPÖ, FPÖ, Neos und Grünen fünf Prüfaufträge, die der Rechnungshof bis September abgeschlossen haben soll. Es geht um vermutete, irreguläre Parteienfinanzierung über Unternehmungen des Landes. Wie sollen diese umfassenden Aufträge in der

vergleichsweise kurzen Zeit umgesetzt werden? Besteht nicht die Gefahr, dass durch derartige Wünsche der Mandatare das eigentliche Prüfprogramm des Rechnungshofes, das er sich im Wesentlichen ja selber überlegt, ausgebremst wird? Seit 1. Juli 1998 hat der Landesrechnungshof 341 Berichte mit insgesamt 3.678 Empfehlungen vorgelegt. Davon entfielen 17 Berichte auf Prüfaufträge. Das entsprach einem Anteil von 5 Prozent. Somit beruhten durchschnittlich 95 Prozent der Berichte auf dem eigenen Prüfungsprogramm des Landesrechnungshofs, das risiko- und wirkungsorientiert erstellt wird, mit qualitativen und quantitativen Auswahlkriterien, unter anderem dem Gebarungsumfang oder wann die letzte Prüfung war, et cetera. Da sehe ich also keine große Gefahr, dass wir nicht weiterhin selbstständig agieren können, auch wenn es heuer vielleicht so sein wird, dass der Anteil unserer Berichte, die aufgrund von Prüfaufträgen erstellt wurden, bei vierzig oder

fünfzig Prozent liegen wird, sozusagen ein Ausreißer nach oben. An den fünf konkret genannten Prüfaufträgen arbeiten wir mit Hochdruck. Das Gesetz gibt uns dahingehend keine Frist vor, aber wir werden uns natürlich dennoch bemühen, dem Wunsch der 26 Mitglieder des Landestags zu entsprechen. Wesentlich wird es davon abhängen, in welcher Form und bis wann die nötigen Informationen von den Unternehmungen vorgelegt werden können. Kann man sich eigentlich auch als Bürger an den Landesrechnungshof wenden, etwa in Form einer Whistleblower-Meldestelle? Wir bewerben das nicht offensiv in Form einer Meldestelle, denn wir wollen niemanden mit falschen Erwartungshaltungen enttäuschen – wir sind schlichtweg für vieles nicht zuständig. Aber wir erhalten dennoch immer wieder Hinweise und gehen diesen dann nach bzw. leiten sie an die zuständigen Stellen weiter.

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BANK MIT WOHLFÜHLFAKTOR Wenn man durch die neuen Räumlichkeiten der Oberbank beim Linzer Tor wandelt, fühlt man sich … einfach wohl. Die Mischung aus heimischem Holz und Glasflächen ergibt ein angenehmes, entspanntes Klima und steht krass im Gegensatz zu manch protzig-kaltem Banktempel aus Stahl und Glas. gegenüberstehen – der österreichische Ban­ kenschnitt liegt bei etwa 65 Cent! Das sind sensationelle Zahlen, noch dazu alles quasi made in Austria: Der Stammsitz der Ober­ bank ist in Linz, was Eigenständigkeit und Unabhängigkeit garantiert. „Wir müssen nie­ manden im Ausland um Erlaubnis fragen – die Wege sind kurz, das Management vorort.“ Letzteres ist übrigens schon wieder selbst Ausdruck einer prinzipiell nachhaltigen Fir­ menphilosophie. „Franz Gasselsberger ist mittlerweile der längst dienende Generaldi­ rektor Österreichs, und auch im Vorstand set­ zen wir auf Kontinuität. Bei uns tauchen nicht irgendwelche externen Manger auf, die nach drei Jahren – frei nach dem Motto ‚hinter mir die Sintflut‘ – wieder verschwinden, sondern es geht um Stabilität und Verbundenheit mit dem Unternehmen und den Kunden.“ All dies zusammen genommen mündet in dem, was die Kunden an der Oberbank am meisten schätzen und was sich die Bank als eine Art Grund DNA eingeschrieben hat: „Ver­ trauen ist unser wichtigstes Gut!“

Linzertor 1

„Wir sind halt keine Investmentbank“, schmunzelt Direktor Franz Frosch, seines Zei­ chens Leiter des Geschäftsbereichs Nieder­ österreich und Burgenland mit Sitz St. Pöl­ ten, und fügt mit Stolz hinzu, „sondern eine Geschäftsbank für gehobene Privatkunden, Industrie und Gewerbe. Was wir einnehmen, geben wir in Form von Finanzierungen an die Kunden weiter. Das ist seit jeher so und hat 26

stets zum Erfolg geführt – für uns als Bank, aber vor allem für die Region.“ Wie solide die Oberbank tatsächlich da steht, dazu genügt ein Blick auf die schnöden Zahlen. Die Eigenkapitalquote lag 2021 bei beneidenswerten 18%, die sogenannte In­ come-Outcome-Ratio bei 50%. Das heißt, ver­ einfacht formuliert, dass jedem erwirtschaf­ teten Euro etwa 50 Cent an Aufwendungen

Vielleicht erklärt dies auch, warum die Ober­ bank selbst in stürmischen Zeiten nach wie vor expandiert, während manch anderes Bankinstitut einen Sanierungskurs fahren muss. St. Pölten stand dabei vor gut 37 Jah­ ren am Beginn der Expansion, „einfach weil man damals an das Potenzial der Hauptstadt in spe glaubte.“ Am Domplatz sowie am Europaplatz entstanden Filialen, St. Pölten wurde Hauptsitz für den Bereich Nieder­ österreich-Burgenland. Heute, über 30 Jahre später, sind die Ge­ bäude in die Jahre gekommen. Vor allem im historischen Haus am Domplatz wäre eine Sanierung teuer gekommen, „weshalb wir uns 2019 entschlossen, die beiden Filialen an einem neuen Standort zusammenzufas­


FOTOS: FOTOSTUDIO KOCH, FOTODIAZ.COM

chen!“ Denn auch wenn das klassische Bank­ schalter-Geschäft heute zusehends in den Hintergrund rückt, „so ist die Beratertätigkeit umso wichtiger, und der direkte Kontakt zu unseren Kunden steht für uns an oberster Stelle!“ Auch das schlägt sich in den neuen Räumlichkeiten nieder, so wurden z. B. neun top ausgestattete Besprechungszimmer ein­ gerichtet, wo Beratungsgespräche in Ruhe durchgeführt werden können.

Der Faktor Mensch Direktor Franz Frosch, Leiter Geschäftsbereich Niederösterreich und Burgenland.

sen.“ Dass dieser just die vielsagende, auf die oberösterreichische Homebase verwei­ sende Adresse ‚Linzertor 1‘ hat, ist „eine nette Geste der Stadt, die die Verbundenheit unterstreicht.“ Frosch ist vom Neubau, in dem die Bank drei Etagen belegt, jeden­ falls begeistert. „Außerdem war es auch ein Signal an die Mitarbeiter, weil nicht nur ein Teil quasi den alten Standort aufgeben musste, sondern wir alle gemeinsam in ein neues Domizil gezogen sind. Daher gab es keine Verlierer, sondern nur Gewinner!“

Lückenschluss

Gewinner ist freilich auch die Stadt St. Pölten, weil mit dem Einzug der Oberbank am Linzer­ tor endlich auch eine schmerzlich klaffende Wunde im Stadtbild geschlossen wurde. Manchen ist vielleicht noch das Jahr 2011 im Gedächtnis, als in einer Nacht und Nebel-Ak­ tion die ehemalige Maderna Villa geschleift wurde, um dem vollmundig präsentierten LT1 zu weichen. Allein, das ursprüngliche Pro­ jekt wurde nie realisiert – stattdessen lag das Areal gut ein Jahrzehnt lang brach. Erst Sand­ lerbau schloss mit dem Neubau die Lücke, und die Oberbank als Hauptmieter hauchte diesem repräsentativen Ort sozusagen wie­ der Leben ein. „Hier am Linzertor sind wir ja mittendrin“, schwärmt der Direktor. „Die Innenstadt liegt vor der Haustür, der Bahn­ hof ist gerade einmal fünf Minuten entfernt, die Anbindung zum – bald neuen – Europa­ platz ist ideal und auch die Promenade wird attraktiviert.“ Außerdem wartet das Gebäude noch mit einer hauseigenen Tiefgarage sowie 14 Oberflächenparkplätzen auf, ja selbst ein neuer Radweg führt direkt an der Oberbank vorbei. „Das ist natürlich der wichtigste As­ pekt – dass uns unsere Kunden leicht errei­

Investiert wird bei der Oberbank freilich nicht nur in die Infrastruktur, sondern auch ins Personal. Nicht nur, dass die Mitarbeiter am Unternehmen direkt beteiligt sind „bei Ge­ winnen also an Dividenden teilhaben oder Aktienpakete erhalten“, gehört die Oberbank zudem entgegen des Allgemeintrends zu jenen Instituten „wo Mitarbeiter-Abbau ein Fremdwort ist und wo auch keine Soziallei­ stungen reduziert werden.“ Im Gegenteil ist man laufend auf der Suche nach den besten Köpfen, möchte junge Menschen ausbilden, was aber mitunter eine Herausforderung darstellt. „Ich glaube, es liegt unter anderem daran, weil das Image des Bankberaters in den letzten Jahren durch die Finanzkrise oder auch Skandale wie rund um die Commerzial­ bank Mattersburg gelitten hat.“ Zudem hät­ ten Jugendliche oft eine falsche Vorstellung vom Beruf. „Viele assoziieren damit noch immer den klassischen Schalterbeamten, der quasi den ganzen Tag gelangweilt Geld zählt. Tatsächlich ist der Beruf aber extrem abwechslungsreich und verantwortungs­ voll, weil man mit seiner Expertise direkt an wichtigen Lebensentscheidungen von

Kunden teilhat, ja geradezu als Partner in spannende Projekte involviert ist und so auch einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leistet.“ Als Beispiel nennt der Direktor das Thema Klimaschutz. „Jedes Unternehmen muss in Zukunft einen Nachhaltigkeitsbericht vorlegen, das heißt, dass in absehbarer Zeit auch die Kreditvergabe nach dem CO2-Aus­ stoß beurteilt wird – und da bedarf es grund­ legender Expertise, um die bestmöglichen Lösungen für die Kunden zu finden – diese liefert der gut ausgebildete Bankberater!“ Zudem werde in Zeiten steigender Inflation „die jetzt relativ kurzfristig gekommen ist, uns aber langfristig begleiten wird“, die rich­ tige Anlage, das Diversifizieren und damit wieder die Unterstützung durch die Bank noch relevanter. „Wir sehen uns einerseits mit Reallohnverlusten konfrontiert, zum anderen ist aber auch viel Geld im System, und es stellt sich die Frage, wie ich dieses zielgerichtet und nachhaltig anlege, um et­ waige Ausfälle zu kompensieren!“ Auf die Wirtschaft wie die Gesamtgesellschaft kom­ men also herausfordernde Zeiten zu. Frosch gehört aber nicht zu jenen, die ob dessen la­ mentieren, sondern „man muss umgekehrt auch die Riesenchancen erkennen, die mit diesem Wandel einhergehen – gerade etwa auch im Hinblick auf den Klimawandel und die Energiewende.“ Dass viele Privatkun­ den und Unternehmen auf diesem Weg der Oberbank vertrauen „ist eigentlich die höchste Auszeichnung!“, freut sich der Direk­ tor. Eine, die man sich durch Seriosität, Soli­ dität und Regionalität redlich erarbeitet hat und die sich auch in der neuen Zentrale nie­ derschlägt – eine Bank mit Wohlfühlfaktor!

Die Oberbank nimmt 1.300 Quadratmeter auf drei Etagen im LT1 am Linzertor 1 ein. Die neuen Räumlichkeiten bestechen durch ihre Mischung aus heimischem Holz, Metall und Glas. MFG 06 22

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PLANEN FÜR DEN ERNSTFALL CYBER DEFENSE

Cyberbedrohungen sind in der Öffentlichkeit mittlerweile präsent. Ob durch den Krieg in der Ukraine oder den erst kürzlich erfolgten Hackerangriff auf das Land Kärnten, digitale Infrastruktur wird immer wieder als Waffe eingesetzt.

U

m dem etwas entgegen zu setzen, hat die FH St. Pölten vor Kurzem mit der Einrichtung eines Cyber Defense Centers begonnen. Daniel Haslinger unterrichtet im Department Informatik und Security und arbeitet mit seinem Team derzeit am Aufbau des Centers.

Was ist eigentlich ein Cyber Defense Center? Cyber Defense Center (CDC) sind eine Weiterentwicklung eines Security Operation Centers (SOC). In einer solchen Einrichtung laufen alle sicherheitsrelevanten Fäden eines Unternehmens zusammen. Sicherheitslösungen, aufgezeichneter Datenverkehr, Logfiles – sämtliche Daten die zur Angriffserkennung und Prävention herangezogen werden können, werden in einem CDC überwacht und analysiert. Größere Unternehmen betreiben derartige Einrichtungen zum Teil selbst, unter bestimmten Voraussetzungen können aber auch kleinere Firmen derartige Dienstleistungen zukaufen. Wie läuft die Etablierung des Centers an der FH? Derzeit befinden wir uns in der ersten Aufbauphase, haben die für uns relevanten Produkte und Technologien ausgewählt und eine Art Testbetrieb gestartet, in dem wir unsere eigenen Nutzer und Systeme überwachen. Im 28

nächsten Schritt erweitern wir nun unsere Infrastruktur und Fähigkeiten. Wir stehen in Kontakt mit Wirtschaftspartnern, um den Nutzern, aber auch unseren Sicherheitsforschern eine möglichst realistische Umgebung zur Verfügung stellen zu können. Auch die Eingliederung in die Lehre findet zurzeit statt, ab dem Wintersemester starten dann die ersten dedizierten Vorlesungen.

AUFBAUARBEIT. Daniel Haslinger arbeitet mit seinem Team am Aufbau des Cyber Defense Centers.


TEXT: SASCHA HAROLD | FOTOS: HANNAH STROBL

Cyberangriffe lassen sich schwer planen, wie kann man sich den Ablauf im Studienalltag vorstellen? Wir setzen auf zwei Varianten. Zum einen arbeiten wir mit Echtzeitdaten, deren Inhalte sich aber natürlich unserem Einfluss entziehen. In der zweiten Ausbaustufe stehen uns fertige Szenarien – also voraufgezeichnete Angriffe – zur Verfügung, die wir bei Bedarf abrufen und über beliebige Zeiträume einspielen können. So ist es uns möglich, zu jedem gewünschten Zeitpunkt Angriffe zu simulieren. Die Studierenden nehmen dann eine Rolle im jeweiligen Berufsbild ein und setzen sich mit den erforderlichen Maßnahmen und Abläufen auseinander. Ihr setzt im CDC auch sogenannte Honeypots ein? Honeypots sind in der Regel speziell präparierte Systeme, die nach außen hin unverdächtig und verwundbar wirken sollen. Verschaffen sich Dritte Zugang zu ihnen, wird jeder einzelne Schritt genauestens überwacht – den Angreifern wird also genau „auf die Finger geschaut“, um mehr über den Angriff, die Motivation, Ziele und eingesetzte Techniken zu erfahren. Da das System im Unternehmen garantiert nicht genutzt wird und keinerlei produktiven Zweck erfüllt, ist jede Interaktion mit dem System unautorisiert und somit als Angriff einzustufen. So können wir mehr über die Bedrohungslage lernen. Was sind die üblichen Bedrohungsszenarien? Das ist sowohl branchen- als auch länderabhängig. Es macht beispielsweise einen Unterschied, ob man Opfer eines gezielten Angriffes oder eines einfachen Querschlägers wird, ob man privat eines von vielen Zielen ist, oder ob Angreifer sich gezielt ein Opfer suchen. Sehr verbreitet ist zur Zeit immer noch Ransomware, also Schadsoftware die versucht, Nutzer durch die Androhung unterschiedlichster Konsequenzen zu einer Zahlung zu zwingen. Diese sind schon im privaten Umfeld sehr unangenehm, können aber auch Unternehmen treffen und wirtschaftlichen Schaden anrichten. Gerade bei kleineren Unternehmen unterscheiden sich Netzwerke und Konfigurationen häufig kaum von denen im persönlichen Umfeld, von daher gleichen sich die Angriffe hier oft. Die Sorgen, die die breite Masse betreffen, sind also der Verlust von Daten, bspw. durch Verschlüsselung, oder die Gefahr, dass sensible Daten in fremde Hände gelangen. Sind die Täter eher Einzelpersonen oder Gruppen? Es gibt Akteure in jedem Feld. Das reicht von einzelnen „Script-Kiddies“, die sich – oftmals ohne Rücksicht auf die damit verbundenen Risiken – ausprobieren wollen, über finanziell- oder politisch-motivierten Gruppen, die zum Teil dem organisierten Verbrechen zugeordnet werden können, bis hin zu staatlichen Aggressoren, welche über große finanzielle Mittel verfügen. Ein bekanntes Beispiel aus der Vergangenheit dafür war der Computerwurm Stuxnet, der mutmaßlich von den USA und Israel entwickelt wurde, um iranische Urananreicherungsanlagen zu sabotieren.

ROLLEN. In einem CDC gibt es verschiedene Berufsbilder, die im Unterricht vermittelt werden.

Hat sich der Krieg in der Ukraine bemerkbar gemacht? Das Bild hat sich tatsächlich geändert. Seitdem der Krieg begonnen hat, haben wir vermehrt mit Traffic zu tun, der offensichtlich mit dem Krieg in Zusammenhang steht. Verschiedene Gruppen beider Seiten versuchen dabei, Infrastruktur der FH zu nutzen, um damit Ziele in der Ukraine oder in Russland anzugreifen. Wir haben in den letzten Monaten einige Angriffe dieser Art gesehen und deshalb den Datentransfer für kritische Anwendungen blockiert, wenn er Länder betrifft, die sich – zumindest digital – aktiv an diesem Konflikt beteiligen. Ist die Wichtigkeit von Cyber Defense in der Öffentlichkeit bereits angekommen? Das Thema ist in Österreich derzeit noch unterrepräsentiert, aber wir sind im Begriff, wichtige Infrastruktur aufzubauen. Viele Unternehmen haben schlicht nicht die Mittel oder das Know-how, um sich ausreichend mit ihrer Sicherheit zu befassen und ziehen entsprechende Dienstleister in der Regel erst dann hinzu, wenn bereits Schaden entstanden ist. Der Mangel an Fachkräften ist ebenfalls ein Teil des Problems. Nehmen die Bedrohungen in letzter Zeit zu? Wie in vielen anderen Bereichen der Kriminalität spielen wir auch hier das übliche „Katz-und-Maus-Spiel“. Die potentiellen Bedrohungen nehmen zu, die Hersteller und Fachkräfte tun aber gleichzeitig das ihre, um eine möglichst effektive Abwehr zu bieten. Dass wir Angriffe zur Zeit sehr verstärkt wahrnehmen, liegt aber auch an der zunehmenden Vernetzung. Allein durch das Thema „Internet of Things“ werden immer mehr Haus- und Industrieautomatisierungen in Richtung Netzwerk gedrängt und teilweise von außen zugänglich gemacht. Je mehr dieser Geräte online gehen, egal ob es sich um den Kühlschrank, eine WiFi-Glühbirne oder ein automatisiertes Türschloss handelt, desto mehr Angriffsfläche gibt es. MFG 06 22

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KANN DER HELD DENN SÜNDER SEIN? Ist Julian Hessenthaler ein Drogendealer, der Kokain gehandelt hat? Ist Julian Hessenthaler Opfer falscher Anschuldigungen, weil er ein korruptionsanfälliges System unter Druck brachte? Am St. Pöltner Landesgericht wurde ein nicht rechtskräftiges Urteil gesprochen.

I

n diesem Strafverfahren, das sich ein halbes Jahr lang über sieben Verhandlungstage hinzog, sagte Staatsanwalt Bernd Schneider wenig. Dafür brachte er den Kern des Verfahrens schon im ersten Satz auf den Punkt, als er sinngemäß meinte, alle kennen den Angeklagten, weil im Mai 2017 ein Video veröffentlicht wurde – dabei würde es hier gar nicht um das Video gehen. Sondern um Drogendelikte. Tatsächlich ging es das ganze Verfahren über um das Ibiza-Video, weil am Landesgericht St. Pölten ein vorsitzender Berufsrichter und zwei Laienrichter zu klären hatten, ob Julian Hessenthaler Kokain gehandelt hat – oder ob ihm Belastungszeugen das nur anhängen, weil sich jemand rächen will. Die versuchte Trennung des Drogenprozesses von der Ibiza-Causa scheiterte an der Realität. Kamerateams und Fotografen, Journalisten und Prozessbeobachter aus dem In- und Ausland, sie alle drängen sich vor Prozessbeginn um den „Ibiza-Detektiv“ Julian Hessenthaler. Der Macher des Videos, das eine Regierung stürzte und zahlreiche Mächtige in Wirtschaft und Politik unter Druck brachte, hielt sich in Deutschland verborgen, scheute die Öffentlichkeit und blieb die Antwort schuldig, wie und warum es zum Video kam. Und obwohl Hessenthaler mittlerweile von der Untersuchungshaft aus, in Interviews und Sendeformaten seine Sicht darstellte und der Fernsehsender Sky die Rolle des Detektivs mit Nicholas Ofczarek realitätsnah ver32

Die ganzen Presseleute sitzen nicht hier, weil es um Kokain geht … JULIAN HESSENTHALER, ANGEKLAGTER

filmte, wird weiter spekuliert. Die banale Erzählung von Hessenthaler selbst, wie er sie im Prozess aussagte, geht sinngemäß so, dass ein ehemaliger Mitarbeiter von HeinzChristian Strache vermeintliche Hinweise auf dessen Korruptionsanfälligkeit gehabt hätte. Mit dem

Video wollte man einen zusätzlichen objektiven Beweis liefern, dass Strache so tickt – und zumindest konnte die geneignete Öffentlichkeit ihm sieben Stunden lang dabei zusehen, wie er über Wenn-Dann philosophierte. Ja, anfangs wollten die Videomacher damit Geld lukrieren,


TEXT: MICHAEL MÜLLNER | FOTOS: MICHAEL MÜLLNER

aber nicht für sich selbst, sondern um diesen ursprünglichen Zeugen finanziell abzusichern, wenn er nach einer Aussage seinen Job bei der FPÖ los wäre. Bis zum Schluss zweifelt das Landesgericht, ob den Angeklagten nicht doch auch finanzielle Sorgen geplagt hätten. Hinweise, dass jemand für den Dreh oder die spätere Veröffentlichung bezahlt hat, finden sich nirgends und werden von allen Beteiligten dementiert. Auch alle Vorwürfe, man hätte Strache erpressen wollen, lösen sich auf. Der Dreh ist nach anzuwendendem, spanischem Recht kein Grund für eine Strafverfolgung in Österreich. Da trifft es sich gut, dass die Ermittler auf der Spurensuche nach Hessenthaler ehemalige Weggefährten von ihm treffen, unter anderem Slaven K. und Edis S. Doch auch andere sind hinter den Hintermännern her, so etwa Gert Schmidt. Der umtriebige Privatier ist für Novomatic tätig und liefert ihm Infos über unliebsame Konkurrenz in Form illegaler Spielcasinos. Im Ibiza-Video meint Strache ja, Novomatic zahlt alle (politischen Parteien), was der Konzern dementiert. Es scheint lebensnah, dass Novomatic keine große Freude mit dem Video hatte. Da fügt es sich glücklich, dass Gert Schmidt auf seiner Internetseite intensiv zu den Ibiza-Hintergründen publiziert und sich dem „Hobby“ verschrieb, die Hintermänner aufzudecken. Im Verfahren war unstrittig, dass er Slaven K. und Edis S. für deren Informationen über Hessenthaler 55.000 Euro zahlte. Dass diese teilweise falsch waren, hat ihn dabei nicht gestört, publiziert wurden sie ja dennoch, manches trug er auch an die ermittelnden Polizeibeamten weiter, was diese meist als schon bekannt protokollierten. Also ein weiterer Detektiv, aber mit großzügiger Portokassa und fraglichem Motiv. Und daraus strickt Julian Hessenthaler nun die Verteidigungslinie. Nie und nimmer habe er mit Drogen gehandelt, lediglich konsumiert. Die Vorwürfe seien Rache für Ibiza. Im Prozess treten zahlreiche bizarre Figuren und allerhand skur-

rile Nebenstränge auf: Mafia und Spionage, Prostitution und Drogenhandel, Akteure als verdeckte Informanten der Polizei, Strafverteidiger des Angeklagten, die zuvor auch die Belastungszeugen in der Untersuchungshaft besucht haben. Genug Stoff für eine zweite Staffel würde das Strafverfahren allemal liefern. Doch zurück zum Verfahren. Wir lernen Katarina H. kennen, in ihrem Kellerabteil fand die Polizei im Staubsaugerbeutel verstecktes Kokain. Laut Staatsanwalt legte sie bei ihrer ersten Vernehmung eine Lebensbeichte ab und behauptete, Hessenthaler habe ihrem damaligen Freund Slaven K. das Kokain geliefert. An drei Übergaben will sie sich erinnern, sie sind der Kern der Anklage. Warum sollte sie ihn von Anfang an falsch belasten? Elf Mal wurde sie von der Polizei einvernommen, „jedes Mal hat sie etwas anderes erzählt“, betonen die Verteidiger. Auch vor Gericht sind mehrere Einvernahmen nötig, um halbwegs herauszuarbeiten, woran sie sich noch erinnern kann. Mehrfach verzweifelt der vorsitzende Richter: „Ich gebe es auf.“ Doch er bleibt dran und lädt sie neuerlich vor, nach einem psychologischen Gutachten und mit einer Dolmetscherin werden die Aussagen strukturierter. Wieso bei der Kriminalpolizei elf Mal niemandem aufgefallen ist, dass das Deutsch der Beschuldigten zu schlecht ist, um vernünftig auszusagen, bleibt ein Rätsel. Auch dass manche ihrer Einvernahmen nicht Teil des Aktes sind und erst von der Verteidigung vorgelegt werden müssen, lässt den Richter zürnen. Katarina H. war zur vermeintlichen Tatzeit jedenfalls schwer drogenabhängig, mehrere Gramm Kokain habe sie täglich konsumiert und dies mit Dealen finanziert. Vom zweiten Belastungszeugen wird sie als Lügnerin und paranoid bezeichnet. Vor Hessenthaler habe sie furchtbare Angst, weil dieser sie mal mit einer Pistole bedroht hätte. Zugleich berichtet sie stolz, ihn einmal solange im Schwitzkasten gehabt zu haben, bis sein Kopf rot angelaufen war. Sie

DIE ANKLAGE

In ihrer Anklageschrift legte die Staatsanwaltschaft Wien Julian Hessenthaler Suchtgifthandel zur Last, dieser habe in den Jahren 2017 und 2018 bei drei Übergaben insgesamt 1.250 Gramm Kokain mit einem Reinheitsgehalt von zumindest 70% an Slaven K. verkauft. Der Strafrahmen für den bislang Unbescholtenen: bis zu 15 Jahre Haft. Mitangeklagt waren auch zwei Urkundendelikte, die mutmaßlich gefälschte slowenische Führerscheine bzw. einen Personalausweis betrafen. Die Anfertigung und spätere Veröffentlichung des „Ibiza-Videos“ waren nicht Gegenstand der Anklage.

wollte ihm so klar machen, er dürfe über ihren Schatz, den Slaven K., kein Unglück bringen. Im Verfahren hört man oft – und auch das Oberlandesgericht Wien führt dies in seinen Entscheidungen aus – bei Suchtmittelprozessen seien Zeugen häufig nicht sehr glaubwürdig. Aber dass man aufgrund solcher Aussagen verhaftet, angeklagt und womöglich verurteilt werden kann, wirkt für Laien dann doch irritierend. Auch der zweite Belastungszeuge Slaven K. ist nicht viel besser. Auf dem Drogenbeutel im Keller findet sich seine DNA, dennoch streitet er im eigenen Strafprozess ab, damit etwas zu tun zu haben. Drogen von Hessenthaler? Niemals. Erst nach seiner eigenen Verurteilung und als Hessenthaler in Untersuchungshaft kommt, ändert er seine Verantwortung und schwenkt auf die Linie MFG 06 22

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FOTO SKY DEUTSCHLAND/W&B TELEVISION/EPO FILM/PETRO DOMENIGG

DAS IBIZA-VIDEO

Am 17. Mai 2019 veröffentlichten „Süddeutsche.de“ und „Spiegel Online“ Videoausschnitte, die Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus in einem Ferienhaus auf der spanischen Urlaubsinsel Ibiza zeigten. Im Gespräch mit einer vermeintlich reichen Russin, die vorgab in Österreich Geld anlegen zu wollen, kamen Verdachtsmomente auf, die FPÖ-Führung sei für fragwürdige Machenschaften zu haben. Die Regierung aus ÖVP und FPÖ zerbrach, es kam zu Neuwahlen, umfassende Ermittlungen gegen eine Vielzahl von Personen und Organisationen wurden ausgelöst, einflussreiche Personen kamen unter Druck: Casino- und Chat-Causa, ÖBAG und Thomas Schmid.

von Katarina H. um, wenngleich zwischen beiden Aussagen wesentliche Unterschiede bleiben (ob ein besagter Urlaub nun in Kroatien oder am Attersee stattgefunden hat, war nicht in Erfahrung zu bringen – der Drogenkonsum … da muss man halt Nachsicht haben). Wenn man sich Slaven K. in seinen Vernehmungen vor Gericht so anhört und die Informationssteine zum Mosaik des Prozessbeobachters zusammenfügt, dann ist er wohl einer, der mit allen Wassern gewaschen ist. Gute Kontakte zur Balkanmafia soll er haben, für die Ermittlungsbehörden verdeckt tätig gewesen sein, denen aber auch schon mal für Geld bewusst falsche Infos verkauft haben. Daraus speist Hessenthaler seine 34

Argumentation, warum er sich nach Bekanntwerden des Ibiza-Videos nach Deutschland zurückzog: Er habe aufgrund eigener Erfahrungen Angst vor den korruptionsanfälligen österreichischen Behörden. Mit dem Bundeskriminalamt hätte er niemals kooperieren wollen. Als Unternehmer im Sicherheitsgewerbe habe er für internationale Firmen etwa im Bereich des Zigarettenschmuggels ermittelt, dabei seien auch Tarn­ identitäten verwendet worden. Man kauft ihm ab, dass er im Grenzbereich zwischen guten Geschäften und windigen Methoden Erfahrung hat und dabei auch die Rolle der Behörden unterschiedlich wahrnahm. Slaven K. jedenfalls sei einer, der gerne Deals mit den Mächtigen gemacht habe, darum sei er wohl auch bald mit einer Fußfessel aus der Haft entlassen worden und habe sich seinen Strafverteidiger von Schmidt oder Novomatic zahlen lassen, vermutet Hessenthaler. Der Prozess geht über sieben Tage, mit den Details könnte man ein Buch füllen. Im Wesentlichen bleibt immer die Frage: Kann man aufgrund dieser zwei Belastungszeugen verurteilen? Die Verteidigung führte an, dass Fingerabdrücke oder DNA-Spuren an der von Hessenthaler angeblich benutzten Drogenpresse nicht gefunden wurde – die Polizei habe danach gar nicht gesucht, das Beweismittel sei sogar verschwunden. Das ganze Ermittlungsverfahren habe einem inoffiziellen Auftrag gedient, nämlich „irgendwas“ gegen Hessenthaler zu finden. Gekaufte Zeugen seien laut Verteidigung in diesem Szenario keine Fiktion, sondern wären eine Möglichkeit, mit der sich das Gericht auseinandersetzen müsste. In seinem Schlusswort meinte Julian Hessenthaler: „Ich sitze seit 16 Monaten in Untersuchungshaft und frage mich ständig, wie das in einem europäischen Land möglich ist? Jetzt habe ich es verstanden. Weil es der Staatsanwaltschaft völlig egal ist, ob gelogen wird. Die ganzen Presseleute sitzen nicht hier, weil es um Kokain geht … War das, was

hier gegen mich vorgebracht wurde, wirklich glaubhaft?“ Hiermit die Schlussfrage: Wurde Hessenthaler zu Unrecht in erster Instanz nicht rechtskräftig verurteilt? Im Prozessverlauf wird die Anklage immer wieder von der IbizaAffäre eingeholt, als mögliches Motiv für falsche Beschuldigungen. Geht es um Ibiza, geht es um Korruption, um verdeckte Einflussnahme, um waschechte Skandale. Es geht um die Frage der Glaubwürdigkeit der staatlichen Institutionen. Für die Verteidigung war klar, das Ermittlungsverfahren, also die Arbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft, war nicht objektiv, hat nicht wirklich versucht, die materielle Wahrheit zu erforschen, sondern diente nur dem Ziel, „den Hessenthaler dranzukriegen.“ Er schäme sich aufgrund des einseitigen Ermittlungsverfahrens, Teil des Systems zu sein, meinte Wolfgang Auer, einer der beiden Verteidiger gar. Nun, Verteidiger dürfen fast alles tun, was ihrem Mandanten hilft. Auch Oliver Scherbaum, der zweite Verteidiger forderte die beiden Schöffen gleich am ersten Verhandlungstag auf, sich nicht manipulieren zu lassen, sondern „nachzufragen, wenn ihnen etwas Spanisch vorkommt.“ Dieser Aufforderung folgten die Laienrichter nicht, ich kann mich an keine einzige Frage von ihnen erinnern, das Verfahren führte ausschließlich der Berufsrichter (der übrigens jede identifizierende Berichterstattung über ihn ablehnt, er will weder namentlich genannt, noch abgebildet werden). Der Herr Rat war für viele Prozessbeobachter die große Unbekannte im Verfahren. Über Monate fragte man sich, ob ihm die Glaubwürdigkeit von Slaven K. und Katarina H. reichen würde, Hessenthaler ins Gefängnis zu schicken – mit all dem medialen Getöse rundherum, um das er sich natürlich eigentlich nicht zu scheren bräuchte. Der Vorsitzende war jedenfalls der einzige im historischen Schwurgerichtssaal, den man immer verstand. Er spricht


KANN DER HELD DENN SÜNDER SEIN?

AUFMERKSAM. Julian Hessenthaler während einer Prozesspause im Gespräch mit seinem Verteidiger Oliver Scherbaum.

laut und deutlich, jeder im Saal weiß, dass er hier der Chef ist. Mit Oliver Scherbaum verging kein Prozesstag ohne wildes Wortgefecht, beide verstehen es für Fragen des Verfahrensrechts lichterloh zu brennen: „Das ist eine der absurdesten Diskussionen, die ich je in einem Prozess geführt habe.“ – „Ich bin nicht hier als Verteidiger angetreten, um Ihre Sympathie zu gewinnen.“ Der Richter wurde oft deutlich: Das Verfahren könnte schon lange vorbei sein, wenn die Verteidigung nicht auf gewisse Zeugenvernehmungen bestehen würde, merkte er an. Wieso die Anklage nicht fähig sei, einen vollständigen Akt vorzulegen, ging ihm auch nicht ganz ein. Als sich Hessenthaler mal über gewisse Behördenskandale echauffierte, pflichtete er ihm bei, das sei alles verwerflich. Man konnte sich hinzudenken: „Doch was interessiert mich das, ich will nur wissen, ob Sie mit Drogen gehandelt haben.“ Glaubt man dem Schöffengericht, also der Mehrheit aus Berufsrichter und zwei Laienrichtern, dann hat

Hessenthaler mit Drogen gehandelt und die angeklagten Urkundendelikte begangen. In seiner Begründung führte der Vorsitzende auch aus, dass es im Kern um die Glaubwürdigkeit der zwei Belastungszeugen ging. Bezogen auf Hessenthalers Rundumkritik am Zustand Österreichs, die er in seinem Schlusswort vorgetragen hatte, meinte der Vorsitzende: „Vieles von dem, was sie gesagt haben, ist richtig, das kann ich unterschreiben. Sie sind ein sympathischer, smarter Mann, die Zusammenhänge, die Sie aufgezeigt haben sind teilweise richtig, etwa bezüglich Gert Schmidt, das ist schon suspekt, wenn der für teilweise falsche Informationen bezahlt. Es gibt auch unzählige Anhaltspunkte für Hypothesen, dass er Zeugen manipuliert haben könnte, aber der Konnex zu diesem Verfahren hier ist Ihnen nicht gelungen.“ Die Zahlungen an Slaven K. seien 2019 erfolgt, er habe ihn aber erst eineinhalb Jahre später belastet. Wenn dieses Verschwörungskonstrukt hält, wie erklärt sich dann die Aussage der

Auch ich würde mir wünschen, dass in Ihrem Ermittlungsverfahren keine Strache-Fans vorkommen würden. VORSITZENDER RICHTER

Katarina H., die eben in so vielen Punkten abweicht und darum offensichtlich nicht mit Slaven K. abgesprochen war. Es sei Aufgabe des Gerichts rauszufinden, was glaubhaft ist. In Suchtmittelverfahren habe man oft mit problematischen Zeugen zu tun, die Wankelmütigkeit der Zeugin erkläre sich durch das im Prozess vorgelegte Sachverständigengutachten. Man müsse beide Zeugen in Summe sehen. Im Verfahren seien viele Themen ausgereizt worden, bis zum WirecardSkandal um Jan Marsalek, die gar nichts mit dem gegenständlichen Verfahren zu tun haben. „Sie sind eine sehr sensible Person und auch ich würde mir wünschen, dass in Ihrem Ermittlungsverfahren keine Strache-Fans vorkommen würden“, aber letztlich habe das Gericht den beiden Zeugen geglaubt. Verurteilt wurde Hessenthaler nicht rechtskräftig zu dreieinhalb Jahren Haft, der Strafrahmen lag aufgrund der großen Menge an Kokain bei ein bis 15 Jahre. Alleine das Verwenden eines gefälschten Führerscheins bei der Polizeikontrolle sei mit zwei Jahren bedroht, merkte der Richter an, von einem ordentlichen Lebenswandel wollte er nicht sprechen. So kam das Gericht auf die dreieinhalb Jahre. Wären es nur drei gewesen, hätte ein Teil der Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden können, etwa die Hälfte, dann wäre Hessenthaler unter Anrechnung der Untersuchungshaft heimgegangen. So wartet er in St. Pölten auf die Rechtsmittelentscheidung des Obersten Gerichtshofs. Und die Staatsanwaltschaft hat unterdessen ein neuerliches Ermittlungsverfahren gegen Hessenthaler eröffnet, da es weitere Zeugen geben soll, die behaupten, er hätte auch bei anderen Anlässen mit Kokain gehandelt. Auch hierfür gilt die Unschuldsvermutung. MFG 06 22

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DIE CHANCE VOM FASS AUS ELFENBEIN Psychotherapie, Soziale Arbeit, Pädagogik und Wirtschaft: an der Bertha von Suttner Privatuniversität wird fleißig geforscht und gelehrt. Das geht ins Geld und kostet die Stadt St. Pölten jährlich hunderttausende Euro. Wann gelingt der Break-Even?

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uch mehr als hundert Jahre nach ihrem Tod ist Bertha von Suttner als gesellschafts­ kritische Schriftstellerin und pazifis­ tische Denkerin weithin bekannt. Den schwedischen Dynamit-Fabri­ kanten Alfred Nobel soll sie einst inspiriert haben, den Friedensnobel­ preis zu stiften – welcher ihr schließ­ lich im Jahr 1905 sogar verliehen wurde, als einziger Österreicherin bis dato. Und wir wissen alle, wie sie aussah – denn ihr Portrait ziert die 2-Euro-Münze. Ihr Leben war definiert vom Verstoß gegen Kon­ ventionen. Die junge Adelige lehnte mehrere standesgemäße Anträge ab und heiratete schließlich gegen den Wunsch ihrer Eltern einen sie­ ben Jahre jüngeren Mann, mit dem sie danach in den Kaukasus fliehen musste. Es folgte ein knappes Jahr­ zehnt in „materieller Bescheiden­ heit“, wie Biografien es höflich nen­ nen, wenn sie von Armut sprechen. Finanzielle Turbulenzen in jungen Jahren, zugleich hoffnungsvolle Zu­ kunftspläne? Womit wir bei St. Pöl­ tens jüngster Privatuniversität sind, die sich just nach dieser feministi­ schen Ikone benannt hat. Die salopp „Suttner-Uni“ ge­ nannte Bildungseinrichtung wurde 2017 von der Stadt St. Pölten (bzw. ihrer Hochschul-Holding) und dem 36

Österreichischen Arbeitskreis für Gruppentherapie und Gruppendyna­ mik (kurz: ÖAGG) gegründet, einem privaten Verein mit jahrzehntlanger Erfahrung im Anbieten von Psycho­ therapie-Ausbildung. Bereits 2019 inskribierten die ersten Studierenden, mittlerweile bewohnt man den neuen „Campus St. Pölten“ – gemeinsam mit der weitaus älteren und größe­ ren Schwester, der Fachhochschule St. Pölten. Auf einer schicken Website finden sich Studien aus den Bereichen Psychotherapie, Soziales, Pädagogik, Digitalisierung und Wirtschaft. Auch über konkrete Forschungsprojekte wird informiert. Dennoch wurde in der St. Pöltner Gemeinderatssitzung vom April 2022 über die Bildungs­ einrichtung diskutiert. Als Eigentü­ merin musste die Stadt (zusätzlich

zu den geplanten und budgetierten Zuschüssen über die Hochschul-Hol­ ding) nochmals mit 835.000 Euro einspringen, um angelaufene Verluste des laufenden Betriebs auszugleichen. ÖVP-Mandatarin Susanne BinderNovak sieht die finanzielle Entwick­ lung der Suttner-Uni mehrfach kri­ tisch. Einerseits steige die Zahl der Studierenden nur zögerlich, manche „Orchideenfächer“ können ihre Stu­ dierenden an einer Hand abzählen, der Personalaufwand sei in den letz­ ten Jahren jedoch deutlich angestie­ gen. Andererseits sei der Mittelbedarf nicht vollständig im städtischen Bud­ get veranschlagt worden, sondern musste in Form eines Nachtragskre­ dites vom Gemeinderat genehmigt und der Universität als nachrangiges Gesellschafterdarlehen zugeschossen


TEXT: MICHAEL MÜLLNER | FOTO: PETER RAUCHECKER

LEHRE TROTZ LEERE. Die Studierenden der Privatuni sieht man nicht immer am Campus. Vieles geht online.

werden, weshalb die Entwicklung offenbar nicht nach Plan laufe. „Wir sehen auch skeptisch, dass die Stadt als Hälfte-Eigentümerin diese zu­ sätzlichen Mittel allein aufbringt und die ÖAGG nicht mitzahlt. Der Gesellschaftervertrag sieht vor, dass die Stadt dann in dieser Relation ihre Stimmrechte erhöhen könnte, aber auf diese Verwässerungsklausel wurde großzügig verzichtet“, kriti­ siert Binder-Novak, die auch vor­ rechnet, dass in den Jahren 2020, 2021 und 2022 jeweils durchschnitt­ lich 728.000 Euro an zusätzlichen Darlehen nötig waren, damit die

Gesellschaft überhaupt bilanzieren kann: „Mit den 1,8 Millionen Euro Startkapital haben wir bereits 3,7 Millionen Euro in diese Privat-Uni investiert.“ Ist die Bertha von Suttner Privatu­ niversität nun ein vielversprechender Eckpfeiler des zukünftigen Bil­ dungsstandortes St. Pölten oder ein sinnloses Fass ohne Boden? Im Ge­ schäftsjahr 2020 betrug der Jahres­ verlust 572.997 Euro, der Bilanzver­ lust lag bei 1,8 Millionen Euro. Die jährlichen Abgänge dürften sich auch in den Folgejahren noch in etwa die­ ser Größenordnung fortsetzen, was mit der Höhe der nachrangigen Dar­ lehen zusammenpasst, die die Stadt als Eigentümerin aufbrachte. Im La­ gebericht kann man nachlesen, dass 2020 „bereits 60 aktive Studierende in zwei Studiengängen“ verzeichnet wurden. Das ist wenig, aber der Stu­ dienbetrieb lief erst Anfang 2019 an – mit rund zehn Studierenden. Man befindet sich ganz am Anfang. Silvia Weigl ist Kanzlerin der Su­ ttner-Uni und für die kaufmännische Geschäftsführung zuständig. Rund 200 Studierende sind für 2022 gep­ lant. Ein kostendeckender Betrieb, bei dem keinen Zuschüsse mehr nötig sind, soll bei rund 450 Studie­ renden erreichbar sein. Diesen BreakEven-Point will man 2025 schaffen. Das Relevante bei der Suttner-Uni sei, dass die Studien modular ange­ boten werden und man diese berufs­ begleitend absolvieren kann. Ein­ stiege sind im laufenden Jahr möglich – nicht wie an herkömmlichen Unis meist nur zum Semesterstart. Der springende Punkt: Das „Privat“ in der Suttner-Uni bedeutet, dass man als Student zur Kasse gebeten wird, da die Uni eben nicht vom Staat fi­ nanziert wird, sondern von den Er­ lösen, die sie über Studierende oder Forschungsaufträge einnimmt. Ein echtes Geschäft also, das aufgebaut werden muss und erst nach entspre­ chendem Wachstum Früchte trägt.

Der Bund sieht offenbar keine Notwendigkeit eine solche Ausbildung zu finanzieren.

Hat sich St. Pölten also womöglich verrechnet? Wer studiert an der Sutt­ ner-Uni „Soziale Arbeit“ und zahlt dafür 19.200 Euro, wenn das Stu­ dium nebenan an der FH auf knapp 2.200 Euro kommt? Doch „Soziale Arbeit“ an der Suttner-Uni kommt tatsächlich gut an. Für 2022 werden 108 Studierende erwartet, 2024 sol­ len es im vorläufigen „Vollausbau“ dieses Bachelorstudiengangs schon 180 sein. Modulare Angebote mit Online-Fernlehre und knappe Prä­ senzmodule vor Ort – dafür zahlen oft ältere, im Berufsleben stehende Menschen, die Studium, Beruf und Familie vereinbaren wollen. Die FH bietet hingegen klassische Vollzeit­ studien in Präsenz – unterschiedliche Zielgruppen also. Gernot Kohl ist Geschäftsfüh­ rer der FH St. Pölten, aber auch der Hochschulen St. Pölten Holding und zudem ein Mastermind hinter der Suttner-Uni. Auch er sieht die Ent­ wicklung positiv. Es sei stets klar ge­ wesen, dass man anfangs erst mal in­ vestieren muss. Dass in einem Bericht des Stadtrechnungshofs angemerkt wurde, dass der Break-Event-Point erst in 15 Jahren zu erwarten sei, führt Kohl auf unterschiedliche An­ nahmen zurück. Der kostendeckende Betrieb soll 2025 möglich sein, aber bis Darlehen an Gesellschafter zu­ rückbezahlt sind, das kann länger dauern. Überzeugt ist Kohl auch von der Grundidee der Suttner-Uni, der Psychotherapie-Ausbildung: „In un­ serer Gesellschaft steigt der Bedarf an Fachkräften mit dieser Ausbil­ dung stark. Zugleich finanziert die öffentliche Hand aber keine einschlä­ gige Ausbildung, diese liegt seit jeher bei privaten Anbietern. Es wäre uns nicht möglich gewesen, Psychothera­ pie im Rahmen der Fachhochschule anzubieten. Der Bund sieht da offen­ bar keine Notwendigkeit eine solche Ausbildung zu finanzieren. Deshalb kam es zur Partnerschaft mit der ÖAGG, die ihr jahrzehntelanges Know-how einbringt. Die SuttnerUni bietet Psychotherapie auf univer­ sitärem Niveau, zukünftig sogar ein Doktorat. Das ist einzigartig in Ös­ terreich, ein großartiges Potential!“ MFG 06 22

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ICH TRÄUMTE VON BRAUNEN PFERDEN

n diesem idyllischen Ort treffe ich Matthias Weiländer, vielen v. a. als Geschäftsführer der Marketing St. Pölten GmbH ein Begriff. Diesmal plaudern wir freilich nicht über das Image der Stadt, neue Kampagnen oder Grätzelfeste, sondern über sein – durchaus ausgefallenes – Hobby, auf das ich eher per Zufall beim Zappen gestoßen bin. In einer Folge von „Heimatleuchten“ auf ServusTV spazierte Weiländer plötzlich durchs Bild – als Lenker eines Pferdepflugs in einem Grenztaler Weingarten! Noriker statt Wendy „In Sachen Pferde bin ich ja ein Spätberufener“, schmunzelt der Manager. Weder lagen während der Kindheit Wendy-Hefte am Nachtkasterl, noch gab es eine wie immer geartete familiäre Pferde-Konditionierung. „Mein Papa wuchs aber auf einem Bauernhof auf, und meine Großeltern haben mich als Junior häufig zu einem befreundeten Tierarzt mitgenommen. Ich glaube

IM WALD. Pferde bewähren sich vor allem in engen und steilen Waldstücken beim Holzrücken. 38

Am Weg nach Fahra bei Pyhra, vorbei an gelben Rapsfeldern und blühenden Obstbäumen vor der Kulisse bewaldeter Hügel, wird einem einmal mehr bewusst, in welch herrliche Umgebung St. Pölten eingebettet ist. Nur sieben Kilometer von der Stadt entfernt parke ich mich vor einem Gehöft ein – ein Pfau stolziert an mir vorbei, ein Hund bellt und eine Reiterin hoch zu Ross grüßt freundlich vom Pferd herunter. daher rührt meine generelle Liebe zur Natur und zu Tieren – wir haben zuhause ja auch noch Hunde, Katzen, Fische.“ Und mit Mika und Tim zwei Pferde, die Weiländer hier in Fahra eingestellt hat, wo sie mit zwölf Kumpels in einer großen WG auf 3.000 Quadratmeter in Offenstallhaltung zusammenleben. Aufs Pferd gekommen ist Weiländer dabei erst mit Anfang 30. Als er einen Ausgleich zum stressigen Job sucht, „irgendetwas in der Natur, aber nicht unbedingt nur joggen oder radfahren“, nimmt ihn ein Freund zum Westernreiten mit. „Ich war ja skeptisch, ob man das als Erwachsener überhaupt noch lernen kann“, gesteht er. Nun – man kann, und so saß der Manager alsbald im Sattel „wobei mich weniger das klassische Reiten in der Koppel oder Dressurreiten interessierten, sondern ich wollte mit dem Pferd ausreiten.“ Wenig verwunderlich sind Mika und Tim sodenn auch keine Rösser Marke „gestyltes Hutschpferd“, sondern gestandene Noriker. „Noriker ist die älteste Zuchtrasse Österreichs“, klärt mich Weiländer auf. Später auf der Koppel werde

selbst ich als Pferde-Greenhorn die Besonderheit dieser Kaltblutrasse leicht erkennen: Der Haflinger neben Mika wirkt wie dessen kleiner, schmächtigerer Bruder. „Noriker werden schon mal bis zu 900 Kilogramm schwer“, so Weiländer, bringen also fast das Doppelte auf die Waage und damit auch dementsprechend mehr PS auf den Untergrund. Das ist insofern wichtig, weil es sich bei Noriker „um Schrittpferde für Lasten“ handelt. Kurzum, sie werden zum Arbeiten eingesetzt. „Ich hab es halt nicht so mit Wendy & Tütü“, lacht Weiländer. „Die Noriker sind quasi die Männerversion!“ Vom Holzrücken und Pflügen Die Tradition, mit Pferden zu arbeiten, ist dabei nie ganz ausgestorben. „Die Amish-People in den USA etwa, die ja nie ihre traditionelle Lebensweise aufgegeben haben, haben das Arbeiten mit Pferden zur Perfektion gebracht, etwa auch im Hinblick auf die landwirtschaftlichen Geräte, Geschirr etc.“ Hierzulande fallen einem klischeemäßig am ehesten noch Schlittenfahrer in zünftiger Tracht ein, die Touristen


TEXT: JOHANNES REICHL | FOTOS: FRANZ WEILÄNDER, JOSEF BOLLWEIN, ALWIN JURTSCHITSCH

AUF DER KUTSCHE. Im Rahmen der St. Pöltner „Naturspaziergänge“ durchs verschneite Salzkammergut kutschieren, oder man erinnert sich an manch historische Aufnahme von Bierkutschern oder Waldarbeitern, die – die Pferde am Zügel haltend – vor vollbeladenen Fuhrwerken posieren. Nun – Letzteres wird nach wie vor praktiziert. Auch im Falle Weiländers war das Erstbetätigungsfeld der Wald. „Mein Vater bewirtschaftet einen hobbymäßig und versorgt die ganze Familie mit Holz für diverse Schwedenöfen.“ Als vor einigen Jahren die Frage ansteht, ob man sich für die beschwerliche Arbeit einen kleinen Traktor zulegen soll, „beschlossen wir, es mit Pferden zu versuchen, weil wir kurz davor eine Dokumentation gesehen hatten.“ Vom Ergebnis und der Effizienz waren Vater und Sohn gleichermaßen beeindruckt, wobei Weiländer sogar einen eigenen Kurs, „Holzrücken“, absolviert. „Eine Woche später war ich schon im Wald, was durchaus

bietet Weiländer mit Mika & Tim Kutschenfahrten an.

ein bisschen gefährlich war, weil ich ja keine Erfahrung hatte, aber es hat mir voll getaugt“, schwärmt er noch heute. Sein ausgefallenes Hobby spricht sich jedenfalls rasch herum und so klopft eines Tages der Chef der Stadtgärtnerei beim Kollegen vom Marketing an. „Im Kaiserwald gab es damals ein großes Eschensterben. Nachdem es sich um einen Naherholungswald handelt und kurz zuvor sämtliche Wege neu angelegt worden waren, die man nicht gleich wieder mit schwe-

Ich hab es halt nicht so mit Wendy & Tütü. Noriker sind quasi die Männerversion. MATTHIAS WEILÄNDER

ren Geräten zerstören wollte, zogen wir das Schadholz mit den Pferden raus.“ Der Beginn eines kleinen Nebenerwerbs, denn mittlerweile nehmen Waldbesitzer, Winzer oder der Maschinenring Weiländers Dienste in Anspruch. „Pferde kommen vor allem in steilem, oft auch engem Gelände zum Einsatz oder dort, wo die Untergründe weich sind oder auch besonders sensibel, wie zum Beispiel in Brunnenschutzgebieten.“ Vorteile, die im Übrigen zusehends auch im Weinbau gefragt sind. „Dort war der Einsatz von Pferden ja zwischenzeitig komplett weg“, weiß Weiländer. In den letzten 15 Jahren gibt es aber so etwas wie eine kleine Renaissance, wohl aus Gründen der Nachhaltigkeit. „Viele Winzer wollen heute, zumindest in einigen ihrer Gärten, nur mehr händisch, also komplett ohne Maschinen arbeiten, um die Böden zu MFG 06 22

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ICH TRÄUMTE VON BRAUNEN PFERDEN

Alleine die wunderschönen Orte und Lagen, wo ich mit den Pferden überall hinkomme – das ist einfach ein Traum! MATTHIAS WEILÄNDER

IM WEINGARTEN. Nicht nur auf ServusTV, sondern in zahlreichen Weingärten der Region sieht man Weiländer hinterm Pferdepflug arbeiten. schonen. Außerdem wird der Wein in den naheliegenden Weinbaugebieten in steilen Lagen oft auf Terrassen kultiviert, hier ergeben sich schmale Zeilenabstände, wo der Traktor nicht reinpasst.“ Und so sieht man eben Matthias Weiländer – nicht nur im Fernsehen – in diversen Weingärten der Region hinterm Pferdepflug, „wodurch die Böden lockerer und fruchtbarer bleiben.“ „Kutscher, he Kutscher“ Wald- und Weinarbeit stellen dabei übrigens pferdearbeitstechnisch eine gute Symbiose dar, weil „die Arbeiten im Wald großteils im Winter anfallen, jene im Weinberg hingegen im Frühjahr und Herbst.“ Quasi zum „Drüberstreuen“ fährt Weiländer auch noch ein paarmal im Jahr mit der Kutsche aus, bietet im Rahmen der St. Pöltner „Naturspaziergänge“ etwa Fahrten rund um den Ratzersdorfer See oder vom Kaiserwald bis zur Kellergasse und wieder retour an. „Mir gefällt einfach 40

dieses verbindende Element beim Kutschenfahren so, was zwischen den Menschen ensteht, wenn man gemeinsam in der Kutsche sitzt.“ Auch hier entpuppte sich übrigens ein Sonderfall als Ausgangspunkt eines in Folge regelmäßigen Angebotes. „Als die Stadt die ‚Wiese der Erinnerung‘, ein Naturgräberfeld für Urnen am städtischen Hauptfriedhof, als neues Angebot einführte, wurde dazu ein Infotag veranstaltet. Im Zuge der Vorbereitungen tauchte die Frage auf, wie man die Leute zur Wiese hin und wieder retour bringt, weil es doch eine größere Distanz war.“ Nun, die Antwort war – per Pferdekutsche! Auch in diesem Bereich hat Weiländer zahlreiche Anfragen, hält den Ball aber bewusst flach. „Ich habe ja schon einen Hauptberuf, die Pferde sind nur ein Hobby und sollen auch eines bleiben!“ Mika und Tim nennt er deshalb spaßhalber „Teilzeitarbeiter“. Damit sie auch während der auftragslosen Zeiten fit

bleiben, wird regelmäßig trainiert. „Das ist wie bei einem Sportler, der muss auch immer im Training bleiben, um seine Leistung abzurufen – und Mika und Tim ziehen halt lieber etwas durch die Gegend, als im Kreis herumzugehen.“ Damit ich eine Vorstellung bekomme, wie solche Übungseinheiten ablaufen, schirrt Weiländer seine zwei Kaltblüter und spannt sie vor ein Trainingsgerät, das den Pflug simuliert. „Das ist eine Selbstkreation, wie ich überhaupt viel experimentiere mit der Ausrüstung und den Werkzeugen, damit sich die Pferde wohlfühlen und man gut damit arbeiten kann.“ Einen Moment später stehe ich schon oben – und bin verblüfft, wie ruhig die Plattform über den unebenen Waldboden gleitet. Als wir von unserer kleinen Tour zurückkommen, kann ich erahnen, warum der Manager die Arbeit mit den Pferden so liebt. „Man kommt halt einfach voll runter, ist voll auf die Arbeit fokussiert. Und alleine die wunderschönen Orte und Lagen, wo ich mit den Pferden überall hinkomme – das ist einfach ein Traum!“, schwärmt er. Ebenso wie die enge Beziehung, die er zu Mika und Tim aufgebaut hat. „Huber Kirchmair hat einmal gesagt: Das Pferd ist der zweitbeste Freund des Menschen“, so Weiländer. Nun, ich bin mir nicht ganz sicher, ob nicht Mika und Tim sogar die Nummer 1 einnehmen. Die Chemie zwischen den dreien scheint jedenfalls zu stimmen, ebenso wie jene zum Herbergsgeber. Als wir uns von einander verabschieden, gesellt sich nämlich noch der Altbauer Franz Hintermeier zu uns und ist voll des Lobes für den Manager. „Der Matthias ist ja ein ganz ein klasser Bursch. Man muss sich vorstellen, dass er sich das alles selbst angeeignet hat – da kann ich nur den Hut ziehen.“


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Im Spannungsfeld zwischen streng umzäunter, gartenzwergdurchsetzter Kleingarten-Siedlungs-Romantik und stetig wechselnden Campingplatzfreunden zeigt sich Camping am See in St. Pölten als veritabler und angenehmer Erholungsplatz. Zwei junge Pächter, Florian und Lukas Winter, haben vor Kurzem die Aufgabe übernommen, diesen großzügigen Platz für Zelt und Wohnwagen attraktiver auszurichten.

chon bei der Ankunft und Betrachtung wird einem augenblicklich gewahr: Der Campingplatz in St. Pölten ist nicht so wie die meisten anderen seiner Zunft des naturverbundenen Reisens, denn bei der kleinen Zufahrtsstraße ist schon beim großen Schranken vorerst einmal Schluss. Die letzten Meter bis zum kleinen Anmeldehäuschen muss der frisch angekommene, potenzielle Campingplatzbesuchende einmal zu Fuß gehen. So wie Mathilde, die holländische Camperin, die sich, gerade als 42

der Schreiber dieser Zeilen begann, mit einem der neuen Pächter Florian zu plauschen, mit ihrem Mann Gert für einen Stellplatz anmeldet. Angelockt durch einen Rabatt einer Campingvereinigung, wo auch der St. Pöltner Platz Kooperationspartner ist, und der Aussicht auf wunderschöne Tage in Niederösterreichs Hauptstadt nebst Baden im direkt danebengelegenen See. Dieser ist übrigens das absolute Highlight hier in St. Pöltens Campingwelt. So sieht das auch der 24-jährige St. Pölt­ner Florian Winter, der mit seinem jün-

geren Bruder Lukas nun für den Campingplatz zuständig ist: „Die Lage, der See und auch der gute Preis sind sehr gute Argumente, hier mit Zelt, Campingmobil oder -wagen vorbeizuschauen.“ Der See ist das Highlight Und genau das denkt sich auch Mathilde, die nun zur Anmeldung schreitet: „Ein See in einer Hauptstadt und der gleich neben dem Campingplatz, das hat man nicht so oft.“ Obwohl erst kürzlich Campingplatzpächter, empfängt Florian


TEXT: ANDREAS REICHEBNER | FOTOS: MATTHIAS KÖSTLER

Unsere Stellplätze sind äußerst großzügig angelegt und vermitteln durch die dichte Hecke ein Gefühl des Privaten. LUKAS WINTER, 20-JÄHRIGER CAMPINGPLATZPÄCHTER

die neuen Mieter in einer routinierten und freundlichen Art und Weise. Man erkennt gleich seine Ausbildung in der HTS St. Pölten, und seiner Arbeit als Geschäftsführer von „Drink Cocktails“. Mit Eselsgeduld erklärt er der Holländerin, wie das geht mit dem Chip, der gleichzeitig nicht nur die Eingangstür und das große Tor, sondern auch die Toiletten öffnet. Denn ohne Chip oder den Schlüssel zur einzigen Tür, die zum See führt, gibt es kein Hereinkommen in den Campingplatz oder auch kein Wasser lassen. Das erinnert an das berühmte gallische Dorf – uneinnehmbar, außer man meldet sich an. Und so sind auch die beiden holländischen Campinggäste dann höchst erfreut, sich einen passenden Stellplatz zu suchen. Aber nicht bevor sie Florian nach allem gefragt haben, was halt so Camper fragen – hier ein kleiner Auszug: Wie viel Ampere-Strom gibt es am Stellplatz? Wo kann man gut essen gehen? Was kann alles in St. Pölten besichtigt werden? Gibt es frisches Gebäck in der Früh? „Da ich aus der Gastrobranche komme und auch schon in Hotelrezeptionen eingesetzt wurde, machen mir die vielen Fragen nichts aus, die Arbeit spiegelt meine Ausbildung in der Tourismusschule wider“, so Florian, der auf alles eine Antwort hat. Auch Lukas, der jüngere Bruder, bläst ins gleiche Horn: „Ich bin es gewohnt, mit Leuten in Kontakt zu treten. Die Arbeit hat viel mit Organisatorischem, eben wie in einer Rezeption, zu tun.“ Beide haben im ersten Monat als Campingplatzpächter die Erfahrung gemacht, dass die Camper „an sich nette und kontaktfreudige Leute sind.“

Dauercamper gehören zum Inventar Diesen Vorteil nutzen auch die Dauercamper, die schon viele Jahre die äußeren Parzellen, die wie ein Bollwerk gegen die „außercampierende“ Welt fungieren, ihr mieteigen nennen „Die sind 50 plus, die

Sehr privat Aber kommen wir ganz kurz zurück zu den beiden Campingfreunden

ANMELDUNG. Hier bieten die beiden Pächter auch regionale Spezialitäten und Cocktails an.

aus Holland, denn Gert parkt gerade sein mit allem Drum und Dran ausgerüstetes Campingmobil in einer der äußerst großzügigen Stellflächen ein und ist sehr entzückt. „So viel Platz hat man selten“, freut er sich und muss nicht unzählige Male, wie zumeist auf den Campingplätzen in anderen Gegenden, hin und her reversieren. Und auch von der dicht gewachsenen Hecke sind die beiden begeistert. „Die durch die Büsche abgetrennten Parzellen, die 80 bis zu 130 Quadratmeter Größe haben, sind ein weiteres Plus unseres Campingplatzes“, weiß Lukas, „da sind die Gäste auf ihren Platzerln sehr privat.“

meisten schon in Pension, kommen aus der Umgebung oder aus Wien, Krems und Tulln, aber auch aus St. Pölten. Für viele ist es ein Gartenersatz, sie leben eigentlich wie in einer Kleingartensiedlung und gehen uns an sich nichts an, denn sie mieten ihre Parzellen direkt beim Campingplatzbetreiber, der städtischen Immobilien GesmbH & Co KG, müssen auch ihren Rasen selbst mähen“, so Florian, der aber mit den meisten schon per Du ist. Auch mit dem St. Pöltner Andreas Jahodinsky, der mit seiner Gattin Patricia schon 18 Jahre einen Dau-

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erstellplatz innehat. „Wir sind so oft es geht hier, im Sommer schlafen wir auch da“, so der Dauergast, „dann fahre ich vom Campingplatz gleich direkt zur Arbeit.“ Früher sind die beiden mit dem Wohnwagen „quer durch ganz Europa“ getingelt, aber jetzt haben sie ihre beiden mobilen Behausungen, quasi wie ein „Campingvierkanter“ mit Innenhof und dem obligatorischen Zäunchen als Einfassung davor, gegenübergestellt. Während Enkerl Adrian beim Rasensprenger Abkühlung sucht, erzählt Andreas von der Vergangenheit: „Früher hatten hier lauter Polizisten ihre Plätze, haben die Hecken gepflanzt, aber auf einer Seite einen Laufweg gelassen. Da konnten sie sich gegenseitig besuchen und dabei ist einiges konsumiert worden.“ Besonders wenn sie auch beim damaligen Wirt und Pächter, dem Draxler Helmut, seines Zeichens auch legendärer „Cabrio“-Wirt und Manfred Deix-Freund, zusammenkamen. Für Jahodinsky ist hier „das Paradies inmitten der Stadt“, auch wenn er sich manchmal über die Lärmbelästigung durch die Modellmotorboote aufregen muss. Dagegen sind die Triathleten, die an einem bestimm-

ten Mai-Wochenende, an dem die STP Challenge stattfindet, für eine volle Auslastung am Campingplatz sorgen, ruhige Zeitgenossen. „Die stehen zeitig in der Früh auf, sind dann mit ihren Rädern weg oder laufen, und am Abend schlafen sie schon sehr früh ein.“ Einige Fahnen wehen Natürlich sind dort, wo der Atem der Kleingartenwelt haucht, auch unzählige Gartenzwerge zu finden. Und so finden sich hier die kleinen Gartenfreunde in allen Variationen wieder, ob gießend, auf Schnecken reitend oder fröhlich einen hebend, sie sind überall. Sie bevölkern den perfekt rasengetrimmten, penibel aufgeräumten Platz ebenso wie den absolut naturgewachsenen und auf den ersten Blick die Seele eines typischen Kleingartenfreundes zum Kochen bringenden Wildwuchsgarten. Der liegt gleich neben der Anmeldung und wehrt sich gegen jede Art von Plastik. An Fahnen, die über den Dauercamperparzellen wehen, fehlt es auch nicht. „Früher hatten wir eine Österreichfahne, jetzt weht Blau-Gelb über unserem Grund“, erzählt Jahodinsky, „aber dem-

Die Lage, der See und auch der gute Preis sind sehr gute Argumente, hier mit Zelt, Campingmobil oder -wagen vorbeizuschauen. FLORIAN WINTER, 24-JÄHRIGER CAMPINGPLATZPÄCHTER

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nächst wird es die St. Pöltner Flagge sein.“ Warum aber am Grund gegenüber das Banner der US-Marines im Winde segelt, weiß niemand so ganz genau. Ehe Florian Winter wieder seine Runde, in der er kontrolliert und begutachtet, ob alles so passt, fortsetzt, bekommt er einen kleinen Tipp mit: „Wenn der Campingplatz bummvoll ist, müsst ihr schauen, dass das Klopapier nicht ausgeht.“ Bei Null gestartet „Bei Null gestartet“ haben die jungen Neupächter, „vom Vorpächter nichts übernommen, nicht einmal eine Kundenkartei.“ Am Campingplatz gibt es einiges zu tun, ob es nun der Abtransport der vor den Containern irrtümlich platzierten Müllsäcke, das Mähen der riesigen Rasenflächen, die Instandhaltung der Anlagen, das viele organisatorische Drumherum und so weiter ist. „Ich fahre gerne mit dem Rasenmähertraktor, das ist fast wie Urlaub“, sagt Lukas und lächelt, denn die beiden können sich auch auf ihren Vater Thomas, der eine Werbeagentur besitzt und das Magazin „SCHAUrein!“ herausgibt, verlassen: „Wir möchten uns das einmal anschauen, wie es läuft, die Auslas­ tung erhöhen, die Website modernisieren, in Zukunft einen Check-In für Spätankommende oder vielleicht ein kleines Café einrichten“, so Florian, der mit Lukas den Platz auf ein Jahr gepachtet hat und beim Anmeldehäuschen auch frisches Gebäck, lokale Spezialitäten wie Weine aus dem Traisental und köstliche Cocktails von der hauseigenen Firma „Drink Cocktails“ anbietet. Beiden ist in Zukunft zuzutrauen, den Campingplatz weiter in Richtung „Paradies inmitten der Stadt“ aufzuwerten. Dann werden sich nicht mehr nur „Fuchs“ und „Henne“, zwei Camping-Pods, eine Mischung aus Zelt und Hütte, die seit Jahren hier von Gästen bezogen werden können, und die Dauercamper „Gute Nacht“ sagen, sondern auch immer mehr internationale Campingfreunde.


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MFG 06 22

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FOTOS: ADOBE STOCK, WEINFRANZ, GEORG WANDL

TROST FÜR DIE SEELE

KOLUMNE THOMAS FRÖHLICH

PSYCHOSTASIS Im Rahmen der Biennale in Venedig konnte man bis Ende Mai den gleichnamigen Kurzfilm der Künstlerin Holly Zausner sehen: Eine Frau in mittleren Jahren durchstreift die Stadt (die Serenissima) – sie befindet sich offenbar in einem Limbo zwischen Leben und Tod („Psychostasis“ beschreibt jenen Zustand, in dem die Seele seitens des Göttlichen gleichsam „gewogen“ wird). Immer wieder zieht es sie in Museen, Bibliotheken, Kirchen und Konzertsäle, in denen die Musik (der Erinnerung) andauert. Kunst als Rettung also? Der Film gibt keine festen Antworten, hinterlässt aber Hinweise, die auch nichtreligiöse Menschen annehmen dürfen. Nun ist St. Pölten klarerweise nicht Venedig, obgleich mittlerweile die Einwohneranzahl ähnlich ist: Immer mehr eingesessene Venezianer verlassen die Stadt nicht zuletzt aufgrund entfesselter Wohnraumpreise und hemmungslosen Overtourisms. Nun, das Problem mit Overtourism etwa hat St. Pölten garantiert nicht – man darf der Stadt aber eine sehr rührige Kunst- und Kulturbeflissenheit unterstellen, auch wenn diese oftmals in Nischen blüht, abseits der institutionalisierten Kulturförderung, die nicht selten lieber nach ideologischen denn nach künstlerischen Vorgaben Entscheidungen trifft. Böse Zungen meinen auch, Hauptsache, es werde brav gegendert – der Rest ergebe sich von selbst. Das soll jedoch nicht davon ablenken, dass wir (noch) eine schöne kulturelle Bandbreite vorfinden, die einigen Unermüdlichen und Begeisterten zu verdanken ist, die mit Herzblut bei der Sache sind. Und um deren „Psychostasis“ ich mir keine Sorgen zu machen brauche.

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anche Dinge warten auf den richtigen Zeitpunkt. So erging es auch Bettina Planyavsky mit ihrem Kinderbuch „Die Honigpunktmaus. Eine große Reise.“ Geschrieben und illustriert hatte sie es bereits vor zwei Jahren, doch erst angesichts des Ukraine-Krieges schien das Buch, wie es die Autorin formuliert „seine Bestimmung“ gefunden zu haben. Die Reise des Buches selbst geht nämlich in die Ukraine und in diverse Flüchtlingsanlaufstellen hierzulande – als Ge-

schenk an die traumatisierten Kinder. Dank privater Spenden und der Hilfe von Zivilschutzverband und Rotem Kreuz konnte eine erste Auflage von 8.000 Stück in ukrainisch-russischer Sprache bereits an die kleinen Leser gebracht werden. Eine deutsche Auflage ist in Arbeit. „Dass alles so schnell umsetzbar war, ist für mich ein Wunder, für das ich sehr dankbar bin“, so die Autorin. Spendenkonto für weitere Druckauflagen: IBAN: AT25 2020 2015 1009 4871

„P ING-P ONG“ MIT DER BÜHNE IM HOF

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aniela Wandl lässt 39 mal von September bis Dezember in der Bühne im Hof „magisches PingPong“ spielen, in „merkwürdigen Zeiten“, in denen die Interaktion zwischen Publikum „in der Bühne“ und Künstlern auf der Bühne besonders wichtig ist. Dort tanzt zum Saisonstart der Hot Pants Road Club an, sorgen Kabarett (Hader, Dorfer, Berni Wagner, Malarina) und Kindertheater (mit Landestheater und Jeunesse), Musik von Funk und Punk bis Thomas Gansch, Traditionals wie das Irish Christmas Festival und Grissemann & Grissemann sowie Hommagen an H. C. Artmann und John Lennon für magische künstlerische Momente. Was die Programm-Macherin besonders empfiehlt? „Alles“.

Daniela Wandl verlässt die 32 Jahre alte Bühne im Hof im Sommer 2023 – „ein paar Ideen hätte ich schon noch gehabt“. Aber: „Es ist eine Entscheidung gefallen.“ Und: „Auf jedes Ping folgt ein Pong“.


MFG ADVERTORIAL

HAUS DER GESCHICHTE

BILDER WIDER DIE MACHT

Rund 200 Grafiken, Zeichnungen und Ölgemälde besitzt das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW). Die Sammlung besteht aus Geschenken Kunstschaffender, die ihre Wertschätzung für die Arbeit des DÖW zum Ausdruck bringen wollten. Die Kunstwerke erzählen von Widerstand, Krieg und Verfolgung zwischen 1934 und 1945 sowie von der künstlerischen Erinnerungsarbeit nach der NS-Zeit. Unter dem Titel „Wider die Macht“ präsentiert das Haus der Geschichte in St. Pölten die Kunstsammlung des DÖW erstmals umfassend. Auf 600 Quadratmetern Ausstellungsfläche werden rund 150 Werke von über 50 Künstler*innen in einen zeitgeschichtlichen Kontext gesetzt. Bilder bekannter Künstler*innen wie Adolf Frohner, Georg Eisler, Trude Waehner, Alfons Walde, Alfred

André Verlon: Sein oder Nichtsein (1962) © DÖW, Foto: Christoph Fuchs

Hrdlicka, Karl Stojka, Hans Maršálek oder Heinrich Sussmann sind ebenso zu finden wie Werke, deren Urheber*innen in Vergessenheit geraten sind. Der erste Raum widmet sich der Kunst zur Zeit von Verfolgung und Widerstand. Die Werke zeugen von den oft prekären Verhältnissen, unter denen sie entstanden: Im Spanischen Bürgerkrieg, in Gefängnissen und

Internierungslagern wurden mit einfachen Mitteln kleine Skizzen und Zeichnungen angefertigt. Im zweiten Raum begegnen den Besucher*innen Persönlichkeiten, die sich nach dem Ende des Krieges mit dem Holocaust, dem Nationalsozialismus und den Folgen seiner Gewaltherrschaft auseinandergesetzt haben. Manche Künstler*innen dokumentieren ihre Erfahrungen in drastischen Darstellungen, andere verwandeln sie in abstrakte Formen und manche wollen mit ihren Bildern künftige Generationen vor bedenklichen Entwicklungen in der Gegenwart warnen, damit sich die Geschichte nicht wiederholt. Sonderausstellung Wider die Macht. Die Kunstsammlung des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes Haus der Geschichte Kulturbezirk 5, 3100 St. Pölten www.museumnoe.at

ISOLDE MARIA

JOHAM bis 09. 10. 2022 lgnoe.at

Isolde Maria Joham, Cool (Detail), 2004 © Isolde Maria Joham, Foto: Christoph Fuchs

Das Haus der Geschichte in St. Pölten präsentiert erstmals die Kunstsammlung des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes.


KULTUR HAUPTSACHE

Das Festival „Tangente“ soll St. Pöltner und St. Pölten-Besucher in zwei Jahren kulturell berühren. Die Vorarbeiten zur gescheiterten Bewerbung als Europäische Kulturhauptstadt mit den Inputs vieler kulturinteressierter St. Pöltner sind nicht mehr aktuell, werden dafür nicht genutzt. Womit also werden wir 2024 beglückt? Womit wollen wir uns beglücken lassen? Oder grundlegend gefragt: Was ist Kultur – für institutionalisierte Kultur-Manager, für Kultur-Veranstalter, für Kultur-Schaffende, für Kultur-Kundschaft?

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ier Fragen sollen klären helfen, wie’s St. Pöltner KulturAffine mit der Kultur halten, was sie sich von einem Kulturjahr 2024 erwarten: • Was ist Kultur? • Wer macht Kultur? • Was brauch‘ ich persönlich fürs kulturelle Glück? • Was fehlt St. Pölten zur Kulturhauptstadt?

stigen künstlerischen, gestaltenden Leistungen einer Gesellschaft“, eben „alles, was durch den Menschen erschaffen wurde“, so René Voak, Geschäftsführer der NXPVeranstaltungsbetriebs GmbH., „das Konzentrat dessen, was uns

Die Antworten sind so unterschiedlich wie die Lebenswelt der Menschen, die ihre Gedanken dazu kundgetan haben. Was ist Kultur? Autor Thomas Fröhlich bringt’s auf den Punkt: „Also, wahrscheinlich gibt’s mittlerweile so viele Kulturbegriffe, wie es persönliche Haltungen und Meinungen gibt“, und er bezieht sich dann auf Schopenhauers Theorie: „Kultur bezeichnet alle Erscheinungsformen menschlichen Daseins, die auf Wertvorstellungen und erlernten Verhaltensweisen beruhen – als Gegenbegriff zu der nicht vom Menschen geschaffenen und nicht veränderten Natur.“ Oder, wie das Matthias Pacher, Geschäftsführer des Museum Niederösterreich, ausdrückt: „Kultur ist die Gesamtheit der gei50

ST. PÖLTEN FEHLT SELBSTBEWUSSTSEIN. René Voak wünscht der Stadt eine effizientere Selbstwahrnehmung.

ausmacht“ (Bühne-im-Hof-Intendantin Daniela Wandl) oder einfach „die Art, wie wir leben“ (Schriftstellerin Zdenka Becker). Und dazu gehört, so die junge Sängerin Sinikka Monte: „Das Feiern all unserer Traditionen“, das „WIR –

ohne WIR keine Kultur“ (Musiker Taner Türker). Kultur ist also ein Überbegriff für „das Miteinander der Menschen einer Gesellschaft“, sagt der bildende Künstler Ernest Kienzl, und „die gesellschaftliche Wertschätzung des kreativen Schaffens in allen Formen“, ergänzt Lichtkünstler Markus Kautz. Die passiert nicht ohne Zutun, konkretisiert der bildende Künstler und Musiker Marcus Hufnagl: „Kultur ist Auseinandersetzung – mit diversen Inhalten, mit der eigenen Geschichte, der Geschichte der Welt, des eigenen Landes, des persönlichen Umfelds.“ Diese Auseinandersetzung koste Mühe, Disziplin, Vorbereitung, Zeit und Geld, so Hufnagl, „egal, ob auf Seite des Konsumenten oder des Anbieters. Das reicht vom Sehen, Fühlen und Begreifen einer Landschaft, eines Gebäudes, einer Stadt, dem Besuch einer Gaststätte, eines Konzertes, einer Ausstellung bis hin zum sogenannten ‚Event‘.“ So gesehen ist die Kultur einem beständigen Wandel unterworfen, „ein Spiegel der Zeit, in der sie geschaffen wurde“ (Musiker Mika Stokkinen) und auch „nichts, um das man einen Gartenzaun ziehen sollte“, ist Festspielhaus-Intendantin Bettina Masuch überzeugt. Wie


TEXT: BEATE STEINER | FOTOS: KÖSTLER, VORLAUFER, PICHLER, MONIHART, MARINGER, JÄGER

rich Nietzsche: „Wir gehören einer Zeit an, deren Kultur in Gefahr ist, an den Mitteln der Kultur zugrunde zu gehen.“ So gesehen sollte sich Ernest Kienzls Ansicht durchsetzen: „Niemand macht Kultur! Kultur wird nicht gemacht, sondern entsteht – hoffentlich.“ Ja, sagt Mona Jas, künstlerische Leiterin des KinderKunstLabors: „Kultur entwickelt sich durch und in allen Äußerungen des menschlichen Miteinanders in komplexer und stets sich verändernder Weise: facettenreich, fluide, bereichernd und sinnhaft.“

KULTURSTADT-PLAN. Christoph Gurk, der künstlerische Leiter des Festivals Tangente, präsentierte mit Johanna Mikl-Leitner, Matthias Stadler und Matthias Adl, was die St. Pöltner im Kulturjahr 2024 erwartet (von rechts).

Musik-Manager Dietmar Haslinger, für den Kultur „der kreative Ausdruck gemeinsamen Schaffens verschiedener Gesellschaften“ ist. Denn „Kultur befähigt uns, einander zu verstehen oder zumindest zu tolerieren und sie stiftet Identität“, erklärt Autorin Renate Kienzl. Fürs persönliche Wohlbefinden ist Kultur für die meisten Menschen unbedingt notwendig, „wie die Luft zum Atmen“, sagt Galerist Karl Heinz Maringer. „Ohne Kultur kann kein glückliches Leben gelingen“, ist Künstler Florian Nährer überzeugt, „denn Kultur bereichert das Leben und öffnet es für unsere Sinne, die Seele, das Herz“ (TheaterIntendantin Marie Rötzer). Wer macht Kultur? Die – theoretische – Antwort darauf scheint einfach. „Alle Menschen, die mit ihren Handlungen geistige sowie künstlerische Leistungen in einer Gesellschaft gestalten“, erklärt Kulturamtsleiter Alfred Kellner. „WIR alle“, sagt Taner Türker und ergänzt: „Wir Menschen, hoffentlich mit einem freien Kopf, um unsere Ideen zu realisieren und zu kommunizieren.“ Die Realität sieht Thomas

Fröhlich nicht so eindeutig positiv: „Die gute Nachricht – Kultur macht jeder. Die schlechte Nachricht – Kultur macht jeder.“ Denn der Autor kritisiert, dass „die derzeitige institutionalisierte Kulturvermittlung leider häufig von einer völlig verengten Sicht ausgeht, in der es in erster Linie darum geht, gesellschaftspolitische Agenda, die derzeit als hip und richtig/wichtig gelten, durchzusetzen.“ Und Fröhlich zitiert Fried-

Was fehlt St. Pölten zur Kulturstadt? Was kann denn abgehen in einer Stadt mit drei Theatern, fünf Museen, zahlreichen Festivals, Musik- und Kunstvereinen, einer altbewährten freien Szene, Orchestern? „Nichts“, denken Kulturamtsleiter Alfred Kellner und Museums-Geschäftsführer Matthias Pacher. Doch die Jugend hat unerfüllte Wünsche: „Orte, an denen sich zu jeder Tageszeit das brummende Leben versammelt gehören zu den Dingen, die ich am meisten an der Stadt vermisse“, klagt Markus Kautz. „Jugendkultur fehlt!“, ruft Felix Schnabel, als Salamirecorder ein bekannter Musiker: „Es gibt kaum Auftrittsmöglichkeiten oder

FACETTENREICH. Kultur entwickelt sich durch Äußerungen des menschlichen Miteinanders, sagt Mona Jas (Mitte). MFG 06 22

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WAS BRAUCHE ICH PERSÖNLICH FÜRS KULTURELLE GLÜCK?

Hauptsache bunt! Wichtig ist mir, dass Kultur für jedermann und jederfrau zugänglich ist. Aber in einer Form, die Freude bereitet, das Herz berührt, mich nicht langweilt und überrascht. VERONIKA POLLY, SCHAUSPIELERIN

In erster Linie Bücher. Dann gute Gespräche. Ins Theater würde ich gerne öfter gehen – mir ist das aber meistens seitens der Regisseure zu verhaltensoriginell. Da mach‘ ich lieber einen „Waldgang“ (copyright E. Jünger) und nehm‘ mir was zu lesen mit.

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Ich brauche die anderen für ein „WIR“. Ich meine, ein sehr vielseitiges, ein tolerantes und auch ein kritisches „WIR“ … TANER TÜRKER, MUSIKER

Für mein persönliches kulturelles Glück brauche ich ein Umfeld und Anreize, die zumindest ein Wohlbefinden in mir auslösen. RENÉ VOAK, VERANSTALTUNGSMANAGER

THOMAS FRÖHLICH, AUTOR

Die Bereitschaft, mich auf Neues einzulassen.

Kultureller, respektvoller Umgang untereinander. MATTHIAS PACHER, MUSEUMS-GESCHÄFTSFÜHRER

DIETMAR HASLINGER, MUSIKMANAGER

Alle Gattungen der Kunst, Kreativität, schöne Natur rund um mich, gutes Essen, schöne Dinge, die mich erfreuen, aber vor allem ein friedvolles Miteinander. ZDENKA BECKER, AUTORIN

Wahrnehmung und Akzeptanz anderer Kulturen und wie sie sie feiern. Es sollte sich niemand unwohl fühlen, seine eigene Kultur auszudrücken und zu zelebrieren. SINIKKA MONTE, MUSIKERIN

Keinen „Kampf der Kulturen“, sondern ein emphatisches Miteinander! BETTINA MASUCH, FESTSPIELHAUS-INTENDANTIN

Menschen, die aufgeschlossen sind, denken und handeln, lernfähig und offen für neue Herausforderungen. ERNEST KIENZL, BILDENDER KÜNSTLER

Leidenschaft! FELIX SCHNABEL, MUSIKER

Orte und Veranstaltungen mit Tiefgang, „Echtheit“ und Qualität. MARCUS HUFNAGL, MUSIKER UND BILDENDER KÜNSTLER

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HAUPTSACHE KULTUR

JO HAN NA MI K L- L E I T N E R LANDESHAUPTFRAU

Was ist Kultur? Wenn man im Lexikon nachschlägt, findet man unterschiedliche Definitionen, die jede und jeder nachlesen kann. Viel wichtiger erscheint mir die Frage: Was bewirkt Kultur? Für mich ist die Kultur der Nährboden für Weltoffenheit, Kreativität und Innovation. Kultur ist das, was uns Menschen ausmacht. Kultur verbindet, bildet Gemeinschaften. Kultur sorgt für Lebensqualität, fördert den gesellschaftlichen Diskurs und ist ein wesentlicher Eckpfeiler unserer Gesellschaft. Wer macht Kultur? Wir alle sind Teil der Kultur. Kultur entsteht durch unser Wirken, Denken und Fühlen. Künstlerinnen und Künstler, die in eine bewusste Beziehung mit der Gesellschaft treten, diese spiegeln und hinterfragen, fördern die Fantasie der Menschen. Aus dem gegenseitigen Dialog entsteht eine Wechselwirkung, die eine enorme Schubkraft freisetzt und deren Dynamik einen großen Einfluss sowohl auf das Entstehen als auch auf die Rezeption von Kultur hat.

wie Kunst und Kultur es sind – es ist für jede und jeden etwas dabei.

Was brauch‘ ich persönlich fürs kulturelle Glück? Die Auseinandersetzung mit Kultur sehe ich als große Lebensbereicherung. Sie fördert nicht nur das kritische Denken, sondern schult auch soziale Kompetenzen und trägt zum Erkenntnisgewinn bei. Durch die Beschäftigung mit den eigenen kulturellen Traditionen lernen wir uns nicht nur selbst besser zu verstehen, sondern entwickeln gleichzeitig auch ein besseres Verständnis für das scheinbar fremde Andere. Kulturelle Bildung ist eine der besten Investitionen in die Zukunft unseres Landes. Aber das persönliche kulturelle Glück kann vielfältig sein, so

Was fehlt St. Pölten zur Kulturstadt? St. Pölten ist bereits das kulturelle Zentrum des Landes und ist eine Kulturstadt, die wir künftig noch mehr in den Vordergrund stellen wollen. Die Stärkung der Kulturstadt St. Pölten bildete die kulturpolitische Vision, aus der die Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas 2024 sowie die Investitionen in die Kulturinfrastruktur vom KinderKunstLabor über die Neugestaltung des Domplatzes bis hin zum neuen Festival für Gegenwartskultur, der Tangente, hervorgingen. Diese erfreuliche Entwicklung werden wir auch in Zukunft weiter fördern und intensiv vorantreiben.

LEBENSNOTWENDIG. Galerist Karl Heinz Maringer braucht Kultur wie die Luft zum Atmen.

Bars für Undergroundbands und junge Künstler. Wo kann ich meine Freunde aus Wien spielen lassen? Es fehlen Ateliers, Proberäume.“ Das war schon mal besser in der Stadt, erinnert sich Florian Nährer: „In den 80ern, 90ern, gab es in St. Pölten zahlreiche kleine Tschecherl, in denen sich junge Menschen treffen konnten. Dort konnten Schülerbands auftreten und sich ausprobieren. Ich denk‘ da an den Koll, das Drunter & Drüber, das Salzamt, das Kuckucksnest. Diese waren für uns damals eine Art Wohnzimmer und eine künstlerische Spielwiese. Solche Institutionen fehlen heute in St. Pölten, auch Atelierräume für junge Künstler und Künstlerinnen.“

Paul le‘Buche von der PunkrockBand Zsa Zsa Gabor‘s ergänzt: „Es fehlt eine Anlaufstelle für die Jugend bis hin zu allen, die Ideen haben, sich entfalten und gehört werden wollen.“ Auch die Kommunikation nach außen, die Information, welche Möglichkeiten es gibt, könnte verbessert werden, regt der Musiker an. Das hat auch Schauspielerin Veronika Polly beobachtet: „Das kulturelle Angebot für Jugendliche sollte ansprechender werden und auch das Interesse an Kultur wecken können.“ Vielen Jugendlichen fehle das Interesse und der Zugang zum derzeitigen Angebot, meint Polly, die auch junge Menschen im Schauspiel unterrichtet. MFG 06 22

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QUINTESSENZ. Offenheit, Wertschätzung und weniger Tunnelblick empfiehlt Daniela Wandl der Kulturstadt.

Konkrete Wünsche hat auch Festspielhaus-Intendantin Bettina Masuch, die die Kultur-Institutionen und -initiativen lobt: „Was fehlt: ein Probenhaus, ein Arbeitsort für Künstlerinnen und Künstler.“ Galerist Karl Heinz Maringer sowie dem bildenden Künstler Florian Nährer fehlt ein modernes Museum: „Wir sind die einzige Landeshauptstadt ohne ein solches“, so Nährer. Und dann gibt’s da noch ein paar Eigenschaften, die St. Pölten am kulturellen Aufblühen hindern: „Selbstbewusstsein und Selbstwahrnehmung“, findet René Voak, „Selbstreflexion“, Marcus Hufnagl. „Mut zum Risiko – und vielleicht Netzwerke“, gehen Mona Jas ab. „Offenheit, Wertschätzung und weniger Tunnelblick“, empfiehlt Daniela Wandl – und trifft damit das, was sich Ernest Kienzl und Dietmar

Haslinger für die Stadt wünschen: eine Vision und ein markantes Kulturprofil. „Dazu braucht es nur einige zündende Ideen mit Alleinstellungsmerkmal. Das, was die Stadt in den letzten Jahrzehnten gezeigt hat, erinnert eher an einen Dornröschenschlaf – und küssende Prinzen sind nicht in Sicht.“ Die nicht stark abweichen von Thomas Fröhlichs Kritik an der institutionalisierten Kulturvermittlung: „Ich sehe hier eine wachsende Einengung auf ‚Zeitgeist-Themen‘, also Migration, Klimawandel und Genderthemen. Nicht, dass derlei nicht kulturell respektive künstlerisch verhandelt werden sollte – aber, Entschuldigung, das ist doch bitte nicht alles. Ich wünsche mir mehr Offenheit seitens der Verantwortlichen und nicht ein Nachhumpeln dessen, was halt grad in Berlin oder Wien ‚cool‘ ist.“

M ATT H IAS STADL E R BÜRGERMEISTER

Was ist Kultur? Kultur ist die Vielfalt der unterschiedlichen Kunstrichtungen und einer der kreativsten Prozesse, die Menschen zur Freude anderer hervorbringen. Kultur bereitet wirklichen Genuss und bereichert das Leben. Im weiteren Sinne ist Kultur ein Mittel zur Völkerverbindung und -verständigung – sie zeigt zum einen reizvolle Unterschiede auf und hilft zum anderen dabei, Brücken zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft und kulturellen Hintergründen zu bauen. Mit dem Festival für Gegenwartskultur Tangente 2024 werden wir diesem Grundsatz folgen und mit dem Thema Nachhaltigkeit vereinen. Wer macht Kultur? Kreative Köpfe, Menschen die, etwas schaffen wollen. Aber auch all jene, die Kultur konsumieren. Kultur – das sind wir alle. Was brauche ich persönlich fürs kulturelle Glück? Möglichst viele kulturelle Veranstaltungen jeglicher Art. Seit Veranstaltungen wieder im gewohnten Rahmen möglich sind, merke ich nochmals mehr, wie schmerzlich ich sie vermisst habe. Was fehlt St. Pölten zur Kulturstadt? In den letzten Jahren hat sich St. Pölten im kulturellen Sektor enorm weiterentwickelt. Das Angebot wächst stetig und wenn wir Richtung 2024 schauen, wird es mit der Tangente noch gewaltige Sprünge geben. St. Pölten

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und seine Künstlerinnen und Künstler brauchen aber auch noch mehr Selbstbewusstsein, nach innen, aber vor allem nach außen. Wir müssen uns nicht schämen für unser kulturelles Angebot. Als jüngste Landeshauptstadt haben wir aber auch noch Raum zu wachsen.


HAUPTSACHE KULTUR

WAS BRAUCHE ICH PERSÖNLICH FÜRS KULTURELLE GLÜCK?

Viel – Anstand, Klugheit, Fairness, Humor, Ehrlichkeit, Kreativität, Leichtigkeit, eigentlich alles, was auch das menschliche Miteinander ausmachen sollte. Und ganz wenig – einen Funken, der mich irgendwie erwischt.

II

Theater und den spielerischen, sinnlichen und gedankenanregenden Zugang zur Welt. MARIE RÖTZER, THEATERINTENDANTIN

DANIELA WANDL, INTENDANTIN BÜHNE IM HOF

Orte, an denen man sich entfalten kann und Möglichkeiten hat, Kultur auszuleben. Bars, Clubs, Wirtshäuser, Galerien, Plätze der Bewegung, wo Zusammenkünfte gestaltet werden können. PAUL LE’BUCHE, MUSIKER

Dass wir Künstler in Österreich ohne Angst vor Repressalien die Kultur in jeglicher Form unter die Menschen bringen dürfen.

Eine innere Beziehung zu einem Werk, Arbeiten, die mich emotional ansprechen und mit denen ich leben kann. KARL HEINZ MARINGER, GALERIST

Für das kulturelle Glück brauche ich als Künstler vor allem eine Plattform und andere Personen, welche das eigene kulturelle Interesse teilen. Als Betrachter brauche ein breites Spektrum an verschiedenen Möglichkeiten, Kultur zu erleben. MARKUS KAUTZ, LICHTKÜNSTLER

MIKA STOKKINEN, MUSIKER

Das St. Pöltner Kulturangebot! ALFRED KELLNER, KULTURAMTSLEITER

Orte der Inspiration und Orte, an denen ich mich künstlerisch ausleben kann. FLORIAN NÄHRER, BILDENDER KÜNSTLER

Für mich passt der Begriff kulturelles „Glück“ nicht, ich brauche kein kulturelles Glück. Es sind andere Kriterien, die ich brauche, die ich mit Kultur in Verbindung bringe: Befriedigung, Befreiung, Erkenntnisgewinn, Auseinandersetzung, Neues, noch nie Gesehenes, Gedachtes, Gemachtes, Scheitern, Gelingen … Ich schreibe, um mich besser zu verstehen, die Welt besser zu verstehen. RENATE KIENZL, AUTORIN UND REGISSEURIN

Andere! MONA JAS, KÜNSTLERISCHE LEITERIN DES KINDERKUNSTLABORS

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SAGENHAFT! Sagen aus St. Pölten? Gibt es diese überhaupt? Während etwa Wien über Ikonisches wie den Lieben Augustin, das Donauweibchen oder den Basilisken verfügt, bleibt für St. Pölten scheinbar nicht viel übrig. Der gebürtige St. Pöltner Autor und Satiriker Michael Ziegelwagner beweist allerdings derzeit in seinem Buch „Als der Teufel gegen den Bischof Krenn beim Schnapsen verlor“ das Gegenteil. „Bei Michael Ziegelwagner ist man in guter Gesellschaft, lernt was und amüsiert sich doch.“ (Harry Rowohlt, 2011)

S

t. Pölten hat ja tatsächlich keine Sagentradition. Aber als ich wieder einmal durch die Stadt ging, fiel mir dieser Haken am Eck des Hauses Herrenplatz Nr. 6 auf, der wie ein zu hoch ge-

hängter Garderobehaken aussieht. Ich dachte, woher kommt das? Das könnte doch ein Freiluft-Haken für die Jacke eines Riesen sein; und daraus entstand die Sage vom Riesen am Herrenplatz. Ich nehme an, in Wirklichkeit hat der Haken etwas mit der Stromversorgung und irgendwelchen Kabeln zu tun. Ich habe diese Gedanken dann weitergesponnen. Und mir gesagt, tun

wir so, als ob St. Pölten eine Sagenstadt wäre.“ Das war dann der Startschuss für Michael Ziegelwagners neustes Buch „Als der Teufel gegen den Bischof Krenn beim Schnapsen verlor“. Denn wer genauer hinsehe, könne auch hier jede Menge Sagenpersonal entdecken. Der gebürtige St. Pöltner Schriftsteller und Kolumnist des Satiremagazins Titanic hat sich auf die Suche begeben und schildert auf überaus unterhaltsame Weise, wie die St. Pöltner den Wienern ihr Donauweibchen abluchsen wollten, warum das Rathaus rosa ist, welcher Fluch auf der Stadt lastet und wo der Teufel, Till Eulenspiegel, Richard Löwenherz, ein exhibitionistischer Riese und Franz Schubert ihre Spuren hinterlassen haben. „Ich hatte im Grunde zwei Zugänge. Der erste: Man geht durch die Stadt und schaut, was kann man bearbeiten. Da kommen sogar Sagen aus dem 20. und 21. Jahrhundert dabei heraus, etwa übers Regierungsviertel. Der zweite Zugang: Man nimmt sich die Sagen von woanders und transferiert sie, etwa das Donauweibchen aus Wien.“ Auf meine Frage, wie sich Bischof Krenn auf den Buchtitel verirrt habe, lacht Ziegelwagner: „Wahrscheinlich ist er der berühmteste St. Pöltner, der nicht aus St. Pölten stammt!“ Wir sitzen im Wiener Kaffeehaus Weidinger, einem der letzten nicht zu Tode renovierten traditionellen Wiener Kaffeehäuser. Der frisch gebackene Sagenerzähler lebt seit einigen Jahren in Wien, besucht aber regelmäßig seine Heimatstadt. „Ich hab‘ als Baby in St. Pölten gewohnt, dann in St. Georgen und Obergrafendorf.

Verzauberung und Entzauberung in einem. MICHAEL ZIEGELWAGNER 56


TEXT: THOMAS FRÖHLICH | FOTOS: FLORIAN SIMON LINKE

Tun wir so, als ob St. Pölten eine Sagenstadt wäre. MICHAEL ZIEGELWAGNER

ANGESAGT. Michael Ziegelwagners Sagenbuch erfreut sich nicht nur in St. Pölten großer Beliebtheit.

Als Jugendlicher sagte ich mir, nichts wie weg! Inzwischen mag ich St. Pölten wieder recht gern. St. Pölten gilt für viele als Witz-Platzhalter, als automatische Pointe. Da muss man schon dagegenhalten.“ Ziegelwagner wurde 1983 geboren und studierte Journalismus in Wien. Nach seinem Diplom begann er, für das deutsche Satiremagazin Titanic zu schreiben, war bis vor Kurzem dort als Redakteur tätig, ist nun Feuilleton-Chef und verfasst regelmäßig Kolumnen und Beiträge. Außerdem schreibt er für den österreichischen Standard und die TAZ. 2011 veröffentlichte er mit „Café Anschluss“ sein erstes Buch. Ziegelwagners Romandebüt „Der aufblasbare Kaiser“ befand sich auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. „Unbekannt in deutschem Land sind Café und Würstelstand“ nennt sich die Neuauflage von „Café Anschluss“ – und nicht nur wegen Ziegelwagners Mitarbeit im Titanic wirft das die Frage auf, inwieweit sich deutscher und österreichischer Humor voneinander unterscheiden. Die Antwort mag überraschen: „Die Grenzen existieren eigentlich gar nicht.“ Allerdings: „Geschriebene Satire gibt’s in Österreich eigentlich

nimmer. Diese findet dafür flächendeckend auf der Bühne und im Film statt.“ Doch er räumt ein Ausnahmetalent ein: „Antonio Fian.“ Und was mögliche Vorbilder betrifft, ergänzt er: „Eckhard Henscheids Sagen- und Märchenton, den er neben vielen anderen Tönen auch draufhat, hat bestimmt eine Rolle gespielt, dass ich Lust bekommen habe, dieses Sagenbuch zu schreiben.“ Was kann und darf eigentlich Satire? „Alles, was man künstlerisch behandeln kann, kann man auch satirisch behandeln.“ Gibt’s für ihn persönliche Schmerzgrenzen? „Wo ich mich nicht auskenn‘, da lass‘ ich’s.“ So gebe es auch zwei Weisen, an Satire heranzugehen: „Froschperspektive versus Adlerperspektive. Für Letztere musst du halt schon sehr gut sein.“ Bei ersterer schlüpfe man mitunter eben in einen Charakter hinein, den man nicht mag, „bisweilen bis zum Erbrechen. Das nennt man dann Überidentifikation.“ Obgleich Ziegelwagner angesichts der derzeitigen Weltlage ein wenig seufzt: „Wenn du heute rausgehst, kannst du im Grunde anfangen, ‚Die letzten Tage der Menschheit‘ neu zu schreiben.“ Der Wunsch nach Literatur und Satire sei bei

ihm schon immer vorhanden gewesen. „Ich mag diese ‚uneigentliche‘ Art des Sprechens. Ich weiß nicht, wer sich noch an die satirische Comic-Zeitschrift MAD erinnert. Die mochte ich sehr. Deren Chef, der österreichstämmige Herbert Feuerstein, erzählte mir übrigens einmal, Helmut Qualtinger chauffiert zu haben.“ Humortransfer, sozusagen. „Und dann, mit zwölf, schrieb ich meinen ersten Roman. Es war die Geschichte eines (noch dazu schottischen) Milliardärs, recht epigonal Don Rosas toller ‚Onkel Dagobert‘Lebensgeschichte nachgebildet. Nennen wir‘s mal Hommage. Da wusste ich: Ich habe potenziell den Atem zu längerem Schreiben.“ Der Roman wurde allerdings nicht veröffentlicht, wie Ziegelwagner grinsend anmerkt. Bei seinem aktuellen Sagenbuch mischen sich die Formen: „Manches hat einen satirischen Touch, manches kommt als Märchen daher. Es geht hier einerseits um eine Mystifikation des Ortes, zugleich beinhaltet es auch einen aufklärerischen Aspekt: Verzauberung und Entzauberung in einem.“ Es gebe dann zwei Arten von Rezipienten, „jene, die sich lokalpatriotisch verzaubern lassen, und jene, die der Entzauberung huldigen.“ Und er meint: „Beide haben recht.“ Dann denkt Ziegelwagner kurz nach: „Oder auch nicht.“ Als abschließende Empfehlung gibt der Autor den MFG-Lesern noch eine mit auf den Weg: „Füllt eure Orte mit Sagen auf!“ Alles klar! Da gibt es doch diesen pittoresken Innenhof, der sich ausschließlich beim Höfefest materialisiert und den Rest des Jahres geheimnisvoll in anderen Dimensionen zu weilen scheint. Von diversen Haken ganz zu schweigen … MFG 06 22

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FOTOS: FREUNDE DER KULTUR ST. PÖLTEN

STARKE FRAUEN Die Namen starker Frauen sind uns in St. Pölten, vor allem im Kulturbereich, schon lange geläufig. So sehr, dass sich die künstlerische Leiterin des Landestheaters Marie Rötzer fast „entschuldigte“, dass heuer der Anteil der Regisseurinnen jenen der männlichen Kollegen weit übertrifft, „was sich aber wieder ausgleichen wird.“ Verkehrte Welt? Eher goldrichtige für St. Pölten! Die Leiterinnen in den St. Pöltner Kulturbetrieben leisten großartige Arbeit, unterstützt von ihrer auch überwiegend weiblichen Crew und es ist ihnen allen zu danken, dass sich St. Pölten in den letzten Jahrzehnten zu einem renommierten und anerkannten Fixpunkt in Österreichs Kulturlandschaft gewandelt hat. Ein verlässlicher und nimmermüder Motor dieser Entwicklung war die künstlerische Leiterin des Festspielhauses St. Pölten Brigitte Fürle. Nach neun Jahren wird sie das Haus nach dieser Saison verlassen und hinterlässt ein beachtliches Erbe. Die Auslastungszahlen ihrer Ägide sprechen eine klare Sprache, mit welch gutem Händchen Brigitte Fürle das Haus geführt hat. Selbst die CoronaPandemie konnte der Beliebtheit des Festspielhauses keinen dauerhaften Schaden zufügen. Sobald der Betrieb wieder möglich war – wenn zunächst auch noch mit Maske – kehrte das Publikum freudig zurück. Ein Phänomen das im Übrigen auch in Daniela

Wandls Bühne im Hof oder in Marie Rötzers Landestheater Niederösterreich zu beobachten war. In letzterem stieg die Auslastung diesen April bereits wieder auf über 72% und nicht, wie fälschlicherweise in einer Zeitung kolportiert, 59! Wobei es nicht nur um Zahlen geht, sondern um den wertvollen Beitrag für die St. Pöltner Kultur- und Kunstszene, um die spannende Auseinandersetzung mit zeitgenössischer und historischer Kultur. Im Falle Fürles, dem Selbstverständnis des Festspielhauses entsprechend, gleich in mehreren Sparten wie Tanz, Ballet, E- und

Eine Freundin der Freunde der Kultur St. Pölten: Brigitte Fürle, gemeinsam mit Lothar Fiedler. (rechts) Beim heurigen BürgerInnentheater verkörperten starke Frauen starke historische Persönlichkeiten. (unten)

U-Musik bis hin zu Zirkus. Mit ihrer Arbeit hat sie sich einen fixen Platz im St. Pöltner Kulturpantheon gesichert, nicht minder einen in den Herzen der Freunde der Kultur St. Pölten. Gemeinsam haben wir wunderbare Stunden im Festspielhaus verbringen dürfen, für deine Gastfreundschaft und Umsicht, dein stets offenes Ohr für unsere Anliegen möchte ich dir aufrichtig danken liebe Brigitte! Zugleich möchte ich an dieser Stelle auch die nächste starke Persönlichkeit im Haus, Nachfolgerin Bettina Masuch, ganz herzlich willkommen heißen. In einem ersten Treffen mit den Freunden der Kultur hat sie uns bereits ihre Programmschwerpunkte und Ideen präsentiert, sie möchte ihr Programm stets für das Publikum ausrichten. Wir freuen uns schon sehr auf diese neue gemeinsame Reise. Starke Frauen waren zuletzt auch das Thema des heurigen BürgerInnentheaters, das wir im Kesselhaus der ehemaligen Glanzstoff-Fabrik besuchen durften. Starke Frauen haben dort historische starke Frauen aus Niederösterreich verkörpert, eine starke Frau – Dicke Nehle – hat einmal mehr mit Bravour inszeniert. Der Ausdruck „starke Frau“ ist in St. Pölten längst kein Alibi-Feigenblatt mehr, sondern klares Statement und gelebte Realität – sehr zum Vorteil der Stadt und ihrer Kulturszene! Ihr Lothar Fiedler (Präsident Freunde der Kultur St. Pölten)

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FEST – 20 JAHRE FREUNDE DER KULTUR ST. PÖLTEN, Stadtmuseum St. Pölten 28. Juni 2022, ab 18:00 Uhr

MITGLIED WERDEN und die zahlreichen Vereinsvorteile (Exklusivveranstaltungen, Previews, Künstlertreffen, Exkursionen, Ermäßigungen uvm.) genießen. Anmeldung und Infos unter T +43 2742 90 80 90-941, F +43 2742 90 80 94, freunde@kultur-stp.at

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INFORMATIONEN

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TEXT: JOHANNES REICHL | FOTOS: HELMUT LACKINGER, PRIVATARCHIV NASKO

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ERINNERUNGEN AN NITSCH

FLORIAN NÄHRER

Mit Hermann Nitsch starb im April diesen Jahres einer der renommiertesten und international anerkanntesten Künstler dieser Republik, der zugleich im eigenen Land bis zuletzt auch teils missverstanden oder bewusst angefeindet blieb. Wir plauderten mit Künstler Florian Nährer über seine Erinnerungen an den Meister, den er einige Jahre begleiten durfte. wieder versöhnt. Das war anstrengend, aber auch sehr lehrreich. Nitsch war ein intellektueller Künstler. 90 % seiner Arbeit fand am Schreibtisch statt. Wir verbrachten nur wenig Zeit mit Malen im Atelier. Die Schüttbilder entstanden fast ausschließlich bei großen Malaktionen. Sie waren von 1998 bis 2000 Assistent von Hermann Nitsch in Prinzendorf. Welche Erinnerungen verbinden Sie damit? Was war Nitsch für ein Mensch? Was für ein Künstler? Ich habe Nitsch als Teilnehmer des 6-Tage-Spiels im August 1998 in Prinzendorf kennen gelernt. Ab diesem Zeitpunkt war ich dann drei Jahre lang an seiner Seite und durfte viel von seiner Denk- und Lebensweise kennenlernen. Nitsch war ein unglaublich großzügiger Mensch. Immer wieder hat er

Bedürftigen hohe Geldsummen zugesteckt, ohne aber darüber zu sprechen. Über Geld sagte er einmal im Wirtshaus zu mir: „Ich brauch nur so viel Geld, dass ich meine Freunde zum Heurigen einladen kann“. Was viele nicht wissen: Nitsch war ein großer Tierfreund. Nicht selten hat er die von seiner Ehefrau aufgestellten Rattenfallen mit einem Besenstil entschärft. Solche Geschichten gibt es unzählige. (lacht) Wir haben aber auch sehr oft miteinander diskutiert und gestritten – uns im Anschluss aber auch immer

Nitsch war ein intellektueller Künstler. 90 % seiner Arbeit fand am Schreibtisch statt. FLORIAN NÄHRER 60

Was hatten Sie alles zu tun? Welche Erinnerungen verknüpfen Sie an die Zeit mit Nitsch? Meine Aufgaben in Prinzendorf – dem Schloss von Hermann und Rita Nitsch – waren sehr vielseitig. Von der Kommunikation mit Galerien im In- und Ausland bis zur Vorbereitung und Durchführung von Malaktionen/Aktionen, Ausstellungen und Konzertreisen reichte mein Arbeitsspektrum. Am schönsten habe ich aber die Reise nach New York in Erinnerung. Ich fand es aufregend, die Altmeister der US-amerikanischen Fluxus- und Happeningbewegung kennen zu lernen. Nitsch und ich gingen fast täglich ins Metropolitan Museum, auch wenn wir nur wenig Zeit hatten. Über die Akademie der bilden-


TEXT: JOHANNES REICHL | FOTOS: FLORIAN NÄHRER PRIVATARCHIV

den Künste habe ich mich für das 6-Tage-Spiel angemeldet. Ich war als Akteur bei den Aktionen tätig und auch als „Archivar“ für die Aktionsrelikte zuständig. Diese besondere Woche im August 1998 war getragen von einem sehr starken Gemeinschaftsgefühl. Außerhalb der Schlossmauern tobten die Demonstranten. Eine gemischte Gruppe aus militanten Tierschützern, radikalen Christen und einem von der FPÖ organisierten Pensionistenausflug. Doch die lautstarke Gegnerschaft schweißte uns als Gemeinschaft noch stärker zusammen. Besonders wird mir diese intensive Erfahrung von Leben und Tod, welche ein zentrales Moment in Nitschs Arbeit ist, in Erinnerung bleiben. Weder Film noch Fotos können diese Erfahrung letztlich wiedergeben. Nitsch war in der Öffentlichkeit lange umstritten, von manchen auch angefeindet. Warum polarisierte er so bzw. warum fühlten sich manche von seiner Kunst angegriffen? Der Hauptgrund, warum Nitsch so lange missverstanden wurde, liegt einzig und allein in der oberflächlichen Beschäftigung mit seinem Orgien Mysterien Theater. Nehmen wir beispielsweise einen der Hauptkritikpunkte heraus: Die Schlachtung von Tieren in den Aktionen von Hermann Nitsch. In Österreich werden Millionen Schweine auf engstem Raum gezüchtet und industriell geschlachtet, damit wirklich jeder sich sein tägliches Schnitzel leisten kann. Auch Nitsch verwendet Tiere zuerst für eine Aktion, aber im Anschluss werden die Tiere fachgerecht zerlegt und verzehrt. Kein Stück Fleisch wird verschwendet. Für ihn gehört das Töten des Tieres zum Essen dazu, um die Zusammenhänge des Lebens zu verstehen. Erst der Tod ermöglicht das Leben. Außerdem ist die Kunst von Hermann Nitsch absichtlich von politischen Parteien missverstanden und missinterpretiert worden, um Wählerstimmen oder Popularität zu generieren.

ORGIEN MYSTERIEN THEATER. Drei Jahre lang war Florian Nährer Assistent von Hermann Nitsch. Auch beim legendären 6-Tage-Spiel war er bei den Aktionen und als Archivar für „Aktionsrelikte“ involviert. Wenn Sie Nitsch, sein Kunstverständnis, seinen Zugang, seine Philosophie heute „erklären“ müssten – wie würden Sie dies tun? Was war das Originäre und Besondere, das ihn sogar bis ins Moma New York brachte? Zeitlicher Ausgangspunkt für die Arbeit der Wiener Aktionisten ist die Kriegs- bzw. Nachkriegszeit in Österreich. Die Wunden des Krieges sichtbar zu machen und zu heilen ist wohl die kürzeste Zusammenfassung. Dies kommt sehr deutlich in den ganz frühen Körperarbeiten mit Heinz Cibulka zum Ausdruck . Im Zentrum steht bei Nitsch immer die Lebensbejahung und ein intensives Leben. Abreaktion und Überwindung von Tabus und Dogmen jener Zeit sollten zu einem erfüllten Leben führen. Der Künstler versteht sich nicht mehr nur als ein Produzent von Dekorativem, sondern als eine Art Schamane / Vermittler / Therapeut. Durch die Kunst kann man zur Erlösung und Reinigung – Katharsis – gelangen. Nitsch hat dualistisches Denken immer abgelehnt: Ein aufgeklaffter Tierkadaver kann ebenso schön sein

wie ein Strauß Blumen. Die Österreicher haben sich mit Nitsch aber immer schwer getan. In anderen Ländern, wie etwa Italien, wird er schon seit Jahrzehnten hochverehrt und geschätzt. Hat die Arbeit Nitschs auch Ihr eigenes Schaffen beeinflusst? So ja, inwiefern? Für Nitsch musste gute Kunst immer spirituell sein. Ein Kunstwerk muss dich erfassen und berühren, es muss etwas mit dir machen. Das blieb bei mir hängen. Kunst als Wegweiser über unsere materielle Welt hinaus. Sie waren zuletzt in St. Pölten gleich mehrfach präsent – was sind Ihre nächsten Projekte? Gerade laufen noch bis Ende diesen Sommers einige Ausstellungen in St. Pölten, Wien und Kitzbühel. Doch im Moment bereite ich mich schon wieder für die nächste Kunstmesse in Kopenhagen im August vor. Im Herbst folgen dann Ausstellungen im Palais Niederösterreich in Wien und eine Einzelausstellung in der Galerie Mathias Mayr in Innsbruck. Nächstes Jahr wird besonders spannend! MFG 06 22

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ELVIS & CO. The Ridin‘ Dudes laden u.a. mit Dennis Jale zu „The Las Vegas Show“ (links). René Grohs besitzt zahlreiche Elvis Memoribila (rechts), unter anderem auch eine Sonnenbrille des King (unten).

setzung und im Vegas-Style … das Konzert wird jedenfalls, das kann ich versprechen, mächtig.

AUF DEN ELVISPUTZ HAUEN Big is beautiful! Und wenn man, wie Ridin‘ Dudes Manager René Grohs, nicht nur Vegas-Fan ist, sondern noch dazu leidenschaftlicher ELVIS-Aficionado mit Faible für Breitband-Shows, dann kann schon ein Showkonzept mit gut 70 Musikern auf der Bühne die Folge sein.

A

m 30. Juni präsentiert er „The Las Vegas Show“ mit den Ridin‘ Dudes, Dennis Jale und dem Symphonie-Orchester des MSV Amstetten im VAZ St. Pölten. Wie kommt man eigentlich auf eine so größenwahnsinnige Idee – 70 Musiker auf der Bühne? Das hängt mit einem nachhaltigen Jugenderlebnis zusammen. Ich hab 1991 einen Mitschnitt der Asientournee von Brian Setzer und seiner Band Stray Cats gemeinsam mit Orchester im TV gesehen … noch 62

Jahre später war ich davon fasziniert, das hat mich nicht mehr losgelassen. Tja, und so entstand die Idee, etwas in der Art auch selbst umzusetzen, in dieser bombastischen Be-

Welchen Künstlern werdet ihr da neben dem King die Ehre erweisen? Das Programm ist extrem breit gefächert – ich denke, auch wenn es abgedroschen klingt, aber es ist tatsächlich für jeden etwas dabei. Sowohl für jene, die auf Symphonisches stehen, dann natürlich die Dudes-Fans und somit alle, die dem Thema Rock’n’Roll verfallen sind, also auch den lieben Fans von Dennis Jale mit seiner einzigartigen Art – womit natürlich auch ELVIS nicht zu kurz kommt! Thematisch machen wir im Grunde genommen eine Zeitreise durch die allzeit beliebten Evergreens der 60er- und 70er-Jahre – die erklangen alle in Vegas, alle legendären Künstler waren dort. Allen voran natürlich auch ELVIS, der 1969 ebendort im Grunde genommen diese Bombastbesetzung mit Orchester erfand. ELVIS und Dudes ist dabei eine lange Liebesgeschichte – mittlerweile seid ihr ja alle Ehrenbürger von Elvis Geburtsstadt Tupelo. Was bedeutet das für euch? Das ist schon eine ganz besondere Ehre für uns, zumal sie zum Ausdruck bringt, wie sehr wir im Ausland und den USA – wo wir ja fast bekannter sind als im Rest von Österreich – geschätzt sind. Mit der Ehrenbürgerschaft wird auch unser Engagement rund um Elvis Presley gewürdigt, noch dazu von seiner Geburtstadt Tupelo. Dorthin haben wir starke Bande aufgebaut,


TEXT: JOHANNES REICHL | FOTOS: RENÉ GROHS, EGON SULICS

Manche nennen dich mittlerweile „Colonel“ in Anspielung auf Elvis legendären Manager Colonel Parker – bist du auch so ein Blutsauger? Tatsächlich ist der Name an mir hängengeblieben, obwohl Parker bei Elvis Wegbegleitern ja nicht gerade gut wegkommt. Aber ich nehm den Spitznamen mit einem Augenzwinkern und durchaus als Kompliment: Parker war immerhin derjenige, der Elvis groß gemacht hat.

Du bist selbst Dauergast in Vegas – hat dich die Glitzermetropole zur Show animiert? Tatsächlich war ich mittlerweile siebenmal in dieser schönen Metropole – neben vielen Freuden dort verbindet mich natürlich Elvis mit der Stadt. Und Vegas war schon eine kleine Initialzündung für die nunmehrige Show, weil die dort einfach die besten Megashows auf die Beine stellen – das ist einfach inspirierend. Mich persönlich faszinieren deshalb ja auch mehr die versteckten Seiten der Stadt, die der Urlaubsgast für gewöhnlich gar nicht so beachtet, was in meinem Fall aber wohl auch ein bisschen eine Berufskrankheit ist: Also etwa, wie reibungslos Shows dort ablaufen, wie perfekt das Zusammenspiel zwischen, vor und hinter der Bühne funktioniert, wie alles von der Planung bis hin zur Umsetzung in einem Guss wirkt! Das alles sauge ich richtiggehend auf nach dem Motto „Man lernt nie aus!“

FÜLLFEDER

Du hast ein richtiges kleines Elvis-Museum zuhause. Wirst du die Schätze mal der Öffentlichkeit präsentieren? Was sind die Highlights? Ja, ich bin ein leidenschaftlicher Sammler von originalen Elvis-Memorabilia. Mein Herzstück sind wohl Elvis Brillen, die er getragen hat, oder die TCB Kette aus Colonel Parkers Besitz. Mir schwebt in Zukunft ja ein Austrian Elvis P. Festival vor, im Zuge dessen man neben Musik auch diese Schätze bewundern kann. Die Idee dazu nimmt immer mehr Gestalt an … An den Insider: Elvis lebt? Die Fragen aller Fragen … Ich persönlich glaube nicht, und wenn doch, dann hat er es ganz sauber hinbekommen, dass ihm keiner auf die Schliche gekommen ist (lacht). Tatsächlich hat sich durch seinen frühen Tod dieser Hype um ihn noch mehr aufgebaut und ihn letztlich zu dem gemacht was er heute ist … ein Mythos und Kult!

EHRENBÜRGER. Der ehemalige Bürgermeister von Tupelo Jason Shelton überreichte die Urkunden.

FOTO ADOBE STOCK

sind mit Tournee und im Zuge von Fanreisen vorort gewesen, ebenso in Memphis & Co. Man muss sich vorstellen, dass wir im nächsten Juni eigens eingeflogen werden, um anlässlich des Jubiläums des Elvis Festivals in Tupelo genau auf jener Bühne im Fairpark aufzutreten, wo auch Elvis 1956 spielte! Das ist schon ein Ritterschlag, denn jeder weiß – wenn die USA von etwas neben Fast Food genug haben, dann sind das gute Musiker! Wenn man dann trotzdem die Austrians hören will, das ist schon eine Ansage.

KOLUMNE ROUL STARKA

Eine Kolumne mit der Füllfeder, geschrieben in ein Moleskine-Notizheft mit einem Ahornblatt als Lesezeichen. In unserem kleinen Garten, mit dem süßesten Hund daneben. Vor mir summt eine Umwälzpumpe, damit das Wasserl im Pool Freude hat. Das Kimi-Hunzi, schwarzes Mädi, liegt vor einem rechteckigen Blumentopf mit orangefarbenen und rosa Blumen. Mit ‚rosanen‘ Blumen gefällt mir besser. Zusätzlich stecken im Topf zwei Solarlichtkugerl aus Glas. Links und rechts vom Topf sitzen zwei Buddhas, die zwei weitere Solarlichterl in ihren zart verkreuzten Fingern halten, Daumenspitze an Daumenspitze, leicht abgestützt in ihrem Schoß. Genau in meine Augen schaut mir eine wippende Plastikschnecke. Sie steckt auf einem Draht auch im Blumentopf, mit Blume unter ihrem Popo als Schutz. Wir, meine Frau und ich, haben noch viel mehr Buddhas im Haus und im Garten. Meine Frau liebt Buddha, sie sagt „Buddhi“. Ich liebe meine Frau, ich sag „Schatzi“. Jetzt zwitschert ein Vogerl, es ist eindeutig aus St. Pölten. Das erkennt man an seinen böhmisch-melancholischen Harmonien, an seinem traurigen Moll am Traisenstrand, an seinem quietschglücklichen Dur im Autodrom am Rummelplatz. Alles fettzwiebelt und knoblaucht und salzt, so gut. Dann Zuckerwatte, Mama im Mund. Anscheinend hat mir so ein St. Pöltner Vogerl eine seiner Federn zum Schreiben geschenkt. Und jetzt hat ein paar Seiten weiter das Ahornblatt gedrückt, mich gerufen. Ich werde das Blatt auf diesen Text legen, dass ich ihn wieder finde, wenn mich seine Worte rufen. Wiese. Seepferdchen an der Wand.

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EIN SOMMER, DER SO SÜSS SCHMECKT WIE NIE ZUVOR! Wie haben wir uns danach gesehnt, nach Kunst, Kultur ... hautnah und live. Und so schmeckt der heurige Festivalsommer vielleicht noch einen Tick süßer als sonst. Die Veranstalter verwöhnen das kunstsinnige Herz mit Theater, Oper, Operette, Kino, Lesungen und vielem mehr. Allein das Theaterfest Niederösterreich zählt 19 Spielorte! Die Besucher haben also die – absolut schöne – Qual der Wahl. MFG präsentiert eine feine Auswahl an Highlights und wünscht schon jetzt allen einen wolkenlosen Himmel und vergnügliche Stunden. 2. Juli – 5. August

11., 18. & 19. Juni

NESTROY-SPIELE SCHWECHAT

SCHLOSS THALHEIM: „LA ROSE“-FESTIVAL

Nur Ruhe! Das wünschen sich viele von uns in dieser krisengeschüttelten Zeit. In den 30er- & 40er-Jahren des 19. Jahrhunderts dürfte es nicht viel anders gewesen sein. Nestroy erzählt davon in seiner gleichnamigen Posse „NUR RUHE!“, die in einer Lederfabrik am Rande der Großstadt spielt.

Das bezaubernde Amphitheater ist die Kulisse für musikalische Highlights: Eröffnungsgala mit Clemens Unterreiner und internationalen Stars – Gandalf, ein Meister beseelter Musik mit internationaler Reputation – Lidia Baich und das Vienna Ensemble mit Vivaldi.

www.nestroy.at

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12. Juni – 3. September

THEATERFEST NIEDERÖSTERREICH Die 19 Spielorte des Theaterfest Niederösterreich bieten heuer 22 Premieren in bester Festspiel-Vielfalt. Die Bühnen laden zu Oper, Schauspiel, Musical und Operette für Erwachsene und Kinder in allen Vierteln des Landes. Imposante Burgen und Schlösser, romantische Theaterhäuser, stimmungsvolle Open Air-Bühnen und einzigartige Theaterräume werden zu Spielstätten für Kulturgenuss in ganz Niederösterreich. www.theaterfest-noe.at

17. Juni – 4. September

ARENA DI VERONA – OPERA FESTIVAL

www.arena.it

17. BIS 24. JULI 2022

BENJAMIN SCHMID

MIN KWON EMMANUEL TJEKNAVORIAN MATTHIAS BARTOLOMEY

26. Festival

BENEDICT MITTERBAUER © Wolfgang Lienbacher

FOTOS ZVG/NESTROY-SPIELE, ZVG/SCHLOSS THALHEIMCLASSICS, ENNEVI – COURTESY OF FONDAZIONE ARENA DI VERONA, PATRICK PILLER, REINHARD PODOLSKY

Zum mittlerweile 99. Mal lädt Europas berühmtes­ tes Opernfestival zum unvergleichlichen Operngenuss in die weltberühmte Arena di Verona. Insgesamt stehen mit Carmen, Aida, Nabucco, La Traviata und Turandot gleich fünf Blockbuster der Opernliteratur am Programm, allesamt wieder in legendären Insze­nierungen mit berühmten Sängern, dem grandiosen Orche­ster sowie Chor und Ballett der Arena di Verona.

15.–31.7.2022

SAMSTAG, 23. JULI | 18.00 SCHLOSS WALPERSDORF, FESTSAAL

PERSONALE BENJAMIN SCHMID HOMMAGE à FRITZ KREISLER (60. Todesjahr 2022)

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1. – 20. August

MÄRCHENHAFTER SOMMER La Cenerentola, Rossinis Aschenputtel (1.-12.8.) verspricht ein märchenhaftes Opernerlebnis, berühmte Ballettmelodien von Schwanensee, Nussknacker uvm. erklingen bei Klassik unter Sternen XII (17.8.), bei der Nacht der Filmmusik (18.8.) braucht es nur ein paar Takte und schon ist man im Wilden Westen, auf einem Piratenschiff oder Aug in Aug mit dem weißen Hai, und Symphonic Rock 5.0 (20.8.) bringen Welthits aus Rock und Klassik. www.schloss-kirchstetten.at

Wiener Kabarett Festival

25. – 25. Juli

WIENER KABARETTFESTIVAL Regen sicher

Das Wiener Kabarettfestival im (regensicheren) Arkadenhof im Wiener Rathaus präsentiert heuer als Zauberact Thommy Ten & Amelie van Tass (WELTSTARS DER MAGIE) und als Musikact Chris Steger & Band. Die hochkarätigen Kabarettistinnen und Kabarettisten Viktor Gernot, Caroline Athanssiadis, Omar Sarsam, Lydia Prenner-Kasper, Gerald Fleischhacker, Lukas Resetarits und Herbert Steinböck stärken jegliche Lachmuskeln. www.wienerkabarettfestival.at

„La Rose“ – Open Air-Festival

Schloss THALHEIM

CLASSIC

e.V.

11.06. | 19 Uhr: Clemens UNTERREINER – Galanacht unter Sternen z Benefi r ü f töne” „Hilfs Clemens UNTERREINER

Lidia BAICH

Ildikó RAIMONDI

Patricia NOLZ

Michael SCHADE

Andreas SCHAGER

mit dem JUGENDSYMPHONIEORCHESTER TULLN | Leitung: Hans-Peter MANSER

18.06. | 19 Uhr: GANDALF & Freunde – „Lebensfreude“ 19.06. | 18 Uhr: Vivaldi – Vier Jahreszeiten | Lidia BAICH | Vienna Ensemble Karten: www.schlossthalheimclassic.at | +43 664 64 64 303 | karten@schlossthalheimclassic.at Bei Schlechtwetter im Festsaal Thalheim 22 | 3141 Kapelln 66


DER MUSICAL SOMMER AMSTETTEN PRÄSENTIERT:

SEPTEMBER OKTOBER

20.7.-14.8.2022

AMSTETTEN

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DER BOCKERER

TRAGISCHE POSSE VON PETER PRESES UND ULRICH BECHER

Es spielen: Wolfgang Böck, Maria Hofstätter, Wolf Bachofner, Markus Freistätter, Maria Astl, Tanina Beess, Irene Colin, Hannes Gastinger, Andy Hallwaxx, Christopher Haritzer, Gerhard Kasal, Walter Ludwig, Johannes Rhomberg, Julian Rohrmoser, Jörg Stelling, Christian Strasser und Johannes Terne. Regie: Claus Tröger. Karten & Information: Telefon +43 (0)2682/719 - 8000; www.schlossspiele.com

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2022


14. Juli – 6. August

OPER BURG GARS – CARMEN In keiner anderen Oper wird die Unvereinbarkeit von Liebe und Freiheit so eindrucksvoll und leidenschaftlich gezeichnet wie in Georges Bizets Meisterwerk „Carmen“. Davon sind Intendant Johannes Wildner und sein Team überzeugt und präsentieren von 14. Juli bis 6. August die fesselnde Geschichte der selbstbestimmten Schmugglerin Carmen und des für die Geliebte seine Soldatenpflicht verletzenden Don José in der atemberaubenden Naturkulisse der Burg Gars. www.operburggars.at

13. Juli – 14. August

OPER IM STEINBRUCH – NABUCCO „Va, pensiero, sull‘ali dorate – Steig, Gedanke, auf goldenen Flügeln...“ – genau von dieser unverbrüchlichen Hoffnung des Volkes Israel singt der berühmte Gefangenenchor in Giuseppe Verdis „Nabucco“. Dieser ergreifende Chor krönt eine aufwühlende Geschichte über Hoffnung, Wahn, Vergeltung und unerschütterlichen Glauben biblischen Ausmaßes, die in der Landschaft und Tradition des Steinbruchs St. Margarethen ihre ideale Kulisse findet. www.operimsteinbruch.at

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Verena Scheitz, Boris Pfeifer

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2022

FOTO DANIELA MATEJSCHEK

GLORY DAYS BEI DEN SOMMERSPIELEN MELK Die Sommerspiele Melk entführen dieses Jahr ins Alte Rom. Das Publikum darf sich auf gleich drei spannende Eigenproduktionen freuen.

Neben dem Schauspiel „Nero: Er wollte doch nur spielen“ stehen die Musikrevue „Glory Days – Oder: Junge Römer“ und die Musikrevue für Kinder „Fred Feuerlöscher und die Spuren nach Rom“ auf dem Spielplan.

Das Auftragswerk „Nero: Er wollte doch nur spielen“ greift Mythen und Legenden rund um den berühmt-berüchtigten Kaiser Nero auf. Unter der Regie von Alexander Hauer holt das hochkarätige Ensemble die faszinierende Geschichte des „verrückten“ römischen Kaisers in die Gegenwart und zeigt wie aktuell Fragen rund um Machtbestreben, Gefolgschaft und Widerstand heute noch sind.

Die Sommerspiele Melk locken mit Schauspiel, Revues und hochkarätigem Rahmenprogramm.

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Die beliebte Revue „Glory Days – Oder: Junge Römer“ hat sich unterdessen dem Motto „Musikrevue goes Science-Fiction“ verschrieben. 40 Evergreens und Popsongs

zeigen den Weg zurück in die Zukunft und nehmen das Publikum mit auf eine Reise durch die Musikgeschichte. Erstmals wird die Musikrevue von Tania Golden inszeniert. Die Musikrevue für Kinder „Fred Feuerlöscher und die Spuren nach Rom“ lädt Besucher*innen ab vier Jahren mit einem Mix aus bekannten Kinderliedern und Popsongs zum Mitsingen, Mitklatschen und Mitmachen ein. Ein vielfältiges Rahmenprogramm aus Workshops, Vorträgen, Ausflügen und Kabarett macht das Programm der Sommerspiele Melk 2022 zum Highlight des heurigen Kultursommers für die ganze Familie! Tickets unter www.sommerspielemelk.at


2022

SUMMER BLUES FESTIVAL AM SEE

Samstag, 30. Juli | Ratzersdorfer See Einlass: 17:00 Uhr, Beginn: 18:00 Uhr

THE HOODOO MEN FT. LAREEZE CHICAGO BLUES FROM MAXWELL STREET

MIKA STOKKINEN BAND NEWS FROM THE WESTCOAST

DOUGLAS LINTON & THE PLAN BS A JOURNEY TO THE SOUTH

MOJO BLUES BAND 45 YEARS ON THE ROAD

Tickets erhältlich unter: © Mitch – stock.adobe.com

www.oeticket.com Sparkasse NÖ, Domgasse 5 Tourismusinfo St. Pölten

VVK: € 26,- AK: € 29,-

Wutzl Gastro e.U. 3100 St. Pölten - Kelsengasse 9 www.wutzl.net

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FOTOS: ADOBE STOCK, HOLIOPENAIR.AT, HEIDRUN KOCHER-KOCHER

ES DARF GEFEIERT WERDEN!

KOLUMNE THOMAS WINKELMÜLLER

ECHTE SPALTUNG Letzten Monat reiste ich nach Les Mureaux, eine Banlieue am Rand von Paris. Dort arbeitet „Le Rocher - Oasis des Cités“. Die katholische Organisation schickt bürgerliche, weiße Franzosen in arme Vororte, um dort zu leben. Vor einigen Jahren traute sich wegen der Unruhen nicht einmal die Polizei in diese Gebiete – auch nicht nach Les Mureaux. Heute will Le Rocher so die Risse in Frankreichs Gesellschaft kitten und den Menschen vor Ort helfen. Regierungen haben in solche Gemeinden massiv investiert. 400 Milliarden Euro flossen die letzten zehn Jahre lang – in Les Mureaux vor allem in den Neubau der Gemeinde. Der Staat riss alte Plattenbauten nieder, ersetzte sie durch kleinere Wohnhäuser und begrünte einen Großteil der neugewonnenen Flächen. Aber Les Mureaux bleibt Hafen derjenigen, für die Frankreichs Gesellschaft sonst nirgendwo Platz findet –- nur sieht es hier jetzt schöner aus. Der Staat hat dem Elend eine Schleife umgebunden. Deswegen muss Le Rocher vor Ort mit Bildung, Jobsuche und dem bloßen Dasein helfen. In Österreich sind wir von einer solchen Spaltung weit entfernt. Wir können sie kaum erahnen. Und trotzdem fahren Parteien ausländerfeindliche Kampagnen. Die Staatbürgerschaft müsse man sich verdienen, hieß es unlängst aus der ÖVP – ohne dabei Inhalte auf den Tisch zu legen. Anstatt französische Verhältnisse heraufzubeschwören, sollten wir überlegen, wie wir ihnen aktiv entgegenwirken können. Ein Besuch in den Banlieues würde jedem guttun, der anderes behauptet.

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ndlich … ENDLICH! Die Sauregurkenzeit ist vorüber, jetzt wird wieder getanzt, gesungen (oder gegröhlt, wurscht), geliebt und gefestivalt! Bunt im wahrsten Sinne des Wortes wird es etwa beim HOLI Festival der Farben am 18. Juni im VAZ St. Pölten, selbstredend wieder von coolen DJs musikalisch umrahmt. Ebendort macht auch das Festival der Festivals Station – Frequency calling, und zwar von 18. bis 20. August. Wer dahingegen Lust auf heimische

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Kost hat, sollte keinesfalls die zweite Auflage des MUSIK.STP-Festivals am 29. Juli am Ratzersdorfer See versäumen. Heuer mit dabei: ngoony, Jotu Jeu, Malvin, Liv, NIXISFIX, Lukascher (feat. Criso), Nucleus Mind, Olivia Goga, Spritzweinmafia, The Zsa Zsa Gabor’s sowie Dossa & Locuzzed (Viper). Ebenfalls am Ratzersdorfer See gastiert am 31. Juli living legend Hans Söllner! Endlich wieder ein Sommer wie damals …

K ULT URINVES T MENT

llmählich macht sich das Kulturjahr 2024 bemerkbar. Am SKW 83 etwa sind die Umbauarbeiten an den Bestandsgebäuden bereits voll im Gange. Gut 400.000 Euro lässt die öffentliche Hand dafür springen, um aber quasi das Optimum herauszuholen, möchte der Verein weitere rund 130.0000 Euro über Crowdfunding aufstellen, um „ein ganzjährig bespielbares Kultur- und Naturzentrum für die St. Pöltner Bür-

gerinnen und Bürger zu schaffen.“ Dieses wird Veranstaltungsund Proberäume für Musik, Theater und Tanz, Werkstätten, Gemeinschaftsküchen etc. umfassen. Wer also direkt in die heimische Szene investieren möchte – und dafür mit manch Goodie, Kunstwerk, exklusiven Workshops, Veranstaltungs- und Genusspaketen belohnt wird, kann dies unter www. startnext.com/lames-sonnenpark-renoviert tun.


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DER FABELHAFTE MR. STRAUSS

MUSIKDEALER DES VERTRAUENS.

Herr Strauß sorgt seit zwei Jahrzehnten für musikalische Horizonterweiterung in STP.

Klammheimlich und unspektakulär, dafür mit umso größerer Kompetenz und Liebenswürdigkeit, begleitet Gernot Strauß seit nunmehr über zwei Jahrzehnten fachkundig die Musik-Aficionados der Stadt. Dabei hat er jede technologische Entwicklung mitgemacht: vom Vinyl zur CD. Von der CD zum Streaming. Vom Streaming – siehe da – per Sidestep retour zum Vinyl. Und er hatte immer sein fachkundiges Handerl am Puls der Kunden – deshalb wartet Mediamarkt St. Pölten seit kurzem mit der größten Vinylabteilung der Region auf! 74


TEXT: JOHANNES REICHL | FOTOS: MATTHIAS KÖSTLER

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as NXP Music Center nur wenige Meter entfernt wirbt ja mit dem Slogan „Music was my first love“. Wenn der Slogan noch auf jemanden zutrifft, dann auf Strauß. Schon im zarten Alter von acht Jahren wurde er – sehr zum Stolz der Frau Mama – bei den Wiener Sängerknaben aufgenommen. Mehr Schock als Stolz rührte die Mama dann allerdings sechs Jahre später beim Vorsingen des Sohnemanns für einen Solopart zu Tränen „als mitten in der Probe der Stimmbruch einsetzte, womit meine Karriere vorbei war“, lacht Strauß. Im Gegensatz zu manch anderen Burschen, die – salopp formuliert – nach den Sängerknaben-Jahren im Internat sowie Reisen rund um den Globus einen veritablen Knacks davontrugen, gehörte Strauß zu jenen, der seine sechs Jahre bei Österreichs Kultur-Exportschlager „geliebt hat! Es war unglaublich, wo wir überall gespielt haben, in New York, Australien, Japan.“ Und überall wurden die Burschen wie Stars gefeiert – von den Konzertbesuchern wohlgemerkt, denn von den strengen Betreuern gab es mitunter „auch mal eine Detschn, wenn wir was ausgefressen hatten.“ Bleibende Schäden hat er aber nicht davongetragen, wie er lachend versichert. Musik war jedenfalls immer Thema im Hause Strauß, die Mama war ja Musikschullehrerin und musste sich – zu ihrem wie meinem Glück – nur zwei Jahre auch mit den „Blockflötekünsten“ des Schreibers dieser Zeilen arrangieren. Der kleine Gernot fischte schon in der Volksschule die ersten Platten aus Mamas Plattenkoffer und legte sie auf den Plattenteller – oder „einmal auch versuchsweise auf den Heizstrahler“, was der Mama weniger Freude bereitete. Zu hören gab es Liedgut von „Celentano über Udo Jürgens bis hin zu Harry Belafonte und halt die Schlager von damals“, erinnert sich Strauß – auch davon hat er dem Vernehmen nach keine bleibenden Schäden davon getragen, wobei der Musikliebhaber durchaus grantig werden kann, wenn ihm manch

Kleingeist, der auf weltoffen macht, mit Naserümpfen ob nicht korrelierenden Musikgeschmacks kommt. „Es gibt einfach keine gute und schlechte Musik. Punkt. Ich kann nur sagen, mir persönlich gefällt das eine besser und das andere eben nicht. Aber wenn, Hausnummer, ein Hansi Hinterseer mit seiner Musik tausende Leute glücklich macht und die mit breitem Grinsen im Gesicht tanzen – dann ist das prinzipiell gut. Ich selbst muss es mir ja nicht anhören!“ Kultmusiker und Kult-DJ Gute Musik machte Herr Strauß freilich immer selbst, wobei er auch hier schmunzelnd an die Anfänge zurückdenkt – etwa als ihn Sam Gilly von den Roots Vibrations eines Tages zu einer Bandprobe einlud. „Da war ich, der brave Bub in Hemd und Pulli, plötzlich in irgendeinem Stadl in den Pampas, wo sich alle in abgefuckten Klamotten irgendwelche Sachen reinzogen.“ Ein Kulturschock für den Ex-Sängerknaben, allerdings kein bleibender. Man muss sich eben anpassen, und so stieg Strauß alsbald bei den Roots als Keyboarder ein. Im Übrigen nicht die einzige Kultband, die er als Musiker bereicherte. So sorgte er – diesmal an der Gitarre – auch als Gründungsmitglied der Modern Folk Band Ballycotton für Furore, mit deren Mastermind Matthias Jakisic er nach wie vor „ab und an auf ein Bier geht.“ Zugleich machte sich Strauß auch zusehends als einer der beliebtesten DJs der Stadt einen Namen – mit seinem Namen. „Ich legte immer als DJ Gernot Strauß auf – irgendwelche Künstlernamen waren mir zu pseudo.“ Heute findet man ihn zwar nur mehr selten hinter den Turntables „wenn, dann leg eher nur mehr im privaten Bereich für Freunde auf“, aber während der glory days

dauerten die Battles mit Manshee im Club Maquie schon mal „bis zum bitteren Ende um vier oder fünf Uhr in der Früh. Aber irgendwann war dann plötzlich Sperrstunde um zwei – das hatte keinen Lack mehr!“, fügt er leicht melancholisch hinzu. Auch seine Engagements bei Kult-Veranstaltungen wie etwa dem Senioren­ floor hat Strauß mittlerweile an den Nagel gehängt, weil er – gar nicht im negativen Sinne – musikalisch eben selbst eine Art Senior geworden ist. „Wenn die Kids heute nach Electronic fragen, oder sagen ‚Kannst mal was Gscheites spielen, etwa Gigi d’Agostini‘ – dann wird es Zeit.“ Nicht weil die Musik schlecht sei, sondern eben nicht seine. Der Musik blieb er aber selbstredend weiterhin treu. Die längste diesbezügliche Konstante ist seine Rolle als „Musik-Dealer“. Nachdem Strauß beim Musikhaus Radler gelernt hatte, erlangte er ersten Kultstatus als Verkäufer beim Virgin. Für Menschen meines Alters, die quasi mit Gernot groß geworden sind, klingt es ja noch heute völlig abstrus, dass St. Pölten Anfang der 90er – ne-

Wenn Hansi Hinterseer tausende Leute glücklich macht, ist das prinzipiell gut. Ich muss es mir ja nicht anhören. GERNOT STRAUSS MFG 06 22

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ben wenigen Orten wie New York oder Shanghai – tatsächlich einen eigenen Virgin-Store hatte! Warum man ausgerechnet auf die Kleinstadt an der Traisen verfiel, bleibt wohl eines der großen ungelösten Rätsel dieser Stadt „wobei die Engländer sich das damals durchaus sehr genau angeschaut haben, wo sie was aufmachen.“ Wer weiß, vielleicht war ja irgendein Verantwortlicher mit Gernot Strauß auf ein Bierchen und wurde von dessen Enthusiasmus für Musik angesteckt. Irgendwann, als sich Richard Branson zunehmend mehr für Fluglinien und Flüge ins All zu interessieren begann, war dann ohnedies Schluss. Feelgood-Stimmung Strauß‘ eigene Reise ging in Folge nicht so weit – sie führte ihn nur gut zwei Kilometer weiter südlich zum Mediamarkt. Die große Hop OnHop Off-Bezeihung seines Lebens, „einfach weil ich dazwischen immer wieder etwas Neues ausprobieren wollte.“ Einmal ereilte ihn der Ruf der Liebe und er zog für zwei Jahre nach München. Ein andermal versuchte er sich als Metallarbeiter bei Georg Fischer in Traisen oder stand bei SPAR und BILLA als Wurtsverkäufer hinter der Theke. Aber die Musik führte ihn am Ende des Tages immer wieder zurück, auch dank eines verständnisvollen Chefs, der die Fremdgänge seines Mitarbeiters nicht persönlich nahm und wusste, was er am verlorenen Sohn hatte „obwohl er beim letzten Mal schon gesagt hat, das war das letzte Mal!“, grinst Strauß. Als Kunde war es jedenfalls im-

mer eine große Erleichterung, wenn man wieder Gernot zwischen den Regalen herumhirschen sah. Wenn man endlich wieder mit dem Meister himself fachsimpeln konnte, der sich Zeit für ein kleines Tratscherl nahm und mit den berühmten Worten „Hast du da schon mal reingehört, das könnte dir gefallen“ den persönlichen musikalischen Horizont erweiterte. Strauß verbreitet einfach feelgood-Stimmung, man fühlt sich einfach wohl, wie man es sich klischeemäßig für einen kleinen Plattenladen vorstellt. Dass dieses Kunststück auch im großen Media­ markt gelingt, ist vor allem der Person Gernot Strauß zu danken, der in Wahrheit soetwas wie der Godfather ist – eine absolute Musik-Instanz, im Vergleich zum Paten aber die softere, liebevollere Variante. Man landet nicht mit Betonpatscherln im Wasser, sondern bestenfalls mit Vinyl vorm Plattenspieler. Denn es ist nicht zuletzt Strauß‘ Instinkt zu danken „und weil ich weiß, was unsere Leute nachfragen“, dass Mediamarkt St. Pölten zuletzt zahlreiche CD-Regale durch Vinyl ersetzt hat. Gut 5.000 Stück hat Gernot auf auf rund zehn Meter – vor einem Jahr war es noch ein Meter! – zusammengetragen, wobei er nicht nur bestellt „was der Computer ausspuckt, sondern eben auch das, von dem ich weiß, dass es unsere Kunden hier vorort wünschen.“ Ein Computer und Algorithmus kann nämlich, und das ist die gute Nachricht, mit einem Mensch aus Fleisch und Blut nicht mithalten. Er kann 0815-Berechnungen liefern, er kann den Mainstream bedienen, aber individuelle – in dem Fall also regionale Lösungen – Fehlanzeige. Symphonie für die Sinne Dass Vinyl überhaupt eine Art Renaissance feiert, kommt doch über-

raschend, vor allem dass es sogar den ehemaligen Tod-Feind CD auf Sicht zu überleben scheint – denn die Silberscheiben sind schwer am Rückzug, streaming reißt immer größere Löcher in die CD-Regale, die aber teils mit Vinyl gefüllt werden. Strauß‘ Diagnose: „Der Pandemie sei Dank! Plötzlich hatten die Leute einfach wieder mehr Zeit für sich, ihre Hobbies. Manchen war vielleicht auch langweilig, und da hat man sich gedacht, eigentlich wäre es doch schön, wieder einmal ganz klassisch eine Platte aufzulegen.“ Denn während streaming, wenn man es so formulieren möchte, die Alltagsware ist – ist Vinyl doch ein ganz bewusster Akt „ja ein Ritual, für das man sich Zeit nehmen muss und das unglaublich entschleunigt! Ich sehe das ja bei mir selbst, wenn ich am Abend heimkomme. Dann su-

Vinyl ist ein Ritual, für das man sich Zeit nehmen muss und das unglaublich entschleunigt! GERNOT STRAUSS 76


DER FABELHAFTE MR. STRAUSS

GUT SORTIERT. Bei Mediamarkt findet man auf 10 m Länge rund 5.000 Platten. Nicht nur Mainstream und Klassiker, sondern auch „Handverlesenes“ von Herrn Strauß.

„HEISSER“ SOMMER

FOTO ADOBE STOCK

che ich mir ein Platte heraus, schau mir das Cover an, les die Texte, höre bewusst die Musik und nippe nebenbei entspannt an einem Bier.“ Alles haptisch. Alles sinnlich. Alles analog. Alles down to earth – wenn es etwa vielleicht einmal kratzt, oder man die Songs auf der Seite durchhört und nicht nur einzelne ansteuert, die die meisten Klicks haben. „Dadurch kann man auch extrem viel entdecken, und man bewegt sich sogar – wenn die Seite aus ist und man die Platte wenden muss“, lacht Strauß. Seine Ode auf Vinyl möchte er aber nicht als elitäre Standesdünkel missverstanden wissen oder dass er verächtlich auf streaming herunterblicken würde. „Ich streame ja selbst! Das ist praktisch, etwa nebenbei in der Arbeit, beim Autofahren, im Zug.“ Aber Vinyl ist, wie er es poetisch formuliert „eine Symphonie für die Sinne!“ Dass es jetzt wieder im Vormarsch ist, freut den Musik-Guru „auch wenn natürlich die Zeiten vorbei sind, als sich etwa Led Zeppelin für eine einzige LP-Produktion ein eigenes Haus samt Studio bauen ließen!“ Aber das Angebot ist wie-

der schwer im Steigen, und zwar nicht nur hinsichtlich der Neuauflage von Klassikern, sondern auch immer mehr aktuelle Bands bringen Vinyl heraus. „Eine Platte ist ja mehr als nur die Musik. Da gibt’s auch Geschichten, Texte, Illustrationen – das ist ein ganzes, aufeinander abgestimmtes Werk!“ Kurzum, etwas Bleibendes und nichts, das nach 1.000.000 Klicks im spotify-Ozean wieder so schnell verschwindet, wie es aufgetaucht ist. Das schätzen alte wie junge Musikliebhaber, weshalb es nicht selten vorkommt, dass bei Strauß bisweilen der Papa mit der Tochter auftaucht und beide nach ausgiebigem Diggern (Blättern durch die Platten, Anm.) mit einem breiten, ja glücklichen Grinsen das Geschäft verlassen – mit ihrer neuen Lieblingsplatte unterm Arm. „Das ist schon sehr cool“, gesteht Strauß, dessen größter Traum ja immer der eigene, gut sortierte Plattenladen war. Dem kommt er nun, in seinen 50ern, interessanterweise so nah wie nie zuvor – denn bei Virgin anno dazumal herrschte noch das Motto „CD killed the LP“. An ein Comeback von Vinyl glaubte damals niemand – auch nicht Strauß. „Ich hab schon so 82/83 herum meinen Plattenkoffer verkauft, worüber ich mich noch heute ärgere“, gesteht er. Mit der rituellen Verbrennung seiner CD-Box – ja auch die gab es – dürfte er hingegen dem Lauf der Zeit näherliegen. Aber es kommt eben oft anders als man denkt – als romantischer Schwärmer fügt man fast erleichtert hinzu „zum Glück!“ Darum holt eure verstaubten Plattenspieler wieder hervor oder kauft euch neue – ja auch die gibt es jetzt wieder – denn Vinyl ist back in town, prominent bei Mediamarkt, gut sortiert und handverlesen vom besten seines Faches, dem fabelhaften Mr. Strauß!

KOLUMNE TINA REICHL

Wenn man mit seinem minderjährigen Sohn die Sendung „2 Minuten, 2 Millionen“ im Fernsehen schaut, wird einem angst und bange. Die Werbeeinschaltungen zur Primetime könnten gut und gerne auf jedem Pornokanal Platz finden. Es werden alle Arten von Erotikspielzeugen von Amorelie bis Eis.at ausgestrahlt, flankiert von Scheidentrockenheit und Partnerbörsen. Soviel ich verstanden habe, rappelt es im Karton und alle 11 Minuten verliebt sich ein Single über Parship! Sind jetzt alle auf einmal geil? Das Fernsehprogramm ist ein einziger Spießrutenlauf. Ich klicke mich vorbei an Tinderreisen, Amore unter Palmen und Naked Attraction – einer Sendung, bei der Singles nackt die große Liebe suchen. Nach Zeiten einsamer Nächte und Hotelschließungen, die zum Alptraum für manch Gspusi wurden, ist anscheinend in diesem Sommer alles möglich. Meine Mutter erzählt mir von ihrer Freundin, die sich zum 70er einen neuen Vibrator wünscht. Dann fragt sie mich ganz nebenbei, wo es denn in St. Pölten einen Sexshop gibt und ob ich schon mal Liebeskugeln ausprobiert hätte – rein für medizinische Zwecke natürlich. Mein Vater lebt seine Fernbeziehung via Telefon und Whatsapp aus und ist ganz im 2. Frühling angekommen. „Hallo Tochter? Du ich ruf dich zurück, ich bin grad im Chat mit Maria!“ Die einzig Konservative bin anscheinend ich. Mit demselben Mann seit 22 Jahren verheiratet und glücklich ohne Gleitcreme. Juhu! „Mama, was heißt das: ‚Heißer Tee ist in der Kiste‘“, fragt mich mein Sohn. „Komm, wir schau´n lieber die Simpsons!“, sag ich. Das wird mir jetzt zu heiß!

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DER BOGENSPORT IN POTTENBRUNN HAT IMMER SAISON

LEIDENSCHAFT. Thomas Müller ist selbst nach wie vor leidenschaftlicher Bogenschütze und frequentiert die Parcours.

Riesenspinnen, Wildschweine, ja sogar Dinosaurier! In der Raingrube bei Pottenbrunn verstecken sich allerhand Tiere. Sehr zur Freude der Bogenschützen, die auf fünf 3D-Parcours fast 365 Tage im Jahr ihrem Hobby frönen können.

E

in Tüftler und Techniker war Thomas Müller aus Völtendorf bei St. Pölten schon immer. Als Freunde ihn im Sommer 2005 dann zum ersten Mal zum Bogenschießen mitnahmen, war es schnell um ihn geschehen: „Ich musste sofort wissen, warum was wie funktioniert.“ Als er dann zu seinem Geburtstag auch noch seinen ersten eigenen Bogen und Pfeile geschenkt bekam, gab es erst recht kein Zurück mehr. „Zuerst mussten alle Freunde und Bekannten herhalten, und mich zu den oft über 100 Kilometer entfernten Kursen begleiten“, erinnert sich Müller. Bald wollte er selbst nicht mehr so weit fahren und machte aus der Not eine Tugend: Mittlerweile ist Müller seit fast fünf Jahren Betreiber der 18 Hektar großen Anlage „Bogensport Pottenbrunn“. Kein Verein, wohlgemerkt. „Ich wollte es lieber mit ein paar Schmieds machen, als mit ein paar Schmiedls“, erklärt Müller. Also pachtete er das Waldgelände „Raingrube“. Für Alt und Jung geeignet Aktuell stehen den Besuchern fünf, teilweise ineinander übergreifende, Parcours-Routen und drei Labestationen (zwei im Wald, eine bei Start und Ziel) zur Verfügung. Rund 150 80

BUNTE WELT IN 3D. Diese drei Spinnen erwarten die Bogenschützen gleich am Beginn des Roten Parcours. Mitten im Grünen Parcours haben sich Flamingos versteckt.

Jahreskarten-Besitzer nutzen diese regelmäßig. Es herrscht ein leichter Männer-Überschuss, aber prinzipiell erfreut sich Jung und Alt am Bogenschießen. Kinder können frühestens ab sechs Jahren einsteigen. „Wenn sie mit ihrer Motorik schon so weit sind und die Situationen auch richtig einschätzen können“, so Müller. Beim „MFG“-Lokalaugenschein sind immer wieder Gruppen von Bogenschützen (teils mehrerer Generationen) anzutreffen, und Paare, aber auch Einzelgänger. Laufen schnellere Bogenschützen(-Gruppen) auf langsamere auf, werden jene gerne vorgelassen. So muss niemand Wartezeiten in Kauf nehmen. An manchen Spitzentagen frequentieren 200 bis 300 Personen die Anlage. Prinzipiell hat jeder drei Versuche, die 3D-Ziele zu treffen. Nach dem ersten erfolgreichen Schuss kommt der nächste Schütze dran.


TEXT: THOMAS SCHÖPF | FOTOS: THOMAS MÜLLER

In der Raingrube tauchen allerhand interessante Kreaturen auf, wie zum Beispiel eine Gruppe Flamingos, ein Honig suchender Bär (Achtung: Bitte nicht den 3D-Bienenstock abschießen!) oder in einer feuchten Mulde sogar ein Nilpferd, an dessen Seite sich ein Krokodil breit macht. Bogensport boomt Generell boomt in Österreich der Bogensport. Insgesamt gibt es hierzulande zirka 250 eingetragene Vereine und 13.500 lizenzierte Wettkampfschützen. 3D-Parcours wie jene in Pottenbrunn werden beim Österreichischen Bogensport Verband rund 350 gelistet. „Auch bei uns waren die Zahlen trotz Corona nicht rückläufig, im Gegenteil“, freut sich Müller. Die Sportart findet ausschließlich im Freien statt, registriert wird aus Sicherheitsgründen ohnehin jeder Bogenschütze, der auf der Anlage seinem Hobby frönt. Jene in Pottenbrunn ist nahezu 365 Tage im Jahre offen. Zusperren muss Müller

PARCOURSREIFE. Müller schult eine Gruppe ein. Jeder Mensch hat ein dominantes Auge, das bei dieser Übung ermittelt wird.

nur, wenn gerade gejagt wird, oder es zu sehr stürmt. Der Shop und der Verleih (Bögen, Pfeile, Handschuhe und Armschützer gehören zur Standardausrüstung) sind Mittwoch bis Sonntag bis 18 Uhr geöffnet. Parcoursbesucher mit eigener Ausrüstung dürfen eine Stunde nach Sonnenaufgang in den Wald und müssen spätestens eine Stunde vor Sonnenuntergang wieder heraus,

1. JULI – 30. SEPTEMBER

aus Rücksicht auf die Tiere. Saison gibt es keine, die Bogenschützen sind winterfest: „In der Jahreszeit haben wir kaum einen Rückgang. Nur die Einschulungen konzentrieren sich vornehmlich auf den Sommer.“ 1.500 bis 2.000 Anfänger machen jährlich die „Parcoursreife“ in Pottenbrunn, die auch den Zutritt für diverse andere Parcours berechtigt. In einem rund 45- bis 60-minütigen Kurs erfahren Einsteiger von ausgebildeten Trainern die Basics, Tipps und Tricks und können anschließend gleich loslegen. Besonders beliebt sind in Pottenbrunn auch Events wie das Silvesterschießen oder die „Ostereierchallenge“, bei der zuletzt der 12-jährige Merin mit seinem Bogen zehn der verkehrt aufgehängten, nummerierten Lose von einer Zielscheibe schoss und so zu Gewinnlosen machte. Auch Firmen oder Schulen schauen immer wieder gerne in die Raingrube. Nähere Infos finden Sie auf der Homepage „www. bogensport-pottenbrunn.at“.

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ZUM HÖREN Manshee | mikeSnare | Thomas Fröhlich | Thomas Winkelmüller | Rob.STP | Michael Reibnagel (von links nach rechts)

MODERAT

„More D4tA“ heißt das vierte Album von Moderat, das der Elektroniker Apparat und das DJ-Duo Modeselektor ins Leben riefen. Es wurde exzessiv experimentiert – mit modularen Synthesizern und anderen klanglichen Kuriositäten. Am Ende des Tages kehren sie aber immer wieder in ihre eigene Soundwelt zurück. Einem Ort, an dem emotionsgeladener Pop und pulsierende Soundscapes zusammentreffen.

JUST IN CASE THE WORLD ENDS

TUTTO PASSA GIANNI BREZZO

Multi-Instrumentalist Marvin Horsch aka Signore Brezzo zeigt auf eindrucksvolle Art, wie eine Verneigung vor dem musikalischen Genius italienischer Jazz/Fusion/Soul-Komponisten der 60er und 70er (P. Piccioni, S. Cipriani, P. Umiliani etc.) glücken kann. Der authentischen Klangästhetik verschrieben, hat Horsch eine Horn- und eine Streichersection engagiert und veredelt den Groove & Sound der Songs so noch ungemein.

OVERTURE

CAMO & KROOKED

Über die letzten Jahre etablierte sich eine PopPunk- und Emo-Szene, die mittlerweile in den Mainstream durchgebrochen ist. Ein Geheimtipp unter den neuen Interpreten ist das Duo „poptropicaslutz!“. Sie mischen altbewährte Elemente mit dem heutigen Zeitgeist und machen Emo wieder cool. Die neue EP erschien auf dem legendären Label Epitaph – dementsprechend hoch ist die Produktionsqualität.

Das Brett des Jahres, soweit lehne ich mich bereits jetzt aus dem Fenster, kommt wieder mal von Camo&Krooked in Konspiration mit Mefjus. Der Track „Overture“ scheint der Kick-Off zur weiteren Intensivierung der Zusammenarbeit der drei Drum&Bass Ausnahmekönner zu sein und ist gerade auf dem neu aus der Taufe gehobenen Label „Modus“ erschienen. Insider werden verstehen: Die Snare ist der Chef!

POPTROPICASLUTZ!

FIRESTARTER (OST)

JOHN CARPENTER, CODY CARPENTER & DANIEL DAVIES

Zugegeben, der Film zum Soundtrack ist zwar gut, aber nicht unbedingt herausragend. Anders die Musik in Firestarter, die aus der Feder von Altmeister John Carpenter sowie Cody Carpenter und Daniel Davies stammt: herrliches Früh-1980erSynthie-Geblubber, sinistre Piano-Passagen, kuschlige Ambientwölkchen und runtergestimmte, subsonische Krach-Attacken à la mode. Creepy!

IMPERA GHOST

Auf dem fünften Album von Ghost haben sich Tobias Forge, alias Papa Emeritus IV, und seine nameless Ghouls definitiv dem Stadionrock verschrieben. Für Fans der ersten Stunde vielleicht etwas zu weichgespült, aber trotzdem absolut livetauglich und musikalisch jederzeit am Punkt. Die Metalklänge der Vorgänger sind in den Hintergrund gerückt, aber immer noch vorhanden. Dominiert wird das Album allerdings vom Rock.

ZUM SCHAUEN

ZUM SPIELEN

ZUM LESEN

Manshee | C. Schumacher

Christoph Schipp

H. Fahrngruber | M. Müllner

DER ONKEL

EVIL DEAD: THE GAME SABER INTERACTIVE

CATHERINE BELTON

Mike ist ein Spieler und schwarzes Schaf der Familie. Als sein Bruder ins Koma fällt, wittert er die Chance bei seiner Familie groß abzuräumen. Unter dem Vorwand, in dieser schweren Zeit zu helfen, schleicht sich Mike nach vielen Jahren der Abwesenheit bei der Familie wieder ein. Wo Mike hingeht, folgt das Chaos, und am Ende muss auch der Onkel gerettet werden!

Für Fans der „Evil Dead“Reihe, allen voran „Ash“, ein absolutes must-have. Die Atmosphäre, die witzigen Sprüche und die blutigen SlasherEinlagen passen zu 100%! Eines muss jedoch klar sein: „Evil Dead: The Game“ ist ein MultiplayerTitel. Zwar ist im Gesamten der Spielumfang noch etwas gering, aber es wurden bereits einige DLCs angekündigt. Groovy!

Nach der Wahl Wladimir Putins zum Präsidenten festigte er mit KGB-Vertrauten seine absolute Macht und verwandelte Russland in eine korrupte mafiöse Oligarchie. Ehemalige Insider berichten über die skrupellose Plünderung des Staates sowie über internationale Netzwerke zur gezielten Schwächung und Beeinflussung demokratischer Systeme im Westen.

MASSIVE TALENT

MotoGP 22

EINIGE GEDANKEN ÜBER ERZIEHUNG

Nicolas Cage war einmal ein Superstar. Aber dann hat er einfach zu viele Scheißfilme gedreht. Die Ausgaben blieben, die Einnahmen fehlten. Da kommt das Angebot des Milliardärs Javier Guiterrez gerade Recht, der ihn als Star auf seiner Geburtstagsparty engagieren will – gegen großzügige Bezahlung versteht sich. Ein Film vor allem für Cage-Fans.

Mit MotoGP 22 bietet Milestone ein insgesamt gelungenes Rennspiel für alle, die auf herausfordernde Simulationsspiele stehen. Die neueste Auflage setzt das große Erbe der Serie fort und fügt dem Spiel erstaunliche neue Funktionen hinzu. (NINE) Season 2009 ist ein brandneuer Modus, um eine der unglaublichsten Saisons in der Geschichte der MotoGP nachzuerleben.

Wenn wir nur eine Aufgabe haben, dann ist sie die Erziehung unserer Kinder. Demnach erschlägt uns das Angebot an Ratgebern förmlich. Schon 1693 schrieb der englische Philosoph John Locke sein bis heute relevantes Werk über Bildung und das Glück des Lernens: ein Plädoyer fürs Spielerische, Lebensbejahende, Emanzipative. Nun wurde es neu aufgelegt.

HELMUT KÖPPING & MICHAEL OSTROWSKI

TOM GORMICAN

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MILESTONE

PUTINS NETZ

JOHN LOCKE

FOTOS ZVG

MORE D4TA


HIGHLIGHT VAZ St. Pölten

CONNI – DAS ZIRKUS-MUSICAL

FOTO Cocomico Theater

25. JUNI Für Conni, ihre Familie, ihre Freunde und all ihre kleinen und großen Zuschauer wird es in diesem Zirkus-MusicalAbenteuer nie langweilig. Es ist immer etwas los, und Conni hat viel Spaß, auch wenn es einige Probleme zu lösen gilt. Denn sie hat ja Rückhalt durch all ihre vielen Zuschauer, von ihrer Freundin Julia, von Mama und Papa Klawitter, und sogar von ihrem geliebten Kater Mau! Frei nach dem Motto „Was Conni kann – das könnt ihr auch!“ werden die Musicalbesucher zum Teil der Inszenierung und können zusammen mit Conni und ihren Freunden das Zirkus-Musical-Abenteuer erleben.

EUROPA, WER BIST DU?

SIND IM GARTEN

GALANACHT UNTER STERNEN

90ER KLUB

BIS 30. OKTOBER Die neue, multimediale Ausstellung „Europa, wer bist du? MenschenMächte-Mythen“ des Museums am Dom St. Pölten widmet sich in drei aufeinander folgenden Teilen den Fragen nach dem Werden und Sein Europas, nach Konflikten und Migrationsbewegungen sowie nach Entdeckungen und Erfindungen des Kontinents.

10.-11. JUNI Im Juni verwandelt sich der Kulturbezirk von St. Pölten unter dem Motto „Sind im Garten“ in eine grüne Oase und wird Schauplatz eines einzigartigen Sommerfests. Bespielt werden sowohl der große Museumsgarten, das Museum Niederösterreich, der Vorplatz zwischen Museum und Festspielhaus sowie der große Saal des Festspielhauses St. Pölten.

11. JUNI Clemens Unterreiner und seine Freunde Lidia Baich, Ildikó Raimondi, Patricia Nolz, Michael Schade sowie Andreas Schager singen und spielen die schönsten Arien, Duette und Melodien von Wien bis Hollywood bei diesem Benefizkonzert. Begleitet werden sie vom Jugendsymphonieorchester Tulln unter der Leitung von Hans-Peter Manser.

15. JUNI Beim 90er Klub mit Musik aus den 90ern bis 2010ern kommen alle ab 21 Jahren auf ihre Kosten. Unter dem Motto „last before summer“ wird Manshee den Main Floor mit Musik von Alternative bis Pop & Rave bespielen während Don Dada Nation und CHiLL iLL nebenan mit Hip Hop aufwarten. Sommer Special: Erbeer Vodka Slush-Eis.

| AUSSTELLUNG

KULTURBEZIRK STP | AUSSTELLUNG

SCHLOSS THALHEIM

MUSEUM AM DOM

TANZ IN DEN SOMMER

BEZIRKSFEST

22. JUNI Bereits zum sechsten Mal wird zum Tanz in den Sommer ins VAZ geladen. Für die musikalische Umrahmung sorgt die Band Primavera, die mit einem riesigen Musikrepertoire von allen Tanz- und Lateinstandards bis zu Oldies und Kultschlagern für beste Unterhaltungen sorgt. Ein vergnügliches Muss für alle, die gerne das Tanzbein schwingen!

25. & 26. JUNI „100 Jahre Niederösterreich“ feiern Bezirk und Stadt St. Pölten mit dem Bezirksfest. Mitten in der Landeshauptstadt laden die Regionen zum vielfältigen Begegnungsfest. Brennpunkt des Fest-Wochenendes wird die Hauptbühne am nördlichen Rathausplatz sein, auf der am Samstag die feierliche Eröffnung das rege Treiben in der Altstadt einläutet.

VAZ ST. PÖLTEN

| TANZ

STADT & BEZIRK ST. PÖLTEN

| KONZERT

| PARTY

WAREHOUSE

VAZ ST. PÖLTEN

KONZERTE | EVENTS | MESSEN | KONGRESSE

SA 18.06.22 // 14:00

HOLI FESTIVAL DER FARBEN

| FEST

SA 25.06.22 // 16:00

CONNI – DAS ZIRKUS-MUSICAL

BILLY IDOL

29. JUNI Helloween haben ihre Freunde von Hammerfall auf ihre Europatour eingeladen, um gemeinsam ein gewaltiges Metal-Package auf die Beine zu stellen. Beide Bands werden dabei brandneue Studio-Alben im Gepäck haben, deren Songs die europäischen Fans auf der kommenden United Fources Tour zum allerersten Mal live hören werden.

26. SEPTEMBER Er war ein prägender Architekt des Sounds, des Styles und der Wut des Punk Rock. Das höhnische Lächeln und die starke Bühnenpräsenz beförderten ihn in die Mainstream-Welt der MTV Megastars. Im September wird Billy Idol mit seiner großartigen Band und Lead-Gitarristen Steve Stevens endlich wieder Wien beehren.

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DO 30.06.22 // 19:30

THE LAS VEGAS SHOW SA 06.08.22 // 07:00

OLDTIMER - & TEILEMARKT

Fotocredit: Carina Antl

HELLOWEEN & HAMMERFALL

SA 01.10.22 // 20:00

EDMUND Tickets im VAZ St. Pölten, ticket@nxp.at, www.vaz.at, 02742/71 400 in allen Raiffeisenbanken, Geschäftsstellen von www.oeticket.com und unter www.noen.at/ticketshop VERANSTALTUNGSBETRIEBS GMBH

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FOTOS: LUIZA PUIU, ALEXANDRA UNGER

AUSSENSICHT

#VISITSTPOELTEN – IST ST. PÖLTEN EINEN BESUCH WERT? GEORG RENNER

Aufgewachsen in St. Pölten, emigriert nach Wien, Redakteur beim „profil“.

„Es müssen nicht alle nach St. Pölten kommen. Aber ein paar dürfen es schon sein.“

„Urlaub in St. Pölten? Bleiben Sie lieber daheim!“

#visitstpoelten hieß der Hashtag, unter dem die Stadt vor einigen Wochen ihre neue Tourismus-Broschüre präsentiert hat. Nicht nur auf den ersten Blick hielten viele das für eine gelungene Satire, „hey, hey, Tagespresse“. Ein Image wie jenes von St. Pölten – glanzlos, aber glanzstoff, sozusagen – wird man nicht so leicht los, und dementsprechend rangiert die Gemeinde unter den Landeshauptstädten auf dem letzten Platz, was den Wunsch angeht, sie einmal zu besuchen. Klar, Wien ist es nicht, was das Leben angeht, auch kein Salzburg, was die Schönheit betrifft, und Innsbruck an den Bergen oder Klagenfurt am See schon gar nicht. Stadttouren hin, bemerkenswerte Barockbauten her: Klassische Wochenend-, Sightseeing- und Städtereisende wird man nach St. Pölten, sorry to say, selten bringen. Es ist eine schöne Stadt zum Leben, aber zum Bereisen eher nicht. Heißt das, dass St. Pölten als Destination tot ist? Keineswegs. Wenn man Tourismus ein wenig weiter denkt als über die klassische Urlaubs- oder Wochenendreise hinaus, wird St. Pölten dann doch attraktiv. Dieser Tage werden wieder zehntausende Jugendliche und Junggebliebene zum Frequency pilgern und St. Pölten traumhafte Nächtigungszahlen bescheren zum Beispiel. Rund um Spartan Race und Triathlon nutzen Sportlerinnen und Sportler sonder Zahl die städtische Infrastruktur. Und auch Vortragende, Studenten und Gäste von FH-, Uni- und Seminarkursen brauchen Betten. Und dann ist da noch die Kultur: Festspielhaus, Landestheater und Bühne im Hof können Magneten für Besucher aus Land und Großstadt sein – die Vorbereitung auf das Leider-Nein-Kulturhauptstadtjahr sollte auch die Anbindung an (Spät-)Züge und Shuttlebusse für diverse Events mitdenken. Nein, eine Tourismusmetropole wird St. Pölten zu unseren Lebzeiten wohl nicht mehr werden – und das ist schon ok so. Aber ja, die Stadt hat ihre Stärken für manche Arten von Besuchern. Und die sollte es weiter ausbauen; also: #visit weiter. 84

JAKOB WINTER

Der Wilhelmsburger arbeitet als Journalist bei der „Kleinen Zeitung“.

Das ist ein Aufruf an alle Nicht-St. Pöltner, die mit dem verrückten Gedanken spielen, die Stadt als Touristen zu besuchen – und sei es auch nur für einen Tag: Tun Sie das nicht! Im Ernst: Bleiben Sie lieber daheim. Wenn Sie trotz aller Warnungen doch kommen, dann erzählen Sie bitte auf keinen Fall weiter, dass es hier eigentlich ganz fesch ist. Langweilig, stinkig, provinziell – das ist das Bild, das viele Externe von den inneren Vorgängen St. Pöltens haben. Das kann sogar ein Asset sein: Schließlich macht einen guten Teil des Charmes der barocken Innenstadt aus, dass sich hier keine Touristenmassen aneinander vorbeischieben, sondern Locals entspannt flanieren. Die autofreien Plätze, deren Flächen immer mehr von den Tischen kleiner Lokale eingenommen werden, erinnern entfernt an südliche Plazas und Piazzas. Hier gibt es Urlaubsflair für Arme, die wenig Wert auf ausgedehntes Nachtleben legen. Nicht auszudenken, wenn Wiener in Scharen die Badeseen im Norden der Stadt zum Plantschen entdeckten, die – ich sollte es hier gar nicht erwähnen – auch noch kostenlos sind. Oder wenn sie den von Künstlerkollektiven besetzten Sonnenpark zu ihrem Rückzugsort erklärten. In Wien sind die Kämpfe um Freiräume wie die Arena oder das WUK bestenfalls Nostalgie, im Sonnenpark lebt noch der Geist der Aufmüpfigkeit. Das würde so manchem Großstädter gefallen. Das würde St. Pölten aber auch zu dem machen, was der frühere Wiener Grünen-Politiker Christoph Chorherr einmal zugespitzt formulierte: „Wiens 24. Bezirk“. Die Chancen stehen gut, dass das noch ein bisschen dauert. Denn wer sich St. Pölten zum ersten Mal von außen nähert, der wird eine unspektakuläre Stadt vorfinden, die arm an eindrucksvollen Sehenswürdigkeiten ist, die an einer Kreuzung hässlich und an der nächsten wundervoll sein kann. Eine Stadt, die zwar kulturell und kulinarisch inzwischen einiges zu bieten hat – deren Lebensqualität sich aber kaum bei einem Städtetrip erschließt. Vermutlich ist auch das ganz gut so.


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GANZ ST. PÖLTEN IST IM KULTURFIEBER. Die Szene pulsiert wie nie zuvor, wenngleich es mitunter bei einigen Themen noch zu veritablen Missverständnissen, falschen Erwartungen und Fehlinterpretationen kommt. 86


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