MFG - Das Magazin / Ausgabe 77

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MFG Ausgabe 06/21

LAMES SONNENPARK

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NATUR KULTUR ZENTRUM


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JOHANNES REICHL

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VOM STREITEN

s wird immer schräger und asozialer. Für mich handelt es sich bei dieser Initiative um eine Gruppe abgehobener Selbstgerechter.“ Also sprach ein St. Pöltner Nationalrat und brach damit den Stab über eine Gruppe von mittlerweile über 600 Unterstützern, welche es gewagt hatte, anderer Meinung zu sein und gegen ein geplantes Fußballprojekt am Kremserberg mobil zu machen, von dem sie aus den Medien erfahren hatten. Nun geht es hier gar nicht darum, ob dieser Protest gerechtfertigt ist oder nicht, ob das Projekt dort Sinn macht oder anderswo besser aufgehoben wäre – das wird hoffentlich im Zuge eines seriösen Prozesses, der alle Möglichkeiten, Alternativen und Gegebenheiten ergebnisoffen berücksichtigt, eruiert. Es geht vielmehr um ein allgemein grassierendes Phänomen: Die Leute können – und vor allem wollen – nicht mehr miteinander reden. Man will sich nicht mehr mit dem Gegenüber auseinandersetzen, seinen Standpunkt (zumindest) anhören, sich austauschen, sondern man will einfach nur recht haben. Jede Gegenstimme wird geradezu als persönlicher Affront begriffen, ihr Überbringer als Störenfried, der mundtot gemacht gehört. Corona hat dieses schon zuvor beobachtbare Übel weiter verschärft. Mittlerweile ist ein schriller, ja geradezu hysterischer Kampf um DIE Wahrheit ausgebrochen. Jeder kleinste Huster wird zur Glaubensfrage hochstilisiert. Es gibt nur mehr schwarz oder weiß, Freund oder Feind, Covidiot oder Schlafschaf. Frei nach George W. Busch: „Wer nicht für mich ist, ist gegen mich.“ Um mich nicht falsch zu verstehen. Ich oute mich hier keinesfalls als harmoniesüchtiger Kuschelapostel. Ganz im Gegenteil, ich halte es da ganz mit Helmut Schmidt: „Demokratie braucht Streit.“ Aber es geht darum, WIE wir miteinander (!) streiten, um die Streitkultur, und wie wir am Ende des Tages auseinandergehen. Nämlich mit Respekt voreinander. Was aktuell on- und offline abläuft, hat mit Streit in die-

sem diskursiven Sinn oft nichts mehr zu tun, sondern ist reine Demonstration im Einbahnmodus. Es gibt nicht Rede und Widerrede, sondern nur eine Meinung, und zwar die eigene. Gegenargumente interessieren erst gar nicht. Was an Echo kommt, ist unerwünscht (es sei denn es hebt mich in Form von Zustimmung als „Wissenden“, als „Besseren“, als „Erleuchteten“ aufs Podest) und wird sofort durch den Fleischwolf der eigenen Wahrnehmungsverzerrungsmaschine gedreht. Denn alles muss meinem Weltbild passend gemacht werden, auch wenn es vielleicht noch so unpassend und falsch ist. Warum halten wir andere Meinungen nicht mehr aus? Geht es um Sieger und Verlierer? Und wenn man auf keinen gemeinsamen Nenner kommt, auch okay, dann geht man eben sportlich auseinander und ist sich einig, dass man sich nicht einig wird. Deswegen muss ich den anderen nicht gleich für einen Idioten halten, sondern wir können trotzdem auf ein Bier gehen. Und vielleicht kommen wir im weiteren Gespräch sogar drauf, dass wir in vielen Dingen mehr Gemeinsamkeiten haben als wir denken: Dass uns vielleicht die Sorge um die Zukunft unserer Kinder umtreibt, die Angst um unsere Gesundheit, die Furcht vor sozialem Abstieg, das Unbehagen gegenüber einer Welt, die immer komplizierter wird. Und vielleicht stellt sich irgendwann im Dialog sogar ein schönes, ja verbindendes Gefühl ein: He, der andere ist auch nur ein Mensch – wie ich! Und kein Mensch hat Anlass selbstgerecht zu sein. Denn selbstgerecht ist der, der die Gerechtigkeit als persönliches Monopol betrachtet und sich daher von vornherein jeder tieferen Auseinandersetzung mit der Meinung des anderen entzieht und stattdessen vorsorglich gleich mal mit dem Vorschlaghammer draufhaut. Ein ziemlich ungerechter Akt, der vor allem nicht zur Lösung, sondern in der Regel eher zur weiteren Verhärtung der Fronten führt. Also, lasst uns endlich wieder miteinander reden, wenns sein muss auch streiten – aber bitte richtig.

Offenlegung nach §25 Medien-Gesetz: Medieninhaber (Verleger): NXP Veranstaltungsbetriebs GmbH, MFG - Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten. Unternehmensgegenstand: Freizeitwirtschaft, Tourismus und Veranstaltungen. Herausgeber/GF: Bernard und René Voak, in Kooperation mit dem Kulturverein MFG. Grundlegende Blattlinie: Das fast unabhängige Magazin zur Förderung der Urbankultur in Niederösterreich. Redaktionsanschrift: MFG – Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten; Telefon: 02742/71400-330, Fax: 02742/71400-305; Internet: www.dasmfg.at, Email: office@dasmfg.at Chefredakteur: Johannes Reichl Chefredakteur-Stv.: Michael Müllner Chefin vom Dienst: Anne-Sophie Müllner Redaktionsteam: Thomas Fröhlich, Sascha Harold, Johannes Mayerhofer, Michael Müllner, Andreas Reichebner, Thomas Schöpf, Beate Steiner, Thomas Winkelmüller Kolumnisten: Thomas Fröhlich, Michael Müllner, Tina Reichl, Roul Starka, Beate Steiner, Thomas Winkelmüller Kritiker: Helmuth Fahrngruber, Thomas Fröhlich, David Meixner, Michael Müllner, Clemens Schumacher, Manuel Pernsteiner, Michael Reibnagel, Christoph Schipp, Robert Stefan, Thomas Winkelmüller Karikatur: Andreas Reichebner Bildredaktion: Elias Kaltenberger, Matthias Köstler Cover: Matthias Köstler Art Director & Layout: a.Kito Korrektur: Anne-Sophie Müllner Hersteller: Walstead NP Druck GmbH Herstellungs- und Verlagsort: St. Pölten Verlagspostamt: 3100 St. Pölten, P.b.b. Alle Rechte, auch die Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2. Urheberrechtsgesetz, sind vorbehalten. Alle Angaben ohne Gewähr. Für den Inhalt bezahlter Beiträge ist der Medieninhaber nicht verantwortlich.


BLEIBT ALLES ANDERS? – Seite 8

LAND IN SICHT – Seite 26

MEHR RAUM FÜR ALLE! – Seite 30

DIE VIELSPRACHIGE – Seite 44

OLIVIA GOGA & MARTINO LE – Seite 62

FUNDA CELO – Seite 73

3 Editorial 6 In was für einer Stadt leben wir

URBAN

7 Shortcut Urban 8 Bleibt alles anders? Andreas Purt 12 Tourismus – We are open 16 Michael Duscher 20 Gewalt an Frauen 23 Wenn Männer Hilfe brauchen 26 Land in Sicht – Wolfgang Ecker 30 Mehr Raum für alle! SKW 83

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KULTUR

SZENE

60 Shortcut Szene 62 Olivia Goga & Martino Le 68 Jumpzone X

74 Kritiken 75 Veranstaltungen 76 Außensicht 78 Karikatur

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70 Kaum mehr Zeit für die Freizeit der Anderen 73 Funda Celo & die Ninja Turtles

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42 Shortcut Kultur 44 Zdenka Becker, die Vielsprachige 48 In Schuberts Geiste sind wir eins 50 Puppenwerkstatt

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Faust I von Johann Wolfgang von Goethe I: Nicolas Stemann Gastspiel Schauspielhaus Zürich 15. & 16.12.21 Uraufführung Schwarzes Meer von Irina Kastrinidis I: Frank Castorf Ab 29.01.22

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…  in der der SKN St. Pölten nach fünfjährigem Gastspiel im Oberhaus den Gang in die zweite Liga antreten muss. Hatte man sich schon die letzten Jahre nur mit Ach und Weh irgendwie durchgewurschtelt, so wurde man heuer mit einem blamablen Gesamtscore von 5:0 vom Drittplatzierten (!) der 2. Liga endgültig aus dem Fußballolymp geschossen. Wie haben wir vor rund einem Jahr an dieser Stelle geschrieben: „Ibertsberger soll kein ‚Feuerwehrmann‘ sein, heißt es – eines solchen wird es aber bedürfen, für die Mannschaft UND das Management.“ Tatsächlich war der Trainer kein Feuerwehrmann, sondern hat sich an der Mission SKN ebenso verbrannt wie seine Nachfolger Georg Zellhofer und Gerald Baumgartner, womit der SKN in nur fünf Saisonen rekordverdächtige neun (!) Trainer verschlissen hat. Bei den Spielern fangen wir erst gar nicht an zu zählen. UND das Management? Generalmanager Blumauer gibt als Letztverantwortlicher derweil noch den Last Man Standing. Der Ruf nach einem Neustart ist aber laut und wohl unumgänglich, andernfalls könnte der Abstieg auf Sicht der Anfang des endgültigen Endes des Profifußballs in St. Pölten sein. Vor kurzem wurde die Ruine des ehemaligen ATP Tennisstadions geschleift … ein Schicksal, das man der benachbarten, vor nicht einmal 10 Jahren um 26 Millionen Euro erbauten NV-Arena ersparen sollte. 6

…  in der selbst rechte Volksverhetzer zu Tee und Süßem geladen werden. So meint es etwa Aziz Pek von der Islamischen Religionsgemeinde Niederösterreich ganz ernst, wenn er auch jene zu einem Besuch in Moscheen einlädt, die sich von Glaubenshäusern bedroht fühlen. Hintergrund ist eine Aktion, hinter der die rechtsradikalen Identitären vermutet werden. Diese hängten vor drei Einrichtungen in der Stadt „Warnhinweise“ vor vermeintlich stattfindendem „politischen Islam“ auf. Der Verfassungsschutz ermittelt gegen diese mutmaßlich abendländischen Tafelritter wegen Verhetzung. Die betroffene St. Pöltner Community hingegen reagiert mit ausgestreckter Hand – und schickte eine Abwandlung des Sujets in die virtuelle Welt: Ein freundlicher Muslim lädt zu Tee und Baklava. Dass in der Glaubensgemeinschaft mittlerweile jene Generation am Ruder ist, die hier geboren ist und sich zweifelsfrei als Österreicher fühlt, könnte für so manchen „Islamkritiker“ zur echten Mutprobe werden. Denn: ACHTUNG, liebe Idiotentäre! Am Schluss öffnen euch Besuche in Moscheen die Augen und erweitern Gespräche mit selbstkritischreflektierten und zugleich bestens integrierten Menschen sogar euren Horizont? Was übrigens auch manch letztverantwortlichem Mitglied der Bundesregierung helfen könnte, zweifelhafte Projekte wie die sogenannte „Islamlandkarte“ zuerst mal zu Ende zu denken.

… in der St. Pölten einem in Sachen Architekturlösungen aktuell kalt-warm gibt. Mit Kopfschütteln nimmt man etwa die fast abgeschlossene, bis auf den letzten, gesetzlich erlaubten Millimeter ausgereizte Verbauung des ehemaligen Karmeliterhof-Parkplatzes in der Heßstraße zur Kenntnis. Gewinnmaximierte „Flächenoptimierung“ von der ästhetisch übelsten Sorte. Die künftigen Bewohner dürfen wahrlich keine Sonnenanbeter sein, auf sie wartet eher ein Schattendasein – an heißen Tagen ja vielleicht ganz angenehm. Man fragt sich trotzdem, was die Stadt jemals geritten hat, dieses öffentliche Filetstück mitten in der City zu verscherbeln, anstatt etwa ein spannendes, großzügiges Entree für das Stadtmuseum zu schaffen oder einen Innenstadtpark. Aber dieser Zug ist abgefahren. Der Bau mag aber als Mahnung dienen, in Hinkunft sorgfältiger mit solch (eben nicht nur monetär) wertvollen Flächen umzugehen und zu überlegen, was man wie wo unter welchen Bedingungen verkauft und zulässt – oder eben auch nicht. Dem gegenüber stehen in jüngerer Vergangenheit zwei Projekte, die den Plänen nach spannende architektonische Lösungen am Puls der Zeit erwarten lassen: Der mit viel Holz und Transparenz punktende Dreiecksbau des KiKuLa im Altoonapark sowie der neue Kunst- und Musikschulcampus in der Grillparzerstraße. Bitte mehr davon … auch im Wohnungsbau!

FOTOS MATTHIAS KÖSTLER, ISLAMISCHE RELIGIONSGEMEINDE NÖ, ARMAN KALTEIS

IN WAS FÜR EINER STADT LEBEN WIR EIGENTLICH ...


FOTOS: PFAFFENBICHLER ARCHITEKTUR, STEFANIE LEO, STOCK.ADOBE.COM

INVESTITIONEN IN DIE ZUKUNF T

KOLUMNE MICHAEL MÜLLNER

FLEXIBEL SEIN

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s war, als hätte man Ioan Holenders kürzlichen Kommentar auf Servus TV gehört und – obwohl an andere gerichtet – sich zu Herzen genommen. So monierte der ehemalige Staatsoperndirektor im Hinblick auf teils gigantomanische Sommerfestival-Inszenierungen von Bregenz bis Mörbisch: „Während hier das Geld mit beiden Händen ausgegeben wird, gibt es für die Musikschulen Österreichs immer weniger Geld. Allein in Wien warten über 6.000 Kinder und Jugendliche auf einen Platz in

einer Musikschule!“ Auch in St. Pölten werden nunmehr sechs Millionen Euro ausgegeben, aber genau im Sinne Holenders. So wird das bisher als Hort genutzte Gebäude am Ende der Maria Theresia Straße abgerissen und weicht einem Neubau, in dem die pädagogische Einrichtung ebenso neue Räumlichkeiten erhält wie die Musik- und Kunstschule. Im „Verbund“ mit Grillparzer Volksschule und dem ehemaligem FORUM Kino entsteht so der „Grillparzer Musikund Kunstschulcampus“.

P O L LY S S T. P Ö LTE N

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ie tratschenden Weiber am belebten Herrenplatz waren Anregung für eine städtische Sommerserie: Schauspielerin Veronika Polly wird in vier Videos über ihre Heimatstadt plaudern. Die Ur-St. Pöltnerin schlendert und radelt dabei durch die Gassen und Straßen und über die Plätze, erzählt Anekdoten und Geschichten, tratscht und plaudert mit bekannten und weniger bekannten Menschen, die sie zufällig oder nicht ganz zufällig trifft. Top gestylt von Friseur Herbert Thomasberger und verfolgt von Bernhard Brunnthaler auf dem Board, mit der Kamera in der Hand, plauscht Vroni Polly über vier Themenbereiche: über den Markt am

Herrenplatz und Domplatz, über Shopping und Genuss, über Kunst und Kultur. Und auch über das blühende St. Pölten, mit Stadtgärtner Robert Wotapek zum Beispiel an einem besonderen Ort: IN der Traisen. Zu sehen sind die Videos ab Juli auf der Stadtseite st-poelten.at

Soso. Die Coronakrise kostet also mehr Geld, als das Land hat. Darum verscherbelt Niederösterreich seine Forderungen aus Wohnbaudarlehen mit bis zu zehn Prozent Rabatt an Investoren, um mit dem frischen Cash die Lücken im Budget zu stopfen. NÖ? Wohnbaudarlehen? Da war doch was? Seit Jahren wird es der heimischen ÖVP nicht zu blöd uns zu erklären, dass das Milliarden(minus) geschäft eigentlich eh leiwand war. Alternative Fakten? Leben im Paralleluniversum? Oder: einfach politisches Tagesgeschäft. Für Feinspitze der St. Pöltner Politik gibt der thematische Spannungsbogen „Veranlagung“ (vulgo Spekulation mit Steuergeld) nochmal eine Farbnuance mehr her. Denn während auf Landesebene Lobpreisungen gesungen werden, würde die ÖVP auf der Stadtebene den SPÖ-Bürgermeister aufgrund eines Spekulationsschadens aus dem Jahre 2007 am liebsten weiter durchs Dorf treiben. Jüngster Anlassfall, ein Rechnungshofbericht, der Fehler und Schaden offenlegt. Den gibt es übrigens auch für die Veranlagung des Landes, von einem eingestandenen Fehler ist aber nichts überliefert. Bekanntlich bestimmt der Standpunkt die Perspektive. Und somit braucht man sich über Skurriles nicht wundern. Wenn etwa die Grünen einen U-Ausschuss abdrehen, der täglich Aha-Erlebnisse ans Licht bringt, für die man als Oppositionspartei jede Regierung prügeln würde. Und ob ein angeklagter Politiker zurücktreten muss, naja, da muss das rote oder schwarze Auge dann schon unterscheiden, ob es sich um einen roten Landeshauptmann oder um einen schwarzen Bundeskanzler handelt. Logo?

MFG 06 21

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BLEIBT ALLES ANDERS? ANDREAS PURT Unser Gespräch beginnt mit der obligatorischen Begrüßungsformel, als es sich Mostviertel Tourismus Geschäftsführer Andreas Purt im grauen Sofa bequem macht. „Und, bist schon geimpft?!“ Sind wir beide, wie mittlerweile Millionen weitere Menschen in ganz Europa, was insbesondere den Touristiker freut, weil es Druck aus der Branche nimmt. Wir sprachen mit Purt über Tourismus in Zeiten der Pandemie, Corona und die Folgen sowie das Landeskulturhauptstadtjahr 2024.

Wie ist die Stimmung in der Branche, und kann man den Schaden, den die Pandemie in Ihrer Tourismusregion angerichtet hat, in etwa beziffern? Ich würde sagen, nach einer leichten Schockstarre ist nun alles gut angelaufen. Das Problem im Frühling war ja zunächst, dass man praktisch 8

weniger wusste im Hinblick aufs Aufsperren und damit zusammenhängende Bedingungen und Verpflichtungen als im Vorjahr. Nächtigungsmäßig hatten wir im Mostviertel einen Einbruch von etwa 35% im Vorjahr gegenüber 2019, wobei eine gewisse Zweiteilung zu konstatieren war. Städte, die ja vor

allem vom Wirtschaftstourismus, Gruppenreisen, Veranstaltungstourismus abhängen, hat es stärker erwischt – St. Pölten etwa mit einem Minus von 45%. Das alpine Mostviertel wiederum ist mit etwa minus 28% davongekommen, und manch Region wie zum Beispiel Lunz/See hat sogar ein Plus verzeichnet.


TEXT: JOHANNES REICHL | FOTOS: MATTHIAS KÖSTLER, WEINFRANZ

War das dem starken Sommer im Vorjahr geschuldet, als viele notgedrungen vor allem Urlaub in Österreich gemacht haben? Tatsächlich wurden wir bereits im April, Mai regelrecht gestürmt. Ausflugsziele wie etwa der Naturpark Ötscher hatten im Vorjahr ein Rekordergebnis mit über 50.000 Besuchern, und das, obwohl die Saison zwei Wochen kürzer war. Ähnliches haben wir auf den Radstrecken erlebt, die ganz klar auch vom E-BikeBoom profitiert haben. Im Gegensatz zum Westen wurden wir zudem – wenn offen war – auch im Winter sehr gut nachgefragt. Obwohl Annaberg etwa 40% weniger Gäste hatte, brach der Umsatz dennoch „nur“ um 16% ein, was wohl auch damit zu tun hatte, dass man kapazitätsmäßig auf Ermäßigungen und Co. verzichtete. St. Corona wiederum, wo man einen 3-SchichtBetrieb fuhr – coronabedingt lief ja alles über online-Buchungen – verzeichnete sogar eine positive Bilanz. Glauben Sie diesbezüglich an eine Trendumkehr – dass also, wenn sozusagen wieder Normalität einkehrt, der Urlaub vor der Haustür dennoch attraktiver bleibt als etwa die Sehnsucht nach dem Meer? Wenn ich höre, dass zu Ostern innerhalb von zehn Minuten 53 Flüge nach Mallorca ausgebucht waren, dann hege ich so meine Zweifel. Andererseits hat die Pandemie für sozusagen „erdgebundende Destinationen“ schon auch eine Chance eröffnet, weil die Leute gesehen haben, welche Schönheiten sie direkt vor der Haustüre haben und nicht unbedingt immer so weit fortfahren müssen, um sich zu erholen. Das könnte eine neue Alternative sein, wenngleich der Mensch natürlich schnell vergisst. Was uns auf Sicht zusätzlich

PROFI. Andreas Purt zählt seit über zwei Jahrzehnten zu den prägenden Touristikern der Mostviertel-Region.

in die Hände spielen könnte, ist der Klimawandel, wie jüngst auch eine Refresh-Studie herausgearbeitet hat, dass in Zukunft die Menschen die kurzfristige „Flucht“ in stadtnahe Ziele suchen, in die Berge, zu den Seen, in die Natur vor der Haustür. Es wird sich weisen, ob das CoronaJahr in diesem Punkt also nur eine Delle bedeutete oder doch eine nachhaltige Veränderung bringt – prinzipiell liegt es aber in unserer DNA, sich auf Reisen zu begeben. Vor Corona sagten manche Regionen „Overtourism“ den Kampf an. Wird dieses Unbehagen auch nach der Pandemie bleiben, oder sind diese Stimmen verstummt, weil man jetzt froh ist, dass überhaupt wieder Touristen kommen? Massentourismus ist auch eine Frage der Relation. Da sieht es bei uns sicher anders aus als etwa im alpinen Bereich in Westösterreich. Die Grundfrage ist eher, wie viel Tourismus brauche ich, wie viel möchte ich haben? Ein Beispiel: In Mitterbach wurde über einen neuen Parkplatz diskutiert, und da tauchte die Frage

Nach einer leichten Schockstarre ist nun alles gut angelaufen! ANDREAS PURT

auf: Brauchen wir den überhaupt, wozu noch mehr Gäste? Aktuell hat man etwa 30.000 Nächtigungen im Jahr, früher waren es 100.000! Da hat sich also schon die Sicht auf die Dinge verschoben, auch im Hinblick auf die Rentabilität des Tourismus, was er der Region also bringt an Wertschöpfung, Arbeitsplätzen etc. Wenn ich etwa ein Hotel mit neun Mitarbeitern habe, wovon sieben aus Ungarn kommen, dann fragen sich die Einheimischen natürlich „Und was bringt das jetzt uns?“ Solche Fragestellungen werden sicher bleiben, ebenso wie die Zweitwohnsitzerdebatte, die vor allem im Westen ein Problem darstellt. Da hat man es bei uns noch leichter, weil man bewusst sagen kann „Das wollen wir regulieren, damit es nicht aus dem Ruder läuft.“ Andererseits (lacht) – die Gier is bekanntlich a Luada! Was aber defintiv bleiben wird und mit der Nachhaltigkeitsthematik zusammenhängt, ist ein stärkerer Fokus auf Regionalität, Wertschätzung der heimischen Produzenten, Märkte, Angebote. Das fragen auch die Gäste nach. Wie steht‘s eigentlich um die Betriebe im Mostviertel? Mussten viele zusperren? Es hat mich teilweise überrascht, als wie resilient sich unsere Betriebe erwiesen haben. Viele Unternehmer haben sogar eine gewisse Gelassenheit an den Tag gelegt, wenn ich etwa an einen Wirt denke, der – nach einer Schockstarre und nachdem die finanziellen Existenzfragen für sich und die Mitarbeiter geregelt waren – meinte: „Nur acht Stunden Arbeit am Tag ist eigentlich auch ganz okay!“ Nach acht Wochen hat er dann aber eh schon wieder in den Löchern gescharrt, weil er endlich wieder mehr Action wollte (lacht). Viele waren auch voll aktiv, haben in der Gastronomie etwa neue Angebote kreiert oder – wie manche Landwirte – neue Appartements für Urlaub am Bauernhof geschaffen. Andere wiederum haben die Zimmer renoviert – die ÖHT (Österreichische Hotel und Tourismusbank, MFG 06 21

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BLEIBT ALLES ANDERS?

St. Pölten wird durch das Virus sicher nicht aus der Bahn geworfen.

KOLUMNE BEATE STEINER

ANDREAS PURT

ZEITEN G-LEBT WIRD WIEDER

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Anm.) hatte 2020 ein ähnliches Fördervolumen für Hotelinvestitionen wie 2019. Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch Betriebe, die es nicht geschafft haben oder nicht schaffen werden – vor allem jene, wo es keine geregelte Nachfolge gibt. Da haben sich die Alten schon die Sinnfrage gestellt – macht das Durchhalten überhaupt Sinn oder ist es nicht besser, ich versuche den Betrieb zu veräußern, oder ich sperr ihn gleich ganz zu. Wie viele Betriebe wirklich am Ende des Tages zusperren müssen, ist aktuell aber noch nicht seriös vorherzusagen.

FOTO STOCK.ADOBE.COM

Wir leben in der Zeit der „G“, und derer gibt’s viele, auch weil es gut g-laufen ist in den letzten Wochen: Das Virus fällt immer weniger Menschen an, immer mehr dürfen gkampelt, g-schneuzt und g-sackelt in den Wirtshäusern, Schanigärten und Cafés sitzen, wenn sie g-testet, g-nesen oder g-impft sind. Und so g-nießen viele bestens g-launte Stadtbesucher und -bewohner die Sonne in den Gastgärten am Herrenplatz und am Rathausplatz, tauschen die neuesten G-rüchte ganz ohne technische Hilfsmittel wie Mobiltelefon oder Laptop aus – „hast schon g-hört?“ Nicht virtuell aus dem flimmernden Kastl, sondern ganz real kann auch der Musik glauscht werden, die wieder jeden Samstagvormittag in einer der Gassen in der Fußgängerzone erklingt. Erste Veranstaltungen wie der Rosenmarkt oder der Designmarkt in der Glanzstoff-Konerei ließen bereits Erinnerungen ans Leben wie damals aufkommen, auch wenn zumindest „3 Gs“ mit dabei waren und damit an die Pandemie erinnerten. G-endet hat erfreulicherweise auch der erzwungene Corona-Schlaf von Kunst und Kultur – Theater, Bühnen, Kinos und Museen locken – hoffentlich ohne weitere Unterbrechung – mit lang entbehrtem G-nuss fürs G-müt. Besonders gut g-lungen ist das dem Barockfestival: Das Publikum g-noss faszinierende und verzaubernde Konzerte mit internationalen Künstlern unter dem Motto „Believe in Magic“ – quasi als Leitfaden für magische G-danken, die Hoffnung machen auf ein Ende der G-Zeit und damit auf den Beginn eines normalen Corona-freien Lebens.

Wie ist es um St. Pölten bestellt? Die heimische Hotellerie scheint es ja einigermaßen mit Fassung zu tragen. St. Pölten wird durch das Virus sicher nicht aus der Bahn geworfen. Die Stadt hat ja eine so unglaublich dynamische Entwicklung genommen, die hält an – da genügt allein ein Blick aufs Baugeschehen. Das Landeskulturhauptstadtjahr 2024 wird einen zusätzlichen, nachhaltigen Schub bringen, wodurch auch der Tourismus als solcher auf ein neues Level gehoben wird. Wir reden

immerhin von 16 Millionen Euro, die in die Hand genommen werden. Organisatorisch – das wird gerade auf Schiene gebracht – kommt es in Sachen Tourismus zu einem noch stärkeren Zusammenschluss von Stadt/Land/Region, was sich wohl auch in der Struktur des St. Pölten Tourismus niederschlagen wird. Die neuen Einrichtungen wie etwa das KiKuLa werden hoffentlich so einschlagen, wie man es sich erhofft. Damit soll auch – das ist eines der großen Ziele – einer stärkeren emotionalen Bindung an die Stadt, die von den Bürgern der Umlandgemeinden bislang eher als formalkühle Gesundheits-, Schul-, Kultur-, Einkaufsstadt wahrgenommen wird, Vorschub geleistet werden. Diese Emotionalisierung wird auch durch die stärkere Vernetzung der gesamten Region erfolgen, St. Pölten wird also noch stärker mit dem Mostviertel aufgeladen, das Mostviertel noch stärker mit der Landeshauptstadt, man befruchtet sich gegenseitig! Last but not least wird das erhöhte Angebot auch eine positive Weiterentwicklung anstoßen, weshalb mit dem einen oder anderen neuen Hotel in der Landeshauptstadt zu rechnen ist.


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Zum Glück hatten wir eine solide Hotel-Grundauslastung mit Berufsreisenden. ALEX MEDER, DAS ALFRED

TOURISMUS

WE ARE OPEN Mit 19. Mai durften sie also – nach teils monatelanger Schließungen – ENDLICH wieder öffnen, die heimischen Beherbergungsbetriebe. Wie es der Branche während der Pandemie so ergangen ist und wie es in Zukunft weitergeht, darüber plauderten wir mit Touristikern in St. Pölten und der Wachau.

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ie letzte Zeit war für unsere Mitarbeiter natürlich sehr fordernd, zum Glück hatten wir eine solide Hotel-Grundauslastung mit Berufsreisenden“, erzählt etwa Alex Meder, Geschäftsführer des St. Pöltner Design Budget Hotels „Das Alfred“, und überrascht damit zugleich mit einem Umstand, der in der kollektiven Wahrnehmung unterging. Viele Hotels (insbesondere in Städten) hatten nämlich nicht komplett geschlossen, sondern konnten wenigstens Geschäftsreisende empfangen – wenngleich auch in diesem Segment die Zahlen natürlich einbrachen und der Gesamtbetrieb im Hinblick auf Ressourcen und Personal bei weitem nicht aus-

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gelastet werden konnte. „Wir haben aber versucht die Zeit so gut als möglich mit Ideenfindungen für die Zukunft und mit diversen Arbeiten im Haus positiv zu überbrücken“, so Meder. Dank der Kurzarbeitsregelung konnten auch alle Mitarbeiter des Hauses angestellt bleiben „niemand musste gekündigt werden!“ Seit der Öffnung im Mai ortet der Hotelier jedenfalls eine gewisse Aufbruchsstimmung: „Es gibt sehr viele Anfragen für unsere Loungebar, ebenso für die Zimmer. Man merkt, dass sich in den letzten eineinhalb Jahren viel aufgestaut hat und die Leute es kaum erwarten können, wieder Geburtstagsfeste, Hochzeiten und Weihnachtsfeiern

nachzuholen.“ Auch dass der Veranstaltungsbetrieb im benachbarten, nicht minder schwer von der Krise getroffenen VAZ St. Pölten wieder anläuft, stimmt Meder als Nachbar der Institution zuversichtlich, „weil das tolle Veranstaltungsprogramm uns sicherlich wieder einige Hotelgäste bescheren wird.“ Auch Walter Jahn, Direktor des Cityhotel D & C, Metropol und Motel 267, teilt die positiven Aussichten. Durch die Zeit des Lockdowns sei man vergleichsweise gut gekommen: „Unser großer Vorteil war, dass wir mit einem großen Partner, der unter die Ausnahmeregelung gefallen ist, so viel Geschäft gemacht haben, dass es sich ausgezahlt hat offen zu halten“, so der Manager, der ergänzt, „dass wir aber trotzdem natürlich weit weg von der Normalauslastung waren.“ Auch die Mitarbeiter seiner Hotels waren auf Kurzarbeit, was aufgrund des geringeren Umsatzes notwendig war. Inzwischen merkt Jahn einen Aufwärtstrend: „Mit Anfang Juni wurde es noch ein bisschen besser. Wir sind in meinen Häusern nicht abhängig von touristischen Gästen, ich hoffe deshalb, dass das übliche Geschäft mit Seminaren und Veranstaltungen rasch zurückkommt.“ Die bisherigen Auflagen für die Hotellerie beurteilt er gemischt. Einige seien relativ einfach beim Check-In umzusetzen, andere wiederum – wie etwa die Abwicklung von Laufkundschaft – entwickle sich dahingegen zur logistischen Herausforderung. Aber auch hier werden wohl baldige weitere Lockerungen alsbald Verbesserungen bringen. Über der Donau Auch in der stark touristisch geprägten Weltkulturerbe-Region


TEXT: SASCHA HAROLD, JOHANNES MAYERHOFER | FOTOS: KÖSTLER, NÖ WERBUNG/A. HOFER & R. HERBST, KÖNIG SCHWARZ, BRANDER SCHIFFFAHRT

Wachau schlägt einem eher Zuversicht denn Katzenjammer entgegen. Hinsichtlich der bevorstehenden Sommersaison gibt man sich optimistisch, wenngleich Johann Riesenhuber (ÖVP), seit Jänner 2019 Bürgermeister von Dürnstein, einräumt, dass das Ausnahme-Jahr 2020 „das Bild des Touristen in Dürnstein letztes Jahr deutlich verändert hat.“ Die Kabinenschifffahrt war praktisch zum Erliegen gekommen, die sonst gewohnten Bilder von etwa großen japanischen Touristengruppen, die sich durch die die zentrale Straße Dürnsteins drängen, blieben aus. „Das wurde von der allgemeinen Bevölkerung, also auch jenen, die ihr Brot nicht im Tourismus verdienen, explizit gut aufgenommen“, so Riesenhuber, der damit wohl auf die Schattenseiten des Massentourismus verweist, der die Jahre vor der Pandemie zusehends kritisch beurteilt wurde. Insofern erwies sich die Saison wohl als angenehmer und sozial verträglicher für die Bevölkerung, die Besucher bildeten im wesentlichen Wanderer, Radfahrer, Tagesgäste aus Österreich. „Wir haben im Grunde im Vorjahr Gewinner

ST. PÖLTEN. Die Hotellerie in St. Pölten konnte während der Pandemie Geschäftsreisende beherbergen. Jetzt hofft man auch auf die Rückkehr der Urlaubstouristen.

und Verlierer gehabt. Die Gastronomie etwa lief während des Sommers wirklich gut, während die kleineren Verkaufs- und Souvenirgeschäfte das Ausbleiben der Auslandstouristen natürlich negativ gespürt haben.“ Der Bürgermeister hält fest, dass man extremen internationalen Massentourismus vonseiten der Gemeinde im Übrigen nie herbei

gewünscht hat, vielmehr baue das Tourismuskonzept Dürnsteins auf drei Säulen auf: Wandern, Wein und – natürlich auch – Schiffsfahrt. Und wenn man das TourismusRad 2021 natürlich nicht neu erfinden wird, so hat man doch die Zeit genutzt, um Strategien zu überlegen, wie die Auswüchse des Massentourismus ein wenig einzufangen bzw. die Tourismus-Ströme besser zu lenken sind. Allen voran wurde die letzten zwei Jahre das Top-ToursKonzept entwickelt „mit dem wir unseren Besuchern mehrere Routen anbieten, auf denen sie Dürnstein erkunden können.“ Die Top-ToursIdee soll also eine bessere Aufteilung der Touristenströme bewirken und gleichzeitig sicherstellen, dass die wahren Highlights des Ortes sozusagen dennoch an den Mann/die Frau gebracht werden. „Weil ohne solche Pläne landet man als Tourist stets dort, wo alle landen. Wenn man etwa unvorbereitet und ohne ein solches Konzept in Salzburg unterwegs ist, sieht man meist auch nur die bekannte Getreidegasse – und das wars dann schon wieder.“ Auf Dürnstein gemünzt: „Dass Touristenströme

Wir haben hier im Grunde Gewinner und Verlierer gehabt. JOHANN RIESENHUBER, BÜRGERMEISTER VON DÜRNSTEIN MFG 06 21

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WE ARE OPEN

sich ein paar hundert Meter lang die Hauptstraße rauf- und runterschieben, das soll jedenfalls der Vergangenheit angehören!“ Weißenkirchen setzt auf „sanften Tourismus“ Für Weißenkirchen bedeutete das Jahr 2020 einen herben Rückschlag. Um 25 Prozent brachen hier die Nächtigungsszahlen in etwa ein, von 60.000 auf 45.000. Wobei das Jahr nicht homogen war, sondern eines der Extreme, wie Bürgermeister Christian Geppner (ÖVP) erzählt: „In den Monaten Juli und August hatten wir so hohe Übernachtungszahlen wie überhaupt noch nie! Im November jedoch brachen die Zahlen dann von 934 im Jahr 2019 auf 56 im Jahr 2020 ein.“ Trotz der schwierigen politischen und pandemischen Umstände ließ man sich touristisch und kulturtechnisch dennoch nicht hängen, zog etwa – im Unterschied zu vielen anderen – die Wachau Festspiele durch. „Es waren halt nur 144 statt 300 Zuseher erlaubt“, so Geppner. Auch heuer ist das Festival bereits auf Schiene. Neben zwei größeren Produktionen – „Meine rosarote Hochzeit“ und „Der Schüler Gerber“ – „wird es rundherum Kleinkunst, Kabarett et cetera geben.“ Aktuell sind die Zuschauerzahlen noch eingeschränkt, auch ein CovidKonzept kommt klarerweise wieder zum Tragen. „Ein Eckpunkt darin ist

WACHAU. In der Wachau setzt man auf klassische Themen wie Wein, Wandern, Rad und Schifffahrt. 14

Eine Erholung des europäischen Kreuzfahrtschiffmarktes erwarten wir 2022. BERNHARD SCHRÖDER, DONAUTOURISMUS GMBH

zum Beispiel, dass es statt einer Schank mehrere geben wird, um die Menschenströme zu entzerren.“ Die Frage, ob der Massentourismus, dem keiner in der Region so recht nachzuweinen scheint, quasi in die Region zurückkehren wird, beschäftigt Geppner nicht wirklich: „Von Massentourismus kann man vielleicht im Falle von Dürnstein, Melk oder Krems sprechen, aber nicht bei uns. Wir haben kaum die Anlegestellen und Busplätze dafür.“ Weißenkirchen setze eher auf „sanften Tourismus“, also Angebote für Wanderer, Radfahrer, Tagesgäste und Ausflügler. Diesbezüglich wurde auch bereits einiges an Infrastruktur erneuert und ausgebaut, um für den Restart fit zu sein. „Wir haben unter anderem Wanderwege neu beschildert, außerdem schließen wir Weißenkirchen an die Mountainbikestrecke an, welche von Mühldorf heraus über Spitz und Weißenkirchen durch die Wachau führt“, so Geppner. Kurzum: Man ist gerüstet. Flaute am Schifffsmarkt, mehr Camping? Dies gilt auch für die Donautouris-

mus GmbH, die quasi aus der Vogelperspektive einen Blick auf die kommende Sommersaison in der Wachau wirft. „In den beliebten Tourismuszielen wird es auch in Zukunft zu einem hohen Andrang kommen“, ist Geschäftsführer Bernhard Schröder überzeugt, „weshalb ein Präventionskonzept entwickelt wurde!“ Außerdem existiert wachauweit ein einheitliches Busparksystem, um den Busverkehr besser zu lenken. Bestätigen kann der Touristiker auch den deutlichen Trend zu mehr OutdoorAktivitäten, was hohe Frequenz auf den Wander- und Radwegen mit sich bringt. „Dafür haben wir zwar keine konkreten Buchungszahlen, jedoch erleben wir eine verstärkte Nachfrage nach Campingplatz-Angeboten“, so der Tourismusmanager. Und was die kommerzielle Touristenschifffahrt betrifft, so werde es wohl noch einige Zeit dauern, bis diese wieder voll auf die Beine kommt: „Eine Erholung des europäischen Kreuzfahrtschiffmarktes erwarten wir 2022, am außereuropäischen Markt 2023.“ Es ist also Land in Sicht!


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MICHAEL DUSCHER

WOHIN DIE REISE GEHT Beschwingt kommt Michael Duscher zum verabredeten Treffpunkt ins Café Schubert, was wohl weniger am schönen Maiwetter liegt (das war jetzt bitte keine Ironie, wir erwischen tatsächlich den gefühlt einzigen schönen Mittag im angeblichen Wonnemonat), sondern an seiner positiven Grundeinstellung, die er noch in jedem seiner Jobs unter Beweis gestellt hat.

A

uch als Leiter der Nieder­ österreich Werbung sprüht der Mann vor Energie und hat die letzten Monate – Corona hin oder her – ordentlich umgerührt. So flimmert neuerdings – ein ab­ solutes Novum – Niederösterreich Werbung über den TV-Bildschirm, das Bewerbungsgebiet wurde so­ wohl national als auch internati­ onal ausgedehnt und Module wie „Treffen sich zwei in Niederöster­ reich“ (niederoesterreich.at/treffensichzwei) zeugen von einer neuen, spritzigen, teils gegen den Strich gebürsteten Werbelinie, die – wie es schön neudeutsch heißt – per „Mul­ tichannel-Marketing“ in den Äther geschleudert wird. All dies trägt be­ reits die Handschrift Duschers und ist werblicher Ausfluss der neuen Landes-Tourismusstrategie, die un­ ter seiner Ägide nicht nur auf den Weg gebracht wurde, „sondern auch bereits umgesetzt wird“, wie der Touristiker schmunzelnd hinzufügt. Im Laufe seiner Karriere hat er wohl schon manch schönes Papier in den ewigen Tiefen einer Schreibtischlade verschwinden sehen, diesmal hält er freilich die Fäden selbst in der Hand.

Wofür wir stehen (wollen) Im Zuge eines Partizipationspro­ zesses – der Bogen spannte sich vom kleinen Wirten über die Weinwirt­ schaft bis hin zum Landeskulturchef – wurden vier Kernelemente he­ rausgefiltert „wofür wir stehen, was uns ausmacht, was wir den Gästen vermitteln möchten.“ Diese GrundDNA liest sich wie aus einem zeit­ 16

In den Bereichen Kunst & Kultur sowie Kulinarik & Wein wollen wir die Themenführerschaft übernehmen! MICHAEL DUSCHER


TEXT: JOHANNES REICHL | FOTOS: MATTHIAS KÖSTLER, ANDREAS JAKWERTH, ALEXANDER HAIDEN

Letztlich ist Urlaub in Niederösterreich einfach erfrischend unhysterisch! MICHAEL DUSCHER

geistigen feel-good Prospekt: Quali­ tät, Nachhaltigkeit, Regionalität und Authentizität – wobei gerade letz­ teres, die anderen durchdringend, wohl so etwas wie den Kern im Kern darstellt. „In Niederösterreich ist nichts aufgesetzt. Da gibt es noch echte Wirtshäuser, wo eine Fami­ lie dahintersteckt, wo Herzlichkeit nicht gespielt ist“, zeichnet Duscher einen bewussten Kontrast zu manch Overtourism-Region, wo der Touris­ mus bisweilen eher korrumpiert und die lokale Identität zerbröselt, denn sie zum Ausdruck zu bringen. Auf dieser Basis wurde die ei­ gentliche Strategie aufgesetzt, die der Tourismuschef in Folge wie ein Wanderprediger ins Land getragen hat. „Ich habe sie gefühlt sicher 25 verschiedenen Gremien präsentiert. So ein Papier muss konsistent sein, die Botschaft muss klar sein, damit sie auch von allen verstanden und mitgetragen wird.“ Jene für Nieder­ österreich könnte man in Abwand­ lung des Satzes „Tue Gutes und rede darüber“ in etwa so abwandeln: „Erkenne deine Stärken und bringe sie unters Volk“, was auf Sicht darin münden soll, dass Niederösterreich nicht mehr nur als (Tages)Ausflugs­ ziel, sondern auch als lohnenswerte Kurzurlaubsdestination begriffen wird. „Wir haben vier Schwer­ punkte: Kunst & Kultur, Kulinarik & Wein, Gesundheit & Erholung und Natur“, skizziert Duscher und bringt dabei auch ein neues Selbst­ verständnis, ja Selbstbewusstsein zum Ausdruck. Die Zeiten, als man in Sachen Natur etwa neidisch in die westliche Bergwelt schielte oder in Sachen Kultur ins mondäne Wien, sind vorbei. „Gerade in den Bereichen Kunst & Kultur sowie Kulinarik & Wein, wo wir Spitzen­ leistungen erbringen, wollen wir die Themenführerschaft übernehmen!“ Das ist einmal eine Ansage.

In der Mischung liegt die Kraft In der Praxis möchte man, um quasi den Spannungs- und Überraschungs­ bogen hochzuhalten, die verschie­ denen Bereiche auch immer wieder kräftig durcheinander mischen „und in immer neuen Kombinationen prä­ sentieren. Also warum nicht etwa Kunstgenuss beim Winzer.“ Duscher spricht diesbezüglich nicht von un­ gelegten Eiern, sondern von bereits eingeleiteten Tatsachen. „Im Vorjahr hatten wir etwa im Zuge von ‚Kultur beim Winzer‘ 32 Veranstaltungen – Lesungen, Konzerte etc., dazu Weinverkostungen, beste Kulinarik – das ist großartig angekommen!“ Und wird deshalb fortgeführt. Die Melange aus Natur und Kultur wiederum sei ohnedies schon lange eines der niederösterreichischen Filetstücke am touristischen Spei­ sezettel, „wenn man etwa an Festi­ vals wie Wellenklänge in Lunz/See, Grafenegg, das Schrammelfestival in Litschau und viele mehr denkt.“ Wobei es Duscher gar nicht nur um die „classics“ geht, also die be­ reits etablierten Top-Ausflugsziele, sondern nicht minder „um die hid­ den treasures“, also Destinationen und Möglichkeiten, die bislang viel­ leicht noch nicht so am Radar der Gäste sind. „Warum nicht etwa mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Radausflug für die ganze Fa­ milie. Das funktioniert wunderbar und stressfrei – ganz ohne Nerven­ zusammenbruch der Eltern“, lacht Duscher aus eigener Erfahrung, ist er doch erst am Wochenende zuvor mit seinen Kids den Kamptalradweg abgefahren. „Oder man nimmt von Wien-Meidling den Zug nach Ba­ den, schwingt sich dort in den Sattel und fährt entlang der Schwechat den Helentalradweg bis Heiligenkreuz. Das ist wie Urlaub. In nur 30 Mi­ nuten von zuhaus entfernt bist du in einer komplett neuen Welt!“

Sommerfrische & Co. Gar nicht neu ist die Idee von Nie­ derösterreich als SommerfrischeOrt, die man quasi wiederbeleben möchte „weil sich die Grundidee und der Reiz dahinter ja nicht ge­ ändert haben. Es geht um herrliche Natur, um Kunst und Kulturgenuss, gutes Essen und Trinken, um Erho­ lung – darum, dass man einfach ein­ mal auch nix machen muss, wenn man nicht möchte!“, umreißt Du­ scher den Ansatz. Überhaupt sei ein Trend zu mehr Achtsamkeit „näm­ lich auch sich selbst gegenüber, er­ kennbar. Einfach die Seele baumeln lassen, etwas für sich tun.“ Wenig verwunderlich boomten deshalb auch Angebote wie der Waldviertler Lebensweg, Fastenwochen in Klö­ stern und ähnliches mehr. Für die Besucher – und das soll sich auch in eigens geschnürten Packages nieder­ schlagen – gehe es dabei zusehends um größtmögliche Flexibilität. Man macht, was einem Spaß macht – heute vielleicht nur spazieren, am Abend eine Lesung, dann wieder voll aktiv mit dem Rad … erlaubt ist, was gefällt und möglich ist. „Und es ist viel möglich! Letztlich ist Urlaub in Niederösterreich einfach erfrischend unhysterisch!“ Der Mann betet dabei nicht seine selbst formulierten Werbebotschaf­ ten herunter, sondern spricht aus Erfahrung. Immerhin tourt Duscher GRAFENEGG. Gediegene Melange – Natur trifft auf Kunst und Kulinarik.

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WOHIN DIE REISE GEHT

HANDSCHRIFT. Duscher ist seit gut einem Jahr Chef der Niederösterreich Werbung und u. a. um Profilschärfung bemüht.

KOLUMNE TINA REICHL

– seitdem er den Job im Jänner 2020 übernommen hat – in Dauerschleife landauf landab „einfach weil ich un­ sere Angebote selbst kennenlernen und testen möchte, um dann auch fundiert Feedback geben zu können.“ Im Zuge dessen hat er auch ganz gut die Stimmung der Branche in Sachen Corona mitbekommen. Die war, wenn gerade geöffnet war, teils durchaus zufrieden „wir hatten etwa bei den Ausflugszielen den stärksten August seit Zählungsbeginn über­ haupt“, verweist Duscher auf ein Phä­ nomen, das vor allem dem Umstand geschuldet scheint, dass viele Bürger Österreich-Urlaub gemacht haben bzw. notgedrungen die Schönheiten vor der eigenen Haustür erkundeten. Wenn die Lockdown-Balken run­ tergingen, war der Gefühlshaushalt hingegen diffus bis bangend. „Viele haben aber enorme Kreativität und Innovation entwickelt, haben, so­ weit es ging, dagegenhalten.“ Wie viele Betriebe es am Ende des Tages dennoch erwischen wird, sei noch schwer abzuschätzen „wobei Corona am ehesten für jene, die schon vor der Pandemie Probleme hatten, den To­ desstoß bedeuten könnte.“ Spätestens mit der Öffnung am 19. Mai sei aber

DER SOMMER VON DAMALS ...

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wieder ein Hauch Zuversicht einge­ kehrt, die Betriebe sprühten förmlich vor Tatendrang. „Am besten hat die Stimmung ein Wirt zum Ausdruck gebracht: ‚Jetzt weiß ich wenigstens wieder, wovon ich am Abend müde bin!‘“, lacht Duscher. Ob der Manager selbst den Be­ griff Müdigkeit kennt? Man hegt so seine Zweifel. Das Handy piepst, der nächste Termin steht an – St. Pölten calling, Codewort Landeskul­ turhauptstadt 2024. „Es ist immer schön, die alten Kollegen wieder zu treffen“, meint der ehemalige Leiter der Europäischen Kulturhauptstadt­ bewerbung 2024 und verabschiedet sich Richtung Rathausplatz.

HOCH HINAUS. Niederösterreich will dank seiner Vielfalt bestechen – etwa mit herrlichen Landschaften wie hier am Schneeberg.

FOTO STOCK.ADOBE.COM

... erinnert an Wurstsemmeln mit Kraut, rote Augen vom Chlorwasser im Kaltbad, heiße Waschbetonsteine und erste Zungenküsse auf der Rutsche. Es war völlig egal, wo man sich hinlegte, weil man quasi eh nie am Platz war. Der Tag war ausgefüllt mit Sprüngen vom Beckenrand, Eis essen beim Fe, einer Partie Tischtennis und den großen Jungs bei Sprüngen vom Dreier zuzusehen. Okay, so einen verklärten Sommer wird es naturgemäß nicht mehr spielen. Aber ich bin zuversichtlich. Nach dem letzten Sommerurlaub in Österreich trau ich mich wieder ein bisschen weiter südlich. Endlich wieder den heißen Sand unter den Füßen spüren, sich Fritto misto gönnen und Spaghetti Vongole. Jeder freut sich wieder über Banales: Das erste Konzert im kleinen Rahmen, die erste Grillerei. Noch nie hat die Guacamole und die Käsekrainer so gut geschmeckt. Es ist wie nach einer Diät: Das erste Redbull nach ein paar Wochen schmeckt einfach doppelt so süß! Nach der zaghaften Ghettofaustbegrüßung gibt es die ersten Umarmungen, und sie fühlen sich doppelt so gut an. Es muss keine Kreuzfahrt sein, ich brauche auch keine Suite und kein Steak mit Blattgold. Das wird ein herrlicher Sommer. Ich bin ausgehungert nach dem Duft von Sonnencreme, nach einem Aperol Spritz in einem Lokal (!), nach neuen Sommerkleidern, neuen Witzen, neuen Songs, neuen Stadtgesprächen. Auch der Sohn fiebert dem Sommer entgegen. Nach diesem Jahr kein Wunder. Auch im Kaltbad war er schon. Der nächste Satz trifft mich unvorbereitet. „Wir sind auch gerutscht!“ Vielleicht wird es ja doch ein Sommer wie damals ...


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GEWALTTATEN IN NÖ • Wegweisungen von Jänner bis Mai 917 (2021), 986 (2020) Gezählt wird eine Wegweisung pro Familienmitglied (bis 2019 wurde eine Wegweisung pro Familie gezählt). 2020 gab es in NÖ 11.652 Betretungs- und Annäherungsverbote. • Gewalt in der Privatsphäre – Straftatenanzahl: 2.297 (2016), 2.703 (2020) Steigerung von 13,1 Prozent • Morde 36 (2014), 60 (2018), 65 (2019), 54 (2020)

„DIE ANGST IST IMMER NOCH DA“ Elf Frauen wurden heuer bereits in Österreich ermordet, was die Debatte über Ursachenbekämpfung sowie bessere Prävention zuletzt wieder hochkochen ließ. Wir sprachen mit einer betroffenen Frau, deren Mann sie und ihre vier Söhne jahrelang terrorisierte und traktierte – Einblicke in ein nach außen hin vermeintlich heiles Familienleben.

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iese Gerichtsverhandlung ging Ende 2019 durch viele Medien. „Ich hau‘ dir den Schädel ein“ titelte die NÖN mit einem Zitat des Familienvaters, der in diesem Prozess verurteilt wurde. Ein Prozess, in dem auch der Richter fassungslos war: „Wenn man vom Alltag bei Ihnen Zuhause hört, stellt’s einem die Haare auf“, fuhr er den Angeklagten an. Wie der Vater mit seinen vier Söhnen im Volksschul- und Kindergartenalter umsprang, war auf Audiodateien zu hören. „I hau euch die Zähne in den Kragen“, oder „I hau dir den Schädel ein“, oder „Wann I jetzt aufsteh, brich i dir alle Knochen.“

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„Er hat immer nur herumgeschrien“, erzählt die Mutter der Kinder, nennen wir sie Anna. „Wir konnten ihm nichts recht machen.“ Begonnen hat der Familienterror, als das erste Kind in die Schule gekommen ist und seine Leistungen nicht die Erwartungen des Vaters erfüllten. „Ich war seiner Meinung nach schuld daran. Und immer, wenn er auf mich beleidigt war, hat er den Kindern alles weggenommen“, sagt Anna. Er hat zum Beispiel die Kinderfahrräder weggesperrt, damit die Mutter keinen Radausflug machen konnte, oder er hat seiner Frau die Autoschlüssel weggenommen, und er hat Kameras im ganzen Haus in-

• Mordopfer nach Geschlecht (2020) 31 Frauen, 23 Männer. In über 70 Prozent bestand eine Beziehung zwischen Täter und Opfer.

stalliert, um alles unter Kontrolle zu haben. „Nach außen hat er immer lieb und nett getan und an unserem gemeinsamen Arbeitsplatz auf heile Welt gespielt“, erinnert sich Anna, dass sie für viele Kollegen die Böse war, die ihrem armen Mann die Kinder wegnimmt. Damals, als sie sich endlich wehrte und auf Rat einer Juristen-Kollegin und mit Unterstützung ihrer Eltern und ihrer Schwester ins Frauenhaus flüchtete. „Es ist verdammt schwer, nur das Nötigste zusammenzupacken und zu gehen. Wenn er die Kinder nicht so massiv bedroht hätte, wäre ich wahrscheinlich noch nicht gegangen. Da hätte ich sicher gewartet, bis das jüngste Kind aus dem Gröbsten heraus wäre.“ Schutz im Frauenhaus Weihnachten im Frauenhaus war das schönste seit ewigen Zeiten, strahlt Anna. „Alle waren sehr bemüht, die Mitarbeiter haben mit den Kindern Kekse gebacken, jedes Kind hat ein Geschenk bekommen.“


TEXT: BEATE STEINER | FOTOS: STOCK.ADOBE.COM, ALBERTONI, ZVG

Zwei Monate war die kleine Familie im Frauenhaus. „Das war natürlich Schutz für uns, allerdings sehr schwierig, weil wir nicht rausdurften. Vor allem für meinen zweiten Sohn, der als Autist mit AspergerSyndrom sehr darunter leidet, wenn viele Menschen auf engem Raum sind und auch, wenn etwas anders ist als gewohnt.“ Anna und ihre Kinder fanden bald eine Wohnung in der Nähe ihrer Eltern und ihrer Schwester. Aber damit war der familiäre Leidensweg noch nicht zu Ende. Der Vater passte die Kinder am Schulweg und am Spielplatz ab, zeigte seine Frau an, dass sie die Kinder gestohlen hätte. „Die Scheidung hat so lange gedauert, weil zuerst das Strafverfahren gegen meinen Mann abgeschlossen werden musste“, erklärt Anna. Bis dahin mussten die Kinder auch regelmäßig ihren Vater treffen, obwohl sich die Älteren dagegen wehrten. Jetzt aber, nach abgeschlossenem Verfahren und nach der Scheidung, geht es Mutter und Kindern gut: „Die Großen sind noch in Therapie, mein Asperger-Sohn besucht jetzt eine andere Schule, in der er die Aufmerksamkeit bekommt, die er braucht. Wir sind alle froh, dass wir meinen Ex-Mann los sind, andererseits leiden die Kinder schon darunter, dass es vom Papa nix zum Geburtstag und zu Weihnachten gibt.“ Narben bleiben Am Anfang war er schon anders, versucht Anna das „Warum“ zu er-

klären, „nicht so bestimmend, nicht so geizig“. Dann ist er immer eifersüchtiger geworden, hat verlangt, dass sie extra für ihn kocht, wenn die Kinder im Bett waren, hat ihr immer wieder etwas zu fleiß getan. „Am Anfang denkst du dir halt, der hat einen schlechten Tag.“ Dann wollte ihr Mann, dass sie ihre Arbeit aufgibt, das hat sie nicht gemacht. Vor sechs Jahren wollte sie schon einmal die Scheidung einreichen. „Nach dem ersten Brief hat er Terror gemacht, hat mich angezeigt, dass ich die Kinder vernachlässige. Obwohl ich zuhause alles gemacht habe.“ Mit einer befohlenen Familientherapeutin und einer ersten Gutachterin hat Anna dann auch schlechte Erfahrungen gemacht: „Die haben gemeint, dass ich meine Kinder gegen ihren Papa aufhetze, obwohl sie erzählt haben, was sie erlebten – das hat mich schon ziemlich zurückgehaut.“ Jetzt funktioniert das soziale Netzwerk schon bestens. Schulen und Kindergärten unterstützen, „ich weiß das sofort, wenn mein ExMann in unseren Ort fährt. Die Wirtin hat sofort angerufen, als sie ihn gesehen hat.“ Die Angst ist allerdings immer noch da, „vor allem, dass er den Kindern auflauert.“ Die sind jetzt elf, zehn, acht und fünf Jahre alt und haben sich zum Beispiel zunächst nicht getraut, mit ihrer Mutter einen Ausflug ins Haus des Meeres zu machen. „Das ist in Wien, da wohnt ja der Papa.“

FORMEN VON GEWALT GEGEN FRAUEN • Physische Gewalt Schlagen, Treten, Stoßen, Zwicken, an den Haaren ziehen, mit einem Gegenstand schlagen, Würgen, Verbrennen, mit einer Waffe bedrohen oder verletzen. Im weiteren Sinne gehört hierher das Zerstören und Beschädigen von persönlichen Sachen, der Wohnungseinrichtung oder auch das Quälen von Haustieren. • Psychische Gewalt Drohungen und Nötigungen sind häufig Formen von psychischer Gewalt. Auch die Androhung von Misshandlungen reicht oft schon aus, eine Person in Angst und Schrecken zu ver setzen. Beschimpfen, Abwerten und Diffamieren dienen der Zerstörung des Selbstwertgefühls der Opfer und ihrer geistigen Gesundheit. Auch das Beleidigen in der Öffentlichkeit zählt zu psychischer Gewalt. • Ökonomische Gewalt Bezieht sich auf die ungleiche Verfügung über finanzielle Mittel. Der Mann nimmt der Frau Geld oder Wertsachen weg, er bestimmt, wie viel Geld sie ausgeben darf, er verbietet ihr ein eigenes Konto, er lässt sie nicht arbeiten gehen, damit sie kein eigenes Geld hat. • Soziale Gewalt Isolation ist zum Beispiel eine häufige Strategie, um die Opfer zu kontrollieren und zu beherrschen: Einsperren ins Haus, keine Kontakte zu Familie, Freunden und Bekannten, Einschränkung der Mobilität . . . • Sexuelle Gewalt Sexuelle Übergriffe sind Unrecht und auch in einer Ehe strafbar.

FORMEN VON GEWALT. Spartanisch eingerichtet war das Zimmer der beiden älteren Buben von Anna. Ihr Ex-Mann gestattete keine Deko. MFG 06 21

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„ES SIN D VERM EHRT HOCHGEFÄHRDE TE FRAU EN BEI U N S“ Olinda Albertoni ist Leiterin vom „Haus der Frau“ in St. Pölten. Seit 1984 finden Frauen und Kinder dort Schutz vor gewalttätigen Männern. Die 36 Plätze im Haus sind sehr oft belegt. Wie war die Situation im Frauenhaus während der Pandemie? Nach der hohen Anzahl an Frauenmorden 2019 in Niederösterreich waren beinahe durchwegs alle Plätze des Frauenhauses belegt. Im ersten Lockdown kam es dann zwar weiterhin zu vielen Anfragen, aber den endgültigen Schritt ins Frauenhaus zu gehen, wagten viele Frauen nicht – offenbar waren alle anderen Unsicherheiten zu groß – der Verlust des Einkommens, des Arbeitsplatzes, die Situation der Kinder. Außerdem sprachen viele Frauen davon, rund um die Uhr kontrolliert zu werden. Zwischen den Lockdowns sind wieder vermehrt Frauen eingezogen, doch sind immer Zimmer verfügbar gewesen. Es wurde jedenfalls sichtbar, dass noch mehr Öffentlichkeitsarbeit nötig ist, um Frauen zu ermutigen, auch in Zeiten einer Pandemie den Gewalttäter zu verlassen und ihnen Hilfsangebote bewusst und zugänglich zu machen.

Suchen jetzt grundsätzlich mehr Frauen Zuflucht im Frauenhaus? Seit der Pandemie sind die Zahlen eher gleichbleibend. Es könnte jedoch sein, dass mit Ende der Pandemie ein Anstieg kommt, wenn es die veränderten Umstände Frauen wieder erleichtern, ein gewalttätiges Umfeld zu verlassen. 2020 waren im Frauenhaus St. Pölten die Plätze für Frauen und ihre Kinder zu 91% ausgelastet. In den letzten drei Monaten war die Auslastung bei 78%. Haben sich die Ursachen verändert, warum Frauen Schutz suchen? Zuletzt waren Frauen häufiger von Freiheitsentziehung, Stalking sowie Cyberstalking und Cybermobbing betroffen. Die digitalen Möglichkeiten, Personen auf Schritt und Tritt zu überwachen, machen sich auch Gewalttäter zu Nutze. Es sind vermehrt hochgefährdete Frauen und Kinder bei uns. Gibt es eigentlich bestimmte Grundkonstellationen, die Männer zu Gewalttätern machen? Die gibt es aus meiner Sicht nicht. Gewalt gibt es in allen Bevölkerungsgruppen und -schichten immer dort, wo patriarchale Strukturen dominieren, dort wo der Mann meint, die Frau zu besitzen, Machtansprüche stellt und mit Verlust dieser vermeintlichen Berechtigungen nicht umgehen gelernt hat. Wie klappt die Zusammenarbeit mit der Polizei? Außerordentlich gut. Der Schutz des Frauenhauses hat Priorität für die zuständige Polizeiinspektion. In Hochrisikofällen werden seitens der Polizei

Die digitalen Möglichkeiten, Personen auf Schritt und Tritt zu überwachen, machen sich auch Gewalttäter zu Nutze. 22

Fallkonferenzen organisiert. Das ermöglicht die optimale Zusammenarbeit aller involvierten Einrichtungen – Polizei, Gewaltschutzzentrum, Frauenhaus, Kinderschutzeinrichtungen – zum Schutz der Frau und ihrer Kinder.

PRINZIPIEN IM HAUS DER FRAU • Anonymität & Vertraulichkeit Die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. • Unbürokratische Soforthilfe Eine sofortige Aufnahme ist rund um die Uhr möglich, auch am Wochenende. Das Frauenhaus ist offen für Frauen und deren Kinder, unabhängig von ihrer Nationalität, Religionszugehörigkeit, sexuellen Orientierung und ihrem Einkommen. • Parteilichkeit Die Mitarbeiter im Frauenhaus stehen auf der Seite der Frau, unterstützen sie und entwickeln gemeinsam mit ihnen Verbesserungen ihrer Lebenssituation. • Frauen unterstützen Frauen In unserer Einrichtung werden betroffene Frauen von fachlich qualifizierten Frauen in ihrem Entscheidungs- bzw. Selbstfindungsprozess unterstützt, beraten und begleitet. • Hilfe zur Selbsthilfe Das Frauenhaus bietet den Frauen die Möglichkeit in Ruhe und ohne Druck überlegen zu können, was weiter geschehen soll – mit Unterstützung der Frauenhaus-Mitarbeiterinnen. Kontakt: 02742 36 65 14


TEXT: SASCHA HAROLD | FOTO: CARITAS ST. PÖLTEN

WENN MÄNNER HILFE BRAUCHEN Am Beginn steht ein Streit mit seiner Lebensgefährtin. Ein lächerlicher Streit, wie er selbst im Nachhinein meint. In dem Moment, als es passiert, sieht er das allerdings anders. Die Auseinandersetzung eskaliert, der Mann, er ist Mitte 30, beginnt seine Lebensgefährtin zu schlagen. Auf den Kopf, den Rumpf, den Rücken. Kurz danach kontaktiert er die Caritas Männerberatung und ist vor allem über sein eigenes Verhalten erschrocken.

I

n Niederösterreich betreibt die Caritas insgesamt zehn solcher Einrichtungen, die, der Name verrät es, Beratung für Männer anbietet. Gewalt ist dabei nur eines von mehreren Themen, es geht beispielsweise auch um Lebens- oder Beziehungskrisen oder das Vatersein. „Es sind jedes Jahr mehrere hundert Männer, die zu uns kommen, um sich Hilfe zu holen“, erklärt Erwin Hayden-Hohmann, Sozialarbeiter in der Männerberatung St. Pölten. Geht es um das Thema Gewalt, gibt es zwei, etwa gleich große Gruppen von Männern: Jene, die freiwillig kommen und jene, die das aufgrund gerichtlicher Weisungen tun (müssen). In beiden Fällen bietet die Männerberatung sogenannte Anti-Gewalt-Programme an, die dabei helfen, gewaltfreie Alternativen zu erlernen. „Die Männer, die freiwillig zu uns kommen, sind meist erschrocken über sich selbst, weil Gewalt in ihrem Leben bis dahin keine Rolle gespielt hat“, so Hayden-Hohmann. Es gehe dann darum, andere Handlungsmöglichkeiten abseits der Gewalt aufzuzeigen. Die Anti-Gewalt-Trainings bestehen aus mindestens 20 Einzelgesprächen zu je einer Stunde. Bei Fällen von häuslicher Gewalt wird die Inanspruchnahme der Programme gefördert, die Kosten liegen bei 20 Euro pro Einheit. Die COVID-Pandemie hat den Bedarf nach solchen Trainings stei-

Die Männer die freiwillig zu uns kommen sind meist erschrocken über sich selbst. ERWIN HAYDEN-HOHMANN

gen lassen. Es kam zu mehr Wegweisungen durch die Polizei und mehr häuslichen Konflikten. Generell sei durch die Pandemie nochmal eine ganze Mure an Unsicherheit und Ungewissheit im Leben vieler Männer hinzugekommen, so HaydenHohmann. Doch die Krise brachte zumindest eine positive Erkenntnis: „Wir haben durch die Pandemie gesehen, dass es auch über den Handy-

ZAHLENSPIELE Bei Statistiken rund um häusliche Gewalt ist Vorsicht angesagt. Zahlen sind oft nur bedingt vergleichbar, ein Beispiel dafür ist das Thema Wegweisungen. Von Anfang des Jahres bis Ende Mai wurden in NÖ insgesamt 917 Wegweisungen verhängt, 2019 waren es im selben Zeitraum 986. Vergleiche mit den Jahren davor sind nicht möglich, weil die Zählweise geändert wurde und Wegweisungen seitdem pro betroffene Person in die Statistik fallen. Weitere Hinweise zu Thema bietet die Polizeiliche Kriminalstatistik. In der Kategorie „Gewalt in der Privatsphäre“ steht dort 2020 eine Steigerung auf insgesamt 2.703 Straftaten (oder 13,1 Prozent im Vergleich zu 2019). Die Gewaltkriminalität insgesamt ist dagegen um 8,8 Prozent auf 8.425 Delikte gesunken.

bildschirm möglich ist, über ernste und persönliche Dinge zu reden – das hätten wir davor nicht gedacht“, erzählt Hayden-Hohmann mit Blick auf niederschwellige Remote-Beratungen, die die Männerberatung seit einem Jahr anbietet. Was die Anti-Gewalt-Trainings betrifft, sind die Erfahrungen mit den Teilnehmern großteils positiv. „Es gibt Forschungen im Gewaltschutzbereich und Rückmeldungen von Opferschutzeinrichtungen, die zeigen, dass es nicht zu Rückfällen kommt, während die Programme laufen“, erläutert Hayden-Hohmann. Probleme gebe es meist, wenn Trainings unter- oder ganz abgebrochen würden. Eine längere Dauer hilft generell dabei, sich vertieft mit Problemen auseinanderzusetzen und erhöht damit die Erfolgschancen. Dem Mann am Beginn dieses Textes hat das Angebot der Männerberatung jedenfalls geholfen, das eigene Konfliktverhalten besser in den Griff zu bekommen. Auch Streitigkeiten mit seiner Lebensgefährtin sind inzwischen kein Auslöser für Gewalt mehr. MFG 06 21

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MOSTVIERTEL TOURISMUS / FOTOS: WEINFRANZ

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Vor den Toren St. Pöltens liegt das Weinland Traisental. Auf gemütlichen Rad- und Wanderwegen eröffnen sich eindrucksvolle Impressionen und Aussichten auf malerische Kellergassen, Weingärten und die Traisenauen – genauso eindrucksvoll ist hier aber auch das kulinarische Angebot. Abwechslung pur bietet der 111 Kilometer lange Traisental-Radweg, auf dem es sich entlang der Traisen von der Donau bis nach Mariazell radeln lässt. Der 33 Kilometer lange Weinbergradweg von Herzogenburg nach

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Hollenburg und retour ist ideal für einen Tagesausflug mit der Familie. Aber auch auf den vielen anderen Radwegen lässt es sich genussvoll dahinradeln. www.traisental.at Kulinarisch lässt sich das Weinland Traisental am besten im Rahmen eines Heurigenbesuchs oder bei einer Weinverkostung auf den Winzerhöfen entdecken. Und damit es nicht nur beim kulinarischen Genuss vor Ort bleibt, laden die zahlreichen Traisentaler Hofläden ebenso zum Kauf und Verkosten der regionalen Köstlichkeiten ein. Auf Du und Du mit den Produzenten Das breite Sortiment reicht von frischem Obst und Gemüse, aber auch Fleisch und Fisch

über Öle, Essige und Fruchtsäfte bis natürlich hin zum Traisentaler Wein. Nebenbei bietet die Begegnung mit den heimischen Produzenten die Chance, ins Gespräch zu kommen und so manchen exklusiven Einblick in die Herkunft und Handwerkstradition der erworbenen Spezialitäten zu erhalten! Eine Übersicht über die Hofläden des Traisentals findet sich unter: www.traisental.at/einkaufen


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LAND IN SICHT D essen Büro liegt im 6. Stock des Gebäudes, für St. Pöltner Verhältnisse also hoch über den Dächern der Stadt. Während wir im Foyer warten, machen wir es uns in zwei gelben Fauteuils gemütlich, daneben erinnert ein großes Roll-Up an das Programm des Präsidenten: „Zukunft.Gemeinsam.Unternehmen.“ Vorgenommen hatte sich Ecker, der im Mai vorigen Jahres das Amt aus den Händen von Langzeitpräsidentin Sonja Zwazl übernahm, jede Menge. „Natürlich tritt man an, um gemeinsam mit seinem Team und der Kammerleitung neue Ziele zu definieren und in gewissen Bereichen Erneuerungen sowie Verbesserungen anzustoßen – da hatten wir so einiges geplant.“ Es sollte aber anders kommen, weil eine andere Sache den Neopräsidenten voll und kompromisslos in Beschlag nehmen sollte und den Zukunftshorizont auf absolute Gegenwart eindampfte: Corona. „Am 12. März hatten wir noch eine Klausur des erweiterten Präsidiums. Mittags brachen wir ab, damit alle zurück in ihre Unternehmen können.“ Vier Tage später befand sich Österreich im Lockdown. Eckers Zukunftsideen mussten notgedrungen einem dauerhaften Krisenbewältigungsmodus weichen und der Präsident sah sich einer Situation gegenüber, für die es bislang keine Blaupause gab. Der berühmte Sprung ins kalte Wasser wurde zu einem in einen heran rollenden Tsunami – auf dem Ecker freilich wie viele andere mit der Zeit zu surfen lernte. Heute, über ein Jahr später und um zig Corona-Erfahrungen reicher, ist er überzeugt, „dass wir als Kammer die Sache im Großen und Ganzen sehr gut gemacht haben“, was er auch jenen Kritikern ins

MR. PRESIDENT. Im Mai 2020 folgte Wolfgang Ecker Sonja Zwazl als Präsident der Wirtschaftskammer Niederösterreich nach. 26

Irgendwie erinnert mich – ich gestehe, es ist weit hergeholt und ich verstehe, wenn ich dafür geprügelt werde – das Atrium der Wirtschaftskammer Niederösterreich mit seinen weißen Lamellen immer ein bisschen an das New Yorker Guggenheim-Museum. Schade, dass man diese spannende Innenarchitektur nur selten zu Gesicht bekommt. Diesmal habe ich allerdings einen Anlass – ich treffe Präsident Wolfgang Ecker.


TEXT: JOHANNES REICHL | FOTOS: MATTHIAS KÖSTLER, FOTOSTUDIO HÖFINGER

Stammbuch zu schreiben scheint, die anfangs der Pandemie an der effizienten Abwicklung des Härtefallfonds durch die Wirtschaftskammer Zweifel hegten. „Ich wage zu behaupten, dass das niemand besser hätte umsetzen können als wir! Die Unternehmen sind rasch zu ihrem Geld gekommen – das kann man wahrlich nicht von allen öffentlichen Hilfsprogrammen behaupten.“ Wem die Stunde schlägt Die Kammer habe gerade in der Krise unter Beweis gestellt, „dass sie als starke Standesvertretung unverzichtbar ist. Wer bitte soll denn die Interessen der Unternehmen sonst vertreten, wenn wir Unternehmer es nicht selbst tun?“, wirft Ecker rhetorisch in den Raum und beantwortet auch gleich meine noch gar nicht gestellte Frage mit, demnach manche Unternehmer sich aber nach wie vor an der Pflichtmitgliedschaft stoßen. „Diese Kritik gab es schon immer und wird es immer geben. Die Pflichtmitgliedschaft ist aber ein effizientes und gerechtes System, weil es einen Ausgleich zwischen großen und kleinen Unternehmen schafft und dadurch gewährleistet, dass alle gleichermaßen vertreten werden.“ Die Kammer mit ihrer Mischung aus „hervorragenden Fachexperten und Funktionären, die in der täglichen Praxis unterwegs sind“ sei jedenfalls als Speerspitze unersetzbar und bedeute für die Mitglieder einen Mehrwert, wie der Präsident überzeugt ist. „Häufig ist den Mitgliedern ja gar nicht bewusst, wie viel an Information und Expertise – wohinter ja enormes Know-how und Knochenarbeit steckt – sie in Anspruch nehmen.“ Selbstredend sei man auch während der Pandemie direkt an der Front gestanden. Die häufigsten Mitglieder-Fragen betrafen allen voran, welche Unterstützungsleistungen man angesichts coronabedingter Betriebsschließungen und Kollateralschäden in Anspruch nehmen könne. Wobei sich relativ rasch herauskristallisierte, dass nicht alle Betriebe gleichermaßen betroffen sind.

„Es gab Branchen, die nach einer ersten Schockstarre dann eigentlich wieder eine ganz gute Entwicklung genommen haben, wenn ich etwa an die Baubranche denke. Andere wiederum wie etwa Gastronomie und Hotellerie sind hingegen bis heute schwer getroffen und werden wohl noch länger Unterstützung brauchen.“ Die Pandemie habe jedenfalls vor Augen geführt, wie heterogen die Wirtschaft strukturiert ist – nach Größe, Form, ja selbst nach Inhalt „weil es allein in der Bekleidungsbranche wieder zahlreiche Varianten gibt.“ Für die Wirtschaftskammer sei es daher eine Mammutaufgabe gewesen – und ist es nach wie vor – darauf zu achten, dass keiner auf der Strecke bleibt. „100% sind vielleicht nie möglich, sie müssen aber unbe-

Wer bitte soll denn die Interessen der Unternehmen vertreten, wenn wir Unternehmer es nicht selbst tun? WOLFGANG ECKER

dingt unser Ziel sein, weshalb wir nach wie vor für bestimmte Branchen und Bereiche Nachbesserungen von der Regierung einfordern. Ich kann mich ja nicht zurücklehnen, weil sozusagen eh 95% Hilfe erhalten haben, wenn es zugleich 5% Fälle – und sei es auch nur 1% – gibt, die noch in kein Förderschema passen und um ihre Existenz kämpfen. Hinter jedem Unternehmen stehen Menschen, das darf man nie vergessen!“ Licht im Dunkel Menschen, die freilich – und auch dies habe die Pandemie gezeigt – enorm anpassungsfähig und innovativ sein können. „So unglaublich es klingt, aber wir hatten im Jahr 2020 im Gewerbe bei den Gründern sogar mehr Wachstum als 2019, auch ein

Plus bei den Arbeitskräften in diesem Bereich“, verweist der Präsident auf einen der wenigen Lichtblicke der Pandemie. „Und natürlich gab es auch Branchen, was ihnen herzlich gegönnt sei, die von Corona profitiert haben.“ Auf der Positivseite der Pandemie verortet der Präsident zudem, frei nach seinem Lebensmotto „Es gibt nichts Negatives, von dem du nicht auch etwas Positives mitnehmen kannst“, die Entwicklung in Sachen Digitalisierung und Automatisierung, die einen regelrechten Turboboost erhalten hat. „Da hat uns die Pandemie um Jahre nach vor geschleudert – und das ist gut so“, konstatiert Ecker, der seine persönlichen Erfahrungen aus dem Unternehmen und der Kammer als Beispiel nennt. „Wie haben wir anfangs etwa mit den Zoom-Konferenzen und Co. gekämpft. Nun sind sie selbstverständlich. Manches, was die Pandemie mit sich gebracht hat, wird wohl auch bleiben.“ Etwa die Einsicht, dass nicht jedes Meeting physisch von statten gehen muss und nicht jede Dienstreise unbedingt notwendig ist – Zeitersparnis, Ressourcenschonung und Umweltverträglichkeit inklusive. Ecker zählt im Übrigen auch nicht zu jenen Apokalyptikern, die mit dem Heraufdämmern der Digitalisierung und Automatisierung das Ende klassischer Arbeit per se gekommen sehen. „Natürlich wird es Verschiebungen in der Arbeitswelt geben. Hier bedarf es vor allem guter Weiterbildungs- und Umschulungsangebote. Zugleich werden aber auch neue Jobs entstehen, aufgrund steigender Produktivität selbst in den klassischen Bereichen.“ Sidestep Arbeitslosigkeit Was uns einen Sidestep zu einem tagesaktuellen Thema (ja auch solche gibt es wieder abseits Corona, ein weiteres Indiz dafür, dass es bergauf geht) erlaubt. So hatte zuletzt der Vorschlag von WKÖ-Präsident Harald Mahrer, demnach das Arbeitslosengeld für Langzeitarbeitslose auf 40% sinken soll, für einen Aufschrei gesorgt. Ein Ansatz, den MFG 06 21

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100 % sind vielleicht nie möglich, sie müssen aber unbedingt unser Ziel sein, weshalb wir nach wie vor für bestimmte Branchen und Bereiche Nachbesserungen von der Regierung einfordern. WOLFGANG ECKER

Ecker teilt? „In der Grundidee, um einen Anreiz für einen relativ raschen Wiedereinstieg zu schaffen, ja, wobei mir ein gestaffeltes Arbeitslosengeld vorschwebt. Aktuell beträgt die Nettoersatzrate ja 55%. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass diese zu Beginn sogar höher ausfallen kann, in Folge aber sukzessive sinkt. Auf den Gesamtbedarf bezogen erfolgt dadurch lediglich eine Umverteilung.“ Zudem müsse man in diesem Zusammenhang auch, wie Ecker überzeugt ist, „an der einen oder anderen Schraube drehen, damit wir am Arbeitsmarkt flexibler werden.“ Stichwort Zumutbarkeitsgrenzen? „Ja, aber anders aufgezogen. Warum soll ein Arbeitnehmer, dessen Arbeitskraft vielleicht anderswo gebraucht wird, nicht dorthin ziehen, wenn es zuhause auf Sicht keine Arbeit für ihn gibt? Es geht dabei aber nicht um Zwang, sondern man muss Anreize schaffen, damit sich dieser Schritt für den Arbeitnehmer lohnt – ich denke da zum Beispiel an finanzielle Unterstützung beim Aufbau einer neuen Existenz am neuen Ort. Das würde uns am Ende des Tages billiger kommen, als über viele Monate Arbeitslosengeld zu bezahlen, und für den Betroffenen wäre das Arbeiten wahrscheinlich erfüllender, als nur zuhause zu sitzen.“ Sozialpartnerschaft reloaded Es liegt auf der Hand, dass diese Positionen diametral zu jener der „Spiegelkammer“, also der Arbeiterkammer stehen. Die hat sodenn, etwa in Form von AK-VorarlbergPräsident Hubert Hämmerle, Mahrers Vorschlägen eine klare Absage erteilt. „Die Strategie von Mahrer und Co. ist immer die Gleiche: Während auf Wirtschaftsseite ‚koste es, was es wolle‘ die Devise ist, heißt es 28

auf Arbeitnehmerseite meist ‚darf es ein bisserl weniger sein!‘“ Ecker sieht das naturgemäß anders, wobei er die prinzipielle Zusammenarbeit mit der Arbeiterkammer in Niederösterreich als äußerst positiv bewertet. Sie habe sich insbesondere auch im Zuge der Pandemie bewährt, wie überhaupt die in den letzten Jahren immer wieder in Frage gestellte österreichische Sozialpartnerschaft „absolut zeitgemäß ist! Wir haben auf kürzestem Wege und ohne viel Tamtam sehr weitreichende Entscheidungen mit auf den Weg gebracht und Maßnahmen eingeleitet“, so der WK-Präsident. Man

denkt dabei an die Rolle der Standesvertretungen bei Themen wie Kurzarbeit, Homeoffice etc., Ecker führt aber als konkretes Beispiel in Niederösterreich auch die betrieblichen Testungen an „die wir gemeinsam mit der Arbeiterkammer als Projekt aufgesetzt haben und die von uns vorfinanziert wurden, obwohl der Bund noch gar keine Zusage gegeben hatte. Wir haben es einfach durchgezogen, weil es notwendig war!“ Ähnliches Leadershipment habe man zuletzt auch gemeinsam mit dem Land im Falle der Betriebs­ impfungen bewiesen „die sensationell angenommen werden. Ich habe


LAND IN SICHTT

erst unlängst eine Impfstraße besucht – es ist ein unbeschreibliches Gefühl, in die glücklichen Gesichter der Geimpften zu sehen. Man merkt richtig, wie den Menschen ein Stein vom Herzen fällt.“ Comeback 2022 mit Klimaturbo? Gerade das Impfen, davon ist Ecker überzeugt, weist den Weg in die Normalität zurück, weil es den Kreislauf aus Aufsperren und Zusperren durchbricht. Dadurch stünde einem Comeback der Wirtschaft nichts im Wege, deren Aussichten er gar nicht so düster einschätzt. „Wir gehen heuer von einem Wachstum von über 3%, im kommenden Jahr von 4% aus. Bis Ende 2022 rechne ich mit einer nachhaltigen Erholung.“ Niederösterreich könnte dabei insofern mit einem blauen Auge davonkommen, „weil wir den Vorteil haben, dass unsere Wirtschaft auf mehreren Säulen ruht – Handel, Industrie, Gewerbe, Tourismus. Jene Bundesländer hingegen, die eher von einem Sektor – allen voran Tourismus – abhängen, werden länger zu kämpfen haben.“ Zwar werde auch in Niederösterreich die eine oder andere Betriebsschließung nicht zu verhindern sein, „vor allem wenn die Förderungen auslaufen“, ein großes Massenbetriebssterben sieht Ecker auf das Bundesland aber nicht zukommen. „Sehr wohl wird es aber zu einer durch die Corona-Hilfen quasi nur verschleppten natürlichen Strukturbereinigung kommen.“ Ein Motor für die Wirtschaft, womit wir auf die Makroebene und die Zukunftsperspektive zurückkehren, könnte dabei vor allem der Klimaschutz werden. Auch diesbezüglich gab es zuletzt freilich harsche Kritik an der Wirtschaftskammer bis hin zu Fridays For Future-Demos, nach-

INTERESSENSVERTRETUNG. Mit der Politik will Ecker nicht nur über weitere Hilfen für bestimmte Branchen, sondern auch über eine Senkung der Lohnnebenkosten reden.

dem ein internes Papier kursierte, in dem das geplante neue Klimaschutzgesetz in Teilen strikt abgelehnt wird. Ecker versucht negative Emotionen aus der Debatte rauszunehmen. „Generell steht die Wirtschaft zu 100% hinter den Klimaschutzzielen der Regierung und Umweltschutz im Allgemeinen. Wir haben diesbezüglich in der Vergangenheit auch immer unsere Hausaufgaben gemacht, und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Wir sind selbst Menschen und von den Folgen des Klimawandels betroffen, wir sind selbst Mütter und Väter, die ihren Kindern und Enkeln eine lebenswerte Welt hinterlassen möchten.“ Bedenken treiben die Wirtschaft aber vor allem im Hinblick auf die Finanzierungsfrage um: Wer soll die Transformation bezahlen? „Wir sehen den Klimaschutz durchaus als Wachstumschance. Aber die Klimaschutzziele müssen so definiert werden, dass sie nicht nur nicht

So unglaublich es klingt, aber wir hatten im Jahr 2020 im Gewerbe bei den Gründern sogar mehr Wachstum als 2019. WOLFGANG ECKER

überbordend, sondern vor allem auch leist- und damit am Ende des Tages für die Wirtschaft umsetzbar sind. Sonst wird es nämlich gar nicht funktionieren“, warnt der Präsident. Ecker plädiert deshalb für ein System, welches „auf Anreize statt auf Strafen setzt. Ein Hebel könnte etwa über Steuererleichterungen erfolgen“, schlägt er vor und bringt als Positivbeispiel „die Investitionsprämie, die sehr gut angenommen wurde.“ Das Steuersystem werde in Sachen Wettbewerbsfähigkeit überhaupt wieder in den Fokus rücken müssen „wenn wir an den Dauerbrenner Lohnnebenkosten denken, die in Österreich nach wie vor zu hoch sind, oder an Fragen der Kaufkraftsteigerung.“ Aktuell sei man klarerweise noch voll und ganz mit den Folgen der Pandemie beschäftigt, „aber ab Herbst – so keine nächste Welle kommt, wie wir alle hoffen – wird man sich wieder mit diesen Fragen auseinandersetzen müssen.“ Und dann, ja dann wird sich auch der Präsident wieder seinen ursprünglich geplanten Ideen und Maßnahmen für die Zukunft der Wirtschaftskammer Niederösterreich widmen können, denn diese sind, wie er abschließend betont, „nur aufgeschoben, nicht aufgehoben!“ MFG 06 21

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MEHR RAUM FÜR ALLE! Der Zufall mag es, dass ich bei meinem Besuch am SKW 83 Andi Fränzl über den Weg laufe. Nicht, dass Andis Präsenz per se überrascht: Er ist – jedenfalls für Semester meiner Generation – die Ikone von Lames und SKW 83 schlechthin, gilt gemeinsam mit Markus Weidmann-Krieger vom Sonnenpark schon ad personam als „Institution“. Zu einer solchen im eigentlichen Sinne soll nunmehr die gesamte Einrichtung weiterentwickelt werden – federführend unter der Ägide der next generation.

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iese trägt nach außen hin ein weibliches, eigentlich gleich drei weibliche Gesichter: Präsidentin Agnes Peschta, Geschäftsführerin Serena Laker und Schriftführerin Sabina Frei. Gemeinsam mit dem gesamten Vorstand sollen sie das große Ganze, das seit nunmehr über zwei Jahrzehnten am Spratzerner Kirchenweg gedeiht, auf die nächste Ebene hieven, sollen das mit Mythen und Legenden aufgeladene Erbe ein bisschen von der Patina befreien und mit einer gesunden Portion Pragmatismus anreichern, ohne freilich – wie Peschta betont – dabei die GrundDNA zu zerstören. „Der Verein wird von den Mitgliedern getragen.“

Aus zwei mach eins Eingeleitet wurde diese Entwicklung wohl spätestens mit dem Pachtver-

GEKOMMEN, UM ZU BLEIBEN. Das mobile Stadtlabor bringt mehr Raum. 30

trag 2018, der das nervenzehrende jahrelange Prekariat, ob man überhaupt am Areal verbleiben darf oder doch einem Wohnbau weichen muss, endgültig beendete. Endgültig deshalb (auch wenn der Pachtvertrag aktuell nur auf zehn Jahre läuft), weil die Einrichtung mit der Berücksichtigung als fixer Spielort im Rahmen des Kulturschwerpunktes 2024 einen weiteren Schub erfuhr an dessen Ende die Transformation zum „öffentlichen Kultur- und Naturzentrum stehen soll.“ Politik und Verwaltung, in gar nicht so grauer Vorzeit – teils zurecht, teils zu unrecht – als Feind und Bedrohung wahrgenommen, sind dafür zu Partnern geworden und machen, wie es Laker im Hinblick auf 2024 formuliert „ein gemeinsames Ding!“ Das Verhältnis ist unverkrampft „und ich habe schon den Eindruck, dass man unsere Arbeit wertschätzt.“ Eine Wahrnehmung, die durch einen Blick auf die schnöden Zahlen bestätigt wird: So erhält die Einrichtung von Stadt, Bund und Land 2021 Förderungen in Höhe von insgesamt über 150.000 Euro. Zudem wird seitens der öffentlichen Hand kräftig in die Infrastruktur investiert. Insgesamt 400.000 Euro stellen die Fördergeber für die Sanierung der alten Gebäude zur Verfügung, um sie für 2024 fit zu ma-

chen. In Nachverhandlungen hofft der Verein noch auf die eine oder andere zusätzliche Finanzspritze, außerdem wird man ab Herbst in eigener Initiative eine CrowdfundingAktion starten, um zusätzlich Geld hereinzuspülen. „Wobei wir das auch als Marketing-Tool verstehen, um in der Öffentlichkeit noch bekannter zu werden. 2024 sollen uns alle in der Region kennen“, so Laker. I’m standing at the crossroads 2024 ist also die große Weggabelung, die schon jetzt mehr als nur einen Schatten voraus wirft, sondern eine grundlegende Neujustierung ausgelöst hat. Diese schlägt sich zum einen augenscheinlich in den bereits begonnenen Sanierungsarbeiten nieder, zum anderen – noch substanzieller – in einer neuen Vereinsstruktur. So sind die beiden bisherigen, am Areal aktiven Vereine Lames und Sonnenpark mit Beginn des Jahres in einem gemeinsamen aufgegangen, der aktuell noch den sperrigen Arbeitstitel „Verein für Kunst, Kultur


TEXT: JOHANNES REICHL | FOTOS: MATTHIAS KÖSTLER

GRUPPENBILD MIT SCHEIBTRUHE. Serena Laker, Sabina Frei und Agnes Peschta (v.l.n.r.). Die Sanierung ist voll im Laufen.

und Natur am Spratzerner Kirchenweg 81-83“ trägt. Auch hier spielte Pragmatismus eine gewisse Rolle, denn „die Fördergeber verlangten einen einzigen Fördernehmer“, so Laker. Im Grunde genommen habe man damit „aber ohnedies nur das zu einem Ende gebracht, das schon seit geraumer Zeit intern diskutiert wurde“, ergänzt Peschta, und Sabina Frei vergleicht den Schritt „mit einer Eheschließung.“ Zwei Partner, die schon ewig zusammen sind, vieles geteilt, sich ausgetauscht, ergänzt, schlicht miteinander gelebt haben, geben sich das Ja-Wort. Kunst und Ökologie, die beiden großen Hauptstränge, waren am SKW 83 immer schon zwei Seiten einer Medaille, nie zwei gänzlich voneinander getrennte. „Die neue Struktur führt das Beste

aus beiden Welten zusammen“, bringt es Peschta auf den Punkt und beißt sich im nächsten Moment lachend auf die Zunge, weil sie doch glatt Regierungssprech übernommen hat. Aber es trifft die Sache ganz gut. Dass freilich in einer Community, die in ihrem Selbstverständnis seit jeher für das Autonome, das Freie, bisweilen in den Anfangsjahren auch das Chaotisch-Anarchistische stand, ein derartiger Schritt nicht nur Jubelchöre auslöst, liegt auch auf der Hand. „Natürlich gibt es auch Gegenstimmen, die diese Institutionalisierung abschreckt“, räumt Peschta ein, letztlich gehe es aber um eine Weiterentwicklung, den berühmten next step, „und der Grundgeist bleibt ja derselbe. Es steckt viel Altes im Neuen!“

Spätestens 2024 sollen uns alle in St. Pölten und der Region kennen. SERENA LAKER

We are familiy Leicht hat man sich die Fusion ohnedies nicht gemacht, sondern dafür einen integrativen Prozess aufgesetzt und diesen sogar professionell begleiten lassen. Bezeichnenderweise von einer Agentur, die auf die Übergabe von Familienbetrieben spezialisiert ist, wenn also der Altbauer an die Jungen übergibt. Herausgekommen ist dabei eine Art Hybrid. Dem Verein als solchem, der nach wie vor die Seele und den kreativen Motor bildet, wurde eine professionelle Organisationsstruktur beigestellt. Für die drei Frauen eine enorme Weiterentwicklung „weil wir dadurch professioneller, strukturierter, effizienter werden. Es gibt jetzt einen klaren Plan, wo wir hinwollen.“ Das bringe nicht nur mehr Struktur, sondern für die Vereinsmitglieder im Umkehrschluss – so die Grundintention – auch wieder mehr Zeit fürs Wesentliche, „dass die Ehrenamtlichen nämlich ihrer Kreativität, ihren Projekten nachgehen können“ und sich im Umkehrschluss nicht mit administrativem Geschäftskram herumschlagen müssen. Überspitzt formuliert: Welcher Kleber gekauft wird – Uhu-Stick oder Uhu flüssig – bedarf in Hinkunft keiner elendslangen basisdemokratischen Grundsatzdiskussionen mehr, sondern darf ruhig von der Geschäftsführerin direkt entschieden werden. Zugleich gibt es Materien, wie Peschta betont, „die natürlich nach wie vor basisdemokratisch und von allen mitgetragen und beantwortet werden müssen, wenn wir etwa an den neuen Namen für den Verein denken.“ Die Programmierung der Einrichtung wiederum erfolgt in Hinkunft nach einem Kuratorensystem. Für die künstlerischen Belange ist Andi Fränzl zuständig, den Bereich Ökologie übernimmt Markus Weidmann. Daneben bleibt die Grundidee des SKW 83 als Freiraum für KreatiMFG 06 21

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vität selbstredend unangetastet. „Es gibt also quasi das Geplante, das Organisierte auf der einen Seite, und das Spontane, Tagesaktuelle auf der anderen“, erläutert Laker. Selbstverständlich hat man den Transformationsprozess auch nicht ins Blaue hinein begonnen, sondern sich im Vorfeld mit zahlreichen vergleichbaren Einrichtungen, die den Schritt von der „Graswurzelbewegung“ hin zur öffentlichen Institution schon vollzogen haben, ausgetauscht. So besuchten die Vereinsverantwortlichen u. a. das Wiener WUK, die ARGE Salzburg, RÖDA in Steyr oder „Die Bäckerei“ Innsbruck. Und man möchte sich in Hinkunft auch noch stärker mit anderen Institutionen vernetzen, strebt etwa die Mitgliedschaft im Kulturzentrumsnetzwerk Trans Europe Halles an. Laker und Fränzl haben bereits im Herbst 2019 als Gäste an einem Treffen teilgenommen und waren danach regelrecht enthusiasmiert, „weil wir gesehen haben, dass wir nicht allein sind, sondern dass es in ganz Europa Einrichtungen wie unsere gibt, Menschen, die ähnlich ticken!“

ein bisschen wie in einem Versuchslabor, wo die große Welt im Kleinen Probe hält. Damit lag man im Übrigen voll auf der Wellenlänge der St. Pöltner Bewerbung zur Europäischen Kulturhauptstadt 2024, die genau diesen Labor-Ansatz als programmatischen Grundgestus formulierte – die Berücksichtigung des SKW als Spielort 2024 war da nur eine logische Folge. Themen wie Gleich-

Versuchslabor in Echtzeit Und es ist viel und bunt, was am SKW „gemacht“ wird. Im Grunde wähnt man sich – abgesehen vom kreativen Zauberraum, der sich in einer ganz eigenen Aura und Ästhetik am Areal niederschlägt – immer auch NACHHALTIG. Der herausgerissene Parkettboden wird wieder verlegt (unten). Rechts einer von zwei Gemeinschaftsgärten am Areal.

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Der Grundgeist bleibt derselbe. Es steckt viel Altes im Neuen! AGNES PESCHTA

berechtigung, Diversität, Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Integration, Inklusion, Kunst sind hier keine Schlagworte, sondern gelebte Realität. Im Vorstand hat man aktuell ein 50:50 Geschlechterverhältnis und im Booking hat man eine diesbezügliche Quote sogar fix festgeschrieben. Nachhaltigkeit schlägt sich in engagierten Schienen wie etwa Food­ sharing, im Zuge dessen Essen – bevor es im Mistkübel landet – anderen zur Verfügung gestellt wird, ebenso nieder wie augenfällig auch im Zuge der Gebäudesanierung. Die Ziegel einer eingerissenen Wand sind feinsäuberlich im Garten gestapelt und warten ebenso auf Wiederverwertung wie die zu kleinen, nummerierten Paketen geschnürten Parkettschindeln,


MEHR RAUM FÜR ALLE!

die danach wieder verlegt werden. „Wir verstehen uns in keiner Weise parteipolitisch“, betont Peschta, „aber gesellschaftspolitisch werden wir uns immer positionieren!“ Die Einrichtung selbst ist gewachsener Beweis für diesen Ansatz. Beim Rundgang durchs gut vier Hektar große Areal kommen wir etwa am Klimaforschungslabor vorbei, wo Schülern und Interessierten das Zusammenwirken von Klima und Gesellschaft näher gebracht wird. Wir stoßen auf zwei Gemeinschaftsgärten, die von rund 40 Personen bzw. Institutionen bewirtschaftet werden, die so bunt sind wie die verschiedenen Zäune um die jeweiligen Beete herum. Viele Gärten dienen dabei nicht allein dem Ziehen von Gemüse für den Privatgebrauch, sondern beispielsweise auch der Integration, wenn man etwa an das interkulturelle Gemeinschaftsgartenprojekt GRUND denkt. Es geht weiter vorbei an einem Pilze-Keller, wo man Pilze züchten wird, an hoch aufgestapeltem Schnittholz, das im Winter zum Zuheizen verwendet wird, am Kühlschrank des Foodsharing-Projektes oder an einer zur Bibliothek umfunktionierten alten Telefonzelle. Schließlich stehen wir vor den Containern des mobilen Stadtlabors, das von Wien – wo es u. a. am Karlsplatz sowie in St. Marx als Forschungsstätte für TU-Stunden fungierte – auf den SKW 83 gezogen ist und zusätzlichen neuen Spielraum bietet. Zum einen wird es für die Zeit der Sanierung der Hauptgebäude Büros beheimaten, zum anderen besticht es etwa mit einem Saal samt Leinwand, der sich nach oben hin zu einer Galerie öffnet, wo man sich schon gut DJs bei der Arbeit vorstellen kann. Aber auch Atelierräume stehen zur Verfügung und warten auf Nutzung.

Das ist ein Ort, wo man herkommt und kreativ sein kann! SABINA FREI

MAISON MUSIQUE. Der legendäre schwarze Raum, u. a. Hort durchtanzter Clubbingnächte, wird saniert, Soundlab und Proberäume schaffen Raum für Kreativität.

Neue Möglichkeiten Solche bilden auch das Rückgrat des Gebäudes SKW Nr. 81, wo vor allem die bildende Kunst zuhause ist. Hier wird gerade der große Saal neu adaptiert, der manch Ausstellung beherbergen wird. Im hinteren Gebäudeteil schließen sich mehrere Werkstätten an, „wo man jeweils verschiedene Materialien und Werkzeuge findet und sich ausprobieren kann“, wie Sabina Frei erläutert. Im Übrigen auch gerne ganz kunstlos, etwa um einen Patschen zu picken. Im Erdgeschoss ist weiters eine Gemeinschaftsküche, während im oberen Stockwerk aktuell die Räume so adaptiert werden, dass sie als Herberge für artists in residence fungieren könnten, die über einen längeren Zeitraum am SKW künstlerisch tätig sind. Last but not least werden auch neue Sanitäranlagen geschaffen. Das benachbarte Maison Musique wiederum wird nicht nur wie bislang Ort spannender Clubnächte und Musiksessions im legendären schwarzen Raum sein, sondern erhält zusätzlich ein Soundlab, wo sich Musiker vernetzen können. Außerdem werden – ewiges Dauerthema in St. Pölten – zwei Proberäume geschaffen, was vor allem im Hinblick auf „Blutauffrischung“ hilfreich sein könnte, denn am SKW kämpft man wie andere Vereine mit Nachwuchs-

sorgen. „Die Jungen müssen wir aber letztlich über das Angebot erreichen“, ist Laker überzeugt. Und dieses verspricht in Hinkunft noch umfangreicher zu werden. Tatsächlich wird das Areal im Endausbau gleich über vier Säle verfügen, die für Ausstellungen, Clubbings, DJWorkshops, Filmaufführungen, Theater und dergleichen mehr ebenso prädestiniert sind wie für Yoga, Tanz, Babybrunch, Diskussionen und was sonst noch so alles an kreativem Output entwickelt wird. Zwar braucht man das Rad am SKW beileibe nicht neu erfinden – viele Formate, die bereits funktionieren und Tradition sind, werden fortgeführt – aber durch den Umbau ergeben sich einfach neue, zusätzliche Möglichkeiten, „weil die adaptierten Räume dann auch anders bespielt werden können.“ Im Grundgedanken bleibt man sich aber treu, wie Frei betont: „Das ist ein Ort, wo man herkommt und kreativ sein kann!“ Nur der Radius wird sozusagen weiter gezogen, „weil hier Kreative aus St. Pölten und der gesamten Region eine Heimat finden sollen.“ Eine Heimat, die in ihrem Selbstverständnis als öffentliches Kultur- und Naturzentrum am Ende des Tages dann vor allem eines bieten wird, wie es Peschta abschließend auf den Punkt bringt: „Mehr Raum für alle!“ MFG 06 21

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VITALE PFLANZEN- UND TIERWELT. 3,4 Milliarden Euro wurden im EU-Budget 2014/2020 für „Life“-Projekte zur Verfügung gestellt.

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ossatz-Arnsdorf an der Donau, eine 1.050-Seelen-Gemeinde etwa 15 Autominuten westwärts von Krems. Liebliche Wohnhäuser, einige Weinkeller, Gasthäuser und Heurigen sowie Obstgärten. „Nicht viel los“, könnten Besucher der kleinen Gemeinde meinen. Doch hier, im fast schon kitschigen Wachauidyll, geht eines der größten Renaturierungsprojekte Niederösterreichs in seine Endphase: die „Auenwildnis Wachau“. „Hier, im direkten Donau-Hinterland bei Rossatz, das geprägt ist von Auwald und Seitenarmen, würde ohne unsere Maßnahmen totale Verlandung, Monokultur und Artensterben drohen“, erklärt Teamleiter Bernhard Karl von der Österreichischen Wasserstraßengesellschaft „viadonau“. „Und ohne die 50-prozentige Co-Finanzierung durch die EU wäre das in diesem Ausmaß sowieso kaum möglich.“ Was geschieht dort und was hat die EU damit zu tun?

„Wir sind die Donau-Asfinag“ Die „Auenwildnis Wachau“ ist eines von 28 Projekten in Nieder­ österreich, welche unter dem EUFörderprogramm „LIFE“ oder auch „LIFE+“ Umwelt- und Ressour34

„LIFE“ IS LIFE? In Niederösterreich werden und wurden bisher 28 sogenannte „LIFE“-Projekte, also von der EU kofinanzierte Umweltprojekte durchgeführt. Was wurde konkret umgesetzt und welchen ökologischen Nutzen zeigen die Resultate? MFG hat genauer hingesehen.

ceneffizienz, Natur- und Biodiversität und Aufklärung im Umweltbereich dienen sollen. EU-weit wurden für die Finanzperiode 2014 bis 2020 rund 3,4 Milliarden Euro dotiert. Das sind zwar nur etwa 0,3 Prozent des EU-Finanzrahmens, jedoch sollen die Co-Förderungen als Hebel zur Generierung von mehr Geld wirken. In das Wachauer Projekt – dieses wurde für den Zeitraum 2015 bis 2020 angelegt – flossen 3,9 Milli-

onen Euro, die Hälfte davon aus der EU. Aufgrund behördlicher und anderer Verzögerungen wurde einer Verlängerung bis 2022 stattgegeben. Fische kamen, um bald wieder zu sterben Warum nun dieses Projekt? Was trieben die Hydro-Experten von „via donau“ seit 2015 bei Rossatz? „Das Hauptproblem in diesem Abschnitt ist, dass in den bisherigen Seitenka-


TEXT: JOHANNES MAYERHOFER | FOTOS: VERBUND, VIA DONAU, INTERSPOT, JOHANNES MAYERHOFER

nälen der Donau, welche durch den dortigen Auenwald führen, der Wasserdurchfluss quasi zum Erliegen gekommen ist. Mit jedem Hochwasser wurde mehr Schlamm angespült, was die Wassertiefe verringert und den Durchfluss des Wassers weiter verhindert“, erklärt Karl die Problematik. „Wir als ‚via donau‘-GmbH ALLES IM BLICK. Die Auswirkungen der gesetzten Maßnahmen werden regelmäßig wissenschaftlich untersucht.

Ohne unsere Maßnahmen würden die totale Verlandung, Monokultur und Artensterben drohen. BERNHARD KARL

sind an das Umweltministerium angeschlossen und als eine Art Asfinag des Wassers zuständig, hier den Durchfluss zu gewährleisten.“ Stehendes Wasser und zunehmende Schlammmassen bedeuten höhere Wassertemperaturen, geringere Wassertiefe und weniger Sauerstoffgehalt. Das alles kann die Fischvielfalt und den Jungfischbestand gefährden. „Hier gab es nur mehr verwachsene Dümpel und Lacken. Nur bei Hochwässern wurden Fische herein gespült, diese verendeten aber bald darauf wieder. So etwas zu beobachten ist schmerzhaft, vor allem wenn man diese einst lebendige Wasserlandschaft aus der Kindheit kennt, so wie ich“, meint Erich Polz (ÖVP), Bürgermeister von Rossatz-Arnsdorf. „Auenwildnis Wachau“ ist nicht der erste Schritt, um diesem Problem Herr zu werden. So sollen nun jene Wasserverbindungen, die bereits in zwei vorangegangenen Projekten seit 2003 die bestehenden Altwässer mit der Donau verbunden hatten, weitergeführt und vervollständigt werden. Ursachen reichen bis in Kaiserzeit zurück Die hydrobiologische Malaise, welche letztlich zum „Auenwildnis“Projekt führte, hat mehrere Ursachen. Einige reichen teilweise bis ins späte 19. Jahrhundert zurück. „Niemand dachte damals an Ökologie. Die Absicherung des Donau-Niveaus, um problemlose Schiffsfahrt zu ermöglichen und die landwirtschaftliche Nutzung des Gebietes, hatten damals Priorität. Zu diesem Zweck wurden entlang der bestehenden Altwässer an mehreren Stellen Traversen errichtet, welche den Durchfluss stark reduzierten“, erläutert Bernhard. Zur Lösung sollen die alten Traversen und die im ersten Projekt von 2003 errichteten Brücken durch neue Brücken mit deutlich größeren Durchflussöffnungen („Rührsdorfer Brücke“ und „Silbersee Brücke“) ersetzt werden. Die Bauarbeiten laufen. Weitere Hydro-Dynamik soll eine zweite Einströmöffnung – eine erste wurde MFG 06 21

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aquatischen Zuständigkeiten. „Die Marktgemeinde Rossatz-Arnsdorf beteiligt sich mit der Erstellung eines Themenpfades“, ergänzt Bürgermeister und Heurigenwirt Polz. Weitere – auch finanziell – Beteiligte sind die NÖ Landesregierung, der NÖ Landesfischereiverband und die Österreichische Fischereigesellschaft.

PROJEKT GEGLÜCKT. Bereits kurz nach Fertigstellung des Traisen-Projekts stellte die Wiener BOKU Besiedelung mit donautypischen Fischen in hoher Dichte fest.

bereits vor Jahren errichtet – leisten. Auch terrestrische Maßnahmen sollen die Fortpflanzung von Fischen befördern: „Uferabflachungen sind hier ein ganz essentieller Punkt“, so der Projektleiter. Auch wenn tote Bäume und anderes Totholz kaum die Rangliste der Symbole lebendiger Natur anführen, haben sie vitalisierende Wirkung auf das Leben im Wasser. Sie fungieren einerseits als Nahrungsquelle für Fische, wenn Partikel und Nährstoffe sich an ihnen ablagern. Außerdem dienen sie als Laichplatz und Schutz für ebendiesen. „Der Anteil, den die Donauschifffahrt zur Vernichtung von Fischlaich beiträgt, ist erheblich. Die Wellen, die dabei erzeugt werden, sind das Problem. Seit den Lockdown-Monaten, als nur wenige Schiffe fuhren, wird aus der Fischerei eine deutlich bessere Überlebensquote bei der Fischbrut berichtet“, erläutert Polz. Auch an Amphibien, Vögel und Fauna wurde gedacht Ob die Bemühungen langfristig positive Effekte zeitigen werden, lässt sich wohl erst in wenigen Jahren beurteilen. Ist nicht Skepsis ange36

bracht, dass Verlandungsentwicklungen fortsetzen? „Was das angeht, haben wir aus früheren Projekten gelernt. Schon 1996 habe ich an Renaturierungsarbeiten mitgewirkt, die ähnliche Zielsetzungen hatten“, sagt Karl. Die „Auenwildnis Wachau“ verfolgt einen gesamtheitlichen Ansatz und besteht tatsächlich aus mehreren ineinandergreifenden Projekten, die mehr als nur den Fischbestand im Auge haben. „Im Rahmen eines weiteren Projektes sollen Tümpel eingerichtet werden, um Fröschen und anderen Amphibienarten Lebensraum zu bieten. „Im Bereich der Fauna soll die Anzahl der Neophyten reduziert werden. Diese nicht-heimischen Pflanzen sind oft sehr expansiv und verdrängen die heimischen Gewächse. Das kann im Extremfall zu Monokulturen führen.“ Und auch an die Vogelpopulation ist gedacht. So wurden im Auwaldgebiet fünf Kunsthorste errichtet, die Seeadler zur Brut verlocken sollen. „An dieser Stelle profitieren wir von einer Kooperation mit der NGO ,Bird Life‘, welche die Kunsthorste bereitstellte“, so Karl. Die „Auenwildnis Wachau“ kann nur durch Arbeitsteilung verschiedener Projektpartner umgesetzt werden. So ist der Verein „Welterbegemeinden Wachau“ für die terrestrischen Maßnahmen zuständig, „via donau“ konzentriert sich auf die

Ein Projekt mit einer sehr langen Geschichte Während die „Auenwildnis Wachau“ bei Rossatz bis 2022 in die Verlängerung geht, können Roland Schmalfuß und Florian Seidl im Pausenraum des 35 km flussabwärts gelegenen Kraftwerkes Altenwörth bereits auf ein abgeschlossenes, vielfach größeres Projekt zurückblicken. Projektleiter Schmalfuß und Pressesprecher Seidl arbeiten beim Energiekonzern Verbund, welcher „LIFE Traisen“ federführend zur Umsetzung brachte. Sie breiten eine große Karte auf, die das Umsetzungsgebiet des Projektes „LIFE Traisen“ zeigt. „Es war das bis dato größte Renaturierungsprojekt Österreichs mit einer wirklich langen Vorgeschichte“, meint Schmalfuß. Kurz skizziert: Nach der Errichtung des Wasserkraftwerks Altenwörth wurde die Donaumündung der Traisen in den 1970ern von Traismauer um 7,5 Kilometer parallel zur Donau ins Unterwasser des Kraftwerkes umgeleitet. „Ansonsten hätte es einen Wasserrückstau in der Traisen gegeben“, erklärt Schmalfuß. Natürlich

GEFAHREN FÜR FISCHE. Erliegender Wasserdurchfluss, hohe Wassertemperatur, geringer Sauerstoffgehalt.


„LIFE“ IS LIFE?

wurde damals in diesem Flussabschnitt nicht auf die Lebensraumgestaltung für typische Pflanzen- und Tierarten geachtet. Auch eine Verbindung zu den umliegenden Landschaften und Augewässern gab es nicht. Die Ziele des „LIFE Traisen“Projektes wurden unter anderem an der EU-Wasserrahmenrichtlinie von 1999, welche die Verbesserung der Wasserstruktur beinhaltet, abgesteckt. Nach dieser Richtlinie gilt der betroffene Traisenabschnitt als „erheblich verändertes Gewässer“, weil durch das KW Altenwörth eine Rückkehr zum „guten ökologischen Potential“, beziehungsweise zum Ausgangszustand nicht mehr möglich ist. „Allerdings ist in dieser Richtlinie ein entscheidender Faktor die Biomasse, also der Fischbestand.“ Auch Traisen-Projekt musste durch Umweltprüfung „Zunächst gab es da die privaten Grundeigentümer wie etwa das Stift Herzogenburg oder die Gutsverwaltung Metternich, die sich vorstellten, dies als Projekt durchziehen zu können. Als sie dann gemerkt haben, wie groß diese Sache wird, haben sie sich an den Verbund als Hauptträger gewandt“, erklärt Schmalfuß. Während es sich bei der „Auenwildnis Wachau“ um 1,5 Kilometer handelt, ging es bei „LIFE Traisen“ um Arbeiten entlang eines rund 7,5 Kilometer langen Flussabschnittes. Was bombastisch klingt, brachte für die Involvierten aber nicht nur Vorteile. So musste das Traisen-Projekt einer Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) unterzogen werden, während das Rossatzer Projekt ohne UVP durch den Behördenweg flutschte. „Wir hatten damals vor, etwa 100 Hektar Auwald zu roden in einem Schutzgebiet der Kategorie A. Der Schwellenwert für eine UVP liegt in dem Fall bei 10 Hektar, also war es kein Wunder, dass eine UVP angesetzt wurde. Heute ist die Gesetzeslage lockerer“, konstatiert Schmalfuß nüchtern. Auch das Förderansuchen bei der EU-Kommission verlief nicht friktionsfrei. „Ein

ASFINAG DES WASSERS. Projektleiter Bernhard Karl (S. 36 unten) vergleicht „via donau“ mit der ASFINAG. Laufend werden die Projektfortschritte dokumentiert.

erster Antrag wurde abgelehnt. Unter anderem mit der Begründung, der Kiesabtransport aus dem Gebiet solle nicht per LKW sondern per Schiff erfolgen.“ Der Hoffnung des Verbunds, einen Teil der Projektkosten durch Verkäufe von Kies und Schotter aus dem Gebiet hereinzuholen, wurde damit ein Ende gesetzt. „Aufgrund der geringen Bautätigkeit während der Wirtschaftskrise ab 2009 waren die Preise sowieso im Keller, aber Kies auf einem Schiff braucht absolut niemand“, erinnert sich Seidl. Auch mit der Gemeinde Zwentendorf gab es Probleme: Anrainersorgen wegen LKW-Verkehr, geplante Anfechtungen des positiven UVP-Bescheides, es gab auch Vorwürfe, es handle sich um ein Kiesabbauprojekt mit „grünem Mantel“. Die Vorbereitungszeit von „LIFE Traisen“ erstreckte sich von 2009 bis 2012. Aus den ursprünglich veranschlagten 12,5 Millionen Euro wurden final 30 Millionen – inklusive aller Förderungen. Kern der öko-baulichen Maßnahmen von „LIFE Traisen“ war die Schaffung eines neuen Traisenarmes,

sowie einer neuen Donaumündung der Traisen einige Kilometer ostwärts des KW Altenwörth. Schmalfuß breitet eine Karte des Gebietes aus. Die farbigen Flächen entlang des neuen Traisenverlaufes weisen auf schützenswerte Tierarten wie Fledermäuse und Amphibien hin, welche im Vorfeld von Biologen festgestellt wurden. „Als wir die Analysen sämtlicher Biologen und Ökologen übereinandergelegt haben, wussten wir erst, wie schwer die Schaffung des neuen Verlaufes werden würde.“ Entlang des Gebietes wurden, wie auch in der Wachau, Uferabsenkungen vorgenommen, um dynamische Auwaldlandschaften entstehen lassen zu können. 1,6 Millionen Kubikmeter an Material – vor allem Kies – wurden entnommen. Ein weiteres wichtiges Element: Raubäume. Etwa 160 davon wurden entlang des neuen Traisenarmes platziert. „Das strukturiert die Uferlandschaft und bietet Fischen unterschiedlicher Lebensstadien geeigneten Lebensraum“, führt Pressesprecher Seidl aus. MFG 06 21

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„LIFE“ IS LIFE?

Die zahlreichen Fischreiher hier legen auch für Laien ein eindeutiges Zeugnis ab. ROLAND SCHMALFUSS

Der Fischreiher zeugt vom guten Fischbestand Hat „LIFE Traisen“ seine Ziele erreicht? Wurde ein dynamischerer, vitalerer Lebensraum für Fische und andere Tierarten sowie heimische Pflanzen geschaffen? Zum terrestrischen Zustand, also der Entwicklung des Auwaldes, meint Seidl, dass es nur wenige Neophyten gebe. Zum Fischbestand führte Stefan Schmutz vom hydrobiologischen BOKU-Institut bereits während der „heißen Phase“ des Projektes Monitorings durch. Diese werden jährlich wiederholt. Zum abgeschlossenen Traisen-Projekt liefern er und Kollegen eine weitgehend sehr positive Analyse. „Schon kurz nach der Fertigstellung zeigte sich eine rege Besiedelung mit donautypischen Fischen und eine hohe Dichte“, sagt Schmutz. Ende 2019 ließen sich von 50 Donaufischen be38

reits 32 in der Traisen finden, darunter etwa die Barbe. Im Fach „Fischökologischer Zustand“ hat sich die Traisen im fünfstufigen Benotungssystem von „unbefriedigend“ (4) auf „gut“ (2) verbessert. Und diese Verbesserung soll etwas heißen, denn die Erhebungen und Beurteilungen werden nach strengen Methoden-Standards und Leitfäden durchgeführt. „Bei

7,5 KILOMETER. Schmalfuß begutachtet das ehemalige Projektgebiet.

der Streifenbefischungsmethode sind wir beispielsweise mit Elektrofangbooten unterwegs und versuchen, die Bestände flächenmäßig definierter Streifen zu quantifizieren. Weiters haben wir uns Jungfischund Laichplatzbestände mittels je eigener Kartierungsmethoden angesehen“, so Schmutz. Als Maßstab zur „Benotung“, welche sich durch den „Fish Index Austria“ bildet, wird die „potentiell natürliche Fischfauna“ herangezogen. Je mehr der erhobene Zustand jenem unberührten, natürlichen Zustand ähnelt, desto besser die Benotung. „Alles, was wir uns vor elf Jahren zum Ziel gesetzt hatten, ist eingetreten“, meint Projektleiter Schmalfuß zufrieden. „Und selbst wenn man kein HydroBiologe ist: Die zahlreichen Fischreiher hier legen auch für Laien ein eindeutiges Zeugnis ab“, meint er verschmitzt.


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STRIKE UP YOUR POST-CORONA-LIFE Seit bald 15 Jahren ist NXP Bowling ein Fixstarter im St. Pöltner Freizeitangebot. Nach dem Corona-Lockdown sind die Bahnen nun wieder frisch geölt und warten auf Gäste. Ein Blick zurück mit Geschäftsführer Michael Müllner auf eine kleine Ewigkeit und heutige Herausforderungen. und den Vermietern. Das macht uns schon stolz, auch weil unser gesamtes Team loyal war und alle an Bord geblieben sind – und wir auch niemanden kündigen mussten.

Wie hat NXP Bowling die Pandemie bisher überstanden? Von den letzten zwölf Monaten waren fast neun Monate geschlossen, das ist zweifellos eine Krise. Beim ersten Lockdown dachten wir, dass wir nach zwei Wochen wieder aufsperren würden. Zum Glück hatte keiner am Schirm, dass es uns wohl zwei Jahre beschäftigen wird. Klar ist die Pandemie auch für uns ein Hammer, aber wir sehen auch positive Aspekte. Zum einen ist unser Team gesund geblieben. Bei allen Schwierigkeiten der letzten Zeit muss man sich bewusst machen, dass trotz der ergriffenen Maßnahmen in diesem Land zehntausend Menschen gestorben sind. Das sind zehntausend Familien, die heute jemanden schmerzlich vermissen. Zum anderen standen wir als solides Unternehmen da, als die Krise ausbrach. Wir werden auch als solides Unternehmen aus der Krise rausgehen, auch dank der Unterstützung vom Staat 40

Wie ist das Comeback angelaufen? Wir merken, dass die Gäste zurückkommen und sie sich sicher und wohlfühlen. Das Hochfahren nach so langer Zeit des Stillstands war auch eine Herausforderung. Nach einem halben Jahr muss man fast das ganze Warenlager erneuern, die umfangreiche Technik im Haus erst wieder flottmachen. Und das wollte von einem Tag auf den anderen die ganze Freizeitwirtschaft in diesem Land. Ein Beispiel: Wir hatten Flaschenbier im Haus, das in Kürze abgelaufen wäre und wollten neues bestellen. Als die die „frische“ Ware vom LKW abgeladen wurde, hatte sie aber das gleiche Ablaufdatum, wie die Kisten, die schon seit einem halben Jahr bei uns im Keller standen. Also auch die Produzenten und Händler hatten keine einfache Zeit. Umso glücklicher sind wir, dass nun wieder alles rund läuft. Familien buchen Kindergeburtstage, Firmen planen Bowlingabende, unser Bowlingverein hat das Training aufgenommen. Es wird! Was macht „das NXP“ eigentlich aus? Wir sehen uns als Ort, an dem Menschen eine gute Zeit haben. Egal ob mit Familie, Freunden oder Kolleginnen und Kollegen. Zeitgemäße Gastronomie wird mit Billard und Bowling ergänzt, was auch ein aktives Fortgehen möglich macht. Das funktioniert vor allem für Gruppen sehr gut. Dass wir eine so breite Zielgruppe haben, ist ein großer Vorteil, macht die Arbeit aber auch herausfordernd.

Inwiefern? Wir haben in den letzten 14 Jahren unser gastronomisches Angebot laufend weiterentwickelt. Begonnen haben wir mit einem Käseteller und hausgemachter Rindsuppe, was zwar köstlich war, aber wirtschaftlich völlig sinnlos. Wir haben erkannt, was funktioniert, auch im Hinblick auf Öffnungszeiten. Den Trend zu hochwertigen Burgern haben wir etwa sehr früh umgesetzt und darum sehen uns die Gäste seit längerem auch dann als vollwertiges Lokal, wenn sie gar nicht Billard spielen oder Bowlen, sondern wirklich nur was Trinken oder Essen gehen. Wir haben uns genau überlegt, was wir anbieten wollen und was nicht. Somit liefern wir Top-Qualität, machen aber auch nur, was wir wirklich können. Da wir aus der Eventbranche kamen und anfangs kaum Gastro-Erfahrung hatten, führten wir das Lokal von Anfang an wohl auch etwas anders als die typischen österreichischen Gastrobetriebe es gemacht hätten. Welche Meilensteine und Umbrüche gab es seit der Eröffnung? Nach dem Anfangshype kam eine Phase der Konsolidierung, wir haben das Angebot besser an den Gästen ausgerichtet und unsere Arbeitsprozesse effizienter gemacht. Auch

Kinder spielen am Sonntag besonders günstig. Die Kindergeburtstagspartys sind stets ein Highlight.


FOTOS: MATTHIAS KÖSTLER

TRANSPARENZHINWEIS Die NXP Bowling GmbH ist ein Tochterunternehmen des Medieninhabers von MFG-Das Magazin. Der Interviewte ist auch Mitglied dieser Redaktion.

Bunte Cocktails, kühles Fassbier und herzhafte Köstlichkeiten von der NXP Fingerfood Bowl zum Mega Strike Burger machen den Besuch auch zum kulinarischen Volltreffer. Eiscreme und Churros gibt‘s zum Dessert.

wenn unsere Leistung darin besteht, dass der Gast einfach Spaß hat – am Ende zahlen wir wie alle Unternehmen Löhne, Steuern und Rechnungen, sind also ein ganz normales Unternehmen. Wir sind ein eigentümergeführtes Unternehmen, das zwei St. Pöltnern gehört. Die beiden haben mit NXP Bowling und NXP Lasertron am Ratzersdorfer See in drei Jahren zwischen 2007 und 2010 knapp drei Millionen Euro in St. Pöltens Freizeitlandschaft investiert. Das war ein gewaltiges, unternehmerisches Risiko, das sich im Rückblick aber dank harter Arbeit bewährt hat. Mit dem Lasertron-Projekt waren wir die ersten in Europa, hatten alle paar Wochen Investoren aus dem Ausland da, die sich umgeschaut haben. In Linz und Graz haben wir weitere Standorte gegründet und später verkauft. Was bedeuten Einschnitte wie Corona? Die Corona-Krise ist ein Extrembeispiel für einen externen Faktor, der dich trifft, egal wie gut du vorbereitet bist. Aber auch davor wurden wir schon mal durchgebeutelt, als wir ein breites Rauchverbot einführten und die Umsätze um 40 Prozent einbrachen. Das entsprach zwar den Marktprognosen, aber dennoch waren wir schockiert und mussten uns erst an diese neue Realität anpassen. Abläufe

verbessern, Kosten sparen, effizienter werden. Das ist gelungen und heute könnten wir uns zum Glück eine verrauchte Bowlinghalle nicht mehr vorstellen. Generell ist die Gastronomie sicher keine einfache Branche. Die Erwartungshaltung der Gäste steigt laufend, damit man dem gerecht wird, muss man zwei Hürden nehmen: Du brauchst das beste Team und du musst das nötige Preisniveau kennen und durchsetzen, sonst kannst du am Ende nicht konsequent Qualität abliefern.

Das Unternehmen NXP Bowling war St. Pöltens erstes Bowlingcenter und öffnete 2007 mit zwölf Bahnen und sechs Billardtischen. Ein umfangreiches GastronomieAngebot macht das Kaffeeres­ taurant zum gastronomischen Dauerbrenner. 2010 eröffnete mit NXP Lasertron ein zweiter Standort am Ratzersdorfer Badesee und brachte Laser-Tag nach Europa. Rund 25 Mitarbeiter kümmern sich täglich um die Gäste. Die Eigentümer sind zwei St. Pöltner Brüder, Bernard und René Voak, die auch das VAZ St. Pölten, NXP Ton & Licht und das Music Center betreiben. Wir sprachen mit dem gewerberechtlichen Geschäftsführer Michael Müllner. www.nxp-bowling.at

Findet ihr genügend Personal? Wir legen sehr viel Fokus auf ein Team, das sich gern hat und auch gerne in die Arbeit geht. Was der Gastronomie immanent ist, kann man als Betrieb nicht ändern. Aber wir setzen bei unseren Vollzeitkräften beispielsweise auf ein attraktives Dienstrad mit viel Freizeit, auch am Wochenende. Respekt, ja sogar Harmonie im Team ist dafür ein Schlüssel. Aber wir suchen immer, da auch viele junge Leute ihre ersten Jobs bei uns haben, oft auch während der Ausbildung und Fluktuation somit ein ständiger Begleiter ist. Mit einem Bild gesprochen: Wäre erfolgreiche Gastronomie eine Münze, dann wären auf der einen Seite glückliche Gäste – und auf der anderen glückliche Mitarbeiter eingeprägt.

Wir legen sehr viel Fokus auf ein Team, das sich gern hat und auch gerne in die Arbeit geht. MICHAEL MÜLLNER MFG 06 21

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FOTOS: MUSUEM AM DOM/SEEBACHER, KRAL VERLAG

MUSEUM AM DOM

KOLUMNE THOMAS FRÖHLICH

*§$&_innen LOVE ME GENDER Vor Kurzem machte ich mir um den ZiB-Moderator Tarek Leitner echte Sorgen. Leidet er etwa unter Atemnot? Hat er gar was auf der Lunge oder an den Stimmbändern? Wortkompositionen wie Patient[stop] Innen oder Ärzt[stop]Innen kamen im Sekundentakt über seine Lippen. Aber nein: Was sich nach einem medizinischen Notfall anhört, nennt man Gendern. Und offenbar soll nun auch das gemeine Volk im Staatsfunk mit derlei beglückt werden, Kulturauftrag und so. Die Überlegung, Ungleichbehandlung zwischen Mann, Frau (und allen anderen) mithilfe einer systematischen Verhunzung der Sprache und des Schreibens zu korrigieren, fand ihre Anhänger anfänglich in soziologischen Kreisen, für die das „generische Maskulinum“ ein sexistisches Grundübel darstellte. Und da man ja für alles Fans findet, wenn man Dinge nur oft genug sagt, wurde die Tatsache, dass wohl keine Frau etwa auch nur einen Cent mehr verdient, wenn irgendjemand Sternderln, Binnen-Is oder Unterstriche in Worte hineinmurkst, schlichtweg ignoriert: Fakten sind bekanntlich nur was für Naturwissenschaftler*&_innen und Lulus. Man beschloss also, diese hehren Erkenntnisse gleichsam einen Marsch durch die Institutionen antreten zu lassen. Doch mehren sich inzwischen Gegenstimmen: Schriftstellerinnen wie Elke Heidenreich oder Zdenka Becker finden Gendern schlichtweg hässlich. Und die Chefredakteurin des Österreichischen Wörterbuchs, Christiane M. Pabst, hält all dies für eine reine „Feigenblattdiskussion“. Die verordnete Schnappatmung könnte also wieder nachlassen. Die Schreibperson dieser Zeilen tät‘ sich freuen.

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o ist denn bitte das Diözesanmuseum?“ hörte man nicht selten aus dem Mund herumirrender Touristen am Domplatz. Diese Zeiten sind vorbei. Nach großzügigem Umbau hat die nunmehr als „Museum am Dom“ titulierte Einrichtung nämlich einen direkten Zugang vom Domplatz aus! Unter dem Titel „Himmlische Seelen. Knöcherne Juwelen“ thematisiert die erste Ausstel-

lung Reliquien und deren Verehrung. Für eine Stadt wie St. Pölten in besonderem Maße interessant – ist hier doch eine Reliquie des Heiligen Hippolyt, der schließlich Namensgeber für die Stadt selbst wurde. Direktorin Barbara Taubinger möchte vor allem sakrale Inhalte für die heutige Zeit „übersetzen“. „Das Lesen von kirchlicher Kunst muss heute neu gelernt, Codes neu entziffert werden.“

J UGEND UNT ER HIT LER

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m Jahr 2017 besuchte MFG Marina Watteck. Zu ihren kommenden Plänen befragt, erzählte die ORF Lady und Schriftstellerin u .a. von einem Manuskript, das ihr eine gewisse Maria Grabner zugeschickt habe. Diese Dame habe ältere Menschen zu ihren Jugenderinnerungen während des NS-Regimes befragt – ein beeindruckendes Zeitzeugnis, welches unbedingt veröffentlicht gehörte. Nun haben die beiden Damen im Kralverlag das Buch „Jugend unter Hitler“ tatsächlich herausgebracht und damit, wie es am Klappentext heißt, „ein spannendes Buch über Entbehrung, Terror, Überlebenswillen und Schweigen (vorgelegt). Schweigen, das in manchen Fällen erst 75 Jahre nach dem Geschehen

gebrochen wurde.“ Ein beeindruckendes, wichtiges Zeitzeugnis. „Mit ihren noch sehr präsenten Erinnerungen können sie die Zukunft mitgestalten und dadurch vielleicht vermeiden helfen, dass sich Schlimmes wiederholt“, so Grabner.


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DIE VIELSPRACHIGE Sie schreibt Lyrik, Krimis, Familiengeschichten und Theaterstücke. Sie ist vielgelesene Schriftstellerin, Kolumnistin, Übersetzerin und erhielt für all das schon unzählige Preise. Ihr aktuelles Buch heißt „Ein fesches Dirndl“ – sie selbst feierte im März diesen Jahres ihren 70. Geburtstag: Zdenka Becker.

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esucht man Zdenka Becker in ihrem Haus in St. Pölten-Unterradlberg, das sie mit ihrem Gatten Leo bewohnt, wird man zum Kaffee gleich einmal in den Kuhstall gebeten. Wie bitte? „Wo sich jetzt das Wohnzimmer befindet, war früher der Kuhstall“, erklärt die Autorin. „Fünf Kühe hatten hier Platz. Und dahinten war die Bäckerei.“ Das alles hatten sie Ende der 1970er-Jahre renoviert. Und blickt man sich um, muss man unumwunden feststellen: Es ist hervorragend gelungen. Gewölbeartige Decken, viel heimeliges Holz und ein prächtiger Garten, für dessen Nutzung es leider am Tage des Interviews viel zu kalt und regnerisch ist. Also nehmen wir im ehemaligen Kuhstall Platz und lassen ein wenig Beckers Leben Revue passieren, das am 25. März 1951 im damals tschechoslowakischen Eger seinen Anfang nahm. „Aufgewachsen bin ich in Bratislava, zur

BECKERS LETZTER ROMAN. Die Autorin verarbeitet gerne Familiengeschichte(n) in ihren Werken. 44

Zeit des Kommunismus.“ Viele können sich wohl heute gar nimmer vorstellen, was das bedeutete: „Ich hätte gerne Journalismus studiert, hatte aber nicht genug ‚Punkte‘ dafür.“ Ihre Schwester war nämlich in die USA ausgewandert, was de facto strafbar war und Zdenka als Familienangehöriger einen „Minuspunkt“ einbrachte. „Das war die reinste Sippenhaftung. Ich durfte aber Wirtschaft studieren, dort wurde im Gegensatz zum Journalismus jeder Dritte zugelassen anstatt nur jeder Zehnte.“ Die Schriftstellerin in spe („schon als Kind erzählte ich gerne Geschichten!“) beendete ihr Studium in der Mindestzeit. Im fünften Semester – mit 21 – lernte sie ihren späteren Gatten Leo beim Schifahren in der Slowakei kennen. „Oder sagen wir besser, in der Disco. Die Österreicher, die dort waren, fuhren schon all die schwierigen Abfahrten; ich selbst war eher auf der Babypiste zuhause“, erinnert sich Becker und lacht. 1974, nach Beendigung des Studiums, wurde geheiratet und ein halbes Jahr später zog sie mit Leo nach Österreich. „‘Folge dem Gatten‘ war ja gestattet.“ Die Bürokratie der tschechoslowakischen Behörden hatte auch so schon alles verlangsamt. „Nur unser erstes Kind – das war schneller!“ Das wurde acht Wochen nach der Übersiedlung nach Österreich geboren. Gewöhnungssache „Die Gewöhnung an Österreich war anfänglich schwierig.“ Die beiden waren fürs Erste nach Wien-Favoriten gezogen und Becker konnte zu Beginn kein Wort Deutsch, was sie aber rasch und nachhaltig änderte.

„Jeden Tag hab‘ ich dreißig Wörter aufgeschrieben und gelernt, zuerst aus der näheren Umgebung, also ‚Tisch‘, ‚Sessel‘, ‚Teppich‘ und so weiter. Dann die Eigenschaftswörter ...“ Die erste gemeinsame Sprache mit Leo war Englisch. Deutsch sprach sie nur beim Einkaufen oder beim Arzt. Als sie an der Uni einen Deutschkurs machte, wurde sie sogleich von der ersten in die dritte Klasse versetzt. „Und das akademische Leben hat mir sofort gefallen. Ich habe auf Anhieb Freunde gefunden und begonnen, Wien zu lieben.“ Dann kam das zweite Kind auf die Welt und die Familie übersiedelte in Leos Elternhaus nach Unterradlberg. „Nachdem wir alles soweit hergerichtet hatten, überlegte ich kurz, zuhause zu bleiben und Selbstversorgung zu betreiben.“ Das hielt jedoch nicht lange: „Ich wollte raus, wieder unter Menschen!“ Die Einstweilen-noch-nichtSchriftstellerin bewarb sich beim Niederösterreichischen Pressehaus beziehungsweise bei der NÖN. Ihre massiven Selbstzweifel wusste ihr Gatte zu zerstreuen: „Das war’s doch immer, was Du wolltest: Journalismus! Also mach’s!“ Gleichsam als persönliche Übung hatte sie schon einige Artikel verfasst, unter anderem einen über Oskar Kokoschka, den sie zum Einstand Chefredakteur Ströbitzer zeigte. Fazit: Am nächsten Montag war besagter Text Teil der Ausgabe. Und das war erst der Anfang. Trotz ihres Erfolges blieb sie aber nervös, war sich mitunter nie sicher, was ihr Talent betraf. Dennoch oder vielleicht gerade deshalb machte sie weiter. Die Tätigkeit bei der NÖN war von Anfang an auf sechs Mo-


TEXT: THOMAS FRÖHLICH | FOTOS: MATTHIAS KÖSTLER

nate begrenzt gewesen. Doch Becker hatte Blut geleckt – ihre Freude am Schreiben war letztendlich stärker als sämtliche Selbstzweifel. Sprachgewandt Ihre ersten Schritte als Literatin führten sie zur Literarischen Gesellschaft (LitGes) St. Pölten, die kurz davor gegründet worden war. Danach entstand der Kontakt zum Literaturkreis PODIUM, „und dann ging’s los! Ich hatte glücklicherweise viele Unterstützer, etwa Ilse Tielsch oder Erich Sedlak. Sie waren freundlich, aber auch kritisch. Tielsch als geborene Sudetendeutsche etwa hat sich gefreut, dass sozusagen jemand ‚von der anderen Seite‘ über die Vertreibung der Sudetendeutschen schreibt.“ Becker resümiert: „Ich blicke dankbar zurück.“ Und sie konkre-

Ich finde das Gendern hässlich und es macht Texte mitunter unlesbar. ZDENKA BECKER

tisiert: „Es gab jede Menge Stolpersteine, Zurückweisungen – aber letztendlich ist es so geworden, wie ich’s mir als Kind vorgestellt habe.“ Und sie ergänzt: „Und ich war oft einfach am richtigen Ort.“ Zwischen ihrem 45. und 65. Lebensjahr betrieb die Literatin Becker regelrecht Selbstausbeutung. „Ich habe ja dauernd geschrieben. Jetzt geh‘ ich’s mittlerweile etwas ruhiger an.“ Ihre Werke, darunter auch ihr neuestes, „Ein fesches Dirndl“, waren nicht nur im deutschsprachigen

Raum überaus erfolgreich – sie wurden u. a. ins Slowakische, Tschechische, Englische, Französische, Niederländische, Italienische, Persische, Hindi und Mandarin übersetzt. Überhaupt ist der Schriftstellerin, die in ihren Werken sehr viele autobiografische Elemente einbaut, Sprache an sich „sehr, sehr wichtig.“ „Sprache ist Identität“, meint die mittlerweile Vielsprachige, „in jeder Sprache bin ich jemand anderer.“ Da schwinge auch ihre Vergangenheit mit. „Zu Beginn habe ich den österreichischen Dialekt nicht verstanden. In der Slowakei etwa spricht man nur am Land Dialekt. In Österreich tut das aber fast jeder. Und ich habe daraufhin, sozusagen über einen österreichischen Umweg, den slowakischen Dialekt zu schätzen gelernt.“ Beckers Begeisterung, MFG 06 21

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DIE VIELSPRACHIGE

KOLUMNE ROUL STARKA

SOMMER 2021

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Ich war oft einfach am richtigen Ort. ZDENKA BECKER

FOTO STOCK.ADOBE.COM

Sonne gelb, Baum grün, Vogerl singt, Wasser platsch! Grill. Eisschleck. Aber wie schreibt man nicht mehr über Corona, ohne das Wort ‚Corona‘, ohne Wörter, die daran erinnern. Nur mehr Gutes, mit scharf. Wir werden dieses Wort ersetzen mit Dingen, die glücklich machen. Leberkässemmelstraße im VAZ. Keine neuen Fälle von Brathendln in Niederösterreich, überall nur mehr Backhendln. ZungenkussPass mit 48 Stunden umarmen und liebhaben. Babyelefant wird klein wie ein Kuscheltier. Don Camillo und Peppone statt Neue-Fälle-In. Nasenbohren wieder mit eigenem Finger und Erfolgserlebnis. Bussipflicht in allen Fußgängerzonen, lachend auf den Mund. Sterne und Glückstränen unter dem Abendhimmel, dieser so vertraute und so gute Geruch in den Haaren neben dir. Eine Welt tanzt gemeinsam Jerusalema. Wie liebe ich dieses Lied und die entzückenden Tanzvideos dazu, allen voran das auf dem St. Pöltner Rathausplatz. Ein „Treffen wir uns im Kaffeehaus?“ klingt, als würde die Erde aus ihrem Herzen sagen: „Komm her, lass dich wieder umarmen, ich liebe dich!“ Langsam und sehnsuchtsheiß wie Lava rinnen unsere ausgetrockneten Seelen wieder in einen halbwegs normalen Alltag mit lustig im LUP. Ich hatte schon zwei Meter Abstand zwischen meinen Gedanken, das Leben ein zähflüssiger Kakao von vorgestern. Haben wir wenigstens etwas gelernt? Dass wir absolut nichts sind ohne unsere lachenden Lippen, die sich suchen und finden. Und jetzt noch die Erde wieder pumperlgsund machen, dass sich unsere Ururenkerl auch noch Gänseblümchen in die Haare knüpfen können.

wenn sie von Sprache spricht, ist spürbar: „Es geht nicht nur um die Grundmelodie, sondern auch um die verschiedenen Ausformungen und Dialekte: Das ist ein Faszinosum und ich habe dazugelernt.“ Gar nicht fasziniert ist sie vom Gen­ dern in der deutschen Sprache, das für manche bekanntlich eine (vielleicht gut gemeinte) Sprachverstümmelung darstellt: „Ich finde es hässlich und es macht Texte mitunter unlesbar. Ich persönlich fühle mich auch bei ‚alle Schriftsteller‘ angesprochen.“ Becker hatte sich ja schon an der Uni sehr mit Sprachentwicklung beschäftigt. Und als eine, die selbst viele Sprachen spricht und auch ins Deutsche übersetzt, fallen ihr Missgriffe umgehend auf: „Ein Beispiel: Die Floskel ‚jemanden über den Tisch ziehen‘ bedeutet im Slowakischen etwas Anderes als bei uns, nämlich eine Frau … na, du weißt schon. Und es ist ärgerlich, wenn sowas 1:1 übersetzt wird: Der ganze Sinn geht verloren.“ Beckers Schaffen blieb auch den offiziellen Stellen nicht verborgen. Eine hohe Anzahl von Literaturpreisen zeugt davon, unter anderem der Niederösterreichische Kulturpreis –

Würdigungspreis 2014 oder der von der Stadt St. Pölten vergebene Jakob Prandtauer-Preis für Wissenschaft und Kunst 2015. Schreibanlässe Den ersten Corona-Lockdown verbrachte sie „nicht mit Schreiben. So eigenartig das vielleicht klingt: Ich nutzte ihn zur Regeneration. Keine Lesungen, keine Termine – ich unternahm Wanderungen und längere Spaziergänge.“ Doch nun ist sie schon wieder voller Tatendrang. „Ich verarbeite gerade wieder Familiengeschichte und habe nicht nur dazu jede Menge Pläne.“ Ihr Schreibanlass ist der Selbe geblieben: „Selbstreflexion. Ein sich Finden im Anderen und ein Finden des Anderen in sich.“ Klingt ja einfach, aber … St. Pölten ist für sie zudem ein wunderschöner Platz zum Leben. „Es hat sich ja in den letzten Jahren auch stark zum noch Besseren entwickelt. Aber ich war sowieso sofort hier zu Hause.“ Auch wenn sie den dazugehörigen Dialekt erst lernen musste. Aber das war eben ein Teil ihres Weges, den sie gehen musste und wollte. Nicht nur als Schriftstellerin.



IN SCHUBERTS GEISTE SIND WIR EINS Vor 200 Jahren, im Herbst 1821, weilte Franz Schubert in Begleitung seines Freundes und Librettisten Franz von Schober in St. Pölten sowie auf Schloss Ochsenburg, um an seiner Oper „Alfonso und Estrella“ zu arbeiten.

D

ie Künstler waren einer Einladung von Bischof Johann Nepomuk von Dankesreither gefolgt, wobei Schober den St. Pöltner Aufenthalt in einem Brief an Josef von Spaun vom 2. November 1821 wie folgt schildert. „Schubert und ich sind nun von unserem halb Land – halb Stadtaufenthalt wieder zurückgekehrt und bringen die Erinnerung an ein schönes Monat mit. In Ochsenburg hatten wir mit den wirklich schönen Gegenden, in St. Pölten mit Bällen und Concerten sehr viel zu tun; demohngeachtet waren wir fleissig, besonders Schubert, er hat fast zwei Acte, ich bin am letzten. Ich hätte nur gewunschen, Du wärest da gewesen und hättest die herrlichen Melodien entstehen sehen, es ist wunderbar, wie reich und blühend er wieder Gedanken hingegossen hat. Unser Zimmer in St. Pölten war besonders lieb, die zwei Ehebetten, ein Sofa neben dem warmen Ofen, ein Fortepiano nahmen sich ungemein häuslich und heimisch aus. Abends referierten wir immer einander, was des Tages geschehen, wir liessen uns dann Bier holen, rauchten unsere Pfeife und lasen dazu, oder Sofie und Nettel kamen herüber und es wurde gesungen.“ Im Jahr nach seinem Aufenthalt bedankte sich Schubert für die erwiesene Gastfreundschaft und widmete seine drei Gesänge op.12 („Harfner-Lieder“) „seiner bischöflichen Gnaden, dem Herrn Joh. Nep. von Dankesreither, Bischof von St. Pölten.“

Spuren Franz von Schober hielt auch die gesellschaftlichen Verpflichtungen, die der Komponist in St. Pölten wahrzunehmen hatte, fest. „Schubertiaden waren ein paar beim Bischof und eine beim Baron Mink, der mir recht lieb ist, wobei eine Fürstin, zwei Gräfinnen und drei Baroninnen zugegen, die alle aufs nobelste entzückt waren.“ Maria Christoph Ignaz Freiherr von Münk und seine Frau Josepha Freyin von Münk lebten zur Zeit des Besuches im Haus Nr. 108, welches der nunmehrigen Adresse Rathausgasse 2, entspricht. Heute erinnert ein Schubert-Relief aus der Hand des Bildhauers Erwin Frass an den Aufenthalt des Komponisten. 48

Bereits 1883 wurde auf Initiative des Männergesangsvereines eine Gedenktafel über dem Hauptportal des Schlosses Ochsenburg enthüllt. 1906 wurde im Ochsenburger Gasthaus Eßl, Wilhelmsburger Strasse 2, ein SchubertRelief angebracht, und 1928 – zum 100. Todestag des Komponisten – wurde vor dem Schloss Ochsenburg das „Schubertbrünnl“ errichtet. Auf diesem findet sich ein weiteres Porträt-Relief aus der Hand von Wilhelm Frass, versehen mit dem Motto „In Schuberts Geiste sind wir eins“. Die Schubert-Verehrung gipfelte schließlich in der Inschrift: „Geheiligt ist durch ihn diese Stätte.“ Im Vorraum zur Bischofsstiege des St. Pöltner Bistumsgebäudes wurde 1928 ein Gedenkstein an Franz Schubert enthüllt und 1978 wurde am ehemaligen „Dreikronenwirtshaus“, Herrenplatz 5/Domplatz 7, eine Inschrift angebracht, wo der Komponist in St. Pölten logiert haben soll. Schubertschwerpunkt 2021 Selbstredend – Corona sozusagen gerade noch entwischt – steht Schubert und seine St. Pölten Connection auch heuer im Mittelpunkt des kulturellen Geschehens. So wird der Komponist unter der von der Kulturverwaltung St. Pölten kuratierten Veranstaltungsreihe „Liederfürst Franz Schubert kehrt zurück nach St. Pölten“ u. a. im Rahmen des Ost-West-Musikfestes, des Jazz im Hof, der Schlosskonzerte Walpersdorf, der Meisterkonzerte St. Pölten, des Konzerts des Musikvereins 1837, des Projekts Schubert200 eine Rolle spielen. Informationen zum Programm findet man unter www.st-poelten.gv.at


TEXT: JOHANNES REICHL | FOTOS: JOSEF VORLAUFER, NILS KLINGER

„ EINE INSPIRAT I O N I ST ER ALLEM AL“ Stefan Zenkl zählt zu St. Pöltens Gesangs-Aushängeschildern. Der Bariton sang schon am Opernhaus Zürich, Theater Basel, Staatsoper Hannover uvm. Im Vorjahr war der freischaffende Künstler wie viele seiner Kollegen zum vermeintlichen Nichtstun verdammt, und war dennoch voll aktiv – er programmierte die Reihe „schubert200“ für das St. Pöltner Schubertjahr 2021. Was fasziniert Sie an Schubert? Die immense Vielfalt an Liedern! Das einfache, oft eintönige Strophenlied hatte ja ausgedient. Jeder wollte seinen Gefühlen in Reimen und Prosa Ausdruck verleihen – Franz Schubert war ihr Komponist. Außerdem erreiche ich bei ihm nur mit einer Pianistin sofort den vollen Klangkosmos und muss mir kein Orchester zusammenstellen. Wie kam es zu Ihrem Engagement in Sachen Schubert und St. Pölten? Ich wusste, dass sich heuer der 200-jährige Besuch des Liederfürsten in St. Pölten jährt, hatte aber keine Zeit vor der Pandemie ein ernstzunehmendes Programm zusammenzustellen, geschweige denn zu organisieren. Als Sänger war ich ab März 2020 aber plötzlich von einem Tag auf den anderen arbeitslos. Mir war klar, dass bis zur Auslöschung dieses Virus kein Auftritt außer bei Begräbnissen oder in Kirchen möglich sein wird. Ich beschloss daher, mich nicht nur meiner wachsenden Familie und der Bekämpfung der Pandemie als Tester und Sanitäter beim Roten Kreuz zu widmen, sondern als Kreativer nicht aufzugeben. So erhellte das Schubertjahr mein Schaffen die letzten Monate. Welche Ideen haben Sie bei der Programmierung geleitet – Sie wandeln ja mit den Besuchern quasi auf den Spuren des Komponisten. Mir geht es darum, Franz Schubert nicht nur sozusagen an der Wand hängend zu haben, sondern ihn erlebbar zu machen. Schubert kam für einen Monat in unsere Stadt, um zu komponieren, sich auszutauschen und auch am Leben teilzunehmen. Wie steht’s ums Komponieren in unserer Stadt? Wie hat es damals geklungen? Wie heute? Kennen wir unsere Räume, erfüllt mit Musik? Wie soll eine Schubertiade sein? Aus diesen Fragen heraus

habe ich einfach Kompositionsaufträge erteilt, Räume im Rathaus und im Diözesangebäude reserviert und international tätige Künstlerinnen und Künstler aus der Region angefragt. Was will man von Schubert heute vermitteln – was ist das Zeitlose an dem Genie? Im Schatten der Pandemie ist die Beantwortung tendenziös. Schubert zeigt uns, hinauszugehen, die Zeit zu nützen, sich von einer Krankheit, so geht, nicht aufhalten zu lassen, Gesellschaft zu suchen, seinen Gefühlen und Ängsten Ausdruck zu verleihen und etwas Neues zu wagen. In der Kulturvermittlung steht natürlich das unbegreiflich große Opus dieses Komponisten mit über 1.000 Werken im Mittelpunkt. Man muss ihn gehört haben. Eine Inspiration ist er allemal.

Für Künstler war die Corona-Pandemie ein Desaster – welche Hoffnungen knüpfen Sie nun an die endlich erfolgten Öffnungen? Der staatlich subventionierte Betrieb an den Theatern, Opernhäusern und auch Konzertsälen lief die ganze Zeit weiter, nur mit Publikum vor der Mattscheibe. Das Wichtige ist jetzt die Reaktivierung der Künstler im semiprofessionellen und Laien-Bereich, die wirklich nichts mehr durften. Unser neuer Kulturamtsdirektor Alfred Kellner hat mit seiner Initiative letzten Herbst, Beiträge für das Schubertjahr von allen Kulturvereinen und Kunstschaffenden zu sammeln, jedenfalls eine Ermunterung in düsteren Zeiten gesetzt.

SCHUBERT200. Stefan Zenkl (stehend, Mitte) wandelt auf Schuberts Spuren in St. Pölten.

Kulturamtsleiter Alfred Kellner hat mit seiner Initiative eine Ermunterung in düsteren Zeiten gesetzt! STEFAN ZENKL

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PUPPENWERKSTATT AUF NEUEN WEGEN Unterhaltung mit Anspruch, dafür bürgt die Puppenwerkstatt in St. Pölten schon seit mehreren Jahren mit ihren Kinderstücken. Nun hat das Team um Sebastian Weinberger, Hennes Beitl und Gerald Huber-Weiderbauer die Pandemie-Auszeit genützt, um sich in einigen Bereichen neu zu erfinden.

D

ie Klappmaulhandpuppen von Jim Henson, dem Erfinder der Muppets, hatten es ihm besonders angetan, als der St. Pöltner Sebastian Weinberger vor einigen Jahren seine Leidenschaft zu Puppen entdeckte. Sebastian begann selbst Puppen zu bauen, zunächst mit mäßigem Erfolg. Als er aber auf einen Puppenbauer aus Deutschland stieß, viele Kurse besuchte, intensiven Austausch mit dem Spezialisten betrieb und nach Jahren des erfahrungsreichen Puppenbauens, avancierte der Puppen-Aficionado selbst

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zum Meister auf diesem Gebiet. War bis vor Kurzem ein Kellerraum in der Josefstraße, in dem sich eine Nähmaschine, tausende Stofffetzen, zahlreiche Kisten, von denen halbund fertige Puppen hervorlugten und eine theatrale Hochbühne neben Scheinwerfern im künstlerischen Chaos tummelten, die Räumlichkeit der Puppenwerkstatt in St. Pölten, so hat sich der Puppenbauer nun ein eigenes Zimmer eingerichtet. „Habe mir dafür Maschinen gekauft, wie eine Kopiersäge, eine spezielle Nähmaschine und eine Hand-Schaum-

stoffsäge selbst gebastelt“, erzählt Sebastian Weinberger über seine stetig wachsende Begeisterung. Diese Begeisterung führte bereits in den Jahren vor der Pandemie zu Stücken wie „Was ist los mit Wadiwuk?“ und „Live-Talk mit Rapido“, wo es um Themen wie Mobbing, Anderssein, Toleranz und Identitätsfindung geht. Klimawandel gehört auch zu den Themen. Prinzipiell für Kinder gedacht, können sich auch Erwachsene einiges an Input mitnehmen. „Wir zielen auf Kinderhumor, Slapstick, Blödeleien, Musik und Interaktionen wie beim Kasperl ab”, gibt Weinberger Einblick in die Intentionen der Puppenwerkstatt, „aber immer mit Fokus auf gute Unterhaltung, die mit Witz fesselt und auf brennende Themen hinweist.” Im Team rund um Hennes Beitl und Gerald Huber-Weiderbauer absol-


TEXT: ANDREAS REICHEBNER | FOTOS: ELIAS KALTENBERGER

PUPPENBAUER. Sebastian Weinberger fertigt Klappmaulpuppen an vierte man Auftritte bei Veranstaltungen und in Schulen. Aber, wie der gesamten anderen Kulturszene, blieben den Puppenspielern in der Pandemie die Auftritte verwehrt. Da blieb Zeit zu überlegen, und die nutzten die drei Kreativen redlich. Familienfilm wird kommen Die Idee einer Familienshow, die letztendlich zu einem Film werden soll, wurde geboren. „Zuerst sind wir einmal vom Hundertsten ins Tausendste gekommen, aber jetzt ist die Idee der Geschichte schon weitgehend klar vor uns. Die Puppen sind Menschen und es gibt ein überirdisches Wesen, dass die Familie crashed“, weiß Gerald HuberWeiderbauer, „es wird ein Familiendrama in Richtung Thriller, aber natürlich auch lustig. Die Motivation der einzelnen Figuren, ihre Charaktere, ihre Zwänge und Vorstellungen herauszuarbeiten, war eine Arbeit fast biblischen Ausmaßes.“ Die Rolle der von außen in die Familie hineincrashenden Figur, die den Familienmitgliedern gnadenlos den

Spiegel vor Augen hält, erinnert dabei an E.T. und Alf. „Wir haben die Vision, mit den Puppen etwas zu machen, was gehaltvoll ist. Dabei dürfen wir selbstverständlich auch auf den Grundwitz, der aus der Machart der Puppen entspringt, vertrauen. Das haben wir bei den Stücken auch so angelegt, pädagogisch wertvolle Sachen aufzuarbeiten. Wir versuchen aber auch Grenzen auszuloten, etwas, was weitergeht als die MuppetShow, über das Halligalli hinaus“, so Sebastian, der die Puppen dafür speziell angefertigt beziehungsweise adaptiert hat. Das Erfinden und Schreiben des Plots war ein dynamischer Gruppenprozess. „Mir passiert das immer wieder, dass, wenn mir wer ein Erlebnis erzählt, dieses sich über Umwege in der Geschichte wiederfindet. Manchmal ist es ein Fluch und manchmal ein Segen, im Team zu arbeiten. Es gilt, an den richtigen Stellen zu bremsen und auch loszulassen“, ist Gerald vom gemeinsamen Projekt begeistert. Pilotfilm entsteht Zurzeit wird ein Pilotfilm, der in Kooperation mit der FH St. Pölten entstanden ist, montiert, nachvertont und geschnitten. „Es ist so eine Art Versuchsballon, der mithilft, die Vision Familienshow zu realisieren“, sagt Sebastian. Schließlich denkt man groß, das finale Projekt, so wäre das Ziel, sollte später in Programmkinos laufen. „Nicht nur einfach auf youtube stellen, vielleicht gibt es auch ein Fernsehformat, Kino wäre der Wahnsinn“, so die kreativen Köpfe der Puppenwerkstatt. Denn die Drei haben längst erkannt, dass man mit und durch Puppen vieles ausdrücken kann, das

man sonst nur schwer vermitteln kann. „Die Puppe gibt mir leichter die Möglichkeit, meine Stimme zu verstellen, das ist eine Superausdrucksmöglichkeit, irgendwie ist man dabei ehrlicher. Man kann sehr viele Sachen sagen, das ist das Spannende, im normalen Duktus kann ich oft nicht die richtigen Worte finden“, sieht Gerald neben der Musik im Puppenspiel ein weiteres künstlerisches Standbein. Neben dem Projekt Familienfilm überlegt das Team, das immer wieder versucht, andere kreative Menschen zur Mitarbeit in der Puppenwerkstatt zu ermuntern, auch die Möglichkeit eines politischen Formates. „Politisch unkorrekt, mit den eigenen Ressentiments die Leute konfrontieren, das wäre schon toll, oder vielleicht nehmen wir Oma und Opa aus der Familienshow, die beim Essen Nachrichten sehen und daraus ergibt sich eine politische Kiste“, denkt Gerald auch an andere Formate, „das wäre dann für Erwachsene, wo man Pointen braucht. Vielleicht lassen wir das schreiben.“ Im AutoKunstKino beim VAZ hat das Team während des Lockdowns eine unterhaltsame Varieté-Show gespielt. „Wir haben dabei unser lustiges Programm ausgebaut, so in Richtung Alt übergibt an Jung. Die technischen Möglichkeiten waren super, Screen und Kameras auch im Backstage, ähnlich wie bei der Muppet Show“, so Sebastian, der darauf erpicht ist, dass die Show-Acts immer wieder umgemodelt werden,

Mit und durch eine Puppe kann man viele Sachen sagen, an denen man im normalem Duktus scheitern würde – eine Superausdrucksmöglichkeit. GERALD HUBER-WEIDERBAUER MFG 06 21

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PUPPENWERKSTATT AUF NEUEN WEGEN

von der singenden Biene, über den Zauberer bis hin zum superspannenden Clown, den der Franzose Edouard Raix spielt. „Wir bauen gerade auch eine Jugendgruppe mit drei Burschen, zwei Sebastians und einem Toby, auf. Das macht Spaß, die sind sehr motiviert, haben eine völlig andere Form von Schmäh, verwenden moderne Medien, wie in ihren TikTok-Beiträgen, selbstverständlicher. An der Idee eines trashigen Stückes, sehr wurschtig, wird auch gebastelt. Wir wollen die auch ins Filmprojekt miteinbauen“, freut sich der Gründer der Puppenwerkstatt auf künstlerischen Nachwuchs. Die Ideen ploppen also nur so auf in der kreativen Puppenwerkstatt. So wird man in Zukunft auch ein etwas verkleinertes Format, eine Idee von Hennes, für Schulen anbieten. „Früher waren wir nur mit der großen Bühne unterwegs, mit 3-4 Spielern und mit allem Pipapo, jetzt können wir dann auch zu zweit kleinere Stücke, von einer Klasse in die nächste wandernd, anbieten“, so Sebastian, der speziell für dieses Format geeignete Tischpuppen anfertigt. Und da kommen wir auch schon zum nächsten Standbein. „Ich habe seit Längerem mit dem Gedanken gespielt, auch für andere Menschen Puppen zu bauen.“ Auf Kundenwünsche wird eingegangen, egal ob es schon eine konkrete Vorstellung für

Wir haben die Vision, mit den Puppen etwas zu machen, was gehaltvoll ist. Dabei dürfen wir selbstverständlich auch auf den Grundwitz, der aus der Machart der Puppen entspringt, vertrauen. SEBASTIAN WEINBERGER

eine menschliche oder tierische Figur gibt, die umgesetzt werden soll oder ein Charakter erst anhand einer Zeichnung zu entwerfen ist. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Auch Gegenstände können zu Figuren werden. Eine seiner ersten aus diesem Geist entstandenen Figuren ist „eine Phantasiefigur, die so was wie ein Baumgeist sein könnte“, blickt Sebastian, der gerade an ei-

ner Auftragspuppe arbeitet, in eine Puppenbauerzukunft, „es ist eine eigene Kreation von Puppe, die ich entwickelt habe, eine Mischung aus Tischpuppe und Klappmaulpuppe mit Live-Hand zum Reinschlüpfen und von japanischen Baumgeistern (Kodama) inspiriert.“ Und ja, die Website wird auch demnächst überarbeitet. Es gibt also viel Neues in der Puppenwerkstatt.

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VOLLE KRAFT VORAUS! Wie lange haben wir geschrieben, dass uns die Kunst – hautnah – abgeht. Theatererlebnis in einem realen Raum mit realen Menschen und Darstellern auf der Bühne schien irreal. Doch nun hat uns die Realität im positiven Sinne wieder eingeholt, und die Bühnen warten ab Herbst mit spannendem Programm auf. Live! Wir baten die künstlerischen Leiterinnen um einen kurzen Ausblick. sammengestelllt – mit dem großen Ziel, dass große (Klein-)Kunst mit viel Musik, viel Hirn, viel Herz und vielen ungewöhnlichen Ideen wieder Wunden heilen darf, die verrosteten Gehirnwindungen wieder durchputzen darf und traurigen Seelen ein Lachen ins Gesicht und ins Herz zaubern darf.“

Bürgen für bestes Programm: Brigitte Fürle, Marie Rötzer, Daniela Wandl (v.l.n.r./Foto Mavric)

„Während ich das schreibe, herrscht in der Bühne im Hof eine lang vermisste Stimmung: Ich höre das Saxophon und die sonore Stimme von Gunkl, Cathi am Schlagzeug, Manuel Rubey witzelt – der Soundcheck der Familie Lässig ist in vollem Gange. In wenigen Stunden wird die erste Vorstellung seit 208 Tagen stattfinden. Juhu!“, lässt uns Daniela Wandl, die künstlerische Leiterin der Bühne im Hof, an ihrer Freude teilhaben. Programmhighlights könne sie keine nennen „Das wäre so, als hätte ich fünf Kinder und würde zwei bevorzugen.“ Kurzum: Es gibt praktisch nur Highlights „denn vor lauter Vorfreude haben wir ein besonders pralles, freches, wildes, vorlautes, stimmungsvolles Programm zu-

Auch Marie Rötzer vom Landestheater Niederösterreich gesteht „wir können es kaum erwarten, Theateraufführungen live und mit einem – hoffentlich – langen und lauten Applaus am Ende erleben zu dürfen.“ Das Programm wird so dicht wie nie „mit großen Klassikern von Shakespeares ‚Othello‘ über Thomas Manns ‚Zauberberg‘ bis zu Nestroys ‚Talisman‘.“ Man konnte Theatertitanen wie Regisseur Frank Castorf, Theatermacher Luk Perceval oder Regisseur und Puppenmagier Nikolaus Habjan ebenso gewinnen wie grandiose Gastspiele an Land ziehen „wie ‚Faust I‘ aus Zürich mit Philipp Hochmair und ‚Der Geizige‘ aus Hamburg mit Iffland-Preisträger Jens Harzer“. Selbstredend steht auch die Stadt selbst wieder im Fokus, bei Themen wie Erinnerungskultur, Nachhaltigkeit und Umwelt oder – im nächsten Jahr Thema des Bürger*innentheaters – der „100-jährigen Geschichte(n) von Frauen in Niederösterreich.“ Kinder- und Jugendtheater rundet das Angebot ab, das wieder – wie Rötzer es auf den Punkt bringt – für eine „Auszeit vom Alltag“ sorgen wird. Ein besonderes Jahr steht schließlich im Festspielhaus St. Pölten an: Die Institution feiert ihr 25-jähriges Jubiläum. „Zur Eröffnung am 1. März 1997 spielte das Tonkünstler-Orchester, das in diesem wunderschönen Bau von Architekt Klaus Kada seither als Residenzor-

MITGLIED WERDEN und die zahlreichen Vereinsvorteile (Exklusivveranstaltungen, Previews, Künstler*innentreffen, Exkursionen, Ermäßigungen uvm.) genießen. Anmeldung und Infos unter T +43 2742 90 80 90-941, F +43 2742 90 80 94, freunde@kultur-stp.at

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chester wirkt“, erinnert sich die künstlerische Leiterin Brigitte Fürle. Über Eva Schlegl, die 1997 den Eisernen Vorhang der Bühne gestaltete, schlägt man eine Brücke ins Jetzt. „Die renommierte bildende Künstlerin kehrt ans Festspielhaus zurück und gratuliert mit einem voluminösen Spiegelmobile in den lichtdurchfluteten Foyers“, verrät Fürle. Der Saisonbeginn steht ganz im Zeichen des Tanzes: Am 25./26. September steht etwa ‚Schwanensee‘ des französischen Star-Choreografen Angelin Preljocaj am Spielplan, am 9. Oktober folgt Pina Bauschs legendäres ‚Frühlingsopfer‘. Desweiteren verweist Fürle auf den Auftritt von Grammy-Gewinnerin Dee Dee Bridgewater am 6. November sowie jenen der Fado-Ikone Mariza am 19. November. „Die australische Circus-Compagnie Gravity & Other Myths gastiert im Herbst mit gleich zwei atemberaubenden Shows – A Simple Space am 31. Oktober sowie Backbone am 27./28. November.“ Ganz ehrlich – wir freuen uns riesig!!!

Fortsetzung folgt „Im Gespräch mit ...“ Anfang Juni trafen wir im Pan Pan Brigitte Fürle zum Gespräch, die einen Einblick ins Festspielhaus St. Pölten gewährte und einen Ausblick auf die kommende Saison gab. Danach folgte der gemeinsame Besuch der „Alpensinfonie“. Im Herbst wird das erfolgreiche Format „Im Gespräch mit ...“ in dieser Kombination – Gespräch plus Veranstaltungsbesuch – mit Marie Rötzer und Daniela Wandl fortgesetzt.

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EIN SOMMER, DER SO SÜSS SCHMECKT WIE NIE ZUVOR! Wie haben wir uns danach gesehnt, nach Kunst, Kultur ... hautnah und live. Und so schmeckt der heurige Festivalsommer vielleicht noch einen Tick süßer als sonst. Die Veranstalter verwöhnen das kunstsinnige Herz wieder mit Theater, Oper, Operette, Kino, Lesungen und vielem mehr. Allein das Theaterfest Niederösterreich zählt 20 Spielorte! Die Besucher haben also die – absolut schöne – Qual der Wahl. MFG präsentiert eine kleine feine Auswahl an Highlights und wünscht schon jetzt allen einen wolkenlosen Himmel und vergnügliche Stunden. 29. – 31. Juli., 1. & 5. – 8. August 2021

29. Juli – 3. Oktober

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SCHLOSS KIRCHSTETTEN – OPER & MORE

29. bis 31. Juli 2021 1. und 5.-8. August 2021 Johannes Krisch Larissa Fuchs Hans Theessink Wladigeroff Brothers & Friends Harri Stojka Ernst Molden & das Frauenorchester Erwin Steinhauer Ortskapelle Gutenstein

Tommy Hojsa Michael Köhlmeier SarahBernhardt SKOLKA Anna Kern-Fischer & the Pannonian Balkan Swing Trio Tini Kainrath Thomas A. Beck Erika Pluhar und Roland Guggenbichler

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Mit dem Prolog 21/22 bieten die Raimundspiele Gutenstein und Intendant Johannes Krisch musikalische und literarische Highlights: Erwin Steinhauer, Michael Köhlmeier und Erika Pluhar ebenso wie Harri Stoj­ ka, Tini Kainrath oder Hans Theessink und mehr.

Rossinis selten gespielte Oper „Il signor Bruschino“, „Symphonic Rock 4.0“; „Federspiel & Jugendorchester NÖ“ sowie „Klassik unter Sternen XI – Beethovens 9“ bilden die SommerKlänge. Gemütliche SchlossKonzerte im Herbst runden das Festival ab. Auf ins Weinviertel!

www.raimundspiele.at

www.schloss-kirchstetten.at

16. Juni – 31. Juli

SOMMERSPIELE MELK – DIE 10 GEBOTE Die 10 Gebote haben das gesellschaftliche Leben und die Gesetzgebung der westlichen Welt nachhaltig geprägt. Unter der Regie von Alexander Hauer holt das hochkarätige Ensemble den epochalen Stoff in die Gegenwart und setzt sich mit aktuellen Überlegungen zu Moralvorstellungen, Freiheit und Verpflichtungen auseinander. Poetisch. Brisant. Abgründig und hoffnungsvoll zugleich. , #wiewirlebenwollen.

FOTO STOCK.ADOBE.COM

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15. Juli – 7. Ausgust

10. – 19. September

OPER BURG GARS

AUTOKUNSTKINO

Intendant Johannes Wildner bringt eine noch nicht dagewesene Fassung von Mozarts „Entführung aus dem Serail“ in die zauberhafte Naturkulisse und rückt dabei Respekt, Toleranz und Achtung vor dem Fremden als Grundpfeiler einer aufgeklärten Gesellschaft in den Mittelpunkt.

Gekommen um zu bleiben – so könnte man das Motto des AutoKunstKinos formulieren. Im Vorjahr quasi als Corona-Joker etabliert, hat es so eingeschlagen, dass es heuer in verschlankter Form fortgesetzt wird. Klassisches AutoKunstKino trifft hochkarätige Live-Veranstaltungen.

www.operburggars.at

www.vaz.at

19. Juni – 4. September

ARENA DI VERONA – OPERA FESTIVAL Zum mittlerweile 99. Mal lädt Europas berühmtes­ tes Opernfestival zum unvergleichlichen Operngenuss in die weltberühmte Arena di Verona. Insgesamt stehen mit Aida, La Traviata, Nabucco, Turandot, Cavalleria Rusticana und Pagliacci gleich sechs Blockbuster der Opernliteratur am Programm, allesamt wieder in legendären Insze­nierungen mit berühmten Sängern, dem grandiosen Orche­ster sowie Chor und Ballett der Arena di Verona. www.arena.it

12.9.–8.10.2021

Festival Musica Sacra

St. Pölten Herzogenburg Lilienfeld Kartenvorverkauf und Infos: Festival Musica Sacra +43 677 61274462 office@festival-musica-sacra.at

Konzerte 12.9., 18.00 Uhr, Dom zu St. Pölten

» Lacrimosa «

W. A. Mozart: Requiem KV 626 & Franz Thürauer: „Löscht den Geist nicht aus“ (UA) cappella nova graz / Domkantorei St. Pölten / L’Orfeo Barockorchester

200 Jahre Schubert in St. Pölten Sonntag, 19. September, 9.30 Uhr Stiftskirche Lilienfeld

Franz Schubert: » Messe in G, D 167 «

Stiftschor Lilienfeld / Karen De Pastel, Orgel Florian Pejrimovsky, Leitung

19.9., 16.30 Uhr Stiftskirche Lilienfeld

Sonntag, 26. September, 10.00 Uhr, Sonntag der Völker Dom zu St. Pölten

Werke von Josquin Desprez und Thomas Daniel Schlee L‘ultima parola (Vocalensemble)

Jugendensemble der Dommusik / Ludwig Lusser, Orgel / Otto Kargl, Leitung

26.9., 18.00 Uhr Dom zu St. Pölten

Sonntag, 26. September, 10.00 Uhr Schlosskapelle Ochsenburg

» Hommage à Josquin «

» Verleih uns Frieden «

Werke von Heinrich Schütz Dresdner Kammerchor Hans-Christoph Rademann, Leitung

2.10., 19.30 Uhr Stiftskirche Herzogenburg

» Wie im Himmel «

Werke von Krieger, Biber und Caldara Markus Forster, Alt Schwanthaler Trompetenconsort

Robert Ray: » Gospel-Mass «

Franz Schubert: » Deutsche Messe, D 872 & Johann Simon Kreuzpointner (UA) « Johann Simon Kreuzpointner, Leitung Sonntag, 3. Oktober, 14.30 Uhr Stiftskirche Herzogenburg

Franz Schubert: » Messe in B, D 324 «

Motettenchor & Orchester der Stiftskirche Herzogenburg / Johannes Zimmerl, Leitung

8.10., 16.30 Uhr Ehem. Synagoge St. Pölten

Sonntag, 3. Oktober, 10.00 Uhr Dom zu St. Pölten Rundfunkgottesdienst

Werke von Bach und Webern Ensemble Prisma Veronika Grossberger, Moderation

Franz Schubert: » Messe in C, D 452 «

» Bach and more « Folgen Sie uns auf Facebook!

Gottesdienste

Domchor & Domorchester Ludwig Lusser, Orgel / Otto Kargl, Leitung MFG 09 20

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ADVERTORIAL

7. Juli – 14. August

SOMMERSPIELE MELK – SO WHAT?! Die beliebte Melker Musikrevue fragt augenzwinkernd „Kann denn Liebe Sünde sein?“ Das Publikum erwartet eine tollkühne Jäger-Revue, die die Geschichte vom „Freischütz“ mit über 40 Songs aus 10 Jahrzehnten und allerlei absurd-lustigen Wendungen neu erzählt, göttliche Überraschungen inklusive. Außerdem dürfen sich die Kinder bei „Lisa Lustig und die steinernen Tafeln“ auf eine Mitmachrevue mit bekannten Kinderliedern und Popsongs freuen. www.sommerspielemelk.at

14. Juli – 21. August

OPER IM STEINBRUCH Drei Rätsel stellt die geheimnisvolle Prinzessin Turandot jedem Mann, der um ihre Hand anhält. Als ein namenloser Prinz die teuflischen Rätsel löst, stellt er der störrischen Prinzessin seinerseits eine Aufgabe: Sie soll ihm seinen Namen nennen. Turandot verhängt über ihr Volk ein Verbot zu schlafen, bis der Name des Unbekannten gefunden ist. Mit „Keiner schlafe – Nessun dorma!“ gelang Giacomo Puccini eine der beliebtesten Arien der gesamten Opernliteratur. www.operimsteinbruch.at

© Lukas Watzke © Klaus Hecke

SIEGLINDE GRÖSSINGER | EMMANUEL TJEKNAVORIAN | DANIEL GUTMANN | HARRIET KRIJGH | KURPFÄLZISCHES KAMMERORCHESTER | BRAUCH:TANZ uvm.

www.schloss-walpersdorf.at INFO & KARTENBESTELLUNG: tickets@schloss-walpersdorf.at, Telefon +43 (0677) / 619 692 42

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© Josef Fuchsberger

© Uwe Arens © Marco Borggreve

© Maria Frodl

9.–18. Juli 2021 Schloss Walpersdorf Ehemalige Synagoge St. Pölten Stift Herzogenburg

25. Festival

9.–25.7.2021 EINE VERANSTALTUNG DER NÖ FESTIVAL UND KINO GMBH IN KOOPERATION MIT ÖSTERREICH 1


2021

SUMMER BLUES FESTIVAL AM SEE

Samstag, 24. Juli | Ratzersdorfer See Einlass: 17:00 Uhr, Beginn: 18:00 Uhr

DANIEL ECKLBAUER BOOGIE & BLUES PIANO

NO STRESS BROTHERS JUMPIN‘ BLUES ROCK

BIG DADDY WILSON AND THE GOOSEBUMPS BROTHERS

MOJO BLUES BAND FOOT STOMPIN‘ CHICAGO BLUES

Tickets erhältlich unter:

© Mitch – stock.adobe.com

www.oeticket.com Sparkasse NÖ, Domgasse 5 Tourismusinfo St. Pölten

VVK: € 26,- AK: € 29,-

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FOTOS: FREQUENCY/HEIMO SPINDLER, STOCK. ADOBE. COM

FOUND FREQUENCY

KOLUMNE THOMAS WINKELMÜLLER

SELBSTREFLEXION Wie viel Prozent der Journalistinnen und Journalisten in Österreichs Medien haben Migrationshintergrund? Deutschsprachige ausgenommen, ein Familienmitglied aus dem Ausland reicht uns schon – was glauben Sie? Sechs Prozent. Das sagt eine neue Studie aus dem Medienhaus Wien. Umgelegt auf die Gesamtbevölkerung ist das wenig. Jeder vierte hier lebende Mensch hat Migrationshintergrund, also beide Elternteile kommen aus dem Ausland. Und lassen Sie uns ehrlich sein: Es geht hier weniger um Migrationshintergrund als um Religion und Hautfarbe. Ist diese krasse Ungleichheit ein Problem? Nun, wir Journalistinnen und Journalisten sollten objektiv (und das ist nur bedingt möglich) die Welt erklären und darstellen. Um kurz das identitätspolitische Argument zu entkräften: Auch Weiße müssen über Schwarze schreiben können. Ansonsten darf kein Reicher über Arme, keine Heterosexuelle über Queere berichten. Zweifelsfrei braucht das viel Selbstreflexion und Weiterbildungen. Im Kern sind wir Dienstleister, die den Leuten Informationen bieten. Im Idealfall zu den Themen, die unsere Konsumentinnen und Konsumenten beschäftigt. Ergo: Vielfalt tut unseren Produkten gut. Journalistinnen und Journalisten mit Migrationshintergrund bringen andere Geschichten mit, bieten andere Blickwinkel. Außerdem ist das Problem ein strukturelles. Wir haben kaum Migrationshintergrund in unseren Redaktionen, weil es aufwendig und teuer ist, erfolgreich in der Medienwelt zu sein. Da muss sich etwas ändern – auch bei uns.

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nd sie dreht sich doch … weiter … die Welt. Während wir noch vor wenigen Wochen in der Stube quasi zum Nichtstun verdammt waren und im Vorjahr schmerzhaft die Absage des Jubiläums-Frequency zur Kenntnis nehmen mussten, überraschte zuletzt die Ankündigung der Regierung, dass es ab Juli keine Kapazitätsbeschränkungen mehr für Veranstaltungen geben wird. Fre-

quency-Chief Harry Jenner quittierte diese Frohbotschaft via APA trocken mit „Ich habe wieder Arbeit!“ Und St. Pölten – wie es aussieht – sein Frequency Festival 2021, für das sich Größen wie Bilderbuch, Marshmello, Martin Garrix, RAF Camora, Kontra K uvm. angesagt haben. In diesem Sinne … Pack die Badehose ein, und Campingzeug und jede Menge gute Laune! Frequencyyyyyyyyyy!

EINF A C H F ÜR UNS DA

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ir waren da, wir sind da, wir werden da sein“, verspricht Obmann Bernhard Zima vom Verein Jugend- und Lebenswelt, und hält, was er verspricht. Im Mai wurde am St. Pöltner Bahnhofsplatz wieder eine fixe Jugendberatungsstelle eröffnet, wo ein Team von Sozialarbeitern Jugendlichen im Alter von zwölf bis 25 Jahren zur Verfügung steht – jeweils Dienstag, Donnerstag und Freitag von 12.00 bis 16.00 Uhr. Kommen kann man mit jedem Anliegen, egal ob es um Troubles mit den Eltern, in der Schule, mit Mobbing, Sexualität, Drogen, Gewalt oder was auch immer geht. Wie formulierte es Zima gegenüber ORF NÖ: „Eine Jugend-

beratungsstelle ist eine AllroundAnsprechstelle. Man kann ohne große Nöte hereinkommen und wir schauen, was Sache ist.“ Also, wenn wo der Schuh drückt, ohne Scheu die Chance nutzen. Hier wird euch – anonym versteht sich – weitergeholfen.


Tickets erhältlich auf oeticket.com & in allen Oeticket-Vorverkaufsstellen sowie im VAZ St. Pölten, www.vaz.at, 02742 / 71400, ticket@nxp.at VERANSTALTUNGSBETRIEBS GMBH

Veranstalter: NXP Veranstaltungsbetriebs GmbH, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten; © ORF / Hans Leitner

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„SICH GEGENSEITIG ZU HELFEN, IST DER SCHLÜSSEL“ OLIVIA GOGA & MARTINO LE

„Under my Skin“ heißt der neue Song von Olivia Goga und erscheint am 15. Juli. Das Musikvideo dazu hat sie gemeinsam mit Martino Le und einem Team rund um die Fachhochschule St. Pölten gedreht. Ein Gespräch mit den beiden über ihre neue Produktion, St. Pöltens Musikszene und die Wichtigkeit von guten Freunden und Kontakten in der Branche. Im Juli erscheint euer mittlerweile zweites Musikchend lang haben wir für das Skript gebraucht, weil ich video. Lasst uns von vorne beginnen: Wie habt ihr das alles selbst machen wollte. Das was gesehen wird, muss auch von mir kommen. beide euch denn kennengelernt? MARTINO Wir haben uns vor einem Jahr im Herbst 2019 kennengelernt. Ich war frisch auf der FH und hab meine Wie ist das mit so jemanden zusammenzuarbeiersten Kollegen getroffen – darunter Mario Wallner. Er ten, Martino? meinte, er kenne jemanden, der ein Musikvideo braucht MARTINO (lacht) Wir mussten echt viel kommunizieren und wir haben uns gedacht: „Mach ma.“ Das war „Cho- und dabei haben wir genauso viel gelernt. Um eine besked“ von Olivia. sere Vorstellung von Olivias Ideen zu bekommen, haben OLIVIA Danach war eine Zeit lang Funkwir das Drehbuch als Fließtext konstille. Ich musste meine kommende EP zipiert. Dazu gabs Fotos, damit wir „Under my Skin“ vorbereiten und jetzt, dasselbe Ziel und dieselben Bilder vor nachdem sie fertig ist, haben wir wieder Augen haben. Erst als das Skript stand, das Video zum gleichnamigen Song gekonnten wir richtig zu arbeiten begindreht. nen. Das war ein langer Weg, der sich aber gelohnt hat. MARTINO Die lange Pause merkt man auch in der Qualität des Videos. Da ist ein riesiger Unterschied im Vergleich Drehort suchen, Ideen sammeln, zum letzten. Damals fünf Leute in der Skript schreiben, vom Schnitt etc. OLIVIA GOGA Crew, jetzt fünfzehn. wollen wir gar nicht erst reden. Wie lange dauert so ein Projekt? Wie geht ihr so einen Videodreh an? Ihr startet OLIVIA Ewig! Corona hat das nochmals erschwert. Das das Projekt und dann? NXP hat ja nur für uns die Bowling-Bar kurz für den OLIVIA Mir ist es wirklich wichtig, dass alles von mir Dreh zur Verfügung gestellt. kommt – was auch mal Probleme aufwirft, weil ich den MARTINO Seit Februar reden wir über das Projekt und bis Leuten bisschen die Arbeit wegzunehmen versuch. Ich dato ist das Projekt immer noch nicht ganz abgeschloswill, dass das Video eine Geschichte erzählt, wie es auch sen. Damit kann sich jeder selbst ein Bild machen. Allein der Song macht. Jedes Outfit, jede Location hat Bedeu- um die Locations zu finden, ist echt viel Zeit nötig. Ohne tung für mich und ist komplett durchdacht. Dementspre- Kontakte kann das sogar noch viel länger dauern.

Ich will, dass das Video eine Geschichte erzählt, wie es auch der Song macht.

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TEXT: THOMAS WINKELMÜLLER | FOTOS: MATTHIAS KÖSTLER, ZVG

Ein langer Weg also, aber bald ist das Video fertig. Wovon wird es handeln? Welche Bilder zeigt ihr uns darin? OLIVIA Ich kann verraten, dass es um eine Zeitreise zurück in eine Erinnerung von mir geht. Ich habe es an ein Zitat von Drake angelehnt: „Some nights I wish I could go back in life. Not to change shit, just to feel a couple things twice.“ Ich schau mir also bei einem Moment aus meiner Vergangenheit zu, nebenbei läuft aber ein Timer, weil ich die Gegenwart verpasse. Verändern kann ich Altes nicht, aber zumindest nostalgisch zurückblicken, mehr aber nicht. Die Burg Plankenstein dient dabei als Startpunkt der Geschichte. GROSSPROJEKT. Fast ein halbes Jahr lang hat das Eine Frage, die sich wohl einige stellen, ist: Wie Team rund um Olivia am Video gearbeitet. kommt ihr in eurem Alter dazu, so etwas umzusetzen und auch noch zu finanzieren? MARTINO Naja, ich bin 22 und Olivia hat gerade matuMARTINO Ich sehe es so: Die FH bietet einem den theoreriert. So jung sind wir auch nicht mehr. (lacht) tischen Background und dann muss man selbst Projekte umsetzen und am besten geht das zusammen mit StudiOLIVIA Mein Klavierlehrer Albert Maier hat mir ermöglicht, meine ersten Songs aufzunehmen und da ich keine enkollegen. halben Sachen mache, dachte ich mir, dass ich auch ein Musikvideo brauche. Ich bin irrsinnig dankbar, dass mir Gibt es in euren Augen überhaupt eine echte Muda Leute auch immer geholfen haben und Möglichkeiten sikszene in der Stadt? zur Verfügung gestellt haben, eben weil ich so jung bin. OLIVIA Gerade durch das Projekt vom Freiraum ‚musik. Anders könnten wir uns das auch nicht leisten. stp‘ und den Sampler von ihnen sieht man sie endlich, MARTINO Beim Videodrehen ist es ähndenn es gibt sie, zweifelsfrei. Aber wenn lich. Man muss Menschen kennen und du ein Niemand bist, ist es schwer ein ihnen zeigen, dass man was draufhat Jemand zu werden, wenn dich nicht und Sachen anpacken will. Ich wohn einmal deine eigene Stadt kennt. Deserst seit 2019 in Wien und St. Pölten, eiwegen bin ich so dankbar, dass endlich gentlich komme ich aus Osttirol. In der Leute vor den Vorhang geholt werden. Zeit musste ich mir ein Netzwerk aufMomentan gibt es mehr Möglichkeiten bauen, indem man sich gegenseitig undenn je. terstützt. Einfach auf Events gehen und mit den Leuten quatschen und Kontakte Machst du eigentlich schon Geld MARTINO LE austauschen. Ohne meine Freunde und mit deiner Musik, Olivia? Kollegen wäre ich in der Branche nichts. OLIVIA Ein paar Euro mit den Streams, aber das war es auch schon wieder. Im Moment kommt Dann wollen wir sie doch vor den Vorhang holen. eigentlich nichts zurück, aber man muss es als langfriWer hat euch geholfen? stige Investition sehen. Man sollte neben der künstlerischen Leidenschaft aber auf keinen Fall vergessen, dass MARTINO Der Großteil der Crew besteht aus meinen Freunden von der Fachhochschule St. Pölten, die mich man davon leben will, um den Ehrgeiz nicht zu verlieren. Positives Feedback und konstruktive Kritik motivieren bei dem Projekt unterstützt haben. aber auf jeden Fall zum Weitermachen, auch wenn der OLIVIA Das Ziel ist aber natürlich, dass wir Leute bezahlen, sobald wir das können. Wir wollen uns bei diesen größte Ansporn immer die eigentliche Liebe zur Kunst Menschen revanchieren und nicht alle vergessen. Wir bleibt. greifen uns unter die Arme. Das ist so essenziell in der Branche. Habt ihr noch zum Abschluss Musikempfehlungen aus St. Pölten für unsere Leserinnen und Leser? Welche Bedeutung haben denn die FH und ihre OLIVIA Sinikka Monte ist eine gute Freundin von mir Studierenden in der St. Pöltner Szene? und unglaublich talentiert. Sie steckt ihr Herzblut in ihre OLIVIA Also ich hätte eigentlich kaum eine Szene ohne Musik und spricht wichtige, emotionale Themen an und der FH. Ohne ihr gäbe es kein Musikvideo. Der sprin- teilt sie. Außerdem ist das Level, auf dem sie schreibt und gende Punkt ist nicht, dass sie alle von der FH kommen, produziert wirklich ein Wahnsinn. Sie ist jemand, den aber trotzdem studieren sie alle nun einmal dort. Wäre es man sich anhören sollte. nicht so, das hätte nie funktioniert. MARTINO Olivia Goga sollte man auschecken! (lachen)

An Kontakten und eigenem Können kommt man in der Branche nicht vorbei.

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FOTOS: NK, SCHOBER, GUILHERME SILVA DA ROSA

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Die Welt von morgen wartet auf Expert*innen, die den Mut haben, neue Pfade einzuschlagen. Auf Fachkräfte mit gestalterischem Verständnis und vernetztem, interdisziplinären Denken sowie dem Blick für das große Ganze. Die New Design University St. Pölten (NDU) bildet schon heute die kreativen Köpfe aus, die bereit sind, über den Tellerrand zu blicken. Und eigenhändig zu gestalten! Wenn Sie Ihr Hirnschmalz und Herzblut mit Ihrem handwerklichen Geschick beruflich kombinieren und dabei innovatives Design erschaffen wollen, sind Sie hier genau richtig: Im Bachelorstudium „Design, Handwerk & materielle Kultur“ an der New Design University (NDU) in St. Pölten. Das Studium verbindet die moderne Handwerksausbildung mit Designkompetenz auf universitärem Niveau. Auf dem Studienplan des 6-Semester-Vollzeitstudiums stehen unter anderem Designforschung, Designpraxis, Betriebswirtschaft, Produkt- und Konsumkultur, Ökologie und Nachhaltigkeit, und natürlich auch Digitalisierung.

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Was macht das Studieren an der New Design University so besonders? Bei anwendungsorientierten Projektarbeiten verfolgen Sie schon während des Studiums ihre individuellen Gestaltungsansätze und haben die Möglichkeit, wertvolle Kontakte in der Branche zu knüpfen. Übrigens: Die New Design University ist Österreichs einzige Spezialuniversität für Gestaltung. Sie ist eine kleine, aber feine Privat­ universität, die sich durch ein hohes Maß an persönlicher Betreuung auszeichnet und sechs innovative Bachelor- und zwei Master-Studiengänge sowie sieben akademische Lehrgänge anbietet.

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zugänge

WETTBEWERB DES NÖ KULTURFORUMS FÜR JUNGE LEUTE VON 15 BIS 30 Nach dem großen Erfolg des Jugend-Kreativwettbewerbs AUFBRECHEN des NÖ Kulturforums im Jahr 2019, an dem rund 100 junge Leute aus NÖ teilgenommen haben, und dem literarischen Folgeprojekt GEGEN DEN WIND startete das NÖ Kulturforum jetzt im Frühjahr 2021 einen neuerlichen Wettbewerb: zugänge

Junge Menschen zwischen 15 und 30 Jahren sind eingeladen, sich in den Bereichen Bildnerisches, Musik und Literatur mit ihren Beiträgen zu beteiligen. Es winken wiederum wie in den letzten Jahren stattliche Preise für die besten Einsendungen. Zugänge finden Gerade jetzt, da Corona das gesellschaftliche Leben, die Schul-, Studien-, Ausbildungsund Berufssituation für junge Menschen monatelang behindert hat, darf die Kreativität dem Virus nicht zum Opfer fallen. Ganz im Gegenteil! Viele Menschen haben die Zeiten der Lockdowns genützt, um sich verstärkt ihren Interessen und Hobbys, ihren Talenten und ihren Begabungen zuzuwenden. In dieser unsicheren und schwierigen Zeit wollen gerade junge Menschen Wege finden, die ihnen ihre Möglichkeiten eröffnen. Sie wollen Zugänge finden zu Räumen, Orten, Zeiten, Gedanken, Empfindungen oder Einsichten; Zugänge, die neue Chancen bieten. Originalität, Kritik, Satire, Humor, Poesie, Musikalität, Poesie – das sind Elemente, die zu neuen Zugängen führen.

Das NÖ Kulturforum informiert unter www.zugaenge.at 66

In bewährter Weise wird das Wettbewerbsmanagement wiederum von Mag. Marianne Plaimer wahrgenommen, die bereits AUFBRECHEN und GEGEN DEN WIND erfolgreich abgewickelt hat. Und so funktioniert‘s Die Einreichung der Beiträge ist bis 31. Juli 2021 möglich unter www.zugaenge.at Liebe Leute von 15 bis 30: Wir freuen uns auf eure zahlreiche Teilnahme und auf eure mit Sicherheit wieder g´scheiten, kritischen, humorvollen, kreativen Beiträge – und darauf, euch mit wertvollen Preisen belohnen zu können! Ewald Sacher, Obmann des NÖ Kulturforums


KULTUR VOR DER HAUSTÜR – NÖ KULTURFORUM

Neue Zugänge braucht das Land! Neue Zugänge von jungen, kreativen Menschen – egal ob sie literarisch, musikalisch oder bildnersich unterwegs sind.

2019 hatte das Kulturforum bereits den Jugend-Kreativwettbewerb AUFBRECHEN ausgeschrieben, und 2020 im FREI.RAUM zu „Gegen den Wind“ geladen, wo die Preisträger im Rahmen einer Gala vor den Vorhang gebeten wurden. Im Bild von links nach rechts: Ewald Sacher, Sara Schmiedl, Viola Rosa Semper, Marianne Plaimer, Benjamin Hodi, Alina Bauer, Günter Glantschnig, Gotthard Fellerer

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JUMPZONE X

EINFACH ZUM AUS-FLIP-EN „ENDLICH! Das war mein erster Gedanke, als ich gehört habe, dass ein Jumpark in St. Pölten aufsperrt“, lacht Nina. Nicht etwa, weil sie zuvor so jump-affin gewesen wäre, sondern weil sie als Mutter zweier Kinder über jedes zusätzliche Angebot in der Stadt glücklich ist, „das die Kinder so richtig müde macht!“, fügt sie augenzwinkernd hinzu.

D

ass sie dieser Tage selbst vom Jumpzone X, so heißt der neue Sprungtempel, müde nachhause geht, hängt freilich damit zusammen, dass sie dort arbeitet und die Einrichtung die ersten Tage regelrecht gestürmt wurde. „Wir waren praktisch ausreserviert. Auch erste Schulklassen waren schon da“, freut sie sich über die Resonanz. Wer da so käme? „Eigentlich quer durch den Gemüsegarten – natürlich

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Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene sind voll bei der Sache“, so Nina. Kollegin Kathi erzählt etwa von „zwei Omas, sicher um die 80 herum, die gestern mit den Enkerln zu Besuch waren und ebenfalls voll mitgehüpft sind.“ Das lange Warten hat ein Ende Man kann sich vorstellen, welch großer Stein Besitzer Andi Steinbauer, der in St. Pölten seine mittler-

weile vierte Jumpzone in Österreich aufgesperrt hat, vom Herzen gefallen ist. „Wir hätten ohne Lockdown ja schon Anfang Jänner eröffnet!“, erzählt er. „Die Zeit bis Mai war daher wirklich hart für uns, zumal wir für diesen Standort keine Förderungen bekommen, es auch noch keine Umsätze gab. Aber wir lassen uns nicht unterkriegen!“ Bei einer Investitionssumme im sechsstelligen Euro-Bereich kann man sich seine schlaflosen Nächte während des Lockdowns ausmalen. Auf St. Pölten sei man übrigens gekommen „weil es hier noch wenig Angebot gibt und weil eine geeignete Halle zur Verfügung stand.“ Was nämlich gar nicht so einfach ist. Fündig geworden ist man am ehemaligen Team Red Areal in der Kremser Landstraße 66.


TEXT: JOHANNES REICHL | FOTOS: MATTHIAS KÖSTLER

Gestern hatten wir zwei Omas zu Gast, sicher um die 80 herum, die mit den Enkerln voll mitgehüpft sind! KATHI

Jump all around Den Platz der Halle hat man bis auf den letzten Millimeter ausgenutzt, wie wir uns bei einem Rundgang mit Kathi und Nina überzeugen können. Gleich nach dem Eintreten ist man quasi schon mittendrin statt nur dabei. Rechts ist der Counter, wo man eincheckt und auch Snacks erstehen kann, links ein kleiner Partyraum und geradeaus geht’s in die bunte Kids Jump-Area für Kinder bis acht Jahre. Diese wartet neben Trampolinen, Walltramp & Co. auch mit Basketballkörben auf, wo man – Air Jordan-like – spektakuläre Dunkings hinlegen kann. Und ein „Schnitzelbecken“ aus Schaumstoff-Würfeln sorgt für Spaß und sanfte Landung. Im selben Raum findet sich noch ein kleines „Becken“, „wo Mütter ihre Babies, während die Geschwister im Park herumtoben, herumkrabbeln lassen können“, erklärt Nina. Geht man seitlich der Anlage vorbei, steht man plötzlich – Überraschung – in einem zweiten großen Teil des Trampolinparks, der Pro Jump Zone. Hier geht es – frei nach Tim Bendzko – im wahrsten Sinne des Wortes hoch hinaus. Die Trampoline sind stärker gefedert, der Ad-

renalinkick dementsprechend höher, weshalb Zutritt erst ab acht Jahren erlaubt ist. Neben Freestyle und High Performance Area stellt die so genannte Wall, wo man nach dem Abfedern waagrecht zum Boden eine Wand hochmarschiert, eine besondere Challenge dar. Crashtest Wir sind freilich nicht nur zum Schauen gekommen, sondern zum knallharten Antesten. Dafür haben wir unter anderem als ultimativen Profi Georg Furtmüller gewonnen, seines Zeichens Lehrer an der Sporthauptschule Böheimkirchen, wo er einen eigenen Flip & Jump Schwerpunkt aufgebaut hat. Georg springt sich – wahrlich spektakulär – durchs Gelände: Salti, Schrauben, Auerbach … alles was das Jumper-Herz begehrt. Wie fällt sein erstes Urteil aus? „Eine wirklich total coole Anlage! Definitiv kein ‚Klumpert‘, sondern alles gut verarbeitet. Man fühlt sich sicher, die Trampoline sind gut gefedert. Da ist für jede Altersgruppe was dabei!“ Ähnlich begeistert zeigen sich Chrisi und Max, Schüler des Sportgymnasiums in der Josefstraße und

beide elf Lenze alt. Auch sie geben sich das volle Programm und haben unübersehbar eine Riesenhetz dabei. „Die Trampoline federn einfach sensationell, und die Schnitzelgrube ist sooo geil“, schwärmt Max, der sich gerade an seinen ersten Backflips versucht. Auch Chrisi, der mit einem gschmeidigen Auerbach Backflip vorbeisegelt, ist begeistert. „Am coolsten ist der Airbag, weil du da alle Tricks durchziehen kannst, ohne Angst haben zu müssen, dass du dich verletzt!“ Das Fazit nach einer Stunde Power-Jumping fällt jedenfalls äußerst positiv aus. „Einfach 100% Trampolinspaß!“, bringt es Georg Furtmüller auf den Punkt. Und den ultimativen „Adelsschlag“, was vor allem Andi zuversichtlich stimmen dürfte, erteilt zuletzt Max. „Jumpzone X ist besser als Tigers World!“, also jener Jumppark vor den Toren Wiens, wo die sprungbegeisterten St. Pöltner bislang aufgrund mangelnden Angebots in der eigenen Stadt hinpilgern mussten. Diese Zeiten scheinen vorbei zu sein.

KOMM AUF EINEN SPRUNG VORBEI! Chrisi (l.), Max (r.) und Georg Furtmüller (Bild oben) nahmen den Slogan wörtlich. MFG 06 21

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KAUM MEHR ZEIT FÜR DIE FREIZEIT DER ANDEREN

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em nicht genug, wurden Amateurklubs wie SC Stattersdorf (2011), Sturm 19 St. Pölten (2016), ATSV St. Georgen (2018) und ASV Radlberg (20. Mai 2021) beerdigt. Der jüngste Todesfall ist nicht nur auf die schlechter gewordene Infrastruktur zurückzuführen.

Aus für ASV Radlberg „Neue Fußballdressen für die U10“ (August 2019), „Highlights des 3. Radlberger Jugendtages“ (Juni 2019) mit dem Dank an die Kantinenleitung, an die Kampfmannschaft und Leopold Fallmann für die Spenden. Das sind die letzten „News“ auf der verwaisten Homepage des doch nicht bald 100-jährigen ASV Radlberg. Am 20. Mai 2021 wurde der ASV bei der letzten Mitgliederversammlung zu Grabe getragen, weil sich nicht mehr ausreichend Funktionäre fanden, die die Geschicke des Klubs lenken wollen. Das Hauptfeld gehört dem Niederösterreichischen Fußballverband „NÖFV“, das Nebenfeld der Stadt St. Pölten. Jenes kann zumindest vorübergehend der Nachbarverein SKVg Pottenbrunn nutzen. ASV-Urgestein Leopold „Flecki“ Fallmann kennt die Gründe, warum in Radlberg kein Amateurkick mehr möglich ist: „Wir haben hier nicht einmal mehr einen Bankomaten und nur mehr ein Gasthaus, aber ohne Saal für Veranstaltungen. Die Firmen können oder wollen nichts mehr hergeben und die Eltern möchten ihre Kinder am liebsten nur absetzen und möglichst eine Ruhe haben. ‚Ich habe leider keine Zeit’ ist sicher der Satz, den ich hier in den letzten Jahren am meisten gehört habe.“ Klubs am Land mit guter Infrastruktur und Mög70

Schaut auf den ersten Blick nicht gut aus für den St. Pöltner Männer-Fußball. Das prunke MillionenFlaggschiff SKN St. Pölten ist in die 2. Liga abgestiegen. Und während anderswo legendäre Sportstätten wie die Grazer „Gruabn“ unter Denkmalschutz gestellt werden, wurde hier der Voith-Platz für Wohnungen planiert und die Bimbo-Binder-Anlage (ehemals Sturm 19 Platz) soll in einen Park umgewandelt werden. lichkeiten für Sportlerfeste tun sich leichter. Vorbei sind auch die Zeiten, in denen Fallmann, Martin Marchetti und Peter Kaltenbrunner als ASV-Triumvirat etwas beschlossen haben, und es ohne Wenn und Aber umgesetzt worden ist. Für Fallmann war es einst auch selbstverständlich, seinen Sohn Jochen (Trainer von Zweitligist SKU Amstetten) vier Mal die Woche nach Wien zum Training zu führen („Er hat hinten seine Aufgaben gemacht und nebenbei gegessen.“) und nun Enkerl Pascal (zu

Rapid). So etwas gebe es heutzutage nicht mehr so häufig. „Multiplikatoren haben gefehlt“ „Gerade einmal 30 Leute sind zur Mitgliederversammlung gekommen“, erzählt der letzte RadlbergObmann Erwin Fischer, „und keiner hat, wie wir in der Aussendung gebeten haben, eine konkrete Idee gehabt, oder gar ein Konzept mitgebracht.“ Die letzten zwei Jahrzehnte habe der Klub schon gerauft, genug Spieler für den Nachwuchs und po-


TEXT: THOMAS SCHÖPF | FOTOS: STOCK.ADOBE.COM, MATTHIAS KÖSTLER

tenzielle künftige Funktionäre zu finden. „Die Multiplikatoren haben gefehlt, die Jungen aus dem Ort, die dann später vielleicht einmal eine Funktion übernehmen und die nächsten Jungen zum Verein holen.“ Die „prominentesten“ Kicker des 1927 erstmals schriftlich erwähnten, aber laut mündlicher Überlieferung 1923 gegründeten ASV Radlberg (stets in der 1. und 2. Klasse) waren neben der Fallmann-Dynastie (Leopold, Sohn Flecki, Enkel Jochen und Urenkel Pascal) die Gebrüder Patrick und David Keelson, Sascha und Mario Hoppi, sowie Michael „Kö“ Köstler, Alfred Tatar, Raphael Landthaler und zuletzt kurz Frenkie Schinkels. Mehr gemeldete Kicker in NÖ Der NÖFV verzeichnet freilich einen leichten Anstieg an Spielerinnen und Spielern. 2018 waren 63.786 Männer und 3.100 Frauen gemeldet, 2020 schon 5.406 Frauen und 64.464 Männer. Das „Funktionärsproblem“ aber kennt NÖFVVizepräsident Leopold Dirnegger vornehmlich in seiner Funktion als Notar in St. Pölten: „Das bemerke ich bei allen Sportvereinen seit vielleicht drei bis fünf Jahren, also schon vor Corona, dass sie kaum mehr Leute finden, die Funktionen übernehmen wollen.“ Beim Fußballverband sei es aber ähnlich: „Früher wollten alle Vereine möglichst viele Leute bei uns in den Gremien sitzen haben. Heutzutage bekommen wir die Gremien gerade noch voll.“

sprüche an die Betreuung sind gestiegen.“ Vor allem im Nachwuchs würden oft fast „Pädagogen“ als Ansprechpartner und eine „familiäre Betreuung“ erwartet. Zellmann wirft auch eine Frage in den Raum: „Vielleicht ist der eine oder andere Verein noch traditionell zu sehr an Ergebnissen orientiert? Kinder bis zwölf Jahre wissen nach einem Spiel mehrheitlich das Ergebnis nicht, erinnern sich in erster Linie daran, ob sie Spaß gehabt haben.“ Das bestätigt Pottenbrunn-Nachwuchstrainer Markus Rohn: „Das Ergebnis wissen maximal ein paar Zuschauer,

nämlich manche Eltern. Nach Niederlagen gibt es bei den Kindern auch keine hängenden Köpfe in der Kabine, weil es ihnen einfach egal ist, sofern sie ihren Spaß gehabt haben.“ „Zunehmender Egoismus“ Der erfolgreichste „Amateurverein“ St. Pöltens, die SKN Frauen, hatte vor und während der besten Saison der Vereinsgeschichte 2020/2021 (mit dem sechsten Meistertitel in Folge und dem Einzug ins Champions-League-Achtelfinale) tatsächlich mit Corona zu kämpfen. „Finanziell sind wir mit einem blauen Auge davon gekommen, dank unserer Sponsoren“, berichtet Obmann Wilfried Schmaus. Die Saison 2019/2020 wurde abgebrochen, 2020/2021 mussten die „Wölfinnen“ unter Ausschluss der Öffentlichkeit spielen und so gleich vier Mal auf die lukrativen Ticketeinnahmen aus den internationalen Heimspielen verzichten. Personell gab’s keine Probleme.

URGESTEIN. Leopold „Flecki“ Fallmann war beim ASV Radlberg „Mädchen für alles“ und kickte selbst einst für den Klub, wie sein Vater, Sohn und Enkelsohn.

Anforderungen steigen Peter Zellmann, Leiter vom Institut für Freizeit- und Tourismusforschung versichert, dass Fußball nach wie vor Volkssport Nummer eins ist und die Mitgliederzahlen teilweise steigen: „Aber viele Menschen sind mittlerweile Mitglieder in mehreren Vereinen gleichzeitig und ihre An-

„Ich habe leider keine Zeit“ ist sicher der Satz, den ich hier in den letzten Jahren am meisten gehört habe. LEOPOLD „FLECKI“ FALLMANN, ASV RADLBERG MFG 06 21

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KAUM MEHR ZEIT FÜR DIE FREIZEIT DER ANDEREN

Die Vereine finden kaum mehr Leute, die Funktionen übernehmen wollen. LEOPOLD DIRNEGGER, NÖFV

„Da unsere Spielerinnen alle Nationalteam-Ambitionen haben, haben sie auch in den Lockdowns eifrig vier Mal die Woche daheim weiter trainiert“, so Schmaus. Auch im Nachwuchs herrsche nach wie vor guter Zulauf. Die jungen Spielerinnen aus Niederösterreich können bei den SKN Frauen in der „Future League“ auflaufen. Paradebeispiel ist die St. Pöltnerin Christina Edlinger (18), die einst bei den Burschen beim SC Stattersdorf begonnen hatte und nun in der Frauen-Bundesliga Fuß fasste. Das Sterben der Traditionsvereine findet Schmaus „ewig schade“ und nennt auch unverblümt Gründe dafür: „Der Egoismus unserer Zeit. Und die zahlreichen Alternativen. Ins Fitnessstudio kann ich jederzeit, oder Nordic Walking gehen. Da brauche ich nicht jede Woche verbindlich zur gleichen Zeit am gleichen Ort sein, oder gar am Sonntag um 13:30 Uhr irgendwo weiter auswärts bei einem vereinbarten Treffpunkt.“ Akademie mit Topjahr In der Akademie St. Pölten (auch da war die Saison 2019/2020 abgebrochen worden) freut sich der sportliche Leiter Carlos Chaile sogar über den „vielleicht besten Jahrgang seit Florian Grillitsch und Co“. Soll heißen, dass der Geburtsjahrgang 1995

SCHWUND. Immer mehr traditionelle Fußballstätten verschwinden. Die Bimbo Binder Anlage soll etwa zum Park werden, viele wünschten sich dort weiterhin Fußball.

vom 2003er sogar noch übertroffen wird. Zuletzt stellte die Akademie St. Pölten gleich sieben ÖFB-U18Teamspieler. Von den 2003ern wechselt Emilian Metu zu Bayern München, Kilian Scharner zum VfB Stuttgart, Jakob Knollmüller zu TSG Hoffenheim, Jordan Philipsky und Dominik Weixelbraun zum LASK, Christoph Zotter zu Sturm Graz und Jan Kirchmayer zu Rapid. Din Barlov war schon bei Torino und

Udinese auf Probetrainings und entschied sich dann doch für den SKN St. Pölten. Bis zu seinem 14. Lebensjahr kickte Din im Nachwuchs des SC St. Pölten in der Blumensiedlung unter den Fittichen von seinem Vater Alen, der seinerzeit den Nachwuchs gemeinsam mit Erich Sumetsberger trainierte. Damals wollte Din auf keinen Fall zum SKN, jetzt hat der bald 18-Jährige bei den „Wölfen“ seinen ersten Jungprofivertrag.

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TEXT: ANDREAS REICHEBNER | FOTO: PIXEL & PONY

FUNDA CELO UND DIE NINJA TURTLES Was haben die Ninja Turtles und die regierende österreichische Kata-Staatsmeisterin gemeinsam? Die Liebe zu Karate und ein gemeinsames Erinnerungsstück, das zurzeit im Museum NÖ bei der Schau „I wer‘ narrisch! Das Jahrhundert des Sports“ unter anderen persönlichen Objekten zu sehen ist.

D

ie Sparbüchse, die Funda Celo als Kind von ihren Eltern bekam, war nicht nur hinsichtlich ihres Umganges mit Geld essenziell, sondern auch ob der sich daraus entwickelten Liebe zu einer Sportart. Denn die Sparbox, die nun im Museum NÖ neben Franz Klammers Olympiamedaille von Innsbruck 1976 oder einem Schwimm-Anzug von Markus Rogan zu sehen ist, zieren merkwürdige Schildkröten – die Ninja Turtles. Deren Hauptbeschäftigung ist es, asiatischer Kampfkunst zu frönen. „Meine Schwestern und ich haben uns die Ninja Turtles sehr gerne angeschaut, sie waren ein Hauptgrund, warum es mich zu Karate hingezogen hat, neben dem Film ‚Karate Kid‘, den ich schon 200-mal gesehen habe“, erzählt die 20-jährige Funda, die aus einer kampfsportbegeisterten Familie aus Neulengbach stammt. „Mein Opa Türkan hat schon Karate und Aikido gemacht, mein Vater Ferdin war ein erfolgreicher Kick-Boxer“, so Funda. Kein Wunder also, dass auch die anderen drei Schwestern eifrig den Sport mit den „leeren“ Händen (Kara = leer, Te = Hand) ausüben. Alle vier Geschwister – Hilal, Simo, Isra und Funda – sind in verschiedenen Altersklassen an Österreichs Spitze, mit Zug zum internationalen Gipfel. „Mein Ziel ist es, die beste

Kata-Athletin der Welt zu werden. Dafür trainiere ich jeden Tag“, so Funda. Um dieses ehrgeizige Ziel, Karate-Weltmeisterin, zu erreichen, dreht sich der größte Teil des Lebens für Funda um diese asiatische Kampfsportart, die Körperspannung, Konzentration, Ausstrahlung und eine persönliche Präsentationskraft braucht, aber auch viel Disziplin fordert und fördert. „Mein Vater hat uns sogar eine eigene Karatehalle, ein Dojo, mit 100 Quadratmetern, denn eine Kampffläche ist 10x10 Meter groß, gebaut“, freut sich Funda über die tolle Unterstützung, die sie von ihrer Familie erfährt, „neben dem Karatetraining ist für mich das Wichtigste, Zeit mit meiner Familie zu verbringen.“ Erfreut ist Funda Celo auch, dass sie neben vielen großartigen Sportlern eine Rolle bei der Ausstellung „Das Jahrhundert des Sports“ im Museum NÖ spielt, wofür sie auch als Botschafterin fungiert. Und der Kontext Museum passt ja auch gut zu ihren „Jugendheroes“, den Ninja Turtles. Denn deren Namen Leonardo, Raphael, Michelangelo und Donatello weisen ja wahrscheinlich nicht nur aus Zufall auf absolute Superstars der italienischen Renaissancekunst hin. Die Ausstellung beleuchtet in fünf Kapiteln die Geschichte von faszinierenden Persönlichkeiten und

MUSEUMSREIF. Funda Celos Sparbüchse mit Ninja Turtles-Konterfei hat es ins Museum NÖ geschafft.

Teams, von spektakulären Siegen und Niederlagen, und sie erzählt von technischen Entwicklungen im Sport und seiner politischen Verführungskraft. Verführungskraft ist auch bei den sportlichen KarateDarbietungen von Nöten, ob es nun gegen einen imaginären Gegner geht oder beim eins zu eins mit Semikontakt oder der Vorführung im DreierTeam. „Du musst deine eigene Persönlichkeit perfekt zeigen“, weiß Funda, die offen, selbstbewusst und kein bisschen schüchtern ist, ideale Voraussetzungen also, einmal auch international ganz oben zu stehen, vielleicht schon bei der nächsten WM.

SONDERAUSSTELLUNG „I wer‘ narrisch! Das Jahrhundert des Sports“ – bis zum 9. Jänner 2022, Museum NÖ.

Mein Ziel ist es, die beste Katha-Athletin der Welt zu werden. Dafür trainiere ich jeden Tag! MFG 06 21

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ZUM HÖREN Manshee | mikeSnare | Thomas Fröhlich | Thomas Winkelmüller | Rob.STP | Dr. Ray B. (von links nach rechts)

Das Quintett aus Brooklyn hat die Zeitmaschine angeworfen und sich von dem nostalgischen, melodischen Grunge/Alt-Pop der 90er-Jahre inspirieren lassen und daraus ihr Debüt Album gebastelt. Der Neo-Grunge der Band klingt frisch und doch vertraut, die eingängigen Refrains vermeiden es, zu klebrig zu werden. Angenehm bratende Songs, dicke Harmonien und unerwartete Kanten liefern zudem den nötigen Tiefgang.

NURTURE

PORTER ROBINSON

MAN MADE

GREENTEA PENG

Sei es dem aktuellen gesellschaftlichen Dürsten nach Medizin, jener mythischen 432hz-Stimmung oder einem höchst geheimen Süd-Londoner Zauberspruch geschuldet – unglaublich positiv, entspannt und ohne sich in altbackene, Referenzkataloge zu verkrümeln, beweist Aria Wells mit ihrer cleveren Mixtur aus R‘n‘B, Soul und Zauberei, wie uns gute Musik packen und mit einem Ruck aus dem Covid-Sumpf ziehen kann.

HEADACHES EP PANDORA

Nurture wirkt wie ein Antidepressivum. Nach Pandemie und sozialer Distanz baut es den Hörer langsam wieder auf. Es umhüllt einen langsam Lied für Lied immer wärmer in einem Mantel aus neuem Komfort und Nostalgie an das, was mal war. Porter Robinson mixt dabei elektronische Club-Sounds mit IndieFolk, pianolastiger Filmmusik und high-pitched Vocal-Chops. Das klingt ungewohnt, aber schön – wie ein Lockdown-Ende.

Katja aka. DJ Pandora ist eine der längst dienenden Drum&Bass Protagonist:innen Österreichs. Bereits mit zahlreichen Initiativen Mitte der 1990er-Jahre bekannt geworden, hat die umtriebige Wienerin den mittlerweile legendären Event-Brand Switch! samt Label kontinuierlich aufgebaut. Der erste eigene Solo-Release ist nun raus, single-handedly safes Jump-Up Drum & Bass.

NIGHTCALL

BLACK PALMS ORCHESTRA (FEAT. MONSTERHEART)

Wer ein Faible für die Noir-Stimmungen eines David Lynch besitzt, „Drive“ mit Ryan Gosling mag und sich musikalisch sowieso am liebsten auf den Lost Highways der Kinematographie aufhält, kommt um dieses Kleinod der Frauen und Männer um Mastermind Christian Fuchs nicht herum. Sommerlich sonnendurchglüht und nachtschattig zugleich. Diesem „Nachtruf“ folgen wir gern.

TYPHOONS

ROYAL BLOOD

Mit Typhoons meldet sich das Duo Mike Kerr und Ben Thatcher etwas anders als erwartet zurück. Auf dem Album schlagen die beiden Engländer nämlich eine deutlich Disco-lastigere Richtung ein. Synthesizer und weiblicher Hintergrundgesang haben im Sound von Royal Blood Einzug gefunden und bilden mit dem groovenden Schlagzeug von Thatcher und dem nach wie vor stark verzerrten Bass von Kerr eine starke Symbiose.

ZUM SCHAUEN

ZUM SPIELEN

ZUM LESEN

Manshee | C. Schumacher

Christoph Schipp

H. Fahrngruber | M. Müllner

DRIVEWAYS

MANIFOLD GARDEN

FAKEMEDIZIN

Der achtjährige scheue Cody fährt mit seiner alleinerziehenden Mutter zum Haus der verstorbenen Tante nach Upstate New York. Während der Hausstand aufgelöst wird, muss sich Cody alleine die Zeit vertreiben und lernt den oft schlecht gelaunten 83-jährigen Nachbarn Del, der früher Soldat war, kennen. Eine wahrlich ungewöhnliche Freundschaft beginnt.

Selten hat mich ein Knobelspiel so dermaßen gefesselt. „Manifold Garden“ ist ein Kunstwerk. Und das nicht nur optisch gesehen, denn immerhin wirkt der Grafikstil rund um die Bauwerke teilweise sehr abstrakt. Es ist jedoch vor allem die gelungene Spielmechanik, die immer wieder für Verblüffung sorgt und das gesamte Spiel über bestens unterhält.

Eine vergnügliche Reise des Bloggers von Stiftung Gurutest in das weite Land zeitgenössischer Scharlatane und Esoteriker, die abseits evidenzbasierter Wissenschaft mit Fernheilung, Informationsmedizin und Aurachirurgie Geschäfte auf Kosten kranker Menschen machen. Besonderes Highlight: Quacksalber, die mit dem CoronaVirus selbst Klartext reden möchten.

SPACE JAM 2 – A NEW LEGACY

RATCHET & CLANK: RIFT APART

HERRSCHAFT

Der Animations-Fantasyfilm vereint in beeindruckender Weise reale Schauspieler mit Animationskönnen. Die Hauptrollen werden u. a. von den NBA-Spielern LeBron James, Klay Thompson und Anthony Davis gespielt. Dabei begibt sich LeBron James auf ein episches Abenteuer. An seiner Seite: kein Geringerer als der unverwüstliche Bugs Bunny persönlich!

Wer eine Playstation 5 sein Eigen nennt, der kommt um „Ratchet & Clank: Rift Apart“ nicht herum. Egal ob es um die grafische Qualität geht, die hervorragende Einbindung des Sense-Controllers oder die unfassbar fixen Ladezeiten – „Ratchet & Clank: Rift Apart“ ist ein Must-have-Titel und taugt tatsächlich für die ganze Familie.

Die Entstehung des Westens. Mit grandioser Erzählkunst wird ein Bogen von der Antike zur #Metoo-Bewegung gespannt und der Frage nachgegangen, wie der Westen eigentlich zu dem wurde, was er heute ist. Welthistorische Szenen und lebendige Portraits zeichnen jenes Erbe nach, welches noch heute unsere Gedanken und Vorstellungen beeinflusst.

ANDREW AHN

MALCOLM D. LEE

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WILLIAM CHYR STUDIO

INSOMNIAC GAMES

CHRISTIAN KREIL

TOM HOLLAND

FOTOS ZVG

POLLEN

SUPERBLOOM


HIGHLIGHT VAZ St. Pölten

THOMMY TEN & AMÉLIE VAN TASS

FOTO Sebastian KonoPIX

25./26./27. AUGUST Nach ihrer fulminanten „Einfach zauberhaft!“ Tournee, die nicht weniger als 100.000 Besucher in Österreich anlockte und allerorts für Furore und Standing Ovations sorgte, touren die Weltmeister der Mentalmagie Thommy Ten & Amélie van Tass aktuell mit ihrer neuen Show „Zweifach zauberhaft!“ durch Österreich. Einmal mehr werden Thommy Ten und Amélie van Tass ihr Publikum mit schier unglaublichen Illusionen und sensationellen mentalmagischen Momenten sowie einem guten Schuss Humor im wahrsten Sinne des Wortes verzaubern, wobei die Besucher wieder zum Mitspieler der Show werden.

SCHÄTZE AUS DEM DEPOT

GAST IM GARTEN

OPEN AIR KINO

SOMMERNACHTSGALA

BIS 1. AUGUST Beginnend mit Werken des Jugendstils und des frühen 20. Jahrhunderts werden Arbeiten gezeigt, die schon lange im Museumsdepot verwahrt werden und bisher nicht (oder sehr selten) gezeigt werden konnten. Die besonderen „Schätze“ reichen von Werken von Ernst Stöhr über Charlotte Andri-Hampel und Ferdinand Andri bis zu Hans Ofner.

26. JUNI Der Sonnenpark ist mit „Gast im Garten – Tafelrunde I & II“ Teil des Viertelfestivals 2021 unter dem Motto „Bodenkontakt“. Die Besucher erwartet ein Abend voller Kulinarik, Kunst (u. a. mit „De Hoizign Wurzlbuam“, die auf selbstgebauten Naturinstrumenten regionale Weltmusik spielen) und Expertengesprächen zum Thema Boden.

AB 1. JULI Kino unterm Sternenhimmel, direkt vor dem Cinema Paradiso, am Rathausplatz St. Pölten. Das diesjährige Open Air Kino bietet täglich Filmhighlights und Live Veranstaltungen mit Konzerten (u. a. der „folkshilfe“ am 1.7.), Lesungen und Multimedia-Shows. Die perfekte Möglichkeit entspannt die Rückkehr von Kunst und Kultur zu genießen!

4. JULI Natalia Ushakova und das Janoska Ensemble bieten eine musikalische Reise voller Leidenschaft und atemberaubender Improvisation durch die Welt der Oper mit instrumentalen Ausflügen zu den Wurzeln der Musik, u. a. mit bekannten Arien aus Antonín Dvořáks‘ „Rusalka“, Puccinis „Gianni Schicchi“ oder „La Traviata“ von Giuseppe Verdi.

STADTMUSUEM

| AUSSTELLUNG

SONNENPARK

| TAFELRUNDE

TAGEBUCH SLAM

PREISTRÄGERKONZERT

21. JULI Tagebuchslam unter dem Sternenhimmel! Die mutigen Teilnehmer lesen aus ihren alten Tagebüchern vor. Das Publikum unterhält sich köstlich zwischen Fremdschämen und „so war das bei mir auch“. Per Applaus wird nach zwei Leserunden der Sieger oder die Sigerin gekürt. Durch den Abend führt Diana Köhle, Tagebuchschreiberin der ersten Stunde.

1. AUGUST Bis zu rund hundert junge Talente verschiedenster Nationen nehmen jedes Jahr an den Meisterkursen im Rahmen des Ost-West-Musikfestes teil und haben auch heuer wieder die Chance, ihr Können beim Internationalen Beethoven-Violinwettbewerb zu messen und anschließend beim Preisträgerkonzert öffentlich zu präsentieren.

RATHAUSPLATZ

| POETRY SLAM

VILLA IM SÜDPARK

THORSTEINN EINARSSON

7. AUGUST Der Oldtimer- & Teilemarkt bietet seit mittlerweile 36 Jahren die Chance, das heiß begehrte Stück zu ergattern und ist zu einer der größten Veranstaltungen seiner Art geworden. Es warten Autos, Motorräder, Nutzfahrzeuge, Fahrräder, Teile, Zubehör, Automobilia, Literatur, Bekleidung, etc. aus allen Epochen. Hier wird jeder fündig. Eintritt frei!

1. SEPTEMBER Der 24-jährige Isländer zählt zu den außergewöhnlichsten und markantesten Stimmen des Landes. Im Jahr 2020 ist er „untergetaucht“ und hat sich in seinem Studio „eingesperrt“, um während der Pandemie an neuer Musik zu arbeiten, die er nun im Zuge seiner ersten eigenen Headliner-Tour mit seiner Band präsentiert. Support: Nathan Trent.

| MARKT

FREIRAUM

| FILMFESTIVAL

SOMMERTHEATERPARK

| KONZERT

| KONZERT

OLDTIMERMARKT

VAZ ST. PÖLTEN

RATHAUSPLATZ

| KONZERT

27. JUN 21

GRAFENEGG WOLKENTURM INAREGEN.AT TICKETS: VAZ.AT, 02742/71400, RAIFFEISENBANKEN, GESCHÄFTSSTELLEN VON OETICKET.COM

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FOTOS: LUIZA PUIU, SEBASTIAN REICH

AUSSENSICHT

TOURISMUSLAND NIEDERÖSTERREICH? GEORG RENNER

Aufgewachsen in St. Pölten, emigriert nach Wien, Redakteur beim „profil“.

„Potenzial gibt es genug – man muss es nur bergen“

„Wir sind keine Tourismusregion – und stolz darauf“

Niederösterreich ist in einer seltsamen Position, was Tourismus und Potenzial für mehr angeht: Ein Teil – oder besser: eine Region, die Wachau quillt in normalen Jahren über vor Touristen. Die Kombination aus landschaftlicher Perfektion, barocker und mittelalterlicher Bautradition und die gute Erreichbarkeit via Autobahn (Bus!) und Donau (Flusskreuzfahrten) führt dazu, dass man sich in den warmen Monaten durch die Gassen von Dürnstein quetschen muss wie sonst nur im Ausverkauf beim TK Maxx. Ob Asien oder Amerika, die Gegend gehört zu jeder besseren „Europa in 14-Tagen“-Runde.“ Dann gibt es die Gegenden, die – sei es aus Mangel an touristischer Tradition oder schlicht historischer und landschaftlicher Anspruchslosigkeit – fremdenverkehrstechnisch uninteressant sind. Und dann gibt es eine Menge Gegenden, die weder hier noch da sind: Ein guter Teil des Waldviertels etwa, das Ötscherland, etliche Orte im Wiener Umfeld, wo Wander-, Konzert-, Kongress-, Thermen- und andere Tagestouristen durchaus schon das eine oder andere Wochenende füllen. Es ist dieser dritte Bereich, wo das Land Potenzial hat. Dort, wo jetzt schon Familien, Firmen, Sportler oder Konzertbesucher die eine oder andere Nacht bleiben, gäbe es Ansatzpunkte, noch mehr herauszuholen, noch mehr Angebote, die man machen könnte. Das fängt auf höchster Ebene an, mit der Verkehrsplanung. In Wien, neben dem Heimatland der zweite große Markt für Tagesgäste, wächst die Zahl der Haushalte ohne Auto. Sind Niederösterreichs Regionen darauf vorbereitet, solchen Gästen öffentliche Möglichkeiten zu geben, unkompliziert an ihre Zielorte zu kommen? Ganz unten wiederum sind es hunderte Fremdenverkehrs-, Sport- und Bergvereine, die ehrenamtlich die touristische Infrastruktur des Landes erhalten. Haben sie Ansprechpartner und professionellen Support, wenn es darum geht, eine Wanderkarte neu aufzulegen? Stagnation muss kein fixes Schicksal sein – das Land hat Potenzial, man muss es nur bergen. 76

JAKOB WINTER

Der Wilhelmsburger arbeitet als Journalist bei der „Kleinen Zeitung“.

Wie würde eine ehrliche Tourismuswerbung über Nieder­ österreich und St. Pölten klingen? Circa so: „Die Berge sind niedriger als anderswo in Österreich, die Seen nicht so schön türkis, die Sonne scheint seltener und selbst in Sachen Kultur bietet Wien einfach mehr. Besuchen Sie Niederösterreich und St. Pölten – es ist hier alles sehr durchschnittlich. Außer vielleicht unser Weißwein.“ Nicht falsch verstehen: In Niederösterreich und seiner Landeshauptstadt gibt es schöne Plätze zum Leben und ausreichend Natur zum Erholen. Aber Urlaub, der über ein Wochenende hinausgeht: lieber nicht. Das Vorhaben des Landes, Touristen verstärkt in ländliche Regionen wie das Waldviertel zu lotsen, ist zwar nachvollziehbar – ich bin allerdings skeptisch, ob das gelingen wird. Ehrliche Tourismuspolitik würde damit anfangen, sich einzugestehen, dass Niederösterreich (abseits von der Wachau) eben keine Top-Tourismusregion ist. Nur im Burgenland machen noch weniger Menschen Urlaub. Aber ist das wirklich ein Problem? Oder ist es sogar ein Vorteil, dass die meisten Urlauber Niederösterreich nur durchfahren, um in den Westen oder Süden zu gelangen? Der Massenandrang von Touristen mag einige Tiroler Täler reich gemacht haben. Er verursachte aber auch Verkehrschaos, dichte Verbauung und die Verdrängung der lokalen Bevölkerung. Und ja, selbstverständlich entstanden in Tourismusregionen viele Jobs – die aber kaum mehr jemand annehmen will. Die Gründe: Ausufernde Arbeitszeiten, schlechte Bezahlung, Sie wissen schon. In Hallstatt, Mallorca und anderen Tourismus-Hotspots rebelliert die lokale Bevölkerung längst gegen all die negativen Folgen, die der Massenandrang mit sich brachte. In St. Pölten ist die Toleranzschwelle deutlich niedriger: Einige Locals empfinden bereits vier Tage Frequency-Festival im Jahr als Zumutung. Glück für sie: Der Massentourismus wird auch weiterhin ausbleiben. Das ist der große Vorteil der Durchschnittlichkeit. Fragt sich nur, wann die Entscheidungsträger das akzeptieren – und selbstbewusst verkünden: „Wir sind keine Tourismusregion – und froh darüber.“


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VOLLTREFFER. Fußballerisch mag es für den SKN in seiner fünfjährigen Bundesliga-Ära nicht so gelaufen sein, aber im traditionellen Trainer-Kegelscheiben war man einsame Klasse! 78


ENDLICH WIEDER GEMEINSAM

ENDLICH WIEDER

KINO

LACHEN

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