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MFG EDITORIAL

GENERATION ZOCKER von Johannes Reichl

Das wird ja eine Diplomarbeit“, pflegt meine Frau zu sagen, wenn in ihren Augen die Recherche an einer Story ausufert. Im Falle der Klage der Stadt St. Pölten gegen die RLB über ein 2007 abgeschlossenes Swap-Geschäft, das bei einem aktuellen Marktwert von minus 86 Millionen Euro steht, ist es aber notwendig. Dabei sind im Zuge der Recherche mehr Fragen aufgetaucht, als befriedigende Antworten, wie man als Prozessbeobachter überhaupt den Eindruck gewann, dass die Streitparteien von zwei völlig unterschiedlichen Dingen sprechen. Die Materie ist komplex, der Teufel steckt im Detail. Die Grundfrage, die sich jedem aufdrängt, ist aber relativ simpel: Wie konnte so etwas überhaupt passieren? Wie konnte ein Geschäft, das zur Bewirtschaftung eines 23,9 Millionen hohen Kredites dient, derart aus dem Ruder laufen, so dass dafür aktuell rund vier Millionen Euro an Zinsen pro Jahr zu zahlen sind – je nachdem, wie gerade das Franken-Euro Kursverhältnis steht. Mit Letzterem kommt man der Antwort schon nahe: Es handelt sich um eine Wette, und die ist bekanntlich unberechenbar. Das Übel nahm allerdings nicht erst im Jahr 2007, als der neue Swap abgeschlossen wurde, seinen Ausgang, sondern geht bereits auf das Jahr 2003 zurück, als der Gemeinderat den „Grundsatzbeschluss“ fällte, die Schulden, wie das so schön heißt, „zu bewirtschaften“: Eine Lizenz zum Zocken. Verständlich wird dieser Schritt aus der damaligen Großwetterlage Marke „Goldgräberstimmung“. Das Geld schien auf der Straße zu liegen. Der kleine Maxi Mustermann legte sein Erspartes in Aktien an (und verlor), und selbst mit Schulden ließ sich neuerdings Geld verdienen, und zwar nicht nur als Bank, sondern als Kreditnehmer selbst! Das war einfach zu verlockend, auch für Körperschaften. St. Pölten war – wie so viele – mit von der Partie, ironischerweise sogar ein Nachzügler, weil Willi Gruber auf der Bremse stand, was ihm hinter vorgehaltener Hand rasch den in diesem Kontext wenig schmeichelhaften Titel „Bauer“ einbrachte. Er führe St. Pölten wie einen Bauernhof, nur was real

ist, zähle für ihn. Tatsächlich war Gruber einer vom alten Schlag: Was man hatte, hatte man. Was man nicht hatte, hatte man nicht. 1+1=2 und nicht die Wurzel des xten Quotienten aus irgendwas. Wollte man etwas, musste man es sich entweder ersparen, oder man nahm dafür ein Darlehen mit konkreten Laufzeiten und Zinsen auf, so dass alles überschaubar blieb. Zuletzt knickte aber auch er unter dem kollektiven Druck ein. Immerhin drängten selbst übergeordnete Körperschaften und öffentliche Institute zur „aktiven Schuldenbewirtschaftung“, weil es gegenüber den nächsten Generationen unverantwortlich sei, es nicht zu tun. Aber mit Wetten? Heute sagt die Stadt, und das ist nicht falsch, das hätten „alle“ so gemacht. Selbst im Hinblick auf ein unterschriebenes Anlegerprofil, in dem vor einem möglichen unbeschränkten Risiko gewarnt wird, bringt man zur Rechtfertigung vor, dass jeder kleine Häuslbauer mit Schweizer-Franken-Kredit Ähnliches unterzeichnen musste. Auch das stimmt. Aber nur weil alle fehlen, heißt es ja nicht, dass dadurch die Sache als solche richtiger wird. So betrachtet wird am Wiener Handelsgericht auch über die Generation „Zocker“ per se mitverhandelt. Eine Generation, die sich als solche gar nicht fühlte, aber am Spiel – aufgrund einer regelrechten Gehirnwäsche weichgespült – eben doch teilnahm. Eine Generation, die immer komplexere, hochriskantere Finanzkonstruktionen gebar, die aufgrund immer „liberaler“ gehandhabter „Schranken“ seitens der Politik auch an Otto Normalverbraucher, ja selbst Körperschaften, die das öffentliche Vermögen verwalten, verkauft werden konnten. Solange, bis man – wie im Falle der Novelle des STROG im Sommer 2012 – dem wieder einen Riegel vorschob. Für St. Pölten und viele andere leider zu spät. Nachher ist man immer gescheiter, sagt die Stadt. Auch das stimmt, aber aus Fehlern wird man ja noch lernen dürfen. Und mag sein, dass sich jetzt ein paar „Bauern“ ins Fäustchen lachen, weil sie es ja schon immer gewusst haben – es ist ein bitteres Wissen, das nicht befriedigen kann, denn am Ende des Tages müssen sie die Zeche mitbezahlen.

Offenlegung nach §25 Medien-Gesetz: Medieninhaber (Verleger): NXP Veranstaltungsbetriebs GmbH, MFG - Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten. Unternehmensgegenstand: Freizeitwirtschaft, Tourismus, und Veranstaltungen. Herausgeber/Geschäftsführer: Bernard und René Voak MBA. Grundlegende Blattlinie: Das fast unabhängige Magazin zur Förderung der Urbankultur in Niederösterreich. Redaktionsanschrift: MFG – Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten; Telefon: 02742/71400-330, Fax: 02742/71400-305; Internet: www.dasmfg.at, Email: office@dasmfg.at Chefredakteur: Johannes Reichl Chefredakteur-Stv.: Michael Müllner Chef vom Dienst: Anne-Sophie Settele Redaktionsteam: Thomas Fröhlich, Gotthard Gansch, Sascha Harold, Althea Müller, Michael Käfer, Michael Müllner, Marion Pfeffer, Andreas Reichebner, Thomas Schöpf, Anne-Sophie Settele, Beate Steiner, Katharina Vrana, Petra Wochner Kolumnisten: Herbert Binder, Thomas Fröhlich, Althea Müller, Michael Müllner, Primadonna, Rosa, Beate Steiner Kritiker: Ebru Erez, wHelmuth Fahrngruber, Thomas Fröhlich, Wolfgang Hintermeier, Michael Müllner, David Meixner, Manuel Pernsteiner, Johannes Reichl, Robert Stefan, Katharina Vrana, Markus Waldbauer Karikatur: Andreas Reichebner Bildredaktion: Simon Höllerschmid, Hermann Rauschmayr Coverfoto: Josef Vorlaufer; Shitaki Art Director & Layout: Mr. Shitakii Hersteller: NÖ Pressehaus Druck- und Verlagsgesellschaft mbH Herstellungs- und Verlagsort: St. Pölten Verlagspostamt: 3100 St. Pölten, P.b.b. Alle Rechte, auch die Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2. Urheberrechtsgesetz, sind vorbehalten. Alle Angaben ohne Gewähr. Für den Inhalt bezahlter Beiträge ist der Medieninhaber nicht verantwortlich.


INHALT

Urban 6

KULTUR 40

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URBAN 8 18 20 22 30 32 36

EIN PIEPS UM 86 MIO. EURO? NACH DEM GESTÄNDNIS POLIT-SPIELPLATZ TRAUTES HEIM, GLÜCK ALLEIN DER ST. PÖLTNER JENS DE BUCK SIEGFRIED NASKO

KULTUR 42

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In der Politiker für ein gutes Foto schon gern mal ihre Seele verkaufen. Um vom Volk geliebt und daher gewählt zu werden, nutzen sie zum Beispiel Umweltkatastrophen wie das Hochwasser an der Donau und lassen in Funk, Fernsehen und freundschaftlich verbundenen Printmedien perfekt inszenierte Betroffenheitsszenarien ablaufen/abdrucken – in Gummistiefeln, vor der Flut-Kulisse oder in gefährlich schwankenden Zillen mit geretteten Rehkitzen im Arm, mit sorgengekräuselter Stirn, immer eine Träne im Knopfloch. Ein bisserl zu künstlich, ein bisserl zu glatt, ein bisserl zu vorhersehbar, um als gute Show beklatscht zu werden. Muss ja auch nicht sein werte Damen und Herren. Wär doch sympathischer, wenn unsere Volksvertreter ihren Job ohne Theaterdonner machen. Und außerdem könnten sie die Energie und Zeit, die sie in täglich neue Presse-Floskeln und sorgfältig komponierte Bilder stecken, für effizientes Krisenmanagement nutzen. Den Authentizitäts-Bonus gäb’s bei „drama!“-freiem Verhalten automatisch dazu.

In der zum Glück die Colts im Normalfall nur bei Schießübungen oder Schießbewerben rauchen, bisweilen aber auch politisch scharf geschossen wird – leider häufig mit peinlichen Rohrkrepierern. So echauffierte sich unlängst eine SP-Stadträtin über eine Gemeinderatskollegin anderer Couleur, weil diese im Zuge eines Schießbewerbes des Landeskriminalamtes Niederösterreich doch glatt, umringt von Männern, für ein Foto posiert hatte. Schnell war da von „Verharmlosung von Gewalt“ die Rede, dem nicht genug, brachte die Stadträtin Foto und Schießbewerb in Verbindung mit dem tragischen Mord am kleinen Berk vor einem Jahr. „Gerade in St. Pölten, angesichts des Jahrestages des Mordes an einem Kind, sollte der Umgang mit Waffen besonders sensibel und überlegt gehandhabt werden.“ Freilich gilt dies auch für den Umgang mit Worten! Denn den tragischen Vorfall in diesem Kontext zu bringen und politisch zu instrumentalisieren, ist an Unsensibilität und Geschmacklosigkeit wirklich nur schwer zu übertreffen.

In der sich im nahen Traismauer im Zuge der Hochwasserkatastrophe eine „abgeschmackte“ Episode abspielte. So hatte die „Muslimische Jugend Österreichs“, wie zahlreiche andere Vereine, ihre Mitglieder zur freiwilligen Mithilfe beim Wiederaufbau aufgerufen: „Genau in diesen Momenten braucht uns Österreich!“ Während betroffene Hochwasseropfer die helfenden Hände mit offenen Armen und dankbar empfingen, war sich ein FPMandatar nicht zu schäbig, auf der offiziellen Facebook-Site der FPÖ Traismauer (nicht auf seiner persönlichen!) sein krudes Weltbild, das offensichtlich selbst Schicksalsschlägen und menschlichen Tragödien in der Nachbarschaft standhält, zu verbreitern. So ließ er die „Muslimische Jugend Österreichs“ wissen: „Ich denke die Österreicher kommen sehr gut ohne euch zurecht!!! Und dass [sic!] in jeder Hinsicht.“ Tja, da liegt er ziemlich falsch: Hilfe von mitfühlenden und engagierten Menschen ist immer vonnöten. Die Menschen in diesem Land kommen aber sehr gut ohne ausländerfeindliche Politiker mit einem Brett vorm Kopf aus.

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Fotos: Markus Bormann/Robert Kneschke/igor (alle Fotolia.com), Markus Thums, zVg

In was für einer Stadt leben wir eigentlich...


SHORTCUT URBAN

Owasichanedsogauns

Hebi

DIE TWINS KOMMEN

Wenn man in den letzten Jahren verschiedene Personen gefragt hat, was sie denn urban finden, so kam eine Antwort wie das Amen im Gebet: Die ENZIS im Wiener Museumsquartier sind cool! Sind sie ja auch wirklich, ob nun zum Klettern für Kinder, Chillen und Schmusen in der Sonne, Lesen oder – auch schon beobachtet – für ein kurzes Powernapping während der Mittagspause. Den neidvollen Blick kann man sich ab sofort ersparen. So bekommt St. Pölten dank der Initiative von Festspielhaus-Intendantin Brigitte Fürle die Twins, die Nachfolger der Enzis. Die sollen nicht nur eine Art Leitsystem vom Bahnhof zum Festspielhaus bilden, sondern werden auch im Festspielhaus zum Sitzen, Knotzen, Lesen und Schmusen – ja warum denn nicht? – einladen.

Transpa... Transpa-was? Auf Bundesebene wird die Reform des Amtsgeheimnisses getreu dem Motto „gläserner Staat, statt gläserner Bürger“ diskutiert. In einer Anfrage an Bürgermeister Matthias Stadler wollte der ÖVP-Stadtrat Max Krempl wis-

sen, in welchen Bereichen das Stadtoberhaupt mehr Transparenz gut finden würde. Sollen Verträge, welche die Stadt oder gemeindeeigene Unternehmen mit Dritten schließen, veröffentlicht werden oder sollen Anträge von Ausschüssen des Gemeinde- bzw. Stadtrats veröffentlicht werden (immer unter Ausklammerung personenbezogener Daten)? Was spricht gegen LiveStreams der Gemeinderatssitzungen? In seiner „Beantwortung“ bedauerte Stadler die Pläne des Bundes nicht zu kennen, Mutmaßungen seien also „spekulativer Natur“, die Stadt werde jedoch auch in Zukunft „gesetzeskonform vorgehen“. Könnte man da den Eindruck gewinnen, mangelnde Transparenz stört nicht alle gleich?

Geht man davon aus, dass kaum jemand in Restösterreich mit „den Wienern“ in einen Topf geworfen werden will, dann ist St. Pölten der eigentliche Mittelpunkt der ostösterreichischen Volksseele. Laut dieser heißt die relativierende Grundeinstellung zu allem und jedem: „Aber sicher nicht so ganz …“, auf traisentalerisch owasichanedsogauns. Das NV-Geschäftscenter in der City etwa ist laut NÖN inzwischen nahezu gerammelt voll (owasichanonedsogauns). Unsere metropolitane Urbanität ist möglicherweise überhaupt nonedsogauns ausgereift. Früher gab’s in der Innenstadt jedenfalls eine Tramway, 6 Hotels und sogar Geschäfte, wo es frischen Fisch zu kaufen gab! Joachim Schloemer, Intendant des Festspielhauses, verabschiedet sich in diesen Tagen. Nach den paar unnötigen Eigentoren im ersten Jahr glaubten wir, ihn zunehmend verstanden, ja ins Herz geschlossen zu haben. Owasichanedso, wie er sich’s vielleicht gewünscht hätte … Salzburg und Innsbruck verfügen inzwischen über grüne Mehrheiten, ein Ziel, mit dem sich die St. Pöltner Grünen sichernonie ernsthaft beschäftigt haben. Die harmonische Durchmischung und damit wechselseitige Bereicherung verschiedener Ethnien ist eine hehre Zukunftsvision nicht nur der Grünen. Für manche Mitbürger soll sich die konkrete Umsetzung aber zunächst auf die Kader von SKN und Tonkünstlern beschränken. Auf Schule, Kino und Gemeindebau eher nonedglei. Und, was den laufenden Rechtsstreit der Stadt mit Raiffeisen betrifft: Ist es allenfalls denkbar, dass damals weder die Verkäufer, noch die Käufer dieser ökonomisch hoch erotischen internationalen Finanzprodukte deren casinokapitalistischen Charakter sogauns durchschaut hätten? Owasicha!

MFG 06.13

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MFG URBAN

EIN PIEPS UM

86 Millionen Euro? Es ist ein sonniger Maitag – also geradezu prädestiniert, um zehn Stunden indoor am Wiener Handelsgericht zu verbringen, wo das Match Stadt St. Pölten gegen Raiffeisen Landesbank in die nächste Runde geht. Ein Gerichtsdrama – Aktnummer unbekannt.

D

as moderne Gerichtsgebäude hat mit dem „Charme“ muffiger k.-u.-k.-Bunker längst nichts mehr am Hut, ja vermittelt aufs Erste eher den Eindruck eines Outlets der Österreich-Werbung, prangen in der Lobby doch Postkarten-Ansichten von Wien – vielleicht Tranquilizer, um von den Mühlen der Justiz, die dahinter bisweilen gnadenlos mahlen, abzulenken. Vor Einlass müssen wir durch eine Sicherheitsschleuse, gegen die sich jene am Flughafen wie „Kinder8

fasching“ ausnehmen. Das Rondeau, in das man kurzzeitig eingesperrt wird, erinnert an eine Plattform im Transporterraum der Enterprise, doch bevor ich mir mit meiner Hand auf die linke Brust tippen und „Beam me up Scottie“ befehlen kann, öffnet sich die Schleuse wieder, und so gilt es den Weg in den 19. Stock ganz konventionell per Fahrstuhl zurückzulegen. „Ich bin eine Stadt – holt mich hier raus“ Wegbeamen, aus der Welt

schaffen, exterminieren, oder – wie es in der Anklageschrift heißt „rückabwickeln“ – das wäre auch der Stadt St. Pölten am liebsten mit jenem SWAP-Geschäft, das man im Herbst 2007 mit der Raiffeisen Landesbank Niederösterreich-Wien (RLB) abgeschlossen hat und das sich – euphemistisch formuliert – nicht gerade gut entwickelt. Der Richter wird es im Zuge des Prozesses so formulieren: „Die Wirtschaftskrise in St. Pölten hat genau am 21. 9. 2007 begonnen“.


TEXT: JOHANNES REICHL, MICHAEL MÜLLNER | Fotos: Torbz/Franz pfluegl/OLLY/PS DESIGN (alle fotolia.com), ZVG

Aktuell berappt man für das Geschäft vierteljährlich (!) rund eine Million Euro an Zinsen, die derzeit bei 18% liegen. Der Marktwert liegt per dato bei läppischen 86 Millionen Euro (schoss zwischendurch sogar schon durch die 100 Millionen Euro-Decke) – und wir sprechen hier von minus! Ins Plus, so zweifeln selbst die größten Optimisten, wird das Geschäft wohl nie drehen – was es im Übrigen von Beginn an nicht tat. Der Stadtvertreter wird zwischendurch aufkären, dass „selbst wenn der Kurs steigt, wir trotzdem mehr zahlen müssten, um auszusteigen. Das ist das Paradoxon“. Der im Prozess gefallene Begriff „toxisches Geschäft“ trifft es besser. Angesichts der Tatsache, dass diese Franken-Euro-Wette – und um nichts anderes handelt es sich – laut Vertrag noch gut 20 Jahre läuft, eine schwere finanzielle Hypothek für St. Pölten, auch eine politische. Freilich, so der Rechtsstandpunkt der Stadt: Das Geschäft hätte gar nicht erst abgeschlossen werden dürfen, weil man seitens der RLB nicht ausreichend informiert worden sei über die wahre Zusammensetzung dahinter. Da klaffen ein paar Kennzahlen weidlich auseinander: Während die Stadt von einem Nominale von 23,9 Millionen Euro ausging (Basis hierfür stellte ein Krankenhauskredit in selbiger Höhe dar, weil das ganze Geschäft ja unter der Rubrik „Schuldenbewirtschaftung“ läuft), ist plötzlich von bis zu 400 Millionen Euro die Rede. Auch von den 67 Einzeloptionen, aus denen sich der jeweilige Wert errechnet, hat die Stadt laut eigener Aussage nichts gewusst. Ja, man unterstellt, dass das auch auf den Bankvertreter selbst zutrifft, der das Produkt verkaufte. Dieser wird folgendermaßen zitiert: „Ich bin nicht der Meinung, dass hinter dieser Formel Optionen stehen. Es hat mir auch von unserer Treasury Abteilung niemand gesagt, dass hinter dieser Formel eigentlich Optionen stehen sollen.“ Kleiner Schönheitsfehler: Das Zitat stammt aus einem Parallelprozess, weshalb der RLB Vertreter kurzzeitig zum Rumpelstilzchen mutiert: „Das ist ungeheurlich!“

Der Bürgermeister wird im Rahmen seiner Befragung am Nachmittag jedenfalls mantraartig einflechten: „Wenn bekannt gewesen wäre, welche Konstruktion hinter dem Geschäft steckt, hätten wir es nie abgeschlossen – ja gar nicht abschließen dürfen!“ Aus diesem Grund zweifelt man die Rechtswirksamkeit per se an, hätte ein solches Geschäft doch von der Gemeindebehörde genehmigt werden müssen – was nicht geschah. Auch die Aussage „da wurde uns ein Risiko untergejubelt“, lässt Stadler mehrmals fallen. Die geklagte RLB hingegen will im juristischen Sinne von einer etwaigen Unterlassung oder Fehlinformation nichts wissen. Selbst die Existenz von 67 Einzeloptionen wird bestritten, wenngleich man einräumt, dass sich das Ding nur berechnen lässt, wenn man es wie 67 Einzeloptionen behandelt. Jedenfalls sei alles rechtens abgelaufen. Gong! Die erste Runde ist eröffnet, Schauplatz: Verhandlungssaal 19.11. Der Herr Rat und die Men-In-Black Der kleine, aber moderne Verhandlungssaal im 19. Stock hat gerade einmal die Größe eines halben Klassenzimmers. An der Stirnseite, leicht erhöht, „thront“ der Richter unter einem modernen Staatsadler in Metall. Zur Linken und Rechten sind die Reihen der Rechtsvertreter, dazwischen – quasi in der „Mangel“ – der Stuhl der Zeugen (im Übrigen als einziger ohne Polsterung). Eine breite Fensterfront gewährt einen beeindruckenden Blick auf Wien und wird während Prozesslängen die willkommene Abwechslung bieten, sich ganz dem Spiel „Suche die Sehenswürdigkeiten“ hinzugeben. Wobei richtig fad wird es eigentlich nie, was vor allem dem Richter – von den Anwälten schlicht „Herr Rat“ tituliert – zu danken ist. In einer „gschmeidigen“ Mischung aus Zynismus, Selbstverliebtheit und Theatralik sorgt er dafür, dass der Humor in diesem Trauerstück nicht zu kurz kommt. Seine prinzipielle Hassliebe gegenüber dem Treiben im Verhandlungssaal

„Schwebend unwirksam“ aus der Anklageschrift Die Klage der Stadt St. Pölten gegen die RLB baut auf mehreren Argumentationslinien auf und reicht von der fehlenden Genehmigung durch die Gemeindeaufsichtsbehörde über den Vorwurf der bewussten Irreführung bis hin zum Tatbestand des Wuchers. Ein kleines „Best Of“.

„Unwirksamkeit des Swap-Geschäftes wegen Fehlens der Genehmigung durch die Gemeindeaufsichtsbehörde. [...] Genehmigungspflichtige Rechtsgeschäfte der Stadt St. Pölten werden Dritten gegenüber erst mit der aufsichtsbehördlichen Genehmigung rechtswirksam. Mangels Genehmigung entsteht keine Leistungspflicht und haftet die Stadt St. Pölten auch nicht für Schäden infolge Versagung der Genehmigung. [...] Zivilrechtlich sind sie bis zum Vorliegen einer Genehmigung schwebend unwirksam. Die schwebende Unwirksamkeit endet, wenn feststeht, dass eine Genehmigung nicht mehr erzielt werden kann. Das ist gegenständlich der Fall: Das Geschäft war und ist nicht genehmigungsfähig, wie sich aus §76 Abs. 5 NÖ STROG ergibt: Es bestand insbesondere die Gefahr einer dauerhaften Schmälerung des Vermögens und einer übermäßigen Verschuldung. Damit steht fest, dass das Swap-Geschäft wegen fehlender aufsichtsbehördlicher Genehmigung endgültig rechtsunwirksam ist.“ „Unwirksamkeit wegen Wuchers“. Die RLB habe u. a. „[...] die Unerfahrenheit mit exotischen Währungswettgeschäften sowie das bestehende besondere Vertrauensverhältnis zur beklagten Partei ausgenutzt“ Der Tatbestand sei „mangels hinreichender Treasury-Erfahrung/mangels finanzmathematischer Expertise“ gegeben. „Anfechtung des Swap-Geschäftes wegen laesion enormis“ [Verkürzung über die Hälfte, Anm.]“ und wegen „List und Irrtum“ So seien folgende Punkte verschwiegen worden: „Eigentliche Struktur der Zinsbildungsformel; Negativer Marktwert; Besonderheiten des Swap-Geschäftes; Interessenskonflikt der RLB; Einräumung von Kreditlinien und Margepflicht.“ Missachtung der „Wohlverhaltensregeln“, also „Gebot vollständiger und richtiger Information; Handeln im besten Sinne des Kunden; Verbot Geschäfte zu empfehlen, die den Interessen des Kunden nicht gerecht werden.“ Daher fordert die Stadt „Rückerstattung“: „Unwirksamkeit, aber auch die berechtigte Anfechtung des Geschäfts wegen List, Irrtums und laesio enormis des Geschäftes führt zur bereicherungsrechtlichen Rückabwicklung.“

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MFG URBAN

Chronologie eines „toxischen Geschäftes“ März 2003 Der Gemeinderat beschließt mit den Stimmen von SPÖ, ÖVP und FPÖ (die

Grünen enthalten sich) „grundsätzlich“ die Zulässigkeit von Derivativgeschäften zur Steuerung von Zins- und Wechselkursrisiken und zur Optimierung von Kreditkonditionen. Die den Derivativgeschäften zugrunde liegenden Nominalbeträge dürfen in Summe 50 Prozent des Schuldenstandes der Stadt nicht überschreiten.

April 2003 Die Stadt St. Pölten schließt mit der Raiffeisen Landesbank Niederösterreich -Wien (RLB) einen Rahmenvertrag für Finanztermingeschäfte ab. In Folge schließt die Stadt St. Pölten mit der RLB sowie mit anderen Kreditinstituten mehrere Derivativgeschäfte ab.

Februar 2005 – Jänner 2006 Der Gemeinderat beschließt die Grenze für die den De-

rivativgeschäften zugrunde liegenden Nominalbeträge auf 75% des Schuldenstandes der Stadt zu erhöhen. Weiters wird ein Risikolimit eingezogen, wonach das Risiko maximal 2% des Betragslimits ausmachen darf.

Sommer 2007 Die Überwachung des Risikolimits wird der RLB, die schon bislang diverse Beratungsdienste erbracht hatte, entgeltlich übertragen. Die RLB übermittelt fortan regelmäßig Risikoreports. September 2007 Die Stadt St. Pölten verhandelt mit der RLB über die Restrukturierung zweier mit der RLB abgeschlossener Derivatgeschäfte, die sich negativ entwickeln. Die Bank empfiehlt laut Stadt zwecks Risikominimierung auf eine Konstruktion mit langer Laufzeit umzusteigen. Das zu optimierende Grundgeschäft war – und ist – ein Kredit über EUR 23,9 Mio. bei der Deutschen Pfandbriefbank mit einer Laufzeit bis 2027. Die ungünstigen Derivativgeschäfte werden aufgelöst, stattdessen wird der nun gerichtsanhängige Swap am 21. September 2007 abgeschlossen, dessen Rechtswirksamkeit von der Stadt mittlerweile bezweifelt wird (siehe „Aus der Anklageschrift“, Seite 9). Ab September 2007 Das Swap-Geschäft entwickelt sich für die Stadt negativ, bald wer-

den die „Risikolimits“ überschritten. Es folgen diesbezüglich mehrere Gespräche zwischen Stadt und RLB. Laut Stadt empfiehlt die RLB eine neuerliche „Restrukturierung des Geschäfts“, was jedoch aufgrund des noch höheren Risikos abgelehnt wird.

Juni 2009 Treffen zwischen BGM Stadler und den RLB-Vorständen Hameseder und Karl. Laut Stadtdarstellung erklären „beide Bankvorstände, dass es unvorstellbar sei, dass der EUR/CHF-Kurs die kritische Marke von 1,4175 unterschreiten könnte. Sollte dies doch eintreten, hätte die RLB als niederösterreichische Landesbank noch keine NÖ-Gemeinde im Stich gelassen.“ Im Sommer 2011 lag der Kurs bei 1,02631. Im Sommer 2013 bei 1,2321. Ab Herbst 2009 bis Sommer 2011 Weitere Verhandlungen auf Beamtenebene sowie zwischen Bürgermeister und Vorstand. Die RLB gibt einen Verjährungsverzicht ab. Die Situation verschärft sich weiter. Als die RLB einen weiteren Verjährungsverzicht ablehnt, lotet die Stadt rechtliche Optionen aus.

September 2011 Ein Sachverständigengutachten im Auftrag der Stadt St. Pölten kommt

zu dem Schluss, dass der abgeschlossene Swap bei weitem riskanter sei als dargestellt, die RLB der Stadt sozusagen ein „völlig anderes Produkt verkauft hatte als vereinbart“. Verborgene Risiken würden die Summe des Grundgeschäfts von 23,9 Millionen Euro bei Weitem übersteigen. Zudem hätte die RLB eine Vorab-Provision von 860.000 Euro sowie die Investmentbank Merill Lynch einen Gewinn von 1,5 Millionen Euro erhalten.

Dezember 2011 Die Stadt St. Pölten bringt, vertreten von der Wiener Anwaltskanzlei Kraft & Winternitz, eine Klage gegen die RLB NÖ-Wien beim Handelsgericht Wien ein. Die Klage lautet auf Rückabwicklung des Geschäfts und Rückzahlung der von St. Pölten bis dahin an die Bank geleisteten EUR 2.055.805,79 (siehe „Aus der Anklageschrift“, Seite 9).

Sommer 2012 Die Stadt steigt aus sämtlichen Derivativgeschäften aus bzw. eliminiert aus diesen die Risiken (mit Ausnahme des gerichtsanhängigen Geschäfts).

11. September 2012 Erste Tagsatzung am Handelsgericht Wien unter Vorsitz von Richter

Martin Ogris. Seither folgten zwei weitere Verhandlungstage, der nächste ist für 27. August 2013 anberaumt.

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im Besonderen sowie seinem Beruf im Allgemeinen offenbart sich bereits anhand eines Spruches an seiner Bürotür: „I leave my mind at home, so I don’t lose it at work.“ Nur – so einfach ist es halt nicht, und so quittiert der „Herr Rat“ die in seinen Augen unmöglichen Beleidigungen seines Intellekts (und somit des Hohen Gerichts) immer wieder mit beeindruckendem Augenrollen, provokant lautem Schnäuzen oder metaphernreichen, vor Wortwitz strotzenden Pfeilen aus dem Zynismusköcher. Und wenn es ihm einmal zu bunt wird, kann es schon vorkommen, dass er zu einem mehrminütigem Monolog im höheren Dezibelbereich ansetzt. Wehe dem, der es dann wagte, ihn während dieser Suada zu unterbrechen. Selbst die sonst angriffslustigen Anwälte haben dann Sendepause. Letztendlich ist aber doch alles ein Kampf gegen Windmühlen, die Welt schlecht, und so wird der „Herr Rat“ nach gut zehn Stunden Verhandlung erste Abnützungserscheinungen aufweisen und zuletzt resignierend die Frage in den Raum werfen: „Was hab ich eigentlich angestellt, um das zu verdienen?“ Sie muss unbeantwortet bleiben. Weniger originell, dafür schön klischeehaft (was natürlich nur die Oberflächlichkeit des Autors, nicht etwa das Klischee als solches entlarvt), kommen die Rechtsvertreter daher: Gut sitzende Anzüge, glanzpoliertes Schuhwerk, überstrenger Blick, Humorbefreiung und eine zur Schau getragene Straightheit, die das Zeug hätte, selbst die Höllenfeuer in Eis zu verwandeln. Immer wieder blitzt das Gehabe von Alphamännchen durch, als ginge es nicht etwa um den Prozess allein oder die jeweiligen Mandanten, sondern durchaus auch ums persönlich Messen, wer denn nun die größeren (na sie wissen schon) hat. Der Rat wird dieses kindische Treiben zwischendurch mit der schlichten Erkenntnis „Kindergärtner sind eindeutig unterbezahlt!“ kommentieren. Vom Typus her – und diesbezüglich sei eine Analogie zum Fußball erlaubt, weil auch der „Herr Rat“ mehrmals metaphorisch zum runden Leder ab-


Ein Pieps um 86 Millionen Euro?

schweift – sind sie freilich ganz unterschiedlich. Jener der Stadt eher der Beißer im Mittelfeld, klassischer 6’er, der keinen Ball verloren gibt, unermüdlich rackert bis zum bitteren Ende, selbst wenn man schon 5:0 zurückliegen mag – ein Spiel dauert nun einmal bis zum Abpfiff. Auf der anderen Seite der Anwalt der RLB, der geradezu idealtypisch (wir sind nach wie vor im vorurteilsbehafteten Klischee!) einen Bankrechtsvertreter verkörpert, ja selbst als eiskalter Investmentbanker durchginge. Während der Pausen am Gang wirkt er dann freilich um vieles harmloser und menschlicher als in seiner Rolle (?) im Saal. Vom „Spielstil“ her erinnert er eher an einen Vollblutstürmer der Marke Christiano Ronaldo, ausgestattet mit einem unverkennbaren Schuss Eitelkeit und Egozentrik, stets hellwach, auf den richtigen Moment lauernd, um im Fall der Fälle gnadenlos zuzuschlagen. Dass ihm sein „Gegner“ am Nachmittag, St. Pöltens Bürgermeister, dafür wenig Gelegenheit bieten wird, ja des Anwalts – um kurz ins Boxerfach zu switchen – durchaus harten Schläge wie in einem Germteig zu verpuffen scheinen, wird ihn nach einem wiederholten bürgermeisterlichen Monolog entnervt einwenden lassen: „Das war eine einfache Frage Herr Bürgermeister, ,Ja oder nein?“ Der „Herr Rat“ hat auch dafür eine schlüssige Erklärung parat: „Herr Kollege, das ist ein Politiker!“ Kein Pieps mehr? Doch so weit sind wir noch nicht. Vormittags werden nochmals die grundsätzlichen Positionen abgesteckt, und die könnten kaum weiter auseinander liegen. Zunächst bringt der Rechtsvertreter der Stadt den Gedanken einer spiegelgleichen Rückabwickelung des Geschäfts unter dem Terminus „Naturalleistung“ ein, was selbst den „Herrn Rat“ kognitiv zu überfordern scheint. „Da kriegt man ja einen Knopf im Hirn. Wie will ich etwas restituieren, was ich noch nie hergegeben habe?“ Dem Rechtsvertreter der RLB rutscht hierzu Richtung Stadt ein pechschwarzer Zynismus, man könnte es

DAS MITLEID DES „HERRN RAT“ hält sich in Grenzen. „Wir sind uns aber schon einig, dass die Bank nicht der Samariterbund ist.“

auch als Unverfrorenheit empfinden, heraus: „Aha, sie wollen also weiterzocken!“ Das ist in etwa so, wie wenn der Groupier dem Spielsüchtigen Jetons in die Hand drückt und mit vorwurfsvoller Miene raunt: „Sie wollen also weiterspielen!“ Auch über die Marge der Bank, ob man über deren Höhe getäuscht wurde – was die Stadt unterstellt – oder nicht, wird gestritten. Kein unwesentlicher Aspekt, denn je höher

die Marge ist, umso höher ist auch der Marktwert. Dadurch sei schon der Anfangswert mit 30% im Minus gelegen, beklagt der Stadtvertreter. Das Mitleid des „Herrn Rat“ hält sich in Grenzen. „Wir sind uns aber schon einig, dass die Bank nicht der Samariterbund ist.“ Und wenig hoffnungsfroh fügt er hinzu: „Dass es eine Marge gab, ist doch klar – ob diese angemessen war oder nicht, ist hier nicht das Thema.“ MFG 06.13

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MFG URBAN

» Wir sehen uns im Recht!

Interview Matthias Stadler, Bürgermeister Stadt St. Pölten

Bürgermeister Stadler erklärt die Argumentationslinie der Stadt St. Pölten im Prozess gegen die Raiffeisen Landesbank – und weist die Vorwürfe der Opposition energisch zurück. Die Stadt St. Pölten klagt die Raiffeisen Landesbank (RLB), um ein Derivativgeschäft aus dem Jahr 2007 für nichtig erklären zu lassen. Gibt es noch die Möglichkeit eines außergerichtlichen Vergleichs?

auf eine Verbesserung der Lage gehabt hätten. Vor allem hat

Grundsätzlich ist die Stadt immer zu vernünftigen Gesprächen

Papier. Das heißt aber noch lange nicht, dass man ein unbe-

bereit und ausschließen kann man das daher nicht. Wir haben

grenztes Risiko akzeptiert, wie es in diesem Geschäft versteckt

bis Dezember 2011 intensiv verhandelt. Raiffeisen hat zuletzt

war.

die Bank auch versichert, dass sich der negative Barwert sehr bald ändern wird. Im Übrigen unterschreibt jeder Häuslbauer, der sich einen Schweizer Franken-Kredit nimmt, ein ähnliches

jedoch signalisiert vorerst keine weiteren Gespräche führen zu

Die ÖVP wirft Ihnen vor, dass die Stadt im Jahr 2007 zwei SWAP-Geschäfte geschlossen hat und die daraus entstehenden Schließungskosten von 1,5 Mio. Euro durch eine Upfront-Zahlung in etwa der gleichen Höhe aus dem heute beklagten Geschäft ausgeglichen wurde. So sei der Verlust aus den alten Geschäften durch die neue Upfront-Zahlung versteckt worden.

Die ÖVP wirft Ihnen vor, dass Sie den Gremien zum Thema Schuldenbewirtschaftung und Derivativgeschäfte bis heute nicht transparent, vollständig und wahrheitsgemäß berichten. Der tatsächliche Verlauf der Schuldenbewirtschaftung sei den Gremien gar nicht zur Kenntnis gebracht worden, daher hätten sie auch nicht politisch reagieren können. Warum verweigern Sie angesichts derartiger Vorwürfe einen expliziten Untersuchungsausschuss zu diesem Thema?

Das stimmt so überhaupt nicht: Aus dem seit 2003 bestehen-

Dieser Vorwurf geht ins Leere. Es wurde vierteljährlich abwech-

den Geschäft hat ein Verlust gedroht. Auf Empfehlung der Bank

selnd im Gemeinderat und im Finanzausschuss berichtet. Die

wurden zwei Geschäfte aus dem Jahr 2003, die Verluste ge-

Berichte liegen auf. Dort wurden auch die Fragen beantwor-

bracht hatten, zu dem jetzt fraglichen Geschäft umstrukturiert.

tet, soweit wir damals Kenntnis hatten. Zudem gibt es zwei Kon-

Die Upfront-Zahlung aus diesem Geschäft wurde zur Schließung

trollamtsberichte. Es gibt insgesamt drei Ausschüsse, den Kon-

der alten Geschäfte verwendet. Das wurde völlig transparent

trollausschuss, den Rechtsausschuss – sie werden von der ÖVP

abgewickelt, der Gemeinderat und daher alle Fraktionen wa-

geführt – und den Finanzausschuss. Ein zusätzlicher Ausschuss

ren darüber informiert und haben die Berichte zustimmend zur

würde nichts bringen, weil ja in den bestehenden Ausschüssen

Kenntnis genommen. Herr Mag. Greimel [RLB-Verkäufer, Anm.]

ohnehin alle Möglichkeiten offenstehen. Zudem verweise ich

hat mir bei der Eröffnung der FH St. Pölten persönlich gesagt,

darauf, dass auch der Anwalt der Stadt den Gemeinderat sehr

dass der SWAP umstrukturiert worden ist und der Stadt kein

ausführlich vor der Einbringung der Klage informiert hat. Zudem

Schaden entstanden sei. Das war der Vorschlag der Bank und

sitzen der Raiffeisen-Angestellte Gemeinderat Mag. Wagner

wollen. Wir sehen uns im Recht.

wie wir heute wissen war es kein Exit, sondern eine Verschlimmerung der Situation. Also ein klarer Beratungsfehler der Bank.

Vor Gericht haben Sie ausgesagt, dass Ihnen ein von der RLB ausgefülltes Anlegerprofil vorgelegt wurde, in welchem Sie bestätigen mussten, dass die Stadt bereit sei ein „unlimitiertes Verlustrisiko über den Kapitaleinsatz hinausgehend“ einzugehen. Steht diese Risikobereitschaft nicht im Widerspruch zu den Rahmenbedingungen des Gemeinderats-Grundsatzbeschlusses für derartige Geschäfte – welcher ja Risikolimits vorsah?

und Herr Stadtrat Krammer in jeder Gerichtverhandlung und schreiben sich jedes Detail auf. Die jetzigen Forderungen der ÖVP sind eine durchsichtige Inszenierung und ich frage mich: Auf welcher Seite steht die ÖVP? Auf der von Raiffeisen? Ich stehe jedenfalls wie immer auf der Seite der St. Pöltner Bürgerinnen und Bürger und der Stadt!

ben hätte, wäre das Geschäft sofort fällig gestellt worden und

Mit welcher Argumentation der Stadt soll das beklagte Geschäft für nichtig erklärt werden? Weshalb hätte das Geschäft aus Sicht der Stadt gar nicht erst abgeschlossen werden dürfen?

wir hätten einen Verlust sofort realisiert. Mir wurde also gera-

Ein Grund ist, dass das Geschäft in dieser Form von der Auf-

ten, das zu unterschreiben, weil wir sonst keine Aussicht mehr

sichtsbehörde genehmigt hätte werden müssen. Es wäre die

Das Anlegerprofil wurde nach dem Zustandekommen des Geschäftes von der Bank verlangt. Wenn ich es nicht unterschrie-

12

„Auf welcher Seite steht die ÖVP? Auf der von Raiffeisen?“


Ein Pieps um 86 Millionen Euro?

Das Geschäft hätte der Gemeindeaufsicht vorgelegt werden müssen, da wir aber die tatsächliche Identität des Geschäfts – 67 dahinterstehende Optionen – nicht gekannt haben, ist das nicht geschehen. Unabhängig davon hätte sich die RLB selbst darüber kundig machen müssen, ob das Geschäft durch entsprechende Beschlüsse und Genehmigungen erlaubt ist, wie laut §867 ABGB. Sie hätte die Pflicht gehabt, den maßgeblichen Sachverhalt offen zu legen, was bis heute nicht geschah.

Weshalb haben Sie mit der RLB im Jahr 2010 einen Verjährungsverzicht angestrebt und auch unterschrieben, wenn Sie doch nach einer Laufzeit von knapp drei Jahren bereits die massiv negative Performance des Geschäfts kannten und bereits damals eine Anfechtung des Geschäftes vor Gericht hätten einbringen können – anstatt das Problemgeschäft weiter laufen zu lassen? Von Raiffeisen wurden wir immer wieder beruhigt und die Schieflage mit der allgemeinen Finanzkrise begründet. Es wurde emp-

„Das Geschäft war ein Beratungsfehler der Bank. Wir sehen uns im Recht.“ fohlen nicht auszusteigen, sondern zu warten, bis sich die Lage bessert. Falls ein Verlust eintritt, kann man sich mit einem Verjährungsverzicht und der Aufteilung der Verluste behelfen, bis eine Aufgabe auch von Raiffeisen gewesen, sich darum zu küm-

Stabilisierung des Finanzmarktes eintritt, wurde argumentiert. Wir

mern. Weiters wurde verschwiegen, dass hinter dem Geschäft

waren zum damaligen Zeitpunkt auf eine Klage bereits vorbe-

67 Optionen stehen. Wir wussten das ja lange Zeit gar nicht

reitet. Der Ausstieg war nicht möglich, weil wir dann den Ver-

und hätten das nicht akzeptiert. Somit ist das Geschäft niemals

lust realisiert hätten – die Bank hat uns den Ausstieg auch nicht

rechtswirksam zustande gekommen. Für eine Bank gilt zudem

empfohlen.

eine besondere Sorgfaltspflicht. Sie muss den Kunden beim Abbringen, den sie selbst hat. Das hat sie bis heute nicht getan,

Wird man in Hinkunft weitere Geschäfte mit der RLB, von der man sich betrogen fühlt, abschließen?

weil das Geschäft noch immer nicht offengelegt ist. Wer nichts

Diese Frage ist berechtigt. Finanzgeschäfte müssen ausge-

zu verbergen hat, kann das Geschäft ja offenlegen, darauf hat

schrieben werden und die Vergabe erfolgt nach dem Ergebnis

jeder Kunde Anspruch. Sie hat zudem das Risiko verschwiegen

dieser Ausschreibung. Wir machen keine „Zinsabsicherungsge-

und auch die Tatsache, dass das Geschäft von Anfang an

schäfte“ mehr und wir haben auch seit der Finanzkrise keine

um 3,7 Mio. Euro im Minus war. Das Geschäft hat also in keiner

neuen abgeschlossen. Wir sind sogar aus den Veranlagungen

Weise, den Anforderungen entsprochen, die wir wollten. Hätten

ausgestiegen, auch aus denen mit Raiffeisen – bis auf das

wir den wahren Hintergrund des Geschäftes gekannt, hätten

klagsanhängige – und das wurde von der ÖVP kritisiert. Im Üb-

wir das Geschäft niemals abgeschlossen. Zudem kannte die

rigen habe ich als Bürgermeister die notwendigen Schritte ein-

Bank unsere Richtlinien und Limits, weil sie an der Beschlussfas-

geleitet, damit wir das Risiko gänzlich beseitigen. Die ÖVP war

sung im Gemeinderat in beratender Weise maßgeblich betei-

bekanntlich dagegen, ist aus der Sitzung ausgezogen und hat

ligt war. Sie war auch mit dem Risikomanagement beauftragt

sich damit der Verantwortung entzogen.

schluss eines solchen Geschäftes auf denselben Wissenstand

und hätte uns darauf hinweisen müssen, dass dieses Geschäft vielleicht selbst nicht gewusst hat, was sie uns da verkauft. Der

Welche Möglichkeiten sehen Sie, falls der Richter den Prozess wegen Verjährung schließt?

Chefverkäufer der Bank, Mag. Greimel, hat das vor Gericht so-

Das war beim letzten Verhandlungstag kein Thema mehr. Ich

gar eingestanden, damit ist die Sachlage klar.

gehe davon aus, dass der Prozess in die zweite Instanz geht,

nicht den Vorgaben entspricht. Offen ist für mich, ob die Bank

dann allenfalls sogar in die dritte Instanz. Das dauert mutmaß-

Warum hat die Stadt das Geschäft nicht der Gemeindeaufsicht vorgelegt?

lich ein bis drei Jahre. Theoretisch ist bei jedem Schritt auch eine Rückverweisung an die erste Instanz möglich.

MFG 06.13

13


MFG URBAN

Selbst in der Frage, ob man bis zuletzt Vergleichsgespräche führte – in solchen wähnte sich die Stadt, die RLB bestreitet dies – findet man keinen gemeinsamen Nenner. Die Stadt wird es so darstellen, dass man sich in diesem Glauben („Die RLB hat gesagt: ‚Wir lassen keine Gemeinde im Stich!‘“) quasi so lange vertrösten ließ, bis es zu spät war. All diese Scharmützel könnten sich aber ohnedies als irrelevant erweisen, wenn eine andere im Zuge des Prozesses zutage geförderte Bombe scharf wird: War der von der RLB 2011 gewährte Verjährungsverzicht überhaupt noch in Kraft, kurzum: Ist das Geschäft überhaupt noch einklagbar? Es folgt der große Auftritt des ehemaligen Rechtsvertreters der RLB in dieser Causa: Äußerlich ebenso ein Anwalt von der Stange (allerdings mit dem altersbedingten Upgrade goldener Manschettenknöpfe), gefällt er sich verbal in der Rolle des „harten Jungen“. So schildert er nicht ohne Stolz, wie er die Gegenseite aus einer „Position der Stärke“ quasi allein aufgemischt hat: Als im September 2010 nämlich auch über einen etwaigen Verjährungsverzicht – die Stadt droht alternativ mit Klage – gesprochen wird, gibt er zu verstehen, dass dies wohl nur denkbar sei, wenn St. Pölten

weiterhin seinen Zahlungsverpflichtungen ordnungsgemäß nachkommt, und fügt dann markig hinzu: „Aber wenn die Stadt nur einmal ‚Pieps‘ macht, dann ist der Verjährungsverzicht weg!“ PENG! Da schlottern einem selbst heute noch die Knie, auch wenn man gar nicht dabei gewesen ist. Der Verjährungsverzicht wird in Folge tatsächlich gewährt. Allerdings passiert nur knapp vier Monate später laut RLB auch der „Pieps“. Die Stadt zahlt eine Tranche nicht fristgerecht bzw. erfolgt die Bedeckung der Überweisung zu spät (ein bis dahin gültiger Automatismus zwischen Bank und Stadt kommt laut Stadt diesmal nicht zum Tragen – purer Zufall?!). Aus Sicht der Bank erlischt damit jedenfalls der Verjährungsverzicht. Dies hieße in weiterer Konsequenz aber, dass das Geschäft an sich gar nicht mehr einklagbar ist! Der Pieps hätte sich dann zu einem letalen Dauerton ausgewachsen, der das Ende aller Stadthoffnungen, aus dem Geschäft über den Rechtsweg auszusteigen, signalisieren könnte. Allerdings wohl nur – womit wir zur Quadratur des Kreises kommen – wenn die RLB mit ihrer Grundargumentation durchkommt. Bekommt hingegen die Stadt recht, dass das Geschäft gar nicht rechtswirksam ist,

DIE WIRTSCHAFTSKRISE. Hat in St. Pölten am 21. September 2007 begonnen, meinte Richter Martin Ogris im Prozess. An diesem Tag wurde das klagsanhängige Geschäft abgeschlossen.

14

hat sich wahrscheinlich auch die Diskussion um den Verjährungsverzicht erübrigt. Ein Geschäft, das sozusagen nicht existiert, kann einen solchen gar nicht haben. Doppelmühle Am Nachmittag wird diese pikante Frage allerdings wieder beiseite geschoben. Es geht um das Geschäft im Allgemeinen. Das Match lautet RLB Rechtsvertreter gegen Bürgermeister. Dabei fährt der RLB-Anwalt eine Art Doppelstrategie. Zum einen möchte er nachweisen, dass die Stadt ganz genau wusste, welche Art von Hochrisikogeschäft sie da eingeht, weil sie ja schon in Vergangenheit Devisenoptionen, SWAP und Derivativgeschäfte abgewickelt hatte. Der Bürgermeister schätzt diese auf „ein paar Dutzend“. Wenn 20 noch als „ein paar“ durchgeht, so liegt er richtig – es waren 231. Die andere, geradezu widersprüchlich wirkende Linie scheint dahingegen darauf abzuzielen, die Handelnden insofern zu diskreditieren, dass sie sich zwar den Anschein gaben, sie hätten den Durchblick, dem aber offensichtlich gar nicht so war. So interessiert sich die RLB sehr genau für die Kompetenz des obersten Finanzbeamten im Hinblick auf Derivativgeschäfte, und auch ein „Berater“ wird durchleuchtet. Als der Bürgermeister darauf verweist, dass dieser als ehemaliger Bankvorstand vor allem gut vernetzt sei, wirft der „Herr Rat“ ein: „Vielleicht hätten sie aber die Berater nicht danach auswählen sollen, welche Kontakte sie haben, sondern eher danach, welche Kompetenzen sie einbringen. Aber man kann natürlich auch den Bock zum Gärtner machen.“ Der Bürgermeister kontert mit dem Hinweis, dass man eben deshalb externes Know-how zugekauft habe – u. a. bei der RLB. Auch die politische „Karte“ spielt der RLB-Anwalt subversiv und suggestiv aus: So ersetzte das neue Geschäft 2007 zwei alte, ins Minus geratene. Die Bank bezahlte dafür eine Upfront-Zahlung in Höhe von 1,5 Millionen Euro, womit das Minus


Ein Pieps um 86 Millionen Euro?

» Stadler trägt Verantwortung! Interview Peter F. Krammer, Klubobmann ÖVP St. Pölten

Wird St. Pölten im Prozess gegen RLB gewinnen?

weile geändert, die Darstellungen waren immer geschönt. Mit

Wir haben gute Chancen, dass

aus schief gegangenen Geschäften verschleiert, jedes Loch

der Richter das Geschäft für

wurde mit einem neuen, riskanten Geschäft, gestopft.

Upfront-Zahlungen aus neuen Geschäften hat man das Minus

nichtig erklärt, weil die Bank die

wusste, dass der Gemeinderat

Wie kann es sein, dass Sie davon keine Kenntnis hatten? Es wurde im Finanzausschuss und im Gemeinderat berichtet, Sie haben mitgestimmt?!

Stadt nicht im Detail über das Geschäft aufgeklärt hat. Die RLB Grundlagen für derartige Ge-

Mitgestimmt haben wir nur bei fünf Grundsatzbeschlüssen, der

schäfte beschlossen hatte und dass das beklagte Geschäft

letzte erfolgte im Jänner 2006 im Gemeinderat und räumte

mit diesen Grundlagen nicht vereinbar war. Es wurde im Sep-

dem Bürgermeister generell das Recht ein, Geschäfte abzu-

tember 2007 abgeschlossen, im Dezember war man erstmals

schließen. Einzelnen Geschäften haben wir nie zugestimmt!

über dem vom Gemeinderat vorgegebenem Risikolimit von

Aber ich gebe zu, dass wir zu blauäugig waren. Im Lichte

zwei Prozent des Stadtbudgets. Aus diesem Grund hätte die

dessen, was wir heute wissen, hätten wir schon in den letzten

RLB damals die sofortige Schließung empfehlen müssen und

Monaten viel mehr nachfragen müssen. Schon bald werden

wir hätten uns viel Schaden erspart.

wir Kontroll- und Rechtsausschuss damit befassen. Aber zuvor müssten wir uns in monatelanger Sisyphus-Arbeit durch 213

Warum wurde das Geschäft nicht geschlossen?

Geschäfte arbeiten um einen Durchblick zu bekommen.

Im März 2008 hat Bürgermeister Stadler ein RLB-Formular zur

falls hätte die RLB eine Vorsorgepflicht gehabt, die Stadt als

Wenige Tage vor der letzten Verhandlung brachten Sie die Zahl der 213 Geschäfte erstmals vor. Kurz darauf hat der RLB-Anwalt die gleiche Zahl errechnet. Da könnte man vermuten, dass Sie diese Information vielleicht im Vorfeld von Raiffeisen hatten? Zudem ist Anton Wagner, der ÖVPVorsitzende im Kontrollausschuss, bei Raiffeisen angestellt – keine günstige Optik.

ihren Kunden diesbezüglich bestmöglich zu beraten.

Ich schwöre jeden Eid, dass es keinerlei Kontakt zwischen der

„Risikoanalyse“ unterschrieben. Damit hat er bestätigt, dass die Stadt bereit sei ein „unlimitiertes Verlustrisiko“ zu tragen – das war eindeutig nicht mit dem Grundlagenbeschluss des Gemeinderats vereinbar. Damals war das beklagte Geschäft bereits mit neun Millionen Euro im Minus, vielleicht hat man sich nicht getraut den Verlust zu realisieren. Der Markt war volatil, im Juni war das Minus etwa „nur“ drei Millionen. Jeden-

RLB und uns gibt. Aber wir wissen natürlich um die Gefahr, dass

Heute kritisieren Sie den Bürgermeister heftig, früher waren Sie auch für die Geschäfte.

man uns in diese Gasse setzt. Unsere Linie ist klar: Wir stehen

Schuldenbewirtschaftung ist an sich eine gute Sache. Es war

zahlen, keine Frage! Aber der Bürgermeister hat das Regel-

aber auch richtig, dass der Gemeinderat ein Risikolimit einge-

werk des Gemeinderatsbeschlusses nicht eingehalten, dafür

zogen hat. Stadler hätte nur zeitgerecht und offen sagen müs-

muss er die politische Verantwortung tragen. Und sollte mir

sen, was Sache ist – und wir hätten gemeinsam mit ihm eine

jemand öffentlich vorwerfen, ich würde auf Seiten der Bank

Lösung gesucht und auch ein Minus mitgetragen, wenn wir

stehen, dann wäre das meiner Meinung nach der Vorwurf un-

das Geschäft geschlossen hätten. Dazu hat ihm der politische

ehrenhaften Verhaltens – den würde ich sofort klagen!

auf Seiten der Stadt St. Pölten. Die RLB soll für das Geschäft

Mut gefehlt. Er hätte auch schon innerhalb der dreijährigen klagen sollen. Doch dann wäre die Klage wohl vor der Ge-

Wäre es für SPÖ und ÖVP nicht im Sinne der Bürger möglich doch aufeinander zuzugehen?

meinderatswahl 2011 zum heißen Thema geworden.

Wir können erst dann zu einem negativen Verlauf der Schul-

Verjährungsfrist nach Abschluss des Geschäftes auf Nichtigkeit

denbewirtschaftung stehen und diese mittragen, wenn die

Wechseln Sie damit nicht politisches Kleingeld?

Unzulänglichkeiten der Vergangenheit auf den Tisch kommen.

Man wird den Bürgermeister wohl noch nach der Wahrheit

Doch bis heute stellt der Bürgermeister Punkte falsch dar. Ich

fragen dürfen?! Wir wollen alles in einem Untersuchungs-

behaupte sogar, dass er sich nicht an die gesetzlichen Rah-

ausschuss klären, immerhin bleibt uns die SPÖ im Finanzaus-

menbedingungen hält, etwa bei einem am 25. Juni 2012 ab-

schuss und im Gemeinderat bis heute Antworten schuldig.

geschlossenen Geschäft zur Währungsabsicherung mit der

Uns wurde immer gesagt, dass alles paletti sei. Und bei guten

Barclays Bank, über das wir Aufklärung fordern! Somit nehme

Zahlen fragt man halt auch nicht so intensiv nach. Wir haben

ich auch in Kauf, dass die Stimmung zwischen uns in nächster

der Finanzverwaltung geglaubt, doch das hat sich mittler-

Zeit wohl nicht herzlicher werden wird.

MFG 06.13

15


MFG URBAN

» Grundsätzlich andere Auffassung. Interview Raiffeisen Landesbank Wien Niederösterreich

Selbstverständlich hat MFG auch die RLB um ein Interview gebeten. Die Beantwortung folgender Fragen hätte uns interessiert: Als beklagte Partei haben Sie immer betont sich in einer sehr „starken“ Position zu wissen. Haben Sie derzeit Interesse an einem außergerichtlichen Vergleich und wenn ja, wie würden Sie die Chancen für eine Einigung diesbezüglich sehen? Im Laufe des Prozesses wurde die hinter dem beklagten Geschäft liegende Konstruktion bekannt (67 Einzelgeschäfte, ein mögliches Nominale von 400 Millionen Euro, etc). Wieso wurde der Kunde nicht im Vorfeld über die exakte Konstruktion des Geschäfts informiert, wie die Stadt St. Pölten im Prozess anführt? Wofür genau wurde im Rahmen des beklagten Geschäfts die Upfront-Zahlung gewährt? Waren daran etwaige höhere Risiken geknüpft?

Weshalb schloss die RLB im Herbst 2010 mit St. Pölten einen Verjährungsverzicht bezüglich des strittigen Geschäfts? Die Stadt St. Pölten übertrug das Risikomanagement der Derivativgeschäfte an die RLB. Hätte das Raiffeisen-Risikomanagement bezüglich des beklagten Geschäftes den Kunden nicht warnen müssen? Ergibt sich durch die gewählte Konstruktion (Geschäftsabschluss und Risikomanagement) nicht ein Interessenskonflikt innerhalb der Raiffeisen-Gruppe? Die RLB wurde von mehreren Körperschaften in ähnlichen Fällen geklagt. Fürchtet die RLB um ihren Ruf, insbesondere bei der Finanzierung von Gemeinden und öffentlichen Körperschaften?

Als Antwort erhielten wir von Pressesprecherin Michaela Stefan folgendes Statement: „Wir vertreten in der Sache eine grundsätzlich andere Rechtsauffassung als die Stadt St. Pölten, nun hat das Gericht die Sache zu beurteilen. Zu Ihrer Frage 6 stellen wir fest, dass es nur zwei weitere Klagen gibt, wobei bei einem Verfahren bereits ein unterschriftsreifer Vergleich ausverhandelt ist. (Anmerkung der Redaktion: Vergleichsgespräche führte die RLB mit mehreren Gemeinden. So berichtete „Die Presse“ am 11.09.12: „Angaben der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien zufolge gab es mit 16 Gemeinden Vergleichsgespräche, davon konnte man bereits einige abschließen. Warum St. Pölten und Bruck an der Leitha kein Vergleich angeboten wird, wollte die Banksprecherin nicht sagen. Auch zu Gerüchten, dass sich Raiffeisen lieber mit ÖVP-Gemeinden einigen würde, wollte sie sich nicht äußern.“)

der Vorgänger Geschäfte aus der Bilanz „getilgt“ war – eine HoruckReparatur unter Inkaufnahme eines höheren Risiken, um sich keine unbequemen Fragen im Gemeinderat gefallen lassen zu müssen, oder doch ein verantwortungsvoller Schritt, um die Geschäfte nicht noch weiter aus dem Ruder laufen zu lassen? Ebenso schief ist die Optik angesichts des Umstandes, dass der Verjährungsverzicht just ein Jahr vor der nächsten Gemeinderatswahl 2011 eingebracht wurde – um die heiße Kartoffel erst nach geschlagener Wahl behandeln zu müssen? Selbstredend liegen auch in diesen Themenkomplexen die Positionen meilenweit auseinander. Juristisch relevant dürften sie aber ohnedies nicht sein, denn selbst die wahre Motivation (ob nun Rettungsversuch oder Vertu16

VIER MILLIONEN EURO PRO JAHR. Soviel zahlt St. Pölten derzeit an Zinsen für das beklagte Geschäft. Mit einer Laufzeit von weiteren rund 20 Jahren eine schwere Hypothek. Auch politisch.


Ein Pieps um 86 Millionen Euro?

schungsaktion) ändert nichts an der prinzipiellen Argumentationslogik der Stadt, dass sie das Geschäft gar nicht erst abgeschlossen hätte, wenn sie um die dahinter stehende Konstruktion Bescheid gewusst hätte. Worüber man freilich in jedem Fall aufgeklärt worden ist, wie ein vom Bürgermeister unterschriebenes Anlegerprofil belegt, war der explizite Hinweis seitens der RLB, dass bei derlei Geschäften „ein unlimitiertes Verlustrisiko, das über 100% des eingesetzten Kapitals hinausgehen kann, möglich ist.“ Dies ist der einzige Treffer, den der RLB Anwalt an diesem Nachmittag wirklich landet. Möglicherweise ein folgenschwerer. Dabei entbehrt es keiner gewissen Pikanterie, dass sich die RLB mit vielen ihrer Argumente gegen die Stadt stets auch selbst trifft, jedenfalls imagemäßig beschädigt. Zum einen ist offensichtlich, dass das angebotene Geschäft, wie es der „Herr Rat“ unverblümt formuliert, „ein Klumpert war“. Zum anderen – was die Stadt ihrerseits immer wieder ins Spiel bringt – habe sie ja eine prinzipielle Risikominimierung sämtlicher dieser Geschäfte nicht nur durch ein Riskolimit von 2% gewährleisten wollen (das aber seit 2008 durchgehend überschritten ist), sondern auch durch ein laufendes, begleitendes Risikomanagement – beauftragt war damit die RLB! Auch dieses hat im konkreten Fall des von der RLB selbst angebotenen Geschäftes (das in Wahrheit ein weiterverkauftes Merill Lynch Produkt war, wovon die Stadt nach eigener Darstellung nichts wusste) offensichtlich schwer versagt. Defintiv kein Renommee für das Bankinstitut. Andererseits ist Renommee im Gerichtssaal keine Kategorie, und so endet ein langer Prozesstag vor allem mit zahlreicheren neu aufgeworfenen Fragen moralischer und politischer Natur. Ob diese auch juristisch relevant sind, ist eine andere Geschichte. Eine, die – wie der „Herr Rat“ schon jetzt befürchtet – einige Jahre in Anspruch nehmen wird. Wie viele genau, darauf darf ab sofort – ganz ohne Risiko und Hintertür – gewettet werden.

Hoffen wir am besten auf ein wunder. Kommentar von Michael Müllner Auch wenn die Causa nicht neu und das Thema komplex ist, mit dem Streit um die Schuldenbewirtschaftung der Stadt St. Pölten sollten sich die Bürgerinnen und Bürger beschäftigen. Zum einen geht es um ihr Geld, zum anderen zeigt es hautnah – in der eigenen Gemeinde! – was Sache ist. Der Kabarettist Josef Hader scherzte: „Der Dumme schimpft auf das, was weit weg ist.“ Auf die bösen Bankmanager in der Wallstreet. Auf die fernen Politiker in Brüssel und Washington. Umso spannender ist der Blick in den eigenen Hinterhof.

Der prozess. Martin Ogris ist Richter am Handelsgericht Wien. Er wird entscheiden, ob die Stadt St. Pölten oder die Raiffeisen Landesbank NÖ-Wien als strahlender Sieger aus der Klage hervorgeht. Bis wann und wie er entscheidet, weiß heute wohl noch nicht mal er selbst. Für Außenstehende bleibt er eine Blackbox, bekanntlich soll man sich ja nicht täuschen. Auch wenn er sich nicht sonderlich zu verbergen bemüht, dass er von den juristischen Feinheiten des Klägers nichts hält, so lassen sich davon wohl keine Hinweise ableiten, wie er die Causa formaljuristisch und inhaltlich beurteilt. Den springenden Punkt sagte er beiden Streitparteien zum Auftakt: „Sie haben sich also leider noch immer nicht geeinigt?“ Bei einem theoretisch ausstehenden Schaden von 80 Millionen Euro ein verständlicher Wunsch, zumal die Zeit und der Wechselkurs gegen alle Beteiligten arbeitet. Die Argumentation der Stadt klingt im Großen und Ganzen logisch. Hätte man den wahren („toxischen“) Charakter des Geschäfts gekannt, man hätte es natürlich nicht abgeschlossen. Dass man das gar nicht hätte dürfen, wird auch der Bank angelastet, diese war ja über die Stadt-Spielregeln informiert. Selbstsicher kommt aber auch die Verteidigung der Bank: Wir haben nur das verkauft, was der Kunde wollte. Da könne ja jeder kommen. DIE POLITIK. Auch wenn das Schlagwort „Schuldenbewirtschaftung“ momentan nicht

mehr en vogue ist: Natürlich haben Politiker die verdammte Pflicht, dass sie jene Schulden, die sie heute aufnehmen, um heutige Wähler glücklich zu machen, bitteschön so bewirtschaften, dass auch zukünftige Wähler möglichst wenig dafür zahlen müssen. Dabei darf man von diesen Politikern auch verlangen, dass sie das kleine 1x1 der Veranlagung zur Kenntnis nehmen: Hohe Rendite, hohes Risiko. Eine hohe Upfront-Zahlung heute wird wohl „no-na-ned“ ein hohes Risiko in der Zukunft mit sich bringen. Das zu sagen, es transparent zu machen, das wäre ein Ausdruck politischer Redlichkeit. Vielleicht leitet die Causa ja in Sachen Transparenz einen neuen, wünschenswerten Standard in der St. Pöltner Verwaltung ein? Übrigens, auch wenn man mit einer absoluten Mehrheit ohnehin jeden Beschluss in ohnehin jedem Gremium durchbringt und bei lästigen Nachfragen selbstsicher auf die letzte Gemeinderatswahl und den angeblichen „Wählerwillen“ verweisen kann. Egal ob St. Pölten mit der Klage durchkommt, die politische Verantwortung ist ein eigenes Kapitel und schreit nach transparenten Antworten. Doch bevor jetzt die Oppositionsparteien frohlocken und den absoluten Bürgermeister schon angezählt sehen: So einfach ist die Rechnung nicht. Weder konnte die ÖVP belegen, dass Bürgermeister und/oder Verwaltung tatsächlich falsch informiert hatten, noch konnten die heute so entsetzten Herrschaften in den letzten Jahren in den zuständigen Gremien die richtigen Fragen formulieren – dazu brauchte es öffentliche Verhandlungen am Handelsgericht Wien. Ich wage zu behaupten, wenn der parteifreie St. Pöltner Bürger in den letzten Jahrzehnten jemals bezahlte Gemeinde- und Stadträte der Opposition im St. Pöltner Gemeinderat gebraucht hat, dann bitteschön jetzt. Die Klärung der politischen Verantwortung wird wohl das dominierende To-Do bis zur nächsten Gemeinderatswahl sein. Dass die Realität zwischen Mandataren unterschiedlicher Parteien bei so relevanten Fragen derart auseinandergeht, ist schlicht unerträglich. Übrigens genauso wie die inhaltilche Abwesenheit zum Thema bei der FPÖ und den Grünen.

DAS DRAMA. Bleibt abschließend, abgesehen von der Entscheidung am Gericht und

dem politischen Infight, eine dritte Ebene. Da sind persönlich betroffene Menschen, denen bei einem möglichen Fehlverhalten schon dezent angedroht wird, man könnte sich ja an ihnen schadelos halten. Ein leitender Finanzbeamter, der sich seinen Ruhestand wohl anders vorgestellt hätte. Oder ein Bürgermeister am Karriereweg nach oben, der wohl froh sein wird, dass seine Parteikollegen im Land Salzburg oder der Stadt Linz zum gleichen Aufsatz einen noch massiveren Fetzen geschrieben haben – womit die überregionale Presse für diese Kandidaten derzeit noch mehr Aufmerksamkeit übrig hat als für den „kleinen Pfusch“ in St. Pölten. Und nicht zu vergessen natürlich uns Bürger. Die Finanzierung von Gemeinden wird in Zukunft nicht leichter. Haus(bank)gemachte Hypotheken durch „Klumpert-Geschäfte“ (© Richter Martin Ogris) sind dabei genauso verzichtbar wie parteipolitischer Hickhack. Somit hoffen wir am besten auf ein Wunder. Vielleicht nimmt dieses ja am Wiener Handelsgericht seinen Anfang? Oder setzt wer auf den St. Pöltner Gemeinderat?

MFG 06.13

17


MFG URBAN

Text: Michael Müllner | Foto: Georg Preissl/Fotolia.com

Nach dem Geständnis ist vor dem Geständnis?

Ein Mann gesteht, seine Nichte sexuell missbraucht zu haben. Dennoch melden Polizei und Staatsanwaltschaft nicht der Jugendhilfe, dass seine zweijährige Tochter möglicherweise auch in Gefahr ist.

I

m Mai verurteilte das Landesgericht St. Pölten einen Mann zu 14 Jahren Freiheitsstrafe und wies ihn in eine Anstalt für geistige abnorme Rechtsbrecher ein. Er hatte mehrere Kleinkinder sexuell missbraucht. Den Fall ins Rollen brachte sein erstes Opfer, seine Nichte. Diese wurde als Kleinkind im Alter zwischen vier und sechs Jahren von ihrem Onkel sexuell missbraucht. Mit 22 Jahren erfuhr sie, dass ihr Onkel nunmehr selber Vater einer kleinen Tochter sei. Damit diese nicht auch von ihm missbraucht werde, erstattet sie am 24. August 2011 bei der Staatsanwaltschaft St. Pölten Anzeige, wie das Nachrichtenmagazin „profil“ (25/2013) aufdeckte. Im Oktober 2011 wurde die junge Frau einvernommen, kurz danach konfrontierten die Ermittlungsbehörden den Beschuldigten mit den Vorwürfen. Meist ist der Nachweis bei derartigen Vorwürfen schwierig, oft steht Aussage gegen Aussage. Doch überraschenderweise gestand der Be18

schuldigte, seine Nichte damals sexuell missbraucht zu haben – sogar einen weiteren Missbrauchsfall gab er aus freien Stücken zu. Eigentlich regelte ein Erlass des Justizministeriums, dass Behörden in solchen Fällen die Jugendwohlfahrt zu verständigen haben – zu welchem Zeitpunkt genau, ist jedoch nicht festgelegt. Die St. Pöltner Staatsanwaltschaft meldete nach dem Geständnis den Sachverhalt nicht an die zuständige Jugendhilfe. Der Mann missbrauchte fast neun weitere Monate lang seine damals zweijährige Tochter. Bewiesen wurde dies, als im Verlauf der Ermittlungen ein weiteres Opfer den Mann wegen Missbrauchs anzeigte – und über diesen daraufhin die U-Haft verhängt wurde. Bei einer Wohnungsdurchsuchung stellte die Polizei Aufnahmen sicher. Diese zeigten ihn beim sexuellen Missbrauch der Tochter. Die Bilder wurden zwischen Oktober 2011 und Juni 2012 gemacht – nach dem Geständnis und nachdem keine Warnung an die Jugendhilfe erging.

St. Pöltens leitende Staatsanwältin Michaela Obenaus verweist darauf, dass das Ermittlungsverfahren mit dem Geständnis des Beschuldigten noch nicht abgeschlossen war. Zur Frage, wieso nach dem Geständnis des Mannes nicht erkannt wurde, dass auch seine Tochter als naheliegendes Opfer bedroht sei, wollte sie nicht näher Stellung nehmen. Auch im Justizministerium wollte man den Fall inhaltlich nicht kommentieren, da dieser (noch) nicht bekannt sei. Damals wie heute galt jedoch: „Gerichte und Staatsanwaltschaften haben den Jugendwohlfahrtsträgern alle ihnen bekannt gewordenen Tatsachen mitzuteilen, die zur Vollziehung der Jugendwohlfahrt erforderlich sind; dies betrifft insbesondere Fälle, bei denen die/der Beschuldigte jugendlich oder das Opfer minderjährig ist.“ Ein exakter Zeitpunkt für die Verständigung ist im Erlass aber nicht geregelt. Gerhard Karner, der Leiter der Jugendhilfe am Magistrat St. Pölten, bedauert den Fall: „Natürlich hätten wir gerne sofort nach dem Geständnis des Mannes einen Hinweis erhalten. Ich will aber auch betonen, dass in 99% der Fälle die Zusammenarbeit zwischen den Behörden sehr gut klappt. Generell rücken unsere Sozialarbeiter binnen Stunden aus, sobald wir einen Hinweis erhalten. Wir scheuen auch grundsätzlich keine Anzeigen bei Verdachtsfällen – zum Wohle des Kindes.“ Am 18. Juni brachte Albert Steinhauser, der Justizsprecher der Grünen, eine Anfrage an Justizministerin Beatrix Karl ein. Bis 18. August hat das Ministerium nun Zeit den Fall inhaltlich zu prüfen – und zu beantworten, weshalb eine Meldung an die Jugendhilfe unterblieben ist und welche Konsequenzen daraus zu ziehen sein werden.

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PolitSpielplatz Am Anfang war die Facebook-Site „Initiative für die Errichtung eines Indoorspielplatzes in St. Pölten“, dann erinnerte die ÖVP an ihre diesbezügliche Forderung aus dem letzten Wahlkampf, und eh‘ man sichs versah, war spielerisch leicht aus der Causa die übliche rot-schwarze Schlammschlacht geworden.

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a wurden seitens der ÖVP Grußadressen ausgeschickt à la „Die Stadt sollte jetzt sehen, dass dieser Wunsch nach einem Indoor-Spielplatz ernst zu nehmen ist und die Familien nicht länger vertrösten“ oder, mit völlig kontextlosen Seitenhieben auf des Bürgermeisters Landesfunktion „Wenn Herr Stadler sich vielleicht aufgrund seiner neuen Aufgabe auch eine solche Erleichterung wünscht, ist und bleibt es dennoch Aufgabe der Stadt eine aktive Standortpolitik zu betreiben und Investoren – wie z. B. für einen Indoor-Spielplatz – nach St. Pölten zu holen.“ Die Stadt ihrerseits reagierte „gereizt“ und war sich nicht zu billig sogar das aktuelle Hochwasser als Totschlagargument ins Spiel zu bringen: „Angesichts des Jahrhunderthochwassers müssen wir auch überlegen, wo wir die Prioritäten setzen. [...] Auch wenn wir diesmal verschont geblieben sind, werden wir den Hochwasserschutz irgendwann dringend brauchen und froh sein, wenn wir in Schutzmaßnahmen investiert haben.“ Beides ist überzogen. Zunächst ist festzuhalten, dass St. Pölten kleinkindertechnisch bei Schlechtwetter sicher nicht völliges Ödland ist, auch wenn einem das nach vier verregneten Wochenenden so erscheinen mag (da gibt es den Indoor-Spielplatz im Landesmuseum – auch sonntags, jene in den Möbelhäusern – freilich nicht sonntags, es gibt Aktivitäten wie Babykino und Kinderdisco, Kinderbowling oder die Aquacity). Umgekehrt ist der Wunsch nach einem größeren Angebot, etwa eines großen Indoor-Spielplatzes, in der Hauptstadt, nachvollziehbar – zumal derlei Einrichtungen zum Teil auch in kleineren Städten wie etwa Wr. Neustadt oder so20

gar Gars am Kamp bestehen. Aber, und es ist ein großes ABER, womit man zu einem (zumindest politischen) Kern in der aktuellen Debatte kommt: Die Suggestion, dass ein Indoorspielplatz quasi am Unwillen und der mangelnden (finanziellen) Unterstützung der Stadt scheitert oder es ursächlichste Aufgabe der Kommune sei, für die Etablierung oder gar Führung eines solchen zu sorgen, ist hinterfragenswürdig. So kontert der Bürgermeister der Darstellung der ÖVP, der ehemals ins Spiel gebrachte Indoorspielplatz sei an seiner Arroganz gescheitert, mit konkreten Zahlen: „Der Investor wollte von der Stadt einen Investitionszuschuss von 170.000 Euro, zudem sollten wir die Ausfallshaftung übernehmen, hätten aber kein Mitspracherecht bekommen. Die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern hätte sich die Firma allein behalten.“ Klingt ganz passabel – für den Betreiber. Dabei war dieser „Wunschzettel“ sicherlich nicht an den Haaren herbeigezogen, sondern Ausdruck des hohen unternehmerischen Risikogrades einer solchen Einrichtung. „Ich habe vor drei Jahren auf Bitte von Herrn Wurzer viel Zeit und Energie für ein komplett ausgearbeitetes Konzept für einen Indoorspielplatz in St. Pölten investiert. Das Ganze wurde vom Herrn Bürgermeister abgelehnt, mit dem Hinweis, dass kein Geld dafür da ist“, erzählt diesbezüglich Werner Nossal, Betreiber des Family Fun im 23. Wiener Gemeindebezirk. Freilich, wie sich im Rahmen unserer Recherchen herausgestellt hat, bildet St. Pölten mit diesem Standpunkt keine Ausnahme. So erhält keine einzige von MFG erreichte Einrichtung relevante Förderungen seitens der Öffentlichen Hand. „Leider gibt es weder von Land, Bund noch Gemeinde einen Cent Förderung“, lässt etwa Pamela Zuzula-Dettman vom Jungle Indoor Playland in Wr. Neustadt wissen, ebenso bestätigt Werner Groiß vom MOKE in Gars/Kamp: „Leider gab es fast keine Förderung der Gemeinde – abgesehen von der allgemeinen Mitarbeiterförderung wie in jedem Betrieb in Gars – als auch nicht die erwartete Förderung vom Land.“ Auch die Regenbogenwelt in Graz (Barbara Enderle: „Wir bekommen in


TEXT: Johannes Reichl | Foto: Childrenplayground

Graz überhaupt keine Förderung“) oder der Lollipark in Linz/Pasching gehen fördertechnisch leer aus – im Unterschied zu anderen Einrichtungen, wie Ümit Rende aufzeigt: „Viele vergleichbare Einrichtungen wie Schwimmbäder, Museen u. ä. werden staatlich gefördert und könnten sonst gar nicht existieren.“ Was Rende damit zum Ausdruck bringt, ist die Härte des Indoorspielplatz-Business. So ist ein Indoorspielplatz, quasi mit umgekehrten Vorzeichen, sehr wetterabhängig – soll heißen: Wenn es schön ist, bleiben die Gäste aus. „Wir haben in Oberösterreich Bestlage, direkt neben der Plus-City in Pasching, und dennoch sind wir stark wetterabhängig“, so Rende, und auch Enderle von der Regenbogenwelt Graz verweist auf einen Job, in dem man gute Nerven braucht: „Im Winter läuft unser Indoorspielplatz sehr gut, man muss allerdings dann den ganzen Sommer mit den Einnahmen vom Winter auskommen. Das Problem ist auch, dass man so wetterabhängig ist, und daher die Einnahmen oft variieren.“ Schwierig – und riskant – ist die Errichtung zudem aufgrund der hohen Anschaffungskosten. Allein in Gars war, wie Groiß ausführt, „Eigenkapital von rund 180.000 Euro notwendig“, wobei dort kaum Mietkosten anfallen. Interessantes Detail am Rande: „In Gars kamen Initiative und Finanzierung von der Garser Wirtschaft.“ Bei einem Hauptstadtprojekt schraubt sich die Investition wohl noch weiter nach oben. „Um einen Indoorspielplatz in attraktiver Größe und der von den Besuchern erwarteten Qualität einzurichten, ist ein siebenstelliger Betrag zur Investition notwendig. Dabei muss das Gebäude und der Grund bereits vorhanden und in gutem Zustand sein“, rechnet Rende vor, und verweist zudem auf hohe Energie-, Instandhaltungs- und Personalkosten. Daher ist er im Hinblick auf ein Projekt in St. Pölten skeptisch „Wir haben zwar mittlerweile unser Konzept ständig optimiert, würden es jedoch nicht riskieren eine neue Anlage in einer kleineren Stadt mit solch hohen Kosten auszuprobieren.“ Mehr Hoffnung im Hinblick auf eine etwaige Machbarkeit gibt Pamela Zezula-Dettmann vom Jungle Indoor Wiener Neustadt, weil sie überzeugt ist, dass „der Bedarf an Indoorspielplätzen in Österreich noch lange nicht gedeckt ist“, und auch Groiß vom Garser MOKE glaubt, dass „St. Pölten sicher die Kapazität hätte“, fügt dann aber hinzu: „Man muss aber mit einem Zuschussbetrieb rechnen.“ Zuschuss, den es – zumindest im Hinblick auf eine explizite finanzielle Subvention – seitens der Kommune nicht geben wird. Vielleicht tun sich im Zuge von seriösen Gesprächen aber noch andere Möglichkeiten auf. Die Suche nach einem Investor, wie von den Initiatoren der Facebook-Site schon in Angriff genommen, ist eröffnet. Es wäre St. Pölten zu wünschen, wenn sich einer findet – ganz ohne politische Spielchen.


MFG URBAN

WOHNEN IN ST. PÖLTEN

Trautes Heim, Glück allein Wohnen ist Grundrecht. Zu diesem Schluss kommt jedenfalls die Caritas in einer Pressekonferenz zum Thema leistbares Wohnen. Auch die Politik ist auf den Zug aufgesprungen und dass sich damit Stimmen machen lassen, ist nicht erst seit dem fulminanten Wahlerfolg der KPÖ Graz bekannt. Wie sieht die Situation in St. Pölten aus?

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s war letzten November, da staunte die heimische Polit-Kaste nicht schlecht, als die KPÖ Graz in der Gemeinderatswahl zur zweitstärksten Kraft in der Stadt wurde. Wahlprogramm: Wohnpolitik. Inzwischen hat auch der Rest Österreichs die Aktualität des Themas erkannt, und vor der kommenden Nationalratswahl dürfte es mit ziemlicher Sicherheit einer der zentralen Schauplätze werden. Die Brisanz kommt nicht von ungefähr: Die Caritas rechnet vor, dass Mieten österreichweit in den vergangenen zehn Jahren inflationsbereinigt um 13 Prozent angestiegen sind, während die Löhne dieser Entwicklung nicht einmal im Ansatz Schritt halten konnten.

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Preistreiber sind hier vor allem Altbauwohnungen. Allein in den letzten drei Jahren sind die pro Kopf Ausgaben für Mietwohnungen in Österreich um über 30 Euro pro Monat gestiegen – in Niederösterreich liegt man leicht darunter. Preisanstieg Dass es Preisanstiege gibt, darüber herrscht auch in der St. Pöltner Politik Konsens. So meint Bürgermeister Matthias Stadler etwa: „In den vergangenen Jahren ist vor allem im Bereich der privaten Mietwohnungen der Mietpreis deutlich stärker als die Inflation angestiegen.” Zudem weist er darauf hin, dass Bautätigkeiten privater Träger in Österreich zurückgegangen seien, was eine weitere Preissteigerung nach sich ziehen wird. Mögliche Lösungen sind für Stadler unter anderem der Ausbau gemeinnütziger Wohnungen sowie die Zweckbindung der Wohnbauförderungen. Die Stadt ihrerseits versuche durch den gezielten Ankauf von Grundstücken, Baurechtsaktion oder einer Objekt- und Subjektförderung im Hinblick auf Wohnen in der Innenstadt preisregulierend einzugreifen. St. Pölten sei prinzipiell gut aufgestellt.


TEXT: SASCHA HAROLD| Fotos: FLAShPICS/KNIPSERIN/doc rabe medi (ALLE Fotolia.com)

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St. Pölten hat erst 2012 den Rang der billigsten Landeshaupstadt an Eisenstadt abgetreten. | Georg Edlauer

Ins selbe Horn stößt auch Innungsmeister Georg Edlauer: „St. Pölten hat erst 2012 den Rang der billigsten Landeshauptstadt an Eisenstadt abgetreten. Bei uns in St. Pölten ist lebenswertes Wohnen noch leistbar.” Allerdings weist er auch darauf hin, dass mit der besseren Anbindung durch die neue Westbahnstrecke die Preise durch steigende Nachfrage in die Höhe schießen könnten und damit eine vergleichbare Entwicklung, wie sie schon Stockerau und Korneuburg erfahren haben, eintreten könnte. Wohnen erkennt er jedenfalls seinem Status nach als Grundbedürfnis an, verwehrt sich aber gegen den Begriff „Grundrecht“. Politikum ums ‘Recht aufs Wohnen’ In der europäischen Sozialcharta wird im Artikel 31 explizit auf das Recht auf Wohnen eingegangen. Konrekt gemeint ist damit die Förderung von Wohnraum mit ausreichendem Standard zu leistbaren Preisen. Österreich hat den Artikel allerdings nicht ratifiziert. Das Bekenntnis zu leistbarem Wohnen findet man hingegen durch die Bank im St. Pöltner Gemeinderat. Der FPÖ Abgeordnete Klaus Otzelberger nimmt besonders die Gemeindewohnungen in die Pflicht: „Wohnen ist ein Grundbedürfnis und deswegen muss es immer im Blickwinkel politischen Handels liegen. Auch und eigentlich gerade in Nicht-Wahlkampfzeiten. Gemeinde-Wohnungen haben den ursprünglichen Sinn, sozial benachteiligten und wirtschaftlich weniger starken Bürgern für wenig Geld ein lebenswertes Wohnen zu ermöglichen.” Gerade in den Gemeindewohnungen beklagen viele Bewohner starke Preisanstiege in den letzten Jahren, zudem bewegen sich in St. Pölten die Kautionen in der Höhe von 6 Monatsmieten, also an der gesetzlichen Höchstgrenze. Die grüne Abgeordnete Nicole Buschenreiter warnt daher: „Nicht selten scheitert die Suche nach einem Dach über dem Kopf schon am Aufbringen der hohen Ablösen und Kautionen, etwa im Falle diverser Gemeindewohnungen und Genossenschaftswohnungen, vom Kredit zur Schaffung eines Eigenheims ganz zu schweigen.” Die Gemeinde in die Pflicht nehmen also? Martin Sadler, Chef der Immobilien St.Pölten GmbH, erklärt das Ausschöpfen des gesetzlichen Rahmens bei Gemeindewohnungen so: „Die sechs Monatsmieten Kaution sind notwendig, um den Schaden vom Vermieter abzuwenden, da der richterliche Räumungsprozess

sehr lange dauert.” Zudem erhalte die von der Stadt ausgelagerte Gesellschaft keine Förderungen der Gemeinde und bewege sich damit am freien Markt. Der Vergleich mit dem Wiener Gemeindebau, der vor allem finanziell schwächeren Bürgern zur Verfügung steht, scheint also fehl am Platz. Vizebürgermeister Adl sieht prinzipiell Handlungsbedarf: „Wenn es um den sozialen Wohnbau geht, steht auch St. Pölten vor großen Herausforderungen. Nachdem die Gemeindebauten mit der Zeit saniert werden mussten und dafür keine Rücklagen gebildet worden waren – ein Versäumnis der SPÖ-Gemeindeführung – hat St. Pölten hier teilweise sehr hohe Mieten.” Prinzipiell erwähnenswert ist, dass die Stadt durch die Auslagerung ihrer Wohnungen in eine GmbH „klassische Gemeindewohnungen“ im herkömmlichen Sinne gar nicht mehr anbietet – wie man auch im Rathaus bestätigt: „Die Immobilien St. Pölten GmbH ist eine ausgelagerte Gesellschaft der Stadt. Das heißt, die dort verwalteten Wohnungen sind keine ‚Gemeindewohnungen‘ wie in Wien.“ Zwar betont man, dass „die Stadt als Eigentümer genau darauf achtet, dass die Preise moderat bleiben“, zugleich bestätigt man aber „dass der privatwirtschaftliche Auftrag im Gesellschaftsvertrag steht, der durch den Gemeinderat beschlossen wurde.“ Wie bringt man aber „privatwirtschaftlich“ und „sozial“ dann aber unter einen Hut, sollen Gemeindewohnungen doch von der sozialen Grundidee den Ärmsten der Armen ein ordentliches Dach über den Kopf bieten? „Die soziale Komponente kommt zum Tragen, dass man bei der Immobilien GmbH Wohnungen der Kategorie B, C oder D deutlich billiger bekommt, wenn man sie selbst herrichtet.“ Wohnbauförderung Eine weitere Debatte rund um das Thema Wohnen, ist die Wiedereinführung der Zweckbindung von Wohn-

VERTEUERUNG. Auch in St. Pölten sind die Miet- und Immobilienpreise in den letzten Jahren stetig gestiegen.

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bauförderungen – 2008 überraschend abgeschafft. Seitdem hagelt es Kritik, dass die lukrierten Gelder hauptsächlich zum Stopfen von Budgetlöchern in den einzelnen Bundesländern verwendet würden. Die aktuelle Debatte geht in Richtung Wiedereinführung, aus den Ländern kommen aber Bedenken, eben weil die Zweckwidmung dieser Gelder Löcher ins Budget reißen würde. Bei der Alpenland, Niederösterreichs größtem Bauträger, sieht man die Debatte unaufgeregt: „Wir glauben, dass in Niederösterreich wenig Anlass besteht, über die Zweckbindung und die Höhe der Wohnbauförderung zu klagen und zu diskutieren. Der Landeshauptmannstellvertreter und Wohnbaureferent Sobotka gibt sämtliche vom Bund jährlich zugeteilten Wohnbaufördermittel in vollem Umfang an die Landes-Wohnbauförderung weiter”, so AlpenlandObmann Norbert Steiner. Etwa 300 Millionen Euro jährlich seien das im Moment, so Steiner weiter. Um diese zweckgerichtete Verwendung weiter zu garantieren, ist allerdings eine entsprechende gesetzliche Regelung notwendig, wie Bürgermeister Stadler überzeugt ist: „Wir benötigen dringend die Zweckwidmung der Wohnbaugelder. Dieser Finanztopf kann nach derzeitiger Rechtslage auch für andere Projekte genutzt werden. Dort wo ‚Wohnbaugeld’ draufsteht, müssen auch Wohnungen drinnen sein.” Buschenreiter wiederum sieht das Hauptproblem gar nicht so sehr in der Zweckbindung der Förderung, sondern in den fehlenden gesetzlichen Vorgaben für den energetischen Zustand eines Bauobjektes. Damit sind bei bei einer schlechten Wärmedämmung hohe Heizkosten vorprogrammiert – kurzum, auf Sicht kommts teurer. Auf die Sanierung, speziell von Gemeindewohnungen angesprochen, erläutert Martin Sadler: „Oft stellen denkmalgeschützte Gebäude im Hinblick auf eine grundlegende Sanierung ein Problem dar.” Viele Gemeindebaubewohner bestätigen diesen Eindruck und beklagen sich über die hohen Heizkosten. Frohlockend in die Zukunft? Was die Wohn-Kapazitäten St. Pöltens betrifft, ist der Grundtenor durch die Bank optimistisch. So betont etwa Innungsmeister Edlauer: „Wir haben in St. Pölten große Vorteile gegenüber anderen Städten und verfügen noch über ausreichend Reserven an Grundstücken.” Zudem verweist er auf zahlreiche noch unausge-

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trautes heim, glück allein

FREIE KAPAZITÄTEN. St. Pölten verfügt im Vergleich zu anderen Städten über ausreichend Reserven an Grundstücken.

baute Dachböden, viele davon in der Altstadt. Ein Manko ortet er aktuell lediglich im schwachen Angebot für Wohngemeinschaften, das allerdings durch ein ausreichendes Angebot an Studentenwohnheimen wett gemacht wird. Bemüht optimistisch ist das Bild also, mit dem St. Pölten in die Zukunft geht. Bürgermeister Stadler legt nach: „Grundsätzlich herrscht in St. Pölten keine Wohnungsnot, in bestimmten Bereichen, wie etwa für junge und ärmere Menschen, wären zusätzliche Angebote aber durchaus wünschenswert. Deshalb habe ich am achten Mai Landeshauptmann Stellvertreter Mag. Wolfgang Sobotka ein Musterprojekt für Junges Wohnen in St. Pölten vorgeschlagen und angeboten seitens der Stadt das erforderliche Grundstück im Baurecht zur Verfügung zu stellen. Sobotka hat mir darufhin spontan eine Sonderförderung für dieses Projekt zugesagt.“ Dass umgekehrt die ÖVP St. Pölten dieses Projekt als ihren Erfolg reklamiert, weil sie zuvor das Thema „Junges Wohnen“ forciert und die Stadt sozusagen diesbezüglich „wachgerüttelt“ habe, führt uns nur zum Ausgang der Geschichte zurück: Das Thema „Wohnen“ wird bis zur Nationalratswahl ein heißes Eisen bleiben – hoffentlich auch darüber hinaus. Denn die politische Herausforderung wird in den nächsten Jahren bestehen bleiben, die Kosten nicht aus dem Ruder laufen zu lassen. St. Pölten hat zudem aufgrund seiner guten Rahmenbedingungen die einmalige Chance, das Angebotsspektrum von exklusiv bis billig, von jung bis alt weiter auszubauen und so seinen Ruf als lebenswerte Wohnstadt zu festigen!

Wir glauben, dass in Niederösterreich wenig Anlass besteht, über die Zweckbindung und die Höhe der Wohnbauförderung zu klagen und zu diskutieren. | Norbert Steiner


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Irrsinn

Michael Müllner

Foto: llhedgehogll/Fotolia.com

Für Aufregung sorgt derzeit eine Facebook-Initiative, die einen Kinder-Indoor-Spielplatz in St. Pölten fordert. Rund 2.000 Likes und entsprechende Medienberichte später, war die Politik wachgerufen. Die St. Pöltner ÖVP erinnerte sich an Betreibergespräche, die vor Jahren aus mangelndem Interesse der Stadt gescheitert sein sollen. Diese legte wiederum dar, dass frühere Gespräche primär aufgrund der damals geforderten Subvention gescheitert sind. Auch wenn uns die Diskussion dank Unterschriftslisten durch‘s Sommerloch begleiten wird: Geht‘s noch? Da setzt sich auf Facebook sinngemäß der Gedanke in die Welt: „Nach wochenlangem Regen wären Jungfamilien über ein derartiges Angebot heil froh.“ Binnen Stunden wird daraus eine Kampagne, die Stadt habe gefälligst so ein Projekt anzugehen. Es ist keine kommunale Aufgabe einen Indoorspielplatz zu betreiben! Und man komme mir jetzt nicht mit anderen (Problem-)Schuhpaaren „Aquacity“ oder „Paradies der Fantasie“. Eine Kommune kann nicht die nötige Kompetenz aufbringen, einen Indoorspielplatz zu betreiben. Bei aktiver Betriebsansiedelung wird man auch nicht Bau- und Gewerberecht dehnen, geschweige denn einen Investor und/oder Betreiber mit Steuergeld locken um so gebotene Wirtschaftlichkeit über Bord zu werfen. Es ist ganz einfach: Ist ein Indoorspielplatz in St. Pölten wirtschaftlich darstellbar, dann wird ein Unternehmer wohl sein eigenes Geld investieren. Aber die Stadt aus populistischen Motiven in eine „aktive“ Rolle als (Mit-)Betreiber zu drängen ist: Irrsinn. Im letzten Wahlkampf war die Volkspartei da schon weiter – und fragte offensiv, ob man nicht zur nachhaltigen Ausrichtung des Stadtbudgets den ganzen Leistungskatalog der Kommune diskutieren müsste. Womit gerade jungen Familien mit Kindern langfristig wohl mehr geholfen wäre.

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Senioren wohnen zeitgemäSS alternativ Brigitte Hochreiter ist 68 Jahre alt. Sie wohnt gemeinsam mit ihrem Mann Karl in St. Georgen, in einem älteren Haus. Ihre beiden Kinder sind schon vor längerer Zeit ausgezogen. Auch das Ehepaar Hochreiter möchte noch einmal umziehen, „einen schönen Lebensabend in der ‚living city‘ genießen.“

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ie „living city“, das ist das Projekt „Betreute Wohnstadt“ auf dem Areal der ehemaligen Spitzenfabrik im Norden St. Pöltens. „Wir verwirklichen hier unsere Vorstellungen vom selbstbestimmten Leben der Generation 50+“, erklärt Baumeister Peter Sonnleithner. Das Besondere an der „Betreuten Wohnstadt“: Die Mieter leben in ihren Häusern, Wohnungen, Zimmern und können Service- und Pflegeleistungen nach Bedarf dazu buchen. Im revitalisierten Herrenhaus mit riesiger Parkanlage wird es Gemeinschaftseinrichtungen geben, wie ein Gesundheits- und Servicecenter und einen Dorfladen, die ehemalige Fabrikshalle wird zum Veranstaltungsraum, und ab nächstem Jahr werden die WohnhausAnlage und die Reihenhäuser für Senioren in die Höhe wachsen. Auf 40.000 Quadratmetern entstehen 350 Wohneinheiten für mehr als 400 Menschen – über 100 haben sich für das Seniorenwohnprojekt schon angemeldet. Wie die Familie Hochreiters: „Ich hab dort meine eigenen vier Wände, kann Hilfe in Anspruch nehmen, wenn ich sie brauche – und eine 24-Stunden-Betreuung abwehren“, sagt Brigitte Hochreiter. Und: „Ich will meinen Kindern ersparen, dass sie mich so lange und intensiv betreuen müssen, wie ich meine Mutter. Die haben eine andere Zukunft verdient. Und ich freu mich auf meine Zukunft in der ‚living city’.“

Neues Wohnen für ältere Semester Peter Sonnleithners Seniorenstadt in der Stadt ist nicht das einzige alternative Wohnmodell, das derzeit in St. Pölten entsteht. Die Allgemeine Gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft etwa plant in Spratzern in der Maria Sturm Straße 21 barrierefreie Wohnungen, „in denen ältere Menschen ihre Lebensabend genießen können“, erklärt Direktor Willi Gelb. In der Anlage finden sich u. a. Gemeinschaftsträume, auch ein Arzt wird dort seine Praxis eröffnen. Noch vor Baubeginn wird die Möglichkeit zur kostenlosen Anmeldung bereits eifrig genutzt, wie der WohnungsgenossenschaftsChef bestätigt. Zwischen Regierungsviertel und Innenstadt wiederum baut die Wohnungsgenossenschaft „Alpenland“ eine Anlage für „Betreutes Wohnen“, und das ehemalige Kolpinghaus an der Promenade soll ebenfalls künftig ältere Menschen beherbergen. Das Interesse an den neuen Wohnformen für den letzten Lebensabschnitt ist groß. Für die 61 Wohnungen mit individuell buchbaren Service- und Betreuungsleistungen, die die Alpenland auf dem Areal der ehemaligen Schobervilla geplant hat, haben sich schon vor Baubeginn 200 Interessenten gemeldet! Die meisten allerdings unverbindlich, betont Elfriede Mörtl von der Wohnungsgenossenschaft: „Die Senioren und deren Angehörige sind neugierig,


TEXT: BEATE STEINER| Foto: OLLY/FOTOLIA.com

reich zum Beispiel in Innsbruck oder Wien. Der Trend für alternative Wohnformen hängt mit dem gesellschaftlichen Wandel zusammen, mit den Veränderungen innerhalb der Familienstrukturen, weiß Andreas Steinle: „Die wenigsten Frauen sind nicht berufstätig und haben Zeit, sich um ältere Angehörige zu kümmern, so wie das früher üblich war.“ Und auch der Wunsch vom Wohntraum im Grünen ist schwächer geworden. Viele ältere Menschen haben erkannt, dass sie sich das Leben erleichtern, wenn sie von ihren verkehrstechnisch oft schlecht angebundenen großen Häusern auf dem Land in die Stadt ziehen: „Da brauchen sie sich nicht kümmern um medizinische und kulturelle Angebote, die sind vor Ort.“

welche Rahmenbedingungen für ‚Betreutes Wohnen‘ gelten, weil dieses Thema neu ist.“ Und die Entscheidung, das eigene Haus und die gewohnte Umgebung aufzugeben und in eine kleine Mietwohnung mit anderen Vorteilen zu ziehen, muss bei vielen reifen. Wer sich im Alter entschließt, noch einmal umzuziehen, und nicht ins Altersheim, der liegt allerdings voll im Trend – nicht nur in St. Pölten und Umgebung. Alternatives Senioren-Wohnen boomt „Es entstehen gerade jetzt unglaublich viele verschiedene alternative Wohnformen für ältere Menschen“,

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bestätigt Zukunftsforscher Andreas Steinle vom bekannten „Zukunftsinstitut“ des Matthias Horx: „Das ist absoluter Trend.“ Die Wohn-Perspektive der Senioren ist also nicht mehr schwarzweiß, also entweder AltersheimZimmer oder gepflegt zuhause bleiben, sondern äußerst bunt – mit Alten-WGs, Seniorenresidenzen und individuellen Betreuungsangeboten. Weltweit gibt es da zum Beispiel auch generationenübergreifende Wohngemeinschaften. Mit einer speziellen Ausprägung: Studenten mieten sich bei älteren Menschen ein, unterstützen diese, leben dafür günstiger am Studienort, in Öster-

Die Anziehungskraft der Mittelstädte Im Masterplan für die Stadtentwicklung hat St. Pölten diesen Trend bedacht – die Landeshauptstadt möchte ja bekanntlich zur Gesundheitsstadt werden. Und hat dabei noch einen großen Vorteil mit knapp über 52.000 Einwohnern: „Mittelstädte verknüpfen aufgrund der kurzen Wege die Vorteile von Stadt und Land“, sagt Josef Wildburger, Obmann der Plattform 2020. Jeder Behördenweg, jeder Einkauf, jeder Arztbesuch kann schneller als in einer Großstadt und einfacher als vom Dorf aus erledigt werden. Das Leben ist also viel bequemer in einer kompakten Stadt wie St. Pölten. Nicht nur für etwa 500 Senioren mehr als noch vor fünf Jahren. „Die Stadt mit Kultur-, Sport und Freizeitangeboten ist grundsätzlich attraktiver geworden“, ist Wildburger überzeugt.

Ich will meinen Kindern ersparen, dass sie mich so lange und intensiv betreuen müssen, wie ich meine Mutter. | Brigitte Hochreiter MFG 06.13

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TEXT: Michael Käfer| Foto: STEFAN CHUNG

Kaisermühlen à la St. Pölten

Vom Gemeindebau hat man ja so seine Klischeebilder im Kopf. MFG-Redakteur Michael Käfer machte sich zu den „Bauvereinshäusern“ auf, um sie mit der Realität zu konfrontieren.

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s herrscht kühle, angenehme Samstag-Vorabendstimmung im Viertel zwischen Alpenbahnhof, Voith und Mariazellerstraße. Die Umgebung ist von großen Höfen, die sich großteils im Besitz der ÖBB befinden, einem alten Gemeindebau sowie einer Schrebergartensiedlung dominiert. Alsbald kommt mir am Gehsteig die erste Mieterin, eine Dame um die 40, entgegen. Gleich zu Beginn stellt sie klar, dass die Nachbarschaft im Gemeindebau heutzutage zwar „ganz in Ordnung ist, aber dass jeder jeden kennt, das ist nicht mehr der Fall.“ Dafür gäbe es aber auch kaum Streitigkeiten in den Bauvereinshäusern. „Man kommt in Wahrheit ja nicht viel zusammen, sieht sich meist nur am Gang.“ Der Hauptgrund für ein Leben im Gemeindebau liege in der finanziellen Attraktion. „Der Gemeindebau ist einfach billiger!“ Praktisch alle Befragten geben diese Antwort, zugleich beklagen sie aber ebenso unisono „dass der Gemeindebau immer teurer wird!“ An die 500 Euro für 50 Quadratmeter seien kein Sonderfall, „besonders hart trifft es Neueinziehende.“ 41 Jahre im Gemeindebau Ein Problem, das ein Pensionistenehepaar nicht hat. „Wir leben seit 41 Jahren hier – da waren die Bauvereinshäuser noch im Besitz der Voith!“, erzählen sie. Ihr alter Mietvertrag sei daher im Vergleich recht günstig. Für 73 Quadratmeter zahlt das Paar 440 Euro „ohne Strom und Heizung! Wir haben nachgefragt, was ein neu einziehender Mieter für die selbe Größe berappt – da sind wir bei 700 Euro!“ Das Leben als solches habe sich im Gemeindebau nicht großartig

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verändert, „man merkt halt, dass im Laufe der Jahre viele langjährigen Bewohner verstorben sind.“ Und die jungen Mieter würden sich schon von der älteren ArbeiterGeneration unterscheiden. Dafür winkt das Ehepaar beim angeblichen Gemeindebau-Reizthema „Ausländer“ ab. „Mit denen gibts keine Probleme!“ Wenn, dann seien es eher die „Sozialfälle“, mit denen man nichts anzufangen wisse. Alles in allem scheint das Ehepaar recht zufrieden mit seiner Wohnsituation zu sein – bis auf einen Punkt: „Das über 100 Jahre alte Gebäude wird kaum reno-

gerade aufs Fortgehen und Champions League Finale ein. Zwar sind sie zunächst ein bisschen reserviert, beantworten aber doch bereitwillig die Fragen und geben sogar einen Klopfer aus! Der junge Mieter der Wohnung erzählt, dass er mit 270 Euro Miete (ohne Strom und Heizung) relativ billig wohnt. Der vermeintliche „Kampfpreis“ kommt dadurch zustande, weil er die Wohnung in einem äußerst schlechten Zustand übernommen und in Folge mit sehr viel Aufwand selbst hergerichtet hat – ein „Kostenspar-Modell“, das die Stadt anbietet. Prinzipiell gefällt es ihm im Ge-

Sozialer Wohnbau. „Klassische“ Gemeindebauten gibt es in St. Pölten nicht mehr.

Die Stadt hat ihre Wohnungen in eine Immo Gmbh ausgelagert, die frei am Markt agiert.

viert!“ Zwar würden Kleinigkeiten wie Fenster und Eingangstüren renoviert, wichtige Erneuerungen wie die Wärmeisolierung scheiterten aber daran, „dass der Bau denkmalgeschützt ist.“ Eine Runde „Klopfer“ Um die Ecke steht ein Fenster offen – junge Erwachsene stellen sich

meindebau sehr gut. Zwar findet er, „dass es zu viele Ausländer gibt – vor allem die Kinder machen viel Lärm. Aber“, so meint er mit Blick auf die Runde „die Nachbarn sind schon sehr leiwand!“ Und das gehört defintiv mit einer Runde Klopfer begossen, wodurch auch die letzten Skeptiker gegenüber dem fremden Journalisten auftauen.


Kabelnetz der Satellit täglich um 19:00 Uhr, auf und www.p3tv.at A1-TV

zu sehen im

Regionalfernsehen für den Zentralraum von NÖ

über über


MFG URBAN

TEXT: ROUL STARKA| Foto: RANGIZZZ/FOTOLIA.com

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Roul Starka

St. Pölten

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er St. Pöltner ist ein Tüchtiger, ich hab ihn ganz besonders lieb. Der St. Pöltner kennt sich aus in Paris und in New York, dann fährt er nach Ungarn und isst die größte Grillplatte. Der St. Pöltner hat einen großen Schlüsselbund, den zeigt er auch gern her. Der St. Pöltner weiß genau, wo Mariazell ist und hat Formel 1 schon in natura gesehen. Dann erklärt er, wie laut das in Wirklic... hkeit ist. Der St. Pöltner hatte schon Equalizer im Auto, da gab es in Wien noch nicht einmal eine U-Bahn. Der St. Pöltner geht im Freibad so lässig neben dem Beckenrand wie sonst niemand auf der Welt. Der St. Pöltner hat den mordernsten Seifenspender und die modernste Frisur. Die erste Pizzeria der Welt gab es in St. Pölten. Der St. Pöltner hat Freunde beim ORF. Der St. Pöltner fährt in die SCS und zum IKEA als wär das nix. Der St. Pöltner hat die meisten Fernsehprogramme, die meisten Fernbedienungen und die tollsten Gewürzregale. Der St. Pöltner weiß, was Ampere sind. Der St. Pöltner lenkt in die Tiefgarage mit einer Hand, da sind links und rechts maximal zwei Zentimeter Spielraum. Wenn der St. Pöltner bei einem Erotik-Messe-Plakat vorbeigeht, muss er husten, sowas interessiert ihn nicht, außerdem kennt er wen, der die Pamela Anderson persönlich kennt. Sein bester Freund aber kennt den Frank Zappa. Sein allerbester Freund, der ist schon verstorben, war fast dabei als man John Lennon erschossen hat. Fast. Es war knapp. Dem echten St. Pöltner ist überhaupt schon fast sehr viel passiert. Aber er hat rechtzeitig gegengelenkt. Gegenlenken ist eine Erfindung aus St. Pölten. Für den St. Pöltner ist der Flughafen Schwechat so aufregend wie Zähneputzen, das ist das Normalste der Welt, er sagt auch schon mal zur Badezimmertür ‚Gate‘. Der St. Pöltner hatte zuerst Oralverkehr, dann Firmung, dann 30

Erdbeer-Zitron, dann Pistazien-Haselnuss, dann Sehnenscheidenentzündung, dann Scheidung – weil sie immer mehr Geld wollte. Der St. Pöltner hat in der linken Hosentasche den Jazz und in der rechten eine Zylinderkopfdichtung. Sicherungen aller Art immer in Reserve. Der St. Pöltner könnte jederzeit, wenn er wollte. Er hätte auch, wenn er gewollt hätte. Der St. Pöltner telefoniert mit Menschen, die standen schon in Tokyo und in London auf der Bühne, dann redet er Englisch als hätte er noch nie etwas anderes gemacht. Der St. Pöltner könnte auch Französisch, aber das ist ihm einfach zu kindisch. Der St. Pöltner bestellt auch gleich eine große Flasche Bacardi, weil sonst wär er ja blöd. In St. Pölten wurden auch große Errungenschaften erfunden: Bacardi-Cola, ABS, Servolenkung, Zippo-Feuerzeug, Subwoofer, Dezibel, Turbo, PS, Ibiza, Pirelli, all you can eat,

Lloret De Mar, UV-Licht, Frequenzweiche, Ray Ban, Türstopper, Doppelklebeband, Tourenzähler, Kalbspariser, Forelle mit Knoblauch, Pizza Quattro Stagioni mit zusätzlich Zusätzlichem, Thunfischspaghetti, Wendegürtel und die S33. Alles aus St. Pölten. Cappuccino mit Verzierung: St. Pölten. Tangabadehose für Männer (sehr geil!) ---> St. Pölten. Der St. Pöltner könnte auch von da bis zum Wörthersee mit dem Motorrad am Hinterrad fahren, aber das ist ihm einfach zu blöd. So können auch die meisten St. Pöltner das jetzt nicht lesen, die sind nämlich auf den Seychellen oder auf den Malediven oder Mauritius, oder sie sind an der Pielach und erklären, wie man Lagerfeuer macht, das haben nämlich auch wir erfunden. Der St. Pöltner hat alle vergriffenen Aufnahmen – und der St. Pöltner nimmt sicher kein Rexona sondern Axe Final Edition, weil er sich eben auskennt, so ist das.


Foto: Thomas Kainz

www.st-poelten.gv.at // ST. PÖLTEN . MITTEN IN EUROPA

SOMMERBAD NEU INFORMATIONSVERANSTALTUNG Mittwoch, 10. Juli 2013, 11.30 - 14.00 Uhr Sommerbad, Handel-Mazzetti-Str. 2 Die Stadt St. Pölten und Bürgermeister Mag. Matthias Stadler informieren über die Umbaupläne für das Sommerbad


MFG URBAN

Unser Blick liegt in der Zukunft

Als Laie läuft man rasch Gefahr, den Überblick zu verlieren: Im Büro von Jens de Buck schwirren Begriffe wie Bauordnung, Stadtentwicklungskonzept, Grünraumkonzept, Raumordnungskonzept, Bebauungsplan, Generalverkehrskonzept, Flächenwidmungsplan & Co. durch den Raum. Alle gleichzeitig, und doch – denn dies ist de Bucks ureigenste Aufgabe – geordnet und strukturiert.

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atsächlich fließen all die genannten Teilbereiche nicht nur parallel zueinander, sondern auch ineinander über. Als einigende Klammer werden sie vom Stadtentwicklungskonzept zusammengehalten, quasi dem großen Hafen, in den alles einmündet beziehungsweise, richtiger, aus dem alles ausläuft. Dass die einzelnen Teilfelder dabei auf einem unterschiedlichen Aktualitätslevel sind, liegt in der Natur der Sache. „Das Stadtentwicklungskonzept etwa stammt aus dem Jahr 1992/1993, wurde im Jahr 2000 modifiziert. Seit 2011 arbeiten wir nunmehr an einer Neuerarbeitung“, erklärt de Buck. Kurzum – Raumplanung ist zum einen strukturierte Planung, zum ande32

ren work in progress. Es bedarf der steten Überprüfung und Neuanpassung, denn die Stadt ist wie ein lebender Organismus: Sie wächst, verändert sich, streckt sich, zieht sich zusammen – Tag für Tag. Dass sie dabei in ihrem Expansionsdrang oder auch jenem der jeweiligen Protagonisten, die aus einem immanenten Egoismus heraus jeder für sich persönlich das Beste rausholen wollen (den „besten“ Bauplatz, den „besten“ Verkehrsweg, das „beste“ Betriebsansiedlungsgebiet ...) nicht unkontrolliert ausufert, genau dafür ist die ordnende Hand der Stadtplanung vonnöten. De Buck formuliert seine Aufgabe nüchtern: „Grundsätzlich sind wir für die Stadt-, Verkehrs- und Grünraumplanung zu-

ständig. Wir schaffen die planerischen Grundlagen für die Politik, wobei wir rechtsgebunden sind.“ Soll heißen, dass die Raumordnung in Österreich gesetzlich verankert ist. Spagat zwischen Vision & Realität Durch die gesetzlich legitimierte Aufgabe, die durchaus Macht verleiht, steht man nolens volens auch in einem steten Spannungsfeld zur Politik, ticken die Uhren von Planern und Politikern doch in der Regel anders. „Wir sind langfristigen Planungen verpflichtet“, so de Buck. „Unser Blick liegt also immer in der Zukunft. Wir spielen verschiedene Szenarien durch, was sich wie auswirken würde.“ Auch der Maßstab von Planern und Politi-


TEXT: Johannes REichl | Fotos: karl stadler

kern ist unterschiedlich: „Wenn wir von kurzfristiger Planung sprechen, dann reden wir von einem Horizont zwischen fünf und zehn Jahren; wenn wir von mittelfristig sprechen, dann von zehn bis 20 Jahren; alles darüber hinaus ist langfristig.“ Eine Kategorisierung, mit der Politiker selbstredend nicht allzuviel anfangen können – das Raumplanungs-„Kurzfristig“ hat die Dimension einer „langen“ Legislaturperiode, da könnte man schon wieder weg vom politischen Fenster sein. Ihr Zukunftsbegriff liegt daher näher an der Gegenwart, wofür de Buck durchaus Verständnis hat. „Die Politik muss teilweise ja kurzfristig denken, denn sie ist mit den unmittelbaren Ansprüchen der Bevölkerung konfrontiert, die sie eben im Jetzt hat.“ Letztlich finde man aber fast immer einen konsensualen Weg. „Im Grunde genommen ist es zwischen Politik und Raumplanung ein Geben und Nehmen, wobei die Politik entscheidet. Wir schaffen dafür die Planungsgrundlagen, machen sozusagen ein Angebot und hoffen, dass dieses – nachdem wir die Konsequenzen und Szenarien dementsprechend darstellen – auch angenommen wird“, so de Buck, und verweist auf eine gutes Auskommen: „Prinzipiell gibt es eine sehr gute Zusammenarbeit, wir sind praktisch in sämtliche Projekte unmittelbar mit eingebunden.“ Als Beispiel nennt er die zuletzt präsentierte Handelsstudie bezüglich der Standortentwicklung großflächiger Einkaufszentren. „Diesbezüglich fand ein breiter Diskussionsprozess im Vorfeld statt. Wichtig war es, den Blick von einzelnen Projekten zu lösen und auf eine Makroebene zu heben – von welchen Größenordnungen reden wir überhaupt, welche Auswirkungen bringen neue Flächen mit sich, welche Fakten kann ich daraus ableiten.“ Das Ergebnis war, dass man große Handelsflächen nur mehr in der Fußgängerzone und an bereits angebahnten Hotspots wie Traisenpark im Norden und Merkur im Süden ins Kalkül

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Ein Mann, der für Ordnung sorgt. Jens de Buck, gebürtiger Dresdner, ist Leiter der Abteilung „Stadtentwicklung“.

zieht. Anderswo sind, je nach Bedarf, kleingewerbliche Umsetzungen sinnvoller. Viele Städte in der einen Womit man bei einem anderen fundamentalen Aspekt der Raumplanung ist: Der „Ausstattung“, ja der „Nutzung“ der Stadt an sich. Denn die grundlegende Frage lautet: Wo wird was angesiedelt, angeboten bzw. eben ganz bewusst nicht. Die Aufgabe der Raumordnung erschöpft sich also beileibe nicht im reinen Regulieren, sondern sie soll durch die Einschränkung von Möglichkeiten auf ganz bestimmte Räume auch ganz gezielt lenken! Damit kommen wir zur Substanz: Wo etwa soll Wohnraum, Betriebsraum geschaffen werden, wo soll bestimmte Infrastruktur wie Kindergärten, Schulen u. ä. entstehen, entlang welcher Achsen soll der übergeordnete Verkehr laufen, wo macht die Forcierung des Öffentlichen Verkehrs Sinn, wo entstehen Park- und Grünraumanlagen, wo landwirtschaftliche Nutzflächen etc. Kurzum: Wir sind mittendrin im Stadtleben als solchem. Dabei verfolgt man in St. Pölten keinen monostrukturellen Ansatz nach dem Motto „hier Wohnen, hier Betriebe, hier Freizeit“, sondern „idealtypisch streben wir eine gesunde Durchmischung in

allen Stadtteilen an!“ Wobei mit dem Wort „Stadtteil“ schon der Groschen im Hinblick auf ein St. Pöltner Spezifikum gefallen ist. „Wir haben ja mit über 108 km² ein extrem großes Stadtgebiet, das ist selbst größer als Linz. Im Kern wohnen ca. 25.00030.000 Menschen, der Rest lebt im Umland. St. Pölten hat sozusagen das Umland, die ‚Dörfer‘ innerhalb des Stadtgebietes.“ Planerisch betrachtet ein Vorteil, weil man alles aus einer Hand, einem großen Gedanken umsetzen kann, ohne sich etwa mit anderen Kommunen matchen zu müssen. Zugleich aber ebenso eine große Herausforderung, weil man einerseits im Kern eine urbane Stadtplanung betreiben muss, aufgrund der Entfernungen zu den Stadtteilen wie Pottenbrunn, Radlberg etc. aber in den Dörfern eben auch eine ländliche. Beide Ansätze haben dabei ihre ureigensten Ansprüche und Eigenheiten, zugleich müssen sie aber im Gesamtkontext „Landeshauptstadt“ auf einen Nenner gebracht werden. „Wir möchten die dörflichen Strukturen natürlich ganz bewusst erhalten, z. B. Pengersdorf nicht überformen, sondern in seinem Charakter erhalten und die jeweilige Identität stärken“, erklärt de Buck. Deshalb bemüht man sich, sogenannte „Stadtteilzentren“, wel-

Ungezügeltes Wachstum ist NIE gesundes Wachstum. |

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che zum Teil den ehemaligen Ortskernen der Dörfer entsprechen, mit einer gewissen Grundausstattung zu erhalten. Aufgrund allgemein gesellschaftlicher Tendenzen wie etwa der Ausdünnung des ländlichen Raumes (mit dementsprechender Abwanderung der Jungen, in weiterer Folge von Gewerbetrieben etc. – gemeinhin als zirkuläre Schrumpfung bezeichnet) eine regelrechte Herkulesarbeit. Die Stadt versucht etwa durch ganz spezifische Förderungen sowie einer gelenkten „Ansiedlungspolitik“ der Abwanderung in gewissen Stadtteilen entgegenzuwirken. So wurde die städtische Baurechtsaktion zu Beginn ganz bewusst in Ratzersdorf umgesetzt, um die dort bestehenden Strukturen – wie z. B. die Schule – auch für die Zukunft zu sichern. Durch den Zuzug junger Familien ist es tatsächlich gelungen, die Auslastung der Schule oder auch des Kindergartens zu gewährleisten. Auch dem Greißlersterben, ja einem regelrechten Zusammenbrechen der Nahversorgung in bestimmten Stadtteilen, versucht man – so weit möglich – entgegenzuwirken. So freut sich de Buck, dass man in Pottenbrunn oder Stattersdorf neue Nahversorger etablieren konnte. Umgekehrt macht er kein Hehl daraus, dass etwa in einem peripheren Raum wie Radlberg die Ansiedlung eines Lebensmittelhändlers eine kaum bewältigbare Herausforderung darstellt: „Wir kämpfen seit Jahren, doch wir stoßen an unsere Grenzen, weil es für die Handelsketten aufgrund der Bevölkerungszahl sowie der Lage schlicht unwirtschaftlich ist, sich dort anzusiedeln. Aber wir geben die Hoffnung nicht auf.“

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Alt aber gut. „Wir bauen auf Vorleistungen auf. So war der alte Flächenwidmungs- und Bebauungsplan aus dem Jahr 1936 so fortschrittlich, dass er in Teilen noch immer in Kraft ist.“

Verdichtung spart Geld Wirtschaftlichkeit ist auch ein fundamentaler Aspekt der Raumplanung an sich. So hat der Grundansatz einer „Verdichtung der Räume“ nicht nur rein ästhetische Hintergründe, um eine Zersiedelung zu verhindern, sondern ebenso kostenrelevante. Jeder Meter Kanal, jedes Stück Straße, jeder Spielplatz etc. kostet der Kommune Geld, sowohl in der Anschaffung als auch in der Erhaltung. Daher macht es Sinn, dort, wo bereits Infrastkrutur vorhanden ist, weiter zu verdichten. Im Innenstadtbereich passiert dies aktuell durch den zunehmenden Ausbau von Dachböden. Die Stadt versucht diesen Trend zur Reurbanisierung durch eigene Förderprogramme wie z. B. Miet- oder Sanierungszuschuss für Wohnraumschaffung zu unterstützen. „Wir können natürlich keine Wunder wirken. Bezogen auf den gesamten Wohnungsmarkt haben wir im Hinblick auf die Preisstruktur nur eingeschränkt Möglichkeiten der Steuerung, aber durch derlei Aktionen können wir zumindest einen Anstoß geben“, so de Buck. Und somit die Folgekosten für die Kommune niedrig halten. Ein anderes Beispiel, anhand dessen de Buck die Gefahr einer sich öffnenden Kostenschere nachvollziehbar macht, betrifft den Verkehr. „Man muss sich vorstellen, dass wir aufgrund unserer großen Stadtfläche über

500 Kilometer Straßen und Wege zu erhalten haben! Im Hinblick auf die Anbindung der Stadtteile an den Öffentlichen Verkehr muss man daher sehr darauf achten, dass die Frequenz in Relation zur Nutzung steht. Tut sie dies nicht, ist eine Investition schlichtweg nicht gerechtfertigt.“ Zugleich, womit sich der Kreis schließt, forciert die Stadtplanung unter dem Kalkül obengenannter „Verdichtung“ auch nur mehr solche Gebiete als Wohnareale, die dementsprechend an derlei (auch öffimäßig erschlossenen) Verkehrsachsen liegen. Herausforderung Verkehr Damit liegt man auch voll am gesamtgesellschaftlichen Puls der Zeit: „Es geht zunehmend um leistbare Mobilität. Die Menschen sind immer weniger dazu bereit, lange Anfahrtszeiten für ihren Arbeitsweg auf sich zu nehmen, weil dies einen Verlust von Freizeit bedeutet. Daher sind funktionierende Öffis von größter Bedeutung! Ebenso ist auch ein hohes Potenzial im Hinblick auf den Ausbau des Radwegenetzes gegeben“, erläutert de Buck Dies ist in einer Stadt wie St. Pölten umso wichtiger, da die Zahl der Arbeitnehmer in den letzten Jahren überproportional zu jener der Bewohner gestiegen ist (52.000 Hauptwohnsitzern stehen mittlerweile fast ebenso viele Arbeitnehmer gegenüber). Dadurch ist auch das Verkehrs-


Unser Blick liegt in der Zukunft

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netzes. „Das sollte ganz oben auf der Agenda der Politik stehen!“ Potenzial richtig nutzen Im Grunde genommen geht es bei Raumplanung immer darum, Potenziale eines Raumes zu erkennen und sie auszuschöpfen – wobei dieses „Ausschöpfen“ auch darin bestehen kann, sie unangetastet zu lassen, wie es etwa für Naturschutzzonen u. ä. gilt. Und schöpft man die „Potenziale“ aus, so ist die Herausforderung wiederum, dies in einem ausgewogenen Maß zu tun. Wo die Raumplanung fehlt oder, aus welch Gründen auch immer, fehlgeleitet ist, dort kann es zu unschönen, mitunter fatalen Folgen kommen. Fährt man etwa in Wien Hütteldorf ein, könnte man angesichts der Zersiedelung leicht auf den Gedanken verfallen, der Name des Ortes leite sich von „Verhüttelung“ ab. Und die jüngste Hochwasserkatastrophe hat einmal mehr gezeigt, welch dramatische Folgen es zeitigen kann, wenn man wider besseren, auch in Flächenwidmungsplänen verankerten Wissens in Gefahrenzonen bauen lässt. Raumplanung ist – wenn auch von vielen Bürgern nicht bewusst wahrge-

Im Grunde ist es ein ein Geben und Nehmen zwischen Politik und Raumplanung.

machen, auch wenn das punktuell zu Lasten von Stellplätzen gehen kann. Zur Sicherung der Lebensqualität in den Wohngebieten mit hohem Parkdruck durch Pendler schlagen Studien auch die Einführung gebührenpflichtiger Parkzonen in sogenannten Grünen Zonen vor. Dies wird in den weiteren verkehrsplanerischen Überlegungen zu prüfen sein. „Die Lenker sollen zum Umsteigen angeregt werden, sie sollen erkennen, dass es billiger ist, mit den Öffis anzureisen – und stressfreier sowieso. Solange aber jemand die Möglichkeit hat, in unmittelbarer Nähe zu seinem Arbeitsplatz zu parken, wird er diese auch nutzen!“ Während dieser Ansatz vor allem nach außen wirkt, plädiert der passionierte Radfahrer zudem für einen weiteren massiven Ausbau des Radwege-

nommen – eine der fundamentalsten Disziplinen der Stadtverwaltung. Sie ist der in Pläne gegossene Wille einer Gesellschaft, Abbild des Lebens und zugleich Zukunftsentwurf, der sich freilich stetig verändert – wie das Leben selbst. Sie unterliegt dabei ideal­ typisch, wie es Jens de Buck formuliert, vor allem einer großen Maxime: „Lebensqualität!“ Der Stadtplaner wird dadurch zu so etwas wie einem Gralshüter derselben. Er muss sie gegen den Sturm verschiedenster Interessensgruppen, bisweilen auch der Politik, verteidigen, wobei sein Dogma letztlich wie die Antithese zum aktuell grassierenden Neoliberalismus klingt: „Ungezügeltes Wachstum ist NIE gesundes Wachstum! Wenn, dann geht es um ein Wachstum der Qualität – und dazu ist Steuerung unabdingbar!“

Wandel

Beate Steiner Fortschreitend verändert sich die Stadt. Neue Wohnungen locken neue St. Pöltner an, die Schanigärten, Kaffeehäuser und Markt bevölkern. Studenten stürmen Fachhochschule und New Design University, immer mehr Senioren entdecken die Vorteile mühelosen urbanen Lebens, verlassen großes Haus und Riesen-Garten, ziehen stadtwärts in Wohnungen mit Blick übers Land und bequemem Aufzug. Auch mit vor kurzem noch undenkbaren Verkehrsvorteilen: 25 Minuten mit der Bahn von St. Pölten nach Wien – und das quasi im Halbstundentakt. Da kann das Auto schon zur Nebensache werden. Übrigens: Für kulturelle Highlights ist der Bundeshauptstadt-Trip gar nicht nötig. Exzellentes Sprechtheater, Musik, Tanz, Kino, Festivals und Party – alles da in STP. Fein, dieser Wandel vom „Dorf“ zur Stadt. Und er hat auch gar nicht weh getan. Obwohl doch Veränderung das ist, was viele Menschen fürchten, wie, sagen wir, zum Beispiel der Teufel das Weihwasser. Weil sie sich nicht vorstellen können, dass was Besseres nachkommt. Ist aber so. War immer so, darüber hat schon Heraklit vor zweieinhalbtausend Jahren philosophiert: „Nichts ist von Dauer, nur die Veränderung.“ Klar, weil sonst lebten wir ja alle miteinander noch keulenschwingend im Urwald an der Traisen und nicht in einer feinen Mittelstadt mit bester Infrastruktur. Wandel kann also durchaus – siehe oben – erfreulich sein. Deshalb bin ich sicher: Die Linzer Straße wird wieder erblühen, halt anders, zeitgemäßer. Und das mit dem Domplatz kriegen wir St. Pöltner auch noch hin, ohne Furcht und Tadel: Dass sich nämlich im geschichtsträchtigen Zentrum der Altstadt die blechbestückte Autoabstellfläche zum schönen Stadtplatz wandelt. Wir müssen uns nur trauen . . .

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Foto: NJ/Fotolia.com

aufkommen enorm gestiegen, „was große Probleme mit sich bringt!“, wie de Buck warnt. „Die Eindämmung des Individualverkehrs ist daher eines unserer Hauptanliegen, zumal sie eine Grundvoraussetzung für die Erhaltung der hohen Lebens- und Wohnqualität darstellt.“ Gefährdet wird diese dabei nicht nur durch die unmittelbaren Umweltbelastungen oder eine zunehmende Verstauung der Hauptverkehrsachsen, sondern insbesondere auch durch ein Ausweichen des Verkehrs auf Nebenlinien sowie ein Verparken der Wohngebiete. „Wir müssen es also schaffen, die Einpendler zu einem Umstieg auf den Öffentlichen Verkehr zu motivieren.“ Wie das gelingen soll? Einerseits durch die Attraktivität des Systems an sich, wobei de Buck diesbezüglich auch die Etablierung eines SBahnnetzes ins Umland sowie die Verbesserung des Regionalbusverkehrs für unabdingbar hält, andererseits aber auch „durch begleitende Maßnahmen im ruhenden Verkehr.“ Konkret meint de Buck damit eine notwendige Qualitätssteigerung des öffentlichen Raumes, um das zu Fuß Gehen oder Rad fahren attraktiver zu

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SIEGFRIED NASKO

„Wir haben uns immer durchgewurschtelt“

Ein Gespräch mit Siegfried Nasko, der dieser Tage seinen 70. Geburtstag beging, ist immer – im positiven Sinne – ausufernd. Was mit seinen ersten Eindrücken St. Pöltens beginnt, endet in einer fundamentalen Kritik der österreichischen „Durchwurschtel-Mentalität“. Ein Gespräch über fehlende Strukturreformen in Österreich, nicht gezogene Lehren aus der Geschichte, Karl Renner und ein Blick ins Nähkästchen der St. Pöltner Sozialdemokratie.

Sie sind gebürtiger Grazer, haben in Wien studiert. Was war Ihr erster Eindruck von St. Pölten?

Ich kann mich noch gut erinnern, als ich das erste Mal über den Rathausplatz gegangen bin. Da lag so ein süßer Duft über der Stadt, wie in einer Leichenhalle – der Odem der Glanzstoff, wie ich alsbald erfuhr. Bei all der positiven Entwicklung durch die Hauptstadterhebung – aber das Schließen der Glanzstoff war DAS zentrale Ereignis für die positive Fortentwicklung der Stadt! Dass Bürgermeister Stadler den Mut aufbrachte, dies zuzulassen und sich nicht wie seine Vorgänger breitschlagen ließ, das Werk um Millionen zu retten – das war seine bisher größte Leistung, mit der das Hauptstadtimage geradezu befreit wurde. Als ehemaliger Vorgesetzter Stadlers gelten sie ja als eine Art Mentor des Stadtoberhauptes. Hat er gehalten, was Sie sich von ihm versprochen haben?

Absolut! Manche, auch in der SPÖ, haben wohl nicht erwartet, wie rasch er die neue Funktion ausfüllt und sogar noch populärer als sein Vorgänger wird. Er hat auch, durchaus gegen den Widerstand innerhalb der Partei, mutige Entscheidungen getroffen, an alten Dogmen gerüttelt – wie schon erwähnt bei der Glanzstoff, ebenso aber auch im Fall des Verkaufs der Fernwärme. Dadurch hat Stadler der Stadt in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit eine Manövriermasse geschaffen, die sie handlungsfähig hielt. Das war ein genialer Schachzug, auch wenn das manche in der Fernwärme und der Partei mit ihrer überholten „Hausmachtpolitik“ wohl bis heute nicht begreifen.

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Mittlerweile ist Stadler auch SP-Landesparteivorsitzender. Sie waren ja selbst Landtagsabgeordneter – warum grundelt die SPÖ auf Landesebene so dahin?

Weil es – mit Ausnahme von Hans Czettel – keine charismatischen Persönlichkeiten gegeben hat. Zudem ist nicht zuletzt in Folge der bekannten Medienlandschaft auch der Konnex zur Bevölkerung irgendwie verloren gegangen. Vielleicht wurde er auch bewusst verworfen – ich weiß es nicht. Zwar gibt man sich nach innen selbstbewusst, aber in Wahrheit spielt man keine Rolle – will sie nicht spielen. Mir wurde etwa an meinem ersten Tag gesagt ‚Du brauchst dir nicht einbilden, dass du etwas ausrichten kannst.‘ Ich hab dann halt auf eigene Faust gewisse, hauptstadtbezogene Themen aufgegriffen, weil ich nicht einfach nur so herumsitzen wollte, aber da wurde mir – auch seitens der Stadt – recht bald signalisiert, dass das unerwünscht ist. Ich wurde eher als Unruhestifter empfunden – das hat mich der Stadt doch sehr entfremdet. Mit dieser folgte später ja dann ein regelrechter Bruch, warum?

In Wahrheit hatte man in der Partei einfach Panik vor der Allianz Stadler-Nasko. Anstatt mit mir offen darüber zu reden, hat man halt eine Intrige gestartet, um mich loszuwerden. Das hat natürlich eine Zeitlang geschmerzt, ich war plötzlich sehr isoliert. Aber ich bin froh, dass die Zeit die Wunden von damals geheilt hat. Auf ewig zu schmoren bringt einen ja nicht weiter – von dem Prinzip kann man nicht leben.

Renners Standpunkt war, dass Diktaturen kommen und gehen, Menschenleben deshalb nicht sinnlos geopfert werden dürfen.


TEXT: Johannes Reichl | Fotos: Simon höllerschmid

Zu einem anderen Thema: Sie gelten als DER Renner­ experte in Österreich. Hat Sie das Bekanntwerden antisemitischer Äußerungen des zweifachen Staatsgründers überrascht?

Ich habe die Parlamentsprotokolle, aus denen die Zitate entnommen sind, leider noch nicht persönlich gesichtet. Das wäre aber seriöserweise notwendig, weil sie ja völlig kontextlos veröffentlicht wurden. Klärung verspreche ich mir von dem für Ende Juni in Aussicht gestellten Kommissionsbericht unter Leitung von Oliver Rathkolb. In meinen bisherigen Forschungen ist mir Karl Renner, dessen Schwiegersohn im Übrigen Jude war, jedenfalls noch nie mit derartigen antisemitischen Ausfällen aufgefallen. Im Gegenteil. Es gab einige Begegnungen mit Lepold Kunschak, über dessen antisemitische Äußerungen er ebenso entrüstet war wie über den anfangs von ihm bewunderten Karl Lueger, von dem er sich aber nach einem Versammlungsbesuch distanzierte. Und in seiner Autobiografie erzählt er eine Episode anlässlich seiner Maturafeier, als man jüdische Mitschüler nicht mitfeiern lassen wollte. Da wies er die Klassenkameraden zurecht: „Wer uns acht Jahre als Mitschüler gut genug war, ist es uns auch bei der Feier. Die Kollegen bleiben!“

Aber wie erklären Sie sich die Zitate dann?

Ich vermute, dass sie eher sarkastische Repliken bzw. Wiederaufnahme von Zitaten Christlichsozialer, allen voran Leopold Kunschaks sind, der ja in der Zeit von 1918 bis 1920 davon sprach, mit den Juden aufzuräumen und dass es eines eigenen Judenministers bedürfe. Alles in allem wirkt die ganze Sache wie eine Retourkutsche der ÖVP, weil man den Karl Lueger Ring in Universitätsring unbenannt hat – was ja wirklich ein Blödsinn war. Dass man nunmehr diesen Weltpolitiker und zweifachen Staatsgründer Karl Renner mit dem Provinzpolitiker Karl Lueger auf eine Stufe stellen möchte, ist aber ebenfalls einer! Renner ist aber auch aufgrund seines „Ja“ zum Anschluss „angreifbar“, gilt vielen als Opportunist.

Das „Ja“ wie so vieles andere kann man eigentlich nur aus Renners Wesen heraus begreifen: Ihm ging es immer darum, Leid von den Menschen fernzuhalten. Um dies zu erreichen, ging er auch mit den verwerflichsten Regimen Kompromisse ein, sobald er eine Situation als historische Tatsache betrachtete. Das war schon zu Monarchiezeiten so, als ihm Parteigenossen vorwarfen, er zerbreche sich den Kopf übers Kaiserhaus. Das war 1933 so, als er MFG 06.13

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Es gab so viele leere Kilometer in meiner politischen Tätigkeit.

einen Modus Vivendi mit dem Dollfuss-Regime – das ihn 100 Tage inhaftierte – suchte und sogar eine Ständeverfassung ausarbeitete, und das war nach dem Anschluss ebenso. Andererseits kenne ich keinen einzigen österreichischen Politiker, der sich nach dem Anschluss von hier aus in ausländischen Medien so offen und kritisch über das Hitler Regime geäußert hat wie Karl Renner!

Kommen wir in die Gegenwart: Aktuell scheint das Fieber der Politikverdrossenheit zu grassieren.

Das ist nichts Neues, Politikverdrossenheit gab es auch zu anderen Zeiten. Die Geschichte ist quasi eine Wiederholung des Gleichen, nur mit unterschiedlichen Vorzeichen. Ende der 20’er, Anfang der 30’er Jahre des letzten Jahrhunderts etwa ging die Tendenz zu Diktaturen. In den USA galt Deutschland nach der Übernahme Hitlers zunächst als Vorbild, auch weil er 30 Parteien aus dem Reichstag gefegt hatte. Das heißt, auch damals war eine Art Politikverdrossenheit gegeben. Und die ist immer gefährlich. Als dann die Wirtschaftskrise mit voller Wucht zuschlug,

hatte man dem nichts entgegenzusetzen. Diesbezüglich haben wir – da gilt es schon die heutige Politik in Schutz zu nehmen – dazugelernt. Es gibt anlässlich der aktuellen Situation zumindest soviel Solidarität, dass riesige Rettungsfonds geschaffen wurden. Dabei hat Österreichs Stimme innerhalb der EU durch Werner Faymann an Gewicht gewonnen. Ein schaler Beigeschmack ist nur durch das oberlehrerhafte Gehabe Deutschlands sowie durch eine gewisse Scheinheiligkeit der Solidarität gegeben. Entweder ich helfe, aber dann bitte ganz und ehrlich. Man darf den unterstützten Nationen nicht ihren Stolz und ihre geschichtliche Bedeutung nehmen – genau das passiert aber. Spielen Sie damit auf Griechenland an?

Es ist doch so: Wir verlangen von den Griechen, dass sie Beamte entlassen sollen, echauffieren uns über verschleppte Reformen und ignorieren dabei gleichzeitig, was wir selbst an Milliarden Euro jährlich einsparen könnten! Das ist absolut zynisch! Wir hatten 1995 mit dem Beitritt zur EU die große Chance, Österreich von Grund auf zu modernisieren. Der Verfassungskonvent wurde ins Leben gerufen, eine Reform des völlig überholten Föderalismus schien endlich möglich. Und was ist passiert? Die Vorschläge der zahlreichen Experten verschwanden einfach in irgendwelchen Schubladen, weil sich die Parteien nicht drübertrauten! Wir könnten uns jährlich – das war das damalige Ergebnis – fünf Milliarden Euro ersparen. Fünf Milliarden! Und wir machen Griechenland Vorhaltungen? Aber warum trauen sich die Parteien nicht drüber?

Weil sie vielfach in der Vergangenheit und alten Apparaten verharren. Die SPÖ an ursprünglich hart erkämpften, inzwischen durch die Allgemeinentwicklung überholten Errungenschaften, parallel dazu die ÖVP, etwa wenn sie darauf beharrt, dass Dollfuss im Parlamentsklub hängen bleibt. Diese Dinge gehen so tief in die Substanz der jeweiligen Partei, dass sich nichts ändert und sich kaum einer, der etwas in der jeweiligen Partei werden möchte, an wirkliche Reformen heranwagt. Das wird sofort abgedreht oder er ist weg vom Fenster. Dann scheint es um Reformen aber düster bestellt.

Zumindest so lange, wie die Wähler wählen, wie sie wählen. Tatsächlich gab es reformtechnisch betrachtet bislang nur zwei positive Ausnahmen in der Geschichte der 2. Republik – während der ÖVP Alleinregierung und unter jener Kreiskys. Dazwischen war – und zwar aufgrund des Zur Person Hofrat Prof. Dr. Siegfried Nasko, 70, war langjähriger KulturStadtrat in St. Pölten sowie über zwei Jahre Abgeordneter zum Landtag. Im Magistrat St. Pölten war er drei Jahrzehnte Leiter der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit und Internationale Kontakte. Als Historiker verdiente er sich besondere Meriten um die geschichtliche Aufarbeitung der Österreichischen Arbeiterbewegung, zudem gilt er als Renner-Experte.

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„Wir haben uns immer durchgewurschtelt“

onen bleiben? Das ist aber nicht untypisch für die 2. Republik: Wir haben uns – vielleicht mit Ausnahme der Ära Kreisky – immer nur durchgewurschtelt. Vielleicht ist das unser Naturell. Dabei ist die 2. Republik durchaus eine Erfolgsstory, aber ein modernes Land sind wir nicht. Kein Vorreiter, sondern Mittelmaß. Und wer ist wirklich zufrieden? Oder vielleicht sind es die Leute sogar, aber in Wahrheit doch nur, weil sie gar nicht wissen, was möglich wäre!

Aber ist das nicht auch eine persönliche Ernüchterung? Sie waren ja viele Jahre Teil dieses Systems?

Wählerwillens – immer eine Pattstellung gegeben. Die koalierenden Parteien stehen sich ja nur im Weg, blockieren einander. Angesichts einer zunehmenden Verflachung der Ideologien ist dies freilich immer obskurer – da machen sich die Großparteien lieber zur Karikatur ihrer selbst anstatt aus den alten Dogmen auszubrechen und gemeinsam etwas zu schaffen! Das wäre aber bitter notwendig! Die Folge sind neue Gruppierungen?

Das sagen sie, dass sie alles „neu“, „anders“ machen – aber tun sie das wirklich? In Wahrheit sind das doch auch nur Systemerhalter. Und wenn sich etwa die Grünen damit brüsten, dass sie in Salzburg so erfolgreich waren, weil die anderen das Geld verzockt haben, dann ist das in Wahrheit doch zum Heulen. Nicht die eigene Visionskraft entscheidet heute Wahlen, sondern die Schnitzer der anderen. Wobei der Salzburger SPÖ die Wahlschlappe schon gebührt hat. Wieder mit der selben Mannschaft anzutreten, die für den Skandal verantwortlich war, war ja ein regelrechter Schlag ins Gesicht der Demokratie und der Wähler.

Man muss einsehen, dass es nur einige wenige in einer Partei gibt, die sagen, wo‘s langgeht. Die Kleinen sind in diesem Sinne immer nur Steigbügelhalter. Ich selbst war, weil es das vom Statut her in St. Pölten gar nicht gibt, zum Beispiel nie amtsführender Stadtrat. Ich habe also erfüllt, was Vorgesetzte zuließen, und war froh, wenn sich das mit meinen eigenen Ideen gedeckt hat bzw. wenn diese aufgegriffen wurden. Heute, aus kritischer Distanz, empfinde ich meine politische Tätigkeit aber nicht als großartige Leuchtspur. Es gab so viele leere Kilometer. Aber wenn das jemand anders sieht, freut es mich natürlich.

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In Wahrheit hatte man in der Partei einfach Panik vor der Allianz Stadler-Nasko.

Ist die Frage der Politikverdrossenheit aber nicht auch eine des Personals, das früher besser war?

Die waren aber auch noch nicht so extrem in die Medienmaschinerie verstrickt. Die Medien tragen nämlich das Ihre zur aktuellen Situation bei. Anstatt aufzuklären, Zusammenhänge zu erläutern, ergötzen sie sich lieber an gegenseitigen Schimpftiraden der Politiker. Dies hat aber zur Folge, dass häufig keine Inhalte mehr diskutiert werden, sondern es nur um eine Personalisierung in der Politik geht. Faymann hat das gesagt, Spindelegger das, Strache das. Und nahezu jeder hat Angst, das Falsche zu sagen. Trotzdem stehen all diese Herren nicht für große Strahl- und Innovationskraft.

Es stimmt schon, dass in der aktuellen Politszene keine geistigen Heroen zu finden sind, Menschen, die nach Wahrhaftigkeit streben, von natürlichem Verantwortungsgefühl beseelt sind. Stattdessen finden wir den Typus des persönlichen Konjunkturritters, der von einer Legislaturperiode zur nächsten hechelt. Wie soll da Platz für Visi-

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SHORTCUT KULTUR

Liebe Dreckschweine

Thomas Fröhlich Ein offener Brief:

Also, liebe Dreckfinken: Vielleicht schafft ihr‘s ja in Zukunft, ein Mindestmaß an zivilisatorischem Verhalten an den Tag zu legen. Falls nicht (was anzunehmen ist), empfehle ich euch frei nach Wolfgang Ambros: Hupfts in Gatsch! Sprich: in eurem eigenen Dreck! Aber bei euch z‘ Haus. Danke!

Auslöschung

Es ist das Ende einer Ära, unübersehbar! Nachdem Joachim Schloemer mit einer fulminanten Abschiedsgala im wahrsten Sinne des Wortes – er wirkte aktiv als Protagonist mit – die Bühne des Festspielhauses verlassen hatte, fuhren draußen alsbald die Bulldozer vor, um der „Toten Stadt“ den Garaus zu machen. Jener kühnen wie kläglich gescheiterten Vision eines von der Crowd eroberten „open space“, der zuletzt als ungenutzte Holzterrasse sein kümmerliches Dasein fristete. Schon tags zuvor hatte das Café Publik, ebenfalls geistiges Kind des scheidenden Intendanten, unter dem Motto „Adios kleines Kulturschiff“ seinen Kulturbetrieb eingestellt. Und auch die BOX, dereinst Schrecken des Bildungsbürgertums, weil man „den schönen Hayden-Saal“ just im Haydenjahr in einen vermeintlich kulturellen Darkroom verwandelt hatte, wurde mit einer letzten Prozession zu Grabe getragen. Von jenen, die dort so wunderbare Stunden erlebt hatten. Mit Kreide – ganz zivilisiert – schrieben sie ihre Kondolenzgrüße auf die schwarzen Holzplanken. Es ist Wehmut, die einen ob dieser regelrechten Auslöschung erfüllt, und doch – so wie die Kreide zu Staub zerfällt und damit nicht mehr vollends fassbar, in diesem Sinne tilgbar ist, so hat sich auch Schloemers Arbeit im Haus festgesetzt. Und so wird auch das auf einer der Bänke prangende Leitmotiv „Keep your mind open“ durch die Deinstallation nicht verschwinden, sondern als Idee in den Köpfen weiterleben!

ist studierter Theologe), aber insbesondere auch künstlerisch verschrieben hat. Dementsprechend steht auch seine aktuelle Bilderserie, die der Maler kürzlich in der Rechtsanwaltskanzlei „Urbanek Lind Schmied Reisch“ präsentierte, in diesem Kontext. Der Titel ist bezeichnend: „Wo Gott wohnt“ Und genau darum geht es auch: „Ich beschäftige mich dabei mit sakralen Plätzen und Orten sowie ihrer aktuellen gesellschaftlichen Relevanz“, verrät Nährer, der sich auch in seiner künstlerischen Ausdrucksweise verändert hat. „Die Arbeiten sind maleWo Gott wohnt rischer als die Serien davor!“ Religion ist und bleibt jener große Der Besuch der Ausstellung ist gegen (Reflexions)Kosmos, dem sich der St. Voranmeldung unter www.naehrer. Pöltner Florian Nährer nicht nur (er com möglich.

Fotos: demarfa/Fotolia.com, Hermann Rauschmayr, zVg

Entgegen eurer offenbar vorherrschenden Meinung, Straßen, Geh-, Rad- und Wanderwege, Uferpromenaden oder auch Spielplätze würden schöner oder gar besser, wenn ihr sie mit Plastikflaschen, Bierdosen, gammelnden Döner- oder McDonalds-Resten (samt Verpackung), Hundekot oder Glassplittern zumüllt, muss ich euch leider sagen: Das stimmt nicht! Aber es bereitet euch offensichtlich diebische Freude, die uns umgebende (Stadt)Landschaft zu einem einzigen, riesigen Misthaufen und so zu einem Spiegelbild eurer eigenen hinichen Hirne umzugestalten. Vielleicht findet ihr das ja lustig, wenn es für den Rest der Menschheit nicht mehr möglich ist, auch nur einen Schritt aus dem Haus zu tun, ohne der Ergebnisse eures „bereichernden“ Wirkens gewahr zu werden. In Hundekacke reinzutreten ist schon nicht besonders unterhaltsam – aber die gemeingefährlichen Flaschensplitter auf dem Spielplatz sollte man euch eigentlich in eure Hinterteile rammen, bevor ihr zur Wiedergutmachung verdonnert werdet (auch wenn ihr eine schlechte Kindheit gehabt oder ähnliche Ausreden parat habt). Und was die erwähnten Vierbeinerhaufen betrifft: In St. Pölten braucht‘s keine Hundezonen, sondern vielmehr Menschenzonen – die Stadt ist eh schon ein einziger Hundeauslaufund -scheissplatz.

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Der mit dem scharfen Messer New York, zu Beginn der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts: Jean Michel Basquiat zieht, von der Graffiti-Szene aus kommend, als erster afroamerikanischer Künstler mit seinen Exponaten in die Galerien der amerikanischen Kulturhauptstadt ein. St. Pölten, 30 Jahre später: Einer der ersten Apologeten österreichischer GraffitiTags, „labinsac“, jetzt „Wolf“, stellt seine Stencils (Schablonenkunst) erstmals im St. Pöltner Stadtmuseum aus.

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it dabei im Kreise der ausgestellten großformatigen Porträts ist ein der Schablonenkunst entsprungenes Konterfei des von „Wolf“ seit seiner Jugend so verehrten New Yorker Künstlers. „Einer meiner Kunsterzieher im BORG, der Bernauer Toni, hat mich mit Jean Michel Basquiat, mit Street Art aus New York und den hippen Städten erstmals konfrontiert“, erzählt „Wolf“ – die Initialzündung für eine erste Sprayerkarriere. Erste Sprayerversuche „Wolf“, aufgewachsen als Wolfgang Gstettner, beginnt unter dem Künstlerpseudonym „labinsac“ Mitte der achtziger Jahre erste Graffiti in der Öffentlichkeit zu platzieren. „Wir haben damals versucht, uns geeignete Plätze zum Sprayen zu suchen. Es war nicht die Hardcore-Version, so mit durch die Nacht marschieren und alles beschmutzen.“ Erste Tags entstanden, dreidimensionale Klassiker mit fetten Umrandungen, „so mit Out-Lines, Old School-Style


TEXT: ANDREAS REICHEBNER | Fotos: HERMANN RAUSCHMAYR

sacs“, unter anderem beim legendären Kultgasthof Koll, blieben aber im geschützten Bereich der Legalität. Nach der ersten intensiven Graffitizeit folgte die Zeit der „bürgerlichen Versuchung“ – Heirat, Kinder, Familie. „Aber ganz aus den Augen habe ich auch damals das Sprayen nicht verloren“, erzählt „Wolf“, dessen Bürgertum bald aus den Fugen geriet. Die Idee eines ehemaligem Schulkollegen, sich doch mit coolen Stencils (Schablonenkunst) zu befassen, brachte „Wolf“ wieder auf Schiene Richtung Kunst. Arbeiten von Stencilguerillakämpfer und Graffitiweltenbummler Banksy wurden maßgeblich. Dessen Werk versuchte „Wolf“ ins Österreichische zu übersetzen.

» eben“. MTV brachte Sendungen über Graffiti-Künstler aus aller Welt. Ein paar Jungs, mitten drin „labinsac“, sprangen auf den Zug auf. Das Graffito – genau genommen seit den gekratzten Inschriften im Alten Ägypten bekannt, das aber im Taggen, beim Markieren, in Verbindung mit der HipHop-Kultur seine jetzige Ausprägung erfuhr – war also in St. Pölten angekommen. Schnell muss es gehen beim Taggen: „Du brauchst viel Übung als Sprayer, aber wir haben im Unterschied zur heute gebräuchlichen Unsitte, so gut wie nur zu beschmieren – und das noch dazu mit schlechten Tags – die öffentlichen Räume so ausgewählt, dass wir nicht wirklich etwas zerstört haben“, so „Wolf“, wobei er sich des gesetzlichen Graubereichs, was jetzt schon illegal ist, und was noch nicht, durchaus bewusst ist. Der Kick, seine Tags überall zu platzieren, wird gerade jetzt wieder medial ordentlich durchgekaut. Eben erst hat die Deutsche Bahn angekündigt, Überwachungsdrohnen mit Kameras im Kampf gegen illegale Sprayer einzusetzen, und die ÖBB klagt über Schäden in Millionenhöhe, verursacht durch Graffiti. Ehemalige Sprayeraktionen „labin-

Das Messer wird zum Werkzeug „Ich habe angefangen, zuerst Buchstaben zu schneiden, dann Ziffern und später aufwendigere Sachen wie Köpfe“, so der St. Pöltner Künstler, dem ab nun das Messer als sein ursächliches Zeichengerät diente. Die Suche nach einem Atelier wurde dringlich, das er im frei:raum fand, wo er

Es gibt hier keine Galerie, die frische und visionäre Kunst zeigt. zwischen 2003 und 2007 im Backstageraum arbeitete. Workshops und Aufträge folgten, „Wolf“ machte sich unter labinsac einen Namen in der Stencilszene. Red Bull, Puls-TV und Wiener wurden vorstellig. Es entwickelten sich aus einfachen Schwarz-Weiß Stencils im Laufe der Jahre detailreichere Schablonen, die durch Verwendung zusätzlicher Farben nuancierter, aber auch „fetter“ wurden. „Wolf“ nennt es „aufgepoppt“ im Sinne eines Keith Haring oder Andy Warhol. „Meine Stencils haben einen hohen Faktor an Reproduzierbarkeit. Der Aufwand in der Vorarbeit ist sehr groß, aber man kann in unheimlicher Schnelligkeit einen riesengroßen Effekt erzielen.“ Neben der formalen Entwicklung ist bei seinen Exponaten auch eine inhaltliche Veränderung eingetreten – ein undifferenzierter Aufschrei ist einer fundierten Gesellschaftskritik gewichen. Stadtmuseumsleiter Thomas Pulle hat erkannt, „welch Potenzial in mir steckt.“ Folgerichtig wurde eine Ausstellung „a.e.r.o.s.o.l.i.u.m. cetium – st pölten sprüht. labinsac goes Wolf“ im Stadtmuseum eingerichtet. In den Arkaden befinden sich bis 23. Juni seine Stencils. „Ich denke, ich war jetzt reif für diese Ausstellung. Ich hab sehr viel Kraft da hineingelegt, weil ich eigentlich sehr stolz bin, als St. Pöltner Künstler hier auszustellen“, sieht sich der Stencilkünstler, der von seiner Frau Siegrid Mayer eifrig unterstützt wird, in seiner Heimatstadt einmal bestätigt. Das ist aber nicht immer so. St. Pölten ist nach wie vor nicht das Eldorado für die zeitgemäße und anarchische Kunstausübung. „Du kannst hier fast keine Netzwerke aufbauen, das wäre in Wien besser. Das Herumhängen mit anderen Künstlern fällt mehr oder weniger flach, und es gibt keine Galerie, die frische und visionäre Kunst zeigt“, so „Wolf“, der mit seinen Künstlerkollegen von kg4 – MFG 06.13

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MFG KULTUR

Der mit dem scharfen Messer

Originär. „Das Fehlen einer lebendigen Szene macht dich andererseits aber auch stark, du kannst dein eigenes Ding generieren.“

beim Image geben der Stadt einbezogen werden. „Für die Kids ist St. Pölten nicht cool. Gerade eine Kunstszene, die pulsiert, die der Jugend etwas zu sagen und zu bieten hat, kann da der Stadt ein ganz anderes Image geben.“ Als Künstler sieht er sich manchmal mit einem schlechteren Image als ein „Arbeitsloser“ konfrontiert. „Angeschnorrt wirst oft, ‚Kannst mir was machen?‘, aber zahlen wollen die meisten nichts dafür“, bleibt er dem freunderlwirtschaftlichem Sumpf kritisch gegenüber. Für das Beatpatrol Festival hat er gerade eine Plakatserie entworfen. Zunächst wurde ein Teaser in Form des „gestencilten“ Abbild des US-amerikanischen Electro-HouseDJs und Musikproduzenten Steve Aoki, „der aussieht wie Jesus“, plakatiert. Im nächsten Schritt wurden die Bilder mit Infos zum Festival versehen und damit die Geschichte aufgelöst. „Dem René Voak taugen meine Sachen. Ich bin sehr froh, dass ich das machen durfte. Er ist einer, der sich was zu machen traut, Visionen hat – braucht man sich nur das Beatpatrol anschauen, ein fettes Ding.“ Dass gleich an den ersten Tagen der Aktion einige Plakate mit Schimpfwörtern besprayt wurden, sieht „Wolf“ als „Neidgschichterln“, die eben nur aufs Schmieren aus sind.

Florian Nährer, Marcus Hufnagl, Martin Sch. aka filius delacroix – eine kleine, feine Kunstszene bildet. Dieser fehlt es aber an einer dauerhaften Präsentationsfläche. Künstlersein in Niederösterreichs Hauptstadt ist nach wie vor eine äußerst exponierte Angelegenheit. Langjährige Kunstinstitutionen wie der St. Pöltner Wo geht die künstlerische Reise hin? Künstlerbund haben sich hingegen mit dem Kunst:Werk Für ihn geht ohnehin die künstlerische Reise Richtung deim Löwenhof in der Linzerstraße einen Ort, der mit mo- tailgetreuer Porträts in überlebensgroßem Format sowie derner Kunst bespielt wird, geschaffen. Leer stehende Ge- architektonischer Stencils. Aus Los Angeles hat eben der bäude in eben dieser Straße, „statt einer Verbarrikadierung Produzent und Rapper Chuck Inglish seine Autoinstallamit DOKA-Platten, wären ideal für Kunst. Aber wenn man tion erworben. Das macht den „Wolf“ gierig, ins Ausland die Immobilienmakler fragt, sind es plötzlich DIE Mega- zu gehen. „Ich habe eine Anfrage vom Bürgermeister von Hot Spot und sie halten die Hand auf. Da müsste die Stadt Mexiko City, dort mit Kindern aus den Favelas zu werken, oder der Stadtmanager sie zu unterrichten, das Angeschnorrt wirst oft, ‚Kannst kreativen Ideen mehr wär schon was“, möchte er Chancen geben“, ernicht nur Gesellschaftskrimir was machen?‘, aber zahlen eifert sich der St. Pöltner wollen die meisten nichts dafür! tik üben, sondern auch akKünstler, und fügt hinzu: tiv an einer Verbesserung „Aber im Regierungsviertel ist es ja das Gleiche. Von den der Welt mitarbeiten. Trotz aller Kritik an St. Pölten, „dem ursprünglichen Visionen, etwa des Architekten, der ja auch Team um Stadtmuseumsdirektor Thomas Pulle danke ich für die Skater gebaut hat, ist nicht viel übrig geblieben. Jetzt für ihren Mut und die Einsatzbereitschaft. Er hat mir bei ist dort deep house!“ Traurig findet er auch, dass das ein- der Ausstellung freie Hand gelassen. Ich fühle erstmals offizige Streetwaregeschäft, das „Seven“, zugemacht hat. Weg ziell meine Kunst wertgeschätzt“, freut sich „Wolf“. ist der Umschlagplatz für Skater, Surfer, HipHopper, und Womit wir beim Durchhaltevermögen, das ein Künstler „das Café Publik ist genau in den Monaten geschlossen, mit aller Konsequenz gegenüber boulevardesker Anfeinin denen man schön flanieren könnte.“„Wiener Wände“ – dung in sich tragen muss, wären. Flächen, an denen sich Sprayer ordentlich austoben kön- Sein geistig verwandtes Künstlervornen, findet man in der Stadt nicht. bild, Jean Michel Basquiat hat sich in den Drogentod treiben lassen, aber Lebendige Kunstszene fehlt „ich hab gelernt zu kämpfen, hab „Das Fehlen einer lebendigen Szene macht dich anderer- mich nie gefragt aufzugeben, bin ein seits aber auch stark, du kannst dein eigenes Ding, dei- Stehaufmännchen, weil ich meine nen eigenen Style stur und unabhängig von Konkurrenten Kunst mit Leidenschaft, mit Herzblut und mächtigen Einflüssen generieren. Das hat ja auch bei betreibe.“ Das hatte Basquiat allerBauchklang wunderbar funktioniert“, kann „Wolf“ der dings auch so gehalten. Ermangelung von künstlerischen Reibebäumen durchaus auch etwas abgewinnen. Wünschen würde er sich, dass INFOS heimische, aktuelle Künstler mehr in die Vermarktung, www.labinsac.yolasite.com

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44 Wir tun, was wir können.

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Samstag 27. Juli | Ratzersdorfer See Juli | Ratzersdorfer See

Jerry, Gus Backus,…und natürlich Jerry, Gus Backus,…und SOLO.natürlich Steinbachs SOLO. Steinbachs Motto: Motto: Das Festival „Der Boogie ist das Beste „Der was Boogie der ist Welt das Beste passieren was der Welt passieren konnte konnte und und das legendäre Am 27. Juli 2013 geht am Ratzersdorfer See das legendäre sind Beste was die Finger mir sindpassieren das Beste was mir konnte.“ passieren konnte.“ er dieSummer Bühne. Blues Festival die bereitsFinger zum 11. Mal überdas die Bühne. erden Rund voneintausend den Blueser aus ganz Österreich werden von den Angela Brown [US]Angela + Mika Brown [US] Stokkinen + Mika Stokkinen Band Band und dem Organisatoren Team Charlie Furthner, Mika Stokkinen und dem Team Brown, Chicago Angela als ‘the Brown, hottest in Chicago als lady ‘the hottest in town’ lady in town’ gefeigefeiwie jedes des Büro Jahr, V erwartet. Die Angela Besucher können sich, wiein jedes Jahr, ert, sicherlich die Stimme ert, istdes sicherlich Abends. die StimmeDie des Abends. beeindruckende Die beeindruckende und internatiauf 4 Bluesbands, gespickt mit ist österreichischen und internatiKarriere der Karriere der gebürtigen US-Amerikanerin führte sieführte über sie Statioüber Statiolischeonalen AbendBluesgrößen, freuen. Dazu gibts die gebürtigen idyllische Abend- US-Amerikanerin nen Erwin Helfer Band nen wieoder der Erwin den HelferChicago Band oder denAll-Stars Chicago All-Stars nach nach auf höchstem stimmung am Ratzersdorfer See,wie sowieder Catering auf höchstem Europa, wo sie die Fachpresse Europa, als wo sie„das die Fachpresse Beste, als „das was Beste, dem was Bluesdem BluesNiveau. gesang in den letzten Jahren gesang in passiert den letzten Jahren ist“ bejubelte. passiert ist“ bejubelte. Weitere Weitere Tourneen folgten, bei denen Tourneen sie, folgten, wie bei keine denen sie, andere wie keine andere Sängerin Sängerin Line-Up vor ihr, gefeiert wurde. ] Blues Rudy & Peter Schmidt [GER]vor ihr, gefeiert wurde. Begleitet Brown wird Angela am Brown Blues am Blues Festival Festival rg Das Bluesduo aus der Lutherstadt Wittenberg Begleitet wird Angela von derBand Mika Stokkinen – mit Band Mika – mit Mika an an der der (GER) wird den Startschuss zum Blues Festival von der Mika Stokkinen Klampfe, am Andreas Kontrabass Hadl am Kontrabass und und HerHergeben. Ihr heutiger Sound ist unerbittlich, for- Klampfe, Andreas Hadl mann Aigner am Schlagwerk. r dernd und bahnt sich, mit der Leichtigkeitmann einer Aigner am Schlagwerk. ie Dampfwalze den Weg ins Ohr. Eindringlich wie die Mojo nd Thesen Luthers formt Rudy alte Bluesklassiker undBlues BandMojo Blues Band „They´re „They´reboys the blackest I´vewhite ever boysseen!“ I´ve ever seen!“ Kilo veredelt sie mit seinem eigenen Charme. 120 Kilothe blackest white Dieser Meinung ist nichtDieser nurMeinung die große ist nicht nur Legende die große Legende des des ChiChiBlues Instant, die einfach Spaß machen. cagoblues, Tail Dragger. cagoblues, In Sachen Tail Dragger. Blues In Sachen bereisen Blues bereisen sie sie schon seit über 30 Jahren schondie seit über halbe 30 Jahren Welt die und halbe Welt begeistern und begeistern Christopf „Boogie Wolf“ Steinbach mit überzeugend kraftvoller mit überzeugend und gefühlsbetonter kraftvoller und gefühlsbetonter Musik Musik e…der Boogie Wolf… - es ist schwer ihn zu beimmer Besucher wieder 1000e und Besucher Besucherinnen. und Besucherinnen. ie schreiben: Ein Piano, 10 tobende Boogie Woogie wieder 1000e immer Keineden andere österreichische Keine andere Gruppe österreichische hat Gruppe in der hat Welt in der Welt des des n Finger und ein grölender Mund, der zwischen Zwölftakters einen größeren Zwölftakters Stellenwert einen größeren als Stellenwert die Mojo als die Mojo BluesBluese Haaren hervor schreit. Bekannt als der schnellste band rund um Erik rundTrauner. um Mastermind Erik Trauner. e: Pianist, tourte bzw. spielte er bereits mit Stars wie:Mastermindband arlowe,Eric Mungo Burdon, Chris Barber, Tony Sheridan, Chris Farlowe, Mungo Tickets Tickets Tickets im Vorverkauf gibt es Tickets bereits im Vorverkauf beigibt Ö-Ticket, es bereits bei im Ö-Ticket, VAZ, im VAZ, in der in der Sparkasse NÖ Mitte West AG Sparkasse (Domgasse NÖ Mitte West& AGSchwaighof) (Domgasse & Schwaighof) undund im im Büro V. Nähere Infos zur Veranstaltung Büro V. Nähere Infos zur gibt’s Veranstaltung auchgibt’s auf auch auf www.buerov.com www.buerov.com

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un, wir können.

Samstag 27. Juli | Ratzersdorfer See

DasDasFestival Festival AmAm27.27.JulJuli 2013 i 2013gehtgehtamamRatRatzerzserdorsdorferfeSeer Seedasdaslegendär legendäre e Summer SummerBluBlesuesFestFestivalivalberbereitesitzums zum11.11.MalMalüberüberdiedieBühne. Bühne. RundRundeineitanusend tausendBluBleserueserausausganzganzÖstÖsterericehicwerh werdendenvonvondenden OrOrganiganisatsoatreonreChar n CharlieliFure Furthnerthner, Mi, MikakSta oStkkiokkinennenundunddemdemTeamTeam desdesBürBüro Vo erV werarwtaret.eDit. eDiBesucher e Besucherkönnen könnensicsih,ch,wiwie je desjedesJahrJahr, , aufauf4 Bl4 uBlesbands, uesbands,gespigespicktcktmimit östt österericehiicshichenschenundundintienrtneatrniat- i-

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MFG ADVERTORIAL

Ein Programm mit Herz und Haltung

Wie sagt man so schön: Neues Spiel, neues Glück! Das gilt nicht nur am Roulette-Tisch, sondern auch im Festspielhaus St. Pölten. Denn die kommende Spielzeit steht unter der neuen Schirmherrschaft Brigitte Fürles, die bereits große Pläne für das Haus hat. MFG verrät einige Highlights der kommenden Saison, die unter den Schlagworten „Haltung Herz Berührung Realität“ steht. die Institution gleichermaßen“, lässt Fürle ihre Intentionen durchblicken.

Artists in Residence In der Saison 2013/2014 werden der israelische Choreograf und Musiker Hofesh Shechter sowie der Choreograf Lemi Ponifasio gemeinsam mit ihren Compagnien Artists in Residence im Festspielhaus St. Pölten sein. Die beiden Künstler freuen sich bereits auf ihre neue Herausforderung und insbesondere auf die Möglichkeit Teil der Community zu werden. Dabei treten sie in einen Dialog mit dem Haus und seinem Publikum, das in Form von Previews, Workshops, Open Studios und Künstlerbegegnungen bereits vor der Premiere aktiv am künstlerischen Prozess teilnimmt.

BRIGITTE FÜRLE

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ach spannenden vier Jahren übergibt Joachim Schloemer sein Szepter als künstlerischer Leiter an Brigitte Fürle, die sich u. a. bereits als künstlerische Leiterin von „spielzeit’europa“ bei den Berliner Festspielen sowie als Programmkuratorin der Salzburger Festspiele einen Namen gemacht hat. „Das Festspielhaus bietet – neben dem Saisonbetrieb mit der programmatischen Bandbreite internationaler Tanzereignisse – den eingeladenen Künstlern Lebens- und Arbeitszeit auf der Bühne sowie Begegnung mit ihrem Publikum, im Rahmen von Residencies, Workshops, Masterclasses usw., bevor die Produktion zur Premiere gelangt. Dies können heute im deutschsprachigen Raum nur wenige Häuser bieten. Ein Haus als Produktionsstätte ist ein Zukunftsmodell und eine Chance für die Künstler sowie 46

Mit einer Europa-Premiere, einer Premiere im deutschsprachigen Raum und insgesamt acht Österreich-Premieren lässt das Festspielhaus St. Pölten 2013/2014 das Herz Tanzbegeisterter höher schlagen. Den Auftakt zu Saisonbeginn macht Angelin Preljocaj mit der Österreich-Premiere seiner neuesten Produktion „Les Nuits“, die auf der Erzählsammlung „Tausendundeine Nacht“ basiert. Besonderer Augenschmaus: Die Kostüme wurden von dem tunesischen Couturier Azzedine Alaïa kreiert, die Ausstattung von der Designerin Constance Guisset. Ein weiteres Highlight des Tanzprogramms stellt „C(H)ŒURS“ von Alain Platel dar, der in Zusammenarbeit mit dem Tonkünstler-Orchester Niederösterreich große Chöre wie etwa den GefangenenChor aus Verdis „Nabucco“ oder den Pilger-Chor aus Wagners „Tannhäuser“ mit modernem Tanz in Verbindung bringt und zum ersten Mal in Österreich zu Gast sein wird.

Alles Musik Einen Fixpunkt des Musikprogrammes stellt das Tonkünstler-Orchester Niederösterreich dar. Mit „Tonkünstler klassisch“ wird die Tradition für Klassikfans fortgeführt. Daneben präsentieren die Tonkünstler in ihrer „PluggedIn“-Reihe wieder ihre Vision einer Musik, die spielend Genregrenzen überwindet und sich in keine Schublade zwängen lässt. Das London Symphony Orchestra, die Wiener Philharmoniker und das Orchester des Bolshoi-Theaters Moskau

Fotos: Victoria Schaffer, Javier del Real, Thomas Kahry, Stefan Badegruber, Jean-Claude Carbonne

International hochkarätiges Tanzprogramm


präsentieren im Zyklus „Internationale Orchester“ Meisterwerke klassischer Musik von Bruckner über Berlioz bis hin zu Tschaikowski. Freuen dürfen wir uns auch auf einen Liederabend der Sonderklasse. Die vielfach ausgezeichnete Lied- und Opernsängerin Angelika Kirchschlager bringt gemeinsam mit dem Singer-Songwriter Rufus Wainwright ein Programm zwischen Pop und Klassik auf die Bühne. Korrespondierend ist im Cinema Paradiso eine Kinopremiere geplant: „Sing Me The Songs That Say I love You”, eine Hommage an Wain­ wrights Mutter Kate McGarrigle.

Alles in allem Das Publikum erwartet alte Bekannte, neue Gäste und viele Möglichkeiten, am Programm aktiv teilzunehmen. Es werden wieder regelmäßig Workshops stattfinden und begeisterten Tänzern im „Atelier für alle“ sowie in den fortgeschrittenen „Masterclasses“ Tür und Tor geöffnet.

Fotos: Victoria Schaffer, Javier del Real, Thomas Kahry, Stefan Badegruber, Jean-Claude Carbonne

C(H)ŒURS

WAINwRIGHT & KIRCHSCHLAGER

TONKÜNSTLER NÖ

LES NUITS

Ein Blick ins Programm zahlt sich aus www.festspielhaus.at


MFG KULTUR

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Primadonna

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So ein Theater

Der letzte Vorhang ist gefallen, der letzte Ton verklungen, das letzte Licht erloschen – St. Pöltens Hochkultur-Bühnen haben sich in die wohlverdiente Sommerpause verabschiedet. Im Umkehrschluss heißt dies: Ab ins hochkarätige Sommerfestivaltreiben. Ein paar Tipps, wie sie den Sommer kulturtechnisch überleben.

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anz frischer Wind bläst einem aus Stockerau entgegen. Zwar haben die Festspiele Stockerau schon 50 Jahre auf dem Buckel, aber Intendant Zeno Stanek hat dem Evergreen ein spektakuläres Facelifting verpasst. Sein Kunstkniff: Er belebt sozusagen das Sprechtheater neu und stellt Stockerau somit auf zwei Schienen, oder, wie er es formuliert: „Stockerau ist flirrende Festspielstadt voller Theater und Musik.“ Ein großer Wurf dürfte mit der Inszenierung von Dürrenmatts Klassiker „Der Besuch der alten Dame“ (Premiere 25. Juni – dann jeweils Mi-Sa bis 10. August) gelingen. Über 50 Personen wirken an dem Stück mit, die Musik hat eigens die österreichische Gitarrenlegende Karl Ritter geschrieben (der auch als Schauspieler in Erscheinung tritt), und das Schauspielensemble wird von niemand Geringerem als Anne Bennent als „alte Dame“ angeführt. Zeno Stanek, der Regie führt, verweist zurecht auf den Anspruch, nicht quasi Provinztheater zu bieten, sondern „die Festspiele Stockerau sind urbane Theater- und Musikfestspiele.“ Ein Beleg dafür ist

auch das tolle Konzertprogramm unter dem Motto „querfeld1“ mit Granden wie Willi Resetarits, Otto Schenk uvm. www.festspiele-stockerau.at Unter www.theaterfest-noe.at findet man wieder die Sommerveranstaltungen in Niederösterreich zusammengefasst. Opernfreuden Voll auf Ihre Rechnung kommen auch wieder Freunde der Oper. Der Evergreen unter den niederösterreichischen Sommeroper-Spielstätten, Gars/Kamp, bringt heuer Rossinis „Der Barbier von Sevilla“ auf die Bühne (ab 19. Juli, www.opernair.at). Die Oper Klosterneuburg präsentiert Otto Nicolais komisch-fantastische Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“ (ab 6. Juli, www.operklosterneuburg.at) und der ostösterreichische „Biggambler“ schlechthin, die Opernfestspiele St. Margarethen im Burgenland, werden Puccinis „La Bohème“ auf die Bühne zaubern (ab 10. Juli, www.ofs.at). Kurzum ... Der Sommer ist gerettet!

Fotos: Leighton Woodward, XL Recordings, zVg

„Melde dich bei Christoph H. Er hat heute Geburtstag!“ Das war nicht der Anruf meiner besorgten Mama, ob ich auch ja nicht den Geburtstag meines Onkels vergesse, sondern facebook! Danke für die Benachrichtigung, aber das entscheide schon noch immer ich, wem ich wann und wie und überhaupt Wünsche zukommen lasse! Ich mags auch nicht besonders, wenn ich sekündlich gefragt werde, wie mein Status ist, wie´s mir geht, was ich gerade mache oder ob ich nicht für irgendwen Freunde wüsste, wen anstupsen will oder diesen oder jenen kenne und ob mir grad fad ist und ich jemandem im Universum eine Frage stellen möchte. Ganz lustig – im Sinne von zum Kotzen - find ich diese tollen Sprüche und Weisheiten von irgendwelchen indischen Karmaspezialisten oder asiatischen Weisheitsgurus mit weichgezeichnetem eingefärbten Hintergrund von Meeresrauschen oder mit lauter Herzerln versehen à la „Fange an, auf dein Herz zu hören, dann wirst du Dinge erkennen, die dir zuvor unvorstellbar erschienen!“ AHA!! Das ist also des Rätsels Lösung, na dann mach ich das jetzt mal sofort! Danke! Wer macht solche Sprüche – und noch viel interessanter – wer teilt sowas? Genauso gerne schau ich mir die hundertsten Hunde- und Katzenfotos an oder geb mir die überaus vielsagenden Statusmeldungen à la „Ups“ „Echt oarg!“ und „Geh schleich di!“ Dieses fishing for questions ist mir zu blöd – was soll schon groß passiert sein? Hat wieder irgendwer gegen irgendwen ein Tor geschossen oder ist das Marmeladebrot mit der falschen Seite am Boden gelandet? Mir wurscht! WAS? Schon 26 „gefällt mir“ Eintragungen für ein Unterwasserfoto von meinem süßen, süßen Sohn, wie er grad taucht? FREU! Na das ist ja wohl was ganz anderes!


All about Jazz

Jazzfestivals gibt es viele und hochkarätige. Während das kleine, feine St. Pöltner "Jazz im Hof" erst von 15.-17. August über die Bühne geht, fährt das Jazzfestival Wien bereits ab Ende Juni wieder mit wirklichen Riesengeschützen auf. Kategorie: Weltklasse!

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m Grunde tut man sich schwer, einzelne Acts herauszuheben, weil sich einmal mehr die Superlative ein Stell-Dich-Ein gibt, noch dazu an genialen Locations wie Staatsoper oder Rathaus Arkadenhof. Dann halt ein persönliches Best Of: Allen voran der „Gott“ des Soul, der sich in den 80’er selbst als „The Last Soulman“ titulierte: Bobby Womack ist nach Jahrzehnten back in town (3. Juli, Staatsoper)! Vor zwei Jahren dem Tod von der Schaufel gehüpft, feiert er aktuell – auch künstlerisch – eine „Wiederauferstehung“, zu der nicht zuletzt das von Damon Albarn (Blur) produzierte Album „The Bravest

Man In The Universe“ beigetragen hat! Obwohl ebenfalls relativ alt an Jahren, so doch ein junger Stern am Soulhimmel ist Charles Bradley (2. Juli, Staatsoper). Der Mann, gelernter Koch und ehemals als James Brown-Double unterwegs, knallte vor 2 Jahren sein Debut-Album „No Time For Dreaming“ hin. Seither ist sein Aufstieg kometenhaft – ein spätes Märchen, das ein bisschen an die Entdeckung der Protagonisten des Buena Vista Social Clubs erinnert. Ebenfalls zur Kategorie „lebende Legende“ zählt George Benson, der am 6. Juli die Staatsoper beehrt. Er wird

nicht nur seine Alltimehits zum Besten geben, sondern ganz backfrisch auch sein Tribute-Album für Nat King Cole. Kurzum, es verspricht genial zu werden, wie z. B. auch bei Bryan Ferry, Rebekka Bakken, Helge Schneider, Eric Burdon, uvm. Programm unter www.viennajazz.org

1. Sendersuchlauf Ihres TV-Gerätes oder SAT-Receiver neu starten 2. Wenn Suchlauf fertig -> speichern! 3. Sender TIROL TV anwählen 4. P3tv schauen - täglich um 19:00 Uhr 5. Dienstag & Freitag neues Programm

Kabelnetz der Satellit täglich um 19:00 Uhr, auf und www.p3tv.at A1-TV

zu sehen im

Regionalfernsehen für den Zentralraum von NÖ

über über


MFG KULTUR

OTTO KARGL

Und immer wieder Bach Über mangelnde schöne Aussichten kann sich Otto Kargl, seines Zeichens St. Pöltner Domkapellmeister, wahrlich nicht beklagen: Der Weg zu seinem Arbeitsplatz führt über den romantischen Kreuzgang, von seinem Büro aus genießt er – mitten in der City – einen Blick ins Grüne, und oben auf der Orgelempore liegt ihm im wahrsten Sinne des Wortes das barocke Dom-Innere zu Füßen.


TEXT: JOHANNES REICHL| Fotos: SIMON HÖLLERSCHMID

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ass ihn sein Weg in die Kirche und zur Musik geführt hat, war dabei lange Zeit keine ausgemachte Sache. „Ursprünglich wollte ich Wirt werden“, lacht Kargl über seine Kindheitsvorstellung von sich als Erwachsenem. Diese kam freilich nicht von ungefähr. Die Großmutter hatte ein Wirtshaus im steirischen Örtchen Gaal, wo Kargl herstammt und bis heute jeden Sommer verbringt „weil Heimat einfach Heimat ist“. Selbstredend, dass er im Familienbetrieb von Kleinauf mitanpackte, „und ich bin auch ganz gern einfach so dabei gesessen bei den diversen Runden – das mach ich übrigens bis heute gern“, schmunzelt er. Vor allem faszinierte ihn die die einzigartige Gästestruktur „die eine Mischung aus Alkoholikern und Mönchen war.“ Das Liederliche und Heilige sozusagen gütlich vereint am Wirtshaustisch. Die Mönche kamen von der nahen Abtei Seckau, die auch Kargls erste kirchenmusikalische Sozialisierung bringen sollte, „weil dort viele gregorianische Choräle gesungen wurden. Und auch die Orgelmusik, dieser mystische Klang, der den alten Dom erfüllte, hat mich immens fasziniert.“ Zuhause gings musikalisch hingegen volkstümlicher zu. „Wir haben einfach viel und gerne gesungen, ganz ohne künstlerischen Anspruch. Vor allem meine Mama war eine sehr gute Sängerin.“ Am Programm standen eher Volkslieder, die klassische Musik brachte dem kleinen Otto die Verwandtschaft der Mutter näher, „aber ich wurde nie in Richtung Musik getrimmt.“

Musikalischer Eisenfuß Zwar lernt Kargl während der Gymnasialzeit – mittlerweile hat es die Familie nach Knittelfeld verschlagen und der kindliche Wirtshaustraum ist ob einer „ungünstigen Erbfolge“ geplatzt – Klavier, aber auch in diesen Teenagerjahren ist die Musik keinesfalls die eindeutige Nummer eins. „Ich hatte genauso ein Faible für Sport, hab Leichtathletik gemacht, vor allem Langstrecken, und dann natürlich Fußball gespielt.“ Das tut er bis heute gerne, wobei Kargl seiner Spielanlage von damals treu geblieben ist: „Ich bin ein gefürchteter Eisenfuß!“ Als sich die Schulzeit dem Ende zuneigt, steht er mit diesen beiden Interessen vor der Entscheidung des weiteren Ausbildungsweges – das Pendel schlägt weder für das eine, noch das andere explizit aus, und so strebt Kargl zunächst den Kompromissweg an: Lehramt für Sport und Musik. Als er aber beim ersten Antreten nicht die Aufnahmsprüfung schafft, ist der Plan gescheitert. Im zweiten Anlauf schafft er zwar dann den Sprung an die Hochschule, diesmal inskribiert er allerdings „Kirchenmusik“ – eine folgenschwere Entscheidung, wie sich zeigen sollte „obwohl ich sie nicht aus einem wie immer gearteten Berufungsgefühl heraus gefällt habe.“ Sie war wohl eher der Kategorie „aus der Not eine Tugend machen“ zuzuordnen, und aus diesen entstehen oft die bemerkenswerten Karrieren und Lebenswege. Denn heute ist der Beruf für Kargl ohne Zweifel zur Berufung geworden – musikalisch

wie auch in einem persönlich religiösen Sinne. Wobei er Musik gar nicht als ausschließlichen Hauptnerv seines Lebens begreift, sondern einer Art holistisch-künstlerischem Weltbild nachhängt. „Mir ist etwa auch die Literatur immens wichtig!“ Zu seinen diesbezüglichen Helden zählen „Handke, Faulkner und Camus, die ich exzessiv lese“, und es wird während des Gesprächs nicht nur einmal vorkommen, dass Kargl wie selbstverständlich – nicht etwa aus einem angeberischen Geltungsdrang heraus – passende Zitate einstreut. Und seine musikalischen Heroen? „Ach, da gibt es so viele, es ist schwer, einen hervorzuheben. Am ehsten natürlich Bach, der ist und bleibt der Übervater, aber das trifft ja für viele zu.“ Vom Menscheln Kunst, so ist Kargl überzeugt, „macht den Menschen jedenfalls menschlicher – wobei es völlig egal ist, ob man sie hobbymäßig oder beruflich betreibt.“ Dies meint er aber keinesfalls in einem elitären Sinne, „Musiker, Künstler sind keine besseren Menschen“, sehr wohl aber in einem sozialen. Vielleicht ist man dadurch näher am Leben dran, setzt sich damit stärker auseinander, oder ist – wie im Falle jener Wirkungsbereiche, in denen Kargl tätig ist – auch unmittelbarer involviert. „Ein Chor, ein Orchester, in dem 20-80 Leute zusammen sind, schärft sicher die soziale Kompetenz. Das sind ja unglaubliche soziale Gebilde!“ Gebilde, in denen es vor allem „menschelt“, wie man so schön sagt. Das kann entweder gehörig aus dem Ruder laufen, wenn Eiteltkeit, Eifersüchteleien und Intrigen überhand nehmen, oder es kann zu grandiosen, erfüllenden Gemeinschaftserlebnissen führen „wenn man sein Ego im Dienste eines großen Ganzen, eines gemeinsamen Zieles ein bisschen zurücknimmt und versucht, eine gemeinsame Sprache zu finden.“ Dem Chor- und Kapellmeister kommt dabei nicht nur die künstlerische Führerschaft zu, sondern er muss vor allem auch die „Bestie Orchester“, wie sie etwa Federicco Fellini in seinem gleichna-

Musiknoten-Mania. Egal, wohin der Blick in Kargls Büro fällt – überall finden sich Noten, selbst am Boden sind sie drappiert.

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MFG KULTUR

zur person Otto Kargl, geboren im steirischen Gaal, ist seit 1992 Domkapellmeister zu St. Pölten und damit oberster Leiter der Dommusik. Dieser gehören aktuell rund 180 aktive Mitglieder an. Zur Dommusik zählen Domchor, Domkantorei, Domorcheser, Choralschola, Frauenschola, Solistenensemble, Jugendensemble sowie Kinder- und Schülerchor. Die meisten davon leitet Kargl selbst, ureigenste Aufgabe ist die musikalische Gestaltung der Messen und lithurigischen Feierlichkeiten. Kargl leitet zudem das 1984 gegründete Ensemble „capella nova graz“, unterrichtet am St. Pöltner „Konservatorium für Kirchenmusik, Gregorianik und Chordirigieren“ und ist Leiter des renommierten Festivals Musica Sacra, das heuer von 7.9. – 12.10. stattfindet (www. festival-musica-sacra.at). Neben dem Pflegen der kirchenmusikalischen Tradition ist Kargl in seinem programmatisch-künstlerischen Ansatz ebenso die Präsentation zeitgenössischer Sakralmusik ein Anliegen. „Ein ‚Museum‘ interessiert mich nicht!“

Übervater Bach. Auch wenn Otto Kargl sagt, dass er viele Musiker liebt, „Bach bleibt für mich der Übervater, wie für viele andere auch.“

migen Film „prova d’orchestra“ nachzeichnete, wie ein Dompteur in Schach, bei Laune halten. Ob Kargl dabei eher der Kategorie „autoritär“ oder „kumpelhaft“ zuzuzählen ist, „kann ich selbst nicht einschätzen“, aber aus einer grundsätzlichen Überzeugung macht er kein Hehl: „Demokratie gibt es natürlich keine!“ Evolutionstheorie Im Künstlerischen sowieso nicht. Der Dirigent wählt die Werke aus, er hat seine Vorstellung davon, wie sie klingen sollen. „Man kann da nicht die Leute fragen, ob es ihnen passt.“ Der Einfluss der jeweiligen Klangkörper erfolgt eher indirekt, dafür aber unmittelbar im Zuge des Probenprozesses, wenn der Dirigent – sozusagen mit der Wirklichkeit seiner Vision konfrontiert – noch weiter am Stück „herumschraubt“, ausprobiert. Wobei man als 52

guter Dirigent, wie Kargl überzeugt ist, ohnedies nicht vom Himmel fällt. „Das ist work in progress. Mit 20 Jahren kann man noch kein großer Musiker sein. Ein großer Techniker vielleicht, aber kein großer Musiker – das kommt erst mit den Jahren.“ Also mit der Erfahrung, der steten Auseinandersetzung, dem Anwenden. Dabei ist, insbesondere wenn man wie Kargl mit vielen Laien zusammenarbeitet, nicht minder wichtig, die Musiker nicht zu überfordern. „Du kannst noch so hochtrabende Vorstellungen haben, aber wenn das Ensemble diese nicht umsetzen kann, hilft dir das gar nichts.“ Kurzum, wer seine Musiker überfordert, ist in Wahrheit ein schlechter Dirigent mit dementsprechend niedrigem Output sowie hoher Frustrationsgefahr. Umgekehrt gilt es durch das richtige Maß sozusagen das Beste, das Maximum des Möglichen freizulegen – und dies kann großartig sein. „Letztlich geht es um eine stete Weiterentwicklung, das ist die Herausforderung“, ist Kargl überzeugt und zitiert Cicero „‘Was langsam reift, bleibt lange frisch!’“ Genauso ist es! Natürlich kann man Profis einkaufen, sozusagen den schnellen Erfolg suchen – aber dieser verpufft auch ebenso rasch wieder.“ Und stößt wohl jene, die allwöchentlich ihr Bestes geben, über kurz oder lang vor den Kopf. Kargl zieht aus diesem Entwicklungsprozess, aus der unstillbaren Sehnsucht, sich zu verbessern, auch seine ganz persönliche künstlerische Motivation. „Denn sich mit dem Erreichten zufrieden zu geben hieße ja nichts anderes als in Routine zu verfallen – und diese ist bekanntlich der Tod jeder künstlerischen Arbeit!“ Himmlisch Eine zweite, sehr persönliche Motivation, mag auch der Glaube sein, wobei sich hier der Kreis zu seinem heutigen Wirkungsbereich, der Kirchenmusik, zu schließen scheint. „Ich selbst bin ja sehr volksfrömmig aufgewachsen – das ist die schönste Form des Glaubens überhaupt, weil sie ein bisschen kindlich naiv daherkommt. Aber so richtig zum Glauben gebracht hat mich eigentlich erst die Musik


UND IMMER WIEDER BACH

Johann Sebastian Bachs!“ Die Musik, die universalste aller Künste, als Mittler zum Glauben, zu einem tieferen Sinn? „Das ist das Besondere an der Kirchenmusik! Einem glaubenden Menschen hilft sie, seinen Glauben noch weiter zu vertiefen, und einen Nicht-Glaubenden bringt sie dazu, sich zumindest mit der Musik, mit den Texten auseinanderzusetzen, sie auf sich einwirken zu lassen – und auch mit ihm wird etwas geschehen.“ Vielleicht möchte Kargl diese persönlich-spirituelle Erfahrung durch sein Wikren weitergeben. Freilich nicht in einem missionarisch-dogmatischem Sinne, sondern eher als Angebot an die Seele. Die Kirchenmusik lässt sozusagen niemanden kalt, nicht einmal die hartgesottensten Atheisten wie etwa den rumänischen Philosophen Cioran, den Kargl zum Abschluss zitiert. „Er meinte sinngemäß ‘Wenn es Jesus nicht gäbe, wäre die Musik Bachs reine Illusion!‘ So ist es doch wirklich: Es gäbe so vieles nicht – irgendetwas muss dran sein!“

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Fr, 27. September, 19.30 Uhr Festspielhaus St. Pölten Saisoneröffnung Angelin Preljocaj: Les Nuits, Im Anschluss Empfang

Mo, 30. September, 19.30 Uhr Festspielhaus St. Pölten Rachmaninow/Strauss/Schwertsik Solist Rudolf Buchbinder Im Anschluss Empfang

Mi, 09.Oktober 2013, 19.30 Uhr Landestheater Niederösterreich HEXENJAGD von Arthur Miller Empfang im Theatercafé

Sa, 26. Oktober 2013, 19.30 Uhr Festspielhaus St. Pölten Orquesta Buena Vista Social Club Im Anschluss Empfang

Sa 2.November 2013, 11.30 Uhr Landestheater Niederösterreich PROBENBESUCH PIPPI LANGSTRUMPF

Di, 12. November, 18.30. Uhr Stadtmuseum St. Pölten Preview „Gott und Kaiser. 100 Jahre ehemaligeSynagoge St. Pölten.“ Im Anschluss Empfang

Do, 28. November, 18.30 Uhr Landesmuseum Niederösterreich Broncia Koller-Pinell und die Ausnahmefrauen Im Anschluss Empfang

Do 19. Dezember, 19.30 Uhr Landestheater Niederösterreich DIE WILDENTE von Henrik Ibsen Im Anschluss weihnachtlicher Empfang

Mitglied werden und die zahlreichen Vereinsvorteile (Künstlertreffen, exkl. Previews, Exkursionen, Ermäßigungen etc.) genießen.

Adieu und Hallo

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as Leben ist steter Wandel. Im immer schnelllebiger gewordenen Kulturbetrieb hat dies nicht minder Gültigkeit, ja in extremis dreht sich hier das Karussell – siehe die aktuelle Intendantensituation in Salzburg – sogar noch schneller. Verfrühtes Jobhopping macht zusehends untugendhafte Schule. In St. Pölten hat man hingegen seit jeher versucht, kontinuierlich zu arbeiten. Sowohl seitens der Managements als auch der künstlerischen Leiter, die in der Regel ihre Verträge einhalten. Seinen „Job“ in diesem Sinne erfüllt hat auch Joachim Schloemer, der nach vier Jahren das Festspielhaus verlässt. In einer wunderschönen wie witzigen Abschluss-Show hat er noch einmal seine unverwechselbare Handschrift der letzten vier Jahre exemplarisch auf die Bühne gebracht. Da waren sie noch einmal, die Tangotänzer, die Trommler, die Tonkünstler, die „Laien“ – es war eine besondere Ära, die da zu Ende geht. Eine, in der vieles gelang, manches weniger und einige Grundideen unverwirklicht bleiben mussten. So hätte sich Joachim Schloemer etwa gewünscht, dass manch aufwendig produzierte Eigenproduktion nicht nur ein-, zweimal in einer Spielzeit, sondern vielleicht immer wieder auch in den nächsten aufgeführt wird – ein ohne Zweifel verfolgenswerter Gedanke! Wir wünschen Joachim auf seinem weiteren künstlerischen wie privaten Weg jedenfalls das Allerbeste und sagen an dieser Stelle seitens des Fördervereins herzlich Dankeschön. Ein herzliches Willkommen hingegen entrichten wir der neuen künstlerischen Leiterin Brigitte Fürle, die bereits ihr erstes Programm präsentiert hat. Darin unübersehbar ist die Idee einer stärkeren Verdichtung – die Zahl der Vorstellungen wie auch der Schauplätze im Festspielhaus nimmt ab, möglicherweise erweist sich das

Der Förderverein Kulturbezirk sponsert einen der neuen coolen Twins. Im Bild v.l.n.r. Bettina Probst (Voith Paper), Lothar Fiedler (Präsident Förderverein Kulturbezirk) und Brigitte Fürle.

Motto „weniger ist manchmal mehr“ als richtig und richtungsweisend für die nächsten Jahre. Programmatisch hat Fürle jedenfalls ein breites wie hochkarätiges Angebot gestellt, das uns – soviel darf man schon jetzt guten Gewissens verraten – wieder spannende und unterhaltsame Stunden im Festspielhaus bescheren wird. Was uns besonders freut, weil es sich mit einem Grundanliegen unseres Vereines deckt, sind explizite Kinderangebote wie Bim Bam Bini (für Kinder von 0-2 Jahren) oder „Wenn der Wolf nicht zu Hause ist“ (für Kinder ab 6 Jahren), im Zuge dessen Eltern, Großeltern, Erwachsene gemeinsam mit den Kindern den Weg ins Haus finden. Dieser Ansatz kann nicht genug ausgebaut und vertieft werden, denn das Wecken der Begeisterung für Kultur sowie die Bindung zum Haus schon von Kleinauf wird den einen oder anderen treuen Kunden von Morgen heranreifen lassen. Wir freuen uns jedenfalls auf eine schöne Saison mit Brigitte Fürle und wünschen ihr für ihre erste Saison toi, toi, toi! Ihr Lothar Fiedler

iNFORMATIONEN

www.kulturbezirk.at, Tel.: 02742/90 54

Foto: Markus Thums

Herbstprogramm für Vereinsmitglieder

FÖRDERVEREIN


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Sommerfestival 2013 Die Fernreise am Rathausplatz

Beim „Sommerfestival“ von 4. Juli bis 11. August 2013 ist die Welt zu Gast im Herzen der Landeshauptstadt und bringt den Urlaub quasi vor die Haustüre. Die Eröffnung findet am 4. Juli um 18.00 Uhr mit dem traditionellen Bieranstich durch Bürgermeister Mag. Matthias Stadler statt. Gleich im Anschluss unterhält das Hans Ecker Trio mit „Wienerischen Spitzbübereien“ die Besucher. Weitere Auftritte von St. Pöltner Künstlern wie F.A.B 3, Chris Heart & Waugl, oder der Egon Backstage Band werden ebenso für Stimmung sorgen wie „Opfekompott“ und „Frauenzimmer Deluxe“! Außerdem mit dabei: Jungsängerin Nataly Fechter, die bei „Popstars Mission Österreich“ ihr Talent eindrucksvoll unter Beweis stellte. An zwei Mittwoch-Abenden gibt es wieder eine „After Work Party“ mit DJ Tomsta, bei der man am 24. und 31. Juli jeweils ab 17.30 Uhr bei erfrischenden Cocktail´s den Abend entspannt ausklingen lassen kann. Um das leibliche Wohl der Gäste kümmern sich 13 Top-Gastronomen der Region und verwöhnen den Besuchergaumen mit Köstlichkeiten aus allen Teilen der Welt. So führt die Reise der Genüsse von Fernost über Südamerika und in die Staaten bis hin zu den wohlbekannten Gefilden heimischer Kochtöpfe. Mit Australien und dem Balkan werden wieder neue und interessante länderspezifische Speisen den Gourmetgaumen erfreuen. Freuen Sie sich auf ein abwechslungsreiches Programm das zum Verweilen und Wiederkommen einlädt. Lassen Sie sich von kulinarischen und musikalischen „Schmankerln“ ebenso verzaubern wie von den neuesten Kinofilmen. Nähere Informationen und wöchentliche Details zum Sommerfestival 2013 finden Sie auf der BüroV Homepage unter www.buerov.com

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MFG KULTUR

WERNER SANDHACKER

Manchmal sag‘ ich: Danke liebes Glück Der letzte Harlekin hört auf. Sagt er. Darf er das denn? Und: Kann die St. Pöltner Institution das überhaupt? Der wahre Arlecchino ist doch immer auf dem Sprung …

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o with the flow“ nennen es die coolen Kids heutzutage und beziehen sich auf die spirituellen Mantras, die aus der indischen Kultur zu uns herüberziehen. Werner Sandhacker ist nicht nur ein Fluss – im Fluss – er ist eine Naturgewalt. Jeder, der ihn kennt, weiß: Aus ihm sprudelt’s heraus. Wirbelwindartig kommt er hereingeschneit und auch sofort zum Punkt: „Ich habe in der Kunst nie etwas geplant. Das kommt einfach aus mir heraus. Manchmal ist da ein Gedanke, der lässt mich nicht los, nimmt Form an und dann ist es schon passiert.“ Das „Urkorn“ nennt er es, woraus alles entsteht. Kann man das denn einfach so abschalten, das Urkorn, und aufhören? Er wird kurz nachdenklich und kommt zu dem Schluss: „Wahrscheinlich eh nicht.“ Was heißt das dann: Aufhören? „Ich spüre, dass ein Bogen zu Ende ist, ein Kreis hat sich geschlossen. Das ist schön.“ Zur Person Werner Sandhacker ist Harlekin, Musiker, Autodidakt, Erfinder, Maler, Fotograf, Videokünstler, Maschinenbauer, ExLKW-Fahrer, Autor, Marktschreier, Hobbyhistoriker, Perfektionist und Kulturpreisträger der Stadt St. Pölten. Auch gennant Sand, Sandy, Sandpracker, Sandhammer, Soundhawker, Huzlibum, Sandmann, Mr. Sandman, Lupo, WeF v Treisma, Bexl, Sandl, Wernschi, Wernsch, Wernschi Opa, ... Noch zu erleben • Nachtwächter seiner St. Pöltner Stadtspaziergänge • Erfinder und Trommler im Paradies der Fantasie • und …?

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Arlecchino in St. Pölten Seine ersten künstlerischen Schritte machte WeF (so einer seiner vielen Spitznamen) Anfang der 70er – also kurz nach Woodstock – als er mit 14 Jahren seine erste Band LSD gründete und später mit Magic Turbine und Peter Pan große Erfolge feierte. „Wir waren die ersten, die den Bandcontest (Anm. die goldene Rose) 1973 gewannen und nur Eigenkompositionen gespielt haben. Das hätte so oder so ausgehen können“, erinnert sich Werner. Wie bei so vielen, war Musik seine erste Liebe. Als Autodidakt hat er sich – mit Ausnahme des Klaviers – Akkordeon, Trommel und weitere Instrumente selbst beigebracht. Mit 16 Jahren hat er sich zwei Plattenspieler von Donauland besorgt – weil zwei sind besser als einer, wenn man anderen Musik vorspielen will. Damals hat noch keiner von DJs und Turntables gesprochen. Mit seinen „Wernissaschen“ bewies er, dass er auch ein Händchen für Malerei, Fotografie und Videoprojekte hat. „An bildnerische Kunst habe ich ursprünglich nie gedacht, bis es dann einfach aus mir herausgekommen ist“, fasst er sein Kunstverständnis zusammen. Kunst ist alles, was aus dir herauskommt. Es muss authentisch, nicht an einen Markt angepasst oder von einem Professor vorgegeben sein. Für die Menschen da sein Werner ist ein Künstler für das Volk. Daher liegt die Figur des Harlekins auf der Hand. „Ich muss dazu sagen, dass der Harlekin nur eine gewisse Schirmherrschaft hat. Von der Figur oder der Bezeichnung Narr habe ich meinem Vater zuliebe Abstand genommen. Der mittelalterliche Arlecchino,

der seine Ursprünge in der commedia dell’arte oder in Carlo Goldonis ‚Diener zweier Herren‘ hat, liegt aber meinem Verständnis schon sehr nahe. Jemand, der alles sagen darf und den Menschen helfen will. Manche nannten es auch, für sie arbeiten“, schmunzelt er. Wann der Harlekin das erste Mal an seine Tür geklopft hat? „Die Schellen habe ich schon immer gehört. Seit ich ein kleines Kind war. Der Harlekin steckt in mir drinnen. Das Kostüm habe ich aber erst in den 80er Jahren


TEXT: marion pfeffer | Fotos: Simon Höllerschmid, Werner Sandhacker

geschneidert und angezogen.“ Über ein Publikum macht er sich keine Sorgen: „Ich war nie ein Bühnenmensch, ich habe schreckliches Lampenfieber. Das ist leider nie weggegangen. Die Straße ist meine Welt. Dort treffe ich die Menschen.“ Deshalb wird er fälschlicherweise oft den Gauklern auf Mittelalter-Spektakeln zugeschrieben. Das liegt wahrscheinlich am Rhombenkostüm, den Schellen, der Gugl (dem Hut) und seinen ausgefallenen Erfindungen. Mit fahrenden Künstlern kann er sich aller-

dings gar nicht identifizieren: „Zuallererst: Ich mag nicht reisen. Für mich ist der regionale Bezug von größter Bedeutung. Ich bin St. Pöltner und auch für die Stadt da. Zweitens: Ich will niemandem etwas verkaufen. Bei mir gibt es keine Shows oder Souvenirs.“ Vielmehr liegt ihm am Herzen, für Menschen da zu sein, sie zum Nachdenken anzuregen und ihnen Denkanstöße mit nach Hause zu geben. Man denke an seine Erfindungen wie das Schaukelrad oder auch seinen Gefährten „Ferdl“, den Baumstamm.

Er macht Spielzeug für Erwachsene, daher entsteht gelegentlich Verwirrung, wenn seine Konstruktionen für Kinder zu groß sind. WeF räumt mit dem Vorurteil auf, dass nur Kinder spielen sollen. Sein Zugang stößt nicht nur auf Zustimmung, sondern auch Unverständnis. Auf die Frage, wie er mit Kritik umgeht, schüttelt er nur den Kopf: „Wie meine Aktionen beim Publikum ankommen, war nie mein Fokus. Ich mache mein Ding und wer sich gut unterhält oder gar etwas für sich MFG 06.13

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MFG KULTUR

Auf Wiedersehen Freude bereitet ihm insbesondere das Helfen. Schon als LKW-Fahrer war es für ihn schön, den Menschen etwas zu bringen. „Super war das. Die haben sich immer gefreut, wenn ich ihnen etwas gebracht habe.“ Was das mit Kunst zu tun hat? „Für andere da zu sein, hat immer etwas damit zu tun. Außerdem bin ich Anhänger der Rückenschule. Wenn du beruflich

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ST. PÖLTNER HARLEKIN. Werner Sandhacker möchte für Menschen da sein, sie zum Nachdenken anregen und ihnen Denkanstöße mit nach Hause geben.

viel schleppen musst, ist es von Vorteil Vorrichtungen zu entwickeln, wie man Dinge am besten transportiert und hebt“, lässt Werner den gelernten Maschinenbauer durchblicken. Bauen und konstruieren ist für ihn seit seiner Lehrzeit ein Wegbegleiter. So hat er für das Paradies der Fantasie im St. Pöltner Löwenhof einen Formel 1-Simulator gebaut, auf den er besonders stolz ist: „Das ist das allerbeste Training. Man muss ständig aufmerksam und konzentriert sein. Außerdem erspart mir der Simulator mein Fitnesstraining. Das ist ziemlich anstrengend.“ Die wahre Kunst ist aber für ihn aus einfachen Dingen etwas zu kreieren. Zwei Steckerl, ein Spagat und schwupp-di-wupp entsteht etwas daraus. „Je fesselnder, desto besser!“ Der Tausendsassa ist nicht nur Harlekin, Musiker, Erfinder und Maler. Er führt als Hobbyhistoriker jedes Jahr die St. Pöltner im Rahmen der städtischen Themenspaziergänge durch die Stadt, veranstaltet Trommelworkshops und beschäftigt sich seit neuestem mit mittelalterlichen Heilmethoden wie Wickel und Handauflegen.

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„Das hat sich daraus ergeben, dass mir Leute ständig gesagt haben, dass meine Hände so warm sind. Ich hab mich dann näher damit auseinandergesetzt und Dinge ausprobiert. Physiotherapeuten haben mir dann bestätigt, das meine Technik effektiv ist.“ Eine weitere Sache, die ihm zugeflogen ist und ihm Freude bereitet. „Ich bin ein glücklicher Mensch“, fasst Sandhacker es simpel zusammen. Zum Thema Aufhören: „Vor kurzem habe ich ein tolles Konzert in Obergrafendorf gespielt. Genau dort, wo ich vor 40 Jahren meine wunderbare Lehrzeit verbracht habe. Die Stimmung war perfekt und alle haben sich irrsinnig wohl gefühlt. Da hat etwas Klick gemacht.“ Der Kreis hat sich geschlossen. Aber WeF wäre ja nicht der Arlecchino, wenn er nicht auf sein Urkorn hören würde. Selbst wenn er von sich aus keine Veranstaltungen mehr initiiert, so weiß man nie, wohin es ihn treibt. Er sagt daher nicht „Leb wohl“, sondern vielmehr „Auf Wiedersehen“ und entfernt sich mit einem gar treuherzigen Kniefall.

Ich will niemandem etwas verkaufen, ich will den Menschen helfen.

© die damen, Foto Wolfgang Woessner, VBK 2013

mitnimmt, dem habe ich helfen können. Das freut mich. Alles andere ist irrelevant. Ich bin ja kein Geschäftemacher.“ Stimmt, Geschäftssinn und Geldmacherei liegt ihm nicht im Blut. Er ist nicht Künstler als Beruf, sondern Kunst ist seine Berufung. „Wenn ich zu einer Veranstaltung komme, dann nur, weil ich das will und weil ich mich dabei wohl fühle. Um’s Geld geht’s nicht.“ Wie er und seine geliebte Frau Shirley, die leider letztes Jahr verstorben ist, es finanziell geschafft haben, weiß er nicht genau. Irgendwie sei es sich dann doch ausgegangen mit dem Haus und allem anderen. „Ein bisschen Glück gehört auch dazu im Leben. Deshalb sag ich manchmal ‚Danke, liebes Glück‘!“, schmunzelt der 57-Jährige.

Manchmal sag‘ ich: Danke liebes Glück

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© die damen, Foto Wolfgang Woessner, VBK 2013

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DIE DAMEN 22/06 – 03/11/2013 St. Pölten, landeSmuSeum  niederöSterreich

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Das NÖ Kulturforum begeht 2013 das 40. Jahr seines Bestandes.

40 JAHRE NÖ KULTURFORUM

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973 von engagierten Persönlichkeiten des niederösterreichischen Kulturlebens gegründet, hat das Kulturforum Höhen und Tiefen erlebt und überstanden. Heute gehört es unersetzbar zur NÖ Kulturszene, aber nicht zum offiziellen Kulturbetrieb im Land NÖ, der (erfreulicherweise) sehr gut dotiert ist. Nein, es agiert unabhängig, frei, selbstbestimmt, das Kulturforum macht Kultur an der Basis. Kultur in den 60

Regionen. Kultur vor Ort. Kultur mit den handelnden Personen direkt. Es wird (dankenswerterweise) vom Land NÖ bislang finanziell gefördert, getragen wird es von einigen Exponenten, die sich unermüdlich und selbstlos in den Dienst der kulturellen Basisarbeit und Kulturvermittlung stellen. Hätten sich damals, vor vier Jahrzehnten, Leopold Grünzweig, Franz Slawik, Kurt Fuss, Kurt Preiss, Franz Gutkas, Gotthard Fellerer und andere Per-

Bild oben: Laufende Wanderausstellungen bringen Kultur an die Basis, zu den Menschen in den Regionen. Bild unten: Schulpartnerschaften sind dem NÖ Kulturforum ein besonderes Anliegen, um die Jugend für Kultur zu interessieren und zu begeistern.


KULTURFORUM

sönlichkeiten der Gründerrunde gedacht, dass sich ihre Idee auch noch 2013 behaupten kann? Ja! Denn es war ja ihre Hoffnung, die NÖ Kulturlandschaft nachhaltig aufzureißen, zu erweitern, zu ergänzen – und dies hat sich ganz offensichtlich erfüllt. Viele sehen heute noch in der Gründung des NÖ Kulturforums genau jenen Anstoß, der einer damals noch weitgehend vernachlässigten und als Randthema abgeschasselten Kulturpolitik die Augen für Neues geöffnet und beigetragen hat, sie dorthin zu bringen, wo sie heute steht.

Nichtsdestotrotz muss eine Institution wie das NÖ Kulturforum auch weiterhin aktiv, engagiert, basisorientiert und , ja, aufmüpfig, bleiben, es muss Impulsgeber in den Regionen des Landes sein, es muss Partner der Künstlerinnen und Künstler bleiben, es muss Initiativen und Projekte stützen und vor allem der Jugend als Kulturvermittler und Förderer verbunden sein. In diesem Sinne wird das NÖ Kulturforum weiterhin im Land NÖ da sein. Und nicht zu übersehen sein. Und schon gar nicht zu überhören.

20 JAHRE

KULTURMAGAZIN BravDa

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as von Gotthard Fellerer herausgegebene, von ihm als Satirisches Kunstblattl bezeichnete und in Wr. Neustadt erscheinende Kulturmagazin BravDa feiert seinen 20. Geburtstag. Fellerer ist ein vielseitiger Mensch: Bildender Künstler, Maler, Literat, Musiker, Philosoph, Kulturvermittler, Ausstellungsgestalter. Mit unnachahmlichem Engagement schreibt, layoutet, verlegt er „sein“ Magazin. Er wirft Themen auf, die sonst kaum jemand angeht, prä-

sentiert Künstlerinnen und Künstler, rückt Initiativen ins Rampenlicht, die sonst nicht beleuchtet würden. Im übrigen arbeitet BravDa eng mit dem NÖ Kulturforum zusammen. Eine Institution wurde Fellerers BravDa-Lounge im Palais Palffy am Josephsplatz in Wien. Am 26. Juni, 19 Uhr findet dort die „Geburtstags-Lounge“ mit namhaften Künstlern und Kulturschaffenden statt. Das NÖ Kulturforum gratuliert der BravDa herzlich! Ad multos annos!

AUSZEICHNUNG FÜR EWALD SACHER

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ine Anerkennung seiner jahrzehntelangen Kultur- und Sozialarbeit erfuhr der Obmann des NÖ Kulturforums, Nationalratsabgeordneter Ewald Sacher, vor kurzem durch die Verleihung des Berufstitels Professor durch den Herrn Bundespräsidenten Heinz Fischer. In einem feierlichen Festakt im BMUKK überreichte Bundesministerin Dr. Claudia Schmied das Ernennungsdekret an den „engagierten Kulturvermittler und Sozialpolitiker“, so die Kulturministerin.

Als ehrenamtlicher Präsident der Volkshilfe NÖ setzt sich Prof. Ewald Sacher seit Jahrzehnten für soziale Gerechtigkeit, soziale Dienste und Hilfe für unverschuldet in Not geratene Menschen ein. Ein Anliegen ist ihm die Vermittlung von Kulturangeboten für die Klientel unter den Senioren und betreuten Menschen. Mit ihrem großen Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen ist die Volkshilfe NÖ unter Präsident Sacher auch zu einem wichtigen Partner der Eltern und Gemeinden im Bereich der Elementarpädagogik und Ganztagsbetreuung geworden. Als ausgebildeter Pädagoge ist Prof. Ewald Sacher, selbst begeisterter Hobbymusiker, auch im Bereich der Volksbildung und Volkskultur tätig. Er fungiert als Aufsichtsrat in der NÖ Kulturwirt-

schaft und Obmann des NÖ Kulturforums. Im Landtag von NÖ war der damalige 2. Landtagspräsident Kultursprecher, nunmehr ist er geachtetes Mitglied des Kulturausschusses und des Unterrichtsausschusses des Nationalrates. Nicht zuletzt ist Prof. Ewald Sacher Autor des Kulturprogramms der

SPÖ NÖ. Enge Kontakte mit Künstlerinnen und Künstlern, Kulturinitiativen und vor allem mit der Jugend in Form von Schulpartnerschaften, Projekten und Veranstaltungen sowie die Förderung regionaler Kulturinitiativen sind dem Obmann Prof. Ewald Sacher wichtige Anliegen.

Dem Obmann des NÖ Kulturforums, Nationalratsabgeordneter Ewald Sacher, wurde vor kurzem als eine Anerkennung seiner jahrzehntelangen Kultur- und Sozialarbeit der Berufstitel Professor durch den Herrn Bundespräsidenten verliehen.

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MFG URBAN

Ein Privileg

Althea Müller

Foto: Hermann Rauschmayr

Es ist ein ganz schönes Privileg, so lange für dasselbe Magazin zu schreiben: Sieben Jahre sind es jetzt, wo ich konstant Zeichen zur Verfügung hatte, um öffentlichen Raum – in diesem Fall mehrmals jährlich eine Auflage von 30.000 Stück pro Ausgabe im Zentralraum St. Pölten – für meine Gedankengänge, meist selbst gewählten Themen und redaktionellen Schweinereien zu nutzen. Doch es ist kein Geheimnis, dass es das verflixte siebte Jahr tatsächlich gibt. So auch in meiner Beziehung mit dem mfg, einem Druckwerk gefüllt mit Herz, Hirn und Bauchgefühl und gemacht von Kollegen, die mir – ach – viel mehr als Kollegen sind. (Und trotzdem immer noch vergeblich auf die Riesenpackung Merci warten, die ich mir so lange schon vornehme, ihnen vorbeizubringen. Seit 2008, glaub ich. Äh.) Ich wünsche mir darum, dass ab jetzt eine andere – ja: bitte eine Frau, heast! – dieses Privileg erhält. Das ich hiermit aufgebe, um mich Dingen zu widmen, die besser zu meinem fortgeschrittenen Alter (ich denke, es sind 24 Jahre, räusper und hust) und nicht zuletzt auch besser zu meinem großen Schritt weg von St. Pölten und hin zu Wien passen. Zum Beispiel möchte ich in Zukunft verstärkt gärtnern, auf meinem Balkon. Neue Blumen einsetzen. Einparken lernen, aber das is eine andre (traurige) Geschichte. Und so halt. Um also gebührend Schluss zu machen: Liebes Privileg, für ein leiwandes Printprodukt zu schreiben und das auch noch für ein so bezaubernd raues Pflaster wie STP – ich verabschiede mich mit ganzer Ehrfurcht, einer letzten gemeinsamen Zigarette und einer großen Umarmung von dir. Mit freindliche Griass! Althea

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still in tatsch

Was ist, äh, hot in STP, quasi? Was sagen die Nachtschwärmer zu den neuen Wirten in ihrer Stadt? Und: Briefe mit knallharten Fakten über den gemeinen St. Pöltner. Wir sagen DANKE für eure Inputs ...

summer in STP ... „... das bedeutet Himbeer-Mojito im Central, zu Fuß vom Walter heim gehn und Sommerluft riechen, in der Wiese liegen und Sterndal schaun, heißes Katzenfell auf der Dachterrasse, an den Seen spazieren gehen, FKK baden, picknicken, beim Rajput draußen die Schärfe rausschwitzen mit kühlem Mango-Lassi, im Barrock im Gastgarten sitzen und Spareribs riechen, Eis en masse vom Roma und bei einem Tor die Jubelschreie durchs offene Fenster hören.“ (Hannah) „... das ist in der Seedose bei ein paar Aperol-Spritz chillen...in der Hängematte durchhängen und die Wolken dabei vorbeiziehen lassen; als letzte zum Festival-Schluss das Gelände verlassen und barfuß heimgehen während alle auf ein Taxi warten.“ (Doris) „... heißt: unseren rauchenden besuchern ist jetzt nimma kalt während ihrer zigarettenpause im hof.“ (frei:raum)

rochade der wirte – alles neu(linger) „Leo’s Nachtcafé“ heißt jetzt „Franks“ und gehört Musiker, Unternehmer und nun NeoWirt Reini Dorsch. Auch die (mittlerweile auch nimma ganz so neue) Neuübernahme vom Gasthaus Koll durch die Neulingers schlug im Frühling nach wie vor Wellen des Interesses – „Neulinger’s Kultig“ dürfte mittlerweile vom Nacht- und Schnitzelsemmel-Volk akzeptiert werden. „... war mittlerweile schon dreimal seit der Wiederöffnung da und fühle mich wie früher sehr wohl. Essen ist auch gut. Die neuen Toiletten sind schon beinahe Luxus. Danke Herr Neulinger!“ (Vera)

postwurfsendunG Stefan war so nett, uns die in St. Pöltner Facebook-Kreisen weit gereichte Ode des Herrn Starka Roul zu schicken, der in einem amüsanten Statement den gemeinen St. Pöltner ein wenig skizziert hat. Der Text hat uns so gefallen, dass wir ihn nicht nur auf Seite 30 in der aktuellen Ausgabe abgedruckt haben, sondern uns bemühen, Roul Starka vielleicht regelmäßig als Autor fürs MFG zu gewinnen. Hier ein Appetizer: „... Für den St. Pöltner ist der Flughafen Schwechat so aufregend wie Zähneputzen, das ist das Normalste der Welt. Der St. Pöltner hatte zuerst Oralverkehr, dann Firmung, dann Erdbeer-Zitron, dann Pistazien-Haselnuss, dann Sehnenscheidenentzündung, dann Scheidung - weil sie immer mehr Geld wollte...“ (Starka Roul)

Mögt ihr uns? Ja? Echt jetzt? Dann zeigt uns eure Liebe doch mit eurem Kreuzerl, nein Klick auf www.facebook.com/dasmfg


SHORTCUT SZENE

Familienkarriere

Rosa

Alles Bleibt Anders

Fotos: Hanna Partaj, paul prescott/Fotolia.com, zVg

Lange hat Tezcan Soylu nach einem Nachfolger für sein EGON gesucht, auch deshalb „weil ich jemanden wollte, der den Geist des Lokals erhält.“ Mit David Schröding dürfte er nun den richtigen Mann gefunden haben. Der ist zwar noch jung an Jahren, kommt aber vom Fach – Schröding hat die Tourismusschule absolviert – und träumt schon seit seinem 12. Lebensjahr von einem Leben als Wirt. „Mein Onkel hatte in Krems eine Bar. Als ich ihn dort das erste Mal besuchen durfte, wusste ich sofort, ‚das ist meins!‘“ Was Schröding zudem am Lokal des Onkels faszinierte, war die gelungene Melange aus Bar und Restaurant sowie die Durchmischung von Jung und Alt – kurzum so, wie man sie auch im EGON antrifft. Daher möchte er am Charakter des Lokals nicht allzuviel ändern, was sich im geplanten Angebot bis hin zur Übernahme der meisten Kellner manifestieren wird. Auch das Motto der Abschlussfeierlichkeiten am 28. und 29. Juni von Soylu, im Zuge derer sozusagen die Staffelübergabe an Schröding zelebriert wird, ist diesbezüglich eindeutig: Alles bleibt anders.

Reinkarnation Noch steht er, der 2005 eröffnete frei:raum in der Herzogenburgerstraße, bevor im Herbst die Bulldozer auffahren. Gleichzeitig baut die Arbeiterkammer aber am selben Areal, nur einen Steinwurf entfernt, sozusagen

bereits die bauliche Reinkarnation der Jugend- und Kulturhalle. Jugendkoordinator Wolfgang Matzl ist mit dem bisherigen Fortgang zufrieden: „Der Planungsprozess läuft super, die Zusammenarbeit mit dem Architekten und der Arbeiterkammer funktioniert bestens.“ Wie versprochen, war man in die Planungen mit eingebunden. „Die Pläne und die Raumgestaltung passen für uns gut. “ So wird der neue frei:raum insgesamt 400 Quadratmeter fassen, 165 Quadratmeter davon nimmt der neue Veranstaltungssaal ein. Die Jugendlichen werden auch selbst Hand anlegen: „Es wartet viel Arbeit auf uns, aber wir arbeiten ja gerne!“, lacht Matzl. In Betrieb soll der neue frei:raum im Jänner 2014 gehen.

Manchmal, wenn Rosa einfach so und ganz ungezwungen durch die Stadt schlendert, sich hier, dort und da etwas Schönes gönnt, - einen Mann so zwischendurch, Zwinker und dann spontan einfach länger bleibt als vorgesehen, dann, ja dann muss ich manchmal an sie denken: Meine Freundinnen, die sich Mitte 30 für ein Familienleben und Kinder entschieden haben und das Bett höchstens noch mit dem Baby teilen. Ja, es war eine Entscheidung. So, als müssten sie entscheiden, in welchem Urlaubsflieger der Sommer 2013 startet oder welches Auto den Fuhrpark in der Garage vergrößern darf. So eine Familienplanung ist ja immerhin eine Entscheidung fürs Leben. Rückgängig machen geht dann eher schwer. Die Scheidung vom Kind hat glaub ich auch noch niemand erfunden – in Betracht gezogen vielleicht schon. Und auch wenn das Geschrei und Geheule bei der frohen Botschaftsüberbringung der lieben Freundinnen an Rosa stets ein großes und gar feuchtes war, hat sich nach den ersten 20 Monaten, dem dritten Baby im Freundinnenkreis und angesichts der tiefschwarzen Augenringe meiner einstigen Shopping-, Kaffeetratsch- und Lästerabgeordneten meist mehr als nur der stink(ende) normale Alltag mit Baby eingestellt. Babyblues, aber so richtig. Das Verlangen nach Alkohol, Freizeit, Schlaf, noch mehr Schlaf, Shoppingexzessen, Kurzurlauben, den einstigen Traummaßen werden immer hörbarer und v. a. fordernder. Der Tag X, an dem die Kleinen alleine bei Papi und Omi geparkt werden können, ist nah. Nur noch 2 Jahre, oder drei. Und wo wir gerade von Papis reden: Damit der Mann weiterhin sexy bleibt, muss er Geld nachhause bringen – so zumindest sieht es die erfahrene Sexualtherapeutin Gerti Senger. Ganz schön anstrengend so eine Karriere auf der Familienleiter. Aber v. a. ganz schön schön. Love you.

MFG 06.13

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MFG SZENE

Wiki(pedia) und die starken Männer Der St. Pöltner Alexander Wagner ist „Wikipedianer“. Er schreibt Artikel für die Online-Enzyklopädie und ist zudem stellvertretender Vorsitzender von Wikimedia Österreich, dem Förderverein hinter Wikipedia. Alles ehrenamtlich versteht sich. Sein Geld verdient er als Angestellter. Wie aktiv sind Sie auf Wikipedia?

Unterschiedlich, je nach Zeit und Lust. In Österreich zähle ich zu den Aktiveren, zusammen mit der Tätigkeit bei Wikimedia habe ich fast jeden Tag damit zu tun.

Wieviele Wikipedianer gibt es im Bezirk St. Pölten?

Zwischen 70 und 150. Im Bezirk St. Pölten gibt es nur an die fünf, was vergleichsweise wenig ist. Das Zentrum ist auch hier der Wasserkopf Wien. Wie kommt man dazu, Autor zu werden?

Spaß, denke ich, und der Wunsch, Themen die einen interessieren, besser vertreten zu sehen. In meinem Fall sind das Artikel rund um St. Pölten. Wo steht Wikipedia in Homepage-Rankings? Wie sieht es im Vergleich zu gedruckten Nachschlagewerken aus?

In den Rankings ist Wikipedia weltweit eine der Top-10Seiten. Im Vergleich zu gedruckten Enzyklopädien kann Wikipedia qualitativ mithalten – wobei die Artikelquali64

tät natürlich stark variiert. Heute stellen immer mehr etablierte Nachschlagewerke ihren Betrieb ein. Wie schwer ist es, in Wikipedia falsche Informationen dauerhaft unterzubringen? Wie seriös sind die Informationen?

Blödsinn wie etwa „Arsch“, „ficken“, usw. wird nach wenigen Sekunden von Leuten gelöscht, die sich freiwillig in der sogenannten „Eingangskontrolle“ engagieren und sämtliche Änderungen kurz ansehen. Schwerer überprüfbare Falschinformationen findet man je nach Themengebiet unterschiedlich viele. Bei wichtigen und oft gelesenen Artikeln ist es so, dass sie von vielen Wikipedianern „beobachtet“ werden. Vor allem bei Randthemen kann es aber vorkommen, dass falsche Informationen länger nicht geprüft werden, bis sich jemand um das Thema annimmt. Was ist der Unterschied zu anderen freiwilligen Projekten?

Ich bin Freiwilliger beim Samariter-Bund, wo man vereinzelt und punktuell Menschen helfen kann. Bei Wikipedia ist es so, dass ein Artikel vielen, oft Hunderten Menschen von Nutzen sein kann. Der Zweck von Wikipedia ist es, Wissen frei zu verbreiten und zu teilen.

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Der Zweck von Wikipedia ist es, Wissen frei zu verbreiten und zu teilen.

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I


TEXT: MICHAEL KÄFER| Fotos: KARL STADLER

Wie stark wird Wikipedia von professionellen Journalisten und Autoren für kommerzielle Zwecke genutzt?

Extrem stark. Man merkt das zum Beispiel daran, dass sich Fehler in Wikipedia-Artikeln plötzlich in allen möglichen Zeitungen wiederfinden. So hat man, als Willi Gruber gestorben ist, überall gelesen, dass er „Maschinenschlosser“ gelernt hat. Ich wurde auf den Fehler aufmerksam gemacht und habe den Eintrag auf „Dreher“ ausgebessert.

Wie finanziert sich Wikipedia?

sonders was die Qualität der Artikel betrifft. Trotzdem versuchen wir gerade, Projekte mit Universitäten und staatlichen Einrichtungen wie dem Bundesdenkmalamt und einigen Archiven umzusetzen. Generell möchte ich sagen: Wikipedia macht professionellen Autoren nichts streitig. Wir forschen nicht, sondern bilden nur bereits etabliertes und veröffentlichtes Wissen ab. Es ist sogar untersagt, eigene Erkenntnisse, die nirgends publiziert wurden, auf Wikipedia zu stellen.

Wikipedia ist zu 100% aus Spenden finanziert. Es gibt weder Werbung noch Subventionen. Bezahlt werden muss vor allem die Infrastruktur, also etwa Server und Datenverkehr. Darüber hinaus fördert Wikimedia – wo es übrigens so gut wie keine Hauptberuflichen gibt – manchmal auch Autoren. Da werden dann auf Anfrage spezielle Kameras oder Bücher verliehen, um Fotos und Artikel zu ermöglichen. Wie gut sind die Artikel rund um St. Pölten?

Da es kaum Mitstreiter gibt, sind es deutlich zu wenig. Manche andere Städte wie Linz und Salzburg haben hingegen bereits eigene Stadtwikis. Was wird an Wikipedia kritisiert?

Vor allem im akademischen Bereich gibt es Vorbehalte, be-

WIKIPEDIANER. Wagner arbeitet fast täglich für die Online-Enzyklopädie. Sein Interesse gilt vorwiegend den Artikeln rund um St. Pölten.

PRESENTED BY

15.-17. AUGUST 2013

GREEN PARK · ST. PÖLTEN DAYPARK

SYSTEM OF A DOWN · TOTEN HOSEN · TENACIOUS D

NICK CAVE

AND THE BAD SEEDS

DIE

· FRANZ FERDINAND · BILLY TALENT · NERO · FLOGGING MOLLY · LEFT BOY

EMPIRE OF THE SUN · TRICKY · BAD RELIGION · CASPER · KRAFTKLUB · OF MONSTERS AND MEN · HURTS

SKUNK ANANSIE · THE GASLIGHT ANTHEM · FALL OUT BOY · JAMES BLAKE · REGINA SPEKTOR · CRYSTAL CASTLES IMAGINE DRAGONS · MADSEN · THE FRATELLIS · PENNYWISE · JAKE BUGG · 3 FEET SMALLER · ARCHIVE · THEES UHLMANN · AWOLNATION · SHOUT OUT LOUDS LITTLE BOOTS · BRENDAN BENSON · MAX HERRE · FRISKA VILJOR · JONATHAN JEREMIAH · KODALINE · SIZARR · OK KID · DEAP VALLY · CHAD VALLEY · LAURA MVULA · WILLY MOON · TOM ODELL LITTLE GREEN CARS · BEWARE OF DARKNESS · JOSH KUMRA · THE DROWNING MEN · SKATERS · TONBANDGERÄT · U.V.M. RED BULL BRANDWAGEN STAGE

STRUNG OUT · THE MAKE MAKES · CATASTROPHE AND CURE · OLYMPIQUE · BLACKOUT PROBLEMS · JOSY AND THE JOGGERS · BLINDWAY ALLEY

N I G H T PA R K

CHASE & STATUS DJ SET · MAJOR LAZER · SUBFOCUS LIVE DILLON FRANCIS · FLOSSTRADAMUS LIVE · ZEDS DEAD · PORTER ROBINSON SKISM · LOADSTAR · TIGA · LEXY & K-PAUL · STEPHAN BODZIN · DELTA HEAVY · ALEX METRIC · KILLSONIK

APHRODITE · A.G. TRIO · JOHN B · ILL.SKILLZ · NILS HOFFMANN · ROBERT DELONG · BODY&SOUL · STEVE HOPE · FOURWARD · ATOMIQUE · NAKED FISH · DJ MOSAKEN · GHOST CAPSULES · MC DAXTA · WEST MB

~ 2 FESTIVALS IN 1 · 3 TAGE · 7 BÜHNEN · 100 ACTS ~ Tickets sind auf www.musicticket.at, bei oeticket (www.oeticket.com; Tel: 01/96096) und in jeder Bank Austria (Ermäßigung für Ticketingkunden und MegaCard-Members) bzw. unter 01/24924 erhältlich.


MFG ADVERTORIAL

TOMSTA „TOGETHER“ RELEASEPARTY

13.07.

28.06. spark7 presents

SCHOOL’s OUT PARTY

Nie mehr Schule! Für viele Maturanten Realität, für alle anderen Schüler gilt dies zumindest für die heiß ersehnten Sommerferien. Mit viel guter Laune starten die Ferien bei der SCHOOL’s OUT PARTY by spark7. Nachmittags wird im Sparkassenpark gefeiert, am Abend geht dann im Warehouse mit THE SHIT IS COMING HOME (Foto), MANSHEE, EFELO, T-OHM, SUEDMASSIV SOUND, BOOMARANG, ROOTSRUNNA, DON DADA NATION und SYNOZZ auf zwei Floors ordentlich die Post ab. Das „SchoolS-Out Wristband“ für deinen gratis Eintritt im Warehouse bekommst du direkt bei spark7 oder am 28.06. im Sparkassenpark.

Er ist momentan in aller Munde, DJ Tomsta! Denn DJ Tomsta ist der „crazy Typ“, der mal eben den Weltrekord im Dauerauflegen gebrochen und neu aufgestellt hat. Sage und schreibe 168 Stunden und 11 Minuten ist er im Warehouse an den Decks gestanden und hat Alles gegeben. Am 13. Juli präsentiert er seine brandneue Single „Together“ inklusive dem frisch abgedrehten Musikvideo auf einer großen Videowall und wird eines seiner bekannten Wahnsinns-Sets hinlegen. Eindeutig einer DER Pflichttermine in diesem Sommer!

web / www.w-house.at FACEBOOK / www.facebook.com/warehouseSTP

PROGRAMM JUNI/JULI SA 22.06. CITY OF BASS

Warehouse + The Garage

FR 28.06. SCHOOL’S OUT PARTY Warehouse + The Garage

SA 13.07. TOMSTA “TOGETHER” RELEASE PARTY The Garage

Das gesamte Warehouse Team wünscht euch einen unvergesslichen Sommer 2013. CYA im September, wenn das Warehouse wieder seine Pforten öffnet!

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MFG ADVERTORIAL

NDU

NDU: ERSTE ADRESSE FÜR UNIVERSITÄRE AUSBILDUNG ZUM EVENT ENGINEER Shows, sportliche Großveranstaltungen, Kulturfestivals. Die Unterhaltungsindustrie, aber auch Wirtschaft und Politik müssen sich zunehmend den hohen Erwartungshaltungen moderner Freizeit- und MedienkonsumentInnen stellen.

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enn nur Events, die ungewöhnlich, stimulierend und nicht zuletzt technisch wie dramaturgisch perfekt umgesetzt sind, wissen ihr Publikum zu begeistern. Immer gefragter sind deshalb gut ausgebildete »Event Engineers«, die sowohl die komplexe Eventtechnik beherrschen als auch ergänzend fundierte Kenntnisse im Bereich Eventmanagement und -Marketing besitzen. Vor diesem Hintergrund hat die New Design University St. Pölten (NDU) vor fünf Jahren den Bachelor Event Engineering gestartet. Dieser ist eine – europaweit einzigartige – universitäre Ausbildung, die die Voraussetzungen und Fertigkeiten für das technische Umfeld eines Events ebenso vermittelt wie das Wissen um die Kon-

zeption, Budgetierung, Planung und Umsetzung bis hin zur Implementierung von Security-Maßnahmen. Das Curriculum beinhaltet zudem spezifische Ausbildungsmodule auf den Gebieten Pyrotechnik und Laserschutz. Aufgrund ihres umfassenden Knowhows kooperieren »Event Engineers« auf Augenhöhe mit den künstlerischen und kaufmännischen Entscheidungsträgern und sind als fundiert ausgebildete Event-SpezialistInnen gefragt; sowohl seitens der Werbe- und Veranstaltungs-Branche als auch seitens Kulturinstitutionen, Kongresszentren und Behörden. Magister Helmut Kienast, Studiengangsleiter des Bachelors „Event Engineering“ freut sich über die TopBerufsaussichten, die auf die AbsolventInnen warten. „Im Herbst 2012 haben wir den ersten AbgängerInnen den Bachelor of Engineering verliehen. Und es freut mich riesig, dass der Großteil unserer Studierenden unmittelbar darauf ins Berufsleben einsteigen konnte und sich das vielfältige Spektrum unseres Ausbildungskon-

zeptes auch in den jeweiligen Tätigkeitsprofilen spiegelt: Einige arbeiten als selbstständige Event Manager; andere wiederum als Projektleiter in einem technisch orientierten Umfeld wie zum Beispiel im Bühnenbau oder in den Bereichen Audio-, Video-, und Lichttechnik. Eine unserer Studierenden arbeitet gar als Top-Expertin im Bereich Pyrotechnik,“ so Kienast. Zugangsvoraussetzungen Wer den Bachelor Event Engineering an der NDU absolvieren möchte, hat in der Regel die allgemeine Hochschulreife in Form einer AHS- oder BHS-Matura oder eine Lehre mit Berufsreifeprüfung nachzuweisen und ein Aufnahmeverfahren zu passieren. BewerberInnen mit einschlägiger Vorbildung wie z.B. HTL können sich ausgewählte Module anrechnen lassen und – im Idealfall – direkt ins zweite oder dritte Semester einsteigen. Aufnahmetermin für das Wintersemester 2013/14: Samstag, 07. September 2013. Beratung & Anmeldung: ­office@ndu.ac.at, 02742 890 2411 STUDIENDGÄNGE DER NDU BACHELOR Event Engineering, BENG Grafikdesign & mediale Gestaltung, BA Innenarchitektur und 3D Gestaltung, BA Manual & Material Culture*, BA MASTER Innenarchitketur & 3D Gestaltung, MA Innovations- und Gestaltungsprozesse, bb, MSc E-Mobility & Energy Management, bb, MSc Strategic Management, Entrepreneurship & Innovation*, MSc IPR & Innovations*, bb, MSc *in Akkreditierung befindlich / bb = berufsbegleitend

INFOS

www.ndu.ac.at MFG 06.13

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MFG SZENE

Die wandelbare Welt der Almalyn

Intensiv leben Mit ihrer Band „Herzkohle“ und dem Debütalbum „Burst“ hat Almalyn Griesauer 2012 für Furore gesorgt. Wir erleben mit ihr Songs von leichtfüßig bis grob und mundunartig und sie selbst als charismatischen Funkenregen in Hosenträgern und Marlenehosen, mit verknoteter Wallemähne, Schneewittchenhaut und einer Stimme, die so tief aus dem Herzen zu kommen scheint, dass den Besuchern Gänse rauf- und runtertrappeln. Eine Frau, die Spuren hinterlässt ...

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sogs eich: Es gibt nicht so viele Menschen, die mich „journalistisch“ groß interessieren. Das meine ich nicht böse. Nur ehrlich. Dieses Weibsstück aber, das sich gern mal in Schweißerbrille und Kabelsalat kleidet oder vor einem dicht gedrängten und ganz und gar (von den gehauchten, geschmetterten, gezärtelten und gebrüllten Lie68

dern) gebannten Publikum im niederösterreichisch-wienerischen Dialekt zugibt, unendlich nervös zu sein – das muss ich euch jetzt mal vorstellen. Das ist eine Story wert. Ganz ohne bezahlte Anzeige. Almalyn Griesauer ist in Lilienfeld aufgewachsen und hat schon so früh zur Musik gefunden, dass sie nicht mehr weiß, wann genau. Aber dass das erste Instrument eine Blockflöte war und sie sich das Spielen selbst beigebracht hat, weiß sie noch gut. Auch, dass sie über die Musikschule ihres Heimatorts dann zur Klarinette kam, obwohl sie eigentlich lieber Querflöte gelernt hätte, „aber Klarinette war das einzige Instrument, das ich mir ausborgen konnte – eine Querflöte hätte angeschafft werden müssen, und das war nicht drin.“ Von dort führte die musikalische Reise weiter nach Wien, wo es nach einem nur kurzen Ausflug in die Theaterwissenschaften („zu theoretisch“) ins Musikstudium ging, an die Jazzgitarre. Aber auch beim


TEXT: Althea Müller | Fotos: Hermann Rauschmayr

Gedanken an z.B. Klezmer-Musik und dabei vor allem den großen Meister Giora Feidman leuchten ihre Augen auf, ja, kommen ihr beinahe die Tränen: „Diese Musik ist so mächtig, so berührend – die leisesten gerade noch hörbaren Töne sind hier möglich.“

ihren Kollegen weiterhin zum Schlagen bringen, Konzerte spielen. Aber auch ein Soloding starten, „etwas total Abgefreaktes“. Wieder einmal einen Liederabend gern auch in kleiner Runde machen, bei dem sie, die übrigens bereits in Frankreich lebte und arbeitete, Edith Piaf huldigen und die Zuhörer auf seelenvolle Ergriffen ist sie auch, wenn es um den Chansons betten möchte. Und dann bei unserem Interview gerade aktuwäre da noch was ganz anderes, die ellen Lebens-Wandel geht: „Zum allerIdee einer Talkshow, einem direkten ersten Mal habe ich einen eigenen Pround menschlichen Format, das sie geberaum, den ich benutzen kann, wann rade zusammen mit zahlreichen hellen und wie lange ich möchte“, sagt sie. Köpfen aus der Stadt plant. „Ich brauUnd dort ist sie nun auch fast täglich che immer ein Konzept, suche oft nach – oft allein, immer musizierend. Bis zu einem Plan“, gibt sie zu, „auch, wenn zehn Stunden am Stück sind keine Selich mittlerweile weiß, dass Pläne printenheit. zipiell zum Scheitern verurteilt sind.“ MUSIK. „Sie bildet die Persönlichkeit, sie Wir bleiben somit gespannt, was vermittelt Empfinden und Menschlichkeit.“ Berufung ist unkündbar die ungeplant planlose Frau mit den „Letzten Herbst bin ich von Wien, wo ich studiert und ge- großen dunklen Augen in den nächsten Jahren noch so arbeitet habe, nach St. Pölten gezogen“, gibt sie Einblick alles aus ihrem kreativen Hut zaubern wird: Dass es soin die letzten großen Veränderungen, „und erstmals in wohl menschlich als auch künstlerisch wertvoll sein wird, meinem Leben hatte ich das erreicht, was ich zuvor noch ist aber jetzt schon so klar wie ihre Stimme. Basta Rasta! nie hatte – eine sicher leistbare Wohnung, einen eigenen Proberaum und vor allem endlich mal ausreichend Zeit.“ MEHR INFORMATIONEN UND TOURDATES www.herzkohle.com Denn nachdem sie schon in ganz jungen Jahren von daheim auszog, blieb der heute 28-Jährigen neben Jobben und Studium nie das wirklich Kostbare: Zeit. Einige Monate davon konnte sich Almalyn nun doch freischaufeln. „Da kam dann auch der positive Knackpunkt bei mir“, erinnert sie sich an den Prozess, der im Winter 2012 stattfand, „auf einmal, inmitten dieser vielen Zeit, die ich hatte und künstlerisch ausgiebig nutzen konnte, wusste ich, ja, das ist es! Ganz egal ob ich damit jetzt oder später Geld verdienen kann – die Musik darf nun mein ausgesprochener Weg sein. Bis dahin hatte ich immer meine feste Hacklereinstellung, dass es einfach nicht sein kann, für die Musik zu leben, weil ich eben nicht davon leben kann. Jetzt jedoch ist es anders – ich habe meinen Frieden mit meinem Weg gefunden.“ Herzblut, Herzkohle Bei soviel überdachter Bodenhaftung sind die nächsten Schritte für sie keine Fragezeichen mehr: Sie wird demnächst neben der jetzt schon gelebten Kunst auch ihre musikalische Ausbildung abschließen. Und akzeptieren, dass Musik für sie weniger Beruf als Berufung ist – und daher nicht kündbar. „Berufung schreit nach dir, wenn du glaubst, du könntest sie hinten anstellen“, lächelt sie und fügt hinzu: „Unsere Zeit hier ist begrenzt und ich möchte daran arbeiten, was ich bin, nicht an dem, was ich habe.“ Weitere Pläne? So viele. Die Luft wird dicht im Café Addo’s in der STP Innenstadt, als sie uns ein Bild zeichnet von dem, was sie vorhat – als Sängerin mit Herzkohle weitermachen, das demokratische Bandkonstrukt mit MFG 06.13

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MFG ADVERTORIAL

FH ST. PÖLTEN

St. PöltnerInnen, seid nicht so feig! Erst vor kurzem fand „JamImEmmi“ statt. Hier nutzten Studierende das gleichnamige Kaffeehaus als Proberaum und jammten vor vollem Haus mit Klavier, Cajón, Gitarre und den eigenen Stimmen. Zum Finale spielte die aus drei FH-Studentinnen bestehende Band „The Wooden Cloud“ ihr Akustik-Set. Das campus & city radio 94.4 war natürlich auch vor Ort und zeichnete die musikalischen Darbietungen auf, um sie später über den Äther zu jagen. Etwas lauter als im Kaffeehaus Emmi geht es bei den beevents zu, die von Studierenden der Fachhochschule organisiert werden. Zu Semesterbeginn überraschten die sieben Erstsemestri-

waren von Anfang an klar: Es gab DJs, einen Grafiker, einen Fotografen und einige hatten vorher in der Eventbranche gearbeitet. „Jeder konnte etwas zu dem Projekt beitragen“, erklärt Veranstalter Daniel, „und es macht nicht nur Spaß, die Veranstaltungen zu organisieren, sondern man lernt auch dazu.“ Das Team arbeitet kostendeckend und versucht, die Preise studentenfreundlich zu halten. Die Gewinne werden ins nächste Event gesteckt. „Wir werden von der FH und von anderen Seiten unterstützt“, ergänzt Thomas. Wann wird das nächste Event steigen? „Wir werden beim nächsten Semesterbeginn die neuen Studierenden ordentlich willkommen heißen“, sind sich alle einig.

stattfinden, da wir zurzeit zu viel für die FH zu tun haben“, so Dominik. Trotzdem wird das Team die Initiative ergreifen, und Stimmung in die St. Pöltner Partyszene bringen. Stimmung verbreiten auch vier FHStudentinnen auf ihrer Facebookseite. Wer war das, den niemand „eine feige Sau“ nennen darf? Ja richtig! Marty McFly aus „Zurück in die Zukunft“. Aber nicht nur den, denn die vier Master-Studentinnen haben im Zuge eines Freifachs die Facebook-Gruppe „Feig, traust dich nie: FH St. Pölten“ gegründet und damit einen Hype ausgelöst. Die vier Mädels liefern eine verrückte Aktion nach der anderen und filmen sich selbst dabei. Das Freifach ist been-

beevents

BASSTHEATER

PROJEKT FEIG

gen, die hinter dem Projekt stecken, mit einer Werbekampagne auf Facebook zur „beegin“-Party am FH-Campus und im Warehouse. „Die 4Bros haben sich früher um die Partys am Campus gekümmert“, meint Organisator Fredi, „und wir wollten diese Tradition fortsetzen, als wir ins Studentenheim eingezogen sind.“ „Wichtig ist uns, mit unseren Partys die breite Masse anzusprechen und das Niveau hoch zu halten“, ergänzt Thomas. Bei den bisherigen Partys konnten die Veranstalter­Innen etwa 300 Besucher­ Innen anlocken. Fredi ist stolz, dass die beevents so gut besucht werden: „Das Feedback der Besucher ist durchwegs positiv.“ Die Kompetenzen im Team

Ähnlich arbeitet das Team rund um „Sir Theodor von Bass“. Die Bachelor-Studierenden versuchen nicht, die breite Masse anzusprechen, sondern bieten Elektronische Musik, die sie auf anderen Studentenfesten vermissen. „Wir wollen den Partys unseren Touch geben“, erklärt Dominik vom Veranstaltungsteam. „Uns wurde rückgemeldet, dass die Musik mal was anderes war und vielen zugesagt hat. Unser Main Act, Roquestar, hat bestätigt, dass die Leute begeistert waren“, verrät Mitorganisator David. Das ging nicht ohne Unterstützung von außen. StudienkollegInnen standen dem Team zur Seite. „Das nächste große Basstheater wird leider erst im Wintersemester

det, doch ans Aufhören denken die vier nicht. „Jetzt sind die anderen dran“, meint Tanja, „die Leute sollen sich was trauen und uns ihre Videos schicken. Mutige haben sich bereits gefunden.“ So spielte eine Gruppe Studierender Minigolf im FH-Gebäude und ein Student verbrachte einen Studientag als Maus verkleidet. Warum? „Weil’s Spaß macht und sich die Leute in St. Pölten mehr trauen sollten, damit keiner mehr sagen kann, St. Pölten wäre langweilig“, meint Feig, traust dich nie-Mitbegründerin Verena. www.facebook.com/FeigFHSt.Poelten

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INFOS

www.fhstp.ac.at

Fotos: Helmut Harringer / www.speedlight.at, zVg, FH St. Pölten

Wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass St. Pölten einmal zur Studenten-Stadt wird? Die mittlerweile fast 2.000 Studierenden der Fachhochschule St. Pölten sind nicht nur begeisterte Party-GängerInnen und oft gesehene Gäste in den diversen Locations, sondern trauen sich was und kümmern sich selbst um das kulturelle Angebot in der Stadt.


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11. 10. VAZ St. Pölten 11.10. VAZ ST. PÖLTEN Tickets: VAZ St. Pölten, ticket@nxp.at, 02742/71400, Raiffeisenbanken, oeticket.com

Tickets im VAZ, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten (www.vaz.at, 02742 / 71400 - 100, ticket@nxp.at), in allen RAiffeiSenbAnKen und Geschäftsstellen von OeTiCKeT (www.oeticket.com, 01/96096)

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Veranstalter: NXP Veranstaltungsbetriebs GmbH

www.chippendales.at

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MFG SZENE

Opfekompott

Halb bekannt Sie haben sich nicht nur in St. Pöltens EGON eine treue Fangemeinde erspielt. Ihre Musik liegt irgendwo am Schnittpunkt zwischen 60ies-Folkrock, neuer Volksmusik und unpeinlichem Austropop. Ihre aktuelle, dritte CD heißt „Voi gsund“, in ihren lyrics geht’s allerdings eher um nicht ganz so rund laufende Dinge. Höchste Zeit mit Michael Flieger von „Opfekompott“ folgendes Gespräch zu führen.

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oi gsund? Als wir uns Montag vormittags bei Addo‘s in der St. Pöltner Innenstadt treffen, wirkt Michael Fliegers Stimme ein wenig … knarzig. So als hätte er am Vorabend mit Bob Dylan und Tom Waits gemeinsam gefeiert und deren Sprechduktus vorübergehend übernommen. Wobei das mit dem Feiern gar nicht so daneben liegt. „Ich 72

hab‘ gestern meinen 45. Geburtstag g‘habt. Und weil mir da schon ein bissl z‘viel Familie war, bin ich auf‘n Berg ‘gangen. Und danach zum Wirten in Kirchberg.“ Kirchberg, seine Heimatgemeinde. „Na, ja, und durt is halt länger g‘worden.“ Er grinst sich eins und tut einen beherzten Schluck Kaffee. Einmal noch kräftig räuspern, dann geht’s.

In St. Pölten – und generell in Niederösterreich – sind Opfekompott mit Flieger an der Akustik- und SlideGitarre, Stefan Zeuner an Gitarre und Mundharmonika, Klaus Buchmann am Bass und Erich Kirchner an Drums und Percussion inzwischen eine überaus gefragte Partie. Und das, obwohl die Texte, die großteils von den beiden Sängern Flieger und


TEXT: Thomas Fröhlich| Foto: ZVG

Zeuner stammen, nicht unbedingt der Spaßgesellschaft verpflichtet sind, wie es bei vielen Dialektacts dieser Tage der Fall ist. Erinnert die Ausrichtung des Sounds mitunter an die geniale 60ies-Folkrock-Band The Byrds, so brauchen die lyrics Vergleiche mit Bob Dylan, Bruce Springsteen oder Neil Young nicht zu scheuen: in lokalem Sprachkolorit auf den Punkt gebrachte Alltagsbeobachtungen, durchaus poetische Reflexionen und Song gewordene Kurzstories aus dem zwischenmenschlichen Bereich, fern von Kitsch und Anbiederung. Und nicht zuletzt versetzt der auch im Metal umtriebige Kirchner den Stücken mit seinen Drums gern eine Dynamik,

die die Zuhörer sofort vergessen lässt, dass es sich im Grunde um ein reines Akustikprojekt handelt. Begonnen hat das alles ja ganz anders: „Wir zwei Sänger haben 1989 zum Spü‘n ang‘fangen,“ erinnert sich Flieger. „Langzotert und sehr rockorientiert.“ Kaemha nannte man sich damals. Erst wurde auf Englisch gesungen, „obwoi des eigentlich kana wirklich kennan hod,“ sehr bald danach auf Deutsch. Und dann kam jener Abend, „an dem wir in Hainfeld g‘spüt hom. Die Hittn bummvoi – und kana hod zuag‘head.“ Man erkannte: So geht‘s nicht weiter. „Mit dem Geiger Toni Burger haben wir dann einen Akustikauftritt g‘habt.“ Und man beschloss, diese Richtung weiter zu verfolgen. Fremdmaterial wie etwa von Johnny Cash wich Eigenem – und in den Nullerjahren wurde dann Opfekompott aus der Taufe gehoben. Obwohl der Grund für die Namensgebung nach wie vor im Dunkeln liegt. „A Rauschg‘schicht!“, meint Flieger und lacht. „Irgendwas Regionales halt. Nachher sucht man nach Erklärungen.“ Dem Regionalen sind Opfekompott verpflichtet, in Musik und Texten. Und legen da mitunter ihre Finger auch auf die offenen Wunden, die das (post)moderne Leben auf dem Land mit sich bringt. „In Kirchberg funktioniert ja die lokale Wirtschaft noch halbwegs“, meint Flieger. „Aber wenn man sich generell in Österreich die Bauernhöfe anschaut – das sind großteils nur noch Fleisch- oder Milchfabriken.“ Und die EU fördere diese industrialisierte Form der Landwirtschaft auch noch mit Irrsinnssummen. Was letztendlich in das Lied „Agrar(r)evolution“ auf ihrer letzten CD Eingang fand. Flieger selbst hat ja Forstwirtschaft studiert. „Aber dauernd allan im Woid umanand rennen – des woa nix für mi. Ich war dann eine Zeitlang beim Stift Melk angestellt.“ Irgendwann verfasste Flieger in fünfjähriger Arbeit einen forstlichen Bericht, der dann in einer Schublade landete: „Sowas ziagt di runter.“ Als Diplompädagoge arbeitet Flieger derzeit als Erzie-

her in Krems, denn „von der Musik leben? Kannst vergessen!“ Zumindest im Moment. Doch die Beliebtheit der Band wächst und wächst. „Obwohl: Halb bekannt ist mir eigentlich am liebsten. Also für einen Auftritt g‘scheit zoid kriagn, gnua Leid ansprechen – und trotzdem no gmiadlich ins Wirtshaus gehen können.“ Einstweilen sei man halt eher in Niederösterreich gut unterwegs. „Wien ist zum Beispiel ein schwieriges Pflaster – dort muasst ja scho dafür zoin, damitst spün deafst.“ Und wenn man in Österreich nicht gewissen „alteingesessenen“ Seilschaften angehöre, habe man es generell nicht so leicht. Da arbeite er lieber mit Toni Burger oder musikalischen Allroundern und Grenzgängern wie Otto Lechner zusammen, die regelmäßig auf Opfekompott-Tonträgern zu hören sind. Dass er mit den Liedern nicht die Welt verändern könne, wisse er. „Aber wir sind ja auch keine Liedermacher. Wir sind in erster Linie eine Band, die Musik macht, die uns taugt“: knackiger Dialekt-Folk mit Rockelementen, den auch ein Wolfgang Ambros vor Jahrzehnten mal drauf hatte. Was offenbar auch immer mehr Zuhörern taugt, wenn auch einstweilen noch eher auf der regionalen Ebene. In einer gerechten Welt verfügten Opfekompott wohl schon über einen bedeutend höheren Bekanntheitsgrad und täten Konzerte mit Dylan oder Young spielen. Aber was ist schon gerecht? Außerdem wäre das auch das Ende des „halb Bekannten“. Denn wie Flieger so schön meint: „Wenn i zwa Wochen ned in Kirchberg bin, geht ma eigentlich wos o. Und i gfrei mi, wenn i duat afoch so ins Wirtshaus gehen kann und Leid triff, mit denen i redn kann.“ Da Anzige bin i natürlich net / der nu net ham gehen wüh / wahrscheinlich is heit Voimond / oda woa heit afoch nu zfüh / zum Tuan. (Aus: Nur net ham gehn) Afoch? Nein, einfach ist das nicht. Aber gut zu hören. In jeder Hinsicht. MFG 06.13

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MFG SPORT

Dreijahresplan

Die erste Saison in der NV Arena ist geschlagen. Nach einer regelrechten Anfangseuphorie im Herbst, die insbesondere durch eine groß aufspielende Truppe befeuert wurde und viele schon vom Aufstieg träumen ließ, war der zweite Saisonabschnitt eher durchwachsen. MFG bat die Protagonisten um ein erstes Resümee nach einem Jahr NV Arena – und einen Ausblick.

W

ie wurde das Stadion im ersten Jahr von den Besuchern angenommen? Den Zahlen nach nicht schlecht. Die NVArena, mit 8.000 Plätzen „nur“ fünftgrößte Spielstätte der Ersten Liga, lag mit durchschnittlich 2.900 Zusehern pro Spiel auf Rang zwei im Ligavergleich und konnte damit sogar gut mit den niederösterreichischen Bundesligisten mithalten (Admira 3.300, Wiener Neustadt 2.800). Faktum ist, dass defintiv mehr Zuschauer ins neue Stadion kamen als zuletzt auf den Voithplatz. Dessen zuschauerstärkste Saison in der SKN-Ära war mit 1.700 Besucher pro Spiel jene unmittelbar 74

nach dem Aufstieg 2008. In der letzten Spielzeit kamen jeweils 1.500 Besucher zu den Heimspielen. Im Frühjahr 2013 – wenn man den starken Herbst herausnimmt – näherte sich aber auch der Besuch der NV-Arena wieder diesen Durchschnittszahlen an. Wie so oft korreliert die Besucherzahl direkt mit der sportlichen Leistung. Diesbezüglich gibt sich auch Landesrätin Petra Bohuslav keiner Illusion hin: „Die Leute sind dann zufrieden, wenn der Erfolg da ist, es ein flottes Spiel gibt und Tore fallen. Das ist so im Sport.“ Für den ganz harten Kern, die Wolfbrigade, gilt dies freilich nur eingeschränkt – die steht

SKN ST. PÖLTEN

nämlich IMMER hinter ihrer Mannschaft, wenngleich auch Obmann Gregor Unfried resümiert: „Die erste Saisonhälfte war sportlich ein Wahnsinn, beispielsweise das 3:2 gegen Altach, die Rückrunde dafür eher zum Vergessen.“ Womit man noch hadert, ist die Stimmung im neuen Stadion. „Die lässt noch zu wünschen übrig.“ Mit der Vereinsphilosophie geht man hingegen großteils d’accord: Junge heimische Spieler anstatt arrivierter „Stars“, wenngleich „wir natürlich den Abgang von Thürauer und Segovia schon bedauert haben.“ Step by Step Man setzt beim SKN – ein Wort, das in praktisch allen Gesprächen mit Vereinsverantwortlichen fällt – auf „Nachhaltigkeit“. Direkt aus dem Bezirk St. Pölten stammen Andreas Gradinger und Kapitän Ambichl, daneben gibt es zahlreiche Niederösterreicher im Kader, und mehr als die Hälfte der


TEXT: Michael Käfer, Johannes Reichl | Fotos: Wolfbrigade, ZVG

Spieler hat seit dem 14. Lebensjahr die St. Pöltner Fußballakademie besucht. Der SKN ist mittlerweile dafür bekannt, auf eigenen Nachwuchs zu setzen und lässt regelmäßig eine der jüngsten Mannschaften der Liga auflaufen. Umgekehrt, eine interessante Analogie zu regionalen Kulturbetrieben (im ehemaligen Stadttheater verdienten sich etwa Granden wie Peter Minich, Albin Skoda oder Oskar Werner ihre ersten Sporen), versteht man sich auch bis zu einem gewissen Grad als Entwicklungsverein für Leihspieler, das heißt Rohdiamanten anderer Vereine sollen hier weiter geschliffen werden. Trainer Martin Scherb legt bei seiner Kadererstellung jedenfalls „einen hohen Wert auf Nachhaltigkeit“, wie er sagt. Dass er dabei nicht vollends auf routiniertere Spieler verzichten kann, liegt auf der Hand. Der junge Kader soll „möglichst gezielt mit den richtigen Älteren durchmischt werden.“ So wurde für die kommende Saison bereits der erfahrene Abwehrspieler Tomasz Wisio verpflichtet. Damit die Nachhaltigkeit aber auch zum Tragen kommt, möchte man in Hinkunft selbst ausgebildete Topspieler, wie z. B. Thürauer einer war, längerfristig halten. In sämtlichen letzten Saisonen sah man sich ja immer wieder mit dem Abgang von Leistungsträgern konfrontiert. Profis bei der Arbeit Dass der SKN nicht nur im Hinblick

auf das neue Stadion mit seinen Skills wie Trainingsgelände, Kraftkammer, Büros etc. ein professioneller Betrieb geworden ist, belegt auch die Zahl der angestellten Profisportler: Waren 2007 von den insgesamt 22 Spielern nur fünf Profis, so verdienen heute alle – mit Ausnahme von Peter Brandl, der auch als Erzieher in der Fußballakademie Teilzeit beschäftigt ist – ihr Geld ausschließlich durchs aktive Kicken. Die Gehälter variieren: So werden aus der Akademie kommende Spieler laut Obmann Gottfried Tröstl – seines Zeichens leitender Angestellter bei der Hypo und studierter Betriebswirt – mindestens nach dem geltenden Kollektivvertrag bezahlt, was den Verein samt Lohnnebenkosten rund 30.000 Euro pro Spieler kostet. Die „Stars“ kassieren bis zu 180.000 Euro. Demgemäß wurde auch das Budget in den letzten Jahren v. a. dank neuer, landesnaher Sponsorpartner wie Hypo, NV oder Kabelplus in die Höhe geschraubt. Betrug das Budget 2011/12 noch 2,1 Millionen Euro, womit man im unteren Mittelfeld der Liga lag, war jenes für die erste Saison in der NV Arena auf 3,3 Millionen Euro angestiegen (davon etwa 2 Millionen Sportbudget samt SKN Juniors, Betreuer, etc., aber ohne Akademie). Und heuer geht’s nochmals um einen Tick nach oben: Das Lizenzbudget für die Saison 2013/1014 wird seitens des Vereins mit 3,5 Millionen Euro angegeben.

Gewinnt Geld Spiele? „Natürlich spielt das Budget eine wichtige Rolle“, räumt Scherb ein, „es gibt aber auch andere Faktoren wie Leidenschaft, Energie und Entschlossenheit.“ Wie schon vorm Einzug ins Stadion verweist der Trainer auf ein passendes Gesamtpaket als Grundvoraussetzung für das Entstehen von etwas Großem. „Mit dem Aufstieg ist ja nichts abgeschlossen“, relativiert er die Wünsche der Fans, die am liebsten sofort den Aufstieg sehen würden. Aber oben gelte es sich auch längerfristig zu etablieren. „Wir wollen ja nicht mit dem Lift nach oben fahren und gleich wieder runter, sondern müssen Schritt für Schritt setzen.“ Das sportliche Ziel für die kommende Saison sei daher nicht dezidiert der Titel, sondern primär einmal, vorne mit dabei zu sein. „Zum Meistertitel in einer starken Liga gehört neben der notwendigen Konstanz, eben immer auch eine Portion Glück in entscheidenden Spielen.“ So nachvollziehbar Scherbs bewusstes Steigen auf die „Erwartungsbremse“ ist, ebenso klar ist, dass der öffentliche Druck mit jeder Saison, in der der Aufstieg nicht gelingt, weiter steigen wird. Auch auf die Politik – immerhin gilt es eine Gesamtinvestition von 27,5 Millionen Euro fürs neue Stadion zu rechtfertigen. Dies kann nur gelingen, wenn sich der SKN in der höchsten Spielklasse mit Kalibern wie Rapid, Austria, Salzburg oder Sturm misst, die auch dementsprechend die Ränge füllen werden. Und antwortet Landesrätin Petra Bohuslav darauf angesprochen aufs Erste eher floskelhaft: „Es gibt keinen politischen Druck, die Spiele werden am Platz entschieden und Geld gewinnt keine Spiele“, lässt sie dann doch mit einer klaren Ansage aufhorchen. „Mit der Errichtung der neuen Arena war das Ziel verbunden, die Mannschaft in die oberste Spielklasse zu bringen und Spitzenfußball in der Landeshauptstadt zu bieten. Das sollte uns gemeinsam, und damit meine ich den Verein, die Fans, Sponsoren und die Politik in den kommenden drei Jahren gelingen.“ MFG 06.13

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MFG KRITIKEN

ZUM HÖREN

Manshee, mikeSnare, Thomas Fröhlich, Dr. Schramek, Rob.STP, dieKatha (von links nach rechts)

Cache

... INTERNATIONAL AIRPORT. Die österreichischen Independent-Rocker überzeugen auf ihrem 3. Studio-Album mit einer facettenreichen Auswahl an verschiedenen Genre-Richtungen. Mit pulsierenden elektronischen Bässen, überwiegend aus dem Rechner gezogenen Drum-Beats und vorsichtig aufgetragenen Keyboardteppichen arbeitet das Quintett auf „Cache“ grundsätzlich zeitlos, ohne den Einfluss persönlicher Helden aus den 80ern allerdings zu verleugnen.

LUKASCHER WURZELWERK

Mit seinem Debütalbum“Tog und Nocht“ hat der St. Pöltner Lukascher bereits für Furore gesorgt. Für „Wurzelwerk“ wurde der Stecker gezogen, der Strom abgedreht und die Sache an der Wurzel gepackt. Herausgekommen ist „AustroVoiksReggaePopDub“. Persönliche, tiefsinnige und kritische Mundart-Texte mit eingängigen Melodien und dem Gefühl, dass die Beine von alleine tanzen wollen. Das Wichtigste: Wurzelwerk kommt von Herzen, und das spürt man bei allen 15 Songs.

ZUM SCHAUEN Manshee, Ebru Erez

MARK ERNESTUS ... 800% Ndagga, Versions

... PRESENTS JERI-JERI. Mbalax heißt jener Musikstil aus dem Senegal, der traditionelle Rhythmen auf Sabar-, Tamatrommeln, Xylophon, Bass und Gitarre mit Stilelementen aus Funk und Jazz kreuzt. Mark Ernestus war davon so angetan, dass er vor Ort mit der Band „Jeri-Jeri“ Songs aufnahm und zwei Alben daraus drehte. Für dieses Projekt hat er sich hauptsächlich dem Produzieren verschrieben, die Elektronik bleibt außen vor – was den unverfälschten, rohen Eindruck erhöht.

Alix Perez

Chroma Chords Die gerade erschienene LP ist ein kompromissloser Bruch mit den Konventionen, ein eklektischer Mix aus diversen Spielarten der Bass Music auf höchstem Niveau mit vielen Collabos, insbesondere am Mikrofon. Auch wenn ich persönlich nicht von jeder Nummer hellauf begeistert bin – ja da wird er aber schwitzen, hehe – geb ich trotzdem einen doppelten Daumen-Hoch für das Gesamtkonzept und die Produktion. Ein Album, das dem Genre wiedermal neue Regeln aufdrückt!

ZUM SPIELEN Markus Waldbauer

Opfekompott Voi gsund

Der dritte Streich der niederösterreichischen und in St. Pölten live regelmäßig abgefeierten Dialekt-Band „Opfekompott“. Irgendwo zwischen frühem (und unpeinlichem) Ambros, Dylan in dessen Folk- und Countryphase und dem warm-akustischem Sound der 60ies-Folkrocker The Byrds gelegen – mit punktgenauen Texten und schön erdiger Musik. Darf man ruhig und guten Gewissens auch Austropop dazu sagen.

Tricky

False Idols Tricky is back: Back to the roots! Mit dem grandiosen Album „False Idols“ – erschienen auf seinem neu gegründeten und gleichnamigen Label – meldet sich Tricky zurück und knüpft an seinen 90s Sound und Spirit an. Damit pfeift er auf … naja, eben falsche Idole und Trends – denen auch er nachgejagt ist. Nach dem Opener „Somebody’s Sins“, einem Van Morrison Song, gibt’s düsteren Pop-Trip-Hop und tanzbare Beats – bitte mehr davon! Anspieltipp: „Is that your life“.

ZUM LESEN

H. Fahrngruber, W. Hintermeier

THE PLACE BEYOND THE PINES

Dark Souls

RUDI KLAUSNITZER

Luke ist Motorradstuntman und ein wortkarger Einzelgänger. Als er eines Tages seinen One-Night-Stand Romina wiedertrifft, erfährt er, dass er Vater geworden ist. Luke beschließt, Verantwortung für seinen Sohn zu übernehmen – auf seine Art: Mit Hilfe des Hinterwäldler-Mechanikers Robin beginnt er, Banken auszurauben – und setzt dabei auf sein fahrerisches Können… Grandios!

Es gilt als eines der schwierigsten Games in seinem Genre und wird seinem Ruf mehr als gerecht. Ihr werdet sterben, oft sogar, und ihr werdet fluchen! Aber wer auf düstere Dungeons mit Zauberern, Rittern, Drachen und Monster steht, kommt an Dark Souls einfach nicht vorbei. Es ist ein absolut geniales Game mit höchst motivierender Spielarchitektur. Aber Vorsicht, es ist auch ein gnadenloser Zeitfresser!

Die Auswertung der digitalen Datenberge, die jeder Bürger produziert, ermöglicht präzise Vorhersagen des Verhaltens von Gruppen und Individuen in der Zukunft. Das Smartphone als ständiger Wegbegleiter ist das Symbol für die totale digitale Vernetzung nahezu aller Lebensbereiche. Ein spannender Ausblick auf die Big-Data-Zukunft, die Wirtschaft und Gesellschaft in den nächsten Jahren grundlegend verändern wird.

WOLVERINE: WEG DES KRIEGERS

The last of us

Andreas Izquierdo

Auf der Suche nach seiner geliebten Mariko Yashida (Tao Okamoto) reist der Mutant Logan alias Wolverine (Hugh Jackman) nach Japan. Dort wird er jedoch Zeuge, dass sie bereits dem kaltherzigen Noburo Mori (Brian Tee) versprochen ist und gerät in eine Auseinandersetzung. Außerdem gerät Wolverine in eine Auseinandersetzung mit Marikos Vater Shingen und dem Ninjaclan „The Hand“.

Die Macher der erfolgreichen Adventureserie „Uncharted“ melden sich mit einem bombastischen Blockbuster zurück. Dieses Horror Game verschmilzt pure Action mit Survival Elementen und erzählt die unheimlich bewegende Geschichte vom Schwarzhändler Joel und der 14-jährigen Ellie, die sich durch apokalyptische Welten kämpfen müssen um zu überleben. Ein Anwärter für den Titel „Spiel des Jahres 2013“.

Der Beamte Albert Glück lebt für sein Amt und wohnt sogar – von niemandem bemerkt – darin. Gewissenhaft erledigt er seine Arbeit in immer gleicher Routine. Eines Tages landet ein seltsamer Antrag auf seinem Schreibtisch und Albert begegnet der Malerin Anna Sugus, die Alberts Welt ganz schön auf den Kopf stellt. Sein Leben und seine Arbeit nehmen eine überraschende Wende.

Derek Cianfrance

JAMES MANGOLD

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From Software

Naughty Dog

Das Ende des Zufalls

Das Glücksbüro

Fotos: zVg

FRANCIS ...


MFG VERANSTALTUNGEN

HIGHLIGHT VAZ St. Pölten

28. OLDTIMER- UND TEILEMARKT Der Oldtimer und Teilemarkt, der 2013 zum 28. Mal in St. Pölten stattfindet, hat sich mit über 20.000 Besuchern und ca. 600 Anbietern aus ganz Europa zu einer der größten Veranstaltungen dieser Art in Österreich entwickelt. Angebot: Autos, Motorräder, Nutzfahrzeuge, Fahrräder, Teile, Zubehör, Automobilia, Literatur, Bekleidung, etc. aus allen Epochen. Die Besucher können am Samstag, den 10. August 2013 ihr Glück versuchen und vielleicht das eine oder andere Schnäppchen machen. Und das alles bei freiem Eintritt! 10. August 2013 

20.06.–01.09

Emil Novy

Vor 45 Jahren verstarb der St. Pöltner Emil Novy als einer der ersten Gugginger Künstler, die unter Prof. Leo Navratil ihre künstlerische Kreativität voll entwickelten. Durch eheliche Probleme beschleunigt, verfiel er in einen manisch-depressiven Zustand, der seinen Aufenthalt in Gugging ab 1962 notwendig machte. Nun wird ihm eine Sonderausstellung gewidmet.

Festspiele

Ab 04.07. Unbekannte moderne

08.07.–28.08 Bergfilmfestival

Die kulturoffene Stadt ist prädestiniert für Festspiele – seit fast 50 Jahren öffnet sie jeden Sommer ihre Pforten einem zahlreich anreisenden Publikum. 2013 kehrt Stockerau wieder zu seinen Wurzeln, dem Sprechtheater, zurück. Präsentiert wird „Der Besuch der alten Dame“ von Friedrich Dürrenmatt, das Rahmenprogramm „querfeld¹“ uvm.

Seit über 20 Jahren sammelt der Kunsthistoriker Patrik Šimon tschechische und mitteleuropäische Kunst mit Schwerpunkt 19. & 20. Jahrhundert, insbesondere der Moderne. Das Landesmuseum präsentiert erstmals eine Auswahl von Meisterwerken dieser beeindruckenden Kollektion von Symbolismus über Jugendstil bis hin zum Expressionismus.

Bildgewaltige Bergfilme und prominente Gäste sorgen für Bergstimmung am Rathausplatz und im Cinema Paradiso: Wintersportlegende Toni Innauer liest aus seinen Bestsellern. Skyrunner Christian Stangl zeigt Bilder seines Projekts, die höchsten Berge der Welt zu besteigen. Außerdem: Slackline-Profi Mich Kemeter und Alpenspezialist Hans Thurner.

25.06.–11.08.

ausstellung

STADTMUSEUM

FESTSPIELE

15.–17.08.

JAZZ IM HOF

31.08.

Auch im vierten Jahr bietet das Festival mit Ausrichtung Modern Jazz einen Mix aus Auftritten lokaler und internationaler Musiker, arrivierte ebenso wie Nachwuchskünstler, aber allesamt von hohem Niveau. Schauplatz ist der stimmungsvolle Innenhof des Stadtmuseums. Noch weitere Sinne berührt das gut sortierte Angebot an erstklassigen Weinen. FESTIVAL

07.09.–17.10.

STADTMUSEUM

Musica Sacra

„Credo“, „Gloria in excelsis Deo“, „Salve Regina“, „Judith“ und „a cappella + groove“ – bereits die Konzerttitel zeigen die große Bandbreite des heurigen Festivals, das an den Aufführungsorten Dom zu St. Pölten, Basilika Stift Lilienfeld und Stiftskirche Herzogenburg wieder ein Forum für die Vielfalt der nationalen und internationalen Kirchenmusikszene bietet. FESTIVAL

Dom St. Pölten u.a.

STOCKERAU

CRO

Plötzlich war er da und ist seitdem nicht mehr aus der Hip-Hop/Pop-Szene wegzudenken – CRO, der Rapper mit der Pandamaske! Ob Indie, Hip Hop, oder Pop – Cro fühlt sich scheinbar in allen Genres wohl, die Mischung aus Rap und Pop bezeichnet er Raop. Dieses Wort ist auch der Titel seines im Juli 2012 erschienenen Debütalbums. Open Air auf der Festwiese!

AUSSTELLUNG

LANDESMUSEUM

FESTIVAL

CINEMA PARADISO

VAZ ST. PÖLTEN

KONZERTE | EVENTS | MESSEN | KONGRESSE

DONAUINSEL

KONZERT

Bibi Blocksberg

21.09.

In Neustadt herrscht große Aufregung: Nach einem verhexten Vormittag wird Bibi von Karla Kolumnas Neuig21. 09. 13 VAZ St. Pölten keiten überrascht: Der Bürgermeister will Schloss Klunkerburg abreißen lassen. Das ist ein Skandal, schließlich ist das Schloss ein Ort für geheime JunghexenTreffen. Da muss etwas unternommen werden! Empfohlen für Familien und Kinder ab 5 Jahren!

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MUSICAL

SA 13.07. // 20.00

DER WATZMANN RUFT! DAS KULTSTÜCK LIVE SA 10.08. // 08.00

OLDTIMER- & TEILEMARKT SA 21.09. // 16.00

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DAS MUSICAL

FR 11.10. // 20.00

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MFG 06.13

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Reich(l)ebners Panoptikum

f

z.B.

Das Märchen vom bösen Swap. Es war einmal eine Stadt, die zwei nicht zu bändigende Swaps gegen einen neuen, angeblich zahmeren eintauschte. Doch der neue Swap war noch viiiiel perfider und viiiel gefährlicher als seine Vorgänger, weshalb ihn die Stadt dem Ritter vom Giebelkreuz zurückgeben wollte. Vergeblich, und so gingen sie zum Landvogt, auf dass er den Streit schlichten möge, der bis heute andauert. Und wenn der böse Swap nicht gestorben ist, lebt er Millionen-Euro-verschlingend weiter bis ans Ende seiner Tage.

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