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MFG EDITORIAL

LEBENSRETTER JOHANNES REICHL

Ostafrika erlebt die schlimmste Hungersnot seit

Jahrzehnten. Über 11 Millionen Menschen leiden Hunger, eine halbe Million Kinder sind laut UNICEF „in lebensgefährlichem Zustand“, Zehntausende sind bereits gestorben. All jenen Zynikern, die den Tod dieser Menschen als quasi schicksalhaft darstellen, muss widersprochen werden! Der Agrarökonom Joachim von Braun vom Zentrum für Entwicklungsforschung hält die aktuelle Situation für „nicht nur naturbedingt“, sondern v. a. „menschengemacht“. Die Ursachen seien „Bevölkerungszuwachs, Klimastress, die Übernutzung von Böden, der Anbau von Pflanzen zur Bioenergie-Produktion, die steigende Tierproduktion sowie Regenwaldrodung“. Hinzu kommt die Verschärfung durch Bürgerkrieg, korrupte Regierungen oder die Schattenseiten eines pseudoliberalisierten globalen Agrarmarktes, in dem die Industriestaaten ihren Landwirtschaftssektor mit Subventionen schützen, während IWF und Weltbank Entwicklungsländer zur Öffnung des ihren „drängen“. „Dass sich dort internationale Investoren riesige Ackerflächen für die Produktion von Biosprit sichern können, ist nicht hinnehmbar. Ebenso skandalös ist aber auch die Spekulation mit Nahrungsmitteln auf dem Weltmarkt“, kritisiert Rupert Neudeck von „Grünhelme“ weitere Marktauswüchse. Der Klimawandel, der wohl eine Rolle spielt, ist ebenfalls global zu betrachten. „Es sind amerikanische Flugzeuge, deutsche Autos und chinesische Kraftwerke, die Dürre und Hunger am Horn von Afrika verursachen oder zumindest dazu beitragen. Dies ist auch unsere Katastrophe“, so Frank Drieschner in „Die ZEIT“. Man könnte noch viel über die Gründe der Katastrophe und Maßnahmen zur nachhaltigen Lösung des Hungerproblems – die nicht unmöglich ist! – dozieren. Allein: Aktuell ist Soforthilfe vonnöten. Susanne Klaiber schildert im „FOCUS“ die Situation vorort: „Unterernährung hat der einjährigen Habibo aus Somalia fast vollständig die Sehkraft geraubt. Sie ist dem Tod nah. Ärzte versuchen der Kleinen wieder Leben einzuflößen, doch sie

reagiert kaum. Ab und zu krampft sich ihr Bauch zusammen. Ihre mageren Händchen scheinen sich gegen den Becher zu wehren, den ihr die Mutter an die Lippen hält. [...] Hunderte anderer Kinder blieben auf dem endlos langen, staubigen Marsch in das größte Flüchtlingslager der Welt, Dadaab in Kenia, tot oder sterbend am Wegesrand zurück. Leblose kleine Körper liegen im Straßenstaub, zurückgelassen von den Erwachsenen. Manchmal sind es auch die Eltern, die den Marsch nicht überleben – ihre Kinder bleiben allein in der Einöde.“ Es gibt Zeiten, da dieser Platz besser gefüllt scheint als mit Worten. Nehmen Sie daher untenstehendes Sujet als Einladung, den Menschen in Ostafrika im Rahmen Ihrer Möglichkeiten zu helfen. Wann hat man schon die Gelegenheit dazu, Leben zu retten. Und um nichts anderes geht es!

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Blattlinie: Das fast unabhängige Magazin zur Förderung der Urbankultur in Niederösterreich Medieninhaber (Verleger): NXP Veranstaltungsbetriebs GmbH, MFG – Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten Herausgeber: Bernard und René Voak Redaktionsanschrift: MFG – Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten; Telefon: 02742/71400-330, Fax: 02742/71400-305; Internet: www.dasmfg.at, Email: office@dasmfg.at Chefredakteur: Johannes Reichl Chef vom Dienst: Anne-Sophie Settele Redaktionsteam: Thomas Fröhlich, Gotthard Gansch, Sascha Harold, Mathias Kirner, Althea Müller, Michael Müllner, Marion Pfeffer, Petra Pfeiffer, Ruth Riel, Eva Seidl, Anne-Sophie Settele, Beate Steiner, Katharina Vrana. Kolumnisten: Herbert Binder, Thomas Fröhlich, Althea Müller, Michael Müllner, Primadonna, Rosa, Beate Steiner Kritiker: Helmuth Fahrngruber, Thomas Fröhlich, Wolfgang Hintermeier, Simon Höllerschmid, Kinga Pietraszewska, David Meixner, Manuel Pernsteiner, Anne-Sophie Settele, Robert Stefan, Markus Waldbauer Karikatur: Andreas Reichebner Bildredaktion: Simon Höllerschmid, Hermann Rauschmayr Art Director & Layout: Mr. Shitaki Hersteller: NÖ Pressehaus Druck- und Verlagsgesellschaft mbH Herstellungs- und Verlagsort: St. Pölten Verlagspostamt: 3100 St. Pölten, P.b.b. Alle Rechte, auch die Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2. Urheberrechtsgesetz, sind vorbehalten. Alle Angaben ohne Gewähr. Für den Inhalt bezahlter Beiträge ist der Medieninhaber nicht verantwortlich. Internet: www.dasmfg.at


INHALT

Urban 6

KULTUR 34

SZENE 46

SPORT 58

URBAN 8 14 15 16 22 26 30

JUGEND VORAN STALKING – DIE GEJAGTEN SNAP DIR ST. PÖLTEN TOUR DE GAMBLE – DIE SPIELER LOOKOUT AN DER NDU MYTHOS 21.12.2012 KIRCHE – ALLES ODER NICHTS

KULTUR 36 40

BETTINA HERING ANTE PORTAS WILHELM FRASS

SZENE 48 50 56

DER WEIN-PROFESSOR TRAUMBERUF EVENTMANAGER?! ROCK IT LIKE ROQUETTE

60 61

KRITIKEN VERANSTALTUNGEN

SPORT 58

CHRISTIAN KLOIMÜLLNER

6 7 34 46

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In was für einer Stadt leben wir eigentlich...

In der Schilder „Ballspiele aller Art verboten“ bei Bewohnern der Rainersiedlung nach wie vor für Ärger sorgen. Peter Pitzinger, fünffacher Familienvater und Mieter, erkundigte sich erfolglos bei der Hausverwaltung nach dem Hintergrund. Als Jurist weiß er um die rechtliche Lage. „Im Privatrecht könnte Kinderlärm zum Streitfall werden. Praktisch wurde die ‚Belästigung‘ von spielenden Kindern aber stets als ortsüblich qualifiziert.“ Auskunft erhielt dafür MFG. Sven Carich, Leiter der Hausverwaltung Alpenland: „Ältere Bewohner haben sich an uns gewandt und über den Lärm der ballspielenden Kinder geklagt. Wir sind diesem Bedarf der Bewohner nachgekommen und haben die Schilder daraufhin aufgestellt.“ Der Bedarf der Kinder wurde nicht hinterfragt. Es steht anzunehmen, dass Familien in Hinkunft ob einer derart hochgradigen „Kinderfreundlichkeit“ anderen Genossenschaften den Vorzug geben werden.

In der ausrangierte kleine Pferde pflichtbewusst nur dort abgestellt werden, wo bereits ein großes steht, um das Kleine eventuell zu adoptieren. Soviel vorausschauendes Abladen von Dingen, die man nicht mehr will, erinnert an Städte wie Berlin, wo es normal ist, Sachen gut sichtbar auf die Straße zu stellen – frei nach dem Motto „Der nächste freut sich“. Was in gravierendem Gegensatz zum klassisch österreichischen Aufschrei „Die Ungarn foahrn scho wieda“ (um sich unseren wertvollen Sperrmüll, der für die Deponie gedacht ist, unter die gierigen Nägel zu reißen) steht. Das bunte Minipferdchen jedenfalls hat sicher einen guten neuen Besitzer gefunden. Abzulichten war die ungewöhnliche Annäherung am Ross(eh klar)markt. Zu beobachten gilt es nun die Wolfssäule: Vielleicht sitzt demnächst ein Plüschwolf davor. Oder ein Holzlöwe vor der Löwen Apotheke. Wer weiß. Der nächste freut sich!

In der ein gebürtiger St. Pöltner, Jahrgang 1936, einem spendablen Engel gleich um knapp 12 Mio. Euro die ehemalige Kopal-Kaserne erwirbt – und damit Politik und Verwaltung von Stadt und Land in den nächsten Monaten auf Trab halten wird. Dem Paradeunternehmer mangelt es jedenfalls nicht an Netzwerk, Einfluss und Cash. Nur konkrete Ideen, was am erworbenen Areal umgesetzt werden soll, hat er angeblich noch nicht. Er will mal hören, was sich Bürgermeister Stadler vorstellt. Die gemeinsamen Wünsche präsentiert man LH Pröll und holt ihn ins Boot, dann soll umgesetzt werden. Eberhardt redet Klartext: „Ich will nicht stundenlang von Beamten hören, was alles nicht geht. Wenn wir in Österreich so denken, dann lachen uns international alle aus. Weder Stadler noch Pröll werden guten Ideen im Wege stehen – immerhin geht es um ein Zukunftsareal, das überregional wichtig ist!“ Fast zu schön, um wahr zu sein?

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SHORTCUT URBAN

SIGMUND FREUD UNIVERSITÄT So schön hätte die

private Uni für Humanmedizin zum Stadtentwicklungsthema Gesundheit und Bildung gepasst. Doch das Land NÖ will sein eigenes Ding in Krems hochziehen und verweigert weiterhin dem privaten Betreiber der Sigmund-Freud-Universtität Praktikumsplätze am Landesklinikum, womit das Projekt gestorben ist (und wahrscheinlich in einem anderen Bundesland jemanden glücklich macht).

AUF SCHIENE St. Pöltens Bürgermeister Matthias Stadler will sich auf die Schiene stürzen: Um den Zuwachs des Verkehrsaufkommens (3 - 5 % pro Jahr) zu bewältigen, fordert er ein integriertes, überregionales Generalverkehrskonzept: Kernpunkt ist ein S-Bahnsystem auf den bestehenden Bahnstrecken, wie z.B. der Mariazellerbahn: „Die Frequenz der Verbindungen soll so dicht gestaltet werden, dass Fahrpläne künftig der Vergangenheit angehören“, so des Bürgermeisters Vision. Klingt zu schön, um wahr zu sein. Als Betreiber sieht Stadler die NÖVOG, die Verkehrsgesellschaft des Landes. Allein, die weiß von seinen Plänen bisher nur aus der Zeitung: „Es gibt zu diesem Verkehrskonzept keine Gespräche zwischen NÖVOG und der Stadt St. Pölten.“ Die sollte man denn doch bald anbahnen, immerhin hofft Stadler auf eine Kostenteilung mit dem Land – auch im Hinbiick auf ein neues St. Pöltner Verkehrskonzept.

nachbarschaftsbande Oh Wunder – St. Pölten-Tag am Kremser Volksfest! Früher war Krems gegen St. Pölten wie Simmering gegen Kapfenberg – Brutalität, und das nicht nur am Fußballplatz. Jede Seite rümpfte über den Nachbarn die Nase. Die Donau schien trotz St. Pöltner Brücke unüberwindbar. Doch die Zeiten ändern sich, zum Glück! Auch wenn es ein bisserl schad ist um den „liebsten Feind“.

Hebi Es hat uns schon geschmerzt, als die zwischen Veltliner und Riesling nicht unterWiener Leitartikler vor einer drohenden scheiden? Werden wir jetzt zusätzlich zu „Verniederösterreicherung“ der Alpenden „Englischen“ noch ein Sacré-Coeur republik warnten. In ihren Augen einem und Ursulinen aufmachen müssen, um, Absturz in die absolute Provinzialität. Und wie in Wien, den höheren Töchtern sozinun steht St. Pölten nach dem Urteil von aldemokratischer Kreise ein standesgePolitologen mit den Entwicklungen im mäßes Milieu bieten zu können? Wird die Bahnbereich eine Eingliederung in den zuständige Abteilung – nachdem die KulWiener „Speckgürtel“ bevor. Ob das turachse zwischen Krems und Radlbrunn wirklich so gut ist? Werden jetzt Wiener inzwischen nun doch investitionsmäßig zu Begierde-St. Pöltnern? St. Pöltner etwa einigermaßen gesättigt erscheint – wird zu Großenzersdorfern? Nur 25 Minuten sie jetzt vielleicht doch die eine oder anwird man ab bald von A nach B braudere universitäre Einrichtung für die Lanchen. Aber was macht ein Traisentaler deshauptstadt zulassen? beim neuen Wiener Hauptbahnhof am Manches würden wir aber wohl doch Margaretengürtel, wo er sich doch in nicht so gut zustande bringen wie unsere der Mariahilfer Straße eh geborgen fühlt? Werden demnächst Wiener Freunde: Eine U-Bahn-Linie (selbst wenn wir eine hätten) Kampfradfahrer rund um die Promenade rasen wie derzeit haarscharf am neuen Hauptbahnhof vorbei zu planen. Oder am Wiener Ring? Wird sich unsere bäuerliche Heurigenqualität gar unseren Bürgermeister so zu stylen, dass er einem Fiakerkutwandeln in Richtung fetter, warmer Buffets und Kellnerinnen, die scher wie aus dem Gesicht gerissen ausschaut …

Fotos: fotolia, Höllerschmid, iStock, Müller, Rauschmayr, zVg

endlich urban?

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MFG URBAN

Jugend International steht aktuell die Jugend im Rampenlicht. An den Umbrüchen im arabischen Raum ist sie ebenso federführend beteiligt, wie im Falle der Eruptionen sozialer Unzufriedenheit in Großbritannien, Spanien oder Chile. Wäre derlei auch in Österreich denkbar? Wie ticken die Jungen hierzulande, und wo versucht die offizielle Politik sie abzuholen? Eine Annäherung. DIE Jugend – Abgesehen davon, dass die

Adoleszenz, welche die Phase der geschlechtlichen Reife mit all ihren Wirren und dem Ausloten von Lebensentwürfen umfasst, erst im Laufe des 20. Jahrhunderts zusehends als eigene Lebensphase anerkannt und wahrgenommen wurde, ist der Begriff „Jugend“ an sich schon problematisch wie Elisabeth Ziegler vom Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend konstatiert. „Pauschalaussagen über eine Bevölkerungsgruppe, die in Österreich mehr als eine Million Menschen umfasst, sind nicht gerechtfertigt. Das einzige, was diese Menschen miteinander verbindet, ist das Alter!“ Noch pointierter formuliert es Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier: „Ein generelles Problem der

„‚Die Jugend’ – darüber ist sich die Jugendforschung einig – gibt es nicht!“ Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier

Diskussion über die gesellschaftliche Gruppe Jugend ist, dass sie sich wenig sinnvoller Verallgemeinerungen bedient, die mehr verhüllen als sie sichtbar machen und erklären. ‚Die Jugend’ – darüber ist sich die Jugendforschung einig – gibt es nicht!“ Das heißt aber nicht, dass man als Erwachsener mit dieser Bevölkerungsgruppe keine Anknüpfungspunkte hätte, immerhin sind alle Älteren diesen Weg gegangen, wenn auch jeder auf seine eigene Art und Weise. Befremdlich muten daher (in St. Pölten angesichts des Festivalsgeschehens neuerdings sogar bei ehemals glühenden ‚Berufsjugendlichen’ beobachtbare) Denkmuster an, die sich einer an Alzheimer gemahnenden Sprachregelung á la „Wir waren aber nicht 8

so!“ bedienen, was ger a dewegs im Klassiker aus dem Phrasenbuch „Früher war alles besser“ münde, was natürlich in einem Anflug von Selbstbeweihräuch erung (in Wahrheit Selbsttäuschung) suggerieren soll „Wir waren besser, braver, verantwortungsvoller...“ Nur stimmt das nicht! Elisabeth Ziegler fordert daher völlig zurecht im Umgang mit Jugendlichen primär einmal die Eltern- und Großelterngeneration auf, „dass die Erwachsenen an die Zeit denken sollen, als sie selbst jung waren und die Hormone verrücktspielten“ und postuliert ein Aufeinanderzugehen auf Augenhöhe, „indem Erwachsene das Wörtchen ‚für’ durch ‚mit’ ersetzen, also Jugendliche in Problemlösungen oder Entscheidungsprozesse wirklich mit einbeziehen, sie ernstnehmen und respektieren.“ Unterschiede Unterschiede zu frü-

her gibt es, wie ja der Wandel einer Gesellschaft solche stets nach sich zieht, selbstverständlich – aber diese funktionieren sicher nicht nach dem Muster besser oder schlechter. Dr. Beate Großegger, wissenschaftliche Leiterin des Instituts für Jugendkulturforschung, umschreibt die Generation der Jungend hierzulande wie folgt: „Die heutige Jugend ist enorm pragmatisch. Sie sucht


Text: Gotthard Gansch

voran nicht nach großen Wahrheiten und blickt nicht allzu visionär in die Zukunft, sondern konzentriert sich auf das Leben im Hier und Jetzt: Selbstbestimmt sein, das Leben genießen, sich auf die Dinge und vor allem auch die Menschen, die einem persönlich wichtig sind, konzentrieren.“ Auch im Hinblick auf die Herausforderungen wäre es wahrscheinlich müßig Aussagen wie „heute haben es Jugendliche leichter bzw. schlechter“ zu treffen. Fakt ist, so Großegger, dass die Gegenwartsgesellschaft Jugendliche mit zahlreichen Risiken konfrontiere, wobei Bildung und Arbeitsmarktchancen Schlüsselthemen darstellten. „Tatsache ist, dass für junge Menschen trotz immer höherer Bildungsabschlüsse ein langfristig sicherer Arbeitsplatz oft nicht mehr als ein frommer Wunsch bleibt. Bildung ist für Jugendliche heute Voraussetzung, aber noch lange keine Garantie, um in der Arbeitswelt gut Fuß fassen zu können. Diejenigen, die keine entsprechenden Abschlüsse vor-

Insgesamt leben in St. Pölten ca. 6.000 Menschen zwischen 15 und 24 Jahren (ca. 12% der Gesamtbevölkerung). Darüber hinaus gilt St. Pölten als Schul- und Hochschulstadt. So besuchen knapp 1600 Schüler eine Hauptschule, 100 das Polytechnikum, 150 eine Sonderschule. Weitere 3700 Jugendliche lernen in den Fachschulen, 5900 besuchen Höhere Schulen, 1700 studieren an St. Pöltens Hochschulen. Zudem arbeiten 1300 Lehrlinge im Stadtgebiet. Während jeder dritte Schüler der Höheren Schulen im Bezirk mit Hauptwohnsitz gemeldet ist, sind es bei Fachschülern und Studenten nur rund ein Zehntel.

weisen können, bleiben gänzlich außen vor.“ Gerade diese Disparität berge, auf die Spitze getrieben, sozialen Sprengstoff, wie er sich etwa im Falle der gewalttätigen Eruptionen in Teilen Europas entladen habe. Oder er bildet mit Unterfutter für revolutionäre Strömungen. „Die breite Mehrheit geht dennoch nicht auf die Barrikaden – zumindest gilt das in Österreich. Der Zeitgeist geht bei der österreichischen Jugend in eine andere Richtung: Man ver-

„Was machen junge Leute, wenn sie studieren wollen? Sie ziehen nach Wien.“ Alexander Kaindl, Schulsprecher HAK

sucht sich in der Schule, am Ausbildungsplatz und im Beruf mit dem System bestmöglich zu arrangieren. Das heißt, man macht, so gut es eben geht, mit. In der Freizeit wird das, was einen ‚anstinkt’, dann durch eine teils exzessive Erlebniskultur kompensiert. Die Träume der Jugend sind in diesem Szenario mehr und mehr in den Bereich der Freizeit und des Privaten verbannt. Gesellschaftsutopien – das ist etwas für die Elterngeneration“, erläutert Großegger. Auch sie plädiert in diesem Zusammenhang für ein Ins-Gespräch-Kommen mit den jungen Menschen, um zu erfahren, was diese wirklich bewegt, was sie wirklich brauchen – sei es in Bezug auf Jugend-, Bildungs- oder Arbeitsmarktfragen. à la card Ein solcher Ansatz, über einen

Umweg ins Gespräch und in Tuchfühlung mit den Jungen zu kommen, ist laut St. Pöltens Bürgermeister Matthias Stadler die neue „City SUPA Card“ für alle 14 bis 24 jährigen Bürger der Stadt. „Die City SUPA Card soll die Verbundenheit der Jugendlichen mit ihrer Heimatstadt St. Pölten zum Ausdruck bringen.“ Auffallend ist bei der neuen Karte der überproportionale Fokus auf die Freizeitgestaltung. Außerdem hatte ihre Präsentation kürzest vor der Wahl (im Zuge derer erstmals auch Jugendliche ab MFG 09.11

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MFG URBAN

Matthias Rohrer

Institut für Jugendkulturforschung

Sind die Eruptionen jugendlicher Gewalt wie jene in Großbritannien auch in Österreich denkbar? In dieser Form noch nicht. Wir haben hier eine ganz andere Situation. Der Jugend geht es wirtschaftlich besser. Es ist eine wesentlich kleinere Gruppe von Jugendlichen, die wirtschaftlich und sozial am Rande der Gesellschaft steht. Die Proteste in London und Frankreich sind von Jugendlichen getragen, die wenig Zukunftsaussichten haben. Im Gegensatz zu Großbritannien und Frankreich haben wir in Österreich ein besseres soziales Auffangnetz, man rutscht nicht so leicht durch. Aber es wird immer grobmaschiger. Die steigende Jugendarbeitslosigkeit ist ein Problem, auch wenn wir noch die geringste Jugendarbeitslosigkeit in Europa aufweisen. Wird hier nicht gegen gesteuert, kann es in 10, 15 Jahren auch bei uns so weit kommen.

Was ist an den Vorurteilen dran, Jugendliche seien exzessiver als früher? Stichwort Komatrinker? Es gibt den Hang zu exzessiveren Freizeiterlebnissen. Diese dienen aber der

Kompensation: Der Druck auf Jugendliche wird immer stärker. Es wird in der Schule mehr verlangt, dazu zählt der unsichere Arbeitsmarkt. Bildung war früher noch eine Jobgarantie, heutzutage heißt Matura und Studium nicht, dass man Arbeit findet. Das ist aber ganz klar von der Protestschiene zu trennen. Die Jugendlichen, die über die Stränge schlagen, sind eine kleine Minderheit, die aber medial aufgebauscht wird.

Warum wählen Jugendliche im Gegensatz zu älteren Generationen öfter populistische Parteien? Das Verständnis von Politik und Gesellschaft hat sich verändert. Die Vorstellung eines politikinteressierten Jugendlichen gilt so nicht mehr. Wir befinden uns in der sogenannten „postideologischen Zeit“, in der es nicht mehr anfänglich um Inhalte geht, sondern rein um das Auftreten. Die populistischen Parteien, die oft im rechten Eck zu finden sind, aber nicht nur, sind hier fortschrittlicher als die „klassischen“. Viel dramatischer ist aber, dass die größte Gruppe die Nichtwähler sind, also der Großteil der Personen überhaupt nicht erreicht wird.

16 Jahren wahlberechtigt waren) den schalen Beigeschmack, dass es primär einmal weniger um die Jugendlichen selbst, als vielmehr um ihre Stimmen ging. Der zuständige Jugendkoordinator Wolfgang Matzl stellt diesbezüglich zwar eine „gewisse schiefe Optik“ nicht in Abrede, erklärt aber „dass wir die Karte noch unbedingt vor den Sommerferien bringen wollten. Das hatte mit der Wahl rein

„Die Jugendlichen, die über die Stränge schlagen, sind eine kleine Minderheit, die aber medial aufgebauscht wird.“ Jugendforscher Matthias Rohrer

gar nichts zu tun!“ Insbesondere der vergünstigte Eintritt ins Sommerbad sollte die ganzen Ferien hindurch mit der Karte in Anspruch genommen werden können. Die in den Ferien geschlossene Aquacity sowie das Stadtmuseum, als die einzigen damals weiteren fixen Angebote, wären für die Jugendlichen wohl auch nicht der 10

Was ist der Grund für die Politikverdrossenheit? Warum erreicht die Politik die Jungen nicht? Es gibt zwei große Gründe: Einerseits Politik für Jugendliche: Es gibt keine politische Lobby für Jugendliche. Sie sind außerdem die kleinste Wahlgruppe. Gerade im Hinblick einer überalternden Gesellschaft wird kaum Politik für Junge gemacht. Über die Anhebung der Pensionen wird diskutiert, was zweifelsohne ein wichtiges Thema ist, aber über Themen, die Jugendliche betreffen, wird nicht gesprochen. Dafür ist die Gruppe zu uninteressant. Man übersieht aber, dass somit eine Altersgruppe geschaffen wird, die maßlos enttäuscht ist. Andererseits die Einbindung von Jugendlichen in die Politik: Man muss auf Jugendliche zugehen, sie fragen, was sie wollen. Es wird meist von oben herab entschieden. Wenn Jugendliche eingebunden werden, dann meist aus den Parteivorfeldorganisationen. Das führt zu Desinteresse und es verankert sich das Bild, dass sich Politik nicht um die Jugendlichen kümmert. Wenn wir mit den Jugendlichen reden, hören wir oft: „Es bringt eh nix!“

große Burner gewesen. Matzl verteidigt den Beginn mit eingeschränktem Angebot: „Ich habe bisher gute Erfahrungen mit Projekten gemacht, die klein beginnen. Jetzt gilt es, das Projekt als Ganzes wachsen zu lassen. Wachstum bedeutet hierbei auch gleich Qualitätskontrolle.“ Gespräche mit anderen Betrieben würden schon intensiv geführt. Noch im Herbst soll der nächste Schwung an Angeboten präsentiert werden, wobei deren regionaler Charakter auch die Attraktivität der Karte ausmachen werde, „denn was interessiert einen St. Pöltener eine Vergünstigung in Horn?“ Image durch Kultur So nett die CitySUPACard ist, stellt sich doch die Frage, was eigentlich aus dem vor Jahren mit großem Tamtam (übrigens ebenfalls kurz vor einer Wahl) präsentierten, thematisch sozusagen „globaleren“ Jugendentwicklungsplan geworden ist? Verstaubt er, wie


JUGEND VORAN

so viele andere Positions- und Richtungspapiere, in irgendeiner Schublade im Rathaus? Also alles – um Didi Kühbauer zu zitieren – für die Würscht?! Matzl widerspricht. „Es war wichtig, damals alle an einen Tisch zu bringen. Die Kontakte, die ich damals geknüpft habe, helfen mir heute noch in meiner täglichen Arbeit weiter.“ Und wie sieht es mit konkreten Ergebnissen aus? „Vieles aus dem Jugendentwicklungsplan wurde ja umgesetzt, z. B. das Sternschnuppen-Taxi. Manche Ziele hingegen waren zu hoch gesteckt.“ Matzl fügt pragmatisch hinzu: „Man kann niemals etwas zu 100 Prozent umsetzen. Der Jugendentwicklungsplan dient aber noch heute den Ent-

„St. Pölten kann zwar nicht mit Pekings Nachtleben und New Yorks Einkaufsmöglichkeiten mithalten, hat aber tolle Seen, eine großartige FH und einen wunderschönen neuen Bahnhof.“ Verena Vogl, FH St. Pölten

scheidungsträgern als Leitfaden.“ Ein Aspekt, der damals als explizite Zielsetzung in den Fokus gerückt worden war, betraf die Verbesserung des angeknacksten Images der Stadt. „Damals war das Sudern ja gerechtfertigt“, erinnert sich Matzl. Ein mögliches Vehikel zur Imagekorrektur hatte sich auch schnell herauskristallisiert: „Image kann man am besten durch Kultur korrigieren, und so entstanden verschiedenste kulturelle Einrichtungen.“ Nach Matzl sei es daher auch kein Zufall, dass etwa große Festivals wie Frequency oder Beatpatrol heute in St. Pölten stattfinden. Die Festivals also indirekter Ausfluss des Jugendentwicklungsplanes? Das scheint dann doch ein bisschen hoch gegriffen, immerhin werden die Festivals von privaten Veranstaltern auf eigenes Risiko in St. Pölten umgesetzt, den Impuls dazu gab sicher nicht der Jugendentwicklungsplan. Was allerdings zutreffen mag, ist eine prinzipiell positive Haltung der Politiker dazu, ein generell offeneres Jugendklima, das sich aus den Erkenntnissen des Jugendentwicklungsplanes und des Wissens um die Bedürfnisse der Jungen entwickelte. Dies würde heißen, was ja nicht zu unterschätzen ist, dass der Jugendentwicklungsplan v. a. bei den Erwachsenen Folgen zeitigte, ein Umdenken in Gang gesetzt worden ist. St. Pölten habe sich überhaupt, so ist Matzl überzeugt, sehr zum Positiven entwickelt und sei auch für die Jugendlichen attraktiver geworden. „Es gibt super Veranstaltungen, in einigen Bereichen hat sich die Stadt sogar zur Szenehochburg hochgeschwungen.“ Das Freizeit- und Kulturangebot sei bestechend, die Lebensqualität hoch. „St. Pölten ist keine Großstadt und auch kein kleines Provinzdorf – es ist von beidem eine gute Mischung“, schwärmt er. Klein, aber fein Sehen das die Jugendlichen ebenso?

Wenn man sich bei den diversen Studien- und Lehrlings-

Ingrid Kromer

Aus dem 6. Bericht zur Lage der Jugend in Österreich

Bei der heutigen Jugendgeneration sind Werte mehrdimensional organisiert, sodass ein gleichwertiges Nebeneinander von verschiedenen Wertebereichen möglich wird. Freundeskreis und Familie liegen mit rund 70 Prozent nach Wichtigkeit des Lebensbereichs an oberster Stelle. In der komplexen Welt bietet die soziale Nahwelt Überschaubarkeit, emotionale Geborgenheit und Aufgehobensein. Das Verhältnis zur Politik kann laut der Studie EUYOUPART als distanziert beschrieben werden. Es überwiegt Frustration und Kritik am politischen System. Jugendliche vermissen konstruktive Auseinandersetzungen mit Problemen, wobei vor allem aus ihrer Sicht die Interessen der Jugendlichen negiert werden. Ideologien haben an Glaubwürdigkeit verloren. Jugendliche ziehen es vor, autonom zu bleiben und sich ihre eigene Weltsicht, moralische Standards und politische Identität zu kreieren.

vertretern umhört, entsteht zumindest der Eindruck, dass nicht mehr alles, wie früher oft gehört, „Oasch is!“ Zwiespältig ist das Verhälntis von Cornelia Seiwald, ihres Zeichens ehemalige Jahrgangsvertreterin sowie stellvertretende Studiengangsvertreterin der Fachhochschule St. Pölten, zu ihrem Studienort. „St. Pölten gehört nicht unbedingt zu meinen beliebtesten Reisezielen.“ Die Stadt sei

„Die heutige Jugend ist enorm pragmatisch. Sie sucht nicht nach großen Wahrheiten und blickt nicht allzu visionär in die Zukunft, sondern konzentriert sich auf das Leben im Hier und Jetzt.“ Beate Großegger, Institut für Jugendforschung

etwas verschlafen, zudem liege alles zu weit auseinander. „Außerdem fehlt die Anerkennung der FH, obwohl die einiges zu bieten hat!“ Unter dem Motto „klein aber fein“ hätte St. Pölten aber durchaus auch liebenswerte Seiten, etwa den netten Stadtkern, die FH selbst, das Seengebiet oder das kulinarische Angebot. In dieselbe Kerbe schlägt Verena Vogl, stellvertretende MFG 09.11

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MFG URBAN

Warum?

JUGEND VORAN

FH-Vorsitzende der Studierendenvertretung: „St. Pölten kann zwar nicht mit Pekings Nachtleben und New Yorks Einkaufsmöglichkeiten mithalten, hat aber tolle Seen, eine großartige FH und einen wunderschönen neuen Bahnhof.“ Die Stadt solle sich ihres Erachtens nach einfach noch ein bisschen besser verkaufen. Auch die Freizeitmöglichkeiten sowie das Angebot zur Abendgestaltung sollten weiter ausgebaut werden. Stefan Bartl, Jugendsekretär der Gewerkschaft der Bau-Holz Arbeiter, konstatiert, „dass ein regelrechter Ruck durch die Stadt gegangen ist. Mir gefällt die kulturelle Vielfalt, die es hier gibt – ohne aber schwerwiegende Probleme zu erzeugen.“ Er hebt außerdem die weltoffene Stimmung der hiesigen Jugendlichen hervor sowie St. Pöltens Status als Jugendkultur- und Festivalhauptstadt. Auch der öffentliche Verkehr kommt bei Bartl gut weg, während Alexander Kaindl, Schulsprecher der HAK, genau hier noch Nachholbedarf ortet. Zwar sei die Situation gegenüber früher bedeutend besser, „aber es fehlen öffentliche Busse an Abenden und sonntags. Ein Problem ist auch der zu kleine Ar-

Beate Steiner Warum verkünden Bauarbeiter grundsätzlich schreiend, dass sie was tun, auch wenn sie keine lärmenden Maschinen übertönen müssen? Warum bauen die Arbeiter die Sommerfest-Zeltstangen ausgerechnet am Samstag Mittag ab, wenn endlich der Baulärm draußen ist aus der Stadt, und warum versuchen sie dann noch, dass sie das nervenzerreißende Geklirre der fallenden Metallstücke mit ohrenbetäubender Radiomusik übertönen? Warum fahren manche Autofahrer grundsätzlich dann durch die Fußgängerzone, wenn das nicht erlaubt ist? Warum knattert der städtische Staubsauger immer dann durch die Fußgängerzone, wenn die St. Pöltner noch schlafen oder wenn sie ihr Mittagessen und ihren Mittagskaffee in den vollen Schanigärten bei einem Plauscherl genießen wollen? Warum rufen manche Leute sofort zur Sperrstunde die Polizei an, damit verbliebene Gäste, auch solche, die sich ruhig verhalten, aus den Schanigärten vertrieben werden? Warum laufen manchmal Verrückte mit einer Vuvuzela oder Knaller durch das nächtlich stille St. Pölten? Warum gibt’s Leute, die glauben, dass das Hundeanleingebot für sie nicht gilt? Warum stört mich das alles? Nützt ja nix, also: Leben lassen und gelassen leben.

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„Man kann niemals etwas zu 100 Prozent umsetzen. Der Jugendentwicklungsplan dient aber noch heute den Entscheidungsträgern als Leitfaden.“ Jugendkoordinator Wolfgang Matzl über den Jugendentwicklungsplan St. Pölten

beitsmarkt“, und die Sogwirkung durch Wien sei unübersehbar. „Was machen junge Leute, wenn sie studieren wollen? Sie ziehen nach Wien.“ Kaindl möchte aber nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. „Es ist falsch, einer Großstadt nach zu eifern, die man nie sein wird.“ So betrachtet würde St. Pölten oft schlechter gemacht, als es eigentlich ist. Bessere Öffi-Verbindungen wünscht sich auch Ramona Sauer, stellvertretende Jugendvertrauensrätin der ÖBB Lehrwerkstätte, außerdem mehr Lokale und Clubs. Auch Benjamin Jaquemar, Schulsprecher des BORGs, sieht diesbezüglich Nachholbedarf und wünscht sich „eine an Wochenenden belebtere Innenstadt mit einem größeren Lokalangebot“. Auf der Postivseite vermerkt er die Seen und die Traisen. Nach Revolution klingt dies alles nicht, was aber nicht darüber hinwegtäuschen soll, dass auch hierzulande die Politik und Erwachsenenwelt noch mehr gefordert ist, bestmögliche Rahmenbedingungen zu schaffen, um den Herausforderungen der Zukunft zu begegnen. Als Schlüsselressource wird hierbei – auch seitens der Jugend – insbesondere Bildung betrachtet. Sie öffnet Perspektiven, sie beeinflusst auch direkt das eigene Selbstverständnis. So schreibt der Sozialwissenschaftler Rudolf Richter im „6. Bericht der Lage der Jugend“ davon, dass vor allem spezialisierte Bildungsverläufe, also frühe Entscheidungen für einen bestimmten Schulzweig, die Zukunft beeinflussen. Und laut einer Studie des Bundesministeriums für Wirtschaft, Jugend und Familie hat sich gezeigt, dass die Jugendlichen umso zuversichtlicher in die Zukunft blicken, desto höher der Bildungsabschluss ist. Prinzipiell zeichnet die Studie das Bild einer mehrheitlich zukunftsoptimistischen Jugend in Österreich – keine Spur einer desillusionierten „no future generation“! Strengen wir uns gemeinsam – also mit den Jugendlichen – an, dass es auch so bleibt!


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MFG URBAN

Text: PETRA PFEIFER | Foto: SIMON HÖLLERSCHMID

DIE GEJAGTEN

Anrufe in Abwesenheit, unzählige SMS- und Mobilboxnachrichten, E-Mails zu allen Tages- und Nachtzeiten – von nur einem Absender, wieder und immer wieder. Seit 2006 wird dieser Psychoterror als Stalking bezeichnet und strafrechtlich geahndet. Das Gewaltschutzzentrum ist Anlaufstelle für Stalkingopfer.

Belästigung, Sachbeschädigung und zwischendurch Liebesbezeugungen sind typische Formen der Stalkinghandlungen. Über Monate und in manchen Fällen über Jahre hinweg können diese willentlichen und wiederholten Verfolgungen andauern. Die Opferzahl: steigend. „Betroffen sind zum Großteil Frauen, die eine gewalttätige Beziehung beendet haben und von ihrem ehemaligen Partner belästigt werden. Männer hingegen werden eher von Fremden oder Bekannten verfolgt“, erklärt Marlies Leitner, Geschäftsführerin des Gewaltschutzzentrums St. Pölten. Die diplomierte Sozialarbeiterin arbeitet seit 20 Jahren in diesem Bereich und weiß, wie Stalkingopfer geschützt werden können. „Wichtig ist es, dass sich die 14

Betroffenen rasch an uns wenden, damit wir die nötigen Schritte einleiten. In konkreten Bedrohungssituationen ist unbedingt die Polizei zu kontaktieren.“ Das Team von Leitner setzt sich aus Juristinnen, Psychologinnen und Sozialarbeiterinnen zusammen. Die Hilfe reicht von sofort umsetzbaren Maßnahmen bis hin zur Prozessbegleitung vor Gericht. Die Vier Aktionen für Opfer

Abstinenz, Transparenz, Dokumentation und Konsequenz. Diese vier Maßnahmen haben sich bewährt, dem Stalker das Interesse zu nehmen. Bei der Abstinenz-Aktion ist es wichtig, dass das Opfer einmal und unmissverständlich klar macht, dass kein weiterer Kontakt gewünscht wird. Dabei

gilt: Keine persönliche Aussprache, keine Geschenke annehmen und vollkommene Ignoranz gegenüber dem Stalker zeigen. Leitner: „Wichtig ist auch, das private und berufliche Umfeld über die Situation zu informieren und dahingehend zu bitten, keine Informationen an den Täter weiterzugeben. Diese Transparenz stärkt das Opfer und schwächt den Täter.“ Dokumentation ist wichtig, um den Stalking-Verlauf besser nachzuvollziehen, sie kann sogar späterhin als Beweismittel dienen. Und was heißt Konsequenz? „Auch wenn es schwer fällt auf Nachrichten des Täters nicht zu reagieren, ist es notwendig die Aktionen ausdauernd zu befolgen“, so Leitner. Weitere Maßnahmen sind die Telefonnummer zu ändern, Türschlösser zu wechseln oder gewohnte Routen zu ersetzen, wie etwa den Weg in die Arbeit oder zum Supermarkt. Insgesamt wurden 90 Stalkingopfer im Vorjahr betreut. Mit der Polizei bestehe gute Zusammenarbeit. Rechtliche Möglichkeiten

Das Gesetz der „Beharrlichen Verfolgung“ droht bei Verstoß mit bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe. Opfer haben die Möglichkeit, eine polizeiliche Anzeige zu erstatten. Zum Schutz der Privatsphäre kann das Bezirksgericht per Beschluss untersagen, Kontakt mit dem Opfer aufzunehmen. Diese Verfügung gilt für maximal zwölf Monate und kann bei Zuwiderhandeln verlängert werden. Das Gewaltschutzzentrum hilft im Zivilverfahren und unterstützt kostenlos bei Prozessbegleitung. Dass die Berater schon selbst Opfer manch gewaltbereiten Stalkers wurden, schüchtert sie nicht ein: „Wir haben in den vergangenen Jahren so viel erreicht und auch Erfolgsgeschichten erlebt. Das stärkt und motiviert uns weiterzumachen“, so Leitner. Infos www.gewaltschutzzentrum.at/noe Telefon 02742/ 319 66


Snap dir St. Pölten

Seit September ist St. Pöltens Medienlandschaft um ein Online-Medium reicher: stplive.at „Die Idee dazu hatte ich bereits vor 10 Jahren, aber die Zeit war noch nicht reif dafür“, erzählt Initiatorin Beate Steiner, die in Zukunft als Redakteurin die Plattform mit Content versorgen wird. In Gernot Kulhanek hat sie einen kongenialen Partner gefunden, der als Eigentümer und kaufmännischer Mastermind des Werbeportals auftritt. Das Portal verstehen sie quasi auch in der Wirklichkeit als open space. So wird das Redaktionslokal über einen eigenen Begegnungsraum verfügen, „wo man sich zu bestimmten Zeiten treffen kann, um face-2-face über aktuelle Themen zu reden und nicht nur virtuell zu kommunizieren“, erklärt Kulhanek. „Stplive“ soll ein Medium zum Anfassen sein, eine Mischung aus Social Network und Information. Unter dem Motto „Snap dir St. Pölten“ werden die St. Pöltner dazu animiert, sich selbst mittels sogenannter ´Snaps´ mit Content einzubringen. Sozusagen „ein Facebook auf St. Pöltnerisch“, so Steiner. Die Plattform richtet sich an alle, die mit St. Pölten zu tun haben. „Wenn z. B. ein Pendler nach St. Pölten kommt und sich kurz ein Bild machen will, was aktuell hier passiert, dann ist er bei uns richtig!“ Keine langen Storys, sondern kurze Anz_mfg_200x140_210711:Anz_mfg_200x140_210711

22.07.2011

„Ein Facebook auf St. Pöltnerisch“ und bündige Informationen sind das Ziel. Sämtliche Themenbereiche sollen abgedeckt werden. „Wir wollen eine Klammer über St. Pölten spannen, St. Pölten abbilden.“ Auch ein umfassender Eventkalender ist fixer Bestandteil. „Unserer soll wirklich vom kleinsten Feuerwehrfest bis hin zum großen Konzert im Festspielhaus sämtliche Veranstaltungen in St. Pölten umfassen“, so Steiner. In diesem Sinne – auf die Plätze, fertig, snap! 11:09 Uhr

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MFG URBAN

Tour de G Ein dubioses Hinterzimmer, Rauchschwaden geben kaum den Ausdruck der Anwesenden preis – es geht um Zocken, Gamblen, Bluffen und natürlich Geld, Glück und Adrenalin. Diese romantisch-verruchte Vorstellung vom Glücksspiel findet man heute hauptsächlich nur mehr in Filmen mit Paul Newman oder Burt Reynolds. Wie es heutzutage aussieht? MFG machte sich auf die Suche nach dem St. Pöltner Spieler.

Schon Thomas von Aquin erkannte, dass das Spiel zur

Führung eines menschlichen Lebens notwendig ist. Auch Aristoteles hat das Spiel als eine Form des Ausruhens gegenüber dem Ernst des Lebens verstanden. Dass der Mensch an sich dem Spiel zugeneigt ist, ist also keineswegs neu. Was die Herren Aquin und Aristoteles jedoch nicht einplanten: Internet und 24-Stunden-Spielstätten. Wie gefährlich ist Spielen heute, was qualifiziert ein Spiel als Glücksspiel und wie ist der St. Pöltner Spieler zu typisieren?

Wettbüro. Auf der Suche nach der Faszination Spiel führt uns unser Weg zunächst ins Wettbüro Cashpoint in der Josefstraße. Der erste Eindruck entspricht keinem der bekannten Klischees vom Hinterzimmer und Sündenpfuhl. 16


Text: Marion Pfeffer, Eva Seidl | Fotos: Hermann Rauschmayr

Eine langgezogene Fensterfront lässt den Tag herein und vermittelt eine geschäftige Atmosphäre. Drinnen dominieren ganz klar die zahlreichen Flatscreens, die über sämtliche Sportvorgänge weltweit live informieren. Es ist 11 Uhr vormittags und eine Gruppe Herren hat sich bereits in den schwarzen Fauteuils vor den Bildschirmen platziert. Diskutiert Goran Zvijerac. „Wir sind im Cashpoint werden die Ergebnisse des gestrigen wie eine Familie.“ Rapid-Spiels. Der Schmäh rennt. Es begrüßt uns Eigentümer Goran Zvijerac. „Das ist unser Stammtisch. Wir sind wie eine Familie“, beschreibt er seine Kunden. Wetten kann man bei ihm auf alles, vom FußballDerby über den Ausgang der Nationalratswahlen bis hin zu Starmania-Siegern. Ob er selbst auch wettet? „Ja sicher, jeden Tag gegen jeden!“, lacht er. Persönlich setzt er nur in Ausnahmefällen. Für Goran ist sein Wettbüro weit entfernt vom Glücksspiel. „Bei mir gibt es eigentlich keine Großwetten. Die meisten setzen ein paar Euro am Tag. Da kommt hin und wieder ganz schön was raus. Letzte Woche habe ich 35.000 Euro ausbezahlt bei einem Einsatz von 5 Euro.“ Über Spielsucht macht er sich weniger Gedanken. Bei den geringen Einsätzen passiere ja nicht viel, und so habe er das auch gern. „Ich schlafe besser.“ Sein Wettbüro funktioniere über Selbstkontrolle: „Wer wirklich viel spielt und ein Problem hat, macht das in der Anonymität zuhause vor dem Computer und nicht bei mir, wo ihn jeder kennt.“

eingefleischter Rapidler fühlt er sich hier wohler als im Wirtshaus. Er selbst hat sich noch nie veranlasst gefühlt, jemanden wegen übermäßigen Wettens zu konfrontieren. „Das muss eh jeder selber wissen.“

Nebenan beim Stammtisch füllen sich die Reihen. „Wir sind jeden Tag da. Von Montag bis Sonntag“, so Werner, 53. Er hat Goran beim Fußball kennengelernt. Als dieser das Cashpoint eröffnet hat, ist der pensionierte ÖBBler anstatt ins Wirtshaus zum Goran gegangen. So ist er auch zum Wetten Werner. gekommen: „Ich setz 2 bis 3 Euro „Ich setz 2 bis 3 Euro am Tag, trink meinen Kaffee und am Tag und tratsch.“ tratsch‘ ein bisserl. Das macht den Sport interessanter und spannender.“ Auch er begreift das Wettbüro als Familiensache. Man diskutiert über Sport wie über Privates, oft gibt’s eine Jause oder Kuchen. Als

Konkurrenz spürt er allerdings vom Platzhirschen Admiral nicht. „Cashpoint ist eine bekannte Marke. Ich habe meine Stammkunden, und das ist für mich das Schönste!“

Männerdomäne. Die Abwesenheit des weiblichen Ge-

schlechts in der Runde fällt auf. „Ja sicher ist das Wetten eine Männerdomäne. Bei Großereignissen kommen schon auch einmal Frauen. Die wetten eher auf Sympathie, als auf tatsächliche Favoriten“, beschreibt Goran die Situation. Dies gesagt, betritt an diesem Tag die erste Dame das Wettbüro. Allerdings an der Hand ihres Freundes. Thomas, 24, stellt ohne Umschweife klar: „Eins sag ich gleich, spielsüchtig bin ich nicht!“, und sucht den zustimmenden Blick neben sich. Die Freundin bestätigt, dass er „ein ganz ein Braver ist.“ Thomas wette sogar manchmal mit seinen Freunden, wer es länger ohne Wetten aushält. Wer verliert, zahlt eine Kiste Bier. „Ich geb euch einen guten Tipp. Schaut an einem Samstag ab 17 Uhr bei Admiral Sportwetten vorbei. Was dort an Geld rennt! Vor allem bei den Automaten!“ Das war das Stichwort für Goran und die Stammtischrunde. Thomas. Unisono ist man der Ansicht, dass „Ich sag gleich: Spieldas wahre böse Glücksspiel nur in süchtig bin ich nicht!“ den Automaten steckt. „Von mir aus müssten die Automaten überall verboten werden. Wenn das einer hat, dann muss jeder mitziehen“, vertritt Goran seinen Standpunkt.

e Gamble Familiensache.

Nun genug der Familienidylle. Wir halten es mit dem deutschen Aphoristiker Werner Mitsch, der meinte „Er bezeichnet das Kartenspiel als Glücksspiel. Kann er nicht richtig mischen?“, und wechseln ins Concorde Card Casino. Poker Casino. Um bei den Zitaten zu bleiben, lassen wir einleitend den großen amerikanischen Schriftsteller Mark Twain zu Wort kommen: „Ich habe freimütige, freundliche, großzügige und visionäre Menschen kennengelernt und die meisten von ihnen wussten nicht, was ein ‚Flush‘ ist. Ich denke, das ist genug, um Schande über die gesamte MFG 09.11

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MFG URBAN

„Heute höre ich auf“

Offene Einblicke in eine Spielerseele

Lug, Trug und Schulden – das bleibt oftmals über von einer Person, die spielsüchtig ist.

spielt hauptsächlich an den Automaten. Das ist der schnelle Kick, beinahe wie ein Rausch.

Reinkippen war für Hakan leicht. „In meiner Kultur ist Spielen ein üblicher Zeitvertreib. Schon meine frühesten Kindheitserinnerungen drehen sich um Kartenspiele im Familienkreis. Meist geht es dabei auch um ein paar Euro“, erinnert sich der gebürtige St. Pöltner türkischer Abstammung. Ob ihn diese Erinnerungen zum Spieler programmiert haben, kann er nicht sagen. Fakt ist, dass er mit 18 im Badener Casino vom Roulette verführt wurde. „Zuerst reizt dich das Geld. Später wird dir bewusst, dass du nur verlieren kannst. Aber dann spielst du, um den Reiz aufrecht zu erhalten. Irgendwann kannst du nicht mehr aufhören“, beschreibt Hakan seinen Suchtverlauf. Regelmäßig fährt er nach Wien und

Dem Wolf ausgeliefert Als er beruflich ins Ausland ging, eskalierte die Situation. „Es gibt ein Sprichwort: ‚Verlässt du die Herde, bist du dem Wolf alleine ausgeliefert‘. So war es bei mir ohne Familie und Freunde.“ Seine Familie wurden die Spielhallen und die Spielkollegen. „Meinen Lohn hab ich oft in ein paar Stunden verspielt. Ich wusste nicht, wovon ich die Miete bezahlen oder wie ich Essen kaufen sollte“, gibt er offen zu. Auch seine Freundin „spielte“ nicht mit. Hakan kämpft sich mit Krediten und Geld von Freunden und Verwandten durch. „Das Schlimmste waren für mich nicht die Schulden. Finanzielles lässt sich regeln. Das, was ich mir am meisten vorwerfe, sind die Schäden, die ich bei Menschen verursacht habe durch meine Lügen und mein Verhalten!“, gesteht er sich mittlerweile ein. Jeden Tag hat er sich gesagt „Heute höre ich auf!“ Aber die zurückbleibende Leere trieb ihn immer wieder in die Arme der Spielhallen. Seinen Tiefpunkt beschreibt er, als er drei Tage nichts zu essen hatte, weil er sich zu sehr schämte, seine Freunde um Geld zu bitten. Die Notbremse Nach einer Fahrt nach Kroatien mit einem befreundeten Spielsüchtigen zog er die Notbremse. „Anstatt acht

Stunden haben wir 25 Stunden für die Reise gebraucht, weil wir an jeder Tankstelle gespielt haben.“ Also beschließt er zurück nach Österreich zu seiner Familie zu ziehen. Er weist sich selbst in eine Klinik ein. „Erst als ich meinen Therapeuten gefunden habe, ist mir ein Licht aufgegangen. Er hat mir vermitteln können, dass ich es nicht alleine schaffen muss, ja gar nicht kann.“ Mittlerweile ist Hakan seit sechs Monaten spielfrei und lebt einen Tag nach dem anderen. „Ich gehe zur Therapie, habe wieder einen Job und besuche Treffen. Diese Genesungskontakte helfen mir sehr.“ Deshalb hat er auch eine Selbsthilfegruppe in St. Pölten gegründet, die ihn motiviert weiter zu machen. „Mir ist jetzt klar, dass es nicht nur einen richtigen Weg gibt. Viele Wege führen zum Ziel. Ich bin spielsüchtig, aber ich bin auf dem Weg der Besserung“, sieht Hakan den Silberstreifen am Horizont. Ob er sich vom Gesetzgeber allein gelassen fühlt: „Wenn ich wieder mal viel verloren hatte, dann ist die Wut in mir gestiegen. Wut auf die Betreiber, Wut auf die Politik. Man kann kritisieren, dass durch sie die Möglichkeit geschaffen wird, süchtig zu machen. Aber verantwortlich ist jeder für sich selbst!“ Was würde er jemandem raten, der betroffen ist: „Ehrlich sein und Hilfe suchen. Vor einer Gruppe auszusprechen ‚ich bin spielsüchtig‘ ist der schwierigste Schritt, aber der erste in die richtige Richtung!“

Anonyme Spieler Selbsthilfegruppe jeden Dienstag 19-20 Uhr, NÖ Gebietskrankenkasse Gewerkschaftsplatz, 3100 St. Pölten www.anonyme-spieler.org

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TOUR DE GAMBLE

Machen Sie Ihr Spiel. In den letzten Jahren sind Anbieter diverser Glücksspiele aus dem Boden geschossen wie die Schwammerl im Wald,. Für die einen ist das Spielen netter, unterhaltsamer Zeitvertreib, für andere kann es zur existenzbedrohlichen Suchtfalle werden.

Menschheit zu bringen.“ Nun, um die Schande zu minimieren, kaufen wir uns in das Turnier ein und stellen unser Anfängerglück auf die Probe. „Moment. Poker ist höchst anspruchsvoll und hat mit Glück nichts zu tun! Es ist vielmehr ein Geschicklichkeitsspiel“, bekommen wir zuallererst bei unserer Einführung vom heutigen Floorman Kurt Mittermaier zu hören. Trotzdem helfen einige Spieler den Karten mit diversen Glücksbringern auf die Sprünge. Also wie jetzt? Glück oder Geschicklichkeit? Wir werden es gleich sehen. Unser Einsatz liegt auf dem Tisch, erstes Adrenalin ist versprüht und dann der große Bluff. Jetzt dämmert uns schön langsam, was Twain gemeint hat. Ein Flush nimmt die Schreiberin dieser Zeilen ganz locker vom Tisch. „A so a Pech!“ Aber so einfach geben wir nicht auf. Das wäre ja gelacht! Ein Geldschein wechselt über den mit grünem Filz bedeckten Spieltisch den Besitzer und schon scheppern die neuen Chips am Tisch. Mama’s back in the game! Wie die nächsten Runden als blutiger Anfänger gegen routinierte Pokerspieler ablaufen, soll an dieser Stelle ausgespart bleiben. Nur soviel: Der Begriff „All in“ sollte nicht leichtfertig verwendet werden. Verantwortung. Im Casino ist Kurt um Seriosität bemüht. „Uns ist es extrem wichtig, mit dem Tabu zu brechen, dass Poker Casinos Spielhöllen sind. Durch den vorherigen Einkauf in das Turnier hat man ja ständig die volle Kostenkontrolle. Mehr als 20-30 Euro gibt man dann pro Abend nicht aus“, verteidigt er den noch immer schlechten Ruf. Er kann sich noch gut an die Zeiten erinnern, als im Hinterzimmer vom „Pool Planet“ gepokert wurde, als es noch kein Concorde Card Casino gab, keine Turniere und nur private Cash Games an der Tagesordnung standen. „Damals lag noch das Bargeld am Tisch, und hin und wieder wechselte auch ein Autoschlüssel den Besitzer. Es ist wirklich manchmal um das große Geld gegangen. Der Ehrenkodex wurde streng eingehalten: Bezahlt wurde ohne zu Murren“, beschreibt er seine Erfahrungen aus den 90ern. Jetzt wäre das für ihn undenkbar. „Poker ist ein schönes Spiel, das zu Unrecht einen schlechten Ruf

Im Namen des Gesetzes Aus dem Bundes- und Landesgesetz

Im vergangenen Jahr wurde vom Parlament eine Novelle zum Bundesglücksspielgesetz verabschiedet. U. a. wurde die Zahl der legalen Automaten auf ein Gerät pro 1.200 Einwohner (Bundesländer) bzw. 600 Einwohner (Wien) beschränkt. Durch stärkere Kontrollen sollen illegale Automaten aus dem Verkehr gezogen werden. Die Höchsteinsätze sowie Höchstgewinne für Automatenspiele wurden erhöht. Im NÖ Landtag wurde dazu am 16. Dezember 2010 das NÖ Spielautomatengesetz 2011 beschlossen, das u. a. Folgendes vorsieht: • Der Betreiber von Automatensalons ist verpflichtet sicherzustellen, dass der Zutritt nur volljährigen Personen gestattet ist, weiters ist die Identität anhand eines amtlichen Lichtbildausweises festzuhalten. Diese Aufzeichnungen müssen fünf Jahre aufbewahrt werden. • Es darf nicht länger als zwei Stunden ununterbrochen gespielt werden. Das Gesetz sieht daher vor, dass der Glücksspielautomat den Spielbetrieb nach zwei Stunden automatisch für mindestens fünf Minuten unterbricht (Abkühlphase). • Für die Standorte von Automatensalons gibt es ebenfalls detaillierte Vorschriften. Zum Standort einer Spielbank ist ein Mindestabstand von 15 km Luftlinie einzuhalten. Zwischen Automatensalons mit mehr als 15 Glücksspielautomaten muss ein Umkreis von 500 Metern Luftlinie bestehen, zwischen den Automatensalons derselben Bewilligungsinhaber mindestens 100 Meter Gehweg. • Das Land NÖ verdient nicht unerheblich an der Glücksspielbranche: In Abschnitt 3, §14 wird festgehalten, dass das Land Niederösterreich für Ausspielungen mit Glücksspielautomaten und elektronischen Lotterien einen Landeszuschlag zur Bundesabgabe von 150% der Stammabgabe des Bundes erhebt. Der Ertrag aus dem Landeszuschlag ist zweckgebunden für das Sozialwesen zu verwenden.

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Spiele machen süchtig!

Elke Billensteiner, Caritas Suchtberatung

TOUR DE GAMBLE

hat. Es ist eine Unterhaltung für jeden“, verteidigt er das Spiel. Cash Games gibt es aber auch im Concorde. Dabei kauft man sich mit einer selbst gewählten Summe ein und spielt mit dem wirklichen Geldwert an Chips, kann jeder Zeit aussteigen, aber auch ständig nachkaufen. Soviel zum Thema volle Kostenkontrolle. Der schnelle Kick. „Poker birgt wenig Suchtpotential“,

Die Suchtberatungsstelle der Caritas ist Anlaufstelle für sogenannte „substanzungebundene Süchte“. MFG sprach mit Suchtberaterin Elke Billensteiner. Welchen Stellenwert hat Spielsucht in Österreich? Das Glücksspielangebot ist in den letzen 30 Jahren ständig gestiegen und für jede Bevölkerungsschicht einfach zugänglich. Durch das vermehrte Angebot gewinnt die Spielsucht immer mehr an Bedeutung.

Bemerken Sie de facto eine Zunahme? Das Bewusstsein in der Öffentlichkeit ist größer geworden. Wir bemerken eine Häufung an diesbezüglichen Anfragen, sowohl von Betroffenen, als auch von Angehörigen. Prinzipiell ist die Bereitschaft der Menschen, Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen, größer geworden.

Welche Personengruppen sind gefährdet? Es ist jede Bevölkerungsschicht und jede Altersgruppe betroffen. Frauen beginnen in der Regel später, sich mit dem Glücksspiel auseinanderzusetzen, dafür entwickeln sie schneller eine mit dem Spielen assoziierte Problematik und Abhängigkeit. Männer spielen eher aus Sensationslust, Frauen weisen eher Vermeidungsverhalten auf.

Halten Sie die Maßnahmen in der Novelle zum Bundesglücksspielgesetz für ausreichend? Die Maßnahmen dienen dem Spielerschutz und sind präventiv sicher von Bedeutung. Die Maßnahmen sind aber sicher nicht ausreichend, um Personen vor einer Abhängigkeit zu schützen. Es werden auch keine Lösungen für die Betroffenen angeboten.

Werden Jugendliche ausreichend geschützt? Mit der Ausweispflicht soll Jugendlichen der Zugang zu Automatensalons verweigert werden, es ist demnach kein allgemeiner Schutz. Da im Internet eine große Palette an Glücksspielen angeboten wird, haben Jugendliche sehr wohl die Möglichkeit zu spielen. Weiters ist es Jugendlichen möglich z. B. Rubbellose, Brieflose etc. zu erwerben. Um Jugendliche wirklich zu schützen, ist Aufklärung über einen adäquaten Umgang mit dem Glücksspiel bzw. Internet sinnvoll.

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erklärt der Floorman. Roulette oder Automaten seien das wahre Glückspiel mit hohem Gefährdungspotential. Aha, also auch hier der mahnende Finger in Richtung Spielautomaten. Automaten seien laut Kurt das Glücksspiel par excellence. Schneller Kick, rapider Adrenalinanstieg, schneller Abfall des Gefühls und Wiederholung. Poker sei für das Glücksspiel nicht geeignet. Bis eine Hand gespielt wird, kann es Minuten dauern. Das sei für Süchtige zu langsam. Das Personal ist darauf geschult, Anzeichen von Suchtverhalten zu erkennen. Im Ernstfall kann man Spieler sperren. Trotz der Seriosität und obwohl so verteufelt, finden sich im Vorraum jedoch mehrere Spielautomaten. Wie das? „Es geht um ein Komplettangebot. Wir müssen hier mitziehen, wenn andere Einrichtungen die Automaten auch anbieten“, erklärt Kurt knapp. Muss man wirklich? Die Bösen? Auf unserer „Tour de Gamble“ wurden wir immer wieder darauf verwiesen, dass der schlechte Ruf des Glücksspiels nur von der Gefährlichkeit des Automatenspiels ausgehe. Kurz gesagt: Die Bösen sind die anderen, und in diesem Fall patzt man gern die Konkurrenz an. Daher statten wir auch dem Admiral einen Besuch ab. Sogleich werden wir an den Chef verwiesen, der nicht da ist. Der Name des Chefs werde dann beim Rückruf bekannt gegeben – der aber nie stattfindet. Auch mit dem Verbinden klappt es nie so ganz und die bekannt gegebene Telefonnummer hat einen Ziffernsturz. Die Pressestelle verweist uns an die Konzernpressestelle, die jedoch nie erreichbar ist. Man redet offensichtlich nicht so gern übers Spielen, Sucht und Co. So müssen wir uns mit dem offiziellen Statement von Admiral Sportwetten/Novomatic zufrieden geben, in dem es heißt: „Ein essenzieller Bestandteil unseres Responsible Gaming-Programms stellen Maßnahmen zur Früherkennung und Prävention von Spielsucht dar.“ Dies bedeutet laufende Mitarbeiterschulungen, Informationsflyer und der Verweis an eine zentrale Helpline.

Nun, genug der Schwarz-Weiß-Malerei im bunten Dunst von blinkenden Automaten, scheppernden Chips und verheißungsvollen Wettscheinen. Fakt ist, in dieser Szene muss man sich eben doch auf sein Glück verlassen, trotz aller Geschicklichkeit. Um nochmals Mitsch zu zitieren: „Spieler sind Menschen, die dem Glück eine Chance geben.“ Die St. Pöltner Spieler machen sich geschickt in familiärer Atmosphäre auf die Suche. Man passt ein bissl auf einander auf und vielleicht ist das auch das größte Glück... Die Kehrseite ist die Suchtgefahr, die ganze Existenzen ruinieren kann – dann reicht Glück allein nicht mehr aus!


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LOOKOUT Während unten vorm WIFI schon gut zwei Dutzend junger Leute Unterrichtspause machen, sich die Sonne ins Gesicht scheinen lassen, entspannt plaudern oder einen genüsslichen Zug von der Zigarette nehmen, herrscht oben im ersten Stock, dem Reich der New Design University (NDU), noch gähnende Leere. Kein Student weit und breit – dafür tüftelt der neue Rektor, Stephan-Schmidt Wulffen, bereits an der Zukunft der Hochschule. Ein Antrittsbesuch.

Der neue Leiter begrüßt uns in grau-gestreiftem Zwirn, dynamisch

geschnitten, weißem Hemd, dessen oberster Knopf lässig geöffnet ist, freundlich-wachsamen Augen, die hinter der schwarzen Rahmenbrille hervorblitzen, und einem gewinnenden Lächeln. „Hier ist noch alles sehr provisorisch“, meint er fast entschuldigend mit Blick auf sein klinisch-aufgeräumtes Büro. Ein Bild hat der Rektor trotzdem schon aufgehängt – es zeigt einen Stuhl in einem großen, leeren Raum, an dessen Wand in großen Lettern „LOOKOUT“ prangt. Das Wort kann man auf mehrere Arten übersetzen: Beobachtungsposten, Wache. Am besten trifft es aber wohl Aussichten – was man auch als klares Statement interpretieren könnte. Von der GröSSe des Kleinen.

„Ich bin ja Teilzeit-Rektor“, lacht Schmidt-Wulffen mit Verweis auf sein offizielles Beschäftigungsverhältnis. So schön hatte er sich das ausgemalt: „Die andere Hälfte sollte fürs Unterrichten, Schreiben und Publizieren zur Verfügung stehen.“ Man beachte den Konjunktiv! Aktuell nimmt die NDU nämlich „ungeschaut“ Schmidt-Wulffens komplette 100% Arbeitskraft in Anspruch. Dass der Deutsche dabei – bildlich gesprochen – vom geräumigen, edel ausgestatteten S-Klasse-Mercedes „Akademie der Bildenden Künste“,


Text: Johannes Reichl | Fotos: Hermann Rauschmayr

deren Geschicke er die letzten 10 Jahre als Rektor lenkte, nunmehr in den deutlich engeren, noch nicht gänzlich ausgereiften NDU-Golf wechselt, mag die besondere Herausforderung der neuen Aufgabe darstellen. „Ich nehme das sportlich“, schmunzelt er im Hinblick auf den offensichtlichen Niveauunterschied, und vermittelt im selben Atemzug seine Überzeugung, dass Größe allein dennoch nicht alles ist. „Es stimmt schon: Die Akademie hat ein Budget von 20 Millionen Euro, 300 Mitarbeiter – dafür ist aber alles sehr gesettled. Da spielen sich Entscheidungen auf der Ebene ‚Holen wir nun den Professor aus London oder doch den aus Berlin‘ ab“, verweist er auf ein gewisses, leicht ödes „Luxusproblem“ der Großen, mit dem er sich in der Provinz sicher nicht wird herumschlagen müssen. „Aber es muss auch unser Ehrgeiz sein, dass hier hervorragende Leute lehren. In Wien regelt man das übers Geld, das können wir nicht. Daher müssen wir kreativer, origineller, beweglicher sein!“, gibt der Rektor die Marschrichtung vor. Und wie möchte er das bewerkstelligen? Hinter allen Überlegungen Schmidt-Wulffens scheint als oberste Prämisse „Profil schärfen“ durchzuschimmern. In einem ersten Schritt – um auf die eingeführte Autometapher zurückzukommen – möchte der Rektor alles zerlegen, jeden Bestandteil auf seine Sinnhaftigkeit hin überprüfen. Danach wird wieder zusammengebaut, werden gewisse Teile ersetzt, Neue hinzugefügt, veraltete Systeme möglicherweise gänzlich durch zeitgemäße ausgetauscht. „Man hat die NDU in den letzten Jahren wachsen lassen – das war gut. Aber vieles ist Stückwerk. Jetzt ist es an der Zeit, richtige Universitätsstrukturen zu implementieren.“ Dies betreffe u. a. auch das Bildungsangebot an sich. So gehen dem Rektor in einigen Bereichen weiterführende MasterProgramme ab, manche möchte er ganz neu installieren. Und er scheut auch nicht davor zurück, Grundsätzliches zu hinterfragen: „Wir haben Techniker, Designer und Architekten – drei ganz wesentliche Standbeine, die unsere Uni stark machen. Vielleicht ist aber die starre Gliederung in Fakultäten nicht mehr zeitgemäß, wären Module sinnvoller, die die Studierenden frei zusammenwürfeln.“ Nicht Mono-Spezialisten, sondern Querdenker sind gefragt! Auch eine gewisse Emanzipation vom WIFI erscheint dem Rektor notwendig, um an Profil zu gewinnen. „Das WIFI unterstützt uns großartig, aber wir stehen in seinem Schatten, werden oft nur als die kleine Tochter wahrgenommen.“ Der geplante Neubau soll diesbezüglich Abhilfe schaffen, „weil ein eigenes Gebäude im öffentlichen Bewusstsein Identität schafft!“ Dass die aktuellen Pläne

einmal mehr eine räumliche Koexistenz mit WIFI-Einrichtungen vorsehen, kommentiert der Rektor mit einem diplomatischen Lächeln: „Wir arbeiten daran.“ Die Frage, ob St. Pölten nicht prinzipiell zu klein sei, um international reüssieren zu können und zur Pilgerstätte für Designstudenten zu werden, gar von sich aus Impulse in die Welt zu setzen, lässt er nicht gelten. „Zum einen wird das Internet auch für die Unis immer wichtiger. Viel passiert heute online. Zum anderen denken Sie an berühmte Kunstschulen wie etwa Bauhaus – Weimar war früher absolut auf dem Land. Oder die Ulmer Schule, oder das Black Mountain College. Das war irgendwo im letzten Wald versteckt damals. Dennoch brachten gerade diese Schulen die Topleute ihrer Generation hervor, entwickelten und verkauften die zentralen Ideen ihrer Zeit, gaben die entscheidenden Antworten auf gesellschaftliche Fragen.“ Alles ist Design. Design als Antwort auf gesellschaftliche Fragen? Ist das nicht ein bisschen hochgegriffen, wo es sich doch eher um eine rein ästhetische Angelegenheit handelt? Schmidt-Wulffen widerspricht vehement. „Design ist eine komplexe konzeptionelle Aufgabe, die im politischen Spannungsfeld steht. Die Frage ist, ob ich als Designer ein Bewusstsein für den politischen Stellenwert meiner Arbeit

Mann mit Visionen. Stephan Schmidt-Wulffen möchte die NDU zu einer der führenden Designschulen machen.

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MFG URBAN

LOOKOUT

habe: Will ich mit dem Design etwas bewirken, verändern, erleichtern – oder bin ich ein bloßer Dekorateur für Innenräume. So betrachtet ist das Dekorative die große Gefahr, nicht das Design oder die Ästhetik an sich.“ Ganz im Gegenteil spiele Design heute geradezu eine Schlüsselrolle, habe in seinen, des Kunsttheoretikers Augen sogar die Kunst als treibende gesellschaftsverändernde Kraft abgelöst. „Denn während der Künstler in seinem Studio verharrt, geht der Designer auf die Straße. Design bildet letztlich ein Dach über eine Gesellschaft, die über materielle Sachen gelenkt und geordnet wird.“ Und ist aus diesem Blickwinkel für alles und jedes relevant. Zur Veranschaulichung nimmt der Rektor die am Tisch stehende Tasse in die Hand: „Die Grundfrage ist ja immer: Was ist ein Ding? Nehmen wir z. B. diese Tasse. Da wird man antDesign. „Der Designer denkt sich keinen Henkel aus, der schön worten, das ist ein Gebrauchsgegenstand, den ich zur Hand ausschaut, sondern er hinterfragt, ob die Leute überhaupt noch nehme, weil ich ihn möglicherweise schön finde, vielleicht Henkel brauchen.“ noch, weil er funktional ist, einen Henkel hat. Aber warum hat er überhautp einen Henkel? In Wahrheit sitzt der beeinflussen sollten. Wir wollen uns einbringen, teilhaDesigner heute nicht mehr im Studio und denkt sich einen ben!“ Henkel aus, der schön ausschaut, sondern er blickt hinaus Außerdem verstehe sich die NDU als Schnittstelle zu den in die Welt, beobachtet und hinterfragt, ob die Leute überUnternehmen. „Wir machen ja auch Grundlagenforschung haupt noch einen Henkel brauchen, oder ob nicht vielfür Betriebe, die sich das sonst nicht leisten könnten.“ Den leicht etwas anderes wichtig ist, das Leben erleichtert – das Output aus diesen wie auch anderen Aufgabenstellungen heißt der Designer organisiert und reflektiert auf die reale möchte Schmidt-Wulffen aber nicht im stillen Kämmerlein Welt hin, und nicht umgekehrt!“ Design zieht seine Aufversickern lassen, sondern ihm schwebt „ein Futurelab in gabenstellung also direkt aus der Bader City vor, wo wir diese Fragen dissis, dem Leben. „Oder nehmen Sie den kutieren, durchdenken und öffentlich Fußball. Das Interessante am Fußball machen – z. B. in einem Schaufenster Stephan Schmidt-Wulffen ist ja nicht, wie er aussieht, sondern visualisieren.“ Kurzum, die NDU soll wie er die Wirklichkeit auf dem Rasen auch in der Stadt mittels einer Depenordnet. In Wahrheit ist der Fußball der dance räumlich greifbar werden, „da1951 in Witten/Ruhr geboren. BeHauptdarsteller, er organisiert das Gemit die Leute wissen, was wir übersuch des Gmynasiums, Studium der Sprachwissenschaft und Phischehen, 22 Leute rennen ihm nach, haupt machen.“ Der Rektor zeigt sich losophie in Köln und Konstanz, alles dreht sich um den Ball – er gibt diesbezüglich auch von Konzepten wie Kommunikationsdesign in Wupalso die Konstellationen am Platz vor. jenem des Stararchitekten Rem Koolpertal. Schmidt Wulffen arbeitete Genau so denken wir Designer.“ haas angetan. „Er hat die neue Archials Kulturjournalist, Kunstkritiker, Und nun bringt der Rektor wieder St. tekturschule in Moskau innerhalb von sowie Direktor des Kunstverein Hamburg. Seit 1988 Lehre an diPölten, die NDU ins Spiel, an der genau drei Monaten auch emotional veranversen Hochschulen, Berufung in jene Verschränkung von Design, Techkert, indem er in der Stadt eine sehr mehrere Universitäts- und Kunstnik und Architektur gegeben sei, die in gute Bar designt hat, wo regelmäßig gremien (u. a. Wissenschaftlicher Zukunft unumgänglich zur Lösung der Clubbings stattfinden.“ Nachsatz, der Beirat der UNESCO). Von 2002 anstehenden Probleme sein wird. „Das stellvertretend für des Rektors generell – 2012 Rektor der Akademie der Bildenden Künste Wien. Seit Mai ist unsere große Chance. Wenn wir hier offene Haltung stehen mag: „Du soll2012 Rektor der NDU St. Pölten. gut sind, liegen wir genau am Puls der test als Universität keine BerührungsUmfangreiche Ausstellungs- und Zeit, sind mittendrin!“ ängste haben!“ Publikationstätigkeit. Wobei das unmittelbare „Anwendungslabor“ der Universität zunächst Am Ende des Gesprächs fällt mein der Raum vorort ist, also die Stadt St. Pölten, das Land Blick noch einmal auf das Bild an der Wand, bleibt am Niederösterreich. Schmidt-Wulffen macht – aus seinem Wort LOOKOUT hängen. Die Aussichten für die NDU, Verständnis, was eine Uni gesellschaftlich zu leisten hat – und damit die gesamte Region, scheinen mit einem Mann kein Hehl daraus, dass er sich mit der NDU in Hinkunft in vom Kaliber und Horizont eines Stephan Schmidt-Wulfdie diversen Diskurse, indirekt auch die politischen aktiv fen nicht übel. Bleibt zu hoffen, dass niemand die Auseinschalten möchte. „Eine Universität ist ein Ort kritischer sicht durch kleinkarierte Unwägbarkeiten verstellt. Dann Auseinandersetzung, ein Ort der offenen Diskussion. Ich könnte – man wird noch träumen dürfen – die NDU sogar wüsste gar nicht, wie wir nicht das politische Leben mit ein neues BAUHAUS werden!

Zur Person

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MFG URBAN

21. Dezember

Von Weltuntergängen & Bewusstseinssprüngen Sag doch mal mystisch dreinschauend: „Hm, jaja, zweitausendzwölf…“ Die Reaktion des Gegenübers wird nur ganz selten „Wos is do leicht?“ (Zitat mein lieber Chefredakteur) lauten – eher kommen Aussagen wie: „Ah ja, da geht ja die Welt unter, haha“ oder bis hin zu „Meinst du wegen dem Maya-Dings?“ Die Maya führten nämlich einen hochmathematischen Ka-

lender, der am 21.12.2012 endet. Spätestens seit dem USBlockbuster „2012“ vor drei Jahren wissen wir, daher das dann die Welt untergeht – oder doch nicht? Im Grunde genommen lassen sich zwei Gruppen in der Diskussion ausmachen: Zum einen die Naturalisten, die derlei Prophezeihungen für Humbug halten. Zum anderen die Esoteriker, die sich der Thematik auf spiritueller Ebene nähern. MFG bat beide Seiten um ihre Einschätzung.

Was passiert?

Selbstdenkerin, Energiemedizin, seit Jahren verankert in der Energetikerszene

Die einen sprechen von Katastrophen, die anderen von weitgreifender Veränderung der Erde, die ich hier nicht näher ausführen oder bewerten mag. Die energetische Variante ist, dass die Erde „aufsteigen“ soll – ich kann mit dieser Definition wenig anfangen. Was ich merke, sind Veränderungen in der Politik, Wirtschaft etc. Es wird den Leuten zu eng, Systeme brechen. Ich glaube, das ist mit Aufsteigen oder Dableiben gemeint. Nur, wie gehen wir das an? Rutschen wir näher zueinander, oder splitten wir uns noch mehr voneinander ab, durch Hass, Geiz und Gier?

„Zeit für einen Neustart“

Im Zeitalter des Wassermanns

Es wird etwas passieren

Evelyn Frei

Was ist dran an 2012?

Es kursiert dieses Gerücht, bei dem alle große Augen bekommen und schreien „wir werden alle sterben“, das ist faszinierend… Nun, es ist nicht unwahr, dass sich 2012 am Tag der Wintersonnenwende – die wir jedes Jahr erle26

ben – einige kosmische Ereignisse ankündigen. Ich bin kein Astronom, aber populär erklärt bewegt sich unser Planet seit längerer Zeit auf einen bestimmten Schnittpunkt zu, an dem sich die Sonnenbahn und die Galaktische Ebene der Milchstraße überschneiden. Einige Theorien besagen, dass dadurch tatsächliche Störungen im Gefüge die Folge sind, sich etwa die Magnetpole ändern, sich dadurch Verschiebungen der Erdkruste, Klimaveränderungen und vermehrte Naturkatastrophen ergeben könnten. Teilweise sicher belegte Fakten und mehr sind die Hintergründe des Themas, aber dank unserem heutigen Trend zur selektiven Informationsaufnahme bleibt als Quintessenz: „Wir werden alle sterben…“

Laut Maya befinden wir uns jetzt im neunten Zeitalter, dem Verjüngungszyklus und aktiven Zeitalter des Wassermanns. Das zaudernde Fische-Zeitalter mit „da können wir nichts machen, wir sollten uns anpassen“ wird abgelöst von „wir wollen keine wahnsinnigen Diktaturen mehr, nicht von Atomkraft abhängig sein, nicht mehr berieselt


Text: Althea Müller | Fotos: ZVG

werden.“ Leute entdecken ihre eigene Spiritualität. Du bist nicht mehr Schaf Nummer 295, du stehst da und bist für dich selbst verantwortlich. Unser Lebensraum verändert sich, darum müssen auch wir uns verändern: Wir sind technik- und strukturgesteuert, Druck, Stress und Schuld bestimmen uns. Evolutionär gesehen ist es jetzt Zeit, einen „Reboot“ zu machen . Die Welt geht also nicht unter?

Wenn jetzt alle dieser Meinung wären, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass etwas Negatives passiert. Wenn wir aber sagen „ja, wir werden etwas verändern“, wird das Positive mehr wiegen. Es gibt mittlerweile 100.000 Verschwörungstheorien, z. B. dass ein Komet einschlägt, uns ein Energiestrahl aus dem Weltall trifft usw. Nur: Wir sind nicht abhängig von einem uralten Volk und seinen Prophezeiungen, wir verursachen unser Leben selbst.  www.studio-areola.com

Lydia Gruber

Energetikerin (Geomantie, Kräuterkunde, Channelings u.v.m.) aus OberGrafendorf

„Zurück ins Goldene Zeitalter“ Mein Zugang

Ich distanziere mich von Worst Case-Szenarien und Filmen wie „2012“. Aus Prophezeiungen lassen sich nur Tendenzen ablesen, so wie in einem Horoskop: Die Zukunft ist nicht festgeschrieben. Kosmische Konstellationen

2012 dreht sich um zwei große Jahreszyklen (5.125 Jahre und 25.625 Jahre), die enden. Unsere Erde durchwandert alle Sternzeichen, und alle 13.000 Jahre durchschreiten wir einen Zenit, wo besonders viel Licht auf die Erde fällt. Und hier haben Menschen immer einen besonderen Bewusstseinssprung gemacht. Der bekannte Mayaforscher Calleman hat übrigens auch den 28. Oktober 2011 als sogenanntes „Endzeitdatum“ berechnet. Eigentlich gibt es rund 40 Endzeitdaten. Das bedeutet, dass ein Zyklus endet, nicht aber, dass wir alle „ausradiert“ werden. Was geschieht?

Wenn wir aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben, wenn also genug Leute vor dem großen Bewusstseinssprung noch „erwachen“, könnten sie die Welt verändern und in das neue Goldene Zeitalter eintreten, das ein weibliches sein wird – aber nicht in dem Sinne, dass wir Frauen dann die Männer unterbuttern, sondern das jeder wieder nach dem Herzen leben darf. Die Geschlechter werden sich nicht mehr kopieren, sondern nach ihrer Intuition handeln. Kinder werden liebevoll erzogen, nicht mehr auf Leistung gedrillt. Bereits seit einigen Jahren lässt sich beobachten,

dass sich die Energieform verändert – Menschen lassen sich nicht mehr alles gefallen, man ist selbständiger. Goldenes Zeitalter

Frequenzen steigen, das Erdmagnetfeld wird nachweislich schwächer, große Energiezentren verwandeln sich. Wenn jeder von uns dahin zurückkehrt, seine Lebensaufgabe zu erfüllen und wir es schaffen, wieder mit allen und allem – Natur, Pflanzen, Tiere – verbunden zu sein, steht einem glücklichen Übergang nichts im Wege. Es ist eine Challenge, keine Frage. Es muss uns klar sein, dass es an uns liegt, ob wir durch Leid und Katastrophen unsere Erfahrungen machen müssen, oder durch Liebe und das richtige Bewusstsein einen weit angenehmeren Übergang schaffen. Lesung und Diskussionsrunde mit Lydia Gruber und Isabelle Kristen am 23. September 2011, 19 Uhr, Festhalle Ober-Grafendorf. www.rueckkehrdeslichts.at

Kein Untergang in Sicht

Die Mayas – sehr genau, wenig zimperlich

In seinem Jahrbuch „Kosmos Himmelsjahr 2011“ nimmt Prof. Hans-Ulrich Keller, langjähriger Leiter des CarlZeiss-Planetariums Stuttgart, im Artikel „Der Kalender der Mayas“ dem Weltuntergang allen Wind aus den Segeln. „Gleich zu Beginn ein wichtiger Hinweis: Am Freitag, 21. Dezember 2012 beginnt zwar der astronomische Winter, aber die Welt geht nicht unter – zumindest noch nicht“, schreibt er nicht ohne Augenzwinkern, und weiter „Das Gerücht vom Weltuntergang an diesem Tag beruht auf einer Zählung im Kalender der Mayas. Zu diesem Zeitpunkt beginnt im Maya-Kalender ein neuer Zyklus der sogenannten ‚Langen Zählung‘. Mayas, Azteken, Olmeken und andere mittelamerikanische Völker glaubten einst, am Ende eines Kalenderzyklus ginge alles zugrunde und eine völlig neue Welt würde entstehen.“ Keller räumt auch mit der landläufig verklärten Meinung über die weisen Propheten von damals auf und schildert die Anbetungs- und Opferrituale des Volkes – die Opfer waren Priester, Kriminelle, Behinderte und Kriegsgefangene. „Den Opfern wurde bei lebendigem Leib das Herz aus der Brust gerissen oder sie wurden gehäutet.“ Aufgrund hochkomplizierter Zählungen lässt sich möglicherweise herauslesen, dass die Welt im Jahre 819.747.285 untergeht – dies wäre das Ende der „Ganz Langen Zählung“. Am 21.12. nächsten Jahres werde die Welt jedenfalls nicht kollabieren – nach 820 Millionen Jahren aber werde die Sonne alles irdische Leben auf unserem Planeten ohnedies ausgelöscht haben. „Somit hatten die Mayas doch recht mit ihrer Weltuntergangsprophezeiung“, schreibt Keller süffisant, „man muss eben nur entsprechend große Zeiträume abwarten.“ Abschließend konstatiert er. „Mit weiteren Enthüllungen ist zu rechnen, denn die Maya-Forschung ist noch längst nicht abgeschlossen.“ Jahrbuch erhältlich auf www.intercon-spacetec.de MFG 09.11

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MFG URBAN

VORTRÄGE

Erich von Däniken / Johannes J. Leitner

Erich von Däniken „Däniken Total“, 8. März 2012 – VAZ Auch der Godfather der „Alienforschung“ meldet sich natürlich zu Wort und wirft u. a. die Frage auf: „Kehren die Götter am 23. Dezember 2012 zur Erde zurück?“ Für EvD steht fest: „Sie werden kommen! Irgendwann, auch wenn man sich auf kein Datum verlassen kann!“ Johannes J. Leitner (Institut für Astronomie der Uni Wien) „Gefahren aus dem All“, 11. November – Gasthof Leo Graf „Wetten, dass die Welt nicht am 21.12.2012 untergeht“, ist der Wissenschaftler sicher. Doch Impakte von Asteroiden oder gigantische Sternexplosionen stellen reale astronomische Gefahren dar. Wie groß sind diese Bedrohungen und welche Konsequenzen hätte eine solche kosmische Katastrophe für das Leben auf unserem Heimatplaneten?

Christoph Luger

Vesseling Practitioner und Energieseher aus St. Pölten

„2012 ist ein Konzept“ Mein Zugang

Bis letztes Jahr habe ich mich sehr intensiv mit 2012 und dem Bewusstseinssprung beschäftigt. Heute sehe ich es lediglich noch als Konzept, dem die Menschen folgen können, wenn sie es brauchen. Der Grund dafür ist, dass ich letztes Jahr mit meiner Ausbildung zum Vesseling Practitioner begonnen habe, einer neuen Form schamanischer Energiearbeit, bei der unsere mit schwerer Energie gefüllten Gefäße (= Vessel) geleert werden. Je weniger schwere Energie in uns ist, desto fröhlicher werden wir. Ich konnte dank meiner Ausbildung sehr schnell mit „2012“ nichts mehr anfangen. Denn ich lebe im Jetzt. Jetzt gerade spreche ich mit dir. Wenn ich mit meinem Hund spazieren gehe, gehe ich mit meinem Hund spazieren. Wenn jetzt die Welt untergeht, geht sie unter. Was ist, ist.  www.christophluger.com

Gerhard Kermer

Stellvertretender Obmann Verein Antares St. Pölten / NÖ Volkssternwarte Michelbach

„Kein Grund zur Panik“ Mein Zugang

Seit meiner Kindheit bin ich vom Himmel begeistert, und heute stellvertretender Obmann und Teamleiter für Füh28

rungen für unseren Verein mit Sitz in St. Pölten. Wir betrachten die Sterne vom wissenschaftlichen Standpunkt aus, astronomisch. Astrologie ist für uns kein Thema. Astronomie vs. Astrologie

Astronomen kennen 88 Sternbilder, Astrologen sprechen von 12 Sternzeichen. Derzeit ist Ophiuchus (Schlangenträger) das 13. Sternbild, durch das die Sonne im Laufe eines Jahres scheinbar wandert. In astronomischen Zeiträumen verändert sich der Himmelsanblick: Sterne werden geboren und sterben, die Sonne kreist um das Milchstraßenzentrum, Sterne haben eine Eigenbewegung. Der Große Wagen, wie wir ihn kennen, wird in 100.000 Jahren anders aussehen. Sternbilder sind eine auffällige Anhäufung von Sternen in unterschiedlichen Entfernungen, die als einprägsames Muster mit einem Namen benannt wurden. Welchen Einfluss sollten diese Konstellationen auf das Schicksal der Menschen haben?


21. DEZEMBER 2012

Gud Massaasch?

Primadonna

21.12.2012

Der Kalender der Mayas ist ein sehr komplexes Zählsystem, das noch genauer ist als unser gebräuchlicher Gregorianischer Kalender. Am Freitag, 21.12.2012 (nach anderer Interpretation jedoch der 23.12.2012) beginnt im Maya-Kalender ein neuer Zyklus der „Langen Zählung“. Kein Grund zur Panik - aus astronomischer Sicht hat das Datum 21.12.2012 keine Bedeutung. Auch wenn die Esoterik anderes behauptet. Noch Fragen?

ANTARES veranstaltet auf der Volkssternwarte Michelbach Führungen. Nach einer Himmelseinführung werden aktuelle Himmelsobjekte mit Teleskopen beobachtet. Wohl auch am 21.12.2012! www.noe-sternwarte.at Mein Fazit: Vielleicht haben die immer wiederkehrenden Gerüchte über mögliche Weltuntergänge zumindest den Sinn, dass sich der eine oder andere mal Gedanken macht: über sich, Gott – und die Welt eben. Sein Leben überdenkt… Wenn sich die Erde dann trotzdem weiterdreht – umso besser. Wenn nicht – wird es wohl herzlich egal sein. Die Dinosaurier haben ja auch nicht mehr viel gesagt, nachdem sie ausgestorben waren…

Die Zeit war reif, und ich dazu! Reif für meinen ersten Beauty-Schönheitstag. Wenn Julia Roberts dank L´Oreal Werbung jetzt aussieht wie 15, dann muss das doch bei mir auch funktionieren! Engecheckt im Beautycenter und auf geht’s! All inclusive - Gesicht, Maniküre, Pediküre, Friseur, Massage – UFF. Nach diesem Schönheitsmarathon stellen sich mir allerdings folgende Fragen: Warum bekommen die knackigen, durchtrainierten Masseure immer die anderen und ich dafür eine Frau, die so aussieht wie ein knackiger, durchtrainierter Kerl? Warum sieht man nach einer eineinhalbstündigen Gesichtsbehandlung so aus, als hätte man sich mit Chilisauce eingerieben? Warum quatschen Masseurinnen so viel, als ob sie Frisösen wären? Wenn ich plaudern will, leg ich mich nicht mit dem Kopf nach unten auf einen Tisch! Wozu überhaupt die Strapazen, wenn Freunde nacher hämisch fragen: „Seid‘s net drangekommen?“ Welche Hausarbeiten kann man mit einer frischen French-Maniküre guten Gewissens erledigen? Warum zum Teufel lackieren wir uns überhaupt die Nägel? „Weil du jetzt wehrlos bist!“, meint mein Liebster grinsend, während ich mit hektischen Flugbewegungen am Sofa sitze und meinen Lack zum Trocknen animieren will.

MFG 09.11

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MFG URBAN

Aktuell sorgt die Pfarrer-Initiative „Aufruf zum Ungehorsam“ für gehöriges Rumoren im Gebälk der Katholischen Kirche. Schon über 400 Pfarrer bekennen sich zu den Forderungen und gehen damit auf Konfrontationskurs zu Rom und ihren Bischöfen.

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Text: Marion Pfeffer, Johannes Reichl | Fotos: Simon Höllerschmid, zVg

Irgendwie gewinnt man den Eindruck, dass Teilen der Prie-

sterschaft – salopp formuliert – der Kragen geplatzt ist. Nach Jahren des Hinhaltens, in dem jedes noch so kleine Reformpflänzchen von den trägen Mühlen der offiziellen Kirche zermahlen wurde, wollen sie den in ihren Augen offensichtlichen Stillstand sowie überkommene Dogmen in der Katholischen Kirche nicht mehr länger mittragen bzw. mitverantworten. „Die römische Verweigerung einer

„Tragen nicht Ungehorsam und noch mehr die Aufforderung dazu einen Todeskeim in sich?“ Bischof Klaus Küng

längst notwendigen Kirchenreform und die Untätigkeit der Bischöfe erlauben uns nicht nur, sondern sie zwingen uns, dem Gewissen zu folgen und selbständig tätig zu werden“, heißt es hierzu in der Präambel des Aufrufs. So bekennen sich die Priester u. a. dazu, dass sie sämtlichen gutwilligen Gläubigen die Eucharistie nicht verweigern, also auch nicht den Geschieden-Wiederverheirateten. Sie wollen das Predigtverbot für gut ausgebildete Laien missachten, können sich „priesterlose Eucharistiefeiern“ vorstellen und werden fortan auch öffentlich für die Zulassung von Frauen und Verheirateten zum Priesteramt eintreten. Neu klingt das freilich alles nicht. „Es geht seit Jahren um die gleichen Forderungen der kirchlichen Reformbewegungen, die von Rom und von unseren Bischöfen nicht ernst genommen werden. Der ‚Aufruf zum Ungehorsam‘ der österreichischen Priesterinitiative hat jetzt ein weltweites Echo, und das ist gut so“, konstatiert diesbezüglich Georg Kopetzky, Vorstandsmitglied des Forum XXIII sowie Aktivist der Plattform „Wir sind Kirche“, die als Sprachrohr der reformwilligen Gläubigen gilt. Und diese stärken den Priestern demonstrativ den Rücken. „Wir stehen voll hinter der Erklärung der Priester-Initiative!“, stellt Kopetzky sodenn klar und fügt hinzu: „Für mich hat der Gehorsam gegenüber den Evangelien Vorrang vor dem Gehorsam gegenüber einem versteinerten Kirchenrecht.“ Dass sich die Katholische Kirche mit Reformen seit jeher einigermaßen schwer tue, begründet Kopetzky damit, „dass es um die Erhaltung der Macht klerikaler Strukturen geht, die wir Menschen im 21 Jahrhundert aber nicht mehr verstehen und akzeptieren.“ Nachsatz: „Die Menschen haben sich entwickelt und dies soll auch die Kirche tun!" Dabei signalisiert selbst Bischof Klaus Küng indirekt Bedarf für Reformen, wähnt im Aufruf zum Ungehorsam aber einen „Todeskeim“: „Führen denn diese Forderungen zur Erneuerung? Tragen nicht Ungehorsam und noch mehr die Aufforderung dazu einen Todeskeim in sich, der unfruchtbar macht, auch wenn etwas eigentlich gut gemeint ist?“

Die Forderungen der Initiative hält er für kontraproduktiv und dem Glauben abträglich. „Ich wünsche mir brennend Initiativen in unseren Pfarren – aber solche, die die Menschen in ihrem Glaubensleben stärken und sie näher und tiefer zu Gott bringen.“ Insgesamt habe er den Eindruck, dass es den Forderungen an echter Perspektive fehle. Seit Jahren würden sie von manchen vertreten und teilweise trotz Ermahnungen auch umgesetzt werden. „Dort, wo von einem Pfarrer gewisse Dinge seit langem ‚großzügig‘ gewährt werden, habe ich bis jetzt keine großartigen Aufbrüche feststellen können. Auch in diesen Pfarren geht die Zahl der Gottesdienstbesucher zurück und fällt die Jugend ab einem bestimmten Alter weitgehend aus. Aufbrüche finden sich – auch unter jungen Menschen – eher dort, wo der Blick auf das Wesentliche, die Gottesbeziehung gerichtet ist und wo die Disziplin der Kirche beachtet wird.“ Die Fronten scheinen verhärtet. Zwar signalisieren die Bischöfe im Hinblick auf bestimmte Forderungen Gesprächsbereitschaft, doch die Pfarrer-Initiative geht diesmal quasi aufs Ganze: Ein Aufschnüren des „Pakets“ wurde von Initiator Helmut Schüller dezidiert ausgeschlossen. Schon schwirrt das Wort „Spaltung“ durch den Raum, wirft die offizielle Kirche die suggestive Frage auf, ob nicht bereits eine freiwillige Spaltung durch die Initiative stattgefunden habe. Die Pfarrer-Initiative weist dies zurück und schließt eine Abspaltung ihrerseits aus, dreht den Spieß aber um: Die offiziellen Gremien müssen sich dazu deklarieren. Feststeht, dass die Auseinandersetzung um Kirchenreformen in Österreich mit der Pfarrer-Initiative eine völlig neue Dimension erreicht hat. Diesmal gehen die Forderungen nämlich nicht von der Basis, also den Kirchgängern selbst aus, deren Ansinnen stets mit dem Verweis auf das ferne, dogmatische Rom abgeblockt bzw. verschleppt wurden, nein, diesmal verweigern die Angestellten selbst den Gehorsam. Damit hat man die Bischofskonferenz in ein

„Für mich hat der Gehorsam gegenüber den Evangelien Vorrang vor dem Gehorsam gegenüber einem versteinerten Kirchenrecht.“ Georg Kopetzky, Forum XXIII

Dilemma gestürzt. Das Prinzip „Ignorieren und Aussitzen“ ist ob der Größe der Bewegung nicht mehr möglich. Sanktionen oder gar Suspendierungen scheinen ebenfalls widersinnig, denn kann man sich Kirchen ohne Pfarrer vorstellen? Zudem hieße dies in letzter Konsequenz tatsächlich die Spaltung – und die möchte keine Seite. Also doch Reformen? Die Katholische Kirche Österreichs ist an einem Scheideweg angelangt: Der Ausgang dieses Konflikts wird entscheiden, in welche Richtung sie in Zukunft geht. MFG 09.11

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MFG URBAN

MEHR AUF DIE BASIS HÖREN August Blazic, der Pfarrer von Kirchberg an der Pielach, über die Forderungen der PfarrerInitiative, die Zukunftsfragen der katholischen Kirche, die Angst vor Sanktionen und das erhoffte Wirken des Heiligen Geistes. Jeder spricht über den „Aufruf zum Ungehorsam“ der PfarrerInitiative. Warum sind Sie dabei?

Weil ich seit bald 40 Jahren Priester bin und mir viele Gedanken über die Zukunft unserer Kirche mache. Zwar werde ich in einigen Jahren in Pension gehen, aber es ist mir keinesfalls egal, was aus unserer Kirche wird. Am Ende des Tages will ich mir nicht vorhalten müssen, ich hätte zugeschaut. Lassen Sie mich aber auch ganz klar sagen, dass Sie zu mir gekommen sind. Ich dränge mich sicher nicht in die Medien, wie uns das von Kritikern mitunter vorgeworfen wird. Wir wollen auch keinesfalls Rebellen sein. Wir denken nicht an Spaltung, wir gefährden nicht die Einheit. Wir stellen die Grundfrage, wie es in den Pfarrgemeinden in einer priesterlosen Zeit weitergeht. Ihre Forderungen sind nicht neu?

Nein, wir bemühen uns seit 2006 immer wieder um einen echten Dialog mit der Kirchenführung und dem Kirchenvolk. Ich will mit meinem Bischof ernsthaft reden können ohne den Eindruck zu haben, dass ich ge32

gen die Wand rede. Gerade wenn wir den Begriff "Gehorsam" anschauen, dann geht’s um Hinhören – in beide Richtungen, dann kommt auch was dabei raus. Mit blindem Kadavergehorsam fange ich aber nichts an, da haben mich 40 Jahre als Priester mitten im Kirchenvolk zu sehr geprägt.

Wenn man mir sagt, ich soll mehr Gehorsam haben, dann denke ich: Ja, aber für mich ist der Oberste noch immer der Herr Jesus. Wie geschlossen stehen die Priester hinter diesen Forderungen?

Es ist mir ein Anliegen, dass wir gerade auch innerhalb der Priesterschaft endlich verstanden werden. Es geht nicht um Provokation, sondern um die entscheidende Zukunftsfrage. Ich sage auch ehrlich, dass wir auch auf offene Ablehnung von Kollegen treffen – das macht mich wirklich sehr betroffen. Insgesamt deklarieren sich über 300 Priester öffentlich zu unseren Forderungen, die übrigen sympathisieren anonym oder sind neutral bis kritisch eingestellt.

Was ist denn die Zukunftsfrage?

Einerseits geht es um das Priesterbild – muss ein Priester wirklich unbedingt männlich sein und ehelos leben. Andererseits geht es um das Bild der Gemeinschaft aller Getauften, die in einer Zeit des Priestermangels eine bedeutendere Rolle spielen und deren Wert man somit auch innerhalb der Kirchenführung anerkennen muss. Wir haben dazu den Versuch einer Lösung. Übrigens Dinge, die in der Urkirche praktikabel waren. War die Konfrontation mit dem Begriff „Ungehorsam“ klug?

Es ging uns ja nicht per se um Konfrontation, aber wir mussten einen Schritt setzen. Die Alternativen wären gewesen wir schauen weiter zu oder lösen uns auf. Dass Kardinal Schönborn und andere Bischöfe so emotional reagiert haben, zeigt umso mehr, dass wir reden müssen. Wobei ich das schon interessant finde: Einerseits stellt man uns als rebellische Minderheit dar. Andererseits unterstellt man uns, wir würden die Einheit gefährden. Also was jetzt? Der Punkt ist, dass wir mit diesem Aufruf ganz offen Vorgänge ansgesprochen haben, von denen hinter vorgehaltener Hand jeder wusste. Die emotionale Reaktion der Bischöfe zeigt, dass es ihnen nicht egal ist. Sie können es nicht ignorieren, es muss jetzt Sanktionen geben oder Bewegung im Sinn ernster Gespräche. Die Zukunft der Menschen in der Gemeinde muss uns das Wichtigste sein. Fürchten Sie Sanktionen?

Wenn man mir sagt, ich soll mehr Gehorsam haben, dann denke ich: Ja, aber für mich ist der Oberste noch immer der Herr Jesus. Ich denke jedenfalls nicht daran auszutreten. Mit der Kirche habe ich ja kein Problem, schon gar nicht mit der Botschaft Christi. Außerdem geben mir die Menschen in meiner Pfarre sehr viel Kraft. Aber wenn wir erleben, dass im Jahr 2010 rund 83.000 Menschen aus der Kirche austreten, dann kann ich nicht zuschauen. In der Bibel gibt es das Bild des Schafhirten.


Text: MICHAEL MÜLLNER | Fotos: Simon Höllerschmid

Wenn von 100 Schafen eines verloren geht, dann lässt er die 99 stehen und sucht das eine Schaf, weil es ihm nicht wurscht ist. Bei uns ist es jetzt fast schon so, dass wir uns um die 99 verirrten Schafe kümmern müssen, es kann uns nicht einfach egal sein. Würden die Punkte in Ihrer Pfarre zu weniger Austritten führen?

Ich vergleiche die Situation mit einer Torte. Den äußeren Rand haben wir schon lange verloren, denen sind wir mittlerweile völlig egal. Der mittlere Rand ist schon mehr weg als da. Wir müssen aber zumindest den inneren Kern der Kirche ernst nehmen, das engagierte Kirchenvolk, nur an dem kann eine Gemeinde wachsen. Wenn ich die Möglichkeit habe, suche ich mit den Austretenden ein Gespräch, weil mich ehrlich interessiert, warum die Leute gehen. Mich erschreckt dabei, dass die meisten nicht wegen Geld oder Skandalen austreten, sondern weil sie sagen, dass sie die Kirche in ihrem Leben nicht mehr berührt. Das zeigt uns, dass wir handeln müssen. Denn während die institutionalisierte Kirche die Leute verliert, wächst in der Gesellschaft eine unglaubliche Sehnsucht nach Spiritualität, Geborgenheit und nach Riten. Die Menschen suchen sehr wohl nach Antworten zum Leben.

Zur Person

Pfarrer August Blazic, 65

Ist seit 40 Jahren römisch-katholischer Priester und leitet seit 30 Jahren die Pfarre in Kirchberg an der Pielach, früher war er unter anderem in St. Pölten tätig. Seit der Gründung 2006 ist er Mitglied der Pfarrer-Initiative.

Welche Antworten zum Leben geben Sie als Kirche, die in außerehelichem Geschlechtsverkehr eine Sünde sieht und mit dem Kondomverbot zur HIV-Epidemie in Afrika beiträgt?

Machen wir uns nichts vor, wir brauchen den Leuten nicht mehr belehrend kommen. Wir haben als Kirche so viel Butter am Kopf, wir brauchen uns nicht als Moralinstitution aufspielen. Meine Antwort auf Ihre Frage ist: Durch gemeinsames Zuhören und das Suchen nach Lösungen findet man Zugang zu den Menschen. Glauben Sie mir, ich leide unter gewissen Themen genauso und ersehne mir andere Einstellungen der Kirchenführung.

Wir haben als Kirche viel Butter am Kopf, wir brauchen uns nicht als Moralinstitution aufspielen. Woher kommt dafür die Kraft?

Ich gehe sehr viel zu den Menschen, versuche jede Einladung wahrzunehmen und viel zuzuhören. Rund 150 Leute sind der sehr aktive „innere Kern“ unserer Pfarre. Eine zweite Quelle ist meine Studienzeit nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, einer Zeit des Aufbruchs. Ich verstehe mich als Priester dieser Konzilsgeneration. Je älter ich werde, desto mehr wird mir bewusst, wie visionär dieses Konzil gearbeitet hat. Nehmen Sie nur den Begriff des „allgemeinen Priestertums der Getauften“. Darüber diskutieren wir ja auch heute! Ich sage, wenn wie derzeit die Kleruskirche schrumpft, muss die Volkskirche umso mehr gefördert werden. Vor dem letzten Konzil hätte niemand auf so einen epochalen Schritt gehofft, auch heute können die Bischöfe in Gesprächen erkennen, was Not tut. Ich hoffe auf das Wirken des Heiligen Geists. Sicher, das Frauenpriestertum wird nicht von heute auf morgen kommen, aber die Kirchenleitung möge weniger nach Rom schielen und dafür mehr auf die Basis hören. Der Weg ist bekannt, er muss nur begangen werden.

Am SCHEIDEWEG

Michael Müllner Die Wenigsten von uns sind im Sinne der katholischen Kirchenführung frei von Sünde, viele Kirchenregeln ignorieren wir seelenruhig. Selbst das schlechte Gewissen für unser „abweichendes“ Verhalten ist heute dem Mitleid gegenüber den Pfarrern gewichen. Diese leben entweder in einer erschreckenden Parallelgesellschaft ohne Bezug zu den Fragen und Sorgen der Gemeinde – oder in einem erschreckenden Zwiespalt zwischen offizieller Kirchenlinie (Papst und Bischöfe) und der gelebten Praxis des Kirchenvolks. Wie zum Hohn fragt Bischof Klaus Küng, ob denn jene Pfarrer, die „großzügig“ Dinge gewähren lassen, mehr Gottesdienstbesucher als „gehorsame“ Pfarrer vorzuweisen hätten. Den Forderungen der Priester fehle es an „echten Perspektiven“. Das zeigt uns: Küng & Co sind inhaltlich um keinen Deut „besser“ als der weg-visitierte Altbischof Krenn. Mehr Selbstbeherrschung in Dosis und Wortwahl bei öffentlichen Äußerungen hilft nicht über das echte Kirchenproblem hinweg: Realitätsverweigerung. Die Kirchenführung muss sich langsam entscheiden, ob sie sich wirklich zur sektenähnlichen Kleinkirche der „wahrhaftig Gläubigen“ entwickeln will – oder ob sie sich gegen alle inneren Schwierigkeiten hinweg zu einer Zukunft mit Perspektive und Relevanz für die Menschen durchringt.

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SHORTCUT KULTUR

AUSSCHEIDUNGS SPIELE

Thomas Fröhlich

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RATHAUSPLATZ Knapp 600 Anhänger hat die Gruppe „Kopfzerbrechen Rathausplatz 2012“ auf Facebook, die sich Gedanken über das Sommerfestival macht. So stößt man sich u. a. an den „Schrebergartenhütten“, die das Schanigarten-Flair zerstörten, zudem möchte man „abwechslungsreichere Kultur“. Schützenhilfe erhält man von RathausplatzArchitekt Boris Podrecca: „Solche Veranstaltungen gehören auf sogenannte Streuplätze, sodass nicht die alte Architektur derart angepatzt wird und das Herz der Stadt zu einem billigen Jahrmarktszenario versuppt.“ Beim Organisator Büro V zeigt man sich überrascht. Auf das Kooperationsfestival gäbe es „zahlreiche positive Rückmeldungen ob der gebotenen Qualität und Vielfalt. Der Rückblick fällt sehr gut aus!“ Rund 100.000 lockte das Festival an. Mit der Facebook-Seite habe man sich bislang nicht auseinandergesetzt: „Bisher hat uns niemand kontaktiert.“

RÜCKENWIND Das Thema „Kampf

dem Schweinehund“ bewegt nach wie vor viele Menschen, u. a. auf Facebook: Die fiktiven Persönlichkeiten Paul (möchte das Rauchen aufgeben) und Pauline (das typische „Frauenthema“: Abnehmen) sammelten mit ihrem täglichen Kampf gegen den inneren Schweinehund bereits über 40.000 Fans. In Zusammenarbeit mit der Community haben die Autoren Gerhard Furtmüller und Valerie Michaelis das erfolgreiche Buch „Aus Gegenwind wird Rückenwind“ entwickelt. www.paul-pauline.com

Papermoon´s Erwachen Mit ihrer ersten

Single „Tell Me A Poem“ schafften sie es an die Spitze der österreichischen Charts – 20 Jahre später kehren Papermoon mit dem neuem Album „Wake“ auf die Bühne zurück und gastieren im Rahmen ihrer Konzert-Tournee am 27. Oktober im VAZ St. Pölten. Mastermind Christof Straub: „Ich bin wirklich stolz auf ,Wake´ - und ich bin eigentlich nie stolz“, lacht er. „Es ist ein positives aufgewecktes Album, mit dem wir ein neues Lebenszeichen geben wollen. Denn wir sind noch lange nicht müde.“

Fotos: fotolia, iStock, zVg

Wissen Sie, was eine Schnapsidee ist? Z. B. Folgendes: ein Stadion in ein funktionierendes Naherholungsgebiet zu klotzen. Und zwar nicht irgendeins, sondern einen völlig überdimensionierten finanz-, umwelt-, verkehrs- und sicherheitspolitischen Irrsinn, wie wir ihn nun am Ratzersdorfer See erleben dürfen. Und 2012 wird dann auch ER sein Haupt erheben: der Fußballfan. Meist männlich und nicht selten ein – sagen wir – verhaltenskreatives Benehmen an den Tag legend. Dass zwei von drei größeren Matches in Österreich vor, während und/oder nach dem Spiel von Randalen begleitet sind, ist leider nicht aus den Fingern gesogen, sondern prototypisch. Wer’s nicht glaubt, darf gerne beim Innenministerium nachfragen. Oder bei jenen bemitleidenswerten Menschen, die in der Nähe eines Stadions wohnen, wo bürgerkriegsähnliche Szenarien gleichsam schon zum Alltag zählen. Aber wenn gesellschaftspolitische Visionen fehlen, müssen halt Brot und Spiele her. Um jeden Preis. Die Gewinne bleiben privat, die exorbitanten Erst- und Folgekosten bei den Steuerzahlern. Also uns. Ich hoffe also, Sie haben einen letzten Sommer an den St. Pöltner Seen genossen: ohne politische Eigentorheiten, tretende Füße und flächendeckendes Fan-Gebrüll. Seenerlebnis: Rest in pieces.


Fotos: B. Reiffenstein, Ausstellungssituation im NÖ Landesmuseum, Wallnerstraße, um 1911, H. Hurnaus, 2010, Architektur © Landesmuseum Niederösterreich

Foto: Stefan Liewehr © Landesmuseum Niederösterreich

www.landesmuseum.net Di bis So von 9 bis 17 Uhr

29.5.11 – 20.11.11

Gesammelte Vielfalt

Die Geschichte 29.5.11 – 15.4.12


MFG KULTUR

Beginn einer Dienstreise INTERVIEW MIT BETTINA HERING Brandstätte, Wien Innere Stadt. Ein lauer Sommervormittag. Während draußen die Touristen vorbeigespült werden, haben wir es uns in einer Ecke des Café Korb gemütlich gemacht und plaudern mit der designierten künstlerischen Leiterin des Landestheaters Niederösterreich Bettina Hering über Reiselust, Macht und – welch Zufall – das Theater! Warum haben Sie gerade das Café Korb als Treffpunkt vorgeschlagen?

Ich komm einfach ganz gern hierher. Es ist nicht so geschniegelt, sondern urig, gemütlich – typisch wienerisch. Sie selbst sind gebürtige Schweizerin, lebten in Deutschland. Trügt der Eindruck, oder ist Ihnen Reisen wichtig?

Die Welt ist groß, die muss man sich doch anschauen! Auch, welche Bedingungen und Umstände anderswo herrschen. Nach der Schule habe ich auch Nord-, Zentral- und Südamerika bereist. Wenn es ginge, wäre ich noch immer eine Reisende. Auf Reisen erfährt man einfach viel über sich selbst, kann Denkmuster revidieren und sich in andere Köpfe hineindenken. Das ist ja auch in der Literatur der Fall. Wobei die Literatur so betrachtet eine fixe Heimat für Sie darstellt – schon von klein auf?

Literatur hat mich schon immer fasziniert, obwohl ich eigentlich aus keinem literarischen Haushalt komme. Ich bin in einem kleinen Ort in der Nähe von Zürich aufgewachsen. Dort gab es eine Dorfbibliothek, die haben eine Freundin und ich sozusagen „ausgelesen“. Einmal in der Woche sind wir hin und haben uns Bücher ausgeborgt, darunter auch viele nicht kinderadäquate Sachen, was eben da war. (lacht) Dafür haben wir uns dann die Bewilligung erschummelt. Gab es Lieblingsbücher in Ihrer Kindheit?

Besonders fasziniert haben mich – wie ja viele – die Bücher von Astrid Lindgren, ebenso war manch Schweizer Kinderbuch-Klassiker darunter. Außerdem Jim Knopf! Als ich den das erste Mal im Theater gesehen habe, war ich schwer beeindruckt. Die Theaterleidenschaft kam also auch bald dazu?

Klar, mich hat der ganze Kosmos interessiert, die Sprache, die Schauspieler, was auf der Bühne passiert. Da hab ich mit glänzenden Augen und offenem Mund zugeschaut. Ich 36

bin auch selbst Ballett gegangen. Ich wollte dann schon relativ früh am Theater arbeiten. Was Sie dann ja in die Tat umgesetzt haben. War das Studium deshalb „literaturlastig“.

Ja. Ich habe Germanistik, Philosophie und anthropologische Psychologie in Zürich studiert. Einen eigenen Lehrstuhl für Theaterwissenschaft gab es damals noch nicht. Danach folgten, wie Sie es selbst formuliert haben, Wanderjahre in Deutschland.

Ich habe in Deutschland hospitiert, in Göttingen, am Hamburger Schauspielhaus, schließlich wurde ich Regieassistentin in Frankfurt. Das war eine super Zeit! Frankfurt war ein Dreispartenhaus damals. Ich war zwar dem Schauspiel zugeordnet, aber es war alles sehr übergreifend, man bekam überall Einblick. Es wirkten hervorragende Leute dort. Günther Rühle, der ehemalige Feuilletonchef der FAZ, war Intendant. Einar Schleef einer der Regisseure. Michael Gielen war der Opernmann, der neues, modernes Operntheater in Frankfurt realisieren wollte. Im Tanz lief einem William Forsythe über den Weg, zahlreiche befreundete Künstler wie John Cage tummelten sich im Haus – das war einfach großartig! Ich hatte irrsinnig viel zu tun, konnte viel reingucken, bei den Proben dabei sein. Das ist der ideale Ausbildungsjob, war wie Training. Inwiefern?

Bei dem Job bist du ja ein Verkehrsschnittpunkt, hast mit allen Abteilungen zu tun, musst delegieren, organisieren, improvisieren. Da lernst du ein Haus von der Pieke auf kennen. Man wird richtig rein geschmissen ins kalte Wasser. Ich war damals etwa 23 Jahre alt, und das waren ja alles gestandene Leute. Das ist nicht ohne! Ich kann mich noch gut an die Abendkritik erinnern, als man als Jungspund die renommierten Schauspieler kritisieren musste. Waren die dann eingeschnappt nach dem Motto „Was will das junge Mädel mir groß erzählen?“

Wenn die Kritik kompetent war, haben sie die meisten


Text: johannes reichl | Fotos: Hermann Rauschmayr

akzeptiert. Natürlich gab es auch solche, die das schlichtweg abgelehnt haben, das hing einfach vom Charakter ab. Leicht ist es jedenfalls nicht als Regieassistent, aber man lernt enorm viel. Wobei das Lernen hört ja nie auf! Selbst wenn du im Laufe der Jahre Erfahrung sammelst, ist trotzdem jede Situation wieder neu. Das finde ich ja gerade das Lässige am Theater, dass ich nicht alles kenne, nicht alles Routine ist. Da wächst man auch als Person sehr.

mus denn Utopie. Lässt St. Pölten keine Utopien zu?

Ich habe mir alles sehr genau angeschaut. Ich kenne meine Startbedingungen, das Budget, die Erwartungen – und das ist mir alles sehr recht. Ich kann einschätzen, was ich da daraus mache. Utopie – das ist ein so großes Wort. Mir geht’s eher um Vorstellungen, die ich umsetzen möchte. Und es geht darum, an sich selbst zu arbeiten, sich selbst an die jeweilige Situation anzupassen – ich muss sozusagen auch etwas tun!

Gert Voss hat in einem „Presse“-Interview unlängst angedeutet, dass Künstler als Inwieweit kennen Sie das Intendanten oft ihren IdealisUtopie – das ist ein so großes Wort. Haus schon? mus einbüßen. „Erst haben Ganz gut. Ich habe hier ja schon Mir geht’s eher um Vorstellungen, sie Utopien, dann kommt der Regie geführt. Ich kann meiner die ich umsetzen möchte. Alltag: Wen muss ich rausVorgängerin nur Rosen streuen. schmeißen, wen fördern?“ Das Haus hat ein tolles Niveau. Klingt ernüchternd. Hier ist alles intelligent angelegt. Das merkt man ja auch,

Das ist sicher eine komplexe Sache. In meinem Alter habe ich allerdings ganz konkrete Vorstellungen, habe mein Bewusstsein geschärft: Was ist möglich, was ist nicht möglich. Ich denke, dass ich relativ realistisch die Dinge einschätzen kann: Wo treibt man etwas hin, und wie treibt man es dorthin. Ich komme jetzt nicht mit unrealistischen Vorstellungen und sage „Ich brauche 40 neue Leute!“ Das klingt aber tatsächlich mehr nach Pragmatis-

wie Schauspieler über ein Haus reden. St. Pölten hat einen guten Ruf! Da gilt es anzuknüpfen. Natürlich habe ich wieder andere Vorlieben. Ich möchte Eigenproduktionen – was ja schon gemacht wurde – weiter künstlerisch stärken. Ich werde das Ensemble, das das Herzstück bildet, zum Teil auch umstrukturieren – das ist ganz normal, wenn man neu kommt. Ich möchte den Schauspielern des Ensembles wirkliche Hauptrollen geben. Ebenso Gäste bringen – MFG 09.11

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MFG KULTUR

Strömungen zu erkennen und zu präsentieren, finde ich extrem spannend. Haben Sie persönlichen Heroen?

Mein Geschmack ist sehr gemischt. Natürlich gibt es Autoren, die mich durchgehend begeistern: Kleist, Tschechov, Schnitzler, Shakespeare. (lacht) Aber ich werde jetzt nicht nur diese spielen. Als Schweizerin hatte ich interessanterweise auch immer ein Faible für österreichische Literatur. Für Roth, Bernhard, Schnitzler. Dieses Wiener Milieu.

gute, tolle Schauspieler und Regisseure, und da geht es gar nicht allein um den Namen, das ist nicht das Wichtigste. Neue Partner und Gäste sind wichtig für ein Haus! Es wäre ja fad, wenn immer nur dasselbe passiert. Ich muss natürlich hinter allem stehen können, was wir hier machen – verkaufen würde ich mich nicht!

Mittlerweile leben Sie ja hier. Als Grenzgängerin zwischen den deutschsprachigen Ländern: Gibt es tatsächlich die großen Mentalitätsunterschiede?

Absolut! Als ich damals als junge Schweizerin nach Deutschland kam, hatte ich zunächst so meine Probleme mit der Mentalität. Es gibt nur „ja“ oder „nein“, man muss blitzschnell entscheiden. Dadurch ist das gesamte Denken ein schnelleres, ein entschiedeneres. Ich bin sicher nicht eine der langsamsten Schweizerinnen, aber da kam Was darf man inhaltlich erwarten? ich anfangs leicht ins Trudeln. Als ich dann nach Jahren Da kann ich natürlich noch nicht nach Wien bin, war das ein bissallzu viel verraten. Ich bin jedenchen wie nachhause kommen. Letztlich geht es immer um falls schon sehr am Basteln und Der Rhythmus hier ist langsamer, Respekt, egal ob das jetzt am Lesen, vieles ist auf Schiene. gemütlicher. Das liegt meinem Letztlich möchte ich einen SpielWesen näher. Und es hat diesen ein berühmter Filmstar ist oder ein plan, unter den alle Produktionen Hauch des Skurrilen. Schauspieler im Ensemble. Von subsummiert sind, die also auch jedem kann man etwas lernen! inhaltlich in gewisser Weise miteiWoher rühren diese Unterschiede Ihrer Meinung nach? nander verbunden sind. Ich denke, das hat v. a. mit der Sprache zu tun, und damit Aber punkto Mix lassen Sie uns schon ein bisschen auch mit dem Denken. Ich selbst spreche zuhause mit den in die Karten blicken, oder?! Kindern z. B. noch immer Schweizerdeutsch. Wir SchweiIch denke, man muss ein breites Spektrum bringen. Ich zer haben auch eine Art konzentrisches Denken. Wir kreimöchte Uraufführungen, Klassiker, zeitgenössische Stücke, sen ein Thema ein, von außen nach innen, immer enger, Kindertheater – diese Abwechslung finde ich toll, das entStück für Stück – das ist ein langer, langsamer Prozess. spricht auch meinem Wesen. Wenn wir dann aber zustechen, dann ist es so für uns. Um Klassiker entbrennen sich oftmals ja die leidenschaftlichsten Debatten, zwischen – überspitzt formuliert – puristischen Bewahrern und vermeintlich mutwilligen „Zerstörern“. Wie sehen Sie das?

Man muss unverkrampft an die Klassiker herangehen, muss sie auf ihren Gehalt hin überprüfen. Ich habe zuletzt etwa in Haag „Ein Sommernachtstraum“ von Shakespeare inszeniert. Das ist eine echte Aufgabe, irrsinnig spannend – bei dem Stück öffnen sich immer wieder neue Türen, neue Varianten. An den Klassikern kann man sich in dem Sinne wunderbar „abarbeiten“, mit Freude, Gestaltungswillen. Ebenso betrifft dies aber auch moderne Klassiker. Ich möchte ganz neue Dramen bringen. Neue 38


INTERVIEW MIT BETTINA HERING

Wie war das bei Ihrer Entscheidung für St. Pölten? Welche Überlegungen spielten da eine Rolle?

Das hatte durchaus auch mit meiner Familie zu tun. Vor 10 Jahren hätte ich mir das noch nicht zugetraut. Aber mittlerweile ist meine älteste Tochter 18 Jahre alt. Die Kinder verstehen meinen Wunsch, sie finden es cool und ziehen voll mit. Und mein Mann hat sowieso sofort gesagt: „Mach es!“ Zudem ist St. Pölten ja nicht aus der Welt. Mein Familienleben ist mir enorm wichtig. Das will ich – sozusagen auch für mich – schützen! Sie haben ja ein Dreimäderlhaus, ihr Gatte Markus Hering ist Schauspieler – das klingt nicht gerade nach einem klassischen 0815 Haushalt?

(lacht) Man lernt schon zu improvisieren. Manchmal hab ich zwei Minuten Zeit, um eine Lösung zu finden – aber das geht auch! Man findet immer eine Lösung, wenn es sich um „normale“ Probleme handelt! Und ich weiß mittlerweile, dass es wirklich so ist – das gibt mir auch eine gewisse Sicherheit. Diesen Optimismus musste ich mir allerdings erst im Laufe der Jahre erarbeiten! Und man braucht Humor, das ist auch ganz wichtig! Klingt eigentlich nach besten Managementqualitäten für Ihren neuen Beruf. Was werden Sie denn für eine Chefin sein? Um jetzt Voss zuvor eingeführtes Zitat über Intendanten fortzuführen: „Erst haben sie Utopien, dann kommt der Alltag: Wen muss ich rausschmeißen, wen fördern? Dann kommen Vorlieben und die Gefahr der Bestechlichkeit. Macht kann die Humanität vollkommen zerstören. Zudem erzeugt sie Größenwahn und vollkommene Überschätzung. Die Wahrheit hat es dabei schwer.“ Der Intendant, das machthungrige Schwein?

Also aus meiner Beobachtung heraus ist das passé. Das war eine andere Generation. Mit Macht, also „Machtausübung“ in dem Sinne, Leute bewusst klein zu halten, fange ich überhaupt nichts an. Das liegt nicht in meiner Persönlichkeitsstruktur. Ich bin ein Teamplayer. Ohne gutes Team kann es keinen Erfolg im Theater geben! Am allerwichtigsten ist für mich Transparenz. Ich lege die Sachen gerne auf den Tisch, bin in dem Sinne nicht konfliktscheu. Sachen muss man an- und durchbesprechen. Mauscheln hingegen kann ich überhaupt nicht ausstehen. Sie sind ja sehr vielseitig – Dramaturgie, Regie, Intendanz, Hörbücher etc. Gibt es so etwas wie ein Lieblingsfach?

Nein. Theater ist ein großer Kosmos, von vielen Seiten her interessant. Ich will nicht nur inszenieren, nicht nur Dramaturgie machen. Ich habe auch kein Problem, wenn ich z. B. „nur“ Dramaturgie mache und in der zweiten Reihe stehe. Ich finde das bisweilen sogar sehr befruchtend, verschiedene Perspektiven einzunehmen – das tut der Sache gut. All dem liegt mein prinzipielles literarisches Interesse zugrunde. Auch in St. Pölten möchte ich das so beibehal-

ten, auf verschiedenen Ebenen agieren, so lernt man ein Theater wirklich kennen – die Leute, Schauspieler, Protagonisten. Sie hatten in Ihrer Karriere mit zahlreichen Berühmtheiten zu tun. Vom Who is Who der deutschsprachigen Schauspieler bis hin zu exaltierten Popstars wie FALCO. Wie sind die so als Mensch?

FALCO ist ein gutes Beispiel – sein Image ist ein absolutes Klischee. FALCO war extrem professionell, auf die Sekunde pünktlich, unglaublich vorbereitet, zudem wahnsinnig höflich und zuvorkommend. Er war auch ein Mensch, der sehr reflektiert hat, intensiv darüber nachgedacht hat, was er tut. Damals lernte ich ihn in einer Phase kennen, als er in verschiedene Richtungen seine Fühler austreckte. Da war er nicht so ganz sicher, wo es genau hingeht mit ihm, seiner Karriere. Bettina Hering Aber das Klischee vom eitlen Fatzke war überhaupt nicht zutreffend. Was er unbedingt war: ein absoluter Performer. Sobald er auf der Bühne gestanden ist, ein Mikro in der Nähe war, hat er gesprüht, hat man seine Lust, seinen Spaß am Performen gespürt!

Zur Person

Das heißt, banal formuliert: Stars sind auch nur Menschen.

1960 in Zürich geboren. Nach dem Studium u. a. Regieassistentin in Hamburg und Frankfurt. Arbeiten für den ZDF. Seit 1991 freischaffende Dramaturgin und Regisseurin, u.a. von 1994-1999 beim zweisprachigen Festival Radkersburg. Seit 2007 Dramaturgin für “Literatur im Nebel“ Heidenreichstein, seit 2009 stv. Intendantin des Theatersommers Haag. Designierte künstlerische Leiterin des Landestheaters NÖ.

Ich glaube, es hat damit zu tun, wie man den Leuten begegnet. FALCO, Senta Berger u. a., das sind alles sehr nette Menschen. Man ist zusammengekommen, es hat inhaltlich gepasst, das waren sehr anregende Begegnungen. Da sind gar nicht die so großen Unterschiede, wie sich das die Leute immer ausmalen. Natürlich gibt es Künstler, die einem aufgrund ihrer Biografie besonderen Respekt abverlangen, etwa Jorge Semprún, der Buchenwald überlebt hat, später spanischer Kulturminister wurde. Das war eine Jahrhundertbiografie. Da hat man großen Respekt, aber nicht im Sinne von kriecherischer Unterwürfigkeit. Das sind Gespräche, die den eigenen Horizont erweitern. Wobei es letztlich stets um gegenseitigen Respekt geht, egal ob das jetzt ein Filmstar ist oder ein Schauspieler im Ensemble. Von jedem kann man etwas lernen! MFG 09.11

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MFG KULTUR

Wilhelm Frass eine österreichische

DEPOT. Museums-

leiter Thomas Pulle mit Frass-Nachlass.

Karriere

Kein Bildhauer besetzte je den öffentlichen Raum der Landeshauptstadt stärker als Wilhelm Frass, der sich mit allen Regimen und Systemen arrangierte. Eine Spurensuche.

Manchmal hat man wie in einem besonders bösen Alp-

illegalen Nazi angeblich, ein persönliches Bekenntnis zum Nationalsozialismus in Form einer Metallhülse mit darin traum das völlig aberwitzige und ebenso abstruse Gefühl, befindlicher Schriftrolle im Sockel zu versenken. Am 20. der Zweite Weltkrieg sei irgendwie noch gar nicht zu Ende. Dezember 1938 schrieb er an den Kunsthistoriker Karl Beispielsweise wenn an einem 8. Mai – und jährlich grüßt Hareiter:„Bei allen möglichen Anlässen standen die dadas Murmeltier – am Wiener Heldenplatz Burschenschafmaligen hohen Würdenträger der Systemzeit vor der Fiter lautstark dafür demonstrieren, den 8. Mai 1945, histogur und hatten keine Ahnung (was für mich einigermaßen risches Datum der Kapitulation Hitler-Deutschlands bzw. belustigend war!), daß unter der Figur eine ‚hochverräteder deutschen Wehrmacht, nicht als Tag der Befreiung, sondern ganz im Gegenteil als Tag der Niederlage im Berische’ Inschrift liegt. [...] Mit dem Tag – dem 15. März 1938 – an dem der Führer das erstemal den Kranz vor diewusstsein der Österreicher zu verankern. Gerne legen die ser Figur im Heldendenkmal legte, hatte sich mein Wunsch Ewiggestrigen bei dieser Gelegenheit auch einen Kranz vor erfüllt.“ Diese Mitteilung der Monumentalfigur des wurde selbstverständlich „Toten Kriegers“ am Rande des Heldenplatzes nieder, „Mit dem Tag – dem 15. März 1938 – an dem auch in den „Völkischen und die meisten von ihnen der Führer das erstemal den Kranz vor dieser Beobachter“ gerückt. Natürlich könnte es auch gut wissen wohl genau, warum. Figur im Heldendenkmal legte, hatte sich sein, dass Frass nach dem Der „Tote Krieger“ wurde mein Wunsch erfüllt.“ Wilhelm Frass Anschluss mit dieser Ge1934 als zentrale Ausstatschichte vom nationalsoziatung des sogenannten „Öslistischen Kuckucksei nur angab, um sich bei den neuen terreichischen Heldendenkmals“ des Ständestaat-Regimes Machthabern buchstäblich ins rechte Licht zu rücken, dass von dem aus St. Pölten stammenden Bildhauer Wilhelm Frass geschaffen, der seit 1933 der NSDAP angehörte. „Er also im Fundament des „Toten Kriegers“ nichts zu finden wäre außer Beton. ist als Symbol des Urgedankens des Soldaten gemacht, der in letzter Pflichterfüllung und im innersten Gehorsam, im Wilhelm Frass wurde 1886 in einer Dienstwohnung des Herzen die lodernde Flamme der Treue, der Kameradehemaligen St. Pöltner Gaswerks in der Kerensstraße geschaft, der Hingebung und des grenzenlosen Opfers, nun boren, dessen Verwalter sein Vater Alois war. Nach der Abin die Ewigkeit eingegangen ist“, schrieb Frass in einer Gesolvierung von Volksschule und einiger Gymnasialklassen denkschrift. Bei der Aufstellung der tonnenschweren Figur in seiner Geburtsstadt besuchte er bereits als 15-jähriger aus rotem Adneter Marmor im Jahr 1934 gelang es dem 40


Text: Manfred Wieninger | Fotos: Simon Höllerschmid

die Staatsgewerbeschule in Wien. Ab 1904 war er Gasthörer der Wiener Akademie der bildenden Künste. Ab 1905 studierte er an der Allgemeinen Bildhauerschule der Akademie. In den Ferien hospitierte er beim St. Pöltner Hafnermeister Anton Schilling. 1909 erhielt er einen ersten großen Auftrag, nämlich die Gestaltung eines Grabmales am St. Pöltner Hauptfriedhof, und absolvierte ein Einjährig-Freiwilligen-Jahr. Unterbrochen von Waffenübungen studierte er von 1910 bis 1914 abermals an der Akademie. Nach dem Ersten Weltkrieg schloss er sein Studium ab, wurde 1919 Mitglied der Secession und erhielt v. a. Aufträge für Kriegerdenkmäler und Grabmale. 1924 wurde er mit dem Preis der Stadt Wien, 1928, 1930, 1933 und 1937 jeweils mit dem Julius-Reich-Künstler-Ehrenpreis ausgezeichnet und 1933 zum Professor ernannt. 1934 avancierte er zum Präsidenten des Künstlerverbandes österreichischer Bildhauer und wurde Mitglied des Kunstbeirates der Stadt Wien. 1936 wurde er mit dem Großen Österreichischen Staatspreis ausgezeichnet. 1937 bewarb sich Frass mit einer dementsprechenden, dem NS-Geschmack genehmen Arbeit, die – um den Amateurmaler Hitler zu zitieren – „auf die freudigste und innigste Zustimmung der gesunden breiten Masse des Volkes rechnen konnte“, für eine Teilnahme an der Wendehals. Stänersten „Großen Deutschen Kunstaus- destaat, NS-Regime, 2. Republik: Wilhelm stellung“ in München und wurde von Frass arrangierte einer NS-Jury akzeptiert. Nach dem sich immer und machte Karriere. Einmarsch der Nazis in Österreich erhielt er einen Posten „als Sachbearbei- In St. Pölten ist eine Gasse nach ihm beter für Bildhauerei“ im Wiener Kultur- nannt, in Wien erhielt amt. In dieser Schlüsselstellung ließ er er ein Ehrengrab. in Wien Denkmäler jüdischer Bildhauer beziehungsweise Denkmäler, die jüdische Persönlichkeiten wie etwa den Erfinder Siegfried Marcus ehrten, abtragen und einschmelzen beziehungsweise vernichten. Für Frass und seine nationalsozialistischen Gesinnungsgenossen war diese Barbarei eine „Entschandelungsaktion des Wiener Stadtbildes“. Seit 1939 war er auch Mitglied des Künstlerhauses. 1940 wurde er zum Professor an der Wiener Frauenkunstschule ernannt. Er bekam Ausstellungsmöglichkeiten in Berlin und Düsseldorf sowie Aufträge sogar aus dem fernen Lothringen. 1942 wurde ihm die Große Goldene Ehrenmedaille der Gesellschaft bildender Künstler Wiens zuerkannt. Mit seinem 1939 gehauenen „Anschlußgedenkstein für Wien“ feierte er das Ende Österreichs. „Im selben Jahr [...] entstand ‚Die Ostmark‘, eine Aktplastik, die dem Reichskommissar für die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich, Joseph Bürckel, von der Wiener Arbeiterschaft zum Geschenk gemacht wurde“, berichtete Friedrich Grassegger im Katalog zur Ausstellung „Kunst und Diktatur“. Bevor die monumentale Anschlussplastik „Die Ostmark“ nach Saarbrücken, in die politische Heimat von Gauleiter Bürckel ging, wurde sie in einer weiteren „Großen Deutschen Kunstausstellung“ in München präsentiert. Als NS-Bildhauer und brauner Kulturfunktionär war Frass natürlich nicht schlecht im Geschäft, ein

Werkverzeichnis nennt für die sieben Jahre des sogenannten Tausendjährigen Reiches drei Hitler-Büsten sowie eine nach der Visage des SS-lers Skorzeni und je eine PorträtMedaille nach dem böhmischen Gefreiten und nach Göring sowie diverse „Hoheitszeichen“, sprich repräsentative Hakenkreuze für öffentliche Räume wie etwa den Festsaal des Wiener Rathauses, die Wiener Nordwestbahnhalle und die Eisenwerke Oberdonau in Linz. Nach der Niederlage der Nazis wurde Frass all seiner öffentlichen Funktionen enthoben. „Aus dem grauenhaften Mist der Jahre nach 1945“, so Frass im Jahr 1950, gelang dem Herrn Professor aber bald eine sozusagen vierte, schöne Karriere. „Die Zwangsmaßnahmen nach 1945 gegen den erklärten Nationalsozialisten Frass währten nicht lange. Schließlich war er ja als Bildhauer für die Sozialdemokraten der Ersten Republik [...] noch ebenso bekannt wie als Bildhauer für den autoritären Ständestaat. Sehr bald wurden seine Künste zur Ausschmückung von Bauten von der Gemeinde Wien und vom Staat wieder beansprucht“, zeigte Grassegger auf. 1956 wurde Frass mit dem Goldenen Lorbeer des Künstlerhauses ausgezeichnet, 1961 zum Ehrenmitglied des Künstlerverbandes österreichischer Bildhauer ernannt. 1961 wurde ihm das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst, 1963 der Ehrenring der Stadt St. Pölten verliehen. Der Katalog der Einzel-Ausstellung „Der Bildhauer Wilhelm Frass“ des Kulturamtes St. Pölten nannte im Jahr 1963 noch 36 in St. Pölten befindliche Arbeiten Frass‘. Weiters durfte in diesem Katalog der ehemalige Nazischriftsteller Mirko Jelusich in einer Eloge auf Frass von dessen „artgemäßer Kunst“ und „lebendige[r] Bindung an das Ahnenerbe“ schwafeln. „Je schrecklicher die versteinernde und selbst versteinerte Medusenfratze des Heute uns entgegenblickt, je dankbarer sind wir, ihr den immer noch leuchtenden Perseusschild adeliger und adelnder Künstlerschaft entgegen halten zu können“, führte Jelusich weiters aus. „Der Kampf gegen die moderne Kunst war noch nicht aufgegeben, und im Nationalsozialismus verankerte Werte und ihre Vertreter waren noch immer mehr geschätzt als jene, die man verfolgt und ausgegrenzt hatte“, interpretierte Grassegger diesen Satz. Der Wendehals Wilhelm Frass starb 1968. Natürlich erhielt er ein Ehrengrab der Stadt Wien. Kein Bildhauer besetzte je den öffentlichen Raum der Landeshauptstadt stärker als Wilhelm Frass. Der Großteil seines St. Pöltner Werkes besteht aus heroischen Denkmälern, figuralem Grabschmuck und Herrenporträts von Honoratioren, alles in allem höchst angepasste Gebrauchskunst um Krieg, Tod und allerlei Manneskult. Wo seine Figuren namenlos bleiben, herrschen athletische, nackte, überlebensgroße Männerkörper in seltsam gekünstelten Posen vor. Der Rest ist zuweilen auch unverhohlener Kitsch voll unbeholfener Erotik wie etwa ein weiblicher SandsteinMFG 09.11

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MFG KULTUR

WILHELM FRASS

Generationen ist an seinem künstlerischen Mittelmaß geschult worden. Von Anton Hanak dagegen gibt es nur eine, von Fritz Wotruba gar keine Arbeit in St. Pölten zu sehen. Noch mehr als der öffentliche Raum der Landeshauptstadt sind die Depots des Stadtmuseums geradezu überfüllt mit den Arbeiten Wilhelm Frass‘, der Ende 1966 die Bestände seines Wiener Ateliers der Stadt zum Geschenk machte. Der St. Pöltner Gemeinderat dankte es ihm – wohl auf Vorschlag des damaligen Kulturamtsleiters Karl Gutkas – kaum drei Jahre später mit der Benennung einer WilhelmFrass-Gasse im Stadtteil Spratzern. Im hintersten Winkel des Depotkellers lagert in drei meterhohen Teilen das Gipsmodell von Frass‘ monumentaler Aktplastik „Die Ostmark“. Hinter einer riesigen, verstaubten, dunkelvioletten Begräbnis-Prunkdecke, die als Vorhang dient und dereinst einmal wohl eine Pompfüneberer-Kutsche zierte, ist auch das Gipsmodell für Frass‘ 1942 geschaffenes Denkmal „Der gute Kamerad“ – die üblichen nackten, muskulösen Männer mit Stahlhelm und Schwert – sowie weitere gipserne Rudimente des Frasssschen Schaffens für die Nazis zu finden. „Mein Horrorkabinett“ nennt Stadtmuseumsleiter Thomas Pulle diesen Kellerraum und meint: „Die Lagerungsbedingungen hier sind eher suboptimal. Andererseits ist dies den Themen der Arbeiten durchaus angemessen.“ Seinen Nachruhm hat Blut und Boden. Im St. Pöltner Stadtbild lebt Frass über seine Arsich Frass wohl ein bisschen anders vorgestellt. Teil seines beiten weiter, etwa im Relief „Zeitenlauf“ am Haus Wernerstraße 46, das die Figur eines SS-Mannes in voller Montur zeigt. Die Inschrift „Des Nachlasses, den er der Stadt St. Pölten zum Geschenk geReiches Macht schützt die Grenzen und führt die Brüder heim ins macht hat, sind auch acht oder neun dickleibige, penibel Reich 1939 1940“ wurde zwar abgeschlagen, die SS-Runen wurden und sauber geführte Buchbände eines privaten Werkveraber nur rudimentär entfernt. zeichnisses. Jedes einzelne Werk ist darin mit Foto und genauer Beschreibung aufgelistet. Darüber hinaus finden Torso im Stadtpark. St. Pölten ist geradezu übersät von sich im Nachlass sämtliche Ausstellungskataloge und Zeiden mediokren Arbeiten des Gebrauchskünstlers Frass. tungskritiken, in denen der Künstler jemals erwähnt worZwei am zentralen Rathausplatz, eines in der Kremser den ist. Weiters hat Frass dem Museum ganze Stöße seiner Gasse, das städtische Kriegerdenkmal auf der Hofstatt, Entwürfe für diverse Helden- und Grabdenkmäler hinterzwei Arbeiten im Stadtpark und zig Grabdenkmäler am lassen sowie dutzende Gipsköpfe – Modelle von diversen Hauptfriedhof, ein Teil der Ausstattung der RosenkranzPorträts. Wieviele Quadratmeter der ohnehin knappen kapelle des Domes, zwei Denkmäler für verdiente BürgerDepotfläche Frass mit seinem Nachlass okkupiert, vermag meister am Rande der Innenstadt, von den Außenbezirken Thomas Pulle nicht anzugeben. In den letzten Jahren hat ganz zu schweigen. „So ist dieser Künstler in seinem Werke man jedenfalls nur einen monuwie kaum ein anderer mit St. mentalen Gipsadler als Beispiel Pölten verbunden geblieben. „Mein Horrorkabinett! Die Lagerungsfür ein nationalsozialistisches Der Großteil des plastischen bedingungen hier sind eher suboptimal. Macht- und Herrschaftszeichen Schmuckes, der hier in den Andererseits ist dies den Themen der ausgestellt. Der Frasssche Adler letzten Jahrzehnten geschaffen Arbeiten durchaus angemessen.“ blickt übrigens noch 1000 mal wurde, stammt von seiner MeiThomas Pulle, Stadtmuseum grimmiger als Sam, der amesterhand“, stellte der St. Pöltrikanische (Weißkopf-)Seeadner Kulturamtsleiter Karl Gutler, aus der Muppet Show. „An sich wäre es ein reichhalkas 1963 fest. Bis heute ist an einem Wohnhaus in der St. tiger, bisher weitgehend unbearbeiteter Künstlernachlass Pöltner Josefstraße auf dem Frass-Relief „Zeitenlauf“ die für eine akademische Abschlussarbeit, aber wer will sich Figur eines SS-Mannes in voller Montur und eine höchst schon länger damit beschäftigen? Mit all der Dumpfheit mangelhaft entfernte SS-Rune zu sehen. Immerhin wurde und Voreingenommenheit eines künstlerischen Konzeptes die Inschrift „Des Reiches Macht schützt die Grenzen à la Frass? Der war ja sicherlich nicht nur ein Wendehals, und führet die Brüder heim ins Reich 1939 1940“ nach sondern hat an den ganzen ideologischen Quatsch der NSKriegsende abgeschlagen. Jeder St. Pöltner hat Arbeiten Zeit offenbar wirklich geglaubt“, meint Thomas Pulle. von Frass im Gedächtnis, das ästhetische Empfinden von 42


Lichtstreif am Horizont

Jazz im Hof, Premium-Veranstaltung der städtischen Kulturverwaltung, war wieder ein voller Erfolg. MFG sprach mit Organisatorin und Kulturmanagerin Caroline Berchotteau über Jazz in St. Pölten.

Ich habe gute Kontakte, vor allem in der Wiener Szene. Obwohl wir heuer sogar vier Konzerte geboten haben, hat das Geld gereicht – wozu auch unsere Sponsoren beigetragen haben. Dafür mussten weder die Besucher tief in die Tasche greifen noch die Musiker auf anständige Gagen verzichten. Das garantiert aber noch keine gute Veranstaltung an sich?

Das Herzblut, das unser Team für Jazz im Hof gibt, ist sicher auch ein maßgeblicher Faktor für unseren Erfolg.

Und so schlank, wie unsere Organisation aufgebaut ist, ist das Jazz-Festival in Sachen Ökonomie kaum zu toppen. Ab Herbst mischen Sie auch an anderer Jazz-Front mit? Wird St. Pölten jetzt eine Jazzhochburg?

Gut möglich, dass der Jazz-Funke heuer übergesprungen ist. Ab der Spielzeit 2011/12 übernehme ich gemeinsam mit Markus Geiselhart, dessen Bigband wir schon beim Festival im August 2010 zu Gast hatten, die Programmierung der vierteiligen Café-Publik-Jazzreihe. Am 11. November geht’s los! Auch das Marianne-Mendt-Festival bereichert die St. Pöltner Jazz-Land-

Caroline Berchotteau versorgt St. Pölten mit feinstem Jazz. Ab Herbst auch im Café Publik.

schaft nachhaltig. Und es wird 2012 einen zweiten neuen Jazz-Lichtblick geben, den die „Seedose“ im Juni beisteuert. Die interkulturelle Ausrichtung des Programms lässt mich auf Balkan-Jazz oder dergleichen hoffen.

Auch dieser Sommer geht vorbei ...

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Foto: Bundesheer

Jazz im Hof besticht durch hochkarätige Besetzung – wie gelingt das trotz knapper Budgets?


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FÖRDERVEREIN KULTURBEZIRK

500 Mitglieder Obmann Lothar Fiedler Nun ist es offiziell. Wir haben unser 500. Mitglied! Damit ist der Förderverein Kulturbezirk der mit Abstand größte Kulturverein St. Pöltens, in dieser Art wahrscheinlich sogar des gesamten Bundeslandes. • 500 Mitglieder, das heißt 500 Personen, die sich ganz klar zur Kultur bekennen und diese – immerhin leisten Sie dankenswerterweise einen monetären Beitrag – auch mittels ihres Bekenntnisses fördern. • 500 Mitglieder, die sich von den angebotenen Programmen des Fördervereins Kulturbezirk, die zwischen den Genres und Ausrichtungen wild hin und herwechseln, überraschen lassen wollen, die also Kultur in all ihren Facetten genießen und offen für Neues sind! Damit leisten Sie auch einen nachhaltigen Beitrag zum gesellschaftlichen Diskurs, sind Teil eines zunehmend urbanen Selbstverständnisses der Hauptstadt • 500 Mitglieder, die aktiv am Kulturleben St. Pöltens teilhaben möchten und nach dem einen oder anderen Abend schon einmal positiv kontrovers und kritisch über das Dargebotene diskutieren. • 500 Mitglieder, die zugleich wichtige Botschafter der involvierten Kulturinstitutionen wie des gesamten Kulturstandortes St. Pölten sind, und so zur Verbreitung des hier Dargebotenen beitragen. • 500 Mitglieder, die in diesem Sinne nicht irren können. Ich lade daher alle kulturinteressierten Bürger ein, dem Beispiel der 500 zu folgen und ebenfalls Freunde des Kulturbezirks zu werden. Eine, soviel darf ich versprechen, win-win-Situation für alle: Die Institutionen, die Mitglieder, die Stadt, das Land und – insbesondere – die Lebendigkeit der Kultur an sich!

SPANNENDER HERBST

Vielfältig präsentiert sich einmal mehr das Programm des Fördervereins Kulturbezirk für die erste Hälfte der Saison. So starten wir traditionsgemäß mit dem Festspielhaus in die neue Saison und freuen uns auf Joachim Schloemers spannende Musik-TanzTheaterproduktion „Abendempfindung“ am 23. September. Selten gehörte Arien, Chor- und Instrumentalstücke Mozarts werden mit Auszügen aus Briefen des Komponisten verwoben. Eine Sängerin, eine Schauspielerin und ein Tänzer entwerfen das Bild einer zerrissenen Künstlerpersönlichkeit und eines genialen Komponisten, es musizieren die Tonkünstler! Im Anschluss exklusive Premierenfeier zusammen mit dem Ensemble der Produktion. Am 25. Oktober sind wir Gast im Landestheater, wo Henrik Ibsens „Gespenster“ gegeben wird. Ein Familiendrama in drei Akten, in dem der norwegische Dramatiker einmal mehr gnadenlos die Lebenslügen der Menschen entlarvt. Nach der Vorstellung sind Mitglieder zum exklusiven Empfang mit dem Ensemble geladen. Tanzlegende Lutz Förster lässt am

18. November im Festspielhaus in seiner Soloperformance „Portrait of a dancer“ seine Laufbahn als Tän-

zer Revue passieren und erinnert sich

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MFG 09.11

an die Arbeit mit bedeutenden Choreografen wie Susanne Linke, Robert Wilson und ganz besonders Pina Bausch. Ein Stück über das Verhältnis von Kunst und Leben, Monolog, Erzählung und Tanzsolo in einem. Anschließend findet ein Künstlergespräch mit Lutz Förster statt. Am 1. Dezember lädt das Landesmuseum zum „Nachmittag für Jung(geblieben)e“. Die Besucher entdecken bei einer geführten Ausstellungstour die faszinierende Vielfalt unserer Kulturpflanzen. Die gemeinsame Kaffeejause im Anschluss stimmt dann auf einen Ausflug in die Welt der Materialien und der Kreativität ein, in der die Besucher selbst kreativ aktiv werden!

FAMILIENPROGRAMM

Im Rahmen des Familienschwerpunktes steht am 9. Dezember ein Nachmittag im Landestheater Niederösterreich für alle Mitglieder des Fördervereins und ihre Kinder und Enkerl am Programm. Zunächst findet eine exklusive Führung durch das Theater statt, danach folgt die Aufführung von Christine Nöstlingers „Detektivgeschichten vom Franz“.


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SHORTCUT SZENE

COFFEE AND MEDIA

Althea Müller

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BARROCK Kinder wie die Zeit vergeht: Fünf Jahre ist es schon wieder her, dass Stefan Weiss in der ehemaligen „Kommandozentrale“ der KPÖ in der Andreas Hofer Straße seine „BarRock“ eröffnete – keine gastronomische Eintagsfliege, sondern liebgewonnene und wichtige Bereicherung für die St. Pöltner Szene. Weiss Resümee fällt dementsprechend positiv aus : „Ich bin mit der Entwicklung sehr zufrieden, zumal wir heuer dank des chilligen Gastgartens erstmals auch kein Sommerloch hatten.“ Den Reiz des Lokals mache vor allem „die BarRock-Gemeinde mit den vielen netten Leuten aus“ sowie das grundlegende Konzept. „Wir werden weiterhin Livemusik mit vielen St. Pöltner Künstlern bringen. Viele spielen bei uns unplugged!“ Also ehrlich, erdig, authentisch – so wie das Lokal selbst! MFG gratuliert herzlich!

TIME TO BANG YOUR HEAD Für viele österrei-

chische Metalfans gilt das STP Metalweekend als alljährlicher Fixpunkt. Heuer findet es am 16. und 17. September im Frei:Raum statt. 12 Bands (darunter Epsilon und Trashcanned als Local Heroes sowie Dornenreich und Hellsaw als Headliner) werden die Stimmung zum Kochen bringen. Veranstalter Reini Reither ist jetzt schon zufrieden: „Highlights sind sicher die beiden Headliner, aber auch, dass wir es geschafft haben, eine Institution in STP zu kreiren“. Aftershow Party im Underground.

Green Days „Greendays“ nennt sich ein viertägiges Umwelt-Ideen-Networking vom 5.-8. Oktober im VAZ St. Pölten, im Zuge dessen rund 250 Jugendliche ab 16 Jahren aus ganz Österreich mit Experten aus Wirtschaft, NGOs und Politik zusammentreffen. „Damit bieten die ‚Green Days‘ eine Plattform und Austauschmöglichkeit für junge Leute, aus der vielfältige Ideen für eine zukunftsfähige Gesellschaft entstehen!“, erklärt Projektleiterin Angelika Rainer vom Veranstalter JUMP die Zielsetzung des Treffens! www.jugendumwelt.at/greendays

Fotos: iStock, Weiss, zVg

Es sind in letzter Zeit Dinge passiert, die ein kleines bisschen seltsam sind: So hat Andy die Milch in den Aschenbecher geleert statt in den Kaffee, Lieblingsfreundin Claudia legte das neue Handy ins Kräuterfach ihres Kühlschranks und Martin wusste nicht mehr, wo sein Auto ist. Dabei sind wir alle um die 30 und im Vollbesitz unserer, äh, na, ihr wisst schon. Die mögliche Erklärung: Unsere Häferln sind einfach nimma ganz eingeschlichtet. Schuld daran wiederum ist – neben dem Heavy Metal, sowieso – die natürliche Reizüberflutung: Ein normaler Tag startet mit orf.at, schwingt sich über die obligaten Log-Ins (Facebook, GMX, Xing), erbricht sich mehrmals über den Lieblingsapps, beim Autofahren schreien uns MP3-Player oder hyperaktive Radiomoderatoren an, und einschlafen tun wir nach einer Überdosis „Serie“ bei den Mitternachtsnews. Am Ende des Tages liegen dann mitunter die Nervenenden blank… Was natürlich auch Gutes bewirken kann: Ich z. B. habe einfach so damit aufgehört, Todespanik vor Spinnen zu haben. Das führe ich darauf zurück, dass in meinem überbelasteten Hirn einfach kein Platz mehr für irrationale Ängste ist. Doch positiv! Milch im Aschenbecher jedoch – hallo, Frau Doktor! Darum plädiere ich für mehr Bewusstsein statt –losigkeit. Und jetzt mal Cut und – STILLE…


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WAREHOUSE SEPTEMBER Wenn sich die Sommerzeit dem Ende zuneigt, dann gibt es eigentlich nur eine gute Nachricht – das Warehouse öffnet wieder! Gründlich durchgeputzt und im erfrischten Design ist es bereit für fette Partys, coole Events und grandiose Konzerte und davon gibt’s in dieser Saison einige:

PLEASUREKRAFT zu Gast bei der ersten Ausgabe von ViermalVier am 16. September sollte man auf keinen Fall versäumen. Das schwedisch-amerikanische Duo galt schon am Beatpatrol Festival als Geheimtipp und ihr Hit „Tarantula“ blockierte nicht umsonst einen ganzen Monat lang die Spitze der Beatport Charts. 3-FEET SMALLER haben die Mainstage am Frequency gerockt, am 17. September präsentieren sie im Rahmen der restart.tc Pre-Party ihr mittlerweile fünftes Album und werden dabei supported von den FM4 Lieblingen Kommando Elefant. Das 2te Oktoberwochenende steht dann ganz im Zeichen des restart.tc. Am Freitag gibt’s dazu die Warm Up Party bei freien Eintritt und am Samstag werden RUSSKAJA, SKERO, BAKKUSHAN, SHOCK ONE und STEREOHEROES (um nur einige zu nennen) die Stages rocken. www.restart.tc Am 1. Oktober begibt sich der Cottage Club mit dem Austro-Deutschen

FALKO NIESTOLIK (Nature One / RuhrinLove) – vielen durch seine internationalen Produktionen bereits ein Begriff – in die neue Saison und lässt die St. Pöltner Housefans wieder ordentlich tanzen. Die CYBERPUNKERS holen ihren verpassten Gig vom Beatpatrol Festival am 25. Oktober zusammen mit anderen internationalen Acts bei Beatpatrol back in Club nach und am 27. Oktober wird IAMX mit ihrer „Into Asylum Tour“ ihre einzige Österreich-Live-Show 2011 im Warehouse rocken.

PROGRAMM 09.09. 10.09. 16.09. 17.09. 23.09. 24.09. 30.09. 01.10. 07.10. 08.10. 14.10. 22.10. 25.10. 27.10. 29.10. 31.10.

Day & Night Pre Party – JOHN B. (UK) Bled Taste Party 3 ViermalVier mit PLEASUREKRAFT restart.tc PreParty – 3 FEET SMALLER (live) Bust it – new Club Weil ich ein Mädchen bin… 90ies Special Wicked Auswärtsspiel Cottage Club - FALKO NIESTOLIK (GER) restart.tc warmup Party restart.tc Aftercontest Party ViermalVier Latenztrend Beatpatrol back in Club – CYBERPUNKERS (IT) IAMX Into Asylum Tour Samsara City of Death(Bass) – Halloween Special

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MFG SZENE

Der Wein-Professor Seit 2005 gibt es haydn.most.wein.edelbrand am Herrenplatz 6: ein Verkaufslokal mit Verkostungsmöglichkeit, das nicht nur Wein-, sondern auch Musikgourmets glücklich macht. Wie es dazu kam, dass dieser Hort urbanen Genießens auf höchstem Niveau in St. Pölten seine Pforten geöffnet hält, erzählt der Chef de Vin persönlich. „Genuss ist wichtig. Was das genaue Gegenteil zum Suchttrinken darstellt.“ Das muss klargestellt sein. Michael Haydn, seines Zeichens Weinhändler, Musikkenner und Missionar in Sachen gutes Leben, weiß, wovon er redet: „Wer vom Wein spricht, spricht von einem riesigen Aromaspektrum – bis zu 500 verschiedene Aromen werden beim Gären frei.“ Und die schmecke man eben. Funde bezeugten, dass es im Traisental wahrscheinlich schon seit 4000-5000 Jahren Weinanbau gebe. „Und der Genuss von Rauschmitteln ist sowieso so alt wie die Menschheit. Es kommt eben darauf an, wie man damit umgeht.“ Damit es überhaupt ein Genuss ist. Was Komasäufer wahrscheinlich nie begreifen werden. Und so bietet der Lehrer-Gastronom seit 2005 in seinem kleinen, aber feinen Geschäft in der St. Pöltner Innenstadt ausgewähltes Vergorenes für ein ebenso handverlesenes Publikum an. 48

Gut essen interessierte den 1971 geborenen und in Loosdorf aufgewachsenen Haydn eigenen Angaben zufolge schon als Kind. Er wollte sogar in der Schule kochen lernen, was aber damals „für Buben“ leider noch kein Thema war. Es folgten „die HTL-Jahre mit ihren kulinarischen Tiefschlägen wie Cola-Rot und Malibu-Orange! Danach einige Semester an der Uni Wien, die aber nach ausgedehnten Touren durch die Wiener Gastronomie nicht sehr erfolgreich endeten.“ Er lacht. „Ab 1993 versuchte ich mich als Schankgehilfe und fand großen Gefallen am Kellnerberuf. Neben der Ausbildung zum Lehrer verbrachte ich viel Zeit im Nachtleben.“ 1998 endete seine Zeit als Kellner und er wurde Lehrer. „Gleichzeitig machte ich einen Kurs zur Konzessionsprüfung fürs Gastgewerbe. 2000 legte ich die Prüfung erfolgreich ab.“ Als Kellner hatte er auch einen Wein namens Roter Veltliner kennen gelernt – nur warum war der weiß? Er be-


Text: Thomas Fröhlich | Fotos: Hermann Rauschmayr

gann eine Ausbildung an der Weinakademie in Krems und Rust, in der er Fragen wie diese beantwortet bekam. Und er lernte, den verschiedenen Aromen nachzuspüren, was ihm ein ganzes Universum an Geschmacksrichtungen eröffnete. Nähe. Seit 2004 trug sich Haydn mit dem Gedanken, in

der St. Pöltner Gastronomie tätig zu werden. Und zwar nicht mit irgendeinem Lokal, sondern an einem Ort, an dem er seine Begeisterung für avanciertes Genießen an andere weitergeben konnte. „Da ich nun schon in St. Pölten als Lehrer in der Sporthauptschule tätig war und mich hier sehr wohl fühlte, musste ich einen Weg finden, um mein Vorhaben parallel zum Lehrersein umsetzen zu können.“ Und er ergänzt: „Als leidenschaftlicher Radfahrer bewege ich mich in überschaubaren Distanzen; und ich wollte durch die Gründung des Unternehmens keinen großen Aufwand für den Transport haben.“ Und das entspricht nicht nur einem betriebswirtschaftlichen Kalkül, sondern ist gleichsam eine Lebensphilosophie, die auch seine Frau Gabi teilt: kein Lippenbekenntnis sondern ein ökologisch nachhaltiger way of life, der auch Freude machen darf und soll. Ein Konzept der Nähe entstand, das kurze Wege zum Genussmittel wie zum Kunden beinhaltete. „Shop und Verkostungslokal mussten in einer Umgebung sein, wo es für viele ähnlich gesinnte Menschen möglich ist, zu Fuß oder mit dem Rad hin zu kommen. Und dank meiner Kenntnis in Sachen Wein weiß ich, dass es möglich ist, das weltweite Spektrum an Weinen nahezu komplett in der Region Niederösterreich ausfindig zu machen.“ Was sich auch in seiner hervorragenden Auswahl an Weinen aus dem Traisental niederschlägt. Haydn fand die passende Örtlichkeit am Herrenplatz – haydn.most.wein.edelbrand wurde am Landesfeiertag 2005 in St. Pölten eröffnet. Obwohl: „Leicht war’s – und ist’s – nicht. Doch beschert mir die Kleinheit der Räumlichkeit auch ein relativ geringes Risiko.“ Sein Verkaufslokal mit Verkostungsmöglichkeit wird inzwischen von einer treuen und regelmäßig

anzutreffenden Stammkundschaft frequentiert, die bereit ist, sich auf ein immer wieder wechselndes Weinprogramm einzustellen, und auch die angebotenen Säfte, Mostvarianten und Edelbrände zu schätzen weiß. Laufkundschaft gebe es weniger, was aber vielleicht auch daran liege, „dass die Öffnungszeiten nicht sehr shopperfreundlich sind“. Donnerstag, Freitag ist ab 17 Uhr geöffnet, nur am Samstag schon am Vormittag. Er sei mit seinen Produkten auch oft bei diversen Veranstaltungen im Raum St. Pölten präsent – das bringe zusätzliche Interessenten. Reich werden könne man damit aber sicher nicht. „Ohne meinen Lehrerjob wär’ das Betreiben des Lokals nicht durchführbar.“ Und eins kommt noch hinzu: „In St. Pölten tut sich halt generell sehr wenig mit Wein im Speziellen und Genuss im Allgemeinen. Die Stadt ist nicht sehr urban.“ Konkret heißt das auch: „Fein essen gehen ist hier ja schon ein Problem; auch in einem so genannten Toplokal kriegt man nicht einmal eine g’scheite Weinbegleitung.“ Ein Rufer in der Wüste? Auf jeden Fall durchdringt

Haydns Qualitätsanspruch auch andere Lebensbereiche. Im Gegensatz zum flächendeckenden Formatradio-Schrott darf man sich beim Betreten des haydn.most.wein.edelbrand über ausgewählte Tonkonserven freuen: „Ich bin mit der Drum’n’bass-Szene groß geworden, mag elektronische Musik, aber auch Jazz.“ Klassik sowieso. Und ab und zu wird man mit elegisch Countrifiziertem von Nick Cave bis Johnny Cash begrüßt. Musik ist für Haydn auf jeden Fall mehr als eine keimfreie Klangtapete. „Kunststück, bei meinem Namen!“ meint er und grinst sich eins. Ob man eigentlich Weinkenner sein muss, um in Haydns Lokal einzukaufen? „Um Himmels willen, nein!“ ruft er beinahe entrüstet. „Es kommen immer wieder welche, die sagen: ‚I versteh ja nix vom Wein!’ Ich sag’ dann drauf: ‚Is’ wurscht, man muss ein sinnliches Erleben nicht verstehen!’“ Und er setzt hinzu: „ Ich schon. Weil das ist ja mein Job.

haydn.most.wein.edelbrand St. Pöltner Genie-

ßer- und Wohlfühloase am Herrenplatz, ganz ohne Schnörkel:„Es kommen immer wieder Gäste, die sagen: ‚I versteh ja nix vom Wein!’ Ich sag’ dann drauf: ‚Is’ wurscht, man muss ein sinnliches Erleben nicht verstehen!’“

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MFG SZENE

landidyll

von Rosa Als Rosa vor 2 Jahren die große, weite City Wien hinter sich ließ, um am Land ein bisschen Idyll zu genießen, war meine Vorstellung eine recht träumerische: Garten soweit man blickt, ein Teil vom Häuschen, Ruhe. Soweit der Plan – soweit entfernt der Traum. Für meine Ohren und meinen an Lärm gewöhnten Kopf war das Landleben anfänglich wie das Paradies auf Erden, Erholung pur. Kein Straßenlärm, keine rülpsenden, Tür schlagenden und Haschisch rauchenden Nachbarn. Nichts, außer Ruhe. Bis sich mein Kopf, meine Ohren, mein Innerstes daran gewöhnt hatten und neue Geräusche als Lärmkulisse vorstellig wurden. Rasen mähende Landeier, auch Zaunnachbarn genannt, die pünktlich um 20 Uhr abends ihre Höllenmaschinen in die Gänge schmeißen. Steckerlkompanien (Walker), die sonntags scharenweise an Rosa klick-klackend vorbeiziehen. Wahnsinnige Mountainbiker, die mit gefühlten 150 km/h haarscharf an dir den Hang herunter vorbeischrammen. Gartenparty-Einladungen, zu denen Rosa eigentlich gar nicht will und doch hingeht oder muss, weil man seine Nachbarschaft schließlich pflegt und hegt. Ach ja, das Stadtleben hat schon so seine Vorteile. Anonym, wenn man will. Kontaktfreudig und innig, wenn man’s oder Frau braucht. Ich glaube, Rosa braucht mal Urlaub vom Landidyll.

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Traumberuf Eventmanager!? Zurzeit erlebt die Eventmanagement-Branche einen regelrechten Boom. Viele Studiengänge, Kurse etc. werden dazu angeboten. Doch wie sieht der Beruf in Realität aus? Geht es wirklich nur darum, den Stars die Hände zu schütteln und Nächte lang durchzufeiern? Ein Bericht aus dem richtigen Leben von Beatpatrol Festival Produktionsleiterin Ruth Riel. Freitag, 7.00 Uhr. Tag 1 des Beat-

patrol Festivals in St. Pölten beginnt, nachdem gestern schon die Preparty bis 5 Uhr früh dauerte. Lange bevor die ersten Besucher auf das Festivalgelände strömen, sitze ich bereits im Büro, telefoniere, checke Listen, gebe Funksprüche durch, delegiere Trupps von A nach B. Der Showdown einer Planung, die das ganze Jahr über lief. Alle Aufbauten wie Bühnen, Gastrostationen, Bauzäune etc. sind bereits gestellt, das Leitsystem angebracht. Allein hierfür wurde über eine Woche hart gearbeitet. Zirka 100 Leute galt es beim Aufbau zu koordinieren. Die Spannung steigt zu „open doors“ hin unverkennbar an. Letzte Feinheiten werden abgestimmt. Ein Geländeplan noch hier aufgehängt, ein Zeltaufbau dort überprüft, eine

letzte Kontrollfahrt auf den Campingplatz. Alles per Rad, die Distanzen sind groß. Um 18.00 Uhr ist es schließlich soweit – die Tore werden geöffnet, die Besucher strömen aufs Gelände. Hoffentlich läuft alles wie geplant! Die ersten DJs nehmen ihre Arbeit auf den Bühnen auf, das Publikum ist sichtlich bestens gelaunt. Also mal Zeit, um ein Essen zu sich zu nehmen! Funkgerät und Handy immer dabei, selbstredend. Kaum das Essen bestellt, dringender Notruf. Also Essen zurückstellen und laufen! 22.00 Uhr. Zweiter Essensversuch. Noch immer keinen Act live gesehen, geschweige denn im Backstagebereich vorbeigeschaut, um Hallo zu sagen. Essensaufnahme positiv. Am Weg zurück ins Büro treffe ich alte


Text: Ruth Riel | Fotos: Johannes Reichl

Freunde, doch für mehr als ein kurzes „Wie gehts?“ zwischen Tür und Angel bleibt keine Zeit. Kurzum, liebe Freunde: Nichts mit dem Klischee, demnach Veranstalter sich auf der VIP Tribüne mit ihren Freunden die Nacht um die Ohren hauen. Dabei hätte ich heute allen Grund zum Feiern, bin ich doch nach jahrelangem Studium endlich mit dem MagisterTitel versehen worden... Naja, feiern kann man ja auch später. Blick auf die Uhr – es ist tatsächlich schon 4.00 Uhr! Zeit fürs Bett. Schließlich muss man am nächsten Tag wieder fit sein! SAMSTAG. Tag 2 beginnt wie Tag 1 geendet hat. Viele Funksprüche, unzählige Telefonate – Troubleshooting. Wenn mich wer fragt, was ich genau am Festival mache, sage ich: Produktionsleitung. Wenn dann jemand nachbohrt und wissen will, was denn ein Produktionsleiter genau macht, kann ich es eigentlich gar nicht so recht beantworten. Man ist überall und nirgends. Immer sieht man irgendwo Arbeit, immer muss man wo improvisieren, einteilen, koordinieren, Feuerwehr spielen – fix dazu gehören z.B. die Securities koordinieren, das Leitsystem laufend nachbessern, Bühenumbauten dirigieren, usw. 20.00 Uhr, erster Einbruch. Der Schlafmangel und die Anstrengungen

S H O W

machen sich schön langsam bemerkbar! Warum tu ich mir das eigentlich an? Keine Zeit darüber nachzudenken. Hallenöffnungszeit! Letzte Kontrolle: Securities stehen alle, die Gastro ist bereit – OK, das Publikum darf rein! Hoops – Handy im Büro vergessen, also wieder zurück, Handy schnappen. 23 Anrufe in Abwesenheit... ist doch gar nicht so schlimm! Anrufe abarbeiten – check. Jetzt könnte man doch mal zur Bühne gehen. Am Weg dorthin: Mängel entdeckt... Gaffa-Band löst alles! Aufeinmal gewaltiger Regenschauer aus dem nichts. Zurück ins Büro, umziehen. Gut, dass Grundausstattung wie Regenhose und Regenjacke bereit liegen. 01.00 Uhr Huch, jetzt dauert das Festival nurmehr sechs Stunden! Die meisten Besucher sind schon müde und fertig, kein Wunder, feiern sie ja immerhin schon drei Tage durch. Ich fühle mit ihnen. Meine Füße tun weh, die Müdigkeit ist wieder da. Die Mainacts sind vorbei, alles scheint geschafft. Die meisten Kollegen sind schon beim Feiern. Naja, stoßen wir halt mal mit einem Bierchen auf den Erfolg an! 5.00 Uhr. Ende. Schlafen. Sonntag, Abreisetag. Tagwache, 08.00 Uhr! Immerhin muss der Abbau

koordiniert werden! Ich bin müde, fertig, aber dankbar. Darüber, dass es

F A C T O R Y

vorbei ist, aber v. a. darüber, dass es ein so schöner Erfolg war, die Besucher, die Künstler happy sind, good vibrations durch die Luft schwirren. Ein Gast deutet auf mein T-Shirt, auf dem der Slogan „The DJs were good, but the CREW was brilliant!“ prangt und hebt anerkennend den Daumen. Ich muss lächeln, fühle mich entspannt und geschmeichelt: Genau deshalb tue ich mir das an, weil es bei aller Anstrengung enorm viel Energie bringt, Freude und Freundschaft sowie die tiefe Befriedigung, dass es uns gemeinsam gelungen ist. Und so freu ich mich nicht nur auf eine Mütze voll Schlaf, sondern schon auf Montag. Was wir da machen? Richtig – wir beginnen mit der Planung für das Beatpatrol Festival 2012, denn wie heißt es so schön: The Beat Goes On!

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Augmented Reality, MP3-Erfinder & interaktive Installationen FH St. Pölten lädt am 23. September zur ersten Nacht der Forschung

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FH ST. PÖLTEN

Fit-Playground-Spiele, interaktive Installationen, die Welturaufführung einer Medienoper und Abenteuer Archäologie stehen am Programm der europaweiten Researchers‘ Night. MP3-Erfinder Prof. Karlheinz Brandenburg hält bei der Veranstaltung in der Fachhochschule St. Pölten einen Vortrag und diskutiert mit den Gästen. Mittels QR Code durch die Fachhochschule: Bei der Researchers‘ Night erkennt man die WissenschafterInnen und ForscherInnen sogleich. Sie tragen am T-Shirt eine QR Code (Quick Response Code). Eingescannt im Handy gibt es sofort Informationen über die ForscherInnen, die das Shirt tragen, und ihre wissenschaftlichen Projekte. Neben Vorträgen und Workshops mit SpitzenforscherInnen, darunter der MP3-Erfinder Prof. Karlheinz Brandenburg oder der weltberühmte Archäologe Dr. Christopher Chippindale, gibt es Steinzeit-Felsbilder, die per Handyklick in Augmented Reality zum Leben erwachen, oder ein Multitouch-Spiel zum genauen Untersuchen der Felsbilder. Lederhose mit Schlagzeug-Sound. Besondere Highlights des Abends sind die Präsentation der drum&pants, einer Lederhose mit Sensoren, die beim Schuhplatteln Schlagzeug-Sounds widergibt, oder jene des pulsing dress, einem T-Shirt, das im Rhythmus des Herzschlags blinkt. Weiters können die Gäste der Reaserchers‘ Night herausfinden, wie sehr das eigene Gesicht einer berühmten Person oder der Nachbarin ähnlich sieht. Mit Hilfe einer Kamera wird das Gesicht vermessen und die prozentuelle Übereinstimmung mit der gewünschten Person errechnet. Die ForscherInnen der FH St. Pölten haben dieses Tool erfunden, weil Gesichtserkennung helfen soll, die Benutzung von Chipkarten sicherer zu machen. „Wir wollen aktuelle Forschungsthemen auf unterhaltsame Weise erlebbar machen. Umso mehr freut es mich, dass unser Konzept für diese Veranstaltung so gut bewertet worden ist, dass die Researchers‘ Night nun in St. Pölten stattfindet. Auch Universitäten und Hochschulen waren Konkurrenten im Auswahlverfahren“, so FH-Vizerektor Hannes Raffaseder. Die Fachhochschule St. Pölten ist als einziger Austragungsort in Österreich von einer ExpertInnen-Jury der EU ausgewählt worden! WelturaufführunG. Am Abend steht die Welturaufführung von Dr. Frederick Bakers neuer Medienoper „Pitoti – Echoes of the Echoes“ am Programm. FH-Prof. Hannes Raffaseder hat dazu den Soundtrack komponiert, der Hornvirtuose Albin Paulus und ein Wiener Chor verfeinern die Medienoper musikalisch, während Dr. Christopher Chippindale wissenschaftliche Texte einfließen lässt. Das langjährige Forschungsprojekt dreht sich um die mehr als 4.000 Jahre alten Felsbilder im italienischen Tal Valcamonica. „Fachhochschulen forschen mit Bezug zur Anwendung. Wir orientieren uns an den Bedürfnissen der Gesellschaft. Unsere Forschungsergebnisse haben eine hohe Relevanz für Bürgerinnen und Bürger. Doch wir wollen mehr als Interesse wecken – wir wollen begeistern. Am 23. September wird Forschung in der FH St. Pölten mit allen Sinnen erlebbar werden“, will FH-Geschäftsführerin Dr. Gabriela Fernandes so viele Gästen wie möglich zu diesem Fest zum Staunen, Entdecken und Genießen einladen.

Spielmacher. Studierende der FH St. Pölten präsentieren bei der Researchers‘ Night am 23. September das von ihnen entwickelte, prähistorische Multitouch-Spiel für Kinder ab 10 Jahren. Das Spiel erklärt spielerisch die Welt der prähistorischen BewohnerInnen des Valcamonica in Italien. Georg Seidl, Christoph Weis, Ursula Egger, Nadine Jax und Martin Grubinger (v. l.) bei den originalen Felsbildern in Italien.

Researchers‘ Night FR, 23. September, ab 15.00 Uhr www.fit-fuer-forschung.eu www.fhstp.ac.at

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MFG SZENE

Text: ruth Riel | Fotos: zvg/Rocquette

Rock it like

Rocquette

Was einem in Sachen Rocquette als allererstes auffällt, ist einerseits der eigenartig-kreative Name der Band, andererseits die pinkhaarige Powerfrau und Leadsängerin Barbie Hardrock. Wir sprachen mit der Band über ihre neue CD, die USA und den Traum vom großen Durchbruch.

Website

www.rocquette.net

Wie habt ihr euch gefunden?

Barbie: „TMP,“ Thomas M. Perry, und ich kennen einander aus unserer vorigen Band „Nothing Sirius“! Nachdem sich die aufgelöst hatte, spielten wir quasi einen „Revival“Gig, bei dem wir soviel Spaß hatten, dass wir beschlossen, ab Jänner 2005 als Rocquette neu durchzustarten. Oliver ist unser frischer Fang und seit August unser Schlagzeuger. Wie würdet ihr euren Stil beschreiben?

Oliver H. Scheuer: Rock! TMP: … mit Einflüssen aus Hardrock, Pop, Rock´n´Roll und Blues – Rock der Spaß machen soll! Ihr habt heuer mit „13“ ein neues Album rausgebracht, erzählt uns etwas darüber.

Barbie: Auf dem Cover sieht man schon, dass es von unserer AmerikaTour inspiriert wurde – unser USADebut haben wir in Las Vegas gefeiert! Im Unterschied zu unsrem letzten Album ist „13“ reifer, abgestimmter, sehr viel eingängiger. Die Songs sind aber immer noch abwechslungsreich, 56

der AC/DC-Fan kommt genauso auf seine Kosten wie ein Blues-Liebhaber oder Pop-Fan. Es ist eine „GuteLaune“-Platte geworden! Wie war für euch der US-Trip, welche Unterschiede gibts zu hier?

Barbie: Zum ersten Mal international unterwegs zu sein und tausende Kilometer von daheim Konzerte zu spielen ist – glaube ich – das Allerschönste für einen Musiker überhaupt, v. a. wenn ein völlig fremdes Publikum vor Begeisterung schreit und anfängt, dich lautstark in deiner Muttersprache zu begrüßen! Wobei ein erfolgreiches Konzert immer ein fantastisches Erlebnis ist, ganz egal, ob´s jetzt beim Wirt um die Ecke ist oder in einer supercoolen Bar im Wilden Westen. Der Unterschied liegt wahrscheinlich im Aufwand und Risiko – man hat viel längere Vorbereitungszeit und man weiß, dass das auch ganz gewaltig in die Hose gehen kann. Dazu kommt eine Art doppelte Vorfreude, weil man an Orte fährt, wo man oftmals noch gar nicht gewesen ist, und sonst vielleicht auch gar nicht hinkommen würde.

Welchen Stellenwert hat die Musik in euren Leben? Wie lässt sie sich mit euren Brotberufen vereinbaren?

Barbie: Wir leben alle für die Musik und mit der Musik. Unsere Rechnungen bezahlen wir mit normalen Jobs. Das Schönste wäre natürlich, wenn wir irgendwann von der Musik leben könnten. TMP (lacht): Und mit jedem verkauften Album kommen wir diesem Ziel ja einen Schritt näher. Worauf seid ihr stolz?

Barbie: Auf über 70 erfolgreiche Konzerte in Europa und Amerika, auf zwei Alben und die im August digital erschienene EP „Lent Jewels“, die Whitesnake, Kiss, Poison, Ugly Kid Joe, Rascal Flatts und The Veronicas Tribut zollt. Dann natürlich auf den 3. Platz unserer Ballade „Take A Walk Outside Your Mind“ beim internationalen „Song Of The Year“Songwriting Award, und am allermeisten auf die vielen Fans rund um den Globus – von Österreich über die Türkei bis hin zu Kenia, die USA, Mexico, Venezuela und Kolumbien!


MFG SPORT

Christian Kloimüllner HAT ES ALLEIN (FAST) AN DIE Spitze geschafft

Der St. Pöltner Christian Kloimüllner (24) gehört konstant zu den besten 15 bis 20 Tennisspielern Österreichs (über 65.000 lizenzierte gibt es), obwohl er schon seit Jahren keinen Trainer mehr hat. Der Einzelkämpfer hält sich trotz Mehrfachbelastung durch Universitätsjob und drei Studien ohne Geldgeber in der Elite.

Wäre Christian Kloimüllner im Fuß-

ball so gut wie im Tennis, er hätte wohl ausgesorgt. Da aber in seiner Sportart nur die besten der Welt davon leben können, radelt der 24-jährige St. Pöltner weiter von der Mariazellerstraße zum Hammerpark aufs Training zum UTC Parkclub und fährt mit der Bahn zu den Turnieren, oft begleitet von seinem 78-jährigen Großvater und Mentor Franz Viskovsky. Kloimüllner wurde 2010 österreichischer Hallenstaatsmeister, war zuletzt Nummer 13 der österreichischen Rangliste und spielte allein im vergangenen Juli und August neun Turniere des österreichischen Tennisverbands ÖTV, erreichte dabei sechs Endspiele und gewann zwei. Das restliche Jahr spielt er kaum Turniere, denn Kloimüllner ist berufstätig, hat einen Universitätsjob in Wien und kann nur dank Gleitzeit seinem großen Hobby frönen. „Mit dem ÖBB-Sommerticket um 70 Euro kann ich überall hinfahren. Manchmal holt mich ein befreundeter Tenniskollege vor Ort vom Bahnhof ab“, so Kloimüllner. Turniere in unmittelbarer Nähe haben dementsprechend Vorrang, aber auch „Hospitality“-Turniere (bei denen der Veranstalter Unterkunft mit Frühstück zur Verfügung stellt) wie zuletzt in Kärnten nimmt er dankend mit. Natürlich würde Kloimüllner gerne vom Tennis leben können, weiß die Situation aber realistisch einzuschätzen: „In Wahrheit musst du unter den Top 100 der Welt sein; oder zwischen 100 und 200 und extrem viel spielen, was natürlich ein großes gesund-

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TOPSPIELER. Christian Kloimüllner zählt zu den besten Tennisspielern Österreichs

heitliches Risiko ist. Und reinkommen tust du – wenn überhaupt – nur, wenn du über Jahre investierst.“ Österreicher können vom Tennis derzeit nur zwei gut leben: Jürgen Melzer und seit einigen Monaten auch Andreas Haider-Maurer. Besser ohne Trainer. Freilich gibt es

auch (unverhoffte) Zuckerln an der Nebenfront. So durfte Kloimüllner einmal auf Einladung eine Trainingswoche mit der Lettin Anastasija Sevastova in Dubai verbringen. Die 21-Jährige (2010 Turniersiegerin von Estoril) wird nämlich vom St. Pöltner Martin Ruthner betreut. Ein anderes Mal reiste Kloimüllner mit einem Trainingspartner nach Kuba und spielte dort zwei ITF-Turniere. In Pörtschach und Zilina (Slk) holte er 2006


Text: Thomas Schöpf | Foto: ZVG

bei solchen Turnieren ATP-Punkte, vor kurzem auch wieder einen beim „Future“ von St. Pölten. Auch bei den österreichischen Hoffnungen Nikola Hofmanova (20) und Katharina Negrin (21) ist er begehrter Trainingspartner. „Sparring mache ich eigentlich nur mehr auf Anfrage“, so Kloimüllner. Kurioserweise spielt er jetzt sein bestes Tennis, während er in der kurzen Zeit in der Südstadt unter Leitung des ÖTV nicht wesentlich weiterkam. „Ich bin jetzt ausgeglichener, mental stärker und habe mein Spiel selbst noch verbessern können, meine Vorhand ist jetzt stärker und generell spiele ich schneller als früher.“ „Nebenbei“ steht er unmittelbar vor dem Abschluss eines InformatikStudiums auf der Wiener Uni und zweier Bachelor-Studien. Dass er nie das große

Geld mit Tennis verdienen wird, stört ihn mittlerweile überhaupt nicht mehr. Wie weit hinauf die Reise mit potenten Geldgebern im Hintergrund gegangen wäre, kann niemand sagen.

Trainerlos. Von der Südstadt verabschiedete sich Kloimüllner wieder, um alleine zu trainieren: „Ich bin jetzt ausgeglichener und mental stärker.“

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MFG KRITIKEN

ZUM HÖREN

Manshee, mikeSnare, Fröhlich, DJ Annettehalbestunde, Settele, Höllerschmid (von links nach rechts)

Mit ihrem lange erwarteten dritten Album ist Hard-Fi ein weiterer großer Wurf gelungen! Vier Jahre lang war es still um die vier Jungs geworden, doch das Warten hat sich gelohnt. Sie haben eine Platte gebastelt, die man nach ihrem lauwarmen „Once Upon A Time In The West“, kaum mehr erwartet hätte. „Killer Sounds“ lädt mit melodiösem Indierock, BreakBeats und Hip Hop-Sounds zu einem schweißtreibenden Ausflug auf die Tanzfläche.

REBEKKA BAKKEN SEPTEMBER

12 Songs über Leben, Liebe, Lust und Leid vereint Bakken auf ihrem fünften Album. Genährt von Country- und Folk-Einflüssen stellen sie die Weiterführung ihrer „amerikanischen Serie“ dar, die sie bereits auf vormaligen Alben begann. Neben den Songs aus eigener Feder, versieht sie drei Coversongs, u.a. „Forever Young“ mit ihrer persönlichen Note – sehr zum Leidwesen der Originale. Ein melancholisch angehauchtes Album mit einzelnen Pop-Grooves.

ZUM SCHAUEN Manshee, A. Settele

Die Anonymen Romantiker

Various artists mindfield

Als die britische Musikpresse Mitte der 90er etwas ratlos dem grassierenden, namenlosen Hans Dampf aus Techno, Ambient & Breakbeats nacheilt, tauft sie ihn kurzerhand „IDM“-Intelligent Dance Music. Welch, räusper, Leistung. Angesichts dieser Compilation aus dem Hause „Psychonavigation“ darf man dem einstigen Tufling Vitalität und Frische attestieren. Auch Genrehelden wie Scanner, Move D und FSOL sind am Start!

3 FEET SMALLER 3 FEET SMALLER

Beim Frequency Festival 2011 stellte die österreichische Punkrock-Institution ihr Können live unter Beweis. Auf ihrem neuen Album geht‘s düster zu. Ein durch einen Filter gespielter Beat eröffnet das Album, ehe die wunderschön fett produzierten Riffattacken zeigen, wie sie düsterer, und musikalisch besser, nie waren. Support gibt‘s bei einer Nummer auch von Ferris MC. Fazit: Weniger Punkrock, mehr Rock, aber der dafür straight into your face!

ZUM SPIELEN Markus Waldbauer

ronnie rocket Ronnie Urini Rocket

Fakt ist: Es gibt in Österreich nur einen wirklichen Rockstar. Und der heißt Ronnie Rocket. Oder Ronnie Urini. Oder – bürgerlich – Ronald Iraschek. Punk, Rock, Psychedelic, Metal, Jazz und Schlager in Personalunion. Ohne Anbiederungen und garantiert Austropop-frei. Authentisch-eklektischer (!) krachiger Individualismus mit 60ies-Vorlieben, geadelt durch wunderbare Beiträge von Miles Davis bis Mars Bonfire. Pflichtkauf!

EVERY AVENUE BAD HABITS

Das dritte volle Studioalbum des Quintetts aus Michigan besticht durch 10 brandneue Titel und beweist, dass Every Avenue lange noch nicht ihren Zenit überschritten hat! Rock, ehrlich, eingängig, solide, fett produziert. Die Power-Pop-Ballade „Only Place I Call Home“ ist eines der Highlights auf Bad Habits, jedoch ist das gesamte Album um etliches ruhiger ausgefallen als die vorherigen Werke. Dennoch hörenswert!

ZUM LESEN

H. Fahrngruber, W. Hintermeier

Jean-Pierre Améris

Warner Interactive

FEAR3

Michel Onfray

Der etwas schüchterne und eher wortkarge Jean ist Besitzer einer kleinen Schokoladenfabrik. Da diese gerade auf Hochtouren läuft, bedarf es einer neuen Arbeitskraft. Also stellt er die ebenso schüchterne Angélique ein. Schnell beginnen die Funken zwischen den beiden zu sprühen. Wäre da nur nicht das leidige Schüchternheits-Problem, dass das Aufeinanderzugehen so schwer gestaltet.

FEAR ist eine gruselige HorrorSurvivalshooter-Reihe, die taktisches Denken und eine dicke Haut voraussetzt. Der dritte Teil der Geschichte wirft diese Attribute allerdings ab und minimalisiert sich zu einem 0815-Hau-Drauf Ego Shooter mit ideenloser Kulisse und schwachem Gameplay. Ein langweiliger Actionshooter, dem jeglicher Horrer fehlt. Kurz gesagt: Es hat sich ausgegruselt!

Der französische Autor Onfray rechnet mit seinem einstigen Idol gründlich ab, die Theorien des „Vaters der Psychoanalyse“ werden gnadenlos zerpflückt. Freud hat, so seine grundlegende These, seine eigenen Erfahrungen in eine allgemein gültige Wissenschaft umgedeutet. Onfray arbeitet sich regelrecht ab an den Fehlern und Schwächen des Wissenschafters und Menschen Freud. Prädikat: Lesenswert!

PRINZESSIN LILLIFEE

Anti Freud

WEILAND/NIEBUHR

ELECTRONIC ARTS

skate 3

john niven

Als Prinzessin Lillifee im Traum vom Einhorn Rosalie aufgesucht und um Hilfe gebeten wird, ist im Feenreich Rosarien einmal mehr Trouble angesagt, denn Rosalies Baby Lucy ist in der materiellen Welt gelandet, Lillifee soll es zurück zu seiner Mutter bringen. Ein neues Abenteuer der Prinzessin beginnt... Goodie: Mit dem Kinoticket gibt‘s -10% auf das Musical „Prinzessin Lillifee und die verwunschene Insel“ (16.12., VAZ St. Pölten)!

Alle guten Dinge sind drei, in diesem Fall ist das dritte Ding nicht gut! In der neuen Stadt Port Caverton finden sich unzählige Möglichkeiten, den Skater am Rande des Möglichen zu bewegen, was auch wirklich Laune macht. Allerdings bietet das Game eine sehr sehr schwache Story und wenig Highlights. Skate 3 macht leider nicht annährend so viel Spaß wie der Vorgänger. Echt schade!

Als Gott von einem Urlaub zurückkommt, ist er entsetzt, wie sehr bei den Menschen das Böse überhand genommen hat. Er beschließt seinen Sohn abermals auf die Erde zu schicken. J.C. muss in den USA leben. Um Publikum zu gewinnen, nimmt er an einer Castingshow teil und wird berühmt. Dennoch muss er sich gegen Waffennarren und bigotte Pastoren behaupten, die nicht vor Denunziation zurückschrecken.

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gott bewahre

Fotos: zVg

hard-fi

Killer sounds


MFG VERANSTALTUNGEN

HIGHLIGHT

VAZ St. Pölten/Warehouse

This isn’t It – alf poier Dass er als Kabarettist die Hallen von Berlin bis Südtirol füllt, hat er bereits bewiesen. Doch mit seinem Jubiläumsprogramm „This isn’t it“ schießt Poier als Poier und Performer den Vogel ab. Sowohl die Kritiker als auch die Musikbranche zeigten sich begeistert. Seine hervorragende Band – die Obersteirische Wolfshilfe – fährt ab wie eine Dampflokomotive und seine aberwitzigen Zwischenmoderationen sorgen für Lachsalven im Publikum. Live im Warehouse St. Pölten!  10. November

musica sacra

„Klang der Stille“, „Orgel.Tanz“ und „Treffpunkt Venedig“ – Allein die Konzerttitel geben einen Überblick über die vielen Farben, in denen das diesjährige Musica Sacra leuchtet. Das Festival bietet mit seinen Aufführungsorten Dom zu St. Pölten, Basilika Stift Lilienfeld und Stiftskirche Herzogenburg wieder ein Forum für die Vielfalt der (Kirchen-)Musikszene. kirchenmusik

18. 10.

raum st. pölten

meisterkonzerte

Die „Meisterkonzerte” kehren heim in den Stadtsaal. Eröffnet wird die Saison am 18. 10. von Robert Lehrbaumer. Anlässlich des Liszt-Jubiläumsjahres gibt er eine Gala zum 200. Geburtstag des Pianisten, dem Lehrbaumer mit der Interpretation berühmter Klavierwerke und mit bemerkenswerten Hintergrundinformationen nachspürt. klaviergala

Fotos: zVg

24. 10.

stadtsaal

daniel glattauer

„Mama, jetzt nicht!“ ist eine Auswahl seiner besten Kolumnen, die bisher noch nie in Buchform erschienen sind. Glattauer gießt seine scharfen Beobachtungen der kleinen, absurden Phänomene des Alltags in aberwitzige Texte. Seine Themen findet er in seiner unmittelbaren Umgebung und spannt einen weiten Bogen von der Wurst bis zu Sein und Zeit. lesung

cinema paradiso

17. 09.

höfefest

Jahr für Jahr strömen tausende BesucherInnen zu Kunst und Kultur in die Höfe der St. Pöltner Innenstadt, um ausgewählte, besondere und großartige Programmpunkte zu erleben. Das einzigartige St. Pöltner Kulturfest findet 2011 zum 17. Mal statt: Heuer am 17. September, wie gewohnt ab 14.00 Uhr. Infos, Höfeplan und Programm unter www.hoefefest.at kulturfest

20. 10.

innenstadt

27. 10.

FH St.pölten

IAMX

Nach den sensationellen Auftritten von IAMX beim Beatpatrol Festival 2009 und beim Frequency Festival 2011 kommt Chris Corner wieder zurück nach St. Pölten. Dieses Mal darf man sich auf die absolut exklusive und einzige Österreich-Club-Show 2011 von IAMX im Rahmen seiner „Into Asylum Tour“ im Warehouse freuen. Vorband: I Am Cereals. KONZERT

implantat

CD-Release Show im Musikcafe Egon: Die St. Pöltner Rockband „Implantat“ (plane-in-der-tat) mit Mastermind Ursula Kickinger stellt ihr Debütalbum „Tinnitus – freust du dich schon?“ vor. Mit ihrer Musik wollen sie polarisieren – und schaffen es spielend! Deutschsprachige Rockmusik mit einem Hauch von Nina Hagen! Einlass 21.00 Uhr mit Sektempfang! Eintritt frei! cd-release

musikcafe egon

08. 10.

jam session

BarRock on the Road: Gemeinsam mit dem Underground lädt man zur Jam Session in den Freiraum. Am Samstag, den 8. Oktober ist es soweit: Ab 20.00 Uhr sind alle Musiker sehr herzlich eingeladen mitzujammen. Verstärker, Mikros usw. sind vorhanden, nur die eigenen Instrumente sind mitzubringen. Coole Idee. Let’s Jam! Frei.raum

konzert

St. Pölten liest

Wolfgang Beyer und Monica Ladurner präsentieren in der Bibliothek der Fachhochschule St. Pölten ihr neues Buch „Im Swing gegen den Gleichschritt. Die Jugend, der Jazz und die Nazis“. Auch Ausschnitte aus ihrem Film „Schlurf - Im Swing gegen den Gleichschritt“, der beim New York Film Festival den 2. Preis gewann, werden gezeigt. präsentation

30. 09.

Viel Vergnügen

Ab 11. 09.

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UNGEHORSAM. „Helmut“, sprach der Kardinal, „iss das jetzt sonst machts ‘nen Knall!“ Doch der Helmut, dieser Wicht, sagt ganz frech „Das ess ich nicht!“ Wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe! 62

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