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MFG

P R E S E N T S

Eine Showdown-Produktion.

In den Hauptrollen Heinz Hueber, Ingrid Hueber, Tezcan Soylu, Alexander Syllaba In weiteren Rollen Bund, Land Niederรถsterreich, Stadt St. Pรถlten, Konsumenten Buch und Regie Idealismus, Gerechtigkeitssinn, Existenzangst, Neid, Gier Teilweise gefรถrdert aus Mitteln der ร–ffentlichen Hand

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EDITORIAL Neue Helden Braucht das Land So nennt die EAV ihr aktuelles Album

cken? Und wie müsste so ein neuer Held aussehen? Eine

und formuliert damit eine Sehnsucht,

rein persönliche Job-Description nach dem Motto:

die zunehmend an allen Ecken und Enden hervorbricht. Unbehagen und

„Eigenschaften eines tugendhaften Menschen“

Ratlosigkeit machen sich breit. Da

beständig – aber nicht starr

nagt eine beunruhigende Vermutung

empfindsam – aber nicht empfindlich

tief in uns drinnen: Irgendetwas läuft schief.

entschlossen – aber nicht rücksichtslos

Der Liberalismus hat uns Freiheit geschenkt, mit der wir

frei – aber nicht egoistisch

nichts mehr anzufangen wissen, und die wir im Konsum zur

gelassen – aber nicht träge

banalen Ersatzbefriedigung haben verkommen lassen, die

geradlinig – aber nicht eindimensional

sich in der „freien Wahl“ zwischen „feh classic“ oder „feh

gerecht – aber nicht moralisierend

menthol“ erschöpft.

großzügig – aber nicht maßlos

Der technische Fortschritt hat uns mehr Zeit gebracht, die

hilfsbereit – aber nicht aufdringlich

wir aber nicht nutzen. Anstatt uns bisweilen der Muße hin-

klug – aber nicht besserwisserisch

zugeben, stopfen wir die Frei-Zeit bis zur letzten Hundert-

idealistisch – aber nicht naiv

stelsekunde an und hetzen völlig gedankenlos dahin.

kompromissbereit – aber nicht feig

Wir haben Parteien, die nicht mehr wissen, wofür sie ste-

kommunikativ – aber nicht geschwätzig

hen. Ein Wirtschaftssystem, das in seiner zunehmend de-

konsequent – aber nicht verbissen

regulierten Eigendynamik zur unzähmbaren Hydra ausge-

kooperativ – aber nicht opportunistisch

wachsen ist und wie ein Diamantschneider einen tiefen

kritisch – aber nicht verletzend

Graben in die Gesellschaft zieht. Wir sind erfüllt von Gier,

leidenschaftlich – aber nicht fanatisch

die doch nicht satt macht. Von Wohlstand, der nicht befrie-

mutig – aber nicht leichtsinnig

digt, sondern uns wie trenzende Pawlowsche Hunde dem

offen – aber nicht oberflächlich

immer Neuem, „Besserem“ hinterherhecheln lässt, das uns

realistisch – aber nicht visionslos

eine manipulierende Werbeindustrie als eine Art pseudo-

respektvoll – aber nicht unterwürfig

religiösen Schlüssel zur Glückseligkeit verheißt.

selbstbewusst – aber nicht eitel

Wir sind Getriebene. Fremdgesteuert. Bewusstlos taumeln

stark – aber nicht erdrückend

wir durchs Leben. Der Preis? Zunehmende Seelen- und

tolerant – aber nicht gleichgültig

Substanzlosigkeit auf allen Ebenen. Vereinsamung in der

überzeugt – aber nicht fundamentalistisch

Masse einer globalen Weltgemeinschaft. Identitäserosion.

verantwortungsbewusst – aber nicht vereinnahmend

Der gesellschaftliche Zusammenhalt bröckelt – nicht mehr

umgänglich – aber nicht anbiedernd

nur an den Rändern, sondern mittendrin in unseren Herzen.

wachsam – aber nicht paranoid

Solidarität und Mitmenschlichkeit, einst Kardinaltugenden

weise – aber nicht saturiert

dieses Landes, sind einem engherzigen, von Kronenzeitung und FPÖ geschürten Turbo-Egoismus gewichen. Solidarisch

Neue Helden braucht das Land! Das hat nichts mit Kultur-

ist man nur mit den Nahen, nicht mehr mit den Nächsten.

pessimismus zu tun, nichts mit Fatalismus, Lethargie oder

Und unsere Eliten? Schweigen. Weil es sie gar nicht mehr

gar dem Ruf nach dem starken Mann – Gott behüte. Das ist

gibt? Oder weil sie keine Antworten wissen, ratlos sind wie

eher ein Weckruf. Ein Aufruf – an Sie! Neue Helden braucht

wir? Wo sind die Helden, die gegensteuern? Die die Stimme

das Land! Jeder von uns hat das Zeug dazu, einer zu wer-

erheben, weil sie auch etwas zu sagen haben. Die anpa-

den – und gegenzusteuern! Jetzt!

IMPRESSUM Blattlinie: Das fast unabhängige Magazin zur Förderung der Urbankultur in Niederösterreich Medieninhaber (Verleger): NXP Veranstaltungsbetriebs GmbH, MFG – Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten Herausgeber: Bernard und René Voak Redaktionsanschrift: MFG – Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten; Telefon: 02742/71400330, Fax: 02742/71400-305; Internet: www.dasmfg.at, Email: office@dasmfg.at Chefredakteur: Johannes Reichl Redaktionsteam: Thomas Fröhlich, Sascha Harold, Althea Müller, Michael Müllner, Marion Pfeffer, Patricia Rauscher, Michael Reibnagel, Ruth Riel, Thomas Schöpf, Eva Seidl, Anne-Sophie Settele, Katharina Vrana. Kolumnisten: Herbert Binder, Thomas Fröhlich, Judith Goritschnig, Althea Müller, Michael Müllner, Primadonna, Rosa Kritiker: Helmuth Fahrngruber, Judith Goritschnig, Wolfgang Hintermeier, Dali Koljanin, David Meixner, Manuel Pernsteiner, Anne-Sophie Settele, Robert Stefan, Markus Waldbauer Leiter der Bildredaktion: Hermann Rauschmayr Art Director & Layout: REBELTECH, Christoph Schipp Hersteller: NÖ Pressehaus Druck- und Verlagsgesellschaft mbH Herstellungs- und Verlagsort: St. Pölten Verlagspostamt: 3100 St. Pölten, P.b.b. Alle Rechte, auch die Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2. Urheberrechtsgesetz, sind vorbehalten. Alle Angaben ohne Gewähr. Für den Inhalt bezahlter Beiträge ist der Medieninhaber nicht verantwortlich. Internet: http://www.dasmfg.at Offenlegung nach § 25 Medien-Gesetz: Medieninhaber: NXP Veranstaltungsbetriebs GmbH, MFG – Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten. Unternehmensgegenstand: Freizeitwirtschaft, Tourismus und Veranstaltungen. Geschäftsführer: Bernard und René Voak MBA. Grundlegende Blattlinie: Das fast unabhängige Magazin zur Förderung der Urbankultur in NÖ.


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iN WAS FÜR eiNeR STAdT leBeN WiR eigeNTliCH...

der es für das neue Stadion, das 2012 er-

In der man mit Journalisten gern Ämter-Karus-

dieren: Die Johannes Kepler Universität Linz

öffnen soll, nur einen einzigen Namen geben

sell spielt, so zuletzt bei der Frage nach aktu-

bietet

der

kann: Franz „Bimbo“ Binder Stadion! Binder

ellen Asylwerber-Zahlen. Und los gehts...

Rechtswissenschaften an. Dieses kann un-

war nicht nur der erfolgreichste Ballesterer,

Zunächst starteten wir in St. Pölten. Am Mel-

abhängig von Zeit und Ort betrieben werden:

den diese Stadt jemals hervorgebracht hat,

deamt verwies man uns an die die Statistik-

Vorlesungen werden über interaktive DVDs

sondern auch das gesamte Bundesland. In

Abteilung weiter, diese an die Aufenthaltsbe-

gehalten, laufende Lehrveranstaltungen per

seiner Jugend zerriss der schlacksige Stürmer

hörde, diese an die Fremdenpolizei und dort

Webstream gesendet. Die Klausurarbeiten und

mit dem gefürchteten Schuss seine ersten Pa-

meinte man – Überraschung – man müsse

schriftlichen Fachprüfungen können aber auf-

ckeln für Sturm 19 und wohnte in den legen-

beim Meldeamt nachfragen! „Sichergestellt ist

grund eines Kooperationsvertrages zwischen

dären 10er Häusern am Mühlweg.

nur die Zahl der zur Zeit betreuten Asylwerber.

Uni Linz und Stadt St. Pölten jetzt direkt in der

Als Jugendlicher wurde er vom SK Rapid ent-

Diese Zahl gibt’s auf der Landesregierung“, er-

Landeshauptstadt abgelegt werden. Bürger-

deckt und fuhr anfangs täglich mit dem Mo-

fuhren wir zuletzt vom Chef Wolfgang Strasser.

meister Matthias Stadler: „Wir rechnen mit bis

ped von St. Pölten aus zum Training nach

Dann eben dort: Die statistische Abteilung des

zu 500 Studierenden. Das ist ein weiterer Mo-

Wien. Mit Rapid wurde Binder viermal Öster-

Landes verwies uns an die Pressestelle, diese

saikstein auf dem Weg zur Universitätsstadt!.“

reichischer Meister. Im Kriegsjahr 1941 schoss

an das Innenministerium, dieses zurück an

Auch der Vorstand des Instituts für Multimedi-

er die Hütteldorfer mit drei Toren beim 4:3

die Landes-Presse-Stelle, diese an die NÖ Ab-

ale Linzer Rechtsstudien, Andreas Riedler, be-

Triumph über Schalke 04 quasi im Alleingang

teilung Asyl, diese an das Bundesasylamt und

grüßt die Kooperation: „Es freut uns, dass wir

zum Großdeutschen Meister. 1933, 1937 und

dieses legte uns – Überraschung – die Pres-

zur Erweiterung des universitären Bildungsbe-

1938 wure er Torschützenkönig. Insgesamt

seabteilung des Innenministeriums nahe! Jo a

reichs in St. Pölten beitragen können!“ Aktuell

erzielte er 1006 Tore in 756 Spielen. In 347

so Ringlspü, des is a Hetz und kost ned vü...

gibt es ca. 2.000 Studenten in St. Pölten.

Pflichtspiele erzielte er 421 Tore – Weltrekord!

außer Nerven!

der es ab sofort möglich ist, Jus zu stuein

Multimedia-Diplomstudium

In

Du! Frau Holle!!

Solltest du dich bereits vertschüsst haben, wenn du diesen Brief erhältst, dann brauchst du gar nicht mehr weiterlesen. Wenn du aber deine Federbetten noch immer über unseren Köpfe ausschüttelst: ES REICHT!!! WIR WOLLEN NICHT MEHR!!! Ja, liebe Wintersportler, ihr freut euch über den bereits viermonatigen Dauertiefstwinter... Aber es gibt auch noch solche wie mich, die ohne Sonne und ohne Farben in immer abgründigere Depressionen verfallen, deren Knochen versteinern, deren Blut gefriert und deren Hoffnungen in bodenlose Schluchten stürzen. Unsere Stiefel lösen sich in Salzsäure auf, Dachlawinen vergraben unsere rostzersetzten Autos. Das Zwitschern eines Vogels, die sanfte Berührung eines Sonnenstrahls, das zärtliche Lächeln einer blühenden Knospe – ich trau mich nicht, es zu ersehnen, doch möcht ich glauben, dass mein Herz sich wieder erwärmen lässt. Also, hau endlich ab, du Workaholic! Du hast heuer schon genug herumgestrebert! Mach Urlaub! Von mir aus beim Fendrich zuhause – der hat vielleicht noch Bedarf! Mit nachdenklichen Grüßen -Erato–6 – MFG

An Frau Holle Abteilung Meteorologie Himmel

Foto: Fotolia, Stadt Wien, Rauschmayr, Vorlaufer

In


URBAN SHORTCUTS

Ach, Baden! von Hebi Nicht Simmering gegen Kapfenberg – Baden gegen St.Pölten, das ist „Barudalidäd“! Bürgermeisterin Adensamer hat nach dem Plakat-Eklat noch eins draufgesetzt und erwägt, im Helenental Nacktscanner für aus St.Pölten Anreisende zu installieren. Stadler reagierte sofort mit einer Badesperre für Badener in der Aquacity und einem Auftrittsverbot für Badens Exbürgermeister, den Mimen Breininger, in der Bühne im Hof. Auch wird es keine St. Pöltner Sprechtheater-Gastspiele mehr in Baden geben. Man wird dort

Sturm im Wasserglas

stattdessen in Zukunft bei Operetten die Mu-

Zugegeben, sie waren in ihrer Durchführung plump, die „lustigen“ Plakate der Stadt Baden

wie immer gut unterhalten.

vor den Toren St. Pöltens. Da war Graz anno dazumal mit Sujets á la „Willkommen in Wien,

Dabei war man in Baden bisher nicht

dem schönsten Vorort von Graz“ origineller. Aber die St. Pöltner Reaktionen darauf waren

schlecht unterwegs: Wiewohl nur halb so

sik einsparen, das Publikum sollte sich wohl auch bei Libretto-solo-Betrieb incl. Ballett

weit überzogen. Anstatt großzügig darüber hinwegzublicken und somit Selbstbewusstsein zu demonstrieren – warum sollen wir uns angegriffen fühlen, wenn wir wissen, dass wir die Schönsten, Größten und Besten sind – wurde die Causa zur „Staatsaffäre“ aufgeblasen. Ignorieren wäre also definitiv eine bessere Antwort gewesen. Eine andere, den hingeworfenen freundschaftlichen Fehdehandschuh aufzugreifen, und die Aktion mit Gegenplakaten wie „Wers glaubt wird selig!“, „Baden ist eine Stadt?“ u. ä. zu persiflieren. Was an der ganzen Sache in Wahrheit sauer aufstößt: Über die wirklich grauslichen, angstschürenden und subversiv ausländerfeindlichen Plakate, die derzeit unsere Autobahnauffahrten verschandeln, hat sich niemand aufgeregt: Jene der FPÖ. Traurig!

UND SIE BEWEGT SICH DOCH. Nun ist es

groß, nicht selten doppelt so lustig wie

fix: Das Frequency-Festival wird auch heuer wieder von

lang als Hauptquartier der Roten Armee,

19. bis 21. August in St. Pölten stattfinden! Das – für viele

während die Kremser noch immer der Zeit

unverständliche – lange Zögern der Stadt erklärt Bürger-

als Gauhauptstadt nachtrauerten und die St.

meister Matthias Stadler so: „Umwegrentabilität und

Pöltner um ihre Identität zwischen Viehofen

Imagegewinn der Festivals für die Stadt sind unbestritten,

und Ochsenburg rangen. Der gleiche Schwe-

aber wir mussten auch auf die Anrainerinteressen Rück-

fel-Odeur, der in St.Pölten 100 Jahre lang als

sicht nehmen.“ Verbesserungen soll es u. a. im Bereich

Ausrede für jede nicht genutzte Chance her-

Abfallwirtschaft, bei der Abgrenzung der Campingbe-

halten musste, festigt in Baden seit Generati-

reiche sowie in der Frage des Individualverkehrs geben.

onen das kurstädtische Klima.

St.Pölten, sonnte man sich ein Jahrzehnt

Foto: Fotolia, Stadt Wien, Rauschmayr, Vorlaufer

Von der Kultur her ist alles klar: Das christ-

gute Sterne.

liche Abendland war zuerst in St. Pölten und Aktuell scheinen St. Pölten die

sickerte erst dann Richtung Alpenostrand.

Sterne in Sachen Gebäudeverwertung hold zu sein. Nicht

Während man in Zentralniederösterreich

nur, dass das Hotelprojekt endlich unter Dach und Fach ist,

schon lateinische Hochämter feierte, soll

wurde auch das ehemalige Krankenkassen-Areal verkauft

man in Baden noch immer Missionare ge-

(u.a. soll dort die Wiener Städtische Versicherung situiert

fressen haben.

werden). Und auch das Palais Wellenstein, wo dereinst

Es ist ja tatsächlich ein Segen, dass die

die Stadtbücherei über die knarrende Holzstiege erreicht

Hauptstadt-Abstimmung damals mit einem

wurde und der legendäre Nino Fedrizzi in seinem weißen

Sieg des Traisentals über die Thermenlinie

Ripp-Shirt italienische Espressi kredenzte, wurde an den

endete. Schier unvorstellbar: Prölls Landtag

Mann – einen bekannten St. Pöltner Anwalt – gebracht.

in Gumpoldskirchen und Schlömers Festspielhaus in Tribuswinkel …

–7 – MFG


Für ein paar Euro mehr.

In früheren Zeiten, als Männer – richtige

E.G.O.N. (betrieben von Tezcan Soylu), das seit ungefähr acht Jahren mit

Männer – noch aussahen wie Clint Eastwood, John Wayne oder Lucky

seinem Barbetrieb, seinem pittoresken Keller und idyllischen Innenhof

Luke, pflegte man Probleme mit dem Colt zu regeln. Showdown nannte

sowie regelmäßig stattfindenden Konzerten, DJ-Lines und Lesungen das

man das. Der überlebende Sieger ritt danach (um Geld, eine schöne Frau

Kulturbeisl der Innenstadt darstellt,

oder eine wertvolle Erfahrung) bereichert in den Sonnenaufgang hinein.

3. und das – 2009 und auch sonst nicht subventionierte – Megaplex (be-

Zumindest das Kino erzählt diese Geschichte immer wieder.

trieben vom Eigentümerehepaar Ingrid und Heinz Hueber), das vor den

Und auch heute sind Auseinandersetzungen im und ums Kino keine Sel-

Toren der Stadt seit beinahe 13 Jahren mit mehr als 1700 Sitzen die kom-

tenheit. Nur bemüht man statt des Sixshooters Medien, Anwälte und er-

merziell ausgerichtete Blockbuster-Grundversorgung mit angeschlossener

boste Stammtischrunden.

(System-)Gastronomie liefert.

Wie im Falle des Cinema Paradiso. Dessen geplanter, mit 1,5 Millionen Euro zu Buche schlagender 3. Kinosaal (mit 90 versenkbaren Sitzen) er-

Doch während Tezcan Soylu vom E.G.O.N. die seiner Meinung nach un-

hitzt nämlich so manche Gemüter.

gerechte Förderung des Cinema Paradiso im Hinblick auf deren nicht-filmische Veranstaltungen ein Dorn im Auge ist, nehmen die Huebers vom

The Good, the Bad and the Ugly. Drei Gegner stehen einander der-

Megaplex an der ihrer Meinung nach zu sehr kommerziell ausgerichteten Filmprogrammierung des mit öffentlichen Geldern betriebenen Cinema

zeit in St. Pölten gegenüber:

Paradiso Anstoß.

1. das – 2009 von Stadt, Land und Bund mit 270.000 Euro subventionierte

Während sich Soylu allerdings aufs Argumentieren beschränkt und ankün-

– Cinema Paradiso (mit seinen Masterminds Clemens Kopetzky, Alexan-

digt, das mit der Kultur in seinem Lokal in Hinkunft überhaupt bleiben zu

der Syllaba, Gerald Knell und Christoph Wagner), das seit etwa sieben Jah-

lassen, haben die Huebers beschlossen, vor Gericht zu gehen und zu kla-

ren als Programmkino und Veranstaltungsort mit 179 Sitzen die Stadt mit

gen.

Filmen, Lesungen, Konzerten und Diskussionen versorgt, 2006 als bestes

Geht’s hier also um einen Verdrängungswettbewerb? Das Recht des Stär-

Kino mit dem Europe Cinemas Award ausgezeichnet wurde und nicht zu-

keren? Gut gegen Böse?

letzt durch seine Gastronomie zum urbanen Hotspot avancierte,

Zeit, ein wenig in medias res zu gehen und die Sache wirklich von allen

2. das

Seiten zu betrachten.

– 2009 von Stadt und Land mit 14.000 Euro subventionierte – –8 – MFG


MFG URBAN

HIGH NOON

Ein klares „Nein!“ kommt hierauf von Thomas Karl, seines Zeichens Kulturamtsleiter der Stadt: „Es war eine weitgehend autonome Entscheidung

TEXT: Thomas Fröhlich Montagen: Rauschmayr

des Landes.“ Und er setzt hinzu: „Wir haben allerdings bereits vor 10 Jahren massiv das Forum-Kino als Standort forciert. Das Land hat es damals

Der geplante dritte Kinosaal des Cinema Paradiso läßt die Wogen hoch gehen. Das E.G.O.N. schimpft über angeblich ungerechtfertigte Förderungen und will sich aus dem Kulturbetrieb zurück ziehen. Das Megaplex schimpft nicht – und geht gleich vor Gericht. Paradiso-Bashing scheint also durchaus in Mode zu sein. David gegen Goliath? Oder doch eher The Good, The Bad and the Ugly? Und wer ist wer?

anders gesehen und auch heute.“ Aber da das Land auch den größten Brocken der Finanzierung übernommen habe, habe man sich dem angeschlossen. Joachim Rössl von der Abteilung Kultur und Wissenschaft der NÖ Landesregierung ergänzt: „Ein Programmkino hat nur im Zentrum der Stadt Sinn, soll ein Ort der Begegnung sein und ist gerade für die Belebung des Rathausplatzes wichtig.“ Was man durchaus unterschreiben kann. Allerdings schränkt Rössl ein: „Den Standort hat nicht das Land vorgegeben, das ist Sache der Betreiber.“ Wobei wir also wieder beim umkämpften 3. Saal wären, der nun am Standort Rathausplatz offenbar, laut Betreiber, notwendig geworden sei. „Das mit dem neuen Saal hängt mit den Schwierigkeiten des Cinema mit

Wrong Turn.

der Vermieterin zusammen, die geklagt hat und Recht bekommen hat, „Das Cinema Paradiso tut so, als wären sie die einzige

was die Lärmbelästigung betrifft, sodass Zusatzveranstaltungen nur noch

wahrhafte Kulturinstitution in St. Pölten!“, poltert Soylu und setzt grantig

in beschränktem Rahmen möglich waren,“ weiß Kulturamtsleiter Karl. „Ob

hinzu: „Sollen die doch gleich den gesamten Kulturauftrag in der Stadt

das den Zubau rechtfertigt, mag dahingestellt bleiben.“ Doch da das Land

übernehmen!“

„trotz Krise“ die Hälfte der benötigten Finanzierung aufgestellt habe, er-

Warum Soylu schon seit Monaten so sauer ist? „Jeder, der das Paradiso

halte das Cinema Paradiso 2010 nun von städtischer Seite 58.000 Euro

kennt, weiß, dass der 3. Kinosaal ein Vorwand ist. Die eigentliche Absicht

einschließlich neuer Förderung, wobei das aber „eigentlich eine Umleitung

der Betreiber ist es, eine voll ausgestattete Bühne für diverse Veran-

und Neudefinition bereits gewährter Fördermittel“ sei, „die auch noch

staltungen einzurichten, also für die selben Aktivitäten, wie wir sie hier

nicht offiziell ist und erst bewilligt werden muss.“

schon seit März 2002 betreiben!“, wettert er und ergänzt: „Wir kriegen in

Allesamt Subventionen, deren Verwendung von den jeweiligen Gebern

Summe ein Zwanzigstel von dem, was das Cinema bekommt. Verglichen

übrigens auch genauestens überprüft würden: „Das Controlling ist umfas-

mit der Qualität der Veranstaltungen können wir jedoch sehr gut mithal-

send!“, so Rössl vom Land NÖ zum Cinema Paradiso-Fördertopf. „Ein Vier-

ten.“ Eine verzerrende Konkurrenzsituation sei da entstanden.

augenprinzip ist verbindlich festgelegt.“

„Wir sind an unseren Kapazitätsgrenzen angelangt“, erwidert Alexander

Eine zusätzliche Konkurrenzsituation durch den Saal-Zubau sehe Karl übri-

Syllaba vom Cinema Paradiso. 76.211 Besucher habe es im letzten Jahr

gens überhaupt nicht, „lediglich, dass Sachen, die ohnehin schon stattfan-

gegeben, bei Filmen im Kino selbst wie auch bei Veranstaltungen und

den und wegen der Vermieterin nicht mehr stattfinden können, jetzt dort

Open Airs. Eine Zahl, deren Richtigkeit Soylu bezweifelt. Und selbst wenn

ihren Platz haben.“

die Zahl stimme, müsste ja unterm Strich ein Riesengewinn raus schauen,

„Nach 15 Jahren Aufbauarbeit, Engagement, Hartnäckigkeit, langem Atem

der die Höhe der Subventionen zumindest hinterfragbar mache. Unrichtig,

gibt es jetzt endlich Erfolg und Licht am Ende des Tunnels mit dem Aus-

meint Syllaba und verweist darauf, dass „nur ein sehr geringer Anteil vom

bau. Und dafür werden wir jetzt vom E.G.O.N. angegangen, statt dass man

Eintritt beim Kinobetreiber bleibt, der Rest geht zum Verleih beziehungs-

sich freut, da man ja selber als Beisl E.G.O.N. von den Besuchern, die das

weise an Steuern ab.“ Und weiter: „Wir sind ein kleines Kulturzentrum ge-

Cinema Paradiso in die Stadt holt, profitiert“, meint Syllaba abschließend.

worden, mit täglichem Kinoprogramm und ca. 100 Live-Veranstaltungen

Doch ein Synergieeffekt? Es müssten halt alle an einem Strang ziehen, so

auf durchaus internationalem Niveau.“ Und auch die immer wieder be-

Syllaba. Funktioniert mit dem Cinema nicht, so Soylu.

hauptete Querfinanzierung bezüglich der Gastronomie gebe es nicht, im

Soylu jedenfalls hat beschlossen, die Konsequenzen zu ziehen und um gar

Gegenteil. Die Bar sei nützliches Beiwerk, so Syllaba, „deren Einnahmen

keine Förderungen mehr anzusuchen sowie von sich aus auch keine Kul-

den Kulturbetrieb mitfinanzieren. Und das wird an die Besucherinnen

turevents mehr anzubieten.

und Besucher weiter gegeben.“ Nur so seien die moderaten Preise bei den diversen Veranstaltungen möglich. Zudem seien direkte Vergleiche zwischen E.G.O.N. und Cinema Paradiso

„Soll Das Cinema Paradiso doch gleich den Gesamten KulturauftraG der StAdt Übernehmen.“ Tezcan Soylu

sowieso obsolet. Das Paradiso sei in erster Linie eine Kultureinrichtung, betrieben von einer geförderten und nicht gewinn-

Tatsache ist aber auch, dass man als Konsument beides nicht missen will:

orientierten GesmbH, und kein Beisl mit Bühne wie das E.G.O.N. „Wir ver-

Bunny Lake im Cinema Paradiso, modul b im E.G.O.N. und die Lesungen

gleichen uns ja auch nicht mit dem WUK oder der Oper.“ Starke Worte, die

hier wie dort. Wär’ also schade …

dem E.G.O.N. sicher nicht schmecken. Soylu wiederum vermutet ein Naheverhältnis des Paradiso-Teams zur

Das Imperium schlägt zurück. „Die Betreiber des Cinema Paradiso

NÖ Landesregierung, die im Cinema Paradiso ihr Liebkind sehe. Auf diese

wollen nicht einsehen, dass die öffentlichen Mittel nicht dazu dienen, um

Weise würde auch die Stadt St. Pölten unter Druck gesetzt, wie dies auch

anderen Betrieben Konkurrenz zu machen, sondern um der Öffentlichkeit

schon bei der Gründung des Paradiso 2002 geschehen sein mochte, nach

Filme zu zeigen, die eben in Multiplex-Kinos nicht gezeigt werden. Das ist

dem Motto: Ihr zahlt beim Cinema Paradiso mit, und wir kürzen nicht die

auch der Inhalt der Förderrichtlinien.“ So der Auszug aus der offiziellen

Subventionen fürs (damalige) Stadttheater.

Stellungnahme des Megaplex, das darauf dringt, bisherige Förderungen

Wir – die NÖ Landesregierung, ihr – die Stadt St. Pölten.

des Cinema Paradiso seien erschlichen worden und wären so an Bund,

Gab und gibt es also irgendwelche Deals hinter verschlossenen Türen?

Land und Stadt zurückzuzahlen. Dagegen verhalten sich Soylus Verbalat–9 – MFG


tacken wie ein laues Lüftlein. Der Linzer Anwalt Michael Metzler hat beim

Allerdings drängt sich in letzter Zeit manchmal der Verdacht auf, dass das

Handelsgericht Wien eine 16 Seiten umfassende Klage eingebracht. „Das

Cinema ein wenig brav geworden ist. Ausschließlich auf Nummer sicher

Cinema Paradiso gibt sich fälschlich als Programmkino, das nur künstle-

gehen will. Auch – neben den hübsch harmlosen französischen „Wohl-

risch anspruchsvolle Autorenfilme zeigt, aus. Gespielt werden jedoch zu

fühlkomödien“ – unter Zuhilfenahme von US-Plattheiten wie Mr. & Ms.

einem großen Teil kommerzielle Filme und Blockbuster“, meint Metzler.

Smith oder deutschen Klamotten wie Zweiohrküken, wogegen Spannend-

Als erste Reaktion darauf spricht Syllaba von einem Kampf á la David ge-

Zwiespältiges wie Lars von Triers Antichrist oder Kathryn Bigelows Oscar-

gen Goliath: „Tatsache ist, dass die große Multiplex-Kette unser kleines

Anwärter Hurt Locker außen vor bleibt. Will man sich besagte Werke, viel-

„Tatsache ist, dass die grosse multiplex-kette unser kleines Programmkino gegen die Wand drücken will.“ Alexander Syllaba

leicht auch einmal eine Retrospektive oder gar einen Film im Original anschauen, muss man in den ersten beiden Fällen nach Wien oder Krems fahren, und im dritten ... ins Megaplex (!) gehen. Denn dort führt man den einen oder anderen

Programmkino gegen die Wand drücken will.“

Streifen gelegentlich auch in der unsynchronisierten Fassung vor. „Das Ci-

NÖN und Kurier bringen daraufhin umgehend pro Paradiso orientierte

nema Paradiso spielt hauptsächlich deutsche Synchronfassungen, da im

Berichte und postwendend gibts auch die ersten Solidarittsbekundungen

ländlichen Einzugsgebiet St. Pöltens nicht ausreichend Publikum vorhan-

dem Programmkino gegenüber. Nun offenbart der Hueber‘sche Gang

den wäre, um einen Kinobetrieb mit Originalfassungen wirtschaftlich zu

vor den Kadi eine mehr als ungute Optik (und ist fürs Cinema Paradiso

führen,“ liest man dann in einer Aussendung des Cinema Paradiso. Hm.

im worst case Existenz gefährdend, was wohl keiner will), doch inhaltlich

Also, undeutsches Idiom ist zwischenzeitlich auch auf Bauernhöfen ange-

sollte man sich vielleicht einmal unvoreingenommen mit der Programm-

kommen – zudem gibt’s in St. Pölten sehr wohl eine urbane Schicht an Ki-

gestaltung auseinander setzen. Haben die Multi- und Megaplexe dieser Welt die Versorgung mit cineastischem Fastfood in der dafür adäquaten Atmosphäre, die man mögen kann oder nicht, übernommen, so stellen Programmkinos die Feinkostläden dar, in denen man Spezialitäten abseits des Mainstreams angeboten bekommt. Beziehungsweise bekommen sollte. Klarerweise braucht‘s auch in dem Segment den einen oder anderen Quotenbringer, der dafür sorgt, wie Syllaba meint, „möglichst große Eigenerträge zu erwirtschaften“, wozu Programmkinos von ihren Fördergebern auch angehalten würden. Und dass die Begriffe Blockbuster/kommerzielle Filme im Grunde recht schwammig sind, liegt auf der Hand: Gelungene Independent Movies können sich zu Überraschungserfolgen mausern, Großproduktionen ein unvorhergesehenes Nischendasein führen. Zudem wäre ein Kino, das aus-

BILD OBEN: High Noon in St. Pöltens Kulturszene. In den Hauptrollen (v.l.n.r.) Alexander Syllaba (Cinema Paradiso), Tezcan Soylu (EGON), Heinz und Ingrid Hueber (Hollywood Megaplex)

schließlich ukrainische Experimentalfilme mit kantonesischen Untertiteln zeigt, wahrscheinlich auch nicht dazu angetan, ein „Ort der Begegnung“ zu werden, wie Joachim Rössl dies zuvor vom Programmkino gefordert hat. – 10 – MFG


MFG URBAN nogehern, die einen Filmgenuss jenseits von Wenzel Lüdecke durchaus zu

mit diesen jeweils ein sehr gutes Einvernehmen.“ Und weiter: „Wir haben

schätzen weiß. Die von Syllaba gerne erwähnten Wiener Programmkinos

uns mit den Betreibern des Cinema Paradiso vor deren Kinoeröffnung ge-

Votiv und Gartenbau (die, wie er anführt, wesentlich höhere Subventionen

troffen. Dieses Gespräch verlief in einem absolut guten Klima. Daraufhin

erhielten als das Paradiso) kommen diesen Bedürfnissen (Originalfas-

haben wir unsere ‚Film & Art‘-Kinoreihe in St. Pölten eingestellt und uns

sungen, Retrospektiven und Filme, die auch einmal ein wenig arschkicken

auf die ‚kommerzielleren“ Filme konzentriert und dem Cinema Paradiso

dürfen) durchgehend nach. „Das geht bei uns nicht!“, ist ein Argument,

somit die Arthausfilme ‚überlassen‘, obwohl wir an unseren anderen

das gerade die Gegner der Errichtung eines Programmkinos in St. Pölten

Standorten sehr wohl auch diese Filme spielen.“

vor Jahren immer wieder auf den Lippen führten, und sollte nicht zuletzt

Und das habe sich – laut den Huebers – in den letzten Jahren geändert,

deshalb aus dem Wortschatz aller Beteiligten gestrichen werden. Hat doch

sodass es Überschneidungen bis hin zu 60 Prozent gebe. Und nun müsse

das Paradiso-Team eindrucksvoll bewiesen, dass es sehr wohl geht – der

man eben klagen. Muss man wirklich?

Europe Cinemas Award 2006 kam ja nicht von ungefähr. Vielleicht ist das der einzige Vorwurf, den man dem Cinema Paradiso inhaltlich tatsächlich ma-

„Wir haben nichts gegen geförderte Programmkinos, wenn diese ihrem ‚förderungswürdigen‘ Auftrag gerecht werden.“ Ingrid und Heinz HueBer

chen kann: dass es sich in seiner Filmauswahl nimmer traut, anders zu sein. Und ein wenig zu viele Hamburger an der

Spiel mir das Lied vom Tod. Nein, lustig klingt das alles nicht. Ja, ei-

Feinkosttheke feilbietet. Was ihm jetzt sogar auf den Kopf fallen könnte.

gentlich ist‘s tragisch, dass es in einer 50.000-Seelen-Stadt wie St. Pölten,

Denn ansonsten bietet das Paradiso (im Gegensatz zu anderen Programm-

wo mitunter wegen jedem Furz Diskussionsabende abgehalten werden,

kinos) nicht nur Filme, sondern – in Form verschiedenster Veranstaltungen

nicht möglich sein soll, dass die Betreffenden sich z‘samm‘setzen und

– einen zusätzlichen kulturellen Mehrwert. Ob den zu killen das Megaplex

einfach einmal miteinander reden. Da gerät eine wichtige Filmkulturinsti-

tatsächlich Interesse hat?

tution womöglich in ernsthafte Schwierigkeiten, da pfeift ein Bühnenwirts-

„Wir haben nichts gegen geförderte Programmkinos, wenn diese ihrem

hauswirt womöglich auf das, was er sehr gut kann, nämlich feine Kon-

‚förderungswürdigen‘ Auftrag gerecht werden,“ meinen Ingrid und Heinz

zerte, DJ-Lines und Lesungen anzubieten, da werden Energien auf Angriffe

Hueber. Aber: „Da bereits jetzt das Cinema Paradiso immer öfter ‚unsere‘

und Entgegnungen hin gebündelt, die in der kreativen Arbeit wohl besser

Filmware spielt, können wir uns lebhaft vorstellen, wie sich ein zu über

aufgehoben wären.

85 Prozent öffentlich geförderter Saal mit einem Investitionsvolumen von unglaublichen 1,5 Millionen Euro für 100 Sitzplätze auswirken soll.“

Und die Anwälte und Besserwisser lachen sich eins.

Ein Vernichtungsfeldzug einer ewig hungrigen Kinokette gegen kleine ge-

Showdowns machen sich gut im Western. Aber man möge sie um Him-

förderte Kinos und Kulturbetriebe? Die Huebers winken ab: „Auch in zahl-

mels willen dort belassen, wo sie hingehören.

reichen anderen Städten gibt es geförderte Programmkinos – wir haben

Im Kino.

– 11 – MFG


MFG URBAN

Des einen Freud, des anderen Neid

TEXT: Anne-Sophie Settele

So kann man „die Sache mit den Subventionen“ wohl am besten auf den Punkt bringen. Fakt ist: Die einen bekommen mehr, die anderen weniger und manche überhaupt nichts. Wir eruierten zum einen, wer 2010 die Subventionskaiser bei den Bühnen der Stadt sind, andererseits hörten wir uns bei den Kulturvereinen um, wie sie prinzipiell die Subventionspolitik beurteilen. And The Oscar Goes To…

Die höchste Gesamtförderung,

kumuliert man die Gelder von Bund, Land und Stadt St. Pölten,

sowie 51.162 Euro von der Stadt St. Pölten.

erhält das Festspielhaus. Geschäftsführer Thomas Gludovatz zum Voranschlag 2010: „Lässt man den Wegfall von 37.000 Euro

Das Cinema Paradiso wird 2010 außer-

für die Ausfinanzierung des Hauptstadtexpress weg, gehen wir

ordentlich für den Bau des neuen Kino-

auch 2010 von unveränderten Subventionen aus.“ Diese liegen

und Veranstaltungssaales, der 1, 5 Millionen

insgesamt bei rund 5,8 Millionen Euro (für Betrieb, Gebäude und

Euro ausmacht, von Land, Bund und Stadt

Koproduktionen). Die Stadt St. Pölten schießt für Festspielhaus

unterstützt. „Die Finanzierung des Aus-

und Bühne im Hof (beide NÖKU-Betriebe werden aus demselben

baus wird mit 765.000 Euro zu 50% vom

Budget-Posten bedient) 320.000 Euro zum Betrieb zu.

Land Niederösterreich getragen“, heißt es

Im Jahr 2009 freute man sich im Festspielhaus über eine hohe

hierzu in einer Presseaussendung. „Der

Auslastung und konnte 74.752 Besucher begrüßen.

Bund, die Stadt St. Pölten und Eigenmittel finanzieren die andere Hälfte.“ Auf die

Den zweiten Platz im Ranking belegt das Landestheater, das mit

Stadt entfallen für diese Investition dem-

insgesamt rund 3,6 Millionen Euro unterstützt wird. Seitens des

nach 150.000 Euro. Zugleich wird die Stadt

Landes erhält das Haus im heurigen Jahr 3.110.000 Euro, „was

die jährliche Subvention von bislang 40.000

der Steigerung durch den Gehaltsabschluss der Kollektivver-

Euro auf 58.000 Euro erhöhen. Vom Land er-

tragsverhandlungen entspricht“, so Geschäftsführer Robert Beut-

hielt das Cinema Paradiso für das Jahr 2009 für

ler. Eine Betriebssubvention seitens der Stadt St. Pölten erhält

den Betrieb (plus Filmfestivals etc.) 200.000

man nicht, allerdings wird das Gebäude von der Stadt vermie-

Euro, vom Bund 30.000 Euro. Auch hier freute

tet „und somit treffen uns als Mieter auch keine Substanzerhal-

man sich über einen neuen Besucherrekord

tungspflichten“, so Beutler. Damit trägt die Stadt „die Kosten, die

mit über 76.000 Besuchern, womit man im Pu-

im Zuge der Übergabe vereinbart wurden.“ Das Landestheater

blikumsranking an zweiter Stelle liegt.

besuchten 2009 rund 38.000 Besucher. Das VAZ St. Pölten, das von NXP betrieben wird, An dritter Stelle rangiert die Bühne im Hof. Zahlen für 2010 gibt

erhält 2010 keine Betriebssubven-

es noch nicht. 2009 erhielt der Betrieb 905.000 Euro vom Land

tionen, weder von Land, Bund

Ernest A. Kienzl

Obmann des St. Pöltner Künstlerbundes „Prinzipiell bekommt der Künstlerbund Subventionen sowohl von der Stadt als auch vom Land“, wobei jene vom Land rein finanzieller Natur seien, während jene der Stadt Unterstützung in „natureller Weise“ darstellten, z. B. das kostenlose Überlassen der Ausstellungsräumlichkeiten im Löwenhof. Im Großen und Ganzen ist der Künstlerbund mit der Subventionsvergabe zufrieden, lässt Kienzl wissen. „Eine längerfristige Planung, also über ein Jahr hinaus, ist halt nicht möglich“, bedauert er jedoch, denn beim Land müsse man Jahr für Jahr ansuchen und wisse nicht, ob bzw. wie viel man bekomme. 2010 hofft der Künstlerbund wieder das gleiche wie im Vorjahr zu bekommen. Den genauen Betrag will Kienzl aber nicht verraten, „die Summe ist aber eher niedrig. Wenn man es vergleichen müsste, entspricht die Subvention des Landes in etwa der Höhe der erlassenen Miete seitens der Stadt.“ – 12 – MFG


eVA RieBleR

ObFrau der lIterarIsCHen GesellsCHaFt st. Pölten „Mehr Geld will jeder! Mit dem Vorhandenen hauszuhalten ist eine Herausforderung!“, so Riebler. Das Unabhängige Literaturhaus Krems bekomme 13x so viel an Subventionen vom Land als die Literarische Gesellschaft St. Pölten. Mit den vorhandenen Subventionen komme man für die Lesungen, Poetry-Slams und vorallem die vierteljährliche Herausgabe der Zeitschrift „etcetera“ aus, aber „ausbaufähig wäre der Literaturbetrieb allemal! Unseren Literaten hätten wir natürlich gerne ein Zeilenhonorar zugestanden.“ Riebler ist mit der Zusammenarbeit mit der Kulturabteilung des Landes zufrieden. Die Unterstützungen vom Land (ca. 9.000 Euro) erhalten sie heuer sogar bereits im Jänner. „Wir bekommen anlässlich unseres Jubiläumjahres 2010 vom Land auch vorbildhafte 17% mehr an Subventionen!“ Für den Jahresbetrieb, die Herausgabe der Literaturzeitschrift „etcetera“ sowie für das 25jährige Bestandsjubiläum wird der LitGes St. Pölten heuer eine Subvention von 7.650 Euro von der Stadt gewährt.

NeidGesellschAFT von michael müllner Vom Kino-Krieg berichtet der Medienpartner, über eine „richtige Sauerei“ erregt sich die Facebook-Welt. Kein Wunder, immerhin geht es in diesem Krieg ausnahmsweise um jene Kultur, die wir Normalsterbliche laufend und noch dazu sehr gern „konsumieren“.

Gastrobetrieb Rathausplatz, hoch

ANdReAs FRÄNzl

lames-mastermInd „Die Höhe der Lames-Förderung vom Bund beträgt in etwa jener der Stadt“, so Fränzl (2009: 2.500 Euro). Die Förderungen seitens der Stadt seien nur teilweise finanziell: „Es ist mehr ein Entgegenkommen in einer anderen Weise, z. B. bezüglich Betriebskosten“, erklärt Fränzl. Vom Land erhält Lames ca. 5-mal soviel. Darüber hinaus habe man heuer auch erstmals beim Land um eine Jahresförderung angesucht und genehmigt bekommen. Allgemein begrüßt er das Jugendkulturförderungsprojekt „Come-On“ des Landes. „Hier gibt es Termine, wann man einreichen muss. Das ist bei der Stadt nicht so, da muss man zunächst einmal ein Schreiben an Dr. Karl schicken.“ Dann sehe man weiter. „So ein Subventionsvergabesystem wie Come-On wünsche ich mir auch von der Stadt. Einfach, dass alles genauer angeschaut wird, dass wie beim Land Schwerpunkte gesetzt werden.“ Wieviel LAMES für 2010 bekommen wird, kann er noch nicht sagen. „Längerfristig gesehen brauchen wir aber mehr Unterstützung.“

Um

jenen

immer stark besuchten am der

erfolgreich

Veranstaltungen auf- und Kinofilme vorführt. Und dafür 3,5 Euro pro Besucher

Sub-

vention kassiert. Vorweg: Wer sich mit der Situation in St. Pölten beschäftigt, wird vor Kompetenz und Konsequenz der Paradiso-Crew den Hut ziehen: Ein Segen für St. Pölten, nicht nur für die Innenstadt. Dennoch: Wohin die Subventionen fließen, ist eine legitime Frage. Es passt zur degenerierten Neidgesellschaft, dass man darüber nicht gerne spricht. Aus Angst vor Neid, Missgunst und schiefen Blicken der eigenen Community, wenn plötzlich jeder

noch von der Stadt. Die Tourismuskommission

gebote zur regionalen Wertschöpfung bei.

Förder-Euro am Image des „Alternativ-Unab-

hat allerdings dem Gemeinderat empfohlen,

Einerseits direkt durch Steuern wie Körper-

hängigen“ nagt. Nun soll ein Gericht klären,

das VAZ 2010 mit 50.000 Euro aus Touris-

schaftssteuer, Lustbarkeitsabgabe etc., ande-

ob die öffentlichen Gelder entsprechend der

musmitteln zu unterstützen. Das Gebäude

rerseits indirekt durch die Besucher. Das VAZ

Kriterien des Fördervertrags verwendet wur-

wird, ähnlich wie beim Landestheater, von der

etwa löste allein durch die zwei Sommer-Fe-

den. Nichts könnte dem Paradiso lieber sein,

Stadt St. Pölten erhalten, die dafür 2010 rund

stivals Beatpatrol und Frequency geschätzte

oder? Doch wieso braucht‘s dafür einen

200.000 Euro veranschlagt hat. Das VAZ zählte

15 Millionen Euro an Wertschöpfung für die

Richter? Im Fall einer Verurteilung müsste

2009 bei seinen Konzerten, Festivals, Bällen,

Region aus. Und laut einer Studie haben 2007

das Fördergeld zurückgezahlt werden – wohl

Kongressen etc. über 550.000 Besucher.

die Besucher von 17 NÖ Kulturbetrieben (u. a.

das erschreckende Ende des Subventions-

Festspielhaus, Grafenegg, Landesausstellung,

kinos! Die Konsequenz: Öffentlich geförderte

Das EGON wird vom Kulturverein Fuhrmanns-

Landestheater, Kunstmeile Krems etc.) insge-

Kulturinstitutionen legen ihre Bilanzen mit

hof programmiert. Dieser erhielt für seine

samt etwa 66,6 Millionen Euro Gesamtaus-

einem Rechenschaftsbericht für jeden offen.

Tätigkeit 2009 eine Förderung seitens Stadt

gaben getätigt. Thomas Gludovatz verweist

Somit beantworten die Subventionsempfän-

und Land in Gesamthöhe von 14.000 Euro. Für

diesbezüglich auf einen Stehsatz aus der

ger die Frage nach dem „Wieviel?“ ehrlich

2010 möchte EGON-Chef Tezcan Soylu nicht

Kulturmanagement-Lehre. „Jeder in die Kultur

und selbstbewusst. Und die Subventions-

investierte Euro kommt doppelt zurück!“

geber (aka Politiker) schaffen endlich mal

Aus anderen Kreisen hört man, dass mit

Dies weiß auch die Wirtschaftkammer, die zu-

Fairness am „Kulturmarkt“. Wenn‘s okay ist,

dem Hinweis auf geringere Gesamtbud-

letzt aufhorchen ließ: „Aus aktuellem Anlass

dass im Programmkino „Simpsons“ läuft,

gets, die Subventionen drastisch gekürzt

möchten wir Ihnen mitteilen, dass es Frau

braucht ja niemand mauscheln. Und auch

werden, wie etwa im Falle der Seedose.

Präsidentin Sonja Zwazl nach Verhandlungen

das Megaplex soll für gleichwertige Pro-

mit Vertretern des Landes gelungen ist, dass

grammierung die Hand aufhalten. Dem Ci-

das niederösterreichische Lustbarkeitsgesetz-

neasten bringt‘s nämlich mehr Qualität am

Vergnügungsteuer abgeschafft wird.“

(Kino-)Markt. Doch seit wann geht’s darum?

Foto: zVg

mehr ansuchen (siehe Artikel „Fight Club“).

Was zuletzt festgehalten werden muss: Sämtliche Betriebe tragen durch Ihre An-

– 13 – MFG


Ein persischer Alptraum

Wir kommen gegen 19.15 Uhr in die St. Georgner Ordination, geben uns sozusagen mit den letzten Patienten die Klinke in die Hand. Forghani begrüßt uns im klassischen weißen Ärztemantel und bittet uns ins Ordinationszimmer. Er nimmt im großen weißen Bürostuhl Platz, ich auf dem Sessel gegenüber, wo für gewöhnlich die Patienten ihr Leid klagen. „Darf ich Ihnen Tee anbieten?“, fragt Forghani. „Ein iranisches Nationalgetränk?“, antworte ich mit einer Gegenfrage – man hat so seine Klischees im Kopf. „Eigentlich ist es eher Kaffee, der ja aus der Region kommt. Aber wir zuhause haben immer Tee getrunken!“ Zuhause, das war Teheran vor

Es ist ein trauriger Tag, an dem wir den aus dem Iran stammenden Dr. Khashayar Forghani besuchen: 28. Jänner 2010. Heute wurden die ersten „Staatsfeinde“ der Demonstrationen nach der Präsidentenwahl im Iran hingerichtet. Ein Gespräch über Angst und Staatsterror, die Bahai-Religion und die Utopie einer vereinten Welt.

über 30 Jahren. 1965 wurde Forghani dort geboren, verbrachte seine ersten 10 Lebensjahre im Iran, bis die Familie 1974 nach Österreich ging. Ich lasse meinen Blick durch den Raum schweifen: Einige Urkunden von Fortbildungsveranstaltungen an der Wand – im Übrigen alle aus den letzten Jahren, der Herr Doktor ist also up to date – ein mobiles EKG-Gerät, medizinische Fachbücher, zwei Bilder mit Blumen, die er von einem Patienten geschenkt bekommen hat, eine weiße Liege mit Crêpe Papier darüber, am Schreibtisch der Computer, Fotos von seiner Frau und seinem Kind, Medikamente, ein Blutdruckmessgerät sowie das obligatorische Stethoskop. Schließlich lande ich in Forghanis Gesicht, das – wie seine gesamte Erscheinung – eine positive Ruhe ausstrahlt. Der Doktor spricht bedächtig, seine Bewegungen sind gleichmäßig, hinter seinen Brillen blitzen aufmerksam-fröhliche Augen hervor. Dennoch ist er bedrückt: „Als ich heute von den Hinrichtungen im Iran gehört habe, musste ich das Radio abschalten. Es war einfach zu aufwühlend für mich“, schüttelt er traurig den Kopf ob der Vorgänge in seiner alten Heimat. „Das sind jugendliche Träumer, keine Terroristen oder Verbrecher. Sie gehen auf die Straße, um für ihre Rechte, für ihre Freiheit, für ihr Leben einzutreten. Sie rufen Parolen, protestieren friedlich – und dann werden sie brutal zusammengeschlagen, verhaftet, gefoltert…“

TEXT: Johannes Reichl Fotos: Hermann Rauschmayr, ZVG

Und getötet, möchte man seinen Satz zu Ende führen.

– 14 – MFG


MFG URBAN

„Als ich heute von den Hinrichtungen im Iran gehört habe, musste ich das Radio abschalten. Es war einfach zu aufwühlend!“ Khashayar ForgHANI

Angst. Mit den Hinrichtungen dieser Tage ist jedenfalls das eingetreten, was viele schon lange befürchteten, auch Forghani. Als wir vor zwei Wochen den Termin vereinbarten, stand unmittelbar die Gerichtsverhandlung von sieben Glaubensbrüdern Forghanis, der sich zur Religion der Bahai bekennt, bevor. Sieben von mittlerweile 49 verhafteten Gläubigen. „Wenn man die Entwicklung der letzten Monate beobachtet, muss man mit allem rechnen“, verlieh der Doktor damals seiner Sorge Ausdruck. Und, wie ist die Verhandlung in der Zwischenzeit verlaufen? „Sie dauerte von acht Uhr in der Früh bis zwei Uhr nachts! Sie ging völlig hinter verschlossenen Türen vonstatten. Es waren keine Angehörigen zugelassen – stellen Sie sich das vor, wie schlimm das für die Verwandten ist, wenn sie nichts erfahren. Nur zwei Anwälte durften mit hinein.“ Als um 2 Uhr nachts einer der beiden herauskommt, vertröstet er die Familien – die Verhandlung wird verschoben. Das Schicksal bleibt weiter ungewiss. Das ist es, was totalitäre Regime neben der unmittelbaren Einschränkung der persönlichen Freiheit mit kennzeichnet: Das stete Schüren von Angst, die auf sehr subversive Weise omnipräsent gehalten wird und die Menschen lähmt, ruhig stellt, verstummen lässt. Eine Angst, die so tief geht und so weit reicht, dass sie – Krakenarmen gleich – selbst die Angehöri-

Wut. Auf einem Blog der New York Times sieht man sodenn als Haupt-

gen in freien Staaten wie Österreich umschlingt und einschüchtert. „Viele

grund für das allgemeine Aufbegehren des Volkes insbesondere Wut. Wut

Auslandsperser haben Angehörige im Iran. Man möchte den Verwandten

über die alles durchdringende Unterdrückung. Die Unterdrückung der

und Freunden im Iran keine Probleme breiten, indem man vielleicht etwas

Frauen, die Unterdrückung der Jugendlichen, denen etwa Musikhören ver-

Falsches sagt“, so Forghani.

boten ist.

Am schlimmsten ist das Bangen um die Familie. „Das beschert schlaflose

Um das Klima zu verdeutlichen, führt Forghani ein vermeintlich banales

Nächte.“ So ist man glücklich, wenn man die Verwandten ans Telefon be-

Beispiel aus seinem letzten Teheran-Aufenthalt vor vier Jahren an. „Wir

kommt, ihre Stimme hört, weil man weiß, dass sie leben. Freilich, wie sie

sind in einem Kaffeehaus gesessen, neben uns ein Tisch Jugendlicher, Bur-

wirklich leben, was im Staat wirklich vor sich geht, erfährt man mit ziem-

schen und Mädchen. Plötzlich haben wir gemerkt, wie sie unruhig wer-

licher Sicherheit nicht. „Wenn du einen Verwandten im Iran anrufst, wirst

den, weil ein Auto vorgefahren ist. Die Mädchen sind aufgestanden und

du immer hören: ‚Danke, uns geht’s gut. Hier ist alles bestens.’ Keiner traut

weggegangen. Aus dem Auto sind zwei Männer gestiegen und haben die

sich etwas zu sagen. Die Leitungen könnten abgehört werden – man weiß

Burschen zur Rede gestellt: Was sie da machen? Warum sie in der Öffent-

es nicht.“

lichkeit mit Mädchen an einem Tisch sitzen?“

Dass die Realität alles andere denn „in Ordnung“ ist, erfährt man als „Au-

Mit Religion, mit dem Islam an sich – worauf es gerne hierzulande redu-

ßenstehender“ täglich aus den Medien oder dem Internet. Die Bevölke-

ziert wird – habe derlei wenig zu tun, wie Forghani überzeugt ist. „Die

rung freilich vorort am eigenen Leib, wobei selbst jene, die sich nicht der

falschverstandene Religiosität wird instrumentalisiert und als Macht- und

Demonstrationsbewegung zuzählen, allzuleicht in die Fänge des Schick-

Unterdrückungsmittel eingesetzt. Das ist politisches Kalkül und hat dem-

sals geraten – Kafka lässt grüßen. So berichtet etwa ein Mann von seiner

nach nichts mit Religion zu tun, sondern ist bestenfalls eine Scheinreli-

Tochter: „Sie fuhr nachhause. Da sie aufgrund der Demonstrationen nicht

gion.“ Und so winkt er auch ab, wenn man den Islam per se als rückständig

weiter konnte, stellte sie ihr Auto ab und setzte ihren Weg zu Fuß fort. Um

punzieren möchte. „Denken Sie an das Mittelalter, als Europa sozusagen

3 Uhr nachts wurde plötzlich das Haus gestürmt und sie wurde vor den

im Finsteren darbte – da war der Orient sehr fortschrittlich, zivilisiert. Die

Augen meiner Frau und meines jüngeren Sohnes angeschrien, warum ihr

Wissenschaften wurden gepflegt, die Künste, es gab Universitäten.“

Auto dort stehe, was sie dort gemacht habe. Schließlich wurde sie mitge-

Und auch für den Iran bricht Forghani grosso modo eine Lanze. „Das eigene

nommen. Drei Tage lang wussten wir nicht, wo sie ist, was mit ihr passiert,

Heimatland sieht man wohl immer ein bisschen durch die rosarote Brille.

ob sie noch lebt. Erst danach wurde sie, gegen eine schriftliche Erklärung,

Ich habe gute Erinnerungen an das Land. Es hat eine große Geschichte. Be-

freigelassen. Das Auto hatte man völlig zerstört.

rühmte Philosophen, Mediziner gingen aus Persien hervor, es ist das Land

Ein anderes Beispiel sind jene vier Bahai, die seit 2007 in Haft sitzen, weil

der Dichter mit einer ungemein schönen, bilderreichen Sprache.“

sie in Dörfern, wo keine Schulen sind und sich niemand um die Ausbildung der Kinder kümmerte, Unterricht erteilten. Unter dem Vorwand, umstürzle-

Die Bahai

risches Gedankengut zu verbreiten, wurden sie verhaftet und zu vier Jah-

selig gegenübersteht, überrascht dennoch auf den ersten Blick, werden

ren Haft verurteilt.

die Bahai doch seit Beginn ihrer Religionsgründung im Iran des 19. Jahr– 15 – MFG

Dass Forghani dem Iran und dem Islam prinzipiell nicht feind-


„Das eigene Heimatland sieht man wohl immer ein bisschen durch die rosarote Brille.“

– 22 – MFG


MFG URBAN hunderts angefeindet. Zeitweise – wie aktuell – gibt es eine offene Ver-

Weiters wird Bildung als grundlegendes Prinzip der göttlichen Sinnstiftung

folgung dieser mit rund 300.000 Anhängern größten religiösen Minderheit

begriffen, und zwar Bildung für alle – was im Persien des 19. Jahrhunderts

des Landes. Es ist aber Glaubensgrundsatz der Bahai, einerseits die jewei-

Sprengstoff in sich barg. „Damals war nur eine dünne Oberschicht gebil-

lige Staatsform zu akzeptieren, andererseits auch den anderen Religionen

det. Die Bahai unterrichteten aber Reiche wie Arme, Adelige wie Bauern,

vorurteilsfrei mit Respekt zu begegnen. Ein Leitsatz lautet „Verkehret mit

Kinder, Frauen wie Männer. Sie wurden zu selbständigem Denken erzogen

den Anhängern aller Religionen im Geiste des Wohlwollens und der Brü-

– dies wird von totalitären Regimen immer als Bedrohung begriffen.“

derlichkeit.“ Ein anderer, dass Glaube, der auf Feindseligkeit aufbaut, Irr-

Dabei ist Bildung vorrangig das Vehikel, um sich sozusagen seiner gött-

glaube ist, wie es bei Abdu’l-Baha heißt. „Wird Religion zur Ursache für

lichen Bestimmung, seiner Talente bewusst zu werden, die es gilt, zum

Feindschaft und Streit, so wäre es besser, keine Religion zu haben. Religion

Wohle aller einzubringen. „Jeder Mensch ist ein Bergwerk voll mit Edel-

ist dazu bestimmt, den politischen Organismus zu beseelen. Bringt sie der

steinen, Talenten. Durch die Förderung werden diese sozusagen zutage

Menschheit den Tod, wäre ihr Nichtsein ein Segen und eine Wohltat für

gefördert, poliert, um sie dann so einzusetzen, dass alle profitieren“, um-

die Menschen.“ Der Islam selbst wird als unmittelbarer „Vorgänger“ ver-

reißt Forghani den Grundgedanken dahinter. Handeln aus reinem Egois-

standen, hängen die Bahai doch einer Art religiösen Evolutionstheorie an,

mus hingegen wird als falsch, als gottesfern abgelehnt. Damit erteilt man

die davon ausgeht, dass sämtliche Religionen auf dieselbe Wurzel zurück-

auch dem heutigen Neoliberalismus, dem Prinzip der „Leistungsgesell-

gehen und sich Gott mittels Auserwählten in den jeweiligen Zeitaltern auf

schaft“ im kapitalistischen Sinne eine klare Absage. „Als Arzt bin ich tag-

der jeweiligen geistigen Stufe der Menschheit offenbart. So sind auch für

täglich mit den Ängsten der Menschen konfrontiert – und diese sind unter

sie Persönlichkeiten wie Moses, Jesus, Buddha oder Mohammed heilig. Ihr

dem gesellschaftlichen Druck im Steigen begriffen und gehen durch alle

Religionsstifter Bahá’u‘lláh, der von Bab verkündet wurde, ist der nächste

Altersschichten. Wenn 50% aller Frührentner psychische Gründe für ihre

in der Reihe dieser Auserwählten. Bab und Bahá’u‘lláh wirkten in Persien

Arbeitsunfähigkeit angeben, muss uns das doch zu denken geben. Das ist

und wurden von Beginn an verfolgt. Bab wurde im Alter von 31 Jahren hin-

offensichtlich das Ergebnis einer falschen Lebensweise, falscher Werte,

gerichtet, Bahá’u‘lláh wurde verbannt und starb schließlich in Israel, wes-

Ziele und Vorstellungen. Wir erleben eine Umkehrung der Werte. Was frü-

halb dort heute das Weltzentrum der Religion situiert ist. „Groteskerweise

her als Tugend galt, wird heute lächerlich gemacht.“ Der Wohlstand als

werden viele Bahai unter dem Vorwand verhaftet, sie agitierten als Spione

Geißel also? Ist es so einfach? In den Augen Forghanis zumindest einer,

Israels. Dabei gäbe es den Konnex zu Israel historisch gar nicht, wenn man

der sich rein über Materielles definiert. „Ich war früher oft in Bratislava,

Bahá’u‘lláh nicht aus Persien verbannt hätte“, verweist Forghani auf ein

habe die Stadt vor und nach dem Fall des Eisernen Vorhangs erlebt. Vor

Paradoxon, zumal damals Israel als Staat noch gar nicht bestand.

dem Fall waren die Leute – die wenig hatten – offen, hilfsbereit, großzü-

Stellt sich freilich die Frage, warum die Bahai, die mittlerweile rund 3 Milli-

gig. Wenn Sie heute hinkommen, dann erkennen Sie keinen Unterschied

onen Anhänger in der ganzen Welt zählen und als Friedensbewegung gel-

mehr zu Wien. Jeder kämpft und rennt, ist in sich versunken, grau. Ich hab

ten, im Iran derart hart verfolgt bzw. benachteiligt werden.

mich damals gefragt: Wer ist schneller. Der Materialismus oder die geistige

Ein Blick auf die Grundsätze der Religion lichtet die Nebel, denn – und hier

Vertiefung. Nun – Coca Cola war schneller.“ Für Forghani ein unnatürlicher

ortet man Parallelen zu Pazifisten wie Jesus, Gandhi oder Martin Luther

Zustand, „denn jeder Mensch trägt in sich das Bedürfnis nach Geistigem.

King – gerade die toleranten, gewaltlosen, progressiven Züge bergen für

Das kann ich fördern, oder aber unterdrücken. Wir Bahai wollen das Den-

ein totalitäres Regime ein revolutionäres Moment in sich.

ken fördern.“

So gelten in der Bahai-Religion Mann und Frau als gleichberechtigt!

Entscheidend, und hierin unterscheidet man sich zu zahlreichen ande-

Im Islam – zumal jenem vor 150 Jahren – ein völlig abwegiger Gedanke.

ren monotheistischen Religionen, ist damit einhergehend das Prinzip der

„Bahá’u‘lláh hat ein schönes Bild geprägt und gemeint, Mann und Frau

selbstständigen Wahrheitssuche. So gelten die Bibel sowie die Schriften

sind wie die zwei Schwingen eines Vogels. Ist eine stärker als die andere,

Bahá’u‘lláhs zwar als heilig und als Grundlage der Religion, „es gibt aber

wird er nicht fliegen können, nur wenn beide gleich stark sind, kann er in

keinen Klerus, der sozusagen eine allgemein gültige Lesart definiert und

die Lüfte entschweben.“

sagt, wie man richtig glaubt. Jeder ist als Individuum aufgefordert, die

„Wir glauben an die Einheit der Menschheit. Die Einheit der Vielfalt gewissermaSSen.“

Bild S. 14: Zerstörung des Bab Geburtshauses Bild S. 16: Schrein des Bab in Haifa Bild rechts: Jene sieben Bahai, die 2008 verhaftet wurden und der Spionage sowie umstürzlerischen Gedankenguts angeklagt sind. Bild S. 18: Grabstätte Bahá‘u‘lláh in Akko

– 17 – MFG


MFG URBAN

ba

Schriften für sich persönlich zu interpretieren.“ Doktrinäres Obrigkeits-

Das Goldene Zeitalter So viel Großmut überrascht und ist wohl nur

denken ist damit von vornherein ausgeschalten, damit auch das Abhängig-

aus dem tiefen Glauben der Bahai zu erklären, der ein positiv vorwärtsge-

keitsverhältnis einer zwischen Mensch und Gott vermittelnden priester-

richteter und kein negativ reaktionärer ist. So ist Forghani auch überzeugt,

lichen Kaste. Es liegt auf der Hand, warum dieses Gedankengut von einem

dass sich im Iran das Blatt zum Guten wenden wird. „Der Iran macht das

sich auf Religion berufendes, totalitäres Regime als Bedrohung wahrge-

durch, was in Europa vor einem knappen Jahrhundert passiert ist. Und

nommen wird.

wenn die Geschichte eines gelehrt hat, dann dass das Gute obsiegt.“

Die Bahai sehen zudem keinen Widerspruch zwischen Glaube und Wis-

Wie die Bahai überhaupt davon ausgehen, dass Nationalstaaten, religiöse

senschaft. Im Gegenteil erachten sie ein ausgewogenes Gleichgewicht

und nationale Ressentiments zu einer Art Auslaufmodell gehören. „Wir

zwischen beiden als conditio sine qua non für das Gedeihen des Lebens.

glauben an die Einheit der Menschheit. Die Einheit der Vielfalt gewisser-

„Das sind zwei Seiten ein und derselben Medaille. Glaube allein führt zu

maßen. Das hat nichts mit ‚Einheitsbrei‘ zu tun, sondern damit, dass jedes

Aberglauben. Wissenschaft alleine zum reinen Materialismus, wie wir ihn

Volk, jede Rasse ihre Qualitäten zum Wohl aller einbringt. Denken sie etwa

in extremis in der Atombombe manifestiert sahen.“

an einen Garten. Wenn alle Blumen gleich sind, ist es fad. Aber wenn es unterschiedliche Blumen gibt, Bäume und Sträucher dazwischen, Gras –

Persönliche Schicksale. Im Iran müssen die Bahai für ihr Bekennt-

all das zusammen macht erst die Schönheit des Gartens aus!“

nis einen hohen Preis bezahlen. Schon unter den Schahs waren sie Opfer

Aus diesem Gesichtspunkt heraus ist auch nachvollziehbar, warum die

von Repressionen und Verfolgung, auch wenn radikale und gemäßigtere

Bahai im Herzen glühende Globalisierungsbefürworter sind und deshalb

Phasen abwechselten. „Mein Vater wurde in der Schule von den Lehrern

sogar für eine einzige Welthilfssprache, bei Wahrung der regionalen Spra-

offen benachteiligt, die Mitschüler haben ihn gehänselt. Die Bahai wurden

chenvielfalt, eintreten. „Die Menschheit hat gar keine andere Wahl, und

seit jeher für alles, was im Staat schief läuft, verantwortlich gemacht. Sie mussten immer als Sündenbock herhalten. Das wird bewusst von der Politik gelenkt.“ Mit der islamischen Revolution 1979 spitzt sich die Situation für die Bahai dramatisch zu. Die neun höchsten Vertreter, darunter eine Verwandte Forghanis, werden verschleppt und sind seither

S

„Mann und Frau sind wie die zwei Schwingen eines Vogels!“

es ist der logische nächste Entwicklungsschritt! Nehmen wir nur die Umweltthematik, die Wirtschaft – ein einzelner Staat kann diese Probleme nicht mehr alleine lösen, das geht nur gemeinsam. Heute wird die Globalisierung leider noch oft mit alten, in diesem Sinne falschen Mitteln und Denkweisen vorangetrieben, der Fokus liegt noch überproportional auf

nie wieder aufgetaucht. 200 Bahai werden unter dem Vorwand, Spione

rein Materiellem. Das schafft die Probleme. Aber wenn wir diese einge-

Israels zu sein, hingerichtet. In Folge wird ein menschenverachtendes

schränkten Denkmuster überwinden, wenn wir uns der Qualität der Viel-

religiöses „Apartheid“-Regime errichtet. Sämtliche Besitztümer der Ba-

falt bewusst werden, dieses Wissen für alle nutzbringend einsetzen, dann

hai werden enteignet, Bahai-Schulen, Krankenhäuser und andere Institu-

wird die ganze Menschheit Nutzen ziehen!“ Und so kommt Forghani, kom-

tionen geschlossen. Die Bahai werden aus dem öffentlichen Dienst ent-

men die Bahai zu einem Schluss, der dem um sich greifenden Pessimis-

fernt, sie dürfen nicht mehr an den Universitäten studieren und erhalten

mus und Fatalismus dieser Tage sowie den Weltuntergangs-Weissagungen

keine staatliche Pension mehr. Friedhöfe werden geschändet, das Haus

manch anderer Religionen einen positiven Kontrapunkt entgegensetzt:

des Bab wird zerstört und ein Kreisverkehr darüber errichtet. Der Versuch

„Wir glauben, dass das Goldene Zeitalter unmittelbar bevorsteht!“

einer Auslöschung. Forghanis Familie erlebt all diese Vorgänge hautnah mit. „Die Großeltern sind Revolutionsflüchtlinge, sind uns 1979 nach Ös-

Man weiß nicht, woher die Bahai – gerade angesichts ihrer leidvollen

terreich nachgefolgt. Auch mein Onkel ist geflüchtet. Er war Mitglied des

Geschichte – so viel Zuversicht nehmen, aber man möchte ihnen gerne

geistigen Rates in seinem Ort, wurde verhaftet und für ein paar Tage fest-

glauben. Sowohl im Hinblick auf die aktuelle Situation im Iran, als auch im

gehalten. Von einem Tag auf den anderen wurde er entlassen – er war bis

Hinblick auf das Gedeihen der gesamten Menschheit! Sie deshalb als re-

dahin technischer Direktor der größten Raffinerie des Iran gewesen. Un-

ligiöse, naive Sozialromantiker abzutun wäre dumm, man sollte sich eher

ser Haus wurde konfisziert.“ Wut empfindet Forghani darob keine. „Fälle

ihren Optimismus und Zukunftsglauben zum Vorbild nehmen. Utopien sind

wie jene meines Großvaters und meines Onkels gibt es zu Tausenden. Und

da, um sie anzugehen und umzusetzen. Wie meinte dereinst Robert F. Ken-

wenn andere hingerichtet werden, wen kümmert dann der Verlust eines

nedy: “Some men see things as they are and ask ‚Why?’ I dream things

Hauses? Das ist doch nur ein materieller Schaden.“

that never were and ask, ‚Why not?‘”

– 18 – MFG

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26.02.2010 14:55:55


Wir jammern auf sehr hohem Niveau! TEXT: Johannes Reichl und Michael Müllner Fotos: Hermann Rauschmayr

Wenn die FPÖ mit ihren Plakaten gegen einzelne Randgruppen der Gesellschaft polarisiert und polemisiert, regt sich aber scheinbar niemand auf? Ist das nicht bedenklich?

Sechs Jahre ist er nun bald Bürgermeister. Matthias Stadler hat einen großen Teil seines Arbeitsprogramms abgearbeitet und sitzt fest im Sattel der St. Pöltner SPÖ. Schon wird gemunkelt, dass es nach der Wahl 2011 abgeht in die Bundespolitik. Doch wie fällt seine persönliche Bilanz als Stadtoberster aus? MFG bat zum Gespräch.

So ist es nicht, dass man das unwidersprochen zur Kenntnis nimmt. Ich verfolge auch diese Plakatierungen und finde sie nicht korrekt. Zwar wird argumentiert, dass auch viele Nicht-St. Pöltner in die Stadt kommen und darum auch für Wahlkämpfe außerhalb von St. Pölten bei uns geworben werden kann. Aber ich sehe vielmehr die Bundespräsidentenwahl als Motiv, dass man hier auch schon jetzt in St. Pölten Stimmung macht.

Als am Stadtrand von St. Pölten Werbeplakate aufgestellt wurden, wonach Baden die schönere Stadt sei, gingen die Wogen hoch. Waren die Reaktionen nicht überzogen?

Diesbezüglich werden wir unsere städtischen Plakatierungs-Regeln

Als ich von dieser Tafel gehört hab, war mir sofort klar, dass die Wellen

sehr, dass diese leider mit Wahlerfolg bestätigt werden. Ich bin über-

hochgehen werden. Da wollten uns die Badener beim Stadtstolz treffen,

zeugt, dass ein parteipolitischer Wahlkampf nicht alles darf. Hetze gegen

einem ohnedies sensiblen Thema. Die Aktion war jedenfalls wenig aus-

Minderheiten oder Randgruppen – oder das Ausspielen von Städten –

geklügelt, wir wollen als St. Pölten nicht in andere Gemeinderatswahlen

kann nicht toleriert werden. Dieses Brunnenvergiften um jeden Preis ist

hineingezogen werden. Und das Vorgehen entspricht auch nicht dem re-

tatsächlich ein Problem. Ich verleugne nicht, dass wir unsere Hausauf-

überdenken, um das in Nichtwahlkampfzeiten zu unterbinden. Zum Inhalt dieser dümmlichen, emotionalen Wahlkämpfe: Ich bedaure

spektvollen Umgang der Städte untereinander, wie ich ihn kenne. Man

„Dieses Brunnenvergiften um jeden Preis ist ein Problem.“

soll sich nicht auf Kosten des anderen profilieren. Alles in allem eine unüberlegte Aktion – aber vielleicht hatten das die Verantwortlichen in Baden ja nötig…

gaben machen müssen, etwa im Bereich der Migration, aber bitte dif-

Sie haben von einem sensiblen Thema für St. Pölten gesprochen. Warum eigentlich? Haben wir zu wenig Selbstbewusstsein, um solche Provokationen zu ignorieren?

ferenziert. Und wir müssen uns schon die Frage stellen, warum gerade

Im Gegenteil, ich werte das sogar als positives Zeichen! Ich glaube da

bleme an den Wurzeln packen und uns damit auseinandersetzen. Vieles

hat sich einfach gezeigt, dass die St. Pöltner sehr wohl stolz sind auf

kann hier nicht auf der kommunalen Ebene der Gemeindeverwaltung

ihre Stadt und dieser Stolz – der sonst vielleicht eher unauffällig dahin-

passieren, da muss auch Land und Bund die Verantwortung wahrneh-

schlummert – wurde eben durch die Plakat-Aktion geweckt.

men. Nicht für alles ist der Bürgermeister verantwortlich.

dieses „Vereinfachen“ und „Ausspielen“ auf so fruchtbaren Boden fällt. Beispielsweise bei den Jugendlichen und Migranten müssen wir die Pro-

– 20 – MFG


MFG URBAN

Matthias Stadler ist seit sechs Jahren Bürgermeister von St. Pölten. Was ihm die einen als Schwäche und politische Konturlosigkeit auslegen, beurteilen die anderen als seine Stärken: Konzilianz und Diplomatie.

Ist es nicht so, dass gerade die SPÖ im Gegensatz zu früher viele Aktionen der FPÖ gewähren und sich treiben lässt, anstatt klar Konter zu geben?

hungen bis zur Staatsreform. Keiner sagt offen, dass sich das bisschen Wachstum nie ausgehen kann, um die vorhandenen Lücken im Budget zu schließen.

Gerade in Zeiten wie diesen geht es mehr denn je um die Grundwerte der SPÖ. Ich bin überzeugt, dass sich die Wirtschafts- und Finanzkrise

Kann es sich auf der kommunalen Ebene ausgehen?

noch gar nicht spürbar auf alle Ebenen durchgeschlagen hat. Heikel wird

Nein. Mit dem, was die Gemeinde leisten muss nicht. Da geht es um eine

es, wenn die Leute kein Arbeitslosengeld mehr bekommen und von der

gerechte Aufteilung der Bundesertragsanteile und so weiter. Wir haben

Nothilfe nicht mehr anständig leben können. Wenn sich Teile der Gesell-

alleine aus dieser wichtigsten Einnahmequelle von 2009 auf 2010 minus

schaft den täglichen Einkauf nicht mehr leisten können, dann sind wir

15,4% verloren. Es ist meiner Meinung nach daher fahrlässig von der Op-

bei der Frage, was das soziale bzw. solidarische Gewissen der Gesell-

position, wenn immer ein Aufschrei kommt, sobald man heikle Themen anspricht. Natürlich hat jeder seine Position, aber man muss auch mal im

„Die nächsten Jahre werden eklatant schwieriger. Die krise ist nicht vorbei!“

Sinne des Ganzen Kompromisse eingehen können.

Personen stellt, die den SOMA-Markt besuchen: Da werden die meisten

Am 9. Juli 2010 sind sie sechs Jahre Bürgermeister. Die Vorbereitungen für Ihre Wiederwahl im Oktober 2011 nehmen langsam Formen an, die SPÖ verschickt Fragebögen und ein Unterstützungskomitee bereitet sich vor. Wie würden Sie Ihre bisherige Performance beurteilen?

auf die Migranten tippen. Tatsächlich sind es aber Bezieherinnen von

Grundsätzlich lernt man immer dazu. Ich würde sagen, ich habe sogar

Mindestpensionen!

etliches dazugelernt. Es ist ja keine neue Erkenntnis, dass man nachher

Zur FPÖ. Es ist leider sehr leicht mit populistischen, reißerischen Sagern

immer klüger ist. Manche Dinge würde ich heute anders angehen. Der

in die Medien zu kommen, viel leichter als mit Sachthemen. Da sind auch

wesentliche Hintergrund für mich ist aber mein Wahlprogramm. Darauf

die Medien gefordert. Nehmen Sie nur das Thema Baden: Wie oft bin ich

bin ich stolz, denn sehr vieles von dem, was ich versprochen habe, habe

zu diesen Plakaten befragt worden, in der Hoffnung auf eine Schlagzeile?

ich auch gehalten.

Wenn ich aber sage, dass wir auch 2010 keine Kürzungen bei den So-

Meine ganze Administration ist ständig gefordert, die werden das stöh-

zialausgaben in St. Pölten schaffen werden, dann bringt mir das keine

nend bestätigen können (lacht). Auch die eigene Fraktion steht unter

Headline.

Druck. Mir geht vieles zu langsam. Ich hätte nicht geglaubt, wie langwie-

rig oft die Details bei Entscheidungsprozessen sind.

Die SPÖ scheint trotzdem in einer Sinnkrise, wie Initiativen wie „SPÖ Linke“ vermitteln. Sie haben die Grundwerte der Partei angesprochen – wofür steht die SPÖ heute eigentlich genau?

Ein Indikator für mich ist auch die Opposition. Wenn wir nicht so gut

Ich würde sagen, die soziale Komponente in all ihren Facetten. Vor dem

Eines ist klar: Die nächsten Jahre werden eklatant schwieriger. Die Krise

Hintergrund von nationalem bis faschistischem Gedankengut haben wir

ist nicht vorbei! Die gesamte Gesellschaft wird kräftig daran zu löffeln

den Auftrag dafür zu sorgen, dass die demokratischen Werte nicht ins

haben, was uns da manche eingebrockt haben. Alles wird kurzlebiger,

Wanken kommen. Wohin das führen kann, haben wir schon einmal er-

es ist fast unmöglich über mehrere Jahre zu planen. Vor diesem Hinter-

lebt. H.C. Strache macht mir natürlich Sorgen, da muss die SPÖ darauf

grund müssen wir unsere Hausaufgaben machen, nicht nur in St. Pöl-

reagieren. Ein großer Teil der Jugend ist ihm ja mit seinen Sagern durch-

ten, auch im Städtebund bzw. wenn es darum geht bei Land und Bund

aus auf den Leim gegangen. Wir müssen klarmachen, wofür wir stehen.

Stimmung für die Städte zu machen. Auf dieser Ebene werden einzelne

Und dass man in einer Koalitionsregierung im Sinne des staatlichen Ge-

kosmetische Tropfen nicht helfen, da bedarf es großer Würfe, etwa der

samtwohles auch Kompromisse eingehen muss, nicht 100 Prozent der

Verwaltungsreform. Und es darf nicht auf Kosten der Kommunen gehen,

eigenen Linie durchbringt. Diese Kompromisse werden einem oft als

die brauchen Spielraum, um investieren zu können – jeder weiß um die

Schwäche ausgelegt.

wichtigen Effekte auf die Gesamtwirtschaft. Ein stupides Zurückfahren

schaft ausmacht! Spenden ist schön und gut, aber wenn es darum geht solidarisch einen Beitrag zu leisten für die Gesellschaft, dann wird es spannend. Fragen sie mal die Leute auf der Straße, wer das Gros der

unterwegs wären, dann hätten die anderen Parteien wohl mehr gegen mich vorzubringen als plumpe Stehsätze.

von Ausgaben – sprich bei Leistungen für den Bürger – ist sicher keine

Sind Sie eigentlich mit der Performance der SPÖ unter Faymann zufrieden? Von der notwendigen großen Koalition mit breiter Mehrheit für die großen Würfe ist ja nicht viel zu sehen.

Alleinlösung! Und ich möchte nicht Situationen erleben wie zuletzt bei einem Dresden-Besuch, wo nach 20 Uhr die öffentliche Beleuchtung abgeschaltet wird, weil es sich die Stadt nicht mehr leisten kann.

Das Problem ist, dass die Stimmung nicht stimmt. Da gehört endlich

Hat St. Pölten nicht das typisch österreichische Problem, dass in den letzten Jahren der Hochkonjunktur und sprudelnder Steuereinnahmen strukturelle Reformen verschlafen wurden?

mehr Staatsräson her, auch bei der Opposition, die nicht einfach bei jedem heiklen Thema auf Konfrontation gehen darf! Eine offene Diskussion über Standpunkte zu unterschiedlichen Themen, von Steuererhö-

– 21 – MFG


„Es IST LEIDER SEHR LEICHT, Mit Populistischen Sagern in die Medien zu kommen - viel leichter als mit Sachthemen!“ Erstens stimmt es nicht, dass wir Förderungen kürzen. Es gab einen Vorschlag, dass wir generell im gesamten Subventionsbereich einsparen. Der kommt so für 2010 nicht, das heißt wir werden unsere Subventionszusagen erfüllen, auch wenn es beim Sport, bei der Kultur und auch im Sozialen sehr schwierig ist, die Subventionshöhe zu halten. Ganz schwierig ist es, wenn es um neue Projekte geht, oder um Projekte, die mehr Subventionen brauchen, weil private Sponsoren – oft in Folge der Wirtschaftskrise – ausfallen. Ich möchte aber schon betonen, dass wir diesbezüglich prinzipiell auf sehr hohem Niveau jammern – egal ob es um den Straßenbau geht oder um die Kultursubventionen. Die Stadt St. Pölten sponsert im Vergleich zu anderen Städten sehr großzügig, und dass wir 2010 die Subventionen nicht zurückfahren müssen, ist für mich ein Erfolg! Es wäre auch falsch, als erstes bei der Kultur den Rotstift anzusetzen. Die Menschen brauchen gerade in schwierigen Zeiten dieses Ventil, um das Leben zu genießen – genauso wie sie den Sport brauchen.

sehen wir, dass dennoch dieselben Probleme geblieben sind, das Land

Das erklärt aber noch nicht, warum man eben gerade angesichts dieses allgemeinen Sparkurses scheinbar überproportional in eine bestehende Institution investiert, die auch ohne Ausbau gut aufgestellt ist?

hat einfach nur einen längeren Atem. Es bedarf in der Frage der Spitals-

Diese Ausbau-Pläne werden ja nicht erst seit gestern gewälzt, sondern

finanzierung und des Gesundheitswesens allgemein einer prinzipiellen

schon seit Jahren. Wenn wir jetzt als Stadt St. Pölten gesagt hätten, dass

Reform, da wurden die Hausaufgaben bislang nicht gemacht auf überge-

wir nicht außerordentlich mitfinanzieren und das Projekt auf die lange

ordneter Ebene. Wenn wir keine Zwei-Klassen-Medizin wollen, wird das

Bank schieben wollen, beispielsweise bis die Effekte der Wirtschaftskrise

eines der bestimmenden Themen der Zukunft sein.

überwunden sind, dann hätten auch Land und Bund die Unterstützung

Im Magistrat selbst haben wir sehr wohl gehandelt. Abteilungen wur-

zurückgezogen. Diese Entscheidung der Stadt hätte also wohl das Schei-

den zusammengelegt, die Organisation gestrafft – das ganze halt relativ

tern des Projektes mit sich gebracht – wie populär wäre das gewesen?

unbemerkt von der Öffentlichkeit. Früher hatte der Hilfsdienst rund 25

Faktum ist, dass Bund und Land dieses Projekt bewusst in St. Pölten ma-

Mitarbeiter, jetzt sind es drei oder vier. Früher gab es 15 Abteilungen,

chen, jetzt – und wenn jemand 1,2 Millionen Euro in der Stadt investiert,

jetzt gibt es nur mehr fünf Fachbereiche und fünf Stabsstellen. Also da

dann sind das auch, abgesehen von der Kultur, positive wirtschaftliche

muss man die Kirche im Dorf lassen. Dazu kommt, dass wir auf Kom-

Effekte, die man gerade in Zeiten wie diesen, wo wir jeden Bauauftrag

munalebene durch neue Gesetze auch mehr Arbeit bekommen haben,

brauchen wie einen Bissen Brot, nicht missen will.

Das denke ich nicht. Wir haben sicher nicht geprasst. Rund die Hälfte unserer Schulden im Bereich der Hoheitsverwaltung kommt aus dem Bereich Krankenhaus. Seit wir die Trägerschaft ans Land abgegeben haben,

etwa beim Fremdenwesen. Keine Frage, viele Dinge haben wir uns auch

geschaffen, das heißt auch 24 neue Kindergartenbetreuer! Das erhöht

Was geht bei der Verwertung des ehemaligen Glanzstoffareals voran? Sie brachten ja mal eine universitäre Nutzung ins Spiel – gibt es da schon substantielle Gespräche?

die Personalkosten gewaltig. Schließlich werden auch Behördenverfah-

Ich habe den Eindruck, dass die Dinge in Bewegung gekommen sind. In-

ren immer komplizierter und kostenintensiver, wo uns nicht zuletzt die

teressenten schauen beim Eigentümer Cornelius Grupp laufend vorbei,

Haftungsfrage beschäftigt. Ich kann ja nicht z. B. einfach beim Streu-

wie konkret deren Absichten sind, kann ich aber nicht beurteilen. Un-

dienst im Winter einsparen. Was, wenn jemand stürzt? Wobei da frag ich

bestritten ist die tolle Qualität des Standorts als möglicher Campus. Als

mich schon oft, wo wird der Rechtsstaat und die Haftung übertrieben,

Stadt sind wir für verschiedene Ansätze bereit, etwa wenn es um Um-

wo müsste man an die Eigenverantwortung jedes Einzelnen appellieren.

widmungen geht, wir vermitteln auch Interessenten. Die Letztentschei-

Einen Schuldigen um jeden Preis gibt’s halt nicht immer.

dung liegt aber beim Eigentümer.

Kommen wir zu einem Punkt, der derzeit für heftige Diskussionen sorgt. Viele kleine Kulturinitiativen verstehen nicht, dass ihre Förderungen gekürzt werden, aber in den Ausbau des ohnedies höchst erfolgreichen Cinema Paradiso neuerlich viel Steuergeld fließen soll. Sie sind ja persönlich für das Kulturressort verantwortlich. Können Sie diese Kritik nachvollziehen?

Und wie schaut’s beim Dauerbrenner Kasernenareal aus?

gewünscht, wie etwa kleinere Kindergartengruppen – aber das hat natürlich Auswirkungen: Wir haben zuletzt 24 neue Kindergartengruppen

Wir haben viele Überlegungen auf den Tisch gelegt. Die Visionen sind bunt, alles was intensiven Verkehrsanschluss braucht, würde dort gut passen – von Gewerbe bis hin zu Wohngebieten im nördlichen Teil. Die Unterstützung des Landes NÖ wird nötig sein, genauso wie bei der Thematik VAZ. Das zählt auch zu den zwei Punkten, die für mich die vorhin

– 22 – MFG


MFG URBAN

Lösung für eine zusätzliche Park & Ride Anlage beim Bahnhof. Zum an-

Wird man auch mit dem bisherigen Betreiber Andreas Pesl verhandelt?

deren eine Lösung für das VAZ. Seit geraumer Zeit laufen Gespräche und

Wir reden mit jedem. Mal schauen, wie es um seine finanziellen Möglich-

ich hoffe, dass wir diese genauso erfolgreich abschließen wie bei ande-

keiten bestellt ist.

angesprochene Performance betreffend noch offen, sind: Zum einen die

ren Großprojekten, angefangen bei der GZU-Umfahrung und der S34 über

Seit längerem ist auch die Frage um die Zukunft des Kulturvereins LAMES ungeklärt. Dieser ist ja – ohne Mietvertrag – am Spratzerner Kirchenweg 83 nur geduldet. Wie kann da eine Lösung aussehen?

24 neuen Kindergartengruppen, Masterplan und neue Gewerbeansiedelungsgebiete bis hin zum Hotelprojekt.

Das Hotelprojekt hat Ihnen ja sicher einiges an Nerven gekostet? Das erinnerte an die unendliche Geschichte...

Ich finde, dass LAMES eine tolle Einrichtung ist, ich schätze, was sie

Bei diesem Thema habe ich Lehrgeld bezahlt. Da könnte ich Ihnen viel

machen. Beim Areal am Spratzerner Kirchenweg gibt es aber Verpflich-

erzählen… Naja, heben wir uns das für meine Memoiren auf (lacht). Ich

tungen aus der Vergangenheit, die wir nicht ignorieren können. (Anmer-

habe jedenfalls viel dazu gelernt.

kung: Das Areal wurde von der Stadt an eine Wohnungsgenossenschaft

Im Übrigen: Wenn man mit Kennern der Hotelbranche spricht, meinen

verkauft, die dort Wohnbauten plant.) Wir haben verschiedene Möglich-

diese, dass der Realisierungszeitraum für das Hotelprojekt sehr gut sei.

keiten aufgezeigt, wo der Verein seine Tätigkeit an einem anderen Ort

Immer eine Frage der Perspektive (lacht).

entfalten könnte, wo auch auf längere Sicht keine Interessenskonflikte mit Anrainern entstehen würden und wo gewaltiges Potential für eine

Welche Rolle wird die Stadt beim Hotel spielen?

unabhängige und künstlerische Nutzung gegeben wäre. Ich verstehe

Gar keine. Wir haben im Rahmen des Vertrages ein paar Freitage für

aber die Position von Lames, sie haben an dem Standort viel gemacht.

städtische Veranstaltungen gesichert. Aber wichtig ist für uns, dass ein

Andererseits sollte man sich auch vor Alternativen nicht verschließen.

privater Betreiber investiert. Gerade die Achse Schießstattring steht ja städtebaulich vor einer gewaltigen Entwicklung: Die Sanierung des HTL-Schulbereiches, das neue Hotel mit den Stadtsälen, der Ausbau der Landesgerichts, die evangelische Kirche wird saniert und ausgebaut und die freie Fläche am Europaplatz wird zukünftig einen XXXLutz beheimaten. Da geht schon was weiter!

Apropos weitergehen: Die „Marketing St. Pölten GmbH“ steht auch immer wieder im Fokus der Aufmerksamkeit. Wie zufrieden sind sie mit deren Arbeit? Diese Plattform soll ja den Standort St. Pölten, die Innenstadt, den Handel vermarkten und positionieren. Ich finde

LOCATION CHECK

Kurti’s Piz und Keb in der Herzogenburgerstraße liegt am Schnittpunkt von Welten. Die studentische Szene hat das kleine Kebab- und Pizzalokal längst zum heimlichen Szenetreff von STP gekürt. Frisch entlassene Patienten des nahegelegenen Krankenhauses holen sich hier ihr erstes „Reparaturseidl“ (am besten das türkische „Efes“ vom Fass), zahlreiche St. Pöltner mit Migrationshintergrund bereichern das Publikum und genießen das freundlich-familiäre Ambiente, das in einer Metropole wie Berlin nicht besser sein könnte. Nach unserem Interview stärkte sich Bürgermeister Stadler mit Fladenbrot mit Lammfleisch und einer vorzüglichen Schale Tzatziki. Bürgermeister-Sekretär Michael Koppensteiner schaut die Ladung skeptisch an, Stadler lacht: „Das passt genau für den heutigen Gemeinderat!“ Die Schale hat er bis zum letzten Rest ausgelöffelt.

schon, dass rund um den Masterplan und die „Vision 2020“ viel passiert ist, was aber oft nicht zur Bevölkerung durchgedrungen ist.

Vielleicht würde eine andere Lösung sogar eine Verbesserung bringen?

Es gab viele Impulse, die Stimmung ist gut, das geförderte Wohnen in der

Wichtig ist, dass sich beide Seiten nicht einzementieren. Es ist ja auch für

Innenstadt nimmt Schwung auf, vieles ist in Bewegung, die Hausbesitzer

Lames nicht lustig, dass sie dort ein Areal betreuen, ohne jede Absiche-

investieren in ihre Immobilien, Schanigärten entstehen und wir investie-

rung oder Perspektive. Wir lassen sicher niemand hängen.

ren in den Ausbau der Fußgängerzonen und die Verschönerung der In-

Das oft kritisierte Film- und Kulturfestival am Rathausplatz hängt in der Luft. Wird es das Festival heuer geben?

Im Oktober 2011 wird in St. Pölten gewählt. Es heißt, Sie arbeiten auf diesen Wahltermin hin, was danach kommt ist ihnen egal, da dann der Sprung in die Bundesebene ansteht. Sie werden ja als jemand gehandelt, der für Höheres bestimmt ist?

Wir sind im Gespräch mit mehreren Anbietern, es steht aber noch nichts

(Lacht.) Ich hätte diese Chance schon gehabt. Aber glauben Sie mir, ich

fest. Wir wollen jedenfalls mehr Qualität im Sinne von ansprechenden

fühle mich in St. Pölten sehr wohl. Mir ist der direkte Kontakt zur Bevöl-

Ständen und Einbindung der bestehenden Lokale am Rathausplatz. Das

kerung sehr wichtig, da bleibt einem eine gewisse Bodenhaftung. Was

Open-Air-Kino wird es ganz sicher geben, ich denke, dass man auch

bringt es mir, wenn ich vielleicht für drei oder vier Jahre Bundesminister

mehr Kapazitäten für Sitzplätze braucht, als nur die ohnehin bestehen-

bin? Da kann man nur sehr begrenzt etwas beeinflussen. Nein, ich sehe

den Schanigärten.

mich eigentlich nicht irgendwo anders.

nenstadt. Ein WIR-Bewusstsein macht sich zusehends breit!

– 23 – MFG


Keine unschuldige „Lolita“? Nach der umstrittenen Verschärfung der Asylgesetze 2006 hat Innenministerin Maria Fekter nun einen neuen Gesetzesvorschlag eingebracht, der eine „Anwesenheitspflicht“ für alle Asylwerber in den ersten fünf, de facto sieben Tagen vorsieht. In Fällen, wo wenig Aussicht auf ein Asylverfahren in Österreich besteht, kann diese Frist ausgeweitet werden. Wie Beratungsstellen dieses Ansinnen sowie prinzipiell die aktuelle Asylsituation beurteilen, darüber informierten sich Ruth Riel und Johannes Reichl. Im gesamten westlichen Niederösterreich ist die Diakonie (Sozialwerk der

Unterbringung der Asylwerber hat die Diakonie aus der täglichen Praxis

Evangelischen Kirche Österreich) für die Betreuung von Asylanten zustän-

heraus klare Vorschläge, die auf ein Zwei-Stufen-Modell bauen. In einem

dig, wobei Sabine Grabner, Leiterin des Flüchtlingsdienstes der Region, der

ersten Schritt soll der Asylwerber auf einer einzigen Stelle betreut werden,

zu negativ behaftet ist.“ Ins selbe Horn stößt auch der Direktor der Diakonie Österreich, Michael Chalupka, der den Anhalte-Plänen der Innenministerin allein aufgrund ihrer Symbolik wenig abgewinnen kann: „Hier darf es nicht nur um vermeintliche oder geschürte Ängste der Österreicherinnen und Österreicher gehen. Hier geht es ganz real um Menschen, die in Österreich Schutz suchen und von Anfang an wie Kriminelle behandelt werden sollen“. Vor allem die vorgeschlagene „Anwesenheitspflicht“ in Fekters Gesetzesentwurf stößt bei Chalupka auf klare Ablehnung: „Wir alle wissen, dass Menschenrechte unteilbar sind, das heißt sie gelten für alle gleich, egal ob Österreicher oder Ausländer, ob aufenthaltsbe-

Einbürgerungen in NIederÖsterreich

„da gerade am Anfang sehr viele Behördengänge zu erledigen sind, und daher eine zentrale Aufnahme sinnvoll ist“, so Grabner. „In dieser Phase

Die Einbürgerungen in Niederösterreich sind in den letzten Jahren stark gesunken. Die Einbürgerungsquote liegt auf einem historischen Tiefstand. So wurde, bezogen auf 100 Ausländer, 2009 nicht einmal einer (exakt 0,9) eingebürgert!

sollte die Erstbetreuung und die Erstbefragung

2004.................................................. 5.148 2005.................................................. 5.123 2006.................................................. 4.915 2006.................................................. 3.961 2007.................................................. 1.721 2008.................................................. 1.550 2009.................................................. 1.202

einrichtungen, die es in allen Bundesländern

rechtigt oder nicht. Eine Politik, die bereit ist,

erfolgen, die man in wenigen Tagen abwickeln kann.“ Die zentrale Anlaufstelle scheint auch aus einem pragmatischen Blickwinkel sinnvoll: „Pro Sozialarbeiter kommen bis zu 170 Asylwerber!“ In einem zweiten Schritt solle dann eine Verlegung der Asylwerber auf kleinere Betreuungsgibt, erfolgen. „Diese sollten maximal 100-150 Bewohner aufnehmen dürfen!“

Pension Lolita.

Eine solche Betreuungs-

stätte befindet sich zum Beispiel in Lilienfeld in der Pension Lolita. Aktuell sind dort laut Bernd Binder, Geschäftsführer der betreibenden Ge-

Grund- und Verfassungsrechte für die Minderheit außer Kraft zu setzen,

sellschaft, „40 Bewohner untergebracht.“ Unter welchen Bedingungen „ist

verrät das demokratische Prinzip der Republik. Soweit darf es in Öster-

vom Gesetzgeber klar definiert. Das sind z.B. für drei Leute 20 Quadratme-

reich nicht kommen!“ Auch im Hinblick auf die Diskussion der prinzipiellen

ter Raum. Wir haben auch größere Einheiten. Die Leute fühlen sich wohl.“

– 24 – MFG

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Begriff „Asylwerber“ lieber ist, „weil Asylant


MFG URBAN Asylwerber Österreich

Warum Lilo dann derartige Vorwürfe vorbringt? „Man kann es eben auch übertreiben mit dem sozialen Engagement. Ich könnte die Lilos auf den

Laut UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR war die Zahl der Asylanträge 2008 die zweitniedrigste seit 1997, die Zahl der gewährten Asyls die niedrigste seit 2003! Jahr

Anträge

Mond schießen. Sie mischen sich überall ein, hetzen die Leute auf. Dabei haben wir sogar einen Schulungsraum für die Deutsch-Kurse, die sie abhalten und von denen sie ja auch etwas haben, zur Verfügung gestellt.“

Asyl gewährt

Durchaus Respekt und auch Dank für ihr Engagement zollt Bürgermeister

2008................12.841.................3.753 2007................11.879.................5.197 2006................13.349.................4.063 2005................22.461.................4.650 2004................24.676.................5.208 2003................32.359.................2.084 2002................39.354.................1.073 2001................30.127.................1.152 2000................18.284.................1.002 1999................20.129.................3.393 1998................13.805.................1.369 1997..................6.719....................639 1996..................6.991....................716 1995..................5.920....................993 1990................22.789....................864

Herbert Schrittwieser (ÖVP) dem Verein: „Wir arbeiten mit Lilo zusammen, der Verein leistet einen wertvollen Beitrag.“ Dass es Querelen gibt, auch im Hinblick auf die Bewohner selbst, verhehlt das Stadtoberhaupt nicht. „Wir haben häufig Beschwerden der Nachbarn, die sich über Müll und Lärm aufregen.“ Nachvollziehen kann er beide Seiten, sowohl jene der Bevölkerung, als auch jene der Bewohner. „Sie leben auf engem Raum. Es ist klar, dass sie, wenn es wärmer wird, daher sehr viel Zeit draußen verbringen.“ Um sozusagen einen Ausgleich zu finden, hat er schon öfter Vermittlungsversuche gestartet – Lilo waren dabei quasi als Bindeglied zu den Asylwerbern eingebunden.

Negativspirale.

Insgesamt sind für den Verein fünf ehrenamtliche

Mitglieder engagiert, „leider viel zu wenig um eine gute Betreuung zu garantieren“, räumt Hausner ein. Die Lilos sammeln Sach- und Geldspenden, helfen den Asylwerbern bei Behördenwegen und bemühen sich um deren soziale Integration. So werden Ausflüge und Feste organisiert, zu denen auch die lokale Bevölkerung eingeladen ist. Das Interesse hält sich aller-

Asylwerber NIederÖsterreich

dings in Grenzen. Die Folge: Isolation. „Da Asylwerber auch nicht berech-

In NÖ ist die Zahl der Asylwerber in der Grundbetreuung von 3.643 Personen (per Februar 2009) um 15% auf 3.087 Personen (per Februar 2010) gesunken.

tigt sind, zu arbeiten, verbringen die meisten ihren Tag vor dem Fernseher und kapseln sich so noch mehr von der Außenwelt ab“, verweist Hauser auf ein Grundproblem der Gesetzgebung, das eine negative psychologische Spirale nach unten indiziert. „Lethargie ist die Folge, im Anschluss

Foto: Fotolia

oft Depressionen und Aggressionen unter den Bewohnern.“ Ganz anders nimmt dies offensichtlich der Verein Lilo (Lilienfelder für Lo-

Ein Tropfen auf den heißen Stein ist die Möglichkeit für die Gemeinde,

lita) wahr, der von der Kindergärtnerin Elfriede Hausner gegründet wurde,

„phasenweise einen Asylwerber im Umfang von 20 Stunden pro Monat

um die Asylwerber zu unterstützen. Sie fährt schwere Geschütze gegen

anzustellen, dafür bekommt er auch etwas bezahlt. Das ist sehr positiv

die Betreiber auf. „Es wird versucht, so viele Leute wie möglich auf diesem

und wertvoll für die Menschen“, so der Bürgermeister.

engen Platz unterzubringen, weil das Land pro Person bezahlt.“ Auch die

Zum Teil baut man als Betreuer, wie Elfriede Hausner einräumt, auch sehr

Lebensumstände prangert sie an. „Derzeit leben dort an die 60 Personen

enge Bande auf. Man freut sich über Fälle gelungener Integration, etwa

auf engstem Raum und unter widrigen Bedingungen. Das Haus ist seit Jah-

wie im Fall jener Familie, bei der die Mutter mittlerweile Interkulturelle

ren mit Schimmel befallen, es fehlt eine Wärmeisolierung, pro Etage gibt

Mitarbeiterin der Landesregierung ist. Man leidet ebenso mit, wenn Fa-

es eine einzige Dusche. Pro Familie steht ein Zimmer von gerade einmal 4

milien über Jahre hinweg völlig im Unklaren bleiben, ob sie nun bleiben

x 2,5 Metern zur Verfügung.“

dürfen oder nicht, wie etwa im Fall jener tschetschenischen Familie im Lo-

Bernd Binder, mit den Vorwürfen konfrontiert, reagiert ungehalten. „Prin-

lita, die seit fünf Jahren im Asylverfahren hängt. „Diese Familie kann schon

zipiell geht uns Lilo gar nichts an, unser Ansprechpartner ist die Diakonie“,

sehr gut Deutsch, auch dank der Deutschkurse die wir vom Verein aus an-

stellt er fest, „und dass wir nicht das Hilton oder Sacher sind, kann man

bieten. Die Kinder gehen in die hiesige Volksschule bzw. in den Kindergar-

sich ja wohl denken. Aber die Vorwürfe stimmen einfach nicht. Wir haben

ten. Trotzdem besteht jeden Tag die Gefahr, dass ein negativer Bescheid

neue Fenster und neue Türen. Eine Seite ist schon wärmegedämmt, die

hereinflattert und die Familie abgeschoben wird“, so Hausner.

Familien haben zu 90% eine Dusche am Zimmer, und Schimmel gibt es

Was vielen, die in der Betreuung von Asylwerbern tätig sind, abgeht, ist

zwar vereinzelt, das hängt aber damit zusammen, wie die jeweiligen Be-

eine prinzipielle solidarische Grundhaltung der Bevölkerung. Dies hat

wohner durchlüften.“ Auch den Vorwurf der Bereicherung auf Kosten der

nichts mit „Wir nehmen alle auf!“ zu tun, sondern einfach mit „Wie behan-

Hilfesuchenden weist er strikt zurück. „Das ist lächerlich. Wenn ich meine

deln wir prinzipiell Mitmenschen?“. Dass der gesellschaftliche Zusammen-

Katze unterbringen muss, dann zahl ich heute 20 Euro. Wir bekommen pro

halt über die Jahre eine gewisse Erosion erfahren hat, ist offensichtlich.

Bewohner 10 Euro! Die Leute dürfen bei uns selbst kochen, müssen also

1956 nahm Österreich, damals in Relation zu heute ein armes Land, nach

nicht essen, was wir ihnen vorsetzen – dieses Geld zahlen wir ihnen, im

dem Ungarn-Aufstand 180.000 Flüchtlinge auf. Den Hilfesuchenden wurde

Unterschied zu vielen anderen Einrichtungen, aus!“ Nachsatz: „So leicht

mit offener Solidarität begegnet. 2010 wäre das in einem in Relation zu

ist das für uns auch wieder nicht.“

damals reichen Österreich wohl undenkbar.

„Wir alle wissen, dass Menschenrechte unteilbar sind, das heiSSt sie gelten für alle gleich, egal ob Österreicher oder Ausländer, ob aufenthaltsberechtigt oder nicht.“ Michael Chalupka, Diakonie Österreich – 25 – MFG


Willkommen am Stammtisch. Durchs

Re-

den kommen ja bekanntlich die Leut‘ zsamm. Im einschlägig bekannten St. Pöltner Lokal „Emely Rose“ trifft sich jeden Donnerstag ein Regenbogen-Stammtisch, daher bitten wir Lokalbetreiber Richie, Mr. Emely Rose, quasi „Heiratsvermittler“ zu spielen und die „Verlobten“ zusammen zu trommeln. Eingefunden haben sich die zwei Pärchen sowie Familie und Freunde, um ihre Positionen zur legistischen Arbeit der Regierung dar zu tun. Dabei werden wir gleich korrigiert. „Verlobte sind wir ja eigentlich nicht und geheiratet wird auch nicht. Wir verpartnern uns nur“, betont Andrea mit einem Schmunzeln ob des Wortungetüms. Rein rechtlich hat Andrea völlig recht. Ein Verlöbnis ist nicht vorgesehen und eine Ehe – das stellen die parlamentarischen Materialien ausdrücklich fest – sind die Eingetragenen Partnerschaften in keinster Weise. Sollen sie auch nicht sein. Es wird sich davor gehütet, den Partnerschaften Familienstatus zu gewähren, was sich nicht nur im Adoptionsverbot niederschlägt,

Das Gesetz am anderen Ende des Regenbogens

TEXT: Marion Pfeffer Fotos: Hermann Rauschmayr

Alles bleibt anders für gleichgeschlechtliche Paare. Der österreichische Paragraphendschungel ist seit 1. Jänner um 74 Seiten Bundesgesetzblatt reicher. Das Gesetz der Eingetragenen Partnerschaften ist nach jahrelangem Hin und Her in Geltung. Werden Träume für St. Pöltner Paare durch das neue Gesetz wirklich wahr? Von Rosen, der „normalen“ Gesellschaft und Wortungetümen.

sondern auch darin, dass kein gemeinsamer Familien-, sondern nur ein Nachname geführt werden darf. Natürlich muss sich das auch optisch abheben, daher die Regelung, dass Doppelnamen nur mit Leerzeichen anstatt des obligaten Bindestrichs bei Ehepaaren zur Anwendung kommen. Mit diesen Unterscheidungen will der Gesetzgeber alle Unkenrufe beseitigen, die homosexuellen Partnerschaften zur Last legen, die Gesellschaftsordnung zu destabilisieren, wie z.B. kirchliche Vertreter immer wieder kolportieren.

Guter Anfang.

Im Emely Rose ist man sich

allerdings einig, dass ein erster Schritt mit dem EPG getan wurde. Andrea und Ingrid formulieren es so: „Man darf sich nicht immer über alles beschweren, was man nicht hat, sondern muss auch anerkennen, dass wir jetzt zumindest eine Wahlmöglichkeit haben.“ In Wahrheit gehe es zuallererst um rechtliche Absicherung, die jetzt

Sommer 2009. Mit 40 roten Rosen überraschte

Traumhochzeit“. Und so war es dann auch: Das

gegeben ist – für viele ein großer Entscheidungs-

Peter seinen Poldi. Anlass war nicht nur das

gemeinsame Lied, Rosen, und der Mann seines

faktor, ob „verpartnert“ wird oder nicht. Das Fa-

40. Wiegenfest seines Liebsten, sondern noch

Lebens. „Für uns wird ein Traum wahr!“

milienleben sei nicht immer Eitel Wonne. Einige

etwas Anderes – etwas Großes. Der österrei-

Dezember 2009. Die Zeit im Bild verkündet in

Elternteile kommen mit den Beziehungen ihrer

chische Gesetzgeber sprach ernsthaft den Ent-

gewohnt nüchternem Nachrichtenstil, dass die

homosexuellen Kinder nicht zurecht. Dement-

wurf einer „Homo-Ehe“ an. Schuld daran sind

Regierung das Gesetz der Eingetragenen Part-

sprechend haben die Partner oft keine Hand-

drohende Strafen der EU. Aber am heutigen Tag

nerschaften (kurz EPG) verabschiedet hat, das

habe, wenn es um Erbrechtsfolge oder Besuchs-

ist für Peter das Warum völlig egal. Nach 18 ge-

mit Jänner 2010 in Kraft treten wird. Ingrid und

rechte im Spital geht.

meinsamen Jahren ist für Peter der Schritt zur

Andrea haben die Diskussion und das Ringen um

Viele Dinge lassen sich aber per se nicht zivil-

großen Frage ein kleiner. Die Augen sind feucht

dieses Gesetz laufend mitverfolgt, weniger nüch-

rechtlich regeln. So etwa bei Genossenschafts-

und man(n) wird etwas sentimental. Im Hinter-

tern als gespannt. Noch am selben Abend über-

wohnungen. Bei nicht verheirateten Paaren kann

grund singt Elton John seinen „Song for Guy“.

rascht Ingrid ihre Partnerin nach 14 glücklichen

nur einer im Mietvertrag eingetragen werden.

„Noch bevor der Peter überhaupt was sagen

Jahren mit einem Ring. Die Antwort: natürlich ein

Dies ist auch bei Andrea und Ingrid der Fall. Stößt

hat können, hab ich schon losgeheult“, erinnert

Ja! „Ingrid ist mir ein bisserl zuvor gekommen. Ich

zum Beispiel Andrea etwas zu, hat Ingrid, die ge-

sich Poldi. Schon immer hat er sich einen ro-

hätte den Antrag für den Heiligen Abend geplant

nausoviel in die Wohnung investiert hat, keinerlei

mantischen Antrag gewünscht „so wie bei der

gehabt“, verrät die frisch „verlobte“ Andrea.

Anspruch darauf, in den Mietvertrag einzutreten.

– 26 – MFG


MFG URBAN schlechter versorgt oder deshalb homosexuell geworden wären.

Diskriminierung im Alltag?

Vor 20 Jah-

ren wollte man Poldi in Mauer noch mit Stromstößen von seiner „Krankheit“ therapieren. Beim Bundesheer hatte er solche Angst vor den Diskriminierungen, dass er sogar pro forma eine Frau geheiratet hat. Seine Flitterwochen hat er aber daraufhin in Mauer zu einer Evaluierung seines „Zustandes“ verbringen müssen. Die Stromtherapie hat er verweigert, sich scheiden lassen und eine dickere Haut zugelegt. Heute kann er sich das kaum noch vorstellen. In seiner Arbeit sprechen ihn die Kollegen und Kunden bereits mit Herr Eder an. Dass er den Nachnamen seines Zukünftigen annehmen wird, ist für Poldi selbstverständlich: „Na sicher gehört das dazu. Außerdem ist mein Nachname so schwierig zum Buchstabieren, da ist Peters Name viel schöner.“ Die Namensänderung kostet übrigens extra, genau 43 Euro. Für Verheiratete ist sie kostenlos. Aber Ungleichbehandlungen ist man gewohnt. Stefanie und Michi, die sich bisher recht ruhig verhalten haben, schalten sich in die Diskussion ein. Die beiden sind mittlerweile seit 13 Jahren verbandelt und haben sich gegen eine Eingetragene Partnerschaft entschieden. Zu unausgegoren sei die Angelegenheit und eher eine „HuschPfusch-Aktion“ der Regierung, um keine Strafe von der EU zu kassieren. Stefanie: „Ich bin in dieser Runde eher die Kritische. Für mich kommt Dies ist dann der Gnade der Genossenschaft

schlechtliche Partnerschaft tatsächlich nur eine

das einem Zwangs-Outing gleich, das nur noch

überlassen. „Natürlich haben auch die Heteros

unter mehreren Abweichungen vom traditio-

mehr Diskriminierung verursacht.“

dieses Problem, aber die haben ja immer heira-

nellen Ehe- und Familienbild. Und als völlig in-

Konkret spricht sie den neuen Meldezettel an,

ten können. Ich bin froh, dass mit der Verpart-

kompetente Eltern stuft der Gesetzgeber homo-

der neben den üblichen Kategorien wie ledig,

nerung dieses Problem wegfällt“, so Andrea. Das

sexuelle Paare ohnedies nicht ein, sonst würde

verheiratet, geschieden und verwitwet nun-

neue EPG regelt jetzt Rechtsbereiche wie Mitver-

er nicht gestatten, dass sie sich um Pflegekinder

mehr drei weitere Kästchen aufweist. Da pran-

sichern, Pflegeurlaub, Aufenthaltstitel, Besuchs-

kümmern dürfen. Bis heute ist kein Fall bekannt,

gen nämlich jetzt zusätzlich die Wortungetüme

rechte im Spital, Erbrechte etc. Und trotzdem ist

dass Kinder unter der Obhut Homosexueller

„eingetragene Partnerschaft“, „aufgelöste einge-

das erst die Spitze des Eisberges.

Verzauberte Kinder.

In vielen weiteren

Punkten gibt es immer noch keine Annäherung. So auch beim heißen Eisen Kindesadoption nicht. In unserer Gesprächsrunde ist dies ein besonders emotionalisiertes Thema. „Ja was glauben denn die Leute? Dass wir ganz plötzlich die Kinder ‚verzaubern‘, und dann sind sie schwul oder lesbisch“, wundert sich Andrea ironisch. Poldi wirft außerdem das Argument in die Runde: „Hetero-Paaren passiert oft ein Kind, das dann nicht gewollt ist und nicht notwendigerweise in einer liebevollen Umgebung aufwächst. Homosexuelle Paare hingegen ziehen immer Wunschkinder auf, weil die sich tausendmal überlegen, ob sie ein Kind wollen oder nicht!“ Zustimmendes Nicken. Angesichts vieler Alleinerziehender und mannig-

HARD FACTS

✖ Es gibt kein Verlöbnis ✖ Eine Eintragung verpflichtet nicht zur Treue. ✖ Der Name wird grundsätzlich beibehalten. Namensänderungen sind im üblichen Weg erlaubt. Doppelnamen sind aber nur in der Schreibweise ohne Bindestrich, nur mit Leerzeichen erlaubt. ✖ Verbot der Adoption ✖ Verbot der künstlichen Befruchtung ✖ Eine Eintragung hat keinen Familiencharakter, das bedeutet, dass der Partner nicht in den Genuss familienbezogener Rechte kommt. ✖ Bereits im Ausland geschlossene Partnerschaften (Deutschland, England, Norwegen, Dänemark, Schweiz, Tschechien) bzw. Ehen (Spanien, Belgien, Niederlande, Portugal) werden nunmehr allerdings nur im Rahmen der EP anerkannt. ✖ Regelungen betreffend Erbrecht, Unterhalt, Pension, Versicherung und Scheidung sind mit wenigen Ausnahmen mit denen des Eherechts ident.

faltiger Patchworkfamilien scheint die gleichge– 27 – MFG


mfG urban DDr. klauS kÜnG

maG. JoSef kroniSter

Prinzipiell halte ich eine eingetragene Partnerschaft homosexueller Paare weiterhin weder für angebracht noch für notwendig, weil die bestehenden zivilrechtlichen Bestimmungen auch gleichgeschlechtlich orientierten Personen die nötigen Sicherheiten gewähren. Im gewissen Sinne versucht das EPG, das bestehende Eherecht mit gewissen Anpassungen auf das neue Rechtsinstitut einer eingetragenen Partnerschaft homosexueller Paare zu übertragen. Gerade darin liegt der Fehler. Der Familie auf der Grundlage der Ehe zwischen Mann und Frau gebühren bestimmte Rechte – es handelt sich nicht um Privilegien – wegen der Leistungen, die die Familie insbesondere in Bezug auf die Erziehung von Kindern erbringt. Eine Übertragung solcher Rechte auf gleichgeschlechtliche Paare ist ein falscher Weg, der zur Desorientierung beiträgt. Dass im neuen Gesetz für gleichgeschlechtliche Paare keine Zeremonie vor dem Standesamt vorgesehen ist, ist grundsätzlich zu begrüßen. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob diese Regelung nicht in der Praxis umgangen werden wird – in diese Richtung deutet etwa ein Interview, das Bundespräsident Heinz Fischer vor einigen Tagen gegeben hat. Dass hingegen kein Adoptionsrecht vorgesehen ist, halte ich für positiv, denn ein Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare wäre ein Verstoß der Gesellschaft gegenüber dem Kindeswohl, da Kinder für eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung Vater und Mutter benötigen.

Wie beurteilen Sie die Eingetragene Partnerschaft, und wo wird diese durchgeführt auf der BH? Als Bezirksverwaltungsbehörde übernehmen wir natürlich die Aufgabe der Eintragung. Wir haben allerdings gar keine Räumlichkeiten, um die Sache ein bisschen persönlicher zu gestalten. Eine Zeremonie ist vom Gesetzgeber ohnehin nicht vorgesehen. Gab es auf der Bezirkshauptmann schon viele Anmeldungen? Wir hatten eine Anfrage von einem Paar, die sind dann aber nach Wien gegangen. Dort wird bekanntlich eine Zeremonie durchgeführt. Das ist für die Betroffenen sicher eine wünschenswertere Situation.

dIÖZeSanbISCHOF

beZIrKSHaUPtmann

tragene Partnerschaft“ und „verwitwet eingetragene Partnerschaft“. Ein Umstand, der auch den Grünen Andersrum in Niederösterreich sauer aufstößt. Deren Sprecher, Marco Schreuder: „Durch den neuen Meldezettel, der im Punkt Personenstand zwischen homo- und heterosexuell unterscheidet, sind Lesben und Schwule – einmal verpartnert – den Rest ihres Lebens geoutet.“ Zur Verpartnerung gehört also schon einiger Mut. Aber auch dann nehmen die gleichgeschlechtlichen Paare sich noch immer sehr zurück. Am Stammtisch sind sich alle einig, dass der Austausch von Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit für homosexuelle Paare keinen Platz hat. Man will ja kein Öl ins Feuer gießen. Auch wenn sich seit den „Therapieversuchen“ Poldis einiges verändert hat, will man sich ungern den Reaktionen aussetzen. Der Stempel „schwul“ oder „lesbisch“ macht sich nicht so gut auf einer Stirn. Man ist ja trotzdem Mensch.

akzePtiert? Stellt

sich die Frage, was Herrn

und Frau Österreicher anno 2010 zugetraut werden darf. In St. Pölten finden sich hier und

Besiegelt wird die Eingetragene Partnerschaft im sogenannten Partnerschaftsbuch am Magistrat bzw. auf der Bezirkshauptmannschaft.


Fragen

WOLFGANG HEUER Standesbeamter

Wie melden sich Paare für eine Eintragung an? Bei uns am Standesamt läuft das ganz locker ab. Die Partner stellen zuerst den Antrag, suchen sich einen Termin aus und sagen uns am besten gleich, ob sie eine Namensänderung wünschen oder nicht. Welche Unterschiede gibt es zur Hetero-Trauung? Der einzige Unterschied beim Antrag ist, dass sie zusätzlich noch eine Erklärung unterschreiben müssen, dass sie eine Eingetragene Partnerschaft eingehen wollen. Eine Zeremonie ist nicht grundsätzlich verboten, sondern einfach im Gesetz nicht vorgesehen. Ich nutze den Graubereich aus und gestalte die Eintragung so persönlich wie möglich. Es wird einen Ringtausch geben, und ich sage auch ein paar Worte. Wenn ich ganz ehrlich bin – und das können Sie ruhig schreiben – bereitet mir das neue Gesetz Kopfschütteln. Hätte der Gesetzgeber gleich die Ehe für alle zugelassen, hätten wir im Gesetz nur zwei Worte verändert und uns diesen ganzen Firlefanz erspart. Im erzkatholischen Spanien funktioniert das ja auch. Gibt es einen großen Ansturm auf Termine zu Eintragungen? Der Boom ist ausgeblieben. Bisher gab es zwei Eintragungen ins Partnerschaftsbuch, im Mai haben sich Peter und Poldi angemeldet. Meiner Meinung gehört viel Mut dazu, das zu machen, weil das in den persönlichen Dokumenten eingetragen wird und dann weiß es wirklich jeder. Wo darf man sich verpartnern? In St. Pölten benutzen wir wie bei allen den Trauungsraum dazu.

von Primadonna Als Greenhorn unter allen Jungmüttern ist das Leben für mich im Moment ein einziges Fragezeichen. Vielleicht kennen Sie ja einige Antworten, ich wär wirklich dankbar! Warum sind auf den Babywindeln lustige Tiermotive drauf und nicht knackige Männerpopos? Babys können sie ja ohnehin nicht sehen -– die Mamis schon! Warum gibt es keine Mützen für Babys ohne lustige Plüschohren? Warum sieht mein kleiner Sohn mit der Häkelhaube für die Taufe nicht süß, sondern

eher wie Little DJ Ötzi aus? Sollen Babys wirklich schon mit drei Monadort schon Zeichen von Akzeptanz. Trifft man

wegen ihrer sexuellen Orientierung rausgeflo-

ten zum Schwimmkurs gehen?

sich etwa auf ein Tässchen Kaffee im Café

gen sind. Heute kann sich kein Unternehmer

Gibt es Winterreifen und Schneeketten für

Pusch in der Domgasse, erwartet einem beim

mehr leisten, gute Mitarbeiter deswegen auf die

Kinderwägen?

Passieren der Brautpaargalerie hinter den Mehl-

Straße zu setzen“, so Peter. Nur Sonderurlaub

Wie oft kann man die Melodie eines Mobi-

speisvitrinen ein außergewöhnlicher Anblick:

gibt es dann doch nicht für den großen Tag. Und

les hören, ohne verrückt zu werden?

Da harren nicht nur Braut und Bräutigam, um

wie der ausschauen soll, wissen Peter und sein

Gibt es irgendwo auch sexy Still-Bhs?

auf einer Hochzeitstorte angebracht zu werden.

Poldi schon ganz genau. Wobei ihr Standesbe-

Warum rede ich auf einmal von mir in der

Nein, auch Braut und Braut sowie Bräutigam und

amter Wolfgang Heuer ihnen das schönste Ge-

dritten Person: „Mami kommt gleich!“?

Bräutigam sehen sich dort seit mittlerweile zwei

schenk gemacht: Sie dürfen am Geburtstag von

Warum gebrauche ich plötzlich die Wir-

Jahren verliebt in die Augen. Maria Kappelmüller,

Peters Mama am 11. Mai heiraten. Die Mama ist

Form, wenn ich von meinem Sohn rede?

Mehlspeis-Fee vom Pusch, hat die Brautpärchen

zwar leider nicht mehr unter uns, hat aber immer

Warum steck ich um 19 Uhr schon im Py-

andersrum vor Jahren in einem Katalog gesehen

zum Brautpaar gehalten. Auch Wolfgang Heuer

jama?

und sofort beschlossen: Die dürfen in unserer

unterstützt die beiden, wo es geht. Eingetragen

Wer hat das Gerücht in die Welt gesetzt,

Galerie nicht fehlen! „Leider sind sie schon ein

wird im Trauungssaal, sie dürfen Ringe tauschen

dass man beim Stillen essen kann, was

bisserl verstaubt, aber das kann sich ja jetzt end-

und im CD-Player wird Elton John wieder ihr

man will, und trotzdem abnimmt?

lich ändern!“ Privat kennt sie einige Betroffene

Lieblingslied zum besten geben, wenn sich Peter

Warum scheinen fremde Menschen ganz

und freut sich mit ihnen, dass endlich eine Ab-

im braunen Anzug und Poldi im champagner far-

genau zu wissen, wie es meinem Baby ge-

sicherung da ist. Helmut Pusch unterstützt seine

benen Dreiteiler im kleinen Kreis das Ja-Wort ge-

rade geht – „Jetzt druckts ihn!“, „Der hat

Mitarbeiterin: „Wir sind da aufgeschlossen. Das

ben. Besonders loben Peter und Poldi, dass das

sicher Hunger!“

Gesetz war ein wichtiger Schritt. Auch wenn wir

Wort „normal“ tunlichst in ihrem Gespräch nicht

Wie viele Fotos kann man pro Tag von sei-

von älteren Menschen immer wieder negative

vorgekommen ist. Denn, was ist schon normal?

nem Nachwuchs schießen, und wie viele

Reaktionen darauf bekommen, stehen wir zu un-

Auch Andrea und Ingrid werden voraussichtlich

davon darf man dann auch seiner besten

serer Brautpaargalerie.“ Man müsse mit der Zeit

im Mai vor das Partnerschaftsbuch treten. Über

Freundin zeigen, ohne dass sie diesen

gehen, das gehöre eben heute dazu. „Auf die er-

alles Weitere haben sie sich noch keine Gedan-

mitleidigen

ste Tortenbestellung mit gleichgeschlechtlichem

ken gemacht. Nur eines, das wissen alle – egal,

Mami-das-wird-hoffentlich-wieder-Blick“

Brautpaar freue ich mich jedenfalls schon!“

wir nennen’s jetzt so – Verlobten schon genau:

aufsetzt?

Auch die Arbeitgeber von Poldi und Peter sowie

Die Hochzeitstafel steht im Emely Rose. Denn

Und warum hab ich mir eine Nacht mit

von Andrea und Ingrid haben kein Problem. „Frü-

dort sind sie schon eine große Familie – pfeif

zwei Männern in meinem Bett immer ir-

her hat man das schon noch gehört, dass Leute

auf’s Gesetz!

gendwie anders vorgestellt?

– 29 – MFG

„Sie-ist-halt-jetzt-eine-stolze-


chicken von Althea Müller Der tobende Nachbar hält mich wach. Verstehe seine Sprache und damit auch den Grund seines Ärgers nicht. Am nächsten Tag am Gang – betretene Miene und eingelegte Birnenhälften. Alles, was er geben kann. Selten gab es ein rührenderes Tut-mir-leid… Mit Stöckelstiefeln übers Eis. Die Reisetasche kaum einen halben Zentimeter überm Boden, der Laptop reißt derweil die Schulter ab. Die Standler bauen den Markt auf, nur

Das groSSe mfg Jahreshoroskop minus erstes Quartal 2010

Das neue Jahr rennt schon ein Weilchen. Aber was soll’s – Jänner und Februar ist sowieso nie groß was los. Sternenmäßig und so. Also bringen wir euch die wunderbaren Prognosen halt jetzt. Viel Glück, prosit Neujahr und vergesst nicht, zum Rauchen aufzuhören! TEXT: Althea Müller

die Busse fahren noch nicht. Ich: Im Schneckentempo Richtung Bahnhof. Eine fremde Marktfahrerin hält neben mir. Winkt. Trägt

Wassermann | 20.1.-18.2.

noch die Tasche bis zum Bahnsteig. Beim

Man kann Loyalität auch übertreiben. Spätestens wenn du allein mit Kindern,

Abschied ein Händedruck und eine Visiten-

die nicht von dir sind, in der leeren Wohnung hockst und dich fragst, wo dein

karte – wenn du jemals Ärger hast in dieser

Auto ist, solltest du wieder mehr auf deine eigenen Bedürfnisse schauen. Im

Stadt, meld dich…

Sommer wäre ein guter Zeitpunkt für einen Urlaub. Und nein, die alte Nach-

Ich brauch einen Platz für die Katzen. Nur

barin, die sonst niemanden hat, musst du nicht auf deine Kosten mitnehmen.

ein paar Monate. Niemand will sie. Fast. Der Papa baut das Gartenhaus zur Katzenvilla

Fische | 19.2.-20.3.

um. Nachdem die Mama den halben Hof

Sensibelchen, dein Name ist Fisch. Klar ist es tragisch, wenn es mal wieder

vom Schnee freigeschaufelt hat, um über-

nix geworden ist mit der großen Liebe und dir der einsame Rausch von Silve-

haupt erst zum Gartenvillakatzenhaus zu

ster noch tief in den Gräten sitzt. Aber wer von uns ist denn schon glücklich?

kommen…

Na gut, so einige… Vielleicht wärst du es auch, wenn du nicht ständig Tiefsee-

Kaiserfrühstück. Griechischer Bergtee, Bio-

taucher spieltest.

käse, selbstgemachte Marmeladen. Bezahlen? Was? Geht aufs Haus, sagt der Sigi…

Widder | 21.3.-20.4.

So viele Menschen und Geschichten. So.

Wo immer du 2009 Hindernisse aus dem Weg gerammt hast, kommst du 2010

Viel.

locker durch. Es hassen dich zwar viele, gut, naja. Egal, jedenfalls: Wenn das

Die Schwester, die mir laufend E-Mail-Sup-

eine oder andere mal doch nicht ganz so easy klappen sollte wie gewöhnlich,

port fürs Überleben gibt.

gräme dich nicht (als ob du das jemals tätest): Dein Dickschädel wird’s schon

Yv und ihre Couch.

richten.

Alexandra und ihr Erste-Hilfe-Kasten für ungeschminkte Wimpern und wunde Herzen.

Stier | 21.4.-20.5.

Der beste Lehrer der Welt, der sich an einen

Das Warten hat ein Ende: Du wirst für all deine Geduld und Gutmütigkeit

erinnert – auch an die geborgte Ratte in der

heuer endlich mal ordentlich belohnt und entschädigt. Das einzige, was du

Jackentasche und den Fünfer

jetzt noch lernen musst, ist, das alles auch ganz schamlos zu genießen. Hau

in Geschichte.

ohne schlechtes Gewissen auf den Putz und feiere das Leben – du hast es dir

Sil, die sich für meinen nächsten Geburtstag eine

verdient.

ganze Woche Urlaub neh-

Zwillinge | 21.5.-20.6.

men wird.

Na, da geht doch die Sonne auf. Große Dinge kommen auf dich zu – nein,

Und ein Mann, der Bilder

für

mich

malt…

keine Lastwagen. Aber Reisen, Glück in der Liebe, beruflicher Erfolg und spannende Begegnungen. Hä? Langweilige 08/15-Prognose? Kann sein. Aber glaub mir, du willst die Wahrheit gar nicht wissen. (Die ist nämlich noch viel besser.

nicht mehr: Wann

Krebs | 21.6.-22.7.

genau ich eigent-

Nachdem du 2009 größtenteils verschlafen hast, gibt es jetzt endlich wieder

lich diesem weißen

Aufgaben für dich zu lösen. Setz die Scheren ein und kappe Freundschafts-

Kaninchen in jenes

bänder, die dich nur behindern. Setz den Kopf ein (doch, er ist da!) und be-

Land gefolgt bin, in

schäftige dich wieder mehr mit großen Zielen: Heuer kannst du das eine oder

dem ich heute lebe.

andere erreichen. – 30 – MFG

Foto: ZVG

(Sicher.)) Nur eins weiß ich


MFG URBAN Löwe | 23.7.-22.8.

Skorpion | 24.10.-22.11.

Deinen Thron macht dir wie immer niemand streitig.

Ja, das letzte Jahr war recht hart. Ja, die ersten Wo-

Weniger Arroganz wäre trotzdem angebracht, denn

chen im neuen Jahr waren sehr mühsam. Jetzt die

du sitzt nur solange da oben, wie die anderen dich

schlechte Nachricht: Viel einfacher wird es auch

lassen.

das restliche 2010 nicht. Die gute Nachricht: Dank

Kein schöner Gedanke? Schreib ein Gedicht darüber

deines scharfen Verstands und deiner Logik wirst du

und lies es deinen Untergebenen vor. Sie werden von deiner neuen wei-

dich schon durchwurschteln. Und einen netten Haufen Verbündete, die

chen Seite überrascht sein und dir wieder eine Zeitlang ohne Aufmu-

das gute Herz hinter deiner giftigen Maske erkannt haben, hast du ja

cken huldigen.

auch.

Jungfrau | 23.8.-22.9.

Schütze | 23.11.-22.12.

Deine Tugendhaftigkeit in allen Ehren – allerspä-

Du bist immer der Jäger, niemals der Gejagte. Das er-

testens im Herbst des neuen Jahres solltest du es

klärt, warum du kein Glück hast, wenn du drauf war-

aber mal krachen und die Regeln und To Do-Lists

test, von jemandem gefunden zu werden. Gefunden

außer Acht lassen. Spaß ist nicht automatisch im-

werden Mäuschen – du aber bist ein, äh, Schütze!

mer Rücksichtslosigkeit. Und du bist nicht für Gott

Genau! Also nimm dir einfach, was du willst. Sicher

und die Welt verantwortlich. Also, für Gott ganz bestimmt nicht. Glaub

besser als weiterhin an der Fernbedienung zu kleben und seufzend auf

ich halt. Oder?

Prinz/essin Supertoll zu warten. Raus mit dir.

Waage | 23.9.-23.10.

Steinbock | 23.12.-19.1.

Ganz ehrlich: Du bist der einzige auf dieser Party,

Die gefährlichsten Berge, die steilsten Klüfte, die

der es verdammt in Griff hat. Alles. Beneidenswert.

grünsten Wiesen – wirst du 2010 mit ziemlicher Si-

Pass höchstens gegen Ende des Jahres auf, dass du

cherheit nicht erobern. Aber du wirst ein hübsches

nicht aus dem gewohnten Gleichgewicht kommst –

lauschiges Sonnenplätzchen in angenehmer Höhe

die Sterne versprechen einen Menschen, der dich

finden, auf dem du dich die nächsten Monate übers

aus der Bahn zu werfen versucht. Nein, nicht aus der ÖBB, haha. Meta-

Leben sinnierend niederlassen kannst. Ist nach dem anstrengenden

phorisch gesprochen. Ach, du weißt schon.

2009 ja vielleicht auch mal ganz nett. Schlaf dich aus, Böckchen.

Event Design Award 2010

Wien ein Publikumsvoting durchgeführt. Der/die PublikumsgewinnerIn darf sich über eine Reise

Im Rahmen des New Design Festivals 2010 ruft die New Design University St. Pölten, ihres Zeichens Privatuniversität der Kreativwirtschaft, den Event Design Award ins Leben. Kreative Köpfe und innovative Eventideen sind gefragt!

in die Eventmetropole Las Vegas freuen. Nun werden sich einige fragen, warum die Preisverleihung nicht in St. Pölten stattfindet, wo doch dort die Wiege des Event Design Awards liegt? „Da in etwa ein Drittel der Studierenden der NDU aus Wien kommt, sind wir auch in Wien

Bei diesem in Österreich einzigartigen Wettbe-

aktiv.“, begründet Lehrner die „Auswanderung“

werb werden einerseits die besten Eventideen,

in die Bundeshauptstadt. Aber auch St. Pölten

und andererseits bereits realisierte Events ge-

soll nicht zu kurz kommen: Der Jurypreis des

kürt. „Gerade junge Menschen sind für innova-

Event Design Awards sieht die Realisierung des

tive Eventkonzepte zu begeistern und stecken

Events, gemeinsam mit NXP, vor, und dieses

selbst voller kreativer Ideen. Die New Design

Event soll im VAZ St. Pölten stattfinden.

University will ihnen die einmalige Möglichkeit

Ein weiteres Ziel der NDU ist es auch, in Zu-

geben, diese auch umzusetzen“, erklärt Chri-

sammenarbeit mit der Stadt St. Pölten und der

stoph Lehrner von der NDU den Grundgedan-

Fachhochschule St. Pölten, den Studienstandort

ken. Somit sollen zwei Fliegen mit einer Klappe

St. Pölten attraktiver zu machen. „Mit dem zu-

geschlagen werden: Der Event Design Award

kunftsorientierten Ausbau des Studienangebots und der Weiterentwicklung der notwendigen

Foto: ZVG

belohnt Jugendliche für ihre Kreativität, und fördert gleichzeitig die Event-Branche mit neuem

mit NXP, einem der größten Veranstaltungsbe-

Infrastruktur wird St. Pölten sicher ein immer

Input. Ausgezeichnet werden Events, die bereits

triebe Österreichs, einen Ideenwettbewerb, bei

attraktiver werdender Studienstandort.“

stattgefunden haben. Der Schwerpunkt bei der

dem innovative Eventideen eingereicht werden

Vergangenen Oktober startete an der NDU das

Bewertung wird auf die Umsetzung mittels in-

können.

neue Bachelor Studium „Event Engineering“

novativer Event-Technologie gelegt.

Der/die GewinnerIn erhält die einmalige Chance,

und im Herbst 2010 fällt der Startschuss für den

Für alle, die nicht nur gerne auf Events gehen,

seine/ihre Idee in die Tat umzusetzen. Zusätz-

zweiten technischen Studiengang „Design und

sondern auch hinter die Kulissen blicken, star-

lich zum Jurypreis wird bei der Preisverleihung

Architektur Technologie“.

tet die New Design University in Kooperation

am 24. April 2010 in der Ottakringer Brauerei in

Mehr Infos: www.ndu.ac.at

– 31 – MFG


st. PÖlten scHiesst scHARF „Polizist erschießt Jugendlichen“, „Trafikant erschießt Einbrecher“, „Ganove erschießt Polizist“ – Schlagzeilen wie diese dominierten die letzten Monate die Medien und vermittelten den Eindruck, dass der Finger am Abzug allzu locker sitzt. Wir wollten wissen, wie man überhaupt zu einer Waffe kommt in diesem Staat, und wie es so aussieht mit der Waffenlobby in St. Pölten.

teXt: sAscHA HARold Fotos: HeRMAnn RAUscHMAyR

deR WeG zUR WAFFe.

Um den Weg zur Waf-

werden hauptsächlich Dinge wie die Motivation

Nach dem Gespräch muss noch beim Waffen-

fenbesitzkarte nachzuzeichnen, haben wir eine

abgefragt, außerdem erhält die Person noch

händler oder beim Schützenverein ein soge-

potenzielle Testperson auf den Weg geschickt,

Informationen zur Verwahrung der Waffe und

nannter „Waffenführerschein“ erworben wer-

denn, wie es der Zufall will: Ein Kollege möchte

deren Gebrauch“, wobei der Experte als größ-

den. „Beim Waffenführerschein geht es um die

sich seit längerem eine Waffenbesitzkarte zule-

tes Problem eine Art Gutachtentourismus ortet.

gesetzlichen Richtlinien, den richtigen Trans-

gen. „Warum das denn?“, so der allgemeine Te-

„Es wird vom Gesetz nur verlangt, ein positives

port der Waffe sowie deren Aufbewahrung. Es

nor in der Redaktion. Gegenfrage: „Warum nicht?

Gutachten vorzuweisen. Das heißt, wenn ich ei-

wird auf Gefahrenmomente bei der Benützung

Ich sehe kein Risiko im Besitz einer Waffe, sofern

nen negativen Befund abgebe, kann die Person

hingewiesen, und man erfährt zusätzlich zur

man sich an die gesetzlichen Vorschriften hält.

einfach so lange zu anderen Psychologen gehen,

praktischen Belehrung auch, wo und wann man

Und ich schieße eben gerne.“

bis sie einen positiven Befund in Händen hält! “

schießen darf!“, so unser Testpilot, der betont:

Und was kann zu einem negativen Befund füh-

„Man muss sich in jedem Moment bewusst sein,

Der Weg zum Waffenbesitz beginnt bei Polizei

ren? „Dafür gibt es tausende Gründe. Es hängt

dass man eine Waffe in Händen hält!“

oder Bezirkshauptmannschaft. Dort erhält man

sehr stark von den Persönlichkeitsmerkmalen

zunächst

ab. Wie kommt die Person mit Stress zurecht,

GeFÄHRdete GRUPPen?

Thema Waffenbesitz und meldet sich an.

wie reagiert sie in Konfliktsituationen, ist sie ge-

stes die Frage, wie es die laut Gesetz gefähr-

In einem nächsten Schritt steht ein verpflich-

waltbereit… Ein Psychologe braucht auf

deten Berufsgruppen mit dem Waffenbesitz

tendes psychologisches Gespräch an, das – was

jeden Fall jahrelange

halten? Führen viele eine Waffe bei sich? Zwar

doch einigermaßen überrascht – am Kuratorium

analytische

Erfah-

räumt etwa Andi Novosad, Taxi-

für Verkehrssicherheit abgelegt wird. „Die Waf-

rung,

um

solche

fahrer bei Rittner, gewisse Ge-

fenrechtliche Verlässlichkeitsprüfung besteht aus

Gutachten

aus-

fahrenmomente bei seinem Job

einem standardisierten Persönlichkeitsfragebo-

stellen zu dürfen.“

ein „vor drei Jahren wurde ich

gen, und darauf aufbauend einem persönlichen

Dass man all dies

von einem Fahrgast, der nicht

psychologischen Gespräch, anhand dessen dann

aus einem einzigen

bezahlen wollte, mit einem

ein Befund gegeben werden kann“, erläutert

Gespräch herauslesen

Messer

Rainer Kastner vom Kuratorium für Verkehrssi-

kann,

kann er sich nicht mit dem Ge-

cherheit. Worüber wird dabei gesprochen? „Es

dings fraglich.

grundlegende

Informationen

zum

scheint

aller-

Stellt sich als näch-

attackiert“,

dennoch

danken anfreunden, eine Waffe – 32 – MFG


MFG URBAN

im Auto mitzuführen: „Ich hätte einfach Angst, dass ich in eine Situation komme, in der ich sie womöglich einsetze.“ Auch sein Chef, Joe Rittner, schlägt in diese Kerbe: „In einem Taxi hat eine Waffe nichts verloren! Es stellt sich nämlich die Frage, wer die Waffe dann letztendlich verwendet. So gesehen ist es sicherer, gleich gar keine mitzuführen.“ Ein Waffengegner ist er allerdings nicht: „Ich habe selber eine Waffe. Das ist ein liebes Hobby, wenn es die richtigen

als Gast mit und bekommt erst später den Mit-

haben – aber was ist mit den illegalen Waffen?“

Personen im richtigen Rahmen ausüben.“

gliedsstatus.“ Im Verein selbst sind hauptsäch-

Gerade darin sieht der Oberschützenmeister

Auch die junge Taxilenkerin Carina Ringelhahn

lich Sportschützen anzutreffen, wobei man

das Hauptproblem, damit würden auch die mei-

vertraut auf andere Verteidigungsmittel. „So ge-

ein Problem mit vielen anderen Vereinen teilt:

sten Verbrechen mit Schusswaffengebrauch

fährlich ist Taxifahren auch wieder nicht, außer-

fehlender Nachwuchs. „Schießsport ist ein

begangen. Deshalb regen ihn auch Diskussi-

dem hab ich eh immer einen Pfefferspray mit.“

sterbender Sport“, meint Figl trocken. „Vor 20,

onen um das Verhalten jenes Trafikanten, der

Hat sie ihn schon einmal benützt? „Nein!“

30 Jahren gab es noch eine große Anzahl von

einen Einbrecher erschossen hat, auf. „Die sol-

Auch in Trafikanten-Kreisen ist die Waffenfrage

Schützen, heute sind es nur mehr wenige.“ Was

len arbeiten gehen und net einbrechen. Wenn

umstritten. „Ich bin schon dafür, dass Trafi-

besonders an Schützenvereinen ist: Mitglieder

ein Polizist bei der Arbeit angeschossen wird,

kanten Waffen haben dürfen – die Kriminalität

brauchen nicht unbedingt eine Waffenbesitz-

dann sagt keiner etwas, da heißt es ganz logi-

wird ja doch immer mehr“, meint etwa eine An-

karte, sondern können sich die Schießeisen

scherweise ‚Berufsrisiko‘. Nun, bei den Einbre-

gestellte der Trafik Bauer, wenngleich die Trafik

vom Verein ausborgen „mit nach Hause neh-

chern ist es genauso Berufsrisiko.“ Auch die

noch nie Opfer eines Überfalls wurde. „Wir sind

men dürfen sie diese aber natürlich nicht!“

verfassungsrechtlich

ja im Einkaufszentrum situiert, da haben wir

Und wie beurteilen die Herren das österrei-

verteidigung, deren Sinnhaftigkeit von vielen

gleich unten die Polizei.“ Gefahren für seinen

chische Waffengesetz? „Das ist zu streng“,

in Frage gestellt wird, relativiert Figl: „Wissen

Berufsstand ortet auch ein Mitarbeiter der Tra-

findet Figl „es kriminalisiert ja geradezu die

Sie – Eigenheimverteidigung ist mit der Be-

fik Kovar in der Linzerstrasse, „Waffenbesitz ist

Waffenbesitzer, die legal eine Waffe erworben

sitzkarte theoretisch gar nicht möglich. Bis ich

verankerte

Eigenheim-

allerdings keine Lösung!“

Hobbyschützen.

Dann kommen wir als

nächstes zu jenen, die just for fun schießen. Diesbezüglich führt der Weg unweigerlich über die „Privilegierte Schützenkompagnie St. Pölten“ im Hammerpark. Gegründet wurde der Verein 1540 und zählt damit zu den ältesten Vereinen Österreichs überhaupt, der anno dazumal auch kaiserliche Weihen erfuhr. So besuchte Kaiser Franz Josef die Schießstätte zuletzt 1910. Da das Wetter keine Schießübungen zulässt, sind die meisten Mitglieder gerade beim Essen im Aufenthaltsraum, als wir aufkreuzen. Wir setzen uns mit Schützenrat Walter Lechner sowie Oberschützenmeister Josef Figl zusammen. Wie wird man überhaupt Mitglied im Verein? „Prinzipiell kann jeder Mitglied werden. Besonders wichtig ist, dass wir Vertrauen zu der Person aufbauen“, erläutert Lechner das Eintrittsszenario. Und wie weiß man, ob jemand

Waffenrecht

Prinzipiell hat jeder volljährige österreichische Staatsbürger das Recht auf eine Waffe, begründet wird dies mit dem Bedürfnis nach „Eigenheimverteidigung“. Ein Passus, der etwa in Großbritannien schon seit 1946 aus dem Gesetz gestrichen ist. Um in Österreich eine Waffe bei sich zu führen, benötigt man einen Waffenpass. Die Waffenbesitzkarte hingegen erlaubt zwar, eine Waffe zu Hause zu lagern, diese darf aber nur ungeladen und ausschließlich auf dem Weg zum Schießplatz und Büchsenmacher transportiert werden. Ein dauerndes Tragen der Waffe ist nicht gestattet. Die Verwahrung unterliegt strengen Auflagen: Munition und Waffe dürfen für Dritte nicht erreichbar sein. Besitzt man einen Waffenpass, darf man die Waffe bei sich führen, allerdings gilt das nur für, vom Gesetz genau definierte, gefährdete Berufsgruppen wie Taxifahrer, Trafikanten, Tankstellenbesitzer… „Generell werden immer weniger Pässe und immer mehr Besitzkarten ausgestellt“, so Oberschützenmeister Reinhard Arlt. Unter diese Regelungen fallen v.a. Faustfeuerwaffen – Gewehre etwa dürfen nach Registrierung und Ablauf einer dreitägigen Wartefrist auch ohne entsprechende Berechtigung erworben werden. Im Bezirk St. Pölten sind 2290 Waffenbesitzkarten und 1900 Waffenpässe ausgestellt, in St. Pölten Stadt 953 Waffenbesitzkarten sowie 630 Waffenpässe.

vertrauenswürdig ist? „Er schießt eine Zeit lang – 33 – MFG


A designed by admin@zanot.net

„Bis ich meine Waffe aus dem SChrank geholt und geladen habe, ist der Einbrecher schon Wieder weg.“ Oberschützenmeister J. Figl

– 34 – MFG


MFG URBAN meine Waffe nämlich aus dem verschlossenen

mitglieder sitzen, fügt Lechner hinzu „Letztlich

tenen verloren.“ In Punkto Eigenheimschutz

Schrank geholt und geladen hab, ist der Einbre-

ist uns die gesellschaftliche Komponente sehr

schlägt er in dieselbe Kerbe wie Figl: „Das Si-

cher schon wieder weg.“ Stellt sich natürlich

wichtig. Man kennt sich untereinander, auch die

cherheitsgefühl ist halt sehr subjektiv. Manche

die Frage, wofür man dann überhaupt noch

Schützen von anderen Vereinen.“

fühlen sich sicherer wenn sie einen grünen Pul-

eine Besitzkarte braucht? „In der Form, wie

lover anziehen, andere wenn sie eine Waffe im

sie existiert, ist sie ohnedies nur mehr für Waf-

Polizeischützenverein.

zuletzt

Haus haben. In der Praxis verhindern die stren-

fensammler und Sportschützen interessant.“

noch der Weg zum zweiten großen Schützen-

gen Auflagen bei der Verwahrung aber meistens

Waffenfreaks gäbe es im Verein nicht, auch nie-

verein St. Pöltens, dem Polizeischützenverein.

die Verteidigung mit der Waffe.“ Dann wäre

mand, der sich eine Waffe kauft, nur um sich zu

Dessen Schießstand befindet sich am Kalvari-

aber doch der Waffenbesitz zuhause ohnedies

Hause sicherer zu fühlen. „Ich habe mich selber

enberg. Wir kommen unangemeldet, was zu-

nicht notwendig, also warum nicht gleich ein

eigentlich noch nie mit dem Sicherheitsgedan-

nächst für leichte Irritation sorgt – wer weiß

generelles Waffenverbot. Arlt winkt ab: „Das ist

ken beschäftigt“, so Figl.

schon, was wir Medienfritzen alles schreiben

nicht zielführend. Seit in England Waffen verbo-

Und was ist überhaupt das Faszinierende am

werden. Schließlich plauschen wir aber mit

ten sind, verkauft die russische Mafia soviele

Schießen? „Beim Schießsport braucht man

Vereinsobmann

Waffen wie noch nie!“

viel Ehrgeiz, Konzentration – die geistige Kom-

hard Arlt, der das seiner Meinung nach „durch

Nachwuchssorgen plagen Arlt im übrigen nicht.

ponente ist extrem wichtig“, gerät Lechner ins

die Medien verzerrte Bild des Schießsportes“

„Derzeit gibt es sogar einen Aufnahmestopp,

Schwärmen. Auf professionelle Schützen, die

zurechtrücken will. „Schießen ist der sicherste

weil der Verein so viele Mitglieder hat!“

auch internationale Bewerbe bestreiten, war-

Sport – wegen der Disziplin!“ Nachsatz: „Wenn

Und so neigt sich unsere Reise durch St. Pöl-

tet hartes körperliches Training. Im St. Pöltner

man sich an das Gesetz hält, dürfte eigentlich

tens Waffenwelt dem Ende zu. Schießen ist ein

Verein tummeln sich aber vorwiegend Hobby-

gar nichts passieren.“ Also ist das Waffenge-

Sport wie jeder andere, den – entgegen manch

schützen, „die den Sport zum Vergnügen aus-

setz in Österreich in Ordnung wie es ist? „Ja!

Vorurteils – nicht nur „Waffennarren“ ausüben.

üben.“ Der Sport selbst sei nicht gefährlich,

Das Versperren der Waffe ist wichtig, vor allem

Soweit so gut. Dennoch darf man das Waffenge-

weil es ganz klare Regeln am Schießstand gibt.

wenn Kinder im Haus sind.“ Trotzdem hört man

setz, insbesondere in seiner Argumentation der

„Wenn einer reinkommt und meint, er muss

bisweilen von schlimmen Unfällen. Für Arlt nur

Eigenheimverteidigung, hinterfragen. Waffenbe-

gleich seine Waffe auspacken und herumzeigen,

Ergebnis falscher Erziehung. „Ich habe meinen

sitz an sich impliziert immer Gefahr. Ein Schuss

kann er gleich wieder heim gehen“, so Figl. Mit

Kindern die Waffe einmal gezeigt und erklärt,

ist schnell abgegeben, die Konsequenzen wäh-

Blick auf den Esstisch, um den einige Vereins-

was das ist – damit geht der Reiz des Verbo-

ren ein Leben lang.

Bleibt

Oberschützenmeister

Rein-

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HOLLAND vs. ÖSTERREICH Part I of II Auslandsaufenthalt. Wann, wenn nicht während meines letzten FH-Semesters im Rahmen des Praktikums? Eben. Ich bin dann also mal weg. In Holland. A few months. Die Unterschiede sind gravierend. Ein Vergleich biedert sich an. So here we go. Statusbericht Teil 1 von 2 …

Einkaufen

Holland

den Geschmack und jedes Budget Unmengen an Sinnvollem und Klumpatt zu kaufen – das Einkaufen macht auch definitiv

TEXT: Althea Müller

Auto

In

gibt es nicht nur für je-

mehr Spaß. Freundliche Verkäufer, schöne Dekos,

Kannst du in Holland vergessen, außer du bist reich (und hast

günstige Wühlkörbe selbst

eine Garage / einen Dauerparkplatz) oder arm (weil du überall Gebühren

im First Class-Designer-Shop, das Wort „Kortnig“ (Rabatt) wo man geht

zahlst). Anders betrachtet aber, profitiert die Umwelt von weniger Abga-

und steht und fast die ganze Zeit über Ausverkauf.

NL 1 / AUT 1

sen, net woahr. Also je 1 Punkt für beide!

Bahn

NL 5 / AUT 2

Fahrrad Selbst bei eisiger Straßenlage lassen es sich die Niederländer

In Österreich sind

nicht nehmen, tapfer zu radeln. Dass es den einen oder die andere dann

die Züge sauber und auch

schon mal auflegt, nehmen sie genauso tapfer in Kauf. Auf den Straßen

in der 2. Klasse top aus-

ist mehr Platz für Radfahrer als Fußgänger, und die Kinder werden von

gestattet. In den Pendler-

beherzten, rotwangigen Eltern einfach vorn aufs Radl gesetzt. Abgase:

zügen Hollands sehen die

null. Stramme Wadln: unzählige.

meisten Waggons innen

NL 6 / AUT 2

wie Relikte aus den 70ern

Garbage

aus. Dafür drücken die

men eher vergeblich. (Ausnahmen bestätigen die Regel) Am ehesten

Schaffner hier gleich beide

wird noch Papier und/oder Bio getrennt, ansonsten landet grundsätzlich

Augen zu, wenn du keine

alles im selben Mist. Wobei letzteres größtenteils gegen Entgelt geregelt

oder eine falsche Karte hast – große Augen, der Hinweis aufs Studen-

wird – und durch Chipcards und versperrte Tonnen werden die Bürger zu

tendasein und der Nebensatz „Ich bin sooo müde und will nur noch nach

Sparsamkeit beim Mistverursachen angehalten.

Hause“ wirken hier Wunder, während man sich in Österreich damit ziem-

Mülltrennung sucht man hier sowohl privat als auch in Fir-

NL 6 / AUT 3

lich sicher auf der nächsten Polizeidienststelle wiederfindet. Und: Bei

Handy Am

Verspätungen gibt es am Ticketschalter schon mal spontane Rabatte bis

ob alt oder jung – jeder hat sein Telefon in der Hand, hört Musik, schreibt

40 %. Menschlichkeit statt Komfort. Nehm ich gern.

SMS oder E-Mails bzw. telefoniert. Da es hier jeder macht, schimpft auch

NL 2 / AUT 1

NL 7 / AUT 3

keiner.



Café

Bahnhof, in der Fußgängerzone oder beim Zugfahren: Egal

Internationalität

Ich habe das, wie ich denke, einzige Kaffeehaus in Holland ent-

In Österreich reden wir – österreichisch oder

deckt, das wie ein Wiener Café eingerichtet ist, eine tolle und günstige

hochdeutsch. Im besten Fall noch englisch, aber wirklich nicht gern. Blö-

Karte hat, gratis Wi-Fi bietet, den ganzen Tag/Abend einen Rocksender

der Tourist! In Holland reden fast alle niederländisch und englisch. Sowie

laufen lässt und das Rauchen erlaubt. (Evtl. lassen sich hier meine Prio-

sehr oft auch noch deutsch und bei näherem Nachfragen garantiert auch

ritäten erkennen...) Abgesehen von der Musik also österreichische Ver-

ein paar Brocken französisch – wenn nicht sowieso fließend. Selbst die

hältnisse. Namen und Ort halte ich geheim, weil ich ein Biest bin.

Bankomaten sind viersprachig.

NL 3 / AUT 2



Drogen

NL 8 / AUT 3

Jugendliche

Sosehr

Jaja, die Cof-

die Teens auf den nieder-

feeshops. Wenn sich nie-

ländischen Straßen auch

mand rundherum wundert,

brüllen und schreien mö-

wird’s

einen

gen (weil sie betrunken

Einwanderer innerhalb we-

sind oder einfach nur, um

niger Stunden (!) normal,

sich mit ihren Freunden

dass hier Gras geraucht

drei Geschäfte weiter aus-

werden darf und in jedem

zutauschen) – wenn ihnen

selbst

für

Dorf mindestens ein klei-

ein Stück Jause auf den

ner Laden ist, wo es so, äh,

Boden fällt, heben sie es auf. Wenn man ihnen im Weg ist, warten sie

komisch riecht. Und die Leute sind auch nicht aggressiver als die Besof-

geduldig. Und rauchen nur im Raucherbereich. Gute Kinderstube. Könnt

fenen im Wiener Bermudadreieck. Eher weniger.

man sich glatt noch was abschauen.

NL 4 / AUT 2

– 36 – MFG

NL 9 / AUT 3


MFG URBAN

Kirchen

Meistens sind sie verschlossen. Angeblich, weil früher die

gen einen anderen Bus gefahren ist. Oder John der Thaibox-Trainer, der

nicht so gläubigen Menschen regelmäßig die Kanzeln leergeräumt ha-

von deutsch bis russisch alle Sprachen spricht, immer Ärger mit seinem

ben. Trotzdem: Wie soll man sich wie die Boondock Saints fühlen, wenn

Sohn und eine modelnde Tochter in Seattle, und mich vor einer geistes-

man im besten schwarzen Mantel nicht mal in eine Kirche kann, um

kranken Vermieterin bewahrt hat, ohne auch nur ein Danke annehmen

filmreif mit seinem Schicksal zu hadern?

Ugait tatie zu wollen.) Nur: Wenn immer jeder und alles in Bewegung ist, nit willad auch

NL 9 / AUT 4

Lebensmittel Ein Traum für Junkfood-Fans: Pudding in 1-Liter-Tetra-

commodit luptat

niemand wissen, woher du kommst und wohin du gehst. Wichtig ist nit, quat. Iquisnur, dass du jetzt hier bist und was du jetzt hier machst. Irgendwie molor sum Zen, dolore

paks, Pizza und Milka-Schokolade zu Dumpingpreisen. Zur Freude von

Leere, Freiheit. Geh nur niemandem auf die Nerven. Und:exeraestrud Nein ist Nein.

Vegetariern und Veganern gibt es außerdem in fast jedem Supermarkt



Sojaprodukte und Tofu in allen Variationen zu moderaten Preisen. Damit man sich andere Sachen auch noch kaufen kann. 

modolor ercidunt NL 11core / AUT 5 nulla faccum irit nulputp

NL 10 / AUT 4

Menschen

Holländer

haben weniger Berüh-

Stand zur Halbzeit: NL 11 / AUT 5

rungsängste, aber auch weniger Interesse. Heißt nicht, schräge

dass

es

Ich mag Holland. Und vermisse Österreich, vor allem „mein“ St. Pölten, bis aufs Knochenmark. In Summe ein gutes Gefühl.

nicht

Begegnungen

gäbe. (So sind meine er-

Next time: u.a. Nachbarn, TV, Vögel

sten Freunde hier Ferdi der Busfahrer, der mit mir ein Wettrennen ge-

RIVERSIDE FESTIVAL

Am 12. Mai braucht man in Traismauer „Schwammerl“ gar nicht erst zu suchen: Die Killerpilze stehen nämlich höchstselbst beim Riverside-Festival am Festivalgelände Traismauer auf der Bühne! Die drei Deutschen verkauften bisweilen mehr als 180.000 Alben und füllen Fan-Clubs und Shows in ganz Europa. Mit dabei sind auch The Staggers, I Am Cereals und Rooga. Veranstalter René

Foto: Althea Müller, ZVG

Voak dazu: „Es freut mich, dass es uns auch heuer wieder gelungen ist, ein abwechslungsreiches, aber auch qualitativ hochwertiges Line-Up auf die Bühne zu stellen. ‚Klein aber fein’ beschreibt das Festival wohl am besten.“ Support sind die Bands des „podium.jazz.pop.rock 2010 NÖ Wettbewerb für Popularmusik“ des Musikschulmanagements NÖ. www.riversidefestival.at

– 37 – MFG


SZENE KULTUR

KUNSTLICHT von Thomas Fröhlich Kultur am Zug. Ja, Sie haben richtig gelesen. Mit diesem Slogan gingen die ÖBB einige Zeit lang hausieren. Wie das, fragt sich der fahrplankundige Mensch sogleich. Ist etwa die Strecke St. Pölten-Krems gemeint? Beides ja gerade keine unwesentlichen Städte – und dennoch darf man als St. Pölten besuchender Kremser Bahnkunde die Stadt spätestens um halb zehn Uhr abends verlassen, als Krems besuchender St. Pöltner schon um neun. Will man also einer Veranstaltung im Festspielhaus (STP) oder einer Lesung im Literaturhaus (Krems) beiwohnen, hat man vier Möglichkeiten: 1. mit dem Auto fahren und die Umwelt trak-

ES WAR EINMAL EIN HOF

Am 1. April 1990 öffnete die Bühne im Hof erstmals ihre Pforten. Damit feiert die zur kultu-

tieren

rellen Fixgröße Niederösterreichs avancierte Institution heuer ihr unglaubliches 20jähriges

2. für längere Fußmärsche trainieren („Wan-

Jubiläum. Nach der Erhebung zur Landeshauptstadt war die Bühne im Hof der erste Schritt,

derbares Österreich“!)

die städtische Kulturlandschaft zu forcieren – lange bevor Festspielhaus oder der gesamte

3. auswärts nächtigen und somit die notlei-

Kulturbezirk entstanden. Das weiß auch Bürgermeister Matthias Stadler zu schätzen: „Die

dende heimische Hotellerie unterstützen

Bühne im Hof ist das erste kulturelle Hauptstadtprojekt, ein Vorzeigeprojekt, was die künst-

4. sch… gehen.

lerische Ambition und Offenheit anbelangt.“ Der Erfolg des Hauses ist natürlich unweigerlich mit einem Namen verbunden: Intendantin Mimi Wunderer. Landeshauptmann Erwin

Doch wahrscheinlich hab’ ich das alles falsch

Pröll streut der nimmermüden Kulturschaffenden Rosen: „Mit Wurzeln in einem anderen

verstanden: Sehen wir uns stattdessen ein-

Kulturkreis hat sie unseren Kulturkreis erweitert und befruchtet, das niederösterreichische

mal die Strecke St. Pölten-Wien an. Denn

Kulturleben in positivem Sinn durcheinander gewirbelt und ihm zu nationaler und internati-

was sich da an Verspätungen in Permanenz

onaler Anerkennung verholfen.“ Wir gratulieren herzlich!

abspielt, kann ja kein Zufall sein! Und hier setzt wohl der Bildungsauftrag der Bundesbahnen ein: Denn derlei Ungemach

FABELHAFT.

lässt sich de facto nur – erraten! – mit einem

lenden Künste geht bereits in seine vierte Saison. Sehr

guten Buch überstehen.

zur Freude von Intendant Folke Tegetthoff „Ein Festival ist

Das gleichnamige Festival der Erzäh-

Wenn also Ihr Zug wieder einmal

für mich wie ein lebendiger Organismus, der wächst, sich

völlig unmotiviert in der Nähe

entwickelt, Strömungen aufnimmt und verarbeitet“ Von

des pittoresken Neulengbach

16. bis 26. Mai werden an vier Standorten Erzählkünstler

auf der Strecke herumlun-

aus aller Welt das Publikum verzaubern. Letztlich geht es

gert, freuen Sie sich über die

ums Reden und Zuhören. „Ich möchte einen dynamischen

so gewonnene Lesezeit und

Prozess auslösen und der Kommunikation einen anderen

greifen zum Schmöker Ihrer

Stellenwert geben“, so Tegetthoff. www.fabelhaft.at

Wahl. Empfehlenswert sind da: Seiten),

die

DER MEISTER.

Weltgeschichte

von

wird Heinz Zednik, für viele Opernfreunde die Nummer

H. G. Wells (ca. 1500

Eins als Charaktertenor, am 15. April einen Liederabend

Seiten) oder Shake-

in der Bühne im Hof geben. Das amüsante Programm

speares gesammelte

bestreitet er gemeinsam mit seinem langjährigen Klavier-

Werke

partner Konrad Leitner. Zednik, der schon im zarten Kin-

(1270

(ganz

viele

Seiten).

Anlässlich seines 70. Geburtstags

desalter von Oper und Theater begeistert war: „Für mich

Und danken Sie den ÖBB

hat sich damals eine Wunderwelt aufgetan. Erst wurden

für Ihre sprunghaft anstei-

die Instrumente gestimmt, dann ging der Vorhang auf, es

gende Belesenheit!

erklang eine Musik, die mir sogleich gefiel.“ – 38 – MFG

Foto: Fotolia, Knie, ZVG

der neue Stephen King


aliens

pflanzen und tiere auf wanderschaft

14. M채rz 2010 - 13. februar 2011 www.landesmuseum.net

Foto: Fotolia, Knie, ZVG

di bis so von 9 bis 17 uhr


MFG ADVERTORIAL

KULTUR VERBINDET

MITGLIED WERDEN! Werden Sie Mitglied des Fördervereins Kulturbezirk

und genießen Sie unsere exklusiven Vorteile (Previews, Künstlertreffs, Ausflüge, Ermäßigungen etc.). Nähere Information erteilt Simone Uhrmeister, Tel. 02742 / 908080-812, simone.uhrmeister@festspielhaus.at

Die St. Pöltner Kulturszene ist äußerst lebhaft und facettenreich! Sie hat sich im letzten Jahrzehnt enorm weiterentwickelt und ist heute einer Landeshauptstadt absolut würdig! Der  Förderverein Kulturbezirk St. Pölten hat  durch das vorbildhafte Engagement  zweier großer Proponenten – Herbert Binder und

Der neue Vorstand des Fördervereins Kulturbezirk (v.l.n.r.): Reichl, Gludovatz, Salzer, Fiedler, Roth, Karner

Franz Rupp – das Seinige zum Gedeihen der Kulturszene beigetragen. Mittlerweile sind rund 500 Mitglieder an den verschiedenen Standorten aktiv „unterwegs“, die nicht nur die besonderen Veranstaltungen im Kulturbezirk genießen, sondern auch die unzähligen Vorteile wie Künstlertreffs, Preview-Veranstaltungen, kulturelle Exkursionen in die Nähe sowie Kulturreisen in die Ferne.

Starkes Frühjahrsprogramm Im Rahmen eines Präsentationsabends in der Box im Festspielhaus stellte der Förderverein

Auffallend: Viele Freunde halten uns seit Jah-

Kulturbezirk sein Halbjahresprogramm bis Juni 2010 vor. Dieses bringt für die Mitglieder u. a.

ren die Treue, andere sind erst seit Kurzem

eine Preview zur Ausstellung „Aliens“ im Landesmuseum (10. März), einen Ausflug in die Nati-

neu hinzugekommen, um das exklusive Pro-

onalbibliothek (8. April), die Preview zur Ausstellung „Jakob Prandtauer“ im Landesmuseum (5.

gramm zu nutzen. Umgekehrt tragen diese alle

Mai) sowie eine Veranstaltung in der NÖ Landesbibliothek mit anschließendem Sommerfest.

aber durch ihren Beitrag, nicht zuletzt aber v.a.

In einer offenen Diskussion skizzierte Obmann Lothar Fiedler weiters neue Ideen. So möchte

durch ihr ehrliches Interesse sowie die posi-

der Verein älteren Mitbürgern, die in Seniorenwohnheimen wohnen, durch Patenschaften

tive Mundpropaganda für „ihre“ Häuser zum

(persönliches Abholen durch Mitglieder des Fördervereins) einen Kulturabend ermöglichen.

Gedeihen des Kulturbezirks bei.

Oder es soll im Zuge eines Kindervermittlungsnachmittags mit Vahid Khadhem-Missagh, stv.

Der Förderverein Kulturbezirk steht letztlich

Konzertmeister der Tonkünstler Niederösterreich, den Kindern der Fördervereins-Mitglieder

für den Brückenschlag zwischen Kulturbezirk

anhand einer Stradivari Geige das Instrument sowie die Musik näher gebracht werden.

und City, zwischen Stadt und Land. Es herrscht reger Austausch mit sämtlichen kulturellen Stellen in St. Pölten, ebenso wie mit unseren Freunden in Krems oder Grafenegg. Denn dies

EXKLUSIV TIPP

macht die Essenz unseres Vereinslebens mit

Die „Aliens“ sind gelandet. Am 10. März lädt der Förder-

aus: Kultur verbindet! Die Institutionen, die

verein Kulturbezirk seine Mitglieder zur exklusiven Pre-

Menschen, die Herzen!

view der Sonderausstellung „Aliens - Pflanzen und Tiere auf Wanderschaft“ ins Landesmuseum. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen jene Pflanzen, Tiere und Pilze, die ursprünglich nicht in unseren Breiten heimisch waren, sondern erst im Lauf der Jahre zugewandert, eingeführt oder eingeschleppt wurden. Nach der Begrüßung durch Museumsdirektor Dr. Erich Steiner wird der Kurator Dr. Wolfgang Rabitsch persönlich durch die Schau führen.

Zum exklusiven Künstlertreff mit Grammy-Gewinner Bill Frisell (Bild links), der als einer der besten Gitarristen der Welt gilt, lud der Förderverein Kulturbezirk seine Mitglieder ins Festspielhaus. Im Rahmen der Veranstaltung zog auch der künstlerische Leiter des Hauses, Joachim Schloemer (Bild rechts), eine erste Bilanz. „Ich kann sicher noch nicht sagen, lehnen wir uns zurück, ich bin schon dort, wo ich hinwill. Mein Programm ist auf mehrere Jahre hin angelegt. Mir ist wichtig, dass sich die Künstler in unserem Haus wohl fühlen, den Ruf des Festspielhauses hinaustragen. Ebenso wichtig ist es, in Kommunikation mit dem Publikum zu treten, miteinander zu reden. Alles in allem ist es ein spannender Prozess.“ – 40 – MFG


Der Jahrhundert tänzer TEXT: EVA SEIDL FOTOS: Vorlaufer, GLUSGOLD

Vor beinahe 20 Jahren wurde Vladimir Malakhov als DER große Stern am internationalen Balletthimmel gefeiert. Heute ist er als Intendant des Staatsballett Berlin erfolgreich und tanzt dort „außerirdisch wie eh und je“ im Alter von 42 Jahren noch immer Paraderollen wie „Schwanensee“. Im April kommt er nach St. Pölten – Rückkehr eines umtriebigen Multitalents.

schon zur internationalen Elite, war erster Solotänzer der Wiener Staatsoper, des National Ballet Canada oder des American Ballet Theatre, mit dem er in der Metropolitan Opera New York für Furore sorgte. Die New York Times feierte ihn hymnisch als „Jahrhunderttänzer“, viele sprachen vom „neuen Nurejew“. Auch als Choreograph feierte Malakhov alsbald Erfolge. Ende der Neunziger wurde etwa seine erste Choreographie („Die Bajadere“) an der Wiener Staatsoper aufgeführt. Zahlreiche weitere Engagements folgten. 2002 nahm er schließlich die Stelle als Ballettdirektor der Staatsoper Berlin an und feiert dort seither Erfolg um Erfolg!

Solange ist es noch gar nicht her, dass Malakhov in St. Pölten weilte.

Aktuell bereitet er die Premiere „La Peri“ vor. Das Ballett wurde 1843 in

Damals aber quasi „in Zivil“, also nicht auf der Bühne. So besuchte er

Paris uraufgeführt und gilt als eines der zauberhaftesten Werke der Tanz-

2008 die Ausstellung „Tanzende Figuren“ im Stadtmuseum St. Pölten. „In

theatergeschichte. Malakhov zeichnet nicht nur für Choreographie und

Wien bin ich allerdings öfter“, gesteht der aus der Ukraine stammende

Inszenierung verantwortlich, sondern tanzt auch selbst an zwei Abenden

Startänzer mit österreichischem Pass. Speziell mit einigen Personen der

die Rolle des Achmed. Müdigkeit ist ihm nicht anzumerken: „Ich tanze

St. Pöltner Kulturszene ist er nach wie vor in Kontakt, so mit dem Direk-

mehrere Abende im Monat, im Dezember waren es sechs Vorstellungen,

tor der St. Pöltner Ballettschule Michael Fichtenbaum sowie dem langjährigen Intendanten des Festspielhauses St. Pölten Michael Birkmeyer, seines Zeichens ja selbst ehemaliger Solotänzer der Wiener Staatsoper: „Wenn es sich herumspricht, dass ich in Österreich bin, will jeder sofort wissen, wie es mir geht und was ich gerade mache!“, freut er sich über die nach wie vor persönlichen Freundschaften. Mit der Traisenstadt verbindet Malakhov eine langjährige

K 2 –

AUFFORDERUNG ZUM TANZ

Vereinigung des WIENER STAATSOPERNBALLETTS Di, 27. April 2010, Beginn: 20:00 Uhr, VAZ ST. PÖLTEN Vladimir Malakhov und Stars des Wiener Staatsopernballetts, des Staatsballetts Berlin und des Marinsky Theaters St. Petersburg in einer großen Ballettgala. Choreographie Christian Tichy (Neujahrskonzert, Opernball)

Beziehung. So wurde er bereits 1994 von der Stadt St. Pölten mit dem

im Jänner vier. Jetzt bereiten wir die Premiere von ,La Peri‘ vor, da bin

Youngster of Arts Europe ausgezeichnet. Damals nicht nur Anerkennung

ich natürlich sehr beschäftigt.“ Ein Zwölf-Stunden-Tag ist für ihn keine

seiner künstlerischen Genialität, die er auch in St. Pölten in mehreren Ga-

Seltenheit, oft beginnt der Arbeitstag um 9 Uhr und endet erst abends

las unter Beweis gestellt hatte, sondern insbesondere auch Danksagung

nach der Vorstellung – „und danach telefoniere ich dann manchmal noch

für seine Verdienste um die Positionierung St. Pöltens als Ballettstadt.

mit Journalisten“. Ans Aufhören denkt der 42jährige noch nicht: „Darüber denke ich nicht

Ausnahmetänzer. Zu diesem Zeitpunkt zählte der damals 26-jährige

nach. Ich trainiere viel und bin noch immer gut in Form. Natürlich weiß

– 42 – MFG

df-MF


MFG KULTUR

Bild l.: Fußabdrücke Malakhovs vor dem Landestheater Bild r.: Letzter Besuch im Stadtmuseum 2008

ich nicht, wie lange ich noch tanzen kann, aber einige Jahre sollte es

ich auch nicht genau, was wir dort zeigen werden“ lacht Malakhov au-

schon noch gehen.“

genzwinkernd. „Momentan bin ich noch ganz mit meiner Premiere be-

Obwohl er noch Schwanensee tanzt, denkt er auch an den Nachwuchs:

schäftigt. Aber Sie können sicher sein, dass es ein spannender Abend

„Es gibt so viele talentierte junge Tänzer, die das genauso gut können

wird!“

und auch eine Chance bekommen sollten“, ist er überzeugt. Gerade die

Das glaubt man ihm gerne, wobei er auch für seinen weiteren Lebens-

klassischen Ballettstücke sind oft sehr anspruchsvoll, daher will er sich

weg noch manch Überraschung in petto hat. Was genau? „Natürlich

in Zukunft mehr auf den modernen Tanz konzentrieren.

habe ich Wünsche für die Zukunft, aber die kann ich nicht erzählen, denn

Und was werden wir von ihm und seinen Berliner Kollegen im Rahmen

dann gehen Sie nicht in Erfüllung! Das Wichtigste ist, dass im Leben im-

der Ballettgala „Aufforderung zum Tanz“ in St. Pölten sehen? „Das weiß

mer etwas Neues kommt!“

Programminfo und Tickets unter www.donaufestival.at oder +43 (0) 2732 90 80 33

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04.02.2010 21:11:49 Uhr


MFG ADVERTORIAL

Sophie Hunger macht Appetit auf Musik „Sie verleibt sich die Sprache ein, kostet jede Silbe aus, haucht ihren Songs eine Zärtlichkeit und einen Zorn ein, der keinen unberührt lässt”, schreibt die FAZ, „Excellent“, Le Monde und „Liebe Sophie, deine Musik ist großartig. Herzblut.“ ihre Fans. MFG lüftet das derzeit noch best gehütete Geheimnis der Schweiz. Am 27. März gastiert sie im Festspielhaus.

ten öffentlichen Albums „1983“. Druck verspürt sie allerdings nicht. „Ich fühle eher ein großes Vertrauen, das mir entgegen gebracht wird“ , verrät Sophie dem MFG. Das zeigt sich auch in den vielen positiven Rezensionen, die ihre Fans auf amazon und facebook zuhauf posten. Als Person ist sie eher ruhelos: „Ich bin gerne in Bewegung. Ich werde schnell mal paranoid, wenn es zu Momenten nachdenklicher Stille kommt. Ich versuche sehr, das zu vermeiden, z. B. mit Zugfahren.“ Beweglich sind auch ihre Songs, denn nicht nur die Arrangements spielen mit den Regeln der Musik, Sophie singt auf Englisch, Französisch und Schwei-

Casting Shows und Hampelmann für Plattenfirmen spielen hat sich So-

zerdeutsch. Dabei hat sie eine ganz präzise Vorstellung, welche Sprache

phie Hunger erspart. Ihr musikalischer Werdegang liest sich eher wie ein

sie für welchen Song benutzt: „Im Englischen gehe ich viel naiver ran, und

modernes Märchen. Noch vor zwei Jahren war die 1983 geborene Schwei-

im Französischen bin ich fast ein bisschen blind. Damit kann ich nicht

zerin selbst in ihrer Heimat ein vollkommen unbeschriebenes Blatt. Dann

dasselbe sagen wie auf Schweizerdeutsch, auch nicht mit demselben Ef-

veröffentlichte sie ihr in Eigenregie produziertes Debütalbum “Sketches

fekt. Im Französischen lege ich viel mehr in den Gesang als in die Worte,

On Sea”, das einen Einblick in Sophies musikalische Welt gab: Eine Welt

also eher in den Klang der Worte. Was ich auf Französisch zum Beispiel oft

ohne stilistische Grenzen, bevölkert von so unterschiedlichen Musikern

singe ist Jacques Brels ‚Ne Me Quitte Pas‘. Wenn man solch einen Text ins

wie einem Jazzposaunisten und einem Flamenco-Gitarristen. Der neue

Englische übersetzen würde, wäre das absolut affektiert und nicht mehr

aufgehende Stern am Jazz/Pop Himmel lebt mit seiner charismatischen

poetisch. Das wäre zu künstlich. Aber auf Französisch funktioniert das.“

Stimme seine Musik zwischen Folk und Soul mit jeder Faser ihres Kör-

Was Sophie Hunger aus dem anschwellenden Meer der zeitgenössischen

pers - darum kommt Sophie Hunger auch ganz ohne Effekthascherei aus.

Songschreiberinnen hervorhebt, ist zum Beispiel die Kombination von In-

Das self-made Album verkaufte sich, ohne die Promotionmaschine einer

tegrität und Reife, die sie bereits auf ihrem ersten offiziell veröffentlichten

großen Plattenfirma im Rücken zu haben, nach und nach einige Tausend

Album “Monday’s Ghost” bewiesen hat. Nicht umsonst, sind ihre Musik

mal. Doch nicht nur beim Schweizer Publikum weckte die Nachwuchs-

und ihre Live-Auftritte eingeschlagen wie eine Bombe. Kaum ein Kritiker

künstlerin mit ihrer nonkonformen Musik Interesse. Schon bald erhielt sie

in der Schweiz oder dem Rest Europas, der ihr nicht eine schimmernde

von namhaften Kollegen wie dem Jazz-Trompeter Erik Truffaz, der Indus-

Zukunft voraussagt. Das Verblüffende daran ist, dass Sophie dieses Kunst-

trial-Band The Young Gods oder dem Rock-Chansonnier Stephan Eicher

stück nicht etwa mit am Reißbrett entworfenen Format-Pop vollbrachte,

Einladungen, die Bühne mit ihnen zu teilen.

sondern mit eigenwilligen, manchmal fast schon widerborstig zu nen-

Die Diplomatentochter, die in Bern, London, Teheran und Bonn groß ge-

nenden Nummern, die stilistisch zwischen folkiger Singer/Songwriter-

worden ist, hatte eigentlich lange keine Ahnung von ihrem Talent und ist

Tradition, atmosphärischem Jazz, Indie-Pop und balladeskem Soul mäan-

erst nach ihrer Matura zur Musik gestoßen. Ihre Selbsteinschätzung, sie

dern.

verstehe nicht viel von Musik, scheint angesichts ihres zwar ungeschlif-

Was sie sich von ihrem österreichischen Publikum erwartet: „Dass es so

fenen, aber unglaublich charmanten Sounds kokett.

ist, wie es bisher war: Ausnahmslos herzlich, ausdrucksstark, vielzählig

Momentan steht sie kurz vor der Veröffentlichung ihres mittlerweile zwei-

und frech.“

– 44 – MFG


Darf ich bitten?

Was ist Tanz? Welchen Stil bevorzuge ich? Was möchte ich auf der Bühne sehen? Und schließlich: Kann Vielfalt nebeneinander bestehen? Das Festival Österreich TANZT 2010 gibt darauf mit künstlerischer Diversität und polyästhetischen Ansätzen Antwort. Auf

den ersten Blick scheinbar miteinander

lebbar. Er beschäftigt sich mit Fragen wie „Wie

gnie die Grenzen des Genres. „Er macht eines

nicht zu vereinbarendes wird auf den Bühnen

verändert das Denken eine Bewegung?“, „Sind

der am aufregendsten inszenierten Ballette un-

des Festspielhauses und im öffentlichen Raum

Bewegungen instinktiv oder intentional gesteu-

seres Planeten“, urteilte die New York Times.

der Stadt St.Pölten zur Diskussion gestellt. Jede

ert?“, „Was passiert im Gehirn, wenn man eine

Tanzrichtung der Genres Ballett / Performance /

Choreografie entwickelt?“. Die Beziehung von

Compagnie Heddy Maalem | 17. April.

Zeitgenössischer Tanz / Ethnischer Tanz schafft

Geist und Körper, die Rolle der Kunst, die Rolle

Ein Stück über den Puls unserer Welt, über

sich ihre eigene Community mit den ihr eigenen,

des Tanzes in einer auf reglementierten Syste-

Rhythmus und Atem präsentiert der Schweizer

strengen „Glaubensgrundsätzen“. Auch Tanzmuf-

men aufgebauten Welt – all das wird durch die

Perkussionist Fritz Hauser. In „Mais le diable

fel werden von neuen Ansätzen fasziniert sein:

Sinnsuche − des Künstlers und des Publikums

marche à nos côtés“ (Aber der Teufel geht an

− ständig hinterfragt. Die geschmeidige, tem-

unserer Seite) schuf er gemeinsam mit dem aus

Wayne McGregor | Entity | 10. April. Die

Nordafrika stammenden Choreografen Heddy

Verbindung zwischen Kunst und Wissenschaft

Maalem und dessen TänzerInnen ein Stück aus

ist es, die Wayne McGregor über die Maßen zu

Atem- und Bewegungsmustern. Archaisches und

faszinieren scheint – stets verbunden mit einer

Modernes treffen dabei aufeinander. Die Körper

großen Leidenschaft für den menschlichen Kör-

der TänzerInnen sprechen im Einklang mit und

per. Der 1970 in Yorkshire geborene McGregor

durch den Schlag der großen Trommel: Bewe-

bewunderte als Kind John Travolta, gründete mit

gung, Hast, der langsamere Rhythmus der Natur

22 die Tanzcompany „Random Dance“ und hat

oder irritierendes, aufgeregtes Flattern. Ein Tanz

seit dem über 80 Arbeiten für Bühne, Film und

über Anfang und Ende der Welt, in der wir leben,

Fernsehen geschaffen, darunter Tanzszenen für

über das, was uns in der Spirale des Heute ge-

einen Harry Potter-Film.

fangen hält – über das Leben als Reise, als Fluss.

Während der vergangenen 16 Jahre hat er intensiv geforscht, mit diversen Künstlern, aber auch

Österreich tanzt. Alle Interessierten dürfen

Ingenieuren und Wissenschaftlern zusammen

sich beim Festival Österreich TANZT 2010 im

gearbeitet und dabei die Grenzen des Genres

Rahmen von Abendvorstellungen, Workshops

sprengende Arbeiten geschaffen. In „Entity“

poreiche Bewegungssprache McGregors ist in

oder Performances zwischen den stilistisch ex-

(Das Seiende), einem Stück, dem ein dreijähriger

Soli und Ensemble-Konstellationen virtuos um-

trem kontrastreichen Tanzartikulationen von

Forschungsprozess mit zehn TänzerInnen, Psy-

gesetzt. Mit einer ungewöhnlichen Kombination

Wayne McGregor, Heddy Maalem und vielen

chologen und Neurowissenschaftlern voranging,

von Licht, Videoinstallationen, Tanz und Musik

mehr positionieren und sich fragen, ob sie Tanz

macht Wayne McGregor diese Leidenschaft er-

sprengen Wayne McGregor und seine Compa-

annehmen können oder nicht!

6. - 14. 3. Cyberlab 17. - 21. 3. „über Windungen“

25. & 26. 3. 27. 3. 10. 4. 15. & 16. 4. 17. 4.

20. 5. 25. - 30.5. 2. - 6. 6.

10. & 11. 4.

Live Modul B. Fleischmann, sweet sweet moon Sandra Hüller The Hidden Cameras Orientalische Nacht Radio Live Show CR 94,4 mit Dave Dempsey 21. 5. QUO VADIS St. Pölten, Fokus Kultur 29. 5. Österreich TANZT Party mit Muzikfranz & DJ Lichtfels 12. 3. 20. 3. 26. 3. 10. 4. 17. 4. 22. 4.

Die Expedition mit raumlabor berlin, 3. Etappe For Love Sophie Hunger Entity Stilllifes, Fritz Hauser Mais le diable marche à nos côtés, Compagnie Heddy Maalem Barock 21 Festival Österreich TANZT „der rechte Weg“ Die Expedition mit raumlaborberlin, 4. Etappe Play Zero

E TERMIN – 45 – MFG


Kurt Ingerl – Ein Leben für die Kunst

NÖ Kulturforum sorgt für Erinnerung an eine große niederösterreichische Künstlerpersönlichkeit Anlässlich

des 10. Todesjahres von Kurt Ingerl

in den Museen hängt, von Schokoladenkönigen

(1935 – 1999) förderte das NÖ Kulturforum die

und

Herausgabe des Buches „Kurt Ingerl – Ein Le-

wird.“

erfolgreichen

Baustoffhändlern

gekauft

ben für die Kunst“. „Kurt Ingerl, ein großer niederösterreichischer Künstler, dessen Leben und

Kunst bedeutete ihm Forschung, Prozess. Viel-

Werk nicht in Vergessenheit geraten darf“, so NR

leicht ist deshalb der Nachvollzug seines Werkes

Ewald Sacher bei der Präsentation des Buches

schwieriger, da es vom gewohnt Überprüfbaren

im Wiener Palais Palffy im Jänner dieses Jahres.

abgekoppelt ist. Seine Grundformel lautete: „Ich

Dr. Johannes Köck, Lehrer und künstlerisch-

liebe den Kieselstein, die Wespentaille und die

wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für

Formen der Düsenflugzeuge.“ Der Kieselstein

das künstlerische Lehramt an der Akademie der

stand ihm für Opposition zur Wotruba´schen

bildenden Künste in Wien, hat Kurt Ingerl zum

Formensprache. Die Wespentaille war sein Sym-

Mittelpunkt seiner Dissertation bei Prof. Herwig

bol für den Kampf von Raum und Volumen. Die

Zens gemacht, die nun dank der Förderung des

Formen der Düsenflugzeuge meinte er als ästhe-

NÖ Kulturforums in Buchform erschienen ist:

tisch hochwertige Drehkörper. Die Konsequenz

„Kurt Ingerl – Ein Leben für die Kunst“. Dem er-

dieser Vorlieben waren seine Torsi, die er als

sten Band „Biografie und Computerkunst“ wird

einen Balanceakt zwischen Kugeln, Achsen und

Ende 2010 ein zweiter folgen.

Gerichtetheit ansah. Ingerl liebte die handwerkliche Perfektion, die

„Kurt Ingerl, ein groSSer niederösterreichischer Künstler“ EwalD sacher

Der aus Ternitz stammende Kurt Ingerl (geb.

Objektivität, die Anonymität. Deshalb produ-

28.5.1935) kann mit Fug und Recht zu den re-

zierte er auch fetischistische Naturabgüsse, da

nommiertesten bildenden Künstlern Niederö-

er meinte, dass es keine perfektere objektive

sterreichs des ausgehenden 20. Jahrhunderts

Wiedergabe des menschlichen Körpers gäbe. Im

gezählt werden. Seine künstlerischen Spuren

Besonderen verzückte ihn die Wespentaille. Um

hat er weithin gesetzt. Insbesondere im Süden

die engsten Damen „zu schnüren“ flog er sogar

Niederösterreichs, wo er beheimatet war, ist er

nach England.

bis heute mit seinem Werk präsent. Kurt Ingerl

Wenn er von seinen öffentlichen Projekten

war auch ein Künstler mit fester Weltanschau-

sprach, dann zählten ausschließlich die Größe

ung und Wertehaltung. Er war ein Linker, er war

und die Tonnagen. Doch aufgrund seiner über-

kämpferisch sozial eingestellt – nahezu bis zur

aus knappen Kalkulationen bei Großaufträgen,

Selbstaufgabe.

die zumeist von der öffentlichen Hand finanziert

Eigentlich war er geprüfter Kunsterzieher, der

wurden, war er zuletzt ein Sozialfall, der sich

als Maler, Bildhauer, Vizepräsident des Wiener

nicht einmal mehr Gips kaufen konnte.

Künstlerhauses, als Kulturpreisträger der Stadt Wr. Neustadt und des Landes NÖ vielen bekannt war. Gotthard Fellerer: „Ingerl war Künstler mit internationalen Kontakten und einer jener, die von ihrer Kunst manchmal am unteren Limit des Existenzminimums leben mussten. Mit seinen ästhetischen Produkten wurde Kurt Ingerl einerseits zum Urgestein der österreichischen Konkreten Kunst und andererseits ein unübersehbarer Faktor der österreichischen Fetischistenszene, die sich zumalen im so genannten Wiener Schwarzen Schlössel traf.“ Den Durchbruch schaffte er zu Lebzeiten trotz ungemeinen Fleißes nicht. Die tonangebende „Cliqueria“ belächelte ihn nur. Er aber meinte, die „Österreichformel“ für Kunst gefunden zu haben: „Kunst ist all das, was Erfolg hat, was – 46 – MFG

1.Präsentation des Kurt-Ingerl-Buches durch das NÖ Kulturforum im Palais Palffy: v.l. Autor Dr. Johannes Köck, Ingerl-Freund Gotthard Fellerer, Kulturforums-Obmann Ewald Sacher


MFG ADVERTORIAL Kurt Ingerl starb am 5. März 1999. „Posthum wird nun der einst Verkannte und zumeist Ungeliebte, über den man sich das Maul zerriss, zum Star derjenigen, die ihn vielleicht vorher nicht kannten oder übersahen“, so der langjährige Freund und Künstlerkollege Gotthard Fellerer. Durch eine großzügige Schenkung seiner letzten Lebensgefährtin Christa Cebis kam die Stadt Wiener Neustadt in den Besitz einer umfangreichen Sammlung von Werken Kurt Ingerls, die kraft des finanziellen Einsatzes des NÖ Kulturforums und Dr. Johannes Köck aufgearbeitet wurde und wird, was zuletzt das Buch auch beweist.

Auch in St. Pölten hat Kurt Ingerl seine Spuren hinterlassen - die beeindruckendste ist das Prandtauerdenkmal am Europaplatz. Ewald Sacher mit Stadtmuseums-Leiter Thomas Pulle.

Gotthard Fellerer – 65 65

und kein bisschen leise – das ist Gotthard

Seine Spuren lassen sich im ganzen Land verfol-

Zitat aus seinem „Sternenstaub, Westentaschen-

Fellerer, künstlerischer Motor des NÖ Kultur-

gen: Kunstverein Südost, Kunstleit´n in der Buck-

poesie für stille Stunden“ sei ihm mitgegeben:

forums. Er beging seinen „halbrunden“ Geburts-

ligen Welt, Karl-Renner-Museum in Gloggnitz,

„Taten, die Du in das Sein gräbst, sichern Deine

tag im Kreise von Freundinnen und Freunden

sein satirisches Kunstblatt´l „BravDa“ u.v.m. Ein

Spur, die sonst der Wind verwehen würde.“

aus Kunst und Kultur Ende 2009, umrahmt von einer umfassenden Ausstellung im Österreichischen Kulturzentrum im Palais Palffy. Wir gratulieren im nachhinein! Das Multitalent Fellerer – Künstler in verschiedenen Sparten, Bildnerischer Erzieher, Kunstund Kulturvermittler, Maler, Literat, Musiker, Vordenker, Nachdenker, Querdenker – war Mitbegründer des NÖ Kulturforums vor 35 Jahren und ist bis heute ein Faktor im Kulturgeschehen unseres Landes. Nur eine herausragende Idee sei hier genannt, die von höchster Stelle, aber vielmehr noch von vielen Kunstschaffenden anerkannt und für diese unverzichtbar ist und die er mit dem NÖ Kulturforum umsetzte: Der NÖ Kunstproviant. – 47 – MFG


SZENE SHORTCUTS

Rosa Festtage! von Rosa 5. März, ein magisches Datum! Ein Tag, an dem sich die Welt ein wenig langsamer drehen soll als sonst. Ein Freitag, an dem Rosa geküsst und geherzt werden soll, inniger und bedeutender als sonst. 24 Stunden, die sich ganz und gar nur mit zwei Dingen des Lebens beschäftigen mögen: 1. Mit der neuen Ausgabe MFG im Jahr 2010, und 2. mit Rosas Geburtstag. Oder doch umgekehrt? Egal. Hauptsache beides. Fragt sich nur, was sich ab heute ändern wird? Soll es das?

The beat goes on!

Nachdem bereits bei der Premiere des Beatpatrol Festivals vergangenes Jahr fette Acts wie Paul van Dyk, IAMX, Asian Dub Foundation St. Pölten alle Ehre machten, wird es heuer noch „fetter“. So wird beim heurigen Beatpatrol Festival, powered by Raiffeisenclub, von 23. – 25. Juli am VAZ-Gelände St. Pölten der als weltbester DJ gehandelte Tiësto höchstpersönlich die Turntables bedienen! Als weitere Sensation bringt Beatpatrol europaexklusiv die einzige DIM MAK Stage mit den Mannen des gleichnamigen Kultlabels rund um Mastermind Steve Aoki, Crookers und Bloody Beetroots. Weiters bereits verpflichtet „Altmeister“ Booka Shade, Benny Benassi, Grammygewinner Dubfire, Bauchklang, Alex Gaudino, DJ Rush, TV Rock, Popof, Dusty Kid, Fritz Kalkbrenner, Oliver Koletzki und The Shit Is Coming Home. Und das ist lange noch nicht alles. Insgesamt werden wieder rund 100 Acts das Beatpatrol

Mal sehen, was bisher geschah. Zugegeben,

Festival beehren und auf sechs Stages in- und outdoor für fette Vibes sorgen. Und dies am

vor noch nicht allzu langer Zeit belohnte ich

wohl komfortabelsten Festival-Venue Österreichs. www.beatpatrol.at

mich für besondere Leistungen oder besonderes Leid mit ausgedehnten Shopping-Reisen zu den Textil-Paradiesen dieser Erde. Ist

SIGNS. So nennen Bauchklang ihr brandneues Album.

noch nicht lange her, dass ich bei dem Blick

Seit 2006 arbeitete das Quintett daran - eine Akribie, die

auf mein Bankkonto Magengeschwüre und

sich auch im Endprodukt niederschlägt: Bauchklang zei-

Schweißausbrüche gleichzeitig, und beinahe

gen sich musikalisch wie textlich gereift, zudem setzte

chronisch behandeln musste.

man vermehrt auf Zusammenarbeit mit internationalen

Männer

als

Trostpflaster

mussten

be-

Künstlern wie Ursula Rucker, Rapper Rouda oder Tez.

stimmten Kriterien genügen und vor allem

„Wenn wir zum Beispiel Tez auf Tour durch Frankreich wie-

lange Stand halten. Und die frühmorgend-

der zufällig trafen, spielten wir so manche spontane Live-

lichen Nachhause-Spazierwege nach durch-

Session“, erinnert sich Gerald „Hubsi“ Huber auch an den

zechter Nacht endeten meist und immer

bleibenden Funfaktor der Zusammenarbeit.

leicht volltrunken unabgeschminkt auf dem Falten hin, Pickel her. So nachgedacht, fällt

BESCHWERDECHOR.

mir auf, dass ich zunehmend veraltere. Die

Künstlerin Bernadette La Hengst „Wenn in Wien die Sonne

Bank ist mein Freund, Magengeschwüre hat

scheint, ist es in St. Pölten grau“, Ergebnis des Festspiel-

mein Arzt unter Kontrolle, Schweißausbrü-

haus-Projektes „Beschwerdechor“, schaffte es bis ins Fi-

che lasse ich als prämenstruale Unstimmig-

nale des FM4 Protest-Songcontests. Im Hinblick auf die

keiten durchgehen und Männer? Die haben

Nachhaltigkeit des Projektes zog die Künstlerin trotzdem

sich reduziert auf einen ganz bestimmten.

ein ernüchterndes Resümee. „Ich habe in St. Pölten keine

So gesehen hat es doch wieder was Gutes,

neue politische Bewegung gefunden und auch nur wenig

das Altern. Hoch lebe das Alter! Ich habe

glaubhaften politischen Protest, dafür aber viel mensch-

Spaß damit.

lichen Protest und somit umgedrehte Sehnsüchte.“

Happy birthday Rosa! – 48 – MFG

Der Song der Berliner

Foto: Pistel, Müller, Wamka

Sofa.


Foto: Pistel, M端ller, Wamka


W-HOUSE OSTERWOCHENENDE

Ganz unter dem Motto „3 Tage Wach“ wird im Warehouse das Ost erwochenende gefeiert. Von EASTERBEATZ, bis zu LÜTZENKIRCHEN und REV IVAL OF THE GOOD OLD TIMES ist für Jede n was dabei!

EASTERBEATZ

Bevor die Schule wieder los geht kann man am Freitag, den 02. April 201 0, beim EASTERBEATZ noch einmal rich tig abfeiern. Auf 2 Floors kann zu 4 vers chiedenen Musikrichtungen, Alternat iv, Electro, Dancehall und Drum´n´Bas s getanzt werden, dazu gibt’s noch eine fette Getränkeaktion – mehr daz u findet ihr auf unserer Homepage!

LÜTZENKIRCHEN

Als Vorgeschmack aufs BEATPATROL FESTIVAL 2010 lädt die Partyreihe VIERMALVIER zu ihrem 1-jährigen Bestehen am 03. April 2010 niemand geringeren als Lützenkirchen ein, der mit seinem bekannten Hit „3 Tage wach“ der Partycrowd ordentlich einheizen wird.

REVIVAL OF THE GOOD OLD TIMES Alle Jahre wieder wollen wir uns am Ostersonntag an die „guten alten Zeiten“ erinnern. Nirvana, Blur, Smashing Pumpkins, Fantastischen Vier, U2, Depeche Mode, Prodigy, Guns Roses und vieles mehr lassen uns an die damalige Partyzeit im Butterwerk, Blauen Keller, Rapoltendorf, Jesters Hole, Hohenegg,… erinnern. Hubsi, Schratti und Pauli werden uns wie eh und je zeigen, wie man die Nacht zum Tag macht.

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MFG SZENE

GAnsch chillig

Vor einigen Monaten, genauer gesagt im Oktober 2009, brachte der St. Pöltner Hip Hop Künstler Siegfried Gansch, besser bekannt als CHiLL-iLL, sein Debütalbum „Für Körper & Seele“ auf den Markt.

Seine erste Begegnung mit Hip Hop hatte der St. Georgener bereits im zarten Alter von acht Jahren. „Durch meinen älteren Bruder war sehr früh das Verständnis zur ganzen Hip-Hop-Kultur gegeben. Das hat mich sehr geprägt und fasziniert”, so der Musiker. Mittlerweile kann ChiLL-iLL auf einige Erfolge und ein gelungenes Erstlingswerk zurückblicken. “Für mich war die Veröffentlichung meines Debütalbums ‚Für Körper & Seele‘ ein großer, auch persönlicher Erfolg. Das war immer mein großes Ziel, und nach fünf Jahren intensiver Arbeit konnte ich das Projekt endlich abschließen. Außerdem freut es mich natürlich, wenn ich neue Leute – egal in welchen Altersgruppen – für meine Musik begeistern kann.” Seine Ziele für die nähere Zukunft sind weitere Releases, die Umsetzung bereits begonnener Projekte und Kooperationen mit diversen anderen Künstlern. Einige Tracks und Layouts sind bereits fix fertig, wann genau sie jedoch erscheinen, kann Gansch noch nicht sagen. Aktuell ist ChiLL-iLL viel live mit der “Basic-Sound-Band” unterwegs, ein Punkt, der ihn von anderen Acts des Genres abhebt. Gefunden hat er seine Backing Band übrigens zufällig. Zwei Wochen vor einem Gig der Band, war ChiLL-iLL in deren Proberaum zu Besuch. Beim gemeinsamen Jammen lernte man sich näher kennen und schätzen. „Danach haben sich die Jungs meinen Stuff angehört und vier Monate später wurde dann am ersten Live-Set gefeilt für unseren ersten gemeinsamen Auftritt im Linzer Posthof. Für mich war es immer schon ein großes Ziel mit Band aufzutreten, deswegen freut es mich umso mehr, dass das alles geklappt hat”, so ChiLL-iLL. In St. Pölten vermisst er eine eigene, ausgeprägte Hip Hop Szene: „Eine solche gibt es leider in St. Pölten nicht wirklich, ja, Hip Hop-Veranstaltungen werden immer weniger, und das Angebot der aktiven Künstler hält sich in Grenzen.“ Dabei würde er sich über einen Austausch mit anderen freuen. „Wäre toll, wenn sich eine kleine feine

TEXT: Michael Reibnagel

jenigen, die selbst fleißig zuhause am Werken sind: „Wagt einen Schritt an die Öffentlichkeit!“ Siegfried Gansch hat ihn getan, und zwar einen durchaus gelungenen, wie sein aktuelles Album beweist. www.chill-ill.at.

– 52 – MFG

Foto: ZVG

Hip-Hop-Szene in St. Pölten entwickelt“, so Gansch und appelliert an die-


N8BUZZ vs. Restart tc. Nightliner Jugendliche aus Niederösterreich dürfen sich freuen. Seit kurzem steuern gleich zwei „Discobusse“ die Partystadt St. Pölten an, um die Nachtschwärmer aus den Umlandgemeinden für nur zwei Euro sicher hin & retour zu bringen. Während der „N8Buzz“, vom gleichnamigen, der JVP nahestehenden Verein, geführt wird, entlang der Route St. Magarethen – Afing – St. Pölten zirkuliert, bringt der „Nightliner“, betrieben vom der SJ nahestenden Verein Restart.tc, Jugendliche aus dem Umkreis Traismauer sicher an ihr Ziel und wieder nachhause. Und doch ist da ein schaler Nachgeschmack. Denn offensichtlich ist die Causa Discobus wieder Beleg österreichischer Schrebergärtnermentalität, die leider bis hinab zu den Jugendorganisationen der politischen Parteien reicht: Warum kein einheitlicher Bus? Warum wieder eine Teilung der „Reichshälften“ á la ARBÖ-ÖAMTC, ASBÖ-Rotes Kreuz etc.

im Restart.tc Nightliner-Netz implementiert sind). Dennoch spricht sich

Ohne Parteibrille wäre das Projekt doch viel effizienter: eine Busflotte,

Georg Strohmeier, GF des Vereins N8Buzz, für eine überparteiliche Zusam-

gemeinsame Stationen, gemeinsame Werbung, effizienterer Einsatz der

menarbeit aus: „Mit einem einheitlichen und überparteilichen Discobus für

Fördermittel – nicht alles mal zwei mit dementsprechendem Streuver-

die ganze Region könnte man kostengünstiger arbeiten und damit insge-

lust. Andreas Beer vom Verein Restart tc. schiebt den schwarzen Peter

samt viel mehr Stationen und Linien in die Routen einplanen.“ Und An-

den Mitbewerbern zu: „Wir haben schon seit Jahren im Jugendkongress

dreas Beer spricht zwar nicht gleich von gemeinsamer Sache, zollt dem

für die Durchführung einer solchen Bus-Aktion interveniert, ja die Umset-

N8Buzz aber dann doch Respekt: „Jede Initiative, die Verbesserungen für

zung wurde sogar beschlossen, aber dann doch nie realisiert.“ Die Jungs-

die Situation junger Menschen bringt, ist zu begrüßen.“ Ob „roter“ oder

chwarzen wiederum sehen es gerade umgekehrt, so hätte man die roten

„schwarzer“ Bus – den Jugendlichen wirds egal sein.

Gemeinden nicht vom Projekt N8Buzz überzeugen können (die jedoch nun

www.N8BUZZ.at, www.restart.tc


Anfang Juni 2010 eröffnet in St. Pölten Europas erstes Family Entertainment Center mit dem US-CybersportHit „LASERTRON“! MFG stellt das neueste Projekt aus der Erfolgschmiede NXP vor und beantwortet alle Fragen rund um den neuen Trend- und Freizeitsport! Was ist Lasertron?

freundlich und ist ab 7 Jahren ein großer Spaß für Jung und Alt. Lasertron

Lasertron betreibt seit mehr als 20 Jahren Entertainment- und Sportcen-

zählt zu den Sportarten mit der geringsten Verletzungsgefahr weltweit!

ter und hat die Sportart „Lasertag“ in den USA begründet. Vom Lasertron-

Man kann es in legerer Freizeitkleidung spielen, braucht also keinerlei Aus-

Hauptquartier in Buffalo ausgehend eroberte die Cybersportart ganz Ame-

rüstung oder Equipment mitbringen.

rika und weite Teile von Asien. Das St. Pöltner Entertainment-Unternehmen NXP holt nun Lasertron erstmals nach Europa!

Was macht NXP Lasertron aus?

Ähnlich wie bei traditionellen Sportarten wie Fußball oder Eishockey wird

NXP realisiert ein „echtes“ Family Entertainment Center mit vier Attrak-

bei Lasertron das Spielfeld bzw. die Sportarena in zwei Felder geteilt, auf

tionen unter einem Dach. Das Highlight für jeden Besuch bietet definitiv

welchen zwei Teams spielen, die gemeinsam gegeneinander antreten. Ziel

Lasertron! Ergänzt wird das Angebot durch zwölf top-moderne Bowling-

ist es bei dieser Mannschaftssportart ein Maximum an Punkten zu sam-

bahnen von Brunswick, sechs davon mit Kinderbanden. Eine großzügige

meln, indem man vom gegnerischen Spieler unentdeckt in dessen Spielfeld

Billard-Zone, ein familienfreundlicher Sportautomaten-Bereich sowie Drinks

gelangt und dort mit dem am Spieler fixierten Phaser auf virtuelle Art und

und Snacks ergänzen die Attraktionen. Oberstes Gebot für NXP Lasertron

Weise die gegnerische Basis markiert. Dieses Markieren (engl. „taggen“)

ist die Familienfreundlichkeit des Spielbetriebs. Das Center bettet sich ideal

erfolgt computergestützt. Das Konzept von Lasertron ist absolut familien-

in die sportliche Freizeitinfrastruktur des Ratzersdorfer Badesees ein.

– 54 – MFG


Wo LieGt Das center? NXP Lasertron liegt direkt am Ratzersdorfer Badesee in der Franz „Bimbo“ Binder Promenade 15. Der Standort wurde früher als „Megafun“ bekannt und grenzt an den revitalisierten Campingplatz an. In unmittelbarer Nähe sorgen der Ratzersdorfer Badesee bzw. die Viehofner Seen und die umliegenden Naherholungsgebiete für zahlreiche Tagesbesucher. Topmoderne Trainingsstätten rund um die Landessportschule, die neue Eislaufhalle, das in Bau befindliche Fußballstadion und der Kinotempel Hollywood Megaplex sorgen für spannende Freizeitziele in unmittelbarer Nachbarschaft. NXP Lasertron verfügt über eigene Parkflächen. Der Eingang liegt direkt am Haupt-Zugangsweg zum Ratzersdorfer Badesee.

Wann ÖFFnet nXP Lasertron? Das Grand Opening ist für Donnerstag, 3. Juni 2010 geplant. Danach öffnet das Center jede Woche von Donnerstag bis Sonntag. Vorab informiert die Website www.lasertron.at über alle Neuigkeiten rund um NXP Lasertron.

nXP Lasertron Bietet Lasertron, BoWLinG, BiLLarD, sPort & Fun WWW.nXP-Lasertron.at

        – 47 – MFG


Ein Stadion schieSSt keine Tore TEXT: Thomas Schöpf und JOHannes Reichl FOTOS: HERMANN RAUSCHMAYR

Im Trainingslager in Lindabrunn fühlte sich SKN-Trainer Martin Scherb ob gewisser Spieler-Streiche „in den Schul-Skikurs zurückversetzt“. So jung ist und tickt seine Mannschaft. Mit „vorgelebtem Teamgeist“ wollen er und Sportmanager Christoph Brunnauer samt ihrem Trainerteam die Jungen formen und mit ihnen 2012, nach Möglichkeit schon als Bundesligist, in das neue Stadion einziehen. St. Pölten gegen Gratkorn am Voith Platz (5. März), St. Pölten bei den

länger im Auge gehabt, aber nur als stinknormale Fans auf der Tribüne,

Austria Amateuren (12. März). Das ist die Realität. St. Pölten gegen Rapid

die sich darüber wunderten, „wie wenig bei den vielen guten Spielern

im eigenen Stadion, oder zu Gast bei der „richtigen“ Austria; am besten

herauskommt“, so Scherb. Dass er noch beim SC Herzogenburg als Trai-

schon 2012. Das ist die Wunschvorstellung.

ner unter Vertrag stand, war kein Problem. Die wussten: Wenn Scherb

Die sportliche Verantwortung dafür lastet vornehmlich auf den Schultern

von St. Pölten gerufen wird, kann ihn keiner mehr halten. (Das ist in etwa

von Martin Scherb (40) und Christoph Brunnauer (41). Zwei St. Pöltner,

so, wie wenn Hans Krankl bei der Admira der Rapid-Ruf ereilt.) Das war

die mittlerweile über drei Jahre (im Fußball eine Ewigkeit) als Chef-

am 9. Jänner 2007.

coach bzw. Sportmanager fungieren. Dass sie neben ihren „Brotberufen“

Am Monatsende stand der neue Kader. „Wir hatte teilweise sechs, sieben

(Scherb arbeitet beim Landesschulrat, Brunnauer im Bürohandel) ihre

Testspieler gleichzeitig da“, erzählt Scherb. Seine Trefferquote muss gut

Traumjobs überhaupt ergattert haben, ist an sich schon eine Geschichte.

gewesen sein, denn mit den Neuen (darunter Mirnel Sadovic, der aus der

Zu verdanken haben es die beiden indirekt Walter Hörmann. Der ehemalige ÖFB-Teamspieler kam nämlich während seines Winterurlaubs drauf, dass er beim Regionalligisten SKN nicht mehr arbeiten

„Angst ist ein schlechter Ratgeber. Nicht nur im FuSSball“ Martin Scherb

zweiten Landesliga kam und mittlerweile für Bundesligist Wr. Neustadt stürmt) holte der SKN im Frühjahr 2007 die zweit meisten Punkte. Und ein Jahr später stiegen die „Wölfe“ mit einer Mannschaft, die fast

möchte und schmiss quasi über Nacht den Trainerjob hin. Hörmann hin-

ausschließlich aus Spielern aus der St. Pöltner Nachwuchs-Akademie ge-

terließ eine teure, teils in Auflösung befindliche Mannschaft auf Platz

formt worden war, in die Erste Liga auf; in den „bezahlten Fußball“, wie

sieben, und einen ob seines willkürlichen Abgangs reichlich verdutzten

es so schön heißt.

Klubvorstand. Jener bestellte Brunnauer – der sich in niedrigeren Ligen einen guten Ruf als Organisator (bzw. als „Troubleshooter“, wie er sich

St. Pöltner Erfolgsweg. Damit war dem Duo klar, dass das Stadion

selbst sieht) erarbeitet hatte – zum sportlichen Leiter. „Ich hatte einen

kommt. „Der Voith-Platz hat zwar eine schöne Historie, aber an ihm nagt

Tag Zeit, einen neuen Trainer zu suchen, habe Martin angerufen und nur

der Zahn der Zeit“, weiß Scherb, „das Stadion wird jede Menge Kom-

einen Satz gesagt: Es ist soweit“, erzählt Brunnauer. Scherb, der gerade

fort bieten und besonders familienfreundlich sein.“ Brunnauer ergänzt:

vom Ski-Urlaub nach Hause düste, sagte sofort zu und „konnte das Auto

„Alleine durch die verbesserte Infrastruktur werden künftig viel mehr

kaum mehr auf der Straße halten.“ Die beiden hatten den SKN schon

Leute kommen. Am Voith-Platz haben wir ja quasi eh nur mehr unsere

– 56 – MFG


MFG SPORT Schönwetter-Zuschauer.“ Als Damokles-Schwert empfinden die beiden

hart kritisiere, wenn nötig, zugleich respektiere ich sie aber als Persön-

das Stadion (im Falle des sportlichen Misserfolgs könnten vielleicht die

lichkeiten“, beschreibt Scherb seinen Führungsstil. Respekt, den er auch

Vereinsführung und/oder die Geldgeber rasch nervös werden) nicht. „Wir

von seiner Mannschaft gegenüber neuen Spielern einfordert, auch wenn

sind als No-Name-Duo gekommen und genießen schon jetzt in der Szene

manche neue Konkurrenz im Kampf ums Stammleiberl fürchten. „Bei uns

große Anerkennung“, ist sich Brunnauer bewusst. „Angst ist ein schlech-

werden neue Spieler freundlich willkommen geheißen.“ Prinzipiell gehört

ter Ratgeber. Nicht nur im Fußball“, sagt Scherb, „aber natürlich weiß ich,

er eher zur Sorte Trainer, die Autorität durch Zustimmung erlangen, nicht

dass wenn ich einmal sieben Spiele hintereinander verlieren sollte, weg

durch Angst. „Der Trainer gibt die Richtung vor, ganz klar. Aber das errei-

bin. Pragmatisiert bist als Trainer nicht.“ Will er auch gar nicht sein, wie er

che ich nur durch Überzeugungsarbeit, nicht durch Schwarz-Weiß-Ma-

hinzufügt. Außerdem: Mehr als zwei Niederlagen in Folge hat er bislang

lerei. Wenn du jemand in der Arbeit überzeugen kannst und er erkennt,

noch nie kassiert. Auch die Aufsichtsratmitglieder Toni Pfeffer, Frenkie

dass eine Vision dahinter steckt, dann hast ihn zu 100 Prozent und nicht

Schinkels oder den ebenfalls ins Stadion-Projekt eingebundenen Michael

nur zu 95 Prozent.“ Jeder Spieler könne jederzeit mit einem Problem zu

Hatz (allesamt Ex-Teamspieler mit Banden zum Land Niederösterreich)

ihm kommen: „Nicht so wie bei Felix Magath, wo einer nicht einmal zum

empfinden die beiden nicht als personelle Bedrohung, wie hinter vorge-

Begräbnis seiner Mutter konnte.“

haltener Hand von selbsternannten Insidern gern lanciert wird. „Ganz im

Von seinen Spielern erwartet er im Gegenzug, dass sie „ehrlich sind“, und

Gegenteil, sie alle unterstützen uns“, meinen die beiden unisono.

zugeben „wenn ein Muskel zwickt“, und nicht aus falschem Ehrgeiz oder Angst vor dem Verlust des Stammleiberls eine leichte Verletzung ver-

„Ein Manager ist ein Troubleshooter“

schweigen. Abgesehen davon ist es beim SKN im Gegensatz zu manch anderen Vereinen Usus, dass die Spieler ihre Individualtrainingspläne da-

Christoph Brunnauer

heim ebenso ernst nehmen, genau aufzeichnen, wann sie was trainieren

Von ihrem Weg mit jungen Spielern aus Niederösterreich wollen sie unter

und was sie zu sich nehmen. Ja sogar ihren Ruhepuls in der Früh messen,

keinen Umständen abkommen: 24 der aktuell 28 Feldspieler stammen

um etwaigen Krankheiten rechtzeitig vorbeugen zu können.

aus der Akademie, die Startelf des SKN hatte vergangenen Herbst ein Durchschnittsalter von rund 21 Jahren. „Natürlich könnte man um vier

Scherbs Vision ist nur marginal an den Stadion-Einzug 2012 gebunden.

Millionen sieben Spieler holen. Nach einem Jahr sind die dann aber wie-

Zunächst will er jetzt im Frühjahr – wo es für den SKN weder um den Titel

der weg. Wir wollen keine Sternschnuppe! Der große Wagen steht auch

noch gegen den Abstieg geht – ausloten, wer von den Spielern den Weg

schon seit Milliarden von Jahren am Himmelszelt“, philosophiert Scherb.

in die Bundesliga mitgehen kann. Der Großteil der Jungen ist ohnehin, al-

autorität durch zustimmung.

leine wegen der Ablösesummen, schon länger an den Verein gebunden. Da er aus seiner Betreuer-Zeit in

Zwei, drei Routiniers könne man, wenn es einmal ernst wird, einbauen.

der Akademie viele seiner Spieler schon länger kennt, „bis hin zu deren

Für Scherb steht jedenfalls fest: „Ich bin so ehrgeizig, so egoistisch – ich

Eltern und dem sozialen Umfeld“, hat er einen dementsprechend guten

will der Trainer sein, der die Mannschaft in die oberste Spielklasse führt.“

Draht zu den Jungen. Das ist dem Trainer auch überaus wichtig: „Es gibt

Sein Credo lautet „von sportlicher Seite die Zufälle so weit wie möglich

den Leistungsgedanken bei uns, klar, aber daneben auch die menschliche

zu minimieren.“ Und (nicht nur) Brunnauer weiß: „Ein Stadion schießt

Komponente. Das heißt, dass ich die Spieler in der Sache durchaus sehr

keine Tore, das muss die Mannschaft machen.“

Das SKNV-Betreuerteam Sportmanager

Christoph Brunnauer (41 Jahre) Chefcoach

Martin Scherb (40) Co-Trainer

Michael Schadinger (38) Tormanntrainer

Ernst Scherr (51) Konditionstrainer

Christoph Reisinger (40) Individualtrainer

Hannes Spilka (40) Teamleiter

Thomas Haiderer (40) Masseur

Hans Fehringer (59)

Sie sind wie „Vier Fäuste für den SKNV“, „Die rechte und die linke Hand des Fußballs“, Siegfried & Roy, Batman & Robin, Winnetou & Old Shatterhand: das dynamische Duo Scherb (r.) und Brunnauer (l.)

– 57 – MFG


MFG SPORT

I am here to win

Die Sensation ist perfekt. Die Generali Invaders, die nach ihrem Silver-Bowl Gewinn im Vorjahr in die oberste Football Spielklasse Österreichs aufgestiegen sind, lassen – wie Obmann René Grohs stolz verkündet – „mit Germaine Race den ersten ehemaligen NFL Spieler in der Football-Geschichte Österreichs auflaufen.“ Wir baten den neuen Football-Star der InvaTEXT: Ruth Riel ders zum Talk.

Wer gedacht hätte, Germaine Race ist ein abgehalfteter Ex-Footballer,

u.a. jenen für die meisten Touchdowns. Derlei Erfolge blieben auch den

täuscht sich gewaltig. Der „gelernte“ Running Back ist 24 Jahre jung,

Scouts der größten und stärksten Football-Liga der Welt nicht verborgen,

wenngleich er schon auf viel Erfahrung zurückblickt. Bereits im zarten

und so engagierten ihn die San Diego Chargers für die NFL!

Alter von sechs Jahren hat er seine erste Football-Rüstung angelegt, für ihn auch der Hauptunterschied zwischen seiner US-Heimat und Europa.

Eine Knieverletzung warf ihn schließlich auf seinem Karriereweg zurück

„Im Gegensatz zu Europa, wo die meisten erst im Teenager-Alter oder

und quasi bis auf weiteres aus der NFL, wo der Konkurrenzkampf knall-

noch später zum Footballspielen beginnen, fängt man bei uns bereits als

hart ist. Pech für Germaine, Glück für die Invaders. Nach der Rekonva-

junges Kind mit dem Sport an, und kann deshalb viel mehr Know How

leszenz-Phase stellte sich für Germaine die Frage, wie es sportlich wei-

entwickeln.“ Ein Breitensport Phänomen, ohne Frage. Vergleichbar wäre

tergehen soll. Ein Freund, der bereits für ein europäisches Team tätig

das mit unseren Kindern, die insbesondere die Packeln schnüren.

ist, empfahl ihm, doch sein Sport-Profil auf der Europeplayers Web Site

Dennoch hat Germaine Race auch für US-Verhältnisse bislang eine tolle

hochzuladen. Dort stöbert auch René Grohs bisweilen, um nach guten

Karriere hingelegt. Er spielte u.a. im College-Team der University Pitts-

Verstärkungen für sein Team zu scouten – und blieb bei Germaine Race

burgh State, für das er nicht weniger als 22 Vereinsrekorde aufstellte,

hängen, den er bereits von einer Amerika-Reise kannte. Der Rest ist Geschichte – Grohs nutzte die Gunst der Stunde und engagierte kurzerhand

Ottakringer Field, St. Pölten

Danube Dragons vs. Generali Invaders Datum: Samstag, 10.04.2010 Beginn: 16.00h

Carinthian Black Lions VS. Generali Invaders Datum: Samstag, 05.06.2010 Beginn: 16.00h

Salzburg Bulls VS.  Generali Invaders Datum: Samstag. 12.06.2010 Beginn: 16.00h

Race, und trug sich damit auch gleich in die Annalen der österreichischen Football-Historie ein: „Damit haben wir den ersten NFL-Spieler engagiert, der jemals in Österreich gespielt hat.“ Germaine Race sieht das zunächst einmal auf sechs Monate angelegte Gastspiel in St. Pölten als Teil seines Comebackweges in die NFL. Hier in Österreich möchte er nach überstandener Knieoperation wieder fit werden für höhere Aufgaben. Dabei ist er für seinen neuen Verein voll motiviert: „I am here to win“ meint er unumwunden! Und damit meint er nicht nur die von der Vereinsführung angepeilten mindestens drei Siege, sondern wenn es nach Germaine geht, „möchte ich alle Spiele gewinnen!“ Das ist ein Ansage. In Österreich selbst hat er sich schnell eingelebt „Ich bin von den Teamkollegen und vom Vorstand toll aufgenommen worden“, freut er sich. Österreich und St. Pölten „gefallen mir sehr!“ So wie es den Fans gefallen wird, alsbald Germaine Race in Action zu sehen! – 58 – MFG

Foto: ZVG

Spielplan 2010 – Heimspiele


GAMES 2010

5. Nationale Sommerspiele

17. - 22. Juni 2010

Rahmenprogramm Fr. 18. Juni 2010 Beginn: 19.30 Uhr Eröffnungsfeier in der Event-Arena / NÖ Landessportschule Sa. 19. Juni 2010 Beginn: 20.30 Uhr Sonnwendfeier in der Olympic Town / NÖ Landessportschule So. 20. Juni 2010 Beginn: 20.30 Uhr Schlagerabend in der Olympic Town / NÖ Landessportschule

Foto: ZVG

Mo. 21. Juni 2010 Beginn: 19.30 Uhr Abschlussfeier / Rathausplatz St. Pölten

ST. PÖLTEN - NÖ www.games2010.at


MFG SPORT

Der Herr der Ringe

Preisfrage: Wo finden die nächsten Olympischen Spiele statt? London? Falsch! Bereits im August 2010 steigen in Singapur die 1. Youth Olympic Games (YOG). Die Vision ist, der Jugend weltweit den olympischen Geist und die olympischen Werte näher zu bringen. Einer, der dies umsetzt, ist der St. Pöltner Florian Kogler. Freundschaft, Respekt, Exzellenz – das sind die drei Grundwerte der Olympischen Bewegung. Sieht man sportliche Exzellenz bei den Sommer- und Winterspielen täglich, stehen Freundschaft und Respekt leider öfters im Schatten. „Bei den Olympischen Jugendspielen sollen diese Werte wieder hochgehalten werden. Ziel ist es, den Athleten von morgen zu zeigen, dass es beim Sport um viel, viel mehr geht, als nur ums Gewinnen“, skizziert Kogler die Grundidee der Spiele. Dabei richten sich die YOG nicht nur an Athleten, sondern an alle Jugendlichen weltweit. „Die Kernbotschaft ist, dass man nicht Olympiateilnehmer sein muss, um zur olympischen Familie dazu zu gehören. Es hat also mehr mit Einstellung als mit Leistung zu tun.“ Um diese Werte unter den Jugendlichen zu verbreiten, wurde Kogler vom IOC zu einem von 30 Botschaftern für die Spiele in Singapur ernannt. Eine große Ehre, wenn man bedenkt, dass andere Nationen Olympiasieger und –teilnehmer dafür nominiert haben. Bereits jetzt herrscht über das Internet reger Austausch unter den Young Ambassadors: „Alle sind total motiviert für ihre neue Aufgabe und voller Tatendrang. Es herrscht eine ansteckende Stimmung unter uns“, erzählt Kogler sichtlich euphorisch. Mitte August wird es dann ernst, wenn es für Kogler und die österreichische Delegation zu den Spielen geht. Bis dahin wird er weiter die olympische Vision verbreiten. „Ich habe schon sehr viel positives Feedback von den Jugendlichen gehört. Ich glaube wirklich, dass diese Spiele etwas verändern können.“

Programmkino St. Pölten, Rathausplatz 14 02742-21 400, www.cinema-paradiso.at

anna f.

LiVe

cineMa souL cLub

LiVe

otis tayLor

LiVe

Sie ist der Star am österreichischen Pop-Himmel. Mit Lenny Kravitz war sie auf Tour. Im Cinema Paradiso präsentiert die AmadeusAward-Gewinnerin endlich ihr lang ersehntes Debüt-Album „For Real“. Von der außerordentlichen Qualität ihrer Songs und ihrer unwiderstehlichen Live-Performance kann man sich im Beislkino überzeugen. 25.3.10, 20 Uhr

Ein grooviger Abend mit Lukas König (Fatima Spar, Thomas Gansch, Wolfgang Puschnig), Ben Martin (I am Cereals, The Black Riders), Bobby Slivovsky (5/8erl in Ehr’n, Doretta Carter) und vielen Stargästen. Nach einem Eröffnungs-Set ist jeder willkommen den Abend im Zuge einer Session mitzugestalten – eine Plattform für musikalischen Austausch. Let Soul Rule! 13.3.10, 21 Uhr

Er ist der King des Akustik-Blues aus den USA. 11 Nominierungen für den Blues Music Award, sein Album „White African“ wurde als bestes Debüt ausgezeichnet. Zum Soundtrack des Films „Public Enemies“ hat er zwei Songs beigesteuert. Authentischer, erdiger Groove von einem der besten Blues-Gitarristen. 9.3.10, 20 Uhr

Männer Die auf ZieGen starren

Precious - Das Leben ist kostbar

nokan - Die kunst Des auskLanGs

fiLM

USA/GB, Zum Niederknien. Grant Heslov präsentiert in seiner herrlich absurden Militärsatire die furchtbarste Waffe der US-Armee: eine paranormale Psychokämpfertruppe aus New-Age-Hippies. Training für die Lachmuskeln mit George Clooney, Ewan McGregor, Jeff Bridges u.a. Das beste daran: Die Geschichte ist nicht nur aberwitzig, sondern wahr. ab 5.3.10

fiLM

USA 2009, Eine berührende Geschichte über ein afroamerikanisches Mädchen mit etwas breiteren Hüften als üblich. Zutiefst gedemütigt, aber voller Energie, bietet sie dem Leben die Stirn. Ein modernes Märchen über ein Mädchen, das vor Lebenslust, Hoffnung und Schmerz fast zu platzen scheint. Oscar 2010: 10 Nominierungen, ab 26.3.10

– 60 – MFG

fiLM

J 2009, Oscar 2009 als bester fremdsprachiger Film, zehn japanische Filmpreise und sechs Millionen heimische Besucher machten Yojiro Takitas gleichermaßen bewegendes wie komisches Drama zu einer der Kinoüberraschungen des vorigen Jahres. Eine Geschichte rund um einen japanischen Cellisten, der wider Willen seine wahre Berufung findet. ab 19.3.10


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Zum Hören

Manshee, mikeSnare, Knolli, DJ ANNEttehalbestunde, Rob.STP, Gitsche (von links nach rechts)

Das zweite Album der inzwischen zum Trio geschrumpften New Yorker funkelt und blitzt auf Hochglanz poliert. Sounds des gesamten folkloristischen Erdkreises mischen Yeasayer mit großem Popwissen und 80s-Samples gekonnt. Ihr Songwritinggespür und ein Meer stilistischer Möglichkeiten gehen auf diesem Meisterwerk liebevoll Hand in Hand. Dieser Band gehört die ganz große Zukunft und ist für mich eines der besten Alben des Jahres.

Angelique Kidjo OYO

Field Music

field music (measure) Auf ihrem dritten Longplayer schafft es die englische Band schließlich ihrer Verheißung vollends gerecht zu werden. So erinnert „Field Music (Measure)“ zwar unweigerlich an famose NewWave Bands wie XTC, dennoch klingen die 20 Songs in ihrer schillernden, melodiösen und stets etwas exzentrischen Pop-Pracht taufrisch und voller Verve. Fazit: Intelligente, neue (gleichsam wohlig bekannte) Musik mit schier eingemeißeltem englischen Profil.

CAMO & KROOKED

Above and Beyond

Die neue Grand Dame der afrikanischen Weltmusik ehrt auf „OYO“ die musikalischen Väter ihrer Kindheit und vertont die Songs von Santana, Curtis Mayfield, James Brown etc. neu. Die Musik der Grammy-Gewinnerin überschreitet Grenzen, Genres und Ethnien, verlinkt sich mit Stilen aus allen Teilen der Welt und bleibt doch immer mit der Tradition verbunden. Eine bunte Mischung aus Rhythm & Blues, Soul und Melodien aus ihrer Heimat Benin.

Die fleißigen Wahlwiener Reini und Markus würden den Titel „Hardest working men in Drum & Bass“ verdienen. Im Moment releasen sie auf allen wichtigen Labels und setzen mit ihrem Debüt -album, welches auf dem österreichischen Label „Mainframe Recordings“ erscheint, eins drauf. Stilmäßig bleiben sich die Herren stets treu, unendlich energetischer Jump Up Drum & Bass, lustig verspielt und sauberst produziert. Big Tings!

Zum Schauen

Zum Spielen

Manshee, Dali Koljanin

Markus Waldbauer

Jeff Beck

You had it coming Auf dem 2001 veröffentlichten Werk durchbricht Beck, einer der letzten Guitar-Heroes der „alten“ Schule, alle Stilrichtungen. Mühelos kreiert der mittlerweile 65-jährige einen Mix aus DnB, Rock bis hin zu Vogelstimmenimmitationen (Blackbird), ohne jemals in Klischees oder bereits Gehörtes abzudriften. Mit dem Album macht Beck unverständlich klar, dass Eigenwilligkeit und Mut zur Kreativität der Schlüssel sind, um zur lebenden Legende zu werden.

Florence & The Machine Lungs

„Lungs“ lautet der Titel des Debütalbums der britischen Indie-Pop-Sensation Florence & The Machine, und aus ebendiesen tönt voll und stark eine wahrlich neuartige Stimmung, wild und unangepasst. So gebärt sich auch Sängerin Florence M. L. Welch, die ganz im Stile des modernen „Gagaismus“ sowohl stimmlich als auch stylingtechnisch nie dagewesene Maßstäbe setzt. Perfekt geeignet um den Frühling heraufzubeschwören!

Zum Lesen

H. Fahrngruber, W. Hintermeier

Orphan – Das Waisenkind

Call of Duty: Modern Warfare 2 Infinity Ward

Kulturgeschichte der Neuzeit

Physikprofessor Larry Gopnik ist ein Pechvogel wie aus dem Woody Allen-Universum. Zuerst wird Larry von seiner Frau verlassen, dann quartiert sich sein nervtötender Bruder bei ihm ein und sorgt für Ärger und schließlich bestiehlt ihn noch seine pubertierende Tochter, um ihre Nasenkorrektur zu finanzieren. Ein Feel-Bad-Movie zum Totlachen.

Okay, es ist ein Egoshooter und ein sogenanntes „Killerspiel“, aber es macht unheimlich viel Laune. Abseits der cineastischen SingleplayerStory besticht dieses Game vor allem durch den sehr gut durchdachten Multiplayer-Modus. Sogar noch einen Tick besser als beim Vorgänger kann man auch hier mit Freunden die Weltherrschaft an sich reißen! Suchtfaktor!

Über 1.600 Seiten europäische Geschichte vom Mittelalter bis zum 1. Weltkrieg in gewitzter, geistreicher Sprache führen zu einem amüsanten Lesevergnügen. Mit ironischem, bisweilen sarkastischem Unterton schafft Friedell ein buntes Panorama der europäischen Neuzeit, angereichert mit erheiternden Marotten der prägenden historischen Persönlichkeiten.

Jaume Collet-Serra

Der Kautions-Cop

Heavy Rain

Egon Friedell

gehard matzig

Andy Tennant

Quantic Dreams

meine frau will einen garten

Als der Kautions-Cop Milo (Gerard Buttler) von seinem neuesten Auftrag erfährt, glaubt er an leicht verdientes Geld. Doch da macht seine Ex-Frau, die Journalistin Nicole (Jennifer Aniston) nicht ganz mit. Milo soll Nicole hinter Gitter bringen, doch leichter gesagt als getan. Das Spiel kann beginnen. Ein aberwitziger Fall mit haufenweise Drehungen und Wendungen. Ab 16. April

Dieser Titel sei vor allem all jenen ans Herz gelegt, die in ein komplett neues Spielsystem eintauchen wollen. Der „Origami-Killer“ treibt sein Unwesen und man muss mit vier verschiedenen Charakteren Detektivarbeit leisten und ihn stellen. Dieser interaktive Film, der vor allem auf Emotionen setzt, gilt schon vor seinem offiziellen Release als Revolution des Spielzeitalters.

„Was kann schon aus einem Morgen werden, der damit beginnt, dass man aufstehen soll?“ Diese und andere Fragen rauben dem Erzähler den Schlaf. Und warum das alles? Nur, weil seine Frau unbedingt weg aus der geliebten Altbauwohnung möchte. Ihr Lebenstraum: ein Haus mit Garten, und kein noch so spitzfindig angebrachtes Argument kann dagegen an. Und am Ende sitzt die ganze Familie… in einem Haus am Stadtrand...

– 62 – MFG

Foto: zVg

YEASAYER

Odd Blood


HIGHLIGHT www.vaz.at

Best of Mozart! – Das Musical Erleben Sie das Erfolgsmusical „Mozart!“, nach Sylvester Levay und Michael Kunze, in verkürzter Fassung und mit abgeschlossener Handlung. Tauchen Sie ein in die Welt eines Genies und lassen Sie sich von bezaubernden Melodien mitreißen. In aufwendigen Barock-Kostümen und spektakulären Choreographien präsentieren das Ensemble der Musical Akademie Graz und The Music Effect, unter der Regie von Christian Schmidt, ein Werk, das die Zerrissenheit Mozarts auf berührende und mitreißende Weise den Zusehern näher bringt.

29. April 2010

ab 06. 03.

ab 14. 03.

Aliens

26. 03.

8 Jahre Egon

10. 04.

Seniorenfloor

Pflanzen und Tiere auf Wanderschaft: Die Natur unterliegt einem steten Wandel. Einerseits verschwinden Arten aus Österreich, andererseits wandern ständig neue zu. Welche Arten sind das, wie sind ihre ökologischen Ansprüche und woher kommen sie? Wie reagiert die Natur auf das Vordringen gebietsfremder Arten? www.landesmuseum.net

Das Musikcafé Egon kann auf mittlerweile acht tolle, ereignisreiche Jahre zurückblicken und stolz sein auf alles Vollbrachte. Konzerte, Parties, DJs, Veranstaltungen im Keller und auf der Freiluftbühne. Das muss natürlich gefeiert werden: DJ LINSE & Hr. STRAUSS sorgen für delikate Tanzmusik und rauschende Partystimmung am Dancefloor. Ab 20 Uhr!

Unter dem Motto „Panamericana“ findet der kommende Seniorenfloor statt. Der Mercedes unter den Clubbings gastiert erstmalig in den heiligen Hallen der Stuttgarter Autoschmiede. Latin Queen und cooler Kubaner können sich auf einen stil- und temperamentvollen Abend mit Disco- und Latinfloor bei Mercedes Wiesenthal St. Pölten freuen. Karten-VVK: ab Mitte März.

Theater

Ausstellung

Party

party

Theaterwerkstatt GH Koll

Ludovico einaudi

Landesmuseum

Er ist ein Meister der Entschleunigung. Seine Musik schöpft aus der Kraft des Minimalen, reduziert auf das Wesentliche einer künstlerischen Aussage. Das macht den Pianisten zu einem Seismographen klangkultureller Befindlichkeiten, der mit dem Streben nach Klarheit und emotionaler Bedeutsamkeit den Nerv vieler Zeitgenossen getroffen hat.

neue helden Strapazieren wir nicht das Wort Zeitgeist, denn gerade diese Zeit jetzt, die hat irgendwie wenig Geist. Aber gerade das ist es, weshalb wir in ein Konzert der EAV gehen: Wir hören es, wir mögen es, wir singen es und irgendwann kapieren wir, dass auch wir alle einen Arschtritt brauchen. Sechs Musiker machen was sie wollen und das auf ihre geniale Art!

konzert

konzert

16. 04.

15. 05.

Foto: zVg

Cosmic Fear

… oder „Der Tag, an dem Brad Pitt Paranoia bekam“. Brad Pitt möchte einen Film drehen. Einen Film über die Klimakatastrophe. Doch sein Produzent rät ab. Es entspinnt sich eine Debatte unter Hollywoodstars, Klimaexperten und Aktivisten. Im Zentrum steht die Frage nach der moralischen Verantwortung sowie der Notwendigkeit und den Möglichkeiten zu handeln.

Konzerthaus GHWien Koll

Rasta knast

24. 04.

30. 05.

vaz

Jamie cullum

Für eine große Punkrockparty sorgt die RnR Highschool im Mai: Neben lokalen Urgesteinen wie Exceed Excess und Officer Friendly werden Rentokill die Punkband Rasta Knast, welche allen Szeneliebhabern ein Begriff ist, supporten. Mit ihren sozialkritischen Texten schafften sie es, sich weit über den deutschsprachigen Raum einen Namen zu machen.

Inmitten der Skyline von Wien, mit auffälligem, sechseckigem Grundriss, ist das Austria Center Vienna zu finden. Hier wird der „Robbie Williams des Jazz“, Jamie Cullum, am 30. 05. ein Konzert geben. Und auf jenes darf man sich nach seiner vierjährigen Pause freuen! Der Brite ist nämlich live fast noch besser als auf seinen Bestseller-Alben (aktuell „The Pursuit“).

konzert

konzert

Frei:Raum

Austria Center

– 63 – MFG

Egon

Wiesenthal


Beste Qualität, beste Lagen: Die Wohnungsgenossenschaft St. Pölten schafft in ganz Niederösterreich zukunftsweisende Wohnprojekte.

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MFG - Das Magazin / Ausgabe 33  

MFG - Das Magazin in hochwertiger Ausführung, durchgehend 4c auf aufgebessertem Papier mit attraktivem Content auf mindestens 56 Seiten. Die...

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