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St . Pö lt en ein-wacken

Der Berg Ruft Kalteis im Kalteis 28

von Johannes Reichl

Wien darf nicht Chicago

Peanuts! Nichts bringt uns in so kurzer Zeit einen

werden, hieß es einmal.

derart hohen Output.

Aber St. Pölten darf ruhig

Was ist mit der Image- und Tourismuswerbung?

Wacken werden. Was die 51.000 Einwohnerstadt

Ganz Österreich staunt ungläubig über St. Pölten,

in Niederösterreich mit dem 1.800 Seelendorf in

und das hat zur Abwechslung einmal nicht mit Ne-

Schleswig-Holstein gemeinsam hat? Festivals. Und

gativthemen wie Priesterseminarskandal zu tun,

zwar richtig große, fette. Was die Stadt vom Dorf

sondern mit den positiv besetzten Festivals. Plötz-

unterscheidet? Dort begreift man, wie „Die Welt“

lich ist die Stadt nicht mehr terra incognita, Provinz-

zu berichten weiß „den alljährlichen Einfall von

kaff, sondern coole Festivalstadt.

Zehntausenden ‚Metalheads‘ als das beste Kon-

Die Festivals sind eine Jahrhundertchance für die

junkturprogramm in Zeiten der Finanz- und Wirt-

Stadt! Das ist der langersehnte USP, das Alleinstel-

schaftskrise“. Bei uns hingegen spricht man fast

lungsmerkmal, über das sich St. Pölten effizient po-

ausschließlich vom Müll.

sitionieren kann – so man denn die Chance nutzt

Harry Jenner, Veranstalter des Frequency Festivals,

und auf Nachhaltigkeit setzt, also Mehrjahresver-

wirkt darob einigermaßen konsterniert. „Da wurde

träge mit den Veranstaltern abschließt.

St. Pölten drei Tage lang europaweit ins Rampen-

Gerade im zeitlichen Aspekt liegt vielleicht noch

licht gerückt, die Weltstars Radiohead gaben ihr

die Krux begraben. Frequency und Beatpatrol fan-

allererstes Österreich-Konzert überhaupt – was

den heuer zum ersten Mal statt. In unseren Köpfen

für sich schon eine Sensation ist – 40.000 Leute

erscheinen sie vielen noch als etwas Aufgesetztes,

pro Tag feierten friedlich, es gab keine Staus, kein

etwas, das nur die Besucher oder die Veranstalter

Chaos, und dann wird nachher nur über den Müll

angeht, aber nicht zu uns gehört. Nur – so ist es

gesprochen.“ Tatsächlich setzten sich Insbesondere

nicht! Die Stadt, die Bürger tragen viel zum Gelin-

lokale Medien auf dieses Thema völlig unverhältnis-

gen bei: durch Unterstützung, Know How, Offenheit

mäßig in Relation zum Gesamtkontext drauf (was

und – ein Orden für die Anrainer – ein hohes Maß

wohl auch mit dem berühmten Sommerloch zu tun

an Toleranz. Das sind UNSERE Festivals, St. Pöltner

haben mag). Nicht dass das Müllthema nicht seine

Festivals! Darauf können wir stolz sein!

Berechtigung hätte und aufgearbeitet gehört – und

Und das ist es auch, was St. Pölten noch von Wa-

dies geschieht ja auch. Der Veranstalter etwa hat

cken unterscheidet, was die Stadt vom Dorf lernen

schon Verbesserungsvorschläge parat, und seine

kann: Die uneingeschränkte Identifikation mit den

Verlässlichkeit hat er merhfach unter Beweis ge-

Festivals! So urteilt „Die Welt“ über das Phänomen

stellt. Aber warum redet keiner von Arbeitsplätzen?

Wacken: „Das Erfolgsgeheimnis des Festivals ist,

Bei den Sommerfestivals Beatpatrol und Frequency

dass das ganze Dorf mitmacht und das Festival als

waren insgesamt über 3.000 (!) Leute alleine nur

willkommene Abwechslung liebt – mit hunderten

von Seiten der Veranstalter im Einsatz! Zahlreiche

Helfern organisiert z. B. Bauer Uwe Trede nach dem

Jobs in Gastro, Handel, Zulieferbetrieben etc. wer-

Spektakel das Mülleinsammeln und viele Landwirte

den durch die Festivals geschaffen oder gesichert.

vermieten bereitwillig ihre Weiden für das W:O:A.“

Was ist mit der enormen Wertschöpfung für die Re-

Auch so kann man die Müllproblematik angehen.

gion? Über 10 Millionen Euro! Das sind doch keine

Aber nur vom Müll zu sprechen... DAS ist Müll!

URBAN Endabrechnung Die Festivals und ihre Folgen 8

35

KULT UR Te DDy s auf R eisen ich wähne bunte Szene 36 Maron & Maron Familybusiness Kunst & Protest 38

42

SZENE Willkommen in Sisnat ion Markus und die starken Männer 43 Die Bunt en Hunde Mini macht maximale Tattoos 44

50

SPORT

No malheur mit kont rolleur Landthaler wahrt soft den Fußball 60 IMPRESSUM Blattlinie: Das fast unabhängige Magazin zur Förderung der Urbankultur in Niederösterreich Medieninhaber (Verleger): NXP Veranstaltungsbetriebs GmbH, MFG – Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten Herausgeber: Bernard und René Voak Redaktionsanschrift: MFG – Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten; Telefon: 02742/71400-330, Fax: 02742/71400-305; Internet: www.dasmfg.at, Email: office@dasmfg.at Chefredakteur: Johannes Reichl Anzeigenleitung: Michael Müllner, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten; Tel.: 02742/71400-330; Email: michael.muellner@dasmfg.at Redaktionsteam: Florian Figl, Thomas Fröhlich, Sascha Harold, Althea Müller, Michael Müllner, Primadonna, Patricia Rauscher, Michael Reibnagel, Ruth Riel, Thomas Schöpf, Klaus Schwab, Eva Seidl, Anne-Sophie Settele, Katharina Vrana, Isabella Wohnhas, Markus Waldbauer. Szene in Zusammenarbeit mit newsboard.at Kolumnisten: Herbert Binder, Thomas Fröhlich, Judith Goritschnig, Althea Müller, Michael Müllner, Primadonna, Rosa Kritiker: Cigdem Dogan, Helmuth Fahrngruber, Judith Goritschnig, Wolfgang Hintermeier, David Meixner, Manuel Pernsteiner, Anne-Sophie Settele, Robert Stefan, René Voak, Markus Waldbauer Leiter der Bildredaktion: Hermann Rauschmayr Art Director & Layout: REBELTECH, Christoph Schipp Hersteller: NÖ Pressehaus Druck- und Verlagsgesellschaft mbH; Herstellungs- und Verlagsort: St. Pölten; Verlagspostamt: 3100 St. Pölten, P.b.b. Alle Rechte, auch die Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2. Urheberrechtsgesetz, sind vorbehalten. Alle Angaben ohne Gewähr. Für den Inhalt bezahlter Beiträge ist der Medieninhaber nicht verantwortlich. Internet: http://www.dasmfg.at Offenlegung nach § 25 Medien-Gesetz: Medieninhaber: NXP Veranstaltungsbetriebs GmbH, MFG – Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten. Unternehmensgegenstand: Freizeitwirtschaft, Tourismus und Veranstaltungen. Geschäftsführer: Bernard und René Voak MBA. Grundlegende Blattlinie: Das fast unabhängige Magazin zur Förderung der Urbankultur in Niederösterreich.

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23. Oktober 2009


LESERFORUM

leserbriefe@dasmfg.at, www.dasmfg.at .

Ich geb‘s zu. Ich habe mich geirrt. Jahrelang bin ich unwissend durch die Stadt St. Pölten gestreift, ohne jenes Verbrechens an Mensch und Wirtschaft gewahr zu sein, das mich Tag und Nacht umgibt.Das Verbrechen heißt: Fußgängerzone. Oder auch: parkplatzfreier Platz. Ja, Sie haben richtig gelesen. Sehen wir uns z. B. den Rathausplatz an: Da dachte ich doch, der wäre in den letzten Jahren, nicht zuletzt aufgrund seiner - auch Schanigärten umfassenden - Gastronomie sowie einer wunderbaren kulturellen Einrichtung wie dem Cinema Paradiso sowas wie ein urbaner Hotspot geworden. Zum Flanieren, einander Treffen und - ja - auch zum Einkaufen einladend. Und jetzt erfahre ich aus berufenem (Politiker-, Wirtschaftstreibendenund Leserbriefschreiber-) Munde, dass dem gar nicht so ist. Dass der Rathausplatz nämlich tot wäre, seit nicht mehr geparkt werden darf. Dass die schönsten Städte sowieso die wären, in denen sich der Fußgängerunfug noch nicht durchgesetzt hätte. Wo der Begriff Platz die Abkürzung für Parkplatz darstellt. DAS belebt nämlich die Wirtschaft nachhaltig. Und ausschließlich. Punkt. Und da fällt es mir wie Schuppen aus dem Haar: Diese Herrschaften haben

samt und sonders recht. Sehen wir uns einmal Wien an: Wie schön wäre die Innenstadt doch ohne die deppate Fußgängerzone in der Kärntnerstraße. Eine zunehmende Anzahl an Touristen dürften sich an fahrenden und parkenden Blechboliden erfreuen - wer braucht da noch Straßencafés oder Bänke zum Verweilen. Oder das Servitenviertel: was waren das doch für goldene Zeiten, als hemmungslos durchgebrettert werden durfte und Parkplätze das Maß aller Dinge waren. Dass sich seit der Verkehrsberuhigung bzw. der partiellen Umwandlung in eine Fußgängerzone (ohne Parkmöglichkeiten) gut gehende Lokale und kleine Geschäfte (auch Nahversorger) angesiedelt haben, ist offensichtlich nicht wahr und zählt ausschließlich zur Kampfrhetorik versprengter Radikalgrüner. Und jetzt also die St. Pöltner Innenstadt: Wie würde die doch florieren, wenn man das in Cafés und Restaurants herumlungernde (und offensichtlich arbeitsscheue) G‘sindel durch schick in der Sonne glitzernde Autos ersetzen könnte. Die Menschen könnten wieder das tun, was sie laut von obigen Auskennern getätigter Aussagen - immer tun: nämlich ganz schwere Sachen (Waschmaschinen, Kolossalgemälde und komplette Woh-

nungseinrichtungen) kaufen. Und zwar täglich. Was aber nur möglich ist, wenn vorm Geschäft das Auto steht. Parkgaragen zählen da nicht: Die sind schließlich unangenehm unterirdisch - und man will ja zeigen, was man an PS, Heckspoilern und Sternen so alles auf dem Blechkasten hat. Zu Fuß gehen, Radfahren, ja Flanieren ist sowieso nur was für Weicheier: sollen die doch in der Tiefgarage herumlatschen - denn wenn der Verkehr fließen soll, gehören Solchene eh unter die Erde. Urbanes innerstädtisches Leben muß und wird wieder verstärkt nach Benzin riechen. Und zwar ausschließlich. Dass eine Stadt gerade aus der Vielfalt (der Produkte, der Fortbewegungsweisen, der Lebensentwürfe) heraus zu „leben“ beginnt und so Identität finden und zeigen kann, ist nichts anderes als vorgestrige Sozialromantik. Und dann wird alles gut: Den Innenstadtkaufleuten wird man ihr „more of the same“ enthusiastisch aus der Hand reißen, die Krise wird im Kaufrausch lächelnd bewältigt und die Sonne wird sich wieder um die Erde drehen. So wie es immer schon war. Danke. Jetzt hab‘ auch ich es erkannt. Thomas Traurig Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

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Zwei Österreichische Erstaufführungen von Christian Lollike und Dennis Kelly, zwei der aufregendsten zeitgenössischen Autoren.

Lesungen mit Michael Degen, Eva Mattes, das Literaturfestival Blätterwirbel und Theater für Kinder, Familien und Schulen und vieles mehr …


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In der am 16. September der Euro Bus in St. Pöl-

In der einige Anrainer des Hafingerwegs sich al-

In der Gott gerade auf Werbetour ist. Diesen Ein-

ten Station macht, wo man good old Schillinge

len Ernstes darüber beklagen, dass der LUP-Bus

druck gewinnt man zumindest, wenn man durch

in wertvolle Euro umtauschen kann. Das an sich

DURCH die Siedlung fährt, anstatt daran vorbei.

die Straßen St. Pöltens fährt. Da erfahren wir

wäre noch keine großartige Meldung wert, tourt

Eine eigene Unterschriftenliste wurde aufgelegt,

etwa auf einem 24 Bogen-Plakat „Jesus Christus

der Eurobus doch alljährlich durch die Lande.

es wird gar mit Sitzstreik gedroht, Worte wie

war ein Mann des Volkes nicht der Kirche.“ Aha!

Der wahre „Skandal“ liegt in dem Umstand be-

„Schwerverkehr“, „Durchdonnern“ etc. schwir-

Die Kirche wiederum, in dem Fall die römisch-ka-

graben, dass man diesmal zum letzten Mal beim

ren durch den Raum. Für andere Siedlungs-

tholische, fährt eine neue Kampagne unter dem

Bus und bis 30. September in den Stellen der

bewohner, wie etwa jene in Weitern, die sich

Motto „Momente, in denen ich dir ganz nahe

Nationalbank den legendären 20 Schilling Schein

sehnlichst einen LUP-Anschluss wünschen, mag

bin...“. Absender dieser Zeilen ist aber nicht etwa

mit dem Konterfei von Carl Ritter von Ghega

dies wie eine Provokation klingen. Für jene Men-

der Bischof, sondern Gott höchstpersönlich! Der

umtauschen kann! „Aber wie ist das möglich?“,

schen am Hafingerweg und in der Mittelgasse,

spricht über die Plakate zu uns, steht da doch z.

rufen wir empört aus, liegen uns doch noch die

die den LUP nutzen, sowieso. Und jenen, die an

B. „...wenn du eine zweite Chance brauchst. Ich

Schalmeien-Töne anlässlich der Euroeinführung

Straßen wohnen, nah der Autobahn oder der Ei-

bin immer da. Gott.“ Na nicht schlecht. Da hat

anno dazumal im Ohr, als man den Bürgern

senbahn, in der City, wo es den Anlieferverkehr,

offensichtlich jemand einen direkten Draht nach

wortwörtlich hoch und heilig versprach, dass

Märkte und Feste gibt, oder im Süden, wo die

ganz oben. Gott kann oder will sich ob soviel

sie ihre Schillinge ewig umtauschen können. Ja,

Festivals über die Bühne gehen, entlockt diese

„Gris“ um seinereiner jedenfalls gar nicht weh-

EWIG! Schon damals hegten wir ob dieser voll-

Aufregung ohnedies nur ein müdes Lächeln.

ren – so wie unsere Kinder übrigens. Für die hat

mundigen Ansage unsere Zweifel. Aber dass die

Aber vielleicht hat jemand ja vergessen, den

jetzt der Landeshauptmann die Stimme ergriffen,

Ewigkeit – zumindest jetzt einmal für Carl Ritter

Unterzeichnenden mitzuteilen, dass wir in einer

prangte doch auf Plakaten. „Im Namen unserer

von Ghega – von so kurzer Dauer ist, wirkt ei-

Stadt leben?! Wenn sie die Ruhe des Landes su-

Kleinsten: Eine großes Dankeschön an die Unter-

nigermaßen konsternierend. Na hoffentlich ist

chen (Achtung: böse Mähdrescher, Sauställe &

stützer.“ Und zwar jene der Aktion Schutzengel.

es im Fall der Kirchenankündigungen in Sachen

Co.!) , dann sollten sie dort auch hinziehen. Sie

Selbst da gehts also um Heiliges! Den lieben Gott

Ewigkeit anders...

müssen ja nicht unbedingt den Bus nehmen.

freuts – hat er mir grad geflüstert...

Meine Verehrung, du Meister der blutenden Wunden! Du bist verrückt, abgründig, sadistisch, gewaltgewaltig, schwarzweißmalend, anklagend und kriminell zugleich, ein Verfechter des Schmerzes, ein Fürsprecher der Verbrecher, ein Erzähler der Horrorglorie... kurz: Du bist ein Genie! Ich verneige mich vor deiner Unverfrorenheit.. Ich bete deine Kompromisslosigkeit an. Ich senke mein Haupt davor, dass es dir ein weiteres Mal gelungen ist, die Grenzen jeglichen Geschmacks, der Erzählkunst und der Vergangenheitsbewältigung dermaßen bombastisch zu sprengen, dass einem die Spucke aus der Gurgel gesaugt wird! Er verfolgt mich seit frühester Kindheit, dieser Zwang, den Krieg und all seine Machenschaften und Strippenzieher zu begreifen, die Geschichten des Großvaters, die Geschichten aus der Schule, die cineastische Geschichtsschreibung dieses traumatisierenden Krieges zu verinnerlichen. Dann kamst du mit deinen Inglourious Basterds angeritten, mit der Mission, alles bisher Dagewesene zu transformieren. Sogar deine eigene geliebte Dualität. Du alter Schauspieler-Dompteur – sogar den Brad Jolie konntest du vorteilhaft rekrutieren! Respekt, du Hund du! Mit freundlichen Grüssen Erato –6 – mf G

An Quentin Jerome Tarantino Hollywood-Backyard L.A.

Foto: zVg, fotolia.de, rauschmayr, DIözese st. Pölten

in was für einer sT aDT leBen wir eiGenTlich...


URBAN

to te fische? Nur tote Fische treiben mit dem Strom, sagt Univ. Prof. DI Dr. Hermann Knoflacher, Verkehrsplaner an der TU Wien. Die Frage dazu: Macht seine Korridorstudie, welche alternative Konzepte zu den Straßenbauprojekten S34 und B334 im Traisental aufzeichnet, angesichts der Planungsfortschritte und der politischen Vehemenz, mit der dieses Projekte vertreten werden, überhaupt noch Sinn? Die Studie räumt kombinierten Varianten eindeutige Vorteile gegenüber S34/B334 ein. Dabei soll der öffentliche Verkehr ausgebaut werden – u. a. im Sinne von Taktoptimierungen bei der Traisentalbahn, Abstimmungen von Bahn- und Busfahrplänen und Attraktivierungen von Bahnhöfen – aber auch der motorisierte Individualverkehr eingebunden werden, etwa im Sinne von Mitfahrzentralen oder verbesserter Parkraumbewirtschaftung. Obwohl beide Straßenbauvorhaben sich derzeit schon in der Vorprojektphase befinden, ist die Sache laut Knoflacher „noch lange nicht gegessen“. Schließlich dürfe man die Hoffnung auf einen Funken Verantwortung bei den Entscheidungsträgern nie aufgeben. ..

De r so mme r wa r h o l d

Un d Tsc h ü ss

Irgendwann vor ein paar Jahren muss die tückische Infektion stattgefunden haben – die offensichtlich gezielte Einschleusung des „Hots gschmeckt“-Virus in Österreichs Gastgewerbeschulen. Die Pandemie hat inzwischen die Wirtshäuser zwischen Neusiedlerund Bodensee voll erfasst: Kaum hat man seine Frittatensuppe in sich, fragt einen schon der Stift im ersten Lehrjahr beim Abservieren im Weggehen so nebenbei: „Hots gschmeckt?“ Nach der Hauptspeise, spätestens dann beim Zahlen wieder ein strenges “War alles in Ordnung?“ Selbst der Freund aus der Levante legt nach der komplexen Konsumation Kaffee und Kipferl feuchten Blicks den Arm um meine Schulter: „Alles OK?“ Girls and Boys der Gastronomie: Die Ebene unserer wechselseitigen Beziehungen sei geprägt durch ein ausgewogenes Verhältnis von Nähe und Distanz. Manche von uns sind ja

H o ts gschmeck t?

Foto: zVg, fotolia.de, rauschmayr, DIözese st. Pölten

von Hebi

„2009 war für das Film- und Kulturfestival am Rat-

Seit 1929 stand der Glanzstoff-Turm und wurde zum

hausplatz ein sehr erfolgreiches Jahr“, freut sich Ver-

inoffiziellen Wahrzeichen der Stadt. Als er diesen Juli

anstalter Andreas Pesl. „Das Programm ist sehr gut

gesprengt wurde, häuften sich die wehmütigen Stim-

angekommen und wir hatten ein geradezu irrsinniges

men, war der Schlot doch für die allermeisten St. Pölt-

Glück mit dem Wetter.“

ner Zeit ihres Lebens ein markantes Sinnbild für den

Im Hinblick auf die Zukunft des Festivals - so läuft der

heimischen Leitbetrieb, die Stadt – und nicht zuletzt

Vertrag mit der Stadt aus - zeigt sich Pesl zuversicht-

ihren Geruch. Dass der knapp 90m hohe Ziegelstein-

lich: „Nach dem sehr verregneten Jahr 2008 ist dies ein

turm nun Geschichte ist, liegt daran, dass er zuwenig

Lichtstreif am Horizont. Wäre auch 2009 so schlecht

Geschichte war. Dazu Richard Wittasek-Dieckmann,

gelaufen, hätte man nachdenken müssen, ob sich

beim Bundesdenkmalamt für Technische Denkmäler

der Aufwand weiter lohnt. Aber nach so einem erfolg-

zuständig: „Wir hatten den Betrieb schon vor einigen

reichen Jahr stellt sich die Frage nicht: Wir werden bei

Jahren besichtigt, für eine Unterschutzstellung war zu

der Stadt auf jeden Fall neu einreichen.“

wenig Substanz da.“ Gerade bei Industriebetrieben

Die gibt sich einstweilen zurückhaltend. Kulturamtslei-

kommt es über die Jahre laufend zu Veränderungen,

ter Thomas Karl verweist auf die Evaluierung, die durch

weshalb auch bei der Glanzstoff keine schützens-

den Beirat des Film- und Kulturfestivals durchgeführt

werten Objekte ausgemacht wurden. Einer Sprengung

wird. Erst auf Basis dessen Beschlüsse würden die

stand somit nichts im Wege, womit sich der Eigentü-

weiteren Entscheidungen bezüglich des Festivals ge-

mer die Kosten für die Erhaltung des Turms spart. Und

troffen. Es darf gezittert werden. Film ab oder Cut?

St. Pölten sein industrielles Antlitz los ist. –7– MF G

ohnehin stets bemüht, das große Du im Kellner zu suchen. Bitte stellt uns keine beiläufigen Fragen, an deren ehrlicher Beantwortung ihr ja eh nicht interessiert seid. Denn abservieren tun in aller Regel die in den ersten Lehrjahren oder gar die Aushilfen. Mit denen sollen wir Gäste uns tatsächlich auf ein kulinarisches Fachgespräch einlassen? Gerade diese liebenswürdig Ohnmächtigsten sollen den Profis in der Küche allenfalls die Wadln virerichten? Sollen monieren, dass der Gast einen Zwiebel-Rostbraten bestellt hat, statt letzterem aber ein dampfgegartes Allerweltrindsschnitzl in Zwiebeltunke vorfand? Dass man den Fruchtsalat hätt gleich in der Dose an den Tisch bringen können? Geh bitte! Und völlig aussichtslos ist die Situation ja überhaupt, wenn schon an der Wirtshaustür die gefährliche Drohung plakatiert ist: „Hier kocht der Chef!“.


r e t Af y a he D T – s l a Festiv

, die leerbgebrochen a e lt e Z re fraih nger haben ehen und zu zi ljü a zu iv z st n e F ila r B e it arawanen d ereinigt. Ze aufer, Wöll. Ende. Die K damm ist g n zu e t is mayr, Vorl a is h r Tr sc e r e au m d R , m , o er llt u ls fü A a e s iv fg to u Der Fest eichl. Fo nd wieder a chwab, J. R en Lager si rt on Klaus S e V d n t? lü m p m e g was ko leibt... und gen, was b

René

Voak, Geschäftsführer des VAZ St. Pölten,

in die niederösterreichische Landeshauptstadt

soll, geht das Rennen klar für die niederösterrei-

wo sowohl das Beatpatrol als auch Kernbereiche

lotste. “Prinzipiell war das Frequency ein großer

chische Hauptstadt aus. Dies selbst bei vielen, die

des Frequency im wahrsten Sinne des Wortes

Erfolg. Wir hatten 40.000 Beuscher pro Tag, das

aus der Westregion (!) anreisen. So heißt es etwa

über die Bühne gingen, ist mit dem Festivalsom-

waren zufriedene Leute! Es standen – das wird in

„Salzburg ist für uns 1000 mal besser zu erreichen.

mer zufrieden. Allen voran freut ihn die gelungene

die Stadtgeschichte St. Pöltens eingehen – Größen

Aber der Fluss dieses Jahr war einfach zu geil!“,

Premiere der Eigenmarke „Beatpatrol Festival“,

wie Grace Jones oder, überhaupt zum allerersten

oder „Naja, die drei Stunden im Auto haben mir

das rund 20.000 Besucher ansprechen konnte und

Mal in Österreich, Radiohead auf der Bühne! Der

nichts ausgemacht. Das ganze Gewurschtl zum

sich so auf Anhieb unter die Top Five Festivals Ös-

Nightpark stellte eine österreichweite Innovation

Salzburg-Ring hat mich immer angezipft. Nach St.

terreichs hievte. „Das ist ein beachtliches Ergeb-

dar, noch nie fand ein Festival auf einem Kaser-

Pölten muss man nur easy der Autobahn folgen.“

nis, denn es ist nie leicht, etwas völlig Neues aus

nenareal statt. Es gab kaum Lärmprobleme, keine

Die Festivalbesucher aus der Ostregion waren ob

der Taufe zu heben!“

Staus und auch der Shuttledienst zwischen Day-

des neuen Frequency-Standortes ohnedies be-

Nicht minder zufrieden zeigt sich Voak als Her-

und Nightpark hat reibungslos funktioniert! Ja“,

geistert, wobei sich schon beim Beatpatrol gezeigt

bergsgeber fürs Frequency Festival und zollt dem

fügt er schmunzelnd hinzu „sogar das Wetter war

hatte, dass auch zahlreiche Besucher aus den

Veranstalter Musicnet und dessen Chef Harry

besser als in Salzburg!“

Nachbarländern Slowakei, Tschechien oder Ungarn das nahe St. Pölten ansteuern.

Jenner Anerkennung. „Es hat ja einige Ungewissheiten im Vorfeld gegeben, letztendlich hat von

St. Pölten und die Welt. Auch das Feedback

Nicht zuletzt verweist Bürgermeister Matthias

der Organisation her aber alles toll funktioniert.“

der Besucher fällt dementsprechend positiv aus,

Stadler noch auf einen weiteren Feel-Good-Faktor.

Dementsprechend zufrieden ist auch Jenner

und wenn es darum geht, ob das Festival näch-

„Die Stadt war ein hervorragender Gastgeber,

selbst, der das Frequency Festival von Salzburg

stes Jahr in St. Pölten oder Salzburg stattfinden

weil unsere Bürger und Bürgerinnen dieses Fe-

–8 – MFG


stival mit Weltoffenheit, weitgehender Akzeptanz

eigens nach England und nach Holland, um dort

dem anderen“, erklärt er. Feststeht aber, dass sich

und Toleranz mitgetragen haben.” Das sei keine

hiesigen Medien Interviews zu geben „Und da

mit Frequency und Beatpatrol die Besucherzah-

Selbstverständlichkeit und insbesondere den An-

wurde St. Pölten klarerweise immer mitkommun-

len vervielfacht haben. Eine „Daumen x pi“-Regel

rainern hoch anzurechen. „Das Entgegenkommen

ziert. Wir hatten ja an die 1.000 Leute allein aus

besagt, dass man von einer durchschnittlichen

der Anrainer hat ermöglicht, dass auch für junge

England!“ Die Pressestelle der Stadt stellte so-

Wertschöpfung pro Besucher von über 100 Euro

Menschen im Jubiläumsjahr etwas ganz Beson-

denn fest „Der Image- und Werbewert für die Lan-

ausgehen kann. Das wären bei insgesamt 140.000

deres auf die Beine gestellt werden konnte.“ Der

deshauptstadt erscheint unbezahlbar.“

Besuchern an fünf Festivaltagen (Frequency und Beatpatrol) 14 Millionen Euro!

Bürgermeister verweist damit auf 850 Jahre St. Pölten – die älteste Stadt Österreichs hat ein mehr

Seid umschlungen Millionen. Liegt alleine

Ein schöner Brocken, von dem ein Gutteil über

als zeitgemäßes Lebenszeichen gesetzt.

der Werbewert aus Medienpräsenz bei mehreren

Ausgaben in Lebensmittel, Gaststättenbesuche,

Ein Blick auf die österreichweite, nein europaweite

Millionen Euro, so ist es insbesondre die Wert-

Beherbergungsbetriebe,

Berichterstattung von Beatpatrol und Frequency

schöpfung, die handfestes Geld in die Region spült.

denes Equipment von Gummistiefeln über Zelte

belegt dies eindrucksvoll. „Ich habe mehrere

Das bestätigt auch Univ. Prof. Dr. Egon Smeral vom

bis hin zu Sonnencreme, Bikini & Co. direkt in der

bummvolle Ordner allein mit Printberichten über

WIFO. Schon fürs NUKE ging er ehemals von einer

Region verbleibt. Wie hoch dieser Anteil exakt ist,

das Frequency Festival, da sind die Fernseh- und

regionalen Wertschöpfung von mindestens fünf

lässt sich schwer eruieren, aber ein Vergleichs-

Radiobeiträge noch gar nicht mitgerechnet!“, so

Millionen Euro aus – allein durch die Besucher!

beispiel aus Deutschland lässt eine gewisse Ori-

Jenner, und Voak berichtet im Hinblick auf Beat-

Wie es sich diesmal verhält, „kann man aufgrund

entierung zu. So hat die TU Chemnitz (Abteilung

patrol zufrieden über „Fernsehbeiträge auf ORF,

der Besucherzahl allein nicht sagen, dafür muss

Marketing und Handelsbetriebslehre) unter Prof.

Puls4, MTV, GOTV etc.“ Jenner flog diesmal sogar

man Erhebungen machen. Es gleicht kein Festival

Dr. Cornelia Zanger sowie Dr. Jan Drengner im Jahr

–9 – MFG

Tankstellen,

verschie-


2005 eine Studie über die Wertschöpfung des Hip-

Univ.-Prof. Dr. Egon Smeral, WIFO

Hop und Reggaefestival „splash!“ (das sich mit

Warum reißen sich Städte um die Durchführung von Großveranstaltungen wie Beatpatrol oder Frequency?

20.000 Besuchern größenmäßig auf Beatpatrol-

Einerseits wegen des damit verbundenen Imagewandels, andererseits natürlich auch um mehr Einkünfte zu lukrieren. Temporäre Großveranstaltungen tun sich generell schwer mit Nachhaltigkeit. Das heißt es kommt auf Kontinuität an, dann ist der Imagewandel möglich.

eindeutig. So errechnete man „alleine für die

Das heißt, eine „Nichttourismus“-Stadt wie St. Pölten kann durch Festivals wie diese eine Tourismusmarke kreieren? Das kann sie absolut. Wenn St. Pölten einen Markennamen durch Zeitgeistveranstaltungen schaffen kann, hat das natürlich eine gewisse Zugkraft. Aber dementsprechend muss dann auch das restliche Angebot, die Infrastruktur mithalten.

Harry Jenner, Veranstalter Frequency Festival

Niveau bewegt) erstellt. Die Ergebnisse waren Stadt eine zusätzliche Wertschöpfung von mehr als zwei Millionen Euro“, wie Dr. Drengner ausführte. Zudem hätten die Festivalbesucher mit der Gastgeberstadt ein positives Bild verbunden. „Gerade dieses positive Bild auswärtiger Gäste bietet Chancen für das Marketing der Stadt Chemnitz, indem sich die Kommune als freundlicher Gastgeber des splash!-Publikums präsentiert“, so Dr. Drengner, und abschließend „Die Chemnitzer wis-

Wenn Sie die beiden Frequency-Standorte Salzburg und St. Pölten miteinander vergleichen, welcher schneidet besser ab?

sen, dass sich das splash!-Festival positiv auf die

St. Pölten! Der Greenpark mit Kaserne und Grünanlage ist eine einzigartige Location in Österreich, die Anreise ist viel unkomplizierter als etwa in Salzburg. Was aber nicht heißen soll, dass in Salzburg alles schlecht war.

Auch – um ein anderes, bei weitem größeres Bei-

Ist es eigentlich einzigartig, dass so ein Festival mitten in der Stadt über die Bühne geht? Eigentlich nicht. Es gibt zahlreiche internationale Beispiele, etwa in der Schweiz oder auch in New York. Und das „T in the park“ in Schottland zum Beispiel, dorthin kommen sogar dreimal so viele Leute wie zum Frequency, und es gibt trotzdem keine Probleme.

Region auswirkt!“ spiel zum Vergleich heranzuziehen – beim Wiener Donauinselfest wird nicht zuletzt die Wertschöpfung als Grund herangeführt, warum man in Wiens größter Freizeit- und Erholoase ein Festival mit über zwei Millionen Besuchern durchführt. So verweist Veranstalter Harry Kopietz darauf, dass das Wiener Donauinselfest „zu einem unverzichtbaren

René Voak, VAZ Geschäftsführer

Wirtschaftsfaktor für Wien geworden ist“. Belegt

Sie verfolgen seit Jahren eine kontinuierliche Festivalpolitik. Warum? Weil es dem Tourismus und der Wirtschaft sowie der Stadt insgesamt enorm viel bringt! Uns als VAZ wiederum geht es um eine breite Programmatik. Wir wollen und können nicht nur auf eine Schiene setzen, also etwa nur auf Messen, nur auf Kongresse, Tagungen, nur auf Konzerte. Das Rezept heißt Vielfalt!

ist dies durch die Dissertation von Mag. Klaus Winkler an der WU Wien. „Unter Berücksichtigung aller regionalen Abflüsse und der entrichteten Abgaben, erhält die Wiener Wirtschaft durch das Donauinselfest einen Impuls von 38,7 Millionen

Sie haben mit dem Beatpatrol heuer erstmals ein eigenes Festivalkonzept kreiert und waren Veranstaltungspartner – aus welchen Gründen?

Euro!“

Wir wollen einfach unabhängiger werden, was Festivals betrifft. Bei Fremdveranstaltungen musst du jedes Jahr neu verhandeln, hast keine Garantie, dass es weitergeht. Deswegen bauen wir eine Eigenmarke auf, um autonom zu sein und Festival-Kontinuität für den Standort zu gewährleisten.

tungen, ganz abgesehen von ihren Imageeffekten,

Matthias Stadler, Bürgermeister St. Pölten Wie beurteilen Sie persönlich den Wert der Festivals für die Stadt?

Die wirtschaftliche Zugkraft derlei Veranstaldie ihrerseits wieder monetäre Folgeströme auslösen, steht also gänzlich außer Streit. Wichtig, darin sind sich sämtliche Experten einig, sei aber im Sinne von Nachhaltigkeit auch Kontinuität! Nur so kann man, wie auch Univ. Prof. Smeral betont,

Mit Beatpatrol und Frequency ist etwas Einmaliges gelungen. Dazu gibt es eine Vielzahl von positiven Rückmeldungen aus der Bevölkerung, von Besuchern, Künstlern und selbst von Mitbewerbern in der Eventbranche. „St. Pölten war einfach toll!“, so der Grundtenor. Der Image- und Werbewert ist unbezahlbar!

„eine Marke schaffen.“

Möchten Sie St. Pölten als DIE FESTIVALSTADT positionieren?

nerinteressen. „Für die Anrainer stellen diese Fe-

Priorität hat für mich als Bürgermeister noch etwas anderes, über Frequency hinaus: In welcher Dichte und Größe sind Events an diesem Standort verträglich? Damit verknüpfe ich auch die Frage, was Anrainern zugemutet werden kann. Danach erst sind Weichenstellungen für die Zukunft möglich.

Anrainerinteressen. Ebenso wichtig ist selbstverständlich die Berücksichtigung der Anraistivals natürlich immer eine große Einschränkung und Lärmbelästigung dar“, stellt sodenn Josef Dammerer, Anrainervertreter der Oskar Helmer Straße fest. Dabei sind unterschiedliche „Typen“ zu erkennen. So gibt es jene, die das Festival

Josef Dammerer, Anrainervertreter

selbst besuchen (oder ihre Kinder, Enkel), jene, die

Was wäre aus Ihrer Sicht noch verbesserungswürdig? Eine Verbesserung wäre die Positionierung der Bühne hinter dem Lärmschutzwall, wie dies etwa beim Beatpatrol erfolgte. Und sehr wichtig wäre, dass auch die Campinggäste die Nachtruhe um 1 Uhr einhalten. Mit den Spielzeiten bei den Konzerten funktioniert dies ja schon sehr gut. Schließlich – das ist ein dringender Appell an den Veranstalter, den Magistrat und die Besucher – muss die Müll- und Sanitärproblematik noch viel sensibler behandelt werden.

Gibt es eigentlich Kontakte zwischen Besuchern und Anrainern? Der Kontakt zu den Besuchern ist bei uns in der Oskar-Helmer-Straße eher gering. Aber wenn einer zustande kommt, dann ist er durchaus okay.

– 10 – MFG

sogar eigene Festivalpartys in ihrem Garten veranstalten, was dann witzige „Beschwerden“ nach sich zieht wie „bei Jan Delay hättet ihr ruhig lauter aufdrehen können!“. Es gibt jene, die das Festival offen unterstützen und im Nachbarschaftskreis dafür die Toleranz- und Lobbyingtrommel rühren „weil das einfach schön ist, all die jungen Menschen, und das alles in St. Pölten! Ist ja nur ein paar Tage im Jahr“. Es gibt jene, die regelrecht die Flucht ergreifen „weil ich mir das einfach nicht


in Kooperaton mit newsboard.at

antun möchte“. Es gibt jene, die das Festival rundweg ablehnen nach dem Motto „soetwas brauchen wir nicht“. Und es gibt jene, die zwar nicht unbedingt begeistert sind, aber umgekehrt den Stellenwert für die Stadt anerkennen und daher die damit verbundenen Unannehmlichkeiten auf sich nehmen „Wenn es laut ist, kann ich halt die paar Tage nicht bei offenem Fenster schlafen.“ Prinzipiell geht es den Anrainern – zurecht – vor allem darum, dass ihre Interessen ernst genom-

FESTIVALSPLITTER Der Ö3 Wecker meldete sich live vom Frequency. Der Moderator: „St. Pölten hat offensichtlich einen neuen Helden.“ Danach hörte man via Radio bis in den letzen Zipfel Österreichs folgenden Sprechchor skandierender Festival-Besucher. „Matthias Stadler, wir lieben dich!“ Nach dem Festival machten sich die Mülltrupps auf – und auch zahlreiche St. Pöltner pilgerten zur Traisen, wo man manch aufgebrachtem Pensionisten begegnete. „Ein Wahnsinn, wie es da ausschaut!“ Der unterm Arm geklemmte Campingstuhl war wohl die Kompensation für die Erregung.

men werden. Die Veranstalter sind diesbezüglich

Die deutsche Band TOMTE trällerte im Zuge ihrer Liveperformance eine kleine Hommage an die Traisenstadt „Ich sollte eigentlich nach Wien, doch ich will viel lieber nach St. Pölten ziehen!“

redlich bemüht. So meint etwa René Voak. „Be-

Im Krankenhaus wurden angeblich viele Mädchen um die Pille vorstellig – die Pille danach!

schwerden gibt es immer, das ist klar. Im Verhält-

Ein Mädchen düste mit dem Rad an die Traisen, um ein paar der stehengebliebenen Zelte zu ergattern. Als sie nach geraumer Zeit zum Rad zurückkehrte – war dieses verschwunden! Später machte folgendes Gerücht die Runde: „Die haben sogar neue Radln liegen lassen!“

nis zur Größenordnung der Veranstaltungen waren es aber sehr wenige. Einige der Konflikte kann man ja oftmals sofort lösen, etwa durch das Aufstellen von Zäunen oder deren Verrücken, durch das Sperren von Straßen etc. Kritik und Feedback

Ein blaues Wunder erlebten auch drei Festivalbesucher am Sonntag. Sie hatten eben ihre Utensilien zum Auto gebracht und wollten nun ihr Zelt abbauen – nur dies hatte offensichtlich schon ein St. Pöltner erledigt, der dachte, das Zelt sei einfach stehen geblieben. Es war einfach weg!

sind wichtig, und wir bemühen uns, damit konstruktiv umzugehen und die Wünsche – so sie umsetzbar sind – auch zu berücksichtigen.“ Dies bestätigt Josef Dammerer. „Für mich persönlich als Anrainer habe ich in Zusammenarbeit mit NXP die Beeinträchtigung auf ein halbwegs verträgliches Maß reduzieren können, wobei es auch für meine Familie und mich eine enorme Lärmbelästigung gibt – 200 Meter von der Hauptbühne ist unsere Wohnung!“ Die, wie in manch lokalem Medium unverhälntismäßig dargestellt, große „Beschwerdeflut“ hat es jedenfalls nicht gegeben. Beim Bürgerservice der Stadt gingen etwa während des gesamten Frequency-Festivals 25 Beschwerde-E-Mails ein. „Sehr wenige im Vergleich zu anderen Festivals“, heißt es von Stadtseite. Und manch schlecht recherchierte Horrorgeschichten á la Gasexplosion, – 11 – MFG


Wochenlang hatten sie Hochsaison, die Nörgler und Skeptiker. Als Mahner verkleidet pf asterten sie die B39 mit Unfallopfern und überschwemmten die Traisen mit Alkoholleichen. Sie erklärten Anrainer- zu Kriegsgebieten und malten oft erfolgreich den Teufel der Großstadt, des Megaevents, des Außergewöhnlichen an die Wand. Entsprechend verunsichert, stapften Frau und Herr St. Pölten mutig zum Zeltplatz der Vandalen und schauten dem Feind ins Angesicht. Sie patrouillierten am Traisenstrand und gaben keinen Meter breit, wenn es um ihre Einkaufszentren und Fußgängerzone ging. Und so kam schon bald die bittere Ernüchterung: DAS bitte soll die versprochene Apokalypse sein?! Na freilich war’s dreckig. Na freilich war’s laut. Aber aufgewogen mit 40.000 Tagesgästen und unter Zuhilfenahme des gottgegebenen Hausverstands war rasch klar, dass im Vergleich zum Müll

Pr OviNZ JOUrN alisMUs

von Michael Müllner

der mit dem Eventsommer verbundene Imagegewinn gekommen war, um zu bleiben. Glückliches St. Pölten. Womit wir beim Problem wären. Das kannst du so nicht schreiben, da fehlen Aufruhr, Skandal, Empörung und das menschliche Leid. Also ziehen wir auf Seite vier unsere „Blut- und Rotzgeschichten“-Nummer durch und ergeilen uns an angeblich vergewaltigten Mädchen und K.O.-Tropfen. Wohlwissentlich, dass es sich eh „nur“ um des Österreichers liebsten Tropfen, den guten, alten Alk handelt – und dass aus den Anzeigen nicht viel werden wird. Wurscht. Headline ist Headline! Müllberge? Jawohl, das gibt ein super Bild. Und auch wenn wir wissen, dass die Reinigung nicht von Steuergeldern bezahlt wird – man wird die Frage ja mal in die Runde werfen können. Ein bisschen Skandal schadet nie. Morgen relativieren wir’s dann halt wieder. Primitivjournalismus. Das Fundament der Provinz.

H

DIE SACHE MIT DEM MÜLL 3 Fragen, 3 Antworten seitens des Veranstalters Wie lange hat die Müllbeseitigung gedauert! Die Reinigung hat rund 10 Tage in Anspruch genommen, das ist eine tolle Leistung. Es waren rund 100 Leute im Einsatz. Für die Traisen wurden sogar extra Fischerhosen angekauft. Dabei wurden auch Tonnen von Altmüll beseitigt, die eindeutig nicht vom Festival verursacht worden waren. Die Reinigungskosten trägt der Veranstalter.

Wie ist die Müll-Logistik? Gereinigt wird rund um die Uhr am gesamten Festivalgelände. Die Reinigung des Campinggeländes gestaltet sich allerdings aufgrund der Enge zwischen den Zelten als sehr eingeschränkt. Im nächsten Jahr wird zur Verbesserung der Situation ein generelles Glasverbot eingeführt, zudem werden Dosenpressen aufgestellt. Damit die Leute ihre leeren Dosen dort abgeben, werden Anreize zum Sammeln geschaffen.

Warum gab es nicht mehr Müllrückgabestellen? Das hat einen ganz einfachen Grund: Bei den Müllrückgabestellen muss man mit schweren LKW’s zum Abtransport zufahren. Wenn es mehrere am Traisenstrand gibt, würde damit das Grünareal zerstört – das wäre kontraproduktiv.

KO-Tropfen & Co. haben sich überhaupt rasch als

Fix ist bereits das Beatpatrol-Festival. Sogar der

sensationslüsterne Zeitungsenten entpuppt. Ganz im

Termin steht schon fest – 23./24. Juli. „Das ging

Gegenteil. Die eingesetzten Rettungsorganisationen

so schnell, weil diverse Kooperationspartner und

sowie die Polizei sprachen von einem summa sum-

Sponsoren gleich langfristige Verträge abschließen

marum friedlichen Festival. Das war es nicht zuletzt

wollten. Normalerweise muss man ihnen deswegen

auch dank ihrer hervorragenden Arbeit selbst, was

nachrennen“, erläutert Voak den Hintergrund, der v.a.

auch anerkennend bei der Stadt und in diversen In-

eines belegt: St. Pölten ist in der Branche kein blinder

ternetforen deponiert wurde. „Für die hervorragende

Fleck mehr. Das Interesse an der Stadt – und dies gilt

Koordination und das flexible Agieren aller St. Pöltner

im Schlepptau für alle Ebenen, nicht nur den Festi-

Behörden und Einsatzorganisationen wurde dem Ma-

valsektor – ist mit einem Schlag so hoch wie noch

gistrat viel Lob und Dank übermittelt. Alle bestätigen:

nie. St. Pölten ist bis ins tiefste Ländle und bis in die

Es gab weder ein Sicherheits- noch ein Verkehrspro-

flachste pannonische Tiefebene hin bekannt und be-

blem!“ Freilich fügt er auch hinzu: „Es gibt aber auch

gehrt. Man ist auf die Stadt aufmerksam geworden.

andere Stimmen, auf die ich ebenso höre. Grenzten

In diesem Sommer 2009 ist etwas geschehen, wurde

Zeltplätze an einigen Stellen tatsächlich zu nahe an

eine Visitenkarte abgegeben. Was, das bringt am

die Anrainer? Wurden einige zu wenig informiert? Es

besten vielleicht ein Leserbrief zum Ausdruck: „Seit

wird alles aufgelistet und ausgewertet.“

Frequency ist eine neue Zeitrechnung angebrochen.

Ge

R T

120 000 Jugendliche und Junggebliebene machten

Die Zukunft. Wohl schon im Hinblick auf die Frage,

Party, hörten Musik und brachten gute Laune mit. Ich

ob es auch 2010 wieder ein Frequency geben wird?

wohne in der Nähe vom VAZ und fand diesen Trubel

Der Veranstalter bekundet jedenfalls Interesse, und

sehr aufregend.

Harry Jenner stellt fest „Ich will prinzipiell immer dem

Dieses ständige Gejammer ‚In St. Pölten ist nix los‘

Standort treu bleiben.“ Der Bürgermeister möchte

MUSS endgültig aus den Köpfen gestrichen werden.

sich noch nicht festlegen. „Mir ist wichtig, alle Für

Weil diese Aussage seit diesem Wochenende keine

und Wider zu analysieren. Daher sind Festlegungen

Gültigkeit mehr hat. Ein Dankeschön an die Visionäre,

für 2010 derzeit kein Thema, auch wenn der Veran-

die mit Einsatz und dem Willen, gemeinsam etwas

stalter und die Wirtschaft an den Bilanzen und dem

Großes zu schaffen, St. Pölten (drei Tage lang) zu dem

außergewöhlichen Standort an der Traisen Gefallen

machten, was die Stadt sein könnte. Eine weltoffene

gefunden haben.“

Stadt ganz nah am Puls der Zeit.“ –12 – MFG

H E s e R


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Im Sinne der Zukun

ft

Rund zehn Mitarbeiter trifft man noch am Firmensitz an, dort wo früher mal 1000 Arbeiter den Industriebetrieb zum städtischen Aushängeschild machten. Seit dem Jahreswechsel ist der Betrieb in der Herzogenburgerstraße eingestellt. Was wurde aus der Glanzstoff? Von Michael Müllner, Fotos Hermann Rauschmayr. Am

10. Jänner 2008 brannte ein Großteil der

Kulisse für die Betriebsschließung gewesen. Ein

Chancen nicht genutzt. Von Unterneh-

Abluftanlage der Fabrik ab. Um den Vollbetrieb

Theater in dem sich die Sozialistische Jugend

mensseite her war Geschäftsführer Max Pas-

neuerlich aufnehmen zu können wären massive

für eine „Wiedervergesellschaftung“ des defizi-

quali für MFG konsequent nicht erreichbar.

Investitionen im Umweltschutz nötig gewesen. Investitionen, die laut Unternehmensleitung aus wirtschaftlicher Sicht unzumutbar waren. Unverstummt sind aber nach wie vor auch jene Stimmen, die wissen wollen, dass die Abwanderung des Industriebetriebs aus dem Hochlohn-

„Man sieht ihn nur mehr selten in St. Pölten“,

„Grupp soll äußern, was er will!“ Matthias Stadler, Bürgermeister

land Österreich dem Eigentümer gar nicht so

hört man von den verbliebenen Mitarbeitern. Und den Eigentümer, Dr. Cornelius Grupp, kennt man ohnehin nur vom Hörensagen. Grupp ist einer der erfolgreichsten Industrieinvestoren in Österreich. Er führt seine Industrieholding, zu der auch weitere Standorte in Niederösterreich

ungelegen gekommen sei. Der Brand, die an-

tären Betriebs stark machte und allerlei bunte

gehören, in sechster Generation und bekam

geblich überbordenden Auflagen des Magistrats

Kapitalismuskritiker und Verschwörungspara-

als gebürtiger Deutscher die österreichische

und das zwischen SPÖ und ÖVP aufgeführte

noide ihren Auftritt hatten. Den Mitarbeitern

Staatsbürgerschaft aus den Händen von Lan-

Parteipolitik-Theater wären eine willkommene

nutzte das alles freilich nichts.

deshauptmann Pröll himself verliehen. Der

– 14 – MFG


URBAN

kritisierte 2008 auch die Stadt St. Pölten, hier

nördlichen Fabriksgelände. „Da wurden EU-

würden Unternehmer aus der Stadt vertrieben,

Mittel erfolgreich eingesetzt, man könnte also

so Pröll. Womit auch er zum bunten Polittheater

hoffen, dass auch eine weitergehende Aufarbei-

beitrug.

tung der Vergangenheit erfolgt – im Sinne einer

Rund 350 Menschen waren von der Schließung Ende 2008 betroffen. Was ist aus ihnen geworden?

Wie sieht die Bilanz von St. Pöltens Bürger-

Nutzbarmachung für die Zukunft,“ wie ein ande-

229 Personen hatten sich für sie interessiert,

meister Matthias Stadler aus? Ist er unterm

rer Rathausinsider meint.

rund 140 Personen sind dann auch tatsäch-

Strich froh, dass die Glanzstoff und mit ihr die

lich „in die Glanzstoff-Stiftung gegangen“,

Gestanks- und Gesundheitsbelastung aus dem

Bildungsjuwel? Doch was soll aus dem

sprich sie absolvieren nach einem sechs-

Stadtgebiet verschwunden ist? Stadler verneint:

120.000 m² großen Areal werden? Mitten im

wöchigen

„Es macht keine Freude einen Betrieb zuzusper-

Stadtgebiet gelegen ist es ein bestens aufge-

derzeit individuelle Weiterbildungen oder

ren, wenn Arbeitsplätze verloren gehen… Leider

schlossenes Juwel, wunderschöne Bausubstanz

Umschulungen. Birgit Fußthaler vom Träger-

wurden die Chancen in Umwelt und Technik zu

aus dem frühen 20. Jahrhundert, das der Eigen-

verein Transjob: „Viele Mitarbeiter sehen es

investieren von der Unternehmensleitung nicht

tümer Cornelius Grupp mit seiner Firmenhol-

als Chance um in unsicheren Arbeitsmarkt-

genutzt.“ Die Schließung des Werkes schlage sich mit einem Abgang von rund 400.000 Euro an Kommunalsteuern im Stadtbudget nieder. „Die Wirtschaftskrise und ihre Auswirkungen sind da weit stärker spürbar“, betont Stadler.

Leere

Berufsorientierungsprogramm

Zeiten beispielsweise Abschlüsse nachzuho-

„Im Vorjahr de facto Vollbeschäftigung“ Klaudia Wrba, AMS

Werkshallen. Unterdessen nä-

len oder sogar ein Studium abzuschließen.“ Das größte Problem für die „freigesetzten“ Mitarbeiter war das Einbrechen der Konjunktur. „Durch die Krise war es für Mitarbeiter ohne ausreichender Qualifikation oft nicht möglich, einen neuen Job zu finden, da die

hert sich das Betriebsauflassungsverfahren

ding vor Jahren um den symbolischen Preis von

Unternehmen einsparen“, weiß die St. Pölt-

dem Ende. „Das Ziel sind leere Werkshallen,

1 Schilling erworben hatte. Offizielle Konzepte

ner AMS-Chefin Klaudia Wrba und erklärt:

dann kann das Verfahren geschlossen wer-

zur Nachnutzung liegen nicht vor. Bürgermei-

„Einige haben zwar schon Jahrzehnte bei der

den“, erklärt Andreas Brunner von der Gewer-

ster Matthias Stadler: „Nicht der Magistrat oder

Glanzstoff gearbeitet, konnten aber dennoch

bebehörde. Mit der zukünftigen Nutzung hat

die Politik entscheiden, wie es weitergehen soll,

nicht ordentlich deutsch. Solche Grundvo-

dieses Verfahren freilich noch nichts zu tun.

sondern der Eigentümer. Besitzer Grupp muss

raussetzungen müssen jetzt erst nachgeholt

Die ist nämlich weiterhin unklar. Bei der Lan-

einmal äußern, was er will!“ Für Stadler gibt es

werden.“ Rund 20 Personen werden derzeit

desregierung ist eine Verdachtsflächenmel-

eine Vision, die er gerne in St. Pölten verwirk-

als „nicht vermittelbar“ geführt. Im gesam-

dung eingegangen, was bedeutet, dass durch

licht sehen würde: „Jeder weiß, dass mir Bil-

ten Bezirk lag die Zahl von Arbeitslosen im

das Bundesumweltamt geprüft wird, ob es am

dung am Herzen liegt. Die Fachhochschule ist

Juli bei 4.000 Personen, womit St. Pölten

ehemaligen Glanzstoffareal Flächen gibt, deren

eine Erfolgsgeschichte. Ich könnte mir vorstel-

im Vergleich mit anderen Bezirken gut liegt.

Altlasten besonders entsorgt werden müssen.

len, dass mit universitären Einrichtungen neue

„Wir fallen von einem hohen Niveau run-

Mit einem Abschluss dieser Prüfungen ist frühe-

Chancen für Stadt und Land entstehen. Die

ter – im Vorjahr hatten wir de facto Vollbe-

stens in einem Jahr zu rechnen. Solange dürfte

Lage am Glanzstoff-Areal wäre dafür hervorra-

schäftigung“, so Wrba. Und wer selber einen

auch noch unklar bleiben, ob etwaige Altlasten

gend geeignet!“ Die Stadt sei in jede Richtung

neuen Job gefunden hat? Wrba: „Meist ist

die zukünftige Nutzung des Areals in irgendei-

gesprächsbereit. Wann unterdessen der letzte

der Wechsel von der Industrie in ein anderes

ner Form beeinträchtigen könnten. Erfolgreich

Kontakt zwischen Stadler und Grupp war, ließ

Gewerbe mit Lohneinbußen verbunden...“

saniert wurde jedenfalls die Mülldeponie am

sich nicht herausfinden. – 15 – MFG


Sonj a der Ba umei ster „Na endlich eine Frau!“, seufzt meine Kollegin fast glücklich. Als könnte ich etwas dafür, dass wir so selten Frauen portraitieren. „Da findet man einfach wenige Persönlichkeiten“, rutscht es mir fast heraus, aber ich trete dann doch nicht auf diese Mine. Weil dann müsste ich wieder erklären, dass ich es nicht in dem Sinne meine, dass es keine Frauenpersönlichkeiten gibt, als vielmehr, dass hierzulande wenige Frauen in leitenden Positionen anzutreffen sind! Aber es gibt sie – Sonja Zwazl ist eine von ihnen. Und so wirft mir meine Kollegin zur Abwechslung kein „Eh klar, schon wieder ein Mann“ um die Ohren. Von J.Reichl. Fotos H.Rauschmayr


URBAN Dann also wieder einmal in die Wirtschaftskam-

sehr emanzipierte Frau!“ Ein Wesenszug, den sie

Hinblick auf eine Ausbildungsstelle, denn Zwazl

mer, diesen orange Bauklotz im Süden der Stadt,

offensichtlich an ihr Enkerl weitervererbt hat. Die

möchte den Fotografenberuf von der Pieke auf

der mich immer an dieses Spielzeug erinnert, wo

ersten vier Lebensjahre wächst Zwazl zwischen

lernen. „Fotografie hat mich einfach fasziniert.“

Kinder die verschieden geformten Klötze in die

Wäldern und Granit auf, dann übersiedelt die Fa-

So landet sie schließlich am Fototechnikum AGFA

richtig gefrästen Öffnungen eines Kübels stecken

milie nach Wien. Das Waldviertel bleibt trotzdem

München, das sie von 1971-1973 besucht.

müssen. Der Eintritt entlockt mir ein entzücktes

die Heimat des Herzens. „Wir sind jede freie Mi-

Im Geschäft werden vor allem Portraitfotografien

„Ah“, immerhin heizt es draußen mit über 30 Grad

nute ins Waldviertel gefahren. Ich habe praktisch

angefertigt, Zwazl erkennt aber über die Jahre,

im Schatten herunter, da sind die gefühlten 10

alle Ferien dort verbracht! Kaum war die Schule

dass – daran gekoppelt – auch weitere Angebote

hier herinnen eine wahre Wohltat.

aus, sind meine Schwester und ich schon im Bus

sinnvollerweise ins Spektrum passen. „Ein Por-

Die Freude über die Abkühlung währt allerdings

gesessen!“ Für die Kinder ein Traumland. „Wir

traitfoto braucht in der Regel auch einen Rahmen.

nicht lange, denn im Präsidentenbüro herrscht

konnten sozusagen alles tun, was wir wollten, ge-

Und Rahmen wiederum müssen mitunter restau-

Saunatemperatur. „Ich mag keine Klimaanlagen.

nossen die unglaubliche Bewegungsfreiheit. Wir

riert werden.“

Überall wo du hinkommst, egal ob im Flugzeug,

sind stundenlang in der Natur herumgehirscht.

sukzessive ausgeweitet, ja Zwazl selbst setzt sich

im Auto oder hier wirst du tiefgekühlt“, meinte

Es gab ein Pferd, einen Wagen, einen Hund. Ein-

Anfang der 90’er Jahre – Beweis für ihre stete

eine im wahrsten Sinne des Wortes verschnupfte

fach ideal für ein Kind“, schwärmt Zwazl und fügt

Bereitschaft, etwas Neues anzupacken – noch

Präsidentin. Sie hat gerade eine Grippe hinter

schelmisch hinzu „Vor allem eines wie mich, denn

einmal auf die Schulbank und besucht als außer-

sich. Täterprofil: Klimananlage. Sonja Zwazl be-

ich war ja kein braves Mädchen!“ Der Volksmund

ordentliche Schülerin die Berufsschule für künst-

grüßt uns im roten Sommerkleid. Meine Kollegin

sagt, wer sich einmal mit dem Waldviertel infiziert

lerische Berufe.“

würde jetzt einwenden: ‚Natürlich, bei einer Frau,

hat, kommt davon ein Leben lang nicht mehr los.

Heute führt sie ihr Geschäft „Schön & Rahmen“

da spielt auf einmal die Kleidung eine Rolle.“ Ich

Der Präsidentin ergeht es da nicht anders. Bis

gemeinsam mit ihrer Tochter „die künstlerisch un-

wasche meine Hände in Unschuld. Auch die Män-

heute zieht es sie hinauf in den hohen Norden.

glaublich begabt ist“, in Klosterneuburg. Und auch

ner nehm ich derart unter die Lupe, weil Kleidung

„Dann gehe ich Schwammerl suchen, Sport trei-

wenn sie als Präsidentin drei bis vier mal die Wo-

immer etwas über den Träger verrät.

ben oder genieße unsere Hütte am Schwimm-

che in St. Pölten weilt und auch ansonsten durch

Wir setzen uns an den großen Besprechungs-

teich. Es ist extrem schön dort! Man fühlt sich

die Lande tingelt, lässt sie es sich doch nicht

tisch, mein Blick fällt auf ein Bild. „Was gefällt

einfach geborgen. Und am Abend setze ich mich

nehmen, jeden Samstagvormittag selbst hinter

ihnen daran“, frag ich. Die Präsidentin legt den

gemütlich mit meinem Bruder zusammen und wir

der Budel zu stehen. „Ich mache das nach wie

Kopf zur Seite: „Hm, vor allem die Farben! Und es hat so eine ganz eigene Stimmung!“ Wie das Wirtschaftskammergebäude. Wirkt es von außen zwar modern, aber nicht unbedingt hipp, so be-

„Gutes Werkzeug ist mir sehr wichtig. E benso gute Materialien.“

So werden die Geschäftsfelder

vor sehr gerne. Außerdem kommt man in Kontakt mit Kunden, Lieferanten, Kollegen. Bekommt verschiedene Eindrücke!“ Im Hinblick auf ihre Wirtschaftskammerfunktion empfindet sie das so-

eindruckt der Bau vor allem durch sein Innenle-

verändern die Welt“, lacht sie eingedenk manch

gar regelrecht als Grundbedingung der Tätigkeit.

ben. „Das war meine erste Entscheidung, als ich

lauen, durchdiskutierten Abends. Früher war auch

„Man braucht diesen Kontakt! Das finde ich ex-

Präsidentin wurde, dass wir mit der Kammer nach

noch die ältere Schwester mit von der Partie,

trem wichtig! Man kann kein Wirtschaftskammer-

St. Pölten ziehen“, erläutert Zwazl, die seit 1999

doch diese ist vor sechs Jahren verstorben. Eine

Funktionär sein, wenn man keinen Betrieb hat.“

im Amt ist. „Ich hab den Entwurf zum Bau selbst

schwere Zeit für die Präsidentin „Das war ein gro-

ausgesucht! Ich finde schön, dass es so offen ist,

ßer Einschnitt“, seufzt sie „wir waren sehr mitei-

Der Weg in die Kammer. Dass sie über-

so kommunikativ – du bist nicht isoliert! Das Haus

nander verbunden.“

haupt in der Kammer gelandet ist, mag – unter

lebt!“

anderem versteht sich – auch mit ihrer Rolle als

Der Präsidentin wird überhaupt ein Faible fürs

Im Portrait. Die Ferien im Waldviertel wäh-

Frau in der Wirtschaft zu tun haben. Denn als Un-

Bauen und Renovieren nachgesagt. Daher ist es

rend der Kindheit werden nur von einem unter-

ternehmerin eines kleinen Betriebes, die gleich-

wenig verwunderlich, dass sie von ihren Mitarbei-

brochen – dem Schuljahr dazwischen. Zwazl be-

zeitig Mutter ist, war sie wie so viele Geschlechts-

tern nicht, wie vielleicht anderswo üblich, Blumen

sucht Volksschule, Hauptschule, Handelsschule.

genossinnen einer steten Mehrfachbelastung

zum Geburtstag geschenkt bekommt, sondern

Nach einem Voluntariat bei der PRESSE landet

ausgesetzt. Selbständige Frauen geraten in einer

Baumarktgutscheine! Die vermeintliche Män-

sie schließlich als Chefsekretärin bei der Triester

solch patriarchal organisierten Welt (und damals

nerdomäne ein magnetischer Anziehungspunkt,

Verkehrsstelle und der Triester Handelskammer

war sie das noch in proportional stärkerem Aus-

Sonja im Wunderland? „Ja. Gutes Werkzeug ist mir

in Wien. „Damals wurde gerade die Adria Pipline

maß der Fall, wenngleich auch heute noch lange

sehr wichtig. Das muss Qualität haben! Ebenso

gebaut. Das war eine sehr spannende und lehr-

nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist) in

wichtig sind gute Materialien!“, erklärt sie fach-

reiche Zeit“, erinnert sie sich. Auch an manch

einen steten Gewissenskonflikt. Dieser rührt nicht

männisch (fachfrauisch müsste es hier eigentlich

exotischen Eindruck. „Die Kammer unterhielt

daher, dass sie etwa schlechte Mütter wären, als

heißen), und erzählt, dass sie ihre Bauaffinität von

etwa Geschäftskontakte mit Kamerun, da kamen

viel mehr, dass sie von der Gesellschaft im Stich

ihrem Vater geerbt hat. „Der war Konstrukteur –

immer frischer Kaffee, duftende Gewürze, es war

gelassen werden, dass ihnen in Fragen der Ver-

und hat ununterbrochen irgendetwas geplant,

sehr aufregend!“ Während dieser Zeit lernt sie

einbarkeit von Beruf und Familie zu wenig Unter-

konstruiert, gebaut. Ein Motorboot, mehrere Häu-

auch ihren Mann kennen, einen Fotografen. Mit

stützung widerfährt. Zwazl erzählt diesbezüglich

ser, Teiche im Waldviertel!“

der Liebe stehen auch grundlegende Verände-

ein paar persönliche Episoden, die aber typisch

rungen ins Haus. Zwazl wird schwanger, zudem

für sämtliche Frauen in einer derartigen Situa-

Die Wurzeln. Waldviertel ist ein gutes Stich-

beschließt das Paar, sich selbständig zu machen.

tion sein mögen. „Ich bin ja eine Känguruhmutter,

wort, dort beginnt 1946 die Zwazlsaga, genauer

„Damals hatte ich zum ersten Mal mit der Kam-

das heißt, ich habe die Kinder immer überallhin

in Weitra . „Mein Großvater hatte dort einen Satt-

mer zu tun“, erinnert sie sich. Einerseits im Hin-

mitgeschleppt. Sie waren auch im Geschäft und

lerbetrieb. Die Großmutter war Hebamme, eine

blick auf die Geschäftsgründung, andererseits im

sind an meinem Rockzipfel gehangen. Einmal,

– 17 – MFG


ich war gerade im Gespräch mit einer Kundin,

rade im Hinblick auf dieses Dilemma etwa hat sie

ist sie wohl auch in die Politik gekommen: Nicht

wollte meine Tochter etwas und ich hab wie so

den Verein „Betriebshilfe für die Wirtschaft“ ge-

programmiert, nicht gezielt, sondern – man ist

oft geantwortet: ‚Ich habe jetzt keine Zeit!‘ Da ist

gründet, der genau bei oben erwähnten Ausfällen

geneigt zu sagen – als logische Folge, weil sie

sie einen Schritt zur Seite gegangen, hat mit den

eines Partners einspringt und eine Arbeitskraft vo-

ein aktives Einbringen als ureigenstes, selbstver-

Füßen aufgestampft und hat gerufen: ‚Ich hasse

rübergehende zur Verfügung stellt. Ganz neben-

ständliches Element begreift. „Jeder, der in der

die Kunden!‘“

her weist dieser Verein noch eine zweite, sehr po-

Wirtschaft tätig ist, soll sich mit seiner Interes-

Ebenso erinnert sie sich an jene Momente, wenn

sitive Komponente auf. „Wir haben dort vor allem

sensvertretung auseinandersetzen. Das ist wich-

sie völlig abgehetzt in den Kindergarten gelau-

ältere Arbeitnehmer, auch Langzeitarbeitslose, die

tig, weil ja jeder einen anderen Zugang hat. Und

fen ist, um den Sohnemann abzuholen. Damals

zwar vielleicht nicht die Zampanos sind, aber über

jeder kann sich einbringen!“, ist sie überzeugt und

gab es noch keine Nachmittagsbetreuung. „Er

exzellente soziale Kompetenzen verfügen, viel Er-

nimmt sich selbst als bestes Beispiel dafür. „Im

war immer der letzte, der abgeholt wurde, ist im-

fahrung haben, wirklich helfen können. Das ist gut

Grunde genommen bin ich über Projekte in die

mer schon da gesessen und hat gewartet.“ Ein

für uns Selbständige, umgekehrt ist es auch gut

Funktionärslaufbahn hineingerutscht. Ich hätte

schlechtes Gewissen war die Folge, Dauerstress

für diese Menschen, wieder Fuß fassen!“

nie gedacht, dass ich einmal Präsidentin werde.“

und Dauerdruck ohnedies. Erlebnisse wie diese

Plötzlich steht die Präsidentin auf und tritt un-

Wohl auch so mancher Mann nicht. Wie ist das

lassen Zwazl, bewusst oder unbewusst, eine klare

vermittelt ans Fenster. „Kommen Sie, ich zeige

eigentlich als Frau in einer vermeintlichen Män-

Erkenntnis gewinnen, die späterhin auch zu ih-

Ihnen etwas.“ Ich stell mich neben sie, wir blicken

nerdomäne? Gabs Gegenwind, chauvinistische

rem politischen Credo wird. „Wir müssen das Le-

hinüber aufs WIFI Gebäude, wo Kinder im Garten

Pöbeleien? „Am Anfang, wie ich in die Kammer

ben besser organisieren. Bessere Möglichkeiten

spielen. „Das ist unser Kindergarten! Das war mir

gekommen bin, war ich als Frau sicher ein Exote,

schaffen, das ist wichtig!“

auch ganz wichtig, dass man die Kinder zu den

und natürlich hat es manch blöde Sprüche gege-

Diese sind für eine berufstätige Frau, für eine Un-

Kursen mitbringen kann. Dass die hier gut auf-

ben. Aber für jeden blöden Spruch gab es ebenso

ternehmerin noch einmal in besonderem Maße,

gehoben sind, während die Eltern einen Kurs be-

Solidarisierung durch männliche Kollegen, denen

schon während der Schwangerschaft vonnöten.

suchen. Das ist eine enorme Entlastung, sowohl

dieser Chauvinismus zuwider war“, erinnert sich

„86% unserer Betriebe haben unter 10 Mitarbei-

für den Partner, der hier einen Kurs besucht, als

Zwazl. Außerdem gäbe es als Frau in einer ver-

ter. Wenn da jemand ausfällt, sei es durch Krank-

auch für jenen zuhause, der dann allein den Laden

meintlichen Männerwelt auch Vorteile. „Dir wird

heit, sei es durch Schwangerschaft, kann das für

schupfen muss. Das ist es, was ich mir vorstelle“,

zum Beispiel mehr Aufmerksamkeit geschenkt!“

einen Betrieb existenzgefährdend werden!“ Auch

sagt Zwazl voll Überzeugung und fügt lachend

Diese hätte sich die Präsidentin durch ihre di-

diesen Existenzdruck musste sie am eigenen Leib

hinzu. „Ich freu mich noch immer jeden Tag da-

rekte Art und ihren Führungsstil aber wohl ohne-

erfahren, als sie mit ihrem Sohn schwanger war.

rüber. Heute etwa, als ich in der Früh gekommen

dies erarbeitet, ja eingefordert. Den Mythos vom

„Während es damals etwa im bäuerlichen Bereich

bin, sind vierzehn Nackerbazln herumgehuscht.

schwachen Weibchen in der Welt der starken

schon Dorfhelferinnen gab, die vorübergehend im

Das macht Sinn!“

Männer wischt sie jedenfalls mühelos beiseite.

Betrieb mitangepackt haben, war das in der Wirtschaft noch nicht der Fall. Ich dachte mir damals, ‚Warum krieg ich niemanden?‘“ Die simple Antwort mag unter anderem sein, dass

„Ich brauch kein nichtssagendes ‘Ich schließe mich an.‘ Das ist mir leid um die Zeit.“

„Frauen sind viel direkter Männer“, ist sie überzeugt, und hält in diesem Sinne auch nichts von Herumlamentieren oder Taktieren. „In Diskussionen brauch ich kein nichtssagendes ‚Ich schließe

man dafür einfach keine Sensibilität hatte, weil

Geradeheraus. Anhand dieses Beispiels wird

mich an‘ – da ist mir ehrlich gesagt leid um die

jene, die an der Macht saßen, ausschließlich Män-

schon ein Wesenszug Zwazls evident. Sie ist eine

Zeit. Ich mag auch keine ‚Kompromisse‘. Das

ner waren. „Und die setzten sich mit derartigen

– und das passt ganz gut zu ihrem Faible fürs

heißt, wir haben das gerade noch Erträgliche aus-

Fragen nicht auseinander, weil sie gar nicht so-

Bauen – die anpackt, umrührt, Nägel mit Köpfen

verhandelt, eine Art Waffenstillstand – damit bin

weit dachten“, stellt Zwazl ohne Vorwurf fest. Es

macht. „Mein Standpunkt war immer: Reden wir

ich nicht zufrieden.“

fehlte also schlichtweg die weibliche Sichtweise

nicht lange herum, sondern schauen wir uns an,

Das klingt angriffslustig, gar eine Spur brachial,

– und diese brachte Zwazl mitein. Aktiv. Indem sie

was wir in der Praxis brauchen und konkret um-

(männlich?), wird von Zwazl aber nicht als Ein-

sich engagierte, etwas auf die Beine stellte. Ge-

setzen können!“ So hält sie es mit allem, und so

bahnstraße oder One-Woman-Show verstanden.

– 18 – MFG


URBAN Auch von ihrem Gegenüber erwartet sie ein derar-

zum Verhängnis geworden ist, wo man gern die

auch engagieren, dann muss man mitmachen,

tiges Agieren mit offenem Visier. „ Ich halte nichts

Messer hinter dem Rücken wetzt und manch In-

sich einbringen. Jeder hat dazu die Möglichkeit!“

von Obrigkeitshörigkeit. Das ist mir zuwider. Man

trige spinnt, mag vielleicht auch auf eine gewisse

Auch im direkten politischen Diskurs kann sie

muss die Dinge klar ansprechen, muss ehrlich

Sonderstellung zurückzuführen sein. „ Das Beson-

schon mal sauer werden, wenn sie sich unge-

diskutieren. Nur so kann man Sachen umsetzen.“

dere an meiner Funktion ist ja, dass ich nicht bei

recht behandelt fühlt „Ich lass mir nicht gern ans

Auch in ihrem direkten Umfeld erwartet sie einen

der Kammer angestellt bin! Das heißt, ich bin nur

Bein pinkeln“, stellt sie nüchtern fest, „und ich

solch offenen Umgang, den sie als Grundessenz

den Mitgliedern verpflichtet, sonst niemandem!

kann es nicht ausstehen, wenn man sich politisch

konstruktiven Teamworks begreift. „Seriöser Um-

Daher bin ich von der Politik unabhängig! Das

etwas via Medien ausrichtet. Das ist eine Frage

gang miteinander ist mir wichtig. Wertschätzung.

macht sehr viel aus!“, mutmaßt Zwazl. Vielleicht

der Kultur.“ Letztlich gehe es im politischen Wett-

Da ist der Funktionär, da ist der Mitarbeiter, da ist

„Ich bin nur den Mitgliedern verpflichtet. Ich bin von der Politik unabhängig.“

bewerb wie überall um Respekt, um Konsens- und

miteinander kann man etwas auf die Beine stel-

ist sie deshalb auch, zumindest wirkt es so, un-

Es kommt immer nur darauf an, dass man im Rah-

len. Ich denke, wir haben hier im Haus eine gute

verbrauchter als manch langjähriger politischer

men bleibt. Wenn man etwas politisch erreichen

Stimmung. Ein offenes Verhältnis. Die Dinge wer-

Kollege. „Politik macht mir einfach Spaß! Es gibt

möchte, dann muss man sich gegenseitig Luft las-

den geradeheraus angesprochen.“

hier in der Kammer etwa einen ungeheuren Ex-

sen, so dass keiner das Gesicht verliert!“

pertenpool, da kann man viel umsetzen! Mich fas-

Stellt sich natürlich die provokante Frage, ob man

Politik macht Spaß. Dass ihr diese Offenheit

zinieren nach wie vor die Möglichkeiten!“ Umso

auch als Bundesrat – Zwazl erfüllt diese Funktion

in ihrem politischen Leben – Zwazl ist neben ihrer

mehr ärgert sie sich über Pauschalurteile und

seit 2003 – etwas erreichen kann. Immer wieder

Kammerfunktion auch Obfrau des NÖ Wirtschafts-

Politikerhetze. „Dieses plumpe ‚Mit denen will ich

werden ja Forderungen laut, dieses Gremium

bundes, Bundesvorsitzende von Frau in der Wirt-

nix zu tun haben‘ ist ja völlig lächerlich. Wenn man

gänzlich abzuschaffen, weil ein Zweikammernsy-

schaft sowie Bundesrätin – bislang noch nicht

mit etwas nicht zufrieden ist, dann muss man sich

stem in einem Land der Größe Österreichs über-

das Mitglied. Das muss funktionieren wie in einer Familie. Jeder hat seine Aufgaben, von der Bedienerin angefangen bis hinauf zur Präsidentin. Nur

– 19 – MFG

Paktfähigkeit. „Politik ist Wettbewerb. Ich hab da keine Berührungsängste. Die Gewerkschaften etwa haben ihre Berechtigung und Sinnhaftigkeit.


flüssig sei und der Bundesrat kaum politischen

ten. Man braucht nur einen Blick nach Ungarn zu

derswo ergeht, die nicht einmal ein Dach über

Einfluss habe. Die Präsidentin zieht die Stirn in

werfen, das nicht zur Eurozone zählt. Die haben

dem Kopf haben.“

Falten. Das lässt sie nicht auf sich sitzen. „Der

ganz massiv zu kämpfen.“

Bundesrat ist sogar sehr wichtig. Ich kann dort di-

Noch mehr in Rage bringen die Präsidentin Pseu-

Anpassungsfähigkeit. Nicht zuletzt betont

rekt unsere Interessen vertreten, empfinde mich

dodiskussionen um Themen wie die berühmte

die Präsidentin, dass gerade Österreich – Niederö-

in diesem Sinne als Klammer zwischen Landtag

Gurkenkrümmung. „Die Wahrheit ist, dass die Gur-

sterreich im Besonderen – von der EU-Osterweite-

einerseits und Bundesrat andererseits. Man hat

kenkrümmung schon vorher ein nationales Thema

rung profitiert hat und dadurch auch die aktuelle

einen immensen Informationsvorsprung. Der Bun-

war, nicht eines der EU!“, ärgert sie sich. Die Wirt-

Krise bislang besser meistere als andere. „Wäh-

desrat kann Entschließungsanträge stellen, und er

schaftskammer hat deshalb sogar eine eigene

rend Österreich im Durchschnitt zuletzt einen

erfüllt wichtige Aufgaben im Hinblick auf die EU.

Broschüre mit dem vielsagenden Titel „Legenden

Export-Rückgang von fast 25% hinnehmen mus-

Ich selbst etwa sitze im EU-Ausschuss. Auf den

und Mythen rund um die Europäische Union“ auf-

ste, lag dieser in Niederösterreich im Vergleich bei

ersten Blick bekommt man halt leider nicht viel

gelegt, um mit Unwahrheiten aufzuräumen. Man

‚nur‘ 5,5%!“ Zwar sei die Situation nicht einfach,

mit, welche Möglichkeiten es in dem Gremium gibt!“

Glühende Europäerin! Womit wir bei einem

„Man kann nicht sagen, das ist genauso wie in den 30‘er J ahren - das ist Blödsinn!“

aber man müsse sie differenziert beurteilen. „Ich mag keine Verallgemeinerungen. Tatsächlich ist bei vielen Klein und Mittelbetrieben die Auftragslage nach wie vor gut. Probleme gibt es definitiv

weiteren Thema sind, das der Präsidentin beson-

wünschte sich, dass diese an jeden Haushalt geht,

in der Industrie. Da ist die Auftragslage bei man-

ders am Herzen liegt, auch in ihrer Funktion als

dann hätten Demagogen wie die FPÖ, „deren Aus-

chen gut, bei anderen wiederum schlecht.“ Prin-

Wirtschaftskammerpräsidentin: Europa! „Diesbe-

länderhass ich strikt ablehne“, weniger Chancen,

zipiell sei die Wirtschaft seit jeher Veränderungen

züglich gibt es halt leider viele Vorurteile, auch

mit ihren Halbwahrheiten zu reüssieren.

unterlegen und mache in den letzten Jahren einen

viele Fehlinformationen“, beklagt sie – oder gar

Ganz abgesehen von alledem bleibe als aller-

massiven Strukturwandel durch. „In den letzten

keine Information, möchte man hinzufügen.

höchste Errungenschaft, als allerhöchstes Gut

Jahren ist der Wettbewerb noch härter geworden,

„Wenn etwa immer die Nettozahler-Debatte los-

der friedensstiftende Charakter des EU-Projektes.

die Märkte haben sich globalisiert, da muss man

getreten wird: Faktum ist, dass von jedem einge-

„Wir haben seit Jahrzehnten keinen Krieg mehr

sich immer wieder aufs Neue anpassen.“ Die ak-

zahlten Euro drei im Gegenwert nach Österreich

erleben müssen. Allein deshalb müsste mir schon

tuelle Situation freilich sei mit keiner bisherigen

zurückfließen! Und wie schnell hat man verges-

wurscht sein, ob ein Krügerl einen Cent mehr

vergleichbar. Wobei sich Zwazl auch diesbezüg-

sen, dass wir früher teure Wechselspesen bezah-

oder weniger kostet! Wir können uns heute wirt-

lich über Horrormeldungen und Übertreibungen

len mussten, die mit dem Euro gänzlich wegge-

schaftlich besser gegen die USA behaupten, sind

ärgert, „welche die Menschen über Gebühr ver-

fallen sind. Ganz abgesehen davon ist gar nicht

unabhängiger geworden. Und wir leben in hohem

unsichern. Man kann nicht sagen, das ist genauso

auszudenken, wie wir die aktuelle Situation mei-

Wohlstand. Man sollte sich einmal die Mühe ma-

wie in den 30’er Jahren – das ist Blödsinn! Ebenso

stern würden, wenn wir noch den Schilling hät-

chen, sich umzuschauen, wie es Menschen an-

der Vergleich mit 1946 – der ist sogar anmaßend!

– 20 – MFG

an

A M

*


URBAN Wir stehen auch nicht vor einem Tsunami, wie ich

heute als conditio sine qua non zu durchdringen

gehören zum Entspannungsprogramm, „außer-

auch schon gelesen habe. Wir gehen ja von einem

scheint. „Wir dürfen im Denken nicht im eigenen

dem sitze ich gerne mit Freunden zusammen, und

ganz anderen Niveau aus. Wir haben heute einen

Häuserblock verharren“, fordert Zwazl. „Beim Fo-

ab und zu fahr ich mit meiner Tochter für unsere

immens hohen Standard. Die Frage ist eher, wie

rum Alpbach etwa wurde zuletzt prophezeit, dass

Firma auf internationale Kunstmessen, das ver-

kann ich diesen halten.“

Unternehmen in Zukunft nicht mehr ausschließ-

binden wir dann gleich mit einem Kurzurlaub.“

Hier seien alle im Wirtschaftsleben Involvierten

lich nur qualifizierte Menschen, als vielmehr qua-

Da geht es dann nach „Paris, Bologna, Barcelona,

gefordert, die wie Gefäße miteinander kommuni-

lifizierbare Kräfte suchen werden, also solche, die

London oder Berminghan.“ Reisen ist ein gutes

zieren. „Als Unternehmer hab ich zu überlegen,

sich laufend fortbilden! Die sich geistig fit halten!

Stichwort, auch wir müssen uns langsam auf den

wie übersteh ich das alles. Was muss ich machen

Flexibel bleiben.“

Weg machen. Zum Abschied inspizieren wir noch Zwazls Devo-

bzw. was kann ich überhaupt machen.“ Das heißt oft, wenn nötig und möglich, vielleicht ganz neue

Arbeitende Entspannung. Bleibt zuletzt

Wege einzuschlagen. „Mein Großvater etwa war

die Frage, um beim Zieleinlauf auf privates Ter-

sich verschieden Fotografien, ein Mobile vom Kin-

Sattler. Irgendwann ist keiner mehr geritten, Kut-

rain zurückzukehren, wie sich Frau Präsidentin

dergarten, ein Football und - ein Dirigentenstab!

schen wurden von Autos abgelöst. Das war auch

selbst fit hält – und zwar im eigentlichen Sinne.

Das ist auch wieder so eine Sache, schießt es mir

nicht klass, um es salopp zu formulieren. Aber er

Was treibt sie in ihrer Freizeit, abseits der Arbeit?

durch den Kopf: Kennt eigentlich irgendjemand

hat dann eben umdisponiert.“

„Ich hab mir vor ein paar Jahren ein altes Haus

eine Dirigentin? Kaum. Aber warum ist das so?

Viel spielt sich Zwazl zufolge ohnedies im Kopf ab.

in Klosterneuburg gekauft. Das hab ich selbst re-

Musik ist ja wohl keine Männerdomäne. Zwazl hat

„Wenn ich mir andauernd nur denke ‚Was wird

noviert“, verrät sie, und fügt schmunzelnd hinzu

wenigstens einen Dirigentenstab, und auch wenn

noch alles passieren‘ und nur schwarzmale, dann

„Das entspannt mich ungemein!“ Ebenso wie die

der nur symbolischen Charakter besitzt, so ist die

blockiert man sich über kurz oder lang selbst.

Arbeit im Garten. „Vor ein paar Jahren hab ich ein

Botschaft eindeutig: Sie ist hier der Boss, und al-

Man muss aber aktiv sein. Muss sich vorbereiten,

Biotop angelegt, mit Natursteinen – die hab ich

les tanzt nach ihrer Pfeife. Auch die Männer! Ge-

um reagieren zu können.“ Die Kammer versuche,

extra aus dem Waldviertel geholt! Wenn ich da

samtgesellschaftlich betrachtet tut uns das gar

ihres dazu beizutragen, den Unternehmen unter

jetzt vom Haus oben hinunterschaue, in dieses

nicht schlecht, im Gegenteil – in den Chefetagen

die Arme zu greifen. „Wir helfen unseren Betrie-

wunderschöne, saftige Grün – das ist einfach

wären mehr Frauen sogar absolut wünschens-

ben sozusagen mit durchzutauchen, und eines

unbeschreiblich!“,schwelgt die Präsidentin und

wert. Meine Kollegin werde ich mit derlei Worten

kann man sagen: Die Lage stabilisiert sich!“

fügt bestimmt hinzu „Es ist einfach schön, wenn

trotzdem nicht überzeugen können. Ich hör schon

Letztlich läuft alles auf das berühmte Schlagwort

man sieht, dass etwas weitergeht!“ Auch die

geradezu ihre Worte bei der nächsten Redaktions-

tionalien-Regal mit Erinnerungsstücken: Da finden

„Flexibilität“ hinaus, die unser gesamtes Leben Spaziergänge mit ihrem Hund Gandhi, ein Boxer, sitzung. „Eh klar – schon wieder ein Mann!“ anzg_200_140_mfg_100809:anzg_200_140_mfg_100809 10.08.2009 15:13 Uhr Seite 1

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treffen, gibt es Matzl zufolge in St. Pölten nicht, deshalb „kann man in St. Pölten auch von keinem Trend zur Ghettobildung unter Jugendlichen sprechen. Es gibt zwar sozial schwächere Viertel wie die Herzogenburgerstraße, jedoch ist hier keine dramatische Situation zu erkennen!“ Dies bestätigten auch regelmäßige Treffen und Gespräche mit der Polizei, die belegt, „dass es hier keine höhere Kriminalitätsrate als anderswo in der Stadt gibt!“ Dass St. Pölten in diesem Sinne vielleicht besser dasteht als vergleichbare Städte, liegt wohl an einer vorausschauenden Politik, die auf aktive Jugendarbeit und –betreuung setzt. So gibt es das Jugendzentrum Steppenwolf, die Ampel, mit JUMP eine eigene Jugendnotschlafstelle sowie mit „Nordrand“ mobile Jugendarbeit, die in sensiblen Bereichen aktiv ist. „Alle diese Einrichtungen arbeiten eng zusammen und bilden ein Netzwerk für die Jugendlichen“, so Matzl. Ein sich auftuendes Dilemma sieht Matzl mit der Wirtschaftskrise heraufdämmern. Zum einen wären in der Jugendarbeit durch die erhöhte Jugendarbeitslosigkeit noch stärkere Präventivmaßnahmen nötig, zum anderen muss aber auch im Jugendbereich selbst gespart werden! So sind anstehende Projekte aufgrund fehlender f nanzieller Mittel derzeit auf Eis gelegt.„Wir hoffen aber, dass wenigstens die bestehenden Einrichtungen in ihrer derzeitigen Form erhalten bleiben können.“

Pulverfass Jugendarbeitslosigkeit. Jugendarbeitslosigkeit ist aktuell überhaupt das akuteste Problem. Schon in den letzten Jahren waren die verschiedenen Jugendeinrichtungen gerade in diesem Bereich sehr aktiv, bemühten sich u.a. langzeitarbeitslose Jugendliche wieder in die Arbeitswelt zu integrieren, Perspektiven zu schaffen. Die Wirtschaftskrise hat diese Situation eklatant verschärft, die Jugendarbeitslosigkeit steigt massiv. „Das ist ein Pulverfass , dem die

IN THE GHETTO?

Stadt nur wenig entgegensetzen kann“, so Matzl. “Das einzige, was man machen kann, ist die Jugendlichen entsprechend zu betreuen, für sie da

Die Vorkommnisse in Krems, wo ein Jugendlicher bei einem Einbruch erschossen wurde, haben die Frage nach räumlichen Kontexten aufgeworfen. Der Bub kam aus dem Stadtteil Lerchenfeld, den die Einheimischen mittlerweile als Ghetto bezeichnen. Auch in anderen Städten wie Linz, Graz oder Wien wird verstärkt von Ghettobildung gesprochen. Wie ist die Situation in der Landeshauptstadt? Von Ruth Riel.

zu sein und ihnen den Weg ins Erwachsenenle-

Wolfgang Matzl, Jugendkoordinator der Stadt St.

tives assoziiert.“ Negative Assoziationen wären

auch gerade in AMS Orientierungskursen“, erklärt

Pölten, ist zunächst eine klare Begriffsdef nition

– und dies immer auf einen bestimmten Raum

hierzu Steppenwolf-Leiterin Barbara Fellöcker

wichtig. „Ghetto ist ein Begriff aus dem Hip Hop,

bezogen, der dann eben das Ghetto ist – Jugend-

Allerdings kann auch sie keine räumliche Kon-

der vor allem von Jugendlichen benutzt wird, um

arbeistlosigkeit, Kriminalität, Perspektivelosigkeit,

zentration, kein Ghetto orten. „Die Jugendlichen

sich abzugrenzen und zu distanzieren“, führt er

wenig soziale (und familäre) Zuwendung, Aggres-

wohnen über das gesamte Stadtgebiet verteilt.

aus. Er selbst verwendet den Begriff hingegen

sivität, Einsamkeit, gesellschaftliche Distanz.

Viele kommen auch aus dem Umland, das geht

nicht so gerne, „weil man damit häuf g nur Nega-

Ein Raum, auf den all diese negativen Aspekte zu-

bis nach Amstetten und weiter“.

– 22 – MFG

ben zu erleichtern.“ Auch im Jugendzentrum Steppenwolf spürt man die erhöhte Sorge der Jugendlichen, wenn es um ihre Zukunft geht. „Viele Jugendliche haben Angst, ihren Job zu verlieren oder keinen Ausbildungsplatz zu f nden. Sehr viele davon sind


URBAN Neben dem Freizeitangebot nutzen die 30 bis 70 Jugendlichen, die den Steppenwolf pro Tag frequentieren, auch die Beratungsmöglichkeiten. „Manche Jugendliche haben einen sehr gute Beziehung zu unseren Sozialarbeitern aufgebaut, nehmen die Hilfe gerne in Anspruch. Und bei schwerwiegenden, speziellen Problemen werden sie von uns an die jeweils zuständige Fachstelle weiterverwiesen“ so Fellöcker.

Thema Drogen. Eine solches ist die Suchtberatungsstelle der Caritas, wo Suchtkranke von

„Wir können nicht behaupten, dass wir aus einem

„Die steigende Jugendarbeitslosigkeit ist ein Pulverfass!“

speziellen Viertel wie z. B der Herzogenburger-

Wolfgang Matzl, Jugendkoordinator

einem Team aus Sozialarbeitern, Psychotherapeuten sowie Ärzten betreut werden.

straße mehr Anlauf hätten als zum Beispiel aus der Schreinergasse“, stellt Suchtberaterin Sandra

elles Beschäftigungsprogramm für Suchtkranke,

Tragfähigkeit bewiesen und dürfte daher Ten-

Eigenbauer eine Ghettotendenz in Abrede. Die

eine Wärmestube sowie ein Spritzenaustausch-

denzen zur Ghettobildung abfedern.

‚Kunden‘, die entweder freiwillig oder durch ge-

programm. „Das große Problem für Suchtkranke

Zweitens: Aus dem Erfolg und Funktionieren der

richtlichen Beschluss zur Suchtberatung stoßen,

ist aktuell, dass sie nirgendwo aufgenommen

bisherigen Bemühungen muss aber ebenso ab-

kommen aus allen Altersschichten und sozialen

werden, da alle Notschlafstellen und Beschäf-

geleitet werden, dass bestehende Einrichtungen

Klassen. Daher sind auch ihre Wohnorte sehr un-

tigungsprogramme die Grundregel haben, dass

auch unter dem Aspekt wirtschaftlich schwie-

terschiedlich. „Was wir jedoch schon festsellen

keine Suchtmittel konsumiert werden dürfen“

rigerer Zeiten nicht kaputtgespart werden dürfen. Die Kosten, die ein Riss im Netz verursachen

können, ist eine Alterskonzentration. Der Hauptteil der Betreuungssuchenden im Bereich Ille-

Alles in allem werden zwei Aspekte evident. Er-

würde, kämen der Gesellschaft ungleich teurer

galer Drogen ist zwischen 16 und 26 Jahren alt.“

stens: Das soziale Netz für Jugendliche in St. Pöl-

zu stehen, und welche dramatischen Folgen dies

Im Hinblick auf die Verdichtung des Auf-

ten kann zwar noch verdichtet werden, trotzdem

in extremis zeitigen kann, hat das Beispiel Krems

fangnetzes wünscht sich die Caritas ein spezi-

hat es in seiner bisherigen Qualität schon große

gnadenlos offenbart.

Beru

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Die sieben To

dsün den

St. Pölten ist seit 23 Jahren Hauptstadt Niederösterreichs. Die Stadt hat sich in dieser Zeit nachhaltig weiterentwickelt, in den Augen vieler wurde das Potential aber bis dato nicht gänzlich ausgeschöpft. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass in Vergangenheit (und zwar schon lange vor der Hauptstadterhebung 1986) einer gedeihlichen urbanen Entwicklung entgegenstehende Phänomene festzustellen waren, die man als St. Pöltens spezifische sieben Todsünden, weniger spektakulär die sieben Hemmschuhe bezeichnen könnte. Eine Analyse von Johannes Reichl. Fotos Hermann Rauschmayr. Die

gute Nachricht vorweg. Allmählich, wenn

tisch in einem Schließen des Werks bestehen

auch noch nicht in allen Bereichen, wird das

müssen. Doch der ehrliche Wille dazu fehlte.

sündige, sprich fehlgeleitete Verhalten abgelegt

Vom Unternehmen, aber ebenso von der Politik.

und man steuert aktiv dagegen. Kurzum: Absolution scheint nahe.

Status Quo: Das Aus der Glanzstoff trägt, so bitter das Schließen des Werkes für die Be-

Todsünde/Hemmschuh 1: Die Glanzstoff

legschaft war (insbesondere auch unter dem

Die Glanzstoff, genauer der Schwefelgestank

Gesamtsituation),

der Fabrik, war jahrzehntelang der imagemä-

lungschance in sich, die St. Pölten seit 1986 vor-

ßige und, was leider nie in seiner ganzen Trag-

findet. Die Stadt atmet im wahrsten Sinne des

weite begriffen bzw. schlichtweg verdrängt

Wortes auf. St. Pölten stinkt nicht mehr – zumin-

Die GRUBER-KUGEL

wurde, damit einhergehend auch der selbstbe-

dest nicht nach faulen Eiern. Allein das Wissen

Über 15 Jahre regierte Willi Gruber als

wusstseinsdeformierende Overkill für die Stadt

darum hat schon wie das Öffnen von Fenstern

principe assoluto die Stadt St. Pölten.

bzw. ihre Bürger. Jahrzehntelang mussten sich

gewirkt. Es ist eine Befreiung, eine Erlösung.

die St. Pöltner anhören „Bei euch stinkts“, so

Wir müssen uns nicht mehr schuldig fühlen, die

Entwicklung sehr zum Vorteil gereichen kann.

dass man den Hinweis auf die Herkunft schuld-

anderen können uns diesbezüglich nicht mehr

Zum anderen ruft dies aber über einen so lan-

bewusst und wohlweislich unterließ. Auf das

„niederbügeln“. Die Glanzstoff-Neurose, mit der

gen Zeitraum hindurch ebenso Tendenzen zu

eigene Ego – Heimat ist ein wichtiger persön-

Generationen St. Pöltner aufwuchsen, gehört

einer Art Auto-Demokratie hervor, wenn sich

licher Identifikationsfaktor – zeitigte

der Vergangenheit an. Das ist ein Meilenstein,

die Mehrheit einem offenen, konstruktiven

dies sehr negative, verunsichernde

dessen Wirkung und Tragweite noch gar nicht

Diskurs, der viele neue Inputs bringen könnte,

Folgen. Ein Stolz auf die eigene

abzusehen ist.

verweigert und stattdessen gänzlich auf die

Stadt konnte damit schon a priori

Das leerstehende Areal selbst ist ein Rohdia-

eigene Weltsicht vertraut (die über kurz oder

nie aufgebaut werden. Egal, was in

mant. Wenn er richtig geschliffen wird, kann

lang eine eingeschränkte werden muss, wenn

der Stadt passierte, und mochte es

man darüber viele neue, dynamische und ur-

man sozusagen nur im eigenen Saft schwimmt).

noch so großartig sein, es war da

bane Impulse setzen, die zum weiteren, nach-

Durch das damit einhergehende Durchdringen

doch immer mit dem Pferdefuß „Ge-

haltigen Prosperieren der Stadt beitragen! Ein

aller öffentlichen Stellen durch eine Partei, wird

stank“ behaftet, der alles zunich-

völlig neuer Stadtteil ist möglich, Mut und Inno-

auch der gesamte Apparat einseitig. Es ent-

tezumachen schien. Der Gestank

vation gefragt!

steht – vielfach gar nicht bewusst – ein irreales,

Aspekt einer aktuell wirtschaftlich prekären die

größte

Stadtentwick-

Retro-Souvenir 2

verzerrtes Weltbild, in dem ausschließlich zwi-

übertünchte in der Wahrnehmung von außen alles! Er war das stete

Retro-Souvenir 1

schen (Partei)Freunden und Feinden unterschie-

Totschlagargument gegen St. Pöl-

GLANZSTOFF-DUFT

den wird, wobei letzeren ausschließlich böse

ten. Zugleich war er nach innen in

Heute nur mehr Erinnerungsstück, gut ver-

Absichten unterstellt werden. So wird auch jede

gewisser Weise die St. Pöltner Erb-

schlossen im Flacon – der legendäre Glanz-

sachliche Kritik als Angriff verstanden und dem-

sünde schlechthin. Kein St. Pöltner

stoffduft, der jahrzehntelang wie eine böse

entsprechend fundamental abgelehnt.

konnte ihr entrinnen und hatte

Dunstglocke über der Stadt hing und den

Umgekehrt sind monotone Reflexe nicht min-

damit zu leben. Zum anderen war

Kopf benebelte. Die Folge: Wurschtigkeit.

der beim politischen Mitbewerber die Folge. Die anderen, machtlosen Parteien verfallen

auch der Umgang damit ein sünd-

Todsünde/Hemmschuh 2: Absolute politische Verhältnisse

hafter, ja grob fahrlässiger. Jegliche Bemühungen, das Problem zu

sukzessive aus einem Reflex der Resignation und Ohnmacht heraus in eine Art Brachialoppo-

St. Pölten hat seit 1950 absolute politische

sitionspolitik, die vielfach Sachlichkeit und Kon-

Verhältnisse. Frei gewählt, sei hinzugefügt!

struktivität vermissen lässt und auch bei sinn-

gument „Arbeitsplätze“ ab-

Zum einen zeitigt das

vollen Unternehmungen noch das berühmte

gewehrt, anstatt in einen

den Vorteil, dass poli-

Haar in der Suppe sucht. Auch macht sich eine

kreativen Prozess nach

tische

Entscheidungen

Form von Paranoia breit, weil man jeden Akt

sinnvollen Alternativmög-

leichter in die Tat umge-

(oder auch jeden unterlassenen Akt) des poli-

lichkeiten einzutreten. Di-

setzt werden können anstatt in

tischen Gegenübers als Heimtücke auslegt.

ese hätte es gegeben, und

Dauerdiskussion zerredet und

Ein Aufeinanderangewiesensein in etwaigen

sie hätten nicht automa-

zerrieben zu werden, was einer

Koalitionen über gewisse Zeiträume hinweg

lösen, wurden politischerseits sofort mit dem Todschlagar-

E ine 850 J ahre

al te H y dra n a mens St. Pöl ten

–26 – MFG


URBAN könnte wohl für stärkeres Vertrauen und für ein

sondern auch in der Wahrnehmung der Leser

urbanere, in diesem Sinne offenere Räume ab-

Durchlüften bzw. einen Neubeginn der einge-

bunter geworden und nicht mehr so farblos wie

wanderten.

fahrenen Beziehungen sorgen.

früher – was sie in Wahrheit nie war. Ihr Selbst-

In die Außenwirkung der Stadt wurde praktisch

Mit diesem Phänomen korrespondierend muss

bild ist heute realistischer.

kaum investiert. Die Propaganda ging zum Gutteil nach innen – nur hier gab es Wählerstim-

auch die lange „Herrschaft“ der jeweils amtie-

men zu gewinnen. Watschen, die man jahrzehn-

Zweiten Weltkrieg beurteilt werden, zumal die-

Todsünde/Hemmschuh 4: Propaganda statt Marketing

sen vom Statut her eine gewisse „Allmacht“

Jahrzehntelang wurde Stadtmarketing über-

– bekam, wurden kommentarlos eingesteckt,

zukommt. Eine lange Amtszeit zeigt mit Fort-

haupt nicht betrieben (auch wenn man das

auch wenn sie noch so ungerechtfertigt waren.

dauer des Regierens ein gewisses Übergleiten

glaubte),

politische

Dem Selbstbewusstsein der Bürger war dies

in Stagnation. Abnützungserscheinungen und

Propaganda. Das eine hat aber mit dem and-

abträglich. So konnte man die Punzierung als In-

Starrsinn sind die logische Folge. Zwei Legis-

ren nichts zu tun. Während Marketing auf der

begriff österreichischer Provinz jahrzehntelang

laturperioden sollten für ein Stadtoberhaupt

Substanz aufbaut und diese positiv zu beset-

nicht ablegen, weil man sich dagegen gar nicht

daher im Hinblick auf den Erhalt der eigenen

zen versucht, um daraus nachhaltig Kapital zu

zur Wehr setzte (und vielfach diesem Eindruck

Dynamik, Frische und Innovationskraft für die

schlagen, tut dies die Propaganda mit allen Be-

durch die hemmungslose, antiquierte und eng-

Stadt genügen.

langen, auch jenen, die nicht funktionieren. Sie

stirnige Propaganda noch Nahrung gab), und

fingiert die Substanz vielfach nur.

weil jene, die eine Speerspitze dagegen hätten

Status Quo: Der Bürgermeister-Wechsel hat

Die Stadt wurde von offizieller Seite jahrelang

bilden können, schon durch die um sich grei-

frischen Wind gebracht. St. Pölten verzeichnet

gehirnwäscheartig schöngeredet, es wurde

fende Kleinkariertheit vertrieben worden waren.

in den letzten Jahren eine neue Dynamik. Zum

nach innen die heile Welt verkauft

anderen ist aber in den Parteikonstellationen

wenn es faktisch nicht so war. Ebenso wurde

STATUS QUO: Die städtische Marketingabtei-

praktisch keine Strukturänderung wahrzuneh-

lange der ehrliche, kritische Diskurs mit der ei-

lung ist noch immer akut unterbesetzt. Aber

men. Das Klima ist schlecht, das gegenseitige

genen Rolle nicht geführt. Mehr noch: Jegliche

man hat strategische Partnerschaften geschlos-

Misstrauen allgegenwärtig. Den Mandataren

Kritik wurde als Angriff betrachtet und damit

sen und die Relevanz dieses Sektors offen-

scheint vielfach die Partei näher als die Stadt.

von vornherein abgeschmettert bzw. zu un-

bar endlich begriffen, wie die neue Marketing

renden Bürgermeister St. Pöltens nach dem

sondern

ausschließlich

telang von anderen – im besonderen Wienern

– selbst

GmbH zu belegen scheint. Ob diese die in sie

Aber dafür wurden sie nicht gewählt!

gesteckten Erwartungen erfüllen kann oder

Todsünde/Hemmschuh 3: Quasi Medienmonopol

ihrerseits zum zahnlosen, kurzsichtigen Lob-

Ein jahrzehntelang währendes Quasi-Informa-

Apparat funktioniert und reagiert, wird sich wei-

tionsmonopol am lokalen Mediensektor hat zu

sen. Prinzipiell kann der von der Stadt initiierte

einer eingeschränkten Selbstwahrnehmung und

Ansatz aber als kühn und ambitioniert bezeich-

einem ebensolchen Horizont geführt.

net werden und könnte unter Einbindung der

Zum einen beherrschten die übermächtigen

kreativen Köpfe dieser Stadt zu einem großen,

Niederösterreichischen Nachrichten die Szene-

für die Stadt hilfreichen Schulterschluss führen.

rie, zum anderen stand dem als einziges ernst-

Auch die Schaffung von unverwechselbaren Al-

zunehmendes Gegenüber das Amtsblatt „St.

leinstellungsmerkmalen, und zwar über einen

Pölten konkret“. Die Meinungsvielfalt wurde

längeren Zeitraum hinweg, um Nachhaltigkeit

zwischen diesen beiden Polen, die klaren „La-

zu gewähren, zeitigt positive Früchte. Neben

gern“ zuordenbar war und einen dementspre-

den immensen wirtschaftlichen Inputs durch

chenden Fokus der Berichterstattung legte,

Festivals wie Beatpatrol oder Frequency voll-

zerrieben. In politischen Fragen wurde über Ge-

zieht St. Pölten dadurch in der nationalen (und

byingverein verkommt und wie ein politischer

internationalen!) Wahrnehmung einen rigorosen

bühr schwarz-weiß gemalt. In der öffentlichen Meinung war darauf fußend (umgekehrt z. T.

Retro-Souvenir 3

Imagewandel zum Positiven hin, ähnlich wie er

auch daraus resultierend) eine geistige Provin-

Die NÖN-WAHRHEITSKUGEL

dereinst Linz durch die Ars Electronica gelungen

zialisierung auszumachen. Grauschattierungen,

Jahrezehntelang hatten die NÖN ein Quasi-

ist. Wenn man diesen Kurs hält, wird St. Pölten

Meinungen zwischen den Polen, wurden kaum

Informationsmonopol, was unweigerlich zu

die Abstempelung als Stinkestadt und Inbegriff

wahrgenommen bzw. wiedergegeben.

einer verzerrten und verkürzten Wirklich-

von Provinz (die nach wie vor in den Köpfen

keitswiedergabe führte. Heute ist die Me-

vieler, die noch nie in St. Pölten waren, besteht,

STATUS QUO: Die mediale Landschaft ist im

dienlandschaft pluraler, damit auch unser

auch wenn sie längst überholt ist) überwinden.

Fluss. Seit Anfang des neuen Jahrtausends sind

Weltbild bunter, wirklichkeitsgetreuer.

Dies mit all den damit zusammenhängenden positiven Effekten: dass man die Stadt wahr-

zahlreiche neue Produkte auf den Markt gekommen, was zu einem Aufbrechen des Qua-

terdrücken versucht, anstatt ihre konstruktive

nimmt (also überhaupt weiß, dass sie existiert),

simonopols geführt und eine größere Pluralität

Kraft zu erkennen und – fußend auf offener

dass sie innovativ und mutig ist (was sie u. a.

beschert hat. Das tut der Stadt, ihrem Denken

Auseinandersetzung – ihre aus diesem Prozess

attraktiv für Betriebsansiedlungen macht) und

und Selbstverständnis sehr gut. Sie ist damit,

wertvollen Impulse zur Weiterentwicklung zu

dass es sich dort gut leben lässt, weil sie in

aufgrund des Beleuchtens von Sachverhalten

nutzen. Das führte zu einer Nivellierung von

sämtlichen relevanten Segmenten wie Kultur,

aus verschiedenen Blickwinkeln sowie einer

kreativen Inputs, zu geistiger Erosion sowie zur

Natur, Wirtschaft etc. über ein attraktives Ange-

größeren Themenvielfalt, nicht nur faktisch,

Resignation kreativer Geister, die vielfach in

bot verfügt. Dies muss über die Marketingakti-

–25 – MFG


vitäten der Stadt dementsprechend begleitend kommuniziert werden. Nach innen UND nach außen!

Todsünde/Hemmschuh 5: Staubsauger Wien So sehr heute die Nähe zur Bundeshauptstadt zu einem der größten und attraktivsten Standortvorteile St. Pöltens mutiert (was mit der Eröffnung der neuen Westbahn und damit noch schnellerer

Verbindung

potenziert

werden

wird), so sehr war die Nähe lange auch katastrophaler Hemmschuh für die Entwicklung der Stadt, verstärkt noch durch den Umstand, dass Wien gleichzeitig Hauptstadt Niederösterreichs war. Institutionen, auch jene für Niederösterreich, waren demnach in Wien situiert, damit auch die dementsprechenden Jobs im höheren Angestellten- und Akademikerbereich. St. Pölten konnte aufgrund mangelnden bzw. eingeschränkten Angebots im Bildungs- und Arbeitssektor in keiner Weise mithalten und musste über Jahre hinnehmen, dass die jungen, kreativen Köpfe von der nahen Bundeshauptstadt regelrecht absorbiert wurden und der Stadt auf Dauer verloren gingen. Mit ihnen ihr Know How und ihre Innovationskraft in allen Belangen. Dies bedingte in der Bevölkerungsstruktur ein Klaffen im Segment der dynamischen Altersgruppe und verhinderte die Entfaltung eines eigenen, starken Bürgertums, wodurch die für Städte so wichtige „Mischung“ verschiedener Schichten fehlte. Es gab damit kein für Städte typisches Aufeinandertreffen, ja Aneinanderreiben verschiedener Weltbilder und Lebenswei-

Souvenir 4 – POLITIKERSCHEUKLAPPEN

sen, was eine wichtige stete Energiequelle für

Schwarzes Land, rote Stadt. Auf Gemeindeebene rote Alleinherrschaft und schwarze (grün/

Innovation und Erneuerung darstellt. Die Folge

blaue) Opposition: In beiden Fällen führten diese Vorzeichen zu einem eingeschränkten

des Verlustes intellektuellen Know Hows führte

Horizont sämtlicher politischen Lager. Alle Parteien schwimmen im eigenen Saft – für sich

zu einem jahrelangen Dahindümpeln im Status

jeweils ein dünnes Supperl. Erst die Mischung macht die Würze aus! Konstruktives Miteinan-

Quo, geistige Stagnation und geistig/kulturelle

der, das Ablegen der Scheuklappen wird sehnlichst herbeiersehnt! Stadt- vor Parteipolitik!

Verödung waren vielfach die Folge. STATUS QUO: Der Weg nach Wien ist keine

Stadt hält (nach Wien wird zunehmend gepen-

prägt. Dies zeigte sich schon alleine anhand

Einbahnstraße mehr! Mit den Institutionen des

delt, nicht gleich der Lebensmittelpunkt dorthin

scheinbar banaler Dinge wie der Einladungs-

Landes und den in ihrem Windschatten fol-

verlegt), zum anderen zusehends auch zum

politik der jeweiligen Seite, welche das jeweils

genden niederösterreichischen Körperschaften

attraktiven Siedlungsgebiet für Wiener werden

andere Lager aus dem eigenen Hoheitsbereich

und Vertretungen (und es sind noch lange

könnte, welche die Vorteile der gut ausgestat-

so weit als möglich auszuschließen versuchte.

nicht alle da), mit der Schaffung der damit zu-

teten Kleinstadt suchen. Gezieltes, offensives

Trotz Landeshauptstadtprozess entstand der

sammenhängenden Jobs, mit dem Entstehen

Marketing in diesem Segment wird zum „Ab-

Eindruck, dass sich das Land mit seiner Haupt-

neuer, hochwertiger Bildungseinrichtungen, der

schöpfen“ dieses Potentials beitragen bzw. den

stadt nicht wirklich identifizieren kann. Das Re-

Förderung kultureller Institutionen etc. konnte

Prozess beschleunigen.

gionalisierungsgesetz (das gleichzeitig mit dem

eine Trendumkehr geschafft werden, die in den

Landeshauptstadtgesetz verabschiedet worden war) wurde jahrelang als Begründung vorge-

Damit zusammenhängend ist auch eine Urba-

Todsünde/Hemmschuh 6: Belastete Stadt-Land Beziehung

nisierung, eine geistige Öffnung eingetreten, die

Die Stadt-Landbeziehungen waren in Vergan-

töpfen ausgeschlossen ist. Dieses Gesetz wurde

vielerorts bunte Blüten treibt. Darauf fußend,

genheit aufgrund der unterschiedlichen poli-

nach seinem Auslaufen 2006 von ÖVP und SPÖ

und durch die neue Westbahn verstärkt, mutiert

tischen Vorzeichen (absolut regiertes schwarzes

sogar verlängert!

St. Pölten zur attraktiven, lebenswerten Mittel-

Land, absolut regierte rote Stadt) belastet, um

Umgekehrt fuhr die Stadt gegenüber dem Land

stadt, die zum einen viele, die hier leben, in der

nicht zu sagen von offenen Ressentiments ge-

alles andere denn eine Charmeoffensive, ja in-

letzten Jahren zusehends zum Tragen kommt.

E ine 850 J ahre

schoben, warum St. Pölten aus diversen Förder-

al te H y dra n a mens St. Pöl ten

–26 – MFG


URBAN strumentalisierte es vielfach politisch (ähnlich

wovon beide Seiten – auch politisch durch die

Platzgestaltung, manch Kunstwerk, manch Bau,

wie der Bund die EU instrumentalisiert) nach

Anerkennung dieses Geist durch den Wähler –

manch Entscheidung zeugt noch heute davon.

dem Motto „das böse Land lässt uns links lie-

profitieren werden.

Auch der Aspekt, dass eine völlig neue politische Ebene und Elite Einzug in der Stadt hielt,

gen“, blendete Leistungen des Landes (u.a. die

rief insbesondere bei der Stadtpolitik Panik und

der Landesinstitutionen in St. Pölten) aus und

Todsünde/Hemmschuh 7: Falscher Hauptstadt-Umgang

ließ eigene Anstrengungen in gewissen Be-

Klingt widersprüchlich – ist es auch. Die Haupt-

in Hinkunft nicht mehr Herr im eigenen Haus

reichen vermissen, frei nach dem Standpunkt

stadt war ohne Zweifel DER große Wurf der letz-

zu sein. Umgekehrt war man auch auf Landes-

„Das ist Landessache“. Die Leistungen des

ten Jahrzehnte. Aber der Umgang damit war ein

ebene mit der neuen Situation, in einer Stadt zu

Landes für die Landeshauptstadt und die damit

emotionaler Hemmschuh für die Entwicklung

residieren, wo man auch wirkt (was vorher in

zusammenhängenden nachhaltigen Effekte in

der Stadt bzw. beeinträchtigte das Ausschöp-

Wien nicht der Fall war) und dementsprechend

sämtlichen Bereichen wurden jahrelang mehr

fen ihres Potentials. So war die Stadt, waren

im Fokus steht, vorerst überfordert, ganz ab-

oder weniger negiert oder bagatellisiert.

ihre Bürger mit der Haupstadterhebung 1986

gesehen davon dass man mit einer der neuen

zunächst schlichtweg überfordert. Nachdem

Haupstadt gegenüber feindselig eingestellten

Status Quo: Auf Beamtenebene ist das Klima

man jahrzehntelang wie ein hässliches Entlein

Mannschaft ins neue Domizil zog. Die Wiener

seit einigen Jahren von großer Konstruktivität

behandelt worden war, nachdem man St. Pöl-

Herrengasse wurde vom Gros der Mitarbeiter,

und persönlichen Banden geprägt, was auch

ten als Inbegriff der Provinz schlechthin abge-

zahlreich in Wien wohnend und nun plötzlich

dementsprechen positive Wirkung zeigt. Auch

stempelt hatte, war man mit einem Mal wer

zum Pendlerdasein gezwungen, schmerzlich

auf politischer Ebene kann man heute mitei-

bzw. glaubte es zu sein bzw. sein zu müssen.

vermisst. Mit dem Charme der Kleinstadt ge-

nander reden (ein Eindruck, den man nicht

Dies erzeugte einen hohen Erwartungsdruck

genüber dem Glamour der Metropole konnte,

immer vermittelte). Die Hauptstadt lebt sich

dem viele nicht gewachsen waren, Rollenkon-

wollte man nicht allzuviel anfangen. Viele ge-

allmählich ein. Das Land findet nunmehr öfter

fusion war die Folge. So wurden im Sinne einer

genseitige Ressentiments mögen auch in die-

Anknüpfungspunkte mit der Landeshauptstadt.

gewissen Überkompensation Projekte durch-

sem unbewussten Aspekt ihre Wurzel haben.

Auch überregionale Projekte werden zusehends

gezogen, die als urban gelten sollten und doch

Beide Seiten lehnten sich zunächst ab oder

in der Hauptstadt als sinnvollem Kristallisati-

nur die Unsicherheit und den darunter brodeln-

begegneten einander zumindest mit einer ge-

onspunkt des Bundeslandes umgesetzt. Die

den

wissen Reserviertheit. Die Hauptstadt war noch

Zeichen stehen auf konstruktives Miteinander,

Sie muteten erst recht provinziell an – manch

Anstrengungen im Hinblick auf die Errichtung

Minderwertigkeitskomplex

offenbarten.

eine gewisse Abwehrhaltung hervor, die Angst,

nicht in den Köpfen angekommen. Status Quo: Die Zeit heilt alle Wunden, und es ist einfach so, wie es weiland schon das Institut für Raumplanung prophezeite: Die Hauptstadtwerdung ist ein Prozess, der Jahrzehnte dauert und der definitv bis heute nicht abgeschlossen ist. Nach den ersten zwei unsicheren Jahrzehnten, der Kindheit und Pubertät, scheint die Hauptstadt aber allmählich erwachsen, selbstsicherer zu werden. Man hat seinen Platz gefunden. Heute will man nicht, wie früher, Hauptstadt sein bzw. spielen, sondern man ist Hauptstadt. Man hinterfragt nicht mehr, wie man als Hauptstadt reagiert, sondern man reagiert als solche. Nicht immer, aber immer öfter. Der Druck hat sich verflüchtigt, Gelassenheit macht sich breit, man muss sich nicht ununterbrochen beweisen. Die Gräben zwischen den beiden Seiten Stadt und Land werden zusehends schmäler oder sind vielfach sogar schon verschwunden. St. Pölten scheint in eine Phase einzutreten, die zu einer der besten ihrer bisherigen Geschichte werden könnte. Die Hauptstadt greift, im übrigen nicht nur stadtintern, sondern für das gesamte Bundesland. Mut, Zuversicht, Gelassen-

Retro-Souvenir 5 – St. Pöltner Stoff

heit, Offenheit, Kreativität, Innovationsgeist bei

Der Stoff, aus dem keine Träume sind. Vielfach waren die geistigen Denkmuster der St. Pölt-

gleichzeitigem Stützen auf eine lange, vielbe-

ner kleinkariert und fad. In zunehmendem Maße werden aber die Karos breiter, ja es finden

wegte Historie sind die Schlüssel zur weiteren

sich mittlerweile auch zahlreiche neue Muster und bunte Stoffe.

sukzessiven Urbanisierung. Step By Step! St. Pölten findet Stadt! –27– MFG


DER BERG RUFT Okay, ich gebs ja zu. Die Überschrift scheint auf den ersten Blick hin wohl ein bisschen platt für eine Story über einen Bergsteiger. Sehr originell, werden Sie sich denken. Und doch, nachdem uns Peter Kalteis in seinen Erzählungen mit auf die Berge entführt hat, ertappt man sich plötzlich selbst bei einer unerklärlichen (für mich als Laien natürlich romantisch-verklärten) Sehnsucht nach eisigen Höhen und unendlichen Gipfelwelten. Der Berg ruft, und wenn man zuhört, versteht man ihn sogar ein bisschen – selbst hier unten im Tal! Von Johannes Reichl. Fotos Expeditionsteam.


URBAN Berge

üben, das kann man drehen und wenden wie man möchte, eine

mystische Anziehungskraft aus, in den meisten Fällen selbst auf die überzeugtesten Flachlandratten. Fast alle sind wir früher (oder tun es noch heute in eine warme Kuscheldecke gehüllt an verschlunzten Samstagnachmittagen) vor den alten Louis Trenker Filmen gesessen, gebannt mitfiebernd und bisweilen derart gefangen, dass einem schon mal ein „Louis, pass auf, a Lawine!“ herausrutschen konnte. (In diesem Sinne erhält auch Gerlinde Kaltenbrunners Orange-Werbespot „Ich bin alle“ Glaubwürdigkeit. Tatsächlich bangen wir mit den Helden der Berge auf ihrem beschwerlichen Weg durch Sturm und Eis mit). Andere wiederum verschlingen am Strand von Caorole oder Mallorca Bücher mit für diese Sommerdomizile scheinbar widersprüchlichen Titeln á la „In eisige Höhen“, „Sturm am Manaslu“, „Nordwand“, oder sie vertiefen sich in Biografien über große Pioniere wie Sir Edmund Hillary, Heinrich Harrer oder Reinhold Messner. Zumeist empfinden wir bei alledem eine emotionale Melange aus Bewunderung bei gleichzeitiger Verwunderung. Da bleibt immer die, bisweilen von einem ungläubigen Kopfschütteln begleitete Frage „Warum tut man sich das an als Mensch, nimmt all die Gefahren, all die Strapazen auf sich?! Das sind doch Freaks!“ Mit Peter Kalteis fragten wir einen von ihnen, und gelangten im Zuge des Gesprächs zu einer bemerkenswerten Erkenntnis: Die vermeintlichen Freaks sind vielleicht normaler als die meisten von uns.

Eine alte Karteikarte. Wir treffen Kalteis an einem zum Bergsteigen durchaus schlüssigen Ort. Weinburg! Quasi sein weltliches Basislager, wo er nicht nur Bürgermeister der über 1300 Bürger zählenden Gemeinde ist, sondern auch Geschäftsführer der Kletterhalle. Tritt man dort in sein Büro, weiß man sofort, was es gespielt hat: Großflächige Bergpanoramen an den Wänden, Seile, Berghammerl etc. Reminiszenzen an den steten Sehnsuchtsort im Herzen. Fehlte nur noch, dass der Yeti bei der Tür hereinspaziert. „Einer, der Kalteis heißt, muss ja eigentlich Bergsteiger werden“, hat eine Freundin im Vorfeld gewitzelt. Nomen est omen also? War ihm das Bergsteigen etwa schon in die Wiege gelegt, denn so ein Name muss ja von irgendwo her kommen? Naja, das ist dann wohl doch ein bisschen weit hergeholt, aber tatsächlich packt Kalteis schon im zarten Kindesalter die Sehnsucht nach luftigen Höhen. So machte er unlängst bei der Renovierung der Gemeindebibliothek eine bemerkenswerte Entdeckung. „Ich hab meine alte Karteikarte gefunden, als ich 10 Jahre alt war. Schon damals habe ich mir vor allem Bergabenteuer-Romane ausgeborgt.“ Ein bewusster Akt war das nicht, aber jetzt reflektierend erinnert er sich, „dass ich schon als Kind, wenn ich die Gipfel gesehen habe, eigentlich immer dort hinauf wollte“, was die Eltern freilich nicht erlaubten. Erst der ältere Bruder, ein Kletterer, schafft einen ersten Zugang. „Er war im Alpenverein, der hat mich hin und wieder mitgenommen zum Klettern.“ Auch kleinere Bergtouren stehen an, die sich im Laufe der Jahre steigern. Zum 40’er erfüllt der große dem kleineren Bruder einen langgehegten Wunsch. Er schenkt ihm eine gemeinsame Großglocknerbesteigung! Mehr ist aber nicht drinnen, obwohl es sich Kalteis sehnlichst wünscht. Zu sehr engen die Realitäten des Lebens ein, zumindest empfindet er es so und gibt diesem Druck nach. „Als die Kinder kamen, hab ich zum Klettern aufgehört. Und es war auch eine finanzielle Frage. Bergexpeditionen sind teuer. Wir haben damals Haus gebaut, uns bemüht, den Kindern eine gute Ausbildung zukommen zu lassen, damit sie studieren können – das war nicht leicht für einen kleinen Beamten wie mich.“ Nicht dass man ihn falsch versteht – seine erwachsenen Töchter sind heute sein ganzer Stolz. Detailliertest schwärmt er über ihren Werdegang. Aber dennoch scheinen die unerfüllten Träume an seiner Seele, an seinem Körper, an seinem Ego zu nagen. Heute ist Kalteis überzeugt, dass diese Selbstbeschränkung mit Grund für den Ausbruch seiner Leukämieerkrankung vor sieben Jahren war, „weil ich vorher alles ausschließlich dem Beruf, der Familie untergeordnet hab – und das – 29 – MFG


war nicht gut!“ Es ist der größte Kampf seines bisherigen Lebens, einer auf

aber man kann die Hinteralm an einem Vormittag auch dreimal gehen, dann

Leben und Tod, „das war eine große Herausforderung für die ganze Familie.

kommst du auch auf die Höhenmeter!“

Aber wir haben es gemeinsam bewältigt.“ Es ist aber auch ein Kampf, der

Am Berg selbst geht man nicht minder vorsichtig vor, wobei vor allem die

ihm Lehren, Einsichten mit auf den Weg gibt. Etwa jene grundlegende, dass

richtige Selbsteinschätzung ein Schlüssel über Erfolg und Misserfolg, in ex-

man das, was in einem steckt, ausleben soll, weil es einen sonst von innen

tremis auch über Leben und Tod sein kann. „Man geht sozusagen mit kal-

her zu zerfressen droht. Kalteis beginnt danach, wenn man so formulieren

kuliertem Risiko. Ich weiß ganz genau, was ich tue. Ich weiß ganz genau,

möchte, mit dem „Intensivbergsteigen“. Zunächst stehen die europäischen

was ich mir zutrauen kann. Ich schaue mir die Berge genau an.“ Freilich, die

Gipfel an – Ortler, Monte Rosa, Matterhorn. Dann folgt die Königsklasse. Im

bleiben trotzdem immer die große unbekannte Variable in der Rechnung. Ein

Sommer 2006 steht er am Gipfel des 8.035 m hohen Gasherbrum II. Damals

Restrisiko bleibt immer bestehen. Da ist das Wetter, das umschlagen kann,

meint er gegenüber der Kronenzeitung „Ein Sieg über den Berg. Ein Sieg über

Lawinen, die abgehen, Gletscherspalten, die sich auftun etc., etc. Am Berg

den Tod. Das Leben hat mich wieder!“ Für die Angehörigen von Extremberg-

endet die vermeintliche Allmacht des Menschen, die Natur entzieht sich der

steigern wiederum, und so auch seine Familie, ist die Leidenschaft ihrer Lieb-

totalen Kontrolle, was bisweilen ein mulmiges Gefühl hinterlässt. „Ich habs

linge eine Herausforderung in einem anderen Sinne. „Natürlich bin ich über-

nicht gern, wenn ich nicht selbst entscheiden kann. Ob ich in eine Eiswand

zeugt, dass sie sich Sorgen machen um mich. Aber ebenso bin ich überzeugt,

einsteige, ist meine Entscheidung. Ob ich noch eine weitere Nacht im Camp

dass sie Vertrauen in mich haben und wissen, dass ich kein unnötiges Risiko

bleibe, ist meine Entscheidung. Aber wenn ich keinen Einfluss mehr habe, die

eingehe. Die Kinder sagen: ‚Papa, mach es, das gehört zu dir.’ Und es ist doch

Entscheidung sozusagen der Berg trifft – das mag ich gar nicht!“

so. Wenn du ein Ablaufdatum hast, dann erwischt es dich ohnedies – egal

Es ist aber eine Entscheidung, die man zur Kenntnis nehmen muss, wenn

wo.“ Mit diesen Worten kommen wir dem, was für manch Bergsteiger seine

man weise ist. So brachen die Bergsteiger heuer etwa die Besteigung des

Leidenschaft vor allem bedeutet, einen gehörigen Schritt näher: Leben!

7.010 Meter hohen Khan Tengri aufgrund der Wetterkapriolen ab, „wobei das größte Problem die Lawinengefahr war!“

Leben und Tod. Leben, das vor dem Kontrast eines stets möglichen,

Und welche Rolle spielt die Kälte, zwingt einen diese auch in die Knie? Da

stets präsenten Todes – allein in Österreich verunglückten im letzten Jahr 70

winkt Kalteis ab. „Die Kälte ist kein Thema heutzutage. Die Ausrüstung ist das

Personen beim Wandern und Bergsteigen – umso unmittelbarer, umso inten-

Thema!“ Wie um das Gesagte zu untermauern, nimmt er einen Schuh vom

siver empfunden wird? Vielleicht, wenngleich Kalteis einräumt, „dass die Ge-

Regal, der auf den Ersteindruck irgendwie an Raumfahrer-Böcke erinnert –

fahr im Grunde genommen ausgeblendet wird. Man sagt nicht, dass man si-

und so falsch ist der Vergleich gar nicht. Tatsächlich ist das Schuhwerk aus

cher nicht zurückkommt. Ich sag eher so“, dabei zieht ein Grinsen in seinem

mehreren Schichten Astronautenfolie aufgebaut. „Erfrierungen sind damit

Gesicht auf: „Solang ich in den Bergen bin, kann ich von keinem Auto über-

kaum möglich“, so Kalteis. Heute braucht man pro Schuh am Berg gerade

fahren werden!“ Das nennt man höhere Bergsteiger-Physik, Spezialgebiet

einmal läppische fünf Minuten zum Anziehen „die Pioniere hingegen benöti-

Relativitäts-Theorie. Faktum ist jedenfalls, dass kein Bergsteiger lebensmüde

gten für ihre Lederschuhe pro Schuh eine halbe Stunde! Danach wurde ihnen

ist – lebenshungrig trifft es wohl eher. Daher geht man die Sache, wenn man

oft schwindelig und übel, weil durch die gebückte Haltung der Bauch auf die

es vernünftig anlegt (was freilich nicht alle tun), sehr behutsam an.

Leber gedrückt hat.“ Kalteis schüttelt bewundernd den Kopf: „Es ist einfach

Das beginnt schon – als conditio sine qua non– mit der dementsprechenden

unglaublich, was die damals geleistet haben.“ Der technologische Fortschritt,

Fitness, die man sich über einen Zeitraum von gut einem Jahr antrainiert: „Ich

auch in Sachen Bekleidung, hat das Bergsteigen extrem erleichtert. Dau-

bereite mich intensiv konditionell vor, gehe laufen, radfahren, unternehme

nenjacken und Daunenhosen gewährleisten heute quasi Voll-Wärmeschutz.

Schitouren – mit dem schweren Rucksack versteht sich! Das mache ich

Am sensibelsten sind noch die Hände, „aber da trägt man bis zu fünf Paar

gleich in unserer Region, z. B. auf die Hinteralm. Das klingt vielleicht harmlos,

Handschuhe übereinander. Beginnend mit Seidenhandschuhen, die wie eine


URBAN zweite Haut sind.“ Der Grund ist klar. In der extremen Kälte könnte man mit

steigern gemein ist. Der Berg ist nicht nur mehr Materie aus Stein, Fels, Eis,

bloßen Händen am Eis picken bleiben. Dabei muss man auch diesbezüglich

Schnee (bzw. auch Vegetation und Fauna, wenn man sich in niedrigeren Brei-

mit einem Klischee aufräumen. Am Berg herrschen nicht durchgehend tief-

ten bewegt), sondern er erscheint geradezu belebt, mutiert zum beseelten

polare Temperaturen. „Am Gasherbrum etwa sind wir auf 5.000 Meter Höhe

Gegenüber. Ist dir wohlgesonnen, oder ist es nicht.

bei rund 20 Grad in kurzen Hosen und im kurzen Leiberl in der Sonne gesessen. Sobald aber die Sonne hinterm Grat verschwand, sank die Temperatur

15 Schritte-10 Schritte-5 Schritte. Letztlich ist er die allerletzte In-

innerhalb von fünf Minuten auf minus 10 Grad ab.“ Selbst auf 8.000 Metern

stanz, die über Erfolg und Misserfolg einer Expedition entscheidet, wobei –

Höhe kann die Temperatur im Sonnenschein noch bis auf 0 Grad klettern,

und diesen Spielraum, diese Option lässt er zumeist seinen Herausforderern

während sie in der Nacht auf bis zu minus 30, minus 40 Grad abfällt. Mit der

offen – auch ein aus Vernunftgründen abgebrochener Gipfelsturm ein Erfolg

richtigen Ausrüstung kein Problem.

ist. Manche ziehen diese Option aber nicht und verspielen damit ihren Kredit.

„Prinzipiell“, so Kalteis, „ist das Bergsteigen um vieles sicherer geworden

Zu sehr lockt der Gipfel, vor allem wenn das Ziel zum Greifen nahe scheint.

gegenüber früher. Da gab es einen enormen technologischen Fortschritt in

Gerlinde Kaltenbrunner etwa führte unlängst aus, welch extremer Willensakt

allen Belangen. Seilrisse etwa gibt es heute praktisch nicht mehr. Umgekehrt

ein Abbruch knapp vorm Ziel ist, welch ungemeine Anziehungskraft der ver-

verleitet das aber Leute auf Berge zu steigen, die dort eigentlich nichts zu

meintlich nahe Gipfel ausübt. Für jene, die dieser trotz davonlaufender Zeit,

suchen haben“ Damit spielt Kalteis auf das Phänomen Massentourismus an.

trotz offensichtlicher Gefahren nicht widerstehen können, kann dies tödlich

Schüttelt man hierzulande schon den Kopf, wenn einem auf der Pasterze des

enden. Auch im Fall des erst im Juli verunglückten Vizebürgermeisters von

Großglockners Leute in Sandalen entgegenkommen, so macht dieses Phä-

Traunkirchen Wolfgang Kölblinger am 8.125 Meter hohen Nanga Parabat

nomen überspitzt formuliert selbst vor dem Dach der Welt nicht halt – mit

(der als einer der gefährlichsten Berge der Welt gilt – jeder fünfte Bergstei-

dementsprechenden Folgen. „Den Everest kannst weglassen. Da ist mittler-

ger kommt nicht zurück ins Basislager) hält dies Kalteis für wahrscheinlich.

weile die Mafia, es regiert nur mehr das Geld, das ist Massentourismus pur.

„Er war angeblich schon beim Aufstieg Stunden zurück und wollte trotzdem

Und die Blitzer haben keine Ahnung. Z. B. haben unlängst welche das Lager

noch hinauf.“ Kölblinger hat damit ein ungeschriebenes 8.000’er Gesetz

ausgeräumt – damit bringen sie die nächsten aber in Lebensgefahr! Die Situation dort ist einfach indiskutabel, daher werde ich sicher nicht den Everest besteigen, auch wenn es weh tut“, schüttelt Kalteis angeekelt den Kopf, und verweist noch auf ein zweites, negatives Phänomen, was am Everest evident wird. „Die Everest-Expeditionen sind zumeist bunt zusammengewürfelt. Die Teilnehmer zahlen viel Geld und stehen dann am Standpunkt, dafür krieg ich den Gipfel! Da geht’s nur ums Ego, denen sind andere egal.“

Vertrauensbasis. Kalteis hingegen hält Kameradschaft, Teamwork für essentiell wichtig und auch für wertvollen Bestandteil des Gesamterlebnisses. Schon zuhause, wenn man ein Team aufstellt, sucht man sich deshalb die Leute im Idealfall bewusst danach aus, ob man kompatibel ist. Ein Akt ohne Garantie freilich. „Zuhause plauderst du halt gemütlich bei ein, zwei Bier, wenn du gesellig auf der Hütte zusammensitzt. Richtig kennen lernst du jemanden aber erst am Berg, in Extremsituation“, oder wenn du stundenlang in einem kleinen Zelt zusammengepfercht bist. Dann entsteht eine

der Bergsteiger missachtet, das besagt, dass man bis 15 Uhr den Gipfel er-

Intimität, die entweder zum Lagerkoller führt, oder zu tiefer Verbundenheit.

reicht haben sollte. Geht sich das nicht aus, soll man umkehren. Zwar dürfte

„Da reden Männer über intime Sachen, über die sie hier nie ein Wort verlie-

Kölblinger gegen 18 Uhr am Gipfel angekommen sein, aber beim Abstieg ist

ren würden! Du bist einfach viel offener!“ Zum anderen entpuppt sich erst

er dann, wie seine Kameraden rekonstruierten, abgestürzt. „Es gibt einen al-

am Berg, wie zuverlässig jemand wirklich ist „Wenn man weiter raufkommt,

ten Spruch: Solange du oben bist, gehörst du dem Berg. Erst wenn du wieder

fragt man sich schon: ‚Wird der auf mich schauen, wenn ich zurückbleibe?‘“

untern bist, gehört der Berg dir!“ Dabei räumt Kalteis ein, dass er selbst bis-

Im Fall des Khan Tengri Expeditionsteams war das überhaupt kein Thema

lang zum Glück noch nie in eine derartige Situation gekommen ist. „Diesmal

„Wir sind immer in Sichtweite voneinander gegangen, um im Fall der Fälle

etwa am Khan Tengri war eindeutig, dass wir abbrechen!“ Nachsatz: „Aber

reagieren zu können.“ Es bestand ein ungeschriebenes Gesetz zwischen den

so knapp unterm Gipfel würde ich mir wohl auch schwer tun, umzukeh-

vier Männern: „Wir planen gemeinsam, wir finanzieren gemeinsam, wir be-

ren. Aber man muss eben extrem aufpassen. Es geht ja nicht nur um den

steigen den Berg gemeinsam und wir kommen auch wieder gemeinsam he-

Aufstieg, sondern auch darum, dass du wieder rechtzeitig runter ins Lager

runter.“ So war es auch. „Für mich ist Vertrauen einfach ein Schlüsselbegriff.

kommst. Außerdem werden die Anstrengung immer schwerer. Irgendwann

Das ist wie zuhause, wenn du unterwegs bist in deinem Freundeskreis – da

bist du am Limit.“ Und das klarerweise, je höher du kommst, je dünner die

fühlst du dich auch gut aufgehoben. So muss es auch am Berg sein! Das

Luft wird, denn Kalteis wie seine Kollegen verzichten auf Sauerstoffgeräte

waren alles klasse Burschen, großartige Alpinisten, zu denen hatte ich dieses

(führen diese allerdings im Erste Hilfe Kasten für Notfälle mit).

Vertrauen“, betont er, um dann nachdenklich hinzuzufügen. „Aber ich hatte

Wenn die Kräfte sukzessive nachlassen, helfen sich die Bergsteiger übrigens

es diesmal nicht zum Berg. Der Khan Tengri hat schön ausgeschaut, aber er

mit einem psychologischen Trick weiter. “Wichtig ist, dass du deinen Rhyth-

hat mit Eis und Lawinen auf dich geschossen. Da ist es schwer, eine Vertrau-

mus findest. Anfangs bist du ja voller Enthusiasmus, denkst dir, das schaff

ensbasis aufzubauen!“ Später wird er noch im Hinblick auf die Entscheidung,

ich noch. Aber allmählich hast du mit dem Atem zu kämpfen. Dann ist das

den Gipfelsturm abzubrechen, hinzufügen „das ist uns nicht schwer gefallen,

Ziel nicht mehr der Gipfel oder das Lager, sondern es reduziert sich auf die

weil uns der Berg einfach nicht mochte.“

nächsten 15 Schritte. Du gehst also 15 Schritte, dann verschnaufst du fünf

Ein Berg, der einen nicht mag?! Gar feindselig gesinnt ist? Was auf den er-

Minuten, dann die nächsten 15 Schritte – immer so weiter. Und Irgendwann

sten Eindruck hin paradox klingt, ist doch eine Erfahrung, die vielen Berg-

sind es nur mehr zehn Schritte, zuletzt sogar nur mehr fünf!“

– 31– MFG


Der Weg ist das Ziel. Und irgendwann... erreichst du dann doch dein Ziel, stehst oben am Gipfel, am höchsten Punkt. Das muss doch ein unbeschreibliches Glücksgefühl sein? Diesbezüglich räumt Kalteis mit einem falschen Klischeebild auf, von wegen man reißt die Hände in die Höhe, tanzt ums Gipfelkreuz und schreit dem Berg ein enthusiastisches „Geschafft!“ entgegen. „Du bist am Gipfel so zach, so am Semmerl, dass du da sicher nicht ausflippst. Das ist keine eruptive Emotion! Vielleicht wird dir das erst klarer, wenn du dann wieder unten bist im Lager. Aber ehrlich gesagt“, fügt er hinzu, „ich warte bis heute auf diese Eruption!“ Letztlich gehe es nämlich gar nicht so sehr um den Gipfelsieg an sich, als vielmehr um das Gesamterlebnis. „Dass ich daheim erzählen kann, ich war am Gipfel oben, das ist mir eigent-

KHAN TENGRI 2009 (7.010 Meter) Ursprünglich will das Expeditionsteam heuer den 8201 Meter hohen Cho Oyu besteigen, „aber aufgrund der labilen politischen Situation in der Region war uns das zu gefährlich.“ So wird es schließlich der Khan Tengri in Kirgisien „weil er als einer der acht schönsten Berge der Welt gilt!“ Was die Bergsteiger vor allem reizt, ist die Aussicht auf ein möglichst ursprüngliches Wandererlebnis, „so wie es die Altvorderen erlebt haben. Die waren allein damals, es war noch nichts da – das war ein ganz anderes Bergsteigen.“ Eines, das „russisches Wandern“ noch am ehesten zu vermitteln imstande ist. „Kirgisien etwa ist schwer erreichbar, daher gibt es dort noch nicht viele Bergsteiger. Es gibt dort auch keine Sherpas. Du zahst alles selbst mit auf den Berg.“ Ist es bei der Ankunft „noch strahlend schön“, schlägt das Wetter nach vier Tagen um. Als besondere Herausforderung machen die Bergsteiger einen langen Eiskanal aus „ein enges Tal, wo das Eis überhängt. Das wirkte sehr bedrückend. Da mussten wir beim Auf- und Abstieg durch.“ Nach Rücksprache mit Wettergott Dr. Charly Gabl in Innsbruck „den kennt jeder Bergsteiger auf der ganzen Welt – er trifft die exaktesten Vorhersagen“ versuchen die Bergsteiger den Aufstieg, wenngleich Gabl schlechtes Wetter prophezeit. „Aber man denkt sich, wenn man schon da ist... Und schlechtes Wetter allein ist ja nicht das Problem – da ziehst du dich einfach wärmer an. Dort war das große Problem die hohe Lawinengefahr! Wir sind dann eingestiegen, mit 30kg schweren Rucksäcken, zu dritt, weil unser Expeditionsleiter krank geworden ist.“ Die Bergsteiger durchqueren den Eiskanal, erreichen das 2‘er Lager. „Dann wollten wir etwas kochen – und sind draufgekommen, dass die Sturmzünder, das Kochgeschirr etc. der zurückgelassene Kamerad hat.“ Der erste Versuch wird abgebrochen, auch aufgrund der hohen Lawinengefahr. Nach vier Tagen probieren es die Bergsteiger erneut, brechen um 1 Uhr früh auf. „Am Weg sind uns Ukrainer entgegengekommen, die hatten drei Sturmnächte am Berg hinter sich.“ Kein gutes Omen. Diesmal dringt die Gruppe bis auf 5.300 m vor „aber dann spielte wieder das Wetter nicht mit, wieder war die Lawinengefahr zu hoch.“ Der Aufstieg wird abgebrochen. Der Gipfelsturm des Khan Tengri ist gescheitert.

lich egal! Natürlich sind 8.035 Meter, wie am Gasherbrum, eine unglaubliche Leistung. Aber das geht kaum konform mit den Erlebnissen, die du schon am Weg hast. Wenn etwa auf einmal die 6.000‘er und 7.000‘er Gipfel auftauchen. Ein Berg in der Sonne komplett in Rot erstrahlt. Das ist einfach herrlich! Und du weißt, dass die Altvorderen auch den gleichen Weg gegangen sind wie du, dass sie das Gleiche gesehen haben!“ Irgendwie, so scheint es, dürfte sich beim Bergsteigen die Tür zum Universum einen Spalt öffnen, oder sie geht sogar ganz auf, und man tritt hindurch und fühlt sich mit einem Schlag befreit. Das ist es, was man vielleicht als Grenzerfahrung bezeichnen könnte, wobei Bergsteiger die Grenze eben überschreiten. Bergsteigen, so vermeint man aus Kalteis Ausführungen herauszuhören, bekommt in diesem Sinne einen meditativen, fast religiösen Charakter. Da oben im Eis und Schnee ist der Bergsteiger in vielen Momenten völlig auf sich, in sich zurückgeworfen. Stille greift um sich „Was du hörst, ist dein eigener Atem, sind deine eigenen Schritte, ist das Knirschen des Schnees. Du bist für die Vorgänge rund um dich viel sensibler.“ Und für dich selbst. Dabei ist man zwar allein, aber nicht einsam, sondern fühlt sich geradezu eingebettet in ein Ganzes. Das mag der Schlüssel zum mystischen Aspekt des Bergsteigens sein, den wohl nur jene begreifen, die schon oben waren inmitten der unendlichen Weite sich ausbreitender Berggipfel. „Eigentlich bist du froh, dass keiner da ist! Und du bist von menschlichen Problemen so weit weg. In den Bergen bist du Gott am nächsten. Ja, du kommunizierst mit Gott, empfindest Dankbarkeit, spürst die Weite, spürst die Höhe – es ist, als ob deine Seele wandert!“ Und sie wandert auf friedlichen Pfaden, die einen erfüllen, einen vollenden. „Das Gefühl ist schwer zu beschreiben. Das ist vielleicht vergleichbar, wie wenn du dich in eine duftende Blumenwiese legst. Da fühlst du dich auch völlig frei. Allerdings ist es zeitlich begrenzter als am Berg. Oder wenn du am Meer bist und auf einem Felsen sitzt, hinausschaust und dem Meeresrau– 32 – MFG

GASHERBRUM II 2006 (8.035 Meter) Ganz anders läuft das Bergsteigen in Zentralasien ab. Alles wird über eine Agentur auf Schiene gebracht. „Die klärt im Vorfeld alles ab, besorgt die Visa, klärt die Anreise ab, stellt ein Basislager- und Küchenteam auf, besorgt Sherpas etc.“ Auch für die Verpflegung im Basislager sorgt die Agentur „Da bekommst du lokale Küche. Ab dem Hochlager ist dann jeder selbst für seine Verpflegung verantwortlich.“ Während Gerlinde Kaltenbrunner etwa auf Babynahrung schwört, „hab ich u. a. viel Knödel gegessen, da war ich gleich der Knödelpeter. Prinzipiell isst du Fertignahrung, auch viel Suppen, damit du Flüssigkeit und Salze zu dir nimmst !“ Nach dem Anmarsch ins Basislager beginnt die Phase der Akklimatisierung. „Dann gibt’s mal ein, zwei Tage, wo du dich zurücknimmst. Du beschäftigst dich mit dem Berg, siehst dein Material durch etc.“ Der Körper muss sich akklimatisieren. „Du misst die Sauerstoffsättigung im Blut. Ab 90% bist du bereit. Aber das merkst du ohnedies, denn vorher hast du das Gefühl von Erstickungsanfällen, Beklemmungsgefühle etc.“ Dann marschiert man zum 1’er Lager. Mit Hochträgern oder nicht, das entscheidet die Expedition selbst. „Dort bringst du Verpflegung hin, Gas, baust das Zelt auf, erkundest wieder die Gegend, beobachtest den Berg, dann gehst du zurück ins Basislager. Beim 2. Mal schläfst du vielleicht schon oben, dann gehst du wieder zurück, isst und trinkst – das ist sehr wichtig.“ Dann bist du für den weiteren Aufstieg bereit. Als Kalteis 2006 am Gasherbrum ist, läuft nicht alles so glatt. „Wir sind auf 5.500 m aufgestiegen, da ist es mir sehr gut gegangen.“ Als die anderen aber zu höheren Sphären aufbrechen, wird Kalteis krank. „Das hat mir aber eigentlich gar nichts ausgemacht. Ich war schon so happy, so beeindruckt, dass ich eigentlich gar nicht mehr weiter wollte.“ Allerdings möchte das ein Freund ein paar Tage später. Aus Kameradschaftsgründen bittet man Kalteis, Sachen mit ins nächste Höhenlager zu schleppen. In weiterer Folge ist es ein Zelt, das ins wieder nächsthöhere Lager soll – so hantelt er sich sukzessive dem Gipfel entgegen, bis er am 31. Juli 2006 am Gipfel steht. (www.peterkalteis.webstorm.at)


URBAN

schen lauscht– es gibt keinen schöneren Klang!“ Immer ist es also die Natur

Alles was ‚problembehaftet‘ ist, war am Berg ja ausgeblendet. Wenn du dann

in ihrer gesamten herrlichen Gewalt und Ursprünglichkeit, die in Sachen Uni-

zurückkommst, fehlt dir die Aggressivität für den Alltag. Du bist entwöhnt

versalität zur Mittlerin, zur Brücke wird. „Natur ist wichtig. Natur ist heilig!

für die Probleme hier, bist überrascht, dass Phänomene wie Neid, Bosheit

Man muss nur die Augen öffnen, um ihre Wunder zu erleben und zu erken-

und dergleichen überhaupt existieren. Du kannst nicht mehr so relaxed sein.

nen.“ Freilich, in den Bergen kommt dieser Verschmelzung des Ichs mit dem

Ich tu mir in dieser Zeit extrem schwer, mich so zu behaupten und so durch-

Universum eine entscheidende weitere Dimension hinzu, die quasi noch wei-

zusetzen wie vorher.“ Kalteis beschreibt damit ein generelles Phänomen.

ter hineinführt, das Erlebnis noch weiter vertieft: Der eigene Wille, die Aktivi-

Wenn der Bergsteiger zurückkommt – und so bezeichnen sie sich oft selbst

tät, die Überwindung. „Am Berg muss ich mir diese unglaublichen Erlebnisse

im Spaß – dann ist er tatsächlich „verrückt“, wie gemeinhin viele Leute mit

sozusagen verdienen! Du musst etwa um 4 Uhr aufstehen, weil wenn du

einem Schuss Anerkennung von den „Freaks“ behaupten. Aber es ist keine

es nicht tust, wirst du das Rot der Berge in der aufgehenden Morgensonne

Verrücktheit im Sinne von normal oder anormal, sondern im Sinne eines ver-

nicht erleben. Und du musst hinaufgehen, weil sonst wirst du den Firngrat im

rückten Blickwinkels. Sie sehen die Dinge mit einem Mal anders. „Natürlich

Mondschein nicht sehen. Das sind so nachhaltige Erlebnisse, für die musst

gibt es Leute, die sagen, das ist verrückt, was ich tue, nicht normal. Aber

du etwas tun, dafür musst du etwas leisten.“ Und sie sind so nachhaltig –

für mich ist umgekehrt nicht normal, wenn jemand jeden Tag im Wirtshaus

möchte man hinzufügen – eben gerade WEIL du etwas dafür tun musst. Denn

sitzt und sich eine Wampe ansauft, so dass er sich nicht einmal mehr rühren

durch die eigene Aktion wirst du selbst Teil des Ereignisses, löst es quasi mit

kann. Oder ich habe Freunde in meinem Alter, die würden daran scheitern,

aus. Wenn du sozusagen nicht aus Eigenantrieb rechtzeitig da bist, dann geht

mit dem Rad von Weinburg nach Hofstetten zu fahren. Das ist nicht normal!“

das Ereignis an dir vorbei, dann hat es eigentlich nie stattgefunden. Während

Für Kalteis wäre eine derartige Lebensweise undenkbar. Der Körper ist für

die Blumenwiese da ist und du dich einfach hineinlegst, musst du zum roten

ihn als Bergsteiger der Schlüssel, die Eintrittskarte, wenn man so möchte.

Berg aufbrechen, musst Entbehrungen auf dich nehmen, um das Schauspiel

Man muss darauf aufpassen. „Ich weiß, dass mir noch so viele solcher wun-

zu erleben. In diesem Sinne kann man beim Bergsteigen von einem Sieg, ei-

derschönen Erlebnisse, mir noch weitere Berge offenstehen, weil ich meinen

ner Eroberung sprechen. Aber in Wahrheit eroberst du nie den Berg, sondern

Körper fit halte. Darauf freue ich mich!“ Dann fügt er nachdenklich hinzu.

nur dich selbst. Du entreißt dir selbst diese Stücke vom Paradies.

„Bergsteigen, das ist ein so intensives, ein so lebensbejahendes Gefühl!“ Und so offenbart sich zuletzt die Botschaft der Berge, wenn sie rufen – eine

Verrückte. Freilich gibt es auch eine „Kehrseite“. Wer über einen so lan-

Botschaft, die universal ist und auch in den Niederungen verstanden und ge-

gen Zeitraum über der Grenze war, wer ganz oben am Gipfel stand und den

lebt werden kann: Carpe diem! Nutze den Tag! Liebe das Leben! „Man geht

losgelösten Überblick gewonnen hat, der tut sich mit den engen Tälern und

nicht auf den Berg, um zu überleben. Man geht auf den Berg um zu leben, zu

eingeschränkten Sichtweisen der Niederungen schwer. So sehr, dass der

erleben! Und wenn ich etwas aus meiner Krankheit gelernt habe, dann dies:

Weg dorthin zurück schwer fällt. „Ich brauche in der Regel ein Monat lang,

Man soll intensiv leben. Bewusst. Profan gesprochen heißt das: Nur keine

um mich nach der Rückkehr wieder zurechtzufinden. Das ist nicht einfach.

Zeit verscheißen!“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

– 33 – MFG


Die wichtigste Bewerbung meines Lebens ist draußen. Jetzt heißt es warten. Mein Telefon trage ich immer am Körper, ready to pick up. Weil vielleicht ruft Holland an. Ich ziehe Kreise in meinem studentischen Wohn-Schlafraum und stolpere über die Katzen. Kino, schwimmen oder schlafen ist nicht möglich. Routinearbeiten werden nebensächlich, andere Pläne verworfen, frühere Luftschlösser dem Erdboden gleichgemacht. Ich leide und ernähre mich von Baldrianpräparaten. Weil vielleicht ruft Holland an. Als die derzeitige China-Reisende C., Mitstreiterin meiner Kindheit und Jugend, in mein Dörfl kommt, scheucht sie mich trotzdem auf: Eigentlich will ich nicht mit ihr spazieren gehen, weil vielleicht ruft Holland an – aber 18 Jahre Freundschaft machen sich bezahlt, Handy und Angst bleiben zurück. Wald. Reden über den ganzen Unsinn: Teenage Dirtbags auf Feldwegen, Abwegen. Kaputte Mopedtanks,

Very Ö ko P erso n Vor fünfzehn Jahren, da hat man noch gelacht über Menschen mit Stoffsackerl in Birkenstockschlapfen. Heute liegt Umweltbewusstsein im Trend und hat nichts mehr mit ausgeleierten Shirts zu tun. Selbst die VIPs nehmen mehr und mehr ihre Vorbildfunktion auch am Sektor Umwelt wahr. So „outet“ sich Schauspielerin Natalie Portman nicht nur als Veganerin, sondern entwirft auch ebensolches Schuhwerk. Das schönste Paar der Welt, Brad und Angelina, hat ihre Villen mit Wasserspar- und Solaranlagen ausgestattet. Sängerin Alanis Morissette gilt als Recycling-wütig, „Indy“ Harrison Ford engagiert sich für Wälder und Regisseur Steven Spielberg fährt schon mal im Öko-Auto vor. Lauter gute Ideen, eigentlich.

Gr ü ner Wo hnen – A us M ist wird Möb el

Selbstgemachte

Möbel aus –pardon – purem

ckieren, damit anhaftende Marktdüfte, Schiefer

Müll werden ja seit längerem in Frauen- und

und der Zahn der Zeit keine Chance haben. Die

Heimwerkerzeitschriften (ja, ich lese sowas) an-

Kisten dann in beliebiger Zahl und Anordnung als

gepriesen. Abgesehen davon, tut man mit solch

einzelne Regale oder ein zusammenhängendes

mutigen Bastelaktionen auch der Umwelt was

System durch festes Andübeln der Böden als Re-

Gutes: Ressourcen werden gespart, dem Kapita-

galrücken an die Wand schrauben.

lismus wird Einhalt geboten, dem schlechten Ruf der Wegwerfgesellschaft entgegen getreten. Ein,

Leer -G ut

zwei solcher Stücke zwischen der normalen Einrichtung sehen auch garantiert noch hübsch aus. Kist en-Regal

CHICKEN

von Althea Müller

Klassiker: leere Dosen waschen, scharfe Ränder abschleifen (nein, das ist nicht schwer), als Aufbewahrungsding für Stifte, Make Up-Pinsel etc. verwenden. Oder: schöne Flaschen waschen und Etikett entfernen. Ist das Etikett auch schön,

oder als Langzeitvase für den Happy Bamboo.

ÜN

T

DE R G R

Fleischfresser vs. Veggie

ER G R T D

K

Coming up next:

K

E PU N

E PU N

überziehen. Nett für einzelne Lieblingsblumen

(mit nicht unbedingt tödlich giftigem Mittel) la-

Ohne Konservierunsstoffe, künstliche Aromen und Farbstoffe!

Foto: Ferguson, fotolia, Rauschmayr, zVg

drauf lassen und komplett mit Klarlack für Glas Obstkisten oder Weinsteigen aus Holz zuerst

ÜN

Sonnenblumen-Stehlen. Die ersten Grufties, schwarze Strähnen in der hellen Stirn. Die erste Party, im Jesters. Der erste Hausarrest, gleich danach. The Cure-Kassetten, FM4 als Lebenseinstellung, Twin PeaksPoster überm Jugendeinzelbett. Irgendwie wollten wir immer jemand Großes werden. Dass wir das auch heut noch wollen, ist beruhigend. Mit 16 ist alles leichter: Zigarettenrauchen im Dunkeln. Zurücklegen im Staub ganz ohne Rücksicht auf Kletten in den Haaren. Ich schließe die Augen und kriege wieder Luft… An diesem Abend hat Holland angerufen. Ich war nicht dort, wo mein Handy war, weil ich im Wald war. Habe am nächsten Tag zurückgerufen. Es war alles ganz problemlos. Mit 16 ist alles leichter. Auch, wenn man fast 30 ist.


KULTUR

soCIal a CtIoN Kunst

für Menschen in Not (KfMiN) ist gleich-

zeitig Name und Programm: „Die Initivative ist eine einzigartige Symbiose zwischen KünstlerInnen und der kunstinteressierten Öffentlichkeit“, erzählt Don Ferguson, Gründer von KfMiN. Kunstwerke aus ganz Österreich werden dabei versteigert. Der Käufer darf selbst bestimmen, welcher

karitativen

Organisation

der

Ver-

kaufserlös zu Gute kommt. Am 13. Oktober findet im Festspielhaus eine Benefizvorstellung unter dem Motto „Wir schenken Hoffnung“ statt, zu der auch zahlreiche Musiker geladen sind. Doch warum gerade St. Pölten und nicht das vermeintliche Zentrum von Kunst und Kultur – Wien? „Seit 2007 arbeite ich daran KfMiN als eine in Niederösterreich beheimatete Initiative zu entwickeln, und unsere Landeshauptstadt ist St. Pölten! Zudem gibt es auch hier eine Vielfalt von hochwertigen Kultureinrichtungen“, erläutert Ferguson. Bis 2014 soll KfMiN ein fixer Bestandteil der Kulturlandschaft werden – einzigartig in Österreich.

büHNE FREI

MEIstERlICH

Schöner konnte ein Sommer praktisch nicht zu Ende gehen: Spielte doch das – diesmal regenfreie! – Höfefest am 5. September wieder alle Stückeln, von Electronic bis Heinz Erhardt. Open Air-Kunst und -genuss im öffentlichen Raum war ja in den letzten Monaten überhaupt die Sache schlechthin, das meiste sensationell gut besucht. Der Vorteil von derlei: Jeder kann dabei sein. Der Nachteil: Jeder kann dabei sein. So erfuhr die Traisen während Frequency die wohl höchste BPM (Bierdoseneinwurf pro Minute)Dichte seit Fischgedenken. So verwechselten einige Mitbürger mit Hormonstau das beim Höfefest auf dem Rathausplatz in einem alten Alfa Romeo untergebrachte kleinste Kino der Welt, das „Cortomobile“, offensichtlich mit einem „Pornomobile“ Und von bildender Kunst im öffentlichen Raum, die sich nicht wehren kann, reden wir erst gar nicht: Vandalismus als Form stumpfen

KuNstlICHt

von Thomas Fröhlich

Foto: Ferguson, fotolia, Rauschmayr, zVg

Im

Zuge der Präsentation der neuen Plattform

Die

„Meisterkonzerte St. Pölten“ feiern heuer ein

„Bühnenwirtshäuser“ wähnte man sich mehr an

kleines Jubiläum. Seit 20 Jahren werden sie von

eine politische Wahlveranstaltung, denn eine kul-

Robert Lehrbaumer programmiert! Für den Künst-

turell-wirtschaftliche erinnert. Da schüttelten Bür-

ler sind die alljährlich fünf Konzerte deshalb beson-

germeister und Abgeordnete Hände, und eine Reihe

ders, „weil ich sie als junger Künstler gründete, als

von Künstlern scharwenzelte in gewisser Penetranz

die damals neu erhobene Landeshauptstadt noch

um den Landeshauptmann herum. Aber wer wills

nichts Strukturiertes auf dem musikalischen Sektor

verdenken. Sie sind, wie die Wirtshausbühnen auf

zu bieten hatte.“ Auch nach 20 Jahren finden die

Geld angewiesen, und das Land nimmt für die Initia-

Meisterkonzerte höchsten Anklang. „Ich program-

tive viel davon in die Hand. 200.000 Euro fürs erste,

miere mit viel Liebe, so, als wollte ich für mich aus-

wobei der Landeshauptmann im Interview noch ein

schließlich ‚schönste’ Abende zusammenstellen“,

Schäuferl nachlegte. „Meine Türen stehen immer

verrät der Tausendsassa sein Erfolgsgeheimnis.

offen!“ So betrachtet darf man schon mal ein biss-

Highlights unter den über 100 Konzerten, die Lehr-

chen Tamtam veranstalten, und letztlich hatte die

baumer für die Serie entworfen hat, aufzuzählen,

Veranstaltung ja auch primär mit Politik, mit Lobby-

falle ihm schwer, „weil ich jeden einzelnen Abend

ing zu tun: So wollen die involvierten Betriebe, die

als ein Highlight sehe!“

sich als „kulturelle Nahversorger“ verstehen, ver-

Man darf auf weitere Musik-Perlen gespannt sein,

stärkt gemeinsam auftreten. Synergie ist das Zau-

denn im Kopf des Masterminds schwirren viel mehr

berwort, eine Broschüre und eine Homepage erste

Ideen für neue Programme, als man durch fünf Kon-

Ausbeute. www.buehnenwirtshaeuser.at

zerte pro Jahr realisieren könnte. – 35 – MFg

Reviermarkierens einer besonders dummen „Jungmann“-Spezies hat ja immer Saison. Doch generell war’s ein Sommer voller Love & Peace. Und dass 40.000 Frequency-Fans pro Tag wesentlich friedlicher agieren als üblicherweise auch nur ein Zehntel dessen an Fußballfans, darf man spätestens im Stadion-Jahr 2012 überprüfen. Doch vorher freuen wir uns noch auf den kommenden Indoor-Herbst, auf Schlömer, Blätterwirbel, das Duo Infernal Maron & Maron und Co. Und bitten bei der Gelegenheit die Macherinnen des Höfefests, ihre Final-Entscheidung noch einmal zu überdenken. Denn wie meinte weiland schon James Bond: Sag niemals nie!


Tedd y s a u f Reisen Von 23. September bis 4. Oktober findet das 19. Internationale Szene Bunte Wähne Festival statt. Dieses Jahr gehört auch St. Pölten wieder zu den Standorten. Anlässlich dieser Rückkehr des Theaterfestivals für junges Publikum sprach MFG mit Johanna Figl, die als künstlerische Leiterin für das Programm verantwortlich zeichnet. Von Eva Seidl. Foto Steffi Dittrich. Was qualifiziert St. Pölten als Standort für das Szene Bunte Wähne Festival?

den Check-In. Die Kinder bekommen einen Frage-

Für uns ist es wichtig, dass die Landeshauptstadt

pädagogischen Übungen sozusagen „aufgewärmt“

auch eingebunden ist. Wir sehen auch Potential

und können dann aussuchen, auf welche Art und

im Publikum, um ein internationales Festival dort

Weise das Stofftier verreist, ob es einen Wüsten-

stattfinden zu lassen. Es ist bereits das dritte Mal,

trip, eine Städtereise oder eine Kreuzfahrt macht.

dass St. Pölten dabei ist. Schon bei der Gründung

Eine Woche später können die Kinder ihre Tiere

vor fast 20 Jahren war St. Pölten mit von der Partie.

wieder abholen und sehen dann in einem kleinen

Wir würden in St. Pölten auch gerne mehr machen,

Film, was die Tiere in dieser Woche erlebt haben.

das wird jedoch von der Förderung begrenzt, die

Als Erinnerung bekommen die Kinder außerdem

wir von der Stadt erhalten. Daher können wir leider

eine Fotomappe mit den Urlaubsfotos.

nicht so viel zeigen, wie wir gerne wollen.

Abreise (Check In)

bogen und werden auch spielerisch mit theater-

Freitag 25. September 16:00, Cinema Paradiso

Welche Themenschwerpunkte setzen Sie?

Ankunft (Check Out)

Wir haben uns in St. Pölten heuer auf die Alters-

Freitag 02. Oktober 16:00, Cinema Paradiso

gruppe 3+ konzentriert. Wir zeigen zwei eigene

i-net: theaterfestival09.sbw.at

Produktionen, das nennt sich Kinderspecial und ist

Was macht den Erfolg des Festivals aus?

eine Kombination aus Produktion und Event.

Sicher die Qualität der Produktionen! Ein Festival

Die Produktion „Moi Seul – ich allein“ ist ein

hat immer einen speziellen Charakter, ein Kin-

Tanzstück aus Frankreich, von einer erfahrenen

der- und Jugendtheaterfestival ist noch einmal

Gruppe, die zu den Pionieren gehört, die für die

spannender, weil es für so viele verschiedene Al-

Allerkleinsten arbeiten. Es ist ein Stück über das

tersgruppen stattfindet. Es gibt keine Grenzen

Thema Familie, Geschwister, Geschwisterkonstella-

bezüglich Bildungs- oder kulturellem Hintergrund.

tionen und handelt davon, das ältere oder jüngere

Man muss sich viel mehr mit dem Publikum aus-

Geschwisterchen zu sein, wie man seinen Platz in

einandersetzen, was besonderen Spaß macht.

der Familie findet. Es behandelt die Widersprüch-

Wir zeigen seit 20 Jahren die herausragendsten in-

lichkeiten zwischen Geschwistern, dass man ei-

ternationalen Produktionen. Wir versuchen immer

nerseits den Gleichklang genießt, aber auf der

Stücke zu finden – und das gelingt uns auch – die

anderen Seite auch seine Individualität behaupten

die Kinder in ihrem jeweiligen Lebensraum abho-

möchte.

len. Deshalb haben wir auch heuer erstmals seit

Das Thema wird durch modernen Tanz und Hip

langem wieder einen Schwerpunkt gewählt, eben

Hop dargestellt und begleitet von Fotografien, Vi-

das Thema „Familie“. Wir wollen zeigen, wie die

suals und Klängen. [Kulturhaus Wagram, Mittwoch

verschiedenen Strukturen von Familie funktionie-

23. September 10:00 & 16:00, Anm. d. Redaktion)

ren, aber auch wie andere Menschen leben.

Das Zweite für St. Pölten ist ein Event namens

Es ist uns sehr wichtig, die Kinder für andere Men-

„Teddy Tours“, das extra für unser Festival entwi-

schen und andere Schicksale zu sensibilisieren

ckelt wurde. Die Idee ist, dass Stofftiere eigentlich

und sie zu weltoffenen und toleranten Menschen

jeden Tag sozusagen „arbeiten“ müssen, weil sie

heranzuziehen. Ich glaube, das gelingt mit dem

immer da sind, um Kinder zu trösten, und eigent-

Theater sehr gut, indem man einfach verschiedene

lich nicht mal im Urlaub Pause haben. Deshalb kön-

Geschichten erzählt und die Kinder damit aufmerk-

nen Kinder ihre Stofftiere bei Teddy Tours auf Ur-

sam macht, dass es auch noch etwas anderes gibt

laub schicken! Es gibt zwei Teile: Der erste umfasst

als das eigene Leben.

– 36 – MFG


FÖRDERVEREIN KULTURBEZIRK ADVERTORIAL

Ab in die neue S

ai son

Der Sommer hat ein Ende. Im Hinblick auf die Fördervereinsaktivitäten ist man fast geneigt zu sagen: Gott sei Dank! Tr a d i t i o n s g e m ä ß starten wir gemeinsam mit dem Festspielhaus in die neue Saison. Unter dem Motto „Die Reise beginnt“ wird am 26. September zu „Joachim Schloemers Eröffnungs-Show“ geladen. Mit dabei das Tonkünstler-Orchester Niederösterreich samt prominenten Gästen. Am 25. Oktober treffen wir im Festspielhaus nach dem Konzert des türkischen Ausnahmepianisten Fazil Say, der Star-Geigerin Patricia Kopatchinskaja sowie dem Percussionisten Burhan Öcal die Künstler höchstpersönlich zum Plausch. Als allererste überhaupt dürfen die Mitglieder des Fördervereins bereits am 11. November unter dem Motto „Landesmuseum neu“ den neuen Landeskundebereich sowie die Ausstellung „Schätzereich, Schicksalsreich, Niederösterreich“ unter die Lupe nehmen!

Am 19. November folgt ein Ausflug ins neue und spannende Café Publik, wo einen Abend lang alles unter dem Motto „Tango“ steht. Am 9. Dezember ist der Förderverein Gast beim Festival „Vox Illuminate“. Im Vorfeld der Veranstaltung „Didos Tränen“, die Lieder, Tanz und Theater umfasst, steht uns die Festivalkuratorin und Regiesseurin Ann Allen Rede und Antwort.

MITGLIED WERDEN Unterstützen Sie aktiv Kultur und „Ihre“ Institutionen des Kulturbezirks als Förderer und genießen Sie damit die exklusiven Vorteile des Fördervereins Kulturbezirk, wie z. B. exklusive Previews, Künstlertreffen, spannende Einblicke hinter die Kulissen, Ermäßigungen zu einer Reihe von Institutionen etc. Für nur 30 Euro im Jahr sind Sie dabei! Infos unter www.kulturbezirk.at!

FEST/SPIEL/HAUS/ ST/POELTEN/ DIE/REISE/BEGINNT/


Who’s a fraid o f… Mar on & Mar on? Ein Nachname, zwei schillernde Persönlichkeiten. Die Malerin Nina Maron und ihr Vater, der Liedermacher Sigi Maron, besuchen am 18. September im Doppelpack das St. Pöltner StockWerk. Thomas Fröhlich stellte einige Fragen – und erhielt im Gegenzug eine Unterrichtsstunde in Sachen politischer Bildung, kollektiven Arschleckens und des aufrechten Ganges in Zeiten eines gesprengten Casino-Kapitalismus. Von Thomas Fröhlich. Ihn, den

Singer/Songwriter, den Vater, verbindet

lige künstlerische Herangehensweise, gemein-

zu: ‚Leckt’s mi’ aum Oasch!‘“

mit St. Pölten nicht gar so viel. Eine Erinnerung

sam der subversive Touch, der allerdings nie zum

Und nicht zuletzt diese zeitlebens gehandhabte

vielleicht: ein Kracherl beim Bahnhofsbuffet als

Selbstzweck verkommt.

Konsequenz ist mit dafür verantwortlich, dass Sigi Maron gleichsam den Soundtrack zur heimischen

Zehnjähriger zur Überbrückung der Wartezeit auf dem Weg von Krems ins Gymnasium im oberö-

„Leckt’s mi’ aum Oasch!“ Der derzeit von

Variante von ’68 beisteuerte, die bei uns ja erst

sterreichischen Stift Schlierbach. Und jetzt sehe

der Generation FM4 wieder entdeckte Sigi Maron

im darauf folgenden Jahrzehnt stattgefunden hat.

er gelegentlich gerade einmal die Silhouette der

war nie einer, der sich um den sogenannten Mas-

Stadt, aus der Sicht des Autobahnbenützers.

sengeschmack (oder irgendeine „Quote“) küm-

David gegen Goliath. Sigi Maron, 1944

Sie, die Malerin, die Tochter, hingegen hat St. Pöl-

merte. Musikalisch weit entfernt von allem, was

in Wien geboren und schon lange in Baden bei

ten schon auf sehr positive Weise kennen gelernt.

irgendwelche Hipness-Gurus vorschreiben, tut er

Wien lebend, war in den 70ern eine der trei-

Nämlich durch Alois Stöckl und dessen gemein-

das auch heute nicht, weder in Form noch Inhalt.

benden Kräfte in der österreichischen Liederma-

sam mit Maria Budweiser geleitete und kuratierte

Ganz im Gegenteil, wie er – gewohnt markig – äu-

cherszene, die den Aufbruch gar nicht so weni-

Kunstgalerie StockWerk im Thalia. Dort hatte sie

ßert: „Ich bin nicht ruhiger geworden im Laufe der

ger aus einer erstarrten Nachkriegs-Gesellschaft

vor einigen Jahren eine ziemlich erfolgreiche Aus-

Jahre, sondern noch aggressiver. Meine Wut, dass

(Arena-, Anti-AKW-, Friedensbewegung etc.) mu-

stellung. Sie. Nina Maron.

es so unendlich schwer ist etwas zu verändern,

sikalisch begleitete. Maron, 1956 an einer Kinder-

Und nicht zuletzt aufgrund der hohen Akzep-

hat sich mit den Jahren gesteigert. So radikal wie

lähmung erkrankt, absolvierte tausende Auftritte

tanz, die ihr hier entgegen gebracht wurde, fin-

heute war ich nicht einmal mit zwanzig. Der Trot-

– vom „Rock’n’Roll“-Stuhl aus und mit der Gitarre

det dieses Jahr die Vernissage zu einer weiteren

telspruch ‚Wer mit zwanzig kein Revolutionär ist,

im Anschlag – und nahm bis dato insgesamt 16

Werkschau im StockWerk statt,

diesmal unter

ist ein Arschloch, wer es mit sechzig noch immer

LPs bzw. CDs auf, die deftige Protestsongs ge-

dem Titel „Who’s afraid of Virginia Woolf?“. Und

ist, ist auch eines‘ hat mich in meiner Jugend

nauso beinhalten wie verhalten Zärtliches. Zwei

dazu holt sich Nina Maron prominente Unterstüt-

schon an’zipft und tut’s heute noch viel mehr. Wer

Seiten einer Medaille, die in den 80ern auch zehn

zung durch – erraten! – ihren Vater Sigi Maron.

seine Illusionen und Utopien bis ins Alter bewah-

Wochen lang mit der Selbstmordballade „Geh no

Sie stellt aus, und er liest aus seinem neuen Buch

ren kann, ist kein Idiot, sondern ein Mensch, der

ned furt!“ die österreichische Hitparade knackte,

„fahrrad gegen mercedes“ und gibt einige seiner

noch immer Hoffnung hat. Denjenigen, die ihre

ansonsten ja eher kein Hort übertriebener Kreati-

Lieder zum Besten. Unterschiedlich ist ihre jewei-

Utopien der Realpolitik geopfert haben, rufe ich

vität. Sigi Marons Lieder sind inzwischen allesamt

– 38 – MFG


KULTUR

Nina Maron

Who’s Afraid Of Virginia Woolf Ausstellungseröffnung & Lesung mit Musik von Sigi Maron 18. 9. 2009 um 19.00 Uhr StockWerk, Kremsergasse 12, St. Pölten. Im Rahmen der Vernissage wird ein Bild von Nina Maron versteigert, dessen Reinerlös zu 100 % der Diakonie zugute kommt.

Klassiker, deren Themen heute noch aktuell sind.

verstärken. Mein Eindruck ist, dass der Kapitalis-

Edward Albee geht es vorwiegend um die Aus-

Soeben hat er im Verlag Bibliothek der Provinz den

mus ein niedriges Bildungsniveau anstrebt und

einandersetzungen eines Ehepaares und ihre

Band „fahrrad gegen mercedes“ herausgebracht,

dadurch bei vielen eine unreflektierte Meinung zu

Geschlechterrollen. Virginia Woolf hat sich schon

in dem er Gedichte, Gedankensplitter und Kurz-

ihrer eigenen schlechten Situation resultiert.“

sehr früh mit der Rolle der Frau in der Gesell-

prosa versammelt und dessen Cover von seiner

Auch Nina Marons Standpunkt ist klar umrissen.

schaft beschäftigt und ist meiner Meinung nach

Tochter Nina Maron gestaltet worden ist. Bereits

Doch anstatt vordergründig schnelle Lösungen

eine Vorreiterin des Feminismus. Sie in den Vor-

der Buchtitel verweist auf ein zentrales Motiv im

anzubieten, malt sie Bilder, die komplexe Sach-

dergrund zu stellen und diesen Titel zu wählen

Gesamtwerk Marons: Fahrrad gegen Mercedes.

verhalte dermaßen auf die Spitze treiben, dass

bedeutet für mich, dass sich die Frau ihre Stellung

Also David gegen Goliath. Und man muss wohl

deren absurder Charakter freigelegt wird. Ob es

immer erneut erkämpfen muss. Denn wenn sie

nicht erläutern, auf welcher Seite er steht: „Steter

sich um neue, rückwärts gewandte Gesetze für

dies nicht tut, wird immer wieder der Versuch ge-

Tropfen höhlt den Stein, die Hoffnung, dass sich

(besser gesagt, gegen) die Frauen in Afghanistan

startet, sie in ihre veraltete patriarchal verankerte

irgendwann etwas verändert, habe ich nie aufge-

oder die Arbeitnehmerinnendiskriminierung bei

Struktur zurückzudrängen.“

geben, egal wie lange es dauern wird.“

so mancher Diskonter-Kette in Österreich handelt,

Dass derlei für manche Zeitgenossen wahrschein-

oder ob Nina Maron die Persönlichkeit der in den

lich nach forciertem 70er-Alternativ-Speech klin-

Die derzeitige Krise als Chance? Da

40er Jahren höchst populären Hollywood-Schau-

gen mag, kann schon sein. Doch ändert das wohl

bleibt Sigi Maron skeptisch: „Der größere Teil

spielerin und Nazigegnerin Hedy Lamarr (gleich-

nichts an der Gültigkeit der Aussagen und des

der Betroffenen wird sich nach dem Motto: ‚Was

sam hinter dem Glamour) freilegt – sie ergreift

jeweils von Tochter und Vater eingeschlagenen

kann ich schon ausrichten‘ in sein Schicksal er-

den zuweilen quietschbunten Farbpinsel, um auf

Weges. Und auch wenn der Weg das Ziel ist, so

geben oder – beziehungsweise und – sich den

Düsteres, Unaufgearbeitetes hinzuweisen. Oft tut

lautet das Ziel: Gleichberechtigung, Freiheit des

Faschisten zuwenden.“ Und Maron setzt nach

sie das mit leichter Hand, mit Humor, Selbstironie

Individuums bei gleichzeitiger gesellschaftlicher

und malt ein recht düsteres Zukunftsbild: „Die

und einer zeitweise brachial anmutenden Co-

Solidarität. Für Maron und Maron keine Quadra-

Faschisten, Steigbügelhalter des Kapitals, haben

mics-Ästhetik, was den Betrachtenden ein relativ

tur des Kreises sondern eine längst überfällige

zwar keine Lösungen, aber große Worte. Es fol-

unbefangenes Herangehen an die mitunter recht

Einforderung fundamentaler Lebensbedingungen,

gen: das Ende des Arbeitslosengeldes und des

expressiven Werke ermöglicht.

die im Zeitalter eines privaten wie auch öffentlichrechtlichen Casino-Kapitalismus weiter entfernt

Notstandsgeldes. Es bleiben: Obdachlosigkeit, Hunger, Alkoholprobleme, Krankheit, Suizid.“

Wieso eigentlich „Virginia Woolf“? „Der

zu sein scheinen denn je.

Tochter Nina, Jahrgang ’73, sieht’s ähnlich: „Ich

Titel des Stückes beziehungsweise meiner Aus-

Denn, so Sigi Maron: „Verhalte dich immer so,

befürchte, dass die Krise nicht im positiven Sinne

stellung, der die Schriftstellerin Virginia Woolf

dass du dich am Morgen in den Spiegel sehen

Dinge verändert hat, sondern dass sich Rechts-

erwähnt, ist eine Anspielung auf das Kinderlied

kannst, ohne dich anzuspeiben.“ Dem ist eigent-

radikalismus und Ausländerhass dadurch noch

‚Who‘s afraid of the big bad wolf?‘. Im Stück von

lich schwerlich was hinzuzufügen.

– 39 – MFG


offensichtlich auf eine Art deus es machina vergeblich. Dies mag auch mit den Finanzen zusammenhängen, immerhin werde es nicht gerade leichter, ein derartiges Fest umzusetzen. Und dass die Stadt, der in Vergangenheit nicht allzugroßes Engagement in Sachen Höfefest nachgesagt wurde, in die Bresche springt? Immerhin gilt das Höfefest in seinem einzigartigen Charakter mittlerweile als Trademark der Stadt, und man kann es ja als Positivsignal werten, dass die Stadt heuer gleich mit zwei Höfen vertreten war. Doch sowohl in der Kulturabteilung als auch in der Pressestelle winkt man ab. So meint Peter Bylica: „Das Höfefest ist kein Fest der Stadt St. Pölten. Wir mischen uns dementsprechend auch nicht in personelle Änderungen ein.“ Wie gehabt

Wenn die Hö fe gesc hlossen bleiben

werde man das Fest, so es weitergeht, finanziell unterstützen, aber das Fest ganz in die Obhut zu übernehmen steht nicht zur Debatte.

Nach einem Gespräch mit Daniela Wandl, Produktionsleiterin des Höfefestes, scheint es traurige Gewissheit. Das 15. St. Pöltner Höfefest dürfte wohl das letzte gewesen sein, es sei denn, dass nicht doch noch irgendein Wunder passiert. Hoffentlich! Von Ruth Riel. Foto Vorlaufer.

So könnte eine liebgewonnene Institution verlo-

Mit dem Abgang von Michaela Steiner, der Erfin-

ist ein sehr persönliches Fest, in dem die ganze

gewonnen hat man neben dem künstlerischen,

derin und Seele des Höfefestes, wird wohl auch

Seele und der ganze Eifer von Michaela Steiner

intimen Rahmen das Fragespiel: „Regnet es oder

das Fest selbst das letzte sein“, glaubt Daniela

und mir drinnen stecken.“ Zwar sei man offen

regnet es nicht?“ Zumeist hat es geregnet – und

Wandl. Zu groß scheint die Lücke, die Steiner

für neue, junge, dynamische Nachfolger, auch für

man ist trotzdem hingegangen. Mehr Beweis für

hinterlässt – organisatorisch wie emotional. „Das

neue Ideen und Inputs, aber bislang wartet man

die Beliebtheit des Festes braucht es nicht!

ren gehen, könnten die Höfe bis auf weiteres geschlossen bleiben und im Dornröschenschlaf versinken – bis sie ein Prinz (oder eine Prinzessin), denn doch wachküsst. Wir hoffen, denn zu lieb-

PRÄSENTIERT

Klostertaler · Karel Gott · Ursprung Buam Die Mayrhofner · Udo Wenders · Die Stoakogler Moderation: MARKUS WOLFAHRT

11.12.2009 ST. PÖLTEN VAZ 13.12.2009 WR.NEUSTADT Arena Nova

Das Wundertrankerl Ein Lustspiel in drei Akten von Robert Baraniecke, in einer Neubearbeitung von Peter Steiner

04.11.2009 St. Pölten VAZ M IC H A E L F L AT L E Y ’S

PR E S E N T E D B Y M A R E K L I E B E R B E RG

DAS ERFOLGREICHSTE SHOWEREIGNIS DER GEGENWART!

19.02.2010 Wr. Neustadt Arena Nova Karten: oeticket-Filialen, Libro, Media Markt, Ticketcorner (z.B. Raiffeisenbanken), oeticket Hotline 01/96 0 96, für Arena Nova auch unter 0 26 22 - 22 36 0 - 0, für VAZ auch bei Bank Austria

– 40 – MFG


URBAN KULTUR

IM KON ZER T Primadonna

Ein Kribbeln durchflutet meinen ganzen Körper und

schweben durch den Raum, der Cellist lässt seinen

verursacht mir diese angenehme Gänsehaut, als

Bogen fast unhörbar über die Saiten ausgleiten, der

die Vibrato-Stimme der Sopranistin zu Höhenflügen

Dirigent hält seinen Stab noch wie in Trance ob der

ansetzt. Zur gleichen Zeit etwa kribbelt auch meine

zarten, fast zerbrechlich nachwirkenden Streicher-

Nase und ich beginne, so leise wie möglich,in mei-

klänge, da hüpfen schon die ersten Wahnsinnigen

ner Clutch nach einem Taschentuch zu fischen. Ins

von ihren Sitzen, paschen im Gehen ordentlich Bei-

Konzert nehme ich immer nur diese „Hobbit“-Aus-

fall, teils mit den Händen, teils mit ihren Programm-

gabe meiner Bag mit, um den Überblick zu behalten!

heften auf ihre Schenkel und laufen ins Foyer. Es

Es gibt ja wirklich nichts Störenderes, als eine Dame

scheint so, als bekämen dort die ersten zehn Gäste

in den hinteren Reihen, die etwa fünf Minuten nach

heute am Buffet ein Glaserl Prosecco gratis!

Konzertbeginn anfängt, in ihrer Tasche nach einem

Nach der Pause beginnt es rechts vor mir zu ru-

Hustenbonbon zu kramen. Endlich gefunden wird

moren. Die auftoupierte, parfum-umwolkte Dame

dieses dann ausgewickelt, allerdings so langsam

flüstert ihrem haarlosen Begleiter zu, dass sie diese

und lustbetont, damit die anderen auch noch was

Stelle schon einmal in der Werbung gehört hat. Aha!

davon haben! Mein Hintermann hat inzwischen Pro-

Sie hat dazu zwar auf eine forte-Passage gewartet,

bleme mit seinem Hörgerät, es pfeift und summt,

aber trotzdem…was soll das? Und der Jeanstyp ne-

und auch seine Tuberkulose macht ihm anschei-

ben mir checkt mal eben sein i-phone! Hallo?! Was

nend in den kleinen Pausen zwischen den einzel-

würde nur Adolph Freiherr von Knigge zu solchem

nen Sätzen schwer zu schaffen. Überhaupt dürf-

Betragen sagen? Er wäre sicherlich ebenso echauf-

ten alle Besucher an der Pest oder einer mittleren

fiert wie ich, also eine Frechheit ist das, eine Diszi-

Lungenentzündung laborieren. Ich sollte nur mehr

plinlosigkeit, eine ...... Ha, ha, hhhhaaaaaaattttschi!

mit Mundschutz ausgehen. Solidarisch mit dem Di-

platzt es aus mir nur so heraus. Alle Augen richten

rigenten übernehme ich für ihn kopfschüttelnd den

sich auf mich, und ich, ich wünschte mir, ich hätte

bösen Blick, denn er kann sich ja nicht zum Publi-

die große Tasche genommen, dann könnte ich jetzt

kum umdrehen! Die letzten Takte der Symphonie

mühelos darin verschwinden!

Mit der unseligen Headline „Wir sind Papst!“ unserer lieben deutschen Freunde begann das Übel. Österreich zog etwas verspätet mit „Wir sind Kaiser!“ nach. Obgleich es richtig österreichisch ja eher „Mia san Kaiser!“ heißen sollte. Überall rotten sich Menschen zu lustigen Gesellschaften, Verbänden und Organisationen zusammen. Auf „Facebook“ fühlt man sich geradezu alleine, wenn man nicht wenigstens einigen Gruppen oder Plattformen beigetreten ist. Man ist nicht mehr ICH – und wenn, dann heißt es: „Ich bin alle!“ Na, toll! Schon in meiner Jugend fand ich es furchtbar, wenn Roberts Mum immer vor meiner erwähnte: „Wir haben einen Einser auf den Sachunterrichtstest geschrieben. Und ihr?“ Wer ihr? Hallo? Und es gibt nach wie vor Mütter, die behaupten: „Wir haben schon den ersten Zahn bekommen und können auch schon alleine Pipi machen!“ Na, gratuliere! Aber mein Lieblingsbuch war schon damals: „Das kleine Ich bin ich“

Wir

von Primadonna

Ich sitze bei Seminaren beim Frühstück immer alleine an einem Tisch und vergrabe mich in meine Zeitung, um nur ja mit niemandem reden zu müssen. Ich verbrüdere mich nicht mit Kollegen und unterschreibe keine Petitionen. Ich klatsche nicht bei Konzerten mit den unmusikalischen Trantüten im falschen Takt und solidarisiere mich nicht mit anderen Flugpassagieren, nur weil unsere Koffer nach einer Stunde noch immer nicht aufgetaucht sind. Nein, ich kämpfe lieber alleine! Ich bin eine einsame Wölfin. Huuuuuuhhh! Über das alles, und noch viele weitere liebenswerte Ticks von mir ist mein Liebster natürlich informiert. Dachte ich! Denn was rief er beim Anblick meines Schwangerschaftstestes freudestrahlend aus: „Wir sind schwanger!“


SZENE

du mich?“ Geht nicht, warnte der Magazin-Artikel, in den ich gerade versunken war. Wenn es absolute Tabu-Themen gibt, die ER in den ersten 6 Monaten einer Beziehung garantiert nicht hören will, dann gehört dieser Satz auf Platz 1 der absoluten LiebesKiller. Frau Autorin

THE FUTURE

House & Club Music by CottageClub, sozusagen.

im ehemaligen Megafun noch gehörig abgefeiert

Punkto Dresscode sind Anleihen bei Klassikern

werden. Am 17. Oktober wird ein „Future Senio-

wie Starwars oder Star Trek absolut erwünscht.

renfloor“ einen Vorgeschmack auf das im Früh-

“Alle SF-Freunde können sich auf einen einma-

jahr 2010 folgende NXP Lasertron geben. Laut

ligen Superseniorenfloor freuen, und den Abend

Michael Müllner wird dieser Seniorenfloor daher

im Raumgleiter mit Classic 70er bis 90er Disco

„sehr spacig, mit großer Action in Richtung Ge-

verbringen oder den Planeten Lasertron erkun-

staltung und Technik.“

den und bei House-Music mit Außerirdischen

Musikalisch werden Djane Jassi sowie die Djs

Bekantschaft schließen“, verspricht Mastermind

SIMS und Zotti mit Classic 70er bis Musik aus

Richard Zuser ein besonderes Erlebnis! Vover-

den 80ern und 90ern die Halle beschallen. Finest

kaufstickets im VAZ und über Ö-Ticket!

Met al Weekend

Sc h u b f a k t o r Mario

Li ebe sgrü sse von Rosa

schreibt weiter, sich nicht an seiner Fernbedienung zu vergreifen und seine rasierten Kronjuwelen auf keinem Fall zu belächeln. Natürlich! Wie konnte Rosa das nur vergessen! Was weiter heißt, dass wohl der einzige Anlass den Kopf in seinen Schoß zu legen, jener war, ihm kräftig einen zu blasen. Wieder nichts mit Kopfkraulen. Es scheint, als bräuchte diese Art von Intimität einfach mehr Zeit, um sich zu entwicklen! Nichts ist unmöglich, sagt schon die Werbung. Vielleicht trifft ja irgendwann mal das laszive Cavalli-Modell auf den rassigen Alfa Romeo-Fahrer aus dem Werbetrailer und sagt: „Hey man, I love you“! Ganz einfach so. Unverhofft. Und dann ist es wohl o.k. Dann wird sich vielleicht auch Rosa eine gescheite Existenz in der Welt der Liebenden aufbauen. Ist es nicht schön, wenn man einfach nach Liebe fragen kann?

IS NEAR

Vor dem Umbau zum Entertainment Center darf

Nach

Ranieri ist ei-

den

beiden

ner der umtriebigsten

erfolgreichen

Ver-

Djs

anstaltungen

im

der

Stadt.

So

standen heuer schon

Vorjahr, gibt’s auch

Festivals,

zum

heuer Ende Septem-

Beispiel Defqon 1 in

ber wieder gehörig

den

was auf die Mütze.

Danzoo

wie

Niederlanden, Spanien

Und zwar bei der

sowie Spirit of Burgas

dritten Auflage des

in Bulgarien, am Plan

STP Metal Weekends

des Techno-Djs. Und

am 25. und 26. Sep-

jedes

in

dieser

Festi-

tember im Frei:Raum.

vals bescherte ihm ein besonderes Erlebnsi „Beim

Natürlich hat sich Veranstalter Reini Reither auch

Defqon wurden Österreichflaggen für mich gehisst

heuer nicht lumpen lassen und holt die Créme de

und beim Spirit of Burgas teilte ich mir die Bühne

la Créme der österreichischen Underground Metal

mit Größen wie The Crystal Method und Clawfinger“

Szene nach St. Pölten.

Neben den Festival-Gigs bastelt der DJ derzeit flei-

Neben den bereits praktisch zum Festivalinventar

ßig an Releases für ein neues Album sowie an einer

zähenden Bands „Trashcanned2 und „Epsilon“ wer-

DVD. Leider ist Österreich kein leichtes Pflaster. „Die

den als weitere Local Heroes „This Was God „und

Ausrede, von wegen HARDTECHNO ist nicht tauglich

„Dessicated“ zu hören sein. Und das ist natürlich

für irgendeine Party, zählt für mich nicht. Jeder weiß,

noch lang nicht alles! Insgesamt werden an den

dass ich mittlerweile auch ruhigere Gangarten wie

beiden Tagen dreizehn Bands über die Bühne des

Electro oder Minimal fahre.“

Frei:Raums donnern. Darunter die Dark-Metal Band

Bemerkenswert: In Kürze alle Veröffentlichungen

„Hollenthon“ sowie die Multikulti Truppe „GodHate-

von Ranieris Labels kostenlos unter www.schub-

Code“, die beim heurigen Metal Weekend ihr Live-

faktor.at zu beziehen sein. „Ich habe beschlossen

debüt geben und mit ihrem Death Metal begeistern

nichts für digitale Releases zu verlangen und bin

werden. Mehr Infos unter www.myspace.com/st-

auch der Erste, der das so durchzieht“, so der DJ.

pmetalweekend. – 42 – MF G

Foto: Rauschmayr, zVg

Er liebt mich, er liebt mich nicht, er liebt mich... sinnierte Rosa vor sich hin und verbrauchte bereits die 100. Rose, immer noch hoffend, das Resultat würde sie irgendwann glücklich stimmen. Jetzt lege ich die letzte Hoffnung auf eine zweisame Zukunft schon in ein Häufchen dahinwelkender Rosenblätter. Vielen Dank. Soviel in betörend, berauschenden Duft verpackte Realität war gar nicht notwendig. Warum eigentlich nicht direkt auf ihn zusteuern, ihn packen und fragen: „Sag, liebst


Sisn a t ion

ld von Sascha Haro

Von Los Angeles 1998… Eine österreichische Rockband aus St.

zählig war. Aus dem Gig wurde allerdings im letzten Moment doch

Pölten/Krems macht sich auf, um in den Vereinigten Staaten ein Al-

nichts: „Es hat dann nicht mehr ins Programm gepasst, das Ganze

bum aufzunehmen. Markus Sis, seines Zeichens Sänger der Kultband

war einfach schon zu intensiv“, erzählt Schleifer die Geschichte vom

„Faust“, ist mit dabei. Die berühmten Cherokee Studios in L.A. stehen

ersten Fast- Gig. Doch die sieben Musiker ließen sich nicht unterkrie-

bereit, um die Musik der Band aufzunehmen, doch dann kommt es

gen und so war der einhellige Tenor: Weitermachen! Und das Warten

anders. „Das Album in Los Angeles ist nicht fertig geworden und daran

hat sich gelohnt, wie der Gig am Rathausplatz beweist.

ist die Band dann zerbrochen“, erzählt Markus Sis über seine Zeit mit Faust. 10 Jahre herrscht Funkstille, doch am 21. August konnte man

Musikrichtung „Big Beat Music“ Die Band spielt momen-

am Rathausplatz in St. Pölten wieder ein Stückchen Faust bestaunen.

tan Coversongs bekannter Größen wie Lenny Kravitz, James Brown

Die neu gegründete Band „Sisnation“ bespielte im Rahmen des Kultur

oder Elvis Presley. „Es ist nichts Abgehobenes, sehr erdig und groo-

& Filmfestivals die Landeshauptstadt – Sänger ist wieder Sis. „Es war

vig – Rock´n Roll, Party für alt und jung“, beschreibt Spritzendorfer

ein Super Gig in St. Pölten, das Publikum war vom ersten Moment an

die momentane Stilrichtung von Sisnation. Das Repertoire der Band

begeistert“, erinnert sich Bassist Markus Schleifer. Die Schätzungen,

umfasst aktuell 15 Songs, Ziel ist bis Jahresende die Ausweitung des

was die Anzahl der Besucher betrifft, gehen dann allerdings auseinan-

Programms. Von einem Album mit eigenen Songs spricht derzeit noch

der. Von 80 Leuten spricht Sis, während Schleifer an die 300 schätzt.

niemand. „Unser Ziel ist es, eine leiwande Cover Band zu sein, zu

„Lässt sich schwer schätzen, weil eben viel Laufpublikum dabei war,

der man gscheit abfeiern kann. Außerdem wollen wir versuchen, die

die nur kurz was gegessen und nebenbei zugehört haben“, fasst Sa-

Lieder vom Sissl zu performen“, so Schleifer zur momentanen Band-

xophonist und Profi Musiker Lorenz Spritzendorfer zusammen.

situation. Der nächste Gig steht auch bereits fest: Am 14. November

Foto: Rauschmayr, zVg

wird das Café Barock bespielt, allerdings in einer „Unplugged- Ver-

… zu St. Pölten 2009 Entstanden ist die neue Band Sisnation,

sion“. Sis dazu: „Das BarRock ist nicht groß, deswegen spielen nur 3

während einer gemeinsamen Probe von Sis und Schleifer. „Moch ma

oder 4 Leute.“ Ein weiteres Detail am Rande ist die Kommunikation

wos“, war damals die Forderung von Sis nach einer neuen Band. Die

der Band: „Wir proben derzeit einmal die Woche, die Koordination

Antwort von Schleifer: „I bin Bassist und du Sänger wos soll ma scho

machen wir über Facebook, jeder von uns ist dort registriert.“ Neben

groß mochn?“ Doch schließlich entschlossen sich die beiden, das Ri-

Facebook wird auch Youtube genutzt – 3 Videos vom Gig am Rathaus-

siko einzugehen und organisierten einen kleinen Gig als Vorband von

platz finden sich dort bereits. Man darf gespannt sein, wie sich Sis-

Force Majeure. Zu den beiden gesellten sich noch einige Musiker aus

nation in Zukunft entwickeln wird, der Auftritt am Rathausplatz macht

St. Pölten Umgebung, bis die derzeit 7 köpfige Band schließlich voll-

jedenfalls Lust auf mehr.

– 43 – MF G


DIE BUNTEN HUNDE VON STP Der Körper, eine Leinwand: Tätowierungen können alles sein und nichts – Identifikationszeichen, Liebesbeweis, Zugehörigkeitsmerkmal, Jugendsünde, reiner Komplex, Brandmarkung, simpler Spaß oder großflächiges Lebenswerk. Seit den 90ern nimmt der Hype um Tattoos beständig zu. Studios schießen wie Pilze aus dem Boden. In St. Pölten gibt es seit sieben Jahren nur eine wirklich fixe Adresse für alle, die nach Farbe lechzen: das Tattoostudio in der Wiener Straße. Von Althea Müller. Fotos Helge Wöll. Seit

2002 betreibt Inhaber Mini das Studio, das an diesem Augusttag

Und du hast es nicht bereut?

2009 in sauberem Orange-Schwarz erstrahlt, stilecht dekoriert mit Ani-

Nein. St. Pölten ist ein dankbares Pflaster, ein guter Markt. Ich hatte von An-

mal Prints und Totenschädeln. Hier arbeiten er, Tätowierer Dominik und

fang an ausreichend Kundschaft. Erst, um gut über die Runden zu kommen,

Piercerin Tami, alle zwischen Mitte und Ende Zwanzig, als Selbständige

immer schneller und schneller aber sogar in dem Ausmaß, dass mittler-

zusammen. Während Tami im Raum nebenan ganz relaxt mit spitzen Na-

weile monatelange Wartezeiten normal geworden sind. Trotz des zweiten

deln durch Unterlippen und Ohren sticht, schnappen wir uns Mini für ein

Tätowierers, der seit einigen Jahren mit im Boot ist.

kurzes Interview.

Wie kamst du eigentlich auf die Idee mit dem Tattoostudio in St. Pölten? Gibt es hier genug Kundschaft? Ich bin gebürtiger Niederösterreicher, hab dann

„Wenn ich alt bin, schau ich als Ganzes nicht mehr so toll aus, wahrscheinlich“ Mini

Du hast das Handwerk „gelernt“. Was muss man können, um Tätowierer zu werden? Erstens, du musst sehr, sehr gut zeichnen können und zwar, seit du so (wachelt mit der Hand 30 cm über dem Boden, Anm.) warst. Zweitens, du musst

aber einige Zeit in Graz gewohnt. Dort hab ich quasi das Tätowieren ge-

die Technik beherrschen (zeigt auf die Tätowiermaschine, Anm.) – du

lernt. Danach wollte ich ein eigenes Studio. In Graz oder Wien undenkbar,

lachst, aber damit muss man wirklich umgehen können. Ja, und dann soll-

da gab es schon zu viele. So hab ich mir St. Pölten ausgesucht, weil hier

test du wen finden, der dich eben „ausbildet“, wo du ihm längere Zeit auf

die Konkurrenz eher gering war.

die Finger schauen kannst, Feedback von ihm kriegst etc. – 44 – MFG


SZENE Und wie ist die österreichische Tätowierer-Szene so? Der Konkurrenzgedanke überwiegt.

what?

Es gibt die Legende, dass Tätowieren süchtig macht, also, dass es nie nur bei einem bleibt. Was sagst du dazu?

Tätowieren (von polynesisch „Tatau“ = Zeichen) ist das Einbringen permanenter Farbstoffe unter die Haut.

Ich glaube, der wahre Kern dabei ist, dass du nach dem ersten Tattoo meist merkst, dass es gar nicht sooo schmerzhaft, heftig, was auch immer ist,

how?

und darum die Hemmschwelle fürs zweite schon mal niedriger liegt – und

Es gibt verschiedene Methoden, die gebräuchlichste ist die mittels Tätowiermaschine (ca. 800-8000 Bewegungen pro Minute). Das macht dann ein wunderbares Geräusch, ähnlich wie beim Zahnarzt, nur viiieeel lässiger.

so fort.

Und was meinst du zum Anti-Tattoo-Argument Nummer 1: „Wenn du alt bist, schaut das schirch aus?“

who? Tätowieren, in einem Studio arbeiten und/oder ein eigenes Studio eröffnen darf jeder, der den Gewerbeschein (Fußpfleger, Kosmetiker und Masseure, s. http://wko.at/fkm) hat. Tätowiert werden darf jeder ab 18 Jahren.

Wenn ich alt bin, schau ich als Ganzes nicht mehr so toll aus, wahrscheinlich. Davon abgesehen werden dann meine ebenfalls alten Mitmenschen genauso aussehen wie ich, also was soll’s?

how much?

Stimmt – es gibt heute ja fast niemanden mehr, der kein Tattoo hat. Bei all dem Hype, was rätst du vor allem den Kids und Teenagern?

Wieviel ein Tattoo kostet, hängt immer von Motiv, Körperstelle, Tätowierer und Studio ab. Manche arbeiten nach Stunden, andere verrechnen eine Pauschale. Fragen!

Nie vor 18 tätowieren lassen! Tattoostudios, die gegen das Gesetz handeln und jemanden „Unter 18“ tätowieren, sind meist extrem auf das Geld an-

why?

gewiesen, sonst würden sie es nicht tun – und entsprechend schaut dann

Das muss jeder für sich selbst entscheiden.

oft das Ergebnis aus. Am Ende muss erst ein seriöser Tätowierer nochmals drüber gehen, weil es ein Pfusch ist. das Geschäft nimmt sogar zu. Beim Piercen ist es mit der Laufkundschaft

Du sprichst aus Erfahrung?

wie im Einzelhandel: zum Monatsende hin weniger. Beim Tätowieren sind

Mein erstes Tattoo habe ich mir viel zu jung stechen lassen, und ja, es war

wir, wie gesagt, auf Monate ausgebucht. Also für uns gibt es keine Wirt-

ein Pfusch. Heute ist es komplett überdeckt von einem anderen Motiv.

schaftskrise.

Welche Motive sind denn gerade „in“?

Nach den Experten will ich’s aber auch vom Volk wissen: Wieder auf der

Letztes Jahr waren es noch Sterne, heuer sind es Blumen. Daneben gibt

Straße, frage ich mich darum bei St. Pöltner Passanten durch mit der Frage:

es aber natürlich laufend andere Wünsche – Porträts, Comics, Schriften…

WARUM BIST DU TÄTOWIERT? Was tust du, wenn ein Kunde was haben möchte, das echt nicht zu ihm passt?

„Ich hab mal damit angefangen und kann jetzt nicht mehr aufhören.“

Ich sage und zeige ihm, wie ich es mir für ihn besser vorstellen könnte, zum

„Ohne wäre ich nackt.“ (m (25), beide Oberarme, Unterarm, Hals) „Aus Spaß.“ (w (31), Dekolleté) „Ich war jung und verliebt – das waren andere Zeiten damals.“

Beispiel das gewünschte Motiv, aber eckig statt rund… Ein guter Tätowierer schaut sich immer auch den Menschen an, nicht nur das Tattoo.

(w (22), Oberarm, Steiß, Bauch)

(w (46), Unterarm (self-made))

Ich kann nicht glauben, dass ich das jetzt frage, aber spürt ihr eigentlich was von der Wirtschaftskrise?

„Weil’s geil ausschaut.“ (m (28), Oberarm, Unterschenkel) „Jedes Tattoo unterstreicht einen anderen Teil meiner Persönlichkeit.“

(Gelächter von allen, inklusive den Personen im Nebenraum, Anm.) Nein,

(w (34), Knöchel, Oberarm, Nacken)

– 45 – MFG


Die 3 goldenen Regeln 1.Tätowierungen gehen nicht mehr ab,

bisherigen Arbeiten zeigen kann oder will. Fuck off then und such dir ei-

nein. Sie sind für immer. Du kannst nur ein Heidengeld in Laserbehand-

nen andren Laden – es ist schließlich DEINE Haut. 3.Tattoostudios sind

lungen und/oder Cover Ups stecken, um sie zu entfernen und/oder über-

sauber, riechen gut bis steril, es rollen keine Betrunkenen über den Boden

decken. Wie früher wird’s aber trotzdem nie mehr. 2.Tätowierer haben

und wenn du was fragst, wirst du nicht angeschrien. Solltest du andere

Mappen. Mit Fotos. Lass dich nie von jemandem tätowieren, der dir keine

Erfahrungen machen, geh. Das Leben ist zu kurz.

„Jedes Tattoo unterstreicht einen anderen Teil meiner Persönlichkeit“

– 46 – MFG


URBAN SZENE Clubs an einem Abend ein umfangreiches Programm zu erleben, und das bei freiem Eintritt!“ Und das Gebotene kann sich sehen lassen: Es reicht von einer Lesung im Café Schubert über Reggae im Mandas, 80er Jahre Klänge im BarRock bis hin zu Karaoke in der Bubble Bar. Daneben haben die Besucher die Qual der Wahl zwischen weiteren Live-Konzerten (Tibor im Underground, 2faces im Egon, Juliane Stieglitz im Tapas), DJs (DJ Brotox in der Bubble Bar, Special House Set mit Thomas Green im Cafe Central) sowie Themenabenden (Blues-Rock-Jam im Underground, Jazzabend im Kuckucksnest). Im Club Maquie wird an beiden Tagen bis in die frühen Morgenstunden abgetanzt. „Das Beislfest soll eine Art Tag der Offenen Tür sein“, so Hennes. „Die Besucher sollen Lokale in St. Pölten, die sie

Beisl fest 2009 – DIE NE UE PUBT OUR

selten oder vielleicht noch nie besucht haben,

Am 9. und 10. Oktober 2009 wird bereits zum siebenten Mal das St. Pöltener Beislfest über die Bühne gehen, formerly known as „Pub Tour“. Von Patricia Rauscher.

werferlicht einer Veranstaltung, betrachten.“

„Der neue Name geht einfach leichter ins Ohr“,

eine Plattform zu bieten, so gibt es diese Vorgabe

schen den Stationen Mühlweg, Bahnhof und Rat-

erklärt Veranstalter Hannes Beitl, alias Hennes.

nun nicht mehr. „Auch bekanntere Vertreter der

hausplatz (Ecke Museum). Anschließend wird es

Außerdem wurde auch das Konzept abgewan-

St. Pöltener Musikszene sind dabei!“, so Hennes.

noch zwei Fahrten zur offiziellen Afterhour imden

delt. Während sich hinter der „Pub Tour“ der An-

Der Grundgedanke der Veranstaltung bleibt aber

Club Maquie geben!

satz verbarg, insbesondere jungen Bands und DJs

gleich. „Die Möglichkeit, in mehreren Pubs und

Weitere Infos www.beislfest.at

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Zeit für Veränderung!

– 47 –

04.09.2009 MFG 15:33:22

kennenlernen. Oder aber auch das Stammlokal aus einem neuen Blickwinkel, nämlich im ScheinAls besonderer Service für die Nachtschwärmer verkehrt heuer erstmals ein Shuttledienst. Dieser dreht von 19 Uhr bis 1 Uhr seine Runden zwi-


BEATPATROL BACK IN CLUB

Party ohne Ende…mit zah lreichen DJs wie BAD COMPANY UK, DC BREAKS und SIGMA aus England sow ie DISASZT, JOHN JOHANNSON und noc h einige mehr feiert man am 12. Sep tember die Rückkehr in die Clubs. Mit der Mainframe Recordings Albu m Release Party of „Camo & Krooked – Above & Beyond“ lässt sich die gute Stimmung schon im Vorfeld erahnen ! Be There!

STPS FINEST Der 18. September steht ganz im Zeichen feinster Reggae & Dancehall Klänge, denn nur das Beste kann man erwarten wenn Boomarang Sound, Double Jeopardy Movement, Rootsrunna Sound & Riddim Warrior gemeinsam auf der Bühne stehen.

THE SHIT IS COMING HOME

Das man mit „The Shit Is Coming Home“ so richtig Party machen kann, haben die Jungs am diesjährigen Frequency Festival eindrucksvoll bewiesen. Daher werden wir wohl auch in dieser Saison noch

einiges von Ihnen zu hören und sehen bekommen. Begonnen wird damit gleich einmal am 19. September, wo man auf 2 Floors ein Electro-NuIndieFidget House Gewitter um die Ohren geschlagen bekommt, das es in sich hat. Dazu eingeladen hat man die grenzgenialen , B.O.S. STEREO HEROES aus Frankreich! Weiters werden DJ DIRECT, MR. JANX, SCHMODA einheizen. richtig so Partyvolk dem und stehen Turntables den an SHIT vom Jungs die und In diesem Sinne... WE HAVE THE BIGGEST PARTY …

COTTAGE CLUB Am 25. September kehrt der Cottage Club endlich wieder zurück. Neben Altbewährtem wird diesmal auch frischer Wind wehen. U4 Legende DJ OLIVAREZ und Local Hero JOHNJOHANNSON werden gemeinsam mit dem Resident LITTLE JOHN das Publikum zum Beben bringen. Mit den Vocals von la Len und den Videokünsten von FLEXcraft wird wohl das Übrige zum Abheben getan.

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beim VSE. Als Jugendlicher erlag er der Euphorie der Himmelstürmer und gründete den VSEFanclub. Nach dem Konkurs des FCN St. Pölten avancierte Landthaler zu einer treibenden Kraft bei der Neugründung des SKN St. Pölten, der 2000 in der 2. NÖ Landesliga integriert wurde. 2003 übernahm er die Position des wirtschaftlichen Leiters und arbeitete den „Dreijahresplan“ aus, der mit dem Aufstieg des Klubs von der Regionalliga Ost in die Erste Liga enden sollte. Das ging sich zwar sportlich knapp nicht aus (2005/06 lag man am Ende einen Punkt hinter Parndorf), aber der SKN hatte unter Landthaler sein Budget in der Ostliga von rund 200.000 Euro auf 500.000 Euro angehoben, vier Mal mehr VIP-Tickets verkauft (120 statt 30), den

„Mit dem Kremser SC verbindet mich eine Hassliebe“ Zuschauer-Schnitt von 381 in der LandesligaMeistersaison auf über 1.000 angehoben, und das Stadion-Projekt ins Rollen gebracht. Selbst gestaltete Plakatserien, Kino-Werbespots oder die „Friendship-Tour“ (Testspiele gegen benachbarte Klubs) hatte es zuvor beim SKN auch nicht gegeben. Zwei Monate nach dem Rücktritt von Trainer Günter Wessely war aber auch für Landthaler Schluss. „Der Druckkochtopf ist einfach übergegangen“, sagt er heute. Die vielen Einsager im Hintergrund, mitunter seitens der Politik, waren sicherlich mit entscheidend. Doch der Abgang hatte auch sein Positives: Landthaler konnte endlich sein WU-Studium finalisieren, und seine

Der K ontr olleur

von R api d

Diplomarbeit über die „Besteuerung von Fußballspielern“ öffnete ihm gleich die nächsten Türen. Der deutsche VDM-Verlag sicherte sich die Buchrechte und die deutsche Firma „Corporate

Beim SKN hat der St. Pöltner Unternehmensberater Raphael Landthaler das Fußballgeschäft gelernt. Heute verwaltet Rapid sein 15-Millionen Budget nach der von ihm adaptierten Controlling-Software. Chelsea hat ihn zur „Leaders in Football Conference“ eingeladen, und „nebenbei“ versucht er den Kremser SC vorm Konkurs zu retten. Von Thomas Schöpf

Planning AG“, die u.a. Hannover 96 und Arminia

Die

Bielefeld betreut, wurde auf ihn aufmerksam. Landthaler implementierte deren Software bei Rapid und seine Innovationen halfen mit, danach auch den FC St. Pauli als Vertragspartner zu gewinnen.

kommenden Fußball-Wochen haben es

Kein Zuckerschlecken, aber Landthaler bemüht

Bei Rapid ging es überhaupt recht schnell.

für den St. Pöltner Raphael Landthaler in sich.

sich nebenbei auch noch darum, den KSC vor

„Team-Manager Ebner kannte ich ja bereits aus

Erst schaut er sich den von ihm mit gegründe-

dem finanziellen Absturz zu retten. Außerdem

meiner SKN-Zeit recht gut. Über seinen Kontakt

ten SKN St. Pölten gegen die Admira an, deren

ist das genau das richtige Spiel, um vor dem

habe ich dann Sportdirektor Hörtnagl, Manager

Homepage er konzeptioniert hat. Da muss er

für ihn wichtigsten Termin herunterzukommen,

Kuhn und einigen anderen Rapidlern in einem

trotz sechsjähriger ehrenamtlicher Funktion bei

nämlich jenem an der Stamford Bridge: Anfang

zweitägigen Seminar das Handling der Software

den „Wölfen“ Eintritt zahlen. Danach geht’s zu

Oktober nimmt Landthaler an der „Leaders in

erklärt.“ Zentrale Punkte sind die Hochrechnung

Rapid gegen Wr. Neustadt. Im Hanappi ist immer

Football Conference“ in den VIP-Räumen des FC

der Kicker-Gagen, die aufgrund verschiedenster

ein Platz für Landthaler, schließlich hat er Rapid

Chelsea teil. Dort wird er vor über 1.000 Teilneh-

„Nebengeräusche“ wie Punkte-Prämien, Auf-

die Software implementiert, mit der Österreichs

mern über die Software „Contracts Care Sports“

lauf-Prämien oder Platzierungs-Prämien immer

Rekordmeister das Budget, darunter die Kicker-

referieren.

komplexer werden, oder die Manager-Fees. Aber auch der Ticket-Verkauf und einige andere Fi-

Gagen (rund elf Millionen Euro pro Saison) verwaltet. Als nächstes wartet die Partie Kremser

Am Anfang war VSE. Begonnen hat die

nanz-Gebahrungen. Zwei weitere Bundesligisten

SC gegen USC Seitenstetten (2. NÖ Landesliga).

„Fußball-Karriere“ des Unternehmensberaters

zeigen bereits ebenso Interesse.

– 50 – MFG


SPORT

Auch Rapid setzt in Sachen Controlling auf Landthaler. In einem zweitägigen Seminar vermittelte er Hörtnagl & Co. den Umgang mit der Software.

Hassliebe KSC. Ein besonderes Anliegen ist-

Krems immer los war.“ Von manchen St. Pöltner

tung des KSC auch noch die Hilfe eines St. Pölt-

dem St. Pöltner paradoxerweise auch der Krem-

Fußballfans hat er sich deswegen ordentlich was

ner Juristen. Und auch der sportliche Leiter der

ser SC, den er vor dem Untergang retten will. „Mit

anhören können, einer aus dem SKN-Fanklub hat

Akademie St. Pölten, Bohdan Masztaler, ist über

dem KSC verbindet mich eine Hassliebe“, erklärt

ihm sogar den Handschlag verweigert. „Als ich

das Engagement Landthalers hoch erfreut. „Dort

Landthaler, „das Potenzial dieses Vereins muss

ihm dann erklärt habe, dass Konkurrenz das Ge-

kommen so viele Talente her, die über den KSC

einfach am Leben erhalten werden. In Niederö-

schäft belebt und sich die beiden Vereine früher

auch den Weg zu uns finden.“ Eines davon ist

sterreich gibt es für mich drei Traditionsklubs: St.

bis in die Bundesliga hochgeschaukelt haben,

SKNV-Spielmacher Lukas Thürauer, der gerade

Pölten, die Admira und eben den KSC. Wenn ich

hat er es verstanden“, so Landthaler.

von Herbert Prohaska zum besten Spieler der Er-

nur daran denke, was in den Derbys gegen uns in

Mit Mag. Markus Mayer bekommt er für die Ret-

sten Liga 2007/08 gekürt wurde.

– 59 – MFG


Die märchenhafte Geschichte von

DER Königin der Dirndl und des Wächters vom Nix

Wir befinden uns diesmal in den Tiefen des Pielachtals, genauer gesagt im Dirndltal. Den Namen hat sich die Region zwischen Puchenstuben und Ober-Grafendorf nicht verdient, weil dort unzählige Damen in altertümlicher Tracht zu finden sind, sondern weil das Gold dieser Region die Dirndl ist. Böse Zungen behaupten, es handle sich bei der Dirndl um eine Kirschart, dem ist aber angeblich nicht so. Es ist eine Steinfrucht, die aus unerklärlichen Gründen den beiläufigen Namen Kornellkirsche trägt. Das Besondere an dieser Frucht ist, dass sie sich sozusagen selbst erntet. Erst wenn die Dirndl von alleine den Strauch verlässt, ist sie reif. Zu den Sträuchern sei gesagt, dass diese einige hundert Jahre alt werden und die Faustregel hier lautet: „Je älter desto besser.“ Im weitläufigen Dirndltal, das auch leicht mit der Mariazellerbahn zu erreichen ist, gibt es viele Attraktionen für die ganze Familie. 12 Wanderrouten und unzählige Rad- und Mountainbikestrecken warten darauf entdeckt zu werden und führen zu den schönsten Aussichtspunkten der Region. Burgruinen, Schlösser, sanfte und milde Wässer, atemberaubende Panoramapunkte und viel Natur bieten genügend Stoff, um die Seele baumeln zu lassen. Für Abenteurer empfiehlt sich der Besuch in die unterirdische Welt der Nixhöhle. Da auch wir das Abenteuer suchen, waren wir mit dem Oberhaupt der Region, der Dirndlkönigin Daniela Mitterer, auf einem märchenhaften Trip dort um uns diesen besonderen Ort live zu geben.

Alles und Nix

Die Nixhöhle ist eines der wertvollsten Naturdenkmale der Region und ein wahrer Publikumsmagnet. Tausende Besucher pilgern jährlich nach Frankenfels, um diese Tropfsteinhöhle mit ihren einzigartigen

Naturwundern zu sehen. Der Name kommt von den weißen Kalkablagerungen. Diese werden im Volksmund als Nix (lat. Nihilum Album - auf deutsch weißes Nichts) bezeichnet. „Touristisch gesehen ist die Nixhöhle das Um und Auf der Region“, weiß der Höhlenführer und Wächter vom Nix Albin Tauber. Voller Neugier begeben wir uns in den Schlund des Berges und die entgegen strömende kalte Luft der Höhle lässt die Tiefe und die Gefahr erahnen, die auf uns lauert. Mutig befahren wir die Höhle weiter ins Innere. Übrigens: Man „befährt“ Höhlen und begeht sie nicht! Wir stoßen auf Drachenkörper, die von der Natur wie ein Mahnmal erschaffen wurden, begegnen dem Höhlengeist, der mit seinen riesigen Augen über uns wacht, treffen auf Erich den Höhlenbären, sehen eine aus Tropfstein geformte Madonna, die nicht einmal Da Vinci besser hinbekommen hätte, sehen zwei Osterhasen an der Decke und meinen sogar, Jesus Christus in einem der unzähligen Gebilden aus Kalk erkannt zu haben. Hier kann man seiner Fantasie freien Lauf lassen und wenn man davon nicht so viel besitzt, helfen die Höhlenguides ein bisschen nach. Es gibt sehr viel zu sehen und wir kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Aus der Höhle allerdings schon. Nach einer guten Stunde und vielen Fotos später haben wir die halbe Höhle gesehen und freuen uns auf das nächste Highlight des Trips – auf den Mostheurigen und das Bergbauernmuseum Hausstein.

A gscheiter Sterz beim Holzknecht

Denn ehrlich, was gibt es Schöneres, als nach einem spannenden Höhlentrip eine g´scheite Brettljause in einer urigen Hütte mit offenem Feuer zu genießen? Richtig - Nix! Wir treffen den Hausherrn Bruno Tuder, der mit seiner Frau Erna das

–52 – MFG


Bauernmuseum und den Mostheurigen betreibt. Das Museum stellt auf 400 m² etwa 2.000 Exponate rund um das Leben der Bergbauern zur Schau. Vom Heurigen gehen verschiedene Wanderwege aus und man kann in einer altertümlichen Selbstversorgerhütte entspannt nächtigen. Ein besonderes Highlight ist die Holzknechthütte. Hier bereitet der Hausherr persönlich den „Sterz der Holzknechte“ und originale Feuerflecken am offenen Feuer zu. Ein absolutes Muss! Das wusste auch schon Bundespräsident Heinz Fischer, der sich diese kulinarische Gelegenheit nicht entgehen ließ, als er den Tuders einen Besuch abstattete. Wir haben uns allerdings für eine Brettljause entschieden.

stellung von Likören, Marmelade, Gelee, Schokolade, Säften und sogar Eis verwendet. Nachdem wir köstlichst getrunken und gespeist haben, begeben wir uns voll neuer Erfahrungen und Eindrücke auf den Heimweg. Das Dirndltal mit seinen vielen Facetten hat sich auf jeden Fall eingeprägt und wird uns sicherlich noch öfters als Besucher willkommen heißen.

Süße Dirndln in jeder Beziehung

Zur Brettljause sei gesagt: „Dieses einmalige Ensemble aus zartem Fleisch, Schafkäse und vielen Leckereien ist wie ein Sonnenaufgang im Gaumen“, und das ist nicht übertrieben. Selten kriegt man so einen guten Rohschinken. Das liegt daran, dass bei den Tuders „stressfrei“ geschlachtet wird und das schmeckt man tatsächlich. Da stimmen auch die Dirndlkönigin und Albin zu, der sich überreden ließ, auch mitzukommen. Während Albin den Tisch mit verschiedensten Witzen bei Laune hielt, gab die Königin auch etwas über sich preis. Sie ist die Vertreterin der Region nach außen und nimmt ihr Amt sehr ernst. Sie erzählt uns, dass die Dirndl aufgrund des hohen Vitamin C-Gehaltes sehr gesund ist und der Dirndlbrand früher als Medizin gegen alles genutzt wurde. Das mussten wir natürlich gleich ausprobieren und bestellten eine Runde des eben besagten Schnapses. Da wir aber keine Beschwerden hatten, können wir diese These nicht bekräftigen, gut ist er aber allemal! Neben dem Dirndlbrand wird diese Frucht auch für die Her– 53 – MFG

Pielachtaler Dirndlkirtag Sa, 26. September und So, 27. September 2009 Hofstetten-Grünau, Kirchenplatz Im Herbst sind die Dirndln erntereif. Die reiche Ernte wird jedes Jahr mit dem Dirndlkirtag gefeiert, in diesem Jahr am 26. und 27. September in Hofstetten-Grünau. Die Hauptattraktion bildet an beiden Tagen ein bunter Dirndlmarkt. An 50 Ständen gibt es Dirndl-Spezialitäten zu verkosten und zu kaufen: Dirndlbowle, Dirndlshakes, Dirndlkuchen, Dirndlbrand, Dirndllikör, Dirndlsaft, Dirndltorte, Dirndlpunsch, Pielachtaler Dirndlrolle (Ziegenkäse mit Dirndln gefüllt) und Dirndlkrapfen vom Pfarrer gebacken. Auch Dirndlstauden, Dirndltrachten und Dirndlschmuck finden sich im Sortiment. Kleine Besucher werden betreut und können im Spielebus verweilen. Informationen und kostenlose Broschüren

Mostviertel Tourismus T 07416/521 91 office@most4tel.com www.pielachtal.info


KRITIKEN

Zum Hören

Manshee, mikeSnare, Knolli, DJ Annettehalbestunde, Rob.STP, Gitsche (von links nach rechts)

Nach 6jähriger Abstinenz haben Zoot Woman ein neues Album gemacht, wie man es im bunten Jahr 2009 sonst nicht findet. Musik, die den eigenartigen Ort zwischen Trance und Fleischlichkeit bespielt. Auf quecksilbrige Art griffig, ebenso „Band“ wie „Act“. Songs wie „Live In My Head“ oder „We Won’t Break“ sind eine Mischung aus Synth-Pop, Euro-Dance, Rave-Sonnenaufgang und Fußtritten. Wirkt gegen Herbstdepression!

Jan De la y

WIR KINDER VOM ...

LU KE VIBER T We Hear You

Mit seinen dutzenden Nebenprojekten ist Luke Vibert einer der vielseitigsten Vertreter der englischen Elektronikmusik. Werke unter seinem bürgerlichen Namen sind seit jeher eher etwas gemächlicher. Auch „We Hear You“ nimmt Anleihen bei HipHop, Dubstep, Acid und House. Diese reichert er unter Einsatz von nölenden Synths, irren Harmoniebögen und diverser obskurer Samples zu 13 seiner bis dato besten Tracks an.

SU BFOCUS Rock it

Bereits bei „Mercedes Dance“ war klar, dass Mr. Delay seinen Stil ins Positive verändert hat! Mit seiner neuen Band „Disko No. 1“ verfolgt er nun auch auf dem neuen Album einen funkigen Stil - gemixt mit Elementen des Souls und Texten zum Nachdenken. Seine nasale Stimme kann man mögen, muss man aber nicht. Denn wichtig bei dieser Platte ist sowieso nur der Groove, bei dem man einfach nicht ruhig sitzen kann! Oh yes, Jonny!

Bei Subfocus gilt seit je her die Devise: „Hi und da nen Track, aber dafür nen Konkreten“. Die neue Single, erschienen auf Andy Cs Ram Records Label haut mich ausnahmsweise nicht ganz so aus den Schuhen. Rock it klingt ein bisschen wie der Versuch, in die Pendulum Kerbe von 2005 zu schlagen, und die Zeiten sind ja wohl wirklich passé. Es könnte aber schlimmer sein, der vorliegende Track bringt auf jeden Fall Tanzflächen in Bewegung!

Zum Sc ha uen

Zum Spie len

Manshee, Cigdem Dogan

kleine ver brec hen

Markus Waldbauer

C o lin Mc R ae: Dir t 2

Lightwor ker *T Light Fidelity

Brit Pop aus Österreich - ein Widerspruch? Keinesfalls! Hinter dem Namen Lightworker *T verbirgt sich Singer/Songwriter/Multi-Instrumentalist und Produzent Thomas Matzka, der uns mit seinem Album auf eine Fantasiereise à là „Yellow Submarine“ schickt. Trotz des unüberhörbaren Einflusses der „Fab Four“ schafft er es seinen eigenen Sound zu kreiren. Und das mit Erfolg: „Light Fidelity“ läuft international auf mehr als 250 (!) Radiosendern!

Sam Sparr o Sam Sparro

Ein junger Australier. Ein Album. Ein Download-Erstsieg. Black and Gold. So funktionierte das 2008 recht erfolgreich, wie man am Beispiel Sam Sparro eindrucksvoll beobachten konnte. Der Sänger mit dem unverwechselbar atemberaubenden Timbre entführt uns mit seinem Debütalbum in die soundträchtigen Gefilde des 80er Discosounds, stürmt aber mit einer spannenden Kollaboration mit Basement Jaxx das neue Jahrtausend.

Zum Lesen

H. Fahrngruber, W. Hintermeier

pe ter s lo ter dijk

Codemasters

Du musst dein leben ändern

Frische Sommerkomödie mit Meeresbrise, kleinen Buchten und verschrobenen Inselbewohnern. Eine Begegnung mit schrullig-liebenswerten Menschen und ihren kleinen Verbrechen, die sie täglich unter ihre Teppiche kehren. Dazu noch ein bisschen Liebe und Krimi. Ein Film wie ein Ouzo: Würzig-süß und kräftig im Nachgeschmack.

Welche Erwartungen kann man von einem Rennspiel haben? Dirt 2 wird sie auf jeden Fall übertreffen! Vielfach prämiert bietet dieses Game alles, was AdrenalinJunkies erwarten. Exzellente Fahrphysik gebündelt mit High-End Grafik und prächtge Schauplätze. Einziger Wehrmutstropfen: Der Fuhrpark ist im Vergleich zum Vorgänger etwas kleiner ausgefallen.

„Du musst dein Leben ändern“ gilt seit Menschengedenken: Immerfort übt und müht sich der Mensch, strebend nach Besserem. Die Wiederholung und Einübung in Routinen, unermüdliche körperliche, geistige oder religiöse Praktiken zur Veränderung des Status quo begleiten die menschliche Kultur. Warum? Der prominente Philosoph geht dieser Frage nach.

Die Fra u des Zei treisen den

Wo lfens tein

Step han brÜ ggen thies

Christos Georgiou

Robert Schwentke

Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie Ihren Partner nur von Zeit zu Zeit sehen? Wenn er in der Hochzeitsnacht plötzlich verschwinden würde? Als Ehefrau von Henry hat es Clare nicht leicht, denn Henry ist ein Zeitreisender, der in die Vergangenheit, als auch in die Zukunft reisen kann. Einziges Problem, er kann es nicht kontrollieren, es passiert einfach und plötzlich ist er weg. Diese Zeitreisen belasten die Beziehung sehr. Ab 18.09. im Kino.

Endrant Studios

Wolfenstein ist ein erfrischend einfacher Shooter, der sich auf das Wesentliche diese Genres beschränkt – shooten! Mit simpler Spielmechanik und ohne komplizierte Tastenkombinationen bewegt man sich von A nach B und trifft dabei auf so manchen bösen Nazi-Zeitgenossen, der sich gerade dazu anbietet, geshootet zu werden. Für zwischendurch ist dieses Remake durchaus einen Ausflug wert. – 54 – MFG

der geheimnislose junge

Mitten in Köln verschwindet ein 15jähriger Junge aus gutem Hause. Kommissar Zbigniew Meier, der von den verzweifelten Eltern kontaktiert wird, lernt den Vermissten vorerst als unauffälligen Musterschüler kennen, stößt aber bei seinen Recherchen auf einen Sumpf aus Lügen und schlimmsten Verbrechen. „Tatort“-Autor Stephan Brüggenthies fesselt mit diesem Roman ab der ersten Seite bis zum überraschenden Finale.

Foto: zVg, photocase, slu

Zoo t Woman

Things Are What ...


VERANSTALTUNGEN

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Nockalm Quintett: “Ich dich auch“ Mal ehrlich: Was wäre ein gehauchtes „Ich liebe Dich“ ohne ein „Ich Dich auch“ als Echo? Dabei geht es bei den „Romantikern des Schlagers“, wie das Nockalm Quintett von Fans genannt wird, nicht ausschließlich nur um Liebe zwischen Männlein und Weiblein, sondern durchaus auch einmal um die Liebe zur Heimat. Im Oktober stehen sie auf der Bühne im VAZ St. Pölten und werden einmal mehr ihr Publikum mitreißen.

15. oktober 2009

1 WERDEN

In den Zeichnungen des ehemals obersten Hauptstadtplaners Norbert Steiner ist alles möglich. Da ist die Fassade des Rathauses zwischen den modernen Fassaden des Regierungsviertels eingepasst oder aber das gläserne Festspielhaus steht wie selbstverständlich neben der altehrwürdigen Domfassade. Das Zusammenwachsen von Alt und Neu ist absolut sehenswert. a ussTeLLunG

GALERIE IM RATHAUS GH KOLL

25./26. 09. ERÖFFNUNGSFEST Joachim Schloemer, der neue Intendant des Festspielhauses St. Pölten: „Improvisiertes sowie bis in die letzte Note Vorbereitetes. All das zu zeigen, ist mir wichtig.“ Und das gibt‘s alles beim Eröffnungsfest: Tonkünstler, Parkour vor dem Festspielhaus, Verbotene Stadt, Vorstellung „die Expedition“, Café Publik mit „Tanz Baby!“ uvm. Infos: www.festspielhaus.at FesT

Foto: zVg, photocase, slu

30. 09.

GH KOLL FESTSPIELHAUS

DER FALL …

… des Lemmings: Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Stefan Slupetzky feiert in der Regie von Nikolaus Leytner Premiere im Megaplex Kino. Eine Kriminalgeschichte voll schwarzen Humors und Wiener „Schmähs“, wozu auch Roland Düringer in der Hauptrolle beiträgt. Dieser ist auch bei der Premiere zugegen und gibt im Anschluss Autogramme. premiere

MEGAPLEX

12. 09.

MUSICA SACRA

Das Festival Musica Sacra, das auf eine jahrzehntelange Tradition zurückblickt und zu den renommiertesten Festivals sakraler Musik Österreichs zählt, findet heuer von 12. September bis 24. Oktober statt. Fünf Konzerte und drei Messen unter Beteiligung nationaler wie internationaler Größen spannen einen spannenden Bogen zwischen Tradition und Moderne. FesTiV aL

U.A. DOM ST. PÖLTEN

30. 09. SCOTTISH FOLK NIGHT Die beiden heurigen Bands gehören zu den derzeit wichtigsten Ensembles der jungen, schottischen Szene: Die Paul McKenna Band erhält seit ihrem Debut-Album eine Fülle an herausragenden Kritiken. Die Ausnahme-Sängerinnen Jeana Leslie & Siobhan Miller sind gemeinsam mit ihrem Gitarristen Ewan MacPherson ein Leckerbissen! musiK

21. 10.

FREI_RAUM

19. 09. TAG D. OFFENEN TÜR 21 Tage bevor das Landestheater Niederösterreich in seine fünfte Spielzeit startet, lädt das erfolgreiche Haus am Samstag, 19. September von 10-16 Uhr alle Interessierten, ob jung oder alt zu einem Blick hinter die Kulissen und mit einem dichten Programm auch zu einem Ausblick auf die neue Spielzeit. Programmübersicht: www.landestheater.net THea Ter

Viel Vergnügen

seit 03. 09.

JAMES MORRISON

Nach seinem begeisternden Auftritt beim NUKE kommt der britische Singer/ Songwriter nun für ein weiteres Konzert seiner „Songs And Truths Tour“ nach Österreich! Und mit „Truths“ sind seine Texte vollgespickt. So raunen Männer frei nach James Morrison ihren Herzdamen und Killerqueens voll Liebe zu: „Whatever I Do I‘m Under The Influence Of You!“ Einfach herrlich! KonZer T

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