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ZIRKUS F. Mitten in Europa

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L

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Nicht Anders

von Johannes Reichl

Himmelhoch todbetrübt Wer wir sind. Sind wir wer? 16

Erinnern Sie sich noch an

fenden Slogan basteln könnte: „Willkommen in der

den Slogan „Wien ist an-

Stadt mit Österreichs zweitältester Fußgängerzone!“

ders“? Jahrelang hechelte

St. Pölten war nie vorne mit dabei, aber immer

St. Pölten dieser Doktrin hinterher. Auch wir wollten

mittendrin. Von uns gingen nie historische Umwäl-

„anders“, also wichtig, besonders sein. In einem An-

zungen oder Geistesströmungen aus, aber alle ka-

flug von Ironie ließ ein origineller Kopf damals Pickerl

men hier an. Kelten, Römer, Bauernkriege (auf Seiten

unters Volks bringen, die den Passauer Wolf (unser

des Kaisers, nicht etwa der Revoluzzer), Franzosen,

Wappentier, einen St. Pöltner Wolf gibt es nicht) vor

Bürgerkrieg, erster Weltkrieg, zweiter Weltkrieg, Wi-

der Silhouette des Rathausplatzes zeigen, wie er ge-

derstand, Judenverfolgung, Russenbesatzung, Be-

rade seinen Mantel lüftet. Darüber stand vielsagend:

freiung, Wiederaufbau. „Wir sind alle“, könnte man

„St. Pölten ist ganz anders!“ Eine „Imagekampagne“,

frei nach der aktuellen Orange-Werbung sagen. St.

die bei mir – und ich war damals ein kleiner Stöpsel

Pölten ist die österreichischste Stadt der Republik, in

– bis heute hängen geblieben ist. Übrigens im Unter-

unserem weit über 850 Jahre alten Antlitz spiegelt

schied zu allem, was danach von offizieller Seite ge-

sich die gesamte Historie der Nation wieder. Warum

kommen ist: zu bieder, zu brav, zu aufgesetzt. Dabei

gefällt uns aber die Orange-Botschaft, wenn wir sie

läge manches so nahe. „St. Pölten – Willkommen in

im Fernsehen sehen, erschreckt uns jedoch, wenn

der Provinz!“ „St. Pölten – Österreichs größtes Lan-

wir uns selbst als das erkennen müssen, was wir

deshauptdorf“ (© Wagner), „Wir sind klein, na und?!“

sind: Nicht anders. Alle.

oder schlicht „St. Pölten ist nicht anders!“ Zu Glanz-

Wahrscheinlich hat es (auch) mit 1986 zu tun. Lan-

stoffzeiten hätte auch ein „St. Pölten – stinknormal!“

deshauptstadt. Das war Fluch und Segen zugleich.

wunderbar gepasst. Um mich nicht falsch zu ver-

Der

stehen. Ich meine die Vorschläge alle ernst, weil sie

könnten, nein müssten gelassen, ja dankbar dafür

wunderbar selbstironisch sind, Aufmerksamkeit er-

sein! Gleichzeitig fühlten wir uns aber mit einem Mal

zielten und v.a. eines ausdrückten: Wir stehen dazu!

verunsichert. Plötzlich waren wir wer, bzw. sollten

St. Pölten ist nicht anders, außergewöhnlich. Wir sind

wer sein, bzw. glaubten, wer sein zu müssen. Das

braver Durchschnitt. Welchem Wahn entspringt unser

macht gehörig Druck. Die Folge: Identitätsverwir-

Minderwertigkeitskomplex, den wir so auffällig dar-

rung, Überkompensation. Wir benehmen uns seither

unter leidend zur Schau tragen, dass selbst die aus-

wie ein kleines Kind, das sich unentwegt produziert

ländischen Journalisten im Zuge des Fritzl-Prozesses

und nach Liebe und Anerkennung heischt: „Schau,

irgendwann entnervt wissen wollten: „Warum fragt

das hab ich gemacht, und das, und das...“ und DAS

ihr eigentlich immer, wie wir euch finden?“ Noch nie

nervt! Nach über 20 Jahren Hauptstadt sollten wir

waren sie so ausgeprägt unausgeprägtem Selbst-

endlich erwachsen werden, und wissen wer wir

bewusstsein begegnet, und die Damen und Herren

sind: Schlicht und einfach St. Pölten. Andere mögen

kommen auf der ganzen Welt herum.

Bruckner, Mozart, Haydn oder Bachmann haben,

Exemplarisch: Wir rühmen uns z. B. nicht der ersten,

wir haben Huber, Mayer und Müller. Ist doch nicht

sondern der zweiten Fußgängerzone – und erzählen

schlecht! Lösen wir also endlich die mentale Bremse

das auch noch bei Stadtführungen! Das ist schon

im Kopf, dann können wir nämlich losfahren. Und

wieder so skurril, dass man auch daraus einen tref-

zwar ganz entspannt – wie alle anderen auch!

Entwicklungsschub

ist

unübersehbar.

URBAN manege Frei Josef F. lässt die Medien tanzen 8

40

KULTUR Von hier an Blind Fabelhaftes Dinner im Dunkeln 28 Rossells Zwischen-Reiche Alles andere wäre bullshit! 44

Wir

50

SZENE Vorsicht kamera nitelife gestreamt 51 Open your Mind Geistes(ver)störung 56

60

SPORT Leitwolf vom Erzrivalen Regisseur mit Tiefgang 60

IMPRESSUM Blattlinie: Das fast unabhängige Magazin zur Förderung der Urbankultur in Niederösterreich Medieninhaber (Verleger): NXP Veranstaltungsbetriebs GmbH, MFG – Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten Herausgeber: Bernard und René Voak Redaktionsanschrift: MFG – Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten; Telefon: 02742/71400-330, Fax: 02742/71400-305; Internet: www.dasmfg.at, Email: office@dasmfg.at Chefredakteur: Johannes Reichl Anzeigenleitung: Michael Müllner, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten; Tel.: 02742/71400-330; Email: michael.muellner@dasmfg.at Redaktionsteam: Florian Figl, Thomas Fröhlich, Sascha Harold, Katrin Jagsch, Althea Müller, Michael Müllner, Primadonna, Patricia Rauscher, Michael Reibnagel, Ruth Riel, Thomas Schöpf, Eva Seidl, Anne-Sophie Settele, Katharina Vrana, Isabella Wohnhas, Markus Waldbauer. Szene in Zusammenarbeit mit newsboard.at Kolumnisten: Herbert Binder, Judith Goritschnig, Dietmar Haslinger, Althea Müller, Thomas Karl, Primadonna, Rosa Kritiker: Cigdem Dogan, Helmuth Fahrngruber, Judith Goritschnig, Wolfgang Hintermeier, David Meixner, Manuel Pernsteiner, Hermann Rauschmayr, Robert Stefan, René Voak Leiter der Bildredaktion: Hermann Rauschmayr Art Director & Layout: REBELTECH, Christoph Schipp Hersteller: NÖ Pressehaus Druck- und Verlagsgesellschaft mbH; Herstellungs- und Verlagsort: St. Pölten; Verlagspostamt: 3100 St. Pölten, P.b.b. Alle Rechte, auch die Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2. Urheberrechtsgesetz, sind vorbehalten. Alle Angaben ohne Gewähr. Für den Inhalt bezahlter Beiträge ist der Medieninhaber nicht verantwortlich. Internet: http://www.dasmfg.at Offenlegung nach § 25 Medien-Gesetz: Medieninhaber: NXP Veranstaltungsbetriebs GmbH, MFG – Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten. Unternehmensgegenstand: Freizeitwirtschaft, Tourismus und Veranstaltungen. Geschäftsführer: Bernard und René Voak MBA. Grundlegende Blattlinie: Das fast unabhängige Magazin zur Förderung der Urbankultur in Niederösterreich.

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5. Juni 2009

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LESERFORUM

leserbriefe@dasmfg.at Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

Hat sich da etwa ein kleiner Populismus-Teufel eingeschlichen oder ist den Damen und Herren für die Seite sechs im letzten MFG kein angemessenerer Platzfüller eingefallen, als ein schwachbrüstiger Argumentationsversuch gegen ein allgemeines Rauchverbot. Von Erkältung ist da die Rede, von volkswirtschaftlichen Einbußen und von möglichen rauchfreien Zonen auf Straßen, Bänken und Köpfen. Die Entscheidung Raucher zu sein ist jedem selbst überlassen, die Entscheidung andere ohne Rücksicht „mitrauchen“ zu lassen egoistischer Schwachsinn.

Rauchen zu dürfen, weil „das schon immer so war“ ist ungefähr genauso intelligent wie auf ein Postamt zu beharren, weil „das auch schon immer da war.“ Zahlen (finanziell und gesundheitlich) tut’s ja wer anderer – oder alle zusammen. Ein Meckern darüber, dass Raucher genauso viel Kassenbeiträge wie Nichtraucher bezahlen, hab ich dabei bisher kaum vernommen. Ist das etwa Solidarität? Aber wenn schon, die Volkswirtschaft, die geht ja zugrunde, wenn man plötzlich das Rauchen allerort verbieten würde. Ein zutiefst österreichisches Gedankenkonstrukt, dem

auch die überqualifizierte Bundesregierung nur zustimmen kann. Andere Nationen argumentieren hingegen so: „Gesundheit geht vor wirtschaftliche Interessen.“ Das klingt jetzt fast schon zu vernünftig, um wahr zu sein. Vielleicht sollte man das nächste Mal einfach einen weißen Fleck im Heft übrig lassen, bevor man dort eine kleine Kolumne verfasst. So wie die „ChiliShote“ zum Beispiel. Da hat man aber zumindestens das Gefühl es bereits vor zwei Monaten im Kurier gelesen zu haben und kann es getrost überspringen. Tobias Zuser

Michael Niavarani “ENCYCLOPAEDIA NIAVARANICA “ 12. / 13. Mai 2009 – 20.00 Uhr VAZ, St. Pölten

…weil

mir

dauernd

was

dazwischen

kommt! Komm ja praktisch zu nichts!! Da will man endlich seine e–mails checken - schickt dir jemand eine SMS, um dir zu sagen, dass er auf deinen Rückruf wartet, um mit dir die e-mail zu besprechen, die du noch gar nicht gecheckt hast, weil du ja gerade sein SMS bekommen hast. Dann liest du deine e-mails, müsstest aber eigentlich schon zur nächsten Besprechung, die leider gleichzeitig mit der übernächsten Besprechung stattfindet, weil du deinen Kalender

D

am Computer nicht rechtzeitig mit dem Handy synchronisiert hast, was du ja tun wolltest, während du die e-mails checkst, aber da hat dann jemand von der ersten Besprechung angerufen, um zu fragen, wo du bleibst, man warte schon auf dich!

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In was für einer Stadt leben wir eigentlich...

In der der Magistrat neuerdings Werbung für die

In der Etymologen dieser Tage Grund zum Jubeln

In

Biermarke Egger macht. Gleich wenn man ins

hatten. Nach jahrehundertelangen Debatten

schon für Werbezwecke gemeinsam mit priva-

Rathaus tritt, wird man vom neuen „Partner der

über den Wortsinn von „penzen“, hat sich dieser

ten Betreibern und Politikern ablichten lassen,

Landeshauptstadt“ empfangen. Das nennt man

spätestens seit dem Auftritt von Landtagspräsi-

nur weil eine Behindertenrampe in einem Lokal

Mal einen beschwingten Willkommensgruß. Frei-

dent Hans Penz bei der Eröffnung der Militäraus-

errichtet wird. Das Engagement des Villa-Betrei-

lich mutet er ein bisschen schizophren an. Da

stellung im Stadtmuseum erschlossen. Mr. Presi-

bers in Ehren (toll auch die Schau „Be-greifen“

hat man die „bösen“ Raucher gänzlich aus dem

dent war als Ehrengast geladen, kam eine halbe

im Lokal mit Arbeiten von Besuchern der Tages-

öffentlichen Gebäude verbannt, das Entree ist

Stunde (!) zu spät und empörte sich dann allen

heimstätte), es gibt wahrlich zu wenig Lokale in

mit Nichtraucherzeichen zugepflastert, und dann

Ernstes, dass man ohne ihn begonnen hatte

St. Pölten, die für Menschen mit Bewegungsein-

wirbt man völlig unreflektiert für Österreichs ge-

und sein Stuhl in der ersten Reihe besetzt war

schränkung ausreichend zugänglich sind. Dem-

heime Problemdroge Nr. 1, Alkohol. Welches Zei-

(weil man derweil einen „Platzhalter“ hingesetzt

nach ist jeder Schritt in diese Richtung begrü-

chen möchte man damit setzen? Dass man für

hatte, um das unschöne Loch zu kaschieren).

ßenswert. Wie sehr Österreich aber diesbezüglich

Cash neuerdings alles macht? Noch dazu, wo

Wutentbrannt zog er von dannen. Der Gipfel an

Entwicklungsland ist, zeigt allein die Tatsache,

Egger St. Pölten marketingtechnisch jahrelang

Lächerlichkeit war in Folge, dass der VP-Bezirks-

dass eine eigentliche Selbstverständlichkeit als

gemieden hat wie der Teufel das Weihwasser.

geschäftsführer in Folge den Organisatoren vor-

großartig berichtenswert erachtet wird, ja ein

Penibel wird bis heute der St. Pöltner Stadtteil

warf, „auf die gute Kinderstube“ zu pfeifen und

Politikerauflauf stattfindet, wenn ein Gastronom

Unterradlberg als Abfüllort beibehalten, anstatt

das Protokoll zu missachten. Wenn dann ja wohl

sein Lokal so gestaltet, dass es überhaupt für di-

gleich St. Pölten draufzuschreiben. Aber viel-

eher umgekehrt! Penzen kommt demnach nicht

ese Zielgruppe zugänglich ist. Spätestens wenn

leicht stellt die neue Tafel ja einen Paradigmen-

(wie es der Duden lehrt) von „inständig, beharr-

dann auch der angekündigte „zweite Ausbau-

wechsel dar? Man darf jedenfalls gespannt sein,

lich bitten“, auch „ärgern, jammern“ (wie „Spra-

schritt“ erreicht ist und die Rollstuhlfahrer ohne

welche weiteren Sponsoren das Rathausentree

che in Österreich“ Auskunft gibt) trifft es nicht

Hindernisse das WC im Lokal aufsuchen können,

demnächst schmücken: Jack Daniels, Stroh Rum,

exakt. Nach Penz Auftritt ist sich die Forschung

sollte das erreicht sein, was international üblich

Jägermeister… Na dann Prost!

einig: Es kommt von jämmerlich!

ist. Das geht auch ganz ohne Fotografen!

dem sich Vertreter von Behindertenvereinen

An alle!

An Mündige Menschheit Planet Erde Universum

Foto: zVg, fotolia.de, rauschmayr, Fischer

Dieser Tage fällt es mir äußerst schwer, mich auf nur einen von euch lieben MitLebendigen auf diesem Planeten zu konzentrieren. Zu viele Attraktionen, zu viele Sensationen, zu viele Dramen treiben mir fast sekündlich den Schweiß aus den Poren. Mediensupergau Fall F. – der Hund beißt sich selbst in den Schwanz. Amokläufe in Deutschland und den USA – Krieg zwischen sich selbst vergötternden Psychologen und der Computergame- bzw. Horrorfilmindustrie. Das Duell „Edison’s unschuldige Glühbirne versus quecksilberverseuchte Energiesparlampe“ mutet dagegen schon (fast) wie ein Erholungsurlaub für die Ganglien an. Es tut mir leid, dass ich meinen Senf nicht in Michael Jeannée-Manier zu unterirdischen Pupsern wie Mausi oder Mörtel oder Schiller reiche. Ach was! Es tut mir nicht leid. Liebe Zuschauer: nur, weil ihr eine Eintrittskarte für diese Show habt, bedeutet es nicht, dass ihr euch den Schund auch wirklich reinziehen müsst! Steht auf und geht raus. Ins Leben. Siehe Platons Höhlengleichnis... Mit freundlichen Grüssen Erato

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URBAN Im Zuge des Masterplans bekennt sich St. Pölten ganz klar zur Förderung innerstädtischen Wohnens. Und die Stadt macht Nägel mit Köpfen. So werden sowohl Hauseigentümer bei Generalsanierung ihres Wohnhauses oder der Schaffung zusätzlicher Wohnfläche mittels eines Investitionskostenzuschusses gefördert, als auch Innenstadtmieter solcher Objekte. Pro Quadratmeter bekommt man einen Euro Mietzuschuss auf drei Jahre. „Das ist ein wichtiger Schritt, um die Stadt zu beleben“, ist ecopoint-Leiter Christoph Schwarz überzeugt. Insgesamt hat die Stadt schon 130.000 Euro investiert. „Derzeit gilt dieses Angebot für fünf Objekte.“ Flächen für Wohnraumschaffung wären wohl auch ehemaliges Gebietskrankenkassen-Areal, Löwenhof und Englische Fräulein. „Die Stadt ist nicht Errichter von Wohnhausanlagen, sie unterstützt Investoren. Das Gebietskrankenkassen Gebäude ist seitens Ecopoint nicht im Gespräch. Eigentümer ist nach wie vor die Krankenkasse. Möglich, dass irgendwann ein Investor dort Wohnungen schafft. Auch über den Löwenkeller liegt bei uns nichts vor, und die Englischen Fräulein sind noch nicht einmal richtig weg“, so Schwarz.

Citywohnen Kein Auftrag für Frauen

Geht´s Ihnen auch so? Jedes Mal, wenn man in diesen Tagen im Fernsehen einen Standesvertreter der Lehrerschaft erlebt, befällt einen so was wie eine unstillbare Sehnsucht nach einem Eisenbahnergewerkschafter. Im steten Kampf zwischen Trotz und Tränen haben sich die Verstandesvertreter zielstrebig ans Ende der öffentlichen Hackordnung bugsiert. Einem Neugebauer als Antipathieträger kann heute nicht einmal mehr ein Gabmann oder ein Penz das Wasser reichen – und das heißt was! Die Wende soll nun dadurch erfolgen, dass die Schulorganisation den bewährten Strukturen öffentlicher Spitäler angeglichen wird. Man hat ja doch viel gemeinsam: Schulen und Kliniken werden im wesentlichen als Vormittagsbetrieb geführt; wie die Lehrer werden auch die Ärzte von grundlosem Neid verfolgt; mageren Anfangsjahren folgen lange, fette Reifejahre; es gilt, Wohlerwor-

schwarzes Schaf in Rot

going West von Hebi

Österreich

ist in Sachen Frauen-Gleichstellung nach

Der

Krankenhaus-Angestellte und Gemeinderat

wie vor Entwicklungsland. Wie ein neues EU-Ranking

Gerhard Führer wurde kurzerhand aus seiner Partei

belegt, ist der Frauenanteil in den Chefetagen Öster-

(SPÖ) gekickt, weil er für die Betriebsratswahl im

reichs nicht nur seit 2001 gesunken (!), sondern Ös-

Landesklinikum eine Unterstützungserklärung für

Foto: zVg, fotolia.de, rauschmayr, Fischer

terreich belegt EU-weit den unrühmlichen 19. Platz. die schwarzen Gewerkschafter (FCG) unterschrieFrauen verdienen bei uns im Schnitt über 20% weniger

ben hatte. Jetzt gilt er als das schwarze Schaf in

als ihre männlichen Kollegen.

der roten Fraktion. Im Gemeindrat will er dennoch

Auch in St. Pölten gehen die Uhren diesbezüglich

bleiben, als „wilder“ Mandatar. „Dass das passiert,

gehörig nach. Im Magistrat ist keine einzige der fünf

hätte ich nicht gedacht. Im Vorfeld hat es keine Pro-

Stabsstellen mit einer Frau besetzt, einzige Ausbeute

bleme innerhalb der Partei gegeben. Ich würde es

sind zwei Bereichsleiterinnen. Von 42 Gemeinderäten

aber wieder so machen. Der Mensch steht im Vor-

sind gerade einmal neun weiblich. Und die Frauenbe-

dergrund, nicht die Partei!“ Und wie sieht er seine

auftragte existiert zwar am Papier, war aber drei Tage

Rolle in Hinkunft, so ganz ohne Parteiapparat? Im

für eine kleine Auskunft nicht erreichbar. Die erteilte

Gemeinderat ist er bislang ja kaum in Erscheinung

dann ein männlicher Kollege. Traurig.

getreten. „Wem ich meine Stimme gebe, hängt voll

Aber es gibt Grund zur Hoffnung. „Der Vormarsch der

und ganz vom Antrag ab. Wenn er gut ist, nehme ich

Frauen in die gesellschaftlichen Machtbastionen ist

ihn an“, erläutert er sein Credo, das von einer Le-

nachhaltig und andauernd“, prophezeit Trendforscher

benserkenntnis geprägt ist: Das Leben besteht nicht

Matthias Horx. Hoffentlich auch in St. Pölten.

nur aus Farben, zumindest nicht nur aus einer.

benes zu wahren. Konkret bedeutet das: Gewöhnliche Kinder werden in Zukunft vom Schulwart unterrichtet. Gratis in überfüllten Klassen. Zahlt man allerdings für die Schule ein Taggeld, dann hat man Anrecht auf kleinere Lerngruppen, Unterricht durch echte Lehrer und freie Jausenwahl plus Kurier oder Krone. Will man aber ganz auf sicher gehen, dann besucht man vor der Einschreibung in eine Schule deren Direktor zu Hause und zahlt ihm eine Vergütung. Er sorgt dann dafür, dass das Kind in eine gepflegte Klasse kommt, besucht es täglich und kassiert auch weiterhin für jedwede Handlung, allenfalls auch nur Berührung, ein Honorar, das er dann mit den Lehrern – nicht mit den Schulwarten – teilt. Sinnvoll ist es, seine Kinder zeitgerecht bei der Uniqa zu versichern, damit sie später „Direktorsschüler“ sein können.

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Vorhang auf. Manege frei! Ein unfassbares Verbrechen macht St. Pölten vom Gerichtsschauplatz mit Provinz-Charakter zum Austragungsort eines internationalen Medienspektakels. Am Ende waren die meisten glücklich. Wohl auch, weil alles wieder vorbei war. Und wohl auch, weil alle brennenden Fragen unbeantwortet blieben. Von Michael Müllner und Anne-Sophie Settele. Fotos: APA, Hermann Rauschmayr. Täter aus Hollywood. Am ersten Prozess-

„szenische Darbietung“ zu erklären: „Wir werden

problemlos arrangiert.“ Die Gunst der Stunde

tag bietet sich vor dem Landesgericht ein Schau-

den Täter aus einer Limousine aussteigen lassen,

nutzte auch Stefan Weiss und lies das neben

spiel besonderer Art. Eindrucksvolle Truppen

er wird wie einen Hollywood-Star abgefeiert, die

dem Gerichtsschauplatz liegende „BarRock“ vor-

von Polizei- und Justizwachebeamte stellen die

Fotografen stürzen sich auf ihn, sein Opfer hält

mittags öffnen. Gedankt wurde es ihm, manche

Staatsgewalt unter Beweis. Hunderte Medien-

er unterdessen an einer Kette.“ Nein, mit Öster-

verlagerten den Arbeitsplatz direkt in das Lokal.

menschen aus aller Herren Länder, Journalisten

reich hat der Fall nichts zu tun, ist Hubsi Kramar

Und welcher St. Pöltner Gastronom kann schon

und Kameraleute, sind angereist um der unfass-

überzeugt: „Das hätte überall passieren können,

behaupten, dass die BBC von seinem Wintergar-

baren Dimension des Verbrechens zu huldigen.

das Problem ist das Patriarchat! Und die Heuche-

ten aus Live-Einstiege in die Welt gemacht hat?

Momentan interviewen sie sich gegenseitig, viel

lei in den Medien.“ Er selbst habe schon Drehbü-

gibt es ja noch nicht zu berichten. Niederöster-

cher zugeschickt bekommen: „In zwei Jahren ist

Warum? Kein Kommentar. Doch zurück

reichs größtes Medienhaus hat unterdessen sei-

das Ganze verfilmt! Und heute tut jeder so, wie

zum Prozessauftakt, ein Montagmorgen vor dem

nen Mitarbeitern ein Interviewverbot erteilt, sie

wenn das hier alles kein Medienzirkus sei?!“

Landesgericht. Der ORF verlängert seine Morgen-

sollen nicht den internationalen Kollegen Aus-

nachrichten und überträgt live, als Josef F. um-

kunft geben. Sicher ist sicher.

Live vom Wintergarten. Unfreiwillige Pro-

ringt von einem Kordon an Justizwachebeamten

Ein bunter Bogen von Selbstdarstellern und Ak-

fiteure des medialen Interesses am Gerichts-

die Bühne betritt. Handschellen trägt er keine.

tivisten versammelt sich vor dem Gerichtsge-

standort St. Pölten sind heimische Tourismusgrö-

„Wir hatten ja keine Angst, dass er davonläuft“,

bäude um die mediale Aufmerksamkeit zu nüt-

ßen wie der Bahnhofs-Hotelier Leo Graf. Schon

lacht Gerichtssprecher Franz Cutka, „das Aufge-

zen und für ihre Anliegen Stimmung zu machen.

Tage vor dem Prozessauftakt durften sie das

bot diente mehr dem Schutz des Angeklagten, es

„Da schau, der Hubsi Kramar! Der gibt sicher

Informationsbedürfnis der Welt in Nachrichten-

gab ja im Vorfeld Drohungen.“

was her, der hat bestimmt eine Aktion geplant“,

sendungen stillen. In der ganzen Region sei kein

Der Aufmarsch der uniformierten Staatsgewalt

steigert sich die Vorfreude. Genervt herrscht der

Bett mehr zu kriegen. „Schon drei Stunden nach

passt zum Ambiente des alten Schwurgerichts-

Entdeckte via Handy einen Mit-Organisatoren

Bekanntgabe des Prozesstermins waren wir aus-

saals, der einem Prunkraum der Habsburger

an: „Was heißt, ihr steht’s im Stau?! Des gibt’s

gebucht“, berichtet der Hotelier. Und erwähnt die

gleicht. 95 handverlesene Journalisten, pro Me-

doch ned! So geht des ned.“ Auch Provokations-

reibungslose Zusammenarbeit mit der Stadtver-

dium einer, warten darauf, der Pressefreiheit ge-

kunst verlangt professionelles Zeit- und Selbst-

waltung, die von den ausländischen Gästen her-

recht zu werden. Getreu dem Motto: Gerechtig-

management. Zwischen all dem Ärger findet der

vorgehoben wurde: „Die Presseanfragen hat das

keit soll nicht nur passieren, man soll auch sehen,

Nationalprovokateur aber doch noch Zeit den

Rathaus alle sehr rasch beantwortet und auch

wie sie passiert. Zwei Fotografen, zwei Fernseh-

fragenden Journalisten geduldig mehrmals seine

Interviewtermine mit dem Bürgermeister waren

kameras, zwei Mikrofone nehmen den Angeklag-

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URBAN ten ins Visier. Doch der zweifelhafte Star macht

der österreichischen Strafprozessordnung. Eine

ist doch noch eingetroffen, Schauspieler steigen

gleich am Gang zum Verhandlungssaal mit einem

Weitere informiert über Pressetermine: ein Emp-

aus und die Fotografentruppe verhält sich ge-

leisen: „Kein Kommentar“ alles klar.

fang beim Bürgermeister, ein Rundgang in der

nauso wie erwünscht. Aktivisten schreien nach

Kein weiteres Wort mehr will und wird das von

barocken Altstadt, ein Besuch im Stadtmuseum.

Bundeskanzler Faymann, weil seine Regierung

den Medien geschaffene „Monster“ den Damen

Gefahr liegt in der Luft. Natürlich, sagen die Ma-

Kinderschänder schütze, und werfen mit blu-

und Herren der Presse schenken. Dennoch blei-

gistratsmitarbeiter, ist man sich der Gratwande-

tigen Baby-Puppen um sich. Aus Monitorboxen

ben die Objektive auf ihn gerichtet, es wird ge-

rung bewusst: „Informieren wir nicht, fragt man

erklingt klassische Musik, später ein Remix von

zoomt, es wird die Perspektive gewechselt. 15

uns, wie provinziell wir sind. Gehen wir zu offen-

„I Can’t Get No Satisfaction“. Eingebettet in wü-

Minuten lang hält der bald 74-jährige Angeklagte

siv an die Sache heran, wirft man uns vor, dass

tende Demonstranten und Rechtsaußen-Fah-

einen blauen Aktenordner vor sein Gesicht. Das

wir uns hier profilieren wollen.“ Genauso wird es

nenträgern entsteht ein bizarres Bild, eine wirre

Bild geht um die Welt. Nur den O-Ton bleibt er der

später kommen.

Melange, die für Kopfschütteln sorgt. Die inter-

Medienmeute schuldig. Eine geschlagene Viertel-

Parade-Bäcker Wolfgang Hager stellt mit einem

nationalen Medien begreifen nicht, wie sich so

stunde lang, die immer gleichen Fragen der zwei

Verkaufswagen vor dem Pressezelt die Grund-

ein Faschingsumzug vor einem Gerichtsgebäude

lebenden Mikrofonständer: „Gibt es eine Antwort

versorgung der rund 300 Journalisten mit kleinen

erklären lässt: „Bei uns daheim wäre das unmög-

auf die Frage nach dem Warum?“ – „Wie werden

Snacks und Kaffee sicher. Ein praktischer Service,

lich. Aus Respekt vor dem Gericht!“

Sie sich heute verantworten?“ – „Würden Sie

der bei allen Beteiligten gut ankommt. Für Kopf-

In St. Pölten hingegen beschimpfen angebliche

wieder so handeln?“ – „Erwarten Sie ein faires

schütteln sorgt hingegen der Stand vis-a-vis: ge-

„Berufsdemonstranten“ die anwesenden Polizis-

Verfahren?“ Diese Mischung aus Provokation und

tunkte Früchte und Zuckerwatte sind das falsche

ten als Schweine. Jeder, der sich in eine Polizei-

Demütigung quittiert der Angeklagte mit keinem

Sortiment. Der Stand bricht noch vor den Journa-

uniform zwängt, sei wohl selber als Kind miss-

Wort. Viel wurde in Folge über die Aussagekraft

listen seine Zelte ab. Und gleich liegt etwas weni-

braucht worden. Zugleich treten sie für mehr

dieser Standhaftigkeit diskutiert.

ger vom ungewollten Kirtagsduft in der Luft.

Behördentransparenz und mehr Opferrechte ein. Für die Ausformulierung konkreter Anliegen war keine Zeit mehr. Deutsch- und englischsprachige Transparente zitieren dafür die „Schande für Österreich“ und wirken wie am Vorabend schnell gebastelt – immerhin tritt man sonst ja gegen nicht minder abstrakte Gegner wie Atomkraft, Abschiebungen, Globalisierung, Krieg, Putin oder Walfang ein. Für die Korrektur der Rechtschreibfehler war leider keine Zeit mehr, die werden taxfrei mitgeschickt, hinaus in die weite Welt.

Kirtagsduft. Draußen vor dem Gericht wurde

Unterdessen hebt sich im Schwurgerichtssaal der

von der Stadtverwaltung ein Parkplatz zu einem

Vorhang. Richterin Andrea Humer bringt in einem

provisorischen Mediencenter adaptiert. Ein Zelt

Statement an die Öffentlichkeit das Spannungs-

bietet Schutz vor Regen und Schnee, Heurigen-

feld der nächsten Tage auf den Punkt: „Dies hier

garnituren dienen als Arbeitsplatz, ein hell aus-

ist nicht der Prozess einer ganzen Nation.“ Juris-

geleuchteter Briefingtisch für die täglichen Pres-

tisch gesehen mag das stimmen.

sekonferenzen steht bereit. Am Eingang hat das Medienservice der Stadt Quartier bezogen. Die

Schande übers Land. Draußen vor dem

offiziellen Info-Mappen des Gerichts geben Aus-

Landesgericht hat man einen anderen Eindruck.

kunft über den Ablauf des Verfahrens und erläu-

Ein entwürdigendes Kasperltheater rast auf sei-

tern ausländischen Journalisten die Grundzüge

nen Höhepunkt zu. Die angekündigte Limousine –9– MFG

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zu haben scheint. Während der ganzen vier Tage

Anfangs waren alle überfordert.

der öffentlichen Verhandlung lenkt er nie den

Udo Jesionek ist Präsident des Weißen Ring Österreich, einer gemeinnützigen Organisation zur Unterstützung von Verbrechensopfern, welche im Jahr rund 4.000 Opfer betreut. Jesionek war lange Jahr Präsident des Jugendgerichtshofs und der Richtervereinigung.

Blick zu den anwesenden Journalisten im Saal. Er bleibt sein Herr, auch wenn andere über das richten, was sicher schwer auf ihm lastet. Eine Last ist es auch für die Staatsanwältin Christiane Burkheiser: „Glauben Sie nicht, dass das leicht für mich ist“, stellt sie sich emotional mit

Welche Rolle spielte der Weiße Ring im Fall Josef F.?

dem Fall Josef F.?

den Laienrichtern auf eine Stufe. Sehr emotional,

Es gibt bereits Konsequenzen, beispielsweise

persönlich wird sie ihre Anklage vortragen. Die

Der Fall F. ist einer von vielen Fällen, bei de-

werden ab 1. Juni die Sicherheitsbehörden

Geschworenen sollen das Verbrechen riechen

nen der Weiße Ring kontaktiert wurde und in

auch weiterhin auf länger zurückliegende Se-

die Organisation der Opferhilfe eingebunden

xualdelikte zugreifen können. Gerade bei den

war. Konkret wurde mit dem Gewaltschutz-

Behörden wird sicher ein Umdenken einge-

zentrum NÖ die psychologische Betreuung

treten sein. Spätestens bei der zweiten Kin-

der Opfer organisiert. Für die juristische Be-

desweglegung im gegenständlichen Fall stellt

treuung der Familie wurde Frau Dr. Eva Plaz

man sich als Laie die Frage, ob das ganze von

beauftragt. Die wichtigste Aufgabe war eine

den Behörden damals zu wenig hinterfragt

Strategie zu finden, welche die Opfer mög-

wurde.

lichst schont und schützt. Diese Prozessbe-

sich um andere rechtliche Aspekte, abseits

Unmittelbar nach Bekanntwerden des Kriminalfalls gaben die Ermittlungsbehörden sehr intime Details an Medien weiter. Während der Prozesswoche hingegen wurde auf den Ausschluss der Öffentlichkeit Wert gelegt. Wie geht das zusammen?

des Strafprozesses. Auf unsere Kontaktauf-

Anfangs waren sicher alle angesichts der Di-

nahme hin hat er bislang nicht reagiert. Ich

mension des Verbrechens überfordert, auch

hoffe jedenfalls, dass das Engagement des

die höchsten Stellen haben ungeschickt

Landeshauptmanns auch soweit geht, dass

agiert. Die Öffentlichkeit hat kein berechtigtes

die Opfer dort unterstützt werden, wo die

Interesse an den Namen oder der Adresse

gesetzliche Opferhilfe endet, beispielsweise

der Familie. Ein Foto des Täters oder der Op-

wenn es darum geht einen Berufseinstieg für

fer trägt nichts zur berechtigten Kontrollfunk-

die Jugendlichen zu ermöglichen.

tion der Medien bei, wie so ein Verbrechen

treuung ist sicher optimal gelaufen.

Welche Aufgaben hat Rechtsanwalt Christoph Herbst? Christoph Herbst wurde von Landeshauptmann Pröll vorgeschlagen und kümmert

passieren konnte. Genau diese Frage stellen

Welche Konsequenzen fordern Sie aus

die Medien oft zu wenig.

Schlimmer als Weißrussland. Theater,

zu einem, er soll von der Straße runtergehen,

und fühlen. Ihre Performance würde auch einem

wohin man blickt. Vor laufenden Kameras bekla-

weil da gerade ein Auto kommt und er schreit

Hollywood-Drehbuch gefallen. Sie macht deut-

gen die Aktivisten die Einschränkung ihrer Ver-

mich an, ich soll ihm sofort meine Dienstnum-

lich, was sie will: Lebenslang für Mord.

sammlungsfreiheit und das Brechen von Zusagen

mer geben, er wird sich beschweren…“ Rund

Schon als die schwer erkrankte (Enkel-) Tochter

durch die Polizei, weil besagte Limousine nur

36.000 Euro teilt die St. Pöltner Polizeidirektion

von Josef F. damals in Amstetten auftauchte und

einen Teil des geplanten Weges fahren konnte

später mit, hatte der Polizeieinsatz sowie die

noch keiner einen Schimmer vom Ausmaß der

– und nicht wie gewünscht quer durch die ganze

Vorsicherung rund um den Prozess gekostet. Zu

Causa hatte, war Burkheiser mit dem Fall betraut

Kameramenge. „Niederösterreich ist schlimmer

Vorkommnissen sei es nicht gekommen, alles ist

und initiierte den medialen Aufruf, die Mutter

als Weißrussland“, ärgert sich Peter Rosenauer

ruhig abgelaufen.

möge sich melden und das Leben ihres Kindes

von der Gruppe „Resistance for Peace“ deswe-

Es ging nicht nur um einen „Imageschaden“ für St. Pölten, sondern für ganz Österreich.

retten. Rund ein Jahr war der „Jahrhundertpro-

Präsenz in den Medien der Welt“ und beklagt,

Von Anfang an. Drinnen beantwortet der

der Sprecher der Staatsanwaltschaft St. Pölten:

dass nur „die heimische Medienlandschaft ver-

Angeklagte unaufgeregt die Fragen der vorsit-

„Sie hat sich von der Stunde Null an voll hinein-

raten und verkauft sei, von Presseförderung und

zenden Richterin. Fast könnte man meinen, er

gekniet. Objektiv gesehen war natürlich auch ein

Seilschaft mundtot gemacht“.

kommt mit ihr über frühere Arbeitgeber und die

beachtlicher medialer Druck gegeben, von dem

Den postierten Polizeibeamten wird „das teil-

Stationen seines Lebens ins Plaudern. Er wirkt

sie sich aber definitiv nicht beeinflussen ließ.“

weise skurrile Treiben der Aktivsten“ in Erinne-

wie ein durchschnittlicher Opa, keine Spur von

Von der Oberbehörde wurde sie mit Argusau-

rung bleiben. Ein Beamter grübelt: „Wieso sind

Monster. Wenn andere sprechen harrt er stoisch

gen beobachtet, ihre Leistung nach dem Prozess

die Aktivisten teilweise so aggressiv? Ich sag

er der Dinge, mit denen er so gar nichts zu tun

ausdrücklich gelobt.

gen noch Tage später. Ob er schon mal in Weißrussland war, bleibt ungeklärt. Dafür referiert er nach dem Spektakel minutenlang über „meine

zess“ Teil ihres Lebens, nun will die ganze Welt wissen, ob die 33-jährige dem Monster und seinem Prozess gewachsen ist. Gerhard Sedlacek,

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URBAN Die blamierte Meute. Der Prozess ist

kanntwerden des Kriminalfalls von der Polizei in-

nach vier Tagen vorbei, alle sprechen von einem

time Details in ausführlichen Pressekonferenzen

„kurzen Prozess“. Insbesondere den auslän-

präsentiert. Eine Frage, die unbeantwortet bleibt

Kommentar von Michael Müllner

dischen Medien muss das Gericht erklären,

und wohl als Teil des allgemeinen Lernprozesses

„St. Pölten im Ausnahmezustand“ wurde

weshalb 24 Jahre sehr wohl in vier Tagen abge-

zusehen ist...

uns angedroht. Die ganze Welt kommt

handelt werden können: Monatelange Vorver-

Während das Videomaterial abgespielt wird, ist

Schauen, die Reputation der Nation stehe

fahren haben genügend Fakten im Vorfeld der

es den Opfern möglich an der Verhandlung im

am Spiel! Viel zu provinziell und kleinka-

Anklageerhebung ergeben. Es ist demnach nicht

Zuhörerbereich teilzunehmen. Josef F. dürfte die

riert werde sich St. Pölten verhalten, wuß-

nötig die zahlreichen Mieter, Familienmitglieder,

Anwesenheit seiner Tochter im Saal erst spät

ten die einen. Eine perverse Marketing-

Bekannte während des Prozesses zu befragen.

entdeckt haben, umso größer war dann der Ef-

maschinerie werden sie aufziehen, ätzten

Alle relevanten Informationen sind bereits be-

fekt: in den Augen seines Verteidigers legt Josef

die anderen. Und dann das. Den Gästen war unser eigener Minderwertigkeitskomplex egal, wir mussten sie erst auf uns aufmerksam machen. Richtig ist: „Es ging niemals um St. Pölten.“ Oder gleich ums ganze Land. Es war auch keine Zirkusvorführung mit Monstern und Bestien. Es war ein Strafprozess über ein unvorstellbares Verbrechen, begangen von einem Mitmenschen vom Haus nebenan. Und darin liegt die Unbegreifbarkeit der Dimension des Falls Josef F., die naturgemäß Selbstdarsteller und Selbstgerechte anzieht, wie das Scheinwerferlicht die Fliegen. Was wird wohl Josef F. darüber denken, sofern er überhaupt Interesse an der medialen Ebene seines Falls hat? Er, der Machtmensch, dessen Streben nie auf Töten, sondern auf Besitzen aus war? Hat ihm das Interesse der Öffentlichkeit gefallen? Hat er sich ein letztes Mal mächtig gefühlt, als er sich selbst im minimalen Freiraum, den ihm der Schwurgerichtssaal bot, mehrmals von uns – der Weltöffentlichkeit – Besitz ergriff? Als er uns seine Ablehnung in Form einer blauen Mappe in die Erinnerung brannte. Als er plötzlich doch den Aussagen seiner Tochter

rücksichtigt. Eine Spur auf Mitwisser oder gar

F. ein volles Geständnis ab. Der Coup des Lan-

zustimmte, sich aber dennoch nicht als

Mittäter habe sich in hunderten Einvernahmen

desgerichts war damit perfekt. Vor den Augen

Mörder darstellte? Als er für kurze Zeit die

nicht gezeigt. Derzeit liegen bei der Staatsan-

der Weltpresse schleusten sie Mitglieder der Op-

Macht über die Medien dieser Welt hatte?

waltschaft St. Pölten auch keine Hinweise auf,

ferfamilie unentdeckt ins Gericht um ihnen die

Franz Cutka verabschiedete sich von die-

die weitere Ermittlungen notwendig machen.

Möglichkeit zu bieten, am „eigenen“ Verfahren

sen lächelnd mit den Worten: „Behalten

Auch der Ausschluss der Öffentlichkeit sorgt bei

teilzunehmen, um zu sehen, wie sich der Peini-

Sie St. Pölten in guter Erinnerung.“ Wieso

manchen Journalisten für Stirnrunzeln, der Vor-

ger verantwortet. Nichts drang vorzeitig nach au-

eigentlich? Es ging ja nie um uns.

wurf von Geheimjustiz liegt in der Luft. Geduldig

ßen, die wartende Meute war blamiert. Im Pres-

erklärt das Gericht: Nach dem Ausschluss der

sezelt lächelt Franz Cutka zufrieden in Richtung

Öffentlichkeit wird ein Video abgespielt, das die

fragender Journalisten und wiederholt in der Ma-

Aussage des Hauptopfers ersetzt, mit dem der

nier des coolen Hofrat: „Zur Frage, ob ein Opfer

Angeklagte im Kellerverlies eine „Zweitfamilie“

im Gericht war, sage ich nur: Kein Kommentar.“

geschaffen hat. Im Sinne des Opferschutzes soll

Dabei bleibt er bis heute.

dem Opfer demütigendes Befragen in Gegenwart des Angeklagten erspart werden, voyeu-

Emotionaler Analphabet. Den gesam-

ristische Details bleiben unter Verschluss. Ver-

ten Prozess über sitzt die Gutachterin Adelheid

öffentlichungen aus diesem nicht-öffentlichen

Kastner auf der Richterbank und beobachtet.

Teil werden übrigens bestraft, droht das Gericht

Das von ihr erstellte Gutachten über Josef F.

mehrfach den Journalisten. Wie das mit dem Ver-

trägt sie persönlich vor. Damit gelingt ihr das

halten der Polizei zusammengeht, fragen sich

Kunststück auf allgemein verständliche Art und

manche frech. Immerhin wurden gleich nach Be-

Weise die zu Beginn gestellte Frage nach dem –11– MFG

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zu überleben, man schiebt diese schrecklichen

Neben dem Zuckerwattestand

Gefühle weg, am besten in einen Keller, hinter

Florian Klenk ist stellvertretender Chefredakteur der Wiener Stadtzeitung „Falter“ und Redakteur der deutschen Wochenzeitung „Die Zeit“. Er lebt und arbeitet in Wien und Hamburg. Der „Journalist des Jahres“ 2005 ist zugleich Jurist – und hat familiäre Wurzeln nach Ratzersdorf.

eine schwere Türe“, so Kastner.

Einen Mensch besitzen. Ein springender Punkt sei gewesen, als er mit Einsetzen der Pubertät gemerkt hat, dass er die Möglichkeit hat seine Situation zu verändern. Er stellte sich ge-

Wie beurteilen Sie den Prozessablauf?

gen die Mutter, er sei nicht notwendigerweise

Die Abwicklung des Prozesses selbst war

Zugleich ist es legitim, der Presse Arbeitsbedingungen zu bieten, oder?

im Großen und Ganzen okay, auch wenn ich

Ich behaupte: hätte es kein Medienzelt ge-

umkehren: „Daraus entstand ein grandioser

emotionale Eröffnungsplädoyers, die sich an

geben, wären vielleicht manche Journalisten

Machtwunsch, der Wunsch, einen Mensch ganz

Geschworene oder gleich die Presse richten,

früher gefahren oder hätten in ihren Hotels

zu besitzen.“ Aus diesem Bedürfnis entstehen

generell für einen falschen Zugang halte.

gearbeitet. Durch ein Zelt entsteht automa-

verbotene Fantasien. „Es darf nicht sein, aber es

Ein Kompliment gebührt dem Landesgericht

tisch eine Assoziation mit einem Bierzelt, mit

wäre so schön.“ Die Gutachterin versucht einen

und insbesondere der Opferanwältin Eva

Kirtagsstimmung, ein ungewollter Festival-

Vergleich aus dem Alltag: Man findet Gründe,

Plaz für den überraschenden Auftritt des Op-

charakter, der einem Gerichtsprozess nicht

warum es nicht so schlimm wäre. Wie bei einer

fers während der Verhandlung. Es war eine

angemessen ist. Vor dem Gericht konnte man

Zigarette. Es ist ja nur die eine, dann hör ich auf.

erstaunliche, logistische Leistung, vor den

glauben, man sei bei der Oskarverleihung.

Man redet sich ein, dass es nicht so schlimm ist,

Augen der Welt die Tochter unerkannt ins Ge-

Schon klar, dass die Organisatoren hier ein

korrumpiert sich selbst. Es ist befreiend, sich vor-

richt zu lotsen. Der Angeklagte selbst dürfte

gutes Service bieten wollten, darum meine

zustellen, wie es wäre. Der Moment, wenn man

mit dem Geständnis im Verlauf des Prozesses

ich das auch nicht als Vorwurf. Auch die Tat-

es dann tut ist ein grandioses Erlebnis, alle Wün-

seinem Verteidiger Rudi Mayer eher in die Pa-

sache, dass Wichtigtuer in Form von Aktivis-

sche erfüllen sich. Man hat einen Menschen ganz

rade gefahren sein, die Verteidigungsstrategie

ten vor dem Gericht ihre Show abgezogen

für sich allein. Jee mehr Kinder man mit diesem

ging wohl nicht auf.

haben ist jetzt per se kein Fehler der Verant-

Menschen zeugt, desto sicherer ist die Bindung,

wortlichen. Es sagt aber sehr viel über unsere

sogar im Fall einer möglichen Befreiung.

Und das Medienspektakel rundherum?

Gesellschaft aus! Früher gab es bei Hinrich-

Die Kundgebungen vor dem Landesgericht

tungen diese Volksfeststimmung, heute zu-

glichen einem unwürdigen Spektakel. Die Ver-

mindest nur mehr bei fairen Gerichtsprozes-

sammlungsfreiheit in Ehren, aber in dem Fall

sen. Das ist ja schon mal ein Fortschritt.

der Unterlegene, er könne die Situation auch

wäre es wohl legitim eine Art Bannmeile vor Aufläufe, bei denen nur Scharlatane ange-

St. Pölten hatte eine Gradwanderung vor sich: Kritik war vorprogrammiert.

lockt werden, in Zukunft zu verhindern sind.

Mein Eindruck war, dass sich St. Pölten beson-

Generell war die Stadt St. Pölten vielleicht zu

ders gastfreundlich zeigen wollte. Nach dem

viel auf ihr Image bedacht, man hätte sich

Motto: „Liebe Welt, sei unser Gast! Hier hast

nicht so auf das Bild der Stadt konzentrieren

du Kaffee und leckeren selbstgebackenen

sollen, sondern einfach den Prozess ablaufen

Kuchen, da drüben kommt das Geselchte.“

lassen. Das Verteilen von Image-Foldern war

Mit dem Bierzelt, den Leberkäsesemmel- und

sicher nett gemeint, ich unterstelle da nie-

Zuckerwatteständen entstand dann ein Jahr-

mandem eine böse Absicht und mache somit

marktflair – völlig ohne Absicht der Organi-

keinen Vorwurf. Dennoch hat es sehr deplat-

satoren. Es heißt ja, wenn was schief geht,

ziert gewirkt.

wenn ein Schlamassel rauskommt, dann hat

Man hätte der Versuchung, die Stadt doch

das nicht den einen Grund, dann ist nicht der

irgendwie auch so nebenbei anzupreisen, wi-

eine Fehler entscheidend. Es ist in der Regel

derstehen müssen.

eine Summe von Fehlern.

einem Gericht anzudenken, damit derartige

Warum zu beantworten. „Der Angeklagte wollte

er nur mehr eine lästige Plage, die man beden-

Der Angeklagte, so die Gutachterin, war die

immer etwas, von dem er genau wusste, dass

kenlos schlagen und alleinlassen konnte. Er hatte

ganze Zeit über zurechnungsfähig. Er war zu

er es nicht wollen darf“, sagt Kastner. Schon bei

unglaubliche Angst vor ihr, zugleich war sie aber

keiner Zeit krank, sondern schwer gestört. Er

den Großeltern seien seine Familienverhältnisse

seine einzige Bezugsperson. Die Mutter habe

wusste genau, dass das, was er tut, verboten

hochproblematisch gewesen. Seine Mutter sei in

ihm jede Chance genommen als Kind ein Ur-Ver-

ist. Dass es Unrecht ist. Und dieses Unrecht hat

eine unfruchtbare Ehe hineinadoptiert worden.

trauen zu entwickeln. Kastner: „Die Fähigkeit zu

ihn auch immer belastet. „Glauben Sie, ich hätte

Außerehelichgezeugte Kinder werden in eine Fa-

lieben entwickelt man nur, wenn man selber ge-

oben Grillfeste feiern können, wenn ich dabei an

milie hineingebracht. Das Muster sollte sich spä-

liebt wird.“ Er selbst könne gewisse Emotionen

die Familie unten gedacht hätte“, soll er zu ihr

ter auf unvorstellbar dramatische Art und Weise

zwar benennen, aber nicht empfinden. Er sei ein

mal gesagt haben. Nur in den Phasen kurz vor

wiederholen.

emotionaler Analphabet. Der Angeklagte hört

dem Einschlafen und kurz nach dem Aufstehen,

Die Mutter selber habe ihn nur als „Beweiskind“

aufmerksam zu. Er zeigt keinerlei Reaktion. „In

so Kastner, könne man sich nicht ablenken. Da

für die eigene Fruchtbarkeit gezeugt, danach war

so einer Situation entwickelt man Strategien um

habe er immer gewusst, wie schlecht „das“ ist,

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URBAN die letzten Journalisten auf den umstrittenen Zaungast aufmerksam werden. Über Schmatz redet nur er selber. Ein offizielles Statement vom Gericht bekommt man nicht, weshalb der mystischen Aura der Selbstinszenierung natürlich noch mehr Freiraum gegeben wird. Cutka bestätigt nur, dass Schmatz unter Vorspiegelung falscher Tatsachen einen Besuchstermin bei Josef F. erhalten habe, der aber nach drei Minuten abgebrochen wurde, weil sich die wahren Motive für den Besuch gezeigt hätten. Worüber die beiden geplaudert hatten ist stritt. Laut Schmatz wollte er erfragen, wie der Angeklagte sein Verbrechen so lange geheim halten konnte. Realistisch scheint auch, dass er Vermögensfragen besprechen wollte, immerhin meint Schmatz, dass die Opferfamilie von Ärzten und Behörden ausgenutzt wird: „Ich sehe mich als Freund der Familie und würde gerne helfen. Sie werden schon sehen: Die Behörden betreuen die Opfer nur solange, bis vom Vermögen des Josef F., das ja eigentlich den Erben zusteht, nichts mehr da ist. Danach werden sie für gesund er-

Manche Medien suchen das Negative um jeden Preis.

klärt und müssen schauen, wo sie bleiben.“ Heinrich Schmatz behauptet selber ein Justizopfer zu sein: Mit Medikamenten wurde er ruhig gestellt, als er selber Angeklagter in einem Prozess war. Ja, er war rechtskräftig verurteilt und ein Jahr in Haft. Im Landesklinikum Mauer bei Amstetten sei er zur Behandlung gewesen. Nun will er der Wahrheit ans Licht helfen. Gegen den Vorwurf ein Stalker zu sein wehrt er sich. Fotos habe er nie an die Presse verkauft, er hatte es auch nie vor. Nein, er habe auch keinen Kontakt zur Opferfamilie, der würde ja von den Behörden verhindert. Natürlich weiß er, wo sie wohnen. Erst unlängst ist er in einem Café neben ihnen gesessen. Aber er hat sie nicht angesprochen. Nur gegen das Vorgehen des Gerichts habe er Anzeigen eingebracht. Aufgeben wird er nicht: „Mich machen sie nicht mundtot. Auch nicht mit dem Entmündigungsverfahren, dass sie gegen mich einleiten wollen.“ Es wirkt wie die Vendetta des Heinrich Schmatz, ein Nebenschauplatz beim Prozess gegen Josef F., in den sich vor allem deutsche Boulevardmedien kurzzeitig verlieben.

wie schuldhaft er handelt. Er hätte sich strenger

Freund der Familie. „Ich habe 1.051 Fotos

Showdown im Saal. Im Schlussplädoyer

an die Zügel nehmen müssen, die Verantwortung

von den Opfern! Und Sie sagen, Sie kennen mich

wirft die Staatsanwältin dem Angeklagten vor,

für sein Tun könne man ihm nicht abnehmen: „Ja,

nicht?!“ Ein Mann mit oranger Krawatte und sil-

er will aus einer vorgetäuschten Schwäche eine

er ist eindeutig schuldig.“

bernem Aktenkoffer herrscht einen iranischen

Stärke machen. Gemeint ist das umstrittene Ge-

Warum gerade diesen Menschen, wieso genau

Journalisten vor dem Pressezelt an. Wie kann

ständnis, welches ein letzter Versuch des Josef

diese Tochter, will das Gericht wissen. Auch hier

man ihn, Heinrich Schmatz, nach all den Inter-

F. sei, die Welt zu täuschen um seine Stärke zu

will sie vom Angeklagten eine Antwort bekom-

views, die er gegeben hat, nicht kennen? Seit

demonstrieren – und sich nicht für den Mord am

men haben: „Er hat mal gesagt, sie sei genauso

Prozessbeginn an ist er da und spricht mit den

Neugeborenen verantworten zu müssen: „Helfen

stark und stur gewesen wie er.“ Je stärker der

Journalisten. Als er während einer Pressekonfe-

Sie ihm nicht! Tragen Sie nicht diese Türe mit ihm

Gegner, desto größer der Sieg, heißt es. Wenige

renz eine Frage an Gerichtssprecher Cutka rich-

in den Keller, wie vor 24 Jahren seine Tochter.“

Meter entfernt veranstalten die Medien gerade

ten will schmeißt ihn der wortlos aus dem Zelt.

Den Szenenapplaus verkneifen sich die anwe-

den Jahrhundertprozess.

Mit der natürlichen Konsequenz, dass jetzt selbst

senden Journalisten knapp.

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„Kontakte von denen St. Pölten profitiert“ Bürgermeister Matthias Stadler zieht im Gespräch mit MFG eine zufriedene Bilanz über die Performance der Stadt während der Prozesswoche. Wie sieht die Prozessbilanz aus?

zu bieten, sich über die Stadt zu informieren

Ich bin sehr zufrieden und möchte mich bei

und dabei mit der Bevölkerung in Kontakt zu

den zahlreichen Beteiligten herzlich bedan-

treten. Während dem Rundgang war ein eng-

ken! Österreicher-Ball in Hamburg haben

lischsprachiger Mitarbeiter dabei. Die aus-

mich viele Gäste sogar auf die perfekte Orga-

ländischen Journalisten waren sogar davon

nisation angesprochen! Wir wollten den Jour-

überrascht, dass unser reguläres Tourismus-

nalisten Informationen über die Stadt geben.

Infomaterial in 14 verschiedenen Sprachen

Einerseits Arbeitserleichterung andererseits

aufliegt. Das gibt’s nicht mal in Salzburg!

Information, etwa wo man Essen gehen kann. die sich aus beruflichen Gründen in der Stadt

Weshalb wurde ein Zelt anstatt der leerstehenden Stadtsäle genutzt?

aufhalten. Das hat also nichts mit unange-

Die Stadtsäle sind bereits für eine neue Nut-

brachtem „Werben“ zu tun.

zung, das Hotelprojekt, leer geräumt und

Diesen „Service“ bieten wir jeden Touristen,

müssen saniert werden. Es hätte keinen

Im Vorfeld hatte man Angst vor einem Image-Schaden für St. Pölten – wie hätte der denn aussehen können?

Sinn gemacht für diesen Anlass in eine prodem ging es uns um die Erwartungshaltung:

Der Verteidiger nutzt sein Schlussplädoyer für die

Aufgrund von Medienanfragen vor dem Pro-

Von einem Zelt erwarte ich weniger Komfort,

Verlesung einer geschmacklosen Email an ihn. In

zess gab es Befürchtungen. Beispielsweise

als von einem fixen Gebäude, das ein Sanie-

schlimmster Stammtischmanier wird darin einer

die Fragen von britischen Medien, ob die

rungsfall ist.

Lynchjustiz das Maul geredet, Mayer kontert mit

visorische Infrastruktur zu investieren. Außer-

einer flammende Rede für die Rechtsstaatlichkeit

Fälle Kampusch und Fritzl eine „typisch ös-

und eine differenzierte Wahrnehmung von Vertei-

nicht nur um einen „Imageschaden“ für St.

Ausländische Medien schüttelten den Kopf, wenn wir St. Pöltner die Frage nach dem Image der Stadt stellten...

Pölten, sondern auch für ganz Österreich.

Die Gäste waren froh, dass wir sie betreut

vorliegenden Fall. Jeder weiß, dass hier nicht viel

haben. Eines ist fix: Hätte die Stadt nichts ge-

für den Mandanten vorzubringen ist. Nach dem

Medial kam die Stadt gut weg, in Erinnerungen blieben Randdiskussionen wie die deutschsprachige City-Tour...

macht, dann hätte man uns vorgeworfen, wir

Prozess wird Mayer, der trotz der zahlreichen

wären provinziell und würden nicht zeigen,

Drohungen gegen ihn nicht um Polizeischutz an-

was St. Pölten bietet. Natürlich haben wir

gesucht hatte, das faire Verfahren loben und un-

Von nationalen und internationalen Repor-

durch die Anwesenheit der Journalisten auch

zählige Interviews geben. Nur auf die Frage, ob

tern wurde die Organisation gelobt – und die

positive Effekte: Ein norwegisches Kame-

das Gerücht stimmt, dass er am ersten Prozess-

haben Vergleiche zu anderen, weit größeren

rateam besucht die Firma Sunpor, ein franzö-

tag mit einer Schusswaffe zu Gericht erschienen

Prozess-Städten. Manche Medien suchen

sisches Kamerateam interessierte, wie wir im

sei, blieb er wortkarg. Erstaunter Blick, dann:

das Negative um jeden Preis. Dass dann so

Gewerbebereich Baurechtsgründe schaffen,

„Dazu möchte ich nichts sagen.“

Dinge wie die Stadtführung ausgeschlachtet

das tschechische Fernsehen wird die 850-

Josef F. erhebt sich und will schon für sein

werden kann ich nicht verstehen. Der Stadt-

Jahr-Feier besuchen. Kontakte, die man sonst

Schlusswort Platz nehmen, da heißt es: Kom-

rundgang hatte den Sinn, die Journalisten, die

nicht geknüpft hätte, von denen St. Pölten

mando retour. Es kommt vorher noch eine bislang

aufgrund des Ausschlusses der Öffentlichkeit

aber profitiert. Auch im Hinblick auf die „Spe-

stumme Dame zu Wort: Eva Plaz, die Opferanwäl-

nichts zu berichten hatten, eine Möglichkeit

cial Olympics“ sehr wertvoll.

tin sitzt seit Tagen links hinter Josef F. und sagte

terreichische“ Komponente hätten, ob man Bezüge zur NS-Zeit hergestellt könne. Es ging

diger und Angeklagtem. Danach verliert er noch ein paar Sätze zu seinem Mandanten und dem

bislang kein Wort, unzählige Interviewanfragen hat sie ebenfalls abgelehnt. Nun aber spricht sie zum Gericht – und zwar im Namen des Opfers. Die Journalisten sind hellwach, lehnen sich vor, lauschen angestrengt den leisen Ausführungen der Expertin für Opferrecht und bemühen sich leise zu schreiben, leise zu atmen, jedes Knarren des Parkettbodens zu verhindern. Ihre Mandantin habe sich der Belastung der Videobefragung nur ausgesetzt, damit sich Josef F. für den Tod des neugeborenen Sohns verantworten muss. Von echter Reue oder einem umfassenden Geständnis könne sie keine Spur entdecken: „Josef F. möchte Sie legen“, appelliert sie an die Geschworenen. Damit ist der Deckel drauf. –14 – MFG

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URBAN

Wenige Stunden später wird Josef F. von den acht Hauptgeschworenen in

französischen Reporterin: „Warum fragt ihr Lokaljournalisten immer, was

allen Anklagepunkte einstimmig für schuldig befunden. Seine Strafe heißt

wir Ausländer von eurer Stadt halten? Wieso macht ihr euch so einen Kopf

„lebenslang“ und Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechts-

über euer Image?“ Meike Fries von der deutschen Wochenzeitung „Die

brecher. Andrea Humer verkündet das Urteil und fragt Josef F., ob er das

Zeit“ ergänzt: „Vielleicht nehmt ihr euch da zu wichtig und macht euch zu

Urteil verstanden habe. Er antwortet: „Ja, ich nehme das Urteil an.“ Etwas

viele Sorgen? In Deutschland sorgt selbst der Begriff ‚Amstetten’ ein Jahr

vorschnell, zwei Mal setzt die Vorsitzende an und erklärt ihm die Möglich-

danach eher für Stirnrunzeln als für eine spontane Assoziation mit dem

keiten einer Berufung. „Nein, ich nehme das Urteil an.“ Humer: „Ich emp-

Fall Josef F.“ Ein Kameramann legt nach: „Das hier ist eine liebe Kleinstadt.

fehle Ihnen, dass Sie sich zuvor mit Ihrem Verteidiger beraten.“ Doch F.

Schöne Gebäude und wirklich nette Menschen. Was sollen wir sonst noch

beharrt darauf. Damit ist das Urteil rechtskräftig. Josef F. ist jetzt offiziell

sagen? Es ging doch niemals um St. Pölten?!“ Ach? Nicht?

ein Mörder. Er wirkt erleichtert, als ihn die Traube an Justizwachebeamten wieder in seine Zelle führt. Österreichische Journalisten übersetzen den ausländischen Kollegen, was sich hier gerade zugetragen hat.

Die liebe Kleinstadt. Wenige Stunden später treffen sich im griechischen Lokal Rhodos am Rathausplatz Arbeitskollegen zum Abendessen. Wie Stammgäste werden sie empfangen, sind sie doch jetzt schon zum dritten Mal in Folge hier. Journalisten aus Frankreich, Australien, Mazedonien, Großbritannien, Deutschland plaudern mit St. Pöltnern Kollegen über die vergangenen Tage, übersetzen Speisen ins Englische. Alle sind froh, dass es vorbei ist. Nicht nur, weil das vermeintlich glamouröse Arbeiten im Medienzirkus anstrengend ist. Sondern auch, weil man dem kalten Pressezelt entkommen will – und weil man von Skurrilitäten wie dem selbsternannten „Pornojäger“ Martin Humer, der am Rande des Prozessgeschehens seine Erotik-Vendetta durchzog, genug hat. Schade nur um das gute Abendessen, wird gescherzt. Und dann landet man am Ende wieder beim bestimmenden Thema der letzten Tage und stellt die nagenden Fragen, die auch mit dem Urteil nicht beantwortet wurden: Wie kann man so ein Verbrechen begehen? Wie kann man so ein Verbrechen 24 Jahre lang unbemerkt halten? Rudolf Mayer brachte es auf den Punkt: „Ob sonst wer was gewusst hat, das ist für mich bedeutungslos. Es war nicht Gegenstand dieses Verfahrens.“ Gerhard Sedlacek, der Sprecher der Staatsanwaltschaft St. Pölten hält es für durchaus menschlich, dass man diese Fragen stellt. Aber in den weit über hundert Befragungen im Vorverfahren, als nach allen Spuren ermittelt wurde, haben sich keine Verdachtsmomente ergeben, die weitere Ermittlungen gegen Mitwisser oder gar Mittäter zulassen. Zurück zum gegrillten Oktopus. Bei einem Gläschen Wein wird abschließend noch mal die Frage strapaziert, was denn die Presse-Gäste jetzt so von St. Pölten halten. Allgemeines seufzen und dann die Antwort einer –15 – MFG

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Eigentlich habe ich an dieser Stelle eine tiefschürfende Geschichte über 850 Jahre St. Pölten, Selbst- und Außenbild der Stadt, ihre Historie, Entwicklungspusher und –hemmer, liebenswerte Schrulligkeiten und zum aus der Haut fahrende Kleinkariertheiten etc. geplant. Allein, es wurde rasch klar, dass man dieser vielköpfigen Hydra nicht mit einer Story beikommen kann, es sei denn man macht eine Sondernummer (was

Eigentlich hatten wir an dieser Stelle eine tiefschürfende Geschichte über 850 Jahre St. Pölten geplant. Allein, im Rahmen der Recherche wurde rasch klar, dass man dieser vielköpfigen Hydra nicht mit einer Story beikommen kann. Deshalb werden wir ihr ab dieser Ausgabe im Zuge einer eigenen Serie sukzessive die einzelnen Köpfe abschlagen (wohlwissend, dass zig andere nachwachsen). Der Einstieg war aufgelegt. Nachdem im Zuge des Fritzl Prozesses einmal mehr die Frage des Images thematisiert wurde, baten wir die Experten zu Wort. Einerseits plauderten wir mit den stadtverantwortlichen Gralshütern in Sachen Image und Marketing, zum anderen mit den externen Profis. Ein Schattenboxkampf in zwei Runden! Von Johannes Reichl. Fotos Hermann Rauschmayr.

850 Jahre STP Wer wir sind. sind wir wer? –26 – MFG

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URBAN

Runde 1 - Zurück in die Zukunft! In der Ecke des Rings: Peter Zuser, seines Zeichens Magistratsbediensteter mit Aufgabengebiet Stadtmarketing, sowie Martin Bosch von der Agentur living office, der Haus- und Hofagentur der Stadt. Beginnen wir ganz banal. Was assoziieren Sie als St. Pöltner mit der Stadt? Zuser: Das Problem ist, ich bin nicht St. Pöltner, sondern Pottenbrunner! Das ist ja ein Faktum dieser Stadt, dass sie zu 50% aus Dörfern besteht. Deshalb ist es im Marketing auch so schwierig, eine eigene Identität zu schaffen. Wir haben einerseits einen urbanen Kern, andererseits lebt die Hälfte der Leute in dörflichen Strukturen samt Vorgarten und Einfamilienhaus. Da sehe ich schon eine gewisse Diskrepanz, weil als Dorf können wir uns ja wohl schlecht positionieren. Andererseits ist aber gerade dies das Besondere: Ich lebe letztlich unter dörflichen Strukturen im Grünen und hab zugleich die Vorteile einer Hauptstadt mit ihrem kompletten Angebot. Bosch: St. Pölten ist, was es ist. Eine 50.000 Einwohner Stadt. St. Pölten ist nicht Linz. St. Pölten ist nicht Wien. Wir haben ganz andere Rahmenbedingungen. Es ist eine überschaubare Stadt

Zudem wird Wien in zwei Jahren in 20 Minuten

Zuser: Ich bin nicht allein im Stadtmarketing: Ins-

mit einem Hauptstadtbonus, der nach wie vor

von St. Pölten aus erreichbar sein! Das wird viele

gesamt sind wir vier Personen. Es gibt zwei Grafi-

wirksam ist. Noch immer übersiedeln Institutio-

zum Ansiedeln motivieren. Billiger Wohnraum,

kerinnen, eine Dame für die Homepage und mich.

nen – da ist nach wie vor Potential vorhanden!

gute Infrastruktur, Grünraum, große Sicherheit,

Allerdings bin ich nicht ausschließlich fürs Marke-

Ich will das keinesfalls niederbeten, aber das ist

die Seen, das Kulturangebot etc. – in St. Pölten

ting zuständig, sondern leite auch die Homepage-

tatsächlich eine sehr relevante Dimension, hoch-

ist das tatsächlich alles grandios!

Redaktion und habe weitere Agenden.

interessant für die Menschen, die hier leben und

Und was das „Vergleichen“ betrifft: Da müssen

Natürlich hätte ich gerne mehr Mittel. Unser

arbeiten.

wir uns im Feld der Mittelstädte positionieren.

Budget sind heuer 184.000 Euro – da sind die

Aber nach dem Motto „Lernen von den Besten!“

Druckpatronen schon miteingerechnet. Aller-

kann man sich auch Ätzis von großen Städten

dings muss man berücksichtigen, dass Marketing

holen. Dabei geht es nicht ums Kopieren, son-

auch noch in anderen Ressorts wie Tourismus

dern darum, Passendes für uns zu adaptieren.

und Wirtschaft betrieben wird, die ihre eigenen

Es ist bemerkenswert, dass wenn man über St. Pölten spricht, immer sofort auch die Rede von Linz oder Wien ist. Vergleichen wir uns da nicht mit den falschen? Bosch: Wir müssen uns nicht vergleichen, sondern wir müssen beginnen zu unterscheiden. Was ist der Unterschied zu Städten wie Linz oder Wien? Und da wird ein klarer Vorteil St. Pöltens

„Es ist ein Faktum dieser Stadt, dass sie zu 50% aus Dörfern besteht.“ Peter Zuser

Budgets haben. Bosch: Ich sage ganz ehrlich: Die Budgetmittel reichen! Klar tut man sich mit mehr Geld leichter, aber das ist eben die Kunst, aus dem Verfügbaren das Beste herauszuholen. Fokussierung ist

sichtbar, nämlich die enorme Verdichtung. Wir

Zuser: Linz war früher DIE Stinkestadt. Ich hatte

unumgänglich. Stadtmarketing ist eine Zentral-

haben einen urbanen Kern, innerhalb dessen in

eine Tante in Buchenau. Immer wenn wir bei Linz

funktion ist. Da geht es auch ums Bewerben der

fußläufiger Entfernung eine hohe Dichte an Funk-

vorbeigefahren sind, hab ich Kopfweh bekom-

Dienstleistungen der Stadt, des Magistrats, der

tionalität gegeben ist! Machen wir also die ver-

men. Aber die Linzer haben den Imagewandel

sich als modern, offen, kundennah positionieren

meintlichen Nachteile zu unseren Vorteilen.

geschafft. Sie haben bewiesen, dass er funkti-

möchte – genau darauf zielt die aktuelle Kam-

oniert! Daher müssen wir uns das anschauen!

pagne „Offizieller Ausstatter Ihres Lebens“ ab.

Was meinen Sie da im Konkreten?

Wobei die Linzer natürlich enormen Aufwand

Zuser: Enorm wichtig ist, dass die Beschäftigten

Bosch: Etwa das Faktum, dass die Wiennähe

betrieben haben. Anfang der 90’er Jahre etwa

der Stadt wissen, dass sie über ihre Dienstleis-

eindeutig ein Vorteil ist. Oder dass die Lage St.

mit einer Roadshow, die 200 Millionen Schilling

tungen unmittelbar am Image der Stadt mitwir-

Pöltens genial ist. Ich kann das als Unternehmer

gekostet hat! Das können wir nicht.

ken, dass die Einzelprodukte mit der allgemeinen Linie in Einklang gebracht werden müssen. Das

mit Kunden in Wien wie Linz aus eigener Erfahrung beurteilen. Wenn man serviceorientiert denkt, klein- und mittelstädtische Strukturen schätzt, ist man in St. Pölten bestens aufgehoben. In Wien ist man vielleicht irgendwo in einem Außenbezirk, bei uns ist man in zentraler Toplage und hat in fußläufiger Entfernung gleich alle Förderstellen der Stadt und des Landes zur Hand.

Warum eigentlich nicht? Offensichtlich hat sich der hohe Einsatz ja gelohnt. Wird bei uns vielleicht die Bedeutung des Marketings unterschätzt. Sowohl budgetär als auch infrastrukturell, wenn man bedenkt, dass es gerade einmal einen Dienstposten dafür gibt?

war ein großer Lernprozess für alle. Das müssen wir vor allem auch nach innen kommunizieren. Meine Funktion sehe ich daher ebenso als Drehscheibe innerhalb des Getriebes.

Und wie stehts um die Kommunikation nach außen. Wer sind die Adressaten?

–17 – MFG

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Bosch: Das Kommunikationsverhalten ist heut

Bosch: Es heißt immer zu wenig, zu langsam,

zersplitterter als früher, es kommt also sehr auf

zu irgendwas. Die Stadt Rom hat vor vier Jahren

individuelle Kommunikation an, man muss dem-

eine Werbekampagne ausgeschrieben. Gewon-

entsprechend zielgruppenspezifisch vorgehen.

nen hat jene Agentur, die gemeint hat, bevor eine

Ein Tourist etwa hat andere Erwartungen als ein

Werbekampagne Sinn macht, braucht die Stadt

Wirtschaftstreibender oder jemand, der sich hier

überhaupt erst einmal eine Corporate Identity!

ansiedeln möchte. Es ist nicht immer leicht, da

Und das passiert einer Millionenstadt! Prozesse

die richtige Balance zu finden, deshalb haben wir

brauchen eben ihre Zeit! Wir sind da nicht allein.

auch eine Dachmarke kreiert, wo alles reinpasst.

Vision ist ja keine Krankheit, sondern die Entwick-

10 Jahren sein? Da geht’s auch darum, globale

„Vision ist keine Krankheit, sondern die Entwicklung von Zukunftsbildern.“

Megatrends zu erkennen, denen wir uns nicht

Martin Bosch

lung von Zukunftsbildern. Im Zentrum steht die

Damit meinen Sie „Mitten in Europa“. Ein Slogan, der nicht unumstritten ist. Warum hat man gerade diesen gewählt?

Frage: Was passiert? Was wird in den nächsten

Bosch: Wenn ich einen Slogan suche, muss ich

verschließen dürfen. Aktuell etwa ganz eindeutig

wissen, welche Ansprüche ich an die Marke

der Trend zur Urbanisierung, auch im Sinne von

habe. Im Fall einer Stadt gibt es Restriktionen, da

Reurbanisierung, dass also die Energie wieder

kann ich nicht mit flapsigen Begriffen arbeiten,

von den Zentren ausgehen muss.

nicht nur einen Aspekt herausstreichen. Der Slo-

Wir müssen dabei auf dem, was wir haben, auf-

gan muss in der Nähe ebenso bestehen wie zum

bauen, ebenso aber neue Entwicklungen berück-

Beispiel in Japan oder China. „Mitten in Europa“

sichtigen, wenn ich nur an die neu dazugekom-

ist deshalb ein Slogan, der auf abstrakter Ebene

men Verwertung des Glanzstoffareals denke.

arbeitet und dabei all die Aspekte der Stadt mit-

Ein solcher Visionsprozess ist unabdingbar. Wenn

einbezieht bzw. was ebenso relevant ist, nicht

die offizielle Stadt keine Visionen definiert, dann

dagegen ansteht! Er mag vielleicht ein bisschen

bin ich auf Einzelinitiativen angewiesen. Damit

fad klingen, aber er hat sowohl eine regionale als

ist aber eine gemeinsame Linie nicht möglich.

auch eine emotionale Verortung. Wir stellen uns

mentiert haben, dass sie auf allen Drucksorten

Können Sie den bisherigen Masterplanprozess, das Projekt „St. Pölten 2020“ nocheinmal kurz umreißen ?

etc. mitkommuniziert wird! Dass ist ein großer

Bosch: In den Prozess des Innenstadt-Master-

Wurf! Natürlich muss man das mit Inhalt füllen.

planes waren Bürger der City, Vertreter der Par-

damit als offene Bürger in Mitteleuropa dar. Fakt ist, dass wir diese Marke millionenfach imple-

teien sowie der Institutionen und Firmen wie z.B.

Diesbezüglich beschleicht einen mitunter das Gefühl, dass St. Pölten alles sein will: grünste Stadt, sicherste Stadt, älteste Stadt etc. – ist das nicht zuviel des Guten?

der Sparkasse oder der Gebietskrankenkasse

Bosch: Eine Stadt in der Größenordnung St. Pöl-

arbeitet: Das Thema „Gesundheit“, das Trendfeld

sam geworden, weil da die Vision als Gesund-

tens hat immer verschiedene Aufgaben zu erfül-

„Innovation und Kreativität“ sowie das Thema

heitsstandort verankert ist! Wir machen das also

len. St. Pölten ist eine Stadt mit vielfältigem An-

„Centrope-Office-Stadt“, also unsere Positionie-

sicher nicht zur Selbstbefriedigung. Es muss ein-

gebot. Das unterscheidet uns freilich noch nicht

rung als Schnittstelle in Mitteleuropa.

fach klar sein, wohin die Reise geht, muss eine

von anderen. Daher müssen wir eine Alleinstel-

Auf Basis der Entwürfe muss die Prozessorga-

Linie geben – genau das erbringt der Masterplan.

lung mit ähnlich gelagerten Städten erreichen!

nisation aufbauen. Dem folgen konkrete Hand-

Man muss auch auf eines aufpassen: Wir reden

lungen, über die wir Werte und Bilder schaffen.

immer von Image. Das ist jener Aspekt, welches

Jetzt muss der next step folgen. St. Pölten 2020

Bild die anderen von uns haben. Die Frage muss

ist ja nicht die Innenstadt – für die gab es den

aber vorerst sein, wie wollen wir gesehen wer-

Masterplan – sondern nun geht es um die Stadt

Man fragt sich aber schon, warum diese Erkenntnisse erst jetzt Raum greifen. Es gab ja immer schon Image- und Marketingarbeit? Was ist passiert?

den? Das hängt wiederum mit Bildern im Kopf

insgesamt. Dementsprechend muss man reprä-

Bosch: Das kann ich an meiner persönlichen

zusammen, die wir erzeugen müssen. Vor dem

sentative Persönlichkeiten und Betriebe aus der

beruflichen

Image muss also die Vision kommen.

ganzen Stadt in den Prozess einbinden, vom VAZ

begleite die Stadt seit 10 Jahren. Früher gab

über die Voith oder Egger bis hin zu vielen mehr.

es auch schon Slogans wie „Entdecke die Viel-

Zuser: Ein Beispiel, um die Relevanz zu unter-

falt“, „Eine Stadt macht Zukunft“. Aber es war

streichen: Vor einigen Wochen war eine Hambur-

sehr viel Aktionismus dabei, nach dem Motto

ger Delegation in St. Pölten, der Kontakt entstand

„Wir machen eine Veranstaltung, wir brauchen

bei der Hamburg-Reise. Der offizielle Vertreter

schnell einen Slogan.“ Ich bin da in meiner Nai-

der Stadt meinte, er sei auf St. Pölten aufmerk-

vität mitgegangen. Durch den Wechsel von Bür-

Damit sind wir beim Masterplan gelandet, dem Visionspapier „St. Pölten 2020“. Es gibt glühende Befürworter ebenso wie harsche Kritiker, die das Papier für substanzlos und überflüssig halten.

involviert. Außerdem das Zukunftsinstitut von Matthias Horx. Grundsätzlich hat man drei große Entwicklungspotentiale für St. Pölten herausge-

Entwicklung

nachvollziehen.

Ich

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URBAN

living office Motto

Kommunikation ganz einfach Kunden

Stadt St. Pölten, Land Niederösterreich, Voest Alpine, Telekom Austria, Brau Union, ....... web

www.livingoffice.at germeister Gruber hin zu Matthias Stadler sind

jene, die positiv denken, weil die sind immens

hätten können. Auch mit den Studenten müssen

aber mit einem Schlag quasi drei Generationen

wichtige Multiplikatoren. Die Suderanten lass

wir noch viel enger zusammenrücken. Da ist si-

übersprungen worden. Der jetzige Bürgermeister

ich außen vor. Man muss einfach akzeptieren,

cher Potential da.

hat erkannt, dass vor den Details die Grundlagen

dass es einen gewissen Prozentsatz gibt, den

Letztlich ist derzeit eine extrem spannende Zeit.

extrem wichtig sind! Deshalb hat er die Plattform

ich nicht erreichen kann, weil er sich nämlich

In Wahrheit beginnt jetzt erst alles! Die Leute er-

Innenstadt zugelassen, ebenso das Projekt St.

gar nicht erreichen lassen möchte. Und wenn’s

kennen, dass sich etwas bewegt. Das Bewusst-

Pölten 2020 – denn genau dieses Zukunftsver-

jemand wirklich so schrecklich findet, dann muss

sein für die Positiventwicklung ist da.

ständnisses bedarf es!

er eben wegziehen.

Bosch: Derzeit ist es wirklich irrsinnig geil. Es

Zuser: Also bei der letzten Umfrage über die Zu-

geht los! Das merkt man an allen Ecken und En-

Das Bild einer Stadt wird nicht zuletzt durch die eigene Bevölkerung transportiert. Da bekommt man bisweilen den Eindruck, dass es den St. Pöltnern an Bekenntnis zur Stadt mangelt, überproportional viel über die Stadt geraunzt wird. Wie reagiert man da in der Kommunikation?

friedenheit mit der Stadt Jahr 2005 war größte

den. Auch Stadt und Land positionieren sich bes-

Zustimmung. Nur ganze 4 Prozent haben ge-

ser zueinander. Herr Pröll hat erkannt, dass man

meint, dass sie hier eigentlich nicht gern leben.

mit der Art Oppositionspolitik, wie sie in St. Pöl-

Aber es stimmt schon. Unser Image war bislang

ten betrieben wurde, keinen Erfolg haben kann.

sicher eher brav, bieder, langweilig. Das wurde,

Umgekehrt ist es schade, dass es die Roten im

vor allem von den jungen Leuten kritisiert. Ge-

Land emotional noch immer nicht packen, dass

rade diese Gruppe müssen wir erreichen, die

der Landeshauptmann einen guten Job macht.

Bosch: Natürlich kenn ich viele Leute, die sudern,

Jungen sind ja die Zukunft! Deswegen sind auch

Aber die Leute wollen Zusammenarbeit.

aber die kenn ich auch in Krems, Linz, Wien. Ich

die Festivals, wie jetzt Beatpatrol und Frequency

Und Zwischenrufe wird es immer geben: Was ist

glaub nicht, dass wir da eine Ausnahme bilden.

so großartig und werden von der Stadt unter-

die Idee? Was ist der Slogan? Wieso dauert das

Prinzipiell kann ich mich in der Kommunikations-

stützt, weil wir uns damit österreichweit positiv

so lange? Die Antwort ist einfach: Es ist Arbeit,

arbeit nicht an den Suderanten orientieren. Die

positionieren können. Viele Pottenbrunner wa-

und die braucht Zeit, weil es um eine nachhaltige

prinzipielle Frage ist, wie viele Leute kann ich

ren etwa vom Nuke so begeistert, dass sie sogar

Implementierung der Ziele geht – und diesbezüg-

erreichen? Primär konzentriere ich mich da auf

beim VAZ gezeltet haben, obwohl sie heimfahren

lich sind wir auf einem sehr guten Weg!

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Größe zu tun! Das ist eine reine Qualitätsfrage, aber das verstehen hier viele nicht. Es fehlt das Bewusstsein dafür, und es fehlen Qualitätsstandards. Eine Fressmeile am Rathausplatz, wo Österreicher als Mexikaner verkleidet im Sombrero grausliches Chili verkaufen – das ist das Maß aller Dinge? Oder ein Jürgen Drews beim Stadtsilvester? So positioniert sich das offizielle St. Pölten? Steinperl: Wer weiß, vielleicht dürfen wir uns ja bei den 850 Jahre Feierlichkeiten auf Jürgen Drews in historischen Kostümen freuen! Aber es ist doch so: Wenn etwas funktioniert, dann sind das zumeist Einzelinitiativen, die halt zufällig irgendwo entstehen, weil sich jemand engagiert und eben auf Qualität setzt – dabei übrigens fast nie von der Stadt unterstützt wird, oft sogar das Gegenteil. Aber ein akkordiertes Vorgehen, klare Konzepte der Stadt fehlen. Und es ist peinlich, wenn etwa die positive Frequenz beim LUP Bus wochenlang zelebriert wird. In St. Pölten werden Versäumnisse der Vergangenheit sowie Selbstverständlichkeiten als Erfolg verkauft! Das ist, wie wenn der Bürgermeister von Wilhelmsburg eine Pressekonferenz gibt, weil in seiner Stadt Ampeln drei Lichter haben. Wagner: Und beim Masterplan kommt man drauf, dass man jetzt – nach 20 Jahren – wieder „zurück zur Stadt“ muss, St. Pölten eine Stadt ist. Wow, was für eine Erkenntnis! Und man hört Zitate wie „Na ja, die Innsbrucker haben auch nicht mehr zu bieten außer dem Fön!“ Bravo! Was fehlt ist einfach Qualitätsbewusstsein. St. Pölten muss lernen, Ansprüche zu stellen, in allen Bereichen. Zum Beispiel, dass ein Würstelstand auch noch um 23 Uhr offen hat. Ein gutes Produkt muss sich selbst definieren, einen Qualitätsstan-

Runde 2: Willkommen im Landeshauptdorf ©

dard festlegen, dass ich am Herrenplatz z. B. kein

Same Thema, other station. Nach dem Gespräch mit jenen, die per definitionem und hochoffiziell für die Imagepflege und das Marketing der Stadt zuständig sind, plauderten wir mit „externen“ Experten. Den Chefs der anderen renommierten Werbeagenturen der Stadt: Helmut Niessl von heavystudios sowie Matthias Steinperl und Thomas Wagner von wagner steinperl. Ein wilder Gesprächsfluss, im Zuge dessen sich der Moderator alsbald zurücklehnte und den Dingen ihren Lauf ließ.

Blechschild, sondern was Ahnsehnliches montier. Und die festgelegten Qualitätsstandards müssen dann auch gelebt und v. a. kontrolliert werden. Und wenn ich mir den Masterplan anschaue – das ist das bei weitem lächerlichste Projekt der letzten 20 Jahre. Da wird groß von Meta- und Megatrends gesprochen, von „Centrope-Office-Stadt“,

Was assoziieren Sie – jetzt mal sozusagen als Privatperson, nicht als PR & Marketingprofis – mit St. Pölten?

möchte, geh ich woanders hin. Wenn ich einkau-

„fittest City of Austria, „Innovation Valley St. Pöl-

fen will, geh ich woanders hin. Wenn ich fortgehe,

ten“. Wie soll man da jemand ernst nehmen? Ich

geh ich woanders hin.

les nichts als Luftblasen raus, aber keinen inter-

Niessl: Für mich ist St. Pölten eine Lebensstadt,

Wagner: Für mich ist St. Pölten die Stadt der

essiert offenbar, wie’s finanziert wird. 2020 kön-

eine Wohnraumstadt, wo Zentrum und Peripherie

Qualitätslosigkeit. Von Mittelmäßigkeit zu spre-

nen wir froh sein, wenn wir bis dahin die Gleise in

allmählich zusammenwachsen. Mit einem tollen

chen, wär schon zuviel. Und es ist die Stadt der

der Herzogenburgerstraße entfernt haben!

Angebot von Unis über See bis Kultur!

Minderwertigkeitskomplexe.

sich nicht vermeiden, dass man herkommt. Ich

Qualitätslosigkeit inwiefern?

nutze das Angebot nur punktuell, aber es zieht

Wagner: Da muss man einmal etwas Grundsätz-

Sie sind mit der Marketing- und Imagearbeit der Stadt also nicht zufrieden? Was stört Sie?

mich nicht besonders her. Wenn ich gut essen

liches festhalten: Image hat genau nichts mit

Wagner: Unser Grundproblem ist, dass wir uns

Steinperl: St. Pölten existiert. Manchmal lässt es

©

Thomas Wagner

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URBAN mit den falschen messen. Linz käme nie auf die

Was wäre das in Ihren Augen?

zerreibt sich St. Pölten zwischen Wachau, Linz,

Idee, sich mit Wien zu vergleichen – aber wir tun

Niessl: Die hohe Lebensqualität der Stadt.

Wien, Neusiedlersee und Mariazell.

es! Das sind aber völlig unterschiedliche Welten.

Steinperl: Aber Lebensqualität hab ich doch

Heavy: Uns als vermeintliche Touristenstadt zu

Steinperl: Imagearbeit kann man ja leicht mes-

überall. Wenn, dann muss man ein Profil haben,

positionieren empfinde ich auch als eigenartig.

sen, dann wird man sehen, ob irgendeine der

ein differenziertes Bild geben.

Warum sollen Touristen zu uns kommen? Die

letzten Kampagnen irgendeinen Eindruck hinter-

Niessl: Ja, aber die Lebensqualität ist wirklich

sorgen im übrigen nicht mal für die fetten Näch-

lassen hat. Ich bin mir sicher, wenn man Leute in

hoch. Das muss nach außen gelebt werden. Wir

tigungszahlen. Das sind eher Teilnehmer von

anderen Städten fragt, sagen die höchstens, a) St.

müssen selbst stolz auf unsere Stadt sein, frei

Kongressen, die auch Kohle bringen. Ich fahr ja

Pölten ist mir wurscht, b) es stinkt oder c) ich bin

nach dem Setzkastenprinzip.

– heuer vielleicht ausgenommen – auch nicht

schon mal vorbeigefahren. Und es muss doch zu

Steinperl: Auf was will man außergewöhnlich

nach Linz auf Urlaub!

denken geben, dass jeder Kabarettist, wenn er ei-

stolz sein?

Steinperl: Und dann wird immer in Riesenlettern

nen Seitenhieb auf eine Provinzstadt macht, im-

Heavy: Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass

gefeiert, wenn die Nächtigungszahlen steigen. Ja,

mer St. Pölten als Beispiel nimmt. Es hat einfach

es besser geworden ist! Freilich, in der Außen-

aber von welchem Niveau aus? Da sind ja durch

nach wie vor ein schlechtes Image.

wahrnehmung hat sich der Glanzstoff-Schaß in

meine Wiener Studentenwohnung damals mehr

Heavy: Ich hab ehrlich gesagt den Eindruck, dass

die Gehirne eingebrannt, werden wir noch immer

Leut gegangen.

es besser wird. Die letzten zehn Jahre hat sich St.

mit Gestank verbunden. Ich war – noch nicht so

Heavy: Ich seh St. Pölten eher als Wohnstadt.

Pölten sozusagen logarithmisch zum Positiven

lange her – in Salzburg. Als ich gesagt hab, ich

Das Leben hier hat schon was, ich wohn gern

gewandelt. Damals war der Traisenweg noch

komm aus St. Pölten, war die einzige Reaktion:

hier. Und der neue Bahnhof wird sicher auch was

nicht asphaltiert, es gab keine Viehofner Seen,

„Ja, dort stinkt es!“

bringen.

keine Lokale mit breitgefächertem Kulturange-

Steinperl: Ich hab mal ein Erlebnis in Südtirol ge-

Steinperl: Ja, die Leute werden schneller in Wien

bot und und und. Heute spielt sich doch enorm

habt, wo wir eine Jugendfreundin besucht haben.

sein!

viel ab! Der ehemalige Slogan „Entdecke die Viel-

Wir haben ihr gesagt, wo wir wohnen, und sie hat

Niessl: Mag sein, aber es werden auch mehr

falt“ würde heute viel besser passen als damals.

gemeint: „Wart, lass mich mal überlegen. St. Pöl-

hier wohnen. Heut ist es so, wenn du zum Bei-

Manchmal gibt’s halt noch eine spröde Art im Ap-

ten, das kenn ich von irgendwoher... Ach ja, jetzt

spiel als Grafiker arbeiten möchtest, dann gibt’s

parat, das ist das Problem des Amts, des Magis-

fällts mir wieder ein: Vom Vorbeifahren, wenn ich

grad Wagner Steinperl, Bosch oder unsere Firma

trats, dass vieles sehr zach geht, dass es 10.000

nach Wien düs!“

zur Auswahl – nicht gerade viel. Der Rest muss

Entscheidungen bedarf, 100 Leute mitreden, bis

Aber einmal ehrlich: Warum soll jemand stehen

nach Wien zum Arbeiten, viele übersiedeln des-

ein großer Rülpser rauskommt. Außerdem ist es

bleiben und abfahren? St. Pölten ist ein kleines

halb ganz hin, weil sie nicht den halben Tag mit

oft auch ein Politikum. Es wird dann schnell was

stinkendes Provinzkaff. Und das ist an sich nichts

Pendeln vergeuden wollen. Wenn man in Zukunft

auf die Füße gestellt, alle laufen kurzfristig wuggi

Schlechtes. Das sollte man mit Selbstbewusst-

aber in 20 Minuten in Wien ist, wird man den Weg

herum, aber es wird nix langfristig durchgezogen.

sein zur Kenntnis nehmen! Wir haben nun mal

eher auf sich nehmen und in St. Pölten wohnen

Manche, die da involviert sind, sind am Rande des

keinen schiefen Turm von Pisa. Haben wir nicht,

bleiben.

Verzweifelns.

brauchen wir auch nicht!

Steinperl: Also ich bin mittlerweile ein leidenschaftlicher

Dabei ist die derzeitige Ausstatter-Kampagne

Wümschburger

geworden.

Dort

ist man auch nicht so kleinkariert. Da triffst du

folgen sollte. Das ist gescheit! Das hat auch die

Die Positionierung als Tourismusstadt fällt somit flach?

richtige Dimension. St. Pölten drückt sich nicht

Steinperl: Was wir touristisch zu bieten haben,

Schwarze! Deshalb sind wir ja auch mit unserem

dadurch aus, dass es irgendwas Aufgeblasenes

ist die Prandtauertorte, das ist doch lächerlich!

Büro von der Provinz St. Pölten in die Stadt Wil-

präsentieren muss, sondern konzentrieren wir

Auf Tourismus zu setzen ist der falsche Zug, da

helmsburg gezogen.

wirklich etwas, das man vertiefen und weiterver-

am Bauernball mehr rote Gemeinderäte als

uns auf das Wesentliche!

heavystudios Motto

„Wir leben in einem Kuhdorf, und das ist gar nicht schlecht!“ Helmut Niessl

Die Werbesputniks. Allumfassend. Kunden

NÖ Landesausstellung, NÖ Versicherung, Hypobank, Wifi, Stadt St. Pölten, Post u. a. web

www.heavystudios.at

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Was ist provinziell? Wagner: Es fehlt einfach an Selbstironie. Das einzige, was ich seit Jahrzehnten höre und lese: „Wir sind eine Barockstadt.“ Ja, das ist ja ganz nett, um mich nicht falsch zu verstehen. Aber darüber positionieren wir uns im 21. Jahrhundert? Wir wollen immer wer weiß ich was sein, groß sein: die älteste Stadt, die jüngste Landeshauptstadt, die sicherste Stadt. Super wären weniger Superlative! Image hat wie gesagt nichts mit Größe zu tun. Du kannst 1,30 oder 1,60 groß sein, das ist völlig egal – letztlich kommt es nur darauf an, ob du Charakter hast. Was ich auch nicht mehr hören kann ist „Die Landeshauptstadt St. Pölten.“ Keine einzige Landeshauptstadt tituliert sich ununterbrochen selbst so. St. Pölten ist ein lebenswertes Dorf, oder das erste Landeshauptdorf – das wären Positionierungen, die hätten Selbstironie – aber darauf hab ich bitte das Copyright! Und dann wird alles so aufgeblasen bei uns. Die Stadt fährt nach Hamburg auf Wirtschaftsreise. Das ist dem „konkret“ einen zwei Seiten-Artikel wert und das P3 bringt einen großen Beitrag darüber. Das ist so lächerlich! Wen soll das bitte interessieren? Was ist daran besonders? Dauernd wollen wir zeigen, wer wir nicht sind, und dann liefern wir solche Peinlichkeiten ab.

Woran liegt dieses scheinbar übersteigerte Geltungsbedürfnis? Steinperl: Es gibt einen gewissen Mentalitätsmief. Ein Auslöser war sicher diese fatale Urkunde mit der verheerenden Aussage „Landeshauptstadt“. das hat die Stadt in Wahrheit zurückgeworfen,

In Sachen Urbanität ist St. Pölten also verbrannte Erde?

bei müsste der Citymanager der bestbezahlte Job

worden. Ich hab immer den Eindruck, dass man damals dachte: „Aha, na jetzt sind wir wer, jetzt

Wagner: Die gibt es schon. Es gibt auch viele kre-

gut macht. Billy Wilder hat einmal gesagt: „Über

lehnen wir uns zurück und verlassen uns drauf.“

ative Köpfe, aber halt nicht an relevanten Stellen.

Missmanagement ärgert man sich jeden Tag,

Aber dass man Landeshauptstadt ist, ist für sich

Ich hab oft den Eindruck, dass seitens des offi-

über Qualität nur einmal – wenn man bezahlt.“

ja noch kein USP [Alleinstellungsmerkmal].

ziellen St. Pölten das Kontroverselle, das Gegen-

Wagner: Alles, was in St. Pölten Qualität hat – das

Heavy: Wir leben nun einmal in einem Kuhdorf,

sätzliche, das Kritische nicht erwünscht ist. Man

paradiso, das Bowling Center, das Höfefest, der

und das ist gar nicht schlecht! Das ist ganz lieb

wirbt zwar mit Slogans wie „Stadt der Vielfalt“,

Seniorenfloor – das sind alles Initiativen von Ein-

und lebenswert sogar. Warum wollen wir mehr

aber eigentlich will man diese Vielfalt gar nicht

zelpersonen. Sachen, die Seele haben – aber die

sein, oder uns anders verkaufen, so tun, als wä-

zulassen – warum auch immer? Die Vielfalt einer

fußen nicht auf einem Gesamtkonzept der Stadt.

ren wir eine Weltstadt. Zum Urbanen fehlt uns

Stadt macht aber ihre Bevölkerung aus.

Heavy: Das sind St. Pöltens kreativste Köpfe,

einfach einiges. Ich hab z. B. schwule Freunde im

Steinperl: Urbanität? Wo ist modernes Wohnen?

wie auch etwa ein Erwin Nolz von der Seedose!

Bekanntenkreis, die tun sich hier natürlich schwer,

Wo ist modernes Leben? Es gibt in St. Pölten ja

Warum bindet man diese Leute nicht mit ein?

weil sie eine Randgruppe sind. Und es hängt halt

nicht einmal einen gescheiten Stau!

Stattdessen setzt man punktuell etwa auf eine

davon ab, ob man wo wohnen möchte, wo jeder

Ein Problem ist meiner Meinung nach die teil-

Fressmeile am Rathausplatz. Aber nicht die

jeden kennt. Das ist eine persönliche Frage.

weise Inkompetenz der Leute in Schlüsselfunk-

macht das Flair dort aus, sondern die Lokale! Das

Steinperl: Es ist doch so: Wenn ich urban leben

tionen. Und es gibt städtisch geförderten Klein-

Komische ist aber, man fängt etwas an, kommt

möchte, dann zieh ich in eine richtige Stadt. Und

geist. Ein Beispiel: Wenn sich die Bestellung des

sogar auf Fehler drauf, doch anstatt etwas zu än-

wenn ich am Land leben möchte, dann eben dort-

Citymanagers ausschließlich darum dreht, dass er

dern, werden diese bösen Faux Pas ewig weiter-

hin. St. Pölten fällt da irgendwie zwischendurch,

nur ja nicht viel kosten darf, dann sagt das doch

geführt, Verträge verlängert. Und Sachen wie ein

das ist vielleicht ein Problem.

schon alles aus, wie ernst man das nimmt. Da-

Höfefest etwa , eine der tollsten Initiativen in der

als wär ihr ein Anästhesie-Mittel verabreicht

der Stadt überhaupt sein, wenn er seine Arbeit

850 Jahre stp wer wir sind. sind wir wer? –26 – MFG

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URBAN

wagner steinperl Motto

Für Werbung und Wunder Kunden

Kabelsignal, Stadt Wilhelmsburg, wavenet, Sparkassen NÖ Mitte West AG u. a. web

www.frischerwind.at

ber keine Sau einkaufen geht!

Was wäre denn ein passender Slogan in Ihren Augen? Wagner: Das werd ich jetzt nicht verraten. Wenn man mehr wissen will, soll man uns engagieren und bezahlen. Nur soviel ist klar: Er muss einfach originell sein! Aber bei uns gibt es keine klaren Aussagen. Heavy: „Offizieller Ausstatter Ihres Lebens“

„St. Pölten ist die Stadt der Qualitätslosigkeit.“

– ich finde durchaus, dass da ein guter Ansatz drinsteckt, den man weiterentwickeln kann. Denn

Thomas Wagner

das entspricht der sinnvollen Dimensionierung und Ausrichtung, dem, was wir letztlich wollen: Dass St. Pölten lebt, Leute herkommen und sich die Stadt sozusagen selbst konsumiert. Nicht, dass von außen etwas künstlich aufgesetzt wird.

Dazu muss man aber auch Kampagnen fahren, präsent sein. Heavy: Also ich finde, eine Stadt bewirbt man nicht, indem man Schaltungen macht. Eher vielleicht durch Zeitungsberichte. Großangelegte Schaltkampagnen, da schießt man eher mit Kanonen auf Spatzen, und gibt Millionen aus für nichts. Stadt überhaupt, bekommt fast überhaupt nichts.

Steinperl: Er belegt schlichtweg, dass man bei

Wagner: Zeitungsberichte sind auch wichtig, aber

Steinperl: Bei uns wird Engagement sukzes-

uns die Sache grundfalsch angeht.

ich find sehr wohl, dass auch eine Kampagne

sive zum Schweigen gebracht. Engagement

Ganz ehrlich, man kann einfach keinen Slogan

notwendig ist. Da muss man einfach alle Wege

ist nicht gefragt. Kritik wird als lästig empfun-

machen mit „Mitten in Europa!“ Was soll das?

ausnutzen! Entscheidend ist, ob die Botschaft

den. Es kommt nix. Ich befürcht, wir werden in

Mitten in Europa ist viel, aber sicher nicht St. Pöl-

stimmt, ob ich auffalle. Ein grandioses Beispiel

20 Jahren wieder da sitzen und über genau die

ten. Das sagt genau nichts aus! Geschickter wär

hab ich in Berlin erlebt, da stand auf sämtlichen

selben Sachen sprechen, weil nach wie vor die

es, wie die Grazer zu verfahren. Die überspitzen,

Bussen und Taxis „Ganz nett hier. Aber waren

selben Leute am Ruder sitzen, weil es nach wie

die provozieren. Aber bei uns fehlt einfach das

Sie schon mal in Baden Würtemberg?“ Oder ein

vor kein durchdachtes Konzept geben wird, weil

Selbstbewusstsein dazu. Bei uns gibt es über-

anderer Slogan lautete: „Baden Würtemberg. Wir

nichts passiert sein wird. Wenn sich die verant-

haupt keine Selbstironie, keine Kritikfähigkeit.

können alles außer Hochdeutsch!“ Das ist Selbst-

wortlichen Protagonisten nicht ändern, wird sich

Immer ist gleich die Angst da „Ups, da könnte ich

ironie! Das bleibt hängen!

nichts ändern. Okay, vielleicht der Slogan: „St.

ja anecken.“ Stattdessen bezeichnen wir uns als

Steinperl: Oder die Linzer. In einem Interview

Pölten mitten in Niederösterreich!“

„grünste Stadt“. Na bravo! Das wird jetzt die Mas-

wurde der Intendant von Linz09 angesprochen,

sen begeistern!

dass wenig Wiener das Angebot nutzen wollen.

Aber das ist doch bitte kein USP. Wir haben über-

Er hat lapidar in etwa geantwortet: „Aha, wiss

haupt keinen USP... oder doch, einer fällt mir ein:

ma des a. Zum nächsten Punkt.“ Das ist Selbstbe-

St. Pölten ist die einzige Stadt, wo am 8. Dezem-

wusstsein! Die wissen, wer sie sind.

Damit spielen Sie auf den Stadtslogan „Mitten in Europa“ an. Wie beurteilen Sie diesen?

– 23 – MFG

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2.- 4.Mai

INNENSTADT Living office*, St. Pölten

ST. PÖLTEN EiNTriTT frEi!

St. Pölten lädt zu einem Spektakel der besonderen Art für die ganze Familie. Das Mittelalter feiert fröhliche Urständ mit einem Handwerks- und Ritterlager am Rathausplatz.

2. Mai 2009 E Eröffnungstag 9-22 Uhr 3. Mai 2009 E Tag der familien 10-21 Uhr 4. Mai 2009 E Tag der Schulen und Kindergärten 9-14.30 Uhr

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01.04.2009 11:15:19 MFG

– 27 –

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Living office*, St. Pölten

Volksfest steht kopf „Jo a so a Ringlgspü, des is a Hetz und kost ned vü” Okay, Ringelspiele gibt es heute noch immer, aber im 21. Jahrhundert lassen einen die verschiedenen Fahrgeschäfte beim Volksfest mitunter auch gehörig Kopf stehen! Dabei ist heuer von 29. Mai bis 7. Juni überhaupt alles ein bisschen anders!

11 Spielbuden auf Kids & Co., die im übrigen am

blems, The Legendary Daltons & Co. freuen!

gehörig umgekrempelt wird etwa der Bachhus-

Ansonsten warten 22 weitere Fahrgeschäfte und

Carmen, die Egon Backstage Band, He & His Pro-

Nicht unbedingt auf den Kopf gestellt, aber dafür

Kindernachmittag am Mittwoch wieder mit fast

hain, die Pilgerstätte für Speis und Trank. Die

Richtig – das LEINER Riesenfeuerwerk am ers-

lange der Vorrat reicht, mit einem Mai-Bock!

feiert ein überfälliges Comeback!

lungenes Volksfest?

Drunter & Drüber verwöhnt man die Gäste, so-

(mmmh, lecker!!!), und auch der Steckerlfisch

Und, was darf natürlich nicht fehlen für ein ge-

der frisch gezapftes Freibier kredenzt, und beim

bei einem anderen frische belgische Waffeln

fans im Disco Confidence Zirkuszelt abshaken.

Beim Bieranstich in Frankys Showzelt wird wie-

wird etwa frisches Holzofenbrot feilgeboten,

Ski-Kick in Frankys Showzelt, während die Disco-

Gratisfahrten!

konnten. Es wird neue Stände geben, an einem

zwei Zelten. Traditionell gibt man sich den Aprés

der 850 Jahr Feier verteilt die Stadt heuer 850

wofür die Profis von NXP gewonnen werden

den 40 Gastroständen und feiern heuer gleich in

manche wohl gratis herumdüsen. Denn im Zuge

erstmals in völlig neues Lichtdesign getaucht,

Die älteren Semester schlemmen hingegen bei

Gas gegeben, und in der ersten Stunde werden

So wird der gesamte Hain bei Dunkelheit heuer

geher für Spaß sorgen!

um 17 Uhr geöffnet und bei den Fahrgeschäften

umgesetzt wird. Und das hats ins sich:

senkten Fahrpreisen. Außerdem werden Stelzen-

Freude Kopf stehen. So wird am 29. Mai bereits

heckt, welches auch gemeinsam finanziert und

Getränke ebenso verwöhnt werden wie mit ge-

Mancher wird heuer im Zuge der Eröffnung vor

mit den Wirten ein völlig neues Konzept ausge-

Mega-Einstieg

Masterminds des Büro V haben in Kooperation

1000 Gutscheinen für ermäßigte Speisen und

ten Samstag. Und weil’s so schön ist, legt man

Die wohl spannendste Neuerung: Die Kultur hält

Kopfstehen!

Volksfestbesucher!

Nostra, Reini Dorsch, Chris Heart mit Waugl und

gen, zum Tanzen, sondern überhaupt gleich zum

men Black Out. Ein neuer Kick für die mutigen

u. a. auf musikalische Untermalung von Cosa

das ist nicht nur zum Niederknien, zum Luftsprin-

der Familie Thurner mit dem bösen, bösen Na-

ein chilliges Stell-Dich-Ein gibt. So darf man sich

tragenen Sinne ja die ganze Woche über, und

wird man beim neuen, hypergeilen Fahrgeschäft

sich das Who is Who der St. Pöltner Musikszene

ein Feuerwerk abschießen. Aber das im über-

Im wahrsten Sinne des Wortes am Kopf stehen

im Hain eine Open Air Bühne geben, auf welcher

Spaßfaktor

Einzug ins Kulinarikuniversum. Erstmals wird es

wieder eins drauf, und wird auch am 2. Samstag

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– 15 – MFG

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mals rauchte hu, große Stadt. Da s, eg rw te un n lte urde mir innen in St. Pö nn flog ich, dann w da e, et 14. Mit drei Freund st hu Ich . . Weil’s ohne eiette meines Lebens ich die erste Zigar ste Packung Tschick er ne ei m ir m ich tschluss: Vielch kaufte später dann der En ro schwindelig. Dana Eu de en us ta d ch des Grauens. . 13 Jahre un ngen? Ein Tagebu nu gentlich nicht geht ch ei fz Au en nd ten Fehler ohne. Die folge itnichten – die größ M s? bi leicht geht’s doch zu r-A he uc ea Müller chkommende Ra hustet. … von Alth ge be ha Eine Warnung an na ich , gh Hu der selbst machen. muss schließlich je

Wär ganz fein, ma l aufzuhören mit de m Scheiß. Da ich ein willensst arker Mensch bin , wird mir das auch gelingen. Werde die Ferien nutzen, um mirnix-dirnix zum Rauchen aufzuhö ren.

2008

Zeit ständig habe. ngen, die ich in letzter eine dieser Halsentzündu der Als ob ich das wie l en. ma hör auf Hab n 11. che 10. eint, ich solle zum Rau gem Hat n. ese lich. (Notiz für gew t täg Stück Arzt ist nicht net d zwischen 18 und 25 retten ich wirklich viel zu viel. Sin Ziga che e Rau viel e! wie sst , wü nen ht ech nic Zeit damit, mir auszur ine me ge der Welt brin auf ver hen Ich : nsc den Hinterkopf einer der wenigen Me Arzt weiß nicht, dass ich reden. ht Der : leic Nur en .) che hab rau Alle Tag en. am Er hat leicht red sind, um aufzuhören. bin, die viel zu süchtig ch gein Inneres augenscheinli indest aber besteht me Zum t. Blu e nah bei cke 17.11. Ich spu Rauchen aufhören. Schleim. Muss echt zum rade zu etwa 80 % aus in Hals ist frei, mein Ralich wieder erholt. Me Körper! Hab mich end er obt gel aah n. Aaa kan n 11. 20. t wieder rauche danke Gott, dass ich jetz chen purer Honig. Ich ist fast leer und Kleingeld-Dose. Dose Geld. Plündere meine nig we zu in Strömen. für es nat net Mo n reg 29.11. Zuviel aber noch aus. Drauße unde. . Ein Packerl geht sich Fre rum ine wa me h, sind mic n e ate frag ich kautom hickautomaten. Tschic Tsc zum n ute Min n Ich fahre zeh s Wetter. t ist grau. Verdammte verkühlt. Mein Gesich lich ziem der wie on 30.11. Bin sch h. Rauchen ng stinkt, das Auto auc 3.12. Die ganze Wohnu zeitgemäß. hr me ht ist irgendwie nic

4.12. 22 Stück. Gu ter Schnitt, so kurz vor Weihnachten. Das stress t mich ja immer so. Alles stinkt. Mein Hals füh lt sich an wie glühe nde Kohlen. Ich kaufe mir eine Stange un d teile mir die Tschick jetzt str ategischer ein. Ka nn nicht sein, dass ich mein ganzes Geld zum Fenster rausrauch. … Späte r: Ah, Kaffeehaus, schön! War ein entspanne nder Nachmittag. Zigaretten sind fast alle, aber ich kann nicht pla udern ohne zu pofeln. Macht einfach keinen Sp aß. Reiße das zweite Packl aus der Stange an . Fühle mich wie Gott in Frankrei ch mit dem Tschic kvorrat. 15.12. Meine Freun din erzählt mir, da ss die weibliche Gebärm utter bis zu zehn Jahre braucht, um sich nach der letzten Zig arette zu erholen. Ich nicke ernst und lenke da s Thema dann geschickt au f Wichtigeres – Pe nelope Cruz, weil mir nic hts Besseres einfäl lt.

DAS R AUCH ERTAGEB UCH

oder „

Fangen

2829_3000 Rauchen.indd 2

Sie besser

gar nicht

erst an

!“

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Scheiß. rd mir zen, um

Weihles de e mir cht ter n! tten ohne e mich at.

zu a

Außerdem hinten liegen. der Lade ganz in e en. Mein di er , tri ge en eu rz auf nichts konz und die Feue ich ge m ra Ga nn r Ka de r. Sie tragen n. in ensche ten miteinande n einzelnen M tanzen Zigaret ge war besAu hasse ich jede er n re üh Fr ne r. in n war schöne zu – vor dem er st llig vö Ge l. ist ge pf r En Ko de Zeitpunkt sind wie n. Sicher war endkleid und r noch weine nu it Ze der verdamm Frack und Ab e it m nz n ga lle e die hen warten so oc ser. Ich möcht W ar pa n hätte noch ei schlecht. Ich hen. 20.12. Habe bego nnen, zum wiederh t mehr zu rauc ch ni , ee ten Id olten Male das Ca Buch „Endlich Nic tal. Nicht mal rrhtraucher!“ durch steres Trauer zuackern. Habe es ben ist ein dü Le den letzten zwei Jah n ei Musik, wie ich M e . di in t nn ha acht Si ren bereits zweim ert mich. Gott gg 9.1. Nichts m tri al gelesen, aber ik us da wollte ich ja nie M rauchen. ausstehen. wirklich aufhören ohne dabei zu . Jetzt will ich aber Musik kann ich ihr zuzuhören, wirklich. Male mir um n, ffe ha ein Leben nach de t gesc m m Rauch aus, so, sie liebe, nich es auch in dem Bu ich fest in ihre wie ch steht: wie der r Sucht hat m de ie er es in Tei ch ffe nt as ha neu durchblutet wird, die Nägel sic Die M n, aber ich sc h wieder mensch l lichtet sich. e Depressione lich färben, das Ha 10.1. Der Nebe von einem überirdi er. Bin dann darum auch di üb r, us dr kla , ich en n ss bi sch rauchfreien Du lo ch, dann rheitsft durchzogen wird, Kern eingesch aaahhh! Herrlich! n paar Tage no r wirklich siche eine Kluge! Ei ufe mir jetzt nu Ka ist r. – bin ja ganz se he uc Do dtra el ch ts. Die Kleing glücklicher Ni nur bei s macht ja nich endgültig ein Da sie 22.12. Bin jetzt be g n. te tra et ar Ich al. i der Mitte des Bu ckung Zig sie ja nicht m ches. Habe bis zu halber eine Pa ersten Jännerwoc ung. Ich öffne r he Zeit, mir das Ra vor. Eine Pack zu je als r uc . lle he tz vo n abzugewöhnen. Wird ein Kinde n Scha rspiel. Hab schon inen, kostbare ganz andere Sach mir. Meinen kle geschafft, zum Be n rausrennen en ispiel fällt mir jetzt d in den Garte t keine ein. hen, um wüten oc br der Streit jetz ge r: vo un ts Za ch reit vom Mache mir ni l . ei te W üt . 13.1. Habe St ne nh Ei 23.12. Bin aufgereg rte e. ch e Ga t wegen des Weihn Zigarette brau tze mich in di achtsmannes. : „Wenn mindest eine zu können. Se Weil ich ein Kind de mich schief an m, dass ich zu ut im s Kabelfernsehen ha hl sc sc so um g, Ba s bin und deshalb am l ttle nur ge war so ar hü Vo an Coca Cola statt sc n ich . Ei an das Jesuskind sagt er. Aber hrecklich war “, sc go so Hu it re rn gla St fü auf eine ub r e. Und daran, de dass die Helden im tzten Tage Tschick runter Spätfilm besonders t, waren die le rechen. Von 20 sp ckere t heroisch mit der le ch e, ni du die rauchs l Tschick in der Papp en ge ld Vö n rüberkommen, zünde das go rdem können tja. Hab mich und fortschritt. Ich oder was? il en den Kopf. Auße Maschinerie der Tab ge es s Ri n da ei die ist n – akindustrie also sch ein ist scho hwindlig wird kann on durchschaut, einzige, das all jawohl! Verdamm isch, als mir sc An den Streit te Gehirnwäsche. eue mich dieb ffe glücklich. Fr pa . an Ich . rl Vo te 14 n et it we gen – Rauchen ist cool, nein, ich Zigar tzte Mal m bin doch kein Trotte war mir das le l! Gut, jetzt rauch ich noch. Aber in So schwindlig rn. ne in er r wenigen Wochen eh m cht – aus die Maus. ter Schnitt, ich mich gar ni Und ist ein gu ich nicht um. m gt nzige in ei br 30.12. Liege seit zw s ne da ei Tag, ei Tagen im Bett, sch süchtig bin, ist ne einzige am were Grippe. he und extrem Hab mein Buch au 14.1. Eine. Ei uc ra e rn n. ge ge ie sgelesen, aber no Da ich sehr rbeer-Kranz kr ch eine Woche Zeit, um mit dem immer noch. sollte einen Lo Rauchen aufzuhö te Sache. Ich gu ne ren ei . Ke ick etten auf in Problem. Schleppe mich ins Tsch ge meine Zigar Wohnzimmer und atscherl. Ich le Tr zünde mir vorsich suert mich, au da eine an. Auch wenn eh be e ffe Si Ka tig sie mich gerade fas ne Freundin. al wieder ein ei m m gt ich sa dl , En r“ . t Ch um he r ecker bringt. Aber 16.1 das ist wohl nur die Nichtrauc ich, weil ich de Grippe. ier ist seit 1.1. oblem“, sage Pr n Schokoei n ei „K den Tisch. „H t. ad gu tut ich hab mir gr nd Ihr Mitgefühl . „U – ich r.“ he eh issenen) se m s da h eh nicht selben (versch he ja eigentlic ir sitzen alle im W obers . ag ich hl m bin, „ich rauc Sc 2009 it sie m o stet n großen Kaka auferlegt“, trö t ne ei eine bo er be um -V lie l, en el zu lad 6.1. So, heute ist ihr zuliebe schn mein letzter Tag als stellt sie sich liche Café mir uche nd Schließlich be Raucher. Mein alle ei ra . r-f ot Ich he . Bo allerletzter Tag, an rn uc de Ra s rdem ich mir eins weiter zu plau rlassen wir da s dieser stinkenden, am Parkplatz und danach ve bösen, grauslichen ohne Weitere rrender Kälte kli , auszehrenden Din in was, das man g et d lan sin de ze ät ger in den Mund rs Vo halbe Stun stecke, um mich sel te Gu k. bst zu vergiften. Ich etten am Stüc tue keinen jetzt drei Zigar Schritt mehr, ohne lich. nt das Carr-Buch am ge ei , te nn hKörper zu tragen. kübeln kö Ich freue mich au sind die Rauc f meine Zeit als rei nzige Lichtblick ei r n te De . ch et er, ch ar ge gli Zig sunder, nicht n stinkender Mensch ich unsä jetzt auf siebe . Das Leben wird ein ium stresst m okay: Ich bin ll n. Fest! Um zehn vo ho 19.1. Das Stud ch Uhr abends drücke sc no ird er m ich sie also aus – her, ha! Das w Schnitt ist im die letzte Tschick weniger als frü pausen. Mein meines gesamten . Immer noch Lebens. Ein sehr erh 15 s en st ch den Hö ebendes Gefühl. täglich. Ich werde noch me sperre mich je inen Enkeln davon n Abgaben! Ich te tz le m n zu erzählen. ne ei ist Es ss mit m be, schreibe. ich habe Stre n soll, hreibe, schrei 23.1. Scheiße, 7.1. Ah, endlich rau er ein und sc uchfrei bleibe m ra er zim ab its n chfrei! Habe alle As be nu Ar s ng in nu ag oh heritt W uc m e ch Rä di ch en n becher Na ei entfernt und die Sc ten. Da inken will wie hachtel damit in die nur mit Zigaret pt. Es ist Da ich nicht st . kip Garage gestellt. er ge m Schaffen, aber g Dieses Haus brauc di Zim än n st ne ht keine Aschenbe r in diesem ei s Fenster hier ke. Mit cher mehr im Wohn rauche ich nu Nikotin, ist da und Arbeitszimmer, ne Kapuzenjac r aus Teer und auch nicht mehr im ee M Socken und ei m ar ne Pa ei s te ei Bad oder in der zw lachs in Küche, ne. Wenn ma n ei l, n nicht raucht, bra ge: einen Scha ucht man keine saukalt. Ich tra Aschenbecher. Ich atme viel freier, me in Hirn funktionier besser, und das sch t on nach einem Tag ! 8.1. Ich hasse me in gesamtes Leben . Ich hasse es, fernzusehen, autozufa hren und in die Sc hule zu gehen. Ich hasse es, morgens aufzustehen. Ich ha sse es, zu essen, Kaffee zu trinken und einzukaufen. Ich hasse die Asch er

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as von

cht. Es ist sow

g, Nacht für Na

iten ferti ich meine Arbe

eibe n Fingern schr und zitternde pf Ko am ze der Kapu hen. gen doch noch meine Prüfun r kann ich rauc ch schlafe, um kalt! Aber dafü gli tä ieder auf. n w de so un ie St w nur noch vier esterferien so t m ei Se rz n zu de ich in Da rdem höre ich 30 Zigaretten. t so. Gell. Auße 27.1. Schnitt: t das aber nich hl zä n, ffe ha ter. alle zu sc s offene Fens sicher nur da igarette “-Z huld daran ist fft Sc ha a. sc gin ge r An b das Semeste tzt eine eitrige m. 29.1. pannte „Ich ha bracht und je hinaus. Hmm , um eine ents hinter mich ge t er m gu die Winterluft in es zim r all its te b be ns Ha Ar Fe s in en r pt be kip rü ge äu . Ich kr sich aus dem Arme Frau, ich aden kräuseln augraue Schw Bl n. he uc er drin. ra zu t viel zu gut hi Böses: es riech ich aufn ne he ah uc n Ra he m ge hon beim Rein Jahr hab ich zu Sc en . lb in ha nd i ist. re m eu hf Fr ne 5.2. alte ng jetzt rauc brigens: vor ei suche ich eine weil die Wohnu it Gemüse! „Ü e, m ss as rra Nach Jahren be w Te et r de re ra f ih – sie kocht ge !“ Bin sauer. telstunden au Und die Frau e ich alle Vier cht so schwer . „Es ist gar ni . Zitternd steh rn sie t lte hl hu ra Sc st , e gehört“ Decke über di gt sie mir eine Mitfühlend le eht, dass ben ist. Da st enkrebs gestor ng Lu heren Veran nä e em all band vor kurz hin und zähle gs in ich bl m e Lie r tz ne se doch alles 11.2. iker ei d fünf. Das ist tte. Zu spät. Ich , dass ein Mus ben sind. Es sin n aufgehört hä or he . st Erfahre zufällig uc en ge Ra s eb m eb ng hi kr zu r seinem Tod Tabakindustrie mily an Lungen er ein Jahr vo e verdammte ner eigenen Fa di ei r m fü t in e ch di ni , n mmen ill mein Lebe wandten zusa , dringend. W s was ändern Kacke. Ich mus n deprimiert. eld left. Ich bi n. Kein Kleing be Le n ale rm in einem no rmaler Schnitt 14.2. ück täglich. No St 25 s bi 18 : Schnitt zunden und ich ls ist dauerent d das . So richtig. Ha en ör eventuell. Un , fh ga au n Yo he angehen. Mit rtig aft zum Rauc ig fe th ht e ns 20.2. ric ng er al Di de m e er es dr di ss gefasst: W schon ganz an hen. Werde es ch ge do zu b zt Ha Ar Habe Entschlu it. m ke r zu ehr Ernsthaftig gar nicht meh er jetzt mit m trau mich fast nmal lesen, ab ei ch no ich Buch werde . Haha. ja gelacht. Ha gebracht. Wär

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10 1. Platz 2. Platz 3. Platz 4. Platz 5. Platz 6. Platz 7. Platz 8. Platz 9. Platz 10. Platz

XXXXXX Gutschein von NXP Bowling im Wert von 300 Euro 3 Tickets für Beat Patrol Festival im Wert von über 225 Euro 3 Tickets für Die Paldauer im Wert von 105 Euro 3 Tickets für Alfred Dorfer im Wert von 78 Euro 3 Tickets für Karl-Heinz Hackl im Wert von 75 Euro 3 Tickets für maschek.redet.drüber im Wert von 66 Euro 3 Tickets für Alf Poier im Wert von 66 Euro 3 Tickets für Leo Lukas im Wert von 60 Euro 3 Tickets für Mike Supancic im Wert von 57 Euro 3 Tickets für Pippi Langstrumpf im Wert 27 Euro

(Jeder Preis wird pro Kategorie zur Verfügung gestellt.)

Aller guten Dinge sind drei! Doch welches Trio ist das Beste?

Mit der „NXP Team Challenge“ wird der Wettstreit um den perfekten Dreier im April eröffnet! Teams zu drei Bowlern rittern Woche für Woche um ein „Perfect Game“ – und lassen ihre erzielten Top-Ergebnisse in die Statistik eintragen. Die besten Bowling-Trios kassieren zahlreiche Sachpreise!

Egal ob Familie, Freunde oder Arbeitskolle-

lenge eindeutig im Vordergrund. Woche für Wo-

sprung sicher genug ist. Ende Juni stehen dann

gen – ein Trio hat man rasch mal beisammen.

che wird so ein Top-Ergebnis gesammelt, wel-

die Sieger fest, für die Top Ten gibt es zahlreiche

Magische neun Wochen lang treten diese

ches in die Gesamt-Statistik einfließt.

Preise im Gesamtwert von über 2.100 Euro!

Mannschaften regelmäßig an um in bester

Über www.nxp-bowling.at kann laufend Einblick

(Hobby-)Sportlermanier möglichst viele Punkte

genommen werden, an welcher Stelle die ei-

Zwei wichtige Punkte

abzustauben. Wie viele Spiele gespielt werden

gene Mannschaft liegt. Ob man eventuell nicht

Erstens: Sobald in einem Trio ein Vereinsspieler

ist egal, der Fun steht bei der NXP Team Chal-

doch nochmal trainieren sollte, oder ob der Vor-

aktiv ist wird das Trio in einer eigenen Katego-

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11

XXXXXX rie geführt. Diese „NXP Team Challenge [pro]“ nimmt ganz normal an der Wertung teil, wird jedoch in einer separaten Kategorie geführt. Somit wird sichergestellt, dass auch unsere Funbzw. Hobby-Bowler Top-Siegeschancen haben. Zweitens: Sollte ein Trio mal in einer Kalenderwoche gar nicht zum Punkten kommen, beispielsweise weil ein Spieler ausfällt, so kommt der „Rettungspolster“ zum Tragen: Vom schwächsten in dieser Woche erzielten TeamErgebnis aller anderen teilnehmenden Teams werden 20 Prozent abgezogen – und dann allen Teams gutgeschrieben, die in der relevanten Woche nicht aktiv waren und keine eigenen Punkte gesammelt haben. Somit bleiben auch für die Teams, die unfreiwillig pausieren mussten, noch Chancen für die Gesamtwertung.

„Perfekt zum Team-Building!“ Die NXP Team Challenge richtet sich auch insbesondere an Teams, die nach der Arbeit gebietet Tag für Tag einen idealen Rahmen für Fir-

Sundeck

mengruppen! In entspannter Atmosphäre lässt

Der Sommer kommt: Dank steigender Temperaturen starten wir in die Outdoor-Saison!

man den Arbeitstag ausklingen, aus Arbeitskol-

Mit dem attraktiven Terrassendesign von Innenarchitekt Mario Schmelzenbach über-

legen entsteht ein richtiges Team. Darum stellt

raschte das NXP Sundeck im Vorjahr und entwickelte sich binnen weniger Wochen zu

die NXP Team Challenge auch für „Firmen-

dem trendigen Hotspot mit Flair und Stil für laue Sommerabende in St. Pölten.

Teams“ eine Einladung dar, das Zusammenge-

Auch tagsüber erfreut sich das Sundeck hoher Beliebtheit und wird damit seinem Na-

hörigkeitsgefühl zu leben und gemeinsam Spaß

men besonders gerecht: Ein gemütliches Frühstück, täglich ab 9:00 Uhr, oder gleich ein

zu haben!

schmackhaftes Mittagessen – das Sundeck lädt ein und macht Lust auf Draußen. Soll-

Anmelden kann man sich ganz einfach über die

ten die Temperaturen mal nicht mitspielen, sorgen sechs Infrarotstrahler für angenehme

Website www.nxp-bowling.at, dort gibt es auch

Wärme. Auch gastronomische Besonderheiten werden die heiße Sommersaison ab-

nähere Informationen zur NXP Team Challenge.

wechslungsreich gestalten.

Auskünfte erteilt auch gerne unser Counter-

Mit über 60 Cocktails, zahlreichen Snacks und einem außergewöhnlichen, mediterranen

personal. Wir wünschen allen Teilnehmern viel

Ambiente steht das NXP Sundeck für Top-Niveau im St. Pöltner Eventgastro-Bereich. Un-

Spaß und freuen uns schon jetzt auf die Top Ten

termalt wird dieses Flair durch eine eigene Musikkomposition, die immer wieder speziell

der NXP Team Challenge!

abgestimmte Sounds aus dem Fundus der Lounge-Musik bringt.

meinsam Zeit verbringen wollen: NXP Bowling

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Event Location Ein „Perfect Game“ beginnt mit dem sorgenfreien Event! Suchen Sie noch nach der perfekten Location für Ihr Happening? Haben Sie sich noch nicht entschieden, wo Ihre nächste Firmen-, Vereins- oder Privatfeier stattfinden soll? Wollen Sie Ihrem Team und sich selbst mehr bieten, als einen 08/15-Abend? Dann ist NXP Bowling die richtige Wahl! Teilen Sie uns Ihren Wunschtermin und die Personenanzahl mit und wir reservieren die entsprechende Anzahl an Bahnen – Sie müssen sich um nichts weiter kümmern. Reservieren Sie unsere kostenlos unsere Club Lounge und feiern Sie gemütlich in den „eigenen vier Wänden“. Auf Wunsch wählen Sie aus unseren vielfältigen CateringAngeboten, das für Ihre Gruppe passende Buffet aus! Von Fingerfood-Buffet über traditionelle Hausmannskost ist alles möglich. Natürlich kommt auch die Unterhaltung bei NXP Bowling nicht zu kurz. Denn: Bowlen kann jeder – und gemeinsames Bowling macht zudem gewaltig Spaß und fördert die gesellige Kommunikation! Neben unseren zwölf top-modernen Bahnen stehen auch sechs Billardtische für Sie bereit. Hunderte Firmenkunden können nicht irren!

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– bissl Ruhe und Frieden bei flatternden NerK wie Kernkraftwerkrecycling

vensträngen bringen Johanniskraut, Passions-

NÖ größter Stromversorger (ja, die EVN) will

blume, Melisse oder Lavendel bzw. der Klassi-

den einst als Kernkraftwerk geplanten Stand-

ker Baldrian. Nein, eine Flasche Schnaps hilft

ort Zwentendorf jetzt als landesweit größte

nicht so gut.

Photovoltaik-Anlage nutzen. Sonnenenergie + Biomasse statt Atomkraft = gut.

O wie Ozelotweisheit „Der einzige, der einen Ozelotpelz wirklich braucht, ist der Ozelot.“ (Bernhard Grzimek)

L wie Link Esoterikfans aufgepasst – hier kommt ein Link für alles (quasi). Von Reiki bis Numerologie: www.esoterik-plattform.at

P wie Papier Man kann es beidseitig verwenden.

M wie Marge Simpson

Q wie Quacksalber

Da belehrt eine der gescheitesten weiblichen

Ja, das neue Wundermittel, das mittels Pflan-

Figuren des Universums ihre Weltverbesserer-

zenextrakten,

Tochter, die nach einem Tankerunglück unbe-

einem Schuss Geheimtinktur Fett und freie Ra-

dingt ans Meer zum kollektiven Ölschrubben

dikale bindet und dich schlanker, jünger und

fahren will: „Fang lieber mal zuhause an, du

beliebter macht, kostet soviel wie ein Lebens-

kannst doch auch hier Gutes tun – bade den

mitteleinkauf für die ganze Woche. Nein, es

Hund oder schneide der Katze die Krallen.“ Ab-

wirkt nicht.

französischem

Namen

und

gesehen davon, dass ich niemals einer Katze

K

ER G R T D

ÜN

E PU N

Coming up next: R - Z

DE R G R

die Krallen schneiden würde, hat sie recht…

E PU N

3600 Oeko.indd 2

Nervöse Zeiten schaffen nervöse Menschen

ÜN

stohlen die kleinen Scheine. Wir sitzen zwar in meiner Küche, aber alle Wände haben Sinnesorgane. „Sil“, zische ich, „das sind nur 10, äh, Flocken.“ – „Den Rest kriegst du, wenn der Text abgedruckt ist“, knurrt sie. Der Mops sitzt auf ihrem Schoß und starrt mich feindselig an. Vielleicht sollte ich ihn auch positiv erwähnen – er ist schließlich ganz ein braver Hund, der ein wasserdichtes Alibi hat für den Zeitpunkt, als einer meiner Leoplüsch-Hauspatschen sein Lebenslicht ausblies. „Wenn du raufgehst auf 30“, flüstere ich verschwörerisch, „schreib ich auch noch zwei Zeilen über den, äh, Köter.“ – „Gebongt“, kramt Sil in der 80ies Slangkiste. Vielleicht sollten wir ja alle auch nur aufhören, so viel fernzusehen. Vielleicht würden wir dann langsam sogar normal werden im Schädel.

N wie nervös

Sind langweilig.

T

CHICKEN

von Althea Müller

J wie Jasager

K

Meine Lieblingsfreundin Sil, die ist gar nicht so garstig und gemein, wie ich sie des Öfteren im Rahmen dieser Kolumne darstelle. Sie ist eine feinfühlige, geduldige und höchst liebevolle Person. Darüber hinaus beschäftigt sie sich viel weniger mit Shopping, Modelmaßen oder Schuhen, wie ich es oft in die Welt hinaus schreie, sondern engagiert sich für den Umweltschutz, die Kinder und das eine oder andre halt sonst noch. Außerdem ist sie wirklich erst Anfang Zwanzig und nicht nur, weil sie ihr wahres Alter offiziell vertuscht. Sie bäckt Kuchen für die Kirche und ihre Tätowierungen sind nur aufgemalt – mit Henna, weil das naturbelassener ist und wieder abgeht, wenn sie sich in ihrer Freizeit um ältere Menschen kümmert. Konkret liest sie ihnen vor. Aus richtigen Büchern. „Okay“, nickt Sil, „das ist in Ordnung, hier sind die 20 Mücken.“ Ich zähle unterm Tisch ver-

Ohne Konservierunsstoffe, künstliche Aromen und Farbstoffe!

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Ein Hauer kommt selten allein: Mostbaron Hauer und Gattin

19 „Mostschädln“ unter einem Hut

A

Gar Unheimliches geht vor im Mostviertel. So hält sich standhaft das Gerücht, dass der Adel ebendort fröhliche Urständ feiert. Wir wolltens wissen und machten uns auf die Suche ins Land der weißen Blütenpracht.

lle Wege führen ins Mostviertel. Wir düsen auf der A1 bis Amstetten, dann mäandrieren wir auf Landstraßen weiter ins Hinterland. Und was für eins: Sanfte Hügel, im Hintergrund der Ötscher, malerisch hingeworfene Bauernhöfe und dann v. a. eines: Obstbäume, immer wieder Obstbäume, aus denen das Gold der Region gepresst wird: Most (na so eine Überraschung!). In Kürze werden die rund 300.000 (!) Bäume in vollster Blütenpracht stehen – ein atemberaubender Traum in Weiß. Und der Adel, dem unsere Mission gilt? Hat überall seine Spuren hinterlassen: Schon auf der Autobahn mittels birnenbemusterter Schallschutzwände, und jetzt durch Schilder an Kreisverkehren und Straßenecken, denen wir unbeirrt folgen und schließlich in Hauersdorf landen. Dort schmettert uns Karl (von) Hauer mit schallender Stimme ein „Grüß euch, was kann ich für euch tun“ entgegen und entpuppt sich rasch als waschechter Mostbaron! Heureka! Die Adeligen im Mostviertel sind also kein

Gerücht, wenngleich sie von völlig neuem Schlag sind. Mostviertler Tafelrunde. So ist der Mostbaron kein Erbtitel, sondern man wird quasi dazu geschlagen, wenn man sich besondere Verdienste um die Kultur der Region und des Mosts erworben hat. Seit 2003 ist dies erst 19 Herren gelungen, worauf die Barone – völlig zurecht – stolz sind. „Wir sind sowohl wirtschaftlich, als auch marketingtechnisch für das Mostviertel sehr wichtig! Die Leute identifizieren sich immer mehr mit ihrer Herkunft und sind stolz darauf“, so Hauer. Die Mostbarone hüllen sich nicht in Samt und Seide, sondern tragen gewöhnlich klassische Arbeitsmontur vom Giebelkreuz-Label. An Festtagen freilich schmeißen sie sich in die „Feiertagswäsch“, den klassischen Mostviertler Anzug samt Gilet mit einzigartigem Birnenmuster sowie dem Baronhut mit Adlerflaum drauf. Was wohl passiert,

wenn man dem Baron seinen Hut stibitzt, schießt es uns kurz durch den Kopf, trauen uns dann aber doch nicht zu fragen – feige Stadtnüsse! Eine weitere Eigenheit der Mostbarone sind auch ihre eigentümlichen Begrüßungsrituale á la: „Hoch lebe die Mostkultur! – Hoch! Hoch! Hoch!“ Sie bewohnen keine Schlösser, sondern traditionelle Bauernhöfe, und ihre „Zeremoniensäle“, vulgo Heurigenstubn, sind äußerst gemütlich. Hauer führt uns durch sein Domizil, vorbei an der Ahnengalerie und einer Reihe von Auszeichnungen. Unsere Blicke bleiben freilich an einem mächtigen Apparat in der Mitte des Raums haften: Kein Folterinstrument, wie wir aufgeklärt werden, sondern eine Schnapsbrennerei! Wir lernen: Das Blut der Mostbarone ist nicht blau, sondern entweder weiß-gelblich wie der Most oder klar wie der Schnaps. Und das Beste an der ganzen Sache: Beides lässt sich formidabel trinken!

– 38 – MFG

3839 Mostviertel_v2.indd 2

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KULTUR SZENE Get Your Title. Die Mostbarone sind auch ein großzügiger Menschenschlag. So winkt bei Teilnahme an der „Mostviertler Tafelrunde“ etwa der Ritterschlag! Freilich muss man sich vorher durch die kulinarischen Genüsse der Region kosten (oh wie grausam) und beim Fasslbauen bewähren. „Eine Riesenhetz!“ Oder man schlägt die akademische Laufbahn ein, indem man die „Genussmatura“ ablegt oder sich innerhalb eines halben Tages überhaupt gleich zum Dr. honoris mosticus ausbilden lässt, mit Seminaren und praktischen Übungen wie Mostkunde, Fasslrollen, Fassldauben-Schilauf (okay, wir sind nun einmal eine Schi-Nation!) oder Bauernkrapfenbacken.

Die Vorher-Nachher Show

Tradition. Genuss. Spaß. Bei alledem oszilliert man quasi immer zwischen Unterhaltung einerseits, und dem Gefühl von Ursprünglichkeit und Authentizität andererseits – ein Markenzeichen des Mostviertels. „Wir versuchen immer, das Kulinarische mit dem Erlebnis zu verknüpfen!“, erklärt sodenn Toni Distelberger – ein anderer Mostbaron, dem wir die Aufwartung machen – die Philosophie der Mostbarone. Er steht auch für die Tradition des Raumes, immerhin beherbergt er in seinen hehren Hallen das Bauernmuseum – mit seinen über 17.000 Gegenständen die größte volkskundliche Privatsammlung Österreichs! Doch bei aller Tradition sind die Barone moderne, dynamische Zeitgenossen, wie

„Mostschädel“ trinkt aus „Mostplutza“, einem Keramik-Gefäß zum Kühlen des Mosts.

Eine Auflistung aller 19 Mostbarone und was sie so tun, finden Sie / findest du auf der Homepage www.mostbaron.at oder einfach Folder anfordern! Weitere kostenlose Prospekte informieren über alle Termine und die interessantesten Ausflugsziele. Der Mostfrühlingskalender listet sämtliche Veranstaltungen rund um die Birnbaumblüte auf. Im Moststraßenkalender sind die Wirte, Heurigen und Ab Hof Betriebe entlang der Moststraße sowie die Sehenswürdigkeiten mit ihren Öffnungszeiten verzeichnet. Erhältlich sind beide Prospekte bei Mostviertel Tourismus, T 07416/521 91, www.moststrasse.at!

Die Erlebnisreise durchs MostBirnHaus! Hören, riechen, schauen, stauen. Tauchen Sie ein in die Welt der Birne. Auf einer spielerischen und multimedialen Reise gibt es für große und für kleine Besucher vieles zum Ausprobieren und Mitmachen. Lernen Sie die Sonnenund Schattenseiten im Birnenleben kennen. Und begleiten Sie das Früchtchen schließlich auf seinem Weg zum köstlichen Birnenmost. Die besten Mostviertler Moste, Säfte und Edelbrände gibt es im GenussSalon zum Kosten und Kaufen.

Im Shop sind alle köstlichen Mostbaron-Produkte erhältlich!

MostBirnHaus Erlebnis- und Genusszentrum 3300 Stift Ardagger, Stift 9 T: +43(0)7479/6400, www.mostbirnhaus.at

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wir uns spätestens in Distelbergers Produktionsstätte überzeugen können, wo wir uns zwischen Stahltanks wiederfinden. Dort bekommen wir eine kleine Einführung über die Naturprodukte des Mostviertels, etwa dass neben den verschiedenen sortenreinen (!) Mostarten „auch Schnäpse, Säfte, Sekte und eigene Most-Balsam-Essig Sorten produziert werden.“ Außerdem wird der Most zusehends zum Kochen verwendet, und er ist nicht nur gesund und wohlschmeckend, sondern verspricht auch manch angenehme Nebenwirkung: „Vom Most bekommt man keinen Bierbauch!“, klärt uns etwa Hauer auf, und fügt dann augenzwinkernd hinzu: „Außerdem wirkt er aphrodisierend!“ Nur böse Zungen

würden behaupten, dass wir just aufgrund dieses klitzekleinen Insidertipps gleich mehrere Kartons des edlen Getränks mitnehmen, als wir den Heimweg antreten. Nächstes Mal, so haben wir beschlossen, kommen wir übrigens mit dem Rad und unternehmen die Mostrallye – von einem Mostbaron zum nächsten, und zwar zur Blütezeit. „Die wird heuer aufgrund des langen Winters sicher traumhaft!“, verspricht Hauer. Traumhaft wie das Essen, der Most, der Schnaps, die Landschaft und die Menschen, insbesondere die Adeligen. Wie hätte Arnie gesagt: „I’ll be back!“ Wir sicher auch, spätestens am Tag des Mosts am 26. April!

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Kleiner Sprachkurs für das vereinte Europa Zigarettenautomat russisch

Am

26. und 27. April steht das Festspielhaus

St. Pölten ganz im Zeichen der Frau. Bei Carmen.bewegt, einem Mix aus klassischer Ballettliteratur und zeitgenössischem Tanz, wird

Freundin des italienischen Huhns mit Eierschale am Kopf griechisch Joseph, lass’ dir nichts gefallen italienisch

nicht nur erfahrenen Musikerinnen, sondern auch jungen Amateurinnen die Chance auf Bühnenerfahrung geboten. Junge Tänzerinnen erarbeiten dabei ein Tanzstück zu Schtschedrins Ballettsuite Carmen. Susanne Hofer, die Kulturvermittlerin des Festspielhauses, zu den Besonderheiten des Pro-

Betrunkener französisch

jekts: „Die Förderung von jungen Frauen liegt

Anderes Wort für Festzug

lich für junge Frauen öffnen. Auch wollten wir

uns natürlich besonders am Herzen. Ich wollte gerne in diesem Projekt die Bühne ausschließganz bewusst keine weiblichen Klischees wie

Wohlwollen einer Engländerin

die Femme Fatale oder das verlassene Mädchen auf die Bühne schicken.“

Jazzstil in Nordamerika

d

Ziel des Projekts ist es, Kindern und Jugend-

Böses elektrisch geladenes Teilchen

lichen unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft den Zugang zu Tanz und Musik zu eröffnen, und die Kreativität und die Persönlich-

SCHRÄG GEDACHT

keit von jungen Menschen zu stärken.

Carmen.bewegt

von Thomas Karl

Geschüttelte Weisheiten Sofies Welt

Patzt Du an mit Keks Sandalen, spricht man nicht von Sexskandalen

Keine Provinzliteratur

Sex im Heizraum kann a sein Reiz haum (haben) Liegend auf ’nem Strohballen, lass ich die Sonne am …. (Auflösung muss aus Jugendschutzgründen unterbleiben)

Die Vorarbeiten

zum „Borg Musical Project 2009“

Seit

1999 erscheint in Dresden zwei Mal jährlich

sind schon in vollem Gange. Nach langer Suche

das Literaturheft Signum. Die Winterausgabe 2009

hat man sich für das Stück „Sofies Welt“, eine

beschäftigt sich in einem Exkurs mit den St. Pöltner

schwungvolle Reise durch die Welt der Philosophie,

Literaten, zusammengetrommelt von Krimiautor

entschieden. In diesem Stück geht es um geistige

Manfred Wieninger. „Als Literat kennt man Signum,

Auseinandersetzung mit Denkverhalten und dem

es ist als qualitativ hochwertige Zeitschrift in die-

Hin und Her zwischen Sein und Schein. Der realen

ser Branche bekannt“, erzählt Wieninger. Im Auf-

Welt wird eine poetische Phantasiewelt gegenüber-

trag von Herausgeber Norbert Weiß hat er den St.

gestellt, in der die Autoren die verschiedenen Denk-

Pöltner Literaten die Texte für die Sonderausgabe

modelle in musikalisch-lebendige Bilder umsetzen.

St. Pölten entlockt. Weiß ist zufrieden: „Dass es eine

Zu viel wird aber noch nicht verraten. Bislang steckt

Szene auf dem Papier gibt, dafür liefert der Vor-

Vision

man noch in der Probephase. „Die Anforderungen

spann den besten Beweis: Genre- und Themenviel-

Ragusa

und die Menge an verschiedenen Rollen passen

falt, ganz unterschiedliche Stimmen und Talente.“

perfekt. Jedes einzelne Stück für sich besteht schon

Aus seiner Sicht kann man St. Pölten daher nicht

und wurde bereits durchgespielt. Bis Mai wollen wir

als Provinz bezeichnen: „Provinz ist nur dort, wo es

alles zu einem großen Ganzen vermischen“, so der

keine Literatur gibt.“ In St. Pölten wird das Heft am

musikalische Leiter Erich Schwab. Das große Ganze,

22. April um 19 Uhr im Stadtmuseum präsentiert.

das am 27. Juni im Festspielhaus erstaufgeführt

Signum kann im Internet (www.zeitschrift-signum.

wird, besteht aus nicht weniger als 80 Tänzern, 25

de) bestellt und abonniert werden, auch Bestellun-

Orchesterleuten und 140 Choristen.

gen über den Buchhandel sind möglich.

Bläst in Tirol der Südwind, die Leute immer wüd (wild) sind

Foto: rauschmayr, fotolia, signum

Magst du meine Küsse fühlen oder deine Füße kühlen?

Missgunst Party-Tour (Partitur) Mau= Mann) Arrangement (a RauschGiuseppe Verdi Calimera Apparat Tschick

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Foto: rauschmayr, fotolia, signum

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Fotografie © Franz Fletzberger, Gestaltung: M. Nedeljkovic © Niederösterreichisches Landesmuseum, St. Pölten

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Der Zwischen-Reiche Derzeit gibt es im Stadtmuseum St. Pölten die hervorragend kuratierte Ausstellung „God: The Fossil Record“ zu bewundern. Einer der Künstler, die im Rahmen dieser ihre Interpretation zu Charles Darwin zum Besten geben, ist der Wahl-Niederösterreicher Mark Rossell. Doch das ist nicht der einzige Grund, sich mit dem hageren und auf manche Zeitgenossen etwas sinister wirkenden Herrn näher zu beschäftigen. Von Thomas Fröhlich Kennen

Sie Wallace? Nein, nicht Edgar. Viel-

des Lebendigen, Körperlichen befindet. Oder be-

ologie und Biologie studiert, an der Otago School

mehr Alfred Russel Wallace. Letzterer war ein

finden könnte. Und das tut er auf eine Weise, die

of Art in Dunedin unterrichtet und mit geistig

Zeitgenosse Charles Darwins, der sich so seine

den Betrachter mitunter ganz schön herausfor-

behinderten Kindern gearbeitet hat, hat einiges

Gedanken zum Thema menschliches Bewusst-

dert: tote, zum Teil verweste Tiere, in Harz gegos-

von der Welt gesehen. Seit Anfang der Neunziger

sein machte. Zwei Jahre vor dem Erscheinen von

sen. Konstruktionen aus Schaum, Holz und Latex,

Jahre der Anthroposophie und dem Buddhis-

Darwins Hauptwerk „Die Entstehung der Arten“

die Assoziationen zu Mumien hervorrufen und

mus zugeneigt, begann er 2000 Bildhauerei in

anno 1859 meinte Wallace sinngemäß, das hö-

einen seltsam untot-organischen Eindruck ver-

Großbritannien zu studieren. Polyesterharz und

here Bewusstsein von Menschen (und zum Teil

mitteln. Oder in Harz gegossene Handabdrücke,

Fiberglas wurden zu Hauptwerkstoffen für seine

auch von Tieren) hätte seinen Ursprung definitiv

die, an die Wand gehängt und bei richtiger Be-

Körperlandschaften, die verzerrte, ein wenig an

nicht in der physischen Welt. Sondern irgendwo

leuchtung, gleichsam zu schweben beginnen.

die Alptraum-Geschöpfe aus den von Clive Bar-

außerhalb. Darwin schätzte allerdings eher die

„A bissl unheimlich“, meint eine befreundete Ma-

ker inspirierten Hellraiser-Filmen erinnernde

greifbaren, messbaren Dinge. Was ihn aber nicht

lerin zu Rossells Kunstwerken – und das ist nicht

Gesichtsabdrücke genauso umfassen wie den

daran hindern sollte, seine Evolutionstheorie

ganz von der Hand zu weisen. Dabei wäre das

in jüngster Zeit fertig gestellten Ampelbaum, der

unter Bedachtnahme auf und in Absprache mit

überhaupt nicht so gemeint, so der hagere, stets

mit einer Ähnlichkeit zu amputierten (grün und

Wallace zu entwickeln. Was das mit Mark Rossell

freundlich und präzise formulierende Rossell. Es

rot blutenden) Beinen aufwartet.

zu tun hat? Viel.

ginge ihm vielmehr um das Nebeneinander, das

Kalt lassen seine Werke niemanden. In Zeiten

Der 1960 in Australien geborene in Prinzersdorf

Ineinandergreifen von Leben und Tod, Geist und

wachsender Wischiwaschi-Beliebigkeit schafft es

bei St. Pölten lebende bildende Künstler versucht

Materie – und um die Transzendenz dazwischen.

Rossell, Kunst zu machen, die im besten Sinne

nämlich in seinen Skulpturen und Objekten nicht

Klar: Brave Behübschungskunst ist das nicht.

arschkickt und gleichzeitig die kleinen grauen

zuletzt darauf hinzuweisen, was sich außerhalb

Rossell, der in Neuseeland aufgewachsen ist, Ge-

Zellen zum Arbeiten anregt.

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KULTUR

auch

anthroposophischem

Verrücktheiten in Grenzen zu halten.“

der Leiter des Stadt-

Vorbild ohne Kanten, in

Denn Rossell gehört sicher nicht zu den Men-

museums St. Pölten,

weicher Form gehalten,

schen, die nach einem 9 to 5-Job nach Hause

Thomas Pulle, gleich

was die auf den ersten

kommen und sich mit einem Bier selbstzufrieden

erkannt hat. Als Ros-

Blick mitunter klobige

vor die Glotze setzen. Stattdessen stellt er Über-

sell Pulle eines Tages

Anmutung in beinahe fi-

legungen an, was wir wahrnehmen, wenn wir kli-

ein paar Fotos seiner

ligrane Eleganz münden

nisch gestorben sind. Oder welche Erfahrungen

Werke zeigte, um viel-

lässt.

der Seele („Of course gibt es die!“) in einem to-

Was

übrigens

Wesentliche Ausstel-

ten Körper zuteil werden.

lungen, u. a. in Wien,

Rossell, dessen erste Faszination der Architektur

folgten. Und eine Be-

und der Spiritualität der großen englischen go-

meinte dieser umgehend: „Sie gehören ins Stadt-

teiligung an der derzeit laufenden Darwin-Hom-

tischen Kathedralen gehörte, und auch an Dinge

museum!“ Und zwar mit einer Einzelausstellung,

mage God:The Fossil Record im Stadtmuseum

wie Auferstehung glaubt, „allerdings nicht eine

die den bezeichnenden Titel „Zwischenreich“

ist inzwischen genauso selbstverständlich wie

rein körperliche, das wäre Bullshit“, geht den

trug. Ausgehend vom Totenkult des Alten Ägyp-

eine Einladung, im Herbst 2009 einen Teil seiner

Dingen gerne auf den Grund. Weil er das muss.

tens und dem Umgang mit dem Sterben heutzu-

Werke im Wiener Künstlerhaus zu zeigen.

Reich haben ihn seine Zwischenreiche allerdings

tage entwarf Rossell unter anderem eigenwillige

Rossell ist dankbar dafür: seinem Mentor Joseph

noch nicht gemacht.

Gefäße, die den Betrachter vom Materiellen zum

Teufl, der ihm sein Atelier in der alten Mirimi-Fa-

Warum er sich das alles eigentlich antue, fragt er

Immateriellen führen sollten: ein tönernes See-

brik in Prinzersdorf kostenlos überlässt. Thomas

sich manchmal. Und erteilt sich selbst die Ant-

lenbehältnis etwa oder einen in Frischhaltefolie

Pulle, „klar und of course!“, wie Rossell in seiner

wort: „Love, Liebe.“ Etwas Derartiges zu schaf-

verpackten Sarg. Archaische Gestalten wie Glet-

unnachahmlichen deutsch-englischen Mischung

fen wäre halt ein „faszinierender schöpferischer

schermann, Götter oder gefallene Engel verwob

ergänzt. Don Ferguson, der ihm den Kontakt zur

Akt“, oder schlichtweg „fuckin’ great“, um’s auf

Rossell mit Hilfe von Holz, Haaren, Federn, Gips,

St. Pöltner Künstlerszene ermöglicht hat. Und

den Punkt zu bringen. Klar und of course, bleibt

Latex und Kunststofffolien zu fantastischen Gebil-

– last but not least – seine Helga, die es immer

da noch anzumerken. Was denn sonst. Alles an-

den. Rossells Objekte waren – und sind – oft nach

wieder schafft, „to stop my crazyness, meine

dere wäre ja Bullshit.

leicht das eine oder andere in der Rathaus-

kl. Bild: Mark Rossell gr. Bild: Clive Bakers Albtraum-Geschöpfe

galerie unterzubringen,

– 43 – MFG

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URBAN

Die drei â&#x20AC;&#x17E;Dinner im Dunkelnâ&#x20AC;&#x153; am 26., 27. und 28. Mai (jeweils um 19.30 Uhr) im

9 q!'9-/(:+9

*

*+44 @;399+4 g

SchĂśnberg-Saal des Festspielhauses werden ein Fest fĂźr das HĂśren, das Riechen, das Schmecken und das FĂźhlen. â&#x20AC;&#x17E;Unsere Welt und unser Leben darin ist mehr und mehr auf visuelle EindrĂźcke ausgelegtâ&#x20AC;&#x153;, erklärt der â&#x20AC;&#x17E;fabelhafteâ&#x20AC;&#x153; Folke Tegetthoff das Besondere dieser Veranstaltungen.

*

â&#x20AC;&#x17E;Wird der Sehsinn durch vĂśllige Finsternis ausgeschaltet, erwachen die Sinne, deren Fähigkeiten wir nur noch in extremen Situationen wahrzunehmen imstande sind.â&#x20AC;&#x153; Untermalt wird der Abend von Klängen des GeräuschkĂźnstlers Otger

*â&#x20AC;&#x17E;Was gibt es denn zum Essen?â&#x20AC;&#x153; â&#x20AC;&#x17E;HĂśr doch hin!â&#x20AC;&#x153;

Kunert, fßr sinnliche Gaumenfreuden und Kreativität meisterlichen Kochens sorgt Georg Loichtls Fliegercatering, und selbstverständlich wird auch erzählt.

Die Dinner im Dunkeln. Im Festspielhaus.

Von Sinnen * â&#x20AC;&#x17E;Was gibt es denn zum Essen?â&#x20AC;&#x153; â&#x20AC;&#x17E;HĂśr doch hin!â&#x20AC;&#x153;

Von Patricia Rauscher

s.

Stellen Sie sich vor, Sie werden in einen stockfinsteren Raum geleitet und bekommen dort ein Dinner kredenzt, das sie sozusagen â&#x20AC;&#x17E;blindâ&#x20AC;&#x153; zu sich nehmen. Im Rahmen von â&#x20AC;&#x17E;Fabelhaftâ&#x20AC;&#x153; wird dieser Gedanke Realität. Guides dieser Grenzerfahrung sind Ann-Mary Linhart-Eicher und ihr Team â&#x20AC;&#x201C; allesamt blind! Wir plauderten mit ihr Ăźber Blindsein, die Dinners und vertauschte Rollen. Was steckt als Grundgedanke hinter â&#x20AC;&#x17E;Dinner im Dunkelnâ&#x20AC;&#x153;?

Dadurch wird den Blinden vollkommene Integra-

gleichbar, wie wenn man in der Nacht in seiner

tion gewährleistet. Als Blinder ist man ja daran

Wohnung aufsteht, und versucht, im Dunkeln nir-

Es ist die beste Art, eine volle Integration der

gewĂśhnt, dass man Sachen nicht sieht, fĂźr sie ist

gends anzustoĂ&#x;en. Irgendwann wird man sensi-

Blinden zu erreichen, weil ein Rollentausch statt-

das kein Problem. Wenn ein Sehender allerdings

bilisiert, man spĂźrt die Wände, weiĂ&#x;, wo sich die

findet: Der Sehende wird zum Blinden, der Blinde

zum ersten Mal in seinem Leben Ăźberhaupt

TĂźren befinden etc.

zum Sehenden. Die sehenden Teilnehmer wer-

nichts sieht, ist das eine totale Umstellung. Er

den von Blinden gefĂźhrt und erfahren vĂśllig neue

wird nun vom Blinden, der ihn fßhrt, abhängig.

EindrĂźcke.

Die Blinden bekommen von den Teilnehmern

Was machen die blinden Guides eigentlich beruflich?

sehr viel Bewunderung, Lob und Anerkennung.

Einige machen â&#x20AC;&#x17E;Dinner im Dunkelnâ&#x20AC;&#x153; hauptberuf-

Welche Erfahrungen haben Sie mit den Sehenden bei diesen Dinners gemacht? Bekommen da nicht manche Panik?

Den Sehenden wird durch das Dinner im Dunkeln

lich, andere sind nebenbei in anderen Jobs tätig,

bewusst, was ein Blinder zu leisten vermag.

manche studieren. Eine der Guides ist Magistra

Bis jetzt haben nur zwei Personen frĂźhzeitig den halten haben. Das UngewĂśhnliche â&#x20AC;&#x201C; einer davon

Das ist fĂźrwahr fĂźr einen Sehenden unvorstellbar. Wie orientiert man sich etwa als Blinder?

war einer der Organisatoren. Er verlieĂ&#x; während

Da das Sehen nicht vorhanden ist, werden die

des Dinners den Raum, und setzte sich vor die

anderen Sinne gestärkt. Man kann sich das so

TĂźr des Speisesaales. Allerdings war das die Aus-

vorstellen, wie wenn ein Mensch keine Hände

Was ist letztlich Ihr ganz persĂśnlicher Antrieb fĂźr Dinner im Dunkeln?

nahme. Prinzipiell weiĂ&#x; ja jeder Teilnehmer, wor-

hat. Da er nicht mit seinen Händen schreiben

Die Zufriedenheit der Teilnehmer nach dem

auf er sich einlässt.

kann, lernt er es eben mit den Zehen zu tun. Da

Dinner. Es ist zwar ein groĂ&#x;er organisatorischer

steckt viel Ă&#x153;bung dahinter! Genauso ist es mit

Aufwand, aber nachher Ăźberwiegt einfach die

Was ist umgekehrt das Besondere fĂźr die Blinden, die im Zuge des Dinners ja sozusagen zu den â&#x20AC;&#x17E;Sehendenâ&#x20AC;&#x153; werden?

dem Blindsein, man muss das einfach lernen. Es

Freude bei allen Beteiligten, egal ob Blinder oder

kann auch helfen, wenn man einen besonders

Sehender. Wenn die Menschen den Speisesaal

gut ausgeprägten Orientierungssinn hat, damit

verlassen, tauschen sie ihre Erfahrungen aus,

Das Besondere ist genau dieser Rollentausch.

man sich leichter zurecht findet. Das ist ver-

und sind glĂźcklich. Das ist einfach schĂśn!

Raum verlassen, weil sie es nicht mehr ausge-

der Literatur und macht gerade ihren Doktor, ein anderer ist Magister in Englisch und Spanisch, einige ßben Telefon- oder Bibliothekstätigkeiten aus.

â&#x20AC;&#x201C; 44 â&#x20AC;&#x201C; MFG

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FÖRDERVEREIN KULTURBEZIRK ADVERTORIAL

Das Grosse krabbeln im Landesmuseum Von den einen werden sie als Gesundheitspolizei geschätzt, von den anderen als Plage gehasst. Die Rede ist von Ameisen. Obwohl sie allgegenwärtig sind, ist unser Wissen über die Insekten dürftig. Das NÖ Landesmuseum schafft diesem Manko durch seine aktuelle Sonderausstellung „Ameisen“ ab sofort Abhilfe! In den erhabenen Büros des Amtes der NÖ Landesregierung haben die Ameisen vor Ausstellungsbeginn bereits in Terrarien überwintert. Tausende von Ameisen, fein sortiert nach rund 20 Artenfamilien. Nun führen sie frisch und kregel im Landesmuseum der Öffentlichkeit ihre staunenswerte Lebensweise vor. Am 19. März, zwei Tage vor der offiziellen Eröffnung, war bereits „Preview“ exklusiv für die Mitglieder des Fördervereins Kulturbezirk, die zahlreich die Möglichkeit nutzten, ganz authentisch vom Ausstellungsteam informiert zu werden.

Die Schau zeigt u.a., wie Ameisenstaaten organisiert sind, wie die verschiedenen Aufgaben auf Königinnen, Arbeiterinnen und Männchen verteilt sind etc. Insgesamt gibt es über 11.000 Arten weltweit! Die Ausstellungsbesucher können u. a. das geschäftige Treiben der Waldameise und einer Reihe anderer Arten in Formikarien live beobachten! www.landesmuseum.net

WINTERREISE UND FRÜHLINGSOPFER emanuel gat dance

EXKLUSIV-TIPP

St. Pölten feiert 850 Jahre und der Kulturbezirk feiert mit. So wird in der NÖ

Landesbibliothek die Ausstellung „St. Pölten im Bild. Das Bild einer Stadt. St. Pölten in alten Ansichten“ eröffnet. Unter dem Motto „850 Jahre und kein biss-

chen leise“ haben Fördervereins-Mitglieder bereits vorab, am 4. Mai, unter der kompetenten Führung von Bibliotheks-Direktor Dr. Gebhard König die Möglichkeit, die Schau zu besichtigen!

Samstag 14.TRUE Februar 2009,STORIES 19.30 Uhr

FSH_mfG_17032009:FSH_mfG_280508

17.03.2009

14:39 Uhr

Seite 1

BANGARRA DANCE THEATRE

Valentinstag im Festspielhaus

Freitag 17. April 19.30 Uhr und Samstag 18. April 19.30 Uhr, Großer Saal www.festspielhaus.at +43 (0) 2742/90 80 80-222

+43 (0) 2742/90 80 80-222 | www.festspielhaus.at

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Den Mutigen gehört die Welt Mit diesem Aufruf war das St. Pöltner Festspielhaus Anfang März in allen lokalen Medien vertreten. Doch was steckte dahinter? Von Ruth Riel. Foto Hermann Rauschmayr Grob gesagt die Suche nach Gesichtern für das

Die Jury. „Aber was passiert jetzt eigentlich

das Leben, das die Menschen miteinander ver-

neue Festspielhaus-Sujet, das vom namhaften

mit den Fotos?“, war die große Frage. Die wur-

bindet. Und das ist es, was Theater ausmacht“,

Fotografen Nick West aus Irland fotografiert wird.

den dem designierten Intendanten des Fest-

erklärt Schlömer. Eine Reihe weiterer Szenerien

Und weil man ja nicht x-beliebige Models nehmen

spielhauses, Joachim Schlömer, vorgelegt, und

werden entworfen und abgelichtet. Den Models

wollte, forderte das Festspielhaus die St. Pöltner

der machte dann Daumen hoch oder Daumen

macht´s sichtlich Spaß, sie sind mit viel Enthusi-

auf, sich einem Casting zu stellen. Über 180 An-

tiefe, bestimmte also, wer dabei ist. Komisch, ein

asmus und Energie bei der Sache. Auch die Zu-

meldungen trudelten zur Freude von Presse-Lady

Deutscher ohne Bezug zu St. Pölten bewertet,

sammenarbeit zwischen dem künstlerischen Lei-

Katharina Salzgeber ein, letztlich machten 22 das

welches Gesicht die Stadt am besten repräsen-

ter und dem berühmten irischen Fotografen Nick

Rennen, den Sprung aufs Plakat.

tiert? Absolut korrekt, weil er unvoreingenom-

West funktioniert einwandfrei. Welcher St. Pöltner

men ist – und ein Profi. Und was für einer, wie

kann schon behaupten, vor der Linse Nick Wests

Part 1. Das Casting. Tatort Kultur Café Fest-

sich schließlich beim eigentlichen Fotoshooting

gestanden zu sein. Immerhin arbeitet er sonst mit

spielhaus. Auf die Internetanmeldung hin kam

der auserwählten 22 herausstellte. Dafür wurde

Topmodels für Kampagnen von Levis & Co.

eine Einladungsmail, und so stand ich pünktlich

in die Stadtsäle eingeladen und siehe da, zwei

zum angegebenen Zeitpunkt Gewähr bei Fuß

bekannte Gesichter aus dem Casting sind auch

Showtime. Die Models wälzen sich noch im-

– ungeschminkt wie gewünscht. Was würde mich

dabei. Zum einen Bianca, die sich keine Chancen

mer auf den Tischen, schmeißen Sachen durch

erwarten? Ein Haufen hysterischer Möchtegern-

ausgerechnet hat und ziemlich überrascht war,

die Gegend und befolgen die Anweisungen. Doch

Models á la Austria’s und Germany’s Next Top

als das Festspielhaus bei ihr anrief, zum anderen

ihnen wird auch viel Spielraum gelassen, um ei-

Zicke? Beim Eintreten ins Café fiel mir sofort der

der kleine Erek, 3 Jahre junges Energiebündel.

gene Ideen einzubringen. Und wenn der kleine

Frauenüberhang auf, die meisten im Alter zwi-

Weiters auch einige ältere Damen und Herren.

Erek nicht mehr tanzen will, na dann verhaut

schen 20 und 40 angesiedelt. Doch auch einige

Ein bunter Gesichtermix. Wozu? „Ich möchte mit

er halt den Opa (zumindest auf dem Foto). Für

Kinder huschten herum sowie ein älterer Herr.

diesem Projekt die Chance nutzen, und mich den

Schlömer ist dieses Projekt so wichtig, dass es

Um die Wartezeit zu überbrücken, plauschte ich

St. Pöltnerinnen und St. Pöltner vorstellen. Einen

über die nächsten 3 Jahre weiterlaufen soll, na-

ein bisschen mit meinen Nachbarinnen. Hannah

Eindruck von der Stadt gewinnen, mit den Men-

türlich mit den bekannten Gesichtern aus dem

(19) und Romy (41) hat „vor allem die Neugierde

schen hier in Kontakt treten und Verbindungen

diesjährigen Programmsujet. Die Models wird’s

hergelockt. Frei nach dem Motto No risk, no fun.“

herstellen. Das Projekt soll auch zeigen dass je-

freuen, denn die fröhliche Gruppe hat sich auch

Schließlich wurde uns ein Castingformular in

der St. Pöltner mein Protagonist sein kann“, so

untereinander sehr gut. Auch Schlömer war von

die Hand gedrückt, dass wir mit unseren USP’s

Schlömer. Letztlich gehe es um Verankerung des

der Zusammenarbeit mit den bislang noch uner-

- Größe, Gewicht etc. – auszufüllen hatten, dann

Hauses. Eine Tischszenerie wird aufgebaut, Nick

fahrenen Models begeistert. „Die Models waren

gings ab zur Fotografin „Profil links. Profil rechts“,

West tritt wieder in Action. Menschen an einem

die große Überraschung“, und auf solche darf

dankeschön das wars. Kurz und schmerzlos.

Tisch, das steht symbolisch für „die Energie und

man sich unter seiner Ägide auch in Hinkunft

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ADVERTORIAL

ÖSTERREICH.TSCHECHIEN. geteilt – getrennt – vereint. Es ist ein Novum, zugleich ein symbolischer Akt der Freundschaft! Zum ersten Mal in ihrer Geschichte wird die NÖ Landesausstellung grenzüberschreitend durchgeführt, im Waldviertel sowie der tschechischen Region Vysocina! Unter dem programmatischen Titel „Öster-

An der Grenze

reich.Tschechien. geteilt-getrennt-vereint“ un-

In Raabs stehen die vielfältigen Erfahrungen der

ternehmen die Besucher an den drei Ausstel-

Grenze im Mittelpunkt: Das Leben an und mit

lungsorten (Kunsthaus in Horn, Lindenhof in

der Grenze wird aufgearbeitet, aber auch die

Raabs, ein Schloss im tschechischen Telc) eine

„Grenze in den Köpfen der Menschen“ sowie

spannende Zeitreise durch die Geschichte bei-

die Frage, wie man diese überwinden kann.

der Länder, erfahren deren Gemeinsamkeiten ebenso wie deren Unterschiede, stets vor dem

Verbindende Kultur

Hintergrund der abwechslungsreichen Historie,

Das gemeinsame Kulturschaffen Österreichs

der trennenden Grenze und der verbindenden

und Tschechiens wird in Telc den Besuchern

Kultur. An jedem der drei Standorte wird ein ei-

näher gebracht werden. Kunst, Musik, Litera-

gener inhaltlicher Schwerpunkt gesetzt.

tur - dies alles verbindet die Geschichte der beiden Länder, die mehr gemeinsam haben als

Geheimnisvolles Waldviertel

Im Strudel der Geschichte

sie trennt. „Die Erfahrungen und Geschehnisse

Die Landesaustellung bietet zudem die Möglich-

Die spannende Zeitreise beginnt in Horn, wo

dieser Regionen verbinden Niederösterreich

keit, das mystisch-geheimnisvolle Waldviertel

das Hauptaugenmerk auf die Geschichte Ös-

und Tschechien auf besondere Weise. Die Be-

näher kennenzulernen, seine unberührte Natur

terreichs und Tschechiens im 20. Jahrhundert

deutung dieser Ausstellung geht daher über den

ebenso zu genießen wie seine tolle Gastfreund-

gelegt wird: von der k.u.k. Monarchie unter

engen geografischen Raum hinaus und umfasst

schaft. Eigens zur Landesausstellung werden

der Herrschaft der Habsburger über die ge-

die beiden Länder als Ganzes. Ziel ist es, das ge-

heuer ein neuer dreisprachiger virtueller Aus-

trennten Wege nach 1918, die grauenhafte

genseitige Verständnis zu erleichtern, alte Denk-

flugsplaner für die Landesausstellungsregion,

NS-Zeit, den „Kalten Krieg“ und den „Prager

muster aufzubrechen, Differenzen und Gemein-

ein erweitertes Freizeitangebot sowie eine

Frühling“ bis hin zur Öffnung des Eisernen Vor-

samkeiten aufzuzeigen und den Besuchern die

neue Wander- und Radwegkarte mit Anbindung

hangs und der Mitgliedschaft beider Staaten in

miteinander verwobene Geschichte der beiden

an das tschechische Wegenetz aufgelegt!

der EU.

Länder zu verdeutlichen!“, so die Organisatoren.

www.noe-landesausstellung.at

Beru

Beru Berusreifeprüfung Sprachen Computerkurse Gesundheit Hobby Kreativität

VOLKSHOCHSCHULE der Landeshauptstadt St. Pölten

3100 St. Pölten, Kranzbichlerstr. 18

Tel. 02742/72146 oder 02742/333-2651 DW, Fax 02742/72146, E-MAIL: helmut.wagner@st-poelten.gv.at, www.vhs-stpoelten.at

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€ 100,- für die Lehrgänge der B Berufsreifeprüfung, Sprach- und Computerkurse 01.04.2009 14:00:20


i-net: www.ampster.net

Labels waren gestern Ampster

ist eine völlig neue, revolutionäre und

ihren Magazinen „The Gap“ und „TBA“ begleitet das

vor allem kostenlose Plattform für Bands und Mu-

Unternehmen schon seit Jahren die heimische Mu-

siker, die auf bisherige Vertriebswege pfeifen und

sikszene. „Und da tauchen immer wieder Bands auf,

die Sache sozusagen selbst in die Hand nehmen.

die zwar keinen Plattenvertrag haben, aber trotz-

Auf ampster.net können sie Band-Profile mit Bios,

dem tolle Musik machen.“ Mit den Tools von Amps-

Tracks, Fotos, Videos, Terminen, Fan-Verknüpfungen

ter können sich daher vor allem auch unbekannte

sowie Kommentar-/Rating-Möglichkeiten anlegen

Gruppen Gehör verschaffen. Das Revolutionäre:

und – die v.a. das Relevante – ihre Songs im Web

In den nächsten Wochen wird eine Anbindung zu

sowie auf mobilen Endgeräten präsentieren.

Download-Plattformen wie iTunes stattfinden, die

Der Grundgedanke von Ampster ist die Antwort auf

auf Bands ohne Plattenvertrag abzielt.

die Misswirtschaft der Musikindustrie, die es heute

Kurzum: Man steht mit anderen Größen mit einem

einfach nicht mehr gibt. In Folge dessen können

Schlag im größten virtuellen Plattenregal der Welt!

und wollen es sich Labels heutzutage kaum mehr

Ein besonderes Special bringt zudem die mobile

leisten, junge Bands zu fördern und langfristig auf-

Version (www.ampster.mobi) mit sich, die zudem

zubauen. „Wir verstehen Ampster als Musikmar-

eine Präsentation am Handy gewährleistet. Amps-

keting-Tool, mit dem Musiker von heute auf die

ter könnte der heißersehnte Hoffnungsschimmer

geänderten Bedingungen in der Musiklandschaft

für viele Bands werden, die bereits aufgrund der

aktiv reagieren können“, erläutert sodenn Projekt-

erfolglosen Label-Suche ihr gesamtes Schaffen in

leiter Werner Schrötter von der „Monopol Medien

Frage stellten. Nun können sie die Sache selbst in

GmbH“, die hinter dem ganzen Projekt steckt. Mit

die Hand nehmen!

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: Open House .04.09 Mittwoch 22

Gestalte dich selbst! Die NDU fördert die eigenständige Entwicklung ihrer Studierenden durch persönliche, individuelle Betreuung. www.ndu.ac.at

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Was einem auf deutschen Flughäfen sofort in die Augen schießt, sind die Terrorfahndungen in Ankunft- und Abflugshallen. Es ist ein schauriges Gefühl, das einen überkommt, da auch von deutschen Politikern die zur Zeit größte Anschlagsgefahr bestätigt wird. Kettcar haben es mit „Fake For Real“ auf den Punkt gebracht: „Und dann das Gefühl / von dem man jetzt längst weiß / es wird nicht mehr gehen / nicht in den nächsten Jahrzehnten.“ Sicherheitsgefühl mag überhaupt ein Wort sein, das in europäischen Großstädten nicht sonderlich viel verloren hat – hier wird eben noch die Nacht zur Nacht gemacht, oder wie es ein Manager vor kurzem ausgedrückt hat: In Frankfurt würde ich meine Frau um 3 Uhr morgens nie al-

Neigungsgruppe Plattenspiel Seit

Dezember 2007 gibt es im Freiraum eine

tigen Kommunikationsplatz“, so Robert. Außer-

Clubreihe

dem sei die Neigungsgruppe eine wichtige Kons-

mit dem Namen „Neigungsgruppe Plattenspiel“.

tante im Entstehen einer neuen Szene abseits

Veranstaltet wird diese von Robert Trömer und

anderer elektronischer Spielarten.

Ferdinand Mangelberger, die gemeinsam die DJ

Eine positive Entwicklung der Reihe lässt sich

Formation Plattenspieler TM bilden. „Wir wol-

ebenfalls schon erkennen. „Am positivsten ist

len Aufbauarbeit leisten und nicht mit einzelnen

sicher, dass wir viele neue, interessante DJs aus

großen Acts die Szene voreilig leerschröpfen. Die

NÖ und Wien begrüßen durften. Dadurch ist jede

Neigungsgruppe entwickelt sich zusehends zum

Party einzigartig!“ Die nächste Neigungsgruppe

Treffpunkt für Technoheads sowie einem wich-

findet am 10. April im Freiraum statt.

monatliche Minimal Techno/Electro

STP goes USA

runde sachen

AUS DEM EXIL leine in ein Taxi setzen, in Hong Kong jederzeit. Wenn man in Berlin nach ein paar Tagen abends auf der Straße angepöbelt wird, weiß man schnell, was man in Südostasien nicht vermisst hat. Überhaupt bekommt Berlin in diesen Märztagen wieder wenig Sonne, einen Zusammenhang mit der neuen Buchveröffentlichung von Claus Peymann schließe ich aber aus. Da würde sich wohl eher der Himmel über Wien verfinstern. Aber gut, solange man nicht nächtens durch die legendären Nachtviertel von Wedding, Neukölln oder Marzahn spaziert, darf man sich ein klein wenig „Sicherheitsgefühl“ wieder einreden. Zumindest so lange bis man ins nächste TerrorfahndungsPlakat läuft und sich in der Magengegend wieder ein flaues ausbreitet. Denn: „Ein Platz ist noch frei / auf der hintersten Bank / in der vollbesetzten Kirche der Angst“.

Viele österreichische Musiker träumen davon, doch

Sich den Höhen und Tiefen des Lebens auf gleicher

nur wenige schaffen es wirklich: Die Rede ist von ei-

Augenhöhe nähern und dann mit ihnen tanzen, das

ner Tour durch die USA. Die Pop Punk Band Pocket

ist der Anspruch von I AM CEREALS. Als Ben Mar-

Rocket befindet sich derzeit aber auf einer ebensol-

tin 2006 erkannte, dass durch seine künstlerischen

chen! Zwei Monate touren sie durch die Staaten.

Adern nicht nur melancholischer Indie-Pop fließt,

Wie ist ihnen dieses kleine Wunder gelungen? „Das

sammelte er die ehemaligen Schülerband-Freunde

war gar nicht so schwer“, meint Sänger und Bassist

rund um den Bauchklang-Beatboxer Gerald Huber,

Richie Rocket. „Wir haben gute Kontakte zu Booking

Christoph Richter, Daniel Letschka, Felix Teiretz-

Agenturen in den USA, es hat nur der richtige Zeit-

bacher und Marcus Hufnagl zum Kredenzen tanz-

punkt gefehlt.“ Pocket Rocket träumte schon immer

animierter Trash-Pop-Melodien. Die Single „French

davon auf Tour zu gehen, jetzt gings eben gleich in

Parade“ gab den Vorgeschmack, am 8. Mai kommt

die USA. Negative Aspekte des Lebens on the road

das selbstbetitelte Gesamtwerk auf den Markt. Prä-

spürt man bislang nicht: „Wir kennen uns schon

sentiert wird es am 9. Mai im Warehouse. Schon ein

ewig, da ist es auch auszuhalten, wenn man zu

Monat davor, am 9. April, wird das Café Kuckucks-

fünft auf engstem Raum lebt. Es ist jedenfalls eine

nest zum denkwürdigen Schauplatz des hunderts-

tolle Erfahrung!“

ten Ben Martin Konzerts, ein Abend mit seiner Live-

www.myspace.com/pocketrocketrock

band bei freiem Eintritt!

Foto: zVg, pocket rocket, rauschmayr

von Tobias Zuser

– 50 – MFG

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SZENE

Nitelife–Relaunch. Einigen dürfte der Name bereits bekannt sein, denn bis Dezember war Nitelife eine Party

i-net: www.nitelife.at „Uns geht es darum, die Leute zu unterhalten. Ich glaube, das gelingt uns auch ganz gut!“

Seite mit integrierter Community, auf der zirka 30.000 User registriert waren. Im Dezember gab es dann den Relaunch, der die Website von Grund auf erneuerte. „Der Schwerpunkt der Seite liegt weiterhin auf Partyfotos, dazu sind noch ein News-Service und natürlich Nitelife TV gekommen“, erzählt Oliver Veres, seines Zeichens zuständig für Content und Moderation. Auf Nitelife TV erscheinen alle zwei Wochen TV-Beiträge über die Partyszene Österreichs – vor allem Ostösterreichs. „Wir filmen unter der Woche oder am Wochenende, je nachdem wann etwas los ist. Sonntag kommt dann die Moderation dazu, da filmen wir auch mit bis zu drei Kameras und machen verschiedene Soundeinspielungen“, beschreibt Veres die Arbeit. Die Einspielungen bestehen hauptsächlich aus Applaus und eingespielten Lachern. Gewollte Parodie, oder peinlicher Puls4 Abklatsch? „Vorbild haben wir keines, wir kupfern nirgends ab. Uns geht es darum, die Leute zu unterhalten, ich glaube das gelingt uns auch ganz gut.“

Nitelife unterwegs. Um die Seite userfreundlicher zu gestalten, wurde die

verpflichtende

Registrierung

abgeschafft. „Die User sind unsere Freunde“, lacht Veres und definiert die Zielgruppe von Nitelife mit „Menschen von 20 – 30, aber natürlich allgemein alle, die gerne auf Partys gehen. Wir zeigen die Partyszene wie sie ist – versuchen aber nicht zu derb zu werden, also würden wir etwa keine betrunkenen Jugendlichen filmen!“ Bekanntheit erlangte die Seite v. a. durch die vielen Fotografen. „Pro Woche haben wir durchschnittlich 10 bis 15 Events auf denen wir unterwegs sind“, erzählt Josef Haydn, ChefFotograf von Nitelife. Gefilmt wiederum wird, was die User interessiert. „Wir sind hauptsächlich auf der Kommerz-Schiene unterwegs“, sagt Veres die Philosophie hinter Nitelife frei heraus, und Jana Königskind, zuständig für Design, fügt hinzu: „Wir lassen uns nicht einschränken. Zum Beispiel haben wir einmal im Café Zentral ein einstündiges Interview mit Jürgen Drews ge-

Vorsicht Kamera Wenn ihr euch fragt, vor welcher Kamera ihr gestern im Rausch gestanden seid, solltet ihr wahrscheinlich auf Nitelife.at vorbeischauen.

macht!“ Die Ziele für die nächste Zeit sind ein weiterer Ausbau des Teams sowie neue User. „Wir wollen eines der relevantesten Medien in der Partyszene werden“, so Veres. Eine Vision ist zudem ein fixes Fernsehstudio. „Im Moment müssen wir das Studio jedes Mal neu aufbauen – also Kulisse, Kameras und Licht. Aber momentan haben wir nicht die Ressourcen für ein fixes Fernsehstudio“, erzählt Königskind. Was nicht ist kann ja noch werden, auf jeden Fall beschreitet Nitelife neue Wege, die die Vision von der wichtigsten Party-Community Österreichs zur Realität machen könnten.

Von Sascha Harold. Foto Hermann Rauschmayr

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Festival-Mekka Im Sommer 2009 wird es laut in und um St. Pölten. Grund dafür werden nicht nur die Feierlichkeiten anlässlich des 850. Jubiläums der Stadt St. Pölten sein, sondern zwei schlagkräftige Argumente: Das Beatpatrol und das Frequency Festival! Von Katrin Jagsch. Fotos Hermann Rauschmayr. Jährlicher Fixpunkt oder einmaliges Vergnügen?

chend Platz für Hip Hop“, so Bauer. Das Konzept

wie z.B. ein Internetcafé oder Schließfächer di-

Unter dem Motto „The Beat Goes On“ wird am

ist klar: Das Beatpatrol soll am wohl chilligsten

rekt am Gelände.

24. und 25. Juli 2009 das Beatpatrol Festival in St.

Festivalgelände Österreichs für kräftig Stimmung

Das Festival, das erst im Februar angekündigt

Pölten über die Bühne gehen. Das Gelände am

unter den Electronic-Fans sorgen, und das zu

wurde, soll ein jährlicher Fixstern am österrei-

und rund ums VAZ-Gelände wird an zwei Tagen

einem erschwinglichen Preis. Das Festival setzt

chischen Festivalhimmel werden. „Wir planen

zur Spielwiese für mehr als 100 nationale und in-

auf gemütliche Atmosphäre und bietet neben

keine Eintagsfliege, sondern ein neues Format,

ternationale Acts und 25.000 Besucher werden.

elektronischen Klängen für Feinschmecker auch

das von Jahr zu Jahr wachsen soll“, so VAZ-Ma-

Nach dem Abwandern von Nuke und Lovely Days

zahlreiche andere Highlights. Laut Bauer bietet

nager René Voak. Dabei ist das Festival schon

wurde offensichtlich, dass man St. Pölten als

man nicht nur eine in Österreich einzigartige

heuer fett, wie ein Blick auf das aktuelle Line Up

alljährlichen fixen Festivalstandort nur sichern

Location (quasi deluxe, wenn man an wasserge-

zeigt. Neben Acts wie Kosheen, Mediengruppe

kann, indem man eine Eigenmarke kreiert. „So

spülte Toilettanlagen, befestigtes Kerngelände,

Telekommander, IAMX, The Freestylers oder den

muss man nicht alljährlich zittern, dass ein Fes-

kurze Wege, traumhaft-idyllischer Campingbe-

Stereo MC’s DJ’s werden sich unter anderem

tival von einem anderen Ort abgeworben wird!“,

reich denkt), sondern zahlreiche Innovationen,

auch Paul van Dyk oder Felix da Housecat die

heißt es aus Insiderkreisen. St. Pölten hat als Festivalstandort so eingeschlagen und so positive Resonanz bei den Fans, dass man ihn durch Kontinuität sichern muss. Schon eine einjährige Festivalpause könnte das Aus bedeuten und die Aufbauarbeit zunichte machen. Dass man letztlich in Richtung Electronic geht, ist – nachdem man auch andere Varianten geprüft hatte – letztlich Schlussfolgerung aus einer eingehenden Marktanalyse. Bookingverantwortlicher und Inhaber des Live-Clubs Warehouse, Norbert Bauer, weiß aus Erfahrung, dass elektronische Klänge in der St. Pöltner In-Location gut ankommen. Demnach war es für ihn naheliegend, auf dieser Schiene zu arbeiten. „Das Beatpatrol bietet neben Electro jedoch noch ausrei-

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KULTUR SZENE Ehre geben. Voak und Bauer sind sich sodenn

Kanälen Geld in die Region spült. Alleine für das

quency wird sich inklusive Camping und Parken

einig: „St. Pölten braucht sich nicht zu verste-

Nuke & Lovely Days, die weniger Besucher an-

auf 105 Euro belaufen. Außerdem lässt der Um-

cken!“

lockten als Beatpatrol und Frequency erreichen

zug eine Menge Platz für Innovationen und neue

werden, wurden schon vor drei Jahren von d e m

Ideen und bietet den Besuchern ein völlig neues

Input für Image & Wirtschaft. Seit Mo-

österreichischen Experten in Sachen Tourismus-

Erlebnis. So wird das von Salzburg bekannte Kon-

naten laufen die Vorarbeiten für das Festival auf

wirtschaft Prof.  Egon Smeral vom WIFO,  eine

zept völlig überarbeitet. Das Gelände rund um

Hochtouren. „Die Chancen, die das Beatpatrol

geschätzte Wertschöpfung von mindestens fünf

das VAZ St. Pölten wird in alle Richtungen ausge-

Festival gemeinsam mit dem Frequency für St.

Millionen Euro für die Region angenommen!

weitet und lässt den neu geborenen Greenpark

Pölten bietet, sind enorm“, freut sich Bürger-

entstehen. „Der Greenpark ist in Österreich völlig

meister Stadler. Demnach dürfen sich St. Pöltens

einzigartig und wurde extra für das Frequency

Tourismusbetriebe auf einen erfolgreichen Som-

Festival konzeptioniert“, so Jenner. So soll nicht

mer freuen. Laut Voak sind schon jetzt die Über-

nur das Areal der ehemaligen Kopalkaserne mit-

nachtungsmöglichkeiten in St. Pölten erschöpft

eingebunden werden, sondern auch der nahe

und man muss bei der Zimmersuche für Künstler

gelegene Sportplatz, wie es in der Gerüchtekü-

bis in den Bezirk Lilienfeld oder Krems auswei-

che brodelt. Die genaue Aufteilung der insgesamt

chen. St. Pölten wird auch in anderen Bereichen

sieben Bühnen ist aber noch streng geheim. Eine weitere Neuheit stellt auch die Splittung des

nachhaltig profitieren. Die Festivals bedeuten

Geländes in einen Day- und Nightpark dar. Wäh-

auf den Imagetransfer von der ehemaligen In-

v.l.n.r.: Die Festivalmacher Norbert Bauer, René Voak und Harry Jenner

dustriestadt mit „Stinkerimage“ hin zu einer jun-

Dieser Wert wird heuer mit den beiden Festivals

biet sein wird, nicht zuletzt aus Rücksichtnahme

gen, dynamischen, modernen Landeshauptstadt.

Daumen mal pi wohl zumindest (!) den doppelten

auf die Anrainer, dürfen Partyhungrige auf den

Dieser neue Blickwinkel auf St. Pölten ist defintiv

Effekt zeitigen! Dies heißt heruntergebrochen,

verschiedenen Floors im Nightpark noch kräftig

erst durch die großen Festivals der letzten Jahre

neben direkten Wirtschaftstransfers über Ver-

weiterfeiern. Ausgeweitet wird selbstverständ-

möglich geworden. St. Pölten ist dadurch – po-

pflegung, Tanken, Ausflüge in die City, ... sowie

lich auch der Campingplatz entlang der Traisen,

sitiv besetzt – medial in Sphären vorgedrungen,

den direkten Effekten für die Tourismuswirt-

der für gut 40.000 Musikbegeisterte pro Tag Platz

die vor wenigen Jahren noch undenkbar gewe-

schaft, handfeste Arbeitsplatzsicherung und Ar-

bieten muss. „Der Campingplatz in St. Pölten

sen wären: Beiträge auf Ö3 und anderen Radio-

beitsplatzschaffung!

wird größer sein denn je“, ist Jenner überzeugt.

einen Quantensprung für St. Pölten im Hinblick

rend der Daypark nach dem Headliner Sperrge-

Ähnlich geheim gehalten wie die genaue Lage al-

sendern, ebenso im ORF-Fernsehen und den Privat-TV-Sendern, Artikel in praktisch sämtlichen

Frequency: Neue Stadt – neue Ideen.

ler Bühnen werden die restlichen Top Acts. Laut

renommierten Print-Leitmedien der Republik,

Nach einer nur recht kurzen Pause von vier Wo-

Veranstalter dürfen wir uns noch auf zahlreiche

ebenso höchste Frequenz auf großen Internet-

chen wird der Ansturm auf die Stadt erneut groß

Überraschungen freuen. Nach der Bestätigung

portalen, wo St. Pölten als schönste und chilligste

sein. Von 20. bis 22. August findet das Frequency

von „The Prodigy“ als erstem Headliner darf man

Festivalstadt von den Fans gefeiert wird! Würde

Festival zum ersten Mal in St. Pölten statt. „Für

jedenfalls gespannt sein. Mit Bestätigungen wie

man diese Leistungen in Werbewert umrechnen,

einen Umzug nach St. Pölten hat es viele Gründe

Peter Fox, Bloc Party, Pendulum, dem Farin Ur-

käme ein Millionen-Eurobetrag heraus, den sich

gegeben, einer davon ist bestimmt die Nähe zu

laub Racing Team, Mando Diao, The Subways,

die Stadt so nie und nimmer leisten könnte. St.

Wien!“, verrät Veranstalter und Musicnet-Boss

Rise Against etc. hat das Festival bereits jetzt

Pölten wird von außen her nun zusehends als

Harry Jenner. Mit der Abwanderung des Nuke

zahlreiche musikalische Höhepunkte zu bieten.

dynamisch, aufstrebend und besuchenswert ein-

Festivals habe der Schritt hingegen nichts zu tun.

Kurzum: St. Pölten wird heuer einmal mehr,

gestuft, nicht mehr als kleines, verschlafenes,

Dennoch hilft das Frequency sozusagen über

wie es Ö3 ehemals formulierte, zum Mekka für

stinkiges, altbackenes Provinzkaff.

den Verlust hinwegzukommen. Die Verlegung

Festivalfans aus ganze Europa! Zum ersten Mal

Desweiteren sind die Festivals ein handfester,

des Festivals ermöglicht laut den Veranstaltern

scheint der Stadtslogan „Mitten in Europa“ eine

relevanter Wirtschaftsfaktor, der alles andere

eine umweltfreundlichere und kostengünstigere

substanzielle Einschreibung zu erfahren. Und

in der Stadt übersteigt und auf verschiedenen

Produktion. Der Ticketpreis für das heurige Fre-

mitten in Europa schlägt das Festivalherz!

i-net: www.beatpartol.at, www.frequency.at

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Festival-Mekka Im Sommer 2009 wird es laut in und um St. Pölten. Grund dafür werden nicht nur die Feierlichkeiten anlässlich des 850. Jubiläums der Stadt St. Pölten sein, sondern zwei schlagkräftige Argumente: Das Beatpatrol und das Frequency Festival! Von Katrin Jagsch. Fotos Hermann Rauschmayr. Jährlicher Fixpunkt oder einmaliges Vergnügen?

chend Platz für Hip Hop“, so Bauer. Das Konzept

wie z.B. ein Internetcafé oder Schließfächer di-

Unter dem Motto „The Beat Goes On“ wird am

ist klar: Das Beatpatrol soll am wohl chilligsten

rekt am Gelände.

24. und 25. Juli 2009 das Beatpatrol Festival in St.

Festivalgelände Österreichs für kräftig Stimmung

Das Festival, das erst im Februar angekündigt

Pölten über die Bühne gehen. Das Gelände am

unter den Electronic-Fans sorgen, und das zu

wurde, soll ein jährlicher Fixstern am österrei-

und rund ums VAZ-Gelände wird an zwei Tagen

einem erschwinglichen Preis. Das Festival setzt

chischen Festivalhimmel werden. „Wir planen

zur Spielwiese für mehr als 100 nationale und in-

auf gemütliche Atmosphäre und bietet neben

keine Eintagsfliege, sondern ein neues Format,

ternationale Acts und 25.000 Besucher werden.

elektronischen Klängen für Feinschmecker auch

das von Jahr zu Jahr wachsen soll“, so VAZ-Ma-

Nach dem Abwandern von Nuke und Lovely Days

zahlreiche andere Highlights. Laut Bauer bietet

nager René Voak. Dabei ist das Festival schon

wurde offensichtlich, dass man St. Pölten als

man nicht nur eine in Österreich einzigartige

heuer fett, wie ein Blick auf das aktuelle Line Up

alljährlichen fixen Festivalstandort nur sichern

Location (quasi deluxe, wenn man an wasserge-

zeigt. Neben Acts wie Kosheen, Mediengruppe

kann, indem man eine Eigenmarke kreiert. „So

spülte Toilettanlagen, befestigtes Kerngelände,

Telekommander, IAMX, The Freestylers oder den

muss man nicht alljährlich zittern, dass ein Fes-

kurze Wege, traumhaft-idyllischer Campingbe-

Stereo MC’s DJ’s werden sich unter anderem

tival von einem anderen Ort abgeworben wird!“,

reich denkt), sondern zahlreiche Innovationen,

auch Paul van Dyk oder Felix da Housecat die

heißt es aus Insiderkreisen. St. Pölten hat als Festivalstandort so eingeschlagen und so positive Resonanz bei den Fans, dass man ihn durch Kontinuität sichern muss. Schon eine einjährige Festivalpause könnte das Aus bedeuten und die Aufbauarbeit zunichte machen. Dass man letztlich in Richtung Electronic geht, ist – nachdem man auch andere Varianten geprüft hatte – letztlich Schlussfolgerung aus einer eingehenden Marktanalyse. Bookingverantwortlicher und Inhaber des Live-Clubs Warehouse, Norbert Bauer, weiß aus Erfahrung, dass elektronische Klänge in der St. Pöltner In-Location gut ankommen. Demnach war es für ihn naheliegend, auf dieser Schiene zu arbeiten. „Das Beatpatrol bietet neben Electro jedoch noch ausrei-

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KULTUR SZENE Ehre geben. Voak und Bauer sind sich sodenn

Kanälen Geld in die Region spült. Alleine für das

quency wird sich inklusive Camping und Parken

einig: „St. Pölten braucht sich nicht zu verste-

Nuke & Lovely Days, die weniger Besucher an-

auf 105 Euro belaufen. Außerdem lässt der Um-

cken!“

lockten als Beatpatrol und Frequency erreichen

zug eine Menge Platz für Innovationen und neue

werden, wurden schon vor drei Jahren von d e m

Ideen und bietet den Besuchern ein völlig neues

Input für Image & Wirtschaft. Seit Mo-

österreichischen Experten in Sachen Tourismus-

Erlebnis. So wird das von Salzburg bekannte Kon-

naten laufen die Vorarbeiten für das Festival auf

wirtschaft Prof.  Egon Smeral vom WIFO,  eine

zept völlig überarbeitet. Das Gelände rund um

Hochtouren. „Die Chancen, die das Beatpatrol

geschätzte Wertschöpfung von mindestens fünf

das VAZ St. Pölten wird in alle Richtungen ausge-

Festival gemeinsam mit dem Frequency für St.

Millionen Euro für die Region angenommen!

weitet und lässt den neu geborenen Greenpark

Pölten bietet, sind enorm“, freut sich Bürger-

entstehen. „Der Greenpark ist in Österreich völlig

meister Stadler. Demnach dürfen sich St. Pöltens

einzigartig und wurde extra für das Frequency

Tourismusbetriebe auf einen erfolgreichen Som-

Festival konzeptioniert“, so Jenner. So soll nicht

mer freuen. Laut Voak sind schon jetzt die Über-

nur das Areal der ehemaligen Kopalkaserne mit-

nachtungsmöglichkeiten in St. Pölten erschöpft

eingebunden werden, sondern auch der nahe

und man muss bei der Zimmersuche für Künstler

gelegene Sportplatz, wie es in der Gerüchtekü-

bis in den Bezirk Lilienfeld oder Krems auswei-

che brodelt. Die genaue Aufteilung der insgesamt

chen. St. Pölten wird auch in anderen Bereichen

sieben Bühnen ist aber noch streng geheim. Eine weitere Neuheit stellt auch die Splittung des

nachhaltig profitieren. Die Festivals bedeuten

Geländes in einen Day- und Nightpark dar. Wäh-

auf den Imagetransfer von der ehemaligen In-

v.l.n.r.: Die Festivalmacher Norbert Bauer, René Voak und Harry Jenner

dustriestadt mit „Stinkerimage“ hin zu einer jun-

Dieser Wert wird heuer mit den beiden Festivals

biet sein wird, nicht zuletzt aus Rücksichtnahme

gen, dynamischen, modernen Landeshauptstadt.

Daumen mal pi wohl zumindest (!) den doppelten

auf die Anrainer, dürfen Partyhungrige auf den

Dieser neue Blickwinkel auf St. Pölten ist defintiv

Effekt zeitigen! Dies heißt heruntergebrochen,

verschiedenen Floors im Nightpark noch kräftig

erst durch die großen Festivals der letzten Jahre

neben direkten Wirtschaftstransfers über Ver-

weiterfeiern. Ausgeweitet wird selbstverständ-

möglich geworden. St. Pölten ist dadurch – po-

pflegung, Tanken, Ausflüge in die City, ... sowie

lich auch der Campingplatz entlang der Traisen,

sitiv besetzt – medial in Sphären vorgedrungen,

den direkten Effekten für die Tourismuswirt-

der für gut 40.000 Musikbegeisterte pro Tag Platz

die vor wenigen Jahren noch undenkbar gewe-

schaft, handfeste Arbeitsplatzsicherung und Ar-

bieten muss. „Der Campingplatz in St. Pölten

sen wären: Beiträge auf Ö3 und anderen Radio-

beitsplatzschaffung!

wird größer sein denn je“, ist Jenner überzeugt.

einen Quantensprung für St. Pölten im Hinblick

rend der Daypark nach dem Headliner Sperrge-

Ähnlich geheim gehalten wie die genaue Lage al-

sendern, ebenso im ORF-Fernsehen und den Privat-TV-Sendern, Artikel in praktisch sämtlichen

Frequency: Neue Stadt – neue Ideen.

ler Bühnen werden die restlichen Top Acts. Laut

renommierten Print-Leitmedien der Republik,

Nach einer nur recht kurzen Pause von vier Wo-

Veranstalter dürfen wir uns noch auf zahlreiche

ebenso höchste Frequenz auf großen Internet-

chen wird der Ansturm auf die Stadt erneut groß

Überraschungen freuen. Nach der Bestätigung

portalen, wo St. Pölten als schönste und chilligste

sein. Von 20. bis 22. August findet das Frequency

von „The Prodigy“ als erstem Headliner darf man

Festivalstadt von den Fans gefeiert wird! Würde

Festival zum ersten Mal in St. Pölten statt. „Für

jedenfalls gespannt sein. Mit Bestätigungen wie

man diese Leistungen in Werbewert umrechnen,

einen Umzug nach St. Pölten hat es viele Gründe

Peter Fox, Bloc Party, Pendulum, dem Farin Ur-

käme ein Millionen-Eurobetrag heraus, den sich

gegeben, einer davon ist bestimmt die Nähe zu

laub Racing Team, Mando Diao, The Subways,

die Stadt so nie und nimmer leisten könnte. St.

Wien!“, verrät Veranstalter und Musicnet-Boss

Rise Against etc. hat das Festival bereits jetzt

Pölten wird von außen her nun zusehends als

Harry Jenner. Mit der Abwanderung des Nuke

zahlreiche musikalische Höhepunkte zu bieten.

dynamisch, aufstrebend und besuchenswert ein-

Festivals habe der Schritt hingegen nichts zu tun.

Kurzum: St. Pölten wird heuer einmal mehr,

gestuft, nicht mehr als kleines, verschlafenes,

Dennoch hilft das Frequency sozusagen über

wie es Ö3 ehemals formulierte, zum Mekka für

stinkiges, altbackenes Provinzkaff.

den Verlust hinwegzukommen. Die Verlegung

Festivalfans aus ganze Europa! Zum ersten Mal

Desweiteren sind die Festivals ein handfester,

des Festivals ermöglicht laut den Veranstaltern

scheint der Stadtslogan „Mitten in Europa“ eine

relevanter Wirtschaftsfaktor, der alles andere

eine umweltfreundlichere und kostengünstigere

substanzielle Einschreibung zu erfahren. Und

in der Stadt übersteigt und auf verschiedenen

Produktion. Der Ticketpreis für das heurige Fre-

mitten in Europa schlägt das Festivalherz!

i-net: www.beatpartol.at, www.frequency.at

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Über den Tellerrand Ein Wettbewerb im Rahmen des Projekts „Youth Unlimited“ ermöglicht sechs Jugendlichen einen einmonatigen Aufenthalt in einer von St. Pöltens Partnerstädten. Drei von ihnen sind bereits zurück und berichten von ihren Erfahrungen im Ausland. Von Eva Seidl. Foto Josef Vorlaufer. St. Pölten hat sechs Partnerstädte auf drei Kon-

Out Of Heidenheim. Die deutsche Stadt

nicht die Schüler ihre fixen Klassen, sondern die

tinenten. Das gemeinsame Projekt „Youth Unli-

Heidenheim besuchte Julia Ramsmaier (18). Sie

Lehrer und die Schüler wandern so von Klasse

mited“ hatte zum Ziel, die interkulturellen Be-

besucht in St. Pölten die HLW und hat mit ei-

zu Klasse und müssen auch in jeder Pause hin-

ziehungen auch in der Jugend zu fördern und zu

ner Rede und einem selbstgedrehten Werbefilm

aus ins Freie.“ Gute Erfahrungen machte sie mit

intensivieren. Schüler des BORG, der HLW, des

für Städtepartnerschaften die Wettbewerbsjury

ihrer Gastfamilie: „Alle haben sich sehr um mich

Gymnasiums Englische Fräulein, des Gymnasi-

überzeugt. Mit Heidenheim in Deutschland be-

bemüht und französisch mit mir gesprochen,

ums Josefstraße, der HAK/HAS sowie der HTL

kam sie den unspektakulärsten Auslandsauf-

obwohl sie etwas deutsch konnten. Ich habe

nahmen an einem Wettbewerb teil, um einen

enthalt zugeteilt. Dementsprechend kritisch

auch nichts Schreckliches zum Essen bekom-

einmonatigen Auslandsaufenthalt in einer der

fällt ihr Feedback aus: „St. Pölten sollte sich

men - Froschschenkel oder so“, lacht sie.

Partnerstädte zu gewinnen. Dabei erarbeiteten

mehr trauen und selbstbewusster hineingehen

sie zum Thema „Städtepartnerschaften und ich

in die Städtepartnerschaften. St. Pölten könnte

Drei weitere Schüler treten demnächst ihre

– Sinn und Zweck von Städtepartnerschaften“

auch eine Hauptstadt als Partnerstadt haben,

Aufenthalte in Kurashiki (Japan), Altoona (USA)

die unterschiedlichsten Beiträge.

warum sich nicht einen gleich starken Partner

und Wuhan (China) an. Doris Schmidt, im Ma-

nehmen?“ Julia besuchte in Heidenheim das

gistrat für Internationale Kontakte zuständig, ist

Thomas Wachter (16) präsentierte die unter-

Schillergymnasium, viele Fächer, die dort unter-

jedenfalls überzeugt vom Projekt: „Städtepart-

schiedlichsten Kulturen in Form einer kulina-

richtet werden, kennt sie aus ihrem Unterricht

nerschaften muss man leben! Wir wollen ganz

rischen Genussreise: „Eines meiner größten

an der HLW nicht. „Es ist sehr interessant, wie

bewusst die Jugendlichen einbinden, damit sie

Hobbies war schon immer das Kochen. Ich habe

der Unterricht abläuft. In den 12. und 13. Klas-

aktiv mitarbeiten und mit den Partnerstädten in

aus den Ländern unserer Städtepartnerschaften

sen gibt es ein Modulsystem ähnlich wie in

Kontakt kommen. Es sollen langfristige Bezie-

jeweils ein traditionelles Gericht gekocht und

Amerika.“ Ihre freie Zeit hat sie genutzt, um die

hungen auf Bürgerebene aufgebaut werden!“

diese der Jury präsentiert.“ Thomas hat seinen

umliegenden Großstädte München, Frankfurt,

Natürlich sollen im Gegenzug auch Jugendliche

Aufenthalt in Brünn bereits hinter sich. Trotz

Stuttgart und Ulm zu besuchen.

aus den Partnerstädten nach St. Pölten kommen. Jugendtreffen in den Partnerstädten sind

fehlender Tschechisch-Kenntnisse besuchte er dort die Schule. „Das Schulsystem ist ähnlich

Keine stillen Tage in Clichy. In St. Pöltens

geplant und auch eine Fortsetzung des Wettbe-

wie bei uns. Viele Schüler lernen Deutsch, das

französischer Partnerstadt Clichy-la-Garenne,

werbs ist möglich. „Es geht um das Kennenler-

ist dort eine zusätzliche Fremdsprache zu Eng-

einer Vorstadt von Paris, verbrachte Marion Hu-

nen fremder Kulturen, das Erleben von Freund-

lisch.“ Für ihn war der Auslandsaufenthalt eine

ber einen Monat. Sie ist von der Idee der Städte-

schaft über den Tellerrand hinaus, das Abbauen

besondere Erfahrung auf europäischer Ebene.

partnerschaften überzeugt: „Es hat für die Stadt

von etwaigen Vorurteilen und im Gegenteil den

„Ich kann es nur jedem empfehlen, bei solchen

einen großen Vorteil, die Bürgermeister können

Aufbau von Freundschaften! Das ist besonders

einzigartigen Aktionen mitzumachen. Solche

sich austauschen und auch Schulprojekte sind

für Jugendliche eine wichtige Erfahrung – und

Austauschprogramme sollten unbedingt geför-

eine große Bereicherung.“ Sehr interessant fand

diese wollen wir ihnen u.a. mit Youth Unlimited

dert werden.“

sie das französische Schulsystem: „Dort haben

ermöglichen!“

– 54 – MFG

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Geistes Störung Es gäbe eine Reihe von Übersetzungsmöglichkeiten für den Begriff mindistortion. Geistesstörung etwa, Verstandverzerrung oder – was beim Blick auf Manuel Fallmanns gleichnamige Homepage www.mindistortion.tv eher in den Sinn kommt – Deformation des (konventionellen) Denkens. Gar seine Zerstörung? Jedenfalls ist man einer Geisteshaltung auf der Spur, die auch sämtliche Fallmann-Werke atmen und im selbst definierten Slogan „because sanity is not statistical“ kumulieren. Von Ruth Riel und Hannes Reichl. Fotos Hermann Rauschmayr, Manuel Fallmann

Am

Anfang war... eine US Homepage, auf die

Hirnwäscher werden kann, bis hin zu Screensa-

zwinkert er mit den Augen. Ein Einsatz, der sich

der gebürtige Neulengbacher im Alter von 15

fers und Co. Eine virtuelle Welt, wo die Konven-

freilich gelohnt hat. Zweimal wurde er bereits

stieß. Eine Offenbarung. „newgrounds.com ist

tion Feierabend hat – mindistortion eben. Dabei

mit dem Anerkennungspreis „Prix Ars Electronica

die größte und bekannteste Seite für die Flash

ist Fallmann kein versponnener Weltverbesserer

U19“ ausgezeichnet, 2002 für „O fortuna“, 2003

Community!“, lässt Fallmann keinen Zweifel über

oder mutwilliger Verstörer aus einem Provokati-

für „System Interrupted“. Außerdem erfuhr auch

die Bedeutung der Homepage offen. Für ihn war

onsgestus heraus, sondern er will schlicht Denk-

seine Homepage mindistortion.tv durch das Ars

der First Contact damit definitiv prägend. Fall-

anstöße geben oder auch einfach nur unterhal-

Electronica Center höhere Weihen. „Diese Preise

mann kippte voll hinein in die Flashwelt, begann

ten. „Ich fasse nur die Bilder, Gedanken und Ideen

haben mir viel bedeutet und waren sehr wichtig!“.

davon inspiriert im Eigenstudium Animationen

in meinem Kopf in Spiele und Kurzfilme. Dass

Nicht zuletzt, weil sie neue Türen aufgestoßen ha-

und Spiele zu entwerfen. Bald hatte er eine er-

manche davon gesellschaftskritisch oder einfach

ben – u. a. jene zum Wiener Museumsquartier, wo

kleckliche Anzahl von Outputs in der Hand, so

nur strange sind, ist ein Nebeneffekt.“

Fallmann Kurzfilme präsentierte. Dabei schlägt derzeit ein eher kleineres, witziges Projekt „das

dass die Präsentation ebenderselben auf einer eigenen Homepage nur eine logische Folge war.

Hier kommt die Mouse. Und wie kann

ich eigentlich nur zum Spaß zwischendurch ge-

2002 stellte der „Flashmatiker“ www.mindistor-

man sich seine Arbeitsmethode vorstellen? „Man

macht hab“ hohe Wogen: „Pocket Emo“, bei dem

tion.tv online, eine verstörend-spannende Welt

braucht eigentlich nur einen PC, passende Soft-

man sich wie bei einem Tamagotchi seinen ganz

aus animierten Kurzfilmen, Spielen und Kunst

ware wie Flash oder Photoshop – dann kann man

persönlichen Emo createn kann. Vom Ansatz her

quer durch Fallmanns geistigen Gemüsegarten

schon loslegen.“ Gezeichnet wird mit der Maus,

kritisch gemeint, fanden die Emos so großen Ge-

– und der bringt reiche Ernte ein: Von Movies wie

wobei die letzten Entwürfe auf seiner neuesten

fallen an ihren animierten Pendants, dass sich

„The happy bunnbybun dance”, “Sickey Mouse”,

Errungenschaft, einem Grafik-Zeichenbrett ent-

Pocket Emo auf zahlreichen einschlägigen Emo-

“Glanzstoff” oder “Kugel Kopf Massaker” über

standen sind. Zirka einen Monat lang braucht

Sites wiederfindet. „Traurig, dass manche Leute

witzige Features wie „pocket emo“ oder „brain-

er für die Realisierung eines Projektes, „was mir

Kritik nicht checken“, schmunzelt Fallmann bei

washing fun“, im Zuge dessen man zum aktiven

früher viel Zeit neben der Schule gekostet hat“,

dem Gedanken.

– 56 – MFG

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URBAN

i-net: www.mindistortion.tv „Ich fasse nur die Bilder, Gedanken und Ideen in meinem Kopf in Spiele und Kurzfilme. Dass manche davon gesellschaftskritisch oder einfach nur strange sind, ist ein Nebeneffekt.“ Maunel Fallmann

Am Trip. Sein größter Stolz ist freilich sein Spiel

seinen Stancil-Graffities. Nachdem er in dieser

gewisser Weise auch eine unbeabsichtigte Bot-

„Mindscape“, das irgendwie auch ganz gut stell-

Technik seine damalige Freundin portraitierte

schaft mit auf den Weg: Nicht jede vermeintliche

vertretend für Fallmanns grundsätzlichen mindis-

und das Ergebnis in diversen Foren postete,

„Spielerei“ der Kids vorm Computer, wie es gern

tortion-Ansatz steht: „Bei diesem Spiel befindet

klopfte ein amerikanischer Buchverlag an und lud

ein vorurteilsbehaftetes Klischeebild manch Er-

man sich in der Fantasiewelt eines geistesgestör-

Fallmann schließlich zur Gestaltung des Covers

wachsener ist, stellt „vergeudete“ Zeit dar. Fall-

ten Jungen. Jedes Level ist ein anderer Gedanke

von Joshua Furst’s Roman „The Sabotage Cafe“

mann, mit Mind gesegnet, hat sein Hobby zum

in seinem Kopf.“ Ein Spiel wie ein LSD-Trip, so das

ein. „Das Buchcover reich ich gern herum, weil

Beruf gemacht und verdingt sich heute als Gra-

Urteil mancher Kritiker, mit dem Nebeneffekt,

ich es einfach so geil find, dass das Portrait von

fik- und Webdesigner sein Leben. Vor allem ist er

dass man dabei ganz ohne Drogen auskommt.

einem amerikanischen Verleger aufgegriffen wor-

aber auch eines: Ernstzunehmender Künstler, von

Durchschlagenden Erfolg hat Fallmann auch mit

den ist“, freut sich Fallmann – und gibt damit in

dem man noch viel hören wird!

Ich will später nicht ohne einen Arbeitsplatz dasitzen. Die AKNÖ informiert und fördert junge Menschen. Damit der Berufseinstieg zum Erfolg wird. Sag´s mit Deiner Stimme. In NÖ von 5. bis 18. Mai

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57

MFG

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Junior Kelly (Jam)

Am 13. April steht mit JUN IOR KELLY (JAM) eine wahre Größe für alle Roots-Reggae Liebhaber im Warehouse auf der Bühne und soll im Rahmen der „Ho use of Riddim Festival Pre Party“ auf das 5te House of Riddim Festival einstimmen. Großen Bekanntheitsgrad erreichte er durch seinen Welt-Hit „Lov e so nice“ , er konnte aber bis Dato auch drei Alben auf dem weltweit größten Inde pendent Label „VP-Records “ veröffentlichen. Seine Show sollte man sich auf gar keinen Fall entgehe n lassen.Unterstützung erhält Junior Kell y nicht nur von seiner Ban d, sondern auch von LMJ (JAM), Deliman (Vie nna), Rayna – Treasure Isle sowie Boomarang Sound und Double Jeop ardy Movement. Tickets sichern bevor es zu spät ist!!

OSTERN IM WAREHOUSE

Am Donnerstag, den 09. April wird mit Starkstroms „4x4“ das lange Osterwochenende eröffnet. Am darauffolgenden Tag wird das Wicked Team beim „Wicked Auswärtsspiel“ den Takt ordentlich vorgeben und am 11. April lädt das altbewährte DJ-Team, Hubsi, Schratti, Pauli und Manshee zum „Revival Of The Good Old Times“ um uns allen zu zeigen wie man exzessiv feiert! Wer glaubt der Ostersonntag wird im Warehouse ruhig gefeiert, irrt sich gewaltig, denn beim „Easter Beatz“ zeigen uns zahlreiche DJs wie der Hase läuft!

DER NAME IS PROGRAMM, DIE SCHEISSE KUMT HAM Als weiterer Fixpunkt im Warehouse-Programm startet am 24. April ein neuer Electro-Club namens „The Shit Is Coming Home“ – wobei der Name Programm ist und die Truppe die dahinter steckt auch schon bekannt sein dürfte. Beim ersten Mal mit dabei sind die Pola-Riots aus Wien, DJ Schmodar, Mr. Janx und natürlich die The Shit Is Coming Home Crew in ihrer vollen Größe. First Time - Free Entry, damit sollte einem Besuch nichts mehr im Weg stehen.

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SZENE

Hoch hinaus Jetzt,

kurz vor dem Start, da die

ter, Thomas Ebner, auch ein Sieg

Kooperation mit dem Hauptspon-

gegen ein Team der sogenannten

sor Generali, dem Megaplex Kino

Twilightzone, in der zwei AFL-

sowie NXP weiterhin gesichert ist,

Teams gegen die Mannschaften

sind die Ziele für die Saison schon

der 1. Division antreten werden.

klar definiert: Man will den Silver-

Weitere Neuerungen: Erhöhte Tri-

bowl gewinnen „und das am bes-

büne, erhöhtes VIP-Zelt für besse-

ten mit Heimvorteil!“, wie General

ren Blick, außerdem gibts wieder

Manager René Grohs selbstbe-

ein umfangreiches Rahmenpro-

wusst betont. Damit dieses große

gramm samt BBQ-Grill. Einem er-

Ziel erreicht werden kann, stehen

folgreichen Saisonstart am Sonn-

die 46 Bullen der Kampfmann-

tag, 5. April steht also nichts im

schaft der Generali Invaders seit

Wege. Tix im Vorverkauf im VAZ St.

November drei mal in der Woche

Pölten, Tel. 02742/71400, ticket@

im Training. Ein weiteres Ziel ist

nxp.at . Weitere Informationen zu

laut dem neuen sportlichen Lei-

finden unter www.invaders.at

5800 W-House.indd 3

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Ich bin alle, die die Werbepause im Fernsehen dazu benutzen für kleine Prinzessinnen zu gehen und schnell mal den Kühlschrank zu besuchen. Ich bin alle, die nicht mehr Ö3 hören können, weil sie sich schon dabei ertappen, wie sie völlig apathisch hirnrissige Werbesprüche mitsynchronisieren. Meinen Hausverstand, meine Bank und den Inder habe ich gemeinsam in Urlaub geschickt! Meine Waschmaschine lebt ohne Calgon genauso lang und nicht Douglas macht das Leben schöner, sondern freundliche, liebenswerte Menschen um mich herum. Ich bade meine Hände nicht zufällig in Palmolive und es reicht, wenn meine Wäsche sauber wird und nicht auch noch rein (Wo ist der Unterschied?). Ich wohne nicht, sondern lebe schon und bin auch nicht blöd, Mann! Um morgens noch kraftvoll zubeißen zu können, brauch ich keine spezielle Zahnpasta und auch

Der Leitwolf vom Erzrivalen Ausgerechnet ein bekennender Fan des Kremser SC gilt als größter Hoffnungsträger des SKNV St. Pölten: Lukas Thürauer (21) aus Bergern im Dunkelsteinerwald. Herbert Prohaska sieht ihn auf einem „sehr, sehr guten Weg“, sein Trainer Martin Scherb findet ihn „auch charakterlich voll in Ordnung.“ Seinen größten Kampf - gegen den Krebs - hat Thürauer wohl schon hinter sich. Jetzt lockt die Mission Aufstieg. von Thomas Schöpf.

ich bin alle von Primadonna

nichts, das so wertvoll ist wie ein kleines Steak. Die zarteste Versuchung, seit es Schokolade gibt, bin ich selbst und ich will auch so bleiben wie ich bin. Ich finde nicht, dass der´s gut hat, der One hat, sondern der, der ein paar wirklich gute Freunde hat! Nicht Geiz ist geil, sondern die Küsse meines Liebsten! Und der sagt auch nicht zu mir: „Weg mit dem Speck!“ oder „Bin ich schon drin?“, sondern eher: „Wenn ich nur aufhörn könnt!“ Und wenn das nächste mal dieser ubiquitäre Werbeblock beginnt, dreh ich ab, und lese ein gutes Buch. Bei meiner Ehr!

Du hattest Angebote aus der Bundesliga (LASK, Altach, Austria), hast aber beim SKNV St. Pölten vorzeitig verlängert. Warum?

tige Positionen besetzen die meisten Klubs nach

Es ist schon etwas anderes in der Nähe von daheim Bundesliga zu spielen, als ein paar hundert Kilo-

Da bist Du als „klassischer Zehner“ ja die Ausnahme schlechthin.

meter davon entfernt. Hier ist etwas im Entstehen.

Ich habe eigentlich immer das Glück gehabt, das

Das Stadion werden sie ja nicht für die zweite Liga

spielen zu dürfen, was mir Spaß macht. Schon im

bauen.

BNZ war ich Spielmacher. In der Bundesliga sind nur

wie vor mit Legionären.

Junuzovic in Kärnten und Kavlak bei Rapid junge,

Und was spricht für den jetzigen Verein?

österreichische ‚Zehner’. Kavlak darf die Position

Dass wir eine Mannschaft sind, sicher mit individu-

gar nicht spielen, Junuzovic jetzt wieder öfters. Wir

eller Klasse, aber eine Mannschaft und keine Stars.

spielen im Mittelfeld mit einer Raute. Da kann ich

80 Prozent der Spieler kenn ich schon aus den ge-

die vordere Position einnehmen. Ich spiele und der

meinsamen Zeiten im BNZ. Der Zusammenhalt ist

Falli (Anm.: Kapitän Jochen Fallmann) rennt. (grinst)

groß, wir unternehmen auch privat viel miteinander.

Die ADEG-Liga soll ja eine Talente-Liga sein. Wird sie dem gerecht?

Ihr zwei kriegt auch die meiste Spielzeit, allerdings wirst Du am häufigsten ausgewechselt. Wieso?

Bei uns schon. Vereine wie Magna oder Admira er-

Leider. Einmal sogar schon in der Pause. Das hat

füllen zwar auch die Jugendspieler-Regelung, aber

schon sehr wehgetan. Manchmal hat das taktische

gerade noch. Darüber hinaus tun sie nichts. Wich-

Gründe, manchmal spiele ich aber auch schlecht.

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SPORT

An meiner Konstanz muss ich arbeiten.

mir beim Kampf sicher sehr geholfen. Überstanden ist die Krankheit aber erst,

Ist Dir als 21-Jähriger überhaupt bewusst, welch große Spielmacher es mit Panenka, Kempes oder Detari schon in St. Pölten gab?

wenn du nach zehn Jahren auch nichts

Natürlich. Unser Masseur (Anm.: Hans

mich mit Radeln daheim fit gehalten.

Fehringer) redet ja immer wieder darü-

Aus der Zeit weiß ich, wie schnell alles

ber. Kempes ist mir auch aus seiner Zeit

aus sein kann. Deswegen bastle ich mir

in Krems ein Begriff. Bürde ist das aber

auch im Fußball keinen bestimmten

keine, wir sind ja jetzt ein neuer Klub.

Karriere-Plan, will mich hier weiter ent-

Und der wird sicher nicht wieder durch

wickeln und irgendwann in der Bundes-

teure Star-Einkäufe in Konkurs gehen.

liga spielen. Am liebsten mit dem SKNV.

mehr hast. Vom BNZ habe ich damals unter anderem gleich einen Heimtrainer zur Verfügung gestellt bekommen und

Denn dann ist Spitzen-Fußball in St. Pölten für ewig tot, wird es ihn höchstens noch auf Landesliga-Niveau geben.

Arbeiten gehst du auch, was nicht jeder Kicker tut. Ja, zwanzig Stunden die Woche im

Deine Krems-Vergangenheit wird Zentralausschuss für Pflichtschullehrer manch eingefleischtem Fan wohl beim Land Niederösterreich. Das schadet nicht, wenn nicht schme„Hier ist etwas im Entsteman auch was ancken? Vor

allem

nicht,

wenn sie auf meiner

Autogramm-

hen. Das Stadion werden sie ja nicht für die zweite Liga bauen.“

deres macht, wie bei mir eben Büroarbeit. Irgendwann

karte unter Lieblingsklub den Kremser

wird es dir als Fußballer sicher fad,

SC finden. (lächelt) Aber das ist eben

wenn du jeden Tag bis elf Uhr schläfst

so. Einmal Kremser, immer Kremser.

und sonst nicht viel zu tun hast. Bei

Schlechte Erfahrungen habe ich mit un-

uns gehen viele arbeiten oder studie-

seren Fans deswegen nicht gemacht,

ren. Thomas Nentwich führt sogar eine

scherzhafte

diese

Gärtnerei. In St. Pölten kann man vom

Richtung gibt es natürlich schon immer

Fußballspielen alleine auch nicht leben.

Anspielungen

in

wieder. Bis zur U14 habe ich in Krems gespielt. Das vergisst man nicht. Mit 15 bin ich dann ins BNZ St. Pölten.

Das Regierungsviertel ist ja nicht weit weg vom Trainingszentrum? Das passt perfekt. Einen verständnisvol-

Und einmal schien nicht nur Deine Karriere in Gefahr?

len Chef habe ich obendrein. Bis jetzt

Stimmt. Bei der Bundesheer-Musterung

einheit mit dem SKNV ausgegangen. Im

hat man entdeckt, dass ich Hoden- und

Regierungsviertel gibt es außerdem ein

Lungenkrebs habe. Ein halbes Jahr habe

Fitness-Center, das ich benützen kann.

ich pausieren müssen. Dass ich da-

Und seit kurzem habe ich eine Eigen-

mals körperlich schon sehr fit war, hat

tumswohnung in Obergrafendorf.

ist sich für mich noch jede Trainings-

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KRITIKEN

Zum Hören

Manshee, mikeSnare, Knolli, René, Rob.STP, Gitsche (von links nach rechts)

Wie klingt die Finsternis? Die 18jährige Anja Plaschg aka Soap&Skin, die sich von einer Schweinefarm in der Steiermark aufmachte um die Welt mit ihren seltsam Songs zu erobern kann davon einige Lieder singen. Anja hat die gesamten Produktion des Albums selbst und zum größten Teil zu Hause fertiggestellt. Der Longplayer entführt den Hörer auf eine spannende wie abwechslungsreiche Reise zwischen Düsterem und Schwermütigem.

Willi Resetarits Stubnblu es III. No so vü

Oumou Sangaré SEYA

Endlich! Nach Salif Keita, Amadou & Miriam und Ali Farka Touré schwingt sich eine weitere malische Künstlerin in die internationalen Lüfte: Auf Seya („Freude“), ihrem fünften Album kombiniert der „Song Bird“ alte afrikanische Instrumente wie Balafon, Kamalngoni und Flöten mit E-Gitarren, Bass und Keyboards zu einem faszinierenden Ganzen. Doch im Mittelpunkt steht Oumou’s fabelhafte Stimme, die sie höchst dynamisch einsetzt.

STATE OF MIND

Faster Than Light L P

Zurücklehnen, entspannen, durchatmen, fühlen, spüren, zuhören. Willi Resetarits ist zurück mit seiner exzellenten Stubenblues-Formation und zelebriert erdige, gefühl- und kraftvolle Musik. Ein Hörgenuss, der sich vom ersten bis zum letzten Ton der elf Musikstücke ausbreitet und mit voller Emotionalität durch Mark und Bein geht. Auf höchstem Niveau präsentiert sich Resetarits auf der Spitze seines bisherigen gesanglichen Schaffens.

Die beiden Neuseeländer präsentieren ihr zweites Album auf ihrem eigenem Label „SOM Music“. Eine breitgefächerte Selection an Neurofunk Gustostückchen, gespickt mit diversen Kollaborationen. State of Mind haben sich durch ihren hohen quantitativen Output und durch intensives Touren quer über den Erdball zu einer Fixgröße in der Szene hinaufgearbeitet. Tipp: Am 17. April geigen State of Mind im Frei.raum St. Pölten auf!

Zum Schauen

Zum Spielen

Manshee, Dali Koljanin

Markus Waldbauer

Jondo Pure

„Pure“: So betitelt der in Reggaekreisen längst etablierte, aus Berlin stammende Musiker, sein neuestes Album. Und pur ist es auch: Eine Stimme, eine Gitarre – that’s it! Der knapp 30jährige „Rainbow Warrior“ beweist außerordentliche Songwriterqualitäten und schafft es einen emotionalen, ja fast schon spirituellen Bogen von der ersten bis zur letzten Nummer zu spannen. Anspieltipps: bluesige Nummern wie „Jah Children“ oder „Little closer“.

Milow

Ayo tec hnolo gy Ja, eher ungewöhnlich, denn diese Zeilen sind einer einzigen, kürzlich veröffentlichten Single gewidmet, deren dazugehöriges Album noch nicht einmal erschienen ist. Doch der 27jährige Belgier Milow katapultiert sich mit seinem 50 Cent/Timberlake-Cover „Ayo technology“ soeben geradewegs in den internationalen Pop-Olymp. Alles produziert und released auf seinem eigenen Label Homerun Records. www.milow.com

Zum Lesen

H. Fahrngruber, W. Hintermeier

ROCK N ROLLA

resident evil 5 c apco m

Der Dativ ist dem ...

Lenny Cole ist der mächtigste Mann Londons, zumindest was zwielichtige Geschäfte im Untergrund angeht. Doch dem in die Jahre gekommenen Paten laufen die Dinge langsam aus dem Ruder: Ein Russe mit eigenen Machtbestrebungen tritt aufs Parkett, eine schöne Frau vereitelt die Pläne und trottelige Ganoven sorgen für ein Durcheinander.

Auch wenn sich die HorrorSerie immer mehr zu einem Survival-Shooter entwickelt, auch wenn die Schockelemente durch Tageslicht der afrikanischen Pampa abgedämpft werden, selbst wenn die einstmals trägen Zombies mittlerweile die Handhabung von Kraftfahrzeugen beherrschen – Resident Evil 5 muss man einfach haben, wenn man die Vorgänger mochte.

Alle drei Folgen der Bestseller von Bastian Sick als Sammelband: Die Fallstricke der deutschen Sprache, an die man sich schon gewöhnt hat. Schlampiges Deutsch, hohle Modephrasen, nervige Redewendungen: Was hat es damit auf sich? Warum gibt es so viele angehängte ´s, auch Deppenapostroph´s genannt? Dies wird humorig und gar nicht oberlehrerhaft erklärt.

Guy Ritc hie

Monsters vs. Aliens

Rockband 2

Bastian Sick

Marc-Uwe Kling

Vernon & Letterma n

el ec tron ic arts

die Kän guru-Chr on iken

Die Erde wird von Aliens angegriffen und muss natürlich geschützt werden. Wer eignet sich denn da am Besten? Natürlich die Monster, die die Regierung schon seit Jahren versteckt hält! Eine spannende Jagd nach den Aliens kann beginnen. Ein lustiger Animationsfilm für Jung und Alt, dessen Produktion im Hause DreamWorks ganze vier Jahre in Anspruch genommen hat! Spaß garantiert! Ab 3. April im Kino!

Der alte Meister der Rythmusspiele ist auch der neue! Mit der Fortsetzung der erfolgreichen Hau-Rein MusikspielSerie „Rockband“ gelingt es den Entwicklern, noch eins drauf zu setzten. Es gibt viele Neuerungen wie vier Schwierigkeitsgrade, bessere Animationen, Nachschub an Download-Content sowie ein neues Drum-Training und über 80 Songs warten darauf, gespielt zu werden. Auch der Online-Modus bietet Spaß für unzählige Stunden.

All jenen, die auf die Idee kommen und mit einem Känguru den Rest ihres Lebens zu verbringen, sei dieses Buch als Rute ins Fenster, pardon ins Regal gestellt. Der Kabarettist Marc-Uwe Kling erzählt von seinem Kennenlernen und späterem Zusammenwohnen mit dem Beuteltier, das sich als Kommunist entpuppt. Die Wortgefechte der beiden sind zum Brüllen komisch, aber auch hilfreich bei der Suche nach dem Sinn des Lebens.

Foto: zVg, photocase, slu

SOAP & SKIN

L ovetun e Fo r Vacuu m

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VERANSTALTUNGEN

HIGHLIGHT www.vaz.at

Mike Krüger Die markante Supernase, die „den Nippel durch die Lasche zog“ und mit Thomas Gottschalk Anfang der 80er Jahre auf der Leinwand für Furore sorgte, kommt nach St. Pölten! Mike Krüger ist ein Comedian der Spitzenklasse mit Schauspieler- und Moderatoren-Qualitäten, und wird dies mit seinem Programm „ZWEIoHRNASE“ einmal mehr unter Beweis stellen! Endlich wieder live als Kabarettist!

4. Mai 2009

09. 04. alle sieben Wellen Es ist endlich soweit. Daniel Glattauer, legendärer StandardKolumnist und Autor, hat das Flehen der Fans erhört. „Gut gegen Nordwind“, einer der außergewöhnlichsten und erfolgreichsten Romane der letzten Jahre, findet seine Fortsetzung. Der spannende, pointierte und höchst romantische Email-Dialog geht in „Alle sieben Wellen“ nahtlos weiter. lesung

cinema paradiso GH Koll

WISA

23.-26. 04.

Es ist wieder soweit, die WISA „das größte Schaufenster der Landeshauptstadt“ öffnet ihre Pforten. Und sie wird einmal mehr vier Tage lang der beste Ort sein, um sich über alle Neuheiten auf dem Sektor Bauen und Wohnen, aber auch die Innovationen auf dem Freizeitsektor –mit all seinen Facetten– zu informieren. Jeweils von 9:00-18:00 Uhr! GH Koll VAZ

Messe

Foto: zVg, photocase, slu

15. 05.

willi resetarits

„es gibt nix besseres ois wos guads.“ Unter diesem Motto geigen die Männer rund um den Herrn Willi Resetarits, dass es eine Freude ist. Eine wilde Mischung wird geboten: Vertonungen von H.C. Artmann-Gedichten, kroatische Volkslieder aus Stinatz, der Urheimat des Sängers, und Wienerlieder. Diese Mischung wird komplettiert durch rare Jazz-, Blues-, Soul- und Funklieder. konzert

bühne im hof

15. 04.

Amtsbekannt

Die Strottern präsentieren im Rahmen der Seria Amtsbekannt „Lieder aus Wien“. Wenn die Nachwuchsstars des avancierten Wienerlieds ihre ZuhörerInnen in die Welt der Wiener Musik entführen, dann geben sich alte Tänze aus dem 16. Jahrhundert wie selbstverständlich die Hand mit Liedern, die im Wien von heute entstehen. Vorverkauf: Buchhandlung Schubert! klassik

25. 04.

bgm-zimmer

Guetta & friends

Mit David Guetta präsentiert die Stargate Group in der Pyramide den aktuell besten House DJ der Welt. Weiters werden DJ Chuckie und DJ Tom Snow die Turntables bedienen, mit Chris Willis und Tara McDonald ist zudem eine perfekte Kombination aus Live-Performance und Djing garantiert! Der 2nd Floor wird von DER Party Ibizas, „In Bed With Space“, gehostet! Party

19. 05.

vösendorf

19. 04.

Bühne im hof

Musical

sean Keane

Für seine bisher sechs Solo-Alben, als auch für seine Live-Konzerte erhält er seit Jahren die besten Kritiken. Der Publikumsliebling Sean Keane ist ein irischer AusnahmeSänger und kommt nach zwei Jahren Pause mit sensationellem LiveAlbum wieder nach Österreich! Eine seiner Station ist der Frei. Raum St. Pölten! Vorverkauf: Boutique joanna’s, Rathausgasse 1 Konzert

ego-shooter

Das Jugendmusical Ego-Shooter handelt von Gewalt unter Schülern. Georg ist ein unauffälliger Schüler, seine Leistungen sind sich im unteren Klassendurchschnitt. Keine Spur von Harmonie im Elternhaus. Abreagieren kann sich Georg am Computer, bei seinem Lieblings-Spiel aus der Kategorie Ego-Shooter. Kartenpreis für Schulklassen: 8

Viel Vergnügen

Beginn: 20:00 Uhr

22. 04.-02. 05. donaufestival Fake Reality! Das donaufestival 09 versteht sich als einen siebentägigen Versuch, mit unterschiedlichen künstlerischen Medien und Positionen, auf die Unwirklichkeit der Wirklichkeit unserer Zeit zu reagieren. Was religiöse und politische Hetzer, Finanz-GamblerInnen und die DisneyfiziererInnen dieser Welt können, das muss die Kunst schon längst können! festival

krems

01.05.

DIE AMIGOs

04.05.

MIKE KRÜGER

07.05.

KAsTELRuThER sPATzEn

10.05.

OLIVER WIMMER

24.25.07.

BEATPATROL FEsTIVAL Tickets im VAZ St. Pölten, ticket@nxp.at; www.vaz.at; 02742/71400, Raiffeisenbanken, Verkaufsstellen von Ö-Ticket, Vertriebsstellen der Austria Ticket Online, Trafiknet-Trafiken mit ATO-Anschluss

frei.raum

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MFG - Das Magazin / Ausgabe 29  

MFG - Das Magazin in hochwertiger Ausführung, durchgehend 4c auf aufgebessertem Papier mit attraktivem Content auf mindestens 56 Seiten. Die...

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