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URBAN: Verzauberte Menschen KULTUR: Zeitgeistfabrik(At) SZENE: illegale partylaune SPORT: Klettermax im Pielachtal

G MF

DAS MAGAZIN

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n-

URBAN

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NICHT NORMAL!

Leute Vom Andern Ufer Somewhere Over The Rainbow

von Johannes Reichl

Fall 1: Andreas T. ist von

sächlich! Heute, 2007! Nicht normal, oder?

Geburt an blond. 20 Jahre

Warum ich grad Blonde oder Linkshänder anführe?

war er mit seiner Lebensge-

Ganz einfach: Es gibt davon statistisch betrachtet ca.

fährtin Hanna, ebenfalls blond, liiert. Ein Traumpaar,

so viele wie Homosexuelle: 10% der Bevölkerung.

bis sie durch einen Schlaganfall aus dem Leben ge-

Warum sich diese normalen Mitbürger noch immer

rissen wird. Klar, dass er alles erben soll. Doch An-

mit Diskriminierungen herumschlagen müssen oder

dreas wird mitgeteilt, er sei nur erbberechtigt, wenn

ihnen eine Ehe im rechtlichen Sinne verwehrt wird

ein Testament vorliegt. Das gibt es aber nicht. Nicht

(mit all den oben angeklungenen Folgen) ist schwer

einmal ein Pflichtteil steht ihm zu. (Und hätte es eins

zu begreifen: Einerseits mag es an grundsätzlicher,

gegeben, müsste Andreas aufgrund seiner Blondheit

irrationaler Angst vorm „Fremden“ liegen, anderer-

einen höheren Steuersatz zahlen!)

seits auch an einer negativen Konditionierung durch

Fall 2: Die Linkshänderin Susi F. geht arbeiten. Ihre

die katholischen Kirche und ihre „Sexualmoral“.

linkshändige Partnerin führt zuhause den gemein-

Ich finde es ja furchtbar schade, dass Jesus kein ho-

samen Haushalt. Als sie den Alleinverdienerabsetz-

mosexuelles Pärchen offiziell besucht hat bzw. hat

betrag geltend machen möchte, wird ihr dies auf-

er wahrscheinlich eh, nur steht darüber nichts in der

grund ihrer Linkshändigkeit verwehrt.

Bibel. Für einen toleranten Menschen wie Jesus wars

Von anderen Fällen, die zwar Dank EU-Druck per

halt stinknormal und daher kein Grund, extra Lobby-

Gesetz mittlerweile verboten sind, aber noch immer

ing zu machen. Aber dann wäre die Diskussion von

passieren (aufgrund mangelnden Wissens?), ganz

dieser Seite vom Tisch und die katholische Kirche

zu schweigen: Etwa vom St. Pöltner Walter K., dem

von ihrer zynischen, so gar nicht christlichen Haltung

ein Wiener Krankenhaus, in das seine St. Pöltner Le-

befreit: Nächstenliebe geht halt schwer mit Intole-

bensgefährtin eingeliefert worden ist, keine Auskunft

ranz zusammen. Zudem irritiert mich eines: Stellt

erteilen wollte, weil er kein Ehepartner oder direkter

man mit der Negation eines natürlichen Phänomens

Verwandter ist. Oder vom Arbeitgeber, der dem Bril-

nicht die Schöpfung an sich in Frage. Will man etwa

lenträger Jochen B. im Unterschied zu den normal-

unterschwellig behaupten, Gott hat sich geirrt?

sichtigen Mitarbeitern keine Pflegekarenz gewährt.

Aber wenn schon die Kirche, aus welchen Gründen

Oder vom schwarzen Hausbesitzer, der einer weißen

auch immer (es fielen einem einige ein) reaktionär

Frau nach dem Tod ihres weißen Mannes verwehren

in der Sache dahindümpelt, so sollten wir als aufge-

will, in den Hauptmietvertrag einzutreten, so dass sie

klärte Bürger zumindest endlich unsere Verfassung,

die gemeinsame Wohnung verlassen muss.

Artikel 7, ernst nehmen und Druck auf die Politik

Haben Sie beim ersten Fall noch ungläubig den Kopf

machen. „1) Alle Bundesbürger sind vor dem Gesetz

geschüttelt, so sind Sie mir mittlerweile auf die

gleich.“ Mehr gibt’s dazu eigentlich nicht zu sagen,

Schliche gekommen: Alles erlogen! Blödsinn!

außer vielleicht ein kleines Gedankenexperiment.

Richtig! Nur, wenn ich etwa anstatt des Blonden

Überlegen Sie für sich, zu welcher Minderheit Sie ge-

die lesbische Martha eingesetzt hätte, und statt der

hören, und dann versetzen Sie sich in die Lage, wie

Linkshänderin den schwulen Franz, sowie in allen

das so wäre, wenn man Sie deshalb völlig grundlos

anderen Fällen Homosexuelle, dann wären diese

diskriminiert. Nicht schön, oder? Na eben! Ich kann ja

Beispiele aus dem Leben gegriffen. Das passiert tat-

auch nichts „dafür“, dass mir die Haare ausfallen!

Extra Zeller Die einzige, die uns wecken darf!

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KULTUR

nicht zum Zeit totschlagen Aigners Landesmuseum discogewordener Zeitgeist „Fabrikanten“ berichten

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SZENE MElting pot VI Wir stellen die „Gretchenfrage“

Illegal - Ganz egal! You Gotta Fight For Your Right To Party

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SPORT

klettermax im pielachtal weinburg um 17 Meter gewachsen IMPRESSUM Blattlinie: Das unabhängige Magazin zur Förderung der Urbankultur in Niederösterreich Medieninhaber (Verleger): NXP Veranstaltungsbetriebs GmbH, MFG – Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten Herausgeber: Bernard und René Voak MBA Redaktionsanschrift: MFG – Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten; Telefon: 02742/71400-330, Fax: 02742/71400-305; Internet: www.dasmfg.at, Email: office@dasmfg.at Chefredakteur: Mag. Johannes Reichl Verlags- und Anzeigenleitung: Mag. (FH) Michael Müllner, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten; Tel.: 02742/71400-330; Email: michael.muellner@dasmfg.at Redaktionsteam: Mathias Kirner, Flo Kogler, Althea Müller, Michael Müllner, Michael Reibnagel, Thomas Schöpf, Eva Seidl, Katharina Vrana, Barbara Waxenegger, Kati Waldhart, Tobias Zuser; in Zusammenarbeit mit www.joynt.at Kolumnisten: Herbert BInder, Dietmar Haslinger, Althea Müller, Thomas Karl, Rosa, Christoph Wagner, Tobias Zuser Kritiker: Helmuth Fahrngruber, Judith Goritschnig, Wolfgang Hintermeier, Dali Koljanin, David Meixner, Manuel Pernsteiner, Robert Stefan, Alexander Terrer, René Voak Leiter der Bildredaktion: Hermann Rauschmayr Cover: Hermann Rauschmayr, Christoph Schipp Art Director & Layout: REBELTECH, Dipl.-Ing. (FH) Christoph Schipp Lektorat: Frau Lehrer Reichl Hersteller: NÖ Pressehaus Druck- und Verlagsgesellschaft mbH; Herstellungs- und Verlagsort: St. Pölten; Verlagspostamt: 3100 St. Pölten, P.b.b. Alle Rechte, auch die Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2. Urheberrechtsgesetz, sind vorbehalten. Alle Angaben ohne Gewähr. Für den Inhalt bezahlter Beiträge ist der Medieninhaber nicht verantwortlich. Internet: http://www.dasmfg.at Offenlegung nach § 25 Medien-Gesetz: Medieninhaber: NXP Veranstaltungsbetriebs GmbH, MFG – Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten. Unternehmensgegenstand: Freizeitwirtschaft, Tourismus und Veranstaltungen. Geschäftsführer: Bernard und René Voak MBA. Grundlegende Blattlinie: Das unabhängige Magazin zur Förderung der Urbankultur in Niederösterreich.

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URBAN

In was für einer Stadt leben wir eigentlich...

In der man den Eindruck gewinnt, dass biswei-

In der endlich ein jahreslanges Manko ge-

In der eine Pendlerhochburg wie St. Pölten

len am falschen Platz gespart wird. So mutete

schlossen wurde. So bekommen Neo-St. Pöltner

doch glatt aufs Abstellgleis geschoben wird: Zu-

es äußerst knausrig an, dass man zwar – wie

- eine lobenswerte Initiative der Stadt - nunmehr

mindest empfand der St.Pöltner Gemeinderat die

gehabt – die Jungbürger der Stadt traditions-

eine offizielle Willkommensmappe ausgehändigt,

ÖBB-Ankündigung, dass das ICE Paar 766/767

gemäß zur Jungbürgerfeier lud, allerdings ohne

auf dass sie sich gleich so richtig zuhause in der

künftig keinen Halt mehr macht, so und protes-

Begleitung.

neuen Heimat fühlen.

tierte per Resolution „gegen jede weitere Reduk-

Könnte man noch angesichts einer Tausend-

Das gar nicht einmal schlanke Mäppchen öffnet

tion von Haltestopps von Fernverkehrszügen“.

schaft von Jungbürgern derlei Einsparungs-

mit einem Brief des Bürgermeisters, der großzü-

ÖBB Pressesprecher Johann Rankl, zugleich

gelüste nachvollziehen, so ist dies bei einer

gig verspricht: „Mein allererster Auftrag lautet:

Stadtrat, versteht die Aufregung nicht. Haupt-

Gruppe von nicht einmal 100 Personen wahr-

Sie sollen sich wohl fühlen.“ Da wird man ihn

aufgabe der ÖBB sei es, „den Fahrplan fahrbar zu

lich peinlich - und es wird ein falsches Signal

beim Wort nehmen. Dass das Staatoberhaupt

machen, und es gibt morgens und abends genü-

gesetzt: Die jungen Erwachsenen sind uns we-

zudem in einem Brief überschwänglich endet

gend gleichwertige Alternativen zum ICE.“

niger wert als die älteren, denn bei Stadtveran-

„So rufe ich Ihnen abschließend ein herzliches

Außerdem, so räumt er ein, „kommen neue Züge

staltungen ist es für gewöhnlich höflicher Usus,

Willkommen zu!“ wird nur die wenigstens ver-

hinzu“. Der IC 26 von Wien nach Frankfurt wird

stets auch eine Begleitperson einzuladen.

muten lassen, sie halten eine Akustikgrußkarte

ebenso Station machen wie eine neue Verbin-

Schließlich scheint das Knausern auch politisch

in Händen. Dafür erschallt der Ruf gleich in acht

dung nach Krems um 17.02 Uhr.“ Dazu kommt,

kontraproduktiv: Wann kommt man als Polit-

Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Kur-

dass St. Pölten ab 9. Dezember ein Taktknoten

Oldy schon so nah an Jungwähler ran?

disch, Russisch, Serbokroatisch und Türkisch.

für die Westbahn wird. Das bedeutet, dass im-

Schon einmal, vor einigen Jahren, hat man die

Auf über 40 Seiten erfährt man dann alles mög-

mer zur Minute 30 ein IC von St. Pölten abfährt,

Jungbürger ohne Begleitung eingeladen, um

liche Wissenswerte, über verschiedenste An-

auf den die einzelnen Regionalzüge abgestimmt

diesen unhöflichen Akt im nächsten Jahr wieder

laufstellen über Ärzte und Stadtplan bis hin zu

sind. „St. Pölten ist mit dem neuen Plan auf je-

zu revidieren. Man kann aus dem selben Fehler

Kultur- und Freizeiteinrichtungen. Kurzum, ein

den Fall besser dran. Man darf sich halt nicht auf

auch zweimal lernen!

brauchbarer Leitfaden durch die Stadt!

einem ausgefallenen Zug aufhängen“, so Rankl.

LESERFORUM

STUFENLOS

URBAN: Am checkPoint chArly KULTUR: volle Pulle im museum SZENE: Jugendkulturverschmelzung SPORT: eflers cArAmbolAgekurs

Der Leitartikel von Herrn Reichl wird zwar nichts an

Wieder einmal ein wunderbares Heft! Mit einem en-

der Situation ändern, aber als lokaler „Einzelkämpfer“

gagierten Titelthema und einfach genialen Kolumnen.

gegen die „Raus aus unserem Land“-Selbstzufriedenen

Nur der Bericht über das Bowling-Center war mir zu

empfinde ich ihn als Labsal und Stärkung, meine sich

unkritisch.

mit dem Artikel deckende Meinung/Argumentation

Dafür waren bei den Kritiken wieder mehr als nur an-

weiter zu verbreiten.

regende Tips dabei, Freedom Warriors z.B.! Also: fan-

Darüber hinaus stimmt meine über 60-jaehrige Mei-

tastische Arbeit! Danke!

Julius Schlögl

nung mit sehr vielen Ihrer aufgegriffenen Themen überein. Mit freundlichen Grüßen,

Herbert Meixner

dass in st. pölten das derzeit modernste bowlingcenter der welt steht, ist eigentlich unglaublich! da

MFG

DAS MAGAZIN

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Frau Eva Seidl müsst ihr euch warm halten – einen

kann man als st. pöltner mal so richtig stolz auf seine

so gut recherchierten Artikel [EVN-Deal, Anm. d. Re-

Stadt sein, und dazu hat man ja nicht allzuoft gelegen-

daktion] sucht man in anderen Lokalmedien verge-

heit! danke den machern dafür. es ist echt ein geiles

bens! Mit freundlichen Grüßen

teil geworden und ein riesenspass

Erich Wallner

holger

Fotos: Rauschmayr, photocase, fotolia.com, zVg

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Leider kann nur ein Teil der Leserbriefe veröffentlicht werden. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor. Leserbriefe direkt an: MFG-Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten, e-mail: leserbriefe@dasmfg.at oder direkt unter www.dasmfg.at

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URBAN

„Im Sprung gehemmt“ nennt Helmut Krätzl sein Buch, wo er sich besorgt darüber zeigt, dass nach dem Enthusiasmus des Konzils einiges ins Stocken geraten ist. Irgendwie im Sprung gehemmt scheint auch jene Euphorie, mit der vor eineinhalb Jahren die St.Pöltner Stadtentwicklungsgesellschaft auf Schiene gebracht wurde. Der Impetus der Gründungsphase wurstelt sich im Augenblick etwas ab mit den Mühen der Ebene, basisdemokratische Gruppendynamik tut das Ihre dazu. Das Unterfüttern der Überschriften des Masterplans mit pulsierender Urbanität zieht sich. Ausgenommen die Kultur: Hier gibt es wohl niemanden, der – vom Theater bis zum Festspielhaus und von der Musik über die Museen und Bibliotheken bis zur Literatur – nicht einen ungehemmten Qualitätssprung gegenüber der Situation

K

Schwuppdilup Mit den „LUP“ startet am 27. Dezember eine neue Ära für den öffentlichen Nahverkehr. Großer Gewinner der Umstrukturierung des Bussystems sind die Ortsteile, so Peter Zuser vom Stadtmarketing: „Dadurch sind in Zukunft auch die einzelnen Stadtteile im 30-min Takt erreichbar.“ Um ein möglichst flächendeckendes Angebot zu garantieren, wurde die Anzahl der Haltestellen erhöht. „In 80% des gewidmeten Baulandes befindet sich innerhalb von 300m eine Haltestelle!“, und das im tiefsten Winkel. Soweit so gut. Jedoch hat das LUP System auch ein paar Mankos: Ab 20 Uhr steht der Betrieb, Sonntag fährt gar den ganzen Tag kein Bus. Wegen der zu geringen Auslastung in der Vergangenheit wäre ein längerer Betrieb „unfinanzierbar“. Und wenn sich erhöhter Bedarf einstellen sollte? „Da zwei Drittel des LUP von Bund und Land finanziert werden, müsste eine Ausweitung des Betriebes und damit erhöhte Kosten erst bei beiden erfolgreich argumentiert werden“. Im Gegenzug wurden die Zeiten des Anrufsammeltaxis verlängert, das nun immer dann fährt, wenn die Busse stehen.

cold case

Neues Studentenfutter

im Sprung gehemmt von Hebi

„Die Richterin möchte mit objektiven Sachverständi-

St. Pöltens Studienangebot wird erweitert! An der

Fotos: Rauschmayr, photocase, fotolia.com, zVg

gen Gewissheit schaffen“, erklärt Gerhard Sedlacek, New Design University soll es ab Herbst nächsten der Leiter der Medienstelle der St. Pöltner Staatsan-

Jahres, vorbehaltlich Genehmigung des Akkreditie-

waltschaft, weshalb die Erhebungen noch nicht einge-

rungsrates, zwei neue Studiengänge geben.

stellt wurden. Seit Mai zieht sich die angebliche Verge-

Das dreijährige Studium „Design- und Architektur-

waltigung einer jungen St. Pöltnerin hin. Beschuldigt

technologien“ knüpft direkt an „Design“, den Haupt-

sind zwei Schwarzafrikaner, John und Ray, welche

lehrgang der Uni, an. „Wir wollen Experten ausbilden,

auch mehrere Wochen in U-Haft saßen und erst dann

die eine Schnittstelle zwischen Designern bzw. Ar-

entlassen wurden, als Verteidiger Peter Krömer Un-

chitekten und Baufirmen bilden“, so Pressesprecher

gereimtheiten aufdeckte (MFG berichtete). Bis dato

Christoph Lehrner. Außerdem werden Grundlagen in

wurde das Verfahren offiziell noch nicht eingestellt, Design, Materialkunde und Entwerfen vermittelt. allerdings scheint die Glaubwürdigkeit des Vergewal-

Im zweiten Studiengang, der mit dem Bachelor of

tigungsopfers getrübt. Mittels Sachverständigengut-

Engineering abschließt, lernen die Studierenden

achten soll nun „objektiv“ erhoben werden, wie weit

die Voraussetzungen, um Veranstaltungen und

die Alkoholisierung des Opfers (2 Promille) die Wahr-

Events künstlerisch-technisch zu konzipieren und

nehmungsfähigkeit eingeschränkt hat. Für Ray gab es

durchzuführen. Mit diesem Rüstzeug in technischer,

unter dessen eine erfreuliche Wendung, sein ehema-

organisatorischer und künstlerischer Hinsicht aus-

liger Arbeitgeber hat ihn nach der Haftentlassung wie-

gestattet, sollen sie als Ingenieure in der Veranstal-

der eingestellt. John kämpft unterdessen weiterhin

tungsindustrie unterkommen. Die Studiengebühren

darum, in Österreich bleiben zu dürfen.

hierfür werden 2.500 Euro pro Semester betragen.

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vor ein paar Jahren feststellte. Kein Grund allerdings, die Flinte in die Traisen zu werfen, zumal inzwischen spät, aber doch, auf höherer politischer Ebene eine paradigmatische Wende stattgefunden hat: Stadt- und Landesvater reden auf einmal regelmäßig miteinander und letzterer haut sich bei Bedarf für die (endlich seine) Metropole auch hinein. Die Petra Bohuslav bekommt jetzt nicht mehr Schimpfer, wenn sie mit dem Matthias Stadler was zusammenbringt. Und Wolfgang Sobotka, der ja schon bisher die Lufthoheit über St.Pöltens Spitalsbetten und Schrebergärten hatte, er streichelt inzwischen publikumswirksam sogar landeshauptstädtische Findelhunde. Man liebt uns auf einmal! Was den Masterplan betrifft, Freunde, jedes Projekt hat 6 Stadien: 1) Begeisterung 2) Ernüchterung 3) Panik 4) Suche nach dem Schuldigen 5) Bestrafung der Unschuldigen 6) Auszeichnung der Nichtbeteiligten. Wo steh´n ma denn gerade?

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URBAN

Die Verzauberten

Wer sich als unbedarfter Hetero anschickt, St. Pöltens Homo-Szene nachzuspüren, kommt einem eigenen falschen Klischee rasch auf die Schliche: Zwar haben Lesben und Schwule teils mit denselben Problemen zu kämpfen, in ihrem Lebensvollzug sind sie aber – eigentlich eh nona – zwei völlig heterogene Gruppen, in denen nicht zuletzt das „typisch Männliche“ und „typisch Weibliche“ durchschlägt. Eine Annäherung. Von Johannes Reichl Fotos: Hermann Rauschmayr. Inwiefern – um eine seriöse Lobby quasi ein

Auch das Eingeständnis im Privatbereich vor

bisserl ins Lächerliche zu ziehen und so zu

sich und den anderen, dass man homosexuell

Wenn man überlegt, wo man bei einer derar-

schwächen? Möglich. Fakt ist jedenfalls, dass

ist, fällt nicht allen leicht. Ein Gast älteren Se-

tigen Story ansetzen soll, kommt einem als ers-

sich dieses Bild in den letzten Jahren, nicht zu-

mesters erzählt etwa, dass er, nachdem er sich

tes Richie Ferkschneiders „Emely Rose“ in den

letzt dank der Medien selbst, gehörig gewan-

vor seiner Familie geoutet hatte, die Woche dar-

Sinn. Zwar lässt der Hausherr gleich zu Beginn

delt hat. “Wer hätte sich vor 10 Jahren vorstel-

auf nicht mehr nachhause traute. Zwar bat ihn

wissen, dass es „eine homosexuellen Szene in

len können, dass praktisch keine Fernsehserie

die Familie zurückzukommen, seine Homose-

dem Sinne in St. Pölten eigentlich nicht gibt,

mehr ohne Schwule und Lesben auskommt. Die

xualität wurde aber nie wieder im Familienkreis

weil die Stadt zu klein ist und die Leute eher in

Homosexuellen wurden von der Wirtschaft als

angesprochen. „Schön war dafür, dass mich

Wien, wo es ein umfangreiches Angebot gibt, in

Zielgruppe entdeckt.“ Und dementsprechende

dann ein Freund der Familie ganz bewusst als

der Anonymität untertauchen“, andrerseits ist

Produkte und Dienstleistungen entwickelt, von

Taufpate für sein Kind gewählt hat!“

das Emely Rose zumindest ein Lokal, wo man

der Gaypartnerbörse „bis hin zu Reiseveranstal-

Richie wiederum ortet zwei Verhaltensmuster,

Homosexuelle antrifft bzw. – besser ausge-

tern, die sich auf Gayreisen spezialisiert haben.“

drückt - wo sie sich eher zu erkennen geben.

Positiver, gesellschaftlich relevanter Nebenef-

„Aber Homosexuelle findest du überall.“ Das

fekt. „Durch den Druck der Wirtschaft kommt

Emely Rose selbst ist ja kein reines Schwulenlo-

auch die Politik nicht mehr an uns vorbei.“

ER

kal (schwul deshalb, weil ein gewisser MännerHeteros, die im wohl gediegensten Restaurant

DIE SACHE MIT DEM OUTING

St. Pöltens (Reservierung unter 0676/3430113)

Auch Outings von Prominenten haben das ihre

formidabel speisen. „Ein reines Homosexuellen-

zu einer ehrlicheren Auseinandersetzung und

Lokal, quasi nur eine Zielgruppe fokussierend,

Verbesserung beigetragen „etwa Günter Tolar,

könntest du dir wirtschaftlich gar nicht leisten“,

der die Diskriminierung ja im ORF am eigenen

ist Richie überzeugt. So herrscht im Emely Rose

Leib zu spüren bekam, oder ein Alfons Haider,

friedliche „Koexistenz“, ist das Normale normal.

der aber in seinem neuen Buch schreibt, dass

„Es kommen oft Leute vom Restaurant rüber in

er sich heut gar nicht mehr so sicher wäre, sich

die Bar – für die ist das nichts Spektakuläres,

zu outen, nachdem seine Mutter angegriffen

überhang herrscht), sondern man findet ebenso

wenn da zwei knutschende Männer sitzen“, stellt ein Gast fest, und wie zur Bestätigung weiß ich nicht, ob er schwul oder hetero ist – weil’s völlig egal ist.

EIn KÄFIG VOLLER NARREN

Gediegenes Lokal unterm Regenbogen: Richie Ferkschneiders Emely Rose wurde“. Andererseits sei der Mut schwuler Politiker, dem Vorbild des Berliner Bürgermeisters zu folgen und sich zu ihrer Homosexualität zu bekennen hierzulande eher die Ausnahme.

Überhaupt sucht man das klassische Klischee

„Diesbezüglich gab es einmal zarte Versuche

von der exaltierten Tunte im Emely Rose ver-

– der Betroffene wurde medial sofort nieder-

geblich, „ja derlei Gehabe regt uns selbst am

gebügelt. Deshalb leben wir in dem Paradoxon,

meisten auf“, meint ein Schwuler. Richie wie-

dass zwar – wie die Wissenschaft behauptet

derum vermutet dahinter eine bewusste Stig-

– angeblich rund 10% der Gesamtbevölkerung

matisierung: „Früher wurden Paradiesvögel und

homosexuell sind, aber offensichtlich kein ein-

Tunterl, die natürlich nicht die Regel sind, von

ziger Politiker oder Fußballer. Schon komisch

den Medien bewusst transportiert – aber das

irgendwie, oder“, kann sich Richie ein Lachen

war auch politisch so gewollt.“

nicht verkneifen.

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URBAN

EINRICHTUNGEN St. Pöltner Frauen- und Lesbenclub Gegründet wurde der Verein vor einem Jahr von Ingrid Müller, „weil es diesbezüglich ja nichts gegeben hat in St. Pölten. Da haben wir uns gedacht, wir machen den Anfang.“ Die Treffen, bei denen hetero- wie homosexuelle Frauen willkommen sind, finden jeden 1. Montag im Monat ab 19 Uhr im Steppenwolf statt. „Wir sind sehr dankbar, dass wir die Räumlichkeiten in der Anfangsphase nutzen dürfen.“ Das Klima ist betont locker, es wird gequatscht, gewutztelt, Tischtennis gespielt. „Es geht einfach darum, dass man unter sich ist, Erfahrungen austauschen kann.“ Eines der pressierendsten Anliegen ist eine eigene Beratungsstelle für St. Pölten „Das fehlt definitiv, wie auch Studien bestätigen.“

„Grüne Andersrum“ Die Grünen Andersrum gibt es in NÖ seit Juli 2006. „Ziele sind der Abbau von Vorurteilen, Sichtbarmachen von SchwuLesBiTransgender Politik in unserer Gesellschaft, Rechtliche Gleichstellung von SchwuLesBiTransgender Beziehungen zu heterosexuellen Beziehungen, Einführung eines ZIP, Zivilpaktes, neben der Ehe“, so NÖ-Sprecher Manfred Weigel. Grüne Andersrum St. Pölten haben ihren Sitz in der Schneckgasse, wobei Regina Hasenzagl betont „dass wir nicht parteipolitisch orientiert sind, man muss also nicht Grüner sein.“ Im übrigen auch nicht Homosexueller! „Wir verstehen und als Institution, die dazu beitragen will, dass für uns wichtige politischen Ziele durchgesetzt werden.“ Derzeit trifft sich die St. Pöltner Gruppe einmal pro Monat.

Little Heaven Der Little Heaven ist eine gemeinsame Initiative des Cinema Paradiso mit den Grünen Andersrum. Die Ausrichtung erklärt Gerald Knell vom Kino folgendermaßen: „Es ist der Versuch regelmäßig einen Abend speziell für unsere schwullesbischen Gäste zu gestalten, mit passenden Filmen und Djs, einen Abend zum angeregten Treffen und Plaudern. Keine ‚Problem’- oder DiskutierAbende, sondern Abende mit Kultur und Feiern.“ Und zwar gemeinsam mit den Heteros! Nächster Himmelssturm am 11. Jänner 22 Uhr mit DJ LucyMcEvil ist!

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die auf den ersten Blick hin paradox klingen.

fen konnte. Und da geht es nicht primär um Sex,

„Natürlich haben auch heute noch manche mit

sondern einfach darum, Erfahrungen auszutau-

dem Outing zu kämpfen. Ich kenn junge Leute,

schen, miteinander zu plaudern.“ Heute hinge-

wo der Vater eine hohe Position einnimmt, und

gen bedürfe es solcher „Kristallisationspunkte

die deshalb sagen: ‚Okay, ich behalts lieber für

gar nicht mehr. Du gehst einfach ins Internet,

mich.’ Eine Reihe Älterer wiederum sagt sich

wo du dich sozusagen zunächst anonym tref-

‚Jetzt, in dem Alter, tu ich das meinen Eltern

fen und chatten kannst, und wenn alles passt,

auch nicht mehr an!’ Dabei, so hat Richie die

machst du dir ein Date aus.“

Erfahrung gemacht, ist gerade die Großelterngeneration in diesen Belangen oftmals liberaler

HOMOEHE

als die Elterngeneration. „Warum das so ist,

So betrachtet war das Internet für die Homo-

weiß ich nicht: Vielleicht weil sie viel erlebt ha-

sexuellen nicht nur eine technische Revolution,

ben und einfach wissen, worauf es wirklich an-

sondern auch eine soziale. Im Grunde genom-

kommt im Leben.“

men „sind wir schon weit gekommen“, glaubt

JObkiller

Richie. Freilich noch nicht weit genug, wenn man um nach wie vor existierende Diskriminie-

Und wie verhält es sich im Berufsleben. Riskiert

rungen weiß - Stichwort eingetragene Partner-

man da diskriminiert zu werden, wenn man sich

schaft. Dabei, dies bestätigen Umfragen, schei-

zu seiner Homosexualität bekennt? „Das spielt

tert es bislang weniger an der Bevölkerung als

überhaupt keine Rolle“, sind sich die meisten ei-

an der Politik. Der Schwenk in der ÖVP-Perspek-

nig. Nachsatz von Richie: „Wenn man aber eine

tivengruppe lässt aber hoffen, dass auch Ös-

Karriere anstrebt, wird man es für sich behal-

terreich bald zur Normalität findet. „In der Ver-

ten.“

gangenheit wurde von christlich-sozialer Seite

Wie war das in seinem Fall? Wurde er angefein-

gern das Damoklesschwert Ehe geschwungen

det? „Eigentlich nicht, wobei ich ein Ausnahme-

und suggeriert, dass Homosexualität nicht gott-

fall bin. Normalerweise bist als Wirt erledigt.“

gewollt sei und sowieso krank ist. Aber da ist

Dass seine Lokale überhaupt zu (auch) Schwu-

zum Glück ein Umdenken im Gange - selbst in

lenlokalen mutierten, war freilich gar nicht gep-

erzkatholischsten Ländern, wie zum Beispiel

lant. „Da bin ich eher wie die Jungfrau zum Kind

Spanien, hat man jetzt die völlige Gleichstellung

gekommen. Mein erstes Lokal war das Kaktus

hetero- und homosexueller Paare durchge-

am Rathausplatz im ehemaligen C2, eins der In-

setzt.“ Warum der katholischen Kirche in einer

Lokale damals. Nach zwei Jahren wurde es auf

politischen Diskussion bislang überhaupt sol-

einmal als Schwulenlokal tituliert.“ Dem Publi-

cher Einfluss zugebillligt wurde, versteht keiner.

kumsandrang tat dies in keiner Weise Abbruch,

„Ich erinnere mich an eine Club 2-Diskussion.

und auf etwaige dumpfe Anfeindungen Richies

Ein Professor brachte es auf den Punkt. Er käme

reagierten seine Gäste – Heteros wie Homose-

nie auf den Gedanken, etwa die Gewerkschaft,

xuelle – mit Solidarität. „Interessant war, dass

die ca. so viele Mitglieder wie die katholische

ich ein bisserl in eine Art Opferrolle gedrängt

Kirche hat, um Erlaubnis zu fragen, wie und mit

wurde und alle mich verteidigen wollten. Es war

wem er zusammenleben möchte. Das ist eine

offensichtlich schon damals eine sehr tolerante

Angelegenheit zwischen zwei Leuten, Privatsa-

Zeit“, erinnert er sich, wenngleich es schon auch

che!“

die Kehrseite der Medaille gab: „Natürlich ver-

Dass sich bislang auch der Staat als solcher ge-

suchten auch einige Konkurrenten das irgend-

ziert hat, dafür wiederum ortet Richie ganz ba-

wie auszuschlachten – aber ich konnte mir das

nale und schnöde Gründe: „Die Diskussion hat

wirtschaftlich leisten und hab durchgehalten.“

ja auch einen wirtschaftlichen Aspekt. Derzeit

Dass er damit – auch mit seinem späteren Lokal

ist eine Gattin, die selbst nicht arbeitet, mit ih-

Slapstick - für eine ganze Bevölkerungsgruppe

rem Mann mitversichert. Dieses Recht müsste

Pionierarbeit leistete, ihr Mut, Rückhalt und auch

man dann auch gleichgeschlechtlichen Paaren

ein Zuhause schenkte, war ihm damals wohl

einräumen – und da sieht der Staat, wie bei ei-

noch gar nicht so bewusst. Und auch heute gibt

ner Reihe anderer Gesetzgebungen, die dann

sich Richie bescheiden. „Ich hab damals sicher

schlagend werden, vordergründig einmal das

einen Ort geboten, wo man Seinesgleichen tref-

Geld, das er nicht gern bezahlt.“

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URBAN

ROSIGE AUSSICHTEN Letztlich arbeitet aber nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die EU für Antidiskriminerung und damit die Homosexuellen. „Ich bin überzeugt, dass die Gleichstellung über kurz oder lang durch die EU aufoktroyiert wird“, so Richie. Die EU also als Positivstimulator? „In diesem Fall definitiv. Auch deshalb, weil sie eine Rechtsinstanz geschaffen hat, die man als Bürger anrufen kann. Früher wurde man in Österreich mundtot gemacht. Das ist nicht mehr möglich.“ Auch der gestiegene Bildungsgrad der Gesellschaft trägt seines zu einer zunehmenden Normalisierung und Akzeptanz bei. „Der Umgang mit Homosexualität ist weniger aggressiv geworden. Früher, wenn man sozusagen ‚auffiel’, konnte es zu Anfeindungen kommen. Dieses Verhalten findet man heut kaum mehr, zumindest nicht in Kreisen, wo sich Homosexuelle bewegen. Die Menschen sind gebildeter, damit aber auch offener und toleranter.“ Ein Umstand, der zuversichtlich stimmt. „Ich persönlich glaube, dass in 10, 20 Jahren die Frage Hetero oder Homo überhaupt keine Rolle mehr spielen wird!“

„Was fehlt, ist eine Beratungsstelle.“ INgrid (oben) „Umso offener, Umso Besser!“ Regina (unten)

SIE Wir „switchen“ quasi auf die andere Seite der anderen Seite und plaudern im EGON mit sechs Lesben über ihr Leben und ihre Erfahrungen.

COMING OUT

nicht so allein dasteht, outet sich Ingrid auch

mein Vater zu ihr gemeint: ‚Warum Freund – ich

vor den Eltern. Eine harte Erfahrung. „Ich komm

bekomm mal eine Schwiegertochter!“

aus einem sehr religiösen Haushalt. Mann ge-

Die Regel ist, dass es keine Regel gibt. Während

hört zu Mann, Frau zu Frau - das war ganz klar.

LEBEN OHNE LÜGEN

Andi etwa meint, „dass ich in meiner Umwelt

Meine Eltern haben daher anfangs meine sexu-

Reginas Outcoming ist aus Sicht des Zeithori-

eigentlich nie Probleme gehabt hab - weder

elle Orientierung überhaupt nicht akzeptiert.“

zonts noch schwieriger. Wir schreiben das Jahr

beim Coming Out noch in anderen Bereichen!“,

Das geht soweit, dass Ingrid von zuhause aus-

1989, „da war das noch weniger Thema als

hatten Ingrid und Regina mit ihrem persön-

und zur Großmutter zieht.

heute. Zudem komm ich vom tiefsten Land, was

lichen sowie öffentlichen Bekenntnis durchaus

In ihrer Not wendet sich die bis dahin in der Kir-

die Sache nicht erleichtert hat.“ Es dauert 23

zu kämpfen. „Mein Coming Out war mit 14. Ich

che sehr engagierte Jugendliche auch an den

Jahre, bis sie sich ihrer sexuellen Orientierung

hatte vorher Freunde, das hat aber nie gepasst.

Pfarrer. „Das hätt’ ich mir sparen können! Er hat

bewusst wird. „Ich hatte vorher etliche Männer-

Als mir eine Freundin gestand, dass sie lesbisch

gesagt, dass das eine Sünde ist, und ich soll fünf

beziehungen, zuletzt einen sehr lieben Freund.

ist, da fiel es mir wie Schuppen von den Augen,

‚Vater Unser’ beten. Das wars mit der Kirche!“

In dessen Haus wohnte eine um 17 Jahre ältere

dass ich ja auch so bin. Ich wusste vorher gar

Freilich nicht mit der Religion „weil die ist Gott

Frau als ich. Irgendwann bin ich draufgekom-

nicht, dass es auch andere Lebensformen gibt.

sei Dank nicht die Katholische Kirche!“ Es gibt

men, dass ich eigentlich nicht mehr wegen ihm,

In Folge bin ich mehrmals nach Wien gefahren,

aber auch schöne Erlebnisse. Als eine Tante,

sondern wegen ihr hinfahr.“ Die beiden werden

in die Rosa-Lila Villa, und hab mich informiert.“

wohlwissend um ihre Homosexualität, sie an

ein Paar. Als ihre Mutter sie eines Tages unver-

Nachdem sie im Zuge der Recherchen erkennt,

ihrem 16. Geburtstag provokant fragt, wann sie

mittelt fragt: „’Schläfst du eigentlich mit der

dass sie mit ihrer sexuellen Orientierung gar

denn endlich einen Freund bekommt, „da hat

Frau?’ Da war ich dann vor die Entscheidung

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sind einvernehmliche homosexuelle Handlungen zwischen Erwachsenen in Österreich straffrei. Die letzte diskriminierende Bestimmung, der berühmte § 209 Strafgesetzbuch, der nur homosexuelle Männer kriminalisierte, wurde erst 2002 wegen Verfassungswidrigkeit aufgehoben und abgeschafft. 2003 wurde Österreich wegen Verletzung von Menschenrechten vom Europäischen Gerichtshof verurteilt, den Betroffenen Schadenersatz zugesprochen. Die Regierung reagierte mit einer neuen Bestimmung § 207 b Strafgesetzbuch, die Frauen wie Männer erfasst, aber aufgrund der unklaren Wortführung ebenfalls bereits dazu geführt hat, dass schwule Männer in diskriminierender Weise verurteilt wurden. Auch in anderen Bereichen sind Homosexuelle nicht gleichberechtigt. Sie dürfen nicht heiraten, also ihre Beziehungen nicht gesetzlich legitimieren, sie dürfen keine Kinder adoptieren, sind im Erbrecht, Mietrecht, Urlaubsrecht, Sozialversicherungsrecht und im Steuerrecht benachteiligt. Auch verschiedengeschlechtlichen Paaren zugestandene Vergünstigungen sowie betrieblich freiwillige Sozialleistungen für Ehepartner/innen oder Lebensgefährt/innen werden ihnen bislang verwehrt. In Österreich fehlt bislang ein Antidiskriminierungsgesetz zum Schutz vor Diskriminierung aufgrund sexueller Orienterierung.

Unverständnis. „Die haben gesagt, die ‚Alte’ ist

was zustößt? Dann darf meine Lebenspartnerin

schuld, die hat die Junge veführt. Und sie woll-

nicht in der gemeinsamen Mietwohnung blei-

ten mich zum Psychotherapeuten schicken.“

ben? Oder erblich wird sie übergangen – ich will

Ähnlich wie in Ingrids Fall ist das Outing zwar

aber, dass sie Anspruch hat!“, fordert Ingrid.

ein Akt der Befreiung, zugleich bringt er aber

Ein unappetitliches Ereignis diesbezüglich ist

auch eine gewisse soziale Isolation mit sich.

einmal Regina widerfahren, wenngleich sie

„Ich hab mich sehr allein gelassen gefühlt“, er-

einräumt, „dass sich die Zeiten zum Glück ge-

innert sich Ingrid, und Regina gesteht „dass es

ändert haben. Meine Freundin kam auf die In-

mir das erste Jahr nicht gutgegangen ist. Ich

tensivstation. Ihre Mutter war ein Pflegefall,

war ja sehr in den Gemeindeverband integriert,

konnte nicht hin. Ich war die erste vorort und

in die Pfarre, hab bei Cantores Dei gesungen.

habe den Arzt um Auskunft gebeten, ich sei die

23 Jahre hab ich im Klischee gelebt, und plötz-

Lebensgefährtin. Da hat er gemeint, die könne

lich komm ich wo rein und die Leute schauen

er nicht erteilen, da ich weder Ehepartner noch

mich an, als hätt ich einen Stempel aufgedrückt.

Blutsverwandter sei!“

Manche Freunde haben mich vorgeführt wie ein

Ein unhaltbarer Zustand, den niemand begreift.

Zirkuspferd. Umgekehrt“, gibt sie zu, „bin ich

Was in der Diskussion ebenfalls gern vorgescho-

damit auch sehr provokant umgegangen.“ Das

ben wird, um die Befürworter-Achse zu schwä-

Leben ist danach jedenfalls nicht mehr wie zu-

chen bzw. das Thema zu emotionalisieren, ist

vor, auch in ihrem Fall folgt ein Umzug. „Ich hab

die Frage „Homosexuelle und Kinderwunsch“.

mein Leben rigoros geändert. Aber mir war klar:

Was sich in vielen Patchwork-Familien notge-

Entweder du lebst es ganz, oder gar nicht.“

drungen von selbst ergibt (zwei „Väter“, zwei

Bereut hat aber keine der Frauen den Schritt

„Mütter“) ist homosexuellen Paaren als bewuss-

„Für mich war das wie eine Erleuchtung“, meint

ter Akt verwährt: Sie dürfen nicht adoptieren.

Ingrid, und alle stimmen darin überein, dass es

„Gleichzeitig wirbt aber die Stadt Wien derzeit

nicht nur für einen selbst, sondern auch für die

intensiv im homosexuellen Kreis um Pflegeel-

Umwelt leichter ist „je offener man dazu steht.“

tern. Wo ist da der Unterschied? Das ist doch

AM SCHEITERHAUFEN

bringt, ist der Ausschluss von der Möglichkeit

auch in der Arbeitswelt, wobei Ingrid die Frage

künstlicher Befruchtung. „Das ist ja der Gipfel,

an sich witzig findet: „Du sagst ja auch nicht

dass ich als Lesbe oder als alleinstehende Hete-

beim Vorstellungsgespräch ‚Ich teil Ihnen aber

rofrau, die ebenfalls ausgeschlossen sind, nicht

gleich mit, das ich hetero bin“, lacht sie. In der

über meinen Körper bestimmen darf!“

ständlich, dass die Partnerin mit auf die Weihnachtsfeier kommt.“

www.rainbow.at www.hosi.at www.villa.at www.rklambda.at www.andersrum.gruene.at www.l-mag.de

Ein anderer Umstand, der Regina auf die Palme

Diese Erfahrung machen die meisten Damen

Regel ist es kein Thema „und ganz selbstver-

LINKS

pervers?“, findet Ingrid.

HOMOSEXUELL IST NICHT HOMOSEXUELL

Ausnahmen bestätigen – leider – die Regel.

Prinzipiell hätten es aber Lesben, so Grundtenor,

Eine schlimme Erfahrung hat diesbezüglich

im Vergleich zu Schwulen im Hinblick auf Outing

Jassi gemacht. „Mein ehemaliger Arbeitgeber

und eine Reihe anderer Diskriminierungspoten-

war erzkatholisch, Obmann einer ultrareligi-

tiale leichter. „Das hängt wohl mit dem Sexual-

ösen Gruppe. Als in St. Pölten ein Treffen von

verhalten der Männer zusammen, die sich zwei

Homosexuellen war, hat er gewettert, dass sich

Frauen vorstellen können, während sie der Ge-

die jetzt alle aus ihren Löchern trauen und alle

danke zweier Männer abstößt“, ist Regina über-

am Scheiterhaufen verbrannt gehören. Das war

zeugt. Lesben seien in der Geschichte nie das

schon extrem belastend!“

große Problem gewesen. Diese vermeintliche

GLEICHE RECHTE

Akzeptanz wiederum bringt das Paradoxon mit sich, dass die sexuelle Ausrichtung von Les-

Diese Art verschrobener, reaktionärer und in-

ben fast zu wenig wahr- bzw. ernstgenommen

gestellt: Entweder ich antworte jetzt mit ja, oder

toleranter Menschen wettern auch gegen die

wird, was absurde Erklärungsmodellen mit sich

ich lüg mein ganzes Leben lang.“

„Homo-Ehe“, dabei geht es den Betroffenen

bringt. „Etwa, dass eine Lesbe sicher von einem

Auch Reginas Eltern reagieren, obwohl ein

nicht um kirchlichen Sanktus, „sondern um

Mann missbraucht worden ist - weil sonst gibt

schwules Pärchen zum Freundeskreis zählt, mit

rechtliche Absicherung! Was ist, wenn mir et-

es das ja nicht.“ Männer reagieren zudem oft

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DIE GESETZESLAGE Erst seit 1971

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URBAN

Matthias STADLER

Silvia BUSCHENREITER

Bernhard WURZER

Treten Sie für eine Gleichstellung hetero- und homosexueller Paare vor dem Gesetzgeber und in der Verfassung ein?

Eine Gleichstellung von allen Lebensgemeinschaften ist anzustreben, speziell dort, wo es Ungleichheit gibt.

Ja. Weil die sexuelle Orientierung sicher keine Grundlage für gesetzliche oder verfassungsmäßige Ungleichbehandlung sein darf!

Wien hat den Nationalrat aufgefordert, homosexuelle mit heterosexuellen Paaren gleichzustellen. Ist so eine Resolution auch für St. Pölten denkbar?

Selbst das tiefkatholische Spanien hat es geschafft. Warum sollten dies unsere Regierungsparteien nicht auch lösen? Eine St. Pöltner Resolution brächte aber keine neuen „Erkenntnisse“ .

Die Grünen haben bereits einmal eine Resolution auf Gleichstellung eingebracht, sind damals damit aber damals im Gemeinderat heroisch an allen anderen Parteien gescheitert.

Eine Resolution heißt „Eulen nach Athen tragen“. Es gibt auf Regierungsebene bereits eine Einigung. Jetzt geht es um die Umsetzung. Ein Adoptionsrecht kann ich mir jetzt nicht vorstellen.

Würden Sie befüworten, dass auf der St. Pöltner Homepage der Lebensbereich Homosexuelle berücksichtigt wird bzw. eine eigene Kompetenzstelle im Magistrat für Homosexuelle eingerichtet wird?

Bisher gab es keine einzige Anfrage im Rathaus. Die Schaffung einer „Anlaufstelle“ war daher nicht zwingend, was jedoch einen Link auf der Homepage zukünftig nicht ausschließt.

Jemanden explizit mit der Agenda von Antidiskriminierung zu betrauen, ist schon wichtig. Und Sichtbarmachen von Minderheiten auch auf websites - ist immer eine gute Maßnahme.

Über das Internet den Betroffenen den Weg zu weisen, Links zu Gruppen und Beratungsstellen zu geben, halte ich für gut. Eine eigene Anlaufstelle ist für die Größe St. Pöltens übertrieben.

Gleichstellung Ja. Allerdings bin ich gegen den Begriff der Ehe. Ich glaube der Weg der sogenannten eingetragenen Partnerschaft für Homosexuelle ist der richtige.

Hermann NONNER

Ja! Toleranz in unserer Gesellschaft sollte nicht zur Mangelware verkommen. Das Privatleben jedes einzelnen sollte geschützt werden!

Ich würde eine diesbezügliche Resolution im Gemeinderat unterstützen.

Ich glaub, das würde niemandem weh tun.

Peter SOMMERAUER

Die FPÖ bekennt sich zur Familie, die auf einer Lebensgemeinschaft von Mann und Frau beruht. Bestrebungen, gleichgeschlechtliche Partnerschaften Familien gleichzustellen, werden abgelehnt. Familien sollen unterstützt werden, weil sie durch Kinder finanziellen Belastungen ausgesetzt sind, die die Allgemeinheit mildern soll. Die private Lebensform von Menschen ist deren ureigenste Angelegenheit, in die weder Staat noch Parteien eingreifen sollten. Eine Gleichstellung hetero- und homosexueller Paare kann ich mir beim Erbschaftsrecht, Besuchsrecht etc, vorstellen.

mit klassischen Machosprüchen wie „Aber so

sitzen am Tisch zwei Longtime-Paare – finden

nomen zurück. „Frauen mussten sich ja nicht

schirch ist die ja gar nicht, dass sie keinen fin-

sich unter den Schwulen mehrheitlich Singles.

verstecken, während Schwule früher in den

det!“ oder „Na, die drehn wir auch noch um!“

„Ich schätz so 80% der Schwulen sind Singles,

Untergrund gedrängt wurden, wo sie sich eine

Das „Umdrehen“ gibts im übrigen aber auch

oder leben in offenen Beziehungen, wo es mit

eigene Szene aufgebaut haben.“

andersrum, wofür es im Homo-Jargon ein wit-

der Treue nicht so ernst genommen wird. Ein

Ein Lokal wie das ehemalige Slapstick, „wo ein

ziges Wort gibt: Hetenknacken. „Das ist, wenn

Freund erklärt mir diesbezüglich immer ganz

bunter, entspannter Mix aus Hetereos, Schwu-

du versuchst, eine Heterofrau rumzukriegen.

nüchtern: ‚Ihr Frauen könnt Sex nicht von Liebe

len und Lesben herrschte“, fehle definitiv.

Viele Heterofrauen sind ja einfach neugierig und

unterscheiden.‘“ Ein Spruch, der einem irgend-

Ebenso wie eine eigene Beratungsstelle, damit

wollen das einmal ausprobieren möchten“, er-

wie bekannt vorkommt – von Heteromännern,

man nicht wegen jeder Kleinigkeit nach Wien

klärt Andi lachend, „die sind aber deshalb nicht

ebenso wie die weibliche Feststellung: „Männer

fahren muss. „In St. Pölten sind wir heute dort,

lesbisch!“ Wenn es doch passiert, dass eine im

sind einfach sexfixierter.“

wo Wien vor 30 Jahren war!“

andern Lager hängen bleibt, dann hat man sie

Auf Aufriss geht man „eigentlich überall“, auch

Dieser (Un)Zustand sollte sich in einer Stadt, die

bestenfalls „wachgeküsst“.

weil „einschlägiges“ Angebot Mangelware ist.

per Selbstdefinition und offiziellen Bürgermeis-

Auch punkto Sexualverhalten gibt es beträcht-

„Es gibt für Lesben eigentlich nichts Gescheites

terstatements modern, urban und dynamisch

liche Unterschiede. Während Lesben eher zur

– nicht einmal in Wien“, beklagt Regina und

ist, raschest ändern! Auf dass die kleine Pro-

Langzeitbeziehung neigen – zur Bestätigung

führt dies auf ein gesellschaftshistorisches Phä-

vinzstadt endlich zur Normalität findet.

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XXXXXX

Radiomachen ist, wie wenn man ein Instrument spielt.

Die einzige, von der wir uns wecken lassen!

Alle kennen sie, alle lieben sie. Daniela Zellers wohlvertraute Stimme, die uns morgens via Ö3 Wecker aus den Daunen holt. Aufstehen ist hart. Aber wenn schon aufgeweckt werden, dann mit dieser Happy Voice – das macht es definitiv erträglicher. Dass Zeller selbst zu diesem Zeitpunkt bereits seit 3.30 auf den Beinen ist, wird gekonnt verdrängt, wenngleich sie selbst gesteht „Daran gewöhnt man sich nie.“ Dafür haben wir uns rasch daran gewöhnt, dass sie uns im Zweiwochenrhythmus seit September auch als Moderatorin der Sendung EXTRA durch den Vormittag begleitet. Zeit also, der gebürtigen Böheimkirchnerin endlich einen Besuch im Ö3 Studio abzustatten. Von Johannes Reichl Fotos: Hermann Rauschmayr MFG1207

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URBAN Dabei ergibt sich schon auf der Hinfahrt ein Pa-

nicht die geringste Ahnung, wie man ein Aufnah-

schätzend heißt aber nicht galertartiger Kuschel-

radoxon. Zeller kommuniziert bereits mit uns,

megerät bedient, geschweige denn ein Auto.“

kurs, sondern „wir sind alle sehr ehrlich mitein-

obwohl wir noch gar nicht da sind – sie mode-

Dafür besitzt sie Mut und Improvisationsge-

ander. Wenn etwas nicht gepasst hat, wird das

riert gerade die Sendung EXTRA. Und natürlich

schick, und so lässt sie sich frei nach ihrem Le-

einem auch gesagt. So gesehen musst du dir

landen wir just in jenem Stau, den der Mann

bensmotto „Wo ein Wille, da ein Weg“ von einem

deinen Platz erarbeiten und lernst sehr viel.“

ihr gegenüber im Studio ansagt. Österreichs

Freund in den hohen Norden kutschieren.

Ihren Platz hat sich Daniela Zeller Step by Step

schnellster Verkehrsfunk, aber so schnell kön-

Zurück kommt sie mit einem fertigen Beitrag,

erarbeitet. Anfangs hört man sie im „Wecker“ als

nen wir nicht mehr reagieren – und stehen.

der entspricht „und den sogar Dominic Heinzl in

Wetterlady, eines Tages steht sie plötzlich – auf

Als wir endlich in den zweiten Stock des Ö3 Stu-

seine Sendung reingenommen hat. Als ich das

die Studioeinteilung bezogen im wahrsten Sinne

dios in Heiligenstadt hinaufdüsen, sind wir fast

zuhaus gehört hab, bin ich vor Freude in die Luft

des Wortes – auf der anderen Seite, spricht als

eine halbe Stunde überfällig – Zeller begrüßt

gesprungen. Ich war so stolz - das werd ich nie

fixe Moderatorin zu zwei Millionen Österrei-

uns trotzdem mit einem fröhlichen Lächeln. Da

vergessen“, strahlt sie noch heute bei diesen

chern. „Der Wecker ist großartig. Allein, dass

steht sie also, frei nach dem Motto „Eben noch

ersten verdienten Sporen und fügt verschmitzt

man so viele Menschen erreicht. Das Programm

vokale Radiowelle im Äther, jetzt mit allen Sin-

hinzu: „Man muss eben manchmal bluffen und

ist irrsinnig vielfältig. Im Wecker lernt man alles

nen wahrnehmbare Frau“, und ein Gedanke

so tun, als ob man über den Dingen steht.“

– das waren sozusagen meine Lehrjahre“, meint

schießt mir durch den Kopf. Diese Frau passt zu

Nachdenklicher Zusatz: „Ich frag mich heut

sie sodenn im Hinblick auf ihre neue, zusätzliche

ihrer Stimme: Sympathisch, hübsch, locker. Wir

noch oft, was aus mir geworden wär, hätt ich

Aufgabe. Seit kurzem moderiert Zeller, im Wo-

machen es uns in einer Art Besucherlounge ge-

das nicht gemacht.“

chentakt alternierend, neben dem Wecker näm-

mütlich und beginnen drauf los zu plaudern.

ö3 calling

lich auch die Sendung EXTRA. Ein Wunsch? „Ja, ich wollte immer in den Tag rüberwechseln, hab

wo ein wille, da ein weg

Nun, was aus ihr beruflich geworden ist, weiß

das auch an oberer Stelle deponiert.“

man. Eine der beliebtesten Moderatorinnen des

Als im Sommer der Chef anruft, ob sie sich die

Fast 10 Jahre ist Zeller mittlerweile bei Ö3.

Landes. Ironie des Schicksals: Kommt der Pro-

Moderation von EXTRA vorstellen könnte, ist die

Ihre ersten Sporen verdiente sie sich aber bei

phet nicht zum Berg, dann eben umgekehrt, und

logische Antwort ja. „Wir haben dann ein Demo

Antenne Austria, nachdem sie zuvor ein Jahr

so meldet sich 1999 der Sender Ö3, den sie sich

aufgenommen, das glaub ich grottenschlecht

Schauspielunterricht eingelegt („was enorm

ein paar Jahre zuvor nicht einmal anzuschreiben

war“, lacht sie. Aber da man um ihre Qualitäten

wichtig für meine Stimmbildung war“) und ein

getraut hat, und wirbt sie ab. „Ich kann mich

weiß, dürfte das nicht weiter tragisch gewesen

Publizistikstudium begonnen hatte, „das sich

noch gut erinnern, wie ich pochenden Herzens

sein – Zeller bekommt den Job „Das ist für mich

aber bald mit dem Job nicht mehr vereinen ließ.“ Dass sie beim Radio landete, hält sie für eine logische Konsequenz, „weil das wollt ich immer machen. Die deutsche Sprache ist mein Ding!“ Warum sie sich damals nicht gleich bei Platzhirsch Ö3 bewarbt, ringt dem mittlerweile

Ich will nicht den Kasperl spielen, das ist nicht unser Anspruch als Moderatoren. „alten Ö3-Hasen“ ein Lächeln ab. „Ich hatte viel zu große Ehrfurcht vorm ORF, fühlte mich schlichtweg zu minder, hab mir gedacht: ‚Was willst du kleine graue Landmaus dort?‘“ Dann also Antenne. Zeller bastelte zuhaus eine Demo-Kassette und schrieb einen Brief. „Am 8. Oktober 1997, ich erinner mich deshalb so genau, weil an dem Tag auch meine Nichte geboren wurde, war ich zum Casting eingeladen.“ Dazu tingelte sie in die Steiermark, wo sie im Studio „erstmals den Hauch der großen Medienwelt verspürt.“ Eine Reise, die sich lohnt.

zum ersten Mal mit dem Lift hier ins Studio

eine totale Weiterentwicklung, weil den Vormit-

Die junge Niederösterreicherin ergattert eine

heraufgefahren und ausgestiegen bin. Ich hab

tag machen, heißt noch mehr Selbstverantwor-

Volontariatsstelle, was soviel heißt wie viel Ar-

gedacht, ich lande im Weltall. Ich war sehr ehr-

tung, und das taugt mir. Ich muss jetzt das ganze

beit, wenig Lohn. „Aber dafür auch die Chance,

fürchtig, und das sicher die ersten drei Jahre.“

Studio selber fahren, muss Ideen entwickeln,

viel zu lernen. Damals waren tolle Leute bei der

Ehrfurcht, die sich mit Zunahme des eigenen

das Programm lebt ja von vielen Fuzi-Teilen. Das

Antenne wie Dominic Heinzl, Flo Winkler oder

Stellenwerts und zunehmender Selbstsicher-

ist, wie wenn man ein Instrument spielt.“

Regina Preloznik.“

heit in allgemeinen Respekt vor der Anstalt und

Ein Instrument spielen, es wirklich beherrschen,

Als Zeller nach etwa zwei Monaten gefragt wird,

den Kollegen wandelt. „Hier arbeiten einfach

bedarf aber neben einer ausgefeilten Technik

ob sie sich einen Bericht über die Musicalauffüh-

die besten Leute ihres Faches, zugleich – und

rung „Arielle, die Meerjungfrau“ in einem Wald-

das empfinde ich als sehr angenehm – herrscht

KEIN KASPERLTHEATER

viertler Kulturbetrieb zutraut, schlägt sie ganz

eine hohe zwischenmenschliche Note, gehen

auch der Gabe, sich einzufühlen, zuzuhören, die

auf cool zu. „Dabei hatte ich zu dem Zeitpunkt

alle sehr wertschätzend miteinander um.“ Wert-

kleinen Nuancen wahrzunehmen und wiederzu-

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geben. Nur so erreicht man sein Publikum, ge-

der. So schwört Dani Zeller auf Asthanga Yoga,

zu sich selbst steht. Nur so kann ich einen Men-

winnt es für sich – so wie Zeller, was auch mit

das sie dreimal die Woche konsequent ausübt:

schen suchen, der mich so nimmt, wie ich bin.“

ihrer grundsätzlichen professionellen Berufsein-

„Beim Yoga musst du dich voll konzentrieren,

Und, hat sie selbst schon einen solchen Partner

stellung zu tun haben mag. „Ich versteh mich

musst voll da sein, im Moment. Jetzt ist jetzt!

gefunden? „Ja, den gibt es seit vier Monaten“,

als Dienstleister, sowohl im Radio als auch bei

Du lernst das Wesentliche vom Unwesentlichen

strahlt sie. Dass er gar der Auslöser für den Pa-

meinen Zeitungskolumnen. Wenn ich das Gefühl

zu unterscheiden.“ Dabei fällt Zeller dies von ih-

radigmenwechsel in ihren Kolumnen ist, stellt

hab, dass ich mich nicht bemüht hab, ist mir das

rer Veranlagung her gar nicht so einfach, wie sie

Zeller

peinlich. Das haben die Hörer und Leser nicht

eingesteht. „Ich bin schon so ein Flüchter, da ist

vorher soweit. Ich hab mir ja früher alles soooo

verdient. Lieblosigkeit hasse ich.“

immer dieses Weiter, dieses Fiebrige – und das

groß vorgestellt. Bezüglich Stars, aber auch be-

Klingt nach Perfektionismus. Lieblosigkeit kann

ist eigentlich schad. Es hilft in Wahrheit ja nicht

züglich Männern, hab unerreichbare Ideale kre-

man Zeller sicher nicht vorwerfen, eher um-

zu grübeln, was in 10 Jahren sein wird, und zu-

iert. Wenn ein Mann äußerlich toll gewirkt hat,

gekehrt die Liebe zum Detail. Bereits bei der

gleich verpasst man, was gerade vor sich geht.

hab ich mir gedacht, der muss generell so sein,

Programmvorbereitung geht sie sozusagen auf

Das wird mir manchmal bewusst, wenn eine

und dann war da oft nichts als Fassade. Ich hab

Empfang, fährt die Antenne aus und versucht

Kollegin in Karenz geht und plötzlich nicht mehr

immer das Unlebbare, das Unmögliche gesucht,

die Wellen, die von den Menschen kommen,

da ist – wie schön das eigentlich mit ihr war.“

auch in der Liebe – ständige Wirbelblitze, Feuer-

einzufangen. „Ich versuche jene Themen her-

Als anderes Abschaltventil, das Zeller enorm

werk. Aber so ist das Lebbare nicht. Jetzt ist mir

auszufiltern, die die Leute unmittelbar betref-

wichtig ist, fungiert Literatur. „Nachdem ich

ein Mensch wichtig, wo ich einen guten Bezie-

fen, sie beschäftigen, bewegen. Es geht letztlich

sonst permanent mit der Realität konfrontiert

hungsboden hab, wo ich mich entfalten kann.“

auch um Lebensgefühl, und das wird von un-

bin, lese ich gerne Romane.“ Allerdings keine

Dieser Mann muss zwar ähnliche Werte und

terschiedlichsten Faktoren beeinflusst. Ich frag

der leichten Sorte, sondern eher schwere Kost

Lebenseinstellungen haben, darf aber definitiv

mich oft als erstes, was macht diesen Tag aus,

vom Kaliber ihres Lieblingsbuches „Mitten ins

„nicht so sein wie ich selbst.“ Da hängt Zeller

was ist besonders. Und natürlich ist ein Tag im

Gesicht.“ „Seichtes bringt mich nicht weg, ich

eher der Theorie von „opposites attract“ denn

Frühling anders als einer im Advent.“

brauch was Spannendes, Herausforderndes!“

„gleich und gleich gesellt sich gern“ an. Der

Anders, wie die jeweils persönliche Verfassung.

aber in Abrede. „Nein, ich war schon

Partner muss ergänzen. „Ich mag Männer, die

Ist es nicht schwierig, als Moderator sozusagen

von der Liebe

immer den happy guy zu geben, obwohl man

Herausfordernd ist umgekehrt das Schreiben

Strom stehen so wie ich – nur ich könnte mit

beizeiten vielleicht gar nicht so gut drauf ist.

selbst – denn Zeller ist nicht nur leidenschaft-

so jemandem nicht zusammenleben. Ich bin

„Ich bin immer wie ich bin. Ich will nicht den

liche Leserin, sondern sie sitzt auch selbst hin-

ja selbst quasi harmonieunbegabt, da brauch

Kasperl spielen, das ist nicht unser Anspruch als

term Computer und verfasst Kolumnen für die

ich das Gegenteil. Jemand, wo ich Ruhe finden

Moderatoren. Ich bin auch überzeugt, dass man

Kronenzeitung. Außerdem hat sie 2007 gemein-

kann, der Harmonie ausstrahlt. Mein Freund ist

das schon in meiner Stimme merkt, wenn ich

sam mit Robert Kratky ihr erstes Buch unter

so ein ruhender Pol, der mich runterholt.“

nicht so gut drauf bin. Ebenso wie umgekehrt,

dem vielsagenden Artikel „Die ganze Wahrheit“

wenn ich fröhlich bin.“

vorgelegt. Hauptfokus, wie auch in ihren Ko-

am boden geblieben

lumnen zur damaligen Zeit: der „Kampf der Ge-

Dabei könnte man es Zeller in ihrer Lebenslage

jetzt ist jetzt

Bücher lesen, chaotisch sind, ständig unter

schlechter“, die Beziehung zwischen Mann und

wirklich nicht verübeln, wenn sie abhebt. Sie ist

Trotzdem ist man als Moderator, on air immer

Frau. „Das war bis vor einem Jahr tatsächlich

ohne Zweifel das, was man einen Promi nennt.

100% gefordert. Stets die Sensoren auf die Be-

ein großes Thema, aber jetzt ist es ausgereizt.

Zwei Millionen Menschen hören ihr tagtäglich zu,

findlichkeiten der Nation gerichtet muss geistig

Es gibt Unterschiede, na klar, aber wichtig ist

man kennt nicht nur ihre Stimme, sondern auch

Ich hasse es, wenn es nur mehr um Schein geht, wenn mehr Schein als Sein herrscht. Ich hab gern etwas Echtes.

bisweilen auch sehr zehren. „Mag sein, aber da

letztlich die persönliche Haltung als Mensch.

ihr hübsches Äußeres, das von Magazinseiten

braucht man privat eben bewusst Abstand. Ich

Mittlerweile beschäftigt mich weniger die Bezie-

ebenso lacht wie bisweilen aus dem Fernseh-

bin ein Alleinmensch, kann mich nur erholen, in

hung zwischen Mann und Frau, als viel mehr die

schirm. Edda Graf hat ihre Ausstrahlung einmal

Ruhe reflektieren, wenn ich für mich allein bin.“

Beziehung, die man zu sich selbst hat. Wichtig

treffend im NEWS beschrieben: „Daniela Zeller

Das schlägt sich auf verschiedenen Ebenen nie-

ist, dass man sich wohlfühlt, seinen Weg geht,

ist die einzige Moderatorin, die bei Männern

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URBAN

Es steht die Zeit des Jahres ins Haus, die sich ähnlich entspannt verhält, wie ein Schwarm Lachse beim Versuch, eine knapp nicht überwindbare Wehr zu überspringen. Als Pendler kann man sich das ganze Jahr über zwei Mal werktäglich ganz gut in die Lachse hineinversetzen. Aber anstatt rumpelstilzchengleich den Fuß in den Boden zu rammen, wenn die ÖBB die Grenzen der eigenen Leidensfähigkeit ausloten, könnte das Finale des Jahres zu einer Übung in Gleichmut genutzt werden. Hier einige Verhaltensempfehlungen für ein besinnlicheres Pendeln: Setzen sie bitte ein so breites Lächeln auf, dass neben ihnen selbst der Dalai Lama wie ein trauriger Pantomime wirkt, wenn just in dem Moment, als der Zug 100 Meter vor dem Bahnsteig St. Pölten den Betrieb einstellt, der Lautsprecher das Wort „Betriebsaufenthalt“ hinausquäkt und sich die unterste Schicht

K

wie Frauen gleich gut ankommt. Frauen mögen

Homestorys mach ich überhaupt keine mehr. Das

sie, trotz ihres tollen Aussehens, weil sie intelligent

hat sich zuletzt einfach unangenehm angefühlt,

und schlagfertig ist. Männer mögen sie trotz ihrer

war mir zu intim. Ich hab gemerkt, dass für mich

Intelligenz und Schlagfertigkeit, weil sie einfach toll

persönlich eine Grenze überschritten wird.“

aussieht. Für’s Radio fast zu schade.“ Empfindet sie

Grenzen sind aber – und man könnte es vielleicht

das ähnlich? Hat sie nie mit einer TV-Karriere ge-

um den Zusatz „gerade im Show- und Medien-

liebäugelt? “Vor 10 Jahren war das sicher noch so,

business“ erweitern - für Daniela Zeller essentiell

wobei das vielleicht auch eine Frage der Eitelkeit

wichtig. Weil sonst die Gefahr des Selbstverlustes

ist. Aber heute weiß ich, was mir guttut, was ich

besteht? „Man darf sich einfach nicht für alles ver-

will, wer ich bin – das hat seine Zeit gedauert, aber

heizen. Am schlimmsten sind doch Menschen, die

man wird sich im Laufe des Lebens ja immer ähn-

nur mehr in der Öffentlichkeit stehen, kein Geheim-

licher. Und was ich brauche, ist ein Job, wo ich aut-

nis mehr haben – die wirken wie leere Hüllen. Ich

ark und selbstbestimmt agieren kann. Das hast du

hasse es, wenn es mehr um Schein denn Sein geht.

beim Fernsehen glaub ich nicht bzw. gibt es dort

Ich hab gern etwas Echtes. Es geht mir z. B. irrsin-

nur ganz wenige Ausnahmen. Im Grunde genom-

nig auf die Nerven, wenn ich ‚künstliche’ Erdbeeren

men würde mich Fernsehen unglücklich machen.

bekomme, die eher nach Heidelbeeren schmecken.

Kleine Abstecher ja – aber ich würd es nicht gegen

Da ist mir ein ordentliches Butterbrot 100mal lie-

Ö3 eintauschen!“

ber. Und ich mag normale Menschen!“

Aus derlei Worten hört man eine gefestigte Per-

Dass sie selbst ein solcher geblieben ist, glaubwür-

sönlichkeit heraus, jemand, der sich nicht biegen

dig und authentisch rüberkommt, darin liegt viel-

lässt, auch wenn mit einem Bündel Geldscheinen

leicht das größte Geheimnis Dani Zellers Erfolges

gewunken wird. Vielen Sponsoren, die sie gern für

begründet. Und wenn sie uns dann morgens char-

Produktwerbung einsetzen würden, hat sie bereits

mant mit einem „Guten Morgen“ weckt, denken

einen Korb erteilt. „Ich mach sicher nicht alles. Ich

wir zwar im ersten Moment, „Ach Dani, muss das

lehne auch viele Veranstaltungen als Moderatorin

sein. Ich würd noch so gern eine Runde mützen!“,

ab, wenn ich das Gefühl hab, das passt nicht zu

folgen ihr dann aber brav und stehen auf – weil sie

mir. Ähnlich verhält es sich bei Fotostrecken, und

eine von uns ist!

1213_1415 Zeller.indd 5

UNTERBELICHTET von Christoph Wagner

ihres Wintergewandes mit Schweiß voll zu saugen beginnt, eine Frau im Wagon auftaucht und einen Bewertungsbogen mit den Worten „ob eh alles gepasst hat“ verteilt. Nützen Sie in dieser Situation unbedingt die Gelegenheit und lachen sie befreit auf, wenn ihnen ein Fremder erzählt, dass kürzlich ein Schaffner per Lautsprecherdurchsage die Fahrgäste informiert hat: „Aufgrund von Bauarbeiten auf der Strecke ist der Zug eine Minute verspätet.“ Behalten sie sich die gute Laune, wenn Sie am nächsten Morgen noch immer vergnügt vor sich hin glucksend zum Bahnhof zurückkehren und der Fahrkartenautomat ihre Zieleingabe „Purkersdorf“ mit einem trockenen „Diese Funktion ist derzeit nicht verfügbar“ kontert. Ein besinnliches Fest und rutschen Sie gut. unterbelichtet@kstp.at

28.11.2007 12:41:28


MFG

DAS MAGAZIN

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13

1600 Adventskalender.indd 2

16

bewährungshilfe

28.11.2007 12:52:36


17

ADVERTORIAL

Schokolade zum Frühstück

Foto: photocase.com, fotolia.com

„Nehmen Sie hoch das Bein, treten Sie ein, unser Tanz, er muss der nächste sein“ sang weiland FALCO höchstpersönlich. Beim Hauptstadtball am 5. Jänner wird man zwar weniger Brillantin’ Brutal’ (so der Titel des Songs) brauchen, dafür aber Abendkleidung, Taktgefühl und Stehvermögen.

Was soll man eigentlich über den Hauptstadtball

nicht zum Frühstück, so halt zum Ball, kredenzt

Neu ist zudem, dass man in Sachen Deko via

berichten, was man nicht schon wüsste? Viel-

vom feurigen Spanier Oriol Balaquer, seines Zei-

Lichtdesign von NXP Ton & Licht den großen

leicht, dass heuer Alltime-Hero Alfons Haider

chens einer der drei weltbesten Chocolatiers.

Saal zum Glamourschuppen verwandelt, und

höchstpersönlich eröffnet und The Voice, Tini

Man könnte auch erzählen, dass es neben Klas-

die Gärtnerei Nentwich Parkflair schaffen wird.

Kainrath von den Rounder Girls, Mika Stokinen

sikern wie Nähservice, Hair-Repair, oder Rittner

Ansonsten bleibt alles beim guten Altbe-

gesanglich unterstützt, wobei sie „Souliges ver-

Taxi-Service heuer erstmals ein Zimmerservice

währten: Kulinarik vom Feinsten, Warehouse

spricht, wozu man leicht tanzen kann“.

vom Hotel Metropol angeboten wird, das man

(mit „Whaterver Happened To The Eighties“)

Oder dass heuer die Gäste erstmals was zum

direkt am Ball buchen kann – um seinen Rausch

zum Shaken, Ballkombos wie Wolfgang Lindner

Vernaschen bekommen – nein, nicht nur die

auszuschlafen? Oder vielleicht doch eher, um

Band, Kuschelrocker oder Life Brothers, attrak-

hübschen Damen, die zum Anbeißen aus-

eine Ballkönigin vom Tanzparkett weg zu einem

tive Tombolapreise etc.

schauen – sondern Schokolade. Wenn schon

Schäferstündchen zu entführen?

D a s Ballerlebnis des Jahres! Soviel ist fix!

Es ist wie es ist...

nur in ihren süßen Strümpfen durchs Haus lustwandeln, so dass der

...sagt nicht die Liebe, sondern die Tradition. Und so wissen wir schon

Begleiter, der das nicht gleich kneisst, sich ernstlich fragen wird, ob

jetzt, wie der Hauptstadtball 2008 ablaufen wird...

er schon so besoffen ist oder seine Freundin tatsächlich in der letzten

Man wird wieder genau jene Leute treffen, die man „schon ewig nicht

Stunde um satte 10 cm geschrumpft ist.

gesehen hat“ und den Entschluss fassen „Jetzt müssen wir uns aber

Man wird wieder alle möglichen Gründe finden, um eine Runde nach

wirklich öfter sehen “, um ihnen ein Jahr später wieder zu begegnen.

der anderen zu schmeißen, und am nächsten Morgen mit schwerem

Man wird als Mann (zurecht) wieder von der Begleitung eine Rüge be-

Kopf aufwachen und sich fragen, wo das ganze Geld geblieben ist,

kommen, weil man sie noch nicht zum Tanzen aufgefordert hat, und

weil an den Raubüberfall kann man sich gar nicht mehr erinnern.

wird als perfekter Gentleman die eigenen Komplexe („Ich bin ja viiiiel

Man wird unter dem Einfluss des Alkohols wieder eine lose Zunge be-

zu steif“ „kann nicht tanzen“ „bekomme Schwindelanfälle“) überwin-

kommen und all das gestehen, was man eigentlich nie verraten wollte,

den und sofort mit ihr einen L’amour Hatscher aufs Parkett legen.

und sich tags darauf in Grund und Boden genieren („Nein, das hab ich

Man wird in der Disco (da ist man in der Menge besser getarnt) den

nicht wirklich gesagt! Hab ich das wirklich gesagt?).

legendären Moonwalk auspacken und sich derart verrenken, dass die

Man wird möglicherweise in einem Bett aufwachen und feststellen,

Sanitäter sorgenvoll heranstürmen werden, um einen vom vermeint-

dass dieses definitiv nicht das eigene ist, und – noch schlimmer – die

lichen epileptischen Anfall zu erlösen.

Frau/der Mann, der darin auch splitternackt liegt, schon gar nicht!

Die Damen werden nach der Mitternachtseinlage ihre High Heels ge-

Egal wie es kommt: Alle werden zum selben Schluss in Anlehnung an

gen flachere, in der Garderobe abgegebene Ballerinas eintauschen

Kaiser Franz Joseph kommen: „Es war sehr schön, es hat mich sehr

oder, wenn sie kein Ersatzschuhwerk mithaben, zusendes bloßfüßig,

gefreut!“ Und dann beginnt die Vorfreude aufs nächste Jahr.

1207 MFG

0017 Hauptstadtball.indd 3

28.11.2007 12:43:11


18

URBAN

Schön, das Jahr neigt sich also dem Ende zu. Zeit, Rosas Jahresresümee zu ziehen! Im Jänner träumte ich noch von einem Prinzen hoch zu Ross, der laut Prognosen eines vor Überglück strotzenden Jahreshoroskops auf mich zureiten sollte. Seufz! Im März bedauerte ich mich für meine 31 Lenze, ließ die Seele baumeln, versuchte mich als angehende Marathonläuferin und träumte weiter. Prinz – inzwischen wäre auch ein Mann o.k. gewesen – ward immer noch keiner gesehen. Nun, im Mai war’s schon

K

Der Weiländer

„Es kann nur einen geben“, heißt es im Highländer. Wenn man in und v. a für eine instabile Erdbebenzone wie die Innenstadt arbeitet, mag ein Gefühl von Einsamkeit nicht selten sein. Wir plauderten mit Matthias Weiländer, Chef der Stadtentwicklungs GmbH, über seinen nicht immer leichten Job. Die Stadtentwicklungs GmbH hat mit InsBesondere eine neue Dachmarke präsentiert. Was waren die Überlegungen dahinter?

Natürlich. Schaffen wir es damit die Solidarität un-

Ich hab viele Jahre Vereinsarbeit erlebt, kenne auch

tungskatalog der Innenstadt – das wird ein schö-

Auftritte anderer Innenstädte. Meistens sind deren

nes Konvolut – um den Leuten zu vermitteln, was

Aktivitäten rein veranstaltungsorientiert ausgerich-

die Innenstadt besonders macht: Die historischen

tet. Die einzelnen Veranstaltungen haben aber keine

Fassaden, das gastronomische Angebot, die Schani-

gemeinsame Klammer. So ist das auch in St. Pölten

gärten, das unternehmergeführte Geschäft, wo sich

– für die Innenstadt als solche konnte ich keine

noch jemand Zeit für den Kunden nimmt.

tereinander zu stärken ist uns schon viel gelungen. Wir erstellen derzeit im übrigen auch einen Leis-

Werbung machen. Wobei wir bei der Dachmarke

oder nicht. Er möchte aber z. B. die Innenstadt-Gut-

Sie haben ca. 200 Mitglieder –- das heißt viele Meinungen, Interessensgruppen, Köche. Bei der Innenstadt kommt einem im Hinblick auf ihre Vorgänger ja gern der Spruch „Leichen pflastern ihren Weg!“ in den Sinn. Richtig?

scheine überall einlösen können – also im Geschäft

Ein Experte von der Wirtschaftskammer hat mir ge-

genauso wie im Wirtshaus oder im Kulturbetrieb.

sagt, dass ein City-Manager eine durchschnittliche

ja unüblich vorgehen: Wir gehen weg vom Verein, reduzieren also nicht nur auf die Plattform, son-

einerlei und Rosa ließ ihrem gewohnten Zynismus freien Lauf. Der Prinz musste zu dieser Zeit schon auf seinem Pferd verschimmelt gewesen sein. Im August versuchte Rosa bei 40 Grad im Schatten ihre Familienbande zu lockern, wies ihre Lieblingsschwes-

dern es geht uns um die gesamte Innenstadtzone. Dem Konsument ist ja egal, wer beim Verein ist

„Lebensdauer“ von 18 Monaten hat. Ich hab bis

Die Dachmarke ist wohl als Vehikel nach innen wie auch nach außen gedacht?

jetzt 14, da bleiben also noch vier. Mir macht der Job jedenfalls Spaß, wobei es gar nicht um mich

H V

ter darauf hin, dass eine Rosa nicht sucht, sondern gefunden wird und das Internet wohl wirklich nicht der geeignete und angemessene Ort dafür zu sein scheint, um der Liebe Rosas surfend entgegen zu treiben. Pfui und Igitt. Im September erste aufkeimende Winterdepression mit exzellentem Single-Sex erstickt, um dann im November ein leichtes Plus – gemessen am jährlichen Gesamtverbrauch der Männer – von +6 zu verzeichnen. Fazit: Schneewittchen war mit ihrem Prinzen sicherlich erfolgreicher – ob sie auch Sex hatten, darüber schweigt man bis heute beharrlich! Rosa wird nächstes Jahr 32 Lenze jung und bekam mit heutigem Stichtag genau 136 Anfragen via virtuelles Netz, ob Mann Rosas Bekanntschaft machen darf! Er darf! Ich werde also doch gefunden, sagte ich’s nicht?!

1819 Weilaender.indd 2

Ein City-Manager hat eine durchschnittliche Lebensdauer von 18 Monaten. Da bleiben mir noch vier.

Fotos: zVg, living office

Rosa ZIEHT BILANZ von Rosa

28.11.2007 12:44:36

S s

Vignet


19

URBAN geht. Man muss endlich einmal weiterdenken.

gen, was in den Arbeitsgruppen rausgekommen

von Anfang an in ein solches Entwicklungspro-

Ich möchte etwas beginnen, auf das die Nach-

ist. Das wurde prinzipiell positiv aufgenommen.

jekt eingebunden zu sein, Infos aus erster Hand

folger aufbauen können, damit sie nicht –- wie

Nun geht es im nächsten Schritt, Schlüsselpro-

der dahinter Verantwortlichen zu erhalten.

in Vergangenheit – immer wieder von vorne be-

jekte zu definieren ebenso wie deren mögliche

Darum geht es ja bei der Vereinsstruktur: Nicht

ginnen müssen.

Finanzierung zu analysieren. Da sind die Arbei-

nur um Marketing, sondern um vielfältige, auch

ten voll im Gange, aber es dauert auch, weil viel

interne Aktivitäten – und die passieren.

Wie gehen Sie eigentlich mit öffentlicher Kritik um, wonach bei der Stadtentwicklungs GmbH zu wenig weitergeht?

Zahlenmaterial gesammelt werden muss, um

offensichtlich eine Vermischung vor. Ich bin

Ein Beispiel wäre die Einladung des deutschen Instituts für Zukunftsforschung? Was verspricht man sich davon, was kommt da noch?

eingesetzter Geschäftsführer der Stadtentwick-

Es gab ein Impulsreferat, jetzt folgen zwei Work-

lungs GmbH, bin für Organisation und für Mar-

shops samt Vor- und Nachbereitung durch das

keting zuständig. Der Masterplan als solcher ist

Zukunftsinstitut. Dabei geht es nicht nur um das

seitens der Stadt fremdbeauftragt an die KWI.

Einkaufsthema, sondern generell um Visionen

Und den Masterplan wiederum muss man mit

für die Innenstadt und die Stadt im allgemei-

einem Businessplan vergleichen – es geht also

nen. Das ist sehr spannend, wobei es auch gut

um nachhaltige Entwicklung, nicht kurzfristige

ist, dass das Institut völlig frei, ohne St. Pöltner

eine solide Basis zu schaffen. Wir sind jedenfalls mit nichts hinten.

Ganz ehrlich, ich versteh sie nicht. Da herrscht

Veranstaltungen. Die Entwicklung des Master-

Scheuklappen agieren kann und unvoreinge-

Sie haben gesagt, dass Sie die Stadtentwicklungs GmbH sozusagen nicht zum Veranstaltungsverein reduzieren wollen. Welche Aktivitäten gibt es noch?

nommen an die Sache herangeht. Die Erwar-

Liegt es vielleicht daran, dass man das, was man macht, zuwenig kommuniziert?

Wir bieten unseren Mitgliedern viel an, be-

setzen könnte. Da ist ja sehr viel da in St. Pöl-

mühen uns Meinungen einzuholen, zuzuhören,

ten, aber die Frage ist, wo sind wir wirklich spit-

Wir veröffentlichen, was veröffentlichswert ist.

aufzuklären, darzustellen. Paradebeispiel war

zenmäßig, oder was möchten wir spitzenmäßig

Ein erster Teil der Arbeiten wurde bei der Ge-

etwa die Präsentation der Parkraumstudie, wo

machen?

neralversammlung 2007 präsentiert, um zu zei-

die Mitglieder exklusiv eingeladen wurden, um

www.insbesondere.at

plans an sich ist auf drei Jahre angelegt, das war von Anfang so geplant. Ich weiß also nicht, was die Leute erwarten.

tung ist, einfach ein bisschen Klarheit zu schaffen, neue Inputs zu bekommen, auszuloten bzw. zu erfahren, auf welches Pferd man in Zukunft

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09.11.2007 10:35:04 Uhr 28.11.2007 12:45:33


12

XXXXXX

(BürGer)Masterplan im Kopf?

„One year ago, ein Jahr wie eine Ewigkeit“ singt FALCO. Für Bürgermeister Matthias Stadler ist das erste Jahr wohl eher vergangen wie im Flug. Wir trafen ihn im „Café Central“ und plauderten über seine persönliche Bilanz, Oppositionskritik und anstehende „Kernprojekte“, wie er sie nennt. Von J.Reichl, Fotos: H. Rauschmayr Vor einem Jahr wurden Sie mit satter Mehrheit sozusagen als Bürgermeister bestätigt. Ihre persönliche Bilanz?

wirksamen Erfolg zu haben. Wenn etwas ein

vonnöten ist, um das Gesamtprojekt nicht zu

Jahr länger dauert, weil es dieses Jahres für die

gefährden. Leider bringen das einige Opposi-

beste Lösung bedarf – gut, dann soll es so sein.

tionspolitiker nicht zusammen. Wie oft hab ich

Es ist viel weitergegangen. Es gibt eine Reihe

Zuerst müssen die Bedingungen für die Stadt

in Vergangenheit informiert mit der Bitte um

von Kernprojekten, die bereits in Umsetzung

stimmen. Wenn das beim VAZ der Fall ist, dann

Verschwiegenheit – und am nächsten Tag dar-

sind, wenn wir nur an die Fachhochschule, das

werde ich entscheiden. Wenn das bei der Bahn-

über in der Zeitung gelesen. Dort hat man dann

Bussystem, das Stadtmuseum, das Gesund-

hofsgarage Nord der Fall ist, dann werde ich

kritisiert, dass ‚der Stadler ein Geheimniskrämer

heits- und Sozialzentrum, die Stadtbücherei, die

entscheiden. Wenn das beim Hotel der Fall ist,

ist.’ Aber schauen wir uns an, wie man in der

Aquacity, die Volkshochschule, für die wir rasch

dann werde ich entscheiden. Wichtig ist, dass

Privatwirtschaft bei komplexen Deals vorgeht:

eine neue Bleibe gefunden haben, denken.

die Lösung für die Stadt tragbar ist.

Da wird auch erst mit der Information rausge-

Andere Projekte sind im Laufen oder die Pla-

Und vor Entscheidungen scheu ich mich sicher

gangen, wenn der Deal steht. Über ungelegte

nungen angebahnt, etwa in Sachen Innenstadt

nicht. Ich hab eine Reihe von Themen einer Lö-

Eier sprech ich nicht, das ist nicht meine Art.

und Bahnhof.

sung zugeführt, die nicht nur Zustimmung fin-

Aber, um kein falsches Bild zu zeichnen: Unter 4,

Es ist etwas in Bewegung, auch im Hinblick auf

den, wie etwa Radfahren in der City, den Mas-

6, 8 Augen funktioniert die Gesprächsbasis mit

das Image. Heut siedeln sich mehr Studenten in

terplan oder die Prostitutionsverordnung. Jeder,

der Opposition auch bei Sachthemen ganz gut.

St. Pölten an als noch vor kurzem, was mit dem

der also sagt, es geht nichts weiter, straft sich

Das Mediale ist dann halt wieder eine andere

FH-Neubau aber auch dem gestiegenen Ange-

selbst Lügen.

Sache. Inszenierung ist nun mal Teil der Politik.

Ein anderer Vorwurf ist, dass sie die Oppostion sozusagen „blöd sterben lassen“, In Sachen Informationspolitik seien Sie schlimmer als Ihr Vorgänger – und das ist nicht als Kompliment gemeint.

Aber eine Reihe von offenen Projekten gibt es ja tatsächlich. Was Ihnen etwa seit Jahren anhängt, ist die Frage des Hotels bei den Stadtsälen. Ende Dezember sollen die Würfel fallen. Status Quo?

Das ist ein natürlicher Reflex der Opposition und

Konsortien sind da, und sie wollen das Hotel

eher Zeichen dafür, dass es sonst offensichtlich

errichten – die haben auch schon viel in die

keine brisanteren Themen oder Angriffsflächen

Vorplanungen investiert. Auch beim Land ist

Damit hab ich kein Problem, weil ich eindeutig

gibt, weil sonst würde man nicht nur jammern.

hinsichtlich etwaiger Förderungen alles abge-

belegen kann, dass es nicht stimmt. Und ich

In gewissen Belangen ist halt einfach die Pro-

klärt. Die nunmehrige Herausforderung ist – so

werde sicher nichts mutwillig übers Knie bre-

blematik gegeben – nehmen wir etwa den Deal

hab ich den Eindruck - die Mitglieder innerhalb

chen, nur um einen kurzfristigen, publikums-

mit der EVN – wo im Vorhinein Stillschweigen

des jeweiligen Konsortium unter einen Hut zu

bot der Stadt zusammenhängt. Die Bevölkerung wächst, und im Städtebund wird St. Pölten heute ernster genommen als früher. Das ist eine neue Erfahrung – und die ist sehr erfreulich!

Die Opposition beurteilt Ihre Performance anders. Sie seien zwar medienwirksam, aber in Wahrheit entscheidungsschwach und Ankündigsweltmeister.

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URBAN rauben wir uns der Chance auf eine attraktive

als noch vor kurzem – das erleichtert sehr viel

Gesamtlösung. Die Studie empfiehlt hingegen

und bringt auch etwas. Ich denk nur an die Ge-

Aber woran spießt oder hat es sich bislang gespießt. Liegt es daran, dass man etwa die Stadtsäle mitsaniert haben möchte und das viele abschreckt?

eine Kongresshalle für mindestens 5.000 Leute,

schützte Werkstätte, wo der Bund unterstützt,

womit St. Pölten seiner Haupstadtrolle als Kon-

oder ein Infrastrukturpaket von rund 1 Milliarde,

gress- und Messestadt zwischen Wien und Linz

das in der Region auch St. Pölten zugutekommt.

gerecht werden kann.

Ich hab viele direkte Gespräche mit dem Bun-

Nein, darin seh ich nicht das Hauptproblem. Die

Mit der Studie im Rücken können wir jetzt bes-

deskanzler, ebenso zu den Ministern, etwa Clau-

Stadtsäle werden von den Bietern eher als Vor-

ser auf Partner und Finanziers zugehen, weil die

dia Schmied, nicht nur im Hinblick auf Bauliches

teil beurteilt, weil man damit ja etwas machen

Sinnhaftigkeit jetzt keiner mehr in Frage stellen

für HAK, HTL oder Gymnasium, sondern auch

kann.

wird. Gewisse Dinge müssen eben reifen, aber

hinsichtlich der Schulreformthematik. Ebenso

Die Herausforderung war eher, ein Bewusst-

es gibt Bewegung.

gibt’s Gespräche mit Minister Plattner oder dem

bringen.

Verteidigungsminister in Sachen ehemaliges

sein zu schaffen, dass sich ein Investment in St.

tigungen überholen – wer hätte sich das vor

Partner wie das Land zum Beispiel? Die Achse zum Landeshauptmann scheint ja besser denn je, man ist fast geneigt von einem Kuschelkurs zu sprechen.

einigen Jahren vorstellen können?! Unser Pro-

Es gibt definitiv ein Aufeinanderzugehen und

Und der Kaserne. Bei der Veräußerung scheint gehörig Sand im Getriebe zu sein. Warum bringt man das Teil nicht an?

blem ist aber nicht etwaige Konkurrenz in Wr.

ein gutes Klima, im übrigen nicht nur mit dem

Der Preis ist zu hoch. Die Liegenschaft wurde

Neustadt oder Linz, sondern jene in Prag, Buda-

Landeshauptmann, sondern sämtlichen Landes-

von einem Experten geschätzt, aber man ist

pest, Bratislava. Viele große Hotelketten gehen

räten. Die Gesprächsbasis ist gut, wir bekom-

von falschen Voraussetzungen ausgegangen,

eher an einem bewährten Ort auf Nummer si-

men Unterstützung, wenn ich etwa an Mittel

etwa ohne Rücksicht auf die Zentrumszonen-

cher, wo ihnen das Auslastungsrisiko geringer

aus der Stadterneuerung, für das Behinderten-

verordnung. Jetzt ist die SIVBEG bemüht, ohne

erscheint. Es bedurfte also Überzeugungsarbeit,

wohnheim, eine neue Demenzstation, Straßen-

Gesichtsverlust da wieder rauszukommen. Die

dass in St. Pölten was los ist, dass sich ein In-

projekte oder die Unterstützung beim neuen

sind aber in einer Zwickmühle, denn veräußern

vestment lohnt.

Bussystem denke.

sie zu billlig, macht das Schule und somit Pro-

Auf sachlicher Ebene bestehen keine Konflikt-

bleme bei den anderen Standorten. Das heißt,

Eine andere Baustelle betrifft das VAZ, Stichwort Halle C. Gibt es außer Lippenbekenntnissen, wie man den Eindruck gewinnt, auch eine echte Perspektive?

punkte zwischen Stadt und Land. Es gibt gegen-

der Verkauf geht nicht von heut auf morgen,

seitiges Verständnis dafür, dass man für beide

und so toll das Areal ist, so gibt es natürlich viel

Seiten wichtige Projekte gemeinsam bewältigen

zu berücksichtigen, etwa die Verkehrserschlie-

muss und auch kann. Wir sind lösungsorientiert.

ßung nach dem Verursacherprinzip etc.

Natürlich gibts Perspektiven. Es dauert halt

Was würden Sie dort unter dem Motto „Wunsch ans Christkind“ präferieren?

Studie in Auftrag gegeben, die auf 100 Seiten

Und wie sieht es mit dem Bund aus. So oft wie der derzeitige Bundeskanzler waren seine sämtlichen Vorgänger zusammengenommen nicht da. Hat das Substanz, oder sind es nur Gesichtsbäder?

Empfehlungen und Beurteilungen abgibt. Darin

Also der Kanzler nimmt sicher kein Gesichts-

möglich. Von Gemeindeseite sind wir jedenfalls

wird ein

klares JA zum derzeitigen Standort

bad – das könnte er in anderen Städten ebenso

offen für jede Widmung und haben das auch

sowie einem Kongress- und Messezentrum im

gut. Er drückt damit nur, so wie etwa auch der

von Anfang an signalisiert. Daran wird es sicher

Süden abgegeben.

Bundespräsident, der schon mehrmals hier war,

nicht scheitern. Wir haben auch – als einzige in

Es heißt auch, dass ein reiner Ersatz der Halle C

seine Wertschätzung für St. Pölten aus, und es

Österreich – ganz konkrete Vorschläge für die

nichts bringt. Das könnten wir als Stadt auch al-

zeugt von der guten Achse. Wir haben heut ei-

Verwertung gemacht. Von unserer Seite sind

leine schaffen. Aber wenn wir die hinstellen, be-

nen ganz anderen Zugang zur Bundesregierung

sozusagen die Vorleistungen erbracht.

Pölten lohnt. Die Tourismuszahlen sprechen ja dafür, und mit einem Hotel könnten wir wahrscheinlich sogar Krems in Sachen Übernäch-

seine Zeit, so wie beim Hotelprojekt, dem Stadion oder dem Bahnhof – okay, so lang hoffentlich nicht. Wir haben seitens der Stadt eine

Heeresareal in Völtendorf.

Ein attraktives Gewerbe- und Dienstleistungszentrum mit möglichst vielen Arbeitsplätzen – was anderes ist eigentlich auch gar nicht

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28.11.2007 12:49:09


22

URBAN

Ruhig geworden ist es auch um den Pottenbrunner-Ortstafelstreit. Haben Sie das Thema jetzt sanft entschlafen lassen?

Da gibt es verschiedene Ansätze. Ich kann mich

Leitsystems für Kultur- und Tourismus.

erinnern, als erstmals ein City-Manager instal-

Es ist auch schon einiges gelungen. So kommt

liert wurde – da war seitens der Kaufmann-

mir vor, dass das Krankjammern weniger ge-

Da war viel aufgebauscht, und es gab derlei

schaft sofort der Wunsch, diese Stelle nicht nur

worden ist und mehr Optimismus um sich greif!

emotionale Reaktionen auch nur in Potten-

bei der Stadt anzusiedeln. Rückendeckung gibt

Letztlich geht es um Nachhaltigkeit, darauf ist

brunn. Mir geht es bei der ganzen Ortstafelfrage

es jedenfalls 100%ig seitens der Stadt, denn

der Masterplan ausgelegt - auf 10 Jahre!

ausschließlich um ein St. Pölten Bewusstsein,

sonst wären wir ja nicht Gesellschafter.

ja lächerlich. Ich selbst bin ja Stadtteilbewohner,

Wie zufrieden sind Sie mit der bisherigen Arbeit der Stadtentwicklungs GmbH?

wohn in Viehofen. Wir müssen halt eine Lösung

Wichtig beim Masterplan ist letztlich das Ender-

finden, wo wir uns nicht lächerlich machen.

gebnis. Es geht gar nicht nur so sehr um Eck-

Andere Privatisierungen betrafen die Immobilien GmbH, das Büro V oder jüngst den EVN-Stadtwerke-Deal. Es heißt, unter Ihrem Vorgänger wäre dies unmöglich gewesen. Brechen Sie ein SPÖ-Tabu?

Wenn da ein Kompromiss gelingt, werd ich mich

punkte, an denen man das aufhängt, sondern

Das ist ein Irrglaube. GmbH’s gab es auch schon

sicher nicht verschließen.

auch um den Masterplan im Kopf. Wichtig ist –

unter Willi Gruber, wenn man etwa an die MBA

und das hat man erstmals geschafft – dass nicht

oder die Fachhochschule denkt. Und jetzt ist

Aber Kompromissbereitschaft scheint ja da – beide Bezeichnungen auf eine Tafel. Damit können angeblich auch die Pot-

nur die Kaufmannschaft involviert ist, sondern

halt für einige Dinge die Zeit reifer. Wir gehen

auch Hausbesitzer, Dienstleister und andere.

in der SPÖ derlei Sachen sehr pragmatisch an,

Und es sollen noch mehr Mitglieder werden.

wägen Vor- und Nachteile ab – und da haben

tenbrunner. Der Knackpunkt scheint nur mehr zu sein: Wer steht oben, wer unten.

Was meinen Sie mit Masterplan im Kopf?

die Vorteile bislang überwogen, wenn man nur

Dass man sich seiner Stärken bewusst wird

an steuerrechtlichen Belange denkt. Außerdem

Wer steht oben, wer steht unten – das ist doch

bzw. falsche Bilder korrigiert: dass man weiß,

ist Privatisierung nicht gleich Privatisierung

bitte eine völlig lächerliche, reduzierte Diskus-

dass die City attraktiv zum Einkaufen ist, dass

– da gibt es eine Reihe von „Pseudoprivatisie-

sion eines kurzsichtigen Exponenten der ÖVP.

es tolle Schanigärten gibt, dass man einen Park-

rungen“, wenn die Stadt 100%ige Eigentümerin

Im übrigen war das von Anfang an Thema. Als

platz findet. Es ist viel Überzeugungsarbeit not-

bleibt und damit den Einfluss wahrt.

ich damals in die Parteiengespräche gegangen

wendig, und man muss dazu animieren, dass

Das war uns auch bei der Fernwärme wichtig,

bin, weil einfach ein Wechsel von Tafeln ansteht

schöne Wohnungen geschaffen, Geschäftslo-

weshalb wir die Mehrheit der Anteile halten.

und ich eine einheitliche Lösung verfolge, waren

kale attraktiv gestaltet werden, Qualität statt

Der EVN-Deal ist im übrigen durch die Entwick-

bei den Vorschlägen immer beide Namen drauf.

Massenware geboten wird, denn was ich auf

lungen am Energiesektor angestanden. Für

Eine andere Diskussion hat es nie gegeben.

der grünen Wiese bekommen kann, dazu werde

mich ist das in der jetzigen Situation die beste

ich nicht in die Innenstadt fahren.

Lösung. Dadurch erreichen wir Unabhängigkeit

Seitens der Stadt versuchen wir diesen Prozess

vom Gas, können auf mehrere Energieformen

zu befruchten, haben im letzten Jahr rund 8 Mil-

zurückgreifen, Preisentwicklungen entgegen-

lionen Euro in der Innenstadt investiert, nicht

treten und werden unabhängiger. Stellen Sie

nur in Großprojekte wie Bahnhof oder Museum,

sich nur eine Krise am Gassektor vor, und Sie

sondern auch in Kleineres wie Blumentröge für

sind nur auf diese Energieform angewiesen. Wir

die Wiener Straße oder die Beauftragung eines

müssen langfristig denken und agieren!

Zusammengehörigkeit – sicher nicht um irgendeinen Angriff auf die Stadtteile, das wäre

In Frage gestellt wird bisweilen, ob es klug war, die Innenstadtentwicklung in eine GmbH auszulagern. Lässt man damit die Macher nicht im Regen stehen bzw. hätten sie als reine Stadtinstitution nicht mehr Rückhalt und Einfluss?

MFG1207

2021_2223 Stadler.indd 4

28.11.2007 12:50:23


URBAN

Eiszeit

Vor über einem Monat eröffnete offiziell die neue Eishalle. Der knapp sieben Millionen teure Bau steht seither Profis wie Publikum gleichermaßen zur Verfügung. Wir plauderten mit Eishallen-Leiter Michael Hatz über die bisherige Resonanz, Kritik am Publikumslauf und Zukunftsvisionen. Wie wird die Eishalle angenommen?

Wie erwähnt haben wir einen sehr intensiven

Bei uns sind alle herzlich willkommenn. Der

Wir sind seit August in Betrieb und sehr zufrie-

Sportbetrieb, für den die Eishalle auch gebaut

Besuch von niederösterreichischen Vereinen

den. Das Interesse ist extrem hoch, unsere Kun-

wurde. Gerade am Wochenende finden viele

und Sportlern freut uns natürlich besonders. Es

den begeistert. Zu Spitzenzeiten haben wir fast

Spiele, Turniere und Wettkämpfe statt. Wir

gibt in Sachen Eiskhockey die heimischen „St.

keine Minute freie Eiszeit mehr. Eiskunstläufer,

konnten daher nur einen Termin für den Publi-

Pöltner Hawks“, die heuer an der NÖ Landesliga

Eishockeyspieler und mittlerweile auch Eis-

kumseislauf freihalten und haben uns nach lan-

Meisterschaft teilnehmen und ihre Heimspiele

stockschützen wechseln sich täglich permanent

gen Überlegungen für den Samstag Nachmittag

in unserer Halle austragen werden.

ab. Am Wochenende sind wir gut mit Camps,

entschieden. Der kommt auch sehr gut an. Man

Der Verein ist im Aufbau und sehr engagiert.

Meisterschaften, Wettkämpfen und auch Pu-

kann es halt leider nicht immer allen recht ma-

Mittelfristig werden die Hawks hoffentlich eine

blikumseislauf ausgelastet. Und viele Schulen

chen. Ich kann nur betonen: Jeder, der in der

bedeutende Stellung in Niederösterreichs Eis-

nützen unter der Woche immer häufiger unsere

tollen Eishalle laufen möchte, hat auch die Ge-

hockey einnehmen. Und nicht zu vergessen die

Eishalle für den Schulsport.

legenheit dazu.

sehr professionelle Inititative des NÖ Landesverbandes, der zur Förderung und Weiterent-

Stichwort Publikumslauf: Da gab es zu- In St. Pölten trainieren derzeit die Eisho- wicklung von Eishockeytalenten kontinuierlich letzt ja Kritik- insbesondere im Hinblick ckey-Cracks aus Krems. Gibt es die Vision Ausbildungsprogramme in der Eishalle verananzeigen_mfg_200_140_ks_061107:anzeigen_mfg_200_140_ks_261007 Uhr Seite 1 staltet. darauf, dass sonntags nicht geöffnet ist. von Bundesliga-Eishockey 14.11.2007 in St. Pölten? 16:17

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28.11.2007 12:54:57


URBAN

Eiszeit

Vor über einem Monat eröffnete offiziell die neue Eishalle. Der knapp sieben Millionen teure Bau steht seither Profis wie Publikum gleichermaßen zur Verfügung. Wir plauderten mit Eishallen-Leiter Michael Hatz über die bisherige Resonanz, Kritik am Publikumslauf und Zukunftsvisionen. Wie wird die Eishalle angenommen?

Wie erwähnt haben wir einen sehr intensiven

Bei uns sind alle herzlich willkommenn. Der

Wir sind seit August in Betrieb und sehr zufrie-

Sportbetrieb, für den die Eishalle auch gebaut

Besuch von niederösterreichischen Vereinen

den. Das Interesse ist extrem hoch, unsere Kun-

wurde. Gerade am Wochenende finden viele

und Sportlern freut uns natürlich besonders. Es

den begeistert. Zu Spitzenzeiten haben wir fast

Spiele, Turniere und Wettkämpfe statt. Wir

gibt in Sachen Eiskhockey die heimischen „St.

keine Minute freie Eiszeit mehr. Eiskunstläufer,

konnten daher nur einen Termin für den Publi-

Pöltner Hawks“, die heuer an der NÖ Landesliga

Eishockeyspieler und mittlerweile auch Eis-

kumseislauf freihalten und haben uns nach lan-

Meisterschaft teilnehmen und ihre Heimspiele

stockschützen wechseln sich täglich permanent

gen Überlegungen für den Samstag Nachmittag

in unserer Halle austragen werden.

ab. Am Wochenende sind wir gut mit Camps,

entschieden. Der kommt auch sehr gut an. Man

Der Verein ist im Aufbau und sehr engagiert.

Meisterschaften, Wettkämpfen und auch Pu-

kann es halt leider nicht immer allen recht ma-

Mittelfristig werden die Hawks hoffentlich eine

blikumseislauf ausgelastet. Und viele Schulen

chen. Ich kann nur betonen: Jeder, der in der

bedeutende Stellung in Niederösterreichs Eis-

nützen unter der Woche immer häufiger unsere

tollen Eishalle laufen möchte, hat auch die Ge-

hockey einnehmen. Und nicht zu vergessen die

Eishalle für den Schulsport.

legenheit dazu.

sehr professionelle Inititative des NÖ Landesverbandes, der zur Förderung und Weiterent-

Stichwort Publikumslauf: Da gab es zu- In St. Pölten trainieren derzeit die Eisho- wicklung von Eishockeytalenten kontinuierlich letzt ja Kritik- insbesondere im Hinblick ckey-Cracks aus Krems. Gibt es die Vision Ausbildungsprogramme in der Eishalle verananzeigen_mfg_200_140_ks_061107:anzeigen_mfg_200_140_ks_261007 Uhr Seite 1 staltet. darauf, dass sonntags nicht geöffnet ist. von Bundesliga-Eishockey14.11.2007 in St. Pölten? 16:17

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0023 Eishalle.indd 3

29.11.2007 09:23:28


24 Abend wirklich gute Slammer dabei!“

SCHRÄG GEDACHT

Auch nach ihrem Erfolg wird sie weiter an Veran-

von Thomas Karl

staltungen teilnehmen: „Ich plane nicht wirklich,

1) Beträufeln von Gerichten mit Körperflüssigkeit

aber es ist einfach ein Drang, etwas zu schrei-

2) Essen unvorteilhaft arrangieren

bringen und dann gleich zu sehen, wie die Texte

3)

Spannend sei zudem mitzuerleben, wie der glei-

ben. Ich brauche dann auch die Bühne, um auszuprobieren. Es macht einfach Spaß, sich mit anderen zu messen, seine Texte vor Publikum zu ankommen.“ che Text von unterschiedlichem Publikum unter-

Nudelgegner

schiedlich aufgenommen wird. Für die Zukunft wünscht sich Jessica Lind vor

4) Ohrfeigen von Küchenjungen im Freien 5) Folgen in der Küche 6) Gängiges Reinigungsritual in Gastbetrieben Konjugieren von Speisen: Zucchini – zuck i nie, zuckst du nie, zuckt er nie ...

allem weiteres Arbeiten in diesem Bereich, und irgendwann einmal möchte sie ein Buch schrei-

Poetry Slamed

ben: „Das dauert bestimmt noch länger, aber

Obwohl sie vor jedem Auftritt das Lampenfieber

Händen zu halten und zu wissen, dass es in den

plagt, wagt sich Jessica Lind immer wieder auf

Regalen steht. Der Erfolg wär gar nicht mehr so

die Bühne, um an Poetry Slams teilzunehmen.

wichtig.“

Beim diesjährigen Poetry Slam im Rahmen des

Der nächste Poetry Slam steht im übrigen schon

Blätterwirbels war es nun Zeit für ihren ersten

wieder vor der Tür: Am 7. Dezember geht es im

Sieg: „Ich freue mich sehr, es waren an diesem

Cinema Paradiso um 100 Euro!

Sinnlich

es wäre schön, etwas dann auch gebunden in

Operettenfeinde?

Makkaroni – i mag ka Roni, du magst ka Roni …

Und jetzt noch ein paar Schüttelreime In Moskau gab ’s Rindfleisch mit Semmelkren Und ich konnte von fern den Kremel seh’n Neulich hat die Post ’droht zu befördern künftig kein Toastbrot Erst essen wir ein Holla(er)koch, dann heben wir das Cola hoch

1) anschwitzen 2) abschrecken 3) Antipasti 4) kaltschlagen 5) parieren 6) Wasserbad 2400 SC Kultur.indd 2

Klein aber fein – diesem Motto bleibt die Stadt bei

Der Obmann der Operettenfreunde St. Pölten, Her-

der Veranstaltungsreihe „Barockfestival St. Pölten“

mann Nonner, ist derzeit leicht am Verzweifeln. Er

treu. Ein weiser Schritt, denn das Flair des Festi-

hat es geschafft, heuer über 1.000 Leute für die

vals kommt nicht zuletzt durch die außergewöhn-

Operette zu begeistern, und so allen Kritikern, die

lichen Barockräumlichkeiten der Stadt zustande.

dem Tod der Operette das Wort redeten, das Ge-

Und so verzichtet man unter dem Motto „Qualität

genteil bewiesen. Doch honoriert wird diese Leis-

vor Quantität“ bis zu einem gewissen Grade sogar

tung bislang von öffentlicher Hand nicht. Zwar habe

auf Mehreinnahmen. Wenn ein Saal gefüllt ist, ist

das Land Unterstützung signalisiert, aber freilich nur

er eben gefüllt. Heuer kommen als besondere Lo-

unter der Bedingung, dass auch die Stadt das Ihre

cations im übrigen das Konservatorium für Kirchen-

dazu beiträgt. „Mein diesbezüglicher Antrag, und da

musik, der neue Barockgarten im Stadtmuseum

geht es nicht um Unsummen, liegt seit Monaten bei

oder die Franziskanerkirche hinzu. Größter Raum

der zuständigen Abteilung. Bislang wurde ich nur

mit Glamourfaktor bleibt der Dom St. Pölten.

vertröstet“, ärgert sich Nonner über die Ignoranz.

Qualität zieht sich wie in den letzten Jahren auch

Dies umso mehr, da sich die Stadt durch Übergabe

durchs Programm und die gastierenden Klangkör-

des Theaters an das Land jährlich einen Finanzbro-

per. Als Überflieger darf man sich auf ein Wieder-

cken von 1,8 Millionen Euro erspare: „Dieses Geld

sehen mit Accordone (bereits 2006 umjubelt) und

wird aber offensichtlich zweckentfremdet, also

Fabio Biondis Ensemble „Europa Galante“ freuen.

nicht für die Kultur eingesetzt, sondern zum Stop-

Informationen erhält man auf der Homepage, wo

fen von Budgetlöchern. Da sollte man einmal die

man sich auch in den Gratis-Newsletter eintragen

Kulturpolitik hinterfragen!“ Hier sieht Nonner insbe-

kann und so in Sachen einer Reihe von E-Musikver-

sondere den Bürgermeister gefordert, „der für das

anstaltungen am Laufenden bleibt.

Requiem des Musiktheaters, speziell der Operette

www.klangweile.at

in der Landeshauptstadt verantwortlich ist!“

Foto: Lukas Beck, zVg, fotolia.com, rauschmayr

Erbsen – ich seh Erb, du siehst Erb ...

28.11.2007 12:58:42


25

KULTUR

„ich Darf Keine Ruhe geben!“ Erwin Steinhauer ist „Der Bockerer“. Ab 7. Dezember im Landestheater St. Pölten. Mit MfG sprach er über den aktuellen Bezug des Stücks und das Zusammenspiel mit seinem Sohn Matthias Franz Stein, der im Stück den Sohn und Nazi Hans Bockerer darstellt. Von Eva Seidl Nach 2006 sind Sie nun mit dem „Bockerer“ zurück im Landestheater. Was ist das für ein Stück für Sie? Die Reihe der österreichischen Widerstandsliteratur ist ja eine sehr kurze. Ich finde, „Der Bockerer“ ist ein ganz wichtiges Stück, das 1946 von Ulrich Becher und Peter Preses in New York geschrieben und 1948 in Wien in der Scala zum ersten Mal zur Aufführung kam. Es zeigt einen unpolitischen Kleinbürger, der aber eine tolle Portion Zivilcourage und Anarchie in sich hat, und wenn es mehr solcher Leute gegeben hätte, dann wär die Abstimmung, die Geschichte mit dem Heldenplatz vielleicht doch anders ausgegangen. Dann wär unser Stellenwert in der Geschichte ein anderer, als er eben jetzt ist.

Das Stück spielt 1938. Was macht das Stück noch heute wichtig und aktuell? Ich hab einen klaren Grund, warum ich es spiele: Solange es Menschen gibt, die heute, 2007, noch immer behaupten, dass die Sache mit den Gaskammern nicht bewiesen ist, und die viele Verbrechen der Nationalsozialisten verharmlosen - und das sind Leute, die teilweise auch in unserer Regierung sitzen - solange habe ich als Schauspieler mit meinen Mitteln die Pflicht, mit so einem Stück an unsere Geschichte, an unsere Vergangenheit zu erinnern. Das ist mein Antrieb, dass ich die Mittel nutze, die mir in

Ich war Vater und erlebe jetzt ein Spannungs-

meinem Beruf zur Verfügung stehen. Die geben

verhältnis zwischen Vater und Sohn, das wir in

Probe über Auflösungen streiten oder dass wir

ja keine Ruh‘, die Verleugner, die Verharmloser.

dieser Art und Weise, solange er noch bei mir

grundsätzlich anderer Meinung sind über eine

Also darf ich auch keine Ruhe geben.

gelebt hat, nicht gekannt haben.

Figur. Das ist aber alles eigentlich nicht der Fall.

Er ist als Nazi im Stück auch gewalttätig, das

Wir haben über das Stück nie unter vier Augen

Sie spielen gemeinsam mit Ihrem Sohn, der auch im Stück Ihren Sohn darstellt. Wie funktioniert die Zusammenarbeit?

war für mich auf den ersten Proben sicherlich

gesprochen. Jede Auseinandersetzung wurde

sehr gewöhnungsbedürftig, aber er hat das sehr

während der Proben geführt, wir haben nicht

gut gemacht.

privat im Kammerl probiert. Wir wollten voll-

Es ist schwierig und gewöhnungsbedürftig, weil

Es ist jedenfalls sehr spannend mit ihm zu spie-

kommen vorurteilsfrei in die Proben gehen und

ich ja mit meinem Sohn eine Geschichte habe.

len, weil man als Vater immer Angst hat, dass er

das war auch gut so.

mir nicht entspricht, oder dass wir uns bei einer

1207 MFG

0025 Steinhauser.indd 3

28.11.2007 13:01:21


26

KULTUR

Ein Paradiso Am rathausplatz Ein Gespräch mit GF Alexander Syllaba über fünf Jahre Kinokultur in St.Pölten. Die Rolle des Paradiso für St. Pölten? Es ist eine große Bereicherung für Innenstadt und Kulturangebot. Außerdem ist es das einzige Programmkino, das teilweise als erstes Startkopien von Filmen bekommt.

Das Cinema Paradiso erhält satte Förderungen – wie werden sie eingesetzt? Von satten Förderungen kann man im Vergleich

Die Cinema Pardiso Geschäftsführer Alexander Syllaba und Clemens Kopetzky.

mittelanteil von 70%, was für Kulturinstitutionen

räumt, dass ein gutes Verhältnis besteht, aber auch in Frage gestellt, warum das Paradiso Filme wie die Simpsons bringt?

enorm ist. Die erhaltenen Förderungen kommen

Die Simpsons wurden deshalb bei uns gezeigt,

Eine Forderung des Paradiso war zuletzt eine Vergrößerung des Kinoareals beim Kultur- und Filmfestival. Ist das dem Veranstalter gegenüber nicht unverschämt?

direkt den Besuchern zugute. Sie fließen in das

weil der Film einfach gut gemacht ist. Es ist ein

Das kam irgendwie falsch rüber. Wir wollen na-

Live-Programm, wie zum Beispiel Konzerte, Le-

klassisch gemachter Animationsfilm. Außerdem –

türlich nicht den halben oder gar den ganzen

sungen, etc. Durch die Förderungen ist es mög-

ist es ein herrlich politischer und subversiver

Rathausplatz haben. Wir sprechen nur von einer

lich, diese Dinge immer sehr günstig im Vergleich

Film. Ein Film wie dieser ist einfach eine Ergän-

kleinen Vergrößerung, um dem Publikum den be-

zu anderen Häusern anzubieten. Außerdem

zung zu unserem normalen Programm. Es kann

nötigten Platz bieten zu können. Man sollte bei

kann man mithilfe der Förderungen kulturell an-

immer wieder vorkommen, dass ein Film, der

einem Film- und Kulturfestival nicht nur auf den

spruchsvollere Dinge machen.

auch im Megaplex gezeigt wird, bei uns zu sehen

Gastronomiebereich bauen. Man sollte sich über-

sein wird. Das sind jedoch Ausnahmen. Auch hilft

haupt überlegen, das Festival zu erneuern, etwa

zu anderen Kultureinrichtungen nicht sprechen. Das Cinema Paradiso hat außerdem einen Eigen-

MFG_FSH_0708_tanz:MFG_FSH_0708_tanz_200x140 27.11.2007 16:39 Uhr Seite 1 Dali Koljanin vom Megaplex hat einge- uns so ein Film, unsere Kosten zu minimieren.

nach Vorbild des Wiener Rathausplatzes.

Aalto Ballett Theater Essen: Zwischen Mitternacht und Morgen: Schwanensee Sa 19. Jänner 2008, 19.30 Uhr, Großer Saal So 20. Jänner 2008, 16 Uhr, Großer Saal

Ein choreografiertes Konzert: Vier Elemente – Vier Jahreszeiten So 27. Jänner 2008, 18 Uhr, Großer Saal

Compañía María Pagés: Flamenco Republic Sa 23. Februar 2008, 19.30 Uhr, Großer Saal Abopreise: ¤ 91,- | 81,- | 68,- | 48,- | 21,-

TANZ IM FRÜHJAHR karten@festspielhaus.at 02742/90 80 80-222 www.festspielhaus.at

MFG1207

2600 Paradiso.indd 2

28.11.2007 13:02:36


27

KULTUR

Kulturbezirk im NET Jenen, die gerne im Internet surfen, wird es schon aufgefallen sein: Auf

Neuhochdeutsch heiĂ&#x;t, „Relaunch“ unterzogen, das heiĂ&#x;t, hinter den

unserer Homepage www.kulturbezirk.at finden sich stets ein paar Tage

Kulissen wird eifrig an einem neuen Design und noch grĂśĂ&#x;erer User-

nach einer FÜrdervereins-Veranstaltung unter der Rubrik „Veranstal-

freundlichkeit gearbeitet. Auf die Neuerungen dĂźrfen Sie sich ab dem

tungen“ Fotos vom jeweiligen Event. Nutzen Sie also die Chance, und

FrĂźhjahr freuen. Dann bringen wir im Ăźbrigen auch eine neue Infor-

rufen Sie sich virtuell den schĂśnen Abend bilderreich in Erinnerung!

mationsbroschĂźre zu unserem Verein sowie - erstmals – einen Ăœber-

Unsere Homepage wird aktuell Ăźberhaupt einem, wie das so schĂśn

sichtsprogrammfolder heraus. Happy Birthday Da staunten manche Mitglieder

nicht

schlecht:

Unser Erich Erd, Unternehmer- und Motorsport-

EXKLUSIV-TIPP

legende

Nach einer kleinen Pause im mit Termi-

grĂźnder des St. PĂśltner

nen vollgepflasterten Dezember, geht

Lions-Clubs, hat im Okto-

es im Jänner dafßr gleich mit einem be-

ber seinen 90. Geburts-

sonderen Exklusiv-Leckerbissen weiter.

tag begangen! Der FĂśr-

Der Leiter der NĂ– Landesbibliothek, HR

derverein gratulierte im Rahmen des „Michael Schade KĂźnstlertreffs“,

Dr. KÜnig, wird am 15. Jänner unter dem

an dem Erd mit seiner Gattin Rosi teilnahm, mit einem Flascherl Wein.

Titel „NiederÜsterreich im Bild alter Landkarten - von der Tabula

Festspielhaus Intendant Michael Birkmeyer Ăźberreichte dem Jubilar

peutingeriana (4. Jhdt.) bis zur Administrativkarte von NiederĂśs-

das Buch „100 Jahre TonkĂźnstler“. Unglaubliche 60 davon hat Erd als

terreich 1871“ besondere Schätze seines Hauses präsentieren.

treuer Abonennt des niederĂśsterreichischen KlangkĂśrpers im wahrs-

sowie

Mitbe-

ten Sinne des Wortes „live“ miterlebt! Wir gratulieren herzlich!

$)%,)%"% :5$%. /"*%+4%.

!SPEKTE ZEITGENySSISCHER 3KULPTUR

ÂŻ

$IBIS3OVONBIS5HR 1007 MFG WWWLANDESMUSEUMNET 0027 Foerderverein.indd 3 1 skulpturen_200x140.indd

28.11.200715:21:27 13:04:24Uhr 22.11.2007


28

XXXXXX

„Museen sind kulturelle Zukunftsarbeit“

Anlässlich des fünfjährigen Jubiläums des niederösterreichischen Landesmuseums sprach MFG mit Direktor Carl Aigner über die Erfahrungen der Vergangenheit, den Platz des Landesmuseums in der niederösterreichischen Kulturlandschaft und Pläne für die Zukunft. Von Eva Seidl Wie fällt Ihr Resümee nach fünf Jahren Landesmuseum aus?

len bis zu Jugendclubs, das ist für uns eine ganz

die Aufgabe der Kunsthalle Krems. Wir möchten

wichtige Aufgabe. Museen sind nicht Orte, wo

nicht nur die schillernden Namen zeigen, wir

Definitiv sehr gut, es gab wunderbare Überra-

man Freizeit totschlägt, sondern kostbare Orte,

möchten eine Bezüglichkeit zum Bundesland.

schungen. Es hat sich in jeder Hinsicht bezahlt

wo es um die Frage von Sinngewinnung geht,

Das Wichtige ist, dass unsere Ausstellungen aus

gemacht, dass das Landesmuseum neu eröffnet

wo man Neues erfahren kann. In unserem Fall ist

den Sammlungen heraus wachsen. Da sind wir

wurde. Besonders freuen wir uns, dass die Archi-

das eben Neues über die Geschichte, die Kunst

in Österreich und im internationalen Kontext

tektur so gut angenommen wird. Es handelt sich

und die Identität des Landes.

unverwechselbar. Wir möchten Schätze und Persönlichkeiten sichtbar machen, die aufgrund

Viele wünschen sich Ausstellungen mit klingenden Namen wie sie etwa die Kunsthalle Krems zeigt. Ist derlei unrealistisch oder steht es der Konzeption entgegen?

des Kontextes vom Landesmuseum transportiert

Weder das eine noch das andere. Wir sind ein

Land gegeben sein. Beispielsweise werden wir

Was waren die bisher größten Erfolge?

Museum. Museum heißt, dass das Herz und Hirn

im nächsten Jahr unsere Sammlungsstücke von

Wir freuen uns, dass das Haus von merklich

der Ausstellungsprogrammatik die Sammlung zu

Egon Schiele zeigen. Aber nicht wegen des glän-

mehr Besuchern angenommen worden ist, als

sein hat. Wir sind ein Landesmuseum, wir sollten

zenden Namens, sondern weil sein Werk – spezi-

wir erwarten durften. Wir hatten bislang 370.000,

die Landesschätze von Niederösterreich, Kunst,

ell sein Frühwerk – mit Niederösterreich, beson-

rein rechnerisch war ein Drittel der Niederöster-

Natur sowie Werke, die damit verbunden sind,

ders mit Tulln verbunden ist und weil wir ihn in

reicher bei uns zu Gast.

zeigen und nicht davon losgelöste Ausstellungen.

unserer Sammlung haben.

Zu uns kommt niemand, der einen Picasso sehen

Wir möchten Persönlichkeiten zeigen, die ge-

Gibt es Zahlen zur Besucherstruktur?

will. Wir machen kein internationales Ausstel-

nauso groß sein sollten, es aber in der Öffentlich-

Rund 50 % unserer Gäste ist Jugend, von Schu-

lungsprogramm, denn das ist in Niederösterreich

keit so nicht sind. Wir haben da auch positive Re-

Natur, aber im künstlerischen Bereich ist besonders zu bemerken, dass die Räume der Präsentation der Werke dienen und nicht im eigenen Sinn in den Vordergrund drängen.

werden können. Es geht nicht darum, dass wir keine großen Namen wollen, aber es muss die Bezüglichkeit zum

Fotos: Lackinger, NÖ Landesmuseum

um eine Art Erlebnisarchitektur im Bereich der

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2829 Landesmuseum.indd 2

28.11.2007 13:07:58


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KULTUR aktionen durch die BĂźrger, die oft sagen „Wenn es das Landesmuseum nicht gäbe, wĂźrde dieser Schatz eigentlich verschollen sein“.

Kritik am Landesmuseum gab es wegen fehlender Infrastruktur. Gibt es Pläne, diese zu verbessern? Wir sind alsbald dabei, einen direkten Lift vom Parkbereich ins EntrÊe des Landesmuseums zu realisieren. Womit wir gar nicht glßcklich waren, ist das Fehlen eines Restaurants/CafÊs. Infrastrukturell haben wir darunter sehr gelitten. Da

museen sind nicht orte, wo man Zeit totschlägt, Sondern Orte der sinngewinnung! werden wir aber in einem Jahr schon eine ganz andere Situation haben, da ist alles auf Schiene. unseren Sammlungsschätzen, andererseits ge-

Wir wĂźnschen uns, dass das Haus gut weiter

genĂźber unseren Besuchern. Wir machen Muse-

wächst und sich weiter so gut mit NiederÜster-

umsarbeit nicht wegen des Selbstzwecks, son-

Nächstes Jahr ist es 100 Jahre her, dass die Ve-

reich vernetzt. Dass es ein Partner fĂźr vergleich-

dern weil wir unsere Gäste bereichern wollen.

nus von Willendorf gefunden wurde. Das ist ein

bare Projekte in anderen Ländern ist. Durch den

Sie werden sehen: Wenn wir in fĂźnf Jahren wie-

Jahrhundertereignis,

kulturgeschichtliche

europäischen Einigungsprozess fallen die Staats-

der sprechen, werden wir in vielen Dingen schon

Rang dieses Objektes ist auch international sehr

grenzen, es entwickelt sich ein Europa der Re-

woanders sein. Ein Museum ist kein Ort, der ver-

hoch. Fßr uns ist sehr bedauerlich, dass die „auf-

gionen. Wenn ich beispielsweise nach SĂźdfran-

staubt ist. Museen sind heute unglaublich vitale

regendste Frau NiederĂśsterreichs“ nicht bei uns

kreich fahre, mĂśchte ich dort die KĂźnstler und

Orte. Es ist nicht Nostalgiearbeit oder eine Ge-

zuhause ist, aber wir freuen uns sehr, sie im Rah-

Schätze der Region kennenlernen. Das mßssen

genwartsekstase, wir verstehen sie als kulturelle

men der Ausstellung von Mai bis August bei uns

sich die Landesmuseen auf die Fahne schreiben.

Zukunftsarbeit. Das ist unser Ziel, dass wir uns

zu Gast zu haben.

Wir tragen einerseits Verantwortung gegenĂźber

kontinuierlich weiterentwickeln.

der

MEISTERKONZERTE

ST.P Ă– LT E N kĂźnstlerische Leitung: Robert Lehrbaumer

07/08

Ihre Pläne fßr die nächsten fßnf Jahre? Die Ausstellung EISZEIT bringt im nächsten Jahr einen ganz besonderen Gast.

Geschenktipp fĂźr Musikliebhaber!

Weihnachtsgeschenk-ABO Preis Dienstag, 15. Jänner 2008 – BĂźhne im Hof Faschingskonzert – Wiener Virtuosen -ABO (Mitglieder der Wiener Philharmoniker) Weihnachts „Oper mit und ohne Fantasie“ Mittwoch, 12. März 2008 – BĂźhne im Hof Klassik-Cocktail – R. Lehrbaumer, A. Cesarccio, O. Lakota, F. Chmel, K. Ribarski s BerĂźhmte Musik in Ăźberraschenden Versionen jeweil n in g Be Uhr 0 .3 Donnerstag, 3. April 2008 – BĂźhne im Hof 19 Dichtung & Liebe – Peter Turrini, Johann Leutgeb, Ferhan & Ferzan Ă–nder, Stefan Gottfried, Ingrid Oberkanins Peter Turrini: „Im Namen der Liebe“ - Prosa und in Vertonungen –1 3 Konzerte

   

Fotos: Lackinger, NĂ– Landesmuseum

  

â‚Ź 40.-

ABO/Info: Magistrat St. PÜlten – Kulturverwaltung Tel: 02742/333-2601; Fax: – 2609 Mail: meisterkonzerte@st-poelten.gv.at

Einzeltickets Buchhandlung Schubert, WienerstraĂ&#x;e 6, St. PĂślten Tel: 02742/353189

1207 MFG Inserat November mfg Viertel Seite.indd 1 2829 Landesmuseum.indd 3

16.11.2007 08:46:58 28.11.2007 13:09:14


30

KULTUR

DIE LEGENDE LEBT

Ich kann mich noch gut erinnern. „676 731 Mr., Mr., Mr. Udo Huber“ Die Großen Zehn, die ORF-Chartshow der 80’er Jahre, im Fernsehen. Udo Huber im weißen Overall, umringt von tanzenden Teenies in ebenso abstrusen Klamotten. Schwenk in die Discoarena – 3.000 Kids, die Party feiern. Und dann war da ein Schuss Neid, weil meine älteren Geschwister dort waren, während ich als Junggemüse mit der Mattscheibe vorlieb nehmen musste. Als ich dann selbst ins „Fortgehalter“ kam, war sie bereits Geschichte - die FABRIK. Und heute ist sie eine Legende. Von Johannes Reichl, Fotos: Hermann Rauschmayr, Richie Ferkschneider, Christian Müllner

„Was, du warst nie dort?“ Wenn man gesteht,

bisschen.“ Andererseits fügt er voll Überzeu-

ker der Anfangsära („Ich bin zwei Monate nach

ein Post-FABRIK-Mensch zu sein – quasi ein

gung hinzu: „Aber wenn die FABRIK heut wieder

der Eröffnung dazugestoßen“) Glauben schen-

Nachgeborener – erntet man von jenen, die im

aufsperren würd, wär ich der erste, der sofort

ken, wenn er auf den Mythos FABRIK ange-

wahrsten Sinne live dabei waren nur ein un-

wieder draußen ist.“ Auch SEGAFREDO Chef

sprochen meint: „Das Flair machte einfach die

gläubiges Kopfschütteln. Anschließend folgt ein

Christian Hautz, per Selbstdefinition „Fabrikgast

Einzigartigkeit aus. Es gab damals viele kleine

mildes Lächeln mit einem Zug Mitleid um die Lip-

der ersten Stunde! Das weiß ich, weil ich 1983

Bauerndiscos, aber so was Großes wie die FA-

pen. Da kommt man sich sogar als Mitdreißiger

sechzehn geworden bin“, gesteht, den Blick ge-

BRIK hatte bislang einfach nicht existiert – und

wie ein armes Hascherl vor. Nun weiß man na-

dankenverloren irgendwo in die good old times

zwar in ganz Österreich nicht!“ Dietmar „Hasi“

türlich, dass die eigene Jugendzeit gern schön-

gewandt: „Das war eine der schönsten Zeiten

Haslinger, ein weiterer Local-Hero, der ebenfalls

gemalt wird, und das räumt auch Chris Müllner,

meines Lebens!“ Attitüde? Mitnichten. Man

auch arbeitend die FABIK erlebte, bringt es auf

der sich selbst als 2. Generation der FABRIK-Ge-

glaubt es den Herren aufs Wort, ja, man fühlt

den Punkt: „Man mag es glauben oder nicht.

her bezeichnet und einige Jahre dort auch jobte,

ihre Sehnsucht richtiggehend, und so kann man

Aber der Nabel der mitteleuropäischen Disko-

ein: „Natürlich glorifizieren wir in wohl auch ein

auch Richie Ferkschneider, ebenfalls Fabrikwor-

Welt lag damals tatsächlich in Radlberg!“

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KULTUR

ÖSTERREICHS MODERNSTE DIScO

anfangs aus 2x6.000 Watt Boxen, die einen vier Meter hohen Turm bildeten.“ Oben, auf einem eigenen Balkon, werkten

Wie das zuging? Wohl einfach eine glückliche

die DJ’s, allen voran Andy Edlinger „mit dem

Konstellation der Sterne. In gewisser Weise

der Schmidberger öfter mal nach Londen ins

paarte sich gar nicht gewollter Unternehmermut

Hippodrome gefahren ist, um die neuesten

(nicht gewollt, weil die Kosten explodierten) mit

Trends kennenzulernen“ oder DJ Mike. „Die

einem Gastrogenie namens Harald Schmidber-

DJ‘s haben damals ja noch reingesungen und

ger. „Das Gelände gehört Weinzierl und Haböck,

mitgeplärrt“, schwelgt Chris in Erinnerung.

die wollten damals ihr Kapital investieren. Als

Ebenso Pflicht war ein Lichtjockey („Da gab

sie die Disco zu bauen begannen, sind sie von 8

es den Redi und den Stevie B.“), und natür-

Millionen Schilling ausgegangen. Geworden sind

lich die berühmte Lasershow.

es letztlich 30!“, weiß Richie, wobei auch die

Im ersten Stock „wurde in der PIzzeria

Gemeinde ihres zur Kostenexplosion beitrug.

vom Italiener mit dem klingenden Namen

„Die Stadt wollte die FABRIK verhindern, hat im-

Raffaelo Montefusco, ein Grantscherben,

mer neue Auflagen gemacht, zuletzt sogar eine

im Holzofen die beste Pizza der Stadt ge-

Kläranlage vorgeschrieben – unglaublich!“

backen“, so Richie, und dann war da noch

EDELSCHUPPEN

das Lokal Bierbrunnen, dessen Geschäfte ein gewisser Leo Zant führte „Das waren

Zum anderen war Schmidberger vom Traum be-

sicher über vier Jahre“, erinnert sich die

seelt, die hippste Disco zu schaffen – und den

Gastrolegende.

verwirklichte er. Die Konsequenz: Das Beste war

werkte ein anderer Bekannter: Reini

gerade gut genug. „Es gab einen eigenen Desi-

Dorsch, „der im Edel Outfit und dementspre-

geist aufsaugen, der hier auf wunderbare Weise

gner, Leute wie Bernauer Toni kreierten Karten.“

chendem Gehabe Würstel ausgegeben hat.“

verdichtet schien – vom Lifestyle über die Musik

Zum „Beweis“ legt er ein paar Erinnerungsstü-

Und zwischendurch spielte Dorsch im VIP-Club

bis hin zum Outfit. „Wenn du heute so auf die

cke vor, und Chris bestätigt: „Es war einfach al-

auf. „Das war ein eigener Klub-Bereich, wo man

Straße gehst, würde man dich in die Klapsmühle

les vom Feinsten!“

nur mit VIP-Karte reingekommen ist. Drinnen

stecken“, lacht Richi. Wobei es in der FABRIK ei-

Auch wenn ich die FABRIK nie erlebt habe, so

war alles auf Edel: Weißes Leder, weißes Piano,

gentlich keinen expliziten Dresscode gab. „Das

gibt allein die Beschreibung des Raumkonzeptes

eine eigene kleine Tanzfläche. Über eine Glas-

war von der Willkür des Türstehers abhängig“,

einen Eindruck, was die beiden meinen: Die

front sah man hinunter auf die Tanzfläche.“

so Christian. „Ein Freund von mir hatte eine La-

große Tanzfläche war zugleich Hebebühne „die

Alles hatte Style und Glamour. Von weißen

coste Jacke, so eine blau-weiß gestreifte. Das

sich pünktlich um 22 Uhr zur Musik ‚Also sprach

Marmorböden, über Teppiche, die bei UV-Licht

war damals eine Sensation, die hat sicher 3.000

Zarathustra’ hob“. Ringsum gingen arenaförmig

Sterne zeigten, bis hin zum legendären Pen-

Schilling gekostet. Als wir zur FABRIK kommen

Logen hinauf, „wobei ein Logen-Sitzplatz nur

thouse Schmidbergers über der Disco. Ganz

meinte der Türsteher nur: ‚Was wüllst denn mit

gegen zumindest eine große Flasche Hochprot-

dem Klischee eines Disco-Königs entsprechend

dem Trainingsanzug – so kommst nicht rein’“

zentiges zu bekommen war“, wie Hasi erklärt.

„hatte er oben ein richtiges Loft - für damals

Gekommen ist man übrigens nie alleine, son-

Christian räumt ein, dass man mit dem Logen-

eine Sensation. Offene Fläche, Sitzgelegen-

dern immer in der Clique. „Wir sind am Samstag

platz auch seinen Sozialstatus definierte: „Je

heiten aus weißem Leder, wohin er ‚Gäste‘ mit-

– weil Freitag fortgehen war damals noch kein

weiter unten man bei der Tanzfläche gesessen

hinaufbrachte. Auch einen Tresor gab es, den

Thema – mit der Vespa rausgefahren. Das waren

ist, umso besser situiert war man, um so mehr

wir spaßhalber immer zu knacken versucht ha-

richtige Touren, auch im Winter. Da mussten wir

gehörte man dazu“ Drei große Bars sorgten für

ben – ohne Erfolg“, lacht Chris.

vorher die Füße auftauen, bevor wir reingegan-

flüssigen Nachschub.

Beim

„Würstelstand“

gen sind, weil sie so steif geforen waren“, er-

Auch technisch war die FABRIK damals rich-

ZEITGEIST PUR

tungsweisend. „Die Scheinwerfer hatte Schmid-

Kein Wunder, dass die FABRIK Publikum in Mas-

den Lippen. Aufgetaut ist man drinnen freilich

berger irgendwo von der Flugzeugindustrie

sen anzog. „Der Parkplatz war voll mit Bussen!

schnell, unter anderem durch die fetten Beats.

Die Leut kamen von über-

„Wir sind direkt ans Gitter der Boxen gelehnt

all her: Wiener, Linzer, und

gestanden, bis wir nix mehr gehört haben.“

gar Grazer und Salzburger

Was zudem ausgelebt wurde, war eine ge-

Kennzeichen waren die Re-

wisse Exaltiertheit und Dekadenz frei nach dem

gel – nicht die Ausnahme!“

FALCO-Motto „Wer sich an die 80’er erinnern

An ein Kuriosum erinnert

kann, war nicht dabei!“ „Wir waren schon rich-

sich diesbezüglich Richie.

tige Gasgeber“, bekennt Chris, und Christian

„Der Schmidberger hat es

stellt fest, dass „man in der Fabrik verwöhnt

zum Beispiel geschafft,

wurde, sich viel erlauben konnte!“ Da wurde bei

beim

Verkehrsminister

einer Schulabschlussfeier mit 3.000 Besuchern

durchzusetzen, dass ein

schon mal eine 24 Liter Mounier geköpft, „die

fixer

zwi-

man allein kaum halten konnte“, und punkto

schen FABRIK und Wien

Aufrissfaktor war die FABRIK sowieso ein heißes

verkehrt.

Pflaster. „Damals bist du noch angebraten wor-

Sie alle wollten den Zeit-

den und hast nicht braten müssen“, so Christian,

aufgetrieben und der Ton kam

Shuttlebus

innert sich Chris mit einem seligen Lächeln auf

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KULTUR auf einer Gitarre ohne Saiten gespielt haben. Als das einer gemerkt hat, ist es zu richtigen Tumult-Szenen gekommen“, muss Chris lachen. Eine Sensation für damals waren nicht zuletzt die Travestie-Shows von Madame Gigi aus Hamburg. „Die war damals weltberühmt. Ihre Outfits wurden im Truck gebracht. Das war Glamour!“

ENDE Der PARTY Irgendwann Ende der 80’er kam dann der Filmriss, so als wäre der Champagner mit einem Schlag versiegt und die Musik abrupt abgedreht worden. Jede Party findet ihr Ende, und was bleibt ist Katzenjammer. „Nach ein paar Jahren begann es allmählich wegzuschwimmen. Es entstanden andere Groß-Discos nach dem Vorbild der FABRIK, die zum Teil besser, weil neuer – zugleich aber in der Ausstattung billiger waren. Die haben dann natürlich das Publikum abgezogen“. Schmidberger schied aus. Sämtliche Nachfolgeversuche scheiterten und waren im Grunde nur ein langsamer Abgesang. „Alles hat seine Zeit, so war es auch bei der FABRIK“, sinniert Richie. „Zwischenzeitig fiel der Betrieb an Weinzierl zurück, der das Teil ja gar nicht führen wollte, wobei seine Frau Bärbel das Haus auch Richtung Kultur öffnete und spannende Sachen machte.“ Ein weiterer Betreiber ließ die Disco „nocheinmal gänzlich in Originalzustand herstellen, so dass man glaubte, sie hätte erst eröffnet.“ Doch der Erfolg blieb aus. Im Kampf ums Publikum ging man zuletzt immer abstrusere Wege. Der ehemalige Glamour rutschte am schmalen Grat ab ins Schmuddelige. „Am Schluss hat man das Niveau verloren, billige Lesbenshows und dergleichen veranstaltet, um die Bude irgendwie voll zu kriegen“, so Chris. Bis der letzte Betreiber der Disco den endgültigen Todesstoß versetzte. „Innerhalb

Legendär war der VIP Club – Einlass nur mit eigener Karte.

einer Woche hat er die FABRIK komplett leergeräumt. Was nicht niet- und nagelfest war, wurde nach Polen abtransportiert. Das war das Ende!“ Zugleich der Beginn der Legendenschrei-

um augenzwinkernd hinzu zufügen. „Da haben

bung und Glorifizierung. Heute wird die

wir aber auch noch anders ausgeschaut.“

FABRIK – auf österreichische Verhältnisse

Eine legendäre Episode, die den „Größenwahn“

umgemünzt – gar auf ein Podest mit Disco-

von damals wunderbar dokumentiert, fällt ihm

legenden wie dem Londoner Hippodrome oder dem New Yorker Studio 54 gestellt.

ebenfalls ein. „Eines Tages hieß es, alle müssen raus und den Parkplatz räumen. Dann ist der

nur ein Video gedreht hat. Schmidberger hat

„Tatsächlich war die Fabrik das im übertragenen

Feiersinger, der Erfinder des Papiersackerls, der

einfach plakatieren lassen, ‚FALCO kommt’ – die

Sinne für eine gewisse Zeit bei uns!“, so Richie.

in Loosdorf eine Fabrik aufgekauft hatte, mit

Hütte war gerammelt voll, und FALCO stock-

dem Hubschrauber gelandet“ Im VIP-Club wie-

sauer. Alle haben ja geglaubt, der spielt ein Kon-

derum, so erinnert sich Hasi, „floss der Cham-

zert, dabei hat er 500 mal ein- und denselben

WAS BLEIBT IST ERINNERUNG

pagner sprichwörtlich in Strömen.“

Song eingespielt und aufgezeichnet“, so Richie.

Letztlich fiel die FABRIK, discogewordener Zeit-

Wer es sich leisten konnte, inszenierte sich

Andere Live-Hochkaräter waren u. a. Kim Wilde,

geist, diesem selbst zum Opfer. Die Disco-Ära

als Star. Und die wirklichen kamen ebenfalls,

die damals aktuellen Flying Piquets („Die haben

war ein eigenes Zeit- und Lebensgefühl, und

sowohl als Gäste – wie zum Beispiel FALCO,

wir bei Krems aufgegabelt, weil sie nicht nach

dieses verschwand zusehends in der Motten-

Ambros, Fendrich, Deix & Co. – als auch als an-

Radlberg gefunden haben) oder Modern Talking.

kiste der Geschichte: Was vor kurzem noch hipp

gesagte Acts „Z. B. FALCO, wobei der eigentlich

Die sorgten für einen kleinen Skandal, weil „sie

war – weiße Overalls, Legwarmer, Hot Pants,

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KULTUR

The Dance Club Chris Müllner und Markus Berger bemühen sich seit diesem Jahr unter dem Motto „in memoriam Tanzfabrik“ die good old times wieder auf leben zu lassen bzw. daran in Würde zu erinnern. „Wir waren von der Tanzfabrik in Radlberg immer sehr angetan und haben uns deshalb das Ziel gesetzt, unser ‚Ideal’ fortzusetzen.“ Das Ergebnis ist der „Dance Club Fabrik“, der im Jänner im MUNDOS unter Teilnahme von Original DJ’s von damals erstmals über die Bühne ging – vor vollem Haus, was die Zugkraft der legendären Disco unterstreicht. Eine weitere Schiene der beiden ist der Tweety Club, der zuletzt im neuen Millennium-Live stattfand. Der von manchen gehegten Traum, derlei Veranstaltungen wieder in der FABRIK selbst zu erleben, wird freilich unerfüllt bleiben. Derzeit ist man auf der Suche nach einer Nachnutzung des Areals. Der legendäre Schornstein wurde im Sommer gesprengt. Aber das ist wohl auch ganz gut so...

Dance Club mit Discolegenden aus anno dazumal (v.l.n.r.): Ramirez, Dj Mike, Christian Müllner, DJ Lukas F und Michael Harl

www.markchris-clubs.com Ohrschützer, Lacoste-Westen, Jogging High,

eigenen Moden und Helden ein, mit Bannerträ-

zugleich aber auch ein Gefühl des Trostes in

weiße Ledermöbel, weiße Flügel, Champagner-

gern wie Nirvana voran. Die Titanen wurden

sich trägt: Nur die wahren Helden schaffen es

duschen, Bundfaltenhosen, LP’s, Exaltiertheit

von neuen Göttern gestürzt.

ins Pantheon der Geschichte, und dort nimmt

und ein gewisser Schuss Größenwahn – war mit

Was bleibt ist Erinnerung. Für jene, die dabei

die FABRIK einen ihr gebührenden, unbestreit-

einem Mal peinlich geworden. Die nächste Ge-

waren, eine, die die Seele wärmt und eine ge-

baren Platz ein. Und zuletzt bleibt eine Gewiss-

neration stand vor den Toren und forderte ihre

wisse Wehmut an die „Glory Days“ hervorruft,

heit – man hat es erlebt, ist dabeigewesen!

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NÖ KULTURFORUM ADVERTORIAL

noekulturforum.at DER KÜNSTLER – HANSWURST ODER KORREKTIV DER GESELLSCHAFT? Eine Abhandlung über Sozialdemokratie, Kunst und Künstler von Gotthard Fellerer Der Sozialdemokrat strebt mit demokratischen

Denkinhalte, und dies ist das Revolutionäre und

Mitteln nach einer neuen, humanistischen Ge-

Fortschrittliche.

sellschaft in Freiheit. Er sucht nicht nur die

Daher ist es eine der wichtigsten und vornehms-

Echte Kunst geht nicht unbedingt mit der Kon-

materielle Sicherung und Besserstellung aller,

ten Aufgaben einer sozialdemokratischen Ge-

sumgesellschaft konform. Der sozialdemokra-

sondern er unterstützt auch den intellektuellen

sellschaft, Kunst zu fördern und das Wissen um

tische Künstler ist das Korrektiv (kritischer Wi-

Fortschritt. Im materiellen Bereich beginnt sich

Kunst zu schulen. Kunst ist das Gegengewicht

derpart) einer Gesellschaft, die Kunst als Ware

bereits die Grenze abzuzeichnen: Nur durch

zur Maschinerie, die als unerbittlicher Diktator

sieht und diese nach den Gesetzen der Werbung

weitere Verschmutzungsaktionen unserer Um-

unsere gemeinsamen Lebensaufgaben und Le-

an- und auspreist. Diese Gesellschaft sieht hier-

welt (Atomkraft, Umweltverseuchung durch

bensmöglichkeiten regelt (1928 Gruppe A B C,

bei den Künstler am liebsten in seinem Klischee

Abfallprodukte, etc.) können wir unsere Welt

Hanns Schmidt, Mart Stam). Sie ist, laut Buck-

– als HANSWURST. Kunst ist keine Ware, die man

komfortabler gestalten. Dagegen ist dem geisti-

minister Fuller, das reine Resultat der flüchtigen

vertritt oder in einem Geschäft vertreiben kann.

gen Weiterschreiten und der Realisation des ur-

Artikulationsmöglichkeit des kosmischen Ich-

Das Gefahrenmoment besteht nämlich darin,

KUNST IST KEINE WARE

sprünglichen Ideals einer sozialdemokratischen

dass die künstlerische Aussage Spuren des

Gesellschaft zum Wohle der Menschheit kaum

Kommerzes trägt. (Darf’s a bisserl mehr sein?)

Einhalt zu gebieten.

Kunst ist die Verwirklichung des Unverwirklich-

Der wahre Sozialdemokrat zeichnet sich durch

baren (Asger Jorn). Kunst kann nach Kant nur mit

Bildungswillen, Eifer und Streben nach intel-

dem Gefühl beurteilt werden – das Kunstwerk

lektuellem Fortschritt aus. Er zieht die Mühsal

ist ohne Begriff, aber notwendig. Kunst machen

eines Wegbereiters für eine neue humanistische

dient der Ich-Findung und das in der Beziehung-

Gesellschaft eher vor, als in Apparatschikdasein

nahme zur Welt, wenn auch dieses Ziel nicht im-

und Bierdunst zu vermuffeln. Er hat aber ein

mer erreicht wird.

Recht auf Information und Integration. Daher

Der sozialdemokratische Künstler nimmt aktiv

werden für ihn Aktivitäten im intellektuellen

durch seine kritische Vernunft an der Bewusst-

Bereich nachvollziehbar, sie werden für ihn zu

seinsbildung unserer Gesellschaft teil (Brecht).

einem „WERT“.

Er kann aber auch passiv zur Gesellschaft „sach-

Es ist notwendig, dieser neuen Gesellschaft die

„Der Künstler ist kein Hanswurst, sondern ein Korrektiv der Gesellschaft.“

Basis zu sichern (Basis = Arbeiter, Bauern, Angestellte, Intellektuelle). Hiezu muss man die Menschen unseres Landes optimal vorbereiten. Das

liches“ Schaffen produzieren, in der Hoffnung,

heißt, Informations- und Aktionsstrategien auch

das entstandene Produkt werde später doch

auf dem Sektor der Kulturpolitik - und in diesem

noch als Kunstwerk verstanden (El Lissitzky).

Rahmen der Kunst.

Das heißt, Kunst ist die Abstraktheit der Realität, das Skandalon (Ärgernis) zu einer wissen-

Zeit für ein zeitgemässes Kunstverständnis

schaftlichen Erkenntnis. Kunst ist also das Gegengewicht zum Streben nach der absoluten

Kunst wird heute im Wesentlichen verwendet,

Gefühls.

Vorherrschaft des Begriffes. Es gibt keine einzige

um öffentliches Auftreten attraktiver zu gestal-

Kunst ist nonverbale Kommunikation; und man

andere Kulturmacht, die heute mehr zur Sache

ten. Sie soll Stimmung machen, um den Charak-

muss als Künstler trachten, dass die individuelle,

der Befreiung des Menschen beitragen kann, als

ter des Einmaligen und Besonderen des jewei-

visuelle Sprache zu einer benutzten Sprache

die Kunst.

ligen Aktes zu unterstreichen.

wird: nämlich durch Kontakte sämtlicher aktiven

Wir wissen, dass Gefälliges mehr gefragt ist. Dies

Kunst kann allerdings auch als ein Mittel der re-

Kräfte auf dem Gebiete der Volkskunst, der his-

bedeutet aber für die Weiterentwicklung unserer

pressiven Toleranz (als Verschleierer der wahren

torischen Kunst, der Gegenwartskunst, mit der

Gesellschaft eine große Gefahrenquelle: Man

Verhältnisse) verwendet werden (im Rahmen ei-

arbeitenden Bevölkerung des Landes.

wird statisch und beschränkt sich auf Präsenta-

ner Propagandamaschinerie) – als Goldstaub in

Durch das hohe Maß an Individualisierung der

tion und Wiederaufbereitung kunsthistorischer

den Augen der Konsumenten, - der glitzert zwar,

Kunst der Gegenwart kommt es zu Verfrem-

Gegebenheiten, ähnlich dem sozialistischen

aber brennt.

dungen, die mir aber in Verbindung mit einem

Purismus (Realismus), der hoffnungslos im His-

Es ist an der Zeit, im Rahmen eines zeitgemäßen

Kunstwerk

erscheinen: Der

torismus erstarrt ist. Zeitgenössische Kunst ist

Kunstverständnisses, von einer rationalistischen

Mensch wird durch Kunst aus dem Automatis-

aber ein dynamisches Prinzip, das sich weiter-

und funktionalistischen Zielrichtung der Kunst

mus der Wahrnehmung herausgeführt und er

entwickelt. Hierbei sind Alternativvorstellungen

Abstand zu nehmen. Denn Kunst ist in sich re-

sieht den Gegenstand oder Zusammenhänge

ebenso gutzuheißen, wie Tradiertes – und das

volutionär. Durch neue Formen entstehen neue

neu.

vertreten und kolportieren wir!

als

wesentlich

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oße Ge-

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NÖ KULTURFORUM ADVERTORIAL

Adventkalender der besonderen Art Immer, wenn es Advent wird, erstrahlt das BRG Krems-Ringstraße in besonderem Glanz: Abend für Abend erhellt sich ein Fenster mehr, von Schülerinnen und Schülern des Bundesrealgymnasiums und des Sonderpädagogischen Zentrums Krems gestaltet. Gesponsert von verschiedensten Institutionen aus Wirtschaft, Bankwelt und Politik, darunter auch dem NÖ Kulturforum. Der Erlös dieser Charity-Initiative von Prof. Christian Tiefenböck und dem Lehrerteam des BRG Krems fließt dem SPZ Krems zur Förderung von Kindern mit besonderem Förderbedarf zu.

Dr. Karl-Renner-Preis für Gotthard Fellerer Der Wr. Neustädter Künstler Prof. Gotthard

Kulturforums, die Anerkennung des großen En-

schlechthin. Darüber hinaus ist er persönlich un-

Fellerer

erhielt kürzlich im Rahmen der Lan-

gagements Fellerers für Kunst und Kultur in Nie-

geheuer kreativ und engagiert als Maler, Musi-

desbildungskonferenz der SPÖ den Dr. Karl-

derösterreich, aber auch über die Grenzen Ös-

ker, Kunstvermittler und Kulturorganisator. Er ist

Renner-Preis verliehen. Damit kommt, so Land-

terreichs hinaus zum Ausdruck. „Fellerer ist der

künstlerischer Motor und Seele des NÖ Kultur-

tagspräsident Ewald Sacher als Obmann des NÖ

Typus des sozialdemokratischen Intellektuellen

forums“, so Sacher über seinen Mitstreiter!

Besuch von Ewald Sacher beim Weinviertler Künstler Harry Raab in Niederleis

Tag der Offenen Ateliers - NÖ Kulturforum Dabei! „Der Tag der Offenen Ateliers ist eine erfolg-

Kulturpolitiker selbstverständlich, solche Aktivi-

und wo sie der Schuh drückt. Somit verstehe ich

reiche Initiative und eine Chance, die Künstle-

täten zu fördern und daran teilzunehmen. Durch

mich ein klein wenig als Anwalt künstlerischer

rinnen und Künstler mit dem Publikum draußen

meine zahlreichen Kontakte mit niederöster-

Anliegen in der Politik“, so Landtagspräsident

zusammenzubringen. Daher ist es für mich als

reichischen Künstlern weiß ich, was sie wollen

Ewald Sacher.

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36 Nein, keine Kolumne über Weihnachten, das Jahr 2007 oder St. Pölten. Themen, die einen kurz vorm Jahreswechsel nur in eine unnötige Depression stürzen. Also bleibt nur noch ein Thema, um dieses Jahr doch noch mit einem Klischee abzuschließen. Richtig: die EURO 2008 (wobei aus Rücksicht auf den weihnachtlichen Frieden der ÖFB keine Erwähnung findet). Dass eine Großveranstaltung wie die Europameisterschaft zu polarisieren versteht, war von Vornherein klar und ist auch w ü n s ch e n s we r t . Dennoch sollte in dieser Diskussion eine Kernessenz unangetastet bleiben: Der Wert dieser Veranstaltung ist für ein Land wie Österreich unb e z a h l b a r, wodurch Argumente, die mit „Geldverschwendung“

SZENE aber auch aktiv werden.“ Kurzerhand entwickelte

K

er gemeinsam mit einem Freund die Idee des Livemusik-Karaoke. Das Prinzip ist simpel: Im Gegensatz zum herkömmlichen Karaoke kommt die Musik nicht von einem Tonband, sondern von einer Band. Die Sänger schlüpfen in die Rolle des Bandleaders. Die Vorteile liegen für Butala auf der Hand: „Die Performance ist einfach viel spontaner! Man kann, wenn man mag, den Refrain noch einmal singen und viel mehr mit dem Publikum agieren.“ Da ist natürlich eine kompetente Band gefragt! Butala, nach eigenen Angaben nur Laienmusiker, hat für sein Projekt einen Pool aus Berufsmusikern geschaffen. Darunter befinden sich klin-

Live is live

gende Namen wie etwa Christoph Richter, Mar-

„In Zukunft wird jeder 15 Minuten weltberühmt

kus Jakisic und Harald Hauser. „Besonders wichtig

sein“ lautet ein bekanntes Zitat von Andy Warhol.

ist natürlich die hohe Qualität der Musiker. Zum

Mit dem Start des Livemusik-Karaoke (LIMUKA)

einen müssen sie das Songrepertoire perfekt

kann man Warhol’s Vision ein kleines Stückchen

beherrschen, zum anderen müssen sie auch auf

näher kommen.

die Sänger eingehen und sie unterstützen!“ Aus

Die Idee für LIMUKA kam Mastermind Martin

diesem Pool kann sich der Kunde seine ganz per-

Butala bei seiner Geburtstagsfeier. „Ich wollte

sönliche Karaoke-Band zusammenstellen.

dafür Livemusik, gleichzeitig sollten die Gäste

Infos und Booking unter www.limuka.at!

Neuanstrich

barrocke Unterhaltung

B-SEITEN

oder „Randalen“ zündeln, eher von Naivität denn berechtigter Kritik zeugen: Die EURO ist nicht nur die drittgrößte Veranstaltung der Welt, sondern auch das größte Event, das jemals in Österreich stattfinden wird (denn für eine Fußball WM und die olympischen Sommerspiele wird es niemals reichen). An jedem Spieltag werden weltweit 150 Millionen Zuseher dieses Ereignis verfolgen, das macht in Summe rund 8 Milliarden während des ganzen Turniers. So hat Österreich die einmalige Chance sich in der ganzen Welt als offenes, multikulturelles Land zu positionieren und damit weiterhin zur Vergangenheitsbewältigung beizutragen. Dafür sollte man auch einen 22-tägigen Ausnahmezustand in Kauf nehmen – egal ob Fußballfan oder nicht. Denn die Österreicher sind schon bekannt genug dafür manch 100%ige (Tor)Auflage zu vergeben.

Im Januar 2008 soll die Jugendkulturhalle Frei.Raum

Seit September 2006 gibt es hinter den Stadtsälen

baulich etwas verändert beziehungsweise renoviert

ein feines Lokal. Dieses heißt BarRock, bietet aber

werden.

mehr als Rockmusik. Auch Funk, Pop, Alternative,

Seit mittlerweile zwei Jahren ist die Jugendkulturlo-

Punkrock oder Indie wehen dem Besucher um die

cation der Stadt in Betrieb, Zeit also, um einige Dinge

Ohren. Die bringt auch einen angenehmen Publi-

zu erneuern, wie Steppenwolf-Chief Wolfgang Matzl

kumsmix. Barbesitzer Stefan Weiß: „Zu uns kommt

überzeugt ist. „Einen großen Umbau haben wir aber

jeder vom 16jährigen Wuzzler bis zum 50jährigen

nicht vor, die Bühne wird beispielsweise nicht an ei-

Rockfan.“ Nicht nur die Musik bringt Leute. Der

nen anderen Ort verlegt. Aber wir werden auf jeden

hauseigene Wuzzlclub beispielsweise erfreut sich

Fall neu ausmalen und den Boden teilweise renovie-

großer Beliebtheit. Auch die aufgrund des Publikums

ren“. Im hinteren Bereich des Frei.Raums soll außer-

sehr angenehme Atmosphäre lädt zum Bleiben ein.

dem Laminat verlegt werden. „Ziel dieser Aktion ist

Ein weiterer Fixpunkt im BarRock sind die immer

es“, so Matzl „das Hallenflair zu minimieren“. Das

gut besuchten Konzerte. „Die Unplugged Sessions

Geld für die gesamte Aktion kommt laut Matzl aus

werden auf jeden Fall weiter gehen. Für die nächste

dem laufenden Budget.

Zeit ist schon einiges geplant.“, meint Stefan dazu.

Die Besucher werden den Frei.Raum jedenfalls wei-

Fragt man ihn nach seinen Highlights, hört man: „Es

terhin erkennen. Und, da sind sich alle einig: Das be-

war eigentlich vieles super. Jedes Wochenende, an

liebte Schachbrettmuster vor der Bühne, das mitt-

dem es voll ist, bin ich zufrieden.“ War man noch nie

lerweile zu einem Markenzeichen des Frei.Raums

BarRock, bietet es sich in nächster Zeit an, denn ei-

geworden ist, bleibt unangetastet. Ebenso natürlich

nige hochkarätige Musikacts stehen am Programm.

die Bühne, die Bar und die Sofas.

Nähere Infos: www.barrock.info.

Foto: photocase.com, fotolia.com, zVg,

von Tobias Zuser

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SZENE

Alle Jahre wieder... kommt bekanntlich nicht nur das Christkind oder der Weihnachtsmann – jedem wie es beliebt – sondern auch der mittlerweile legendäre Melting Pot, die Mutter aller Partyschlagen! Selbstredend, dass es nach hartem Onlinefight auch heuer wieder ordentlich krachen wird! Von Michael Reibnagel Foto: Hermann Rauschmayr

UND GEWONNEN HABEN

FAKTEN Melting Pot VI im VAZ St. Pölten 15. Dezember 2007 Einlass: 21:00 Uhr, Beginn: 21:30 Uhr Tickets im VVK EUR 6,00 im VAZ St. Pölten Abendkassa EUR 8,00

Beats die Menge zum Kochen brigen. Erstmals konnte heuer auch für die Senior Lounge ge-

BANDS 1

In den 6 Kategorien Bands, Alternative, Beats &

votet werden. Wildcafe, ein House-DJ, der dem

Reggae, Senior Lounge, Visual Artists und Spe-

einen oder anderen in St. Pölten vielleicht durch

cial kämpften insgesamt 71 Acts um die Gunst

seine Campus Radio 94.4 Sendung bekannt sein

4

der Wähler. Es war ein harter Kampf.

mag, ging dabei als Sieger hervor. Auch hier sind

5

Durchsetzen konnte sich die Band Gretchen-

somit tanzende Menschen garantiert.

6

frage, welche die Zwischenstände dominierte

Natürlich wird beim Melting Pot VI auch wieder

und im Endeffekt als Sieger aus dem Bandvoting

für eine graphische Untermalung gesorgt sein.

hervor ging. Von Gretchenfrage, die vor kurzem

Dafür Rechnung tragen unter anderem vMotion,

ihm Warehouse ihre aktuelle EP vorstellten,

zu denen man eigentlich nichts mehr sagen

1

kann man einiges erwarten: Eine exzentrische

muss, da sie sich in der Szene auf jeden Fall

2

Bühnenshow samt uniformiertem Frontmann

schon längst einen Namen gemacht haben.

Peter sowie auch sonst einige Überraschungen.

2 3

7 8

DJS - ALTERNATIVE

3 4 5

Im Bereich „Alternative“ konnten Altbekannte

SPECIAL ACTS

einen knappen Sieg einfahren. Die INDIEaner,

Heuer gibt es beim Melting Pot auch zum ers-

die beim Melting Pot V ihren ersten Auftritt vor

ten Mal die Kategorie Special. Aufgrund der

großem Publikum hatten, gewannen gegen die

geringen Anmeldungsdichte – es gab nur einen

Urgesteine Hennes und Manshee und sind somit

Bewerber – konnte sich „Freibier“ für einen Auf-

auch heuer wieder mit dabei. Wer die INDIEaner

tritt beim Melting Pot qualifizieren. Was uns da

4

kennt, weiß, was auf einen zukommt. Gute Mu-

genau erwarten wird, steht noch in den Sternen.

5

sik, Performance und Party in Reinkultur – dafür

Man weiß nur, dass das Dargebotene Elemente

6

stehen die INDIEaner. Ein weiteres Highlight: IN-

aus den Bereichen Performance, Lesungen und

DIEaner Großer Bär, kehrt wenige Stunden vor

ähnlichem enthalten wird.

dem Melting Pot aus Bali zurück und das wird wohl gehörig zelebriert.

OLDIES BUT GOLDIES

Auch bei Beats & Reggae konnte sich ein nicht

Den bekannten und beliebten Chill Out Floor

Unbekannter gegen die Konkurrenz behaup-

wird es auch heuer wieder geben. Außerdem

ten. Krooked, der 18jährige DJ aus Hohenberg,

wird selbstverständlich an den unzähligen Bars

konnte schon mit einigen Größen gemeinsam

für das leibliche Wohl bestens gesorgt sein.

auflegen und wird mit feinsten Drum‘n‘Bass

Wir sehen uns also bei der Party des Jahres.

Gretchenfrage Holy Pitch Einundzwanzig Kocuma Republic of Adam U.C. The Void I Am The Horseman

6

INDIEaner Sound Hennes VS. Manshee mic vs kaufl DJ Marv Nova Radio BruceWayne DJS - BEATS & REGGAE

1 2 3

Krooked Tu-Gedda Sound Riddim Surround Sound Sunshine Explosion Lion Soldiers Soundsystem Sensi Kru SENOIR LOUNGE

1 2 3

Wildcafe Irmie Vesselsky Cmens & Matl VJS

1 2 3

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SZENE wenig geben wie einen Dresscode. Einzige Ausnahme: No Caps! Auch musikalisch lehnt sich der neue Club in St. Pölten stark an seinen Kremser Vorgänger an. Jeden Montag startet die Woche mit House, Donnerstag ist Oldie- und Schlagernacht angesagt, während der Samstag ganz im Zeichen der jungen Partygeneration steht. Was passiert nun aber mit dem Standort St. Pölten, wenn der OGH zugunsten von Gschwantner entscheidet? „Das Millenium Live ist davon völ-

It’s not too late…Millennium! Nach acht erfolgreichen Jahren ging im Juli 2007 die Geschichte des Millennium Krems zu Ende. Nach einer Räumungsklage zog Chef Christian Gschwandtner weiter: Nach St. Pölten! Von Flo Kogler

lig unabhängig und wird auf jeden Fall bleiben. Es ist ja nicht weit von Krems nach St. Pölten, viele Stammkunden sind uns gefolgt.“ Dementsprechend war Gschwantner mit dem ersten Wochenende in der Landeshauptstadt zufrieden: „Trotz Wetterchaos war das erste Wochen-

Peter Hauswirth reichte Räumungsklage ein,

Auf St. Pölten kam er über die ehemaligen Be-

ende ganz super!“

Gschwantner ging damit bis zum Obersten Ge-

treiber des Live Clubs, der ihm anbot den Club

Wie sehen nach dem turbulenten letzten halben

richtshof. Das Verfahren ist noch ausständig,

zu übernehmen. Gesagt, getan! Am 15. Novem-

Jahr nun die zukünftigen Pläne aus? „Natürlich

die Zukunft des Standortes Krems äußerst un-

ber öffnete das neue Millenium Live erstmals

werden wir die drei Milleniums gut betreuen.

gewiss.

seine Pforten. Das Inventar wurde dabei größ-

Daneben gibt es auch andere Visionen, aber das

Neue Alternativen mussten also her. „Aus eins

tenteils übernommen. Kommt daher etwa der

ist nicht spruchreif!“

mach drei“, dachte sich Gschwantner und schuf

Name Millenium Live? „Nein! Aber unser Pro-

mit seiner Firma GCL in Wien, Linz und St. Pöl-

gramm wird stets live im Radio übertragen“, er-

ten neue Standorte für das Millenium. „Wir jetzt

klärt Gschwantner mit einem Augenzwinkern.

in der SCS in Wien, ab Dezember auch in Linz

Bei der Programmierung des neuen Partytem-

sowie seit kurzem auch in St. Pölten“, berichtet

pels vertraut man hingegen auf das Erfolgskon-

der Discochef über sein „Imperium“.

zept aus Kremser Tagen. Eintritt wird es ebenso

MILLENIUM LIVE Engelbert-Laimer Straße 1 3100 St. Pölten Geöffnet jeden DO, SA, MO

Wall Design AwarD Junge Kreative dürfen beim Wall

passen soll, wird von einer Jury

Design Award ihr Design-Talent

ausgewählt. Am 14. Dezember

unter Beweis stellen.

geigen dann nicht nur The Stag-

Studierende des von der New De-

gers im Warehouse, sondern die

sign University initiierten Foun-

Gewinnergruppe wird ihre Desi-

dation Course sollen originelle

gns „live“ umsetzen. Außerdem

Wall Designs für das Warehouse,

winkt

dem

von EUR 200,00.

Kooperationspartner

der

ein

Gewinner-Preisgeld

BA-CA, entwerfen. Im Prinzip ist

Der Foundation Course wurde

alles erlaubt und der Kreativität

von der NDU initiiert und soll

freier Lauf gelassen. Der beste

in zwei Semestern alle Grund-

Entwurf, der auch zum Motto der

kenntnisse der 2-dimensionalen

Jugendplattform

und 3-dimensionalen Gestaltung

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SZENE

(You Gott a) Fight for Your Right (T o Par t y!) Ganz im Geiste der Hippie-Bewegung besorgen sich Jugendliche ihre Party-Wünsche selbst. Vorbei an den Konventionen einer fixen Party-Location ziehen sie „ihr Ding“ durch und streifen dabei mehrfach die Grenzen des gesetzlich Erlaubten. Warum eigentlich? Von Michael Müllner Zu später Stunde an einem Samstag in St. Pöl-

die nix eingeworfen haben.“

schaubar, wenngleich es auch bei uns in der Ge-

ten. Die üblichen Verdächtigen der heimischen

Wenn schon illegal, dann gleich „scheiß egal“,

gend schon Partys mit ein paar Hundert Leuten

Nachtgastronomie kommen gerade auf Betrieb-

könnte man meinen. In der Vertrautheit der klei-

gab. Berechtigte Kritik kommt an der mangeln-

stemperatur, da treffen wir uns mit einem Be-

nen Gruppe (kaum 20 Leute feiern hier heute

den Versorgung der Besucher im Hinblick auf

kannten am Parkplatz eines Supermarkts. Heute

Abend, als offizielles Motto dient ein Geburts-

Sicherheit und Hygiene. Themen, die für das Pu-

Abend wollen wir nämlich weder eine Beisltour

tag) scheint so mancher mehr zu konsumieren

blikum zwar uninteressant sind, bei gewissem

absolvieren, noch Eintritt zahlen. Wir gehen auf

als nur Alkohol.

Reifegrad aber dann doch nachvollziehbar wer-

eine illegale Party!

Darin liegt wohl auch das größere Problem.

den. So ist es halt einfach dumm, eine Party in

Wir folgen dem Auto unseres Informanten,

„Wenn man eine Party gscheit aufzieht, dann

der Nähe von Eisenbahn-Gleisen zu schmeißen.

verlassen eine Siedlung in Spratzern und fah-

checkt sowieso keiner was. Wen sollen wir hier

Warum macht man das eigentlich?

ren in Richtung Wald. Tagsüber wäre hier wohl

denn bitteschön stören? Wenn in der Früh wer

„Es ist einfach ein Traum, wenn du nach einer

idyllisches Schwammerlsuchen angesagt, ein-

durch den Wald joggt, dann schauen die Leute

von dir organisierten Party über dir am Himmel

zig das Brummen der nahen Autobahn würde

halt blöd, aber wir tun ja keinem was“, wird

die Sonne aufgehen siehst“, schwärmt ein lang-

den Ausflug trüben. Bei Nacht bekommt das

für die eigene Unschuld plädiert. Und wenn die

jähriger Organisator. „Diese Partys würden in ei-

Unterfangen hingegen einen leichten Blair-

Polizei kommt? „Die haben doch wohl andere

ner fixen Location nicht funktionieren, das wäre

Witch-Touch, womit sich wohl schon mal ein

Sorgen?! Wenn sie kommen, dann packen wir

zu teuer und würde viel weniger Spaß machen.“

Erfolgsfaktor für illegale Partys erklären lässt:

halt zusammen und fahren wo anders hin. Wir

Ich komme mit einem anderen Veteranen der

Sub-Culture-Gangsta-Kult.

haben immer mehrere Ausweichplätze.“ Nur

Szene in Kontakt, mehrere „Fortgeh-Generati-

Die Akteure des Abends sammeln sich um eine

wegen den Drogen, „das wäre natürlich schon

onen“ hat er schon erlebt, „man trifft sich halt

musikalische „Lichtung“, diverse Tekkno-Klang-

blöd, wenn sie einen da erwischen“. Nachsatz:

einfach mit guten Freunden, trinkt ein Bier

teppiche sind musikalische Kennzeichen dieser

„Aber ich nehm ja nix.“

und fertig.“ Auch er bestätigt mir, dass es frü-

Szene. Eine hohe Boxenwand sorgt für die ge-

Wer jetzt glaubt, dass diese illegale Szene ein

her aber doch irgendwie besser war. „Ich kann

wünschte Lautstärke, Stromgeneratoren für die

neues Phänomen der angeblich immer verrück-

mich an Partys erinnern, da sind die Polizisten

benötigten Watt, ein Bus ist zugleich Komman-

ter werdenden Jugend sei, der irrt. Auch in Ös-

gekommen, haben blöd geschaut und dann ge-

dozentrale und Bar. Erfolgsfaktor Nummer Zwei

terreich hat die „Free Tekno“ Subkultur schon

meinsam mit uns ein Bier getrunken. Heute ist

wäre somit auch erkannt: statt dem Eintritt

lange Fuß gefasst, mit dem „Invisible Freak Pro-

das alles nicht mehr so relaxt.“

belastet hier höchstens eine freiwillige Spende

ject“ gab es sogar ein international bedeutendes

Auch in jener Nacht kamen Polizisten, um die

das Fortgehbudget, der Vorverkauf findet nicht

Party-Kollektiv, dem irgendwann aber aufgrund

Party im Wald zu beenden. Wie war das denn

am Ticketschalter, sondern im Lidl ums Eck

von Drogendelikten der Garaus gemacht wurde.

mit der Polizei, als wir gestern schon weg wa-

statt, wo die mitgebrachten Getränke wohl her-

International geht überhaupt viel mehr, zu so-

ren? „Ganz unspektakulär. Die sind gekommen,

stammen. Das zieht natürlich die Kids an. Rasch

genannten „Teknivals“ kommen tausende Men-

wir haben gesagt: ‚Okay, dann fahren wir halt’,

stellt man beim Blick durch die Runde fest, dass

schen, teilweise sorgen brutale Polizeieinsätze

haben unser Klump zusammengepackt und wo

sich die Jüngsten der Stadt hier scheinbar ihre

zur „Räumung“ dieser Veranstaltungen dann

anders weitergefeiert.“ Wo ist natürlich streng

erste Fortgeh-Sozialisation holen. Rauschkom-

weltweit für Schlagzeilen, wie etwa im Juli 2005

geheim. „Wir laden halt nur ein, wen wir leiden

petenz inklusive, wie unser Informanti trocken

in Tschechien.

können“, grinst ein Veranstalter. Ein erlesener

anmerkt: „Da sind wir heute wohl die einzigen,

Die St. Pöltner Szene wirkt noch recht über-

Club sozusagen.

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WAREHOUSE ADVERTORIAL / WWW.W-HOUSE.AT Smaller mal leise

Das Laute und Heftige lebt Marcus Smaller als Sänger von 3 feet smaller aus. Aber es gibt auch eine ruhige und nachdenkliche Seite des Wieners. Dieser verleiht er in seinem Soloprojekt Alone & Acoustic ein passendes Sprachrohr. „Andere verkaufen ihre Seele vielleicht an den Teufel. Ich habe meine Seele an meine DebütCD verkauft.“ Zur besinnlichsten Zeit des Jahres, am 26.12., ist Smaller im Warehouse zu Gast.

Feier (!) Tage

Rock‘n‘Hop Die am längsten aktive Hip Hop Crew Ös-

lebt, genauso ergeht es schon seit geraumer

terreichs ist wieder zurück: Texta! Was vor

Zeit dem Rock‘n‘Roll. Deshalb ist es vor Jah-

etwa 14 Jahren in Linz angefangen hat und

resende, am 14.12., Zeit für eine ordentliche

mit Tanzflächen-Hits wie „Hediwari“ für

Definition, und wer könnte dies besser als

Furore sorgte ist mittlerweile aus der hei-

folgende Szene-Größen: The Staggers, deren

mischen Rapszene nicht mehr wegzuden-

Single „Wild Teens“ es bis auf Platz 2 der

ken. Nun geben die Herren mit ihrem neuen

FM4 Charts schaffte, die Surf-Veteranen der

Nach einer Electronic Night und der Boom-A-

und sechsten Album „Paroli“ ein ordent-

Beautiful Kantine Band, die nach wie vor die

Rang & Rootsrunna Unity Tour Ende Dezember

liches „elder statement“ ab, das schon mit

Inhaber der „Lizenz zum Tanzen“ sind, die

geht‘s am 30.12. richtig los: Die Alternative Na-

der ersten Single „So schnö kaust goa ned

Garage-Combo The Scarves aus Graz sowie

tion hisst nach langer Zeit wieder die Flagge

schaun“ jeden Zweifel beiseite räumt. Am

die sympathischen Surfaholics. Außerdem

und lädt zum Wuzzel-Turnier (Anmeldung über

08. Dezember präsentieren Texta ihr neues

wird an diesem Abend der Sieger-Entwurf

die Homepage).

Material in St. Pölten.

des in Zusammenarbeit mit der NDU und

Am 31.12. wird auf mehreren Floors das neue

Doch nicht nur der Begriff Hip Hop hat in den

MegaCard

Jahr begrüßt – u.a. mit Vanilla Sky und From

letzten Jahren eine ordentliche Inflation er-

Awards“ live in die Tat umgesetzt!

„Wall

Design

Dawn To Fall und mehr.

DEZEMBER 2007

ausgetragenen

Warehouse Charts

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2 3 4 5 6 7 8 9 10

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Modest Mouse Missed the boat M.I.A Paper Planes Texta So könnt‘s gehen Beautiful Kantine Band Hamburg LCD Soundsystem Someone Great Interpol Mammoth Beirut Nantes Pendulum Granite Gorillaz Rock It Daft Punk Harder, Better, Faster, Stronger 07

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42 „Es gibt ja mittlerweile eh schon so Strampler mit niedlichen Totenschädeln zum Beispiel“, sinniere ich über dem Zimtkakao, den ich mir im Beisein von Lieblingsfreundin Sil ex reinstelle. „Und?“, fragt sie fadisiert. „Ich mein ja nur“, motze ich, „will ja nicht lästig sein, nur, sollten wir nicht langsam mal schauen, wegen all dem Zeux? Ich möchte nicht, dass das Kind in Lumpen rumrennen muss. Oder in rosa Sachen mit Winnie the Pooh.“ – „Das Kind“, sagt Sil mit steinerner Miene, „kommt erst in einem halben Jahr zur Welt. Und rennen kann es dann ganz sicher eh noch lange nicht.“ Wie kann man nur so gefühllos und desinteressiert sein? „Wer von uns beiden ist denn bitte schwanger?“, frage ich vorwurfsvoll und werfe mir panisch einen großen Nougatwürfel ein. „Eigentlich ich“, sagt Sil wahrheitsgemäß. „Aber“, bohre ich weiter, „wer von uns beiden wird denn nun Paten-

DAMENRUNDE

K

CHICKEN

Mitleiden für die Liebe

Anne Hathaway spielt die „Geliebte Jane“, die uns zum Schmachten und Herzbluten verführt: Im England von 1795 glaubt die junge Jane Austen an die wahre Liebe, während ihre konventionellen Eltern vor allem den Grundsatz der „guten Partie“ im Auge haben. Als Jane dem irischen Tom begegnet, wird es kompliziert. Und außerdem zum Niederknien romantisch. Vorstellungen: 27. bis 30.12.2007, Filmgalerie Krems, www.filmgalerie.at

Aufbrezeln fürs Fest Ab und zu darf frau ruhig eitel sein. Zum Beispiel unterm Weihnachtsbaum, um mit den Kugeln und Lamettaschlangen um die Wette zu glitzern – mit ohrigem Schmuck und schmuckem Kleid (by H&M). Und wer außerdem den Vanillekipferln die Duftschau stehlen will, taucht ein in den neuesten Tommy Hilfiger-Streich „Dreaming“ (erhältlich z. B. bei Marionnaud). Voilà. Fertig ist der Engel für einen Abend.

von Althea Müller

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Kochen mit Thrill Hier ist sie, die einzig wahre Kochsendung: In „Hell’s Kitchen – gefährlich gute Küche” servieren der rockig flockige Szenekoch Damien Klein und die scharfe Vietnamesin Minh-Khai PhanThi ausgefallene Motto-Menüs zu ausgesuchten Crime Serien und Horrorfilmen – untermalt von Dialogen, für die man die beiden am liebsten mit Blumen und Lollis überschütten würde. Gefährlich gut, stylisch, witzig! www.13thstreet.de

Pun(s)ch it ! Amazonen-Punsch Zutaten: 3 Eigelb, ½ Pkg. Vanillezucker, 250g Zucker, Schale einer ½ Zitrone, 125 ml Rahm, 500 ml Milch, 250 ml Weinbrand, ½ Flasche Wein Zubereitung: Eigelb, Vanillinzucker, Zucker, Zitronenschale und Rahm im Topf verquirlen und bei schwacher Hitze unter ständigem Schlagen (yeah, punch it!) erhitzen. Weiterrühren und nacheinander Milch, Wein und Weinbrand eingießen. In Zeiten gestiegener Milchpreise ein wahrer Luxuspunsch...

Foto:H & M, Hilfinger,hellskitchen

tante, hm?“ – „Tja, das bist du“, gibt Sil zu, „ich werde ja nur Mutter.“ – „Siehst!“ Zufrieden stehe ich auf. Sollte mich noch heute wegen guter Kindergartenplätze in der Region informieren. „Wehe, du nimmst vor 2011 das Wort ‚Kindergarten’ auch nur in den Mund“, warnt mich Schwarzmagierin Sil, die schamlos meine Gedanken liest. Gut. Dann gehe ich halt einfach heim. Kann ja nichts dafür, dass da am Weg dieses Geschäft liegt, in dem sie die Tigerenten-Wiege im Schaufenster haben. Das schwarz-lila Pony aus London als gothic Äquivalent zum gemeinen Barbie-Pferd werde ich vorsorglich auch gleich bestellen. Und wenn’s ein Bub wird? Dann wird er halt schon früh Placebo hören und seine Haare färben, kein Problem. Ich bin bereits jetzt die glücklichste Patentante ever! Und die nervigste.

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Foto:H & M, Hilfinger,hellskitchen

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XXXXXX

Sechs Jahre nach der Katastrophe von NYC ist die Beweislast gegen das CIA und das Weiße Haus eigentlich erdrückend deutlich, dass der „Terror-Akt” ein gesteuerter und lange geplanter „inside-job” war, mit dem sich Bush, Rumsfeld und die Neo-Cons einen Freibrief zum Einmarsch in welches Land auch immer ausstellen konnten, um im „Kampf gegen den Terror” ihre Öl-Geschäfte zu verfolgen. Es ist bewiesen: dass das Feuer dem inneren Stahlskelett der Türme nichts anhaben hätte können, dass es viele auch deutlich sichtbare Explosionen in den einzelnen Stockwerken gab, die eindeutig durch Sprengstoff erfolgten, und so erst zum Einsturz führten,

K

Weinburg ist 17 Meter gewachsen

9/11

Die Chili-Schote dass der Investor Larry Silverstein das WTC eine Woche vorher um 3 Milliarden US$ leaste und eine Versicherungsklausel für 3,5 Milliarden US$ auf Terroranschläge unterzeichnete, dass Wochen vorher alle Sprengstoffhunde abgezogen und das Sicherheitspersonal getauscht wurde, dass das von den Twin Towers weit entfernte 50-stöckige WTC 7 völlig ohne „Flugzeug-impact” in nur 4 Sekunden in sich zusammenstürzte (Sprengung!), dass bei den anderen beiden „Flugzeugabstürzen” nicht ein einziges Wrack-Teil gefunden wurde, und das Loch im Pentagon gerade mal 2 Meter Durchmesser hatte (Cruise Missile!). Viele Fakten finden sich unter www.reopen911.org, www.youtube. com/watch?v=7_E4N5YIycI, www. youtube.com/watch?v=8T2_nedORjw... Muss man sich ansehen!

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Abseits der B39, am Eingang zum Pielachtal, im beschaulichen Weinburg steht auf einer Seehöhe von 310 Metern das therapeutische Kletterzentrum (TKz). Geschaffen hat es Weinburgs Bürgermeister Peter Kalteis, nachdem er den Blutkrebs und einen Achttausender bezwungen hatte. Von Thomas Schöpf Kletterhallen gibt es in Niederösterreich nur einige wenige. St. Pölten zum Beispiel hat gerade einmal eine einzige Wand (von 12x11 Metern) in der Lan-

„Die botschaft der berge empfangen“

dessportschule zu bieten.

Jener erfuhr just an seinem ersten Amtstag 2002,

Dafür steht seit kurzem im nur 12 Kilometer von der

dass er an einer heimtückischen Form der Leukämie

Hauptstadt entfernten Weinburg, in der kleinsten

leidet. „Die Krankheit hat mich aufgefressen“, erin-

Gemeinde des Pielachtals, ein 1.600 Quadratmeter

nert sich Kalteis. Durch ein medizinisches Wunder

großes, hochmodernes therapeutisches Kletterzent-

sprang er dem Tod aber von der Schaufel. Geholfen

rum (TKz). Der klassische Teil umfasst 113 Kletter-

hat ihm dabei das Buch „Botschaft der Berge“ vom

wege, einen Hochseil-Klettergarten, sowie einen

Innsbrucker Altbischof Stecher. Als Kalteis wieder

Kraft- und einen Boulder-Raum fürs Klettern in Ab-

zu Kräften kam, fand er zu seiner Jugendliebe, dem

sprunghöhe ohne Seil und Gurt über einer weichen

Bergsteigen, zurück. Mit Dreitausendern wie früher

Matte.

begnügte er sich dann allerdings nicht mehr. 2006

Kein Wunder, dass Kletterer aus ganz Ostösterreich

erklomm er den 8.035 Meter hohen Gasherbrum II.

nach Weinburg pilgern und sich auf einer Kletter-

Sein Projekt TKz lief parallel dazu. „Ich selbst be-

fläche von 10.000 Quadratmetern austoben. Rund

zeichne mich ja als Bergsteiger. Die Kletterer, die

1.500 sind es derzeit jede Woche, also mehr als

halten ja die Luft nicht aus“, scherzt Kalteis, nippt

Weinburg Einwohner (rund 1.300) hat. Vier Millio-

vom Mocca und blickt vom integrierten Cafehaus

nen Euro hat das TKz gekostet. Ein Drittel brachte

aus zur 17 Meter hohen Kletterwand, an der gerade

die Gemeinde auf, zwei Drittel sind fremd finanziert.

Dr. Ronald Newerkla (kürzlich noch am K2 unter-

Initiator und nunmehriger Geschäftsführer ist Wein-

wegs) trainiert. Zwei Wände weiter winkt ein Bub

burgs Bürgermeister Peter Kalteis.

von rund acht Metern stolz seinem ihn sichernden

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SPORT Opa hinunter. Auch Bobfahrer Gerhard Köhler vom österreichischen Nationalteam erklimmt mehrmals die Woche die Weinburger Wände, um weniger strapazierte Muskelpartien auf Vordermann zu bringen. Auf die olympischen Sommerspiele bereitet sich dort wiederum das Beachvolleyball-Duo Florian Gosch / Alexander Horst vor. Ebenso die für Peking 2008 bereits qualifizierte Sprinterin Bettina Müller-Weissina. Ihr hat auch das von Dr. MSc DO Markus Schauer (Medizinischer Leiter des TKz) angebotene Wirbelsäulenscreening enorm genutzt. „Bei einer Fehlhaltung kann man durch aktiven Muskelzug die Wirbelsäule wieder in die richtige Richtung bringen“, erklärt Schauer. Dank der perfekten Analyse des Stützapparates hat Müller-Weissina nicht nur wichtige Erkenntnisse für ihre Gesundheit, sondern auch fürs Training gewonnen. Außer in Weinburg gibt es hierzulande lediglich im AKH Wien und im Trainingszentrum von Red

heit kann man erklettern. Nicht nur bei Rücken-

seinen nächsten Projekten. Ein zusätzlicher

Bull in Salzburg-Taxham vergleichbare Anlagen.

schmerzen, sondern beispielsweise auch nach

Kletterbereich im Freien, eine Laufbahn und

Letztere ist freilich alleine den Salzburger Fuß-

Schlaganfällen, bei Depressionen oder Herz-

ein Hotel sollen her, damit nicht nur die Ostös-

ballern vorbehalten.

Kreislauf-Schwächen.

terreicher in den Genuss des Kletterzentrums

Nur ausgerechnet Kalteis kann sein TKz derzeit

kommen. Der 8.188 Meter hohe Cho Oyo muss

nicht voll nutzen. Der 47-Jährige muss wegen

dafür noch ein wenig warten. Ihn nimmt Kalteis

Die therapeutischen Einrichtungen in Weinburg

einer Gelenksentzündung noch eine Zeit lang

erst 2009 in Angriff und 2010 dann die nächsten

sind hingegen für jedermann gedacht. Gesund-

herum humpeln. Umso eifriger widmet er sich

Gemeinderatswahlen.

Gesundheit erklettern

Tullnerfelder Advent – Stars in der RegioN

Do.11.10. Vernissage mit Peter Schneider

und Tamara MC Kinley/Wüstenrot

Tulln

So. 02.12. Luzia Nistler - Wallfahrtskirche

Kirchberg/W.

Fr. 07.12. die Stehaufmandln – Dämmer

schoppen GH Maurer

Sa. 08.12. 4xang mit Weintaufe – Seit nunmehr 12 Jahre veranstaltet der Tullner-

Region kommen werden “, so Obmann Bgm.

felder Kulturverein in der Region. Mehr als 300

Labg. Rudolf Friewald.

Events wurden mit einer beeindruckenden Zu-

„Unsere Partner aus der Wirtschaft und den

schauerkulisse von 135.000 abgewicklet.

Medien ermöglichen es, dass wir ein attrak-

„Die Umsetzung der Synergieeffekte Kultur-

tives Programm anbieten können“, betont

Wirtschaft-Tourismus war und ist uns ein

Franz Müllner, der mit seiner Agentur „MVM“

großes Anliegen, so auch im Tullnerfelder Ad-

den Kulturverein auch im Tullnerfelder Advent

vent. Wir hoffen, dass viele Besucher in die

betreuen wird.

Die 4 Goschenoper Heuriger Sailer

Wir freuen uns auf Ihren Besuch! Lassen Sie sich die Events im Rahmen des Tullnerfelder Advents nicht entgehen und sichern Sie sich rechtzeitig Ihre Karten! Info- und Ticketservice: 0699 11 72 32 48 www.mvmfm.at www.tullnerfelder-kulturverein.at

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KRITIKEN

Zum Hören

Manshee, mikeSnare, Knolli, R ené, R ob.STP , G itsche (von links nach rechts)

cease

burial

to begin

Danke für eines der besten Indie-Alben seit der Erfindung des Countries! Wenn Ben Bridwell mit seiner sanft gezupften Gitarre wehmütig zu singen beginnt, werden seine Worte auf Tage das Gehirn nicht mehr verlassen können. Band Of Horses musizieren mit Hingabe und Emotion, aber man kommt nicht für eine Sekunde auf die Idee, sie für wehleidige Schluffis zu halten. Perfekt austariert landet „Cease To Begin“ direkt im Herz.

gretchenfrage de mo

untrue

Der Londoner, der seine Identität immer noch hermetisch vor der Außenwelt abschirmt, zementiert mit seinem zweiten Wurf das Selbstverständnis von Dubstep außerhalb von verschwitzten Tanzböden. Burial erschafft durch melancholisch-düstere Harmonien und spärlichen Einsatz von Vocals einen unglaublich dicht gewebten Klangteppich, der einen so schnell nicht mehr loslässt - und noch dazu perfekt in das scheußlich-nasse Herbstwetter passt.

the Upbeats

Nobo dy´s out t here L P

Beim brandneuen Release von Gretchenfrage geht es nicht um Aufnahmequalität, Rhythmustreue oder technisches Spielvermögen. Gretchenfrage überwinden mit diesem CD-Erstlingswerk vielmehr musikalische Normgrenzen und beweisen, dass ihre Stärken in der Komposition, Text und im Songmaterial liegen. Diese Band ist rotzfrech, unbekümmert, kreativ und irrsinnig spannend – vor allem auch Live. Internet: www.gretchen-frage.com

Rechtzeitig vor Redaktionsschluss konnte ich noch in das bald erscheinende Debut Album der Upbeats reinhören. Die Neuseeländer haben sich in den letzten Jahren mit einem Berg an soliden Releases auf verschiedensten Labels eine treue Fangemeinde aufgebaut. Selbige wird nun mit diesem kompromisslosen Longplayer sicher gut bedient sein, Szene Größen feiern das Teil bereits als Album of the year - Pure future funk mayhem!

Zum Schauen

Zum Spielen

Manshee, C igdem Dogan

free rainer hans weingar tner

A lexander T errer

Team Fortress 2 va lve

Nach „Die fetten Jahre sind vorbei“ rechnet Hans Weingartner mit dem medialen Müll und der Volksverblödung des Fernsehens ab. Rainer ist TV-Produzent Marke „Unterschichtenfernsehen“: Unaufhörlich koksend, entwickelt er Shows der stumpfesten Sorte. Doch er wird von einem jungen Mädchen angefahren - mit voller Absicht!

Nach vielen Jahren hat es Valve nun doch noch geschafft TF2 auf den Markt zu bringen. In der so genannten „Orange Box“ wird TF2 mit Halflife-2: Episode Two und Portal ausgeliefert. Das überraschende ist, dass die Team Fortress 2 Spielfiguren in einem Comic Stil gehalten wurden. Muss nicht jedem gefallen, aber ist auf jeden Fall einmal etwas anderes.

weihnachtsmann

crysis

Es ist fast niemandem bekannt, dass der brave Nick (Santa) einen Bruder hat, der das absolute Gegenteil von ihm ist. Die beiden wachsen am Nordpol auf und Fred wird immer mit Nick negativ verglichen. Während Nicolas die ganze Welt beschenkt, treibt sein Bruder Fred Schulden ein. Doch auch er selbst hat Spielschulden und Nick will ihm helfen, aber nur unter einer Bedienung: Fred muss bei der Produktion der Spielzeuge helfen...

Crysis ist ein neues Spiel von den Entwicklern von FarCry. Es bietet atemberaubende Grafikeffekte und stellt damit jede Menge Ansprüche an die Hardware. Im Spiel geht es zuerst um einen Konflikt zwischen Nordkorea und den USA der sich aber sehr rasch ändert. Die Hauptfigur ist mit einem Nanosuits ausgestattet und hat dadurch mehr Fähigkeiten und überdurchschnittlich viel Kraft um sich gegen die Gegner behaupten zu können.

davi d dob kin

farcr y

neil young

Ch r o me Drea ms II Mit Verspätung präsentiert uns der Altmeister das Nachfolgealbum eines nie veröffentlichten Albums von 1977. Musikalisch kann er, nach den eher unauffälligen Veröffentlichungen der letzten Jahre, wieder an große Alben (wie z.B. Harvest) anschließen. Textlich etwas leiser geworden, legt der Kanadier wieder mehr Kraft in die Musik. So zu hören bei dem epischen 18 Minuten Werk „Ordinary People“. Alles in allem ein solides Album des Alt-Hippies.

Foo Fighters

E c hoes , Silence,...

„Ein typisches Foo FightersAlbum...,“ hört man die Experten munkeln. Nun, sogenannte „Alleshörer“ werden auch mit dem sechsten Studiowerk der Band des Ex-Nirvana-Zeuglers Dave Grohl ihre Freude haben, zumal den Rockern auch dieses Mal die Verschmelzung von Aggression/Lautstärke und Melancholie/Akustiksound vortrefflich gelungen ist. Rock’n’Roll eben und in Foo Fighters-Manier nicht ohne wohldosierte Komik.

Zum Lesen

H. Fahrngruber, W. Hintermeier

Pierre Bayard

Wie man über

B üc her spric ht ...

Wer sich im kulturellen Smalltalk sicher bewegen will, sollte über gewisse literarische Werke Bescheid wissen. Kein leichtes Unterfangen. Wer kann von sich schon behaupten, den Kanon literarischen Wissens zu beherrschen? Bayard zeigt Möglichkeiten auf, wie man trotz unvermeidlicher Bildungslücken im literarischen Diskurs bestehen kann.

Wladimir Kaminer

Mein Leben im Sc hrebergar

ten

Ihr meint vielleicht, ich ticke nicht ganz richtig, aber es ist genau der richtige Zeitpunkt, um dieses Buch zu empfehlen. Während der Saison würden die Gärten wuchern und immer mehr verwildern, weil kein Hobbygärtner Kaminers Werk vor dem Ende weglegen könnte. Wir alle, ob wir nun Plantagen, einen Park oder bloß ein kleines Beet unser Eigen nennen, erkennen uns und unsere Probleme sofort wieder. Ein wenig Übertreibung schadet in keinster Weise.

Foto: zVg, photocase, slu, dtv, joss stone

BAND OF HORSES

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VERANSTALTUNGEN

HIGHLIGHT www.vaz.at

Die Stehaufmandln Die Stehaufmandln kommen auch 2008, erstmals als Doppelgespann, wieder ins VAZ St. Pölten. Seit Jahren sind die Stehaufmandln ein Begriff für Superschmäh, Parodien und Witze – eine Institution wie Sängerknaben oder Lipizzaner. Das Programm der Stehaufmandln sorgt also wieder für „xundes“ Lachen bei allen Freunden des Wiener Heurigenkabaretts – und das rezeptfrei.

25. Jänner

poetr y slam

Der LitArena Poetry Slam der LitGes St. Pölten findet seit vier Jahren ein bis zwei Mal pro Jahr statt. Verspielte Wortverdreher, emphatische Flüsterer und aggressive Schreier und Hip-Hopper: erlaubt ist, was gefällt. Vor allem geht es allerdings um die Mischung aus Spoken Word und entspannter Club-Atmosphäre. Dem Gewinner winken 100 Euro Preisgeld. literatur

GH Koll paradiso

12.-15.12. weihna c htsflair Weihnachtsflair im Jugendzentrum Steppenwolf bedeutet:Weihnachtsbackstube, Kreativtisch, Alkoholfreier Steppenwolfpunsch, selbst gemachte Kartoffelchips, Waffeln, Maroni, eine weihnachtliche Lesung und zum Abschluss eine X-Mas Party am Samstag. Was will man bitte mehr? Also merken und kommen! (Herzogenburgerstraße 18-20) jugend

GH Koll steppenwolf

Foto: zVg, photocase, slu, dtv, jsteppenwolf,

15.01. f asc hin gskonzert Diesmal stehen unter dem Titel „Oper mit und ohne Fantasie“ lustige Opernverschnitte, Opernparodien und andere kuriose Werke rund um das Musiktheater auf dem Programm. Wer könnte das besser servieren als Mitglieder der - als bestes Opernorchester gefeierten Wiener Philharmoniker? Zurücklehnen, genießen und lachen bei den Wiener Virtuosen! konzert

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BÜ HNE IM HOF

07.12.

honolulu

„We look back but we look good“ Der Sound von Honolulu bewegt sich zwischen Pop, Electronic, Jazz, Sixties-Unterhaltungs-Orchester, Rock, Disco und Film-Noir-Soundtracks und will sich einfach nicht festlegen lassen. Und fühlt sich abseits aller Schubladen sehr wohl. Honolulu sind Mirre M, Brenda und Mex Wolfsteiner. Beginn 21 Uhr! cd-release

14.12.

egon

jutt a lampe

...liest Märchen von Oscar Wilde. Zu seiner Zeit als Schriftsteller bewundert und war in England aber zugleich als Dandy verschrien. Weniger bekannt ist er als liebevoller Märchenschreiber. Heute zählen diese ganz privat entstandenen Märchen, die durch ihre Poesie bestechen und sowohl Erwachsene als auch Kinder bezaubern, zur Weltliteratur. lesung

27.01.

landest hea ter

Vier J a hreszeiten

Wieder haben die Akademie für Alte Musik Berlin eine ungewöhnliche Vision umgesetzt, diesmal in Vivaldis populären barocken Violinkonzerten. Es stehen nicht nur die virtuosen Fähigkeiten der Sologeigerin im Vordergrund, sondern auch die unglaublich plastische kompositorische Qualität der atmosphärischen Beschreibungen der Jahreszeiten. Beginn: 18.00 Uhr, Großer Saal! konzert

07.12.weihna c hts konzert Mit den schönsten Melodien von Händel und Mozart werden die Diva Luba Orgonášová und die Tonkünstler auf die besinnliche Zeit einstimmen. Arien ohne Worte sind davor zu hören, wenn der als Geigenvirtuose berühmte russische Universalmusiker Dmitry Sitkovetsky seine Transkription für Streicher von Bachs Aria mit 30 Veränderungen präsentiert. konzert

Viel Vergnügen

07.12.

festspiel ha us

11.12.

iris h c hristmas

Das „Guinness Irish Christmans Festival“ ist im zwölften Jahr dieser Konzertreise längst ein österreichweiter Fixpunkt für alle Fans hochklassiger, traditioneller irischer Musik geworden. Der Höhepunkt des Abends ist die Mosaic All Star Band die mit der Ausnahme-Sängerin und Grammy-Gewinnerin Susan McKeown auftreten, welche zuvor noch nie in Österreich konzertierte. musik

bü hne im hof

15.12.

Melting Pot VI

25.01.

Stehaufmandln

04.02.

Lei Drei

08.03.

EAV

03.05.

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15 Jahre NXP 5 Jahre NXP im VAZ

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MFG - Das Magazin / Ausgabe 21  

MFG - Das Magazin in hochwertiger Ausführung, durchgehend 4c auf aufgebessertem Papier mit attraktivem Content auf mindestens 56 Seiten. Die...

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