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GAMING SUMMIT 2017

Kongress der Automatenwirtschaft · Berlin


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Eröffnung Alexander Graf Lambsdorff, Europäisches Parlament Eduardo Antoja, EUROMAT Jason Frost, EUROMAT Georg Stecker, Deutsche Automatenwirtschaft Juan Espinosa Garcia, Nationale Glücksspiel­regulierungs­ behörde Spanien Referenten Amin Adina, Dermalog Identification Systems Alexander Allgaier, Allgaier Automaten Dr. Michael Auer, neccton Prof. Dr. Tilman Becker, Universität Hohenheim Dr.-Ing. Andreas Braun, Fraunhofer-Institut Stephan Burger, Bundesverband Automatenunternehmer Stefan Evers, Mitglied des Abgeordnetenhauses Berlin, CDU Prof. Dr. Friedhelm Hufen, Universität Mainz Dan Iliovici, Nationale Regulierungsbehörde Rumänien Stefan Knüpling, Automatendienst Steden Urs Meier, ehem. FIFA-Referee Alexandra Nöthen, TÜV InterCert Saar Kieran O’Keefe, EUROMAT Dr. Susanne Koch, Hengeler Müller Partnerschaft von Rechtsanwälten Eric Olders, JVH Gaming & Entertainment Group Guido Plettner, TÜV Rheinland Cert Dr. Monika Poeckh-Racek, Admiral Casinos & Entertainment Prof. Dr. Hans-Peter Schneider, Institut für Föderalismusforschung Patrick Schnieder, Mitglied des Bundestages, CDU Dr. Berthold Stoppelkamp, Bundesverband der Sicherheitswirtschaft John White, British Amusement Catering Trade Association Otto Wulferding, Deutscher Spielbankenverband Moderatoren Dunja Hayali, ZDF-Journalistin Joe Ewens, Gambling Compliance Michael Eulgem, Deutscher Automaten-Verband Hendrik Meyer, Automatenverband der Automatenkauf­ leute Berlin und O ­ stdeutschland Simone Storch, Bundesverband Automatenunternehmer Christian Szegedi, Bayerischer Automaten-Verband

Der GAMING SUMMIT 2017 – Kongress der Automatenwirtschaft wurde unterstützt von :


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INHALT

Referenten 2 Inhalt 3 Vorwort von Jason Frost (EUROMAT)

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Vorwort von Georg Stecker (DAW)

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Eröffnung und Talks Eröffnung: Für Qualität und Verantwortung

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Regulierung 2021: Die Zukunft der Glücksspielregulierung 8 Gaming 4.0: Zukunft des legalen stationären Spielangebots

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Impressionen und Stimmen Stimmen und Meinungen – Teil 1

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Der GAMING SUMMIT 2017 in Bildern

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Stimmen und Meinungen – Teil 2

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Panels, Ausstellung und Partnerschaft Update Recht

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Zukunftsaufgabe: Professionalisierung

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Zertifizierung als Qualitätsmerkmal

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Authentifizierung und Biometrie im Alltag

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Innovationen des terrestrischen Spielangebots

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Cashless Society – Die Einflüsse auf das Konsumverhalten und das Spielangebot

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Qualitätsinitiative 2020 und Ausstellung

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GAMING SUMMIT Auftakt mit EUROMAT

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Nachhall 26 Impressum 27

„Ganz egal, was Gerichte auch immer sagen – der Losentscheid über Wohl oder Wehe eines Unternehmens geht gar nicht“, sagte Alexander Graf Lambsdorff unter anderem zur niedersächsischen Praxis, glücksspielrechtliche Erlaubnisse zu vergeben. Der Vertrauensschutz dürfe nicht untergraben werden. Auch der Eingriff ins Eigentumsrecht sei nicht hinnehmbar.

Moderiert wurde der GAMING SUMMIT von der bekannten ZDF-Journalistin Dunja Hayali. Und die Besucher waren von der Art, wie sie das machte, mehr als begeistert. Bereits in ihrer Eingangsmoderation sagte die für ihren kritischen Journalismus bekannte Hayali, dass sie sich freue, bei dem Kongress auch mehr über die Automatenbranche zu erfahren.

Keine Frage – der ehemalige FIFASchiedsrichter Urs Meier ist Entscheidungs-Spezialist. In einer mitreißenden Abschlussrede machte der Schweizer klar, dass es zu Entscheidungen keine Alternative gibt. Denn: „Keine Entscheidung ist auch eine Entscheidung!“ Deswegen sei es eben besser, aktiv eigene zu fällen und dazu zu stehen.


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–––– Vorwort ––––

Sehr geehrte Damen und Herren, am 1. Juni 2017 trafen sich 500 Unternehmer der Automatenbranche, um die aktuellsten Regulierungstrends zu diskutieren, die in Zukunft wichtig für den Erfolg der Automatenindustrie sind. Ich möchte mich ganz herzlich bei den Teilnehmern des GAMING SUMMITs für den regen Meinungsaustausch bedanken. Dabei wurden Gemeinsamkeiten genauso deutlich wie Unterschiede. Die Gemeinsamkeiten überwiegen – das hat der GAMING SUMMIT ganz klar gezeigt. Obwohl wir uns international auf unterschiedlichen Märkten bewegen, hat unser Zusammentreffen in Berlin deutlich gemacht, dass wir nicht nur gemeinsame Visionen haben, sondern auch vor den gleichen Herausforderungen stehen. In unserer Branche arbeiten Menschen mit Leidenschaft an großartigen Produkten. Das Konzept, ein Freizeitvergnügen zum kleinen Preis anzubieten, wird gut angenommen. Das kleine Spiel mit geringen Einsätzen erfüllt einen wichtigen sozialen Zweck: Es befriedigt die Lust zu spielen und sich zu amüsieren innerhalb klar aufgestellter Regeln. Dadurch, dass wir die Branche in Berlin zum ersten Mal auf Europaebene zusammengebracht haben, hat aufseiten von EUROMAT zu einem größeren Verständnis geführt, wie wir unsere Mitglieder besser repräsentieren können. Unsere Mitglieder wollen sich mit einem Verband identifizieren, der ihre Bedürfnisse und Herausforderungen versteht und ernstnimmt. Dies kann nur durch den persönlichen Kontakt und eine lebhafte Diskussion erreicht werden. In meinen Augen bietet der GAMING SUMMIT ebenfalls gute Möglichkeiten, sowohl unternehmerische Trends aufzuspüren als auch einen Einblick zu bekommen, wohin die Gesetzgebung geht. Denn diese Trends werden wiederum den Markt bestimmen, in dem sich Unternehmen letztendlich bewegen. Da ich selbst Unternehmer bin, habe ich auf dem GAMING SUMMIT eine Menge gelernt. Ich denke, diese Erfahrung haben viele Teilnehmer gemacht. Der GAMING SUMMIT ist für die gesamte Branche aber auch ein sehr guter Fürsprecher. Er beweist, dass wir engagierte und aufmerksame Unternehmer sind. Wir wollen Lösungen für Regulierungen finden; gleichzeitig tauschen wir unsere Erfahrungen zum Vorteil und Nutzen unserer Gäste aus. Ganz herzlich möchte ich mich nochmals bei allen bedanken, die am GAMING SUMMIT teilgenommen haben. Ich hoffe, wir können Sie auch auf zukünftigen Veranstaltungen von EUROMAT begrüßen.

Jason Frost Präsident European Gaming and Amusement Federation (EUROMAT)


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–––– Vorwort ––––

Sehr geehrte Damen und Herren, der GAMING SUMMIT 2017 – Kongress der Deutschen Automatenwirtschaft und des EUROMAT am 1. Juni 2017 in Berlin war ein Meilenstein für die politische, gesellschaftliche, wirtschaftliche und rechtliche Diskussion aller Aspekte des gewerblichen Automatenspiels in Deutschland und Europa. Mit dem Kongress ist es gelungen, die Zukunftsperspektive qualitativer Spielregulierung zum Schutz von Verbrauchern und zur Stärkung des legalen Spiels deutlich zu machen. In Partnerschaft mit dem europäischen Dachverband EUROMAT konnte die Deutsche Automatenwirtschaft zudem die Dimension und die Folgen der zunehmenden Digitalisierung des Spiels um Geld öffentlich diskutieren.

Georg Stecker Vorstandssprecher Die Deutsche Automatenwirtschaft (DAW)

Die wichtigste Botschaft, die von dem Kongress vor allem in die deutsche Regulierungsdiskussion strahlt: Moderner Spieler- und Verbraucherschutz definiert sich nicht nach Abständen und Größe. Zeitgemäßer Spielerschutz ist qualitätsorientiert, bedient sich professioneller Instrumente wie nachhaltiger Zertifizierung, biometrischer Zugangssysteme zum Spiel und der Qualifizierung des Berufszugangs seitens der Anbieter. Das ist der Forderungskatalog der Deutschen Automatenwirtschaft unter der Überschrift „Qualitätsinitiative 2020“, der auf dem GAMING SUMMIT 2017 – Kongress der Automatenwirtschaft vorgestellt und diskutiert wurde. Moderne Glücksspielpolitik darf sich aber nicht nur auf terrestrische Angebote beschränken. Online-Gaming ist längst Realität, auch wenn dieses Angebot in Deutschland mit einer kleinen Ausnahme nicht erlaubt ist. Auf dem GAMING SUMMIT wurden Beispiele der Regulierung in anderen europäischen Ländern wie Spanien und Großbritannien gezeigt. Es wurde dabei auch die klare Haltung der Deutschen Automatenwirtschaft deutlich, dass Spieler- und Jugendschutz unteilbar ist. Das heißt: Im Netz müssen die gleichen Maßstäbe gelten wie beim terrestrischen Angebot, wenn man an eine mögliche Regulierung denkt. Der GAMING SUMMIT 2017 bot damit einen Blick über den Tellerrand der nationalen Spielregulierung und auf die internationalen Entwicklungen beim Glücksspiel. Es wurde deutlich, dass sich moderne Regulierung stets an Qualitätskriterien orientieren muss. Gerade die zunehmende Digitalisierung macht quantitative Regeln obsolet. Die Deutsche Automatenwirtschaft fordert von der Politik daher ein Umdenken bei der Regulierung, um dem Kanalisierungs-Auftrag aus dem Glücksspielstaatsvertrag, das natürliche Spielbedürfnis der Menschen in geordnete, schützende Bahnen zu lenken, erfüllen zu können. Die vorliegende Broschüre des GAMING SUMMITs 2017 vermittelt Ihnen eine inhaltliche und atmosphärische Zusammenfassung. Wir freuen uns schon jetzt darauf, Sie beim nächsten SUMMIT der Deutschen Automatenwirtschaft wieder begrüßen zu dürfen.


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–––– Eröffnung––––

Die deutsche und europäische Automatenwirtschaft sagt ein klares Ja zu einem verantwortlichen Spielangebot und fordert eine Regulierung, die sich an Qualitätskriterien orientiert. Das war die Kernbotschaft des GAMING SUMMITs 2017 – Kongress der Automatenwirtschaft des deutschen Dachver­ bands Die Deutsche Automatenwirtschaft (DAW) und des europäischen Pendants EUROMAT.

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GAMING SUMMIT 2017: Für Qualität und Verantwortung

Mit welchem Menschenbild wird eigentlich Politik gemacht? Reden wir vom mündigen Bürger? Oder sehen wir im Erwachsenen in erster Linie das unmündige Kind, das den Rundumschutz des Staates braucht? Vor dem Hintergrund dieser Fragestellung sprach sich der FDP-Politiker Alexander Graf Lambsdorff zur Eröffnung des GAMING SUMMITs 2017 für ein klares Ja zur Suchtprävention beim Glücksspiel aus. Aber genauso deutlich lehnte er überzogene Regulierungen ab. Das Bild des verwundbaren Verbrauchers, der den Schutz des Staates braucht, sei zwar ein beliebtes, aber nicht zwangsläufig richtiges politisches Motiv, so der Vize-Präsident des Europäischen Parlaments. Diesem Motiv müsse man mit einer Politik der Offenheit, Toleranz und des Respekts vor dem Individuum entgegentreten. Und auch mit einer Politik der unternehmerischen Freiheit, wie sie auch innereuropäisch gelten müsse.

Verantwortung zeigen

Bei den Automatenunternehmern aus Deutschland und ganz Europa, die am GAMING SUMMIT 2017 teilnahmen, trafen diese Worte auf große Zustimmung. Über 400 waren nach Berlin gekommen. Der Branche ist bewusst, dass Geldgewinnspiel ein sensibles Produkt ist, mit dem besonders verantwortungsvoll umgegangen werden muss und wird. Gleichzeitig erwartet man aber auch eine Regulierung, die den Unternehmen Entfaltungsspielräume lässt. In vielen europäischen Ländern wird mehr oder weniger restriktiv reguliert. Besonders massiv geht es dabei derzeit in Deutschland zur Sache, wo in manchen Bundesländern Automatenunternehmen um ihre Existenz ringen – oder gebracht werden.

»Das legale Spiel muss gestärkt werden. Dafür müssen aber auch alle an einem Strang ziehen.« Georg Stecker, Deutsche Automatenwirtschaft

»Wir bekennen uns zum verantwortungsvollen Umgang mit unserem Produkt Geldspiel und zur Notwendigkeit der Regulierung.« Jason Frost, EUROMAT

In Niedersachsen eskaliert die Auseinandersetzung um die Gesetze vor Gericht, weil es passieren kann, dass um die Zukunft von Automatenbetrieben per Los entschieden wird – eine Praxis, die auch Graf Lambsdorff entsetzte: „Ganz egal, was welche Gerichte auch immer sagen – der Losentscheid über Wohl oder Wehe eines Unternehmens geht gar nicht“, urteilte er kategorisch. Der Vertrauensschutz dürfe im Rechtsstaat nicht auf diese Weise untergraben werden. Auch der Eingriff ins Eigentumsrecht sei so nicht hinnehmbar. Lambsdorff begrüßte in Berlin die Innovationsstärke der Automa-


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tenwirtschaft und ihre Offenheit für neue Konzepte und Technologien, auch für den Verbraucherschutz. Unter anderem bezeichnete er die biome­trische Zugangs­ kontrolle für Spielstätten als „sehr interessanten Ansatz“.

Initiative für Qualität

In der Tat ist die Biometrie eines der Instrumente, auf das die Deutsche Automatenwirtschaft für eine Perfektionierung der Zugangskontrolle zum Geldspiel setzt. Entsprechende Systeme bilden zusammen mit der Forderung nach der gesetzlichen Verankerung der TÜV-­ ­Zertifizierung und Einführung eines qualifizierten Berufszugangs für Auto­­ matenunternehmer die „Qualitätsoffensive 2020“ der Deutschen Automatenwirtschaft. Zertifizierung, Biometrie und Qualifi­ zierung waren die Schwerpunkte des GAMING SUMMITs 2017. Georg Stecker, Sprecher des Vorstands der Deutschen Automatenwirtschaft, machte in seinen Eröffnungsworten deutlich, dass es bei dieser „Qualitätsoffensive 2020“ um die Stärkung des legalen Spiels um Geld geht. Es sei das gemeinsame Ziel der deutschen und europäischen Branchenorganisationen, dem illegalen Spiel entschlossen den Boden zu entziehen. „Dafür müssten aber alle an einem Strang ziehen – auch die Politik“, so Stecker. Leider passiere in Deutschland das Gegenteil. „Neue Gesetze gefährden die legale Spielhalle in ihrer Substanz“, warnte er und forderte ein sofortiges Umdenken der Politik. „Qualität muss der Faktor sein, der über eine glücksspielrechtliche Erlaubnis entscheidet – und nicht quantitative Kriterien“.

»Das Los darf über Wohl oder Wehe eines Unternehmens nicht entscheiden.« Alexander Graf Lambsdorff, Europäisches Parlament

»Wir müssen weiter daran arbeiten, dass sich die positive Wahrnehmung unserer Branche in der Politik verbessert.« Eduardo Antoja, EUROMAT

Klare Forderungen

Georg Stecker war mit diesen Forderungen im Einklang mit dem Präsidenten von EUROMAT, Eduardo Antoja, und dessen Nachfolger Jason Frost. Auch sie sehen mit Sorge die Zunahme des illegalen Spiels auch auf der europäischen Ebene. Gerade in Deutschland erlebt dagegen das legale, gewerbliche Spiel ständig Einschränkungen. Auch deswegen zeigten die europäischen Kollegen Präsenz und Solidarität auf diesem GAMING SUMMIT in Berlin – der thematisch die innovativste und internationalste Veranstaltung der Reihe war, die seit 2014 die Branchendiskussion bereichert.

Juan Espinosa Garcia

»Off- und Online-Spiel kann sich befruchten« Online-Gaming ist keine Bedrohung für das stationäre Spiel. Das war die überraschende Kernaussage des GAMING SUMMIT-Auftaktvortrags von Juan Espinosa Garcia, Direktor der Glücksspielregulierungsbehörde Spaniens. Wie er sagte, wurde in Spanien Online-Gaming 2012 legalisiert: „Seither wachsen in beiden Märkten – sowohl im terrestrischen als auch im Online-Markt – die Bruttospielerträge.“ Off- und Online-Angebote ergänzen sich nach seiner Beobachtung, machen den Markt attraktiver und gewinnen teils sogar neue Zielgruppen.


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–––– SUMMIT Talk –––– „Was ist zu tun, um das illegale Spiel einzudämmen und den legalen Markt zu r­ egulieren?“, fragte Moderatorin Dunja Hayali. Taugt der Glücksspielstaatsvertrag für die Zukunft? Die Ziele des GlüStV hinsichtlich Jugend- und Spielerschutz werden mit der momentanen Regulierung in keinerlei Hinsicht erreicht. Zu diesem Ergebnis kam der SUMMIT-Talk „Regulierung 2021: Die Zukunft der Glücksspielregulierung“.

Regulierung 2021 – den Flic

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Ein Wissenschaftler, ein Politiker, ein Verbandsvorsitzender, eine Juristin – die Zusammensetzung der Podiumsdiskussion versprach einen konstruktiven Dialog. Und es gab sogar Überraschungen. Wer hätte gedacht, dass sich der Berliner CDU-Politiker Stefan Evers zu der Aussage hinreißen lässt, dass der Glücksspielstaatsvertrag Müll sei und dass er, der Landespolitiker, eine sinnvolle Regulierung des Glücksspielmarktes ausschließlich auf Bundesebene sehe? „Der Glücksspielstaats-

»Wir brauchen eine Glücksspiel­­­kom­ mission, die mit genügend ­Res­ sourcen aus­ gestattet ist, damit sie effizient arbeiten kann und handlungsfähig ist.« Prof. Dr. Tilman Becker, Universität Hohenheim

vertrag hat zu politischer Ungerechtigkeit geführt. Außerdem ist er ideologisch dermaßen aufgeladen. Ein stringentes System der Regulierung kann meiner Meinung nach nur auf Bundesebene stattfinden“, so Evers. Dem Argument Georg Steckers, dass eine Zertifizierung von Spielstätten sicher eher für eine Qualitätsprüfung geeignet sei, als eine reine Zuverlässigkeitsprüfung, wie es sie im Moment für Berlin gibt, stimmte er ebenfalls

zu. Es sei sicher sinnvoll, so auch Stecker, bestimmte Dinge einheitlich auf Bundesebene zu regeln. Hin und wieder fehle allerdings der Politik der Mut, sich zu einer Branche auch zu bekennen. „Jedes Jahr kommen in Berlin 500 halblegale Spielhallen dazu“, argumentierte Stecker. Das sei nicht akzeptabel. Evers bekannte sich zu einem „riesigen Vollzugsdefizit“ in Berlin, hervorgerufen vor allem durch Personalmangel in den Behörden. Allerdings wertete er es als Erfolg, dass in Berlin nun die

»Im Moment geht die Regulierung in die falsche Rich­ tung. Einen konsequenten Spieler- und Jugend­schutz kann nur das legale Spiel gewährleisten.« Georg Stecker, Deutsche Automatenwirtschaft


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ckenteppich ersetzen Die Talk-Teilnehmer (v. l.): Moderatorin Dunja Hayali, Prof. Dr. Tilmann Becker, Universität Hohenheim, Forschungsstelle Glücksspiel, RA Georg Stecker, Die Deutsche Automatenwirtschaft, Stefan Evers, MdA, stellv. Vorsitzender der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus und Dr. Susanne Roberta Koch, Hengeler Müller Partnerschaft von Rechtsanwälten.

Beweislast umgekehrt wurde: Nun müsse der Betreiber zum Beispiel in der Gastronomie beweisen, dass er keine Spielhalle hat und nicht die Behörde.

Zentrale Glücksspielaufsicht notwendig Prof. Dr. Tilman Becker monierte die Mindestabstände zwischen Spielhallen als „wenig sinnvoll für den Verbraucherschutz“. Gegen das Anwachsen der Spielhallen in den Städten hätte die Politik in der Vergangenheit

nicht gegengesteuert. Die baurechtlichen Versäumnisse der Vergangenheit sollten auch mit baurechtlichen Maßnahmen gelöst werden und nicht mit Maßnahmen aus dem Glücksspielrecht. „Das Angebot von Spielhallen und die Verbreitung von Spielsucht entwickeln sich nicht linear zueinander – weniger Spielhallen bedeuten nicht automatisch weniger pathologische Spieler“, so Becker, das hätte die Forschung zur Genüge belegt. Becker forderte eine zentrale Glücksspielaufsicht für Deutschland, wie es sie bereits in Dänemark, Belgien und den Niederlanden gebe. Diese müsse eng mit der Polizei zusammenarbeiten und mit genügend Ressourcen und Handlungsbefugnissen ausgestattet sein. Auch Dr. Susanne Roberta Koch sieht ein Vollzugsdefizit, das sich aber ihrer Meinung nach nicht nur mit der Schaffung einer Behörde lösen ließe: „Wir haben eine verfehlte Regulierung in Deutschland, die damit begann,

»Der Glücksspiel­ staatsvertrag ist Müll und hat zu politischer Ungerechtigkeit ge­führt, da er ideo­ logisch aufgeladen ist. Ein System der Re­gulierung kann es nur auf Bundesebene geben.« Stefan Evers, Mitglied des Abgeordnetenhauses Berlin, CDU

2008 das Onlinespiel überhaupt zu verbieten. Jetzt geht die Regulierung komplett an der Nachfrage vorbei.“ Die erwartete Klagewelle sei schon längst da. Alle waren sich einig: Je härter die Restriktionen einer Regulierung, um so größer der Anreiz, in die Illegalität zu gehen. „Einen Spielerschutz kann nur das legale Spiel gewährleisten, daher ist eine Stärkung des legalen Marktes dringend notwendig“, ist sich Georg Stecker sicher. Eine Zertifizierung von unabhängigen TÜV-Gesellschaften und eine biometrische Zugangskontrolle seien Garanten für ein sicheres Spiel. Außerdem müsse der Beruf des Automatenaufstellers stärker professionalisiert werden. „Im Moment fährt der Zug in die falsche Richtung. Das Ziel muss eine umfassende Qualitätsprüfung der Spielhallen sein“, so Stecker Zum Losverfahren, wie es in Niedersachsen bereits praktiziert wurde, äußerten sich alle Podiumsteilnehmer ablehnend. „Das Losverfahren ist nicht mit dem Grundgesetz vereinbar“, ist sich Dr. Koch sicher. Außerdem sei es ungerecht gegenüber den Bestandsunternehmen, die ja bereits eine Erlaubnis haben. „Das Los ist eine Kapitulation des Ermessens“, sagte Stecker. Auch bei diesem Punkt erhoffte

»Wir brauchen eine sinnvolle Regu­lie­ rung. Wenn legale Spielhallen schlie­ ßen müssen und das Online-Spiel verboten ist, werden die Spieler in den Schwarzmarkt getrieben.« Dr. Susanne Roberta Koch, Hengeler Müller


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–––– SUMMIT Talk ––––

Online-Spiel ist längst Realität, aber noch lange nicht überall reguliert – in Deutschland sogar illegal. Trotzdem wird es in Zukunft eine Rolle spielen. Welche das sein wird, dem ging der SUMMIT-Talk „Gaming 4.0 – Die ­Zukunft des legalen stationären Spielangebots in Europa“ nach.

Traditionelles Spiel ist »sehr robu

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Auch wenn man in Deutschland so tut, als könne man das Online-Spiel einfach verbieten und dadurch ignorieren – es ist inzwischen eine Marktrealität. Andere Länder haben auf die Realität längst reagiert und es reguliert, wie der SUMMIT Talk „Gaming 4.0 – Zukunft des legalen stationären Spielangebots in Europa“ zeigte. Sowohl in Spanien als auch in Großbritannien gibt es einen regulierten Online-Markt. Die Erfahrungen mit dem Online-Gaming sind noch jung und deswegen nicht abschließend.

»Wir stellen gerade bei jungen Leuten geradezu eine Sehnsucht nach Tradition fest. Das kann nur das stationäre Spiel bieten.« Otto Wulferding, Deutscher Spielbankenverband

Belebung des Marktes

Befürchtungen aus dem traditionellen Spielgeschäft, dass Online-Spiel das stationäre Spiel kaputt machen würde, haben sich bislang in Spanien und Großbritannien nicht bestätigt. Nach Beobachtungen des spanischen Chefregulierers Juan Espinosa Garcia kamen für das traditionelle Spiel im Gegenteil neue Kunden dazu. Auch John White aus Großbritannien bezeichnete das terrestrische Spiel als „sehr robust“. In Deutschland kann man dazu zumindest offiziell nicht viel sagen. Online

ist unreguliert und deswegen illegal – aber natürlich dennoch Realität. Dieser Zustand ist sowohl für das Casinospiel als auch das gewerbliche Automatenspiel extrem unbefriedigend, wie auf dem GAMING SUMMIT Otto Wulferding für die Casinos und Georg Stecker für die Automatenwirtschaft beklagten. „Das illegale Spiel ist der gemeinsame Feind“, so Wulferding. „Es kann nicht sein, dass das stationäre Spiel mit Regeln stranguliert wird, während das Online-Spiel vor der Nase der Regulie-

»Wir werden immer wettbewerb­­fähig sein, wenn wir den Weg der Qualität gehen. Aber es kann nicht sein, dass Online-Gaming völlig unreguliert bleibt.« RA Georg Stecker, Deutsche Automatenwirtschaft


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ust« Die Talk-Teilnehmer (v. l.): Moderatorin Dunja Hayali, Otto Wulferding, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Spielbankenverbandes (DSbV), Georg Stecker, Vorstandssprecher der Deutschen Automatenwirtschaft (DAW), Juan Espinosa Garcia, Director

sieht diese Realität so aus, dass das Online-Spiel eher ein Fall für die jüngere Generation ist, die Millennials, wie sie Juan Espinosa Garcia bezeichnete. Das ist die Gruppe der 30- bis 40-jährigen Gäste, die tendenziell über ein überdurchschnittliches Einkommen verfügen. Sie sind es, die vor allem auf die neue Technologie stehen. Ältere und traditionellere Spieler seien dagegen eher die Kunden des stationären Spiels. Technologie ist aber nicht alles. Das soziale Erlebnis des Spiels steht beim stationären Spiel im Vordergrund. „Das schicke Ausgehen gehört bei uns zum Geschäftskonzept“, so Otto Wulferding für die Spielbanken. Das könne Online gar nicht bieten. „Wir stellen gerade bei jungen Leuten geradezu eine Sehnsucht nach Tradition fest.“ Für Georg Stecker ist es vor allem „die oft ganz persönliche Beziehung zwischen Gast und Gastgeber in unseren

Zweifel an der Wettbewerbsfähigkeit des stationären Spiels hatte keiner der Diskutanten beim GAMING SUMMIT. Um das langfristig zu sichern, müsse das terrestrische Spiel auf jüngere Zielgruppen zugehen und in Ausstattung und Personal investieren. „Es wird ganz stark auf die Qualität ankommen. Aber das ist längst verstanden. Denn das ist genau unser Ansatz“, so Georg Stecker für die Deutsche Automatenwirtschaft.

Chief Executive der British Amusement Catering Trade Association (BACTA).

Technik versus Tradition

Die rechtliche Situation ist das eine, die Tatsache, dass Online-Spiel nicht mehr verschwinden wird, das andere. Ob reguliert oder nicht – der Marktrealität müssen sich alle Marktteilnehmer stellen. Nach den Erfahrungen in anderen Ländern

Spielerschutz und Fairness

Wie es scheint, gehen die Zielgruppen von terrestrischem Spiel und Online-Gaming zumindest teilweise auseinander. Das ändert nichts daran, dass es zwischen stationärem Spiel und Online-Spiel natürlich eine Wettbewerbssituation gibt. Die Teilnehmer der zweiten Talkrunde des GAMING SUMMITs 2017 waren sich daher darüber einig, dass die Regulierung des Onlinebereiches unumgänglich ist. Nur so könne der Verbraucherschutz letztlich gewährleistet und für Fairness mit Blick auf die Wettbewerbssituation gesorgt werden. Aus Deutschland wurde die Hoffnung geäußert, dass hier die Europäische Union aktiv wird. Denn die verhindere „so manchen Blödsinn“.

General of Gaming for the Spanish Government, John White,

rer immer stärker wird.“ Ein Zustand, der auch für die Automatenwirtschaft „völlig unverständlich und natürlich nicht akzeptabel“ ist, wie Georg Stecker für die Deutsche Automatenwirtschaft betonte.

Spielhallen, die ein nicht kopierbarer Erfolgsfaktor ist“.

»Online-Spiel ist eher eine Sache der Millennials. Allerdings spielt das Einkommen hier auch eine große Rolle.« Juan Espinosa Garcia, Regulierungsbehörde Spaniens

»Das stationäre Spiel wächst. Und das Online-Spiel wächst. Aber das Online-Spiel wächst schneller.« John White, British Amusement Catering Trade Association


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–––– Stimmen und Meinungen –––– Georg Stecker Vorstandssprecher DAW

»Mir hat die Kombination aus deutscher und europäischer Branche gut gefallen, dass wir mal über den Tellerrand hinausgeschaut haben. Ein Highlight war die hochprofessionelle Moderation von Dunja Hayali, die auch für kritischen Journalismus steht.«

Simone Storch BA-Geschäftsführerin

»Der GAMING SUMMIT war super organisiert, eine tolle Gemeinschaftsarbeit, wir hatten eine Top-Besetzung bei den Referaten und in den Panels. Es gab ein großes Interesse am Kongress. Er war ausgebucht. Ich war begeistert von der Moderation von Dunja Hayali.«

Wolfram Seiffert Bally Wulff Geschäftsführung

»Die Führung durch das Programm von Dunja Hayali sowie Urs Meier war sehr erfrischend. Für mich waren die rechtlichen Ausführungen im Panel ›Update Recht‹ sehr interessant, in dem man zum Schluss kam, dass sich Kämpfen auch in Zukunft lohnt.«

Freddy Fischer msp Münzspielpartner, Essen

»Neben den interessanten Panels ist mir wichtig, dass wir in der Branche einen Event haben, der nicht von der Industrie organisiert wird. Seitdem es die IMA nicht mehr gibt, ist der SUMMIT die einzige Veranstaltung, bei der sich die Unternehmer der Branche treffen.«

Pit Arndt 1. Vorsitzender DAGV

»Das deutsche und das europäische Publikum haben sich superwohl gefühlt. Es gab einen guten Austausch zwischen den Kollegen. Es war eine wirklich gute, internationale Erfahrung.«


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Uwe Schwarzpaul Novomatic, International Coordination Research & Development

»Die Internationalität des GAMING SUMMITs hat mir sehr gut gefallen, weil viele Aspekte des europäischen Spielerschutzes zur Sprache kamen. Wir haben Einblicke in ­spanische und englische Regulierung gewonnen.«

Jörg Meurer Geschäftsführer DAGV

»Der GAMING SUMMIT 2017 hat eine europäische Dimension bekommen, wir konnten über den deutschen Tellerrand schauen. Ich fand alles hervorragend organisiert. Das Panel zur Biometrie hat mir gut gefallen, weil es eine neue Technologie ist.«

Katrin Koch Assistenz Vorstand Vertrieb bei adp Gauselmann

»Der Vortrag von Urs Meier war informativ und amüsant zugleich. Ein guter Abschluss für diesen interessanten GAMING SUMMIT.«

Peter Brandt Brandt Automaten, Hamburg

»Wir sind in einer schwierigen, aber spannenden Zeit. Die Branche ist im Umbruch. Der GAMING SUMMIT muntert aber dazu auf, positiv weiter nach vorne zu schauen, trotz aller Schwierigkeiten. Bei Urs Meiers Vortrag wurde auch deutlich, dass auch wir jetzt Entscheidungen zu treffen haben. Denn wenn wir nichts tun, haben wir schon verloren.«

Giuseppe und Nicole Marino MG Automaten, Mannheim

»Es ist toll, dass hier die Branchenverbände zusammenkommen und sich austauschen – ein wichtiger Baustein für unsere Imagepflege. Bemerkenswert fand ich die Aussagen des Berliner Politikers Evers. Er hat gesagt, dass der Vollzug gegen die illegalen Anbieter gestärkt werden muss. Auch der europäische Akzent des GAMING SUMMITs war sehr angenehm, da er den Blick über den Tellerrand ermöglicht.«


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–––– Impressionen ––––

Der GAMING SUMMIT 2017


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Der GAMING SUMMIT in Berlin ist mehr als Information und Diskussion auf hohem Niveau. Die ­Möglichkeiten zum privaten Meinungsaustausch und geschäftlichen Net­working bewegen sich auf ­gleicher Ebene. Außerdem bietet der GAMING SUMMIT die spannende Gelegenheit, mit vielen ­Referenten auch ein persönliches Wort beim entspannten Get-together danach zu reden. All das zu­ sammen macht den Reiz des GAMING SUMMITs aus, der sich der Qualität verschrieben hat.


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–––– Stimmen und Meinungen –––– Tilmann Brauch, Geschäftsführer Löwen Play

»Ich fand die internationale Themenauswahl sehr gut, vor allem auch das Thema ›Online‹, das gut vertreten war. Wir hatten eine hervorragende Moderatorin und Vorträge auf sehr hohem Niveau.«

Torsten Bächer, Easy Play, Ilmenau

»Es war mein erster SUMMIT, und es hat mir sehr gut gefallen. Vor allem in so schwierigen Zeiten ist es wichtig, sich zu informieren und so rechtlich am Ball zu bleiben. Gerade als mittelständischer Unternehmer.«

Peter Mahler-Jakob, Vertriebsleiter Gauselmann Großhandel

»Der GAMING SUMMIT hat mir sehr gut gefallen, insbesondere die erste Tageshälfte war sehr kurzweilig und unwahrscheinlich informativ. Dunja Hayali hat das hervorragend moderiert. Auch die europäische Note fand ich interessant.«

David Reinheckel, Storm Casinos, Kriftel

»Die Statemements von Graf Lambsdorff und die Diskussion zum Glücksspielstaatsvertrag fand ich sehr spannend. Gut finde ich besonders, dass man immer wieder versucht, Politiker von unseren Argumenten zu überzeugen. Vor diesem Hintergrund ist die vorgestellte Qualitätsinitiative 2020 auch sehr begrüßenswert. Das kann unserer Branche nur helfen. Wichtig ist für mich auch der Austausch mit anderen Unternehmern auf dem GAMING SUMMIT.«

Alexandra Nöthen, TÜV InterCert Saar

»Für mich war das Highlight der kurzweilige Vortrag von Urs Meier. Großartig fand ich auch die Internationalität des GAMING SUMMITs. Das war der beste SUMMIT, den ich bisher erlebt habe, von den Inhalten und den Referenten her.«


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Bernd Denker, Automaten Discount Nord, Seevetal

»Die Moderation von Dunja Hayali fand ich extrem stark. Die Veranstaltung war rundum hervorragend organisiert. Ich nehme sehr viel Mut und Optimismus für die Zukunft mit.«

Peter Baur, Schnicks Casino, Prüm

»Ein Highlight waren für mich die Aussagen von den Politikern Lambsdorff und Evers. Denn sie zeigen, dass da ein gewisses Umdenken über unsere Branche auch in der Politik einsetzt. Ansonsten kann ich zum GAMING SUMMIT 2017 vor allem noch eines sagen: Er war wie immer perfekt organisiert.«

Sonja Wilhelmy, Sozialkonzeptbeauftragte, Schneider Automaten

»Beim GAMING SUMMIT treffen sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft an einem Ort. Man hat die Fehler aus der Vergangenheit analysiert, verändert sie in der Gegenwart und geht als gestärkter Unternehmer in die Zukunft.«

Wolfgang Pütz, Automaten Pütz, Troisdorf

»Ich fand den GAMING SUMMIT sehr, sehr gut, deshalb komme ich schon das vierte Mal hierher. Sehr professionell organisiert in einer sensationellen Location. Für mich war es der beste SUMMIT, und Graf Lambsdorff war mein Highlight.«

Udo Nickel, Apex Germany

»Das war für mich der beste SUMMIT, weil er sehr international angelegt war. Außerdem haben mir Graf Lambsdorff und Urs Meier sehr gut gefallen.«


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–––– PANEL Update Recht ––––

Natürlich stand das Panel Update Recht in diesem Jahr ganz im Zeichen der jüngsten höchstrichterlichen Urteile zur Branche: dem des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) und dem des -verwaltungs­ gerichts (BVerwG). Alle drei Referenten fanden dazu deutliche Worte. Ihr Fazit reichte von der Einschätzung als „vertane Chancen“ bis hin zu der Beurteilung als einen „echten Justizskandal“.

»Ein echter Skandal«

»Das Bundesverfassungs­gerichts-Urteil schlägt dem Fass den Boden raus.« Prof. Dr. Hans-Peter Schneider, Deutsches Institut für Föderalismusforschung

»Eine Chance für die Branche wäre die Vorlage eines deutschen Gerichts beim Europäischen Gerichtshof.«

Dr. Susanne Koch, Hengeler und Müller Rechtsanwälte

»Der Paternalismus legt sich hierzulande wie Mehltau auf die Gesellschaft.« Prof. Dr. Friedhelm Hufen, Universität Mainz

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Er zählt zu den renommiertesten deutschen Föderalismusforschern. 2006 hat Prof. Dr. Hans-Peter Schneider sogar in der Föderalismuskommission an der Neuordnung der Bundesrepublik mitgewirkt. Aber auch so einen Mann kann man noch überraschen. „Das, was das Bundesverfassungsgericht entschieden hat, schlägt dem Fass den Boden raus“, sagte er auf dem GAMING SUMMIT. Seiner Meinung nach hätte der Verfassungsgeber damals diese weite Befugnis im Glücksspielbereich für die Länder nie vorgesehen. Das aber habe das Gericht schlicht ignoriert. Und das, so Schneider, sei ein „echter Justizskandal“. Jetzt müsse die Branche, möglichst viele Härtefallanträge anfechten und gegen Vollzugsakte klagen. Er riet zu mehr politischer Aktivität und einer weiteren Öffnung der Branche, etwa durch einen „Tag der offenen Spielhalle“. Mit dem von den Ministerpräsidenten beschlossenen 2. Glücksspieländerungsstaatsvertrag ging Dr. Susanne Koch (Kanzlei Hengeler Müller) ins Gericht. Sie berichtete, dass die EU-Kommission die wirtschaftliche Tragfähigkeit der geplanten Konzessionsvergabe für Wettanbieter bereits bezweifle. Nur aus „übergeordneten politischen Erwägungen“ greife sie derzeit nicht ein. Die Anwältin empfahl, die neuen politischen Konstellationen in NRW und Schleswig-Holstein zu nutzen. Und genau in diesem Punkt kam bereits Bewegung: Die neue schleswig-holsteinische Landesregierung hat angekündigt, den Vertrag nicht zu ratifizieren. Koch betonte bei ihrer Betrachtung der aktuellen Urteile auch, dass BVerwG und BVerfG zwar die geltende Rechtslage gebilligt hätten, ihre Änderung durch den Gesetzgeber aber nicht abgelehnt habe. Diese Urteile griff auch Prof. Dr. Friedhelm Hufen von der Universität Mainz auf: Das BVerfG messe mit zweierlei Maß und zugleich lege sich der Paternalismus – also die Bevormundung der Bürger durch den Staat – wie „Mehltau auf die Gesellschaft“. Der Berliner Rechtsanwalt Hendrik Meyer, der das Panel moderierte, stieg dennoch mit einem positiven Blick in die Zukunft aus: „Einige Würfel sind zwar gefallen, aber es gibt auch noch unbeantwortete Fragen und Grund zur Hoffnung.“


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–––– PANEL Zukunftsaufgabe: Professionalisierung ––––

»Qualität können wir aktiv gestalten, Abstände leider nicht!« Alexander Allgaier, Allgaier Automaten

»Die Hürde zur Ergreifung des Automatenberufs muss erhöht werden, um Qualität zu gewährleisten.«

Stephan Burger, Bundesverband Automatenunternehmer

»Beim Kampf um gute Mitarbeiter ist das Image einer Branche sehr wichtig.«

Berthold Stoppelkamp, Bundesverband der Sicherheitswirtschaft

»Nicht jeder kann das!« Das Spiel um Geld ist ein sehr sensibles Geschäft. Trotzdem kann bislang jeder, der das will, Automatenunternehmer werden. Doch die Diskussion um Qualität macht nicht an den Türen der Spielhallen Halt. Auch der Zugang zum Beruf des Automatenunternehmers soll professionalisiert werden.

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Dem schlechten Image der Automatenbranche ist nur durch Qualität beizukommen – darin waren sich Unternehmer Alexander Allgaier, BA-Justiziar Stephan Burger und Dr. Berthold Stoppelkamp vom Bundesverband der Sicherheitswirtschaft einig. Hierzu gehört es auch, den Berufszugang zu professionalisieren. „Aber was macht einen guten Automatenunternehmer aus?“, fragte Moderatorin Simone Storch, BA-Geschäftsführerin. „Qualität können wir aktiv gestalten – Abstände leider nicht!“, stellte Alexander Allgaier fest. Verantwortung, Lösungsorientierung, Sensibilität, die Liebe zum Beruf und die Identifizierung mit diesem seien für eine gute Unternehmensführung wichtig. Schließlich sei das Spiel um Geld ein sensibles Geschäft. Prävention und Spielerschutz dürften keine leeren Worthülsen sein, sondern müssten gelebt werden. Auch die Zertifizierung und eine biometrische Zugangskontrolle gehörten zur Qualität, genauso wie aktives Mitarbeiten in den Branchenverbänden, guter Kontakt zur Politik, Engagement in der Kommune und die Ausbildung von Nachwuchskräften. Hierfür müsse es ein Wissensfundament für Berufseinsteiger geben, der Sachkundenachweis von der IHK sei zu wenig, war Allgaier überzeugt. Auch Stephan Burger sah es als notwendig an, die Hürde zur Ergreifung des Automatenberufs zu erhöhen. Die Zuverlässigkeit des Gewerbetreibenden sei ebenso wichtig wie andere Zugangsvoraussetzungen zum Automatengewerbe. Hierzu könne eine Aufwertung der IHK und eine verpflichtende Zertifizierung beitragen. Dr. Berthold Stoppelkamp machte deutlich, wie wichtig eine Professionalisierung für die Qualität und für das Image einer Branche ist. Der Bundesverband der Sicherheitswirtschaft vertritt 1.000 Unternehmen des Bewachungsgewerbes. Bis 1982 gab es keine allgemein anerkannten Qualifizierungsstandards und erst 1996 die Einführung einer Berufszugangsregelung. 2002 kam ein Ausbildungsberuf dazu. Dies sei für die Branche enorm wichtig gewesen, denn der Kampf um gute Mitarbeiter wird auch durch das Image einer Branche entschieden.


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–––– PANEL Zertifizierung als Qualitätsmerkmal ––––

»Mit dem TÜV-Zertifikat belohnen wir uns für unsere eigene Arbeit.« Stefan Knüpling, Automatendienst Steden

»Mit unserer Zertifizierung haben wir bei Behörden und Ordnungsämtern nur gute Erfahrungen gemacht.«

Die Automatenbranche legt großen Wert auf die Qualität ihrer Spielstätten. Wie man diese umsetzen kann, erklärte Automatenunternehmer Stefan Knüpling, der 30 Jahre Berufserfahrung hat. Die Einhaltung der geltenden Gesetze, die Kontrolle der Arbeitsabläufe in der Spielhalle und die Qualifikation der Mitarbeiter – aus diesem Dreiklang setze sich die Qualität einer Spielstätte zusammen, so Knüpling. „Wenn wir unsere Arbeitsabläufe stringent dokumentieren, sind wir bereits nah an der Zertifizierung dran.“ Mit dem TÜV-Zertifikat belohne man sich für die eigene Arbeit. „Mit dem TÜV-Zertifikat müssen Sie sich vor niemandem mehr rechtfertigen, Sie widersprechen damit sämtlichen Klischees, die die Öffentlichkeit über unsere Branche hat.“ Die Zertifizierung führe außerdem zu einer verbesserten Organisationsstruktur innerhalb des Unternehmens. „Die Zertifizierung ist kein Hexenwerk. Sie sichert dem Unternehmen Wettbewerbsvorteile und, da bin ich sicher, eine Zukunft.“

Alexandra Nöthen, TÜV InterCert Saar

»Wir sorgen dafür, dass abends die Qualität in der Spielstätte genauso ist wie morgens.« Guido Plettner, TÜV Rheinland Cert GmbH

­Mit Zertifizierung Qualität sichern Die Zertifizierung wird in der Branche teilweise noch kontrovers dis­ kutiert. In diesem Panel allerdings war man sich einig, dass es mehr braucht als die Einhaltung der geltenden Gesetze, um den Spielerund Jugendschutz auf einem hohen Niveau zu sichern. Vor allem die Mitarbeiter in den Spielstätten bekommen durch eine Zertifizierung das Maß an Sicherheit, das sie im Alltag brauchen.

Qualität war auch das Stichwort für die beiden Vertreter der TÜV-Organisationen: Alexandra Nöthen vom TÜV InterCert Saar und Guido Plettner von der TÜV Rheinland Cert GmbH. Der geprüfte, internationale Standard des TÜV InterCert Saar orientiere sich am Markt und an der Gesetzgebung und bestehe aus 78 K.o.-Kriterien. Alexandra Nöthen sprach über Nachaudits, die im Falle von Beschwerden durchgeführt werden. Neben dem Zertifikat gebe es für die zertifizierten Unternehmen ein Prüfsiegel. Damit habe man bei den Behörden und Ordnungsämtern bislang ausschließlich gute Erfahrungen gemacht. Ein positives Feedback bekäme der TÜV auch von Landes- und Bundes­politikern. Guido Plettner erklärte die als Mystery-Shopping benannten Testkäufe aus der Sicht eines Spielgastes. Im Moment erfahre von diesen Testkäufen nur der Betreiber der betroffenen Spielstätte. „Die Qualität der Spielstätte muss abends genauso gewährleistet sein wie morgens“, so Plettner. Die Mystery-Shopper des TÜVs sind ausgebildete, erfahrene Auditoren, manche sind noch zusätzlich geschult.


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–––– PANEL Authentifizierung und Biometrie im Alltag –––– Die Zugangskontrolle zum Spiel ist ein zentrales Instrument zur Opti­ mierung des Spieler- und Jugendschutzes. Je perfekter die Kontrolle, desto besser der Schutz. Deswegen fordert die Branche ein bundes­ weit einheitliches biometrisches System zur Sicherstellung von Selbst­ sperren. Ziel ist die gesetzliche Verankerung. Der GAMING SUMMIT bot Einblicke in die Thematik aus gleich drei Perspektiven.

Neue Maßstäbe im Spielerschutz »Die höchste Sicherheit bietet die Multi-Biometrie. Hier werden mehrere biometrische Merkmale kombiniert.« Amin Adina, Dermalog

»Wir haben kein wirtschaftliches Interesse. Wir wollen gute und rechtssichere Systeme am Markt haben.« Dr.-Ing. Andreas Braun, Fraunhofer Institut

»Politik muss die Balance zwischen Chancen der Biometrie aber eben auch Gefahren der Datennutzung finden.« Patrick Schnieder, MdB, CDU

Alexander Graf Lambsdorff sprach bei seiner Rede auf dem GAMING SUMMIT explizit Anerkennung für die biometrische Zugangskontrolle für Spielstätten als zukunftsweisende Lösung aus. Dass diese Lösung nicht nur Zukunftsmusik, sondern schon im Alltag verankert ist, verdeutlichte aus Herstellersicht Amin Adina von der Firma Dermalog. Er veranschaulichte Entwicklungsstand und Einsatz der Systeme im Alltag, etwa beim Fingerpayment-Projekt eines Hürther Supermarkts mit erheblicher Zeitersparnis gegenüber Bargeld- und Kartenzahlung. Adina zeigte weitere spannende Einsatzfelder auf, darunter auch das der Automatenbranche. Hier schloss Wissenschaftler Dr.-Ing. Andreas Braun an, der am Fraunhofer Institut für Grafische Datenverarbeitung die Abteilung Biometric Technologies leitet. Er lenkte den Blick auf das Gauselmann-System Face-Check, das bis Ende Juni vom Fraunhofer Institut evaluiert wurde. Neun Systeme an sechs Standorten wurden getestet, mehr als 650 Teilnehmer waren involviert. Braun präsentierte als Zwischenergebnisse gute Leistungen für das System bei der Zuverlässigkeit. Er zeigte gleichzeitig auf, wie letzte Varianzen bei der Identifikationsleistung noch behoben werden können. Braun machte zudem deutlich, dass Fehler durch das Zusammenspiel von Mensch und Technik vermieden werden können. So ist das bei den aktuellen Systemen am Markt auch vorgesehen. Der Mensch als „Backup“ für 100-prozentige Sicherheit. Die politische Perspektive steuerte Patrick Schnieder, MdB und Generalsekretär der CDU in Rheinland-Pfalz, bei. Er sieht in der biometrischen Einlasskontrolle „ein riesiges Potenzial“ in einer Zeit, in der Biometrie allgegenwärtig ist. „Ich selbst bediene mein Handy mit Fingerabdruck.“ Für die freiwillige Sperre per Biometrie kam von Schnieder ein „Daumen hoch“ bei gewährleisteter Daten- und Fälschungs­sicherheit. Moderator RA Michael Eulgem konstatierte: „Wir sind technisch auf einem Weg, der uns gute Lösungen bietet, die Qualität unserer Betriebe zu optimieren – mit Akzeptanz in der Politik.“


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–––– PANEL Innovationen des terrestrischen Spielangebots –––– Für viele ist das Schlagwort Big Data nicht gerade positiv belegt. Dass aber Datensammlungen und deren Analyse auch erhebliche Chancen bieten, wurde in dem international besetzten Panel über die Innova­ tionspotenziale der Glücksspiel-Branche deutlich. Denn nicht zuletzt der Spielerschutz könnte von den neuen technischen Möglichkeiten weiter profitieren.

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Big Data als Chance

»Die Zukunft des Spielerschutzes könnte die Kombination aus technischer Datenanalyse und Beobachtungen sein.« Dr. Michael Auer, neccton

»Unternehmen müssen ihre Produkte mehr und mehr über verschiedene Kanäle anbieten.«

Dr. Monika Poeckh-Racek, Admiral Casinos & Entertainment

»Mangelnde Innovationskraft war noch nie das Problem der Glücksspielbranche.« Eric Olders, JHV Gaming & Entertainment Group

Big Data als Chance für den Spielerschutz? Ja, denn bei Online-Gaming könne man so immer mit dem Kunden „kommunizieren“ und dadurch die Spieler schützen, sagte Dr. Michael Auer von der Firma neccton. Der Österreicher meinte damit, dass man im Vergleich zum terrestrischen Spiel innerhalb kürzester Zeit das Verhalten der Spieler mithilfe diverser Daten analysieren könne – über das sogenannte Datentracking. „Wir suchen bei unseren Analysen immer nach auffälligen Verhaltensmustern. Das ermöglicht uns Warnsignale an den Spieler zu geben, sollte sein Spielverhalten oder die Verluste problematisch werden.“ Das Problem: Man erkenne durch dieses technisierte Verfahren nicht die Stimmung der Spieler. Auer sieht daher beim terrestrischen Spiel die Zukunft beim Spielerschutz in einem „Hybridverfahren“ – einer Kombination von automatisierter Datenerhebung und Beobachtungen von Mitarbeitern. Erste Pilotprojekte hierzu würden bereits in Spielbanken durchgeführt werden. Dr. Monika Poeckh-Racek von Admiral nannte in ihrem Referat verschiedene Trends. Ihrer Ansicht nach müsse das Slot-Gaming neben dem terrestrischen Bereich auch andere Kanäle bedienen. Das terrestrische Geldspiel wird ihrer Ansicht nach zwar auch in Zukunft beliebt sein. Gerade aber die jüngere Zielgruppe greife mehr und mehr auf das Online-Gaming zurück. „Unternehmen müssen daher ihre Produkte über verschiedene Kanäle anbieten“, resümierte die Österreicherin. Virtual-Reality-Gaming, das derzeit in aller Munde ist, bleibe hingegen ihrer Meinung nach ein „Nischenprodukt“, das allerdings vor allem für Online-Poker interessant werden könne. Das Panel schloss der Niederländer Eric Olders ab. Er betonte, dass die technische Innovationsfreudigkeit der Branche nicht das Problem sei. Für Neuheiten hätte die Branche schon immer reichlich gesorgt. Vielmehr müsse sie sich aber künftig um zwei andere Aspekte noch mehr kümmern, als es bisher der Fall sei, so Olders: Erstens die Praxis der Regulierung in den einzelnen Ländern und zweitens die Verbesserung des eigenen Images in der öffentlichen Meinung.


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–––– PANEL Cashless Society – Die Einflüsse auf den Konsum und das Spiel –––– Von links: Moderator Joe Ewens (ltd. Redakteur GamblingCompliance), Dan Iliovici, Kieran O‘Keefe und Jason Frost sprachen über die komplexen Herausforderungen von bargeldlosem Bezahlen für die Branche.

Eine zunehmend bargeldlos agierende Gesellschaft auf der einen Seite und ein Markt mit Geldspielgeräten, die mit Münzgeld bespielt werden auf der ande­ ren. Um dieses Spannungsfeld ging es in der lebendigen Diskussion über die Auswirkungen von kontakt- und damit bargeldlosem Zahlungsverkehr auf das stationäre Geldgewinnspiel.

Bargeldloses Zahlen als Herausforderung

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Das stationäre Geldgewinnspiel ist mit der großen Aufgabe konfrontiert, dass es sich für die Zukunft neu aufstellen muss. Die Gesellschaft lebt zunehmend bargeldlos. Demgegenüber stehen Geldgewinnspielgeräte im Münzbetrieb. Die Branche muss hier dringend Schritt halten, kundenorientiert umdenken und verschiedene bargeldlose Zahlungsoptionen anbieten dürfen. Sonst verkleinert sich der Markt drastisch. „Wir bewegen uns längst“, versicherten Jason Frost, frisch gewählter, neuer EUROMAT-Präsident sowie EUROMAT-Generalsekretär Kieran O‘Keeffe. Die Zeichen der Zeit sind erkannt, es wird intensiv an Lösungen gearbeitet: Der EUROMAT tausche sich eng mit Gesetzgebern, Forschung, Herstellern, Betreibern, Verbänden und auch Finanzdienstleistern aus. „Wir wollen es von Anfang an richtig machen. Wir haben eine Fachgruppe, können auch wichtige Daten, etwa zur Kartenzahlung, bereitstellen“, erklärte Frost. Dabei sei allen Beteiligten klar, dass es sich hier um komplexe Herausforderungen

handele. Die Kreditkartenzahlung etwa sei nur eine Lösung von vielen, die künftig möglich sein müssten, um zukunftsfähig zu bleiben. Gleichzeitig müsse auch an Lösungen für Bitcoin-, Smartphone- oder Kunden- und Drittkartenzahlung gearbeitet werden. Nicht einfacher wird es dadurch, dass sich im Geldgewinnspielbereich an das bargeldlose Zahlen eine Reihe weiterer anspruchsvoller Aspekte anschließt, die bedacht werden müssen. So findet in Spielhallen eben nicht nur Geldzahlung, sondern auch Geldgewinn statt, den es dann ebenso bargeldlos abzuwickeln gelte. Datenschutz ist ein großes Thema. Auch an ganz anderen Fronten gilt es zu kämpfen: Die in der Politik anzutreffende Annahme, Bargeld beinhalte mehr Kontrolle für den Spieler, müsse entkräftet werden. „Die Regulierungsbehörden müssen verstehen, dass unsere Branche legitim ist und wir zusammen Lösungen finden müssen!“, appellierte O‘Keeffe für ein Miteinander beim Finden von technisch, rechtlich und unternehmerisch tragfähigen Lösungen an die Regulierer. Damit stieß er bei Dan Iliovici von der Regulierungsbehörde für Glücksspiel in Rumänien auf offene Ohren. Iliovici berichtete von einer modernen, „betreiberfreundlichen“ Glücksspielgesetzgebung in seinem Land, die IT-Neuentwicklungen begrüße. Gleichzeitig räumte er ein, dass Regulierung immer um einiges langsamer als die Technik sei.


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–––– Ausstellung –––– Gesetzliche Verankerung der Zertifizierung, Einführung der biometrischen Zugangskontrolle und die Qualifizierung für den Zugang zum Beruf des Automatenunternehmers sind die drei Bausteine der „Qualitätsinitiative 2020“. Diese drei Bausteine wurden auf dem GAMING SUMMIT 2017 vorgestellt und in eigenen Panels diskutiert.

Auf Zukunft schalten Einen Schritt voraus: Auf dem GAMING SUMMIT 2017 wurde auch die „Qualitätsinitiative 2020“ der Deutschen Automatenwirtschaft inklusive dazu gehörender Info-Kampagne und -materialien an einem Stand vorgestellt.

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Spielregulierung in Deutschland ist nach den Gesetzen der einzelnen Bundesländer eine rein quantitative Angelegenheit. Nach den geltenden Gesetzen müssen Spielhallen schließen, weil sie zu groß sind oder geforderte Abstände zu anderen Spielhallen nicht einhalten können. „Das alles sagt nichts über die Spielhalle selbst oder ihre Mitarbeiter aus. Es wird nicht nach der Qualität geschaut. Ich meine, das ist ein riesiger Skandal“, sagt Georg Stecker, Sprecher des Vorstandes der Deutschen Automatenwirtschaft.

Qualität sichern

Die Deutsche Automatenwirtschaft belässt es aber nicht damit, „Skandal“ zu rufen. Neben den ohnehin schon existierenden Regulierungen durch Spielverordnung, Jugendschutzgesetz, Gewerberecht und Bauordnung fordert die Branche, dass Quantitätsmaßstäbe durch Qualitätskriterien ersetzt werden. Die Branche fordert drei Qualitätsmaßnahmen:

1. Gesetzliche Verankerung der Zertifizierung Schon jetzt haben Spielstätten die Möglichkeit, sich von unabhängigen TÜV-Organisationen zertifizieren zu lassen. Die Verbände der Automatenwirtschaft wollen, dass der TÜV zur gesetzlichen Pflicht wird.

Spieler- und Jugendschutz in einem: Zugangskontrollsysteme von adp Gauselmann, Löwen Entertainment und Bally Wulff.

2. Biometrische Zugangskontrolle Die Deutsche Automatenwirtschaft fordert die gesetzliche Verankerung eines bundesweit einheitlichen biometrischen Systems als Zugangskontrolle zu Spielstätten. Damit können Selbstsperren sichergestellt werden. Systeme mit Gesichtserkennung können außerdem den Jugendschutz gewährleisten. 3. Berufliche Qualifizierung

Die Branche fordert eine Qualifizierung des Zugangs zum Beruf des Automatenunternehmers. Schon hier sollen die Hürden höher gelegt werden als bisher, „damit sich die Spreu vom Weizen trennt“, so Georg Stecker.

Politik muss umdenken Diese drei Forderungen sind die Kernelemente

der „Qualitätsinitiative 2020“ der Deutschen Automatenwirtschaft. Die Inhalte wurden auf dem GAMING SUMMIT vorgestellt und diskutiert. Präsentiert wurden die technischen Lösungen, mit denen die Branche die biometrische Zugangskontrolle zu Spielhallen verwirk­lichen kann. Während des Kongresses wurde außerdem die Informationskampagne vorgestellt, mit der die „Qualitätsinitiative 2020“ bekannt gemacht wird. Die Deutsche Automatenwirtschaft setzt damit der rein quantitativen Regulierung der Bundesländer ein qualitatives Konzept entgegen und fordert von der Politik „ein sofortiges Umdenken. Denn es geht um die Stärkung des legalen Spiels“.


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–––– Partnerschaft ––––

Das ganze Team von EUROMAT kam zum GAMING SUMMIT

Der GAMING SUMMIT 2017 war eine gemeinsame Veranstaltung der Deut­ schen Automatenwirtschaft und des europäischen Dachverbands EUROMAT. Einen Tag vor dem Kongress kamen die beiden Verbände in der britischen Botschaft zusammen.

Jason Frost (r.) aus Großbritannien ist neuer EUROMAT-Präsident. Uwe Christiansen, Vertreter der deutschen Verbände, wurde sein Stellvertreter.

»Großbritannien hat ein grundpositives Verhältnis zum Glücksspiel. Das ist vorbildlich.« Georg Stecker anlässlich des Treffens von EUROMAT und DAW in der britischen Botschaft in Berlin.

Der SUMMIT-Auftakt mit EUROMAT

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Ein bisschen sehnsüchtig kann man schon werden, wenn man beim Thema Glücksspielregulierung über den Ärmelkanal nach Großbritannien guckt. „Dort hat man ein grundpositives Verhältnis zum Glücksspiel. Daran kann man sich ein Beispiel nehmen, auch in Deutschland und den anderen Ländern Europas. Das ist vorbildlich“, sagte deshalb auch Georg Stecker, Vorstandssprecher der Deutschen Automatenwirtschaft, am Vorabend des GAMING SUMMITs 2017 beim EUROMAT-Cocktail-Empfang. Diesen Empfang hatte man in die britische Botschaft gelegt, offenbar des guten Beispiels wegen, dass das Vereinigte Königreich zumindest bei der Spielregulierung abgibt. Aber auch, weil ein Mann aus genau diesem Land neuer Präsident von EUROMAT wurde: der Brite Jason Frost. Und dieser greift in Sachen Regulierung sofort Zukunftsthemen auf.

Den Kunden begeistern Diese Themen sind andere, als jene, die in Deutschland zurzeit diskutiert werden. Das merkte man auch an den Inhalten, die vom EUROMAT dem GAMING SUMMIT 2017 beigesteuert wurden. Da ging es um Online-Gaming, elektronische Zahlsysteme und

neue Technologien auch für das stationäre Spiel. Ziel ist es, dem Kunden ein noch attraktiveres Spiel zu bieten, aber auch neue Zielgruppen zu erschließen und die Geschäftsbasis auszuweiten. Wer allerdings aus Deutschland kommt und in die dortigen Debatten involviert ist oder verfolgt, für den mutet das alles etwas merkwürdig an. Denn hierzulande geht es aktuell um das genaue Gegenteil.

Engagement für legales Spiel als Bindeglied Der GAMING SUMMIT 2017 hat gezeigt, dass es auch anders geht: Ein Fortschritt im Spiel ist durchaus mit dem Kampf gegen Illegalität und mit wirksamem Verbraucherschutz zu vereinbaren. Dass diese Botschaft auch vom GAMING SUMMIT 2017 – Kongress der Deutschen Automatenwirtschaft ausgeht, wünschte sich Georg Stecker am Vorabend des gemeinsamen Kongresses von DAW und dem europäischen Branchenverband EUROMAT. „Uns alle verbindet das Engagement für das legale Spiel in Europa“, betonte der Vorstandssprecher der DAW.


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Nachhall Eduardo Antoja, EUROMAT

Stefan Evers, Mitglied des Abgeordnetenhauses Berlin (CDU)

»Diese Veranstaltung bot uns die Möglichkeit, voneinander zu lernen und mit unseren Partnern aus den Regulierungsbehörden einen offenen, konstruktiven Dialog zu führen.«

»Der Glücksspielstaatsvertrag hat zu ­politischer Ungerechtigkeit geführt, außerdem ist er ideologisch sehr aufgeladen.«

Juan Espinosa Garcia, Spanische Regulierungsbehörde

»In Spanien wurde Online-Gaming legalisiert. Seither wachsen sowohl im terrestrischen als auch im Online-Markt die Bruttospielerträge.«

Patrick Schnieder, Mitglied des Bundestages (CDU)

»Die biometrische Einlasskontrolle für Spielhallen bietet ein riesiges Poten­zial für den Spieler- und Jugendschutz.«

Prof. Dr. Friedhelm Hufen, Universität Mainz

»Es scheint, als sei in Deutschland kein Kraut gegen paternalistische Bevormundung gewachsen.«

Otto Wulferding, Deutscher Spielbankenverband

»Das illegale Spiel ist der gemeinsame Feind der Spielbanken und der Automatenwirtschaft.«


Impressum Die Deutsche Automatenwirtschaft e.V. V.i.S.d.P.: Georg Stecker Herausgeber: AWI Automaten-Wirtschaftsverbände-Info GmbH Dircksenstraße 49, 10178 Berlin Produktion: Edit Line GmbH Dekan-Laist-Straße 17, 55129 Mainz Fotos: Edit Line GmbH, Michael Claushallmann

GAMING SUMMIT 2017 Ausrichter: Die Deutsche Automatenwirtschaft e. V. Dircksenstraße 49 10178 Berlin E-Mail info@automatenwirtschaft.de www.automatenwirtschaft.de www.daw-summit.de Koordination: Deutscher Automaten-GroßhandelsVerband e. V. (DAGV) Geschäftsstelle: Höller Weg 2 56332 Oberfell (Koblenz) E-Mail info@dagv.de www.dagv.de Operativer Partner: Edit Line Verlags- und Produktionsgesellschaft mbH Dekan-Laist-Straße 17 55129 Mainz E-Mail info@edit-line.de www.edit-line.de


Der GAMING SUMMIT 2017 – Kongress der Automatenwirtschaft wurde unterstützt von :

Summit Review 2017  
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