Kritik der österreichischen Kinder- und JugendanwältInnen am Umgang mit Kinder und Jugendlichen auf der Flucht Zum wiederholten Male äußern die Kinder- und Jugendanwaltschaften Österreichs (KIJAs) massive Kritik an der hiesigen Politik im Umgang mit Flüchtlingskindern und -jugendlichen. 600 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge ohne Tagesstruktur, Betreuung und nur sehr eingeschränkten Möglichkeiten eine Schule zu besuchen in einem Massenquartier monatelang „unterzubringen“ ist ein kinderrechtlicher Skandal. Für diese rund 600 geflüchteten jungen Menschen keine geeigneten Betreuungseinrichtungsformen zu finden, eine Verhöhnung der UNKinderrechtskonvention. 1956 hat Österreich knapp 200.000 Flüchtlinge aufgenommen, jetzt sollen 600 jugendliche AsylwerberInnen eine Last, eine Überforderung, ein organisatorisches Problem sein? Von erfüllten Quotenplätzen zu sprechen ist zynisch, an Kasernen als mögliche Aufenthaltsorte zu denken unwürdig. Es handelt sich nicht um zu verwaltende Zahlen, sondern um Kinder, deren bestmöglicher Schutz laut Verfassungsgesetz garantiert sein muss. Garantiert jedoch scheint nur, dass sich die Zuständigen einmal mehr gegenseitig die Verantwortung zuschieben. Auf der Strecke liegen bleiben eine völkerrechtliche Verpflichtung und das Recht der Jugendlichen. Das geltende Asyl- und Fremdenrecht ist eine zunehmend un(nach)vollziehbare Materie, die von Restriktionen und Hindernissen strotzt und den Kinderrechten keinen Platz lässt. Das geht sogar so weit, dass es - wie eine aktuelle Studie der UNICEF bestätigt – zu Traumatisierungen durch den Gesetzesvollzug kommt. Die dringenden Forderungen der Kinder- und Jugendanwaltschaften Österreichs lauten daher: 1. Clearing: Schaffung eines kinder- und jugendgerechten Erstaufnahme- und Clearingzentrums, mit beschränkter Dauer zur Abklärung und Planung der weiteren Schritte im Interesse des Kindes (Gesundheit, Rechtsfragen, weitere/dauerhafte Unterbringung in adäquaten Einrichtungen der Länder, Suche nach Familienangehörigen etc.).