Änderung des Mindesteinkaufsbetrags für die MWSt-Rückerstattung Analyse der Auswirkungen
Das Bundesministerium für Finanzen beabsichtigt mit dem Abgabensicherungsgesetz 2007 die Erhöhung des Mindesteinkaufs für nicht-EU Touristen zur Erlangung einer MWSt-Rückerstattung von 75 EUR auf 175 EUR (d.h. um 233%!) Wieviel Geschäft ist davon betroffen: • Derzeit werden im betroffenen Bereich rd. 112,0 Mio EUR von nicht-EU Touristen ausgegeben. Damit verbunden sind 17,2 Mio Umsatzsteuer. • Rückerstattung werden für diese Einkäufe 10,9 Mio MWSt. Dies ist der geschätzte Betrag, den sich das Ministerium erwartet zu ersparen • Dahinter stehen ca. 953.000 Einkäufe von Touristen. Das sind 2/3 aller rückerstatteten Einkäufe! • Für zwei Tourismus-Geschäftsbereiche ist die Rückerstattung wichtig: o Grenzüberschreitende Einkäufe von Schweizern und Kroaten. Diese beiden Herkunftsländer sind beim Einkaufen preissensibel und haben Alternativen zum Einkauf in Deutschland bzw. Slowenien o Einkäufe von asiatischen Reisegruppen. Diese bereisen 5-7 Länder in Europa und kaufen dort ein, wo ein Einkauf am vorteilhaftesten ist. Bei diesen beiden Gruppen besteht ein Risiko des Abwanderns von Einkäufen
Die möglichen Auswirkungen konkret und an Beispielen: Vorarlberg: • 54,1 Mio Einkäufe insgesamt, zu über 80% von Schweizern. 87% (!) aller Rückerstattungen unter 175 EUR • 7,7 Mio USt aus Tourismuseinkäufen, davon werden derzeit für Einkäufe zwischen 75 und 175 EUR 2,1 Mio EUR rückerstattet. (Erwartete Einsparung des BMfF) • Wenn nur 25% der Umsätze auf die andere Seite des Bodensees nach Deutschland (kein Mindesteinkauf) abwandern, verliert der Handel 13,5 Mio Umsatz und das Finanzministerium 1,9 Mio Umsatzsteuer ohne Berücksichtigung von Folgewirkungen (Einkäufe unter 75 EUR, Umsatz mit Dienstleistungen, GewSt, KöST, Arbeitsplätze)
Steiermark: • 44,2 Mio Einkäufe insgesamt, zu über 80% von Kroaten. 70% aller Rückerstattungen unter 175 EUR • 7,3 Mio USt aus Tourismuseinkäufen, davon werden derzeit für Einkäufe zwischen 75 und 175 EUR 2,6 Mio EUR rückerstattet. (Erwartete Einsparung des BMfF) • Hier ist die Abwanderungsgefahr noch größer, da Slowenien und Marburg am Weg nach Graz liegen. Slowenien hat einen Mindesteinkauf von 75 EUR. Wenn 35% der Umsätze nach Slowenien abwandern, verliert der Handel 15,5 Mio Umsatz und das Finanzministerium 2,6 Mio Umsatzsteuer ohne Berücksichtigung von Folgewirkungen (Einkäufe unter 75 EUR, Umsatz mit Dienstleistungen, GewSt, KöST, Arbeitsplätze)
Einkaufszentren Seiersberg und Center West in Graz • 2,0 Mio USt aus Tourismuseinkäufen, davon werden derzeit für Einkäufe zwischen 75 und 175 EUR 1,1 Mio EUR rückerstattet. (Erwartete Einsparung des BMfF) • Wenn 35% der Umsätze nach Slowenien abwandern, verliert die lokalen Händler 4,3 Mio Umsatz und das Finanzministerium 0,7 Mio Umsatzsteuer ohne Berücksichtigung von Folgewirkungen (Einkäufe unter 75 EUR, Umsatz mit Dienstleistungen, GewSt, KöST, Arbeitsplätze)