Interview_Lacha

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Interview mit Finanzdienstleister Gerhard Lacha, Hohenems über den Streit um die Sanierung der jüdischen Schule. Zum jüdischen Viertel in Hohenems zählen mehr als 20 Objekte. Einige davon, darunter die ehemalige Synagoge, haben Sie mit Ihrem Geld saniert. Warum? Das Interesse unserer Familie für das Viertel und damit mein Einsatz dafür war eher zufällig. Wir wollten nicht neu bauen sondern ein altes Gebäude mit Geschichte und Stil für unsere Bedürfnisse herrichten. Dabei bin ich 1993 auf das Elkan-Haus gestoßen, es sollte 1996 werden, bis wir es kaufen und es sanieren konnten. Zurückblickend war dies, nach meiner Heirat meiner Frau, die wichtigste und klügste Entscheidung meines Lebens. Unser weiterer Einsatz für das Viertel war in der Folge das Ergebnis wirtschaftlicher Erwägungen, getragen von dem Wissen um die architektur- und kulturhistorische Bedeutung dieses Stadtteils. Ich lege Wert auf die Feststellung, dass bei unseren Anstrengungen weder Ideologie, noch Religion noch kollektive Schuldgefühle eine Rolle spielten. Es gibt einen gültigen Baurechtsvertrag zwischen Ihnen und der Stadt, der die Instandsetzung der jüdischen Schule durch Sie und Ihre Partner vorsieht. Weil dieses Geschäft nicht zustande gekommen ist, haben Sie Klage eingereicht. Um welche Summe geht es? Ich muss Sie korrigieren, es gab und gibt keinen gültigen Baurechtsvertrag zur ehemaligen jüdischen Schule. Es gab einen von der Stadtvertretung beschlossenen und von den zuständigen Organen unterzeichneten Optionsvertrag. Nachdem die Bauberechtigtengemeinschaft die Option ausübte und die Inkraftsetzung des darin textierten Baurechtsvertrages begehrte, schob die Stadt die Unterzeichnung immer wieder hinaus, um uns dann mitzuteilen, dass ihr eine Unterzeichnung unter den gegebenen Umständen nicht möglich sei. Daraufhin haben vorerst 4 der 6 Bauberechtigten Klagen eingebracht. Der jeweilige Klagsbetrag belief sich auf 118.041,56 Euro ohne Zinsen und Rechtskosten. Das Worst-Case-Szenario für die Stadt Hohenems sah aus unserer Sicht so aus, dass sie keine Einigung mit uns erzielen kann, den Prozess innerhalb eines Jahres verliert und dann auf unseren Forderungen, erhöht um die Gerichts- und Anwaltskosten beider Seiten und den Zinsen, sitzen bleibt und dann immer noch die „Ruine“ ehemalige jüdische Schule ihr Eigen nennt. Unsere Berechnungen decken sich mit dem vom Herrn Bürgermeister genannten Betrag. Die Stadt Hohenems will Ihnen nun das Grundstück samt Schule um 35.000 Euro überlassen. Wäre die Klage damit vom Tisch? Das ist alles viel komplizierter und weil die Opposition sich nie die Mühe gemacht hat, sich ernsthaft damit zu befassen, versteht sie es nicht und sorgt für ein babylonisches Gewirr an Zahlen und Mutmaßungen. Aber, ja, die Klagen wären vom Tisch. Wie man hört, wollen Sie die Schule sanieren und in ein Projekt „Betreutes Wohnen“ integrieren. Was sagt das Denkmalamt dazu? Das Denkmalamt freut sich zuerst einmal darüber, dass der fortdauernde Verfall der ehemaligen jüdischen Schule beendet wird. In unserem überarbeiteten Konzept sind zudem die Wünsche und Anregungen des Denkmalamtes weitestgehend berücksichtigt worden, etwas anderes als überwiegend Freude kann ich mir also nicht vorstellen. Aber auch der in unserer Stadt sehr geschätzte Städteplaner Architekt DI Joachim Scheible, auf dessen „Rahmenplan Stadtmitte“ sich die Opposition, wenn ’s grad opportun ist, gerne beruft, hat sich positiv zu unseren Plänen geäußert und Änderungen vorgeschlagen, die wir natürlich gerne aufgenommen haben. Im Übrigen findet Herr Scheible „Die beabsichtigte Nutzung ist sicherlich begrüßenswert“. Wir sind uns mit unseren Partnern darin einig, dass unser Projekt „Betreutes Wohnen“ der Standard in Vorarlberg wird.


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