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Grundgedanken_zu_Wohnen50_

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Wohnen 50 + – Einige Grundgedanken (Anton Amann, Universität Wien)

A)

Grundmuster der Single-Haushalte

Wohnungen (Hauptwohnsitze) EPHH ohne Person unter 15 Jahren in Tausend Rubrik EPHH Männer Frauen -

Gesamt 1.168 486.1 682.1

Kategorie A 987.1 405.3 581.8

Kategorie B 120.2 52.7 67.5

Kategorie C 17.1 6.7 10.4

Kategorie D 43.7 21.4 22.3

Mehr Frauen als Männer in Single- Haushalten Mehr Männer als Frauen in Kategorie A und B Single-Haushalten

B)

Differenzierungen

1. Problemgruppen Die am stärksten wachsenden Zahlen weisen Ein- und Zwei-Personen-Haushalte auf. Zwei in vielerlei Hinsicht besonders wichtige Gruppen sind die Älteren in Einpersonenhaushalten (alte Singles) und die Älteren in Zweipersonenhaushalten (Pensionistenhaushalte). Je älter Menschen sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie in qualitativ schlechteren Wohnungen leben. Alter 60 – 64 90 – 94

Kategorie A 59 % 40 %

Kategorie B 21 % 17 %

Kategorie C 7% 18 %

Kategorie D 13 % 24 %

2. Wohnung/Wohnen und Lebensmittelpunkt In Österreich leben ältere Menschen immer noch in durchschnittlich schlechteren Wohnverhältnissen als jüngere, die Ausstattungsqualität der Wohnungen ist niedriger, „Nichtfamilienhaushalte" (weit über 80 % Einpersonenhaushalte, meist Pensionisten/innen) wohnen deutlich schlechter als Familienhaushalte. In Substandardwohnungen finden sich vor allen Dingen Hilfsarbeiterhaushalte und bäuerliche Pensionisten. Ca. 10% der Substandardwohnungen finden sich bei Pensionisten ohne früheren Beruf, d. h. wohl bei verwitweten Frauen. Die lebenslagenspezifische Sondersituation wird vor allem an zwei Gruppen sichtbar: an den Hochbetagten, die mehrheitlich Frauen sind und an den in Zweipersonenhaushalten lebenden alten Menschen, unter denen zumindest einer


pflegebedürftig ist - sie sind in besonders hohem Masse der Gefahr ausgesetzt, in qualitativ als niedrig einzustufenden Wohnungen leben zu müssen. In beiden Lagen begründen die Einschränkungen der Alltagsbewältigung soziale Gefährdungen; die Wohn- und Versorgungssituationen sind labil und können auch bei geringfügigen Verschlechterungen oft nicht länger aufrecht erhalten werden. Im Regelfall ist das Netzwerk zu arm an HilfsAnsatzpunkten, angefangen von den physisch-baulichen Gegebenheiten über die infrastrukturelle Versorgung mit Diensten und Leistungen im Nahbereich bis zur Dichte der sozialen Beziehungen bzw. Verkehrskreise. Andererseits ist zu bedenken, dass gerade bei Pensionisten und Pensionistinnen (in Privathaushalten) aus physiologisch-medizinischen und aus sozialen Gründen das Bedürfnisniveau höher angesetzt werden müsste als im Durchschnitt der Bevölkerung. Es ist auch durchaus anzunehmen, dass der Verlust von Außenkontakten und sozialer Integration durch verbesserte Wohnungsanlage und -ausstattung und funktionale Einrichtung zumindest zum Teil kompensiert werden könnte. Leitidee: Damit hängt zusammen, dass im Alter die Wohnung wegen der zunehmenden Einengung der sozialen Verkehrskreise oft zum eigentlich bedeutsamen Umweltrahmen wird. Das vermehrte Maß frei disponierbarer Zeit nach dem Berufsaustritt, der Verlust sozialer Funktionen, die das Verweilen außer Haus nötig machten, Nachlassen der körperlichen Leistungsfähigkeit, der Verlust fast lebenslanger wichtiger Personen, Gründe, die in nicht unbeträchtlichem Masse die Bindung an einen festen "Ort" erhöhen, ergeben zusammen ein Wirkmuster, das - unserer Kultur entsprechend - die Wohnung in den Vordergrund treten lässt; sie ist nicht mehr nur Rückzugsbereich, sondern wird geradezu „Lebensmittelpunkt“. Nach verschiedenen Erhebungen in der Bundesrepublik Deutschland und in Österreich verbringen ältere Menschen 4/5 und mehr des Tages in der eigenen Wohnung. Das Fenster auf die Strasse und der Fernsehapparat werden zu den dominanten Löchern in die Außenwelt. Jüngste Untersuchungen haben gezeigt, dass es einen immens hohen Anteil an Vielfernsehern unter den Älteren gibt (in Österreich: über 70jährige fast 5 Stunden pro Tag) und dass Langeweile und Fernsehen miteinander korrelieren. Einsamkeit und Kontaktmangel sind eine Verarmung des Drinnen und des Draußen und sie sind begleitet von einem Interessenverlust; ein breites Interessenspektrum haben unter den 50- bis 60jährigen 22 %, unter den 70- bis 80jährigen 13 % und unter den über Achtzigjährigen 8%.


Empfehlungen:

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Da die Wohnungsmobilität älterer Menschen relativ niedrig und ein erzwungener Wechsel auch aus unzukömmlichen Wohnverhältnissen nur in extremen Fällen zumutbar ist, müssen alle Möglichkeiten der Wohnungsadaptierung nach dem Mietrechtsgesetz und dem Wohnungseigentumsgesetz sowie Einzelverbesserungen nach dem Wohnbauförderungsrecht voll ausgeschöpft werden Zur Realisierung und Umsetzung der rechtlichen Möglichkeiten ist auf Seiten der älteren Menschen gezielte Informationsarbeit notwendig Da ältere Menschen (in schlechten Wohnungen) häufig einkommensschwach sind, ist dringend zu empfehlen, dass in Zusammenarbeit mit Banken sinnvolle Lösungen gefunden werden Jedes (kollektive) Bauvorhaben ist bereits in der Planungsphase auf Bedingungen der Kommunikationsoptionen und Kontaktmöglichkeiten zu überprüfen Im Genehmigungsverfahren von geförderten Objekten müssen die Kommunikationsoptionen zu einem Beurteilungskriterium gemacht werden

3. Hindernisse und Barrieren In diesem Zusammenhang muss allerdings auf eine Tatsache hingewiesen werden, die für die häusliche Pflege von besonderer Bedeutung ist: Barrieren und Hindernisse in Wohnungen und Häusern, die die Pflegeleistung erschweren und somit mehr Aufwand und Kosten sowie allenfalls sogar Gefährdungen bedeuten. Eine Beispielliste mag diese verdeutlichen. ¾ Hohe und optisch schlecht markierte Stufen und Treppen ¾ Treppen ohne Handläufe ¾ Zu schmale Türen ¾ Schlecht beleuchtete Gänge, Stiegenhäuser und Zimmerecken ¾ Ungünstig montierte Schalter und Stecker ¾ Glatte Böden mit rutschenden Teppichen ¾ Schadhafte Böden ¾ Türschwellen und Absätze, die Stolpern wahrscheinlich machen ¾ Zu hoch oder zu niedrig montierte Kloschüsseln ¾ Zu enge Klos ¾ Klos am Gang (in einigen Fällen sogar im Hof) ¾ Bei Feuchtigkeit rutschige Badewannen, Duscheböden und Badezimmerböden (glatte Fliesen) ¾ Zu hohe Badewannen ¾ Zu hohe Duschtassen ¾ Kein Bad oder keine Dusche


¾ Schlecht regulierbare Mischbatterien (Gefahr des Verbrühens) ¾ Zu hohe Betten ¾ Große Betten in kleinen Zimmern (nur von einer Seite zugänglich) ¾ Schlecht balancierte Stühle ¾ Keine zentrale Beheizung oder schwierig zu bedienende Einzelöfen ¾ Unzuverlässig funktionierende Elektro- oder Gasöfen ¾ Einzelfeueröfen ohne Bodenbrandsicherung und Wandhitzeschutz ¾ Keine Notrufeinrichtung

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Außerdem machen solche Hindernisse die Betreuung und Pflege aufwendiger und damit teurer. Für eine Verbesserung der Wohnqualität und eine Erleichterung der Pflegearbeit ist daher nötig: Leitidee: Systematische, großzügige und kostengünstige Förderung von Wohnungsadaptierungen (im wesentlichen über Wohnbauförderung und Althaussanierung), speziell für ältere Menschen, verbunden mit Informations- und Aufklärungskampagnen unter der Mitarbeit von Bundespolitik, Gemeinden, Banken und Trägern der ambulanten Dienste, eröffnen eine Zukunftsperspektive. Es ist dieser „Verbund“ unterschiedlicher Zuständiger, der bisher kaum jemals systematisch erwogen wurde, deshalb von solcher Bedeutung, weil es verschiedene Problemebenen gibt, die gleichzeitig zu berücksichtigen sind. Neben der rechtlichen und finanziellen Seite spielen die genaue alltagspraktische Kenntnis der ganzen Barrieren und Hürden eine wesentliche Rolle, die niemand besser kennt als das pflegende Personal, und die Schwierigkeit, ältere Menschen zu solchen Veränderungen zu motivieren („in meinem Alter rentiert sich das eh nicht mehr“ – und dann lebt dieselbe Person noch 25 Jahre in diesen Verhältnissen, weil sie unterschätzt hatte, wie lange sie noch zu leben haben würde).

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Auszug aus einer Liste, die von Teilnehmerinnen am „Lehrgang Gerontologie und Geriatrie“ im Zentrum für Alternswissenschaften und Sozialpolitikforschung an der Wissenschaftlichen Landesakademie Niederösterreich erstellt wurde.


Empfehlungen:

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Es muss ein Modell entwickelt werden, wie z. B. unter Einbeziehung der mobilen Dienste die Mängel in Wohnungen Betreuter systematisch erfasst werden können - Ein solches Modell muss mit Informations- und Anreizsystem gekoppelt werden, die dazu führen, dass die Betreuten auch bereit werden, in ihren Wohnungen Änderungen vornehmen zu lassen, dazu ist psychologische Beratungs- und Überzeugungsarbeit nötig - Mängel sind Risikofaktoren für Stürze mit ihren schweren negativen Folgen – es muss daher ein Konzept der Sturzprävention entwickelt werden (vgl. dazu auch das letzte Kapitel in diesem Bereicht) - Zur Erhebung von Mängeln ist eine checklist zu erstellen; dafür existieren bereits Vorlagen (Beispiel)2 1. Vorhandene Badewanne ist problematisch 2. Treppen/Stufen im Außenbereich sind hinderlich/unüberwindbar 3. Bewegungsfreiheit im Badezimmer ist eingeschränkt 4. Badezimmertür ist problematisch (zu schmal, Öffnungsrichtung) 5. Benötigte Haltegriffe im Bad fehlen 6. Vorhandene Dusche problematisch 7. Stolperfallen/Bodenbelag im Wohnzimmer 8. Vorhandene Toilette problematisch 9. Treppe/Stufen im Treppenhaus hinderlich/unüberwindbar 10. Separate Küche ist nicht vorhanden 11. Vorhandenes Bett ist problematisch 12. Balkonschwellen sind hinderlich/unüberwindbar 13. Stolperfallen/Bodenbelag im Wohnungsflur 14. Benötigtes Geländer im Außenbereich fehlt/ist mangelhaft 15. Stolperfallen/Bodenbelag im Schlafzimmer 16. Bewegungsfreiheit im Schlafzimmer eingeschränkt 17. Bewegungsfreiheit im Wohnzimmer eingeschränkt 18. Bewegungsfreiheit im Wohnungsflur eingeschränkt 19. Benötigtes Notrufsystem fehlt 20. Bewegungsfreiheit in der Küche eingeschränkt 21. Badezimmer ist schwer erreichbar 22. Nutzung vorhandener Küchenausstattung problematisch - Checklists müssen anhand konkreter Erfahrung laufend ergänzt und modifiziert werden

2

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Vierter Bericht zur Lage der älteren Generation. Bonn 2002, Kap. 3.3.4.


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