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Franzobels_Schwalbenkoenig

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Schwalbenkönig Franzobel schreibt für aktionstheater ensemble Uraufführung

Schwalbenkönig

"Schwalbenkönig"- das aktionstheater ensemble legt den "österreichischen Beitrag" zur Nichtteilnahme an der WM 2006 als eine dramatisch choreographische Studie über Sprechrituale, demonstrative Maskulinität und die Inszenierung großer Gefühle anhand des Spielparadigmas "Fußball" vor. Ein Theaterabend über die wunde österreichische (Fußball) Seele mit einer kommunizierenden Installation in der Stadt.

zu sehen ab Juni in Bregenz und Wien

Der Spielort: Spannungsfeld der Wirklichkeiten, Arena der Illusion. Das Spiel: ein spermazoider Kampf um Macht, Sieg und Emotion. Es wird gedribbelt, gefoult, rechtsaußen überholt, bis man der kollektiven Unschuld einer Ski-, und Mozartnation erliegt. Und dort, wo die völlige Entrationalisierung im Moment des Spiels und die Inszeniertheit von Spielritualen aufeinanderprallen, dort wo Verschwörungstheorien den österreichischen Minderwertigkeitskomplex pflegen, die eigenen Unzulänglichkeiten sich in Verdrängung, Ausländerfeindlichkeit und Schönredereien anhäufen, dort setzt das aktionstheater ensemble an. Mit historischen Rückblenden und Vorschauen, wird anhand des Themas "Fußball" eine gnadenlose Schau auf eine mitleidige (Fußball)Nation geworfen, die sich selbst als Nabel der Welt, als Herz Europas, als Insel der Seligen bezeichnet. Mit bildgewaltigen Klang- und Bewegungsgeflechten, auf der sprachlichen Grundlage des Literaten und Dramatikers Franzobel, fließen Ballmanöver, Sprachflanken, rhetorische Fouls und emotionale Close-ups ineinander und werden zum assoziativen Spielgeschehen, das Gefühle und Beziehungen lustvoll offen legt. (...der österreichische Fußball war immer irgendwie am Rand, stets ein Grenzfall in der Qualifikation, nun aber scheint es, da man sich sportliche Erfolge nur schwer anheiraten kann, haben wir uns einer anderen Qualität besonnen, der Diplomatie. Nur kommt man mit Nachtragsspielen und Verschiebungen nicht weit. Wenn man wo hin will, muss man sich auch seinen Grenzen nähern. Doch genau damit haben die österreichischen Fußballer Probleme, nicht nur, dass sie sie ungern überschreiten. (...) Warum weil Österreicher glauben, Mittelpunkt der Welt zu sein? Dann sei gesagt, egal, wo man auch ist auf dieser Welt, die Wetteransager haben


alle ihr Land so im Hintergrund, dass man es für den Weltennabel hält. Dabei hat nur der Ball persönlich ein Ventil, als geometrische Figur aber ist er grenzenlos. So ähnlich, freilich mit einer Dimension mehr, muss auch dass Universum sein. Grenzenlos. Und danach sehnen sich die Fußballfans, nach Helden der Oberflächlichkeit, nicht nach Angst und Politik. Fußballfans wollen etwas Rundes, Ungebrochenes. Jeder PizzaFlitzer kann bestätigen, dass sich während eines Fußballspiels der Pizzakonsum um ein Vielfaches erhöht. Besonders die mit Salami ist beliebt. Auch die neumodischen Chips sind rund, Bierflaschen sowieso. Alles bloß keine Kanten. Hoffen wir, dass die nebensächlichste Sache der Welt wieder damit aufhört, auf die Hauptsache zu verweisen. Sonst hat Kegelscheiben eine Chance. - aus Mundial - Gebete an den Fußballgott.) "Die WM fängt an, und Österreich ist nicht dabei, mit einem Wort, wird es fad? Glaub ich nicht, wir können ja immer noch darauf hoffen, dass die Deutschen möglichst bald ausscheiden!" (aus Falter Interview mit Franzobel) Schon seit längerem greift der Schriftsteller Franzobel das Thema Fußball auf. Und nur wenige Autoren sind so prädestiniert, über Fußball zu schreiben, wie ein Autor, dessen Pseudonym aus dem Ergebnis eines Fußballspiels Frankreich gegen Belgien entstand: Fran2:0Bel. Mit seiner, in der Neue Zürcher Zeitung (NZZ) erschienen literarischen Reihe, "Der Schwalbenkönig- oder die kleine Kunst der Fußball-Exerzitien" oder mit "Mundial - Gebete an den Fußballgott" (Literaturverlag Droschl) bewies er sich als profunder und sarkastischer Kenner der internationalen Fußballszene. In Zusammenarbeit mir dem aktionstheater ensemble wagt er sich erstmalig an die Dramatisierung dieses Themas. In gewohnter Sprachakrobatik und -raffinesse setzt sich Franzobel mit dem allgegenwärtigen Thema Fußball auseinander; nähert sich von allen Seiten an, er umspielt, foult, säbelt, versenkt, sammelt Karten. Und stellt sich dabei Fragen, die der wahre Fußballliebhaber oder -hasser schon immer beantwortet haben wollte. Franzobel lebt als freier Schriftsteller in Wien; er erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter den Ingeborg Bachmann-Preis sowie den Arthur-Schnitzler-Preis. Theaterarbeiten zuletzt: "Messias" - Burgtheater / Wien / 2005

... immer wieder einen Schritt weiter gehen im Erproben einer Theatersprache, die nicht abgöttisch Trends imitiert ...


Seit längerem bildet Regisseur Martin Gruber mit den Produktionen des aktionstheater ensemble einen Fixpunkt beim Bregenzer Frühling. Ob " Schlachtfest" (2005), "miluj ma" (2004) oder die Perser (2003) - immer wieder greift er in ungewöhnlicher, oft irritierender und entgrenzender Art, gesellschaftspolitische Themen auf. Jede seiner Inszenierungen Regisseur M. Gruber entwickelt eine eigene Theatersprache, zeigt © Marianne Greber neue, ungesehene Facetten und zieht damit Zuschauer in ihren Bann. So zuletzt mit der Produktion Glück ® (2005/2006). Einer Familienbetrachtung anhand von bewusst gesetzten Plattitüden und alltäglichen Wortfloskeln. Mit "Schwalbenkönig" setzen Regisseur Gruber und das aktionstheater ensemble einen weiteren Schritt in ihrer, seit Jahren entwickelten, eigenen Theatersprache.


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