Rede von Mag. Miriam Schreinzer, Geschäftsführerin von Bludenz Kultur am 6. Juni, Tag der offenen Tür des Montessori Zentrums Oberland Ich möchte im folgenden gerne aus der Sicht eines Konzertveranstalters über das Thema „Brauchen Kinder Kunst“ sprechen: Brauchen Kinder Kunst? Das ist eine Frage, die mich in den letzten 15 Jahren als Konzertveranstalterin sehr beschäftigt hat, eine Frage, die ich mir nahezu täglich stelle. Wissen Sie, man macht keinen Gewinn oder Umsatz, wenn man Kinderkonzerte oder Theateraufführungen für Kinder veranstaltet, um den wirtschaftlichen Aspekt geht es aber auch nicht. Das wäre sehr kurzsichtig gedacht, es geht um einen Auftrag und eine Verpflichtung, es geht um eine Investition in die Entwicklung unserer Gesellschaft. Kinder brauchen Kunst ! Natürlich brauchen Kinder zunächst zum Essen und Trinken, ein Dach über dem Kopf, gesundheitliche Versorgung, soziale Fürsorge, Zuwendung und Liebe. Dies sind Lebensgrundlagen, Menschenrechte, aber in unserer Welt leider immer noch keine Selbstverständlichkeit. Kulturvermittlung kann Kindern und Jugendlichen ermöglichen, sich mit Kunst, Kultur und Alltag fantasievoll auseinanderzusetzen, Kulturvermittlung kann gestalterisch-ästhetisches Handeln fördern und Wahrnehmungsfähigkeit entwickeln, Kulturvermittlung kann das Urteilsvermögen stärken und zur Mitgestaltung der Gesellschaft ermutigen. Von den vielen Ausdrucks- und Kommunikationsmöglichkeiten, die wir Menschen haben (Sprache, Mimik, Gestik, Tanz, Gesang, Schreiben oder Malen), von den vielen Ausdrucks- und Kommunikationsmöglichkeiten trainieren wir vor allem den Umgang mit der Muttersprache. Deshalb ist es notwendig, auch die nicht-sprachlichen Kommunikationsfähigkeiten optimal zu fördern. Dies ist wichtig für die Erlangung sozialer Kompetenzen und die Einbindung in die Kulturwelt. Die Montessori-Pädagogik lehrt uns, daß ganzheitliches Lernen und vielfältige Sinneserfahrungen für die kindliche Entwicklung wichtig sind und daß ganzheitliches Lernen Denk- und Lernleistung verbessern kann. Und daß Kopf, Herz und Hand mittlerweile eine Lerneinheit bilden können ist heute eine wissenschaftlich fundierte Gewissheit. Kinder brauchen mehr denn je die Herausforderungen an eigenes Denken, Fühlen, Erleben und Handeln. Denn die Bilder aus den Medien verdrängen immer mehr die konkrete, „echte“ Begegnung von Kind und Welt. Kinder brauchen vielfältige, persönliche Erfahrungen, das Greifen, das allem Begreifen vorausgeht, kann weder durch die Medien noch durch den Computer ersetzt werden. Abenteuer finden nicht nur am Bildschirm statt! Kinder brauchen Lernprozesse, bei denen das Erfahren, das Entdecken und das Erforschen im Vordergrund stehen. Um etwas zu erfahren und es dann zu wissen, muß man es tun. Das gilt genauso für den Umgang mit Kunst. „Lernen von Musik“ oder „Lernen von Theater“ sind eine Form rezeptiver und aktiver Aneignung. Sie beruht auf der Eigeninitiative der Lernenden und auf ihrem persönlichen Engagement. Ein Mensch definiert seine Wirklichkeit vor allem dadurch, indem er wahrnimmt, erlebt und gestaltet. Im Umgang mit Musik z.B. können diese drei Prozesse ganz eng miteinander verbunden sein: im Erleben von Musik, im Hören von Musik und im aktiven Tun. Kinder und Jugendliche brauchen heute mehr denn je ein umfassendes Bildungs- und Kulturangebot, das ihre Persönlichkeitsentwicklung unterstützt und ihr kreatives, kognitives und soziales Lernen fördert. Da sind vor allem Schulen, Kulturveranstalter und Kultureinrichtungen und die Politik gefragt. Ich persönlich betrachte Konzerte für Kinder, Theater für Kinder, alle Formen von Kunst, wo Kinder aktiv teilhaben können als grosse Chance.