Bildstein

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Bildstein

Beasariesar - Beasabindar

Ohne Zweifel verstanden es unsere Vorfahren, auch aus dem Einfachsten, das ihre Umgebung bot, etwas Nützliches herzustellen. Hier in Bildstein gab es offensichtlich ein solches Naturprodukt, und das scheint die Bewohner der Berggemeinde auf die Idee gebracht zu haben, daraus etwas Brauchbares und vor allem auch Gewinnbringendes zu machen. Damit sollen sie nicht etwa als die »Erfinder« der Besen aus Reisig bezeichnet werden, denn solche Kehrgeräte waren sicher bereits eine altbekannte Sache. Ihr Rohmaterial stammte von jenem Baum, der geradezu als Sinnbild des Frühlings galt, von der Birke. Nach alten Vorstellungen machte der Schlag mit einem Birkenzweig - der »Lebensrute« - Mensch und Tier fruchtbar und schützte auch vor Krankheit. Überhaupt schien einem Besen aus Birkenreisern ein Heilzauber innezuwohnen; pirkenholz wer daz pei im tregt, daz ist für den krampf guot!, wusste man bereits im 14. Jahrhundert und legte beim Zubettgehen einen solchen Besen neben sich, das beste Mittel gegen Wadenkrämpfe! Diese Besen brauchten also sicher nicht mehr erfunden zu werden, die Erzeugung in großer Menge und der Handel mit ihnen, das war es, was die Bildsteiner in ihre Hände nahmen. Zum richtigen Besenbinden gehörte anfangs das Schneiden der Äste im Herbst. Im Winter, wenn man genug Zeit dazu hatte, band man dann die Besen. Dazu wurde das Reisig in einer eigenen maschinellen Vorrichtung in die richtige Rundform gepresst, um dann mit den entsprechenden Ringen aus Haselruten zusammengebunden zu werden. Das war eine anstrengende Arbeit, bei der so ein Besenbinder ordentlich Kraft anwenden musste. Nun brauchte das Ganze noch einen entsprechend kräftigen Stiel, und dann konnte man zeitig im Frühjahr in die Nachbardörfer, aber auch nach Dornbirn, nach Bregenz und bis in den Vorderwald ziehen, um die Erzeugnisse zu verkaufen. Da konnte es gut sein, dass eine fleißige Familie an die 300 bis 400 Besen, gebündelt zu je 12 bis 20 Stück, an den Mann bzw. an die Frau brachte. Ob gelegentlich das eine oder andere dieser Exemplare auch in der ehemaligen Kapelle im Wirtatobel landete? Das war nämlich ein bekanntes »Besenkappele«, in dem solche Reinigungsgeräte zu beiden Seiten des Altares hinterlegt wurden. Nach allgemeiner Überzeugung konnte man mit einem derartigen Opfer allerlei Wehwehchen loswerden, besonders so genannte »Oaßo«, also Eiterbeulen und andere lästige Ausschläge. Dass die »Bildstar« zu ihrer alten Tätigkeit stehen und wohl auch ein wenig stolz darauf sind, zeigt sich in ihrem Fasnatruf, der an den Nebenerwerb von einst erinnert: »BeasaRiesar, Beasa-Riesar, hoi, hoi, hoi!«, heißt es bei ihnen. Und dass am 11.11. jeweils ein solcher Besen gebunden wird, gehört inzwischen ebenso zur Tradition wie sein Mitführen bei den Umzügen und sein heißer Tod am Fasnatdienstag um Mitternacht. Genau genommen, drückt der Übername überhaupt nichts Abwertendes oder Spöttisches aus, ganz im Gegenteil! Die »Bildstar« von heute werden es also wohl nicht krumm nehmen, wenn auch noch der ehemalige Name ihrer Ortschaft erwähnt wird, zumal er sich als Spottname besonders gut angeboten hätte. »Steußberg« habe sie ehedem im Mittelalter geheißen. Wo dabei der Spott sein soll, wird erst klar, wenn man die Erklärung bekommt, hinter dem erwähnten »Steuß« verberge sich das heutige »Steiß«, und das ist bekanntlich jener Körperteil, auf dem man zu sitzen pflegt. Vergleiche man dessen charakteristische Form mit der Lage der Berggemeinde - mit dem tief eingefurchten Tobel und den Erhebungen zu beiden Seiten -, so müsse man zugeben, dass der Vergleich gut sei, meinte einst ein bekannter Namensforscher. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass zu diesem »Steußberg« einstens auch Buch gehörte.


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