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m:convisions Ausgabe 02/Juni 2006 Schutzgebühr 2,- 7

Das m:con-Magazin für die Kongress-Branche

MARKT: Neue Perspektiven für Jungmediziner Frischzellenkur für den Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin. WISSEN: Mit dem Event-Navigator auf Erfolgskurs Zielgerichtetes Planen und Steuern von Marketing-Veranstaltungen. KARRIERE: Lebenslanges Lernen Schul-Projekt reißt Mauern zwischen Jung und Alt ein. METROPOLREGION: Klares Profil durch kluge Planung Heidelberger OB-Kandidatin macht sich für Kongressregion stark.

High-Tech bei der BASF-Hauptversammlung

count down 2007

IMMER MEHR UND IMMER MODERNER


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Beste Noten für unser Kongresszentrum!

»Guten Tag Herr Professor« Die internationalen Medizien- und Wissenschaftskongresse im Congress Center Rosengarten in Mannheim werden jährlich für tausende hochqualifizierte Ärzte und Forscher aus der ganzen Welt zum Zentrum »Erlebnis Biomedizin«. Bestehendes analysieren, neue Ziele setzten, Zukunft gestalten. Hier wird Wissenschaft und Forschung lebendig – das ist gut für die Region und für uns alle. www.rosengarten-mannheim.de


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STANDPUNKT

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Kongresswirtschaft oder Kongresstourismus Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Vor wenigen Tagen las ich folgenden Satz: „Wir haben uns in der Vergangenheit zu sehr angewöhnt, darauf zu achten, die Dinge richtig zu tun, anstatt die richtigen Dinge zu tun.“ Wenn von der MICE-Branche gesprochen wird, verstehen darunter viele ausschließlich die Dienstleistungsanbieter. Es wird von so genanter Umwegrentabilität und Kongresstourismus geredet und man ist fest davon überzeugt, dass die Politik – gleich ob Kommune, Land oder Bund – die Branche für wichtig hält. Damit lügt sie sich selbst in die Tasche.

Michel Maugé Geschäftsführer m:con Mannheim

Betrachtet man die Messewirtschaft, so sind für diese Übernachtungszahlen, Flug- und Bahnleistungen absolute Nebenargumente, Abfallprodukte. Es wird der wirtschaftliche Nutzen einer Messe herausgestellt. Das heißt Absatz, das heißt Arbeitsplätze, das heißt Bruttosozialprodukt. Wie klein kommt sich hier die MICE Branche vor mit ihrer nach Verzweiflung klingenden Argumentation der Umwegrentabiliät? Der Nutzen der Kunden, Veranstalter und deren Teilnehmer sind das Essentielle. Nur was für den Kunden gut ist, ist auch für die Branche gut! Die Politik redet von lebenslangem Lernen, von weltweitem Austausch von Wissen, von Blaupausen-Ökonomie und globaler Wissensgesellschaft. Ein Meeting, eine Tagung, ein Kongress und ein Event i.w.S. erfüllt genau diese Erwartungen und ist auch der einzige Grund und Inhalt. Die Verbände und Firmen investieren mit der Durchführung eines Events nicht in das Wohlergehen der Hotellerie oder der Hallen, sondern für den Wissens- und Informationsaustausch Ihrer Mitarbeiter, Kunden, Teilnehmer und Mitglieder. Der Nutzen der Aus- und Fortbildung muss gemessen und beziffert werden. Die Kongresszentren sind nichts anderes, als für den Zweck des Lernens umfunktionierte „Handels- und Marktplätze“. Sie sind Zentren für Wissensaustausch und Schaufenster der Wirtschaft. Die tatsächliche „Rentabilität“ und damit Bedeutung der Kongresswirtschaft ist die Produktion von Kommunikation und Emotionen zur Förderung der Entwicklung und des Absatzes von Produkten und Wissen. Wissen ist die unverzichtbare Basis unserer Zukunft. Die MICE-Branche sitzt mitten drin, doch diese ihre Rolle hat sie bis heute nicht begriffen. Sie redet von Tourismus, sie redet von Freizeit, von Wellness und vielem anderen.

Michel Maugé

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Seite 14 Manfred Besch, Technischer Leiter der Hauptversammlung der BASF. Bereits seit 20 Jahren wirkt er an dieser Großveranstaltung mit, seit 1990 in verantwortlicher Position. „Immer mehr und immer modernere Technik kommt zum Einsatz,“ sagt er. Doch den Überblick verliert er nie.

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INHALT

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Das m:con-Magazin für die Kongress-Branche m:convisions

Standpunkt m:con-Geschäftsführer Michel Maugé fordert die MICE-Branche auf, allein den Nutzen der Kunden, Veranstalter und Teilnehmer im Auge zu behalten.

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WISSEN Event-Navigator: Wirkungen von Marketing-Events zielgerichtet steuern und messen Nach wie vor mangelt es in der Praxis an einer systematischen Zielplanung von Marketing-Events. Prof. Dr. Hans Rück stellt ein praxisgerechtes Planungsinstrument vor, das es ermöglicht, die Zielwirkungen von Marketing-Events umfassend und zugleich differenziert zu steuern.

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Perfect Vision – Immer mehr und modernere Technik Manfred Besch ist Technischer Leiter der Hauptversammlungen der BASF. „Immer mehr und immer modernere Technik kommt zum Einsatz,“ sagt er. Doch den Überblick verliert er nie.

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MARKT Wenn der 112. zum Ersten wird Der Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin gehört zu den ganz großen und traditionsreichsten im Land. Die 112. Auflage ließ die Ärzte-Gesellschaft erstmals von m:con organisieren.

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Pharmakodex Er ist ein Abbild der Marketing- und Vertriebsmisere der Pharma-Industrie, das bei wissenschaftlichen Tagungen und Kongressen sichtbar wird.

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Aus dem Volltreffer wird leicht ein Eigentor VIP-Pakete als Instrument der Kundenbindung: Marketing-Experte Prof. Dr. Hans H. Bauer rät zu einem restriktiven Umgang mit VIP-Paketen.

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M:CON Countdown 2007 Das Technische Bedarfskonzept für das m:con Congress Center Rosengarten kommt aus München.

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Kundenportrait Die Deutsche ORACLE-Anwendergruppe.

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News

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MAGAZIN Trendsetter HCCE Die Historischen Konferenzzentren Europas (HCCE) halten in Osteuropa Ausschau nach neuen Mitgliedern.

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SERVICE Kongress- und Event-Ticker

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KARRIERE Lebenslanges Lernen Neue Methoden: Schwäbische Kids erklären Oma den Computer, Schweizer schaffen Noten und Klassenzimmer ab und DaimlerChrysler schreibt den Lernanspruch in den Tarifvertrag. Baden-Württembergs Wissenschafts-Minister Frankenberg sagt: „Lebenslanges Lernen ist mehr als die Antwort auf Arbeitslosigkeit“

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IECA: Eine Investition in die Zukunft Michel Maugé: Empfehlung für den Bildungsausschuss

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Uschi Brunne: 60 Jahre – und Studentin

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METROPOLREGION In Mannheim fand Mozart seine große Liebe

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KONGRESSREGION Heidelbergs grüne OB-Kandidatin im Interview

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Ausblick Die Zukunft der Kongressbranche und wie drei Experten sie sehen

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Impressum

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Seite 35 29. September 2006 im Rosengarten Mannheim TV-Star Tim M채lzer kocht ...

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Event-Navigator: Ziele setzen und Erfolge messen Wirkung zielgerichtet steuern und messen Von Prof. Dr. Hans Rück

Nach wie vor mangelt es in der Praxis an einer systematischen Zielplanung von Marketing-Events. Im folgenden Beitrag wird ein praxisgerechtes Planungsinstrument vorgestellt, das es ermöglicht, die Zielwirkungen von Marketing-Events umfassend und zugleich differenziert zu steuern. Ergänzt um geeignete Messgrößen und Messverfahren, kann es außerdem als Basisinstrument für die Event-Kontrolle dienen.

Eine systematische Zielplanung für Marketing-Events setzt die Beantwortung der Frage voraus, welche Wirkungen von Marketing-Events überhaupt erwartet werden können. In Theorie und Praxis stehen bisher die emotionalen Wirkungen von Marketing-Events im Vordergrund, und zwar so überdeutlich, dass man Emotionalisierung schon als „Mantra des EventMarketings“ bezeichnen kann. Von Informationsvermittlung ist hingegen weit seltener die Rede, und dann vor allem in Verbindung mit dem Schlagwort „Infotainment“. Und noch seltener wird erwähnt, dass Marketing-Events auch zu Handlungen motivieren und Handlungen auslösen, gar „verkaufen“ können. Letzteres wird zum Teil sogar ausdrücklich bestritten, indem Marketing-Events als „Veranstaltungen ohne vordergründigen Verkaufscharakter“ gekennzeichnet werden. Offenbar orientiert sich die Wahrnehmung von MarketingEvents – bewusst oder unbewusst – mehrheitlich immer noch am „Urbild“ des Events, der spektakulären Festveranstaltung. Was man unter dem Begriff Marketing-Event verstehen will, ist letztlich eine Definitionsfrage, und Definitionen können nicht richtig oder falsch, sondern nur mehr oder weniger zweckmäßig sein. Allerdings steht die Zweckmäßigkeit des „traditionellen“ Event-Begriffs samt seiner einseitigen Betonung emotionaler Wirkungen zunehmend in Frage; gewinnt doch gerade das Informieren und Motivieren als Zielsetzung für Events (auch für die „klassischen“) immer mehr an Bedeutung, wie jüngere Studien zeigen – und Praktiker bestätigen: „Bei Events […] geht der Trend hin zu einem Mehr an Arbeitscharakter. Die Schwerpunkte verschieben sich zu mehr Inhalten, Wissenstransfer, Informationsvermittlung und Motivation“ (A. Leonhard, zit. n. Zu Franken, H.-F. / Knaak, C.: Meeting Business Trends 2005, S. 107). Und in Richtung zählbarer Resultate, darf man ergänzen. seite 08

Differenziertes Verständnis von Event-Wirkungen Man kann sogar behaupten, dass das traditionelle Bild von Marketing-Events nie zweckmäßig war. Das lässt sich an praktischen Beispielen leicht verdeutlichen, und wir wählen hier bewusst solche, die als „klassische“ Marketing-Events gelten können: Nehmen wir an, ein Hersteller von Premium-Automobilen (etwa BMW) präsentiere Großkunden und Journalisten ein neues Fahrzeugmodell in exklusivem Ambiente, etwa in einem Luxushotel an der Croisette in Cannes. Setzt dieser Automobilhersteller sein stattliches Veranstaltungsbudget etwa nur mit dem Ziel ein, die Zielgruppen emotional zu aktivieren? Sollen hier nicht zugleich auch Informationen über das neue Modell vermittelt werden – über Karosserie-, Motor-, Ausstattungsvarianten? Und soll die Veranstaltung nicht zugleich auch ein bestimmtes Verhalten der Zielgruppen auslösen – bei den Journalisten vorteilhafte Presseberichte und bei den Key Accounts Bestellungen? Oder nehmen wir das Beispiel der Firma Tupperware, die alle ihre Verkäuferinnen einmal im Jahr zu einer großen Motivationsveranstaltung versammelt (so geschehen 2005 im Mannheimer m:con Congress Center Rosengarten). Natürlich sollen durch einen solchen (internen) Marketing-Event Begeisterung und Gemeinschaftsgefühl, also Emotionen erzeugt werden. Nur ist das längst nicht alles: Es werden auch die neuesten Produkte des Unternehmens vorgestellt – und die zugehörigen Verkaufsargumente gleich im Chor einstudiert. Und vor einer jubelnden Menge werden schließlich die erfolgreichsten Verkäuferinnen prämiert, um alle zu neuen Höchstleistungen anzuspornen. Denn im Anschluss an die Veranstaltung will das Unternehmen selbstverständlich steigende Verkaufszahlen sehen!


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Freundlichkeit ist oberstes Gebot in der Kongressbranche. Der Erfolg einer Veranstaltung l채sst sich aber auch an harten Fakten messen.

Der Experte warnt vor leeren Versprechungen. Marketing-Events sollten so angelegt sein, dass sie zielgerichtet Wissen vermitteln.

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Die Beispiele zeigen, dass es bei Marketing-Events nicht nur – und oft noch nicht einmal in erster Linie – um Emotionalisierung geht. Vielmehr dient Emotionalisierung zunehmend als Mittel zu übergeordneten Zwecken wie Informationsvermittlung, Motivation oder Verhaltensänderung; denn sie steigert den Aktivierungsgrad der Teilnehmer und damit deren Aufnahmebereitschaft. Die möglichen Wirkungen von Events sind mit dem Schlagwort „Emotionalisierung“ jedoch keinesfalls umfassend beschrieben. Im Grundsatz zielen Marketing-Events – wie alle Kommunikationsinstrumente – darauf, die Einstellungen und das Verhalten von Nachfragern gemäß den Marketing-Zielen des eigenen Unternehmens zu beeinflussen. In Abwandlung der bekannten Drei-Komponenten-Theorie (M. Rosenberg et al.: Attitude Organisation and Change, New Haven 1960), die sich ursprünglich auf die Komponenten von Einstellungen und deren Bedeutung für das Verhalten bezieht, stellen wir daher folgende Basis-Hypothese auf:

Als Marketing-Events gelten hier alle Arten von Eigenveranstaltungen eines Unternehmens, die zu dem Zweck durchgeführt werden, dessen Marketing-Ziele zu erreichen. Diese Definition entspricht weitgehend dem Sprachgebrauch in der Praxis, denn der Begriff „Event“ ist mittlerweile zu einem Synonym für „Veranstaltung“ geworden (so sieht es auch der Duden). Die Artenvielfalt von Veranstaltungen legt natürlich die Vermutung nahe, dass den obigen drei Wirkungskomponenten je nach Art des Events unterschiedliches Gewicht zukommt. Demnach ist die Basis-Hypothese wie folgt zu erweitern: Die Wirkungskomponenten sind bei unterschiedlichen Arten von Marketing-Events unterschiedlich ausgeprägt. Diese Hypothese haben wir in einer empirischen Studie überprüft. Dazu wurden Marketing-Events, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, in sechs Arten unterteilt und durch die verwandten Fremdveranstaltungsarten Sponsoring-Events und Messen/Ausstellungen ergänzt. Hier ist die Zusammenfassung der Ergebnisse:

Marketing-Events können ■ Emotionen wecken (Affektive Wirkungskomponente), ■ Informationen vermitteln (Kognitive Wirkungskomponente), ■ zu Handlungen motivieren und Handlungen auslösen (Konative Wirkungskomponente).

Unterschiedliche Wirkungsprofile verschiedener Event-Arten

Affektive Wirkungen

Kognitive Wirkungen

Konative Wirkungen

Event-Navigator® Die konative Komponente baut auf den ersten beiden Komponenten auf: Durch affektive und kognitive Stimuli bilden sich Einstellungen, die zu einer bestimmten Verhaltensmotivation führen, welche ihrerseits (nicht zwangsläufig, aber potentiell) ein bestimmtes Verhalten nach sich zieht. Diese Systematik läuft quer zu der üblichen Einteilung in streutechnische, psychische und ökonomische Event-Wirkungen: Die affektive und die kognitive Komponente sind den psychischen Wirkungen zuzuordnen; gleiches gilt für Motivationswirkungen, den ersten Teil der konativen Komponente. Deren zweiter Teil umfasst jegliche Handlung, die im Vorfeld, Hauptfeld oder Nachfeld eines Events ausgelöst wurde, darunter streutechnische Wirkungen wie Teilnehmerzahlen und Medienresonanz, aber auch ökonomische Wirkungen wie zusätzlichen Absatz und Umsatz. seite 10

Die befragten Praktiker erwarten von Firmenfeiern, Motivationsund Sponsoring-Veranstaltungen primär affektive Kommunikationswirkungen, hier stehen also Emotionalisierung und Imagebeeinflussung der Zielgruppen im Vordergrund. Bei Motivationsveranstaltungen verwundert allerdings der geringe „GrünAnteil“: Von solchen Events sollte ein substantielles Maß an konativen Wirkungen erwartet werden. Umgekehrt erscheint im Vergleich der konative Anteil bei Sponsoring-Veranstaltungen zu hoch bewertet. Bei Seminaren/Kongressen, Pressekonferenzen und Hauptversammlungen dominieren hingegen kognitive Wirkungen, hier steht also die Informationsfunktion im Vordergrund. Bei Verkaufsförderungs-Events (z. B. Produktpräsentationen, Road Shows) überwiegt die konative Komponente: Hier steht naturgemäß das Motivieren zu und das Auslösen von (Kauf-) Handlungen im Vordergrund. Die wichtigste Funktion von Messen und Ausstellungen schließlich sehen die Befragten zu rund 50 Prozent im Informieren, und dies deckt sich mit Ergebnissen anderer Studien (z. B. AUMA: Erfolgreiche Messebeteiligung 2004, S. 11, 22). Das Auslösen von Emotionen und Handlungen folgen mit jeweils rund 25 Prozent auf dem zweiten Platz. Halten wir fest: Die Praxis schätzt die Wirkungen verschiedener Event-Arten sehr differenziert ein. Angesichts dessen muss es verwundern, dass in der Wissenschaft die einseitige Interpretation von Events als „emotionalem“ Kommunikationsinstrument nach wie vor weit verbreitet ist. Marketing-Events besitzen offenbar sehr heterogene Wirkungsprofile. Nach dem Schwerpunktprinzip kann man affektiv profilierte, kognitiv profilierte und konativ profilierte Marketing-Events unterscheiden.


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Wirkungskomponenten sind bei unterschiedlichen Arten von Marketing-Events unterschiedlich ausgeprägt. Diese Hypothese haben wir in einer empirischen Studie überprüft. Dazu wurden Marketing-Events, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, in sechs Arten unterteilt und durch die verwandten Fremdveranstaltungsarten Sponsoring-Events und Messen/Ausstellungen ergänzt. Hier ist die Zusammenfassung der Ergebnisse:

Festakte/Galas 9%

86%

5%

Motivationsveranstaltungen 63%

8%

29%

Sponsoring-Events 55%

19%

26%

Kongresse/Seminare 13%

78%

9%

Pressekonferenzen 13%

84%

3%

Shareholder-Veranstaltungen 7%

90%

3%

VKF-Events 18%

21%

61%

Messen/Ausstellungen 27%

48%

Event-Navigation®: von der Analyse über die Planung bis zur Kontrolle Die Zielplanung von Marketing-Events sollte deshalb umfassend und zugleich differenziert erfolgen. Mit dem Event-Navigator® steht ein entsprechendes Planungsinstrument zur Verfügung. Vor jedem Event sind die möglichen Zielwirkungen systematisch zu analysieren, denn es gilt zu vermeiden, dass mögliche übersehen werden. Hier befördert der Event-Navigator® die Vollständigkeit der Zielformulierung.

25%

Sodann ist (in Abhängigkeit der marketingstrategischen Vorgaben) der Zielwirkungs-Mix festzulegen, bildlich gesprochen also die Fläche der drei Kreissegmente. Auf diese Weise werden die Ziele gewichtet, denn nicht jedes Ziel ist bei jedem Event gleich bedeutend. Hier fungiert der EventNavigator® als Steuerungsinstrument. Durch Abgleich des Zielwirkungs-Mix mit dem Wirkungsprofil alternativer EventArten ist anschließend die geeignete Veranstaltungsart auszuwählen. seite 11


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Für eine detaillierte Zielwirkungsplanung ist es natürlich erforderlich, die Wirkungskomponenten durch Messgrößen und zugehörige Zielwerte zu operationalisieren. Damit wandelt sich der Event-Navigator® zu einem Kontrollinstrument, das die Komponenten des Event-Erfolgs zielabhängig gewichtet (was in vielen anderen Modellen unterbleibt, die Balanced Scorecard eingeschlossen). Die meistverwendete Messgröße für affektive Wirkungen ist die Veränderung des (Produkt-, Unternehmens-, Marken-)Images. Wichtige Messgrößen kognitiver Zielwirkungen sind Wiedererkennung (Recognition), Erinnerung (Recall) und richtige Zuordnung der Kommunikationsbotschaften. Messgrößen konativer Zielwirkungen schließlich können an der Verhaltensabsicht (zum Beispiel Absicht zur Teilnahme am Event, Kaufbereitschaft) oder am tatsächlichen Verhalten (zum Beispiel Teilnahme am Event, Kauf, Medienresonanz) ansetzen. Den Messgrößen und Zielwerten müssen schließlich noch geeignete Messverfahren zugeordnet werden. Für affektive Wirkungen sind dies beispielsweise Imagedifferentiale, Emotionsprofile, (apparative) Beobachtung der Mimik der Teilnehmer. Für kognitive Wirkungen kommen beispielsweise Recall- und Recognition-Tests in Betracht. Konative Wirkungen im Sinne von Verhaltensabsichten können durch geeignete Befragungsmethoden gemessen werden, etwa durch das Konstantsummenverfahren (dabei werden die Teilnehmer gebeten, ein fiktives Geldbudget auf mehrere Marken zu verteilen). Das Verhalten selbst schlägt sich in quantitativen Größen nieder (wie beispielsweise Anmelde-, Teilnahme-, Neukontaktquoten, Anzahl und Reichweite der Presseberichte, Anzahl eingegangener Produktbestellungen, Stückzahl verkaufter Merchandise-Artikel) beziehungsweise in den entsprechenden finanziellen Größen.

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zeitlichen Abstand von Event und Wirkungseintritt zu. Je zeitnäher sich eine Wirkung einstellt, desto größer ihre Zurechenbarkeit. Warum sollte man etwa darauf verzichten, Bestellungen, die noch auf der Veranstaltung oder direkt im Anschluss abgegeben werden, dieser Veranstaltung (zumindest teilweise) als Erfolg zuzurechnen? Es gibt Methoden, Wechselwirkungen mit anderen Instrumenten mit hinreichender Sicherheit herauszufiltern, sofern man den Aufwand nicht scheut. Eine Möglichkeit besteht darin, Messungen gleichermaßen bei Teilnehmern und Nichtteilnehmern vorzunehmen, und zwar am besten jeweils vor und nach dem Event. Auf diese Weise fungieren die Nichtteilnehmer als Kontrollgruppe. Falls diese Verdoppelung des Messaufwandes unverhältnismäßig scheint, kann man zu einer pragmatischen Alternative greifen und statt dessen die Kunden befragen, welchen Anteil die Teilnahme am Event an ihrem folgenden (Kauf-)Verhalten hatte. Das ist natürlich nur die zweitbeste Lösung, aber immer noch besser als gar keine Wirkungskontrolle. Grundsätzlich gilt: Zurechnungsprobleme können keinen Verzicht auf Erfolgsmessungen begründen; sie müssen jedoch bei der Interpretation der Meßergebnisse Berücksichtigung finden. ■ Der Autor: Dr. Hans Rück ist Professor für Marketing und Allgemeine Betriebswirtschaftslehre am Fachbereich Touristik/Verkehrswesen der Fachhochschule Worms, Unternehmensberater und Management-Coach. Einer seiner Tätigkeitsschwerpunkte ist die Entwicklung praxisgerechter Problemlösungen für die MICE-Industrie.

Zurechenbarkeit von Event-Wirkungen Speziell gegen die Einbeziehung ökonomischer (konativer) Wirkungen als Maß für den Event-Erfolg wird gerne das Argument der mangelnden Zurechenbarkeit ins Feld geführt. Natürlich bestehen zwischen den Marketing- und Kommunikationsinstrumenten eines Unternehmens Wechselwirkungen (Spillover- und Carry-over-Effekte), die eine isolierte Erfassung des Event-Erfolgs erschweren. Die Interdependenzen werden noch verstärkt durch einen abgestimmten, synergetischen Einsatz der Instrumente, wie er nach dem Konzept der Integrierten Kommunikation anzustreben ist. Andererseits sind Zurechnungsprobleme keine Besonderheit konativer Wirkungen: Sie treten auch bei affektiven und kognitiven Wirkungen auf, ohne dass dies im gleichen Maß betont würde. Auch die gefühlsmäßige Bindung an eine Marke und das Wissen über ein Produkt sind nicht unabhängig von den Wirkungen der anderen Instrumente. Relativierend ist außerdem anzumerken, dass Zurechnungsprobleme vor allem auf lange Sicht entstehen. Denn die Wechselwirkungen mit anderen Instrumenten nehmen mit dem seite 12

Studienprofil. Fachhochschule Worms, m:con und MPI Germany e. V. haben in einer gemeinsamen Studie 318 Unternehmen und Agenturen befragt, welche Wirkungen sie von verschiedenen Event-Arten erwarten, um zu einem differenzierten und zugleich umfassenden Bild der Wirkungsweise von Marketing-Events zu gelangen. Die Studie erhebt keinen Anspruch auf Repräsentativität. Die Ergebnisse sind jedoch in den meisten Fällen überaus eindeutig, weshalb davon ausgegangen werden kann, dass sie auch bei einer größeren Stichprobe kaum anders ausgefallen wären.

Durchgeführt wurde die Studie von Dipl.-Betriebswirtin Kathrin Billgen im Rahmen ihrer Diplomarbeit unter der fachlichen Betreuung von Prof. Dr. Hans Rück.


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Augen und Ohren auf – und nicht nur Gefühle ansprechen. Wie stark Teilnehmer auf ein Event reagieren, lässt sich mit geeigneten Messverfahren genau untersuchen.

Auch das Catering entscheidet über den Erfolg einer Veranstaltung. Stimmt der Rahmen für das Event, lassen sich die wichtigen Informationen leichter an den Mann und die Frau bringen.

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Perfect Vision - Manfred Besch sorgt für High-Tech bei der BASF-Hauptversammlung „Immer mehr und immer moderner“ Von Dr. Katrin Bischl

Der Mann war in den letzten Wochen im Dauerstress, eine Besprechung hatte die nächste gejagt: Manfred Besch, Experte für Konferenzraum- und Eventtechnik, kam vor der Hauptversammlung der BASF kaum zur Ruhe. Das Organisationstalent hat mit neuer Technik gekonnt Glanzlichter gesetzt. Vieles andere war für ihn Routine. Ein Mammutprojekt in der Rückblende.

Neun Reihen mit Flachbildschirmen bilden ein Spalier für die Aktionäre. Eine Erdkugel mit einem Durchmesser von fast vier Metern hängt im Foyer des m:con Congress Center Rosengarten in Mannheim. Kontinente, Firmen-Standorte, farbige Impressionen aus aller Welt ziehen vorüber. Eine 72 Quadratmeter große Leinwand im Mozartsaal zeigt gestochen scharfe Bilder. Keine Frage: Der Chemiekonzern BASF bietet auf seiner Hauptversammlung High-Tech vom Feinsten. Damit Bild, Ton und Computer immer funktionieren – dafür sorgt Manfred Besch, Technischer Leiter der Hauptversammlung. Bereits seit 20 Jahren wirkt er an dieser Großveranstaltung mit, seit 1990 in verantwortlicher Position. „Immer mehr und immer modernere Technik kommt zum Einsatz,“ sagt er. Doch den Überblick verliert er nie. In den Tagen und Wochen vor der Hauptversammlung ist Manfred Besch, Experte für Konferenzraum- und Eventtechnik, ein vielgefragter Mann. An seinem Arbeitsplatz in Ludwigshafen trifft man ihn nur selten. Eine Besprechung jagt die nächste. Er besucht Partnerfirmen, die Equipment und Personal stellen, schaut immer wieder im Rosengarten vorbei, feilt an der Umsetzung von neuen Ideen. „Die Technik entwickelt sich rasant weiter, darum gibt es bei jeder Hauptversammlung Neuerungen,“ sagt Besch. Dieses Jahr ist es die 3,80 Meter große Erdkugel, „eine Pionierarbeit der Unternehmensdarstellung der BASF“. Mehrere Beamer senden Bildausschnitte, die auf der 360° Voll-Kugelprojektion als ein großes Bild erscheinen. Seit Jahren Bestandteil der Hauptversammlung und gleichwohl imposant ist die Großbildprojektion im Mozartsaal. Eine Leinwand mit 18 Metern Länge und 4 Meter Höhe erstreckt sich am Kopf des Raumes, direkt hinter der 15 Meter langen Rednerbühne, auf der Vorstandsvorsitzender Dr. Jürgen Hambrecht, die Mitglieder des Vorstands sowie Aufsichtsseite 14

ratsmitglieder Platz nehmen. Was der Zuschauer als ein 72 Quadratmeter großes Bild wahrnimmt, sind in Wahrheit vier neben- und übereinander projizierte Bildausschnitte. Verschiedene Beamer spielen diese ein. Eine spezielle Software sorgt dafür, dass aus ihnen ein großes Bild entsteht. „Vor allem das Schnittstellenproblem muss gelöst werden. Die einzelnen Bildausschnitte sind exakt anzupassen und dürfen sich nicht überschneiden,“ erklärt Besch und fährt fort: „Auch die Farben so einzustellen, dass sie nicht durch die Raumbeleuchtung verfremdet werden, ist schwierig und erfordert großes Geschick.“ Für ihn ist die Großbildprojektion im Mozartsaal jedes Jahr die Feuerprobe: „Wenn da die Technik läuft, dann bin ich beruhigt. Dann klappt der Rest auch bestens.“ Dank der Großleinwand können selbst Zuschauer in der letzten Reihe das Geschehen auf der Bühne bestens verfolgen. Überlebensgroß werden die Unternehmensrepräsentanten gezeigt und die Grafiken zur Illustration der Reden eingeblendet. Auch wer sich im Saal zu Wort meldet, um einen Diskussionsbeitrag zu leisten, wird in Großformat auf die Leinwand projiziert. Zwei bewegliche und zwei fest installierte Kameras zeigen die Diskutanten und das Publikum auf den Großbildprojektionen im Haus. Rund 8.000 Aktionäre strömten dieses Jahr wieder zur BASFHauptversammlung in das m:con Congress Center Rosengarten. „Nicht alle haben Platz im Mozartsaal, wo die Bühne steht,“ erklärt Manfred Besch und ergänzt: „Und nicht alle wollen den ganzen Tag dort verbringen.“ Darum lässt er im gesamten Gebäude sowie im angrenzenden Dorint-Hotel LED-Wände und Projektoren installieren, die das Geschehen aus dem Mozartsaal live übertragen. Allein 15 Großbildleinwände zwischen zweieinhalb und fünf Metern Breite sind im Musen- und Stamitzsaal, im Foyer und in der Variohalle. 38 kleinere – etwa ein Meter breite


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Manfred Besch beim Rundgang. Rund 8.000 Aktionäre kamen dieses Jahr zur BASF-Hauptversammlung. Nicht nur für den Technik-Chef ging’s rund: Eine Erdkugel mit einem Durchmesser von fast vier Metern zog im Foyer des m:con Congress Center Rosengarten die Blicke auf sich.

Flachbildschirme – lassen die Besucher in den kleineren Foyers und Räumen die Hauptversammlung miterleben. Gibt es bei all den PCs, Leinwänden, Kameras und Lampen nicht Kabelsalat? Manfred Besch wiegelt erleichtert ab. „Nein, zum Glück sind diese Zeiten lange vorüber, als wir Tausende Meter Kabel verlegen mussten.“ Vor 20 Jahren, als er zum ersten Mal als Techniker bei der Hauptversammlung mitwirkte, war das noch anders. „Daran will ich mich gar nicht erinnern!“ Dank der EDV-, Video- und Audio-Netzwerke im m:con Congress Center Rosengarten sind Kabel heute kaum mehr erforderlich. Die Netzwerke verbinden das Kongresszentrum sogar mit dem nahegelegenen Dorint-Hotel. So können Besucher auch dort die

Hauptversammlung live verfolgen. Eine ausgefeilte Lautsprecheranlage sendet die Reden aus dem Mozartsaal bis in den letzten Winkel des Rosengartens und auch in das Dorint-Hotel. Nicht alle Aktionäre geben vor Ort ihre Stimme ab. Wer keine Zeit hat, nach Mannheim zu kommen, kann bequem per Internet zu Hause abstimmen. Einzige Voraussetzung: Er muss sich auf der BASF-Homepage registriert haben. Diese Möglichkeit hatten Aktionäre erstmalig letztes Jahr – heute gehört sie bereits zum technischen Standard der Hauptversammlung. Keine Hauptversammlung ohne Pressezentrum. Das weiß auch Manfred Besch. Internetanschluss, 40 Computerarbeitsplätze, Telefone sowie Drucker finden Journalisten in einem eigens für sie eingerichteten Raum, etwas abseits vom Geschehen. Einen Großteil der eingesetzten Technik stellt das m:con Congress Center Rosengarten zur Verfügung: 160 Telefone, 12 Faxgeräte, 60 Scheinwerfer, 6 d&b Beschallungsanlagen für den Rosengarten und das Dorint-Hotel, 4 Tonpults, ein hauseigenes TV-Netz und, und, und. Nicht zu vergessen die Notstromversorgung. Dank ihr können in ganz Mannheim die Lichter ausgehen, doch die BASF-Hauptversammlung wird trotzdem wie geplant über die Bühne gehen. Das Zusammenspiel all dieses technischen Equipments bedarf einer ausgefeilten Kontrolle und exakter Steuerung. „Dies leisten wir von der Regie aus,“ erklärt Manfred Besch. „Die Regie“ – das ist keineswegs ein Raum mit viel Technik. Nein, er spricht vielmehr von einem ganzen Stockwerk. Drei Regieräume, ein langer Gang und mehrere angrenzende Räume sind vollgepackt mit Computern, Mischpults, Sicherungskästen. „Es gibt eine Bild-, eine Ton- und eine Lichtregie,“ so Manfred Besch. „Hier wird das Zusammenspiel der Kameras, PCs und Leinwände koordiniert.“ Das Regieteam sorgt für fernsehtaugliches Licht in den Räumen, mischt den Ton ab und spielt Daten zu. „Wenn die Rede des seite 15


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Eine riesige Videowand bildete den Bühnenhintergrund bei der Hauptversammlung. Auf sie wurden die Ansprachen wie die von Aufsichtsratschef Dr. Jürgen Strube projiziert.

Vorstandsvorsitzenden mit Grafiken veranschaulicht werden soll, müssen diese zum richtigen Zeitpunkt eingeblendet werden.“ Damit am Tag der Hauptversammlung alles wie am berühmten Schnürchen klappt, sind umfangreiche Vorbereitungen erforderlich. Spätestens im Januar beginnt die intensive Planungsphase: Partnerfirmen werden geordert und das technische Equipment gebucht, die Ideen für den Technikeinsatz mit der Abteilung Event Mangement abgestimmt, die für die gesamte Hauptversammlung verantwortlich ist. Eine umfangreiche Checkliste regelt die gesamte Vorbereitung. Ein Ablaufplan umfasst allein 400 einzelne Arbeitsschritte: Vom Aufbauen der Mikrofone, PCs und Kameras bis zum Prüfen der Server und Regie-Mischpulte. „Die heiße Phase beginnt eine knappe Woche vor der Hauptversammlung,“ sagt Manfred Besch. „Wenn die ersten LKW Material anliefern, dann geht es richtig los.“ Die kommenden Tage bis zur Hauptversammlung sind er und seine Mitstreiter fast rund um die Uhr im m:con Congress Center Rosengarten. „Die sind stressig – keine Frage,“ bekennt er freimütig, wirkt dabei aber sehr routiniert. Telefonanfragen von Kollegen, letzte Abstimmungen vor Ort, immer wieder kleine Schwierigkeiten – Manfred Besch kennt dies aus den vergangenen Jahren und weiß, damit umzugehen. Bei ihm liegen die Nerven nicht blank. Früh aufstehen heißt es für Manfred Besch am Tag X, der dieses Jahr der 5. Mai war. Ab 6 Uhr ist er im Rosengarten. Ein letztes Mal checkt er die Technik. Noch ist Zeit für letzte kleine Änderungen. „Ab 8 Uhr ist das Haus geöffnet und sofort kommen die ersten Besucher in den Rosengarten,“ sagt Manfred Besch. „Dann muss einfach alles funktionieren.“ Am Abend können sich dann alle entspannt zurücklehnen? „Das wäre schön,“ sagt Manfred Besch lachend. „Nein, dann wird es noch mal richtig stressig. Alles muss wieder abgebaut werden.“ Die BASF-Techniker und viele Helfer warten, bis die Hauptseite 16

versammlung endet – und sie los legen können. Dann werden die Kameras abgebaut, Daten gesichert, PCs runtergefahren, Lampen abgehängt, die Mischpulte abgestöpselt und, und, und. „Da der Rosengarten schon am kommenden Abend für eine andere Veranstaltung die Tore öffnet, müssen wir uns sehr beeilen. Erst dann sind wir fertig – und können aufatmen.“ Aber bekanntlich ist ja nach dem Spiel immer auch vor dem Spiel. Wenige Tage nach dem Großereignis Hauptversammlung steht die Manöverkritik an. „Mitte Mai wird besprochen, was gut geklappt hat, was verbessert werden kann – und es werden Pläne fürs neue Jahr geschmiedet.“ ■


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Projektionen von Kontinenten, Firmen-Standorten und farbigen Impressionen aus aller Welt zogen auf diesem Globus vor端ber. Der Chemiekonzern BASF bot auf seiner Hauptversammlung High-Tech vom Feinsten.

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Case Study: Wenn der 112. zum Ersten wird m:con organisierte erstmals den Internisten-Kongress der DGIM Von Joachim Grafen

Premiere: m:con organisierte zum ersten Mal den Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) in Wiesbaden. Hohe Ziele verbanden sich mit dem Projekt: Der Kongress sollte verstärkt jüngere Mediziner anlocken, das äußere Erscheinungsbild gleichzeitig aus einem Guss sein. Bei allem war Kosteneffizienz oberstes Gebot. Wie diese Vorgaben Realität wurden, faszinierte nicht nur die Veranstalter.

Dass es ein faszinierender Auftrag sein wird, spürten alle Kolleginnen und Kollegen bei m:con, als sich die ersten Anzeichen, die Organisation des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin ab 2006 zu übernehmen, Anfang des Jahres 2005 zur Gewissheit verdichteten. Gleichermaßen spürten auch alle, dass es eine besondere Herausforderung werden würde, gehört der DGIM-Kongress in Wiesbaden doch zu den ganz großen im Lande, zu den traditionsreichsten – m:con hatte den bereits 112. zu organisieren – und last but not least fällt er in eine Zeit, da die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein dichtes Programm zu bewältigen haben. In der Vorwoche der DGIM findet in Mannheim die Frühjahrstagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie statt, ein Kongress mit fast 7.000 Teilnehmern, den m:con seit 2003 organisiert, parallel lief ebenfalls im m:con Congress Center Rosengarten das Schwabe, Ley & Greiner Finanzsymposium, mit 1.500 Teilnehmern und großer Ausstellung, und direkt im Anschluss an die DGIM beginnt in Mannheim die Saison der insgesamt zehn Hauptversammlungen, wobei die der BASF und der SAP den Reigen eröffnen. Ein Pensum also, das sich nur durch immensen Enthusiasmus bewältigen lässt – und jener kam auf. Er war innerhalb des m:conTeams in Mannheim gleichermaßen zu spüren wie schließlich auch vor Ort in den Wiesbadener Rhein-Main-Hallen.

Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V., mit derzeit etwa 15.500 Mitgliedern eine der größten wissenschaftlichen Vereinigungen in Deutschland, wurde 1882 gegründet. Die Gesellschaft sieht sich als integrierendes Band mit dem Ziel, die Einheit der Inneren Medizin in Forschung, Klinik und Praxis zu erhalten, gleichzeitig aber Forschung und Spezialisierung in den seite 18

einzelnen Schwerpunkten zu fördern. Anerkannte Schwerpunkte der DGIM sind Angiologie, Endokrinologie, Gastroenterologie, Hämatologie/Onkologie, Kardiologie, Nephrologie, Pneumologie und Rheumatologie. Pflege und Integration der Spezialgebiete der Inneren Medizin versteht die DGIM als ständige Aufgabe. Die DGIM fördert die Fortbildung und die Weiterbildung in Klinik und Praxis. Gegenüber staatlichen und kommunalen Behörden und Organisationen der ärztlichen Selbstverwaltung vertritt sie die Belange der Inneren Medizin als Wissenschaft. Eine herausragende Aufgabe der Gesellschaft ist die fünftägige Jahrestagung, traditionell in Wiesbaden angesiedelt, wo das Programm aller internistischen Teilbereiche derart breit gefächert erscheint, dass es ein leichtes ist, für den eigenen Kongressbesuch individuelle Schwerpunkte zu setzen. Parallel zum Kongressprogramm laufen praktische Kurse. Mit hochkarätigen Experten finden Frühstückssymposien als Diskussionsrunden statt. Freie wissenschaftliche Beiträge werden als Poster präsentiert und diskutiert. Satelliten-, Mittags- und Abendsymposien werden unter der Schirmherrschaft der DGIM von der biomedizinischen Industrie ausgerichtet. Der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) veranstaltet am Wochenende vor Beginn des Hauptprogramms seine Vorsymposien; die Kurse zu aktuellen Themen der Inneren Medizin wurden 2006 erstmalig von der DGIM selbst ausgerichtet.

Ideenfindung und Konzepte Die Vorbereitungen bei m:con begannen recht genau ein Jahr vor der Veranstaltung. Es entstanden erste Layout-Ideen, ein einheitliches Corporate Design für Drucksachen, Internet, Marketing und schlussendlich auch die Hallengestaltung.


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Ein Finanzplan wurde erstellt, der der DGIM schließlich einen weit größeren Ertrag bringen sollte, als jemals zuvor. Dazu trug ein kosteneffizientes Arbeiten und intensives Controlling von Beginn an ebenso bei, wie auch die überaus intensive Sponsorenakquise durch m:con. Sie mündete unter anderem im Engagement der DBV-Winterthur als Hauptsponsor (in diesem Sinne der erste im deutschen Kongress-Leben) und half, die Veranstaltung auf wirtschaftlich solide Beine zu stellen. Vor allem aber wurde zunächst natürlich die aktuelle Veranstaltung (2005) genau analysiert, beispielsweise Befragungen von Kongressbesuchern und Ausstellern ausgewertet. Der erste eigene Eindruck des Besuches beim DGIM-Kongress 2005 deckte sich in weiten Teilen mit den Ergebnissen der Evaluierung: Besucher wie Industrie wünschten sich eine gesteigerte Dichte der Tagung, räumlich einerseits, aber auch kommunikativ. Bislang hatte der Kongress eine sehr weitläufige Struktur; einige der per se nicht unbedingt einladenden Hallen lagen relativ weit abseits der normalen Besucherströme. Also wurde die große Halle 10 für den Kongress komplett geschlossen. Stattdessen fand die Industrieausstellung 2006 auf zwei Ebenen statt und bezog auch die Foyers mit ein. Dies sollte eine deutlich verbind-

Der ehrwürdige Kongress zeigte allein hiermit schon ein nicht völlig anderes, aber doch sympathisch frisches Gesicht – und durchaus auch gesteigertes Selbstbewusstsein. Der Veranstalter versteckte sich nicht mehr in der teils glanzvollen Architektur der 3.414 Quadratmeter Fläche umfassenden Industrieausstellung; neben der charaktervollen Präsenz in der eigenen Lounge und der runderneuerten Medienannahme schuf allein schon das Entree, der „Erstkontakt“, also der modern-funktional gestaltete Tagungscounter, hohe Sympathiewerte.

lichere Atmosphäre erzeugen. Das neue Raumkonzept schuf mehr Kommunikationsfläche, mehr „Kongress-Leben“ für die Teilnehmer. So entstand beispielsweise eine DGIM-Lounge im Foyer als zentrale Anlaufstelle und Treffpunkt für Gespräche. Neben einer schon in der Vergangenheit beliebten, zum Verweilen einladenden Kunst-Oase wurde auch die Medienlounge, an der Referenten intensiv und sehr persönlich von den m:con IT-Experten betreut wurden, harmonischer, kommunikativer gestaltet, ergänzt durch einige entsprechend möblierte und mit Bambus und Olivenbäumen begrünte Bereiche, die zu Gesprächen abseits des eigentlichen Kongress-Programmes einluden. Für die Medienvertreter entstand eine ebenso komfortable (und entsprechend dankbar genutzte) Presselounge.

terminals seine Teilnahme-Bestätigung ausdrucken. Doch auch Hightech hilft nicht immer; beispielsweise wenn die Codekarten verloren oder im Hotel vergessen worden waren. Dann half was schon immer half – ein ausgewiesen sachkundiges, verständnisvolles und freundliches Counter-Team. Und manches Mal hilft auch schon ein Lächeln …

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Der erste Eindruck Überhaupt, der Counter. Nicht nur, dass er äußerst schick daherkam, die Mitarbeiterinnen so professionell und engagiert wie auch stets herzlich-individuell dahinter agierten – das große Kapitel rund um die Teilnehmer-Logistik bot einige Neuerungen. Zum ersten Mal gab es auf einem DGIM-Kongress Namensschilder, die mit einem Barcode versehen waren und es unter anderem ermöglichten, die „Weiterbildungspunkte“ den Teilnehmer direkt nach den besuchten Veranstaltungen auf ihr „Konto“ zu buchen. Schlussendlich konnte sich dann jeder an Selbstbedienungs-

Posterinseln Die Förderung und Anerkennung, mithin also auch die Präsentation junger Wissenschaftler, war und ist eine Herzensangelegenheit von Tagungspräsident Professor Dr. Werner Seeger aus Gießen, die sich beim 112. Kongress der DGIM nicht allein in


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seiner Oscar-würdigen Posterpreis-Verleihung beim Get Together niederschlug, sondern – ernsthafter – in verstärkt angebotenen Wettbewerbs-Foren und Symposien, die einen direkten Informationsaustausch untereinander und mit erfahrenen Kollegen ermöglichen. Hierzu passten die von m:con ersonnenen „Posterinseln“ mit jeweils 40 bis 50 thematisch gruppierten Postern in wechselnder Ausstellung. Anstelle der oftmals gezwungenermaßen eher an die Tristesse Londoner Suburbs als an konzentriertes Arbeiten und intensiven Dialog erinnernde Aufreihung der Poster traten hier klassische Foren. Rundbauten, mit Traversen und Segeln konstruiert und warm-konzentriert ausgeleuchtet, in denen – mittendrin im Geschehen und dennoch mit der nötigen Ruhe – vorgetragen, zugehört und disputiert wurde, auch außerhalb der eigentlichen Postersitzungen.

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Interessen junger Mediziner widmete, sondern durchaus auch unterhaltend-kommunikativen Charakter hatte, war nur konsequent. Julius Voigtländer, bekannt als DJ Joolz, legte zum „eat & listen“ chillig-anregende Musik auf.

Technik und IT

Um beim Thema der allseits gewünschten „Verjüngung“ des DGIM-Kongresses zu bleiben: Es gab einen zweiten, von m:con mitinitiierten Fokus, der sich speziell an den ärztlichen Nachwuchs

Gerade mal zwei Tage Zeit gab es zum Aufbau der gesamten Kongress-Technik, zu deren ohnehin sehr hohem Niveau noch besondere „Ansprüche mit Abenteuercharakter“ kamen. In einer Befragung der Besucher des Internistenkongresses 2005 wünschten sich diese größere und der Zahl der Zuhörer angemessenere Säle. Also wurden in diesem Jahr auch Räume im benachbarten Dorint Hotel genutzt, was beispielsweise bedeutete, dass – um diese mit der Technik in den Rhein-Main-Hallen zu vernetzen – in Zusammenarbeit mit den Wiesbadener Stadtwerken eigens 500 Meter lange Glasfaserkabel unter der Straße in dort bereits vorhandenen Leerrohren verlegt wurden. Somit waren die Seminar- und Tagungsräume im Hotel gleichermaßen mit dem Zentralrechner in den Rhein-Main-Hallen verbunden und alle Vortrags-Daten konn-

wandte; die CHANCES – das Forum junger Mediziner. Eingebettet in die große Industrieausstellung stellten an drei Tagen diverse potentielle Arbeitgeber (darunter Kliniken, Berufsverbände, Gesellschaften, Pharmaunternehmen und Finanzdienstleister) sich und ein mit Informationen zum Berufseinstieg und zur Karriereplanung voll gepacktes Programm vor. Über 25 Experten nahmen Jobaussichten für Assistenz- und Fachärzte unter die Lupe, informierten zur Facharztweiterbildung und referierten über berufliche Perspektiven, Karriereplanung und ihre persönlichen Erfahrungen. Dabei stand nicht nur das klassische Bild des klinisch tätigen Arztes im Mittelpunkt. So kamen neben Ärzten aus Klinik und Praxis auch Not- und Entwicklungsdienst, Pharmaunternehmen, Werbeagenturen und Verlage zu Wort. Dass sich die Veranstaltung nicht nur mit ihren Kernthemen den

ten auch im Hotel über das Netz ohne zusätzlichen Aufwand zur Verfügung gestellt werden. Präsentationen und Grafiken erschienen so in allen Sälen bereits auf dem Bildschirm, bevor die Referenten zum ersten Mal den Vortragsraum betraten. Und dabei wurden durchaus Maßstäbe gesetzt. So gehörten beispielsweise Vorschaumonitore, auf denen die Referenten ihre Charts sehen und steuern können, erstmals zur Standardausrüstung. Es bot sich aber auch etwas für des Zuhörers Augen – beispielsweise im großen Saal, dessen architektonisch gesehen epische Breite mit einem wahren Cinemascope-Bühnenbild sinnlichfunktional aufgefangen wurde; ein Format, das allein mittels insgesamt fünf Beamern und modernster Watch-Out-Technologie, die aus vielen kleinen Facetten ein großes, noch immer bewegliches Bild zu komponieren vermag, zu bewältigen war.

CHANCES – Das Forum junger Mediziner

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Beste Tonanlagen, messerscharfe, lichtstarke Beamer auch in den kleinen Räumen, aufwändige Traversenkonstruktionen, durchweg warmes, einladendes und augenschonendes Licht – es kam einiges zusammen: Sechs Lastwagen voll Material brachte m:con ins Rollen und von Mannheim nach Wiesbaden. Eine logistische Herausforderung, allein schon wegen der gleichzeitigen Veranstaltungen im m:con Congress Center Rosengarten in Mannheim. Was am Ende fast mühelos wirkte, war auch für die 30 Techniker um Mario Helbing, dem versierten technischen Projektleiter von m:con, „tatsächlich eine große Geschichte“.

Licht-Blicke Spannende Geschichten schrieb m:con auch im ehrwürdigen Kurhaus in Wiesbaden, wo traditionell die Kongresseröffnung und 2006 erstmalig auch das Get Together stattfand. Zum akademischen Festakt der Eröffnung inszenierte m:con ein Faszinosum aus Licht, da sich wie oft auch hier die Frage stellte, wie viel „Event“ die Redenfolge verträgt, um nicht gestört zu sein, respektive wie viel sie braucht, um die Aufmerksamkeit des Publikums zu gewinnen und zu erhalten. Im grundsätzlich dunkel gehaltenen wilhelminischen Prachtbau wurden punktuell architektonische Strukturen, Figurinen und Malereien mittels Licht betont, die Bühnenrückwand erschien, gemahnend an den Ursprung des Kurhauses, wie eine Wasserkaskade, der gesamte Saal teilweise in tiefe Farben gehüllt, abstrakt verändert. Und da diese Stimmungen zu jeder Rede sowie zu den mitreißend swingenden musikalischen Einlagen des vom Tagungspräsidenten hochgeschätzten Klezmer-Jazz-Trios „A Tickle in the Heart“ wechselten, blieb der Festakt in Bewegung – und nahm den Vorträgen nichts. Eher entfesselnd dann anderntags die Stimmung beim Get Together, aus einer Messehalle nun ebenfalls ins Kurhaus umgezogen und dort von Käfer’s Catering bestens bewirtet, wo zwei Bands – das „Mobile Einsatzkommando“ aus Frankfurt sowie das Pop-Jazz-Trio Ten+1 aus Mannheim – und ein DJ sowohl der Posterpreisverleihung den verdient schwungvollen Rahmen gaben als auch die Gäste nachhaltig (und wohl erstmalig in der Kongressgeschichte) in groovende Bewegung brachten. Es war vielleicht jener stimmungsvolle und hochkommunikative Abend, mit circa 700 Gästen, der am stärksten die Offenheit und die Freude der Teilnehmer, ihren Kongress einmal anders zu erleben, dokumentierte. Und auch – nicht zuletzt durch die hier geradezu enthusiastisch erlebbare Dynamik des Kongressteams um Prof. Seeger und Dr. André Althoff – den jüngeren Medizinern den ihnen gebührenden Stellenwert in und für die Zukunft der DGIM spüren ließ. „Der Internistenkongress hat seit 1882 Tradition. Doch er ist heute lebendiger denn je und fragt immer nach den neuesten wissenschaftlichen Entwicklungen und knüpft daran an“, sagte der DGIM-Vorsitzende und Kongresspräsident Professor Dr. Werner Seeger. Ohne falsche Bescheidenheit: m:con hatte gerüttelt Anteil daran. Und so soll es bleiben. Das Teamwork der Veranstalter um das Tagungspräsidium aus Gießen, den Vorstand der Gesellschaft,

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Der 112. Kongress der DGIM in Zahlen 8.100 Teilnehmer 16 bespielte Säle 281 Sitzungen und Kurse 456 Poster 3.414 Quadratmeter Ausstellung 129 Aussteller 2.000 Meter Glasfaserkabel 1.000 Meter Netzwerkkabel in der Halle 21 Videobeamer 82 PC 10.000 Tagungstaschen 99 Sitzwürfel 40 Olivenbäume 27 Kinder im KidsClub 700 Teilnehmer beim Get Together m:con übernahm ■ die Budgetierung und Finanzierung ■ das Veranstaltungskonzept, die Konzepte für Eröffnung und Get Together ■ die Aussteller- und Sponsoren-Akquise ■ die Raum- und Ausstellungsplanung, und -gestaltung ■ die Teilnehmerregistrierung und Referentenbetreuung ■ die Medien- und Vortragsannahme von über 600 Referenten ■ die Bereitstellung und Abwicklung des technischen CME-Punktevergabe-Verfahrens ■ die Erstellung und Pflege der Homepage und des Newsletters ■ die gesamte technische Ausstattung, weitgehend mit eigenem Material ■ die technische und bauliche Konzeption des Bühnenbilds im Plenarsaal für 2.000 Personen ■ die Ablaufüberwachung vor Ort ■ die Analyse und Abrechnung des Gesamtprojektes m:con war dabei mit 105 Mitarbeitern, davon 7 im Organisationsteam 18 am Tagungscounter 30 Techniker (davon 4 für die Ausstellung) 54 Hostessen

die Geschäftsstelle um Maximilian Broglie und m:con mit ihrem Projekmanager Daniel Metzler, war (unter der Bevorzugung des persönlichen Gesprächs gegenüber stürmischem Email-Hin-undHer) ein derart intensives und wechselseitig befruchtendes, dass schon am Ende des Kongresses 2006 genug neue Ideen entstanden waren, um zumindest vor der „13“ im Titel der nächstjährigen 113. Tagung keine Angst haben zu müssen. ■ seite 23


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Wissenschaftliche Medizinkongresse und der Pharmakodex Abbild der Marketing- und Vertriebsmisere der Pharma-Industrie Von Michel Maugé

Im Kern der Selbstbeschränkungsmaßnahmen geht es vor allem um die finanzielle Förderung des einzelnen Arztes. Firmeneigene Fortbildungsveranstaltungen können jederzeit durchgeführt werden und die Ärzte können auch hierfür weiterhin eingeladen werden. Die Einschränkung ist in der Verhältnismäßigkeit zu sehen. Das heißt, dass insbesonde keine Einladungen mehr in touristisch attraktive Destinationen und in Fünf-Sterne-Hotels erfolgen dürfen. Die Fortbildung muss eindeutig im Vordergrund stehen. Der Arzt kann zu dieser Veranstaltung seitens des Unternehmens eingeladen werden, wobei die Reisekosten, die Übernachtung und die Verpflegung übernommen werden dürfen. Freizeitaktivitäten und besondere Events sind jedoch zu unterlassen. Diese Einschränkungen gelten nicht nur für den niedergelassenen Arzt, sondern auch für die Klinikärzte. Hier sind seitens der Dienstherren zusätzliche Genehmigungen und Einschränkungen, die in den Kliniken verschieden vorgegeben sind, zu beachten. Insbesondere geht es hier um das Problem „Vorteilsannahme öffentlich Bediensteter“. Bei Veranstaltungen Dritter kann die Firma jederzeit den niedergelassenen Arzt einladen, die Reise- und Hotelkosten sowie den Tagungsbeitrag übernehmen. Bei Klinikärzten sind besonders die internen Vorgaben der Klinikleitungen zu beachten. Die Förderung von jungen Klinikärzten, insbesondere die Übernahme von Reisekosten für Vortragsreisen, ist nach den Regeln des Pharmakodex möglich, wird aber in der Praxis von seiten der jeweiligen Klinikleitungen verschieden gehandhabt, bis hin zur Ablehnung solcher Einladungen. Die Unterstützung der Kongressveranstalter, insbesondere die Übernahme von Veranstaltungskosten für Festabende, Referentenessen und andere Rahmenprogramme, ist nicht mehr möglich. Der Pharmakodex bildet deutlich die Marketing- und Vertriebsmisere der Pharmaindustrie ab. Die über Jahrzehnte entwickelten Vertriebsstrategien der Pharmaindustrie zielen ausschließlich auf den einzelnen Arzt. Sponsoring und Förderung von wissenschaftlichen Tagungen hing und hängt zum Teil bis heute von der „Wichtigkeit“ des jeweiligen Tagungspräsidenten ab. Hier kann die jährliche Unterstützung ein und desselben Kongresses beträchtlich schwanken. Die Beteiligung an einer industriebegleitenden Ausstellung und die Durchführung eines IndustrieSymposiums wird ausschließlich von der Anzahl der zu erreichenden Teilnehmerkontakte und dem wie bereits erwähnt wissenschaftlichen Ansehen des Tagungspräsidenten abhängig gemacht. Nun stellt sich die Frage: Kann angesichts der in den vergangenen Jahren erhobenen Vorwürfe der Vorteilsannahme und den seite 24

Beschränkungen des Pharmakodex zukünftig die Förderung der Wissenschaft nur auf Basis der oben beschiebenen Bedingungen erfolgreich umgesetzt werden? Die Umdenkprozesse im Rahmen des Pharmamarketings sind in vollem Gange. Die Markenkampagnen der Pharmaunternehmen, unabhängig vom einzelnen Produkt, werden immer umfangreicher. Die Marke, ihre Stärke und der wissenschaftliche Ruf der Firma, wird immer mehr in den Vordergrund gestellt. Die gesellschaftliche Verantwortung gegenüber dem Patienten und der Gemeinschaft sind in der Zwischenzeit wichtige Elemente des Brandings eines Herstellers. So lässt sich eine neue Art und eine neue Einstellung zur Förderung von wissenschaftlichen Fortbildungsveranstaltungen herleiten. Nicht mehr der einzelne Arzt steht im Vordergrund des aktiven Marketings, sondern der Kongress als solcher. Dazu zählt das Sponsoring der Veranstaltung insgesamt und die Förderung beispielsweise von Fonds, welche die Kosten für Jungwissenschaftler übernehmen, Fonds, die die Durchführung der Fortbildung ermöglichen. Das ist nichts Neues! In den USA und Asien ist ein solches Vorgehen gängige Praxis. Derartige Sponsorenkonzepte werden dort erfolgreich umgesetzt. Die immer stärker werdende Kritik aus der Wissenschaft, die Durchführung von Kongressen werde immer industrielastiger und damit sei ein „unangenehmer Nachgeschmack“ verbunden, ist vor allem darin begründet, dass die persönliche einzelne Förderung von Personen eine Zweiklassengesellschaft bildet. Jene, die die finanziellen Vergünstigen nicht erhalten, kritisieren naturgemäß das System. Existiert jedoch eine neutrale und nicht auf die einzelne Person gerichtete Förderung der Tagung, so werden diese Stimmen verstummen. Im Gegenteil: Das Firmenmarketing und Branding wird insgesamt besser und sympatischer eingeschätzt. Der Dialog zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, welcher auch in Zukunft zwingend notwendig ist, bekommt eine andere Basis. Neid, Vorteilsannahme, Erwartungshaltungen und vieles mehr werden verschwinden. Fortbildung, auch produktbezogen, ist notwendig. Fortbildung im Sinne eines seriösen Brand Marketings, wie dies in den meisten Industriebereichen heute gehandhabt wird, könnte auch Vorbild für ein neues Marketing in der Pharmaindustrie sein. Die Unterstützung der wissenschaftlichen Gesellschaften in der Erfüllung ihrer wichtigsten Aufgabe – die Fortbildung ihrer Mitglieder und die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, auch zu Gunsten der Industrie – bekommt eine neue und erfolgversprechende Bedeutung und einen neuen Sinn. ■


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Pharmakodex Die forschende Pharmaindustrie hat sich vor wenigen Jahren einem Pharmakodex unterworfen. Er regelt einerseits die Durchführung von Fortbildungsveranstaltungen für Ärzte durch die Firmen selbst und andererseits die finanziellen Beteiligungen an Kongressen und Fortbildungsveranstaltungen Dritter, zum Beispiel wissenschaftlicher und/oder berufständischer Verbände.

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VIP-Pakete als Instrument der Kundenbindung Aus dem Volltreffer wird leicht ein Eigentor Von Frank Wewoda

Wer Geschäftspartner in die VIP-Lounge einlädt, um mit ihnen in exklusivem Ambiente zum Beispiel ein Fußballspiel bei der FIFA-Weltmeisterschaft 2006 zu sehen, verspricht sich in der Regel eine Stärkung der Kundenbindung. Meist trifft die ungezwungene Lounge-Atmosphäre am Rande eines Großereignisses emotional ins Schwarze. Doch ob diese Form geschäftlicher Beziehungspflege am Ende wirklich ein Volltreffer ist, scheint in jüngster Zeit zumindest fragwürdig. Treffen von Kongresshaus-Chefs aus aller Welt: Die AIPC-VIPs speisten mitten im Schwetzinger Schloßgarten.

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Die Begeisterung auf den Rängen soll sich auf Gäste in der VIPLounge übertragen.

Die atemberaubende Atmosphäre in Großhallen macht auch auf Geschäftsfreunde Eindruck.

Bekommen die einladenden Unternehmen oder deren Kunden Probleme mit dem Finanzamt – in schlimmeren Fällen gar mit der Staatsanwaltschaft – verkehrt sich der erhoffte Nutzen solcher Einladungen geradewegs ins Gegenteil. Deshalb rät MarketingExperte Professor Dr. Hans H. Bauer aus Mannheim zu einem „sehr restriktiven Umgang mit VIP-Paketen.“ 5.000 Köche und 4.000 Hostessen stehen beispielsweise im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland bereit, um die VIPs der WM-Sponsoren zu verköstigen. Den Job machen die Catering-Firmen Käfer und Haberl aus München, Kofler aus Frankfurt und Stockheim aus Düsseldorf. Sie werden ab dem 9. Juni, wenn das Weltereignis angepfiffen wird, insgesamt 350.000 Gäste bekochen. So viele Tickets haben die WM-Sponsoren im Rahmen ihres Engagements bekommen. Spitzenpreis für ein solches Paket, in dem beispielsweise alle Spiele in Berlin enthalten sind, einschließlich Finale: 343.000 Euro. Die FIFA nimmt alleine durch diese Hospitality- und VIP-Lounge-Vermarktung 1,9 Milliarden Euro ein. Bei der WM nimmt das VIP-Geschäft freilich außergewöhnliche Dimensionen an. Doch auch in der Bundesliga ist die VIPHospitality ein entscheidender Faktor. Beispiel Hamburg: In der dortigen AOL Arena war in der abgelaufenen Fußball-Saison Gänsehaut-Atmosphäre garantiert. Fußball-Erstligist Hamburger SV spielte in der Spitzengruppe der Bundesliga lange Zeit eine führende Rolle. Phasenweise schien die Meisterschale für die Hamburger greifbar nahe zu sein. Am Ende sicherte sich der HSV

mit Platz drei immerhin noch die Qualifikation zur Champions League und damit eine gute Chance, nächste Saison in der AOL Arena europäischen Spitzenfußball zu bieten. Das wäre eine Steilvorlage für den Namensgeber des WM-Spielortes und andere Nutzer der VIP-Lounge: Auf insgesamt 50 Sitzen können Gäste im exklusiven Bereich in Hamburg Platz nehmen. Im Rahmen des AOL-Arena-Engagements verfügt AOL Deutschland auch über eine eigene VIP-Loge. Hier treffen sich die Gäste und finden auf insgesamt 20 komfortablen Sitzen Platz. Die Loge ist – natürlich – mit einer fest installierten AOL InternetStation ausgerüstet und ermöglicht kabelloses Surfen per WLANHotspot. Marc Nicolas Oerke, Director Marketing Communication von AOL Deutschland: „Das Sponsoring der AOL-Arena ist integraler Bestandteil der AOL Marken-Kommunikation. Darüber hinaus nutzen wir unsere Loge, um bei den Bundesliga-Spielen mit Kunden und Partnern den persönlichen Kontakt aufzubauen und zu intensivieren. Dabei greifen wir auf das Angebot des Caterings zurück. Das Essensangebot ist exklusiv, dennoch verlangen unsere Gäste auch nach der obligatorischen Bratwurst. Diesem Anspruch werden wir sehr gerne gerecht, denn die Bratwurst gehört zum Fußball wie AOL zum Internet.“ Zusätzlich zu den Logensitzen wird das Engagement auch von allen Mitarbeitern gelebt. Bei jedem Heimspiel verlost AOL 30 weitere Plätze in der AOL Arena. Ähnlich wie in Hamburg gehören VIP-Lounges auch in anderen deutschen WM-Stadien zum Standard wie in der Veltinsseite 27


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Die Kölnarena bei Nacht: Eine Glitzerwelt, in der sich Sport und Show gut zelebrieren lassen.

Der Kölner Event-Tempel ist nicht nur bei Konzerten oft ausverkauft, sondern auch während des Karnevals.

Arena (die frühere Arena „Auf Schalke“). Dort nennt sich der Bereich für die Very Important Persons „Glückauf-Club“. Der bietet bis zu 500 Personen Platz im überdachten Stadion, das insgesamt rund 60.000 Zuschauer auf Sitz- wie Stehplätzen fasst. Zum Angebot für die VIPs gehört ein reservierter Tisch mit Panoramablick sowohl in den Arena-Innenraum wie auch über das nördliche Ruhrgebiet. Der reservierte Platz mit Blick aufs Spielfeld befindet sich auf einem Balkon direkt vor dem Glückauf-Club – ausgestattet mit gepolsterten Business-Seats – oder in einem Block direkt darüber. Einen Hauch von Exklusivität umgibt auch die Logen in der Kölnarena (18.000 Sitzplätze). Hier stehen 60 Logen mit jeweils acht bis zwölf Sitzplätzen bereit. Unternehmen aus dem Raum Köln nutzen die Logen gern, um verdiente eigene Mitarbeiter mit dem Besuch einer besonderen Veranstaltung zu motivieren. „Es gibt Unternehmen beispielsweise der Versicherungsbranche, die VIP-Karten als Incentive für besonders erfolgreiche Verkäufer ausloben – das ist für uns ein wichtiges Geschäftsfeld“, so Michael Walther, Verkaufsleiter der Kölnarena. In Köln sind die Logen nicht nur bei Sportveranstaltungen gut belegt. Gerade bei Karnevalsveranstaltungen sind die gesonderten Bereiche besonders beliebt und stets ausgebucht. „Der Karneval ist eine Zeit in Köln, in der man nicht nur ausgelassen feiert, sondern auch Geschäfte macht. Man kommt sich in zwangloser Atmosphäre näher, das ist für die Geschäftsanbahnung sehr wichtig“, sagt Michael Walther. Neben der abwechslungsreichen

Kulisse eröffne die angemietete Loge Marketing- und Vertriebsmöglichkeiten zur Kundengewinnung oder Kundenbindung in genau der richtigen Atmosphäre – „außerhalb des direkten geschäftlichen Umfeldes“. „In erster Linie soll ein Markenerlebnis generiert und eine Haltung vermittelt werden“, erklärt Kirsten Becker, Sprecherin der Allianz Versicherungs-AG, die das Patronat für die große Fußball-Arena in München übernommen hat. Die Allianz-Loge ist eine Multifunktionsloge; sie kann neben der Nutzung als Fußballloge auch für Meetings, Empfänge und Konferenzen genutzt werden. Becker: „Sicherlich soll man sich dabei in der Loge wohlfühlen und die Allianz als ‚unaufgeregten Gastgeber’ in der Allianz Arena wahrnehmen.“ So attraktiv die Einladung von Geschäftskunden zu Events in solchem Umfeld allerdings auch erscheint – die Gefahren sind in jüngster Zeit immer stärker ins öffentliche Bewusstsein gedrungen. Die verschenkten Eintrittskarten zu VIP-Lounges müssten fast mit einem Warnhinweis versehen sein, etwa mit dem Inhalt: „Die Annahme dieser Karte kann Ärger mit dem Finanzamt verursachen“. Das Finanzamt sieht in einer Einladung in die VIPLounge schließlich einen steuerrelevanten, geldwerten Vorteil. Das wird dann besonders unangenehm für das sponsernde Unternehmen, wenn im Rahmen einer Lohnsteueraußenprüfung die Namen der eingeladenen Personen genannt werden sollen. Der Sponsor steht dann ziemlich unter Druck, eine gütliche Einigung mit dem Lohnsteueraußenprüfer zu erzielen, um Kontrollmit-

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teilungen und damit eine peinliche Überprüfung der Versteuerung des geldwerten Vorteils beim Geschäftsfreund zu vermeiden. Deshalb sieht Professor Dr. Hans H. Bauer solche VIPEinladungen an Einzelne äußerst kritisch. Der Dekan der BWLFakultät der Universität Mannheim ist einer der renommiertesten Marketing-Experten in Deutschland. „Wie sich jetzt in der Praxis zeigt, sind VIP-Pakete von der Gefahr einer persönlichen Vorteilsnahme bedroht. Sie binden den Empfänger der Leistungen in Goodwill und Sympathie an die Firma.“ Große Geschenke seien immer dazu angetan, Bindung zu erzeugen. „Die Frage ist, was als Gegenleistung erbracht wird. Dies darf nie losgelöst von der Legitimitätsfrage betrachtet werden. Eine moralisch-juristische Bewertung ist vor allem geboten, wenn aus persönlicher Verbundenheit eine für die Firma ungünstige Gegenleistung entstehen könnte. Dies läge juristisch sogar im Bereich der Korruption“, stellt Professor Hans H. Bauer klar. Im Falle von Ermittlungen wegen Korruption oder Vorteilsnahme kann aus dem vermeintlichen Volltreffer „VIP-Paket“ in

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Sachen Kundenbindung leicht ein Eigentor werden. Marketingfachmann Bauer rät jedenfalls zu einem „sehr restriktiven Umgang mit VIP-Paketen“. Nicht nur große Unternehmen wie der Stromkonzern EnBW Energie Baden-Württemberg sind wegen persönlicher Einladungen zur Fußball-Weltmeisterschaft zuletzt in die NegativSchlagzeilen geraten: Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe ermittelt wegen Vorteilsgewährung, beziehungsweise Vorteilsannahme. Kosten und Nutzen des Instruments zur Kundenbindung sind vor diesem Hintergrund genau abzuwägen. Marketingexperte Professor Bauer sieht einen Ausweg aus dem Dilemma vor allem darin, auf das Hofieren von Einzelpersonen zu verzichten. „Wenn man als Unternehmen das Geld für ein VIP-Paket nimmt und stattdessen beispielsweise die Betriebsfußballmannschaft mit neuen Trikots unterstützt, wäre der Fall sicher anders zu beurteilen, weil dann keine Bindung zu einer einzelnen Person aufgebaut wird.“ Eine Lösung, die Anbieter von VIP-Logen gar nicht gerne hören werden. ■

Die Fußball-WM lädt Fans zum hautnahen Feiern ein – VIPs haben es da etwas bequemer.

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Ausbau des m:con Congress Center Rosengarten 2007 Das Technische Bedarfskonzept kommt aus München

Um im Kongressgeschäft bestehen zu können, muss in Sachen Infrastruktur Enormes geleistet werden. Ganz besonders gilt dies für die technischen Anforderungen, die heutzutage an eine Tagung oder einen Kongress gestellt werden. Dabei geht es nicht wie noch vor wenigen Jahren um die einfache Bereitstellung von Computer, Beamer und Mikrofonen, sondern um die komplexe und intelligente Verknüpfung von Technik und Inhalt, damit ein möglichst einwandfreier Informationsfluss gewährleistet werden kann. Die Hörsäle im „neuen“ m:con Congress Center Rosengarten werden innovativ beschallt.

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Das „neue“ m:con Congress Center Rosengarten von oben: Der Jugendstil-Altbau vorn bleibt unangetastet.

Hier könnten dank neuer Technik bald 20 Personen gleichzeitig sprechen – theoretisch.

Das m:con Congress Center Rosengarten in Mannheim ist für hervorragende technische Ausstattung bekannt. Mit dem Ausbau bis Herbst 2007 wird es diesen Ruf erneut beweisen müssen. Auch dann wird die technische Ausstattung wieder die Handschrift von Beneke Daberto & Partner GmbH (BDP) aus München tragen. Ulrich Zimmermann ist in Mannheim Projektverantwortlicher für BDP München. Er plant mit seinen Mitarbeitern für die neuen Säle sämtliche Bühnen. Kein leichtes Unterfangen, denn diese müssen enorm flexiblen Anforderungen genügen. Einer der Konferenzräume im „neuen“ m:con Congress Center Rosengarten lässt sich mit Zwischenwänden beispielsweise in drei Teile abtrennen. Dem muss auch die Bühne – in dem Fall dann: die Bühnen – Rechnung tragen. Für diesen Saal wird eine dreigliedrige Bühne entwickelt, die komplett im Boden versenkt werden kann. „Damit wird sichergestellt, dass der Saal auch als Bankettsaal Verwendung finden kann und die tanzbegeisterten Kongressbesucher auf keinerlei Begrenzung stoßen,“ verrät Ulrich Zimmermann. Was auf den ersten Blick sehr einfach aussieht, ist im Detail tatsächlich enorm innovativ. Auch bei der Beschallung der neuen Säle wird Beeindruckendes geplant. Über 40 Lautsprecher mit jeweils gut 300 Watt Leistung – das sind insgesamt 12.000 Watt! – werden installiert, um auch wirklich jeden einzelnen Sitz- oder Stehplatz in ein „Beschallungszentrum“ zu verwandeln. Zimmermann: „Unsere Aufgabe ist, so zu planen, dass in dem Hörsaal sowohl Sprache als auch Musik perfekt verstanden und gehört werden können.“ Der Fachmann spricht dabei von einem „Akustikraum“, in dem von jeder Position aus ideale Hörverhältnisse herrschen. In Bezug auf das Hörempfinden sind diese „Akustikräume“ den antiken Arenen ganz ähnlich, die auch heute noch erstaunliche Hörerlebnisse ermöglichen. Überzeugt zeigen sich die Entwickler auch von der Funkmikrofonanlage, die 20 Kanäle gleichzeitig bedient. Das bedeutet, dass theoretisch 20 Personen gleichzeitig sprechen könnten, aber am Mischpult separat abmischbar wären. Zimmermann ist sich sicher, dass diese Anlage „den Erfordernissen der kommenden Jahre im Kongressgeschäft erst mal genügen wird.“

Aber: 20 Menschen, die die Räume gleichzeitig mit Sprache füllen, „das dürfte die Zuhörer sicher überfordern“. Neben fahrbaren Leinwänden werden in den kommenden Monaten auch acht so genannte Oberleitzüge angebracht, um eine möglichst flexible und einfache Handhabe der Licht- und Scheinwerferanlage zu gewährleisten. Highlight der ganzen Installationen im m:con Congress Center Rosengarten wird jedoch die Dolmetscher-Diskussions-Anlage sein, welche Maßstäbe in der Kongresswelt setzen wird. Technik-Verweigerer mögen spotten, die Bestrebungen, immer auf dem Stand der Technik zu sein, würden dem Rennen von Hase und Igel ähneln. Immer wieder Neues und noch Raffinierteres drängt auf den Markt und hält die ganze Branche technisch gesehen auf Trab. Gleichzeitig erleichtert Technik den Organisatoren jedoch auch die Arbeit, können doch durch die technischen Innovationen die Rüst- und Umbauzeiten der einzelnen Räume verkürzt werden. Es macht eben doch einen gewaltigen Unterschied, ob ein Beamer auf einem Wagen in den Saal gerollt und angeschlossen werden muss, oder ob er per Knopfdruck aus der Decke abgesenkt werden kann und automatisch in den Betriebsmodus geschaltet wird. Das Team um Peter Seib, Technik-Chef im m:con Congress Center Rosengarten, ist mit dafür verantwortlich, dass das Kongresszentrum immer auf dem neuesten Stand der Technik ist. Dies gilt umso mehr für „den neuen Rosengarten“, das bis Herbst 2007 deutlich erweiterte Haus. Diesen Innovationsstand verdankt das Mannheimer Kongressunternehmen nicht zuletzt Beneke Daberto & Partner GmbH in München. Das Unternehmen begleitet die technische Entwicklung des m:con Congress Center Rosengarten in Mannheim schon seit 2002, als der Musensaal – zweitgrößter Saal des Hauses – im Rahmen der Sanierung des Jugendstilbaus komplett renoviert wurde: Optisch im Jugendstil des Altbaus saniert, aber ausgestattet mit modernster Technik. Auch bei den Baumaßnahmen „Ausbau 2007“ ist das Münchner Unternehmen, das seit über 20 Jahren Gebäude und Räume plant, „in denen Menschen zu ihrer Unterhaltung oder Weiterentwicklung zusammenkommen“, federführend verantwortlich für Bühnentechnik und Beschallung. ■ seite 31


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Im November wieder in Mannheim: Die DOAG im Porträt „Wir sind alle Oracle-Junkies“ Rolf Scheuch ist stellvertretender Vorsitzender für Marketing bei der Deutschen ORACLE Anwendergruppe (DOAG) e.V. Nebenberuflich. Der Vorstand der DOAG arbeitet nämlich ehrenamtlich. Er vertritt als eingetragener Verein die Interessen der Oracle-Anwender. Ein Interessenverband, ohne Mittelbereitstellung von Oracle; die DOAG ist rechtlich und wirtschaftlich selbständig. „Genauso muss das auch sein“ sagt Scheuch. „Um unsere Aufgaben wahrnehmen zu können, müssen wir unabhängig sein. Wir sind nur den Interessen unserer Mitglieder verpflichtet, sonst niemandem. Damit wir uns richtig verstehen: Wir sind alle Oracle-Junkies, aber es gibt Situationen, in denen man Themen offen und hörbar ansprechen muss.“ 2.700 Mitglieder hat die DOAG inzwischen, in den Foren und Konferenzen trifft sich ein heterogenes Publikum: vom BMW-Manager bis zum kleinen Free Agent ist alles dabei. Scheuch: „Es geht um Wissensvermittlung und um Erfahrungsaustausch – das ist unsere Kernkompetenz.“ In den letzten Jahren ist verstärkt auch die Interessenvertretung gegenüber Oracle in den Blickpunkt der Aufgabenbereiche gerückt. Die DOAG ist dezentral organisiert. Jeder erledigt seine Aufgaben nach Feierabend; die Geschäftsstelle ist

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„Es wird eine spannende Konferenz werden“, prophezeit Rolf Scheuch, „viele unserer Mitglieder sind derzeit besorgt wegen der Einkaufspolitik von Oracle.“

in Berlin. Scheuch nennt das „virtuelle Organisation“. Am 15. und 16. November lädt die DOAG zur 19. Deutschen ORACLE Anwenderkonferenz ins m:con Congress Center Rosengarten Mannheim. Die ersten Konferenzen hatten noch in kleinerem Rahmen stattgefunden, aber: „Wir sind seit unserer Gründung im Schnitt um zehn Prozent pro Jahr gewachsen. Dieser Trend setzt sich fort.“ Für die DOAG, so Scheuch, ist das m:con Congress Center ideal: „Mannheim ist riesengroß und für alle gut erreichbar, egal, woher unsere Mitglieder kommen.“ Schwerpunktthemen sind in diesem Jahr unter anderem: „Praxisberichte zu 10gR2“, „Erste Erfahrungen mit den Fusion Middleware-Komponenten“ und „Einsatzmöglich-

Tipps für den Redner

keiten der neuen Java-Frameworks im Oracle Umfeld“. „Es wird eine spannende Konferenz werden“, prophezeit Scheuch. PeopleSoft, JD Edwards, Siebel – die Liste der neuen Firmen im Oracle-Reich ist groß. Unternehmer fragen nun nach der Planungssicherheit für ihre Investitionen. Scheuch rechnet auf der Konferenz auch mit einer großen Anzahl von Besuchern, die Software der von Oracle übernommenen Firmen nutzen. „Sie erhoffen sich Antworten von uns: Wie geht es weiter, was ist nun mit dem notwendigen Support der Systeme? Für eine langfristige Planung ist die Klärung dieser Fragen unerlässlich.“ Deshalb, versichert Rolf Scheuch, werden auch hochrangige OracleManager aus Deutschland und ganz Europa im m:con Congress Center Rosengarten anwesend sein und den Konferenzteilnehmern Rede und Antwort stehen. ■

■ Begabung ist gut – aber Lernen ist alles!

Halten Sie keine Standardvorträge. Überlegen Sie genau, an welches Publikum sich Ihre Rede richtet. Schneiden Sie Ihren Vortrag darauf zu. Manuskripte nur als Rettungsring. Verwenden Sie als Richtschnur für Ihre Rede Karteikarten mit Stichpunkten und Hervorhebungen. Ausformuliert sollten Sie nur Gesetze, Urteile und wörtliche Zitate parat haben. Verwenden Sie eine einfache Sprache. Vermeiden Sie: Schachtelsätze, Substantivierungen, Passivkonstruktionen, unnötige Fremdwörter sowie Anglizismen, Konjunktive, massenhaft Zahlen und Literaturquellen. Sprechen Sie Augen und Ohren an. Der pure Monolog hat ausgedient. Verdeutlichen Sie das Gesagte mit optischen Gestaltungsmitteln und wecken Sie so die Aufmerksamkeit des Publikums. Klarheit vor Schönheit. Denken Sie daran, dass es sich bei aller Ausgestaltung um Hilfsmittel handelt. Gewähren Sie Klarheit Vorrang vor Schönheit und Originalität.


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News

Der Mannheimer Gemeinderat hat am 3. Mai mit großer Mehrheit für den Ausbau des m:con Congress Center Rosengarten gestimmt.

Auch die Anwohner des Kongresszentrums haben grünes Licht für den Ausbau gegeben. Damit war der Weg für die Erweiterung um 8.000 Quadratmeter endgültig frei. Das m:con Congress Center Rosengarten steigt bis 2007 in die Liga der modernsten Kongresshäuser Deutschlands auf. Sehr zur Freude des Mannheimer Oberbürgermeisters Gerhard Widder: „Diese europäische Metropolregion braucht ein Kongresszentrum von europäischem Zuschnitt.“ Das Regierungspräsidium Karlsruhe hatte den Ausbau bereits am 17. Januar genehmigt.

„Uns war es wichtig, auf der Homepage einerseits unser komplettes Leistungsspektrum abzubilden, aber andererseits auch den Veranstaltern von Kongressen, wie den Besuchern des m:con Congress Center Rosengarten, jeglichen Service zu bieten“, sagt Geschäftsführer Michel Maugé. Die Offenbacher Werbeagentur M. A. D. Kommunikation – auch für die m:conImage-Kampagne verantwortlich – und die Mannheimer Internet-Agentur QuintX haben den neuen Auftritt gemeinsam erarbeitet.

News

Während der Ausbau des m:con Congress Center Rosengarten täglich weiter vorankommt, ist die neue Homepage unter www. mcon-mannheim.de längst „geöffnet“.

■ „Wirbelsäule“

für das neue m:con Congress Center Rosengarten:Arbeiter haben Ende März einen 40 Meter langen und 22 Tonnen schweren Stahlträger auf Das Niveau des neuen Dachs vorab veranschlagten Gesamtdem Dach des Mozartsaals liegt 6,15 Meter höher als beim kosten – zumindest auf dem befestigt. bisherigen. Papier. Geschäftsführer Michel Nach der Montage des Stahlträgers lässt sich das Stahlkorsett immer besser erahnen, das einmal die Glasfassade des ausgebauten m:con Congress Center Rosengarten tragen wird. Die durchsichtige Außenhülle wird für eine lichte und freundliche Atmosphäre bei Großkongressen und Tagungen sorgen. Mit dem Ausbau wächst das Gebäude zudem in die Höhe:

Der Ausbau des m:con Congress Center Rosengarten könnte am Ende vielleicht sogar etwas günstiger sein als ursprünglich angenommen.

Das zeichnet sich ab, nachdem über ein Drittel der Ausschreibungen beendet sind. Die Angebote, die den Zuschlag erhalten, liegen in der Summe um fünf Prozent unter den

Maugé wertet dies als Signal für eine solide Kalkulation der Baumaßnahmen. „Während bei vielen anderen Bauprojekten oft die angesetzen Kosten überschritten werden, freue ich mich natürlich umso mehr, dass bei uns der vorgegebene Kostenrahmen nicht nur realistisch ist, sondern auch eingehalten werden wird“, so Maugé weiter. seite 33


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Die Historischen Konferenzzentren Europas (HCCE) halten in Osteuropa Ausschau nach neuen Mitgliedern In vielfacher Hinsicht einmalig

Mit Gewinn tagen: Bis in kleinste Details müssen Veranstalter heute Kongresse organisieren und inszenieren. Schließlich sollen Teilnehmer inhaltlich hohen Nutzen ziehen. Gleichzeitig müssen aber auch Ambiente und Technik für wirkliche AhaEffekte sorgen. Die Historischen Konferenzzentren Europas (Historic Conference Centers of Europe – HCCE) sind gerade deshalb so einmalig. Jochen Manninger, Executive Director der HCCE, bringt es auf den Punkt: „In unseren Tagungs- und Kongressorten müssen wir nicht künstlich Atmosphäre schaffen. Jedes unserer Mitgliedshäuser hat für sich genommen genügend Charme und Ausstrahlung.“ seite 34

21 Mitglieder in 13 europäischen Ländern hat die HCCE derzeit, darunter das m:con Congress Center Rosengarten in Mannheim ebenso wie zum Beispiel die Central Hall Westminster in London oder die Hofburg in Wien. Doch in Zukunft richtet sich der Blick auf weitere Länder. Die HCCE will ihre Marktführerschaft für historische Konferenzzentren durch neue Mitglieder weiter ausbauen. Es sei nicht das Ziel der HCCE, so groß wie möglich zu werden, sagt Jochen Manninger. Eher gehe es darum, für die Kunden höchste Qualität zu bieten. Insbesondere Italien, Spanien und Frankreich sind aus Jochen Manningers Sicht die Länder mit dem größten Potenzial in naher Zukunft. Ebenso hat die

HCCE allerdings Osteuropa im Blick. Eine Vielzahl großartiger bauhistorischer Anlagen verspricht hier besonderes Tagungsflair. Eine Reihe dieser Anlagen erfüllt die Ansprüche der HCCE besonders gut. „Zum Beispiel haben wir Kontakt zum nationalen Kongresszentrum Sankt Petersburg, in dem gerade der G8-Gipfel stattfand und haben eben das Kongresszentrum Dubrovnic/ Kroatien als neues Mitglied aufgenommen“, sagt Jochen Manninger. Von Beginn an hat die HCCE immer strenge Qualitätsmaßstäbe für ihre Mitglieder gesetzt. In gleichem Maß, was die Konferenz-Gebäude selbst betrifft wie auch das Management. Um Mitglied in der HCCE werden zu können, muss das Tagungsgebäude des

Bewerbers mindestens 100 Jahre alt sein und Platz bieten für mindestens 250 Besucher. Daneben muss es neben mindestens drei bis vier zusätzlichen Räumen und Technik auf dem neuesten Stand auch ein professionelles Management geben. Das Kongresshaus-Angebot der HCCE ist deshalb in vielfacher Hinsicht einmalig. „Wir bieten die Möglichkeit in historischen Gebäuden zu tagen, die zugleich mit neuester Technik ausgestattet sind. Und unser Service lässt keine Wünsche offen“, so Jochen Manninger.

Falls Sie weitere Informationen zu HCCE möchten, wenden Sie sich bitte an: Susanne Grabau Telefon 0621/4106-8601 oder eMail: susanne.grabau@mcon-mannheim.de


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SERVICE

KongressTicker

EventTicker

■ 13. Juni 2006

■ 09. Juni bis 09. Juli 2006

Mannheimer AG Holding – Hauptversammlung

Liveübertragungen der einzelnen Spiele der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™.

■ 21. Juni 2006

Fuchs Petrolub – Hauptversammlung ■ 23. Juni 2006

Seminar der Internationalen Event- und Congress Akademie: „Open Space bei Tagungen und Kongressen“ ■ 28. Juni bis 01. Juli 2006

33rd International Congress on Electrocardiology, Jahreskonferenz der internationalen Elektrokardiologie-Gesellschaft (in Köln, organisiert von m:con) ■ 29. Juni 2006

Seminar der Internationalen Event- und Congress Akademie: „Einführung in die Veranstaltungsdidaktik“ ■ 14. Juli 2006

VDI Recruiting Tag – bietet für Young Professionals, erfahrene Ingenieure und technische Fach- und Führungskräfte ein umfangreiches Programm aus Firmenmesse, Vortragsforum, Karriereberatung und Job Board

■ 23. Juni 2006

Festakt: 50 Jahre VWA Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie ■ 26. und 27. Juni 2006

Konzert der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst ■ 28. und 29. September 2006

Klassik-Konzerte des SWR-Rundfunk-Orchesters ■ 29. September 2006

TV-Star Tim Mälzer kocht ...

■ 20. Juli 2006

Heidelberger Druckmaschinen AG – Hauptversammlung ■ 29. September 2006

Konzert der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz ■ 04. Oktober 2006

Klassik-Konzert des SWR-Rundfunk-Orchesters ■ 05. Oktober 2006 ■ 27. Juli 2006

Südzucker AG Hauptversammlung ■ 08. September 2006

19. Internationalen Kongress der Gesellschaft für Ästhetische Chirurgie Deutschland ■ 14. bis 17. September 2006

102. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin DGKJ (in Mainz, organisiert von m:con) ■ 15. und 16. September 2006

14. Deutscher Verwaltertag – Treffen von Fachleuten der deutschen Immobilienbranche

Konzert der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz ■ 06. Oktober 2006

Pro Arte: Royal Philharmonic Orchestra London, Julian Rachlin ■ 10. Oktober 2006

Night of the Sultans ■ 14. Oktober 2006

Ball der Sterne 2006 ■ 18. Oktober 2006

Konzert des Richard-Wagner-Verbandes Mannheim ■ 19. Oktober 2006

Pro Arte: London Philharmonic Orchestra, Kurt Masur ■ 25. Oktober 2006

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Neue Methoden: Schwäbische Kids erklären Oma den Computer, Schweizer schaffen Noten und Klassenzimmer ab und DaimlerChrysler schreibt den Lernanspruch in den Tarifvertrag Minister Frankenberg: „Lebenslanges Lernen ist mehr als die Antwort auf Arbeitslosigkeit“ Von Simone Zettier und Christian Leistritz

„Lebenslang lernen ist ein Stück Selbstverständlichkeit, und doch wird ein aufmerksamer Beobachter feststellen, dass sich die Menschen seiner Umwelt in zwei Lager aufzuteilen scheinen: die einen schon mit 40 vergreist, lustlos am Leben vorbei lebend, phlegmatisch, nicht nur körperlich feist und dick, auf dem Weg zur Senilität. Andere im Alter von 70 machen einen wendigen, optimistischen, agilen und positiven Eindruck, sind unabhängig von der Berufslaufbahn aktiv geblieben und beobachten ihre Umwelt aufmerksam und positiv. Analysiert man beide Gruppen, dann zeigt es sich, dass erstere verlernt haben, zu lernen, während letztere sich analytisches Denken und den Drang zum Leben bewahrt haben.“ Harte Worte. Und sie stammen nicht von einem Jungspund, der seine politische Karriere mit solch „markigen“ Worten befördern möchte. Nein, dies ist das Zitat eines Unternehmers, der sich schon längst hätte auf sein Altenteil zurückziehen können: Reinhold Würth, 71 (!) Jahre alt, „Schraubenkönig“, Herr über das weltweite Würth-Imperium und Pilot, der den Firmen-Jet noch immer selbst steuert – in die Tschechei genau so wie nach Sao Paulo. „Der Mensch kann gar nicht anders als zu lernen“, sagt Andreas Müller, Leiter des innovativen Instituts Beatenberg in der Schweiz. Die Förderung des eigenständigen Lernens steht hier im Zentrum. Das herkömmliche Schulzimmer ist verschwunden – großzügige und funktionelle Lern- und Arbeitsräume prägen das Bild. Persönliche Arbeitsplätze, Lernoasen mit einer Fülle inspirierender Materialien, zahlreiche ComputerArbeitsplätze mit Netzwerkanschluss, Präsentations- und Visualierungsmedien schaffen eine fördernde Arbeitsatmosphäre für die Lernteams. Zu diesen gehören insgesamt 65 Jugendliche und 25 Erwachsene. „Der Mensch lernt selbst und ständig“, ist Müller im Gespräch mit m:con visions überzeugt, „die Frage ist nur: wie zielorientiert. Wir können nicht nicht lernen – aus neurobiologischer Sicht.“ Das Institut Beatenberg ist als einzige Schule der Schweiz ins Netzwerk innovativer Schulen aufgenommen worden. Am Institut Beatenberg gibt es keine Noten, dafür Lernbaustellen an jedem Arbeitsplatz. Denn „Lernen ist eine Dauerbaustelle“. Sogar Andreas Schleicher von der OECD hat sich diese „Baustelle“ schon angesehen: Er ist der „Erfinder“ der PISA-Studie. seite 36

Im Institut gibt es keine Klassenzimmer, sondern Lernoasen, das heißt großzügige, funktionelle Arbeitsräume; anstelle von Lehrern gibt es Coaches. Ein Coach kommt auf sechs bis sieben Schüler, er ist den ganzen Tag da. Seine Aufgabe heißt: Hilfe zur Selbsthilfe. Ein Lehrer – oder Coach – für sechs Schüler. An deutschen Schulen betreuen Lehrer fünfmal so viele Schüler in einer Klasse. Und an der Gottlieb-Daimler-Realschule in Schorndorf bei Stuttgart sind die „Schüler“ zum Teil fünf mal so alt wie die Lehrer: Hier bringen die Jungen den Alten was bei: Schüler und Senioren lernen gemeinsam am Computer, ein wöchentlicher EDV-Kurs bringt Jung und Alt zusammen. Seit knapp einem Jahr bringen Schüler der neunten Klassen der Realschule den Senioren des Seniorenforums Schorndorf bei, wie Computer und Internet funktionieren, jeden Mittwoch von 14 bis 16 Uhr. Und mit einer – darauf haben wahrscheinlich die Senioren bestanden – 15-minütigen Kaffeepause um 15 Uhr. Die Schüler bringen selbst gebackenen Kuchen mit, die Senioren entlohnen den Einsatz der Schüler mit kleinen Spenden für Ferienfahrten. Leiter ist Informatiklehrer Karl Degendorfer, die Idee dazu hatte ein ehemaliger Kollege von ihm, der mittlerweile Mitglied im Seniorenforum ist: „Wir haben das damals sofort aufgegriffen. Mittlerweile sieht das nach einer unendlichen Geschichte aus.“ „Die Damen und Herren kommen mit all ihren Problemchen. Der eine will seine Eisenbahnsammlung inventarisieren, eine andere Dame ihre Rezeptsammlung abtippen, ein anderer möchte Einladungen zum Geburtstag verschicken und der nächste möchte den Fahrplan der Bahn für seinen nächsten Urlaub checken“, schmunzelt Degendorfer im Gespräch mit m:con visions. Der EDV-Lehrer: „Es ist ein gegenseitiges Lernen. Die Erfahrungen der Senioren fließen auch in den Unterricht mit ein. Sie erzählen den Schülern während ihrer Arbeit am PC von früheren Epochen, dem Krieg, dem Wiederaufbau oder der Flüchtlingsproblematik.“ Zudem gibt es eine extra Stunde, in der die Senioren als Zeitzeugen in den Unterricht kommen. „Dabei entstehen auch persönliche Beziehungen.“ Schülerin Christina Zantay: „Mir gefällt es voll gut, das macht Spaß. Die älteren Leute wollen etwas über Word wissen, oder wie man Tabellen macht. Manche wissen noch gar nichts. Da muss


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man Geduld haben und ihnen erst einmal zeigen, wie man einen PC einschaltet, dann wie man das Kennwort der Schule eingibt und wie man mit der Maus umgeht. Grundlegende Sachen halt.“ Aber so geht es nicht nur den Senioren. Christina verrät schmunzelnd: „Bei meiner Mutter klappt das auch nicht so…“ Schülerin Salome Klein weiß, wie schwer man es manchmal mit „Neuem“ hat: Ihre Familie kommt aus Rumänien. Sie sagt: „Ich finde das Projekt sehr gut. Das ist schon der zweite Kursus, den ich mache. Die Senioren erzählen dabei viel über sich selbst. Eine Frau, die früher Fotografin gewesen ist und um die Welt gereist ist, hat mir im Internet Fotos von ihren Reisen gezeigt. Ich finde das voll cool, dass die älteren Leute noch was lernen wollen.“ Auch die „Alten“ sind begeistert. Rentner Ulrich Müller: „Ich habe in meinem Arbeitsleben wenig mit Computern zu tun gehabt, jetzt im Ruhestand habe ich zuhause einen PC, meine Kinder wohnen auswärts, denen kann ich jetzt E-Mails schreiben und ich kann im Internet gucken. Meine eigenen Kinder haben mir das immer so hopplahopp zu erklären versucht. Hier bei den Jugendlichen kann man fragen, die Schüler drängeln nicht. Man tut nur das, was man auch will, es gibt keine Prüfung. Man macht auch mal Pause. Alle sind begeistert, die Kurse sind immer ausgebucht. Man muss sich wundern über die Jugendlichen heute. Man hat oft ein falsches Bild.“ Lebenslanges Lernen heißt, sich nicht nur als Kind und Jugendlicher oder dann später als Rentner weiter zu bilden. Lernen ist ein immerwährender Prozess. Auch und gerade im Arbeitsleben. Unternehmen wie beispielsweise der Autokonzern seite 38

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DaimlerChrysler fördern – und fordern! – lebenslanges Lernen. Verena Müller aus der Personalabteilung bei DaimlerChrysler in Stuttgart zu m:con visions: „Um lebenslanges Lernen zu fördern hat DaimlerChrysler aktiv am Tarifvertrag Qualifizierung für die Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg aus dem Jahr 2001 mitgewirkt. Im Tarifvertrag ist der Anspruch auf ein mindestens jährlich stattfindendes Qualifikationsgespräch und auf eine Freistellung für externe Qualifizierungsmaßnahmen geregelt.“ Sie erläutert: „In unserer Betriebsvereinbarung zur Qualifizierung von 2002 sind jährliche Qualifizierungs-Gespräche für alle Mitarbeiter festgelegt. Im Rahmen dieser Gespräche werden bei Qualifizierungsbedarf entsprechende individuelle Qualifizierungsmaßnahmen zur fachlichen oder persönlichen Qualifikation zwischen Führungskraft und Mitarbeiter vereinbart, beispielsweise Seminare oder Trainings in unseren eigenen Bildungshäusern oder an den verschiedenen Standorten.“ Darüber hinaus gibt es ein umfassendes Seminarangebot „Business Training – Leitfaden zur Qualifizierungsplanung“. Dieses enthält exemplarische Entwicklungspfade, Qualifikationsmaßnahmen und berufsbegleitende Maßnahmen. Des weiteren Seminare im Bereich Fach-, Methoden und Sozialkompetenz. Aber DaimlerChrysler vermittelt Wissen auch mit „klassischen“ Schulungsmethoden. Verena Müller: „Über die DaimlerChrysler Corporate University bilden wir unsere Führungskräfte in Zusammenarbeit mit ausgewählten Business Schools weltweit kontinuierlich weiter und vernetzen damit gleichzeitig das im Unternehmen vorhandene Wissen.“ Gerade in kleineren Unternehmen sind solche Fortbildungsangebote – oft aus Kostengründen – sehr begrenzt. Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – setzen viele Personalchefs auf die selbständige Fortbildung der Mitarbeiter. Eine repräsentative forsa-Studie zeigt: Personalchefs begrüßen die hohe Qualität von staatlich zugelassenen Fernlehrgängen. Immer mehr Arbeitgeber übernehmen die Studiengebühren für die Fortbildung ihrer Mitarbeiter. Die hohe Akzeptanz der Lernmethode Fernunterricht unter Personalentscheidern belegt eine aktuelle forsa-Umfrage in mittleren und größeren Unternehmen. Nahezu jeder Personalverantwortliche (97 Prozent) kennt diese Lernmethode. 62 Prozent von ihnen hatten bereits beruflich mit Fernunterricht zu tun, zum Beispiel durch Bewerber oder Mitarbeiter, die sich auf diesem Wege fortgebildet haben, – in größeren Unternehmen ab 300 Mitarbeitern sind es sogar 70 Prozent. Die Personalchefs im Osten Deutschlands zeigen sich – unabhängig von der Mitarbeiterzahl – am besten informiert. Insgesamt 83 Prozent aller Personalentscheider bewerten Fernunterricht als ideale Weiterbildungsform für Berufstätige, weil Einstiegstermine frei gewählt und Lernzeiten flexibel zu gestalten sind. Sechs von zehn Personalchefs schätzen die Qualität von Fernlehrgängen vor allem aufgrund der tutoriellen Betreuung und der konsequenten Lernerfolgskontrolle. Und dass Fernlehrgänge zur beruflichen Weiterbildung einer staatlichen Zulassung bedürfen und damit einem vertrauenswürdigen


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KARRIERE

Verbraucherschutz unterliegen, ist immerhin für knapp die Hälfte aller Personalverantwortlichen ein herausragendes Merkmal. In doppelter Hinsicht Fachmann in Sachen Bildung ist BadenWürttembergs Wissenschaftsminister Professor Dr. Peter Frankenberg (CDU). Vor seiner ministeriellen Laufbahn war er jahrelang Rektor der Universität Mannheim, die nicht nur wegen ihrer BWL-Fakultät weltweit einen hervorragenden Ruf geniest. m:con visions sprach mit Minister Frankenberg über Lebenslanges Lernen. m:con visions: „Herr Professor Frankenberg, muss man denn nach Schule und Uni unbedingt noch weiter pauken? Hand auf’s Herz: Wie wichtig ist Lebenslanges Lernen wirklich?“ Wissenschaftsminister Prof. Dr. Peter Frankenberg: „,Lebenslanges Lernen’ und ,Weiterbildung’ gehören zu den zentralen bildungs- und gesellschaftspolitischen Themen. Die Arbeitswelt befindet sich im Umbruch, weit reichende demografische Veränderungen beeinflussen Arbeits- und Lebensprozesse. Bildung und Wissen bleiben angesichts des fortbestehenden Innovationsdrucks entscheidende Wettbewerbsfaktoren für den Einzelnen und die Wirtschaft. Allerdings beschränken sich Weiterbildung und lebenslanges Lernen nicht nur auf die bedarfsgesteuerte Anpassung der Qualifikation an Arbeitswelt und Arbeitsplatz. Sie erfordern vielmehr individuelle Aktivitäten und eigenverantwortliches Handeln der Lernenden und ein Bemühen der Bildungsträger, Erstausbildung und Weiterbildung besser zu vernetzen. Und nicht zuletzt erfordern sie angemessene Angebote – orientiert an den Bedürfnissen der Nachfrager. Insofern sind Individuen, Unternehmen und der Staat gleichermaßen gefordert.“ m:con visions: Wer profitiert am meisten davon? Frankenberg: „,Lebenslanges Lernen’“ und ,Wissenschaftliche Weiterbildung’ nützen der Nachfrageseite: dem Einzelnen, der sein Wissen, seine Fähigkeiten und Kompetenzen zur Sicherung seiner Beschäftigung aktualisieren und erweitern muss, der also seine Qualifikationen anpasst. Sie nützen aber ebenso Wirtschaft und Gesellschaft, die durch die gezielte Weiterbildung von Mitarbeitern als Teil einer strategischen Personalpolitik ihre Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit verbessern.“ m:con visions: Sollte man Lebenslanges Lernen weiter institutionalisieren? Frankenberg: „Der Begriff ,institutionalisieren’ klingt mir zu sehr nach Zwang. Wir müssen selbstverständlich – und darin sehe ich die Aufgabe des Staates – die Rahmenbedingungen für lebenslanges Lernen weiter optimieren. Wissenschaftliche Weiterbildung als Bestandteil des Lebenslangen Lernens ist prioritär eine staatliche Aufgabe. Ausgaben für Bildung, Forschung und deren Transfer sind Zukunftsinvestitionen, die in hohem Maße geeignet sind, Wirtschaftswachstum zu stärken, die Produktivität zu steigern,

die persönliche und gesellschaftliche Entwicklung zu fördern und soziale Ungleichheiten zu verringern. Dies kann nicht nur durch private Anbieter oder die Initiative einzelner Hochschullehrer, die hier Bildungstransfer leisten wollen, geschehen. Gerade qualitativ herausragende Angebote bedürfen einer Art Gütesiegel, etwa durch Verleihung akademischer Grade nach erfolgreichem Abschluss und einer entsprechenden staatlich organisierten Qualitätskontrolle.“ m:con visions: Wo könnte man noch mit Projekten ansetzen? Frankenberg: „Die baden-württembergische Landesregierung hat in den letzten Jahren viele Maßnahmen zur Stärkung der wissenschaftlichen Weiterbildung unternommen. Wissenschaftliche Weiterbildung muss nachfrageorientiert sein und aktuellstes Wissen praxisgerecht anbieten. Die Hochschulen des Landes haben die Möglichkeit, im Rahmen des Förderprogramms Master Online – mit einem Volumen von 12,8 Millionen Euro – gebührenpflichtige berufsbegleitende Master-Studiengänge zu entwickeln.“ m:con visions: Sind uns andere Länder, beispielsweise Dänemark, beim Lebenslangen Lernen voraus? Wenn ja, warum? Frankenberg: „So weit sind wir gar nicht von den Dänen entfernt. Dänemark hat in den 80er und 90er Jahren die verstärkte Erwachsenenbildung als Antwort auf die damals hohe Arbeitslosigkeit gesehen und massiv forciert. 2001 wurde vom Folketing, also dem Parlament, ein Gesetz zur Erwachsenenbildung verabschiedet, in dem insbesondere die Durchgängigkeit der seite 39


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KARRIERE

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Heute müssen die Menschen umdenken. Ihre Erstausbildung ist längst keine Garantie mehr für einen lebenslangen Arbeitsplatz. Schul- und Berufsausbildung – unabhängig ob betriebliche Ausbildung oder Studium – dienen inzwischen immer mehr dazu, den Menschen Methoden für Lebenslanges Lernen zu vermitteln anstelle eines ewig gültigen Wissens. Gerade die Dynamik, Komplexität und Schnelligkeit des wissenschaftlichen und technischen Fortschritts führt dazu, dass das heute erworbene Wissen in kürzester Zeit veraltet ist. Die Hochschulausbildung darf auch nicht zu eng und zu fachspezifisch sein. Eine solide breite Grundausbildung, auf der aufgebaut werden kann, wird immer wichtiger. Unsere Studierenden bekommen Methoden und Grundlagen in ihrem Studium vermittelt, die es ihnen ermöglichen, selbstständig weiterzulernen, etwa im Rahmen von postgradualen Studiengängen, und sich Wissen zu verschaffen.“

Bildungswege und die Modularisierung der Bildungsangebote im Vordergrund standen. Die Senkung der Arbeitslosenzahlen gaben ihnen recht. Wenn wir uns etwa mit den USA vergleichen, so ist zu berükksichtigen, dass in Deutschland zwar ein duales Berufsausbildungssystem und ein duales Weiterbildungssystems besteht, aber keine Tradition privater Bildung und Weiterbildung. Die Aufgabe des Staates als Träger von Bildungseinrichtungen besteht deshalb darin, die Bedingungen für ein marktwirtschaftliches Handeln seiner Bildungseinrichtungen, einschließlich der Finanzierung der Angebote aus Gebühren, zu bestimmen. Der internationale Vergleich zeigt jedoch auch, dass dieses Potenzial im Weiterbildungsmarkt bei Weitem noch nicht abgeschöpft wird. Hier müssen wir ansetzen.“ m:con visions: Fehlt in Deutschland eine Kultur des Weiterlernens? Frankenberg: „So generell würde ich das nicht sagen. Es gab in Deutschland schon immer die Möglichkeit, beispielsweise Schulabschlüsse im Rahmen von Externenprüfungen, die von den unterschiedlichsten Trägern angeboten wurde, abzulegen oder im Rahmen eines Fern- oder Teilzeitstudiums eine akademische Ausbildung berufsbegleitend anzuschließen. Dies wurde jedoch in der Vergangenheit nur von besonders motivierten Menschen gemacht, die sich selbst weiterentwickeln oder ihrem Leben eine völlig neue Richtung geben wollten. seite 40

m:con visions: Wie kann man Lebenslanges Lernen in unserer Gesellschaft attraktiver machen? Frankenberg: „In der letzten Zeit häufen sich die Anfragen in meinem Hause zum Thema Lebenslanges Lernen. Die Menschen sind verunsichert, da ihnen die neuen gestuften Studienabschlüsse Bachelor und Master unbekannt sind und sie sich in dem momentanen Angebotsdschungel an Studiengängen und Studienabschlüssen nicht auskennen. Hinzu kommt noch die stärker werdende Internationalisierung. Hier müssen wir mit qualifizierten Beratungs- und Informationsangeboten die Wege, die das lebenslange Lernen ermöglichen, transparenter machen und bewusst die Möglichkeiten und Chancen aufzeigen. Die bisherige Studienberatung muss sich also zu einer Beratung für Lebenslanges Lernen entwickeln. Abgesehen davon fände ich es schade, wenn Lebenslanges Lernen nur als Antwort auf die Vermeidung von Arbeitslosigkeit verstanden würde. Lebenslanges Lernen ist mehr. Ungehindert lernen zu dürfen und zu können ist eines der höchsten Güter einer Gesellschaft.“ m:con visions: Was bedeutet Lebenslanges Lernen für Sie persönlich? Frankenberg: „Ich habe mein Leben lang dazugelernt, und mein Wechsel von der Wissenschaft in die Politik wäre nicht ohne die Bereitschaft und Fähigkeit, ständig Neues lernen zu wollen, möglich gewesen. Ich hatte das Glück, als Wissenschaftler gezwungen zu sein, mein Wissen ständig zu erneuern und zu hinterfragen. Die Methoden, die ich hierfür benötigte, nützen mir auch in meinem Leben als Politiker. Abgesehen davon glaube ich, dass lebenslanges Lernen auch eine Form von Anti-Aging ist. Die Gehirnzellen bleiben fit. Insofern sehe ich dem Bild einer alternden Gesellschaft gelassen entgegen.“ m:con visions: Herr Minister Frankenberg, herzlichen Dank für dieses Gespräch. ■


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KARRIERE

Internationale Event- & Congress-Akademie Eine Investition in die Zukunft

Bis vor wenigen Jahren dachte man im Kontext der Globalisierung an eine wirtschaftliche Zeitenwende, die vor allem die Produktionsindustrie betraf. „Diese Zeiten sind längst vorbei“, sagt Michel Maugé, Chef des m:con Congress Center Rosengarten und Initiator der „International Event & CongressAkademie“ (IECA). Um am Ball zu bleiben und auf dem internationalen Parkett nicht an Boden zu verlieren, war eine Investition in die Professionalisierung der heute Tätigen und die Ausbildung des Nachwuchses dringend erforderlich, wenn nicht sogar elementare Bedingung für eine Zukunft der Veranstaltungswirtschaft in Deutschland. Auch Susanne Grabau, Projektleiterin für die IECA bei m:con, lässt keinen Zweifel an der großen Bedeutung dieser noch jungen Ausbildungsinstitution aufkommen. „Entscheidend sind Strategien zur Qualitätssteigerung und Raum für kreative Weiterentwicklungen von Veranstaltungskonzepten.“ Und genau für diese Ziele steht die vor zwei Jahren gegründete IECA. „Eine Ausbildung für Quereinsteiger auf höchstem Niveau“, mit einem koordinierten und strukturierten beruflichen Aus-, und Weiterbildungssystem mit eigenständigen Berufsbildern und entsprechenden international anerkannten und durchlässigen abschlussbezogenen Bildungsgängen. Dabei führt die Akademie Kurse zum „International Event Organiser“ durch und bietet verschiedene Weiterbildungsangebote für alle tagungs-, kongress- und messespezifischen Bereiche und Berufe an. So erfahren beispielsweise die Teilnehmer bei dem einjährigen berufsbegleitenden Fortbildungskurs zum „International Event Organiser“ sämtliche Details zu Strukturen und Organisationen in der Veranstaltungswirtschaft und erhalten so „einen theoretischen Hintergrund für ihr alltägliches praktisches Handeln“. Im Angebot der Akademie finden sich auch einzelne Seminare oder Kamingespräche, die ein bis drei Tage dauern können und dem Teilnehmer vertiefte Einblicke in spezielle Probleme oder Phänomene des Kongressgeschäfts erlauben. Dabei richtet sich das Angebot der Akademie an Quereinsteiger mit mindestens einjähriger Erfahrung im Organisieren von Veranstaltungen und an fertig ausgebildete Veranstaltungskaufleute oder Fachkräfte für Veranstaltungstechnik. Ziel ist es, beiden Zielgruppen mit der zertifizierten Ausbildung einen qualifizierten Aufstieg zu ermöglichen, mit dem schönen Nebeneffekt, dass die Branche sich insgesamt im stärker werdenden Wettbewerb behaupten kann und Deutschland als Wissensstandort eine anerkannte Größe bleibt. Für die Qualität der Ausbildung bürgt übrigens auch die Auswahl der qualifizierten Referenten, die überwiegend mit authentischen Berufserfahrungen die Kursteilnehmer mit dem Prinzip „Aus der Praxis für die Praxis“ begleiten.

Die Bewegungen auf den Märkten und in der Welt der Wirtschaft wirkten sich auch direkt auf die Veranstaltungswirtschaft aus und erforderten ein grundsätzliches Umdenken. Die bisherigen Vorteile in Europa und besonders in Deutschland, wie Infrastruktur, bedeutende Standorte in Forschung und Wissenschaft und die beinahe schon traditionsreiche Organisationskraft, schwinden mit zunehmender wirtschaftlicher Verflechtung, wenn nicht massiv gegengesteuert wird. Dabei gibt es viel zu verlieren, ist doch die Tagungs- und Kongresswirtschaft der zentrale Umschlagplatz für Deutschlands wichtigster Produktionsfaktor und Motor aller wirtschaftlichen Innovation: Wissen.

m:con-Geschäftsführer Michel Maugé Für Bildungsausschuss vorgeschlagen Die Industrie- und Handelskammer Rhein-Neckar hat Michel Maugé, Geschäftsführer von m:con, als Mitglied für den Bildungsausschuss des Berufsbilds „Veranstaltungsfachwirt“ vorgeschlagen. Michel Maugé: „Natürlich muss auch ein Veranstaltungsfachwirt trockene Themen beherrschen, ebenso gut organisieren wie Budgets kalkulieren können. Besonders wichtig ist jedoch, dass er kreativ und kommunikativ ist, besonders wenn es um das Entwickeln neuer Konzepte geht.“ Der Veranstaltungsfachwirt schließt sich dem Ausbildungsgang des Veranstaltungsfachmannes an.

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KARRIERE

m:convisions

Uschi Brunne ist 60 Jahre – und Studentin Da krieg ich richtig Kribbeln im Bauch Von Frank Wewoda

„Ich kriege Bauchkribbeln, wenn ich meine Sachen packe“, sagt die 60 Jahre alte Dortmunderin Uschi Brunne. Sie hat sich ins Studieren verliebt, seit sie vor fünf Jahren mit Soziologie, Philosophie und Psychologie angefangen hat. Auch ansonsten hat sich viel verändert. Die Ehrfurcht vor akademischen Titeln ist bei dem früheren „Mädchen vom Land“ plötzlich wie weggeblasen. Und ihr Sohn David, 20 Jahre alt, ist plötzlich ihr Mitstudent – wenn er sich auch für ein ganz anderes Fachgebiet als seine Mutter begeistert: die Physik. m:con visions: Frau Brunne, wieso haben Sie kurz vor der Rente noch mit dem Studieren angefangen? Uschi Brunne: „Die Firma, für die ich als Verwaltungsleiterin tätig war, ging in Konkurs. Ich dachte erst, ich könnte froh damit sein, mich allein auf meine Mutterrolle und meinen Sohn zu konzentrieren. Doch weit gefehlt. Ich war total frustriert. Andere Mütter unterhielten sich über Themen, mit denen ich absolut nichts anfangen konnte, über Basteln und Kochrezepte. Ich kam mir wie eine Außenseiterin vor. Dann sah ich eine Anzeige in der Zeitung zum Seniorenstudium, habe sie meinem Mann Helmut gezeigt. Der hatte nichts dagegen und ich dachte: So, jetzt meldest Du Dich an.“

m:con visions: Wie hat Ihr Umfeld auf Ihre Studienpläne reagiert? Uschi Brunne: „Komische Bemerkungen sind gar nicht einmal von meinem Sohn oder meinem Mann gekommen, sondern eigentlich nur aus meinem Bekanntenkreis. Da war schon manches ironisches Lächeln oder die Frage: ,Was willst Du denn da noch?’“ m:con visions: Und was haben Sie darauf entgegnet? Uschi Brunne: „Ich hab das natürlich verteidigt, gesagt, worin ich den Sinn sehe. Zum Beispiel, dass im Alter noch so viel Potenzial seite 42

da ist, das genutzt werden muss. Ich habe das als große Chance gesehen.“ m:con visions: Und wie fühlen Sie sich jetzt an der Uni? Uschi Brunne: „Was ich immer ganz toll fand, ist die Atmosphäre. Da sitzen junge Leute in der Uni lässig auf der Treppe herum und reden miteinander. Das ist eine Stimmung, da krieg ich richtig das Kribbeln im Bauch, wenn ich daheim meine Tasche packe. Das unterscheidet sich total von dem, was ich bisher bei der Arbeit und in meiner Jugend erlebt habe. Die jungen Leute zu erleben, die alles noch so locker sehen, viel Idealismus mitbringen, das bereichert mich, da kommt einfach was rüber.“ m:con visions: Gibt es an der Uni Diskussionen über die Unterschiede zwischen Jung und Alt? Uschi Brunne: „Es gibt schon durchaus kontroverse Diskussionen. Ich weiß, wie in meiner Generation manche ältere Damen über die Jugendlichen diskutieren, sich aufregen über mangelnde Höflichkeit oder dass die nicht einmal mehr Goethe und Schiller kennen. Das kann ich alles nicht mehr hören und hat an der Uni auch keinen Platz. Anders herum hat mein Sohn in einer Diskussion über mangelndes Pflichtgefühl einmal zu mir gesagt: ,Ihr wart gehorsam. Wo das hingeführt hat, haben wir ja gesehen.’“ m:con visions: Hätten Sie schon gerne früher studiert? Uschi Brunne: „Ja schon, mein Frust war immer, dass ich kein Abi habe, keine Sprachen, kein Englisch konnte.“ m:con visions: Beneiden Sie die jüngeren Studenten? Uschi Brunne: „Ich kann Sie ja insofern nicht beneiden, als ich weiß, dass sie trotz der langen Ausbildungszeit an der Uni keine Garantie haben auf einen Arbeitsplatz. Das macht mich schon betroffen. Ich hatte nur acht Jahre lang Schule, und mir standen alle Möglichkeiten offen.“ m:con visions: Wie haben sie sich persönlich verändert durch das Studium? Uschi Brunne: „Ich merke, dass ich in Diskussionen unter Akademikern, die wir führen, nicht gefrustet bin. Selbst Professoren duzen wir teilweise. Das hätte ich ohne Studium nicht geschafft. Ich habe heute das Selbstbewusstsein, in vielen Bereichen und über viele Dinge mitzureden.“ m:con visions: Haben Sie vor Akademikern jetzt ein wenig die Ehrfurcht verloren? Uschi Brunne: „Ja, auf jeden Fall. Früher auf dem Land, wo ich aufgewachsen bin, ist der Herr Doktor ja allein schon wegen seines akademischen Titels höchst respektvoll behandelt worden. Diese Hochachtung habe ich jetzt nur noch, wenn ich auch vom Wissen eines Akademikers beeindruckt bin.“ m:von visions: Frau Brunne, vielen Dank für dieses Gespräch!


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METROPOLREGION

Das ist sein Jahr In Mannheim fand Mozart seine große Liebe

Die Metropolregion Rhein-Neckar hat einiges zu bieten, kein Wunder, dass auch Wolfgang Amadeus Mozart sich hier sehr wohl fühlte. In seinem kurzen Leben machte er insgesamt vier Mal in der Kurpfalz Station, darunter in Mannheim, Heidelberg, Schwetzingen und Kirchheimbolanden. Aber nicht nur Mozart liebte die Region, auch die Region liebt ihn. In diesem Jahr finden zahlreiche Konzerte in Mannheim und Schwetzingen zu Ehren des größten Musikgenies aller Zeiten statt. Und der im Jahr 1989 gedrehte Mozartgala-Film „So wie ich Mannheim liebe“ ist aktuell wie nie.

den Kopf verdreht. Am 23. Januar 1778 reist Mozart zusammen mit Aloysia nach Kirchheimbolanden an den Hof der Caroline von Nassau-Weilberg. „Dort bleiben wir solang uns die Offizierstafel schmeckt…“, schreibt Mozart in einem Brief an seinen Vater Leopold. Die musikbegeisterte Fürstin Caroline von NassauWeilburg kannte Mozart aus Den Haag, wo sie ihn als Neunjährigen hatte spielen sehen. Nun sollten er und Aloysia für sie spielen. Insgesamt spielten die beiden zwölf Mal vor. Vielleicht war es diese junge Liebe, die Mozarts Kreativität geradezu sprießen ließ. Denn während seines Aufenthalts in

Das erste Mal kam „Wolferl“, wie er liebevoll genannt wurde, 1763 im Alter von sieben Jahren nach Schwetzingen, um mit seiner Schwester Nannerl in der Sommerresidenz des Kurfürsten in Schwetzingen in einer eigens anberaumten „Musikalischen Akademie“ vorzuspielen. Mozarts Vater Leopold schreibt daraufhin nach Salzburg: „Churfürstliche Durchlaucht war auf das Höchste verzückt.“ Er hätte seinen Sohn gerne in der Region gesehen, über die Mannheimer Schule mit dem damals führenden Orchester Europas ist Mozarts Vater Leopold voll des Lobes: „Das Orchester ist ohne Widerspruch das beste in Deutschland und lauter junge Leute von guter Lebensart, weder Säufer, weder Spieler, weder liederliche Lumpen, so dass sowohl ihre Conduite als ihre Production hoch zu schätzen ist.“ Obwohl sein Vater als auch Mozart selbst es gerne gesehen hätten, wenn der Kurfürst Mozart in seine Dienste genommen hätte, sind ihre Bemühungen vergebens. Auch wenn er beruflich nicht so erfolgreich in der RheinNeckar-Region war, in der Liebe lief es dafür umso besser. Aloysia Weber, eine noch in den Anfängen stehende hoch begabte Sängerin und Tochter eines Mannheimer Musikers, hatte dem jungen Mozart bei seinem Aufenthalt in Mannheim 1777 tüchtig

Mannheim 1777/78 erlebte er einen wahren Schaffensschub. Neben Aloysia waren die Mannheimer Hofkapelle mit ihren großartigen Solisten sowie die musikgeschwängerte Atmosphäre der Stadt Mannheim eine Quelle der Inspiration für Mozart. Hinzu kam schlicht und ergreifend, dass er auch Geld verdienen musste. Was ihm dabei zugute kam war, dass er in Mannheim einige, bereits vorhandene Werke an die Öffentlichkeit bringen konnte, darunter die Sinfonie C-Dur KV 208/102. Diese hat Mozart in dieser Form vermutlich erstmals in Mannheim aufgeführt. Nicht nur seine erste Liebe fand Mozart in der Region, auch seine spätere Frau Constanze Weber, die er 1782 heiratete. Constanze war die Schwester von Aloysia. Kurz vor seinem Tod am 5. Dezember 1791 kommt Mozart im Jahr 1790 noch einmal nach Mannheim. Am 23. Oktober 1790 schreibt er an seine Frau Constanze: „Morgen gehen wir nach Schwetzingen, um den Garten zu sehen.“ Dies ist der letzte verbürgte Satz, den man von Mozart über Schwetzingen kennt. Ob er Schwetzingen und die Region darüber hinaus geliebt hat, darüber lässt sich heute nur noch spekulieren. Sicher ist, dass er gerne und oft hierher kam, nicht zuletzt, weil er hier die Liebe gefunden hat.

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KONGRESSREGION

m:convisions

OB-Kandidatin für Heidelberg Professor Dr. Caja Thimm (Grüne) im Interview „Kooperation in der Region ist der Schlüssel“ Von Simone Zettier

Die grüne Oberbürgermeister-Kandidatin Professor Dr. Caja Thimm hat viele Ideen für Heidelberg. Eine davon ist, dass kein „zweites“ Congress Center Rosengarten gebraucht, sondern stattdessen lieber die Heidelberger Stadthalle umgebaut werde. Was sie noch so alles plant, verrät sie im Interview mit m:con visions.

m:con visions: Warum kandidieren Sie für Heidelberg und nicht für irgendeine andere Stadt? Thimm: „Ich lebe seit fast 30 Jahren hier und 25 Jahre im gleichen Stadtviertel, ich bin einfach hier verwurzelt. Seit 1983 bin ich in der Lokalpolitik aktiv. Für so eine Kandidatur braucht man Lokalkenntnisse, aber durch meine Aufgabe in Bonn (Thimm ist dort Geschäftsführende Direktorin des Institutes für Kommunikationswissenschaften an der Universität Bonn, d. Red.) habe ich ein bisschen Distanz, die bestimmt nicht schadet. Zudem bin ich unabhängig, ich bin kein Teil der Verwaltung. Ich habe einen engen und liebevollen Blick auf die Stadt.“ m:con visions: Was gibt Ihnen Heidelberg, was Ihnen andere Städte nicht geben? Thimm: „Heidelberg ist mein Zuhause. Das ist ganz wichtig. Es gibt Dinge, die gut laufen in der Tradition von Beate Weber. Diese möchte ich fortsetzen. Aber es sind auch viele Projekte liegen geblieben, wie zum Beispiel die Verkehrsplanung und das Thema Einzelhandel in der Altstadt.“ m:con visions: Sie haben gesagt, dass Sie sich für mehr Lebensqualität in der Stadt einsetzen. Wie soll das konkret ausehen? Thimm: „Wir haben hier ein großes Problem mit dem Einzelhandel. Es gibt zu viele Ketten. Ich möchte in der Innenstadt etwas entwickeln. Heidelberg gilt als Wohlfühlstadt, ist aber für viele zu teuer, um hier zu wohnen. Ich möchte gerne neue Wohngebiete, wie die Bahnstadt, schaffen, um wieder mehr Familien in der Stadt anzusiedeln. Heidelberg hat eine der niedrigsten Geburtenraten in Deutschland. Heidelberg ist eine Wissenschaftsstadt, aber es gibt eine Kluft zwischen Universität und Stadt. Die Uni sieht sich oft als Stadt in der Stadt. Das zu überbrücken, ist mein Ziel. Ich denke, wenn man eine ähnliche Sprache spricht, geht das einfacher.“ seite 44

m:con visions: Was wollen Sie gegen die zunehmende Gewalt im Stadtkern unternehmen? Thimm: „Ich habe mit der Polizei gesprochen, die hat schon Kontakt zu den Kneipiers aufgenommen. Die haben sich zusammengetan gegen das „Kampftrinken“, für das die Leute extra mit Bussen von außerhalb herrangekarrt werden. Das Problem sind nicht die Heidelberger. Meine Idee dazu ist, eine stadtplanerische Lösung für das Projekt „Stadt am Fluss“ zu initiieren, damit wieder mehr Heidelberger in die Innenstadt kommen. Ich verspreche mir viel von einer solchen sozialen Kontrolle.“ m:con visions: Sie sprechen von einer „Kultur des Unterlassens“, die es in Heidelberg gibt. Was meinen Sie damit konkret? Thimm: „Es gibt viele Projekte in Heidelberg, aber es ist zu wenig umgesetzt worden. Zum Beispiel das alte Hallenbad oder das Thema ,Kongresszentrum’. Das wird seit den 90er-Jahren diskutiert. Ich war damals in meiner Fraktion für den Tourismus zuständig. Mein Vorschlag war, dass wir die Stadthalle ausbauen. Mit einem gut aussehenden Glasausbau, dann hätten wir eine schicke Fläche gehabt. Jetzt wird das nicht gemacht, stattdessen gab es vor Wochen eine Ausschreibung für ein Gebäude am Hauptbahnhof. Das liegt direkt am Bahnhof, also etwas außerhalb, ist also nicht attraktiv. Zudem wird es sehr teuer, wir sprechen da von einer bis 1,8 Millionen Euro pro Jahr. Da sage ich doch: Wir haben eine Stadthalle und könnten das günstiger machen.“ m:con visions: Meinen Sie, dass Heidelberg und Mannheim bereits in naher Zukunft eine Kongressregion bilden könnten? Thimm: „Ja, wir könnten uns da absprechen. Wir machen die etwas kleineren Kongresse bis 1000 Besucher, bieten unser Heidelberg-Flair an, und Mannheim die großen, wie beispielsweise die Aktionärsversammlungen. In Heidelberg soll am Bahnhof sogar noch ein Kongresshotel für 300 bis 400 Besucher


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KONGRESSREGION

Impressum m:con visions Herausgeber m:con - Mannheimer Kongress- und Touristik GmbH Rosengartenplatz 2, 68161 Mannheim, Telefon +49.621.4106-0, Telefax +49.621.4106-200 www.mcon-mannheim.de Redaktion & Konzeption Tower Media GmbH, Ketscher Landstraße 2, 68723 Schwetzingen Telefon +49.6202.2797-0, Telefax +49.6202.2797-81 www.tower-media.de Konzeption & Gestaltung M.A.D. Kommunikation, Frankfurter Straße 121, 63067 Offenbach/Main Telefon +49.69.82998-0, Telefax +49.69.82998-11 www.mad-kommunikation.de Artdirektion Michael Hoffmeyer Gastautoren Joachim Grafen, m:con; Michel Maugé, m:con; Prof. Dr. Hans Rück, FH Worms Redaktion Dr. Katrin Bischl, Anja Frei, Stefan Kern, Jutta Lang, Jonathan Leibl, Christian Leistritz (Ltg.), Nadja Mehlhorn, Maren Weber, Frank Wewoda, Simone Zettier Redaktionsbeirat Prof. Dr. Hans H. Bauer, Dekan, Universität Mannheim; Prof. Dr. Hans Rück, FH Worms; Prof. Helmut Schwägermann, FH Osnabrück; Lutz P. Vogt, GCB Fotos AOL, BASF, Sven Bratulic, Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, Jadranka Celik (Tower Media), Peter Gaul (Tower Media), Daniel Metzler (m:con), Dr. Marius Müller (m:con), photocase.com, pixelquelle.de, Maren Weber (Tower Media) Druck Hans Reuffurth GmbH, Philipp-Reis-Straße 6, 63165 Mühlheim am Main Telefon +49.6108.607-0, Telefax +49.6108.72368 www.reuffurth.net

gebaut werden. Das ist eine Fehlplanung erster Güte. Wenn ich OB wäre, würde ich als erstes die Ausschreibung für das Kongresszentrum stoppen und etwas realisieren, das zu Heidelberg passt.“ m:con visions: Haben Sie nicht Angst, dass die Heidelberger Ihnen für diese Aussage aufs Dach steigen? Thimm: Angst nicht, denn das nutzt uns ja. Außerdem muss man die Metropolregion leben und nicht nur darüber disktuieren – der regionale Abgleich ist ein Schlüssel dafür! m:con visions: Sie haben einmal gesagt, dass man dem Kongresszentrum im Sinne der Metropolregion ein Profil geben müsse. Was meinen Sie damit konkret? Thimm: Machen wir uns nichts vor, wenn in Mannheim große Kongresse stattfinden, wohnen die Leute oft in Heidelberg. Vielleicht könnte man da noch die Uni mit ins Boot holen. Wenn man alles gemeinsam vermarktet, hätten beide Städte etwas davon. In einer Metropolregion sollte es eine kluge Abstimmung geben. Das Konkurrenzdenken mit Mannheim halte ich für kontraproduktiv. Heidelberg hat ein ganz anderes Image.“ m:con vision: Sie haben an anderer Stelle gesagt, dass Sie eine Oberbürgermeisterin für alle sein wollen und die klare Mehrheit der Herzen und Köpfe gewinnen möchten. Sehen Sie sich im Vergleich mit den anderen Kandidaten Dr. Jürgen Diether und Dr. Eckart Würzner als die Bürgermeisterin der Herzen? Thimm: Ich glaube die Wahl kann nur gewinnen, wer auch die Herzen der Menschen in unserer Stadt gewinnt. ■

Vertrieb LANG Industrie Dienst GmbH, Lübecker Straße 4-6, 69181 Leimen Telefon +49.6224.97180, Telefax +49.6224.971850 www.langindustriedienst.de Verantwortlich Michel Maugé (m:con) Ausgabe 02/2006. Printed in Germany. Alle Rechte vorbehalten.

Convention-Profis bilden Redaktionsbeirat Ausgewiesene Fachleute der Kongress-Branche werden künftig als Redaktionsbeiräte an m:con visions mitwirken. Ziel: Die Inhalte fachlich noch fundierter zu gestalten. Das Gremium bilden: Professor Hans H. Bauer, Direktor des Instituts für Marktorientierte Unternehmensführung und Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine BWL und Marketing II und Dekan der BWL-Fakultät der Universität Mannheim Professor Hans R. G. Rück, an der FH Worms im Fachbereich „Verkehrswesen/Touristik“ unter anderem für die Schwerpunkte Marketing, Markenpolitik und Markenbewertung, Marketing-Controlling und Internationales Marketing tätig Prof. Helmut Schwägermann, an der FH Osnabrück zuständig für Allgemeine BWL und Veranstaltungsmanagement Lutz P. Vogt, Managing Director des German Convention Bureau in Frankfurt, das Deutschland international und national als Standort für Kongresse, Tagungen, Incentives und Events vermarktet.

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AUSBLICK

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Zukunft der Kongressbranche Perspektiven

„Fest steht, dass der Bund, die Kommunen und die Länder nicht mehr lange hohe Kosten tragen können und dadurch Kongresszentren-Betreiber gezwungen sind, noch wirtschaftlicher zu denken. Die Modelle des Public Private Partnerships sind in diesem Zusammenhang nicht zufrieden stellend, ob Kongresszentren nun von privaten Investoren oder von den Ländern unterstützt werden. Es ist schwer, mit diesen Modellen Gewinn zu erzielen. In ganz Europa gibt es nur vereinzelt Ausnahmen von Häusern, die Gewinne machen. Die Umwegrentabilität als Gewinn, den ein Kongresszentrum indirekt bringt, kann niemand zur Bank bringen. Nicht das Kongresszentrum profitiert von ihr, sondern eine gesamte Region. Kongresse kurbeln die Wirtschaft an und geben Investoren finanzielle Unterstützung zurück, die sie erhalten haben. Beide Partner der Public Private Partnerships brauchen einander wie nie zuvor. August Moderer, Präsident des Europäischen Verbandes der Veranstaltungs-Centren

Für uns stellt das Tagungs- und Kongressgeschäft ganz klar eine Elementarstrategie unserer Geschäftspolitik dar. So haben wir 2005 im Kernsegment „Kongresse, Tagungen und Meetings“ der Maritim Hotelgesellschaft den Umsatz gegenüber dem Vorjahr um sieben Prozent gesteigert. Zu verdanken haben wir dies vor allem dem im August in Betrieb genommenen Maritim Hotel in Berlin sowie dem hervorragenden Ergebnis des im Vorjahr eröffneten Internationalen Congress Centers Dresden. Es ist keine Untertreibung, wenn ich sage, dass ich an das Kongressgeschäft glaube. Besonders erfolgreich erscheint uns auch das Management von städtischen Kongresscentern wie Ulm, Bremen, Würzburg und Dresden. Es rechnet sich einfach, wenn Hotel und Kongress aus einer Hand unter einem Dach vermarktet werden. Alfred Diem, Direktor Vertrieb Deutschland, Maritim

Um unsere Existenzberechtigung zu dokumentieren, reden wir von so genannter Umwegrentabilität und sind fest davon überzeugt, dass die Politik – gleich ob Kommune, Land oder Bund – unsere Branche für wichtig hält. Damit lügen wir uns selbst in die Tasche. Unsere tatsächliche „Rentabilität“ ist die Produktion von Kommunikation und Emotionen zur Förderung der Entwicklung und des Absatzes von Produkten und Wissen. Die Branche muss begreifen und lernen was „Plattform“ des Wissenstransfers bedeutet und was das ist. Die Branche muss wissenschaftlich den volkswirtschaftlichen Nutzen ihres Tuns und damit auch die für ihre Kunden entscheidenden Argumente finden. Wir müssen die richtigen Dinge tun! Unser Kunde, dessen Nutzen und dessen Investment ist ausschließlich unsere Existenzberechtigung! Michel Maugé, Geschäftsführer m:con Mannheim

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Frame your visions Austria Grazer Congress – Convention Center Graz Hofburg Congress Center & Redoutensaele Vienna Palais Niederoesterreich, Vienna

Belgium Flanders Congress & Concert Centre, Antwerp

Croatia Theatre of Marin Drzic, Dubrovnic

Finland Helsinki Congress Paasitorni

France Le Palais Beaumont, Pau

Germany Kaisersaal Erfurt Hannover Congress Centrum Kongress Palais Kassel Gürzenich Köln Kurfuerstliches Schloss, Mainz m:con Congress Center Rosengarten, Mannheim Das Kurhaus Wiesbaden Historische Stadthalle Wuppertal

Greece Athinais Conference Centre, Athens

Ireland Dublin Castle

Malta Mediterranean Conference Centre, Valletta

The Netherlands Beurs van Berlage Concert & Conference Halls, Amsterdam Pieterskerk Leiden

Switzerland Casino Kursaal Interlaken

United Kingdom Central Hall Westminster, London

HCCE office in Amsterdam: +31 (0) 20 618 95 40

Imagine you were here! www.hcce.com

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Mehr Raum für Visionen. Congress Center Rosengarten Mannheim. Grenzen auflösen, neue Ziele definieren, Perspektiven eröffnen. Die Erweiterung des Rosengartens ermöglicht neue Dimensionen für Kommunikation und Dialog. Wir freuen uns auf Sie. Jetzt informieren unter 0621-41 06 177 oder www.mcon-mannheim.de

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m:con Visions - Ausgabe 02/Juni 2006