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Ein paar Worte vorweg Moin, Supporters!

M

it dieser Ausgabe der supporters news

setzt allerdings auch voraus, dass sich die jeweili-

Es gab allerdings auch Anlässe zum Feiern. In der

blicken wir auf eine besondere Zeit der

gen Gesprächspartner im Verein überzeugen lassen

Rückrunde setzte der Supporters Club nach einem

deutschen Geschichte und damit auch

wollen. Wir gehen zwar davon aus, dass alle unsere

halben Jahr Pause wieder Sonderzüge zu verschie-

auf eine besondere Zeit der HSV-Fan-

Gesprächspartner hierzu bereit sind. Allerdings ge-

denen Auswärtsspielen unseres HSV ein. Die Touren

Kultur zurück. Wie war das Fan-Leben eines HSVers

lang es dem einen oder anderen Verantwortlichen,

verliefen bislang reibungslos. Mehr dazu erfahrt Ihr

in der DDR? Wie muss das gewesen sein, als HSV-

diese Bereitschaft bislang gekonnt zu verstecken…

in dieser Ausgabe in einem Interview mit unserem

Fan keine Spiele besuchen zu können, die Spiele noch

Unmittelbar vor Redaktionsschluss für diese Aus-

Geschäftsführer Andreas Birnmeyer.

nicht einmal offiziell im Fernsehen sehen zu dürfen?

gabe erreichten uns verschiedene Nachrichten, die

Außerdem wurde der Supporters Club inzwischen 17

In Zeiten vor Internet und Videotext war eine „Grund-

uns nachdenklich stimmen. Bei einem Bundesligaspiel

Jahre alt. Herzlichen Glückwunsch!! Die DFL termi-

versorgung“ mit Infos über die Fußballliebe aus der

in Bochum kam es beim unkontrollierten Abbrennen

nierte sicherlich zu Ehren des SC das Auswärtsspiel

Hansestadt für Ostdeutsche kaum zu gewährleis-

von pyrotechnischen Gegenständen zu schweren Ver-

unseres HSV in Gladbach auf den Geburtstag, den

ten. Trotzdem gab es eine große Anhängerschaft des

letzungen mehrerer Stadionbesucher. Leider ist jetzt

28. März! Na gut, an diesem Punkt haben wir jetzt

HSV auch zu DDR-Zeiten im Osten. In dieser Ausgabe

der Fall eingetreten, vor dem so oft gewarnt wurde.

bestimmt ein bisschen übertrieben, aber mit verschie-

schildern einige HSVer ihr Fan-Leben im „Arbeiter-

Die danach aufgekommene Debatte in der Öffentlich-

denen Aktionen für SC-Mitglieder haben wir diesen

und Bauernstaat“.

keit war teilweise an Unsachlichkeit allerdings kaum

Geburtstag dennoch gebührend gefeiert.

Natürlich beschäftigen wir uns auch mit aktuellen

zu überbieten. Es werden mal wieder alle Personen,

Wir freuen uns, dass sich unser Trainer Bruno Labba-

Themen in dieser Ausgabe. So berichtet Jens Wagner

die zum Fußball gehen, in einen Topf geschmissen.

dia die Zeit für ein Interview mit der supporters news

von einem Besuch bei der EU in Brüssel, zu dem der

Mit einer pauschalisierten Diskussion und dem damit

genommen hat. Dabei hat Bruno nicht nur von sei-

Supporters Club eingeladen wurde. Derzeit bekommt

verbundenem blinden Aktionismus von Vereinen, DFB

nem Arbeitsalltag im Stadion berichtet, sondern auch

unsere Abteilung – im Wesentlichen auf Empfehlung

und Polizei werden die bestehenden Probleme sicher-

mal geschildert, was er sich als Trainer von uns Mit-

der UEFA (!) – nicht nur viel Besuch von Fan- und Ver-

lich nicht zu lösen sein.

gliedern und Fans wünscht.

einsvertretern aus ganz Europa, auch wir werden zu

Aufgrund eines Vorfalls im November 2009 in Biele-

Die jährliche Info-Veranstaltung der Abteilung För-

einer Vielzahl von Tagungen eingeladen. In den ver-

feld wurden gegen fast 60 HSVer Stadionverbote vom

dernde Mitglieder/ Supporters Club soll in diesem

gangenen Monaten standen unter anderem Reisen

DFB verhängt. In Bielefeld kam es – ohne, dass ein

Jahr vor dem Heimspiel gegen Mainz stattfinden.

nach Schottland, England, Griechenland und auch

Spiel stattfand – zu Sachbeschädigungen und Aus-

Der genaue Termin stand beim Verfassen dieser Zei-

Belgien auf dem Programm. Dabei wurden wir immer

einandersetzungen mit der Polizei und Dritten. Wie

len leider noch nicht fest, da die DFL diesen Spieltag

als Experten für vorbildliche Fanarbeit oder als Vorrei-

viele Personen an diesen Auseinandersetzungen be-

noch nicht terminiert hat. Deshalb können wir Euch

ter im Einsatz für Mitglieder- und Fanrechte eingela-

teiligt waren, steht derzeit nicht fest. Fest dürfte al-

lediglich darüber informieren, dass die Versammlung

den. In Deutschland stehen wir – unter anderem über

lerdings stehen, dass bei diesen Vorfällen lediglich

in der Zeit vom 16. April – 18. April 2010 durchge-

die Organisation „Unsere Kurve“ – in engem Kontakt

ein kleiner Teil der Mitreisenden die Auseinander-

führt werden wird. Genaueres werdet Ihr dann über

zu den organisierten Fußballfans vieler Vereine. Mit-

setzungen zu verantworten haben. Es muss sicher-

unsere Homepage www.hsv-sc.de erfahren.

glieder- und Fanvertretungen verschiedenster Clubs

lich nicht betont werden, dass jeder, der Mist baut,

Zum Schluss wollen wir noch auf eine einmalige

haben uns in den vergangenen Monaten um Rat ge-

auch mit Sanktionen zu rechnen hat. Dagegen gibt

Chance in den kommenden Monaten hinweisen: Seit

beten, wenn es um den Aufbau von Organisationen

es nichts zu sagen. In diesem Fall ist allerdings nicht

Jahren gehören wir in der Liga zu den Top 3. Jedes

oder auch um den Einsatz für Mitglieder- und Fan-

zu erkennen, nach welchem Schema der DFB Stadi-

Jahr sind wir die Nummer 1 oder 2 hinter den Bay-

rechte ging. National und international genießt der

onverbote verhängte und dadurch auch Sanktionen

ern – zumindest, was den Umsatz betrifft. Dennoch

Supporters Club also hohes Ansehen. Vielleicht ge-

gegen Unbeteiligte traf. In den kommenden Ausga-

haben wir den letzten Titel vor inzwischen Jahrzehn-

lingt es uns ja in den kommenden Monaten, auch den

ben der sn werden wir auf diese Themen sicherlich

ten, nämlich 1987 den DFB-Pokal, gewonnen. Diese

einen oder anderen im Verein zu überzeugen. Dies

noch genauer eingehen.

Durststrecke muss beendet werden! Am 12. Mai 2010 findet in unserem Stadion das UEFA-Cup-Finale statt. Damit wir uns zu Recht in unserem Kalender für den 13. Mai 2010 als Termin „Präsentation der Mannschaft und des UEFA-Cups; Rathausmarkt Hamburg“ eintragen dürfen, sind auch wir Fans gefragt. Unterstützt unsere Elf in den letzten Spielen noch mehr als sonst! Lasst uns alle zusammen für die „Operation Rathausmarkt“ kämpfen! NUR DER HSV! Für die Abteilungsleitung Ralf Bednarek

Ausgabe 62

3


Inhaltsverzeichnis Ausgabe 62 · April 2010 Ein paar Worte vorweg

3

Moin, Supporters!

Über den Tellerrand …

18

SC-Abteilungsleitung im EU-Parlament

Schwach besucht …

6

Mitgliederversammlung am 17.01.2010

HSV Supporters Treff

21

Der Treffpunkt für HSV-Fans

Bericht eures Delegierten

9

Themen: Transfers und Sportchef

1. Hamburger Ultrà-Tagung

22

Ein Schritt in die richtige Richtung

Alltag und Besonderes

10

Bericht des Vorstands Oliver Scheel

Freibier…

23

… gibt es im Fanhaus des HSV leider nicht

Rollende Augen

11

Mit der Tochter beim HSV

Ökomode oder echter Beitrag?

24

HSV und Umweltschutz

Bayern voller Neid

12

Sonderzüge des Supporters Club wieder unterwegs

70 Jahre …

25

Über Sportfive und den HSV

„So günstig wie möglich!“

12

Im Gespräch mit Andreas Birnmeyer

„Unterschätzt euch nicht!“

26

Im Gespräch mit Bruno Labbadia

Von Misstrauen und Schikane

14

Wie die Polizei mit friedlichen Fußball-Anhängern umgeht

SN Comic

Nur Mut, Herr Labbadia!

28

Trainertypen. Welche sind erfolgreicher?

15

Spielverderber!

30

Über Simulanten und Falschspieler

Gefragte Erfahrung

16

Abteilungsleitung hilft in Griechenland

33

HSV-Fans in der ehemaligen DDR

6

4

„Wie ein Verbrecher“

26

supporters news


32

Schwerpunkt 44

Der gläserne Fan

39

Die Stasi-Akte von Thomas Kunze aus Leipzig

„Kontakte waren unerwünscht“

40

42

44

Leserbriefe

58

Aus aller Welt …

59

Grüße an den SC

48

Wintertrainingslager in der Türkei

Maximilian „Maxi“ Beister

57

Kein Einzelfall auf der Osttribüne

Berichte über die Spiele der Profis

Mit dem Team in Belek

Regel-Quiz Knifflige Situationen für Schiedsrichter

Interview mit Bernd Steinmetzer

Bis zum Ende auf der Kippe

56

CD-Rezensionen

Rund um den DDR-Auftritt des HSV 1982

HSV Fan-Alltag in der DDR

Auf die Ohren

Die wichtige Seite

60

Supporters Club · Tickets · Mitgliederwerbung · Fan-Shops · etc.

50

Rund um den HSV

61

Netztipps …

61

Hier surfen HSVer

61

Exklusives Kurz-Interview

66

Impressum

66

Einer von den jungen Wilden beim HSV

Aus im Viertelfinale

51

Erste Bismarker Fanmasters

Jubiläumsparty in Celle

52

„Blau – Weiß – Schwarze Mega Night“

Lesestoff für den Fan

54

Buchrezensionen

Ausgabe 62

5


Schwach besucht … Mitgliederversam mmlung am 17.0 01.2010 Fotos Witters

Drei Reaktionen auf die nur schwach besuchte Mitgliederversammlung am 17.01.2010 zeigen, was viele Anwesende wohl ähnlich empfanden: Überraschung, Enttäuschung und auch Ärger. Wir lesen kritische Fragen und Appelle, bis zur Aufforderung, seine Mitgliedschaft zu kündigen, aber daneben auch eine positive Wertung dafür, dass ein Satzungsänderungsantrag abgelehnt wurde.

Lasst uns aufmerksam bleiben! von Ruben Backof

E

s war wieder so weit: Die alljährliche ordentliche Mitgliederversammlung des Hamburger Sport-Verein e.V. stand an. Voller Vorfreude machte ich mich am frühen Samstagmorgen aus dem Süden der Republik auf nach Hamburg, um das Spiel gegen den SC Freiburg zu verfolgen und um am Tag darauf von meinem Stimmrecht als Mitglied Gebrauch zu machen. Im Vorfeld war klar, dass diese Mitgliederversammlung auf weit weniger Resonanz stoßen sollte als die des Vorjahres am 25.01.2009. Damals waren bekanntlich knapp 5.000 Mit-

6

glieder anwesend. Es stand schließlich die Wahl des Aufsichtsrates an. Stolz wurde von unserem Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffman verkündet: „Mehr als beim Erstrundenpokalspiel von Hertha BSC“. Jedoch schien es dem Vorstand dieses Jahr nicht ganz so wichtig zu sein, die Mitgliedschaft zu mobilisieren. So viel zur Vorgeschichte. Dass dann aber lediglich 488 Mitglieder den Weg ins CCH fanden, hat mich trotzdem überrascht. Diese maue Beteiligung darf auch nicht damit gerechtfertigt werden, dass es dieses Jahr keine schriftliche Einladung inklusive Fahr-

karte gab. Immerhin sind bei jedem Heimspiel über 50.000 HSVer im Volkspark und auch auswärts ist der Gästeblock stets voll. Also sollte man doch davon ausgehen dürfen, dass einem Großteil dieser Menschen der HSV e.V. in dem Maße am Herzen liegt, dass es zumutbar erscheint, sich zur Mitgliederversammlung zu begeben. Zumal ein Großteil der HSV-Mitglieder in Hamburg und Umgebung wohnt und somit der Anfahrtsweg kein großes Hindernis darstellen sollte. Sind wir nicht alle stolz darauf, Anhänger eines e.V. zu sein, in dem wir mitentscheiden dürfen? Warum supporters news


26 Einsätze fßr den HSV ‌

50 C 14003 GEBĂœHR BEZAHLT | März 2007 | Ausgabe

I 2,00 Euro 51 I 2,00 Euro C 14003 GEBĂœHR BEZAHLT | Juli 2007 | Ausgabe

DAS MAGAZIN DES HSV SUPPORTERS CLUB

‌ und immer eine Handbreit Punkte unterm Kiel!



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Catania ¡ Saisonrßckblick

DAS MAGAZIN DES HSV SUPPORTERS CLUB

n Herzliche GlĂźckwunsch!

I 2,00 Euro

DAS MAGAZIN DES HSV SUPPORTERS CLUB

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| Ausgabe C 14003 GEBĂœHR BEZAHLT | Oktober 2008

0 MITGLIEDER HSV SUPPORTERS CLUB | 43.89

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Danke n! Christia

56 I 2,00 Euro

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DAS MAGAZIN DES HSV SUPPORTERS CLUB

55 C 14003 GEBĂœHR BEZAHLT | Juni 2008 | Ausgabe

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57 I 2,00 Euro I 2,00 Euro

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5 MITGLIEDER HSV SUPPORTERS CLUB | 45.72

DAS MAGAZIN DES HSV SUPPORTERS CLUB

supporters news DAS MAGAZIN DES HSV SUPPORTERS CLUB

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9 MITGLIEDER HSV SUPPORTERS CLUB | 48.68

58 C 14003 GEBĂ&#x153;HR BEZAHLT | April 2009 | Ausgabe

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9 MITGLIEDER HSV SUPPORTERS CLUB | 48.68

Ausgabe C 14003 GEBĂ&#x153;HR BEZAHLT | Januar 2009 |

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Interview mit Bernd Hoffmann ¡ Italien nach

52 I 2,00 Euro

supporters news

I 2,00 Euro

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3 MITLGIEDER HSV SUPPORTERS CLUB | 41.82

9 MITLGIEDER HSV SUPPORTERS CLUB | 40.11

ikffehj[hid[mi

0 MITGLIEDER HSV SUPPORTERS CLUB | 43.28

54 C 14003 GEBĂ&#x153;HR BEZAHLT | März 2008 | Ausgabe

54

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| Ausgabe C 14003 GEBĂ&#x153;HR BEZAHLT | Oktober 2007

52 9.150 MITLGIEDER DER/HSV SUPPORTERS CLUB | 3 ABTEILUNG FĂ&#x2013;RDERNDE MITGLIE

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5 MITGLIEDER HSV SUPPORTERS CLUB | 45.72

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Deutschlands Lobby der FuĂ&#x;ballfans

62 C 14003 GEBĂ&#x153;HR BEZAHLT | April 2010 | Ausgabe

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FuĂ&#x;ballfans ¡ Polizei ¡ Gewalt

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www.hsv-sc.de C 14003 GEBĂ&#x153;HR

GLIEDER H S V S U P P O R T E R S C LU B | 51.614 M I T

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Unsere Kurve

Euro BEZAHLT | Dezember 2009 | Ausgabe 61 I 2,00

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NUR DER VEREIN!

0 MITGLIEDER HSV SUPPORTERS CLUB | 52.65

Hoffmann stimmte mich traurig und verärgert, ebenso wie die Tatsache, dass der Antrag nicht die nĂśtige Dreiviertel- Mehrheit erhielt. Warum ist selbst einigen der anwesenden Mitglieder ihr Mitbestimmungsrecht so wenig wert? Traurig auch, dass die leidenschaftliche und Ăźberaus schlĂźssigen Plädoyers der Männer Christian Reichert, Manfred Ertel, Peter Gottschalk, Jojo Liebnau und Jan Bartels nicht belohnt wurden. Dies erinnerte dann doch noch an die Mitgliederversammlung des vergangenen Jahres. An dieser Stelle mĂśchte ich mich bei der Abteilungsleitung der FĂśrdernden Mitglieder/Supporters Club, sowie den oben Genannten bedanken. Vielen Dank fĂźr den Einsatz fĂźr den HSV e.V. und den Kampf fĂźr die Wahrung und Stärkung der Mitgliedschaft. Sie haben wie immer alles MĂśgliche hierfĂźr versucht und gegeben. Bleibt zu hoffen, dass die Besagten sich nicht von dieser erneuten Niederlage entmutigen lassen und weiterhin den HSV in dieser Weise leben! Die beschriebenen Vorkommnisse stimmten mich auf meiner Heimfahrt äuĂ&#x;erst nachdenklich. Was, wenn bei einer der folgenden Mitgliederversammlungen Ăźber eine Ausgliederung der Lizenzspielabteilung abgestimmt werden soll? WĂźrde die Mitgliedschaft Herrn Hoffmann folgen oder zu Ăźber 99 % nicht erscheinen? Was ist mit der vom Block 22C am Tag zuvor beschworenen â&#x20AC;&#x17E;Leidenschaft, die sogar Repressionen Ăźberstehtâ&#x20AC;&#x153;? Lasst uns aufmerksam bleiben und dafĂźr kämpfen, unseren HSV so zu erhalten, wie wir ihn lieben (sollten!).

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wird dann von dem Recht, das uns dies ermĂśglicht, in so geringem MaĂ&#x;e Gebrauch gemacht? Ist es nicht toll, dass wir Mitglieder des Supporters Clubs eine eigene Abteilung im Verein sind und somit ein gehĂśriges Mitbestimmungsrecht haben? Warum ist dies dem GroĂ&#x;teil der Mitglieder so wenig wert? Immerhin standen auch an diesem Versammlungstag wichtige Abstimmungen an. Besonders beschäftigte mich der Antrag von Jan Bartels, der heftig diskutiert wurde. Hier wurde beantragt, dass der Vorstand fĂźr die Belange der Mitglieder automatisch auch 2. Vorsitzender wird. Was fĂźr eine riesen Chance, die sich uns Mitgliedern hier bot! Wie viele Mitglieder anderer Vereine wĂźrden womĂśglich von solch einer MĂśglichkeit träumen, den 2. Vorsitzenden des Vereines selbst wählen zu dĂźrfen. Der Antrag wurde mit Argumenten kritisiert, die ich nicht nachvollziehen kann. Von unserem Aufsichtsratvorsitzenden Horst Becker wurde angefĂźhrt, es sei einfacher, einen Sportchef zu finden, wenn dieser der 2. Vorsitzende sein kĂśnnte. Warum haben wir dann noch keinen? Ein anderes Argument gegen diesen Antrag lautete: Wenn der Vorstand fĂźr die Belange der Mitglieder ausfällt, dauert es bis zur nächsten Mitgliederversammlung, um einen neuen 2. Vorsitzenden zu bestimmen. Und jetzt? Haben wir etwa jetzt einen 2. Vorsitzenden? WĂźrde dieser von der Mitgliederversammlung bestimmt werden, hätten wir jetzt einen! Diese Argumentationsweise von den Herren Lehmann (den Verein beratender Jurist), Becker und

I 2,00 Euro

supporters news DAS MAGAZIN DES HSV SUPPORTERS CLUB

Die Westkurve

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Alte Heimat

HSV Fans hinter der Mauer

Damals in der DDR â&#x20AC;Ś

Zeitschriften Magazine BĂźcher Kataloge BroschĂźren

Ausgabe 62

Weitere Referenzen:

www.ewgo.de


Und ihr wollt der HSV e.V. sein? von Sören Thiel

„W

ir sind stolz auf unseren Verein! Einmalig in Europa, dass wir Fans so aktiv am Vereinsleben mitwirken können!“ Nur blöd, wenn keiner kommt! Schämt euch! So geschehen bei der letzten ordentlichen Mitgliederversammlung im CCH-Saal 1. Von den 488 stimmberechtigten Mitgliedern sind schon in den ersten Stunden über hundert Mitglieder wieder gegangen. Und zum Schluss waren wohl nicht einmal mehr als 200 reine Mitglieder ohne Zweitverwendung, angestellt oder ehrenamtlich, im Verein anwesend. Traurig! Ich denke, wir sollten stolz auf das sein, was wir hier in der schönsten Stadt der Welt ha-

ben und die Möglichkeit auch nutzen, uns als Mitglieder aktiv an der Vereinspolitik zu beteiligen. Schade, dass sich anscheinend nur wenige dafür interessieren. Da merkt man doch einmal mehr, dass viele Mitglieder es nur auf ihr Vorkaufsrecht, Vergünstigungen etc. abgesehen haben. Es ist zur Zeit offensichtlich einfach nur schick, zum HSV zu gehen. Aber für viele ist der HSV mehr als nur eine schöne Modeerscheinung, die bald wieder out ist. Genauso sollte sich eine gewisse Fangruppierung, die doch so viel für den Verein bewirken möchte, fragen, warum sie es nicht schafft, mehr als 15-20 Leute zu mobilisie-

ren, obwohl der Block doch aus allen Nähten platzt! Manchmal muss man seinen Verein nicht nur auf dem Platz supporten, sondern auch auf einer nicht so spannenden Mitgliederversammlung. So eine Veranstaltung wie die Mitgliederversammlung sollte doch auch für jeden OFC in und um Hamburg eine Pflichtveranstaltung sein! Klar, das Wetter war besch …, einige mussten arbeiten, die Oma wird zum sechsten Mal 70 oder der letzte Abend auf dem Kiez war wieder etwas länger als geplant! Ja gut, es gab auch keine HVV Tickets. Und die Werbetrommel wurde auch nicht so kräftig gerührt wie im vergangenen Jahr. Aber schafft ihr es trotz alledem nicht, euch einmal im Jahr zum HSV zu bewegen, außer zu den Spielen? Wir sind über 65.000 Mitglieder, davon über 50.000 Supporter und zu einer Mitgliederversammlung beim HSV e.V. schaffen es nur ein paar hundert? In meinen Augen ist das ein Armutszeugnis für unseren Verein! Einige „Mitglieder“ sollten sich fragen, ob sie nicht ihre Mitgliedschaft kündigen. So etwas hat der Verein nicht verdient! Von eurem Mitspracherecht im HSV e.V. macht ihr ja eh keinen Gebrauch.

Keine Niederlage! von K. E. Sattelmair

D

ie Mehrheit der Stimmen gewonnen, aber gefühlt: verloren. Das mögen viele Mitglieder, die trotz Schnee und Eis den Weg in das CCH zur diesjährigen Mitgliederversammlung gefunden haben, denken. Der Satzungsänderungsantrag, den Status des gewählten Vorstands für die Mitgliederbelange zum 2. Vorsitzenden aufzuwerten, fand zwar eine deutliche, nicht jedoch die für eine Satzungsänderung notwendige Dreiviertel-Mehrheit der Mitglieder. Eine Niederlage? Ich meine nein! Es ist die richtige Entscheidung für den Verein. Die Satzungsväter haben in § 19 der Satzung eine kluge Regelung gefunden, die die Besonderheiten des HSV, nämlich den Spagat zwischen „Herz und Kommerz“ in ein ausgewogenes Verhältnis bringt. Es ist die richtige Mischung aus repräsentativer Demokratie und Basisdemokratie. Der HSV ist

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ein Sportverein mit mehr als 60.000 Mitgliedern und zugleich ein Wirtschaftsunternehmen mit einem Umsatz von fast 190 Mio. EURO. Das „Unternehmen HSV“ stellt andere Anforderungen an das Führungspersonal als der „Verein HSV“. Die Satzungsväter haben vorausschauend und zu Recht in der Satzung verankert, dass der 1. und 2. Vorsitzende aufgrund eines Findungs- und Ausleseprozesses durch den durch Wahlen demokratisch legitimierten Aufsichtsrat und nicht aufgrund einer möglicherweise stimmungs- und tagesformabhängigen Wahl in ihre Ämter gelangen. Das wertet den Vorstand für die Mitgliederbelange nicht ab. Zum Einen schließt die Satzung nicht aus, dass dieser zugleich 2. oder sogar 1. Vorsitzender des HSV wird. Zum anderen besagt die Satzung in Abs. 2, dass der HSV durch zwei Vorsitzende vertreten wird, wobei nur einer von beiden der 1. oder der

2. Vorsitzende sein muss. Dies sichert die Beteiligung des „3. Vorsitzenden“ und der von ihm vertretenen Belange an den Entscheidungsprozessen des Vereins. Daran würde sich durch eine „Verschiebung“ des „3.“ zum „2.“ nichts ändern.

supporters news


Bericht eures Delegierten Themen: Transfers und Sportchef Text Björn Floberg Thiel · Foto HSV Supporters Club

L

iebe Förderer & Supporters, hier nun der nächste Bericht über meine Tätigkeit im Aufsichtsrat. In den letzten Wochen standen vor allem die beiden folgenden Punkte auf unserer Tagesordnung: 1. Transfers Der Transfer von Ruud van Nistelrooy wurde dem AR zur Abstimmung vorgelegt, da das im Sommer vereinbarte Transferbudget ausgeschöpft war. Der AR hat diesem Transfer zugestimmt. Aufgrund der zahlreichen Verletzungen und den damit verbundenen Gehaltseinsparungen (wie jeder „normale“ Arbeitnehmer übernimmt auch bei den Fussballprofis nach 6 Wochen die Berufsgenossenschaft die Lohnfortzahlung) sowie den Abgängen von Alex Silva und Mickael Tavares war der finanzielle Spielraum für diesen Transfer aus meiner Sicht vorhanden. Hier ein paar generelle Grundlagen für meine Transferentscheidungen: Ich bemühe mich, Transfers nur aus finanzieller Sicht zu beurteilen, genau wie mein Vorgän-

Ausgabe 62

ger Henning Trolsen es gehalten hat. Für die sportliche Beurteilung sind Vorstand, Scouting, Trainer etc. zuständig. Grundsätzlich werde ich keinen Transfers zustimmen, die fremdfinanziert werden, z. B. durch Sponsoren. Solche Modelle hat Bernd Hoffmann bei der letzten Mitgliederversammlung angedeutet. Aus meiner Sicht beraubt sich der HSV so ggf. seiner Unabhängigkeit und Entscheidungsfreiheit, da Sponsoren in der Regel Gegenleistungen erwarten, z. B. Beteiligung an verschiedenen Erlösen, direkte oder indirekte Mitsprache etc.. Ich stehe für einen durch die Mitglieder bestimmten Verein. Solche Finanzierungsmodelle sind für mich der erste Schritt in Richtung fremdbestimmte Retorte wie Hoppenheim oder RB Leipzig. Auch Transfers, die über Kredite finanziert werden, werde ich nicht zustimmen. Dieser Fall ist aber in den letzten Jahren nicht vorgekommen. Wenn ein Sponsor dem HSV das Geld ohne Gegenleistung zur Verfügung stellt, also spendet, ist dagegen natürlich nichts einzuwenden. 2. Sportchef In seiner Sitzung am 16.02.2010 hat der Aufsichtsrat dem vom Vorstand vorgeschlagenen Organigramm sowie den Vertragskonditionen von Urs Siegenthaler und Thorsten Weidig zugestimmt. Katja Kraus wird zusätzlich zu ihrem bisherigen Bereich Marketing & Kommunikation auch den Bereich Sport im Vorstand übernehmen und ist somit Urs Siegenthaler, der wohl auf eigenen Wunsch erstmal nicht in den Vorstand wollte, und dem Trainer vorgesetzt. Zur Info: Bei der Besetzung von Positionen unterhalb der Vorstandes sind nur die Vertragskonditionen ab einem gewissen Gehalt durch den AR mitbestimmungspflichtig, nicht die Personalentscheidung an sich. Leider hatte ich, wie auch einige andere ARKollegen, nicht die Gelegenheit, mir vor einer Entscheidung ein Bild von Urs Siegenthaler zu machen und ihn persönlich zu fragen, warum er diese wichtige Arbeit nicht auf Vorstandsebene leisten möchte.

Auch hat es der Aufsichtsrat nicht geschafft, einen Sportchef auf Vorstandsebene zu finden. Das war eigentlich die Maßgabe bei der Suche. Dieser Beschluss ist im Dezember 2009 noch mal durch den AR einstimmig bekräftigt worden. Aus meiner Sicht ist der Bereich Sport der wichtigste in unserem Verein, da vom Erfolg bzw. Misserfolg der Bundesligamannschaft auch alle anderen Bereiche wie Vermarktung, Finanzen, Amateursport etc. abhängig sind. Deshalb halte ich es für dringend notwendig, dass dieser Bereich auch auf Vorstandsebene entsprechend vertreten ist und nicht von einem anderen Vorstandsmitglied sozusagen „nebenbei“ mit erledigt wird. Diese neue Organisation heißt unter anderem auch, dass Urs Siegenthaler nur bedingt entscheidungsbefugt ist, da er an den Abstimmungen im Vorstand nicht teilnehmen kann. Außerdem verantwortet er nicht den gesamten sportlichen Bereich, wie Dietmar Beiersdorfer es getan hat, sondern „nur“ Spielphilosophie, Kaderentwicklung, Scouting und Nachwuchsarbeit, ist aber z. B. nicht dem Trainer vorgesetzt. Auch die Tatsache, dass er nach Vertragsbeginn beim HSV eventuell weiterhin für den DFB aktiv ist, finde ich unglücklich. Sportchef beim HSV ist aus meiner Sicht keine Teilzeitaufgabe. Zwischenzeitlich hatte ich Gelegenheit, Urs Siegenthaler in einem persönlichen Gespräch kennenzulernen. Er scheint ein positiv-fußballverrückter Experte zu sein, der große Erfahrungen im Bereich Spielanalyse, Taktik, Trainingsmethodik etc. mitbringt und bei vielen europäischen Topclubs „spioniert“ hat. Er ist direkt und absolut leidenschaftlich in seiner Arbeit. Jetzt bleibt abzuwarten, ob dieses Modell den erhofften Erfolg bringt und ob US nicht eventuell doch noch in den Vorstand aufrückt, wovon ich aber zurzeit nicht ausgehe. Hier noch mal das Angebot, euch regelmäßig per Newsletter zu informieren: Meldet euch dafür unter hsv-ar-floberg@hotmail.de unter Angabe von Namen und Mitgliedsnummer. Blau-Weiß-Schwarzer Gruß, Björn Floberg Thiel

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Alltag und Besonderes Bericht des Vorstands Oliver Scheel Text Oliver Scheel · Foto Witters

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iebe Vereinsmitglieder, liebe Leserinnen und Leser der supporters news, bekanntlich habe ich in der letzten Ausgabe der supporters news (Dez. 2009) erstmalig einen genaueren Einblick in meine tägliche Arbeit im Vorstand unseres HSV gegeben. Dieser Überblick war eben nicht in der Gestalt einer Rechenschaftslegung, wie er insbesondere zu einer Mitgliederversammlung zu erfolgen hat. Vielmehr sollte er einen Einblick in die typischerweise anfallenden Aufgaben und Tätigkeitsbereiche geben, um Ihnen eine vertiefte Vorstellung von meiner Vorstandsarbeit zu ermöglichen. Dies möchte ich mit dem heutigen Bericht gern fortsetzen, um Sie auch zukünftig quasi immer „auf dem Laufenden“ zu halten. In den ersten Wochen des neuen Jahres stand natürlich zunächst die Ausrichtung der Mitgliederversammlung im Vordergrund. Neben allen organisatorischen Dingen, die ich in erster Linie mit den Mitarbeitern des Mitgliederwesens zu bewältigen hatte, standen auch solche Themen wie Ehrungen von verdienten Mitgliedern und/oder Sportlern an. Diese Ehrungen werden vom so genannten Ehrenausschuss (siehe § 31 der Satzung), dem ich vorstehe, im Vorfeld besprochen und entschieden. Auch eine Teilnehmerzahl von lediglich 500 Mitgliedern ändert nichts am hohen organisatorischen Aufwand und verlangt Genauigkeit sowie hohe Aufmerksamkeit aller verantwortlichen Mitarbeiter an dem Versammlungstag. Im Nachgang ist dann immer ein Versammlungsprotokoll anzufertigen und die an dem Tag entschiedenen Satzungsänderungen sind von mir beim Amtsgericht Hamburg zur Anmeldung einzureichen. Da ich die Information der Mitglieder als oberste Priorität meiner Arbeit ansehe, habe ich vor kurzem den „Mitgliederinformationsabend“ ins Leben gerufen, der alle 2 Monate am letzten Mittwoch des Monats stattfinden wird. Bei dieser Veranstaltung, die regelmäßig im Haus des Sports des Hamburger Sportbundes ausgerichtet wird, soll den Mitgliedern die Möglichkeit gegeben werden, tagesaktuelle,

10

aber auch grundsätzliche Themen außerhalb einer Tagesordnung in aller Ausführlichkeit diskutieren zu können. Dieser Kontakt und Austausch mit interessierten Mitgliedern ist für mich ein wichtiger Baustein in der Bearbeitung von wichtigen Themen in meiner Vorstandstätigkeit. Dabei nutze ich auch in regelmäßigen Abständen das Vorwort unseres Vereinsmagazins, um hier an exponierter Stelle auf Vereinsbelange eingehen zu können. Auch bleibt weiterhin unsere Sportanlage in Ochsenzoll ein bestimmendes Thema, da wir hier langsam in die Entscheidungsreife des ersten Bauabschnitts einmünden. Hierzu gibt es immer wieder Treffen mit den dortigen Abteilungen, Gespräche mit dem Architekten und natürlich auch Entscheidungen im gesamten Vorstand. Auch gehört natürlich zum Amt eines Vorstandsmitglieds gelegentlich ein repräsentativer Teil. Dies ist mir in zweierlei Hinsicht wichtig und kommt auch entsprechend vor: Zum einen sind wir als Hamburger Sport – Verein natürlich auch im Hamburger Amateursport in vielen Sportarten zugegen, so dass es auch verschiedenste Verbandssitzungen und -versammlungen gibt, die von mir besucht werden. Hier geht es u. a. um den HSB, den HFV oder auch um die eine oder andere Sportveranstaltung. Bekannt sein dürfte zum anderen auch, dass wir insbesondere bei den internationalen Spielen das Gastpräsidium am Spieltag zum Essen und Gespräch einladen. Gleiches erfolgt regelmäßig auch bei den Auswärtsspielen beim dortigen Präsidium. Es ist für mich bedeutsam, dass der Verein auch international vom gesamten Vorstand vertreten wird. Man hat zudem die Gelegenheit, sich zu den verschiedensten Punkten mit den Kollegen der an-

deren Vereine auszutauschen und auch etwaige Kontakte außerhalb der Spielpaarung für die Zukunft zu knüpfen. Schließlich beschäftigt mich immer wieder das Vorankommen der Überlegungen für eine Nachfolgeeinrichtung der „Spieltagsraute“ sowie das (Fern-) Ziel eines Vereinsheims in der Stadt. Dies soll es für heute gewesen sein. Wenn Sie noch Fragen oder Anmerkungen haben, können Sie mir auch jederzeit eine Mail an oliver.scheel@hsv.de schicken. Ihr Oliver Scheel

supporters news


Axels Kolumne

Rollende Augen Mit der Tochter beim HSV zu Mathijsen gespielt wird. Da fragt mich die

mer noch versucht, mit hohen Rückpässen

Kleine: „Wie lange noch?“ Mir wird spätes-

zu operieren, erleichtert Marlene unter an-

tens jetzt bewusst: Das wird hier heute eine

derem die hintere Reihe um Gummibärchen

ganz zähe Nummer. Da unten auf dem Platz.

und Chips und macht Vorwärtsrollen am Wel-

Hier oben auf der Tribüne – wo mich neben-

lenbrecher, bis sie Hunger bekommt: „Papa,

bei Marlene ein weiteres Mal anstupst: „Du,

kann ich eine Wurst?“ Fast klaglos trotte ich

Papa? Darf ich ein bisschen rumlaufen?“ Ich

mit ihr Richtung Wurstbude. Als wir, bewaff-

bin gerade darin vertieft gewesen, die Lauf-

net mit Wurst und Limo für 6€, schon fast

wege der HSV-Stürmer Tesche und Berg zu

wieder unseren Platz erreicht haben, höre

verstehen, also rolle ich (immer noch oder

ich hinter mir ein „Upps!“, Marlene hat ihre

schon wieder?) genervt mit den Augen he-

Wurst fallen gelassen. „Kann ich noch eine?“

rum und denke: „Scheiß was auf ‚punkten

Ich denke, dass ich sie nicht wieder ins Sta-

ch hab neulich ja gedacht, ich müsste

bei der Tochter’. Nächstes Mal fahr ich wie-

dion mitnehme, diese kleine Nervensäge und

papamäßig mal wieder punkten und

der alleine.“ Und ich sage: „Ja, klar, aber geh

seufze: „Ja, klar, Süße.“

hab meiner fünfjährigen Tochter Mar-

den anderen Zuschauer nicht auf die Nerven.“

Fünfzehn Minuten später sind wir zurück in

lene mein altes, extra-larges Milan Fu-

Und schon ist Marlene in den umliegenden

unserem Block, wo Marlene von bestimmt

kal- Trikot angezogen und wir so mit dem

Sitzreihen unterwegs, ständig verfolgt von

zehn Fans offenbar vermisst wurde und nun

Auto zum HSV-Heimspiel und wir hören

Papas besorgten Blicken, die sich so gerne

laut mit „Marlene, o-ho!“- Sprechchören

laut „Punk“, neben DJ Ötzi Marlenes „Lieb-

ungestört Guy Demels versiertem Stellungs-

empfangen und von ihren HSV-Rocker-Freun-

lingssänger“, wie sie mir auf dem Weg nach

spiel widmen würden. Die Tochter hat in der

den zu einem weiteren „das Schranke-Spiel“

Hamburg noch mal aufs Brot schmiert.

Zwischenzeit willige „Opfer“ gefunden und

aufgefordert wird. Mit ihrem viel zu großen

Mit tüchtig Krach in den Ohren fahren wir

spielt das so genannte „Das Schranke-Spiel“

Trikot ist sie zudem willkommenes Fotomo-

also in die Stadt rein und von Stellingen aus,

mit drei benachbarten, gesichtstätowierten

tiv für viele vom müden 0:0 gelangweilte

auf Marlenes speziellen Wunsch, mit dem

Hardcore-Fans.

HSV-Fans.

Bus-Shuttle zum Volksparkstadion. Mit reich-

In den nächsten Minuten beobachte ich also

Und so verlassen Tochter Marlene und Papa

lich schweinischem Liedgut beschallt kom-

halb entsetzt, halb fasziniert meine Tochter,

Axel um 17:20 Uhr das Stadion: Die Toch-

men wir nur wenig später am Stadion an

die gemeinsam mit fünfzig Jahren Knast en-

ter wild gefeiert und pappsatt, der Papa ge-

und Marlene fragt, offenbar schwer beein-

gagiert „das Schranke-Spiel“ spielt, das sich

schafft und nebenbei damit beschäftigt, die

druckt: „Papa, was sind Hurensöhne?“ Ich

ungefähr so beschreiben lässt: Die drei HSV-

vom vielen Rollen noch immer schmerzen-

erzähle ihr die Geschichte der Huren, eines

Rocker müssen die vor ihnen angebrachten

den Augen zu ignorieren. Wieder im Auto sit-

alten Volksstammes aus der Mongolei und

Wellenbrecher anfassen und warten, dass

zend bleibe ich das erste Mal hart: „Wir hören

wie ich grad so richtig schön am Fabulieren

die links neben ihnen stehende Marlene

jetzt keinen Punk! Wir hören jetzt schön ‚Das

und Fantasieren bin, da haben wir auch schon

„Schranke hoch!“ ruft. Nun sind die Arme

kleine Gespenst’ und du bist ruhig!“ Marlene

unseren Block erreicht und da beginnt dann

hochzureißen und es wird gewartet, bis Mar-

atmet tief aus. „Oh-kay“, sagt sie – und rollt

auch schon das Spiel. „Endlich kein Kinder-

lene durchgelaufen ist und das Kommando

dabei genervt mit den Augen.

kram und so mehr“, denke ich auf der Treppe,

„Schranke runter“ gegeben hat (woraufhin

„sondern nur noch HSV. Puh.“ Da stupst mich

die Arme sofort wieder Richtung Wellenbre-

Marlene an. „Du, Papa?! Wo ist Hermann?“

cher zu führen sind). Nun muss seitens der

Und so machen wir uns auf die Suche nach

Fußballrocker wiederum gewartet werden,

Hermann, dem Dinosauriermaskottchen,

bis Marlene einmal die komplette (ansons-

anstatt Fußball zu gucken und, wer sagt es

ten ziemlich leere) Sitzreihe durchgelaufen,

denn, nach knapp fünf Minuten jubiliert Mar-

dann wieder umgedreht und erneut vor der

lene: „Oh, da ist Hermann ja!“ Sie hat ihn ir-

geschlossenen Schranke angekommen ist.

gendwo herumtapsen sehen und freut sich

Nach einiger Zeit ermahne ich Marlene ein

und ich („Oh stimmt, da ist er ja.“ Wieder

bisschen, sie solle „die Männer nicht so ner-

Augenrollen, wieder Geräusper.) mich auch:

ven“, was diese allerdings empört zurückwei-

„Jetzt aber! Fußball!“

sen: „Chef, „das Schranke-Spiel“ hält uns bei

Im C-Rang angekommen, schaut Marlene

dem Scheißkick wenigstens auf Trab!“ Diese

bummelige ein, zwei Minuten lang gedan-

Ausdrucksweise ruft wiederum Marlene auf

kenverloren auf den Platz, wo der Ball ge-

den Plan: „’Scheiße’ sagt man nicht!“

rade von Trochowski dreißig Meter zurück

Während der HSV kurz vor der Pause im-

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Axel Formeseyn

Fotos Formeseyn

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Bayern voller Neid Sonderzüge des Supporters Club wieder unterwegs Text Andreas Birnmeyer · Fotos HSV-TV

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n der Hinrunde der letzten Saison sahen wir uns wegen nicht mehr tragbarer Vorkommnisse auf Sonderzugfahrten gezwungen, die aufwändige Organisation von Sonderfahrten auszusetzen. Seit Beginn der Rückrunde rollt nun aber wieder der Sonderzug des Supporters Club. Mit den Fahrten zu den Spielen in Dortmund, Köln und München haben bereits

drei überaus erfolgreiche Touren stattgefunden. Ein erstes Fazit. „Endlich wieder Sonderzüge vom SC“, diese und viele ähnliche Reaktionen erreichten uns, nachdem wir den Entschluss gefasst hatten, einen erneuten Anlauf zu starten, unseren Sonderzügen eine neue Chance zu gewähren und sie wieder quer durch die Republik rollen zu lassen. Durchaus skeptische Gefühle gingen dem Entschluss voraus, war uns allen doch klar, dass wir ein relativ hohes Risiko eingehen würden, nicht wissend, wie sich die Mitreisenden verhalten würden, mit welchen Situationen alle ehrenamtlichen Helfer und die Zugleitung konfrontiert werden würden und ob auch alles so verlaufen wird, wie wir uns das vorstellten und erhofften. Zur Vorbereitung hatte die Abteilungsleitung eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, an welcher sich viele interessierte HSVer beteiligt haben. Sie wollten das Projekt Sonderzug nicht als

erledigt sehen. Bei den Treffen wurden Ideen, Vorschläge und Anregungen mit dem Ziel erörtert, die Probleme der Vergangenheit so zu lösen, dass der Grundgedanke der Sonderzüge erhalten bleibt, dass nämlich viele HSVer gut, sicher und in bester Laune zum Spielort unseres HSV und zurück in die schönste Stadt der Welt fahren können. Viele der erarbeiteten Ideen wurden von den hauptamtlichen Mitarbeitern des Supporters Club mit den ehrenamtlichen Helfern des Sonderzuges aufgenommen und umgesetzt. So zum Beispiel die Einführung eines absoluten Glasflaschenverbots und des Verkaufs sog. „Kurzer“ während der Fahrt durch den SC. Die Aufteilung der Ordner in Gruppen, die bestimmte Abschnitte des Zuges verantwortlich betreuen, sollte auch die Präsenz der Ordner während der Fahrt erheblich verbessern. Unverzichtbar auch vereinfachte Abläufe für und verbesserte

„So günstig wie möglich!“ Im Gespräch mit Andreas Birnmeyer Interview Patrick Grützner

P

atrick Grützner sprach für die supporters news unmittelbar nach der Rückkehr des Sonderzuges aus München mit Andreas Birnmeyer.

supporters news: Nachdem der SC den Sonderzug aussetzen musste, gab es in der Rückrunde wieder mehrere Touren. Du leitest die Züge in der Gesamtverantwortung zusammen mit Mike Lorenz und Chris Gnauck. Ist es zu früh für ein erstes Fazit? Andreas Birnmeyer: Nein, überhaupt nicht. Die ersten drei Züge nach Wiederaufnahme waren ein absoluter Erfolg und sind viel besser gelaufen, als wir uns das im Vorfeld vorgestellt haben. Man merkt mir, stellvertretend auch für Mike und Chris,

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sicherlich die große Erleichterung und Zufriedenheit an. supporters news: Müssen die Mitfahrer jetzt Besonderheiten berücksichtigen? Hat sich etwas geändert im Vergleich zu den Touren von früher? Andreas Birnmeyer: Wir haben generell für alle Fahrten in unseren Sonderzügen ein Glasflaschenverbot ausgesprochen und kontrollieren das vor Abfahrt und dann in den Zügen während der Fahrten. Im Zug befindliche Glasflaschen nehmen wir dann in sichere Verwahrung und geben diese an deren Besitzer nach Rückkehr in Hamburg zurück. Dafür arbeiten wir mit einem Wertmarkensystem, wie das beispielweise an Garderoben in Theatern gemacht wird: eine Marke mit Nummer

an die Flasche und dieselbe Nummer an den Besitzer. So können wir Flasche und Eigentümer zusammenführen. Dazu gilt natürlich auch der von uns verfasste Verhaltenskodex, der mehrfach prominent in den Sonderzügen aufgehängt und demnach nachlesbar ist. Wir haben die ehrenamtlichen Ordner neu organisiert, ihnen bestimmte Aufgaben zugewiesen und wir zeigen viel mehr dauerhafte Präsenz im Zug, tauschen uns viel mehr mit den Mitreisenden aus, um Vertrauen zu gewinnen. supporters news: Ein neues Regelwerk zu installieren ist ja erst einmal relativ leicht. Die Schwierigkeiten entstehen ja meistens erst in der Umsetzung dieser Regeln. Hast du das Gefühl, dass sich die Mitfahrer inzwischen auch anders benehmen? supporters news


Kommunikation unter den Ordnern. Außerdem wurde ein sog. Verhaltenskodex durch den Supporters Club verfasst und veröffentlicht, der nicht nur für die Sonderzüge gilt, sondern grundsätzlich an alle HSVer gerichtet ist und der im Vorfeld der Fahrten an alle angemeldeten Mitreisenden geschickt wurde. Alles schön und gut, pragmatisch, vernünftig, im Sinne einer erfolgreichen Fahrt. Es stellte sich jedoch immer noch die alles entscheidende Frage – und das mulmige Gefühl, die Anspannung stellte sich wieder ein – würden die Mitreisenden auch „mitspielen“, die Änderungen und Maßnahmen akzeptieren und mittragen? Und wahrlich, die Mitreisenden der ersten Fahrten spielten mit, sie taten es noch viel mehr, als wir es uns erhofft hatten! Wer hätte das gedacht, gerade nach den Fahrten der letzten Saison, der Enttäuschung und dem Frust danach. Es gab auf den Fahrten nach Dortmund, Köln und München überhaupt keine Vorkommnisse, die uns Sorgen bereitet hätten, keinerlei Ärger, keinerlei Situation, die uns zur Verzweiflung getrieben hätten. Im Gegenteil, alle drei Fahrten waren witzig, friedlich und in bester (Party-) Stimmung. Auch die bittere Niederlage in Dortmund konnte dem fröhlichen und ausgelassenen Feiern auf der Rückreise nichts an-

Andreas Birnmeyer: Wir haben schon auf der ersten Fahrt nach Dortmund einen anderen Mix aus Mitreisenden festgestellt. Selbiges dann auf den folgenden Touren nach Köln und München. Die Mitreisenden haben jedes Mal Verständnis und Zustimmung ob unserer Änderungen gezeigt und waren zufrieden, dass wir Ihnen eine deutlich sicherere Mitfahrt ermöglicht haben. Die Kooperation mit den Mitreisenden und deren Akzeptanz unserer Maßnahmen haben ganz sicher zu den Erfolgen der drei Touren nachhaltig beigetragen. An dieser Stelle meinen Dank an die Mitreisenden für all Eure Hilfe und Unterstützung. supporters news: Ihr betont immer die ehrenamtliche Arbeit im SC. Auch im Sonderzug wird ehrenamtlich geschuftet. Wie viele Leute helfen denn bei einer Tour nach Westdeutschland beispielsweise nach Dortmund oder Köln mit? Andreas Birnmeyer: Wir nehmen etwa 18 Ordner mit, die den Zug kontrollieren und die oben angesprochene Präsenz zeigen. Das können auch mal 20 sein – lieber zu viele,

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haben, dank der einmaligen Stimmung, für die unsere DJs im Discowagen und unsere Bardamen am Tresen sorgten. Sonderzugfahrerherz, was willst du mehr? HSV auswärts von der allerbesten Seite! Es lässt sich nicht verhehlen, dass wir überaus erleichtert und ja, fast glücklich sind, dass die Sonderzüge so grandios gelaufen sind und der Entschluss zur Wiederaufnahme der richtige war. Ich möchte es in keinem Fall versäumen, mich im Namen der Abteilungsleitung bei allen ehrenamtlichen Helfern zu bedanken, die ihre Freizeit zur Verfügung stellen und maßgeblich dazu beitragen, dass die Züge wieder erfolgreich unterwegs sind. Dank auch an alle HSVer, die in der Arbeitsgruppe mitgewirkt und viele der umgesetzten Änderungen und Maßnahmen erar-

beitet haben. Und Dank in erster Linie an alle mitreisenden HSVer, die sich sehr kooperativ, friedlich und in bester Stimmung zeigten und die Sonderzugfahrten zu einer Tausende von Kilometern langen, rollenden Dauerparty machten. Das ist HSV auswärts, das ist Sonderzug, so wie wir ihn uns alle wünschen, auf den sogar die sonst immer „alles besser machenden und wissenden“ Münchner Bayern (zumindest denken sie das von sich selbst) voller Neid schielen. Wie sagte einer der ehrenamtlichen Ordner bei der Rückkehr des Sonderzuges aus Köln: „Man, waren das zwei langweilige Fahrten!“. Das ist für uns das (fast-) perfekte Résumé, mehr geht nicht! Ich freue mich auf den nächsten Sonderzug, mit euch an Bord und gekrönt für uns alle mit einem Auswärtssieg unseres HSV!

als zu wenige. Dazu vier bis sechs junge Bardamen, die sich um die Bar kümmern und zusammen mit den vier bis sechs DJs im Discowagen für die einmalige Stimmung im Discound Barwagen bei 170 km/h sorgen.

dann die ganze Abwicklung unmittelbar vor Abfahrt des Zuges in Hamburg. All das zieht sich über 2-3 Wochen hin und am Schluss muss alles passen, alle Zahnräder müssen ineinander greifen.

supporters news: Wie viel Arbeit fällt denn so an, bis ein Zug überhaupt abfährt?

supporters news: Der SC hat jetzt ein halbes Jahr keine Sonderzüge durchgeführt. Ist der finanzielle Verlust für die Abteilung sehr hoch? Wie hoch ist eigentlich im Schnitt der Gewinn pro verkaufter Fahrkarte bei einem ausverkauften Zug?

Andreas Birnmeyer: Da fällt sehr viel Arbeit an: neben dem Bestellen des Zuges, dessen Kalkulation zur Mitreise sowie die Bereitstellung der Kanäle zur Reservierung, eben auch die Organisation und Planung der ehrenamtlich helfenden HSVer für den Zug, das Einkaufen für die Bar, das Schreiben und Drucken der diversen Flyer, die wir mitnehmen müssen, das Design und die Bestellung der berühmten Bändchen, die am Bahnhof angelegt werden, Listen, die erstellt werden, Wechselgeld, Transporter organisieren, unsere mitfahrenden Sanitäter vom ASB anfragen und informieren und natürlich auch die Einteilung der Ordner. Dazu unzählige Telefonate und E-Mails mit dem Zugbetreiber zu Fahrzeiten, Bereitstellung und Wagenreihenfolge. Und

Andreas Birnmeyer: Wir kalkulieren die Sonderzüge zum Selbstkostenpreis, d. h., wir so planen, dass wir alle zur Verfügung stehenden Plätze so günstig wie möglich anbieten können und am Schluss mit einer schwarzen Null rauskommen. Das Aussetzen der Züge in der Hinrunde hat also nicht zur Folge, dass wir die Fahrpreise nun erhöhen, um mögliche Verluste als Resultat des Aussetzens auszugleichen. Ganz und gar nicht. Der Grundgedanke bleibt bestehen, nämlich möglichst viele HSVer so günstig wie möglich zu den Auswärtsspielen zu befördern.

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Von Misstrauen und Schikane Oder: Wie die Polizei mit friedlichen Fußball-Anhängern umgeht Text Simeon Pesch · Fotos Torben Aschendorf (für „HSV-Fans beobachten die Polizei!“)

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er geneigte Fußballfan und Auswärtsfahrer ist ja so einiges gewohnt, was übertriebene Polizeieinsätze, Willkür und Schikane angeht: Tränengas im Tunnel in Gladbach, Hundebisse und unsinnige Marschverzögerung in Bremen, grundlose Ausweiskontrollen … Die Liste lässt sich schier endlos fortsetzen. Am 23. Januar gab es vor der Abreise des HSVSonderzuges Richtung Dortmund ein weiteres Beispiel dafür, wie die Ordnungsmacht mit uns Fans umgeht. Nachdem die Sonderzugfahrten des HSV Supporters Clubs in der letzten Saison leider von einigen Mitfahrenden dazu genutzt wurden, sich mal so richtig daneben zu benehmen, wurde das Projekt zunächst auf Eis gelegt. Zum Dortmund-Spiel sollte ein neuer Versuch gestartet werden. Der Veranstalter, also der SC, legte hierzu neue Regeln fest, an die sich die Mitfahrenden zu halten hatten. Jeder wurde im Vorfeld darüber in Kenntnis gesetzt und die Konsequenzen für neuerliches Fehlverhalten einiger weniger wurden deutlich aufgezeigt. Zudem wurde ein Verhaltenskodex aufgestellt (keine Gewalt, keine Glasflaschen, keine Feuerwerkskörper, …), mit dem allen Beteiligten ins Gewissen geredet wurde. Das Projekt sollte auf gegenseitiger Selbstkontrolle basieren, zudem waren wie immer eigene Ordner zahlreich dabei. (Siehe hierzu auch den Bericht von Andreas Birnmeyer)

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Prima, wie die Polizei dieses Engagement und die selbst auferlegten Verhaltensregeln mit Misstrauen honorierte! Aber der Reihe nach: Als man am Samstag nichtsahnend und voller Vorfreude den Harburger Bahnhof erreichte, wurde man von über 100 Beamten empfangen. (Einige Quellen sprechen gar von ca. 200.) Da diese leider nicht auf die Fahrt eingeladen waren, wollten sie offenbar noch vorher ihre Muskeln spielen lassen. Jeder Mitfahrer wurde genauestens gefilzt – der Stadion-Ordnungsdienst hätte Augen gemacht!Das Ausmaß des den Fans und dem SC entgegengebrachten Misstrauens wurde einem bewusst, wenn man den

Blick einmal schweifen ließ: Absperrbänder zu anderen Gleisen, „Behelmte“ noch und nöcher, sogar ein Beamter mit Tränengasflasche (!) auf dem Rücken. Was haben die bitte von den friedlich und sogar relativ geduldig wartenden Fußballfans erwartet? Schließlich wünschten einem die Beamten, die sich zu zweit jedem einzelnen Fan widmeten, noch grinsend einen angenehmen Tag – sollte freundlich sein, wirkte aber zynisch. „Angenehm“ war zumindest die Polizeiaktion wohl für die wenigsten. Das alles sah nach einem schlechten Scherz aus. War aber, wie bei schlechten Scherzen üblich, nicht ansatzweise lustig. Der Gipfel war nämlich, dass willkürlich einige Fans aufgefordert wurden, sich auszuweisen und abfilmen zu lassen. Diese hatten keine verbotenen Gegenstände dabei und verhielten sich absolut ruhig. Eine Ungerechtigkeit, die ihres Gleichen sucht! Mit (nur) einer Viertelstunde Verspätung konnte schließlich die Fahrt angetreten werden. Die Dortmund-Fahrt behält also (nicht nur wegen des unerfreulichen Ergebnisses) einen faden Beigeschmack. Danke, Polizei! Für Misstrauen, für Schikane und dafür, dass ich meine Jacke bei Minusgraden minutenlang ablegen musste, um mich abtasten zu lassen. P.S.: Hin- und Rückfahrt verliefen übrigens gewalt- und feuerwerksfrei. Polizei sei Dank!? supporters news


SN Comic

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Gefragte Erfahrung Abteilungsleitung hilft in Griechenland Text + Fotos Christian Bieberstein

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m Dezember vergangenen Jahres erhielt die Abteilungsleitung unseres SC über Supporters Direct eine Einladung zur „International Conference for violence and racism in sports“, welche im Januar in Saloniki – beim Verein Aris Saloniki – stattgefunden hat. Somit stand kurz nach meiner Wahl bereits die erste Auslandsreise ins Haus; denn für uns war sofort klar, dass wir jemanden nach Griechenland schicken müssen, um dort mit unserer Erfahrung zu helfen. Der Auslöser der Konferenz waren die immer wiederkehrenden Vorfälle von Rassismus und Gewalt im griechischen Sport. Vorfälle gab es leider nicht nur beim Fußball, sondern auch beim Basketball oder sogar Volleyball. Bei einem Spiel gegen Aris Saloniki bezogen sich z. B. Spruchbänder auf Arbeits- und Konzentrationslager und es fanden mehrere politische Symbole den Weg ins Stadion. Diese Vorfälle, gepaart mit der aufkeimenden Gewalt außerhalb der Stadien, veranlassten die Mitglieder des „Aris Members Club“ bzw. „Aris Members Society“ eine Lösung der Probleme zu finden. Da es in Griechenland vorher selten bis keine runden Ti-

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sche oder Konferenzen zu diesem Thema gab, betrat Aris hier Neuland. So wurden zuerst die bekannten Fanorganisationen „FSE – Football Supporters Europe“ sowie „Supporters Direct“ mit ins Boot geholt, die bei der Organisation helfen konnten. Da die Konferenz einen offiziellen Charakter bekommen sollte, wurden auch hochrangige Politiker und Entscheidungsträger eingeladen – und sie kamen auch. So fanden sich am Samstag, den 09.01.2010 ca. 50 Personen im „Helexpo Corona – Conference Hall“ ein. Zur Begrüßung hielten u. a. die Präsidenten von Aris eine Eröffnungsrede sowie der Bürgermeister von Thessaloniki. In Ihren Reden wurde relativ schnell deutlich, dass Gewalt und auch Rassismus nicht unbedingt ein Problem des Fußballs, sondern vielmehr ein gesellschaftliches Problem in Griechenland ist. Fußball und sein Publikum sind seit jeher ein Querschnitt der Gesellschaft … Und welche Probleme Griechenland derzeit hat, würde hier wohl leider jeden Platz sprengen. Nachfolgend gab es dann Vorträge der Vertreter der ersten Ligen aus Fußball und Volleyball, welche die Situation nochmals

schilderten. Interessant wurde es dann, als Vassilis Touronis (Besitzer von vier Radiostationen) das Wort ergriff und über Medien informierte. Sehr interessant vor allem deshalb, weil er mehrfach betonte, dass die meisten Medien gar nicht an „Frieden“ interessiert seien. Negative Schlagzeilen verkauften sich eben besser. Irgendwie kam mir das bekannt vor … „Bad news are good news“ Danach dann die von vielen erwarteten Reden der Gäste. Zuerst zeigte Kurt Wächter eine Präsentation über die Arbeit von F.A.R.E (Football Against Racism in Europe), welchen großen Anklang fand. Anschließend berichtete Michal Riecansky, welche Arbeit die FSE – Football Supporters Europe leistet und zeigte auch Wege auf, wie Fans bzw. Mitglieder in die Arbeit mit eingebunden werden können. Antonia Hagemann von Supporters Direct berichtete vor allem über Mitbestimmung und demokratische Verhältnisse. Hierzu sollte man wissen, dass der „Aris Members Club“ gerade dabei ist, den Verein zu kaufen. In Griechenland sind alle Vereine, vom Gesetzgeber vorgesupporters news


schrieben, Kapitalgesellschaften und so wurden im Laufe der Jahre viele Vereine runtergewirtschaftet und gehandelt wie auf einem Basar. Um diesem Schrecken endlich ein Ende zu setzen, versuchen die Mitglieder von Aris, den Verein zu übernehmen und so hält man derzeit respektable 31 % der Anteile. Da eine Übernahme des Vereins mit einer Menge struktureller Arbeit verbunden ist, waren die anwesenden Gäste sehr interessiert an den Ausführungen. Mehrfach hat Antonia auf die „perfekten Strukturen des HSV“ hingewiesen. In meinem Vortrag ging es erstmal darum, den Teilnehmern aufzuzeigen, wie sich die Situation in Deutschland darstellt. So gab es ein Raunen, als ich erwähnte, dass es uns als Fans vollkommen freigestellt ist, wie wir zu Auswärtsspielen fahren. So etwas ist in Griechenland noch undenkbar, da hier die Polizei bei der Entscheidung mitwirkt. Danach kam ich zum Thema „Fanarbeit und Fanprojekte“. Auch hier waren die Leute überrascht, welch ein Niveau wir in Deutschland erreicht haben: · Vielerorts Fanbeauftragte aus den Szenen – hohe Akzeptanz · Kommunikation zwischen Fanprojekten und Fanszene · Ehrenamtliches Mitwirken von Fans um nur einige davon zu nennen. Fanbeauftragte oder auch (staatlich geförderte) Fanprojekte gibt es in Griechenland nicht, so dass eine aktive Fanarbeit nicht wirklich stattfindet. Dies wird großteils über die aktiven Gruppen übernommen. Im nächsten Schritt habe ich unseren Verein und seine Strukturen vorgestellt. Das war für viele der interessanteste Teil meiner Rede – vor allem auch, wenn es um Lösungswege ging. Wichtig dabei, dass wir unsere Fans in die tägliche Arbeit mit einbinden und somit eine hohe Identifikation schaffen, da die Leute sehr weit im Verein verwurzelt sind. Auch über das Thema Fanbeauftragte wurde ausführlich gesprochen.

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Leider sind die Probleme in Griechenland viel tiefgründiger, so dass dort jede Menge Arbeit ansteht, um einen positiveren Weg einzuschlagen. Die Stadien verfallen, die Polizei wird der Korruption bezichtigt, der Staat ist hoch verschuldet und so muss an allen Schrauben

gedreht werden, ohne sich dabei selber anzulügen. Die Konferenz war der Schritt in die richtige Richtung! Wie nachhaltig das Ganze bleibt, werden wir als Supporters Club weiter verfolgen und beratend zur Seite stehen.

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Über den Tellerrand … SC-Abteilungsleitung im EU-Parlament Interview Christian Bieberstein · Fotos HSV Supporters Club · Ulrike Polenz

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ass der Hamburger Sport-Verein über besondere demokratische Strukturen verfügt und mit dem Supporters Club eine Fanabteilung besitzt, die man getrost als einzigartig bezeichnen kann, spricht sich mittlerweile in ganz Europa herum. In der Zwischenzeit sind SC-Vertreter zu gern gesehenen Gästen und Ratgebern bei Fanvertretungen anderer Vereine geworden. Zuletzt wurde die Abteilungsleitung zu einem Meeting ins EU-Parlament eingeladen, wo mit Fanvertretern, EU-Politikern und UEFA-Delegierten über die Zukunft des Fußballs gesprochen wurde. Die supporters news sprach mit Jens Wagner, dem stellvertretenden Abteilungsleiter, über das Treffen in Brüssel, das Standing des Supporters Clubs in Europa und internationale Fanarbeit. supporters news: Hallo Jens, erzähl uns doch einmal kurz, wie es zu der Einladung nach Brüssel am 23.02. kam, und welchen Hintergrund diese hatte? Jens Wagner: Die Einladung erfolgte durch die britische Fanorganisation Supporters Direct (SD), die momentan offensichtlich die besten Kontakte zur UEFA und zur EU hat. Der Supporters Club arbeitet ja seit einiger Zeit sehr eng mit SD zusammen und denen sind unsere Arbeit und unsere Vereinsstrukturen deshalb bestens bekannt. Wir werden von ihnen auch immer als positives Beispiel für erfolgreiche Fan- und Mitgliederarbeit angeführt. Insofern war es SD wichtig, dass bei dem Treffen mit Fans, Politikern und Vertretern diverser Fußballverbände ein Vertreter des Supporters Clubs anwesend war. Mitorganisiert wurde das Ganze von einem lockeren Zusammenschluss fußballinteressierter EU-Politiker, den so genannten Friends of Football, die sich partei- und landesübergreifend in regelmäßigen Abständen treffen und dann über die Zukunft des Fußballs diskutieren. Inhaltlich und finanziell wurde die Veranstaltung von der UEFA unterstützt, die dankenswerterweise die Getränkerechnungen übernommen hatte.

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Jens Wagner Foto HSV Supporters Club

supporters news: Was erhoffst du dir von solchen Treffen? Bist du zufrieden mit den Ergebnissen? Jens Wagner: Ich war im Vorfeld eher etwas skeptisch, da aus der Einladung nicht hervorging, was genau man bei dem Treffen erwarten konnte und welche konkreten Ziele dort verfolgt werden sollten. Im Nachhinein bin ich aber positiv überrascht aufgrund der einheitlichen Auffassung, die EU-Politiker, UEFAVertreter und Fans dort vertreten haben. Es wurde von allen Seiten ganz klar betont, dass Fußballvereine keine Wirtschaftsunternehmen sind, sondern dass ihnen aufgrund ihrer enormen kulturellen und sozialen Bedeutung ein besonderer Status zukommt. Deshalb sind demokratische Strukturen, wie wir sie bei uns kennen, auch für andere Vereine in der Zukunft erstrebenswert.

Auch herrschte Einigkeit darüber, dass der enormen Überschuldung zahlreicher europäischer Vereine ein Ende gesetzt werden muss – hier sei noch mal der Begriff Financial Fairplay erwähnt – und dass der Faneinfluss innerhalb der Vereine bis in die Toppositionen hinein erhöht werden müsse. Insofern bin ich mit der Botschaft, die dort vermittelt wurde, sehr zufrieden. Jetzt müssen allerdings Taten folgen. supporters news: Gibt es eigentlich, außer uns als HSV, noch andere Vereine mit ähnlichen demokratischen Strukturen? Jens Wagner: Im Grunde haben alle eingetragenen Vereine in Deutschland ähnliche Strukturen wie wir. Allerdings gibt es bei den noch vorhandenen e.V.s nicht so eine organisierte Mitgliedschaft wie wir sie bei uns mit der Abteilung Fördernde Mitglieder/Supporters Club supporters news


Das EU-Parlament von außen Foto Ulrike Polenz

kennen. Die meisten Vereine haben etwas Vergleichbares erst nach der vollzogenen Ausgliederung der Profimannschaft aus dem e.V. zugelassen. So nach dem Motto „Jetzt könnt ihr uns ja nicht mehr reinreden, also könnt ihr jetzt auch ruhig eure Abteilung gründen“. In Europa ist das schon schwieriger zu vergleichen. Hier herrschen ganz unterschiedliche rechtliche Voraussetzungen. Als positives Beispiel eines mitgliederbestimmten Vereins wird in der Regel immer der FC Barcelona genannt. Hier ist es natürlich hilfreich, dass der momentan aus sportlicher Sicht beste Verein Europas an seiner demokratischen Mitgliederstruktur festgehalten hat. Allerdings sagen mir zahlreiche europäische Fanvertreter immer wieder, dass sie unser HSV-Modell bevorzugen würden. supporters news: Wie ist die aktuelle Lage in England? Jens Wagner: Die aktuelle Lage auf der Insel scheint wirklich dramatische Auswüchse anzunehmen. Mit Porthsmouth hat ja nun auch der erste Verein der Premier League Insolvenz angemeldet. In Liverpool und bei Manchester United machen die Supporters Trust mobil und drängen auf die Vereinsübernahme durch die Fans. Offensichtlich ist es hier gar nicht so unrealistisch, dass von Fanseite genug Geld gesammelt werden kann, um die Vereine den

aktuellen amerikanischen Besitzern abzukaufen. Gerade das Manchester United-Beispiel hat ja äußerst dramatische Züge angenommen, nachdem der Verein binnen eines Zeitraumes von einer Unterschrift vom reichsten zum höchstverschuldetsten Fußballclub weltweit geworden ist. Gleichwohl drängen aber immer noch neue fußballfremde Milliardäre in den britischen Fußball. Für Aufsehen sorgte vor ein paar Wochen der neue chinesische Besitzer von Birmingham FC, der allen Ernstes Birmingham ab und zu in Hongkong spielen lassen wollte. Schließlich hätte man ja schon genug Fans in Birmingham, aber in Asien besäße der Verein ja noch deutliches Potential.

supporters news: Siehst du eine Zukunft für ein verschärftes europäisches Lizenzierungsverfahren? Jens Wagner: Ich glaube, dass es die UEFASpitze um Platini wirklich Ernst meint mit ihrer Financial Fairplay Idee. Allerdings gilt es da wohl noch sehr viele Grabenkämpfe innerhalb der UEFA selbst und bei einigen nationalen Fußballverbänden auszufechten. Insbesondere die Engländer haben die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt und lehnen so etwas weitestgehend ab. Allerdings ist auch klar, dass nur die UEFA die Macht besitzt, hier für klare Verhältnisse zu sorgen.

Foto Ulrike Polenz

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supporters news: Wie sieht für dich als Traditionalist der optimale Fußball aus, so dass er dir Spaß macht und du dich damit weiterhin identifizieren kannst? Jens Wagner: Ich finde, dass Deutschland im Großen und Ganzen in Sachen Fußball gut aufgestellt ist. Allerdings hat der deutsche Fußball mit Vereinen wie Leverkusen, Wolfsburg und zuletzt Hoffenheim einen Teil seiner Unschuld verloren. Die nächste negative Entwicklung droht uns mit RB Leipzig. Ich verstehe nicht, warum der DFB bei solchen Konstrukten nicht von vornherein energischer durchgreift. Hier werden durch ein paar elegante Tricks zahlungskräftiger Investoren die eigenen Lizensierungsbestimmungen umgangen. Im Grunde wird hier doch mit Lizenzen von Vereinen gehandelt, ähnlich wie wir es von den Freezers und dem HSV-Handball kennen, was die DFB- und DFL-Richtlinien eigentlich untersagen. Wenn in der Zukunft vermehrt solche Retortenvereine in der Bundesliga mitmischen, leidet darunter die ganze Liga, weil sich das mittelfristig negativ auf die Vermarktungsmöglichkeiten der Liga auswirken wird. Es stirbt dann ein großer Teil der Glaubwürdigkeit und der Authentizität des Fußballs. supporters news: Gerade das Thema „Fanarbeit“ scheint ja auch in vielen Ländern langsam thematisiert zu werden, wie siehst du das? Bist du zufrieden mit dem, was wir in Deutschland haben?

sche Fankongress an. Ich denke, dass die FSE (Football Supporters Europe e.V.) als Ausrichter des Kongresses, hier auf einem guten Weg ist, sich zu einer repräsentativen europäischen Fanvereinigung zu entwickeln, auch wenn es noch eine sehr junge Organisation ist. Darüber hinaus liegt es an uns Fans selbst, was wir aus den Vorlagen der UEFA und der EU machen. Hier wird es aber wohl demnächst weitere Treffen mit europäischen Fanvertretern geben, um dann möglicherweise auch eine europaweite Kampagne zu starten. supporters news: Magst du kurz erklären, was FSE, Supporters Direct bzw. Unsere Kurve darstellen und welche Strömungen diese vertreten? Jens Wagner: Die FSE ist im letzten Jahr von Newcastle nach Hamburg gezogen. Seit dem Fankongress im letzen Juli bei uns im Stadion gibt es erstmals eine gewählte Fanvertretung auf europäischer Ebene, die zukünftig Lobbyarbeit für Fans bei UEFA, nationalen Verbänden und Vereinen durchführen soll. Das Ganze kam auch auf Druck und Anregung der UEFA zustande, die sich eine demokratisch gewählte Fanvertretung als Ansprechpartner gewünscht hatte. Bei Supporters Direct

handelt es sich um den Dachverband der so genannten Supporters Trusts, also all jener meist britischen Fanorganisationen, die Gelder sammeln, um Anteile ihrer Vereine kaufen zu können und dadurch den Fan-Einfluss zu erhöhen. Bei Unsere Kurve sind Fanorganisationen zahlreicher Erst- und Zweitligisten vertreten, die in ihrer Struktur und Bedeutung für die jeweilige Fanszene ansatzweise mit dem Supportes Club hier in Hamburg zu vergleichen sind. supporters news: Gibt es eigentlich Abseits von FSE, Supporters Direct bzw. Unsere Kurve Kontakte zu anderen Vereinen? Jens Wagner: Durch die Treffen auf europäischer Ebene kommt man natürlich immer mit anderen Vereinsvertretern ins Gespräch und tauscht sich gegenseitig aus. Oft folgen aus solchen Gesprächen dann Einladungen zu den Treffen dieser Fanorganisationen. Christian Bieberstein war beispielsweise zuletzt bei Aris Thessaloniki und ich hatte im Herbst letzten Jahres den Glasgow Rangers Supporters Trust besucht. Angedacht sind demnächst noch Treffen mit Fanvertretern von AS Rom, FC United of Manchester und Tampere United aus Finnland.

Foto Ulrike Polenz

Jens Wagner: Ich glaube, dass die deutsche Fanarbeit in ihrer Gesamtheit weltweit ihres Gleichen sucht. Allein schon die Tatsache, dass deutsche Profivereine Fanbeauftragte beschäftigen müssen, um die Lizenz zu erhalten, ist etwas, wovon Fans in anderen Ländern nur träumen können. Außerdem arbeiten Fans nirgendwo so vereinsübergreifend zusammen wie in Deutschland. Beispielhaft seien hier nur Unsere Kurve und Pro Fans erwähnt. Aber auch die zahlreichen Fanprojekte tragen dazu ihren Anteil bei. supporters news: Welche nächsten Termine stehen an und wie nachhaltig und zielorientiert werden solche Termine verfolgt? Jens Wagner: In Deutschland steht im Mai das nächste Unsere Kurve-Treffen an. Hier hat UK ja zuletzt mit der Pro 50+1-Unterschriftenaktion für Nachhaltigkeit gesorgt. Außerdem steht im Juli der dritte europäi-

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supporters news


HSV Supporters Treff Der Treffpunkt für HSV-Fans Text Andreas Kloß

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u kannst nicht zum Spiel des HSV fahren und möchtest ohne Pay-TV-Abo das Spiel im Fernsehen schauen? Nur den HSV und keine Konferenz oder ähnliches? Und das in gemütlicher Atmosphäre mit möglichst vielen Gleichgesinnten? Dann bist Du in den Supporters Treffs genau richtig! Was ist ein Supporters Treff? Die Supporters Treffs sind DIE Treffpunkte für alle HSV-Fans, denn dort werden die Pflichtspiele des HSV auf mindestens einem Fernseher oder einer Leinwand übertragen – und das komplett – keine Konferenz, kein Umschalten – nur der HSV! Es wird gemeinsam gefeiert und u.U. auch einmal getrauert. Auch wenn kein HSV Spiel stattfindet, kann man hier einfach einkehren und den Feierabend genießen und über unseren Verein plaudern. Wie wird meine Stammkneipe zu einem Supporters Treff? Folgendes muss der HSV Supporters-Treff den HSV-Fans bieten: Die Pflichtspiele des HSV werden auf einem Fernseher oder einer Leinwand komplett übertragen. Der HSV Supporters Treff ist für unseren Verein das Aushängeschild in der Region! Der Wirt bzw. die Wirtin sollten Lust haben, verschiedene Aktionen für die HSV Fans durchzuführen, Beispiele dafür sind: Kickerturniere veranstalten, beim HSV Sieg ein Getränk ausgeben, eine gemeinsame Fahrt zum Spiel in Hamburg organisieren und ähnliches. Sprecht mit Eurem Wirt oder Eurer Wirtin, ob sie an dieser Aktion Interesse haben und schickt uns dann bitte eine Email an folgende Adresse: supporters-treff@hsv.de

Kiel

HAMBURG

Schwerin

Bremen

BERLIN

Hannover Magdeburg

Dortmund

Leipzig Dresden Erfurt

Köln

Frankfurt Mainz Nürnberg

Stuttgart

München

Name

Adresse

Rosso – Café Bar

Lange Reihe 54

20099 Hamburg

Pub „Bräuers" & Old MacDonald

Stellinger Weg 51 und 33

20255 Hamburg

Kneipe Bla Bla

Seevepassage 1 – 3

21073 Hamburg

Tropicana Dart und Billard Café

Glüsinger Straße 54

21217 Seevetal

Zum Warsteiner bei Mücke

Schulstr. 9

21220 Seevetal

Dorfkrug Roydorf

Luhdorfer Straße 127

21423 Winsen

Alte Wassermühle

Pötrauer Str.3

21514 Büchen

Narzissen-Eck

Narzissenweg 2

22047 Hamburg

Osbek Treff

Möllner Landstr. 28 b

22113 Oststeinbek

Sportheim Neetze

Potsdam

Postleitzahl/Ort

21354 Brackede

BiMi

Fibigerstraße 265

22419 Hamburg

Old Lockstedter

Osterfeldstraße 84

22529 Hamburg

Pö a Pö

Von-Sauer-Str. 30

22761 Hamburg

Medleybar

Breitestr.31

23769 Burg auf Fehmarn

Strongbows's

Breitestr.31

24105 Kiel

Black Pearl Café – Bistro – Bierbar

Pötrauer Str.3

25938 Wyk auf Föhr

Ton Spieker

Lange Str. 54

27749 Delmenhorst

Gaststätte „Bodega"

Bahnhofstr.2

29549 Bad Bevensen

Gaststötte „Zur Alten Post"

Oppenweher Straße 11

49419 Wagenfeld

Gaststätte zum Manni

Schwalbenstr. 2

56296 Dierdorf/Wienau

Sportbistro El Mundo

Bahnhofplatz 7

87527 Sonthofen

Zum Kegelhof

Streichental 7

97996 Niederstedtten-Streichental

Tankstelle RAUW AG

Lagerstraße 51

Belgien – 4750 Elsenborn

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1. Hamburger Ultrà-Tagung Ein Schritt in die richtige Richtung Text Thorsten Eikmeier, Joachim Ranau · Fotos Witters

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ltras sind rund um den Fußball in aller Munde. Sie beeindrucken mit ihren aufwändigen Choreographien, ihrem enthusiastischen Support und ihrer bedingungslosen Leidenschaft. Sie inszenieren die Kurven, mischen sich selbstbewusst in Vereinspolitik ein, sehen sich als Hüter der Traditionen und kritisieren die zunehmende Kommerzialisierung des Fußballs. Andererseits sind es jedoch oftmals dieselben Personen, die durch den Einsatz von Pyrotechnik oder gewalttätigen Auseinandersetzungen und ihr elitäres Auftreten für Unmut und Negativschlagzeilen sorgen. Keine andere (Fußball-) Subkultur fühlt sich so missverstanden – keine andere sorgt für so viele Missverständnisse. Oft und ausgiebig wird über Ultras gesprochen und geschrieben, viel zu selten fand die Auseinandersetzung mit ihnen statt. Und das, obwohl ein gehöriger Gesprächsbedarf offensichtlich ist. Denn letztlich sind es nicht selten die Ultras selbst, die sich über ungerechtfertigte Repressionen, Verbote und mangelndes Verständnis anderer beschweren. In Hamburg wurde am Sonntag, den 21. Februar 2010 ein erster großer Schritt in die einzig richtige Richtung gemacht: Die in diesem Prozess relevanten Parteien wurden auf Initiative des HSV-Fanprojektes und des HSV

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Supporters Clubs zu einer gemeinsamen Veranstaltung in das Hamburger „Trockendock“ eingeladen, um einen ganzen Tag in geeigneter Atmosphäre miteinander zu reden bzw. zu diskutieren. Die Idee, die Ultras aus den beiden Hamburger Gruppen „Chosen Few“ und „Poptown“ zusammenzubringen und ihnen die Gelegenheit zu geben, sich mit ihnen selbst, wichtigen Themen und HSV-Vereinsvertretern auseinanderzusetzen, bildete dabei den roten Faden der Tagung. Etwa 50 Mitglieder beider Gruppierungen meldeten sich für die Tagung an. Die Tagung startete mit einem kulturellen und historischen Augenzwinkern bzw. Blick auf die Fußballkultur im Allgemeinen und die Ultrabewegung im Besonderen: Martin

Kreidt, der den HSV-Fans als Regisseur von „Hinter euren Zäunen“ und Mitinitiator des „Volksparketts“ wohl vertraut ist, trug unter dem Titel „Die Götter sterben nie – vom Kolosseum bis ins Volksparkstadion“ Gedanken zur Fußballkultur und ihrer Bedeutung für uns alle vor. Um die Auseinandersetzung mit der Geschichte ihrer eigenen Gruppen ging es dann bei einem gemeinsamen Vortrag von Tim Köslich und Philipp Markhardt, die sich in ihrem kleinen historischen Rückblick auf die Hamburger Ultraszene seit 1997 geschickt und unterhaltsam gegenseitig die Bälle zuspielten. Zu Thomas Schneider, Fanbeauftragter der DFL, der die Sicht der DFL auf die Ultras vortrug, gab es zwar kritische Anmerkungen, aber durchaus auch viel Er-

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staunen darüber, mit wie viel Verständnis die Fanabteilung der DFL den Ultras begegnet. In den für den Nachmittag angesetzten vier Workshops, die durch das Vorbereitungsteam geleitet wurden, fanden angeregte und kritische Diskussionen statt. Die Themenpalette war dabei breit gefächert: · Workshop 1: Ultras und Sicherheit – Konflikte mit Verein(en), Ordnungsdienst und Polizei · Workshop 2: Ultras und Freiheit – Grenzen, Möglichkeiten und Strategien · Workshop 3: Ultras und Ausgrenzung – Das Hamburger (Anhörungs-)Modell zu Stadionverboten · Workshop 4: Ultras und die HSV-Fanszene – Kooperation, Führung und Rivalität Gemeinsam mit den Mitgliedern der beiden Hamburger Ultrà-Gruppierungen entstanden in den Workshops viele gute und wichtige Debatten mit verschiedenen Gästen, zu denen u. a. Oliver Scheel (HSV-Vorstand), sein Vorgänger Christian Reichert, Ralf Bednarek (Abteilungsleiter HSV Supporters Club) und Tobias Leibrock (Ordnungsdienstleiter „Power“) zählten. Dabei konnten in den Workshops erfreulicherweise sogar erste konkrete Ergebnisse erzielt werden, in anderen Fällen wurde zumindest der eine

oder andere „Stein ins Rollen“ gebracht. In der abschließenden Podiumsdiskussion blickten die Teilnehmer aus Verein und Ultraszene optimistisch in die Zukunft der Ultras und bekräftigten ihren Willen zum Dialog. Folgerichtig zeigten sich alle Seiten am Ende des Tages durchweg begeistert von dieser ersten Tagung und drückten ihr deutliches Interesse an weiteren Veranstaltungen dieser Art aus. An dieser Stelle möchten wir uns ausdrücklich bei den zahlreichen Teilnehmern bedanken, die eines erneut deutlich machten: Ultras sind wesentlich mehr als ein chaotischer Haufen in schwarzen Kapuzenpullovern, die sich lediglich durch das Schwenken von Fahnen, Zünden von Bengalos oder Streitereien mit Ordnungsdiensten und der Polizei auszeichnen. Sie sind kreativ, intelligent und durch-

aus bereit, den Dialog mit anderen zu führen, um produktiv an Veränderungen zu arbeiten. Für die Unterstützung bei der Vorbereitung und Durchführung bedanken wir uns besonders bei Tim Köslich, Bruno Engler und Philipp Markhardt, die zusammen mit dem HSV-Fanbeauftragten Mike Lorenz und den Fanprojektlern Thorsten Eikmeier und Joachim Ranau die Tagung organisiert und durchgeführt haben, und natürlich unseren Gästen. Eine Fortsetzung der Veranstaltung, möglicherweise zu Beginn der kommenden Saison, ist bereits angepeilt. Die Ultrà-Tagung von HSV-Fanprojekt und Supporters Club fand in den Räumen des „Trockendock e.V.“ in Hamburg-Barmbek statt, bei dem wir uns an dieser Stelle nochmals ausdrücklich bedanken möchten.

Freibier… … gibt es im Fanhaus des HSV leider nicht Text Ingo Körner

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ber irgendwie müssen wir ja die ungeteilte Aufmerksamkeit auf diesen überaus wichtigen Aufruf lenken, sorry. Denn obwohl das Fanhaus wirklich alle denkbaren Vorzüge vorweisen kann, haben die Besucherzahlen in den vergangenen Monaten wieder ein wenig nachgelassen. Unerklärlich, wie wir finden! Das Haus befindet sich direkt an der Haltestelle „Holstenstraße“. Das allein klingt doch schon ziemlich gut, oder nicht!? Außerdem liegt es damit auch auf dem direkten An- und Abfahrtsweg des Stadions und eignet sich perfekt für einen Zwischenstopp. Vor Ort können sich HSVer gemütlich auf das Spiel einstimmen oder am Kickertisch messen. Das Ganze

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natürlich bei vernünftigen Stärkungen, die hier zu fast unschlagbaren Preisen angeboten werden. Oder habt ihr im Stadion zum Beispiel schon mal ein Bierchen oder eine Wurst für einen Euro gefunden? Seht ihr, wir auch nicht! Zudem gibt‘s für 0,50 Euro diverse Softdrinks und kleine Snacks, aber natürlich auch den seit Jahren beliebten CIDER. Im Haus sind übrigens ausdrücklich alle HSVer willkommen: Egal, ob Fan vom „alten Schlag“, Trikotträger oder Nachwuchs-Ultra – hier klönt jeder mit jedem! Auch „Neulinge“ brauchen sich nicht zu scheuen, Gesprächspartner finden sich immer schnell. Wer dann nach den Samstagsspielen erfahren möchte, ob der Schiri uns nicht doch vielleicht

verpfiffen hat oder was die Konkurrenz um den Titel so getrieben hat, der kann im Haus natürlich auch die Sportschau sehen. Unabhängig davon, ob ihr den Abend nur gemütlich ausklingen lassen wollt oder auf der Durchreise in eine lange Nacht seid – Mirko und Norbert von den „E-Block Giants“ versorgen euch gern! Wem es im Stadion zu teuer und in Stellingen zu ungemütlich ist, der sollte also auf jeden Fall hereinschauen. In jedem Fall ist das Haus in den vier Stunden vor dem Anpfiff durch Mitglieder der CFHH geöffnet. Nach Samstagsspielen (zumindest denen um 15.30 Uhr) geht es dann ab 18 Uhr weiter, zumindest solange ihr die Tresencrew auf Trab halten könnt!

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Ökomode oder echter Beitrag? HSV und Umweltschutz Text Uwe Liebnau · Foto Witters

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ach den Heimspielen kicken wir immer mit Plastik-Einwegbechern im und vor dem Stadion. Der Wind spielt mit tausenden! Der HSV engagiert sich im Umweltschutz, will Ligaprimus sein. Eine bloße Marketingkampagne, weil sich das gut verkauft? Oder ein wirklicher Beitrag zu nachhaltigem Wirtschaften? Wir haben nachgeforscht! Verhaltenswende von unten Während die große Weltpolitik pausiert (siehe Infokasten), Deutschland als Öko-Vorzeigeland schwächelt, vollzieht sich von unten ganz allmählich bei Unternehmen und Einzelpersonen ein Umdenken: Gewohnheiten werden hinterfragt, Einstellungen und sogar Handeln zögerlich verändert. Die Erkenntnis gewinnt an Bedeutung, dass umweltbewusstes Handeln „der intelligenteste, effizienteste, billigste Weg ist, um Dinge zu erledigen“ (Thomas Friedman). Der HSV hat sich für diesen Weg entschieden. Energiewirtschaft und Verkehr sind für mehr als 50 % des Kohlendioxid-Ausstoßes verantwortlich. Folgerichtig hat der HSV vor allem hier angesetzt und sich gemeinsam mit Ökoexperten auf den Weg gemacht: · Beheizt wird das Stadion durch einen Verbund aus Müllverbrennungs-anlage, Blockheizkraftwerk und Biogasanlage; · als Mitglied des B.A.U.M., dem Bundesdeut-

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schen Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management, hat sich der HSV zur Umsetzung eines Ehrenkodexes verpflichtet; Stichworte: Umweltschutz als vorrangiges Unternehmensziel; Planungs-, Steuerungsund Kontrollentscheidungen werden daran orientiert; sparsamer Umgang mit Rohstoffen, Energie, Wasser; Motivation der Mitarbeiter zu umweltbewusstem Verhalten auch im privaten Bereich; · die durch Reisen verursachten KohlendioxidEmissionen werden bei der Organisation „atmosfair“ ermittelt, um mit Kompensationszahlungen Projekte zu unterstützen, die zu geringeren Kohlendioxid-Emissionen beitragen; · ab Juli wird das Volksparkstadion mit kohlendioxidneutral erzeugtem Ökostrom der Firma „ENTEGA“ versorgt; zur Zeit wird ein sogenannter CO2-Fußabdruck abgenommen (aufschlussreich bis erschreckend kann das Ergebnis des eigenen CO2-Fußabdrucks sein: www.greenpeace-berlin.de/themen/ energie/klimatest); · „Imtech“, Gebäudeausrüster und Dienstleiser, will als zukünftiger Namensgeber das Volksparkstadion „energieoptimal betreiben“; · auch kleine Schritte führen zum Ziel: Recyclingpapier, Verzicht auf Plastiktüten, Energiesparlampen, Durchlaufbegrenzer, Rasenbewässerung aus Flachbrunnen, effiziente Leuchtmittel beim Flutlicht, …

Nachhaltiges Wirtschaften und Rendite Wenn durch Umweltschutzmaßnahmen der CO2-Ausstoß verringert werden könnte, wäre das ein echter Beitrag zum Kampf gegen den Klimawandel. Mit der Biogasverbrennung und den Kompensationszahlungen ist das jedoch nicht möglich. Beide Maßnahmen sind allenfalls CO2-neutral, verhindern aber immerhin einen zusätzlichen Anstieg der CO2- Konzentration. Wirksamer sind Lösungen, die zur Verringerung des CO2-Ausstoßes beitragen. Dass das nicht immer einfach ist, zeigt folgendes Beispiel: Flug, Bahn oder Bus? Was wäre für das Spiel beim PSV Eindhoven im Sinne nachhaltigen Handelns am sinnvollsten gewesen? Gleichermaßen für Umwelt, Haushalt und Spielerfitness. Der HSV ist geflogen, aber nicht aus der Europa League! Somit wurde alles richtig gemacht für den sportlichen und für den wirtschaftlichen Erfolg. Auch wenn durch die Fliegerei der höchste CO2-Ausstoß verursacht wurde. Denn was nützt eine CO2-freie Nichtteilnahme am Achtelfinale, wenn Gelder für weitere Investitionen in den Umweltschutz fehlen? Bei anderen Entscheidungen werden dann wieder ökologische Argumente ausschlaggebend sein, wie die Antworten auf unsere Fragen von Stefan Wagner, Leiter Marketing, verdeutlichen: „Es sollte selbstverständlich sein – nicht nur beim HSV – bei allen Handlungen eine möglichst umweltfreundli-

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70 Jahre … Über Sportfive und den HSV Text Claus Runge · Foto Witters

7 che Umsetzung anzustreben. Kerngebiete unserer Überlegungen sind der Stadion- und Geschäftsstellenbetrieb sowie Maßnahmen für eine umweltfreundliche Anreise unserer Zuschauer und Fans. Konkret arbeiten wir derzeit zum Beispiel an der Einführung eines Online-Portals für Fahrgemeinschaften zu unseren Spielen.“ Wunschzettel · Mehr Fahrradständer, besser wären Fahrradwachen, geradezu sensationell ein Fahrradparkhaus; · Nutzung von Sonnenenergie und Regenwasser durch vereinseigene Anlagen; · Catering-Angebote, auch vegetarische, bevorzugt aus regionaler Produktion; · Veröffentlichen der Maßnahmen, Planungen und Auszeichnungen im Umweltbereich auf Tafeln im und am Stadion · Mehrweg-Becher Vorbild HSV Der HSV bedient keine Ökomode. Er leistet seit Jahren einen beachtlichen Beitrag zum Umweltschutz. Mit seinem verantwortungsvollen Engagement hat er zudem eine gesellschaftlich bedeutsame Vorbildfunktion übernommen. Weil Vorbilder besonders bei emotionaler Nähe wirksam sind, bleibt zu hoffen, dass mit der Raute im Herzen umweltfreundliches Handeln wie selbstverständlich zur Gewohnheit wird.

0 Jahre dauerte die babylonische Gefangenschaft des Volkes von Israel. Und diejenige des HSV? 1998 führten Udo Bandow und seine Kollegen im Aufsichtsrat den HSV in ein bis heute andauerndes Vertragsverhältnis mit Sportfive (ehemals UFA-SPORTS GmbH). Was seinerzeit als ein entscheidendes Finanzierungsinstrument für den Neubau des Volkspark-Stadions angesehen wurde (und war) und noch eine Laufzeit bis zum Jahre 2015 hat, steht bereits seit Jahren auf dem Wunschzettel unseres 1. Vorsitzenden, dieses Vertragsverhältnis vorzeitig und ebenfalls wieder langfristig zu verlängern - die Fortsetzung oder Bestätigung einer babylonischen Gefangenschaft? Das kann man aus heutiger Sicht wohl so bezeichnen, da es dem HSV faktisch unmöglich sein wird, den jetzigen Vertragspartner Sportfive auszuwechseln und durch eine andere Rechte-Agentur zu ersetzen, ist doch der jetzige Vertragspartner wohl sogar berechtigt, das Vertragsverhältnis mit dem HSV notfalls auch zu den Bedingungen eines anderen Wettbewerbers fortzusetzen - also Sportfive forever!? Natürlich mag es für den Aufsichtsrat auch heute gute Gründe geben, die wohl im Ergebnis funktionierende Partnerschaft mit Sportfive auch weiterhin fortzusetzen - aber dann bitte doch zu marktüblichen Konditionen und ohne „babylonische“ Bedingungen am Ende eines nächsten Vertrages. Wie es scheint, könnte der HSV nur dadurch seine „Gefangenschaft“ beenden, und sei es auch nur vorübergehend, indem er eine völlige Selbstvermarktung seiner Rechte durchführt und damit in erheblichem Umfange Provisionen als eigene Einnahmen generiert. Warum auch nicht? Die bisherigen Vorstandsbezüge dürften dem zusätzlichen Arbeitsaufwand bereits jetzt entsprechen und damit dann auch endlich verdient sein. Nach Lage der Dinge wird es schon Aufgabe des jetzigen Aufsichtsrats sein, sich Weichen stellende Gedanken in diesen Zusammenhängen zu machen, mit entsprechenden Vorgaben an den Vorstand.

Infos zum Klimawandel Der Klimawandel ist eine Tatsache, kein ernsthafter Forscher zweifelt ihn an. Erfreulich ist, dass die Welt über das Wissen verfügt, den Kampf gegen die Erderwärmung zu gewinnen. Enttäuschend bleibt das Umsetzen dieses Wissens. Regierungschefs aus 193 Staaten haben sich tagelang auf der Klimakonferenz in Kopenhagen die Köpfe heiß geredet, um lediglich anzuerkennen, was Klimaforscher ohnehin sagen: dass sich nämlich die Erde auf keinen Fall um mehr als zwei Grad erwärmen dürfe, da sonst katastrophale Folgen für Natur und Menschen unvermeidbar wären. Ohne eine drastische Reduzierung der Kohlendioxid-Emissionen und ohne Einigungswillen wird der Treibhauseffekt allerdings zunehmen. Die Klimakonferenz erbrachte völkerrechtlich nichts Bindendes, also keine konkreten Zielund Zeitvorgaben zur Verringerung der Treibhausgasemissionen. Für viele eine Schande, ein Verbrechen an nachfolgenden Generationen.

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„Unterschätzt euch nicht!“ Im Gespräch mit Bruno Labbadia Interview Ralf Bednarek · Fotos Witters

supporters news: Herr Labbadia, wir sehen Sie bei Spielübertragungen und in Interviews. Ihr Arbeitsalltag dürfte doch aber aus viel mehr bestehen. Bruno Labbadia: Das stimmt. Bei allen Presseund Sponsorenterminen ist die Arbeit auf dem Platz immer noch entscheidend. Selbstverständlich habe ich auch einen ganz normalen Arbeitsalltag. In der Regel bin ich zwischen 07:00 Uhr und 07:30 Uhr im Stadion. Oftmals jogge ich dann und stimme mich dabei auf den Tag ein. Oft laufe ich mit meinem Co-Trainer Eddy Sözer und bespreche dabei die ersten Themen mit ihm. Wir überlegen, wie wir trainieren wollen, stellen uns auf den Gegner ein. supporters news: Richten Sie die Taktik immer nach dem Gegner aus? Bruno Labbadia: Nein, so nicht. Wir wollen unser eigenes System spielen, richten uns nicht komplett nach dem Gegner. Aber wir arbei-

ten die Hauptmerkmale des Gegners heraus, um unsere Spieler optimal vorzubereiten. Dabei geht es dann oft nur um feine Änderungen unseres Systems. Das sind die Dinge, die wir als Trainerteam im Vorfeld erkennen müssen. supporters news: Damit wir uns Ihre Arbeit bildlich vorstellen können, würden wir gern wissen, wo Sie diese Dinge besprechen. Sitzen Sie dann in der Kabine oder treffen Sie sich in der Raute? Bruno Labbadia: Ich habe im Stadion im Trainingstrakt ein kleines Büro. Ich führe dort viele Einzelgespräche mit den Spielern, aber dort finden auch die Besprechungen im Trainerteam statt. Die Ergebnisse setzen wir dann zusammen auf dem Platz mit der Mannschaft um. Unser Team besteht auch aus Mitarbeitern, die außerhalb des Platzes unheimlich wichtige Arbeit leisten. Wir haben zum Beispiel einen Videoanalysten. Ich schildere ihm typische Szenen des kommenden Gegners, die er dann raussucht und zusammenstellt. Wir können dann zeigen, wie sich der Gegner in der Spieleröffnung verhält oder auch auf die Eröffnung der anderen Mannschaft reagiert. supporters news: Zeigen Sie das dann in der Kabine? Bruno Labbadia: Ja, wir können dort eine Leinwand runterfahren und zeigen dann kurz die Bilder. Das ist überhaupt kein Aufwand für uns. Oftmals zeigen

wir der Mannschaft nur fünf Minuten Bildmaterial des Gegners vor dem Training und gehen dann direkt raus auf den Platz und trainieren entsprechend. supporters news: Sind Sie beim Training eher der Typ, der schweigend auf dem Rasen steht und beobachtet oder greifen Sie selber auch richtig ein und hauen mal dazwischen? Bruno Labbadia: Das ist verschieden. Wir haben im Trainerteam grundsätzlich eine Aufgabenteilung. In der Aufwärmphase beobachte ich eher. Aber sobald es um die Taktik geht, um die Einstellung der Mannschaft, übernehme ich das Training. Ich greife aktiv ein und schwebe nicht über allem. supporters news: Wie ist es mit der Nachbetrachtung der Spiele? Frank Pagelsdorf hat erzählt, dass er nach einem Spiel bis in die Nacht hinein keine Ruhe findet. Er beginnt die persönliche Verarbeitung des Spiels direkt mit der Spielanalyse und sieht sich das Spiel schon in der Nacht mehrfach auf Video an. Läuft das bei Ihnen ähnlich ab? Bruno Labbadia: Ich kann das sehr gut nachvollziehen. Vor allem, wenn man kein erfolgreiches Spiel hatte, wird die Nacht kurz. Aber ich habe es mir angewöhnt, mit der Spielanalyse zu warten. Es sei denn, wir sind irgendwo in einem Bus oder in einem Flieger unterwegs, dann sehe ich mir das Spiel vielleicht noch einmal an. Aber um richtig aufnahmebereit zu sein, stehe ich lieber früher auf und beginne morgens mit der Analyse. Danach kann ich dann mit der Mannschaft oder einzelnen Spielern besprechen, was gut und weniger gut geklappt hat und wo Verbesserungsmöglichkeiten liegen. supporters news: Wie sieht denn ein Sonnabend bei Ihnen nach dem Spiel aus? Unternehmen Sie etwas privat? Bruno Labbadia: Es kommt darauf an, wie das Spiel verlaufen ist. Wenn man gewonnen hat, dann genießt man den Abend viel

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Bruno Labbadia nach dem 1:0-Heimsieg gegen den FC Bayern Foto Witters

mehr. Nach Niederlagen sieht das anders aus. Schon als Spieler konnte ich schlecht verlieren. Das hat sich als Trainer nicht geändert. Wenn wir keinen Erfolg haben, dann nervt mich das. Diese Eigenschaft konnte ich mir leider nie abgewöhnen. Bei Niederlagen muss ich alles mit mir selber ausmachen. Ich ziehe mich dann zurück und brauche eher Ruhe. Nach einem Sieg gibt es nichts Schöneres, als einen Abend mit meiner Familie und mit Freunden zu verbringen. Das ist etwas, was ich sehr genieße. supporters news: Also ist die Wochenendplanung bei Familie Labbadia eher spontan und abhängig von Spielergebnissen? Bruno Labbadia: Die ist immer sehr spontan. Der Fußball bestimmt ohnehin unser Leben. Ich glaube, das kann man auch nicht trennen. Die Familie lebt den Fußball schon mit. Das geht gar nicht anders. Egal wo ich hinkomme, ich werde immer mit Fußball in Verbindung gebracht. supporters news: Hat sich Ihre Familie gefreut, als es nach Hamburg ging? Bruno Labbadia: Sehr! Ich bin verheiratet, habe zwei Kinder. Meine Tochter ist in Hamburg geboren. Damals war ich als Spieler beim HSV. Es ging dann weiter, ich wechselte Verein und Stadt. Aber wir sind Hamburg immer verbunden geblieben. Es ist sogar so, dass ich das Besondere dieser Stadt erst so richtig zu schätzen lernte, als ich weg war. Ich habe mich immer gefreut, wenn es nach Hamburg ging. Meine Tochter wechselte übrigens vor mir nach Hamburg. Als ich Trainer in Leverkusen wurde, ging sie nach Hamburg zum Studieren. Mein Sohn geht jetzt hier zur Schule und hat sich inzwischen auch sehr gut eingewöhnt. Wir fühlen uns wohl. Hamburg ist schon die schönste Stadt! supporters news: Das freut natürlich jeden Hamburger, der das hört. Dennoch wollen Sie sich doch bestimmt auch weiterentwickeln. Haben Sie internationale Ambitionen, für sich selber das Ziel, mal eine ausländische Spitzenmannschaft zu trainieren? Bruno Labbadia: Ich habe schon als Spieler keine Ziele im Sinne eines Karriereplans ge-

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habt. Es war nie so, dass ich mir selber sagte, in dem Alter willst Du da oder dort sein. Für mich ist immer das, was ich gerade mache, das Größte. Wenn die Situation da ist, dass das eine beendet ist, dann kommt das nächste. Ich muss erst mal die eine Tür zumachen, damit ich die nächste Tür wieder öffnen kann. Ich habe immer betont, dass ich hier beim HSV längerfristig arbeiten will. supporters news: Sie stehen als Trainer oft genug in der Kritik der Öffentlichkeit und auch in der Kritik der Fans. Aber wie sehen Sie uns Fans? Wo gibt es für uns noch Steigerungsmöglichkeiten? Bruno Labbadia: Natürlich hat jeder Stadionbesucher ein gutes Verständnis vom Fußball. Als Trainer musst du so viele Aspekte mehr berücksichtigen. Natürlich kann man einen Spieler sofort rausnehmen, wenn es bei ihm nicht läuft. Aber ich muss doch auch perspektivisch denken. Soll ich einen Spieler wirklich schon nach 20 bis 30 Minuten auswechseln und der Öffentlichkeit zum Fraß vorwerfen? Derselbe Spieler, den ich in dem Augenblick vorführe, soll zu einem späteren Zeitpunkt in

der Saison selbstbewusst auftreten und ein Spiel entscheiden. Kein Außenstehender weiß doch, wie ein Spieler, wie die gesamte Mannschaft in der Woche trainiert hat. Keiner kennt die Taktik, die ich ausgegeben habe. Oftmals stehen die Spieler dann auch zu Unrecht in der Kritik, weil sich die Erwartung der Zuschauer nicht mit unseren Vorgaben deckt. Ich wünsche mir von den Fans immer 90 Minuten bedingungslose Unterstützung für Verein und Mannschaft. Wenn dann am Ende die Leistung nicht entsprechend war, verstehe ich jede Kritik. Dann darf auch nach dem Spiel gepfi ffen werden. Aber ich wünsche mir immer, dass Mannschaft und Fans beim Heimspiel als Einheit auftreten. Das Wichtigste für mich ist einfach diese totale Unterstützung. Die macht enorm viel aus. supporters news: Ist es tatsächlich so? Bruno Labbadia: Ja, unterschätzt euch nicht. Wenn die gesamte Nordtribüne „HSV“ brüllt, bekommst Du das auf dem Rasen mit. Es gibt Situationen, in denen ein Spiel kippen kann. Da können die Zuschauer den Unterschied machen.

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Nur Mut, Herr Labbadia! Trainertypen. Welche sind erfolgreicher? Text Ulie Liebnau · Fotos Witters

Der „harte Hund“ „Ich war nicht in der Lage, die Jungs richtig zu motivieren“, sagte der holländische Trainer Schouten, nachdem die deutschen Eisschnelllauf-Herren in Vancouver das schlechteste Ergebnis seit 58 Jahren eingebracht hatten. Und dann selbstkritisch: „Ich war zu weich.“ Diese Begründung für Misserfolge kennen wir aus dem Fußballbereich. Fünf Spiele ohne Punktgewinn, hochtrabende Ziele in weiter Ferne und der Abstiegskampf sehr nahe: Entlassung des Trainers. Und dann wird ein neuer geholt: ein „harter Hund“, ein „Disziplinfanatiker“. Wer erinnert sich da nicht an den

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Wechsel von Doll zu Stevens. Ein neues System wird durchgesetzt, unabhängig von dem, was ein Teil der Mannschaft denkt. Und siehe da: Erfolge stellen sich ein und die BoulevardPresse bejubelt „knallharte“ Maßnahmen, z. B. Geldstrafen für Verspätungen und einen Maulkorberlass für Spieler, die öffentlich laut denken. Da zeigt endlich einer den Großverdienern, „wo der Hammer hängt“. Ähnlich autoritär verhält sich dieser Trainertyp in Pressekonferenzen. Kaum ein Journalist wagt es, kritische Fragen zu stellen und tut es dann doch einer, wird er „knurrig“ abgekanzelt wie ein dummer Junge.

Auf den ersten Blick verwunderlich, dass bei diesem Führungsstil die Wirkung des Trainers nach einer Weile nachlässt und die Erfolge seltener werden. Und auf den zweiten Blick? Ist die skizzierte Abwärtsbewegung nicht doch eher folgerichtig? Und wenn das so ist, wie sieht die Alternative zu dem autokratischen, disziplinierenden Trainertyp aus? Bundestrainer der Vergangenheit Es ist aufschlussreich, wie Trainer bei Konflikten mit ihren Spielern umgehen. Zunächst Jupp Derwall, Bundestrainer von1978-1984. Er versuchte, seine Autorität wie gewohnt durch disziplinarische Maßnahmen aufrecht zu erhalten. Prinzip: Befehl und Gehorsam! Entsprechend rigoros löste er einen Konflikt mit Bernd Schuster, seinem begabtesten und auch selbst denkenden Spieler. Als dieser entgegen einem Befehl nicht zu einer Einweihungsparty des neuen Hauses vom Mitspieler Hansi Müller erschien, sondern zu seinem Verein nach Barcelona zurückfuhr, warf ihn der Trainer aus der Mannschaft. Eine Maßnahme, die wesentlich zum Misserfolg bei der EM beigetragen hat. Offensichtlich hatte Derwall als Assistenztrainer von seinem Vorgänger Helmut Schön nicht gelernt, wie man bei Konflikten mit erwachsenen Spielern umgeht: nämlich souverän. Als beispielsweise Breitner und Hoeneß während eines Turniers nachts von einer unerlaubten Sauftour zurückkamen, verpetzte er sie nicht an die Presse und schickte sie auch nicht aus disziplinarischen Gründen nach Hause. Helmut Schön war 14 Jahre erfolgreicher Bundestrainer (1964-78) mit einem WM-Titel 1974 und einer gewonnenen Europameisterschaft 1972. Es gibt Fachleute, die seine Erfolge wesentlich darauf zurückführen, dass er es verstanden hatte, mündigen Spielern Freiräume und Mitspracherechte zu gewähren. Klaus Theweleit zeigt in seinem Buch „Tor zur Welt“ interessante Parallelen zu gesellschaftlichen Entwicklungen auf, S. 114 ff. Dass dann mit Berti Vogts von 1990-98 wieder ein „Terrier-Typ“ die Nationalmannschaft trainierte, spricht nicht für den DFB. supporters news


Jupp Heynckes, Bayer Leverkusen Foto Witters

Erfolgstrainer heute Würde man Fans, z. B. von der Südtribüne, fragen, was Erfolgstrainer auszeichnet, würden sie wahrscheinlich so oder ähnlich antworten: „… dass er Titel holt.“ Es wird in der Regel nicht „pädagogisch wertvoll“ differenziert beurteilt. Der Blick erfasst maximal eine Saison. Und da Vereinsvorstände häufig ähnlich denken, werden immer wieder auch wegen kurzfristiger Erfolge die sogenannten „Disziplinfanatiker“ verpflichtet. Wenn aber ein Verein längerfristig erfolgreich Spitzenleistung bringen soll, müssen drei Elemente berücksichtigt werden: Zunächst eine ausgeprägte Jugendarbeit. In der wohl weltbesten Vereinsmannschaft Barcelona waren in der letzten Saison von dem 21-köpfigen Kader zehn Spieler „Eigengewächse“! Wichtig ist dann eine taktische und strategische Ausrichtung an einem effektiven Spielsystem. Weg vom kurzatmigen Zufalls- oder Glücksfußball, der vom Gesundheitszustand oder der Tagesform einzelner Star-Söldner abhängig ist. Unverzichtbar ist dann aber eine an moderner Menschenführung orientierte Trainerarbeit. Als vor Kurzem der Nationalspieler Stefan Kießling gefragt wurde, warum sein Trainer Jupp Heynckes die Leverkusener Werkself so erfolgreich trainiere, sagte er: „Er kann sehr

gut zuhören.“ Heynckes gehörte früher zu den Dompteur-Typen (siehe Konflikte mit Yeboah und Okocha bei Eintracht Frankfurt 1994). Er hat aber nach langer Erfahrung offensichtlich seine Lektion gelernt. Jeder Berufstätige – ob nun abhängig beschäftigt oder in Chef-Position – kennt die Bedeutung des Mottos: „Kannst du hören, kannst du führen.“

Vielleicht liegt hierin die wichtigste Voraussetzung für einen längerfristig erfolgreichen Führungsstil beim Fußball. Nur wenn Spieler gehört werden und an Entscheidungen, die sie betreffen, beteiligt werden, fühlen sie sich mitverantwortlich und sind höchst motiviert, ihr Bestes zu geben. Der Trainer informiert sich umfassend, nimmt Anregungen und Einwände auf, bringt seine Erfahrung und Fachkompetenz ein und überzeugt durch Argumente, nicht durch Feldwebel-Gehabe. Und unser Trainer? Was wir als Fans so lesen, hören und sehen können, macht Hoffnung. Zwei Beispiele: Im Gegensatz zu Hardlinern mahnt Labbadia zu einem vorsichtigen Umgang mit Guerreros Flugangstproblem. Also keine aufgebauschte Machtdemonstration. Elia darf wieder auf seiner bevorzugten linken Seite spielen, obwohl der Trainer ihn zeitweise lieber rechts einsetzte. Elia musste nicht ein Vierteljahr auf der Bank schmoren wie aus disziplinarischen Gründen damals Boateng, ohne dass Jol mit ihm geredet hätte. Rufen wir darum unserem Trainer zu: „Hören Sie nicht auf die verstaubten Rat-Schläger. Haben Sie Mut, zeitgemäß zu führen!“

Bruno Labbadia im Gespräch mit Jerome Boateng Foto Witters

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Hoffenheims Vedad Ibiševic hebt ab Foto Witters

Spielverderber! Über Simulanten und Falschspieler Text Uwe Liebnau · Fotos Witters

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eim Gegner verhasst, in den eigenen Reihen durchaus geschätzt: die Simulanten und Falschspieler, die mit immer raffinierteren Betrügereien Regeln und Gegner hintergehen. Von ihnen soll hier die Rede sein, auch wenn wir wissen, dass sie nur hin und wieder Spielverderber sind. Von der „Norbert-Meier-Zuckung“ zum Einfädeln Erinnern Sie sich? Stirn an Stirn stehen sie da, wie zwei Jungbullen auf der Weide: Norbert Meier und Albert Streit, plötzlich fällt Meier, dreht sich, reißt die Arme gen Himmel, bleibt liegen („Norbert-Meier-Zuckung“); und was macht Streit? Der sieht sich das an und legt sich dazu. Noch dreister war die Schwalbe von Andreas Möller, als er, ungestört vom meterweit entfernten Gegenspieler, überraschend abhob und auch noch mit einem Strafstoß belohnt wurde. Vom DFB wurde er per Fernsehbeweis nachträglich gesperrt. Solche dummdreisten, offensichtlichen Täuschungsversuche sind selten geworden. Angesagt sind versteckte, hinterlistige Betrugsvarianten, stets mit Blick auf den Schiedsrichter: Sie suchen nicht den Weg zum Ball, sondern zu

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einem geeigneten Verteidigerbein, fädeln ein, möglichst im Strafraum; stoppen aus vollem Lauf ab, lassen sich vom Gegner umlaufen; spielen den Ball am Gegner vorbei und laufen auf ihn auf; lassen sich fallen, wann immer sie berührt werden („Fallsucht“); geben dem Gegner beim Hochsteigen mit dem Ellbogen einen mit; steigen dem Gegner auf den Fuß; treten ihm beim Vorbeilaufen in die Hacken; kreuzen die Laufbahn des Gegners; gehen nach Fouls und vermeintlichen Fouls theatralisch zu Boden („sterbender Schwan“); simulieren schwerste Verletzungen; greifen dem Gegner provozierend in die Weichteile; täuschen Verletzungen an nicht getroffenen Körperstellen vor: halten sich z. B. den Unterleib, obwohl sie am Bein getroffen wurden („Wanderschmerzen“); fordern gestenreich Karten für den Gegner; lachen den Gegner nach einem Foul aus; schinden Zeit beim Einwurf, bei Verletzungen, beim Lamentieren, bei der Mauerbildung, beim Auswechseln, verlagern Einwürfe und Freistöße, um sich vom Schiedsrichter korrigieren zu lassen; ziehen am gegnerischen Trikot; provozieren mit Gesten und Worten; …

Ich bin berührt worden Als Guy Demel im Frankfurter Strafraum fällt, gibt es gellende Pfiffe. Nicht gegen Guy, der (vielleicht) einen Strafstoß herausholen wollte, nicht gegen seinen Gegenspieler, der ihn (vielleicht) gefoult hatte, sondern gegen den Schiedsrichter. Der Schiedsrichter lässt weiterspielen. Guy bekommt keine Gelbe Karte wegen „Schwalbe“, aber auch keinen Strafstoß. „Ich bin berührt worden“, sagte der untadelige Modellathlet später, was eher für einen

Guy Demel im Spiel gegen Frankfurt Foto Witters

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Täuschungsversuch als für ein Foul des Gegners spricht. Denn für eine Berührung, selbst im Strafraum, gibt es nach Regel 12 nichts. Es sei denn, die Berührung war ursächlich für das Fallen verantwortlich. Das Risiko, wegen Simulierens verwarnt zu werden, war für Guy gering. Der Versuch war es wert. Spielverderber sind keine schlechten Menschen. Sie spielen nur hin und wieder unfair, um sich und ihrer Mannschaft Vorteile zu verschaffen. Weil sie sich unserer Unterstützung sicher sein können, ermuntern wir sie zur Fortsetzung ihres Treibens. Aber wehe, der Gegner simuliert und spielt falsch! Wenn einer von uns nach einem Foul liegen bleibt, ist er selbstverständlich verletzt, gefoulte Gegner simulieren. Und wenn der Schiedsrichter gegen uns pfeift? Gellende Pfiffe! Er hatte zwar Recht, na und? Wir sind nicht unfair, wir sind nur parteiisch und ergebnisorientiert. Ich habe die abgelaufen Uwe Seeler hatte es nicht nötig, „sich weinerlich auf den Boden zu werfen“, wie Rolf Rüssmann erkannte. Für eine ehrliche Haut wie Uwe Seeler ist „ein normales Foul nicht unfair.“ Er spielte und rackerte mit Leidenschaft und fairen Mitteln. Damals wurde gefragt: „Wie viel Härte ist für den Erfolg nötig?“ Und heute: „Wie viel Unfairness ist für den Erfolg nötig?“ In England soll auf den Plätzen weniger geschauspielert werden. Simulanten werden von den eigenen Fans ausgepfiffen. Klinsmann musste sich dort anfangs gegen den Ruf eines „Divers“ (Taucher) wehren, ehe er das Abtauchen zu seinem typi-

Tim Borowski im Trikot der Bayern Foto Witters

schen Torjubel machte. Weshalb spielen ansonsten faire Spieler unfair? Vermutlich, weil die Vorteile des Simulierens die Nachteile überwiegen, die Glückseligkeit nach einem Sieg so verlockend ist und weil das Umfeld mit martialischen Sprüchen dazu auffordert: „Der Idealfall ist, wenn du Drecksäue im Team hast, von denen keiner merkt, dass sie Drecksäue sind“ (Stefan Reuter, Manager 1860 München). Und wodurch werden unfaire Spieler zu fairen? Wenn sie erleben, dass Betrügereien sich nicht lohnen und Fairness erfolgreicher ist als Unfairness. Videobeweise, härtere Sanktionen – Rot statt Gelb etwa bei Schwalben – oder der Blatter-Vorschlag, verletzte Spieler 5 Minuten

Schwimmen & Herz-Reha-Schwimmen

draußen zu lassen, sind dazu nicht erforderlich. Es reichen die konsequente Anwendung der Regel 12 sowie der nachträgliche Fernsehbeweis für den DFB-Kontrollausschuss. Wir wollen auch keine durch „Schmerz-Simulations-Trainings“ geschulten Schauspieler auf demw Rasen. Sondern Spieler, die die foulfreie Balleroberung beherrschen, die im gegnerischen Strafraum mit Einsatzwillen ein Tor machen wollen und nicht das Foul suchen, die nach einem Zweikampf vom Boden schneller aufstehen und weiterspielen als der unfaire Gegner und nicht den SchiriPfiff abwarten und die wie Ditschi Ripp sagen: „Ich hatte das nicht nötig reinzugrätschen, ich habe die abgelaufen.“

Wir nehmen noch im begrenzten Umfang Schwimmer/innen auf. Schnuppern ist ausdrücklich erwünscht. Gern beantworten wir eure/Ihre Fragen. Trainingszeiten Schwimmen: Kinder ab 9 J., Mi. u. Fr. 16.00 Uhr bis 17.00 Uhr , ab 13 J. 17.00 Uhr bis 18.00 Uhr Schwimmhalle Budapesterstraße. Für Jugendliche ab 16 J. und Erwachsene bieten wir im Bondenwald/ Niendorf eine Trainingszeit von 20.00 Uhr bis 20.45 Uhr an. Herz-Reha-Schwimmen: Di. 19.45 Uhr bis 20.45 Uhr im Eilbeker Krankenhaus, Dehnhaide 120, Haus 7. Unter Leitung einer Fachübungsleiterin und ärztlicher Aufsicht wird die Ausdauer und Beweglichkeit durch gezielte Gymnastik geschult. Spaß und Freude kommen nicht zu kurz. Mit ärztlicher Verordnung wird das Herz-Reha-Schwimmen in der Regel von der Krankenkasse bezuschusst. Näheres unter: Abteilungs-Leiterin Helga Besler Tel. 040-55 55 50 16.

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Schwerpunkt-Thema:

HSV-Fanleben in der DDR

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uf der Fanclub-Weihnachtsfeier des OFC Krasse Herde im Dezember 2009 kam ich mit Bernd Steinmetzer (siehe Interview) ins Gespräch. Hierbei brachte Bernd mich mit erstaunlichen Geschichten über das Fanleben in der DDR darauf, dies als Schwerpunkt-Thema für eine der nächsten supporters news aufzunehmen. Also riefen wir über unsere Homepage (www.hsv-sc.de) und das SC-Forum auf, uns entsprechende Geschichten zu erzählen und sie per Email an unsere Adresse (supporters@hsv.de) zu schicken. Die Reaktionen waren überwältigend! Wir freuen uns darum, die Beiträge schon in dieser Ausgabe vorstellen zu können und nicht erst zu einem späteren Zeitpunkt, wie wir zunächst gedacht hatten. Vielen Dank für alle Einsendungen!

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„Wie ein Verbrecher“ HSV-Fans in der ehemaligen DDR Text Volker Knut, Jens Möller und genannte Verfasser · Fotos Witters, aus Privatarchiven (dem HSV Supporters Club zur Verfügung gestellt)

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uch in der ehemaligen DDR besaß der HSV viele Fans und Anhänger. Wie diese zum Verein gekommen sind, was sie dafür auf sich nahmen und weitere Erlebnisse zeigen die folgenden Berichte: anschaulich, spannend, kurios, kaum fassbar … auf jeden Fall sehr lesenswert Wie war das, Fan des HSV in der DDR zu sein? Welche Probleme brachte das mit sich, wo gab es Fanartikel und vor allen Dingen: Warum der HSV? Um auch nur annähernd einen Überblick über die Fans jenseits der ehemaligen Mauer zu bekommen, drängen sich weitere Aspekte auf, die das Fanleben auch im Allgemeinen vor 30 Jahren nicht einfacher machten. Wer heute nach einem passenden Geschenk sucht oder seiner Verbundenheit zum HSV Ausdruck verleihen möchte, der greift zum Hörer. Problemlos kann im umfangreichen Sortiment des HSV und des SC gesucht und gestöbert werden – gerne auch online oder bei Rückfragen auch per E-Mail. Natürlich lohnt auch der Weg in einen der drei offiziellen Fanshops in Ham-

burg, wobei auch jedes größere Sport-Kaufhaus Bestandteile der Kollektion des HSV führt. Egal ob Kaffeebecher oder aktuelles Trikot – alles wandert auf einfachstem Weg in die persönliche Einkaufstasche. Zu Zeiten der Mauer standen die Dinge anders, nicht nur im Osten. Wo gab es in den 80er-Jahren schon ein Trikot zu kaufen? Die 2000 Stück, die allein als Van-the-Man-Variante der jüngeren Vergangenheit nun HSV-Körper umhüllen, waren damals undenkbar. Einfach deshalb, weil niemand an so etwas gedacht hat. Die Verbundenheit zum Verein stellte sich in Aufnähern auf Westen dar. Jeder machte, was er konnte, und Muttis Nähmaschine glühte mit dem Faneifer um die Wette. Nur in Ausnahmen trug ein Fan ein gekauftes Vereinstrikot auf seiner Brust. Was die Fußballvermarktung angeht, war Merchandising auch im Westen vor 30, 40 Jahren ein Fremdwort. Umso schwerer muten die Probleme der HSVFans aus dem ehemaligen Osten der Republik an. Denn die Grenze teilte nicht nur Deutschland, sondern begrub auch fast alle Möglichkei-

ten, an Fanartikel aus dem Westen zu gelangen. Doch warum entschied sich überhaupt jemand, der mit Union Berlin, Hansa Rostock oder Dynamo Dresden groß wird, sein Herz an den Hamburger SV zu verschenken?

Bildersa mmlu ng trägt Schuld „Zur damaligen Zeit (1977) sammelte ich, wie viele in meinem Alter, Kickerbilder. Eines Tages fragte mich ein Kumpel, zu welchem Bundesliga-Team ich nun stehen würde. Ich schaute in meine Kicker-Bildersammlung, zählte durch und hatte die meisten Bilder vom HSV. So war ich ab dem Tag HSV-Fan“, berichtet Dirk Spindler. eine Doch auch andere Gründe ebneten den Weg zum HSV. Manchmal genügte schon ähnliche Vereinsfarbe und das Missfallen gegen einen Fußballverein aus dem Süden der Republik.

Bayern? – Das wollte er auf keinen Fall „Mein Mann ist, soweit ich mich erinnere, seit 1975 Fan des HSV. Wir sind schon zusammen in die Schule gegangen und da war er schon Fan. Der Grund war eigentlich, dass er zum damaligen Zeitpunkt Fan des 1.FC Magdebu rg war. Diesen haben wir öfter bei Spielen besucht. Und deren Vereinsfarben enthalten zumindest auch Blau und Weiß. Zudem waren seine Freunde alle Bayern-Fans und das wollte er auf keinen Fall sein.“ Auffällig ist bei der Zuschrift von Chriseldis Hohmann, dass viele Fußballfreunde in der ehemaligen DDR nicht nur oder sofort auch SympathiSCHWERPUNKT santen des HSV waren. Wer beim Fußball live mitfiebern wollte, hatte eben nur die Möglichkeit, dies innerhalb der Landesgrenzen zu tun. Die Abneigung gegen die Bayern zählt als Argument genau so wie auch bei uns: Entweder runter mit den Lederhosen oder „mir san mir“, dazwischen bleibt keine Wahl.

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Wenn die Großeltern Gutes tun l nicht fehlen. Diese War die Entscheidung für den HSV gefallen, durften die bereits erwähnten Fanartike Westen. Dieser dem aus Besuch gelangten auf zwei möglichen Wegen in die DDR. Eine Möglichkeit bot Bürger der jeder nicht wurde vor einer möglichen Ankunft instruiert, was er mitzubringen habe. Da aber verfügte, nutzte man DDR, und damit auch nicht jeder Ost-HSV-Fan, über Verwandtschaft im Westen gestattet, kurze nämlich es war nen Rentnerin und Rentnern die eigene Verwandtschaft im Rentenalter. staatlichen keine auch müssten men, wiederkä Reisen in die BRD zu unternehmen, denn wenn sie nicht is geebnnis Erge Er chteen Ergebnis nsch nsch ns wünschte wüns wü zum geimmer nicht aber n Großelter Sozialleistungen mehr gezahlt werden. Dass dieser Grenzeinsatz der iee uf ddie uf Auf t A h cht. ch cht a ra r b eb ebra g tg tgeb mitgebra mitg mi “ e“ e s se eise ei r t tr s e es W „Westreis r einer von etwas auch dann führte, verdeutlicht das Beispiel von Hendrik Hahn: „Meine Großmutter hat mir vom tze Schirmmü eine über riesig mich ich ich ihr, dass Frage, was sie mir von der Fahrt zur Schwägerin in Butzbach mitbringen solle, sagte en.“ Saarbrück 1.FC vom allerdings eine, auch mir HSV freuen würde. Mitgebracht hat sie

Eigene Fan-Artikel Wer solch ein Missgeschick umgehen wollte, gestaltete seine Fanartikel selbst, mit denen die Verbundenheit zum HSV verdeutlicht wurde. Egal, ob gemalt mit Filzstiften, genäht als schlichter Patch oder gleich als komplettes Trikot mit Sponsor-Schriftzug, Kreativität und Einfallsreichtum machten aus der Not eine Tugend – und brachten in manchem Fall, wie bei Dirk Spindler, sogar etwas Geld ins eigene Portemonnaie: „Für andere HSV-Fans zeichnete ich mit Textilmalfarbe HSV-Aufnäher. Originale waren nicht zu bekommen. So hatte ich einen kleinen Nebenverdienst. Meine Schwester knüpfte mir sogar ein HSV-Kissen.“ Und Roland Hohmann ging noch einen Schritt weiter: „Ich habe mich an meine Nähmaschine gesetzt und habee Trikots nachgemacht. Leider habe ich keines mehr. Auchh die diee Buchstaben von BP und die Raute habe ich so selbst erstellt.“ ttell te elllllt. ltt..“

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Ketzin – Die Mülldeponie von Westberlin Wie weit einen Fan das Hobby Fußball und HSV wirklich führen kann, zeigt das Beispiel von Karsten Armgardt, der für seine Leidenschaft im Dreck wühlte: „Das schönste Erlebnis hatten wir 1984, als zwei Kumpel und ich über den Zaun in die Mülldeponie in Ketzin eingestiegen sind. Ich fand dort einen Stapel „Kicker“ und ein Paar Fußballsc huhe (Adidas) von Beckenbauer. In Ketzin war eine Mülldeponie für Westberlin, die als Sperrzone galt. Aber was wir da alles mitgenom men haben, war echt der Hammer. Teilweise haben wir so etwas vorher nie gesehen! Was tut man nicht alles für sein Hobby!“ Wie die kurzen Beispiele zeigen, führten durchaus unterschiedliche Wege zum HSV, der für die Fans der ehemaligen DDR oftmals nur im Fernsehen oder Radio zu erleben war. Dennoch haben die Fans in der DDR einige beeindru ckende Wege aufgezeigt, wie sie ihrer Verbindung zum HSV Ausdruck verleihen konnten. Und vor allen Dingen, was sie dafür selbst investiere n mussten und aufgebracht haben.

Seit 44 Jahren glühender HSV-Fan, ... … doch in der Schule hatte es Mario König aus Merseburg nicht leicht: „In der Schule hatte ich es nicht leicht, da ich mich wie ein bekanntes gallisches Dorf gegen eine Übermacht von Bayernfans durchsetzen musste. Aber ich blieb standhaft. Bis Ende der 70er konnte man auf Rummelplätzen an Schieß- und Wurfbuden noch Wimpel von Bundesligavereinen gewinnen. Es ging mehr als mein Taschengeld drauf, bis ich Steppke endlich meinen HSV-Wimpel hatte. Andere Souvenirs konnte man nur unter der Hand und für viel Geld bekommen.“ Ehe Mario sein erstes HSV-Spiel sah, musste er über Ungarn nach Hamburg fliehen. Aber es lohnte sich für ihn, denn „am 04.11.1989 konnte ich endlich meinen HSV im Volksparkstadion live erleben. Leider verloren wir 0:2 gegen Köln. Aber das war egal. Ich sah Spieler wie Manni Kaltz, Thomas von Heesen oder Harry Spörl. Ein unglaubliches Erlebnis“.

Glutrote Wangen, ... G Im sächsischen Freiberg zwischen Dresden und Chemnitz (Karl-Marx-Stadt) geboren und aufge wachsen hatte Roy Götze als Kind die Möglichkeit, zwischen dem FC Karl Marx Stadt und Dynamo Dresden zu wählen. „Es gab einige Faktoren, sich für Dynamo zu entscheiden „„E und so bin ich bis zum heutigen Tage immer noch Dynam o verbunden. Der D De er HSV trat dann ziemlich genau in meinem 6. Lebensjahr auf den Plan. Mein Opa ist in den 40er-Jahren auf einem Viermaster von Hamb Ham Ha m urg aus zur See gefahren. Eine Tätowierung auf seinem Unterarm (Segelschiff und darunter ein Band mit dem Name n Hambburg) bu rg) faszini rg f erte mich seit jeher.Und er war es auch, der mir einen Wimpel vom HSV schenkte!! Derartige Bundesligaartikel waren ssehr se ehhrr rar raarr und selten. Mann, war ich aufgeregt! Meine Wang en waren glutrot. Auch wenn noch sehr klein, wusste ich, dass dies etwas gaanz ganz nz Beson Bes es deres war. Diesen Besitz habe ich bis heute in Ehren gehalten und dem Museum gestiftet. Der Versuch eines Onkels (auch aus aau uuss Hamb Ham Ha mbburg, u da meine Tante aus der DDR geflüchtet war), mich zum Marketinglabel FC St. Pauli zu bekehren (Autogrammk arten als Bestec BBe estteecchu hhung) ung ng) scheiterte kläglich. Diese wurden kurzerhand gegen andere West- Artikel getauscht, z. B. die „Bravo“. Diese Zeitsch rift und ddarin i enthal th tene Poster waren unter Jugendlichen mehr als Geld th wert.“

Weg h hi cher Anarchis A ch sein und Gefahren bergen: GeboWie Karsten Armgardt berichtet, kann der Weg zum HSV auch anarchis meinem Vater gegangen wäre. Aber wie Kinren im Herbst 1968 in Bergen auf Rügen sollte ich Boxer werden, wenn es nach den Mannschaftssport Fußball entschieden. für mich ich der nun mal sind, macht man immer das Gegenteil. Demzufolge habe größer. Ich wurde Fan des FC Carl-Zeiss-Jena und meiDurch einen Umzug nach Brandenburg wurde die Begeisterung für Fußball immer und Brandenburg (DDR-Liga) live gesehen habe. nes Heimatvereins FC Stahl Brandenburg, wo ich viele Spiele in Jena (DDR-Oberliga) Liebe zum HSV. Aber mit den Erfolgen Ende der 70er-, Anfang der 80er-Jahre begann die heimliche Ideen dafür lieferten Zeitungen mit Berichgemacht. selber Aufnäher mir ich Da man keine Fanartikel im Osten kaufen konnte, habe höchst verpönte Fanweste aufgenäht habe. Leider bin ich ten über den HSV. So kam es, dass ich mir die selbst erstellten Aufnäher auf eine Carl-Zeiss-Jena abgenommen wurde. Gott sei Dank haFC nicht mehr im Besitz dieser Weste, da mir diese beim Spiel BFC Dynamo gegen ein paar bekennende HSV-Fans an einem Tisch zusamben sich die Zeiten geändert und nach anfänglichen Schwierigkeiten konnten wir e“ HSVer doch hier im Brandenburger und Berliner menbringen. Man muss staunen, wie sich das entwickelt hat und wie viele „heimlich zieller Fanclub des HSV benennen. Nach 13 Jahren HSVRaum existieren. 1997 konnten wir uns im August mit sieben Mitgliedern als offi nächste Mitglied das Licht der Welt erblickt! Fanclub Fläming verfügen wir nun über 63 Mitglieder und am 14.01.2010 hat das

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Unliebsa men Kontakt mit der Volkspolizei Auch Mario Minow hat viel als Fan des HSV erlebt – das Spiel gegen BFC Dynamo und den unliebsamen Kontakt mit der Volkspolizei wegen eines HSV-Aufnähers: Ich wurde am 30.01.1966 in Schwedt an der Oder im tiefsten Osten an der polnischen Grenze geboren. Meine Heimatstadt war so etwas wie das Aushängeschild für den aufstrebenden Sozialismus. Nach dem Kriegg lebten hier 45 Einwohner und in den 70er- und 80er-Jahren wuchs diese Zahl auf knapp 70.000. Da wir nicht weit von Berlin lebten, hatten alle Bewohner auf den „schönen“ Plattenbauten (diese ähnelten denen in Steilshoop) Antennen installiert und so ausgerichtet, dass ARD und ZDF, die „feindlichen“ Sender des Imperialismus (Steigerung von Kapitalismus) gut zu empfangen waren. Wenn es zur besten Fußballsendezeit draußen stürmisch war, dann wurde es auch stürmisch und hektisch in unserem Haushalt: Vater aufs Dach, ich auf den Balkon und Mutter vor dem Fernseher. Mutter dann: „Bild, halt“, und ich leitete diese Info dann weiter an meinen Vater auf dem Dach, und das eben so lange, bis alle wieder vorm Fernseher saßen und die Bundesliga schauen konnten. Nachmittags bediente sich mein Vater aber schon des Radios und hörte NDR 2 – die Konferenz. Es war die Zeit der großen Erfolge des HSV. Da wir norddeutsch vorbelastet waren (meine Eltern stammen aus Vorpommern) und mein Interesse für den Fußball ab dem achten Lebensjahr immer mehr zunahm, kam es wohl, dass ich mich für die Raute ute te entschied. Mein Vater sympathisierte immer mit einem Klub aus der heutigen gemeinsamen Hauptstadt, t, dessen t, des esse sen en Name dem einer alten Frau gleicht. Heute will er davon allerdings nichts mehr wissen und meint seine Liebe ebe be gehörte geh ehöörrttee schon immer dem HSV. Alte Menschen sind eben manchmal auch vergesslich, was in diesem Fall nichts Schlimmes ist. Tja, wie war das also als HSV Fan im Osten? Einmal durfte ich meinen Verein live spielen sehen. Das war in der Saison unseres größten Erfolges. Als bekannt wurde, dass wir gegen den BFC Dynamo spielten, sprang ich vor Freude an die Decke, noch nicht ahnend, wie schwer es sein sollte, Karten zu bekommen – obwohl die Schwester des damaligen BFC Trainers Bogs (er hatte elf Geschwister) in meine Klasse ging. Die war aber nicht gut auf mich zu sprechen, da sie Bayern-Fan war und die vergangene Saison noch nicht ganz verdaut hatte. Auf Grund einer verlorenen Wette (damals konnte man noch bedenkenlos auf den HSV setzen, wenn es um die Schale ging), musste sie mir vor der ganzen Klasse gratulieren und sagen, dass der HSV besser sei als Bayern. Naja, und für die Karte ging dann das Spiel eben Retoure. Egal, ich war dabei, und am Saisonende erlebte ich mit Pipi in den Augen vor dem Fernseher den größten Erfolg unserer Vereinsgeschichte mit. Danach war sie dann endgültig in Stein gemeißelt: die Liebe zum HSV und der Raute. Ich besorgte mir die Anschrift des HSV und schickte Briefe mit der Bitte um Autogramme und Poster. Es passierte nichts. Wie sollte auch? Die Briefe hat wahrscheinlich alle Mielke gelesen. So beauftragte ich meine Oma und stattete sie bei ihren Reisen in den Westen mit Zeichnungen aus, um ja das Richtige mitzubringen. Im Tränenpalast in der Friedrichstraße empfing ich sie freudestrahlend, und sie sagte: „Im Koffer habe ich einen Schal für dich.“ Geil, dachte ich. Zu Haus‘ angekommen packte Oma den Schal aus und ich fasste ihn nicht mal an und hätte heulen können. Ich hör sie noch sagen: „Junge, watt willste, der is blau- weiß und sieht doch schick aus.“ Nee, richtig Oma, nur das dein Vorname draufsteht. Ich versuchte sie aufzuklären und irgendwann wusste auch Oma den Unterschied. Was sie nicht mitbrachte, wurde auf dem Schwarzmarkt bei Oberligaspielen für richtig viel Geld besorgt. Für Schwarz-Weiß-Fotos aus dem Kicker legte man gern schon mal 2-3 Mark hin und für einen nachgemachten HSV- Aufnäher 15-20 und das Original lag dann so bei 30 Aluchips (so nannten wir unsere „geliebte“ DDR-Mark). Trikots waren Goldstaub und es gab sie ab 100 Mark aufwärts. Mit einem HSV Aufnäher bin ich mal stolz zum Spiel des BFC Dynamo gegangen. Wir waren in Berlin und hatten irgendwie nichts Besseres vor. Also BFC gegen Aue. Am Eingang sprach mich dann ein Vopo freundlich an, ich möge ihm in ein Gebäude folgen. Ich kam in einem Container an. Hier fragte er mich, ob ich ein Messer tragen würde. Dies verneinte ich und wusste immer noch nicht, was er wollte. Dann sah ich im Nebenraum einen riesen Haufen Aufnäher von sämtlichen Bundesligavereinen. Sofort fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren, natürlich: der HSV-Aufnäher. Er gab mir ein Messer und sagte: “ Abtrennen!“ Genau, und anschließend einen vom BFC raufnähen, dachte ich so bei mir. Ich antwortete: „Ich schneid‘ mir doch nicht das Herz aus meiner Brust.“ Was ist das denn für ein Quatsch, meinte er und trennte im selben Moment den Aufnäher ab. Klassenfeindliche Symbole nannte man es bei uns. Nach dem Mauerfall führte dann mein erster Weg direkt in den Volkspark und heute wohne ich aus Liebe zum HSV schon seit zehn Jahren in Hamburg, bin Mitglied im Verein und auch in einem Fanclub und hole vieles von dem nach, was damals nicht ging. Wobei mir ein Titel-Erlebnis bis heute nicht vergönnt war … Nur der HSV!

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Liebe zum Verein, dank „Feindsender“ Liebe Hendrik Hahn brauchte lange, bis er sein erstes HSV-Spiel live sehen konnte. Der fängt te Geschich Meine Abbruch. keinen aber nder“, zum Verein tat das, dank „Feindse noch ich lebe heute auch (und hsen fast genau vor 31 Jahren an: Geboren und aufgewac , Bitterfeld von westlich r hier) bin ich zehn Kilometer östlich von Halle/ Saale, 20 Kilomete im Herzen der „Republik“. DeutschBei uns zu Hause war es Tradition nur den „Feindsender“ NDR2 (oder auch mal den deutwird „Wer Hallbergs Stefan dann lief 1979 Frühjahr im landfunk) zu hören. Irgendwann er persönlich ganz mein war Das Radio. im scher Meister?“ aus allgemein bekannten Gründen ist. geworden d Großbran zum Zündfunke, der bis heute nicht erloschen, sondern eher noch – mein Ich hatte keinen, der mich mitnahm, auch niemanden, der mir den HSV näherbrachte mal zu bester Freund war Braunschweig-Fan. Die Aussicht, den HSV und die Stadt Hamburg als Rentner die BRD bereisen dürfen. sehen, bestand bestenfalls im Jahr 2034, im Alter von 65 Jahren, da würde ich dann meiner Mutter wohnte dort und ihr Sohn, zwei Jahre Irgendwann Mitte der 80er Jahre bekamen wir dann Besuch aus Pinneberg, die Cousine en lauschen und ehrfürchtig erstarren, als sie mir erälter als ich, war HSV Fan. Er war leider nicht mit und so konnte ich nur den Erzählung Gefühle, die ich dabei empfand, kann ich heute schlecht zählte, dass er eine Dauerkarte habe und jedes Heimspiel im Volkspark sei. Die war leider nie so intensiv, dass ich mich mit ihm auswiedergeben. Wie schon gesagt, die Aussichten waren damals nicht rosig. Der Kontakt Kicker, das war damals mein größter Schatz. tauschen konnte, aber ein Mannschaftsfoto habe ich von ihm erhalten – aus dem brachte ich mir zwei Buttons mit, beide mit der Raute. Ich Mit Fanartikeln war das auch so eine Sache. Von einer Urlaubsreise nach Ungarn damals heiß begehrte Dinge. Den einen habe ich für 25 glaube nicht, dass diese Lizenzprodukte waren. Unter uns Jugendlichen waren das DDR-Mark weiterverkauft, der andere ging im Laufe der auf dem „Schwarzmarkt“ gab, waren sauteuer. Poster Jahre verloren, genau wie das Mannschaftsfoto – leider. Fanartikel, wenn es welche Internet bestellen oder in den Fanshop gehen: Gab es nicht! aus dem Kicker kamen locker auf 10 bis 20 Mark, wenn es sie gab. Eben mal im ich viele in meiner Umgebung, die schon lange vor 1989 Mit Gleichgesinnten gab es in meinem Bekanntenkreis wenig Kontakt. Heute kenne Dinge gesprochen, die unerreichbar waren. Welchen Sinn HSV-Fan waren, die ich schon damals gekannt habe. Aber man hat selten über die man in 40 bis 50 Jahren sehen könnte? Heute sind wir hätte das auch gemacht, sich Gedanken über die Stadt und den Verein zu machen, n nach Hamburg, wir treffen uns regelmäßig zum Stammzusammen im Fanclub und auch viele HSV-Mitglieder. Jetzt fahren wir zusamme tisch und haben selbstverständlich Fanartikel. was einen 20jährigen damals interessierte. Meine erste Nach 1989 waren dann andere Dinge wichtiger: Reisen, Auto, Freundin, eben das, jüngeren Bruder habe ich mir die Stadt, den Hafen und Reise hat mich dann auch nach Hamburg geführt, zusammen mit meinem drei Jahre das Stadion (hat mir baulich nicht so gut gefallen) angesehen. gegen Mönchengladbach: Ich saß auf der Westtribüne im Zu einem Heimspiel habe ich es dann aber erst zehn Jahre später geschafft. HSV machte zwei Buden und wir gewannen. Mit dabei war Rang C auf Höhe der Mittellinie. Mönchengladbach ging mit 1:0 in Führung, Barbarez hat als ich. Auch mein jüngster Sohn und auch meine Frau mein ältester Sohn, der es in Bezug auf sein Fanleben sicher um einiges besser was ich mir damals nie erträumt hätte. (Danke dafür!) teilen meine Leidenschaft für den HSV und so hole ich all das nach,

Zugang zur Meisterbude Für eine Live-Übertragung im Radio verschaffte sich Andreas Bohnet Zugang zur Meisterbude. Geboren am 28.08.1962 in Neuhaus/Elbe bin ich seit meinem 8. Lebensjahr Anhänger vom HSV, sofern man das in dem Alter sagen kann. Warum ich in diesem Alter schon Sympathien hatte, kann ich nicht so genau sagen. Zu diesem Zeitpunkt war der Verein ja noch nicht so erfolgreich, sehr wahrscheinlich hat es auch etwas mit meiner West-Verwandtschaft aus Hamburg zu tun, die sich zwar nicht großartig mit Fußball beschäftigte, aber mir einige Artikel besorgte. Ganz oben im Kurs war ein stinknormaler Aufnäher mit der Raute. Diesen nähte mir Mutter auf meine Jacke und das war natürlich mein großer Stolz. Leider sahen das nicht alle so und man setzte mich in der Schule unter Druck, diesen Aufnäher zu entfernen, was ich aber nicht tat. Ich zog die Jacke eben nicht mehr in der Schule an. Später verfolgte ich jedes Heim-oder Auswärtsspiel in der Bundesliga live am Radio NDR 2. Abends die Sportschau, was sich auch wieder nicht so einfach darstellte, da mein Vater ein absoluter Fußball-Gegner war. Das Endspiel im Cup der Landesmeister 1983 in Athen gegen Juve habe ich im Fernseher verfolgt. Leider nur die erste Halbzeit, dann musste ich zur Nachtschicht. Um etwas von der zweiten Halbzeit mitzukriegen, machte ich etwas, worüber man heute vielleicht lacht. Aber damals war es garantiert kein Kavaliersdelikt. Ich knackte die Meisterbude mit einem Dietrich und hörte die zweite Halbzeit mit Taschenlampe – wie ein Verbrecher. Heute besitzen meine Frau und ich je eine Dauerkarte und versuchen, auch ein bis zwei Auswärtsspiele mitzumachen. Seit 2001 haben wir unseren eigenen offiziellen Fanclub „DIE BOHNEN“ gegründet.

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Angst, als HSVer entdeckt zu werden Aus Angst, als HSVer entdeckt zu werden, reichten sich Thomas Kunze aus Markkleeberg und sein Freund Tanne bei Milewskis Ausgleichstor nur kurz die Hände: Zu meiner Schulzeit in den siebziger Jahren gehörte es zur Normalität, dass man als fußballinteressierter Junge neben der Verbundenheit zu einem Heimatverein auch Anhänger eines Bundesligisten war.Die meisten Jungs in meiner Klasse standen auf Gladbach, Schalke und Bayern. Aufgrund meiner Freundschaft zu einem Mitspieler im LVB Leipzig, der bereits mit dem HSV sympathisierte, interessierte ich mich nun auch etwas für diesen Verein. So freute ich mich das erste Mal bewusst über den DFB- Pokalsieg 1976 gegen Kaiserslautern. Der endgültige Funke sprang dann über, als die Rothosen 1977 den Europapokal der Pokalsieger gegen Anderlecht holten. Es gibt Dinge im Leben, die man nicht vergisst, obwohl sie Jahrzehnte zurückliegen. Ich sah dieses Spiel bei meinen Großeltern und durfte als 11- jähriger Fan, trotz Schule, länger aufbleiben. Glücklich schlief ich in dieser Nacht ein, meine Klasse konnte sich nunmehr auf einen echten HSV-Fan freuen. In der Gewissheit, unseren Verein schnell oder vielleicht gar nicht im Leben live erleben zu können, versuchten wir alle Informationen über das Radio oder die ARD zu erhalten. Dabei war es zunächst sehr hilfreich, dass die Oma von meinem Kumpel Tanne ab und zu (so ist zumindest meine Erinnerung) nach Hamburg zu Verwandten fuhr und neben Postern und Zeitungsartikeln auch kleine Fan-Utensilien mitbrachte. Jedes Wochenende verfolgten wir im Radio bei NDR 2 die Konferenz mit Kurt Emmerich und wünschten uns nichts sehnlicher als den berühmten Ruf „Tor in Hamburg, Tor im Volkspark!“. Wir führten über jedes Spiel Statistiken und legten gemeinsam Ordner für die einzelnen Spielzeiten an. Unvergessen bleibt das Spiel bei den Bayern im April 1982, als die beiden HSV-Freunde Thomy und Tanne getrennt die Konferenz im Radio verfolgten und ich siegestrunken nach dem unerwarteten 4:3 in der 90. Minute durch Horst Hrubesch in Rekordzeit zur Wohnung meines Schulfreundes rannte und wir uns glückseelig in den Armen lagen…. Noch im gleichen Jahr fiel Weihnachten, Ostern und ein Lottogewinn auf den 15.09.1982. Auf Grund der vielzähligen baulichen Aktivitäten, die mein Vater als verantwortlicher Oberbauleiter und Bereichsleiter u. a. eben auch für den Zentralrat der FDJ (oberstes Organ der Jugendorganisation der DDR) realisierte, gelang es ihm, über einen Funktionär zwei Karten für das Spiel BFC Dynamo gegen den HSV zu organisieren. So konnten die echten HSV-er, Thomy und Tanne, widerlegen, dass bei diesem Spiel eben nicht nur staatstreue Funktionäre und Stasi-Leute im Stadion waren. Dennoch glich die Atmosphäre einer Beerdigung. Uns war dies egal. Geduldig nahmen wir die Kontrollen entgegen, die bereits weit vor dem Stadion erfolgten, denn man hatte einen ganzen Stadtteil abgeriegelt und ließ nur Leute mit Karten oder Anwohner hinein. Es war Wahnsinn unsere Mannschaft live zu sehen. Aber nur kurz, ohne Aufsehen zu erregen, reichten wir uns beim Ausgleich von Milewski die Hände. Wir hatten Angst, dass man bemerkte, dass wir auf den HSV hielten…. In großer Euphorie verließen wir das Stadion und unterhielten uns die ganze Nacht über das Erlebte. Ja es war wahr: Wir waren das erste Mal für unsere Treue zum Verein belohnt wurden! Das 1:1 entsprach den Leistungen beider Mannschaften, wobei ich mich zu erinnern glaube, dass in der zweiten Halbzeit der HSV ein spielerisches Übergewicht bekam. Vielleicht hatten ja meine Zeitungsartikel über das Leistungsvermögen des BFC, die ich dem HSV vor den Duellen per Post in meinem jugendlichen Elan zuschickte, in der Vorbereitung zum Spiel geholfen. Es bleibt ein ewiges Geheimnis, ob die Post je den Adressaten erreichte… Leipzig ist eine Messestadt und zweimal im Jahr (Frühjahr und Herbst) fand hier eine Mustermesse statt. Wir hatten das Glück, dass bei uns daheim Messegäste wohnten und wir dadurch nicht nur zweimal im Jahr den Duft der weiten Welt riechen konnten, sondern auch Unterstützung durch Pakete und ab und zu auch ein paar D-Mark erhielten. So entwickelte sich eine innige Beziehung zu einem Prokuristen aus Schwelm, der mich als „zweiten Sohn“ symbolisch sah und ab Anfang der 80iger- Jahre meine Leidenschaft zum HSV unterstütze, indem er mir wöchentlich Zeitungsberichte über den HSV per Post übermittelte. Ich konnte es immer kaum erwarten, wenn Donnerstag oder Freitag war, denn dann war die Möglichkeit groß, dass Briefe vom vergangenen Fußballwochenende bei uns im Briefkasten lagen. Alles wurde aufmerksam gelesen und archiviert. Für viele bestimmt schwer nachvollziehbar, dass Zeitungsartikel einen so glücklich machen können. Erst 1995 beim Lesen meiner Stasiakte in den Räumlichkeiten der sogenannten „Runden Ecke“ in Leipzig wurde mir bewusst, dass nicht nur ich und mein Freund Tanne gewissenhaft Artikel vom HSV wöchentlich studiert sowie archiviert hatten, sondern auch ein gewisser Mitarbeiter, der meine Post über Jahre geöffnet und gelesen hatte. Es könnte gut möglich sein, dass er durch die Erfolge in den Jahren 1979-1983 und die interessanten Artikel vom Virus infiziert wurde und jetzt unerkannt im Stadion sitzt – als Fan unseres HSV. Es gibt eben Geschichten, die nur das Leben schreibt. Natürlich bleibt es für mich, trotz der nicht mehr zählbaren Live-Erlebnisse mit unserem HSV, immer etwas Besonders, durch den Volkspark zum Stadion zu laufen, glücklich, dies alles weit vor dem Rentenalter nun mit meinem Sohn Christopher erleben zu dürfen, denn dies wäre – neben Auswärtsfahrten zu Europapokalspielen in den Ostblock – das einzig reale Ziel gewesen.

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Vorrübergehender „Gewahrsam“ Für Siegfried Metack aus Spremberg (bei Cottbus) führte eine fehlende Eintrittskarte in vorrübergehenden „Gewahrsam“: Seit dem 14. Lebensjahr war ich Fußballfan und hatte mich Carl-Zeiss Jena verschrieben. Für den Fußball bin ich quer durch die DDR gereist und habe vor allem Europapokalspiele besucht. Dann reizte mich aber auch der Kontakt zur Bundesliga und hier speziell zum HSV. So gab ich über meinen in Wolfsburg lebenden Cousin im Kicker eine Annonce auf. Gemeldet hat sich ein Einziger, Willi Zschorsch, der spätere Zeugwart des HSV. Somit entstand ein intensiver Kontakt. Willis Versuche, in die DDR einzureisen, waren aber nicht von Erfolg gekrönt. Also hielten wir zumindest per Post Kontakt. Jedenfalls soweit die Briefe den Adressaten erreichten. Dennoch kam ich so zu einigen Autogrammkarten. 1982 wollte ich dann natürlich das Spiel bei Dynamo Berlin sehen, hatte aber keine Karte. So sprach ich einen Mann auf eine Karte an. Dieser bat mich geheimnisvoll um die Ecke herum, wo dann ein Mannschaftswagen der Volkspolizei wartete. Wer ohne Karte zum Spiel kam, dem wurde erstmal pauschal unterstellt, Westkontakt zu suchen. Grund genug, mich bis Spielende in einem Raum festzuhalten. Nach dem Spiel wurde ich dann irgendwo auf die Straße gestellt und durfte sehen, wie ich nun wieder nach Hause kam. Kurz vorm Pokalsieg in Berlin, genauer im April 1987 hatte ich endlich die Gelegenheit, einmal nach Hamburg zu fahren. Ich durfte zwar auf den Rasen des Volksparkstadions, aber ein Spiel sah ich nicht. Dafür empfing mich Ernst Happel auf dem Trainingsgelände Ochsenzoll in seiner Kabine und nahm sich eine Stunde Zeit, um mit mir zu quatschen. Zum Abschluss gab er mir 50 Mark und meinte lächelnd, ich solle der Reeperbahn mal einen Besuch abstatten. Das Gespräch mit Happel war einzigartig, ein unvergessenes Erlebnis. Kurze Zeit nach der Wende hatte ich dann die Möglichkeit, endlich auch ein Spiel im Volksparkstadion zu sehen.

Der gläserne Fan Die Stasi-Akte von Thomas Kunze aus Leipzig Text Volker Knut

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ie schriftlichen Unterlagen des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR, kurz Stasi-Unterlagen, lassen sich in Karteien und Akten aufteilen. Es sind bisher 39 Millionen Karteikarten und 180 Kilometer Akten aufgefunden worden. Das so genannte Stasi-Unterlagen-Gesetz regelt die Verwendung der Unterlagen, die vom Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BStU) verwaltet und verarbeitet werden. Die personen- und sachbezogenen Karteien waren erforderlich, um die entsprechende Akte heraussuchen zu können. Die Kartei F 16 war die zentrale Klarnamenkartei, die F 22 definierte den Vorgang der Bearbeitung (Vorgangskartei), die F 77 enthielt die Decknamen. Die Kerblochkartei (KK) notierte Beruf, Parteizugehörigkeit,

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Hobbys, Neigungen, Gewohnheiten und Interessen. Ein Teil der Akten, die sogenannten RosenholzAkten, geriet nach der Wiedervereinigung in die USA, steht nun jedoch wieder in Deutschland zur Verfügung. Die Zugänglichkeit der Akten für Dritte ist auch ein Streitthema, wie die Verfahren von Helmut Kohl zeigen (Fall Kohl). Quelle: Wikipedia Thomas Kunze aus Leipzig stellte uns einen kleinen Teil aus „seiner“ Stasi-Akte zur Verfügung. Hieraus wird deutlich, dass selbst unscheinbare Zeitungsartikel dokumentiert wurden, welche sich auf den HSV bezogen. Um euch einen Eindruck davon zu geben, bilden wir hier die Auszüge ab. Einen Teil mussten wir markieren, da hier personenbezogene Daten des jeweiligen Sachbearbeiters vermerkt sind.

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„Kontakte waren unerwünscht“ Rund um den DDR-Auftritt des HSV 1982 Text Manfred Ertel · Fotos Witters

Zweimal spielte der HSV in der DDR – für die Fans im Osten verliefen beide Partien eher enttäuschend: persönliche Begegnungen wurden verhindert, so gut es eben ging.

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ls im Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion kurz vor acht Uhr das Flutlicht angeht, sind die Zuschauerränge verwaist. Die HSV-Spieler betreten das Spielfeld und nehmen überrascht die gespenstische Leere wahr. So etwas sind sie eigentlich nicht gewöhnt, nicht einmal beim Abschlusstraining vor wichtigen Europa-Cup-Spielen. Es ist Dienstag, der 14. September 1982, die Mannen um Felix Magath, Manfred Kaltz und Horst Hrubesch bereiten sich im Stadion des damaligen DDR-Meisters Dynamo Ost-Berlin auf das Hinspiel im Europapokal der Landesmeister am nächsten Abend vor, nur wenige Steinwürfe hinter der Berliner Mauer, dort, wo die freie Welt damals zu Ende war. Es ist eine historische Begegnung in jeder Beziehung: Ein deutsch-deutsches Aufeinandertreffen sorgte 1982 noch immer für viel Zündstoff im labilen Verhältnis zwischen beiden deutschen Staa-

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ten, kein Gedanke daran, dass die DDR sieben Jahre später untergehen könnte. Und die Spieler machen eine ganz neue Erfahrung: Der HSV ist da und kein Schwein merkt´s. Ganz so schlimm kam es dann doch nicht. Denn die Wahrheit, die sich hinter der Geisterkulisse beim Abschlusstraining verbarg, trug eine andere Handschrift. Rund 300 Ost-Berlinern HSV-Fans war der Zugang zu ihren Lieblingen rigoros verwehrt worden, von rund 350 Volkspolizisten, die eine dicht gestaffelte Polizeikette um das Stadion gezogen hatten. Ihr Auftrag war unmissverständlich: Jeder Kontakt zu den Hamburgern sollte verhindert werden. „Wir kriegen keine Karte fürs Spiel“, zitierte BILD einen der DDR-Fans, „jetzt dürfen wir die Spieler aus Hamburg nicht einmal beim Training sehen“. Nicht mal gucken war erlaubt, anfassen sowieso nicht. Das wussten die „Sicherheitsor-

gane“, wie sie in der damaligen DDR genannt wurden, auch am Hotel weitgehend zu verhindern. „Man konnte die totale Kontrolle sehen“, empörte sich Bernd Wehmeyer, damals Spieler der HSV-Meisterelf, „Polizisten zogen einen Ring ums Hotel, sie fingen die Personen ab, die zu uns gelangen wollten“. Zweimal spielte der HSV in der DDR, in Ost-Berlin und in Dresden, zwei gute Gelegenheiten für die vielen Fans, die die Hamburger damals ganz offenkundig „drüben“ hatten, einmal aus nächster Nähe zu erleben. Doch die Erfahrungen müssen ernüchternd gewesen sein. Ein echter Kontakt kam nicht zustande, nur hin und wieder kam es zu kurzen Begegnungen. Die ostdeutsche Fan-Kultur für den HSV musste sich andere Wege suchen. Dass sie Fans in der DDR hatten, das wurde Uli Stein, Thomas von Heesen oder Jürgen Milewski schnell klar. Aber auch, dass die unter dem supporters news


staatlichen Spitzelsystem einen ganz schweren Stand haben. Unzählige Briefe waren in der HSV-Geschäftsstelle eingegangen, bevor die Mannschaft nach Ost-Berlin aufbrach, alle mit der gleichen Bitte: Bringt HSV-Souvenirs mit! 300 Wimpel hatten sie dann im Gepäck, Spieler und Verantwortliche des HSV, dazu 500 Anstecknadeln und einige hundert Poster. Nur wohin damit? Abnehmer gab es am für damalige Verhältnisse pompösen Palast-Hotel nahe des Ostberliner Alexanderplatzes so gut wie nicht. „Keine Fans zu sehen“, so meldeten es die Hamburger Medien. „Kontakte waren wohl unerwünscht“, schimpfte HSV-Präsident Wolfgang Klein, „unsere Ankunftszeit ist bewusst geheim gehalten worden.“ Dabei waren manche Fans von weither angereist, aus Rostock und anderen DDR-Städten. Doch Fans sind kreativ, nicht erst heutzutage, und manche Spieler eben auch. Jimmy Hartwig schlich sich zum Beispiel zu einem unbewachten Nebeneingang des Hotels. Etwa 50 Fans hatten sich dort zusammengefunden und begrüßten ihn mit Sprechhören. „Sachte, sachte, Jungs“, beruhigte Hartwig die jungen Anhänger, um keinen Ärger zu provozieren. So konnte er, immerhin, den Stasi-Aufpassern doch einmal ein Schnippchen schlagen und Fan-Utensilien unter die Ostberliner bringen. Nicht viel anders sah es im Stadion aus. 155 Karten hatten HSV-Fans für das Spiel in OstBerlin erhalten. 41 waren, auf welchen Wegen auch immer, offenbar im „freien“ Verkauf in der DDR-Hauptstadt erworben worden. Während des Spiels war der HSV-Block eingekesselt von drei bis vier Reihen mit zivilen Sicherheitskräften: 700 Stasi-Mitarbeiter waren das und 250 Polit-Kader von der Juristischen Hochschule – das Ministerium für Staatssicherheit hat sorgfältig darüber Buch geführt. Immerhin hatten sich die Hamburger zuvor am Nachmittag auf dem Alex frei bewegen und das ein oder andere kurze Gespräch führen können. Schon als der kleine Trupp Hamburger am Bahnhof Friedrichstraße DDR-Boden betrat, war er von Fans aus dem Osten erwartet und um HSV-Trophäen gebeten worden. Nur schnell musste es gehen, bevor die staatlichen Aufpasser auf den Plan traten. Wie rigoros die waren, erlebte auch Walter Rehmer von den „Rothosen“, der heute das HSV-Archiv betreut und schon damals dabei war. Im Ost-Berliner Hotel „Metropol“ hatte einer der Hamburger seine Fahne mit der Raute aus dem Fenster seines Zimmers gehängt: „Nach dem Spiel war die Fahne weg“, erinnert sich Walter. Das Spiel in Ost-Berlin war der zweite DDR-

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Auftritt des HSV: Dem 1:1 im Hinspiel folgte ein 2:0 im Volkspark und dann, am 25. Mai 1983, schließlich sogar der Titel gegen Juventus Turin. Das erste Treffen lag weitere acht Jahre zurück: Am 11. Dezember 1974 im Achtelfinale des Uefa-Cups bei Dynamo Dresden. 2:2 durch zwei Tore von Horst Bertl ging die Partie aus, das Hinspiel im Volkspark war zwei Wochen zuvor mit 4:1 klar gewonnen worden. Zum Rückspiel machten sich 1.618 HSV-Fans auf den Weg nach Dresden, 1.442 in 24 Bussen, 104 mit eigenem Auto und der Rest im Flugzeug. Der Trip war total durchorganisiert, die Busse fuhren auf zwei unterschiedlichen Touren in die DDR-Stadt an der Elbe. Im Preis inklusive waren ein kleines Fresspaket, ein Mittagessen in der Dresdner Innenstadt und dann der Transfer direkt ins Stadion. Kontakt zu den Fans vor Ort gab´s nicht, erinnert sich Walter Rehmer, oder zumindest sehr wenig. Am Flughafen, wo der HSV am Nachmittag des Vortages gelandet war, hatten sich einige Dutzend Fans und Flughafenangestellte eingefunden, um Autogramme und ein paar nette Worte von „ihren“ Lieblingen aufzufangen. Zum Mannschaftshotel „Motel Dresden“, strategisch geschickt rund sechs Kilometer außerhalb des Zentrums, hatten es gerade mal

20 Fans geschafft, sie stimmten, immerhin, einige dünne Sprechchöre „HSV, HSV“ an. Bei einer Stadtrundfahrt ließ HSV-Präsident Peter Krohn, nie um eine spektakuläre Idee verlegen, den Bus plötzlich mitten im Zentrum halten und die Spieler aussteigen. Dann verschenkten sie Hunderte von Nadeln, Wimpeln und Mannschaftsfotos und sorgten zumindest für eine gewisse Nähe. „Mir überreichte eine wildfremde Frau Blumen“, erzählte Krohn danach, „das geht schon unter die Haut.“ Den engsten Kontakt zu einem „Fan“ aber schaffte offenbar ein HSV-Nationalspieler nach dem Treffen in Ost-Berlin, doch das fand der SPIEGEL erst Jahre später heraus. Der Kicker „mit dem kräftigen Torschuss“ (SPIEGEL) ließ sich nach dem Spiel eine Frau aufs Zimmer bringen und die Stasi hörte mit. Sie war ihm als „vernünftiges Huhn“ angepriesen worden, die ordentlich „reinkrachen wird“. Und so muss es dann wohl auch gekommen sein. Jedenfalls meldete sich die Dame bei dem konditionsstarken HSV-Recken am nächsten Morgen gleich noch einmal am Telefon und bot an, vor der Abreise schnell noch mal vorbeizukommen. „Er ist damit einverstanden“, protokollierte die Stasi nach SPIEGEL-Recherchen. Nur den Namen, den protokollierte sie nicht.

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HSV Fan-Alltag in der DDR Interview mit Bernd Steinmetzer Interview Volker Knut · Fotos Gabi Steinmetzer

supporters news: Nach unserem Aufruf zu diesem Artikel war die Resonanz überwältigend. Es klang immer wieder durch, dass die Raute und die Wappen anderer Vereine aus der Bundesrepublik in der DDR nicht gern gesehen waren. Hast du aufgrund deiner Liebe zum HSV persönlich Nachteile im Leben gehabt oder wurde eher nur darauf hingewiesen, diese Dinge nicht öffentlich zu tragen? Bernd Steinmetzer: Persönliche Nachteile hatte ich dadurch nicht, wurde nur einmal darauf hingewiesen, das T-Shirt auszuziehen, ging aber nicht, weil ich kein anderes mit hatte.

supporters news: Moin Bernd. Auf der Weihnachtsfeier der „Krassen Herde“ hast du uns durch deine Erzählungen auf das Thema „HSVFans in der DDR“ gebracht. Erzähl uns doch mal kurz etwas über dich (Alter, Geburtsort, örtliches Lebensumfeld, von welchem DDR-Verein?, Beruf, etc.). Bernd Steinmetzer: Geboren bin ich vor 50 Jahren in Halle an der Saale. Aufgewachsen in Merseburg habe ich Elektriker gelernt und bin nun selbstständiger Steuerberater supporters news: Wie bist du HSV-Fan geworden?

tes Fanutensil ein Handtuch war. Konntest du dies einfach so mit ins Schwimmbad nehmen, oder bist du da eher vorsichtig mit deiner Liebe zu einem Westverein umgegangen? Bernd Steinmetzer: Als ich das Handtuch 1978 mit in den Bulgarien-Urlaub nehmen wollte, gab es von meiner Mutter Bedenken: „Sei ja vorsichtig, das nehmen sie dir weg“, usw. Aber ich habe es trotzdem mitgenommen und dadurch Schalke- und Gladbachfans aus Uerdingen kennengelernt, die mich später mit diversen Fußballzeitungen versorgen wollten. Diese Pakete kamen jedoch nie an. supporters news: Gab es weitere Fanartikel?

Bernd Steinmetzer: Seit Mitte der 70er. Es war damals möglich, die Reportagen auf NDR 2 zu verfolgen. Hinzu kam, dass ich Verwandtschaft in Hamburg hatte. supporters news: Gab oder gibt es für dich noch einen Verein neben dem HSV in deinem heimischem Umfeld? Bernd Steinmetzer: Neben dem HSV gehört der Hallesche Fußballclub Chemie (HFC, ist ja auch wie beim HSV eine bekannte Abkürzung …) mein Herz. supporters news: Du hast erzählt, dass dein ers-

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Bernd Steinmetzer: Eine Fanpostkarte von Felix Magath. Diese ist genau wie das Handtuch, welches von meiner Oma und Cousine geschmuggelt wurde, noch vorhanden. Und da gab es noch ein T-Shirt. Das habe ich im Tausch erworben. Bin aber leider rausgewachsen und habe dann jemand anderen damit glücklich gemacht. 1978 habe ich dann noch aus dem Bulgarien-Urlaub ein Kicker-Sonderheft mitgebracht. Keine Ahnung, durch wie viele Hände das so gegangen ist. Die darin enthaltenen Mannschaftsposter habe ich dann verkauft oder getauscht. Anders konnte man kaum Fanutensilien bekommen.

supporters news: Ein HSVer machte uns darauf aufmerksam, dass er in seiner Stasiakte diverse Vermerke zu seiner HSV-Liebe vorfand. Hast du ähnliche Erfahrungen gemacht und wenn ja, welcher Art Einträge waren das? Bernd Steinmetzer: Bisher konnte ich das noch nicht feststellen, noch keine Akte gefunden. supporters news: Bist du in deinem Umfeld offen mit deinem Fansein umgegangen? Bernd Steinmetzer: Unter Freunden und Arbeitskollegen wurde offen über seine Sympathien zu seinem jeweiligen sogenannten „Westverein“ gesprochen. supporters news: Fanshops der heutigen Art, wo jeder die freie Auswahl hat, die Wunschartikel auch per Telefon und Internet bestellt werden können, gab es ja auch im alten Bundesgebiet kaum. Selbst in Hamburg musste lange Zeit auch eher selbst zu Nadel und Faden und dem Strickzeug gegriffen werden, um einen Schal oder eine Fahne zu besitzen. Gab es derartige Fanartikel von DDR-Vereinen? Bernd Steinmetzer: Mein erstes Fanutensil war eine Stockfahne vom HFC. Im damaligen KurtWabbel-Stadion gab es einen kleinen Souvenirwagen. Dort gab es Fahnen, Gläser, Wimpel – aber nicht so die große Auswahl, Pins und Trikots überhaupt nicht. Wenn überhaupt irgendetwas da war, dann viel Selbstgenähtes. supporters news


supporters news: Kannst du uns einen Eindruck davon vermitteln, wie das Fansein in der DDR ablief? Waren Auswärtsfahrten organisiert oder ist man auf eigene Faust zum Beispiel von Magdeburg nach Rostock gefahren? Bernd Steinmetzer: Ich war nur zu einigen Auswärtsspielen nach Aue, Leipzig, Zwickau mit – was so in der Nähe lag. Direkte Organisationen gab es da meines Wissens nicht, eher lose Gruppen, die mehr oder weniger beschlossen, gemeinsam zum Auswärtsspiel zu fahren. Das war manchmal aber sehr umständlich. Ich kann mich erinnern, dass wir nach Aue drei oder vier Mal umsteigen mussten. In jedem Fall war immer die „Polizei“ präsent. Mit Getränken mussten wir uns vor der Fahrt eindecken, denn auf den Unterwegsbahnhöfen waren alle Mitropas und Getränkeläden geschlossen. Zudem galt ein Alkoholverbot auch in den Stadien. Gewalt gab es damals auch genug unter den Fans: Schlägereien, Fahnenklau und Ähnliches. Übrigens gab es damals auch schon die Probleme mit zu wenigen Toiletten. supporters news: Mit der sogenannten „Wende“, der Maueröffnung und der politi-

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schen Zusammenführung beider deutscher Staaten, war es auf einmal möglich, auch HSVSpiele zu besuchen. Wann war es für dich das „erste Mal“?

supporters news: Und, wie eingangs schon erwähnt, auch Mitglied in einem Fanclub. Wie kam es dazu?

Bernd Steinmetzer: 1990 habe ich den HSV das erste Mal live spielen sehen. Der Gegner hieß Wattenscheid und das Spiel endete Unentschieden, glaube ich.

Bernd Steinmetzer: Seit 2006 bin ich Dauerkartenbesitzer, und da vor mir zwei Leutchen (Torsten und Marion) saßen, die sich über ihre Fanclubgründung unterhielten, bin ich seit 2007 Mitglied der „Krassen Herde“.

supporters news: Welche Eindrücke hast du damals für dich gewonnen?

supporters news: Vielen Dank für das Interview.

Bernd Steinmetzer: Es war einfach nur gewaltig. Vor allem mein erstes ausverkauftes Spiel im Volksparkstadion gegen Bayern (45 D-Mark auf dem Schwarzmarkt, das waren noch Preise), trotz Schietwetter und Niederlage Bombenstimmung. supporters news: Das hat gereicht, um dich für immer der Raute zu verschreiben und bist auch Mitglied geworden, oder? Bernd Steinmetzer: Genau. Seit dem 4. April 1997 bin ich nun auch schon Mitglied im HSV Supporters Club.

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Bis zum Ende auf der Kippe Berichte über die Spiele der Profis Text Phillipp Markhardt · Fotos Witters, HSV Supporters Club

1. FSV Mainz 05 vs. Hamburger SV 1:1 Bruchwegstadion Mainz Eigentlich sollte das Spiel in Mainz die Wende einleiten und uns zurück auf die Gewinnerstraße führen. Doch daraus sollte nichts werden. Zwar erzielte Tunay Torun bereits in der 3. Minute die Hamburger Führung, am Ende war es jedoch wieder einmal die Schlussviertelstunde, in der unsere Elf nicht mehr standhalten und Mainz so noch den Ausgleich machen konnte. Mist! Hamburger SV vs. SK Rapid Wien 2:0 Volksparkstadion Hamburg Ja mei! A bissl hat’s gedauert, bis der HSV vor wieder einmal nicht ausverkauftem Haus ins Spiel fand, danach war es aber eine klare Sache. 2-0 hieß es am Ende, und die Schmach vom Hinspiel war zumindest halbwegs egalisiert. Wien brachte zu diesem Spiel sage und schreibe 7.000 + X Anhänger mit und trotz einer ganzen Menge Eventvolk konnten Ultras Rapid und Konsorten sowohl choreotechnisch wie auch supportmäßig überzeugen. Können sie zwar besser, aber was will man meckern?

Hamburger SV vs. Dietmar Hoffenheim 0:0 Volksparkstadion Hamburg Hätte ein unbedarfter Fußballfreund dieses Spiel gesehen, er hätte wohl nicht für möglich gehalten, dass es sich hierbei um die Partie des Fünften gegen den Sechsten handelte. Zwar ging es recht rasant los, doch das Spiel verflachte mehr und mehr. In der Hamburger Eiseskälte hatte dann auch kein Team ein Tor verdient und so blieb es beim Unentschieden. Übrigens: Die Hoffenheimer Fanhorden verfuhren sich in diesem Jahr nicht mit der S-Bahn, sondern waren ganz regulär einfach nur eine erbärmliche Anzahl von 350 Mitgereisten. Hat sich ja lange gehalten, die Euphorie in der „Metropolregion Rhein-Neckar“ … 1. FC Nürnberg vs. Hamburger SV 0:4 Max-Morlock-Stadion Nürnberg Und wenn du denkst, es geht nichts mehr, kommt von irgendwo der Glubb daher. Und der war ein Aufbaugegner par Excellence. Locker und ungefährdet siegte unsere Elf in Franken und auch auf den Rängen gaben die Anhänger

ein gutes Bild ab. Ein schönes Intro, lautstarke Unterstützung und Emotionen pur rundeten einen gelungenen Fußballnachmittag ab. Hapoel Tel Aviv vs. Hamburger SV 1:0 Bloomfield Stadium Keine 24 Stunden aus Nürnberg zurück, hieß es auch schon zum Flughafen aufzubrechen, um gen Israel zu reisen. Ein Großteil der 400 Fans, die dem HSV nach Tel Aviv folgten, dachte ähnlich und machte aus dem letzten Spiel in der Europa League einen Kurzurlaub ins Gelobte Land. Nicht wenige tourten kreuz und quer durch Israel und Palästina, um hinterher von beeindruckenden Erlebnissen zu berichten. Ob Westbank, Jerusalem oder auch Abstecher nach Jordanien – jeder hatte nach der Tour einiges zu erzählen. Doch zum Spiel: Mit einem Unentschieden oder Sieg wäre der HSV als Gruppenerster in die nächste Runde eingezogen, doch wie wir heute wissen, ging das Spiel in die Hose. Lethargisch, geradezu pomadig schien das Spiel des HSV zu sein, der durch Yeboah in der 23. Minute dann auch mit dem

1. FC Nürnberg vs. Hamburger SV Foto HSV Supporters Club

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Mainz (A)

Hoffenheim (H)

Nummer 1 im Norden …

Tel Aviv (A)

Foto HSV Supporters Club

1-0 bestraft wurde. Ultras Hapoel konnten immer wieder das ganze Stadion zu melodischen Gesängen und Anfeuerungsrufen animieren, wohingegen der Gästeblock eher blass blieb. Bleibt das Fazit: Schöne Tour bei angenehmen Temperaturen, aber das Spiel hätte man sich sparen können. Nordderby 2:1 Volksparkstadion Hamburg Letzter Spieltag vor der Winterpause und der HSV empfängt vor heimischer Kulisse auf einem Sonntag den Rivalen von der Weser. Bei eisigen Temperaturen und Schnee ohne Unterlass wurde zumindest den echten Hanseaten richtig warm ums Herz. Dafür sorgten nicht nur eine gelungene Choreo und überdurchschnittlicher Support, sondern vor allem Joris Mathijsen und Marcell Jansen, die die beiden Tore für den HSV erzielten. Zwar sollte Naldo in der 93. Minute noch den Anschlusstreffer erzielen, doch da befand sich das Kollektiv der HSV-Fans sowieso schon in Weihnachtsstimmung, was sich auch auf den Abreisewegen bemerkbar machte. Und der Schnee hüllte Hamburg in ein weihnachtlich-weißes Kleid … Hamburger SV vs. SC Freiburg 2:0 Volksparkstadion Hamburg Nach einer extrem kurzen Winterpause stand bereits Mitte Januar wieder der erste Vergleich in der Bundesliga auf dem Programm. Der SC

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Freiburg kam an diesem bitterkalten Sonnabendnachmittag an die Elbe und brachte gerade einmal 300 Fans mit. Nicht wirklich doll, aber immerhin hatten diese einiges an Tifomaterial im Gepäck. Auch auf der Heimseite gab es was fürs Auge, nämlich eine Choreographie im A-Rang. Der HSV dominierte das Spiel über die gesamte Zeit und kam zu einem ungefährdeten Heimsieg.

Dortmund (A) Borussia Dortmund vs. Hamburger SV 1:0 Westfalenstadion Dortmund An einem Sonnabend um 18.30 Uhr in Dortmund – es gibt sicherlich Schlimmeres, trotzdem wäre 15.30 Uhr doch mehr nach unserem Geschmack gewesen. Zum Einlaufen gab es auf Hamburger Seite ein blau-weiß-schwarzes Streifenmuster und ein Spruchband im Oberrang zu sehen. Auf Dortmunder Seite gab es zwar kein wirkliches Intro, jedoch hat immerhin die Südtribüne zu alter Stärke zurückgefunden. Die Stimmung auf Dortmunder Seite also gut. Ebenfalls positiv zu erwähnen ist die Stadionshow vor dem Spiel. Kein übermäßiger Anteil an Musik und Werbung und das, obwohl Dortmund auch von Sport 5 vermarktet wird. Somit gibt man den Fans die Gelegenheit, sich auf das Spiel einzustimmen und zu singen. Dieses lief dann für den HSV weniger gut. Bereits in der 36. Minute erzielte Nelson Valdez das Tor des Tages und unsereins fuhr wieder einmal sieglos nach Hause.

Dortmund (A)

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1. FC Köln vs. Hamburger SV Foto HSV Supporters Club

Hamburger SV vs. Werksclub aus Ostniedersachsen 1:1 Volksparkstadion Hamburg Uiuiui! Glück gehabt, sach ich mal! Erst in der Nachspielzeit konnte Piotr Trochowski dem HSV einen Punkt gegen den Noch-hoffentlich-abernie-wieder-Meister retten, nachdem Dzeko bereits in der 34. Minute den VfL in Führung gebracht hatte. Dabei hatte der HSV eigentlich das gesamte Spiel über mehr Anteile am Geschehen auf dem Rasen. Auch auf den Rängen zeichnete sich dies ab. Die Belegschaft von Werk 1 am Mittellandkanal war erneut mit einer peinlich geringen Zahl an Auswärtsfahrern angerückt und entschuldigte dies mit dem ungünstigen Spieltermin am Freitagabend. Na dann … Immerhin hatten sie erstmals optisch einen vernünftigen Auftritt, während sich die Heimseite heute aufs Lautsein beschränkte. 1. FC Köln vs. Hamburger SV 3:3 Müngersdorfer Stadion Köln Verdammt, wie kann man bitte eine 3-1 Führung gegen Köln (ja, genau: KÖLN!) verschenken?! Mächtig angesäuert ging´s am Wochenende vor Karneval zurück aus der Rheinmetropole, denn es ging mal wieder gar nicht, wie sich das Team die Butter vom Brot nehmen ließ. Und dass van Nistelrooy nach einer Einwechslung in der 90. Minute noch irgendwas reißen würde, hat man auf der Trainerbank (und im Gästeblock) ja wohl nicht ernsthaft geglaubt, oder? Da hätte man mal besser den Sturmlauf der letzten Minuten nicht mehr unterbrochen … Immerhin, etwas Positives gab es auch zu berichten. Der Gästeblock hatte einen guten Tag,

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feierte zumindest bis zur 75. Minute gut ab und zeigte eine nette Choreo aus blauen, weißen und schwarzen Handschuhen. VfB Stuttgart vs. Hamburger SV 1:3 Neckarstadion Stuttgart Stuttgart ist eigentlich nie eine Reise wert. Normalerweise vergeigst du das Ding, die Stimmung ist beschissen und lange unterwegs bist du obendrein. Dazu dieser Dialekt, den kein Mensch versteht. Gut, diese komische rote Wurst schmeckt ganz gut und Rothaus Tannenzäpfle perlen. Aber letztere sind auch schon wieder aus Baden … Heute sollte es also tatsächlich einmal wieder eine Ausnahme geben. Die Hinfahrt im ICE verging dank reichlich Unterhaltungspotenzial wie im Fluge und gut ausgeruht konnte in diesem Jahr ausnahmsweise mal die Cannstatter Kurve betreten werden. Wenn das nichts Gutes verhieß! Ok, die Stimmung war dank der Bauweise des Stadions immer noch recht mau, trotzdem schaffte es der HSV, durch Berg in Führung zu gehen, um in der 55. Minute den Ausgleich zu kassieren. Also doch nix mit drei Punkten? Falsch gedacht. Hatte man sich letzte Woche noch über die Sinnloseinwechslung van Nistelrooys aufgeregt, war er an diesem Tag in der Tat DER Joker schlechthin. Erster Ballkontakt: Tor. Neunzig Sekunden

später legt er einen nach und sichert den Auswärtssieg. Hat man noch nicht so oft gesehen, die mitgereisten Fans natürlich jetzt vollkommen am Abdrehen. Sollte man tatsächlich mal eine Tormaschine geholt haben? Wir werden sehen. Hamburger SV vs. PSV Eindhoven 1:0 Volksparkstadion Hamburg Keine hochwertige Fußballkost, dafür aber ein munteres Hin und Her zeigte sich den gerade einmal 35.672 Zuschauern im Volksparkstadion. Marcell Jansen sollte der Mann des Spiels werden, war er es doch, der den einzigen Treffer per Elfmeter erzielte, nachdem Petric im Strafraum gefoult worden war. Die Stimmung war auf beiden Seiten recht mau und mehr gibt’s eigentlich auch nicht zu berichten.

Er kam, sah und traf – Ruud in Stuttgart … Foto Witters

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Hamburger SV vs. Eintracht Frankfurt 0:0 Volksparkstadion Hamburg Keine Tore, lediglich ein paar Highlights auf den Rängen gibt es von diesem Spiel zu vermelden. Ein wahrhaft tristes Spiel passte sich dem Hamburger Winterwetter an. PSV Eindhoven vs. Hamburger SV 3:2 Philips-Stadion Eindhoven Endlich wieder Europapokal auswärts und dazu noch ohne die sonst relativ drastischen holländischen Sicherheitsmaßnahmen. So ließen sich die 1.900 mitgereisten Hamburger in der Innenstadt des relativ beschaulichen Städtchens nieder und tranken sich in Stimmung, ehe es im mittlerweile fast schon traditionellen Marsch bei europäischen Auswärtsspielen zum nur wenige Gehminuten entfernten Stadion ging. Durch die Hochsicherheitseinlässe den Block betreten, war so mancher dann doch etwas enttäuscht, denn von der Sicht her war ein Teil des Blocks dank Dach und Sichtschutz zum Nebenblock komplett unbrauchbar. Trotz allem darf den Fans wohl zumindest für die zweite Hälfte einer der besten Auftritte der Saison bescheinigt werden. Warum nur zur zweiten Hälfte? Weil da die dramatische Aufholjagd des HSV begann, nachdem der PSV in der ersten Halbzeit mit 2-0 in Front gegangen war. Durch Kampf und Einsatz erspielte sich die Mannschaft in einem spannenden Spiel das Weiterkommen, das bis zum Ende auf der Kippe stand. Anderlecht, wir kommen!

PSV Eindhoven vs. Hamburger SV

Bayern München vs. Hamburger SV 1:0 Knallrotes Gummiboot Fröttmaning Natürlich … ich sehe es ja gerade noch ein, dass man nach einem Europapokalspiel auf einem Sonntag spielt, aber warum in aller Welt bitte bei dieser Begegnung/Entfernung erst um 17.30 Uhr?! So ging es also mal wieder in die bayerische Landeshauptstadt, um das übliche Programm abzuspulen: Polizeikontrolle am Bahnhof umgehen, Brauhaus, Stadion. Dort angekommen wurde sich wie immer bei einer furchtbar bajuwarischen Stadionshow gelangweilt und zur Kenntnis genommen, dass der FCB an diesem Wochenende seinen 110. Geburtstag feierte. Daher verschenkten der Kalle und der Kaiser und der Uli an jeden, der wollte oder auch nicht, Geburtstagsschals, die natürlich auch ihren Weg an die Bande im Hamburger Block fanden, wo wenig später Zivis und uniformierte Sekuritate anrückten, um vermeintliches Diebesgut zu konfiszieren. Urkomisch! Zum Spiel: Es war ein durchaus munteres und spannendes Spitzenspiel. Rauf und runter ging’s und jede Seite hatte die eine oder andere hochkarätige Chance. Schade, dass die andere Seite Ribéry hatte und wir nur Rumpelfüßler. So blieb uns ein Tor verwehrt und Bayern erklomm die Tabellenspitze. So trollte sich der Hamburger Anhang, der gesanglich auch heute wieder die Arena im Griff hatte, während die rot-weißen aus der Provinz sich ein gesponsertes Geburtstagsfeuerwerk reinzogen. Scheiße das, aber nicht zu ändern.

Eindhoven (H)

Frankfurt (H)

Eindhoven (A)

München (A)

Foto HSV Supporters Club

München (A)

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Mit dem Team in Belek Wintertrainingslager in der Türkei Text Mike Lorenz · Fotos Witters, HSV Supporters Club

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irekt zu Beginn des neuen Jahres, genauer gesagt, vom 03.01. bis zum 10.01.2010, bereitete sich unsere Mannschaft im sonnigen Belek in der Türkei auf die Rückrunde der laufenden Saison vor. Mit ihr machten sich insgesamt ca. 85 Fans auf den Weg in die Süd-Türkei. 41 HSVer nutzten das Angebot des HSV Supporters Club und verbrachten die Woche im 5-Sterne Hotel Adora Golf Resort in unmittelbarer Nähe zum Mannschaftshotel und zu den Trainingsplätzen. Hatte man dieses sehr schöne, direkt am Meer gelegene Hotel anfangs noch komplett für sich, so kamen von Tag zu Tag immer mehr interessante Gäste hinzu: Los ging es mit dem Tabellenführer der 2. türkischen Liga, Kardemir Karabükspor. Mit diesen Jungs war man relativ schnell auf einer Wellenlänge und so kam es, dass sogar ein kleiner Freundschaftskick gegen den Betreuerstab von Karabükspor vereinbart wurde. Nach dem Tauschen diverser Fanartikel und dem Empfang einiger Original-Trikots, störte es am Ende auch keinen mehr, dass man „lediglich“ gegen den Co-Trainer kickte. Spaß machte es allemal! In den Tagen darauf durfte man noch Karsiyaka SK, 6. der 2. türkischen Liga, den Champions League Teilnehmer und amtierenden

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russischen Meister Rubin Kazan und die U19 unserer Freunde der Glasgow Rangers im Hotel begrüßen. Auch keine alltägliche Hotelbesetzung … Neben den oben genannten Mannschaften und unserem HSV bereiteten sich auch noch unzählige andere Vereine in Belek auf die bevorstehende Rückrunde vor. Dieses nutzten einige HSVer, um verschiedene Testspiele zu besuchen. Besucht wurden u. a. die Spiele: · 1. FC Nürnberg – MSV Duisburg · 1. FC Köln – SpVgg Greuther Fürth · Karlsruher SC – Erciyesspor · Karlsruher SC – Eintracht Frankfurt So kam es auch, dass man sich mit dem Fanbeauftragten aus Nürnberg, Jürgen Bergmann, auf einen Freundschafts-Fankick gegen Fans des Clubs aus Nürnberg einigte. Bei 15 Grad und strahlendem Sonnenschein machte man sich dann mit dem HSV-Mannschaftsbus auf den Weg zu den Trainingsplätzen der Nürnberger, denen bei unserer Ankunft mit dem Bus reihenweise die Kinnlade runterfiel. Hatte man wohl nicht damit gerechnet, dass unsere Mannschaft ihren Bus zur Verfügung stellt. 1:0 für uns! Das war‘s dann aber auch schon mit erfolgreichen Ergebnissen an diesem Tag, ver-

lor man doch das anschließende Spiel über 2 x 30 Minuten knapp. Über das genaue Ergebnis wurde, zumindest von Hamburger Seite, Stillschweigen vereinbart! Trotzdem hat dieser Nachmittag nicht nur allen Spielern, sondern auch den insgesamt 250 (!) Zuschauern viel, viel Spaß gebracht. Auf die Revanche im nächsten Januar freuen wir uns jetzt schon! Positiv erwähnen möchte ich an dieser Stelle noch, dass das Spiel vom kompletten Nürnberger Profi-Kader inklusive Trainer- und Betreuerstab verfolgt wurde! Ganz starke Geste! Auch wenn dies die Nürnberger Fans noch ein wenig mehr gepuscht hat, so war es für viele ein

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schönes Erlebnis, auch mal den Spieß Fans – Spieler, Spieler – Fans umzudrehen. Highlight der gesamten Woche war dann aber mit Sicherheit der im Mannschaftshotel stattfindende Fantalk. Unser Trainer Bruno Labbadia, David Jarolim, Joris Mathijsen, Frank Rost und Marcell Jansen beantworteten 1 Stunde lang alle Fragen, die den Fans unter den Nägeln brannten. Von der Frage, ob Frank Rost sich vorstellen könnte Sportchef zu werden bis zur Frage, ob Joris Mathijsen im WM-Finale gegen Deutschland Marcell Jansen unfair von den Beinen holen würde, wenn dieser in der 90. Minute allein auf das niederländische Tor zulaufen würde, war alles an Fragen vertreten (Antwort Mathijsen mit einem Augenzwinkern: „Natürlich nicht! Mit meiner Klasse nehme ich ihm den Ball ohne Probleme auch mit fairen Mitteln ab!“). An dieser Stelle nochmals vielen Dank an unseren Trainer und unsere Spieler, die im Anschluss auch noch für Autogramm- und

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Fotowünsche bereit standen! Dieser Abend wird in Zukunft nur schwer zu toppen sein! Unterstützt von ca. 30 Ultras aus Karlsruhe gewann man zum Ende der Woche noch den „Tuttur-Cup“ in Antalya, nachdem sich unsere Mannschaft im Halbfinale gegen Kayserispor und im Finale in einem schier unendlichen Elfmeterschießen gegen Besiktas Istanbul durchsetzte.

So ging eine durchweg positive Woche auch noch äußerst erfolgreich zu Ende! Auch von meiner Seite nochmals ein riesiges Dankeschön an alle Beteiligten! Die Vorbereitungen für die kommenden Trainingslager laufen auf jeden Fall bereits wieder auf Hochtouren …

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Maximilian „Maxi“ Beister Einer von den jungen Wilden beim HSV Text Olaf „Hucky“ Fink/Thorsten „Toddo“ Peters · Foto Olaf „Hucky“ Fink

Maxi Beister: Ein verschossener Elfmeter bei einem Spiel der Nationalmannschaft im Viertelfinale eines Turniers. supporters news: Warst du schon mal so richtig schlimm verletzt? Maxi Beister: Ja, ich hatte bereits mit 16 einen Bandscheibenvorfall und war ein Jahr krank. supporters news: Hast du schon mal eine Schwalbe gemacht? Maxi Beister: (grinst) Da kann ich mich nicht erinnern, bestimmt in der Jugendzeit mal.

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m Rahmen des Trainingslagers in Belek/ Türkei konnten wir den HSV-Spieler Maximilian „Maxi“ Beister interviewen. Das war uns ein besonderes Anliegen, weil Maxi, wie wir auch, aus dem Lüneburger Umland kommt. Schon im Vorwege hatten wir in unserem Fanclub (HSV-Freunde Vøgelsen) um Fragen von unseren Mitgliedern an Maxi gebeten. Nach dem Vormittagstraining sprachen wir dann Maxi an. Sichtlich erfreut, dass auch zwei HSV- Fans aus seiner Heimat den Weg nach Belek gefunden hatten, lud Maxi uns dann ins Spielerhotel Kempinski „The Dome“ ein.

HSV ab. Und so bleibt mir natürlich, jeden Tag auf dem Trainingsplatz Leistung zu zeigen. Von Vorteil ist auch, wenn ich in der Nationalmannschaft gute Leistungen bringe. Tore sind da natürlich eine gute Visitenkarte. supporters news: Hat dein Vater dich gepusht, gefördert oder unter Druck gesetzt?

supporters news: Welcher Verein ist dein Lieblingsverein?

Maxi Beister: Mein Vater hat mich immer unterstützt und war stets ein guter Ratgeber, hat mich aber nie unter Druck gesetzt oder zu etwas gezwungen. Im Gegenteil: Einer seiner Ratschläge war z. B., dass ich mit dem Fußball aufhören soll, wenn ich keinen Spaß mehr habe. Bis dahin dauert es hoffentlich noch sehr lange.

Maxi Beister: Der HSV und Arsenal.

supporters news: Gibt es für dich ein Vorbild?

supporters news: Wie ist eigentlich dein sportlicher Werdegang?

Maxi Beister: Ja, Thierry Henry. Ich mag die Art und Weise, wie er Fußball spielt. Diese Leichtigkeit ist schon toll.

Maxi Beister: Ich habe begonnen beim VfL in Lüneburg und bin seit 2004 beim HSV, außerdem habe ich in der Zeit bisher für die U17 und die U20 Nationalmannschaft gespielt.

supporters news: Welches ist dein schönstes Erlebnis als Fußballer?

supporters news: Weißt du schon, wann du deinen ersten Profivertrag bekommen könntest?

Maxi Beister: Ein Tor in der Nationalmannschaft gegen die Schweiz. Nach einem Alleingang konnte ich zum 2:2 einschießen. Das Gefühl werde ich nie vergessen.

Maxi Beister: Das kann ich natürlich nicht sagen. Das hängt von meinen Leistungen beim

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supporters news: … und das traurigste?

supporters news: Trainierst du über das normale Training hinaus? Maxi Beister: Ich kann jederzeit Ricardo Moniz ansprechen. Dann kann man spezielle Sachen nochmal trainieren. Aber ich muss natürlich auch aufpassen, dass es nicht zu einer Überbelastung kommt. supporters news: Spielst du gerne in der Halle? Maxi Beister: Ja, sehr gerne sogar! Ich muss allerdings mit meinem Bandscheibenvorfall sehr aufpassen. Außerdem haben wir vom Verein Hallenspielverbot. supporters news: Hast du noch Kontakt zu deinen Freunden von früher? Maxi Beister: Sooft es geht, treffe ich mich mit Freunden, die ich schon sehr lange kenne. Aber leider lässt mir der volle Terminkalender nicht allzu viel Spielraum. supporters news: Wer war dein bester Jugendtrainer? Maxi Beister: Hans-Otto Jurischka. supporters news:Hast du mal ein Tor geschossen, von dem du sagen würdest, dass es besonders schön und wichtig war? supporters news


Maxi Beister: Ja, das war gegen St.Pauli! Da habe ich in einem Spiel vier Tore geschossen! (grinst) supporters news: Bist du abergläubisch oder hast du ein bestimmtes Ritual vor Spielen?

Aus im Viertelfinale Erste Bismarker Fanmastters Text Pascal Fritsch · Foto Christian Gose

Maxi Beister: Ja, ich mache alles mit links zuerst. Schuhe anziehen usw. supporters news: Wer ist dein Zimmerpartner, wenn ihr unterwegs seid? Maxi Beister: Tolgay Arslan, wir kennen uns auch schon seit vier Jahren. supporters news: Bekommt man auch mal gut gemeinte Tipps und Ansporn von gestandenen Profis? Maxi Beister: Ja, Marcell Jansen z. B. gibt mir viele Tipps. Aber andere Mannschaftskollegen spornen mich auch an und geben mir Tipps. supporters news: Musstest du nach Weihnachten viel trainieren? Maxi Beister: Ich habe einen Trainings- und Ernährungsplan, den ich einhalten muss. supporters news: Kannst du noch unerkannt durch die Stadt gehen? Maxi Beister: Ja, in Hamburg, in Lüneburg werde ich oft erkannt. supporters news: Bist du schon viele Autogrammkarten losgeworden? Maxi Beister: Ja, über 1.000 Stück. Hauptabnehmer ist mein Vater, der oft gefragt wird, ob er welche besorgen kann. supporters news: Vielen Dank für das Gespräch, Maxi! Wir wünschen dir alles Gute für die Zukunft, in der Hauptsache aber Gesundheit! Trotzdem drücken wir dir die Daumen für eine schöne Profi-Karriere! Wie im Fluge vergingen dann fast zwei Stunden. Wir haben Maxi als einen tollen Jungen kennengelernt, der uns offen und ehrlich alle Fragen ausführlich beantwortete und wünschen ihm den baldigen Durchbruch. Die HSVFreunde Vøgelsen drücken ihm ganz fest die Daumen. NUR DER HSV!

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ach der Eröffnungsfeier und dem Einmarsch der Mannschaften ging es auch bald mit dem ersten Gruppenspiel los. Die Gruppenphase und somit auch das ganze Turnier wurde mit dem Spiel des FC Schalke 04 gegen den FC Bayern München eröffnet. Es ging nach einem spannenden Fight 2:1 für den FC Bayern aus. Ein weiteres Highlight war das zweite Spiel der Gruppe A, HSV gegen die Borussia aus Dortmund. Nach der 1:0 Führung des HSV gaben die Hanseaten das Spiel jedoch aus der Hand und verloren mit 4:1. Jedoch erreichten die Hamburger noch das Viertelfinale mit zwei Siegen gegen Bayern und Schalke. In der Gruppe B ging es ähnlich heiß her wie in der Hammer-Gruppe A. Dort kam der zweite Hamburger Verein souverän ins Viertelfinale. Zweiter im Bunde war der 1. FC Magdeburg. Die Mannschaft, die am meisten enttäuschte, war Werder Bremen, die nicht nur in ihrer Gruppe mit null Punkten die schlechteste Mannschaft gewesen war. Sie war dazu die schwächste Mannschaft des gesamten Turniers. In der dritten und letzten Gruppe, der Gruppe C, setzte sich der amtierende Deutsche Meister VfL Wolfsburg gekonnt mit drei Siegen durch, Zweiter wurde Eintracht Frankfurt. Die Gruppendritten mussten jedoch noch zittern, da die besten zwei von ihnen auch ins

Viertelfinale gekommen waren. Die beiden besten Drittplatzierten waren Hertha BSC Berlin und der FC Bayern München. Der bayrische Verein musste in der Runde der letzten Acht gegen seinen schärfsten Konkurrenten aus dem Ruhrpott ran und verlor das Spiel klar mit 1:4. Mit dem zweiten Viertelfinale stand ein kleines Lokalderby an, bei dem sich der 1. FC Magdeburg mit dem VfL Wolfsburg duellierte. Diese Partie endete mit einem 3:2 n.N. für Magdeburg. Hertha BSC versus Eintracht Frankfurt war das dritte Viertelfinale, welches ebenso ausging, nur ohne Neunmeterschießen. Das Spiel gewann die Eintracht. Das letzte Viertelfinale war noch mal ein richtiges Stadtderby, denn der HSV musste gegen den FC St. Pauli ran. An Spannung war dieses Spiel kaum zu überbieten, da die Paulianer in der letzten Minute das 2:1 verwandelten. Jedoch schaffte der HSV doch noch den Ausgleich. So ging es ins Neunmeterschießen, welches der HSV dann verlor. Der FC St. Pauli gewann 3:2. Somit standen die Halbfinals fest: Dortmund spielte im ersten gegen den FCM und gewann dieses Spiel mit 3:2. Den Finalgegner Dortmunds spielten Frankfurt und St. Pauli aus. Frankfurt nahm auch diese Hürde und machte das Rennen mit 3:2 n.N. Das Finale, der BVB gegen Frankfurt, endete klar mit einem 3:1 für Dortmund. So stand der Sieger des ersten Bismarker Fanmasters fest!

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Jubiläumsparty in Celle „B Blau – Weiß – Schwarze Mega Night“ Text Daniel Eglite · Foto OFC „Die Blauen Celler“

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m 10. Oktober 2009 stieg in der Celler CD-Kaserne die Jubiläumsparty vom HSV-Fanclub „Die Blauen Celler“, der sein 15jähriges Jubiläum zusammen mit den Freunden von „Rautengeil Fallingbostel“ feierte, die 7,5 Jahre alt wurden. Gegen Mittag trafen sich rund 20 Rautengeile und Blaue Celler, deren langjährige gute Zusammenarbeit Anlass für eine gemeinsame Party war, um die Räumlichkeiten in der CDKaserne zu schmücken. Luftballons mussten aufgepustet werden, zig Fähnchen und Girlanden wurden an allen möglichen Ecken befestigt; und, natürlich, wurden die Banner der beiden Fanclubs gut sichtbar aufgehängt. Im Foyer wurden die Verkaufsstände eingerichtet und die Bands trudelten auch langsam ein … Während die meisten Helfer nach Hause fuhren, um ein bisschen Augenpflege zu betreiben, blieb der Hauptorganisator Thorsten Sühring (Thorti) vor Ort, empfing die Bands und sorgte dafür, dass alle ihre Hotels fanden. Bevor dieser Bericht zur eigentlichen Party kommt, möchte ich noch kurz auf die grandiose Leistung von Thorti hinweisen: „Ein paar Stunden geile Party“aber umgerechnet in Vorbereitungszeit = etliche Monate. Thorti hat sich wirklich den Arsch aufgerissen! Von der Grundidee, Sicherung der Location, Werbung, Bands, Security, über die Einteilung diverser Helfer und die Beachtung unendlich vieler Auflagen … Er hat eine wirklich geile Party organisiert und dafür gebührt ihm der Dank aller Anwesenden und der Bands! DANKE THORTI! Wenn mein Sohn nicht knapp 4 Wochen zu früh gekommen wäre, hätte ich den Beginn der Party wohl im Kreissaal erlebt … Naja, also nicht wirklich miterlebt … Aber es kam alles anders: Luis hatte es eilig, siegte unser HSV doch am 12.09.09 mit 3:1 gegen den VfB Stuttgart … „Das muss ich sehen!“, wird er sich gedacht haben und am nächsten Tag war er da. Die Party begann also mit mir am Start und Musik vom Plattenteller. Bevor die „Hamburger Jungz“ die Bühne rocken sollten, begrüßten die Präsidenten der Fanclubs Thorti und Fiddy die Gäste und wünschten allen viel Spaß. Dazu stießen Rene Koch

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und „Uns“ Hermann Rieger. Die hatten originelle Geschenke dabei: Die jubilierenden Fanclubs bekamen je ein gerahmtes Bild mit den HSV Mannschaftsfotos, welche seit den jeweiligen Gründungstagen auf dem Platz standen. Ein cooles Geschenk, anzusehen, wie auch diverse andere Fotos, auf: http://dieblauenceller.jimdo.com/fotos. Dann war es endlich soweit: Die Hamburger Jungz erklommen die Bühne und rockten die CD–Kaserne. Feinster Deutschrock, einprägsame Texte, Hamburger Liedgut zum Mitsingen. Die Menge war begeistert und feierte die Jungz aus der schönsten Stadt der Welt. Als kleine Zugabe wurden zwischendurch noch drei Lieder der „Lieben Tanten“ gespielt. Es wird wohl keinen deutschen Fußballfan geben, der den Text von „Mexico“ nicht kennt. Mit Drummer Sven hatte ich eine kleine Abmachung getroffen: Thorti wurde auf die Bühne geholt und mit einem Applaus für seine Arbeit geehrt! Musik vom Plattenteller überbrückte dann die Umbauphase auf der Bühne. Im Raucherbereich sah man verschwitzte, aber rundum zufriedene HSVer, denen der Auftritt der Jungz ganz schön die Puste geraubt hatte. Aber lange durchatmen konnte man nicht, denn nach dem rockigen Teil des Abends sollten die Freunde von schnellem Pogo zum Zuge kommen. Abschlach! betraten

die Bühne und legten auch gleich mächtig los. Die Menge tobte und die bekannten Gesichter aus der „Pogo Tanzgruppe“ sorgten für reichlich Bewegung vor der Bühne. Neben den zahlreichen Ohrwürmern von Abschlach!, welche für lautstarkes Mitsingen sorgten, gab es noch einen nicht so angenehmen und doch schönen Moment: Der in HSV-Kreisen bekannte Ole „Olinger“ Körner verstarb wenige Tage vor der Party. Da auch die Blauen Celler mit Andree „Psycho“ Zühlke und Dirk „Zoni“ Markgraf zwei gute Freunde verloren hatten, schlug Herr Wendt einen englischen Brauch vor, wo anstatt einer Schweigeminute rhythmisch in die Hände geklatscht wird. Er begann, immer mehr stiegen ein und dann klatschte der ganze Saal. Vielen Weggefährten der verstorbenen stand das Wasser in den Augen. Ein wirklich sehr ergreifender Moment. Abschlach! spielten dann noch ein paar Titel, bevor der DJ dann bis zum Ende der Party vom Plattenteller aus für Stimmung sorgte. Wir sind sehr froh, zwei nicht zu vergleichende Bands auf der Bühne gehabt zu haben, die auf jeweils ihre eigene Art und Weise für geile Stimmung gesorgt haben. Auch die Bands waren begeistert von der Organisation und der Location … Beide haben mitgeteilt, dass sie gerne wieder nach Celle kommen würden. Da geht noch was! supporters news


Das perfekte Geschenk f端r jeden HSVer


Lesestoff für den Fan Nach vorne! Text Ingo Thiel

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ie „Torwort“-Lesungen, die vor sechs Jahren von Sascha Theisen in Köln begonnen wurden, bringen ehemalige und aktive Stars, Trainer und Funktionäre, aber auch schreibende Fußballfans ans Mikrofon. Sie sind unter Fußballverrückten zum Kult geworden und im Buch findet man die Stücke, die von den Zuhörern am witzigsten und unterhaltsamsten empfunden wurden. Der unverbesserliche Glaube an die eigene Mannschaft, pathetische Abgesänge auf Stadionuhren und Stehränge, betrunkene Vorstopper in der Kreisklasse, erwachsene Panini-Dealer auf Schul-

höfen, Fußball-Girlies und Vereinsmaskottchen, die den gegnerischen Trainer per Grätsche ausschalten – das Buch ist so vielschichtig, pathetisch, launisch wie der Fußball selbst und dabei immer voller Leidenschaft. Fußball-Fans sind immer auch Abhängige, die (Sehn-)Sucht treibt sie zu kuriosesten Blüten, nur um den eigenen Stars nahe zu sein. Schön dargestellt vom Herausgeber selbst, der seine Hörigkeit zum ziemlich limitierten Aachener Stürmer Mario Krohm zwar erkennt, aber trotzdem zelebriert. Wunderbar auch der Vater, der Karl-Heinz Rummenigge zusammenfaltet,

weil der dem kleinen Sohnemann bei der Autogrammstunde in der örtlichen Sparkassen-Filiale kein Autogramm gibt. Und besonders schön für HSVer: die Erzählung von Axel Formeseyn, der einst mit dem Tortenschlumpf im heimischen Wohnzimmer für den einzig wahren Verein zum 2:1 gegen die verhassten Bayern traf. Das Buch liest sich wie eine Best of- Ausgabe der bekanntesten schreibenden Fußballverrückten, neben Theisen und Formeseyn sind auch Geschichten von Ben Redelings, Philipp Köster, Jens Kirschneck und Fritz Eckenga dabei – äußerst lesenswert.

Nach vorne! Sascha Theisen (Hrsg.) 160 Seiten · 9,90 Euro Verlag Die Werkstatt ISBN 978-3-89533-713-0

Aufs Maul. Und aufs Zwerchfell. Text Axel Formeseyn

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olker Keidel hat noch keinen Literaturpreis gewonnen. Dafür sieht er gut aus und war Torschützenkönig beim Hallenturnier des SV Thalkirchen.“ Mehr als diesen aussagekräftigen, vom Autor ganz sicher nicht selbst verfassten Buchklappentext brauche ich persönlich ja nicht, um glücklich zu sein. Und genau das trifft es in den Winkel: Nach seinem Erstling und gleichzeitigem Geheimtipp „Die Ersten Elf“ von 2005, legt der fränkische HSV-Fan Volker Keidel nun endlich die zweite Geschichtensammlung rund um sein nervenaufreibendes Fußballfanleben nach und das heißt nur fast sinnigerweise „Zweite Mannschaft“, weil, es ist sicher kein Reservegeschichtenteam, das sich hier versammelt. Es ist ein echter Glücklichmacher. Volker Keidel schafft es mit seinen erneut fünfzehn Kurzgeschichten (elf „plus vier auf der Ersatzbank“) auch dieses Mal wieder, ein Lächeln auf die Lippen seiner Leserinnen und

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Leser zu zaubern, weil, er macht genau das, was zum Beispiel ich ja am allerliebsten mag: Er palavert nicht gestochen und geschwollen in der Gegend herum, sondern beobachtet genau und haut dann wortgewandt und mit respektablem Mutterwitz raus, was ihm rund um seine Fußball-im-Speziellen- und HSV-imBesonderen-Leidenschaft so alles passiert. Da bleibt kein Augen trocken, wenn die Frau – Bayern-Fan – und Kinder – noch formbar, weil zu jung – unter Keidels irrationaler HSV-Sucht (sagen wir doch einfach, wie es ist) leiden (ja, leiden!) müssen und Leserinnen und Leser sich dabei ’ne Kiefersperre weggrinsen, ob der wahnwitzigen und abstrusen Gedanken eines HSV-Spacken fernab von Hamburg. Ich selber zum Beispiel konnte nicht anders, als dem werten Autoren gleich eine Mail zu schreiben, nachdem seine „Zweite Mannschaft“ bei mir zu Hause als Bett- und Klolektüre aufgelaufen war. Und auch diese Mail

mag ich mal wieder nicht verheimlichen und die geht in Auszügen ungefähr so: „Buch hab ich schon mal angefangen und find ich super und meine Lieblingsanekdote ist schon jetzt die mit deinem Fußballerkollegen Fritschi und dem gegnerischen Libero und wie Fritschi von dem nach ständigem Provozieren auf die Fresse kriegt und wie der Libero dann sagt: „Und nächste Woche spielt ihr gegen Rieden. Da spielt mein Bruder. Der haut dir dann noch mal aufs Maul.“ SU-PER!“ Dass besagter Fritschi im Abschlusstraining vor dem Rieden-Spiel eine Zerrung vortäuschte, die bis zum darauf folgenden Sonntag leider nicht ausheilte, hab ich bei obiger Mail nicht mal mehr dazugeschrieben. Trotz eigener Zwerchfellzerrung. Keidel geht also dahin, wo er sich auskennt und es so richtig wehtut: In die Abgründe des Hobbyfußballs und des HSV-Fantums. Und alle Fußballfreunde im Allgemeinen und HSV-Freunde im Speziellen sprechen

richtig, wenn sie mit Keidels altem Jugendfußballweggefährten Bernd Hollerbach sprechen: „So schlecht wie Keidel früher Fußball gespielt hat, hätte ich nicht gedacht, dass er überhaupt etwas kann. Und jetzt dieses Buch auf Champions-LeagueNiveau.“ Tjaha, Holler, das sollte besonders dich nicht wundern, dass sich aus den schlimmsten Jugendsünden so manches Mal noch ganz brauchbare Karrieren entwickeln… Was ich mit dem ganzen gestochenen und geschwollenen Palaver sagen wollte: Geiles Buch. Kaufen. Und zwar im Internet unter www.urgestein-shop.de.

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Typisch Pauli.

Neues Buchprojekt

Text Axel Formeseyn

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as Jubiläumsbuch „FC St. Pauli. Das Buch. Der Verein und sein Viertel“ würdigt anlässlich des hundertsten Geburtstags die Geschichte unseres Stadtrivalen. Wir gratulieren zwangswei…, äh, pflichtbewusst. Mein Kumpel Michael ist der netteste Mensch, den man sich vorstellen kann. Er ist sogar so super, dass er, nachdem er schon mein Lieblings-Bolzpartner in Altonas Fußballkäfigen und dann auch noch Trauzeuge gewesen ist, von meiner Tochter gar persönlich als Taufpate auserkoren wurde. Michael Pahl hat nur einen, wenn auch großen Fehler, von dem Marlene nichts ahnt: Er hängt einem Verein an, … · den es in der Wahrnehmung der meisten fußballinteressierten Menschen erst seit etwas mehr als bummelig zwanzig Jahren gibt, · der sich trotzdem und trotz Wilhelm Kochs Nazi-Vergangenheit und Schnauzbart-Fußballern noch und nöcher schon seit angeblich 1910 total „non established“ fühlt, · der mehr als Totenkopf-Klamottenmarke mit auf Teufel komm raus unkonventionellen Marketingideen und angeschlossener Fußballabteilung gilt, denn als Fußballklub, · der nach neunundneunzig Jahren Krötenkick erst seit dieser Saison hin und wieder ein bisschen Fußball zu spielen pflegt, · dessen einzige sportlichen „Erfolge“ bis dato aus sporadischen Aufstiegen in die Bundesliga, einem verjährten PflichtspielDerbysieg und versprenkelten Zufallstreffern gegen Bayern bestehen und · dessen derzeitiger, umjubelter Trainer letzten Endes – wie viele seiner so treuen und alteingesessenen und lustigen Fansauch nur ein ehemaliger HSVer ist.

So viel zu einigen der bekannten Vorurteilen über Hans Pauli, Hamburgs ewige Nummer 2 – ein Jahr als Nummer 3 mal außer Acht gelassen- in Sachen Fußball. Und wo wir schon bei den Vorurteilen sind: Mehr als wir HSVer wussten viele derjenigen, die seit Jahren freiwillig zum Millerntor hinpilgern, über die Pauli-Zeit vor 1988 und dem Beginn des Wahnsinns-Medienhypes rund um unseren lange Jahre Möchtegern-Lokalrivalen auch nicht. Bis jetzt. Bis zu diesem Buch. Gemeinsam mit Christoph Nagel, mit dem er seit einigen Jahren für die Stadionzeitung „Viva St.Pauli“ schreibt, macht und tut, hat der Historiker Michael Pahl in langjähriger, akribischer Kleinarbeit ein Projekt gestemmt, das pünktlich zum bald 100-jährigen Geburtstag der so called Kiezkicker aus dem so called Freudenhaus der Regional-, Zweite- und wohl bald mal wieder Bundesliga erschienen ist und den Klub, der so unbedingt etwas Besonderes sein will und vielen von uns HSVern so oft auf die Wurst geht, zumindest literarisch schon jetzt auf Erste Liga-Niveau hievt. Jedes Jahrzehnt von 1910 bis heute stellen Nagel und Pahl liebevoll in Bildern, Geschichten und Devotionalien dar. Und ja, selbst als Anti-Sankt (ausgeschrieben haben sie das drüben gerne) Paulianer konnte ich lange (heimliche) Stunden nicht meine Augen von dem opulent bebilderten, witzig und durchaus selbstkritisch geschriebenen Buch abwenden. Nicht selten musste ich mich während der Lektüre zusammenreißen, um gewisse Passagen nicht zu geil zu finden, kam dann aber doch immer wieder „auf Kurs“. Mein Dank gilt hierbei teils entmystifizierender Geschichten u.a. über die politischen Wirrungen des Vereinspräsidenten Wilhelm Koch, Reichskriegsflaggen auf braun-weißen Fanfahnen im

1 Jahre 1990, unglaubliche Zuschauerzahlen von 5.100 Besuchern anlässlich des 75-Jahre-Jubiläumsspiels 1985 gegen Inter Mailand, Celtic und Pauli-Wimpel mit der Aufschrift „The Rebels Choice“, Uli Hoeneß im „Retter“-Shirt und immer wieder neue Imagekampagnen aus Paulis unerschöpflicher Ideenschmiede – der nur zu wünschen ist, dass sie sich nicht eines Tages kaputtlacht oder unter der Last des ewigen Metaphernzwangs zerbricht. Soviel Augenzwinkern und Draufgehaue muss und darf zum 100. Wiegenfest ja wohl sein, lieber Lokalrivale! Soll hier ja keine neue Fanfreundschaft werden, oder? (Nebenbei: Dass es in der „Hamburger Botschaft“ in der Sternstraße trotzdem neuerdings HSV vs. St. Pauli-Leseabende unter dem Motto „Lokalderby“ gibt und in Zukunft regelmäßig geben soll und dass das durchaus was mit der freundschaftlichen Pahl-Formeseyn-Autoren-Verbindung zu tun hat, sei hier dennoch schon mal am Rande erwähnt...) Was das vorliegende Buch angeht, bleibt festzuhalten, was schon meine Oma am Mittagstisch wusste: „Viel hilft viel!“ Oder, anders gesagt: Das habt ihr vom FC (und besonders du, Michael! Besonders du!) richtig gut hinbekommen. „FC St.Pauli. Das Buch“ ist ein kurzweiliges Vergnügen, auch – und gerade - als HSVer interessant zu lesen, hübsch gemacht, wenn es (mir) im Endeffekt einfach ein bisschen zu wenig Fußball- und zu sehr Viertelbuch ist, bzw. sein will. Aber das ist eben typisch Pauli. Glückwunsch trotzdem. Vor allem zum Buch.

22 Jahre HSV, das bedeutet auch 122 Jahre HSV-Zuschauerkultur. Über unseren Verein an sich gibt es zahllose Veröffentlichungen, Bücher und Dokumentationen, aber seine Fans haben noch kein eigenes Buch. Das wollen wir ändern. Wir, das sind acht langjährige HSV‘er, die sich in der Szene bewegen und im Verein auskennen. Wir waren und sind Teil der Aktivitäten rund um unseren Verein und haben uns zusammengeschlossen, um der Fanszene des HSV - von den Anfängen bis heute - die Aufmerksamkeit zuteil werden zu lassen, die ihr gebührt. Wir wollen ein Buch über euch/uns schreiben, welches die Fans in den Fokus stellt. Wir versuchen, alle Facetten und Entwicklungen darzustellen. Dabei benötigen wir eure Hilfe! Klar, wir haben Fotos und Zeitzeugenberichte, insbesondere der letzten Jahre, aber ein umfassendes Werk wie dieses ist auf alle HSV‘er angewiesen, weshalb wir euch um Mithilfe bitten. Was wir suchen? Ein paar Beispiele: Ihr seid damals dabei gewesen, als Lumpi Spörl und Andy Sassen in der Ritze versackt sind? Nehmt mit uns unverbindlich Kontakt auf! Ihr habt ein Foto von eurer Radtour zum Europapokalfinale 1977? Wollen wir haben! Euer Opa erzählt euch heute noch, wie das damals bei den Meisterschaftsfeiern in den Zwanzigern war? Ladet uns zu ihm zum Kaffee ein! Wir suchen einfach alles, was kuriose Geschichten und Bilder angeht. Insbesondere sind wir an Geschichten und Fotos älterer HSV‘er interessiert, die uns beschreiben können, wie es „damals“ war, also in den Jahren vor 1990. Denn wie Ihr euch denken könnt, ist die Recherche hier besonders schwierig. Bilder von euren Kutten, Fan-Club-Aufnähern, Fan-Club- und Fan- Fahnen, Bilder von West und Ostkurven – Atmosphäre sowie Bilder von Fahrten zu Heim- und Auswärtsspielen. Wir zählen auf euch, damit wir ein Buch über euch, uns und allen Fans des HSV machen können. Schickt uns Bilder, Geschichten und Tipps zu Gesprächspartnern einfach an Hamburger Schriftmanufaktur Postfach 500601 · 22706 Hamburg oder per Email an info@hamburger-schriftmanufaktur.de Das Vorhaben wird befürwortet von CFHH, Poptown, p , Supporters pp Club und dem HSV Museum. Der Vereinsvorstand kennt das Buchprojekt und steht dem aufgeschlossen gegenüber.

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Auf die Ohren Bootstroke – Football, Drinks & Rock’n Roll Text Philipp Markhardt

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ootstroke aus Athen sind dem einen oder anderen vielleicht von den Fußball-Samplern „Diffidati con noi“ oder „Kick it with boots“ bekannt. Jetzt hat die Skinhead-Combo aus Athen ihr neues Album mit dem unmissverständlichen Titel „Football, Drinks & Rock’n Roll“ auf den Markt gebracht, das insgesamt zehn OiPunk-Titel im typischen BootstrokeSound enthält: schnell, laut, melo-

disch untermalt mit der typischen Grölstimme eines Fußballfans. Erinnert irgendwie ein wenig an Willi Wucher von „Pöbel und Gesocks“, nur dass der weniger über Fußball singt. Denn darum geht es hauptsächlich bei den Titeln dieser Scheibe, wovon mir als erstes die Songs „Football, Drinks & Rock’n Roll sowie „Ena goal“ auffielen. Letzteres sorgte übrigens schon auf dem „Diffidati con noi“ Sampler für

Begeisterung. Die Platte ist eigentlich rundum gelungen und ein absoluter Pflichtkauf für Fußballfans und Skinheads. Nur eines solltet ihr nicht erwarten: mitgrölen zu k��nnen. Denn die meisten Titel der Band, die A.E.K. supportet, sind auf Griechisch gesungen. Trotzdem: gelungener Soundtrack für die nächste Auswärtsfahrt.

„Heimspiel“ – Johann-Janssen-Band Text Andreas Kloß

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eit 2008 gibt es die JohannJanssen-Band in Emden, die sich dem deutschsprachigen Punkrock verschrieben hat. Ende Juli 2009 wurde die erste Maxi-CD „Heimspiel“ veröffentlicht und passend dazu traten die Jungs bei der Saisoneröffnungsfeier des Supporters Clubs im Rieckhof in Harburg auf. Vier Songs wurden auf dieser Maxi veröffentlicht und vor allem der me-

lodiöse Titelsong „Heimspiel“ wird zum Ohrwurm. Er beschreibt den Besuch eines Heimspiels des HSV, was dann auch den Supporters Club veranlasste, die Jungs bei ihrer CD zu unterstützen und die CD über den Supporters Shop zu vertreiben. Die restlichen Songs sind Punkrock pur und hauen gut rein, „dirty and elite punkrock“ eben, wie es die Band selbst sehr passend beschreibt.

Derzeit arbeitet die Band an ihrem ersten kompletten Album, welches Ende April in den Handel kommen wird. Man darf also gespannt sein, wie es mit der Johann-JanssenBand weitergeht! Verlag: new music distribution Infos: www.johann-janssen-band.de Bezug: www.hsv-sc.de

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NEUE RUBRIK

Hier ist Platz für Kontaktanzeigen, Gesuche, Angebote, Grüße, Dankeschöns, Wünsche, Sprüche des Monats, Witze … Aufl agen: Maximal 25 Wörter, keine kommerzielle Werbung, keine Beleidigungen Kontakt: liebnau.ulie@web.de

+ + + Vom Fan-Treffen mit der Kanadischen Rockband Nickelback am 01.02.2010 in der Colorline-Arena - selbstverständlich stilecht im HSVDress. Liebe Grüße aus Ihlow (Ostfriesland), Euer Michael Meyer + + + Der HSV-Fanclub „Die Blauen Celler“ bedankt sich bei allen Mitwirkenden und Besuchern der „Blau - Weiß - Schwarzen Mega Night“ in Celle anlässlich ihres 15jährigen Jubiläums! + + + Bierverkäufer-Fahne Nichts gegen Bierfahnen, aber die Werbefahnen der Bierverkäufer während des Spiels nehmen die Sicht. Besonders, wenn die Kunden lange nach Geld kramen. (Kersten) + + + Bisher verweigert die Polizei (auch die Ordner) eine Kennzeichnung mit Nummern zu ihrer Identifizierung. Seien wir vorbildlich und kleben unsere Mitgliedsnummern auf unsere Jacken! + + + Altenheim – Einen eigenen Friedhof haben wir, ein Altenheim noch nicht. Wie wär‘s mit der „Residenz Raute“ mit Blick auf unser Volksparkstadion? + + + Weisheiten von Ehemaligen: „Wenn wir alle schlagen, können wir es schaffen.“ (Horst Hrubesch) + + + „Man hat bei uns das Gefühl, einer schießt und die anderen drücken die Daumen.“ ( Richard Golz) + + + „Wir werden nur noch Einzelgespräche führen, damit sich keiner verletzt.“ (Frank Pagelsdorf) + + + „Ich habe noch nie eine große Rede gehalten. Ich habe immer gesagt, was mir gerade eingefallen ist.“ (Franz Beckenbauer) + + +

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Regel-Quiz Knifflige Situationen für Schiedsrichter Text Schiedsrichter Bodo Scheuing · Foto Witters

1.

Situation: Innerhalb des Strafraumes bringt der Torwart einen frei auf das Tor laufenden Spieler unsportlich zu Fall, so dass dieser nicht zum Abschluss kommt. Am Boden liegend tritt er unkontrolliert den Ball in Richtung Tor, SR lässt das Spiel kurzzeitig laufen. Ein Verteidiger „kratzt“ den Ball von der Linie. Und jetzt?

2.

Situation: Während eines Einwurfes verkürzt der Gegenspieler den Abstand auf ca. einen Meter zum Werfer. Der Ball kommt in das Spiel bevor der SR eingreifen kann. Der Werfer fühlt sich behindert. Was macht der SR?

3.

Situation: Es gibt einen indirekten Freistoß innerhalb des Strafraumes. Ein Spieler berührt den Ball, der sich nur Millimeter bewegt. Ein Mitspieler schießt den Ball in das Tor. Alles richtig?

4. 5.

Situation: Einige Spieler tragen Schmuck und haben diesen sorgfältig und dick mit Klebeband abgedeckt. Alles O.K.? nach Zustimmung des SR wieder auf das Feld vom Feld, den Schmuck entfernen und darf erst

TOR! Es genügt, wenn der Ball berührt wird

von Spielern an sich nehmen. Der Spieler muss

… zur 3. Situation:

Der SR sollte keine persönlichen Gegenstände 2-Meter Abstand zu halten.

… zur 7. Situation:

Unsportlichkeit vorliegt. Beim Einwurf ist ein Tatort dort ist, wo der Spieler getroffen wurde.

stoß für die einwerfende Mannschaft, da eine

Rote Karte gegen TW. Strafstoß (Elfer), da der

GELB gegen den Gegenspieler. Indirekter Frei-

… zur 6. Situation:

… zur 2. Situation:

rekter Freistoß aus dem Torraum für den Gegner.

es gibt einen Strafstoß (Elfer).

Feld, darf das Tor nicht anerkannt werden. Indi-

erreichbar war, muss er mit ROT vom Platz und

selter Spieler, Team-Offizieller, Trainer auf dem

Pfiff zu praktizieren. Da der Ball vom TW nicht

ein zusätzlicher Auswechselspieler, ausgewech-

Torlinie geholt werden. Hier ist der verzögerte

Befindet sich zum Zeitpunkt eines Torerfolges z. B.

dert und unkontrolliert) kann der Ball von der

… zur 5. Situation:

genommen. Durch das Weiterspielen (behinzu Fall, dadurch wird ihm eine klare Torchance

Schmuck tragen (Uhr ausgenommen)!

Durch das Foul vom TW kommt der Angreifer

nicht erlaubt. Anmerkung: Auch SR dürfen keinen

… zur 1. Situation:

Das Abdecken von Schmuck mit Klebeband ist Entscheidung …

… zur 4. Situation:

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(Kontrolle durch SR).

7.

Situation: Alle Spieler werden vor dem Spiel vom SR aufgefordert, ihren Schmuck abzulegen, da das Tragen eines solchen nicht erlaubt ist. Während einer kurzen Spielunterbrechung, sieht der SR bei einem Spieler eine Halskette und bittet ihn, diese abzunehmen und ihm (SR) bis zur Pause zur Verwahrung zu geben. Oha!

und dann von einem Mitspieler in das Tor ge-

6.

Situation: Während des Spieles befindet sich der TW außerhalb des Strafraumes. Nach einer verbalen Auseinandersetzung wirft er einen TW-Handschuh einem Gegenspieler an den Kopf. Dieser steht im Strafraum. Klare Sache?

treten wird.

Situation: Nach einem Torerfolg stellt der SR fest, dass sich von der das Tor erzielten Mannschaft ein Auswechselspieler auf dem Spielfeld befand. Wie, was jetzt?

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Leserbriefe Wir freuen uns über jeden Leserbrief – besonders dann, wenn er sich auf Beiträge in den supporters news bezieht. Kürzungen – markiert durch (…) – müssen wir uns aber vorbehalten. Dabei bemühen wir uns, die wesentlichen Aussagen nicht zu verfälschen.

Kein Einzelfall auf der Osttribüne

Ärger …

von Thomas Bethke

von Axel Formeseyn

Liebe Supporters, wenn ich die supporters news lese, entsteht bei mir häufig der Eindruck, dass es die echten Fans nur in der Nordkurve gibt und auf der Osttribüne nur Pfeffersäcke hinter Glasscheiben sitzen, denen das HSV-Spiel kaum wichtig ist. Ich bin bekennender HSV-Fan und sitze – wenn ich im Stadion bin – auf der Osttribüne auf einem Business-Seat, den ich zum Wohle des HSV teuer bezahle. Ich mag es heute halt gern etwas bequemer und genieße die Zeit im Stadion mit Freunden. Und trotzdem bin ich heute noch genauso HSV-Fan wie damals, als ich mit selbst genähter HSV-Fahne jahrelang in der Westkurve im Block E stand. Dort habe ich unter anderem am 23.04.1980 den legendären 5:1-Sieg im Europapokalspiel gegen Real Madrid live miterleben dürfen. Später habe ich ca. 10 Jahre mit Dauerkarte im Block L in der alten Ostkurve (ohne Dach) gestanden. Damals konnten wir HSV-Fans uns im Stadion noch mit Handschlag begrüßen. So erinnere ich mich an ein Bundesliga-Spiel gegen Wald-

hof Mannheim im Februar bei Schneesturm und 6.000 Zuschauern. Wir haben uns den in Thermoskannen mitgebrachten Tee geteilt, weil es so extrem kalt und nass war. Heute leide ich bei HSV-Niederlagen noch genauso wie damals, auch wenn ich auf einem Business-Seat sitze. Und bei Hamburg meine Perle läuft mir jedes Mal die Gänsehaut über den Rücken. Ich bin sicher, da unterscheidet mich von den Fans in der Nordkurve gar nichts. Und die Botschaft an die Nordkurve, ich bin kein Einzelfall auf der Osttribüne! Das geht dort fast allen Besuchern so, egal ob vor oder hinter den Glasscheiben. Liebe Supporters, eines vereint uns doch alle, die Begeisterung und Leidenschaft für den HSV. Egal, wo wir im Stadion stehen oder sitzen. Das sollten wir bitte alle niemals vergessen.

Axel Formeseyn ärgert sich maßlos über die Nr.99 seines ansonsten Leib- und Magenblattes „11Freunde“ und die Behauptung, die Feindschaft zwischen HSV und St.Pauli wäre politisch begründet. Die Hamburgischen Grenzen verlaufen nicht zwischen rechts und links, sondern zwischen geil und ungeil, liebe „11Freunde“! Grrr!

Mit freundlichen Grüßen Thomas Bethke

„Jugend zurückgegeben“ von Dieter Blümel Liebe Freunde des HSV und des Supporters Club, Ich finde es toll, dass ihr in der letzten Ausgabe der Supporters News die alte Zeit noch einmal habt aufleben lassen. Ihr habt mir für einen Moment ein Stück meiner Jugend zurückgegeben. Als ich den Eisverkäufer auf dem Titelbild der neuen Supporters News sah, traute ich meinen Augen nicht: Es ist genau dieser Mann, der in jedem Heimspiel mit seinem Bauchladen durch die Blöcke der Westkurve turnte und Eis verkaufte. Dieser Eisverkäufer gehörte genau so zur Westkurve wie der berühmte Block „E“. Ich habe in meiner Kindheit oft in diesem Block gestanden, denn wenn man dazu gehören wollte, musste man einfach in diesen heiligen Block „E“. Karten waren immer sehr schwer zu bekommen, meistens haben wir dann

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den Block F genommen, um dann die Karten am Zaun von Block E+F zu tauschen, so kamen wir halt immer irgendwie in den heiligen Block „E“. Ich habe euren Artikel genossen, es war damals wirklich alles so wie beschrieben und es gab einen Fan-Club, vor dem alle Respekt hatten, das waren „Die Löwen“. Die hatten das Sagen im Block. Ich weiß gar nicht, ob es die Löwen heute noch gibt. Es stimmt auch, dass die Westkurve die Heimat aller echten HSV-Fans war. Das Wetter spielte nie eine Rolle. Ob es regnete, stürmte oder schneite, wir waren immer da und peitschten unseren HSV nach vorn! Ich glaube, dass man sich früher viel mehr mit der Mannschaft identifizieren konnte. Denn meine Helden waren: Hrubesch, Kaltz, Buljan, Keegan,

Jacobs, Stein usw. Die spielten mehrere Jahre zusammen. Da wurde nicht zur Winterpause die halbe Mannschaft verkauft! Damals hatten die Spieler viel mehr Zeit, um in eine Mannschaft zu finden. Kevin Keegan brauchte beispielsweise fast 2 Jahre und wurde dann zum Weltfußballer. Heute gilt ein Spieler doch schon als Fehleinkauf, wenn er in seinen ersten drei Spielen nicht gut spielt. Von den Ablösesummen ganz zu schweigen. Übrigens habe ich noch Stadion-Zeitungen von damals und alle Eintrittskarten - auch die mit dem „E“ drauf! Noch einmal Danke! Außerdem gilt damals wie heute: NUR DER HSV!! Mit schwarz-weiß-blauen Grüßen Dieter Blümel aus Tönning supporters news


Aus aller Welt … Grüße an den SC

Matthias Müller und seine Frau Sun Young Kwon grüßen vom Gletscher Perito Moreno, im Südwesten Argentiniens.

Dustin Vent ist am 01.12.2009 geboren und seit diesem Tag auch Mitglied im Supporters Club.

Grüße von Kay Dillenberger aus New York. Ausgabe 62

Über den Wolken … NUR DER HSV! Helge, Chrisi, Psycho, Totta, Basti, Nadine, Michaela und Sven

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Die wichtige Seite Supporters Club · Tickets · Mitgliederwerbung · Fan-Shops · etc. Auf dieser Seite findet ihr alle wichtigen Informationen rund um den Hamburger Sport-Verein e.V. Sollten dennoch Fragen auftauchen, so wendet euch bitte direkt an den HSV unter 040/4155-1500 oder Supporters@hsv.de.

Supporters Club Ihr erreicht uns wie folgt: Hamburger SportVerein e.V., Supporters Club, Sylvesterallee 7, 22525 Hamburg Tel.: 040/4155-1500, Fax: 040/4155-1510, Mail: supporters@hsv.de. 24 Stunden Infoline: 040/4155-1530 unter dieser Nummer könnt Ihr rund um die Uhr, alle aktuellen Informationen über die Aktivitäten des Supporters Club abhören. SC Stand: Der Stand befindet sich in der Ebene 4 der Nordtribüne. Er ist an Heimspieltagen bis 15 Minuten vor Anpfiff und nach dem Spiel geöffnet. Hier könnt Ihr Euch mit Fahr-und Eintrittskarten für Auswärtsspiele sowie SC-Merchandisingprodukten eindecken. Öffentliche Infoveranstaltung der Abteilungsleitung Diese findet an jedem ersten Dienstag im Monat im Fanhaus statt. Jeder ist herzlich eingeladen, vorbeizuschauen und zuzuhören oder auch mit zu diskutieren. Das Fanhaus befindet sich in der Stresemannstrasse 162, 22769 Hamburg; Beginn ist 19 Uhr. Themen und eventuelle Änderungen sind auf www.hsv-sc.de zu finden.

Ticketservice Heimspielkarten können über die HSV Bestellservice-Hotline unter 01805/478478, im Internet unter www.hsv.de oder in einem der HSV-Fanshops gekauft werden. Am SC-Stand gibt es keine Heimspielkarten. Auswärtstickets und –fahrten Können im Internet unter www.hsv-shopping. de, in den HSV-Fanshops und an Spieltagen am SC-Stand gekauft werden. HSV-Museum/Stadionführungen Der Supporters Club ist der größte Sponsor des HSV-Museums, welches seit dem 07.02.04 seine Pforten geöffnet hat. Das Museum befindet sich neben dem Restaurant „Die Raute“ im Nord-Ost-Bereich des Stadions. Die Öffnungszeiten des Museums sind täglich von 10 bis 20 Uhr*. Stadionführungen** finden täglich statt. Mitglieder erhalten auch hier einen Rabatt. Für Gruppen gibt es auf Anfrage auch Sondertarife und Führungen zu anderen Zeiten. Weitere Informationen gibt es telefonisch unter 040/4155-1550 oder www.hsv-museum.de. *Bei Heimspielen ist der Zutritt ab 2 Stunden vor Spielbeginn nur mit Eintrittskarte für das Spiel möglich.

Mitgliederwesen Auch du kannst als Mitglied aktiv werden und Mitglieder werben. Vielleicht befindet sich ja auch in deinem Bekanntenkreis noch der ein oder andere HSVer, der noch kein Mitglied ist. Damit deine Mühen nicht umsonst sind, belohnen wir alle aktiven Werber natürlich auch. Gewinne der Mitgliederwerbung findest du unter www.hsv.de. Fanshops HSV Arena Store (im Stadion), Sylvesterallee 7, 22525 Hamburg, Mo.-Sa. 10-18 Uhr, Sa. bei Heimspielen: 10-12 Uhr und 13.30-18.30 Uhr HSV City Store (Innenstadt), Schmiedestr. 2, 20095 Hamburg, Mo.-Fr. 10-19 Uhr, Sa. 10-16 Uhr HSV Fan Shop (Herold Center), Berliner Allee 34a, 22850 Norderstedt, Mo.-Sa. 9.30-20.00 Uhr An dieser Stelle noch eine Bitte Bei Umzug, Namens-oder Bankverbindungsänderungen bitte auch an uns und die eigene Mitgliedschaft im Hamburger Sport-Verein e.V. denken. Bitte eine kurze Notiz per Post, Mail oder Telefon an uns. Nur so können wir gewährleisten, dass auch in Zukunft alle Informationen bei Euch ankommen.

**An Spieltagen oder anderen Veranstaltungstagen ent-

Öffentliche Infoveranstaltung des Seniorenrates Der Seniorenrat veranstaltet an jedem ersten Montag im Monat eine öffentliche Versammlung. Die Versammlung findet im Grand Hotel Elysee statt und beginnt um 19 Uhr. Onlinestore Unter www.hsv-shopping.de könnt Ihr neben aller Art von Karten und Fahrten für Auswärtsspiele auch jederzeit Merchandisingartikel aus der Supporters Kollektion bestellen.

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fallen die Stadionführungen, Näheres erfährst Du unter der obigen Telefonnummer.

OFC-Gründungen Alle interessierte HSV-Fans, die mit dem Gedanken spielen, einen offiziellen HSV-Fanclub zu gründen oder Ihren bereits existierenden Fanclub bei uns registrieren lassen wollen, finden alle Informationen unter www.hsv-ofc. de. Bei Rückfragen wendet Euch bitte an René Koch, zu erreichen unter 040/4155-1505 oder rene.koch@hsv.de. Auch eine Unterstützung vor Ort ist möglich.

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Rund um den HSV Alle folgenden Informationen beziehen sich auf den Stand vom 01. April 2010 Mitglieder im HSV: Davon im HSV Supporters Club:

67.950 52.650

Hauptamtliche Mitarbeiter: (Abteilung Fördernde Mitglieder) Ehrenamtliche Mitarbeiter/Aushilfen: (Abteilung Fördernde Mitglieder)

15

300

Ehrenamtliche Abteilungsleitung: (Abteilung Fördernde Mitglieder)

5

Vorstandsmitglieder: Bernd Hoffmann (Vorsitzender) Katja Kraus (stellv. Vorsitzende) Oliver Scheel Das Vorstandsmitglied für die Belange der Mitglieder, Oliver Scheel, wird durch die Mitgliederversammlung gewählt. Aufsichtsrat: Horst Becker (Vorsitzender) Alexander Otto (stellv. Vorsitzender) Eckart Westphalen (stellv. Vorsitzender · Delegierter der Amateure) Sergej Barbarez Peter Becker Prof. Dr. Jörg Debatin Bernd Enge Björn Floberg Thiel (Delegierter der Förderer) Ian Kiru Karan Gerd Krug (Delegierter der Senioren) Ernst-Otto Rieckhoff (Delegierter HSV Ochsenzoll-Norderstedt) Ronald Wulff Bis auf die vier delegierten Aufsichtsräte, die von ihren jeweiligen Abteilungen gewählt und nominiert werden, werden alle anderen Aufsichtsräte durch die Mitgliederversammlung gewählt. Internetadresse: Öffnungszeiten:

www.hsv-sc.de Montag – Donnerstag von 9–18 Uhr Freitags von 9–17 Uhr (Abteilung Fördernde Mitglieder)

Büroräumlichkeiten: Stadion, Geschäftsstelle Nord, Eingang Nord-West (Abteilung Fördernde Mitglieder)

Netztipps … Hier surfen HSVer HSV

www.hsv.de

HSV Supporters Club

www.hsv-sc.de

Offizielle Fanclubs

www.hsv-ofc.de

Supporters Treffs

www.supporters-treff.de

Kids Club

www.hsv-kids.de

Museum

www.hsv-museum.de

Fanprojekt

www.hsv-fanprojekt.de

Amateurfußball

www.hsv-amateurfussball.de

Badminton

www.hsv-badminton.de

Baseball

www.hsv-baseball.de

Boxen

www.hsv-boxen.de

Dart

www.hsv-dart.de

Cricket

www.hsv-cricket.de

Eishockey

www.hsv-eishockey.de

Eishockey Frauen

www.hsv-eishockeyfrauen.de

Eishockey Nachwuchs

www.hsv-eishockey-nachwuchs.de

Frauenfußball

www.hsv-frauen.de

Golf

www.hsv-golf.de

Handball

www.hsvhandball.de

Handball 3. Herren

www.hsv-handball-amateure.de

Hockey

www.hsv-hockey.de

HSV III

http.//hsv3.fuppers.de

Inline-Hockey

www.hsv-inlinehockey.de

Karate

www.hsv-karate.de

Leichtathletik

www.hsv-la.de

Rollstuhlsport

www.hsv-rollstuhlsport.de

Rugby

www.hsv-rugby.de

Schwimmen

www.sg-hamburg-west.de

Supporters Direct

www.supporters-direct.org

Tanzen

www.hsv-tanzsport.de

Tanzssport Norderstedt

www.hsv-tanzsport-norderstedt.de

Tennis

www.tennis-im-hsv.de

Tischtennis

www.hsv-tischtennis.de

Unsere Kurve

www.unserekurve.de

FSI

www.footballsupportersinternational.com

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Exklusives Kurz-Interview

Impressum

Diesmal mit Herrn Blind

Abteilungsleitung Ralf Bednarek Jens Wagner Christian Bieberstein Andreas Kloß Volker Knut

Text Ulie Liebnau · Foto Witters

p.A. HSV, Sylvesterallee 7, 22525 Hamburg HSV supporters news, Sylvesterallee 7, 22525 Hamburg Telefon: 040/4155-1500, Fax: 040/4155-1510 Herausgeber HSV Supporters Club, Sylvesterallee 7, 22525 Hamburg im Selbstverlag Bezugspreis 2 Euro Erscheinungsweise vierteljährlich V.i.s.d.P. Ralf Bednarek, p.A. supporters news, Sylvesterallee 7, 22525 Hamburg Auflage Nr. 62 55.000 Exemplare

supporters news: Herr Blind, warum haben Sie als Präsident von Hangover beim DFB-Schiedsgericht gegen die 50+1-Regel geklagt? Herr Blind: Also, äh, wir wollen ganz nach oben. Da brauchen wir so einen potenten Retter aus Dubai oder Kasachstan.

supporters news: Und wenn Sie wie jetzt ganz unten sind? Herr Blind: Dann sind die natürlich … äh … weg. Oder? supporters news: Vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch.

Auf dem Weg zur Meisterschaft … Gedichte Eilu Anders

Angriff RRost Ro ostt unser unse un nseer To TTorwart orw rwar art kurzärmelig kurz ku rzär rz ärme är ärme mellilig bei beei Frost Fros Fr ostt os Abschlag die A Ab bsc schl hlagg üüber ber ddi be ie Mitte ie Mitt Mi tttttee Dribblings D Drib Dr ribbbl blin ings ngss vvon o RRincon on innccoon und und Trotsche Trottsc Tr s he he dann daann nn Abspiel Absspi p el e zu zu Jansen Jans Ja nsen ns eenn dann da annnn Flanke Fla lank ank nkee vors voors r Tor Toorr schon ddann da ann n TTor-Schrei oorr-S -Sch chhre rei ssc ccho h n ho dann dannnn wieder: da wieede d r: r daneben! dane da neebe ben! n n!

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Geheimtipp Montags Mont Mo ntag nt agss ag nach nach PPunktverlust na unnkt k ve verrllus ustt und uunnd Vernichtung V rnnicht Ve icchttunng im Blätterwald Blläätt tter e wa er waldd Kopfhänger beim Training Volkspark. K pfhä Ko pffhä hän äng nger ger er bbei eeiim Tr Trai a ni ai n ngg iim m Vo Volk lksp lk ksppar ark. k. Doch Dooch Jarolim, D JJar aarrol olilim, der der Kapitän: de KKaapitä pitä pi tänn: Wer´s Wer´r´ss nicht We nniich chtt im m Kopf Kop opff ha hat, t, t, hat´s h t´´s nicht ha nichtt in den nich den e Beinen. Beeiine nen. n Drum, Männer, Drrum D um, Männ M Mä ännner er, Ko Kopf Kopf p weg! weeeg! w g! g!

Drucklegung 17.03.2010 Mitgearbeitet haben diesmal Marco Anspreiksch, Ruben Backof, Ralf Bednarek, Helga Besler, Christian Bieberstein, Andreas Birnmeyer, Tamara Dwenger, Thorsten Eikmeier, Daniel Eglite, Manfred Ertel, Olaf Fink, Björn Floberg Thiel, Axel Formeseyn, Pascal Fritsch, Patrick Grützner, Andreas Kloß, Volker Knut, René Koch, Ingo Körner, Yvonne Kosian, Ulie Liebnau, Uwe Liebnau, Mike Lorenz, Philipp Markhardt, Jan Meifert, Jens Möller, Simeon Pesch, Thorsten Peters, Joachim Ranau, Claus Runge, Katrin Sattelmair, Oliver Scheel, Bodo Scheuing, Ingo Thiel, Sören Thiel, Jens Wagner Bilder von Witters Sport-Presse, Hamburger Sport-Verein e.V., HSV Supporters Club, HSV TV, HSV OFC „Die Blauen Celler“, Torben Aschendorf (für „HSV-Fans beobachten die Polizei“), Christian Bieberstein, Olaf Fink, Axel Formeseyn, Christian Gose, Oliver Meyer, Matthias Möller, Ulrike Polenz, Gabi Steinmetzer, Julia Wolf, shutterstock.com Lektorat Ulie Liebnau, Uwe Liebnau Illustrationen, Grafiken Jan Meifert, Jens Wagner Gestaltung ewert | göttling gmbh, Hannover Druck Quensen Druck+Verlag, Hildesheim Namentlich gekennzeichnete Artikel, Leserbriefe und Kommentare geben nicht unbedingt die Meinung der Abteilungsleitung des Supporters Club als Herausgeber der supporters news wieder (wirklich nicht). Die supporters news ist erhältlich im Arena Store (Sylvesterallee 7, 22525 Hamburg), im City Store (Schmiedestraße 2, 20095 Hamburg), im HSV Fan Shop (Herold Center, Berliner Allee 34a, 22850 Norderstedt) sowie bei Heimspielen beim SC-Stand in Ebene 4 der Nordtribüne. Wir bitten freundlichst um Beachtung der Anzeigen und danken allen Anzeigenkunden für ihre Treue.

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