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DIE LINDENHOF HOTELZEITU NG

9. AUSGABE

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SUITE

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HERB ST 20 1 7

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IMMER NUR LÄCHELN

IMMER NUR FAHREN

IMMER NUR TRÄUMEN

IMMER NUR ARBEITEN

Michaela Toll ist im und für den Service geboren

Familie Bolmgren ist im Urlaub 3.200 Kilometer unterwegs

Bea Stecher ist seit 15 Jahren weg von zu Hause

Chef de Rang und Azubi unterhalten sich über ihren Job

! N E U A WIR B

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WICHTIGE TERMINE

VOR UND NACH DEM UMBAU 1 DIE ÖFFNUNGSZEITEN Durch die Erweiterung des Hotels wird der Lindenhof auch wieder zum „Ganzjahres-Hotel”: 2018 beginnt die Saison am 24. März und endet erst am 8. Dezember. Auch Weihnachtsferien können Sie buchen – vom 25. Dezember bis 7. Januar ist der Lindenhof geöffnet. Das soll auch künftig so sein – wobei die Saison dann immer kurz vor Fasching beginnen wird.

2 DIE BAUPHASE LIVE Wegen der Umbauarbeiten muss der Lindenhof in diesem Jahr bereits am 5. November schließen. Trotzdem sollen die Stammgäste bestens informiert bleiben. Über facebook (Sie müssen nur Dolce Vita Hotel Lindenhof liken) und instagram (lindenhof_naturns) können Sie die Baufortschritte verfolgen. Außerdem gibt es Ende Januar/Anfang Februar eine Sonderausgabe der SUITE.

„Wer Visionen hat, muss zum Arzt“, hat mal der deutsche Altbundeskanzler Helmut Schmidt gesagt. Die Familie Nischler hat Visionen – und ist zum Architekten gegangen. Jetzt entsteht in der Zeit vom 6. November 2017 bis zum 23. März 2018 ein Hotelanbau mit komplett neuer Tiefgarage, mehr Liegeflächen und drei weiteren Gebäuden. In einem Komplex wird es Zimmer geben, die Familien in der Ferienzeit als Suiten nutzen können, im anderen finden Kinder und Jugendliche ihre eigenen, großzügigen Bereiche neben einem Grillrestaurant, und im dritten entsteht eine besondere Sauna- und Wellnesslandschaft, die mit der Sky-Sauna verbunden sein wird. Es soll nachher insgesamt fünf Schwimmbäder und drei Whirlpools für klein, jung und älter geben. „Wir können dadurch Familien mehr bieten – und Paare oder Singles werden trotzdem ihre Ruhe finden“, sagt Joachim Nischler, Chef des Dolce Vita-Hotels Lindenhof in Naturns. Der Umbau 2018, der bereits in der mit einer Beratungsgesellschaft erarbeiteten „Vision 2025“ vorgesehen war, stand bis zuletzt in Fra-

ge. Erst musste der Hotelier die Mehrheit im Gemeinderat mit überarbeiteten Plänen überzeugen, der erste Modelle wegen der Nähe zum Kriegerdenkmal unter der Linde abgelehnt hatte, dann sagten Baufirmen aus unterschiedlichsten Gründen ab. Erst am 11. August 2017, morgens um 9 Uhr, unterschrieb der Inhaber von Ramoserbau den Vertrag. Jetzt beginnen am 9. Oktober die Aushub-Arbeiten auf dem Gelände neben dem Hotel, vom 6. November an soll gebaut werden. „Wir haben durch die räumliche Erweiterung viel mehr Möglichkeiten“, sagt die LindenhofManagerin Lorella Longhitano und führt als Beispiel ein Problem an, das jedes Hotel hat, das auf Vielfalt Wert legt. Erwachsene ohne Kinder fühlen sich manchmal gestört von zu viel Lärm. Familie Nischler schafft jetzt in Naturns Bereiche, in denen Jugendliche ohne böse Blicke spielen können – und sorgt für Urlaubszeiten, in denen Familien dominieren und sich Alleinreisende darauf einstellen können bzw. andersherum. „Wir wollen kein Erwachsenenhotel sein und kein Familienhotel.

Bei uns sind alle willkommen, die Wellness, Sport und gutes Essen mögen“, sagt Juniorchefin Chiara Nischler über die festgelegte Philosophie der Familie. Auch ihre Schwester Emma freut sich auf den neuen Lindenhof, weil er Wünsche von klein und groß berücksichtigt. „Wir haben uns im Familienrat bei den Überlegungen sehr von der Fragebogenaktion unter den Gästen leiten lassen”, sagt die 21-jährige Kunststudentin. Die Sorge, dass sich durch die Erweiterung das oft freundschaftliche Verhältnis von Gast und Gastfamilie verändert, haben die Nischlers nicht, zumal es anschließend nur rund 15 Zimmer mehr sein werden. Da Bar- und Wellnessbereich im Haupthaus vergrößert werden, muss man an alter Stätte auf mehrere Zimmer verzichten. „Wir wissen doch, was unsere Gäste am Charakter des Hotels schätzen. Wir wissen aber auch, was sie sich noch wünschen. Und daran arbeiten wir“, sagt Joachim Nischler (siehe Seite 2 „Der offene Brief des Hotelchefs an die Gäste“; Seite 3 „Der Wahnsinn hat Methode“; und Seite 12 „Das neue Kinderparadies“).

3 FITNESSWOCHE VERLEGT Wegen der Bauphase muss der Lindenhof die bellicon-Fitnesswoche vorverlegen. Gesundheitsexperte Manuel Eckardt und sein Team von pur-life erwarten Sie jetzt schon vom 22. bis 29. Oktober 2017. Wie immer wird es individuelle Tipps für Ihre Gesundheit und viel Training auf dem Minitrampolin geben. Das gesamte Programm der Woche gibt es auf der Homepage unter www.lindenhof.it

Die Lindenhof-Rezeption erreichen Sie täglich von sieben Uhr morgens bis 22 Uhr am Abend. Telefon: 0039 0473 666242 oder unter info@lindenhof.it


HAUSPOST

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LIEBE GÄSTE, LIEBE FREUNDE, ich kann Euch gar nicht sagen, wie oft ich in letzter Zeit mit der Brille auf der Nase und dem Umbauplan in der Hand zu Hause im Bett eingeschlafen bin. Und morgens bin ich mit dem Gedanken aufgewacht, dass man vielleicht doch hier noch was ändern und da unbedingt was versuchen sollte. Ich fürchte, Architekten, Bauleiter, Familie und Kollegen, die gerade mit mir an der Erweiterung unseres Hotels arbeiten, müssen wahnsinnig werden. Aber vielleicht verstehen sie mich sogar. Und Ihr mich auch. Schließlich geht es nicht nur um eine hohe Investition, es geht vor allem darum, dass Ihr Euch nachher in unserem neuen Lindenhof wohlfühlt. Wie viele Stammgäste haben mir gesagt, es sei doch nicht nötig, was zu verändern. Alles sei gut so, wie es ist. Und doch haben mir die Fragebogen, die wir von Euch dankenswerterweise zurückbekommen haben, gezeigt, dass einige Wünsche offen

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Der neue Wellness- und Saunabereich

sind: die Tiefgarage entspricht nicht mehr den Maßen der aktuellen Autos von heute, der Saunabereich ist zu klein und nicht speziell genug, eine Lese-, eine Spielenische fehlt im Barbereich, für Kinder eine Rutsche ins Schwimmbecken, für Teens eine eigene Area. Ja, es ist an der Zeit, etwas zu verändern, weil wir auch in Zukunft allen Generationen Dolce Vita im Dolce Vita-Hotel bieten wollen. Und die Zukunft lässt junge Gäste größer werden, ältere Gäste anspruchsvoller. Darauf müssen wir uns einstellen. Aber ganz ehrlich: wir machen das gerne. Denn wir wollen kein Hotel sein, das sich nur einer Klientel widmet. Radfahrer, Gourmets, Erwachsene, Familien, Golf- oder Tennisspieler, Wellnesssuchende – unsere Vorstellung ist, dass alle miteinander bei uns ihren Urlaub genießen. Ich weiß, das ist eine anspruchsvolle Philosophie, aber wir sind mal als Familie Ni-

schler angetreten und haben gesagt, unser Hotel muss das verkörpern, was wir selbst für einen erholsamen Urlaub wünschen. Und glaubt mir: meine Familie hat ziemlich vielfältige und unterschiedliche Interessen. Aber in einem Punkt sind sich alle einig: Sie möchten in ihren Bereichen höchste Qualität. In vielen anderen Hotels, die ich vor den Umbauplänen bereist habe, ist mir eine Schwierigkeit auf diesem Weg zur Vielfalt auf hohem Niveau besonders bewusst geworden: dass sich drei Generationen unter einem Hoteldach im Urlaub nur dann gegenseitig bereichern können, wenn sie ihre eigenen Rückzugsmöglichkeiten haben. Auf diesen Aspekt haben wir in unseren Umbauplänen großen Wert gelegt, und ich bin guter Hoffnung, dass wir bis zum 24. März ein „Drei-Generationen-Hotel” erstellen, in dem jeder seinen idealen Urlaubsplatz findet. Und in dem ein gemeinsames Miteinander das Urlaubsvergnügen steigert.

Es wird einen großen Bereich für Kinder und Jugendliche geben mit eigenen Pools, es wird eine Ruhe-Liegefläche nur für Erwachsene entstehen, Schwimmbäder für Sportliche und Planschbecken zum Abkühlen. Wir haben zu bestimmten Zeiten spezielle Zimmer nur für Familien, wir haben einen Speisesaal, in dem Kinder auch mal lauter sein dürfen – und wir werden in unseren neuen Angeboten einige Monate speziell auszeichnen für Familien, für Sportler, für Paare, für Gourmets. Das heißt nicht, dass wir in solchen Wochen andere Gäste ausschließen wollen, das heißt nur, dass das jeweilige Klientel dominieren wird. Und dass das andere Klientel sich darauf einstellen kann. Ich bin sicher, dass ich noch oft mit der Brille auf der Nase und dem Umbauplan in der Hand am Morgen in meinem Bett aufwachen werde. Aber vielleicht halte ich ja Ende März dann auch schon die Fragebogen der ersten Gäste in der Hand, die mir zeigen, dass sich


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PORTRÄT

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DIE BAUZEIT: VIER MONATE UND 22 TAGE

DER WAHNSINN HAT METHODE Manuel Achammer ist Bauleiter und Projektmanager – und dafür verantwortlich, dass der neue Lindenhof am 24. März 2018 fertig sein wird. „Es ist eine sportliche Aufgabe. Aber wir schaffen es”, sagt er.

alles Geld, alle Mühe, aller Stress, alle Verzweiflung gelohnt hat. Und dass Euch der neue Lindenhof noch besser gefällt als es der alte getan hat. Ich freue mich auf Euch und darauf, dass wir in der neuen Saison bis zum 8. Dezember geöffnet haben werden. Und dass wir Euch auch noch erstmals wieder einen Weihnachtsurlaub anbieten können – vom 25. Dezember bis zum 7. Januar. Ihr merkt, es ändert sich einiges – aber bestimmt nichts zum Schlechten. Darauf habt Ihr mein Wort. Das kann ich ganz sicher nach vielen schlaflosen Nächten ruhigen Gewissens versprechen. Euer

Joachim Nischler

Manuel Achammer überlegt kurz und schaut dem Reporter in die Augen. Wie man in vier Monaten und 22 Tagen ein Hotel um drei Komplexe erweitert? „Das wird eine kurze Geschichte für Sie”, sagt der Bauleiter und lacht. „Ich habe keine Ahnung.”

steine aufgestellt hat. Der Start stand fest, das Ende muss eingehalten werden. Dazwischen hat er aufgezeichnet und in Verträgen notiert, wer wann anfangen darf und wer wann fertig sein muss. „Es geht alles ineinander über. Anders ist es nicht zu schaffen.”

Es wird eine spannende Geschichte, die der 36-jährige Südtiroler bei einem Glas Wasser mit Zitrone auf der Terrasse des Hotels Lindenhof in Naturns zu erzählen hat. Und es stellt sich schnell heraus, dass er als ausgebildeter Bauingenieur durchaus eine Ahnung hat – von allem, was sich vor und während eines Baus so abspielt und abspielen kann. Er erzählt von den 35 Ausschreibungen, die er mit Kalkulation und Zeitplänen aufgesetzt und versendet hat. Von den unterschiedlichen Gewerken und überhöhten Preisen. Von den Gesprächen mit Baufirmen, Elektrikern, Installateuren, Hydraulikern. Und von detaillierten Verträgen, die bis zur verpflichtenden Lieferung von zehn gelben Schutzhelmen mit dem Lindenhof-Logo durch die Baufirma alles abdecken. „Das Entscheidende ist, dass in der Vorbereitung alles bis ins letzte Detail unter Androhung von harten Vertragsstrafen geregelt ist”, sagt der Mann, der bei der Erweiterung des Hotels als Bauleiter und Projektmanager eingesetzt ist. Dann könne selbst er ruhig schlafen.

Dass er es schafft, davon ist er überzeugt. Auch wenn er lange nach einer Baufirma suchen musste, die ihm die Fertigstellung des Rohbaus bis zum 18. Januar garantierte. „Es ist ein Bauboom in Südtirol, es entstehen viele neue Hotels, und die bestehenden Hotels erweitern. Das nutzen Baufirmen natürlich aus”, sagt Manuel Achammer, der den Unternehmen den sogenannten Aushub schon vor dem offiziellen Baustart erlauben musste. „Wir wissen, dass es hier noch die eine oder andere Überraschung geben kann. Ich bin schon mal auf Felsgestein gestoßen, wo wir das überhaupt nicht erwartet hatten.” Der Untergrund kann jeden Plan ins Wanken bringen, sonst aber fürchtet Manuel Achammer nichts. Das Wetter nicht, Schlampereien der Baufirmen nicht. Er wird mindestens sechs Mal in der Woche auf der Baustelle stehen – und wenn es sein muss, auch nachts um vier noch Mails an die Dienstleister schreiben. „Bei einem solch exakt geplanten Bau kann man mit Anweisungen nicht eine Stunde warten.”

Seit vier Jahren ist Manuel Achammer, dessen Frau das Hotel Tirolerhof im Pustertal betreibt, als Bauleiter und Projektmanager in Südtirol unterwegs. Er baut ein Hotel nach dem anderen, das Schenna-Resort war sein größtes Werk, der Lindenhof-Anbau wird für ihn das bisher Höchste. 23 Meter hoch sollen die drei Komplexe werden – und das in der Zeit vom 6. November bis zum 23. März. „Ja, es ist eine sportliche Aufgabe”, sagt Achammer, der auch die Zeit-Meilen-

Der Lindenhof-Hotelchef Joachim Nischler jedenfalls ist froh, dass er einen solchen Projektmanager gefunden hat. Achammer ist nicht nur studierter Bauingenieur, sondern kennt die Tricks der Bauunternehmer aus eigener beruflicher Erfahrung. Und er hat auf jeder Baustelle ein Credo: „Eigentlich sollte es so sein, dass der Bauherr zu Baubeginn in Urlaub gehen kann und dass, wenn er zurückkommt, alles so ist, wie er es sich vorgestellt hat. Und natürlich ohne Aufpreis.”

Noch lacht er...: Manuel Achammer hat die Time-Line für den Umbau aufgestellt


PHILOSOPHIE

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Fast alle Gäste loben die Herzlichkeit des Personals – und manche fürchten, dass diese Art von persönlichem Service bei einer Erweiterung verloren geht. Familie Nischler fürchtet das nicht. Weil es in ihrer Philosophie verankert sein wird. Weil sie darauf achten wird. Immer. Ohne Umbau und mit Umbau.

WAS WIR WOLLEN > e in übersichtliches Hotel bleiben, in dem wir unsere Gäste kennen > a ls Familie weiter Ansprechpartner für unsere Gäste sein > die Herzlichkeit erhalten, die auch von unseren Mitarbeitern ausgeht > den Service perfektionieren, den Sie bei uns so loben > die Möglichkeiten für Sie erweitern – sei es beim Essen, bei der Zimmerauswahl > den Wellnessbereich vergrößern und Ihren Wünschen anpassen > den Kinder- und Jugendbereich trennen und jedem spezifischeigene Freiräume geben > die vielfältigen Möglichkeiten für den Urlauber erhalten

WAS WIR NICHT WOLLEN > eine Bettenburg werden, in der jeglicher persönlicher Kontakt verloren geht >u  nsere Gäste am Fließband bedienen und individuelle Wünsche ausklammern > Klassengesellschaften schaffen mit entsprechenden Auslaufzonen > Sprechstunden beim Hotelmanager einführen > Wartezeiten an der Rezeption > Warteschlangen beim Frühstücksbuffet > Menüwahl am Morgen > eine Spezialisierung auf wenige Sport- und Freizeitmöglichkeiten

MICHAELA TOLL IM LINDENHOF

DAS LAND DES LÄCHELNS Die 30-Jährige ist zuständig für das Tagescafé und steht für die Herzlichkeit der Mitarbeiter. „Das ist unser Kapital”, sagt der Hotelchef Joachim Nischler. sie jüngst ein Gast als „die Perle vom LinDie Entscheidung fiel, als sie so 14 denhof” bezeichnet hat. Und auch der war. „Ich will nie im Gastgewerbe arbeiHotelchef weiß, was er an der jungen Frau ten”, sagte die kleine Michaela trotzig zu aus dem Vinschgau hat. „Unser Kapital ist ihren Eltern, die in Schluderns die „Pensidie Herzlichkeit der Mitarbeiter. Und Mion Helene” mit fünf Zimmern und einer chaela steht dafür bei uns seit zwölf JahGastwirtschaft betreiben. Die Gründe ren”, sagt Joachim Nischler, der eines – kennt sie heute noch: Bis zu ihrem fünften auch nach der Fragebogenaktion unter Lebensjahr hat sie unten in der Küche bei den Gästen – sicher weiß: „Egal, was und Papa Walter geschlafen, weil sie sich allein wie wir bauen. Auf eines oben in der Wohnung fürchbauen wir immer: auf unsere tete. Bis sie sieben war, verfreundlichen Mitarbeiter.” brachte sie den Tag bei den Auf eines bauen Nachbarn, ehe sie in einem wir immer: auf Michaela Toll, die tagsüber Wutanfall erklärte, da helfe für den Bar- und Cafébesie lieber den Eltern beim unsere freundlichen reich zuständig ist, ist mit 18 Salat putzen. Oder kochen. Mitarbeiter. Jahren direkt von der HanOder Zimmer reinigen. Mit Joachim Nischler, delsoberschule ins Dolce Vizwölf Jahren, so erinnert sie Hotelchef Lindenhof ta-Hotel nach Naturns gesich, hat sie sich zum ersten kommen – und sie ist sich Mal darüber geärgert, dass sicher: „Man kann den Serviceberuf lersie Weihnachten nie allein mit Mama und nen mit fast allem, was dazugehört. Nur Papa war. Immer waren Gäste da, manchdie Freundlichkeit und Herzlichkeit kann mal Fremde. Und immer wurde sie von man nicht erlernen.” Das habe viel mit der Helene oder Walter Toll an den Tisch geeigenen Persönlichkeit, mit dem Charakschickt. „Sag auch schön Grüß Gott.” ter zu tun, weil man von innen lächeln müsse. Sonst erkennen die Gäste die Show 16 Jahre später: „Grüß Gott im Lindenund würden sicher nichts von Herzlichkeit hof. Ich heiße Michaela. Ich hoffe, Sie hatin den Fragebogen schreiben. Ja, auch Erten eine gute Anreise”, sagt die 30-jährige ziehungssache sei das. Und sicher sei es Servicemitarbeiterin Toll und lädt die Anfür ihren jetzigen Beruf von Vorteil gewegereisten im Viersterne S-Hotel in Nasen, in einer Pension aufgewachsen zu turns zu einem Begrüßungsdrink ein. Sie sein, in der Vater und Mutter von morgens macht das so freundlich und herzlich, dass

bis nachts anderen Menschen das Leben so angenehm wie möglich machen wollten. „Ich hab das schon unbewusst gelernt, wie man mit fremden Leuten umgeht, dass man offen auf sie zugeht, dass es das Wichtigste ist, dass sie sich wohlfühlen.” Eigene Interessen, sagt Michaela Toll, haben ihre Eltern zurückgesteckt. Und tun es heute noch: der Vater mit 74 in der Küche, die Mutter mit 65 im Restaurant. So kann auch die Tochter Michaela vor allem die erste Hälfte einer Konfuzius-Weisheit unterstreichen. „Behandle andere so, wie du erwartest, selbst behandelt zu werden.” Beim zweiten Teil stockt sie. „Behandle dich selbst so, wie du andere behandelst.” Das empfindet sie fast schon als egoistisch. Vermutlich ist sie nicht nur mitten im Service, sondern auch für den Service geboren. Es macht ihr Spaß, nett zu Menschen zu sein – nicht nur im Beruf, sagt sie. Deshalb müsse sie sich auch in den Stunden im Lindenhof von morgens acht bis abends um 18 Uhr nicht anstrengen. Sie spiele nicht, sie lebe. Und was ihren Grundsatz anbelangt? Den hat sie inzwischen leicht verändert. „Ich will schon im Gastgewerbe arbeiten, aber nie mit eigenem Betrieb von morgens bis nachts – wie meine Eltern”, sagt sie. Wir fragen sie in 16 Jahren noch einmal.


GÄSTE

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FAMILIE BOLMGREN

1:0 FÜR SCHWEDEN Seit zehn Jahren fahren Thomas, Lena, Annie und Hugo in jedem Sommer 1.600 Kilometer von Gnosjö nach Naturns und 1.600 Kilometer von Naturns nach Gnosjö. „Schon die Fahrt ist für uns Erholung”, sagen sie.

GNOSJÖ

HAMBURG

Es sind die Tage, in denen die Fußballwelt auf den Kopf gestellt wird. Hugo Bolmgren, 14, schnappt sich den Ball, geht zum Sportplatz in Naturns und kickt wie alle Jahre um diese Zeit gegen ein paar Jungs aus Südtirol. Das Ergebnis: Schweden schlägt Italien. „Normal”, sagt Hugo, der trotzdem mal für Inter Mailand spielen will. Vielleicht ist dieses Erfolgserlebnis der Grund, warum der Sohn von Lena Sveningsson und Thomas Bolmgren so gerne Ferien in Südtirol macht. Das ganze Geheimnis des Urlaubsziels dieser schwedischen Familie aus Gnosjö, die Jahr für Jahr 1.600 Kilometer in das Dolce Vita-Hotel Lindenhof und 1.600 Kilometer zurück fährt, erklärt es freilich nicht. Zumal der 16-jährigen Tochter Annie, die es lieber mit dem Pferdesport hält, der schwedische Fußballsieg in Naturns ziemlich egal ist. „Wir lieben das Hotel, das freundliche Personal, das Essen. Und hier in Naturns findet jeder von uns irgendwas, was ihm Spaß macht”, sagt Thomas Bolmgren, der perfekt deutsch spricht – und wenn er den Satz richtig ins Schwedische übersetzt hat, kann man glauben, dass es Frau und Kindern genauso geht. Sie nicken. „Wir fühlen uns hier wie zu Hause”, sagt Hugo noch. Das bedeutet: der Schwede erlebt keinen Kulturschock in Südtirol. Was freilich bei den Bolmgrens auch daran liegen kann, dass sie aus ihrer Heimat Integration mit anderen Menschen gewohnt sind. Gnosjö, eine Stadt mit 5.000 Einwohnern, hat nicht nur für Schweden Modellcharakter. Nirgendwo wird gelungene Integration so gelebt wie hier, wo es viele kleinere Produktionsfirmen gibt, die mit Einwanderern arbeiten – früher aus Vietnam, heute aus Somalia. Der GnosjöSpirit wird in vielen Zeitungen auf dieser Welt beschrieben. „Die Firmen haben meistens nicht mehr als 50 Mitarbeiter und sind entstanden, weil es damals sonst in der Gegend wenig Verdienstmöglichkeiten gab”, sagt Thomas Bolmgren, der selbst mit einem Partner ein solches Unternehmen gegründet hat. Ein Zulieferbetrieb – unter anderem für Volvo. Aber auch seine Frau Lena Sveningsson weiß, wie Integration

geht. Als Lehrerin unterrichtet sie viele Flüchtlingskinder. „50 Prozent Schweden, 50 Prozent Ausländer” sind in ihrer Klasse. Da kann man sich auch an Südtiroler gewöhnen. „Sie sind uns von der Mentalität näher als die richtigen Italiener oder auch die Deutschen”, sagt Thomas Bolmgren. In Naturns haben sich die vier Schweden mit der Schweizer Familie Rentzmann angefreundet. Und die Freundschaft leidet auch dann nicht, wenn der eigens geschaffene Pokal beim alljährlichen Familienduell im Minigolf von Schweden in die Schweiz wechselt. „Nico Rentzmann ist zehn und hat uns jetzt alle geschlagen”, sagt der 55-jährige Thomas Bolmgren, der mit 14 zum ersten Mal in die Alpen kam. Als Mitglied eines Schulorchesters war er in Österreich und kurz in Südtirol. „Ich habe mich von Anfang an in die Berge verliebt”, sagt der Flachland-Schwede, der zum Ausdauersportler auf Skiern geworden ist. Er läuft die 90 Kilometer beim Wasa-Lauf, die 70 Kilometer beim Marcialonga im Fassatal und startet auch beim größten deutschen Volksskilanglauf, dem König-LudwigRennen bei Garmisch. Auch in Naturns hat Thomas Bolmgren die Rollenski dabei – so wie Hugo den Fußball und einen Trainingsplan von seinem Coach. Nur das Pferd von Annie hat es nicht mehr in den Volvo geschafft. So läuft sie denn schon mal spaßeshalber zu Fuß vom Lindenhof hoch nach Unterstell – zur Überraschung der eigenen Eltern. „Das zeigt doch auch: unsere Kinder können sich hier bestens beschäftigen”, sagt Lena Sveningsson. Selbst die lange Autofahrt kann die schwedische Familie nicht schrecken. „Wir machen das stressfrei – die Fahrt gehört für uns schon zur Erholung” ist die Devise des Familienoberhaupts. In Dänemark wird das erste Mal übernachtet, in der Nähe von Kassel ist die zweite Station. Trotzdem: „16 Stunden reine Fahrtzeit sind es mindestens”, sagt Hugo. Wenn er für Inter Mailand spielt, darf er zu seinen Fußballspielen fliegen.

KASSEL

Nur das Pferd von Annie hat keinen Platz mehr in dem Auto, das immer in Kassel Station macht

1.600 Kilometer von Gnosjö entfernt: Wir fühlen uns in Naturns wie zu Hause, sagen sie

FERNPASS

NATURNS 1600 KM


SERIE

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H MEINE OBE S A D : HEUTE BEA STECHER

15 JAHRE HEIMWEH Die Lindenhof-Chefrezeptionistin ist in Mals aufgewachsen und sagt: „Jedes Mal, wenn ich vom Reschenpass runterfahre, geht mir das Herz auf.” Neulich ist sie mit ihrem Lebensgefährten von Meran zurückgefahren – an Naturns vorbei. „Wo willst Du denn hin?”, hat er gefragt. „Nach Hause”, hat sie gesagt. Er entsetzt: „Du bist in Naturns zu Hause. Seit vier Jahren.” Bea Stecher will sich nicht daran gewöhnen. Obwohl sie seit ihrem 15. Lebensjahr nicht mehr bei ihren Eltern lebt und in den vergangenen fünfzehn Jahren an verschiedenen Stationen wohnte, gibt es für sie nur ein zu Hause: in Mals. Im Oberen Vinschgau. „Wenn ich vom Reschenpass runterfahre, den Ortler sehe und am Watles vorbeikomme, geht mir jedes Mal das Herz auf. Das ist meine Heimat. Sie wird es immer bleiben”, sagt die Chefrezeptionistin des Viersterne S-Hotels Lindenhof in Naturns. Willkommen in Mals. 3.000 Einwohner. Drei Bäcker, einen Metzger, einen Allgemeinmediziner, einen Kinderarzt. Eine Fußgängerzone. Und eine Umgehungsstraße, auf der jedes stinkende Auto fährt, das vom Fernpass nach Südtirol will. Es wollen viele nach Südtirol. Und das fehlt einem, wenn man zum Beispiel in Meran lebt? Mit 15 ist Bea Stecher in ein Schülerheim gegangen, weil ihre Mutter ihr geraten hat: „Kind, mach was mit Tourismus.” Das Kind absolvierte die Fachoberschule Tourismus in Meran, wo die Ausgangszeiten klar geregelt waren. „Wir durften eine Stunde weg – und da die Schule außerhalb des Zentrums lag, reichte es nicht mal in die Fußgängerzone”, sagt sie. Bea Stecher wollte nur eines: heim nach Mals. „Ich habe meine Eltern vermisst, die Familie, die Freunde.” Mals. In Mals, sagt sie, kann man im Sommer und im Winter gut leben. Obwohl sie quasi 14 Jahre nur ein Wintermärchen erlebt hat. Mit drei stand sie zum ersten Mal auf den Skiern, mit sechs ging sie drei Mal in der Woche zum Training. Später galt sie als ein großes Talent im Vinschgau, startete für den Skiclub Burgeis bei allen möglichen Ski-Alpin-Rennen, trainierte im Winter am Watles und im Sommer auf dem Stilfser Joch. Ihr Leben spielte sich im Schnee ab. „Wir haben bei Wind und Kälte trainiert.” Das harte Leben einer Leistungssportlerin, die damals schneller den Berg hinunter raste als Manuela Mölgg oder Verena Stuffer, die heute für Italien Weltcuppunkte sammeln. Aber als die Pubertät kam, ging die Freude am Skisport. „Damals hat sogar der Direktor meinen Vater bedrängt, dass ich mich als erste Malserin für die Sportoberschule Mals anmelde”, sagt Bea Stecher. Dort wird die Elite ausgebildet – im Sport und nebenbei auch in Mathe. Sie ist froh, dass sie die Aufnahmeprüfung verpatzt hat. Vor einem Jahr ist sie

zum ersten Mal wieder auf Skiern gestanden, natürlich am Watles. Zu Hause. Wo sie daheim ist. Bea war in Innsbruck, hat BWL studiert. „Ich hab gedacht, wenn du Betriebswirtschaft kannst, kannst du in einem großen Unternehmen arbeiten.” Das Problem: im Obervinschgau gibt es keine großen Unternehmen. Aber in einer großen Stadt, erzählt sie, könne sie nicht leben. „In Mals kann sogar der dreijährige Sohn meiner Schwester allein auf die Straße. Da kennt jeder jeden und jeder passt auf ihn auf.” So will sie leben. Zu Hause. In Mals. Bea war im Tannheimer Tal, hat im Hotel “liebes Rot-Flüh” gearbeitet. Sie hat es nur ein Jahr lang ausgehalten. 155 Kilometer, zwei Stunden und 30 bis nach Hause. Und los war auch nichts, rund um das Hotel herum. Wenn sie in Mals ist, kann sie shoppen. In Schlanders. „Dort hat es vielleicht zwei Geschäfte mehr als in Mals”, sagt sie – und lacht dann selbst darüber. Hier ist nicht viel los. Kein Kino, kein chinesisches Lokal, kein mexikanisches. „Wer ins Kino will, fährt nach Imst, nach Österreich.” Egal. „Ich bin sentimental. Und das ist meine Heimat.” Bea war im Passeiertal. Sogar Chefrezeptionistin im exklusiven „Quellenhof-Resort”. Sechs Jahre. In jeder freien Minute ist sie die eineinhalb Stunden nach Mals gefahren. „Da ist es nicht so eng wie im Passeiertal. Da siehst du auch die Berge, aber sie erdrücken dich nicht”, sagt sie. Und trotzdem sind von ihrem Elternhaus aus die besten Touren möglich – mit dem Mountainbike, zu Fuß, im Winter mit den Skiern. Und nirgendwo, behauptet sie, scheint so lange die Sonne wie in Mals. Von morgens sieben bis in den Abend hinein. „Jedes Mal, wenn ich wieder an meinen Arbeitsplatz zurückfahren musste, habe ich mir gedacht: warum tust du dir das an.” Bea Stecher sitzt an ihrem Arbeitsplatz in Naturns. Im Dolce Vita-Hotel Lindenhof. Sie wohnt in Tschirland, mit ihrem Freund. 40 Minuten von zu Hause. „Das ist die Grenze. Das geht gerade noch”, sagt sie. Fast könnte man es noch zu ihrer Heimat zählen. Aber nur fast. Sie erzählt vom Oberen Vinschgau. Von den sieben Türmen in Mals, von Schlössern mit ihren Geschichten, von… „Kann es sein, dass Du jetzt schon 15 Jahre nicht mehr da lebst?” Sie stoppt. Sie schaut ihren Gegenüber fast fassungslos an. 15 Jahre? Sie rechnet. Doch, das stimmt. „Dann habe ich jetzt schon 15 Jahre Heimweh”, sagt Bea Stecher. Und es klingt so, als ob sie mehr mit sich selbst spricht.

Bea zu Besuch bei einem Freund, dem Hotelchef des Hotels Gerstl am Watles: „Hier erdrücken dich die Berge nicht“, sagt sie


HG C S N I V ER

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Vinschgau Marketing Frieder Blickle

HEIM AT

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KENNEN SIE DEN WATLES? VON BEA STECHER Meine Güte, wie oft war ich auf dem Watles! Bis zu meinem 14. Lebensjahr stand ich dort fast jeden Tag auf Skiern – aber ich weiß auch, dass der Watles ein idealer Berg zum Mountainbikefahren ist. Oder zum Wandern. Der Watles gehört zur Sesvenna-Gruppe und ist ein perfekter Ausgangspunkt für Wanderungen mit herrlichem Panoramablick. Er bietet Genusswanderwege für ganze Familien und Touren für Alpinisten. Nicht umsonst nennt man den Watles den „Erlebnisberg”. Fangen wir mal mit der fußschonendsten „Besteigung” an. Ein paar Kilometer nach Burgeis bringt Sie ein Sessellift mit vier Sitzen auf 2.025 Meter hoch. Dort kann man nicht nur in der Plantapatschhütte einkehren, am Ende der Bergstation erwartet Sie auch ein Kinderspielplatz mit einem Spielesee. Außerdem gibt es eine 3-D-Bogensportanlage. Mein Tipp: bergab geht’s mit dem Watles Rider. Wenn Sie einen Spaziergang machen wollen, empfehle ich Ihnen den Weg von Schlinig zur Schliniger Alm. Die erreichen Sie in kurzer Zeit auf geradezu ebenem Weg. Der Höhenunterschied beträgt vielleicht 130 Meter – und doch haben Sie einen wunderschönen Blick. Natürlich gibt’s – ungerecht ist die Welt – auch hier den schönsten Panoramablick, wenn Sie den Aufstieg zur Sesvenna-Hütte schaffen. Von Schlinig (1.738 Höhenmeter) aus sind das 518 Höhenmeter. Sie marschieren vorbei an der St. Anna-Kapelle zur Schliniger Alm, weiter zur Inneren Alm direkt auf die breite Felswand mit dem Wasserfall zu, an der 4-Mann-Säule vorbei bis zur ehemaligen Pforzheimer Hütte. Von dort sind es nur noch wenige Minuten bis zur Schutzhütte Sesvenna auf 2.256 Metern. Natürlich können Sie auch noch höher hinaus – zum Beispiel weiter bis zum Föllakopf auf 2.878 Meter. Unterhalb des Gipfels sehen Sie dann in südöstlicher Richtung den Pfaffensee. Und wenn Sie im Winter kommen, erwartet Sie der Watles als sonnenstärkstes Skigebiet – mit 4 Pisten über 18 Kilometer, eine vier Kilometer lange Rodelbahn, ein Ski-Cross-Parcour und das Langlauf- und Biathlonzentrum Schlinig. Natürlich darf ein Tipp nicht fehlen: Besuchen Sie doch auch mal meinen Heimatort Mals, das Dorf der sieben Türme. Im 17. Jahrhundert dienten sie der Landesfürstin De Medici als Zeichen der Macht. Inzwischen sind zwar nur noch fünf intakt – eine Stippvisite lohnt sich trotzdem. Die Pfarrkirche Maria Himmelfahrt mit ihrem typisch gotischen Kirchturm wird Ihnen gleich ins Auge stechen. Noch bedeutender ist allerdings die St. Benediktskirche. Hier sind noch sehr gut erhaltene karolingische Fresken aus dem 9. Jahrhundert zu sehen. Mals hat Geschichte – und Sie können Geschichten erzählen, wenn Sie mal das Obervinschgau besucht haben.


MITARBEITER

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GAST-ANSICHTEN

CHILLEN – GANZ OHNE CLUBBING-GUIDE Pia Rosiepen kommt seit zehn Jahren mit ihren Eltern in den Lindenhof. In einem Beitrag für die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) hat sie über ihre Ferien in Naturns geschrieben. Für die SUITE beschäftigt sich die Schülerin aus Bochum in einer ganz persönlichen Betrachtung noch einmal mit dem Vorurteil, Urlaub in Südtirol sei nur was für ältere Menschen.

VON PIA ROSIEPEN Wer will schon mit 14 nach Südtirol? Links ein Berg, rechts ein Berg – und egal, wo man gerade steht: es geht immer nur hoch. Vor und hinter hundert Rentnern, die mit Rucksack und Knickerbockerhose verschwitzt vom nassen Karohemd bis zur feuchten weißen Socke keuchend die Station suchen, an der sie einen Stempel in ihren Wanderausweis bekommen. „Was willst du denn da? Das ist doch kein Urlaub”, höre ich jedes Jahr von meinen Freundinnen in Bochum. Ich bin 14 – und ich will nach Südtirol. Vielleicht sogar zum Leidwesen meiner Eltern, die nach zehn Jahren gerne mal ihren Sommerurlaub woanders verbringen würden. Vielleicht mal am Meer, vielleicht mal in einer Stadt mit viel Kultur. Einige meiner Mitschüler schwärmen von Ibiza, für sie der Hippholidayentertainmenttempel schlechthin. Mit Clubbing-Guide und Jungs, die ihren Sixpack täglich vor staunendem Girlie-Publikum am Strand trainieren. Wer’s braucht… Wir waren wieder in Südtirol. Wieder im Lindenhof. Und ich bin sicher, ich werde meine Eltern auch im nächsten Jahr überzeugen, die knapp 900 Kilometer von Bochum nach Naturns zu fahren. Denn der Lindenhof ist für mich Urlaub. „Ankommen und wohlfühlen”, sagt die Hoteliersfamilie Nischler immer – und genauso ist es für mich. Ich steig aus dem Auto aus und fühle mich wohl. Links ein Berg, rechts ein Berg – und auch wenn ich in den vergangenen zehn Jahren vielleicht zwei Mal hoch hinauf gewandert bin, gehört allein dieser Blick für mich zum Urlaub. Ja, Südtirol ist mehr als nur Wandern. Ich versuch das auch meinen Freundinnen immer klar zu machen, wenn sie despektierlich von meinem Rentnerparadies sprechen. Aber wenn sie meine Fotos sehen, habe ich schon den Eindruck, dass sie zumindest für kurze Zeit nachvollziehen können, dass es in Naturns und drumherum auch jungen Menschen gefallen kann. Bilder vom Kalterer See mit mir auf dem Tretboot oder beim Stand-up-Paddling, Bilder vom Radausflug an den Reschensee, wo man auch kiten kann, Bilder von den Einkaufsstraßen in Meran oder Bozen, Bilder aus dem Auto hoch auf den Gampenpass mit der phantastischen Aussicht, Bilder vom Ötzi-Museum in Bozen. Ganz zu schweigen davon, wenn ich ihnen über den Lindenhof erzähle: von der Wellnessabteilung, von dem sensationellen Essen, dem Dessertbuffet und davon, dass man am Swimmingpool ganz allein in einer großen Muschel chillen kann und nicht morgens um sechs einen kleinen Liegestuhl in einer 50er-Reihe mit dem Hotelhandtuch belegen muss. Warum soll das nur ein Urlaub für ältere Menschen sein? Und nicht für mich? Ich habe mich schon mit fünf hier wohlgefühlt und erinnere mich noch gerne an die Kinderbetreuung im Spielzimmer. Von morgens bis abends habe ich mit anderen gespielt – und sogar mit Jette eine Freundin fürs Leben gefunden. Wir treffen uns seither jedes Jahr zur selben Zeit im Lindenhof. Ohne Kinderbetreuung. Zwei 14-Jährige in Südtirol. Auch wenn Sie jetzt über fünfzig sind, dürfen Sie mir glauben: Wir genießen die Tage!

Ehefrau Adele mit den Kindern Kyces und Kylene: Papa kann spielen – und putzen

LUCKY IST LUCKY AUF ETAGE 3

WENN DAS ZIMMERMÄDCHEN EIN MANN IST… Der 32-jährige Philippiner versteht die Welt in Europa nicht. „Warum sollen Männer denn nicht putzen?”, fragt er. In Manila war das kein Problem. Da hat der Philippiner Lucky Gambier 13 Stunden am Tag Zimmer gefegt, Betten überzogen, Bäder geputzt, Spiegel gereinigt und Fenster gesäubert. Housekeeper sagen sie in der Heimat zu diesem harten Beruf. Und hier? „Zimmermädchen”, kann er auf deutsch – und lacht. Lucky weiß, dass andere hier auch lachen. „Arbeitest Du in der Küche?”, fragen sie ihn, wenn er erzählt, dass er im Dolce Vita-Hotel Lindenhof beschäftigt ist. „Im Restaurant?” Bestenfalls fällt den Italienern, Schweizern, Österreichern oder Deutschen noch „an der Rezeption” ein. Auf die Idee, dass ein Mann in Hose und Arbeitskittel Zimmer putzt, kommen sie nicht. „Ich muss dann immer ein bisschen schmunzeln”, sagt der 32-jährige Mann, der in Manila geboren ist, seit sieben Jahren in Italien lebt und schnell erkannt hat, dass man zumindest in diesem Punkt in Europa noch hinter der Emanzipation in seinem Heimatland hinterher hinkt. „Wenn Mann und Frau Geld verdienen

müssen und arbeiten gehen, ist es doch normal, dass man sich die Hausarbeit teilt.” Er jedenfalls putzt auch zu Hause, kocht auch zu Hause. Abwechselnd mit Adele. In der Familie Gambier müssen Mann und Frau arbeiten. Und zwar beide im Lindenhof. Adele in der Waschküche und als Aushilfe auf den Zimmern, Lucky als Housekeeper auf Ebene 3. Schließlich haben die Zwei ein großes Ziel: Sie wollen so viel Geld auf die Seite bringen, dass sie sich irgendwann ein paar Wohnungen in Manila leisten können – und durch Vermietungen leben. Vielleicht sogar weiter in Europa. „Uns gefällt es hier in Naturns”, sagt der Mann aus der Zwei-MillionenStadt im 5.700 Einwohner großen Vinschgau-Städtchen. Vor sieben Jahren ist er mit Adele, die in der Heimat eine Ausbildung zur Krankenschwester gemacht hat, nach Bozen gekommen. Seine Schwiegermutter hatte die Stadt zwei Jahre zuvor entdeckt und dort gearbeitet und gelebt. Lucky Gambier, der auch Koch gelernt

hat, fand einen Job in einem mexikanischen Restaurant und heiratete seine Jugendliebe. „Wir sind schon zusammen zur Schule gegangen”, erzählt er. In Italien sind sie dann zusammen in den Lindenhof gegangen. Adele zwei Jahre früher, Lucky in dieser Saison. Inzwischen leben sie als kleine Familie in einer Wohnung in Naturns. Kyces ist sechs, Kylene drei. „Für uns passt es”, sagt er, auch wenn andere seinen Job nicht so ganz verstehen. „Warum soll denn ein Mann nicht putzen können”, sagt der Housekeeper, der nur anfangs leichte Probleme hatte. Ein exklusives Urlauberhotel in Südtirol legt halt noch mehr Wert auf die letzte staubfreie Ecke als ein Bettenbunker in Manila. Inzwischen aber ist Gouvernante Anja Scheer mit ihrem einzigen männlichen Teammitglied sehr zufrieden. Und Lucky Gambier sagt, dass der Unterschied für einen Housekeeper zwischen einem Top-Hotel in Manila und einem Dolce Vita-Hotel in Naturns nicht so groß sei. „Doch”, sagt er dann nach kurzem Nachdenken. „Man verdient hier mehr Geld.”


KULINARIK

DIE LINDENHOF HOTELZEITU NG

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DIE WINZERFAMILIE PRATZNER

DER WEIN, DER NACH LEIDENSCHAFT SCHMECKT Das Weingut Falkenstein produziert in jedem Jahr auf 12 Hektar 90.000 Flaschen – und verkauft bis nach Asien.

Falkenstein Der erfolgreichste FalkensteinWein ist der vielfach ausgezeichnete Riesling. Aber auch Weißburgunder, Sauvignon, Gewürztraminer und Blauburgunder genügen höchsten Ansprüchen. „Mir schmeckt vor allem der Blauburgunder von unseren Reben”, sagt Lorella Longhitano lächelnd. Die Lindenhof-Managerin, Mutter von Chiara und Emma Nischler, hat auf 2.000 Quadratmeter Blauburgunder-Reben an dem ihr gehörenden Hang oben am Schlossweg – und aus ihnen hat Franz Pratzner inzwischen Blauburgunder-Wein gezaubert. Auch sortenreinen Grappa und Marillenbrände stellt er her. Neben dem Weingut Falkenstein am Vinschgauer Sonnenberg gibt es übrigens das Gasthof Falkenstein mit wunderschöner Aussicht und absoluten Südtiroler Spezialitäten. Das betreibt Franz’ Pratzners Bruder Peter. Weingut Falkenstein, Naturns, Schlossweg 15; www.falkenstein.bz

Wir sitzen im kalten Steinkeller des Weinguts Falkenstein. Hoch über Naturns, 200 Meter vom Dolce Vita-Hotel Lindenhof entfernt. Eine hochmoderne Anlage fällt ins Auge, 40 Fässer mit zwischen zehn und 150 Hektoliter Fassungsvermögen. Endlos viele Flaschen. „Wir haben in den vergangenen 14 Tagen von der letztjährigen Ernte 90.000 Flaschen abgefüllt”, erzählt der erfolgreiche Winzer Franz Pratzner. 15.000 Flaschen pro Tag. Er ist froh, die Tochter an seiner Seite zu haben. „Wenn ich sie gedrängt hätte, hätte sie es nie gemacht. Oder zumindest nicht mit Herz. Jetzt weiß ich, dass sie aus Leidenschaft Winzerin wird. So wie ich Winzer geworden bin”, sagt der Vater.

Fotostudio 2000 Naturns/Gorfer (4)

Magdalena Pratzner ist heute 26. Sie hat die Handelsschule besucht, ein Studium der Politikwissenschaften in Wien begonnen. Sie wollte alles werden – nur keine Winzerin. Zu oft musste sie zu Hause bei der Ernte helfen, zu viel sah sie, wie Vater und Mutter von morgens bis nachts sich um irgendwelche Reben kümmerten. Bis sich eine Freundin beim Landwirtschaftsstudium anmeldete. Und sie – weil Politik halt doch nicht ihr Ding war – überraschend nachzog, sich für Weinbau einschrieb. „Da habe ich erst gemerkt, wie spannend es ist, aus der richtigen Traube den richtigen Wein zu produzieren”, sagt sie.

Falkenstein ist ein Familienbetrieb. Seit 190 Jahren ist das kleine Unternehmen in Familienhand, aber nach Ackerbau und Viehzucht, nach dem in Südtirol üblichen Apfelanbau, hat sich der heute 55-jährige Franz Pratzner schon in jungen Jahren zu einem riskanten Schnitt entschlossen. Ende der 80er Jahre ließ er die letzten Apfelbäumchen sterben, stellte noch mehr als vorher von Vernatsch-Reben zu Riesling und Blauburgunder um und baute Anfang 2000 eine Produktionsstätte mit Keller, die ihresgleichen in Südtirol suchte. „Wie andere habe ich damals gemerkt, dass der Wein vom Nahrungsergänzungsmittel zum Genussmittel wird. Und dass deshalb andere Weine gefragt wurden als bis dahin”, sagt der Mann, der mit zwanzig bei der ersten Einkellerung gespürt hatte, wie sehr ihn der Winzerberuf faszinierte. „Es muss mehr sein als ein Job, nur dann gelingen anspruchsvolle Weine.”

Geschick sind bekannt in der Szene, weil er bei jedem Wetter, in jeder Situation das Richtige tut. Auch wenn er sagt, „es ist wie bei einem Maler, am Anfang weiß man noch nicht, was daraus wird”, plant und arbeitet er systematisch an einem exklusiven Wein, der in Holzfässern reift. Für ihn ist der Zeitpunkt der Ernte entscheidend – und der ergibt sich aus dem Reifetest der Beeren im August. Pratzner analysiert 200 Beeren auf den Zuckerwert, den Säurewert, den PH-Wert. Und natürlich probiert er auch. Beeren und später den Wein. „Ein Sommelier deutet den fertigen Wein, ein Winzer muss wissen, wie er mit dem zunächst stinkigen Wein umgeht und was wie aus ihm wird.”

Vom frühen Morgen an steht er mit seiner Frau Bernadette auf den steilen Hängen am Falkenstein. Sieben Hektar gehören ihm, fünf Hektar hat er gepachtet. Triebe müssen geschnitten werden, die Blätter regelmäßig entfernt, es wird zu den richtigen Zeiten bewässert, gespritzt. „Meine Frau kommt aus einer ganz anderen Richtung. Aber die Arbeit in der Natur macht ihr Spaß, zum Glück für mich ist sie mit viel Herz dabei”, sagt Franz Pratzner, der als Künstler unter Südtirols Winzern gilt. Seit 2004 wird sein Riesling jedes Jahr von Gambero Rosso mit den 3 Gläsern ausgezeichnet. Sein besonderes Gespür und sein kreatives

Er wird sich künftig auch auf die Nase und das Gespür von Magdalena verlassen können. Und auch die 24-jährige Tochter Michaela wird vielleicht mal Winzerin. Die Voraussetzungen dafür bringt sie mit. „Man muss selbst Genussmensch sein und den Wein lieben”, sagt der Winzer Pratzner über den Beruf des Winzers. Dass noch ein bisschen mehr dazugehört, um erfolgreich zu produzieren und zu vermarkten, sagt er nicht. Falkenstein verkauft inzwischen Weine in der ganzen Welt. Neben den 60 Prozent in Italien vertreibt Franz Pratzner vorwiegend in Asien, Australien und Russland.

Magdalena, Bernadette und Franz Pratzner: Familienarbeit auf dem Familienweingut


MITARBEITER SERVICE

DIE LINDENHOF HOTELZEITU NG

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TISCHGESPRÄCH

„BIN ICH HIER DER CLOWN ODER DER KELLNER?”

Elisa und Alex über Psychologie, Stress und besondere Schwierigkeiten im Service-Job

Elisa Kuenz ist 18 und schließt in diesem Jahr ihre Ausbildung ab. Alex Panin ist 47, Chef de Rang, und seit über 25 Jahren in diesem Job tätig. Für die SUITE unterhalten sich die zwei Lindenhof-Mitarbeiter über den Beruf der Servicefachkraft.

Alex: Ich weiß noch, wie ich hier angefangen habe. Ich war nervös, schüchtern, musste mich konzentrieren – und Stammgäste haben moniert, der Alex lacht ja gar nicht. Irgendwann ist mir der Kragen geplatzt, und ich habe zum Chef gesagt: Bin ich hier der Clown oder der Kellner? Elisa: Und heute glaubst Du, man muss in diesem Beruf beides sein? Alex: Man muss beides können. Und man muss einen Mittelweg finden, immer bereit sein, auf die Gäste einzugehen, aber trotzdem die eigentliche Arbeit nicht zu vernachlässigen. Das ist nicht einfach, weil du drei Dinge gleichzeitig im Kopf haben musst. Du nimmst an einem Tisch die Bestellung auf, schenkst daneben den Wein nach und wirst nach irgendwelchen Wanderwegen gefragt – und der Kollege kommt und will wissen, an welchen Tisch die warme Suppe kommt. Elisa: Damit ist man am Anfang ziemlich überfordert. Wenn dir dann noch ein Fehler passiert, würdest du am liebsten flüchten. Denn dann kommt auch noch die negative Reaktion des Gastes. Das tut ganz schön weh. Ich glaube, dann machst du in diesem Job nur weiter, wenn du einen wirklich starken Charakter hast. Alex: Wichtig ist, dass du morgens oder abends im Service alles andere ausblendest. Private Probleme musst du zu Hause lassen. Du darfst in diesen Stunden bis 22.30 Uhr nur an deine Aufgabe denken, du musst dich auf dein Geschäft konzentrieren. Das ist sicher schwieriger als in anderen Berufen, weil du quasi trotz deiner Sorgen auf der Bühne stehst, arbeitest und lächeln musst. Elisa: Ich habe mal gelesen, für diesen Beruf müsste man geboren sein. Also, das bin ich bestimmt nicht. Ich wollte nur nach meinem verletzungsbedingten Karriereende im Biathlon mit 16 arbeiten. Inzwischen macht es mir Spaß, weil man halt viel mit Menschen zu tun hat – und ich glücklich bin, wenn die in ihrem Urlaub zufrieden sind.

ihn nicht immer nerven. Oder wenn jemand grundsätzlich Pause zwischen dem zweiten und dritten Gang will, solltest du dir das auch einprägen. Alex zu Elisa: Du musst wissen, wann Du mit Gästen reden darfst und wann nicht

Alex: Ich bin bestimmt nicht für diesen Beruf geboren. Bei mir war es reiner Zufall. Die Eltern meiner damaligen Freundin hatten ein Hotel – und weil es bei ihnen zufällig einen Engpass gab als ich vom Militär zurückkam, habe ich halt ein bisschen ausgeholfen. Obwohl ich Informatik auf der Gewerbe-Oberschule gelernt habe, kellnere ich jetzt seit über 25 Jahren. Und Du darfst mir glauben: ich bin zwar viel lockerer geworden, aber es ist immer noch Stress für mich – weil ich mich jede Minute konzentrieren muss, um es allen Gästen recht zu machen. Elisa: Du hast aber inzwischen viel Menschenkenntnis und weißt, wie man auf welche Gäste zugeht. Das macht es auch einfacher mit der Zeit. Alex: Ja, ein bisschen Psychologe muss man in unserem Beruf schon sein. Und ganz wichtig: du musst halt genau beobachten und dir Dinge merken. Wenn du merkst, dass ein Gast seinen Wein selbst nachschenken will, darfst du

Elisa: Das heißt also: ich muss mir alles merken, ich muss schnell sein, ich muss lächeln, ich muss wissen, wann ich mit wem reden kann und wann mit wem nicht, ich muss sehen, wann jemand ein leeres Glas vor sich oder zu Ende gegessen hat, ich muss 25 Kilometer am Tag durch den Speisesaal laufen und…. Wie lange hält man den Job eigentlich durch? Alex: Eine berechtigte Frage, die ich mir auch oft stelle. Hast Du schon mal einen alten Kellner in so einem Hotel gesehen? Ich nicht. Und du weißt auch, dass es Tage gibt, wo dir alles weh tut. Am Anfang war ich abends völlig kaputt, weil du Sehnen und Muskeln beanspruchst, von denen du vorher nicht mal gewusst hast, dass es die gibt. Elisa: Aber mit 47 bist Du ja noch kein alter Kellner. Alex: Aber je älter ich werde, umso schwieriger wird es, einen Arbeitsplatz in einem anderen Bereich zu finden. Das sind schon Überlegungen, die man sich machen muss. Kellner ist kein Beruf bis zur Rente. Elisa: Das überlege ich mir vielleicht nach meiner Prüfung. Alles andere, was Du gesagt hast, überlege ich mir vorher.


SERVICE

DIE LINDENHOF HOTELZEITU NG

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BETY UND JAN

UND ALLES NUR, WEIL ICH DICH LIEBE… Die 29-jährige Bankmanagerin aus Ostrava wusste schon mit 18, dass sie den Chef de Rang des Lindenhofs heiraten will. Sie wusste nur nicht, dass der Weg bis zur Hochzeit so hart wird.

Das Lindenhof-Restaurant Helmut Stieger leitet das Lindenhof-Restaurant mit zwei Chefs de Rang: Alex Panin und Jan Karel. Helmut und Alex sind auch gelernte Sommeliers. In den zwei Speisesälen und der „Stuben” bedienen außer den drei Kellnern noch acht Servicefachkräfte. In den Sommermonaten helfen auch Praktikanten aus. Im Lindenhof-Restaurant gibt es Frühstück von sieben Uhr bis elf Uhr, Mittagsbuffet von 13 bis 17 Uhr und Abendmenü von 19 bis 21 Uhr. Es ist eines der wenigen Urlauber-Restaurants, in denen der Hotelgast sein Menü abends von Gang zu Gang wählen kann. Am Abend hilft auch die Hoteliersfamilie Nischler im Service mit aus. Sogar der Chef Joachim Nischler trägt die schmutzigen Teller in den Spülraum.

Ausbildung zur Servicefachkraft In Meran gibt es die Landesberufsschule für das Gastgewerbe. Das „Savoy” bildet in zwei oder drei Jahren zur Servicefachkraft aus, wobei die Auszubildenden fest in einem Hotel angestellt sind und nur zu bestimmten Zeiten die Schule besuchen. In der Landeshotelfachschule „Kaiserhof” in Meran werden grundsätzliche Hotelkenntnisse vermittelt. Die Schülerinnen und Schüler absolvieren in den drei Jahren Praktika in allen Bereichen – an der Rezeption, in der Küche, im Restaurant- und im Etagenservice. Im Lindenhof zum Beispiel haben schon einige „Juniorchefs” von anderen Sternehotels ihr Praktika absolviert – zuletzt Julian Pirhofer, der Sohn der Hoteliersfamilie vom Dolce Vita-Hotel Jagdhof in Latsch, und jetzt im August Lukas Dorfer, Sohn der Hoteliersfamilie vom Quellenhof-Resort im Passeiertal. Julian lernte im Restaurant-Service, Lukas an der Rezeption.

Alzbeta Kovácová erinnert sich noch genau an ihre erste Zeit in Naturns. „Was willst Du denn mit diesem Lebenslauf bei uns?”, hat jeder Hotelier im Vinschgau die ehemalige Bankmanagerin aus Ostrava gefragt und sie wieder weggeschickt. Und als sie dann ein paar Wochen später endlich ihren ersten Job bekam, saß sie in den morgendlichen Arbeitsstunden mehr auf der Toilette als dass sie im Hotel bediente. „Ich hab nur geweint.” Sie sprach kein deutsch, verstand keinen Gast und hatte keine Ahnung von Service und Abläufen. Alzbeta, die alle nur Bety nennen, lacht. Heute. „Damals habe ich mich in jeder Minute gefragt: Was machst du eigentlich hier?” Die Antwort war simpel: Bety hatte ein Ziel – sie wollte Jan. Jan Karel, Tscheche, Weltreisender aus Ostrava und seit zehn Jahren sesshaft in Naturns. Im Lindenhof. Heute als Chef de Rang. Für ihn und ihre Liebe gab sie alles auf – und fing in einem 24-Quadratmeter-Zimmer neu an. Mit 15 hat sie Jan zum ersten Mal gesehen. In ihrer Heimatstadt. In Ostrava. In der Straßenbahn. „Mein Bruder und seine Freunde waren schon ganz aufgeregt. ,Heute kommt Jan, heute kommt Jan´, haben sie immer erzählt und sich auf den Besuch ihres Kumpels gefreut. Ja – und dann

kam Jan”, erzählt Bety von ihrer ersten Begegnung. Und ihre Augen strahlen. Mit 18 hat sie sich endgültig in den großen, gutaussehenden Landsmann verliebt. In einer Bar in Ostrava. Und er sich in sie. Lange aber sah es nach Romeo und Julia aus. Sie wollte nach ihrem Staatsexamen an der Uni nicht weg aus Ostrava, er wollte nicht weg aus Naturns. Und irgendwann war „Julia” Kovácová klar, dass sie ihren „Romeo” Karel nur fangen kann, wenn sie in sein Revier einzieht. Am 14. Juli 2011 zog sie nach Naturns – und in seine Junggesellenbude im Lindenhof-Teamhouse ein. „Die Umstellung war brutal. In dieser anderen Welt war ich gar nichts mehr”, sagt Bety. Drei Jahre, hat sie Jan gesagt, versuche sie es. Drei Jahre und nicht länger. Sechs Jahre später leben sie noch immer in Naturns. Auf 24 Quadratmetern im Teamhouse im Lindenhof. Sie wollen Geld sparen. Für den Palavahof, eine eigene Pension in Südmähren. Es ist das nächste Ziel von Bety, die sich auch in Naturns behauptet hat. Sie spricht deutsch, sie ist anerkannt, arbeitet als Chef de Rang im Hotel „Prokulus”. Sie weiß, was sie will. Und wie sie es schafft. Am 26. August hat sie Jan geheiratet. In Palava. Neben dem Palavahof.


KIDS&TEENS

DIE LINDENHOF HOTELZEITU NG

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DAS NEUE KINDERPARADIES WIRD „MEGACOOL”

DARF MEIN PAPA AUCH INS SCHWIMMBECKEN?

Die großen Deals werden beim Golfen gemacht: Lilith, Chiara und Rubi (von links)

Die Kids-Reporterinnen der SUITE, Lilith (13) und Rubi (9) Schürmann, sprechen mit der Lindenhof-Juniorchefin Chiara – über den Umbau des Hotels, über Familienurlaub und die neuen Möglichkeiten für Jugendliche. Chiara, 23, Tochter des Hotelchefs Joachim Nischler, war auf alles vorbereitet. Sie hatte die Pläne des neuen Kinderparadieses studiert, die Länge der Rutschbahn ins Planschbecken auswendig gelernt, sich extra noch mal nach den neuen Spielmöglichkeiten erkundigt – und dann das. „Was wird denn für die Erwachsenen im nächsten Jahr neu?“, fragt die SUITE-Kinderreporterin Lilith – und Chiara stockt. „Warum interessiert Dich das”, fragt sie verwundert, und das 13-jährige Mädchen erklärt ihr die Wichtigkeit der Frage. „Wenn mein Papa richtig beschäftigt ist, muss ich nicht immer hören: ,Lilith, sei leise‘; ,Lilith, was machst Du‘; ,Lilith, lass uns ins Dorf gehen‘.“

„Architektin“ Rubi (9) hat mal den neuen Bereich für Kinder und Jugendlich skizziert

Lilith hat es vor allem der getrennte Bereich für Jugendliche angetan. Eigener Raum, Computerspiele, Rückzugsmöglichkeit. „Endlich sagt mir keiner mehr, dass ich zu laut bin. Und endlich kann ich auch mal mit meiner Freundin Franzi abchillen, ohne dass meine kleine Schwester wie eine Klette an uns hängen kann“, sagt die junge Duisburgerin, die mit ihrer Familie seit einigen Jahren in den Lindenhof kommt. „Das Hotel war ja bisher schon cool, sonst wäre ich nicht immer wieder hierher gekommen. Aber jetzt wird es megacool.“ Lilith und Rubi staunen. Ein Kino wird es geben („Läuft da auch Vampirschwestern 3?“, fragt Rubi und die Augen glänzen) und jede Menge Wasserspaß. „Wir haben nachher fünf Schwimmbäder und drei Whirlpools – für Erwachsene, für Kinder, für Gäste, die sportlich Längen schwimmen wollen, für die Kleinen, die nur planschen können. Und eine Riesenrutsche in das Becken für Kinder und Jugendliche“, sagt die Juniorchefin des Lindenhofs und muss sogar an Bahn 17 auf dem Minigolfplatz den Plan ausbreiten. So fasziniert sind die zwei Mädchen. Nur Rubi zögert kurz: „Darf dann mein Papa gar nicht mehr zu mir ins Kinderbecken?“, fragt sie leicht entsetzt, doch Chiara gibt Entwarnung. Er darf. Er darf als Erwachsener nur nicht erwarten, dass es dort so ruhig ist wie in anderen Schwimmbecken. „Wer eine Tochter wie Rubi hat, erwartet viel, aber bestimmt keine Ruhe“, sagt ihre Schwester Lilith – und die Neunjährige ist zufrieden: Papa wird auch im neuen Lindenhof keine Ausreden finden. Er muss mit ihr im Schwimmbad spielen.

Es ist der Moment, in dem die Erleichterung groß ist. Ja, auch die Erwachsenen werden ihren Platz im neuen Lindenhof-Hotel finden. Und der ist, Joachim Nischler sei Dank, nicht immer da, wo sich die Kinder austoben können. „Das wird schön“, sagt die neunjährige Rubi – und meint die Rutschbahn, die sie gerade auf Chiaras Plan entdeckt. Test bestanden. Die ersten Kinder, die über das neue Kinderparadies informiert werden, sind begeistert. Oder, wie es Lilith immer ausdrückt. „Das wird cool.“ Tatsächlich bekommen im Anbau des Lindenhofs, der selbstverständlich mit dem Haupthaus verbunden ist, Kinder und Jugendliche ein eigenes Reich. „Viele Erwachsene wollen Ruhe – und ihr wollt spielen und herumtoben. In erster Linie werden wir deshalb unser Hotel vergrößern“ erzählt Chiara Nischler den Reporterinnen bei einer Partie Minigolf auf der Anlage in Naturns.

IMPRESSUM Herausgeber: Familie Nischler, Hotel Lindenhof Style&Spa Resort Naturns, www.lindenhof.it, Tel. 0039 0473 666242; Verantwortliche Gesamtleitung: Joachim Nischler; Redaktion: Katharina Nischler, Horst Walter, Lilith und Rubi Schürmann; Gestaltung: Beda Pfleger; Fotographie: Andreas Marini; Repro: Wagnerchic; Druck&Versand: G.A.S. Salzburg

Lindenhof Suite Herbst-Ausgabe 9  
Lindenhof Suite Herbst-Ausgabe 9  

In der neuen Ausgabe der Lindenhof Zeitschrift Suite erfahren Sie alle News rund um den Lindenhof, die Mitarbeiter, Gäste, Umbaupläne und v...